Nr. 275 Erstes Blatt 180. Jahrgang Montag, 24. November 1930 Erscheint tügllch,außer Sonntage and Feiertag». Beflogen: Die Illustriert, Siebener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle ®onots«Bejngspret$: 2.20 Reichsmark unb 30 Reichspfennig für Tröge» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern tnfolg« höherer Gewalt. Kernsprechanschlüsse enterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. postschecttonto: Zronlfurt am Main 11686. SietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'fche Unwerfitätr-Vuch' und Stcinörnderet R. Lange in Gießen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20°, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil (Emft Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen Die Terrorwahlen in Ostoberschlesien. Blutige Ausschreitungen von Banden polnischer Aufständischen. — Schärfste Unterdrückung der Wahlfreiheit. Schwere Wahlniederlage der Deutschen. Schwere Noheitsdelikte in Hohenbirken. Bestialische Ausschreitungen der Polnischen Aufständischen. Kattowih, 22. Roo. (TU.) lieber (Breuelialcn der polnischen Aufständischen werden folgende Einzelheiten bekannt: In hohenbirken haben in der Nacht zum Donnerstag die Aufständischen, die in einem Lastauto von auswärts erschienen, stundenlang gehaust u.,d nicht nur den Vertrauensmann der Deutschen Wahlgemeinschaft, Neugebauer, sondern auch eine Reihe weiterer Deutscher aus geradezu bestialische weise mißhandelt. Neugebauer selbst ist so zugerichtet worden, dah er am ganzen Körper blutunterlaufene, dick geschwollene Stellen Hal. Nachdem er etwa eine Viertelstunde lang mit Knüppeln und Stöcken bearbeitet worden war, bat er iu der Verzweiflung seine Peiniger, ihn zu erschießen. Als daraufhin einer der Aufständischen einen Revolver aus Neugebauer anlegte, sprang dessen Tochter, die die Mißhandlungen ihres Vaters mitansehen muhte, hinzu und bat, den Vater am Leben zu lassen und lieber sie zu töten. Neugebauer sollte dann schwören, dah er am kommenden Sonntag die Liste der Regierungspartei wählen wurde. Als er das ablehnte, begannen die Mißhandlungen von neuem, bis Neugebauer bewuh110 s zusammenbrach. In mehreren Nachbarhäusern wüteten die Aufständischen mit der gleichen viehischen Roheit. Lin Deutscher namens Wandrysz ist so zugerichtet worden, dah er heute noch nicht sprechen kann, und die Aerzte an seinem Aufkommen zweifeln. Selbst Kinder wurden von den Aufftändifchen nicht geschont. Bei dem planmäßigen vorgehen der Banditen wurden zahlreiche Schüsse abgegeben. Die heimgesuchten Häuser bieten ein Bild ro ü ff eft er Zerstörung. Die P 0 l i; e i, die in der Nähe der überfallenen Häuser untergebradjt ist, will weder die Schüsse noch die Schreie der Mih- handellen noch das Klirren der Fensterscheiben gehört haben. Oer zweite Wahlsonntag. Terror bis zum letzten Augenblick. Lchärfstc Äontrolle der Wähler. Kattowih, 23. Olob. (TU.) Die polnischen Aufständischen haben ihre Ausschreitungen bis zum letzten Augenblick fortgesetzt. Selbst in den Straßen von Kattowih wurden am Samstagabend durch „Prügelkommandos" deutschsprechende Bürger mißhandelt. Diel schlimmer ging cs in den Landgemeinden zu. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen und dem Selbstschutz der polnischen Oppositionsparteien. 3n Gollaschowitz wurde dabei ein Polizeibeamter erschossen. Am Wahlsonntag scheint es nicht so schlimm zugegangen zu fein als in den letzten Wochen. 3edoch kann d o n einem ungestörten Verlauf der Wahlen keine Rede fein. 3n den meisten Landgemeinden wurden die Vertrauensleute der deutschen Parteien durch Aufständische aus den Wahllokalen herausgeworfen. 3n den meisten Stimmbezirken sind >. aher die Wahlen ohne Kontrolle durch deutsche Vertrauensleute vor sich gegangen. 3n einigen Wahllokalen waren Verschlüge von einem Meter als „Wahlzelle" ausgestellt, so daß es den Wählern unmöglich war, die Stimmzettel unbeobachtet in den Umschlag zu tun. 3n Kattvwitz übten höhere Eisenbahn beamte eine regelrechte Kontrolle über die Wahl der Eisenbahnbeamten aus, die ihre Stimmzettel zeigen mußten (!!). Wenn diese nicht die Dummer der Regierungspartei trugen, wurden sie durch entsprechende Stimmzettel er, setzt. Bei dieser Lage kann von einer „Wahl" in Ostoberschlesien überhaupt nicht gesprochen werden. Die Wahlbeteiligung war auch dementsprechend schwach. 3nsvlge der Einschüchterung der Bevölkerung auf dem Lande laufen diesmal die Wahlresultate außerordentlich, schleppend ein. Rach den bisher vorliegenden Meldungen sind in der Rächt zum Sonntag und am Sonntag sechs Tote als Opfer des Wahlterror s zu verzeichnen. Die Streichungen von Minderheitenangehörigen auf den Wahllisten werden unter Grundlegung der von der polnischen Presse gemachten Angaben auf mindestens 15 000 bis 20 000 geschätzt. Daß der Wahlterror sich diesmal noch viel schlimmer ausgewirkt hat als bei den Wahlen am vergangenen Sonntag, erhellt aus dem bedeutsamen Rückgang der Stimmen überhaupt. 3n Wilczek drangen heute in den ersten Rachmittagsstunden acht bis zehn uniformierte Aufständische in sämtliche Wahllokale ein, um die deutschen Vertrauensleute zu entfernen. Wer das Wahllokal nicht freiwillig verlassen wollte, wurde mit Knüppeln und Stöcken bearbeitet. Die Polizisten ft a n b en dabei, ohne dagegen einzuschreiten. — 3n Lipinh wurde ein Hüttenmeister schon seit vier Tagen in den Abendstunden belästigt. Am Samstag unternahmen kurz vor Mitternacht etwa 80 bis 90 Aufständische einen Generalangriff gegen seine Wohnung. Rachdem zunächst die Fensterläden mit Ziegelsteinen beworfen worden waren, wodurch 28 Scheiben in Trümmer gingen und eine zweite Abteilung die Haustür be- ranntc, gab der Bedrängte Schreckschüsse ab. Dies veranlaßte schließlich die Aufständischen, von ihrem Vorhaben abzusehen. Sie gaben dann auf der Polizeiwache an, daß sie von dem Hüttenmeister beschossen worden seien, als sie ruhig ihres Weges an seinem Hause vorbeigekommen seien. Das Wahlergebnis. schwere Einbußen der Deutschen. Warschau, 24.Noo. (WTB. Funkspruch.) Bei den Wahlen zum Schlesischen Sejm erhielten die Regierungspartei 19 Mandate (im letzten Sejm 10), Korsanty-Partei 19 (16), die Deutsche Wahlliste 7 (15) und die Sozialisten insgesamt 3 (davon zwei Deutsche, früher fünf) Mandate. Die Kommunisten, die im letzten Sejm über zwei Mandate verfügten, erhielten diesmal kein Mandat. Die Verschiedenheit der Wahllistennummern der Deutschen wahlgemein- schoff (Sejm und Senat) hat sich verhängnisvoll ausgewirkt. Die äußerst zahlreichen Verwechslungen haben einen außerordentlichen Stimmenverlust zur Folge, da die Zahl der falschen Stimmscheine bedeutend ist. Calonder interveniert. Feststellungen in Hohenbirken. Ausreden Graczynsti. WTB. Kattowih, 22. Rov. Präsident Calo n de r ist gemeinsam mit dem polnischen Mitglied der Gemischten Kommission M 0 r a w s k i sowie dem Leiter der Sicherheitsabteilung der Woiwodschaft 3 d c i k 0 w s k i, dem Starosten von Rybnik Wyglenda, dem Vorsitzenden des Deutschen Volksbundes Fürsten v. P leh, dem Geschäftsführer Ulih und dem Abgeordneten 3ankowski nach Hohenbirken gefahren, um sich persönlich von den Ausmaßen der Ausschreitungen gegen Deutsche zu überzeugen. Heber die Vorgänge wurde von der Gemischten Kommission ein genaues Protokoll ausgenommen. Die Mißhandelten erklärten ausdrücklich, daß sie sich als Deutsche fühlten und auch Deutsche bleiben wollten, obwohl sie sich völlig schutzlos fühlen, da die Polizisten mit den Aufständischen gemeinsame Sache machten. Von Hohenbirken fuhr die Kommission nach W a I e f a Gora, wo der Deutsche Geiske am hellichten Tag von Aufständischen „verhaftet", in einen Wald geführt und in der schlimmsten Weise mißhandelt worden war. Bei der Befragung durch die Kommission konnte sich Geiske nicht auf den Füßen aufrecht erhalten. Don Angehörigen der deutschen Minderheit wurde der Kommission die Bitte unterbreitet, sich dafür einzusehen, daß der Gemeindevorsteher und der Polizeipostenkommandant des Ortes abgeseht werden, da sie kein Vertrauen zu diesen Behördenvertretern hätten. Präsident Calonder intervenierte dann auf Ersuchen des Deutschen Volksbundes beim Woiwoden Graczynski wegen der Flugblätter des Aufständischenverbandes und wegen der Wahlterrorakte. Rach dem Bericht des „Krakauer 3lluftrier» ten Kuriers" soll der Woiwode dem Präsidenten erklärt haben, daß die Flugblätter sich nicht gegen die Gesamtheit der deutschen Minderhett richten, sondern lediglich gegen eine ihrer polv- tischen Parteien. Wenn es in einzelnen Fällen zu Terrorakten gekommen sei, so liege das an der großen Erregung der Gemüter. Oie Senatswahlen in polen. Die Deutschen behaupten ihre Mandate in Posen und Äattowitz. w a r s ch a u , 24. Noo. (TU. Funkspruch.) Die Se- natswahlen haben viel geringeres Interesse als die Wahl zum Sejm am vergangenen Sonntag gefunden. Die Wahlbeteiligung dürfte nicht viel mehr als 60 0. h. betragen. Der Senat verfügt über 111 Sitze; die Senatoren werden aus 17 Wahlkreisen, die sich mit den Woiwodschaften decken, gewählt. Nach den ersten vorläufigen Berechnungen dürften in Warschau von den vier Mandaten drei dem Regierungsblock und ein Mandat den Nationaldemokraten zufallen. Damit hätten die Iuden zugunsten des Regierungsblocks ein Mandat ein- gebüßt. In Pofen werden die Nationaldemokraten voraussichtlich drei, der T. .gieruugsblock zwei und die Deutsche Liste em Mandat erhalten. Somit hätten die Deutschen ihr Mandat behauptet. Kandidat ist der bisherige Senator Dr. B u s f e, der früher dem Preußischen Landtag angehörte. In der Woiwodschaft Schlesien haben von den 454 000 wahlberechtigten 409 000 abgestimmt, von den 360 000 gültigen Stimmen entfielen auf die Korsanty-Liste 136 000 Stimmen, auf die Regierungspartei 135 000 Stimmen, auf die Deutsche wahlgemeinschaft 68 000, auf die Sozialisten 15 000 und auf die Kommunisten 4200 Stimmen. Die Korsanty-Partei stellt demnach im Senat aus der Woiwodschaft Schlesien zwei Abgeordnete, gegen bisher einen, während die Regierungspartei ihren zweiten Sih verloren hat und ebenso wie d i e Deutsche Wahlgemeinschaft, die sich behaupten konnte, nur mit einem Abgeordneten in den Senat einziehen wird. Gründung einer Lappo-Organisation in Finnland. H e l f i n g s 0 r s. 23. Rov. (WTB.) Eine Dele- giertcnocrfammlung der Lappo-Bewegung, an bet ungefähr 800 Vertreter teilnahmen, beschloß den Zusammenschluß der Bewegung au einer straffen gesetzlichen Organisation zur Unterdrückung des finnischen Kommunismus, und zur Erziehung in starkem, vaterländischem Geist. Gleichzeitig beschloß die Versammlung, den jetzigen Staatsminister und früheren Reichsverweser S v i n h u f v u d als Kandidaten für die bevorstehende Präsidentenwahl aufzustellen. Oie ungarischen Gäste in Berlin. Graf Bethlen beim Reichspräsidenten. Berlin, 23.Rov. (WTB.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing den Besuch des in Berlin eingetroffenen ungarischen Ministerpräsidenten Graf Bethlen, der von dem hiesigen ungarischen Gesandten v. K a n h a begleitet war. Mittags gab der Herr Reichs- Präsident zu Ehren des Grafen und der Gräfin Bethlen ein Frühstück, an dem außer den ungarischen Gästen und ihrer Begleitung u. a. die Mitglieder der ungarischen Gesandtschaft, der Reichskanzler, Reichsminister Dr. Cur- ti u s sowie der Chef der Heeresleitung General Freiherr v. Hammer st ein mit ihren Damen teilnahmen. Graf Bethlen besuchte am Sonntagvormittag zunächst die Berliner staatlichen Museen. Darauf begab er sich nach dem ungarischen 3 n ft i t u t der Berliner Uniberfität, wo ihn dessen Leiter, Professor v. Farkas, begrüßte. Hm 14 3hr gab der ungarische Gesandte von Kanha zu Ehren des Ministerpräsidenten ein Finihstück, an dem u. a. Reichskanzler Dr. Brüning, Außenminister C u r t i u s und Frau, Staatssekretär von Bülow, Generaloberst D«o n Seeckt und Frau sowie der italienische und der türkische Botschafter teilnah- men. Am Rachmittag setzte Graf Bethlen seine politischen Besprechungen fort Am Abend fand im Collegium Hungaricum ein Empfang zu Ehren des Ministerpräsidenten statt, zu dem neben der Reichsregierung und dem Berliner Diplomatischen Korps Vertreter der deutschen und der ungarischen Gesellschaft Berlins geladen waren. Oeutschland und Ungarn. Schwierigkeiten in der Wirtschaftspolitik. Berlin, 23. Rov. (WTB.) Der in» und ausländischen Presse erklärte Ministerpräsident Gras Bethlen auf einem Empfang in der Gesandtschaft u. a.: Es tut mir besonders wohl, mich inmitten eines Volkes zu fühlen, mit dem Ungarn eine vielhundertjährige historische und kulturelle Tradition verknüpft, mit dem wir den Weltkrieg als Waffenbrüder durchgelämpst haben. Die meistens „ad hoc" eingetretene Zusammenarbeit unserer Völker hat mehr als einmal gute Früchte getragen, dies war z. B. der Fall in der Frage der Aushebung der intemattonalen militärischen Kontrolle; es konnte auch auf anderen Gebieten, wie z.B. in der Frage der Minderheiten, durch dieses parallele Vorgehen ein gewisser Fortschritt erzielt werden. Diese sich aui unserer Lage ergebende natürliche Art der Zusammenarbeit enttpricht der Situation beider Rattonen. Das höchste Ziel beider Rattonen ist die Wiedererlangung der völligen Handlungsfreiheit mit friedlichen Mitteln sowie die Wiederherstellung der Gleichberechtigung der Völker im internationalen Leben. Aus dieser Politik folgt die gleichartige Haltung, die wir in der Frags der Abrüstung einnehmen. Am meisten charakteristisch für das Verhältnis zwischen Deuttchland und Ungarn sind vielleicht jene innigen kulturellen Bande, die zwischen beiden Völkern seit 3ahrhunderten bestehen. Das ungarische Kollegium in Berlin, aus dem so viel tüchtige ungarische junge Leute hervorgegangen sind, ist bloß eine der Quellen, aus denen deutsche Kultur nach Ungarn strömt. 