I Donnerstag, 1950 180. Jahrgang Nr. \I\ Erstes Blatt GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen t>ntd und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts-Vuch' und Stetnörudcrei B. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Sefchäftrstelle: Zchulittatze 7. Annahme von Anzeige, für die lagcsnummer bis zum Nachmittag vorha. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klomeanzelgen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrifl 20* , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Gange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filte^ sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feteriags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bill» Die Scholle. Monats-Sezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» Beinen einzelnerRummern folge höherer (Bemalt KentsprechanschlSsse nn terS am me Inummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: grenffurtam Main 11686. Die Unglürfsftelle. Köpfe zahlende Menschenmenge von dem dem Deutschen Eck gegenüberliegenden Ufer auf diese Brücke zu, die dem Massenandrang jedoch nicht gewachsen war. Die Brücke ruhte a uf zwei Pontons, auf denen je zwei Pfeiler angebracht waren, über die sich der Bohlenbelag von einem zum anderen Ufer erstreckte. Dadurch, daß die Brücke eine einseitige B e l a st u n g erfuhr, senkte sie sich nach W e st e n, als der Menschenandrang sich noch mehr verstärkte, stürzte die Brücke vollends um. Schätzungsweise sind 120 bis 150 Menschen ins Wasser fesallen, von denen allerdings die m e i st e n sich eiber retten konnten Die Brücke, die abseits des Hauptoerkchrs lag, hatte keine Beleuchtung auszuweisen, so daß eine allgemeine Verwirrung und entsetzliche Panik entstanden. Die Hilfeschreie waren weithin in der Nacht zu hören und wurden selbst auf dem gegenüberliegenden. Ufer des Rheins und der Moel vernommen. Die Feuerwehr war innerhalb acht Minuten zur Stelle, zu gleicher Zeit erschien auch ein größeres Polizeiaufgebot. Technische Rotfrilfe stellte sich ebenfalls zur Verfügung, sowie eine große Anzahl von Schiffern, die in ihren Kähnen und Motorbooten an die Aln- fallstelle eilten. Zunächst wurden etwa 50 Menschen gerettet, die mit dem Tode rangen. Die Böschungen an beiden Alfern sind sämtlich steil, so daß diejenigen, die sich durch Schwimmen retten konnten, ebenfalls in höchster Gefahr waren. Rach Rettung der im Wasser treibenden Menschen wurde sofort mit der Suche nach den Opfern begonnen. 3n der Rächt weilten der Oberbürgermeister und der Oberpräsident der Rheinprovinz an der, Alnglücksstätte. Am Morgen erschien Ministerpräsident Braun. Die Etrombauverwaltung hatte bei der Spezialfirma für Schiffshebe-, Taucher- und Sprengarbeiten Peter Jansen in Köln Taucher für die weitere Suche nach Verunglückten angefordert. Ein Taucher ging daraufhin in dem Eingang zum Sicherheitshasen von der Alnfallstclle aus eine Strecke von etwa 70 Meier hafeneinwärts ab. Die Suche blieb ergebnislos. Es wurden lediglich einige Kleidungsstücke gefunden. Da mit Sicherheit angenommen wird, daß in dem schlammigen Grund noch mehr Leichen stecken, werden die Laucherarbeiten fortgesetzt. Oie Einsturzkatastrophe in Koblenz. Ein Augenzeuge berichtet. ' Koblenz, 23.Juli. (WTB.) Ein Augenzeuge der grausigen Katastrophe schildert den Hergang des Unglücks wie folgt:XM) hatte mich mit Bekann- ten über die Unglücksbrücke zum Neuendorfer Eck begeben, um von dort aus das Feuerwerk besser beobachten zu können. Die letzten Leuchtkugeln waren am nächtlichen Himmel verglüht, als viele Beobachter des Feuerwerks heimwärts über die schmale Brücke am Eingang des Sicherheitshafens in Koblenz- Lützel drängten. Ich befand mich in einem Zuge freudig geHinunter Menschen aus der Drücke kurz vor dem Lützeler Ufer, als plötzlich mit lautem Krach und Getöse die Brücke unter den dicht gedrängt Kopf an Kops auf ihr befindlichen Menschen zusammenbrach und die aus ihr befindlichen Männer, Frauen und Kinder mit sich in die Tiefe ritz. Ich selbst stürzte mit in den an dieser Stelle befonders tiefen Flußhafen. Gellende Hilferufe schallten über die dunkle Wasserfläche. In der höchsten Not klammerten sich ins Wasser Gefallene aneinander. Daichnaheam Ufer war und einen Halt hatte, gelang es mir, verschiedenen in der Nähe befindlichen Leuten beizustehen und sie vor dem Tode zu retten. Indesien schlugen die unglücklichen, aus. und untertauchenden Menschen in ihrer höchsten Angst und Not wild um sich. Die Dunkelheit und die Todesangst behinderten naturgemäß die gegenseitige Hilfeleistung, und eine wilde Panik hatte alle ergriffen. Die Bergungsarbeiten. Ter Hergang detz Unglücks. K o b 1 e n z, 23. Juli. (TU.) Bel der eingestürzten Brücke handelt es sich um eine Brücke, die über eine etwa 25 Meter breite Hafenein- fahrt von der Mosel in den sog. Floß - ^lcher- h e i t sh a f e n führt. Als die Festbeleuchtung gegen 23 Uhr zu Ende war, strömte eine mehrere tausend ^BREIT- ZSTE/N ff/ / 'Sffl Ein tragisches Bild: Der Reichspräsident schaut in der Festfreude des Nachmittags auf das schöne Moseltal mit der Stelle, an der wenige Stunden später 35 Menschen einen furchtbaren Tod fanden. Die Opfer. Koblenz, 23.3uü. (Tel.-Aln.) Am Mittwochnachmittag pilgern viele Koblenzer über die alte Moselbrücke hinüber zum Vorort Lützel, um zu der Alnglücksstelle am Sicherheitshafen zu kommen. 3n der Turnhalle der Telegraphenkaserne liegen die Opfer alle in langer Reihe, Männer, Frauen, Mädchen. Mütter und in der Mitte vier Kinder. Draußen werden die Särge angefahren und drinnen weint und fleht ein« junge Frau, die ihren kleinen, sechsjährigen Jungen zum Vater mitnehmen toiH. Sie ist in Amerika verheiratet und wollte den Jungen, der in Koblenz bei den Großeltern gewesen war, wieder zu sich nehmen. Er war mit seinem Großvater zum Feuerwerk gegangen und beide fanden den Tod. Mit leeren Händen kehrt nun die Mutter zum Gatten zurück. Ein großer kräftiger Mann liegt in der Reihe. Er hat sich noch selbst am Rettungswerk beteiligt. Eine junge Diatonts- 11 n liegt neben einer ihrer Schülerinnen und weiter unten in der Reihe eine barmherzige Schwester. Racheinander kommen die Angehörigen und Verwandten der Koblenzer Toten in die Halle, um ihre Lieben zum letzten Mal« zu sehen. Alnter den Opfern der Einsturzkatastrophe befinden sich 13 Männer, 18 Frauen und Mädchen und vier Kinder. Die bisher geborgenen Personen stammen fast ausschließlich aus dem Stadt- und Landkreis Koblenz. AIn- erfannt find noch zwei Männer und sechs Frauen und Mädchen. Don den Angehörigen eines Pensionats, die sich im Augenblick des Einsturzes auf der Brücke befanden, sind sechs junge Mädchen umgekommen. Die Schwester, die die jungen Mädchen führte, konnte aus dem Wasser gezogen werden. Bei den ertrunkenen Mädchen handelt es sich um Angehörige eines Pensionats in Rheinwaldheim bei Groth. Bei den Rettungsarbeiten haben sich zwei Leute ganz besonders ausgezeichnet, nämlich der Schupowachtmeister Klein aus Metternich, der in voller Alniform ins Wasser sprang und zehn Personen rettete, und der Oberpostschaffner Kirch, der ebenfalls sein Leben immer wieder aufs Spiel setzte. Die Trauerkundgebung. Hindenburg spricht. Im Koblenzer Stadtverordnetensihungssaal fand mittags die Trauerkundgebung _ für die Opfer des Hirchtbaren Koblenzer Alnglücks statt. Der Saal war schwarz verhängt, die Fenstervorhänge zugezogen, und nur die umflorten Leuchter verbreiteten ein schwaches, gedämpftes Licht. Schwarz umflort war ein großes Kruzifix, das auf beiden Seiten von Kandelabern umgeben war, im Saal aufgehängt. Als der Reichspräsident am Stadthaus vorfuhr, verharrte die Wenge, die ihm gestern zugejubelt hatte, in erstem Schweigen. An der Trauerkundgebung nahmen auch die in Koblenz anwesenden Minister des Reichs und von Preußen und die Begleitung des Reichspräsidenten teil. Zu Beginn der Trauerfeier berichtet« Oberbürgermeister Russell über das entsetzlich« Alnglüd, das etwa vierzig Merrschenleben gefordert hat. Aleber die Airsache des Brückeneinsturzes und die Verantwortlichkeit für ihn. führte er aus: Rach allem, was wir festgestellt haben, handelt es sich bei der Katastrophe um einen unglücklichen Zufall. Der Weg. der über die Brücke führt, ist kaum begangen und weist zu normalen Zeiten keinerlei Verkehr auf. Er ist diesmal begangen worden, weil die übrigen Wege durch Wagen zu sehr beansprucht waren. Die Brücke ist Eigentum der preußischen Wasserbauverwaltung, die stets mit aller bei der Alnter» Haltung derartiger Bauten gebotenen Vorsicht verfahren hat. Selbstverständlich ist, daß die Verantwortliches tsf rage aufgeworfen wird und mit allem Rachdruck zu verfolgen ist. Alles, was zur Hilfeleistung erreicht werden formte, ist unternommen worden. Di« Feuerwehr, die Sanitäter, Aerzte und vor allem auch di« Mannschaften der Rheinstrombauverwaltung bemühten Rom, 24. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Die Rachrichten aus dem Erdbeben gebt et lauten immer beängstigender. Der Umfang der Katastrophe ist trotz der vielen erschütternden Einzelheiten, wie die heutigen Morgenblätter bringen, auch jetzt noch nicht zu übersehen. Rach den letzten Rachrichten der Morgenblätter sind im Hauptbebengebiet allein m i n b e - st ens 700 Menschen ums Geben gekommen. Ls ist zu befürchten, daß diese Zahl unter von Das Zentrum des süditalienischen Erdbebengebiets. vovr Sa\fcrno •Note . e Avellino Vesuv •Striano Nocera Salerno Berücksichtigung der Todesopfer in den weniger heimgesuchten Provinzen in Italien d 1 e Tausend erreichen ober gar überschreiten wirb. Die Zahl ber Derrounbeten, unter benen sich viele Schwerverletzte befinben, ist zweifellos ganz erheblich größer, ihre Bergung unb ihr Abtransport mit Lastkraftwagen unb Prioatautos ist schon feil gestern wirksam im Gange. Die Zahl ber Toten allein für Melfi, bas unmittelbar im Epizentrum bes Erbbebens liegt, wird heute früh mit 200 angegeben, 400 Personen sollen verletzt sein. Auch in dem zu dem Erdbeben- । gebiet gehörenden Lacedonia sollen mehrere I hundert Menschen umgekommen fein. Eine Anzahl kleiner Dörfer ist ebenso wie Melfi völlig z e t - ft ö r L Mit anderen Dörfern konnte überhaupt noch keine Verbindung hergestellt werden. Dii Hilfsaktionen aus der Hauptstadt, aus Reapel. Potcnca, Foggia, Avellino sind in vollem Gange. Speisen, Kleider, Medikamente und Instrumente aller Art sind mit dem Hilfs- und 5anl- tätsperfonal mit Bahn und Auto in die am meisten heimgefuchten Gemeinden entsandt worden. THiniffer- präsident Mussolini hat sofort nach ber Mel- sich tn rührender Weife um die Unglücklichen, um sie noch dem Leben zu erhalten. Heute ist die Hoffnung hinfällig. Mit tiefernster Miene nahm dann Reichspräsident von Hindenburg als Ehrenbürger der Stadt Koblenz selbst back Wort. Tief bewegt steh« Ich als ehemaliger Bürger von Koblenz und Ehrenbürger in Ihrer Mitte, um Ihnen mein innigstes Mitgefühl auszusprechen über das große Unglück, daS in so jäher Weise die gestrige Festesfreude abge- schloffen hat. Ich gedenke mit Wehmut der Verstorbenen und warmer Teilnahme ihrer Hinterbliebenen. Wo es nötig ist, werde ich in der Rot helfen. Ich habe gestern Freude mit Ihnen geteilt, freute empfinde : ch mit 3frnen den tiefen Schmerz, der Sie und das Land betroffen hat. Gott segne di« armen trauernden Hinterbliebenen in ihrem Leid« und segne die teueren Entschlafenen. Oberbürgermeister Dr. Russell dankte dem Reichspräsidenten für diese aus ganzem Herzen kommenden Worte. Sie sollen uns Trost sein. Diesen Trost werde ich den Hinterbliebenen übermitteln. Aus die Bitte des Oberbürgermeisters erhob sich die Trauerversammluna zum Andenken der Verstorbenen und weihte ihnen ein stilles Gedenken. Als der Reichspräsident nach der Feier seinen Wagen bestieg, verharrte die Menge wieder in ehrfürchtigem Schweigen. Der Reichspräsident fuhr zum Bahnhof und verließ Koblenz mit seiner Begleitung mit dem fahrplanmäßigen Zug 12.24 Alfrr, um nach Berlin zurückzukehren. Die Rückkehr des Reichspräsidenten. Berlin, 23.Juli. Der Herr Reichspräsident ist heute abend, von Koblenz kommend, mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug um 10.36 Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße e i n g e t r o f f e n, wo er von dem Reichskanzler Dr. Brüning und dem Reichsminister für die besetzten Gebiete Trevira nu s-empfangen wurde. Der Herr Reichspräsi. dent, der von einer großen Menschenmenge achtungsvoll begrüßt wurde, begab sich vom Bahnhof unmittelbar in sein Palais. düng über die Erdbebenkatastrophe persönlich die ersorderlichen Anweisungen für die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete gegeben. Roch Im Lause der Rächt sind von Foggia hilss- z ü g e nach den Katastrophengebieten abgegangen, um für die Unterbringung der verletzten in die Krankenhäuser von Potenca zu sorgen. Der Präsident des italienischen Boten Kreuzes, Senator Lremonesi, und der Unterstaatssekretär im Ministerium für öffentliche Arbeiten, Lro11 alanza, sind sofort ins fiataffropfrengebiel abge- re 1 st. 3n den ersten Morgenstunden ist in den Garnisonen in der Rähe der Unglücksstationen Militär mit Hilfsgerät abgegangen. Aus dem hauptbebengebiet werden furchtbare Schreckensfzenen berichtet. Rach diesen Meldungen war die Ducht des Bebens von Anfang an so stark, daß in unzähligen Fällen eine Flucht und ein Entkommen der schlaftrunkenen Bewohner aus kleinen Häusern gar nicht möglich war. 3n Rionoro, wo zahlreiche Kinder durch den L 1 n st u r z des Waisen- Hauses verletzt wurden, wurde eine Frau aus den Trümmern geborgen, die s i ch vergeblich schützend über drei Kinder gelegt halte, dabei aber selbst den Tod sand. 3n Melfi. das am stärksten gelitten hat, ist u. a. auch das historische Schloß Kaiser Friedrichs IL zu einem Teil eingestürzt. Außerdem sind in dem Crbbebengebiet zahlreiche Kirchen und Glockentürme vernichtet worden. 3m verlaufe des gestrigen Tages haben sich an verschiedenen Stellen noch Erdbeben ereignet. Sie haben jedoch keine neuen Schäden angerichtet und Kundige schtte- hen daraus, daß das Raturereignis feinen normalen Gang nimmt und ohne weitere Gefahren mit sich zu bringen, feinem Ende entgegengeht. Die große Raturkatkkstrophe, von der ©üb* italiezt betroffen worden ist, und die nach der« bisher vorliegenden Meldungen an die taufend Todesopfer gefordert hat, steht in der Geschichte der Raturkatastropfren keineswegs einzigartig da« Gerade Italien ist von jeher ein Katastrophen- gebiet gewesen, in dem die Raturgewalten fast: alljährlich ihre Opfer an Menschenleben fordern. Die größte Erdbebenkatastrophe, von der Italien jemals heimgesucht worden ist, war das Erdbeben im Jahre 1908, bei dem die Stabte Reggio und Messina zerstört wurden, Der Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1794, der ungeheuren Schaden anrichtete, forderte nahezu 25 000 Lote. An Todesopfern wird dieja 1000 Todesopfer der Erdbebenkatastrophe in Sirdiialien. Naturkatastrophe aber noch weit übertroffen durch bas Grdbeben im September des Jahre« 1923 in 2 apan, das Tokio und Votoharna fast ganz zerstörte und dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Diese gewaltige Naturkatastrophe steht in der Geschichte überhaupt einzig da, eine Parallele läßt sich nur noch mit dem Jahre 1703 ziehen, in dem ebenfalls in Japan 200 000 Tote gezählt wurden. In der Katastrophengeschichte der neueren Zeit ist auch der Ausbruch des Mont Pel 6 e auf Martinique bemerkenswert. Ihm fiel im Jahre 1902 die Stadt St. Pierre zum Opfer und durch die gleichzeitigen vulkanischen Ausbrüche auf St. Vincent, Jamaica und Dominika wurden 40 000 Menschen getötet. Im Jahre 1908 vernichtete ein gewaltiges Erd- und Seebeben Messina und forderte 75 000 Tote. Im gleichen Jahre wurden auch in Kalabrien zahlreiche Orte durch Erdbeben zerstört, wobei 30 000 Menschen den Tod fanden. In frischer Erinnerung ist schließlich noch die Aeberschwemrnungs- katastrophe am Mississippi vom April 1927, durch die Hunderttausende von Menschen obdachlos wurden und die enorme wirtschaftliche Schäden verursachte. Endlich ist noch die Naturkatastrophe von 1929 zu erwähnen, bei der infolge eines Erdbebens auf Neuseeland ein Ort mit 20 000 Einwohnern völlig vom Erdboden verschwand. Das Arbeitsbeschaffungs- Programm. Die Verpflichtungen bei zusätzlichen Aufträgen der öffentlichem Hand. Berlin, 23.Juli. Das Reichskabinett hat beschlossen, den Firmen, die durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zusätzliche Aufträge erhalten, folgende Verpflichtungen aufzuerlegen. 1. Die Firmen müssen sich verpflichten, die fraglichen Aufträge ohne Ueberstunden auszu- führen. Es soll Sorge dafür getragen werden, daß ausreichende Lieferfristen gestellt werden. 2. Die Firmen müssen sich ferner verpflichten, sich die Arbeitskräfte, die sie zur Erlediaung der zusätzlichen Aufträge einstellen, von den Ar- beitsämtern nachweisen zu lassen. 3. Die Firmen müssen sich schließlich verpflichten, für die zusätzlichen Aufträge nur inländisches Material zu verwenden, falls der Verwendung nicht aus technischen Gründen oder aus Gründen der Preisgestaltung unüberwindliche Hindernisse entgegenstehen. Reichsbahn und Reichspost haben sich bereit erklärt, ihren Lieferfirmen die vorstehenden Verpflichtungen aufzuerlegen. Auch für dos zusätz- liche Wohnungsbauprogramm sind entsprechende Anordnungen an die Länderregierungen ergangen. Auslandsgeld für den Saumarkt Berlin, 23.Juli. (Priv.