Nr. 170 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 25. Juli 1950 Erscheint täglich,anher geontogs und Feiertag«. Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. BlonatsBeiugspteis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- Keinen einzelnerNummern folge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsfe unterSammelnumm«r2251. Anschrift für Drahtnach« richten Anzeiger Gießen, postschecklonto: Zrantfvrt am Main 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'fche Univerfilätr-Vuch- und Zteindruckerei B. Lange in Siehen. 5chriftleitung und Seschäftrftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Iage»nummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärt« 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20", mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Furchtbares Einsturzunglück in Koblenz. Tragischer Abschluß des Befreiungsfesttages. — Eine leichte Pontonbrücke stürzt unter der Last der vom Feuerwerk zurückströmenden Menschenmaffen zusammen.—Bisher 34 Tote geborgen.— Der Reichspräsident bricht feine Rheinlandfahrt ab. Koblenz, 23. Juli. (IM.) Die Befreiungsfeier in Koblenz fand einen lief lrogifchen Abschluß. Als die Menfchenmasfen vorn Reuendorser Eck nach dem Vorort Koblenz-Lühel zurück- strömten, brach eine schmale Pontonbrücke, die über den Floß-Sicherheilshasen führte, zusammen. Elwa 100 Menschen, die sich auf der Brücke befanden, stürzlen ins Wasser. Gellende Hilferufe und lodevschreie Hangen weithin in die Dunkelheit, wo eben noch Begeisterung und Freude übet die großartige Beleuchtung geherrscht halte. Sofort eilten Feuerwehr, Schutzpolizei und hilfsbereite'Bürger hinzu. Die ine Wasser Gefallenen wurden zum Teil von den niederstür- zenden Balken erschlagen, zum Teil von den umkippenden schweren Ponton» unter Wasser gedrückt. Rur einige in der Rahe des Ufer» befindliche Personen konnten sich retten, andere wurden herausgefischt. 3m Fackelschein, der grausig über der Unfallstelle leuchtet, wird mit Schlepphaken und Flaschenzügen nach vermißten gesucht. Um 3 Uhr früh waren die Rellungsarbeilen so weit fortgeschritten, daß 38 Todesopfer geborgen waren. Die Arbeiten werden weiter sorlgesehl, da man befürchten muß, daß auch diese Zahl noch nicht endgültig sämtliche Opfer erfaßt. An der Unsallslelle spielten sich herzzerreißende Szenen ab, da zahlreiche Einwohner des Vororte» Lützel nach vermißten suchen und ihre Angehörigen al» Todesopfer wiedererkennen, die in langer Reihe vorläufig am Rheinuser gebettet sind. Die Stadl ist von dem tragischen Ausgang der Be- fteiungefeicr aufs tiefste erschüttert und an Stelle de» Jubels, der im Laufe des Tages geherrscht hat, ist Trauer und Entsetzen sowie Mitgefühl für die Hinterbliebenen getreten, verfchiedentlich sind schon die Fahnen auf halbmast gesetzt worden. Der Polizeipräsident, der ursprünglich mit Rücksichl auf die Befreiungskundgebung die Polizeistunde vollkommen aufgehoben Halle, hat die Gaststätten sofort schließen lassen. Sämtliche Feierlichkeiten sind abgesagt. Die Pontonbrücke befindet sich am Flohhafen an der Mosel. Das Wasser ist an dieser Stelle etwa sechs Meter tief. Die Schwere des Unglücks ist zweifellos darauf zurückzuführen, daß sich in dem nächtlichen Dunkel die Leute in ihrer Todesangst gegenseitig anklammerten und in die liefe rissen. Tiefe Bestürzung. Trier, 23. Juli. (WTB. Funkfpruch.) Die Nachricht von dem furchtbaren Unglück, das einen so tragischen Abschluß der Koblenzer Defreiungs- feier bildete, würde hier erst in den ersten Morgenstunden bekannt und rief große De - stürzung und Trauer hervor. Die Stadt Trier steht in festlichem Flaggenschmuck. Die Mehrheit der Bevölkerung weiß noch nichts von dem Geschehenen und rechnet darauf, heute ihrer Freude über die Befreiung der Stadt von den Besahungstruppen und über den Besuch des Reichspräsidenten Ausdruck geben zu können. Die festlich geschmückte Stadt Trier uttd das trauernde Koblenz, das Fahnen bereits auf Halbmast gesetzt hat, geben einen erschütternden Gegensatz. Auch in Koblenz selbst war die Nachricht von dem Unglück erst verhältnismäßig spät bekannt geworden, da die Unglücksstelle ziemlich weit außerhalb der Stadt liegt und das ungeheure Gedränge auf den Straßen jedes Dorwärtskorn- men zeitweise völlig unmöglich machte. Nur langsam konnten die ungeheuren Menschenmengen von Rhein und Mosel in die Stadt zurückströmen. Am Koblenzer Bahnhof z.D. spielten sich Szenen ab, die es notwendig machten, die Halle zeitweise zu schließen. Auch aus der Umgebung hatten sich riesige Menschen- massen in Koblenz eingefunden. Das User des Rheins war geradezu schwarz von Menschen. Die Stufen auf dem Obersockel des Denkmals am Deutschen Eck, jede Brücke, jedes Dach war dicht besetzt. Nur durch diesen ungeheuren Andrang ist ja auch das erschütternde Unglück inüglich gewesen. Der Reichspräsident bricht die Rheinlandfahrt ab. Hindenburg nimmt an einer Trauerkundgcbung trii Trier, 23.3ulL (ERB.) Bei der Stadtverwai- tung ist eine Mitteilung des Reichspräsidenten eingegangen, daß er infolge des furchtbaren Unglücks in Koblenz nicht in der Lage fei. bei den Feiern in Trier und Aachen ju erscheinen. Er werde lediglich heute noch an einer Trauerkundgebung in Koblenz teilneh- mcn und alsdann sofort nach Berlin zurück- k e h r e n. Der Reichspräsident hoffe jedoch, die Fahrt nach Trier und Aachen binnen kurzem nachholen Zu können. ,w« Oben links: Begrüßung Hindenburgs in Kreuznach, feinem Hauptquartier im Weltkriege. — Daneben Fahnenschwingen der Wiesbadener Turner. — Unten links: Beteranen bilden Spalier im Kurpark von Kreuznach. — Daneben: Der Schlußmann des großen Rheinland-Staffellaufs der Deutschen Turnerschast überreicht dem Reichspräsidenten den Stab. Von Eltville nach Koblenz. Der Kinder Willkomm am Deutschen Eck. Koblenz, 22.Juli. (WTB) Reichspräsident von Hindenburg hat heute vormittag 8.15 Uhr mit feiner Begleitung Eltville auf dem Dampfer „Mainz" ve rla ssen. Der heutige Teil der Fahrt des Reichspräsidenten von Eltville bis Koblenz führte durch den schönsten und romantischsten Teil des Rheins. Obwohl das Wetter trübe und der Himmel bedeckt war, lag über dem Rhein F e st- tags ft immun g. An den Ufern, auf den Dampfern, überall haben Menschen sich aufgestellt, die seit Stunden darauf warten, ihren Hindenburg zu sehen. Kinder winken mit Tüchern und Fahnen, lieber das weite Wasser hinweg schallen die Hochrufe und mischen sich mit dem feierlichen und doch fröhlichen Klang der Kirchenglocken. An Rüdesheim oor- bei geht die Fahrt über Bingen, vorüber an all' den Orten, von denen man weiß, daß hier guter Wein wächst, vorüber an Aßmannshausen, an Lorch, wo mitten im Fluß auf der Toteninsel, die man bekanntlich für das Reichsehrenmal vorgesehen hat, hoch in der Luft eine schwarze Fahne weht, vorüber an Caub, am Loreleifelsen, auf dem im Morgenwind die Fahnen flattern, dann an St. Goar und Boppard, Niederlahn- srei n und der Mündung der Lahn vorbei. Als das Schiff sich Koblenz näherte, wollten die Hochrufe kein Ende nehmen. Immer wieder mußte der Reichspräsident vom Schiff aus winken und grüßen, und während der Dampfer langsam beidrehte, klang es über den Rhein „Deutschland, Deutschland über alles". Nach der kurzen Begrüßung an Land kommt der ergreifendste Augenblick, den wir auf dieser Reise erlebten, als mehrere tausend Kinder an- heben zu dem Rheinlied Max von Schenckendorfss. In diesem Augenblick ist die Sonne heroorgekom- men, die alles in ihren Glanz taucht, und hell und klar schnüngen sich die Stimmen der Kinder zum Himmel empor. Man sieht es auch dem Reichspräsidenten an, daß er von diesem Eindruck tief ergriffen ist. Er schreitet dann die Front der Kinder ab, bittet den jungen Dirigenten zu sich und trägt ihm auf, den Kindern zu sagen, wie er sich über ihren Gruß gefreut habe. Während der Reichspräsident sich von den Kindern dicht umdrängt langsam zum Wagen begibt, um in die Stadthalle zu fahren, hebt wieder ein Hochrufen an, das nicht aufhören will, dann das Deutschlandlied wieder und immer wieder. Zu vielen Zehntausenden^ dicht gedrängt stehen die Menschen auf beiden Seiten der Straßen, durch die der Reichspräsident fährt. Es ist ein endloses Jubeln. Der Festatt in der SIMM. Koblenz, 22. Juki. (WTB.) Der Festakt in der Stadthalle nahm einen glänzenden und erhebenden Verlauf. Die große Halle war mit Blumen, insbesondere Palmen und Lorbeer geschmückt. Von den Wänden und von der Decke hingen die Farben des Reiches, Preußens und der Stadt Koblenz herab. Die Feier wurde eingeleitel mit einem Präludium, das der städtische Musikdirektor Overhoff zu Ehren des Reichspräsidenten geschrieben hatte. Dann hielt der Dberpräfibent der Rheinprovinz, Dr. h. c. Fuchs, eine Rede. Schwerer Druck sei von der Rheinprovinz genommen; Not und Sorgen des Augenblicks hätten den Blick für die heroischen Leistungen unseres Volkes in den letzten 16 Jahren begreiflicherweise getrübt. Seien erst einmal die schlimmsten Folgen des Krieges und des Versailler Diktats behoben, dann werde hell strahlend auch bas zur Geltung kommen, was bie wehrlose Bevölkerung an Rhein unb Ruhr unter ber Besatzung erlitten, was sie mit einem starken unb geeinten Willen für bas Daterlanb erkämpft unb erstatten habe. Nach weiteren Ansprachen bes Oberbürgermeisters Rüssel unb bes Reichs- minifters v. Gusrard gab ber preußische Ministerpräsident Dr. Braun feiner Freube barüber Ausbruck, baß Reichspräsi- bent von Hinbenburg bie Mühe biefer Reife in bas preußische Gebiet auf sich genommen habe. Durch feine Teilnahme an ber heutigen Kunbgebung werbe bie geschichtliche Räumung ber deutschen Westmark vor ber ganzen Welt kunbgetan. Für die Abwehr aller Anschläge auf die Verbundenheit des Rhein- landes mit dem Reich fei bie Existenz bes preußischen Staatsoerbanbes von ent- scheidender Bebeutung gewesen. Für bie Zukunft ergebe sich bie Lehre, baß ber preußische Staats- oerbanb nicht eher gelockert werben bürfe, bis wir als einheitlichen Reichsoerbanb etwas völlig Gleichwertiges an seine Stelle zu setzen vermöchten. Der Ministerpräsibent gab zum Schluß ber Hoffnung Ausdruck, daß auch die Saarländer bald sich der Rückkehr in ihr Vaterland erfreuen möchten. Zum Schluß sprach der Reichspräsident: „Saß ich heute hier in Koblenz mit Ihnen die Feier der Befreiung der Rheinprovinz von fremder Besatzung begehen kann, - ist mir eine ganz besondere Freude. Habe ich doch in Koblenz einst in glücklicherer Zeit unvergessene 2ah re verlebt, habe ich mich doch als Bürger und spater als Ehrenbürger Ihrer Stadt mit Ihnen allen stets verbunden gefühlt und deshalb mit besonders teilnehmendem Herzen das schwere Schicksal, das die Nachkriegszeit über diese schöne Stadt gebracht hat. mit Ihnen empfunden. Auch am heutigen Tage gilt unser erstes Empfinden den vielen Opfern der langen Leidenszeit. Llnvergessen werden uns allen jene schweren Wochen unb Monate sein, da verräterische Clemente versuchten, rheinisches Gebiet vom Daterland loszulösen, und sich in einmütigem freien Zusammenschluß Dauern und Bürger, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Beamte und Stu- denlen zusammen fanden, um, obwohl waffenlos, diesen verbrecherischen Anschlag aus deutsches Land abzuwehren unb die Einheit des Reiches zu retten. Llmkränzt von Dichtung und Geschichte ist uns der Rhein zum Schicksalsftrvm Deurschlands unb zum nationalen Symbol geworden. Die harten Jahre der Rot, die heute nun hinter uns liegen, haben diesem Symbol neuen Inhalt gegeben; der Rhein ist noch mehr als je zum Wahrzeichen der deutschen staatlichen Einheit und unsere- Willen- xu r Selbstbehauptung geworden. Möge da- nun befreite rheinische Gebiet, das so lange in seiner staatlichen unb wirtschaftlichen Entwicklung gehemmt war, einer neuen Blüte entgegensetzen! Möge aber auch die staatliche Einheit, der wir heute freudig gedenken, ste t s vom Geiste der Einigkeit beseelt fein, der diese- Land am Rhein in feinen schwersten Tagen führte und zu dem befähigte, was wir heute dankbar feiern! Die Lage in Aegypten. Der König lehnt die Einberufung des Parlaments ab. London, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Korrespondent de- Daily Telegraph in Alexandrien meldet, König Fuad habe es endgültig abgelehnt, eine außerordentliche Tagung des Parlament- zu genehmigen, da das Kabinett der Ansicht sei, daß sie verfassungswidrig wäre. In allen Kreisen, auch in Kreisen der Aegypter, die nicht der Wafdpartei angehören, beobachtete man mit der größten Besorgnis die Tätigkeit der Wasdagenten in London. Wenn die britische Regierung ihre Haltung fortsetze, so werde dies wahrscheinlich zum Rücktritt Sidky Paschas und zur Rückkehr Nahas Paschas führen, was den Monarchen in eine unhaltbare Stellung bringen würde, und die könnte nicht vvrauszusehende Folgen nach sich ziehen. Es ist bezeichnend, daß die italienischeRe- g i e r u n g in London zu verstehen gegeben hat, sie werde vor der Entsendung von Kriegsschiffen nach Aegypten nicht zurückschrecken, fall- England nicht in ausreichender Weife für den Schuh der Ausländer sorgen sollte. Außenminister Henderson erklärte im Unterlaufe, daß die Ordnung in Aegypten wiederher g e st e l l t sei. Die ägyptische Regierung habe mitgeteilt, daß keine Notwendigkeit zu besonderen Schutzmaßnahmen für die Ausländer bestehe. — In Kairo und in den anderen Städten waren die Geschäfte am Dienstag größtenteils wieder geöffnet, doch werden an allen wichtigen Punkten vorläufig noch Truppen in Bereitschaft gehalten. Hoover unterzeichnet den Klottenpatt. Washington, 22. Juli. (WTB.) Präsident Hoover hat heute in feierlicher Zeremonie b i e Ratifikationsurkunde bes Lonboner Flottenabkommens unterzeichnet. Er sagte babei, es erfülle ihn mit großer Genug- tuung, baß biefe große Errungenschaft auf bem Gebiete der internationalen Beziehungen die gemeinsame Unter st ützung der beiden politischen Parteien Amerikas gefunden habe. Wenn auch die anderen Signatare den Vertrag ratifiziert haben würden, so werde das Abkommen den Glauben der Welt an die moralischen Kräfte des ehrlichen guten Willens und der geduldigen Verhandlungsbereitschaft gegenüber dem blinden Wüten von Argwohn und Wettrüsten erneuern. Es werde einen großen Fortschritt darstellen in der Richtung auf eine Verminderung der Lasten des Militarismus und auf dem Weye zum Weltfrieden. Der Vertrag lege den Grundstein, auf dem in Zukunft eine weitere konstruktive Verminderung aller Rüstungen in der ganzen Welt erreicht werden könne. Jedenfalls werde die Welt nunmehr die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Vereinig, ten Staaten keine aggressiven oder imperialistischen Ziele verfolgten. Oer Kampf der Radikalen. Berlin, 22. Juli. (END) 2n Stettin wurde auf den nationalsozialistischen Arbeiter Köhler von Kommunisten ein Mordanschlag verübt. Köhler war von der KPD. zur NSDAP, übergetreten und hatte in öffentlichen Versammlungen gegen seine frühere Partei Stellung genommen. Seine kommunistischen Freunde hatten erfahren, daß er sich in einem nationalsozialistischen Lokal aufhielt und lauerten ihm dort auf. Köhler wurde gewarnt und flüchtete im Auto zu feiner Wohnung. Die Kommunisten setzten ihm im Auto nach. Sie versuchten, in fein Haus einzudringen und gaben, als ihnen die- mißlang, mehrere Schüsse durch das Fenster und die Tür ab. Kohler selbst hielt sich inzwischen in der Nähe seines Hcrufes verborgen. Als et aus feinem Versteck herauskam, nahmen ihn die Kommunisten unter Feuer. Die Schüsse verfehlten jedoch sämtlich ihr Ziel. Der Hauptschütze, Kom- munist Priebe, konnte in Haft genommen werden. D e Volkspartei bW zum Sammeln. Ein Aufruf zur Zusammenfassung -er Mitte im kommenden Wahlkampf. Berlin, 22. 3ull. (Iel.-2ln.) Der Parleivorsland der Deutschen Volksparlei hat am Dienstag einstimmig die Absendung des folgenden Brieses beschlossen, der auch dem Reichskanzler übersandt wurde: „Die politischen Erfahrungen der letzten Jahre, das trostlose Bild der parlamentarischen Verhandlungen. die heillose Zersplitterung der politischen Kräfte haben dazu geführt, dah die unerläßlichen Mittel zur Rettung der deutschen Wirtschaft und zur Abwendung der erschreckenden Arbeitslosigkeit nicht zur Verfügung g e - skellt werden konnten. Aeberaus ernste Gefahren drohen für den kommenden Winter! In allen Bevölkerungskreisen, nicht zuletzt in den überparteilichen Organisationen lebt ein starkes Sehnen nach Zusammenfassung aller staats- bejahenden Kräfte. Der Parteioorstand der Deutschen Volkspartei hat daher in seiner Sitzung vom 22. Juli 1930 einstim- mig beschlossen, die Zusammenfassung aller derjenige» herbeizuführen, die, unter Zurückstellung des Trennenden, bereit sind, sich aktiv in den Dienst des Staates zu stellen. Romens des Parteioorfkandes richtet der Unterzeichnete an die nachstehend genannten Parteien und Parteigruppen des Reichstages die Aufforderung, ihm mit möglichster Beschleunigung mitzuteilen, ob sie bereit sind, on einer zu diesem Zwecke einzuberusenden B e - s p r e ch u n g teilzunehmen. Diese Einladung ergeht zunächst an die folgenden Parteien und Gruppen des Reichstages: Lhriftllch-Rationale Arbeitsgemeinschaft, Deutfche Demokratische Partei, Gruppe we- starp, Dirlschaflspartei. In vorzüglicher Hochachtung der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei gez.: Scholz, Reichsminister a. D.