3n Ungarn ist eine der wichtigsten Quellen deutscher Kultur und der Liebe zu dem deutschen Volkstum, die mehr als eine halbe Million Seelen zählende deutsche Minderheit. Sie ist ein sehr geschätzter Bestandteil des ungarischen Staates und bewirkt, daß die Sympathie für deutsche Sprache, deutsches wesen und deutsche Individualität bis ins Innere des häuslichen Lebens dringt. Ls war deshalb stets mein Herzenswunsch und wird auch in Zukunst mein vornehmstes Bestreben sein, dah dos wertvolle deutsche Element im ungarischen Staat mit seinem Schicksal zufrieden, im freien Gebrauch seiner Sprache und Kultur an der gemeinsamen Arbeit des Wiederaufbaues teilnehmen möge. 3n allen maßgebenden wirtschaftlichen Kreisen Ungarns hat sich der Wunsch geäußert, es möchten die wirtschaftlichen Bande zwischen den beiden Völkern dem freundschaftlichen poli- ttschen Verhältnis Deutschlands zu Ungarn an- gepaßt werden. Schwer empfindet die gesamte Der ungarische Ministerpräsident @raf Bethlen (links) verläßt in Begleitung des ungarischen Gesandten in Berlin v. Kanya (Mitte) das Reichspräsidentenpalais, wo er dem Reichspräsidenten von Hindenburg einen Besuch abstattete. > ungarisch« Wirtschaft jene Veränderung, die in der deutschen Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit zutage getreten ist. Gewiß bringt das ungarische Volk jenen Bestrebungen, die das Deutsche Reich zum Schuhe seiner Landwirt- schäft entfaltet, Verständnis entgegen, doch gibt es auch solche, die im Hinblick aus die schweren 'Folgen der deutschen Wirtschaftspolitik für Ungarn diese als eine Absperrung bezeichnen und deshalb fordern, es solle auch Ungarn eine Wirtschaftspolitik betreiben, die sich ausschliehlich sein eigenes Interesse vor Augen hält. Ich Wunsch« ausrichtig, dah die unmittelbare Berührung mit den maßgebenden deutschen Staatsmännern das Bestreben begünstige, ungeachtet aller bestehenden Schwierigkeiten solche wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen zu schassen, die den Interessen beider Staaten in gleicher Weise dienen. Als Gast beim Reichskanzler. Das gemeinsame politische Ziel. Berlin, 22-Nov. Reichskanzler Lr.Brüning gab im Reichskanzlerhause zu Ehren des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n und seiner Begleitung ein Essen, an dem neben den Reichsministern und den Nlit- gliedern der ungarischen Gesandtschaft der Präsident des Reichstages, Vertreter des Reichsrates, führende Parlamentarier, Spitzen von Reichs- und Staatsbehörden sowie der Kirchen, Angehörige der ungarischen Kolonie und führende Vertreter der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Presse teilnahmen. Während Des Festmahles, das i n dem Kongrehsaal von 1 878 stattfand, hielt der Reichskanzler eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Herr Ministerpräsident! An dieser historischen Stätte des Berliner Kongresses heiße ich im Namen der Reichsregierung und des ganzen deutschen Volkes tEuere Exzellenz in unserer Reichshauptstadt aus das herzlichste willkommen. Die alte Geistesverbundenheit unserer beiden Völker bietet die sicherste Gewähr dafür, daß Ungarn und Deutschland stets in Freundschaft ihren nationalen Zielen zustreben werden, die sich mit einer dauernden und wahren Befriedung Europas in voller Übereinstimmung befinden. Cs ist unser gemeinsamer Wunsch, dieser auf unseren gemeinsamen kulturellen und politischen Idealen aufgebauten Verbundenheit a u f den Gebieten der Wirtschaft und des Güteraustausches immer stärkere Auswirkung zu verschaffen. Wir hoffen deshalb, daß sich trotz der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Struktur unserer Länder ein Ausgleich der berechtigten Interessen finden lassen wird. Bei uns wie bei Ihnen ist die Zukunft voller Sorgen, und die Lösung schwierigster Probleme harrt ihrer Erfüllung. Aber ebenso, wie ich unerschütterlich fest an die Zukunft Deutschlands glaube, so bin ich auch überzeugt davon, dah Ungarn voll Vertrauen einer besseren Zeit entgegengehen darf. Ich erhede mein Glas auf das Wohl des Herrn Reichsverwefers, auf das Wohl Eurer Exzellenz und auf eine glückliche Zukunft der ungarischen NationI Ministerpräsident Gras Beihlen führte in seiner Antwort u. a. aus: Ich brauche wohl nicht besonders hervorzuheben, wie gern ich der freundlichen Einladung d^r Reichsregierung gefolgt bin, mit welcher Sympathie meine Berliner Reise vom ungarischen Volk begleitet wird, dessen Interesse für das deutsche Volk in jahrhundertealten kulturel- fen und wirtschaftlichen Beziehungen, in Erinnerung an geschichtliche Ereignisse von größter Bedeutung tief verankert ist. Wit Bewunderung verfolgt das ungarische Voll den trotz aller Hindernisse ungebrochenen Mut, mit dem das Reich unter der sicheren und zielbewuhten Führung Eurer Exzellenz für eine bessere Zukunft kämpft. Eurer Exzellenz anerkennende Worte für die Leistungen Ungarns in den jetzigen so schweren Zeiten, Ihre Zuversicht in eine belfere Zu- kunft unseres Landes wird daher zweifellos in allen Schichten der ungarischen Bevölkerung lebhaften und dankbaren Widerhall finden. Ich bitte Euer Exzellenz versichert zu sein, daß die aufrichtigen Wünsche aller Ungarn das deutsche Doll auf seinem schwierigen und dornenvollen Wege des Wiederaufbaues begleiten: ganz Ungarn ist davon überzeugt, daß es dem Reich in xaher Zukunft gelingen wird, den ihm gebührenden Platz an der Sonne zurückzuerobern. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl des in der ganzen Welt hochverehrten Herrn Reichspräsidenten, auf das Wohl Eurer Exzellenz und eine glückliche Zukunft des deutschen Volles. Die Weilersüdkung des SamemnMrosramms parieisührerbesprechungen beim Reichskanzler. — Oer Reichskanzler fordert parlamentarische Erledigung bis Weihnachten. Berlin, 23.Rov. (ERB.) Das Reichskabinett wird am Montag zu einer Sitzung zusammen- treten, in der in erster Linie die Frage der parlamentarischen Verabschiedung des Finanz- Programms besprochen werden wird. Möglicherweise dürfte die Beratung dann aber auch auf die Frage ausgedehnt werden, ob sich im Rahmen der allgemeinen Preissenkungsaktion auch eine Tarifsenkung der Reichsbahn ermöglichen lassen könnte. Dem Vernehmen nach soll der preußische Handelsminister Schreiber, der bekanntlich dem Preissenkungs- ausschuh des Reichskabinetts angehört, an die Veichsbahngesellschast ein Schreiben gerichtet haben, das die Frage der Tariffenkung zum Gegenstand hat. Nach Abschluß der Reichsratsverhandlungen begannen die Besprechungen mit den Führern der R e i ch s t a g s p a r t e i e n wegen der parlamentarischen Erledigung des $i- nanz- und Wirtschaftsprogramms der Reichsregierung. Zuerst wurden die Vorsitzenden jener Fraktionen vom Reichskanzler empfangen, die der Regierung nahestehen. Wie die Blätter melden, hat der Kanzler bereits den Zentrumsabgeordneten Dr. Perlitius und den Führer der Volkspartei Abg. Dinge l deY empfangen. — Der „Dörsenzeitung" zufolge soll der Reichskanzler dem Abgeordneten Dingeldey erklärt haben, daß er eine Verschiebung des Finanz- Programms im Reichstag über Weihnachten hinaus auf keinen Fall dulden tonne und von den Parteien erwarte, daß sie alles unterlassen, was die rasche parlamentarische Erledigung des Programms vereiteln könne. Um seinen Ausführungen noch besonderen Nachdruck zu verleihen. soll der Kanzler auch aus die Rückwirkungen hingewiesen haben, die eine Verschleppung des Finanzprogramms auf die kredit - politische Lage des Reiches zur Folge haben müßte. Wie verlautet, soll sich der Abgeordnete Dingeldey in „positiv zu stimmendem" Sinne geäußert, aber die letzte Entscheidung seiner Fraktion Vorbehalten haben. Die Besprechungen sind so gedacht, daß im Laufe der nächsten Woche sämtliche Parteien mit Ausnahme der Kommunisten empfangen werden, allo auch die Nationalsozialisten werden zu diesen Besprechungen zugezogen. Es heißt, dah der Reichskanzler von den Parteiführern bedangen wird, dah die 28 Sanierungsgesehe bis z um 2 1. Dezember die parlamentarische Erledigung finden. Für die Spezialberatung in den Ausschüssen soll eine Frist von 14 Tagen gegeben werden. Die erste Beratung über das Finanz- und Wirtschaftsprogramm soll drei Tage dauern und wenn möglich bereits in der Eröffnungssitzung am 3. Dezember beginnen. Für die zweite und dritte Lesung sind gleichfalls drei Tage vorgesehen, und zwar die Zeit vom 19. bis 21. Dezember. Schwere Sonntagsstürme über Europa. Orkanschäden in Karlsruhe. Karlsruhe, 24. Nov. (TU.) Ein tomadoahn- licher Sturm, begleitet von schweren Ge- wittern und w o l k e n b r u ch a r t i g e m Regen, ging auch ähnlich wie im übrigen Deutschland über Baden hinweg. Ueberall hat der Sturm Schä- den angerichtet. In der Südstadt stürzte einer der kleinen Türme der L i e b f r a u e n 11 r d) e em. Die Trümmer durchschlugen das Gewölbe des westlichen Querschiffes und richteten im Innern der Kirche großen Schaden an. Der Einsturz erfolgte mit bonnerartigem Getöse, in den nahegelegenen Häusern glaubte man zuerst an ein Erdbeben. Auf dem Rhein peitschte der Sturm die Wellen meterhoch auf. Eine Hühnerfarm in der Umgebung von Karls- ruhe ist mitsamt den Hühnern vollständig vom Erd- hoben verschwunben. Im Harbtwold wurden Hunderte von Bäumen, zumeist Kiefern, geknickt. Ziegeln wurden in der Stadt von den Dächern gerissen; in der Schützenstrahe mußte ein Kamin abgetragen werden. Das Rheinbad im Max- auer Hafen wurde abgetrieben und liegt jetzt auf der anderen Rheinseite. Auch der Fern- sprechoerkehr wurde durch den Sturm in Mitleidenschaft gezogen, da besonders im badischen Oberland und in der benachbarten Pfalz zahlreiche Leitungen unterbrochen sind. Oer Föhn knickt die Münchener Zunktürme. München, 23. Nov. (WTB.) Der schwere Föhnfturm, der schon während der Nacht über München tobte, brachte heute früh die beiden Funktürme des Senders München- Stadel heim zum Einsturz. Um 6,45 Uhr knickte der rechte, eine Viertelstunde später auch der linke Turm in etwa ein Drittel der Höhe zusammen. Beide Türme stürzten in Richtung Sudwest auf die freie Wiese, so dah wie durch ein Wunder weder Gebäudeschaden entstand, noch Menschenleben zu beklagen sind. Die übrige Sendeanlage blieb vollkommen intakt. Cs wird bereits daran gearbeitet, eine Behelfssendeantenne zu errichten. Hochwasser an Rhein und Mosel K ö ln , 23. Nov. (TU. Funkspruch.) Die Mo - s e l ist seit Samstagabend um 60 Zentimeter gestiegen. Die Uferstrahen sind von Trier mosel- wärts überflutet. Der Straßenverkehr nach Ruwer, das halb unter Wasser steht, muhte eingestellt werden. In der Nacht zum Sonntag tobte über dem Trierer Talkessel ein Gew itter , das von orkanartigem Sturm und ungeheuren Regenmassen begleitet war. 2rn Stadtteil Trier (West) reicht das Wasser bis zu den ersten Häusern am Ufer. Von der mittleren Mosel wird ein gefährliches Anwachsen des Wafserstandes gemeldet. In Lieser steht, die Mosel in den tiefer gelegenen Weinbergen. Verschied«ie im Unterdorf liegende Häuser muhten wegen Einsturzgefahr geräumt und das Vieh in Sicherheit gebracht werden. Aus der Eifel und vom Hochwald werden wiederum schwere Sturm- und Wasserschäden gemeldet. Licht- und Telegraphenleitungen sind überall unterbrochen. Bei Nettersheim (Eifel) ertrank ein 1 4jähriges Mädchen in der hochgehenden Urft, als es auf dem Schulwege einen Steg über den stark angeschwollenen Dach passieren wollte. In Ehrenbreit st ein und in der nördlichen Dorstadt von Koblenz steht das Wasser bereits in den Straßen. In der Rheinstrahe von Koblenz hat das Wasser die Wcrftanlagen überschwemmt und drohtindie Geschäftshäuser einzudringen. Das Deutsche Eck ist vom Hochwasser rings umgeben, Sinken des Wafferstandes am Oberrhein. Freiburg 24. Nov. (WTB. Funkfpruch.) Mit Eintritt niedrigerer Temperaturen haben die Niederschläge, die in der letzten Zeit bas Hochwasser bes Rheins zur Folge hatten, nach- gelassen bzw. bei aufklarenbem Himmel ganz auf. gehört. Infolgedessen ist ber Rheinwasserstanb langsam im Sinken begriffen. Zwischen Bafel unb Breisach ist der Rhein bis heute morgen um 20 cm gefallen. Starke Lleberschwemmungen in Belgien Drüssel, 22. Nov. (WTB.) Infixe wolkenbruchartiger Regenfälle traten die Flüsse des ganzen Landes über die Ufer und verursachten dadurch Flurschaden. Im Laufe der Nacht überschwemmte die Sambre die niedrig gelegenen Viertel zahlreicher Gemeinden in der Umgebung von Charleroi. Zahlreiche Dewohner muhten ihre Hauser verlassen. Eine Fabrik zur Herstellung flüssiger Luft wurde überschwemmt. Sie dort aufgespeicherte Kohlensäure zog Wasser, was Gasausströmungen verursachte. Die der Fabrik benachbarten Wohnviertel mußten geräumt werden. Im Laufe des Morgens ereignete sich eine furchtbare Explosion. Neue Explosionen werden befürchtet, wenn sich der Wasserspiegel weiter heben sollte. Schwerer Sturm an der Wasserkante. Hamburg, 24. Nov. (WTB. Funkfprich.' Ter außerordenll.ch schwe.e Nordweststurm, der gestern bis in die Nacht hinein an der ganzen Wasserkante tobte, erreich.