Donnerstag, 25. Oktober 1930 180. Jahrgang Nr. 248 Erstes Blatt Erlchein« 'agl'ch.autzei Sonntags und Feiertags Beilagen Ote 3Du|triertt Vietzener JamiHenblfttt« Heimat im BUd Die Scholle monais-Bejugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfenmg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt. tfernforechanlchlüste anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Snzetger flehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anjetgen für die Tagernummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfenmg; für Re- Klameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrifl 20" , mehr. Chefredakteur. Dr Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bieben. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drnd und Verlag: vrühl'sche Untverfitülr-Vuch- und Stetnöruderet R. Gange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulttrahe 7. Severmg wieder preußischer Innenminister. -M- &>-, V* * v4,. • < -Cv.£ X* ' . t politischen und verwaltungstechnischen Schwierigkeiten glaubte Ministerpräsident Dr. Braun keinen geeigneteren Wann finden zu können, als Seoering, der in der letzten Zeit kein Amt halte und daher zur Verfügung stand. Die Koalitionspartelen des Preuhischen Landtages waren von dem bevor- flehenden Ministerwechscl vorher unterrich. l e t. Im übrigen stehl nach der preuhischen Der- fassung dem Ministerpräsidenten das Recht zu, Rücktrittsgcsuchc zu genehmigen und neue Minister zu ernennen. Ob Dr. waentig wieder als Pro- sessor an die Universität Halle zurückkehrt. fleht noch nicht fest. Die Regierung hat jedenfalls die Absicht, ihm eine Professur für Staatsrecht an einer preußischen Universität anzuoertrauen. Deuischnationaler Mißtrauensantrag gegen Severing. Berlin, 22. Ott. (Ddz) 3m preußischen Landtag ist der folgende deutschnationale Urantrag eingegangen: Wie der Qlmtl. Proust. Pressedienst meldet, hat der preußische Ministerpräsident den Abgeordneten des Reichstags Herrn Severing zum preußischen Innenminister ernannt. Wir beantragen: Der Landtag wolle beschließen, der Minister Severing besitzt nicht das Vertrauen des Landtags. Keine Einberufung des Reichstags. Fortführung der Agrarhilfr ohne Parlament. B e r l i n , 22. Oft. (XU. Amtlich.) Retchskanzler Dr Brüning empfing am Mittwoch den Vertreter der ßanbi olfpartei, Rcichstagsabg. Dr. © e r e t e. Dr Gereke trug den Wunsch der Landvoltfraktion auf beschleunigte Einberufung des Reichstages vor, damit dieser zu den von der Landvolkpartei gestellten dringenden agrar polt- t i | d) c ii 21 n 11 ä fl e n Stellung nehmen könne. Der Reichskanzler betonte, daß bei aller Anerkennung der Notwendigkeit der notleidenden Landwirtschast b c - schleunigt weitere Hilfe zu gewähren es zur Zeit nicht möglich sei, seitens der Reichs- regierung den Wiederzusammentritt des Reichstags zu veranlassen. Im Gegenteil habe sich der Reichstag s e l b st — einer Anregung der Reichsregienmg entsprechend — bis zum 3. Dezember vertagt. Die Reichsregierung habe sich jedoch bekanntlich in ihrer Regierungserklärung vom 16. Oktober für die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Behebung der landwirtschaftlichen Not ausgesprochen, und die hierzu erforderlichen Vorbereitungen seien sofort in Angriff genommen worden. Oie Grubenkatastrophe von Alsdorf. Die Unglücksgrube Anna II nach der Katastrophe. schen frischem Tannengrün aufgebahrt. Sanitäter halten Totenwacht und erweisen das letzte Werk der Nächstenliebe, indem sie verhüllen, was grausame Gewalten an menschlichem Leben zerstörten. Bergungsarbeiten gehen mit allem zu Gebote stehenden Mitteln weiter. Profe, or Dr. Waentig. Den muhte. So ist e« jetzt wieder gegangen, als Herr W a e n t i g, der kaum ein Jahr im Innenministerium saß, urplötzlich sein Abschiedsgesuch einreichen mußte, um Herrn Severing wieder Platz zu machen. WaS diesen Perso enwcchsel veranlaßt hat. darüber zerbrechen sich die Auguren die Köpfe. Zunächst ist wo)l zu sagm, daß auch Herr Waentig für die Sozialdemor.atie eine Enttäuschung gewesen ist. Er kann sehr schöne Reden halten, aber er hat sich die nötige Autorität in seinem Ressort und vor allem in der Polizei nicht zu schaffen verstanden. Hier ist wohl auch der stärkste Hebel zu suchen, der die Rückberusung 6c- verings veranlaßt hat: der preußische Ministerpräsident ist in der Sozialdemokratie der stärkste Anhänger einer Politik, die das Kaoinetl Brüning zunächst unterstützen will, wahrscheinlich bis über die Grenzen des Parlamentarismus hinaus, so daß die A-otwendigkeit einer Diktatur mit entsprechen er Rückendeckung bei der preußischen Derwal.ung und bei der preußischen Polizei bet Den Unterhaltungen zwischen dem Reichskanzler und um preußischen Ministerpräsidenten eine große Rolle gespielt haben könnte. Herr Severing ist der Mann, der die preußische Polizei aufgezogen hat. Sie hat unter feinen1 schwachen Äachfolgern offenbar an innerem Zusammenhalt verloren. Das soll nun Herr Severing wieder einholen und dadurch die Schutzpolizei zu einer scharfen Waffe machen. Die jederzeit im Interesse der Staatsautorität eingesetzt werden kann. Gleichzeitig aber wird dadurch auch das Minister Severing. Innenministerium mitsamt der Polizei zu einer sozialdemokratischen Festung, die erobert werden muß, wenn etwa das Zentrum seine Drohung wahr macht und die preuhische Regierungsgemein- schaft tatsächlich in dem Augenblick kündigt, wo die Sozialdemokraten im Reich dem Zentrumskanzler Brüning einen Knüppel zwischen die Deine werfen Mne Sicherung nach zwei Fron- t e n also, eine offene Kampfansage gegen Un- ruhestifter und Ordnungsstörer, eine verkappte Kampfansage an das Zentrum, falls etwa die preußische Koalition auffliegen sollte Don Herrn Braun ein parteipolitisch ungewöhnlich geschickter Schachzug, den.er auch staatspolitisch dem Zentrum und den Sozialdmokraten gegenüber sehr gut begründen kann, zumal da Severing im Reich Die amtliche Propaganda gegen das Volksbegehren in Sachen des Boung-Plans in der Hand ge- Bisher 248 Tote geborgen. Es werden immer noch Bergleute vermißt. Alsdorf, 23.Oft. (111.) Da nunmehr sämtliche Strecken freigelegt sind, wurden die Bergungs- und Ausräumungsarbeiten um 1 Ahr früh für einige Stunden eingestellt. Die Zahl der bisher geborgenen Toten beträgt insgesamt 2 48, davon sind 19 bei dem Einsturz des Förderturmes und des Der- wattungsgebäudes ums Leben gekommen, vier sind in Krankenhäusern gestorben und 225 wurden tot aus dem Schacht zu Tage gefördert. Ob noch Bergleute im Schacht sind, läßt sich zur Zeit nicht fest- feilen, da von 225 aus dem Schacht beförderten Toten nur 60 identifiziert sind Ls hat sich auch herausgestellt, daß auch von der Nachtschicht Mannschaften unter Tage waren, als die Katastrophe eintrat, da die Frühschicht ,u dieser Zeit noch aus dem Wege vor Ort war. weiter werden verschiedene Derrn ifate wohl nie geborgen werden können, da sie wahrscheinlich von der Plattform des Förderturmes in den Schacht abgestürzt und i m Sumps ertrunken sind. Ferner nimmt man an, daß den weg durch den Schacht, den vier Bergleute von der 240-Metersohle aus durchgeklettert sind, wohl mehr Leute angetrefen, aber nicht durchgehalten haben und ebenfalls abgestürzt sind. Trauerfahnen über Alsdorf. Auf der Trümmerstättc der Zeche Anna II. Alsdorf, 22.Oft. (WTB.) Vor dem Eingang zur Unglückszeche flauen sich heute noch immer Hunderte, die in banger Sorge auf Nachrichten warten. Die Bergungsarbeiten unter Tage yehen weiter. Auch über Tage wird die Bergung eifrig fortgesetzt. Zwischen Steingeröll und Schutt ragen Mauerstücke empor, hier noch ein Fensterbogen, dort ein Pfeiler des Waschraumes. Im Verwaltungsgebäude sieht man noch hier und da eine Bureaulampe unversehrt an der Decke hängen; ein großes Glasfenster ist wie durch ein Wunder ebenfalls um beschädigt geblieben. Der Förderturm ist auf das Verwaltungsgebäude gefallen. Unter den trostlosen Schutthaufen liegen die noch nicht geborgenen Toten der Verwaltung. Auf den umliegenden Hal- den stehen Scharen von Menschen, während Stein um Stein beiseitegeschafft wird. Flugzeuge kreisen in der Luft, um Aufnahmen zu machen. Zwei Mann von der 460-Metersohle sind heute nachmittag durch den Schacht Anna II. Den Unglücksschacht, hochgeklettert, bis sie sich bemerkbar machen konnten. Man ließ Seile hinunter und zog sie herauf. In den Schacht hinabzusteigen, ist immer noch unmöglich, da die Rolle des Förderturmes und das zusammengebrochene Gestein den Schachteingang vollkommen verschüttet haben. Stück für Stück muß das Eisenwerk auseinandergeschweißt und das Gestein entfernt werden. An der Unglücksstätte spielen sich erschütternde Szenen ab. Ein Familienvater fuhr kurz nach seiner eigenen Rettung wieder ein, um nach seinen Söhnen zu suchen. Eine Mutter hatte drei Söhne in der Frühschicht Sie stand jammernd vor dem Fabriktor, als einer der Jungen ihr geschwärzt entgegenkam. Diele Stunden später wartete sie noch immer auf die zwei anderen. Don den Zechenaebäuden wehen ^die langen schwarzen Trauerfahnen. Das große Sterben am Dienstag hat die Gemeinde Alsdorf ins Mark getroffen. Zahlreichen Familien ist der Ernährer, vielen Eltern der unterstützende Sohn genommen. Hinab und herauf geht der Förderkorb. Er führt heute Tote, falte Körper, für die es fein Erwachen gibt. Sie sind zerstört von dem Gestein, mit dem sie ihr Leben lang fämpften. Sie sind vergiftet von dem Gas, das sich vom Stein befreite. In langen Reihen werden die loten in einer leeren Halle zwi- Roch feine Klarstellung der Ursache. Ter amtliche Untersnchungsbericht des Lberbergamts Alsdorf, 22. Oft. (TU.) Der Unfallausschuh der Grubensicherheitskommission des Ober- bcrgamtes Bonn teilt mit: Der UnfaUaus- fchuß Hal am 22. Oktober in Anwesenheit von Der- trctern des Grubensicherheilsamts Berlin, des Oberbergamtes Bonn und der zuständigen Bergreoier- bcamten unter Hinzuziehung der Sachverständigen der Hauptrettungsstelle Essen und der Dersuchs- strecke zu Dortmund-Derne sowie der Lhemifch-tech- nischen Reichsanstalt die Grube Anna II befahren. 3m Anschluß an die Befahrung fand eine Zeugenvernehmung und eingehende Beratung statt. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht g e f l ä r t. Fest steht, daß die Spreng ft offlager auf sämtlichen Sohlen der Grube in Ordnung sind. Die zunächst angenommene Explosion eines Sprengstofflagers scheidet somit als Ursache des Unglücks aus. Soweit weiter festgestellt werden fonnte, ist auch an dem Unglückstage fein Spreng st osftrans- port in Die Grube hinein erfolgt. Bei der Befahrung der Grube sind bisher Anzeichen einer kohlen st aubexploflon unter Tage nicht ermittelt worden. Die Befahrungen und Untersuchungen werden am 23. Oktober fortgesetzt. Die Der Untersuchungsbefund. Die Ursache Der furchtbaren Katastrophe in Alsdorf ist noch nicht geklärt. Die Verwaltung teilt mit, daß alle Munitionslager unversehrt aufgefunden wurden. Demnach würde eine Dynamilexplofion auszuschalten fein. Es kommen auch schlagende Wetter oder Kohlenstaubexplosionen nicht in Frage, da die aufgefundenen Toten und Verletzten alle in Richtung zum Schacht lagen. Bei solchen Katastrophen liegen nämlich die Toten in der vom Schacht abgewandten Richtung. Die Untersuchung der W e 11 er tüten hat auch die Merkwürdigkeit ergeben, daß sie von außen nach innen gedrückt find. Der Explofionsherd müßte also außerhalb der Grube liegen. Dafür sprechen auch die oberirdischen furchtbaren Verheerungen. Das Eindrücken Der Wettertüren von außen nach innen soll übrigens noch Den Vorteil gehabt haben, daß Die Grubengase ziemlich gleichmäßig in die Reviere nach unten gedrückt und so verteilt wurden, so daß sich fchlagendeWet- ter nicht bilden konnten. Einwandfrei, wird von Zeugen auch bestätigt, daß nur e in Schlag gehört worden ift Das Merkwürdigste an dieser Katastrophe ist, daß eine aus noch unbekannten Gründen erfolgte Explosion im Fötder- schacht oder in dessen nächster Umgebung neben Der oberirdischen Zerstörung auch noch e i n e b i s auf die 460 Meter-Sohle gehende Wirkung hatte. Der ungeheure Verlust an Menschenleben ist besonders daraus zurückzusuh- ten, daß in den unteren Sohlen verschiedene Reviere keinen unmittelbaren zweiten Aus gang nach Dem Schacht AnnaI hatten, so Severings Rückkehr. Bon unterer Berliner Redaktion Für Den preußischen Ministerpräsidenten Braun ist die Demokratie nicht viel mehr als ein Begriff, jedenfalls erkennt er ihren Inhalt nur in foweit an, als er ihn im gegebenen Augenblick brauchen kann Er entläßt und beruft feine Minister wie ein Monarch und überläßt eS Dann nachher der verblüfften Oeffentlichkeit, sich einen Vers darauf xu machen So ging es vor einem Jahr, als Der Innenminister Grzefinski Plötzlich verschwin- hadt hat und die Erfahrungen, Die er Dabei erworben hat, jetzt in Preußen ausnuhen kann, sobald das Volksbegehren für Die Auflösung des preußischen Landtags gestellt ist, das von den Sozialdemokraten und dem Zentrum gleich heftig befehdet wird, weil