“ Das erste Echo. Berlin, 23.3uli. (CAB. Eigene Meldung.) Das Schreiben der Deutschen Dolkspartei hat in der Berliner Presse bereits ein st a r k e s Echo gefunden. Je nach Parteistellung der einzelnen Blätter wird das Schreiben mehr oder weniger zustimmend oder ablehnend besprochen. Scharfe Ablehnung erfährt der Aufruf durch die „B o f s i s ch e Zeitung" (linksdem.), sie schreibt: Die Deutsche Volkspartei seht sich dem Verdacht aus, daß sie weniger um des Ideals als um ihrer selbst willen der Reichsregierung zuvorkommen und sich die Führung in einer Kombination sichern wolle, die ihr den Wahlkampf erleichtern, eine Mehrheitsbildung im neuen Reichstage aber unendlich erschweren würde. — Sehr begrüßt wird die volksparteiliche Aktion von der „D. A. Z.". — Auch die „Germania" (Zentr.) bespricht das Schreiben in zustimmendem Sinne und weist darauf hin, daß die Vorgänge in der liberalen Mitte und auf der Rechten zeigen, wie stark die Parteien durch die Auflösung des Reichstages in Bewegung geraten sind. — Heber den Erfolg des volksparteilichen Aufrufes äußern sich die Blätter fast übereinstimmend dahin, daß die Reugründung einer großen» Sammelpartei der politischen Gruppen der Mitte im gegenwärtigen Zeitpunkt außerhalb der politischen Möglichkeiten stehe, dah aber schon viel erreicht sei, wenn wenigstens ein Burgfriede zustande käme. OieBilbung der„Großen Rechten" Bemühungen um ein Zusammengehen von Landbund und konservativen Gruppen Der Landbund stellt eigene Listen auf. Berlin, 22. Juli. (LRB.) Der Bundesvorstand des Reichslandbunder hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Am 18. Juli Hal im Reichstage der Machlwille der Sozialdemokratie mit Hilfe falsch geführter Kräfte der Rechten über den versuch des Reichs- Präsidenten von Hindenburg gesiegt, das in feiner Märzbotschaft verkündete Rettungsprogramm auch gegen einen verantwortungslosen Parlamentarismus durchzuführen und damit dem Landwirt inmitten härtester Lrntearbeit einen neuen Wahlkampf aufgezwungen. Die Landwirtschaft kann und will es nicht mehr ertragen, daß sie das Opfer der p a r t e l t a k - kikvoninfichuneinigenundzurUeber- nahme der Verantwortung unfäh l.g en politischen Parteien wird. So wertvolle Dienste der von der Grünen $conf in das Parlament übernommene Gedanke der Querverbindungen geleistet hat, in der nunmehr enlstandenen gefamtpolitischen Lage reicht er allein nicht aus. In her außerparlamentarischen wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung Hal sich für die gesamte Landwirtschaft der geschlossene Block des im R e i ch sla n db u n d e z u sa m m en g efa ß te n Landvolkes als starkes, schlagfertiges, unabhängiges Kampfmittel bewährt. Der deutsche Dauer will nicht, daß diese bewährte Kampforganisatlon von gewissen Parteien und Parteigruppen mißbraucht wird. Abgesloßen von diesem Parteihader stellt sich das Landvolk nunmehr auch für den parlamentarischen Kampf auf eigene Füße. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat beschlossen, unter bewußter Abkehr von der bisher geübten Methode für die kommenden Dahlen seine Mitglieder aufzufordern, der Sammelparole des Berufsstandes zu folgen und, soweit es die örtlichen Verhältnisse irgend zulassen, einzutreten für die Wahl auf Landoolkllsten in ollen Provinzen und Ländern. Rach wie vor bleibt die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Landbundorganl- sation gegenüber jedem Parteigebilde oberstes Gebot! Wenn das deutsche Landvolk unter seiner eigenen Fahne in den Wahlkampf marschiert, so will es dabei nicht neue Zersplitterung, sondern Stärkung aller Kräfte, die im Kampfe für die von Hindenburg gewiesenen Ziele in einer Front stehen. Die Gammelbewegung. Vorbereitende Besprechungen. Berlin, 23.3ult. (ERD.) 3n den Besprechungen, die gestern zwischen dem Grafen Westarp und den Volkskonservativen geführt wurden, soU ein grundsätzliches Einvernehmen über die Bildung einer einheitlichen Gruppe erzielt worden sein, die als „Konservative Dolkspar- t e i" in den Wahlkampf und in das Parlament ziehen will. Ein gemeinsamer Aufruf soll den Kampf einleiten, und gemeinsame Listen sollen unverzüglich aufgestellt werden. Obwohl in der Entschließung des Reichslandbundes der berufs ständische Gedanke besonders scharf zum Ausdruck kommt und viele Kreise deshalb die Ansicht vertreten, daß an eine Listenverbindung der Oandvolkpartei mit den Gruppen Westarp und Treviranus nicht mehr zu denken sei, betonen die Zeitungen verschiedener Parteirichtungen dennoch, daß mit einem Zusammengehen der beiden bzw. der drei Gruppen durchaus noch gerechnet werden kann. Dieses Zusammengehen denkt man sich in der Weise, dah in den rein landwirffchaftlichen WahlGießener Gtavttheater. Restroh: „Einen Zux will er sich machen". Raimund und Restroh, der gute und der böse Stern am heiter blauen, auch noch durch Tränen lächelnden Himmel des Wiener Vorstadttheaters der vierziger 3ahre, so haben wir's einst gelernt, so schreiben's die Literaturgeschichten. 3m Laufe der 3ahrzehnte hat der ethische Maßstab an Kurswert verloren, und was heute noch von Restroh lebt, immer noch zugkräftig ist und wohl noch auf lange hinaus bühnenwirksam bleiben wird, das ist die klassische Posse, bestes Theater, von einem Manne gemacht, der einst selbst ein Mime von Rang war und mit dem unfehlbaren Instinkt für die Bedürfnisse des Theaters das sichere Gefühl für den Geschmack seines Publikums verband. Die Ansprüche, die man an die Posse stellt, haben sich feit den Tagen Restroys nicht wesentlich geändert. Die gleichen Ginfälle, die gleichen Verwechslungen, die gleichen gro- tesren Figuren entzücken uns heute so gut wie unsere Llrgrohväter im vormärzlichen Wien vor bald hundert Iahren. Das naive Schauspielen un tiefsten Sinne des Wortes, das Theatermachen, die urmenschliche Komik des Possenreißers sind zeitlos, sie überdauern wie die großen ewig jungen, ewig „aktuellen" dramatischen Gestalten der Geistesgeschichte Revue und Tonfilm so gut, wie die Riesenproduktion an mittelmäßigen Schwänken und schlechten sogenannten Lustspielen, mit der man uns heute überschüttet. Die Fabel, die Herr Iohann Restroh füv seinen „Iux" brauchte, war schon 1842 nicht mehr originell, aber was er aus dem machte, was er vhne Skrupel älteren Schriftstellern entlehnte und wie er es machte, das ist es, was heute noch unsere Lachmuskel unwiderstehlich reizt. Der aufgeblasene, eitle tyrannische Gewürzkrämer, der sein hübsches Mündel nicht dem gönnt, der sie lieb hat, selbst aber in der Hauptstadt eine interessante Liebschaft hat; die beiden lebenslustigen Heringsbändiger, die hinter dem Rücken des Chefs sich „einen Iux machen" wollen, bei dem natürlich alles holterdiepolter durcheinander geworfen wird, bis es schließlich doch wieder seinen Schick bekommt und — Ende gut, alles gut —. drei obligate Brautpaare sich vom Publikum verabschieden dürfen, das tollt mit Temperament und Humor über die Bühne und erreicht feinen Höhepunkt, wenn Melchior, der „klassische" Hausknecht, die tiefen Aussprüche seiner Lebensweisheit an den Mann bringt. e Auf den Melchior, den philosophischen Vagabunden, hat Restroy seine ganze Liebe verwandt und L. Linkmann, den man in der Gießener Aufführung gestern nach allzu langer Pause wieder, soweit wir uns entsinnen, mit einer großen Aufgabe betraut hatte, schöpfte alle Möglichkeiten dieser Bombenrolle bis zur Reige aus. Schon um seines Melchior willen dürfte niemand sich diesen „Iux" entgehen lassen, den im übrigen das Dreigespann Löffler, Keim und Hube r in echt Wieanerischem Biedermeier reizend inszeniert hatten. Heinrich Hubs Regie hatte bei den ersten Aufzügen für straffe Zusammenfassung und flottes Tempo gesorgt, beide» hielt aber nicht bis zum Schluß an, vielleicht könnte man in den letzten Szenen durch einige Striche und schärferes Herausarbeiten der Spannungsmomente noch etwas tun. Hubs lustiger Kommis zeichnete sich im besonderen durch forsch vorgetragene Couplets aus, Curt D o rn m i s ch als Lehrjunge war ein fideler Fahrtgenosse, Liselotte Fuhrmann und Marianne MeweS (die übrigens auch ein hübsches Couplet besteuerte) zwei lustige, sich veränderten Verhältnissen überraschend schnell anpassende Großstadtweiblein, Karl D o l ck, ein behäbiger, selbstbewußter Gewürzkrämer und Haustyrann. In kleineren Rollen u.a. die Damen Doering, Schubert- Iüngling und Iahn, die Herren Ritter, Wes en er und Zingel; musikalische Leitung Fritz C u i £. Das Publikum angeregt und beifallsfreudig. -e Oiebesjagd im Wasser. Der Anblick eines Schutzmannes imDadekostüm, der einen ebenfalls so leicht bekleideten Dieb weit ins Meer hinaus verfolgt, um ihn dem Arm der Gerechtigkeit zu überliefern, ist gewiß ungewöhnlich, aber die Badegäste von Iuan-les-PinS an der französischen Riviera konnten dieser Tage diese neueste Form der Derbrecherjagd mit Spannung beobachten. Das Opfer dieser Bemühungen war ein internationaler Dieb namens Baler« kreisen eigene Listen der Dauern- und Landvolk- partei aufgestellt werden sollen, während man in städtischen Wahlkreisen den Wahlkampf mit Listen der Konservativen Partei unter dem Grafen Westarp führen will. Auch die „Deutsche Tageszeitung" äußert sich über eine Verbindung der Landvolkpartei mit der Westarpgruppe durchaus optimistisch. Berufs ständische Sammlung gegen politische Zerstörung sei der Weg, den der Reichslandbund beschreite, in sicherem Bewußtsein, damit am besten auch dem weiteren, höheren Ziele zu dienen. Auch im Landvolk sei man sich bewußt, daß die berufsständische Sammlungsparole nur d i e erste Etappe zur Gesamtlösung des Problems einer großen konservativen Rechten darstellen kann. Letztes Ziel sei die Zusammenfassung aller konservativen Kräfte in Land und Stadt, Stein auf Stein aufzusetzen zu einem neuen festgefügten Dau des nationalen bodenständigen Deutschtums, wobei als tragendes Fundament das Landvolk sich jetzt zu einem unerschütterlichen Block zusammenschweihe. Die „DAZ." teilt mit, daß bereits heute Besprechungen zwischen der Landvolkpartei und den anderen Gruppen, Westarp und Treviranus, stattfinden, in denen nicht nur die Fragen der Liftenverbindungen, fondern auch das Problem einer neuen konservativen Gemeinschaft und einer gemeinsamen Reichslifte erörtert werden sollen. Wenn diese Besprechungen scheitern, so würde sich voraussichtlich Graf Westarp, der stets die große Sammlung zur Voraussetzung seiner Teilnahme gemacht habe, einer Einzelgruppe nicht zur Verfügung stellen. Die „Borsenztg." erwartet ebenfalls eine gemeinsame Reichsliste, zumal sich maßgebende Persönlichkeiten wie Mi- nister Schiele, Dr. Gereke und der Vorsitzende der Christlich-Rationalen Bauernpartei Höfer eindeutig für die große Sammlungsbewegung auf der konservativen Rechten ausgesprochen hätten, so dah der Gedanke einer derussständischen Abschließung nicht widerstandslos Fuß fassen könnte. Die Sezession bei den Denischnallonalen. D r e s d e n , 22. Iuli. (CRB.) Die vier s ä ch - s i s ch e n deutschnationalen Reichstags abgeordneten Gutsbesitzer Do m s ch , Gewerkschaftssckre- tär Hartmann, Studienrat Dr. Philipp und Bergwerksdirektor Dr.Rademacher haben an den Landesausschuh der Deutschnationalen Volkspartei für Sachsen ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihren Austritt aus der Partei erklären. Sie sahen in der Arbeit des Kabinetts Brüning trotz vieler sachlicher und persönlicher Bedenken den ehrlichen Willen, eine von sozialistischen Einflüssen befreite, der Gesundung der Wirtschaft dienende Finanz- und Wirt- ichaftSpolitik wenigstens einzuleiten, und 'sahen die Möglichkeit eines Wiederaufstieges ohne katastrophalen Zusammenbruch. Sie glaubten eine Politik nicht verantworten au können, die unter Zerschlagung der vorgeschlagenen Reform und ihrer Ansätze diese Wege v e r - sperrte und Volk und Wirtschaft in unübersehbare Wirrnisse stürzte. — Der bekannte General und Adjutant des früheren Kronprinzen, Gra, von der Schulenburg, und der bisherige Reichstagsabgeordnete H a m p e, Rechtsanwalt und Syndikus des Hotelierverbandes, haben ebenfalls ihren Austritt aus der Deutschnationalen Dolkspartei erklärt, ferner der Reichstagsabgeordnete Geheimrat Dryan - der, der den Reichstagswahlkreis Düsseldorf- West vertritt. Ergebnisloser Wahlgang in Gachsen. Kommunisten und Nationalsozialisten beantragen ^andtagsausiösung. D r e s d e n, 22. Iuli. (WTB.) In der heutigen Landtagssihung wurde die Wahl a um M i - nisterpräsidenten wiederholt. Im zweiten Wahlgang erhielten Lipinski (Soz.) 32, Weber (Wirtsch.) 31, Dr. Fritsch (Rats.) 14, Dr. Renner (Komm.) 13, Dr.Külz 3, Minister Kolly, nach dem seit langem gesucht wird, da er die Besucher der eleganten Seebäder mit Vorliebe um ihre Geldtaschen und Iuwelen erleichtert. Als zwei Detektive aus Antibes den Badestrand von Iuan-les-Pins herabschlenderten, um nach Kolly zu suchen, lag dieser in gemächlicher Ruhe Im Sande und bot ein Bild idyllischer Llnschuld. Trotzdem fiel er den Hütern der Gerechtigkeit auf und sie erörterten den Fall mit einem dritten Detektiv, der wie Kolly selbst im Badekostüm ein Sonnenbad nahm und ebenso unschuldig und unbeteiligt zu sein schien wie der Gesuchte. Die Gruppe der drei erregte den Argwohn des auch beim Dösen stets wachsamen Verbrechers, und er beschloß daher, einmal nachzusehen, wie kalt das Wasser heute sei. Er spazierte also langsam zum Meere herunter, und im Ru war er in den Wogen verschwunden. Aber dieses Verhalten bestätigte nur den Verdacht der Polizisten, und.der im Badekostüm sprang mit langen Sähen ebenfalls ins Wasser und schwamm hinter Kolly her, während seine Kameraden eiligst nach einem Motorboot suchten. Mit starken Stößen suchte der Verbrecher das hohe Meer zu gewinnen, aber der Sherlock Holmes im Badetrikot folgte ihm in bester Form, aufgemuntert durch die Zurufe des Publikums, das sich unterdessen am Strande versammelt hatte. Als das Motorboot auf der Szene erschien, erkannte Kolly, daß er für längere Zeit fein letztes Bad genommen hatte. Er wird sich nun wegen der Papiere zu verantworten haben, die man in feinen Kleidern in der Dadekabine gefunden hat und die ihn schwer belasten. ©er schnellste Zug der Well. Der schnellste Femzug ist gegenwärtig der „International Limited" der kanadischen Xcfin zwischen Toronto und Montreal. Die englische Great Western läßt einen Zug zwischen Swindon und London verkehren, der die 77 Meilen lange Strecke in 70 Minuten zurücklegt, das heißt, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 66,3 Meilen in der Stunde entwickelt. Die Fahrzeit des International Limited zwischen Toronto und Montreal betragt 360 Minuten. Davon müssen 40 Minuten mit Rücksicht auf viermaliges Stehenbleiben, Verringerung der Schnelligkeit vor dem Anhalten und langsames Anfahren in Abzug gebracht werden, so daß für die 334 Meilen lange Strecke 320 Minuten übrigbleiben. Das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 63 Meilen Dr. Richter 2 und Lasse (Dolksnational) eine Stimme. Da wiederum keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, ist die Wahl ergebnislos geblieben. Die nationalsozialistische Fraktion des Landtages hat folgenden Antrag eingebracht: Die Unmöglichkeit, eine dem Willen der Mehrheit des sächsischen Volkes entsprechend« antimarxistische Regierung zu bilden, die dem Volke und dem Landtag für ihre Entschlüsse und Handlungen voll verantwortlich ist. zeigt wieder einmal mit aller Deutlichkeit, daß die Parteien der Mitte ihre eigenen parteipolitischen Belange dem Volkswillen Doranftellen. Wir erblicken hierin einen Verstoß gegen die Pflichten eines aus dem Willen des Volkes gewählten Parlaments und beantragen deshalb, der Landtag wolle sich auf lösen. Auch die Kommunisten haben einen Auflösungsantrag eingebracht. Kunst und Wissenschaft. Oie Danziger Marienkirche in Gefahr. Der auch unseren Lesern durch seine Romane bekannte Danziger Schriftsteller Artur B naus e- Wetter, Archidiakon zu St.Marien in Danzig, bittet uns auf folgendes hinzuweisen: Aus^ £.ange cn sanken und Sparkassen unserer Stadt künden von großer Rot im deutschen Osten. Das Wahrzeichen seiner Kultur und Kraft. St. Marien in Danzig, ist vom Verfall bedroht. Klaffende Fugen, Risse, so breit und hoch, daß sie einem Manne Raum bieten, zeigen ftch in gefährlich wachsender Ausdehnung. Diesen Verfall abzuwenden, ist höchste Zeit. Deshalb wendet sich der Verein zur Erhaltung der St. - Marienkirche in Danzig an das ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Konfession und bittet es um feine Hilfe. Denn es handelt sich nicht um ein kirchliches, sondern um ein Denkmal !d eutscher Kultur. Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Die diesjährigen Bayreuther Bühnenfestspiele wurden mit dem wieder in den Spielplan auf- nommenen „Tannhäuser" glanzvoll eröffnet. Am ersten Tage der Festspiele ist Bayreuth zur Weltstadt geworden. Zu Tausenden sind Besucher aus allen Ländern herbeigeströmt, und es zeigt sich, daß Richard Wagners Lebenswerk fester steht denn je. Wagen auf Wagen in unübersehbarer Folge rollen zum grünen Festspielhügel. Die Fanfaren rufen die tausendkövfige festliche Menge in das Festspielhaus. Das Sp'el beginnt. Llnbeschreiblich ist schon die orchestrale Wirkung der Tannhäuser-Ouvertüre. Ein Rame — Tosco n i n i — überstrahlt alle anderen. Leider ist der Darsteller des Tannhäuser, Sigmund Pili n s z k y , infolge einer Erkältung indisponiert. Herrlich Maria Müller als Elisabeth. Iwar Andresen als Landgraf, Herbert I a n f e n als Wolfram von Eschenbach und Frau Iost Arden als Venus gefallen in Spiel und Gesang. Märchenhaft ist das Dachanale, das die Labanschule stellte. Der Beifall des begeisterten Publikums ist so stark, daß die Schlußszene nochmals gezeigt werden mußte. Aus aller Well. Politik in den Sternen. Wie stch das politische Schicksal Deutschlands in den nächsten Monaten gestaltet, ist ein Problem, dessen Lösung in den Sternen liegt. Damit beschöf. tigt sich augenscheinlich ernsten Bemühungen der Astrologe Rudolf Schneider, der Ende 1929 für das laufende Jahr Voraussagen gemacht hat, für die er in gewisser Hinsicht eine Bestätigung gefunden hat. So hat er für Ende Juni bis Mitte Juli und besonders für den 11., 12. und 13. Juli eine Verfinsterung am politischen Himmel vorausgesagt, die auch bann durch die Ablehnung der Deckungsvorlagen und die Anwendung des Ar- tikels 48 eingetreten ist. Am interessantesten sind natürlich seine Voraussagungen für den kommenden September im Zusammenhang mit dem Wahlausgang. Für den 17. dieses Monats, also an dem Tage, an dem die Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Wahlresultates zu erwarten ist, künden die Sterne Erfolge der Regierung, finanzielle Vorteile und in der Stunde, die größte Zugschnelligkeit der Welt für eine derartige Distanz. Aber auch auf kurzer Entfernung ist dieser International der schnellste Zug der Welt und noch schneller als der berühmte Great-Western-^ug. So wird die Entfernung zwischen Coteau und Brockville, die 87,7 Meilen beträgt, in 80 Minuten bewältigt, und zwar mit einer Durchschnittsgefchwindigkeit von 65,8 Meilen, die 76 Meilen lange Strecke zwischen Coteau und Precott in 67 Minuten, was 68 Meilen in der Stunde ergibt. Der Gegenzug benötigt für diese Distanz 78 Minuten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 67,5 Meilen, und 66 Minuten bei einer Durchschnittsgefchwindigkeit von sogar 69 Meilen in der Stunde. Hochschulnachnchlen. - In der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Llniversität Iena ist der beamtete außerordentliche Professor für Pharmazie und Rahrungsmittelchemie Dr. Oskar Keller zum ordentlichen Professor ernannt worden. Der Gelehrte begann seine akademische Laufbahn im Iahre 1908 als Privatdozent in Marburg, wurde dann Abteilungsvorsteher am Chemischen Laboratorium in G testen, kehrte später nach Marburg zurück und folgte 1918 einem Rufe nach Iena. — Zum ordentlichen Professor der chemischen Technologie anorganischer Richtung an der Eidgen. Technischen Hochschule in Zürich ist vom 1. April 1931 ab Dr. August Guyer in Mährisch-Ostrau berufen. — Professor Dr. Eugen Lerch in München hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Llniver- sität Münster als Rachfolger des verstorbenen Professors Leo Wiese zum 1. Oktober 1930 angenommen. — Vom Bayerischen Kultusministerium ist der mit dem Titel und Rang eines a. v. Professors ausgestattete Privatdozent für Chemie an der älnitxrfität Würzburg Dr. Hans von Halban auf sein Ansuchen vom 1. Oktober 1930 an aus dem bayerischen Hochschuldienst entlassen. Dr. von Halban übernimmt das Ordinariat der physikalischen Chemie an der ilni- dersitüt Zürich als Rachfolger von Professor Victor Henri. — Der a. o. Professor Dr. Julius Ebbinghaus in Freiburg i. Br. hat einen Ruf als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Rostock erhalten. Schweres Erdbeben in Llnteritalien Heftige Gtöhe in Neapel und Salerno. — Eine ZReibe von Todesopfern. Großer Materialschaden. Rom, 23.3ulL (WIB. Junffprud).) Italien ist heule Rächt für) nach 1 Uhr von einem Erdbeben helmgesucht worden, dem eine große Unzahl Menschen zum Opfer gefallen Ifl. 3n R e a p e l wurde durch dos wellenförmig auflretende Beben ein Palast teilweise ,um Einsturz gebracht, wobei 2 Personen gelötet und 5 verletzt wurden. Weiter wurde durch den Einsturz eine» fünfstöckigen Hause» ein Kind getötet und 5 Personen verletzt. Don dem Erdbeben wurden nach bisherigen Der- loubarungen weiter betroffen die Städte polenza, TNatera, Rionero, TNelfl. Borile. Utella. Aus den bi» fehl vorliegenden Meldungen gehl hervor, daß bisher 10 lote in Barlle, 2 lote In Atrlla und 4 lote in Landhäusern in der Umgebung von Utella zu beklagen sind. 3n polenza wurden 3 Personen, In der Umgebung von Denosa sind 1 Personen verletzt. 3n vIlIano stürzten mehrere Häuser und eine Kirche ein. Auch aus Ascoll, Satrlano und Lancellara werden häusereinflürze gemeldet. Auch In Lampobasso und Aoellino wurden die Erschütterungen wahrgenommen. Die Regierung hat sofort ein grotze» hllf»- wert für die helmgesuchten Gegenden organisiert. Feuerwehr und faschistische Miliz sind überall mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. 3n Salerno Ist der Oberbau de» Dom» eingestürzt und die Decke eingebrochen. 3n Jtcapcl sind drei Häuser eingestürzt, wobei zwei Menschen um» Leben kamen und verschiedene verletzt wurden. 3n den Gefängnissen verlangten die Sträflinge stürmisch Ihre Freilassung, doch kam e» zu keiner Orb- nungeflörung. Etwa 20 Personen kamen bei dem panikartigen Gedränge auf den Straßen zu Schoden, deren elektrische Beleuchtung nach dem Erdbeben nicht mehr sunktionierte. Seit Menschengedenken will man in Neapel keine so starken Lrdbebenftöhe verspürt haben. Da» Erdbeben setzte um 1.10 Uhr ein und dauerte 3 Stunden. Die größte Heftigkeit erreichten die Stöße nach etwa 30 Sekunden mit einer Stärke von 6 bi» 7 der Skala Mercalll. Die Heftigkeit de» Erdbeben» erklärt sich auch au» der unmittelbaren Nähe de» Epizentrum», da» sich In Bleciano bei Avelllno befindet. Da» Erdbeben wurde auch In ganz Mittelitallen, vor allem In den Marken und den Abruzzen beobachtet, wo e» sedoch keinen Schoden angerichtel hat. 3n Rom wurde da» Erdbeben nur al» leichte Stoße wcchrgenommen. bessere Arbeitsmarktlage an. Das kann, wenn Schneiders Voraussagungen zutresfen, also einen Wahlerfolg für Brüning bedeuten, lieber* Haupt gehen mir nach Schneider besseren Zei- ten entgegen; so stellt er auch den großen Herbstreformen eine günstige Prognose und glaubt sogar, daß selbst noch im üblichen Krisenmonat Dezember die Regierung anhaltend gute Erfolge ver- zeichnen kann. Tonfflmabkommen unterzeichnet. Die Vertreter der deutschen und amerikanischen Eiektro- und Filmindustrie haben nach Abschluß ihrer Verhandlungen in Paris ein Abkommen über den Austausch der Patentrechte der ganzen Welt unterzeichnet. Durch die Abmachungen wird eS den Herstellern von Filmen aller Länder ermöglicht, Lizenzen für die Herstellung von Filmstreifen ouS allen Ländern der Welt unter deutschen und amerikanischen Patenten au erhalten. Die Filmstreifen sollen in allen Ländern und auf allen Arten von In Deutschland und Amerika in CI* Aenz gebauten Apparaten austauschbar sein. Dadurch ist den amerikanischen Filmproduzenten nunmehr der deutsche Markt und den deutschen Filmproduzenten der amerikanische Markt für ihre Erzeugnisse erschlossen. 3m Hinblick auf die Herstellung und den Verkauf von Apparaten ist seitens der interessierten deutschen und amerikanischen Kreise ein Al kommen über eine völlige Auswechselbarkeit der Patentrechte und über einen Austausch der Herstellungs- und technischen Informationen getroffen worden, damit der Apvarat, der die besten deutschen und amerikanischen Ideen in sich verkörpert, in allen Ländern eingeführt werden kann. Ein AutobuS in eine Schlucht gestürzt. Auf der Rückfahrt von einem Ausflug nach der T^te noire bei Chamon'.x stürzte ein mit Angehörigen eines IungsrauenvereinS besetzter Autobus wahrscheinlich infolge Versagens der Bremse, in eine Schlucht. Gin junges Mädchen wurde getötet, fünf weitere Mädchen, der Geistliche und der Chauffeur erlitten lebensgefährl'/che Verletzungen. 3n den französischen Alpen abgestürzt. Bei der Besteigung des Jean de Martin- GipfelS in den franzöflschen Alpen sind von einer auS 12 Personen bestehenden Touristengesell- fchaft vier Personen infolge Reihens deS SeileS in einen Abgrund gestürzt. Ein Geistlicher auS Straßburg und drei Schüler waren auf der Stelle tot. Ein fiinb in Biersuppe verbrüht. Ein tragischer Unfall ereignete sich im Dorfe Damehl bei WiSmar in Mecklenburg. Eine Ober- fchweizerfrau hatte Biersuppe gekocht und den großen Topf aus den Fußboden der Küche gestellt. In einem unbewachten Augenblick fiel daS in der Küche spielende zwei- jühri«: Töchterchen der Frau in die sie- oeno heiße Suppe. Es verbrühte sich stark und erlag später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Lin deutscher Schlachtkreuzer in Scapa Flow gehoben. Der deutsche Schlachtkreuzer „Hindenburg" wurde in Scapa Flow gehoben. Das Schiff wird nach Rosyth zur Verschrottung abgeschleppt werden. Bisher sind 29 der versenkten deutschen Schaffe gehoben worden. Es bleiben noch 15 übrig, von denen einige jedoch in sehr tiefen Wassern liegen. Aus Oer Promnndlbaupfflabt Dießen, den 23. Juli 1930. Oie Hauptsache bei bee Serienreife. Ich begleitete meinen Freund, der eine Som- merrcise antrat, zum Bahnhof. Ec war glücklich, daß er nun endlich einmal ausspannen konnte, hatte es sicher auch nötig. Das Gespräch drehte sich also um die Erholung und um die Hoffnungen, die mein Freund auf die nächsten Sommerwvchen fetzte. Wie neugeboren wollte er Aurückkommen! Ich wünschte ihm natürlich dasselbe und fragte so beiläufig: „Hast du auch deine Reiseörille nicht vergessen?" »Was für eine Drille?" fragte er. „Die Reisebrille. Du weißt doch, was eine Schneebrille ist? Wenn die Leute in die Berge gehen, nehmen sie diese mit zum Schutz gegen allzu grellen Sonnenschein auf den Eisbergen. Ich selbst brauche sie freilich nicht, weil ich gute Augen habe. Aber eine Reisebrille, gelt, das ist dir neu? Es ist auch schwer, das zu erklären. Die Reisebrille ist nämlich unsichtbar. Sie sitzt inwendig in uns. Man kann sie allerdings auch im Alltagsleben gebrauchen, nur hat sie dann einen anderen Ramen: Rosabrille, Deduldsbrille, oder wie man sie nennen will. Also diese Reisebrille habe ich immer bei mir, schon beim Zusammenstellen dec Touren. Wenn ich dann im O-Zug sitze, tritt sie zum erstenmal in Tätigkeit. Durch sie sieht man nämlich nur Schönes. Alle Mitreisender sind freundlich, die Schaffner zuvorkommend. Die Landschaft draußen liegt in einem ganz anderen vonnenglanz wie an gewöhnlichen Tagen. Im Geiste sieht man durch die Reisebrille schon die Herrlichkeiten der Berge oder der Ser. Da macht es auch nichts, wenn das Abteil einmal überfüllt ist, trenn ein Kosser heruntersällt. Unsere Pension, so einfach sie ist, wird durch die Reisebrille beschaut, und siehe! wir sind herrlich untergekommen. Wenn uns dann am nächsten Morgen die Sonne weckt und wir hinauSwanbern dürfen in die Schönheit der Ratur, dann hilft uns diese einzigartige Brille alles im herrlichsten Glanz zu sehen. Roch größere Dienste leistet sie bei Regenwetter. Sie läßt uns nicht nur die Gegenwart erleben, sondern mit ihr kann man auch in die Zulunst schauen. Durch den Dinb- fadenregen hindurch sehen wir schon die nächsten Tage, die wieder nur so von Sonne und Licht funkeln. Eine Schutzbrille aber hat graue Gläser. Man gewöhnt sich sehr rasch an solche Drillen und mag sie dann nicht mehr absetzen. Und selbst, wenn man sie abgenommen hat, bleibt so etwa- wie ein grauer Vorhang vor dem Dliek, der alles, was wir sehen, verdüstert. Sitzt man beim Frühstück, dann sind die Eier nicht weich genug gekocht, der Kaffee könnte stärker fein und die Brötchen frischer. Das alles sieht man mit der Schutzbrille sofort. Im Hotel sind die Betten nicht richtig gemacht, die Preise zu hoch, die Bedienung nachlässig, das alles bemerkt der Besitzer einer ReisebriUe kaum. Er sieht nur das Gute So kommt es, daß er nicht beständig nach dem Beschwerdebuch zu rufen braucht, er hat stets Ruh« und wartet gern, ißt auch einmal kalte Suppe. Du siehst also, daß es am besten ist, wenn du die graue Brille mit dem kritischen Blick zu Haufe lassest, dafür aber die Reisebrille eintauschest. Sie kostet nichts, verschafft dir aber ungezählte Genüsse und Freuden." — Mein Freund gab mir recht und versprach, meinem Rate zu folgen. In vier Wochen wollen wir nun einmal hören, ob er wirklich die Reisebrille benutzt bat, oder ob er alles durch eine graue Schutzbrille anschaut«. R. T. Aornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die letzte Kompagnie".— Gießener Wohnungsbau-Genossenschaft c. G. m. b. H. ordentliche Generalversammlung im Coss Leib, 20.30 Uh- — Militärkonzert auf der Lie - bigShöhe. Aus daS Konzert am morgigen Donnerstag, 20.15 Uhr auf der Liebigshöhe. auSge führt von der gesamten Kapelle deS I. Batl., 15. Lnf.-RegtS. unter Leitung von Obermusikmeister Löber, daS als Wohltätigkeits- fonjjert für das Darmstädter Krüppelheim an- gekündigt ist, sei nochmals besonders hingewiesen. Der GesamterlöS nach Abzug der Unkosten ist für das Krüppelheim Darmstadt bestimmt. Die Kapelle unserer 15er hat sich vollkommen unentgeltlich für dieses Konzert zur Verfügung gestellt. Reben den beiden Ouvertüren »Die diebische Elster" von Rossini und „DaS Glöckchen deS Eremiten" von Maillart werden die Fantasien: „Rigoletto" von Verdi, sowie „Walküre" von Wagner zum Vortrag gebracht. Weiter werden eine Sängerfahrt nach Wien, sowie daS neueste Potpourri „Reise Früchte" neben zwei Charakterstückchen und einem Walzer „In der Venusgrotte" den Schluß bilden. Der Besuch dieses Konzertes fei angelegentlich empfohlen. Siehe heutige Anzeige. " Straßensperrungen, mitgelcüt vorn Oberhessischen Automobilclub E. D. (21. v. D.) Gießen: Die Provinzialstrahe BücheS — Düdelsheim im Zuge der Hauptstraße Düdin- gen—Altenstadt wird vom 24. Juli bis 4. August für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Orleshausen—Findörserhof. Die Provinz'al- straße Rieder-Mörlen — Rieder -Wei- fei wird am 24. und 25. Juli gesperrt. Umleitung über Steinfurth—OpperShofen—Rockenberg—Griedel—Butzbach und umgekehrt. •• Zeitweise Straßen- und Lahn- st reckensperre. Während der Regatta des Wassersportvereins „Hellas" Gießen am kommenden Sonntag ist auf Anordnung des Krcis- amlS die Witzmarer Straße von dem Grundstück des Herrn Rübfamen ab bis zum Felsen in der Zeit von 15 biS 17 Uhr gesperrt. Der Verkehr wird über den entlang der Bahnlinie führenden öffentlichen Weg umgeleitet. Andern gleichen Anlaß ist auch die Lahn auf der Strecke vom Wehr biS zum Felsen am Samstag und Sonntag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr für alle Boote und Personen, die nicht an der Regatta beteiligt sind, gesperrt. Für Zuwiderhandlungen gegen diese polizeiliche Sperrung sind Geldstrafen angedroht. *• Erfolgreiche Prüfung im Lebensrettungsschwimmen. Die höchste und schwierigste Prüfung der Deutschen LebenS- rettungs-Gesellschast hat Herr Karl Schaum vom Gießener Dchwimmverein mit Erfolg bestanden. Ihm wurde gestern die Lehrfcheinurkund« mit der goldenen Radel überreicht. •* Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der beim vorgestrigen Automobilunglück bei Lollar-Kirchberg schwer verletzte und in die hiesige Chirurgische Klinik verbrachte Kellner Heinrich Henning aus Marburg ist in der Klinik im Laufe der letzten Rächt, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, leider seinen schweren Verletzungen erlegen. •• D i e Maul- und Klauenseuche im Kreise Gießen. In Treis a. d. Lumda ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Sperrbezirk ist die Gemeinde Treis an der Lumda, Beobachtungsgebiet die Gemarkung Treis a. d. Lumda. Zuwiderhandlungen gegen die erlassenen Anordnungen werden mit erheblichen Strafen geahndet, wenn sie wissentlich begangen sind sogar mit Gefängnis. Bundestag des Teutfchen Gerichtsvollzieher-Bundes In Kassel fand die 19. Bundestagung der deutschen Gerichtsvollzieher statt. Die sachlichen Beratungen wurden eingeleitet durch einen Vortrag über die „Derreichlichung der Justiz". Gerade auf dem Gebiete des Gerichtsooll^ieherwesens mache sich die Zersplitterung äußerst störend geltend. Die Einheitlichkeit des materiellen und prozessualen Rechts für das Reich fei feit langem eine feststehende Tatsache; es wäre nicht» mehr verständlich, als daß auch eine Vereinheitlichuna ober zum mindesten eine An- ?leid)una der Landesverwaltungsmaßnahmen er« olgte. wie Vereinheitlichung auf dem Gebiete de» Gerichtsvollzieherwesens müsse sich in erster Linie auswirken in der Schaffung einer für alle Länder maßgebenden Gerichtsvollzieherordnung. Von allen Landesverbänden werde erstrebt, das preußische Gerichtsvollziehersystem überall einzuführen, weil e» die schnellste Erledigung, die Herabdrückung der Kosten um ein Bedeutendes und die Unmittelbarkeit im Verkehr zwischen den Parteien und dem Gerichtsvollzieher gewährleistet. Gegen die Schaffung von Zwangsvoll- streckungs- und Eintragungsbureaus durch ble Rechtsanwälte wurden welentliche Bedenken geltend gemacht. Zwischen die Parteien und den Gerichtsvoll, zieher werde eine Zwischeninstanz eingeschoben, die schon deshalb den gedachten Zweck nicht werde er- füllen können weil das einzig zuverlässige Material, das nur der Gerichtsvollzieher in Händen habe, über das er aber wegen seiner Schweigepflicht keine Au», fünft geben dürfe, dem Glntretbungsbureau nicht zur Verfügung steht. Die Durchführung müsse auch an der Kostenfrage scheitern. Ein letzter Vortrag behandelte die Reform der Zwangsversteigerung. Der oberste Gesichtspunkt müsse hier der sein, die beft- mögliche Verwertung der Pfandstücke im Interesse der Parteien zu erreichen. Anzustreben sei grundsätz- lich eine Zentralisierung der Versteigerungen im Interesse der Heranziehung einem möglichst großen Käuferschar. Rechtsanwalt Hartdegen als Vertreter der Anwaltskammer stellte es als dringend wünschenswert hin, daß ein engeres Zusammenarbeiten zwischen dem Deutschen Anwaltsverein und dem iveutschen Gerichtsvollzieherbund zustande käme. Die Wetterlage. 4Ä- 3E Val. St 21 '24 m kLoni Wien ° i rnL° Abtrdftn— ©wonttnioLOMnrr 3 "HO etdttit ewenig #Dtdccti -krorn # Schott Ck Qr«u»tm e M<6<1 K »f wilttr @wmdsunt.