« teilweise Windstä.ke 12. Auf der Seewarte wurden bis 30 Sekundenmeter, also halbe Orkan stärke, gen^es en. In Hamburg drückten an der Schleuse am Graskeller di« anstürmenden Wassermas en sechs g.ohe Schaufenster eines Lederwarengeschäftes ein und schwemmten etwa 60 große und Meine Koffer mit sich fort. Durch das Hochwasser wurden u. a. auch das Postscheckamt, eine Kunsthandlung am Rödingsmarkt und das Weltwirtschaftsarchw in der Poststrahe in Mitleidenschaft gezogen. Das in die Keller- räum« eingedrungen« Wasser richtete an den wiisenschaftlichen Werken, di« hier untergebracht waren, Schaden an. Irn Laufe der Nacht lieh der Sturm merklich nach. Die Sturmflut brachte Cuxhaven die feit Jahren nicht erreichte Höhe von 2,70 über Normal. Der Sturmwind peitschte mit einer Stärke von 7 bis 10 die hochschäumenden Wellen gegen den langgestreckten Cuxhavener Deich. Das ganze Auhendeichgelände, der alte Hafen und die anliegenden Straßen waren völlig überschwemmt. Vielfach sah man kleine Boote in den unter Wasser gesetzten Strahenzügen. Durch Schließen der Schotten ist der Stadtteil Alt- Cuxhaven gegen das Eindringen der Flut gesichert toorben. Von der „Alten Liebe", die völlig überspült war, war nichts mehr zu sehen, nur das Bootshaus ragte noch aus dem wildbewegten Element hervor.. Mit ungeheurer Wucht rollten die hohen Wassermiassen heran und nur noch etwa ein Meter fehlte, dann wäre auch die Deichkrone überspült worden. Oeichbruch bei Berpedorf. Hamburg, 24. Nov. (WTB. Funkspruch.) Infolge des orkanartigen Norbweststurmes brach in ben Abendstunden des Sonntags oei Bergeborf bas Verbindungsstück zu dem alten unb neuen Schleusengraben in einer Länge von etwa 30 bis 40 Meter. Die vor 10 Jahren gerünbete Kriegsbeschäbigten- Hauch von Paris. Don Albert H. tausch. VIII. Soiree de Paris: „Oder Henriette’s“. Pünktlich um sieben, als eben di« älhr auf dem Kaminsims des Nebenzimmers zu ihrem dünnen, rasselnden Schlag aushvll, erscheint Georges. Er ist der am besten gekleidete Mensch, den ich in Paris kenne. Blauer Anzug, blaue Krawatte mit winziger Perle, Lackschuhe, schwarz- blauer Mantel, abgesteppte englische Handschuhe, dunkelgrauer Filzhut mit schwarzem Band, Walallarohrstock mit goldenen Nägeln. In der Hand hat er ein kleines Paket. Niemals kommt er, ohne etwas mitzubringen. Diesmal sind es glacierte Früchte, die man ihm aus seiner Heimat geschickt hat. Ich gebe chm eine Zigarette. Er dankt: nicht vor Tisch. Wohin? Wir entwerfen das Programm. Er möchte gern „Chez Henriette’s“ in Montparnasse essen. Man hat ihm erzählt, es soll dort Sonntag abends sehr lustig sein. Ich zweifle. Er läßt nicht nach. Ich werde einen Tisch bestellen, sage ich. Gut. Es geschieht. Man bittet mich, sehr pünktlich zu sein, da es sehr voll werden wird. Georges freut sich. Wir werden lachen, sagt er. Wir gehen. Die Lust ist lau wie im Frühling. Ein leiser, feuchter Wind weht vom Seineufer her. Ich winke einen Wagen herbei. Der Chauffeur winkt ab und macht mit der Hand eine Bewegung nach dem Mund«: das heißt: er wird jetzt nicht fahren, da er vorerst zu Nacht effen muh. Dreimal erhalte ich die gleiche Antwort. Der vierte fährt. Seine Aussprache verrät den Russen. Es gibt viertausend russische Chauffeure in Paris. Flüchtlinge. Immer wieder schämt man sich, sich so dahinfahren ... das Trinkgeld in die feingegliederte Hand gleiten zu lassen ... Man mildert es mit dem abgezogenen Hut, mit der Zigarette aus dem Etui, mit einem kleinen Gespräch. Wissen wir, was uns allen noch bevorsteht? Nitchevö: Schicksalsmähig leben, heißt das ... „Chez Henriette’s“ ist ein kleines, enges Restaurant in einer Seitenstraße des Boulevard RaspaiL Durch einen schmalen Gang gelangt man in die drei Zimmer, in denen gespeist wird. Alle Tische sind belegt. Vier Fünftel schon besetzt. Studenten aus guten Familien (nichts von der Atmosphäre des quartier latin), Künstler, junge Gelehrte, junge Frauen und Mädchen — und alle, dürre amerikanische Gestell« mit dicken Glaskugeln um den Hals und einem Geklimper von goldenen Armbändern um die dünnen, blau- jeaöertcn Handgelenke... Haufenweise vertilgen ie die Austern, deren Meergeruch im Raum« schwimmt. Sie betrachten durch ihre Lorgnons die hübschen jungen Männer und tuscheln. Dann und wann kommt einer an ihren Tisch und tut so, als ob er ihnen die Hand küßte. Die Namen von Nachtlokalen fallen. Blicke bleiben haften. Von oben bis unten. Eine starrt Georges an, der beim Lächeln feine Zähne zeigt. Zwei — drei — vier starren Georges an, der den Kopf nach der Karte senkt... Stellen Sie zusammen, sage ich ihm, ich bin zu faul dazu. Leicht und nicht langweilig. Ich weih, daß chm das große Freude macht. Er nimmt ein Bhatt und schreibt auf: Austern, ein consommd froid, Kalbsmilcher mit jungen Erbsen und Kartoffelbrei, Artischoken, Ananas mit Kirsch, Mokka. Sieben Sachen zum Essen: noch nicht halb soviel wie in Deutschland ein einziges „Schnitzel ä la Holstein" — und doch doppelt soviel: und kostet keinen Groschen mehr. Den Wein bestelle ich, denn davon versteht Georges gar nichts: Ein „Chateau neuf du Pape“ wird getrunken, der ins Blut geht. Aus gan- dünnen, ganz großen Gläsern... Emilienne — pardon: Madame Emilienne, die Kellnerin, Gattin und Mutter von zwei Knaben — überprüft das Menu, bestätigt es — und eilt davon. Am Nebentifch lassen sich Robby und Bobby nieder: das find zwei Karikaturentänzer, welche um zehn im „Empire“ auf treten. Sie haben Gesichter wie aus Email und große, wehmütige, graue Augen. Warum waren Sie gestern abend nicht bei der Spiläwa? fragt mich Robby... Es war foooo lustig. Die Derttni hat gesungen — gesungen sage ich Ihnen... Eine große, müde Blondine gesellt sich zu den Jungen. Sie ist sehr erregt, macht ihre Tasche auf, holt einen zerknitterten Brief heraus und wirft ihn hin. Lest! Lest diese Schweinerei! (Sie sagt es sehr, sehr leise.) Eine Dame, die ein« Photographie bei ihr hat machen lassen, verzichtet auf die Bilder — und will nicht zahlen. Ich flage, sagt die Blonde. Klagen, meint Bobby ... Klagen! Hast du den Auftrag schwarz auf weiß? Daß du noch immer nicht gescheit geworden bist! , Hervs Mangin begrüßt mich: Journalist eines liberalen Blattes. Sehr deutschfreundlich. Begeistert von Berlin. Begeistert von Hamburg... „Quelle vitalite, quelle force“ ... Ja, das sagen sie ja alle: daß wir Deutsche stark und lebendig sind — und davor haben sie Angst! Anstatt sich einfach mit uns zu verbünden — unter vernünftigen Bedingungen... Georges legt feine I Hand auf meine: Nicht, nicht, sagt er eindringlich. Ich weiß ja, was Sie jetzt wieder denken! Nicht traurig werden... Unb er hebt das Glas... Zwei wundervolle Frauen in großen Abendtoiletten (schwarz-rot-gold und weiß-rot-gold) betreten den Raum. Eine Welle von Mitsouko von Guerlain — Weh und brennend-süß zugleich — spült durch die Luft. Die Studenten starren die Bilder an, die sich nun an einem Tisch niedergelassen haben. Die Frauen sprechen zusammen. Ich kann nichts verstehen. Die eine hebt ihr Lorgnon auf Georges ... kurz, läßt es sinken ... hebt es wieder, auf mich ... läßt es fünfen... Ueberlegt ... fragt Emilienne ... resigniert schließlich. Nein, Madame, wir sind es nicht. Mich haben Sie auf keinem Rennen gesehen, und Georges nicht am Lido. Und zu einem Empfang gehen Sie auch nicht um 22 Uhr, obwohl Sie es hier alle Welt glauben machen wollen. Sie gehen um 22.30 Uhr in die „Jungle“ und tun so, als ob Sie von einem Diner kämen ... und um 24 Uhr gehen Sie ins „Oceanique“ und glauben schließlich selbst, Sie waren in der Oper und haben Strauß dirigieren hören ... und um 2 Uhr werden Sie einen schwarzen Kaffee im Select trinken ... und morgen früh, an der Schreibmaschine, finden, daß es sich eigentlich nicht lohnt, seine Träume so durch Montparnasse zu tragen... Doppelt nicht, wenn man so schön ist... Dann soll man — in Paris — versuchen, zu heiraten ... et de se faire une position dans le monde. Der Freund kommt dann — immer noch von selbst 1 (wird fortgesetzt.) Rezepte für glückliche Ehen. „Das Geheimnis meiner glücklichen Ehe" — so lautet der Titel eines Buches, das soeben in London erschienen ist und in dem 15 Frauen hervorragender Männer dem Publikum das von ihnen in der Ehe angewendete „Rezept" vorlegen. So schreibt z. B. die Gattin des verstorbenen großen Dichters Joseph Conrad: „Nachdem wir geheiratet hatten, behielt Conrad so viel Freiheit, wie wenn er Junggeselle geblieben wäre. Ich wußte, daß die gewöhnlichen Beschränkungen, die durch die Ehe auf erlegt werden, etwas Kostbares in meinem Gatten hemmen würden, und ich beschloß, alle meine Vorurteile zu opfern, um nicht die Eigenart feiner Persönlichkeit zu vermindern, die ein Teil seines Genies war. Nur eine Frau, die ein tiefes Verständnis für ihren Mann hat, wird mit ihm glücklich leben können." Die Gatttn des jetzigen Staats- j sekretärS I. R. C l y n e s, der als einfacher • Arbeiter feine Laufbahn begann, erzählt von den schweren Zeiten der Not in ihren ersten Ehejahren: „All das Elend und die Sorgen würden einen andern verbittert haben, aber bei ihm steigerten sie nur seine Begeisterung für die Sach« d«r andern, und niemals zeigte er mir, daß er litt; niemals wurde er zornig oder enttäuscht, niemals verlor er die Hoffnung, auch wenn alles gegen ihn zu fein schien. In diesen Tagen lernte ich seinen Charakter kennen und beschloß, mich seiner würdig zu zeigen. So Wuchs ich mit ihm zusammen." Die Frau des Abgeordneten M u n n i n g s ist der Ansicht, dah eine gute Gattin nie vergessen dürfe, daß ihr Mann ein unabhängiges Wesen ist. „Die Ehe bedeutet nicht, wie sie vielfach von Frauen aufgefaßt wird, ein Joch, das dem Mann aufgelegt wird, sondern sie muh ihm seine Freiheit lassen, nur dann wird fein Verantwortlickkeitsgefühl geweckt. Die Frau, die verlangt, daß ihr Mann ihr alles erzähle, was er tut, denkt oder träumt, macht selbst ihre Ehe unglücklich." Frau E d gar Wallace, die Gattin des vielgelesenen Erzählers, bekennt, daß sie durch die Zusammenarbeit mit ihm erzogen worden sei. „Als ich sah, wie glücklich ihm alles von der Hand geht, wie rasch und fröhlich er arbeitet, da beschloß ich, dasselbe zu versuchen und selbst Aufgaben auf mich zu nehmen, die mir verhaßt waren. Er tadelte mich nie, sondern half mit, wo es not tat, und so wurde ich feine dankbar« Gefährtin für Lebenszeit." Die Gemahlin des Feldmarschalls Lord Allenby steht noch auf dem altmodischen Standpunkt, daß Selbstlosigkeit und Aufopferung der Frau die beste Gewähr für eine glückliche Ehe fei. „Wir kannten noch nicht die heute beliebte Selbstvergötterung", schreibt sie. „Wir hatten noch den festen Glauben, dah man in der Ehe für feinen Mann leben muh, und so wurden wir nicht nur gute, sondern auch glückliche Ehefrauen." Sochschulnachrichten. Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu Darmstadt haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Chemie Herrn Dr. Adolf Spiegel in Darmstadt in Anerkennung der hervorragenden Verdienste, durch die er in rastloser Arbeit unb mit unbeugsamer Energie bie beutsche Oelschiefer-Verwertung in Messel bei Darmstabt zu hoher Blüte gebracht unb Vorbildliches auf diesem Gebiete geschaffen hat, die Würde eines „Doktor-IngenieurS ehrenhalber" verliehen. folonle Rettelnburg ist vom Wasser schwer bedroht. Die 40 Hektar große Fläche mit über 100 Häusern liegt zwei Meter tief unter Wasser. Die Einwohner sind zum Teil geflüchtet, andere wieder haben ihr Hab und Gut in die obe- ren Stockwerke gerettet. Da dos Wasser von Stunde zu Stunde stieg, war die Rettung des Viebs nur unter größten Schwierigkeiten möglich. Einige Züge der Hamburger und Bergedorfer Feuerwehr, sowie etwa 100 Reichsbannerleute von Bergedorf waren in Anwesenheit der Hamburaer Baupolizei tätig, um die größte Gefahr zu beseitigen. In den D i e r l a n d e n sind die Brücken über- schwemmt worden. Orkan über Oesterreich. Wien, 23.