Nr. 247 Lrftes Blatt 180. Zahrgang Mittwoch, 22. Oktober |930 Eriche 'n> logl'ch,nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte vietzenei Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle gionats-Be$ugspre1$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfenmg für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen ernzelnerNummern infolge höherer Gewalt. 5ernfprechanschlüste anterSammclnummer2251 Anschrift für Drahtnach« richten Anzeiger -letze«. postschettkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vrühl'fche Univerfilütr-Vuch- und Stetnöruderet H. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" „ mehr. Chefredakteur: Dr. Frtedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Oie Grubenkatastrophe in Alsdorf. Furchtbare Zerstörungen als Folge der Explosion. - Oie Ursache noch nicht einwandfrei festgestettt. - Bis jetzt 131 Zot>e0> Opfer und 98 Verletzte geborgen. - Roch ungefähr 60 Bergknappen eingeschloffen. - Oie Bergungsarbeiten gehen weiter. Oas Rettungswert. Alsdorf, 22. Oft (TDIB. Funkfpruch.) Um 6.35 Uhr früh war die Bergung bis auf 13 7 lote forlgeführl In den Krankenhäusern waren um diese Zeil, nachdem schon einige Personen wieder entlassen wurden, 98 verletzte, von unten kommende Mannschaften erzählen, datz auf der vierten Sohle (460 Meter) die Zerstörung eine fast vollkommene ist. Dort allein sind bisher 78 Tote geborgen. Die Aussichten, von der vierten Sohle noch Lebende zu bergen, sind außerordentlich gering, von anderen Sohlen kommen aber noch lebend Geborgene heraus. Man darf annehmen, datz zur Zeit noch insgesamt 60 Leute ein- geschlossen sind, von denen der gröhte Teil, wenigstens soweit er auf der vierten Sohle vom Unglück überrascht wurde, als verloren betrachtet werden muh. Die Sprengstofflager der anderen Sohlen sind sämtlich in Ordnung gefunden worden. Die Verbrennungsspuren an den Türen unter Tage deuten darauf hin, dah der Brand seinen Ausgang vom Schacht genommey hat und von dort in die Ouerstege gelangte. Auch die Richtung des E x - plosionsstohes, den die Mannschaften empfanden, und dem sie zum Teil zum Opfer fielen, weist auf diese Annahme hin. Die Explosion hat die Wettertüren zerschlagen und die Rachschwaden haben sich infolgedessen unbehindert auf das ganze Revier der Grube Anna II ausdehnen können. Zn diesen Schwaden haben dann die Leute den Tod gefunden, bei denen Erstickung festgestellt wurde. Lin Unsicherheitsfaktor für die Feststellung der Geretteten und der noch Verschütteten ist das tägliche Schwanken der Zahl der a n - getretenen Arbeiter. Die Markenkontrolle ist zerstört, und die Zahl der vermihten kann auch nach den inzwischen herbeigeschassten Zahlen der aus Schacht Anna III ausgefahrenen 57 Leute noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Die Verwaltung hat eine gedruckte Liste der Der- mieten im Orte verteilen lassen, um die Bevölke- rung, die zum Teil die ganze Rach! hindurch vor den Toren ausharrt, so gut wie nur möglich zu unterrichten. In den letzten Stunden konnten die Bergungsarbeiten beschleunigt und In 2/a Stunden 30 Tote herausgeschafft werden. An der Llngtücksstätte. WTB. Alsdorf, 21. Ott. (Bon unserem Sonderberichterstatter.) Die Unglücks statte auf dem Schacht Anna II ist nur auf Umwegen zu erreichen. Die dem Förderturm zugewandte Auhenmauer des Verwaltungsge- bä udes steht nur noch soweit, als sie von den sie umgebenden Schuttmassen gehalten wird. Der Förderturm selbst, der etwa 30 Meter hoch war hat sich zur Seite geneigt und dabei einen Zementsockel beschädigt. An dieser Stelle knickte der Turm seitlich ein und stürzte auf das Verwaltungsgeb äude, das gleichzeitig von der unterirdischen Explosion erschüttert und zum größten Teil in sich zusammengesunken war. Der Schutthaufen füllt mehr als das Erdgeschoß. Hier wurden die er st en Toten geborgen. Die Trümmer der benachbarten Gebäude geben ein Bild davon, was sich unter der Erde ab- gespielt haben mag. Die dritte Sohle des Schach- tes Anna II ist mit 460 Meter Tiefe dietrefste des Reviers. Dort lag in etwa 10 bis 20 Meter Entfernung vom Schacht ein Dynamrt- lager, dessen Explosionsstichflammen bis hoch über dem • Förderturm sichtbar gewesen sind. Trotzdem konnten aus dem Unglücksschacht vermittels Leitern und Seilen noch drei Mann unverletzt heraufgeholt werden. 3m Förderschacht Anna I selbst kommen in kleineren Zeitabstanden Verletzte zutage, die sofort von den Sanitätern betreut werden. Sie berichten über einen dumpfen Schlag und den Einsturz der Gebirge. Viele wußten zunächst gar nicht, weshalb der Befehl zum sofortigen Ausfahren ge» geben wurde. Die elektrischen Kabel ftnd zerstört und die Ausfahrt, vor allem die Verbindung der einzelnen Stollen untereinander, war dadurch bedeutend erschwert. Von den Ereignissen über Tage sind einige erschütternde Einzelheiten öekanntgewor- den. 3n einem dem Förderturm des Wilhelms- schachtes besonders nahegelegenen Stapel Gru- benholz wurde ein Arbeiter mit solcher Wucht gegen das Kopfende derBalken gepreßt, daß sein Körper die Dalken tn genau der Körperform verschob. Dem Unglücklichen wurde dabei der Kopf völlig zertrümmert. An einer anderen Stelle fanden Sanitäter in etwa 300 Meter Entfernung von der Unglücksstatte eine einzelne Hand. 3n Alsdorf und ^sonders in den Straßen, die zur Zeche führen, ftnd Dächer und Fensterscheiben beschädigt, auch große Fensterscheiben, die der Luftdruckrichtung zugewandt waren, wurden eingedrückt. Von den geretteten Bergarbeitern waren einige mit Hellem Gesteinsstaub bedeckt, und man will daraus schließen, dah automatisch auch die Gesteinsstaubsicherung in Tätigkeit getreten ist. Trotzdem reichte stellenweise die Wirkung der Explosion recht weit. Roch 250 Meter von der Unglückstätte entfernt, wurden Tote gesehen, die aber noch nicht geborgen werden konnten. 3m Verwaltungsgebäude wurde ein Beamter, der vor dem offenen Geldschrank stand, mit solcher Gewalt gegen die Tür des Geldschrankes gepreßt, dah er tot liegen blieb. 3n Alsdorf selbst herrscht ein furchtbares Durcheinander, da die ganze Bevölkerung verstärkt durch sehr viele Reugierige, die aus allen Teilen des Rheinlandes, aus Belgien und Holland herbeigeströmt sind, sich auf den Straßen aufhält. Don Zeit zu Zeit kommen geschwärzte Gestalten aus dem Verwaltungsgebäude heraus, die sich am Rettungswerk beteiligen oder auch solche, die durch andere Schächte ausgefahren sind. Sie werden mit Fragen nach den Angehörigen bestürmt, können aber alle keine bestimmte Auskunft geben. Das Bordringen in die zu Bruch gegangenen Strecken ist außerordentlich erschwert. Die Derwaltung lehnte es Dienstag ab, sich über die Ursachen -zu äußern, da eingehende Untersuchungen zur Zeit nicht angestellt werden können. 3n erster Linie müßte die Arbeit der Bergung der Eingeschlossenen gelten. Es ist also immer noch ungeklärt, ob es sich um eine Sprengstoff - oder eineK o h l e n st a u b- explosion oder um Schlagwetter handelt. Rach der verheerenden Wirkung der Explosion an dem Seilturm und dem Verwaltungsgebäude muß man annehmen, daß es sich um eine Sprengstoffexplosion handelt. Man nimmt an, dah die Explosion auf der 3 60-Meter-Sohle erfolgt ist, weil dort das Sprengstofflager lag, das etwa 1000 Kilogramm Sprengstoff umfaßte. Diese 360-Meler°Sohle ist die drite Sohle. Die vierte Sohle liegt mit 460 Meter noch darunter. Die Belegschaft von Anna II beträgt 2000 Mann und verteilt sich auf drei Schichten. Die Rachtschicht war um 6 Uhr ausgefahren. Wie eine stehengebliebene Uhr zeigt, erfolgte die Explosion um 7,3 1 Uhr. lieber die Ursache gehen die Vermutungen noch auseinander. Das Sprengstofflager kann sich durch Temperaturüberhöhung entzündet haben. Cs kann auch eine kleine örtliche Schlagwetterentzündung die Veranlassung gewesen sein. Die Grube Anna I gehört, wie die meisten Gruben des Wurmreviers, dem C s ch - i weiter Dergwerksverein. Sie hatte bisher nur ein größeres Unglück zu verzeichnen, und zwar im 3ahre 1917. Damals waren 53 Tote zu I beklagen. Dynamit im Bergwerk! Grubenkakastrophen, die durch Sprengstoffe hervorgerufen werden. Oie Explosionswirkung des Dynamits. Bon Dr. Siegfried Kurth Rahe der holländischen Grenze liegt der kleine Ort Alsdorf, der in der Hauptsache von den in der Rahe befindlichen Steinkohlengruben lebt. Huniert bis sechshundert Meter unter die Erdoberfläche steigen die Bergleute, um dort in der Tiefe eine besonders vorzügliche Steinkohle aus dem Boden zu „schießen". Dazu verwendet man Dynamitpatronen, deren Sprengwirkung außerordentlich groß ist. Strenge Borschri- ten sollen dafür sorgen, daß die gefährlichen Sprengstoffe richtig behandelt werden. Aber alle vorsorglichen Maßnahmen haben nichts genützt, das Dynamitlager der Grube ist explodiert, hat einen mächtigen Förcerturm zerstört, Verwaltungsgebäude vernichtet und die Stätte fleißiger Arbeit in einen wüsten Trümmerhaufen verwandelt. 3n Alsdorf sind alle Fensterscheiben gesprungen. im Umkreis von vielen Kilometern hat man die gewaltige Detonation gespürt, zehn Minuten schwebten Rauchwolken in der Luft und hüllten die Unglücksstätte in Finsteriris.' So entsetzlich wirkt sonst nur ein Erdbeben. Wie ist es möglich, daß verhältnismäh g geringe Mengen Dynamit diese Verheerungen anrichten konnten? Warum verwendet man überhaupt Dynamit im Bergbau? Das sind Fragen, die sich sofort ein- stellen müssen. 3m Dynamitlager des Wilhelmschachtes auf der Grube Anna II befanden sich nur etwa 1000 bis 2000 Kilogramm Sprengstoff. Ein oder zwei Tonnen — das ist nicht viel. Aber Dynamit hat eine furchtbare Kraft. Um die Gewalt der Explosion zu begreifen, muh man eine kleine Berechnung anstellen. Ein Meterkilogramm ist jene Kraft, die Die Grube Anna II in Alsdorf. Der Pfeil bezeichnet die Fördertünne der Grube, die jetzt eingestürzt sind. ifi «f — MD MMMMN - 'oruif i * «» • uh ausreicht, ein Kilo. einen Meter hoch zu heben. Verbrennt man nun ein Kilogramm Dynamit, so entstehen dabei 1300 Wärmeeinheiten, die etwa einer Arbeitsleistung von 550 000 Meterkilogramm entsprechen. Wird diese Energie i n einer Sekunde ausgelöst, so entspricht dieS der Arbeit von 7350 Pferdekräften. Aber Dynamit explodiert nicht etwa in einer Sekunde, sondern im sechzigsten Teil dieser Zeit. Dadurch steigert sich die Explosionskraft auf nahezu eine halbe Million Pferdekräfte. Und diese furchtbare Energie entwickelt sich schon bei der Explosion eines einzigen Kilogramms Dynamit! Wenn aber rath zwei Tonnen Dynamit in die Luft fliegen, so erhöht sich die freiwerdende Energie auf zehn Millionen Pferdekräfte. Die Explosion ist nun mit dieser ungeheuren 3ntenfität erfolgt, die der gleichzeitigen Kraftanstrengung von etwa 70 Millionen Menschen entsprechen würde, also von mehr Menschen, als in Deutschland wohnen! Und aus diesem Grund hat das explodierende Dynamitlager tatsächlich die Gewalt eine8 lokalen Erdbebens erhalten. Vor mehr als zwei 3ahrzehnten hat man in der Schweiz erfahren müssen, welche unvorstellbare Wucht ein explodierendes Dynamillager besitzen kann. 3n seinem Buch „Die Schieß- und Sprengstoffe", das 1920 erschienen ist, schildert Dr. Alfred S t e 11 b a ch e r , wie am 15. Rovember 1908, etwa gegen Voll Uhr, das Dynamithaupllager an der Jungfraubahn in die Luft flog. 3n einem Rebenraum des Tunnels, 2700 Meter hoch in der Cigerwand, waren 25 000 Kilogramm Sprenggelatine untergebracht. Plötzlich hallten die Berge von einem furchtbaren Knall wider, und die Bewohner der benachbarten Täler flohen erschreckt aus ihren Häusern, voll Furcht wegen des vermeintlichen Erdbebens. Als sie in die Höhe schauten, sahen sie gewaltige Rauchmassen, die aus dem Derg- innern des Eiger hervorzuquellen schienen. Die Explosion hatte die zwanzig Meter dicke Wand ohne weiteres durchgedrückt und sich dann in den Luftraum hinein entladen. Von den Bergen lösten sich Lawinen. 3n dem 1500 Meter tiefer gelegenen Grindelwald wurden acht Millimeter dicke Schaufensterscheiben eingedrückt. Der Krach und die Erschütterung waren von ungeahnter Femwirkung. 3n Lindau am Bodensee fühlte man den Boden unter den Füßen wanken und glaubte gleichzeitig, ein leise zitterndes Rollen aus dem Erdinnern zu vernehmen. Die Straßenlaternen klirrten, und in manchen Häusern gingen die Türen von selbst auf. Es ist selbstverständlich, daß ein so gefährlicher Sprengstoff mit äußerster Vorsicht behandelt werden muß. 3n gewissen Abständen werden die Dynamitlager der Bergwerke von den Behörden kontrolliert, und die Aachener Gruben sind einer solchen Kontrolle erst vor einem Vierteljahr unterworfen worden. Rach menschlichem Ermessen hätte sich also kein Unglück ereignen dürfen. Es ist sehr fraglich, ob die sofort eingeleitete Untersuchung die wahren Ursachen der Katastrophe finden wird. Das Grubensicherheitsamt im Preußischen Handelsministerium kann sich vorläufig nicht erklären, wie das Unglück entstanden ist, es weist daraus hin, daß verhängnisvolle Dynamitexplosionen nach dem Krieg nicht mehr vorgekommen sind — mit einer einzigen Ausnahme im 3ahre 1925, als auf einer westfälischen Zeche eine Schlagwetterkatastrophe und eine Dynamitexplosion nebeneinander herliefen. Damals konnte nicht ermittelt werden, ob das Dynamitlager auf der betroffenen westfälischen Zeche durch das Schlagende Wetter in die Luft gesprengt worden ist, oder ob im Gegenteil Dynamit das Schlagwetter herbeigeführt hat. 3m Krieg sind einige Dynarnit- explosionen vorgekommen, die aber damals nicht mit derselben Sorgfalt wie in Friedenszeiten untersucht wurden. Das größte Grubenunglück kurz vor dem Krieg, das auf eine Dynamitex^osion zurückzuführen war, ereignete sich Anfang August 1912 auf der Zeche „Lochringen" in Westfalen. Damals ergab bk amtliche Untersuchung, dast bk Effploslon, dte 115 Tkrg knappen tötete und Uxt- teoen 20 Bergleuten schwere Berletzungen brachte, die Folge eine- S p r e n g s ch u f s e « war. Dieser Sprengschust mtstlang und verursachte dann ein Schlagendes IDetter. Da» vynamlllager In Alsdorf war für solche Sprengschüsse gedacht. Wenn bk Kohle aus hartem (Befiehl gefördert mcr- bcn sott, kommt ganz überwiegend die Sprengarbeit in Betracht. 3n bestimmter Richtung nx'rben mit der J)anb oder mit Bohrmaschinen 1! a ehe r von ein ober mehreren Metern Länge gebohrt und mit S p r e n g sl o s s e n gefüllt. 'Mo Sprenamittel benutzt man nicht nur DmiamitPatronen, fonbern auch unbere O^ploslustojse, nnb in solchen (Brnben, in bcnen Schlagende Weiter zu he- fürchten sind, werden sog. Sicherheitosprengstosfe angewandt, die etwas nngesährlicher sind, ohne frei- lirt) absolute Sicherheit zu gewähren. Nach der Sprengung wird das gelotterte (Hefteln dann mit der Keilhaue ober mit dem Trelbtell hernntergerlf- fen. Nun ist dieseo Sprengen eine der oernntmor» iungovollsten Arbeiten, die eo überhaupt Im Bergbau gibt. Die Dynarnltpatronen werben deshalb n ii r besonders erfahre n e n Bergleute n in die A'hiiib gegeben, l'o gehört ein bedeutendes Mast von Sachkenntnis und llrtellofählgkeit dazu, nm leben Schust richtig anzufetzen nnb ble Stärke der Svrenglabnng zu bestimmen, ble crforbcrlld) Ist, damit der Schnst die ihm bestimmte Gebirgoinaffe aus Ihrem Zusammenhang zu lösen vermag. Ist der Schlitz in solcher Nlchtuny gebohrt, bast er eine zu graste Geblrgvmaste bewältigen must, ober ist die Sprengladung nicht kräftig genug, so kann er die Ihm zugemutete Arbeit nicht leisten. Die (Hofe, die bei der Sprengung entstehen, suchen sich dann ble nie Stelle, ble in solchen Fällen gewöhnlich rlod) Ist, und bahnen sich dort einen Ausweg. Vic Explostouvslamme wird dabei mit fürchterlicher Gewalt herauogetrieben und nimmt ihren weg 20 ober 50 Meter In den Stollen hinein. Trifft sie dort aus explosive Gase ober ans Kohlenstaub, so entsteht sofort ein Sd)lagendev Weiter. Auf diese oder ähnliche Weise können in Bergwerken Grplosloneii entstehen, die wieder andere 11 n g 1 ü ck S f ä 11 e n a ch sich ziehen. Aus der Zeche Lothringen brach nach einem misslungenen Schutz ein verheerender Brand au«. 3n Alsdorf kann man noch nicht sagen, wa« geschehen ist. Aber eS ist nicht ausgeschlossen, dast auch dort ein Schuss sehlging und zu einem Schlagenden Wetter führte, welche- nun den Boden in Erschütterung »erlebte. Die Boden- toellen können dann da« Dtznamitlager erreicht und durch eine Aeihe unglücklicher Zufälle stoss- weise erschüttert haben, so dost eine Explosion au-brach 0o furchtbar da- AlSdorser Unglück auch Ist, so must man eS doch noch als einen glücklichen Umstand betrachten, dast die Dtznamiteffplosion ihren Hauptstoss nach oben richtete und den Förderturm uinstürzte, statt ihre Krasl in die Tiefe zu lenken. Denn dort unten waren weit mehr Bergleute alü über Tage, und Ne verheerende Wirkung wäre zweifellos weit gröster gewesen, wenn die tief in der Erde liegenden Schächte mit den dort arbeitenden Knappen zerstört worden wären. Aber auch so ist das Unglück schrecklich genug, da« wieder einmal das schwerkämpsende Armeekorps der Kohle geirossen hat, und In diesem Augenblick erinnert sich ganz Deutschland seiner grossen Dankesschuld an die ausopsernden Knappen, die die schwarzen Diamanten unter ständiger LebenSgesahr anS Tages- licht fördern. Ein Augenzeuge berichtet. Aachen, 21.0kl. (IU.) Ein Bergmann, der gerade von der Jliid)lfd)ld)l kam und Augenzeuge des fdjretflldjeii Unglücks wurde, erklärt, dast die Wirkung der Explosion geradezu verheerend gewesen fei. EI n furchtbarer Knall dröhnte plötzlich durch den ganzen Ort. Line riesige Stichflamme, begleitet von dunklen Rauchsäulen, schlug au, der Erde. Riauerslücke, Dachziegeln, Fensterscheiben, Bolkenstücke slogen umher und fielen klatschend auf die Slraste. Au, den Käufern stürzten In furchtbarer Panikstimmung die Menschen und eilten sofort an den Ort de« Unglücks. Da kamen auch schon b i e ersten verwundeten Bergleute u n b Angestellten mit blutenben Gesichtern, die unter ben Trümmern bee elngeslürzten Velegschastvge- bdubee hervorkrochen. Die ganze Schachlanlage, sowie der Jörberlnrm glichen einem einzigen Irüm- merhansen. Feuerwehr, Sanitälvmannslhasten unb Polizei waren alsbalb zur Stelle, nnb begannen mit des Bergung der Toten und verletzten. Inzwisck-en sind auch R e 11 u u g , iu a n n s ch a f I e n von der Ruhr und vom R i e d e r r h e i n an der Un- gliickvslellk eingelrosfen, und ble Mannschaft ber Fcche Rhein Libe au» bem Ruhrrevler ist um brel Uhr nachmittag» eingesahren. Für Stelle sinb austerbem noch Mannsdiasten der Feiste Sophia- 3akoba in kzückelshoven unb ber Zeche Friebrlch- steinrich in Mär». Die einhelmisdien Rettungsmannschaften hatten ben Hilfsdienst sofort mit 50 Geräten bei wechselnber Rlannschaft ausgenommen. Durch Selbsthilfe habe« sich an einer Stelle 14 Mann reiten können. .Zwischen einem nlebergestürzien Slollenslück halten 15 Ul«in eine Lücke mit ihren Jacken z u g e st o p f I, nm bas Einbringen der vraubgase zu verhinbern. von blefen konnten ble Rettungvmannschaslen 14 Mann no ch lebenb bergen. OenionstrationSverboi in Baden. Berlin, 21. Oft. (CNB.) Wegen wieberholler schwerer Z u s a m m e n st Ö st c zwischen Na- l t o n a I s o z t a I i sl e n nnb K o m m u n i st e n l n KarIar u h e. bei denen mehrere Personen sd)wer verlestl wurden, Hal der badische Minister des In» nern auf 0) und des Artikels 123 Absatz 2 der Reich«. Verfassung für das ganze Land Baden alle Anfamm- lungen und 'Berfammlungen unter freiem Himmel (Umzüge und Kundgebungen aus öffentlichen Strasten und Plätzen) wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten. In der Anordnung des Ministers wird betont, dast notfalls eine Ausdehnung de» Verbotes and) auf öffentliche Versammlungen in geschlossenen Räumen erfolgen müsse. Die für Mittwoch In Karlsruhe geplante national- foziallslische Versammlung ist bereit» von der Polizei, blrcftlon Karlsruhe ve r 6 o t e n worden. Der Reichskanzler verhandelt in Stuttgart. Einigung mit den Süddeutschen über Finanzausgleich und Etatsgestaltung. 