Nr. 21 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 25. Januar 1950 Eriche lnl läglich.ouher Sonntags und Feierlags. Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichsptennig für Träger, lohn, auch bei Richterscheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse anterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. postfchecttonto: SranTfurt am Main 11686. GktzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unlverfitü1§-Vuch- und Zteindnickerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulltrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr Fnedr Wilh. Lange. Dcrantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Nachspiel zum Haag. Nach der eiligen Rückkehr der deutschen Delegation aus dem Haag ist man in Berlin noch in dieser Woche daran gegangen, die parlamentarische Erledigung des Poungplans vorzubereiten. Der Reichspräsident hat die Berichte unserer Delegationsführer entgegengenommen und ihnen für ihre Arbeit und ihre Haltung Dank und Anerkenmmg ausgesprochen. Mit vollem Recht, denn die Herren C u r t i u s und Moldenhauer, auf denen während der Konferenztage die schwerste Last ruhte, haben sich in einer durch das Ergebnis der ersten Haager Konferenz und die katastrophale Finanzpolitik der Aera Hilferding wesentlich verschlechterten Situation durch den Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit bemüht, das denkbar Mögliche für Deutschland herauszuholen. Und auch diejenigen, die in manchen taktischen Fragen, wie z. B. im Falle Schacht, eine andere Haltung gewünscht hätten und in einer Reihe von Punkten die getroffenen Abmachungen für äufterft bedenklich halten, werden der deutschen Delegation dankbar zugestehen müssen, daß trotz dieser im ganzen ungünstigeren Lage doch diesmal im Haag ein anderer, frischerer Wind wehte. Namentlich von dem neuen Reichsfinanzminister Moldenhauer ging diese robustere Tonart aus, die unsere Vorhandlungsgegner von vornherein nicht darüber im Zweifel liest, daß wir keineswegs blost zum Unterzeichnen nach dem Haag gekommen waren. Der mutige Elan, mit dem der Rheinländer Moldenhauer mit großer Unbekümmertheit für die Sorgen seines britischen Kollegen Snowden die Verhandlungen führte, durste jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die deutsche Delegation sich in äußerst geschwächter Verteidigungsstellung befand. Sie hat diese zwar in der großen Linie zu halten vermocht, aber einzelne wichtige Stützpunkte sind doch verloren gegangen, und es fragt sich noch, pb die erzielten Verbesserungen geeignet sind, die Einbußen aufzuwiegen. Man wird dies erst übersehen können, wenn das gesamte Dokumentenmaterial der Oeffentlichkeit unterbreitet werden wird. Das R e i ch s k a b i n e t t hat sich inzwischen ebenfalls mit dem Ergebnis der zweiten Haager Konferenz befaßt und es gebilligt. Letzteres überrascht. Man hätte sich wohl denken können, daß schon das Rcichskabinett von sich aus gewisse Vorbehalte machen würde, statt sich mit den getroffenen Abmachungen sofort restlos zu identifizieren und es nun dem Reichstag zu überlassen, an dem Gesetzeswerk Kritik zu üben. Es kann doch heute schon keinem Zweifel unterliegen, daß auch im Lager der bürgerlichen Regierungsparteien zahlreiche und ernste Bedenken gegen eine solche vom Reichskabinett anscheinend empfohlene bedingungslose Zustimmung zu den Haager Abkommen bestehen. Wir brauchen in diesem Zusammenhang nur an die S a n k t i o n s f r a g e zu erinnern, die uns noch keineswegs genügend geklärt und eindeutig interpretiert erscheint, oder an die von den Franzosen unerträglich hingcschleppten Saarverhandlnn- g en, von deren Abschluß das Zentrum durch den Mund seines Parteiführers Kaas vor Beginn der Haager Konferenz feine Zustimmung zum Poung- plan abhängig gemacht hat. Wir dürfen wohl mit Recht erwarten, daß die bürgerlichen Regierungsparteien, namentlich Zentrum und Deutsche Volks- Partei, bei der Behandlung der Pounggesctze von ihrer Pflicht zur Kritik ausgiebig Gebrauch machen werden und cs nun nicht aus Angst vor parlamentarischen Schwierigkeiten und möglichen innerpoliti- schcn Verwicklungen unterlassen, das im Haag Erreichte an dem zu messen, was sie vor der zweiten Haager Konferenz als Ziel der Verhandlungen auf- gestellt hatten. Wir wissen alle, daß es für uns im Haag bei den gegebenen Machtverhältnissen und in der Situation, in die uns die phantastische Unfähigkeit des verflossenen Reichssinanzministcrs hineinmanövriert hat nicht darum gehen konnte, auch an sich noch so berechtigte Forderungen 'durchzusetzen. Um Forderungen ging es ja leider nach der ersten Haager Konferenz, die uns die Verfälschung des Pariser Sachverständigenplans brachte, eigentlich überhaupt nicht mehr, sondern lediglich noch darum, tue Arbeit der Ausschüsse in einem uns günstigen Sinne in das Houngabkommen, fon sog. „Neuen Plan" hineinzuverarbeiten und für die Auslegung und praktische Ingangsetzung dieses „Neuen Plans" günstige Abmachungen zu treffen. Aber eben diese Abmachungen bedürfen im Zusammenhang mit dem Poungplan selber noch einer sehr sorgfältigen und eingehenden Prüfung, bevor die deutsche Volksvert^tung sich zu einer endgültigen Stellungnahme dafür oder dawider wird entschließen können. Wir würden es deshalb für nicht unbedenklich halten, wenn nun die Reichsregierung, wie es nach den letzten amtlichen Verlautbarungen vielleicht den Anschein haben könnte, mit der Hetzpeitsche hinter den gesetzgebenden Körperschaften, Reichsrat und Reichstag, stände, um von ihnen eine überstürzte parlamentarische Erledigung der Pounggesetze zu erreichen. Wir haben zwar ein gewisses Verständnis dafür, daß die Reichsregierung bis zu einem gewissen Zeitpunkt die Entscheidung über das Poungabkommen herbeigeführt wissen möchte, schon um der Pariser Regierung von vornherein jeden Vorwand für eine Verschleppung der zum 30. Juni zugesagten G e s a m t r ä u m u n g zu nehmen. Aber die finanziellen Lasten, die uns der Poungplan zumutet, sind doch — mögen sie uns auch gegenüber dem Dawesplan für den Augenblick wenigstens eine nicht unwesentliche Erleichterung bringen — immer noch so schwer, dazu noch mit schwerwiegenden politischen Hypotheken, wie der Sanktionsformel, befrachtet, daß die Aussicht auf eine vorzeitige Räumung der dritten Zone allein für die Entscheidung des Reichstags unmöglich maßgebend sein kann, zumal das Schicksal des Saargebiets, ohne dessen Rückkehr zum Reich die Zündholzmonopol und Kassenlage des Reiches. Reichsfinanzminister Moldenhauer berichtet im Haushaltsausschuß. — Jm Augenblick keine Schwierigkeiten. — Doch auch bei Annahme des ssoungplanes bleibt die Finanzlage des Reiches äußerst angespannt. Berlin, 24. Ian. (V.D.Z.) 3m Haushalts- ausschuß des Reichstages begann heute die Beratung des Zündwarenrnonopolge- festes. ReiSSfinanzminister Dr. Mldknhauer begründete den Gesetzentwurf und gab dabei eine allgemeine Uebersicht über die Kassenlage des Reiches. Er führte aus: Mit Hilfe des Ende Dezember von den Banken gegebenen Heber = brückungskredits in Höhe von 350 Millionen Mark ist es gelungen, den Ultimo Dezember ohne weitere Schwierigkeiten zu überwinden. Der Betriebskredit der Reichsbank konnte ain 31. Dezember 1929, wie es im Bankgesetz vorgesehen ist, restlos abgedeckt werden. Inzwischen ist durch die im Januar fälligen Steuereinzahlungen eine Verbesserung der Kassenlage in dem Maße eingetreten, daß i m Augenblick Schwierigkeiten nicht b e - ste h e n. Am 31. Januar wäre ein Bankenkredit in Höhe von 200 Millionen Mark zur Rückzahlung fällig; inzwischen ist aber dieser Kredit auf etwa 6 bis 9 Monate verlängert worden. Somit ist für die Monate 3anuar bis März mit folgenden Ueberschüssen ober Fehlbeträgen zu rechnen: Für Januar: Ueberschuß von 117 Mill. Mk., für Februar: Fehlbetrag von 117 Mill. Mk., für März: Fehlbetrag von 140 Mill. Mark. Die Monate Januar und Februar werden sich also ungefähr ausgleichen; Ende März wird ein Fehlbetrag von etwa 140 bis 150 Millionen vorhanden sein. Zur Deckung dieses Fehlbetrages werden rund 5 5 bis 60 Millionen Mark aus der Abrechnung mit dem Generalagenten bzw. mit der Reichsbahn nach Inkrast 1 re - t c n des Poungplanes verfügbar werden, die jetzt infolge der nachträglichen Zahlung des Reichsbahnanteils an der Dawesannuität vom Generalagenten noch zurückbehalten werden. 2 0 Millionen werden aus dem Verkauf von Effekten flüssig gemacht werden können, lieber die Deckung des dann noch verbleibenden Fehlbetrages sind Verhandlungen eingeleitet worden, von denen ich hoffe, daß sie zu dem gewünschten Erfolge führen werden. hält die in den letzten INonalen beobachtete Steuerdepression noch länger an und verschärft sich die ungünstige Lage des Arbeitsmarktes noch über das erwartete Maß hinaus, dann können diese beiden Punkte eine Verschlechterung der Kassenlage um etwa 100 bis 120 Millionen Reichsmark herbeiführen. Ob mit einer solchen Verschlechterung aber tatsächlich gerechnet werden muß, wird sich kaum vor Mitte Februar übersehen lassen. Nach den für das erste Halbjahr des Rechnungsjahres 1930 ausgestellten Kassenplänen ergeben sich folgende Tieberschüsse oder Fehlbeträge: für erstes Vierteljahr 1930: Fehlbetrag von 273 Millionen; für zweites Vierteljahr: Lieberschuh von 96 Millionen. Dieser Betrag erhöht sich durch die erste Rate der Kreuger-Anleihe um 195 Millionen, durch die Aenderung der Recoverh - *21 c t - Verfahrens (Freiwerden eines jetzt in Devisen gebildeten Reservefonds) um 14 Millionen. 3m zweiten Vierteljahr wird also kassenmähig ein Lieberschuh von 3 0 5 Millionen vorhanden sein, mit dem der Fehlbetrag des ersten Vierteljahres abgedeckt und Kredite in Höhe von rund 40 Millionen zurückgezahlt werden können. 3n den veranschlagten Ausgaben für die Monate April bis September sind hierbei monatlich je 50 Millionen Reichsmark zur Abdeckung des von den Danken gegebenen Lieber- brückungskredits von 350 Millionen enthalten, so dah dieser Kredit Ende September mit 300 Millionen abgedeckt sein wird. Der Minister verwies darauf, dah vorstehende Rechnungslegung auf der Annahme des Voungplans beruhe. Die Rechnung beweise jedoch eindeutig, dah trotz Annahme des Voungplans die Kassenlage des Reiches nach wie vor äußer st angespannt bleibe. Er sehe zur Lieberwindung des Tlltimos 3uni mit seinem Fehlbetrag von 273 Millionen keinen Weg, wenn die Kreuger-Anleihe nicht zustande komme. Dr. Hans Kraemer gab zunächst die Erklärung ab, dah er lediglich als Vorsitzender des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates den Auftrag bekommen habe, die Verhältnisse der deutschen Zünd- Holzindustrie zu untersuchen. Lediglich in dieser Eigenschaft sei er später Vorsitzender des Aufsichtsrats des Syndikats geworden. Auch gehöre er keineswegs dem AufsichtZrat des Schwedentrustes an. Der Schwedentrust werde heute auf 2,6 Milliarden Mark geschäht. Gegen ihn sei ein Kampf unmöglich. Der Schwedentrust habe nahezu 75 Prozent der deutschen Zündholzfabriken aufgekauft, doch sei mit ihm, der sich durch weitere Ankäufe leicht ein Privat Monopol verschafft haben könnte, die Verständigung erzielt, dah sein Anteil auf 65 Prozent und sein Abstimmungsverhältnis innerhalb des Syndikats auf 50 Prozent festgelegt wurde. Diese Verständigung sei auf Wunsch der Schweden und der Deutschen durch das Sperrgesetz sanktioniert worden. Die Auffassung, dah durch eine Verteuerung die Aermsten der Armen getroffen werden, sei gänzlich abwegig. Zu 75 Prozent werden Zündhölzer von den Rauchern, die heute allein 32 Milliarden Zigaretten im 3ahre konsumierten, verbraucht. 30 Prozent des gesamten Konsums entfielen auf russische Zündhölzer, die zu Dumpingpreisen eingeführt werden. Für das Monopol hätten sich nicht nur die Schweden, sondern auch die deutschen Zündholzfabrikanten mit alleiniger Ausnahme der unerlaubt Fabrizierenden eingesetzt. Räumung ja nur eine halbe Maßnahme bleibt und uns keineswegs die wirtschaftliche Ellenbogenfreiheit bringt, die für die Durchführung des Aoung- plans auch nach dem Urteil der Sachverständigen Voraussetzung ist, heute noch völlig im Dunkeln liegt. Wir sehen auch nicht ein, weshalb der deutsche Reichstag mit der Ratifizierung des Poungabkom- tnens absolut vorangehen muß. Wir gönnen in diesem Falle dem französischen Parlament neidlos den Vortritt. Denn Deutschland ist ja auch heute noch der Gebende und das Interesse Frankreichs an der baldigen Mobilisierung der ersten deutschen Zahlungsrate dürste unser Interesse an der Räumung zumindest aufwiegen. Schon aus taktischen Gründen würden wir es für verfehlt halten, wenn es gelänge, uns bei der Ratifizierung des Poungabkommens in die Vorhand zu spielen. Wir können mit Ruhe ab- warten, wie die Pariser Deputiertenkammer sich zu dem Haager Ergebnis stellt und haben vielleicht allen Grund, die Erläuterungen und Auslegungen, die das Kabinett Tardieu den im Haag getroffenen Vereinbarungen in der Kammer geben werden, für unsere eigene Stellungnahme nutzbringend zu verwerten. Also nur keine übertriebene Eile, sondern sorgfältige Prüfung und bedachtes Abwägen der Vor- und Nachteile, bevor wir zu einem bindenden Entschluß kommen! Besondere Beachtung verdient unseres Erachtens in den kommenden (Erörterungen die Sanktionsformel, auf die man sich im Haag geeinigt hat. Und zwar deshalb, weil es Herrn Tardieu gelang, hier ein Rudiment aus der Zeit krassester Gewaltpolitik in die angeblich neue Aera der Versöhnung und der Gesamtliquidation des Krieges hinüberzuretten. Noch bedenklicher erscheint uns d i e unklare Formulierung des Vertragstextes, die später von ähnlich spitzfindigen Advokaten wie Poincars — und Frankreich hat gegebenenfalls stets über geschickte Anwälte seiner Sache verfügt — in einer Weise ausgelegt werden könnte, die, wie wir nach den mit Poincare gemachten Erfahrungen fürchten müssen, für uns sehr peinliche lleberrafdjungen zeitigen müßte. Der französische Ministerpräsident verlangte im Haager Schlußproto- koll die ausdrückliche Feststellung des Sanktionsrechts Frankreichs, Deutschland die Außerkraftsetzung des berüchtigten Artikels 430 des Versailler Vertrags, der den Gläubigern das Recht auf Sanktionen einräumt, wenn die Neparationskommission eine deutsche Verfehlung festgestellt hat. Da mit der Ingangsetzung des Poungplans und der Einrichtung der Internationalen Zahlungsbank die Reparationskommission eo ipso verschwindet, so konnte der Artikel 430 in dieser Form wenigstens nicht länger aufrechterhalten werden. So heißt es also auch in der Formel, auf die man sich schließlich im Haag geeinigt hat, ausdrücklich, daß „unter dem Regime des neuen Plans die Befugnisse der Gläubigermächte sich nach den Bestimmungen des Planes begrenzen", mit andern Worten, für Sanktionen im Sinne des Artikels 430 ist im Poungplan kein Raum. Aber Frankreich stellt ebenso ausdrücklich fest und Deutschland gesteht mit Bedauern zu, daß im Falle der Internationale Gerichtshof im Haag feststellt, daß Handlungen der deutschen Regierung ihren Willen beweisen, den neuen Plan zu zerstören, der oder die Gläubiger ihre volle Handlungsfreiheit wiedergewinnen. Unter dieser „Handlungsfreiheit" versteht Frankreich das Recht auf Repressalien gegen Deutschland im Rahmen des geltenden Völkerrechts unter Beachtung der Bestimmungen des Lo- carnooertrags, des Kelloggpaktes und der Völkerbundsakte. Das ist der „cas extreme", der „äußerste Fall", dem die deutsche Delegation unter Vorbehalt zwar, aber doch zugestimmt hat. Gewiß ist es sehr unwahrscheinlich, daß unter den gegebenen Machtverhältnissen eine deutsche Regierung sich offen von dem Poungplan lossagen wird, ihn „zerreißt"; sicherlich bedeutet auch die Einschaltung des Internationalen Gerichtshofs im Haag ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsventil. Aber dem steht gegenüber ein so kautschukartiger Begriff wie „Handlungen, die Deutschlands Willen beweisen, den Plan zu zerstören", ein Begriff, der in feiner Dehnbarkeit französischen Sanktionsforderungen Tür und Tor öffnet. Wie leicht man einen „bösen Willen" des Schuldners aus irgendwelchen Maßnahmen ober Unterlassungen konstruieren kann, haben wir doch im Lause einer zehnjährigen Geschichte des Versailler Vertrages wahrhaft zur Genüge erfahren. Wie leicht könnte man zum Beispiel eine Finanz- Ser Kampf um das Zündholzmonspol. Tic Begünstigung der Hanfum-Genossen- schäften bleibt. Berlin. 24. 3an. (Priv.-Tel.) Das Zünd- holzrnonopolgeseh bildete heute im Reichstag den Gegenstand langwieriger interfraktioneller Verhandlungen zwischen den Sachbearbeitern der Regierungsparteien und dem Reichsfinanzministerium. 3n der achten Abendstunde wurde die Besprechung beendet. Eine Einigung ist darüber erzielt worden, daß in der Frage der Q u a l i - t ä t der Zündhölzer die Regierung Bestimmungen erlassen soll, und daß der in der Vorlage festgesetzte Höch st preis als Rormal- preis gelten soll. 3n der Frage der Dorzugsbestimmun gen für die Produktion der Konsumgenossenschaften wurde festgestellt, daß eine B e s e i t i g u n g dieser Ausnahmebestimmungen nicht möglich sei angesichts der Rotwendigkeit, die Kreuger-Anleihe zu erhalten und aus diesem Grunde die rechtzeitige Verabschiedung des Gesetzes nicht durch neue Verhandlungen mit dem Schweden-Trust zu gefährden, die bei einer Streichung der Vorzugsbestimmungen unvermeidlich sein würden. Die Ausstellung des Reichsetats. Auf der Suche nach neuen Steuern. Berlin, 24. Jan. (Priv.-Tel.) Reichsfinanzminister Prof. Dr. Ri o l d e n h a u e r ist, wie wir erfahren, damit beschäftigt, den neuen Haushaltsplan fertigzustellen, der bereits in der kommenden Woche der geplanten Besprechung mit den Länderfinanz Mini st ern unterbreitet werden soll. Im Hinblick auf die ernste Finanzlage des Reiches hat sich der Reichsfinanzminister entschlossen, die Etatsvoranschläge noch einmal zusammenzu st reichen, um auf jeden Fall die Balancierung des Etats zu ermöglichen. Da der neue Etat über durch das gewaltige Defizit der vergangenen Jahre belastet ist, werden die bis jetzt geplanten Steuererhöhungen doch nicht reichen, so daß man sich bereits damit beschäftigt, die Erhöhung anderer Steuern zu untersuchen. In gewissen politischen Kreisen trägt man sich dabei mit der Absicht, entgegen den ursprünglichen Plänen, die Umsatz- steuer, die jetzt ) v. H. beträgt, um ein Viertel v. H. , auf insgesamt 1 v. H. zu erhöhen. Es scheint, daß auch die Deutsche Volkspartei diesen Plänen zustimmt. Darüber hinaus wird auch erwogen, die Alkoholsteuer auf noch andere Arten von Alkohol auszudehnen, wobei man u. a. an eine höhere Besteuerung der Südweine denkt. Eine Gesamterhöhung des Branntweinmonopols soll dagegen nicht in Betracht kommen. Der Reichsfinanzminister wirb über diese Er- politik im Stile Hilferbings als Sabotage bes Poungplans auslegen, weil sie Deutschlands Steuerkraft untergrabe und dadurch die Reparationsleistungen unmöglich mache. Es wäre gewiß nicht leicht, den Beweis zu erbringen, daß nicht „böser Wille" vorläge. Aber schon vor dem Beweis des Gegenteils würde die bloße Klageerhebung Frankreichs vor dem Internationalen Gerichtshof vollauf genügen, Deutschlands Kredit ernstlich zu gefährden und der deutschen Wirtschaft schweren Schaben zuzufügen. Mit Bitterkeit erinnern wir uns ber pathetischen Worte Brianbs vor bem Völkerbunb „Weg mit ben Kanonen!", wenn wir nun erleben müssen, baß am Enbe bes Weges, ber von Locarno zum Poungplan führte, wiederum die französischen Bajonette als Sicherheitsgenbarm aufgepflanzt werden. Wir vermögen nicht den offiziellen Optimismus zu teilen, der mit ben ber Wilhelmstraße nahestehenden Kreisen die Sanktionsformel als einen bloßen „Schönheitsfehler" ansieht. Gewiß, die unglückselige Agitation bes Hugenbergschen Volksbegehrens hat bem französischen Ministerpräsidenten ungewollt Schlagworte an die Hand gegeben, von denen Herr Tardieu zur Begründung ferner Sank- tionsforberung im Haag ausgiebig Gebrauch machte, aber das entbindet unseres Erachtens weder Reichsregierung noch Reichstag von ber Pflicht, zumindest auf eine klare und einbeutige Formulierung biefes „äußersten Falles" zu bringen, die jebe willkürliche Auslegung unb Konstruktion bes „bösen Willens" in Zukunft unmöglich mgcht. — Währenb bas Interesse ber öffentlichen Meinung in ben ©läubigerlänbern mit ber gleichen Eile, mit ber sich bie Minister vom Haag nach Lonbon zur Flottenkonferenz begaben, über bie Haager Konferenz zur Tagesordnung überging unb sich ben großen weltpolitischen Problemen ber Seeabrüstung zuwanbte, hat Deutschlanb an dem Ergebnis dieser Haager Konoferenz noch merklich zu schlucken. Volk und Parteien werben in ben fommenben inner- politischen Kämpfen um ben Poungplan, in benen das eben skizzierte Sanktionsproblem eine wichtige Rolle spielen bürste, schärfste Konzentration und volle Neroenkraft brauchen, um zu einem Entschluß zu kommen, ber in eine bessere Zukunft weist. Höhungspläne aber erst dann die letzte Entscheidung treffen, wenn d i e Ausgabenseite endgültig feststeht. Der neue Haushaltsplan soll unmittelbar nach der Youngdebatte im Reichsrat zur Beratung kommen, so daß er spätestens Ende Februar dem Reichstage vorgelegt werden kann. Das Renlnerversorgungsgefeh. Vorstellungen dcsTeutschcn icninerbundes Berlin, 24.Jan. (Tel.