*2lot>. (*25203.) Der Sonntag gestaltete sich infolge des orkanartigen Sturmes, der in den Dormittagsstunden einsehte und mit einer Stundengeschwindigkeit von etwa 130 Kilometer mehrere Stunden hindurch wütete, in Wien und Umgebung zu einem wahren Katastrophentag. Schon in den frühen Morgenstunden ging unter Blitz und Donner ein heftiger Regenschauer nieder. Um 12 Uhr setzte dann plötzlich der Sturm ein, der in der ganzen Stadt an vielen Häusern und, in den Gartenanlagen schweren Schaden verursachte. Das Dach der F l u g h a l l e des Flugplatzes Aspern wurde durch den Sturm teilweise äbgedeckt und die in der Halle befindlichen Flugzeuge durch die herabstürzenden Trümmern des Daches beschädigt. Die Zahl der durch herabgerissene Dachziegeln, Rauchfänge und Firmenschilder verletzten Personen und durch den Sturm umgeworfenen Personen ist sehr groß: zwei Verletzte befinden sich in Lebensgefahr. Auch ein Todesopfer forderte der Sturm. Schneesturm in den amerikanischen Südoststaaien. Denver (Colorado), 23. Rov. (WTD.) 3n den Staaten Reu-Mexiko, Colorado, Arizona, Kalifornien, Revada, Texas und Oregon wüten Schnee stürm e von ungeheurer Heftigkeit. Rach den bisherigen Meldungen sind 15 Personen ums Leben gekommen, sieben werden noch vermißt. 3n Kalifornien wurden bei den Trümmern eines während deS Schneesturmes abgestürzten Verkehrsflugzeuges drei Leichen gefunden. Der im Süden des Staates mit besonderer Heftigkeit wütende Sturm hat den gesamten Verkehr lahmgelegt. Fensterscheiben eingedrückt, zahlreiche Schuppen umgerissen und Tausende von Bäumen entwurzelt. Vier Personen wurden getötet, zahlreiche verletzt. Aus oder Welt. Do X in La Loruna. A n Bord des Do X, 23. Rov. (Copyright Wolffbureau.) Do X ist am Sonntag um 11.29 Uhr deutscher Zeit von Santander gestartet. Sieben Passagiere an Bord; es sind 12 000 Liter Dentin mitgenommen, Wasserspiegel glatt, Wetter gut; an Bord alle- in bester Ordnung. Do X startete 100 Meter seitlich von der Kaimauer, die dicht von Menschen beseht war! große Begeisterung. Rach wundervollem zweieinhalbstündigem Flug entlang romantischer, wilder Küste Spaniens 13.10 Uhr im Hafen von (Jorun a, 300 Meter vom Kai entfernt, glatt gelandet. Do X flog sicher und ruhig wie gewohnt. An Bord alles wohl. Torpedoboote begrüßen uns. Flug. Landung und Empfang wie im Märchen. Weiterslug nach Lissabon nicht vor übermorgen. Studentischer Ordnungsdienst in Berlin. 3n einer Besprechung, die der Rektor der Berliner Universität, Prof. Dr. De iß mann, mit den Führern der einzelnen Studentengruppen haben wird, wird voraussichtlich ein studentischer Ordnungsdienst beschlossen werden, den nach den Zusammenstößen in der Berliner Universität der Rektor selbst angeregt hatte. Von besonderer akademischer Seite erfährt die „Monvagspost" dazu noch folgendes: Der Gedanke eines studentischen Ordnungsdienstes ist allgemein von der Studentenschaft mit großer Sympathie auf genommen worden. Der Ordnungsdienst wird etwa 70 bis 80 Studenten umfassen müssen. Es sind bereits Richtlinien ausgearbeitet worden, in denen u. a. gesagt wird, daß der Ordnungsdienst berechtigt ist, sich die Studentenkarten vorweisen zu lassen, um zu prüfen, ob es sich in jedem einzelnen Fall um einen Angehörigen der Berliner Universität handelt. Der Prophet Weißenberg. Vor dem Einzelrichter beim Amtsgericht Berlin- Mitte ging am Samstag ein Privatbeleidigungs- prvzeß zu Ende, den der Herlmagnetiseur 3osef Weißenberg gegen den Redakteur Preuß angestrengt hatte, weil er in der , Zeitschrift für Volksaufllärung" toe gen Kurpfuschertum und Heilmittelschwindel das Verhalten Weißenbergs als gemeingefährlich und schwindelhaft gebrandmarkt hatte. Redakteur Preuß wurde auf Kosten des Privatklägers f r e i- gesprochen. 3n der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß der Weißenberg gemachte Vorwurf der Gemeingefährlichkeit fachlich begründet sei. Was den Vorwurf der Echwindelhaftigkeit anlange, so fei dem Angeklagten die Wahrung berechtigter 3ntereffen zuzu- btlhgen gewesen. Die Vorwürfe seien von dem Angeklagten in rechtlich-zulässiger Kri- 111 hinreichend begründet worden. Matthes dementiert seinen Tod. 3n einem Deleidigungsprozeß, der dieser Tage in München verhandelt wurde, war mitgeteilt worden, daß der berüchtigte Separatist Peppi Matthes in seinem Exil in Paris gestorben fei. Der „Beobachter am Main", der daraufhin dem aus Aschaffenburg ftam- menben Matthes einen „Rachruf" widmete, erhielt nun aus Paris eine Karte von Matthes, auf der er „für die erwiesene Teilnahme herzlichen Dank" ausspricht. Ein Personenauto raff in eine Sänger gruppe. Das Privatauto eines Heilkundigen aus Gab- lenberg fuhr in der Stuttgarter Vor- stadt Ost heim in eine Gruppe Sänger, die ein Ständchen brachten. 28 Personen wurden teils schwer, teils leichter verletzt ins Krankenhaus eingeliefert Der 42 3ahre alte Tischlermeister Sprosser ist feinen Verletzungen erlegen. Ein weiterer Schwerverletzter schwebt noch in Lebensgefahr. I 2fue Der prvvinzialbaupistadt. Gießen, den 24. November 1930. November-Llnwetter. Nachdem die anhaltenden Regenfälle der letzten Tage auch im Verlaufe des ^ünstagnachmittag und -abend sich fortgesetzt hatten, brach in der Rächt zum Sonntag über Gießen und Umgegend ein gewaltiges Unwetter los, bei dein ein außerordentlich starker Sturm harschte und heftige Regenfälle niedergingen, wobei es auch an Blitz und Donner nicht fehlte. Der Sturm war von so großer Gewalt, daß ihm an den Landstraßen nach Reiskirchen und nach Steinbach zu eine Anzahl Bäume 3um Opfer fielen, in Gärten und Anlagen des Stadlbereiches ebenfalls Bäume, Siräucher und teilweise Zäune umgelegt wurden, an manchen Dächern mehr oder minder großer Schaden entstand,^ u. a. besonders an einem Fabrikgebäude im Südviertel, so daß die Feuerwache als Mädchen für alles beim Räumen der Straßen allerlei Arbeit vorfand. Die starken Regengüsse liehen die Lahn und die W i e s e ck noch mehr anschwellen, so daß beide ganz erheblich über ihre Ufer traten. 3m Stadtoereich der Lahn wurde die Kalamität des Hochwassers gestern früh so stark, daß in der Schützen st rahs Stege erbaut werden mußten, um den dortigen Anwohnern die' Passiermöglichkeit zwischen ihren Häusern und der Stadt zu schaffen. Da sich die Wassernot für die Schützenstraße im Verlaufe der letzten 3ahre schon wiederholt bemerkbar gemacht hat, dürfte es sich vielleicht empfehlen, dem Uebel durch Höherlegen der Straßenfläche gegenüber den angrenzenden Dleichwiesen ein für allemal abzuhelfen. Trotz des starken Hochwassers versuchten gestern mittag zwei junge Leute in einem Doot auf der Lahn spazi eren zu fahren und dabei das Wehr bei den Mühlen zu überqueren. Die leichtsinnigen Menschen hatten aber die Gewalt der Strömung des Wassers unterschätzt, und so erlebten sie, daß das Wasser dicht unterhalb des Wehres den Kahn umwarf und beide in die hochgehenden Fluten fielen. Mit äußerster Kraftanstrengung konnten sie sich bis an die Büsche an den Bleichwiesen heranarbeiten und sich dort an dem Strauchwerk festhalten, bis ihnen zwei beherzte Männer mit einem Doot Hilfe brachten und sie dem nassen Element entrissen. Mit dem Sanitätsauto der Feuerwache wurden die Verunglückten nach Hause gebracht. 3m Verlaufe des gestrigen Tages und der letzten Rächt erfuhr die Wetterlage erfreulicherweise eine weitgehende Verbesserung, die Regenfälle hörten auf, und heute früh haben wir sonniges, wenn auch etwas dunstiges Früh- tointertoetter zu verzeichnen. Die Wasserfl ut ist unter der Einwirkung dieses Witterungs- umschlags bereits etwas zurückgegangen Auch aus der ilmgegenö von Gießen liegen eine Anzahl Meldungen über Wasser- und Sturmschäden vor. il. a. sind die Wetter in der Gegend von Lich und die Horloff in der Gegend von Hungen und weiter abwärts über die Ufer getreten und haben große Strecken des Landes unter Wasser gesetzt. Aus Treis a. d. Lumda wird uns heute früh berichtet, daß der Wirbelsturm in der Rächt zum Sonntag das Dach der dortigen Kirche abgehoben und auf den Kirchhof geworfen hat. Aus dem Vogelsberg und aus dem Taunus, dem Odenwald und dem Spessart werden erhebliche Schäden durch Windbruch berichtet. Wechsel im Kommando unseres Bataillons. Der Kommandeur unseres 1. Batl. Inf. Rgt. 15 und Landeskommandant in Hessen Oberstleutnant L ü« t e r s wurde mit Wirkung vom 1. Dezember ab in den Stab der 5. Division nach Stuttgart versetzt. Zum Kommandeur unseres Bataillons wurde Major Klepke ernannt, der bis zum 1.Oktober bei der Infanterieschule in Dresden war und seitdem beim hiesigen Bataillon stand. Totensonntag-Feier. Der gestrige Totensonntag nahm auch in unserer Stadt den gewohnten würdigen Verlauf. Die Kirchen waren in den Gottesdiensten stark besucht, und auch am Abend bei der kirchenmusikalischen Feier in der Stadtkirche (vgl. besonderen Bericht) waren Hunderte zugegen. Rach den Friedhöfen pilgerten trotz des rauhen Wetters vom Vormittag an bis jum späten Rachmittag große Scharen von Mitbürgern, um dort die Gräber ihrer verewigten Angehörigen zu schmücken und dabei in stillem Gedenken zu verweilen. Der Zentralveröand deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen. Ortsgruppe Gießen, ließ durch eine Abordnung unter Führung des 2. Vorsitzenden Schuh- madjer zum Gedenken an die gefallenen Kameraden auf dem Ehrenfriedhvf einen Kranz niederlegen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen und das Reichsbanner Schwarz-Rvt-Gvld veranstalteten am Rachmittag, ebenfalls auf dem Ehrenfriedhof, gemeinsam eine Gedenkfeier, bei der die Kapelle zu Beginn einen Choral spielte und anschließend der Arbeitergesangverein fang. Die Gedenkrede hielt Lehrer Weih, Vilbel. Don den Vertretern beider Organisationen wurden Kränze mit Schleifen in den Reichsfarben niedergelegt, der Arbeitergesangderein und die Musikkapelle be- schlossen mit ihren Darbietungen die Feierstunde. Dieser Feier voraus ging in der Mittagsstunde eine vorn Reichsbund der Kriegsbeschädigten im Lichtspielhaus Bahnhofstraße veranstaltete Vorführung eines Films unter dem Titel „Mahnruf der Kriegsopfer". Auch in einer Reihe von Orten in der Provinz Oberhessen wurden nach den uns heute früh vorliegenden Berichten würdige und eindrucksvolle Totengedenkfeiern veranstaltet, bei denen die Geistlichen auf den Friedhöfen bzw. in den Kirchen die Gedenkreden hielten, Gesang- und Musikvereine mit ihren Darbietungen die Feierstunde bereicherten, Kriegervereine usw. Kränke an den Denkmälern niederlegten. Da diese Feiern in allen Orten in der Hauptsache gleichartig verliefen, müssen totr in Anbetracht des stark in Anspruch genommenen Raumes von dem Einzelabdruck der Berichte Abstand nehmen, können aber hier feft- ftellen, daß alle Feiern dem tiefen Ernst des Tages in vollem Umfange entsprachen. Kirchenmusikalische Feierstunde. Welchen Wert die kirchenmusikalischen Feierstunden haben, bewies der überaus starke Besuch der Veranstaltung des E v a n g. Kirchengesangvereins am gestrigen Totensonntag. Die Stadtkirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Vortragsfolge wies Werke von Dach und Tundec auf, war der Bedeutung des Tages — Totensonntag — angemessen und in vornehmer Weise zusammengestellt. Mit 3. Seb. Dachs Orgrlphantasie in OWoll, die sich zur Einleitung eines solchen Abends besonders eignet, begann die Veranstaltung. Stadtorganist H. Simon baute das Werk in stilvoller Weise und zwingender Konsequenz auf. Darauf folgte ein Rezitativ und eine Arie für Tenor aus Bachs Kantate „Komm du süße Todesstunde". Pfarrer Lia La u n schöpfte sie mit einleuchtender Sicherheit, unterstützt durch ein klangreines und modulationssLH:ges Organ, musikalisch aus. Di« Gröhe seiner Gestaltungskraft kam spä er, es fei hier vorweggenommen, noch in schönster Weise bei der Wiedergabe von 3. S. Bachs „Komm süßer Tod" zur Geltung und verschaffte gerade diesem letzteren Werk einen tiefen Eindruck. Frl. Christ lene Partenheimer (Sopran) vermittelte mit bemerkenswerten stimmlichen Mitteln ein Werk von Tundec und vermochte in der Kantate Dachs „Wachet auf" bei zwei Duetten mit Baß von der Klangkultur ihres Organs zu Überzügen. Frl. 3da Stammler fang eine Arie aus Bachs Kantate „Komm du süße Todesstunde" und „So wünsch' ich mir zu guterletzt". 3hr trag- sähiges Alt verhilft ihr stets zu einem Erfolg, ter aber nicht zum wenigsten auch in ihrem reifen Vortrag begründet liegt. Zum Schluß folgte Dann die Kantate Bachs: „Wachet auf ruft uns die Stimme". Der Chor des Evangel. Kirchengesangvereins klang sehr voll und ausgeglichen. Die einzelnen Stimmen scheinen durchweg gut beseht, und der Chor folgt dem Dirigenten in sicherer Weise. Man konnte feststellen, daß er ein sicheres Instrument in der Hand seines Führers ist. Lehrer 2 i n - denstruth, der den Verein feit einiger Zeit leitet, hat mit dieser Veranstaltung bewiesen, daß seine Arbeit wertvolle Frucht getragen hat. 3n der Kantate fang Organist Simon die Baß- partie mit weicher, warmer 3ntonation und sicherer Gestaltung. 