0tut tflart, 21. Oft. (Amtlich.) Reichskanzler Dr. Brüning, ReichSitnanzmlnifter Dr. Dietrich und der bayerische Minlsterpräjident Dr. Held trafen DlenSlagvormlltag In Stuttgart ein. 3n Begleitung des Reichskanzler« befand sich der wÜrtteml>erglsche Gesandte in Berlin, StaatScat Dr. B o S 1 e r , und Ministerialrat Bogels. 3n Begleitung des FlnanzministerS waren die Ministerialdirektoren Dr. Zarden, Dr. Dorn und Dr. v. Krosigk. Die Gäste wurden am Bahnhof vom StaatSpräfRenten Dr. B o 1 z empsangen. Im Laufe deS Bormittag« traf auch der badifche Staatspräsident und Finanzmlnist'.'rDr.Sch m l t t, der oadlsch? Minister Dr. Wtttemann sowie der b e s s l s che F i n a n zm l n i st e r D r. K t r n- berger mit ihren Beamten hier ein. Bon 11 Uhr bis 19 Uhr sand Im Staatsministerium eine Besprechung über daS SanterungSproaramm der Reichsregierung und feine Auswirkungen auf die Länder und Gemeinden ftait. Dabet wurde zwifck-en den Bertretern der Reichsregierung und der beteiligten Länder eine weitgehende 11 e betet it ft l m m u n g erzielt. Abends fand In den Räumen deS Staatsministeriums ein geselliges Zusammensein in engstem Kreise statt. Der Reichs- (aiyler fuhr abends nach Berlin zurück. Ziu den Besprechungen deS Reichskanzlers mit den Finanzministern der drei süddeutschen Länder in Stuttgart, die den Zweck hatten, den sinanziel- len Plänen deS ReichskabinettS von vornherein eine sichere Mehrheit i m R e i ch S r a t zu geben und eine Einigung über den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden herbclzus ähren, schreibt die Rassische Zeitung: Der bestehende Finanzausgleich läuft zwar noch bis zum 1. April 1932, und für daS kommende 2ahr wird deshalb zunächst eine provisorische Regelung eintreten, aber die Berechnungen de« RetchSslnanzminlsteriumS über die Dtatsgestaltung im kommenden Jahr setzten doch zum großen Teil eine Qlenberung der finanziellen Beziehungen zwischen Reich Ländern und Gemeinden voraus. ES must deshalb geklärt werden In welcher Lage ftch die Etats der Länder nach Durchführung der Reuordnung befinden. Mit Preusten haben bereit« während der Vorberatungen deS ReichStablnett« Berhandlungen statt- gesunden. Rachdem fetzt eine AuSspracl-e mit den süddeutschen Ftnanzmtntstern durchgeführl worden ist, werden Berhandlungen mit der sächstfchen Regierung ersolgen. AnsangS nächster Woche wird dann daS Reichskabinett den inzwischen vom RetchSstnanzmintstertum auSgear- betteten Haushaltsplan für da« Jahr 1931/32 beraten und voraussichtlich schon im Lause der nächsten Woche dem Reich S r a t autelten können. Die Fürsorgelasten ber Gemeinden. Berlin, 21. Oft. (BB.) 3n Anbetracht der Tatsache, dast eS in den Gemeinden mit mehr als 25 000 Einwohner zur Zeit rund 650 000 Wohl- fahrtSerwerbSlose gibt, und dast der jüngste Erlast deS ReichSarbeitSministers hinsichtlich einer Ausdehnung der Krtsensürsorge sogar w e s e n 111 d>e B e r fch l e ch t e r u n ge n für die Gemeinden gebracht hat, wenden sich diese erneut mit der Forderung an die Regierung, eine Umgestaltung de« Unter ft Übung« lo efenö vorzunehmen. Insbesondere sieht man darin eine neue Belastung, dast nur noch die au« der Arbeitslosenversicherung ausgesteuerten Personen In die Krisensürsorge übergeführt werden dürfen, nicht wie bisher die Arl>eitSlosen, die die Anwartschaft« f r t sl für die Arbeitslosenversicherung noch nicht erreicht haben, und die nunmehr die gemeindliche Fürsorge b e l a ft c n. E« siebt zu erwarten, dast der Deutsche Städtetag In diesem Zusammenhänge mit neuen Borschlägen an den Reichsfinanzmlnlster herantreten wird, um Ihn zu veranlassen, im Zusammenhang mit dem neuen Finanzausgleich eine grundlegende Aen- berung der Unterstühungsbestlmmungen im RelchSarbeltsministerlum durchzusetzen. Reparaiionsbebatie in Renyork. Oer Standpunkt der Amerikaner. - Schacht antwortet. Reut) ort, 21. Olt. (TU. Funkspruch.) Aus einem Festessen der Foreign Pölich Association sand eine bemerkenswerte Aussprache zwischen Dr. Schacht und dem ehemaligen Mitglied der ReparationSkommisston John Fasler D u l 1 e S über den Boungplan und seine Beziehung zur Wellwlrlschast statt. Dutte« gab zu, dast die Pariser Konteren- die moralische Grundlage der Reparationsfrage völlig a uster Acht gelassen habe. Die Alliierten hätten nicht die Wiedergutmachung der KriegSschäden, sondern die Uebcrtragung der eigenen SchuIdenzah 1 ungen auf die Schuld t e r n D e u l s ch l a n d S im Auge gehabt. Deutschland sei abgerüstet, seine Rachbarn dagegen setzten die RüslungSpolitil trotz de« in Versailles seter- ^ichst gegebenen DersprechenS fort. Angesichts dieser Tatsachen sei daS Ergebnis der Relchs- lagSwahlen verständlich, vielleicht sei e« sogar unvermeidlich gewesen. Andererseits glaubte Dulle« aus eine gewisse Geldverschwendung In Deutschland Hinweisen zu müssen, so dast ein grosser Teil der jetzigen Schwierigkeiten selbstverschuldet sei. Schacht stellte den optimistischen Ausführungen Dulle« über die wirtschaftliche Lage Deutschlands nackte und klare Zahlen de« deutschen Glend« entgegen. Gewiss habe die deutsche Wirtschaft einen beachtlichen Aufschwung genommen. Man dürfe aber nicht vergessen, dast Deutschland die Reparationszahlungen, den Einsuhrüberschust und den Zinsendienst für die Im AnSlande aufgenommenen Kredite lediglich aus Anleihen bestritten habe. Dieser Zustand könne unmöglich lange andauern. Der jetzige AuSsuhrüberschust sei daS Ergebnis der Berminderung der Einfuhr. Um seinen Bervsllchtungen nachkommen zu können, müsse Deutschland fünf Milliarden Goldmark jährlich au« Ausfuhrüberschüssen aufbringen. Eine derartige Steigerung de« deutschen Anteil« am Welthandel sei jedoch unmöglich, da die anderen Länder sich bagegen sträubten, dast Deutschland sie von den Absatzmärkten anSschalte. Die ReparationSsrage sei keine rein deutsche, sondern eine internationale Angelegenheit. Alle Bölker müßten an der Lösung Mitarbeiten. Dadurch könnte auch eine der Hauptursachen der Revolution ber Weltwirtschaft beseitigt werden. Wenn die interessierten Mächte e« für zweckmäßig hielten, den durch den Boungplan eingesetzten sl ä n d i g e n beratenden A u « - schust Aufammcnlretcn zu lassen, könne eine Lösung ohne die Berkündung deS Moratoriums gesunden werden. Die Welt brauche keine revolutionären Gewaltakte Deutschland« zu fürchten, ebensowenig wie eine Gefährdung der deutschen Anleihen. Der Erfolg Hitler« stelle einen P r o t e sl der Massen im R a bm c n der Verfassung« tn ästigen Rechte dar. Die Ralionalsozialisten hätten der Welt ein War- nungSzeichen gegeben, weil sie die Selbstachtung bewahren und nicht unehrlich werden wollen. Was sagt man in Paris zu einem Moratorium? Paria. 22. Oft. (WTB. Funkspruch.) Die Presse verzeichnet die assiziellen amerikanischen Dementis (|u den Gerüchten über ein Moratorium für die Schuldenzahlungen. Die Auoeinandersetzung über die Opportunität einer eventuellen Neuregelung des ganzen Schuldenproblemv wird jedod) fortgesetzt. Heute kommen ruhigere Stimmen zu Wort. So schreibt „D etil Journal: Welche Ergeb» nisse Dr. Schad)! In Amerika auch erreicht haben mag, die Gerechtigkeit must man Ihm widerfahren taffen, dast er die einzig nützIta) eDe m arche versucht hat. — „Oeuvre" erklärt, was können mir verlieren, meint Amerika Europa eine Schulden erlästt und Deutschland dabei pro liiert? Dao würde beweisen, dast der Poungvlan ein gutes Geschäft gewesen wäre. Wir würden keinen einzigen Sau zu zahlen brauchen, und für Der Reichslandbund fordert eine neue Notverordnung. Berlin, 22. Oki. (ERB.) Das P r ä f l ö l um d e S R e l ch « 1 a n d b u n d e « bat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, In dem auf die weitere Berfchärfung der Rottage der gesamten deutschen Landwirtschaft hingewiesen wird. Da durch die Bertagung de« Reichstage« bl« Anfang Dezember auf normalem gesetzgeberischem Wege bis dahin wiederum nicht« geschehen könne, und austerdem völlig dahinstehe, ob ber Reichstag Im Dezember gewillt unb fähig fei, den Schutz de« Absätze« landwirl Produkte zu auskömmlichen Preisen burchzusühren, bestehe die bringende Gefahr, dast Deutschland wäre das eine sehr beträchtliche Erleichterung. Haben mir ein Interesse an einer solchen Erleichterung für Deutschland? Zweifellos. Die letzten deutschen Wahlen sind durch austenpolitische Stro» mungen ebensosehr wie durch die Wlrftchaftsnot bc- ftlmmt worden. Europa »tust roünfdien, dast Deutschland zu gleicher Zeil vor dem Bolschewismus unb ber ftitler Bewegung gerettet wird. Das Wirtschaftsblatt „I o u r n 6 e Jndu» ft r i c 11 e" aufiert Bedenken. Wenn Dr. Sd)ad)t» Auftreten in Amerika ein meitergebenbea Ziel verfolge. nämlich den Poungplan selbst in ber öffentlichen Meinung Amerikas In Frage zu stellen, so müstte bao Manöver sofort unterbunden merben. Wenn man nämlich dank eines doppelten Moratoriums in irgendeiner Form eine Revision ober eine Aenderung des Pouugstatuts gestattete, liefe Frankreid) Gefahr, in feinen Verpflichtungen gegenüber Amerika unberührt zu bleiben, da das Moratorium nicht dem Schuldenerlast gleid). komme, während zwischen Frankreichs Gläubiger» aniprud) und feinen Schuldenverpflichiungen eine tatsächliche Parallele bestehe. Vie Auffassung in England. Loudon, 21.Oft. (TU.) Die Mitteilungen des Washingtoner „Timea".Korrespondenten über Besprechungen sührender amerikanischer Persönlichkeiten hi ber Frage ber interalliierten Kriegsschulden haben In der gesamten englischen Presse lebhaften Widerhall gefunden. Allgemein wird betont, dast der Besuch Schachts mit dieser Angelegenheit an sich zwar nichts zu tun habe, aber des früheren Reichsbankpräfibenteu Anwesenheit in Amerika, so führt die „Times" aus, geben den Amerikanern Gelegenheit von feinen klaren Ansichten etiuao zu hören unb sich über die wirtschaftlichen Folgen unb Probleme klar zu werden, die sich aus den Tributzahlungen ergäben. Rein stimmung-mässig sind die Ausführungen des „Daily Telegraph" non besonderem Interesse. Man bürk nicht vergessen, bast ble amerikanische Regierung sich zur Deckung des voraussichtlichen Fehlbetrages Im Staatshaushalt toeit- gehenb auf bk alliierten Zahlungen verlasse. Rach Lage ber Dinge fei eine ©teuer- erhöhung nicht auSgeschlossen. Wenn bann nachgewiesen toerben könnte, bast diese SleuererhÖhungen hervorgerusen würden durch da« Ausbleiben der alliierten Sch ul- denzahlungen, so würden ble verantwortlichen politischen Parteien bei den Wahlen zweifellos eine Riederlage erleiden. Die..Times" betont stark die finanzielle und wirtschaftliche Seile ber Frage. In ber Tity habe man sich Immer geweigert, zuzugeben, bast baS derzeit gültige Schulbenabkommen mit Amerika das letzte Wort sei. Man sei sich bewnstt, hast eine Erleichterung eintreten müsse, sobald Amerika den Dinflust der Schuldenzahlungen auf seinen Aust en handel fühle. Die Schuldenzahlungen seien zum grosten Teil für den Zulauf von Gold nach Amerika verantwortlich, so dast Amerika seinerseits sich seiner Beranlwortung al« ausländische« Anleihezentrum bewnstt werden müsse, denn wenn da« Gold für ben Handel brach liege, bann würde sowohl Amerika als auch die ganze Well leiben. die diesjährige Ernte, die jetzt schon zum grosten Teil als D e r 1 u st g e s ch ä s t für die Landwirtschaft anzusprechen sei, tm vollen Umfange verloren fein werde. Der Relchslcmdbundl richte daher nochmal« an ble Reichsregierung da« brtngcnbe Ersuchen, bem Reichspräsidenten alle zur Rettung der Landwtrtschast erforderlichen Vorschläge, ble der ßanbbunb erst kürzlich erneut der Reichsregierung übermittelt habe, zwecks (Jr- lasse« einer R o t v e r o r b nu n g zu unterbreiten. Oer Reichsbund der höheren Beamten. Zuttt SattterttNüSProgramm der MeichsreftierunK. Berlin, 21.Oft. (TU.) Der Reichsbund ber höheren Beamten Hal an ble Reichs- reglcrung eine Eingabe gerichtet, In der er bezmci- feit, dast die geplante öanierungsaftlon zu einer nachhaltigen Besserung ber deutschen Finanz- und Wirtschaftslage führen kann. Die P r e i s f e n k u n g drohe in den Ausschüssen zu versanden, bevor sie sich in den Bedarfsartikeln ausgewirkt habe. Die zur Zelt etwas rückläufige Jndexbewegung stände nur wenige Punkte unter bem zur Zeit der Befoldungs- reform geltenden Durchfdinittsfatz, nachdem-sie jahrelang über diesen Durä)fchnitt gestanden habe. Die den Beamten zugedachte neue Bela st ung stände im Gegensatz zu der in der gleichen Vorlage vorgesehenen E n 11 a ft u n g anderer Berufs- schichten und müsse zu einer weiteren Verschlechterung der ohnehin stark herabgefetzten Lebenshaltung führen. Dast die Besoldungsresarrn weit hinter dem staatopolltisch Notwendigen zurückgeblieben fei, gehe and) aus der Tatsache hervor, dast zahlreiche Beamtengruppen auch nach der Reform noch nicht 80 ü.S). ihres Frisdensrealge- Halts erreichten. Somit fehle jeder gerechte Grund, hier eine Gehaltskürzung vorzunehmen. Wenn es fld) um eine durchgreifende Sanierung handele, so dürfe diese nicht an den .hauplausgabeposten, namentlich den Reparationen, vorübergehen. Eine weitere ©anlerunlg ber brutschen Finanzen burch eine Verein fach ung und Verbilligung des Verwaltungsapparates liege durchaus im Sinne des Berufsbeamtentums: nur sei leider von dem mehrfad) gemachten Angebot ber Mitarbeit seitens ber Regierung kein Gebrauch gc- macht worben. Keine Lanbiagsauflösung in Preußen. Alle Anträge der Opposition abgetehnt. Berlin, 21. Oft. In der Plenarsitzung de« Preuhlschen Landtages gedankt Präsident Bartels, während sich die Abgeordneten von den Sitzen erheben, der Grubenkatastrophe in Alsdorf. Dann beginnt da« Haus die Beratung de« AusschustantrageS auf Kürzung der Abge - ordne tendiäten von jetzt 750 Mark monatlich auf 600 Mark, der angenommen wird. Der deutschnattonate Antrag, mit der Neuwahl des Landtages gleichzeitig die all- gemeinen Kommun al Wahlen in Preusten vorzunehmen, wird a b g e 1 e h n t. Es soll nunmehr die Abstimmung stattfinden über den Antrag der Wirtschastsvarlel aus Auflösung de« Landtages. Es war allgemein erwartet worden, dast die Abstimmung eine namentliche sein würde. Vizepräsident Baumhosf erklärt, dast ein Antrag auf namentliche Abstimmung nicht vor- Oie Dettertaae Hr. :mi 510 d rdeei m ? ----o- O Pcrlln O j Off ® Wien «Mflcnt UT-b Owoixenloi Qnclttr »hato OtdtcM. » wolkig. ® DtdecU eReoc*, * Schnee exOrauptln *Mebel K Oewil'fr.@windstille. «O^ sehr leichte- Oti nissige- lOdsudWesi Q siormöche- nordwest ble Piene fliegen mit dem winde Die oeiden Slationen stenenden Zahlen geben die Temperatui an. Die Linien verbinden Orte mH gleichem, auf Mreresnivtau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Sin Tlesausläuser ist in südöstlicher Richtung nach den Balkanländeril hin abgezogen und hat hn südlichen Deutschland zum Teil recht ergiebige Riederschläge verursacht. Runmehr steigt im Westen der Luftdruck an. Dadurch wird die West- wlndströmung vom hohen zum tiefen Druck hin vorerst weiter ausgeprägt so dast itoch Rebel und zum Teil auch Wolkenblidtlng auskommt. Allerdings wird dttrch den dauernden Zustrom der Kaltluft der hohe Druck von Westen s)er nach dem Festland angesaugt, so dast für später ruhigere« und mehr atifheiterndeS Wetter ztl envar- ten ist. Aussichten für Donnerstag: Roch neblig, tagsüber wechselnd wolkig und aushei- ternb, Temperaturgeaensätze zwischen Tag und Rächt sich etwas verschärfend, meist trocken. Aussichten für Freitag: Weiterhin Frühnebel, tagsüber etwa« nchigeres Wetter. ßufttemperaturen am 12. Oktober: mittags 13,1 Grad Celsius, abends 6,9 Grab: am 22. Oktober: mornens 5,2 Grad. Maximum 13,9 Grab, Minimum 3,8 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Oktober abends 10,8 Grad; am 22. Oktober; morgens 9 Grad Celsius. — Niederschläge 0,7 mm. — Sonnenschelndauer vier Stunden. tra sich gen de Ziffern: Tote entfallen Unfällen 237 Unfälle $jg istwiederda! mit mild-süsser Mischung mit modernisierter Packung mit Sport-Lehrbildern und Wertmarken die mit 1 0 1 1 1 1 auf Unfälle 26 8 11 35 7 7 Groeners Antwort an den Kammerherrn von Oldenburg Verletzte 27 10 15 32 5 8 Aus -er Pwvinzialhauptsiadt. Gießen, den 22. Oktober 1930. Oie llnfall-Staiistik Oer Straße. 598 verletzte und 21 lote In Hessen. Auf Anordnung des hessischen Innenministers Wird seit 1. April d.I. eine statistische Erfassung aller Verkehrsunfälle in der Weise durchgeführt, daß die Polizeibehörden alle Unfälle, in denen Kraftfahrzeuge beteiligt sind und bei denen entweder Personenschaden (Verletzung oder Lötungoder Sachschaden in Höhe von mindestens 50 Mark entstanden ist, zu melden haben. Unbedeutende DerkehrSunsälle bleiben demnach außer Betracht, ebenso solche, an denen keine Kraftfahrzeuge beteiligt sind. Wenn die Ergebnisse eines ganzen 2ah- res vorliegen, ist eine Darstellung insbesondere nach den Ursachen der Unfälle beabsichtigt. Die Gesamtzahl der Unfälle tn Helfen beträgt in dem Vierteljahr vom 1. April bis 30. 3unt 604. bei 598 Verletzten und 21 Toten. Davon entfallen auf die Provinz Oberhessen 126 Unfälle mit 124 Verletzten und vier Toten. 3n der Stadt Dießen waren 32 Unfälle mit 27 Verletzten zu verzeichnen. 3n den einzelnen Kreisen der Provinz Oberhessen ergeben sich fol- Gießen Alsfeld Büdingen Friedberg Lauterbach Schotten Don den restlichen Provinz Starkenburg 256 Verletzten und 12 Toten, die Provinz Rhein Hess en ist mit 241 Unfällen bei 218 Verletzten und fünf Toten an dieser traurigen und leider so zeitgemäßen Statistik beteiligt. Beamien-Bersammlung in Gießen. Von dem Ortskartell Gießen des Deutschen Veamtenbunbes wird uns folgendes berichtet: „Das Ortskartell Gießen des DVV. behandelte in seiner Hauptausschuß-Sitzung am 17. d. M. u. a. die b e a m t e n p o l i t i s ch e Lage. Gs herrschte Uebereinstimmung. daß die drohende weitere Gehaltskürzung die Kaufkraft der Beamtenschaft in einer Weise beeinträchtigen werde, die sich schädlich für Handel und Gewerbe auswirkcn muh, wenn die Preisgestaltung in den Ladengeschäften sich der in den letzten Wochen teilweise recht einschneidenden Preisherabsetzungen bei Rohprodukten und im Großhandel nicht noch mehr anpaßt. Man beschloß, die die Senkung der Ladenpreise verhindernden Widerstände zu ergründen und ihre Deseitigung mit den Organisationen der übrigen Derbraucherfchichten zu erstreben. Rö- tigenfalte soll zur „Selbsthilfe" geschritten werden. Dedauerlicherweise mußte auch die Frage der „Be a m t e n h e tz e" wieder behandelt werden, wozu verschiedene, uns In Abschrift vorliegende Rundschreiben des DKV. (d. h. Deutscher Kampfbund für Wahrheit und Recht, Zentrale Magdeburg), bie „für Beamte nicht bestimmt! Streng aeheim!" bezeichnet werden, Deranlossung gaben. Rach Angabe in diesen Rundschreiben will der DKB. in jeder Stadt über 25 000 Einwohner, also auch in Gießen!, seine Vertrauensleute haben, 6 c meisten in der Wirtlchafts- Partei, und diesen Vertrauensleuten bis zu 4 Mk. für die Schreibmaschinenseite bezahlen, wenn sie über das außerdienstliche Verhalten der Beamten Beobachtungen einsenden. 3m Januar d. 3. sollen allein 12 106 derartige Zuschriften und im Marz d. 3. bereits soviel freiwillige Beiträge eingegangen gewesen sein, daß sie zur Erhaltung der Zentrale bis Ende des Iah- res 1930 ausreichlen. Ferner enthalten diese Rundschreiben entstellende und irreführende Angaben über Riesengehälter der Beamten. Herabwürdigungen von Deamtenklassen usw. und schieben die Schuld an der ganzen Wirtschaftsnot allein der Beamtenschaft zu. Die anwesenden Vertreter toa- Gegenkundgebungen und Pfuirufen von der Opposition aufgenommen. 