-Un.) Anläßlich des Wie- dcrzusammentrittes des Reichstags hat sich der Deutsche Rentnerbund erneut an alle Parteien mit der Bitte gewandt, nunmehr endlich das Rcntnerproblem einer Lösung entgegenzuführen. Er weist darauf hin, daß die Lage der Rentner durch die zunehmende Uebermittlung von Zahlungsbefehlen, durch harte Pfändungsmaßnahmen und dergleichen täglich mehr sich verschlimmert, sowie daraus, daß sich bei Reichstag und Reichsregierung allmählich im Laufe der Jahre ein System für die Behandlung dieser Frage herausgebildet habe. Im November würden regelmäßig schöne Worte für die Rentner im Reichstag gefunden. Im Dezember bewilligte man früher Winter- und Weihnachtsbeihilfen, die neuerdings abgelehnt würden. Im Januar komme der sozialpolitische Ausschuß zu dem Schluß, daß die Regelung der Nentnerfrage mit den Haushaltsfragen Zusammenhänge und infolgedessen vom Houshaltsaus- schuß beraten werden müssen. Im März erklären dann Haushaltsausschuß und Plenum den Haushalt fiir endgültig erledigt und bedauern, daß die Einbeziehung der Rentnerfrage nicht mehr möglich fei. Früher bewilligte man wenigstens noch hier und da Mittel zu Sonderverteilungen. Neuerdings würden auch diese abgelehnt mit der Begründung, daß man statt der einmaligen Hilfe eine brauchbare Dauerregelung plane. tlm die große Koalition in Preußen. Zentrum und Temokratcn zur Negierungsumbildung. Berlin, 24. Jan. (VDZ.) Bach dem jetzigen Stande der Koalitionsverhandlungen in Preußen liegt das Schwergewicht bei den Demokraten. In ihrer heutigen längeren Fraktionssihung sind die Demokraten nocy zu keinem Beschluß gekommen. Aber die Sitzung, über die offiziell strengstes Stillschweigen bewahrt wird, soll außerordentlich erregt verlaufen sein. Namentlich glaubt man die Zurücknah,ne gleich zweier Vertrauensmänner aus dem Kabinett, nämlich des Handelsministers Dr. Schreiber und des Kultusministers Dr. Becker, während die anderen Koalitionsparteien keinA Opfer bringen, nicht ertragen zu können. Die Entscheidung wurde vertagt bis nach einer Rücksprache, die der demokratische Fraktionsführer Falck wahrscheinlich morgen mit dem Ministerpräsidenten Braun haben wird. Am Freitag hat sich auch die Zentrumsfraktion dcs Preußischen Landtages mit der erneuten Inangriffnahme der Wiederherstellung der großen Koalition in Preußen eingehend befaßt. Eie hat den Gedanken auf das lebhafte st e begrüßt und den einmütigen Wunsch ausgesprochen, daß die Erweiterung der preußischen Regierungsbasis mit größter Beschleunigung durch den Herrn Ministerpräsidenten herbeigeführt werden möge. Die „Germania" bemerkt dazu: Wir sind der Meinung, daß die unverbindlichen Besprechungen, die seit einigen Tagen im Gange sind, die Sachlage genügend geklärt haben und keine neuen Gesichtspunkte mehr einbringen werden. Es scheint uns deshalb geboten zu sein, daß der preuhischeMinisterpräsident als die maßgebende Persönlichkeit die weiteren Verhandlungen über die Regierungsbildung i n seine Hand nimmt und mit möglichster Beschleunigung zum Abschluß bringt. Ostpreußens Not. Die Katastrophe der ostdeutschen Landwirtschaft. Königsberg, 24. Jan. (WB.) Auf der Vollversammlung der ostpreußischen Landwirtschaftskammer führte Präsident Dr. Brandes aus, daß das vergangene Jahr wieder im Zeichen der Unrentabilität mit allen ihren Folgeerscheinungen gestanden habe. Die Gesamt- verschuldung habe um 10,6 v. H. zugenommen. Die durchschnittliche Zinsbelastung sei auf 48,6 Mark je Hektar gestiegen. Die Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Betriebe hätten bezüglich der Zahl der Betriebe um 28, bezüglich der Fläche um 23 v. H. gegen das Vorjahr zugenommen. Die gesunkene Kaufkraft der Landwirtschaft mache sich natürlich auch in den städtischen Industrien geltend. Oberpräsident Siehr wies darauf hin, daß die landwirtschaftliche Krise im Laufe der Zeit an alle Kulturländer herantrete. In Erkenntnis dieser Lage sei von den zuständigen Stellen in den letzten Wochen ein weitgehender landwirtschaftlicher Schutzzoll durch, geführt und damit die Frage, ob die Erhaltung der deutschen Landwirtschaft für unser deutsches Volk notwendig ist, in vollem Sinne bejaht worden. Oer Untergang der Monte Cervantes. Kapitän Drcycr vermißt. Hamburg, 24. Ian. (TU.) Die Hamburq-Süd- amerikanische Dampfschiffahrtsgescllschaft hat folgendes Telegramm erhalten: „Monte Cervantes" gestern 21 Uhr schnell nach Steuerbord gekentert. Kaum Zeit, daß sich noch an Bord befindliche Offiziere retten konnten. Kapitän Dreier, welcher beim Untergang auf Kommandobrücke, leider vermiß t." — Nach einem weiteren Telegramm vom argentinischen Marinepiinisterium ragt das Schiff nur noch mit dem Backbordschraubenflügel aus dem Wasser hervor. Mit dem Eintreffen des nach Ushuaia unterwegs befindlichen Schwcsterschiffcs, der „Monte Sarmiento" ist am 27. Januar zu rechnen. Die gesamten Lebensmittel konnten von Bord der' „Monte Cervantes" noch rechtzeitig geborgen und nach Ushuaia geschasst werden, so daß für die Verpflegung der Schiffbrüchigen ausreichend gesorgt ist. Auch konnte der größte Teil des Gepäcks gerettet werden. Im Heimathafen Hamburg ist die Trauer über das tragische Ende des stolzen und beim Reisepublikum beliebten Schiffes allgemein. Die Nachricht, daß sämtliche Passagiere und Die MelmeennMe aus der Nottenkonferenz. Oer italienisch-französische Gegensatz. - Tardieu droht die Konferenz zu sprengen. — Was tut Macdonald? Paris, 24. Ian. (KB.) Die französische Presse ist einmütig in ihrem Urteil, daß kein Land so offen und eindrucksvoll wie Frankreich durch den Wund des französischen TNinisterpräsidenten seine Bedürfnisse auf maritimen Gebiet präzisiert habe. Die Gegensätzlichkeit des italienischen und des französischen Standpunktes wird besonders von dem zweifellos in überaus enger Fühlungnahme mit der französischen Delegation stehenden und beeinflußten Außenpolitiker des „211 a t i n“ hervorgehoben. Die von Grandi vertretene These, so schreibt er, sei klar. Wenn Italien beispielsweise die absolute Parität mit der französischen Flotte fordere, laufe das darauf hinaus, eine sehr beträchtliche U e b erleg e n h e i t zu fordern, da ja Italien praktisch von seiner Flotte nur im INi11elmeer Gebrauch mache, während Frankreich sich auf drei Meeren verteidigen und seine Besitzungen in der ganzen Welt schützen müsse. Allerdings dürfe man sich nicht verheimlichen, daß die Argumente Grandis, daß man unmöglich existieren könne, wenn die Freiheit der Seeverbindungen nicht gewährleistet sei, frappieren. Es handle sich darum, wie die in der Welt bestehenden Sicherheitsbedingungen, der Wert des Völkerbundsstatuts, der Locarno-Abkommen und des Kellogg-Pakls abgeschäht und festgelegt würden. Danach werde es sich darum handeln, ob nicht durch präzise Verpflichtungen unter den fünf Seemächten diese Sicherheiten erhöht werden könnten. Von der Beantwortung dieser Frage würden Frankreichs definitive Forderungen abhängen. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß Tardieu und die französische Delegation Vorbereitungen träfen, um die ganze Grundlage der Flottenkonferen; in Frage zu stellen. Es handele sich um den Grundsatz, daß jeder Macht ein gewisses Stärkeverhältnis gegenüber den anderen Mächten gegeben werden soll. Es sei damit zu rechnen, daß die französische Delegation den anderen Delegationen sagen werde, sie könnte a u f dieser Grundlage nicht verhandeln, und das Bedürfnis jeder Macht müsse den Ausgangspunkt der Erörterungen bilden. Dieser Schachzug richte sich gegen Italien. Außerdem bemühten sich die Franzosen, das englisch-französische M a r i n e k o m p r o m i ß von 19 2 8 wieder zu beleben, das Frankreich das Recht gegeben hätte, ungefähr ebensoviel Kreuzer wie Großbritannien und eine unbegrenzte Zahl von kleineren U-Booten zu bauen. Der Korrespondent fürchtet, daß Macdonald aus Uebereifer nachgeben werde, um die Konferenz zu retten. Symptome zeigten, daß er eine gefährliche Neigung zu Zugeständnissen an Frankreich habe. Ein pariser Versuchsballon. Rückkehr zum britisch-französischen Marinekompromitz. Paris, 25. Ian. (WTB. Funkspruch.) Der Londoner Berichterstatter des nationalen Blattes „L'Ordre" will von einem englischen Minister die Aeuherung gehört haben, daß Englands! maritime Lage in Beziehung zu Frankreich viel wichtiger sei als in Beziehung zu Amerika, da Frankreich und England zusammen Europa vollkommen beherrschen. Diese Aeußerung findet ihren Reflex in dem von einer ernst zu nehmenden Persönlichkeit verbreiteten Gerücht, falls eine englisch-amerikanische Einigung nicht zustandekommen sollte, werde die künftige englische Regierung das französisch-englische Flotten- k o m p r o m i ß von 1928 wieder aufleben lassen und zu der alten Formel von der Fntent e co r di a l e zurückkehren, eventuell unter Hinzuziehung Italiens. Oer Siegeslauf der Technik. Man würde von der Prosperität der Wirtschaft ein falsches Bild bekommen, wenn man nicht auch den Faktor der Leistungssteigerung durch die technischeVervollkommnung in Rechnung stellen würde. Da die Frage der Prosperität der Wirtschaft gegenwärtig zu einem elementaren Problem geworden ist, insofern, als Deutschland seinen Reparationsverpflichtungen nur nachkommen kann, wenn seine Wirtschaft auch ergiebig ist. ist ein Rückblick auf die Entwicklung der Technik nicht ohne Interesse, denn nur dadurch wird es möglich sein, diejenigen Schlüsse ziehen zu können, die notwendig sind, um der erforderlichen Prosperität die feste Basis zu geben. Rur eine leistungsfähige Wirtschaft,' deren technisches Rüstzeug auf der Höhe der Zeit steht, kann auch den Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt bestehen. Von dem Stande der Technik im Jnlande hängt also nicht zuletzt die Entwicklung der deutschen Ausfuhr ab. Die M a s ch i n e ist hier der erste Schrittmacher gewesen. Während Deutschland im Jahre 1907 nur Antriebsmaschinen mit 6,22 Millionen PS in der Gesamtsumme hatte, dagegen Elektromotoren von insgesamt 1,52 Millionen PS, sind jetzt 11,86 Millionen PS Elektromotoren vorhanden, während die Wind-, Wasser- und Wärmekraftmaschinen ungefähr auf dem gleichen Stand blieben. Die Bedeutung der elektrischen Kraft wird aber von Tag zu Tag größer. Die elektrische Energie ist über ganz Deutschland verbreitet und während int Jahre 1925 nur 20,3 Milliarden Kilowatt an elektrischer Kraft erzeugt wurden, ist die Zahl im Jahre 1928 bereits auf 27,9 Milliarden gestiegen. Eine andere Zahl ist hier von Interesse, nämlich die des L o k o m o t i v b a u e s, der im letzten Jahre das hundertjährige Jubiläum feiern konnte. Im Jahre 1829 betrug die Leistung der ersten Lokomotive, die eine Länge von 4 Meter hatte, 20 PS und 45 Kilometerstunden. Die moderne deutsche Lokomotive hat eine Länge von 23,05 Meter und weist in ihrem Einheitsthp eine Leistung von 3000 PS und 120 Kilometerstunden auf. Die Maschine hat fernerhin auch die Landwirtschaft erobert. Im Jahre 1907 gab es in Deutschland nur 304 Dampf- und Motorpflüge, 205 079 Sämaschinen, 307 454 Mähmaschinen und 732 772 Dreschmaschinen. Im Jahre 1925 gab es 8552 Dampf- und Motorpflüge, 509 176 Sämaschinen, 1 023 381 Mähmaschinen und 1 055 151 Dreschmaschinen. Die deutsche Textil- Industrie verfügt jetzt über 1 297 000 PS Kraftmaschinen, die Kraftmaschinenleistung im Berg - bau beläuft sich zur Zeit auf insgesamt 4 Millionen PS und die gleiche Zahl hat auch die Eisen- und Metallindustrie aufzuweisen. Die Leistungssteigerung der H o ch ö s e n verdient in diesem Zusammenhang ebenfalls Beachtung. Im Jahre 1925 gab es zwar 211 Hochöfen, während es 1928 nur noch 184 gab, dagegen konnte die Leistungsfähigkeit dieser Hochöfen für einen Zeitraum von 24 Stunden von 47 820 Tonnen auf 53 990 Tonnen erhöht werden. Daß diese Entwicklung eine aufsteigende ist, bedarf wohl keines besonderen Hinweises. Und gerade hier liegt die Wurzel der Steigerung der deutschen Ausfuhr, bei der im Jahre 1928 von dem Gesamtbeträge der Ausfuhr in Höhe von 12,3 Milliarden allein 8,7 Milliarden auf deutsche Fertigwaren entfielen, die Erzeugnisse technischen Könnens in Deutschland darstellen. Es wurden in diesem Jahre für rund 1 Milliarde Maschinen aller Art und für rund 400 Millionen elektrotechnische Erzeugnisse, sowie für 1,6 Milliarden Eisenwaren ausgesührt. Ilm den Anforderungen des TZoung-Planes gerecht zu werden, muß diese Entwicklung in allererster Linie fortgeführt werden. die Besatzung gerettet werden konnten, wurde mit größter Befriedigung aufgenommen, wenn auch wahrscheinlich nach den letzten Mitteilungen mit dem Tode des Kapitäns Dreyer zu rechnen ist. Kapitän Dreyer ist gebürtiger Blankeneser und stand im 56. Lebensjahr. Er war ein bewährter, erfahrener und beliebter Kapitän und bereits seit dem Jahre 1899 in den Diensten der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft. Das Kommando der „Monte Cervantes" hatte er feit dem März vorigen Jahres inne. Aus aller Weli. Auch in Amerika möglich. Rach englischen Blättermeldungen steht Chicago (mit 3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der LI. S. A.) vor dem Bankerott. Die Städtischen Kassen sind vollkommen leer. Die Besoldung der Polizei und der Feuerwehr ist gefährdet. In zahlreichen Schulen sind die Lehrer seit einem Monat ohne Gehälter geblieben. Die Schulden der Stadt sollen riesenhafte Ausmaße haben. Dies ist vor allem auf die rücksichtslose Finanzpolitik der letzten Jahre zurückzuführen. Die Lage wird als so ernst bezeichnet, daß ohne finanzielle Hilfsmaßnahmen in der allernächsten Zeit mit einer SchließungderKrankenan st alten und Pflegeheime zu rechnen ist, wodurch Tausende von Kranken, Blinden, Lahmen, Tauben und Stummen auf die Straße geworfen würden. Die städtische Behörde, für die Unterhaltung der Schulen sah sich nunmehr gezwungen, eine Anleihe von 1,5 Millionen Dollar aufzunehmen. Die Anleihe wurde aufgelegt, es wurde aber kein einziger Cent gezeichnet. Tausende von städtischen Beamten und Angestellten haben gestern kein Gehalt empfangen. 70. Geburtstag der Lindenwirttn. Die bekannte Lindenwirtin von Godesberg, Aennchen Schumacher, feierte am Freitag ihren 70. Geburtstag. Die Feier gestaltete sich zu einem großen Ereignis für Godesberg und darüber hinaus für alle, die der Lindenwirtin die Treue bewahrt haben. Im Laufe des Tages liefen unzählige Telegramme ein, darunter vom Kölner Regierungspräsidenten, von zahlreichen Professoren, Studenten, Dichtern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Den Höhepunkt bildete am Abend eine Feier in der Wohnung der Lindenwirtin. Die Feier wurde eingeleitet mit einem musikalischen Hoch des Männer- gefantzvereins „Cäcilia". Zum Schluß der Feier fang die vieltausendköpfige Menge vor dem Hause begeistert das Lied von der Lindenwirtin. Es folgte dann im Aennchen-Saal der Lindenwirtin ein Bürgerkommers, an dem die Bürgerschaft und die Studentenschaft regen Anteil nahmen. Ein gutes Beispiel. Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen weite Bevölke- rungslreise zu kämpfen haben, den alljährlich veranstalteten großen parlamentarischen Empfangsabend der Staatsregierung in diesem Jahre nicht stattsinden zu lassen. Das Staatsministerium wird statt dessen einen Betrag für Speisungen bedürftiger Schulkinder zur Verfügung stellen. Die Hindenburg-Spende. Unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsidenten trat das Kuratorium der Hindenburg-Spende zu seiner vierten Sitzung zusammen. Die Stiftung Hindenburg-Spende ist bekanntlich vom Reichspräsidenten aus den ihm zu seinem 80. Geburtstag dargebrachten freiwilligen Beiträgen errichtet. Zugunsten von Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen usw. hat sie im Jahre 1929 rund 1 Million Mark aufgewandt. In den reichlich zwei Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung in rund 17 000 Fällen insgesamt über 3 Millionen Mark an Kriegsbeschädigte, Hinterbliebene, Veteranen usw. ausgezahlt. krebsforschungsinstilul in Kopenhagen. Das Rockefeller-Jnstitut hat beschlossen, dem dänischen Carlsbergsfond eine Million Kronen zum Betriebe eines Krebsfor- schungsinstitutS unter Leitung des zur Zeit in Berlin weilenden dänischen Krebsspezialisten Dr. Albert Fischer zu schenken. Der Dau und die Einrichtung dieses Instituts erfolgt auf Kosten des Carlsbergsfond. Man rechnet mit der Fertigstellung des Instituts im Laufe von IVg Jahren. Bis dahin soll Dr. Fischer weiter in Berlin bleiben. Byrd verlangt dringend Hilfe. Das amerikanische Staatsdepartement hat sich an die norwegische und an die englische Regierung gewandt mit der Bitte, alle verfügbaren Walfischfänger zur Hilfeleistung für die in der Antarktis befindliche Byrd-Expedition einzufetzen. Diese Bitte ist auf Grund einer Mitteilung des Admirals Byrd ausgesprochen worden. Darin heißt es, daß die Hilfsschiffe spätestens bis zum 5. Februar in der Nähe des Expeditionslagers eintreffen müssen. Innerhalb von 14 Tagen müßten alle Expeditionsteilnehmer a b - geholt sein, da sonst keine Gewähr für freie Durchfahrt mehr bestehe. Die Vorräte sind bereits recht knapp geworden und es stehe au befürchten, daß bei einer Ueberminterung Nah- run gemittet mangel eintreten würde. Wegen der starken Eismauern könne das Hilfsfchiff „City of Newyork" nur mit Hilfe größerer Schiffe durchkommen. Die britischen und die norwegischen amtlichen Stellen haben versprochen, alles zu tun, was in ihren Kräften steht. 14 Iahre für halry. Der englische Finanz mann Hatry, dessen riesige Unternehmungen vor einiger Zeit unter aufsehenerregenden Umständen zusammen- bra ehe n und dem zum Vorwurf gemacht wurde, zwei Millionen Pfund sich betrügerischerweise angeeignet zu haben, wurde zu einer Freiheits- ft r a f e von 14 Jahren verurteilt. Fährschiffunglück auf dem Viktoriasee. In der Rähe von Kigale in Ruanda ist ein Fährschiff auf dem Viktoriasee gesunken. Die Passagiere wurden ins Wasser geschleudert und sind, ohne wieder auf,zutauchen, verschwunden. Wie man befürchtet, ist die Gegend von Krokodilen verseucht, die oft in ganzen Schwärmen in der Rähe der Unglücksstelle auftauchen. Die Unglücksstelle stellt die Hauptverbindungslinie der Fährboote zwischen Uganda und Ruanda dar. Bei dem Unglück sind dreizehn Personen, darunter ein Europäer, ums Leben gekommen. Eine Augsburger „konfessions"-kirehe. Augsburg begeht in diesem Jahre die 400. Jahrfeier der „Confessio Augustana“. Als Auftakt zu den kirchlichen Feierlichkeiten wird die neuerbaute St. Johanneskirchc in Augs- burg-Nord-Oberhausen am Pfingstmontag a I s „K o n f e s s i o n s" - K i r ch e eingeweiht werden. Die Kirche ist in modernem Stil mit sechs seitlichen Emporen auf verhältnismäßig kleinem Grundriß erbaut. Die Ausführung läßt besonders das Handwerkliche in Erscheinung treten. Jan Mayen. INordö/ir )4ioryiavi iöeideen- FranKf, Tours Jafltnf. Freitaa, 24. Januar, 1930,7" Oie Wetterlage. - eiflnet. gesucht. Scht. Angebote u. 0517 an den Gien. Anzeiger. [Stellenangebote! Vertreter f. ges. gefch. Massen- ortifel bet bobetn Verdienst gesucht. Scht.Angeb. u. 0525 an d. Gien. Anz. erb. älgoreifra-Sfißtit vergibt Vorirrtuntj. Offert. u. L. S. 344 durch Rudolf Blosse, Leipzig.________685 V '-Brav., ort). 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Die Abwanderung gewisser Teile der ländlichen Bevölkerung in die Städte ist ein Vorgang, der in jedem wirtschaftlich fortschreitenden Lande als notwendig zu bezeichnen ist, da die Städte aus eigener Kraft ihre Bevölkerung nicht zu redenerieren vermögen. Die landwirtschaftliche Bevölkerung bildet daher eine Quelle, aus der alle anderen Berufe schöpfen. Solange die Landbevölkerung trotz der regelmäßigen Abgaben s i ch mindestens auf ihrer alten Höhe z u halten vermag, liegt kein Grund zur Besorgnis vor. Ganz anders aber wird die Lage, wenn die Abwanderung in so starkem Maße erfolgt, daß man es im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Landflucht zu tun hat. Ein solcher Vorgang ist zunächst die Ursache des Man- Igels an Arbeitskräften auf dem Lande, er muß aber früher oder später zur Erschöpfung der Landbevölkerung führen, wenn ihm nicht Einhalt getan wird. Die Erscheinung der Landflucht ist in besonders starkem Maße in den Ländern des Abendlandes zu beobachten; aber auch zahlreiche andere Länder, wie die Vereinigten Staaten von Amerika u. a. sind keineswegs frei davon. In Deutschland war die Landbevölkerung der Vorkriegszeit scheinbar stark genug, um trotz höchster Abgaben an die Städte, ihren Bestand fest zu behaupten. Einen beängstigenden Rückgang müssen wir aber feststellen, wenn mir die Ergebnisse der beiden Volkszählungen nach dem Kriege, von 1919 und 1925 vergleichen. Mehr als eine halbe Million hat die ländliche Bevölkerung im Lause von nur 6 Jahren eingebüßt, während die städtische Bevölkerung um fast 2% Millio- nen gewachsen ist, wobei allerdings auch umfassende Eingemeindungen mitgewirkt haben. Diese Angaben kennzeichnen aber die wirklichen Verluste der ländlichen Bevölkerung noch nicht scharf genug. Ein einwandfreies Urteil gewinnt man erst, wenn die Untersuchung auf einzelne Länder und Landesteile ausgedehnt wird. So war schon vor dem Kriege ein starker Zug vom Dften nach dem Westen zu beobachten. Die Hauptabwanderung erfolgte aus den ost deutschen Grenzgebieten. So hat allein .die Provinz Ostpreußen in den 70 Jahren von 1840 bis 1910 nicht weniger als 730 000 Menschen oder 52 v. H. ihres Gebur- tenüberschusses durch Ab- und Auswanderung verloren und für den Zeitraum von 1910 bis 1925 ergibt sich für diese Provinz ein weiterer Wande- lungsverlust von 112 000 Menschen, das heißt wiederum die Hälfte ihres Geburtenüberschusses. Aehn- lich liegen die Verhältnisse in der Grenzmark Posen-We st preußen. Aus diesen Gebieten wandert jahraus jahrein noch etwa d i e Hälfte des natürlichen Bevölkerungszuwachses nach dem Westen und in die Industrie ab und macht freiwillig Platz für das nachdrängende geburtenstarke land- hungrige Polentum. Um ein vollständiges Bild von den Gefahren der Abwanderung zu gewinnen, müssen noch die besonderen Verluste der landwirtschaftlichen Bevölkerung, d.bh. der landwirtschaftlichen Berufsangehörigen, ins Auge gefaßt werden. Seit der ersten deutschen Berufszählung im Jahre 1882 hat die gesamte deutsche Landwirtschaft bis 1925 1,57 Millionen oder 10 o. H. ihrer Angehörigen verloren, so daß 1925 nur noch 14,37 Millionen gezählt werden kennten. In einzelnen Gebieten sind die eben geschilderten Verluste noch größer. So haben 31 Kreise der Provinz Q st preußen in dieser Zeit von ihren landwirtschaftlichen Berufsangehörigen 155 000 oder 16,3 v H. hergeben müssen. Aber auch andere Gebiete Deutschlands haben einen starken Aderlaß an ihrer landwirtschaftlichen Bevölkerung erfahren. So haben im Freistaate Sachsen verschiedene Amtshauptmannschaften im Erzgebirge 30 bis 36 v. H. verloren oder je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 19 bis 25 Personen. Das ganze Volk verlor in den letzten 30 Jahren ein Fünftel seiner landwirtschaftlichen Bevölkerung. Fragt man nach den Ursachen der Landflucht, so kommen im wesentlichen nur die Härte und Unannehmlichkeit der Arbeit in Betracht, vor allem deswegen, weil die Entlohnung in keinem angemessenen Verhältnis dazu steht. Andere Motive des Berufswechsels sind nur von geringer Bedeutung. Wir müssen uns daher mit der Entlohnung der landwirtschaftlichen Arbeit befassen. Da diese aber im engsten Zusammenhänge mit der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft überhaupt steht, so müssen wir zunächst von dieser ein Bild zu gewinnen suchen, dies um so mehr, als über die Rentabilität der Landwirtschaft teilweise die eigenartigsten Vorstellungen bestehen.. In der Schweiz von Professor 2a ur durchgeführte umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, daß sich dort im Mittel der Wirtschaftsjahre 1926 27 und 1927/28 das Aktivkapital, d. i. das gesamte in den Landwirtschaftsbetrieb eingewendete Eigen- und Leihkapital, mit nur 1,84 v. H. verzinst, was, mit den Verträgen der Industrie verglichen, als sehr ungünstig bezeichnet werden muß. Das sich aus dem Arbeitsverdienst und der Vermögensrente zusammensetzende Einkommen der Unter- uchmerfamilie vermag nur einen Arbeitsverdienst von 2,61 Fre. je Männertag oder 2,10 Mark einschließlich Wohnung unb Beköstigung zu gewähren, während eine Verzinsung des in der Wirtschaft steckenden Eigenkapitals überhaupt nicht erfolgt. Der Landwirt mit seinen Familienangehörigen ist daher der schlechtest bezahlte Lohnarbeiter; denn der Tage- lvhn für landwirtschaftliche Angestellte macht doch schon 5,56 Frc. oder 4,50 Mark aus. Zu ähnlichen Ergebnissen führten gleichartige Untersuchungen in Oesterreich, Schweden und anderen Ländern. Vergleicht man hiermit