Nr. 222 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 25. September 1950 Eriche,»» läglich, außer sonntags und Feiertags. Beilagen. Die Illustrierte Viehener FamilienblLtter Heimat im Bild DU Scholle Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennlg für Träge© lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. zernfptechanfchliifie antttSammelnummfr225L Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Ziehen. postfcheiNonto: granffuMam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnxk vnb Verlag: vrühl'sche Universilülz-Vvch. und Stcinörutfcrei H. ränge in Gießen. Schristleitung und Seschäftzftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorfchrist 20', mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dießen. Große Minderheiienrede des deutschen Außenministers in Gens. Eurtius aniworiei auf ironische Einwendungen des Polen Zaleski. — Briand erneut an der Spitze der Minderheitenfeinde. Ergebnisloser Ausgang der Aussprache. Eine ausgewehte Scharte. Der Gang der Aussprache über das Minder- heitenprvblem in der politischen Kommission des Völkerbundes in Genf bat Rcichsaußenministcr Dr. Curtius ersreulicherweife die Gelegenheit gegeben, die Scharte des letzten Mals wieder auSzuwehcn. Damals hatte der Führer aller Minderheitenfeinde Briand es leicht gehabt, einen großen rednerischen Sieg davon zu tragen. Koch» TDefcr aber nahm schon am nächsten -Sage Gelegenheit, die Debatte wieder in Gang zu bringen, und Dr. Curtius konnte am Montag tatsächlich den rnindgrheilenseindlichen Vertretern eine große Niederlage beibringen. Man sollte es wohl kaum für möglich halten, daß heute noch auf der offenen Bühne des Völkerbundes jemand cs wagt, jene Assimilati» onStheorien vorzubringen, die den Minderheiten einen langsamen und schmerzlosen Tod bereiten möchten, und daß dieser Jemand ausgerechnet 'der griechische Außenmini st er war, also der Vertreter eines Dolles, das s e l b st im jahrhundertelangen Kamps gegen die türkische Gewaltherrschaft fein nationales Dasein und feine staatliche Selbständigkeit wieder erkämpft hat. Diese Assimilationstheorie, gegen die sich Dr. Curtius mit vollem Recht in äußerster Schärfe wandte, ist ihrem Wesen nach in nichts unterschieden von jenen barbarischen Methoden der V ö l - kcrausrottung, wie sie heute noch im nahen Osten üblich find. Wenn man diese Theorie als richtig anerkennen wollte, dann hätten Mussolini und die polnische Rationalitätenpolitik hundertprozentig Recht, dann dürfte man den Minderheiten ihre Schulen wegnchmen und sie daran hindern, ihren Kindern in der Muttersprache die religiöse Unterweisung zu geben, dann dürfte man da- Sprechen der Minderheitenfprache an öffentlichen Orten verbieten und was dergleichen Menschlichkeiten mehr find. Die Assimilations» theoric unterscheidet sich von der Ausrottungstheorie etwa ebenso wie eine schwierige Operation mit Narkose von einer solchen ohne Betäubung. DaS Ziel, die Ausrottung der Minderheiten, die Vernichtung ihres kulturellen Charakters bleibt das gleiche. Der Pole Zaleski, der mit großer Geste gleichfalls wieder feinen minderheitenfcindlichen Standpunkt zum Ausdruck brachte, forderte von ter deutschen Politik, sie solle voran gehen und neue Minderheitenverpflichtungen auf sich nehmen. Curtius konnte ihn darauf Hinweisen, daß es sich jetzt um nichts weiter handele, als um die Erfüllung derjenigen Pflichten des Min- tcrheitenschuhcs, die gewisse Staaten, auch Polen, übernommen hätten, als man ihnen im Friedensvertrag die Herrschaft Über große Minderheiten anvertraut hat. Cs ist doch nun einmal eine Tatsache, daß diese Staaten samt und sonders nicht im entfemteften daran denken, diese Verpflichtungen zu erfüllen. Dabei bleibt es besonders erstaunlich, daß ausgerechnet diejenigen Staaten heute den wüstesten Terror gegen die Minderheiten erheben, deren Völker früher einmal wirklich oder vermeintlich in der Entwicklung ihrer nationalen Eigentümlichkeiten durch andere Staaten bedrückt worden find. Wenn irgendwo etwas Minderheitenfeindliches im Werden ist, dann kann Briand nicht fehlen. Die französische Mentalität hat zu dem mitteleuropäischen Problem des Minderheitenschutzes, das zu unserem politischen Schicksal werden kann, überhaupt kein Verhältnis. Briand ist überdies politisch der Schirmherr aller der Staaten, die heute am meisten gegen die Verpflichtungen aus den Minderheitenschuhverträgen sündigen. Er konnte zwar die Verlegenheit nicht ganz verbergen, die aus dem völligen Mangel an fachlichen Gegengründen gegen die Rede des deutschen Außenministers entspringt, aber er, der wohl als der gefährlichste Feind der Minderheitenbewegung anzusehen ist, tat wiederum alles, um eine sachliche Forderung der Debatte zu verhindern. Durch die Rede von Curtius ist der Weltöffentlichkeit wieder einmal klar geworden, daß Deutschland aus zwingenden Gründen seiner politischen Lage immer der Vorkämpfer einer vernünf tiaen Minderhciten- politiksein muß, sobald eS seine Aufgabe in Europa begriffen hat. Das Duell Zaleski-Eurtius. Genf, 22. Sept. (TU.) Die Verhandlungen im politischen Ausschuß des Völkerbundes in der Minderheitenfrage nahmen heute unerwartet eine Wendung, die stark an den bekannten Lugano er Zusammenstoß zwischen Dr. Stresemann und Z a l e f k i erinnerte. Oer polnische Außenminister Zaleski betonte in ironisch und höhnisch gehaltenen Ausführungen. es sei ihm völlig unverständlich, warum die deutsche Abordnung als ständige Traglast die Minderheitenfrage vor die Völkerbundsversammlung bringe. Für diese Frage bestehe die ausschließliche Zuständigkeit des Dölkerbundsrates. Zu den Erklärungen des Abgeordneten Koch- Weser. die Mehrheit des Ausschusses trete für die Gedankengänge der Deutschen ein, müsse er feststellen, daß die Mehrheit des Ausschusses den deutschen Standpunkt a b l c h n e. Früher habe das Dölkerbundssekretariat jährlich 300 Minderheitenbeschwerden als unzulässig erklärt. Es sei unverständlich, warum die deutsche Abordnung heute, wo nur 26 Minderheitenbeschwerden für unzulässig erklärt wurden, Protest erhebe. Er freue sich jedoch über gewisse Wandlungen, die in dieser Frage in letzter Zeit in Deutschland eingetreten seien. Er selbst sei ein aufrichtiger Freund der Minderheiten und fei in feiner Fugend in Polen als Angehöriger einer Minderheit erzogen worden, in der jedes polnische Wort bereits als Staatsverbrechen angesehen und bestraft worden sei. Zaleski richtete weiter an die deutsche Abordnung die offizielle Aufforderung, fich unumwunden zum sofortigen Abschluß eines Minderheitenschutz- vertrages bereit zu finden und sich selbst dem bestehenden Minderheitenverfahren des Völkerbundes zu unterwerfen. — Die Erklärungen des polnischen Außenministers wurden in einer stark nervösen Atmosphäre mit einer außerordentlichen Spannung ausgenommen. ReichSaußenminister Ör. Curtius ergriff sofort das Wort in deutscher Sprache zu einer mit großer Ruhe Dorgetragenen Erklärung. Curtius begründete zunächst eingehend den deutschen Cntschließungsantrag. Die deutsche Abordnung habe keineswegs eine Aenderung der Madrider Ratsbeschlüsse beantragt, deren Revision sich jedoch bereits am Horizonte abzeichne. Er müsse sich jedoch auf das entschiedenste gegen die Auffassung wenden, als ob der Dvlkerbundsrat kein Recht habe, ohne Zustimmung der beteiligten Mächte das Minderheit svers ah ren abzuändern. Die Minderheiten- schuhverträge ergäven einwandfrei die Garantiepflicht des Völkerbundes gegenüber den Minderheiten. Die gleiche Bestimmung finde sich in dem Minderheitenschutzvertrag Polens. Er zweifle nicht daran, daß sich in der Praxis ein weiterer Ausbau des Besch Werdeverfahrens vollziehen könne. Es liege im allgemeinen Interesse des Völkerbundes, daß die Ocssentlichkeit weitgehend über die Tätigkeit des Völkerbundes in der Minderheitenfrage unterrichtet würde. Man habe sich in Madrid nicht vorgestellt, daß die dort beschlossene Statistik so mager dünn und nichtssagend ausgefallen wäre, wie dies jetzt geschehen fei. Ls fei durchaus verständlich, daß die Minderheiten über die bisherige Bekanntgabe der Minderheitenstatistik aufs tiefste enttäuscht seien. Die deutsche Abordnung halte es daher für dringend notwendig, daß die Oeffentlichkcit in breitester Weise übet die Tätigkeit des Völkerbundes in der Minderheitenfrage unterrichtet werde. Der Reichsaußenminister wandte sich sodann gegen die vom griechischen Außenminister vor- getragenc These ^r Aufsaugung derMinder h e i t e n. Er habe sich außerordentlich ge- wunlert, Laß diese längst abgetane Aufsaugungstheorie letzt von neuem auflebc. Der Vergleich der in Amerika auftauchenden Aufsaugung müsse aufs schärfste abgelehnt werden. 3n (Europa handele es sich um große, geschlossene und bodenständige nationale Gruppen, die mit allen Fasern ihres Herzens an ihrer Religion, Sprache und Kultur hängen, die sie in jahrhun- berflangcm Kampf verteidigt haben. Die 21uf- saugungstheorie sei ausdrücklich vom englischen Außenminister Chamberlain im Jahre 1929 zurückgewiesen worden. Lr müsse auf das entschiedenste und schärfste gegen diese Theorie protestieren, die Aufsaugungstheorie müsse ein für allemal als abgeschlossen und erledigt angesehen werden. Die Ausgabe könne heute nur sein, im Völkerbund die bestehenden Spannungen auszugleichen und die Ventile zu öffnen, um größeren Gefahren zu entgehen, wobei es niemals die Absicht gewesen sei, die souveränen Staaten durch den Minderheitenschutz zu schwächen. Dr. Curtius wandte sich sodann zu dem polnischen Außenminister. Er stelle fest, es sei gelungen. in einer offenen Aussprache, vor der gesamten Ocssentlichkeit im Völkerbund die Minderheitenfrage zur Sprache zu bringen. Dies sei bereits ein großer Gewinn. Die an ihn vom polnischen Außenminister gerichtete Frage, ob Deutschland zur Ausdehnung der Min- derheitenschutzverträge über die gegenwärtig gebundenen Staaten hinaus bereit sei, denke er in keiner Weise zu verneinen, er glaube jedoch daß eine solche Ausdehnung nur im Kreise der europäischen Machte ftatt- sinden könne. Er müsse jedoch ausdrücklich feststellen, daß die Minderheitenschuhoerträge in den Friedensverträgen den neugegründeten Staaten Ost- und Südosteuropas als ein Servitut aufertegt wären, ohne daß sie überhaupt nicht ins Leben getreten wären. Denn man jedoch zu einer allgemeinen Mindert,eitenregclung kommen sollte, so werde auch Deutschland keineswegs gezwungen sein, irgendetwas an den bestehenden Zuständen in Deutschland zu ändern. Nach Dr. Curtius wiederholte der jugoslawische Außenminister Marinkowitsch, daß die neuen Staaten einer Erweiterung ihrer Minder- heitenpflichten nur zustimmcn konnten, wenn diese Verpflichtungen auf alle Staaten ausgedehnt würden. Graf Apponyi (Ungarn) schloß sich im vollem Umfange den Worten des deutschen Vertreters an. Die Ironie, mit der Zaleski und andere Redner die allgemeine Ausdehnung der Minderhcitenverträge verlangt hatten, beantwortete der ungarische Delegierte im gleichen Ton. Die Vertreter der Staaten mit Minderheitenverpflichtungen haben sich darüber beklagt, daß sie unter einer Art Aus- nafjmergime stehen. Ich erkenne die Berechtigung dieser Klagen an und glaube, daß sie aufrichtig gemeint sind. Dann werden die Vertreter dieser Staaten aber auch Verständnis dafür haben, daß Ungarn in der Frage der Abrüstung und auf anderen Gebie- fortschreitende Heranziehung der Minderheiten zu allen staatsbürgerlichen Aufgaben, auch zur Teilnahme an der Regierung und an den höchsten Aemtcrn des Landes. Der italienische und der englische Vertreter beantragten sodann den Abschluß derGe- neralaussprache mit dem Hinweis, die Gegensätze in der Minderheitensrage seien so groß, daß ein Ausgleich nicht zu erwarten fei, und die Aussprache sonst einen uferlosen Verlaus nehmen werde. 0er Eindruck in Genf. WeitcrcBchandlung der Minderheitenfrage Genf, 22. Sept. (TU.) Nach dem Abschluß der großen Aussprache über die Minderheitenfrage im politischen Ausschuß ist jetzt die weitere Behandlung dieser Frage in die Hände des Schweizer Bundesrats Motta als Berichterstatter gelegt worden. Auf deutscher Seite hofft man, daß der Berichterstatter bei seinen Vorschlägen den deutschen EntschließungSAuch im Abrüstungsausschuß starke Gegensätze. Ein deutscher Antrag zum Abkommen über Kriegsverhütungsmaßnahmen stößt auf heftigen Widerstand Frankreichs. Gens, 22. Sept. (TU.) Im Abrüstungsausschuß der Dolkerbundsversammlung wurde am Montag das Abkommen über Kriegs- verhütungsmaßnahmen erörtert. Die deutsche Abordnung hat einen Abänderungsantrag eingebracht, wonach der Völkerbund bei drohender Kriegsgefahr auf Grund des Artikels 11 des Völkerbundspaktes eine Zurückziehung der bereits in das feindliche Gebiet oder in die entmilitarisierten Zonen eingedrun- genen Truppen fordern könne, die auf eine bestimmteEntfernung vonderGrenze gebracht werden müßten, um Zwischenfälle zu vermeiden. Die vertragschließenden Staaten sollten sich verpflichten, derartigen Anordnungen des Völkerbundsrates Folge zu leisten, ohne jedoch die Befestigungen aufzugeben, die in normaler Zeit von ihnen beseht sind. Rach einem weiteren deutschen Abänderungsantrag kann der VölkerbundSrat von den vertragschließenden Staaten verlangen, daß sie ihren Truppen die Anweisung geben, weder Feindseligkeiten zu begehen, noch zu provozieren. Dr. B r e i t s ch e i d gab zur Begründung dieser deutschen Anträge eine Erklärung in französischer Sprache ab, daß Der deutsche Vorschlag die bisherigen Gegensätze in dieser Frage beseitigen und den Abschluß eines Abkommens auf dieser Vollversammlung des Völkerbundes ermöglichen solle. Der deutsche Vorschlag habe den Zweck, zu verhindern, daß d i e Gewehre von selbst losgehen. Wenn die Regierungen vom guten Willen beseelt seien, einen Konflikt in friedlicher Weife zu regeln, so könnten fte nicht wünschen, daß die Militärs diesen guten Willen sabotiertem Die deutsche Abordnung wisse aus der Erfahrung des Weltkrieges, mit welcher großen Leichtigkeit Militärs zu Maßnahmen greifen, die folgenschwere Gegenmaßnahmen zur Folge haben könnten. Falls eine Einigung nicht zustandekäme, so müsse der Abschluß des Abkommens dem Völkerbundsrat selbst übertragen werden. Der Vertreter Frankreichs, Marcel Heraud, betonte dagegen, daß Frankreich nur einer Konvention zustimmen könne, die einen Ausbau des Äontroll- und Sanktionsapparates enthalte. Die Festsetzung einer Demarkationslinie müsse auch auf den See- und Luftkrieg ausgedehnt werden. Der ehemalige kanadische Ministerpräsident Borden erklärte, daß Kanada auf keinen Fall eine Vermehrung der Sanktion-- und Kontrollmaßnahmen zulasscn werde. — Die Weiterberatung wurde auf morgen vertagt. Inzwischen soll ein Prüfungsausschuß, dem u. a. Dr. Breitscheid, Lord Cecil und Marcel Heraud an» gehören, versuchen, eine einigende Formel zu finden. t e n einem Ausnahmeregime unterworfen ist, und daß es das Streben hat, die starken Unterschiede, die zwischen seiner Rechtslage und derjenigen seiner Nachbarn bestehen, zu beseitigen. Zum Schluß ergriff nochmals der französische Außenminister Briand das Wort zu einer fast einstündigen Rede, in der er offensichtlich versuchte, die gespannte Atmosphäre zu mildern. Er erklärte, es sei eine ernste Gefahr, daß von verschiedenen Seiten versucht werde, die Minderheiten dem Völkerbunde zu entfremden unter dem Vorwand, daß der Völkerbund ihnen nicht helfen könne oder wolle. Man müsse aber den Minderheiten klar machen, daß der Völkerbund und das Sekretariat seine Ausgabe voll und uneingeschränkt erfüllt haben. Der deutsche Antrag fei nur als eine Anregung, nicht als ein formeller Cntschliehungsentwurf cinge- bracht worden. Da jedoch keine anderen Vorschläge vorlägen, so habe der Berichterstatter die deutschen Vorschläge zur Grundlage seines Berichtes nehmen müssen. Der deutsche Antrag konnte aber in der Oesfentlichkeit dahin ausgelegt werden, als ob der Völkerbund erst jetzt nach elf Jahren feststelle, daß es überhaupt Minderheiten gebe und daß in diesen elf Jahren für die Minderheiten nichts geschchen sei. Das fei völlig unzutreffend. Der Völkerbund habe „im Rahmen der bestehenden Verträge" feine Ausgaben voll erfüllt. Dieser deutsche Vorwurf sei daher ungerecht. Er erwarte, daß der Berichterstatter in seiner der Vollversammlung vorzulegenden Entschließung hervorheben werde, daß weder der Dvlkerbundsrat noch das Sekretariat, noch die Dreierausschüsse jemals ihre Pflichten in der Minderheitenfrage verletzt hätten. Niemand werde zu behaupten wagen, daß die Urheber der Friederrsverträge durch die Bestimmungen über den Minderheitenschutz innerhalb der Staaten kleine, ständig revolutionierende Staaten schaffen wollten. Im Gegenteil müsse immer mehr auf eine Befriedung und ileberbrüdung der Gegensätze hingearbeitet werden. Man brauche nicht den etwas brutalen Ausdruck Assimilierung anzuwenden. Aber das Ziel der Minderheitenpolitik sei doch die antrag als Grundlage berücksichtigen wird. Das positive Ergebnis der Aussprache und die verschiedenen Hinweise auf die Notwendigkeit eines verstärkten Minderheitenschutzes sind jedoch durch die französische Taktik zum großen Teil wieder zunichte gemacht worden. Der Abschluß der Aussprache durch die große Rede Briands, der auch die Aussprache über die Minderheitenfrage einleitete, hat in weiten Kreisen den Eindruck erweckt, als ob tatsächlich die bisherige Regelung des Minderheitenverfahrens beim Völkerbund ausreiche und gerecht sei und kein Anlaß zur Abänderung vorliege. Die Rede Briands wird in Minderheitenkreisen als ein außerordentlich scharfer und geschickt geführter Angriff gegen den deutschen Versuch angesehen, für die Minderheitenbehandlung im Völkerbund eine neue bessere L a g e zu schaffen. Die geschickten Aus» füljrungen Briands bezweckten offenbar, bei den Regierungen und in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als ob die Minderheiten von» gewissen Kreisen als Mittel der Propaganda und Unruhe st iftung verwen- d e t würden, während tatsächlich die Minderheiten keinerlei Veranlassung hätten, sich über das Klageversahren beim Völkerbund zu beschweren. Es hat sich damit jedenfalls gezeigt, daß eine befriedigende Behandlung der Minderheitenfrage im Völkerbund zur Zeit noch nicht möglich ist, und daß auf deutscher Seite der Kampf um die Rechte und den Schuh der Minderheiten mit allen Mitteln weiter fort- geführt werden muß. 0ie Einberufung der Abrüstungskonferenz. Keine Aussicht auf Einigung über einen gemeinsamen Konventionscntwurf. Gens, 22. Sept. (Xel.