3n einfacher Abstimmung wird hieraus ab- gelehnt gegen Rechte und Kommunisten der Antrag von Winterfeld (Dnt.). das an die preu* ßische Beamtenschaft gerichtete, ihre parteipolitische Betätigung einschränkende Verbot sofort auszuheben. Der kommunistische Antrag, die Reichsregierung aufzufordern, sofort alle Zahlungen aus dem Boungplan einzu stellen, wurde mit 265 gegen 147 Stimmen der Deutschnationalen, Wirtschastspartei, des Landvolks, der Rationalfozialisten und Kommunisten abgelehnt, der Antrag der Deutschen Fraktion, das Voungmoratorium sofort in Gang setzen zu lassen, gegen die Rechlsparteien. Der von den Deutschnationalen unterstützte nationalsozialistische Antrag auf Aushebung deS gegen die Rationalsozialisten erlassenen U n i - sormverbots wurde mit 227 gegen 132 Stimmen abgelehnt, womit die Abstimmungen über die Anträge aus Landlagsauflösung usw. erledigt waren. Berlin, 21. Olt. (TU.) Die angekündigte Stellungnahme des Reichswehrministers ®roe- ner zu der Reichstagsrede des deutschnatwna- len Abgeordneten Kammerherrn von Olben- burg-3anufd)au liegt nunmehr in Form eines offenen Brieses vor. Groener sagt barinf u, q.: Zunächst muß ich einige 3rrtümer richtigstellen. Sie haben dem Generalobersten Heye vorgeworfen. daß er Soldaten zur Ueberge&ung des Beschwerdeweges aufgefordert habe. Diese Angabe betrifft eine mißverstandene Aeußerung des Generalobersten Heye zu Truppenteilen der 1. Division im 3ahre 1926, die sich nur auf entlassene Soldaten bezog Sobald General Heye dieses Mißverständnis zu Ohren kam. hat er der Armee durch einen besonderen Erlaß die 3nnehaltung des BesehlswegeS ausdrücklich elnge- schärst. 3ch bedauere eS, daß Sie diese Angelegenheit nicht während Ihrer langjährigen per- sönlichen Beziehungen zum Generalobersten Heye Seflärt und es vorgezogen haben, sw ihm tton- er Tribüne deS Reichstages herab vorzuwerfen. Der zweite Irrtum betrifft den sogenannten Uhren erlaß. Ihre Aussührungen sind mir ein Beweis dafür, daß Sie von dem Erlaß nichts weiter kennen als die Entstellungen, die darüber in der Presse erschienen sind. Der Erlaß richtet sich ganz eindeutig gegen Zersetzungsversuche von außen und hat mit Denunziation von Kameraden nicht das geringste zu t u n. Seine Rotwendigkeit beweist die Tatsache, daß allein im Jahre 1929 150 verschiedene Versuche gemacht worden find, kommunistisches Zersetzungsmaterial an die Wehrmacht heranzubringen, eine Zahl, die im Jahre 1930 voraussichtlich noch überschritten werden wird. Zur 5rage, weshalb überhaupt ein gerichtliches Verfahren gegen die jungen Offiziere angestrengt wurde, wiederholt öroener im wesentlichen die Grunde, die er auch in seinem Brief an den Grasen von der Goltz angeführt hatte. Der entscheidende Grund war danach, daß die Osfiziere bei ihrer öernebmung durch die Vorgesetzten wissentlich die Unwahrheit gesagt hätten. Ein weiterer Irrtum betreffe di§ 21 r t der Verhaftung der Ulmer Offiziere. Auch hier oerweist Groener auf die in seinem Brief an den Grafen von der Goltz gegebene Darstellung, wonach die Offiziere durch den Abteilungskommandeur von einem Dienst abgerufen wurden, an dem fast nur Offiziere und nur ganz wenige Mannschaften teil- nahmen, und abseits dem Beauftragten des Reichsgerichts übergeben wurden. Eine noch weniger auffällige Form für diese Verhaftung zu finden, fer nicht möglich gewesen______________ ________ tteac Unter sehr aroßer Unruhe im Hause Wird daraus die einfache Abstimmung vorgenommen. Sie ergibt die Ablehnung des Antrages der Wirtschaftspartei. Für den Antrag stimmen die Rechtsparteien mit Ausnahme der Putsch-Han- Iraner und der beiden Volksrechtparterter. Ate hierauf Vizepräsident Baumhofs erklär^ mit dieser Abstimmung erübrige sich die Ab- ftimmung über den kommunistischen An- g auf Auflösung des Landtages, cri*£Dt bei den Kommunisten großer Lärm. Ada. Kasper (Komm.) weist in erregten Ausführungen darauf hin, daß seine Fraktion schon bei Beginn der Beratung einen 21 n t r a g a u I namentliche Abstimmung gcftclh habe. Vizepräsident Baumhofs erklärt sich schließlich bereit, die Abstimmungen über den Antrag der Wirtschastspartei zu wiederholen, und -war in namentlicher Form. 3m ganzen wurden 429 Karten abgegeben; mit Ja stimmten 189, mit Tlcrn 240 Abgeordnete Der Antrag auf Auflösung des Landtages Ist damit abgelehnt. Das Ergebnis wirb mit großen Beifallskundgebungen bei den Regierungsparteien und mit lebhaften Wörtlich fährt Groener fort: „Sie haben mit vollem Recht die Verdienste des Generalobersten a.D. von oeerft um die Reichswehr hervorgehoben. In der Zeit, in welcher General von Seeckt Ehef der Heeresleitung war, hat es aber auch ihm nicht an Anfeindungen gefehlt. Dieselben infamen, persönlichen Verdächtigungen, denen setzt meine Mitarbeiter und ich ausgesetzt sind, sind, im Jahre 1923 und 1924 auch Herrn von Seeckt nicht erspart geblieben. Auch seine vaterländische Gesinnung ist von den nationalsozia- listischen Blättern angezweifelt worden. Alldeutsche Kreise haben ihn auf das schärfste angegriffen, weil er damals ihren Diftaturplänen nicht zugestimmt hat und die „Deutsche Zeitung" hat auch damals den Standpunkt vertreten, daß es der Truppe, d. h. den jüngeren Offizieren, Unterosfizieren und Mannschaften, nicht verdacht werden könnte, wenn sie der „weltfremden" Heeresleitung des Generals von Seeckt den Gehorsam aussagten und nach ihren eigenen Anschauungen handelten. Wenn Ihnen jetzt das Werk des Generals von Seeckt und des Reichswehrministers Geßler Anerkennung abnötigt, so darf ich hoffen, daß Sie in späterer Zeit auch das ver- stehen werden, was Generaloberst Heye und ich in Fortführung des Werkes unserer Vorgänger getan haben. Sie haben in Ihrer Re^ die Disziplin gepriesen, mit der es sich nicht verträgt, daß Vorgänge innerhalb einer Truppe zum Gegenstand von Erörterungen an anderer Stelle gemacht werden, und glauben andererseits die Haltung der jungen Offiziere verteidigen zu müssen, welche im Heere und außerhalb des Heeres gegen ihre höchsten Vorgesetzten Stimmung zu machen und einen Zusammenschluß gegen sie zu organisieren versuchten. Sie machen schließlich einen Unterschied zwischen Disziplin und Gehorsam. Ich bin dagegen der Ansicht, daß es nur eine Art von Disziplin gibt und daß sich diese mit dem unbedingten Gehorsam deckt, und ich stimme mit 3hnen vollkommen überein, daß die Reichswehr verloren ist, wenn die Basis der Disziplin, der Kameradschast. der Ehre und des Wehrwillens verlassen wird. Gerade das ist stets die Richtschnur meiner Tätigkeit gewesen und ich habe die Pflicht, darüber zu wachen, daß die Grundlage nicht dadurch zerstört wird, daß politische Strömungen sich zwischen Führer und Truppe einschieben und die Reichswehr zu Parteizwecken mißbrauchen. Das deutsche Heer ist stets das scharfe und gehör- same Werkzeug seines Staates gewesen. Als solches gedenke ich es trotz aller Anfeindungen, woher sie auch kommen, zu erhalten." ren sich darin einig, daß Fünfmonatige Kurse an der Haushaltungssdiule der Landwirtschaftskammer in Michelstadt im Odenwald Vollständige Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft, Molkerei und Kleintierzucht. Ferner gründliche Unterweisung in der Fertigung von Handarbeiten, Weib- zeugnähen, Kleidermachen, sowie theoretischer Unterricht aut den verschiedensten Gebieten. — Billigster Pensionspreis einschließlich Schulgeld usw. 7205d Beginn des nächsten Kursus 2. 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D r Mechanisierung unseres Wirtschaftslebens läuft parallel eine Mechanisierung unseres seelischen und geistigen Lebens, dank der wir aus den Gebrauch wirklicher Kulturgüter verzichten zu können glauben. Ganz sicher fühlen wir uns allerdings in diesem Glauben nicht: sonst würden wir es nicht notwendig haben, ihn durch Hinweise auf die wirtschaftliche Rot zu stützen. Wie faul diese Ausrede aber ist, beweist schon der unerhörte Luxus, der aus zivilisatorischem, d. h. mechanischem Wege befriedigt wird. Ein Luxus, den wir ohne wirtschaftliche Katastrophen nicht einmal beseitigen könnten! Da nun aber ein Bedürfnis nach Erzeugnissen schöpfe- Hafter Lebensbejahung anschaut und dem wir heute zu seinem 80. Geburtstage noch viele frohe Lebensjahre wünschen. Meyer°Pyritz, jetzt der erste Tierbildhauer. Malerisch steht Heinrich von Zügel noch immer obenan. Meyerheim war mehr der Humorist der Zoologie, als solcher ausgezeichnet. Der Künder der Raturseele im Tier aber ist Zügel, der heute 80jährige Meister. 3m Künstlerhaus in Berlin ist zu Ehren des Münchener Altmeisters eine größere Sammlung seiner hervorragendsten Werke ausgestellt. Seine weidenden Kühe im Berliner Kronprinzenpalais sind eine lebendige Borstellung. Was man im Künstlerhause sieht, ist Offenbarung der Gesamtpersönlichkeit. Mit keu- chenden Mäulern ziehen diese Rinder breitstirnig und großäugig im Morgendunst den Pflug über die dampfende Scholle. Ein heidnischer, pantheistischer Zug lagert über dieser hellgrauen Rebelwelt, aus der die Wiederkäuer machtvoll Er sieht einem welk und unscheinbar gewordenen Blatt ähnlich, das sich beim Riederfall aufrecht zwischen die Strahlenblütchen der Aster eingeklemmt hat. Kaum streift aber die Sonne das Fenster, ist auch er dort. Mit den winzigen Kolben seiner Fühler betastet er die Kühle der Scheiben und trommelt sich mit heftigen Flügelschlägen warm, so lange bis ihn der Goldstrom des auf» geheiterten Himmels ganz umspült. Dann gibt er Ruhe und läßt sich s behagen. Daß di ' wärmenden Strahlen bie letzten sind, schiert ihn nicht. Auch die Rähe der langen Rebelnächte biaiigfttgt ihn nicht. Er hat für den Augenblick ein sonniges Quartier, meine Stube, die wie umgewandelt stille Heiterkeit leuchtet und heimlichen Jubel. Kleiner, glücklicher Falter am Fenster, der sich in einem melancholischen Blumenbukett bei mir einschlich, du sollst mein lieber Gast sein, so lange es dir bei mir gefällt. Essen wirst du wohl nichts mehr Du und deinesgleichen, ihr versteht es a als vortreffliche Hungerkünstler den Winter zu verschlafen und zu verträumen. Du follst Wärme haben und immer ein weiches Blumenbett Und wenn die Sonne scheint, wie heute, will ich dich stets behutsam an dem F«.n?tcr^lätzchen se en Dafür schenkst ou mir die Freude Demes wundervollen Flügelspiels und das lei e Getrommel an die Scheiben, holde Erinnerungen an den vergangenen Frühling und frohe Hoffnungsz^i den für feine Wiederkehr. Oer neue „Gchienenzeppelin" Beglückender Besuch. Don Peter Bauer Die Sonne lächelt in diese Rachmittage wie em liebes Wädchengesicht, das zum Abschied stumm aus dem Abieilsenster eines Eisenbahnzuges grüßt. Dieses lächelnde Antlitz, diese großen leuchtenden Augen, hinter denen locker die Tränen sitzen, ist voll Wehmut. Aber der. dem sie ihren holden Schein schenken, fühlt sein Herz heißer schlagen, und der graue, rauchige Ba^ngeig wird ihm sekundenlang zu einer goldenen Straße des Glückes Bis der vorwärtsstohende Zug ihn des lieblichen Lächelns allzu rasch beraubt, und ihn der Verlust um so schmerzlicher feine Dcrlassenheit fühlen läßt. So stürzen uns die sonnigen Stunden der späten Rachmittage nur um so tiefer in die Melancholie der frühen Abende voll liebel und Dunkelheit Auch der Strauß Spätherbstblumen, der vor mir auf dem Schreibtisch sich entfaltet, hat den leisen Klang gedämpfter Schwermut. Cs sind braunrote und dunkelviolette Dahlien zwischen weihen Astern. Das Rot ist zu stark nach Erdfarbe hin getönt, als daß es frohmachen könnte, und das Diolett stimmt zu Demut und Einkehr Kann zwischen diesen ernsten Klängen das Weih anderes sagen als. Schneeverwehte Landschaft, Einsamkeit und Ende? Dergebens versuche ich, frohere Stimmung aus den Farbentönen herauszuhören der Dreiklang, der in meinem Zimmer schwebt, bleibt ein wehmütiger Mollakkord . Plötzlich aber entfladert der braunroten Dah- lienblüte wie eine züngelnde Flamme aus schlasen- der Glut, das Feuer und Gold sprühende Flügelpaar eines Falters ein kleiner Fuchs hat sich durch die Wärme des Zimmers aus feinem schlecht gewählten Versteck aufstöbern lassen. 3ch knipse Licht, um seinem planlosen Umherirren ein Ziel zu geben. Und sofort fliegt er herbei und landet nach etlichen Kreisen auf der Innenfläche des Lampenschirms Lichtselig klaftert er seine Schwingen breit und tief, mit ihren Wundern an Zeichnungen und Farbe. Doch die Rächt über soll er weicher ruhen. Ich rücke den Strauß näher und bette den Flatternden behutsam auf eine Astern- blüte, die nun mit einem Male festlich strahlt wie weihe Mädchen unter feierndem Volk. Bald haben sich die zuckenden Flügel beruhigt. _ Sie llappen nur noch langsam aus und zu wie Hände, die abwechselnd ihre Handflächen zeigen und sie wieder gegeneinanderpreffen. Oder wie ein Buch, das ein Kind spielerisch öffnet und schließt. Am Morgen sitzt der Schmetterling noch wie ich ihn verlassen habe. Er scheint zu schlafen. hervordringen. „Axie Taure" (Würdiger Stier), dieser altgriechischer Fest- und Tempelruf hallt uns ins Ohr bei diesem Anblick, und mit naturphilosophischer Ehrfurcht schauen wir uns in das Bild hinein, von seiner Lebensgröße und -Wahrheit ergriffen. Und so überall in der herrlichen Ausstellung, die alles Wesentlichste aus diesem Schaffenskreis vereint. Heinrich Zügel ist Schwabe. Seine Wiege stand in Murrhard in Württemberg, wo sein Vater ein ziemlich begüterter Schafhändler war. Wie Corinth den väterlichen Schlächterladen, Dalu- schek den Eisenbahner usw. nie verleugnete, so blieb Zügel den heimischen Schafställen treu und stellte diese Welt immer wieder dar. Er wuchs einfach als Bauernjunge auf, und Freunde versichern, er habe diese Schlichtheit und Geradheit immer bewahrt. Im Iahre 1869 bezog er die Kunstschule zu Stuttgart, wo er Genre- und Tiermalerei studierte. Er kam 1873 nach Wien und landete dann in dem Hafen aller damaligen Kunst, in München, wo er den fröhlichen Geist jener leichtlebigen, wundersamen Zeit tief einfog Der klassifch-mythensreu^ige Zug J'ar-Athens die fabulierende Red.eligkeit ihrer Bekenner, die romantische Verwobenheit aller Kulturen, die sich zwischen Maximilianeum und Bavaria bewegte und regte, kommen in feinen Werken zu baldigem Ausdruck. Im Iahre 1888 erringt er die Goldene Medaille. Er wird königlicher Professor an der Münchener Akademie, wird geadelt und zieht eine Generation von wohlberatenen Schülern heran. Das Schaf, das Rind, das Schwein stellt er immer wieder, erst genremähig mit viel Humor, später mehr in großer Einsamkeit dar. Die Farbengebung, anfangs zeitgemäß gedeckt, wird mit dem eindringenden Impressionismus immer entfalteter, immer umgreifender, selbstherrlicher, selbstzwecklicher. Tier und Umwelt verwachsen zu machtvoller Einheit. Berühmt sind unter anderem sein Ochsengespann, seine Schafherde, fein Esel am Strande, feine Schafherde im Erlen- bain, feine vor dem Gewitter fliehende Herde. Ein Erfolg war der Verkauf seines .,Ausschirren" nach Amerika, fein vor der Strecke trotzig wachender „Becah". seine Frühlingssonne usw. Er unternahm auch manche Reisen, vor allem in die Heimat seiner Tierwelt Holland und Belgien. Auch Paris und London gaben ihm viel. Gange und gern weilte er in dem badischen Dörfchen Wörth, nicht zu verwechseln mit dem Schlachtort von 1870. In Wörth lebte er 1894 mit seinen Schülern und sand hier ein zweites Barbizon. Im Jahre 1901 sah er die Lüneburger Heide, die ihn auch bereicherte. Der liebenswürdige, reine Mensch Heinrich von Zügel ist es, der uns aus seinen Werken hell und freudig, mit herz- 6er duftigen Waldflur ab, in der das Tier urweltlich-dämonifch ausnimmt und den Raturgeist symbolisiert. Es sind besondere Begabungen die diese Einfühlung haben. Plastisch zeigen es bei uns Gaul und sein kongenialer Schüler Kutturnok und Wirlschasfsttisis. Don Or. Karl Gustav Bittner. Allmählich beginnt es nun auch in breiteren Schichten zu dämmern, daß der Thron des bisher allmächtigen Götzen „Fortschritt" bedenklwy zu wanken beginnt. Der Manchester-Liberalismus hat diesen Götzendienst zum alleinjelig- machenden Dogma erhoben, der Marxismus hat ihn von dort übernommen. Uber auch das sogenannte konservative Bürgertum krankt an der irrigen Vorstellung, daß die Rotatwn unserer Zivilisation ein D o r war t ssch r e i te n sei. In Wahrheit aber drehen wir uns im Kreis. Und die scheinbare (Steigerung unserer kulturellen Intensität ähnelt bedenklich der Steigerung unseres nominellen^ Danknotenwertes in der Inflation: Ie höher die Ztsfer, desto geringer die Kaufkraft. Die Mechanisierung des Produktionsprozesses, d. h. die Umwandlung des Handwerks in Industrie, könnte ein Segen für die Menschheit sein, wenn sie auf die Gebiete beschränkt geblieben wäre, denen diese Umwandlung wesensgemäh ist. Diese Beschränkung auf solche Massenprodukte, die wirklichen Rotwendigkeiten entspricht, ist aber nicht eingetreten. Eine unselige Vermischung der Begriffe „Kultur" und „Zivilisation" hat dazu geführt, dah Dinge, die in ihrem Wesen Kulturgüter sind, auf mechanischem. d. h. zivilisatorischem Weg hergestellt wurden. So ist die Vernunft, die uns lehrte, Huf- eilen und Rähnadeln maschinell herzustellen, zu dem Unsinn entartet, der Bilder, Plastiken unO Stickereien gleichfalls der mechanischen Massenproduktion überantwortet hat. Die neue Zeit hat nun allerdings mit den Zivilisationsgreueln aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts gründlich aufgeräumt; allzugründlich: denn sie Hai wohl unter dem Schlagwort „neue Sachlichkeit" den zivilisatorischen Ersatz der Gründerzeit hinweggefegt, nicht aber das, was ersetzt werden sollte, wieder an seine Stelle gesetzt: K u 11 u r ü> e r.t c. Der „sachliche" Zug der Zeit trifft in der Auswahl dessen, was von der Maschine hergestellt werden kann, das Richtige. Fehlt nur noch die Feststellung dessen, was die Maschine nicht leisten kann. Und auf das zu verzichten, ist ein verhängnisvoller Irrtum unserer Zeit. Die moderne Berufsberatung geht von dem Standpunkt aus, daß in Zeiten übergroßen Angebotes von Arbeitskräften nur die Tüchtigsten Aussicht aus Erfolg Habern Und sie prüft die jungen Menschen, die alljährlich auf den Arbeitsmarkt geworfen werden, mit klug ersonnenen psychologischen Methoden auf ihre speziellen Fähigkeiten Man hat dabei die Erfahrung machen können, daß es viele Menschen gibt, die für mechanische Tätigkeit sich besonders eignen. Andere aber eignen sich dafür nicht - und die find es, die unter der Mechanisierung des Arbeitsprozesses seelisch verkümmern, deren innerste Unzufriedenheit Spannungen erzeugt, die sich nicht zuletzt politisch auswirken. Von dorther kommen die radikalen Agitatoren, die ihr psychologisch verständliches Weltbild verallgemeinernd, die seelische Rot in materielle umbeuten und demagogisch auswerten. Ihre innere Zerrissenheit steigert sich zur Hysterie und wirkt ansteckend, wächst sich zur Massenpsychose aus. Müßte man nicht diese Erkenntnis als Faktor in das wirtschastliche, politische und geistige Sanierungsprogramm einsehen7 Cs ist zu wissen, daß nicht der Verbrauch allein, sondern auch öie Produktion an f i ch, zu den menschlichen Rotwendigkeiten gehört. Daß die Arbeit, und zwar die produktive O er Anfänger. Der Polizist hatte den Chaufseur des Lastautos, das langsam durch die abendlichen Straßen rahelte, verbellt. „Kennen Sie die Vorschriften nicht? Wo ist Ihr Schlußlicht?" Langsam stieg der Chauffeur von seinem hohen Sih. schritt, von dem Polizisten gefolgt, bedäch- dig dem Hinterteil des Wagens zu. blickte sich nach allen Seiten um und kratzte sich verwundert auf dem Kopfe. „Was sagen Sie fetzt?" zog der Polizist lein Rotizbuch hervor. „Also, was ist mit dem Schlußlicht?" .Keine Ahnung", sagte der Chauffeur „wie ich weggefahren bin " „ haben Sie es noch gehabt? Das kennen wir. Da hätten Sie es eben besser befestigen müssen." „Aber. ", versuchte der Chauffeur einzuwenden. „Keine Widerreden. Sie haben