die Lage der deutschen Landwirtschaft, so findet man, daß sie noch weit schlechter ist. Nach den Ergebnissen der dein Leipziger Institut für Betriebslehre angegliederten Landesstelle zur Erforschung der landwirtschaftlichen Betriebsverhältnisse Sachsens konnte in den Jahren 1926'27 unb 1927/28 überhaupt fein Reinertrag nachgewiesen werden, es hat sich vielmehr im Durchschnitt von 1100 untersuchten Betrieben ein Verlust von 24 Mark je Hektar ergeben. Es hat daher nicht nur jegliche Verzinsung des in der Landwirtschaft angelegten Kapitals gefehlt, sondern e s mußten Schulden gemacht werden, um den Betrieb an sich durchzuführen und die Zinsen für Hypotheken und andere Verpflichtungen aufbringen zu können, so daß für die rund eine Million Hektar betragend« landwirtschaftlich genutzte Fläche Sachsens die Zunahme der Verschuldung in den beiden genannten Jahren nicht weniger, als 160 Millionen Mark betrug. Ein Einkommen, also zum mindesten einen Lohn für seine A r - beitsleistung hat der Bauer in Sachsen im Gegensatz zur Schweiz überhaupt nicht erzielt, natürlich hat auch d i e Rente für das Eigen- kapital gefehlt. Dieses Ergebnis ist um so beachtenswerter, als bekanntlich die sächsisch« Landwirtschaft mit ihren Leistungen unter den Ländern und Landesteilen Deutschlands an der Spitze marschiert. Es erübrigt sich daher wohl, noch über andere, unter weniger günstigen Bedingungen arbeitend« Gebiete zu berichten. Diese Tatsachen erklären vor allem d i e starke Abwanderung der Bauernkinder, weil der klein- und mittelbäuerlich« Landwirt, der im wesentlichen alle Arbeiten in Gemeinschaft mit seinen Familienangehörigen verrichtet, für seine Arbeit keinen Lohn empfängt Im Gegensatz hierzu ist bie Lage ber Landarbeiter immer noch günstiger, da der durchschnittliche Tageslohn in Sachsen die gleiche Höhe wie in der Schweiz erreicht, und zwar 4,50 Mark. So erwünscht auch zur Be- Der sterbende „Windjammer" Von Victor Mages. Man darf es nicht länger bezweifeln: das Segelschiff — der „Windjammer" — ist im Aussterben begriffen, ist schon so gut wie ausgestorben, und die romantischen Wünsche der Jlungens, die eine richtige „christliche Seefahrt" kennen lernen möchten. sind im wahrsten Sinne des Wortes zu Rauch geworden. Ich lese nämlich im „Manchester Guardian“, daß unlängst in London eine Versammlung alter seebefahrener Leute getagt hat, mit dem Zweck und Ziel: wenigstens ein einziges vollgetakeltes Segelschiff unter britischer Flagge auf dem Meer fahrend zu erhalten. Die „Gartn- pool“, die im November 1929 bei den Kapverdischen Inseln wrack wurde, war das letzte Naaschiff, das den Union Jack an der Gaffel führte. Andere Länder hoben noch sogenannte Kadettenschulschiffe zur Ausbildung des seemännischen Nachwuchses; diesen Typus gab es früher schon, aber er zählte nie recht mit, denn es ist ein Unterschied, ob eine Viermastbark die notwendige Besatzung von etwa 30 Mann hat, deren Arme gebraucht werden, oder ob sportfreudige Kadetten, ein Schock zukünftiger Dampferoffiziere, unter der Anleitung eines reichlich bemessenen Stabes geschulter Kräfte aus Tradition Segelschiffahrt erlernen. Es sind auch überall noch kleine Schoner in Fahrt, nur verlassen sie sich zu 90 Prozent auf ihren Motor, den sie natürlich alle haben. Der Windjammer, das vollgetakelte' Segelschiff, dessen Brassen von wenigen Händen bedient wurden, ist tot. Die Maschine triumphiert. Wenn man selbst lange unterm weihen Dach der geschwellten Segel zugebracht hat (ein Vierteljahrhundert ist das nun bald her), kann angesichts dieses Fortschritts der vielbesungenen Zivilisation wehmütige Erinnerung kaum gemeistert werden, und der Gedanke, wie alt wir doch geworden sind und wie die Zeit — Tempo! Tempo! — über uns hinweggeht, kriecht grauenhaft im Kopf umher. Damals hätte jemand sagen sollen, daß im Iahre 1930 in Winchester House eine Versammlung tagen würde, um Mittel und Wege zu finden, wenigstens einen einzigen Naasegler unter britischem Hoheitszeichen der Welt in natura zu präsentieren — er wäre ausgelacht worden. Wo man hinsah, schwammen die Barken, die Dollschiffe, die Diermaster, welche die blutrote Flagge mit den toten Kreuzen auf blau-weißem Grunde zeigten, und deutsche, dänische, norwegische, italienische, holländische Schiffe gleicher Art waren in jedem Hafen anzutreffen. Ich denke zurück und erinnere mich des ostaustralischen Kohlenhafens Newcastle on Hunter. Da lagen immer gleichzeitig 60 bis 70 Segler aller Nationen, die in Ballast von Südamerika oder Mexiko kamen und Ladung nach chilenischen Salpeter- Plätzen einnahmen. Die Dampfer spielten dort kaum eine Nolle. Ab und zu prustete ein dicker neuseeländischer Steamer am Nobby-Leuchtfeuer vorbei, man sah ihn verächtlich an, und er wurde zwischen der Menge der Viermaster und Doll- schiffe ganz schmal und dünn und unansehnlich. Ach, was würden Lilh und Mary und Betty und Flory wohl gesagt haben, wenn die Apprentices, die ihre Limonadenshops bevölkerten, nicht von einer Sturmnacht am Kap Horn zu erzählen gewußt hätten! Ein Dampfermatrose? Der wurde mit dem schönen Namen „Nostklopper" belegt, und kein australisches Girl guckte ihn an. Heute wird sich das wesentlich geändert haben. Was sollen sie machen, die armen Mädchen? Der Windjammer mit den stolzen Masten ist nicht mehr. Die Apprentices in den blauen Iaketts, mit der kecken Mütze auf dem Kopf, sind den Weg der Maschinisierung gegangen und stehen auf den Brücken der Steamer, und durch die Hunter Street wogt die Masse der „Nostklopper". (Dabei gibt es nur einen tröstenden Gedanken: Mary und Betty und List; und Flory sind nun zwischen 45 und 50, und die „Nostklopper" dürften ihnen ziemlich gleichgültig sein.) Was alles hat mit dem Windjammer aufgehört zu existieren! Es werden keine Reuls mehr auf» gegeit in düsterer Nacht, kein Steuermann schreit dem Leichtmatrosen in die Ohren: „Go rop, mok em fast!" — die Leichtmatrosen sind seemännische Arbeiter im ersten Stadium der Entwicklung, am Tage waschen sie bie weiße Farbe der Schotten ab, und in der Nacht brauchen sie nicht zu besorgen, daß ihre Turnkünste in Anspruch genommen werden, denn da oben ist nichts, nur eine Antenne. Wenn sie am Ruder stehen, im geschützten Haus am Dampfruder, können sie vergnüglich auf die Kompaßrose blicken, ein kleiner Schubs nach rechts, ein kleiner Schubs nach links, das ist alles so einfach. Wir hatten es schwerer. Wir hatten das mannshohe Rad am Achtersteven zu dirigieren, der Orkan zerrte an unserem Südwester, und wenn die See von hinten anroUte, hatten wir ein Tau um den Leib, damit wir nicht weggerissen wurden von der donnernden Flut. Die Kompaßrose war oft nur Anhaltspunkt. Wir steuerten „bi de Wind" — tämpfung der Landflucht eine Steigerung ober gar eine Annäherung an unsere Industrie- löhne wäre, so unmöglich ist eine meitere Erhöhung des Lohnaufwandes, bevor nicht ber Landwirtschaftsbetrieb wirklich einen Ertrag bringt. Die Gründe der hier geschilderten Ertraglvsigkeit sind einerseits bie niedrigen Produkten- preise und ber dadurch bedingte zu geringe Rohertrag, andererseits d i e z u hohen 21 u f- wendungen, bie durch z u hohe Zinsen für das Leihkapit.-l, z u hohe öffentliche B e - I a ft u n g unb das Mißverhältnis zwischen den Preisen, die der Landwirt für seine Erzeugnisse erhält und denen, die er für seine Betriebsmittel und Gebrauchsgegenstände zahlen muß, veranlaßt sind. Soll die Landwirtschaft nur einigermaßen rentabel werden und hierzu einen Reinertrag bringen, mit dem di« derzeitigen Verluste, Hypothekenzinsen und eine Vermögensrente von nur 2 v. H. gedeckt werden könnten, so müßten bie Roherträge um 16 v.H. gefteigert werden, was nur durch eine Steigerung ber Produktenpreise in derselben Höhe erreichbar ist. Wollte man dann aber auch noch den Arbeitslohn um 16 v. H. steigern, um dadurch den Jahresverdienst eines Landarbeiters von 1400 Mark auf 1600 Mark zu heben unb ihn dem Verdienst eines ungelernten Arbeiters in der Industrie anzunähern, so würde dies eine Erhöhung de r Produk- tionskostenum 8 v. H. bedingen, die nur durch eine weitere Steigerung der Produk- tenpreife auszugleichen wäre. Will man die Landflucht bekämpfen und der Abwanderungsflut einen wirksamen Damm entgegensetzen, so ist das nur mit Hilfe einer rentablen Landwirtschaft möglich. Es ist daher eine Preiserhöhung der landwirtschaftlichen Produkte um zirka 25 v.H. unvermeidlich. Eine derartige Maßnahme würde bie Ber- braucherschaft in ihrem Wirtschaftshaushalt keineswegs in gleichem Maße belasten; denn die Berechnungen über den Lebenshaltungsindex weisen nach, daß von den Lebenshaltungskosten nur 28 v. H. Erzeugnisse aus der Landwirtschaft, dagegen 72 v. H, solche aus der Industrie betreffen. Es ist daher in hohem Grade irreführend, wenn die Landwirte immer als Brot- uerteurer gescholten werden, zumal wenn man den Index für Agrarerzeugnisse mit dem der industriellen Erzeugnisse vergleicht. Die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschaft durch Erhöhung der Preise für ihre Erzeugnisse würde nur eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten um 7 v. H. bedeuten, die tragbar erscheinen sollten, wenn man auf die großen volks- unb nationalpolitischcn G e» fahren bl.ckt, die uns bei weiterem Umsichgreifen der Entvölkerung des Landes in wenigen Jahrzehnten bedrohen. Die Geburtsziffer unseres Volkes bleibt bereits um 9 v. H. hinter dem zur Bestanderhaltung erforderlichen Mindestsoll zurück, so daß etwa vom Jahre 1955 an die Bevölkerungszahl von Jahr zu Jahr zusammenschrumpfen wird. Sein Land Europas hat seit dem Weltkriege einen ebenso scharfen Geburtenrückgang auszuweisen wie Deutschland, und unter allen Völkern Europas einschließlich Frankreich ist die Fortpflanzung des deutschen Volkes am geringsten. Unser Volk hat also bereits den ersten Schritt getan, ein ft«r- bendes Volk zu werden. 'Wir treiben mit dem gerade für die Städte unentbehrlichen Bestände unseres Landvolkes eine Bankerottwirtschaft schlimmster Art, wenn nicht Mittel und Wege gefunden werden, nicht nur um den Bestand zu erhalten, son dern ihn noch zu vermehren. Soll unser Volk^nicht ein sterbendes Volk werden, dann können bie Städte einen dauernden Nachwuchs vom Lande nicht entbehren. Dann darf aber auch das Land keinesfalls veröden, indem bie Städte bie letzten Kräfte aufzusaugen suchen. Diese Gefahr haben alle Lander des Abendlandes erkannt, und sich deswegen bemüht, ihr mit allen Mitteln zu begegnen. Auch das deutsche Volk kann und darf deswegen nicht tatenlos zu- sehen, wie seine Landbevölkerung schwindet. Unter den Mitteln, die zur Abwehr in Betracht kommen, werden in erster Linie bie Besiedlung des Landes und die innere Kolonisation genannt. Diese versagen jedoch zur Zeit vollkommen wegen ber gänzlichen Unrentabilität der Landwirtschaft. Wenn schon die alten Landwirtschaftsbetriebe unter der Unrentabilität leiben, so ist dies bei den Siedlungen in erhöhtem Maße der Fall. Wer hat noch Lust zu siedeln, wenn der Bauer nicht einmal ein Entgelt für seine Arbeit empfängt? Die Hauptursache der Landflucht ist daher auch die Hauptursache für das Mißlingen ihrer Bekämpfung. Wenn wir die Darlegungen über die Ursachen und Wirkungen ber Landflucht überblicken, so sehen wir, daß unser Volk an einem Scheideweg steht. Will das deutsche Volk nicht den Weg gehen, den Spengler in seinem Untergange des Abendlandes schildert, will es nicht sterben, sondern sich für die Lösung seiner großen Aufgaben der Wissenschaft und Kultur erhalten, dann ändere es seinen Sinn, erhalte sein Landvolk und wehre der Landflucht mit allen Kräften. Zm Schatten des Galurners. Von unserem st.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) .Bozen, Januar 1930. Die Festwochen sind verrauscht. Was ist geblieben? — Vielleicht nur ein bitterer Nachgeschmack. Ober mehr vielleicht? Es finb bies Fragen, bie ohne Antwort bleiben, wie so viele anbere, bie man Tag für Tag hier stellt. M i t bem Tobe bes 6 a 1 u r > n e r s Dr. Nolbin, bes Märtyrers ber beutschen Sache in Sübtirol, hatte esvonneuembegon- n c n mit Verhaftungen, Schikanen mancherlei Art, mit ber Beschlagnahme von Kränzen am Grabe eines ber besten Deutschen, Nolbins selbst. Unb hinterher bann: Königsmarsch unb Giovinezza. * Die 60 Deutschen, bie man am Vorabenb ber Hochzeitsfestlichkeiten verhaftete, wissen heute noch immer nicht, warum sie tagelang „auf Befehl bes Ministers" eine unroürbige Behandlung über sich ergehen lassen mußten. Attentatsfurcht ? — Nach den üblen Erfahrungen, bie bie Regierung mit ben Gegnern bes Fafzismus gemacht hatte, ist ja eine gewisse Nervosität nur burchaus berechtigt gewesen. UeberaU war sie berechtigt, aber nur nicht in Sübtirol, besten Deutschtum sich in ber Geschichte noch nie anarchistischer ober nihilistischer Methoben bebiente, um ben Gegner aus bem Wege zu räumen. Warum also bie Verhaftungen? — Nur so zum Spaß, währenb eine Südtiroler Aborbnung in landesüblicher Tracht bem Hochzeitspaar feierlichst ein Geschenk überreichte? — Warum nur dies alles, in einem Staate mit „lateinischem Recht?" * Wie ruhig ist doch alles im Lande verlaufen! Eine Woche lang hatten natürlich bie italienischen Geschäfte, bie Banken unb die Regierungsgebäube geflaggt. Auch bie beutschen Hotels waren gezwungen, bie Trikolore zu zeigen, unb auf ben Bergen leuchteten in turmhohen Bauten die Rutenbündel des Faszismus. In den Straßen Bozens war es nur am Samstag vor ber Hochzeit bes Kronprinzenpaares etwas lebhafter. Von überall her nahten bie Züge ber Bauern unb Bäuerinnen, bie um die Mitternachtsstunbe mit einem Extrazug nachRom beförbert würben, um an ber großen „Defikier- cour aller Stämme Italiens" vor bem Kronprinzen- paar teilzunehmen unb mit „Evviva!" zu rufen. Bor ber Präfektur gaben bie Bauernkapellen bem 35jäh- rigen Oberfaszisten, ein Stänbchen. Abenbs sah man bie Bauern gruppenweise in den Gasthäusern ber Stabt, selbst im Ratskeller. UeberaU waren sie von beim Winde — und mußten uns nach den Segeln richten. Wenn die Luvfchot des Reul zu klappen anfing: dann war es Zeit, in die Speichen zu greifen. Aufpassen, immer aufpassen, oder das Schiff drehte in den Wind und die Segel schlugen back. Das ist nun alles eine Lektüre für die reifere Iugend, die sich vermutlich nicht viel dabei denken kann. Sie wird sich auch nicht vorzustellen vermögen, wie wir lebten, ilnfere Leiden und kleinen Freuden während ununterbrochener fünfmonatiger Segelschiffsreise — beispielshalber von Hamburg nach der Westküste von Mexiko — wenn man davon fingen und sagen wollte: es gäbe wirklich ein Buch. (Vielleicht gibt es noch eins.) Der Zentralpunkt, um den dieses Leven kreiste, war die Kombüse. Erbsen mit Speck, Dohnen mit Salzfleisch, Büchsenragout mit Sauerkraut, Pflaumen mit Klößen: da habt ihr das gesamte Küchen- repertoire, das sich von Woche zu Woche, von Monat zu Monat wiederholte. Aber am Sonntag gab es ein Stück frischgebackenes Weißbrot, 15 Zentimeter lang, fünf Zentimeter breit und drei Zentimeter hoch. Der Sonntag war ein feiner Tag! Die heute auf den Dampfern fahren, würden in einer Dauerstreik treten, wenn sie auch nur einen einzigen Tag das essen sollten, was wir stets gegessen haben. Und der Teufel soll mich holen: es hat geschmeckt. Salzfleisch und christliche Seefahrt: das war einmal eins, nicht voneinander zu trennen. Smutje, der Koch, und fein Labskauschstampfer waren Bestandteile einer Romantik, die nun unter Kohlen verschüttet, in Oel ersäuft ist. Dann die Nächte im.Passat. Wer sie nie erlebt hat, auf einem Segelschiff, weih nicht, was berauschend ist. Die Masse der prallen Leinwand grell beleuchtet vom Mond. Das glitzernde Meer. Schweigen, Schweigen, Schweigen. Hin und wieder knarrt eine Stange. Leises Rauschen. Der Atem Gottes streicht über die See... Da kann man nicht weiterschreiben. Da versinkt man in sich selbst. Du hast es erlebt. Es ist gewesen. Der letzte Windjammer zerschellte an den Kapverdischen Klippen. Oer wirkliche Schluck. Gerhart Hauptmanns Schauspiel „Schluck unb Sau“ behandelt bekanntlich eine Geschichte, bie überall in ber Weltliteratur auftritt, nämlich bie von dem armen Schlucker, ber zum Spaß von einer ausgelassenen Gesellschaft in einen hohen Herrn verwandelt unb bann wieder in fein Elenb zurück- gestoßen wird. Die berühmteste Gestaltung ist bie von dem Kesselflicker in Shakespeares „Zähmung der Widerspenstigen". Man hat verschiedentlich geschichtliche Vorbilder für dieses Motiv nachzuweifen versucht unb auf derartige Spässe hingewiesen, bie sich Kaiser Karl IV. und Herzog Philipp der Gute geleistet haben sollen. Aber erst jetzt wird dieser grobe Spaß historisch belegt durch eine französische Veröffentlichung über einen Grandseigneur des 17. Jahrhunderts, ben Parlamentsrat Gaspard de Venel, der ein großer Spaßvogel war und den Bewohnern von Aix sehr viel Stoff zum Lachen gab. Von ihm wird in den Archiven der Provence ein Dokument bewahrt, das berichtet: Eines Tages wurde ein Lastträger sinnlos betrunken im Rinn- stein bei bem Palast des Herrn de Venel in Aix gefunden, und auf Befehl 'Venels wurde er in das Palais gebracht, wo man ihn entkleidete, säuberte, mit feinster Wäsche versah unb in einem ber schönsten Zimmer des Hauses zur Ruhe bettete. Bei seinem Errvachen fanb sich der arme Teufel auf einem köstlichen Lager, von zahlreichen Bediensteten umgeben unb fragte: „Wo bin ich?" „Aber doch in Ihrem Schloß, Monseigneur," lautete die Antwort. Alle wetteiferten darin, ihn davon zu überzeugen, daß er der Herzog von Mercoeur, Gouverneur ber Provence, sei. Das gelang auch völlig. Der Lastträger fanb sich in bie Rolle, die man ihn spielen ließ, nahm bie Ehrungen entgegen, ohne mit ber Wimper zu zucken, präsidierte einem Festessen, bei bem er bie Gesundheit des Königs ausbrachte, und wohnte des Abends einer großen Gesellschaft bei, zu der zahlreiche Freunde Venels geladen waren. Die Poss« erreichte ihren Höhepunkt, als bie Frau bes Trägers, bie ihn, unruhig über sein Verschwinden, überall suchte und erfahren hatte, daß er sich im Palais de Venel befände, plötzlich erschien und in derber Weise aufforberte, sofort nach Hause zu kommen. Der vermeintliche Gouverneur wandte ihr entrüstet den Rücken und befahl ben Dienern, sie hinauszuwerfen. Man gab ihm nach dem Fest ein Schlafmittel, zog ihm wieder seine schmutzigen Lumpen an, und legte ihn dann in die Gosse, in der man ihn betrunken gefunden hatte. Als er erwacht«, sah er sein« Frau in drohender Haltung vor sich. „Du," sagte er, „ich habe einen großartigen Traum gehabt. Denke dir, ich war ber Herzog von Mercoeur, ich wohnt« in einem herrlichen Palais, alle Welt dienerte vor mir, unb ich gab ein prächtiges Fest.. / „Unb ich?" fragte die Frau. „Was war ich denn dabei?" „Du?" erwiderte er, „aber du warft doch natürlich die Herzogin von Mercoeur!..." btn Führern der NaNentschen Syndikate begleitet, die die Auswahl unter den nach Rom zu sendenden großmütig getroffen hatten und jetzt natürlich auch großmütig die Zechen zahlten. So wunderschön ruhig ging das alles zu! Dabei offenbart sich gerade hier krasse faszistische Politik. Man weiß, w i e solche Delegationen zustande kommen. Jeder dritte der Bauern, die da zerstreut über die Berghänge in einzelnen Gehöften wirtschaften, besitzt einen Weinausschank. Es genügt, mit derEntziehung der Lizenz zu drohen, um jeden Widerspruch zu unterdrücken, also auch in unserem Falle den gegen die Teilnahme an der Delegation nach Rom. Auf andere der Bauern wirtt entsprechend die Drohung mit dem Ausschluß aus dem Syndikat, mit der Sperrung von Düngemitteln und Kre- d i t e. So geht auch der deutsche Bauer Südtirols nach Rom. In Gesprächen mit älteren Leuten kommt allerdings leise und ängstlich der Unwille zum Ausdruck. Die Jüngeren setzen sich dank der Neugierde ihrer Jahre leichter über solchen Zwang hinweg. Beim Bauern greift der Faszist außerdem gerne zu, weil er dabei auf seine Agrarpolitik pochen kann, die dem Bauer gibt, was des Bauern ist. Dem südtiroler Landmann sein Deutschtum nehmen, kann man jedoch auf diese Art nicht. Dieser Bauer hat ein sehr gutes Unterscheidungsoermögen. Er weiß genau, wo die Wirtschaft aufhört, und wo die politische Propaganda beginnt. * An dem erwähnten Samstag vor der Hochzeit war in den berühmtesten Gaststätten, so z. B. im Batzenhäusel — jetzt Easa di Bazzi! — großer B e - trieb. Festesfreude wäre allerdings ein zu wohlwollender Ausdruck für den Lärm, der von gewissen Faszistenkreisen veranstaltet wurde. Erwähnt sei hier gleich, dast der fanatische Faszist leicht dazu neigt, in dem Kronprinzen einen heimlichen Gegner Mussolinis zu sehen, der den Thronfolger übrigens auf Schritt und Tritt überwachen läßt. Der Faszismus ist aber klug genug gewesen, die Hochzeit als nationales Fest mit faszistischem Vorzeichen zu feiern. In Südtirol konnte man dies besonders gut beobachten. Das Unterscheidungsoermögen des südtiroler Deutschen kommt auch in anderer Hinsicht zum Ausdruck. Es gibt zwei Repräsentationen in diesem Lande: den Faszismus und das Königtum. Sie sind durchaus nicht identisch. Das Königtum wird durch die Armee repräsentiert, die in Bozen eine stärkere Garnison besitzt, als seinerzeit die Doppelmonarchie. Es gibt da die schönsten Kriegsspiele, die größten Manöver, alles im Zeichen des Angriffs gegen den „Feind im Norden". Aber der Südtiroler muß anerkennen, daß das Militär sich zurück- hält Provokationen vermeidet und selten Anlaß zu Zusammenstößen gibt. Auch das ist natürlich Politik. Aber diese Tatsache muß festgestellt werden. Sie muß es schon deshalb, weil im Gegensatz zur Armee die f a s z i st i s ch e Miliz in einer Weise auftritt, die selbst auf den friedlichsten Menschen als Herausforderung wirken muß. Diese Miliz ist die eigentliche Herrin des Landes, und am meisten macht sie sich in den Städten breit, wo sie auch schwer empfunden wird. Diese faszistische Miliz war es denn auch, die an jenem Samstag vor der Hochzeit des Kronprinzenpaares in einem sinnlosen Demonstrationsakt die Gedächtnistafeln für Andre asHofer und andere große Deutsche von der ältesten Herberge Bozens herunterri ß. - Dazu steht diese Milizi nicht allein. In ihrem Gefolge breitet sich eine hochbezahlte Klientel als ungeheurer Schwarm von Schiebern und Nutznießern des Systems ebenfalls über die Städte aus. Auf das Land geht man nicht so gern hinaus. Dort läuft man vorerst die Zwangssyndikate mit ihren un- zpieifelhaften Vorteilen für die Bauernschaft arbeiten, als Battaglie del Grano. Man wirbt um den Bauern, wo es geht. So wurden bei der großen „Siegesfeier", die zwischen Weihnachten und Neujahr unter dem Vorsitz des Präfekten im Bozener Stadttheater veranstaltet wurde, nicht weniger als 350 Preise und Ehrendiplome an Landwirte verteilt. Dabei wird auf den Ernteertrag des Landes hingewiesen, der in 4 Jahren von 9 Doppelzentner auf 13 je Hektar gesteigert worden war. Man feierte den Bauern als den Angehörigen des wichtigsten Standes im Vaterlande und umrahmte das Ganze mit Königsmarsch