-Q-, $ch» Richter Oll mlsnot' >u6300wt$i Q jturmischt« «ordwtil Olt Pfeile fliegen mit dem winde Oit otiocn Stationen ittnenaen leh» len geben die Ttmpcratur «n Pk Iin.en eerOmdco Ortr mH gicicnc* auf rtttrumvtdu umgtrtcnneten Luitdruci Wettervoraussage. Infolge der etwas südlichen Verlagerung der Nord, seestörung wird unsere Wetterlage mehr von ihr beherrscht, und der hohe Druck wieder westwärts zurückgedrängt. An Stelle der gestern zu erwarten- den langsamen Besserung durch den hohen Druck tritt vorerst noch wechselhaftes Wetter auf. Ferner bleibt es kühl und bewölkt, wenn auch Aufheiterung dazwischen eintritt. Mit dem Auftreten einzelner Schauer, welche auch bis in unseren Bezirk gehen dürsten, ist zu rechnen. Aussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, dabei zeitweise aufheiternd, noch für die Jahreszeit kühl, einzelne Schauer, nordwestliche Winde. Lufttemperaturen am 22. Juli: mittags 19,5 Grad Celsius, aoends 14 Grad: am 23. Juli: morgens 12 Grad. Maximum 19,5 Grad, Minimum 10,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Juli: abend» 20,7 Grad: am 23. Juli: morgens 15,2 Grad. — Sonnenscheindauer 8 Stunden. Verantwortlich für das Feuilleton i. D : Dr. Fr. W. Lang e. Zur natürlichen Bräunung der Haut fette man vor und nach der Betonnung ble Haut, ins. besondere Gesicht und Hände mit Sterne ßeobot gründlich ein: man erzielt bann ohne schmerzhafte Rötung eine gesunde, fonnengebräunte Houtfäroung. ureme Leodor, Tube 60Pf und 1 Mart, Leodor Edel-Seise V0 Ps. In allen Chlorodont-Dertaufsstellen zu haben. werten wir durch Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes am Sonntag, 27. Juli 18 Rennen — 12 Vereine — 45 Boote — 229 Ruderer Vorrennen vorm. ab 9 Uhr, Hauptrennen nachmittags ab 2.20 Uhr. — Abends: Sommerfest, großes Feuerwerk, Tanz im Freien. — Regattaplatz: Bootshaus des Wasser-Sport-Vereins Hellas, am Felsen Eintritt 50 Pfennig »«eu Wasser-Sport-Verein HELLAS 1920 e. V., Gießen Leihgestern, den 22. Juli 1930. 52UD Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 24. Juli, nachmittags 2 Uhr statt. Heute morgen um 7 Uhr entschlief sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, meine herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Christine Langsdorf,geb.Dern im Alter von 62 Jahren. In tiefer Trauer: Kaspar Langsdorf IV. Walter Georg Jung u. Frau Christine, geb. Langsdorf 2 Enkelkinder und alle Angehörigen. 5222 D 13.43 Uhr. 5227 D 04609 Eiltransporte Adolf Best 04624 Katharinengasse 14,Teleph. 4232 Der Vorstand. ________________52'8I> Aoguet Hofmann. Rodheim a. d. B., den 23. Juli 1930. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste, für die zahlreichen Kranz- u. Blumenspenden, sowie die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers am Grabe sagen wir hiermit allen unseren tiefgefühltesten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen, für die vielen Kranzspenden, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers am Grabe sagen wir allen herzlichen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Georg Freitag Wilhelm Germer III. Heuchelheim, den 23. Juli 1930. Verein ehern, hessisch. Leib-Dragoner des Kreises Gießen. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieb. Kameraden Georg Briegel geziemend in Kenntnis zu setzen. Beerdigung Donnerstag, 24. Juli, nachm. 3V« Uhr, in Garbenteich. Vollzählige Beteiligung erwartet. AbfahrtGießen Heute vormittag 9 Uhr entschlief sanft unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Fraufriedericke AMw. geb. Becker im Alter von 83 Jahren. Die tranernden Hinterbliebenen. Alten-Buseck, Wieseck. Ruttershausen und Hamburg, den 22. Juli 1930. Beerdigung am Donnerstag, dem 24 Juli, nachmittags 2% Uhr, in Alten-Buseck Mietgesuche | Mübl. Wohnung evtl, auch ein oder zwei Zimmer mit Küchenbenuirung v. jungem Ehepaar gesucht. Schriftliche Angeb. mlt Preis u. 04625 n. d. Gieff. Anz. Berufstätiger Herr sucht l grobes oder 2 kleine möblierte Zimmer indiäbederKltntken. Zentralheizung und Badegelegenheit erwünscht. Schr. Ang. u. 04615o. d. Gff.Anz. Student sucht f. d. Wint.-Sem. ungest. möbl. Zimmer ob. Mansarde, evtl, mit Klavierbenutzg. Schrill!. Angeb. um. 04622 n. d. (9ieh. Anz. Donnerstag, den 24. Juli 1930, nach- mittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 5226D Zwei Kassenschränke, sechs Schreibtische, vier Sofas, drei Büfetts, zwei Kredenzen, zwei Teppiche, eine Standuhr, einen Bücherschrank, einen Spiegelschrank, fünf Nähmaschinen, zwei Flurgarderoben, Zwei Rauchtische, einen Sessel, drei Chaiselongues, eine Schreibmaschine, zwei Tische, zwölf Stühle, eine Truhe, sechs Warenschränke, vier Grammophone mit 35 Platten, zwei Wanduhren, einen Herrenzimmer- schrank, drei Kleiderschränke, ein Bett, einen Waschtisch, ein Damenfahrrad, eine Registrierkasse, ein Wäscheschränkchen, ein Wirtschaftsbüfett, einen Vervielfältigungsapparat, eine Rotationsmaschine, einen Spiegel, 24 Fruchtsäcke, fünf Waschleinen, 40 Fahrleinen, zwei Holländer, 100 Kokosbesen, zwölf Roß- haarbefen, acht Puppenwagen, 30 Feldstühle, 66 Flaschen Likör, einen Fuchspelz. Oern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinftraße 13 — Telephon 4101. Achtung! 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Nr. 170 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 25. Zuli 1950 .üie Kurden in Vorderafken. Die türkische Regierung hat soeben der Welt mitgeteilt, dah der neueste A u f st a n d d e r Kurden, die im Wilajet Mossul wohnen, bhihg niedergeschlagen worden sei. ist nicht bas erstemal, daß dieser "Dölkerstamm einen Aus. stand versucht hat. Zwischen den Kurden und den Türken besteht seit der Rachkriegszeit er- bitterte Feindschaft. Die jetzige türkische Ratio- nalitätenpolitik und die ungeschickte Kurdenpolitik Englands haben es zuwege gebracht, daß dieser Dölkerstamm, ähnlich wie früher die Armenier, in scharfem Gegensatz zu dem jetzt in Dorder- asien herrschenden St) ft em steht. In der Vorkriegszeit yaben Türken und Kurden sich gut verstanden. Die Kurden spielten in der türkischen Armee eine hervorragende Rolle. Während des Krieges waren die Kurden eine wichtige Stütze des t ü r k i s ch e n. M i l i - t ä r s. Sie haben der Regierung der Sultane stets loyal gegenübergestanden. Da das Volk in den primitivsten Verhältnissen lebte, machten sich die nationalen Gegensätze noch nicht bemerkbar. Die Kurden lebten in der Raturwirtschaft und zeigten eine fanatische Religiosität. Der Rationalismus, der erst auf einer späteren Kulturstufe sich entwickelt, ist ihnen eigentlich noch heute fremd. Als dann nach dem Kriege die alliierten Mächte an die Verteilung der türkischen Deute gingen, sollte ursprünglich ein kurdischer Staat unter englischer Oberhoheit gegründet werden. Er sollte das Wilajet M o s - s u l. einen Teil Anatoliens und das eigentliche Kurdistan umfassen. Aber Kemal Pascha verstand es. im Dertrag von Lausanne diese englischen Pläne zunichte zu machen, soweit anatolische Gebiete in Frage kamen. In Mossul selbst verzichteten die Engländer dann auch auf die Begründung eines eigenen kurdischen Staates. Sie unterstellten das Land vielmehr dem König Fei- s a l von Irak, auf dessen politische Gefolgschaft sie sich verlassen konnten. Aber die kurdische Unabhängigkeit war einmal ins Leben gerufen und wirkte sich nun aus. Die Reibereien mit der Türkei kamen besonders daher. dah die anti-religiöse Haltung der kemalisti- fchen Regierung, besonders die Abschaffung des Kalifates, bei den Kurden lebhafte Protestaktionen hervorrief. Der erste große national- religiöse Aufstand, der im Iayre 1925 unter der Führung des Scheiks Said stattfand, wurde von den Türken nach monatelangen Kämpfen mit großer Brutalität unterdrückt. Der jetzige Aufstand betraf hauptsächlich die Gegend von Da- jazet und das Araratgebiet. Er stellt einen Ausbruch der Derzweiflung dar. aber es handelte sich doch um eine Teilbewegung, die von den Türken leicht niedergeworfen werden tonnte. Wiederum sind die Türken dabei mit der bekannten Grausamkeit verfahren. Immerhin aber ist die kurdische Bewegung keine rein türkische Angelegenheit, da das Kurdenvolk heute in vier Staaten, in der Türkei, im Irak, in Persien und in Rußland wohnt, so daß nur allzu leicht daraus schwere internationale Verwicklungen entstehen können, besonders wenn sich die sowjet- russische Propaganda der Kurden einmal nachdrücklicher anneymen sollte. Taten für Donnerstag, 24. Juli. Sonnenaufgang 4.11 iUjr, Sonnenuntergang 20 llljr. — Mondaufgang 1.34 Uljr. Mond- Untergang 19.46 Uhr. 1783: Simon Bolivar, der Befreier Südamerikas. in Caracas geboren — 1864: der Dichter Frank Wedekind in Hannover geboren; — 1908: der Maler Walter Leistikow in Berlin gestorben,' — 1920: der Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee gestorben. Wirble ins Leben! Vornan von Anna Zink. älrheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau. S.-QL 2 Fortsetzung Nachdruck verboten. Barbara mußte lächeln. Er war im Grunde immer noch der große Iunge und gute Kamerad wie in ihrer Kinderzeit. Lind sie mußte an eine kleine Szene denken. Sie hatte im Garten irgendeine Dummheit gemacht. Die Mutter war wutentbrannt aus dem Haus herbeigeeilt und hatte schon die Hand zum Schlag erhoben, als ihr plötzlich etwas Feuchtes. Kaltes auf den Racken fauste. Entsetzt hatte die Mutter aufgeschrien, und Bärbel war behend wie ein Kätzchen davvn- gehuscht. Die Mutter hatte nach dem feuchten Etwas gegriffen. Cs war tatsächlich eine dicke, schreckliche Kröte, die sie grauengeschüttelt weit von sich geworfen. Don allein pflegen Kröten ja auch nicht durch die Luft zu fliegen, und als sich Frau Cranacher umgeschaut hatte nach dem Missetäter, war dieser natürlich längst verschwunden gewesen. Aergerlich und scheltend war die Mutter ins Haus zurückgegangen. Im Flur des anderen Hauses, hinter der Tür hatte der kleine Reginald fast Bauchschmerzen vor Lachen über seinen Streich bekommen. Reginald hatte, während Barbara dieser Erinnerung nachhing, sie von der Seite betrachtet. -Wie wenig sie sich verändert hat", dachte er bei sich. „Qiat ist es. als läge ein Schleier über ihrem Gesicht, und um den Mund ist ein harter -Zug. der mir nicht recht gefällt.“ -Wie hast du dir das Weitere gedacht?“ fragte er plötzlich, und der Klang seiner Stimme war härter und etwas spöttisch, was er eigentlich gar nicht wollte. Barbara fuhr aus ihrem Sinnen auf. »Wie meinst du?“ antwortete sie und fand sich noch nicht ganz zurecht. -Du bist es doch gewesen, die mich hierhergebracht hat. Was beabsichtigst du nun?“ Barbara Much stand schon wieder ganz in der Gegenwart. „Du sollst mir vor allem erzählen, was dich dazu gebracht hat, mich in dieser seltsamen Art und Weise kennenzulernen", drängte sie. „Hör mal, Barbara, mir ist die Lust vergangen. hier sitzenzubleiben. Laß uns erst mal weiterfahren. Wie heißt eigentlich dein Mann, und wo lebt ihr?“ Dritter Ferienkurs der Landesuniversität. Am Montagvormittag fand, wie gestern schon kurz berichtet, in der Kleinen Aula der ilni- versität die Eröffnung des diesjährigen Ferienkurses für Deutsche und Ausländer statt. Sie wurde durch eine Begrüßung der zahlreichen Teilnehmer und Gäste von Sc. Magnifizenz dem "Rektor Professor Dr. Brüggemann eingeleitet. Trotz des Reichtums gegenwärtig wirksamer geistiger Kräste aller Art und Richtung bemühe sich der KurS. die für die augenblickliche kulturelle Lage Deutschlands wichtigsten und formgebenden herauszu- stellen. Ferner wies der Redner auf die Bedeutung dieser "Veranstaltung für die zwischenstaatlichen Beziehungen hin und gab dem Wunsche Ausdruck, dah auch der diesjährige KurS in dieser Richtung reiche Früchte tragen möge. Bürgermeister Dr. Seid begrüßte die Kursteilnehmer im Romen der Stadt Gießen und wünschte für den Aufenthalt in Dießen angenehme und wertvolle Tage. Schließlich sprach als Kursleiter Professor Dr. W. Fischer, der unter Vergleich mit den Programmen der beiden ersten Kurse die Absichten des jetzigen nochmals näher beleuchtete. Darauf begann der Kurs mit dem Vortrag von Prof. Dr. G o e h e über „Da» Schicksal der deutschen Sprache in der Gegenwart". Der Redner sagte u. a.: Grenzen und Geltungsbereich der deutschen Sprache sind in der Gegenwart schwer bedroht. Don den rund hundert Millionen Deutschen der Erde wohnen nur vierundsechzig Millionen im Deutschen Reich. In zwanzig von den dreißig Staaten Europas sind Deutsche von altersher seßhaft. Wir sind Staatsvolk außer im Reich auch in Oesterreich. Danzig. Luxemburg und Lichtenstein, Mitträger der Staatsgewalt in der Schweiz und der sowjet- russischen Wolgarepublik. In dreizehn europäischen Staaten sind die Deutschen Minderheitsvolk: in Belgien, Frankreich. Italien, Iugo- slawien. Ungarn, Rumänien, der Tschechoslowakei, Polen, Litauen. Lettland. Estland. Rußland und Dänemark. Die deutsche Sprachgrenze läuft weit vor der staatlichen durch fremdes Hoheitsgebiet, und zwischen beiden Linien liegt breit und großenteils ungeschützt alter deutscher Sprachboden: Elsaß, Lothringen, das Saargebiet, Westpreußen, Danzig, Memel, Posen, Oberschlesien, Siebenbürgen, Kärnten, Steiermark und Südtirol. Was geht sprachlich in diesen Auhengebieten heute vor, was ist von ihrer sprachlichen Zukunft zu erwarten, wie können wir helfen? Diese Fragen sollen uns beschäftigen. Der Rachmittagsvortrag von Prof. Dr. Schumann über das Thema „Probleme und Wandlungen im Protestantismus der Gegenwart" brachte folgende Gesichtspunkte: Der deutsche Protestantismus hat durch die politischen Ereignisse deS Iahres 1918 und 1919 die stärkste Wandlung seiner äußeren kirchlichen Gestalt seit seinem Ursprung erfahren durch das Aufhören des Summepiskopats der evangelischen Landesfürsten. Zwar kein Staatskirchentum im eigentlichen Sinne, wohl aber eine Form des LandeS- kirchentums. welche den Protestantismus seit seiner Entstehung umkleidet hatte, fand damit ihr Ende. Der deutsche Protestantismus hat diese Wandlung seiner kirchlichen Gestalt äußerlich überraschend schnell und ohne größere Reibungen vollzogen. Darüber hinaus hat der deutsche Protestantismus im Deutschen Evangelischen Kirchenbund eine bisher fehlende Form seiner Einheit gesunden und ist außerdem in bedeutsame übernationale („ökumenische") Bindungen eingetreten. Rach außen tritt innerhalb der geistigen Arbeit des Protestantismus am stärksten das Bemühen um die sozialethischen Probleme, insbesondere das Verhältnis von Kapital und Arbeitnehmer hervor. Die neuen kirchlichen Formen, in welchen sich der deutsche Protestantismus zunächst konstituiert hat. können nicht als endgültig betrachtet werden. Einerseits sind die politischen Umtoäl- zungen. welche zu ihnen geführt haben, selbst noch nicht abgeschlossen, anderseits entsprechen sie noch nicht den Gedanken, welche sich aus dem evangelisch-reformatorischen Kirchenbegriff für die äußere kirchliche Organisation ergeben. Die Besinnung auf das. was auf dem Boden der Reformation „Kirche" heißt, hat in der evangelischen Theologie der Rachkriegszeit mit Macht eingesetzt und zu deren völliger Reuorientierung geführt. Das Bemühen der Führer dieser Reuorientierung geht dahin, das ursprüngliche reformatorische Verständnis des Evangeliums von späteren nationalistischen, idealistischen und romantischen ■Uebermalungen zu reinigen und in seiner ungehemmten Kraft zu entfalten. Die Meinung, diese neue Theologie sei „kulturfeindlich"', ist ein Mißverständnis des Satzes, daß es sich allerdings in der Theologie selbst nicht um „Kultur" handelt. In ihrem Bemühen um ein Reuver- ständnis des christlichen Gottesgedankens sieht sich die protestantische Theologie auf Schritt und Tritt vor die Aufgabe eines neuen Wirklichkeits- verständnifses gestellt: damit gewinnt ihre Arbeit — abgesehen von ihrem eigentlich theologischen Ziel — unmittelbare Bedeutung für die Wandlungen in der Prinzipienlehre der gesamten Wissenschaft überhaupt. Sürgenneisterwahl in Allendors a. d. Lda. <5 Allendors a. d. Lumda, 21. Juli. Bei der gestrigen Bürgermei st erwähl machten von 836 Wahlberechtigten 737 Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Es' entfielen auf Post- af'iftent a. D. Friedrich Schneider 465 und auf Landwirt Ludwig Becker 258 Stimmen. Außerdem wurden noch 14 ungültige Stimmen abgegeben. Schneide r ist somit gewählt. KreiSmeiflcrschaMchießen in Allendors. Z A 11 e n d o r f a. d. L u m d a, 21. Juli. Noch den Bestimmungen des Reichsverbandes deutscher Kleinkaliberschühenverbände fand gestern das diesjährige Kreismeisterschaftss ch ieh endes Kreises Giehen-Rord auf dem hiesigen neuerbauten Schützenstand statt. In der ersten Wettkampfklasfe (Iung- schühen von 17 bis 21 Iahren) nahmen drei Mannschaften, und zwar Lauter, Rüddingshausen „Du hast recht. Wirt, zahlen!" rief Barbara. „Wie weit ist es nach K...?“ „Etwa fünfundsiebzig Kilometer", gab der Wirt bereitwilligst zur Auskunft. „Schön, das können wir bequem in einer Stunde machen", entschied Barbara. „Der Weg ist allerdings teilweise sehr schlecht, auch wird auf der Straße hinter unserem Dörfchen gebaut. Man muh vorsichtig fahren, wie mir Automobilisten gesagt haben." „Gut, Herr Wirt. Fahren wir." Reginald half ihr in die Lederjacke. Sie setzte die Autokappe auf, zog die Handschuhe an und ging nach dem Wagen. Reginald beeilte sich, nachzukommen. Er fand sie schon auf dem Führersitz. „Darf ich den Wagen einmal fahren?" fragte er. „3a, kannst du es denn?" fragte Barbara erstaunt. „Sicher", entgegnete er ruhig. „Ich habe schon mehrere größere und kleinere Markenwagen unter den Händen gehabt.“ „lind bei welcher Gelegenheit?" fragte Barbara erstaunt. „(Sott, das tut doch nichts zur Sache. Ich wollte damit nur sagen, daß du keine Sorge um deinen schönen Mercedes zu haben brauchst." Sie machte bereitwilligst Platz, und er setzte sich ans Lenkrad. „Du mußt mir bloß über den Weg Bescheid sagen, ich kenne mich hier nicht aus." Er ließ den Wagen anspringen und fuhr los. Barbara lehnte sich in die Polster zurück. Reginald fuhr gut, ganz glänzend sogar, das stellte sie bei sich fest. Trotz der Dunkelheit fuhr er mit großer Sicherheit und ziemlicher Geschwindigkeit, uird er ging mit soviel Schwung in die Kurven, daß Barbara beinahe eine leichte Beklemmung bekam. Wie ein geschmeidiges schönes Tier sauste der Wagen dahin. „Du fährst großartig", lobte sie ihn mit ehrlicher Bewunderung. „Wie lange hast du den Wagen schon?" fragte er dagegen. „Ein Iahr.“ „lind hast ihn immer selbst gefahren?" „3a, natürlich.