Damit alle Grundlagen ihrer Machtstellung ins Wanken geraten würden. Der Erlaß Brauns. Lcvering tritt an die Stelle ÄZacntigs. Berlin, 22. Ott. (111.) wie gestern bereits kur; gemeldet, hat der preuhische Minister des 3nnern, Professor Dr. waentig, dem Ministerpräsidenten sein Rücktrittsgesuch überreicht. Ministerprä- sident Dr. Braun Hot dieses Rücktrittsgesuch a n - genommen. Als Nachfolger des scheidenden Ministers hat der Ministerpräsident den Reichs- und Staatsminister a. D. Severing ernannt wie aus Kreisen der preuhischen Regierung zu diesem wechsel im Innenministerium verlautet, stehen nun die Mahnahmen des vom Stahlhelm beantragten Bolksbegehrens zur Erörterung. Ferner erwartet man, dah die Nationalsozialisten gleichfalls Dolksbegehren zu verschiedenen auhen- und inner- politischen Fragen beantragen werden. Zur Uebet- windung der mit diesen Problemen verbundenen Wallstreet für ein Moratorium Vorstellungen bei Hoover Neuyork, 22. Oft. (TU.) „Universal Service" meldet aus Washington: Während Präsident Hoover, Staatssekretär Stimson und Schatzsekretär Mellon einem Moratorium für Deutschland stark ablehnend gegenüberständen, setzte sich i n Wallstreetkreisen wegen der amerikanischen Kapitaleinlagen in Deutschland in Höhe von 2% Milliarden Dollar immer mehr die Ueberzeugung durch, daß ein Moratorium nicht länger hinausgeschoben werden könne Den Standpunkt der Wallstreet habe der Gouverneur der Federal Reservebank, Harri so n, am Montag in einer Unterredung mit Präsident Hoover nachdrücklichst vertreten. Er habe gleichzeitig die Forderung erhoben, daß die Regierung ihre bisher ablehnende Haltung in der Frage einer Verkoppelung der Reparationszahlungen mit der Rückzahlung der interalliierten Kriegsschulden einer Revision unterziehen müsse. Demonstrationsverboi auch in Braunschweig Braunschweig, 22.DFL (TU.) Der braunschweigische Innenminister Dr. Franzen hat folgende Bekanntmachung veröffentlicht: Wie mir bekannt geworden ist, werden im ganzen Freistaat in den letzten Tagen Flugblätter verteilt und Plakate zum Anschlag gebracht, öie in oer- leumderischer und beleidigender Weise unrichtige Angaben über die Vorgänge bei der Verhaftung des Landwirts Guth durch die Berliner Polizei bringen. Dieselben Vorgänge feilen auch in gleich ent- stellter Form zum Gegenstand einer großen Kundgebung des Reichsbanners Schwarz- r o t g o l d am kommenden Freitag gemacht werden. K ,«u W fr t W A •* Rettungsversuche über Tag. sich sehr tief bücken, um nicht gegen den Stein zu stoßen. Dann kommen acht Kohlenwagen. Gleich dahinter zwei Sanitäter, genau so schwarz und erschöpft wie die Bergleute. Sie tragen eine verdeckte Bahre. Einer von uns hebt die Decke: „Kenne ich, war erst ein halbes Jahr hier." Nirgendswo ein Laut. Nach der furchtbaren Wandrung eine Kurve. Was da links von uns liegt, ist Todeslast. Mehr als 50 Meter lind hier zu Bruch gegangen und darunter liegt der Tod. Es ist dunkel und eng. Beladene Kohlenwagen und ein unversehrtes Dynamitlager. Dann geht es nicht mehr viel weiter. Das Dunkel und das Geröll decken alles zu. Wir gehen zu dem alten Gang, immer mehr i n das Zentrum der Katastrophe. Der Stollen trieft. Die Luft wird immer schwerer. Sohle 360 ist zu Ende. Ein neuer Förderkorb, klein und primitiv, die Seitenwände sind offen. Lin flottes Gleiten und der Korb plantscht in morastiges Wasser: Wir sind aus Sohl e 4 6 0. Träger haben wieder die Hände voll zu arbeiten. Der Weg geht durch Wasser und über Trümmer zurück. Wir tragen schwer an den Toten, wir stöhnen und dampfen. Als wir wieder oben angelangt waren und das helle Tageslicht erschauten, wurde es uns zu einem Geschenk Gottes, dah wir immer und ständig in heller Sonne und freier Luft leben dürfen. Die Wirtschastsnot im Aachener Revier. Der Verlust der Absatzmärkte für die rheinische Kohle. Alsdorf, 23. Ott (TA.) Die leitenden Ingenieure blicken ernst. Menschliches Leid stürmt auf sie ein und die wirtschaftlichen Lasten türmen sich. Infolge der abseitigen Ber- kehrslage des Reviers können nur unter den größten Anstrengungen die Betriebe aufrecht- erbalten werden Durch hohe Frachtsätze ging Herves Revisionsfeldzug und die deutsche liechte. Eine Anfrage Aechbergs an Seldte Hugenberg und Hitler Berlin, 22. Okt. (TU.) Arnold R e ch b e r g hat an Seldte, Hugenberg und Hitler am 19. Oktober folgendes Telegramm gerichtet: Gustave Heros, Herausgeber der französisch- nationalen Zeitung „La Dictoire", bittet mich, bei Ihnen anzufragen, ob Sie deutsch-franzö- fische Derständigungzu von Heros in feinem Blatt ümrissenen Bedingungen annehmen. Diese Be- dingungen sind: Streichung der Reparationslasten, sobald Vereinigte Staaten von Amerika sich mit der Annullierung der von den Alliierten an sie geschuldeten Summen einverstanden erklären; Rückgabe des Saargebietes an Deutschland ohne Volksabstimmung, ebenso stimmt Frankreich dem Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu; T o g o und Kamerun werde an Deutschland zurück- gegeben. Deutschland soll gegen ein deutschfranzösisches Militärbündnis das gleiche Militärstatut wie Frankreich und Effekttvbeftände in Stärke der im französischen Mutterland stehenden Truppen erhalten; freundschaftliche Intervention Frankreichs bei Polen für Rückgabe des Korridors an Deutschland. Diese Bedingungen sind in der Ausgabe der Zeitung „La Victoire" vom 16. Oktober d. I. veröffentlicht. Gustave Heros telegraphiert mir, daß von Ihrer Antwort Erfolg der Aktion abhängt. Ich möchte auch meinerseits die Wichtigkeit Ihrer Antwort betonen. Erbitte Ihre Drahtnachricht zwecks Weitergabe an Gustave Hervs. Die presse zur Ernennung Sever.ngs Die Bergung von Verletzten. Mutter meint, er läge im Bardenberger Krankenhaus. War noch keine zwei Monate hier." Berlin, 22. Okt. (ERB.) Der sozialdemokratische „A b e n d" schreibt zum Wechsel im preußischen Innnministerium, die Ernennung Karl Severings zum preußischen Innenminister werde in allen Kreisen als Antwort auf die nationalsozialistischen Diktatur- und Staatsstreichdrohungen aufgefaßt werden. Die Lage erfordere heute mehr den Polizeiminister als den Dsrwaltungs- m i n i st e r an der Spitze des preußischen Iminen- Ministeriums — Die „D o s s i s ch e Zeitung" (Ullstein) nennt Severing den rechten Mann auf dem rechten Platz. Waenting sei ein guter Innenminister gewesen, aber Severing der bessere, die stärkere Persönlichkeit. — Das „Acht-Uhr- Abendblatt" (Dem.) sieht in der Rückkehr Seve- Rücksn stärken und der Peichsregierung Hilfsstellung in dem Konflikt mit Thüringen und ähnlichen Fragen geben. — Die „K r e u z z e i t u n g" (deutschnatl.) sieht in Severing das Kampfsignal gegen rechts. Severing heiße Offensivkrieg. Braun habe gewußt, warum er das Spiel mit Brüning wagte und gehe nun brutal mit seinen Absichten heraus. Das Blatt richtet an das Reichskabinett, insbesondere an die Minister, die bisher die Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie abgelehnt haben, die Frage, ob sie nun von sich aus die Konsequenzen ziehen, und dem Zustande ein Ende bereiten wollten, der darauf hinauslaufe, die Sozialdemokratie wieder in den Sattel zu heben. — Auch die „Deutsche Zeitung" (deutschnatl.) bezeichnet die Ernennung Severings als eine Herausforderung, die blitzartig die innerpolitische Zuspitzung beleuchte. Das herrschende System habe seinen hervorragendsten Vertreter in die Front ge st eilt. Die nationale Bewegung werde dies als Klärung begrüßen, denn sie wisse, dah in demselben Grade, wie ihr Gewalt entgegengesetzt werde, auch ihre eigene Kraft wachse. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Dolksp.) schreibt, daß die Ernennung Severings keineswegs dem Wahlergebnis vom 14. September entspreche. Es sei eine öffentliche Kampfansage in dem Sinne, dah die Sozialdemokratie von ihrem Platz nur weichen werde, wenn ihr eine größere Macht entgegengestellt werde.. Cs sei zu befürchten, daß die Ernennung Severings neues Oel ins Feuer gießen werde. — Die „Tägliche Rundschau" (Christl.- Soz.) findet, dah die neueste überraschende Leistung Brauns sachlich die größten Bedenken erregen müsse. Severing als preuhischer Innenminister bedeute ein sozialdemokratisches Kampfprogramm. Anter den heutigen Verhältnissen sei Severings Ernennung eine politische Provokation. — Die „Börsen-Zei- tung" (kons.) schreibt, nachdem die Reichsregierung sich durch Anlehnung an Dreitscheid parlamentarisch im Reichstag gerettet habe, fühle sich Braun in seiner preußischen Position so sicher, wie selten zuvor und demonstriere dieses Gefühl der Sicherheit durch die zweifellos eindrucksvolle Kundgebung, die Oie Berufung Severings zum preußischen Innenminister darstelle. oben voll Kohle. Ein Gleis ist frei. Da kommt langsam ein einzelner „Hund" gefahren, mit einer grauen Decke überdeckt. Am Kopfende eine Berg- mannslaterne. Der Wagen wird umgekippt und zwei Bergknappen, bis zu Tode erschöpft und vor Kohlenstaub und Dreck kaum kenntlich, heben ihre Last heraus. Drei tote Kameraden, genau so schwarz wie die Lebenden. Wieder geistert aus dem Schachtschlund ein Licht, wieder ein Hund mit der graubraunen Decke behängt. Wir nehmen unsere Laternen auf und gehen in den schwarzen Schlund hinein. Nach 50 Meter kehren zwei von uns um. Die Luft wird noch süßlicher und feucht und der Stollen fängt an, enget und niedriger zu werden. Wieder Lichter. Von der Decke flieht das Wasser. Der Verkehr - wird lebhafter. Zwei Wagen begegnen sich, der eine leer, der andere mit der grauen Decke... Der Tote hat den Vorrang, der teere Wagen wird umgeworfen. Jetzt eine Stelle, die vom Wasser tmD schwarzem Schlamm trieft. Man muh Wir sind am Ende des Stollens. Hier I rjng5 verstärkte Garantie für die Aufrechterhaltung ist es noch fürchterlicher. Eine steile Eisenleiter ber Verfassung der demokratischen Republik in geht senkrecht in die Höhe. Eine kleine Bühne Preußen. und dann wieder eine Leiter und so achtmal fas» gn ejnem gewissen Gegensatz zu diesen Aeuße- 60 Meter hoch. Da liegen sie am Geseük, an den rungen sicht die Stellungnahme der „G e r m a n i a" Bühnen beim Hau, siebenfach, achtfach überein- Zentrum), die politische Gründe für den Mi- andergetürrnl, tot und erstickt. Schauerliche nisterwechsel für maßgebend hält. Das Blatt fragt, Bilder. Die Toten müssen mühsam an den ©et- 0[) bje Ersetzung des etwas professoralen weichen len heruntergelassen werden. Aus der Sohle s$aentig durch den stärkeren Severing auf eine nimmt man sie in Empfang. Hier ist dte einzige Verstärkung des sozialdemokratischen Stelle im Schacht, wo man kommandieren hört. Einflusses in Preußen hinauslaufen solle. Der Mann hier unten an der Leiter schreit heiser $ann h^te Herr Braun der Ablehnung der Miß- nach oben, wenn wieder ein Totenbündel ange- trauensanträge und des Antrages auf Landtagskommen ist. Am furchtbarsten ist die s ü h l i ch e auf(öfung eine sehr weitherzige und L u f t, die zum Erbrechen retzt. Reiner Don Den roeitgef)enbe Auslegung gegeben Das Leuten ist erbittert, aber sie haben etwas unfag- Piatt gibt weiter der Erwartung Ausdruck, dah bar Müdes in der Stimme. Eben senkt man wie- Severing in den gegenwärtig so gespannten Zeiten der einen jungen Burschen am Seil hinab und ba9 größte Maß von Objektivität in noch einen und dann einen alten Mann Alle aüen |e(nen Handlungen an den Tag legen werde. ______________________ Die oppositionelle Preise bezeichnet die Betreuung Severings als eine Radikalisierung , und Aktivierung der preußischen Regierungspoli- tik im Kampfe gegen die Opposition. Fast alle Blätter unterstreichen besonders das Verhalten des Ministerpräsidenten Braun, das geradezu diktatorisch sei. Die „Deutsche Tageszeitung" (Landbund) meint, dah Waentig nicht den erwarteten Zuwachs an Energie für Braun gebracht habe, den dieser gegenüber den anderen I Regierungsparteien haben wollte. Die Wiederberufung Severings richte sich in erster Linie gegen die Strömung im Zentrum nach einer I größeren Selbständigkeit gegenüber der sozialdemokratischen Vorherrschaft der Preuhenregie- I rung. Severing solle offenbar Dr. Wirch den 1 Mil Den Reünngsmamschasten im Schacht Alsdorf, 22. Okt. (TA.) Dem Berichterstatter der „TA." gelang es, zusammen mit einer Gruppe von Rettungsmannschaften in den Förderkorb zu gelangen, und in die Tiefe zu fahren. Er schilderte seine Erlebnisse wie folgt: Der dunkle Korb geht langsam in die Anter- toelt von Anna 1 360 Meter tief. Die Stollen sind weit und hell und ziemlich warm, aber em süßlicher Geruch liegt Darin. In langen Reihen stehen die kleinen Kohlenwagen, die „Hunde", bis Etwa zehn Sanitäter und Arbeiter hocken auf dem kleinen Förderplatz. Durch den Kohlenstaub blicken gelbliche Gesichter. Man kommt nur langsam vorwärts. Der Verkehr ist rege, Wagen um Wagen, alle voll der traurigen Totenlast. Ein paar Meter entfernt lagen sie, Drei, vier, nebeneinander, übereinander. Sie hatten fliehen wollen, doch da wurden sie von dem Gift umklammert. Ein Knappe betrachtet einen Toten und sagt in einem Ton, der ans Herz greift: „Armer Junge! 