Montag, 22. September 1930 180. Jahrgang Nr. 221 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck unö Verlag: vrühl'jche Universtlätr-Vuch- und Stetnörnderet L Lange in Sietzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20', mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich sur Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Er Ich e int täglich,außer Sonntags und Feiertags Seilaaen: Pie Illustrierte Btehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- Beinen einzelnerRummem folge höherer Gewalt. Zernfprechonfchlüffe anterSammelnummer2251 Anfchrist für Drahtnach- richten Anzeiger Sieben, poßfchecktonto: fironffurt am Main 11686. Der neue Ches derHeereSleitung. Tic Ernennung deS Fsreihcrrn von Hammerstein. Berlin. 20. Sept. (WIB.) Amtlich. Lin Lr- latz des Reichspräfidenlen bestimmt den Generalmajor Jeeltjerrn von Hammer st ein-Equord zum Nachfolger de» auf feinen Entschluß zum 30. November 1930 au» dem aktiven Dienst ausfcheidenden Generaloberst Heye. General von Hammerstein wird mit dem 1. Oktober unter gleichzeitiger 6nt- hebung von der Stellung al» Lhef des Iruppen- amte» zur besonderen Verfügung des Chef» der Heeresleitung gestellt. » Der neue Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein ist am 20. September 1878 geboren und wurde 1898 Leutnant im 3. Garderegiment zu Fuß. Nach Besuch der Kriegsakademie wurde er im Jahre 1913 Hauptmann im General st ab. Gort fand er auch während des Krieges Verwendung. Seine Ernennung zum Major erfolgte 1917. In der Reichswehr kommandierte er zunächst ein Bataillon und wurde später Oberst und Ehef des Stabes des Wehrkreises 111 in Berlin. Am 1. Februar 1929 wurde er zum Generalmajor befördert und Ches des Stabes des Gruppenkommandos 1 in Berlin. Ihm fiel auch die Ausgabe zu, die Reichswehr in politischen Prozessen. so im Duchrucker-Prozeß und in Feme- prozessen, zu vertreten. Am 1. Oktober 1929 erfolgte seine Ernennung zum Ches desTrup- p e n a m t e s. das er seither geleitet hat. General von Hammerstein ist der Schwiegersohn des aus dem Kapp-Putsch her bekannten Generals der Infanterie Freiherrn von Lüttwih. Er hat sich damals mit großer Schärfe den politischen Absichten seines Schwiegervaters entgegengestellt. 0er Ausgleich des Neichseiats Tas Loch der Arbeitslosrnvcrsicherung. Berlin, 22.6cpt (Wolff.) In den letzten Tagen haben die Vorschläge, die die zuständigen Stellen für die nächsten Beratungen des Reichskabinetts zur Frage der Etatsdeckung ausgearbeitet haben, festere Formen angenommen. Sie werden zum erstenmal in der Kabinettssitzung am 23 September besprochen werden. Es handelt sich um die Pläne zur Deckung des Defizits im laufenden Etat, das aus den annähernd 300 Millionen, die bei der Arbeitslosenversicherung fehlen, und aus einem weiteren Verlust bei den Steuereingängen besteht. Dem Kabinett wird für die Frage der Arbeitslosenversicherung der Vorschlag gemacht werden, einen Leistungsabbau oorzunehmen, der die Zeit der Unterstützung von bisher durchschnittlich 26 Wochen auf etwa 20 Wochen reduziert. Weiter scheint eine e r • neute Beitragserhöhung bei der Versicherung sehr ernsthaft in Erwägung gezogen zu sein, man spricht bereits in unterrichteten Kreisen von einer Erhöhung um wiederum 1 Prozent, die etwa 130 bis 140 Millionen Mehreinnahme bringen könnte Für später wird man sich Vorbehalten, den Umbau der Reichsan st alt nach Gefahrenklassen vorzunehmen. Die Maßnahmen eines Leistungsabbaues bei der Versicherung sind aber nicht durchzustihren, ohne eine Erweiterung der Krisenfürsorge, die wiederum mindestens 150 bis 200 Millionen beanspruchen wird. Man hofft zwar, durch eine schärfere Handhabung der jetzt schon in der Krisenfürsorge bestehenden Bedürftigkeitsprüfung ihre Inanspruchnahme einschränken zu können. Im Endeffekt