3n den Duetten für Sopran und Daß paßte er sich seiner Partnerin in bester Weise an. An sonstigen Mitwirkenden sind zu nennen: Frau Dr. Spohr, die die oblig. Violine in einer 2lrie der Kantate in der von ihr bekannten vollendeten Weise spielte, Herr W ä h r u m, der die Oboe-Partie einer Arie übernommen hatte, und Frau Elfriede Fischer, die am Flügel (Cembalo) nicht nur einen sicheren Continuo, sondern auch eine stützende, feinsinnige Begleitung der Arien und Rezitativs gab. Das Orchester, das dezent und ausgeglichen begleitete, bestand aus Herren des Gießener Orchestervereins. Der Evang. Kirchengesangverein hat mit seiner Ausführung den zahlreichen Hörem eine Stunde schönsten und tiefsten Erlebens gebracht. B. Berufskundlicher Vortragsabend. Man berichtet uns: Der berufskundliche Vortragsabend am Donnerstag brachte drei Referate über die Berufe der Verkäuferin, der Modistin und der Hausgehilfin. Kaufmann Karl Röhr jun. (Gießen) gelang e«, die mannigfachen, z. T. falschen Meinungen über den Beruf der Verkäuferin zu klären. Es sei falsch, führte der Redner u. a. aus, anzunehmen, daß dieser Beruf leicht sei und von jedem jungen Mädchen ergriffen werden könne, der Beruf stelle vielmehr nicht nur hohe Anforderungen an die Körperkraft, an tadellose Gesundheit und beste älmgangssormen. Die Haupt- auf gäbe der Verkäuferin sei, zu dienen, einmal dem Kunden, zum * andern aber auch dem Geschäft, indem sie zwischen Kunden und Geschäft vermittele. Mit eindringlichen Worten warnte Herr Röhr vor einer Unterschätzung dieses Berufes. Frau Prüfungsmeifterin L. Dock (Gießen) hatte die Aufgabe übernommen, über den Beruf der M o d i st i n zu sprechen, der im Gegensatz zur ileberfüflung in anderen Berufen tüchtigen talentierten Mädchen gute Erwerbsmöglich- feiten biete. Als Grundbedingung für die Erlernung dieses Berufes forderte sie ebenso eindringlich wie ihr Vorredner vor allem gesunden Nachwuchs, da, wie sie an der Hand einiger Lichtbilder zeigen konnte, die Modistin meist sitzend und in gebeugter Haltung arbeitet. Weiterhin ist Vorbedingung ein gewisses Maß künstlerische Phantasie und guter Geschmack, zumal Die Modistin sich stets nach der Individualität ihrer Kundschaft richten müsse. Heber die hauswirtschaftliche Lehre (geprüfte Hausgehilfin), die in unsrer Gegend noch nicht sehr bekannt ist, sprach Frau Rektorin Weitzel (Gießen). Sie trat der üblichen, auch bei den Hausfrauen selbst weithin verbreiteten Meinung entgegen, daß der Beruf dec Hausgehilfin zweitrangig und im Grunde nur für weniger intelligente Mädchen sei, und forderte die zahlreich erschienenen Mädchen auf, in die hauswirtschaftliche Lehre einzutreten, da tüchtige Hausgehilfinnen immer gesucht seien. Die Lehrzeit dauere zwei 3ahre und werde durch eine Prüfung abgeschlossen. Unter Zuhilfenahme von sehr instruktiven Lichtbildern zeigte die Red- nerin die Notwendigkeit einer durchgreifenden Reform der Haushaltführung. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Goethe-Bund: 1. Dich ter abend, 3ofef Ponten lieft aus eigenen Werken; 20 Uhr, Reue Aula. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Dec Korvettenkapitän". — Astocia-Lichtspiele: „Das Schweizerland". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ein Weck Gerhart Haupt- manns, der zur Zeit des Naturalismus zum Künder der tiefsten Nöte seiner Mitmenschen wurde, gelangt morgen unter der Spielleitung von Peter Fassott zur Erstaufführung „Rofe Bernd". Die Rolle der Rose Bernd spielt Hilde Schwend. — Von der Volkshochschule wird uns geschrieben: 3m Rahmen der „Unterhaltungsstunden für jedermann", die jeden Dienstag und Freitag 16 Uhr im Singsaal des Realghm- nasiums (Ludwigstrahe) stattfinden, spricht morgen (Dienstag) Stadtschulrat Fischer über das Thema: „Was muh jeder Staatsbürger von der Reichsverfassung wissen?" (Näheres siehe heutige Anzeige.) — „Aktuelle Lebensfragen." Man schreibt uns: Nachdem Lic. Robert Goebel am Freitag, 14. November, über einzelne Seelen- kcankheiten, die m der heutigen Zeit besonders Vorkommen, und über Wege zu deren Heilung gesprochen hat, wird in dieser Woche Wilhelm Keiber (Nürnberg) das Thema behandeln: „Krankheit, Vererbung. Erbsünde". Der Vortrag findet morgen Dienstag, 25. November, statt. (Siehe heuttge Anzeige.) — 3n den Astoria-Lichtfpielen läuft heute, Montag, morgen, Dienstag, und am Mittwoch der Kulturfilm „Die Schweiz", der von dem Ingenieur Voglsang, einem gründlichen Kenner des Landes, ausgenommen wurde. ' Forstperfonalie. Der Förster Heinrich Trupp zu Eichelsachsen wurde in gleicher Eigenschaft an die Försterei Homberg, Forstamt Homberg, verseht. Straßenausbau des vorderen Rieaelpfades. Nachdem zwischen Stadt und Eifenbahnverwaltung eine Verständigung über die Verbreiterung des vorderen Riegelpfades — Strecke zwischen Ludwig- und Liebigstraße dem jenseitigen Bahndamm entlang — herbeigeführt war, hat man im Laufe dieses Herbstes den hauptsächlich für Fußgängerverkehr in Frage kommenden Straßenteil ausgebaut. Längs deS Bahndammes ist eine Böschungsmauer aus Beton aufgeführt und mit einem Eisengelünder versehen worden. Entlang dieser Böschungsmauer und den gegenüberliegenden Wohnhäusern wurde je ein ein Meter breitet Bürgersteig angelegt Die Fahrbahn wurde neu aufgeschottert, gewalzt und mit Teermakadam versehen. Da auch ausreichende Beleuchtung vorhanden ist, kann die Verbindungsstraße, die den Hauptveröehr zwischen Bahnhof und Ostviertel vermittelt, nunmehr bei jeder Tag- und Nachtzeit gefahrlos benutzt werden. ** Vortragskursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. Das Landwirtschaftliche Institut der Landesunioersttät Gießen veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Verband hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaften in Darmstadt, dem Ländlichen Genossenschaftsverband Raiffeisen in Frankfurt und dem Naiffeisenverband Ludwigshafen in den Tagen vom 4. bis 6. Dezember in Mainz und in ließen am 12. und 13. Dezember in der Neuen Aula der Landesuniversität je einen Dortragskursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. O-Zug fährt in eine Schafherde. WSR. Frankfurt a. M., 23. Rov. Am Samstagnachmittag wurde zwischen den Stationen Langenselbold und Rieder-Mittlau auf freier Strct*' •'ine Schafherde von einem Schnellz.u g überfahren, wobei 25 Schaie getötet wurden. Die Schafe waren von einer angrenzenden Wiese auf den Bahnkörper gekommen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) M. D. 1870. Beim Abschluß aller Arten von Versicherungsverträgen ist große Vorsicht geboten. Sie enthalten vielfach die Bestimmung, daß der Vertrag im Falle nicht rechtzeitiger Kündigung für eine bestimmte Reihe von 3afjren weiterläuft. Auch in 3Hrem Falle besteht diese Möglichkeit; der alte Vertrag ist daraufhin zu prüfen. Wie Sie schreiben, wurde die Jahres- Prämie für 1929 vorbehaltlos entrichtet. 3n der Zahlung kann eventuell eine neue Bindung erblickt werden. Die Metierlaae Blrcfr M wa 7» 40 o St la (ottna 6 ÄM-onl “T Clermont 33 44 Wi ©wolkenlos O neuer, o halt) Bedeckt wolkig. • bedeckt • Regeei * Schnee ^Graupeln e Mebel K Gewif/r.®windstille. *O> xhr leichte’ Ost nissige» Südsüdwest q stürmische» fordWal Die Piene fliegen mit dem winde. Die beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die timen verbinden Orte mit gleKhtflk suf Meeresniveau umoerechneteo Luftdruck Wettervoraussage. Nach dem Abzug der gestern über Skandinavien gelegenen Störung ist der Luftdruck über dem Fest- lande infolge der zugeströmten Kaltluft weiter an. gestiegen, und über Süddeutschland hat sich ein Hoch, druckkern gebildet, der zu etwas ruhigerem Wetter ührte. Die Temperaturen haben einen allgemeinen Rückgang erfahren und lagen besonders in Süd- deutschland um den Gefrierpunkt. Die Besserung wird edoch nur vorübergehend sein, denn über Irland ist ein neuer Sturmwirbel mit starkem Barometergefälle erschienen, er hat in der letzten Nacht dort Nieder- chläge von über 20 mm auftreten lassen. Auch ist die Luftbewegung in ihm ziemlich lebhaft, so daß sein Weiterzug schnell vor sich geht und bei uns morgen wieder schlechteres Wetter zu erwarten ist. Aussichten für Dienstag: Erneute Wet- terverschlechterung, Eintrübung und Erwärmung dabei zeitweise Niederschlag, zunehmende Luftbewe-' gung. AussichtenfürMittwoch: Wechselnde Be- wölkung mit Aufklaren, Temperaturen schwankend. Lufttemperaturen am 23. November: mittags 6 Grad Celsius, am 23. November: abends 5,8 Grad; am 24. November: morgens 3,3 Grad. Maximum 11,7 Grad, Minimum 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. November: abends 5,8 Grad; am 24. November: morgens 4,8 Grad. — Nieder- fchläge 1,1 nun; Sonnenscheindauer 1K Stunde. (panflavin' T/ PASTILLEN ; Schühgegea JK Statt besonderer Anzeige Wer nichts auf seine Haartracht hält lebt abseits der modernen Welt! Stadttheater TtcnStag, LK.Nov. von 20 bis 22'/, Uhr r.Dienslfig M.-voM. Gewöhnliche Preise yiFu -tnfAcntcrl Hofe Berno Schauspiel in fünf Akten von Gerhart Hauptmann. Dnterhallungsslonde liir jedermann Morgeu (Dienstag», >0 U6r, Linafaal dcSReal» nnmiinfiumd idndwtgurahes: „mos muB leoer siaoMroeroon der Heldisoer- lafluno roiffen? iStadischuir. Mischer) Eintritt frei. ,Bn8D RelchsuuerbewocTie des Bandes Dealscner Frlseare vom 24, ble 30. November 1930 SnniAtng früh verschied plötzlich und unerwnrtcl mein Innlgnt- gcllchtcr Monn, mein lieber Vater, Bruder. Schwager und Onkel Herr Buchdruckereibesitzer i. R. Otto Meyer Im Alter von 63 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenem Johanna Meyer, geb. Malkomesius Heinz Meyer und Angehörige. (ließen (Aulweg 36), Oroß-Gcrou, Frankfurt a. M . Friedberg, den 22. November 1930. Die Beerdigung findet Dienstag, den 25. November, nachmittags 2 30 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. - Beileidsbesuche dankend verbeten. 7941D Der Jtomdi Copyright 192 lo-8orlktiung ..-Daß Don iModi |0n 'Mohigc, „a: olkin, was 2 M wohnt j iSlman " Än '°11 mal pSÖt tDflbtm etäubt junge, M Cva Q‘k8, was f mitt eie cmiifc o^ehbarer - ro<®ü»inv ihe,c l'tt d. & Qllc ®i 'ft11*!* BOt| ba b' tzc6- 4"!*'1 nun öi0 Cf* ; 4?'« Sl s Kr- Äl,ct i uft» r Ä ibu 8? Mel. kl »btt u 'cbt An v?Nv, * 6 4? «** ,»1«! if. LKL Lu Hoffnung. l**!»?* aMusseS, fc n-r Gemeinde L kf»islscher Teil' des Derba^ Herr FrE < bandes Obcri) Die Schau darauf ankom 3n allen Abt gestellt, und „rteilung dur sonnten 44 1 werden. 3nsk Bereichert toi einer Anzahl Die Schau to befriedigt loo, zu wünschen, weiterentwiacl DaSEr Die Shrenpi gestiftet wurde Brahma, he Gießen, Ehren streift, Hahn, Mmouth-Aoc fcr, Vroßen-B flolb, Henne. 1 T. air.3; Dr fiunt, Gießen, Dyandvttes, Lollar, 2.-Ä. Ludwig Älln Henne, Aicha Ähokvländer, 6.28; Ahodc Duleck, £«■ Melior, (Sr.-2 fämnüg, Henn Ä.'Ö.; Ilalie» Äricb, Allend rebhuhnfarbig, AlKn-Bukel, Heinrich Dor streift, Hahn Lda, 6.10; I Wieseck, E.c fämmig, Her tcnrod, E. Tchmellenkor Hahn, Hein ländcr, schwc kttufer nur bei 07279 Zimmer geben ihre Vermählung bekannt Chicago, IN. l.HotelAilanilt), im ^oDcmt>cr 1930 793' D Großer Verdienet! Kichere l'.xletenw! 7940D n. 10.00 10.45 V. 17.30 VI. VII. III. IV. äL.„ 't botanischen Fragebogens: Aussprache. Uhr: Bortrag von Herrn Oberstudiendirektor Dr. (Neoro Faber, Friedberg, über: VolkSzvologte; Aussprache. Uhr: Voitiag von Herrn Oberstudiendirektor Dr. (Mi*ovo Faber, Friedberg, über: Volkskundliche Sammelarbeit: Aussprache Kurt Eggers und Frau (Surrte, geb. Memade am Samstag, 29. Rovembcr 1030. Tagesordnung: 10.46 Uhr: Begrüßung. 11.00 Uhr: Bortrag von Herrn UniversriatSprosessor Dr. Friedrich Maurer, Giessen, über: Den Deutschen BollSkundeatlaS (nut Lichtbildern); Aussprache. IS. 16 Uhr: Bortrag von Herrn Lehrer Wilhelm Mür§, Eichelsdors, über: Die Volkskunde als Helferin in der Heimatschule; Aussprache. 13.46 Uhr: Gemeinsames Mittagessen. 16.16 Uhr: Bortrag von Herrn Lehrer Heinrich Ostwald, Bad-A'anheim, über: Die Bearbeitung des Volks- Hessische Vereinigung für Volkskunde Einladung zur Tagung und Hauptversammlung in Schotten heizbar, tllr sofort iltahe Wafitorstrahe. Tchrifti. Anaeb. unl. 70341) n. d. (Mfi. Amt. Früchtehaus Pink Telephon 2103 Schulet roße 5 Uhr: Hauptversammlung. Tagesordnung: I Jahresbericht. - 2. RechuungSablage und Entlastung des Rechners. — 3. Ergänzung des Vorstandes. 4. Ergänzung des Ausschusses. — 6. Flurnamensammlung. — 0. VolkSliedsamm- luug. — 7. Bericht über die Tagungen in Alsfeld und Würzburg. — 8. Verschiedenes. 18.30 Uhr: AuSschustsitzuiig. 