einfach kein Schlußlicht." „Der Teufel hole Ihr Schlußlicht", brachte jetzt der Chauffeur hervor. „Wollen Sie mir nicht lieber sagen, wo mein Anhänger hingekommen ist?" J.H.R. Auf der Strecke Burgwedel-Celle bei Hannover, wo seinerzeit die aussehenerregenden Probefahrten des Opelfchen Raketenwagens stattfanden, wurde in den letzten Tagen ein von Franz Krücken- b c r g erfundener und erbauter Propeller- Triebwagen, ein sog. Schienenzeppelin, vor- gesührt. Das Ziel dieser Versuche ist die Schaffung eines außerordentlich schnellen und dabei möglichst betriebssicheren Verkehrsmittels für Post- und Personenbeförderung auf große Ueberlandentfer- nungen. Der im wesentlichen aus Stahl in der sog. Stromlinienform erbaute Wagen, der einen besonders tief liegenden Schwerpunkt aufweist, hat bei früheren Versuchen bereits eine Geschwindigkeit von über 1 80 Stundenkilometer Oie Ursachen deutscher Ostnot. Die internationale Erörterung der Ostnot, welche die Hauptursache der politischen Spannungen und der mißlichen Wirtschaftslage Europas und damit der Weltwirtschaft ist, hat noch nicht annähernd ihren Höhepuntt erreicht. Das Europaproblem ist in Diskufsion, die internationale Handelskammer bespricht die Pläne zur Beseitigung der Folgen atomistischer Wirtschaftspolitik. Rumänien und Jugoslawien berieten mit Ungarn in Bukarest ihre Agrarnöte, ein Vorgang von wegweisender Bedeutung, den die Warschauer Agrarkonferenz der Oststaaten nicht ungeschehen machen konnte. Zahlreiche Engländer, Franzosen und Italiener untersuchen das Korridor- und das oberschlesische Problem und empfehlen Löfungen, die in Polen heute noch mit Entrüstung zurück- gewiesen werden, die aber zum mindesten anzeigen, daß auch die nichtdeutsche Welt dieRe- visionsbedürftigkeit der O st b e ft immun gen des D e r f a i l ler D e r t r a g e s zu erkennen beginnt. Private und amtliche Untersuchungen von deutscher Seite haben neuerdings die Ausmerksamkeit des Reiches auf die Ursachen der Ostnot gelenkt und praktische Besserungsvorschläge gebracht. Für die tiefere Erkenntnis der Ursachen der jetzigen Verhältnisse im Osten ist das neueste Heft der Süddeutschen Monatshefte", München „Die Ursachen deutscher Ostnot" unentbehrlich. Wohl der erschütterndste Beitrag der Schrift ist derjenige von dem Direktor des Statistifchen Reichsamts, Berlin, Dr. Burgdorfer, über die Gefährdung des ostdeutschen V oll» - tum«. Weist das deutsche Volk feit dem Weltkrieg die geringste Fortpflanzungsquote Europas auf fo bewegt sich der Osten Europas noch in kräftigem Aufstieg: Polen, das gegenwärtig 30 Millionen Einwohner zählt, wird bei Zugrundelegung der heutigen Verhältnisse im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte feine Volkszahl um rund 12 Millionen, also auf 42 Millionen, erhöhen. Polen hat bei halber Einwohnerzahl einen größeren Geburtenüberschuß als das Deutsche Reich. Ist an sich im Osten die deutsche Geburtenziffer fast um die Hälfte geringer als die der Polen^ fo wird das Rachdrängen des Slawentums auf deutscher Seite noch erleichtert durch die unvermindert andauernde Landflucht der deutschen Grenzbevölkerung. Sv hat allein die Provinz Ostpreußen in den 70 Jahren von 1840 bis 1910 730 000 Menschen, d. h. 52 Prozent ihres Geburtenüberschusses jener Zeit, durch Ab- und Auswanderung verloren. Bis 1925 erhöht sich diese Ziffer um weitere 112 000 Menschen. Burgdorfer sieht nur ein wirksames Mittel gegen die slawische Flut, nämlich ein kräftige« deutsche« Bauerntum. Siedlung tut not, Ansiedlung der nachgeborenen Bauernsöhne und aufstrebenden Handarbeitern und dadurch Seßhaftmachung tüchtiger Kräfte des Grenzvolks. Die durch die Regierung Brüning-Schiele eingeleitete Osthilfe kann als ein Anfang hierzu gelten. Man darf aber von der fo notwendigen Reichshilfe nicht alles erwarten, tote Karl von Loefch, der Präsident des Deutschen Schutzbundes, in seiner bedeutsamen Einleitung des Heftes betont: „Denn einerseits liegen die Ursachen der Oft not des deutschen Volkes zum Teil auch in inneren Strukturwandlungen der deutschen Gesellschaft. Diese können nur durch grundsätzliche Erneuerung des Volkstums von innen he" beseitigt werden. Zum anderen aber können auch die stärksten Erneuerungsbemühunpen des deutschen Volkes und die besten gesehgcbe Zechen Akte des Reiches die Hauptursache der Oft not nicht beseitigen: die Zerstückelung des deutschen Ostens. Grenzrevision ist daher die Hauptforderung. Cs gilt, neuartige Lösungen zu finden." Tiermalerei hat in unserer Zeit einen Aufschwung genommen. Die Holländer die ersten, die die Poesie der Tierwelt in der Landschaft sahen und empsanden. Spätere. Constable Corot, Rousseau usw., tarnen hinzu und lasen den idyllisch-theokritischen Ton aus rischer Kultur geleugnet wird, kann auch das Bedürfnis nach schöpferischer kultureller Leistung nicht befriedigt werden. Tausende von schöpferisch veranlagten Menschen sind daher gezwungen, in mechanischen Betrieben ihr Brot zu verdienen; sie verkümmern in ihrer Seele bei einer unbefriedigenden Arbeit, verfallen als ungeeignet als erste der Arbeitslosigkeit und — natürlich — der agitatorischen Verhetzung. — Ist es wirklich die Wirtschaftskrise, die uns die kulturelle Rot gebracht hat, oder ist nicht vielmehr in der K u 11 u r n o t unserer übermechanisierten Zeit eine der Ursachen unserer Wirtschaftskrise zu suchen? Man müßte darüber nachdenken. Auch wenn die hochgehenden Wogen des politischen Partei- kampfes anscheinend über solche „Utopien" Hinweggehen. Man mühte darüber Nachdenken, daß der hochragende gotische Dom, erwachsen aus innerster Rotwendigkeit deutscher Schöpferkraft, Jahrhunderte überdauert und über allem Wechsel und Wandel der Wirtschastssysteme und Staats- formen von der Ewigleit der deutfchen Seele zeugt. __ DerTiermalerHeinrichvonZügel 3u seinem 80. Geburtstage. Don Professor Or. (5. Fries erreicht. Bei den letzten Versuchen, die durchaus zufriedenstellend verliefen, erzielte man mit einer Defatzung von 12 Personen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 Kilometer pro Stunde. Der Rutzraum des etwa 24 Meter langen Wagenkor- pers beträgt - 3 der Gesamtlänge und ist für den Aufenthalt von Fahrgästen und die Unterbringung von Gepäck vorgesehen. Der bei Burgwedel- Celle vorgeführte Probewagen ist in den Werkstätten der Gesellschaft für Verkehrstechnik in Hannover-Leinhaufen erbaut worden, ilnfer Bild zeigt die neueste Aufnahme des ..Schienenzeppelins", die in besonders schöner und eindrucksvoller Weise die Bauart des neuartigen Fahrzeugs zeigt. Oberheffen. Oie älteste $rou Oberheffens gestorben. rl. Calbach b. Büdingen, 21. Olt. Heute wurde hier unter großer Beteiligung die älteste Frau des Kreises (oder gar ganz Oberhessens). Katharine Kleh, zu Grabe getragen. Die Heimgegangene hatte am 2. 2kuni d. 3. in bester Rüstigkeit ihren 10 0. Geburtstag feiern können, war auch bis zum Samstag täglich wohlauf und bei ihrer gewohnten Arbeit an der Aähmaschinc (!) oder am Strickzeug. Mitten aus solcher Arbeit hat sie der Tod jäh abgerufen. - Gemeinderat in Grünberg. -s-Grünberg,21. Ott. Zu der jüngsten Sc - meinderatssihung waren 11 Gemeinderäte erschienen. 5ür die Beschaffung von Wafsermessern liegen Angebote von fünf Firmen vor: Siemens & Halske, Berlin, Friedrich Lux, Ludwigshafen, Bopp & Reuther, Mannheim, Dreyer, Rosenkranz & Droop. Hannover, Friedrich Hollmonn, Wetzlar. Die vier ersten Firmen gehören einem Kartell cm und haben sämtlich die gleichen Preise für die einzelnen Größen, die letztere Firma, die nicht kartellmähig gebunden ist, hat etwas niedrigere Preise. Die Frage, die schon seit längerer Zeit der Lösung harrt, und auch die Wasscrlommi.sion schon beschäftigt hat, ist jetzt soweit geklärt, daß man R a h l ä u f e r wählen will. Rach längerer Beratung wurde mit acht gegen vier Stimmen beschlossen, Einstrahl-Wassermesser anzuschaffen. Mit neun gegen drei Stimmen übertrug der Gemeinderat die Lieferung der Wassermesser der Firma Dreyer, Rosenkranz & Droop, Hannover, da sie günstige Zahlungsbedingungen gewährt, u. a. eine zehnjährige Kreditierung mit einer Verzinsung von zwei Prozent über den jeweiligen Reichsbankdiskont. Diese Firma hat übrigens die seither schon im Gebrauch befindlichen Wassermesser, die bei Erbauung der Wasserleitung im 3ahre 1895 angeschafft wurden, ebenfalls geliefert. 3n Betracht kommen jetzt etwa 400 Stück, in der Mehrzahl solche mit einer Stundenleistung von 1,5 Kubikmeter, der Rest mit 3, 5 und 7 Kubikmeter Stundenleistung. Der Preis für den Wasser- mefser mit 1,5 Kubikmeter Stundenleistung beträgt 24,25 Mk., bei 3 Kubikmeter 27,50 Mark, bei 5 Kubikmeter 31 Mk., bei 7 Kubikmeter 42 Mk.; seit 7. Oktober ist bei den drei letzteren ein Preisabschlag von 6 Proz. eingetreten. Das Einbauen der Wassermesser soll durch die hiesigen 3nstalla- tionsgeschäfte erfolgen. Der Beigeordnete teilte sodann mit, daß die vom Gemeinderat beschlossene Einführung eines weiteren Schweinemarktes im Februar nicht die Genehmigung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft gefunden habe. Bei einer am vorigen Sonntag am hiesigen Bahnhof abgehaltenen Alarmübung der oberhessischen Freiwilligen Sanitätskolonnen, bei der auch der Beigeordnete zugegen war, ist angeregt worden, auch in Grünberg eine S a n i t ä 1 s - kvlonne ins Leben zu rufen. Der Beigeordnete gab diese Anregung zunächst dem Gemeinderat bekannt. Landkreis Gieren. ! Steinheim, 21. Oft Am Montagabend ereignete sich auf der Landstraße Rodheim—Stein- Heim ein Unglücksfalt Ein junger Motorradfahrer, der bei einer Gießener Firma beschäftigt ist, fuhr gegen das Fuhrwerk eines Landwirts und wurde durch den heftigen Anprall weit in das Feld geschleudert. Der Kraftfahrer erlitt dabei eine Kopfwunde. Ein Kraft- Wagenführer brachte den Verletzten im Auto .nach dem Krankenhaus in Hungen. Bei dem Zusammenstoß wurde dem Pferde vor dem Fuhrwerk des Landwirts ein Vorderbein zertrümmert, so daß es sofort abgeschlachtet werden mußte. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht geklärt. Kreis Büdingen. * Büdingen, 21. Oft. Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Büdingen hatte die Stelle eines Beamten zur Kontrolle der krank gemeldeten Mitglieder ausgeschrieben und für den Posten 12 7 Bewerbungsschreiben erhalten. 3n feiner jüngsten Sitzung hat er die Stelle dem Dildhauermeister Peter Heß in Kohden übertragen. Kreis Schotten. ch Babenhausen II, 21. Oft. Ein schweres Motorradunglück ereignete sich gestern auf der Chaussee zwischen Ulrichstein und Babenhausen, wobei der Briefträger Rahn von Babenhausen so unglücklich fiel, daß er sich neben einer Schulter- Verletzung eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Da der Bedauernswerte nicht transportfähig war, ist er vorerst in Ulrichstein untergebracht worden. I Gedern, 21. Oft. Am Sonntagabend veranstaltete der hiesige Gesangverein „2ie- derkranz" einen Familienabend, bei dem der Sängerchor unter der Leitung seines Dirigenten Riedel mit prächtigen Gesangsvorträgen den Besuchern einen wertvollen künstlerischen Genuß bereitete. Der Vereinsvorsihende, Postassistent S e u m , würdigte in einer Ansprache die Bedeutung der Familienabende für das Bereinsleben, dem Sänger Karl Fay wurde vom Vereins- Vorsitzenden mit Worten der Anerkennung für 40jährige aktive Mitgliedschaft die ihm vom Hessischen Sängerbund verliehene Ehrennadel und eine Ehrenurkunde des Vereins, sowie ein Geschenk überreicht. 3m weiteren Verlaufe des Abends erfreute der ober hessische Heimatdichter Georg Heß aus Leihgestern in Hohem Maße durch den Vortrag seiner mundartlichen Dichtungen, ferner bereitete die Aufführung des ersten, Vildes von Wilhelm Vonalts „Oberhessischen Dorfbildern" den Besuchern eine besondere Freude. Der Verein kann mit Befriedigung auf den schönen Verlauf dieses Abends zurückblicken. Kreis Alsfelo ch Aus dem Ohmtal, 20. Oft. Die Erntearbeiten sind in unserer Gegend jetzt soweit gediehen, daß die Kartoffel- und die Dick- wurzernte als beendet angesehen werden können, ilnfere Landwirte sind zur Zeit mit der Aussaat des Wintergetreides beschäftigt. Veranlaßt durch die ungünstige Lage des Roggenmarktes geht man auch hier zu ausgedehnterem Weizenanbau Über. Auf den Wiesen herrscht lebhafter Weidebetrieb, da das Gras stellenweise so gut gewachsen ist, daß sogar ein dritter Schnitt vorgenommen werden kann. Allgemein wird sehr Über großeMäuse- plage geklagt. <=er. Homberg, 21. Oft. Die technische Handarbeitslehrerin, Fräulein Adele Schneider, die seit zwei 3ahren Handarbeitsunterricht in Homberg und in der Umgebung abhielt, wird ab 21. Oktober Kochunterricht im Kreise Lauterbach erteilen. Als ihre Rachfolgerin wurde Fräulein Therese Göbel aus Mainz bestellt. Preußen. Kreis Wetzlar. II Groß-Rechtenbach, 21. Oft. Gestern nachmittag brach in der Scheune des Invaliden Wilhelm Wagner, Hierselbst, Feuer aus, das sehr schnell um sich griff. Trotzdem die Ortsfeuerwehr die Löscharbeiten sofort aufnahm, konnte nicht verhindert werden, daß die Scheune innerhalb kurzer Zeit vollständig niederbranntc. Auch die Feuerwehren der Gemeinden Hochelheim, Hörnsheim, Klein-Rechtenbach, Bolkartshausen, Weidenhausen und Münchholzhausen, sowie die Wetzlarer Feuerwehr mit der Motorspritze wurden alarmiert, brauchten jedoch nur teilweise noch in Tätigkeit zu treten, da das Feuer inzwischen auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Dem Feuer fielen große Mengen Heu, Stroh und Kartoffeln, sowie eine Anzahl landwirtschaftlicher Geräte zum Opfer, lieber die Entstehungsursacye konnte bis jetzt noch nichts festgestellt werden. Mrciö Marburg. Q Fronhaufen, 21. Oft. Die Ernte-- arbeitenin unserer Gemeinde sind zum großen Teil abgeschlossen. Die Kartoffel- und die Runfelernte erbrachte in diesem 3ahre große Erträge. $eu, Grummet, Roggen und Weizen konnten mit befriedigendem Ergebnis gut eingebracht werden. Ein Beweis für die reiche Ernte ist der Umstand, daß die Landwirte die Heu- und Strohvorräte nicht in den Scheunen unterbringen formten, sondern vieles auf freiem Felde aufbewahren müssen. Wirischast Oer Düvinger Gallusmartt. * Büdingen, 21. Oft. Der diesjährige Gal- l u s m a r k t brachte unserer Stadt am Sonntag und heute starken Besuch, während gestern der Zuspruch schwächer war. Auf dem Krämer- markt, auf dem in etwa 80 Verkaufsbuden allerlei Waren feilgehalten wurden, entwickelte sich reger Geschäftsgang. Der Viehmarkt litt beträchtlich unter der Rotlage der Landwirtschaft und durch den nahe bevorstehenden Ortenberger Markt. Auf dem Pferdemarkt am Montag standen nur zehn Schlachtpferde zum Verkauf. Der heutige Rindermarkt war mit etwa zwanzig Rindern beschickt, um die sich gutes Geschäft entwickelte. Aus dem Schweinemarkt waren etwa 400 Ferkel auf getrieben, die zum Preise von etwa 15 Mark für sechs Wochen alte Tiere und 18 bis 20 Mark für ältere bei anfangs schleppendem, später besserem Geschäft abgeseht wurden. * 'DerAftienin dex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 — 100) stellt sich für die Woche vom 13. bis 18. Oktober 1930 auf 93,9 gegen 94,3 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 90,8 (90,2), in der Gruppe verarbeitende 3n- dustrie auf 82,2 (82,8) und in der Gruppe Handel und Verkehr auf 116,8 (117,8). • Commerz- und Privatbank, AG., Hamburg ■ Berlin. 3n der gestrigen Auf- sichtsratssihung wurde die Bilanz für das erste Halbjahr 1930 vorgelegt. Das Ergebnis kann als befriedigend bezeichnet werden. Die Entwicklung des Geschäftes im zweiten Halbjahr wird wesentlich von der weiteren politischen und wirtschaftlichen Gestaltung der Verhältnisse abhängen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Oft. Tendenz: weiter abgeschwächt. — Die Abschwächungen an der gestrigen Abendbörse setzten sich heute fort. Die Kulisse schritt infolge des bevorstehenden Ultimos weiter zu Realisationen. Auch trug die erneut schwächere gestrige Reuyorker 'Sorfe zum schwächeren Verlauf des Marktes bei. Das Geschäft war allerdings nicht mehr so umfangreich, wie in den letzten Tagen. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich teilweise größere Kursverluste. Am stärksten gedrückt eröffneten Spezialaktien. So neigten am Elektromarkt AEG., Licht & Kraft, Elektrische Lieferungen, Cchuckert und Siemens zur Schwäche und büßten durchschnittlich 4 Proz. ein. Deutsche Linoleum erfuhren bei stärkerem Angebot einen Verlust von 8 Proz. Am Chemiemarkt gaben 3.-G.-Farben 3.75 Prozent nach. Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft lagen bis 2 Prozent niedriger. Am Montanmarkt waren Klöcknerwerke mit minus 4,25 Prozent stärker gedrückt. Buderus verloren 3,25 Prozent. Auch der Kalimarkt unterlag stärker den Kursrückgängen. Salzdetfurth wurden etwa 10 Proz. schwächer taxiert. Aschersleben eröffneten 4 Proz. niedriger. Von Bauunternehmungen waren WayßL Freytag nur geringfügig abgeschwächt, Zement Heidelberg büßten 4 Prozent ein. Auch am Kunstseidemarkt drückte stärker das Angebot. Bemberg verloren 5 und Aku. 4 Prozent. Schifffahrtswerte gaben ebenfalls bis zu 4 Prozent nach. Banken lagen bis zu 2 Prozent niedriger. Zellstoff Waldhof bis 4 Prozent niedriger. Am Rentenmarkt hatte sich die Lage ebenfalls wieder verschlechtert, doch war das Angebot nicht! gerade drängend. Deutsche Anleihen lagen nur leicht nachgebend. Ausländer zumeist behauptet. 3m Verlaufe wurde die Tendenz weiter etwas schwächer. Das nachlassende Kaufinter- effe und die niedrigere Marknotierung machten einen nachteiligen Eindruck. Es traten gegen, Anfang nochmals Abschläge von ein bis 1,5 Prozent ein. Am Pfandbriefmarkt kam ebenfalls etwas Material heraus. Liquidationspfandbriefe lagen bis zu 0,75 Proz. niedriger. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 Proz. weiter etwas leichter. Devisen waren wieder etwas gefragter. Die Mark lag schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1980, gegen Pfund 20,3975, gegen Paris 123,83, London gegen Kabel 4,8602, gegen' Mailand 92,82, gegen Madrid 46,00, gegen Schweiz 25,0290, gegen Holland 12,0650. Berliner Börse. Berlin, 22. Olt. Obwohl gestern im Preußischen Landtag der Mihtrauensantrag der Wirtschaftspartei eine Ablehnung erfahren hat, konnte man schon im Verlaufe des Rachmittags und an der Frankfurter Abendbörfe eine schwächere Tendenz feftftellen. Diese wurde durch niedrigere Reuyorker Kurse und auf Grund eines Dementis, daß ein Weltmoratorium — in der gestern diskutierten Form wenigstens — nicht in Frage komme, noch verstärkt. Hinzu kam eine leichte Abschwächung der Mark, das Herannahen des Zahltages und ein Rachlassen des Kauf- Interesses seitens des Publikums. 3n gewissem Sinne hatte bereits die gestrige Börse enttäuscht und einige Verkaufsneigung bei der Spekulation ausgelöst. Auch die Spekulation realisierte auf Grund fehlender Orders, teilweise nahm sie auch Dlankoabgaben vor. Die Kursveränderungen waren jedenfalls im Verhältnis zu dem herauskommenden Material bedeutend. 3m großen und ganzen betrugen die Rückgänge 5 Prozent, vereinzelt bis 10 Prozent. Eine aus München gemeldete Bankinsolvenz (das Bankgeschäft A. Adler hat seine Zahlungen eingestellt) hatte für die Börse kaum Bedeutung. Dagegen fand der Wechsel im preußischen 3n- nenminifterium (Dr. Waentig ist zurückgetreten und S e v e r i n g ist als Rachfolger ernannt worden) starke Beachtung. 