würden aber alle diese Maßnahmen nicht verhindern können, daß im laufenden Etat noch rund 200 Millionen benötigt werden, die im Laufe des Januar-Februar vorhanden sein müssen, wenn man nicht m erneute Kassenschwierigkeiten kommen will. Es sind zwar Besprechungen über weitere Ersparnismöglichkeiten am Etat 1930 eingeleitet, die aber kaum ein Ergebnis haben dürften, da sich schon die vor kurzer Zeit oorgenommene Kürzung um 132 Millionen in der Praxis nur mit großen Schwierigkeiten durchführen läßt. Ruhige Beurteilung -er innerpolitischen Lage. Reichskanzler und Innenminister gegen die Verbreitung haltloser puffchgerüchte im Ausland Der Reichskanzler fordert sachliche Arbeit. Berlin, 20. Sept. (XU.) Der Reichskanzler gewährte am Samstag dem Vertreter der „United Preß" eine Unterredung. Auf die Frage: „Wie beurteilen Sie, Herr Reichskanzler, die im Ausland verbreiteten Gerüchte über Putschversuch e?" erklärte der Reichskanzler: „Ich entnehme aus Ihrer» Frage, daß Sie auf amerikanische Pressestimmen anspielen, die von einer von radikaler Seite drohenden Gefahr sprechen. Die beste Antwort auf diese Frage ist ein Hinweis auf die Ihnen ja bekannte tatsächliche Lage in Deutschland. Ich bin überzeugt, daß Sie schon von sich aus Ihren Lesern melden werden, daß sich keine Putschgefahr, auch nicht in einem einzelnen Bezirk in Deutschland gezeigt hat. Die Reichsregierung hat deshalb auch unbekümmert um solche Gerüchte und um den Ausgang der Wahlen ihre ganze Kraft auf die fachlichen Aufgaben richten können, die darin bestehen, die während des Sommers in Angriff genommenen und verschiedentlich auch zum Abschluß gebrachten Arbeiten fortzusehen und auszubauen. Sie ist des einmütigen Willens, auf diesem Wege fortzufahren, da sie davon überzeugt sein kann, daß bei dieser ihrer Aufgabe die Unterstützung aller derer finden wird, die die beste Garantie für eine Aufwärtsentwicklung in eben dieser sachlichen Arbeit sehen. Das ist, trotz des Ausganges der Wahlen, die Mehrheit des deutschen Volkes. Ebenso, wie diese überwiegende Mehrheit in dem schweren Kampf seit dem Zusammenbruch immer den festen Willen zu Ruhe und Ordnung gezeigt hat, ebenso sicher bin ich. daß dieser gesunde Sinn des deutschen Volkes sich auch in der Zukunft durchsetzen wird. Das deutsche Volk war von jeher ein Volk der Arbeit und hat sich selbst in schwersten Zeiten durch eigene Kraftund nüchterneEin- schähung des Möglichenvorwärtsgeholfen. Dieser gesunde Sinn des deutschen Volkes ist die beste Garantie für die rascheste Verwirklichung der Aufbauarbeit, die der Reichsregierung obliegt. Lokale Störungen sind hier und da auch in früheren Jahren vorgekommen. Die staatlichen Machtmittel der Landespolizeibehörden reichen vollkommen aus. um solche Unruhen fd>jn im Keim zu ersticken " Ein Warnruf Wirths an das Ausland. Das Ariedensdiktat als Ursache der Nadikalisicrung Berlin. 20. Sept. (Tel.-Un.) Reichsinnenminister Dr. Wirth gewährte dem Berliner Vertreter des „3nternalional Rews Service"^ eine Unterredung, in der er u. a. folgendes ausführte: „Rach sorgfältiger und kritischer Prüfung der politischen Lage in Deutschland, wie sie mir amtsmahig zukommt, kann voneinerPutsch» gefahr nicht gesprochen werden. Die kleine Wehrmacht ist völlig fest in der Hand des Herrn Reichspräsidenten. Versuche, in der Reichswehr sogenannte nationalsozialistische Zellen zu bilden. sind absolut fehlgeschlagen. Ein Prozeß wird in den nächsten Tagen vor dem Reichsgericht in Leipzig entschieden werden. Ueber die Polizei kann abgesehen von dem Falle in Thüringen, wo wir durch Sperrung der Polizeigelder eingegriffen haben — ebenfalls gesagt werden, daß sie ein zuverlässiges Instrument in den Händen der Länder darftellt. Jeder Versuch mit Gewalt irgendwie gegen die Autorität des Staates gn- zugehen, würde — und das ist die feste Heber- Beugung der gesamten Reichsregierung — schon im Keime erstickt worden. Zu Besorgnissen über revolutionäre Umtriebe von rechts oder links ist keine Veranlassung gegeben. Selbstverständlich erfordert die explosionsartig zutage getretene Radikalisierung der deutschen Wähler nicht nur größte Aufmerksamkeit von feiten aller nichtrevolutionären Parteien, sondern man muh sich auch aufrichtig und ehrlich Rechenschaft darüber geben, ob es ferner- h i n angebracht ist, Deutschland und feine Jugend, die zum größten Teil ohne Hoffnung lebt, unter unethifchen Bedingungen dahinfiechen zu lasten." Der Stahlhe m nach denWahlen. Oldenburg, 22. Sept. (TU.) Bei der Feier des zehnjährigen Bestehens der Kreisgruppe Oldenburg des Stahlhelms hielt der 1. Bundes- führer Scldte eine Rede. Er erklärte, es sei vielfach die Frage an ihn herangetreten, ob'nach dem Ausfall der Wahlen e in Fortbestehen des S tahlhelms überhaupt noch notwendig sei. Er könne mit aller Bestimmtheit sagen, daß nun der Stahlhelm erst recht gebraucht werde: denn mit der Gruppierung und Massierung der Wähler allein sei es nicht getan. Zehn Jahre habe der Stahlhelm gewartet. Er werde bestimmt einmal eingesetzt werden. Roch einmal zehn Jahre zu warten, hätten die Frontsoldaten nicht Lust. Der Stahlhelm werde kämpfen und den Kampf bis zum äußersten vortragen: denn wenn die Frontkämpfer nicht an die Spitze in Deutschland kämen, sei dem deutschen Volk der Weg in eine bessere Zukunft verbaut. Daher sollten die Stahlhelmer Disziplin halten, denn wenn sie einmal eingesetzt würden, müsse der Stoß auch sitzen. Was will die RSOAp? Goebbels über die Frage einer stiegierungsbeteiligung Berlin, 20. Sept. (TU.) Der „Angriff bringt in feiner Sonntagsausgabe einen offenbar von Dr. Goebbels stammenden Artikel, der sich mit der Frage der Beteiligung der NSDAP, an der Regierung befaßt Es heißt darin u. a.: „Man täusche sich im Lager der Mitte nicht über unsere Absichten. Die nationalsozialistische Bewegung hat keineswegs den Ehrgeiz, sich vor den bürgerlichen Parteikarren spannen zu lassen. Wir werden Verantwortung nur übernehmen, wenn mir das vor Volk und Nation auch verantworten können. Was die sog. Republik als unantastbar ansieht, daß ist für uns nicht heilig und anbetenswert. Die nationalsozialistische Bewegung will eine Umwälzung des Bestehenden und sie ist nicht gekommen, um Faulendes zu halten, sondern es noch zu stoßen. Wir stehen unserer so plötzlichen Macht mit nüchternem Verstand gegenüber, jeden Augenblick bereit, sie zu benützen. Wir können regieren, wir können Opposition treiben." In einer nationialfozialistischen Versammlung erklärte Dr. Goebbels ferner: Die Nationalsozialistische Partei gehe darauf aus, das heutige System und die Republik schachmatt zu setzen. Es werde niemand von ihr verlangen können, die Züge, die auch bei der kommenden Frage der Regierungs- bilbung eine Rolle spielten, dem Gegner bekannt- zuaeben: zudem werde sich die Taktik im einzelnen auf die des Gegners einfteüen müssen. Jedenfalls werde sich die Partei vorerst mit demjenigen Einsatz begnügen, der ihr zahlenmäßig zukomme. Sie er» strebe als eine politische Partei politische Macht und suche sich dementsprechend auch die politischen Machtstellungen im Kabinett, wie etwa das Reichsinnenmini st erium und da» Reichswehrmini ft erium. Eine weitere wesentliche Förderung sei ein entsprechender Kurswechsel in Preußen und auch im Berliner Polizeipräsidium. Die Partei werde sich aber nicht mit parlamentarischen Erfolgen begnügen, sie erstrebe in ihrem letzten Endziel ge- fchichtliche Erfolge Oer Christlich-Goziale Volksdienst. Berlin, 21. Sept. (CNB.) Die Pressestelle de» Ehristlich-Soziolen Volksdienstes wendet sich gegen immer wieder auftauchende Mutmaßungen, daß die 14 