-Un.) In den maßgebenden Abordnungen ist jetzt Heber ei nffimmung dahin erzielt worden, daß die volloersammlung des Völkerbundes die Deltabrüstungskonferen; zum 1. November 1931 einberufen soll. Ein dahingehender Lnkfchlietzungsantrag wird im Das Reichskabinett geht an die Arbeit. Das Programm der heutigen Kabinettssihung. — Keine Ausdehnung -es Zigarettenmonopols. - Oie Hauszinssteuer. — Oie Arbeitslosenversicherung. — Ausländsanleihe zur Belebung des Arbeitsmarkts? - Parteien und Reformprogramm. Berlin. 23. Sept. (LU.) Das Reichskabinett beginnt am heutigen Dienstag mit der ersten Beratung der Rescrentenentwürfe, die auf Grund des vor einigen Wochen veröffentlichten Reformprogramms in den Ressorts ausgearbeitet worden sind. 3n diesem Zusammenhang sind neuerdings Meldungen aufgetaucht, daß die Reichsregierung das Zigarettenmonopol erneut zu einer stärkeren Finanzierung des Haushaltsbedarfs heranzuziehen gedenkt. Bon zuständiger Seite werden diese Mitteilungen energisch dementiert. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Meldungen über eine weitere Ausgestaltung des Zigarettenmonopols von den am Monopol selb st interessierten Stellen lanciert worden ist. Das Kabinett ist sich grundsätzlich auch darüber einig, daß trotz dec starken finanziellen Anforderungen des bevorstehenden Winters d i e Steuerschraube nicht mehr angezogen werden soll. 3m Mittelpunkt der morgigen Kabinettssitzung steht die Finanzreform. 3m einzelnen sind die Grundzüge der dazu notwendigen Gesetzentwürfe bereits festgelegt. Wie man hört, ist dabei auf die Abänderung der Hauszinssteuer zurückgegriffen worden, wonach nunmehr den Ländern nur noch 50 Prozent davon für den Wvhnungsbau- markt zur Verfügung gestellt werden sollen, während der Re st zur Senkung der Realsteuern, insbesondere der Gewerbesteuer, verwendet werden soll. Lieber die Sanierung der Arbeitslosenversicherung haben sich der Reichsarbeitsminister und der Reichsfinanzminister bereits geeinigt. Es scheint, daß die einprozentige Beitragserhöhung. die geplant ist, auf keine ernsteren Schwierigkeiten stoßen wird. In diesem Zusammenhangs soll auch die Frage der Entlastung des Arbeitsmarktes und das Arbeitsbeschaffungsprogramm Erörterung finden, da man schon jetzt weitere Wege suchen will, um der im Winter drohenden Steigerung der Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Da von der Reichsregierung jedoch keine weiteren Mittel für diese Zwecke zur Verfügung gestellt werden können, dürste man auf den Weg der Auslandanleihe zurückgreifen. Das ■ Reichskabinett beabsichtigt, nach Möglichkeit bereits in der heutigen Sitzung zu einer Klärung dieser Probleme zu kommen, um dann sofort die Parteiführerbesprechungen aufzunehmen. 3n den Kreis dieser Besprechungen sollen , alle Parteien einbezogen werden, von denen man vielleicht annehmen kann, daß sie zu sachlicher Mitarbeit bereit sind. Der Kanzler wird also außer mit den Parteien, die das Kabinett bisher stützten, bestimmt mit den Sozialdemokraten verhandeln. Man nimmt aber an, daß die Sondierungen sich auch auf die Rechtsopposition erstrecken werden. Dabei ist jedoch bisher keineswegs davon die Rede, daß es um Koalitionsverhandlungen geht. Vielmehr scheint der Kanzler unter Verhandlungen über die „sachliche Mitarbeit der Parteien" zu verstehen, daß er versuchen will, über den 3nhalt der Gesetzesvorlagen eine Einigung zu erzielen, die es einem Teil der bisherigen Opposition erlaubt, ihnen im Reichstag ihre Zustimmung zu geben. Wie man sich diese Verhandlungen in Zentrumskreisen denkt, darüber ist ein Leitartikel in der „Germania" aufschlußreich, der sich mit den Forderungen auseinanderseht, die der „Vorwärts" angemeldet hat. Die „Germania" stellt fest, daß die Anhänger des Zentrums durch die Wahl gezeigt hätten, daß sie zum Reichskanzler Dr. Brüning das Höch st maß von Vertrauen haben. Das Blatt knüpft daran den Rat für die Sozialdemokratie, sich nicht auf das hohe Roh zu setzen und nicht in demselben Augenblick, in dem sie durch den „Vorwärts" Vernunft predigt, Parteiforde- rungen aufzustellen, von denen Dr. Breitscheid in einem Genfer Interview schon jetzt erklärt habe, daß die anderen Parteien dafür nicht zu haben fein würden. Der „Vorwärts" hatte gesagt, es komme jetzt für die Sozialdemokratie darauf an, ihre taktische Stellung auszunutzen. Dazu bemerkt die „Germania": „Vor lauter Taktik ist das deutsche Volk in seine ganze Rot geraten. Wir sind der Meinung, daß sich diese Methoden wirklich überlebt haben. Die Parteien bereiten sich anscheinend auf das Feilschen vor, das leider die Charakteristik der letzten Parlamentszeit gewesen ist. Törichter könnte der neue Reichstag feine Arbeit nicht beginnen. Reichsernährungsminister Schiele verzichtet auf fein Reichstagsmandat. Berlin, 22. Sept. Der Reichsernährungsmini - ster Schiele hat soeben der Oeffentlichkät mitgeteilt, daß er auf einReichstagsmandat verzichten werde, obwohl er in vier Wahlkreisen und auf der Reichsliste der Christlich-Rationalen Landvolk- und Bauernpartei gewählt ist. Dieser Schritt ruft in parlamentarischen Kreisen um so größeres Erstaunen hervor, als wohl zum erstenmal ein prominenter Abgeordneter unmittelbar nach der Wahl sein Mandat weiter- aiebt. Für Schiele sind dabei in erster Linie Erwägungen agrarpolitischer Ratur maßgebend gewesen, denn der Reichsernährungsmini- ster ist offenbar der Meinung, daß er für die Interessen der Landwirtschaft besser wirken kann, wenn er gegenüber seiner Partei die Handlungsfreiheit hat. Bekanntlich hat sich Schiele in letzter Zeit sehr stark dafür eingesetzt, daß eine Verbreiterung der Regierungsfront nach rechts eintritt. Er will für die Bemühungen, die er an dieser Stelle anzusetzen beabsichtigt, offenbar die volle Dewe- grmgsfreiheit haben. Selbstverständlich werden auch in den Kreisen der eigenen Partei gegen diesen Schritt Bedenken geäußert, zumal sich eine gewisse Enttäuschung bei der Wählerschaft geltend machen muß. Es wird dies Sache des Reichsernährungsministers fein, diese Bedenken zu zerstreuen. Aus seinem Schritt geht aber auch hervor, daß das Kabinett Brüning durchaus nicht die Absicht hat, vor dem neugewählten Reichstag die Waffen zu strecken. Es will vielmehr den Kampf aufnehmen und seinem Reformprogramm zum Erfolg verhelfen. Wäre dem nicht so, dann hätte Schiele es vielleicht doch vorge- zogen, das Reichstagsmandat anzunehmen. Dazu schreibt die Deutsche Tageszeitung, das Organ des Reichslandbunds, u. a.: Die Entscheidung über die verstärkte Fortführung des agrarpolitischen Kurses dec letzten Monate wird in der nächsten Entwicklung geradezu zum Zentralproblem der innerdeutschen Politik werden. Die von Minister Schiele als notwendig immer wieder betonte Front st ellung aller staatsbürgerlichen Kräfte gegen den Marxismus muh sich als Grundlage einer Lösung dieses Zentralproblems darstellen, wobei freilich die Einsicht Voraussetzung ist, die er durch seinen Mandatsverzicht nach außen hin dokumentiert, haß solche Aufgaben nicht im engen Rahmen des Parteiismus oder gar des Rationalismus zu bewältigen sind, sondern daß es dazu des Zusammenwirkens und der Verständigung über die Parteien hinweg bedarf. Wir haben oft genug unser Bedauern darüber ausgesprochen, daß die deutsche Landwirtschaft durch diesen unzeitigen Wahlkampf sich viel zu sehr zum Spielball einseitiger parteipolitischer Interessen hat machen lassen. Wenn der Reichsernährungs- minister als amtlicher berufener Vertreter der landwirtschaftlichen Interessen den aus solcher Entwicklung drohenden Gefahren gegenüber gewissermaßen Panier aufwirft, indem er sich bewußt über jegliche Parteipolitik stellt, so tut ec damit einen Schritt, dessen Richtigkeit zu erweisen weniger bei ihm als bei seinem eigenen Berufs stände selber liegt. Die Miing des Studenten Weste! vor Gericht. Berlin, 22. Sept. Linker großem Andrange des Publikums begann im Großen Schwurgerichtssaal der Prozeß wegen der Erschießung des nationalsozialistischen Studenten Hör st Wessel. Die Anklage lautet auf vorsätzliche Tötung, Beihilfe dazu und Begünstigung nach der Tat. Die Hauptangeklagten sind der Tischler Albrecht Höh ler, genannt „Ali", der Arbeiter Erwin Rückert und der Arbeiter Joseph K a n d u l s k i. Wessel, der in der RSDAP. eine Rolle spielte, wurde am 14.Januar in seinem Zimmer von Höhler erschossen. Zwischen Wessel und seiner Wirtin, Frau Salm, die sich unter den Angeklagten befindet, waren Streitigkeiten entstanden, da es Frau Salm nicht recht war, daß die Braut des Wessel bei ihm wohnte. Rach einer Auseinandersetzung soll Frau Salm in ein kommunistisches Lokal gegangen sein und dort erzählt haben, daß Wessel kommunistische Mitgliederlisten bei sich habe. Darauf wurde beschlossen, eine Ex - p e d i t i o n nach der Wohnung Wessels zu unternehmen. Ali Höhler wurde telephonisch herbeigerufen. In Begleitung der Arbeiterin Else Cohn, die wegen Beihilfe angeklagt ist, begaben sich die Täter in die Küche der Frau Salm, wo sie ihre Pi st ölen luden. Die Tür zu Wessels Zimmer fanden sie verriegelt. Auf mehrmaliges Klopfen öffnete Wessel die Tür. Höhler gab Feuer und traf Wessel in das Gesicht. Die Eindringlinge durchsuchten dann einen Schrank und nahmen eine Pistole, die sie dort sanden, mit. Ali Höhlers Komplicen haben sich dann die nötigen Informationen von kommunistischen Funktionären aus dem Karl-Liebknecht- Haus geholt. Diese rieten Höhler, wenn er verhaftet werden sollte, nicht die Partei zu belasten, sondern die Tat als Eifersuchtshandlung hinzustellen. Höhler wurde in der Bähe Berlins in der Villa eines Kaufmannes Sanders v e r st e ck t. Mit Geldmitteln der Roten Hilfe brachte Sanders den Höhler in seinem Kraftwagen zur tschechischen Grenze. Als ihm drüben sein Geld ausging, kehrte er nach Berlin zurück und wurde in der Wohnung eines Gesinnungsgenossen verhaftet. Die Angeklagte. Frau Salm, gab an, ihr verstorbener Mann sei Kommunist gewesen. Sie selbst aber sei unpolitisch eingestellt. Auf Wunsch Wessels sei dessen Braut, Fräulein Jänicke, solange in der Wohnung geblieben, als sie verreist war, da er jemanden haben wollte, der die Wohnung sauber machen sollte. Als sie zurückkam, erfuhr sie, daß Wessel Fräulein Jänicke ohne ihr Wissen polizeilich an gemeldet hatte. Er weigerte sich, für die Braut Miete zu bezahlen und selbst die Wohnung zu verlassen. Deshalb habe ihre Schwiegermutter ihr geraten, sie solle sich a n d i e Freunde ihres verstorbenen Mannes wenden, damit Wessel sehe, daß sie auch Hilfe habe. Der Vorsitzende hielt der Angeklagten entgegen, daß sie die Wohnung Wessel ganz überlassen gehabt hätte. Sie hätte sie ihm verkauft, und als sie wider Erwarten zurückkehrte, hätte man sie ausEnt- gegenkommen vorläufig ausgenommen. Die Angeklagte bestritt das. Wessel habe ihr wohl 200 Mark im voraus gezahlt: er sollte aber außerdem noch monatlich 32.50 Mk. befahlen. Sie sei dann nach der Dragonerstraße in das Lokal, in dem auch schon ihr Mann die kommunistischen Versammlungen besucht hätte, gegangen und habe sich an Max Ja m- br owski, der ein Freund ihres Mannes gewesen war, gewandt. Sie bat ihn, ihr zu helfen, daß Wessel ausziehe. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie dabei nicht gesagt habe, daß Wessel ein Faschist sei, der dauernd Versammlungen in der Wohnung abhalte und zwei Waffen und einen Gummiknüppel bei sich trage, erwiderte die Angeklagte: „Das habe ich gesagt: und darüber haben sich die Leute im Hause aufgehalten." Im weiteren Verlauf ihrer Vernehmung gab die Angeklagte an, am Tage nach der Tat sei ihr von einem Rachbarn ein Zettel übergeben worden, der sie ins Karl-Liebknecht-Haus bestellte. Dort habe ein Herr zu ihr gesagt: „Die ganze Sache ist doch nur ein Cif ersuchtsa kt zwischen zwei Zuhältern gewesen. Höhler ist doch als Zuhälter bekannt." Sie habe darauf erwidert, Wessel sei kein Zuhälter. Aus die Frage des Staatsanwalts gab die Angeklagte nach anfänglichem Ausweichen zu, daß Iam- browski, als er den Hamen Wessel hörte, gesagt habe: „Das ist ja der langgesuchte Wesse l." Abrüstungsausschuß der Dölferbunbsoerfammlung in den allernächsten Tagen eingebrachl werden. Der vorbereitende Abrüstungsausschuß soll alsdann Anfang November d. 3. voraussichtlich ju einer weiteren Tagung zusammentreten. Da jetzt in den grundlegenden Aragen der Abrüstung, insbesondere über die Einbeziehung der ausgebildeten Reserven und des Kriegsmaterials in die geplanten Abkommen, die Gegensätze zwischen der englischen und der französischen Auffassung unverändert andauern, wird voraussichtlich ein einheitlicher Entwurf nicht zustande kommen. 3n den Hauptfragen dürfte demnach die Entscheidung der Konferenz selbst überlassen bleiben. Die größte Schwierigkeit der Konferenz wird in der Jeff- sehung der Ziffern für den Rüstungs- sl a n d der einzelnen Länder liegen. Die Konferenz wird voraussichtlich in Genf Rammen treten. Zur Teilnahme sollen auch die dem Völkerbund nicht angehörenden Mächte, wie die vereinigten Staaten, Sowjetruhland und die T ü r - k e l eingelnben werden. Qualitätsverbesserung -er -rutschen Eierpro-uktion. Berlin, 22. Sept. Im Zusammenhang mit der endgültigen Aufhebung des zollfreien Gefrierfleischkontingentes am 1.Oktober, für das seinerzeit der Reichsernährungsminister den minderbemittelten Schichten einen Ersatz versprochen hat, ist jetzt ein sehr radikaler Vorschlag aufgetaucht, mit dem man sowohl diese Ersatzfrage teilweise lösen will, als auch der Qualitätsverbesserung in der Landwirtschaft dienen möchte. Die Regierung bemüht sich bereits seit mehreren Jahren um die Verbesserung der deutschen Eierqualität mit dem Ziel, die Einfuhr auf diesem Gebiet möglichst zu drosseln. Bei diesen Bemühungen stößt man aber immer auf die große Schwierigkeit, daß von den 83 Millionen Hühnern rund 40 Millionen unter dem Durchschnitt der Legetätigkeit bleiben, also volkswirtschaftlich gesehen, unrationell sind, da mit dem gleichen Aufwand bei gleicher Hühnerzahl eine starke Produktionssteigerung möglich wäre. Es müßten also diese 40 Millionen deutscher Hühner durch b e s s e r r a s s i g e Tiere ersetzt werden. Da nun mit dem Wegfall des Gefrierfleischkontingentes ab 1. Oktober ein Ersatz benötigt wird, hat man den Vorschlag gemacht, daß mit Hilfe der dafür ohnedies notwendigen Reichsgelder statt anderem Fleisch zunächst der Landwirtschaft wenigstens e i n Teil der 40 Millionen schlechten Legehühner abgenommen wird und den minderbemittelten Fleischoerbraucherkreisen zugeführt würde. Dabei müßten die Verkäufer verpflichtet werden, unter Kontrolle qualitätsraffige Legehühner aufzuziehen. Für den Gefrier- fleischersatz wäre auf diese Weise ein auf Jahre hinaus reichendes Fleifchkontingent gewonnen, da die 40 Millionen Hühner etwa 5 Millionen dz Fleisch ergeben würden und selbst in den Zeiten der stärksten Gefrierfleischeinfuhr, wie 1927, das Kontingent nur 1,25 Millionen dz betrug. Dem Projekt stehen natürlich eine ganze Reihe großer Schwierigkeiten gegenüber, wie vor allem der wesentlich höhere Preis des Hühnerfleisches als etwa anderweitiger Gefrierfleischersatz. Allerdings hat dieser Vorschlag gegenüber anderen Projekten, wie etwa der Hereinnahme von Renntierfleisch aus Finnland, den Vorzug, daß man bei einem wichtigen Zweig der deutschen Landwirtschaft mit der Qualitätsverbesserung vielleicht an der Wurzel beginnt. Die Arthur-von-weinberg-Medaille für Verdienste um die Gewerbe-Hygiene. In der Breslauer Llniversität fand anläßlich der erstmaligen Verleihung der von der Deutschen Gesellschaft für Gewerbe- Hygiene gestifteten Arthur von-Weinberg-Me- daille für Verdienste um die Gewerbehygiene ein Festakt statt. Die ersten Träger der Medaille sind: der Staatssekretär des Reichsarbeitsministeriums Dr. Geib, Berlin: der Präsident des Reichsgesundheitsamts Geheimrat Dr. Hamel. Berlin: Professor Dr. Cur schm an n, Wolfen: ©. Haupt, Hannover: Geheimer Rat Professor Dr. K. B. Lehmann, Würzburg und Geh. Oberregierungsrat Dr. Ley mann, Berlin. Der Ozeanflieger v. Gronau beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident empfing den Ozean- flieget Oberleutnant zur See a. D. v o n G r o n a u sowie dessen Kameraden. Die Flieger berichteten dem Reichspräsidenten über die Einzelheiten ihres Amerikafluges. Der Reichspräsident sprach ihnen seine Anerkennung für ihre hervorragende Leistung aus, beglückwünschte sie zu ihrem schönen Erfolg ui'.d überreichte ihnen als Zeichen seiner Anerkennung sein Bild mit Unterschrift. Aus der pwvinzialhaupista-t. Gießen, den 23. September 1930. Kreisausschuß Gießen. Am Samstag fand im Kreisamt eine Sitzung des Kreis ausfchusses des Kreises Gießen statt, in der über Schadenersatz- ansprüche einer Anzahl Einwohner von Obbornhofen gegen die „Hefrag" verhandelt wurde. Die Hefrag hatte von der Gemeinde Obbornhofen einen Brunnen, den Obborn, zum Preise von 40 000 Mark käuflich erworben, um das abfließende Wasser nach Wölfersheim zu leiten. Eine Anzahl Einwohner von Obbornhofen fühlte sich durch den Verkauf und die Ableitung des Obborn insofern geschädigt, als nach ihrer Ansicht die auf ihren Grundstücken befindlichen Brunnen durch die Bohrungen an der Obborn- Suelle versiegt seien. Sie verlangten daher auf 'rund der § 6 ff. des Bachgesetzes Schadenersatz. Da eine bereits im Jahre 1928 versuchte gütliche Regelung nicht zu erzielen war, wurde zunächst ein Gutachten des Kulturbauamts Gießen eingeholt. In der Verhandlung vor dem Kreisausschuß wurde vor allem festgestellt, daß infolge des Kaufs des Obborn durch -die.