Nr. 47 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 25. Hebruar 1930 Eriche in« löglich.ouher Sonntags und FeieNags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspiennig für Träger, lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüfle unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richtens Änzetger Liehen. Postscheckkonto: finmlfurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläls-Vuch- und Lleindruckerei B. Lange in Stehen. Zchrlftleitung und Geschäftsstelle: ZchuHtrahe r. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. praktische Konjunkturforschung! Von Professor Dr. Hermann Levy, Berlin. Die Konjunkturforschung — ein neuer Zweig der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschaftsstatistik — ist amerikanischen Ursprungs. Aber es ist charakteristisch, daß die Bezeichnung in den Bereinigten Staaten von Amerika eine andere ist als bei uns. Man spricht dort von dem „busmess forecasting“, also der Geschäfts- voraussage, und deutet damit sogleich das praktische Ziel an, aus welches die Sammlung und Sichtung des wirtschaftlichen Materials gerichtet ist: Krisenvorausbestimmung, Warnung an die Geschäftsleute oder Aufmunterung derselben usw. Bei uns hat dieser wirtschastswi sen- schaftliche Zweig, dessen Hauptsörderer heute der Präsident des statistischen Reich'amts, Professor W a g e m a n n ist, einen etwas allgemeineren Ramen gefunden, der fast einen rein theoretischen Eindruck macht: Konjunkturforschung oder auch Marktbeobachtung. Es wäre leichtfertig, zu meinen, dah diese Forschung gewisser- mahen nur im luftleeren Raume arbeite, lediglich sich die Aufgabe stecke, dem tiefverzweigten Probleme der Wirtschaftskrisen, den sogenannten zyklischen Schwankungen des Konjunkturablauses. näherzukommen. D e Konjunkturforschung bat be- g nnen, sich sehr r raktishen und aktuellen Einze> aujgaben zu widmen, wobei sie von der ganz richtigen Becbachtungausgeht, dah die Verworrenheit der Marktlage und der Absa h v e r h ä l t n i s s e vieler Einzeige- biete der Wirtschaft hierfür den geeigneten Ausgangspunkt bietet. Gelingt es bann darüber hinaus, für die gesamte Wirtschaft mit der Zeit gewissermaßen „Richtlinien" des Konjunkturablauses zu finden, so wird das nicht minder freudig begrüßt werden. Man darf aber nicht meinen, daß die Erforschung der Marktverhältnisse mit dem Ziele, den periodischen Schwankungen näher zu kommen, etwa im besten Falle den Dienst des Thermometers leiste, welches wohl die Höhe der Temperatur angebe, diese aber selbst nicht beeinflussen könne. Die Erkenntnis der wirtschaftlichen Gesetze, welche die anscheinend verworrenen Verhältnisse der Märkte beherrschen, kann sehr wohl dazu führen, dah das Verhalten der Geschäftswelt von bestimmten Erkenntnissen so stark mitbeeinfluht wird, uef; die anarchischen und chaotischen Störungen, lu: die zunächst der Wirtschastthermometer nur das „Schaubild" abgibt, in der Tat eine wesentliche Begrenzung erfahren können. Jedes Mittel aber, welches dem krisenhaften Charakter des Wirtschaftslebens vcroeugt, muh heute ganz besonders auf das ernsthafteste geprüft und beherzigt werden. Die Amerikaner haben es mit der Marktbeobachtung und Marktanalyse besser als wir. Ihre Wirtschaft ist sowohl auf dem Gebiete der Fabrikation wie des Handels, bis hinunter zum Detail- Handel, konzentrierter organisiert als bei uns, daher einheitlicher und übersichtlicher. Wenn man zum Beispiel bedenkt, dah die beiden großen Automobiljabriken Amerikas, die Ford- Gesellschaft einerseits und die General Motors Corporation andererseits, an der Versorgung des Landes mit Kraftwagen mit jeüber40v. H. beteiligt sind, so begreift man, daß hier eine planmäßige Beobachtung der Marktvorgänge im Automobilgeschäft viel leichter ist als bei der stark zersplitterten Erzeugung Deutschlands mit seinen zahlreichen Automobilfabriken. Der Heberblid über die Statistik der Absatz-, Lager- und Auftragsentwicklung ist natürlich in so konzentrativ aufgebauten Wirtschastszweigen relativ leicht und man wundert sich nicht, wenn z. B. die General Motors Corporation in der Lage ist. sich von zehn zu zehn Tagen einen Heberblid über diese Entwidlung durch chre Händlerorganisation au schaffen Ebenso sind auch die landwirtschaftlichenBerhäl.nisse i.i dem itanbe extensiver Agrarturtuc viel leichter überblickbar als etwa bei unserer europäischen intensiven Wirtschaftsweise mit starker Betriebs» Zersplitterung. Und schließlich: bei der großen Einheitlichkeit der Erzeugung in Amerika, der Typisierung und Standardisierung der Produktion, lassen sich die Anregungen die sich aus den Ergebnisen der Konjunkturforschung und Marktbeobachtung ergeben, viel rascher und genereller verwirklichen als bei uns. Dennoch haben auch wir in Deutschland schon heute ein erhebliches Fortschreiten auch der praktischen Marktbeobachtung zu verzeichnen Erst unlängst konnte in einem interessanten Aufsatz der Zeitschrift „Weltwirt.chaft" Iber beutschen weltwirtschastlichen Gesellschaft in Berlin), Dr. Fritz Baabe einen Beweis hierfür erbringen. Die Konjunkturforschung hat z. D in den letzten Zähren bie Preisbildung und Marktgestaltung auf dem für bie Landwirtschaft so überaus wichtigen Gebiete der Schweinehaltung untersucht, und zwar mit so gutem Erfolg, dah wir heute im Stande sind, der Landwirtschaft zur Mschwächung des spekulativen Risikos, bas in biesem Probuktionszweige steckt, wertvolle Anregungen zu geben Es hat sich herausgestellt, daß bie Lanbwirte mit erstaunlicher Regelmäßigkeit alle eineinhalb bis zwei Jahre dieSchweine- produktion übermäßig ausbehnen unb sie dann in einem gleichen 3eüraum wieder übermäßig einschränken. Auch die Gründe für dieses, der Rentabilität der Schweinemast höchst unvorteilhaftes Verhalten sind jetzt aufgeklärt: sie bestehen darin, daß die Landwirte bei hohen Preisen viel zu rasch zu einer Mehr- « r z e u g u n g s ch r e i t e n, die dann nach einem gewissen Zeitraum zu einer Heberlafiung des Marktes führen muh. So entsteht hier ein Einigung über -en Handelsvertrag mit Oesterreich. Oer materielle Erfolg der Berliner Reise des österreichischen Bundeskanzlers. — Schober von seinem Berliner Aufenthalt hochbefriedigt. GünstigerVerlausderlvirtschastS- polittschen Besprechungen. Berlin, 24.Jebr. (WTV.) Die politischen Be- sprechungen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober und der deutschen Reichsregle- tung wurden heule vormittag in der Reichskanzlei 3 u Ende geführt. An den Besprechungen, die unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Müller slattfanden, nahm der gleiche kreis von Teilnehmern wie am vergangenen Samstag teil. Der heutigen Sitzung waren am Sonntag Einzelbespre- chungen wirtschaftspolitischer Art vorangegangen. Auf dieser Grundlage körnte in der heutigen Aussprache über den geplanten Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Deutschland eine Einigung über die wichti gsten bisher noch offenen Fragen erzielt werden. Ls kann danach mit Bestimmtheit erwartete werden, dah der deutsch-österreich'sche Handelsvertrag binnen kurzem zum Abschluß gelangen wird. Die noch zu bereinigenden Linzelsragen werden sofort nach Beendigung der Genfer Zollfriedenskonferenz durch die beiden Delegationen erledigt werden. Rückreise nach Wien. Berlin, 24. Febr. (WTB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober verlieh heute abend 18.48 Hfjr mit den Herren seiner Begleitung Berlin, um sich nach Wien zurüdzu- begeben. Reben dem hiesigen österreichischen Gesandten Dr. Frank und den Mitgliedern der österreichischen Gesandtschaft hatte sich Reichs- auhenminister Dr. C u r t i u s zum Abschied auf dem Bahnsteig eingefunden. Der Reichskanzler, der zu seinem Bedauern durch Verhandlungen im Reichstag verhindert war, persönlich zu erscheinen, ließ sich durch Staatssekretär Dr. P ü n b e r vertreten. Ferner waren Staatssekretär von Schubert unb weitere Herren des Auswärtigen Amts, Polizeipräsident Zörgiebel, und zahlreiche Mitglieder der hiesigen österreichischen Kolonie erschienen, die bei der Abfahrt des Zuges auf den Bundeskanzler begeisterte Hochrufe ausbrachten. Der Reichspräsident hat dem Bundeskanzler Dr. Schober zur Erinnerung an seinen Berliner Aufenthalt sein Bild in silbernem Rahmen überreicht. Schober ist befriedigt. Großer Eindruck von der Persönlichkeit Hindenburgs. Berlin, 24. Febr. (WTB.) Bundeskanzler Schober gab nach Abschluß seines Berliner Aufenthaltes dem Berliner Vertreter bet Wiener Amtlichen Nachrichtenstelle einige Erklärungen über bie Ergebnisse unb Eindrücke seines Berliner Besuches ab, in denen es u. a. heißt: Ich möchte es nicht unterlassen, darauf hinzu- taeiien, daß auf mich bie ehrwürbige Persönlichkeit des deutschen Reichspräsidenten den stärksten Eindruck ausgeübt hat, und daß ich mit Bewunderung erfüllt war, zu sehen, mit welchem lebendigen Interesse der höchste Repräsentant des Deutschen Reiches alle Fragen verfolgt, die das Schicksal des Reiches, aber darüber hinaus auch die Zukunft aller Angehörigen der deutschen Ration sowie die internationale Befriedung betreffen. Der freundschaftliche Verkehr zwischen den Politikern auf beiden Seiten war von einer Herzlichkeit, die durchaus nichts Äonbcntionelle8 an sich hatte unb bie der sichtbare Ausbruck bes Gefühls würbe, baß es Brüder sind, die hier zusammenkamen, die sich zu einer nationalen Familie zählen. Es klingt vielleicht selbstverständlich, wenn ich weiter erkläre, daß bie umfangreiche Aussprache, die wir mit den verantwortlichen Leitern der deutschen Politik in diesen Tagen halten konnten, bewiesen hat, wie einig wir uns in allen Grundfragen sind, die das Schicksal des deutschen Volkes angehen. Es ist bekannt, daß wir aber bei dem Berliner Besuch auch konkrete wirtschaftliche Ziele verfolgt haben. Die vielfach gleichartige Struktur der Wirtschaft in Oesterreich und Deutschland hat gerade in der letzten Zeit durchaus verständliche Interessengegensätze aufgezeigt, deren Heber» Windung allerdings nur von höheren Gesichtspunkten aus möglich ist. Ich freue mich ganz besonders, feststellen zu können, daß die Verhandlungen, welche auf diesem Gebiete in Berlin geführt wurden, der Abschluß des Handelsvertrages unzweifelhaft in kürzester Frist fertiggestellt sein wird. So kehre ich hochbefriedigt nach Oesterreich zurück, um in erster Linie den wirtschaftlichen Problemen meine ganze Arbeitskraft zu widmen. Haag-Rom-Berlin. Ocsterreichischc Blätter über Schobers dritten Erfolg. Wien, 25. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter heben mit größter Befriedigung die Einigung über den deutsch-österreichischen Handels- Viel Zeit hat der Deutsche Reichstag nicht, um jetzt außenpolitische und innenpolitische Entscheidungen von größter Tragweite zu treffen. Aber es scheint zum Wesen unseres parlamentarischen Getriebes zu gehören, daß immer bis zum letzten Augenblick alles unklar bleibt und daß dann erst der Mut zum Umfallen gewonnen wird. Gerade die schwerstwiegenden Entschlüsse sind immer fünf Minuten vor 12 gefaßt worden. Warum sollte es diesmal anders fein? Jede der Parteien hofft vorläufig noch, dah der allgemeine Steuerlanierungsplan nicht gerade an dem Punkt scheitern werde, an dem der eigene Widerspruch einfetzt. Man möchte sich also einstweilen nicht allzusehr festlegen, weil es unbequem ist, in der Öffentlichkeit für das etwaige Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht zu werden. Rachdem der Kaffee- und Teezoll durch Beschluß der Reichsregierung heraufgeseht worden ist, bleibt schließlich dem Reichstage außer der Bier st euerer- Höhung jetzt kaum etwas zu tun übrig. Sie bildet also das Kernstück des Moldenhauerschen Programmes. Fast noch strittiger aber ist die Frage der Arbeitslosenversicherung. Hier gibt es zwischen den Parteien der Regierungskoalition überhaupt keine Derständigungsmöglichkeit. Die sozialdemokratische Presse hat ihrerseits schon jetzt den schärfsten Widerspruch gegen den Moldenhauerschen Plan angekündigt, der der Reichs- anftalt die Beseitigung des restlichen Defizits von hundert Millionen Mark aufbürden will, obwohl es sicherlich einmal zu einer derartigen Losung kommen wird, weil auf diesem Wege allein eine verantwortungsbewußte Wirtschaft in der Arbeitslosenversicherung hergestellt werden kann. Die taktischen AbsichtenderRegierung sind nicht ganz leicht zu erkennen. Hat der Reichsfinanzminister die Verhandlungen sich hin- schleppen lassen, um nachher im Drange ter Zeit seine Ministerkollegen und die Parteien vor ein Ultimatum §u stellen? Glaubt er auf diesem Wege Widerstande aus der Welt schaffen zu können, die auf dem Verhandlungswege nicht zurückgedrängt werden konnten? Voraussichtlich wird schon die Kabinettssihung am Dienstag ihn darüber belehren, dah er einer festgeschlossenen Front gegenübersteht, die mindestens aus den vier sozialdemokratischen Ministern und dem Reichsverkehrsminister Stegerwald besteht. Diese Front dürfte sich sicherlich nicht überstimmen lassen. Moldenhauer wird also mit ihr kämpfen vertrag als guten Abschluß des Besuches deS Bundeskanzlers Schober in Berlin hervor. In der „Reichspost" heißt es unter der Heberschrift „Haag — Rom — D'e rlin": Cs ist eine besonders willkommene Kunde, die der Bundeskanzler bei seinem Abschied von Berlin in seine österreichische Heimat vorausschickt. Er bringt nun den dritten Erfolg heim. — Das „Wiener Reue Tagblatt" schreibt: Der Handelsvertrag mit dem stammverwandten großen deutschen Rachbarn bedeutet für Oesterreich, aber auch für Mitteleuropa, mehr als wirtschaflliche Abmachungen gleicher Art unter anderen Staaten. Das Deutsche Reich stellt heute in der Mitte des Erdteils den größten Wirtschastskor- p e r dar, der den geographischen, natürlichen Schwerpunkt für die unumcänglich notwendige zukünftige Wirtscha tsorganisation der europäischen Mitte darbietet. Für die heimische Wirtschaftsarbeit ist ein gutes Fundament gelegt, der sich der Bundeskanzler jetzt mit voller Kraft widmen wird. Auf dieser Grundlage kann r ü st i g weitergeschafft werden. müssen, da sie nach wie vor auf dem Standpunkt steht, dah ein Teil der finanziellen Schwierigkeiten durch ein Rotopser der Besitzenden und Festbesoldeten beseitigt werden müsse. Die Regierung hat auch bei dieser Gelegenheit wieder einmal viel von der Führerschaft oetm ssen lassen, die Volk und Parlament gerade in solchen Lagen voraussetzen müssen. Vielleicht liegt es viel weniger an mangelnder Erkenntnis als daran, daß diese Regierung selbst nur ein Spiegelbild der hinter ihr stehenden Fraktionen ist und daß die einzelnen Minister es kaum wagen werden, sich allzu weit von ihren Fraktionsmehrheiten zu entfernen. Von einer solchen Regierung kann man keine Initiative in Steuerfragen erwarten, um so mehr, als bisher noch nie steuerpolitische Gesetze zusammen von der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratie verabschiedet werden konnten. Wer ein Interesse an einer wirklichen Gesundung der Reichsfinanzen hat, der wird sich darüber klar sein müssen, das große Steuerproblem, das in absehbarer Zeit zu lösen, gilt, nicht nach den Grundsätzen des geringsten parlamentarischen Widerstandes behau- dell werden kann, sondern daß es eine sachlich- konstruktive Lösung erheischt, da es schließlich darauf ankommt, der deutschen Wirtschaft die nötigen Erleichterungen zu gewähren. Das Flickwerk, das Regierung und Reichstag jetzt in Aussicht genommen haben, aber bedeutet das genaue Gegenteil einer diskutierbaren Lösung. Es wird zweifellos nicht besser dadurch, daß sich jetzt der Reichstag unter dem Druck der ersehnten Fastnachtspause darum zu bemühen hat. Man würde übrigens im deutschen Volke durchaus Verständnis dafür haben, wenn der Reichstag angesichts dringender zu erledigender Arbeiten auf diese Fastnachtspause verzichten würde. Die Aschermittwochsstimmung wird sich zweifellos auch ein- stellen, wenn die M. d. R. in diesem Jahre die Fastnachtsfeiern in der Heimat einmal ausfallen ließen. Der Kampf um das Mopser. Berlin, 25. Febr. (CRB.) Die fozialdrrno» kratifche Forderung, zur Sanierung der Reichs- finanzen ein „Rotopfer" von den Gehaltsempfängern zu erheben, die nicht unter die Arveit slose nu nter- st ü tz u n g fallen, ist in der gestrigen Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion erneut angemekdet worden. In den übrigen in der Regierung vertretenen Parteien ist dieser sozialdemokratische Plan bei seinem Auftauchen auf den größten WiKein Aorlschrilt in den Llatsbesprechungen regelmäßiger Zyklus von Heber- und Hntererzeu- gung, der geschäftlich äußerst verhängnisvoll wirken muß. Während aber die Lanowirte über eines der wichtigsten Momente ihrer Erzeugung keine Macht haben — nämlich die Witterungsverhältnisse — ist hier eine Tatsache gegeben, die sehr wohl eine Einwirkung auf Grund richtiger wirtschclltswissenscha.tiicher Erkenntnis möglich macht. Sie bezieht sich aber nicht allein aus die Schweinezucht als solche, sondern auch auf eine Fülle anderer Zweige der agrarischen Erzeugung, so daß ein Vor- und Eindringen der Erkenntnisse, welche die