“ „Als Frau verstehst du viel vom Fahren. Du muht nur noch mit etwas mehr Ruhe und Entspanntheit fahren, dabei aber ganz konzentriert fein. Rirgends drückt sich die Seelenver- faffung so unmittelbar aus wie gerade beim Autofahren,“ sagte er sachlich. uyd Mainzlar, und vier Einzelschühen, und außerdem noch zwei 3ungschühen unter 17 3ahren, teil. Es schossen Lauter 272, Rüddingshausen 259 und Mainzlar 236 Ringe. Die Mannschaftsmeisterschaft fiel somit Lauter zu. Don den vier Einzelschühen schoß Hch. Wilh. Form- Hals aus QUIenfrorf a. d. Lda. 75 Ringe und errang somit die Kreismeisterschaft der gesamten ersten Wettkampfklasse. -Bon den beiden 3ungschützen schoß L. Kalber- l a h (Rüddingshausen) 71 und L. Mergolf von da 63 Ringe. 3n der zweiten Wettkampfklasfe (Schützen über 21 3ahre) beteiligten sich elf Mannschaften und zwei Einzelschühen. Hierbei errang Allendorfs Mannschaft mit 39C Ringen die Mannschaftsmeisterschaft, an zweiter Stelle stand Rüddingsbausen mit 363 Ringen und an dritter Stelle Allendorfs zweite Mannschaft mit 323 Ringen. Von den beiden Einzelschühen schoß Wilh. R e i n h a r d t (Allen- dors a. d. Lda.) die Einzelmeisterschaft mit 82 Ringen. „Das habe ich noch nicht beobachtet." Sie kam sich wie ein kleines Mädel vor, das eine Lektion erhalten Hot. „Wenn du mir nicht auf der Stelle erzählst, was du erlebt haft, dann springe ich sofort aus dem Wagen!" fuhr sie ihn an und trat energisch mit dem Fuß auf. „Regen Sie sich doch nicht so auf, Gnädigste, es wäre schade um Sie", spöttelte er und fuhr ganz ernsthaft fort: „3a, interessiert dich denn das so sehr, kleine Barbara?" Sie sagte nichts, und auch er schwieg eine ganze Weile. „Weiht du, Barbara, du hast ein Recht, Aufklärung von mir zu fordern. Also: 3ch studierte erst einige 3ahre Philosophie, was mich nicht befriedigte, deshalb sattelte ich um und wurde 3ngenieur. Da meine alten Herrschaften von einem Bruder meines Vaters, der in Amerika als sehr wohlhabender Mann gestorben war, unverhofft zu Reichtum gekommen waren, konnte ich mirs leisten, ein paar Wagen xu. halten und selbst zu fahren. Daher meine Kenntnis. 3ch wollte eine größere Weltreise unternehmen, aber mein "Vater wurde plötzlich krank. Er ist jetzt gelähmt und führt ein armseliges Dasein in einer Anstalt. Lind meine Mutter — sie hatte immer ein schwaches Herz — ist vor Kummer darüber an Herzschlag gestorben. 3a, und was ■nun unser Geld anlangt — das hatte mein alter Herr verspekuliert in geradezu bewundernswerter Dämlichkeit. Er war eben schon halbwegs verrückt, man hat es nur nicht gemerkt. 3ch hatte nod> ein paar hundert Mark auf der Bank, war auch nicht gewöhnt, mich einzuschränken. Mit der Weltreise wars Essig. 3ch muh gefiebert, ich hatte meine Eltern für vernünftigere Menschen gehalten. Sie nahm mich etwas mit, diese Erkenntnis, dah sie auch ein paar armselige Menschen waren, durch nichts über dem Durchschnitt stehend. Das Geld ging zu Ende. 3ch wollte eine Anstellung als Ingenieur finden, aber das war vergeblich. ES liegt mir auch verflucht wenig, ewig devot und ergebenft darum zu bitten, mich doch anzustellen. Ich glaube ans eine so wenig wie ans andere. Lind da sagte ich mir: Das Einfachste ist, es zu machen, wie du es ja nun am eigenen Leibe erlebt hast, Barbara. Dah ich gerade damit an dich geraten bin und dir wahrscheinlich Anangelegenyeiten bereitet habe, bas tut mir aufrichtig leid. Ich muh gestehen,' dah ich auf diese Komplikationen nicht gefaßt war, Wehr ist nicht -u sagen.“ Bei dem anschliehenden Pokal- und Decherfchiehen errang Vermessung So ber- sekretär S. Loy (Allendors a. d. Lda.l, mit 36 Ringen den ersten, IohS. Damm V. (Allen- dors a. d. Lda ), mit 35 Ringen den zweiten, und Schütze S e i f a r t (Homberg a. d. O.) mit 35 Ringen den dritten Preis. Die beiden vom Verbände gestifteten Ehren- scheiben schob Schütze Feld dusch (Rüd- dingShausen). Während deS Schiehens konzertierte bet autgeschulte Mandolinenklub Climbach auf dem Schützenplatz. Wenn auch die Höchstleistung deS Schiehens nicht ganz den Erwartungen entsprach, so konnte doch fcstgestellt werden, dah die Durchschnittsleistung sich gegen daS Vorjahr bedeutend gebessert hat und befriedigend war. Oberheffen. Landkreis Gießen. tzc Klein-Linden, 21.3uli. Der hiesige Frauenverein unternahm am Sonntag einen Ausflug nach Marburg. Der Verein nahm am FrühgotteSdienst in der ehrwürdigen Elisa- bethenkirche teil, die am Rachmittag einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde. Auch dem schön gelegenen Schloh und seinen reizenden Anlagen wurde ein Besuch abgestattet. £ Wieseck, 23. 3ult. 3n feiner gestrigen Sitzung befähle sich der Gemeinderat mit dem Voranschlag für 1 930. Bürgermeister Schomber hofft mit den vorgeschlagenen Sätzen auszukommen und somit von einer Erhöhung der Steuersätze absehen zu können. Rach dem vom Gemeinderat genehmigten Voranschlag ist für 1930 eine Ausgabe von 211 367,50 Mk. zu erwarten, denen eine Einnahme von 156 886,11 Mk. gegen- übersteht, so dah die Umlage 54 481,39 Mk. ergibt Die Umlage von 1929 war mit 53 000 Mk. festgesetzt. Die Sähe für Grundsteuer auf Gebäude und Bauplätze, Sondersteuer von bebautem Grundbesitz, Grundsteuer für land- und forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Grundstücke und Gewerbesteuer werden vom Kreisamt nach Prüfung des Voranschlags festgesetzt Dann wird der Gemeinderat die Sätze beschliehen, die jedoch die gleichen fein werden wie 1929. rp Lollar, 21. Juli. Aus der jüngsten Gemeinderatssitzung ist u.a. mitzuteilen: Für die äußere Instandsetzung des Gemeindehauses in der Hauptstraße sind die Angebote eingegangen. Die Baukommisfion soll sämtliche Angebote zunächst einer Durchsicht unterziehen. Die Zuschlagserteilung behält sich der Gemeinderat vor. — Die Kanalisation der Bahnhofstraße mit Anschluß an die Kanalleitung der Hauptstraße ist nach Ansicht des Kulturbauamtes Gießen auf eine Länge von 50 Meter möglich. Die Kosten werden auf 1000 Mark berechnet. Es wurde beschlossen, zunächst die Bodenbeschaffenheit durch Probelöcher feststellen zu lassen. — Weiter gab der Bürgermeister Kenntnis davon, daß das Kreisamt Gießen den Verkauf des vorderen Schmauweges an die Buderusfchen Eisenwerke genehmigt hat. — In das (9 e • fallenenehrenmal auf dem Friedhof sollen die Namen sämtlicher Gefallenen, insgesamt 58, eingefügt werden. Die Kriegergräber sollen daneben noch besondere Steinplatten mit den entsprechenden Angaben erhalten. s. Aus dem Busecker Tal, 22. 3ult Durch die starken Regenfälle der letzten Tage war an Erntearbeiten nicht zu denken. Es ist unmöglich, zur Zeit mit den Erntemaschinen auf die aufgeweichten Aecker zu fahren, so dah auch nicht stark lagerndes Getreide in der ersten Zeit mit der Hand gemäht werden muh. Der s o - fertige Schnitt von Gerste und Roggen ist dringende Rotwendigkeit, da besonders Roggen durch die starke Lagerung mit jedem Tag neuen Verlusten durch Auswuchs ausgesetzt ist. Dieser Auswuchs ist bei Roggen stellenweise so stark, dah Getreide zur Saat und zur menschlichen Ernährung von diesen Ole dem nicht entnommen werden kann. Den Barbara hatte aufmerksam zugehörl. Sie verspürte wieder einen feinen Stich in der Herz- gegend, wie im Anfang, als sie mit Reginald zusammengetroffen war. „Qlber so was zu tun, ist doch unrecht", brachte sie endlich heraus. Sie schämte sich gleich darauf, da das ihre ganze Antwort war. „Lieber Gott, dah die Welt so denkt, ist mir bekannt. Es gibt noch viel schlimmere Verbrechen, die sogar anerkannt werden, und um die weder Huhn noch Hahn schreit, wenn sie geschehen", sagte er ironisch. „3ch — ich meinte das gar nicht so", stotterte Barbara, „ich...“ „3a, ja — ich glaube schon — 's ist auch zuviel verlangt, dah du, die wohlbehütete, reiche Frau für derlei "Verständnis hast. — Qlber nun bist du daran, zu berichten", fuhr er liebenswürdig fort. „Seit wann bist du denn verheiratet? And wie heiht du eigentlich jetzt?" „Seit vier 3ahren..." „Hast du Kinder?" fragte er weiter. „Rein", sagte Barbara ruhig. „So — so", meinte er gedankenvoll. „Wünschest du dir keine?" fragte er weiter. „Olein", sagte sie sehr beftimmt, „von dem Manne nicht." Die letzten Worte hatte sie eigentlich nicht baAufeben wollen. Sie waren ihr entschlüpft. „Weshalb aber soll ers nicht wissen?" dachte sie. „00) so", sagte er wieder, „ich verstehe. Qlbeti warum hast du ihn denn genommen?“ „Weil ich muhte." Sie schämte sich auf einmal im geheimen über diese ganz richtige Antwort, denn sie offenbarte da ihr Cheleben einem anderen. und im allgemeinen verschloß sie derartige Dinge in sich. „So, so — die kleine "Bärbel mußte mal wieder was", sagte er ganz mitleidig und fügte hinzu: „Man appellierte natürlich an deine edelsten Gefühle: Kindliche Dankbarkeit usw. Richt wahr?“ „"Woher weißt du denn das?" sagte sie erstaunt und sah ihn mit großen runden Augen an, „Das ist nicht schwer, sich das zu freuten“, lachte er jetzt. „Du bist tatsächlich noch das kleine "Bärbel von ehedem." „And heiße jetzt Much", setzte sie hinzu. Dann schwiegen beide lange. In der Fern« tauchten Lichter auf. »Ist das K. ?" fragte er. .3a", entgegnete sie. (Fortsetzung folgt) Hackfrüchten ist dagegen der durchdringende Regen sehr zustatten gekommen. Dor allem die Kartoffeln -eigen durchweg ein gesundes, frisches Wachstum. so daß Wohl hier der Regen eine oute Ernte in Aussicht gestellt hat. Aber auch die Runkelrüben haben sich nach der anfänglichen Dürre sehr gut erholt und sehr stark entwickelt. # Drüningen, 21. 3uü. Die Regenfälle der letzten Tage haben den weitaus größten Teil der Frucht zum Lagern gebracht, so daß Erntemaschinen nur selten in Tätigkeit werden treten können. Das bedeutet natürlich eine wesentliche Verzögerung der Erntearbeiten. — Der Adam-3sheimsche Gesangverein unternimmt am kommenden Sonntag eine R h e i n f a h r t, an der sich 70 bis 80 Personen beteiligen. Der Gesangverein ^Eintracht" besuchte den Rhein bereits im Vorjahre. &. Rieder-Dessingen, 19. Juli. Der alte st e Einwohner unseres Dorfes und letzte Veteran von 1870/71, der frühere Förstes V l e i, vollendete Ende dieser Woche sein 8 2. Lebensjahr. Gr konnte diesen Tag in voller Rüstigkeit und seltener Frische begehen. # Aus der Wet 1 erau, 21. 3uli. Die Preise f ü r Ferkel sind in der letzten Zeit etwas zurückgegangen, da sich die Absahverhält- nisse für Schlachtschweine infolge der allgemeinen Wirtschaftslage verschlechtert haben. Während noch vor vier Wochen sieben Wochen alte 3ung- tiere mit 35 bis 40 Mk. bezahlt wurden, werden jetzt nur noch 28 bis 30 Mk. für gleichalterige Ferkel gefordert. Etwas angezogen haben die Preise für fette Rin de r und M a st - ochsen, da die verhältnismäßig guten Futteraussichten durch die ausgiebigen Regenfälle der letzten Woche zur Dergrößerung des Zuchtviehbestandes anregen. Kreis Büdingen. * Vüdingen, 21. 3uli. Nachdem annähernd 400 Frauen und Männer ihren Beitritt zur D o l k s n a t i o n a l e n R e i ch s v e r e i n i - g u n g erklärt hatten, fand am Donnerstag im Rathaussaal die Gründung der Ortsgruppe Düdingen statt. Der Dorsihcnde Der Kasseler Ortsgruppe, Dipl.-Kaufmann L e i h- ner, hielt eingangs einen Dortrag über das Thema: „3nternationale Finanzkolonie oder freier deutscher Volksstaat?" Der Redner betonte dabei u. a., die Durchführung des Voungplanes werde an seiner eigenen wirtschaftlichen Unmöglichkeit scheitern.^ Dem hieraus entstehenden wirtschaftlichen Chaos könne nur ein starker Staat begegnen. Es sei Aufgabe der Dolksnationalen Reichsvereinigung und des 3ungdeutschen Ordens, volks- gcmeinschaftlich denkende Menschen um eine neue Staotsidee zu sammeln. 3m Anschluß an den Dortrag fand eine Aussprache statt, worauf zur Gründung der Ortsgruppe und zur Wahl des Dorstandes geschritten wurde. Dem Dorstand, der einstimmig gewählt wurde, gehören zwei Frauen, zwei Arbeiter, zwei Landwirte, zwei Beamte, zwei Handwerker und ein Angestellter an. WER. Aid da, 22. 3utL Der Gemeinde- rat genehmigte den Haushaltsvoranschlag der Stadt Ridda für 1930, der mit insgesamt 220 463,80 Mk. abschlieht. Davon kommen auf die Betriebsrechnung 220 399,25 Mk, auf die Vermögensrechnung entfallen 64,55 Mk. Die Gemeindeumlagen in einer Gesamthöhe von 90500 Mk. entsprechen der vorjährigen Höhe. * Ridda, 22. 3uli. Llhrmacher Albert Levi von hier erwarb von den Erben der Bürgermeister Roth Eheleute das am Marktplatz hier gelegene Wohnhaus. Der neue Besitzer will einen Teil des geräumigen Anwesens zu Geschäftsräumen umbauen und darin außer llfji?- macherei auch einen Nähmaschinen- und Fahr- raohandel betreiben. y- G e i h - N i d d a , 22. 3uli. Der hiesige Turnverein hat seine seither benutzte Turnhalle auf Abbruch verkauft, weil sie zu klein und unzweckmäßig war. Er wird eine neue zeitgemäße Turnhalle erbauen lassen, wozu die Arbeiten in Kürze vergeben werden. Der Neubau soll so beschleunigt werden, daß er noch in diesem Herbst seiner Bestimmung übergeben werden kann. Kreis Schotten. WSN. Schotten, 22. 3ult Ein junger Mensch von hier hatte am Sonntagabend auf einer Motorradfahrt den hier in Stellung befindlichen A u g u st Dietz als Beifahrer mitgenommen. Während der Fahrt zwischen K e st r i ch und Stumpertenrod verlor der Lenker die Gewalt über das Kraftrad, so daß beide Fahrer in voller Fahrt stürzten. Hierbei schlug Dietz so heftig mit bem' Kopfe auf die Landstraße auf, daß er mit einem schweren Schädelbruch tot auf der Stelle liegen blieb, während der Lenker des Motorrades zu feinem Glück nur leichte Verlegungen erlitt. Die Maschine wurde nur gering beschädigt. § Babenhausen 11, 22. 3uli. Seit längerer Zeit sind hier Derhondlungen im Gange mit dem Ziel, unsere schadhaft geworbene zweite Kirchenglocke zu ersetzen. Der Gemeinderat war zeitweise geneigt, eine größere Glocke als die seitherige anzufchaffen, und glaubte auch, einen andern Ton für sie wählen zu sollen. Da aber kürzlich Pfarrer Lic. Dr. S t u mp f (Merlau) als Sachverständiger bei einem Besuch dringend dazu geraten hatte, wieder — wie seither — eine S-Glocke zu nehmen und auch die neue Glocke nicht größer zu wählen als die alte, hat der Gemeinderat dementsprechend die Lieferung der neuen Glocke mit der Firma F. W. R i n d e r in Sinn vereinbart. Eine größere Glocke hätte an sich schon einen höheren Kostenaufwand erfordert, zudem hätte der alte Glockenstuhl abgerissen und größer wieder aufgebaut werden müssen, was nun vermieden wird. Amtsgericht Gießen. Gin verlobtes Paar saß in dieser Sitzung auf der Anklagebank. Die beiden Angeklagten sollen eine Frau mißhandelt haben: sie gaben auch unter Einschränkungen die Körperverletzungen zu, wollen aber maßlos gereizt worden fein, insbesondere durch Redensarten, die auf ihr Verhältnis zu beziehen gewesen seien. 3nfolge eines Ehestreits war tags zuvor die verletzte Frau aws Dem Fenster gesprungen und geflüchtet. Der Streit soll durch Aushetzen des Ehemanns durch die Angeklagte entstanden sein. Die Frau warf ihr dies im Vorübereilen — beiden wohnten auf demselben Flur — in beleidigender Weise vor. Es war dies die einzige nach Lage der Verhältnisse nicht schwer zu nehmende nachweisbare Beleidigung, so daß von einem maßlosen Auf reizen keine R«de fein konnte, zumal sich der Vorfall, der heute zur Verhandlung stand, erst anderntags zutrug, als die Frau sich anschickte, Anzeige bei der Polizei zu erheben. Sie befand sich noch auf der Treppe, als die Angeklagte sie von hinten anfiel und an den Haaren die Treppe her^ unterzerrte, sie auch mit den Händen schlug. 3hr Verlobter kam schließlich noch hinzu, schlug der Frau einige Male auf den Kopf, drückte sie wider die Wand und versetzte ihr mit seinem beschuhten Fuße von hinten einen Tritt zwischen die Beine, durch den die Frau viel zu leiden hatte, zumal sie in anderen Ilm» ständen war. Vor der Wohnung, in die sie sich geflüchtet hatte, rief ihr der Angeklagte zu: „Wenn ich dich heraushole, schneide ich dir die Kehle ab." 3n Anbetracht seiner an den Tag gelegten großen Roheit erhielt er eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen, sowie eine Geld st rase von 40 Mark, während seine noch nicht vorbestrafte Verlobte, die offensichtlich unter seinem Einfluß stand, mit einer Geldstrafe von 60 Mark davon kam. Wirischast. * Der Aktienindex. Der Akiienindex (Statistisches Reichsamt), 1924/26 = 100, stellt sich für die Woche vom 14. bis 19.3uli auf 112,0 gegenüber 111,5 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 110,4 (109,4), Gruppe verarbeitende 3ndustrie auj 100,9 (100,6), und Gruppe Handel und Verkehr auf 132,4 (132,3). • Wieder regerer Lahnschiffahrt s- v er kehr. Die Lahnschiffahrt, die im Monat Mai infolge Auftragsmangels fast ganz eingestellt worden war, soweit das Frachtgeschäft in Betracht kommt, hat sich im 3uni wieder in erfreulichem Maße belebt. Die Flotte der Motorlastschiffe wurde sogar um zwei weitere Frachtschiffe vermehrt. Insgesamt wurden im 3uni 4196 Tonnen Güter zu Tal und 947 Tonnen zu Berg befördert. 'Rückgang de r K r a f t f ah r z e u g Produktion. 3n sämtlichen Zweigen der Kraftfahrzeugindustrie war, laut „Wirtschaft und Statistik', im Monat Mai ein konjunkturelles Absinken zu beobachten. Trotz der stets im Mai saisonmäßig begünstigten Absahderhältniss« sind Produktion und Absatz von Kraftfahrzeugen gegenüber dem Vormonat zurückgeblieben. Eine erhöhte Nachfrage hat sich nur bei den kleinen Personenkraftwagen und Lastkraftwagen geltend gemacht. Die Produktions- und Absatzziffer des gleichen Monats im 3ahre 1929 wurde nicht erreicht. ILeberblickt man die Entwicklung vom 3anuar bis Mai 1930, also den ersten Teil der Saisonkurve, so zeigt sich, daß gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres der Absatz der Personenkraftwagen um 1 Prozent, der der Lastkraftwagen um 32 Prozent und der der Krafträder um 31 Prozent zurückgeblieben ist. 