^Hefrag der Gemeinde die Möglichkeit des Baues einer Wasserleitung gegeben wurde, zu der die Hefrag das erforderliche Wasser liefern muh. Außerdem hat die Hefrag durch die Gewährung eines Darlehens der Gemeinde die Durchführung der Kanalisation erleichtert. Weiter kam sowohl in dem Gutachten des Kulturbauamts, wie auch in den Ausführungen des Vertreters der Hefrag zum Ausdruck, daß die Privatbrunnen duch Boh» rungen der Bergwerksdirektion Wolfersheim bereits nahezu versiegt waren, bevor die Hefrag den Obborn käuflich erwarb. Zudem könne von einer erheblichen Schädigung der Kläger, infolge Vorhandenseins der Wasserleitung, keine Rede sein. Demgemäß lautete auch die Entscheidung des Kreisausschusses, nach einem nochmaligen vergeblichen Äergleichsversuch des Vorsitzenden, auf Abweisung der Klage unter Belastung der Kläger mit den Kosten. Oer Zugendherbergswerbeiag in Gießen. Der Himmel hatte am Sonntag ein Einsehen. Als die Jugend anläßlich des Jugend- herbergswerbetages sich zum LI m z u g aufstellte, setzte der Regen aus und fing erst wieder an, nachdem alles zu Ende war. In bunter Mannigfaltigkeit sahen die zahlreichen Zuschauer die Gießener Iugendgruppen an sich vorüberziehen. Ein buntes und schönes Bild. Plakate und Festwagen riefen in immer wechselnder Art der Gießener Bürgerschaft zu: „S ch a f f t uns Jugendherbergen und fördert das Iugendwandern". Eröffnet wurde der Zug durch Trommler und Pfeifer der Iunggefolgschaft des Iungdeutschen. Ordens. Darauf folgte die Feldküche, in origineller Weise mit Hilfe eines Leiterwägelchens, eines rauchenden Ofens und eines Kochtopfs dargestellt durch Reudeutschland. Der Koch war wirklich ein Held, wie er tapfer im Rauch aus- und seinen Topf festhielt. Ebenfalls auf einem Handwagen führte die deutsche Freischar ein Herbergsbett in vorschriftsmäßiger Ausrüstung mit, in dem ein junger Freischärler Proben im Dauerschlaf vorführte. In geschlossener Abteilung kamen dann: Reudeutschland, Deutscher Pfadfinderbund, Deutsche Freischar, Wandervogel, Deutscher Bund. Daran schlossen sich an: Bibelkränzchen, Jüdische Pfadsinder, Jüdische Iugendgruppe, Wehrloge des Guttemplerordens und die sozialistische Arbeiterjugend. Die zweite Abteilung des Zuges eröffneten die Musikanten des Wandervogels „Höhenflug", der auf einem großen Rollwagen unter dem Motto: „Die Jugendherberge, unsere zweite Heimat" Leben und Treiben in der Jugendherberge darstellte. Man sah da einen Gasherd, Tisch und Stühle, ein Herbergsbett und eine Gruppe, die in geschickter Weise zeigte, wie dieses Gerät in der Herberge benutzt wird. Linker den nun folgenden Schulgruppen des Vereins für das Deutschtum im Ausland zeigte die Gruppe der Oberrealschule auf einem hübsch geschmückten Wagen ein großes naturgetreues Modell der Jugendherberge auf dem Hoherodskopf. Drum herum hatte sich eine Schar Wanderer gelagert. Der evangelische Verband weiblicher Jugend zeigte auf einem Fest- fragen eine Wandergruppe beim Abkochen, die Erstaunliches im Daueressen leistete. Den Schluß bildete der Bund deutscher Iugendvereine. Der Zug, in dem annähernd 600 Buben und Mädchen gezählt wurden, bewegte sich in der vorgesehenen Weise durch die Straßen der Stadt und wandte sich dann zum Brandplah, wo sich die Jugend im Viereck aufstellte. Dort sprach Dr. F l o r k e der Jugend den Dank der Iugendherbergsorts- gruppe für ihre Mithilfe an dem Werbetag aus und ermahnte sie, mitzuhelfen in der Jugend- Herbergsarbeit, damit das Werk für, mit und durch die Jugend weiterhin wachse und gedeihe. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160—180, Matte 30—35 Pf. das Pfd.: Eier 13—14 Pf. das Stück: Käse 10 Stück 60 bis 140 Pf.: Wirsing 10-12, Weißkraut 6—8, Rotkraut 10—15, Gelbe Rüben 10—12, Rote Hüben 10-12, Spinat 15-20, Dohnen 15-20, Llnter-Kohlrabi 6—8, Feldsalat 100-120, Tomaten 10—20, Zwiebeln 10—12, Meerrettich 50 bis 60, Kürbis 8—10, Kartoffeln 4,5, Falläpfel 8—10, Aepfel 20—35, Birnen 15—30, Dörrobst 30—35, Zwetschen 20—25, Honig 40—50, Rüsse 50—60, Pfirsiche 40—70, Brombeeren 40—45, Preißelbeeren 45—50, Junge Hähne 100—110, Suppenhühner ICO—110 Pf. das Pfund: Tauben 50—70, Blumenkohl 30—70, Salat 10—15, Salatgurken 10—20, Einmachgurken 2—4, Endivien 10—15, Ober-Kohlrabi 6—8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10—15, Sellerie 10—20 Pf. das Stück: Radieschen 10—15 Pf. das Bund: Kartoffeln 4 Mk. per Zentner. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt". — Aftoria-Lichtspiele: „Das Land ohne Recht" und „Ribo, der Rächer". * ** Verbotenes Gelände für das D r a • a) c n st e t g € n. Im neuesten Amtsverkündigungs» blatt ist eine Polizeiverordnung veröffentlicht, die das Steigenlassen von Drachen in der Umgebung bes Verkehrslandeplatzes von Gießen verbietet. Dor nicht allzu langer Zeit hatte sich bei einem ging« 3«ug, das sich über der Stadt befand, eine Drachen» schnür mehrere hundertmal zwischen dem Propeller und dem Motorgehäuse auf die ShirbelroeUt aus- «wickelt. Zur Verhütung evtl. Unfälle mutzte die fragliche Polizeioerordnung erlassen werden. Das für Drachen gesperrte Gebiet wird wie folgt umgrenzt: Im Westen: durch Moltkestrahe. vslanlage. Marburger Straße, Schwarzlachweg, Main-Weser- Bahn, Weg zum Reuen Friedhof, Friedhofsallee, Wiesecker Weg. Im Norden durch Wiesecker Weg, Stroh« Wieseck—Trohe Im Osten: Verbindungsweg Trohe bis Provinzialftrahe Kietzen—Rödgen. Im Süden: Prooinzialstratzs Kietzen—Rödgen, Grün» berger Strotze, Koiscrallee. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift sind mit Straf« bedroh! •• Bon der Gendarmerie. Ernannt wurde der Gendarmeriehauptwachtmeister Adam Ma uh zu Ortenberg zum Gendarmerremeisler. mit Wirkung vom 1. September 1930 an. •• Schulpersonalien. Ernannt wurden die Schulamtsanwärter Wilhelm Srb au» Wei-- terShain, Kreis Gietzen. zum Lehrer an der Volksschule zu Ettingshausen, Kreis Gießen, Johannes Andreas Loos aus Leutersbach zum Lehrer an der Volksschule zu Lehrbach, Kreis Alsfeld, Otto Sommerlad aus Beuern, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Ilbeshausen, Kreis Lauterbachs sämtlich mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. * Sängerehrungen. Für 50jährige aktive Sange-tätig leit wurde vom Hessischen Sängerbund mit der goldenen Ehrennadel und vom Deutschen Sängerbund mit dem Ehrenbries ausgezeichnete Phil. Gise (Heiterkeit Giehen). Für 40jährige aktive Sangestätigkeit wurden vom Hessischen Sängerbund mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet: Hch. Mohn (2tbam Isheimsche Ges- Ver. Drüningen): Ios. Derber (Heiterkeit Gießen). " Sin seltenes Raturschauspiel konnte man, wie unS ein Leser berichtet, am Samstagabend am Launsbacher Badeplatz wahrnehmen. Tausende von Staren hatten sich dort in dem Gebüsch eingcfunden und liehen ihre Stimme hören. Aus allen Dichtungen kamen immerfort neue Vögel hinzu, als wenn es Verabredung wäre. DaS Konzert war über 500 Meter weit hörbar. •• Sarrafani eröffnet! Man schreibt uns: Breitag, 26. September, 19.30 Uhr, wird Direktor losch-Sarrosani sein Gastspiel in Gießen auf dem Volkshallcnplatz mit einer Parade, an der sich 37 Nationen beteiligen, eröffnen. Wer hervor- ragende menschliche Leistungen liebt, Kraft, Gewandtheit, todesverachtenden Mut, wilde Tiere in notür- licher Bewegung, seltene artistische Darbietungen aus allen Ländern, prachtvolle Dressuren, Luftakte, Pantomimen, Balletts, reiterliche Künste höchster Klasse, groteske Clowns, einen stetigen Wechsel spannender Akte, der wird sich seinen Abend bei Sarrafani nicht nehmen lassen. Sarrafani wird nur vier Tage in ®’e^cnJßa^*crcn- Gewerkschaftsbund der Angestellten. Uns wird berichtet: Dr. I. Reu- mann (Gießen) hielt am Samstag in der Ortsgruppe des GDA. einen Vortrag über »Grzie-- hungsfragen". Seine anderthalbstündigen Ausführungen, unterstützt von Beispielen, gipfelten darin, daß die beste Erziehung nicht strenge Zucht, sondern vorbildliche- Leben der Eltern sei. Dem Menschen den Pessimismus, die Mutlosigkeit in Mut zum Leben umzuwandeln, innere Kräfte zur Lebensbejahung zu wecken und zu pflegen, den Kindern ein erstrebenswertes Vorbild zu fein, dazu gehöre vor allem Selbstbildung und Selbsterziehung. Er appellierte an das Selbstgefühl jedes einzelnen; wo dieses gesteigert werde, stärke sich das Selbstvertrauen, denn dieses sei der positivste Halt im Leben. Erzieht mutvolle Menschen, indem ihr selbst das Leben bejaht und es immer produktiv zu gestalten versucht. Eine Besichtigung des städt. Gaswerks unter der Führung de« Betriebsinspektors Steckmesser fand am Sonntagvormittag statt. Oberheffen. Landkreis Gießen. )( Großen-Linden, 23. Sept. Der frühere Bergmann Adolf Weinandt wird morgen 77 und seine Ehefrau übermorgen 78 Iahre alt. O Holzheim, 22. Sept. Hier fand die Versteigerung des Gemeindeobstes statt, zu der zahlreiche Interessenten erschienen waren. Die Preise waren der allgemeinen Obstknappheit entsprechend hoch, einzelne Birnbäume (Clair- fleau, Gellerts u. a.) kamen auf einige 40 Mk. Einen schönen Erlös brachte die Zwetschenernte in der Gemarkung Bergheim, die den Orten Grüningen, Dorf-Gill und Holzheim zu gleichen Teilen gehört. Von den zahlreichen schriftlichen Angeboten lautete daS niedrigste auf 350 Mk., da« höchste auf 1050 Mk. ' Lich, 23. Sept. Am Montag, 29. d. M.. findet hier der bekannte Kirchweihmarkt (Schweine- und Kramermarkt) statt. Es ist zu erwarten, daß der Besuch sehr gut wird, da hier immer erfahrungsgemäß gute Ferkel aufgetrieben werden. Zur Unterhaltung der Marktbesucher findet mittag« und abeitds in der Turnhalle und kn Steins Saalbau öffentliche Tanzbcttisti- Vaugenoffenschast4894 zu Gießen Die ordentliche Hauptversammlung der Baugenossenschaft 1 8 9 4 z u Gießen fand am Samstagabend im DewerkschaftShau« unter der Leitung de« Vorfitzenden be« Aufsichtsrat-, Direktor Bergen, statt. Der Vorsitzende des Vorstände-, Geschäftsführer Fourier, erstattete den Geschäftsbericht für 1929. Diesen Darlegungen ist zu entnehmen, daß die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Geschäftsjahr größer war al- je zuvor, da die Ausführung des geplanten Bauvorhabens am Aulweg und in der Liebigstraße viel Arbeit erforderte. Hierfür wurden die benötigten Bauplätze, 5450 Quadratmeter zwischen Liebigstraße und Riegelpfad für 37 500 Mark von Privaten, und von der Stadt Dießen in der Liebigstraße ein Bauplatz für einen großen Daublock von drei Läden und sechs Wohnungen für rund 9500 Mark erstanden. Besonders schwierig gestaltete sich die Beschaffung des Baukapitals, es gelang jedoch, fron der „Dolksfürsorge" 250 000 Mark zu günstigen Bedingungen (8 v. H. pari) zu bekommen. Die erstellten Häuser können sich sehen lassen und halten in ihrer äußeren uild inneren Ausführung jeder Kritik stand. Die im Wohnhvs am Aulweg ausgeführten gärtnerischen Anlagen geben der ganzen Siedlung ein freundliches, schmuckes Aussehen. Gleichzeitig ist für ausreichende Bleich- und Trockengelegenheit gesorgt. Sowohc die Läden als auch die Wohnungen (zusammen 48) sind alle bezogen worden: die Mieten hierfür stellen sich günstiger, als bei anderen Genossenschaften und privaten Vermietern. Ferner werden von der Daugenossen- fchaft 1894 auch die Kosten für Müllabfuhr, sowie das Wasfergeld getragen, ebenso die inzwischen eingetretene Erhöhung des Zinssatzes für Baudarlehen. Am Schlüsse seiner Ausführungen beantragte der Vorsitzende Fourier Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrats. Der Kassenbericht wurde van dem Kassierer S). Wölfer gegeben. Danach betrug die Iahreseinnahme 718 760,05 Mk., die Iahresausgabe 718 469,66 Mk., Kassenbestand 290,39 Mark. 2)ie Bilanz weist aus: Aktiva: an Kapitalkanto 9077,52 Mark, Jmmabilienkanta a) vor 1918 erbaute Häuser 44 400 Mark, b) nach 1918 erbaute Häuser 151 686 Mark, c) nach 1923 erbaute Häuser 1 702 585,18 Mark, zusammen 1 898 671,18 Mark: Hypolhekenkonlo 143 880 Mk.: Inventarkonta 475 Mark, Kostenkonto 290,39 Mk., Summe der Aktiva 2 052 394,09 Mark. — Passiva: Per Geschäftsanteilkonto 83 988,12 Mark: Anleihenkonto 1 786 575,88 Mk., Spareinlagenkonto 13 166,87 Mark, Reservefondskonto 6 132,73 Mark, Spezialreservesondskonto 60 172,80 Mark, Aufwertungskonto 32 719,67 Mark, Strahcnkostenbeitrags- konto 25 665,87 Mark, Bürgersteigbeitragskonto 6400 Mark, Häuserunterhaltungskonto 20 801,08 Mark, Gewinnsaldo 16 771,07 Mark: Summe der Passiva 2 052 394,09 Mark. — Die Gewinn- und Verlustrechnung schließt wie folgt ab: Soll: Zinsen für aufgenommene Kapitalien 51 340,45 Mk., Zinsen für Spareinlagen 221,74 Mark, Steuern und Abgaben 30 685,18 Mark, Derwaltungskosten 2740 Mark, sonstige Ausgaben 4 594,22 Mark, Unterhaltungskosten für Wohnhäuser 14 409,76 Mark, Zuweisung zum Straßenkostenbeitragskonto 8 531,10 Mark, Abschreibung auf die nach 1923 erbauten Häuser 12 085,27 Mark, Gewinnsaldo 16 771,07 Mk.; Summe der Ausgaben 141 378,79 Mark. Haben: Zinsen von ausgeliehenen Kapitalien 1 684,44 Mk., Miete von Wohnungen 136 673,35 Mark, sonstige Einnahmen 3021 Mark; Summe der Einnahmen 141 378,79 Mark. — Die Verteilung des Reingewinns von 16771,07 Mark wird wie folgt vorgeschlagen: 10. o. H. zum gesetzlichen Reservefonds 1677,10 Mark, 4 v. H. Dividende 3359,50 Mark, «pezialreservesonds 5000 Mark, Häuser- und Unterhaltungssonds 6734,47 Mark. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1928: 792, Zugang in 1929 : 49, Abgang in 1929 : 36, Bestand Ende 1929: 805. Das Guthaben der Mitglieder stieg von 72 541,89 Mark Ende 1928 auf 83 988,12 Mark Ende 1929. Die Haftsumme der Genossen betrug Ende 1928: 182 000 Mark, Ende 1929: 191 200 Mark. Die einzelnen Posten der Iahresrechnung wurden vom Kassierer eingehend erläutert. Die Aussprache war sehr rege. Es wurden wertvolle Anregungen über das Verhältnis der Mieter untereinander gegeben, nach deren Auswirken auch die Sachwerte der Baugenossenschaft von den Bewohnern geschont, und erhalten werden können. Ferner wurde auf den großen Abstand zwischen dem Mitglieder guthaben und der Haftsumme der Mitglieder hingewiesen, und der Vorstand und Aufsichtsrat beauftragt, Schritte zu unternehmen, die zu einer Besserung in dieser Frage fuhren sollen. Weiter wurde die volle Aufwertung derjenigen Geschäftsanteile gefordert, die seinerzeit in Goldmark voll eingezahlt wurden, da doch mit diesen Geldern heute noch vorhandene Werte geschaffen wurden. — Dom Vorstand führte Stadtratsmitglied M crn n daraufhin aus, daß die einschlägigen Fragen den Vorstand und Auf« sichtsrat eingehend beschäftigten. Ms deren Folge sei eine Aenderung des § 27 der Satzung, betr. Verlust der Mitgliedschaft, vorgeschlagen. Die Aufwertung der Geschäftsanteile habe 30 v. H. betragen. Im Iahre 1932 treten an die Baugenossenschaft hinsichtlich der Aufwertung große Anforderungen heran: demzufolge seien entsprechende Beträge im Aufwertungskonto eingesetzt. Die Geschäftsanteile müßten nach und nach auf gefüllt werden. Er hofft, daß der Rechnungsabschluß im nächsten Iahre eine wesentliche Besserung aufweisen wird. — In ähnlichem Sinne äußerte sich auch der Vorsitzende Fourier. Die Rechnungsprüfung wurde von den Herren Schneider und Direktor Bergen vorgenommen und die Rechnung nach dem Bericht des letzteren in einwandfreier, mustergültiger Ordnung befunden, weshalb für den Kassierer Entlastung beantragt wurde. Beschlußfassung und Mahlen. Die Versammlung erteilte einstimmig die für den Gesamtvorstand und Aufsichtsrat beantragte Entlastung. Der Reingewinn wurde in der vorgeschlagenen Weise verteilt. Ebenso wurde die beantragte Abänderung des 8 27 der Satzung einstimmig gutgeheißen. Die Wahlen für den Vorstand und Aufsichtsrat ergaben die Wiederwahl der ausscheidenden Herren Wölfer und Allendörfer (Vorstand) und Bergen, Braun, S.Müller und Th. Rühl (Aufsichtsrat). Rachdem die Wünsche der Bewohner der Siedlung in der Liebigstraße-Aulweg eine wohlwollende Zusicherung erfahren, sprachen die Herren Huber und Sier au dem Vorstand und Aufsichtsrat den Dank der Versammlung für die Arbeit im ab gelaufenen Geschäftsjahre aus. gung statt. Man beachte die heutige Anzeige. ! St ein heim, 22. Sept. In der Nacht auf Sonntag wurde in der Gastwirtschaft von Wilhelm Stoll ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Täter erbrachen die Kasse, konnten aber keine Deute machen, da der Wirt am Abend den Inhalt der Kasse an sich genommen hatte. Außer einer geringeren Anzahl Zigarren und Zigaretten und einer Flasche Bier fiel den Einbrechern nichts in die Hände. Don den Tätern fehlt jede Spur. — Die Eheleute 11 h l von hier feierten am vergangenen Freitag in voller körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Kreis Schotten. v. Schotten, 22. Sept. Der Gemeinderat lehnte die Aufnahme des Feldschühen in den Stellenplan der städtischen Beamten ab, er will den Feldschühen nicht als Beamten angesehen wissen. — Die Beschaffung des Mobiliars für den Anbau zum städtischen Krankenhaus wurde genehmigt, die Kommission des Krankenhauses regelt näheres. — Das hiesige Schwimmbad soll, da es etwas zu klein geworden, erweitert werden. Der Gemeinderat will das Projekt an Ort und Stelle einsehen. a. Schotten, 22. Sept. Dieser Tage fand im Singsaal der hiesigen Turnhalle eine kleine Feier zu Ehren des Oberlandmessers i. R. Adam S p a m e r statt. 50 Iahre ist er aktives Mitglied des Gesangvereins. Aus diesem Anlaß wurde ihm der Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes durch den Vorsitzenden des Gesangvereins, C. Z e s ch k y, überreicht. Bürgermeister M e n - a e l überbrachte die Glückwünsche der Stadt und hob die großen Verdienste hervor, die Adam Spamer um seine Vaterstadt Schotten, um die Heimat- und Familiengeschichte in der Stadt sich erworben hat. Der Gesangverein verschönte durch Vorträge die stimmungsvolle Feier. 0 Gedern, 22. Sept. Auch diesmal ist es wieder eine sehr kleine Konfirmandenschar, die hier auf die Konfirmation vorbereitet wird. Es sind nur 17 Konfirmanden, nämlich 7 Knaben und 10 Mädchen. Preußen. 3 Groß Rechtenbach, 22. Sept. In seiner jüngsten Sitzung faßte der Gemeinderat u. a. folgende Beschlüsse Die Verpachtung der Gemeindejagd läuft am 31. März 1931 ab. Der Gemeinderat beschloß, die Reuverpachtung in zwei Bezirken vorzunehmen. — Ein Antrag des Kreisausschusses, schon jetzt Mittel für die Einrichtung einer Kleinkinderschule für das nächste Rechnungsjahr bereitzustellen, wurde mit Rücksicht auf die schwierige Finanzlage der Gemeinde abgelchnt. Es wurde betont, daß die Gemeinde auch im nächsten Rechnungsjahre dem Projekt noch nicht nähertreten könne. Kleine Strafkammer Gießen. • Gießen, 19. Sept. Ein Versicherung-- beamtet au« Assenheim, der wegen Betrug« in zwei Fällen vom Amtsgericht Bad-Rauheim zu einer Gesamtstrafe von zwei Monaten zwei Wochen verurteilt worden war. verfolgte dagegen Berufung und wollte frei» gesprochen fein. Die Beweisaufnahme hatte da- gleiche Ergebnis wie in erster Instanz. Er hatte sich eine Wohnung gemietet und die Miete stunden lassen unter der Vorspiegelung, die eingebrachten, auf Abzahlung gekauften und fast unbezahlten Möbel seien fein Eigentum, er sei fest angestellter und pension-berechtigter DersicherungS- beamter, während er damals Provisionsreisender war. AIS die rückständige Miete achthundert Mark betrug, hatte er das Verhältnis gelöst. In einem weiteren Fall hatte er eine Firma dun- ähnliche Vorspiegelungen um über vierhundert Mark geschädigt. 