-Tel.) Die schon seit längerer Zeit laufenden Verhandlungen mit einem englischen Konsortium um eine deutsche 100- Millioncn-Anleihe, die die neu zu gründende Bank für öffentliche Arbeiten übernehmen wird, sollen in den allernächsten Tagen abgeschlossen werden. Rach den vorliegenden Dispositionen werden die Gelder im wesentlichen dem Boumarkt zugeführt werden. Da die beteiligten Stellen annehmen, daß der Nothausholt die ursprünglich vorgesehenen 100 Millionen für den Baumarkt aus dem alten Etat übernehmen wird, und die Landesversicherungsanstalten 150 Millionen Leben, wird Stegerwald in der Loge sein, sein ur- Iprünglich 250-Millionen-Ankurbelungsprogramm durchzuführen. Mit der Auszahlung der Gel- der wird jetzt schon begonnen. Gewisse Schwierigkeiten für den Ankurbelungsversuch auf dem Bau- morkt droht aber neuerdings der Artikel 48 zu bereiten, da die Hypothekenbanken, die für Reichsgarantien in Frage kommen, Zurückhaltung zeigen, weil sie befürchten, daß auf gericht- l ich em Wege Maßnahmen auf Grund des Artikels 48 angefochten werden könnten. Verhandlungen zur Klärung dieser hemmenden Bedenken sind im Gange. Ur - ein Venedig des Orients vor 400V Jahren. Die Ausgrabungen des alten Ur der Chaldäer im heutigen Irak, die von dem englischen Archäologen Leonard W o o l l e h geleitet werden, haben bereits eine Fülle überraschender Ergebnisse gebracht und uns eine gaiu neue Urkultur offenbart. Die jüngste Neuheit, die von dieser uralten Kulturstätte bekannt wird, ist die, daß der Ort zu Abrahams Zeiten eine Wasser st adt war, von Kanälen durchzogen, also eine Art Venedig der ältesten Zeit, und das in einem Gebiet, in dem sich heute die trockenste Wüste ausdehnt. Die Ruinenstätten von Ur erheben sich auf der flachen Wüste. Während die Grabungen zunächst dem Mittelpunkt dieser Hügel galten, in dem die Haupttempel und Königsgräber aufgedeckt wurden, so beschäftigt man sich jetzt mit dem äußeren Umkreis, an dem die Hügel allmählich in die Wüste übergehen. Hier hat man die Mauern und Verteidigungsanlagen der Stadt festgestellt. König Ur-Cngur erbaute rund um feine Hauptstadt etwa ums Jahr 2300 v. Ehr. die -große Mauer" von Ur, die aus mächtigen, im Ofen gebrannten Ziegeln bestand und von der keine Spur mehr übrig ist. Die Mauer erhob sich über einem Wall von Schlammziegeln, dessen Linien noch deutlich zu verfolgen find. Die ganze Maueranlage war mehr als 4 Kilometer lang, wenigstens 9 Meter hoch und schwankte in der Breite zwischen 20 und 30 Metern. Erstaunlich erscheint der Wagemut des Baumeisters, der eine so gewaltige Aufgabe übernahm. Viele Tausende von Arbeitern, darunter gewiß viele K^egsgesangene, müssen jahrelang daran gearbeitet haben um die Ziegel zu gewinnen und bann die Millionen von Ziegeln aufzuschichten. Jedenfalls ist der groß« Turmbau des Tempels die Ziggurat, verhältnismäßig unbedeutend im Vergleich mit der Anlage dieser Stadtumwal. lung. Noch nicht 200 Jahre waren vergangen, da wurde Ur von den Männern von Elam erobert und sie haben wahrscheinlich die Ziegelmauer Ur-Engur- niedergerissen. In den Tagen Abrahams war dieser Wall noch von einer Reihe von Häusern bekrönt, deren untere, fest zusammenhängende Mauern zur Ver- Oer Aufmarsch zum Wahlkampf beginnt. Oer Wahlauftuf der Landvolkpartei. Für ruhige stete Aufbauarbeit gegen den zersetzenden Radikalismus. Berlin, 23. Juli. (ERB.) Die Christlich- Nationale Dauern- und Landvolkpartei erläßt einen Wahlaufruf, in dem es heißt: Die Landvolkpartei war nicht an die letzte Reichsregierung gebunden, sie hatte sie aber gestützt, weil sie in ihr d ie zur Zeit einzig mögliche bürgerliche Regierung sah, die bei der unfruchtbaren Opposition der Hugenberg-Gruppe die Loslösung von marxistischen Ideen bringen konnte. Di« Landvolkpartei ist zum nationalen Sammelbecken aller mit Besitz verwurzelten Kräfte des Landes geworden und hat ihre Unabhängigkeit nach allen Seiten hin gewahrt. Das wird sie auch in Zukunft tun. Sie lehnt jede Katastrophenpolitik ab, weil sie in ruhiger, st «ter Aufbauarbeit die gesicherte Zukunft der deutschen Nation erblickt. In hohem vaterländischem Idealismus, der aus Bodenständigkeit und Liebe zur Scholle erwächst, lehnt sie jede einseitige Bevorzugung einer einzelnen wirtschaftlichen Gruppe ab, weil sie nur in der Zusammenfassung weitester staatspolitischer Kräfte die Abkehr vom zersetzenden Radikalismus erblickt. So arbeitet sie im Sinne des Reichspräsidenten von Hindenburg, mit dem wir in den bodenständigen, konservativen Kräften des Landvolkes die Quelle der nationalen Erneuerung suchen. Nie Demokraten beginnen den Wahlkampf. Tie erste Wahlversammlung in Berlin. B e r I i n , 23. Juli. (ERB.) Bei einer Wahlkundgebung der Demokratischen Partei erklärte Reichs- Minister a. D. Koch- Weser: Wenn man eine Zusammenfassung wolle, so könne man das nicht durch Addierung von Verschiedenartigen tun. sondern man müsse sich auf ein positives Arbeits- Programm einigen, das sich auf weitere Ziele erstrecke. Wir brauchten eine Finanz- reform, welche das schwindende Verantwortlichkeitsgefühl in Ländern und Gemeinden für Einnahmen und Ausgaben wieder hebe. Wir brauchten eine Wirtschafts- r e f o r m , die dem Kartellwesen zu Leibe gehe, eine Parlamentsreform, welche das Parlament schlagfertig mache und es aus seiner bureaukratischen Kleinarbeit heraus- hebe. Weder Parteien, die von Gewerkschaften, noch solche, die von Unternehmerverbänden abhangen, vermögen Rettung zu bringen. Es komme darauf an, daß eine Volksbewegung hervorgerufen werde, für die Stärkung des Staatsgedankens oberstes Gebot fei. Vizekanzler und Reichsminifter der Jinanjen Dr. Dietrich wies darauf hin, daß di« Sorgen nicht aus dem eigentlichen Reichsetat kommen, sondern aus der Tatsache, daß das Reich 685 Millionen Mark zur Arbeitslosenversicheruna zuschießen müsse. Die Möglichkeiten, den Bedarf des Reiches und di« Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung auf- zubringen, seien angesichts der gemaltigen Steuer- anspannung, die wir schon haben, außerordentlich beschränkt. Heber die 100 Millionen, die am Etat a b g e s e tz t werden sollen, sei unter den Ressorts nahezu eine Verständigung erzielt. Die Erhöhung der indirekten Steuern sei außerordentlich umstritten: das viel gerühmte Tabakmonopol ist nicht zu verantworten. Auf alle Fälle aber müsse den G e m e i n d e n die Möglichkeit einer indirekten Steuer voll gegeben werden. Wir stehen in einer Linie mit Hindenburg. Der Kampf geht um drei Dinge: Erstens um Sparsamkeit, zweitens um soziale Reform und drittens um Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Wie der neue Reichstag aussehen wird, ist eine offene Frage: aber das eine steht fest, daß es sich darum handelt, die staatsbürgerliche Mitte stärker als bisher in die Politik einzu- schalten. Das auf liberalem Boden gewachsene Bürgertum muß um di e Macht im Staate und um seinen Einfluß kämpfen. Kämpft es statt dessen um die Interessen der einzelnen Gruppen, dann verpaßt es einen historischen Moment, und feine Zeit wird endgültig vorüber fein. Die Antwort der Demokraten an Scholz. Abwartende Haltung. Berlin, 23. Juli. (TA.) Der parteiamtlich« „Demokratische Zeitungsdienst" beschäftigt sich mit dem Aufruf des Führers der D. V. P., Dr. Scholz, an die Parteien der Rechten und der Mitte. Er schreibt u. a.: Die Reichsregierung hat verlauten lassen, daß sie ein Programm vorlegen wird, das für den Wahlkampf und die kommende politisch« Arbeit von Bedeutung sein soll. Man muh erst einmal diesesProgramm kennen, ehe man überhaupt zu weiteren Maßnahmen Stellung nehmen kann. Die Umbildung innerhalb der Rechtsparteien ist noch keineswegs abgeschlossen. Aus dem Charakter der vollzogenen älmbildung aber ergibt sich erst die Stellungnahme für die Mittelparteien. Wenn die Absicht bestehen sollte, jetzt eine Art Burgfrieden oder eine Dämpfung des Wahlkampfes zu verabreden, so werden sich voraussichtlich die Demokraten dem nicht verschließen. Eine Fusion derartig verschiedener Parteien, wie die es sind, an die Dr. Scholz seinen Brief gerichtet hat, ist nicht vorstellbar. Gründung einer Konservativen Volkspartei B« rlin , 23. Juli. (TA.) Die Verhandlungen zwischen der Dolkskonservativen Vereinigung und der Gruppe W e sta r p haben zu einer völligen Einigung und zur Gründung der KonservativenDolks- Partei geführt. Die vorläustge Leitung der Partei hat ein Ausschuß übernommen, der aus den Herren Habermann, von Kamecke, v. Lettow- Vorbeck, von Lindeiner-Wildau, Dr. Rademacher und Treviranus besteht. Daneben wurde ein CBel’ rat gewählt, dem 13 Mitglieder angehören, darunter Dr. von Dryander, Fräulein von Gierke, Dr. Hoehsch, Lambach, Dr. Lejeune-Jung, Graf Schulenburg und Graf Westarp. Geschäftsführende Mitglieder des Beirates sind die Herren Dr. von Dryander und Lambach. Die neue Partei hat gleichzeitig einen GründungSaufruf. erlassen, in dem es heißt: Das 1918 zur Herrschaft gelangte Parteishstem hat versagt. Die Deutschnationale Volkspartei wurde in schwerster Zeit gegründet, um die nationalen Kräfte auf der Grundlage einer gemeinsamen Weltanschauung ?>u sammeln und dem Aufbau neuen taatlichen Lebens dienstbar zu machen. Die Entwicklung hat den wirksamen Einsatz konservativer Kräfte verhindert und droht die Herrschaft der Linken zu einer dauernden au machen. Das deutsche Volk braucht mehr als andere Zusammenfassung in einer starken Staatsgewalt. Nur aus Sammlung und Einsatz aller konservativen Kräfte kann sie erwachsen. Der konservative Staatsgedanke sieht im Staat den lebendigen Ausdruck der Volkspersönlichkeit. Ehre, Freiheit, Gesundheit und Kraft der Nation stehen über den Interessen des einzelnen. Dies Bekenntnis zum Volkstum lehrt Ehrfurcht vor der geschichtlichen Aeberlieferung, die nicht straflos verleugnet werden kann. Es verpflichtet zur Arbeit an der Gegenwart für Freiheit undZukunft der Nation. Am unseren Staat stark zu machen für diesen Kampf, müssen wir das System regelloser Massenherrschaft durch einen der geschichtlichen Entwicklung und natürlichen Gliederung unseres Volkes entsprechenden Staatsaufbau überwinden. Wir verbinden diese Aufgabe mit den Pflichten des Staates. Wir lassen deutsche Dolkskraft nicht verkümmern und damit die Voraussetzung innerer und äußerer Befreiung zerstören. Im Bewußtsein der Gefährdung von Staat und Wirtschaft sind wir entschlossen, in staatspolitischer Gemeinschaftsarbeit und Aufgabenteilung mit wesensverwandten Parteien und Gruppen in Stadt und Land zus ammenzuwirken. Wir sind überzeugt, daß sich Parteien nicht nur zu bekämpfen, sondern im Blick auf das Ganze zu ergänzen haben. Die Lösung der großen und gestellten Aufgaben setzt innere Erneuerung voraus. Aus den lebendigen Quellen des Christentums wollen wir sie im friedlichen Wettstreit der Bekenntnisse gewinnen. Soziale Klass ensonderung von oben und unten wollen wir überwinden. Das notwendige Streben des einzelnen nach wirtschaftlichem Erfolge darf Nation und Staat nicht schwächen. Eigentum soll uns Verpflichtung zum Dienst am Ganzen fein. Selbverwaltung durch den Nächstberufenen soll den Staat üort täglicher Einmischung in Rechte und Pflichten des Staatsbürgers fern halten. So wollen wir die Autorität des Staates und der Staatsdiener wieder Herstellen. Anser Staat soll wieder ein wehrhafter Staat werden. Hierzu müssen in der Staatsführung konservative Kräfte so zur Geltung kommen, daß der Staat fähig wird, im Kampf um die deutsche Freiheit in der Welt den gesammelten Freiheitswillen einer geeinten Nation einzusehen. Deshalb rufen wir auf zur Gründung der Konservativen Volkspartei. Die Führer der neuen Rechten. B e rlin , 23. Juli. (TA.) Vor einem geladenen Kreise sprachen am Mittwoch Graf Westarp, Schiele und Treviranus über die Aufgaben der neuen Parteien der Rechten. Graf Westarp führte aus, daß er die Bildung einer beruf s st ä n d i s ch e n Landvolkpartei zwar nicht für richtig halt«, daß er aber angesichts der gegebenen Tatsachen und im Interesse der Staatspolitik diese Entwicklung für nottoen- d i g halt« und sie voll und ganz billige. Wenn er den schweren Entschluß gefaßt habe, dieNeu - grünöung der k o n s e r v a t i v e n Volks- Partei mitzumachen, so geschehe dies im Interesse der Zusammenfassung der konservativen Bevölkerung. Er hoffe, daß die neue Partei in engster Fühlung mit der Landvolkpartei bleiben werde. Bezüglich einer Zusammenarbeit mit der Volkspartei, zu der Dr. Scholz bekanntlich aufgefordert hat, erklärte er, daß er ein praktisches Zusammengehen mit der Volkspartei und anderen Parteien für unmöglich halte, da auch die neue konservative Partei eine ausgesprochene Rechtsp artei fein müsse. Er halte aber Vereinbarungen, die einen Kampf der Parteien gegeneinander unmöglich machten, besonders wenn auch politische Abmachungen für den neuen Reichstag getroffen würden, für wünschenswert und möglich. Im übrigen gelte es, die politischen Gedanken Hindenburgs durchzusetzen und der Landwirt- schäft und dem Osten die notwendige Hilfe zukommen zu lassen. Reichsminister Schiele erklärte sodann, die Arsache der Trennung des Landvolkes von Hugenberg fei, daß sich zwei Welten gegenübergestanden hätten. Es handele sich darum, ob man das zum Leben Notwendige sichern oder Idealen nachja- aen wolle. Hugenberg wolle Abstand von den Problemen nehmen und ihnen nicht auf den Leib rücken. Durch diese Enthaltung liefere er aber dem Marxismus die billigsten Waffen. So teidigung eingerichtet waren, hier und da von einem Schutzturm unterbrochen: in den Ruinen dieser Türme hat man noch die Schleuderbolzen und Katapultkugeln gefunden, die hier für einen überraschenden Aeberfall aufgehäuft waren. An einer Stelle unterschied sich eine Mauer von den übrigen durch schmückend« Nischen im Ziegel- Werk. Hier wurde kaum einen Fuß unter der Sandoberfläche im Herzen der Mauer eine kleine Kiste gefunden, In der die Kupferfigur eines Königs stand, gekleidet als Sklave und auf seinem Kopf einen Korb mit Mörtel tragend: vor ihm lag ein kleiner Modellziegel, der die Weih« inschrift eines Baues enthielt. Es war ein Tempel, dem Wassergott Enki gewidmet und errichtet vom König Rim-Sin von Larsa im Jahre 1990 v. Ehr., dem 8. Jahr seiner Regierung. Die Schutzwehr der Mauer mit ihren Tempeln und anderen Gebäuden wurde nun noch durch großartige Wasseranlagen verstärkt, die aus Ar ein „Venedig des Orients" machten. An dem Fuß der Amwallung fand man den Schlamm eine« Kanalbettes, dessen Verlauf noch genau fest- gestellt werden tarnt Auf einer Seite der Stadt strömte der Euphrat, der jetzt seinen Lauf verändert hat und etwa 15 Kilometer weiter entfernt liegt: an der Ostseite war ein breiter Kanal geschaffen, und jenseits von ihm breitete sich eine große Vorstadt mit öffentlichen Bauten und einer Festung aus, die nach der Angabe einer Zlegel- Inschrlft „der Wachtturm von Ar" hieß. Im Norden scheint ein engerer Wasserweg 6en Kanal mit dem Fluß verbunden zu haben. An der Süd- Westseite lag innerhalb der Stadtbefestigungen ein rechteckiger Hafen, der mit dem Euphrat in Verbindung stand. In der Nordecke war ein anderer großer Hafen, von langen gemauerten Molen umflossen, der sich vor dem großen Tempel des Mondgottes erstreckte: von dort führte ein Kanal mitten durch die Stadt, der den Tempelbezirk von dem Stufenturm^ von Nanna trennte. Der religiöse und der politische Mittelpunkt war also streng geschieden. Ar war tatsächlich in den Tagen AbrahamS eine Art Venedig, eine Wasserstadt. Wenn ein Keilschrift-Täfelchen unS die Rechnung von der Aus- ladung eines Schiffes überliefert hat, daS vom Persischen Golf kam, um seine Ladung an den Kais von Ar abzuliefern, so können wir unS erst eine rechte Vorstellung davon machen. Wir können uns den riesigen Wall vorstellen, wie er sich in den ruhigen Wassern des Kanals spiegelt, während die meerhefahrenden Schiffe fast oiS an das Tempeltor heranfahren und die weihen Segel zwischen den Stämmen der Palmenhaine leuchten, die sich am Afer des Flusses entlangzogen." Oer kluge pongo. Einen interessanten Beitrag zu der oft behandelten Frage, inwieweit Tiere imstande sind, zweckvoll zu denken, berichtet der englische Zoologe Ashley Montagu. Anläßlich eines Besuches in Neuhork besichtigte er mit befreundeten Kollegen den Bronx Zoo. In einem Käfig fand er drei Orang-Utan«, die soeben ihr Frühstück hinter sich hatten, aber nicht viel Appetit zu haben schienen, da einige angebissene Bananen unbeachtet Herumlagen. Zwei saßen in beschaulichem Dösen hoch auf einem Brett, ein dritter, Pongo mit Namen, ein etwa 6 Jahre altes Tier, streifte unruhig im Käfig umher. Die vordere Seite des Käfigs war mit acht je 8 Fuß langen Gisenstäben im Abstand von 4 Zoll geschlossen, davor befand sich, die Seiten hinaufgehend, noch Maschendraht, der nur in der Mitte einen zwei Fuß breiten Raum offen ließ. Anten am Gitter lies eine schmale Rinne entlang. Trotz der üblichen Aufschrift „Füttern verboten" warf jemand dem Orang ein Biskuit hin, das in die Rinne fiel, aus der es der Affe ohne Schwierigkeit herauslangte. Ein zweites Stück fiel unten links vor das Drahtgitter: Pongo legte sich mit der rechten Schulter an den Rand des Netzes, konnte aber doch das Stück nicht erreichen. Er suchte nunmehr einen möglichst langen Strohhalm heraus, bog ihn zu einer Schlinge und zog damit das Biskuit soweit heran, daß er es mit der Hand erreichen konnte. Ein drittes Stück endlich wurde an das äußerste End« der Rinne geworfen: nun wandte Pongo eine andere Methode an, indem er einen starken Strohhalm zwischen die Lippen nahm, und, die linke Backe fest an den Boden gedrückt, den Halm durch den schmalen Zwischenraum unter dem Netz schob, um dann den Brocken bis an die offene Stelle zu bewegen. Dann entfernte sich der Spender, und das wohl ganz unbeabsichtigte Experiment war zu Ende. Die ruhige Sicherheit, mit der der Orang zu Werke ging, konnte leicht den Eindruck wohl überlegten Handelns erwecken. indessen wird man erwägen müssen, daß ähnliche Situationen sich häufig ergeben muhten, es sich somit um eine Gewohnheit handelt, die auf Grund langer, vielleicht mühselig erworbener Erfahrung zustande gekommen ist. Immerhin gehört auch dazu ein gewisses Maß von Intelligenz, zumal jede Art Dressur ausgeschlossen war. A. K. H. Oie flinkeZunge—ein Vorrecht der$rau Daß die größere Zungenfertigkeit des weiblichen Geschlechts auf einem Anterschied der männlichen und weiblichen Stimmwerkzeuge beruht, betonte der Neuyorker Halsspezialist Dr. Paul Winslow, wobei er sich auf die Forschungen zweier Berliner Gelehrter stützte. „Merkwürdigerweise haben die Frauen niemals versucht, ihre größere Redegewandtheit als einen Vorteil ihres Geschlechtes hinzustellen", führte er aus. „3m Gegenteil, sie behaupten immer, sie sprächen: nicht schneller als die Männer, obwohl man doch nur den Verhandlungen eines Frauenklubs oder einem Streit zwischen einem Mann und einer Frau zuzuhören braucht, um die Aeberlegenheit des Weibes aus diesem Gebiet rückhaltlos anerkennen zu müssen. Die Frauen brauchen sich dieser Gabe wahrlich nicht zu schämen, denn sie ist ein nützliches Geschenk, das die Natur ihnen gemacht hat. Die Muskeln des Mannes sind zwar stärker als die der Frau, und er hat deshalb eine lautere und tiefere Stimme. Abev wenn der Mann infolge dieser Muskelüberlegen- heit glaubt, et könne schneller und leichter sprechen als die Frau, so täuscht er sich. Es ist allgemein bekannt, daß die weibliche Stimme biegsamer ist als die des Mannes. Sogar junge Mädchen mit unentwickelten Stimmen können Koloraturstellen fingen, die selbst der geschulteste Sänger nicht auszuführen vermag. Die Stimmbänder der Frau sind kürzer und geraten leichter in Schwingungen. Daher kommt sie beim Reden schneller in Schwung, kann viel schneller sprechen und ist durch ihr feineres Nervensystem in der Lage, ihrer Sprache einen stärkeren Ausdruck zu verleihen. Daher kommt es, daß sie im Streit mit einem Manne immer das letzte Wort behält." I Wei ng von oben Oen. bitt, Staat nicht s.