und Giovinezza. * Aber der südtiroler Bauer besitzt eben ein feines Unterscheidungsvermögen. Er weiß, wo die Wirt- Komrad. Don Hans Friedrich Blunck. Morgens, als ich Feuer anzünden wollte, merkte ich, daß kein Streichholz mehr in der Kate war, nicht auf " bent Herd, nicht in meiner Tasche, nicht im Schrank, wo ich noch ein halbes Paket vermutet hatte. Das war böse, es hatte in der Nacht geschneit und war kalt im Haus, bitter kalt, daß das Cis auf den Eimern stand. Ich hatte auch gerade heute ein gutes Stück Arbeit vor, die geht gut voran in der Einsamkeit, aber cs muß Feuer im Herd sein, schlimm wenn man mit verklammten Fingern den Pinsel führen will. Mein Hund sah, daß ich vergeblich suchte — Komrad hieß er, war ein guter Kerl und mein einziger Helfer. Wahrhaftig, es ist nicht richtig, daß ein Mensch ganz ohne Amwesen mit sich auskommen kann, aber da sind Hunde, diese Schäferhunde zumal, die menschlicher als die besten Freunde sind. Komrad war so einer, er war gesellig und unterhielt mich genug, so ein Hund hat viele Einfälle, und ist gewiß lustiger als ein verdrossenes Weibsgesicht. Aber diesen Morgen war auch er hungrig und schnupperte mit mir vergeblich am Herd herum. Keine Streichhölzer, mein Junge, was sollen wir tun? Wir müssen wohl zum Förster über s Moor! Komrad bellt zur Tür, ich glaube, es gibt kein Wort das er nicht versteht. Gähnend stoße ich den Aicgcl aus — Schnee, alles Schnee! Er blendet die Augen, so weit reicht er, kaum können die schwarzen Crlruten und der ferne Waldrand einige Streifen Dunkels hineinflicken. And Schnee liegt noch in der Lust, trotz des roten Streifs Frühe, die das flache Gewölk durchschcint — Schnee, viel Schnee! Wir könnten einschneien, auf zwei, drei Tage, auf länger. Los, Komrad, Feuer holen! Aach dem ersten Stapfen möchte man fast hcim- kchrcn, so nah und sumpfig liegt es unter der weißen Decke. Der Frost hat erst in der Frühe eingesetzt, wir müssen achtgcben, Komrad, ist alles Sumpf, was wegab liegt. Aber schließlich kennen wir den Pfad. And ich weiß, du willst deinen Freund beim Förster besuchen und beschnuppern. Ruhig, laß die verrückten Sprünge im Schnee, du wirst früh genug müde werden. Wozu ich das Gewehr mit hab? Ja, vielleicht kommt mir eine Krähe vor die Mündung, da schast auf hört, unö'too diePolitik beginnt. Und über die ökonomischen Errungenschaften des Faszis- mus breitet sich für ihn, jeweils verstärkt durch die Uebergriffe der Miliz, der dunkle Schatten des Salurners. Oberheffen. Großes Fischsterben in der Weiterau. = Friedberg, 24. Ian. Die teerhaltigen Abwässer des Schwelwerks in Trais- Horloff haben in der H o r l o f f bereits streckenweise zum fast völligen Erlöschen des Tier- und Pflanzenlebens geführt. Seit einigen Tagen machen sich die schädlichen Abwäss?T anscheinend auch in der Aidda unterhalb der Horloffmündung bemerkbar. Es tritt dort ein großes Fisch st erben auf. Am Mühlenwehr beiOka r- ben konnte der Fischerei berechtigte gestern über vier und heute rund fünf Zentner Fische in einer Act Betäubung szu st and dem Fluß entnehmen, in erster Linie Schleien, Hechte, Karpfen und Barben. Die Tiere, die st a r k e n Teergeruch aufweisen, gelten als ungenießbar. Man hat sie in frisches, gesundes Wasser gesetzt, und hofft, so wenigstens noch einen Teil der Tiere zu retten. Die Fischereibesiher haben sich an das Kreisamt wegen Ergreifung von Schutzmaßnahmen gewandt. • Landkreis Gießen. H Lollar, 24. Ian. In diesen Tagen hielt der Turn- und Gesangverein seine Jahreshauptversammlung ab. Der 1. Borsitzende Philipp Harbusch gedachte zunächst in warmen Worten des im abgelaufenen Jahre verstorbenen Ehrenmitgliedes und ältesten aktiven Sangesbruders Friedrich Pfaff, dessen Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Aach dem von dem 1. Schriftführer erstatteten Jahresbericht zählt der Verein zur Zeit acht Ehrenmitglieder, 38 aktive und 54 passive Mitglieder. Der Verein beteiligte sich am Dundesfest des Hessischen Sängerbundes in Darmstadt, sowie an fünf sonstigen öffentlichen Veranstaltungen. 53 ®e» sangstunden und zwei Ständchen sind zu vermerken. Der Kassenbericht zeigte ein günstiges Bild. Den Einnahmen des verflossenen Jahres von 1177 Mark stehen Ausgaben von 1085 Mark gegenüber. Das Darvermögen ist auf 415 Mark angewachsen. Der Vorstand zeigt für das neue Jahr, mit geringen Veränderungen, die alte Besetzung. Der Verein beschloß für den 1. März die Abhaltung eines Bunten Abends, im übrigen beschäftigte sich die Versammlung mit einer Reihe interner Vereinsangelegenheiten. - H Lollar, 22. Ian. Gestern abend fand die erste Sitzung des neugewählten Gemeinderates statt, zu der neben dem Bürgermeister und dem Beigeordneten sämtliche 12 Gemeinderatsmitglieder erschienen waren. Bürgermeister Schmidt eröffnete die Versammlung mit Worten herzlicher Begrüßung. Durch Handschlag wurden darauf die fünf neu in den Gemeinderat eintretenden Herren Heinrich Rain II., Heinrich Henkelmann III., Heinrich FuchsV., Karl Klinkel IV. und Ernst -Wolf verpflichtet und die übrigen Herren (Ludwig HofmannV., Martin Seubert, Georg Wi ssemann, Ernst Klinkel, Wilhelm Zecher, Wilhelm Dau- ß i n g und Fritz Rohrbach) auf ihre früher erfolgte Verpflichtung hingewiesen. Sodann wurden die Kommissionen gebildet. Anter Hinweis auf § 165 der Landgemeindeordnung wurde von der sozialdemokratischen Fraktion auch. dieA eu- wahl des Kontrolleurs beantragt und gemäß deren Vorschlag Georg W i s s e m a n n mit Stimmenmehrheit gewählt. Zum Protokollführer wurde Fritz Rohrbach bestimmt. Als Beisitzer für das Mieteinigungsamt wurden unter Annahme der Vorschläge des Hausbesitzer- bzw. Mietervereins Karl Wagenbach, Robert Ewald, Karl Munzert und Walter Ruhl vorgeschlagen. M a i n l a r, 24. Jan. Am morgigen 25. Januar vollendet die älteste Einwohnerin unseres Dorfes, die Wwe. Christine Rollshausen, ihr 8 3. Lebensjahr. Die Jubilarin, die an den Ereignissen des Lebens noch regen Anteil nimmt, erfreut sich körperlicher und geistiger Rüstigkeit. — Wie schon berichtet, hatte unsere Gemeindevertretung durch die O b e r - hast du zu tun und ich kann die Grauröcke, die Aestplünderer, die den ganzen Moorrand umhorsten, nun einmal nicht ausstehen. Lang ist bet Weg, kaum, baß bie Ferne wächst; nur allmählich sinkt mein verschneites Dach zurück. Auch bet Hunb wird stiller, ich brauche nicht zu pfeifen noch zu drohen. Er läuft wo's angeht vor mir her, weih, wir müssen das Buschwerk entlang, das ich im Herbst einmal zu stecken begann: Hätf ich's nur nachgefüllt, das meiste hat der Wind weitergetragen — ober der Moorhase benagt ober Komrab hat's selbst ausgerissen. Er übte ein besonderes Zupacken, mit einem Ruck hatte er bie~ Ruten aus dem Boden und kam in großen Sätzen an, um Stockziehen zu spielen. Siehst du jetzt, wozu ich die eingesetzt habe, verwünschter Kerl? Find einer den Weg durch die Sümpfe unter dem vertrackten Schnee entlang! Aun was soll man einander heute Vorwürfe machen! Hätte nur der Frost früher gehärtet; unterm Fuß schwingt der moorige Boden und der Schnee läßt große schmutzige Stopfen zurück. Mitunter liegt schwarz ein gähnendes Wasserloch seitab, halb überweht vom Trieb unterm Westwind. Ja. es wehte genug zur Aacht, ich wachte einmal auf und stopfte Werg in die Fensterrillen. Die Einsamkeit ist so weiß und schwer, erst Mer draußen spürt man sie recht. In meiner Kammer habe ich immer genug zwischen Büchern und Farben zu tun, habe zu räumen, Kloben zu spalten oder Teller und Pinsel abzuwaschen. Hier mitten in der Weiße spürt man's erst recht wie einsam der Winter ist. And wie weit noch wenigstens eine Stunde bis zum Forsthaus>'Aun, man wird mich nicht ohne Kaffee gehen lassen, wir sind gute Aachbarn und die Försterssrau freut sich und kann über Hunde und Jagd und Wintergarten mitreden — laß bas verrückte Springen, Komrab, ja zum Teufel, hier ists tief burchweicht, was? Anb bie Büsche sinb auch erst wieder hinterm Bach zu sehen — siehst bu nun daß ich recht hatte, ben Weg abzustecken? Hier irgendwo war auch der Bogen — bas ist mne böse Schneewehe, was? Gut, bah ich zum Helsen ba bin. Ich glaube, wenn's nach bir 9^9°, 7" En, bleib, wir müssen durch, haben doch feine Streichhölzer mehr! Siehst bu ben Dach? Ec ist schwarz wie ein d-aben -im Schnee. Anb ber Steg ist weg — bas ift eme ärgerliche Sache, aber nach drei Wochen -Kegen soll s wohl kommen. 3a, springen, Komrab, nun heitzt'S springen! flächen-Teerung der Ortsdurchfahrt ben auf bie Gemeinde entfallenden Kosten- a n t e i I als zu hoch abgelehnt, dies wurde damit begründet, daß die Arbeit nicht richtig durchgeführt worden sei, so daß sich die obere Straßen« decke stellenweise wieder gehoben habe. In dieser Angelegenheit fand nunmehr eine Besichtigung der Straße durch einen Vertreter des Provinzial- Bauamtes statt, zu der auch die Gemeindevertretung eingeladen war. Aach den Ausführungen des Sachverständigen sei damit zu rechnen, daß sich der gegenwärtige Zustand ber Straße noch bessere, zumal bei ber Teerung auf ben Ouabrat- meter bie doppelte Menge Bindematerial verwendet worden sei, als in verschiedenen von ihm angeführten anderen Gemeinden. Auf Grund dieser Ausführungen wurde die Zahlung des Beitragsanteils vom Gemeinderat nunmehr genehmigt. f Treis a. Lda., 23. Ian. Gestern hielt ber hiesige K r i e g e r v e r e i n „Germania" seine Hauptversammlung bei Kamerad Will ab. Aach einer kurzen Begrüßung der zahlreichen Versammlung durch den Vorsitzenden, Förster Ding, verlas der Rechner Fritz den Kassenbericht, der einen Aeberschuh von 102 Mk. feststellen fonnie. Die Mitgliederzahl hat im vergangenen Jahr infolge von vier Todesfällen um vier abgenommen, aber auch wieder drei Zugänge gehabt. Der verstorbenen Mitglieder Dap- per, Will VIII., Decker und Fritz wurde in der üblichen Weise ehrend gedacht. Für Anter- stützung bedürftiger Kameraden wurden 40 Mk. aufgetoenbet. Zum Besuch bes am 2. Februar basier ftattfinbenben Militärkonzertes ber Gießener Regimentskapelle würbe cingelaben. In Kürze soll gelegentlich eines von Kamerab Hahn Beltershain abzuhaltenben LichtbilbervortrageS über seine Beteiligung an ber Zeppelinfahrt nach Ostafrika während bes Krieges, ein Familien- abenb stattfinben. Der in Aussicht genommene Ausflug nach Wilhelmshöhe wirb mit Rücksicht auf die Rot ber Zeit zurückgestellt. Aach dem noch bie Einrichtung bes Schießplatzes besprochen worben war, wurden bie Wahlen vorgenommen. Zum 1. Vorsitzenben würbe einstimmig Förster Bing wieber-, zum 2. Vorsitzenben Wilhelm Euler gewählt, nachbem ber seitherige 2. Vorsitzende Heinrich AickelII. seine Wiederwahl mit Rücksicht auf seine Gesundheit abgelehnt hatte. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden für weitere drei Jahre neu bestätigt und Heinr. Scharf neu hinzugewählt. 6 Allendorf a. d. L d a., 23. Jan. Dieser Tage fand bie biesjährige zweite Gemeinde- r a t s s i tz u n g unter dem Vorsitz des Bürgermeisters statt, aus ben u. a. zu berichten ist: Anter „Mitteilungen" gab ber Bürgermeister bekannt, daß die Hessische Brandversicherungs- kammer in Darmstadt zur Anschaffung ber QU o - tor-Feuerspritze einen vorläufigen Zuschuß von 1200 Mark und bie Baseler Mobiliarseuer- versicherungsgesellschaft einen solchen von 100 Mk. bewilligt habe. Eine weitere Beihilfe durch die Hess. Brandversicherungskammer stehe noch zu erwarten. Das Brechen ber Steine zum weiteren Ausbau des Triftweges soll im Distrikt Eisenschede erfolgen. Am ausgesteuerten Arbeitslosen und sonstigen äußerst Bedürftigen Gelegenheit zum Arbeiten zu geben, sollen nur diese gegen die von der Forstk^hörde festgesetzte bzw. vorgeschlagene Vergütung von 1,30 Qltarf Pro Kubikmeter zu dieser Arbeit zugelassen werden. Durch die Anschaffung ber Motorfeuerspritze war die Besetzung der Stelle des Spritzenmeisters mit einem fachmännisch ausgebildeten Manne vorzunchmen. Angestellt als solcher wurde Wilhelm Bergen, zu dessen Stellvertreter sein Bruder Cyristian Bergen gegen eine jährliche Vergütung von 150 Mark. Die am 1. Februar wieder fällig werdende Gemeindejagd soll diesmal probeweise auf zwölf Jahre verpachtet werden. z Rödgen, 23. Jan. Hier ist die erste Holzversteigerung im Gerneindewald ab» gehalten worden. Für gutes Scheitholz wurden 34 bis 36 Mk. je Doppelmeter, für Knüppel 22 bis 24 Mk., für gute Wellen 12 Mk. und für geringere 7 bis 10 Mk. gelöst. — Am vorigen Mittwoch sand noch einmal ein Hasentreiben statt. 33 Hasen wurden zur Strecke gebracht. 4- Stangenrod, 22.Jan. Am Sonntag feierte ber hiesige Gesangverein sein diesjähriges Ich versuche ben rechten Doben zu finben, ber Hunb jaubt leise, läßt bie Ohren hängen, ihm ift nicht behaglich. Denk an ben Freunb beim Förster, mein Lieber! Ich weise mit ber Hand bie Richtung, stampfe mir ben Absprung zurecht. Der Hunb winselt schlimmer, er sieht, was ich vorhabe. Bist boch nicht bange? Bald im Hof, kannst bir bie Füße abtreten und bie Aase warm schnuppern! Der Hunb schnappt schier nach mir, er hat Angst. Feigling, benfe ich, aber bann, fast stolpere ich über ihn, springt er zuerst — tut sonst kein Hunb, in weichen Schnee zu setzen. Zum Teusel, was soll ber Spaß? Aun, um es kurz zu erzählen — ich sagte, er sprang zuerst. Anb es war wie ein Türzuschlagen, wie ein schwarzes Aufflackern drüben, dann war nichts mehr zu sehen. Ich wollte erst noch lachen, denke, ber nimmt ein böses Rad. Aber mein Hunb kam nicht, kommt nicht wieber hoch, da ist nur eine schwarze Pfütze, wo ich hinspringen wollte. Ich warte einen Atem lang, rufe, beginne zu schreien, sehe mich rasend nach einem .Staken um — nichts rührt sich, keine Blase kommt hoch. Da befällt mich ein Zittern. „Komrab!" Keine Leiter, kein Ast ist nah, nichts als Schwärze im Schnee. Ich stehe ba, noch halb vorgebeugt, wollte boch springen! „Komrab," brüll ich. Aichts regt sich, ber Bach steht schwarz, bas Moor ist tot unb weih weithin. Schnee überall unb ber Tob barunter. Mir wiegt sich plötzlich ber Doben, auf dem ich stehe, scheint nachzugeben. Ich stapfe mit zitternden Knien einige Schritte rückwärts. Mein Hund! Aber ich rufe nicht mehr, die Stimme kommt nicht heraus, es ist ja auch ohne Sinn. Das Wasserloch, auf das ich starre, scheint enger zu werden. Noch ein Warten, dann graut mir zu stark; zehn, fünfzig Schritt muß ich zurück. Da sehe ich abseits einen Stecken, halb abgebrochen in einer Wehe, sehe plötzlich vorn den beschneiten Steg über den Dach, den ich verfehlte. „Komrad!" Rückständiges Amerika! Die Amerikaner weisen in den Olympischen Spielen ausgezeichnete Plätze in den Wirterspoct- kampfen auf. Aber im Lande selbst haben sie nicht eine einzige Bob- oder Skeletonbahn. Die erste Dahn dieser Art wird gerade jetzt für bie 3. Olympischen Winterspiele 1932 erbaut WeitWintervergnügen. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Präsidenten bes Vereins, Otto H o f m a n n I., für 25jährige aktive Mitgliedschaft eine Ehrenurkunde überreicht und er zum Ehr enmit- glieb des Vereins ernannt. Dem lang« jährigen Vorstandsmitglied Heinrich Görnert. welcher 40 Jahre aktiver Sänger ist, wurde durch Lehrer G ö r g im Namen des Vereins ein Ruhe- sessel mit Kissen und im Namen des Hessischen Sängerbundes die silberne Nadel überreicht Mögen die beiden Iubilare noch lange zum Segen des Vereins wirken! • Garbenteich, 22. Ian. Am vergangenen Sonntag wurde hier in einer gut besuchten Versammlung ein Ortsausschuß zwecks Bildung ber nationalen Reichsvereinigung ge- grünbet ch © r ü n i n g e n, 23. Jan. Anläßlich des 2 5. Dienstjubiläums desGemeinderech- ners Arnold wurde dieser Tage in einer feierlichen Sitzung des Gemeinderats dem Jubilar durch Bürgermeister Euler eine von dem gesamten Ortsvorstand gestiftete Ehrenurkunde überreicht, bie folgende Inschrift hat: „Dem um unser Rechnungswesen so hoch verdienten Herrn W. Arnold widmen wir anläßlich seines 25jäh- rigen Jubiläums als Gemeinderechner dieses Er- innerungsblatt in dankbarer Anerkennung seiner in dem arbeitsreichen und verantwortungsvollen Amte uns treu gereifte teil Dienste." Es folgen die Anterschristen des Bürgermeisters Euler, des Beigeordneten Engel und sämtlicher Gemeinderatsmitglieder. In seiner Ansprache hob Bürgermeister Euler hervor, daß Herr Arnold in treuer Pflichterfüllung das Rechneramt verwaltet hat, und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß bet Jubilar noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische zum Wohle der Gemeinde wirken möge. Herr Arnold dankte in einer Ansprache für die Ehrung und gelobte, das Amt weiterhin zum Wohle der Gemeinde zu verwalten. — Dieser Tage hielt der Gesangverein „Eintracht" seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach kurzer Begrüßung erstattete der erste Vorsitzende Adam Butz den Jahresbericht und hob dabei besonders bie günstige Entwicklung des Vereins lobend hervor. Die Rechnungsablage hatte ein befriedigendes Ergebnis. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Der Vorstand seht sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Adam B u tz, 2. Vorsitzender Wilhelm MarstelIer, Rechner Karl Lei dich, Schriftführer Wilhelm Krämer, Beisitzer Karl Dem, Heinrich Stumpf und Gottfried Schwind. Der QJerein beabsichtigt, am 16. Februar sein Stiftungsfest abzuhalten, bei dem einige Theaterstücke zur Aufführung gelangen. Im Lause des Sommers unternimmt ber Verein einen Ausflug nach Kassel-Wilhelmshöhe. ]) Lich, 24.Jan. Gestern fand bie zweite Brennholz-Versteigerung im Sicher Stabtwalbe, Distrikt Eisenkaute, statt, zu ber sich eine große Anzahl Kaufliebhaber eingefunben hatte. Zum Verkauf ftanben 800 Raummeter Buchenscheiter, 130 Raummeter Buchenknüppel, 5000 Stück Buchenwellen unb 300 Raummeter Buchenstöcke. Je nach Sage unb Abfuhrmöglichkeit bes Holzes würben geboten für Buchenscheiter 54 bis 65 Mk., Buchenknüppel 36 bis 45 Mk., Duchenstöcke 24 bis 25 Mk. (je 4 Raummeter) unb für Duchenwellen 22 bis 24 Mk. (je 100 Stück). s. Bellersheim, 24. Jan. Zur Zeit sind unsere beiben Schul st ellen verwaist. Lehrer Sprengel, ber viele Jahre lang hier gewirkt hat, ist in ben Ruhestanb getreten unb hat kürzlich seinen Wohnsitz nach Wiesbaden verlegt. Kurz nach ihm hat auch der Inhaber der zweiten Schulstelle, Lehrer Fey, unsere Gemeinde verlassen und eine Stelle in ber Nähe von Mainz übernommen. Zur Zeit werden die beiden erledigten Stellen durch die Schulverwalter Jung und Orth versehen. Wegen der mißlichen Dienstwohnungsverhältnisse soll jedoch nur eine der beiden Stellen wieder definitiv besetzt werden. s. A t p h e, 23. Ian. Am Samstag feierte die älteste Einwohnerin unseres Dorfes, sowie des ganzen Kirchspiels Trais-Horloff, die Wwe. Karoline Raab, geb. Momberger, ihren 9 2. Geburtstag in geistiger unb körperlicher verbreitet ist Skilauf. Aber bie Zuschauer sind bedeutend in der Aeberzahl unb erst in jüngster Zeit reift man zum Wintersport. Augenblicklich ist die Lage äußerlich derjenigen in Deutschland vor Zwanzig Jahren sehr ähnlich: wer im Winter ins Gebirge ober gar zum Wintersport reift, wird als ein etwas eigentümlicher Kauz betrachtet, dem es ganz recht ist, wenn ihm die Nase abfriert. Das kann ihm auch sehr seicht geschehen, denn in ben meisten Wirtensport- Plätzen werden nur bie Anlagen ber großen Klubs im Winter offengehalten, während die Hotels fast durchweg schließen, weil bie Wintersaison sich für sie nicht lohnt. Die sportlichen Erfolge werben auf einzelnen Gebieten von ben Besten aus einer vorläufig noch recht kleinen Gruppe von Vorkämpfern errungen, in der ein» gewanderte Nordländer eine große Rolle spielen; auf manchen Gebieten ist aber auch, wie wir in einem illustrierten Aufsatz des Februarheftes von Velhagen & Klasings Monatsheften lesen, ein starker nationaler Sport vorhanden. Es stehen z.B. die amerikanischen Eishockey-Mannschaften denjenigen Kanadas nicht viel nach und deren Spielstärke hat allmählich Weltruf erlangt. Lochschulnachrichten. nrr?ic.tL®Ln.nnun9 bes a. o. Professors Dr. Mrecht Götze von der Universität Hei de l- b e r g zum ordentlichen Professor der semitischen Philologie an der UniöerfXit Marburg als Nachfolger von Prof. B. Landsberger ist erfolgt. ~ D^r durch die Emeritierung von Prof. K. Ludloff an der ilniberfitat Frankfurt erledigte Lehrstuhl der orthopädischen Chirurgie ift Professor Dr. Georg Hohmann in München angeboten worden. — Zur Wicderbe- letjung des durch die Entpflichtung des Pros. W. E. Diermann an der älniberfität Greifswald erledigten Lehrstuhls der Qlationatofo- nomie ift ein Ruf an den Ordinarius Dr. Hans Ritsch! in Basel ergangen. — Der durch den Weggang des Prof. Friedrich Ranke an der Universität Königsberg erLb'gte Lehrstuhl der deutschen Sprache unb Literatur ist dem Privatbozenten Dr. Gottfrieb Weber an der älniversität Berlin angeboten worden. Rüstigkeit. Sie hat sechs Enkel und sieben Urenkel. Don den verschiedensten Seiten gingen ihr Glückwünsche zu. Besonders erstaunlich ist, mit welcher Frische die Greisin noch Unterhaltung pflegt und die Ereignisse in der Zeitung verfolgt. Sie entsinnt sich noch deutlich der Vorgänge des Unruhenjahres 1848, als die hiesigen Bauern sich unter Trommeln zusammenrotteten, um den Gräflich Laubachschen Besitz an sich zu bringen. Mit Humor weih sie noch zu berichtet, wie dann später die Rot im Dorf groß war. als die Rädelsführer gesucht wurden. Fast täglich macht die Hochbetagte noch Gänge und Besuche im Dorfe. — Gleichfalls in erstaunlicher Rüstigkeit beging Altbürgermeister August Schneider küzlich seinen 8 4. Geburtstag. Er ist während der drei aufeinanderfolgenden Wahlperioden Bürgermeister gewesen. bis zum Jahre 1919. Während seiner langen Amtszeit wurde die Feldbercinigung unserer Gemarkung durchgeführt. Schneider ist ferner langjähriges Mitglied des Gesamtkirchenvorstandes des Kirchspiels Trais-Horloff, in welche Körperschaft er im vergangenen Jahre wiedergcwählt wurde. Da er über eine eisern« Gesundheit verfügt, kann man ihn im Sommer fast täglich mit Feldarbeiten beschäftigt sehen. Kreis Büdingen. # Echzell, 28. Ian. Der hiesige Gesangverein „Frohsinn", einer der ältesten Vereine der mittleren Wetterau, trat dieser Tage mit einer für unsere Verhältnisse neuartigen Veranstaltung auf den Plan: er veranstaltete einen Liederabend, einmal für die Mitglieder und Angehörigen des Vereins, dann für die breite Oeffentlichkeit. Jedesmal war der Saal „Zum Deutschen Haus" bis zum letzten Platz beseht. Unter Leitung seines Dirigenten Heinrich Groths., der nun fast 30 Jahre dem Verein vorsteht, kam eine große Zahl Chöre zum Vortrag. Reben dem Volkslied« und dem volkstümlichen Lied« waren auch größere Chöre mit bedeutenden rhythmischen und dynamischen Schwierigkeiten ins Programm ausgenommen, die alle von der Sängerschar in bester Weise gemeistert wurden, so daß die Besucher voll auf ihre Rechnung kamen. Auch die Grothsche Musikkapelle leistete Vorzügliches. Gelegentlich dieses Abends wurde die Ehrung verdienter Sänger mit 25jähriger aktiver Vereinstätigkeit vorge- nommen. Der erste Vorsitzende Wilh. Groth I. überreichte den Sängern Gustav Roos, Utto Heller, Hermann Wagner und Louis C h r i st k a u Ehrendiplome und würdigte meiner Ansprache deren Verdienste. Dem ersten Vorsitzenden wurde durch den Stellvertreter Otto O st - heim eine Ehrenurkunde mit herzlichen Dankes» worten für seine aufopfernde Tätigkeit zum Wohle des Vereins übergeben. Der Verein kann mit seinem Liederabend einen vollen Erfolg buchen. ld. Aus dem oberen Riddatale, 23. Ian. Im strengen Winter 1928/29 tauchten Fischreiher an der rasch fließenden und daher nie zufrierenden oberen Ridda auf, die auch im letzten Sommer und jetzt noch beobachtet werden konnten. Die Vögel scheinen hier heimisch werden zu wollen, da sie ein ihnen zusagendes Jagdgebiet gefunden haben. Ob die Fischreiher im letzten Sommer brüteten, konnte leider nicht festg^stellt werden. Rundfunkprogramm. Sonntag, 26. Januar. 