Marktbeobachtung liefert, in der Tat dahin wirken kann, die gefährlichen konjunkturalcn Schwankungen in der Landwirtschaft abzuschwächen. Eine zentrale Preis- und Produktionsberatung muh hier das Ziel werden. Ein anderer Fall für die praktische Bedeutung der Konjunkturforschung und Marktbeobachtung liegt auf dem Gebiete der deutschen A u t o mobil i n d u st r i e. Hier hat es sich das Institut für Konjunkturforschung zur Ausgabe gemacht, zu untersuchen, worin sich die Struktur des deutschen Marktes von derjenigen des amerikanischen Automobilgeschäfts unterscheidet. Sie ist dabei ebenfalls zu dem Resultat gekommen, daß die Hn° Übersichtlichkeit des Marktes, des Absatzes und des kommenden Bedarfs, sowie des auf diesem Gebiete so wesentlichen Tausches (neuer gegen alte Wagen) ein sehr erhebliches Schädigungsmoment für die deutsche Automobilindustrie bildet. In einer hierüber von Dr. R. Rimptsch verfaßten Arbeit „Marktbeobachtung und Wirtschastsführung in der Kraftfahrzeugindustrie" werden positive Vorschläge zur Behebung dieser Mängel gemacht, Vorschläge, welche erfreulicherweise in der Automobilindustrie einen recht lebhaften Widerhall gefunden haben. Dor allem soll die Z u l a s s u n g s st a t i st i k dazu verwandt werden, weitgehendere Aufschlüsse übet die Art und die Entwicklung des deutschen Automob. lab'atzes zu geben. Kennen wir genauer als bisher, wie sich die Erzeugung und der Bedarf an Automobilen nach den verschiedenen Typen — z. D. kleine Wagen oder Acht-Zhlinder-Thp usw. — von Jahr zu Jahr, vielleicht von Monat zu Monat gestaltet, so werden wir ganz anders disponieren können als bei Huflar» heit über diese Tatsachen und der Schaffung von Produktionsprogrammen, die sich nicht an die statistische Wirklichkeit, sondern nur an geschäftliche Schätzungen und Meinungen halten. Ebenso wird eine statistische Aufgliederung nach alten und neuen Wagen zur Berechnung des „Ab st erbe" - Verhältnisses neuer Wagen gefordert und eine Statistik, welche über die Art der Käuferschichten Aufschlüsse gibt. Damit beschreitet die Konjunkturforschung allenthalben den Weg der praktischen Arbeit. Sie will längst nicht mehr wie früher eine der vielen „Krisentheorien" um eine oder einige weitere bereichern. Sie geht an den Markt der Einzelgebiete heran unb versucht, durch Klarlegung der zunächst verworrenen Zustände von Angebot und Rachfrage dieses Verhältnis zu rationalisieren. Eine solche Arbeit ist gerade be"‘e, wo sich jede Vergeudung und Planlosigkeit in Produktion und Handel empfindlich rächt, wichtiger als je. verstand gestoßen. Besonders in der Deutschen D.lkspartei hat da 3 Projekt schärfste Kritik erfahren. Ein solches Rotopfer würde, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hervorhebt, nichts anderes darstellen als eine Son« derbe st euerung der Beamten und Qlngefl eilten, die sich eine Belastung von etwa 10 d. S> der Einkommensteuer, also eine Abgabe etwa in Hohe der Kirchensteuer gefallen lassen mühten. Das Blatt erklärt, dah das Rot- Opfer, um die angeforderte Summe von etwa 180 Millionen zu erreichen, so straff durchgeführt werden mühte, dah es zu einer schweren Belastung werden würde, während man doch gerade für die mittleren Einkommen st euertlasscnen? Steuersenkung als notwendig anerkannt hatte. Der Gedanke des Rot" pfers werde dadurch nicht besser, dah von verschiedenen Seiten versucht werde, ihn nicht aus die Arbeitslosenversicherung, sondern auf das eigentliche Etatsdefizit anzuwenden. Der ideale Grundgedanke, dah die „Festangestellten' ihren arbeitslosen Volksgenossen zur Seite stehen sollen, würde dadurch vollkommen beiseite gelassen werden. Eine Pflicht der Allgemeinheit, die Sorge für den Ausgleich des Etats zu tragen, würde in eine Sonderbelastung bestimmter Schichten umgewandelt werden. — Da die von dem Reichsfinanzminister Dr. M o l d e n h a u e r zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung in erster Linie verfolgte Möglichkeit der Kreditaufnahme aus den Rach- barversicherungen al em Anscheine nach verwirklicht werden kann, wäre es möglich, den Zankapfel des Rotopfers aus dem Sanierungsproblem aus' zufcheiden, was ohne Zweifel ein großer Gewinn für die Stabilität der Regierungskoalition sein würde. Oie Forderungen der Sozialdemokratie. Die Arbeit^loscnvrrsichcrunft Berlin, 24. Febr. ($11.) Die soz'aldemokra« tische Reichstags!raktion befchloh am Montag, dem Republikschuhge^eh zuzustimmen. Rach einem Bericht über den Stand der interfraktionellen Verhandlungen über den Haushalt für 1930 und die Beschlüsse des Kabinetts zur Bestreitung der Ausgaben im kommenden Haushaltsjahr fand eine Aussprache statt, an der sich auch der Reichskanzler beteiligte. Desch.üsse wurden nicht gefaßt Die Aussprache ergab jedoch, dah die Kürzung der sozialen Ausgaben, die das Reichskabinett gegen d.e sozialdemokratischen Minister beschlossen hatte, auf einen ebenso erheblichen Wider st and der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion flohen werde, wie die Erhöhung der Wehrausgaben. 3m Vordergrund der Aussprache stand ferner die bekannte Forderung eines „R o t o p f e r s" durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer. Die Fraktion billigte hierbei die Auffassung ihrer Unterhändler, die alle Absichten auf direkten oder indirekten Abbau der Lei stungen derArbeitslosenversiche- rung ablehnt und die Aufrechterhaltung der Darlehenspflicht des Reiches für die Arbeitslosenversicherung verlangt haben, falls die Sanierung nicht durch Erhöhung der Beiträge erfolge. Eine Kreugeranleihe für Danzig Gegen Gewährung des Zündholzmonopols. Stockholm, 24. Febr. Die Svenska Tänd« stiks Aktiebolagst, Stockholm, teilt mit, daß zwischen der Gesellschaft und der Freien Stadt Danzig heute ein Abkommen abgeschlossen wurde, durch das die Gesellschaft das Alleinrecht auf Herstellung und Verkauf von Zündhölzern für eine Zeit von 35 Jahren erhält. Nach dem Abkommen zahlt die Gesellschaft an die Freie Stadt Danzig eine einmalige Summe von einer Million Danziger Gulden und gewisse jährliche Abgaben. Die ftreie Stadt Danzig erhält außerdem eine Anleihe von einer Million Dollar zu einem Zinssatz von 6 v. $). und einem Uebernahrnekurs von 93 v. S). Herbst in Apulien. Don Albert H. tausch. x. Lecce. Bon Monopoli nach Lecce ohne Aufenthalt in Drindist Bei der Durchfahrt wehmütiges Erinnern an einen unvergeßlichen FrÄhlings- morgen. Vorspiel des Aufbruchs nach Athen. Entzücken — damals — vor den Toren von S. Giovanni Rotondo. Richt minderes Entzücken in dem verwilderten Kreuzgang von S. Denedetto und vor der römischen Säule im Hafen, von der man sagt, daß sie das Ende der Dia Appia bezeichnet habe. Auch ein Leuchtfeuer soll sie getragen haben. Wir müssen Lecce vor der Dunkelheit erreichen. Der Himmel überzieht sich langsam von Süden her, das Licht wird distelblau und läßt alles Grün in doppelter Dichte erscheinen. Grün der Oliven, der Pfeffer- und Iohannis- brotbäume. Rur über dem Meere sind noch hellgelbe, klare Aetherstreifen, und im Westen, gegen die Ducht von Tarent zu, kämpft kupfernes Gold mit drohenden Wolkenwänden. Die Luft wird schwül, Samt, der sich greifen läßt Wir verlassen das Meer. Lecce ist Dinnenstadt, zehn Meilen von der Küste entfernt. Bei unserer Ankunft zündet man eben die ersten Laternen an. Wer weiß etwas von Lecce? Es gibt Italiener, die kaum seinen Ramen kennen. Und doch ist es die vornehmste Stadt Apuliens. Man sagt, es sei messapischer Herkunft. Die Hellenen nannten es Sybaris, die Römer Lupiae, die Rormannen Lhcea, die Staufer Litium. Aus messapischer, griechischer, römischer und normännischer Zeit find Andenken vorhanden: aber sein eigentliches Gesicht hat ihm das Barock gegeben. Unvorstellbar: eine barocke Stadt im südlichsten Apulien I Und dennoch ist es so. Barock als maßvolle Fülle — und daneben, besonders in den Kirchen, Barock als Uferloses, vor dem uns ein Entsetzen anfaht Die Uebertreibung des schon Hebertriebenen. Der Sandstein, der sich hier findet und im ganzen Lande verarbeitet wird, die „Pietra di Lecce“, hat der ungezügelten Phantasie erlaubt, ihre unwahrscheinlichsten Launen zu verwirklichen: er ist so weich, daß sich die Ornamente fast in ihn einschnitzen lassen, er fordert durch feine unnatürliche Gefügigkeit den Weisel geradezu heraus. Verlängerung des Mieterschutzes. Wohnungsdebatte im Reichstag. Berlin, 25. Febr. (DDZ.) Auf der Tages- ordnung steht die erste Beratung der Gesetzentwürfe, durch die die Geltungsdauer des Mieterschutz- und des Reichs- mietengesehes bis zum 3 0. Juni 1932 verlängert werden felL In Verbindung damit stehen zur Beratung der von der Deutschen Dolkspartei eingebrachte Gesetzentwurf zur Reuregelung des Mietwesen 3, Anträge der Kommunisten und der Wirifchastspartei auf Aushebung der Hauszinssteuer und ein Antrag der Wirt- fchaftspartei auf Aufstellung eines Reichsbauprogramms. Reichsarbeitsminister Wissel! begründet die Regierungsvor.agen. .Die Mictcr- schuhgesetzgebung muh b,st-h:n bl.iben, bis das Angebot vor allem an mittleren und kleineren Wohnungen der Rach'rage entspricht Bon diesem Zustand sind wir leider noch sehr weit entfernt. Die Zahlen der Wohnungösta^istik beweisen das deutlich. Wenn hingewicsen wird auf die Einzelpersonen, die über eine eigene Wohnung verfügen, so spricht das keineswegs gegen das Bestehen der Wohnungsnot. Diese Einzelpersonen sind in der Mehrzahl ältere Menschen, die Zimmer vermieten. Als Ursache der Wohnungsnot kann man diesen Zustand keineswegs ar.f ßen. Bei einer Auch bung d.r Wohnungs- zwa gswir scha.t wü.den Kündigungen in großer Zahl erfolgen. Der pl tzl'ch verstär.tm Rachfrage auf dem Wohnungsmarkt toürbe ein ausreichendes Angebot nicht geg.'nübrrsteh n. Die dadurch bewirk en Mictstcig^rungen würden zu w s nt» lichen Lohnsteigerungen und zu starken wirtschaftlichen Störungen führen. Aus wirtschaitlichen and sozialen Gründen läßt sich die Verlängerung der Mieterschutzgesetzgebung, vor allem des Reichsrnietengcsetzes, nicht vermeiden. Die Anträge der Wirischaftspartei und der Deutschen Volkspartei, die eine HebergangSrege- l ung Vorschlägen, sind für die Regierung nicht tragbar. Abg. Lipinski (Soz.) spricht sich für An- nähme der Regierungsvorlagen ohne Ausschuh- beratung aus. Sollten die Vorlagen dem Ausschuß überwiesen werden, dann würden die Sozialdemokraten sich Aenderungsanträge Vorbehalten. Die Sozialdemokratie verlange namentliche Abstimmung, um festzustellen, wer die 3n- tereffen der Mieterschaft vertritt. Bei der Volkszählung im nächsten Jahre müßten auch die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt geklärt werden. Abg. Dr. Steiniger (Dn.) bestreitet, dah heute noch ein Bedürfnis für eine Verlängerung ter Wohnungszwangswictschaft bis 1932 bestehe. Der Begriff des Wohnungselends und der Wohnungsnot wird vielfach falsch angewandt auf die Erscheinung ■ der allgemeinen sozialen Rot. Es ist gar nicht so, daß die Wohnungssuchenden die ärgste Rot leiden. Wir beantragen die lleber- weisung der vorliegenden Anträge und Geseh- enttoütfe an den Ausschuß. Die Geltungsdauer der bestehenden Gesetze sollte jetzt nur um ein halbes Jahr verlängert werden. Abg. Winnefeld (D. V.) verneint die Rot- toentigteit einer Fortsetzung der Wohnungszwangswirtschaft in dem bisherigen Umfange. Die von der Deutschen Volkspartei beantragte Hebergangsvorlage würde den Mietern den notwendigen Schuh gewähren und doch für die Hausbesitzer erträglich sein. Wenn der Berliner Mieterbund behauptet, unsere Vorlage würde zu einer Steigerung der Mieten um 50 Prozent führen, so verwechselt er unseren Antrag offenbar mit dem der Wirtschastspartei. Eine Heber- spannung der Mieten wollen wir nicht. Daran hat auch der solide Hausbesih kein Interesse. Wohnungen über 80 Quadratmeter und gewerbliche Räume sollen nach unserem Antrag von der Zwangswirtschaft freibleiben. Abg. Dr. Iörissen (Wirtsch.) weist auf frühere Erklärungen aus dem Lager der Regierungsparteien hin, in denen der baldige Abbau der Wohnungszwangswirtschaft und der Hauszinssteuer verlangt wurde. Die Regierung habe aus dieser Erkenntnis leider nochimmer nicht die Konsequenz gezogen. Die bisherigen Lockerungen der Wohnungszwangswirtschaft hätten sich durchaus bewährt. Wenn der Arbeits- Minister jetzt die Wöchnerinnenfürsorge einschränken wolle, so steigere er damit die Wohnungsnot. Weiterberatung: Donnerstag. Oie Krisis -er Flottenkonferenz. Mit der Londoner Flottenkonferenz steht es offenbar böse. Die französische Presse tut so, als ob auch das neue französische Kabinett in London nicht die geringsten Zugeständnisse mache und das von Tardieu aufgeftel.te Flottenbau- programm aufrechterhalten wolle. In einem Londoner Sonntagsblatt wird die Lage folgender- rnahen gekennzeichnet: „Die Konferenz ist toL Es hat keinen Wert mehr, es zu verheimlichen. Man kann sie nur noch zu Grabe tragen und ihr ein Denkmal richten." Als Ursache des Scheiterns wird die mangelhafte Vorbereitung angegeben, es wird sogar mit der Möglichkeit gerechnet, daß der italienische Außenminister Grandi erst' gar nicht wieder nach London zurückkehrt. Auch der amerikanische Admiral Jones steht Im Begriff, London zu verlassen, um nicht wiederzukehren. Die Franzosen, so fährt das Blatt bissig fort, stünden vor einer Reihe zeitraubender Regierungskrisen, wobei man übrigens das Gefühl nicht ganz los wird, als ob diese französischen Regierungskrisen auch einen außenpolitischen Hintergrund haben, nämlich dem Ziele bienen, die Konferenz verschleppen • und versanden zu lassen. Den Japanern ist das Verhandeln in London schon lange etwas langweilig geworden, und so kommt das englische Blatt zu dem Schluß, daß der Vorhang fallen könne. Die aus Italien kommenden Stimmen sind nicht viel freundlicher. Die maßgebende saszistische Presse stellt fest, daß Italien jetzt in London ebenso wie seinerzeit in Versailles von Frankreich nur d i e bitterste und eifersüchtigste Feindschaft erfahre. Die Italiener beschweren sich heftig darüber, daß die „großmütige Solidarität während des Krieges" und die Garantierung der Rheingrenze durch Italien im Locarnovertrag keine weiteren Folgen gehabt und keine Früchte getragen habe. Man kann den Aerger der Italiener schon verstehen, vor allem im Hinblick darauf, daß Frankreichs macht- politisches Ziel auf die Stärkung seiner Flotten- vorherrfchaft im Mittelmeer gerichtet fet Möglich, daß diese pessimistischen Aeußerungen einstweilen nur dazu dienen sollen, der Konferenz einen neuen Auftrieb zu geben. Die englische Opposition hat ja auch ein Interesse daran, die Forderungen ihres Landes möglichst hochzulr:ibon. damit Mac Donald durch das Scheitern der Verhandlungen in eine schwierige innenpolitische Lage gerate. Eine andere Frage ist allerdings, wie die Amerikaner reagieren werden, wenn die Londoner Verhandlungen ergebnislos bleiben. Hoover hat schon vor Tagen seinem Befremden darüber Ausdruck gegeben, daß es in London nicht vorwärts gehr. Die amerikanische Politik wird aus dem Scheitern der Londoner Seeabrüstungskonferenz zweifellos weittragende Folgerungen ziehen. 