16 Jahre! Die Hepp scheidet aus -em Land-un-präsi-ium aus. Graf Katckreuth vorfitzender Präfident. B c r (l n, 22. Okt. (III.) Der Reichslandbund teilt mit: Jn verfolg des Rücktritts des Ministers Schiele vom Amt des vorfihführenden Präsidenten des Reichslandbundes trat der Bundesvorstand des Reichslandbundes zur Regelung der Präfidialfrage zusammen. Nachdem die beiden anderen bisherigen Präsidenten B e t h k e und Hepp und der vorübergehend in das Präsidium eingetretene Freiherr v. wi 1 mowfki ihre Aemter dem Bundesvorstand zur Verfügung gestellt hatten, wurden zu Präsidenten neugewählt die Herren Bethke, Hepp und Graf von kalckreuth. Zu dem fahungsgemäh vom Bundesvorstand zu bestimmenden v o r s i h s ährenden Präsidenten wurde alsdann Graf von .Salckreuth gewählt. Präsident Hepp legte । darauhin sein Amt nieder. Die dadurch von neuem erforderliche Wahl eines dritten Präsidenten soll bei der nächsten Bundesvor- stondssihung erfolgen. Der Bundesvorstand I war einmütig der Ansicht, daß hierfür^un-'-in Vertreter des bäuerlichen Besitzes aus dem Westen in Betracht komme. Weitere Deileidskundgebungen gingen ein von Dem österreichischen Bundespräsidenten, von den Regierungen des benachbarten Hollands, ferner Belgiens, Frankreichs, der Sowjetunion, Norwegens, schließlich vorn Kardinalerzbischof von Köln, dem BrernerSenat, dem Provinzialausschuß der Rheinprovinz mit einer Spende von 10 000 Mark, dem Deutschen Beamten- bund, ebenfalls mit einer Spende von 10000 Mark, und dem Kreis Düren mit einer Spende von 5000 Mark. Der Reichspräsident, die Reichsregierung und die preußische Regierung haben ihrerseits aus ihren Dispositionsfonds beträchtliche Mittel als erste Hilfe für die Hinterbliebenen zur Verfügung gestellt. daß die dort eingeschlossenen Bergleute nach Zuschüttung ihres eigenen Schachtes sich nicht nach einer anderen Seite zurückziehen konnten. Teilnahme in aller Welt. Berlin 22. Okt. (WTB.) Der Königliche Großbritannische Botschafter Sir Horaee Rum - bolbt stattete heute dem Herrn Reichspräsidenten einen Besuch ab und sprach ihm im persönlichen Auftrage des Königs von England dessen Beileid zu der schweren Grubenkatastrophe in Alsdorf aus. Der Herr Reichspräsident bat Den Botschafter, dem König seinen herzlichen Dank für diese Anteilnahme zu übermitteln. Der süddeutsche Markt, durch modernen Ausbau Der holländischen Gruben der Aus- l a n d a b s a tz verloren. Die darniederliegende Aachener Industrie zählt kaum noch als Abnehmer. Die Steigerung der Koks- und Gaserzeugung, das als Kerngas nach Köln gelangt, kann den Verlust der Absatzgebiete nicht voll ausgleichen. Neben der selbstverständlichen Pflicht der Versorgung der Hinterbliebenen wird deshalb die Frage der Absatzförderung im Aachener Revier, die auch Die Möglichkeit zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bringt, in der nächsten Zeit nicht nur bergbauliche Kreise, sondern auch Staat und Reich beschäftigen müssen. Oldenburg-Lanuschau antwortet Groener. Berlin, 22. Okt. (CNB.) Herr v o n O Idenburg - I a n u s ch a u hat auf den offenen Brief des Reichswehrministers Groener folgende Antwort veröffentlicht: Sehr geehrter Herr Minister! Ihren in der Presse heute veröffentlichten Brief an mich will ich Ihnen ebenso offen beantworten. Der Ahrenerlah bleibt nach wie vor nicht verständlich. Dah der Erlaß anders aufgefaßt werden konnte und anders aufgefaht worden ist, als Sie es in Ihrem Bries dcm- ftellen, beweisen die Leipziger Verhandlungen. Ein ehrliebender Soldat braucht keine Geschenke, um seine Pflicht zu tun. Ich gebe nicht zu, daß Die Verfehlungen der Offiziere nicht disz iplinarisch hätten erledigt werden können. Die ungeheuere Aufregung in allen nationalen Kreisen und Der für die Reichswehr selbst hervorgerufene Schaden muhten von Ihnen vorausgesehen werden. Aber nicht diese Vorgänge, auch nicht Ihr eigenes Verhalten Dabei, waren der Grund für mein Auftreten im Reichstag. Jchwollte nach- holen, was nach Der vorn Herrn^Reichskanzler mir gegenüber betonten altpreuhischen Tradition Sache Der Regierung gewesen wäre. Es ist untragbar, dah im Gegensatz zu Ihrer Darstellung Offiziere unter Berufung auf Den Herrn Reichspräsidenten angesichts der Truppe durch Kriminalbeamte verhaftet werden. Durch diesen Mißbrauch des Namens Hindenburgs wird das verdunkelt, was als Inbegriff alles Soldatentums wir zu besitzen so glücklich sind: die Autorität des Feldmarschalls. Diese Feststellung glaubte ich als ältester Offizier des Reichstags dem Feldmar- schall schuldig zu sein. Ich habe Die Ehre zu sein Ew. Exzellenz gan$ ergebenster v. OlDenburg-Januschau, Königlich preußischer Major a. D. Hierdurch wird die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung auf das schwerste gefährdet. Ich verbiete daher bis auf weiteres alle Umzüge und öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und ordne die sofortige Beschlagnahme der oben näherbezeichneten Flugblätter und die sofortige Entfernung oder Unkenntlichmachung der Plakate an. Aus aller Welt. Erfolgreiche Beobachtung der totalen Sonnensmfternis. Den neuseeländischen Astronomen auf der R e a u f o u l - Insel gelang es, sehr gute spektroskopische Beobachtungen von der totalen Sonnenfinsternis am Mittwoch herzustellen. Das Wetter klarte rechtzeitig auf. Auch amerikanische Beobachter waren erfolgreich und machten 41 Photographien. Die Sonnenfinsternis dauerte 93 A bekunden. Lin Geschenk des Papstes für den Reichspräsidenten. Der Serr Reichspräsident empfing heute den apostolischen Runtius Orsenrgo, der chm als Geschenk Seiner Heiligkeit des Papstes ein in der vatikanischen Drucker?: hergestelltes Prachtwerk mit Reproduktionen päpstlicher Papyrusurkunden aus deutschen, spanischen und italienischen Archiven überreichte, dessen Entstehung auf eine Anlegung der damaligen Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen zurück- zuführen ist. Der Runtius benutzte diesen Anlaß, um dem Herrn Reichspräsidenten die Teilnahme des Papstes an der Bergwerks katastrophe von Alsdorf zu übermitteln. — Das ihm überreichte wertvolle Kunstwerk wird der Herr Reichspräsident der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen als Geschenk überweisen. 15 Zähre Zuchthaus für den Danziger Messerstecher. Das Schwurgericht Danzig verhandelte gegen den Danziger Hafenarbeiter Lewandowski, der drei englische Matrosen des im Danziger Hafen zu Besuch weilenden englischen Kreuzers „Centaur" durch Messerstiche so schwer verletzt hatte, daß zwei von ihnen an den Munden st a r b e n. Lewandowski, der die Hälfte seines Lebens im Gefängnis zugebracht hat, gab an, aus Eifersucht und in Rotwehr gehandelt zu haben. Das Gericht schenkte diesen Angaben keinen Glauben und verurteilte Lewandowski zu 1 5 2 ahren Zuchthaus. Unterschlagung von Amtsgeldern. Unterschlagungen von Amtsgeldern ist man bei dem Rechtsanwalt und Notar Dr. Walter Bick in Schwerin in Mecklenburg auf die Spur gekommen. Bick hat sich seiner Festnahme durch die Flucht entzogen Man rechnet damit, daß sich der Flüchtige in Berlin verborgen hält. Zur Zeit unterzieht man die Bücher und Belege des Rechtsanwaltes einer I Prüfung und Hot dabei Unterschlagungen von über | 100 000 Mark festgestellt. Rottschuhabend in der Dolkshatte. Kunstläufer Joseph zu Gast. Der Eisverein vereinigte auch gestern wieder einen Teil seiner Mitglieder und Gäste in der Bolkshalle zum Rollfchuh-Aebungsabend. Der Abend gewann für die Anwesenden besondere Bedeutung dadurch, daß der Rollschuhkunstläufer 2 o s e p h aus Frankfurt zugegen war und seine universelle Kunst auf dem Zement zeigte Man halte gestern abend ein Grammophon ausgestellt und der Meister zeigte nach der Musik Uebungen und Tanzfiguren, die den angehenden Rollschuh- läufern des hiesigen Eisvereins die großen Möglichkeiten des Rollschuhlaufs deutlich vor Augen rückten. Der Uebungsbetrieb bewies auch gestern wieder daS lebhafte Interesse an dem für Gießen neuen Sport. Schneelaufledrgänge der DT. Die Deutsche Turnerschaft hat sich in den letzten Jahren der Pflege des Wintersports in ver- stär'tem Maße angenommen. Wiederholt sind Lehrgänge für Schneeschuhlauf abgehalten worden. Auch in diesem Iahr sollen drei Lehrgänge unter Leitung der Deutschen Turnschule durchgeführt werden, und zwar sämtlich in der Zeit vom 12.-17. Ianuar Der erste Lehrgang für Schneelausworte findet im Skihof Groß-Iser im Isergebirge statt, der andere für Schneelauf- wartinnen in Oberwiesenthal im Erzgebirge: der dritte Lehrgang ist ein Lehrgang für Schneelauf. warte, die mit dem Schneelauf im Hochgebirge bereits vertraut sind Der Lehrgang findet In den Alpen statt. Es werden nur solche Turner und Turnerinnen zu den Lehrgängen zugelassen, von denen zu erwarten steht, daß sie in den von den Kreisen und Gauen der DT. tn Aussicht genommenen Schneelauflehrgängen als Lehrer tätig sein können. Jiur noch eine deutsche Meisterschaft. Gemeinsame litelkämpfe der Turner und Leichtathleten. Die technischen Ausschüsse für Leichtathletik in der Deutschen Turnerschaft und der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik beschlossen in ihrer am Sonntag in Berlin abgehaltenen Sitzung, im Jahre 1931 die Deutschen Meister- schäften gemeinsam auszutragen. Die Meisterschaften der Männer sollen am 1. und 2. August in Berlin zur Durchführung kommen und an den gleichen Tagen die der Frauen, doch muß hier der Austragungsort noch bestimmt werden Bon Bedeutung ist weiterhin der Beschluß, in Zukunst für beide Derbände nur noch eine Rekordliste zu führen. Ath etikkampf Westdeutschland — Hol and. Der Westdeutsche Spielverband bemüht sich schon heute um die Terminfestsetzung des alljährlichen Leichtathletik Länderkampfes Westdeutschland gegen Holland und hat zu diesem Zweck dem holländischen Verband als Termin den 30 Juni 1931 vorgeschlagen Die Antwort der Holländer steht noch aus Ladoumegue laust wieder Weltrekord. peiher auch über 1000 Mieter entthront. In der Pause zwischen zwei Rugbyspielen unternahm am Sonntag im Stadion Iean'Bouin bei Paris der schnellfüßige Franzose Iules Ladoumegue einen Angrifs auf den von Dr. Pelher mit 2. 25,8 gehaltenen Weltrekord über 1000 Meter. Das sorgfältig vorbereitete Unter- nehmen glückte weit besser als erwartet, denn Ladoumegue konnte mit 2 23,6 die alte Welthöchstleistung um mehr als zwei Sekunden unterbieten. Rach dieser einzigartigen Leistung wurde Ladoumögue von seinen anwesenden 12 000 Landsleuten stürmisch gefeiert Hockeykampf Deutschland-England. Ein Hockey-Länderkamps zwischen den Repräsentativen von Deutschland und England findet am Ostersamstag, 4. April, in Hamburg statt. Der Deutsche Hockey-Bund beschäftigte sich in seiner Sonntagsitzung auch gleichzeitig mit der Amateurfrage und warnte die Führer nachdrücklich vor dem Professionalismus. Um die olympische Tradition zu wahren, soll gegen alle Verstöße rücksichtslos Dorgegangen werden. Krise bei „Hellas^ Magdeburg. Im Schwimmklub Hellas Magdeburg sind Unstimmigkeiten zwischen der sportlichen Leitung und den prominentesten Schwimmern entstanden, die sich den Trainingsanweisungen nicht fügen wollten. So wurden u. a. die Gebrüder Rademacher, Schumburg, Amann, Gruß und Gebert vom Wettkampfbetrieb ausgeschlossen. Wie verlautet, wollen sich die Schwimmer „selbständig" machen und unter dem Ramen „Sparta" Magdeburg einen neuen Verein gründen. Neues Hallenbad in Düsseldorf. Am Sonntagvormittag iv..Lje das neue Düsseldorfer Hallenbad nach der offiziellen Einweihung durch die Stadt im Beisein der Düsseldorfer Schwimmvereine mit schwimmsportlichen Vorführungen aller Art eröffnet. Die 25°Meter°Da^en genügen durchaus internationalen Ansprüchen. Die Haupthalle sieht Plätze für 3500 Zuschauer vor. Schönrath-Müller abgeschlossen. Der Donmunder Westfalenhalle ist es nun auch gelungen, den deutschen Schwergewichtsmeister Hans Schönrath zu einem Kampf gegen Heinz Müller (Köln) zu verpflichten. Die jetzt endgültig gesicherte Begegnung geht am 9. Rovember in der Westfalenhalle über zehn Runden vor sich. Schönrath seht jedoch dabei seinen Titel nicht aufs Spiel. Die Detkerloae Ingi norshavi Am i$io imog. Seil ranKf. Paris Wien iflent Koruna © wolkenlos ö neuer O nalö DedecKL ® wolkig. • Dedecki • Kegen, ♦ Sehnet a Graupeln B Nebel KGrwit'er.