Abgeordneten des Christlich-Sozialen Volks- bienftes einer bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Volkspartei, Wirtschaftspartei, Landvolkpartei und Konservativen Volkspartei beitreten würden. Die Reichsleitung erklärt, daß darüber die Reichstagsfraktion des Volks- bienftes zu entfcheiben haben werbe, bie am 3. und 4. Oktober zufammentrete. Für ben Polksbienft käme entsprechend feiner grunbfätzlichen Einstellung eine derartige bürgerliche Sammel fr Option nicht in Betracht. Er fei weder eine „bürgerliche" noch eine „konservative ober „Rechtspartei" im alten Sinne. Für ihn sei allein bas sachliche Slrbeitsprogramm ber gegen« roärtigen unb jeber künftigen Regierung maßgebend Daraus ergebe sich, baß bie Form jebes Zusammenarbeitens mit anberen Fraktionen sich sachlich unb zeitlich ber Abwicklung bieses Arbeitsprogramms anpassen werbe. Die Unterordnung ber Volksbienstsraktion unter eine fremde parlamentarische Führung komme dabei nicht in Frage. Landvolk und Konservative Volkspartei. Berlin, 20. Sept. (TU.) Der Reichsparteiführer der Christlich-Rationalen Bauern- und Landvolkpartei, Abg. Höfer (St. Bernhard), erklärt in der Zeitung „Der Thüringer Landbund": Eine Fraktionsgemeinschaft oder eine Arbeitsgemeinschaft mit den DolkS- konservativen und dem Christlich-Sozialen Volks- dienst komme für ihn nicht in Frage. Der b e- rufs ständische Gedanke sollte in der Fraktion rein erhalten bleiben, um in der Parlak mentarischen Tätigkeit nicht durch srakttonelle Kompromisse gebunden zu fein. Oer Widerstand gegen einen Minder- heitenschnh des Völkerbundes. Genf, 20. Sept. (TU.) In der Samstagsitzung des politischen Ausschusses der Völkerbundsversammlung gab der polnische Außenminister Zaleski eine ungewöhnlich scharfe Erklärung zur Minderheitenfrage ab. Er bestritt auf da s ent- f ch ie den st e die Zuständigkeit der Völkerbunds- Versammlung, sich mit den Minderheitenfragen zu befassen. Die ausschließliche Zuständigkeit des Dölkerbundsrates gehe auch aus dem Bericht des Generalsekretärs des Völkerbundes über die Minderheitenfrage hervor. Rach Auffassung der polnischen Regierung sei allein der Völkerbun dsrat in der Lage, den interessierten Regierungen eine Abänderung des gegenwärtig geltenden Minderheitenverfahrens vorzuschlagen, da damit den interessierten Staaten Verpflichtungen auferlegt würden, die in den Minderheitenschuhverträgen nicht vorgesehen seien. Es sei eine Enttäuschung, feststellen zu müssen, daß trotz der in Madrid erzielten Ginstimmigkeit man es jetzt dennoch für notwendig erachte, auch auf das Minderheitenproblem zurückzukommen, das bereits nach grundlegender Prüfung eine Lösung gefunden hätte. Im Ramen der polnischen Regierung müsse er offen erklären, daß er sich der Schaffung eines ständigen Minderheitenausschusses, ober eines zweiseitigen Verfahrens zwischen den Regierungen und den Minderheiten unter allen Umständen widersehen würde. Die polnische Regierung sei jedoch bereit, die Schaffung eines allgemeinen Minderheitenschutzes in Erwägung zu ziehen, der sich in gleicher Weise auf alle Mitgliedsstaaten des Völkerbundes erstrecken und damit den seinerzeitigen Vorschlag des Präsidenten Wilson deckt. Der Versuch gewisser Minderheiten, im Ausland Unterstützung zu finden, könne mir die guten Beziehungen zwischen Mehr- heits- und Minderheitenvölkem erschweren. Oer englische Delegierte Bu?ton erklärte, es bestehe eine Unzufriedenheit unter den Minderheiten, die eine Ge f ahr für den äußeren Frieden und auch für die innere Konsolidierung der Staaten schafse. Die Madrider Beschlüsse stellten eine weitgehende Verbesserung des Verfahrens dar, und es wäre verfrüht, dieses verbesserte Verfahren wiederum zu ändern. Man müsse vielmehr den ehrlichen Versuch machen, seine Möglichkeiten voll auszunutzen. Auch