3n welches Richts zerfallen angesichts dieser weltpo'iti- schen Gegensätze die törichten französischen Versuche, das deutsche Panzerschiff und seine etwaigen Rachfolger als den Grund eines neuen weitgehenden französischen Flottenprogramms zu bezeichnen, das übrigens zum größten Teile mit den Mitteln der deutschen Tributzahlungen finanziert wird. das schöne Maß zu vergessen, sich in Arabeskenschwelgerei auszutoben. Was zwingt uns, bei dem uns Peinlichen zu verweilen? Roch ist unsere Seele ganz gefüllt vom Rachgesang der apulisch- romanischen Form — und wir sind nicht gesonnen, Wirrwarr von feindlichem Getön in diesen Einklang einbrechen zu lassen. Es gibt hier eine Stufe barocken Ausdrucks, die wir lieben und bewundern können: sie mag uns genügen: und über sie hinaus winkt ja, am Rande der Stadt, ein Kleinod, das die uns heilige Musik der mittelalterlichen Höhe in überirdischem Aufklang neu ertönen lassen wird. So lassen wir Santa Eroce, Santa Teresa, Santa Irene, Santa Chiara, San Matteo, heute und morgen — und gehen an diesem Abend unserer Ankunft noch nach dem Platz der Kathedrale, der von bläulichen Kugellampen hoher Kandelaber erleuchtet wird. Fürstlich und feierlich ist dieser unvergleichliche Platz, den der Dom und das bischöfliche Seminar umranden: er ist das Sinnbild reicher Vornehmheit, die diese ganze Stadt kennzeichnet. Reich und vornehm sind die vielen verschwiegenen Paläste mit ihren hellgetünchten Wänden, schönen Gittern, königlichen Portalen, thronenden Loggien, lebendig und dennoch zurückhaltend das Leben, das unter diesen Palästen vorbeiflutet. Lecce, die Stadt des apulischen Landadels, lebt. Sie lebt bewußt und mit sich selbst zufrieden, sie drängt nicht aus sich selber fort in ein ihr fremdes Daseinsgeseh. Sie ist ganz, was sie ist: und eben deshalb liebt man sie, wenn man die ersten Schritte in ihren wunderschönen Straßen tut. Sie hat die Gabe, das Herz des Fremden fröhlich zu machen. Kaum hat er sie betreten — und schon lebt er ihr Leben mit. Beglückt, beschwingt verlassen wir den Domplah und wenden uns, den Sammelpunkt des städtischen Lebens überquerend — er heißt Piazza Oronzo und trägt, neben dem römischen Amphitheater, die Schwestersäule der Säule von Brindisi — einer Keinen Trattoria zu, die ich vor Jahren hier kennen und lieben lernte. Sie liegt versteckt und wird nur gefunden von einem, der zu suchen weiß. Wie uns der Wirt begrüßt I Wie er meine Hände hält und nicht losläht. Wie schon sein Auge im ersten Blinzeln verrät, daß ich ihn hqben werde, nach dem mein ganzes Wesen verlangt: ihn, den alten, göttlichen, den olympischen Wein, den braungoldnen, der keinen Ramen hat und bei Squinzano wächst! Und zum Essen: junge Broccoli, Scalvppe al mabera. dünn wie ein Messerrücken, und „creppa“ leccese, wie er sagt, in Maraschino gewaschen. O, bezaubernder Heimweg, nach diesem Abendmahl, dem ein unnachahmlicher espresso an der Piazza folgte. Lecce, du Liebliche! Ein leichter Regen fällt, ganz leicht, aber ich sehe dernüxh Sterne im schwebenden Gefieder des Pfefferbaumes übet matt erleuchteter Straßenkreuzung. Am nächsten Vormittag stehen wir draußen, auf dem Friedhof, vor Tankreds ewig schönet Kirche SS. Nicola e Cataldo, die er 1180 erbauen lieh, er, der letzte notmännische König, der letzte Hauteville, der eine Krone trüg. Hm seine Erscheinung webt der Glanz glaubhaften Rittertums: er wat tapfer, gütig, ein vollendeter Edelmann, teilhaftig eines reinen und freudigen Lebensgefühles. Der Geist, der ihn belebte, strahlt aus dem Raum, den er in Wand und Dogen spannen lieh: es kann kein Zweifel fein, daß er diese Kirche so jubelndfeierlich, so Irdischnah und doch von adliger Würde haben wollte, wie sie noch heute unsere Seele anspricht. Dah sich auch an ihrer Fassade barocker Freskenunfug vergriff, ist schlimm genug: doch rasch vergessen über der beglückenden Erkeyntnis, daß das traumhafte Hauptportal — das schönste, das Ich in Apulien kenne: blühender Eingang in das Paradies — ganz unversehrt geblieben ist. Auch hier wieder, wie an dem Rebentor von S. Giovanni Rotondo in Brindisi, arabisch-byzantische Süße, östlicher Traum, dem die normannische Seele so sehr ergeben und doch nie erlegen war. Tritt man ins Innere, fühlt man sich schon beim ersten Schritte wie hinaufgehoben in duftende Helle, die um hufeisenähnliche Spitzbogen frühester französischer Gotik wallt: aus schmaler Kuppel über schmaler Vierung bricht das Gold des Donnittags und durchlichtet das steile Mittelschiff mit seinen vielen hohen Säulen. Geist und Sinne sind hier in einem Hohen Lied verbunden: alle Schauer von ®lana und Gröhe, Traum und Wunder, welche die Welt des Mittelmeeres um die Wende des zwölften Jahrhunderts in ihrer vielfältigen Seele barg, wehen im Aufschwung dieses engen Raumes, wehen uns lange noch nach, als wir schweigend, an spätblühenden Oleanderbüschen vorbei, dem Ausgang zuschreiten. Geruch von ferne niedergehenden Regen kommt über das flache Land, weihe Wolken fliegen an ausgewaschenen Himmeln. Der Sommer neigt sich. Es wird Herbst auch über Südapulien. Chautemps geht selber nach London. DaS neue französische Kabinett auf der Flottcnkonferenz. Paris, 24. Febr. (WB.) Im heutigen Kabi- nettsrat wurden die Delegationen für die Verhandlungen in London und Genf bestimmt. Ministerpräsident Chautemps wird die Delegation auf der Londoner Seeabrüstungskonserenz selber führen. Ihr gehören weiter an Außenminister Briand, Marineminister S a r r a u t, Kolonialminister Lamoureux und der französische Botschafter in London Driand und Sar- raut werden Paris am Mittwoch verlassen während Ministerpräsident Chautemps sich erst in der nächsten Woche für einige Tage nach London begeben teilt Auf der Zo ll f r ie d e n s * konferenz in Gens wird Fran'.rllch vertrcien durch Handelsminister Bonnet und den Unter- staatssekretär im Landwirtschaftsminlsterium de Chappedelaine. — Rach Schluß des Kabinettsrates erklärte der Ministerpräsident Chautemps: Die Regierung tritt morgen vor das Parlament. Sie wird an eine republikanische Mehrheit appellieren. Sie hegt größtes Vertrauen in den Ausgang des Kampfes, der anheben wird. Bemühungen um ein Kompromiß London, 25. Febr. (WTB. Funkspruch.) „Times“ schreibt: Amtliche britische und amerikanische Wortführer bestreiten, daß die Konferenz ge- sehe.tert ist, oder im Begriffe ist, zu scheitern. Mac- donald und Stimson sprechen beide ihr Bedauern darüber aus, daß von einem Zusammenbruch in einem Augenblick gesprochen wird, wo die aller- heikel st en Verhandlungen zwischen den Delegationen begonnen haben. — Der „Daily Chro- nicle" will von zuverlässiger Seite erfahren hoben, daß britischerseits ein Kompromiß vorgeschlagen werde, wonach Frankreich seine Flottenbaupläne einschränken soll, während Großbritannien seine Berechnung des Stärkeverhältniffes der Rüstungen zu Lande in der Frage der „ausgebildeten Reserven“ die französische Auffassung unterstützen würde, wozu sich schon die Regierung Baldwin im Jahre 1928 bereiterklärt hatte, während später die Arbeiterregierung der französischen Auffassung widersprochen hätte. Aus aller Wett. Beerdigung des ungarischen Zigeunerprimas. An der Beerdigung des Zigeunerprimas D e l a Raditsch in Budapest nahmen etwa 150 000 Menschen teil, eine Mensch nmenge, wie sie feit der Beerdigung Ludwig Kossuths In Budapest nicht gesehen wurde. Die Polizei erwies sich vollständig machtlos und wurde von der Menge einfach mitgerissen. Das Mikrophon, das die Feierlichleiten für den Rundfunk übermitteln sollte, wurde abgerissen. Kandelaber wurden um* geworfen und selbst der Sarg wurde bedroht. so daß vier Polizisten ihn mit größter Mühe in die Halle schaffen konnten, wo der Geistliche eine kurze Trauerrede hielt. Danach wurde der Sarg zu Grabe getragen. Richt einmal die Familienmitglieder konnten in die Rähe d.s Grabes gelangen und von den 500 Zigeunern gelangten nur 30 an daS Grab, während den übrigen in dem Gedränge ihre Instrumente zerdrückt wurden. Die letzten Spuren jeglicher Ordnung verschwanden nach De n* digung der Trauerfeierlich'e'ten. Die Rettungsgesellschaft muhte zu 30 Hilfeleistungen heran- gezogen werden. 14 Personen wurden bei dem riesigen Gedränge schwer verletzt und muhten ins Krankenhaus geschafft werden. Die Zahl der Leichtverletzten kann nicht einmal annähernd bezeichnet werden. Dreifacher Mord eines wahnsinnigen. Ein plötzlich wahnfinnig gewordener Arbeiter hat in seiner Wohnung seine Frau, feine Tochter und seinen 25'ährigen Sohn durch Revolverschüsse getötet, während sie noch im Schlafe lagen. Als Hausbewohner herbeieilten, gab der Rasende auf diese mehrere Schüsse ab und tötete s i ch schließlich selbst. Amerikanisches Potpourri. Das Ideal des Amerikaners ist prosperjty. Dazu gehört Dad, Rundfunk und Kino. Auch das eigene Auto, und wenn es auch auf Abzahlung gekauft werden muh. Das ist eben so, und niemand findet etwas dabei, dah die Insassen eines Armenhauses auf ihren eigenen Wagen Wochenendausflüge unternehmen. Wie steht es jedoch mit den Reparaturen? Ein Armenhäusler schickte eine Reparaturrechnung an die Leitung des Asyls. Das wurde ihm aber sehr verübelt. Niemals weiß man genau, wohin ein Golfball rollt, es kommt vor, dah er sich im Gelände verkriecht und unsichtbar wird. Diesem Mißstand hat ein amerikanische Erfinder jetzt endlich abgeholfen. Es gibt Golfbälle, die nach dem Auftreffen auf der Erde summen und so lange ihr Geräusch fortsehen, bis sie der Spieler gefunden hat. Auch der Sport verlangt in Amerika seinen Komfort. Die Stadt Durlington in Wisconsin hat die Gewohnheit, alljähriuch Konkurrenzen im Ausschneiden — also im Lügen — zu veranstalten, um die prominentesten Decwand'.en Münchhausens zu prämiieren. Die Kandidaten müssen siebzig Jahre alt fein und ihren Mitbürgern drei tüchtige Lügen vorgesetzt haben. Das Ehrendiplom für 1930 erhielt der Kapitän Delano. Denn er erzählte, er habe auf seinen Fahrten junge Walfische von übermäßiger Gröhe getroffen, der längste maß über drei Meilen. Um 8 Uhr befand sich sein Schiff am Schweif dieses Tieres, nach drei Stunden fuhr es noch immer an ihm entlang... Ein anderer amerikanischer Wettbewerb. Die Frauen von Cushing prämiieren den besten Ehemann, der einen silbernen Kelch erhielt. Gr ist mäßig, flucht nicht, wenigstens nicht in Anwesenheit von Frauen, er raucht Atoar, hat aber dafür einen neuen guten Ford. Richt die Douglas-Fairbanks-Romantik wird in Amerika ausgezeichnet» sondern der platte Durchschnitt. "och ««! btt «™ U\. y». i,j. Nen. '^raut hm: M 6flc, «n. wäh, erst in Con. idens. dreien M iti & >»r utes A,., ä- der an. 5ruty „Ti- m-ritoni|d)t y. • Primat. Mi'Btla tw 1500» ttr.e sie leit n Dudopcst erwies sich drr Menge n, dos die übermitteln wurden um* rurde be* mit größter ;en, wo der klt Danach Nicht einmal !e Mhe d.s üigeunent ihrend den Snfltu* Ltzien 6pu* nach 'Je n* a Detiungs* mgen heran* wurden bet erleht und werden. Die i einmal an* innigen. wer Arbeiter i, feine Loch' durch De- cend sie noch >hner herber* fitere Schüsse - selbst. lourri. t prosperity- Aino. Auch Aid) aut Db ; ist eben h daß die 3'> i eigenen ien. D-e W ein MJ jnung/n^ jm aber sehr ftfe Wnchh^t,!« m# ’iüdj' r»ss y.Ä tminer »ei« ®£ «ich tm A «w® stiinbet jrt* llc. die nach ftri verlangt i nicht sÄ L d- Äwerw' Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 180, Watte 30 bis 35. Käse tiü Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 35, Weihkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35 bis 40, Llnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 150 bis 180, Tomaten 70 bis 83, Zwi.beln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 41/« bis 5 (der Zentner 3,80 bis 4 Mk.), Aepsel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Russe 50 bis 80 Pf. das Pfund; Tauben (Stück) 70 bis 80, Eier 13 bis 14, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 30 bis 40, Endivien 40 bis 63, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück. Bornotizen. — Tageskalender f ür Dienstag. Stadttheater: „Musik", 23 bi» 22 Uhr. - Licht- spielhaus, Bahnhofftrahe: „Die eiserne Maske" und „Weekend-Freuden". — Astoria-Lichtspiele: „Die geheimnisvolle Macht" und „Roch sind die Tage der Rosen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr zum letztenmal „Musik , von Wedekind. — Mittwoch. 26. Februar, zum letztenmal im Abonnement „W:e es Euch gefüllt", von Shakespeare. — „Drei alte Schachteln", Operette von Kollo, wird zum letztenmal am Freitag, 28. Februar, gegeben. ; ' . Rebel im Reuyorker Hasen. Gin dichter Rebel hüllte den Reuyorker Hasen ein, legte den Hasenverkehr völlig lahm und verursachte verschiedene Zusammenstöhe. Gin von Staten Island, der dem Reuyorker Hasen vorgelagerten großen Insel, kommendes Fährboot fuhr am Dattery Park mit ziemlicher Gewalt gegen seinen Pier. Bei dem Anprall wurden an Bord des Fährbootes fünf Frauen verletzt. Der aus Boston kommemde Pa^sagierküstendampfer „Plymouth" dockte am falschen Pier und rammte dabei einen anderen Dampfer. Beide Schiffe wurden beschädigt. Ein zweiter Küstendampfer stieh in der Mitte des Häsens mit einem Fährboot zusammen, jedoch ging es hierbei ohne gröberen Schaden ab. Tausende von Personen,_ die sich auf dem Wege nach ihren Arbeitsstätten befanden, wurden durch die Verkehrsstörungen aufgehalten. Acht große Ozeandampfer, die fahrplanmäßig heute auslaufen sollten, konnten infolge des Rebels ihre Ausreise nicht antreten. Aus der Provinzialhouptstavt (Sieben, den 25. Februar 1930. Prof von Zher ng f. „An der Gießener UniDcrfität haben mein Vater und mein Schwiegervater, Professor Buss, gewirkt. Ich selbst habe an ihr studiert und für mein Leben viel gewonnen von so vor- trefflichen Lehrern wie Leuckhard, Hofmann, Will. Buff. Eckhardt. Oncken u. a. m. So ist es mir nicht nur eine hohe Ehre, sondern auch für mein von Gießen ausge^angenes und zu ihm zurückgekehrtes Leben ein wundervol er Abschluß. dem Lehrkörper der Landesun.vrri.tät anzugehören." Wit diesen Worten dankte der jetzt nach kurzer Krankheit im 80. Lebensjahr verstorbene Dr. med. ct phil. Hermann v. Ihering dem Rektor der Landesuniversität, als er im Jahre 1926 zum o. Honorarprofessor ernannt wurde. Als Sohn des großen Juristen und Rechtsphilo* sophen Rudolf von Jhering am 9. Oktober 1850 geboren, verlebte er Schul- und Universitätszeit in Gießen Nachdem er in Berlin und Göttingen sein medizinisches Schlußeramen bestanden hatte, widmete er sich dem Studium der Zoologie und Geologie und erwarb 1876 auch noch den Doktorgrad der Philosophie. In demselben Jahr habilitierte er sich in Erlangen und 1878 in Leipz.g als Privatdozent der Zoologie. Lange hielt es ihn aber nicht in der Heimat, sondern für ihn, der schon als Knabe Afrikaforscher werden wollte, war es 1880 ein förmlicher Zwang, fein Forschungsgebiet nach den Tropen zu verlegen. Seine universelle Bildung und fein Streben, sich nie auf bestimmte enge Grenzen in feinen Arbeiten festzulegen, ermöglichten ihm in Brasilien ein Wirken, das feinen Namen schließlich weit bekannt gemacht hat. Zu- nächst war er als Arzt, bann aber mehr und mehr als Naturforscher tätig. 1883 wurde er zum reisenden Naturalisten des National-Museums in Rio be Janeiro ernannt. Nach Aufenthalt an verschiedenen Orten erwarb er 1886 die nach ihm benannte Doktorinsel im Delta eines großen Flusses, wo er nur mit seiner Familie und der Bedienung zusammenlebte. 1895 bekam fein Leben aber eine gleichmäßige Richtung, er wurde zum Direktor des Museums in Sao Paulo ernannt. Mit nie ermüdendem Fleiß und rastloser Energie hat er hier aus ganz kleinen Anfängen Großes hervorgebracht. Er,hat nicht nur das Museum nach allen Richtungen ausgebaut, sondern auch einen botanischen Garten, rne botanische Station und eine biologische Station im Urwald geschaffen. Trotzdem er so im Laufe von vier Jahrzehnten eine Arbeit geleistet hat, wie sie nur selten ein Mensch Übernehmen kann, wurde er 1916 rücksichtslos entlasten, als einziger Deutscher der in Brasilien noch Chef einer Staatsanftalt war. „Ein offenkundiger Faustschlag der deutschfeindlichen Einflüsse um die pauliftaner Regierung herum ins Antlitz des Brasil-Deutsch- tums", wie die deutschen Zeitungen in Porte Alegre schrieben. Nach vorübergehender Tätigkeit in Argentinien ließ er sich schließlich im 74. Lebensjahre in Büdingen nieder. Schon sein 70. Geburtstag brachte ihm zahlreiche Ehrungen, unter denen ihn besonders die Festschrift des Deutschen Wissenschaftlichen Vereins von Sao Paulo und diejenige der Deutschen Malakologischen Gesellschaft erfreuten. Dreißig Akademien und gelehrte Gesellschaften nennen ihn als Ehren- und korrespondierendes Mitglied, mehr als 100 Arten und fünf Gattungen von Tieren und Pflanzen tragen feinen Namen. Sein Aufenthalt In Büdingen diente aber nicht der Muße, sondern unermüdlich war er weiter tätig, und ungefähr 20 wissenschaftliche Arbeiten zum Teil größeren Umfangs entstanden in dieser Zeit. Das Lieblrngsfeld des Verstorbenen war die Zoogeographie. Da er aber die Lleberzeugung gewonnen hatte, daß er nur solche Klassen des Tierreiches zur Beurteilung heranziehen könnte, die er selbst bearbeitet hatte, sind von ihm eine ganze Reche von Spezialarbeiten verfaßt worden, die im Lause der Zeit eine Ausnutzung nach den verschiedensten Richtungen ermöglichen. Seine „Geschichte des Atlantischen Ozeans" zeigt vielleicht am vollständigsten, wie er unter Heranziehung verschiedener Gebiete arbeitete, ©eine Arbeiten, von denen mehr als 300 zu zählen sind, erstrecken sich auch im einzelnen nach den verschiedensten Richtungen, auf allgemeine Biologie. Anthropologie, Zoologie, Botanik, Paläontologie, Geographie und Kolonisation. Mit besonderer Vorliebe beschäftigte er sich schon seit seiner Kindheit mit den Mollusken, ein Gebiet, aus das er immer wieder zurückkam. Für das Geologisch Paläontologische Institut der Landes- universilät fteLte er mit großer Liebe und Sorgfalt eine Dergleichssammlung von Mollusken zusammen, die für alle Zeiten ein besonders Wertstück darstellen wird. Ein 5cjahriges Forscherleben ist mit ihm da- hingegangen, das bis zum Ende mit gleicher Ausdauer, Frische und Freude erfüllt war. Taten für Mittwoch, 26. Februar. 