7 bis 8.15: Hafenkonzert. 7: Die Glocken vom Großen Michel. 7.05: Hamburger Morgen ruf. 9 bis 10: Morgenfeier. 10.30: „Altes und neues vom Wintersport", Vortrag von Dr. Walter Bing. 11: Stunde der Jugendbewegung: „Jugend und Krieg", Dreigespräch zwischen Ernst Glaeser, Dr. Wehn und Fritz Grebenstein. 11.30: Eltern- stund«. 12: Schallplattenkonzert. 13: Zehnminutendienst der Landwirtschaftskammer Wiesbaden. 13.10: Stunde des Chorgesanges. 14: Kinderstunde. 15: Bobsleigh-Weltmeisterschaft. 15.30: Stunde des Landes. J6.30 bis 17.30: Unterhaltungskonzert. 17.30: „Die Krisis des Films", Vortrag von Dr. Johannes Cckardt. 18.30: Sportnachrichten. 18.45: Debatte über das Thema: „Student und Volk". 19.30: Volkslieder. 20.30: „Er und Sie", vier Dialoge für den Rundfunk von G. Schake. 21: Querschnitt durch die europäische Musik seit Mozart. 22.15: Rachrichten. 22.40 bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 27. Januar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengynmastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 13.45: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16: Hausfrauennachmittag. 17 bis 17.45: Konzert. 18: Interview mit einem deutsch-russischen Dauern. 18.10: „Wanderbühnenarbeit in Süddeutschland". 18.35: Die Bestimmungen der „Schülerselbstverwaltuna an den höheren Schulen in Preußen". 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Zeitberichte. 20.15: Unterhaltungskonzert. 21.15: Stunde für Laienmusizieren 11. 22: Rachrichten. 22.25 bis 23.25: Eine Stunde Kabarett. Dienstag, 28. Januar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 13.15: Werbekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Konzert. 18.05: „Kriegsromane". 18.35: „Die deutschen Mennoniten in Rußland". 19.05: „Die Hörer der Welt". 19.30: Musikalische Unterhaltung. 20: Kammermusik. 21.30: „Ehezauber". 23: Rachrichten. 23.25: Tanzmusik. Mittwoch, 29. Januar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 11.15 bis 11.45: Schul- Gtarkenburg lehnt ebenfalls die Hekoga-Deriräge ab. WSR. Darmstadt, 24. Ian. Wie die Provinztaldirektion Starkenburg mitteilt, trägt das von dem Vorstand der H e - k o a a vorgelegte Vertragswerk über die Gasfernversorgung durch Ruhr und Saar den in dem Beschluß vom 16. Mai 1929 enthaltenen Bedingungen, daß der Provinzialausschuh ermächtigt ist, nur einer Lösung der Frage der Gasfernversorgung zuzustimmen, die die gerne intoir t» schaftliche Erzeugung und Verteilung des Gases unter Beteiligung Hessens an der Produktion, keine Rech- funk. 13.15: Werbekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Jugendstunde. 16 bis 17.45: Konzert. 18.05: „Schutzpolizei und Publikum bei Strahenunruhen". 18.35: Esperantokurs. 19.05: „Von den Wundern der amerikanischen Raturschuhgebiete". 19.30: Volks-Sinfonie- konzert. 21.05: Einführungsvortrag über Charpentier und seine, Oper „Louise". 21.15: „Louise". Dichtung und Musik von Gustave Charpentier. 22.30: Äachrichtendienst. 22.55: Funkstille. Donnerstag, 30. Januar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 1345: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Unterhaltungskonzert. 18: „Das Gersonsche Diät-Sanatorium". 18.35: Französischer Sprachunterricht. 19.05: Interview mit führenden Autofabrikanten. 19.30: Bayerisch« Bauernkapelle. 20: Literarische Veranstaltung. 20.30: Virtuosen-Violinmusik. 21: Kammermusik. 22: Rachrichten. 22,35: Tanzmusik. Areilag, 31. Januar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert (Wunschkonzert). 13.30 bis 13.45: Werbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Konzert. 18.05: Buch und Film. Buchbesprechung. 18.35: „Wie sieht es im Innern eines Sternes aus?" 19.05: „Kartelle und Trusts im heutigen Wirtschaftsleben". 19 30: Italienische Lieder und Arien. 20: Konzert. 21.45: Rachrichten- dienst. 22 bis 23: Tanzmusik. Samstag, 1. Februar. 6.30: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 11.15 bis 11.45: Schulfunk. 12.45: Schallplattenkonzert. Enrico Caruso. 13.45: Werbekonzert. 14 bis 14.45: Stunde der Jugend. 16: Tanze, Schelmenlieder und Schnurren. 17 bis 17.45: Tanz-Tee. 18.35: „Wie steht der Proletarier zur modernen Kunst?" 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: „Der Barbier von Sevilla" 22: Volkstümliche Vorträge für Zither und Gitarre. 23: Rachrichten. 23.20: Uebextragung vom 25- Stunden-Rennen in Stuttgart. 23.45: Tanzmusik. nung. Abgesehen davon, daß daher aus grundsätzlichen Erwägungen die Annahme des Der- tragswerkes nicht möglich ist, kann auch aus anderen wesentlichen Gesichtspunkten den vorliegenden Verträgen nicht zuge stimmt werden. (Cs werden dann an den fünf Verträgen im einzelnen Bedenken erhoben.) Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 26. Ian., 15.30 bis 17.30 Uhr: Hänsel und Gretel. 20 bis nach 22.30 Uhr: Das Land des Lächelns. Montag, 27. Ian., 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus und Eurydike. Dienstag, 28. Ian., 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Mittwoch, 29. Ian., 19.30 bis 22.30 Uhr: Othello. Donnerstag, 30. Ian., 19.30 bis 22 Uhr: Der Freischütz. Freitag, 31. Ian.. 20 bis nach 22.30 Uhr: Das Land des Lä- chelns. Samstag, 1. Febr., 19.30 bis nach 22 Uhr: Don heute auf morgen. — Der getreue Musikmeister. Sonntag, 2. Febr., 19.30 bis 22.30 Uhr: Die Afrikanerin. Montag, 3. Febr., 20 bis 22.30 Uhr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Schauspielhaus. Sonntag, 26. Ian., 15.30 bis 17.30 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis gegen 22.30 Uhr: Julius Caesar. Montag, 27. Jan., 20 bis gegen 22 Uhr: Drülle China. Dienstag, 28. Jan., 20 bis gegen 22 Uhr: Lil Dagover: Wera Mirzewa. Mittwoch, 29. Ian., 20 bis gegen 22 Uhr: Was nützt die schönste Frau ... wenn sie keine Zeit hat. Donnerstag. 30. Ian., 20 bis gegen 22.30 Uhr: Julius Caesar. Freitag, 31. Ian., 20 bis 22.30 Uhr: IuliuS Caesar. Samstag, 1. Febr., 20 bis 22.30 Uhr: Julius Caesar. Sonntag, 2. Febr., 15.30 bis nach 17.30 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis 22.30 Uhr: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk. Montag, 3. Febr., 20 bis 22.30 Uhr: Julius Eacsar. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag 26. Januar. 3. Sonntag nach Epiphanias. Stadtlirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr: 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr; 5: Pfarrer Becker. — Johanneskirchc. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- aemeinde; Pfarrer Bechtolsheimer: 5: Pfarrer Aus- seid: 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Lenz. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz: 11: Kinderkirche: Pfarrer Lenz. — Elisabeth- kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde. — Reue Aula der Landesuniversität. 11.15: Universitäts-Gottesdienst: Predigt Professor D. Bertram. — Klein- Linden. 1.30: Hauptgottesdienst: 11: Kindergottesdienst. — Wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche. — Alten- vuseck. 10; erste Prüfung der Konfirmanden; 1: Trohe. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 1.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenteich. 10: Garbenteich; 1: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 1: Hauptgottesdienst. — Lich. 10: Einführung von Pfarrvikar Draudt durch Dekan Engel (Posaunenchor): Kollekte f. d. ausl. Diaspora: 1.45: Kindergottesdienst. — Rieder-Bessingen. 2: Amtsantritt von Pfarrvikar Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 25. Januar. Gießen. 16 30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag. 26. Januar. 3. Sonntag nach Epiphanie. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. Sonntagsdienst v.Aerrte n.Hvotüefctt nm 26.1.30 Dr. Steinreich. Dr. Schäffer. Htrschapolheke. Zabnarzt: Dr. Fischer. ‘D Ium Schutz gegen Halsentzündungen 'Qualität KAUFT VALVO -röhren! RADIORÖHRENFABRIK G.M.B.H. HAMBURG >1 HAMBURG/NEULOKSTEDTfRSTRASSt 10» WERK LOKSTEDT/LOKSTEDT Ich bin als Rechtsanwalt, auch bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen, zugelassen. Meine Kanzlei befindet sich Westanlage 31 im Hause des Herrn Oscar Gutmann. Gießen, im Januar 1930. Zimmer Fernsprecher 2109. Rechtsanwalt. 575D Reichhaltiges Lager in Schlafzimmern von Mk. 400.- bis 2300.- Speisezimmern von Ml. 300.- bis 2500.- Herrenzimmem von M. 400.- bis 2000.- Küchen.......von M. 150.- bis 480.- Larl Stiilkrath, Gießen Asterweg 47 ♦ Möbelfabrik ♦ Asterweg 17 *<£> Oberrealschule (Knaben und Mädchen) Grünberg Anmeldungen fürs neue Schuljahr für alle Klassen mündlich von Dienstag, den 28., bis Freitag, den 31. Januar, 11'/, -12'/, und 16 -17 Uhr, im Direktorzimmer. 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Januar 1930 Oie Hekoga-Verträge vor dem Gießener Gtadirai. Gießen stimmt grundsätzlich zu, macht aber noch einige Vorbehalte zu den Verträgen. — Neuer Kredit für das Stadttheater, künftig aber Einhaltung des Etats. Gießen, 24. Januar 1930. Die heutige zweite Sitzung des neuen Gießener StadtrateS brachte dem Hause Arbeitsstoff von großem Format, dessen Behandlung in unserer Stadtgeschichte einen besonderen Platz einnehmen wird. Eine Angelegenheit von überragender Bedeutung war die Stellungnahme des Stadtrats zu den Verträgen der Hekoga über die Gasfernversorgung Hessens und der benachbarten Gebiete von der Ruhr-Saar. 3n etwa zweistündiger Aussprache wurde dieses wichtige Dertragswerk in seinen Auswirkungen für unsere Stadt eingehend erörtert. Dabei ergab sich, daß die Mehrheit des Stadtrats im Hinblick auf unsere zwingenden Gaswerkverhältnisse grundsätzlich bereit ist, auf den Boden der Verträge zu treten, wenn die Hekoga in Verhandlungen mit der Ruhr es erreicht, daß in mehreren Punkten gewisse Bedenken des Stadtrates zu dessen Zufriedenheit erledigt und in einigen bis jetzt noch unklaren Punkten die erforderliche Klarheit geschaffen wird. Mit diesem Vorbehalt sprach sich die Stadtratsmehrhrit grundsätzlich für den Vertragsabschluß aus. Diese Entscheidung stellt eine positive Arbeit dar, von der auch wir überzeugt sind, daß sie zum Vorteil unseres Gemeinwesens sein wird, da andere Wege zur Behebung unserer Gaswerknöte gegenwärtig und auch in absehbarer Zeit nicht gegeben sind, die Lösung des nachgerade immer unhaltbarer werdenden Gasproblems für unsere Stadt aber dringend eine Entscheidung heischt. Die sozialdemokratische Stadtratsfraktwn bemühte sich, bei der Behandlung des ganzen Fragenkomplexes gedeihliche Mitarbeit zu leisten, leider entschloß sie sich aber nicht, der positiven Entscheidung der Mehrheit sich anzuschliehen, und sie vermochte auch nicht einen anderen gedeihlichen Weg aufzuweisen. Mit dem Hinweis auf weitere Prüfung der Sache nach anderen Lösungsmöglichkeiten kann uns aber heute wirklich nicht mehr geholfen werden. Cs wäre zu begrüßen, wenn die sozialdemokratische Fraktion unter dem zwingenden Eindruck unserer Gas- werknot sich dazu entschließen würde, bei der in nächster Zeit zu treffenden errdgültigen Entscheidung der gestrigen Entschließung der Stadtratsmehrheit noch beizutreten, damit für den Abschluß mit der Ruhr und Saar von Gießen aus eine sehr breite Basis geschaffen wird. Die zweite wichtige Angelegenheit betraf unser Stadttheater. Hier entschloß sich der Stadtrat zur B-re tstellung eines umfangreichen Rachtragskrcdits für 1929, er ließ aber in eindrucksvollen Erklärungen keinen Zweifel darüber, daß eine Wiederholung dieses Beschlusses für künftige Zeiten nicht zu erwarten ist. Mit allem Rachdruck wurde strengste Sparsamkeit im Thea- terbctrieb und unbedingte Einhaltung des Etats gefordert, ein Standpunkt, dem wohl die brei- testen Schichten der Bürgerschaft beistimmen werden, weil wir allesamt nicht das Risiko eingehen wollen, eines Tages unser Stadttheater aus Mangel an Mitteln schließen zu müssen. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Sei b, die Beigeordneten Dr. Hamm und Justi-rat Dr. Rosenberg, sowie alle 42 Stadtratsmitglieder. Der Zuhörerraum ist sehr gut beseht. Eine Theaterdebatte. Bei der Beratung des ersten Punktes der Tagesordnung gibt es eine Theaterdebatte. Die Theater-Deputation beantragt folgende Beschlußfassung: „Der vorgelcgte Rachtragsvoran- schlag für das Rechnungsjahr 1929 für das Stadttheater, der eine Krediterweiterung von 30 580 Mark erfordert, wird genehmigt." Stadtratsmgl. Nicolaus als Berichterstatter teilt mit, daß die Theaterdeputation in ihrer Sitzung vom 28. Dezember v. I. dem Rachtragsvoranschlag zugestimmt habe. Zur Begründung fei der Deputation eine Ueber- ficht über die Einnahmen und Ausgaben vom 1. April bis 30. Rovember 1929 vorgelegt worden. In diesen acht Monaten hätten sich die Ausgaben auf rund 234022 Mk., die Einnahmen auf rund 166177 Mk. belaufen. Es bestehe somit ein Fehlbetrag von 67 845 Mark. Diesem Fehlbetrag stehe ein Zuschuß von 76 076 Mk. gegenüber, der mit der Verabschiedung des Voranschlags für 1929 bewilligt war. Somit ftand dem Stadttheater am 1. Dez. 1929 für seinen Betrieb noch ein Betrag von rund 8230 Mk. zur Verfügung, der bereits im Dezember ausgebraucht worden sei. Seit 1. Januar lebe das Stadttheater bereits von dem Kredit, den das Haus jetzt zu bewilligen habe. Die Ursache für diese Krediterweiterung seien erhöhte Ausgaben für die Besoldungen des technischen Personals, erhöhte Löhne für die Theaterarbeiter, höhere Beiträge für die Sozialversicherungen, Mehraufwendungen für Heizung, Beleuchtung, Bureaukosten usw., ferner für Fundusunterhaltung und -Neuanschaffungen, höhere Steuern, größere Ausgaben für Bühnenmusik, Reisekosten, Honorare für Gastspiele auswärtiger Künstler usw. Die Gastspiele hervorragender Künstler hätten dem Theater immer_ erhöhte Einnahmen gebracht, so daß die hierfür aufgewendeten Mehrausgaben berechtigt feien. Die Stellungnahme des Stadtrats zu dieser Rachtragsforderung fei durch die Verhältnisse zwangsläufig f e st g e l e g 4. Wenn es auch noch so schwer falle, man müsse die Vorlage annehmen, denn „Rein" könne man nicht sagen, da das Personal durch Verträge engagiert fei, die noch längere Zeit Geltung hätten und man sich auch den anderen Verpflichtungen nicht restlos entziehen könne. Daraus ergebe sich, daß der Stadtrat der Vorlage nur zustimmen könne. Etwas anderes fei aber die Frage, ob man sich nicht von vornherein gegen eine Wiederholung solcher Kreditüberschreitungen wie jüngst verwahren solle. Wenn heute der Rachtragskredit bewilligt werde, müsse nachdrücklich betont werden, daß der Stadtrat gegen Kreditüberschreitungen in dem Ausmaß des Jahres 19 2 9 schärfste Verwahrung einlegen werde. Cs sei auch berechtigt, wenn der Stadtrat gleichzeitig die Forderung erhebe, daß für die Folgezeit genau darüber zu wachen fei, daß Etatüber- fchreitungen nicht mehrvorkämen. Der Stadtrat fei nicht mehr gewillt, nachträglich feine Zustimmung zü solchen Überschreitungen zu geben. Diejenigen feien dann haftpflichtig zu machen, die ohne vorherige Zustimmung des Stadtrats den Voranschlag überschreiten. Stadtratsmgl. Mann (Soz.) weist auf das allgemeine Erstaunen in der Bürgerschaft hin, als Ende vorigen Jahres bekannt wurde, daß der Kredit für das Stadttheater im Jahre 1929 um rund 80 000 Mk. überschritten war. Unter keinen Umständen dürsten Gelder der Allgemeinheit ohne Bewilligung durch den Stadtrat ausgegeben werden. Heute sei nun darüber abzustimmen, ob die Krediterweiterung bewilligt werden solle. Es stehe fest, daß ein großerTeilder AusgabendesStadt- theaters laufend fei, auch wenn man das Theater schließen würde. Die Verträge mit dem Schauspielerpersonal hätten bis Ablauf des Jahres Gültigkeit, auch eine erhebliche Anzahl Angestellte komme in Betracht, die nicht sofort entlassen werden könnten. Auch die sachlichen Ausgaben würden zum Teil weiterlaufen. Rur die Arbeiter könne man sofort entlassen, und das wolle man nicht. Wenn man das Theater schließe, werde der Fehlbetrag nicht kleiner, denn die Einnahmen fielen weg, ein großer Teil der Ausgaben laufe weiter, nur ein geringer Teil der Ausgaben könne abgestoßen werden. Auf Grund dieser Erwägungen fei feine Fraktion bereit, der Krediterweiterung zuzu- stimmen. Stadtratsmgl. Horn (Arbeitsgemeinschaft der Mitte) erörtert zunächst die Frage, ob auch bei der Aufstellung des neuen Voranschlages ein solcher Fehlbetrag vermieden werden forme. Der Stadtrat werde alles tun, was ihm möglich sei, um das Stadttheater auf der Höhe seiner künstlerischen Leistungsfähigkeit zu erhalten, die es jetzt innehabe; aber man müsse sich doch fragen, wie in Zukunft der Zuschuß zu bemessen sein werde. Diele Posten im Theateretat feien zwangsläufig. Hm einen Fehlbetrag wie den jetzigen in Zukunft zu vermeiden, müjfe man sich ein« schränken und die Unkosten vermindern. Wenn es nicht anders gehe, dürfe auch vor einer Beschränkung der Leistungsfähigkeit des Theaters nicht zurückgeschreckt werden. Der jetzigen Vorlage könne man ja nur zustimmen, aber für die Zukunft heiße es: können wir mit den Mitteln, die wir auf bringen können, das Theater erhalten oder nicht? Diese Frage werde dem Stadtrat beim nächsten Etat vorgelegt werden. Könnten die Mittel nicht bewilligt werden, dann gebe es nur Einschränkungen, ilm diese Frage sorgfältig prüfen zu können, müsse der Voranschlag beizeiten vorgelegt werden. Der Finanzausschuß sei sehr enttäuscht gewesen darüber, daß er die Gröhe des Fehlbetrags nicht rechtzeitig erfahren konnte; wäre ihm zur rechten Zeit der Betrag genannt worden, fo habe er (der Ausschuß) sofort dazu Stellung genommen. Er (Redner) bedauere, daß man mit der Bekanntgabe der Kreditüberschreitung zunächst in die Oeffent- lichkeit gegangen und dadurch Beunruhigung in der Bevölkerung entstanden fei, nachher aber erst nähere Aufklärungen gegeben habe. Der Stadtrat müsse den Betrag nun bewilligen. Für die Zukunft müsse aber auch beim Theater d i e größte Sparsamkeit walten. Stadtratsmgl. Loh (Nationalsoz.) erklärt, er könne dem Rachtragsvoranschlag nur dann zustimmen, wenn er die Zusage erhalte, daß in Zukunft im Stadttheater mehr klassische Stücke und gute Stücke für die Jugend in den Spielplan ausgenommen würden^ Stadtratsmgl.Nicolaus(Wirtsch.Vgg) bemerkt, die D e ck u n g s f r a g e fei mit Recht angeschnitten worden. Der Stadtverwaltung sei es möglich gewesen, den Theaterfehlbetrag von 1928 aus Mehr eingängen in 1928 zu decken, und es bestehe die Hoffnung, daß auch für 1929 diese Art der Deckung möglich-sein werde. Eine Steuererhöhung komme jedenfalls nicht in Betracht. Oie Abstimmung. 3n der nun folgenden Abstimmung wird der obenstehende Antrag der Theaterdeputation mit allen Stimmen gegen die zwei Kornmunisten angenommen. Die Verträge der Hekoga. An zweiter Stelle der Tagesordnung wird über das Vertragswerk der Hekoga beraten. Beigeordneter Or. Hamm stellt an die Spitze seiner Begründungsrede eine Unterscheidung der Gegner dieses Vertragswerkes in zwei Gruppen: einerseits die, die nach gewissenhaftester Prüfung aus rein fachlichen Gründen und aus Ueberzeugung dieses Vertragswerk bekämpfen; anderseits die, die nicht das hessische, sondern nur das eigene Interesse im Auge haben. Zu der letzteren Gruppe gehöre Frankfurt. Zu der jetzigen Ablehnung der He- kogaverträge durch Darmstadt sei zu bemerken, daß für Darmstadt ganz andere Gesichtspunkte maßgebend seien, als für Oberhessen und die Stadt Gießen; es fei vor allem schwer zu beurteilen, ob der von Darmstadt errechnete Gaspreis richtig fei. Für Gießen fei folgender Gesichtspunkt bedeutsam: wir feien mit unserem Gaswerk am Ende feiner Leistungskraft angelangt, und mit dem Reubau eines Gaswerkes könne die Frage der Gasversorgung nicht befriedigend gelöst werden, weil dadurch der Erzeugerpreis zu hoch werde. Unsere Stellungnahme schließe aber durchaus nicht aus, daß wir an manchen Bestimmungen der Verträge noch Kritik üben und Verbesserungen fordern. Das öffentliche Interesse sei in den Hekoga-Vertragen dadurch vollkommen gewahrt worden, daß bei allen Beschlüssen nach diesen Verträgen 76 Prozent der Stimmen für das Zustandekommen der Beschlüsse erforderlich seien; da die Hekoga aber25Prozent der Stimmen besitze, könne sie nie majorisiert werden, lieber verschiedene Differenzpunkte der Verträge werde zur Zeit noch mit der Ruhrgas A.-G. verhandelt. Die Hekoga werde den Verträgen nur zustimmen, wenn die Ruhrgas 21.-®. sich in den wenigen noch strittigen Punkten zu einer günstigen Fassung der Vertragsbestimmungen herbeilasse. Auf Grund dieser Erwägungen habe der Betriebsaus- s ch u h folgenden Beschluß gefaßt, der zur Annahme vorgefchlagen werde: „1. Das Vertragswert in der vorliegenden Form befriedigt den Stadtrat nicht. 2. Wir beantragen zu beschließen, die 23er- waltung bzw. die 23er t re ter der Stadt Gießen zu beauftragen, für Abänderungen der heute als Mängel erkannten Bestimmungen einzutreten und erneut über das Ergebnis der Verhandlungen zu berichten. Erst nach erneuten Verhandlungen soll der Stadtrat endgültig Stellung nehmen. 3. Lehnen es die Organe der Hekoga ab, in Verhandlungen über die vom Stadtrat gewünschten Qlbänberungen einzutreten, so sollen die 23ertr€ter der Stadt Gießen sich der 2Tb» ftimmung enthalten." Mittlerweile feien die Beanstandungen technischer Art schon geklärt worden, und die Ruhr habe sich dem Hetoga-Standpunkt angepaßt. Die übrigen Beanstandungen seien noch zu klären oder mehr redaktioneller Art. Er glaube, daß eine befriedigende Lösung gefunden werden könne. Don der Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte fei nun folgender, auch von der Wirtschaftlichen Dereinigung unterstützter Antrag eingegangen: ..Wir beantragen: Der Stadtrat der Stadt Gießen möge beschließen: 1. Dem Ferngasbezug der Hekoga von der Ruhr-Saar wird grundsätzlich zugestimmt. Eine eigene Kokerei oder der Bezug von anderen Erzeugern wird abgelehnt. 2. Die Vertreter der Stadt Gießen in der Generalversammlung werden beauftragt, den Vorstand der Hekoga zu veranlafsen, a) in weiteren Verhandlungen mit der Ruhr-Saar die erhobenen Einwände zu beseitigen und Zweifelsfragen zu klären, b) die Verträge alsdann einer erneut ein* zubc rufenden Generalversammlung vorzulegen. 