müßten die Informationen, die im Sekretariat über Minderheitenangelegenheiten einlau» fen, besser ausgenuht werden. Als Vertreter eines Staates mit MinderheitS- verpflichtungn ergriff der südslawische Außenminister Marinkowitsch das Wort und sagte, daß der Rat das Verfahren in Minderheitenangelegenheiten nicht ändern könne, da es in den Verträgen selbst f e ft g e I e g t sei. Südslawien werde keine neue Verpfli chtung übernehm en. Es könne hierüber nur mit sich reden lassen im Falle einer allgemeinen Erweiterung des Minderheitenschutzes, so daß er alle Staaten umfassen würde. Heichöminister a. O. Koch-Weser äußerte nochmals die entschiedene Ditte, daß man in der Annahme der Petitionen so liberal wie möglich vorgehen müsse. Deutschland wünsche im Augenblick keine Abänderung der Madrider Beschlüsse, sondern nur d i e Verbesserung ihrer Anwendung. Deutschland möchte aber seine Wünsche nicht bagatellisieren lassen. Es müsse seine Kritik solange fortsehen, bis die unbefriedigenden Zustände abgestellt seien. Rur wenn es gelingt, den Völkerbund zu einem Organ zu machen, in dem alle diejenigen, die unterdrückt sind oder sich unterdrückt glauben, rechtzeitig und unbehindertzuWori kommen, nur wenn sie den Glauben an den Völkerbund erwerben, daß er auf friedlichem Wege ihren Röten abzuhelfen weiß, nur bann dürfen wir erwarten, daß die Entwicklung des Zusammenlebens der Völker ohne Rückschläge die Fortschritte macht, die wir alle erhoffen. Es wäre verhängnisvoll, wenn sich im Völkerbund die Meinung bilden würbe, als sei die Minderheitenfrage schon heute befriedigend gelöst. Wir sind erst am Anfang 6er Lösung. Es gibt Gefahrenzonen, die zu beseitigen unsere Pflicht ist. Abschließend verlas Reichsminister a. D. Koch eine Entschließung der deutschen Delegation, in der u. a. gesagt wirb: Die Völkerbundsversamm« lung labt ben Generalsekretär ein, ber Versammlung im jährlichen Bericht ein ausführliches R e - f u m 6 über bie Tätigkeit des Dölkerbunbes in Minberheitenfragen zu übermitteln. Sie behält sich vor, in einem späteren Zeitpunkt bas in Madrid festgelegte Verfahren hinsichtlich seiner Wirksamkeit einer Prüfung zu unterwerfen. Sq drückt den Wunsch aus, daß alle zuständigen Organe des Völkerbundes sich bemühen werden, alle Möglichkeiten zu erschöpfen, welche die Entschließungen von Madrid enthalten, namentlich bezüglich der Zusammensetzung der Minderheiten- komitees, der Häufigkeit ihrer Sitzüngen, der Mitteilung über das Schicksal der Petitionen im Schoße der Minderheitenkomitees und die öffentliche Bekanntgabe des Ergebnisses der Prüfung einer Frage durch die Dreierkomitees. Die Mmelbeschwerden in Genf Die Beschwerden des Memelgebietes sind jetzt, wenn auch etwas spät, von Deuttchland offiziell aufgegriffen worden. Unsere Delegation in Genf hat den Antrag gestellt, die Beschwerde als dringlich zu behandeln und noch auf die Tagesordnung der gegenwärtigen Ratstagung zu setzen. Gegenstand der Beschwerde ist die Forde- rung nach Bildung des Memeldirektoriums auf parlamentarischer Grundlage und Enthaltung jeder Beeinflussung der bevorstehenden Wahlen zum Memeler Landtag durch die Litauische Regierung. Wir glauben nicht, daß die Forderung Deutschlands abgelehnt wird, wir werden aber gut daran tun, unsere Erwartungen nicht allzu hoch zu schrauben. Mit dem Bölkerbund haben wir bisher die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht, es sollte uns also reicht wundern, wenn die Herrschaften in Genf wieder Mittel und Wege finden, um die Memelbeschwerde abzuwürgen. Damit würde sich aber der Völkerbund selbst einen neuen sehr schlechten Dienst leisten, weil er dazu berufen ist, die Rechte der Minderheiten zu wahren. Wir hätten es allerdings lieber gesehen, wenn es zu einer direkten Verständigung zwischen Berlin und Kowno gekommen