1529: Reichstag zu Speyer; — 1802: der französische Dichter Victor Hugo in Besan^on geboren (gestorben 1885). _________________________________ Helft dem deutschen dauern: Eßt Roggenbrot! •* Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der Goethe st raße zwischen dem Sel- tersweg und der Johannesstraße ist seit gestern ausgehoben. ** Von der Studentenschaft. In der gestrigen Kammersihung der allgemeinen Studentenschaft gab der Vorsitzende, stuck, jur. Theo Mittler, einen Bericht über die im letzten Semester geleistete Arbeit der Aemter der Studentenschaft. Sodann wurde der Vorstand entlastet und zum Ferienvertreter stuck, theol. Kurt Davidson ernannt. Nachdem die gesamte Kammer dem Vorsitzenden und den übrigen Amtsleitern Dank für die Arbeit des vergangenen Semesters ausgesprochen hatte, wurde die Sitzung der Kammer, die in dieser Zusammensetzung das letzte Mal einberufen worden war, geschlossen. ** Die demokratische Studenten- gruppe an der ßanbesunioerfität traf sich, wie man uns berichtet, am Sonntag mit den Vertretern der Marburger und Frankfurter Hochschulgruppen in Gießen, um über eine zukünftige gemeinsame Zusammenarbeit zwischen den drei Universitäten auf hochschulpolitischem Gebiet au beraten. Für das Sommersemester 1930 ist für Mitte Juli «in Bundestreffen, verbunden mit einer Kundgebung in Marburg vorgesehen. ** Gin Wasserrohrbruch ereignete sich am Sonntag in der Kaiserallee, so daß bas Wasser auf dem Bürgersteig zwischen den Häusern Nr. 14 und 16 stark hervorguoll. Die Wiederherstellungs- arbeiten wurden alsbald vorgenommen. Dadurch wurde leider auch der Straßenbahnverkehr in Mit- leidenschaft gezogen. Da die Wagen an der Aufbruchstelle nicht durchfahren können, wird der Verkehr durch Umsteigen aufrechterhalten. •• Verschärfte feuchenpolizeiliche Vorschriften für Zucht- und Rutz- v i e h. Der hessische Ministrr des Innern hat die preußischen Regierungsbezirke Potsdam, Köslin, Strastund, Liegnitz, Hannover, den bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, sowie den toürttcm- bergischen Donaukreis als stark verseucht im Sinne der Vorschriften über die Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen bezeichnet. Alles aus diesen Gebietsteilen nach Hessen eingeführte Zucht- und Rutzvieh (Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen) unterliegt daher der fünftägigen Absonderung. Schöffengericht Gießen. * © ie 6 en, 21. Febr. Ein auswärtiger Müllerknecht ist beschuldigt, eine Dürgschastsbe- scheinigung seines Dienstherrn fälschlich angefertigt und sich darauf Vorteile verschafft zu haben. Er ist umfassend geständig. Da er wiederholt vorbestraft ist und sich wegen Betruges sogar im Rückfall befindet, muh eine höhere Strafe plahgreisen. Mit Rücksicht auf das Geständnis und das jugendliche Alter des Angeklagten bewilligt ihm das Gericht noch einmal mildernde Umstände und erkennt auf drei M o- na te Gefängnis. Ein schon mehrfach und teilweise mit höheren Strafen belegter Arbeiter hat nach feiner Entlastung aus dem Gefängnis in einer Wirtschaft sich einen Geldbetrag angeeignet. Er ist ebenfalls geständig und will wieder in das Gefängnis zurück, dieses fei für ihn ein „Erholungsheim". Rachdem der Staatsanwalt feinen Antrag gestellt, bittet der Angeklagte das Gericht, die Strafe nicht so kurz zu bemessen, er wolle sich im Gefängnis in der Korbmacherei, die er dort begonnen habe zu lernen, noch weiter ausbilden. Er wird zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt, 3 Monate 2 Wochen Unter- suchungshaft werden auf die Strafe angerechnet. Ein ärztliches Gutachten hat ihn übrigens als zwar geistig nicht ganz vollwertig, wohl aber als straf verantwortlich bezeichnet. Zwei auswärtige Kaufleute, die sich^als Versicherungsagenten betätigten, find bet Ur tun- denfälschung und des M i e t b etrugs an- getlagt. Sie sollen einen Versicherungsantrag über einen höheren Betrag gefälscht und sich die Provision dafür haben auszahlen lassen. Beide leugnen. Die umfangreiche Beweisaufnahme läßt jedoch an der Schuld des einen Angeklagten keinen Zweifel. Dieser wird zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der andere Angeklagte wird mangels Beweises freigesprochen. Der Mietschwindel wird als nicht bewiesen angesehen. Dicserhalb erfolgt Freisprechung beider Angeklagten. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 18. Febr. Eine Gerichtsverhandlung über Unterschlagungen wilder Tiere gehört wohl zu den Seltenh?iten. Ein zur Zeit auswärts wohnender Schausteller, der weg .n , u großer Entfernung von dem Erscheinen in ter heutigen Hauptvcrhandlung entbunden worden war, wurde derartiger Unt'.rschlagungen an- geklagt. Er hat sich in zwei Fällen von Tier- befihern eine Hyäne und ein? Pantherkaye bz. einen braunen Bären und e nen Eisbären ; u Tierschauzwecken übergeben lassen. Eine Gegen- ’ eiftung war nicht erfolgt. Vereinbart war worden, daß die Tiere in dem Eigentum der Vorbesitzer verbleiben sollten. Richt d.stoweniger hat der Angeklagte die Tiere v e r k a u f t; auf An- ragen gab er den Uebergeb?m, die von den Kaufpreisen nichts erhielten, den Bescheid, die Tiere seien verendet. Der dritte Fall lag ganz ähnlich; es handelte sich hier um einen Assen. Der wegen Eigentumövergehen noch nicht vorbestrafte Angeklagte wurde zu einer G e l d - strafe von insgesamt 500 Mk., die im Falle der Uneinbringlichkeit mit 53 Tagen Ge» ängnis zu verbüßen sind, verurteilt. Ein auswärtiger Viehhändler wurde der Verletzung von Bestimmungen über die Führung von Viehhandelskontrollbüch er. \ schuldig befunden. Eines Samstags sollte bei ihm Revision der Bücher statt',indem Er war aber nichi zu Hause; die Bücher hatte er eingeschlo.sen und den Schlüssel mitgenommen, sodaß sie dem Revisionsbeamten nicht zugänglich waren. Er behauptete, er habe nicht annehmen können, daß Revisionen am Sabbat stattfänden; doch wußte er recht wohl, daß in dem Orte dieselben im allgemeinen gerade Samstags vorgenommen zu werden pflegten und daß bei ihm selbst schon solche Samstags erfolgt sind. Er wurde mit seinen Einwendungen nicht gehirt und zu einer Geldstrafe von 20 M k. verurteilt. Das Gericht war der Ansicht, daß es Pflicht des Viehhändlers gewesen wäre, auch in seiner Abwesenheit derartige Revisionen zu ermöglichen; von einer Sabbatcnthei'igung könne bei derartigen Revisionen nicht die Rede sein, zumal eine Geschäftsausübung nicht vorliege, die Revisionen auch ganz ohne Zutun des Viehhändlers, der die Bücher dem Beamten nur zugänglich zu machen habe, stattfinden könnten. „Gaskrieg" in Darmstadt. WSR. Darmst adt, 23. Febr. Bereits In der vergangenen Woche wa es zu einem schweren Angriff von sozialdemokratischer und deutschnationaler Seite gegen den technischen Bürgermeister R i tz e r t gekommen, weil dieser in Abwesenheit des Direktors der städtischen Betrieb«, Ruh, dessen Stenogrammhefte über die amtliche und private Korrespondenz während der letzten drei Monate beschlagnahmt habe, sie von der Stenotypistin des Gaswerksdirektors übersehen ließ und dieser dann verboten habe, Direktor Ruß zu unterrichten. Bürgermeister R i h e r t, bekanntlich der Vorsitzende der H e t o g a und dienstlicher Vorgesetzter von Direktor Ruß, erflärte, Direktor Ruh habe sich der Dienstordnung nicht gefügt, In der Gassernver- sorgungssrage gegen ihn gearbeitet und schwere Beleidigungen und Verdächtigungen wegen seiner Haltung in der Hekoga gegen ihn gebraucht. -Um diese Angelegenheit nicht weiter vor der Oeffent- lichkeit auszuspinnen, war sie an den Rechts- ausschuh verwiesen worden, wo auch Direktor Ruh gehört werden sollte. Jetzt wird nun Bürgermeister Rihert im .Volksfreund" und am schärfsten in der .Hessischen Lan' eize tung" wegen dieses Vorgehens attackiert. Er erklärte daraus u. a. in der gestrigen Stadtratssitzung den Artikelschreiber der „Landeszeitung" für einen „gemeinen, niederträchtigen Verleumder"._ Man darf auf den weiteren Gang dieser merkwürdigen und peinlichen Angelegenheit gespannt sein. Tie „Hesüiche Landeszcittmg" klagt gegen Bürgermeister Ritzert. WSR. D a r tn ft a b t, 24. Febr. In der Sams- tagsihung des Stadtrats hat Bürgermeister R i tz e r t den Verfasser eines in diesen Tagen in der „Hessischen Landeszeitung" erschienenen Artikels, der seine Haltung bei dem Zwischenfall mit dem Direktor Ruh einer au herordentlich scharfen Kritik unterzogen hatte, einen „gemeinen und niederträchtigen Verleumder" genannt Die Schriftleitung der „Hesfifchen Landeszeitung" teilt letzt mit, daß sie beabsichtige, Bürgermeister Rihert vor den ordentlichen Gerichten wegen dieser Aeußerung zur Rechenschaft zu ziehen. Oie Wetterlage. Das stationäre Hoch der letzten Tage, von dessen Südseite unser Wetter beherrscht wurde, hat seinen Kern nach Südosten gedreht, und beginnt sich auch nach dieser Richtung hin zu verlagern. Den Anlaß zur Verschiebung gab die neuerdings vom Atlantischen Ozean heranrückende Tiefdruckstörung, welche stärkeren Einfluß zu gewinnen scheint. Somit steht auch die Umgestaltung der Wetterlage bevor. Zunächst herrscht jedoch unter südöstlicher Luftzufuhr des Hochs noch vorwiegend heiteres Wetter mit nächtlichem Temperaturrückgang unter Null Wahrscheinlich wird sich aber im Laufe des morgigen Tages schon Bewölkung einfteüen, und später mit dem Drehen der Winde über Süden nach Sübmeften zu bei zunehmender Bewölkung und Nebelbildung die Temperaturen ansteigen, was besonders bann nachts in Erscheinung tritt. Wettervoraussage für Mittwoch. Anfänglich meist heiter, später Auk^rg von De- wöllung, trocken, noch leichter Rachtsrost. Witterungsaussichten für Donnerstag. Stellenweise nebelig, sonst wolkig, Temperaturen zwischen Tag und Rächt sich mehr ausgleichend. Lusttemperaturen am 24. Februar: mittags 4,8 Grad Celsius, abends 0 Grad; am 25. Februar: morgens — 4,4 Grad. Maximum 5 Grad, Minimum — 56 Grad. — Erdtemperaturen In 10 cm Tiefe: am 24. Februar: abends 1 Grad; am 25. Februar: morgens 0 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 8n Stunden. Amtliche Mnterfportnachrlchtea. Vogelsberg. Hohcrodskopf: Klar,mi- nns 4 Grad, 20 Zentimeter Schnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. — Herchen- Hainer Höhe: Klar, minus 4 Grad, 15 Zentimeter Schnee, etwas verharscht, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. Sauerland. Winterberg: Klar, minus 4 Grad, 18 Zentimeter Schnee, Schneedecke lückenhaft, Sportm.,glichkeit für Ski und Rodel gut. Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, minus 3 Grad, 115 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeck für Ski und Rodel sehr gut. Alpen. Garmisch - Partenkirchen: Klar, minus 7 Grad, 4 Zentimeter Schnee, Sport* möglichkeit nicht vorhanden._____________________ Alnni Aberdeen- O Soll mKf. Wien Paris, 3 4 3-i.om Montaa E 24. Februar. 1930,7" abds: ©womenios onfitei omid DtaecxL» voikiq. 0 oro«Ki •Reget ♦ Schnee & Graupeln e Neoei R6fwdttr@Windstine .Q-' MV eiente» Ost nasstoe* Südsüdwest (S sturmncnei nordwcsl Ott Piene niegen mit dem wmoe ?ie oeiden Stationen jtenenoen ZaV ien geoen die Temperatur an Die Linien verpmdeo Orte mit flleicncofr «et nreresnivrau umaertr&nrien Luftdruck Gewinnavszug 5. Klasse 34. Preußisch-Süddeutsche (260. Preuß.) Klassen-Lotlerie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II . 14. Ziehungslag 24. Februar 1930 3n der heutigen Vormittagsziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 8 «u 3000
    2000 QR. 52229 154305 204641 218669 253330 254566 302612 342650 34 »rolnne ,u 1000 on. 8228 15498 22249 44934 65622 61491 130168 166131 156927 189436 196132 205282 270700 293466 311679 332537 377342 104 »ctotnne .u 600 QU. 10678 15387 17704 25458 29883 36819 69230 63480 73385 82205 110324 115425 118458 126188 127574 129440 129938 132348 133129 142450 148010 160177 160811 169569 171168 174269 177739 179093 179371 183151 188722 195074 204802 220014 242440 244978 246349 250477 257314 262167 262881 270083 294185 296472 311587 317290 328288 337545 367269 370088 373388 394317 262 «ftp-n* >u 300 -M. 689 1122 3165 10614 14810 16382 18034 18304 21070 21263 23473 30209 33435 41307 45973 46991 69913 60235 65719 66748 73356 74998 77125 81811 90426 91133 94761 96233 95883 97467 99356 103889 104290 106474 108178 109129 109369 113186 114233 122194 125157 126870 128179 128652 130572 133211 134317 138403 138857 140893 143745 143791 153652 154470 157755 162872 163588 168440 171118 174544 176827 177402 182881 187302 195210 196408 197241 209429 210394 212681 213306 214759 219871 229762 231410 233202 234823 236473 237049 239235 241315 244335 247631 253041 256910 257224 257419 260051 265743 271716 273446 274860 274869 278139 280677 280896 281087 282675 291553 304877 305752 306382 308577 311384 311415 322952 323086 328802 330602 331424 331959 333300 334612 335 )0 337361 338917 348794 348908 359713 359325 361029 363219 364555 369214 369782 375079 376854 383625 384494 388716 391714 8n der heutigen Nachmiltagsziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn» 75000 M. 126958 2 0*«tDi.nn« «u 25000 M. 146103 2 Gewinn» ;v 5000 M 289912 6 »rwlnn» ,u 3000 M. 52859 108955 287612 331052 10 Gewinn» iu 2000 DL 46181 48738 242024 271962 288796 26 ®«t>tnn» ja 1000 M. 36436 35777 37218 60129 109343 124415 168942 186004 216966 276784 297191 312619 389518 70 Gewinn. ,o 500 M 6197 32737 38351 39612 53139 65686 61380 62294 76196 101514 106118 118461 120679 123588 139935 149931 151084 162159 163967 172868 188186 197948 252939 257803 266449 287108 305393 314641 343260 356343 363578 364713 367442 387493 396165 192 ®»tr> rv, w 300 M 628 7632 8404 10961 14967 15873 25398 23609 31557 40938 49415 50325 52876 54127 56498 60547 62315 62346 65795 75404 87170 90645 93797 98532 99799 101634 103395 111779 114745 118562 120351 126967 135073 135604 136556 136662 137498 143851 153920 160188 163688 168784 170507 170831 175938 176488 178551 181888 185397 197972 200520 202976 221368 226112 230539 239460 240663 241289 243499 250039 251752 252101 253006 256197 262422 263771 264608 271502 283909 290677 291414 293215 296605 308021 311285 320631 330194 332014 339299 340401 351238 364500 367363 367651 367923 367964 371161 377406 382252 389529 394209 395491 396498 397064 398154 399718 Im Gewinnrade verblieben: 2 ’Brämlen zu fe 600000, 2 Gewinne zu je 5(10000, 2 zu ie 750UO, 2 zu ft 50OUO, 4 zu ,e 25(00, 46 zu je 100*0, Sv zu je 5000, 250 zu ft 3o00. 426 zu je 2000, 1132 zu je 1000. 2392 zu ,e 500, 6186 zu je 800 M. Mißfarbene Zähne entstellen das schönste Antlitz. Uebler Mundgeruch wirkt abstoßend Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste. Die Zähne erhalten darnach einen wundervollen Elfenbeinglanz, auch an den Seitenflächen, besonders bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-ZahnbOrste mitgezahntem Borstenschnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt — Chlorodont: Zahnpaste. Mundwasser, Zahnbürsten Einheitspreis 1 Mark bei höchster Qualität — Man verlange nur echt Chlorodont in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurück» Im Handumdrehen können Sie viel Geld verdienen 1634D Telephon Rr. 3748. I624L) hinkost! [01294 augcben. V. dmert, Boö-nouteim. VaMotze 50 Vermietungen | Gießen, den 25. Februar 1930. 1645D AUSWANDERER 1607D Vertreter MeSeBge S platzlnspeltoren Gießen, den 25. Februar 1930. oittf.i gegründet 1884 162/V Subdirektion: Frankfurt a. M., Kaiserstr. 21. [1635D feniter. Geora Appel, Seltersweg 56 Httvothekcn [01306 empfiehlt 535A Durch Teilnahme an einer großzügigen Propaganda eines Großverlags bieten wir Ihnen dazu Gelegenheit. Es gibt täglich Geld; bei besonders guten Erfolgen Sonderprämien. Bei Reisen Fahrgeld III, Kl. Bedingung: Redegewandtheit, gute Umgangsformen. Interessenten,die bereits systematisch Private erfolgreich besuchten, wollen dies uns gell, mitteilen. Off. an: A. H.673, Allgemeiner Wegweiser, Frankfurt a. M., Bleichstr.38. Spezialbeaimen Generalagenten der Er- Provision und Spesen oder reine Provisionsverträge tarlieü Se'.tersweg 70. Zinslose Gelder zum Bau oder Kauf von Hänicrn oder Ablösung bochverzinölichcr Am 22. Febr. d. f. verschied unser verehrter Chef Herr Carl Stückrath. Wir verlieren in ihm einen Vorgesetzten, der stets für das Wohl jedes einzelnen bedacht war. Wir trauern daher sehr über seinen Heimgang und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Das Personal der Fa. Carl Stückrath. HAMBURG-AMERIKA UNIE, HAMBURG!, ALSTERDAMM M Gießen, Hapag-Reisebüro Loeb, Seltersweg 93, Ecke Südanlage Losen vergeben werden. Die Angebote sind unter Benutzung oorgeschriebenen Formulare bis zum öffnungstermin am Mittwoch, dem 5. März 1930 Fleischsalat mit Biayonna se */. Pfund 0.45 Heringsalat mit Mayonnaise V4 Pfund 0.40 OelsariLnen, Dose von 0.35 an Fittheringe In Tomaten, böse 0.85 Fl eha.-ds la To* malen, Dose 1.30 beringe in Gelee, Dose 0.70 Klppered-Herlnge i ose 1.10 Kronen-Enmmer Königs-Krebse Thnn is:h in Oel Bors d’Oeuvre Filetheringe in Tomaten Wein, Champignons Bouillon Vierpack in Gelee und Mayonnaise Ferner: Bismarekberlnge Bollmöpse mit Ocrkene.nlage Bratheringe !(. Braunschweiger u. Thtlrlng. W.rst verseh.SortenEäse Pumpernickel barg. Schwarzbrot Knäckebrot alles stets frisch u.preibwert. ,«,A Danksagung. Für die wohltuenden Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgange unserer geliebten Tochter sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Dr. Klewitz und Frau Frieda geb. Blindow. Gießen, den 24. Februar 1930. Danksagung, Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen, für die Kranz- und Blumenspenden, sowie für die tröst reichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir unseren innigsten Dank. Ferd. ScheUhaas und Kinder. Lehrling mit guter Schulbildung zu Ostern auf das Kontor einer dies. grüß. Ztgarrensabrik gesucht. Selbstgeschriebene Angeb. unt. 01304 an den Gieß. Anz. Fünfziger-Vereinigung 1867—1817. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Alterskollegeu Herrn Friedrich Pascoe in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch, 26. Februar, vormittags 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Der Vota and. ■>36U Irische Fische Mittwoch, Donnerstag u. Freitag Wma smellWe 0.8..W.V.4V im AnSfchnttt Pfund 0.45 fi. Goiiücu o. S.. ütunö 0.40 im Ausschnitt Pfund 0.45 SeelMs, vr. Nordfeew. ÜIÖ.0.3 int Ausschnitt Pfund 0.35 Gvüne Heringe Psund 0.25, 3 Psund 0.70 Merlan 0.25, Bratfiichc 0.35, Rot ungcn Pfund O.7O 3ilets, Pfund 0.70, 0.60 u. 0.50 Koteletts Psund 0.50 und 0.40 Richard Grünewald Babnbosstr.27 : Fernfvr.3631 Samenhaus luti Babu Pabnbofltrakc Tel. 3403. Lungere, tüchtige Mechaniker, Dreher und Werkzeugschleifer gesucht. Schriftliche Angebote unt. 1646D an den (HieKener Anzeiger erbeten. D. „Westphalia* 6.März D. „Cleveland" 12. März M.S. „St. Louis* 28. März M.S. „Milwaukee* 4. April D. „Cleveland" 16. April M.S.„St. Louis* . 29.April Wer arbeitet gegen sof. Bezahlung bet Fertigstellung eichenes Enztmuter fachge- möRit. haltbar aut? Maiertal u.Arbeits» raum stebt zur Per- fügnng. Nur wirtlich entsvrechend auoge- bildeieKratte wollen sich melden. Schr. 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Ost ist und der Auftraggeber unbekannt und in oiesenIätlen können wir nichts tun für d. Wiedererlangung der SewerbungSunterlagen (Siebenen Slnreßgev Heute morgen um 8 Uhr verschied plötzlich und unerwartet im zarten Alter von 11 Monaten unser herzensgutes Söhnchen Erwin. Im tiefsten Schmerz: Familie Gastwirt Henkel. Geilshausen, den 24. Februar 1930. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch, den 26. Februar, nachmittags 3.45 Uhr. Anmeldungen für Omnibussonderfahrten zum Länder-Wettspiel am 2. März 1930 in Frankfurt a. M. werden noch zu besonders günstigen Fahrpreisen entgegengenommen. Wieseck, den 24. Februar 1930. kroflMlellrsgelellslWt „öcRen“ m.ü 6. Wieseck, Grabenstraße Ur. 8 Neuzeit!. Einrichtungen • Angenehm. Arbeiten Günstige Oireftionsverträge Nürnberg. LehensversidieruDgsbaok Danksagung. Für die vielen wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme, die uns anläßlich des Hinscheidens unseres Heinrich Amend sen. und Heinrich Amend jr. erwiesen wurden, sagen wir aufrichtigen Dank. 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Febr. 1930, nachm. oon 5-7 Uhr bet Herrn Obermeister Jiob. Gärtner sen., Gießen, Ludwiastr. 59. Mstzubringen ist der Lehrvertrag und 7.-0. Prüfungsgebühren. Oie Freie Schneider-Innung für Stadt und Kreis Gießen. Bekanntmachung. Auf Grund der Borschriften der Reichs- verdingungsordnung sollen die 1585C Fuhrleisiungen für die dem Städtischen Ttefbauamt unterstehenden Betriebe für die Zeit vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 in fünf MW-WW erstellt billigst unter Garantie bebest. Empfanges. Prima Referenzen. Beachten Sie bitte meine Schau- Zagd-Berpachmng. Donnerstag, den 6. Mär; 1930, vor- mittags 11 Uhr, wird im Hotel „Deutsches Haus" zu Alsfeld der Staatsjagdbezirk Nr. II des Forstamts Eudorf zu Alsfeld, die Llbenröder Dick mit zusammen 430,48 Hektar, meist Nadelwald, in einer Stunde Entfernung von Alsfeld, auf zwölf Jahre verpachtet. Guter Rehbestand und Auerwild vorhanden. Die Bestandszeit beginnt am 1. Februar 1930. 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Sodann erinnerte der Redner an die zahlreichen Besichtigungen anderer Viehhöfe, um daraus fruchtbringende Anregungen für das hiesige Projekt zu gewinnen Er wies weiter auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin, die durch die unglückliche Beschaffenheit unserer Bahn- hofsverhältnisse nun einmal gegeben sind, erwähnte die in die Viehhoffrage hineinreichenden Projekte der Lahnkanalisierung, der Güterbahnhofverlegung usw usw. Die Stadtverwaltung sei nicht etwa untätig gewesen, sondern sie habe unablässig gearbeitet an der Durchführung des Projektes und zu diesem Zwecke u. a auch vielfache Verhandlungen mit den verschiedensten Behörden bis hinauf zur preußischen Regierung und zur Reichsregierung, sowie zur Reichsbahnhauptverwaltung geführt. Immer aber seien neue Schwierigkeiten entstanden, die man bis jetzt noch nicht habe überwinden können. An Projektentwürfen seien bis jetzt mindestens 15 für die verschiedenen Arten der ang^strebten Lösungen ausgearbeitet worden. Nach all den vielen Arbeiten sei nun als vorläufige Lösung eine Regelung dahingehend ins Auge gefaßt worden, daß man einen Platz für den viehhos auserfehen habe, bei dem man zunächst ohne unmittelbaren Bahnanschluß vielleicht auskommen könne. Zu diesem Zwecke sei der Plan entstanden, den Viehhof zu bauen mit zunächst einem kurzen Anmarschweg von der Bahnrampe aus, und im zweiten Telle des Bauprojektes dann den Bahnanschluß selbst herzustellen. Vielleicht sei es auch der Reichsbahnverrvaltung möglich, bei dieser Art der Lösung tatkräftig mitzuhelfen. Die reinen Hochbaukosten und außerordentlichen Geländeschwierigkeiten, sowie der Grunderwerb machten einen Geldaufwand von nicht unter einer Million Mark erforderlich. Für den zweiten Bauabschnitt, die Herstellung des Gleisanschlusses, sei dann noch einmal eine halbe bis drei Viertel Million Mark rechnen. Bei der endgültigen Gestaltung des Pro- zektes sei es natürlich von großer Bedeutung, daß der Unkostensatz nicht zu hoch und dadurch für den Viehhandel untragbar werde Es müsse vielmehr eine Lösung gefunden werden, die den Unkostensatz in einem ohne weiteres tragbaren Ausmaß halte. Die Stadt hab« in den jetzigen Diehmarktplatz in den letzten Jahren noch über 21 000 Mark hineingesteckt. Es sei aber verfehlt, noch mehr Geld dafür aufzuwenden, richtiger sei es vielmehr, auf da s große Ganze loszugehen, nämlich die Schaffung des Viehhofes, und dazu sei die Unteistützung aller Intorcssei.tenkrcise besonders auch bei der Geldbeschaffung dringend erforderlich. In diesem Sinne appelliere er auch an die Mit» Hilfe der Viehhändler. Sic weitere .usfprache brachte die Meinungsäußerungen zahlreicher Red» ner. Präsident Daniel hob besonders hervor, daß die Ausführungen des Beigeordneten Dr. Hamm den Eindruck absoluter Ehrlichkeit seitens der Stadt Gießen gemacht hätten, daß jedoch nach wie vor die Schwierigkeiten in der Geldbeschaf- f u n g noch oestünden. Er teilte dazu mit, daß jetzt von einer am Viehhandel interessierten Seile ein Schritt zur Beschaffung von Geldmitteln für dieses Projekt in die Wege geleitet worden sei. Die übrigen Redner, die Herren L i p p m a n n (Hausen), Kaufmann (Kirtorf), Strauß (Lauterbach) usw., gaben ebenfalls zu erkennen, daß sie von den Ausführungen des Vertreters der Gießener Stadtverwaltung befriedigt waren und daß sie ihrerseits gewillt sind, im wohlverstandenen Interesse aller Interessenten mitzuarbeitcn an der Lösung dieser dringlichen Aufgabe. Im Sinne der einführenden Ansprache des Präsidenten Daniel wurde allgemein der Erwartung Ausdruck gegeben, daß auch die Stadt Gießen weiterhin mit allem Nachdruck sich um die Lösung dieser Frage bemüht und daß die maßgebenden Stellen sich dabei vergegenwärtigen, daß durch den Viehhandel allmonatlich große Geldbeträge in die Gießener Wirtschaft herein st römen, ohne die Stadt deswegen zu einer kostspieligen Fremdenoerkehrs- werbung zu veranlassen. Das Ergebnis der Bersammlunq war einerseits der freiwillige Verzicht auf die Annahme einer vorbereiteten Entschließung, anderseits aber die Bekundung der bestimmtesten Erwartung, daß die Stadt Gießen baldmöglich st einen Viehhof schafft, durch den auf dem Gießener Diehmarkt erträgliche Handelsverhältnisse herbeigeführt werden. Die Versammlung bekräftigte nachdrücklich die in diesem Sinne gehaltenen Erklärungen des Präsidenten des Viehhändlerbundes und der übrigen Redner des Abends. Oberveterinärrat Dr. M 0 n n a r d vom Kreis- veterinäramt Gießen bat die Versammlung um noch etwas Geduld und um volles Vertrauen, und versicherte, daß in Gießen niemand daran denke, diese bedeutsame Angelegenheit irgendwie zu verschleppen. Viehhändler und Gießener Viehhosprojekt. Eine überfüllte Viehhändler-Versammlung erwartet baldmöglichst Schaffung des Viehhofes. - Beigeordneter Or Hamm berichtet über den gegenwärtigen Stand der Vorarbeiten. Eine außerordentlich stark besuchte Dieh» Händler-Deriammlung, die auf Einladung des Präsidenten des Bundes der Viehhändler Dcutlchlands, Hermann Daniel. Koblenz, gestern abend im Saale des Gewerkschafts- hauses stattfand, beschäftigte sich in mehrstündiger Aussprache mit den Verhältnissen aus dem Gießener Diehmarkt, insbesondere mit der Frage der Errichtung eines Viehhos es. Als Vertreter der hei-sischen Regierung wohnte Ministerialrat Dr. G a 0 0 w - Darmstadt den Verhandlungen bei, die Gießener Stadtverwaltung war durch die Beigeordneten Dr. Hamm und Oustizrot Dr. Rosenberg vertreten, ferner waren Ober-Veterinärrat Dr. M 0 n n a r d und Veterinärrat Dr. Schneider vom hiesigen Kre ^-^'et r n^t'-mt Sch^chkh-'B re't-r^ber-Ve Berbandsvorfitzendcr Kausmann-Kiriors sprach als Üertreter des Hessischen Viehhändler- Verbandes dem Bundespräsidenten Dank aus für die Einberufung dieser Versammlung und betonte, daß man über den Wert und die Zweckmäßigkeit neuer Einrichtungen aus dem Gießener Viehmarkt nicht mehr zu sprechen brauche. Das Verhältnis zwischen dem Viehhandel und den zuständigen Behörden in Gießen, wie auch bei der Regierung könne nicht besser sein als jetzt. Stets habe man den Wünschen und Beschwerden der Viehhändler willig ein offenes Ohr geschenkt und sei immer bestrebt gewesen, berechtigten Anforderungen nachzukommen. Der Redner bat die Versammlung, im Sinne der Darlegungen des Präsidenten Daniel E frun-i zu nehmen Die Die erste Ausfahrt der „Europa", des neuen großen Lloyddampfers. ... "l'V-T* ■ ... - terinärrat Dr. M 0 d d e und Vertreter der beiden Gießener Tageszeitungen, sowie der Fachpresse zugegen. Präsident Daniel-Koblenz betonte in seiner einleitenden Ansprache, daß man diese wichtige Angelegenheit am besten in aller Ruhe und Sachlichkeit behandle. Er begrüßte insbesondere die Gäste und bat sie, mitzuhelfen an der Beseitigung der jetzigen Zustände auf dem Gießener Diehmarkt, die schon so viele Klagen gezeitigt hätten. Die Verhältnisse auf dem Gießener Viehmarkt seien unhaltbar, der Vieh- Handel brauche einen Handelsplatz, der mit modernen Einrichtungen versehen sei, damit sich das ViehhandelSgrschätt stets in geordneten Bahnen abwickeln könne. Die Viehhändler wollten ihren Berufsgeschäften nachgehen als Dieh- k a u f l e u t e , sie möchten nicht länger den Handel aus der Straße abwickeln. Sie verlangten, daß man ihnen zeitgemäße Einrichtungen wie in Lübeck, Osnabrück, Leer, Emden. Dortmund. Dinslaken zur Verfügung stelle. Der bisherige Gießener Diehmarktsbetrieb sei nicht mehr länger aufrechtzuerhalten. Zwar werde vom Viehhandel die Finanznot der Städte nicht verkannt, aber es müsse trotzdem nach Mitteln und Wegen gesucht werden, um der dringlichen Gießener Viehmarkt-Angelegenheit eine gedeihliche Lösung zu schaffen. Der Gießener viehmarkt sei in Südwestdeutschland der größte Markt geworden, den so groß zu erhalten auch der viehbandel als seine Ausgabe mit ansehe. Darüber herrsche Hebereinstimmung zwischen der Gießener Stadtverwaltung und dem Viehhandel. Jahrelang hätten die Viehhändler den schwierigen Verhältnissen Rechnung getragen, aber es müsse nun endlich alle Kraft angespannt werden, hier eine moderne Diehmarktanlage zu schaffen. Dabei sei es gar nicht nötig, eine so kostspielige Anlage wie in Leer zu schaffen. Rur gemeinsame I und vertrauensvolle Zusammenarbeit könne die | Lösung der schwierigen Aufgabe ermöglichen, dazu sei aber auch die Mitarbeit jedes einzelnen Viehhändlers erforderlich. Besonders erfreulich sei es, daß auch die hessische Regierung durch die Anwesenheit des Ministerialrats Dr. G a ° d 0 w ihr Interesse an dieser wichtigen Frage bekunde. Herr Buchßeim-Dauborn übte zunächst Kritik an polizeilichen Maßnahmen auf dem Viehmarkt und brachte einen Vorgang von gestern zur Sprache, der Anlaß zu Klagen über einen Gießener Polizeibeamten gebe. Die Maßnahmen der Gießener Polizei seien viel strenger als in anderen Städten. Kleber die veterinärpolizeilichen Maßnahmen könnten sich die Viehhändler dagegen nicht beschweren. Der Stadtverwaltung sei zu sagen, daß die Viehhändler sich als Kunden der Stadt Gießen betrachten und wünschten, die Stadt möge sich dafür einsehen. daß auch die Polizei die Viehhändler als Kunden der Stadt betrachten möge. Das Verhältnis zwischen der Polizei und den Viehhändlern habe sich vor einiger Zeit einmal gebessert leider sei es heute nicht mehr so gut. Hoffentlich werde es wieder so gut gestaltet, wie es im Interesse aller Beteiligten sein solle. Gerne wolle die Viehhändlerschaft dazu beitragen, daß der Viehmarkt in Gießen einer der größten in ganz Mitteldeutschland werde. Präsident Daniel-Koblenz betonte, die von dem Vorredner vorgebrachten Klagen würden verschwinden, sobald man hier einen Viehhof habe. Deshalb sei es notwendig, auf baldige Erreichung dieses Zieles bedacht zu sein. Pläne für einen Viehhof seien fertig, und die Vertreter des Viehhandels seien darüber auch gehört worden. Die Verwirklichung sei bisher nur daran gescheitert, daß bislang die Verhältnisse stärker waren als der gute Wille der Gießener Stadtverwaltung. Berbandsvorsjtzender Löwenstein-Kassel als Vertreter des Kurhessischen Viehhändler-Verbandes begrüßte die Anwesenheit der Behördenvertreter als Zeichen des Interesses an den Wünschen und Beschwerden des Diehhandels. Auch er betonte die Dringlichkeit einer grundlegenden Aenderung der Verhältnisse auf dem Gießener Viehmarkt, an der nicht nur der Dieh- handel, sondern auch die Allgemeinheit ein starkes Interesse habe. Herr Llrautz-Lauterbach trat mit Rachdruck dafür ein, daß die Viehhändler unter den gegenwärtigen Umständen aus dem Gießener Viehmarkt ihrerseits alles tun sollten, um dort Marktordnung zu halten, insbesondere den Handel auf der Straße zu vermeiden. Diese strenge Marktdisziplin sei notwendig, wenn man den Schuh der Verbandsleitung gegenüber unberechtigten behördlichen Maßnahmen in An* spruch nehmen wolle. Herr Bcrnttem-Hachcnburg erklärte, alle unliebsamen Verhältnisse aus dem Gießener Viehmarkt seien wirksam nur dadurch zu beseitigen, daß die Stadt eine Diehmarkthalle schaffe. ®iefe Einrichtung sei jetzt mit ollem Rachdruck zu fordern. Werde diese Halle geschaffen, dann sei aller Anlaß zu Klagen beseitigt. Beigeordneter Dr Hamm als Vertreter der Gießener Stadtverwaltung betonte in seiner ausklärenden Ansprache zunächst, daß alle die sich in einem großen Irrtum befänden, die der Meinung seien, das Interesse der Viehhändler und das Interesse der Stadt in der Viehhoffrage seien entgegengesetzt. Die Stadtverwaltung sei vielmehr der Auffassung, daß die Interessen beider Teile durchaus identisch seien, denn die Stadt wisse ganz genau, was Gießen an der Wirtschaftskraft des Viehhandels und am Viehmarkt habe. Das Bestreben der Stadtverwaltung gehe dahin, für den Diehmarktbetrieb eine wirklich einwandfreie Diehmarkthalle zu schaffen. Bisher habe die Stadtverwaltung bei ihrem Bemühen ständig mit ungeheuren Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, und vor allem fehle das wichtigste zu dieser Aktion, nämlich das Geld. Wenn eine Großstadt die füt ein solches Viehhofprojekt erforderlichen Mittel von 1,50 bis 2,50 Millionen Mark verhältnismäßig leicht aufbringen könne, so sei das für eine Stadt wie Gießen nicht in der gleich schnellen Weise möglich, zumal ja die Stadt auch noch andere große Verpflichtungen im Interesse der Bürgerschaft zu erfüllen habe (Derkehrsverbesjerungen, Stra- ßenherrichtungen, Wohnungs-, Schulhausbauten und so weiter). Der Redner schilderte hierauf den bisherigen Gang der Entwicklung in der Viehhoffraoe. Er erinnerte dabei an die unermüdlichen Bestrebungen des verstorbenen Oberveterinärrats Professor Dr. Knell zur Schaffung eines Viehhofes, erinnerte dann an die vielfachen Schwierigkeiten bei der Behandlung der Platzfrage und des Eifen- bahnanfchlufses. wobei er betonte, ba&_ die Reichsbahnverwaltung den Bemühunaen der Stadt Gießen zur Schaffung eines Viehhofes mit guten Gleisanschlüssen in anerkennenswerter Weise stets die nachdrücklichste Förderung habe zuteil werden lassen. Leider fei die Platzfrage bis heute noch nicht so einwandfrei zu lösen gewesen, wie man es gewünscht habe; es sei aber zu hoffen, daß in Der größte Markt der Welt verschwindet! Oie berühmte Messe von Nishnii-Nowgorov wirb abgeschafft. Don Or Franz Herbach. Reist man durch unwirtliche Gegenden Asiens, besucht man die mohammedanischen Völker, die im großen russischen Reich wohnen, etwa die Teppichweber in Buchara, die Jäger der Kirgisensteppe oder die Kaufleute am Rande der Mongolei, so hört man überall eine Stadt preisen, die den Bewohnern Mittelasiens den Glanz des Abendlandes darstellt: das ist Rishnij- Rowgorod, der große Marktplatz an der Wolga, tief im Innern des europäischen Rußlands. Der Ruhm dieser Stadt mit etwa über 100 000 Einwohnern ist erstaunlich genug. Moskau, etwa zwanzigmal größer, ist von Inner- .asien nur wenig weiter entfernt, Kiew