5Me Berufung wurde zurück- gewiesen. Abermals Freisprechung erzielte eine Gastwirtin au- Friedberg, die vom Amtsgericht daselbst von der Anklage der Hebcriteiung der Polizei st unde sreigesprochen worden war. Auch in der heutigen Verhandlung tonnte ihr nicht nachgewiesen werden, daß sie nicht das ihrige getan habe, um die Gäste zum Verlassen der Wirtschaft zu bewegen: daß diese nicht gegangen waren, konnte ihr nicht zur Schuld angerechnet werden. Die Strafe eines Burschen von Rieder-Weisel, der vom Amtsgericht Butzbach wegen Körperverletzung zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war, wurde auf fünfzig Mark herabgesetzt. Gr hatte in Rotwehr gehandelt, diese allerdings beträchtlich überschritten. Oie Wetterlage. Ingi L051 16. 14 iJ’arö 2.0, ! " len 12, U < 15 gr / i A tj. L^*St( 1C fcz. *!5Bz=l ----‘7^ ---O O 15 ^Uagent Otfofltentos ö nerte». a naro Deoecu e worxig. • ceoecn eReget * Schnee t. Graupeln e Kehei K Gewitter,®windstille. «O-> SdV leichter Ost majjigee'Sodsoowes» X jtorffleche» »lordwesl Ole Mene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen Menenden zaih len geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Ort« mit gleiche® «uf neeroniveao umgerechneten tultdruce Wettervoraussage. Der hohe Druck über der Discaya und Frankreich hat sich nordostwärts über Deutschland auS- gebreitet und unter seinem Einfluß lassen zunächst die Riederschläge nach, sowie etwas aufheiterndes Wetter tritt ein. Durch die neue Atlantikstörung, welche heute morgen im Raume zwischen Island und den britischen Inseln lag, werden die Randstörungen an ihrer Südseite jedoch wieder bi« über Deutschland vorgreifen und Einfluß auf die Wetterlage gewinnen. Somit dürste im Laufe des morgigen Tages wieder stärkere Bewölkung auftreten und später auch Riederschläge einsehen. Die Temperaturen steigen vorerst weiter an. Aussichten für Mittwoch: Bewölkt und aufheiternd, später stärker bewölkt mit Niederschlägen, wärmer. Aussichten für Donnerstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, meist trocken. Lufttemperaturen am 22. September: mittags 14,4 Grad Celsius, abends 12,6 Grad: am 23. September: morgens 12,6 Grad. Maximum 15 Grad, Minimum 10,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. September: abends 14 Grad: am 23. September: morgens 13,1 Grad. — Niederschlag 0,9 mm. Büdoö Beleuchte cten Jtrbetsplafa besser! Viele Stunden bringt die Hausfrau täglich am Küchenherd zu. Die Arbeit würde viel besser Auskunft Ober richtige Verwendung des elektrischen Lichtes erteilen die O s r a m - Ve r k a u fs s t e / / e n, das Elektrizitätswerk und sonstige Elektro-Fachgeschäfte. 1 und schneller vonstatten gehen, wenn dieser Arbeitsplatz eine besondere Leuchte hätte; die Speisen können dann besser beobachtet werden. Darum sollte jede Hausfrau an diesem Arbeitsplatz für bessere Beleuchtung sorgen. Die D 2ahrzehn toar. Man ui Mffc fcff S fc[w T^gnnid ubnidiunq ‘lie die vc Lebens rec in der an Die verhLA' dah es teilen h11 -RezeP^ ÄussaV' 20. d. ® Fausts Meinung von k’rt genug T stinnne Ergebnis werden >u der Äitte die Staat wenn dcr dicsbczugl fair play ; von dein fition ein, nämliffe i ihre Des nähme b< tenb ihr nickt aus Diese • durch die zu deren jachen dei foalitioner nen lassen feien der Sozial! nicht ri die ganze (o bedenkc sähe zviscl gerlichen 1 Gegensatz vom Äa über dem eine alle < lat) siium Hersfellen daß das 4 und in Ge Länder, Grundl herrsch zwischen persönlich tung ein« m c r t n n Ausschalt Hände u verwal sühren w Gegensatz ligiöse siooflicher die diese । Siele ® scher Hab leit. Sie 1 von ihren bald nac einem । schasfsord halb dem aber slels an, ihren gebnis dr Parteien u daß wir letzteren sch gekommen Politik, di Wasser ein1 dem Deg jamim 6i, Prag Ä ^ne b’ebet »u verunferm ®nann n ■Wn b Jor ^r sardj j| 'ntePapi S mit ^tte Zch Krieben ^°nzig xrS h» Z'd- s? Klein-Linden. Krankl. 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Arnold im Alter von 43 Jahren heute morgen nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod zu sich. In tiefer Trauer: Familie Jobs. Konrad Familie Wilh. Arnold V. Heute mittag 1 Uhr entschlief sanft nach schwerem mit Geduld ertragenem Leiden meine gute Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Margarete Döringer geb. Rodenhausen im 61. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Döringer Wilhelm Volz und Frau, geb. Döringer Wilhelm Döringer. Wieseck, den 22. September 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. September, nachmittags 2% Uhr, vom Trauerhause, Kornblumenstraße 9, aus statt. 6522D Mediziner sucht für sofort M Zimmer in ruhiger Lage, elektr. Licht. Schreibtisch, w. mögt. Tel. und Bad. Schrift!. Angeb. m. PreiSang. u. 6526D o. d.G. Anz. Vermietungen | 2 Zimmer mit Küche im Neubau ab 1. 10. an ruh. Leute z. vrm. Zu erfr. in d.Geschst. d. Gietz. 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September hat die Kräste- verhältniffe im Reichstag derartig um gestaltet, daß cs nicht angeht, die Kombinationsmöglich, teilen für eine künftige Regierung nach bisherigen Rezepten zu behandeln. Wit Recht ist in dem Aufsatz des _G. 21." .Was geschieht nun?" vom 20. d. W oaSgesührt. daß das Ergebnis ein Faustschlag deS empörten DolkeS war. um der Meinung unzweideutig Ausdruck zu geben, daßeS von dem System der Halbheiten und der Schwäche genug hat und noch Führung verlangt, ebenso stimme ich der Meinung zu, daß, nachdem das Ergcbnis vorliegl, auch die Folgerungen gezogen werden muffen, daß nicht „toic heute in Kreisen der Mitte oder der Linken vielfach doziert wird, die Staatsgewalt nur dann vom Doll auSgcht, wenn der Volkswille sich zufällig einmal mit der diesbezüglichen Pareistimmung deckt, sondern dah fair play gelten müsse. Ich weiche aber darin von dem Verfasser ab, das; nun die Rechtsoppo- fition einmal do. wo cS auf den Rägeln brennt, nämlich der Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit ihre > Befähigung erweisen müsse durch Uebcr- nahme der hierfür zuständigen Ministerien, während ihr die ausgesprochenen Machtministerien nicht auSgeliesert werden dürften. Diese Auffassung wird meines Erachtens der durch die Wahlen geschaffenen Lage nicht gerecht, zu deren Verständnis man auf die tieferen Ursachen der bisherigen Bildung von Regierungskoalitionen eingehen muh. Alle diese Koalitionen lassen sich auf die eine Annahme der Parteien der Mitte zurücksühren, daß ohne die Sozialdemokratie in Deutschland nicht regiert werden könne. Will man die ganze Bedeutung dieser Annahme ermessen, so bedenke man. welche unversöhnlichen Gegensätze zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien an und für sich bestehen: der Gegensatz zwischen der bürgerlichen Auffassung vom Rationalen Staat, der sich gegenüber dem 2luslande behaupten und im Innern eine olle Stände umfassende, sie nach dem Grundsatz sifum cuique behandelnden Staatsordnung Herstellen muh. und der sozialistischen Auffassung, daß dos Proletariat das Bürgertum unterwerfen und in Gemeinschaft mit dem Proletariat anderer Länder, also auf internationaler G rundlage, eine einseitige Klassenherrschaft errichten soll: der Gegensatz ferner zwischen einer Wirtschaftsordnung, die auf der persönlichen und vcrinögensrechtlichen Verantwortung eines selbst wirtschaftenden Unternehmertums beruht, und einer solchen, die unter Ausschaltung des letzteren die Wirtschaft in die Hände unverantwortlicher Gemein schafts- verwaltunge n mit Zwangscharakter überführen will: endlich auf kulturellem Gebiet der Gegensatz zwischen der Auffassung von einer religiösen (nicht konfessionellen) Grundlage des staatlichen Erziehungswesens und einer solchen, die diese Grundlagen verneint. Diese Gegensätze sind nicht etwa nur theoretischer Ratur. sondern entsprechen der Wirklichkeit Die Sozialdemokratie hat zwar, abweichend von ihrem Zwillingsbruder, dem Kommunismus, bald nach dem Umsturz eingesehen, dast mit einem Schlag die heutige Staats- und Wirtschaftsordnung nicht zu beseitigen ist, und hat deshalb dem Bürgertum Zugeständnisse gemacht, aber stets mit dem Vorbehalt deS Festhaltcns an . ihren Endzielen. Wenn man heute das Ergebnis der Zusammenarbeit von bürgerlichen Parteien und Marxismus anschaut, so findet man, dast wir auf dem Wege zu den Zielen des letzteren schon ein ganz erhebliches Stück vorwärts gekommen sind. Das zeigt sich bei der auswärtigen Politik, die ganz in das internationale Fahrwasser einlcnkte und, um dies tun zu können, auf dem Wege freiwilliger Verträge die wichtigsten Reichspräsident von Hindenburg empfangt seine kleinen Gäste aus dem Saargebiet, der Rheinprovinz und Rheinhessen. Teile deS unheilvollen Versailler Vertrags anerkannte, ja zu feinem Ausbau auf Generationen hinaus die Hand reichte, es zeigte sich auch in der inneren Politik durch die in letzter Zeit von führenden Männern aller bürgerlichen Parteien anerkannte Untergrabung unserer Etaatsfinanzen und unserer Privatwirtschaft durch ein Ueber« mast öffentlicher Ausgaben, durch Zwangswirtschaft. Steuern und soziale Qlbgaben. Darüber war das Bürgertum erwacht, es machte seiner Unzufriedenheit in zahllosen Kundgebungen Luft und nötigte die Mittelparteien zu den bekannten Versuchen von Parteiumbildungen. Run kam die Wahl vom 14. September, deren Ergebnisse zunächst zeigten, dast letztere Versuche von der Wählerschaft ganz eindeutig verworfen wurden. Vor allem aber ergab sich, dast die Auffassung, man müsse die Macht der Sozialdemokratie als eine gegebene Tatsache hin» nehmen und - loste es. was es wolle mit ihr regieren, um Schlimmeres zu verhüten, auf unberechtigtem Kleinmut beruhte. Der Sozialdemokratie wurde eine ebenbürtige Kampffront gegenübergestellt. Den 8 572 016 Stimmen der Sozialdemokratie, die um acht Mandate geschwächt aus dem Wahlkampf hervorging, stehen 8 859 707 Stimmen der Deutschnationalen und der Rationalsozialisten gegenüber. Unter diesen Millionen von Stimmen müssen sich auch Millionen von Arbeiter st im men befinden, sonst sind sie nicht zusammenzurechnen. und damit ist der Bonn der Vorstellung, dost die Sozialdemokratie die Arbeiterpartei sei, ohne die man nicht regieren könne, gebrochen. Dies ist das entscheidende Ergebnis der Wahl, aus ihm müssen die bürgerlichen Mittelparteien die Folgerung ziehen. Dast die Deutschnationale Partei in allen drei oben angegebenen entscheidenden Punkten auf feiten des allgemeinen Bürgertums stehen wird, braucht nicht besonders gesagt zu werden. Bei den Rationalsozialisten trifft dasselbe jedenfalls bezüglich des ersten und dritten Punktes (Ratio- naler Staat und Kultur) unbedingt zu. bezüglich des zweiten Punktes (Wirtschaftsordnung) sind ihre Ansichten offenbar noch in einer gewissen Gärung begriffen, aber es liegt Anlast vor. anzunehmen, dast die zweifellos von nationalem Geist getragenen Führer auch hier der Wirklichkeit Rechnung tragen werden, wenn sie zur verantwortlichen Leitung der Staatsgeschäfte berufen sind. Die Leitung der Staatsgeschäfte aber erfordert Zielklarheit und deshalb würde der neuen Lage nicht damit Rechnung getragen, dast den Ratio- nalfozialisten einmal versuchsweise das eine ober andere Fachministerium übertragen wird, sondern der Eintritt der beiden bisherigen Oppositionsparteien in die Regierung hat nur dann einen Sinn, wenn sie ine Richtung der neuen Regierung bestimmen: in der auswärtigen wie in der inneren Politik. Können sich die Parteien der Mitte nicht ent- schliehen. an die ihnen wesensverwandten Rechtsparteien heranzurücken, wie sie bisher glaubten aus einem Zwang der Lage an die Sozialdemokratie heranrücken zu müssen, dann wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als demnächst durch eine Reuwahl eine noch klarere Entscheidung der Wähler herbeizuführen. Ich möchte mit einem Bilde schliesten. Unsere bisherige Lage glich einem Schlachtfeld in dichtem Rebel. Man sieht nichts, man hört nur dumpfe Geräusche aus unbestimmten Richtungen. Da zerreißt ein kräftiger Windstoß den Rebel und die Sonne beleuchtet die beiden sich gegenüberstehenden Fronten. Zwischen ihnen befinden sich kleinere Gruppen, die unschlüssig find, waö sic tun sollen Sollen sie sich teils nach dieser, teils nach jener Front wenden oder Gewehr bei Fuß stehen bleiben? In beiden Fällen werden sie zwischen den beiden Fronten aufgerieben. Es bleibt ihnen deshalb nur übrig, sich einer der beiden Fronten zuzuwenden, um diese zu verstärken und zugleich in ihr mitzuführen. Rur der letztere Weg ist für diese Gruppen gangbar und dann must die Wahl auf diejenige Front fallen, deren Farben "Im Grunde auch die ihrigen sind. Veleidiüungsprozeß Slahlhelm-Zunado. Zu dem von uils am 19. September veröffentlichten Bericht der Telegraphen - Union über die Beleidigungsklage des zweiten Bundesführers des Stahlhelms, Oberstleutnant Düst er berg, gegen den Hauptgeschäftsführer des Iungdeutschen Ordens. Borne mann, und Generalleutnant von Blomberg, Befehlshaber im Wehrkreis l der Reichswehr, wurde auf zwei Monate zum Studium von Heereseinrichtungen und Schulmethoden zur Armee der Vereinigten Staaten abkommandiert. den Schriftleiter der Zeitung „Der Iungdeutfche". P a st e n a c i. geht uns von Herrn Studienrat Dr. O. Stotz. Lich (Oberhefscn), folgende „Berichtigung" zu „Don Herrn Rcchberg wird keck erklärt, er stehe dem Iungdeutfchen Orden nahe, obwohl gerade im Verlauf der Verhandlungen dieser unter Hinweis aus seinen Eid erklärt hat, daß er in keinerlei Beziehungen irgendwelcher Art zu dem Orden stehe oder gestanden habe. Es geht ferner in keiner Weise aus Ihrem Bericht hervor, daß die unter Ehrenwort von Herrn Düsterberg abgegebene Erklärung zwar subjektiv richtig war. ein Dritter aber nicht hatte ersehen können, ob die Verhandlungen des Stahlhelms offiziellen Charakter hatten oder nicht und dast durch die Beweisaufnahme jedenfalls die Tatsache feftgeflellt wurde, dast Stahlhelmmitglieder mit französischen Politikern und Herrn Rechberg Besprechungen gehabt hatten. 2luS alledem erklärt sich auch die milde Bestrafung der Beklagten, die zwar formal bestraft werden mustten. sachlich jedoch zweiselloS einen moralischen Sieg davongetragen haben." Rheinhessen. WSR. Main z, 22. Sept. Der 25jährige Schreiner Jakob M o ck aus Mainz-Kostheim fuhr mit feinem Motorrad in der Rächt zum Sonntag gegen 2 Uhr auf der Landstraße bei Gonsenheim in voller Fahrt auf ein Lastauto von hinten auf. Mock erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde in das Städtische Krankenhaus in Mainz eingeliefcrt. In derselben Rächt verlor der 30jährige Spengler Ph. Schultheis aus Harrheim beim Herabfahren des Harrheimer Berges die Gewalt über lein Motorrad und rannte mit der Maschine gegen einen Baum. Schultheis wurde auf die Straste geschleudert und erlitt auster einer erheblichen Schädelverletzung einen Unterschenkel- bruch. Der Schwerverletzte ist in der vergangenen Rächt im hiesigen Städtischen Krankenhaus gestorben. Daicn für Mittwoch, 24. Scptcmbcr. Sonnenaufgang 5.48 Uhr. Sonnenuntergang 17.56 Uhr: Mondaufgang 8.20 Uhr, Monduntergang 18.40 Uhr. 1541: der Arzt und Raturforscher Paracelsus in Salzburg gestorben: — 1583: Albrecht von Wallenstein geboren. Oie Welt-Tabelle. Von Kasimir Edschmid Die Welt ist durch die Erfindungen der letzten Jahrzehnte eine total andere geworden als sie war. Man must das immer wieder aufs nachdrücklichste feststellen, weil die Chausfeure und Flieger selbst noch nicht wissen, welchen dämonischen Abgrund die Welt in den letzten Jahrzehnten übersprungen hat. Denn sie lieben oft, während * sie die vortrefflichen Leistungen des modernen Lebens regieren, in der Literatur die Postkutschen, in der Malerei die Schinken mit den Hühnerställen. in der Politik die Ideale von Onkel Benjamin. Sie sind wie jener Mann, der mit mir t»on Prag nach Straßburg flog und drei Stunden lang seiner Schildkröte zuredete, daß sie bald wieder au Hause sei, bis wir nach drei Stunden wegeP. R«^el und im Kreislauf wieder in Prag Heruntermust ten. Kann man sich Rova 1 is in einem Dinos- Wagen oorftcllen oder den sanften, aus Furcht vor der Cholera gestorbenen Grasen Leo- pardi im Flugzeug seiner futuristischen Landsleute Papini und Mar.netti? Was wäre Rousseau mit feinem Wert auf einem Motorrad? Hätte Schiller nicht einen ganz anderen Stil geschrieben, wenn er das fatale Vergnügen gehabt hätte, im Jahre Reunzehnhunk^rtvierund- zwanzig zwanzig Jahre alt zu sein? Was ist Homers Giftbecher, wenn man weist, dast man Hunderttaufende von Volt durch einen Körper unbeschadet laufen lassen kann? Goethes Rei- terliedchen sind zum mindesten als Zeitvorstellung so komisch wie sein brauner Schlafrock, in dem er schrieb. Die Degen und die phantastischen Perücken die Goldtressen und die geblümten veldenwesten unserer Vorfahren sind ein Witz ln deui Augenblick, wo Herr Carraciola mit roten Handschuhen und Fritz von Opel ln blauer Lederbluse in ein Motorradrennen los- schießen. Diese Dinge haben unsere Erde und uns selbst umgepflügt, so dast wir mit vollkommen anderen Vorstellungen leben. Man must nur ben Mut haben, sich das klar zu machen. Zu diesem Zweck wird, infolge der Schwerhörigkeit unserer Zeitgenossen, eine Tabelle angelegt" Tüc'e Tabelle ist, ohne zu versäumen, amüsant zu sein, die Lebensbeschreibung aller jener Dinge ohne die wir ein Existieren überhaupt nicht mehr uns denken können. Es gehört ein ungeheurer ^Bille dazu ■ -n v-r.ustcllen. man müsse ohne Dahn. Telephon. Elektrizität leben. Cs gehört die wilde Phantasie von Dichtern dazu. Denn die Phantasie der Ingenieure und Kaufleute ist meist