wäre, daraus wurde aber nichts, weil offenbar unser Kownoer Vertreter nicht geschickt genug operiert hat. Go sieht die Befriedung Europas aus. Eine scharfe amerikanische Kritik. London, 21. Sept. (WTD.) Der Vorsitzende des Flottenausschusses des Repräsentantenhauses, Dritten, der gestern aus Europa zurückgekehrt ist, erklärte: „Europa will nicht abrüsten, es will kämpfen. Kriegsvorbereitungen kosteten Europa täglich 6 Millionen Dollar. Der Korridor ist ein Pfahl im Fleische jedes Deutschen. Rußland wartet auf eine Gelegenheit, um seine Seehäfen in Estland, Lettland und Litauen wiederzunehmen und Bessarabien zurückzuerobern. Drei Millionen Deutsche in der Tschechoslowakei sind bereit, für Selbstbestimmung einzu- stehen. Jugoslawien und Italien stehen sich seit drei Jahren mit gezogenem Degen gegenüber. Die Dölkerbundsabrüstungskommission tagt seit fünf Jahren, ohne das gering st e erreicht zu haben." Kriegsschulden und Reparationen Amerika erwartet Revisionsforderunqen. Washington, 21. Sept. (Funkspruch. Reuter.) Wie verlautet, sollen im Staatsdepartement Berichte oorliegen, nach denen der britische Schatzkanzler Snowden nicht den Wunsch hege, die Frage der Kriegsschulden gegenwärtig wieder aufzu- rollen, weil dann auch eine Revision der Reparationszahlungen akut werden müßte, was wiederum eine Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage zur Folge haben würde. Hier vorliegende inoffizielle Rachrichten aus Europa sprechen hingegen von erneuten Bemühungen, eine Herabsetzung der Kriegsschulden der Alliierten an die Ve«inigten Staaten zu erreichen, und geben der Meinung Ausdruck, daß die außerordentliche Zunahme der Ra - tionalsvzialisten einen starken Anstoß zur Wiederaufrollung der Schuldenfrage geben wird. Weiter wird darauf hingewiesen, daß, während eine Herabsetzung der Schulden vielleicht eine Beslerung der Wirtschaftslage, wenigstens soweit England in Betracht kommt, nach sich ziehen würde, eine Verschlechterung der englisch-amerikanischen Beziehungen eintreten könnte infolge der heftjgen Debatten im Kongreß über die Schuldenfrage. Paris wirbt um Italien. Paris, 21. Sept. (TU.) Der Genfer Berichterstatter des „Paris Midi" behauptet, der Mißerfolg der französisch - italienischen Flottenverhandlungen sei auf tendenziöse Nachrichten zurückzuführen, die von englischer Seite über gewisse politische Ziele der italienischen Regierung verbreitet worden seien. Die französisch-italienischen Verhandlungen, so meint der Berichterstatter, hätten jedoch an Bedeutung verloren, nachdem hinter den Kulissen eine französisch-englisch- deutsche Verständigung über die Einberufung der allgemeinen Abrüstungskonfe- r e n z für den November nächsten Jahres zustande- gekommen sei. Als besonders bezeichnend verdient in diesem Zusammenhang die Behauptung der französischen katholischen Zeitung „La Croix" hervorgehoben zu werden, daß Mussolini jetzt mehr denn je eine Verständigung wünsche und daß der Pariser Widerstand gegen ein Abkommen im S ch w i n- d e n sei. Italien braucheGeldundFrank- reich habe Geld und könne es verleihen. Jetzt, wo das deutsche Volk in verstärktem Maße die Revision des Friedensvertrages fordere, so fährt das Blatt fort, sei die Gelegenheit zu einer engeren Zusammenarb eit der lateinischen Rasse gekommen. Oie Auffassung Mussolinis. Das Auseinanderfallen in die Extreme. Rom, 19. Sept. (Tel.