3m Gegensatz zu den letzten Tagen erschienen heute wieder an den Maklertafeln Minus-Minus-Zeichen. AG. für Verkehrswesen. Buderus, Klöckner, Zement Heidelberg, Bayerische Motoren, Schubert L Salzer, Aku und Bemberg sind hierbei zu nennen. Aber auch sonst lagen Papiere wie Hackethal, 3ulius Berger, Spritaktien, Kaliwerte, Deutsche Linoleum usw. recht schwach. Farben eröffneten 4,5 Prozent niedriger als ihre letzte Schluhnotiz lautete. Deutsche Anleihen waren ebenfalls schwächer. Ausländer zumeist behauvtet^-aber nicht einheitlich. Der Psandbriefmarkt war sehr rußig. Liquidationspfandbriefe und Reichsschuldbuchforderungen überwiegend angebvten; letztere etwa 0,75 Prozent schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,25 bis 5,25 Prozent, und vereinzelt darunter weiter leichter, der Sah für Monatsgeld zog dagegen auf 6,5 bis 7,5 Prozent! an, Warenwechsel lagen weiter auf 5,5 Prozent. Rach den ersten Kursen neigte die Tendenz weiter zur Schwäche. Bei kleinen Umsätzen traten meist weitere V2* bis li/.prozentige Rückgänge ein. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Oft. Auch der heutige Produktenmarkt zeigte weiter eine unsichere Veranlagung, zumal das Angebot von Inlandware etwas reichlicher geworden war. Die Rachfrage war aber sehr bescheiden, so daß Umsätze nur in ganz geringem Umfange zustande tarnen. Preisveränderungen waren im allgemeinen nicht zu verzeichnen. Rur Roggen gab in geringen Sorten bis 2,50 Mk. nach. Auch das Mehlgeschäft war schleppend, ohne daß jedoch Preis- beränberungen eingetreten wären. Roggenmehl war unverändert, ebenso-Weizenmehl. Futtermittel waren stärker angeboten und im Preise gedrückt. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je Doppelzentner. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Rassau) Hektolitergewicht von 75 Kilogramm 250 bis 252 Mk., Roggen (Hessen, Provinz Hessen-Rassau und Unterkonten) 165. Hafer (inländischer) 152,50 bis 160, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 39,50 bis 40,25, Roggenmehl 26 bis 27, Weizenkleie 6,20, Roggenkleie 6,75 Mt. — Tendenz: ruhig. Letzte Nachrichten. Sevenng wird wieder preußischer Innenminister. 23 e r l i n, 22. Off. (MTB. Amtlich.) Der preußische Minister des Innern, Professor Dr. 2Vaentig, hat dem Ministerpräsidenten sein Rücktrittsgesuch überreicht. Ministerpräsident Dr. 23 r a u n hat dieses Rücktrittsgesuch angenommen. Als Rachfolger des scheidenden Ministers hat der Ministerpräsident den Reichs- und Staatsminister a. D. Severing ernannt 231 Tote bei dem Bergwerksunglück in Alsdorf. Berlin, 22.Oft (2VTB. Eigener Drahtbericht.) Rach den bis 12.15 Ahr bei der Berliner Zentralbehörde des Bergbaues vorliegenden Zahlen sind bisher in Alsdorf 170Tole zutage ge- bracht worden. Unter Tage befinden sich noch 61 Tote, so daß jetzt im ganzen 23 1 Tote fest- gcstellt sind. 96 Verletzte liegen in den Krankenhäusern. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloßen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdisfont 5 v. H-, Lombardzinsfuß 6 v. H. Frankfurt a. M. 1 Derlin Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Banfnoten. Berlin, 21. OHpber Geld Bries Schluß« für 4 1«Uhr« fturd Schluß«! Ansang« fürs Kurs Schluß«! t-Uhr- fur4 | Wvr4 Schluß« l Anfang« fürs | Sturi Schluß«! t-Uhr- furd I flurd Schluß« l Anfang« für# | flur<_ Amerikanische Noten..... 4,177 4,197 -i» R-) Datum 6% Deutsche Reich-anleihe von 1927.......... 7% Deutsche Reichs anleihe von 1929 .......... Deutsche Anl^Ablös^Schuld mit AuLlos^Rechteu....... DeSgl. ohne AuSlos ^Rechte . . . 6% Hell. BolkSstaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... vberhellcn Provinz • Anleihe ad Auelos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% stranks. Hyp^Bank Goldpse. XJH unkündbar bis 1934 . . . 7% Krankt. Hyp^Bank Goldpfe unkündbar viS 1932 ..... 4%% Rheinische Hvp^Bank Ltqu. Goldpse......... 8% Pr. LandeSPtandbrtes anstatt, Psandbriete R. t 9...... 8% Pr Landespianobriesaustatt, Romnu-Cbl. ist. 20...... 7% Pr. LandeSpiandbriesanstalt, Psandbriese R. 21...... tUj.CS. abg. B ortrreg»- Obligationen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterretchische Goldreute . . 4,20% Oesterreichische Stlberrente 4% Oesterretchische Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Soldrente . . . . 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 4'/,% deSgl. von 1913 . . . . . 4% Ungarische Kronenrente . . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl 4% deSgl. Serie N . - - - - • • 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ......- - 4%% Rumänische vereinh. Rente 4% Rumänische vereinh. Rente 21 10 87 98,5 55 7,05 89,25 52 53,25 93,75 93,5 86,75 100 97 97 94 3 23,2 19 1,95 4,75 4,65 4,65 8,5 14,65 6,15 o 1 1 “J* 1 1 1 | 1 | | 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 H 1 II 21 10 87,7 98,75 55 7,2 90 53 100 97 97 27,1 3,15 1,85 24,13 19 1,85 8,6 14,4 7,15 |2 i I 5S i i i I I I I i 1 1 58 181 112 23 1 " n s ___________ __ Datum Hamburg-Ämerika Äatet ... 7 Hamburg-Südam. Dampsschiss. 8 Hansa Dampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheTredttanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und Disconto-Sesettschast,... 10 Dresdner Bank......10 Reichsbank...... . 12 A.E.G............t Bergmann.........9 Elektr. LteserungSgesellschaft. 10 Licht und Lrast......10 stellen & Guilleaume . . . 7% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger Elektrizität^» Werke 10 Rbe,nlsche Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schubert L Eo...... . 11 Siemen« & Halske . • • • • 16 Lahmeyer & Co....... 10 Buderus ..........6 Deutsche Erdöl ....... 6 Gelsenkirchener ...... .8 Harpener. . ........ 0 Hoesch Eilen........6% stise Bergbau ....... 10 Rlddncrroerle . ...... .7 KöliEcuelsea..... 7 ManneSmann-Röhre» .... 7 NanSselder Bergbau ..... 7 Oberlchles. Etscnbedars .... 5 Oberschlcs. kiokswerke.....7 Phönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstatzl.........6 1 Rtebech Montau......7,2 21 10 82,5 100 109 133 123 163 119 118J5 127,75 128,5 103 130,5 143 187 150 56,9 70,75 97,25 94 79,5 70,25 186 83 22 10 78,5 79 108,25 121 117,75 116,75 125 120 125,5 139,5 183,5 53,6 68,9 95,25 72,75 68,5 21 10 82,5 165 128 83,5 100,65 109,5 134 123 162,25 118,65 118,5 230 128,9 144,75 124,25 131,5 104 133 122 125,25 143,75 188,65 128,75 150,5 56,5 71,25 97,65 93 86 76,9 87,5 80,75 42,5 46 81,9 70,5 186,75 85,4 22 10 79,25 79,5 100,6 108,4 133 122 160,25 117,75 117 225,5 124,75 141 120 128 101 130,25 120,5 121,4 139,5 185 149 53,5 68,75 96,5 90,75 83,5 221 72,25 86,25 78,13 41 44,25 78,75 68,6 185 * 82 86 e fl £ ! < 8 9 C 1 Datum bereinigte Stahlwerke..... )tavi Minen......16'/, aliwerke Aschersleben . . . 10 aliwerke Westeregeln ... 10 aliwerke Salzdetfurth ... 15 . G. starben-Industrte ... 12 -cheideanstalt........ 0 Soldschmtdt........5 stetallgelellschaft. ...... 8 ghilipp Hotzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 ^mentwerk Karlstadt. ... 10 Bat)6 & Frey tag......8 -chulthei« Patzenhofer ... 15 Drtroerfe.........12 ...............18 Bemberg..... 14 Zellstoff Waldhos .... 13'/. Hellstoss Aschaffenbum ... 12 shnrlottenburger Wasser ... 8 Salmler Motoren ...... 0 deutsche Linoleum ...... Raidilnenbou A.-T. . • • • • 0 stal. Automobll ....... 0 Drenfteln & Koppel • .... 6 ieonhard Tietz ...... 10 rvenkko........... frankfurter Maschinen .... 4 äunghanS..........« Lechwerke..........8 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .8 Mtag...........10 Bebe. Otoebei ....... 10 Botgt & Haefsner ...... S Süddeutsche Zucker .... 10 21 10 71 201 203 287 146,75 45 53,5 96,25 83,5 57,75 64 72 121 92 166,25 124 19,75 31,5 30,13 88 75 93,5 150 145 22 10 196 143 94 89 56,75 60 67 118,5 158,25 21 10- 71,5 32,75 204 206 289 148 69,75 46,9 53,5 95,75 84 59 193,25 153,5 65,5 74,25 122,5 92 87,75 122,9 25,65 167,5 36,75 12,75 56,75 126 288 18,75 30,9 30,5 71,5 150 145 22. 10 70 31,5 198 200 279 143,5 67 44,75 51 93,5 82,5 187 148 61,25 68 118 85,5 119,4 24,25 162 35 12,25 54,75 122 285,5 Dänische Note Englhche Note stranzostsche N Holländische 7 Italienische N Norwegische 9 Deutsch-Oester Rumänische 9i Schwedische N Schweizer No Spanische 9?o: Tichechojlowak Ungarische Nr Devi n ....... oten ....... oteu ....... ölen....... reich, i 100 Schilling oten....... oten....... len ....... . en ....... ische Noten..... ten ..... enmarft Berlin 21 Oktober Ämilich. »oilerunc Geld | Lric - £ 111,85 20,354 16,42 68,41 21,91 11,85 59,01 2,47 112,15 81,14 43,71 12,40 73,15 canffurl 22 ÄMlllck Geld DM c 112,29 20,434 16,48 169,09 21,99 112,29 59,25 2,49 112,59 81,46 43,89 12,46 73,45 l.m. ober lloherung Srlc Ämst.°Rott. «uen.-Aires Brss.'Antw. Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . . Neuyork . . Baris.... Schweiz .. Spanien. Japan . . . ist io de Jan. Wien in D.» Gelt, abgest Prag , . . . Belgrad . Budapest. Bulgarien Lissabon . Danzig. . Koust-mtin. Athen. . Tanada . Uromay. Tatra .. 168,73 1,447 58,43 112,12 112,13 112,47 10,546 21,235 20,364 4,189 16,445 81,465 44,00 2,078 59,10 12,428 7,427 73,33 3,034 18,80 81,44 1,784 5,43 4,1953 3,297 20,89 169,07 1,449 58,55 112,34 112,35 112,69 10,566 21,975 20,404 4,197 16,485 81,525 44,08 2,084 59,22 12,448 7,441 73,47 3,040 18,84 81,60 1,789 5,44 4,2035 3,303 20,93 168,96 1,443 58,475 112,24 112,24 112,60 10,558 21,96 20,385 4,1945 16,459 81,465 44,04 2,083 59,165 12,444 7,437 73,42 3,042 18,83 81,51 1,784 5,435 4,198 3,307 20,915 169,30 1,445 58,595 112,46 112,46 112,82 10,578 22,00 20,425 4,2025 16,499 81,525 44,12 2,086 59,285 12,464 7,451 73,56 3,048 18,87 81,67 1,789 5,445 4,206 3,313 20,955 SJ.4pori - Tagung der Spieler des Heffengaues der ST -erksunglütk । ernste Mißstände en (Hessen und tergelvicht vm Roggen Hessen, erkranken) 165. >0, Weizenmehl 40,25, Doggen« 10, Dvggenkleie dieser Be !'.ig 3,31 20,90 trage auf Llenderung 'Ä 58,475 112- "2,24 112-g 10-iZ 21,“ 20.3g 4,1945 16,g 81,4 44,04 2,083 st 112,46 112,? 10,578 22,00 20,425 4,2025 6 499 81,5 5 U,12 2,086 4,197 56,52 112,» 20,434 16.48 169.« 21-99 112,29 59,25 2,49 112.59 81-46 43,9 12.46 73.45 177 1,28 ,85 354 ,42 ,41 91 85 01 47 15 14 71 40 15 ner DrahtberiG Berliner Malden Zahlen sind ezutagege- iben sich noch 61 • 31 lote fest- n den Kranken- abzufertigen. Die Jugend Lollars ?;cnb von Fellingshausen mit einer 5:0-Rieder- age nach Hause. Abtumen der Freien Turnerschast. Die Ausbildungsarbeit in den Spielabteilunyen wurde vertieft durch drei Lehrgänge t m Handball, mit Schiedsrichterprüfung; ein weiterer Lehrgang wird im Rovernber in Lauterbach abgehalten. Ferner fand ein Lehrgang für Faustball zu Gießen statt, und schließlich wurde von der Gauspielwarteversammlung des Mittelrheinkreises zu Aschaffenburg die neue Kreisspielordnung verabschiedet, die nunmehr für jede angeschlossene Spielabteilung verbindlich ist und außerdem den Vertrag der DT. mit der DSD. und dem DFD. nebst Ausführungsbestimmungen enthält. Für Wahl des Gauspielwartes beschließt die Spielerschaft des Gaues einstimmig, dem ordentlichen Gauturntag im Frühjahr 1931 die Wiederwahl ihres seitherigen verdienstvollen Führers. Gauspielwart Fritz Seibert (Wetzlar) in Vorschlag zu bringen. Bei der Reubildung des Unterausschusses, der nach den Beschlüssen des vorjährigen Gauturntages außer dem Gauspielwart vier Mitglieder erhalten soll, werden die seitherigen Mitarbeiter W. Loh (Tv. 1846 Gießen), Hch. Weisel ($.- u. Spv. Butzbach), P. Ritsert (Mtv. Gießen) wieder-, und W. Mohr (Tv. 1846 Gießen), neu gewählt. Als Orte für die Austragung der Gaumeisterschaften in den Sommerspielen 1931 werden Gießen (Tv. 1846) und Friedberg (Turngemeinde) bestimmt. Den Werbespieltag, an dem die Sommerspiele abgeschlossen und die Winterspiele eingeleitet werden, übernimmt für nächstes Jahr der T.- u. Spv. Butzbach. Die wirtschaftliche Rot der Feit grub ihre Spuren u. a. in der Feststellung. daß der beliebte Spielnachmittag bei dem allgemeinen Gauturnfest künftig schon am Sonntag statt seither am Montag stattfinden müsse, soweit es nach den jeweiligen Plahverhältnissen und dem turnerischen Inhalt der Festfolge sich irgend ermöglichen läßt, und schließlich in der Annahme eines Dringlichkeitsantrags des T.- u. Spv. Butzbach, daß e i n Schiedsrichter auch zwei Wettspiele, ohne Rücksicht auf die Spielklasse, bei voller Würdigung der Mehrbelastung übernehmen muß. stimmungen heranzutreten." Der Verwaltungsausschuh sieht hiernach einmütig keinerlei Hindernis zur Fortsetzung der Gemeinschaftsarbeit auf Grund des bestehenden Vertrages. Arbeiter Turn- und Sportbund. Lollar I — wieseck I 2:1. In Lollar standen die Wieseckcr am Sonntag der dortigen ersten Mannschaft gegenüber. Don Anstoß ab entwickelte sich ein flotter Kampf, der an den Unparteiischen große Anforderungen stellte. Lollar kam nach wenigen Minuten zur Führung und hielt den Vorsprung bis zur Halbzeit. Rach der Pause erzielte Wieseck durch prachtvollen Schuh das Ausgleichstor. Der Plahbesiyer gelangte noch zu einem zweiten Erfolg und damit zu Schlußergebnis und Sieg. Das Spiel wurde sehr hart durchgeführt. Rodheim I — Kinzenbach I 1:1. Auf dem Platz in Rodheim lieferten sich beide Gegner ein flottes, scharfes Spiel. Durch Elfmeter gingen die Gäste in Front, der Ausgleich Der Reuling Marburg zeigte in diesem Treffen recht hoffnungsvolle Form. Wohl lieferten die Gäste ein ansprechendes Spiel, doch lag Marburg bei der Pause bereits mit 2:0 in Führung und ~' Londorf blieb L°L- St» $£ Hüt. I 1c • zu natto, Mi Mlchlvö! nicht lchsjchuldW 1-letzter« etwa ldmarkt toat ent, und btt- Sah Prozent .h'5 Prozent, nie Tendenz llmsähen Msigr Rück- Oekonomische Verwendung von Glühlampen. In weiten Kreisen ist die Meinung verbreitet, daß man sparsam handelt, wenn man schwarz gewordene Glühlampen nicht gegen neue Glühlampen auswechselt, sondern sie weiter benutzt, bis sie durchgebrannt sind. Diese Meinung beruht auf einem Irrtum, denn die Weiterverwendung einer merklich geschwärzten Lampe bedeutet nicht Sparsamkeit, sondern Ünwirtschaftlichkeit. Die Schwärzung des Lampenglases ist ein sichtbares Zeichen dafür, daß die Lampe ausgedient hat, obgleich sie noch nicht durchgebrannt ist; die Erscheinung rührt von einer allmählichen Verdampfung des auf etwa 2500 Grad Celsius erhitzten Leuchtdrahtes her. die bei allen Glühlampen als die normale Todesursache zu bezeichnen ist. Die heißen Ddetcllldämpfe treffen auf die weniger heiße Wand des Glaskolbens und bilden dort einen feinen Riederschlag von dunkler Färbung. Durch die Verdampfung wird der Leuchtdraht dünner; sein elektrischer Widerstand wird dadurch großer, so daß die Stärke des durch den Draht fließenden Stromes geringer wird, und zwar gegen das Lebensende der Lampe hin um etwa 3 bis 5 Prozent. Diese Verminderung der Stromstärke bedeutet jedoch keine Ersparnis, denn sie ist mit einer bedeutenden Lichtverminderung verbunden. Infolge des geringeren Stromdurchganges erreicht nämlich der Leuchtdraht nicht mehr die frühere Temperatur, die Lichtleistung der Lampe wird also geringer, und außerdem wird noch durch den dunklen Riederschlag an der inneren Kolbenfläche ein Teil des erzeugten Lichtstromes verschluckt, und zwar umsomehr, je stärker dieser Riederschlag ist, d. h. je länger die Lampe in Betrieb gehalten wird. So kommt es, daß jede Glühlampe während ihrer normalen mittleren Lebenszeit von 1000 Stunden etwa 10—15 Prozent, u. 11. sogar bis zu 20 Prozent an Lichtleistung elnbüßt. Betreibt man die Lampe darüber hinaus weiter, so nimmt naturgemäß die Lichtleistung weiter ab, und die Lichtausbeute der Lampe wird so stark vermindert, daß der Betrieb trotz der genannten kleinen Ersparnis an Stromkosten unwirtschaftlich wird. Es kann deshalb nur dazu geraten werden, Lampen, die merkliche Schwärzung zeigen oder die 1000 Stunden gebrannt haben, gegen neue auszuwechseln, um stets den Deleuchtungswert zu gewährleisten, der bei der Projektierung als wirtschaftlich für die betreffende Anlage zugrunde gelegt wurde. O—. -o- Die Spielabteilungen der Turnvereine im Gau Hessen hielten am Sonntag zu Gießen ihre ordentliche Jahresversammlung ab. Der Fachleiter. Gauspielwart Fritz Seibert (Wetzlar), eröffnete die Verhandlungen mit einem ausführlichen Arbeitsbericht. Ein erfreulicher Aufschwung im Spielbetrieb des Gaues konnte heraus gestellt werden. Besonders in einer großen Anzahl von Landvereinen wurden die Turnspiele eingeführt. Die Faustballer vom Tv. 1846 Gießen haben durch zahlreiche Freundschafts- und Werbespiele eifrig den Boden bereitet. Ferner bildeten sich neue Mannschaften durch die Eingliederung einer weiteren Altersklasse (32 bis 39 Jahre alt) als lleber- gang von der aktiven Spielerschaft zu der eigentlichen Altersklasse im Sinne der Wettkampfbestimmungen. An der Faustballrunde beteiligten sich über 60 Mannschaften, bei der Handballrunde stehen 94 Mannschaften (50 Prozent mehr als im Vorjahr) mit rund tausend Turnern sonntäglich im Spielfeld. Beim Schlagballspiel ist ein dauernder Rückgang zu beobachten. Durch das starke Anwachsen des Handballbetriebs mußte die Weisterklasse auf zehn Mannschaften erweitert werden. Als besonders spielstarke Mannschaften, die aber erfreulicherweise eine ganze Anzahl gleichwertiger Gea?«r im Gau haben, ragen hervor der Tv. 18^o Gießen als Gaumeister im Faustbntl der Turnerinnen, weiter als zweiter j in ter dem derzeitigen Deutschen Meister Licht-Luftbad Frankfurt a. M. bei den Gau- gruprx-'nmeisterschaften in Bad Homburg. Ferner der Rännertumverein Gießen als G a u m e i st e r imFaustball ber Turnerinnen, weiter rb Meister der übergeordneten Gaugruppe. In fcr Handballrunde errang der Tv. Wetzlar 0 i e Meisterwürde des Gaues. Gau- bester der Jugendklasse wurde Turn- und Sportverein Butzbach. Kranz und Urkunde wurde den Siegern unter lebhaftem Beifall vom Gauspielwart überreicht. Reben den Pflichtspielen pflegen die Abteilungen in wachsendem Umfang die Freundschaftsspiele. eine höchst erfreuliche Entwicklung. Handball im Lahn - Oünsberg Gau. To. Dorlar I — To. Ahbach I 9:2 (2:2). Im Entscheidungsspiel um die Tabellenführung des 1. Bezirks lieferten sich beide Mannschaften auf dem Dorlarer Platz einen schnellen und harten, aber nicht unfairen Kampf, den nach verteiltem Spiel der ersten Hälfte die Plai». mannschaft nach überlegenem Spiel nach bei Pause klar für sich entscheiden konnte. Mit diesem Spiel ist Dorlar Tabellenführer mit 10: 0 Punkten vor Atzbach mit 10:2 und Launsbach mit 10:2 Punkten. To. Ruttershausen 1 — Tv. Daubringen I 4:1 (2:1). In diesem Spiel standen sich zwei gleichwertige Mannschaften gegenüber. Daubringi konnte in der 20. Minute das Führungstor r- zielen, dem jedoch der Plahverein den As- gleich und einen weiteren Treffer entgegevhte. In der 2. Halbzeit konnte Ruttershause' noch zweimal erfolgreich sein. Arbeitsgemeinschaft nicht gefährdet. vT. und Dresdner Beschlüsse be» DJB. Die Arbeitsgemeinschaft .Turnen und Sport" trat am Sonntag in Berlin zu einer Sitzung zusammen, um über die Auswirkung der Spesen- beschlüsfe im Fuhballsport zu beraten. Der DFD- Vorsitzende Linnemann legte den Standpunkt des Deutschen Fuhball-Dundcs flar. Rach einer eingehenden Besprechung brachten die Vertreter der Deutschen Turnerschast ihre Ausfassung in folgender Weife zum Ausdruck: »Die Vertreter der DT. im Derwaltungsaus- schuh der Arb. Gern. DT.-DSB.-DFB. haben auf Grund der heutigen Verhandlungen mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß der DFB. in Wirklichkeit durch die Beschlüsse seines Dresdener Bundestages eine Verschärsung der bisher bestehenden Amateur-Bestimmungen feftge- Icgt hat. Ein Beweis dafür ist einmal die Presse- Veröffentlichung des DFB. vom 19. Oktober, sowie weiterhin die am 19. Oktober gefaßten Beschlüsse des DFB. zur Durchführung der Amateurbestimmungen. Die Vertreter der DT. halten es aber für Bedenklich, daß durch die Festsetzung von Höchstsätzen für Auslagenerstattungen bei Spielen am Ort und aus Anlaß eines Pflicht-Trainings die Gefahr hervorgerufen worden ist, daß derartige H ö ch st sätze in der Praxis sich als Regel sähe einbürgern, und auch auf die Mannschaften der Turnvereine übergreifen können. Die DT. muß sich Vorbehalten, falls in dieser De- Gn deutscher Berufsspieler-Verband gegründet. Die größte Riederlage de» Der Deutsche Fußball-Bund hat am Montagabend seinen schwersten Schlag erlebt. 