- y«S-M lr ÄSÄ Erhalter ,n der Staat-. lr. Geltung kam. 'JJ' Smnbl mit ^elt den ge. ganten Datum °us zur 0rü> ittei. 1 Rechten, ^em geladenen Graf Defiach, Ausgaben der VLn Pro. item nmal ön ob«: "'6- 'WH“; Ä« ?-.u< LK -LS! Äi •* **5t 8 einer be- Partei zwar ater angriichti i WM bet fit nottoen- billige. Tknn habe, dieDeu. iivenTolks. e dies im Inter» I derkonser» t hosse. dah die lungmitder xrbc. Bezüglich lollspartei, lufgeforbert Hit, ches Zusammen» anderen Parauch hie neue gesprochene W eiter Tkx« V\ der Par» mvglichmach« ische Abmachun- ctrosfen würden, öglich. Im üb» Dedanlen Hiner Landwirt» wtoenbige Hilse eie er Trennung jgcnbctg sei, genübergestanden ob man da- wm Idealen nachja« Wand von den nicht auf den iltung liefere er sten Waffen- So überlegten Han« man ettoagen sich häufig er« i eine Tewvhn- .äuget, zustande öcfcm h dazu ein flt* reA^erJrau it des weiblichen led der mnn« Sä * “ji, .fptä«1 “'oWWjS n W* ' ’ -JÄ$ Ä d Ä SisA-« r ju"Se sftfoU« 6 K„,fbe6«1L Baße er bit Landwirtschaft um der Selbst» erh altung willen gezwungen, sich selbständig zu machen. Der Idealismus der national» sozicuisten sei nicht zu verkennen, aber mit ihnen zöge die Gefahr einer Romantik in die Politik ein, die sich überschlage. Gr befürchte, dah bei den Beziehungen zwischen den Deutschnationalen und Nationalsozialisten die letzteren sich als di« stärkeren erweisen würden. Reich-Minister Ireoiranu» betonte, dah nach 11 Jahren des RingenS um die beNere Gesinnung und die größere Grund- sa-festigkeit die Zeit gekommen sei, den konservativen Gedanken zum Einsatz zu bringen. Wan tönnc sich nicht mit der Verneinung begnügen, sondern müsse mit Hand anlcgen. Kein Staat könne ohne konservativen Gegenpol bestehen Die Geschichte lehre im übrigen, dah in Zeiten der Rot man sich immer aus die ton» servative Rechte a l s die letzte Rettung besonnen habe. Run gelte es, eine Mehrheit für den Generalfeldmarschall und für seine politischen Ideen zu schassen. SS sei groteSk, daß die Partei, die 1928 mit dem Ausruf in den Wahlkampf gezogen sei: „M ehr Macht dem Reichspräsidenten", dem Reichspräsidenten in dem Augen- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf blick in den Rücken gefallen fei, als Männer im Kabinett diese Idee hätten durchführen wollen. Das verstünde im Lande niemand. Es sei nicht zu verkennen, dah die Schaffung einer neuen Partei angesichts der wirtschaftlichen Lage schwierig sei, aber Staatspolitik müsse vor Interessenwünschen gehen. ES sei schwierig gewesen, gegenüber den Parteiführern die Wünsche deS Reichspräsidenten in dem Kabinett Drüning durchzusehen, aber die Männer des Kabinetts seien entschlossen, durchzuhalten biS zu dem Tage, da die ihm gestellten Aufgaben gelöst seien. GineKundgebungdesStahlheimS Berlin, 23. Juli. (CND.) Der Bundesvorstand des Stahlhelms ist heute hier zusammengetreten, um zu den bevorstehenden Reichstagswahlen Stellung au nehmen Als (Ergebnis der Beratungen gibt der Stahlhelm folgende Kundgebung bekannt: Mehr und mehr zeigt sich, dah im heutigen Deutschland eine parlamentarische R e - g i c r u n g nicht mehr möglich ist Der Stahlhelm halt sich bereit für den herannahenden Zeit- punkt, in dem die regierenden Männer nicht mehr durch die Parteizugehörigkeit bestimmt, sondern lediglich nach dem Grade ihres nationalen Wollens und ihres Willens er- loren werden. Der Stahlhelm beteiligt sich daher a!s Bund nicht an der kommenden Wahl, in welche tiotz der Einigungsbemühungen des Stahlhelms die Parteien der Rechten in noch größere Zerrissenheit eintreten als bisher. Der Pund erwartet von keiner der bestehenden Parteien die Rettung des deutschen Volkes. Er macht es aber trotzdem sämtlichen Kameraden - n r Pflicht, ihr Wahlrecht auszuüben, lediglich, um auf alle Fälle ein weiteres Anwachsen der roten Flut zu verhindern. Es heiht dann weiter: Das Verbot des Stahlhelms im Rheinland wurde von der preußischen Regierung auf ein Gesetz gestützt, das vom Feinde auf Grund des Versailler Diktates erzwungen war. Wir erkennen picht an, gegen dieses Gesetz verstoßen zu haben. Seit Jahren bestehen im Bunde Anordnungen, die das verhindern. Die Auslegung, was „milltä- risch" sei, lag im Belieben der verbietenden Polizeistellen Rechtsmittel, wie sie die Weimarische Verfassung gegenüber jedem Verwaltungsakt oorschreibt, waren nicht gegeben. Deshalb fordern wir, daß bei Anwendung dieses Gesetzes die Entscheidung, ob eine Betätigung „militärisch" ist, in der Hand der militärisch - sachverständigen Behörden, also beim Reichswehrministerium, liegt Ferner fordern wir, daß zum Schutze gegen Willkür» liehe Verbote die von Stahlhelmkameraden im Reichstag mehrfach beantragte Beschwerde als Rechtsmittel in das Gesetz eingefügt wird. Bis eine Sicherung der Vereinigungsfreiheit und des nationalen Betätigungsrechtes errichtet ist, laben die Unterverbände sich sorgfältig davor zu hüten, der Polizei Vorwände zum Einschreiten zu dielen. Weiter hat der Bundesvorstand beschlossen, den 11. Reichsfrontsoldatentag am 4. und 5. Oktober 1930 am Rhein, und zwar im Raume von Koblenz bis Bingen stattfinden zu lassen IBeifere Austritte aus der Oeutschnationalen Partei. Berlin, 24. Juli. (ERB.) Die Abg. Schröter, Landwirt in Schlesien, und Bergwerksdirektor Leopold sowie das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Vereins deutscher Eisen- uhb Stahlindustrieller Abg. Dr. Reichert sind aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgeschieden. Radauszenen im Sächsischen Landtag. Dresden, 23. 3uli. (Xil.) Der Landtag hielt Heute seine letzte Sitzung vor den Sommer- serien ab. Rach Erledigung der Tagesordnung schlug Präsident Weael vor, die nächste Sitzung am 30. September abzuhalten. Hiergegen erhoben die Kommunisten Wider- s p r u ch, wobei sie von Tribünenbesuchern unter st ü y t wurden. Ein Tribünen- besucher, der eine schwere Beleidigung in den Saal gerufen hatte, wurde mit Gewalt von der Tribüne entfernt. Hieraus begann eine Delcidigungskanonade auch unten im Saab Der Präsident konnte sich kein Gehör verschaffen und unterbrach die Sitzung. Da sprangen die Kommunisten auf die Bänke der Sozialdemokraten, und eS kam zu einem Handgemen g e, dem einige besonnene Elemente aber bald ein Ende bereiteten. Rach Wiederaufnahme der Sitzung schloß der Präsident drei kommunistische Abgeordnete von der Sitzung aus. Keiner der Ausgeschlossenen verlieh den Saal. Die Sitzung wurde noch einmal unterbrochen. Bei Wiedereröffnung gab der Präsident bekannt, dah der Abgeordnete Renner für einen Tag, die Abgeordneten Siegel und Slndermann für je 21 Tage ausgeschlossen seien. (Lärm bei den Kommunisten.) Rach weiterer kurzer Aussprache ging der Landtag in die Ferien. Aus aller Welt. Der deutsche Iuristentag auf 1931 verschoben. Mit Rücksicht auf die am 14. September dieses Iahres anstehenden Reichstagswahlen muß der deutsche Iuristentag, der vom 10. bis 13. September 1930, also unmittelbar vor den Reichstagswahlen, in Lübeck stattfinden sollte, auf Beschluß der ständigen Deputation des deutschen Iuristentages abgesagt werden. Er wird statt dessen mit unveränderter Tagesordnung im September 1931 in Lübeck stattfinden. „Tristan und Isolde" in Bayreuth. Auch der zweite Abend der Festspiele „Tristan und Isolde", war ein voller Erfolg. Dor ausverkauftem Hause ging das Werk mit einigen Reubesetzungen in Siegfried Wagners Inszenierung über die Bühne. Im Mittelpunkt der Leistungen stand Ranny Larsen-Todsens alles überragende ,Isolde" und der „Tristan" Lauritz Melchiors. Mit hinreißender Wirkung dirigierte Toscanini zum ersten Male den Bayreuther Tristan. Bisher 62 Todesopfer in Lübeck. Nachdem in den letzten vier lagen ein Stillstand in ber Krankheits» und Sterblichkeitsziffer bei den mit dem Tuberkulosepräparat gefütterten Säuglingen eingetreten war, hat sich Mittwoch wieder ein Todesfall ereignet. Die Zahl der Todesopfer beträgt nunmehr 62. Krank find 57, gebessert 73, gesund bzw. in ärztlicher Beobachtung 59 Säuglinge. Aufklärung der vuxtehuder vergiftungserscheinungen. Die schweren Krankheitserscheinungen nach einem HochzeitSmahl in Buxtehude haben nun ihre Ausklärung gefunden. Auf Grund der bakteriologischen Untersuchung ist der Erreger der Cholera nostras festaestellt worden, die eine Abart der echten Eholera ist. Wie die Erreger dieser Krankheit in den Kreis der Hochzeitsgesellschaft gekommen sind, steht noch nicht einwandfrei fest. Man nimmt aber an, daß einer der Hochzeitsgäste der Keimträger der Bazillen war und die übrige Gesellschaft angefteat hat. Diese Vermutung wird durch den Umstand bestärkt, daß nur die Gäste eines beftimmten Tisches erkrankten, während die Personen, die an dem zweiten Tische Platz genommen hatten, ausnahmslos gesund blieben. Der Tod des 80- jährigen Hamburger Gastes, der zu den erkrankten Personen gehörte, wird auf hinzugetretene Herzschwäche zurückgeführt. Die Behörden haben strenge Maßnahmen getroffen, um ein Liebergreifen der Krankheit auf weitere Personen zu verhindern. Die Erkrankten befinden sich durchweg auf dem Wege der Besserung, so daß mit ihrer Genesung zu rechnen ist. Jaff 300 Opfer der amerikanischen Hitzewelle. Auf die Hitze der letzten Tage folgten in vielen Teilen des Landes schwere Gewitter st ö r u n ge n, bei denen etwa 20 Personen durch Blitzschlag, Er'.rinken, Schornstci. einstürze oder Automobilunfälle ums Leben kamen. Die Hitzewelle hat insgesamt etwa 300 Opfer gefordert Mit dem Autobus auf den Bürgersteig. Ein Kraftomnibus, der während des Schühen- fesles in Ottersberg bei Stade (Hannover) den Verkehr nach dem Schützenplatz vermitt.lte, geriet plötzlich aus den Fußsteig und überfuhr vier Personen. Eine Frau wurde getötet, ihre Tochter erlitt einen schweren Schädelbruch während der Sohn und der Schwiegersohn der Getöteten leicht verletzt wurden. Der Führer des Gefährts ist geflüchtet. Aus eigenartige Meise ums Leben gekommen. In Kassel stieß ein Pferdefuhrwerk beim Einbiegen in den Hauptweg der Schrebergarten- Vereinigung an der Schwanenwiese mit dem linken Hinterrad des Wagens gegen eine Fahnenstange. Die Stange fiel nach vorn um un's die Kugel, die oben an der Fahnenstange befestigt war, traf den neben den Pferden einher» gehenden Gespannführer auf den Kopf und durchschlug die Schädeldecke, so dah der Fahrbursche wenige Minuten später verstarb. Aus öer provmzialdouptstatN. Gießen, den 24. Iuli 1930. Halte die Zunge fest! Es gab eine Zeit, die schämte sich nicht, solche Ermahnungen zu geben. Sie hatte eS weniger daraus abgelegen, mit geistreichen Redewendungen zu blenden, oder durch Modedinge zu überraschen, sondern sie legte Wert darauf, sich das Leben einzurichten nach Grundsätzen, die eine gewisse Allgemeingültigkeit besaßen. Lind es war nicht so übel, wenn der alte Baier dem Sohne Ermahnungen gab. die er aus seiner langen Lebenserfahrung geschöpft hatte, es war auch nicht schlecht, wenn der Sohn diese Ermahnungen gern auf nahm und nach Möglichkeit von ihnen Ruhen zog Ratürlich wurde davon allein die Welt auch nicht zum Paradies, aber es hatte doch einen Zweck, so zu handeln und so zu denken. Diel Oberflächlichkeit, viel Seichtigkeit wurde vermieden. man suchte nach Lebensdeutung in ruhiger, schlichter Weise, und fand diese Deutung ganz einfach im Leben selbst. Man brauchte keine Künstelei und keine philosophischen Systeme, aber man kam im Grunde weiter ohne sie alS heute, wo die oberflächliche Kenntnis eines philosophischen Systems oft nur dazu dient, mit ein paar Schlagworten herumzuwerfen und auf diese Weise billig Eindruck zu schinden. „Halt die Zunge f e st 1" war daS Mahnwort eines unterer Alten, der selbst die Zunge recht gut zu gebrauchen verstand, in Zeiten deutscher Erniedrigung aufrüttelnb wirkte, und so Worte fand, die auch heute noch, obwohl sie vor hundert Iahren und mehr gesprochen wurden, ihre Gültigkeit und ihren Wert besitzen. Es ist nicht damit getan, nicht zu sprechen, sondern darauf kommt es an, zur rechten Zeit das rechte Wort zu finden. Daß sie das Wort nicht zu gebrauchen versteht, wird man unserer Zeit kaum nachsagen wollen. Ob sie allerdings immer den richtigen Gebrauch davon macht, daS ist eine andere Frage. Denn das ist wichtig, aus welchem Grunde daS Wort kommt, welcher Gesinnung eS entsteigt. Lauschen wir heute in daS TageSgetriebe — wieviel häßliche Worte kommen auf unS zugeflogen I Und ist nicht jedes Wort zugleich ein Spiegel der Seele? Wäre die Gesinnung lauter und rein, wie könnte ein häßliches Wort über die Lippe finden! Wäre das Denken groß, wie könnten kleinliche Gehässigkeiten zum Vorschein kommen! Wäre das Empfinden schöner und edler, wie könnte sich ein unflätiges Wort vorwagen! Wir sind alle gewiß keine Engel. Aber der Sinn für Edles und Schönes ist uns doch gegeben. Warum wird er so oft verschüttet? Wie kommt es. daß wir uns so wenig abwenden von dem unschönen, dem brutalen, dem gehässigen Worte? Dient es uns wirklich so viel, wenn wir uns der Kraftworte bedienen, die das feinere Empfinden verletzen? Diente es uns nicht viel mehr, wenn wir Worte solcher Art gar nicht in unserm Sprachschatz führten? Denn solche Worte beschmutzen nicht den, der sie hört, sondern den, der sie spricht. Halt die Zunge fest! Das ist ein Wort, das nicht nur der Klugheit dient, sondern auch dem Menschen selbst, der sich als Änlturträger fühlt. O. S. Gießener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20» Spinat 25 bis 30. Römischkohl 8 bis 10, Dohnen (grüne) 20 bis 25, (gelbe) 25 bis 30, Unterkohlrabi 10 bis 15. Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln (neun) 6 bis 7 (pro Zentner 5,50 bis 6 Mk.), Frühapfel 30 bis 35, Birnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 25 bis 40, Heidelbeeren 30 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, IohanniSbeeren 15 bis 20, Himbeeren 40 bis 45, Brombeeren 60 bis 70. Pflaumen 30 bis 35, Aprikosen 50 bis 55, Pfirsiche 60 bis 80, Mirabellen 40 bis 45, Reineclauden 50 bis 60, Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig pro Pfund: Tauben 70 bis 80, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 20, Salatgurken 20 bis 40, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15 pro Stück: gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund. ttornothen — Tageskalender für Donnerstag. Gießener Ferienkurs: Vortrag von Beigeordneten Dr. Hamm: „Der moderne Städtebau" (Film), Phy- fikalifches Institut 20 Uhr. — Militärstreichkonzert auf der „Liebigshöhe". 20 Uhr. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die letzte Kompagnie". — Die Gesellschaft L i e b i g - M u s e u m lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einem öffentlichen Vortrag von Professor Praetorius (Darmstadt) über „Vorfahren, Nachkommen und Sippschaft von I. v. Liebig" am lammenden Sonntag im Liebig.Museum ein. Nach dem Vortrag findet die Mitgliederversammlung statt. (Siehe Anzeige). •• Vereinfachung des hessischen Meldeverfahrens. Im he'sischen Innenministerium sind zur Zeit Vorarbeiten im Gange, um das seither bei der Erfüllung der polizeilichen Meldevorschrift geübte Verfahren zu vereinfachen und vor allem das persönliche Erscheinen aufzuheben. Es soll in Zukunft ein von dem Meldepflichtigen auszufüllendes Formular Verwendung finden, das auch den internen Melde- gang vereinfacht. ' Volkswirtschaftliche Studienreise von Studenten der Universität Gießen. Das Institut für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Gießen veranstaltet neben kleineren Besichtigungsfahrten in die näher« Umgebung regelmäßig am Ende des Sommer» femcsterS unter Führung von Professor Dr. Günther eine größere Studienreise, um den Studenten Gelegenheit zu geben, die in den Verlesungen erworbene tyeorelilche Kenntnis der Volkswirtschaft auch durch die praktische Anschauung zu unterbauen. Die beiden letzten Reifen hatten in das Saargebiet und nach Kassel- Hannover-Hamburg geführt; in diesem Iahr vom 19. Iuli biS 2. August soll Oberschlesien besucht werden, dieses wichtige Grenzland. daS leider den meisten Deutschen unbekannt ist. Richt nur Fabriken und Bergwerke werden dort besichtigt, sondern unter sachkundiger Leitung wird auch eine große Grenzfahrt unternommen, die den Teilnehmern die brutale Sinnlosigkeit und Unhaltbarkeit der neuen Grenzziehung vor Augen führen wird. Die Hinreise nach Ober» schlesien wird von den Teilnehmern zu einem Besuch der Hygieneausstellung in Dresden benutzt, während die Heimreise durch die Tschechoslowakei führen soll, um P r a g und die großen Schuhfabriken von Bata in Zlin kennenzulernen. *• Die Steuerfreiheit für Derfas« fungsfeiern. Nach einer Verordnung vom 2 Juli 1929 sind Veranstaltungen, die am 11 August aus Anlaß und zu Ehren des Verfassungstages unternommen werden, von der Vergnügungssteuer befreit. Die Befreiung hangt also davon ab. daß es sich um eine Veranstaltung am Verfafsungstage selbst handelt, dah sie durch ihn veranlagt ist und ihm zu Ehren stattsindet. Nur wenn alle drei Voraussetzungen zusammentreffen, besteht da» Recht auf Steuerfreiheit •* DienJtJubiläum bei der Reichsbahn. Am heutigen 24. Juli kann der Lokomotivführer GeorgStauß. Hillebrandstraße 12 wohnhaft, sein 25. Fahrdienstjubiläum im Dienst der Reichsbahn begehen. Der Jubilar erfreut sich sowohl in seinen Berufskreisen als auch darüber hinaus bei zahlreichen Mitbürgern großer Wertschätzung. •* Regatta des W a s f e r f p o r t v e r e i n s „Hella s". Die Ehrenpreise für die am Sonntag, 27. Juli, stattfindende Regatta des Wassersport- verein» „Hellas" sind im Schaufenster der Kunsthandlung Karl Riebel. Marktplatz, ausgestellt. Eintrittskarten sind im Vorverkauf zum Preise von 50 Pf ebenfalls dort zu haben. Man beachte die gestrige Anzeige. ** Freie Lehrer st eilen Im Kreise Alsfeld. Im Kreise Alsfeld sind evangelische Lehrerstellen zu besetzen in Otterbach-Rülfenrod. Hainbach, Wettsaasen, Windhausen, Ober Gleen, Ober- Ohmen und Nieder-Ohmen. Dienstwohnungen sind überall vorhanden und sofort beziehbar. weitere Lokalnachrichtcn im zweiten Blatt. J«öä & •Ä5 S-] ■Val. Mfimfro. Wien ^1 (X ©rfontenios.