(g)Windsliile «O» sehr leicht*' Ost »rassige' Südsüdwest q stürmische tordwesl bie Piene fliegen mit dem Winde Die du den Stationen dienenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem, au* Merr<$niveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage * Die Jslandstörung hat sich erheblich vertieft und streckt ihre Ausläufer weit südlich vor lieber Süd- england, dem Kanal und Frankreich liegt heute morgen ein ausgedehntes Rcgengebiet Bei der nunmehr herrschenden Westlust wird es auch unseren Bezirk erreichen, io daß wieder trübes und regnerisches Wetter zu ermatten ist Die Temperaturen, die anfänglich etwas ansteigen, gehen spater an der Rückseite des Tiefausläufers wieder zurück Aussichten für Freitag Vorwiegend be- deck! mit Niederschlägen, später wechselnd wolkig, Temperaturen schwankend. Aussichten für Samstag Wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, vereinzelte Regenschauer, etwas kühler. Lufttemperaturen am 22 Oktobers mittags 10,3 Grad Celsius, abends 7,5 Grad, am 23. Oktober: morgens 5,5 Grad Maximum 10,7 Grad, Minimum 2,4 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22 Oktober: abends 10,3 Grad, am 23 Oktober: morgens 7,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer drei Stunden. Kirchliche Nachrichten Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage) Samstag, 25 Oktober Vorabend 5 Uhr, morgens 9 abends 5.20 und 6 Uhr Israelitische ReligionsgeseUschast Sabbatfeier den 25 Oktober Freitag abend 4 45 Uhr, Samstag vormittag 8.30. nachmittags 3 30 Sabbatausgang 6.— Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 4.30 Uhr. (Schluß des redaktionellen Teils.) Skote Hande oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirksames Mittel dagegen ist die kühlende, reiz- mildernde und schneeig-weihe Creme Leodor, auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Hebe» raschender Erfolg, Tube 1 Mü, wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseife, Stück 50 Pf. 2a allen Chlorodont- Derkaufsfteüea zu hoben. Porlnegsprettel UWV Absauge-Rohre an einer Zigaretten-Maschine ■ UTAUBFREIE ntUERBURG OVERSTOLZ 5 PF. RAVENKLAU 6 PF. staubfrei — schmecken niemals bitter! Q Oie können unsere Angaben nachprüfen: Wenn Sie durch eine HAUS NEUERBURG- Zigarette blasen - ehe sie brennt so werden Sie keine Spur von Staub bemerken. Zigaretten Während im täglichen Leben der Kampf gegen den Staub noch immer nicht entschieden ist, haben wir die Mittel gefunden, um unsern Zigaretten den bitterenTabakstaub fernzuhalten. Von dem Augenblick an, wo in unsern Fabriken der Luftstrom die Blätter aus der Pressung des Tabakballens löst, gelangt der Tabak in ein ganzes System von Absaugevorrichtungen. Ist er gemischt und vom Messerder Schneide -Maschine zerteilt worden, so lassen wir das Schneidegut von ,einem Gebläse vier Stockwerke hochheben und fangen dabei den Staub in Filterkammern auf. Wenn der Tabak jetzt auch staubfrei ist, so können bei seiner weiteren Verarbeitung doch wieder neue Staubteilchen entstehen. Wir haben darum auch in der Zigarettenmaschine noch einmal stark verzweigte Saugrohre eingebaut, so daß Schließlichnichts anderes in die Zigarette gelangen kann als gesäuberter und völlig entstaubterTabak. Das ist der Grund, weshalb die Zigaretten von Haus Neuerburg so rein schmecken und auch so bekömmlich sind. und sehr bfllfy PREISABBAU Gießen (Wolfstraße 4). Frankfurt a. M, den 22. Oktober 1930. 0.556 7t Tafel 55 Pf. Seifenflocken Warenabgabe nur an Mitglieder Konsumverein Gießen und Umg 6704 A Klei n& Stiefel «D Bekanntmachung 20 -Z Stück Saftig? SUronen 3 Stuck SotosnuB mit miltn beiden Oleichafi sucht Pt und ZMe üaranflffe Piund ’223D wozu einlndet Lichtspielhaus Gießen 3. KnUuriilni Früh Vorstellung Vereine eines Hilfswasserwerks .iefengrunuftüd Gemar- 250 g ■ 250 g 250 g 250 g 250 g Maschinenfabrik, Fulda Unsere Maschinen 7t Paket 48 Pf. 7t Paket 48 Pf. 7t Paket 50 Pf. 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Oktober 1930 erschienene Bekanntmachung des Hessischen Kretsamts Gießen bringe ich hiermit zur Kenntnis mit dem Hinweis, daß die betr. Pläne und die Beschreibung in der Zeit vom 17. bis 31. Oktober 1930 auf der Registratur des Kreisämts Gießen zur Einsichtnahme ofsenliegen. 7222C Gießen, den 23. Oktober 1930. Der Oberbürgermeister. 1.23.: Dr. Hamm. Schreibarbeiten aller Art. Doktorantenarbeiten vromvl u. preiswert G. Fischer Licker Sir. 115. 1°^' Betr.: Errichlun auf dem M.T.V. Sonntag, 26.Oktober lumoang M Braunfels! Abmhii l".2O Udi Sonniagskarte nach Braunfels. 72201 Studienreferendar erteilt Na hhilfeunterricht io Mathematik Schr.'Ann. unt. 06555 a. d. Gien. Anzeiger, Stück zeigen Heute vormittag 7 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden im Alter von 74 Jahren unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Fran Marina Seih Wwe. geb. Degen. Die iranemflen Hinterbliebenen. Großen-Linden, den 22. Oktober 1930. Die Beerdigung findet Freitag, 24. Oktober, nachm. 3 Uhr, vorn Trauerhause Bismarckstr. 23 aus statt 7.19D Heute früh entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater. Schwager und Onkel Herr Jakob Wagner Weichensteller I. Kl. i. R Die Trauerleier vor der Einäscherung findet Samstag, den 25. Oktober, vorm. 11 Uhr. in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. — Blumenspenden sind nicht im Sinne des Verstorbenen. Auf moneo Fabrik-Kontor wird für sofort eine begabte junge Kraft Mit guter Allgenieinbiidung gesucht. Be- weroerlin' man flou stenoiravbteren und Maschine schreiben. Schri'tltche Angebote mu Vebcnolaiu und möglichst Bild unter 06533 an den Gtenener Anzeiger erbeten. 6 PS Siiisso Snßifl, onen, mit cl liichl und 'Anlasser, tin Auftr. iebf preiswert verkaufl. [ww Schlater. Süden!. 17 Freitag, den *4. Oktober Metzelsuppe Freibank Freitag. UnsD den 24. Cft. 1930, von 8 Ubr ab gleHdioerlonL | Kaufgesuche \ Wcbrauditc kleine Lad ntbck. Glas- auffav und Kon- Ntiirenwaage gci. Schr. 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Die Stadt Gießen beabsichtigt, auf ihrem Grundstü * Flur IV, Nr. 4, in der Gemarkung Oueckborn ein Hilfswasserwerk nut Motore.ibetrieb zu errichten. Auf Grund des Art. 6b des Gesetzes, die Bäche und dir nicht ständig fließenden Gewässer betr. vom 30. September 1899, wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Pläne und die Beschreibung 1 Tage lang auf der Registratur des Kreisamts Gießen offenliegen und von Interessenten dort eingesehen werden können. Einwendungen können nur innerhalb einer Frist von 14 Tagen seit Erscheinen dieser Bekanntmachung im Amtsverkündigungsblatt schriftlich oder zu Protokoll bei dem Kreisamt Gießen erhoben werden. Gießen, den 14. Oktober 1930. Kreisamt Gießen. 3.23.: Schmidt. Arbeiisvergebung. Für den Wiederaufbau der Scheuer mit Stallung Marburger Straße 65 sollen die Maurer- und 3hnmerarbeifen vergeben werden. 7221D Die Verdingungsunterlagen und Zeichnungen liegen auf dem Bureau des unterzeichneten Architekten offen. Die Angebote sind bis zum Mittwoch, dem 29 Oktober 1930, vormittags 12 Uhr, daselbst einzureichen. Gießen, den 23. Oktober 1930. Ernst Schmidt, Architekt B. D. A. Bismarckstraße 38. ob. Landwirtschaft cinzubciratcn. Cfferien nur mu Adressenangabe unt. F. M. 7656 an Ala HaasenstelnA Vogler Frankfurt a. M. 7■■■ov ylMlklllttllllMVlltlr Sonntagabend m der Vtdjet Straße verloren. Abzugeben gegen Belobnung Ebcl- ttrane 30 l, r. «««, [Stellengesuche) Chauffeur 24 Jahre, zuverläss. Fahrer, mit Führerschein III b, sucht Stellung. Schrift!. An ,cb. unt. 06545 a. d. Gieß. Anz. | Verkäufe | xin ruhiger Lage -wischen IhuuexiiiQi und Kliniken, ist em in gutem Zustande benndlicheS Etagenhaus mit sofort b sieb- b rcr gr. 3-Zimin.- Wohng oti'tvrueri au verk. Schr. Anir. u. 06547 a d. Gien. An». Äüev i.AltenFeid.UiOllqm, onnA oder neieili, zu verk. Schrifil.Ang u. 06557an d. Gleß.AnA. 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Sehen Sie sich diese Vier an. Wie die Verurteilten." Ich sehe mir die vier Männer an und suche in ihrem Zügen nach dem Ausdruck der Niederge- schlagenheit. Sie esien gerade chr Frühstück und machen nicht im geringsten einen trüben Eindruck. Im Gegenteil, sie machen Späße über ihre Begleiter, die Passagiere, die sich hier auf dem Schiff in der traurigen Rolle der Gefangenenbegleitung fühlen. Es macht ihnen Laune, daß man sie bemit- leidet, um sie besorgt ist. Man schenkt ihnen, Zigar- ren und Zigaretten und läßt sich mit ihnen ins Gespräch ein. Denn diese vier hier auf dem Tonnendampfer „W e s e r" sind es, die die zweite Monate freiwillige Verbannung auf sich nehmen und die Mannschaft desLeuchtturmes in derWefer- Mündung ablösen. Allerdings führt dieser Ton- nendampfer auch noch andere wichtige Ladung mit sich: Proviant für Monate. Del und Betriebsstoff für die Maschinen und die riesigen Lampen. Aber am wichtigsten sind sie doch selbst, die Männer. Es sind Menschen mit großer innerer Ruhe und stäh- lernen Nerven. „Unsinn" sagt der eine, man* Heb tert durch die kleine Tür, hinauf, hinab, hinab, hinauf, dann putzt man die Lampen, bedient die Maschinen, beobachtet die Schiffe, notiert Funksprüche, telegraphiert, locht Essen, stopft seine Strümpfe, wäscht die Wäsche und wenn man nichts zu tun hat, schläft man halt. So vergeht ein Tag nach dem anderen und wenn am Ende das Ablösungsschiff kommt, fragt man sich: ist es wirklich schon wieder soweit? Dann fährt man nach Hause, amüsiert sich, bestellt die Zeitungen und schläft sich tüchtig aus." Alles halb so schlimm, sagt man sich, wenn man das hört, und jeder ist wieder bei bester Laune. Nicht wenige haben sogar Lust, einmal mitzugehen, denn zwei Monate inmitten des Meeres, weit entfernt von dem hastenden Leben, der Politik, ohne Theater, ohne Straßenlärm, ohne Ein- und Vorladungen, ohne Besuche und Gegenbesuche, dos muh eine wahre Erholung sein. Als sich aber nach einigen Stunden der düstere Turm aus dem Grau der Weite abhebt, spürt man doch eine Art Beklemmung. Der steinerne Riese steht so einsam zwischen Himmel und Wasser. Man erinnert sich an die alten Romane, deren Helden auf entlegene Eilande verbannt wurden und denkt an die Felsverliehe der Sträflinge. Man hat einfach Angst. Sellsam ist es, wie dieser Riese immer größer wird, immer näher kommt. Ein schwarzes Pünktchen bewegt sich am Rande des Turmes. Als sich die Konturen des Turmes abzuheben beginnen, sieht man cs durch den Feldstecher wie eine Ameise, die im Begriff ist, an der Mauer in die Höhe zu klettern. Erst später bemerkt man, daß es ja ein Mensch ist. Dieser Mann steht also schon seit Stunden da und wartet auf die Befreiung. Beim Näherkommen befürchten wir, daß die aufschlagenden Wellen ihn hcruntcrreißen werden, denn das Wasser ist vom Rand der Grundmauer des Turmes nur wenige Handbreit entfernt und keine' Einfassungsmauer schützt ihn. Aber der Monn scheint sich nicht zu rühren. Bei der Ankunft des Schiffes sieht man ihn winken. Boni Schiss ertönt ein schallender Ruf: „Hallo!" Eine frische Frauenstimme ruft es. „Hallo!" — Hallo!" Am Geländer steht eine junge Frau im hellen Hut und flatternden Mantel und winkt mit dem Taschentuch. Es ist die Frau des abzulösenden Wächters. ,Hoiho! Hoiho!" Auf dem obersten Rundgang des Turmes stehen drei Dtänner, noch oberhalb der ge- wattigen Lampen, uns sehen mit ihren Fernrohren zu uns herab. Ein Alter unter ihnen, ein ergrauter Seebär, hebt jetzt die Hand an die Mütze und grüßt die Ankommenden. ,Hoiho!" Eine frische Brise trägt den Freudenruf weiter. Jetzt stoppt das Schiff. Nur noch wenige Meter Zwischenraum sind zwischen ihm und dem Turm. Jetzt springt der Mann dort unten ins Wasser und schwimmt zum Dampfer. Wie schön scheint das, wie romantisch. Aber es verläuft alles viel weniger filmhaft. Nach dem Wiedersehen mit seiner Frau klettert er ruhig einige Stufen der eisernen Leiter hinauf, wirft ein Seil nach dem Schiff und verschwindet. Die Dame, die die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog, läßt sich seelenruhig in einen Liegstuhl nieder und knabbert Schokolade. Jetzt ist man ganz ernüchtert, nachdem man vorhin noch gerührt und aufgeregt war^durch diese Szene, die als happy end in jedem Film einen Effekt erhascht hätte. Auf die Frage, wer zur Besichtigung des Turmes mitkommen will, melden sich nur einige Mutige, denn die Treppe ist sehr unbequem und steil und übrigens ist ja von außen fast alles zu sehen: die riesigen Lampen, die Nebelhörner, das Rettungsboot, hoch oben an einem eisernen Arm, die vielen Taue und Drahtseile und der hohe Mast auf dem oberen Rundgang. Ein Förderkorb erscheint in der Tür und schwebt zwischen Schiff und Turm. Zuerst kommt die Verproviantierung, dann die Ablösung. Ich klettere mit einigen Unentwegten die eiserne Treppe empor in den Turm. „Nur nicht nach rückwärts sehen", sagt ein Matrose zu mir, und die freundliche Mahnung hat zur Folge, daß man sich nun gerade gezwungen fühlt, nach rückwärts zu blicken. Es ist schaurig! Vierzig Meter über der bewegten See. Es schwindelt einem direkt. Aber zum Glück bin ich nicht der letzte. Im Wohnsalon des Turmes scheint es ganz gemütlich zu fein. Ein Haufen Zeitungen liegt auf dem Tisch. Allerdings ganz alte Nummern. Dafür aber musiziert und singt das Radio durch einen erstklassigen Lautsprecher und übermittelt die neuesten Nachrichten, die wir selbst noch nicht einmal gewußt haben, als wir vor einigen Stunden dos Schiff bestiegen. Ueber dem Radio hängt eine Wanduhr und daneben eine Schere, und abseits, in die Mauer eingelassen sind die Betten. Ein Griff — ein Bett! Einer schläft sogar noch. Er scheint sich recht wenig daraus zu machen, daß das