'Eingang der amerikanischenFrei- gabezahlung. Wie verlautet, hat der Norddeutsche Lloyd gestern aus Neuyork ein Kabeltelegramm erhalten, in dem ihm von Bankseite der Eingang der ersten Rate der amerikanischen Freigabegelder in Höhe von etwas über 30 Millionen Mark mitgeteilt wurde. Dadurch sind die beteiligten Gesellschaften in di« Lage gesetzt, noch im Lauf« des heutigen Tages über die Beträge verfügen zu können. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. 3uli. Tendenz: schwächer. 3m Anschluß an die erholte gestrige Abend- börse war die Stimmung im heutigen Vormittagsverkehr in Erwartung einer 3nteress«nnahme der außenstehenden Kresse am Börsengeschäft weiter etwas freundlicher, zumal die feste gestrige Reuyorker Abendbörse eine Anregung bot. Zu Beginn des offiziellen Marktes machte sich jedoch wieder ein Tendenzumschwung bemerkbar, da im Zusammenhang mit dem bevorstehenden iUtimo Material in größerem Umfange an den Markt kam. Aber auch die unkl-are innerpolitische Lage drückte auf die Stimmung, da man die Auffassung vertritt, daß di« Zeit bis zur Neuwahl für die Börse eine Stagnation bedeuten werde. Der günstige Geldmarkt konnte keine Stütze bieten. Bei der herrschenden Unlust und der schwächeren Tendenz ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse zum Teil erneut erhebliche Kursverluste. Stark unter Druck standen Deutsche Linoleum mit minus 4 Proz., aber auch Zellstoff Waldhvf waren stärker ange« boten und 3 Proz. niedriger. Am Chemiemarkt eröffneten 3.-G.-Farben knapp gehalten. Am Elektromarkt waren nur Licht & Kraft mit minus 2 Prozent etwas mehr abgeschwächt, während AEG. 1 Proz. niedriger lagen und Siemens gut behauptet eröffneten. Etwas 3ntereffe bestand für Zement Heidelberg, die 1 Prozent gewannen, und für Miagaktren, die sich leicht belferten. Der Montanmarkt lag ebenfalls ohne nennenswerte Umsahtätigkeit, di« Abschwächungen gingen hier bis zu 1,75 Prozent. Schisfahrtswerte eröffneten bis zu 2 Prozent niedriger. Am Markt der Lokalpapiere waren Metallgesellschaft und Frankfurter Maschinen gut behauptet. Banken gaben bis zu 2 Prozent nach. Kunstseidewerte waren auf dem ermäßigten Stand im allgemeinen gehalten. Der Rentenmarkt war fast ohne Geschäft, doch konnten sich fron deutschen Anleihen Alt- besih etwas erholen. Auch der Verlauf brachte keine Besserung. Es kam später vielmehr Material an den Markt, so daß nochmalige Abschläge um bis etwa 3 Prozent eintraten. Bei den sogenannten Spitzenwerten nahmen die Verlust« noch größeres Ausmaß an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3 Prozent unverändert leicht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1860; gegen Pfund 20,3750; London gegen Kabel 4,8670; gegen Paris 123,66; gegen Mailand 92,89; gegen Madrid 42,70; gegen Schweiz 25,0375; gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. 'Berlin, 23. 3uli. An der gestrigen Frankfurter Abendbörse und im heutigen Vormittagsverkehr hatte sich eine große ümfat)tätigfeit und eine freundliche Stimmung durchsetzen können. Diese war aber zu Beginn der heutigen offiziellen Börse schon wieder etwas erschüttert, da an verschiedenen Märkten Material herauskam, das zu einer uneinheitlichen Kursgestaltung führte. Die Ansicherheitsfaktoren behalten vorläufig weiter ihre Gültigkeit und veranlassen scheinbar die Kundschaft, immer noch Positionslösungen vorzunehmen. Auch die Ausführungen, die in der gestrigen Generalversammlung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG. gemacht wurden, stimmten ziemlich pessimistisch. Man befürchtet weitere Entlassungen. Trotz eines starken Förderrückgangs sind die Haldenbestände Weiber angewachsen. Die ersten Kurse lagen im Vergleich zu gestern uneinheitlich und überwiegend schwächer. Heber 2 Prozent gedeckt waren Schantungbahn, Hackethal, Polyphon, Deutsche Hochseefischerei, Buderus, Mannesmann, Maximilians Hütte, Elektr. Lichte Kraft usw. Auch Schiffahrtswerte lagen mit 2,75prozentigern Verlust für Hapag und Lloyd weiter überwiegend schwach. Höher eröffneten RWE. plus 4,5 Prozent, angeblich auf eine Auslandorder. Bei Lahmeyer, Miag, Verkehrswesen und Siemens gingen di« Kursgewinn« mit Ausnahme von RWE. nicht über 1,5 Proz. plus hinaus. Anleihen ruhig, von Ausländem waren die 4prozentigen Mexikaner stark gedrückt. Pfandbriefe undurchsichtig. Der Geldmarkt lag weiter leicht, Tagesgeld 2,5 Prozent bis 4,5 Prozent ganz vereinzelt auch Deckungen, die übrigen Sätze bleiben unverändert. 3m Verlaufe konnten sich zunächst einige kleinere Umsätze durchsetzen. Später trat dann wieder eine stärkere Ermattung «in, und es ergaben sich bei den schweren Werten, wie Polyphon, Siemens, Salzdetfurth, Schultheis ufti>._ Verluste von 3 bis 5 Prozent. Auch WJ®. büßten 3,5 Prozent ihres Anfangsgewinnes wieder ein. _ Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 23.3uli. Es wurden notiert: Weizen (gut, gesund, trocken, bis zu 3 Prozent Auswuchs) 305 Mk., Roggen 185, Hafer (inländischer) 185 pro Tonne; Weizenmehl (süddeutsches Spezial 0) 43,75 bis 44,50, Roggenmehl 27 bis 28, Weizenkleie 8,50 bis 8,75, Roggenkleie 8,75 Mk. pro Doppelzentner. ' — Tendenz: stetig. Letzte Nachrichten. Oie Einsturzkaiastrophe in Koblenz. Koblenz, 23. Juli. (MTB. Funkspruch.) Zu dem furchtbaren Unglück, das heute Nacht der Festfreude ein frühes Ziel setzte, erfahren wir noch: Reichspräsident von Hindenburg hat zur Linderung der ersten Not 10 000 Mark zur Verfügung gestellt. Die Identität der meisten Todesopfer blieb zunächst fraglich, da es sich nicht nur um Einwohner von Koblenz-Lühel, sondern auch um Fremde handelte, die aus der Umgegend herbeigeströmt waren. Unglücklicherweise schlugen alle Versuche fehl, die Drücke zu htzben, obwohl man alle Anstrengungen unternommen hatte, weil man unter den Trümmern der Drücke noch mit verletzten rechnete. Es ist bis zum vormittag noch nicht gelungen, die Brücke aus ihrer augenblicklichen Lage zu bewegen. Die Absuchungsarbeiten bei der Hafeneinfahrt und im Hafen selbst werden auch in den Vormittagsstunden mit allen Kräften fortgefehl. An der für heute 11 Uhr angesehten Trauerkund- ge bu n g für die Opfer des Drückeneinskurzes wird auch der Reichspräsident tcilnehmen. Er wird im Anschluß daran um VA Uhr die Rückreise nach Berlin antreten. Die verlautet, beabsichtigt der Reichspräsident den Besuch der Städte Trier und Aachen, der aus Anlaß der Koblenzer Katastrophe unterbleibt, im h e r b st nachzuholcn. — Der Reichskanzler hak an den Oberbürgermeister von Koblenz das folgende Beileidstelegramm gerichtet: „Uebcr die Stadt Koblenz, an deren Jubelfeier alle Schichten des rheinischen Volkes Anteil nahmen, ist, wie ich soeben zu meinem tiefsten Schmerz erfahre, durch eine schwere Katastrophe, der viele frohe Menschen zum Opfer gefallen sind, erneut schweres Leid hereingebrochen. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen zugleich im Namen der Reichsregierung meine aufrichtig ft e Anteilnahme auszusprechen und zu bitten, diese auch den Hinterbliebenen der auf so tragische weise ums Leben gekommenen zu übermitteln. Den Verletzten bitte ich meine besten Wünsche für baldige Genesung auszusprechen." Oie Erdbebenkatastrophe in Güdiialien Rom, 23. Juli. (WTB.) Das Erdbeben hat eine viel größere Zahl von Opfern, als man ursprünglich annahm, gefordert. Sehr schwer heim- gesucht wurde die Provinz potenza. In Melfi sind 100 Tote zu verzeichnen. Aus Ropola werden 20 Tote und 30 verletzte, aus Rionero 11 Tote und 50 verletzte, aus der Provinz Benevento 12 Tote und 40 verletzte, aus der Provinz Toggia werden 3 Tote und zahlreiche verletzte gemeldet. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. h., Lombardzinsfuß 5 v. h. Datum Sranllun a. Di. Berlin Datum Franksuri a. TXl. 3trlin Schluß, für« ; 22. 7. i-uyr- ftr« 23- 7. Schluß» für« 22. 7. Anfang» Hur« 23. 7. Schluß- lur« 22. 7. l‘UDr» Kur« 23. 7. Schluß» Iure 22. 1. Ansa. g» Kur« 23. 7. 6% leundje uu'iajmuu.'iue von 1927 ......... 7% Deutsche Reichl! anleih« von 1929 .......... Tcutjdie Anl.-Ablöi.-Schuld tnii Auslol.Rechten....... Dctgl. ohne AuSlol.-Rechte . . 8% Hell. Bolkistaat von 1929 (rüdiahlb. 102%)..... Oberhcllen Provinz - Anleihe ml Auslol.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie I...... 6% ftianl|. Hyp.-Bank Goldpfr XIII unkündbar bl» 1934 . . . 7% strankf. Hyp.-Bank Goldpfe unkündbar bis 1982 ..... 88 101,75 59.65 7,7 97,5 59 59,6 102 96,25 89 101,75 98 97 93 26,5 3,4 2 23,3 2,1 4,9 16,4 7,6 1 | -T® | | | | | | | | | 1 II 1 I 1 1 1 1 II • 1 88 102 59,9 7,7 97,75 59,4 101.25 98 97 26,7 3,5 2,13 73.4 20,1 20,8 M5 4,9 5,1 5.05 9,65 16,2 2.6 ££ £ 1» 81 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 1 1 । । «3 1 1 vamvurg-itlinenka Batet .... Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handeltgelellfchast . 12 Commerz, und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschaft, ... 10 Dresdner Bank ...... 10 MeichSbank........12 A.E.S............8 Bergmann.........9 Gicht. LtesrrungSgelellschast. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . IV. Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger ElektrizitätS-werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Lchuckert & Co...... u Siemens & Halske . • • • . 16 DranSradio ......... 8 Lahmeyer L Eo.. ..... io Buderus..........r Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle ...... 6 Gelsenkirchener.......8 Harpenei.......... 0 Hoesch Eilen........tV, sftle Bergbau ....... 10 Klöcknerwerke . ....... ' Köln-Neuclsen........7 Mannesman n-Röhr« .... 7 Mansfelder Bergbau.....7 Oberfchles. Eisenbedarf .... 6 Oberschlcs. Kokrwerke.....7 Dbönir Bergbau......6Vt Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhein kahl.........6 Rtebeck Montan ...... 7,2 110 118,5 136,25 192,5 128,5 128,75 250 142,5 139,5 139,5 129 202,5 158,5 68 77,5 124 115 86,75 81,75 90,25 90,65 118 147 135,5 190,65 127,5 247 141,25 137,75 138 160 202,5 122,75 85,25 94,25 92,13 151 127 92,75 110,5 118,5 149 136,25 192 128.5 129 250 142 176,5 134 139,5 102,25 138 129,75 129 134,25 160,25 202 159 67,75 76,5 125,9 124 115 90 89,65 88,25 87,5 65,25 53 87.65 81.65 216.25 95,5 90,4 127 91 110,25 118 148 135,5 190,5 127,5 127,5 248 141,5 134 137 100,25 138,75 128,75 128,5 132,9 160,5 202,75 75,5 123,75 114 89 235 88,5 87,75 85,25 64,5 53,25 86,5 82 216 95 *Vi% Rheinische Hyp.-Bank Liqu. Goldpfe......... 8% Br. LandeSpfandbrtefanstaU, Pfandbrief R. 17...... 8% Pr. LandeSplanvbriefanslall Romm.-Cbl. Ul. 20...... 7% Br. Landespsandbriefanstall, A.E.G. abfl. BortriegS-Obllgatio nen, rückzahlbar 1932 .... 4% Oesterretchtsche Goldrrnte . . 4,20% Oestcrreichtsche Silberrente 4% Lesterreichische Einheitliche Rente........... «% Ungarilche Goldrente .... 4% Ungarilche EtaatSrente V. 1910 4^4% Mol. oon 1913..... 4% Ungarilche Kronenrente . . . 4% Türkische Zollanlrlhe von 1011 4% Türkische Vagdadbahn-Anl Serie 1........... 4% Mgl. Serie II....... 5% Rumänische veretnh. Rente von 1903 .......... 4Vi% Rumänische verelnh. Rente von 1918 .......... <% Rumänische veretnh. Rente . Frankfurt a. in. | Serlin Banknoten. Schluß» 1-llhr- Schluß- Ansong» 3 tri in, 22. Zull Geld Arles lur« Kur.« kur« Gur« Amerikanische Noten . . a * ■ 4,169 4,189 Belgische Noten ... 58,41 58.65 Votum 22. 7. 23. 7. 22. 7. 23- 7. Dänische Noten .... 111,78 112,22 Englische Noten .... französische Noten . . . 20,32 20,40 16.48 Bereinig ie Stahlwerke . 81,5 — 82 81,75 16,42 Otavi Minen..... . 6 ’/. 37,25 37,9 38,25 Holländische Noten . . . 168,13 168,81 Kaliwerke Ascher-leben . 1< 196.5 197 195 Italienische Noten .... 21,91 21,99 Kaliwerke Westeregeln . 1< 203 — 202,5 202 Norwegische Noten . . . . . . 111,73 112,17 Kaliwerke Salzdetfurth . 15 348 343 348 348,25 Deutsch-Oesterreich, i 1OO Schilling 59.04 59,28' Rumänische Noten . . . 2.465 2,485 I. ®. Farben-Industrie . Dynamit Nobel .... Scheideanstalt..... Goldschmidt..... Rütgcrswerke..... • • 12 . 6 . v . 6 . 6 153,75 57,5 52 153,25 153,25 57 52,75 153 56,75 52,75 Schwedische Noten . . . Schweiler Noten .... Spanische Noten .... Tschechoslowakische Noten. Ungarische Noten .... . . . . 112.18 81,27 47,40 12,385 73,10 112,62 81,59 47,60 12,445 73,40 Metallgelellschaft. . . . • • . k 110,5 110,5 111,25 110,5 Deoiknmarfl Berlin — Frankfurt I. m. Philipp Hoizniann . . . > 7 84 — 83 _ 92. 3uh 23. 3u1i Zementwerk Heidelberg Eementwerk Karlstadt. . 103 125 104 10 _ _ »miudie liontrung Bmwwe Kotierung Waytz & Freytag . . . . k 72 71,5 72 __ Geld Arie, Qieio Arlei Ämit.-Rott. 168,28 168,62 168,29 168,63 SLultbcir Patzenhofer . Lstwerke....... Aku......... Vembcrg....... Zellstoff Waldbo« . . . Zellstoff Aschaffenburg . . 16 12 12 11 8'/, 12 97,25 98 139,5 97 97 136,5 106 274 222,5 96,75 98 138 107 274,5 222 96,75 96 136,5 Buen.-Aires Brff.-Ankw. Christiania. Kopenhagen Stockholm - HellingforS. Italien. . . London. . . 1,522 58,455 112.03 112,05 112,45 10,525 21,91 1,526 58,575 112,25 112,27 112,67 10,545 21,95 1,518 58,465 112,04 112,09 112,46 10,525 21,91 1,522 58,585 112,26 112,31 112,68 10,545 Charlottenburger Wasser • • . 6 —» — 97,13 96,5 20,35 20,39 20,353 20,393 Dessauer Ga»..... . 9 — —- 136,5 135,25 4,1815 4,1895 4,1815 4,1895 Daimler Motoren . . . • • . u 31 30 31 30,5 Poris.... 16,45 16,49 16.456 16.495 Deutsche Linoleum . . . o 194,5 190,25 192,75 42,9 191 42,5 Schweiz . . Spanien . 81,28 47,75 81,44 47,85 81,31 47.74 81,47 47,74 Rat. Automobil .... • ° . o — —— 12 — Japan - - - 2,066 0,454 2,070 9.066 2,070 Orenstein & Koppel . . . 6 — — 62,5 62,25 >t.'io de Jan 0,456 0,455 0.457 Leonhard Tietz .... • • 10 133 —V 134,5 133,65 Wien in D-» Svenöka....... — — 305 305 CefL abaci't 58,90 59,21 59,11 59,23 Prag . . . . 12,402 12,422 12.404 12,424 frankfurter Maschinen . ■ k . 4 — 22 22 — Hel irad . . 7,420 7.434 7,424 7,438 Gritzner....... . 6 32 31,5 — Budapest . . 73,31 73,45 73,335 73,475 Heyligenstaedl . . . . . O —- — — Bulgarien. 3,033 3,039 3,033 3,039 Lechwerke....... 36 — 35,25 — Lissabon . . 18,80 18,84 18,80 18,84 . 8 94 93,5 — — Dcmzig. . . 81,35 81,51 81.37 81,53 Mainkrastwerkc Höchst a. M.. . 8 84 — — —- Konstantin. 1,784 1,789 1.784 1.789 Miag......... 10 85 85 34,75 85,5 Athen. . . 5,43 5,44 5.43 5.44 Gebr. Roeder..... * - 10 102 — — — Canada . . 4,185 4,193 4,185 4,193 , Botgt & Haeffner ... . 9 158 — 158 — Uru iuat). . Cairo . . . 3,586 3,594 3,586 3,594 Süddeutsche Zucker • . • • 10 156,5 — 155,5 — 20,865 20,905 20,865 20,901 Kür den Büchertisch. Don deutschem (Schrifttum. — Hebbels Werke in acht Bänden. Für d>e Diotimallassiker des Stuttgarter Der- läge- Walter Haedecke, die sich wegen ihrer sorgfältigen textlichen Bearbeitung wie ihrer mustergültigen buchtechnischen Ausstattung gut eingeführt haben, besorgte Wilhelm von Scholz eine achtbändige Au-gabe der Werke Friedrich Hebbel-, in die dankenswerterweise auch die aufschlußreichen Tagebücher ausgenommen wurden. Eine Leben-skizze deS Dichters auS der Feder deS HerauSzeoerS beschließt das Werk. Preis in Halbleder aus Bünde gearoeitet 68 Wk. (743) — Walter von Molo: Zwischen Tag und Traum. Gesammelte Reden und Aufsätze. 324 Seiten 8°. Paul Zsolnay Verlag. Berlin, Wien, Leipzig 1930. (129.) — Wie Thomas Mann vor einiger Zeit in dem Bande „Rede und Antwortvereinigt hier Molo in einer umfänglichen Sammlung unter dem Ra men Zwischen Tag und Traum" allerlei Nebenwerk, Publistik, Geschriebenes und Gesprochenes aus Aktualität, für den Tag und die Stunde: Ansprachen, Vorlesungen und Referate, Aussätze, Antworten aus Rundfragen, und Charakteristiken. Hier findet man vieles von Molo, was man in seinen Buchern vergeblich sucht, die offizielle Würde seines Amtes (als Präsident der Sektion für Dichtkunst in der Akademie) — aber auch viel Menschliches, Persönliches, Unmittelbares, manches, was zur Rundung seines Bildes nicht unwesentlich bei- zutragen scheint. Wir denken hier etwa an die nachdenkliche Charakteristik „Iridericus — Sinn und Unsinn-; sehr lesenswert scheint uns ferner, was Molo über Tolstoi und Hamsun zu sagen hat, über „die Schauplätze meiner Werke", über die dichterische Konzeption und über die Entstehung des Luther- Romans. — Die verlegerische Ausstattung des Werkes ist gediegen und großzügig. — 3osef Ponten: „Wolga Wol- a a“, Deutsche Derlagsanstalt Stuttgart. — (155.) — 3ofef Ponten, von dem unsere Leser bereits eine Reihe ausgezeichneter, treffsicherer Schilderungen ausland-deutscher Kolonien kennen, hat sich zum Ziel gesetzt, in einer großen Romanfolge „Volk auf dem Wege" den Hintergründen der deutschen Auswanderung psychologischer, historischer und wirtschaftlicher Art nachzuspüren. „Roman der deutschen Unruhe" nennt er sein Werk, und wahrlich gibt eS kein zweite- Dolk, das wie das deutsche vom Herzen Mitteleuropas, vom Herzen der Welt auS seit frühester geschichtlicher Zeit in alle Teile der Erde ausgestrahlt ist. Die großen Wanderungen der Deutschen mögen vielerlei Gründe gehabt haben, die Kargheit der heimatlichen Scholle, die politische Enge der Kleinstaaterei des alten römischen Reichs deutscher Ration, religiöse Unduldsamkeit weltlicher und geistlicher Fürsten stetS war doch auch ein starker Schuß von Aventeurerlust und unstetem Wandertrieb dabei, der säst in jedem Jahrhundert deutscher Geschichte Tausende deutscher Dauern und Bürger in die Ferne zog. Unb eS ist wohl wert, dieser großen Wanderung ein literarisches Denkmal ,,dauernder als Erz" zu setzen. Hnruhe treibt deutsche Dauern in das Rußland der großen Katharina, die ihren Landsleuten an der unteren Wolga Boben gibt. Unb die gleiche Unruhe treibt balb zweihunbert 3ahre später einen Rachsahren bieser schwäbischen Diebler zurück in- Reich aus heimlicher Suche nach der deutschen Seele, nach dem großen stolzen Dolk, dem er bescheiden unb boch innerlich erhoben sich kaum zuzurechnen wagt, nach bem mächtigen deutschen Staat der Ordnung, Kultur und wirtschaftlichen Wohlfahrt. Gleichgültigkeit und Unkenntnis gegenüber den tapferen Vorkämpfern deutscher Art jenseits der Reichsgrenzen findet er im Dorkriegs-Vaterlande. Das