® nette» Onirg eeaeret »wenig eoeeecni # Sehnet & Oriuptin e ncoei K trw.iter (§)wind>tiHc -O> sei» leichter Oit -niiiigt« Sueiuawesi q iturw»c*ei »ordweil »le Pleite fliegen mit dem winde Oie oeioen Jtetionen itenendtn teh» len geben die Temperatur an Pit Limen eerfendto Ort# eil fllCicntt® Hcertiniveau umgtrechnttrn Lulldrytl Wettervoraussage. Die Beendigung der Störungstätigkeit steht immer noch nicht in Aussicht. Im Bereich des tiefen Druckes lagen heute morgen über dem östlichen Deutschland und Holland einzelne kleine Störungen, die maß- gebend für die Wetterlage sind. Auch unterem Gebiet dürfte somit weitere Bewölkung zugeführt werden zeitweise Niederschläge sind zu erwarten. Wenn auch durch die Südwestluft leichter Temperaturanstieg eingetreten ist, so führt der von den britischen Inseln nach dem Festlande gelangende Zustrom kühler Lust wieder zu Rückgang, so daß mäßig warmes Wetter vorherrschen wird. Aussichten für Freitag: Meist bewölkt und zeitweise Niederschläge, mäßig warm. Aussichten für Samstag: Weiterhin mäßig warm. Bewölkung mit Aufheiterung wechselnd, einzelne leichte Schauer. Reifewetterdienst. Garmisch-Partenkirchen. 14 Grad. Celsius. Windstille. Regen. Baden-Baden. 13 Grad Celsius, Ostwind, stark wolkig. Borkum. 14 Grad Celsius, Südostwind, wolkig. Sroinemünbe. 15 Grad Celsius. Ostwind, Regen. Nur kurze Zeit mit Wasser zu kochen ooloi ihm MW AM JB lHj CITROVANILLE W W W I® Das Länder roerbe' Kund! W denke! 1830. lln abf auf 5 Suda Kulturk der bei Sonder Die flle' guter v wie doi Machte! immer zwanzi! 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Must, kostenlos. 6?38v Rudolf Klöckner, Erbach i. Westerw. Nr. 171 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Donnerstag, 24. Juli 1950 Hundert Jahre freies Südamerika 1830-1930. Don Dr. tt $. Panhorst, (3bero«ameri(anifd)C3 jnflitut Berlin. Das Jahr 1930 Hot für die sübamerikanischen Länder eine besondere Bedeutung. 3n vielen Städten werden Vorbereitungen zu großen Feiern und Kundgebungen getroffen und besonders in diesen Tagen gellen bereits viele seierliche Reden dem Gedenken von Ereignissen und Vorgängen im Jahre 1830. Uruguay begeht die Zentenarfeier seiner Unabhängigkeit, Ecuador kann in diesem Jahre auf eine hundertjährige selbständige Entwicklung als Freistaat zurückblicken, und nur noch ganz kurze Zeil trennt uns von dem Tag, an dem vor hundert Jahren der Freiheitsheld Südamerikas, Simon Bolivar, aus dem Leben schied. Die Republiken Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Panama, Peru und Venezuela verehren Simon Bolivar als den Monn, dem ihr Land die Dosis zu der freien, selbständigen staatlichen Entwicklung verdankt. Daneben stehen noch ahbere Gedenktage, die der eigentlichen nationalen ober engeren LandesgeschiHte zuyehören, aber ebenfalls der großen Zeit der Unabhangigkeitskämpfe Südamerikas angehören. Richt nur in Nordamerika, sondern auch in fast allen größeren Städten Europas finden die süd- amerikanischen Hundertjahrfeiern und Gedenktage weitgehende Beachtung. Deutschland ist mit den südamerikanischen Ländern durch unzählige wirtschaftliche und kulturelle Fäden eng verbunden und in der Geschichte der einzelnen Länder haben so manche deutschen Kräfte mitgewirkt, daß cs selbstverständlich erscheint, daß in diesem Jahr auch unsere Blicke sich mit dem Ausdruck freudiger Anteilnahme auf die ibero-amerikanische Welt und ihre historischen Feiern richten. Südamerika ist auch heute dotf) als geschlossener Kulturkreis aufzufassen, obwohl die einzelnen Länder bereits ihre Eigenheiten und ihre nationalen Sonderheiten stärker in den Vordergrund stellen. Die gleiche Sprache und mit ihr viele andere Kulturgüter verbinden die südamerikanischen Länder nach wie vor zu einer großen Einheit. Die wirtschaftliche Machtentfaltung, die von den meisten von uns immer noch übersehen wird, aber in einigen der zwanzig ibero-amerikanischen Länder schon riesige Formen angenommen hat, wirkt auf diese Einheit keineswegs störend. Viele der alten politischen Gegensätze sind als überwunden anzusehen. Obwohl Uruguay seine Unabhängigkeit vor hundert Jahren nicht von dem Mutterlande Spanien forderte, sondern Don den bereits selbständig gewordenen Nachbarländern Brasilien und Argentinien, werden beide Länder, sowohl Brasilien wie auch Argentinien, ihrem an Gebiet und Einwohnerzahl bedeutend schwächeren Nachbarland in aufrichtiger Sympathie ihre Glückwünsche barbringen. Unb obgleich Ecuabor vor hunbert Jahren aus ber von Simon Bolivar für ben norbwestlichen Teil Süb- amerifas geschaffenen Zentralrepublik Groß - Kolumbien hervorging, so ift heute dennoch in seinen Beziehungen zu ben Nachbarlänbern nichts mehr von jenen Gegensätzen, die vor hunbert Jahren ausschlaggebend waren, vorhanden. Gewisse Unstimmigkeiten, die noch heute in der Grenzführung bzw. -geschichte der einzelnen Länder bestehen, werden auf die starke Kulturverbundenheit und deshalb auch auf das Zusammengehörigkeitsgefühl, das in diesem Jahre besonders stark zum Ausdruck kommen wird, ebenfalls keinen störenden Einfluß ausüben. Jedenfalls tun w i r gut, diese Zusammenhänge nicht zu berühren, sondern über die von uns selbst bzw. von drüben erbauten Brücken hinweg den südameri- kanischen Ländern in herzlicher Freundschaft unsere Hand zu reichen. Es wird als Ausdruck Der gegenwärtigen wie ber alten unb engen kulturellen unb wirtschaftlichen Beziehungen erwartet. Wir Deutschen find erst vor hunbert Jahren burch Alexonber von Humboldt mit ben hier im Dorbergrunb stehenben fiänbern in stärkerem Maße Dcrbunbcn worben. Er war es, ber ber alten Welt bie Kenntnis eines großen Teiles Amerikas erschloß, ijumbolbt ist als bas stärkste historische Binbeglieb zwischen Deutschlanb und jenen Ländern anzusehen und deshalb besonders heroorzuheden. Er wird in vielen ber amerikanischen Cänber als ber Gelehrte gefeiert, ber „ihrem Kontinent einen größeren Dienst erwies als alle Äonquiftaboren“. Dieses Wort, bas kein Geringerer als Simon Bolivar selbst geprägt hat ist in Amerika seit seinen Tagen niemals ver- gessen worben. In mehrjährigen Forschungsexpebi- tionen sammelte Humboldt bie wichtigsten geographi- schen, ethnographischen unb wir bürfen auch sagen staatspolitischen Erkenntnisse. Die moberne Forschung hat erkannt, bah Alexander von Humboldt nach seiner Rückkehr von Amerika bem Gedanken ber Befreiung Sübamerikas von ber spanischen Herrschaft burchaus halb war. Die Beachtung, bie man in Amerika seinem Zusammentreffen mit Simon Bolivar unb seinem Anteil an ber Gestaltung ber jungen Staatswesen zumißt, hat erst in jüngster Zeit aus Grunb eines Briefes, ben ber spätere Präsident von Ecuabor, Rocafue rte, an Humbolbt geschrieben hat, unb ber heute in ber Dokumentenabteilung ber Preußischen Staatsbibliothek in Berlin kinzusehen ist, in rechtem Maße geroürbigt werben können. Um so mehr wirb von Deutschlanb erwartet, baß es in diesem Jahre ben großen Vorgängen, bie vor hunbert Jahren ben sübamerikanischen ßänbern bie Möglichkeit zu einem selbstänbigen staatlichen Dasein gaben, eine roürbige Beachtung schenkt unb ben Helden ber bamaligen Zeit — für ben Narben Sub- ameritas bem siegreichen Simon Bolivar unb für ben ©üben bem eblen San Martin — ein gutes Gebenken zeigt. Viele taufenbe beutsche Auswanberer finb im Lause bes vergangenen Jahrhunderts unb in ben letzten Jahrzehnten in bie sübamerikanischen Cänber gezogen. So mancher stolze Name im gegenwärtigen Südamerika ist deutschen Ursprungs. Unb verfolgen wir bie Geschichte ber kulturellen Einrichtungen, ber Schulen unb Hochschulen so finben wir, baß her deutsche Einfluß auf bie Gestaltung bie,er Bilbungs- statten fein geringer gewesen ist. Viele kaufmännische Unternehmungen verbanken ihre Existenz deutscher Initiative. An bieser Stelle ist jedoch eine anbere Anteilnahme beutscher Kräfte an ber Gestaltung ber heutigen Cänber Sübamerikas von größerer Be- beutung: ber beutsche Anteil an ben Unabhängigkeitskämpfen. In ben schwersten Tagen ber im Nord- westen von Simon Bolivar aeführten Unabhängig- keitskämpse gegen bie soanische Herrschaft, kam ber beutsche General von Uslar mit seiner Trupoe beutscher Solbaten bem Freiheitshelben zu Hilfe, um an ber Vollenbung ber staatlichen Derselbstän- bigung ber Cänber teilzunehmen. Im mittleren Westen Sübamerikas war es ein anbercr Deutscher, ber an ben Unabhängiakeitskämpfen hervorragenden Anteil nahm: Otto Philipp Braun. Seine Verbienste gaben Simon Bolivar Veranlassung, Braun mit großen Ehren auszustatten. Holmberg, Cützow unb viele anbere bekannte Namen könnten aufgezählt werben, beren Träger ben sübamerikanischen Boben betraten, bort kämpften unb nicht wieder zurückkehrten. Es wirb angenommen, baß bie Zahl ber gegenwärtig in Sübamerika lebenben Deutschen etwa eine Million beträgt. Sie finb in Sübamerika angesehen, ganz gleich, ob sie als Kaufleute, Pflanzer, Siedler, Gelehrte, Cehrer oder als Handwerker und Angestellte ihren Lebensunterhalt suchen. Hoffen wir, daß mit ihnen weite Kreise in Deutschland die notwendige Pflege ber deutsch-ibero-amerikanischen Beziehungen beachten unb mit ber Erinnerung an bie Vorgänge vor hunbert Jahren ben aufrichtigen Wunsch für eine erfolgreiche Weiterentwicklung ber uns befreundeten Cänber oerbinben. Hessen unb bie Reichsreform. Archivbirektor Prof. Dr. Dieterich, Darmstadt, hielt vor der Historischen Fachschaft der Landesuniversität und dem Oberhessischen Geschichtsverein in Gießen einen Dortrag über „Die Reichsreform unb Hessen, mit besonderer Be- rücksichtigung der historischen Doraussetzungen". Die GHG. Gießen, d. h. die Bezirksgruppe der Vereinigten G r o ß d e u t s ch - H e s s i- schen Gemeinschaft für das oberhessische Lahn, und Wetteraugebiet nahm in ihrer letzten Versammlung, wie man uns mitzuteilen bittet, in folgender Entschließung zu diesem Vortrag Stellung. Auch die Vereinigte Grohdeutsch-Hessische Gemeinschaft, insbesondere ihr Ausschuß für Iustiz- und Verwaltungsfragen, hat bisher niemals den Rahmen des Reichslandes Rheinfranken, wie ihn der Frankfurter Plan vorsieht, verfochten. Sie hat ihre theoretischen und praktischen Arbeiten vielmehr immer auf den Raum zwischen Rhön- Spessart und Hunsrück-Westerwald, d. h. im wesentlichen auf Hessen und Hessen-Nassau beschränkt, welche Gebiete sie nach kulturellen, geschichtlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten als zusammengehörig erachtet. Der VGHG.-Aus- schuh für Wirtschaftsfragen hat wohl auch fest- gestellt, daß bezüglich des Mosel- und Saargebietes wirtschaftliche Fäden, auch solche engerer Art, nach Frankfurt bestehen, diese aber niemals für sich als ausreichend erachtet, sondern vielmehr immer betont, daß diese Auffassung der Revision nach geschichtlichen^ und kulturellen Gründen bedürfe. Das hat die VGHG. aber nicht gehindert, die Frankfurter Pläne zu unterstützen innerhalb des oben des Näheren bezeichneten Raumes. Auch das tatsächlich bestehende Sonder- dasein von Nordhessen hat die Vereinigte Großdeutsch-Hessische Gemeinschaft in ihrer praktischen Arbeit dadurch berücksichtigt, daß sie die Werbearbeit in Nieder- und Kurhessisch Ober- Hessen dem dort bestehenden Hessischen Volksbund überließ und sich auf das Rhein-Maingebiet beschränkte. Die gemeinsame Arbeit zwischen beiden Vereinigungen wurde genügend gewährleistet durch die bestehende Landesarbeitsgemeinschaft. Trotz der bestehenden sprachlichen Verschiedenheiten zwischen Nordhessen und dem Rhein- Maingebiet, trotz der größeren geschichtlichen Abgeschlossenheit Nordhessens, das durch Iahr- hunderte außer wenigen Enklaven zu der einen Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörte, während alle anderen Einzellandschaften zu ihren Terri- torialherren die vornehmlichsten des Gefamt- gebiets zwischen Rhön-Spessart und Hunsrück- Westerwald zählten, u. a. die Kurfürsten von Mainz und von der Pfalz, die Landgrafen von Hessen-Darmstadt, die verschiedenen Linien des Hauses Nassau und die Fürsten von Vsenburg, trotz dieser geschichtlichen Abgeschlossenheit Nordhessens ist sich die Großdeutsch-Hessische Gemeinschaft Gießen und mit ihr die gesamte Vereinigte Grohdeutsch-Hessische Gemeinschaft einig mit Herrn Archivdirektor Prof. Dr. Dieterich, daß sowohl wirtschaftsgeographische wie kulturelle Gründe den Zusammenschluß von Nordhessen mit dem Rhein-Maingebiet zu einem Reichsland erfordern. Innerhalb des Rhein-Maingebiets hat sich, wie Herr Archivdirektor Dieterich mit Recht betont hat, eine zusammengehörige rheinfränkische Bevölkerung gebildet, die durch die Mattiaker chattisch beeinflußt worden ist. Auch die chattisch- hessische Bevölkerung Rvrdhessens ist kulturell fränkisch nach dem Jahre 500 beeinflußt worden. Beide Bevölkerungen umschlingt aber außerdem ein wirtschaftliches Zusammengehörigkeitsgefühl, bedingt durch das Großfrankfurt-Kafseler Wirtschaftsgebiet innerhalb der obengenannten Grenzen. Mit Rocht hat Herr Archivdirektor Dr. Dieterich das geschichtliche Recht des Dolksstaates Hessen gegenüber dem geschichtlichen Recht der hessischen Landschaft, wie es von Professor Dr. Stengel, Marburg, betont wird, verfochten und an die heffen-darmstädtische Staatsgefinnung appelliert. Wir find der Auffassung, daß der Volksstaat Hessen nicht nur ein geschichtliches Recht hat, sondern sogar eine geschichtliche Pflicht, sich als letzter Teil des hessifch-fränkischen Landes reichsunmittelbar zu halten, bis ihn das Reichsland Hessen oder Hessen-Nassau ablöst, das dem Gesamtgebiet die ihm zukommende Gestalt mit den wahrer Volksfreiheit entsprechenden Rechten gibt. Der Volksstaat Hessen hat die Pflicht, der treue Wächter des Reichs an der Mainbrücke zu fein, bis die Reichsreform durchgeführt ist und das Katastrophe. Von Larry Brachvogel. Wie an vorhergehenden Tagen schritt auch heute Mrs. Lucy Fawcett, die schöne Amerikanerin, der großen, traurigen Stalle entgegen, in der man die Toten barg, die das Meer von dem zerborstenen Dampfer wegholte und sanft auf den Strand niederlegte. Immer wieder brachte es solch verstummte Menschenfracht, doch auch immer wieder Kunde von märchenhaften Rettungen aus der furchtbaren Schiffskatastrophe, die zwei Kontinente mit Entsetzen und Trauer erfüllt hatte. Passagiere, die man tot geglaubt, trafen, zwar völlig erschöpft, aber dennoch heil und gesund ein und von fernen Küsten meldeten sich immer wieder Verschlagene. -ewuhtlos war Shict) Fawcett von ihrem Mann in eines der überfüllten Rettungsboote getragen worden — seitdem wußte sie nichts mehr von ihm. Doch Unglücks- und Boots- gefährten hatten ihr später erzählt, daß Fred Fawcett auf den sinkenden Dampfer zurückgekehrt war, um sich an weiterem Rettungswerk zu beteiligen... Auch hatten sie noch gesehen, daß irgend jemand ihm einen Rettungsgürtel zugeworfen hatte. Mrs. Luch brauchte also, wie sie sagten, keineswegs alle Hoffnung aufzugeben. Es war durchaus möglich, daß Fred Fawcett gleich anderen ein wundersames Schicksal erleben durfte... Mrs. Lucy hörte zu, glaubte die Worte und glaubte sie nicht. Glaubte, weil sie ihren Mann wieder haben wollte, glaubte nicht, weil sie kühl und vernünftig war. So hatte sie sich mit dem Gedanken, daß er tot fei, schon ziemlich abgefunden, aber da war etwas anderes, was sie peinigte: die Vorstellung, daß er weit draußen vom Ozean verschlungen worden, als wäre er irgendein armseliger Matrose oder Fischer gewesen und nicht der vielbeneidete Gatte Luch Harrisons... Nein, an diesen Gedanken vermochte sie sich nicht zu gewöhnen. Alles in ihr sträubte sich dagegen. Das Meer durfte ihn nicht behalten. Es muhte ihn herausgeben — lebendig oder tot. Sie toar nicht gewöhnt, auf Widerstände zu stoßen, ©emeinfam mit dem Schicksal hatte ihr Vater, ein überseeischer Industriekönig, sie allzu sehr verwöhnt. Sie wußte nichts von versagten Wünschen. Hätte sie eines Tages zu ihrem Vater gesagt: Pa', ich möchte beim nächsten Ball der Astors den EuNinandiamanten als Halsschmuck tragen!, so wäre gewiß zwei Tage später der amerikanische Gesandte im Londoner Foreign Office erschienen und hätte gefragt, um welchen Preis der Riefendiamant zu kaufen fei... Was sie begehrte, erreichte sie, auch wenn es Opfer aller Art kostete. Ihre Heirat mit Fred hatte ein großes Opfer gekostet; das Herz Edith Normanns, an der Fred hing, und die er trotz des Widerstandes seiner vornehmen Familie hatte heiraten wollen. Doch Edith war nur eine kleine Sängerin, die mit einem deutschen Gastspielensemble gekommen war, und Lucy Harrison hatte sichs nun einmal in den Kopf gesetzt, Fred Fawcetts Frau zu werden. Zuerst hatte er ihr nur darum gefallen, weil er hübsch, elegant und Sportsmann war, als sie aber hörte, daß eine andere zwischen ihm und ihr stand, wurde es für sie Ehrensache, Siegerin in diesem Wettkampf zu bleiben. Weil sie alles erreichte, was sie sich fest, so recht fest vornahm, blieb sie Siegerin. Edith selbst gab Fred frei, legte sich bann, tot- müde vor Lieberanstrengung und Herzeleid in irgendein Hospital und war verschollen. Lucy aber feierte ein Hochzeitsfest, über dessen Pracht unb Herrlichkeit die Zeitungen spaltenlange Berichte brachten. So hatte Fred ihr gehört, nur ihr, unb alles andere war vergessen