Ablösungsschiff angekommen ist. Einer seiner Kameraden muß ihn bei den Schultern nehmen: „Georg, die „Weser" ist da!" Er reibt sich die Augen und entschuldigt sich. „Man hat einen harten Dienst in diesem Leuchtturm und so wenig Zeit zum Schlafen." Wie ich erfahre, ist es mit der großen Ruhe auch hier nicht sehr weit her. Die vier Männer, die den Turm betreuen, die Lampen und die Funkanlage zu bedienen haben, finden selten Gelegenheit, sich ordentlich auszuschlafen. Es gibt zwar vier Betten, aber nie sind sie alle auf einmal besetzt Drei müssen immer wach sein. Zwar gibt es auch Mußestunden, in denen die Leute in ihrer kleinen Wohnstube zu- sammensitzen und sich durch Kaffeekochen, Strümpfestopfen und Kartenspielen unterhalten. Sonst aber verlangt der steinerne Riese jede Minute gespannte Aufmerksamkeit. Den schwersten Dienst hat der Mann im Funkzimmer. Dauernd laufen Berichte ein und Meldungen müssen erstattet werden. Im Leuchtturm werden sämtliche vorbeikommenden Schiste nach Standort und Zeit notiert, und das ist heute viel einfacher als noch vor wenigen Jahren. Der Alte läßt mich durch das lange, Fernrohr sehen. „Dort vorne kommt einer, mein Herr", sagt er. Ich bin flanj enttäuscht, denn ich habe erwartet, daß er den Ruf ausstoßt: „Schiff in Sicht!" ober doch mindestens das Schiss genau bezeichnet: Ein Dreimaster, ein Portugiese ober so etwas anderes Fachmännisches. Er erklärt jedoch alles wie ein Berufsführer, ber seinen Spruch schon taufcnbmal her- untergeleiert hat, was die große Nebelglocke für einen Zweck hat, wozu die Nebelhörner da sind, wie das Rettungsboot funktioniert, wie sich das Licht ber riesigen Lampen dreht und doch andere technische Einzelheiten. Ein Eindruck bleibt unauslöschlich: das kleine Rettungsboot, das am oberen Rande des Turmes an einem eisernen Arm hängt und hach über den Wellen schwebt. In diesem kleinen Boot liegt die Möglichkeit der Befreiung, das Losgelöstsein aus dieser Verbannung. Eine abenteuerliche Geschichte schwebt mir vor über einen Mann, ber im Radio eine Nachricht gehört hat, die ihn ongeht, und der erst nach 5 bis 6 Wochen das nächste Schiff erwarten kann. Er muß weg! Wenn er auch pflichtvergessen ist. Diese Vorstellung läßt mich nicht mehr ruhen und ich frage auf dem Rückweg den Alten, ob es noch nicht vorgekommen ist, baß einer ausriß unb mit bem kleinen Rettungsboot das Land zu erreichen suchte. „Das man nid). Aber Leute haben wir schon gerettet mit bem Kahn. Mehr als ein Dutzenb!" Er zieht eine Uhr aus ber Tasche, eine alte goldene Uhr mit Sprungdeckel und sagt plötzlich: „Eines Tages sahen wir einen kleinen Kutter mit den Wellen kämpfen, er war nahe am Kentern. Man winkte verzweifelt. Wir ihnen im Sturm entgegen; eine Frau und ein Mann waren drin. Die Frau schon halb tot, ber Mann auch sehr erschöpft. Wir brachten beide in den Turm und nach 3 Tagen holte das Schiff sie ab. Die Frau hat sich sehr gut erholt, sie half sogar in unserem Haushalt mit. Eine Stimme hatte sie wie eine Sängerin; die interessierte sich für alles und lächelte immer. Wir hatten uns alle sehr an sie gewöhnt. Später schickte sie jedem von uns eine goldene Uhr." Nachdenklich sieht er ins Weite und sagt: „6ehen Sie sich diese Uhr an, daran können Sie sehen, sie war kein gewöhnlicher Mensch, diese Dame." Aus ber Provinzialbauptstabl. Gießen, den 23. Oktober 1930. Oie pflege des kranken Kindes. Don Or. meb et Phil. Trentiel. Die meisten Mütter sind ohne weiteres imstande, ihr gesundes Kind zu pflegen. Wie soll aber die Pflege des kranken Kindes, die ganz andere Anforderungen stellt, durchgeführt werden? ES ist durchaus nicht nötig und häufig auch nicht möglich, eine gelernte Krankenschwester zur Pflege heranzuziehen. Die Mutter muß vielfach bis Pflege ihres kranken Kindes selbst übernehmen, sie nruh daher imstande sein, die ärztlichen QIn- Ordnungen richtig auszusühren. Bei jeder Erkrankung sollte schon, ehe der Arzt gerufen wird, die Temperatur gemessen und ausgeschrieben werden. Das Fiebermessen ist immer im After des Kindes mit einem eingefetteten Thermometer auszuführen. Auch das Pulsfühlen oietet bei einiger Hebung keine Schwierigkeiten. Man sucht an der Innenseite des linken Handgelenkes durch Abtasten mit dem Finger die Schlagader und zählt eine Minute lang die Pulsschläge nach dem Sekundenzeiger der Hhr. Bei Fieber ist der Puls schneller als bei normaler Körpertemperatur; bei Herzschwäche ist er kaum zu fühlen. Bei allen Erkrankungen der Atmungswege ist auch auf die Atmung zu achten. Genaues Zahlen der Atemzüge ist schwierig, wichtiger ist cs zu beobachten, ob die Atmung „beschleunigt" oder „oberflächlich" ist. Wenn dia Aasenflügel sich beim Atmen stärker bewegen, ift dies meist ein Zeichen von Lungenentzündung. 3n diesem Falle sollte sofort der Arzt gerufen werden. Ein Kind, daS unter Lastmangel leibet, darf nicht flach auf dem Bücken liegen, womöglich zugedeckt bis an die Aase; vielmehr bringt man cs in eine mehr sitzende Stellung, indem man das Kopteil des Bettchens hochstellt oder durch Keilkissen erhöht, ilntct die l chulter- blätter schiebt man eine zusammengcrolue Decke, das hohle Kreuz wird durch eine zweite Rolle gestützt, das 5vinn darf nicht auf der Brust liegen, weil so die Luströhre zusammengepreßf würde, sondern der Kopf soll leicht nach hinten, geneigt fein, die Arme sollten nicht unter der, Decke am Körper liegen, sondern werden über den Kops gelegt. Bei solcher Lagerung wird her Erfolg bald zu merken sein, ein eben noch mühsam atmendes Kind wird bald leicht und ruhig Lust holen und nach wenigen Minuten einschlafen, besonders wenn dazu das Kind noch an das offene Fenster gestellt und ihm dadurch frische Luft zugeführt wird. . Die Mundpflege ist bet allen Fieberkranken von besonderer Wichtigkeit. Aeltere Kinder kann man gurgeln lassen; z. B. mit Wasserstoffsuperoxyd. Ein Teelöffel davon auf ein Glas Zucker- wasfer ist ein vorzügliches Mundwasser Bielo andere Lösungen leisten ähnliches. Kleinkinder sollte man reichlich gesüßten Tee, süßes Zitronen- wasser und andere Fruchtsäfte trinken lassen. Die übliche Zahnpflege wird natürlich fortgeführt. Aur bei schwer darnieder liegenden Kindern, die den Mund nicht spülen können, weil das Zahnfleisch sich mit Belägen und Borken bedeckt hat, wird man vorsichtig stark angefeuchtete, gestielte Wattetupfer in den Mund einführen und ausdrücken, oder aber man spült den Mund bei vornübergebeugtem Kopf mit dem Strahl eines Oummi- bällchens aus. Lippen und 'Hafcncingang sind einzufetten, damit keine Borken und Einrisse entstehen. Die Lidränder werden ebenso behandelt. Bei allen Pflegemaßnahmen sollte daS kranke Kind möglichst wenig berührt werden. Ruhe für den Körper und den Geist ist oberstes Gebot am Krankenbett. Dazu gehört auch die zweckmäßige Durchführung ärztlicher Berordnungen, als da sind Llmschläge, Klistiere, Arzneigaben usw. Hier darf nicht mit schematischer Gewissenhaftigkeit an dem Kinde herumgearbeitet werden.- Man fudx irr Gegenteil es mit Amsicht so einzurichten, daß dem Kinde die Ruhezeit ausgiebig verlängert wird. Einige Stunden ruhigen Schlafes wiegen vi schönsten Verordnungen auf. Zu diesem Zwecke halte man auch alle Reize vom Kinde fern, s.i es zu grelles Licht, fei es Llnruhe und Lärm durch Hinundherlausen, Türenklappen, Spreche:', Spielen u. dgl. Auf ärztliche Anordnung maem Verlangen nach körperlicher Ruhe ist vor altem auch an den Zustand des Herzens zu denken, das fast bei allen Infektionskrankheiten in schwere Mitleidenschaft gezogen sein kann. Die Körpertemperatur des fieberkranken Kindes ist nach Anordnung des Arztes zweistündig, dreistündig oder dreimal täglich, das heißt morgens, mittags, abends, mit dem Mim:» tenthermometer zu messen und die sestge- stellte Tenrperatur schriftlich aufzuzeichnc n. Die gegen das Fieber nötige Wasserbehandlung, bestehend in Bädern mit ilebergiefjung, abg' - kühlten Bädern, Einpackungen in Laken und Decken. Prießnihumschläge usw. wird der Arzt im Einzelfall anorönen. Bei kleineren Brustumschlägen legt man das Kind auf die fertig zusammengefalteten älmschlagschichten und schlägt cs schnell darin ein. Bei größerer Ausdehnung macht man einen Kreuzverband mit feuchten und Gießener Stavttheaier. Johann Ltrmrtz: „Tcr Zigeuncrbaron". An Stelle der infolge von Erkrankungen Im Personal abgesehten Wiener Gesangsposse „Einen Iux will er sich machen" horten wir gestern abend als zweites Gastspiel der Vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hainborn den „Zigeunerbaron". Operette ist gut und wird, wie der Besuch erweist, noch immer gern gesehen und gehört; aber es ist zu erwägen, ob man statt der zwar bewährten, aber doch schon reichlich abgespielten und verstaubten Operette alten Stils nicht lieber modernere Werke ober gar Neuerscheinungen dieser Gattung ausführen sollte, die sich in Berlin oder in der Provinz bereits durchgeseht haben, und deren Auswahl wohl kaum Schwierigkeiten bereiten dürfte. Mit dem „Land des Lächelns" wurde ja neulich ein ermutigender und begrüßenswerter Anfang gemacht. Also der „Zigeunerbaron", in drei Akten (unb mit zwei ausgedehnten Pausen) von 2. Schnih - ter, Musik von Johann Strauß. Man konnte in Erinnerungen schwelgen, es war noch alles wie einst bis auf die kleinste Pointe unb den ältesten Kalauer. Der „Zigeunerbaron" mit seinem phantastisch-unmöglichen Libretto, mit dem berühmten Schatzwalzer im zweiten Akt, mit dem noch berühmteren Dompfaff („der uns getraut“) samt der Rachtigall, den anzüglichen Störchen und ber Liebe, die eine Himmelsmacht ist,... mit dem Zi- geuncrlieb unb bem Werberlieb und dem Hochzeitskuchen („zu versuchen"), mit den fünftausend Schweinen unb den spanischen Kriegsabenteuern zu der Bodega ... wie einst im Mai. Hebrigeng war die gestrige Aufführung — Inszenierung: Direktor Theo Bachenheimer; am Dirigentcnpult: Kapellmeister Willelm Bachen- h e i m c r — auffallend besser als beim ersten Gastspiel; vor allem musikalisch, im Orchester wie in den Solopartien, um einen vollen Grad. Sie» wirkte wie die erste Besetzung nach der zweiten; jedenfalls sehr erfreulich — wenn s dabei bleibt. Rein rcgicmäfjig war die Aufführung für unseren Geschmack stellenweise etwas zu breit; aber die traditionelle Operettenregie läßt sich ja keine der einmal erprobten Pointen unb Intermezzi mehr aus ber Hanb winden, auch wenn sie noch so primitiv sind. Die Inszenierung zeigte sich übrigens auf opernhakte Aufmachung unb Ausstattung bebacht unb sorgte für wirksame Ensem- bleszenen. Recht annehmbar auch die illu- siomstische Dekoration mit tiefem unb malerischem Prospekt. Die musikalische Wiedergabe des Werkes war von lobenswertem Temperament getragen unb hatte für die Tutti-Einsähe und großen Aktschlüsse einen stattlichen, wohldifziplinicrten Chor auf die Beine gebracht. 3n den Solopartien trugen den Löwenanteil des Erfolges davon: Peter Markwort, den einen Barinkah von beachtlichem stimmlichen Format herausstellte; und 3ba Bauer, die als Saffi besonders im zweiten Akt ihre gesanglichen; Qualitäten entfaltete; gut auch Otto Kraatz. in der noch immer dankbaren Rolle des Koloman Zcupan. Von den übrigen: Joachim Liman unb Hübe Diebecker (Ottokar; Arsena). — Freundlicher Beifall. hth. Einkäufe in Teheran. Don Prinzessin Marthe Libesco. Wie im ganzen Orient übt jeher fein Gewerbe auf ber Straße aus. Der Schneider näht seine Kaftans, ber Schuster seine Pantoffeln, ber Parfümeur destilliert, ber Kupferschmied hämmert. Man nimmt an jedem Stück, bas man unter seinen Augen geschaffen unb geformt gesehen hat, weitaus größeren Anteil als an einem Artikel unserer europäischen Löben, der aus irgendwelcher abgelegenen Fabrik flammt. Es gibt nicht zwei absolut gleiche Krüge im Kramladen eines persischen Töpfers. Mit unserer Kundschaft rechnet man nicht in den Läden, die für jedermann offen stehen. Allmorgend- lich lassen die stummen Diener, die nur unsere Zeichensprache verstehen, die seit lagesgrauen versammelten Kaufleute in unser Vorzimmer heraufkvmmen. Dann spielt sich auf der Terrasse, woselbst ich zu empfangen pflege, ein eigenartiges Schauspiel ab. Erst hört man das Murmeln der Stimmen, angenehm wie die Lobpreisung der Menge. Ein bit- tendes Werben; dargereichte Zierate, entfaltete Stoffe, jeder buhlt um meine Aufmerksamleit, sucht mir zu gefallen. Und ich fühle den schmeichelnden Stimmfall der Worte, die ich nicht verstehen kann. Ich spiele die kalt Blasierte. Die Stimmen steinern sich eindringlicher, man gibt mir alles das; das sind Geschenke, weil man mich liebt. Die Augen rollen in den hennarot bebarteten Gesichtern. Der Ausdruck in jedem einzelnen bemüht sich, nur noch anziehend unb uneigennützig zu sein. Ihre Taktik zielt barauf hin, daß ich nach den Sachen langen soll, sie in die Hand nehmen, sei es auch nur für eine Minute. Sie wissen, daß wir uns schwerer von einem Ding trennen, das uns gefallen hat, wenn wir es einmal berührt haben. Alle Vorzüge des Gegenstandes teilen sich den Fingern mit, Politur