ist viel schöner, und Städte von der Größe Rishnij-Row- gorods sind in der Sowjet-Hnion nicht selten. Aber Rishnij-Rowgorod ist der große Marktplatz, an dem sich — mit einer Hnterbrechung von wenigen Jahren in der Zeit des Bürgerkrieges — die Kaufleute Asiens und Europas seit Iahrdie großen chinesischen und persischen Kaufleute gehen, wenn sie nach Rußland fahren, längst im Sakko und fallen auf den Straßen durch eine europäische Eleganz auf, die im Sowjetstaat sonst nicht häufig anzutreffen ist. wenn man von dem außerhalb der Türkei noch überall üblichen Fez der Mohammedaner absieht. Die Bürger Rishnij-Rowgorods können an einem vornehmen Mann aus Charbin viel eher feststellen, was heute in der Welt modern ist. als bei der Mu- sterung eines Genossenschaftsvertreters aus Moskau oder eines hohen Funktionärs des Sowjetstaates. Mit großem Recht konnte man Rishnij-Row- gorod eine Drücke zwischen.Asien und Europa nennen. Die Messe, die dort im Hochsommer abgehalten wurde, vereinigte alle wichtigen am Austausch zwischen Europa und Asien interessierten Kaufleute der Welt. Die großen Handelshäuser Amerikas. Englands. Deutschland- Die Beisetzung des Gesandten Dr. Köster. * - - M t R H • M--') hunderten getroffen haben, und es ist der einzige Ort. den alle großen Handelsherren jenseits des Ural und des Kaukasus gut kennen, an dem sie sich in gewisser Weise zu Hause fühlen. Der Deutsche, der früher nach Rishnij-Rowgorod zur Zeit der Messe kam, glaubte freilich nicht, an einem repräsentativen Ort Europas zu weilen. Die bunten Kuppeln der Kirchen und Kapellen berührten ihn schon merkwürdig genug. Döllig fremdländisch war jedoch der Eindruck der Menschenmenge, die sich durch die Messestraßen schob. Dem Westeuropäer muhte daher Rishnij- Rowgorod stets als eine halbasiatische Stadt erscheinen. als ein Ort. in dem man fast alle orientalischen Dölker studieren und den Gewerbe- fleih der orientalischen Heimindustrie bewundern konnte. Die Pracht der orientalischen Kostüme ist freilich nach dem Krieg aus den Straßen Rishnij- Rowgorods verschwunden. Man sah Wohl noch irgendeinen turkestanischen Kaufmann, dessen buntes Gewand einem Schlafrock glich, mit einer anliegenden bunten Kappe ein wenig schief auf dem Kopf, und ein paar malerisch gekleidete Tscherkessen, Kalmücken oder Kirgisen, die feingewebte orientalifche Schal- verkauften; aber und Skandinaviens waren dort ebenso vertreten wie die asiatischen Handelsherren. Ohne Heber* treibung konnte man aber auch sagen, daß Rishnij- Rowgorod der größte Marktplatz bet Welt überhaupt gewesen ist. Während sich nämlich die Messen anderer Länder immer mehr zu einer Art von Musterschau entwickelt haben und die Einkäufer dort nur ihre Bestellungen aufgeben, die einem vorgelegten Muster entsprechend ausgeführt werden sollen, wurden in Rishnij-Rowgorod bis zuletzt fast nur die Waren gehandelt, die in den Lagerhäusern der Stadt wirklich untergebracht waren, und die die Einkäufer besichtigen und auf ihre Güte prüfen konnten. Es war also die größte Häufung von Waren, die man irgendwo finden konnte. Der Orientale ist ein mißtrauischer Kaufmann, der nur bezahlt, was er sieht und mit sich nehmen kann. Er ist noch von dem überholten Grundsatz überzeugt, daß es ein reeller Kaufmann nicht weit im Leben bringen könne. Da er selbst stets geneigt ist, ein wenig zu „beschummeln", setzt er dasselbe Der* fahren bei seinem Geschäftsfreund voraus — und sucht sich dagegen zu sichern. So wurden denn von alkersher zur Wesse gewaltige Gütermengen schwindet m einer Zeit, in der auch der asiatische Kaufmann zu modernen Methoden übergehen muh: der Gütertransport nach Rishnij-Rowgorod, der bei vernünftigen HandelSmethoden durch eine Musterschau billig ersetzt werden kann, ist in unserer Zeit ein Unbing. Seit Jahrhunderten hatte sich der Handelsstand des Ostens an diese Institution gewöhnt, und an 300 000 Besucher durchwanderten regelmäßig zur Messezeit die Bazare. Während des Bürgerkrieges, in der Zeit des Kriegskommunismus, verfielen die Messehallen und die Lagerhäuser. Die frierenden Arbeiter zogen in die verödete Messestadt, plünderten alles, was brennbar war, und steckten das Holz in die Oefen. 3m Jahre 1922 wurde wieder mit dem Aufbau der Messe begonnen. Damals beteiligten sich nur 23 orientalische Firmen an der Ausstellung ihrer Güter: aber zwei Jahre darauf waren es schon 307. Auch die die Wolgast abt befördert, um dort verkauft und unter Umständen den halben Weg zurücktransportiert zu werden. Nähert man sich Rishnij-Rowgorod im Auto, so glaubt man aus der Ferne auf eine orientalische Stadt zu schauen. Hunderte von Kuppeln überragen die Wohnhäuser, steile Hügel, von Schluchten unterbrochen, geben dem Ganzen einen landschaftlich schönen Rahmen. Die W o l gasch i f f e r , die oft chre Reise in Astrachan begonnen haben, die durch deutsche Siedlungen fuhren und kurz vorher in Kasan, der Hauptstadt der Tatarenrepublik anlegten, freuen sich, toeil nun ihre Fracht gelöscht wird und Geld zum Verjubeln in chre Finger gelangt. Aber das Innere der Stadt enttäuscht. Lieblos errichtete Häuser, nur ganz selten ein historisch bemerkenswertes Gebäude. Der Fremde kommt nur auf seine Kosten, wenn er gerade zur Messezeit dort Die Srandkatastrophe des haoagdampfers ..München" im Reuyorker Hafen: Das Feuer ist niedergekämpft. Das letzte Aufflackern wird von den Neuyorker Löschbooten abgclöscht «c weilt und nun durch die Bozarstrahe wandert, dos farbenprächtige Kinderspielzeug betrachtend, das in russischen Dörfern entstanden ist, sich an den gold- und silberbestickten Pantöffelchen aus dem Kaukasus freut und von einer schwarzäugigen Ukrainerin Süßigkeiten kauft. 3n Lastkähnen, mit den Eisenbahnen und sogar hin und wieder noch im Karawanenzug sind die Stoffballen, der Reis, der Tee, die Felle, die Häute, das kostbare Pelzwerk noch Rishnij-Rowgorod gebracht worden. Bauern lassen sich landwirtschast- liche Maschinen erklären, die sie zum erstenmal in ihrem Leben sehen, und in den Lokalen suchen Zigeunerkapellen die Kaufleute zu erfreuen. die mit chrem Geld nicht knausern, wenn die Tscherwonzen auch sparsamer ausgcgeben werden als früher die Zarenrubel. Sekt ist in den letzten Jahren in Äishnli-Rowgorod nicht mehr getrunken worden, und das Bergnügungsviertel der Messestadt hat überhaupt an Reiz eingebüßt, seit die Staatswirtschaft an die Stelle des reichen russischen Kaufmanns den Sowjetbeamten gesetzt hat. Die Behörden denken puritanisch, und der Wiederaufbau der Messe sollte nicht dem Vergnügen, sondern der Stärkung der Sowjetwirtschaft dienen. Run soll die Messe von Rishnij-Rowgorod a b a e s ch a f f t werden. Ein uralter Markt verstaatliche Industrie wurde veranlaßt, in den Messehallen ihre Erzeugnisse zur Schau zu stellen, und schließlich konnte sogar das westliche Ausland wieder heranaezogen werden. 1925 nahmen etwa 5 0 deutsche Firmen-» an der Messe teil, und die elektrotechnische Abteilung wurde fast ausschließlich von deutschen Häusern gestellt. Aber den Russen war weniger an einer Teilnahme der westlichen Industrie gelegen als an einer stärkeren Verbindung mit dem Orient " Die radikale Politik Stalins, die seit einiger Zeit in der ©otojetunion mit größter Energie durchgeführt wird, will nun dem privaten Handel einen neuen Streich spielen. Für die Genossenschaften und die staatliche Industrie sind die Geschäfte auf der Messe nicht von großer Bedeutung — und an einer Forderung der Privatwirtschaft liegt heute den Russen selbst dann nichts mehr, wenn dadurch ihre Beziehungen zu den Völkern und zu den fernen, von Mohammedanern bewohnten Sowjetrepubliken an den Grenzen Asiens verbessert werden. So verschwindet eine Institution, die in der ganzen Welt durch ihre Eigenart berühmt geworden war, und eine unersetzliche Drücke zwischen Europa und Asien wird abgebrochen. Rishnij-Rowgorod wird nun eine unbekannte und uninteressante russische Provinzstadt werden. Stirnen, Sport uni) Spies. Handvallrunde an der Universität. An der diesjährigen Handballrunde der Korporationen beteiligten sich insgesamt drei Verbindungen mit je einer Mannschaft Adelphia, Darmstadtia. Frankonia. Die Spiele wurden nach dem Einrundensystem ausgetragen. Universitäts- meister des W. S. 29/30 im Handball wurde Burschenschaft Frankonia. Rachstehend die Ergebnisse: Frankonia — Adelphia 3:3. Adelphia — Darmstadtia 1:1. Frankonia — Darmstadtia 8:3. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Gießen — 1. $• <£. 02 Frankfurt-Rödelheim 3:0 (1:0). ö. Trotz des heftigen Nordostwindes ein Spiel voll Schönheit, dazu von ausgezeichneter Fairneß! Beide Parteien lieferten ein glänzendes, ausgeglichenes Feldspiel. Während die Gäste das schönere, flachere Kombinationsspiel vorführten, spielten die Platzbesitzer ein schnelles, technisch hochstehendes erfolgreicheres Spiel. Die 1900er warteten wieder einmal mit einer recht guten Leistung auf. Ueberragenb hielten sie sich besonders in der ersten Spielhälste gegen den heftigen Wind. Die besten Leute waren die beiden Außenläufer. Bei den Süddeutschen gefielen die verblüffende Sicherheit des Torwartes und der hervorragende Linksaußen am besten. Die junge Mannschaft spielt zu weich. (5s fehlte die Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor. Beide Mann- schäften spielten komplett. Bei den Einheimischen verzichtete der Mittelläufer Langsdorf frei- willig auf die Teilnahme. Sein Platz wurde von Katz gut ausgefüllt. — Spielverlauf: Begünstigt durch den heftigen Rückenwind setzt Rödelheim sich zu Beginn in der Gießener Spielhälfte fest. Die aufmerksame Gießener Deckung läßt aber keinen Erfolg zu. Sack im Gießener Tor meistert hervorragend die Bälle, die auf sein Tor kommen. Auch zwei Eckbälle bringen den Gästen nichts ein. Schon der erste geschloßene Angriff der Ein- heimischen hätte zum Erfolg führen müssen. Knapp kann der Gästehüter die Gefahr bannen. Einzigartige Chancen lassen die Blauweißen aber aus bei zwei vorzüglichen Hereingaben des Linksaußen. Die erste lenkt ein Gießener im Uebereifer aus dem Gästetor zurück, bei der zweiten ist man sich nicht einig, wer den sicheren Treffer einschießen soll. Inzwischen sind die Gäste auch nicht müßig und geben der Gießener Hintermannschaft schwere Aufgaben zu erledigen. Zu Erfolgen reicht es aber nicht. Auf sonderbare Weise kommt Gießen zum Führungstreffer. Eine Steiloorlage des frei gespielten Gieße- ner Rechtsaußen will ein Rödelheimer Verteidiger dem eigenen Torwart zurückschieben, sieht aber nicht, daß dieser schon das Tor verlassen hat. Der Gießener Mittelstürmer setzt nach und schießt ein. Kurz darauf Halbzeit. 1900 spielt in der zweiten Hälfte mit Rückenwind, der allerdings nicht mehr so stark ist. Rach kurzer Drangperiode der Frankfurter kommt Gießen zu einem geschlossenen Angriff, den her Mittelstürmer erfolgreich abschließt. Das Spiel steht 2:0 für die Hiesigen und geht vollständig ausgeglichen weiter. 1900 leitet jetzt fortgesetzt gefährliche Angriffe ein. Rach schönem Zusammenspiel bucht der Gießener Halblinke den dritten Treffer und entscheidet damit das Spiel endgültig zugunsten des Platzvereins, da alle Anstrengungen der Gäste zur Verbesserung des Resultats scheiterten. Schiedsrichter Philipp (Großen-Buseck) leitete recht gut 1 900s Reserven siegten gegen die l.Elf Steinborfs 2:0. Die Gäste brachten eine scharfe Rote in bas Spiel. Die Begegnung war als Gesellschaftsspiel zu hart. Die Hiesigen spielten zunächst mit dem Wind unb' lagen beim Seitenwechsel 2:0 in Führung, bie sie bis zum Schluß trotz größter Anstrengungen des Gegners nicht abgaben. Vor bem Ligaspiel sah man die Alten Herren ber Spielveremigung wieder einmal auf dem Plan. Die Fußballmannschaft deÄ Ruderklubs „Hassia" stellte den Gegner. Bei diesem Treffen spielte der Wind eine besonders große Rolle, da beiderseits sehr hoch gespielt wurde. In der ersten Hälfte drängte die „Hassia" unb führte beim Wechsel auch 1:0. Vach ber Pause würbe 1900 aber weit überlegen unb siegte schließlich 4:1. Beiberseits waren bie brei Schlußleute ber beste Mannschaftsteil. Da» Spiel war sehr fair. Der Schiri hatte ein leichtes Amt. 1. Jugend: Auf eigenem Platz konnte sie trotz Ueberlegenheit gegen die spielstarke 1. Igd. des Wetzlarer Sportvereins im Pflicht-- spiel nur ein Unentschieden (1:1) erzwingen. In der ersten Halbzeit hatte W. den starken Wind für sich, 1900 hielt jedoch das Spiel offen. Die zweite Halbzeit brachte, bis auf einzelne gefährliche Durchbrüche, ein Spiel vor dem Wetzlarer Tor mit sich, ber blauweihe Sturm war aber nicht energisch genug, um seine Ueberlegenheit in Toren auszubrücken. Die Tore fielen erst kurz vor Schluß. 1900s Mittelstürmer verwandelte durch schönen Kopfball einen Strafstoß, im Anschluß daran glich W. durch Handelfmeter aus. 2. Jugend: Diese weilte in Aßlar zu einem Gesellschaftsspiel gegen die 1. Igd. des dortigen V. f. D. Rach A) Minuten hatte 1900 schon 3:0 gewonnen, wegen der schlechten Bodenverhältnisse ließ der Schiedsrichter aber nicht weiterspielen. 3. I u g end: Sie verlor das Gesellschaftsspiel in Steindorf gegen die 1. Jugend des DD« mit 3:2. In ber ersten Halbzeit hatte 1900 den QBinb zum Bundesgenossen unb erzielte zwei Sore, in der zweiten Halbzeit konnte Steindorf ausgleichen unb durch ein Selbsttor der Gießener den Sieg erringen. 2. Schüler: Sie mußten in Wetzlar den 1. Schülern des dortigen SV. mit 0:1 den Sieg überlassen. Dem Spielverlauf nach hätte 1900 gewinnen müssen, doch fein Sturm versagte vor dem Tor. B. f. B. v. f. V. — Ockershausen 0:1. (EckenVerhältnis 6:1.) Die Ligamannschaft unterlag im erster» Entscheidungsspiel um die Meisterschaft bet Gruppe Lahn mit 0:1 und vergab bamit ihre größte Chance. Obgleich sie mit dem knappsten aller Resultate verlor, so ist die Riederlage für sie doch recht peinlich, um so mehr, als sie diesmal den Vorteil des eignen Platzes hatte, während sie zum Rückspiel auf dem gefürchteten Ockershausener Platz antreten muß. Die D. f. D- Elf enttäuschte insofern stark, als sie nach anfänglich sehr guten Leistungen nachlieh und zum Seil zeitweise auch den ernsten Willen, bas möglichste zu tun, um den Sjeg zu erringen, vermissen ließ. Bei etwas mehr Energie unb Kampfeseifer hätte sie das Spiel für sich entscheiden können. Ockershausen zeigte zwar auch keine Meisterleistung, brachte aber entschieden mehr Eifer und Siegeswillen auf unb war vor allen Dingen auch viel schneller. Den herausgearbeiteten Torgelegenheiten nach hätte bas Resultat mindestens in ber gleichen Höhe auch für Gießen lauten können. Schon in den ersten Minuten hatte V. f. B. zweimal sichere Gelegenheit, in Führung zu gehen, die aber beidemal verpaßt wurde. Gießen war weiterhin im Vorteil unb führte bei flottestem Tempo ein sehr gefälliges Kombinationsspiel vor, das ihm eine gewisse Feldüberlegenheit verschaffte, bie aber infolge mangelnder Durchschlagskraft des Sturmes nicht zu zählbaren Erfolgen reichte. Ockershausen wehrte sich mit Schneid und Ausdauer und drückte seinerseits noch auf das ungewöhnlich schnelle Tempo. Etwa eine halbe Stunde lang war der Kampf äußerst intereffant unb Die blonde Sklavin. Vornan von Hermann Weick. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Aber ihr Weinen wurde stärker, verzweifelter. Es war, als bräche in dieser Stunde bie letzte Kraft, bie sie bis jetzt noch aufrechtgehalten hatte, in ihr zusammen. Schulhofs führte sie zum Divan. Er setzte sich neben sie unb hielt sie umschlungen. All seine bitteren, hassenden Gedanken waren verweht. Plötzlich hob Eva den Kops. Ihre Züge waren wie im Schmerz versteint , „Ich wollte dich noch einmal sehen..sprach sie mit fremder Stimme. .Ich hätte nicht fort« gehen können, ohne aus Deinem Munde zu Horen, daß du nicht schlecht von mir denkst.. Schulhofs sah sie bestürzt an. „Su willst fort, Eva?