20 16 Uhr: Vortrag von Herrn Oberstndienrat Professor Heinrich Keller, Friedberg, über: Hessische Volkskunst (mit Lichtbildern). . Alle Vortrüge und die Hauptversammlung finden ur der Turnhalle statt. Mittagesscu int Gasthof: Hessisches Hau»; Preis 1,60 NM. Anmeldungen bis zunr 26. November an Herrn Professor Keller, Friedberg, Mainzertoranlage IS, erbeten. — Ami, Nichtmitglieder sind zn allen Veranstaltungen willkommen, Eintritt frei. 7036D Der Vorstand: Dr. Faber. Bekanntes Nährmittelwerk vergibt auf reellster Grundlage für sehio konkurronz- losrn, beliebten Erzeugnisse Bezirksdirektion je einer strebsamen Persönlichkeit, die Geschäfte und Private besucht oder besuchen läUt. B» wird hier eins wirk Hobo U ole nonhell ncholen.slch selbständig zu machen, oder uinzusleilen, oder das gegenwärtige Einkommen bedeutend zu verbessern und mit wenigen KM. 100.— (jo nach Größe des Bezirkes) eohönite Verdienste bei angenehmer Tätigkeit darob Bsrelnnehme zu erzielen. Ernsthafte Reflektanten wenden sich unter Angabe der Höhe der verfügbaren Mittel an: Frans Oors, Troiadorf (Ilog.-Bezirk Köln), EtiÖ- und MlWW tu verschiedener AuSsllhrung 9376A sowie Sitz- uiib tyabclvntuicu empsieblf Edgar Sorrmann, Eisenhandluna Eine Partie prachtvolle la la Tafeläpfel haltbarste Sorto, zum Elnkellorn und Wirtechnftsllpfol schon von Mk. 25,— an per Zentner. Günstigste Bezugsquelle für Wlodervor- Aulo GelegenheitSkaus l ,-to‘Opel fabrikneu, besou» derer Umstände Halver weil unter Fabrikpreis au verkant. ®d)t '.'Inn. ii. 7840D üu den (Nies;. Vluv |Verschiedenes| HSU-Betten (Stahl u. Holl) Polster, Sdilafiiinm^Slablmalr. Kinderb.Chaisd. ».Private. 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Montag- und Dienstagabend zw.(I u.8Hin Zlaiierallce il. 2 dmnved Sjelfejlnimet (Cichei mit od. ohne Standuhr, sehr gut erhalt., z. ver k. vusV Dr. Sachtichal, Weilburg, Limburger Str. 1H. Kölner Ntrnüe 38. Junge Dame (öeriiffl-1 1q,äi. "lTI tattgi sucht in putem Stellengesuche *“'4 Immer" Säuglings- und t- .tiutow 5)tw*# nw? Qmuq " " l,e‘iVDOLF WAiniin-FlIN MÄerv libotki -maria mudi6r friti kampirt UA f IHCNCCMvTZ MAX 6H RUCH-H AN t JUNKERMANN Emo Tonfilmkomödio 7928 C voll prächtigen, Ubersprudelnden Humor» Im tönondon Beiprogramm: Ufa-Ton-Woche - Micky-Maus Anfangaioltan: 4, 6, 8.30 Uhr. Jugendliche haben Zutrlttl 7937D OrÜnlngen, Berlin, den 23. November 1930 Die Beerdigung findet Dienstag, 25. November, nachm. 2 Uhr statt In tiefer Traueri Familie Wilhelm Bingel Familie Karl Marstcllcr Dr. Jakob Binßcl Heute nacht 3 Uhr entaclillcl sanft Im Alter von 75 Jahren unsere Hebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Henriette Bindel, geb.Köhler PlockstraDe 14 79J9A Alto lln* Hfllll|l|l| Wllr laiiofer Tee Kräuterhaus Jung, Schulstr. 5. Puppenstubentapeten kauft man billig Tapetenhaus Ferd. Nennstiel Vlenvlan, den 25. Ilovember 1030f nfld>- mlllagv 2 Uhr versteigere Id) im „Cdtui'ii", Ueuemveg 28, dahier, pvangviveise gegen Barzahlung: 1. Aiucl Schrelbtisd)e, drei Teppiche, zwei Nähmaschinen, zwei Ladentheken, ein Sasa, einen Spiegel, ein Harmonium, fünf Büfetts, eine Kredenz, zwei Aus- Alcl)ll|d)c mit sechs Stühlen, einen Regn- lator, eine Schnellwaage, vier Bücher- schränke, fünf Schreibmaschinen, einen Kleiderschrank, eine Chaiselongue, einen Diwan, zwei Klaviere, einen Waren- chrank, einen Eioschrank, ein Glas- chemischen, eine Tischdecke, eine Diwan- recke, eine Bohrmaschine, einen Pflug, einen Borderwageu für Binder eine elektrische Eisenbahn, eine elektrische Lokomobile, zwei Projektionsapparate, eine Dampfmaschine, sieben Pferde. r An Orl und Stelle (Bekanntgabe erfolgt in obigem Lokal): 79271) eine Bohrmaschine fünf Ambosse, eine liägerschnetdemafchlne, eine fahrbare Stanze mit Schere, eine Blechschere, eine Blechwalze, eine Neisbiegmaschine, einen Elektromotor (4 PS) vier Sessel, vier Schraubstocke, neun Büfetts, eine Anpsmasdüne, drei Kredenzen, sechs voll- ständige Schlafzimmer, sechs Teppiche, eine Friseurtoilette, füns Vitrinen, acht Bücherschränke, sechs Schreibtische, eine Küchenanrichte zwei Flurgarderoben, drei Salonschränke, einen Klappsthrnnk, eine Waschkommode, einen Tisch. Hebbel Gerichtsvollzieher in Diesten Dammstraste 24 1 — Telephon 4039 Vergleichsverfahren. liebet das Vermögen des Fritz Hein, Inhaber der Firma F. Bender & Eo., Zigarrensabrik in Gtesten, ist am 22. November 1930, II lll)r, das VergleichS- veriähren zur Abwendnng des Konkurses eröffnet worden. Der Volkswirt Dr. VuckelShausen in Gtesten, Goethesiraste 30 p, ist zur Ver- tianensperson ernannt. Termin znr Verhandlung über den Bei- gleichSvorschlag ist ans Freitag, den 19. Dezember 193», 9 Nhr, vor dem Hess. Amtsgericht in Giesten Zimmer Nr. 204 — 11. Obergeschoss anberanmt. Der Antrag auf Eröffnung de» Verfahrens nebst seinen Anlagen — und daS Ergebnis der weiteren Ermittlungen — sind ans der DeschästSsteNe zur Einsicht der Beteiligten ntedergelegt. 703614. (Uienen, den 22. November 1030. Tic «efchüst-stelle de» «mtsgericht». Lichtspielhaus • Gießen Ab heute: Harry Liedtke In solnom ersten Ton- und Sprechfllm Mahnung. Die für den Monat Oktober 1930 zu unserer Kaste fäfifgen Krankenkasten- und Arbetlslosenverstcherungs'Beiträge können nod) bis zum 28. Hob. ohne Kosten gezahlt werden. Qlad) diesem Tage eingehende Zahlungen können nur unter Berechnung der Mahngebühren angenommen werden: austerdem sehen sich die Rückständigen der Zwangsbeilreibung aus. 7931 d Zahlungen können an die in den Rech» nungen genannten Zahlstellen, auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Br. 8875 oder täglich von 8 bis 1 Uhr auster SamS- lagS bei der Hauptkaste geleistet werden. Giesten, den 22. November 1930. Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises (Sieben. Oeffentlicher Vor trag von Wilhelm Keiber-Nürnberg Krankheit, Vererbung, Erbsünde Dienstag, den 25. November, 20.15 Uhr, Universität, HÖrsaal 41. — Zur Unkostendeckung Mk. 050 od. 1.-, Studenten Mk. 0.30, Eiwerbsl. fr. Eintritt o/277 Die Christengemeinschaft. mit Vortrag von Oberlngcniour I VogelNang, Zürich. In und um die Horner Alpen: I Rund um den Thunersee mit den B wundervollen NchlöwMern. I — Am Brionzersoe. — Geradezu I herrlich die «leßbachnilic. — I Das UIÜrcI dos Trümmcl- I bnehfiwlicB.— Und der Staub-1 buch fall. — Mit der Mürron- I und Wongeralpbalin hinauf zu den llercricMon: Eiger, Möuch, I Jungfrau, Weißhorn. Mit der I Jungfraubalm hinauf zum ewl- I gen Schnee. Dio einzigen Aufnahmen der Welt. Mildem FilniNonderzug auf der Lötschbcrgbahn von Spiez diirch rilngo auf der Berninaschanze In der Zeitlupe. Skelet en-Dobbogan-Pfer- | de- und Bobrennen. 7792 6 | l’rclae der PllUeo Ulk. O.SO I bl« 2,-. Kinder auf allen PlIHzcn Mk. 0,50. Astoria- Lichtspiele Seltcrewcg Montag, 21., l>icn*tag. 25. n. Mittwoch. 26. Moventber, nnclini. 1, nbende 8.30 Uhr Don großen Alponfiltn: Das Sthweiierland «MMllL Die Hausapotheke Carmol GEGEN RHEUMA,HEXENSCHUSS-KREUZ KOPF,ZAHNSCHMERZEN. Der Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys. Copyright 1929 by Verlag Vechthold. Braunschweig 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Daß Don Primo sie nicht an die Dahn bringt, ist doch sonderbar", wisperte die kleine Geschwätzige, „aber viele meiner Landsleute sind in ollem, was Drautleute betrifft, sehr empfindlich. Erst wohnt Donna Montserrat bei der Portera, damit mün nur über sie und Don Primo nicht klatschen soll und jetzt begleitet er sie nicht einmal. Passen Sie auf. Eva, nun dauert es nicht mehr lange, dann holt er sie als seine Frau her. Jetzt wahren die beiden nur den Anstand, damit kein Stäubchen auf den guten Ruf der zukünftigen jungen Frau fallen soll." Hnö Eva zweifelte keine Sekunde daran, daß alles, was sich das Hirnchen Paquitas zusammen- rcimtc, auch stimmte. Eie empfand Schmerz bei dem Gedanken, in absehbarer Zeit Montserrat hier als Primo Dueros Gattin zu sehen. Eie litt darunter, und als in diesen Tagen ihre alte Großtante aus der Heimat gar so flehentlich schrieb, ob sie nicht kommen wollte, sie sei krank und bezahlte Hände wären harte Pfleger, da besann sie sich nicht lange. Eie wollte heim in das kleine, waldumrauschte Heimatstädtchen. Eie suchte Primo in seinem Dureau auf und dort, wo wenige Tage zuvor Montserrat gestanden, um Abschied von ihm zu nehmen, stand nun die blonde Eva Hirtberg und bat um ihre möglichst sofortige Entlassung. Sie nannte auch öcn Grund zu ihrer Ditte. ""Primo erschrak. Eva Hirtberg wollte fort! Er hatte sich in letzter Zeit, ganz erfüllt von den Pflichten, die durch die Gcschäftsübernahme an ihn herangctreten, wenig um die blonde Deutsche gekümmert, aber daß sie nun plötzlich fort wollte, kam ihm fast unbegreiflich vor. Doch er konnte sic nicht halten, wenngleich er wußte, der Anblick ihrer Lieblichkeit würde ihm fehlen. Er erinnerte sich, daß er noch an dem unglückseligen Rosenmontag gedacht, er wußte fast nicht, ob ihm Montserrat oder Eva Hirtberg besser gefiel. Er erwiderte nach kurzem Rachdenken: ..Es tut mir sehr leid. Sie zu verlieren. Senrrorita, aber ich darf nicht egoistisch sein. Eine schwer- kranke Verwandte geht vor." All das bittere Erleben mit Montserrat lag ihm noch schwer wie Alpdruck auf der Drust. Es war ihm so unfrei, so befangen zumute. Eva aber deutete sein Wesen als Gleichgültigkeit. Und sie schalt sich selbst, weil sie fühlte, wie locker ihr die Tränen faßen. Was verlangte sie denn eigentlich von Primo Duero, der seine Kusine liebte und heiraten würde, und der so viel zu denken hatte, daß für sie wirklich nichts mehr übrig bleiben konnte. Eie ahnte nicht, wie leid es dem Manne tat, sie gehen lassen zu müssen und daß, wenn sie noch ein Weilchen in seiner Rähe gelebt hätte, es gerade sie gewesen, der er sein Herz restlos ausgeschüttet hätte. So erwiderte sie denn, sie würde schon in den nächsten Togen Darcelona verlassen. Ihm schwebte ein warmes, liebes Wort auf der Zunge, aber cs blieb ungesprochcn, statt dessen sagte er: „Damit Ihnen keine überflüssigen Laufereien mehr entstehen, Sennorita, werde ich Ihnen Ihr Gehalt gleich auszahlen." Er ging an den Geldschrank und legte das Geld, das sie noch zu erhalten hatte, auf den Tisch. Wie kurz angebunden er sich gibt, dachte Eva schmerzlich bewegt und sann flüchtig einem Etwas nach, das in der Erinnerung wie eine rosige Wolke an ihr vorüberglitt. Ihr Stolz erhob sich. Was wollte und erwartete sie denn eigentlich von dem Manne, der in Kürze die schöne Montserrat seine Gattin nennen würde? So lange er der Sohn des Chefs gewesen, hatte er manchmal ein wenig mit ihr gescherzt, nun aber war er selbst Chef. Sie sagte leise: „Ich werde mich gleich von allen im Geschäft verabschieden." Sie sah ihn an. „Auch von Ihnen, Sennor Duero. Dielen Dank für alle Freundlichkeit." Sie bot ihm die Hand, und als sich seine Finger um die Schmalheit der ihren legten, fühlte sie das Schlagen ihres Herzens wild und auf- lehnend. Aber in ihrem Gesicht verriet sich nichts davon. So gaben sich denn zwei Hände frei, die sich wohl festgehalten hätten für immer, wenn die beiden jungen Menschen etwas von ihrem gegenseitigen Empfinden geahnt hätten. i 7. Heimat! Er wirkt immer wieder, der uralte Zauber, auf jeden, der auch nur ein wenig Herz und Gemüt besitzt. Eva Hirtberg kam vom Friedhof. Sie hatte die alte Großtante treu gepflegt bis zu ihrer letzten Minute. Zwei Iahre hatte sie Tag für Tag am Dette der langsam Dahinsiechenden verbracht, zwei freudlose, stille Iahre, deren einziges Glück zuweilen ein dankbarer Dlick aus zwei lebensmüden Altfrauenaugen gewesen. Run ruhte die alte Frau seit Wochenfrist auf dem Friedhof nahe am Waldesrand, wo Eichen und Buchen ihre breiten üppigen Kronen gufammenbrängten, zu einem einzigen dichten, wundervollen grünen Laubdach. Ieht galt es, neue Lebenspläne fassen. Die alte । Frau hatte ihr das Häuschen vermacht, in dem sie selbst seit ihrer Verheiratung gelebt. Es lag in der Drunnenstraße und war eine jener altmodischen geduckten Villen, die in der Diedermeier- zeit jung gewesen. Eva wanderte langsam durch den schattenspendenden Wald und sann, was sollte sie nun anfangen? Sie mochte sich nicht in der Stille der kleinen Stadt verkriechen, sie wollte sich wieder Beschäftigung suchen. Zu jung war sie, um sich hier einzu- spinnen in das Gleichmaß der Tage. Ihre Gedanken kamen und gingen, flogen auf wie scheue Vögel und irrten umher. Weit flogen sie. weit, suchten ein Land hinter wild zerklüfteten Felsen, unter blauestem Himmel, suchten eine große Stadt, angefüllt von Hasten und Lärm und suchten einen Mann mit bräunlichem Gesicht und dunklen Augen. Sie blieb stehen. Kein Mensch war weit und breit zu erblicken. Eine Dank lud zum Ruhen ein. Und so lieh sich Denn Eva Hirtberg nieder und träumte sich mit halbgeschlossenen Augen zurück in einen Tag voll Glanz und Sonne unter lachenden, jauchzenden Menschen. Rosenmontag! Plastisch lebendig zog Bild an Bild an ihrem Geiste vorüber. Der geschmückte Wagen mit den roten Clowns fuhr wieder den Paseo de Gracia hinauf und hinunter, allerlei bunte Gefährte reihten sich an