unb Feinheiten bes Musters, Schmelz des Elfenbeinemails, Basis unb Erhabenes bes Reliefs. Was die Freuben angeht, bie bas Bcfüh- len edler Stoffe mit sich bringt: bas Anschmiegen der Seiden, so sind sie auch nicht mit Worten dar- zustellen, und die orientalischen Schlauköpfe oer- lassen sich ganz auf bie Empfindsamkeit ber Käufer. Ein kurzes Schweigen ift eingetreten. Sie erraten, baß ich im Begriff bin zu reden. Sie kennen schon die Bedeutung ber Worte, bie ich sagen werde: „Wieviel müßte ich Ihnen für diesen Schmuck geben?" Lebhafter Widerspruch setzt ein, von weitausholenden Gesten begleitet, die bedeuten. Nichts, nichts; das, woran du Gefallen findest, gehört dir schon! „Was also wirklich?" Ich werde ungeduldig. Nach einigem Zögern mit unterwürfiger Stimme und wie um mir einen Gefallen zu tun, nennen sie die Summe. Auf den Rat eines unserer persischen Freunde hin biete ich ihnen ohne Zaudern den vierten Teil. Mißtönende Wehklagen betäuben daraufhin unsere Ohren. Das sind Schmerzensschreie, Seufzer, Verwünschungen. Sie machen Miene sich den Bart zu raufen, sich die Kleider zu zerreißen. Unser Freund ergreift das Wort. Er macht ihnen die Hälfte des Viertels der von Urnen geforderten Summe zum Angebot. Auf das Gejammer folgt ein Auflachen bes Irrsinns — schon jagt er alle fort! Die Halsketten bie Emailschalen, die Gürtel, bie goldenen und silbernen Dosen — in einem Augenblick verschwindet alles in den verfilzten Taschen, in den verdächtigen Mantelsäcken, bie es beherbergt haben. Bald sind nur noch die Teppiche übrig, als Geiseln aus bem Boden zurückgelassen, weil sie zu schwer und zu viele sind Zehn Minuten sind noch nicht vergangen, als sie alle, einer nach bem anbem, wieder hereinkommen, so, als wollten sie bie vergessenen Teppiche holen. Auf bem Nipptischch-n sind wie durch Zauberei die Metallarbeiten und bie kleinen Vasen roieber aufgeblüht; bie ganze Pracht von vorher ist wieder da. In der von der Terrasie entferntesten Zimmerecke, den Buckel krumm, sind die Händler ganz davon eingenommen ihre Teppiche zu rollen. Jetzt ist für uns der Moment, ihre Ware ganz nach Gutdünken zu überprüfen. Mein Ratgeber macht mich auf einige Fälschungen aufmerksam. Es gibt unter der ganzen Auswahl wenig wirklich antike Stücke. Auf ein paar Untertasten liegen kleine Häuflein ungeschliffener Edelsteine. Daneben gefaßter Schmuck, mit ausgesucht feiner Ornamentik, von der Art, wie ihn die Prinzen mit den dichten Wimpern besaßen, die auf den Lackschachteln dargestellt sind: Mantel- schließen, Beschläge. Agraffen, Eicheln aus Perlen, die man am Dolch trug. Auf einem Damastfetzen hingebreitet Gebetsketten, regelmäßig wie der Blü- tenftern einer Marguerite, jede aus acht Barock- perlen in Form eines Blüienblattes zusammengesetzt, Saphire bilden den Mittelpunkt dieser Blüten, bie durch eine primitive ©Überarbeit eine der anderen vernietet sind. Eine Art Diadem, eine Halskette mit langen Gehängen, ein kleiner Gürtel, Finger- und Ohrringe. Während ich mir mit all diesen Herrlichkeiten zu schaffen mache, hat sich mir langsam ein Mann ge- nähert, dessen Gesicht mir unter den anderen anwesenden Masken entgangen war. Er murmelt ein paar Worte und zieht aus feinem Aermel einen abgegriffenen Beutel, den er auf den Tisch leert. Zum Vorschein kommt eine Halskette aus zwölf Smaragden, groß wie Oliven, voll Sprüngen und innerlichen Schäden, aber durchscheinend und grün wie Gletschereis. Diese Kette, aufgezogen auf eine derbe Schnur, gemahnt an den unvorstellbaren Luxus eines Heliogabal. Ich lasse sie durch meine Finger gleiten, unb jeder Smaragd Hingt kristallen an beim Anprallen an die benachbarten Smaragden. „Komm her, Mann mit dem verführerischen Rosenkranz! Ich kann dir nicht einmal bie Hälfte von dem Viertel dessen geben, was sie wert sind, deine grünen Kugeln — nimm sie wieder. Aber was wirst du damit anfangen, armer Kerl? Nero unb Solimann sind tot, bie sie dir abgekauft hätten." Ich wählte eine Karaffe, einen Spiegel, ein Stück Brokat und einige Türkisen, die das Geschenk dieses Morgens sein sollten. Vom Augenblick an, wo meine Wahl getroffen ist, besteht — so scheint es — meine Rolle darin, Gleichgültigkeit auch gegenüber den Dingen zu heucheln, die ich zu erwerben beschlossen habe. D.e Händler sind herangetreten: ,Los! Packt alles weg! Seid ihr noch immer da?" Sie fühlen, daß unsere Strenge nicht allzu em ft gemeint ist. Ihr Gesichterschneiden wird lebhafter. Mit fünften Einwänden schnüren sie ihre Bündel, nicht ohne ein letztes Mal das Porzellan blinken, die Seide schimmern zu lassen. Langsam raffen sie ihre Schätze zusammen. Bei jedem Stück, das in der Versenkung verschwindet, stellt ihr Auge eine unterwürfige Anfrage. „Wir wollen nicht, daß ihr fruchtlos die Schwelle unseres Hauses überschritten haben sollt. Laßt diese Nargileh da; du die Schatulle für den Spiegel und jener dort die drei Türkisen und das orangefarbene Umschlagtuch. Und hier das eurige." Das Geld flirrte auf bem Tisch. Es ist bie von uns in Vorschlag gebrachte Summe. Drei Hände mit rotgefärbten Nägeln lassen es blitzschnell verschwinden. „Das ift zweifellos für meinen Diener? Aber ich wollte dir dieses Geschenk machen, Schahzadhe Hanoum!" Sie gehen lächelnd davon, mit bem Rücken zur Tür, die Augen blank. „Wir haben dir schöne Geschenke gebracht, morgen werden wir mieberfommen, morgen — um bit neue zu bringen!" r £Tin »uÄ bis 10 rote Rüben streifens die künstlerische Leitung übernommen. 8 bis 10; gelbe Ruben 8 tus 10, rote .-^uDen ö\. ' ■ Gewähr gegeben sein dürfte, brs 10; ep-at 15 ^20-^er-Koh^l 5 ' und dem Besucher ein großes Erlebnis bevor- Rosenkohl 30 bls o5, (Zeldsalat 80 bls 100, -So G=;rm ßaf bisher überall die denkbar maten 25 bis 50; Zwiebeln 10 bis 12; ??eerretllch W ® t £ S “£ beackt? die beste Aufnahme gesunden. Man beachte die Urheber-Rechtsf 12 Fortsetzung let du! Was * ♦ wendend. Der Mann lachte kurz auf. „Das sagst du. Trude, ai Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 120 an; Butter 150 bis 160; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 8 bis 10; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 40 bis 60; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepfel 25 bis 50; Dirnen 15 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 110; Gänse 100 bis 120; Rüsfe 40 bis 60; Land des Lächelns". . . — „Tiere j ehen dich an". Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße bringt am nächsten Sonntag als dritte Kulturfilm-Frühvorstellung den Film „Tiere sehen dich an" zur Aufführung. Der Film wurde hergestellt nach dem gleichnamigen erfolgreichen Buch von Paul Eipper. Der Verfasser hatte für die Herstellung dieses Filmweißt du, wie es um mich steht?!" Sie sah flüchtig über die Schulter zurück. Seine Worte trafen sie wie der leichte, schwippende Schlag einer Gerte, Und da sie ohne Antwort den Weg schnell zurückging, setzte ihr Franz Strobl nach. In langen Sprüngen kam er herbei- geeilt. Trude hörte den Tritt seiner Füße. Angst krampste ihr das Herz zusammen. Angst vor diesem unberechenbaren Menschen, der sich überheblich ihr Freund und Kamerad nannte. Run begann auch sie zu laufen, vor Strobl zu flüchten, und kein Mensch in der Rähe, kein Retter. Der Wiener verdoppelte seine Sprünge, kam rasch näher. Es war eine regelrechte Verfolgung, anfangs nicht ernst genommen, und doch wußte Trude, daß im Hintergründe für sie Gefahr lauerte. Ihre Blicke schweiften über das Gelände. Gar nicht weit von ihr begannen die Büsche und . 3 durch Verlag Oskar Meister, Werdau LSa. Nachdruck verboten heutige Anzeige. ** Ernennung bei der Landesuniversität. Ernannt wurde ■ der planmäßige das Stück: Tauben 50 bis 70; Eier 15 bis 16; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 20 bis 30; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,20 bis 2,50; Weißkraut 3,00; Wirsing 4,00; Rotkraut 5,00 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Kaufm. Verein/Orlsgewerbeverein: Vortrag: „Das erwachende Asien", 20 Uhr, Reue Aula. Spielvereinigung 1900: Generalversammlung, 21 illjr, im Vereinslokal Boller. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebesparade". — Astoria- Lichtspiele: „Messalina". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Intendanz hat zu Samstag, 25. Oktober, die Ludwig-Thoma-Bühne als nächstes Ensemblegastspiel verpflichtet und ist der Ansicht, damit dem Gießener Theaterpublikum etwas besonderes zu bieten. Carl Zuckmaher entdeckte die Ludwig-Thoma-Bühne für Berlin. Die- habe ich sie innerlich bereits verloren..." gestand er sich sehr richtig folgernd ein. Die Serenade aus dem b-Dur-Quartett von Haydn mit ihrem süßen Werben griff ihm, dem Wiener Geiger, ans Herz. Gleich nach dem letzten Bogenstrich trat er an den Flügel, beugte sich, unbekümmert um Weißkugl und das Publikum, zu seiner Kollegin nieder, mit weicher Stimme bittend: „Kannst du mir vergeben, Trude?" Rur diese fünf Worte sprach er. Und sie fanden den Weg zum Herzen der Frau. Sie fühlte die Echtheit seines aufrichtigen Bedauerns und verzieh. „Vergessen." Sie sagte das so leise, daß nur der Bittende es hörte. Dabei schenkte sie ihm einen lieben Blick aus ihren großen, braunen Augen. Bei sich dachte sic: „Man kann ihm nicht böse sein." Ihre rechte Hand lag noch auf dem blassen Elfenbein der Tasten. Strobl konnte nicht umhin, ganz leise und flüchtig darüber hiirzustreicheln. Dann wandte er sich ab. Es war wie ein Dank. Und ein Versprechen: „Rie wieder will ich dir wehe tun!" Trude Gutenberg glaubte ihm. 11. Die improvisierten Tanzabende in der „Post" gefielen den Gästen so gut, daß sie fortgesetzt wurden. Ein paar leidlich gute Klavierspieler gab es auch unter den Touristen, und so wechselten sich die Herren am Piano ab, daß es keinem zuviel wurde und auch jeder einmal das Tanzbein schwingen konnte. Erdmute war eine begehrte Tänzerin, graziös und schön, dazu erträglich geistreich. Heule zeichnete sie vor allen Heinz Gutenberg aus, so sehr auch Ludwig Schwaihofer murrte. „Sie sind heute nachmittag an der Reche gewesen," neckte sie ihü und ließ sich von dem Schriftsteller zum Tanze entführen. Der Münchner sah Riml, den Sportsmann und Besitzer, an einem Tisch Da fiel ihm etwas em. Bald sah er mit bei dem Tiroler und entwickelte sein Programm. . „Geben S' acht, den Motor zur Seilbahn liefern wir!" rief er ziemlich laut. Mute und Gutenberg, die gerade vorüber tanzten, hörten es. „Die Konkurrenz ist am Werke... sagte der Schriftsteller in das Ohr seiner Dame. Sie sah ihn aus blanken Augen an, von keinerlei Sachkenntnis beunruhigt. „Ich verstehe Sie nicht.' „Rachher..." sagte er. v Als das Klavier schwieg, setzten sich Mute und Gutenberg auf die Veranda. Hier waren die wenigen Gäste, die am Tanz kein Vergnügen fanden oder sehr spät von den Bergen gekommen waren und nun ihre Abendmahlzeit einnahmen. „Haben Sie noch nichts von der geplanten Seil- Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf „So entkommst du mir nicht. Trude! Ich muß dir jetzt gestehen, daß ich diese Begegnung gewollt herbeigeführt habe. Ich bin dir nachg^ schlichen, um dich einmal ganz allein für mich zu haben." Wahrhaft bekennerfroh kam es von seinen Lippeir. Frau Gertrud beherrschte die Situation, lieh sich ihre Verblüffung nicht anmerken. „Dagegen ist an und für sich nichts einzuwen- den, Franz. Deine Begleitung war mir angenehm." Ohne es zu wollen, reizte sie den Hemmungslosen. „Du — ich will dir mehr sein, als nur ein Kamerad für einige Tage... Ich könnte es nicht ertragen, mich jemals wieder von dir zu trennen. Deshalb muß es zwischen uns klar werden." Wie fordernd das klang! Die Frau hörte das stürmische Drängen und Verlangen heraus, das hinter seinen Worten lauerte. „Du sprichst, als hättest du ein Anrecht auf mich", wies sie ihn zurecht, noch immer das besänftigende Lächeln auf den Lippen. „Du verhöhnst mich, Trude!" Run merkte die Frau, daß es an der Zeit sei, umzukehren. „Sei vernünftig, Franz", warnte sie, sich ab- darübcr trockenen Dindenzügen, die nachher noch mit wollenen Tüchern einfach bedeckt werden. Bei den seltener verwendeten Ganzpackungen wird das nasse Tuch vom Hals bis über die Füße sest um den ganzen Körper des Kindes geschlagen. Die abschließende trockene wollene Decke muß oben e, um schließlich n, in dem alle em großen Danen. Der Redner ielen Deifpielen lftimmend unter«. >lütz anhaltender lammlung verlies war wieder, um >orzubeugm, ein mannschasien zur jatten sich viele tische Gegner A’c cs fam jedoch Auseinander« nGirhen. tervfsizier und ein waren in erster urch unvorsichligc jotliegenben Falle n Gefteiten ihrer zr^ben^e^' tzairnrachalp bauen z da oben soll mk trat der Sportler s weich fallende Ml, sagte davet nich nicht sonder- »rübergehen! 