große Gefühl für die Deutschen als volkliches Ganze ist ja erst durch den Krieg in uns aufgegangen unb nach dem Kriege lebendige- DolkSgut geworden. Mit großer Kunst verwebt Ponten Die Schicksale dieses deutschen Rückwanderer- von der Wolga mit denen seiner Ahnen, die einst aus Schwaben an den Rand der kirgisischen Steppe zogen, unb meisterhaft erhellt er bie «roße psychologische Linie vom einst zum jetzt. Dir warten mit Spannung auf bie weiteren Bände der Romanreihe. Seit Han- Grimms „Dolk ohne Raum" hat kein anderes Duch deutsches DolkSschicksal nachdenklicher unb fruchtbarer bargestellt. Länderkunde. — D c. ColinRoh:DerUnvollendete Kontinent, mit 104 Abbildungen und einer Karte, Ganzleinen 8 Mk. (Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig). (195.) — Dr. Eolin Roh kennt fast ganz Europa, Amerika, Asien und Afrika. Run hat er auch Australien durchstreift. Der größte Teil der Erde ist übervölkert. Aber ein ganzer großer Erdteil steht noch leer. Seine im Verhältnis zu seiner Ausdehnung lächerlich geringe Bevölkerung schließt sich jedoch gegen die andere Welt hermetisch ab. Sie ist bestrebt, aus ihrem Land eine behagliche Wohnstube zu machen, an die alle Gefahren und Röte der Zeit vergeblich anbranden. Aber bald wird sich Australien entscheiden müssen, ob e- ein weißer oder farbiger Erdteil werden will. Der Menschenüberdruck sowohl in Europa als auch in Süd- und Ostasien muß ja zur Explosion führen. Darum bildet bie Untersuchung des Problems Australien gegenwärtig vielleicht die Hauptaufgabe weltpolitischer Forschung. Mit dem .Unvollendeten Kontinent" rückt die Literatur über Australien endlich von der Entwicklungsstufe der reinen Berichterstattung herauf in einen weltpolitischen Dlickpunkt. Karl Scheffler: .Holland"". Mit 100 Bildern, Preis in Leinen Mark 16,— im Inselverlag zu Leipzig. (154). — Karl Schefflers Bücher über Pares und Italien sind in aller Hande. Dieses neue Werk nach langer Pause wird ebenfalls seinen Weg machen. Scheffler geht aus vom Boden und der Landschaft und erarbeitet sich von hier aus bie Menschen und ihr Werk. Das ist gerade bei Holland äußerst fruchtbar, denn nirgends wird man heute noch eine ähnliche Geschlossenheit von Ratur unb Mensch, von Stadt und Landschaft finden, wie in diesem, in stetem Kampf mit den Raturgewalten eroberten, vom Menschen dem Meere buchstäblich entrissenen Lande. Und dieser Charakter deS durchaus jungen Landes bringt es mit sich, daß man hier, wie selten anderswo, bie Dodengestaltung gleichsam in ihrer Entwicklung beobachten kann, und daS wieder schafft daS grundlegende Verständnis für baS besonder- enge Verhältnis des Holländers zu der ihn umgebenden Landschaft; ein Verhältnis, das in Formen der Siedlung und namentlich auch im Städtebau mannigfachen Ausdruck findet, unb eS schlägt wiederum durch in der holländischen Malerei, bie in ihrer einzigen großen kurzen Glanzepoche absolut gegenständlich ist, ganz Milieubarstellung in Lanbschast, Porträt oder Genre. DaS ist bie Stärke deS Schefslerschen Buche-, bah es bei allem Eingehen aus bai Einzelne doch stet- bie große Linie, bie Beziehungen, aufzeigt unb dem Lefer so äußerst prägnant bie ganze Geschlossenheit de- Eindruck- vermittelt, den jede Reise durch die nicber- ländischen Provinzen dem offenen Auge gewähren muh. Erwähnt sei noch, bah auch dieses Werk Dom Verlag mit 100 zum großen Teil nicht alltäglichen, ausgezeichnet reproduzierten Abbildungen ausgestattet wurde, die auch die moderne, besonder- interessante Daugeschichte Hollands und die großen wirtschaftlichen Unternehmungen des Landes, wie z. B. die Trockenlegung der Zuidersee, berücksichtigt. Auch bie holländische Kunst ist in zahlreichen charakteristischen Abbildungen von Werken holländischer Museen gut vertreten. AM Schriften Gießener Hochschullehrer. — Örn ft D. Aster: Die Psychoanalyse. 295 Seiten 8P. VolkSverband bet Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. (227) — Trotz der Popularität deS Wortes .Psychoanalyse" hat der Laie von dieser jüngsten unter den Wissenschaften heute meist noch einen recht wenig vorstellbaren Begriff. Das Erscheinen des vorliegenden WerkeS ist daher besonders zu begrüßen. Cs wird dazu beitragen, den Mangel an positiver Kenntnis um das weite und so bedeutungsvolle Arbeitsgebiet der Psychoanalyse wesentlich zu beheben. Der bekannte Gießener Philosoph entwickelt in diesem seinem neuesten Werke zunächst an Beispielen aus der Praxis die Stellung, die die Psychoanalyse im wissenschaftlich-praktischen Betriebe der Gegenwart einnimmt. Hierbei werden dem Leser u. a. Begebenheiten auS dem frühesten Kinde-alter vor Augen geführt, die ihm un- beachtcn-wert erscheinen mögen, bie bagegen dem Psychoanalytiker wichtige Anhaltspunkte sind für die Diagnose und die Behandlung nervöser Störungen. Iedoch nicht nur von der ärztlichen Seite der Psychoanalyse als Therapie der Reurose ist in diesem interessanten Buche bie Aede, sondern von der Bedeutung der Psychoanalyse für unsere Auffassung vom seelischen Leben und von der seelischen Ratur de- Menschen. Sowohl in der Zustimmung wie in der Kritik entfaltet der Autor eine eindringende Anschauung vom Verlauf der Geschichte der menschlichen Kultur und hebt wesentliche Gesichtspunkte der Kulturphilosophie heraus. Wir haben es hier mit einer Erscheinung aus dem Rahmen der Wissenschaftlichen Iahresreihe dcS Volksverban- beS der Bücherfreunde zu tun, bie bie Aufmerksamkeit weitester unb ganz neuer Kreise auf biete bebeutungSvolle Organisation deS V. b. B. lenken wirb. - Geschichte der Philosophie im Altertum und Mittelalter. Von Prof. Dr A. M e s s e r. 8. Ausl. Geb. 1 80 Mk 3nSammlung- Wissenschaft und Bildung. Verlag von Quelle L Meyer, Leipzig (49). — Von Messers Geschichte der Philosophie erscheint der den interessantesten Zeitabschnitt, das Altertum und Mittelalter behandelnde Band soeben in achter, erneut verbesserter Auflage. Der Hauptvorzug diese- Buches ist es. baß die so oft beklagte Dunkelheit philosophischer Bücher hier geschickt vermieden unb alles klar unb verständlich dar- gestellt ist. Hierzu kommt noch der weitere Vorzug. daß der Verfasser nicht nut historische Darstellungen gibt, sondern auch eine kritische Würdigung der wichtigeren philosophischen Ansichten bietet. Dabei weiß er den Leser zu eigenem philosophischen Rachdenken anzuregen, was da- Buch gerade für eine Erarbeitung philosophischer Systeme hervorragend geeignet erscheinen läßt. — D i e Lebensvorgänge deS menschlichen Körpers. Von Prof. Dr. med. et sc. nat. K. Bürker. (179.) — 3m Verlag von K. G. Lutz (Eckstein und Stähle) in Stuttgart erscheint jetzt der zweite Teil der Lebensvorgange des menschlichen Körpers von Prof. Dr. Durker, dem Direktor des hiesigen Physiologischen 3nsti- tuts. Rachdem im ersten Band, welcher früher an dieser Stelle eingehend gewürdigt worden ist, die vegetativen Funktionen behaiidelt wurden, folgen in dem vorliegenden Band die animalen Lebenserscheinungen des Menschen, die Sinnes» empsindungen, die Bewegungen und die 8en* traten Funk.ionen. Die gewiß nicht leichte Aufgabe des Buches, dem Richtmediziner eine umfassende und klare Vorstellung der teilweise recht komplizierten Lebensvorgänge zu geben, hat der Verfasser in sehr glücklicher Weise gelöst. Der ausgezeichnet klar gegliederte Stofs wird be- fonberä dadurch dem Verständnis näher gebracht, daß immer wieder an allgemein bekannte und beobachtete Erscheinungen angcknüpst wird und diese Kenntnisse erweitert und vertieft werden. Entsprechend ihrer Bedeutung sind die einzelnen Teile des 3nhalts mehr ober weniger ausführlich, aber immer ein vollständiges Bild zeichnend, behandelt. Eine große Anzahl guter Textabbildungen und Tafeln erleichtern daS Eindringen in die verschiedenen Gebiete, und bie Beschreibung leicht burchsührbarer Versuche regt ben Leser zu praktischer Betätigung der gewonnenen Erkenntnisse an. 3n bem Abschnitt über bie Sin- nesempfindungen wird gezeigt, daß der Mensch nicht bloß „feine fünf Sinne beisammen hat , sondern wesentlich mehr, und daß die Sinnesorgane, die jeder fast ununterbrochen braucht,, in wunderbarer Weise gebaut und den Bedürfnissen des Körpers angepaht sind. Die Dewe- gungen der glatten, quergestreiften und Herz- Muskulatur enthüllen sich als hochinteressante Vorgänge und der Muskel selbst als eine Maschine, welche an Nutzeffekt kaum von unseren modernsten Maschinen erreicht wird, obwohl sie zu 75 Prozent aus Wasser besteht. Endlich behandelt der Verfasser das Rervensystem in feinen einzelnen Teilen und zeigt, wie in grandioser Weise die Funktionen aller Organe von einer Zentrale aus geregelt werden, welche sowohl in ihrem Aufbau als auch in ihrer Zweckmäßigkeit unb Zuverlässigkeit schier unnachahmlich anmutet. Die Fülle interessanter Einzelheiten zu würdigen. ist hier nicht der Platz, ein jeder möge die wunderbaren Funktionen seines eigenen Körpers an Hand dieser ausgezeichneten Darstellung selbst ergründen. Emst und Liebe zu dem behandelten Stoff fordert der Verfasser als Wissenschaftler mit Recht, unb nur wer ihm von Anfang bis Ende folgt, erringt einen Einblick in bie fabelhaften Vorgänge unb Gesetze, bie unser Leben bestimmen. Dieser Lohn aber ist wahrlich bet Mühe wert. — Handbuch der geographischen Wissenschaft. „Die Lander der Erde in Ratur, Kultur und Wirtschaf t", herauSgegeben von Prof. Dr. Fritz Klute, Gießen, unter Mitwirkung zahlreicher Gelehrter; Akademische Derlagsgesellschaft AthcnLion. Wild- park-PotSdam. Lieferung 1 bis 3. Preis 2,40 Mark je Lieferung. (252) — DaS 3ntercffe an den Schönheiten fremder Länder, aber auch an der wissenschaftlichen Erforschung der Erde ist seit dem Weltkriege ständig im Wachsen begriffen. DaS hat nicht nur romantische Gründe, bie bekannte Sehnsucht nach fernen Parabiesen auS ber Enge und Rot des heimatlichen Alltags, sondern auch bie Realitäten beS Geben« regen immer mehr Kreise an zur intensiven Beschäftigung mit allen Zweigen ber geographischen Wissenschaft. Richt nur der Kaufmann, der 3nbu- ftrielle, der Gelehrte, nein jeder interessierte Zeitungsleser stößt heute tagtäglich auf Dinge, denen er an Hand eines zuverlässigen, umfassenden Werkes nachgehen möchte. Fragen nach Aufbau und Gestaltung der Erde, nach ihrer Besiedelung durch den Menschen, nach Boden- und Raturschätzen, nach Wirtschaft und Verkehr finden ihre Antwort in einem so reich gegliederten Sammelwerk, wie es das in den drei ersten Lieferungen vorliegende zu werden verspricht. Herausgeber ist der durch erfolgreiche Forschungsreisen und wissen'chaftliche Arbeiten hinlänglich bekannte Geograph unserer Landesuniversität Professor Fritz Klute, der in Verbindung mit einer Reihe der bedeutendsten Gelehrten seines Faches in etwa 30 Lieferungen die Wunder ber Erbe vor unS erstehen lassen will. Der Hauptwert soll auf die Länderkunde gelegt werden und dabei jede trockene Darstellung, die man der geographischen Wissenschaft häufig nachsagt, vermieden werden. Die Verbindung von Landschaft unb Mensch, bie unmittelbare Wirkung ber Lanbschast auf den Menschen, soll dem Leser durch ein möglichst umfangreiches Dildermaterial eindringlich vor Augen geführt werden. Rament- lich Farbbilder, die nach wissenschaftlichen unb künstlerischen Gesichtspunkten ausgewählt sinb, sind bereits den ersten uns vorliegenden Lieferungen in überraschender Menge unb technisch eintoanb» freier Wiedergabe beigegeben. So verspricht dies schöne unb bankenSwerte Unternehmen nach Text und Ausstattung, namentlich auch in Hinsicht auf das beigegebene Bild- und Kartenmaterial ein großzügiges, in seiner Art einzig dastehende- Werk zur Vermittlung all des Schönen unb 3ntcreffanten unserer Mutter Erbe zu werben. — Untersuchun gen über Vorsatz unb Sa hrlässigkeit im Strafrecht. Von Dr. jur. Karl Engifch, Privatdozent an der Universität Gießen. Berlin W 57, Verlagsbuchhandlung Otto Liebmann. 21 Mk. (131.) — Vorsatz unb Fahrlässigkeit stehen als die bedeutsamsten Bestandteile des Schuldbegriffs im Mittelpunkt der strafrechtswissenschaftlichen Erörterungen. Volle Klarheit über die einschlägigen Probleme ist noch nicht erzielt, für Rechtslehre und Rechtspraxis aber von der größten Bedeutung. Der Verfasser des vorliegenden Werkes unternimmt es, die Begriffe Vorsatz und Fahrlässigkeit unter eingehender Auseinandersetzung mit der Literatur und sorgfältiger Berücksichtigung der Rechtsprechung neu zu bestimmen. Zu den zahlreichen Theorien wird unter gerechter Würdigung aller Gesichtspunkte selbständig Stellung genommen. 3ebcm, dec sich in den schwierigen Fragen ber Strafrechtsschuld orientieren will, wird das Werk unentbehrlich sein. Dem Verfasser ist es auch gelungen, ein methodische- Prinzip einzuführen, bas seinen Darlegungen nicht nur Bedeutung für das Verständnis des geltenden, sondern auch für die Auslegung des kommenden Rechts sichert. — Sozialpolitik. Don Dr. E. Günther, bim. ao. Professor an der llniberfität Gießen. Preis geh. 6 Mk., in Leinen geb. 7,80 Mk. In» dustrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W 10. (197) — Keine Darstellung im Stile der Iahresberichte und Zehnjahresrückblick der nationalen und internationalen Arbeitsämter, die die Sozialpolitik nur als gesetzgeberisches Problem betrachten und deshalb der fröhlichen Hoffnung sind, daß teil nur fleißig weiter jedes Iahr ein paar hundert neuer sozialpolitischer Geseyesparagraphen machen müßten, um mit Sicherheit ein soziales Hebel nach dem andern auszurotten, dem sozialen Idealzustand immer näherzukommen. Auch keine grämliche Kritik, die nur auf Kosten der Sozialpolitik sieht und auf die damit verbundenen Einschränkungen der persönlichen Handlungsfreiheit, und darauf, daß trotz unserer jahrzehntelangen redlichen Bemühungen die sozialen Hebel unb Spannungen boch scheinbar in alter Stärke fortbestehen. Aber eine wohlabgewogene, wissenschaftliche Hntersuchung, die die Sozialpolitik nicht bloß als eine Klassenangelegenheit, als eine Streitfrage zwischen Arbeiter und Unternehmer betrachtet, sondern sie aus bem Wesen, aus den QcbenSxiclen von Staat und Gesellschaft, von Individuum und Gemeinschaft zu begreifen sucht. Den unmittelbaren Interessenten ber Sozialpolitik, die aktiv den Hauptvorteil davon haben oder passiv die Hauptkosten dafür Vorschüßen müssen, wird es der Verfasser nicht immer ganz recht gemacht haben, aber wer sich im Streite der Meinungen ein unbefangenes Hrteil bilden will, der wird gern nach dem Buche greifen^ zumal es noch den Vorzug einer außerordentlich klaren und flülligen Darstellung hat und seine Lektüre durch ein ausführliches Inhaltsverzeichnis und Sach- und Damenregister erleichtert wird. Politik und Geschichte. — Provinzen der Weltwirtschaft und Weltpolitik: Rußland von Prof. Dr. Han- v. Cckardt. Mit vier mehrfarbigen unb zwölf schwarzen Karten. 233 Abbildungen. 568 Veiten. ©t.-S0. In Ganzleinen 30 Mk. Verlag Bibliographische- Institut AG., Leipzig (199). — Ruhlanb liegt heute, über zehn Iahre nach ber Hmwälzung, immer noch wie ein Rätsel -wischen Europa unb Asien. Die tatsächlichen politischen unb wirtschaftlichen Beziehungen zu ihm sinb gering. Da- Verhalten der neuen Machthaber ist nicht einheitlich, ihre Pläne auf lange Sicht schwer zu burchschauen. Sv bietet bie Gegenwart wenig Ansatzpunkte zur Beurteilung der Vereinigten Sowjet-Republik unb ihrer po- litisch-wirtschastlichen Zukunft. Wir haben unS allzusehr daran gewöhnt, die bolschewistische Hmwälzung als etwas ganz Reue- unb noch nie DageweseneS auch für Rußlanb selbst anzusehen. Das ist nur bebingt richtig. Zahlreiche auhen- unb innenpolitische, Wirtschafts- unb bevölkerungspolitische Maßnahmen ber neuen Regenten bebeuten jahrhundertealte Praxis, sinb von allen großen russischen Staatsmännern seit Peter bem Großen versucht unb erstrebt worden. HanS v. Eckardt, in Rußland geboren und ausgewachsen, macht die russische Gegenwart durch Klarlegung der großen natur- und volk-bestimmten önt- wicklungSlinien verständlich und greifbar. Russischer Staat, russische Wirtschaft, russisches Denken werben historisch entwickelt, — immer in ber Absicht, daS heute Seienbe unb Werdenbe zu erklären. Die Schlußkapitel behanbeln ben bolschewistischen Proletkult als Ansatz neuer geistiger Kultur der Werktätigen, den FünfjahreSplan als erste Phase ber Ginglieberung in die Weltwirtschaft, die Rattonalttätenpolitik als Drücke zur Weltkulturprovinz Rußland. Reue, verantwortungsfreudige, gegenwartszugewandte Geschichtsschreibung, die sich das oesondere Ziel steckt: Deutschlands und Rußlands Rähe und Derbundenheit zu -eigen. Für daS epochemachende Werk spricht auch die ganz au-gezeichnete Schilderung, die, meist auf zeitgenössische Quellen zurückgreifend, in ber hier gebotenen Reichhaltigkeit und sorgfältigen Auswahl und Eingliederung Wohl einzig dasteht. — Heinz Gorrenz: „Die Franzosenzeit in Rassau und Frankfurt a. M. 19 18 b i s 1 930." Eine Chronik, in der von Rot unb Schanbe, von Rarretei und Derrat, aber auch von Heimatliebe und deutscher Treue erzählt wird. Druck und Derlag der Frankfurter Rachrichten I. G. Holtzwarts Rachf. G. m. b. H. Frankfurt am Main (259). Der Verfasser, der als Redakteur in Wiesbaden bis zu seiner Ausweisung bie Rot bet BesatzungSzeit gründlich durchgekostet hat und später im Abwehrkampf gegen rheinische Separatisten unb französische Kulturpropaganda in vorderster Linie ftanb, hat auS einem überreichen Material da- interessanteste in bieser kleinen Broschüre au* sammengestellt. Die Tage bes Einzug- bet „Sieger", bie Tage bet Dorten unb Matthe- erstehen toieber, bie Tage scharfen Kampfe- und enblichen Sieges ber tapferen deutschen Gegenwehr. Leibet ist bie Ausstattung dieses interessanten Büchleins, was Papier unb Druck betrifft, seht mäßig, auch bie vielen beigegebenen Bilber, so interessante Dokumente sie an sich fein mögen, sinb kaum erkennbar toiebergegeben. Musikiieraiur. — Geschichte ber Musik in allgemein« verständlicher Form. Don Prosessot Dr. I. Wolf. Erster Teil: Die Entwicklung ber Musik biS etwa 1600. 