in ihren Werken selbst stecken geblieben. Sie sehen gar nicht mehr die Revolutionen, die sie selber gestartet haben, die Acrmsten. Dor dieser Tabelle war der gesamte gesellschaftliche Verkehr der Menschen aus weite Strecken eine Barbarei. Aber diese Barbarei liegt, an unseren Lebensuhren gemessen, nur ein paar Jahrzehnte zurück. Achtzehnhunderteins stellte der Amerikaner Oliver Evans die erste richtige Hochdruckmaschine her. Siebenundzwanzig Jahre später lies durch die Bemühung des wackeren George Stephenson aus der Stockton— Darlington-Bahn der erste Personenwagenzug. Achtzehnhundertdreiundvierzig baute Morse die erste große Telegraphenlinie von Washington nach Baltimore. Dreizehn Jahre später legt ein Schlaukops das erste submarine Kabel, ausgerechnet durch den Portsmouther Hasen, und dreiundvierzig Jahre darauf ist die Erde wie eine mit List gefischte Wassernymphe in einem Reh von siebenhunderteinunddreißig Kabeln. Sie kann sich nicht mehr rühren, nichts kann geschehen, ohne daß es selbst einer, der auf der Zugspitze sitzt, ein paar Minuten darauf erfährt: mag Tokio fallen. Tunis revoltieren, die Königin von Siam am Blinddarm wohlgelungen durch einen Geheimrat operiert fein. Die Anonymität der Welt hat aufgehört. Selbst die Eskimos sind in das rasende Tempo hineingerissen worden, man erblickt sie im Film, wie sie essen, lieben unl> schreien. Man braucht für einen Börsenauftrag von der City nach Reuyork mit Rückbestätigung drei Minuten, Europa kann in das amerikanische Geschäft jede Sekunde einstehen, wenn es das Geld dazu hätte. Dor achtzig Jahren noch trieben die Bande r b i 11 ö und Drews ihre Kuhherden, deren Gewicht durch Wasser gefälscht war, nach einem Dorh das Rew Dort hieß. Reun Jahre nach der Stärkung des deutschen Kaiserreichs lassen Siemens und Halste die erste elektrische Bahn laufen. Im Jahre darauf verbinden sich die amerikanischen Hauptstädte telephonisch und verändern damit die Welt in einen Zaubergarten. Die Erde wird elektrisch überglüht mit Milliarden Lichtern. Wer vor hundertfünfzig Jahren auf einen Knopf gedrückt hätte, woraus sich eine ganze Stadt, ja nur ein Zimmer erleuchtet hätte, wäre nach den gemütlicheren Methoden der Dergangenheit geschält worden, man hätte ihm mit einer eisernen Barre die Knochen zerschlagen und ihn dann zum Ruhme der Menschheit auf geteertem Holz verbrannt. Achtzehn- hundertscchsunddreißig ließ Green den ersten Ballon mit Leuchtgas steigen. Fünsundsechzig Jahre später erreicht man mit Sauerstofsmaskcn Höhen von zehntausend Metern und hat Apparate, um einige tausend Meter unter dem Meeresspiegel arbeiten zu können. Run machen sich die englischen Alpenklubisten daran, die Schweiz zu entdecken. Die guten Reureichen, die jetzt mit ihren gar sehr berlinernden Damen unter den Palmen von Montreux die Ratur verschandeln. . . diese glücklichen Unbefangenen ahnen nicht, daß vor zwanzig Jahren des Winters kein Teufel im Gebirge wohnen konnte und daß, wo heute Zahnradbahnen gehen und Autos jagen, vor fünfzig Jahren Männer ihr Leben einsetzten. Fünf Jahre vor der Schlacht bei Sedan erstieg als erster Mr. Whim- per unter tödlichem Derlust seiner halben Expedition das Matterhorn., — Dann wird Asrika durchforscht und werden die Pole entdeckt. Achtzchnhundcrtsechzig stellt Lenoir den ersten schüchternen Motor her. Dor fünsund- zwanzig Jahren fragten wir unseren Vater, ob es in der Tat Droschken gäbe, die ohne Pferde liefen. Reunzehnhundertzehn erlebte ich den Abbau der Pferdeomnibusse in Paris zur Zeit der großen Uebcischwemmung, und alle Tragödien der alten Kutscher, die von ihren Gäulen scheiden mußten, in deren Gesellschaft sie zwischen Pantheon und Quartier latin so angenehm verblödet waren. Im selben Jahr photographierte man L a t h a m, wenn er zehn Kilometer zur Jagd irgendwohin flog, als Fabelhelden in allen europäischen Gazetten. Man konnte im Auto schon durch die Wüste fahren, deren Räuber unsere Knabenphantasie heute noch umspannt, als D I ö- r i d t, der Held der neuen modernen Mythe, den Kanal überflog. Fünfzehn Jahre später fliegt man in zwei Unternehmungen von Portugal nach Chile. So ficht die Welt heute aus. aus der die Romantik aller Indianer, Malaien, Piraten. Goldsucher, Standartenträger herausgenommen ist. Die Sensationen von vor zwanzig Jahren sind heute Gartenlaubenbilder. Die neue Welt hat' ihre phantastischen modernen Gesetze, die, wie man sieht, noch lächerlich jung sind. Von den Werken des Geistes war in dieser Tabelle nicht viel die Rede. Cs sollte der Fehler vermieden werden, unsere Epoche immer mit den geistigen und künstlerischen Leistungen früherer Epochen zu vergleichen, während man sie doch nur neben das Leben stellen und mit Leben vergleichen kann. Vielleicht waren alle früheren Jahrhunderte besser, feiner, menschlicher, tiefer, beseelter Möglich Ich glaube es nicht Aber, obwohl wir erst in den Babyschuhen des neuen Maschinenzeitalters stehen, ist heute schon klar, daß die Welt sich in fünfzig Jahren letzthin mehr verändert hat als in fünftausend vorher. Und eS ist bestimmt angenehmer darin au leben, falls man nicht vorzieht, sich eine falsche Romantik vorzumachen. Oie verspätete Liebeserklärung. Aimee Momet ist heute die noch immer heiß geliebte Gattin eines mittleren Beamten in Paris, dem Fie in einer sünsundzwanzigjährigen Ehe drei Kinder geschenkt hat, die schon ihrerseits wieder Kinder haben- Und doch ist es in diesen Tagen zu einer EisersuchtSszene gekommen, die fast zu einer Lösung der langjährigen Ehebande geführt hätte. Aber im letzten Augenblick wurde das Mißverständnis doch aufgeklärt, und nur im Herzen der Großmama Aimee soll noch ein Tropfen Wehmut zurückgeblieben sein. - Eines Tages bekommt Frau Aimee eine Postkarte. Eine Karte, die sich äußerlich nicht von anderen Postkarten unterschied, auf der sie aber beschworen wurde, „an der bewußten Stelle zu erscheinen", da er, der Unterzeichner, endlich die Einwilligung seiner Eltern zur Heirat erhalten habe. Die Karte erhält nicht Aimee, sondern ihr Herr Gemahl, der gerade dem Postboten geöffnet hatte, - und darin lag das Mißgeschick. Vergebens beteuert Aimee ihre Unschuld. Der Mann ist entschlossen, sich scheiden zu lassen. Da liest auch sie, Aimee, die Karte, und alte Erinnerungen steigen in ihr auf. Wie war das doch damals? Sie hatte lange vergeblich auf eine Rach- richt von Paul gewartet, der damals endgültig mit seinen Eltern sprechen wollte. Sie kam aber nicht, - deshalb hat sie Ja gesagt, als ihr jetziger Mann ein halbes Jahr später um sie anhielt. Und jetzt - jetzt sollte Paul die Einwilligung der Eltern, die doch schon längst tot sein müssen, erhalten haben?- Da fällt ihr Blick auf die Jahreszahl. 6.8.05 steht auf dem Stempel. Sie zeigt es ihrem Mann, erklärt das Mißverständnis und der Friede ist wieder hergestellt.-Und erst viel viel fpäter klärte sich auch der sonderbare Vorfall auf. Ein unvorsichtiger Fahrer war in der Rähe des Bahnhofs Louxembourg auf Öen Bürgersteig gefahren und hatte einen Postkasten umgerissen. Dabei fielen die Karten und Briefe heraus - darunter auch solche aus den Jahren 1904 und 1905. Sie hatten irgendwo eingeklemmt über 25 Jahre in dem Kasten gesteckt und waren von einem _ übereifrigen Beamten zur Beförderung in den nächsten Kasten getan worden. Turnen, Sport und Spiel. Rudersport in Gießen. Bei zeitweise strömendem Regen fand am Sonntag das Abrudern der Gießener Ruder- Gesellschaft 18 7 7 statt. Die sportlichen Darbietungen wurden trotz des schlechten Wetters programmäßig durchgefiihrt. Das Abrudern erhielt eine besondere rennsportliche Rote durch die Beteiligung des Marburger Ruderoereins, der einen Anfänger- und einen Alte-Herren-Vierer zu der internen Wettkampfkonkurrenz entsandt hatte. In beiden Rennen waren die Mannschaften der Gießener Rudergesellschaft 1877 siegreich. Besonderer Hervorhebung bedarf dabei die Leistung der „Alten Herren", die in der Besetzung: W. Müller, Dr. B r e u n i n g , O. Fi s che r und W. Schmidt, Steuer: Herr Wehner, in guter Form ein überlegenes Rennen lieferten. Das meiste Interesse wurde sodann dem Rudern der Damenabteilung entgegengebracht, die im Frühjahre b. I. gegründet wurde, jetzt zum ersten Male in regulären Rennen ihr gutes Können zeigten und Zeugnis von eifriger Ruderbetätigung ablegten. Nachdem der Starter die für. Gießen und die Rudergesellschaft 1877 neuartige Einrichtung entsprechend gewürdigt hatte, konnte man auf der 1000- Meter-Bahn ein spannendes Rennen sehen. Die Boote kämpften Bord an Bord bis kurz vor das Ziel, das die Damen Lilo Noll, Lore Bender, Hertha Ebert und Hannelore Kipper zuerst erreichten. In einem zweiten gemischten Vierer wurde das siegende Boot ebenfalls bestens von Frl. Kipper geführt. Die übrigen Vereinswettkämpfe im Einer, Vierer und Achter brachten manche Ueberrafchung. Die Einzelleistungen führten den Rudersachverständigen noch einmal die gute Technik und Wasserarbeit der Gießener RG.-Mannsä>aften vor. Damit hat die Gießener Rudergesellschaft 1877, die in diesem Jahre die stattliche Anzahl von 15 Rennsiegen erringen konnte, eine erfolgreiche Rudersaison zu Ende geführt. Paddelsport in Gießen. Arn Sonntag veranstaltete die Paddlergilde Gießen ihr Abpaddeln. Trotz des Regenwetters sah man 25 Boote nach der Dodenburg fahren. Dort wurden die K l u b Meisterschaften ausgetragen, die folgendes Ergebnis hatten: Vereinsmeister im Faltboot wurde in scharfem Rennen gegen Ernst W i t t i n g und Max Lehmann der Sportwart der Gilde: Joachim Kaphingst. — Im Einer für Damen siegte Marianne Trapp, während sich im Wander-Zweier die Mannschaft Hugo Becker und Ludwig Friedrich als die beste erwies. — Sieger im Dreikampf (100-Meler-Lauf, Kugelstoßen und Weitsprung) wurde überraschend Ernst W i t t i n g vor August Kolb und Joachim Kaphingst. — Während es gelang, die angesetzte Stafetten-Wettfahrt auszusühren, sielen die außerdem geplanten Spiele, die Auffahrt und die Lampionfahrt dem Regenwetter zum Opfer. — Damit hat die Paddlergilde Gießen ihr fünftes Vereinsjahr beschlossen. Rottschuhsport im Gießener Eisverein Der vergangene Winter hatte wieder den Beweis erbracht, daß die Liebhaber des Eislaufes in unserer Gegend ihre Hoffnungen nicht so hoch schrauben dürfen. Schon früh hat man in den eisarmen Gegenden einen Ersatz in dem Rollschuh geschaffen. Mit seiner Hilfe ist es dem Läufer wie .auf dem Eise möglich, die schönsten Figuren des Kunstlaufens auf festem Boden auszuführen. Im ^vergangenen Jahre ist gerade im Verbandsgebiet des Südwestdeutschen Eislaufverbandes — dem Gießen angehört — für den Rollschuhsport in besonderem Maße geworben worden. Erst kürzlich Helene (Wodtm'gs Schuld und Sühne. ZRoman von 3- Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtfchuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ein Stöhnen fürchterlichster Qual drang aus ihrem Herzen. „Um meiner Schuld willen!" „Rein! Um Gottes willen nein! Habe ich das je gesagt? Habe ich dich je verantwortlich gemacht, daß er gestürzt ist? Habe ich dir je vorgeworfen, du hättest ihn besser behüten sollen? —_ Din ich nicht selbst in seiner unmittelbaren Rahe gewesen, als ihn das Unglück ereilte? — Sag, Helene!" Sie lag mit geschlossenen Augen und wagte die Lider nicht zu öffnen aus Furcht, er könnte in ihrem Dlick die Gröhe ihrer Sünde lesen. Das Kind des Mannes, der um ihretwillen der Welt entsagt hatte, hatte sie ihm als eigenes in die Arme gelegt. Und nun war sein Herz mit diesem Wesen in ollen Tiefen verankert und mit ihm das ihre und das der anderen, die darunter zugrunde gehen muhten — um einer Schuld willen, die nur sie allein zu bühen hatte. Mit hilflosen Fingern strich sie ihr Kleid zurecht. Ihre Hände zitterten und die Fühe schwankten aus dem satten Rot des Teppichs. „Ich bin am Ende all meiner Kraft! Wenn es dir recht ist — werde ich wieder reisen!" Er glaubte nicht recht gehört zu haben. „Reisen? — „Ja! — Und wenn ich zurückkomme, gehst du, und ich bleibe bei unserem armen Kranken." „Rie!" sagte er schroff. „Ich bleibel — Dleibe immer!" „3dj hatte es gut gemeint", kam es demütig. Sie hörte durch die offenen Fenster das Lochen ihrer beiden Töchter, schrak zusammen und ging nach der Türe, die lautlos hinter ihr einklinkte. „Sie Hot kein Herz!" Franke hielt mit den Fingerspitzen die klopfenden Schläfen fest. Dann glaubte er einen Ton von oben zu vernehmen, horchte, stand wieder regungslos und nahm dann die Treppe zu Huberts Zimmer in langen Sprüngen. Das ins Gelbe spielende Knabenantlitz lächelte ihm entgegen. „Vater, hast du die Mama gebeten, daß sie wieder einmal für mich singt?" „Roch nicht, mein Junge!" „Vielleicht heute abend, Vater?" — „Ja! — Heute abend, Bert!" „Das war früher immer so schön und ich habe so herrlich geträumt, wenn mich Mama in Schlaf gesungen Hat." hatten Rollschuh-Kunstläufer in Frankfurt Gelegenheit, einer begeisterten Zuschauermenge ihre Kunst zu zeigen. So hat man denn auch im Gießener Eisverein die Einführung dieses Er- gänzungssportes geplant. Es dürfte nicht nur dem Eiskunstläufer willkommen sein, sondern auch den Kleinsten wird hier ein Ersatz für manche zuschanden gewordene Winterfreude geschaffen. Unter Mitwirkung eines Frankfurter Kunstläufers wird am kommenden Freitag eine Werbeveran- stoltung stottfinden, die die Vorteile dieses Sportes zeigen soll. (Man beachte die morgige Anzeige.) Sport des Gymnasiums. Arn morgigen Mittwochnachrnittog treffen sich auf dem Universitätssportplatz die Leichtathletikmannschaften der Oberrealschule Dutzbach Und des hiesigen Gymnasiums zu einem Leichtathletik k a m Pf. V. f. B. Leichtathletik. Die Vereinsmeisterschafts-Wett- kämpfe nahmen am Sonntag einen flotten Verlauf. Es waren fast 70 Teilnehmer, die sich harte Kämpfe um den Meistertitel lieferten. Die Leistungen wurden durch die ungewohnte Kühle beeinträchtigt. Rachstehend die Ergebnisse: Aktive. 100 Meter: 1. R. Fischer, 12,2 Sek.: 2. Müller, 12,4 Sek.: 3. v. Rotenhan, 12,8 Sek. — 200 Meter: 1. R. Fischer, 25,6 Sek.: 2. Müller, 25,9 Sek.: 3. Siegmund, 27 Sek. — 400 Meter: 1. R. Fischer, 57 Sek.: 2. Müller, 58,4 Sek.: 3. Treser, 58,6 Sek. — 1500 Meter: 1. Müller, 5,06 Min.: 2. R. Fischer, 5,20 Min.: 3. Mewes, 5,44 Min. — Weit» sprung: 1. Mohl, 5,24 Meter: 2. R. Fischer, 5,18 Met.: 3. v. Rotenhan, 5,06 Met. — Kugel: 1. Mohl, 12,42 Meter: 2. R. Fischer, 8,92 Meter: 3. Müller, 8,44Met. — Zehnkampf: 1. Mohl, 294 Punkte: 2. R. Fischer, 269 P.: 3. Müller, 246 Punkte. Jugenb A, 100 Meter: 1. Kirchheimer, 12 Sekunden: 2. Luh, 12,2 Sek.: 3. Jäger, 12,3 Sek. - 200 Meter: 1. Jäger, 26 Sek.: 2. Kirchheimer, 26,2 Sek.: 3. H. Simon, 26,4 Sek.: — 8 0 0 Meter: 1. Jäger, 2:26,8 Min.: 2. H. Simon, 2:28,2 Min.: 3. H. Schäfer, 2,34 Min. — Weit- sprung: 1. Luh, 5,69 Met.; 2. H. Simon, 5,17 Öltet.; 3. H. Jäger, 4,87 Met. — Kugel: 1. Luh, 12,64 Met.: 2. Jäger, 9,62 Öltet.; 3. H. Simon, 9,18 Öltet. — Diskus: 1. Luh, 38,50 Meter: 2. W. Schäfer. 26,65 Öltet; 3. H. Simon, 23,46 Öltet. — Dreikampf: 1. Luh, 148 P.; 2. Jäger, 103 P.; 3. H. Simon, 49 Punkte. Jugend B. 50 Meter: 1. W. Schäfer, 6 Sek.; 2. W. Paulus 6,2; 3. Willy Schäfer, 6,4 Sekunden. — 100 Meter: 1. W. Schäfer 11,7 Sek.: 2. W. Paulus 12,2; 3. K. Simon 12,3 Sekunden. — 800 Meter: 1. K. Simon 2,25 Min.; 2. W. Schäfer 2,25 Minuten (Handbreite). — Hoch- sprung: 1. W. Schäfer 1,30 Meter; 2. W. Paulus 1,15; 3. K. Simon 1,05 Meter. — Speer: 1. K. Simon 25 Meter; 2. W. Paulus 24,51; 3. W. Schäfer 21,68 Meter. — Kugel: 1. W. Schäfer 10,75 Meter; 2. K. Simon 8,90; 3. W. Paulus 8,59 Meter. — Dreikampf: 1. W. Schäfer 88 Punkte; 2. W. Paulus 71 P.; 3. K. Simon 65 Punkte. Jugend C. 5 0 Meter: 1. Hörder 8 Sek.; 2. Laudon 8 Sek. (Handbreite); 3. Schneider 8,2 Sek. — 7 5 Meter: 1. Schneider 10,4 Sek.; 2. Hörder 10,9; 3. Laudon 11 Sek. — Hochsprung: 1. Schreiner 1,10 Meter; 2. Hörder 1,05 Meter. — Kugel: 1. Laudon 9,48 Meter; 2. Hörder 6,45 Meter. 3ugenb D. 5 0 Meter: 1. Fischer 8 Sek.; 2. Wedel 8,4 Sekunden. — 75 Meter: 1. Fischer 11,2 Sek.; 2. Wedel 12,7 Sek. - Kugel: 1. Wedel 5,72 Meter; 2. Fischer 4,84 Meter. — Weitsprung aus dem Stand: 1. Fischer 1,91 Meter; 2. Wedel 1,81 Meter. Jugend E. 30 Meter: 1. Möller 6,5 Sek.; 2. Guckes 6,8 Sek.; 3. Carein 7,1 Sekunden. — 5 0 Meter : 1. Möller 8,9 Sek.; 2. Guckes 9,1 Sek.; 3. Carein 9,4 Sekunden. — W e i t s p ru n g a. d. Stand: 1. Möller 1,68 Meter; 2. Carein 1,67 Meter; 3. Guckes 1,66 Meter. — Kugel: 1. Möller 4,28 Meter; 2. Guckes 3,86 Meter; 3. Carein 2,77 Meter. Stauen. 50 Meter: 1. Stühler 8 Sek.; 2. Luh 8,4 Sek.; 3. E. Müller 8,5 Sek. — 10 0 Meter: 1. Stühler 15,2 Sek.; 2. E. Müller 15,9 Sek.; 3. Ehelmüller 16,2 Sek. — 8 0 0 Meter: 1. Etzelmüller 3,07 Min.; 2. Stein 3,26 Min. — Wei tsprung: 1. Luh 3,80 Meter; 2. Etzelmüller 3,75 Meter; 3. E. Müller 3,58 Meter. — Kugel: 1. Stühler 8,29 Meter; 2. Luh 7,96 Meter; 3. Euler 7.04 Meter. — Diskus: 1. Luh 22,90 Meter; 2. Frau Fischer 19,65 Meter; 3. Euler 19,43 Meter. Mädchen A. 5 0 Meter: 1. Fr. Fischer 7,2 Sek.: 2. M. Müller 7,4 Sek.; 3. Krause 7,5 Sek. — 100 Meter: 1. M Müller 15 Sek.; 2. Fr. Fischer 15,1 Sek.; 3. Krause 15,3 Sek. — Hochsprung: 1. Fischer 1,15 Meter; 2. Stein 1,10 Meter; 3. F. Müller 1 Meter. — Weitsprung: 1. Fr. Fischer 4,23 Meter; 2. Stein 3,70 Meter; 3. M. Müller 3,66 Meter. — Kugel: 1. Stein 8,08 Meter; 2. Fr. Fischer 7,45 Meter; 3. Krause 6,20 Meter. — Diskus: 1. Fr. Fischer 17,77 Meter; 2. Heinz 14,81 Meter; 3. Fr. Müller 15,15 Meter. Mädchen B. 5 0 Meter: 1. Schneider 8,1 Meter; 2. E. Müller 8,1 Meter (Handbreit zurück). — 75 Meter: 1. E. Müller 10 Sek.; 2. Schmidt 10,4 Sek.; 3. Heinz 11,2 Sek. — Weitsprung: 1. Schneider 3,86 Meter; 2. Heinz 3,54 Meter; 3. E. Müller 3,35 Meter. — Kugel: 1. Schmidt 7,80 Meter; 2. Heinz 6,93 Meter; 3. E. Müller 5,86 Meter. Alle Herren (Sußballer). 5 0 Meter: 1. Reuter, 7 Sek.; 2. Daldauf, 7,4 Sek. — 10 0 Meter. 1. Reuter, 14.2 Sek.; 2. Mohrhardt, 14,6 ©et.; 3. Baldauf, 14,7 Sek. — Kugel: 1. Baldauf, 7,49 Meter; 2. Mohrhardt, 7,08 Meter; 3. Reuter, 6,72 Meter. — Weitsprung: 1. Baldauf, 3,92 Meter; 2. Reuter, 3,83 Meter; 3. Mohrhardt, 3,48 Meter. Sußballer (Aktive). 