2km Hotel Reichshof in Köln hat man einen c u t - fchen Profesfional-Fußbal l-Verba n d" aus der Taufe gehoben. Man hat sehr gründlich gearbeitet, den netten Verband bereits telegraphisch bei der F3F2I angemeldet, bereits mit den Profiverbänden der anderen Rationen Fühlungnahme gesucht und im übrigen wurde bereits ein Vo.rstand gewählt, dem nachstehende Herren angeboren: Rechtsanwalt Strausberg, Köln (geschästssührender Vorsitzender). Sonje, Köln (1. Vorsitzender), Michels, Wuppertal, Allessor R olden, Köln, Baumeister Dreh fuß. Köln, O f f ermanne. Köln-Kalk, und Rechtsanwalt Dr. H a u b r i ch, Köln. Bemerkenswert ist, daß alle Verbands- und Vereinsämter in dem neuen Klub .ehrenamtlich" verwaltet werden sollen, wovon lediglich der Geschäftsführer des Verbandes ausgeschlossen ist. Angemeldet haben sich dem neuen Verbände bis jetzt: Fuhballsporwerein Köln (Spieler rechtsrheinischer Vereine), 1. FC. Köln (mit Ferdl Swatosch an der Spitze), 1. FC. Wuppertal, FC. München/Gladbach-Rhehdt (meist frühere Spieler aus M.-Gladbach), .Des Westens Meister" (Schalke 04). Außerdem liegen noch Aufnahmegesuche aus Düsseldorf und Krefeld vor. Die westdeutsche P r o f i l i g a soll in ywei Gruppen von je 10 Vereinen spielen, die Teilnehmer werden in Ausscheidungsspielen ermittelt. Zweites profispiel im Westen. -^Den westdeutschen Berufsspielern blieb auch bei ihrem zweiten Auftreten am Sonntag der äußere Erfolg nicht versagt. Die städtische Jahn- sportplahanlage in Gelsenkirchen war mit 15 000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt. Die bekannten Spieler von Schalke 04 und des 1. FC. Wuppertal, erfreuten sich schon vor dem Kampf der ungeteilten Sympathien des Publikums. Im Gegensatz zum ersten Treffen stand das Rückspiel aut hoher sportlicher Stufe, da Wuppertal durch die Mitwirkung des letzthin disqualifizierten Wieners Ferdl Swatosch (Sülz) wesentlich an Kampfkraft gewonnen hatte. Die Schalter gewannen nur knapp 2:1, nachdem zur Pause die Seiten torlos gewechselt waren. SuSballflub 1926 Sroßen-Buseck. Eine 4:1-Riederlage mutzte die Ligaelf des FC. 26 Grotzen-Buseck am Sonntag gegen die gleiche Mannschaft des SC. Wehlar-Rieder- girmes, auf fremdem Platz, hinnehmen. Rieder- girmes zeigte sich kampferprobter, konnte sich besser durchsetzen und gewann verdient. Die Iugendmannschaft verlor gegen Lollar mit dem gleichen Refilltat. Handball im Tv. Großen-Linden. Tv. Großen-Linden I — To. Münchholzhausen I 8:5. Auch das letzte Pflichtspiel in der Vorrunde konnten die Großen-Lindener für sich entscheiden. , Die Jugend von Großen-Linden konnte den Jugendlichen von Naunheim eine Niederlage von 7:0 (2:0) beibringen und sich damit für die im Dor- spiel erlittene 6:0-Niederlage revanchieren. Handball im T. B. Klein-Linden. Tv. Allendors a. d. Lahn I — To. Klein-Linden I 1:1. Am Sonntag trafen sich die obigen Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel in Klein- Linden. Trotzdem Allendors nur mit 9 Mann antrat, konnte es nach technischer Ueberlrgenheit das obige Resultat Herstellen. Der Platzbesiher brach in der 2. Halbzeit das Spiel ab. To. Rodheim I — Tv. Wißmar I 11:0 (7:0). Sofort nach Beginn zeigte sich Rodheim stark überlegen und brachte das Resultat bis zur Pause schon auf 7:0. Rach Halbzeit kann Rodheim noch viermal erfolgreich sein, während den Gästen das mehr als verdiente Ehrentor versagt blieb. Steinbach I — Tv. Beuern I 6:0 (3:0). Beuern trat mit 4, Steinbach mit 2 Ersatzleuten an. Die Mannschaften lieferten sich ein faires Treffen, das die Plahbesiher verdient für sich entschieden. Weitere Craebnisse: Tv. Hausen I gegen Tv. Garbenteich I 1:12; Tv. Burkhardsfelden gegen Tv. Wieseck 7:4; Tv. Launsbach gegen Tv. Wildgirmes 6:3; Tv. Dorlar 3ug. gegen Tv. Lollar 3ug. 5:9 (2:5). Tv. Londorf 1. Igd. — Tv. Grünberg I 13:3 (6:0). Die Londorfer 3ugcnb konnte in diesem Spiele eine weit bessere Leistung aufweisen als am vorigen Sonntag. Tv. Londorf II — Gießen 1900 11 0:2 (0:1). Das zweite Spiel konnte die Londorfer Zweite immer offen halten, es fehlte chr nur an Schußkraft. Dis Halbzeit führte 1900 1:0 und erhöhte bis zum Schluß auf 2:0. Schauturnen und Siegerehrung. Am Sonntag fand unter reger Beteiligung der Einwohnerschaft in der Turnhalle das Schauturnen des Tv. Krofdorf statt. 3n mustergültiger Weise vorgetragene Chöre des Gesangvereins .Germania , sowie musikalische Darbietungen der hiesigen Kapelle umrahmten das turnerische Programm. Der zweite Vorsitzende gedachte in seiner Begrüßungsansprache der Erfolge des abgelaufenen Turnjahres. Aktive Turner, Iugend- turner, Schüler, Turnerinnen und Schülerinnen zeigten in buntem Wechsel an Pferd, Darren und Reck vorzügliche Leistungen. Die Freiübungen sämtlicher Abteilungen sanden lebhaften Beifall. Die Siegerehrung geschah in feierlicher Weise durch den ersten Turnwart. Den Fachwarten wurde die Anerkennung für hervorragende Arbeit im Dienste der turnerischen 3ugendausbilduna zuteil. 125 Einzelsiege, und drei Mannschaftssiege konnte der Verein erringen. Gin gemeinsames Lied beschloß die Feier. Das am vorhergehenden Sonntag abgehaltene P r e i s t u r n e n für Iugendtumer, Schüler und Schülerinnen brachte Ergebnisse, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. fiel jedoch noch vor der Pause. Rach Seitenweges gaben nun beide Parteien alles her, ohne jedoch daS Ergebnis ändern zu können. Hungen I — Watzenborn I 3:0. In Hungen lieferten sich diese Mannschaften ein schönes Spiel. Wenige Minuten nach Anstoß gelang Hungen das erste und bis zur Halbzeit das einzige Tor. Die zweite Spielhälfte sah die Gäste etwas im Vorteil, der jedoch keinen zahlenmäßigen Ausdruck sand. Hungen dagegen gelingt es, noch zweimal erfolgreich zu sein. Saasen I — Beuern 1 1:1. Ein gleichwertiges Spiel lieferten sich die Gegner in Saasen. Während die Einheimischen tn der ersten Spielhälfte die Führung an sich rissen, gelang den Gästen gegen Schluß der Au-gleich. hausen 1 — Rüddingshausen I 1:2. Den Gästen gelang ber erste Erfolg» der Ausgleich lieh nicht lang auf sich warten. RüddingS- hausen entschied aber mit einem weiteren Tresfer den Kamps doch für sich. Austragungsort! Hausen. Launsbach I — Sichertshausen I 0:1. Zwei völlig gleichwertige Gegner rangen um die Punkte. Sichertshausen gewann auf fremdem Platze mit dem knappsten aller Resultate. Marburg I — Londorf I 3:0. WMlM-ÄWM Roman von Hans Friedrich. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Grdmute wurde plötzlich mitten in der Melodienseligkeit nachdenklich. Warum hatte sie dem Schriftsteller nichts gesagt? Warum? Es dauerte lange, bis sie sich in der Erinnerung bis zum gestrigen Abend zurückgetappt hatte. 2a, so war das: Heinz hatte sich nicht verabschiedet und war still davongeschlichen. Ob er sich ärgerte, daß sie immerfort nur mit »dem Münchner tanzte? Gleich wenn sie wieder mit ihm zusammentras, wollte sie ihn fragen. Einmal schlich der ©meiner Sepp an der Hütte vorüber. An das Fenster traute er sich nicht. Aber Lautenschlag und Gesang sagten ihm genug. Da machte er sich wieder still davon. „3 moan, der Hirsch hat auch morgen sei Ruh" brummte er in seinen grauslichen Schnauzbart. Dann stakelte er zur Falknerhütte. Dort war das Mied! aus Silz zum Bedienen der Gäste. Änd das Miedl, das gefiel dem Sepp. Es war zwar arg dürr und eckig, das Deandl, aber der Sepp hatte es nun einmal gern, so wie es gewachsen war — Als die Honne schräg über dem Rettenbach- ferner stand und ein ganzes Füllhorn flüssigen GoldeS über den ewigen Schnee ausgoß, bekamen es die Leutchen in der Jagdhütte Plötzlich mit der Eile. „Herrje — ich must hinunter!" schrie Erdmute. Llnd besinnlicher: „Mein Gott — wo ist bloß die Zeit hin?" c „In einer knappen Stunde sind wir drunten , tröstete Schwaihofer und griff zum Stock. Das Malgerät lud er sich auf den Rücken und los ging es. . Jetzt erst merkte Erdmute, dah sie zuviel getrunken hatte. Der rauhe Pfad fiel ihr sauer. Manchmal wurde ihr ganz wirbelig im Kopf. Dann strauchelte sie ein wenig und wer weih, wo dieser Tag geendet hätte. Aber Schwaihofers starke Hand hielt sie fest, straffer eigentlich, als nötig gewesen wäre. ilnb jedesmal, wenn ein Stein im Wege lag. hob sie ihr Führer über das Hindernis. Uni) ehe er sie wieder auf die Fühe stellte, bekam sie allemal ein Bussel. Und das kam sehr, sehr häufig vor: denn es gab unglaublich viele Steine auf dem Brunnenkogelpfad! Das erstemal hatte Erdmute gemeutert. Aber dann sagte Ludwig Schwaihofer so süh „Mute" und bat um Vergebung, dah sie immer wieder gern verzieh. Und schließlich gewöhnt sich der Mensch an alles. Als sie endlich unten waren, sah einer am Wegrand und starrte trübselig in die brausenden, weistaischtigen Wasser der Windach. Mute erkannte ihn sofort. Sie entlieh Schwaihofer nut gnädigem Kopfneigen und setzte sich neben den Sinnenden. „Heinz — sind Sie mir böse?" fragte sie leise, in weicher Gelöstheit. Gutenberg lächelte. „Warum sollte ich?" Da erzählte sie ihm, dah sie ui der Jagdhütte war und ein Bild verkauft habe. Rur die Küsse verschwieg sie. Aber die konnte sich Gutenberg denken... 10. An den Vormittagen irrte Trude Gutenberg ruhelos durch die Strahen Innsbrucks. Eine nie gekannte Unrast hatte sich ihrer bemächtigt, ein nervöser Zustand, den sie sich selbst nicht zu erklären vermochte. Oft folgten ihr verwunderte oder entzückte Blicke. Dann riß sie sich gewaltsam zusammen. Die Leute sollen mir nicht anmerken, was mir fehlt..." sagte sie sich in leisem Monolog. Und dann selbstkritisch: „Fehlt? Bin ich krank?' Ach du liebe, kleine Frau! Was dir fehlt? Nichts, als dein Mann! Das Hoffen und Harren, ihn hier irgendwo zu sehen, durch Geschick oder Zufall auf ihn zu stoßen, macht dich nervös! Wien hatte sie abgelehnt, weil ihr das zu weit vom Schuß lag. Und nun erwies sich auch Innsbruck als trügerisch. , Einmal lächelte Trude betrübt ihrem Spiegelbild in einer Auslage zu. Wie dumm von ihr, Heinz hier in der Stadt zu vermuten! Der geliebte Mann haßte den Trubel der großen Menschensiedlungen und würde sich sicherlich in die Gebirgseinsamkeit geflüchtet haben. Aber da meldete sich sogleich wieder ein anderer Gedanke: Unsinn, Heinz ist auf der Jagd nach dem Leben! Er sucht Stoff für fein neues Werk, er braucht Konflikte der Menschen untereinander. Die findet er gewiß nicht in der Einsamkeit weltferner Gipfel. Und wieder flackerte Hoffnung auf: Cs Ware schon möglich, daß Heinz in Innsbruck weilte. In dieser Stadt konnte er Studien machen und hatte außerdem die herrlichste Landschaft als Rahmen für die Handlung. „Nun, schönste der Frauen, so m Gedanken? war da plötzlich eine zärtliche Stimme am Ohr der Sinnenden. Trude wandte sich erschrocken nach dem Sprecher um. Ohne Wissen und Willen war sie in das belebte Bahnhofsviertel geraten. „Ah, Franz, du!" staunte sie. „Ich dachte, du Langschläfer liegst zu so früher Morgenstunde noch in den Federn." ____ „Du", begann der Wiener stockend, „Ich bfa glücklich und doch so unzufrieden." Trude bückte sich nach einer besonders groß entfalteten Marguerite, die am Wegrand wuchs, sagte spöttisch und nicht ohne Tadel: „Du bist einer von den ewig Unzufriedenen." (|r verzog den Mund, diesen knabenhaft weichen und sinnlichen Mund des feschen Wieners, entgegnete: „Ich bange vor dem Tag, am dem wir scheiden müssen." Die schlanke Frau betrachtete sinnend die Blume in ihrer Hand, ohne etwas auf die Worte des Freundes zu erwidern. Der wurde dadurch ermutigt, feine kecke Phantasie weiter auszuspinnen. „Cs gibt leider dis heute immer nur einem Weg, um eine geliebte Frau ganz zu fesseln... Nun trat Trude aus ihrer Reserve. „Und das wäre?" fragte sie ahnungslos. „Die viel geschmähte und viel gepriesene Che!" spielte Strobl seinen Trumpf aus. „Ich glaubte dich bisher immer nur als Che- feind zu kennen", spöttelte Trude. „Bin ich auch — allerdings unter Vorbehalt .. In der Frau erwachte ein kleiner UebermutS- teufel. „Darf man den Vorbehalt wissen?" „Selbstverständlich!" Sein BNck-^wurde merkwürdig tief und beredt. „Cs dürfte sich nur um ein weit über dem Durchschnitt stehendes Geschöpf handeln!" „Du stellst hohe Ansprüche, Franz!" „Und doch sind sie erfüllbar, sogar greifbar, nahe." Der Inn rauschte und murmelte fein urewiges Lied vom Enteilen, von der Vergänglichkeit. Die beiden Menschen hörten es nicht in ihrer Tändelei. Nun wußte Gertrud, wohin ihr Weggenosse zielte. Trotzdem bemerkte sie kühl in gewollter Verstellung: „Du sprichst in Rätseln, lieber Franz...“ Da pflanzte er sich unmittelbar vor ihr auf. Die Schönheit der Frau berauschte ihn. „Du — du bist eine solche Ausnahme! Du, Trude — nur du!" Im ersten Augenblick war die junge Frau über die Hast und Wärme seiner hervorgestohenem Worte erschrocken. Aber dann gewann sie ebenso schnell ihre Fassung zurück. „Komplimente ist man bei dir gewohnt, Franz* Sie wunderte sich, daß diese Worte so gleichgültig von ihrem Munde gingen. Insgeheim aber warnte sie eine eindringliche Stimme: „Trude, sei auf der Hut!" Sie tat einen Schritt zur Seite, wollte an dem Zudringlichen vorüber. Der aber schwamm schon völlig im Fahrwasser seines törichten Verliebt- । seins. (Fortsetzung folgt) Strobl zögerte einen Augenblick. Sollte er schweigen oder die Wahrheit sagen: Dah er ihr nachgestiegen sei, um eine Gelegenheit zur Aussprache unter vier Augen zu finden? Er fand nicht den Mut zu einer Offenbarung. „Die Morgenstunden in dieser Stadt sind so schön..." Bei sich dachte er: „Verwünschte Ausrede!" Trude lächelte ihm schelmisch ins Gesicht. „Hätte gar nicht soviel Sinn für Schönheit in dir vermutet, Franzl..gestand sie offenherzig. In langsamem Weiterschreiten faßte er nach ihrer Hand. „Das sagst du mir, Trude?" Sie verstand und sah nach der andern Seite. Sie wußte, was er anbeuten wollte: Wenn ich kein Jünger der Schönheit wäre, würde ich dich nicht verehren ... Unö da war plötzlich wieder das Sehnen: Ach, wenn doch letzt Heinz auftauchen möchte, so überraschend und aus dem Boden gewachsen, wie Franz Strobl soeben! And gleich Resignation als Dämpfer: Cs war im Leben wohl immer so, daß meist das Gegenteil von dem eintraf, was man sich von Gegenwart oder Zukunft wünschte. Von Trude Gutenberg unbewußt, von Franz Strobl jedoch gewollt, wurden zur weiteren Promenade stillere Straßen gewählt. Man gelangte hinab an den Inn. Der wälzte seine grauen Schmelz- und Moränenwässer mit großer Geschwindigkeit zu Tal. Kleber die Brücke donnerte ein Zug von der jenseitigen Martinswand herüber. Menschen standen an den Fenstern der Abteile, erwartungsfrohe, serienfreudige Menschen, die mit hoch klopfenden Herzen hinein in die Zauberwelt der Tiroler Alpen fuhren. Trude wies mit gestrecktem Arm hinauf zu ihnen. „Wir sind im Joch — die dort haben es wenigstens für Tage und Wochen abwerfen dürfen ...“ Strobl kniff das linke Auge zu. „Können wir auch, liebe Trude, wenn wir wollen..." Die Frau maß ihn mit einem flicken Blick. Dann warf sie wie in aufwallendmn Trotz den Kopf in den Nacken. Z „Unfinn, diese zwecklosen Träumereien! Arbeiten und nicht verzweifeln!" Sie schritten jetzt zwischen Wiesen dahin, hinein in den köstlichen blauen Sommertag. Strobl preßte die Hand Trubes, die sie ihm willig überließ. „Wie schön ist es hier..." sagte sie, völlig hingeschenkt an ben Zauber dieser sommerseligen Stunde. Nur bei sich, ganz im stillen, dachte sie resigniert: Wieviel schöner aber wäre es, wenn jetzt an Strobls Stelle Heinz wanderte. | Waschen Sie nur mit Dr. I Thompson's Seifenpulver, H geben Sie der Waschlau- I ge 1 Paket Seifix zu, eben- I so zum Klarspülen dem I ersten heißen Spülwasser. 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Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. Die Universität Gießen beabsichtigt die Herstellung von Drucksachen, wie: Pe.r-> sonenbestände und Vorlesungsverzeichnisse, Rektorreden, Chroniken, Doktordiplome und Satzungen, durch öffentliche Ausschreibung (vorläufig auf ein Jahr) zu vergeben. Der ausführliche Vertragsentwurf sowie Muster der einzelnen Drucksachen sind gegen 1 RM. von dem Universitäts- Sekretariat Gießen zu beziehen. Rur solche Firmen können bei der Vergebung berücksichtigt werden, die Angebote bis spätestens 28. Oktober 1930 in geschlossenem Umschlag mit der Aufschrift „Drucksachenvergebung der Universität Gießen" beim Universitäts- Sekretariat Gießen einreichen. Gießen, den 20. Oktober 1930. Landesuniversität. Eger. reichlich - für 15 Pfg. Sie wissen, wie viele Zutten man braucht und wie viel Zeit und Müm es kostet, um eine pikante und schmackhafte Tunke zuzubereiten. Knorr nimmt lltC'n diese mühselige Arbeit ab, denn in 3dem Würfel „Knorr-Bratensoße” ist alle Notwendige schon fix und fertig enthalten, fca Würfel zu 15 Pfg. gibt soviel Soße wie 2 Pmd Braten. Bratensoße^1 Nr. 1\1 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 22. Oktober 1930 Aus der Welt des Films. „Oer Liebling der Götter." Tonfilm-Lustspiel mit Emil Jonningd. Berlin, im Oktober. Lustspiel mit Jannings? Ja, es ist wirklich eine Art Komödie geworden, in der die heiteren Tone überwiegen und die ernsten auch nur im Vorüber- gehen angeschlagen werden. Jannings als einfacher Grnll Jannings, als hundertprozentiger Emil spielt sozusagen einige Stücke auS seinem eigenen Leben, ohne Maske, ohne tragische Geste, beinahe auch ohne den berühmten Zusammenbruch, ohne den ein Ian- ningsstlm eigentlich nicht mehr denkbar ist. Wenn er auch nicht gerade IanningS heißt — im Film nennt er sich Albert Winkelmann und ist Kammersänger an der Wiener Oper — das Leben des Bühnenkünstlers ist es, aus dem Hans Müller und Robert Liebmann eine kleine Episode her- ausgreifen, und sie haben, alle Achtung, in ihrem einfachen und überstchtlichen Manuskript Raum für eine Anzahl wirkungsvoller Rollen und besonders für Winkelmann geschaffen, der mit allen Tönen vom Triumph bis zum Riederbruch auswarten kann. Dieser Laruso, schon nicht mehr ganz jung, ist in Wien, der theaterwütigen Stadt, der Liebling des Volkes: Jannings ist ganz von vitaler Lebenslust erfüllt, die sich primitiv in unmäßigem Trinken. Esten und Küsten äußert, und er kann in seiner Garderobe bis zu drei Frauen verbergen, von denen natürlich nur eine die eheliche sein kann. Volksbegeisterung, wenn er in überströmender Laune sein Lieblings, lieb .Ich bin ja so vergnügt" in den Wirtshaus- garten hinausschmettert, Tumulte, Kameras, Re- porter, Kapellen und Filmleute, wie er nach Süd- amerika aufbricht, wo ihn aus der heißen Lull.der Tropen daS Verhängnis anweht: die Kritiken werden sichtbar schlechter, er selbst ist unsicher, betäubt sich nach alter Weise mit Wcibern und Sekt, zittert vor der Ausführung des erbebten Pierrots", und im Direktionsbüro wird schon sein Rachfolger bestimmt, ein junger Italiener, der den Zauber seiner Stimme und vor allem den Reiz der Jugend vor ihm vor- aus hat, und während er sich als Pierrot schminkt, tritt ein lebendes Gespenst vor ihn: ein Kollege, der einmal europaberühmt war und sich jetzt kümmer. lief) durchs Leben bettelt. Was in einem Jannings- Film immer kommen muh, mag er auch ein Lustspiel heihen, geschieht auch hier: der Tenor verliert die Stimme, es ist zu Ende. Geschlagen kehrt er zu feiner Frau zurück, die ihn in seiner ländlichen Ve- sitzung am Wolfqangsee erwartet - wirklich spielen diese Szenen in IanningS dortiger Villa, kein Kur- ort kann sich eine bestere Reklame wünschen-wird dort als der berühmte TenSr gefeiert>erkundet aber im Rundfunk, er werde nun niemals wieder auf dre Bühne treten. Ländlich-beschauliches Leben bei seiner beglückten Frau bis sich doch wieder einmal dre Ge- le^enheit bietet, leine Stimme zu versuchen, und steye, sie schmettert und tönt so sieghaft wie ehedem Run gibt s kein Halten mehr, schon steht er als Lohen- grin silbersunkelnd auf seinem fahrbaren Schwan, wird aus den Kulisten gezogen, Beifall braust, er kann wieder singen: .Run lei bedankt. . . Ob das etwas für Jannings ist? Er kennt alle seine Regrster, er kann sie und weih sie mit einer Virtuosität zu spielen, die entwaffnet, auch in dieser Komödie, auch dort, wo er sich selb i gibt und eigentlich ganz privat wirkt. Dort aber wird er, wie immer, grob, wo unter der Obersiäche die tragischen Tiefen sichtbar zu machen sind: seine Unsicherheit, sein angstvolles Warten auf den Auftritt, die Augenblicke, da er sich vor dem Spiegel die Bajazzo-Maste anmalt: große Momente darstellerischer Verwandlungslunst, die mit den sparsamsten Mitteln erreicht werden. So ist auch hier ein Stücklcin von dem Weg allen Fleisches eingefügt und es ist das Beste geworden. Daneben bringt die Komödie, die bis in die klein- sten Rollen auserlelen besetzt wurde,zwei neue Ramen in den Toniilm. Renate Müller, bisher am Berliner etaatßtbeatct beweist als Frau Kammersängerin, daß sie für dieses Gebiet eine wertvolle Reuentdeckung bedeutet. Hans Moser, der Wiener Komiker, den Berlinern schon bekannt, wird sich als WinkelmannS getreuer Garderobier nun auch in weiteren Kreisen neue Freunde schaffen. Man kennt auch Willy Prager- wenn nicht anders, so aus einer höchst ergötzlichen Episode des.LiebeSwalzers"-und Wladimir Sokoloff gibt wieder eine seiner höchst eindringlichen Episoden alS verbummelter Kollege des SüngerS. Ratürlich, daß in einem Film, der um einen Tenor gedreht wird, die Musik nicht fehlen kann, aber sie ist unter Schmidt-GentnerS Leitung sparsam und geschickt eingelegt, denn dieS ist keine Komödie der neuen Schlager, sondern ein Textlustspiel, das für lange Strecken nur vom gesprochenen Wort beherrscht wird. Die Regie hat Hanns Schwarz, der mit der.Melodie deS Herzens" den ersten wirklichen deutschen Tonfilm schuf: er inszeniert auch hier einfallsreich, sicher und geschmackvoll und weiß die beiden Schalen der heiteren und schwermütigen Stimmungen gegeneinander im Gleichgewicht zu halten. So daß, in Summa, dieser Film eine gemachte Sache ist. Schon durch Gmil Jannings. bo. Hinter den Knüffen eines berliner Groß-Kinos. Dom Theaterdirektor, den Logenschließern und dem Publikum. Berlin, tm Oktober. Wenn Sie den Theaterleiter eines Berliner Groß-Kinos betrachten, wie er im elegantesten Smoking auf der läuferbelegten Treppe steht und lächelnd den Strom der Premiörenbesuchcr an sich vvrüberziehen läßt, so denken Sie sicherlich neidvvll: dieser Mann hat eS gut! Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt, und auch dieser Smoking hat seine zwei Seiten. Er wird von den Theaterleitern der Berliner Ufa-Kinos eigentlich nur noch zu den Uraufführungen getragen, für den Alltagsgebrauch aber hat man ihn ab- geschafft, denn eS ist unglaublich, aber wahr, dah dieses festliche Kleid bei manchen Besuchern höchste unfestliche Gefühle erregt Es soll Leute gegeben haben, die den so gewandeten Theaterleiter bei einer Beschwerde — und das ist ein Kapitel für sich — wie einen Dienstboten herunterpuhten. Die steife Hemdbrust reizte rätsel- Hafterweife zu rüdem Derkchrstvn und schlechten Manieren. Um solche Zwischenfälle zu vermeiden, wurde also der Smoking im allgemeinen abgeschafft. Rein, man soll den Theaterleiter nicht beneiden! Er ist einer der verantwortungsbeladensten Menschen und gehört zu einem merkwürdigen Gewerbe, das so gut wie gar keine freie Zeit hat. Zwar wird ihm in den Ufa-Theatern die Sorge um den Spielplan abgenommen: dafür hat er genug andere Pflichten zu erfüllen. An den Vormittagen hat er gewöhnlich im Berliner Ufa-Haus zu tun. Um 17 Uhr beginnen die Vorstellungen und dauern bis 23 Uhr. An den Samstagen und Sonntagen, wenn wir anderen Wochenendeln, steht er im Foyer und hat an schönen Tagen das Vergnügen, zu beobachten, wie das Pub.ikum an seinem Theater vorbei nach Halensee hinauszieht. Er verfügt kontraktlich über zwei Freitage monatlich, die sich aber in der Praxis auf die Abende beschranken. Vielleicht denkt man sich die Situation so, dah die Theater fünf Minuten vor Beginn den Film erhalten und nun munter darauflos bre'en. Dabci käme etwas Schönes heraus, das war nicht einmal beim stummen Film möglich. Auch damals muhte die sogenannte Presse-Kopie des Spiels (also die zur ersten Aufführung bestimmte) zweimal als Arrangierprobe für das Orchester und noch einmal als sogenannte Generalprobe laufen, und beim Tonfilm ist alles noch viel problematischer geworden, weil man jetzt mit den üblen Scherzen der Olpparatur zu rechnen hat, an der dauernd etwas zu erneuern ist. Ratürlich werden die neuen Tonfilme immer erst in den letzten Tagen vsr der Premiöre fertig, so dah, da die Rachmittage und Abende mit Vorstellungen ausgefüllt sind, praktisch nur die Rächte zum Proben bleiben. So ein neuer Film, der etwa zwei Stunden dauert, muh mindestens dreimal vorher laufen; da sind sie denn alle dabei: auch der Regisse- r, der sein Werk zunächst nur in dem engen Vorführraum der Kopieranstalt auf schwacher Apparatur hörte, vernimmt jetzt zum erstenmal die Wirkung des Films ganz groh im großen Raume. Mas er hier sieht und hört, ist die erwähnte Presse-Kopie. Sie wird nach der ersten, der Schnitt-Kopie, und der zweiten, der Muster-Kopie, hergestellt und bildet das fertige vorführungS- bereite Erzeugnis. Aber wie jedes Bild durch di^ Kopie einen anderen Ton empfängt, so bekommt auch jede Tonfilmkopie eine andere akustische Tonung, deren einzelne Teile wieder verschieden gefärbt fein können. Man muh nun sehen, wie man diesen helleren ober dunkleren Ton .fteuert“ ober „fährt". Es gibt immer Stellen, die dumpf, gaumig ober kehlig Ringen; hier hat der an der Vorführungsapparatur angeschaltete Entzerrer zu arbeiten, der diese Perioden klang- rein und frisch wiedergibt. Von diesen technischen und akustisch-musikalischen Dingen und den Tücken der Apparatur darf der Theaterleiter also nicht zu wenig verstehen, er muh den Fehlem auf den Grund gehen können, und hierzu gehört Erfahrung. Darm hat er fein recht umfängliches Personal der Programmverkäufer, Ordner und Platzanweiser unter sich; um ihnen bei ihrem nicht immer leichten Amt die Arbeitsfreudigkeit zu erhalten, bedarf er eines gewissen Takts und etlicher Menschenkenntnis. Bewerbungen um solche Posten liegen im Personalbureau der Ufa haufenweise, es handelt sich zumeist um Studenten oder Bankbeamte, also um gebildete Leute, auf deren Herkunft das Publikum durchaus nicht immer die elfforderliche Rücksicht nimmt. Erinnern wir uns, warum der Smoking von den Theaterleitern abgelegt wurde; ähnsich scheint es mit den Uniformen zu stehen, in welche die Theaterbeamten gekleidet werden; sie erwecken in manchen Besuchern Kasernenhof-Koller und ermuntern zu Feldwebeltönen. Es steht überhaupt neuerdings seltsam um die Besucher, sie verhalten sich nicht immer richtig. Abgesehen von den abstrusesten Beschwerden ist es diesem zu heiß und jenem zu kalt im Parkett, und wer einen Seitenplatz erhalten hat, leidet unfehlbar unter der Idiosynkrasie, er müsse das Bild „verzerrt" sehen. Für solche Klagen sind die Logendiener und Theaterleiter die gefundenen Prellböcke. Man bewahre aber immer ein freundliches Lächeln, man laviere zwischen allen Wünschen mit Klugheit, Umsicht und Takt. Man nennt das bekanntlich Dienst am Kunden. Möchten Sie vielleicht ein Logenschließer werden? Sie werden bann in die Uniform gesteckt und spielen zunächst den Enipfangsherrn an der Außentreppe, damit Sie sich an den Strom der Vorübergehenden und den Verkehr gewöhnen, auch das hat seine Schwierigkeiten. Mancher hat einen „Schrecken vor der Uniform" zu überwinden, er bildet sich ein, es sähe ihn jeder an, und entflieht am ersten Tage m einen stillen Winkel. Auch der Umgang in der Livree will gelernt werden. Manche Platzanweiser sprechen mehrere Sprachen. Als Pirandellv neulich den Gloria-Palast besuchte, wurde er zu feiner Verwunderung von dem Fahrstuhlführer italienisch empfangen, denn dieser war früher ein Weingroßhändler. Heute wirkt er im Theater, vormittags am Staubsauger und bis in die Rächt hinein im Lift. Jedes Theater hat seine besondere Rote, seinen besonderen Spielplan und natürlich auch sein eigene« Publikum. So ist etwa der Riesen-Ufa- Palast am Zoo das große Volkslhcaler. in daS die Leute auch aus den weitesten Vororten hineinströmen. Einige Schritte weiter liegt am Äurfütftenbamm der Gloria-Palast, der seine Besucher hauptsächlich vom Kurfürstenbamm selbst bezieht. Die „Vorstadt" aber geht da nicht hinein, sie meidet dieses Haus ganz offensichtlich eS ist ihr vielleicht zu zurückhaltend und zu feudal. Aber überall ist sich das Publikum darin gleich, daß es ungeheuer viele Dinge liegen läßt. Im Llfa-Haus stehen Schränke über Schränke mit vergessenen Gegenständen, die nicht abgeholt werden. Dort ist vom Regenschirm bis zum Riesenkürbis einfach alles vorhanden. Auch verdient jene Amerikanerin einige Erwähnung. die ihre Tasche mit den Traveller- Schecks und etlichem Darvermögen nebst Reisepaß! und Dokumenten in einem westlichen Berliner Theater liegen ließ. Man machte sie mit vieler Mühe wirklich ausfindig, und sie zeigte sich sehr anständig, indem sie dem ehrlichen Logenschließer für seinen Fund fünf französische Francs ein* händigte ... da möchte man gewiß nicht Logenschließer sein. Riß früher einmal der stumme, Film, was ja Vorkommen kann, so pflegte man sich zu gedulden, bis die Ausführung weiterging. Seitdem es den Tonfilm gibt, ist das Publikum sehr gereizt und anspruchsvoll geworden. Wenn bei der Vorführung einmal eine Röhre durch- brennt — das geschieht ganz langsam und ist zunächst nicht bemerkbar — revolutioniert das Parkett und gröhlt und kann meist nur unter Pfiffen und ©djrcien abwarten, bis der Schaben toieber behoben ist ... A. Spaziergang durch Reubabelsberg. Don Felix panten. Traum von Hollywovb. Traum von südlichen Palmen, flimmernder Wärme, blauem Meer. Der Zugang zur deutschen Filmstadt Reubabelsberg ist grau und nordisch, während wir die Potsdamer Chausee hinaus- fobren, schlägt der Regen gegen den Wagen und wäscht seine Scheiben, die Asphaltstraßen zwischen den Filmateliers sind überschwemmt. Der Betrieb geht weiter. Alle Minuten hält der Wagen, weil über den Türen der Hallen rote Lichter leuchten, dort wird eben gedreht, wir müssen halten. Langsam schlängeln wir uns nach der Kantine durch, in der sich die graue Rachmittagsstimmung fort* seht, durch grauen Tabaksrauch energisch vermehrt. Welt abenteuerlicher Gestalten, Vorhof zu den vielen betriebsamen Bühnen des Films: einige Herren im Frack tuscheln in einer Ecke, Ralph Arthur Roberts darunter, in einer vertrakten, verschmitzten, altmodischen Maske, kaum wiederzu- crtermen; Brigitte Helm in einem zerrissenen Iungmädchenkleid; Damen in seidenen Gesellschaftskleidern; der Schauspieler Rehmann mit sriderizianischem Zopf; stumme, nachdenkliche Typen, Girls, die ganze Auswahl einer Filmbörse. Inzwischen flammen draußen vor den Türen die roten Lampen auf und erlöschen wieder in der fallenden Dämmerung des Tages; dann ist wieder einmal nach unzähligen Vorbereitungen ein Stückchen Tonfilm gedreht worden oder es ist auch nichts gedreht worden, vielleicht war's nur eine Abhörprobe. In den Ateliers sind die widerspruchsvollsten Welten nebeneinander geschachtelt, auf den Bühnen des Films wird gearbeitet, die Saison geht weiter, gute Filme sind gefragt, der Betrieb rast, die Lichter zucken. Richts ist phantastischer, als aus dieser Regen- ftimmung in die tropische Hitze des Tonfilms zu geraten, aus grauer Dämmerung in die sengenden Strahlen der Scheinwerfer. Cs ist jedesmal und immer wieder, mag man mit diesen Dingen noch so bekannt sein, wie das Eindringen in eine fremde Welt, in eine von jenen, der die abenteuerlichen Oie Geburt des Funkfstms. Don Frank Warshauer. Die Verbreitung von Filmen durch den Rundfunk wird schon von vielen Amateuren mit heißer Sehnsucht erwartet. Technisch ist das beste Resultat bisher von einer Firma erreicht worden, der cs gelang, eine drahtlose ^Übertragung auf kurzen Wellen über eine Strecke von dreißig Kilometer zu bewerkstelligen, wobei 2500 Bildpunkte pro Bild und 20 Bilder in der Sekunde übertragen wurden, also im ganzen 50 000 Bildpunkte pro Sekunde. Eine normale Kinoprojektion bringt demgegenüber schähungsweue eine Million Bild- punkte. Trotz dieses und ähnlicher Erfolge muß man sich allerdings öarüber klar werden, daß die bei den leitenden Persönlichkeiten des Rundfunks herrschende Ansicht, das Fernsehen sei noch nicht fertig zur praktischen Einführung, doch noch bei der relativen Unzulänglichkeit der erreichten Qualität begründet ist. Allerdings sind die Mängel, mit denen man gegenwärtig noch rechnen muß, weniger durch das rein Technische bedingt, als durch organisatorische Eigentümlichkeiten. Das Bild der drahtlosen Film- oder Fernsehübertragung ist nämlich um so besser, je größer die Anzahl der Bildpunkte ist, die im Verlaufe der gleichen Zeit abgetastet werden. Man kann hierbei heute schon mit den vorhandenen Mitteln sehr hoch gehen — ja, man war schon ün vorigen Jahre so weit. Aber diese relativ hohe Güte des Bildes ist nur dann zu erzielen, wenn das für die Uebertragung zur Verfügung stehende sogenannte Wellenband relativ breit ist; das heißt in der Sprache des Laien, wenn zwischen der benutzten Welle und den sonst von europäischen Sendern ausgesandten Rachbarwellen ein relativ großer Spielraum besteht. Das ist nun" bei der gegenwärtigen Wellcnvertsilung in Europa nicht der Fall lyid wird auch in absehbarer Zeit nicht der Fall fein. Es müssen nämlich auf dem relativ schmalen Wellenbereich, der für Rundfunkzwecke verfügbar ist — die übrigen sonst dazu geeigneten Wellen werden für Schiffs-, Polizeifunk-, Telegraphie- und andere Zwecke benötigt —, nicht weniger als 187 europäische Sender untergebracht werden. In dem raumloferr Raum des Aethers herrscht deshalb furchtbare Wälzung mit sich bringen, wie bisher kaum ein technischer Vorgang, außer vielleicht dem des Rundfunks selbst. Cs liegt daher jeder Anlaß vor, sich schon heute mit dem Funkfilm zu beschäftigen, um so mehr, als sonst die Gefahr besteht. daß wiederum die Entwicklung rascher ist, als das Rachdenken über sie, und einen großen Teil der davon Betroffenen überrumpelt, anstatt sie vorbereitet zu finden. Was wird die Fernfeh- und SernfilmÜbertragung zunächst bringen können? Da-,, ist an den Experimenten und Vorführungen, die man gesehen hat, deutlich genug erkennbar. Da die Wiedergabe noch verhältnismäßig grob ist, so wird sie sich auf relativ große Umritte beschränken müssen. Alle die feineren Einzelheiten, die den Reiz des Bildes in einem modernen Kino ausmachen, fallen vorläufig weg. Das heißt, man wird zunächst einmal, wie dies auch bereits mehrfach geschehen ist, Bilder übertragen, die im wesentlichen in großen Linien gehalten sind. Das ist der Fall, wenn man zum Beispiel einen oder mehrere Köpfe in Bewegung sieht, also bei Großaufnahmen. Um die wesentlichen Züge der dabei gezeigten Gesichter zu übertragen, ist die Technik vorgeschritten genug. Dagegen wird man alle anderen Bilder, wie man sie sonst in Filmen sieht, vorläufig vermeiden müssen, also zum Beispiel solche, bei denen man mehrere Personen in einer Landschaft sieht und ähnliches. Wenn die technische Etappe erreicht sein wird, derartige Großaufnahmen ün wesentlichen einwandfrei zu vermitteln, wird zweifellos der Zeitpunkt zur Einführung des Fernsehens gekommen sein. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, was kann man dann überhaupt für Filme sehen? Aus dem vorhandenen Filmmaterial nur das wenige, was dafür geeignet ist; denn es gibt ja kaum einen Film, der nur aus Großaufnahmen besteht. Mithin wird sich schon in der ersten Etappe der Filmsendung durch den Rundfunk die Dotwendigkeit für die Leiter der Sende- stellen oder der Reichsrundfunkgesellschaft ergeben. Filme selbst herzustellen, die für die Fernsehsendungen geeignet sind. Und dann wird es nicht mehr allzulange dauern, bis die Technik der Uebertragung so weit gediehen, ist. daß sie auch die Wiedergabe von feiner durchgeführten Filmen ermöglicht. Abgesehen von dem Technischen wird auch sehr bald das Inhaltliche eine Rolle spielen. Jede Rundfunksendung wendet sich ja an die allcr- breiteste Allgemeinheit. Daß aber eine gewisse Veränderung der durch den Rundsunk übertragen engilme schon dadurch bedingt ist, daß zum Beispiel Menschen jeder Altersstufe unter dem Publikum sind und sein sollen, ist nicht zu bezweifeln. Bestimmte Stoffe und bestimmte Szenen werden dadurch ganz gewiß von vornherein ausgeschaltet. Auch dieses Moment des möglichen oder unmöglichen Inhalts wird den Sendegesellschaften eine eigene Produktion nahelegen. Rach einiger Zeit wird cs dann soweit gekommen sein, daß es technisch möglich ist, jeden beliebigen Film durch Rundfunk zu verbreiten. Das wird freilich noch einige Zeit dauern — aber sehr lange bestimmt nicht Man wird also bann, wenn man einen Tonfilm ober bei; vielleicht immer noch vorhandenen stummen Film sehen will, nicht mehr ins Theater zu gehen brauchen, vorausgesetzt, dah der gleiche Film durch den Rundsunk gesandt wird. Cs ist aber anzunehmen, daß die Filmindustrie sich den neuen Möglichkeiten. was den Inhalt der Filme anbetrifft, des Rundfunks anpassen und daß ein großer Teil der von ihr hergestellten Filme auch in den Funkfilm eindringen wird. Die Aufnahme der Funkfilmsendungen wird relativ sehr billigem, ja fast annähernd umsonst, denn sie wird nicht mehr kosten als jetzt, das heißt für Deutschland, wo relativ die höchsten Funkgebühren genommen werden, 0,6 bis 0,7 Pfennig für den ganzen Tag. Die Unterhaltungskosten für die Fernschaufnahmeapparate werden sicher auch nicht hoch sein. 3m Reichspostzentralamt und an anderen Stellen wird intensiv an der Vervollkommnung der Sende- und Anfnahrneapparaturen gearbeitet; an den Sendestellen befindet sich leider noch kein Fernsehdezernat; aber durch Gründung des Fernsehvereins, dem außer Journalisten und Technikern auch leitende Persönlichkeiten der Funkgesellschaften angehören, wird wohl auch ein Einfluß auf die Programmgestaltung des künftigen Funkfilms möglich sein. Man sieht: Es sind noch mancherlei Schwierigkeiten technischer und künstlerischer Art zu überwinden. Die Geburt des Funkfilms wird noch etwas auf sich warte nlassen. Enge; die verschiedenen, den Sendern Europas! auf Grund der internationalen Konvention fest Angewiesenen Wellen stoßen einander fast mit den Ellenbogen; der Raum zwischen ihnen ist gerade so groß bemessen, daß sie sich mit knappster Rot. vorausgesetzt, dah ihre Länge auf das allergenaueste cingehalten wird, nicht gegenseitig stören. Aber diese ganze Ordnung ist unter der Voraussetzung getroffen, daß eben mr klangliche Darbietungen gesandt werden. Auch bei diesen ist es nämlich so, dah die Qualität der Wiedergabe durch die Breite des Wellenbandes, das heißt durch den nach oben und unten verfügbaren Rest, von den Rachbarwellen mit bestimmt ist; würde die Breite noch geringer fein als bisher, so würde kein Sender mehr einen reinen Empfang, insbesondere bei hohen und tiefen Tönen, ermöglichen. Aber gegenwärtig gehbs für Älangbarbie- tungen gerade noch — man hält genau die Grenzen ein, die für die einwandfreie Aussendung und Aufnahme technisch geboten ist. Wenn man nun noch Fernsch- und Femsilm- barbietungen auf den gleichen Wellen verbreitete, so könnten sie nur eine geringe Qualität erreichen, da die Zahl der dabei übertragbaren Bildpunkte nicht genügt, um ein wirklich gutes Bild zu liefern. Ja, so wird der technisch nicht orientierte Leser fragen, warum geht man dann nicht einfach auf andere Wellen über? Das geht deswegen nicht, weil gerade die Wellen innerhalb der für den Rundfiink bestimmten Gröhenordnung bei weitem am geeignetsten für die Zwecke des Rundfunks sind. Sobald man in höhere oder tiefere Wellen geht stellen sich Schwierigkeiten bei der einwandfreien Aufnahme heraus. Lind hier liegt der Hase ün Pfeffer: Man wird für die Zwecke des Fernsehens seine Zuflucht zu den kurzen Wellen nehmen müssen, die für den Rundfunk noch nicht genügend erprobt find. Kurz gesagt: Fernsehen und Fernfilmübertragung wäre schon heute in verhältnismäßig guter Qualität durchführbar, wenn nicht das bestehende System der Wellenvertellung Hinderungen mit sich brächte. Wan sieht also: Schon jetzt ist die Frage der Einführung von Fernsch- und Fern- filmübertragungen im Rundfunk mehr eine Frage der Organifation als eine solche der technischen Möglichkeit. Richt heute, wohl aber morgen wirb sie bestimmt eiffolgen. Sie wirb eine derart große Um Schellfische tm Ausschnitt d. Pfd. 70 A. BtülfdieOflloe miet FamilieWilhelm Franz. ßetme Photo Radio Telefunkendienst 1490D liefen WÄILTORSTO-W M . M A G S A A M A MASSÄTOKMlAi Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimßanße unserer lieben Entschlafenen sagen wir herzlichen Dank. BratlcheUMche, das Pfund 35 Pfg., aritneHerinac das Pfund 30 Pf-., Nln,k liecht d. Pfund 1.20 Mk.. grobe Brassen. Marlilaube Fisch-Jürgen SSE Gießen (Buchnerstraße 2), den 22. Oktober 1930. 