^ Sin harter, entschlossener Zug war in ihrem Antlitz. „Ich bin auf der Flucht. Ich ertrage dieses Dasein nicht mehr! Der Mann, mit dem du mich gesehen hast, hat mich in seiner Gewalt! Was mich in feine Macht gegeben hat, kann ich dir nicht sagen. Lange habe ich dieses fürchterliche Leben ertragen: aber jetzt kann ich nicht mehr!" Sie machte eine Pause. Ein Zittern ging durch ihren Leib. „(Sr wird mich verfolgen, aber lebend bringt et mich nicht mehr in fein Haus zurück!" Fassungslos hatte Schulhofs ihr zugehört. Gr begriff dies alles nicht. Eva in ber Gewalt dieses Mannes?... Die Geliebte auf ber Flucht vor diesem Menschen?... Sr faßte Eva am Arme. „CEer ist der Mann?" fragte er erregt. Sie gab keine Antwort. »Ich will ihm gegenübertreten, ich will um dich kämpfen. Eva!... Und wenn ich ihn töten müßte, er muh seine Hände von dir lassen!" Sie schrak zusammen. „5>u kennst ihn nicht! Er ist viel gefährlicher, als du meinst! Er würde dich vernichten, wenn du dich ihm entgegenstellst!" „3 fürchte ihn nicht! Ich will für unser Glück kämpfen!" Mit wehem Blick umfing sie sein Antlitz. »Genügt es nicht, daß mein Leben zerstört ist? Soll auch noch das deinige zugrunde gerichtet werden .. durch meine Schuld?" Schulhofs sprang aus. „Unb ich soll hier tatenlos mitansehen, wie ihres er Mensch dich forttreibt?... Wer ist er? Sage es mir, Eva!... Kennt er mich?... Weih er, dah du mich liebst?" Eva Witte schüttelte den Kopf. „Er kennt dicht nicht, Felix... er weih auch nicht, dah du es bist, den ich liebe... Und er soll auch niemals etwas von dir erfahren! Ich hätte sonst keine ruhige Stunde mehr, weil ich dich immer in Gefahr wüßte!" Erregt ging Schulhofs hin und her. Ohnmächtige Verzweiflung peitschte ihn. Eva Witte trat an seine Seite. Sie legte den Arm um seinen Hals. „Wir wollen uns nicht quälen, Felix! Ich muß meinen Weg gehen! Schlimmer, als es bisher war, kann es nicht werden!" Ihre Stimme begann zu zittern. »Rur das eine will ich dir sagen, bevor ich gehe Ich habe dich lieb und werde dich immer lieben! Ich habe anfangs gegen diese Liebe gekämpft, ich wollte dich nicht Wiedersehen, weil es ja für uns beide kein dauerndes Glück geben kann. Aber ich muhte immer wieder zu dir kommen!" Sie rih sich von ihm los und eilte zur Tür. „Eva!" schrie Schulhofs. Sie drehte sich um. Bebend lehnte sie an der Tür. „Warum machst du es mir so schwer?" sagte sie todestraurig. „Wohin willst du gehen. Eva?" Ratlos gingen ihre Augen umher. „Irgendwohin ... wo er mich nicht findet." Schulhofs sprang auf sie zu und riß sie in seine Arme „Ich lasse dich nicht so gehen, Eva! Wenn du fort muht, so will ich mit dir gehen! Du sollst nichi allein sein in deiner Olotr Ungläubig sah Eva ihn an. „Du willst mit mir gehen?..." „Ich will bei dir bleiben, bis ich dich irgendwo in guter Hut und in Sicherheit weih! Ich will von jetzt ab über dein Leben wachen, Eva! Gehören wir nicht für immer zusammen?"' In überströmender Liebe sah sie ihn an. Hoffnung keimte in ihrer gemarterten Seele. „Wie gut bist du zu mir!“ sprach sie dankerfüllt. XVI. Die Ostsee schimmerte im Glanz der Morgensonne. Leichter Wind kräuselte die Wogen, die spielerisch zwn Ufer sprangen. In der Ferne zogen einige Fischerboote träge dahin. Ihre Segel hoben sich scharf gegen den tiefblauen Himmel ab. Eva Witte räkelte sich im Sand. „Wenn ich nicht zu bequem wäre, würde ich nochmals ins Wasser gehen!" Schulhofs faßte sie lachend um bie Hüften. „Auf mit dir Faulpelz! Jetzt wird qeschwom- men!" Sie eilten über den Stranb, stapften durch das Wasser, das mit jedem Schritt tiefer wurde, und schwammen dann ins Meer hinaus. Ein jauchzendes Frohgefühl war in ihnen. Sie riefen einander zu, schwammen zur Wette miteinander und bemerkten plötzlich, dah sie in ihrer übermütigen Stimmung weit vom Land ab» gekommen waren. „Zurück!" rief Schulhofs. Er schwamm zu Eva hin. „Bist du müde?" Sie schüttelte den Kops unb stieß mit raschen, elastischen Bewegungen vorwärts, so daß sie vor Schulhofs den Strand erreichte. Lächelnd drehte sie sich nach ihm um. Als er ankam, rannte sie davon, den Strand hinaus. Aber schnell hatte Schulhofs sie eingeholt. Er riß sie in seine Arme und kühle sie stürmisch. Bebend lag sie an seiner Brust: heiß erwiderte sie seine Küsse. Dann lagen sie wieder im Sand, liehen sich von der Sonne wärmen und genossen in trunkener Seligkeit das Glück des Beisammenseins. Seit fünf Sagen weilten fie nun schon in dem kleinen Fischerdorf. Hier,, wo kaum einmal ein Fremder auftauchte, fühlten sie sich sicher und geborgen. Wie in geheimer Verabredung sprachen sie nicht von vergangenen Dingen. Unb wenn die Zukunft frageheischend ihr Haupt erhob, so verscheuchten sie diese Gedanken. Sie wollten nur dem Augenblick leben... sich nicht sorgen und quälen... Waren sie nicht glücklich... namenlos glücklich!... Am Rachmittag wanderten sie stundenlang durch die Dünen. Müde, hungrig kehrten sie am Abend heim. Run kam ihre schönste Stunde. Wenn sie auf der kleinen Veranda des Hauses sahen, in dem sie wohnten. Langsam senkte sich bie Rächt auf Land unb Wasser herab. Ringsum war Stille. Rur bas leise Rauschen der Wogen, die den Strand heraufliefen, drang zu ihnen. Alics umher lag jetzt im Dunkel. Aber im Meer, das sich geheimnisvoll draußen ausbreitete, spiegelte sich das glitzernde Licht der Sterne. Eng aneinander gelehnt, sahen Felix Schulhofs unb Eva Witte. Sie gaben sich ganz dem Zau- brischen dieser milden, weichen Sommernacht hin. Rur selten sprachen sie ein Wort. Was hätten sie auch sagen sollen! Wuhte nicht eines um die Gedanken des andern?... teilte nicht eines des andern Fühlen und Sehnen? — Am nächsten Morgen war Schulhofs schon frühe auf Als er vors Haus trat, kam gerade der Briefträger des Weges Er hatte einen eingeschriebenen Brief für Schulhofs. Erschrc ckt blickte Schulhofs auf das Kuvert, daS von der Hand seines Prokuristen Dendler geschrieben war. Er hatte Dendler vor einigen Tagen seine Adresse für den Fall mitgeteilt, bah im Definben seines Vaters eine Verschlimmerung eintreten ober sonst Wichtiges sich daheim ereignen sollte. War ber Vater kränker geworden? Schulhofs rih den Briefumschlag auf. In wachsender Erregung las er das umfangreiche Schreiben. Dein Gesicht zeigte den Ausdruck! größter Bestürzung. Bendler schrieb, dah die Europabank einen Seil des bewilligten Kredits für das Westen d- Projekt wieder gäünbigt habe: er habe sich sofort mit dem Maller Ricolas in Verbindung gefetzt. Diesem sei daS Vorgehen der Bank ganz unverständlich, es müsse unbedingt ein Mißverständnis vorliegen, doch halte Ricolas für alle Fälle die unverzügliche Rückkehr des Herrn Schulhofs für geboten, um auch seinerseits mit der Dank zu verhandeln. Erregt ging Schulhofs vor dem Hause hin und her. Das war eine schlimme Botschaft! Ein Teil des Kredits gekündigt... bas brachte unter Um« ftänben sein ganzes Bauprojekt ins Wanken! Wie kam bie Bank plötzlich zu dieser unbegreiflichen Maßnahme?... Auch Bendler schien die näheren Ursachen dieses Vorgehens nicht zu kennen, er hätte sonst in feinem Briefe davon gesprochen. Selbstverständlich muhte er, Felix, sofort nach Berlin zurückkehren I Keine Stunde Länger durfte er säumen, um die Sache möglichst schnell wieder ins Reine zu bringen. „Felix!" klang es da vom Hause her. Eva Witte erschien unter der Türe. Sie bemerkte sofort Schulhoffs verstörtes Wesen. „Ist etwas geschehen?" Er sah die Angst, das Entsetzen in ihren Augen. „Richts Besonderes," antwortete er, um sie zu beruhigen. „Ich habe Rachricht von zu Hause bekommen. Geschäftlich llappt etwas nicht recht." Er zögerte. Es fiel ihm schwer, das Folgende zu sagen: „Ich muh leider für einen oder zwei Tage nach Berlin fahren." Eva Witte zuckte zusammen. Voll Schreck sah sie Schulhofs an. „Du muht fort?* stieß sie hervor. Dann rasch, wie gejagt von einem dunkeln Verdacht: „Handelt es sich wirklich um etwas Geschäftliches, Fäix?.., Ober breht es sich... um mich?..." Er verstand sie. Sorgsam legte er den Arm um sie. „Du kannst meinen Worten glauben, Eva! Mit unserer Bank ist etwas nicht in Ordnung i Wein Prokurist schreibt mir, daß meine Anwesenheit in Berlin notwendig sei!" (Fortsetzung folgt) srgab eine ganze Reihe 'spannender Momente. In dieser Zeit hätte sich D. f. D. den Sieg sichern können. Allmählich wurden die Angrifse langsamer und auch systemloser. Kurz vor der Pause gelang es Ocker rhausen, bei einem Durchbruch infolge eines Mißverständnisses zwischen einem Verteidiger und dem Tormann der Gießener Elf das einzige Tor des Tages und damit das Siegestor zu erzielen. Aach der Pause war das Spiel einige Zeit verteilt, bis der Gegner sich ebenso stark überlegen zeigte, wie dies V. f. V- vor dem Wechsel vermochte. Vei der Planlosigkeit des Gießener Spiels hätte Ockersbausen Gelegenheit gehabt, das Resultat zu erhöhen: sein Sturm machte es aber nicht besser, als der der Plahelf. Erst eine Viertelstunde vor Schluß schien es dieser klar zu werden, waS auf dem Spiele stand. Ihr Endspurt kam jedoch zu spät: wohl drängte sie den Gegner ganz zurück und kämpfte verzweifelt um den Ausgleich, der ihr aber versagt blieb. Ein Unentschieden hätte den Leistungen beider Gegner eher entsprochen. Richt unerwähnt darf bleiben, daß der Kampf beiderseits sehr fair und ruhig durchgesiihrt wurde. Schiedsrichter Win- g en selb (Fulda), war dem Spiel ein umsichtiger und objektiver Leiter. Die zweite Mannschaft hatte ein Gesellschaftsspiel mit der ersten des Sportvereins Oberschmitte n abgeschlossen, muhte dies aber infolge Erkrankung und Verhinderung einiger Spieler absagen. Handball im Lahn'Oünsberg-Gau. Beuern 2. — Staufenberg 1. Jugend 1:5 (0:2). Äm Sonntag trafen sich in Staufenberg Beuern 2. Mannschaft und Staufenberg 1. Jugend. Staufenberg spielte durchweg leicht überlegen und konnte bald das erste Tor für sich buchen, dem kurz vor Halbzeit das zweite folgte. Nach der Pause spielle Staufenberg weiter überlegen und konnte bis zum Schluß noch drei Tore werfen, während Beuern nur eins entgegensetzte. Bemerkt sei noch, daß Beuern das Spiel nur mit neun Mann durchführte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I — Wetzlar I 5:3. Gießens erste Mannschaft hatte am Sonntag Wetzlars Erste auf dem Trieb im Rückspiel zum Gegner. Bald gelang es Wetzlar, in Führung zu geben. Dann kam auch Gießen merklich auf, und der flinke Schlußmann der Gäste mußte öfters rettend eingreifen. Rach längerer Zeit konnte Gießen zum Ausgleich kommen, doch Wetzlar erzielte in kurzer 3eit wieder die Führung, um sie aber bis Halbzeit wieder zu verlieren. Rach dem Seitenwechsel war Gießen mit dem Wind als Bundesgenossen stark überlegen. Wetzlar verlor durch Verletzung nacheinander drei Spieler. Wohl wickelte sich das Spiel nur noch in der Spielhalfte der Gäste ab, trotzdem gelang es Gießen, nur noch drei Tore zu erzielen. Vorher spielten die zweiten Mannschaften beider Vereine und trennten sich nach gleichwertigem Spiel mit einem Unentschieden 2:2. wieseck Ib — Lich I 4:0. Lich, der Neuling des Bezirkes, war am Sonntag in Wieseck zu Gast. Wieseck 1b stellte auch diesmal unter Beweis, daß sic in der kommenden Serie ihren Mann stellen wird. Der Anstoß der Einhci- misä-en brachte ein flottes Spiel. Lich lieferte vorerst eine gute Partie, bis es den Platzbesitzern gelana, in Führung zu gehen. Nun wurde die Mannschaft etwas aufgeregt, wahrend die Einheimischen merklich überlegen wurden. Trotz aller Anstrengungen I kamen die Angriffe der Gäste nur his zur Verteidigung, die immer klärte. Wieseck erzielte dann noch I drei Tore. Wirtschaft. Handels» u. Gewerbebant Gießen. Das Institut hielt gestern seine 71. ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Auffichtsrats, Kommerzienrat Roll, eröffnete die Versammlung mit kurzen Begrüßungsworten und wies darauf hin, daß die deutsche Wirtschaft eines der schwersten Jahre seit der Stabilisierung hinter sich habe. Durch die fortwährenden Beunruhigungen politischer, finanzieller und wirtschaftlicher Art sei jeder Auftrieb des Geschäftslebens unterbunden worden. Trotzdem habe die Bonk auch im vergangenen Jahr befriedigende Ergebnisse erzielen können. Den Geschäftsbericht für 1929 erstattete Direktor Arnold, der nach kurzer Betrachtung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse die verschiedenen Bilanzposten, die wir bereits bei der kürzlichen Besprechung des Jahresberichts wiedergegebcn haben und von denen nur die wichtigsten wiederholt werden sollen, eingehend erläuterte und in Vergleich zu den Ziffern des Vorjahres setzte. Sämtliche Posten der Bilanz weisen Steigerungen auf. Der Gesamtumsatz betrug etwas mehr als 130 Millionen Mk., die Bilanzsumme per 31. Dezember 1929 hat den Betrag von 3 Millionen Mk. überschritten. Das eigene Vermögen der Bank ist auf 768 000 Mk., das ® e f a m t g a » r antiekapital auf 2,5 Millionen Mk. an- gewachsen. Die Einlagen, die auf 2,15 Millionen Mark gestiegen sind, dürfen demnach als auherordentlrch stark gedeckt bezeichnet werden. Auch die Zahlungsbereitschaft der Bank, auf die die Verwaltung in der jetzigen Zeit besonderen Wert legt, war ausreichend. Die flüssigen Mittel decken die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit 88 Prozent, die gesamten Verbindlichkeiten mit 44 Prozent. Aus dem Reingewinn, der sich nach vorsichtiger Bewertung der Aktiven auf 73 335,39 Mk. beläuft, werden 10 Prozent Dividende verteilt. Auf die aufzuwertenden alten Spareinlagen und Geschäftsanteile wird eine dritte Teilgutschrift von 3 Prozent des Goldwerts genehmigt, so daß die bisherige Aufwertung nunmehr 9 Prozent beträgt. Die Verwaltung hofft, bis Ende nächsten Jahres die aus freien Stücken beschlossene Aufwertung von 12,5 Prozent durchgeführt zu haben. Besonderes Interesse beanspruchten die Ausführungen über den Reubau der Bank in der Goethestraße. der im Rohbau sertiggestellt ist und bis zum Spätsommer beziehbar sein soll. Die Gesamtbaukosten find auf 300 000 Mark veranschlagt. Bisher blieben die Kosten im Rahmen des Voranschlags, der auch bei den Innenarbeiten nicht überschritten werden soll. Heber die Fiiranzierung selbst wurden nähere Mitteilungen gemacht. Eine Beanspruchung von Geschäftsmitteln in der heutigen geldknappen Zeit zum Rachteil der kreditsuchenden Mitglieder ist vermieden worden. Der Verwaltung war eS, noch bevor der Dau beschlossen wurde, durch günstige Abmachungen gelungen, den größten Teil der Baumittel zu einem Zinssatz von 6 Prozent und teilweise 7 Prozent bei voller Auszahlung auf 10 bzw. 20 Jahre fest zu beschaffen. Der Rest wird durch den Erlös des alten Bankgebäudes und eine Baureserve gedeckt. Als eine glückliche Lösung wurde der Vertrag mit dem Gewerbeverein und der Handwerkskammernebenstelle bezeichnet, die sämtliche Räume im ersten Obergeschoß gemietet haben. Von dieser räumlichen Vereinigung wird eine weitere Vertiefung der Beziehungen zum Handwerk und Gewerbe erhofft. Sie kam schon jetzt dadurch zum Ausdruck, daß bei den Ersatzwahlen zum Aufsichtsrat der erste Vorsitzende des Gewerbevercins, Schreinermeister G g. Hau - bad), neu neben den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern Amtsgerichtsrat Gros, Kaufmann Fritz Jung, Hhrmacher Otto Schmidt und Heinrich W i n n gewählt wurde. Zum Schluß hielt Direktor Mattern ein Referat über die Organisation der Kreditgenossenschaften. Er behandelte den Aufbau der Genossenschaften, ihre Leistuugs- fähigkeit und Sicherheit, sowie im besonderen ihre Aufgaben als Mittelstandsinstitute. Erhöhtes Gewicht müsse heute von jedem Kreditinstitut auf die Zahlunasbereitschaft gelegt werden. Die Liquidität gehe in der heutigen Zeit noch vor der Rentabilität. Wie die Verwaltung mitteilte, habe sich auch im neuen Jahr das Geschäft befriedigend weiterentwickelt. Oie Arbeitsmarktlage im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen. Heber die Arbeitsmarttlaqe in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Frankfurt: Die Zahl der Arbeitsuchenden hat in der letzten Woche wieder um 2300 zu- aenommen, sie betragt jetzt 229500. Der Arbeitsmarkt des Baugewerbes und der übrigen Außenberufe wird immer noch durch den Frost ungünstig beeinflußt. Die Deschäftigungsver- schlechterung in der Metallindustrie beruht zum größten Tell auf konjunkturellen Einflüssen. Diese sind auch die Hrsache der wenig besriedigenden Entwicklung des Marktes der übrigen Verbrauchsindustrien, wie Rahrungs- und Genuhrnittelge- werbe, Bekleidungsgewerbe, Lederindustrie und Holzgewerbe. Die Zahl der arbeitsuchenden A n g e st e l l t e n steigt beständig, sie beträgt zur Zeit fast 15000 und hat den ungünstigsten Stand der Vorjahre wesentlich überschritten. Die beiden Hnterstützungsarten (Arbeitslosen- und Krisenunterstützung) nahmen rund 166 300 Personen für sich und ihre Angehörigen in Anspruch (Vorwoche 163 900). Die Zahl der Haupt- unterstühungsempfänger liegt also zur Zeit um 13 100 über dem Stand von Mitte Februar 1929 und um 8300 über dem Höchststand von Witte März deS Vorjahres. Zusionpreuß.(LentralbodenkreditA.-G. preuß. Pfandbriefbank. In den Sitzungen des Verwaltungsrats der Preußischen Central-Bodenkredit A.-G. und des Aufsichtsrats der Preußischen Pfandbrief-Bank wurden von den Direktionen Geschäftsbericht, Bilanz und Gewinn. und Derlustrechnung vorgelegt, die übereinstimmend die Ausschüttung' einer Dividende von 12 v. H. vorsehen (i. V. Eentralboden 10 v. H., Pfandbriefbank 12 v. H.). Ferner wurde die Vereinigung der beiden Institute beschlossen. Die zusam- mengeschlossene Gesellschaft soll den Firmennamen „Preußische Central-Bodenkredit» und Pfandbriefbank" führen. Stamm- und Vorzugsaktionäre der Preußischen Central-Bodenkredit A.