10 0 Meter: 1. Pannecke, 13,4 Sek.; 2. Bomend, 13,6 Sek.; 3. Reuter, 14 Sek. —-4 0 0 Meter: 1. Pannecke, 66,8 Sek.; 2. Rau, 68,8 Sek. „Sie wird es wieder tun, mein Bub!" Schützend, als müßten seine Hände alles Döse von dem geliebten Haupte fernhalten, umschloß Franke die abgemagerten Finger. Der Knabe hob die Rechte des Vaters hoch und legte sie an seine Wange „Es ist so schön, wenn du bei mir bist!" „Ja, mein armer Junge?" „Ja!" Ein Strom von Liebe und wunschloser Seligkeit brach aus den dunklen Augen und leuchtete in Frankes abgehärmtes Gesicht, wie der Abglanz einer gotterfüllten Seele. * * * Die Septembernächte waren voll letzter, köstlicher Wonnen, voll heimisch sterbender Süße. Lieber den Bergen lag der Himmel wie ein saphirölaues Tuch. Mattgolden schüttete der Mond sein Licht über Grate und Spitzen, ließ die Firnen erglänzen und hauchte über Wände und Zacken hin. Weibgrau, wie die Schleier der Rornen, ruhten die Rebel im Tag, zogen hinauf und hinunter und verkrochen sich mählich in Schluchten und Schlünde, die als schwarze, bedrohliche Löcher gähnten. Eine Dirne taumelte von dem großem Baum, der seine Arme über das Haus gebreitet hielt. Sie schlug gegen das Fenstersims, daß Helene jäh aus dumpfem Schlummer gerissen wurde. Die Lider waren ihr bleiern. Die Fühe wie mit schwerstem Metall bis an die Schenkel gefüllt. Sie sah aufrecht und horchte. Rebenan, wo Hubert schlief, war alles still. Allabendlich bekam er jetzt ein Pulver, dah er bis in den Morgen von Spiel und Lachen träumen konnte. Etwas sog sie vom Lager hoch, zwang sie aufzustehen und ihr Rachtgewand überzuwerfen. Behutsam, damit die Türe nicht knarre, erweiterte sie den Spalt. Milchweih brannte die Dirne in der kleinen Ampel: „Just!" wollte sie schreien — brachte feinen Ton aus der Kehle und lehnte schreckdurchschüttelt neben dem Pfosten. Von irgend etwas erschreckt wandte Franke den Kopf. Seine Hände fielen herab und schoben sich in die Tasche des Rockes. „Er schläft sehr ruhig, Helene. Du kannst dich ohne Sorge wieder legen.“ . Ich habe so schwer geträumt“, sagte sie und holte den letzten Rest von Kraft aus ihrer Stimme. „Lah mich hier bleiben, ich könnte doch nicht mehr schlafen jetzt." Er nickte und schob ihr geräuschlos einen Stuhl zurecht. Ihre schlanken Formen verschwanden in dem dunklen Leder und ruhten wie ein zerbrechliches Kunstwerk in dasselbe hingestreckt. Er hatte sich wieder auf seinen alten Platz am Fuhende des Bettes niedergelassen und sah unter halboffenen Lidern nach ihr hin. „Kannst du nicht ruhen, wenn ich wache?“ fragte sie. Ohne dah eine Antwort kam, glitt fein Kopf herab, hob sich und sank abermals vorneüber. Sie horchte auf seinen Atem und verfolgte das Auf- und Riederheben der Brust. Grauenhaft hatten die letzten zwanzig Tage an seinem Körper gewütet. Sein Haar schimmerte weih. Die Backenknochen standen nach außen und zeigten die tiefe Höhlung, welche die Wangen bekommen hatten. Die Rase lief spitz und um die Mundlinie war ein Zug von leidender Ohnmacht eingegraben. „Just!" — Er hörte sie nicht mehr. Minutenlang wartete sie, rief noch einmal seinen Ramen und wagte es dann, die Finger in die Tasche seines Rockes gleiten zu lassen. Das falte Metall einer Waffe machte ihr die Hand frösteln, als sie dieselbe langsam heraus- zog. So stand es also! — Born Gipfel eines Baumes mußte eine Birne fallen, dah sie geweckt wurde, genau in der Minute, in der er das Fürchterliche hatte tun wollen. Ihre Zähne schlugen aufeinander und das Klopsen unter ihrem Kleide in hüpfend zeitlosem Takte. Ihr Blick hing noch immer an dem Manne, über den der Schlaf der Erschöpfung gekommen war. Dann wandte sie das Gesicht nach dem Sohne, der mit einem stillen Ausdruck der Qual in den Zügen in den Kissen ruhte. Aus verschleierten Fernen tarn von weither eine Stimme. Schritte gingen am Haus vorüber. Ein heimliches Lachen irrte zu den Fenstern herauf. Roch einmal alles ungeschehen machen können! Alles! Ihre Ehe mit Petratini! Die Rächt ihrer Schuld! — Richt wissen, daß es einen Just Franke gab und Kinder, die sie ihm geboren hatte — und — und —“ „Gott! Du Allmächtiger! Hilf mir!“ Aus allen Tiefen quoll es! Aus tausend Brunnen schrie ihr Beten in das Schweigen der Rächt. In die Knie brechend, krallte sie die Finger in das weihe Sims des Fensters. Kriechend wandte sie sich zum Bette, darin das Wesen ruhte, das um ihretwillen so fürchterlich zu sühnen hatte. Keine Stimme war um sie, die Trost sprach! Keine Hand, die sich barmherzig um die ihre legte! Keines anderen Beben mengte sich mit dem ihrer Seele. Lind so von Gott und aller Welt verlassen tat sie ihr Gelübde. Lieber die Fellvorlage hingestreckt, sand sie Franke am anderen Morgen in tiefem Schlafe. Als er sich niederbeugte, sie nach ihrem Zimmer zu tragen, erwachte sie. Ihre Augen waren wieder groh und leuchtend, wie ehedem. Sie hob die Hände und strich ihm das weihe Haar zurück. „Es wird alles wieder gut werden. Just! Alles wieder!" Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Ligareserve blieb am Sonntag im Derbandsspiel über die erste Elf des Sportklubs Daubringen mit 1:0 Toren siegreich. (Halbzeit 1:0.) Der schlechte Boden lieh fein gutes Spiel aufkommen, zudem mußte 1900 in letzter Stunde einige gute Kräfte ersetzen. Das einzige Tor des Tages fiel gleich nach Spielbeginn. Rach dem Wechsel wurde Daubringen merklich besser und hätte bei einem schußsicheren Sturm leicht zum Ausgleich kommen können. Die vierte Mannschaft unterschätzte ihren Gegner, Daubringens zweite Elf, gründlich und verlor knapp mit 1:2 Treffern, ohne daß man beiderseits besondere Leistungen zu sehen bekam. Das Spiel wurde nur als Gesellschaftsspiel ausgetragen, da der Schiedsrichter ausgeblieben war, wofür ein Herr vom Platzverein einsprang. _ A I. Jugend — VfR. L i ch AI.^Iugend 4:0. In der ersten Halbzeit konnte Lich mit dem Winde im Rücken baä Spiel ziemlich offen halten, trotzdem 1900 technisch besser war. Rach dem Wechsel zogen die 1900er alle Register ihres Könnens und belagerten förmlich des Gegners Tor, der sich nicht mehr frei machen konnte. All. Jugend — Lollar AI. Jugend in Lollar 1:3. Schon 10 Minuten nach Beginn stand das Spiel 3:0 für Lollar. Alle Anstrengungen bis zum Schluß kamen nur in einem Erfolge zum Ausdruck. A III. Jugend — Butzbach AI. Jugend 1:1. Die kleinen 1900er lieferten den starken Butzbachern ein ebenbürtiges Spiel und konnten sogar bis kurz vor Schluß 1:0 führen. Durch ein Mißverständnis in der Verteidigung kamen die Gäste zum Ausgleich. Handball der Gp.-Vg. 1900. VfL. wehlar I — Gießen 1900 II 5:5. ö. Für 1900s zweite Handballelf war ym vergangenen Sonntag ein Spiel gegen die gleiche Mannschaft des VfL. Wetzlar auf dessen Platz vereinbart. Zum Erstaunen der Spielvereinigungsleute trat ihnen jedvck die erste Wetzlarer Garnitur entgegen. Die 1900er lieferten ihrem Gegner eine vollkommen gleichwertige Partie und haben das Llnentschieden mehr als verdient. Zum Spielverlauf ist zu sagen, daß sich sofort ein lebhafter Kampf entwickelte, in dem die Wetzlarer alsbald zum Führungstor kamen. 1900 antwortete jedoch sofort mit dem Ausgleichstor. Bis zur Pause kamen die Gastgeber noch zweimal zu Erfolgen, denen die Spielvereinigungsleute einen entgegenzusetzen vermochten. Rach dem Wechsel erhöhte der VfL. seinen Vorsprung auf 5:2. Da rafften sich die Gäste überraschend auf und stellten bis zum Schlußpfiff das Llnentschieden her. Das große Können des Wetzlarer Hüters ließ sie nicht mehr zum Sieg kommen. Handball im Männerturnverein (O.T). Igm. Sriebbecg I — 2Mv. Gießen I 1:1 (1:1). Am vergangenen Sonntag weilte die crffex Mannschaft des Gießener Männer-Turnvereins in Friedberg und trug gegen die gle che der dortigen Lurngemeinde das fällige Pflichtspiel aus. Während die Friedberger nur für ihren Mittelläufer Ersah eingestellt hatten, mußten die Männerturner wieder mit fünf Mann Ersatz antreten. Der beste Teil der Gießener war die Hintermannschaft, insbesondere der Torwart. Bei den Friedbergern waren der Torwart und die Stürmer die besten Mannschaftsteile. Die erste Iugendmannschaft, die auf eigenem Platze gegen die gleiche des Tv. Lich ein fälliges Verbandsspiel austragen wollte, gewann die zwei Punkte kampflos, da Lich nicht antrat. Er hielt ganz stille, als sie ihn auf Mund und Stirne küßte. Am Abend dieses Tages sagte sie ihm, dah sie Sonntag verreisen werde. „Wohin?“ Er fragte es mehr aus Höflichkeit, als weil es ihn interessierte. „Rach Sankt della Travestare.“ „Ist das ein Badeort?“ Er war in Gedanken weit von ihr. „Rein, eine Wallfahrt.“ Sein Mund verschob sich. „So weit bist du gekommen, Helene, dah du zu den Himmlischen, die dich schlugen, bitten gehst?“ „Bitten — für meinen Sohn!“ „Sie werden ein Herz von Stein für deine Tränen haben“, sagte er hart. Ihr Lächeln war der Ausdruck ihres unerschütterlichen Glaubens. „Meine Hände werden gefaltet bleiben und mein Mund wird nicht im Bitten verstummen, bis ich erhört bin." Er sagte nichts mehr, sah sie mit einem langen Dlicke an und ging nach dem Bette des Sohnes. — Mochte sie reifen! — Vielleicht war das Frauenart, dah sie, wenn alles Hoffen versank, sich an ein Letztes, Lieberirdisches klammern mußten. Für ihn galt nur, was die Unter- suchung ergab: Zeitlebens gelähmt! Der Roll- stuhl die einzige Fortbewegungsmöglichkeit:! Fürchterlicher als alles, war diese Erkenntnis des Rimmerwiedergenesens zu alter, lebensfreudiger Gesundheit. Unö wie es der Junge trug! Keine Frage: „Vater, wann wird es wieder sein, wie ehedem?“ Kein Ton der Ungeduld: „Run liege ich schon Wochen und Wochen! Wie lange wird es noch dauern?" — Kein Sich- aufbäumen gegen Schmerz und hilfloses Gefesseltsein. Wie kam er zu diesem Sohn, der in gesunden Tagen wie eine Sonne über dem Hause geleuchtet hatte und nun in seinem Siechtum ein Held war, der ihn tausendmal beschämte? Und diesen Sohn hatte er in der verflossenen Rächt niederknallen wollen! Sich und ihn! Auslöschen wollte er dieses Leben! Auslöschen auch das seine, um mit ihm gemeinsam durch das dunkle Tor hinüberzutreten in das Land, aus dem es kein Wiederkommen gab. Was dann? Wenn ihre Wege dort drüben auf den Sternen, sich hätten trennen müssen? Für immer trennen, weil seine Seele schuldbefleckt war, während die des Jungen rein erglänzte, wie das Gewand eines Cherub — wenn er, statt mit ihm vereint zu sein, allein durch die Rächt der Ewigkeiten hätte irren müssen? „Vater, warum weinst du?" In müder Schwere schoben sich die Hände des Knaben zu ihm empor. „Weil ich so machtlos bin!“ (Fortsetzung folgt.). Handball im T. D. Großen-Buseck. Großenvufeck 1 — Lad-Rauheim 1 2:1 (1:1). Grohen-Vufeck 11 — Lich 1 3:2. Da- Spiel der ersten Mannschaft war ein äußerst harter Kamps. Bad-Nauheim stellte eine sehr stabile Mannschaft, die mit Einsatz aller Körperkraft um die Punkte stritt. Dem kesseren technischen Zuspiel der Großen-Bufecker war sie nicht gewachsen. Die zweite Mannschaft konnte mit viel Glück gegen die Licher erste Mannschaft ihre ersten Punkte erringen. Handball im T. D. Heuchelheim. Io. Heuchelheim I — 2Ntv. Gießen II 7:1. Io. Heuchelheim Jugend — Io. wehlor Jugend 1:5. Heuchelheims Erste konnte am Sonntag auf eignem Platz ihr erstes Derbandsspiel gegen Mtv. Gießen II überraschend hoch für sich entscheiden und sich so zwei Punkte sichern. Die Gäste zeigten nicht das was man von ihnen erwartet hatte. Hätte Heuchelheim in der zweiten Halbzeit das Spiet nicht etwas leicht genommen, dann wäre der Torunterschied größer geworden. Vorher standen sich die Iuaendmannschoften von Heuchelheim und Wetzlar ebenfalls im Ver- bandsspiel gegenüber. Die Heuchelheimer waren den Gästen sowohl körperlich als auch spieltechnisch unterlegen. Handball im Lahn Oünsberg-Gau. Tv. Ahbach I — Tv. Rodheim 14:0. Tv. Dorlar I — Tv. Wißmar 1 13.1 (3:1). Während Wißmar in der ersten Hälfte noch einigermaßen Widerstand leisten konnte, wurde die Mannschaft in der zweiten Hälfte vollständig zurückgedränat und vom Gegner überspielt. Tv. Erda I — Tv. Waldgirmes 1 1:3 (1:1). Waldgirmes muhte sich in Erda mächtig anstrengen, um die mit großem Eifer kämpfende Mannschaft sicher zu schlagen. Tv. Launsbach 1 — Tv. Garbenheim I 6:2. Tv. Saubringen 1 — Tv. Lollar I 3:3. 3ugenb: Tv. Hausen — Tv. Wieseck 8:0 Ges -Sp.: Tv. Dorlar — Tv. Kinzenbach 4:0 Ges.-Sp. (Kzbch. m. 9 Mann). wlefeck I — Garbenteich I 1:7 (1:3). Am Sonntag trafen sich in Garbenteich der Gau. meister mit her ihm punktgleichen Wiesecker Mannschaft zum Entscheidungspiel um die Tabellenfüh- rung.. Beide Mannschaften traten mit je einem Storni Ersah an. Der Gaumeister ging bald in Führung, und bei einem Stande 2:0 für (darbenteich gelang es Wieseck, einen Treffer zu erzielen. Garbenteich stellte aber bald den alten Standesunter- schied her. Nach der i)alb,jeit konnte Garbenteich noch viermal siegreich (ein, ohne daß cs Wieseck vergönnt war, Erfolg« zu erringen. Es war ein harter Kampf, den der Gaumeistcr verdient gewann, wenn auch das Torverhältnis dem Spielverlauf nicht ganz entspricht. Bei Garbenteich ragten der Halblinke und der rechte Läufer hervor, bei Wieseck Torwart und der Halbrechte. Garbenteich war etwas fangsicherer und sein Sturm schußfreudiger als Wieseck. An Schnelligkeit gab keine Mannschaft der anderen etwas nach. Nun führt Garbenteich die Tabelle: trotzdem muß man die Nachrunde abwarten, um den Bezirksmeister nennen zu können. Io. Londorf. Tv. Londorf I — Turnverein Allendorf II 6:0 (2:0). To. Londorf II — Tv. Allertshausen I 8:1 (1.0). To. Londorf komb. — Tv. Nordeck I 6:2 (1:1). Das erste Spiel war sehr hart. Londorf war dauernd überlegen. Die zweite Mannschaft konnte in Allertshausen einen schönen Erfolg erring n. Londorf spielte zuerst gegen den Wind, und es kam keine Kombination zustande. Nach Seitenwechsel spielte Londorf weiter gut. Im dritten Spiel ging Nordeck gleich in Führung. Kurz vor Halbzeit konnte Londorf ausgleichen. 'Nach Halbzeit wieder schönes Spiel auf beiden Seiten. Fechten im Turngau Hessen (OT.) Anfangerpriisung. Unter Leitung von Gaufechtwart Kühn (Friedberg) fand am Sonntag in Friedberg eine 2lnfängcrPrüfung für Fechter und Fechterinnen statt. Aus Grund der Prüfung konnten in die Klasse der Iungmannen überschrieben werden. im Florett sechs Bewerber, darunter Heinz Davidsohn und Hans Blumenauer vom Tv. Wetzlar, Theo Baubel und Bruno Schneider vom Tv. 1846 Gießen: im Säbel fünf Fechter: im Florett der Turnerinnen 11 Teilnehmerinnen, darunter Johanna Kröck vom Tv. 1 84 6 Gießen und Lotte Davidsohn vom Tv. Wetzlar. Wirtschast. Plötzliche Geldversteifung. Die Lage desGeldmarktes hat plötzlich., nachdem der Devisenmarkt in der letzten Woche noch eine weitgehende Beruhigung aufgewiesen hat. eine Dersteisung erfahren. Tagesgeld hat sich auf 3.5 bis 5.5 Prozent verteuert die Lätze für Monatsgeld find auf 4,75 bis 6,25 Prozent gestiegen, der Satz für Privatdiskonten ist inzwischen auf 3’ . Prozent erhöht worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß weitere Erhöhungen folgen werden. Die am Geld- und Devisenmarkt so plötzlich eingetretene Zuspitzung der Lage ist im wesentlichen auf die ®clt>ab*ügc von französischer Seite zurückzuführen, die wiederum ein erhebliches Anziehen des Frankkurses im Verhältnis zur Reichsmark bis -um Goldekport- punkt zur Folge haben. Es hat den Anschein, als ob die Reichsmark selbst den Umfang der in Deutschland befindlichen Frankenguthaben unterschätzt hat. Sie hat soeben einen Posten Gold an die Bank von Frankreich abgegeben, dessen Transport aus ihrem Kölner Depot erfolgte. Wahrend die Reichsbank bisher versucht hatte, sich durch Verkauf anderer Edelvaluten (Dollars. Pfunde) die zur Befriedigung der Frank-Anforderungen nötigen Franken zu beschaffen, ist sie jetzt von dieser Methode abgegangen. Dabei ist die Erwägung maßgebend, daß durch diese sortgesetzten Käufe von Franken durch die Reichsbank die in der Welt bestehende Frank-Haufse immer wieder einen neuen Antrieb erhält, wozu als Begleiterscheinung die Zurückziehung sranzösischer Guthaben von den internationalen Geldvlähen tritt. Es ist daher nur richtig, daß die Reichs- bank jetzt dazu übergegangen ist. aus ihrem hohen Bestand Gold nach Frankreich abzugeben, um sich auf diese Weise Franken zu beschaffen. Dieser Vorgang ist an sich ein durchaus natürlicher, denn sicherlich stellen die großen Gvld- vorräte der Reichsbank zu einem großen Teil den Gegenwert für kurzfristige Auslandgelder dar und diese Goldbestände müssen eben fjeran* gezogen werden, wenn Kreditkündigungen des Auslandes erfolgen. Cs muß aber mit allem Rachdruck festgestellt werden, daß von größeren Kündigungen ausländischerGel- der sonstiger Herkunft keineswegs die Rede sein kann, und es ist daher auch selbstverständlich, daß die deutsche Bankwelt die Gesamtlage keineswegs als kritisch ansieht. Tie Goldbestände der Reichsbank sind bekanntlich zur Zeit der Pariser Konferenz der Reparationssachverständigen für einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen worden. Tie Reichsbank hatte im vorigen Jahre, bis Ende Mai, nicht weniger als 935 Mill. Mark aus ihren Goldbeständen abgegeben, und diese waren auf den sehr niedrigen Stand von 1764 Mill. Mark zurückgegangen. Seitdem konnten die Goldbestände rasch wieder aufgefüllt werden und erreichten den hohen Stand von 2319 Mill. Mark, so daß also die Goldpolsterung der Reichsbank eine sehr reichliche ist: die Deckung der Reichsbanknoten ist denn auch dementsprechend mit zuletzt 69,2 Prozent eine sehr hoye und liegt weit über der gesetzlichen Mindestgrenze von 40 Proz. Nach Ansicht der Banken beruht die plötzlich ein = getretene Geldversteisung zu einem wesentlichen Teil auf dem Geldbedarf zur Bezahlung der im Laufe der vergangenen Woche gekauften Devisen, abgesehen davon, daß natürlich normalerweise aus saisonmäßigen Gründen im Laufe des September eine gewisse Geldversteifung einzutreten pflegt. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, daß diejenigen Firmen, die bisher über Frankenguthaben verfügt haben, nunmehr sich auf andere Art und Weise Geld beschaffen müssen, z. B. indem sie Monatsgeld aufnehmen. Die weitere Entwicklung der Gesamtlage kann man nur schwer beurteilen, da sie wesentlich. oon der französischen Kreditpolitik abhängig ist, wie überhaupt von politischen Momenten, die aber mit der Sicherheit der Währung nichts zu tun haben. Schwarzer Tag an derNeuyorker Börse lieber eine Milliarde Dollar Verluste. London, 22. Sept. (Icl.