unb versunken. War es wirklich vergesien? Nein, so kühl und vernünftig unb selbstbewußt Lucy auch war, so fühlte sie boch, daß sie ihrem Mann nicht alles war. bah trotz aller Zärtlichkeit, d.e sie gab und empfing, etwas in ihm stumm und dunkel blieb — dunkel unb stumm für sie. Trotzdem ihr Sentimentalität ferne lag. begriff sie doch, daß vor Ediths zartem Blondgeficht diese dunkle stumme Seite in Freds Wesen hell unb beredt werden würde und alsbald sagte ihre Vernunft: »Reisen ist ber beste Dergessenheitstrank! Wie wäre es mit einer kleinen Europafahrt?" Kaum war der Gedanke ausgesprochen, so wurden auch schon die Luxuskabinen auf bem gigantischen Dampfer bestellt und das junge Paar schiffte sich ein. Lucy fühlte sich erleichtert, als sie die Küste verschwinden sah. Trotz aller Kühle unb Vernunft war sie in letzter Zeit rechtschaffen eifersüchtig gewesen. So eifersüchtig, daß sie überall in-Freds Leben Ediths Spur suchte und witterte. Sogar als sie den Dampfer bestieg, war's ihr eine Minute lang gewesen, als hätte sie das Blondgesicht Ediths auftauchen sehen. Gleich aber hatte sie über sich selbst gelächelt. Wie sollte Edith Normann, sofern sie überhaupt heimkehren wollte, just diesen Dampfer wählen? Lind wenn sie ihn durch einen seltsamen Zufall gewählt hätte, so würde Fräulein Normann sicherlich in ber dritten Kabine kampieren, käme also nie, gar nie, mit den Insassen der Lupus- kabinen in Berührung ... Aber gewiß war alles nur Einbildung gewesen, Neckspiel einer eifersüchtigen Phantasie... Dann lag der Dampfer mit aufgeschlitztem Leib da unb wie Jagdhunde gierig ben Aufdruck verschlingen, so verschlangen die Wogen gierig die lebenden und toten Köstlichkeiten, die ihm entströmten. Lucy, bie von ihrem Mann Gerettete, fanb sich jeden Tag in ber großen, traurigen Halle ein, um den Gatten zu suchen unb in Gebanken dem Meer zu gebieten, daß es ihn zurückgeben solle... Als sie heute bie Halle betrat, sah sie in einer Ecke einen Menschenknäuel, der sich um eine neue Aufbahrung drängte. Luch wußte alsbald, wer da lag — unb wußte es doch nicht. Bahnte sich schnell einen Weg durch bie Menschen, bie erschüttert aussahen. Einige Frauen weinten. Männer murmelten von stillem Helden- mut. Luch ftanb an ber Bahre. Sah... erfannte ... starrte... Ja, es war Fred Fawcett, ber ba lag, ihr Freb, doch an seiner Schulter lag in zarter Hingebung ein blasses Mondgesicht, als wisse es sich nun geborgen vor aller Not. Stark unb zärtlich hielt ber Mann bas Mädchen umfangen, bas er wegtragen wollte aus Schrecknis und Tob. Sanft waren bie beiben aneinanberge- schmiegt, unb doch schon so erstarrt, bah man bie verschlungenen Arme nicht mehr hatte lösen können. Mit bem marmornen Frieben bes Todes um bie bleichen Stirnen glichen sie bem ergreifenden Grabmal einer tragischen Liebe... Immer noch ftanb Lucy, sah... starrte... schrie auf... sank zu Böden... Das Meer hatte ihr gehorcht.^ kommende Reichsland die Mittlerfunktion -wische» des Reiches Nord und Süd übernommen hat. Fällt Hessen, so wird die preußische zentralistische Front an den Neckar verlegt, und Nord unb Süd prallen unvermittelter denn je auseinander. Dann ist auch eine Ausrottung der ReichSreform- unb Neugliederungsfrage im Rhein-Maingebiet auf ewig unmöglich geworden, unb mit ihr eine gesamtdeutsche Reform überhaupt. Lim des Reiches willen muß der VolkSstaat Hessen reichsunmittelbar bleiben, um des Reiches willen gilt es. e i n Reichsland um Rhein unb Main, zwischcm Diemel und Neckar, Rhon- Spessart und Hunsrück-Westerwald zu schassen auf geschichtlicher, kultureller und Wirtschaf tSgeo- graphischer Grundlage. Die Großdeutsch-Hessische Gemeinschaft Gießen dankt dem Herrn Archivdirektor Prof. 5>r. Dieterich bestens hierfür, daß er diese Grundgedanken aufS neue in aller Oefsentlichkeit klargestellt und von der historischen Seite aus beleuchtet hat. Im Kanrpse um dieses Gedankengut wird er di« Vereinigte Großdeutsch-Hesiische Gemeinschaft stets an seiner Seite wissen dürfen. Aus ver Provinzialhauptstadi. Gießen, den 24. Juli 1930. Oer Blumenschmuck-Wettbewerb. Die erste vorläufige Besichtigung in dem vom Verkehrs, und Verschönerungsverein Gießen veranstalteten Blumenschmuck« Wettbewerb- zur Prämiierung der besten Leistungen, bei welcher rund 120 Preise zuerkannt werden konnten, Hot vor einigen Ingen stattgesunden. Sie ergab im allgemeinen eine Wendung zum Besseren gegen bas Vorjahr und gegen bas von früher her bekannte Bild, nämlich, daß bie Besitzer um so mehr Interesse an ben lag legen, je mehr man sich ber Peripherie ber Stabt nähert, währenb umgekehrt bas Straßenbild der Altstadt um so ober wirkt, je nötiger im Mittelpunkte bes Verkehrs ber Blumenschmuck wäre. Bei näherer Prüfung ber Anmclbeliste ergibt sich, baß der Mit- telftanb am eifrigsten wirkt, um bie Fassade seines Wohnhauses nebst Vorgarten sreunblich zu gestalten. Dieser Gemeinsinn für bas Schöne ergibt sich auch aus ber Nennung ber Straßen, bie als besonbcrs ftcroorragenb bezeichnet werben können. Es finb bies: Am Kugelberg, Am Nahrungsberg, Kaiserallee, mit ber überaus geschmackvoll bepflanzten Kaserne ber Maschinengewehr-Kompanie, Gnauth- unb Goethestraße, besonbcrs am oberen Teil, während weiter unten bie Vogt'sche Handelsschule an ber Wicseck trotz ihrer ungünstigen, bem Westwinb preisgegebenen Lage Vorbilblichcs geschaffen hat. Weitere hervorragcnbe schöne Leistungen bemerkt man an ber stäbtischen Alten Bürgermeisterei, an ben beiben Schwesternhäusern, nicht zu vergessen bas Schwesternheim im Asterweg unb ber musterhaft gehaltene, reich ausgestattete Garten von Schaff- ftaebt an ber Ostanlage. Damit ist bie Zahl ber her- oorragenben Leistungen auch außerhalb ber Preisbewertung keineswegs erschöpft. Eine ganze Reihe anderer sollen später hervorgehoben werben, da noch eine zweite Bewertung vorgesehen ift. Diese ist notwendig geworden einerseits durch bie ungünstige Witterung mit Sturm unb Platzregen, bie namentlich ben Petunien arg zugesetzt hat unb auch ben ©eranicnflor stark schädigte, anderseits aber auch um denjenigen Besitzern gerecht zu werden, die infolge verspäteten Erscheinens bes Aufrufs bes Verkehrs- unb Verschönerungsoereins erst nachträglich Folge leisteten unb beren Pflanzenwuchs zur Zeit noch nicht auf ber Höhe der Entwicklung sieht. Alle Beteiligten werben gebeten, es nicht an ber Nachdüngung ihrer Vorgärten unb Fensterblumen fehlen zu lassen, bamit nicht nur eine Verbesserung ber zuerkannten Noten bei ber Bewertung möglich ist, sonbern vor allem auch, baß unsere Stabt trotz ber trüben Aussichten in Han bei und Gewerbe wenigstens äußerlich ein blühendes Gesicht freudigen Wachsens unb Gedeihens zeige. Landwehrtag ehemaliger 116er. Der Landwehrtag der ehemaligen 116er führte am vorigen Sonntag etwa 500 Kameraden mit Angehörigen in unsere Garnisonstadt, aus der Eine Schwalbe fliegt Rekord. Die ganze Welt streitet sich mit Rekorden herum — in der Lust, im Wasser, auf dem Lande, mit Menschen und Maschinen. Ob jemand daran gedacht hat, daß auch eines Tages eine Schwalbe kommen könnte, um einen der Rekorde zu brechen, die die Menschlein für sich in Anspruch nehmen? In diesen Tagen wurde zwischen Metz und Saint Avold ein Experiment gemacht, das nicht gerade tierfreundlich ist, das aber ein interessantes Ergebnis aufwies. Eine Schwalbe wurde in Saint Avold aus ihrem Nest genommen und nach Metz gebracht. Dort ließ man das Tierlein auf dem Bahnhof fliegen. Durch genaue Zeitregistrierun- gen stellte man fest, daß der Vogel bie Stmcke von 45 Kilometer in 13 Minuten und 45 Sekunden durchflog. Das bedeutet eine durchschnittliche Stundengeschwindigkeit von 210 Kilometer. Wie lange brauchten die Menschen dazu, um Motoren zu bauen, die die Geschwindigkeit eines Vogels zustande brachten, den man vom wichtigen Geschäft des Brütens hinwegriß! Oer polizeisalomo von Prag. Vollbesetzte Straßenbahn. Herr Hudlihka studiert die wohlwollende Mahnung der Polizeidirektion: »Dor Taschendieben wird gewarnt!" Da merkt er, daß ein anderer Fahrgast sich an feinem Anzug in verdächtiger Weise zu schaffen macht. Herr Hudlihka läßt den Burschen gewähren und faßt ihn erst in dem Augenblick ab, wo dieser die Brieftasche in feiner Hose verschwinden läßt. Die Straßenbahn hält, der Schupo erscheint, und die Gesellschaft begibt sich nach dem Revier. Leugnen ift zwecklos. Die gestohlene Brieftasche spricht für sich. Der Polizeirichter ist gerade anwesend und macht kurzen Prozeß. Er verurteilt den Dieb zu 200 Kronen Geldstrafe und acht Tagen Einzelhaft. Entnimmt der Brieftasche diese Summe. Läßt den Dieb abführen. Lind überreicht dem Geschädigten fein Eigentum mit dem r e st l i ch e n Inhalt. In der Brieftasche waren insgesamt — 270 Kronen. Herr Hudlihka schwor, sich nie wieder vor Taschen- trieben warnen zu lassen... am 14. August 1914 die Kriegsformatton Land- Wehr-Insanterie-Regiment Ar. 116 ausrückte. Die Wiedersehensfeier im schön geschmückten Saale des Cafe Leib eröffnete die Kapelle K r e n g e l mit dem historischen Parademarsch des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Regiments Ar. 116. Der Vorsitzende der Landwehr-Vereinigung 116er Gießen, Kamerad Wilhelm 2 o p f, begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Er gedachte des begeisterten Ausmarsches des Regiments. der schweren Kämpfe in der Champagne und im Argonnerwald und der treuen Kameradschaft, die im Felde geschlossen worden war. Weiter sprach er die Hoffnung aus, daß diese Kriegskameradschaft sich auch fernerhin bewähren möge. Dann schloß sich eine Totenehrung an, wobei der Vorsitzende die Treue der Gefallenen und die Vaterlandsliebe als höchste Tugenden des Soldaten feierte. Die Versammlung sang stehend das Lied „Ich batt' einen Kameraden". Eine Abordnung begab sich dann zum 116er°Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz und legte einen Kranz nieder. Der ehemalige Stabsarzt des Regiments, Kam. Professor Dr. Grosser. Frankfurt, hielt einen interessanten Vortrag über das Thema „Aus den Krieasabschnitten der Landwehr 116 und der heutige Zustand der Gegend in den Argonnen". Die Kameraden folgten mit Spannung den Ausführungen des Redners. Den Dank der Versammlung sprach Kam. D o p f aus. Kam. V o - den schätz, Vorsitzender des 116er-Dereins Offenbach, feierte anschließend die Kameradschaft in begeisterten Worten und schloß mit dem Hoch auf das Vaterland, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Für den Verband ehemaliger 116er-Vereine sprach Kam. Stork und gab feiner Freude über das gute Gelingen des 1. Landwehrtages in Gießen Ausdruck. Sodann entwickelte sich ein frohes Wiedersehen der Kameraden, die sich zum Teil seit dem Kriege nicht wieder begegnet waren. Alte Freundschaften wurden erneuert und bei den schönen alten Alilitärmärschen gefeiert. Vielen kam die Scheidestunde viel zu früh. Eine Familienfeier im Cafe Krämer vereinigte abends noch eine Anzahl Kameraden mit ihren Familien auf mehrere Stunden. Flaggenregelung für die Evangelische Landeskirche Hessens. WSA. Die vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß beschlossene Kirchenflagge (violettes Kreuz auf weißem Grunde) wird jetzt amtlich für die Evangelische Landeskirche in Hessen eingeführt. Ahn eine gleichmäßige Beflaggung herbeizuführen, hat die hessische Kirchenregierung angeordnet, daß die Kirchenflagge von der Kirche und ihren Unter- verbänden und Gemeinden bei kirchlichen Anlässen zur Beflaggung der kirchlichen Gebäude zu verwenden ist. Zur Verwendung der Kirchenflagge sind auch evangelische Anstalten und Vereine berechtigt, sowohl bei kirchlichen Anlässen, als auch bei solchen Anlässen, die für den Verein oder die Anstalt eine entsprechende Bedeutung haben. Bei nichtttrchlichen Anlässen ist die Verwendung der Kirchenflagge in der Regel auf Fälle zu beschränken, in denen ein Festgottesdienst stattfindet. Im Rahmen dieser Bestimmung wird die Verwendung der kirchlichen Flagge auch Privaten empfohlen. Steuererleichterung bei bewilligten Kapitalabfindungen. Der Verband der Kriegsbeschädigten und Krie- gerhinterbliebenen der Kriegerkameradschaft „Has- sia" teilt mit: Äie Organisation der Kriegsbeschädigten der Kri^gerkameradschaft „Hassia" ist beim Reichs- sinanzministerium vorstellig geworden, um die Befreiung von der Grunderwerbsteuer in solchen Fällen zu erwirken, in denen Kapitalabfindungen aus Mangel an Mitteln nicht bewillig t werden konnten, im übrigen aber die Voraussetzungen für Bewilligung der Kapitalabfindung vorlagen. Der Reichsminister der Finanzen hat daraufhin Der preisgekrönte Entwurf von Professor A. Poelzig für den Umbau der Berliner Neuen Wache zu einem Gefallenen-Ehrenmol. $ an den Verband der „Hassia" ein Schreiben folgenden Wortlauts gesandt: „Ich habe mich damit einverstanden erklärt, daß Kriegsbeschädigten oder Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern in allen Fällen, in denen zwar die Voraussetzungen für die Gewährung einer Kapitalabsindung zum Erwerbe eines Grundstücks vorliegen, in denen die Kapitalabfindung aber nicht gezahlt werden kann, weil zur Zeit genügende Mittel nicht zur Verfügung stehen, die Grunderwerbssteuer nebst Zuschlägen vorläufig zinslos gestundet und die Bescheinigung aus § 24 GrStG. erteilt wird." In Ausführung dieses Erlasses muß dem Finanzamt durch eine Bescheinigung des Versorgungsamtes nachgewiesen werden, daß die Voraussetzungen für die Gewährung einer Kapitalabfindung gegeben sind. Die Bescheinigung aus § 24 des GrStG., die vom Finanzamt zu erteilen ist, betrifft die Eintragung des Erwerbers in das Grundbuch. Diese Eintragung darf erst dann stattfinden, wenn dem Grundbuchamt eine Bescheinigung der Steuerstelle beigebracht ist, daß die Steuer für den Cigentumsübergang gestundet wurde. Durch die vorstehende Verfügung des Reichsministers der Finanzen dürfte eine wesentliche Steuererleichterung erreicht worden sein. Daten für Freitag, 25. Juli. Sonnenaufgang 4.13 Uhr, Sonnenuntergang 19.59 Uhr. — Mondaufgang 2.42 Uhr, Monduntergang 20.28 Uhr. 1655: der Dichter Friedrich v. Logau in Lieg- nitz gestorben: — 1818: der Naturforscher Iakob v. Tschudi in Glarus geboren. * “ DasStudium des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens an der Universität Gießen. Das Seminar für ländliches Genossenschaftswesen beim Landwirtschaftlichen Institut der Universität Gießen hielt im Rahmen des feit Wintersemester 1928/29 eingerichteten Studiengangs über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen im vergangenen Wintersemester folgende Vorlesungen und Uebungen ab: Grundlagen des Genossenschaftswesens (Prof. Günther), Genossenschaftsrecht (Prof. Eger), Einrichtung und Geschäftsführung von landwirt- schafllichen Genossenschaften (Derbandsdirektor Berg), Ausgewählte Kapitel aus der genossenschaftlichen Praxis (Verbandsdirektor Berg), Genossenschaftliche Finanzierungsfragen (Prof. A u l e r), Absatzproblem, Standardisierung und Qualitätsverbesserung in der Landwirtschaft (Dr. I Pfaff), Genossenschaften in Tierzucht und Molkereiwesen (Prof. K r a e m e r), Die echi- schen, sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen des Genossenschaftswesens (Dekan Vogel), Landw. Samenkunde (Prof. S e s s o u s), Dünger- und Futtermittelkunde (Prof. Kleber- g e r), Geld und Kredit (Prof. M o m b e r t), Agrarwesen und Agrarpolitik (Dr. Mayer), Genossenschaftsseminar (Prof. Günther, Verbandsdirektor Berg, Dr. Pfaff), Uebungen in Warenkunde (Prof. S e s s o u s , Prof. K lebe r g e r). Im Seminar erstatteten im Verlaufe des Semesters eine Reihe hervorragender Fachvertreter der Wissenschaft und Praxis wertvolle Referate. Mit Unterstützung der Genossenschaftsverbände wurden mehrere Exkursionen zur Besichtigung genossenschaftlicher Einrichtungen der verschiedensten Art unternommen. Die Vorlesungen und Uebungen wurden nicht nur von Studierenden, sondern auch von Genossenschaftsbeamten als Hörer besucht. Der neu eingerichteten Zusahprüfung im Genossenschaftswesen unterzogen sich im Sommersemester 1930 fünf Kandidaten mit gutem Erfolg. ** Vereinigung der Freunde des Seminars für ländliches Genossenschaftswesen beim Landw. Institut der Landesuniversität Gießen. Bei der Wahl des Vorstandes der Vereinigung wurden gewählt: Derbandsdirektor Berg, Darmstadt, zum 1. Vorsitzenden, Derbandsdirektor Dr. A o l d e n , Frankfurt a. M., zum 2. Dorsihenden, Oberrevisor Hartmann, Gießen, zum Schriftführer, Derbandsgeschäftsführer Beck, Frankfurt a. M., zum Schatzmeister. Lehrer Gaß, Dutenhofen und Generalsekretär Dr. Rohr, Ludwigshafen a. Rh., zu Beisitzern, Professor Dr. S e s s o u s , Gießen, als Dertreter des Genossenschaftsseminars. Dem Ausschuß gehören außer den vorstehend genannten Vorstandsmitgliedern an: Verbandspräsident Dill, Ostheim, Direktor Steinhäuser, Butzbach, Direktor S t r as - b u r g e r , Darmstadt, Direktor Dr. Winckler- Krämer, Darmstadt, Direktor Beiser, St. Iohann, Rechner G ö t t m a n n , Höchst i. O., Direktor Scheuermann, Ober-Ingelheim, Rechner Becker, Kesselbach, Direktor K u h n - Frankfurt a. M., Dekan Bogel, Bruchenbrücken, Genosfenschaftsvorsteher Reitz, Hochelheim, Genossenschaftsvorsteher Hildebrand, Aieoer- Weifel, Bürgermeister Loos, Hergenroth, Direktor Diefenbach, Frankfurt a. M. "DieAltersvereinigung 1 8 7 0/1 920 beging am Samstagabend und am Sonntag gemeinsam die Feier des 60. Geburtstages ihrer Mitglieder. Am Samstagabend wurde die Der» anstaltung durch einen schön verlaufenen Herrenabend im Schützenhaus eingeleitet. Die Hauptfeier mit den Familienangehörigen fand am Sonntagnachmittag im Philosophenwaldrestaurant statt. Hier begrüßte der Dorsitzende dey Dereinigung, Stadtratsmitglied S ch w i e d e r, die zahlreich erschienenen Alterskameraden und deren Angehörige, die in bester Harmonie einige schöne Stunden verlebten. Mehrere Damen und Herren trugen durch mancherlei Darbietungen zur Der- schönerung des Festes wesentlich bei. Alterskamerad E. H o r st schilderte u. a. den Werdegang der Dereinigung, die Kapelle Weller erfreute mit ausgezeichneten instrumentalen Darbietungen, und auch die Iugend kam durch Spiel und Tanz auf ihre Rechnung. Preußen. Preußens Trauer wegen des Koblenzer Unglückes. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst rnit- teilt, hat das preußische Sta.atsmini- sterium angeordnet, daß sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der Körperschaften des öffentlichen Rechts, sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen, die bereits am 23. Iuli in Berlin Halbmast flaggten, am Tage der Beisetzung der Opfer des Brückenein st urzesinKoblenz in ganz Preußen nach den Bestimmungen der Verordnung vom 19. Ium 1929 halbmast zu beflaggen sind. Kreis Wetzlar. ch Aus dem Kreise Wetzlar, 23. Iuli. Die Genossenschaftsbank für Hessen- Ra f s a u, der auch eine große Anzahl ländlicher Genossenschaftskasfen des Kreises Wetzlar angegliedert sind, hielt dieser Tage in Frankfurt ihre 3 6. ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ging hervor, daß die Bank und die ihr angeschlossenen Kreditgenossenschaften trotz verschärfter Wirtschaftskrise verhältnismäßig gut gearbeitet haben und daß der weiteren Entwicklung hoffnungsvoll entgegengesehen werden kann. Der Gesamtumsatz hielt sich auf der Hohe des Vorjahres. Die Bilanz weist in Aktiva und Passiva 3 201 212,39 Ml. aus, ohne die Giroverbindlichkeiten. Der Reingewinn betrug 58 870,59 Mk. Er ermöglicht neben den vorgeschriebenen Rücklagen eine Dividende von 6 Proz. Die Wahlen zum Aufsichtsrat geschahen vom Gesichtspunkt der drei natürlichen Wirtschaftsgebiete des Verbandes aus, die sich um die vorhandenen Zweigstellen Frankfurt, Limburg und Wetzlar gruppieren und fast gleich stark sind. So entfallen von den 15 Aufsichtsratsmitgliedern auf jedes Gebiet 5. Rach Erledigung verschiedener Anfragen konnte der Leiter die mehrstündige Sitzung schließen. Z Dutenhofen, 21. Juli. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung stand die Errichtung einer zweiten Transfor- m a toren Ration für das elektrische Ortsnetz wieder auf der Tagesordnung. Wegen der Aufbringung der Kosten für die dringend notwendige zweite Station steht die Gemeinde mit dem Stromlieferanten, der Firma Buderus. Wetzlar, in Verhandlungen. Rach eingehender Aussprache lehnte die Gemeindevertretung das neueste Angebot von Buderus ab. Der Gemeinderat verbleibt auf dem Standpunkt, daß die Lieferfirma, entsprechend der vertraglichen Abmachung, die zweite Station auf ihre Kosten zu bauen hat. — Auch der Dau der Wasserleitung stand wieder zur Beratung. Die Geldzeichnungen innerhalb der Einwohnerschaft haben nur geringen Erfolg gehabt. Runmehr will die Gemeinde mit allen Mitteln versuchen, ein ausreichendes Darlehn bei einem Geldinstitut aufzunehmen. Das Kreisbauamt in Wetzlar soll einstweilen die Ausschreibung des Projektes vornehmen. — Bezüglich der Gemeindenutzungsrechte der evangelischen Kirchengemeinde bestehen sachliche Differenzen. Ein Schreiben des Presbyteriums wurde dem Gemeinderat bekanntgegeben, der die darin erwähnten vermeintlichen Wirble ins Leben! Vornan von Anna Fink. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A. 3 Forttetzung Nachdruck verboten „Dann werde ich aus deinem Gesichtskreis wieder verschwinden", meinte er. „Hör mal", rief sie lebhaft. „Ich nehme dich einfach mit nach Hause." „Ree — nee, Bärbel, das laß lieber bleiben", wehrte er ab. „So, wie die Dinge bei dir au liegen scheinen, ist's schon besser, ich verziehe mich." „Das will ich schon auf mich nehmen", rief sie ganz fröhlich. „Run gut, aber unter der Bedingung, daß ich dir die geraubten Sachen zurückerstatte." Er griff in die Tasche und legte alle Kleinodien wieder in ihren Schoß. „Sieh nach, ob nichts fehlt. Und hier noch den Inhalt des Danknotentäschchens." „Rein, das darfst du nicht tun, bitte, bitte nicht. Du hast nichts, und ich habe so viel. Ich freue mich so, dir helfen zu können", sagte sie fast flehentlich. Er schüttelte bestimmt den Kopf. „Wenn rch deine Einladung annehmen soll, dann mußt du diese Wertgegenstände wieder an dich nehmen. Bdas sagt dein Mann, wenn er bemerkt, daß sie fehlen? Er muh es doch merken." „Dann sag' ich, ich hab's verloren", sagte sie mit ttndlichem Trotz. „Um eine Ausrede bist du, wie's scheint, nicht verlegen" meinte er lächelnd. „Aber ich will es nicht. Ganz gehorsam nahm sie nun die Sachen an sich. »Aber die Tasche mit dem Geld nimmst du wenn du mich nicht kränken willst." Sie steckte ihm die Tasche zu. „Du brauchst es doch." „Ich mag mir kein Geld von einer Frau schenken lassen", brummte Reginald. „Aber dafür lieber eine Frau anfallen", sagte Darabara schelmisch. „Du hast auch recht", entgegnete er betroffen. Sie fuhren letzt durch K., eine mittelgroße Stadt. Es war mittlerweile spät geworden: kaum ein paar Menschen sah man noch in den Straßen. „Du mußt rechts herumfahren, dann links abbiegen. Wir kommen dann aus der Stadt mich mit deinen Als meine Frau nicht nötig, uftd geradezu krank- wärest in diesem ihre Gesichtszüge einen recht kühlen und abwehrenden Ausdruck an. Ihr Gatte merkte es sofort, und um einzulenken, fragte er: „Du hattest einen Unfall unterwegs mit dem Wagen?" „Iawohl", erwiderte sie. „Die Panne war sehr unangenehm und hielt mich lange auf. Sonst hätte ich mich nicht so sehr verspätet." hast du das auch tatsächlich wenn du nicht von einer so haften Eigensinnigkeit befallen Punkte ..." „Du o lieft wirklich einen LH ufseur mitnehmen. Es ist für mich eine Angst ohne Ende, dich allein auf der Landstraße zu wissen. „Wenn es geht, verschone altertümlichen Ansichten. Die einzige Freiheit, die du mir läßt, solltest du mir wenigstens nicht auch noch einengen", brach Barbara bitter los. heraus, und nach zehn Minuten Fahrt sind wir da", erklärte Barbara. Reginald fuhr den beschriebenen Weg. Da tauchte rechts eine große Billa aus der Dunkelheit auf. Zwei hohe Fenster im ersten Stock waren erleuchtet, alles andere lag im Dunkel. Das hohe Portal war fest verschlossen. Reginald fuhr vor. Barbara sprang heraus und drückte auf die Klingel, daß sie schrillend die Stille der Rächt zerriß. Eine Gestalt kam eilig herausgelaufen. „Ra, Karl, ist heute ein bißchen späte geworden. tut mir leid", begrüßte Barbara den Diener. „Der Herr ist wohl ärgerlich gewesen?" „Ra, und ob", gab der Gefragte zur Antwort. Barbara zuckte die Achseln. „Wie willst du mich einführen?" fragte Reginald halblaut. „Ist es nicht besser, wenn ich verschwinde?" „Rein, nein", entgegnete sie, und es klang beinahe angstvoll. „Bitte, lege ab und warte hier in diesem Zimmer, bis ich dich hole." Damit öffnete sie die Tür zu einem kleinen Raum, der sehr ruhig in den Farben gehalten war. Reginald trat mit dem raschen, bestimmten Schritt ein, der ihm eigen war. Barbara lief in ihr Schlafzimmer, um sich umzukleiden. Hoffentlich machte ihr Mann keine allzugrohen Schwierigkeiten wegen ihres Iu- gendkameraden. Tief atemholend ging sie, als das Umkleiden beendet war, zum Arbeitszimmer ihres Mannes, lauschte einen Augenblick, drückte die Klinke auf und trat ein. Das Zimmer war nur erhellt vom Licht der Arbeitslampe, die auf dem Schreibtisch rechts in der Ecke stand. Davor saß Bernhard Much. Er erhob sich langsam bei Barbaras Eintritt, um ihr entgegenzugehen. ,,©u bist spät heirngekommen, Barbara", begrüßte er seine Frau und streckte ihr seine Hand entgegen. Barbara berührte sie flüchtig und sah ihren Mann an. Er war bedeutend älter als sie, sah aber noch recht gut aus. Rur die Augen machten einen ermüdeten Eindruck, sie blickten etwas resigniert. Seine betont aufrechte Haltung war nicht der Ausdruck einer besonderen Kraftfülle, sondern erschien geboten von dem uBiUen, jugendlich elastisch wirken zu wollen. Roch nie zuvor hatte Barbara das so sehr empfunden. Es wurde ihr stets schwer, sich anders -u geben, als ihr ums Herz war, und so nahmen „Barbara!" bat er freundlich und einlenkend. „Du bist müde, komm, iß etwas und geh zur Ruhe!" „Ich bin nicht müde und habe dir die Haupt- jache noch gar nicht berichtet. Wenn ich nicht zufälligerweise im Wald bei meiner Panne einen Herrn getroffen hätte, in dem ich einem ehemaligen Iugendkameraden begegnete, wäre ich wahrscheinlich noch nicht hier, ja, wer weiß, was dann mit mir geschehen wäre. Ich habe ihn mitgebracht und möchte, daß wir ihn einige Tage als unseren Gast hierbehalten. Ich denke, es wird dir recht sein, Bernhard." „Run, sehr passend finde ich es allerdings nicht, wenn du mir bei Rächt und Rebel einen fremden Mann ins Haus bringst. Du hast Überhaupt merkwürdige Gewohnheiten, und ich möchte dich doch dringend bitten, diese Extravaganzen endlich einmal zu lassen", sagte er in gereiztem Tone. Barbara wollte auffahren, doch er lenkte sofort ein und sagte in begütigendem Tone: „Kind, rege dich nicht auf. Du bist fertig — komm, ich will deinen Retter aus der Rot begrüßen." Barbara ging mit einem Seufzer zur Tür. So war es immer: Ihr Mann pflegte sie stets als verwöhntes, eigensinniges Kind zu behandeln, und der väterliche Ton, mit dem er immer solche Auseinandersetzungen, wie die eben statt- gefundene zu beenden liebte, war nicht dazu angetan, ihr erregtes Gemüt zu besänftigen. Sie hatte schon direkt versucht, ernsthafte Szenen und Zwistigkeiten heraufzubeschwören. Aber gerade dann, wenn ihr die Sache tiefer Ernst wurde, prallte alles an diesem ruhigen, väterlich überlegenen Tone ab, den Bernhard anschlug. Der lähmte sie, zog ihr gleichsam den Boden unter den Füßen weg. Barbara Much und ihr Mann gingen die Treppe hinunter zu dem Raum, in dem Reginald Contius wartete. Der hatte sich in einen tiefen Ledersessel gedrückt und träumte vor sich hin. Plötzlich wurde die Tür geöffnet, und Barbara stand auf der Schwelle. Sie trug ein fliederfarbenes Kleid, das nur durch einen Gürtel lose zusammengehalten wurde. War's die Farbe des Kleides, die ihr Gesicht so blaß machte? Reginald erschrak vor diesem leidenden Ausdruck, den Barbaras Gesicht hatte; tiefe bläuliche Ringe umgaben ihre Augen. Er war aufgesprungen. Barbara stellte vor: „Mein alter Iugend- und Kinderfreund Reginald Contius — mein Mann Bernhard Much." Die beiden Herren reichten sich mit einer leichten Derbeugung die Hand. „Ich habe Ihnen meinen aufrichtigsten Dank zu sagen dafür, daß Sie meiner Frau beigestanden haben. Ditte, betrachten Sie sich als meinen Gast", sagte Bernhard mit reservierter Freundlichkeit und fuhr fort: „Meine kleine Frau ist von geradezu sträflichem Leichtsinn. Meine Schuld ist es gewiß nicht, wenn sie in solch unangenehme Situationen gerät, denn es steht ihr alles zur Verfügung." Reginald berührten diese Worte etwas unangenehm. Er murmelte etwas von „modernen Frauen heutzutage" und sah zu Barbara hinüber, die um noch einen Ton blasser wurde. Die drehte sich kurz herum und sagte von oben herab. „Wollen wir nicht noch eine Kleinigkeit genießen und dann zur Ruhe gehen?" Damit ging sie voran über die große Diele zu dem Speisezimmer. Die beiden Männer folgten ihr. Man setzte sich um den sorgfältig gedeckten Tisch. Der Diener Karl, der das Tor geöffnet hatte, servierte den Tee. Reginald sah sich flüchtig in dem Raume um. Es fehlte nichts darin, was man in dem Speisezimmer eines guten Hauses erwartet, alles paßte zueinander: Tisch, Stühle, Büfett, in der Ecke ein Tischchen mit einer großen Blattpflanze. 2a, es konnte den Anschein erwecken, als sei man bemüht gewesen, nichts zur Dervollständi- gung und Abrundung zu vergessen; aber gerade das war es, was Reginald unangenehm berührte. (Fortsetzung folgt.) vrmderrechte der Kirchen gemeinde nicht anerkennen kann. Drlttrers '^ßC'Tl. Dillenburg. 23. 3uIL 3n der Ilacht zum Mittwoch statteten Einbrecher der Uhrenhandlung Weber in der Hindenburg- strabe einen Besuch ab. Sie zerstörten mit einem Glasschneider den Schaukasten und entwendeten einige Uhren. Alsdann begaben sie sich zur Güterausgabe am Reichsbahnhof, ßetrümmerten dort ein Fenster und drangen m n Kassenraum ein. Hier durchwühlten sie sämtliche Schränke und versuchten, mit Schwarz- Pulver und Zündschnur den Kasienschrank, sowie «inen Wandtresor zu sprengen. Der Kassenlchrank hielt aber ihren Versuchen stand, während das Schloß des Tresor- zertrümmert wurde. Die Einbrecher wurden jedoch enttäuscht, denn Veld be- sand sich nicht im Tresor, jedoch wurden durch die Sprengung wichtige Akten beschädigt. Krimi- nalbeamte der Reichsbahn und der Dillenburger Polizei haben die Nachforschungen nach den Tätern ausgenommen. Turnen, Sport und Spiel. Internationaler Europarundflug. Berlin, 23. 3uli. (WTB.) Rach bei der Berliner Leitung des Europarundsluge- einaegange- nen Meldungen brachte der vierte Tag d«S 3n- ternationalen Europarundsluge- eine unfreiwillige Trennung der Teilnehmer in zwei Lager. Während das Gros der Flieger im Laufe des Tages die letzte Etappe in Frankreich. Pau, erreicht haben dürfte, kamen die 13 bereit- am DienStag über die Pyrenäen gekommenen Flugzeuge in Spanien erheblich vorwärts Da am Mittwoch bis zum Rachmittag über den Pyrenäen Eturmwetter herrfchte. erhielten alle in Pau eingetroffenen Flieger Startverbot. Hier dürfte sich im Laufe deS Tage- daS Gros der Teilnehmer, bestehend auS den noch im Rennen befindlichen restlichen 41 Teilnehmern. mit Ausnahme der bereit- in Spanien weilenden 13 Flugzeuge, eingefunden haben. Einen weiteren Ausfall gab es am Mittwoch, da der spanische Herzog von Sstremera bei Bordeaux notlanden muhte und hierbei seine Maschine derart beschädigte, dah er aufgeben muhte. 54 Flugzeuge sind noch im Rennen. Die Spitze des Feldes ist inzwischen in Sevilla gelandet, und -war hat jetzt der vorjährige deutsche Sieger Mor-ik die Führung. Dann folgten der Klemm-Pilot P o h. der D. Z. W.-Flieger Polte, die Engländer Thorn und Butler und der Franzose Finat. Auf dem Wege nach Sevilla befanden sich die Engländer Carberry, Broad. der Aradoflieger Dr. Pasewaldt und der letzte noch im Wettbewerb befindliche Spanier, Erzherzog Habsburg-Bourbon. 3n Madrid lagen am Rachmittag die Franzosen Arrachart und Cornez und der Engländer Andrews. Wirtschaft. Weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage. Rach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung keine Abnahme ersahren, und das Anwachsen der Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden hat sich in verstärktem Mähe fortgesetzt. Schließlich ist auch die Zahl der Krisenunter stützten weiter gewach- s e n. ES wurden am 15.3uli nach den vorläusigen Meldungen 1 470 004 Hauptunterstützungsempfän- ger in der Arbeitslosenversicherung, 380 698 in der Krisenunterstützung gezählt. Damit sind beide Unterstützungseinrichtungen zusammen mehr als doppelt so stark belastet wie zur gleichen Zeit de- Dorjahres. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden belief sich am 15. 3uli aus rund 2 770 000. Werden hiervon diejenigen abgesetzt, die noch in gekündigter, oder ungekündigter Stellung, oder in Rotstandsarbeit beschäftigt waren, so verbleiben rund 2 715 000 Arbeitslose. Die Zunahme rührt zunächst von den Bezirken der westdeutschen Industrie her. von denen sowohl Westfalen — in verstärktem Mähe — tote Rheinland eine Vermehrung auftoeisen. Ferner haben die Bezirke Brandenburg. Südwestdeutschland und Ostpreußen eine Verschlechterung erfahren. Der Zuwachs an Arbeitsuchenden entfällt überwiegend auf die von der Konjunktur abhängigen Derufsgruppen. ' Die erste Bilanz der Adam Opel AG. —Verlust abschluh. Die Adam Opel AG.. Rüsselsheim a. M., legt nunmehr die Bilanz für das erste Geschästsjahr vom 27. Dezember 1928 bis 26. Dezember 1929 vor. Da das Geschästsjahr künftig dem Kalenderjahr entsprechen soll, wurde ein 5 Tage umfassendes Zwischengeschäftsjahr vom 27. Dezember bis 31. Dezember 1929 eingeschoben. dessen Abschluhziffern ebenfalls mitgeteilt werden. 3m ersten Geschäftsjahr wurde ein Drutogewinn von 13,17 Mill. Mk. erzielt. dem Abschreibungen mit 4,32 und Hand- lungSunkosten einlchl. Steuern und Zinsen mit 11,14 Will. Mk. gegenüberstehen. Es entstand somit ein Verlust von 2 288 227 Mk., der aus der gesetzlichen Reserve von 4,06 Mill.Mk. gedeckt wurde. 3m ZwischengeschästSjahr ist ein neuer kleiner Verlust von 78 818 Mk. erwachten, wodurch sich die gesetzliche Reserve weiter auf 1,7 Mill. Mk. verringert. Rach dem Geschäftsbericht war die Hauptaufgabe im ersten 3ahr. die Leistungsfähigkeit des Werks und die vorhandenen Werte durch eine weitreichende Hmgeftaltung des Betriebs und der Verwaltung zu steigern. Die Durchführung dieser Aufgabe findet ihren sichtbaren Ausdruck in den Reuinvestierungen in Maschinen, Einrichtungen usw., die annähernd 8,25 Millionen Mark ausmachen. Hand in Hand hiermit ging eine Verringerung der Bankschulden und sonstigen Gläubiger um annähernd 15 Mill. Mark, insbesondere durch eine bessere Verteilung des Betriebskapitals. Die Rückstellungen haben sich insgesamt um annähernd 3,5 Mill. Mk. erhöht, während die gesetzliche Reserve durch Abzug der entstandenen Verluste verringert wurde. Das Gesamtergebnis sei durch Verluste beeinträchtigt, die entstanden seien aus inzwischen aufgegebenen Beteiligungen und damit in Zusammenhang stehenden Geschäftsverbindungen (es handelt sich hierbei wohl in erster Linie um die Glite-Diamantwcrke), sowie aus Abschreibungen auf Außenständen und auf Vorräte für Erzeugnisse, deren Herstellung eingestellt bzw. nicht aufgenommen wurde. Die reinen Betriebsergebnisse hätten jedoch in allen Geschäftszweigen den Erwartungen entsprochen. Die im Gange befindliche grundlegende Aenderung der Produktion werde sich im laufenden 3ahre noch nicht voll auSwirken können, doch sehe die Verwaltung mit Zuversicht in die Zukunft. * Reue Schachtanlage an der Ruhr. 3n Altendorf a. d. Ruhr wird von der Zeche „Heinrich" Ueberruhr eine Schachtanlage ge» geschaffen, um die Kohlenfelder der Zeche„Prinz- Heinrich-Lteingatt", die im 3ahre 1902 aufgegeben wurden, abzubauen. Cs soll ein neuer Schacht abgeteuft, eine Drikettfabrik. Wäscheanlagen und sonstige Rebenanlagen errichtet torrben. Der Kohlenvorrat dieser Felder ist so groß daß der Betrieb auf lange Zeit gesichert ist. Cs wird damit gerechnet, daß 100 bis 200 Arbeiter Beschäftigung finden. frankfurter Abcnvbürsc. Frankfurt a. M., 24. 