und die Musik lärmte, es schneite Konfetti und auf den Promenadenwegen wogte ein Menschenmeer. Wie eine einzige große Freude lag es über allen. Eie hörte Primo Dueros Stimme wieder weich an ihr Ohr Hingen, und empfand wieder das Glücksgesühl, das sie empfunden an jenem Tage. Eine leichte Berührung ihres Gesichts lieh sie erschreckt zusammenzucken. Sie mußte lächeln. Ein Zweiglein war vom Baum gefallen, unter dem sie saß, und als sie unwillkürlich hochschaute, lugte ein Eichhörnchen von dem niedrigsten Aste auf sie nieder. Sie sagte leise und wehmütig: „Du kleiner böser Schelm hast mich aus einer hübschen Erinnerung gerissen, ich hätte gern noch ein bißchen so weiter gesonnen. Cs war ein so liebes, glückliches Erinnern!" Sie erhob sich und seufzte. Wie weit zurück lag jener Rosenmontag! Waren wirklich nicht viel mehr als zwei Iahre seitdem vergangen? Richt mehr als zwei Iahre. Unbegreiflich schien es ihr. Während sie das letzte Stück Weg zurücklegte, dachte sie, jetzt war Primo Duero natürlich lange verheiratet und vielleicht durste er schon ein Kindchen liebkosen. Sie kam nach Hause und freute sich, als sie die Nr. 275 Zweiter Blatt ' Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 24. November 1950 Oberheffen. Geflügel-Ausstellung in Wieseck. L Wieseck, 23.Rov. Der Geflügel- und Vogelzuchtvewein Wieseck, der erst un vergangenen Iahre gegründet wurde und seitdem eine rege Tätigkeit entfaltete, hatte bereits dieses Iahr seine erste Bezirksschau übernommen, was in der heutigen wirtschaftlich schweren Zeck eine gute Leistung bedeutet. Das von dem Verein gesteckte Ziel, die Dezirksschau zu einer wertvollen Schau zu machen, kann als vollkommen gelungen angesehen werden. Schon bei der Eröffnung am Samstagvormittag konnte der Vertreter des Landwirtschaftskammer» ausschusses für Oberheffen, Oekcmomierat D r erden b a ch (Dorheim) auf den Wert solcher Veranstaltungen Hinweisen. Er überbrachte dem Verein die besten Wünsche und verband damit die Hoffnung, der Verein möchte den einmal beschrittenen Weg weitergehen. Der 2. Vorsitzende des Geflügel- und Dogeizuchtvereins Wieseck, Ludwig W a g e n b a ch, begrüßte die Gäste, besonders den Vertreter des Landwirtschaftskammerausschusses. 'beü ' Universitäts-Tierzuchtinstituts, der Gemeinde Wieseck, der Volksschule Wieseck. den Bezirksvorsihenden des Verbandes Oberhessischer Geflügelzüchter, fowie die Ehrengäste des Verbandes Oberhessischer Geflügelzüchter. Herr Franz Funk sprach im Ramen des Verbandes Oberhessischer Geslügelzüchter. Die Schau zeigt, daß es den Züchtern sehr darauf ankommt, vom guten das Beste zu zeigen. In allen Abteilungen sind die besten Tiere ausgestellt. und dies macht sich auch bei der Beurteilung durch die Preisrichter bemerkbar. Es konnten 44 Tiere mit Ehrenpreisen ausgezeichnet werden. Insgesamt waren 220 Tiere ausgestellt. Bereichert wurde die Schau durch das Ausstellen einer Anzahl ausgestopfter Raubvögel und Tiere. Die Schau war gut besucht, alle dürften vollauf befriedigt worden fein. Dem Wiesecker Verein ist zu wünschen, daß er sich in der seitherigen Art weiterentwickelt zum Wohle der Allgemeinheit. Das Ergebnis der Prämiierung. Die Ehrenpreise, die von verschiedenen Seiten gestiftet wurden, entfallen wie folgt: Abteilung I: Brahma, hell. Hahn, Mustergeflügelhof Funk, Gießen, Ehrenpreis Rr. 16; Plymouth-Rocks, gestreift, Hahn. Theodor Beckcl, Lollar, E. Rr.4; Plymouth-Rocks, gestreift, Henne. Heinrich Pfeiffer, Großcn-Buseck. C. Rr. 31; Wyandottes, weiß- gold, Henne, Geflügelfarm Schneider, Lehnheim, C. Rr. 3; Wyandottes, weiß, Mustergeflügelhof Funk, Gießen, Landwirt'chaftskammer-Ghrenpreis; Wyandottes, schwarz, Henne, Ludwig Klinkei, Lollar, L.-K-E.; Wyandottes, schwarz. Hahn. Ludwig Klinket. Lollar. E. 11; Sussex, bunt, Henne, Richard Schmidt. Kolbenmühle, E. 33; Rhodeländer, Hahn, Wilhelm Hoffmann, Lollar, E. 28; Rhodeländer, Henne, Wilh. Melior, Gr- Buseck, L.-K.-E. 4; Rhodeländer Hahn, offen, W. Melior, Gr.-Buseck, E. 7; Minorka,schwarz, einfach- kämmig, Henne, Eduard Walter, Hattenrod, L.- K.-E.; Italiener, rebhuhnfarbig. Hahn, Ludwig Krieb. AHendorf a. d. Lda., L.-K.-E. ; Italiener, rebhuhnsarbig, Henne, offen, Ludwig Wagner, Altcn-Buseck, C. 27; Italiener, weiß, Henne, Heinrich Dörr, Münster, E. 25; Italiener, gestreift, Hahn, Christoph Ranft, Allendors a d. Lda.. C. 10; Italiener, schwarz. Hahn, Karl Christ, Wieseck, E. 30; Italiener, rebhuhnfarbig, rofen- kämmig, Henne, offen. Heinrich Menge! jr.. Hattenrod, E. 29; Leghorn, weiß, Hahn, Gustav Schmellenkamp. Wieseck, L.-K.-E.; Drackel, silber, Hahn, Heinrich Müller, Gießen, E. 2; Rheinländer. schwarz. Hahn. Gustav Lehr. Lollar, E. 15; Rheinländer, schwarz. Henne, Wilhelm Schmidt, Wieseck, L.-K.-E.; Hamburger, schwarz, Hahn, Karl Deibel. Wieseck, E. 17; Hamburger, filber- lack, Hahn, Karl Denner, Wieseck, E. 32; Barnevelder, Henne, Heinrich Dörr. Hattenrod. C. 24; Welsumer, Henne, offen, Heinrich Weller, Wieseck (Wellersburg). C. 22; Reichshühner. Hahn. Fritz Riehm, Lollar. E. 18; Drloff, russische, rotbunt, Henne, offen, H. Sommer. Gießen, E. 5. Abteilung II: Zwerge. Zwerg-Wyandottes, schwarz, Hahn, Ludwig Kreiling, Gießen, Ehrenpreis 1; Zwerg-Wyan- dvttes. schwarz, Henne, Wilhelm Lich IV., Londorf, E. 12; Zwerg-Wyandottes. schwarz, Henne, offen, Mustergeflügelhof Funk, Gießem E. 6; Zwerg-Bantam, schwarz, Hahn, August Felsing. Gießen, E. 8. Abteilung III: Tauben. Kröpfer, hessische, blaue m. B., Täuber, Wilh. Lich lv„ Londorf. L.-K.-E.; Kröpfer, Brünner, schwarz. Täuber. Emil Schäser^ Wieseck, E. 13; Dries tauben, rot-gehämmert, Täubin, Tierzuchtinstitut Gießen, E. 19; Pfautauben, weih. Täuber, Theodor Dchwieder, Gießen, E. 14. Abteilung V: Wassergeflügel. Lausenten, weih, Erpel, Wilhelm Rachtigall, AHendorf a. d. Lda., E. 9; Laufenten, weiß, Ente. Wilhelm Rachtigall. AHendorf a. d. Lda., L.-K.-E.; Laufenten, forellenfarbig, Erpel, offen, Richard Schmidt, Kolbenmühle, E. 26; Khaki, Campbell, Erpel, offen, Friseur Fuchs Lollar, L.-K.-E.; Khaki, Campbell, Ente, offen, Heinrich Dierau, Wieseck, C. 23. Abteilung VI: Zuchtstämme. Holländer, Weißhauben, offen, Heinrich Bremer, Lollar. E.; Hamburger, schwarz, Karl Frank, Lollar, E. 20; Wyandottes, schwarz, Ludwig Künkel, Lollar, E. 21. (Anmerkung: E. = Ehrenpreis, L.-K.-E. — Landwirtschaftskammer-Ehrenpreis.) Gemeinderatssihung in Nidda. 0 Ridda. 23. Rov. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, die D ü r - geratener zu erheben; er hat sich bei dieser Beschlußfassung aber weniger von der Absicht der Erschließung einer neuen Steuerquelle leiten lassen, als von der Tatsache, daß die in den beiden letzten Iahren beschlossenen Steuerausschlags- sähe auf Grundbesitz und Gewerbe die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Steuerzahler erreicht haben und eine Senkung der Realsteuerlasten angestrebt werden soll. Von der Erhebung der Bier st euer sah man vorläufig ab. Die Beschäftigung der Wohlfahrtserwerbslosen bedeutet für die Gemeinde laufend eine z u hohe Belastung, so daß sich der Gemeinderat vor die Rotwendigkeit gestellt sah, entweder Kurzarbeit einzuführen, oder die Löhne zu senken. Man beschloß mit sofortiger Wirkung bii Herabsetzung der Stundenlöhne. Landkreis Gicfzcn. § Daubringen, 21. Rov. Da sich die Provinzialstraße von hier nach Gießen bis zur Einmündung in die Straße Gießen—Marburg durch die häufigen Umleitungen in sehr schlechtem Zustande befand, hat sich die Provinzialstraßenbauverwaltung entschlossen, der Straße eine besonders geartete Straßendecke zu geben. Zur Durchführung der Arbeit wurden in der Hauptsache Erwerbslose aus Daubringen und den benachbarten Orten heran- gezogen. Die Drücke über den Hainbach, die durch (eine schwere Walze stark beschädigt wurde, ersetzte man durch eine Eisenbetonbrücke. * Lang-Göns, 23. Rov. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr beabsichtigt, am 12. und 13. Iuli ihr 50jähsriges Bestehen zu feiern. Die Wehr, die sich in der Gemeinde sowohl als auch in der Umgegend allgemeiner Dcliebtheit erfreut, hat bereits mit sen Vorarbeiten begonnen. Mit dem Fest ist daS übliche Kirchweihfest verbunden. Mr eie Schotten. □ Laubach, 22. Rov. Gestern fand im hiesigen Rathaussaale die durch den Rücktritt des seitherigen Laubacher Vertreters (Kaufmann Gg. Friedr. S ch w ö r e r) erforderlich gewordene Reuwahl zur Industrie- und Handelskamm er Friedberg statt. Don 20 abgegebenen Stimmen entfielen 12 auf Zigarrcn- fabrifant Ludwig Hohmann fcn., der somit auf 5 Iahre gewählt ist. Fußball in Hessen-Hannover. Uebcrrafchung in der Südgruppe. Am Totensonntag kam in Hess en-Hannover nur ein Spiel zum Austrag. Der Tabellenletzte der Südgruppe, Hermannia Kassel, konnte Sport Kassel überraschend mit 2:1 schlagen und somit seine Position wesentlich nerbelfern. Die Spiele der ersten Serie in der Südgruppe sind nunmehr beendet. An der Spitze liegt der DIB. Kurhessen Marburg mit 14:2 Punkten vor Do- russia Fulda mit 11: 5 Punkten und Hessen Hers- seid mit 10:6 Punkten. Wieder eine Jußbalttagung im Westen. In Gelsenkirchen tagte der Ruhrbezirk des WSV. und nahm zu den schwebenden Fragen im deutschen Fußball Stellung. Dabei legte man ein Bekenntnis zum Amateursport ab und versprach, auch bei der bevorstehenden Verbandstagung in Düsseldors für Beibehaltung des Amateursports einzutreten. Die „Kleeblätter" in Wien. Der deutsche Altmeister Spiclvereinigung Fürth ist in nächster Zeit sehr unternehmungslustig. Reben der Weihnachtsreife nach Italien trägt man sich bereits mit dem Gedanken einer Beteiligung an einem in Wien zu Ostern 1931 stattfindenden internationalen Turnier. Außer Fürth und dem Veranstalter Rapid Wien werden noch Austria Wien und Kamratema Göteborg teil- nehmen. Lilly Außeni in Mannheim. Zum Hallen-Tenniskampf Rheinland — Baden. Bei dem am 2. Dczemvcr in der neuen Mannheimer Rhein-Rcckarhalle stattfindenden Hallen- Tenniskampf zwischen Rheinland und Baden wird cs zu einer interessanten Begegnung im Samen» Einzel kommen. Denn Rheinland hat an erster Stelle Cilly Äußern genannt, während Frau Friedleben Frankfurt an erster Stelle für Baden spielen wird. 7000 deutsche Jungens fliegen. In erstaunlich kurzer Zeit ist der motorlose Flug im Deutschen Luftfahrt-Verband zu einer wirklichen Bewegung unter der deutschen Iugend geworden. Rach einem Zahlenvergleich zwischen den Ergebnissen des Iahres 1929 und den ersten zehn Monaten des Iahres 1930 ist die Zahl der Verbands- und Vereins-Gleit- und Segelflugzeuge von 643 auf nahezu 1100 gestiegen. 22 älebungsstellen für unsere Segelfliegerjugend sind in Deutschland vorhanden. 163 Iungflieger- gruppen sind im DLV. zusammengeschlossen, die Zahl der Luftfahrtlehrgänge betrug 130. Sieben regionale Wettbewerbe wurden 1930 bisher veranstaltet. Während im Vorjahre auf den Wettbewerben als Bestzeiten nur Dreiminutenflüge erreicht wurden, sind im Iahre 1930 mehrere Stundenflüge zu verzeichne. Auch die Zahl der an diesen Wettbewerben beteiligten Flugzeuge hat sich verdoppelt. Ganz besonders erfreulich ist aber der starke Andrang der Iugend zu diesem Sport: Während im Vorjahre die Gesamtzahl aller im DLV. vereinigten Iungflieger 4300 betrug, ist diese Zahl jtit auf rund 7000 an- gewachsen. Reitturnier in Toronto. Rach dem großen DoppeLprsolg des deutschen Oberleutnants Hasse auf Derby und Elan muhte sich unser Vertreter beim Reitturnier am folgenden Tage abermals mit dem S>olfteincr Elan mit einem zweiten Platz begnügen. Der amerikanische 2t. Wofsard hatte einen ganz großen Tag und feierte auf Babe Wartham eine» sicheren Sieg, um auf Proctor und Rigra auch mach den vierten und fünften Platz vor Oblt. Moimn auf Rinon zu belegen. Auch ein Ungar kam diesmal mit in die engere Entscheidung des Iagdspringens, und zwar endete Oblt. Endrody auf dem dritten) Platz. Kurze Sportnotizen. Bei den süddeutschen Punktkämpfen am Sonntag wurden drei neue Meister ermittelt: Bayern München (Südbayern), Spvg. Fürth (Rvrd- bayern), Karlsruher FV. (Baden). * Der 1. FC. Nürnberg wurde in Berlin bei einem Privatspiel gegen Tennis-Borussia vor 10 000 Zuschauern 1:0 (1:0) geschlagen. * Die süddeutsche Vcreinsmcisterschast in der Leichtathletik fiel an Stuttgarter Kickers vor VfB. Stuttgart, Saar 05 Saarbrücken, Eintracht Frankfurt und Freiburger FC. * Hertha BSC., der Deutsche Fußballmeister, wurde am Sonntag in Altona vom FC. 93 Altona mit 4:2 (Halbzeit 0:1) geschlagen. * Carmine, ein bekannter schweizerischer Motor» rad-Rennsahrer, ist bei der Probefahrt mit einem neuen Automobil tödlich verunglückt. Der Hallentcnniskampf Kopenhagen — Hamburg in Kopenhagen endete mit einem 5: 2-Sicg der deutschen Spieler. Bei den Hallentennismeisterschaften von Westdeutschland siegte Hilde Krahwinkel bei den Damen; im Hcrren-Einzel siegte im Finale Rour- ney über Heitmann 6:2, 6:4. * Das Rugby-Städtespicl Berlin — Bukarest endete