2ul t [»in. Aiml verdient d. llnd da er nicht >rn auch em guter Mtllmenschen "ZSbMMd _ sprach si^ s" *•** M «nu , wem.er d engcrc irmC1kä^at^ ire« S-rrn war uun ^^s Big- her Offerte .E . undnun 1 Justrüö Ound M igen am |a^‘ 7ie£ ein 9^ & atcbel -US gesprochen worden. Der Gefreite wurde durch einen Schuh, der sich durch Berühren des Gewehrabzugs gelöst hatte, an der Hand verletzt. Die Anklage steht auf dem Standpunkt, beide Angeklagten hätten bei Bedienung des Maschinengewehrs die erforderliche Vorsicht außer acht gelassen. Auch die Berufungsverhandlung konnte einen lückenlosen Beweis nicht erbringen. Es war nicht festzustellen, wer den Abzug gezogen und ob überhaupt hierbei ein fahrlässiges Handeln obgewaltet hat. Auch das Berufungsgericht erkannte deshalb auf Freisprechung. Ein Arzt wurde vom Erweiterten Schöffengericht wegen Ausstellung eines unrichtigen Zeugnisses über den Gesundheitszustand eines Menschen zum Gebrauch bei einer Behörde zu einem Monat Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Auf Berufung des Angeklagten setzte die Drohe Strafkammer die Strafe auf 300 Mark herab, die an Stelle einer an sich verwirkten Gesängnisstrafe von einem Monat zu treten hat. Gegen mehrere Beamtinnen und den Vorsteher eines kleinen Postamtes in Oberhessen war vor einiger Zeit vor dem hiesigen Schöffengericht ver- handelt worden. Die eine Beamtin wurde damals in erster Instanz frei gesprochen. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft wurde das erstinstanzliche Urteil insoweit aufgehoben und die Angeklagte wegen Beihilfe zur Amtsunterschlagung, letztere begangen von einer Mitangeklagten, zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Strafkammerurteil legte die Staatsanwaltschaft Revision beim Reichsgericht ein. Dieses gab der Revision statt, hob das Berufungsurteil auf und verwies die Sache zu erneuter Verhandlung an die Vorinstanz zurück. In der heutigen Hauptverhandlung ergab sich im wesentlichen derselbe Sachverhalt wie früher. Der Staatsanwalt hielt an seinem früheren Standpunkt fest, die Angeklagte habe sich als Mittäterin mit den anderen Beamtinnen, mit denen sie im Einverständnis handelte, der Amtsunterschlagung schuldig gemacht. Das Berufungsgericht erkannte auf sechs Wochen Gefängnis: es gina insofern von feiner früheren Meinung ab, als es Beihilfe zur einfachen Unterschlagung und nicht zur Amts- unterfchlagung annahm. Preußen. Kreis Wetzlar. ch L a u n s b a d), 22. Okt. Der Geflügelzucht, verein Launsbach veranstaltete eine allgemeine Iunggeflügelschau. Zugleich feierte der Verein fein zehnjähriges Bestehen. Die Ausstellung war gut beschickt. Als Preisrichter waltete Herr Rern (Pohl-Göns) seines Amtes. PreisefürHühner erhielten: Christ. Steiß, Gleiberg (1. und 2 Pr.): Karl Würtz, Krofdorf (Ehrenpreis): R. Winter, Lauxxsbach (Ehrenpreis xmd zwei l.Pr.): Adolf Valentin, Krofdorf, und K. Stork, Krofdorf (je einen Ehrenpreis): E.Trautmann, Wiefeck (Ehrenpreis): K. Stork, Launsbach (Siegerpreis): G. Klinke!, Wißmar (Ehrenpreis): K. Schmidt, Launsbach (Ehrenpreis): H. Pfaff, Launsbach (Ehrenpreis): W. Schmidt, Wieseck (l.Pr.): H. Mandler, Wißmar (Ehrenpreis»: K. Frank, Lollar (Ehrenpreis): Otto Mandler, Launsbach (Ehrenpreis): K. Stork, Launsbach (Ehrenpreis): Alb. Dechthold, Launsbach (Ehrenpreis): W. Sommerlad, Großen-Lin- den (l.Pr.): H. Mandler, Wißmar (Ehrenpreis). Preise für Enten erhielten: W Ha s.'lbach, Krofdorf (l.Pr.): H.Pfaff, Launsbach (Ehrenpreis). Für Tauben: Franz Bechthold, Launsbach (2. Pr.): Wilh. Bender, Launsbach (Ehrenpreis). Für Hühner st ämme: Otto Kaiser, Wieseck (2. Pr.). Kreis Marburg. ._•> Fronhaufen, 21. Oft. Am vergangenen Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr Erntedankfest. Die Kirche war aus diesem Anlaß reich mit Früchten des Feldes geschmückt, unö an beiden Gottesdiensten nahm die Gemeinde zahlreich teil. Im Rachmittagsgottesdienst predigte der Ortsgeistliche Pfarrer Weber. Der- fchönt wurde der Gottesdienst durch Darbietungen des Posaunen- und des Kirchenchors. Eine Kollekte zum Besten der Sch Westernstation ergab einen ansehnlichen Betrag. Im Abendgottesdienst, der ebenfalls wieder viele Mitglieder der Gemeinde vereinigte, predigte Missionar Langholz aus Herrmannsburg. Auch hierbei wirkten der Po- faunenchor, der Kirchenchor und der Iugendchor mit. Die Kollekte tortimt der Heidenmission zugute. Wirischast. Der Abbau der Kohlenpreise. Köln, 22. Oft. (WTB.) In Auswirkung des Regicrungsprogramms hat das Rheinische Braunkohlensyndikat in Köln mit so- ortiger Wirkung eine allgemeine Herab - ehung feiner Verkaufspreise beschlossen. Die Preissenkung beläuft sich, den jeweiligen Absatz- und Frachtverhältniffen Rechnung tragend, für Hausbrandbriketts auf 0,80 bis 2 Mk. je Tonne. Ebenso wird der Prexs für Industriebriketts eine angemessene Ermäßigung erfahren. Berlin, 22. Okt. (WTB.) Wie die ober- chlesische Eteinkohlenindustrie dem Reichswirte chaftsministerium mitteilt, hat sich der ober- chle fische Kohlenbergbau zur durch- chnittlichen Senkung der Kohlen preise um 6 P r o z. grundsätzlich bereit erklärt und den Wunsch geäußert, daß es ihr ermöglicht würde, die Preissenkung noch vor dem 1. Dezember eintreten zu lassen. Der Büdinger Gallusmarkt. 1 I Büdingen, 22.Oft. Der Büdinger Gallusmarkt war vom schönsten Wetter begünstigt. Bereits am Sonntag erfreute sich der Markt eines verhältnismäßig guten Besuches. Die Kauflust des Publikums war jedoch sehr gedrückt. Reges Leben herrschte am Sonntagabend in dem großen Wirtszelte, wo die Büdinger Orchestervereinigung zum Tanze aufspielte. Der Pferdemarkt am Montag spiegelte deutlich die ungeheuere Depression wider, die auf unserer Wirtschaft lastet. Es waren nur wenig Ticre auf getrieben, und der Handel kam nicht recht in Fluß. Dagegen erfreute sich der Rindvieh- und Schweinemarkt am Dienstag eines besseren Besuches. Der Schweinemarkt darf sogar als sehr gut bezeichnet werden. Es waren über 350 Tiere auf getrieben, und bald setzte überaus reger Handel ein. Ferkel kosteten 18 bis 20 Mk., Springer 30 bis 35 Mk. und mehr. Der Umfaß war befriedigend, wenn auch der Markt nicht geräumt wurde. Auf dem Rindviehmarkt waren nur etwa 30 Tiere auf getrieben. Der Handel ging sehr schleppend. Die Preise bewegten sich um 280 bis 320 Mk. Trotz der geringen Auf- triebszahl verblieb noch Ueberftanb. In den Gassen der großen Duden st adt herrschte indessen reges Leben und Treiben. Gut ging hier der Handel in Winter-Textilien, Spitzen ufto., vor allem auch in Zucker- und Spielwaren. Alles in allem darf man sagen, daß der Büdinger Gallusmarkt als Schweine- und Krämermarkt angeregt verlaufen ist. Der Pferde- und Rind- viehmarkt konnte sich dagegen nicht so entfalten, wie man es hätte erwarten dürfen. • Ermäßigung des Privatdiskonts f ü r k u r z e S i ch t. An der Berliner Börse wurde der Privatdiskontsah für kurze Sicht um Vs Proz. auf 47/s Proz. ermäßigt: der Satz für lange Sicht blieb unverändert 5 Proz. * Ermäßigte Dersicherungstarise. Der Verwaltungsrat der Provinzial-Feuerver- sicherungsanstalt der Rheinprvvinz hat wegen der anhaltend ungünstigen Entwictlung der Geschäftslage für 1931 beschlossen, die Beiträge in der Feuer-, Einb ruchd ieb st ah ls - und Wasferleitungs- schädenversicherung um 10 Proz. zu ermäßigen. • Fusion Humboldt — Deutz — Ober- ursel genehmigt. Die GB. der Maschinenbau-Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, genehmigte den Abschluß mit 5 (3) Prozent Dividende. Die Verwaltung teilte mit, daß man den Abschluß eines Fusionsvertrages schon seit längerer Zeit ins Auge gefaßt habe. Man habe es jedoch feiner - zeit vorgezogen, eine Interessengemeinschaft abzuschließen. Da sich bald herausgestellt habe, daß man mit dem Abschluß des Vertrages günstige Ergebnisse erzielt habe, sei man der Ansicht gewesen, eine noch engere Zusammenarbeit herbeizuführen. Rach einet neuerlichen Berechnung dürste der jetzige Zusammenschluß so erhebliche Vorteile bringen, daß die Fusionskosten in kurzer Zeit verdient sein würden. Die höhere Bewertung der Aktien der Motorenfabrik Oberursel AG. erklärt sich daraus, daß der Bettieb in Oberursel außerordentlich gut und rentabel arbeite. Der Dersaitzmlung wurde von dem belann- cen Fusionsvertrag Kenntnis gegeben und die Fusion einstimmig beschlossen. Das Aktienkapital wird um 15,25 auf 28 Mill. Mk. erhöht, da man mit diesem Beirag auskomme. — Die anschließenden Generalversammlungen der Motorensabrik Deutz AG., Köln-Deutz, und der Motorenfabrik Oberursel AG.. Oberursel, genehmigten gleichfalls die Abschlüsse und stimmten den FusionS- votfchlägen einstimmig zu. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. Oft. Tendenz: uneinheitlich. — Obwohl die schwankende gestrige Reuyorker Börse ein weiterer Grund zur Zurückhaltung und Lustlosigkeit war, kam die Abwärtsbewegung der Kurse zu Beginn des heutigen Marktes, wenigstens zum Teil, zum S t i 11 st a n d. Anregungen waren nicht vorhanden. Die Situation int Metallarbeiterstreif ist sehr «undurchsichtig, da man befürchtet, daß bei den: heutigen Rachverhandlungen eine Einigung nicht erzielt werden wird. Das Geschäft war sehr gering. Material tarn nur noch in geringem Umfange an den Markt. Vereinzelt eintreffende Aufttäge konnten einer weiteren allgemeinen Abwärtsbewegung eine Grenze setzen, so daß bei uneinheitlicher Kursgestaltung ver- schiedcntlichBcsferungen eintraten, was auf die Tendengestattung der Börse einen günstigen Eindruck machte. Der Grundton toer aber zuversichtlicher, ohne daß jedoch eine Steigerung der Kauflust bei der Kulisse zu bemerken gewesen wäre. Etwas mehr Interesse bestand am Elektromartt für Siemens, Schuckert, Gos- fürcl, die bis zu 1 Prozent fester eröffneten. AEG. lagen knapp gehalten, während Licht & Kraft 1,25 Proz. schwächer laaen. Auch I.-G.-Farben lagen leicht erhöht. Rütgerswerke besserten Vvi> um 1 Prvz. Am Montanmarkt war das Angebot etwas empfindlicher. Klöcknerwerke und ManneSmann waren bis zu 2 Proz. schwächer. Kaliwerte zogen leicht an. DiS 1 Prozent niedriger eröffneten noch Banken, Daimler, Aku: Tcmberg waren behauptet. Am Rentenmarkt machte sich etwas Rachfrage nach Ungarischer Etaatsrente bemerkbar. Deutsche Anleihen gaben leicht nach. Rach den ersten Kursen wurde die Stimmung freundlicher. Die Kulisse schritt zu Deckungen, doch war das Geschäft nur in einigen Werten etwas lebhafter. Im Metallarbeiterkonflikt soll eine Einigung erzielt worden fein; eine Bestätigung dieses Gerüchtes war noch nicht zu erlangen. Die Kurse zogen gegen Anfang um bis zu 1,5 Proz. an. Pfandbriefe hatten kaum Geschäft und lagen eher etwas schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt trat bei lebhafter Rach« frage weitere Befestigung ein. Besonders Reuvork lag international fest. D i e Mark bröckelte weiter ab. Man nannte Mark gegen Dollar 4 20, gegen Pfund 20,41, gegen Paris 123,84, gegen Mailand 92,82, gegen Madrid 46,30, gegen Schweiz 25,0175, gegen Holland 12,0625. Berliner Börse. Berlin, 23. Oft. Schon vor Beginn der heutigen Börse konnte man erkennen, daß gegenüber den schwachen Kursen der gestrigen Abendbörse eine Beruhigung eingetreten war. Die Ernennung Severings zum preußischen Innenminister und der nun doch wahrscheinliche Wechsel in der Leitung der Berliner Polizei wurde heute im Gegensatz zu gestern eher günstiger beurteilt. Die Meldung, daß die I. G. Demberg in Barmen, wenn es überhaupt zu einer Dividendenverteilung kommen sollte, eine Kürzung des vor- jäßrigen achtprozentigen SaheS vornehmen würde, war nur von geringer Bedeutung. Entscheidend war für die Allgemeintendenz, daß bei den Banken kaum nennenswerte Abgaben aus dem Reiche oder vom Auslande Vorlagen und daß diese ziemlich schlank Aufnahme fanden. Der Ordereingang bei den Danken war auch auf der Kauffeite minimal, so daß die äl m s a h - tätig feit fehr beschränkt war. Die ersten Kurse lagen gegenüber den letzten offiziellen Berliner Schlußkurfen von gestern nur knapp behauptet. Die Abweichungen gingen aber mit ganz wenigen Ausnahmen nicht über 1 Proz. hinaus. Etwas stärker aedrückt waren Gebrüder Korting, Orenstein & Koppel, die beiden Bau- werte Berger und Holzmann, Feldmühle. Zellstoff Waldhof, Leonhard Tietz, Deutsche Erdöl, Zement Heidelberg. Fahlberg List und Th. Goldschmidt. Chadeaktien fielen mit einem Gewinn von 4 Mk. etwas aus dem Rahmen, doch hing diese Steigerung mit der Bewegung der spanischen Valuta zusammen, die angeblich dicht vor der Stabilisierung steht. Deutsche Anleihen lagen ruhig. Reubesihanleihe etwas rückgängig. Ausländer waren meist behauptet. Rumänen etwas fester. Am Pfandbriefmarkt neigte die Tendenz eher zur Schwäche. Besonders in Liquidationspfandbriefen schien wieder Angebot zu bestehen. Reichsschuldbuchforderungen Vi bis 1 , Proz. niedriger. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3 bis 5 Proz., Monatsgeld mit 6 bis 7,5 Proz., Warenwechsel waren mit 5,5 Proz. und darunter zu haben, und leichter. Rach den ersten Kursen wurde es. hauptfächlich auf Deckungen, etwa- freundlicher. Man konnte in den Hauptwerten Kurserholungen bis zu 2 Proz. feststellen. Die Umsätze hielten sich aber in bc- fcheidenem Rahmen. Das weitere leichte Anziehen der Devisenkurse beunruhigte nicht, da dieS durch die Festigkeit des Dollars au erklären sein dürste. Es ging das Gericht um, daß im Metallarbeiterkonflikt eine Einigung erzielt worden sein soll. Eine Bestättgung hierfür war nicht zu erlangen. Berliner Prodnktcnmarkt. Berlin. 