3uIL Tendenz: un- einheitlich. — Rach luftlos^ Eröffnung der heutigen Börse wurde die Stimmung später etwas unsicher, da heute Material in nur geringem Umfange an den Markt kam, wodurch sich eine wesentliche Beruhigung bemerkbar machte. Vereinzelt, angeregt durch die fette gestrige Reuyorker Börse, zeigte sich etwas mehr Aufnahmelust, so daß sich daS Kursniveau teilweise etwas heben konnte. 3m großen und ganzen war die Umsatztätigkeit jedoch noch begrenzt, es bestand immer noch spür-- barer Ordermangel. Die schlechte Arbeitsmarktlage drückte auf der anderen Seite stark auf die Unternehmungslust. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war Die Kursgestaltung nicht einheitlich. Etwas mehr 3nteresse bestand vor allem am Clektromarkt für Siemens, die nach ihrer gestrigen starken Vernachlässigung 2.75 Prozent gewinnen konnten. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen bis zu 1 Prozent höher. Der Chemiemarkt hatte am Anfang nur geringes Geschäft. I.-G.-Farben eröffneten 1 Prozent fester. Am Montanmarkt waren die Werte zeitweise behauptet: bei Gelsenkirchen muß der Dividendeabzug berücksichtigt werden. Rur Rheinstahl und Mannesmann lagen etwa- niedriger. Kaliwerte gaben bis zu 2 Prvz. nach. Süddeutsche Zucker gaben weiter 2 Proz. nach. Am Banken- marlt bestand mehr Nachfrage für Reichsbankanteile. die 61 i Proz. anzogen. Der Rentenmarkt lag ebenfalls still, doch konnten deutsche Renten durchweg etwas anziehen. 3m Verlaufe konnte auf Deckungen der Kulisse vorübergehend das Geschäft eine Belebung erfahren, zumal der Geschäftsbericht der 3.-S.-SarbeninbuUrk über das zweite Vierteljahr des laufenden Geschäftsjahres überwiegend mit Befriedigung ausgenommen wurde. Die Kurse zogen zum Teil weiter um Bruchteile eines Prozentes an. Banken konnten etwas mehr Rachfrage auf sich lenken. Siemens waren erheblich fester und lagen wieder etwa- über 200 Proz. Vereinzelt wurden späterhin Realisationen vorgenommen, so daß die späteren Gewinne vereinzelt wieder verloren gingen. Am Geldmarkt war Tage-geld mit 3 Prvz. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man: Mark gegen Dollar 4,1883, gegen Pfunde 20.3840, London gegen Kabel 4,8660, gegen Pari- 123.67, gegen Mailand 92,90. gegen Madrid 42.45, gegen Schweiz 25,0325. gegen Holland 12,0912. Berliner Börse. Berlin. 24.3ult. Die heutig« Börseneröff- nung brachte vielen eine angenehme Uebcr- raschung. Hatte man sich im Vormittagsverkehr in Erwartung neuer Verkaufsaufträge größere Zurückhaltung auferlegt, so konnte man sich nach den ersten Kurien davon überzeugen, daß zwar noch verschiedentlich Exklusivdeckungen her- auskamen daß aber das Kursniveau schon wieder kleine Kaufneigung auslöste. 3ntoictoeit die Banken von sich aus interveniert haben, ist hierbei schwer zu sagen. 3edenfalls hielten sich Die Käufe und Verkäufe etwa die Waage, und auch die Kursveränderungen gegen gestern waren relatibun- bedeutend. Eine gewisse Beruhigung ging von der Tatsache aus. daß London — gegenüber den Befürchtungen — seinen Diskont unverändert gelassen hat, auch die feste Haltung der AuSland- börfen wirkte etwas lendenzstützens. Die schlechten Rachrichten aus dem Rheinisch-West fäll scheu Industriegebiet und die immer weiter wachsende Arbeitsnot die aus dem letzten Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung erkenntlich ist. sanden dagegen weniger Beachtung. Angeblich auf eine ausländische Kauforder zogen Reichsbankanteile ' um 8.5 Prozent an, Schuber L Salzer besserten sich bis auf 3,5 Proz.. Miag und Deutscher Eifenhandel um je 2.5 Proz. und Svenska um 4 Mark. Recht schlecht eröffnete der Montanmarkt, an dem Verluste bis zu 4.5 Prozent festzustellen waren. Kaliaktien gingen bis zu 3 Prozent zurück. Holzmann minus 3 Prozent, und auch sonst konnte man verschiedentlich 1- bis 2prozentige Rückgänge feststellen. Anleihen zogen leicht an. Ausländer veränderten sich wenig. Der Pfandbriefmarkt war noch ziemlich unentwickelt und eine zuverlässige Tendenz noch nicht erkennbar. Der Geldmarkt lag leicht. Tagesgeld ermäßigte sich auf 2 bis 4 Prozent. Monatsgeld 4.5 bis 5,5 Prozent und Warenwechsel 3.75 Prozent. 3m Verlaufe erhielt sich die freundliche Stimmung. Sine Reihe von Werten erfuhr auf Deckungen 1 bis l,5pro- zentige Besserungen. Papiere wie Siemens. Schuckcrt. Westeregeln und Salzdetfurth waren darüber hinaus bis zu, 4 Proz. erholt. Reichsbank gaben in Reaktion auf den anfänglichen 8,5- prozentigen Kursgewinn 2 Prozent nach. Auffällig schwach lagen auch heute wieder Karstadt, die 1,5 Proz. nichtiger eröffneten und später noch weitere 1.5 Proz. verloren. Das Geschäft, das zunächst einen etwas lebhafteren Charakter zeigte, wurde später etwas ruhiger. frankfurter Lchlachtvießmarkl. Frankfurt a. M.. 24. Juli. Auftrieb: 71 Rinder. 821 Kälber, 213 Schafe, 622 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 77 Mk.: mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 73; geringe Kälber 63 bis 67. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthärnmel (Weidemast) 49 biö 53 Mk.; mittlere Mastlämmer. ältere Masthärnmel und gut genährte Schafe 42 bis 48. Schweine: Richt notiert. Marktverkauf: Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Schweine langsam, Ueoerftand. Lprcchstunvcn Der :Hcöattion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen Tlnjeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile ;u richten. Cnnaefanbf. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Straßensperrung. Run sind glücklich neun Wochen ins Land gegangen. seitdem die KreiS st raße Groß««- Linden — Lana-Göns .bis aus weitere-" gesperrt wurde, und anscheinend besteht für die nächsten Wochen noch kein« Aussicht. daß di« Sperre aufgehoben wird. So sehr es zu begrüßen ist. daß diese Straße endlich in einen erstklassigen Zustand kommt, ist e- anderseits aber kaum zu glauben, daß man diese Straß«, die täglich von dreihundert bi- sechshundert Zahrzeuaen passiert wird, neun Wochen für jeglichen Verkehr sperrt. W«nn wenigsten- die Umleitung einigermaßen sahrbar wäre, ging« eS noch an. aber waS man auf dieser Umfahrt an Schlaglöchern zu sehen bekommt, erinnert beinahe an die Schlachtfelder Frankreichs. Besonders die Ortsdurchfahrt in Großen-Linden befindet sich in einem Zustand, der jeder Beschreibung spottet. Wie man sich bei Autofahrten in Süddeutschland überzeugen kann, ist «s sehr gut möglich, Straßen von Grund auf ohne Sperre au erneuern. Auch in bedeutenden Fachzeitschriften werden in letzter Zeit Stimmen gegen di« Straßensperrung laut. So führt z. B. .Motor und Sport" in einem feiner letzten Hefte aus. dah «S sehr gut möglich ist. Straßen ohne Sperre au erneuern. Auch im .Mittag" ersch en ein sehr interessanter Artikel, in dem scharf gegen die Dauersperrung Stellung genommen wurde. Wenn es schon einmal nicht ohne SperrB geht, dann sollten sich die betreffenden Behörden nicht auSgerechnet die Hauptreisezeit au-- suchen und die Fremden auS unserer schönen Heimat verscheuchen. Abgesehen von dem Zeitverlust werden durch solche Umleitungen Ansprüche an die Fahrzeuge gestellt, welch« die besten Fabrikate aus die Dauer nicht aushalten können. Die Behörden sollten sich darüber klar sein, daß die meisten Automobilisten heute nicht zum Vergnügen, sondern geschäftlich fahren, und eS den meisten schwer fällt, ihre Wagen in Ordnung zu halten. Aus diesen Gründen sollte man rneh rRücksicht a u f die Wegebenutzer, als auf die Bauunternehmer, nehmen, zu deren Bequemlichkeit die Straßen gesperrt werden. H. D. Büchertisch. — Von Wild und Wald und fröhlichem 3 a g c n. Von Wilh. Hochgrev«. (Verlag E. Haberland, Leipzig. Gebd. 6.50 Mk. — 23.) — Ein interessantes Buch des bekannten Harzer Zagdschriftstellers, eine wertvolle Gabe insbesondere für alle 3äger und Raturfreunde. Dem Buch gebührt volle Anerkennung. Möge ihm ein guter Weg zu den Freunden wertvoller 3agMiteratur beschieden sein. — Dr. Wilhelm Dlungler: Rechts- schopfung undRechtsgestaltung. 3. Auflage. Verlag von Otto Maidl, München. Preis 2.50 Mk. (97.) — Pastor D. Philipps: Erinnerungen an 6 t d e d e r, Verlag „Die Reformation", Berlin SW 61. Preis drosch. 1,20 Mk. (92.) — Dr. Rudolf Bleibrunner: Der Kompaß Europa-, ein Buch für Reue- Werden mit einem Geleitwort von Rolf Rocingh. Deutscher Archiv - Verlag, Berlin W 50. AnS- bacher Straße 47. Preis drosch. 3,90, geb. 5.85 Mark. (60) — Rietzsches Werke in billigen Einzelausgaben. Sammlung „KrönerS Taschenausgabe" als Band 70 biS 78. (Alfred Kröner Verlag, Leipzig. 3eder Band rund 3 Mk.) (61.) — Dies« billigen Einzelausgaben machen Rietzsches Werke der neuen, in Krieg und Rot ausgewachsenen Generation und all den Besten weitester Kreise zugänglich, die zur Klärung über die Kräfte der Gegenwart gelangen wollen. — Theodor Storm: Psyche, diese sonnigste Rovelle deS großen Holsteiner- ist in der schonen Reihe deS Verlage- Walter Haedecke in Stuttgart in ausgezeichneter Ausstattung zum billigen Preise von 2,60 Mk. erschienen. (745) — Dr. Arthur Müller: ZwangSspa r- shstem statt Sozialversicherung. Schriften zur politischen Bildung. Herausgegeben von der Gesellschaft „Deutscher Staat", Langensalza, Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann). Preis 1,20 Mk. (181) Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. S)., Lombardzlnsfuß 5 o. f). Jrantniri a. Mt. Berlin Sranttun o. Dl Verlin für# l-ubr» n re C* d>lufr» für# Än ang- Rur# e-duuS» tur« 1-Uhr- Nur- Schluß« lur- länfa g» Nur« Datum 73. / 24 1. 23 1. 24 i. Vawm 23. /• 24. /• 23. i 24- u 6% A.uaujL jiviajeaiueiu. rüm6ur(ftnmenta tote, f'amburn»Sübam. TampHdiitl ■ 8 89.25 — 89 88.13 von 1927 .... 88 — 88,1 - — 7% Teutldte 31 et (Man leibe Cania Samoffditll . 10 — —- 124 125 oon 19Z9 ..... 101.65 — 102 — «orbbeutidier Llvvb .... 8 flngemefne TeutlcheÖrebttanfL 10 88,75 — 89,25 88,65 Teurfdx Hnl.-Zbl6f.-Si6ulb mt 60 109,25 —- iio 109.75 -tuelo> Rechten 60.1 60,13 60,25 Barmer Bankverein . 10 117 117 216,75 117 Trtfli. ohne »u6lol.-tRed>te . .13 7.35 7.13 7.14 Berliner Hanbeiogeiellschafi 12 147 — 147,5 146.25 He«, floirtftaai von 1929 ilommerj. und Prioat-Bank . 11 134.75 — 134.75 134.75 trürfmblb 102%) • — 97.5 — lannitäbtet unb Wationalbanf 12 188,5 — 188 188 Cberbvrn Prooin» ■ Anleihe mt teurttbe Bank unb 126.5 «u: . -Rechten . . . Teutldie flpmm. SammelabL 59 —- - tUconip-OcleUidiatt, . . . K- 127 — 127,5 Treebnet Bank ...... 10 177,5 — 127,5 127 tinleibc Serie 1 ■ • 8% tzrantl. Hov.-Bant Solbpse 59 ■ 59.65 — tReidieban? ......12 244 250.25 245.5 254 XIII untünbbar bi« 1934 . . 7% Rrantl. Hop -Bant «olbpte 101.75 — — — a.tt.a..........8 140 140 140,25 140.25 Bergmann.........9 — — 175,5 173 unfünobat M4 1932 .... 96 — • fleht. £ie1enitiflRöbren .... 7 82 81,75 82.65 81,75 Serie 1 • ■ 5 — 4,8 — Mansfelber Bergbau . .... 7 Lberich'-el. Eilenbevari .... 6 62 61.75 «% beigl. Serie II....... 5 — 4.9 — — — 52 50,5 6% Ruminifcbe vereint) Rente Cbendilef. ftoffmerfe.....7 — — «2.5 82,65 von 1903 ......... 9,4 — 4.5 9,3 Bbönir Bergbau......6H 78,25 — 77,9 76.25 4H% Wumdnifdje vereint). Rente 15,75 iRbetnilcbe Brauntahlen . . 10 — — 216,25 215.5 von 1913 .......... — 16 15,75 RdemftaK!.........6 91,5 91 91,25 91 Rumäntftfce vereinh. Rente . 7,4 — 7.5 7,35 Krebeck Morria» ...... 7,2 96 :Vranffun a. Ml. I Berlin trchluß- tur« 1-Uhf. Nu'4 Gchiuß- Iur4 tinfany flurd Datum 23 7. | 24. 7. 23. 7. | 24. 7. tHeieimgir Ltahlwerie . Ctaol IRtnen...... 77,75 — 78.25 77 16',, - — 37.5 37.5 Äal'roerie ‘.'Hdtcrc-leben . . . I( 190 188 191 138 Loliwerte ÄLeneregeln . . . IC 197 197,75 195 Sa-'iwerke Sal»befkurfh . . . 15 334 — 338 337 3. ®. Warben 3nbufme . . Trnonilt 91cbel..... . ir 151,13 151,75 151,75 151,5 . . 6 — — — 71,5 Scheibe onsfaU...... . . 9 — (r. lolthnitbt ...... . . 6 55,5 — 55,5 55.25 Nütgerswerie...... . . 6 50 — 50 49,5 9RetallfleleUf(toft..... . . k 109 — 109,5 — PbUwv Hol,mann .... . . 1 80,5 — 81 73 »;ementwert Heibetberg . . 10 '04 103.5 — (Fementroetf ficrlftact. . . . 10 125 — — — Sodb & Rreutog .... . . f 70 70 71 — SthuitbeU Pa-enbofer . . . 15 — — 267 267 Ctroerte........ . IV — — 216 216,5 «tu ......... . 15 93 — 92.75 92,75 tiemberg........ . 14 95 93 93,5 93,25 flelirtoff Baibbof .... 19'/, 135 — 134,75 134,35 oellftoff Mldioffenbutq . . . li — — 105 — Charlottenburger 5)aller . . . 6 — — 96 95 Tenauer ffia? ..... . . 9 — 134 132 . . 0 30 — 30.25 29,5 Teur>che Smoleum . . . e - — 187 185 . . c — — 40,5 38 Ra:, automobil .... . . 0 — 11,5 _ Crentfeüi Ä Soppel ... . . k — — 61 60 Leon darb Tie»..... . . 10 — —— 132,5 132.5 Svenrto ...... — — 304 303 rltanfhirtet Mmchinen . . . . 4 22 — — — örtrnet ....... . . 6 32 — 32 —— Hevligentfaebl . . . • . Iungban»........ . . 0 — — — . . 6 36 — 35,25 — Leckwerte........ . . 8 °3,5 — — IRcnntraitwerfe Höchü a. M. . . 6 81 — — — Mtag........ . 10 85 — 86 88,5 tzebr. Roeder...... . 10 102 — — Soigt ä Haettner .... . . 9 158 158 Eübveukiche Zucker • • . . 10 151,5 150,5 150 Banfnolen. Berlin, 23. Juil w eimentanbfhe Rote» ...... 4,168 4~Ü8 Belgilche Noten ...... 58.41 58,65 Tüntlckie Noten ........ 111,78 112,22 Eng i|che Noten ........ 20,32 20.40 ftranzolilche Noten ....... 16,425 16.485 £>ollänol|d)e Noten ....... 167,96 168.64 3taltentl(he Noten...... . 21,96 22.04 Norwegische Noten....... 111,73 112,17 Teutich-Qesterreich, i 100 Schilling 59.04 59.28 8iumaniidte Noten....... 2,465 2.485 Schwevtjche Noten ....... 112,31 112,75 Schweizer Noten ........ 81,32 81.64 Spanische Noten ....... 47.40 47.60 lichechoilowakiiche Noten..... 12.384 12.444 Ungarische Noten . ..... 73,15 73,45 Drei Mimartt Berlin — Frankfurt Q 2TI. 23.3uh 24.3uh «miltche ®eib Kotierung 2We «mti dH Xentrung Gelb Seiet flmtl.-tHott. 168,29 168.63 168,39 168,73 Bu-n-Atre- 1,518 1,522 1,512 1,516 BrN.'Äntw 58,465 58,585 58.50 58,62 Cbnftiania. 112,04 112,26 112,11 112,33 »ooenbaaen 112,09 112,31 112,13 112,35 Stockdolm . 112,46 112,68 112.50 112,72 Heltinaior-. 10,525 10.545 10,528 10,548 Italien . . . London. . . 21,91 21,95 21,925 2t. 965 20,353 20.393 20.36 20.40 'Jieunor! . . 4,1815 4.1895 4.184 16,46 4.192 Pori4.... 16,455 16,495 16,56 Ctbweiz . . 81,31 81,47 81.345 81.505 Svani:u . 47,74 47.74 48.00 48.10 Jovan . . . 2,066 2,070 2,069 2,073 4üo be Jan Bien in T-» 0,455 0,457 0,455 0,457 Cefi- abgeft 59,11 59,23 59,15 50,27 Prag ■ • • . Bei)rod . . 12,404 12,424 12,407 12,427 7,424 73,3-5 7,438 7,424 7,438 Bnvavikl • . 73,475 73,335 73,475 Buioarien. 3,033 3,039 3,033 3.039 L'ssodon . 18,80 18,84 18,82 18,88 Tondo • • . 81,37 81,53 81,40 11,58 tzonst ntiu. 1.784 1,789 1.784 1.789 8tben. . 5.43 5.44 5,435 5,445 Tanada . . 4,185 4,193 4,188 3,546 4,198 Urn uay. . 3,586 3,594 3,554 Cairo .. 20,865 20,901 20,875 20,915 Dritter Gießener Ferienkurs. Am zweiten und dritten Tage des Dritten Gießener Ferienkurses sprach Universitätsprofessor Dr. G m e l i n über „Die Weiterentwicklung der Weimarer Verfassung". Die Darlegungen des Redners sind wie folgt zu- sammenzufassen: Um die Entwicklung der Reichs verfassung seit 1919 zu erkennen, darf man sich nicht auf eine Aufzählung der ausdrücklichen Aenderungen des Textes der Reichsverfassung beschränken, auch nicht aus die Nennung der sonstigen verfassungs- ändcrnden Gesetze, vielmehr muß man die treibenden Kräfte aufzeigen, die das Verfassungsleben beeinflussen, auch wenn sie den Buchstaben der Verfassung unberührt lassen. Daher sind die einzelnen Reichsorgane auf ihre wirkliche Bedeutung zu untersuchen. 1. Das Reichsvolk, trotz des Bolks- fouoeränitätsprinzips ein einflußloses Organ, wenigstens in seiner unmittelbaren Beteiligung an der Gesetzgebung: nur siebenmal sind Volksbegehren gestellt worden, davon führten aber nur zwei zu Volksentscheiden, die beide mit Ablehnung des beantragten Gesetzentwurfs endigten. 2. Der Reichs- t a g. Als mächtigstes Organ gedacht, mit einer Fülle von Rechten ausgestattet, aber gleichwohl an Bedeutung verlierend, aus Gründen, die teils dein Parlamentarismus aller Länder gemein sind, teils in den deutschen Verhältnissen wurzeln. 3. Die Reichs- rcgierung, trotz der abnehmenden Bedeutung des Reichstags nicht an Einfluß gewachsen, da die Zersplitterung der Parteien die Bildung beständiger Regierungen verhindert. Die Reichsregierung ist höchstens auf beschränkte Zeit unabhängig vom Reichstag durch Auflösung des Reichstags und die Anwendung des Art. 48. 4. Der Reichspräsident, an Ansehen gestiegen, weil ihm die Schwerfälligkeit des Reichstages bei Neubildung der Reichsregierung eine wichtige Vermittlerrolle hat erwachsen lassen. 