-Un.) An der )teu- Yorker Effektenbörse gingen am heutigen THonfag über eine Milliarde Dollar durch wilde Verkäufe verloren. Die Kurse brachen in jeder Branche vollständig zusammen und Taufende von Aktien wurden als völlig wertlos abgeftohen. * Wiederherstellung deS Internationalen Sisenkartells. 3m Laufe der vorigen Woche fand in Cujcmburg, nach einer Meldung der „ilfinc", eine Zusammenkunft von Delegierten der Eisen- und Eisenwaren- händler statt, um das 1909 gegründete und 1914 aufgelöste Internationale Kartell wieder zu errichten. Die Wiedererstehung wurde einstimmig beschlossen. 3m Komitee soll jede Ration durch drei Delegierte vertreten sein: der Vorsitz soll alle drei 3ahre wechseln, ebenso wie der Ort. an dem der 3ahreskongreß stattfindet. Gegenstand der Fühlungnahme ift nach dem Bericht der ..llsine" nicht die Regelung der Preise, sondern lediglich der Austausch von Statistiken und Nachrichten, die diesen Handelszweig betreffen. • Erhöhung des Privatdiskonte s. Der Privatdiskont wurde für beide Sichten um Ve v. H. auf 3Ve v. H. erhöht. Neue St i l legungsantrage von westfälischen Z'echenbetrieben. Beim Etillegungskommissar in Dortmund sind weitere Anmeldungen von Zechonbelrieben zu größeren Stillegungen und damit verbundenen Massenent- lossungen i"n Arbeitern und Angestellten e.n’ gegangen. Unter den Anmeldenden befindet sich die Gute - Hossnungs - Hütte in Oberhausen mit 1239 Arbeitern und Angestellten für die Zechen „Tondern", ..Sterkrade" und ..Oberhausen". Auf diesen drei Zechen werden die Grubenbetriebe e ngcschränkt. die Krkercibetriebe und Nebenbetriebe der beiden erstgenannten Zechen gänzlich stillgelegt. Die Vereinigten Stahlwerke bringen auf ihrer Zeche „Germania" in Dortmund 1483 Arbeiter und Angestellte zur Entlassung. Von dieser Zeche bleibt nur ein Revier in Betrieb, das mit einer benachbarten Zeche vereinigt wird. Bei der Gewerkschaft Steinkohlenbergbau „Friedrich der Große" beträgt die Zahl der zur Entlassung Kommenden 963 und auch hier werden die Kokerei und die Nebenbetriebe stillgelegt. Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund entläßt auf einer seiner Zechen 150 Arbeiter. 3n Oberhausen-Sprockhövel wird auf der Zeche „Kleine Windmühle" der gleichen Gewerkschaft die Förderung eingestellt: die Belegschaft wird hier auf einer Nachbarzeche untergebracht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. Sept. Tendenz:-be- rutigter. Nachdem schon an der gestrigen Abendbörse auf Deckungen und kleine Kauforders die Kurse etwas anziehen konnten, war die Stimmung an der heutigen Börse allgemein weiter beruhigt. Nennenswertes Geschäft entwickelte sich jedoch nicht, da infolge des jüdischen Feiertages viele Vörsenbesucher fehlten. Naturgemäß bestand auch im Zusammenhang mit den neuen Kursrückgängen von deutschen Werten im Auslande weitere Zurückhaltung. Das Angebot seitens des Auslandes und der Kundschaft hatte an den Aktienmärkten nachgelassen. 3n verschiedenen Werten schritt die Spekulation zu Deckungen. Die Kurse waren dagegen im allgemeinen gut behauptet. Etwas regeres 3ntcrcffe bestand vor allem für Siemens, die 4,75 Prozent anzogen. Don den übrigen Elektro- werten lagen AEG. 1 Prozent höher Licht & Kraft, Ees ürel und Schuckert waren behauptet. I.-G.-Fa^en eröffneten leicht befestigt und zogen später erneut 1 Prozent an. Stärker beachtet waren noch Rheinstahl plus 2.25 Prozent, Salzdetfurth plus 3,5 Prozent und Zellstoffwerte, die 2,5 Prozent gewannen. Schisfahrtsaktien lagen etwa l Häher. Bankaktien blieben gut behauptet. Vauunternehmungen waren dagegen weiter angeboten. Hoch- und Tiefbau minus 2 Prozent, 'Dayß & Freytag 1 Prozent schwächer. Ebenso gaben Scheideanstalt 1 Prozent nach. Deutsche Anleihen waren knapp behauptet. Don ausländischen Renten Türker, btyorxugt. 3m Verlaufe erhielt ficb die etwas freundlichere Stimmung, und auf einigen Märkten wurden weitere Deckungen vorgenommen, so daß sich das Kursniveau weiter etwas heben konnte. Später ging das Geschäft auf ein Minimum zurück. Am Pfandbriefmarkt bestand zwar immer noch Angebot, jedoch in kleinerem Umfange als gestern. Tagesgeld stellte sich auf 2,5 Prozent und war leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4 2040. gegen Pfund 20.430. gegen Paris 123.77 Sonbon gegen Kabel 4.8598. gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 44.69, gegen Schweiz 25,0490 gegen Holland 12,0483. Berliner Börse. ‘Berlin, 23. Sept Nach einem so gut wie Alchäftslofen Vormittags- und vorbörslichen Verkehr, der aber eher schwächere Veranlagung zeigte, machte sich krirz vor Festsetzung der ersten Kurse eine Beruhigung bemerkbar, die man auch schon an der gestrigen Frank urler Abende börfe beobachten konnte. Die vorliegenden Qllß- mente waren sowohl günstig, wie auch ungünstig, dvch waren verschiedene Baissemomente, wie die Abschwächung der Vvung-Anleihe a:x den gestrigen Auslandbörsen. aufgehoben durch festere Meldungen, die heute nonnit aj aus London und Amsterdam kamen. Die Devifennach- frage ist zwar nach wie vor stark, doch ha: die Reichsbank im Gegensatz zu gestern keine Abgaben vorgenommen. Die gestrige Neuaorker Börse lag, be ondees für deutsche Anleihen, schwächer. Nach amerikanischen Schätzungen soll die kurzfristige Auslandverschuldung Deutschlands hier bis 5 0 0 Mill. Dollar betragen. 3m Ruhrgebiet find neue Stillegungsanträge gestellt worden, durch die große Arbeiterentlassungen hervorgerufen werden. Alle diese Nachrichten wirkten sich a'.er nicht stärker aus. da die erwarteten Crekutionen ausvlieben und auch die vorliegenden Verläufe keinen großen Umfang annahmen. D ie Spekula ion sch.itk zu Deckungen. Die Stimmung wurde durch einen Artikel der Londoner „Times" leeinflußt, in dem erklärt wird, daß kein Grund zur Beunruhigung vorliegt. Die ersten Kurse lagen zwar nicht einheitlich, doch konnte man bei 1 tzis Zprozentigen Schwankungen nach beiten Seiten meist Besserungen festste'.len. Bank- ak.ien waren eher gedrückt: dagegen lagen Kali- aCiten durchweg fester. Schubert & Salzer, die mit Plus-Pluszeich.n erschienen, erholten sich um 5 Proz. Schultheiß waren fast 6 Proz. höher: Deutsch: Linoleum elensalls um 6 Prozent gebessert. Norddeutsche Hoch eesisch^rpi 4,5- Proz. und Ostwerke 8,5 Prvz. fester. Dagegen waren Berger 4 Prozent schwächer. Deutsch.' Anleihen waren gehalten. Ausländer uneinheitlich. Am Psandbriesmarkt lag zwar weiter Angebot vor, es nahm aber nicht einen so erheblichen Umfang wie gestern an. Tagesgeld stellte sich aus 3 bi« 5 Proz. und wurde gegen Mittag etwas leichter, vereinzelt bis 2,75 Proz. Die übrigen Sätze des Geldmarktes waren unverändert. Nach den ersten Kursen konnte man auf fast allen Märkten weiter Deckungen beobachten, so daß sich das Kursniveau erneut um 1 bis 2 Proz. bessern konnte. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mehr Licht in die Hammstraße. Schon seit Einführung der elektrischen Straßen- Beleuchtung in Gießen war es die H a m m - straße, und hier besonders das Stück zwischen den beiden Bahnüberführungen Neustadt und Cabclsbergcrstras-e. das von der Stadtverwaltung stiefmütterlich behandelt wurde. Nun hatte man vor einiger Zeit, als Masten für eine neue Straßenbeleuchtung ausgestellt wurden, die .fr-ff- nung, daß diesem llebclftanb ab;,cbol en werden sollte Aber dem war nicht so. Die Vorrichtu..,en für die Anbringung der Lampen sind wohl da, al er die Lampen selbst fehlen! Auf was wartet man eigentlich? Dis der Verkehr zunimmt? Ich glaube kaum, daß dort mit noch .eßerem Verkehr wie heute gerechnet werden ,a Die Straße ist dort ganz ausgeöaut. Der Verkehr von der Diebertaldahn nach dem Bahnhof geht hier durch. Der Güterverkehr nach der Stadt wird durchgeleitet. Warum wird gerade an einer so verkehrsreichen Straße an Beleuchtung gespart? 3m Verhältnis zum Zugangsweg zum Elektrizitätswerk liegt die Hammstraße direkt im Dunkeln. Wenn auch heute nicht verkannt werden darf, daß Sparsamkeit das höchste Gebot der Stunde ist, so liegt dvch bestimmt kein Grund vor. am unrechten Ort, wie hier, zu sparen. Der Strompreis für zwei Lampen wird die Stadt bestimmt nicht finanziell so belasten, daß eine Steuererhöhung eintreten müßte. Mit einigem guten Willen wird auch diesem ilcbelftanb abzuhelfen fein. F. E. Sprechstunden der ritcdattion. 1130 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen An;eigenaufträge find lediglich an die Geschäfts st eile iu richten Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Datum t>% trunerK jheiiQ-ameuh: von 1927 ........ 7% ttutldx Weixfr’anletbe von 1929 .......... Seuttäe an!.-tolöl.*Gd)uIb mti «u«Ios -Rechten...... Desgl. ohne ÜuMPl.-Sfdite . . 6% Hess. SolHftaal von 1929 lntchablb. 102%)...... Ober Hessen Provinz • Anleihe mf: >u«Ioi.-Rechte»...... Deutsche ßomm. GammelabL Anleihe Serif 1...... 8% fitanks. Hvv.-Bank Soldpse XIII unkündbar bi« 1994 . . 7% Frankl. Hop.-Bank öolbpff unkündbar bi« 1932 ..... *%% Rheinische Hop.-Bank Stau, »olbpft........ 6% Pr. Lande«ptandbriesanskali rtanddriete R. 17...... 8% Pr. Lande«ptandbr1esanllaU »omm^Cbl. «. 20...... 7% $t. Landetvlandbriesanaall Plan »briete S. 10...... 8 ®-® cbfl. 8ortrie0.CNlflatw een. rückzahlbar 1932 4% CcfterreWW »oldrente . . 4,20% CtiieneidnfdK Siibtrrentt 4% Oekerreichisch« Einheitliche Renke.......... •% Ungarische »olbrente .... 4% Ungarische Slaatfrente v. 1910 4H% be«fll. von 1913..... 4% Ungariidif flronenrente . . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Lnl Serie 1........... 4% bHfll. Serie 11....... 6% Rumänisch« vereinh. Renke von 1903 ......... Rumänische vereinh. Renke von 1918 .......... 4% Rumänische vereinh. Rente Die h firnnMu Schluß. für# 22 9. 87,75 100,25 59,65 6.65 91 59 58,5 100,25 95,8 87 102 98 97,5 93.5 27.75 24,5 19.5 1.95 3.2 5,2 5.2 15,5 7.3 L 6 L? । । S' * । * । ' । । । । । " i i I i iä i in c < R __________________________ en Pa Se edjiuy. für# 22 9 88 100.5 59,75 6.55 90.5 57,75 102 98 97,5 3.3 1,9 24,4 19,5 20,5 2,05 9,2 15,7 7.3 gieren rliry vnsanh- ffur# 23. 9 59.5 6.7 27.7 24,3 2 5,1 15,5 7,13 Kurszettel angeführten Ziffern geben Votum vamDurfl.riintnfa 1‘iltei Lambutg-Lüdam Tampsschiss 8 C-anla Tampsschisl.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheErediianll. 10 Barmer Bankverein . . io Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Tarmfläbtrt und Naiionalbank 12 deutsche Bank und TiSronto lSesellschatl, ... 10 Dresdner Bank......10 Reichtbani........12 ae.cs............e Bergmann.........9 Eiekrr. Liesenmgsgesellschaft. 10 Licht und ftraft......10 Feilen & Guilleaume . . . 7>4 »esellschas: für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger EiektruiiLtS-Verke 1( Rheinische Cieltnjttät .... 2 Lchiesische Gettrititäl. ... 10 Lckucken & (Lc. ..... 11 Siemen« & Halske.....16 Ttanrradio.....«... 8 Lahmeyer S da...... , 10 Buoerue . ...... 0 Deutsche Erdöl.......k Essener Steinkohle ...... 8 Selsenktrchener....... Harpen et..... f Hoesch Eisen........ I,ie Bergbau ....... 10 lklöcknerwerke ....... .7 Köln -Neuesten........7 RanneSmann-Röbren .... 7 «anSselder Bergbau.....7 Cbrrtcblel. Stjenbedarl .... 5 Lberschles. Kokswerke..... 7 Bbönir Bergbau......6H Nherniiche Braunkohlen . . 10 Rheinstahl..... 6 Riebeck Montan ...... 7,2 der die Hc .Vranfhi Schluß» für« 22 9 79 79,5 105 III 120.75 16t.75 117,25 117 225 125 117,5 124,5 98 124 126 133,75 172 148 53,5 63,75 100,5 90 71,5 73,75 69,5 71 he der n a W I-Ubr- fiur» 23 9 79.75 80.25 111 120,75 - 117 117.5 126 124.25 123 134.13 176.75 63.5 — 73,25 erst zutetz St Echiuß- fur# 22 9 78.25 >58,5 124.5 79 104.75 110.75 128,25 120,75 165 117,5 117 224 125 158 117 123,5 99 123 125 117,25 131 171,75 119,5 148 52 63.5 100 90.25 71.5 215 71,5 72,5 74,5 49,4 71,5 69 186 70,5 87 iner befehle rlin Anfang« Kurt 23 9 78 159 126 79.25 103,6 110,75 129 120,75 165.5 117,5 117.5 224,25 125,75 158 118 123.5 98 122,5 125 117,75 133,5 175 120,5 145 51,13 63.25 98 90 73 214,5 72,5 74,5 73.25 50.25 46 74.75 67.5 185.5 71,75 86,5 und Franks lenen Dividende an. — R Datum c*rr<-inigif ciaQiaiertr Lkavl Minen......16’/, Kaliwerke Aschersleben ... 1> Kaliwerke Slletleregeln . . . 11 Kaliwerke Laljdekturkh . . . 15 3- ®. ff ar den-Industrie ... 12 Tonamki Nobel.......6 ScheideantlaU........S Moldschmidi ....... ,t RütgerSwerke...... . . 6 Mekallgeielllchatt. ...... 8 PHUWv t>oUmamt ...... 7 Zementwerk Heidelberg . . in Cemenkwerk Äarlftabi. ... 10 Wavh & fiten tag......e Cchulthei« Patzenhofer ... 15 ctuverke.........12 Lku....... 1t Bemberg.........i< ZelMoss Daldbos .... 131/» Zellstosi Alchasienbutg ... 1: ssbationeoburger Baiser ... 8 .........8 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau 0 9?aL Automobil.......0 Crmftetn & Koppel.....6 Leonhard Tietz ...... 10 Eoenlka .......... ffrankfuner Mmchknen .... 4 «Srttznet..........e Henliaenssaebi . ......0 ffungban,..........x Lechwerke........... Mainkratvoerke Hbchg a. M.. . 8 Miag...........10 Gebt. Roedet ....... 10 Boigt & Haefsnet ...... s Süddeutsche ßuda . . . . 10 utter ' eichsbankdisk firanffun a. ML Schluß, i-ilhr. fur<< \ flur4 22. 9 23 9 70.25 ! 186! — 190 — 288,5 1 292 <35 ' 135,5 135.5 1 134,5 45 — 49 49,5 99 99 72 I - 99.75 । 99,75 '21 S3 - 122,6 35,25 87 140,25 1 — 3*1 = 21.1 1 — 31,5 32,25 - 961 — 77 — 150; — 134,51 - 80 )nt 4 Echluß, für« 22 5 70 32,5 187,5 192 287 134,1 62 44,5 48.75 99 72,5 53,5 198 154 69,4 77 120 89 83,5 115,5 25 138 36 12,25 50 121 298 21 30 32 150 134,5 rfe. >. H., Lc tln Ansang. Rur« 23 9 68.5 33.25 190 194.5 289 135,13 62,75 - 46 49,5 100,5 72,25 203,75 162,5 68,25 77 123 89,5 83.13 116 25,13 144 35,5 12 43,13 120,13 295 mbardzinsfuh 5 v. H. _________________Bankcn ________Berlin, 22 c^eplember ölmerikanilcke Noten ...... Belgische Nolen ....... Dänische Roten . ....... Hngüscke Noien ....... firanjosische Roten....... Holländische Roten ....... Ikalienilcke Roten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Letterreich, 4 100 Schilling Rumänische Nolen....... Schwedische Noten....... Schwerer Noten . ....... Goanndie Noten........ Tschechoslowakische Roten..... Ungarische Noten ..... . DeoiKnmarfl Berlin len. Weib 4.21 58.28 111,98 20,385 16,445 168,96 22,05 111.88 59,165 2,475 112,38 81,64 45,41 12,41 73,20 - Frankfurt - 4,23 58,52 112,42 20,465 16,505 169,64 22,13 112.32 59.405 2,495 112,82 81.96 45,59 12,47 73.50 a. zn. 22 September 23 September Amtliche No ieruiig Geld Seiet Amtliche Notierung «Selo Seiet flntfL- :Hon. Bllen-'AireS Brss..Lntw ^briftiania. (foD.-nbaatn Etoekdolm . HelüngforS. Jtalttn . . . London. . . ‘Jicunorf . . Paris.... Schwei, . . Spanien . Japan . . . ■Hio de Jan Dien in D-» CtfL ttbgeft Prag . . . . Belzrad . . Dudapeff. . ®ul?arUu . Lissabon . . Danzig. . . fionftantin. Liken. . . Canada . . Um;naD ■ > Cairo ... 169,03 1,508 58.465 112,15 112,23 112,64 10,553 21,97 20,377 4,193 16,465 81,395 45.65 2,074 0.4215 59,215 12,451 7,433 3,039 18,83 81,51 1,784 4,197 3,447 20,90 169,37 1.512 58,500 112,37 112,45 112,86 10,573 22.01 20,417 4,201 16.505 81,555 45,75 2,078 0,4235 59,335 12,471 7,447 73,55 3,045 18,87 81,67 1,789 5,455 4,205 3,453 20,84 169,29 1.508 58.505 112.28 112,37 112,76 10,562 21.96 20,389 4,1975 16,465 81,455 45,45 2,074 0,425 59,26 12,462 7,438 73,47 3,047 18,83 81,57 1,784 5,435 4,203 3,447 20,815 169,63 1,512 58,625 112,50 112,59 112.98 10,582 22.02 20,439 4,2055 16,505 81,615 45,55 2,078 0,427 59,38 12,482 7,452 73,61 3,053 18,87 81,73 1,789 5,445 4,211 3,453 20,853 dein Erfolg Ihrer Gichtosint-Tabletten direkt überrascht bin. Mein Gichtleiden besteht seit 38 Jahren, und trotzdem verspürte ich schon nach der zweiten Schachtel von Ihren Tabletten eine ganz bedeutende Besserung. Habe jetzt ekncn festen gesunden Schlaf, was vorher infolge der Glieder- und Rückenschmerzen ganz unmöglich war. Fühle mich überhaupt wie neugeboren. Für Ihre überraschende Hilfe in meinem 38- jährigen Leiden bin ich Ihnen jederzeit zu Dank verpflichtet und zeichne hochachtungsvoll I. U. in Th. Trotz meines hohen Alters von 72 Jahren hat 20 Millionen auf dem Meeresgrund. Oer Untergang des Dampfers „Egypt“ vor acht Zähren. — Schwierige Bergungsarbeiten in 420 Meier Tiefe. — Denische nnd italienische Tancher sollen den Schatz heben. Don unserem F. K°Berichterst alter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, September 1930. An jenem Morgen im Mai 1922 breitete sich dichter Aebel wie ein Leichentuch über den Aermelkanal und die nordfranzösische Küste aus. Der englische Dampfer „E g y p t" hatte Sout- hampton am Abend des 21. Mai verlassen und neben einigen hundert Passagieren eine Goldladung von zwanzig Millionen G o l d - franken an Dord, um die schon damals leeren Stahlkammern der „Bank of Egypt“ in Kairo zu füllen. Die Schiffssirene hatte während der ganzen Dacht ihr ohrenbetäubendes Geheul in den Acther gesandt und sich so auf akustischem Wege bis einige vierzig Seemeilen vor Brest durch den Debel gekämpft. Die Maschinen liefen „volle Kraft voraus", und die ersten Zwischendeckpassagiere hatten sich gerade von ihren provisorischen Dühelagern im Gepäckraum erhoben, um möglichst ungeniert ihre Morgentoilette zu vollziehen. Da plötzlich: ein furchtbarer Stoß der das Schiff wie von einem Meerbeben emporhob, um cs sofort wieder hart aufschlagen zu lassen. Lür den Kapitän und die Besatzung bestand kein Zweifel, die „Egypt“ war gerammt und mußte schwere Havarie erlitten haben, denn schon wenige Minuten später neigte sich der Diese nach Backbord und ließ diejenigen, die sich bisher noch im Zweifel waren, über die gefährliche Lage klar werden, in der sie sich befanden. Wie ein Schatten tauchte in unmittelbarer Dähe ein Schifssrumpf im Debel auf; es war der französische Dampfer „Seine", der die „Egypt““ mit fast mathematischer Genauigkeit unter der Kommandobrücke gerammt hatte. Vierzig Minuten später versank das Schiff in den Fluten. Die Bilanz der furchtbaren Katastrophe bezifferte sich auf 102Tote. Alle, die lebend aus ihr hervorgingen, werden nie die erschütternden Szenen vergessen, die sich während der Rettungsmanöver an Deck abspielten. Frauen schrien nach ihren Männern und Mütter nach ihren Kindern. Die meisten der Opfer waren in ihrer Todesangst über Bord gesprungen und wurden von den Wellen verschlungen. Aber nicht nur 102 Menschenleben hatte die „Egypt“ mit auf den Meeresgrund gerissen, sondern auch die gesamte Ladung, die sich vornehmlich aus hundert Kisten zusammensetzte, in denen die zwanzig Millionen Goldfranken in Darren verstaut waren. Die englische Drrsiche- rungsgesellschaft, die seinerzeit den gesamten Schaden ersehen mußte, beauftragte ein Jahr später eine schwedische Bergungsgesellschaft mit der Hebung des Goldschatzes. Die Arbeiten gestalteten sich jedoch insofern äußerst schwierig, als das Schiff in 120 Meter Tiefe ruhte und die See gerade in diesem Breitengrade fast das ganze Jahr hindurch äußerst bewegt ist. Dach sechsmonatigen vergeblichen Bemühungen wurden die Arbeiten eingestellt, die nun von einer französischen Gesellschaft fortgeführt werden sollten. Ein deutscher Taucher, dessen Ausrüstung den ungeheuren Druck von zwölf Kilogramm auf den Zentimeter aushielt, wie er in 120 Meter Tiefe etwa vorhanden ist, graste das ganze Frühjahr und den Sommer 1924 hindurch d.en Meeresgrund buchstäblich ab, ohne seine Bemühungen von größerem Erfolg gekrönt zu sehen ? als sein Vorgänger. Man fand das Wrack nicht. 