mit einem 3:0-Sieg der Rumänen, die am Bußtag mit dem gleichen Ergebnis gegen den Berliner Rugby-Club verloren hatten. * Auf der süddeutschen Handballtagung wurde beschlossen, die Pokalspiele der Bezirksliga Wegfällen zu lassen. Weiter wurde gefordert, daß an den deutschen Endspielen drei süddeutsche Vertreter teilnehmen sollen. niedrige Gittertür des Villenvorgärtchens auf- stieß, welch liebliches Bild des Friedens ihr kleines Heim bot. Da lag das Häuschen vor ihr, ganz eingebettet in Bäume und Büsche, und die Rosen standen in voller Blüte, dufteten so süß und stark, älm den kleinen Vorbau rankte sich Pfcisenkraut in üppiger Fülle und umspann ihn in ein geheimnisvolles grünliches Licht. Eva Hirtberg hatte als Haushilfe die alte Stütze ihrer Großtante behalten und die noch kräftige lebhafte Sechzigerin öffnete ihr die Haustür. Eva Hirtberg legte den Hut ab und ging in das behagliche altmodische Wohnzimmer, dessen Möbel schon den Großeltern der Verstorbenen treu gedient. Sic setzte sich. Sic wollte die Berliner Morgenzeitung lesen, die während ihrer Abwesenheit gekommen. And dabei sprang wieder der Gedanke in ihr auf, sie mußte hinaus ins Leben. Heber zwei Iahre hatte sie als Pflegerin der Kranken in einer Zurückgezogenheit die Tage verbracht. die melancholisch machen mußte, wenn sie ihnen nicht gewaltsam ein Ende bereitete. Sie schlug in der Zeitung die Rubrik angebotener Stellungen auf und las sie aufmerksam durch. Sie war sich darüber klar, sehr leicht war cs nicht, unterzukommen. Plötzlich stutzte sie. Welch ein Zufall kam ihr anscheinend da zu Hilfe! Sie las, daß die Berliner Iuwelierfirma, bei der tie gelernt, und dann als Verkäuferin an- gestellt gewesen, eine sprachgewandte Verkäuferin suchte. Die Firma hatte ihr damals ein gutes Zeugnis ausgestellt und der Chef sie nur ungern gehen lassen. Also bestand die Hoffnung, man zog sie vielleicht dort anderen Bewerberinnen um den Posten vor. Sie schrieb sofort, betonte, daß sie damals nur die Stellung verlassen, um sich in Spanien in der spanischen Sprache zu vervollkommnen, und erhielt sofort Rachricht, sich vorzustellen, damit man persönlich über alles sprechen könne. Die Unterredung führte zu dem Ergebnis, daß sich Eva Hirtberg bald darauf in einem der elegantesten und größten Iuweliergeschäfte Berlins als Verkäuferin betätigte. Sie blieb in der kleinen Stadt wohnen und fuhr jeden Morgen nach dem eine Stande Bahnfahrt entfernten Berlin. So blieb ihr die Möglichkeit, jeden Abend nach dem Lärm der großen Stadt immer wieder unterzutauchen in Frieden und Stille. Die Sommerabende waren lang. Sie konnte sich immer noch ein Stündchen im Garten gönnen. Dort faß sie dann mit der alten Stütze Frida beisammen und erzählte der aufmerffam Lauschenden von der großen weiten Welt, in der sie einmal ein Iahr lang gelebt. Sie erzählte von der schönen Hafenstadt- am Mittelländischen Meer und jenem Rosenmontag, der Freude und Lust in sich geborgen, aber auch das Grauen einer furchtbaren Tat. (Fortsetzung folgt.) c Q t -S 3 t 8 CS) •» l-S «3 »? o ‘ * es L°° =J 'S e eröffnete die Frankfurt a. M., 24. Rov. Am heutigen Produktenmarkt war im Zusammenhang mit den «loi ton9 her höheren Auslandnotierungen und des sehr geringen Angebots die Stimmung freundlicher. Die Händler schritten aber nur int Bedarfsfälle zu Deckungen. Don Brotgetreide war Weizen bei einer Besserung bis zu 2,50 Mk. bevorzugter. Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II_____________ 2. Ziehungstag 22. November 1930 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen A uf gehoben wurde auf die Berufung der Anzeklagten ein Urteil des Amtsgerichts Homberg, durch das ein Fuhrunternehmer von Groß- Felda wegen unbefugtenDetriebseiner K r a f t f a h r l i n i e zur Personenbeförderung zu dreißig Mark Geldstrafe verurteilt worden war. Er hatte in seinem zwischen Ehringshausen und, . - Groß-Felda täglich zweimal verkehrenden Last- festzustellen waren. Auch die Prwotkund schäft auto zahlreiche Personen mitgenommen, die meist, setzte ihre üblichen Glattstellungen vor dem Ultimo öfters aber auch nicht, an den Chauffeur, seinen fort, und die Börse, die wettere Entlastungen Schwiegersohn, nicht unerhebliche, wenn auch nicht für die Investmentstrusts befurchtet, zeigte dem- verlangte Trinkgelder bezahlten. Die Auffassung, gegenüber weniy Aufnahmeneigung. So erfuhren daß hierin ein verschleiertes Entgelt liege, wurde die Kurse ziemlich einheitlich Rückgänge^von von der Strafkammer nicht geteilt. 1 bis 3 Pro ze n t. ^^merkenswert schwach 1 lag der Schiffahrtsmarkt und Ilse Bergbau, die weitere 4,5 Prozent einbühten. Als Ausnahme eröffneten fester Maschinen Augsburg-Rümberg mit plus 2,25 Prozent und Aschersleben. Auch Montanwerke neigten zur Schwäche. Ebenfalls waren Anleihen schwächer. Reubesih verloren bei größerem Umsatz 0,20 Mark. Ausländer geschäftslos. Anatolier etwas fester, Mazedonier nachgebend. Der Pfandbriefmarkt war sehr still, Ablösung zur Schwäche neigend, Reichsschuldbuch- forderungen durchweg Vi bis Vs Prozent nied riger. Am Geldmarkt erfuhr der Sah für Tages- geld auf 3,75 bis 5,75 Prozent eine kleine Erleichterung; Monatsgeld stellte sich auf 6 bis 7.5 Prozent und war unverändert gefragt, Warenwechsel etwa 5,90 Prozent. Auch im Verlaufe blieb die Grundstimmung der Börse schwach. Die Kursentwicklung war uneinheitlich. Die Er- ämtern 231 661 Arbeitsuchende (194604 I Holungen die einige Werte erzielen tonnten männliche und 37 057 weibliche) gemeldet. Haupt- wurden ihnen vielfach wieder genommen, so daß unterstühungsempsänger wurden 135 005 (101 357 die Veränderungen gegen Öen ^fang nur un- in Arbeitslosen- und 33 648 in Krisenunter- bedeutend waren. Allerdings zeigte die Börse ftühuna) aeaäblt selbst auf dem ermäßigten Niveau eher Neigung 19 , zu Deckungen. Frankfurter Börse. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 24. Nov. Tendenz: schwach. - Auch zu Beginn der neuen Woche eröffnete die Dörse ohne Erholung. Schon im ‘““T“ kehr war ein weiteres Abgleiten der > Kurse festzustellen, da die matte Neuyorker Vörse vorn Samstag und der erneute Rückgang der Boung-Anleihe verstimmten. Da feine An- regungen und Aufträge Vorlagen, sah sich die Spekulation zu weiteren Abgaben veranlaßt, zumal auch von Publikums- und Auslandseite Der- kaussorders Vorgelegen haben sollen. Gegenüber den Schlußkursen vom Samstag ergaben sich \ durchschnittlich Verluste von 1 bis 3Pro- zent. Stärker unter Kursdruck standen erneut Kaliwerte, in denen noch Abgaben vorgenommen wurden. Aschersleben und Westeregeln verloren je 9 Prozent, Salzdetfurth 7,5 Prozent. Am Elektromarkt lagen Siemens und Schuckert auf schweizer und amerikanische Abgaben vernachlässigt und 5 Prozent niedriger. AEG. bis 1,5 Prozent gedrückt. Einen größeren Verlust hatten noch am Chemiemarkt Deutsche Erdöl, die 4,13 Prozent verloren. Farben, Metallgesellschaft und Rütgerswerke setzten bis 2 Prozent schwächer ein. I. G. Chemie Basel lagen stark im Angebot, da hier namentlich die Schweiz größere Ve r- k ä u f e vornahm. Die Taren lauteten etwa zehn Prozent niedriger. Am Montanmarkt betrugen die Rückgänge bis zu 3 Prozent. Dis zu 3 Prozent schwächer lagen noch Deutsche Linoleum, Danat- bank und Hapag. An den übrigen Märkten gingen die Verluste bis zu 2 Prozent. Fester lagen nur Conti-Gummi, die bis 1 Prozent höher lagen. Deutsche Anleihen neigten ebenfalls weiter zur Schwäche. Von Ausländern konnten sich Türken bis zu 0,30 Prozent erholen. Im Verlaufe waren die Kurse beiweitersehrgeringemGe- schäft wenig verändert. Vereinzelt wurden noch Abgaben im Hinblick auf den bevorstehenden Ultimo vorgenommen, so daß teiltnerfe weitere kleinere Rückgänge eintraten. Auf dem stark ermäßigten Niveau bestand jedoch f b ä - terhineherDeckungsneigung, ohne daß die Kurse wesentliche Veränderungen aufweifen konnten. Am Pfandbriefmarkt war das Geschäft stttt Liquidationspfandbriefe lagen zum Teil niedriger. Am Geldmarkt wurde der Satz für Tagesgeld auf 4,5 Prozent erhöht. Am Devisenmarkt war die Mark weiter leicht befestigt, die Schweiz lag dagegen schwächer. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1952, gegen Pfund 20,37, London gegen Kabel 4,8557, gegen Paris 123,60, gegen Mailand 92,78, gegen Madrid 42.80, gegen Holland 12,0690, gegen Schweiz 25,06. Hranklurt a. TR. 1 Lerlin Frankfurt a. in. ZJerltn Schluß- lur< 1-Uhr- fiur< Ächluß- tur» Unfany Jtur>S Schluß-! tur4 | 1-Uhr- Kurs Schluß-1 tilnsang- kur4 1 KurS Datum 22 11 24 11 22 11 24 11 Datum 22 11 24 11 22 11 24 11 6% Drutlrt)# iKeldjOanleibe Hamvurg-Amerlla Palet . . < 69,5 67 68,75 66,5 von 1927 ......... 86.6 — 87,13 — Hamburü-Südani. Dampsschisl 8 — — 150,5 149,5 7% Deutsche Keich-anleihe Hanio Damvllchift..... 10 — —— 123 120 von 1029 . ......... 98,15 _ 98,5 - Norddeutscher Liohd .... 8 69 67,75 69,75 67,75 Deutsche Anl-AblSs.-Schuld mit Alloemetne DeuticheiLredilanst. 10 96,5 —— 98 98,75 Hudo|.'5Rfii)teii • • 52.9 52,7 52.9 52,9 Barmer Bankverein .... 10 100 100 100,5 100,13 Detfll. ohne tiuvlos.-Nechte - 5.75 5,55 5.8 5,7 Berliner Handel-aeleUickalt . 12 125,5 — 125 125 8% Hc». BolMlaat von 1929 llommerz- und Privat-Bank . 11 109,5 109 109,5 109 (tfaiurfifb. 102%)...... — — 88,9 —— Darmstadter und Nationalbank 12 148 145,25 146,75 146 Cl)rtt)t||cn Provinz • Anleihe mll Deutsche Bank und 107.65 106,5 107,5 107 illutios.-Rechten..... 50 — —— — ®t«conto-®r|eU|d)a|t, . . . 10 Deutsche Komm, «sammclabt Dresdner Bank...... 10 107,5 106,5 108 107 Anleihe Serie 1 .... 51,13 — 51 — ReichSbant........ 12 213,5 211,75 213 211 6% tzrankl. tzyp.-Bank Goldpfe XIII unthnObar bi» 1934 . . 98,5 _ _ _ ....... ........... 103 101,5 103,65 101 7% fitanll. Hyp.-Bani Goldple Bergmann........ 9 — —— 126 — unkündbar 618 1933 ..... 93,5 — — — Elektr. LieserungSgeieMchalt. 10 108 — 109 108 4K% Rheiniicke Hyp.-Bank lilqu. Soidpie......... Licht und Krast...... 10 116 — 117,25 115,9 84.25 — —— — Reiten & Guilleaume . . . y> 89 85,5 88 86,6 8% Pr. Can6cepfanbbrtefanfialt, Geselischast slir Slektrische 110,75 109 Psandbriele 91.19 100 __ 100 - Unternehmungen .... 10 111 —— 8% Pr LandedplanvbriesanslaU, Hamburger E>eIimitäi4.Werle 10 — — 103,25 103,25 Komm.-Obi. 81. 20...... 97 —- 97 — Rheinische Elekirt-itüt . . . 9 119 —— 120 116,75 7% Pr. e - - 3,: 3,18 — ManSselder Bergbau . . • . . 38,5 —— 38,75 37,75 4% bflal. Serie 11...... 6% Rumäniicke vereinh. Rente —- 3,1 Oberlchles Sijenbedars . . . . —- 38,25 65,5 — Oberschies. Kokewerke. . . , . 64 von 1908 .....- Rumänische vereinh. Rend 8,25 — Phönix Bergbau . . . . 6V 59 5k 66 59 Rheiniicke Braunkohlen . . 1( 150,5 153 151,13 von 1913 ......... 13.. - 13,25 — Rheinstahl...... • . 68,25 65.75 68,7 = 67 WumänHAe Verein». Rente 6,f 6, 6,55 6,5 Ricbeck Moni» ...... 7.1 — 77,5 — 71 70 22 November 24 November tiMtllck' Geld | lotierung Arie 'timtllckr (Selb | louerung JJrif 47 timst.. Rott. Burn.-AireA 168,63 1,436 168,97 1,440 168,63 1,439 168,97 1,443 169 167,5 Brss.-tinttv- 58,42 58,54 58,42 58,54 133,75 132,5 Christtania. 112,08 112,30 112,05 112,27 65,25 63.13 Kopenliagen 112,07 112,29 112,06 112,28 65,25 65 Stockholm - HrUingforä. 112,47 112,69 112,46 10,567 104,5 103 10,549 10,569 10,547 112,68 75.5 77,25 Italien. . . 21,94 21,98 21,93 21,97 80,25 80 London. . . 20,354 20,394 20,349 20,389 105,4 104,5 Neupork . . 4,1915 4,1995 4,101 4,199 24,5 24,25 Pariä.... 16,464 16,504 16,457 16,497 108,25 106 Schweiz . , 81,20 81,36 47,35 81,19 81,35 31,13 30,25 Svo.ritett . 47,25 47,45 47,55 10 — Iapcm . . . 2,000 2,084 2,080 2,084 44,75 45 ^io de Ja» 0,401 0,403 0,394 0,396 113 274 112,5 271 Wien in D-- Ccft. abgcst Prag . . . . 58,98 12,43 59,10 12,45 58,97 12,429 59,09 12,443 Bel >rad . 7,418 7,432 7,410 7,424 28,5 _ Budapest. 73,29 73,43 73,27 73,41 Bulgarien 3,038 3.044 3,046 3,042 27,25 — liiffabou 18,80 18,84 18,80 18,84 ___- Danzig. . Konst.ntiu. 81,41 1,784 81,57 81,37 81,53 —— 1,789 1,784 1,789 _ _ Athen- . 8,432 5,442 5,43 5,44 _ _ Canada - 4,196 4,204 4.196 4,204 149 -—. Urn uat). 3,307 3.313 3,297 3,303 134 — Cairo . • 20,88 20,92 20,87 20,91 o = o en u> Ä- et r*> Q E E =s en g c o L ö> 5 s <*> ö> Q o o Ä •*' CM S «* -o E E 19 c q 5 E 3 2 E “ Q L Ta 2 g? V 5 = g? « = = -®S 3 E 'ES 2 xd'3^ c:£ e t>e= i — 3 ox 45- o a ,° — -Cc7 ■MO ZZ «K LLZr -Ä H L “c? Igl» ES “ **• =-==■=,§ = = C?eJ I? “: e.’E'6'o.’S LZ 2 20 e“ » = ° 3 “ S=£ p -. <3> "T7 3 --x8 9 a.y o E o-=.E=^|^*gäo Ss & Q Eq^ä .ft - «-«- n C C c c C Z^TZ. F» .— :3 Ms-Z4Z_ IHM! al äSÄ s: . Je H a> o E o Za-- ■ C — 3! = 'S -- ==|5y»g,s=;|=.i^仫 4> D--- 5§i^ ucS> o ■csa;^/h9 ec 5 E -Z.L.L! c Z^Z-Z-L- c = r2; = c <- — ceo c Setctg,c£eä ? = ÄäÄä 2© 5 SclDsSK Oea§ ■gs^SE-e-ls -o £ . r ° .2 - o = L ä-^g?^jaE-o 5=2'° P’-Esi; .Ä p - o e e c 3 c‘E^-2" c 2ZS-~ c §CTA198S5sS. =äe^5= C , »— O — . X MZ-ZsZ xL ° «5.2^ . 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