5. Der Reichsrat, nicht so machtlos wie er nach der Reichsverfassung erscheint, aber den Reichstag keineswegs überragend. Das Verfassungsleben des Reiches wird zu einem guten Teil durch die internationalen Verpflichtungen bestimmt, die das Reich eingegangen hat, namentlich durch die Annahme des Poungplans. Denn es müssen die Mittel für die Reparationsleistungen bcreitgestellt werden. Läßt sich dies auf verfassungsmäßigem Wege nicht erreichen, so ist der Fortbestand der demokratischen Verfassung auf das schwerste bedroht. Oberheffen Gemeinderat in Grünberg. - - Grünberg, 22.Suli. Sn der jüngsten Sitzung des Gemeinderats war der wichtigste Punkt der Tagesordnung die Frage der Einführung von W a s s e r m e s s e r n. Das im Sahre 1895 erlassene Ortsstatut über die Entnahme von Wasser vom Wasserwerk sieht die Wassergelderhebung in der Regel nach Einschätzung durch die Wasserkommission vor, daneben läßt es nach Wahl der Abnehmer den Gebrauch von Wassermessern zu. Zur Zeit sind bei 459 angeschlossenen Haushaltungen 45 mit Wassermessern versehen. Sn der Wasserkommission kehren nun stets die Gesuche um Herabsetzung des Wassergeldes oder Beschwerden über zu hohe Einschätzung wieder. Der Stadtrechner gab in der Sitzung einen Plan, wie sich die Einführung von Wassermessern finanziell auswirken würde, bekannt. Bei einem Preis des Wassermessers von 36 Mk., wovon 28 Mk. für Anschaffungswert des Messers und 8 Mk. für das Einbauen zu rechnen find, wäre eine ' Kapitalaufnahme von etwa 16 000 Mk. nötig, die . eine Verzinsung von 1400 Mk. erfordern würde. ' Rach dem Voranschlag beansprucht das Wasser- - werk eine Ausgabe von 16 000 Mk., die sich durch obige Verzinsungssumme auf 17 400 Mk. stellen würde. Da nach den Angaben des Wasser- werksleiters die geförderte Wassermenge in den letzten vier Sahren nicht unter 70 000 Kubikmeter jährlich betrug, würde bei Annahme eines Wasserverbrauches von nur 55 000 Kubikmeter sich folgendes Bild ergeben: Kleinabnehmer 40 000 Kubikmeter a 40 Pf. ergibt 16 000 Mk., Großabnehmer 15 000 Kubikmeter ä 18 Pf. ergibt 2700 Mk., mithin eine Einnahme von 18 700 Mk. Vorgesehen ist, für den Wassermesser eine Oe». bühr von 10 Prozent vom Anschaffungswert zu erheben und diese Gebühr, sobald der Wassermesser bezahlt ist, auf 4 Prozent für Llnterhal- tüngskosten herabzusetzen. Auch soll eine Min- destmenge von 15 Kubikmeter bei jedem Wasser- messcr in Berechnung kommen. Rach längerer Aussprache, in der man den Wasserpreis für Kleinabnehmer für reichlich hoch hielt, wurde bei der Abstimmung gegen eine Stimme d i e Einführung von Wassermessern beschlossen und die weitere Dearbeitnng dieser Sache der Wasserkommission übertragen. Sommermarkt in Lich. J) Lich, 24. Juli. Gestern sand hier der altbekannte Sommermarkt statt. Zum Austrieb gelangten 394 Ferkel, 96 Stück Großvieh, 2 Bullen, 47 Schafböcke und 9 Eber. Ferkel kosteten bis zu sechs Wochen 28 RM., 6 bis 8 Wochen alte 35 RM., 8 bis 13 Wochen alte 45 RM. lieber den Prä- mienmartt wird noch besonders berichtet. Verschandelung der Natur. -> Aus dem Riddatal, 21. Suli. Wer das Riddatal von Ridda bis Schotten durchwandert, dem springen eben in Dorf und Feld aufdringliche Reklameschilder größeren und kleineren Formats in die Augen. Alleinstehende Gebäulichkeiten in den Feldmarken sind oft an der Straßenseite über und über “mit Schildern in den schreiendsten Farben bedeckt. Die schönen Fachwerkhäuser in den Dörfern sind durch riesige Blechschilder verunziert, weil den Besitzern das Drei- oder Fünfmarkstück in die Augen stach, das man ihnen als Entschädigung in die Hand drückte. Auch die Backhäuser sind begehrte Reklameträger. Der Raturfreund sieht mit Schaudern, wie von Sahr zu Sahr das einzigschöne Landschaftsbild unseres Tales mehr verunstaltet wird, und warnt vor zunehmender Verschandelung. Die Behörden sollten nicht achtlos an diesen Mißständen vorübergehen. Die deutschen Landschaften weisen schon als typische Erscheinung eine solche Fülle „amtlich befohlener" Tafeln und Warnschilder auf, daß uns der Ausländer vielsagend belächelt. Wird ihre Zahl noch durch eine iln» summe grellfarbiger Reklameschilder vermehrt, so verlieren auch die herrlichste Landschaft, das schönste Dorfbild ihren Reiz. Darum fort mit den schreienden Farbfehen an Giebel und Wand, Tor und Schuppenl Sn den Zeitungen achten wir gerne auf die Warenanpreisungen, nicht 600-Mrseier der Stadt Darmstadt. WSR. Darmstadt. 23. Suli. Darmstadt feierte heute fein 6 0 0. Stadtjubil ä u m. Die Gebäude trugen Flaggenschmuck, aber die sonst üblichen Feiern mit älrnzügen und Volksfesten blieben aus.' Gestern hatten etwa 600 hessische Amerikaner ihre alte Heimat ausgesucht und ihre Glückwünsche überbracht. Heute vormittag wurde in der Altstadt ein einfacher Brunnen eingeweiht, den eine 5) arm« ftäöter Laienspielschar der Stadt zum Geschenk machte. Er ist dem Dichter Ernst Elias Riebergall gewidmet, dessen Bildnis er trägt und auf dessen unvergänglichen „Datterich" er humorige Reliefs zeigt. Das Werk ist in Muschelkalk von dem Bildhauer Well Habicht ausgeführt. Eine Festsitzung des Stadtrats im alten Rathaus am Marktplatz gab Oberbürgermeister Mueller Gelegenheit zum Rückblick und Ausblick. Die Feier war ernst und würdig. Sn sie fiel auch ein ©ebenfen an die Toten von Koblenz, dem Minister Korell bei seiner Glückwunschansprache namens der hessischen Regierung in mitfühlenden Worten Ausdruck gab. Der Reichspräsident hat folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Der Stadt Darmstadt sende ich zur Feier des 600. Jubiläums der Verleihung der Stadt- und Marktrechte meine herzlichen Grüße und Glückwünsche. Möge die hessische Landeshauptstadt, die vom Drucke der fremden Besetzung auch nicht verschont geblieben ist, inmitten des nun befreiten Hessenlandes einer glücklichen blühenden Zukunft entgegensehen." Das Antworttelegramm heißt: „Mit ehrerbietigem Dank für die gütigen Glückwünsche Ew. Exzellenz verbindet die im Brennpunkt der deutschen Westmark gelegene hessische Landeshauptstadt an ihrem Subeitage ein erneutes Treuebekenntnis zur deutschen Republik und unserem erhabenen Reichspräsidenten. Oberbürgermeister M u e 11 e r.“ Auch der hessische Staatspräsident Dr. Adelung, Snnenminifter Leus chne r, der Präsident des Deutschen Städtetages, der Vorsitzende des Hessischen Städtetages, Oberbürgermeister Dr. Keller, Gießen, haben herzlich gehaltene Glückwunschtelegramme gesandt. Oberbürgermeister Mueller hat folgenden Aufruf erlassen: „Durch Erlaß vom 23. Suli 1330 hat uns Kaiser Ludwig der Bayer zur Stadt erhoben. Wir feiern demnach als solche heute den 6 0 0. Geburtstag. Wir feiern ihn in einer Zeit, da unser Vaterland eben aus tiefstem Riedergang sich wieder emporgerafft hat und unter immer wiederkehrenden schweren Rückschlägen aufs neue seine Stellung in der Welt zu festigen bestrebt ist. Sinkende Wirtschaftskonjunktur und steigende Arbeitslosigkeit sind die Zeichen der Stunde. Rauschende Festlichkeiten verbieten sich damit von selbst. Aber ebenso falsch wäre es, sich der drückenden Last zu beugen, wo es gilt, zu kämpfen für ein besseres Los, für einen neuen Aufstieg. Darum begrüßen wir diesen festlichen Tag, der uns emporreißt aus den Alltagsgedanken, der uns mit dem Gewicht seiner Bedeutung machtvoll an die Verantwortung erinnert, die wir tragen, der uns stärkt in dem gläubigen Vertrauen, daß diese Stadt, die 600 Sahre des Glücks und der Rot mit einem unaufhaltsam vorwärts drängenden Willen überstanden hat und aufrecht und klar der Zukunft entgegenblickt, auch dieser sich gewachsen zeigen wird Es liegt an uns, an dieser Generation, ob sie die Kraft aufbringt, die die Geschichte von ihr verlangt. Wir haben es wahrhaftig schwerer als viele Geschlechter vor uns, aber wir wollen heute aufs neue feierlich geloben, auszuharren und stark und treu zu fein und unverzagt und arbeitsfreudig. Dann werden wir mit Gottes Hilfe unserer schönen Stadt den Weg bereiten, auf dem sie wieder zu Höhepunkten schreiten kann." Der Mesetker Voranschlag für 1930/31. £ Wieseck, 24. Suli. Wie in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichtet, befaßte sich der Gemeinderat am Montagabend mit dem Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 9 30. Sm einzelnen sei hierüber noch berichtet: Das bare Betriebskapital für 1930 ist mit 10 000 Mk. angesetzt: der Rechnungs- r e ft beträgt in Einnahme 11331,11 Mk. (1929: 9472,87 Mk.), in Ausgabe für nicht eingehende Forderungen 400 Mk. (1929: 300 Mk.). Die Rubrik Gebäude zeigt in Einnahme 8342 Mk. (1929: 8676 Mk.), Mietherabsetzung auf 125 statt 140 Prozent. Ausgabe 3600 Mk. (1929: 3100 Mk.). Die Erhöhung von 500 Mk. soll für laufende Unterhaltung verwandt werden. Bei dieser Gelegenheit wird an die Reuregelung der Mieten in den Gemeindewohnungen nochmals erinnert. Die Grundstücke sollen 14264 Mk. bringen, 1929 waren es 16 328 Mk. Diese Mindereinnahme ist auf die Verbilligung des Herr- grases, sowie auf die schlechtere Obsternte zurück- zuführen. Die Ausgaben betragen 1520 Mk. (1929: 1440 Mk ). Die Waldungen sollen 28854 Mk. einbringen (1929 waren 30 445 Mk. vorgesehen). Die Ausgaben sind mit 15 251 Mk. vorgesehen (1929: 13 906 Mk.). Die Sagt) bringt wie in 1929 1550 Mk. ein. Schäfereien und Weiden haben eine Mehreinnahme und Minderausgabe zu verzeichnen, da die Gemeindeschäferei aufgehoben und die Schäferei anderwärts verpachtet ist. Die Einnahmen in 1930 sollen betragen 2606 Mk. (1929: 1840 Mk.), die Ausgaben 1930 60 Mk. (1929: 1031 Mk.). Messen und Märkte sollen 300 Mk. einbringen. Wieg- und Eichanstalten: Einnahme 1930: 770 Mk. (1929: 809 Mk.). Ausgabe 470 Mk. wie in 1929. Wasserversorgung: Einnahme 17 242 Mark (1929: 11 742 Mk.), Mehreinnahme durch Erhöhung des Wassergeldes, bedingt durch Reuanschlüsse, Ersah alter Rohre usw. Ausgabe 12 342 Mk. (1929: 9590 Mk.). Bei der Gasversorgung sind die Einnahmen mit 3850 Mk. (1929: 4400 Mk.), die Ausgaben mit 5430 Mk. (1929: 5980 Mk.) veranschlagt. Bei der Allgemeinen Verwaltung sollen die Einnahmen 1290 Mk. betragen, 1929 waren es 1425 Mk. Die Ausgaben sind mit 28 674,50 Mk. vorgesehen. 1929 waren 24 371 Mk. angeseht. Oeffentliche Sicherheit: Einnahme 300 Mk. (1929: 200 Mk ). Ausgabe: 5478 Mk. (1929: 5746 Mk.). Oesfentliche Gesundheitspflege u. Wohlfahrtseinrichtungen: Einnahme aus zurückerstatteten Kurkostenanteilen 600 Mk. Die Ausgaben sind mit 6463 Mk. vorgesehen, gegenüber 3954 Mk. in 1929. Feuer löschwes en : Einnahme (Zuschuß von der Brandversicherungskammer) 200 Mk. Ausgabe: 908 Mk. Dieser Betrag soll zur Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen für die Freiwillige Feuerwehr Verwendung finden. Armenpflege: Einnahme 5200 Mk. fl929: 3850 Mk.). Ausgabe: 15 720 Mk. gegenüber 10 400 Mk. in 1929. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die Mehrausgaben für ausgesteuerte Erwerbslose (die wohl in diesem Winter in weit größerer Anzahl vorhanden sein werden) Verwendung finden sollen. Wenn es der Gemeinde nicht gelingen sollte, diese Ausgesteuerten mit Rotstandsarbeiten zu beschäftigen, so dürfte dieser Betrag (vorgesehen sind 8120 Mk.) lange nicht ausreichen. Schulen: Einnahmen 963 Mk. (1929: 1007 Mark). Ausgaben: 10 098 Mk. (1929: 7740 Mk.). Die Ausgaben sind durch den Anteil der.Gemeinde zur Lehrerbesoldung und durch Lehrmittelanschaffungen gegenüber 1929 gesteigert. Der seit Sahren der Volkshochschule überwiesene Betrag soll dieses Sahr mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Gemeinde erspart werden, da ja auch die Volkshochschule zur Zeit über genügend flüssige Mittel verfügt. Evangelische Kirche: Ausgabe 4777 Mark (1929: 4080 Mk.). Gemeindefriedhöfe: Einnahme 1004 Mark, Ausgabe 2554 Mk. Straß en : Einnahme 1 Mk., Ausgaben: 20 721 Mk. (1929: 18 104 Mk.). Kanäle: Einnahmen 13825 Mk. (1929: 825 Mark). Die Mehreinnahmen sollen die Kanalgebühren und die Zurückerhebung der l.Rate für Hausentwässerungsanschlüsse einbringen. Ausgaben: 10 689 Mk. gegenüber 5125 Mk. in 1929. Die Mehrausgabe ist für Zinsen für das aufgenommene Kapital zur Erweiterung des Kanal- nehes bestimmt. Landwirtfchastszwecke: Einnahmen 2472 Mk. (1929: 1722 Mk.). Ausgaben 9874 Mk. (1929: 6687 Mk.). Hierbei sind die Besetzung der zweiten Feldschühenstelle und sonstige Veränderungen zu berücksichtigen. Grenzverhältnisse: Einnahmen 5000 Mark (1929: 3304 Mk.). Ausgaben 7457 Mk. (1929: 5783 Mk.). Denkmäler usw.: Die Ausgaben sollen 520 Mark betragen, 1929 waren es 2020 Mk. Mit Rücksicht auf die Rotlage werden dem Turn- Hallenfonds nur 500 Mk., statt 2000 Mk. in 1929 überwiesen. Flüsse, Bäche und Gräben: Ausgaben 5400 Mk. gegenüber 3300 Mk. in 1929. Ruhegehalte, Witwen- und Waisengel- der, soziale Fürsorge: Ausgaben 10780 Mark gegenüber 9633 Mk. 1929. Die Wohnungsfürsorge zeigt in Einnahme 7655 Mk. (1929: 7578 Mk.) und in Ausgabe 13 101 Mk. gegenüber 15 292 Mk. in 1929. (Steuern und Abgaben: Ausgaben 11 100 Mk. (1929: 9280 Mk.). — Die Hundesteuer, Vergnügungssteuer, Zuschlag zur Grund- erwerbssteuer und Wertzuwachssteuer sollen 4000 Mark einbringen, gegenüber 3400 Mk. in 1929. — Die Einnahmen aus Reichssteuern sind mit 26 120 Mark veranschlagt. 1929 waren es 27 645 Mk. Der Ausfall ist auf Mindereinnahme aus der Umsatzsteuer zurückzuführen. Sm Reservefonds zur Ergänzung unzureichender Kredite find in Ausgabe 2000 Mk. vorgesehen, statt 6000 Mk. in 1929. Mobiliar- und Erneuerungsfvnds: Einnahme und Ausgabe je 35 Mk. wie in 1929. Die Einnahmen aus Kapitalzinsen betragen 603 Mk. statt 541 Mk. in 1929, die Ausgaben 2315 Mk. (1929: 3300 Mk.). Zur Schuldentilgung werden 3130 Mk. verausgabt werden, gegenüber 3121 Mk. 1929. Die Gesamtausgaben betragen 211 367,50 Mark, die Einnahmen 156 886,11 Mk., so daß durch Gemeindesteuern 54481,39 Mk. zu decken sind. Eine Anregung, für baldige Snstandsehung der in sehr schlechtem Zustand befindlichen Gießener Straße zu sorgen, wurde dem Bürgermeister als Material überwiesen und gebeten, alsbald die nötigen Schritte zu unternehmen. aber in einem Fleckchen Erde, wo sie den Zauber der Landschaft morden. Landkreis (Hießen. :/: Grohen-Bufeck,23. Suli. Der DHC. - Zweigverein „Buseckertal" hielt am Sonntag eine außerordentliche Versammlung im „Schwanen" ab, die vom neugewählten ersten Vorsitzenden Lehrer S u n g (Großen-Buseck) geleitet wurde: Die Zahl der Mitglieder hat sehr abgenommen: sie beträgt augenblicklich 25. Trotzdem konnten die vom Wandermeister, Verwaltungssekretär L. W e h r u m (Gießen), festgesetzten Monatswanderungen ausgeführt werden. Mit Beginn des Sahres ist die Auszeichnungsart für die Teilnahme an den Wanderungen vom Vorstand so festgesetzt, daß jede Wanderung fortlaufend gezählt wird. So konnten mit der „Goldenen Radel" ausgezeichnet werden je fünf Mitglieder für 75, 50 und 25 Wanderungen. Sn humorvoller Weife wurde die Auszeichnung von den VHC.-Drüdern Schmidt (Alten-Duseck) und G. Roth (Gießen) vorgenommen. Der Versammlung schloß sich ein gemütliches Beisammensein an, t Treis a. d. Lda., 23. Suli. Untere Wasserleitung, die während der heißen Tage dem Wasserbedürfnis unserer Einwohnerschaft nicht genügte, gibt, sobald es nur einmal geregnet hat, reichlich Wasser. Man sieht hieraus, daß nicht die Leitung nachgelassen hat, wie man vermuten könnte, sondern daß ihr in heißen Tagen mehr zugemutet wird, als sie liefern kann. v. Londorf, 23. Suli. Rachdem jetzt tkiS Gelände für die hiesige Volkshalle ertoor« den ist, haben die Arbeiten für den Dau de« Halle begonnen, so daß zu hoffen ist, daß sie bis zum Herbst ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Kreis Schotten. § Vom Vogelsberg, 22. Suli. Eine eigen« artige Raturschönheit ist eben in unseren Bergen wieder zu beobachten: die Blüte der Weideröschen, ileberall erfreut ihr sattes^ tiefes Lila das Auge, wo sie einzeln oder in ganzen Feldern vorkommend anzutreffen find. Kreis Alsfeld. I Kirtorf, 22. Suli. Am Sonntag fand bien' ein vom Landesjugendamt veranstaltetes evangelisches Sugendtreffen statt. Man versammelte sich zuerst im Gotteshaus. Annähernd 1000 Besucher lauschten im F e ft * gottesdienst sitzend und stehend, drinnen und draußen, der packenden Predigt des Landes« jugendpfarrers von der Au, Darmstadt. Brausend klangen die herrlichen Choräle und Glaubenslieder, von der Gemeinde, der Sugend oder den Chören gesungen, durch daH mit blühenden Blumen und grünen Birken geschmückte Got« teshaus. Gebet und Schriftworte waren um« rahmt von Motetten und Liedern des Kirchen« Eßt mehr Roggenbrot! gesangvereins Ober-Gleen, des Posaunenchors Kirtorf, des Männergesangvereins und der Mäd- chensinggruppe Maulbach. Unmittelbar nach dem Gottesdienst folgte ein F e st z u g der Kinder« gruppen, der Turner von Romrod und Kirtorf, der Kirchenchöre und Männergesangvereine von Ober-Gleen, Kirtorf, Maulbach, Appenrod und Dannenrod, sowie her Sugendgruppen aus den benachbarten Kirchspielen. Den Abschluß des etwa 1900 Personen umfassenden Zuges bildete die Mädchenvereinigung Kirtorf und die übrige Gemeinde. Sn dankenswerter Weise hatten die Posaunenchöre von Kirtorf und Ober-Ofleiden die Marschmusik übernommen. Am Rachmittag folgten die von Landesjugendpfarrer von der Au und Pfarrer Kalbhenn, Maulbach, ge« leiteten Veranstaltungen auf der prächtig gelegenen Auwiese. Rach einem gemeinsam gesungenen Lied entbot her Ortsgeistliche den Festteilnehmern ein herzliches „Willkommen" und übermittelte die Grüße des Prälaten Dr. DiehL und des Superintendenten O. W a g n e r , Gie« ßen. Grüße hatten außerdem übermittelt Schulrat Daffinger, Darmstadt, und Schulrat Rausch für das Kreisschulamt Alsfeld. Dekan Dr. Unverzagt überbrachte die Grüße des Dekanats Alsfeld. Runmehr folgten unterhaltende Darbietungen der verschiedensten Art: Vorträge des von Schülern aus Ermenrod gebildeten Mundharmonika-Orchesters, Freiübungen der Turner, die Elpenröder Puppenspiele, gemeinsame Kanons von Pfarrer von der Au und seinen Mitarbeiterinnen im Landesjugendamt, Volksliederreigen der Maulbacher Sugend und einige gemeinsame Volkstänze, schöne Chöre des Männergesangvereins Kirtorf und des Kirchen- gesangvereins Ober-Gleen. Auch die beiden Po- saunenchöre waren unermüdlich tätig. Gegen 6 älhr klang das Sugendtreffen in einem herzlichen Schlußwort und in gemeinsamem Lied aus. Vom Landwirt zum Heldentenor. WSR. Worms, 23. Suli. Rach erfolgreichem Probesingen wurde der frühere Landwirt Philipp R a s p aus Monsheim für das erste Fach an das Stadttheater in Heilbronn verpflichtet. Der Sänger war Mitbegründer des Sängerquartetts Monsheim, dessen Erfolge hauptsächlich auf fein Konto zu setzen sind. Auf seine ganz außergewöhnliche stimmliche und musikalische Begabung wurde zuerst fein späterer Lehrer, Gesangspädagoge am Konservatorium Kaiserslautern, Feilke, aufmerksam, und in verhältnismäßig kurzer Zeit wurde Rasp zum Berufs« fänger ausgebildet. Oie neue Karte von Europa. Wenn du, wie in schönen Friedensjahren Dich im fernen Sommerurlaub stärkst, wirst du dir viel Schererei ersparen, wenn du dir die neuen Namen merkst! Bozen heißt Bolzano, Prag heißt Praha, Helsingfors Helsinski, Dirschau Tzew; Warschau steht im Kursbuch als Warszawa, Braunau heißt, entschieden kürzer, Brew. Karlsbad nennt sich jetzt Karlovy-Vary, Straßburg gab man vor das u ein o. Neudorf heißt harmonisch Spißka-Tary, Thorn heißt Torun, Brünn jedoch heißt !Brno< Wenn dir fremder Sprachen Quellen fließen, sage mir, wie spricht man Bromberg aus: Bydgoszcz heißt es! Dreimal muß man niesen; trägst du ein Gebiß, fällt es heraus. Aber selbst im Lande der Chinesen ist der Namenswechsel nicht gering. Peking ist erledigt, ist gewesen, für die nächsten Wochen heißt es jetzt Peiping. Manches aber werden wir behalten, mag es kommen, wie's auch immer will: Buxtehude, Elend, Flohbach, Pschalten, Nippes, Kötzschenbroda und Tripstrill! Puck. Verantwortlich für das Feuilleton i. 23.: Dr. Fr. W. Lang e. Ein aus Hamburg (öerKaffeeftakt) schreibt- Z/ Hvl* M mH- H/UMv ylvvuuäl üus auch! HerrOoktor...