22. Okt. Die Preisrückgänge am Pro- duktenmarkte setzten sich heute fort, insbesondere wurde der Roggenmarkt davon wieder betroffen. Das Angebot ist sowohl an der Küste, als auch in Kahnmaterial nach Berlin außerordentlich reichlich, verschiedentlich liegt auch Waggonware etwas reichlicher vor. Die Kauflust ist, angesichts der Befürchtungen hinfichllich der Haltbarkeit der diesjährigen Qualitäten, sehr gering. Die Gebote lauteten am Promptmarkte etwa 3 Mark niedriger als gestern, die Lieferungspreise setzten 2,50 bis 4.50 Mark schwächer ein. Inlandweizen war weder für Waggonverladung, noch in hier rentierendem Kahnmaterial in nennenswertem Umfange angeboten und die Preise im Promptgeschäft konnten sich ziemlich behaupten. Der Licse- rungsinarkt war um etwa 1 Mark gedrückt. Weizenmehl wird zu unveränderten Preisen nur wenig umgesetzt. Für Roggenmehl sind die Mütz- lenforberungen um 25 Pf. ermäßigt, einige Kauflust zeigt sich für billigere Provinzfabrikate. Haler bei ausreichendem Angebot und geringer Kauflust schwächer. Gerste in unveränderter Marktlage. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märf., 220 bis 222 (matter), Oft. 237 bi« 23b, Dez. 245 biS 244, März 261 bis 260,25; Roggen, märt., 142 bi« 144 (matter), Oft. 155 biß 154, DeA. 164,50 biß 163,50, März 184 bi« 183 bi« 184; Braugerste 184 bis 210; Futter- und Industriegerste 165 bis 176; Hafer, märf., 141 bis 154 (matter), Dez. 156 bis 156,75, März 168,50; für je 100 Kilo: Weizenmehl 27 bis 35; Roggenmehl 23,25 bis 26,50; Weizenfleie 7,25 bis 7,z5; Roggen fiele 6,75 bis 7,25; Diktoriaerbsen 28 bis 32; Futtererbsen 19 bi« 21; Peluschken 19 bis 20; Ackerbohnen 17 bis 18; Wicken 18,50 biS 20,30; Rapskuchen 9,10 bis 9,60; Leinkuchen 15 bis 15,20; Trockenschnitzel 5,20 bis 5,60; Sojaschrot 12,60 bis 13,10 Mark. Allg. Tendenz: matter. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 23. Okt. Auftrieb: 85 Rinder, 838 Kälber, 476 Schafe, 530 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 79 Mark, mittlere Mast, und Saugkälber 70 bis 74 Mark, geringe Kälber 65 bis 69 Mark. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 46 bis 49 Mark, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 45 Mark, fleischiges Schafvieh 35 bis 39 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft; Schweine mäßig rege, ausoerkauft. Friedberger Schweinemarkt. WCR. Friedberg, 22. Okt. Zum heutigen Ferkelmarkt wurden 749 Iungtiere abgetrieben. Es entwickelte sich flottes Geschäft, bei dem etwas Ueberftanb verblieb. Bezahlt wurden für bis 6 Wochen alte Tiere 15 bis 20 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 20 bi« 25 Mk., 8 bis 12 Wochen alte 25 bis 30 Mk. Schweincmarkt in Schotten. * Schotten, 22. Oft. Auf dem heutigen Schweinemarkt in unserer Stadt standen 340 Ferkel, 6 Läuferschweine und 5 Einleger zum Verkauf. Man bezahlte für Ferkel bis zu sechs Wochen alt 16 bis 18 Mk., sechs bis acht Wochen alt 18 bis 25 Mk., acht bis dreizehn Wochen alt 25 bis 30 Mk., für Läuferschweine 30 bis 40 Mk., für Einleger 40 bis 50 Mk. je Stück. Bei gutem Geschäftsgang wurde der Markt geräumt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bi» 12 30 Uhr. 16 ble 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Anjeigenonflräge sind lediglich an Sie ®e|djäfl6ftelle zu richten. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse »erlln 22 10. ! 23. 10 Datum 22 10 23 10 68 271 140,4 ! 140,5 140,5 133,5 50 a.M. 78 77,5 80,25 120,75 S.S.S. Bergmann . 52 51,5 57,75 121,25 123,25 124,5 10 86 146 154 93,5 119 18,75 69 71 73,25 27 27 87 72 67 76,75 77 Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschiosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H, Lombardzinsfuß 6 o.H. Die hinter den Papieren IVranffuri a. 3JI. Devisenmarkt Berlin — 135 180 30 87 94 90 82,5 220,25 22,75 155,75 59,9 64 150 146 10 74,5 40 136 180,5 121,75 139,75 117,65 123,65 96,5 94 90 118,25 136,25 180,25 125,5 148,5 135 180 125 145,4 7 io io , 8 0 0 6 10 194 197 270,5 68,13 30,6 194,5 197 271,5 12 B :• , 6 . G , k . 6 . 8 . 8 . 0 6 V, 10 . 7 . 1 . 7 . 7 . 6 . 7 6% io . 6 1,2 16 15 52 66,25 16 12 18 14 IS'/. 12 , . 8 , . 9 , . 0 53 67,75 122,5 96 53 66 69,5 81,75 73,5 38,25 42 75,5 66,75 180 76,5 19 31,25 94 149,5 145 69 30,25 195,13 197 272,5 44,25 50 92,25 120,75 139 116 121,9 96,13 93 89,25 81 11,9 51 116,5 285 Schlesische StekirizilLl. Schulte« 6 Lo. . . • Sternen» & Halste . . IraneraBto..... Labmeyer & Ho.. . . 12 50,13 141,25 66 8ereinlgte Stahlwerke . . Ctaot Minen...... Rallroerle Aschersleben . . flaliroerfe Westeregeln . . RaHroerte Satibetfurlb . . 83,5 115 23 155 184,5 ! 182,75 145,25 144,25 124,5 124,75 119 ! 118,75 10 11 16 8 IG Licht uno Kratt..... Helten & Outlieaume . . iSelcüliDalt für Elekttitche Unternehmungen . . . Philipp Hoi,mam> . . Zementwerk Heidelberg Cementwerk flarlflabt. Watch & tzrevtag . . 60,5 64,5 115,5 60,5 64 H5,5 86 42,5 49 ! 92 I Hamburger EieitrizilLU-Werke 10 tHbciuW Sieltrttüät .... 9 3. G. warben Industrie . Tvnamii Nobel . . . . Echeibeansialt..... Goldlchmidi . . . • . RÜtgerSwerke..... MetaUgelellichaN. . . . 61,5 I 66 117 87,5 85 116 23.75 156,5 34 12,13 53,65 119 286,75 Bergmann.........9 Siektr. LieserungSgeselllchast. 10 Ätantfurttt Malchtne» .... 4 Sritzner...... • . . 6 Hehliaenltaedi 0 Iunghan«..........6 Lechwerke..........8 Mainkraslwerke Höchg a. M.. . 8 Miag...........10 »ebr. Roeder...... 10 Boigt & Haessner ...... 9 Süddeutsche Zucker . ... 10 Buderus...... Deutsche Erdöl . • . Tiiener Steinkohle • • Gelsenkirchener . . . Harpcner .... Hoelch Eisen..... fble Bergbau .... Llücknerwerke .... 8öln.$cuelien .... Mannekmann-RShreu Mantsclder Bergbau . Cbcridilel. Silenbedars vberschlc). Kokswerke. Phontr Bergbau. . . Rheinische Braunkohles «Heinstahi..... Riebeck Morri an . . . 82,75 75 38,5 42,5 76 67,75 181,75 78,25 86 I Schultheis Patzenhoser . Lilwerke....... 8 hl......... Bemberg....... Rellftofl Daldhol . - . Zellstoss Aschassenburg . Charlottenburger Wasser Dessauer «ar..... Daimler Motoren . . . Deutsche Linoleum . . Maschinenbau A.-G. . , Rat. Automobil . . . « Grendeln & Koppel . . Leonhard Tietz . . . , Svenska....... Bantnoten. Serlin, 22. Oftober (Reib Ärles Smenkanilche Roien..... 4,188 4,208 Belgische Violen ....... 58,30 58,54 Tüniiche Violen ....... 111,98 112,42 tfiifl'tid»- Violen ....... 20,36 20,44 Französische Violen....... 16,43 16,49 Holländische Vielen....... 168.63 169,36 Italienische Violen........ 21,89 21,97 Norwegische Violen....... 111,93 112,44 Deuisiii-Oesterreich, * 100 Schilling 59,01 59,25 Rumänische Violen....... 2,47 2,49 Schwedische Violen....... 112,30 >12.74 Schweizer Noten........ 81,31 81,63 Spanliche Violen........ 43,71 43.89 Tichechollowalische Roten..... 12,405 12,465 Ungarische Noten ...... 73,15 73,45 Frankfurt a. 1)'. Berlin — 78,13 79 77,9 Hamburg-Südam. Dampsschlss 8 — — — — Hania Dampsschiss..... 10 — — — — Norddeulicher Lloyd .... 8 77 — 79 78,4 Allgemeine DeutscheCrediianst. 10 —- — 100,5 100,25 Barmer Bankverein .... 10 107,75 107,75 107,75 107,75 Berliner Handelrgesellschasl . 12 132 — 132,25 133 Lommerz- und Privat-Bank . 11 121,5 121 121,5 121 Darmstädter und Vialtonalbant 12 159 — 158,5 158,25 Deutsche Bank unö Direonlo-Geseilschast. - - - 10 116,5 — 116,75 116,25 Drerdner Bank...... 10 116,5 116 116,5 116 Reichsbant........ 12 219 —- 221,5 221,25 (^chluß- turt 1-Ubr- JTure Schluß-s Ansang- für» 1 ftur» Datum 22 10 23 10 22. 10 1 23- 10 6% Deutsche Reichsanlethe von 1927 .......... 87 • 87,9 _ 7% Deutsche Reich-anleihe von 1929 .......... 97,75 _ 98,25 _ Deutsche «nl..AblöI..Schultz mit Auülos.-Rechten....... 54,5 — 54,5 54,5 DeSgl. ohne Auelos.-Rechtc . . 6,75 6,55 6,7 6,5 8% Heil. Sollefiaat von 1929 (rüihahlb. 102%)...... 89 — 89,4 — Lverheilen Provinz • Anleihe mll Aurlos.-Rechien..... 52 _ — — Temsche klomm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 52,13 — 52,5 — 8% ixrantl. Hnv.-Van« «oldpse. XIII unlünebat bU 1934 . . . 98,5 _ _ _ 7% RranH. Hop.-Bank Solbpse unkündbar bi» 1932 ..... 93,5 _ _ *¥t% Rheinische Hvv^Bani Liqu Golbpse......... 86,25 _ _ _ 8% Pr. Landesv'ancbriesanNalt, Psandbriese R 19 100 _ 100 _ 8% Pr Landeepianebriesanltalt, «omm.-Lbl. R. 20...... 7% Pr. anbee 1'' an Dbrlefanftalt, Psandbriese 8? 21 ..... 97 97 97 97 A.ik.G abg. Bor^iegl-Obllgatio- neu. rüdiabtbat 1938 ..... 94 — — 4% Lesterretchlsche Goibrente . . 26,5 26.7 26,75 4,20% Oesterreichische Silberrente 3 _ 4% Oesterreichische Einheitliche Rente.......... 4% Ungarische Soldrente . . . . 23,9 — 23,7 _ 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — 19 — iVi% beegl. von 1913 .... — — 19,65 1,8 — 1% Ungarische fironenrente . . 1,9 — 1,9 1% Türkische Zollanleihe von 1911 4,55 — 1% Türkische Vagdadbahn-Anl Serie I..... — — __ 4% MgL Serie II....... — — — — 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ........ . 8,25 _ * 8,5 Rumänische vereinh. Rente ton 1913 .......... 14,13 14,5 t% Rumänische vereinh. Renke 7 — 7,13 7,05 22 Oktober 23 Oktober Amtlich« )lo lerang Amman lloiierung Selb »rle Selb 3ne ÄMit-. 'Hott. 168,96 169,30 169,02 169,36 Bu'n-Aire- 1,443 1,445 1,433 1,435 Beil -Antw. 58,475 58,595 58,475 58.595 Christianta. 112,24 112,46 112,23 112,45 öopenbaaen 112,24 112,46 112,24 112,»6 Stockholm - 112,60 112,82 112.62 112.34 HelsingforS. 10,558 10,578 10,556 10,576 Italien . . 21,96 22,00 21,955 21,995 London. . . 20,385 20,425 20,385 20,425 Vieunorf . . 4,1945 4,2025 16,499 4,1955 4,2035 Porig. . . . Schweiz . . 16,459 16,459 16.499 81,465 81,525 81,46 81,62 Spanien. 44,04 44,12 44,16 44,24 Japan . . . 2,083 2,086 2,083 2,087 ■Hto de , Anstellungs- und Deför- derungssperre für alle Deamtengrup- pen mit sofortiger Wirkung ein. 2 . Die Altersgrenze für die Ruhestands- versehung ist vom 65. auf das 68. 2e« bensjahr hinaufzusehen. 3 .Die Regierung hat sofort eine neue De - soldungsordnung vorzulegen, in 6er folgende Gesichtspunkte berücksichtigt sind: Das Aufrückungsshstem ist zugunsten des D e- förderungssystems aufzuheben. Jede Deamtengruppe kommt in eine Besoldungsgruppe. Die weiblichenDeamtenund Angestellten bekommen Gehälter und Vergütungen, die 25 Prozent unter denen ihrer männlichen Berufskollegen liegen. In der Frage der Besoldung werden „wohlerworbene" Rechte der Beamten im Sinne des Artikels 129 der Reichsverfassung nicht anerkannt. Die Bezüge der Beamten und Angestellten sind auf den Stand vom Jahre 1 926 zurückzu- führen. Die Gehälter der Minister und die Aufwandsentschädigung der Landtagsabgeordneten sind um 20 Prozent zu senken. e) Der Landtag wird zum Zwecke der sofortigen Erledigung vorstehenden Sparprogramms sofort einberufen. Tagung desDeutschenBeamtenbunbeö Berlin, 22. Oft. (TH.) Der Bundestag des Deutschen Deamtenbundes wurde durch einen B^ richt des Bundespräsidenten eröffnet, der sich gegen die Beamten Hetze wandte, die aus Wirtschaftskreisen komme. Es heiße töricht handeln, wenn man eine Käuferschicht vom Umfang der Beamtenschaft zu äußerstem Widerstand reize. Der Bund habe Versuche zurückweisen müssen, das Staatsbürgerrecht und die staatsbürgerliche Freiheit der Beamten einzuschränken. Gewiß dürfe sich auch im Volksstaat der Beamte nicht hemmungslos und zügellos politisch betätigen. Aber keineswegs dürften die Beschränkungen so weit gehen, daß die Beamten unter dem Stichwort der Entpolitisierung der Beamtenschaft von parteipolitischer Betätigung oder gar von der Politik überhaupt ausgeschaltet würden. Weiter wandte sich Flügel gegen den Erlaß des preußischen Staatsministeriums, der die Zugehörigkeit von Beamten zur kommunistischen oder nationalsozialistischen Partei verbietet. Wenn die Organisation einer Partei nicht verboten und die Partei sogar in Regierungen vertreten sei, so heißt es, den Beamten als Staatsbürger minderen Rechts Behandeln, wollte man ihm auch schon die bloße Mitgliedschaft verbieten. Der Beamtenbund erwarte allerdings, daß sich seine Mitglieder bei der Wahrnehmung ihrer politischen Rechte gewisser Z urückhaltung befleißigten. Zum Ksffee gehört donn das ibidem Waffe was ihm fehl!: Die Kraft, alles Aroma aulzunehmeii Probieren! Aber We£eVa muß es [ein'-Natürlich! enn. g IlVcrm Sunlicht Seife LUXseifenfiocken Pfg., jetzt 50 Pfg. ’h Pfund Doppelstück. .. r^O'pfg., jetzt 30 Pfg- Die große Doppelpackung Pfg., jetzt 25 Pfg. Der große Wurfe! Das praktische Handstück '1'5'pfg., jetzt 12 Pfg. das schonende Seifenpulver SUMÄ SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM - BERLIN \ n\N°sC' W V'6 DieNormalpackung . ... .-40*Pfg., jetzt 30 Pfg. Die Handpackung......“2’5*Pfg-, jetzt Pfg. ,a6 iie . 1O * v°""° * t A H0V>‘h° -A SU«"0- u . .ä Schuhsohlen billiger! 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