-G. erhalten 18,2 Mill. Mk. Aktien des neuen Instituts im Verhältnis 1:1 Von den 18,2 Mill. Mk. Aktien werden 11 Mill. Mark auf dem Wege einer Kapitalerhöhuna der Pfandbriefbank beschafft und 7,2 Mill. Mk. von Aktionären der Pfandbriefbank zur Verfügung gestellt. Das Grundkapital des neuen Instituts wird hierdurch 36 Millionen Mk. betragen und ausschließlich aus Stammaktien, bestehen. Dem Vorstand der «reinig« ten Gesellschaft werden als ordentliche Mitglieder Je drei Vorstandsmitglieder der beiden Institute angehören. " v Zweite Teilauvschüttung der Hess. Landeshypvthekenbank. Die Hessische Landeshypothekenbank schüttet aus der Teilungsmasse für Vorkriegspfandbriefe einen zweiten Teilbetrag von 7,5 Prozent aus. Die Ausschüttung erfolgt mit 5 Prozent in 4,5prozen- tigen Liquioationsgoldpfandbriesen bzw. Goldpfandbriefzertifikaten und mit 2,5 Prozent in bar. Die Spitzende träge unter 10 Goldmark werden in bar ausgezahlt. Die Auszahlung erfolgt gegen Einreichung der Ratenfcheine Rr. 1, die ab 1. Mai mit den kostenlos von der Bank zu beziehenden Vordrucken vorzunehmen ist. * Sie Preußische Landespfandbrief a n st a 11 in Berkin (Grundkapital und offene Reserven über 31 Millionen Mark), die sahungsgemäß Darlehen zur Herstellung und Erhaltung von Klein- und Mittelwohnungen gewährt, weist in ihrer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß sie in der Zeit vom 27. Februar bis 19. März einen Betrag von 5 Millionen Goldmark ihrer Zproz. Goldmarkpfandbriefe, Reihe XVH/XVIII zum Vorzugskurse von 96,50 Prozent zur öffentlichen Zeichnung auflegt. Die Pfandbriefe sind reichsmündelsicher; sie werden an den Börsen Berlin und Frankfurt a. M. mit 97 Prozent notiert und sind bei der Reichsbank in Klasse A lombardfähia. Die Stücke sind zu 100. 200, 500, 1000 und 5000 Mark lieferbar. Alle durch den Berkaus der Papiere aufkommenden Beträge werden ausschließlich dem Wohnungsbau zugeführt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 25. Febr. Tendenz: schwächer. — Auch zum Liquidationstage herrschte an der Frankfurter Börse starke Geschäftsstille. Aufträge vom Inland und Ausland waren wieder nicht eingetroffen, so daß im Zusammenhang mit dem Mangel an Anregungen die Spekulation keine Reigung zeigte, Deckungen vorzunehmen. Es kam Material an den Markt; von einem größeren Angebot konnte jedoch nicht die Rede fein, doch genügten bei der herrschenden Hnlust schon kleine Angebote, um Verluste bis zu 2 Prozent gegenüber der gestrigen Abendbörse herbeizuführen. Die Tendenz neigte zur Schwäche, zumal der Verlauf der gestrigen Auslandbörsen viel zu wünschen übrig ließ. Aber auch das langsame Fortschreiten der Debatte im Reichstage über den Voungplan trug zur Verschlechterung der Situation bei. Die günstigen Geldmarktver hältnisse fanden keine Beachtung. Eine Anspannung m geringem Hm» fange war wohl, im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ultimo, selbstverständlich. Am Elektromarkt lagen Siemens mit minus 2,5 Prozent stärker im Angebot. Schuckert und Licht & Kraft eröffneten 1 Prozent bzw- 1,5 Prozent schwächer. Rach 'Berücksichtigung des Dividendenabzuges bei AEG. lagen diese Aktien zur Erst- notiz leicht gebessert. Gesfürel gut behauptet. Am Chemiemarkt kam in Farben Material heraus, bei einem Rückgang von 2 Prozent- Rüt- gerswerke vernachlässigt. Am Montanmarkt toaf die Ablahtätigkeit etwas reger, aber trotzdem ergaben sich auch hier Abschwächungen bis zu 1,25 Prozent. Zellstoff Waldhof eröffneten gut behauptet, während Aschaffenburger Zellstoff etwas nachgeben muhten. Kunstseidewerte bis zu 2 Prozent gedrückt. Am Kalimarkt eröffneten Westeregeln mit einem Spitzenverlust von minuÄ 3 Prozent. Aschersleben bis zu 1 Prozent, Ban- ken und Schiffahrtswerte leicht nachgebend. Tietz lagen behauptet- Renten still und zur Schwache neigend. 2m Verlaufe trat keine Belebung ein. Material kam kaum mehr an den Markt, doch gab ein Teil der Werte bei der anhaltenden Geschäftslosigkeit weiter leicht nach-. Man hörte heute nur Kurse per Hltimo März. Der etwas bessere Reichsbankausweis für Die dritte Februarwoche blieb ohne Wirkung. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld mit 6,5 Prozent etwas angespannter. Geld über Ultimo 6,5 bis 7,5 Prozent. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1880. gegen Pfund 20 371, London gegen Kabel 4,8630, gegen Paris. 124,21, gegen Mailand 92,83, gegen Madrid 39,10, gegen Schweiz 25,1990. gegen Holland 12,1275. Berliner Börse. Berlin, 25. Febr. Rach einem ruhigen Vormittag erkannte man schon an der Borbörse, daß zum heutigen Prämienerklärungs tag c doch mehr Ware als ursprünglich angenommen; herauskommen würde. Dais Publikum trat auch heute wieder als Abgeber auf, und die Speku^ lation zeigte angesichts der immer noch ungeklärten politischen Lage keine Reigung zu Reu- engagernents. Die ersten Kurse brachten dann, vielfach Abschläge bis zu 2 v. H. Eine Reihe von Werten, wie Salzdetfurth, Licht & Kraft, Elektrische Lieferungen, Siemens, Hamburger Elektrizität, Aku und Reichsbank verloren biä zu 3 v. H. Ilse Bergbau minus 5,13 v. H. und Westeregeln minus 4,5 v. H. lagen stärker gedrückt. Etwas freundlicher tendierten Felten, Gesfürel und Siegen-Solingen; letztere waren, nachdem sie mit Plus-Plus-Zeichen erschienen waren, 6/8 v. H. höher. Akkumulatoren gewannen 2 v. H. Deutsche Anleihen waren behauptet. Ausländer geschäftslos. Der Pfandbriefmarkt war uneinheitlich. Der Geldmarkt war etwas versteift. Tagesgeld 4,5 bis 7 v. H.; Monatsgelb 6,75 bis 8,5 v. H.; Warenwechsel etwa 5,75 v. H. Rach den ersten Kursen änderte sich an der Geschäftslosigkeit und Lustlosigkeit nur wenig, obwohl der Reichsbankausweis per 22. Februar eine Entlastung von 12,8 Millionen brachte. 2m einzelnen nahmen die Goldbestände um 59 Millionen zu, während sich die Bestände an Wechseln und Schecks um etwa 100 Millionen verringerten. Die Lombardbestände haben um 23 Millicnen abgenommen, und an Roten sind 161,75 Millionen in die Kassen des 2nstituts zurückgeflossen. Die Deckung besserte sich von 56,4 auf 60,2 v. H.» bzw. von 66,1 auf 70 v.H. Eine aus Stuttgart gemeldete Insolvenz der Württemberger Privatbank A.G. vorm. G. Deiswenger verstimmte, und es ergaben sich bei minimalen Hmsähen kleine Kurscllibröckelungen, die nur bei Diemens und Schubert & Salzer bis zu 1 v. H. betrugen. Farben, in denen anfangs stärkeres Angebot Vorgelegen hatte, konnten sich später auf dem ermäßigten Riveau behaupten. Siemens-Debenturs wurden heute mehrfach mit 233 v. H. gehandelt, ZRinöcrmarff in Gießen. Der Auftrieb zum heutigen Rindviehmarkt irt Gießen belief sich auf 1314 Stück Großvieh und 192 Kälber. Der Handel war schleppend, so daß größerer Heberstand verblieb. Gesucht waren Simmentaler und rote Fahrkühe, die aber wenig auf dem Markte vorhanden waren. Es wurden nachstehende Preise erzielt: Für Kühe 1. Qualität 600 bis 650 Mk., 2. Qualität 350 bis 450 Mark. 3. Qualität 200 bis 300 Mk. Schlachtkühe 100 bis 400 Mk.. Rinder, ir/sjährig, 200 bis 300 Mark, l/j- bis jährig 120 bis 240 Mk. Kälber das Pfund Lebeichgewicht 55 bis 60 Pf. Bessere Tiere brachten Preise über Aotiz. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 o.H., Lombardzinsfuß 7 v.H. $ranrtun a. M. Berlin ftränffurt a. M. SCTlin Frankfurt 25,9 85 4K% Rheinische Hvp^Bank 82,7 Licht und Kraft......10 «eiten S Guilleaume ... 7^ Gesellschaft füt Elektrische 165 125 Älltst-. Rott. 167,78 168,12 167,82 168,16 8%’^Br. LandeSPsandbriesanstalt, r 17 166 166.75 167 SchultbeiZ Patzcnhofer ... 15 - - 268,5 267,5 Puen-.AireS Brss.'Alltw- 1,584 58,29 1,588 58,41 1,578 58,31 1,582 58,43 97 34 Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 166 Östwerke.........12 Aku...........18 Bemberg..... 14 Zellstoss Waldhos .... 13'/, 208 112.75 160 2.2,75 207 100.5 158.5 202 8% 'fir SandesVsandbriesanstaU, Ä6mm.»C6l. R. 16...... 7% Br. LandeSpfandbriesanstall, ■ 4,5 I 132 162 129,5 142 161 111,5 160 110 202,75 Cbristianta. Koprnbageu Stockholm . HelsingsorL. 9klalien. . . London.. . 111.88 112,07 112,28 10,527 112,10 112.29 112,50 10,547 111.90 112.07 112.29 10.523 112.12 112,29 112,51 10,543 ’ 89 Schuckert L Co..... . H 183,75 184,75 Zellstoss Aschaffenburg ... 12 150,5 149.75 151,75 150 A E-G. abg. VorkriegS-Obltgatio- nen, rückzahlbar 1982 ..... 91 - - Siemens & Halske . . • • ■ 16 — 253 255,25 252 Charlottenburger Wasser ... 8 103 170 38 102.25 168,5 37,75 20,347 20,387 4,193 16,41 80,895 52,08 20,348 4.185 16,38 80.745 52.15 20.388 165 — 165 Trnmlpr Motoren ...... 0 _ Neuuork .. VariS.... Schweij . . Svaiiiea. 4,185 16,37 60,735 51,95 4,193 16.42 80.905 52,25 4% Oesterretchllche Golvrente . . 4.20% Oesterreichtsche Silberrente 29 5,5 14,^ 74,25 74.13 101,25 _ 241,75 240,25 _ 5^ Buderus..........® Deutsche Erdöl ........ 74 100 Maschinenbau A.-G. . • • • . 0 Rat. Automobil . ...... 0 Lrensteln S Koppel . .... 6 — — 43,75 18,65 159,9 34, 44,13 4% Oestenetchilche Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarisch? StaatLrcnte v. 1910 2,7 26,13 Essener Steinkohle ..•••• 6 137 >35 136.5 137 136,13 — 159,5 159,5 338 Japan . . . Rio de Jan. 2,058 0.469 2,062 0,471 2.059 0.470 2,063 0.472 25,9 23 26,13 Harpener. Hoesch Eilen. ..«•••• 6'/j • - 135,25 134 107.45 Leonbard Tietz ...... 10 Svens ka........... — Wien in D-» Oe st- abgcst 58,92 59,04 58,93 59.05 ■PA% betflL von 1913..... 4% Ungarische Kronenrente . . - 2,7 24,3 2,65 2,75 klöcknerroerke ..«••••• 2 —r — 260,13 104.26 255 103,75 »frankfurter Maschinen .... 4 36,5 38 — Prag .... Bel irad - - 12,396 7,367 12.416 7,381 12.395 7,371 12.415 7 385 4% Türkische Sollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. 6,4 — 6.4 — 106.75 — 50 48,25 Budapest. . 73,14 73.28 73,12 73.27 ManneSmann-Röbren .... 7 03,25 103,13 103,75 • 103,5 103,5 peplioenstaedt ....... 0 Iunghane....... 6 Lech werke..........8 Mainkraswerke Höchst a.M-. .8 Mwg...........10 45 — 44,75 — Bulgarien. Lissabon . . 3.032 18.83 3,038 18,87 3,032 18.83 3,038 18.87 Serie I........... 6,25 ** 6,5 * Manesclder Bergbau.....< '04 —— 103.7t — 4% betfll. Serie «....... 3% Rumänische vereinh. Rente 6,25 10,75 17 I 1 6,2 10,8 6,4 Oberschles. Eilende darf .... 5 Lberschles. -ottwerke. Lhönlz Bergbau......6*/z 1«; 100,75 99.5 1 1,65 98.5 kl ,25 i5.5 107 131 I 1 I 129,5 129,5 Dan,ig. . . «onft nttu- Athen. . . (Sanaba . . Uni nach. . 81,34 1,813 5.415 81,50 1,817 5,425 81,35 1,773 5.415 81,51 1,777 5,425 4%% Rumänische veroinh. Rente hnn Iftlft |6,9 Miinijche Braunkohlen . . 10 Rheinstahl ...... »«.6 239 ।113,13 239,55 114,5 338 113,5 Gabr. Roeder.......10 Botgl & Haesfner ...... 8 118,5 218 — 218 — 4,164 3,666 4,172 3.674 4,162 3,666 4,170 3,674 4% Rumänische vereinh. Rento . 8,75 — 8,75 — Rtebeck Montan7,9 94.5 Süddeutsche Hücker • • • • 10 159 158,75 Cairo . . . 20,865 20,905 20,865 20,905 Oberheffen. Pferdemarkt in Büdingen. !! Büdingen, 25. Febr. (Eigner Bericht des „Gießener Anzeiger".) Auf dem gestrigen Düdinger Pferdemarkt war ein Auftrieb von über 60 Tieren zu verzeichnen. Der Handel war flott, so daß etwa die Hälfte des Auftriebes abgeseht wurde. Für leichtere Pferde wurden rund 600 Mark bezahlt, für Oldenburger bis zu 1200 Mark, für schwerere Tiere bis zu 1500 Mark. Teilweise wurden Votierungen über diese Rotiz erzielt. Landkreis Gießen. § Daubringen. 24. Febr. Heute morgen gegen 10.30 Uhr, ereignete sich im Q u a r z i t st e i n - b r u ch der Firma Scheidhauer & Gießing (Main.;lar) in unserer Gemarkung ein schwerer Unglücksfall dadurch, daß der 56 Jahre alte Vorarbeiter Wilhelm Leyerer aus dem benachbarten Climbach von bstürzenden Ab- raummassen völlig verschüttet wurde. Einige in unmittelbarer Nähe tätige Arbeiter machten sich sofort an die Bergungsarbeiten: nach etwa zehn Minuten konnte der Verunglückte aus den Schutt- und Geröllmassen hervorgezogen werden. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Schlapp von Lollar leistete die erste Hilfe. Geringfügige äußere, besonders aber innere Verletzungen machten die Ueberführung des bedauernswerten Mannes in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig. 8 Alten-Duseck, 24. Febr. Auf Veranlassung des Krieger- und Schützenver- e i n s fand am Samstagabend im Rühlschen Saale ein Lichtbildervortrag über den Weltkrieg statt, wozu als Vortragender Dr. Kunz aus Darmstadt erschienen war. Rachdem der Vorsitzende Hch. Freund die zahlreich erschienenen Besucher begrüßt und der Vortragende die Ereignisse des Weltkrieges von seiner Entstehung bis zu seinem unglücklichen Ausgang in kurzen, packenden Worten und frei von jeder Parteipolitik geschildert hatte, lieh er der aufmerksam folgenden Zuhörerschaft mit Hilfe eines reichhaltigen Dildermaterials einen Einblick in die Vorgänge an der Westfront zuteil werden, der einen tiefen Eindruck nicht verfehlte. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Interesse ausgenommen. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 24. Febr. Am Samstagnachmittag fuhr ein hiesiger Landwirt mit seinem Fuhrwerk am Ausgang des Ortes Nieder- mörlen in eine Schar spielender Kinder. Dabei wurde das fünfjährige Töchterchen des Gepäckträgers Georg Hahn von dem schwer beladenen Wagen überfahren und tödlich verletzt. Kreis 'Alsfeld. mr. Grebenau, 23. Febr. Dieser Tage fand in unserem altehrwürdigen Gotteshause eine Vorführung des Lutherfilmes statt. Nahezu hundert Erwachsene und eine Anzahl Schüler hatten sich versammelt. Der Film zeigte alle bedeutungsvollen Begebenheiten aus Luthers Leben und aus seinem Lebenswerk, der Reformation. Der Schlußvers des Liedes „Eine feste Burg ist unser Gott", von den Versammelten gesungen, beendete die Vorsührung. Hastenttassung der Schwester Z'essa. WSR. Frankfurt a. M., 22. Febr. Die im Strafgefängnis Preungesheim zur Strafverbüßung weilende Krankenschwester Wilhelmine F l e s s a wird am 1. Juni d. I. aus der Haft entlassen werden. Auf Anordnung des Justizministers tritt eine Straf- unterbrechung ein. Für den Strafrest wird Schwester Flessa Bewährungsfrist bis zum 30. Juni 1935 erhalten. Die Krankenschwester Flessa wurde bekanntlich wegen Mordes an dem Frankfurter Frauenarzt Dr. Seitz seinerzeit vom Schwurgericht zum Tode verurteilt. Dieses Llrteil begegnete in weiten Kreisen der Oeffent- lichkeit keinem Verständnis und wurde auch vom Reichsgericht aufgehoben. 3n erneu ec Verhandlung wurde die Angeklagte dann zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt: das Gericht rechnete ihr neun Monate Untersuchungshaft auf die Strafe als verbüßt an. Dieses Urteil wurde am 7. August 1926 gefällt. Schwester Flessa hat ober nie das Zuchthaus betreten, da die Strafe auf dem Gnadenwege in sieben Jahre Gefängnis umgewandelt wurde. Vorzüge - MAGGI* Würze: Größte Würzekraft, deshalb sehr ausgiebig und im Gebrauch die billigste! w BERLIN W 8 Fernspr. 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Die Beziehungen Kaiser Friedrich II. zu dem Elsaß Leistungsfähige mtttdbeutfdie Schokoladenfabrik sucht emen tübnoett zuverlässigen ,6I€V Zeichnungen nehmen alle Banken, Bankiers, Kreditgenossenschaften, Sparund Girokassen, sowie die Anstalt und deren Geschäitsstelle In Frankfurt a. M. direkt entgegen. — AusfOhrl.che Prospekte und Zeichnungsscheine sind bei diesen Stellen erhältlich. — Höhe der Zuteilung und früherer Zeichnungsschluß bleiben vorbehalten. für Homberg (Oberhsssen) und Umgebung ist an solvente Firma unter günstigen Bed n- g ngen zu übertragen. Geeignete Lagerräume und Fuhrwerk müssen vorhanden sein. Angebote an die 1614V BrunnenveiwaltungStockhausen/Lahn | Miere t AlNlMM r werd, sachgemäß t il preiswert ge« | stimmt u. revar. OBeris; I Gießen, piotfnui | Leleobon 2403. | Verkant o neuen l it. gebr. rrtav . 2Pfund 4.20 .........0.50 0.40 .........0.40 . 3 Pfund 0.80 ZEICHNUNGS-EINLADUNG auf die in der Zeit vom 27. Februar bis 19. März 1930 zur Ze chnung aufliegenden Reichsmündelsicheren 6M. 5000000.- 87a Goldmark-Pfandbriefe durch Norddeutscher Lloyd Bremen und seine sämtlichen Vertretungen In Kleben: Theodor Loos. Kirdienplalz 13 In Welzlar: Dornbusch & Binder, Lahnstr. 12/14 Wiest am Lido 5 Bravos auf dem Podium Cafe ffmend ^Morgen 3littwoch, nachmittags ZKinder- ^Kostümfest Tanz •eVorfüfirung einer Kleinen Solo -Tänzerin 31 6ends Sonder-CKonzert mit verstärkter SKauskapelle, 7SKerren 3l610cUhr:CCanZ TLm dunklen 3lnzug wird höfl. geöeten Mittwoch, 3.30 Uhr, nachmittags Kinder-Koslmnlest Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. DER VORSTAND. Döigeiali sämtliche Sorten Kunstdünger empfiehlt 8.MM Steinflr. 73, Iel.3581 PREUSSISCHE LANDESPFANDBRIEFANSTALT Körperschaft des öffent ichen Rechts Willy Ruhl Hevnvuf Geschäfts-Eröffnung! Der verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend zur gefälligen Kenntnis, daß ich am Mittwoch, 26. Februar, kicher Straße 31 ein Spezial-Herren-Frisiersalon eröffne. Es wird mein Bestreben sein, meine Kundschaft in jeder Weise zufriedenzustellen. Um ge- Am Donnerstag, dem 27. Februar 1930, abends 8*/4 Uhr, findet im »Hindenburg« die 23. SaiM'versaminimiq statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht 2. Rechnungsablage 3. Bericht der Rechnungsprüfungskommission 4. Ersatzwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder 5. Verschiedenes. Reihe XVII/XVill zum Vorzugskurse v. 961/2 °/a Gesamikünd gunqbiszuml Januar1835ansneschlossen Im Falle der Kündigung oder Auslosung geschieht die Rückzahlung mit 100%. Diese Reihen werden an den Börsen zu Berlin und Frankfurt a M. mit 97% notiert. Die Einführung an den Börsen zu Köln, Düsseldorf und Essen erfolgt demnächst Stücke zu GM. 100.-, 200.-, 500.-, 1000.- u. 5000.- Friedrich Groh, Lederwaren Giefaen, Neuenweg 32. über Einreisebestimmungen, Schiffsvcr- bindungen und Fahrkarten nach Castada MrlMlK« für den Beztrk (Sieben b