2. Auflage. 159 Seiten. Geb. 1,80 Mk. In Sammlung Wissenschaft und Bildung. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig (48). — Der Berliner Musikhistoriker I. Wolf hat e- verstanden, klar und anschaulich ben Wetbegang ber Musikgeschichte zu schildern und für alle Probleme der Musikgeschichte lebendige- Interesse zu erwecken. Rach einem Heberblick über bie Musik bet alten Welt führt uns bet Verfasset über bie kirchliche und weltliche Musikkultur des Mittelalters in die ars nova der Renaissance. Reben ber Sangeskunst sinb Instrumentalmusik und Theorie ausgiebig berücksichtigt. Wer einen tiefen Einblick in das geschichtliche Werden der Musik haben möchte, dem sei dieses Büchlein empfohlen. — Iulius Levin: Iohann Sebastian Bach. Dolksverband ber Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. (152) — Tiefet als alle früheren Generationen verehrt die heutige in Dach nicht nur den Meister einer vergangenen Epoche des musikalischen Stil-, sondern das künstlerische Genie, dessen Wirkungen sich über Iahrhundette hinweg bis in die jüngste Gegenwart erstrecken. Julius Levin hat diese Tatsache in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Richt allein Leben unb Werk bes Meisters schildert er, fonbern vor allem bie ungeheure Machtausstrahlung, bie von dem architektonischen Gesetz seiner Werke auf die Musik der folgenben Iahrhundette ausgegangen unb selbst in ben Roten unserer modernsten Komponisten noch zu erkennen ist. So wird das Werk Levins zu einem rechten Duch der Gegenwart, geeignet nicht nut für den Musiker, sondern besonders für den Laien, der allzuleicht Gefahr läuft, vor ber Fülle bet Der* schiebenartigen musikalischen Erscheinungen bie ungebrochene Linie einer großen Entwicklung nicht mehr flar zu erkennen. Das Werk ist mit interessanten Illustrationen, Handschrist- unb Rotenproben ausgestattet. Preis in Halbleber 4,20 Mk. — 2 ohannes Brahms. Don Dr.Paul Mies. Geb. 1.80 Mk. In Sammlung Wissenschaft und Dlldung. Derlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (203) — DaS Duch setzt das Werk in den Dordergrund und läßt in einer Reihe von Querschnitten Dokal- und Instrumentalmusik nach der Seite des Inhaltes und der Form vor bem Leser entstehen. An Hand zahlreicher Beispiele finb diese leicht erkennbar und bei eigenem Studium auf weitere Werke des Weisters anwendbar. Ein zweiter Abschnitt umreißt die Stellung deS Komponisten im Lause der Musikgeschichte, zeigt seine Beziehungen zu Früheren und Glclr^ettigen und deckt das DorwärtS- weisende in Brahms Lebenswerk auf. 3m letzten Abschnitt macht uns Dersasser mit dem künstlerischen und 'menschlichen Charakter des Meister- bekannt. Oie Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen-Siadt im Lahre 1929. Oie Verschmelzung der beiden Gießener Ortskrankenkassen vorerst gescheitert. Der Ausschuß der Allgemeinen Orts- krankenkas se Giehen-Stadt trat gestern zu einer Sitzung im Gewerkschaftshaus zusammen, um den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr 1929 entgegenzunehmen und sich weiter mit wichtigen organisatorischen Fragen zu beschäftigen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden der AOK. Giehen-Stadt. Herrn Ottilie, fand zunächst der Punkt ,,Beschlußfassung gemäß § 265 RVO." seine Erledigung. Es handelt sich hier um die Zusammenlegung der beide,» Ortskrankenkassen Giehen-Stadt und Gießen-Land. Der Vorsitzende des Ausschusses, Herr B i n bewald. nahm die Abstimmung getrennt vor, die das Ergebnis hatte, daß alle Anwesenden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der Verschmelzung zu stimmten. Geschäftsführer Fourier gab anschließend eingehende Erläuterungen zu dein Geschäfts- und Kassenbericht. Das Jahr 1929 verlief zu Beginn recht ungünstig, weil es durch die außergewöhnlich strenge Kälte mit der darauffolgenden Grippe-Epidemie an die Leistungsfähigkeit der Kasse äußerst hohe Anforderungen stellte. Wiederholt betrug die Summe des wöchentlich zur Auszahlung gelangenden Krankengeldes 15 000 bis 16 000 Mark. Dazu stiegen auch die übrigen Ausgaben für Aerzte und Arzneimittel. Wenn es trotzdem gelang, diese schwere Zeit ohne Zuhilfenahme von Bankkrediten usw. zu überwinden, so ist das ein Zeichen für die gute Geschäftsführung der Kassen- r>erwaltung. Obwohl eine Mehrausgabe von rund 15 000 Mark vorhanden war, konnte von der Erhöhung der Beiträge und der Herabsetzung der Leistungen Abstand genommen werben. Lieber die von der Kasse geleisteten Aufgaben gibt ein recht anschauliches Bild der Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen: Erträge aus Kapitalanlagen 10 447,45 Mk., Beiträge 974 515,71 Mark, zusammen 984 603,16 Mark. Die Ausgaben sehen sich wie folgt zu- sammen: 1. Krankenhilfe für Mitglieder: Krankenbehandlung durch Aerzte 135 461,49 Mark, Sachleistungen der Aerzte 1946,98 Mk., Wegegebühren der Aerzte 5342,40 Mk., Zahnbehandlung 38 938,75 Mk., Krankenbehandlung durch sonstige Heilpersonen, ausschließlich Hauspflege 112,60 Mk., Arznei und sonstige Heilmittel 111 990,66 Mk.. Barleistungen statt Arznei usw. 3,20 Mk., Krankenhauspflege 99 618,14 Mk., Krankengeld 339 735,08 Mk., Hausgeld 9951,74 Mk., Taschengeld 4431,90 Mk„ Fürsorge für Genesende 27 793,90 Mk., zusammen 775 326,84 Mk. — 2. Krankenpflege f ü r Familienangehörige: Krankenbehandlung durch Aerzte 45 147,15 Mk., Sachleistungen der Aerzte 720,75 Mark, Wegegebühren der Aerzte 3070 Mk., Zahnbehandlung 2272,82 Mk., Arznei und sonstige Heilmittel 886,58 Mk., Krankenhauspflege 8537,19 Mk., Sonstiges 225 Mk., zusammen 60 859,49 Mk. — 3. Wochenhilfe: Hebammenhilfe für Kassenmitglieder 6688,60 Mk., für Familienangehörige 6835,70 Mk.: Wochengeld für Kassenmitglieder 19141,30 Mk., für Familienangehörige 1324,52 Mk.: Stillgeld für Kassen- mitglieber 10 252,22 Mk., für Familienangehörige 806,48 Mk.: sonstige Leistungen für Kassenmit- ylieder 1830 Mk., für Familienangehörige 419,25 Mark, zusammen 47 298,07 Mk. — 4. Fürsorge im allgemeinen: 2441 Mk. — 5. Sterbegeld beim Tode von Mitgliedern 5032,10 Mk., von Familienangehörigen 2015,50 Mark, zusammen 7047,60 Mk. — 6. Verwaltungskosten: persönliche 84 615,57 Mk., sächliche 18 935,71 Mk., zusammen 103 551,28 Mk., sonstige 3127,42 Mk. — 7. Vermögensanlage bzw. Veräußerungen: Erwerb von Mobiliar und sonstigen Geräten 1003,63 Mk. Insgesamt 1 000 655,33 Mk. Der Einnahme von 984603,16 Mk. steht eine Ausgabe von 1 000 655,33 Mk. gegenüber, so daß ein Fehlbetrag von rund 15 000 Mk. besteht, der durch Reserven ausgeglichen wird. Die Vermögensnachweisung enthält: A. Mittel: 1. Kassenbestand einschl. Postscheckkonto 87 331,38 Mk.: 2. Guthaben 40 000 Mk.: 3. Wertpapiere 4400 Mk.: 4. Hypotheken 15 472,42 Mark: 5. Forderungen: a) Darlehn für gemeinnützige Zwecke 102 000 Mk.: b) unberechtigt gebliebene Ersatzforderungen für Kranken-, Familien-, Wochenhilfe 3451,86 Mk.: c) rückständige Beiträge 35128,11 Mk., zusammen 140 579,97 Mk.: 6. Grundbesitz 57 286,46 Mk.: 7. Geräte 11 295,73 Mark: 8. Bestand an Heilmitteln 4861,82 Mk. 3m ganzen 361 227,78 Mk. — B. Verpflichtungen: Hypotheken 7474 Mk. Lleberschuß der Aktiva 353 753,78 Mk. Rücklagen am Schlüsse des Geschäftsjahres 149 872,42 Mk. Reine 3ah- resausgabe der drei vorhergehenden Jahre: 1926: 742 737,76 Mk., 1927: 831 763,37 Mk., 1928: 931 057,72 Mk., zusammen 2 505 558,85 Mk., durchschnittliche Fahresausgabe 835186,28 Mk. Das Hauskonto hat eine Mehreinnahme von 1729,74 Mk. (Einnahme 7379,71 Mk., Ausgabe 5649,97 Mk.). Die Mitgliederzahl betrug im Jahresdurchschnitt 10 409 (5677 männlich, 4732 weiblich). Durch die ständig zunehmende Arbeitslosigkeit trat gegen Ende des Jahres eine starke Mit- gliederabnahine ein (Stand am 31. Dezember 1929 : 9595, davon 4879 männlich, 4716 weiblich). 3m Jahre 1929 waren zu verzeichnen 7391 Krankheitsfälle (4328 männlich, 3043 weiblich) gegen 6643 im Vorjahr, die Krankheitstage betrugen insgesaint 154 546 (i. 03. 129 747), davon entfallen 83 662 ( 69 901) auf männliche, 70 884 (59 846) auf weibliche Mitglieder. An Krankengeld wurden gezahlt 339 735,08 Mark gegen 300 701,76 Mk. im 3ahre 1928. Die Ausgaben für ärztliche Behandlung betrugen 241 775,13 Mark gegen 236 734,86 Mk. im Vorjahr. Die Kosten für Arznei und Heilmittel erreichten eine Höhe von 112 877,24 Mk. (i. V. 99 345,64 Mk.). Aus der Selbstabgabe wurden für 14 311,95 Mk. Krankenpflegeartikel abgegeben, der Apothekenpreis hierfür ist 28 981,55 Mk. Die Verpflegungskosten in Krankenhäusern betrugen 99 618,14 Mk. (i. 03. 91 690,35 Mk.), davon entfallen auf die Gießener Kliniken 80 356,29 Mk., für Ersatz von Krankenhauskosten an das Wohlfahrtsamt 2556,02 Mk., an sonstige Krankenhäuser 16 705,83 Mk. 3m Erholungsheim Waldkatzenbach im Odenwald wurden 207 Mitglieder (i. V. 232) an 5835 Tagen (i. D. 6413) verpflegt. Dafür wurden 27 793,90 Mk. (i. V. 30 830,09 Mk., verausgabt. Sonstige Ausgaben wurden in Höhe von 5568,42 Mk. geleistet, und zwar u. a. für die Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose in Stadt und Kreis Gießen 1551 Mk., an das Wohlfahrtsamt Gießen für vorbeugende Zwecke (Kinderfürsorge) 800 Mk., zu den Kosten für die Aufführung des Aufklärungsstückes „Die weiße Pest" 350 Mk. und zu den Kosten der Ausstellung „Der Mensch" 509,20 Mk. Der Geschäfts- und Kassenbericht fand die einmütige Zustimmung der Vertreter. Herr Fischer erstattete den Bericht der Revisoren und beantragte, da Kasse und Belege in mustergültiger Ordnung befunden seien, die Entlastung. Dem Anträge wurde stattgegeben. Zur Frage des zu errichtenden Reubaues eines Derwaltungsgebäudes führte Herr Fourier aus, daß die Errichtung eines Zweckbaues in einfacher Form und praktischer Einrichtung geplant sei. Die vom Ausschuß dafür bewilligte Bausumme müsse unbedingt eingehalten werden. Rach Erledigung einiger Anfragen: betr. das Versicherungswesen wurde die Sitzung geschlossen. Oie Zusammenlegung der OK. Gießen-Siadt und Gießen-Land hatte vorher die Vertreter der beiden Krankenkassen zu einer gemeinsamen Sitzung zusarnrnen- geführt. Der Vorsitzende Herr Ottilie gab einen Lieberblick über den Stand der Angelegenheit. Zur Beschlußfassung sei eine getrennte Abstimmung beider Ausschüsse nach Arbeitgeber und Arbeitnehmer erforderlich. Das Referat über diese Frage hatte der kommissarische Geschäftsführer der AOK. Gießen- Land, Herr Georges, d?r u. a. erklärte: Es herrschten gleiche Verhältnisse bei Giehen- Stadt und Gießen-Land. Für die Versicherten bestehe eine wechselnde Zugehörigkeit zu der einen oder der anderen Kasse. Eine Trennung vom sozialpolitischen Standpunkt bestehe nicht, da beide Kassen gleiche Zwecke verfolgten. Auch die Rotwendigkeit für zwei getrennte Kassen bestehe nicht. Die räumlichen Verhältnisse seien bei beiden Kassen reformbedürftig. Wolle man Gemeinschaftsarbeit leisten, so solle man gleich den Schritt zur Vereinigung tun. Beide Kassen arbeiteten getrennt unwirtschaftlich. Es seien große Ersparnisse möglich, schon durch den Fortfall einer Geschäftsführerstelle. Eingehend erläutert wurden die Leistungs- und Beitragsübersicht und die mutmaßlichen Ausgaben der neuen Kasse. 'Hierbei habe keine Schönfärberei vorgeherrscht, die Aufstellung erfolgte von den beiden Geschäftsführern nach tatsächlichem 03er- gleichsmaterial. Mit dem Beitragssatz von 6,5 vom Hundert müsse bei gewissenhafter Kassenführung auszukommen sein. Geschäftsführer Fourier ergänzte diese Ausführungen und wies vor allem auf die großen Ersparnisse hin, die durch den Zusammenschluh zu erzielen seien. Den Berechnungen haben die Ergebnisse des 3ahres 1928 zugrunde gelegen. Ein Beitragssatz von 6,75 v. H. sei aus finanztechnischen Gründen das Beste gewesen. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Degenhardt, Ottilie, Häuser, Fischer, Direktor R e h b e r g. Rach längerer gesonderter Beratung gab Bürgermeister Fendt (Hungen) das Ergebnis der Abstimmung des Ausschusses der AOK. Gießen-Land befannt. Darin wird gesagt, „daß die Arbeitgeber grundsätzlich nicht gegen den Zusa mmenschluß sind, sie halten jedoch den gegentoärtigen; Augenblick nicht für geeignet. Die Arbeitnehmer stimmten f ü r den Zusammenschluß." Der Ausschuß der A O K. G i e h e n -S t a d t war einmütig f ü r den Zusammenschluß, wie oben erwähnt. Zur Verschmelzung beider Kassen ist die Zustimmung der Mehrheit der Ausschuhmitglieder (sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer) erforderlich. Da die Zustimmung der Arbeitgeber von Gießen-Land zum jetzige»» Zusammenschluß nicht erfolgte, so sind die 03er- fchmelzungsverhandlungen vorerst als g e s ch e i - t er t anzusehen. Preußen. Kreis Wetzlar. cxd Lützellinden, 21. Juli. Aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ist folgendes zu berichten: Der Antrag der Kleinsiedlungsgesellschaft für den Kreis Wetzlar auf Beitritt der Gemeinde als Mitglied wurde abgelehnt. Die Fischerei der hiesigen Gemeinde war bisher an den Angler-Sportverein Gießen verpachtet. Dieser hat den Antrag gestellt, ihn von dem Pachtvertrag zu entbinden und an seine Stelle den hier neugegründeten „Anglerklub" treten zu lassen. Der Gemeinderat genehmigte diesen Antrag mit der Maßgabe, daß sich der neue Pächter den Bestimmungen des Fischereipachtvertrags zu unterwerfen hat. Auf die Beschwerde eines Mitpächters der Gemeindejagd gegen die Errichtung eines Schieß st an des im Jagdbezirk durch den hiesigen Kleinkaliber- Schützenverein wurde beschlossen, nach einem geeigneten anderen Platz für den Schießstand Umschau zu halten, um den Interessen beider Parteien (Jagd, Pächter und Kleinkaliber-Schützenoerein) nach Mö^ lichkeit gerecht zu werden. Der Antrag eines hiesigen Gastwirts und der Burschenschaft auf Genehmigung zur Abhaltung des K i r ch w e i h f e st e s am 17. und 18. August wurde wegen der in der Gemeinde herrschenden Arbeitslosigkeit und mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche Notlage abge« lehnt. Kreis Marburg. WSN. Marburg, 21. 3uli. Der Kreisausx schuh nahm mit Bedauern von der Mitteilung des Landeshauptmanns Kenntnis, daß es dem Bezirksverband nicht möglich sei, in diesem 3ahre zu den bei Roth beabsichtigten, vom Kreistag beschlossenen weiteren Lahnre« gulierungsarbeiten die bisher übliche Beihilfe zu gewähren. Da es sich dabei um einen Betrag von 30 000 Mk. handelt, ist es leider nicht möglich, die Arbeiten bei Roth, die der Kreis zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit sehr gern in Angriff genommen hätte, durchzu* führen. Kreis Biedenkopf. WSR. Hommertshausen, 22. 3uli. Beim Holzholen im Walde verunglückte der 3n- valide Andreas Schneider tödlich. Als er mit einer Stange die dürren Zweige von den Aesten schlug, brach die Stange und der an der Spitze befindliche Cisenhaken verletzte ihn erheblich am Oberschenkel. Da der Verunglückte allein im Walde war, v e r b l u tete er, Dillkreis. WSR. Hörbach, 21.3uli. Das 2 Ve i ä 5 < rige Töchterchen der Familie Otto ‘CB te n ber fiel in einem unbewachten Augenblick in einen Kübel mit kochender Seifen« lauge und zog sich derart schwere 03 e r t brühungenzu, daß es Tags darauf im Kran-, kenhaus in Herborn starb. Turnen, Sport und Spiel. Der Luropa-Rundflug. B e r l i n, 23.3uli. (WTB.) Rach den bei' M Leitung des Europarundflnges hier ein* getroffenen Meldungen liegt zur Zeit der engt lische Kapstadtflieger Butler, der am Rächt mittag bereits über Poitiers-Pau den erstens spanischen Zwangslandeplatz Zaragoza erreichte, an der Spitze. Auf dem Wege dorthin be^ fanben sich weiter die englische Sportfliegerin! Miß S p o o n e r, die Franzosen Arrachart und C o r n e z. ) 3n Zaragoza sind im Verlaufe des gestrigen Rachmittags noch folgende Teilnehmer am Europaflug gelandet: Thom (England), Polte, Morzik und Poh (Deutschland). Alle vier haben den Weiterflug nach Madrid angetreten. 3n| Madrid sind eingetroffen Morzik, Polte, Poh, ferner Broad (England) und Carberry (England), Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Oueckborn. Ein junger Mann, der in das Reichs« Heer eintreten will, meldet sich bei dem Einstellungsbureau des Truppenteils, zu dem er gehen möchte« Von dort erhält er a»ich die Bedingungen über den Eintritt in das Heer zugesandt. Berliner Börse. Berlin, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) 3nt heutigen Frühverkehr konnte sich »roch kein Geschäft entwickeln. OBefonberc Anregungen lagert nicht vor, Kurse würben noch nicht genannt« und eine Tendenz war noch nicht erkennbar. Am Devisenmarkt nannte man Conbon gegen Paris 123,69, London gegen Mailand 92,89, London gegen Spanien 42,4050, London gegen Kabel 4,8670, London gegen Berlin 20,3690, Kabel gegen Berlin 4,1850. seif Jahrzehnten die bevorzugte Nahrung für Säuglinge unübertroffen bei allen Verdauungsstörungen, fördert die MusKel-u. Knochenblldunq, hLir7''|^$Oi^4- Warum sich zwei Drittel aller Käufer von Autos „unter 3000 Mark" für Opel entscheiden • • • 5PB • • • weil Opel schon für 1990 RM ein richtiges Automobil herausbringt - mit einem kräftigen 4 Zylinder 4 Takt- Motorl — weil sein Radstand 10-33 °/0 länger ist, als der anderer Serienwagen dieser Klasse - weil seine Spurweite 16% breiter - weil seine Tragkraft 20 % größer - weil der 1,01 Liter 4 PS Opel mit Automobil Ballon Reifen (nicht mit Motorrad ReifenI) ausgerüstet ist - und - weil er für 4 Erwachsene (nicht nur für 3 oder 3 % Personen) gebaut ist— also 33 % mehr befördert!. •. Er ist genügend Zweisitzer* RM 1 990' 5-fach bereift lang - er ist genügend breit - er ist genügend groß - und wirklich bequem l Das kann man zwar auch von anderen Wagen dieser Klasse - behaupten, aber nicht mit den gleichen Tatsachen belegen I Daraus erklärt sich: 1. die Überlegenheit - 2. die Verbreitung des Opel 4 PS... 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