3. Diese neuen Vertrage sind vor der Generalversammlung dem Stadtrat zur endgültigen Beschlußfassung vorzulegen." Die Stadtverwaltung sei der Ansicht, daß man diesem Antrag zustimmen könne, da er mit der Stellungnahme des Betriebsausschusses über* einstimme. Stadtratsmgl. Mann (Soz.) erklärt, feine Fraktion könne dem Antrag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte nicht bei* treten. Seine Fraktion lehne es ab, dem Ferngasbezug der Hekoga von der Ruhr-Saar grundsätzlich zuzustimmcn, weil eine grundsätzliche Zustimmung schon etwas bedeute. Seine Fraktion behalte sich die endgültige Stel- lungnahmezu demVertragswertvor bis zu dem Zeitpunkt, wo es fix und fertig vorliege. Cr vertrete nach wie vor die Auffassung, daß noch ernstlich zu prüfen fei, ob wir nicht auf einer andern Gru ndlage zu einem annehmbaren Ergebnis kommen könnten. Er bedauere, daß die Arbeitsgemeinfcha t der Mitte feit der letzten Sitzung des Betriebsausschusfes ihre Stellungnahme gewechselt habe. (SfaMratemal. Horn (Arbeitsgemeinschaft der Mitte) erinnert zunächst daran, daß die Hekoga* Verträge in langer unö sorgfältiger Arbeit zustandekamen, von einer überhasteten Aufstellung fei nichts bekannt, und man habe zu allen Punkten sorgfältig Stellung genommen. Gegen das anfangs gesichert erscheinende Werk sei in der letzten Zeit eine starke Gegenbewegung eingeleitet worden. Cs sei hier festzustellen, daß Gießen ein starkes Interesse daran habe, daß das Vertragswert zustande komme. Dasselbe wünsche auch die Provinz Oberhessen. Die ablehnende Stellungnahme von Darmstadt fei nicht überraschend gekommen, denn Darmstadt besitze ein noch ziemlich neues Gaswerk. In dieser Lage befinde sich Gießen aber nicht. An der Gegenarbeit gegen dieses Projekt sei Frankfurt mitbeteiligt; Frankfurt habe klar ausgesprochen, es wolle seine Vorherrschaft im Rhein-Main-Gebiet behalten, es könne einen Zusammenschluß mit der Hekoga nicht ertragen. Wenn wir dieses Werk versäumten, würde es uns später nicht zum Vorteil gereichen. Der Antrag der Arbeitsgemeinschaft der Mitte sei nicht weitgehender als der vom Vetriebsausschuh, er sei nur klarer im Ausdruck. D i e Zeit sei jetzt da, wo gehandelt werden müsse, nachdem die noch strittigen Vertragspunkte geregelt seien. Wenn dieses Dertragswerk zustande komme, könne man sagen, daß Gießen gutes und preiswertes Gas erhalte. Er bitte um Annahme des Antrags der Arbeitsgemeinschaft. Oberbürgermeister Or. Keller teilt mit, daß mittlerweile folgender Antrag der Sozialdemokratischen Fraktion eingegangen sei: „Das vorliegende Dertragswerk kann in der derzeitigen Form unsere Zustimmung nicht finden. Stadtratsmgl. Nicolaus (W rtsch. Dgg.) betont, es fei für jedermann genügend Zeit gewesen, sich mit dieser Angelegenheit eingehend vertraut zu machen. Heute sei die Zeit reif für eine bestimmte Stellungnahme im Sinne des Antrages, den die beiden Fraktionen eingebracht hätten, Unser Gaswerk befinde sich hinsichtlich seiner Beschaffenheit und feiner Größe in einem Zustand, der in nicht allzu ferner Zeit die Errichtung eines neuen Gaswerks erforderlich mache. Da müsse man sich fragen, wie sich die finanzielle 23erpflichtung für die Stadt stellen und wie sich diese Belastung auf den Gaspreis auswirken werde. Die Kosten eines neuen Gaswerks seien mit 1,5 bis 2 Millionen Mark angegeben worden, man könne also ruhig von vornherein schon mit zwei Millionen rechnen Die Beschaffung dieses Kapitals sei in absehbarer Zeit unmöglich. Aber wenn das vielleicht auch später vielleicht möglich sei, bleibe noch die Frage des Ga-preises. Der Leiter unseres Gaswerkes, Direktor Ste- ding, habe bei der Errichtung eines neuere Gaswerks als Ergebnis einen Crzeuger- Gaspreis von über 10 Pfennig je Kubikmeter genannt. Der Bezugspreis bei der Femverforgung belaufe sich auf 4,5 b i s 5,8 Pfennig (letzterer schon mit kommunalen Zuschlägen) je Kubikmeter. Die Spanne zwischen diesen beiden Preisen sei so groß, daß dadurch schon von selbst die Entscheidung für uns gegeben sei. Der jetzige Antrag der beiden Fraktionen oecke sich durchaus mit der Auffassung, die er (Redner) schon im Betriebsausschuß vertreten habe. Die Stellungnahme des Gießener Stadtrates müsse einzig und allein bestimmt sein von den Rücksichten auf die hiesigen Gaskonsumenten und die Industrie. Stadtratsmgl. Kurz (Wirtsch. Vga.) gibt in seiner Eigenschaft als Mitvertreter der Stadt Gießen im Aufsichtsrat der Hekoga eine Anzahl Aufklärungen. Aus feinen eingehenden Darlegungen ist zu entnehmen, daß die Frankfurter öütoega bisher noch nicht den Beweis erbracht hat, daß' sie billiger liefern kann als die Ruhr über die Hekoga. Auch eine st ä d - tische Kokerei könne den Gaspreis nicht billiger stellen, als er hier angeboten werde. Weiter weist er darauf hin, daß in den Verträgen die Meistbegünstigungsklausel seitens der Ruhr-Saar für unser Gebiet zugestan* den ist. Auch gewissen Bedenken hinsichtlich der Koksfrage tritt der Redner mit beruhigenden Aufklärungen entgegen, wobei er u. a. darauf hin- toeift, daß die Saargruben sich doch in der Hand des Preußischen Staates befinden und darin schon eine wirksame Gewähr dafür gegeben ist, daß die öffentlichen Belange ausreichend geschützt sind. Eine Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit unseres Elektrizitätswerkes durch die Gasfernversorgung von der Ruhr-Saar befürchtet der Redner gleichfalls nicht, da die Verwendungszwecke von Ferngas und Elektrizität fo stark verschieden seien, daß nennenswerte Einwirkungen nicht eintreten könnten. Auf Grund feiner bisherigen Erfahrungen in feiner nun anderthalbjährigen Mitarbeit an der Hekoga empfiehlt der Redner die Annahme des Antrages der beiden Fraktionen. Stadtratsmgl. Leopold Mayer (ArbeitSgem. der Mitte) unterftützt noch einmal die bisherigen Hinweise auf die Schwierigkeiten unseres Gaswerks und die Unmöglichkeit des Baues eines neuen Gaswerkes, weist auf den Preisvorteil des Ruhrangebots gegenüber der Eisenerzeugung hin, bei dem man eine günstige und billige Bezugsquelle habe, und empfiehlt, angesichts der günstigen geographischen Lage Oberhessens in der Rähe des Rohranschlufses in Siegen von dem Angebot Gebrauch zu machen. Stadtratsmgl. Mann (Soz.) betont, er sei nicht dagegen, daß die Verhandlungen mit der Ruhr-Saar weitergeführt würden, aber es fei zu bedeuten, daß man hier über wichtige kommunale Interessen zu entscheiden habe. Er möchte in der Hekoga noch die Frage geprüft haben, ob nicht auch auf andere Weise die Gasversorgung zu ermöglichen sei. Stadtratömgl. Fischer (Arbeitsgemeinschaft der Mitte) regt eine kleine redaktionelle Aenderung des Antrages der beiden Fraktionen an, um für diese Entschließung eine breite Basis im Hause zu schaffen. Diese Anregung führt zu einer Unterbrechung der Sitzung, damit die Fraktionen beraten können. Vor der Derhandlungs- pause nimmt Beigeordneter Or. Hamm noch kurz Stellung zu einigen Bemerkungen und Gesichtspunkten in der Aussprache. Er betont, daß er selbst zu Beginn der Hekoga-Arbeit gegen den Abschluß mit der Ruhr gewesen sei, aber im Laufe der Zeit habe er sich überzeugt, daß ein anderer Weg nicht bestehe und daß eine Gefahr für die Kommunen von der Ruhr her gar nicht groß fei. Ihm fei vor wenigen Tagen bei feiner Anwesenheit im Ruhrgebiet wegen der Gasfrage von den Vertretern der Ruhrarbeiter- schaft erklärt worden, daß die dortige Arbeiterschaft großes Interesse an dem Abschluß dieser Verträge habe, well da- durch auch neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen würden. Nach den Beratungen der Fraktionen der Ar- beitsgemeinschoft der Mitte und der Wirtschaftlichen Bereinigung steht folgender Antrag zur Abstimmung: 1. Dem Ferngasbezug der hekoga von der Ruhr-Saar wird grundsätzlich 3 u - gestimmt. 2. Das vorliegende Vertragswert befriedigt jedoch nicht in allen Punkten. 3. Die Vertreter der Stadt Gießen In der Generalversammlung werden beauftragt, den Vorstand der hekoga zu veranlassen: a) in weiteren Verhandlungen mit der Ruhr- Saar die erhobenen Einwände zu beseitigen und Zweifelsfragen zu klären: b) bi» Verträge alsdann einer erneut e i n - zuberufende u Generalversammlung oorzulegen. 4. Diese neuen Verträge sind v 0 r der Generalversammlung dem $ tobtraf zur endgültigen Beschlußfassung vorzulegen. Die Ziffer 1 des Antrages wird geaen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten angenommen. Bei der Ziffer 2 verkündet der Vorsitzende e i n st i m m i g e Annahme. Die Ziffern 3 und 4 werden mit allen Stimmen gegen die der beiden Kommunisten angenommen. Der Rest der Tagesordnung. Ein Baugesuch von Heinrich Möser, Zu den Mühlen 16, zur Herstellung eines Kamins wird befürwortet. Die Vergebung von Arbeiten für das Schalthaus des Elektrizitätswerkes in Kostenhöhe von 10 911 Mk. und 3830 Mk. wird genehmigt. Der freihändigen Vergebung der Lieferung von Dürgersteigplatten und Bordsteinen für den Bürger st eig in der Klinik st raße an die Firma 3ean Dern & Co. in Gießen im Betrage von 5548,88 Mk. wird zugestimmt. Für die Beschaffung von drei Feuerlöschern für die Bühne der Liebigs- h ö h e wird ein Betrag von 350 Mk. zur Verfügung gestellt." Der Errichtung einer A u t 0 h a l l e durch D. Schiff, Alicenstraße 18, und der Aufstellung einer zerlegbaren Autogarage durch Dr. Schneider, Lonystraße 20, stimmt das Haus zu. Eine Ergänzung d's § 4 der Verkeh rs- Ordnung in der Stadt Gießen (Bestimmung weiterer Straßen als Einbahnstraßen) findet gegen die Stimmen der beiden Kommunisten Annahme. Steuerer eichterungen für die Landwirtschaft. WSN. Das Landesfinanzamt hat die F-nanz- ämter angewie'en, wegen der Ernteschäden durch Trockenheit auf begründeten Antrag im Einzelfall im Rahmen ihrer Zuständigkeit auf steuerlichem Gebiet Entgegenkommen zu üben. In einem weiteren Erlaß des Landesfinanzamtes wird angeordnet, daß auf Antrag eines Steuerpflichtigen bei der Einkommensteuer der Llnlerschiedsbetrag zwischen der Vorauszahlungsrate vom 15. November 1929 nach dem Cinkommensteuerbeschrid für 1927/28 und demjenigen für 1923 29 zinslos bis zur Veranlagung 1929 3D zu stunden ist, wenn die Einkommcnsteuerschuld für 1927 23 diejenige für 1929/29 wesentlich überstiegen hat. Das Landesfinanzamt weist ferner auf den Erlaß des Reichsfinanzministers vom 26. März 1929 hin, Ser Traum vom SM. Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 20 Fortsetzung. Raddruck verboten. Während der Mahlzeit bestimmte der Onkel, daß die Feldflaschen der Jäger mit Kognak gefüllt werden sollten, und Bertram Vater tief laut über den Tisch: „Fräulein, möchten Sie sich wohl noch einmal nach meiner Feldflasche umschauen? Sie werden sie wahrscheinlich in der Seitentasche meines äleberrocks im Vorhause finden!" „Ich werde nach dem Diener klingeln!" antwortete Doris, während ihr heiße Rote in die Wangen stieg. Sie erhob sich und war im Begriff, die Glocke zu berühren, als der Rechtsanwalt aussprang und schnell an ihre Seite trat. „Nein, Sie werden das nicht tun, Fräulein Horter", sagte er, ohne seine Stimme besonders zu dämpfen. „Ich bitte Sie, Ihren Platz wieder einzunehmen!" Uni) in leisem, dringendem Ton sügte er hinzu: „Ich verbiete Ihnen, jenen Unverschämten zu bedienen!" Doris hob ihre Augen in grenzenlosem Erstaunen zu ihm auf. „Sie verbieten cs mir?" wiederholte sie dann, jedes Wort betonend, langsam. „Ja, ich verbiete cs Ihnen! Wollen Sie mich nicht verstehen?" Jetzt glaubte sie ihn zu verstehen; denn plötzlich vermochte sie seinem Blick nicht länger stand- zuhalteiu „Ditte, sehen Sie sich nieder!" wiederholte er noch einmal, und Doris setzte sich, wie er verlangte, ohne noch ein Wort einzuwenden. Rach beendetem Frühstück traten die Herren hinaus in die Vorhalle, wo die Gewehre standen und alle Vorbereitungen für einen sofortigen Aufbruch getroffen waren. Ein wenig später folgte Doris und blieb im Rahmen der Tür stehen, um das bunte Treiben zu beobachten. Vor dem Portal des Schlosses standen die Treiber mit den an den Riemen zerrenden, ungeduldig bellenden Hunden; in der Halle selbst liefen die Diener eilfertig zwischen den Jägern hin und her, während Herr von Wildhofen senior die Iagdordnung bckanntgab und über die Leitung des Ganzen noch einmal mit seinem Sohne verhandelte. Alles war Leben und Geschäftigkeit. Plötzlich stand der Rechtsanwalt neben dem jungen Mädchen. Er war eifrig bemüht, seine kurze Pfeise in Brand zu sehen und benutzte die kleinen Pausen zwischen den einzelnen Zügen zu einigen schnell hervorgestoßenen Fragen. „Was ist gestern abend geschehen?^ wonach in besonderen Fällen Steuerbeträge, deren Einziehung nach Lage derr Sache unbillig wäre, e rm ä h i g t oder erlassen werden können. Hier handelt es sich außer um die Einkommensteuer auch um die Umsatzsteuer und die Vermögenssteuer; unter Umständen kann auch, bei sehr ungünstigen Verhältnissen, eine Ermäßigung oder ein Erlaß der Rentenbankzinsen aus Billigleitsgründen in Frage klommen, nach Erachten der Landwirtschaftskammer auch dann, wenn die vier enggezogeiien Voraussetzungen im ersten Teil der Richtlinien für den Erlaß von Rentenbankzinsen nicht erfüllt sind. Anträge wegen Steuerstundung oder -ermäßigung sind sachlich begründet an das zuständige Finanzamt zu richten. Krastpoffwünsche des Hüttenbergs. JJ Groß-Rechtenbach, 23.Jan. Die Der» kehrsoerhältnisse im Hüttenberg bildeten in der letzten Amtsoersammlung den Gegenstand eingehender Erörterungen. Gestern nachmittag sand auf dem hiesigen Bürgermeisteramt unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Neumann eine Besprechung statt, in der man sich mit der V e r b e s s e - rung des Verkehrs auf der Teilstrecke Wetzlar — Groß-Rechtenbach derKraft- p 0 ft ft recke Wetzlar — Hochelheim beschäftigte. An der Besprechung nahmen teil: Postdirektor S e y s a r t h (Wetzlar), die Gemeindevorsteher von Groß- und Klein-Rechtenbach, Amtsverordneter Lehrer Gerhards (Groß-Rechtenbach), Kreistags- abgeordneter Langsdorf (Groß-Rechtenbach) und Amtsobersekretär Sänger (Groß-Rechtenbach). Bürgermeister Dr. Neumann trug die Wünsche der Gemeinden Groß- und Klein-Rechtenbach vor, die dahin gingen, den Verkehr auf der Teilstrecke Wetzlar—Klein-Rechtenbach dadurch zu verbessern, daß je eine Frühsahrt, Mittagsfahrt und Abendfahrt eingelegt werden möchte. Dies könne in der Weise durchgeführt werden, daß die jetzt bis Büblingshausen stattfindenden Fahrten am Morgen, Mittag und Abend bis Klein-Rechtenbach fortgeführt werden. An den Markttagen (Mittwochs und Samstags) müßten außerdem die bisherigen Fahrten, die für den übrigen Verkehr zu spät gelegt seien, bestehen bleiben. Es komme hauptsächlich darauf an, daß auch den in der Stadt Wetzlar beschäftigten Arbeitern und Angestellten eine Verkehrsmöglichkeit nach ihrem Arbeitsort geschaffen werde. 14« arbeitet hätten sich bei einer Rundfrage bereit erklärt, das Postauto dauernd zu benutzen. Der Antrag löste eine lebhafte Aussprache aus, an der sich alle Besprechungsteilnehmer beteiligten. Postdirektor Seyfarth schilderte die technischen Schwierigkeiten, die einer sofortigen Verwirklichung des Planes gegenüberständen, sagte jedoch wohlwollende Prüfung und Unterstützung des Antrages bei der Ausarbeitung des anfangs Mai in Kraft tretenden Sommerfahrplanes zu. Die Neichspostverwaltung gehe im allgemeinen von dem Grundsatz, daß die auf 1 Mark je Kilometer sich beziffernden Betriebskosten durch Einnahmen aufgebracht werden müßten, nicht ab. Auch die Einstellung eines besonderen Wagens stoße wahrscheinlich auf Schwierigkeiten, weil dieser erst dann wirtschaftlich werde, wenn er täglich 150 Betriebskilometer zurücklege, diese jedoch im vorliegenden Falle bei weitem nicht erreicht würden. Die Besprechung endete mit dem Ergebnis, daß die beteiligten Gemeinden mit einem eingehend begründeten Antrag an die Oberpo st Direktion in Frankfurt heran- treten wollen. Daten für Sonntag, 26 Januar. Sonnenaufgang 7.47 Uhr, Sonnenuntergang 16.39 Uhr. — Mondaufgang 6.09 Uhr, Mond- untergang 13 Uhr. 1781: der Dichter Ludwig Achim v. Arnim in Berlin geboren (gestorben 1831); — 1860: die Opernsängerin Wilhelmine Schröder-Devrient in Koburg gestorben (geboren 1804); — 1920: der Maler Fritz August von Kaulbach in München gestorben (geboren 1850). „Gestern abend?" Doris wurde blaß und gleich darauf dunkelrot; aber sofort ertappte sie sich auf falscher Fährte, als er schnell hinzufügte: „2a, als sie Kurt zu einem Zusammentreffen mit Fräulein von Rechten veranlaßten?" „Sie — Sie wissen davon?" rief sie in höchstem Erstaunen. „Wie in aller Welt..." „Ich habe Sie, trotz aller auf gewendeten Vorsicht, im Speisesaal auf Kurt warten sehen, und als mein Freund solange unsichtbar blieb, mir das andere hinzugedacht." „Wie, Sie sahen mich? Sie müssen ja merkwürdig scharfe Augen haben!" Lachend sah er ihr ins Gesicht. — „Nun, mein gnädiges Fräulein, wie Sie wissen, gehört das zu meinem Berus — scharfe Augen und ein wenig Kombinationsgabe. Wer hat nun recht gehabt, bitte? Habe ich es Ihnen nicht prophezeit, daß die junge Dame bald genug ihren Entschluß ändern würde? Ich nehme an, sie hat cs bereits getan und damit bewiesen, daß ihr anfängliches Sträuben nur Berechnung war. Ich möchte mit Ihnen wetten, daß die beiden feit jener geheimen Unterredung verlobt sind." „Und wenn sie es wären," erwiderte sie gereizt, „so würden Sie wahrscheinlich alles tun, um sie wieder auseinanderzubringen und beide unglücklich zu machen. Ich glaube, Sie würden das nach Ihrem Prinzip nur recht gehandelt nennen.“ „Aber — was für eine schlechte Meinung Sie doch von mir haben! Können Sie sich denn gar nicht denken, daß auch ein streng nach Prinzipien handelnder Fachmann sich gelegentlich freut, einmal von Grundsätzen abweichen zu dürfen?" „Was meinen Sie damit? Ich verstehe Sie nicht." „Nicht? So soll ich mich also näher erflären?“ Sie sah ihn erwartungsvoll an, senkte aber gleich darauf die Augen unter dem bewundernden Blick, der sie aus den feinigen traf. .Ich meine also," erklärte er ihr in herzlichem Ton, „daß, wenn Sie den wirklichen Wunsch hegen, Kurt mit dem Mädchen seiner Wahl verbunden zu sehen, ich Ihnen hiermit das Versprechen gebe, nichts dagegen zu tun, so wenig wünschenswert mir selbst diese Heirat erscheint. Sind Sie sich aber auch ganz klar, daß es Sie wirklich freuen würde, wenn Ihr Vetter sich verheiratet? Lassen Sie mich das zuerst genau wissen!" .Ich wünsche ihm von Herzen, daß er glücklich wird!" »Eie hegen großes Interesse für ihn?" Dei dieser Frage konnte er ein leises Vibrieren seiner Stimme nicht unterdrücken; auch fühlte Doris, wie seine Blicke sie förmlich durchdrangen, obwohl sie viel zu verlegen war, um ihn anzusehen. Einen Augenblick schwieg sie, bann wiederholte sie leise, mit flüchtigem Lächeln: Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die neue Woche eröffnete in schwächerer Haltung, da der Auftrag Zeingang erheblich nachgelassen hat und die Ausnahmelust sehr gering war. Enttäuscht war man über den unverändert belassenen englischen Diskont» satz. Obwohl die Schlußsitzung im Haag bevorstand und mit einem befriedigenden Endergebnis gerechnet wurde, ging hiervon feine Anregung aus. Der Angriff Dr. Schachts im Haag auf den Vaungplan, der bekanntlich auf die Börse einen ungünstigen Eindruck machte, ließ immer noch keine bessere Stimmung aufkommen. Die Kurse gaben leicht nach. Hinsichtlich der nicht gerade günstigen innerpolitischen Verhältnisse war man aber später etwas beruhigter, so daß sich doch wieder Anzeichen einer etwas freundlicheren Grundstimmung bemerkbar machen formten. Das Geschäft blieb aber gering, da die Spekulation vorsichtig geworden war und nur vereinzelt zu Deckungen schritt. Doch erholten sich die Kurse wieder leicht, so daß unter Schwankungen in den meisten Fällen wieder ein Ausgleich hergestellt werden konnte. Die gefundene Lösung in der M ob ili s ier u n g s- frage machten auf die Börse einen günstigen Eindruck, und die Allgemeinsituation wurde vorteilhafter beurteilt. In Spezialaktien konnte sich daraufhin das Geschäft etwas lebhafter gestalten. Die Geldmarkterleichterung schreitet weiter kräftig fort, aber trotzdem konnte kein größeres Geschäft zustande kommen. Der Ordcrmangel hielt an. Darnach wurde die Tendenz sehr fest, da die Aussicht auf das Ende der Haager Konferenz einen gewissen Optimismus nicht verfehlte. Der Auftragseineingang nahm etwas zu, auch konnte man verschiedentlich bemerken, daß das Ausland Interesse für Deutschlands Werte zeigte. Doch war die Festigkeit von nicht allzu langer Dauer. Unter Führung der Farbenaktie wurde die Börse erneut schwächer, da Stick st ofspläne von Gelsenkirchen als Konkurrenz der I.-D.» Farben gelten. Die Spekulation schritt zu Entlastungsverkäufen, und gerade I.-G.-Farben hatten hierunter am stärksten zu leiden. Von diesem Moment an war.die Stimmung lustlos, und das Geschäft stockte zeitweise fast vollkommen. Hinzu kam Ordermangel und bei sich bemerkbar machender Aufnahm'unlust ergaben sich recht erhebliche Verluste. Nachdem wieder eine Erholung eingetreten war, wurde die Tendenz erneut schwächer. Veranlassung hierzu boten die sich mehr verdichtenden Gerüchte, die mit den Stickstoffplänen von Gelsenkirchen in Zusammenhang zu bringen waren. Die Spekulation schritt zu Abgaben. Die neu geschaffene Situation bot aber trotzdem keinen Anlaß zur Besorgnis; denn es wurde angenommen, daß die Gerüchte von Baisseseite aufgebauscht waren. Man konnte gegen Ende der Woche auch eine Beruhigung bemerken, und die Grundstimmung sah wesentlich freundlicher aus. Erholungen konnten wieder eintreten. Doch trat bald wieder ein Tendenz Umschwung ein, obwohl ungünstige Nachrichten nicht vorlagen. Aber der unverändert belassene Diskontsatz der Bank von England enttäuschte. Eine Ausnahme machten die ganze Woche hindurch die K a l i a k t i e n, die von französischer Seite gesucht wurden und von 10 bis zu 20 Proz. gewannen. I.-G.-Farben verloren besonders stark (insgesamt minus zwölf Prozent). Rheinische Braunkohlen waren bevorzugter und gewannen 9 Prozent. Ilse Bergbau plus 10 Prozent. S chucker t und Siemens wenig verändert. QI tu verloren bei zunehmendem Angebot 10 Proz. Anleihen wenig verändert. Am Devisenmarkt war Spanien wieder schwächer. Olm Geldmarkt war Tagesgeld sehr leicht. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Auch die neue Woche lieh den Frankfurter Prv- duktenmarft wieder in ausgesprochen schwacher Haltung eröffnen, wozu namentlich der unaufhaltsame Rückgang des Aoggen- preises wesentlich beitrug. Die Händler und Besucher übten wieder die größte Zurückhaltung und nahmen lediglich nur Dedarfskäufe vor. Auch die wieder meist schwächer liegenden Auslandmärkte trugen zur Zurückhaltung bei. Aber auch einige feste ileberfeemelbungen konnten feinen Einfllih ausüben, da eben der Rückgang der Roggen- und Haferpreise fast jedes Geschäft unterband. Für Auslandgetreide bestand ebenfalls kaum Interesse. In Inlandweizen war das Angebot weiter gering, aber es bestand auch kaum einige Nachfrage. Nur vereinzelt nahmen größere niederrheinische Mühlen etwas Ware aus dem QUarft. Der Preis für prompte Ware konnte sich zwar ziemlich gut behaupten, aber im Lieferungsgeschäft gaben die Preise im Einklang mit dem flauen Roggenmarkt nach. Roggen war weiter sehr stark offeriert, ohne daß die geringste Kaufneigung bestanden hätte. Auch das große Angebot von russischem Roggen auf den deutschen Märkten trug zur weiteren Verflauung der Preise für Roggen bei. Die manipulierenden Stellen zeigten zwar Bereitschaft zur Aufnahme des großen Angebots, aber nur bei Preisen, die erheblich unter der amtlichen Notierung lagen. Verstimmend wirkte ferner eine Verlautbarung, nach welcher die Roggenerzeugung nicht geringer als im Vorjahre sei, vielmehr 30 bis 40 v. H. großer. Mehle verzeichneten nur geringes Geschäft. Lediglich in Weizenmehlen war der Qlbruf infolge der Zollerhöhung befriedigend, jedoch kamen Neuabschlüsse kaum zustande. Roggenmehle stark vernachlässigt. Gerste bei unbedeutenden älmsätzen zumeist schwächer. Hafer lag bei großem Angebot weiter schwach, desgleichen Mais. Von Kleien gaben Weizenkleie stärker nach, während Roggenkleie ziemlich unverändert lag. Versuche, für spätere Termine festere Preise zu erzielen, scheiterten bisher. Hülsenfrüchte unverändert, dagegen Rauhfuttermittel im Einklang mit dem Rückgang der Kleiepreise ebenfalls schwächer. Auch zum Wochenschluß änderte sich an der ruhigen Haltung nichts. Die Meldungen, wonach der Vermahlungszwang für Februar mit 50 v. H. beibehalten wird, fstoie die Stützung des Roggenpreises von Regierunge seite machte kaum einen Eindruck. Nur für Terminware machte sich einiges Deckungsbedürfnis geltend. Intere'se bestand nur für Weizenmehle, während Fu11ermit - t e l weiter schwächer lagen. — Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche gaben Gerste, Hafer, Mais und Roggenmehl je 0,25 Mark, und Weizenkleie 0,50 Mark nach. Während Weizen, Doggen und Roggenkleie behauptet biteben, konnten Weizenmehl 0,50 Mark anziehen. — Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 26,75; Roggen 18,50; Gerste 19,50 bis 19,75; Hafer 17 bis 17,25; Mais 16,75 bis 17; Weizenmehl, süddeutsches und niederrheinisches, 39,50 bis 40,50; Roggenmehl 26,25 bis 27,50; Weizenkleie 8,40 bis 8,50; Roggenkleie 9 bis 9,50; Erbsen 31 bis 44; Linsen 55 bis 100, Heu 10,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt und gebündelt 5,50; Treber 14, Kartoffeln per Zentner 3,20 Mark. „Ich interessiere mich so warm und aufrichtig für ihn, als wäre er mein Bruder!" Er schien zufriedengestellt. War es ihm doch nur zu wahrscheinlich erschienen, daß Doris ihr Herz an ihren schonen Vetter verloren hatte und daß dessen Eltern wohl auch aus diesem Grunde eine anbertoärtige Versorgung ihrer Schutzbefohlenen so dringend wünschten. älnd von diesem Standpunkt aus begann Hagenau jetzt mit sehr befriedigtem Ausdruck: „Würden Sie sich also über diese nichts weniger als günstige Heirat Ihres Vetters freuen?“ „Ja, weil ich der festen äleberzeugung bin, daß Sabine ihn liebt. So falsch und ränkesüchtig ihre Mutter auch sein mag, so halte ich Sabine zunächst für das bemitleidenswerte Opfer schlimmer Verhältnisse. Eine ernste, sie ganz erfüllende Neigung ist sicherlich ihre Rettung, und ich glaube bestimmt, daß sie mit allem, was sie herabwürdigt, brechen und ein neues Leben beginnen wird.“ „ilnb wie steht es mit dem falschen Namen und dem verbrecherischen Vater? Wie glauben Sie, daß sie über diese kleinen Schwierigkeiten hinwegkommen wird?" „Oh, Herr Rechtsanwalt, können Sie denn bei Ihrem Kombinieren gar nicht auf die einfachste Lösung verfallen? Glauben Sie nicht, daß Sabine dem Manne, den sie liebt, alles offen darlegen wird, bevor sie seine Hand annimmt? Gerade weil sie ihn liebt, hat sie ihn jetzt zurück- gewiesen. Sagen Sie, was Sie wollen, ich kann es nicht glauben, daß sie gestern abend ihren Entschluß geändert hat. Mit der Zeit aber würde sie es tun, wenn Kurt beharrlich und treu bleibt. Ich bitte sie dringend, Herr Rechtsanwalt, überlassen Sie die beiden sich selbst, und glauben Sie mir, daß Sabine meinem Detter nicht mit einer Lüge auf den Lippen ihr Jawort geben wird. Ich glaube sicher, daß ihnen schwere Kämpfe nicht erspart bleiben; aber wann hätten diese Kämpfe wahre Liebe zu erschüttern vermocht?" Hagenau horte ihr aufmerksam zu. Ihre Worte berührten sein innerstes Herz; doch er hatte keine Zeit mehr, seinen Empfindungen Ausdruck zu geben, da er als Säumiger bereits mehrmals zum Aufbruch gemahnt worden war. Als Aller- letzter verlieh er endlich das Haus. „Ich werde ganz nach Ihrem Wunsche handeln; das verspreche ich Ihnen!" rief er Doris noch zu, bevor er den Ausgang erreichte. Zehn Minuten später befand er sich an Kurts Seite und schritt mit diesem die breite Landstraße hinunter, die in das nahe, für heute in Aussicht genommene Jagdrevier führte. Die beiden befanden sich zufällig ohne Zeugen. Hagenau warf einen prüfenden Blick auf seinen Freund und sand ihn angegriffen und niedergeschlagen aussehend, woraus er schloß, daß Doris mit ihrer Ansicht nicht unrecht hatte. Kurt machte keineswegs den Eindruck eines glücklichen Bräutigams. Hagenau war entschlossen, sich über diesen Punkt Gewißheit zu verschaffen. „Darf ich dir gratulieren, lieber Freund?" fragte er ohne jede Vorbereitung. Kurt fuhr herum, wie von einem Schlage getroffen. „Ja, mein lieber Konrad, gratuliere mir nur von ganzem Herzen, daß ich noch mit heiler Haut einer großen Gefahr entronnen bin.“ „Einer Gefahr entronnen?“ wiederholte der andere erstaunt in fragendem Ton, auf diese Antwort am allerwenigsten vorbereitet. „Was für eine Gefahr?" „Der Gefahr, ein Mädchen zu heiraten, das nur nach meinem Geld Verlangen trug.“ Hagenau konnte einen Ausruf der Heber- raschung nicht unterdrücken. „Was sagst du da?" begann er dann. „Wie, zum Kuckuck, hast du das herausgebracht?" „Nun, sie — du weiht, wen ich meine — befindet sich in einer solchen Geldverlegenheit, daß sie mich gestern abend, trotz des mir kurz vorher erteilten Korbes, um ein beträchtliches Darlehen ersuchte. — Wie findest du diese Keckheit?" „Was? Lieber Freund, das verstehe ich absolut nicht!" „Nicht? Mir aber ist alles vollkommen klar. Sie hat, wie du erfahren wirst, ihre Beweggründe deutlich genug durchblicken lassen. Wenn in dem Leben eines weiblichen Wesens ein Schurke figuriert, der seine Erpressungen auf sie ausübt — es gibt ja leider nur diese Erklärung dafür —. so geschieht es meistens in der Erwartung, daß irgendein verliebter Narr sich findet, der, von seinem Opfer angelodt, diesem zuliebe seine Taschen offnen wird.“ „Mein lieber Kurt, welche Vorstellungen machst du dir von diesem Manne!" suchte Hagenau zu ergründen. „In welchen Beziehungen mag er zu Fräulein von Rechten stehen?" Kurt von Wildhofen zuckte verächtllch die Schultern. „Ihr Liebhaber — was sonst?" antwortete er dann erbittert. Der Rechtsanwalt blickte emst auf seinen Begleiter, und ein warmes Wort zugunsten deS jungen Mädchens drängte sich auf feine Lippen. Seinem Gerechtigkeitssinn war die, wie er teuftte, ganz unzutreffende Beschuldigung unerträglich; sie erregte den Widerspruch seines ehrlichen Herzens. Jetzt zögerte er nicht länger, sondern stellte sich mit Leib und Seele auf Sabinens Seite, das heiht, eigentlich auf die ihrer tapferen Verteidigerin, und suchte nach den richtigen. Worten, um Kurt über seinen Irrtum aufzuklären; doch es war anders beschlossen, und die traurige Familiengeschichte der armen Sabine sollte dem Erben von Wildhofen noch verborgen bleiben. (Fortsetzung Mgt) Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Trotz des zumeist geringeren Auftriebs entwickelte sich das Geschäft am Frankfurter Schlacht- Viehmarkt nur sehr langsam. Auch die Beteiligung des Exports am Geschäft war in dieser Woche geringer. Die hiesigen Metzgar deckten lediglich den notwendigsten Bedarf, so das; auf den meisten Märkten Heber st and verblieb. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb geringer als in der Vorwoche. Das angetriebene Bich war von mittlerer Qualität. Aach ruhigem Handel verblieb Heber ft anb. Auf dem Schweine- markt war die Beschickung ebenfalls etwas stärker. Aach schleppendem Geschäft und nachgebenden Preisen verblieb Heberstand. Kälber hatten zu Anfang der Woche ruhiges, zum Schluß schleppendes Geschäft bei weiter leicht nachgeben- den Preisen. Es verblieb gröberer Heberstand. Schafe bei ruhigem Handel geräumt. — Der Gesamtauftrieb bestand aus 1484 Rindern, darunter befanden sich 369 Ochsen, 80 Dullen, 521 Kühe und 345 Färsen, ferner aus 1540 Kälbern, 563 Schafen und 5311 Schweinen. 3m Vergleich mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 323 Rinder und 197 Kälber weniger angetrieben, während 113 Schafe und 73 Schweine mehr zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: A I 55 bis 57. AII 50 bis 54, B l 45 bis 49; Dullen: A 53 bis 53, B 46 bis 52; Kühe: A 44 bis 47 B 40 bis 43, C 35 bis 39, D 28 bis 34; Färsen: A 57 bis 59, B 53 bis 56, C 48 bis 52; Kälber: B 70 bis 75. C 64 bis 69, D 52 bis 63; Schafe: AI 43 bis 51. B 40 bis 47; Schweine: A 78 bis 80. B 79 bis 81, C 80 bis 82. D 79 bis 81, E 77 bis 80. Verglichen mit den Preisen der letzten Woche gaben Schweine bis 4 Mk., Ochsen, Kälber und Schafe je 1 Mk. nach. * Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. G. Gießen. 3n der gestrigen Aufsichts- ratssihung wurde über den Abschluß des letzten Geschäftsjahres berichtet. Danach hat die Dank auch im vergangenen Jahre durchaus befriedigend gearbeitet, so daß wiederum die Verteilung einer Dividende von 10 v. H. in Aussicht genommen ist. * D i e neue Siemens-Anleihe. Zu den Pressenachrichten über die neue Siemens-Anleihe erfährt WTD-Handelsdienst von der Verwaltung: Daß der Siemens-Konzern seit längerer Zeit Finanzierungsverhandlungen führt, ist in der Oeffentlichkeit bekannt und in der G.-V. der Siemens & Halske QI.-®, am 17. Januar ausdrücklich beschlossen worden. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen, so daß die Verwaltung noch nicht in der Lage ist, Aäheres mit- zuteilen. Der verschiedentlich genannte Betrag ist aber unzutreffend und geht ganz erheblich über die Summe hinaus, um die es sich voraussichtlich handeln wird. Wie bei früheren Gelegenheiten ist beabsichtigt, neben der amerikanischen Tranche auch eine deutsche Tranche auszugeben, die den Aktionären zu vorteilhaften Bedingungen zum Bezüge angeboten werden soll. * Stundung der Golddiskontbankkredite. Wie die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) in Berlin mitteilt, hat sie angesichts der schwierigen Verhältnisse in der Landwirtschaft und der ungünstigen Lage des Kapitalmarktes, die sich seit langem insbesondere in einem höchst unbefriedigenden Absatz von Pfandbriefen auswirke, beschlossen, den mit der Weiterleitung der Gold- diskontbanlkredite betraut gewesenen Instituten einen Betrag von insgesamt 33 Mill. Mk. mit der Maßgabe zu stunden, das) sie einen Teil der Darlehensnehmer in gleicher Höhe Stundung zu gewähren haben. Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt hat sich schon jetzt grundsätzlich bereit erklärt, diese 30 Mill. Mk. im 3uli 1931 in langfristigere Darlehen umzuwandeln, falls nicht inzwischen eine wesentliche Erleichterung auf dem Kapitalmarkt eingetreten sein sollte. Der Zinssatz . für den gestundeten Betrag beträgt 8 v. H. zuzüglich 0,5 v. H. Derwoltungskostenbei- trag und 0,5 v. H. einmalige Stundungsprovision für die Institute. Frankfurter Börse. Frankfurt, 25. Jan. Tendenz zurückhaltend — 3m Zusammenhang mit den Gerüchten, das in nächster Zeit der Zentralausschust der Reichsbank zwecks abermaliger Ermäßigung des Diskontsatzes zusammentreten werde, mar die Tendenz an der gestrigen Abendbörse befestigt. An Wirischastsverluste durch Konkurse. Vorschläge des Verbandes der Vereine Creditreform zur Beschleunigung des Konkursverfahrens. Das Kreditwesen ist ein Fundament der Volkswirtschaft. Gehen dem Kreditgeber die gewährten Kredite verloren, so gehen sie der W-i r t s ch a f t verloren. Es muß daher im Interesse des gesamten deutschen Volkes jedes Mittel versucht werden, um den Gläubiger vor Der- lüsten zu schützen und ihm fein ausgeliehenes Kapital möglichst ungeschmälert zu erhalten. Jeder Konkurs führt mit absoluter Sicherheit zu irgendwelchem Verluste von Kapital. Das hat in der Kriegs- und Aachkriegszeit Maßnahmen treffen lassen, welche die Eröffnung des Konkursverfahrens vermeiden sollen. So kam man zu der Einrichtung der Geschäftsaufsicht, dann folgte das Gesetz über den Vergleich zur Abwendung des Konkurses. Trotzdem weist die Statistik über die Konkurse erschreckend hohe Ziffern auf. Auch das Konkursverfahren muß so umgestaltet werden, daß es seine das Kapital verzehrende Wirkung verliert. Cs muß dafür gesorgt toerben, bah ber Gläubiger nicht jahrelang auf sein Geld zu warten braucht, um schließlich eine Quote zu erhalten, die oft kaum den Zins- verlust deckt. Die Aotwendigkeit, das Verfahren zu beschleunigen, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß 1928 nur die Hälfte der Konkursverfahrens innerhalb eines Jahres erledigt wurde und daß ein volles Viertel 2 bis 3 Jahre in Anspruch nahm. Dabei sinkt das luotcnmäßige Durchschnittsergebnis von Jahr zu Jahr. Will man das Hebel an der Wurzel fassen, so muß man dafür sorgen, daß die Zahl der mit dem Konkursverfahren zusammenhängenden Feststellungsprozesse, Anfechtungs- und Re- greßklagen auf ein Mindestmaß reduziert wird. Der Verband der CBereine Creditreform hat auf Grund seiner Einblicke in die Struktur der deutschen Wirtschaft in einer Eingabe an das Reichsjustizministerium die Vorschläge zusammen- ?estellt, die eine Abkürzung des Äon« ursverfahrens ermöglichen. 3m Hinblick auf den heutigen Tiefstand ber Schuldnermoral wird eine Ausdehnung der rückwirkenden Fristen verlangt, welche für die Anfechtung der sogenannten Familienschiebungen maßgebend sind. Ebenso wird eine für alle Beteiligten verbindliche Ermittlung und Festsetzung des Zeitpunktes ber Zahlungseinstellung gefordert. Aber auch die Gleichgültigkeit der Gläubiger richtet viel Hnheil an. Es geht nicht an, daß die Gläubiger noch im letzten Moment Fe st st e l l u n g s k la g e n erheben und dadurch eine weitere Verschleppung verursachen. Eine dreimonatige Ausschlußfrist für die Einreichung derartiger Klagen genügt vollkommen. Aus denselben Gründen empfiehlt sich die Anmeldung von Konkursforderungen eine gesetzlich zu bemessende Sperrfrist. Bei den lückenhaften Bestimmungen über die Tätigkeit des Konkursverwalters fehlt es besonders an der genügenden Beaufsichtigung. Anderseits stehen ihm nicht genügend Hilfsmittel zur Verfügung, um eine Mafsebildung zu erreichen und vorgenommene Schiebungen ansechten zu können. Bereits in dem 3ahresberichte 1928/29 des Verbandes der Vereine Creditreform hat der Reichsgerichtspräsident a. D. Professor Dr. S i - mons sich dafür eingesetzt, daß den Konkursverwaltern das Armenrecht zu gewähren fei. Ein Bericht des Konkursrichters über die Tätigkeit des Konkursverwalters wird stets eine verantwortungsvollere Auffassung dieser Aufgabe fördern und darüber hinaus einer Auslese der befähigten und gewissenhaften Konkursverwalter dienen. An der Gleichgültigkeit der Gläubiger liegt es meistens, wenn strafbare Handlungen des Konkursverwalters infolge mangelnder Kontrolle durch den Gläubigerausschuh immer wieder vorkommen. Wenn der Konkursrichter darauf hinweist, daß der Gläubigeraus- schuß allmonatlich eine Revision der Kasse vorzunehmen habe und daß er sich bei Außerachtlassung dieser Vorschrift haftbar mache, so wirb bas stets eine gute Wirkung haben. Die Vorschrift aus der Vcrglcichsordnung über die sogenannte Sicherungssperre, daß Einzel- vollstreckungen aus der Zeit 30 Sage vor Stellung des Antrages auf Veröffentlichung unwirksam sind, hat sich burchaus bewährt und ihre Hebernahme auf das Konkursverfahren ist deshalb zu empfehlen. Die vor mehr als 50 Jahren unter ganz anderen Verhältnissen geschaffene Konkursordnung bedarf ohne Frage in vielen Dingen einer Anpassung an die heutige Zeit. Die Versendung der Konkursakten an andere Prozeßgerichte kann dadurch vermieden werden, daß das Konkursgericht oder eine bestimmte Kammer des Landgerichtes für die mit dem Konkursverfahren zusammenhängenden Prozesse ausschließlich zuständig wird. Wo aber die Versendung nicht zu vermeiden ist, läßt sich eine Verschleppung sehr leicht dadurch verhindern, daß durch Anfertigung von Durchschlagen Duplikatakten geschaffen werden. Die Konkurse bilden nicht nur für die Gläubiger selbst, sondern für die gesamte Geschäftswelt stets eine Quelle von Verdruß und Verlusten, da jedesmal große Mengen von Waren zu Schleuderpreisen den Markt überschwemmen. Auch hier kann Abhilfe geschaffen werden. Die Handelskammern sind die gegebenen Stellen, den Konkursverwalter wegen der bestmöglichen Verwer-tung von Konkursmassen zu Beraten. Eine Veräußerung der Forderungen im ganzen ist der Veräußerung von Warenlagern vorzuziehen. Mit solchen Vorschlägen zeigt die Eingabe des Verbandes der Vereine Creditreform gangbare Auswege aus ber heutigen Gläubigernot. Der Satz, der ihr vorangestellt ist: „das Problem der Konkursreform fei ein Problem der Kapital e r h a l t u n g", läßt erkennen, daß alle darin empfohlenen Maßnahmen der Ausgabe bienen sollen, allmählich auch auf diesem Wege eine Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft anbahnen zu helfen. der Wochenschlußbörse konnte sich jedoch die zuversichtlichere Stimmung nicht erhalten, da bekannt geworden war, daß eine Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank nicht stattfinden wird. Die Sie« m e n s . A in e r i k a - T r a n s a k t i o n wurde verschieden beurteilt. Don der gestrigen festen Neu- yorker Börse konnte keine Anregung ausgehen, ebenso boten die anhaltend günstigen internationalen .Geldmarktverhältnisse keine Anregung. Im Zusammenhänge mit dem anhaltenden Ordermangel war die Spekulation sehr zurückhaltend, und das Geschäft konnte nur schleppend in Gang kommen. Das Angebot war, mit Ausnahme von Siemens, die 2,5 v. ch. einbüßten, gering, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse Kursverluste vermieden werden konnten. Bei den wenigen zustande gekommenen Erstnotierungen waren überwiegend kleine Besserungen zu verzeichnen. Eine Ausnahme machten auch heute wieder 5k a I i a f t i e n , die von Auslandseite wieder bevorzugt wurden. Aschersleben gewannen 3 und W e ft e r e g c l n 2 v. H. Bon Chemiewerten eröffneten Z. - G. - F a r b e n leicht gedrückt, während Goldschmidt bis 1 v. ch. anziehen konnten. Am Elektromarkt lagen AEG. etwas niedriger. G e [ f ü r c l lagen 1 v. ch. fester. Der M o n t a n m a r k t war heute uneinheitlich. Gelsenkirchen traten mit plus 2 v.ch. etwas hervor, R h e i n ft a h I konnten leicht anziehen, während Mannesmann und Ilse Bergbau etwas nachgaben. Bankwerte waren uneinheitlich. S ch i f f a h r t s w e r t e bis zu 1 v. ch. höher. Von Kunstseideaktien zogen Bemberg 2,5 und AKU. 1 v. ch. an. Renten still. Im Verlaufe konnte keine Belebung eintreten, die Stimmung war lustlos, und vom Siemensmarkt ausgehend, traten kleine Verluste ein. Siemens verloren erneut etwa 2,5 v. ch. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 v. ch. unverändert. Arn Devisen- martt nannte man Mark gegen Dollar 4,1850, gegen Pfund 20,3640, London gegen Kabel 4,8660, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,99, gegen Madrid 36,90, gegen Schweiz 25,1875. gegen chol- lanb 12,1075. Berliner Börse. Berlin, 25. Jan. Nachdem es gestern abend nach Börsenschluß auf die Gerüchte van einer Einberufung des Zentralausschusses der Neichsbank zu erheblichen Kurssteigerungen gekommen war, lag der heutige Vormittagsverkehr auf das Dementi dieser Gerüchte ruhig, doch blieb die Grundstimmung freundlich. Die Beurteilung der K a p i kalbeschaffungsplane der Siemensoerwok« tu n g war ruhiger geworden; man hört die Ansicht vertreten, daß durch diese Transaktion keine Kapital« ermäßigung eintritt, und die Aktionäre doch auch an einer Steigerung des inneren Wertes beteiligt feien. Wie an fast allen Samstagsmärkten so lagen auch heute zu Beginn der Börse Orders vor, die sich fast sämtlich auf den Kali«, Montan« und Elektro m a r f t versteiften. Da jedoch auch die Spekulation weiter Deckungsneigung bekundete, traten Kursbesserungen bis zu 2 v. H. ein. Die oben erwähnten Märkte lagen fester, und auch einige Spezi a l w e r k e (man spricht davon, daß immer noch nennenswerte Baisse-Engagements bestehen sollen) gewannen darüber hinaus bis 5,5 v. S). (Polyphon und Bember g). Etwas mehr Beachtung schenkte die Spekulation heute den Schiffahrts- a f t i e n und dem S p r i t m a r 11 c. Nach den ersten Kursen trafen an den Hauptmärkten Orders ein. Das Geschäft belebte sich. Kursbesserungen von 1 bis 2 v. H. waren die Regel. Spezialwerte zogen bis 3,5 v. H. an. D e u t s ch e A u l e i h e n freundlich. Ausländer ruhig. P f a n d b r i e f m a r k t behauptet; späte Fälligkeiten der Reichsschuld' buchforderungen gebessert. Der Geldmarkt war unverändert; die Sätze waren etwas versteift. Der Reportgeldsatz wird heute auf 7,75 v. H. bis zu 8 v. H. etwa festgesetzt werden. Im weiteren Verlaufe der Börse wurde von der Baissepartei ein weiterer Angriff auf die Siemensattie unternommen, mit dem Erfolg, daß dieses Papier 4 o. H. einbüßte und bis auf 280 o. H. nachgab. Aus dem Wiesecker Gemeinderat. £ Wieseck, 24. Jan. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellte Gemeinderat Keßler den Antrag, als weiteren Punkt der Tagesordnung die Frage der Berichter st at- tung aufzunehmen, während Gemeinderat Benner die Schaffung eines Schwimmbades behandelt haben wollte. Als erster Punkt sollte die Polizeiverordnung über die Entwässerung von Grundstücken in der Gemeinde beraten werden. Zur gleichen Zeit soll eine Ortssahung über die zu erhebende Kanal- gebühr geschaffen werden. Heber diese beiden Punkte wurde von Gemeinderat Seibert Aussprache gefordert, jedoch lehnte die Mehrheit diese Forderung ab und verwies die Angelegenheit den zuständigen Kommissionen zur Bearbeitung und Vorlage in der nächsten Sitzung. Bei Punkt 3 Kanalisation im allgemeinen formte ebenfalls nicht der Anregung des Bürgermeisters zugestimmt werden, da der Gemeinderat einstimmig den Standpunkt vertrat, daß alle Arbeiten der Gemeinde auf dem Wege ter Submission zu vergeben sind. Dem Gesuch des SXarl Weller IV. wurde entsprochen. — Die Schaffung einer Badegelegen beit, die — wie Benner anführte — das Bedürfnis vieler Einwohner fei und darüber hinaus die Einführung des Schwimmunterrichts in der Schule ermögliche, gebe ihm Veranlassung, die Schwimmbadfrage erneut wieder vorzubringen. Nachdem sich der frühere Gemeinderat wiederholt mit dieser Angelegenheit befaßt und bereits auch Besichtigungen vorgenommen habe, solle nun endlich ganze Arbeit geleistet werden. Es liege hierzu bereits ein Voranschlag vor, der die Gesamtkosten von 50 000 Mark vorsieht, jedoch wird eine Ermäßigung erwartet, zumal man mit Zuschüssen aus der Grundförderung rechnet. Der Gemeinderat war einstimmig der Meinung, daß in bezug auf die Bade- und Schwimmangelegenheit etwas geschaffen werden müsse, jedoch wandten sich die Gemeinderäte Keßler und Seibert entschieden gegen Pläne, die ein Kapital in dieser Höhe feftlegen. Keß - Iler schlug vor, die seitherige Badegelegenheit an der Lahn beizubehalten und vertraglich zu regeln, während Seibert den Standpunkt vertrat, daß zur Schaffung eines Schwimmbades an der Wieseck im vorgesehenen Ausmaß die natürlichen Voraussetzungen fehlen. Es könnte zwar an der Wieseck auch eine Badegelegenheit geschaffen werden, die insbesondere den Bedürfnissen der Schule entspreche, jedoch würden die Kosten viel geringer sein. Hm über diese Angelegenheit hier Hinwegzukommen, wurde beantragt, die Angelegenheit der Finanz- und Baukommis- sion zu überweisen, denen als Fachberater Ingenieur Hnnsult und Lehrer Heller angeboren sollen. — Kehler führte dann Beschwerde über B e r i ch t e r st a 11 u n g. Er erwartet dringend von Gemeinderat Bremer, daß im Interesse einer Zusammenarbeit die Berichterstattung sachlicher gehalten werde. Cs entspann sich bann über diese Angelegenheit eine lebhafte Aussprache. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 v. H. «Trantfurl a M Berlin ädiuiü- fluie . Un. Rur 259 —— 257 250.5 tKeetnitabi........ . 6 118 118,' 115.25 117,75 Riebeck Montan ...... 7^ 100,5 — 3ran!furt a M Berlin ^djais-i ft.ir« ' . UL. ftur ed)iuB | fture | an iang. ftur? Datum 24 1 25 1 24 1 25- 1 Bereinigte Stabil» . . . Claui Minen . . . 16'/, 102 - — 102 55, ‘ 104 “5,5 tla. werfe ilidierilcben . . . h 215 218 214 216 ' Na werfe äieiietegeln ... ic 219 221 217,5 220 ftattwec e SaUoeiiurtti ... 15 367 — 363.25 366 3 (9 rsarden-InvuNrie. . . ir 172,25 171,75 170,5 171,5 Tvnamit Wobei.......6 61 80.5 SrfietDcamlall ........ y 148,75 — (No.dichmidt ........ b 68 63.6 68 09.4 RLtgersmerfr........6 75 74,13 7-j Metallgetellichafr.......8 113 —■ 112,5 PHUIvv Hofmann .... 7 5,5 _ 95,75 _ Semen wert veoertierg ... 10 117 — — — Zementwerk ftarlktadt ... 10 141 — — — LLavu 4 ,vt 0 ug .... 8 85 86,75 85 — Sdiuitbeu Patzenhofer ... 15 275 277 Cftiverte.........12 209,5 211 Cer. Glanziloff......18 Bemberg........." 152 155 153 156.75 yelltloff SSaldbol .... 13% 198 — 195 198.9 Zellktoti «lichaii-'nburq . . ,z 149,25 1j0 148,5 — Charlottenburger Äager ... 8 — 101 102 25 Deimuer Iftas.......9 — — 166.13 167,25 39.25 _ 39,5 39,13 Deutickte Linoleum..... 245 246,5 243,25 246 15.5 46 2t ■ rwti • Kl 0 i .....V — — — - vuou> voew ..... li — — — Nar. automobil . . . .... 0 — — 20,25 20,25 Ctenftem & SopvÄ.....6 — — 75 V-onhnrB ries......10 — — - Svenöka . — — 348 348 granki. Maichtncn......4 46,5 _ 46.25 — Griyner .........6 pevltgenstaedt .......u 54 — 53,75 — 6 — — Iungban».........6 Leckt merke. . 8 Maintrattwerie Hüchll a. M. 8 46,5 — 47,25 — 106 108 — — Miag. 10 Äedr. Roeder . .....io 130,5 113 — 129 129 Böig! » Haefftr« ...... 0 220 — 220 — 6Ü00. Lucker ....... 10 155,75 — 156 — Banknolen. Berlin. 24. Januar «eld Brief iMmerltanüdie Noten..... 4,166 4,186 Belgifche Nuten. ....... 58,09 58,33 Taiiiickie Nuten ........ 111,58 112,02 Tng!iick>e Noten ........ 20,32 20,40 «rranzuiilcke Noten ....... 16,42 16,48 Hollündiickie Noten ....... 167,85 168,'3 3tnlieniid>e Noten........ 21.86 21,94 Rorwegtickte Noten....... 111.43 111,87 Deuncki-Oesterreich, 4 1OO Cchilling 58,68 58.92 iNumäniidte Noten....... 2,475 2,495 Lchweviiche Noten ....... 111,93 112,37 Schwerer Noten ....... 80,79 81,11 Lvonlickte Noten ....... 53,89 54,11 Tlchecttoilotvnklichr Noien..... Ungariiche Noten ...... 72,92 73,22 Devifcnmarkl Berlin — Frankfurt a. M. 24 Ianuai 25 Januar Amtlich- Notierung amtliche Not erung WeiB Brief chelk Bn 1 -lmtr.-Non 168.0J 168,34 167,93 168,27 Brnn.-Airee 1,676 1.680 1,676 1.680 Brit.-Nntm 58,23 58,35 58.225 58.345 Cbriitionia 111,69 111,91 111,67 111.89 .«openbagen 111,83 112.05 111,81 112,03 Stockholm . 112,19 112,41 112,19 112.41 HelnngtorS 10,51 10,53 10.50, 10,525 Italien. . 21.87 21.91 21,87 21.92 London. . . 20,342 20,382 20.339 20.379 Neunork . . 4,1815 4,189t 4,1805 4,1885 Paris. . . 16,415 16,450 16.41 16,45 Schweß . . 80,755 80,915 80.76 80.92 Svn ttett . t>4,10 54,20 54,99 55,11 Javan • • 2,0 4 2,058 2,0,4 2,058 »io de Ian 0,4635 0,4655 0,472 0,474 Wien in D.> Ceft. abfleft 58,83 58,93 58,815 58,935 Prag . 12,372 12,392 12,369 I2.389 Belgrad . 7,373 7,387 7,376 7.390 Budaprii. 73.12 73,26 73,10 73.24 Bul aricn 3,024 3,030 3,022 3,028 Lissabon i8.75 18,79 18,75 18,79 Tanüa• 81,33 81,49 81,34 81,50 •ftpnft.Btüt 1,975 1,979 1,978 1,592 Athen. . 5.45 5,46 5,45 5,46 Kanada 4,134 4.142 4,134 4,142 lltu uat) 3.856 3,864 3,826 3,834 Laiio . . 20,865 20,905 20,86 20,90 s r 710D A > L % '¥5.> Beste Referenzen. [680V Geräte, wie 673D 0534 717V mittags auf dem Neuen Friedhöfe statt. [693D im Alter von 1 Jahr. 7I5D Holzsubmission 8 Lollar, den 25. Januar 1930. 716D Stück, 4,76 fm Joseph Cassel, Berlin-Neukölln, Kmserstraße 62. furt a. M. Nr. L833 erfolgen. Gießen, den 25. Januar 1930. Winkler. Rechner Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dein schweren Verlust, der uns betroffen, sowie für die tröst- reichen »» orte des Herrn Dekan Guümann am Grabe und für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen unseren innigsten Dank. Ganz besonders herzlich danken wir allen denen, die sich unseres teueren Entschlafenen in seiner furchtbaren 1 odesstunde so hilfreich annahmen. Helene Deibel Wwe. Familie Ludwig Fuchs III. Bekanntmachung. Am Donnerstaa, dem 30. Januar 1930, 11 iibr, findet auf dem Hofe der Vielten Mnferne bzw. der Waschanstalt in einzelnen Voien der Berkaus für den Kaiernenbaiishalt nicht mehr gectgneier Holzversteigerung. _ Die Fürst Solms-Lichsche Oberförsterei Hohensolms versteigert am Mittwoch, dem 29. Ianuar, an Ort und Stelle aus dem Distrikt Jßelscheld: Fichten-Stammholz la-, 1b- und 2a=511. 52 St. mit 9,29 fm, Derbstangen I.Kl. 71 St., 2. Kl. 61 St., 3. Kl. 687 St.; Neisstangen 4. Kl. 965 St., 5. Kl. 50 St., 7.Kl. 2200 St.; Prügelholz, Kiefern 5 rm, Fichten 4 rm; Reisholz, Buchen, 900 W., Eichen 680 W., Nadelholz rm 475. Anfang 11 Uhr bei Brennholz Nr. 1 (an der Landstraße oben). 654V Wegen Aufstellung von Bilanzen und Steuer- Angelegenheiten wende man sich vertrauensvoll an [WM Ernst Hofmann, Bücherrevisor, Wetslar-Barbsnhslm Tief betrübt zeigen dies an: Wilhelm Rupp und Frau geb. Kreiling Gertrud Rupp Familie Hrch. Kreiling Familie Wilhelm Rupp. Gießen (Universitätssportplatz), Wieseck, Alten-Buseck, 24januarl930. Die Beerdigung findet Sonntag, den 26. Januar, nachmittags 3 Uhr in Wieseck, von Jungfernstraße 2 aus statt. 718D Lang-Göns, den 23. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei: Rompf. Chordinüent noch einige Abende in der Woche frei. Schriftliche An- geböte linier 0521 an d. Gieß. Anz. erb. Sörfen-Zirteressenien! Alierfahrener durchaus verliert. Wachmann erteilt fortlaufend sachgemäße Jnsormanonen, überwacht bestehende u. aufbessert notleidende Engagements bet strennster Jnleressenwanrung • Mädel 4 Wochen alt, für etaen abzugeben. Schr. Ang. unt. 0522 an d. @tet?. 21 tu. erb. Stück, 1,72 km „ 7,47 „ ,, 0,58 „ „ 2,04 „ Nach kurzer, schwerer Krankheit entriß uns der Tod ganz unerwartet unser geliebtes Töchterchen, Schwesterchen und Enkelchen Ingeborg Nach kurzem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden verschied heute nacht unser inmgstgeliebtes, herzensgutes Söhnchen, Brüderchen und Enkelchen Walter Wilhelm im 5. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: Familie Heinrich Damm, Elektro-Insl.-Meister nebst allen Angehörigen. Reiskirchen, den 25. Januar 1930. Die Beerdigung findet Montag, den 27. Januar, nachmittags 2 Uhr statt Tüchtige Büglerin fürmonatl.1—2Tage aesuchi. 071D Fra® Geh.-Bat Elbs, Frankfurter Str. 50. Gestern abend wurde unsere liebe, herzensgute Schwester Minna Huhn plötzlich und unerwartet in die himmlische Heimat abgerufen. Aus den Waldungen der Gemeinde Lang-Göns, Distrikt Hardt und Heide, sowie im Pfarrwald Lang-Göns lagernde nachverzeichnete Holzsortimente sollen im Submissionswege vergeben werden: (jß2D Los 1. Abschnitte, Güteklasse N: Buche 3. Kl., Von ihrem schweren Leiden wurde heute früh unsere liebe Großmutter, Schwiegermutter, Schwester und Tante Fran Emina Zinser verw. Sa» geb. Kühne im 73. Lebensjahre durch einen sanften Tod erlöst Namens der Hinterbliebenen: Willi und Else Seipp. Gießen (Ludwigstraße 28), den 24. Januar 1930. Die Beerdigung findet statt Montag, den 27. Januar, vormittags 11 Uhr, auf dem Alten Friedhof. Brennholzversteigerung I aus dem Markwald Grüningen-Dorf-Gill am Freitag, dem 31. d. 2TL, vormittags 9% ut)t, in der Turnhalle zu Grüningen, und zwar aus den Forstorten Weißedriesch und Schlemperwald: 697D Scheiter rm: 277,6 Buche 1. Kl., 1,6 2. Kl., 6,6 Eiche l.Kl., 92,5 Kiefer 1. Kl., 5,1 Fichte 2. Kl.; Knüppel rm: 95,3 Buche 12 Eiche, 8,3 Kiefer; Reisig 2. fit (Stamm- reisig) rm: 15 Weide; Reisig Z. kl. (Ast- reisig) rm: 253,5 Buche, 9 Eiche, 99 Kiefer, 21 Fichte; Stöcke rm: 76,3 Buche, 5,2 Eiche 12 Kiefer, 4,8 Fichte. Es wird empfohlen, das Holz vorher einzusehen. Gießen, den 24. Januar 1930. Der Vorsitzende des Markvorstandes: Nicolaus, Forstrat. Allen denen, die unserem lieben Entschlafenen Ph. Neidei II. beim Heimgang die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Insbesondere danken wir Herrn Plärrer Dörr für die trostreichen Worte, sowie dem Gesangverein Teutonia und für die vielen Kranz- und Blumenspenden. Die trauernden Hinterbliebenen Heuchelheim, den 25. Januar 1930. Erklärung! Ich erkläre hiermit, da:; ich kcineöfaüö von meinem Manne Will». Weber I., Großen-Linden. Frankierter Str. 27, avhängtg bin und seinen Kredit niemals in Anspruch zu nehmen brauchte. nsSfl Frau Anna Weber geb. Gaul, Großen-Lin den, Frankfurter Str. G-\ öeilMii, MWen. fielen uiro. niiö illlmelßll? Itntl. Heeresunterkunftsamt Gießen. AllgemeineOrtskranken- kaffe Gießen-Gta-i Dierückständigen Beiträge zur Kranlenkaffe, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung für den Monat Dezember 1929 können noch bis zum 5. Februar 1930 ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablaus dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann tagl. von 9-1 Llhr au')er Samstag bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto Amt Frank- Pfarrwald Lang-Göns. Los 18. Langholz, Güteklasse N: Kiefer 2a-Kl. 4 18. „ „ N: „ f ,, 19. Abschnitte, „ N: „ „ 19. „ „ N: „ ! " J9- " „ N: „ 3a- „ 3 2’68 „ yür ben Verkauf gelten die üblichen Bedingungen wie bei dem hessischen Staat. Vorherige Besichtigung wird empfohlen. Angebote mit der Aufschrift „Holzsubmission" sind bis spätestens Samstag, den 1. Februar, nachmittags 2 Uhr, bei uns einzureichen. Nähere Auskunft erteilen Förster Bergt und die unterzeichnete Stelle. Montag, den 27. Januar 1930, vormittags 10 Uhr, versteigere ich in Lang-Göns an der Ziegelei, Holzheimer S raße, zwangsweise gegen Barzahlung: 656D 239 200 gebrannte Backsteine zwei Anhänge-Lastwagen eine Drehbank mit Motorbetrieb voraussichtlich bestimmt. Oern, Gerickstsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 Holzversteigerung. Montag, den 27. b. 2H., soll im Slan- genröder Gemeindewald folgendes Holz versteigert werden: 664D 48 Stück Fichtenstämme = 64,10 fm, 19 Stück Kiefernstämme = 13,27 fm, 6 Fichtenderbstangen -- 0,36 fm, 293 rm Fichtenknüppelreisig (in Schichten), 18 rm Kiefernscheiter, 38 rm Fichtenscheiter, 25 rm Kiefernknüppel, 7 rm Fichtenknüppel, 38 rm Kiefern- und Fichtenstöcke. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr im Distrikt Zaunbach an der Strecke Lehnheim—Atzenhain. Stangenrod, den 22. Januar 1930. Hess. Bürgermeisterei. K n a u ß. Lagd-Berpachtung. Die Gemeindejagd Rabertshausen I und II, etwa 204 Hektar, ist auf neun Jahre, vom 1. Februar^930 bis 31. Januar 1939, öffentlich meistbietend am 1. Februar d. 3., nachmittags 3 Uhr, im Schulhaus, hier- felbft unter den im Termin bekanntgegebenen Bedingungen zu verpachten. 708D Rabertshausen, den 24. Januar 1930. hessische Bürgermeisterei Rabertshausen. _________Reichhardt. In tiefem Schmerz: Karl Huhn, Elise Huhn. Gießen, den 24. Januar 1930. Die Beerdigung findet am Montag, dem 27. Januar 1930, um 2 Uhr nach- 2b- „11 2a- „ 2 ' 2b- „ 4 3a- ,, 3 „ 2. „ 3. N: „ 3. „ 5 3,54 4,33 N: „ 4. „ 5 „ 4. ft •e N: „ 4. „ 6 5,06 „ 5. ff tt N: ,, 5. „ 4 5,74 „ 6. ff tt A: „ 3. „ 3 2,47 „ 7. ft ff A: „ 4. „ 7 5,77 „ 8. ft tt A: „ 5. „ 2 2,05 „ 9. ff tt N: Kiefer lb= „ 2 0,34 „ 9. ft tt N: „ 2a- „ 17 5,19 ., 9. ■ ff tt N: „ 2b- ,. 15 6,34 „ 10. ff tt N: „ 3a- „ 12 7,24 „ 10. ff tt N: „ 3b- „ 2 0,96 „ 10. ,, tt N: „ 4a- „ 1 0,75 „ 11. ff tt A: „ 3a- „ 1 0,46 „ 11. ff ft A: „ 3b- „ 2 1,41 „ 11. „ „ 12. Langholz, A: „ 4a- „ 2 A: „ 3D-- „ 1 •• 1,95 1,12 „ 13. ff • t N: „ 2a- „ 2 1,80 „ 13. ff tt N: „ 2b- „ 7 5,17 „ 14. tf tf N: „ 3a- „ 9 8,68 „ 15. H tt N: „ 3b- „ 2 2,30 „ 16. ff tf N: Fichte la- „ 17 2,68 „ 16. ff tt N: „ 1b- „ 19 4,91 „ 17. ff tf N: „ 2a- „ 5 2,34 „ 17. ff tt N: „ 2b- „ 3 2,18 „ 17. ff tt N: „ 3a- „ 2 2,61 | Bekanntmachung. Für die Lieferung des 668V Kohlen-, Koks- und>vrikett-Vedarfs an die hessischen Staatsbehörden-, Betriebe und Anstalten für das 3ahr 1930 31 (Heizperiode) werden hiermit die Kohlenlieferanten zur Abgabe von Preis- und Lieferangeboten an die unterzeichnete „Staatliche Brenn- ftoff-veschoffungsstelle in Darmstadt" auf- aefordert. Die für die einzelnen Dienststellen und Orte erforderlichen Sorten und Mengen, sowie die Lieferbedingungen sind nad) Einzahlung von 2 RM. je Ort für Auslagen und Gebühren an unser Postscheckkonto Nr. 634 35 beim Postscheckamt Frankfurt a. M. bis spätestens 31. Januar 1930 schriftlich bei uns anzufordern, wobei anzugeben ist, für welche Orte die Unterlagen gewünscht werden. Rach dem 31. Januar 1930 eingehende Anforderungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Darmstadt, den 25. Januar 1930. Staat!. Brennstoff-Beschaffungsstelle, Darmstadt, Mathildenplatz 20. Wafferleilungsarbetten. Für das Braunkohlen-Schwelkraftwerk Wölfersheim sollen unter Hinweis auf die Reichsoerdingungsordnung die Graben- und Rohrverlegungsarbeiten für eine 7,5 km lange Leitungsanlage, 250 mm Lichtwette, öffentlich vergeben werden. Pläne und Bedingungen liegen bei der unterzeichneten Behörde zur Einsichtnahme offen; Leistungsverzeichnis und Lageplan sind gegen Einsendung von 2,50 RM. zu beziehen. Eröffnung der Angebote Samstag, den 6. Februar 1930, vormittags 104 Uhr, auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde. Zuschlagsfrist 3 Wochen; freie Auswahl bleibt vorbehalten. 667V Gießen, den 18. Januar 1930. hessisches Kulturbauamt. S). Steinbach, Regierungsbaurat. F”AZ-MMeküNW^ der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag, 27. Januar, werden im höler versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 83, Eiche (rund) 51; Knüppel: Buche 27, Eiche 45, Nadel 9; Stöcke: Buche 36, Eiche 61; Wellen: Buche 1200, Eiche 1900. Von mittags ab kommt zum Ausgebot: Fest- meter Schnittholz: Buche 3.—5. Kl. 5, Wagnerholz: Eiche 2. und 3. Klaffe zirka 40, Elsbeere 1, Kiefer 1; Raummeter Garlenpfosten: Eiche 17; Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 8; Stück Derbstangen: Fichte: Sparren 102, Spalier 700; Reisslängen 100, Bohnenstangen 500. Zusammenkunft 9% Kreisstraße Lich— Garbenteich, Waldeingang. 510D Dienstag, 28. Januar, werden im Riedwald versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 86, Fichte 30; Knüppel: Buche 7, Fichte 12; Stücke: Buche 55, Eiche 4, Fichte 66; Wellen: Buche 2600, Eiche 170, Fichte 2000; Festmeter Schnittholz: Buche 3.—5. Kl. 17, Wagnerholz: Eiche 2.-4. Kl. 10; Raummeter Gartenpfosten: Eiche 3, Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 21; Stück Derbstangen: Fichte (Spalier) 600. Zusammenkunft 9% Pfaffenschneise (Hattenrod—Ettingshausen, Waldeingang). Montag, den 3. Februar, werden im Fuchsstrauch, Kellersberg und höler versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 49, Eiche 8; Knüppel: Buche 43, Eiche 45, Akazie 2, Fichte 6; Stöcke: Buche 30, Eiche 12, Fichte 8; Wellen: Buche 2100, Eiche 3700 (dabei 3100 gute Forstwellen); ferner Festmeter Schnittholz: Buche (3.—5. Kl.) 10, Eiche (4.U.5.KI.) 12; Kiefer (3. Kl.) 2; Stück Derbstangen: Fichte (2. u. 3. Kl.) 500; Neisstangen: Fichte (4. u. 5. Kl.) 900; Bohnenstangen 600; Raummeter Ruhscheit: Eiche (gespalten) 6, Gartenpfosten 4, Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 4. Zusammenkunft 9% Uhr: Bahnunterführung Fuchsstrauch. Dienstag, den 4. Februar, werden in der Meilbach versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 177, Eiche 4; Knüppel: Buche 78, Eiche 15, Fichte 7; Stöcke: Buche 61, Eiche 16, Fichte 8; Wellen: Buche 2700, Eiche 3000 (dabei 2300 Forstwellen im Mönchwald), Fichte 200; Raummeter Gar- lcnpfosten: Eiche 19, Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 9. Zusammenkunft 10 Uhr Meilbachpflanz- garten. Voranzeige: 10. 2. Brunnenwald; 11. 2. Mönchwald (Brennholz); 17.2. Erlesberg, Schwarzekuh, 18. 2. Mönchwald a (Bauholz, Stangen), 19. 2. Hard (Bauholz, Stangen). auB Bekanntmachung. Der 663V Friedberger Frühjahrs-Pferdemarkt 1930 findet am Dienstag, dem 4. März, statt. Mit dem Markt soll eine Prämiierung verbunden sein. Zur Prämiierung, die unter Mitwirkung des Landwirtschaftskammer, ausschusses für Oberhessen, des Landes- pferdezuchtoercins, des Verbandes der Warmblutzüchter Hessens und des Wetterauer Reitervereins e. V. stattfinden soll, werden Tiere des Wagensck)lags und des Arbeitsschlags im Besitz von Landwirten, Gewerbetreibenden und Händlern aus Hessen und den anliegenden preußischen Kreisen, und zwar Zuchtstuten sowie zwei- und dreijährige Fohlen zugelassen. Für diesen Zweck stehen wertvolle Preise zur Verfügung. Prämiierungsplan und Anmeldeformulare sind vom 25. Januar ab auf der Bürgermeisterei erhältlich. Anmeldungen zur Prämiierung ersuche ich bis zum 2. März vorzunehmen. Anmeldungen zur Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten gelegentlich des Marktes haben während der gleichen Frist zu geschehen. Friedberg (Hessen), den 22. Januar 1930. Der Bürgermeister. Dr. Seyd. Rutz- und Brennholzversieigerung Freitag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr, werden in der Gastwirtschaft von Karl Döll zu Ulfa aus den Staatswalddistrikten Kißnersrotskopf 2, Borkards 2 und 3, Bauwald 3, Dörrenberg 3, 6 und 8, Lindes 1 und hupp 1 (Eckhardsmahr) der Försterei Slornfels und Bieberwald der Försterei Langd versteigert: a) Ruhholz: Eiche: Kl. 2 17 St. = 8,04 fm, KL 5 22 St. = 16,26 fm, Kl. 4 6 St. = 6,0lfm; Derbstangen: Fichte l.Kl. - 2 St., 2. Kl. 4 St., 3. Kl. 4 St., Esche 3. Kl. 1 St.; Bohnenstangen (gebrauchsfertig zugespitzt): 900 St.; Ruhscheiter: rm: Buche 1. Kl. 2 (Dürrenberg 3); Eiche 1 (rund), Ruhknüppel: rm: Lärche 3 (1,80 m lang, Gartenpfosten). 707V b) Brennholz: Scheiter: rm: Buche 444 1. Kl., 115 2. Kl., Hainbuche 70, Birke 3,5 1. Kl., 2. Kl. 2, Eiche 41, Kirschbauw 1; Knüppel: rm: Buche 176, Hainbuche 61, Eiche 161, Birke 2,2. Erle 1. Lärche 6, Fichre 0,6; Reisig l.KL (Knüppelreisig) rm: Erle 1; Reisig 2. Kl. (Stammreisig) rm: Buche 114, Eiche 302; Reisig 3. Kl. (Astreisig) rm: Buche 682, Hainbuche 305, Eiche 104, Birke 4, Aspe 4; Stöcke rm: Buche 64,4 1. Kl., 2,2 2. Kl., Eiche 15,2 1. KL, 2,2 2. Kl. Sämtliches Holz lagert an chauffierten Wegen oder in deren unmittelbaren Nähe. Besichtigung wird vorausgesetzt. Die blau unterstrichenen Nummern in den Losholzschlägen kommen nicht zum Ausgebot. Nähere Auskunft burd) Herrn Förster Frank zu Slornfels und die unterzeichnete Stelle. hessisches Forstamt Eichelsdorf. Nutz- und Brennhotzversteigerung im Licher Stadlwald. In den Distrikten Mönchköpfe und Zap- penau werden am 666V Donnerstag, dem 30. Januar 1930, vormittags 10 Uhr, nach vorheriger Zusammenkunft in Distrikt Mönchköpfe 36, an der Konzebühlschneise, versteigert: a) Brennholz: Scheiter: rm: Buchen 490, Eichen 12; Knüppel: rm: Buchen 55, Eichen 3, Birken 3; Reisig: rm: Wellen: Buchen 3400, Eichen 160; Stöcke: rm: Buchen 164, Eichen 22, Fichte 6. b) Ruhholz: Reisstangen: Fichten 4. bis 7. Kl. 420 St. Ruhknüppel: rm: Eichen 5, Fichten 3. Stämme: Birken 1 St., 0,64 fm, 4. Kl. Nächste Holzversteigerung Donnerstag, den 6. Februar 1930. Günstige Zahlungsbedingungen. Lich, den 22. Januar 1930. Hess. Bürgermeisterei Lich. Geil. Ruhholzversteigerung. Dienstag, b*n 28. L M„ wird im Staufenberger Gemeindewald folgendes Nutzholz versteigert: 661D Kiefern-Abschnitte A. Kl. 3b 1 Stck. 1,61 fm „ 4a 1 „ 1,35 „ kiefern-Abschnille N. Kl. 2a 12 Stck. 3,92 fm „ 2b 26 „ 14,05 „ „ 3a 18 „ 14,04 „ „ 3b 3 „ 2,63 „ Lichen-Abschnitte A. Kl. 5 1 Stck. 1,37 fm „6 2 „ 3,32 ,, „7 2 „ 6,61 „ Lichen-Abschnitte N. Kl. 2 51 Stck. 14,68 fm „ 3 33 „ 15,17 „ „4 2 „ .2,03 „ „ 5 ' 4 „ 4,92 „ „ 6 5 „ 3,44 „ „7 1 „ 2,28 „ Eichen-Nutzscheit (gespalten) 2 rm, 1,25 m L. Eichen-Nutzscheit (rund) 2 rm, 1,25 m lang Eichen-Nutzscheit (rund) 7 rm, 2,00 m lang. Anfang vormitags 10 Uhr am alten Pstanzgarten an der hachborner Straße. Staufenberg, den 23. Januar 1930. hessische Bürgermeisterei Staufenberg. __________Meyer.__________ Brennholzversteigerung im Gemeindewald Langsdorf. In dem Vorderwald in den Distrikten hegerich, Altenlanden, Pfaffenstrauch, Weckmannsscheuer und höllensritz werden nach vorheriger Zusammenkunft am Wald- eingang des Nonnenröther Weges am Mittwoch, dem 29. Januar 1930, vormittags 9i Uhr, versteigert: 665V Scheiter rm: Buche 400, Hainbuche 8, Eiche, rund, 8,5, Fichte, rund, 8; Knüppel rm: Buche 20, Hainbuche 11, Eiche 10, Fichte 16; Reisig rm: Buche 200, Hainbuche 20, Eiche 16; Stöcke rm: Buche 150, Hainbuche 3, Eiche 21,6. Ruhhol;: Derbstangen, Fichte, 1. Kl. - 10 Stück; Derbstangen, Fichte, 2. Kl. = 15 Stück; Derbstangen, Fichte, 3. Kl. - 20 Stück. Langsdorf, den 23. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei. Kneipp. Brennholzversteigerung Montag, den 27. Januar, vormittags 10 Uhr anfangend, werden im „Deutschen Haus", dahier, folgende Mengen Holz öffentlich verkauft: Distrikt 44, 49, 50a, 50b (Weidenhausen): 220 rm Eichenscheit 230 rm Eichenknüppel 132 rm Buchenscheit 263 rm Buchenrollen 508 rm Buchenknüppel 64 rm Buchenr iserknüppel 8190 Stück Buchenwellen 566D 975 Stück Eichenwellen. Brandoberndorf, den 21. Januar 1930. Der Bürgermeister. Stahl. llk er 50' O (jtan Si und und leut bei wie hab sach drin lass- 0ftp in - so lu-rd selbst brech Oste' inäb mar abe' den Da ze die unt Kri 3c het wo bai ble nie ber urf deu la: bi( die tu pro Kri die Aus 5 des faun Die« Vftns nem Ha M< ga, der in unt lieg das völ schr nid ICK toi QU: Gv die der zu fef)' buc scht G fen foni Ber vielt unb Hon MtS. Polen iohine 'nen | dir (! 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