06 39 Arbeiten auf einen zu verteilen, ba baS der Kirche gröheve Es ist vorgesehen, legen, bie seitlichen Vistraselde alle Modefarben, ge- etonet f. tatulleiöer und Quarte Damen- wasche, nur fo lange Vorrat reicht, per Meier Mk. 1.85 Bauer, Tuchbandlg. BetterSw 01 (. fo»?i Infolge der ungeheuer großen Zahl von Einsendungen zum Namen-Preisaus- schreiben für den neuen Opel-Lastwagen kann das Ergebnis erst später bekanntgegeben werden. Achten Sie auf weitere Mitteilungen in diesem Blatt. f Für die f chem. Reinigung 5 Waschbenzin (Sonderquilitlt) reinigt alle Stoffe l Drogerie i X Winterhoft y AUTOBESITZER können außer Betrieb gestellte Wagen billigst unterstellen 7200D Groß-Garage am Aulweg R U Hessens Weinhandel und die ausländische Konkurrenz bas Mittelschiff tiefer zu „ . Emporen zu entfernen unb ber Orgel einen anderen Platz zu geben. Mit den Arbeiten soll! bereits im nächsten Frühjahr begonnen werben. Es wurde beschlossen,' die Zeitraum von zwei Zähren Innere und das Aeutzere Umgestaltungen erfordern. ... ich ia, lck habe jetzt Geld über, denn Ich gebe meine Wäsche in die 106529 MMMiMlillSmeMk 1 Siebkraaen 10Umlegkragen 12A Oberhemd 50 A ArbeltSbemdSöA TafcheniuchßA Bettuch 2i) a. Plumeaux 25 A, Kissen 12 «J. Wafche wird abgebolt Annabmeilellen: ^rau Schwan, Hamm« stratze4 und Srau Bogel, rialseralleeüvn. AllgemeineOriskranken- kaffe Gießen-Giadi Die rückständigen Beiträge zur Kranken-, Invaliden- und Grwerbslosenverstcherung für den Monat Septbr. 1930 können noch bis zum 29. Oft. 1930 ohne Kosten bezahlt werden. Lach Ablaus dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann tägl. bei unserer Kaffe, auster SamStagS. von 8—1 Uhr oder auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Ar. 10833 erfolgen. Diesten, den 21. Oktober 1930. Hinkler, Rechner. 7188D Ruhl, Plockstraße 12 Telephon 817 3494 D rxrxxjxxxrcnoaxnrg Auto - Batterien bringi man stets Aum Wachmann. Lieferung u. Neva- Tatur in bester Ausführung zu mastigen Preisen. (M#ol) ir.Llidott, Westankri lHof d ,>irma Der» & Co f. Tel 4835. Pfund 30 3lf(0-3llel i Pfund 70 SMM ohne Kopf Pfund 38 EnnöDtol 4-'Bfun6-Vaib 65 M.KMM Lieblgstr.68.Tel.3685 liefen _ i-wwu ii|jr|(iamB Dampisägewerk Lollar Worbe-Drucksachen B. Nuhn, A. G. ! bei Brühl, Schuletraße 7 Darmstadt, 21. Okt. (WEN.) Die hessischen Weine werden in allen Teilen Deutschlands gern getrunken. Das beweist erneut die vom Statistischen Landesamt in Darmstadt herausgegebcne Mitteilung über die von der Eisenbahn beförderten Wein- mengen. Nicht ersaht sind dabei kleinere Quanten, insbesondere Flasä-enweinsendungen in Kisten unter 500 kg und auch Faßweine in kleineren Gebinden. Ebenfalls unbcrückfichtiat blieb der Versand auf Schiffen, der einen nicht unbeträchtlichen Prozent- satz des Eisenbahnversands umfaßt (1927 etwa 10 v. Köln z. B. bezog rund drei Viertel feines gefaulten hessischen Weines per Schiff). Für dos Jahr 1929 gibt die Zusammenstellung folgende Zahlen für den hessischen Weinversand bekannt: Nordbayern bezog 4382 t, die Rheinproolnz (ttnksrh.) 3403 t. Württemberg 2326 t, Vaden 2014 t, Hessen-Nassau 1979 t, die Regierungsbezirke Merseburg und Erfurt zusammen 1935 t, Sachsen 1792 t, Berlin 1220 t, Frankfurt 998 t Andere Gegenden haben, wie z. B. das Ruhrgebiet, bis zu 1500 t im Berichtsjahr bezogen. Noch dem Ausland exportierte der hessisch Weinhandel natur- gemäß der für den deuischn Wein allgemein ungünstigen Konkurrenzverhältnisse wegen nur Spitzen- weine, so daß die Menge weniger ins Gewicht fällt (1929 = 385 t). Auf dem Wasserweg über Holland als Transitland gingen aber z. D. 1927, für welches Jahr letzt- mals der Binnenschiffsverkehr mit erfaßt wurde, rund 2500 t hessischen Weines noch dem Ausland. Zu beachten ist weiter, daß ja kleinere Mengen bis „Wie stark das Interesse an dem neuen Lastwagen der Adam Opel AG. ist. zeigt das Ergebnis des Preisausschreibens. Die Opelwerke erhielten bisher nicht weniger als 1 500 000 Lösungen."1344V Künstliche Augen ^1 fertigt naturgetreu nm 31. Okt. «w in Gießen, Hotel Viktoria. ,„>V A*« Adolf Müller-Welt. Stuttgart. / 42jährige praktische Erfahrung mäßige Preise. Films erweiternd nachhilft. Es gibt schließlich noch die Darsteller, die in die Dekorationen den Hauch ihres Wesens hineintragen und es gibt endlich das Licht, die Batterien der Jupiterlampen und Scheinwerfer, die alle Dinge bestätigen, mögen sie nun auf echte oder auf gemalte Dekorationen fallen. __________________ Aus Oer provinzialhauptstadt Gießen, den 22. Oktober 1930. Oie neue hessische Gemeindeordnung. WHP. Der Innenminister hat jetzt den Teil» entwurs einer neuen hessischen Gemeindeordnung herausgegeben. Der Entwurf stellt eine Referentenarbeit dar, die vor der endgültigen Fassung und Zuleitung an die Gesehgcbungskörperschaften den interessierten Behörden und Organisationen zur Stellungnahme übersandt und gleichzeitig auch den Fraktionen de« Landtags einstweilen zur Kenntnis gebracht worden ist. In dem Entwurf wird versucht, das bisher in zwei Gesetze (Städteordnung und Landgemeindeordnung) getrennte Recht der hessischen Gemeinden zu vereinen und es gleichzeitig zeitgemäß fortzubilden. Der 75 Artikel umfassende Entwurf hält an der bisherigen Bürger- m e i st e r e i v e r f a f s u n g fest und beseitigt das bisher zugelassene, aber nirgends in Anspruch genommene Recht der Städte auf Einführung der Magistratsversafsung. Da das Gemeinde- Wahlrecht und das Gemeindebeamtenrecht bereits in besonderen Gesetzen geregelt sind, enthält der Entwurf hierüber keine Bestimmungen. Es stehen jedoch die Bestimmungen über die Verwaltung des Gemeindevermögens und die Gemeindeabgaben noch aus. Der Entwurs wurde bereits veröffentlicht, um den interessierten Stellen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Daten für Donnerstag, 23. Oktober. Sonnenaufgang 6.36 Uhr, (Sonnenuntergang 16.52 Uhr. — Mondaufgang 8.41 Uhr, Monduntergang 17.18 Uhr. 1801: der Komponist Albert Lortzing in Berlin geboren; — 1805: der Dichter Adalbert Stifter in Oberplan geboren. ** Gendarmerieperfonalie. Der Gendarmeriemeister Johannes Hartmann in Eichelsdorf tritt ab 1. November in den Ruhestand._________ Mitwirkenden und den genannten Firmen. Danz schloß den Abend. ** E i n neuer Haushaltung skurfus wird am 2. Januar 1931 in der Landwirtschaftlichen Haushaltungsschule zu Michelstadt eröffnet. Anmeldungen sind an die Landwirtschaftskammer in Darm- stadt zu richten. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Goldene Hochzeit des Odenwalddichters Karrillon. MSR. Weinheim a. h. CB., 21. Okt. Der in Wiesbaden lebende 77jährige Dichter aus dem Odenwald, Dr. mcd. Adam Karrillvn, konnte dieser Tage mit seiner Gattin Berta geb. Luise das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Die Gemeinden Weinheim und Waldmichelbach, deren Ehrenbürger der Jubilar ist, sandten herzliche Glückwunschschreiben. Weitere Glückwünsche gingen u. a. vom Reichspräsidenten von Hindenburg, vom ehemaligen Großher- zog Ernst Ludwig von Hessen und vom Wiesbadener Oberbürgermeister ein. Kirche und Schule. Kirchenumbau in Homberg. -er. Homberg, 21.Okt. Am Damstagnach- mittag hielt der Gemeinderat eine Sitzung ab, um über die Wiederher st ellungder Stadtkirche zu beraten. An der Sitzung nahmen u. a. Kreisdirektor Dr. Stammler, Alsfeld; Prälat D. Dr. Diehl, Darmstadt, Superintendent Oberkirchenrat Wagner, Gießen, teil. Für die Renovierung der Kirche steht ein Betrag von 20 000 Mk. zur Verfügung, der durch Bewilligungen des Gemeinderats, durch Veranstaltung von Sammlungen und durch eine Landeskirchenkollekte aufgebracht werden konnte. 50 Jahre katholische Kirche in Butzbach. WSR. Butzbach, 21. Okt. 50 Iahre sind vergangen, seitdem den hiesigen Katholiken eine Kirche erbaut wurde, die im Oktober 1880 die kirchliche Denediktion erhielt. Die katholische Gemeinde, die vorher kein eigenes Gotteshaus besaß, begeht den Gedenktag mit einer religiösen Woche, die am Iubeltag, dem 26. Oktober, mit einer gemeinsamen Dankeskommu- nion beendet wird. Landkreis Gießen. Hausen-Garbenteich, 21. Okt. Rach- dem in den Gemeinden Hausen und Garbenteich am vorigen Sonntag ba& Erntedankfest in festlichen Gottesdiensten gefeiert worden war, wurde in den beiden Gemeinden eine Sammlung von Äaturatien für das evangelische Schwesternhaus in Gießen veranstaltet. Es kam erfreulicherweise eine große Menge an Kartoffeln und Gemüse zusammen, so daß zwei vollbeladene Erntewagen nach Gießen ins Schwesternhaus gefahren werden konnten. Leider hat der völlige Mangel von Obst in diesem Jahre es unmöglich gemacht, daß Aepfel und Dirnen unter den Erntegaben sich befanden, wie das sonst in früheren wahren regelmäßig der Fall war. $ Beltershain, 21.Okt. Die Kirche unseres Dorfes hat ein neues Dach erhalten. Da has alte Dach nicht mehr auszubeffern war, mußte man sich zur völligen Erneuerung entschließen. Am Sonntag fand das Erntefest der Gemeinde statt, und die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Kinder hatten den Altar mit Erntefrüchten reich geschmückt und verschönten außerdem durch Aufsagen von Sprüchen und durch den Gesang eines Ernteliedes die Feier. 5 Saaf en, 21. Okt. Am Sonntag feierte die Gemeinde das Erntefest in der geschmückten Kirche auf dem Deitsberg. Die Kinder fangen unter der Leitung des Organisten, Lehrer Kramer, ein Erntelied. Die Kollekte ergab 15 Mark. (Schluß des redaktionellen Teilst Generalvertretung: M OTO R WAG E N - VE R K AU F S G E S E LLS C H AFT mit beschränkter Haftung • Spezial-Reparaturwerkstätte b6„ Reichhaltiges Ersatzteil-Lager, Groß-Tankstelle ■ GIESSEN, Frankfurter Str. 52-56, Fernsprecher 2847/48 •• Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege. Die na±. dem deutschen Eisenbahn-Personen-, Gepäck- imo Gx- preßguttarif den Iugendpslegevereinen/für die Iahre 1929 und 1930 ausgestellten Bescheinigungen auf hellblauen Karten über die behördliche Anerkennung verlieren mit Ablauf des Jahves 1930 ihre Gültigkeit. Für die zwei folgenden Jahre 1931 32 wird bei Gewährung der Fahrpreisermäßigung die Bescheinigung auf weißer Karte verlangt. Sämtliche Jugendpflege treibenden Vereine, die die Fahrpreisermäßigung zugunsten der (Jugendpflege für die Jahre 1931 32 glauben in Anspruch nehmen zu dürfen, müssen ihre Anträge für Bescheinigungen bis zum 1. Dezember 1930 dem Ministerium für Kultus und Dildungswesen, Darmstadt, Wilhelminenstraße 3, einreichen. Um den Reichsbahndirektionen am Anfang des Jahres 1931 eine genaue Liste über die anerkannten Jugendpflegevereine übersenden zu können, ist die Einhaltung des Termins unbedingt erforderlich. Die Führerausweise behalten nach wie vor ohne Zeitbeschränkung Gültigleit. Reue Führerausweise werden von den Vereinen selbst ausgestellt und sind von den Ortsbehörden zu beglaubigen. •* Modenschau im GDA. Man berichtet uns: Als Sonderveranstaltung im Rahmen des Winterprogrammes der Ortsgruppe Gießen des GDA. hielt die Gruppe der weiblichen Angestellten am Samstag im Kaufmännischen Vereins- Haus eine Modenschau mit Tee und Tanz ab, die als glänzend gelungen bezeichnet werden darf. Der Zuspruch war sehr rege. Herr Zecher begrüßte die Anwesenden und sagte u. a., die Bedeutung der Frau im heutigen Erwerbsleben komme darin zum Ausdruck, daß in Deutschland 43 Prozent aller Frauen berufstätig find. Diese Tatsache wirke sich auch in der Einstellung der Frau zum öffentlichen Leben aus und nicht zuletzt in der Mode. Aus diesem Grunde habe die Gießener Gruppe den Abend in den Dienst der Mode gestellt. Dank dem Entgegenkommen der Firmen Modehaus Rowack (Kleider und Mäntel), Ludwig Lembke (Hüte) und Schuhhaus Süß konnten etwa 60 Modelle gezeigt werden, die vom Cinsachsten und Zweckmäßigsten bis zum Elegantesten durchweg große Beachtung fanden. Gaufrauenführerin Hildegard Reumann, Frankfurt a. M., hielt einen Vortrag über „Frauenarbeit, -recht und -schütz". Einige Lieder, von Herrn Luft wirkungsvoll zum Vortrag gebracht, fanden herzlichen Beifall. Geschäftsführer Mack dankte zum Schluß allen Kabeljau tm Aus- schnitt d. Psb. 70 4 Seelachs tm Ausschnitt ö. Pfd. 50 A Gilets Pfd. 70-90-a. Bratschcllfijche 454 lebende Karpfen, Schleien, Heilbutt ufio. »um btUlgstenTaaeS- preis empfiehlt ew>D Hamburger Jischhandlung IMi Und) folg. Mlpsbnrg 15 Tel. 3018 KurzaefchnitteneS Anmachholz 500 kg von der Statistik nicht erfaßt sind, [o daß sich die für den Auslandsexport genannten Zahlen um einiges erhöhen dürften. Ein wenig erfreuliches Kapitel, nicht nur für den hessischen, sondern für den gesamten deutschen Wein- bau ist die Einfuhr ausländischen Wei- n e s. Hessen, das in Rheinhessen und dem gesamten Nheingebiet bekanntlich mit eines der größten deutschen Weinbaugebiete hat, führt ausländischen Wein ein, der mengenmäßig mehr als die Hälfte des eigenen Versandes ausmacht. Selbstverständlich ist auch die Einfuhr von den anderen großen deutschen Weinbaugebieten ganz erheblich. So schickten im Jahre 1929 die Rhein- provinz (linksrh.) 3438 t, die Pfalz 1823 t, Hessen- Nassau 766 t. Zu beachten ist hierbei wieder, daß die Nachbarbezirke den Weinversand nach Hessen in der Hauptsache wohl durch Lastkraftwagen erledigten. Weiter enthalten all diese Zahlen nicht die auf dem Wasserwege versandten Weinmengen, die in Betracht kommenden Quanten sind allerdings nicht von ausschlaggebender Bedeutung; 1927 z. B., dem letzten Zähljahr, wurden per Schiff nur 480 t Wein nach Hessen eingeführt. Die Einfuhr vom Ausland weist geradezu erschreckende Zahlen auf. 1927 betrug sie für Hessen 7551 t zu Schiff und nur 4564 t mit der Eisenbahn. 1929 erhielt Hetzen mit der Eisenbahn 3814 t ausländischen Wein (Haupt- lieferant Frankreich). Die auf dem Wasserweg ein- geführte Menge ist statistisch nicht erfaßt, doch kann man sich aus den Zahlen für 1927 im Verhältnis die wegen ihrer Ueberflüssigkeit doppelt riesige Menge ausrechnen. Gestalten aus der Kantine entlausen sind. Wohin gerät man? RiemalS weiß man e3, man fd>vebt sich durch Sperrholzwände, windet sich zwischen Kabelschlangen, die herabhängen wie die Lianen im Urwald und steht plötzlich, heiß angegluht, lichtüberströmt in den Kulissen. Das also ist die Welt von Ralph Arthur Roberts, des verschmitzten Sonderlings von vorhin: eine snobistisch ausgestattete Wohnung mit extravaganten Beleuchtungen, kleinen Puppen ganz vertracktem und übertriebenem Luxus; er scheint Aquarien zu lieben und hat sie massenhaft an einem Fenster aufgebaut. Das ist alles echt, man kann alle diese Dinge anfassen, sie halten Stand. Aber wenn man von seiner Wohnung über seinen Garten hinaussieht, und den Blick in die Ferne schweifen läßt, stimmt mit dieser Ferne etwas nicht recht. Zwar besteht auch dieser Garten aus echtem Rasen, und wirkliche Palmen stehen in Kübeln vor wirklichen Hecken, aber drei Schritte dahinter beginnt die Täuschung: die Ratur löst sich un- merklich in Malerei auf, die Kulisse fängt an. Das ist ein Ausschnitt aus dem Film „Einbrecher". Es ist manchmal eine verteufelte Sache, die Ra- tur ins Atelier zu beschwören. In einer andern Halle wo sie den Kriminalfilm „Das gestohlene Gesicht" drehen, scheint es einfacher zu sein, denn sie spielen in einem Eafe, dessen Dekoration, ist sie noch so wirklich ausgebaut und plastisch, erst durch die Menschen wirkt, die hier versammelt sind; Menschen auf jener schmalen Scheide zwischen Gut und Döse, die sehr harmlos scheinen, aber auch sehr böse werden können, eine ganze Galerie dunkler und problematischer Typen - wieder einige kantinenbekannt — bizarre Erscheinungen darunter: einer der Gäste vergnügt sich damit, auf zwei übereinandergestellten Tischen in seinem Stuhk lebensgefährlich zu balancieren, dem Pianisten sitzt ein grauer Papagei auf der Schulter, in einer Ecke bereiten sich Girls zu einem Step vor... was ist das für eine merk' würdige Welt? Klub der Verrückten? Artisten- cafö? Dazu kommt, daß alle diese merkwürdigen Gäste dich, der du aus dem regennassen Rachmiltag in ihre Welt hineinschneist, auf eine sonderbare und prüfende Art ansehen. — Aber wir wollten von der Ratur im Tonfilm reden. In der großen Halle trägmt ein Zimmer- chen aus friderizianischen Zeiten, darinnen Reh- mann mit dem friderizianischen Zopf sein Wesen zu treiben scheint. Don seinen Fenstern hat man eine Aussicht auf eine grasbewachsene Anhöhe. Ralürlich sind die Gräser natürlich, aber wer weiß, wie ost sie schon mitgemacht haben. Darum, erklärt der Kameramann Gerhard Hoffmann, haben wir sie auch etwas mit Weih angespritzt... Aber wenn die Reihe der grellen Scheinwerfer auf den Grashügel fällt, leuchtet dieses Gras dock) wie die natürlichste Wiese. Ein verlassenes Schloß: das ist Sanssouci, in dem das Flötenkonzert" gedreht wird, und hier ist allcs auf eine unheimliche Weise wirklich Die Säle, die Galerien, die Zimmer weiten sich Die allen Watleaus in dicken Darockrahmen an den Wänden. Die marmornen Skulpturen Flesen- bclag auf der Erde. Die Ornamente der geschnitzten Türen, der Marmorglanz der Kamine, Aber warum hat alles diesen geisterhaft grauen Ton? Man braucht es nicht zu sagen: dieses Sanssouci mit seiner enormen Fassade ist nicht so echt, wie es scheint, denn es wird nach einigen Tagen abgebrochen, und seine Wände werden anderen Filmen zugesührt und seine Marmorsäulen werden wieder abgerissen und in den FunduS gestellt werden und warten, daß man sie wieder he.vorhole. Aber wenn diese Front von der Kamera abgetastet werben wird, von dem Objektiv, das ja ganz anders sieht als wir, werden diese gewaltigen Fassadenwände noch unendlicher wach en, und ist auch heute diese Mauer nur getünchter Rupfen, wird sie dann ■ doch wie fester Stein aus ehen, trotz des scharfen Dlicks der Kamera. 3a, man kann auch die Kamera täuschen und in diesen Ateliers geschieht es allerorten. Aber man muß es verstehen. Es gibt auch Großaufnahmen der Dinge, und in denen enthüllt sich dann ihre volle Wirklichkeit oder ihr Schein. Es giot Sessel, deren Seidenbezug muß echt, und es gibt andere, deren Stoss darf unecht sein. Es gibt Perspektiven, aus deren drei Schritten das Objek iv die herrlichste Fernsicht machen kann, und es gibt andere Aussichten, die ganz und in aller Länge ausgebaut werden müssen. Und es gibt noch die Phantasie des Zuschauers - und ihrer Gewalt unterliegt auch der Skeptiker — die den Dühnen des I 5MW ScelachS, | ohne Novf Piund 48