'Bis zum vergangenen Jahre ruhten die Arbeiten Die KUke gegen Gicht und Rheumatismus. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister? Einreibungen, Packungen. Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das liebel an der Wurzel. 3d> empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die folgenden Briefe: Teile Ihnen mit Freuden mit, daß ich von dann vollkommen, denn die Versicherungsgesellschaft wollte die großen Summen nicht noch einmal aufs Spiel sehen, die für die Durchführung eines derartigen Unternehmens notwendig sind. Erst das günstige Angebot einer italienischen Firma ließ im Sommer des vergangenen Jahres die Arbeiten wieder aufleben, die diesmal wenigstens einen gewissen Erfolg haben sollten. Dank der genauen Angaben des Kapitäns der „Seine" war es den beiden italienischen Dampfern „Ar- tiglio" und „Raffo" mit Hilfe eines 1500 Meter langen Kabels, das sic wie ein Deh über den Meeresgrund schleiften, gelungen, am 20. August d. I. ein Wrack festzustellen, das nach Ansicht der Taucher nur das der „Egypt“ sein konnte. Zur näheren Identifizierung brachten sie die verschiedensten Gegenstände vom Meeresgründe mit herauf und demontierten schließlich einen Drei- Tonnen-Kran, der Anfang voriger Woche im Marinearsenal von Brest niedergelegt und inzwischen von der englischen Reederei als zur Arks- rüstung der „Egypt“ gehörend wiedererkannt wurde. Bei der näheren Unter» suchung dieses Kranes wurde außerdem die bemerkenswerte Feststellung gemacht, daß einige gut eingefettete Schrauben trotz des achtjährigen Aufenthaltes auf dem Meeresgründe sich so leicht drehten, als ob sie erst ganz frisch eingesetzt worden wären. Dach der offiziellen Anerkennung des Wracks konnte nunmehr mit den eigentlichen Bergungsarbeiten begonnen werden. Man rechnet jedoch damit, daß sich diese Arbeiten noch bis zum Sommer nächsten Jahres hinziehen dürften, denn der Goldschatz liegt nicht weniger als 6 Meter unter dem untersten Deck, und die Taucher können unmöglich dorthin gelangen, ohne vorher die darüber gelagerten Decks gesprengt zu haben. Ihre schwere Ausrüstung erlaubt es ihnen nicht, sich durch die vielen Gänge und Treppen hindurchzuarbeiten und zu dem ersehnten Ziel zu gelangen. Man stelle sich außerdem vor, daß der Taucher mit seinen Tauen oder dem Luftzuführungsschlauch hinter irgendeines der vielen Kabel oder Trossen hakt. Der Rückzug wäre ihm einfach abgefchnitten und ein langsamer, aber sicherer Tod auf dem Meeresgründe sein Schicksal. Die günstige Jahreszeit ist ferner bald vorüber. Die große Flut, die bereits im kommenden Monat eintritt, führt zu so heftigen Strömungen, daß ein Herabsteigen des Tauchers glatter Selbstmord wäre. Drei dieser Taucher sind im Augenblick damit beschäftigt, die vorbereitenden Arbeiten zu erledigen. Zwei verschiedene Taucheranzüge finden dabei Verwendung. Der eine besteht in einer Art stählernem Rohr ohne Arme und Beine, nur mit zwei großen Augen versehen und dient lediglich der Auskundschaftung. Der andere Apparat ist ganz demjenigen ähnlich, den auch die deutschen Tiefseetaucher verwenden, d. h. er paßt sich dem Körper an und kann einen ungeheuren Druck aushalten. Wie gefährlich sich die Arbeiten gestalten, beweist ein Zwischenfall, der sich bei der Bergung des Geldschrankes aus der Kajüte des Kapitäns ereignete. Einem Taucher lösten sich plötzlich die schweren bleiernen Sohlen von den Füßen, so daß er wie ein Pfeil an die Oberfläche des Meres schoß, wo er von der Besatzung der „Artiglio" halb ohnmächtig an Bord ge° Rehhaare befanden. Er suchte die ganze Umgebung ab und fand denn auch in einem Dickicht ein aufgebrochenes Reh, das frisch aus der Schlinge genommen war. Man legte sich nun auf die Lauer, und am andern Abend näherte sich endlich ein schon lange in Verdacht stehender Einwohner aus Günterod, der das Reh im Rucksack verstaute. Trotz der Warnschüsse der Beamten ergriff der Wilderer die Flucht. Eine sofort bei ihm vorgenommene Haussuchung sörderte denn auch allerlei Belastendes zutage. Man hofft, daß nunmehr den Wilderern ihr scheußliches Handwerk gelegt wird. Kreis Wetzlar. Z Krofdorf, 22. Sept. Die Verhandlungen über die Geldbeschaffung für die geplante Erweiterung der Wasserleitung unserer Gemeind? sind nun so weit gediehen, daß die Landesbank in Düsseldorf das beschlossene Darlehen zu Anfang nächsten Monats zugesagt hat. Man hyfft, die Arbeiten in diesem Herbst noch ausführen zu können. Die Ausschreibung durch das Kreistiefbauamt in Wetzlar ist bereits dieser Tage erfolgt. (Schluß des redaktionellen Teils.) zogen wurde. Ein großes Hindernis bildet nach Aussage der Taucher außerdem die große Finsternis, die in derartigen Tiefen herrscht. Sie bedienen sich bei ihren Arbeiten keiner Lampen, da die Erfahrung gelehrt hat, daß sich die von einer Lampe ausgehenden Lichtstrahlen derart brechen, daß, sie dabei nur geblendet werden und überhaupt nichts mehr sehen. Ein anderes Daturphänomen gleicht jedoch diesen Dachteil einigermaßen wieder aus. Der Taucher, der sich anfänglich in absoluter Finsternis befindet, gewöhnt sich nach und nach daran, bis er die Gegenstände auf zwei Meter Entfernung unterscheiden kann. Je mehr nun der Tag zur Deige geht, um so Heller wird es auf dem Meeresgründe. Diese Helligkeit dauert bis zum Morgengrauen an, um mit aufgehender Sonne wieder fast vollkommener Dunkelheit Platz zu machen, wenn nicht schon während der Dacht große Fi sch sch wärme, die oft stundenlang zwischen Meeresgrund und Oberfläche stehenbleiben, alles in tiefste Finsternis hüllen. Dach achttägigen, angestrengten Arbeiten ist es jetzt gelungen, den Geldschrank an die Meeresoberfläche zu bringen. Bei seiner Oeffnung fand man neben dem Schlüssel zur Stahlkammer und den Schiffspapieren einen Postsack mit diplomatischer Korrespondenz, die teils an den englischen Kolonialdienst in Japan, Korea und Siam gerichtet war, zum anderen Teil an die englische Gesandtschaft in Schanghai. Die Bergungsarbeiten des Millionenschatzcs werden nunmehr beginnen. Don ihrem Erfolg wird es abhängen, ob die englische Versicherungsgesellschaft den erlittenen Riefenverlust wieder cinholen kann, um einmal den ausgezahlten Dersichrungsbetrag zu einem Teil zurückzuerhalten, zum anderen aber auch, um der italienischen Gesellschaft den sicherlich nicht unerheblichen Betrag für die Bergungsarbeiten zu zahlen. Große Wilddieberei im Kreise Biedenkopf. WSD. Biedenkopf, 22. Sept. Im Kreisort G ü n t e r o d ist die Landjägerei einem W i l- dererunwesen allergrößtenStils auf die Spur gekommen. Schon seit langer Zeit zeigten sich den Iagdberechtigten Spuren, die auf ein starkes Wildern schließen liehen. Im Frühjahr sanden Einwohner des Ortes ein verludertes Reh, das mit durchschnittener Drossel an einer Tanne aufgehängt war. Als Ende Mai die Jagd auf den roten Bock begann, fiel einem der Iagd- pächter das sonderbare Benehmen eines Bockes auf. Beim genaueren Betrachten stellte er fest, daß vom Halse ein Stück Draht in die Höhe ragte, worauf er dem Dock sofort die Kugel antrug. Der Bock hatte eine Schlinge von verzinktem Kabeldraht um den Hals, der die Decke bereits durchschnitten hatte. Wenige Wochen später sanden Leute ein verludertes Schmalreh, in derselben Weise wie geschildert, in einer Tannenschonung aufgehängt. Dach Ende der Blattzeit stieß ein Jäger auf einen am Gehörn sehr starken Bock, der von dem Jäger gar keine Dotiz nahm. Als dieser nach dem Schuß zu dem Bock trat, bot sich ihm ein Bild vcs Jammers. Das Tier war bis auf 22 Pfund abgemagert. An der rechten Stange war ein Draht rnehrercmal umwickelt, ein Lauscher war mitgepackt und dann so fest um den Unterkiefer gezogen, daß das Geäse nicht mehr geöffnet werden konnte. Die Decke war durchschnitten und von Maden besetzt. Der Der- dacht richtete sich nach einer bestimmten Seite, doch gelang bisher eine Ueberführung nicht. Dun ist durch einen Zufall der Haup11äter ermittelt worden. Der Gemeindeförster Pfeiffer fand ein frischgeschnittenes Holz, an dem sich Neue Glühlampen. Schon immer bevorzugte man mattierte Glühlampen, weil sie bei weitem nicht so stark blenden wie Lampen aus Klarglas. Die mattierten Lampen hatten aber den Dachteil, daß die rauhe Außenfläche schnell verschmutzte. Dieser Dachteil ist jetzt völlig beseitigt durch die neuen Osr.am-Lampen mit Innen- mattierung. Sie haben, weil hier die mattierte Glasfläche auf der Innenwandung der Lampe liegt, eine ebenso glatte Außenfläche wie Klarglaslampen, verschmutzen also nur wenig und können leicht gereinigt werden. 6504v Zeit der Kaffee-Ernte herrscht reges Leben auf den Plantagen. Bei hochwertigen Sorten legt man großen Wert darauf, nur gut ausgereifte Kaffeekirschen zu ernten. Je voller der Kaffee ausreift, um so besser ist er. Die Qualität eines Kaffees hängt außerdem ab von Sorte, Boden beschaff enheit, Klima, Witterung. Eine sehr große Rolle spielt die Höhenlage. Wollen Sie die Feinheiten eines Kaffees kennen lernen, der in etwa 4000 Fuß Höhe gewachsen ist, so probieren Sie Kaffee Hag, dessen Geschmack durch solche erlesenen Hochgewächse wesentlich bestimmt wird. Immer sind es die Röstprodukte, die dem Kaffee seinen Wohlgeschmack und sein Aroma verleihen, niemals das Coffein. Auch dafür ist der coffeinfreie Kaffee Hag der beste Beweis. Kaffee Hag ist völlig unschädlich. Auch in stärkstem Aufguß und abends spät genossen, ruft er niemals Schlafstörungen hervor. Überzeugen Sie sich selbst, wie gut Kaffee Hag schmeckt und wie gut er Ihrer Gesundheit tut. Ihr Präparat Gichtosint ausgezeichnet gewirkt und mich von meiner jahrelangen Gicht und Rheumatismuskrankheit vollständig befreit. Ihre Gichtosint-Tabketten verdienen den besten Ruf, und werde ich nicht versäumen, jedem Leidenden diese aufs beste zu empfehlen. Ich sage Ihnen vielmals meinen herzlichen Dank und empfehle mich Ihnen hochachtungsvoll Frau M. E. in F. Solche Briefe besitze ich tausende, und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist veimnreinigt durch zurückgebliebene harnsaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nützt alles Einreiben und Warmhaltcn nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure dient das Gichtosint. Sie können das glauben oder nicht, aber Sie sollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben. 6508v Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Postkarte sofort mit und adressieren Sie diese an Gcneraldepot der Viktoria-Apotheke, BerlinA235, Friedrichstr. 19; es geht Ihnen dann vollständig kostenfrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung zu. Theater Cafe Ernft Ludwig Morgen Mittwoch, nachm. 4 Uhr Tanz-Tee Abends GefelMchafts-Tanz AllgemeineOriskranken- kaffe Gießen-Gtadi Die rückständigen Beiträge zur Kranken-, Invaliden- und Erwerbslofenversicherung für den Monst Avgust 1930 können noch bis zum 1. Oft. 1930 ohne Kosten bezahlt werden. Dach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann tägl. von 9—1 Uhr bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Dr. 10833 erfolgen. Gießen, den 22. September 1930. __________Hinkler, Rechner. 6507D Lieferungsvergebung. Die Lieferung von 500 Zentner ausgelesener, haltbarer Speisekartoffeln für die Provinzial-Pflegeanstalt Oberhessen in Gießen soll auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Bemusterte Angebote sind bis zum 1. Oktober 1. 3., vormittags 11 Uhr, einzureichen. Die Lieferung kann auch geteilt vergeben werden. 6515D Zuschlagsfrist fünf Tage. Gießen, den 22. September 1930. Direktion der Provinzial-Pflegeanstalt Gießen. Mittwoch, den 24. September 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, im „Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Pianinos, Nahmaschinen, Küchenanrichten, Sofas, Schreibtische, Kleiderschranke, Vertikos, Chaiselongues, Oelbilder, zwei Eisschränke, Schreibmaschinen, zwölf Dutzend Alpakka-Bestecke, zwei Weißzeugschränke, eine Kaffeemaschine, einen Zim- merteppich, vier Waschkommoden, drei Betten, eine Wäschemangel, zwei Ausziehtische, sechs Stühle, einen Ausstellungsschrank, ein Speisezimmer, einen Horch-Personen Kraftwagen, ein Auto (Zweisitzer, DKW, ohne Näder, abnehrn- bar), einen Dauerwellenapparat, zwei Nachtschränkchen, ein Damen-Fahrrad, eine Kommode, zwei Friseurtoiletten, eine Vitrine, einen Sockeltisch, zwei Bücherschränke, vier Büfetts, einen Spiegelschrank, Kredenzen, zwei Schrankgram- mophone, einen Diwan, eine elektrische Ständerlampe, einen Bilderschrank mit 30 Bildern, drei Künstlermappcn, eine National-Negistrierkasse, ein Motorrad (DKW), eine Klingermappe, drei Zimmerteppiche, einen’ Wandschoner, einen Spiegel, eine Bohrmaschine, zwei Türportieren, einen Regulator, ein Rind, ein Prismenglas, einen Photoapparat, zwei Warenschranke, 6,80 m grünen Uni= sormstoff, 8,60 m blauen Herrenanzugstoff, eine große Registrierkasse, einen Eckschrank, eine Schnellpresse, zwei Klubsessel, ein Schwein (Sprenger), einen Motor (5 PS, Drehstrom), eine Truhe, einen Linoleumteppich, einen Trumeau- spiegel, einen elektrischen Heißwasserapparat, eine elektrische Haarschneidemaschine, 60 Autos (Spielzeug), sechs Kinos, sechs Kubus-Logespiele, zwei Herren-Fahrräder, vier Rohrsitzstühle, zwei Gasherde. 6516D 2 Bestimmt: eine Schreibmaschine ((Eon- linental, alles Muster),eine Brutmaschine. Gunter, Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Sanni- u. IDflfierleilnngsaröeiien. Für die Gemeinde Klein-Linden, Kreis Gießen, sollen die Lieferungen und Arbeiten zur Herstellung der Wasserversor- gungs- und Kanalanlage vergeben werden, und zwar: 6520D Los 1. Lieferung der Steinzeugrohren von 25 bis 45 cm I. W. (zusammen 4955 m), der Zementröhren, von 50 bis 100 cm (. W. (zusammen 1463 m), der Mannlochdeckkasten, Straßensinkkasten usw. Los 2. Herstellung der Mannlochschächte aus KNnkersteinen und Schachtringen usw. Los 3. Herstellung der Wasserleitung aus gußeisernen Röhren von 40 bis 150 mm I. W. (zusammen 8510 m), .Kanalgräben (15 460 cbm). Verlegen der Steinzeug- und Zementröhren usw. Die Pläne und Bedingungen liegen auf unserem Amt offen. Leistungsverzeichnisse nebst Lageplanskizze können zum Betrage von 1,50 RM. für jedes Los von uns bezogen werden. Eröffnung der Angebote Samstag, den 4. Oktober 1930. vormittags 10% Uhr, auf unserem Amt. Zuschlagsfrist drei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. Die Reichsverdingungsordnung ist für die Vergebung und Ausführung der Arbeit maßgebend. Gießen, den 20. September 1930. Hessisches Kutturbauamt. I. V.: Mangold, Regierungsbaurat. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Lickmeier & Loeb, Gießen, und deren Inhaber, des Kaufmanns Salli; Loeb Gießen, und Friedrich Lickmeier, Gießen, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 6514D Gießen, den 11. September 1930. Hessisches Amtsgericht. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Christoph Ranft in Gießen, Inhaber des „Werkladen", wird nach erfolgter Abhaltung des Schlüßler mins hierdurch aufgehoben. 6513D Gießen, den 11. September 1930. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Licher Kirchweihmarkt. Montag, den 29. September 1930: Schweine- und fuämermarff. Zum Markt zugelassen sind Tiere aus unverseuchten Gemeinden. Durch Ursprungszeugnisse ist die Herkunft der Tiere nachzuweisen. Für Händlervieh ist Nachweis der Quarantäne erforderlich. Der Auftrieb hat in der Zeit von 6% bis 7% Uhr vormittags stattzufinden. 6517D Lich, den 20. September 1930. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Tätlich frische Fische ff. Fischfilets Größte Auswahl Beste Qualitäten Fischhaus Cuxhaven Mnrktstr. 23 6078A Tel. 2417 Lieferung frei Haus u , SOLBAD UND LUFTKURORT Wimpfen a.N. I hellt Aithma und Rheuma, außerdem Katarrhe. Bronchi tu, Neuralgien. Frauenleiden, Kinderkrankheiten. Modernes Kunnlttel- haui - AlthUtorUche Stadt Prospekte durch die Kurverwaltung. Tel. 711, tm ganzen Fisch Pfd. 60 c) Frische Fische Mittwoch früh 9 Ubr erste Sendung eintreffend: ff. Kabeljau, i. Ausschn. Psd. 65 a I Großer Schellfisch ohne Kopf im Ausschnitt........Pfd. 60 int ganzen Fisch......Pid. 55 r) Goldbarsch............Psd. 40-1 woldbaricbfilcts.......Pfd. 60 Portions-Schellfische--Pid. 40 Grüne Heringe.......Pid. 28 GroßcNordsce-Schcllfischem.K. Plund....................85 ff. frische I-iletö und Koteletts läollü) Irische MMIinge Pfund....................45 c) die Kiste mit netto 5 Psd. 2.10./* Mche schnied. BtelBeHecten letzte Sendung Dienstag-Mittwoch etntreffend. Vorbestellung erbeten. Heue Sillnuet Zwiebeln für den Winterbedarf, lOOPsund 4.80, 50 Psd. 2.75, 25 Psd. 1.50 Svisthe LVerntvauben I Bananen Zitronen MOAmmch Babnbosfir. 27, Fcrnspr. 3631 6)63 A Nur die beste Drucksache neben derZeltungsanzelge kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Geringwertige Drucksachen schaden meist mehr als sie nutzen können. Deshalb sparen Sie bei Ausgabe der besten Drucksache: sie ist die billigste! Wir beraten Sie. Wir entwerfen. Wir drucken gut. 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