-lln.) Die Stellungnahme Mussolinis im Defehlsblatt der faschisttschen Partei zum Ergebnis vom 14. September lautet u. a : Wenn die Wahlen den Zweck hatten, Deutschland eine feste, homogene, lebensfähige Regierung zu geben, so ist der Zweck verfehlt. Die Wahlen waren, wie das immer der Fall ist, völlig unnütz. Als Anzeichen aber war ihre Bedeutung außerordentlich. Das Merkmal der Wahlen vom 14. September ist der Triumph Hitlers, der bewiesen hat, daß er ein Werber und großer Organisator ist. Sein Motto: „Deutschland erwache" gehört zu denen, die die Seelen erschüttern. Außer dem Siege Hitlers bedarf der Beachtung derVormarschderKommunisten 'trotz der Kritiken und Zerwürfnisse in ihrer Partei, während die Sozialdemokraten nicht einmal ihre Stellung zu halten vermochten, sondern sogar Gebiet verloren haben. In der Mitte ist eine Gruppe von Parteien ohne Macht und ohne Zukunft. Die Radikalisierung der Geister zeigt sich deutlich. DieMitte verschwindet. Die neue Generatton legt, um mit Kahserling zu sprechen, den Akzent auf die äußerste Rechte oder äußerste Linke. Die Mittelstellungen sind schon an sich mittelmäßig und möglich nur zu Zeiten guten Wetters, aber nicht in Zeiten großer Stürme wie jetzt. Die Jungen haben nichts mehr übrig für die Grundsätze des vergangenen Jahrhunderts, die sich Liberalismus, Demokratie und Sozialismus nannten. Sie haben alles gegeben, was sie geben konnten. Ideen, die lebendig und fruchtbar waren in einem bestimmten Abschnitt der menschlichen Geschichte, haben ihre Mission erschöpft. Ein historischer Feiertag. Die Einnahme Noms zum letzten '.'-rat festlich begangen. Rom, 20. Sept. (£11.) Zum letztenmal ist am Samstag der Jahrestag der Einnahme Roms durch die italienischen Truppen im Jahre 1870 festlich begangen worden. Der Gouverneur von Rom legte an der berühmten Bresche in der Stadtmauer, durch die die italienischen Truppen damals eindrangen, einen Kranz nieder. Die öffentlichen Gebäude hatten geflaggt. Wie bereits angekündigt, wird Mussolini dem nächsten Ministerrat ein Gesetz vorlegen, das an Stelle des 20. Sept, den 11. Februar, den Jahrestag der Unterzeichnung des L a t e r a n f r ie de n s zwischen Italien und dem Vatikan, zum Feiertag erheben wird. In gewissen italienischen Kreisen wird die angekündigte Aenderung mit geteilten Gefühlen ausgenommen, weil mit der Abschaffung des 20. September als Feiertag ein Stück der stolzen Tradition des Risorgimento verloren gehe. An sich ist die Abschaffung des 20. September als Feiertag aber eine logische Folge des Lateranfriedens. Der Papst nahm in seiner Ansprache an Vertreter der italienischen katholischen Aktion gelegentlich einer Audienz am Freitag auf den „schmerzlichen Vorabend" des 20. September Bezug. Der Papst fügte aber hinzu, daß dieser Tag zum letzten Male festlich begangen werde, wie ihm von maßgebender Seite versichert- und versprochen worden sei und diesem Wort wolle er glauben. Oie Beamten im neuen Reichstag. Berlin, 22. Sept. Während der Wahlkampagne war verschiedentlich der Vorschlag aufgetaucht, die Beamten sollten ihre Stellung ihn Reichstag durch die Bildung einer besonderen Deamtenpartei stärken. Die führenden Beamtenverbände gaben aber die Gegenparole aus, und nach dem jetzt vorliegenden Ergebnis scheint es, daß ihre Machtposition auf dem Umwege über die einzelnen Parteien und unter Verzicht auf eine rein ständische Gliederung nichts zu wünschen übrig läßt. Die größte und wichtigste deutsche Beamtenorganisatton, der Deutsche Beamtenbund, mit mehr als einer Million Mitglieder, zählt nämlich im neuen Reichstag 23 Abgeordnete, die seiner Organisation angehören. Der Beamtenbund ist damit im Parlament stärker vertreten als etwa die Landvolkpartei, die Bayerische Volkspartei oder die Staatspartei! Von den Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei gehören dem Deutschen De- amtenbund fünf Abgeordnete an. Die Deutschnationale Volkspartei zählt in ihren Reihen den Reichsminister a. D. Koch, Düsseldorf. Stark ist der DBB. im Zentrum vertreten, wo ihm fünf Abgeordnete angehören. Auch der kommunistische Abgeordnete Schneller ist als Lehrer dem DBB. angeschlossen. Bei der Volkspartei ist Morath, bei der Staatspartei Adolph, bei der Wirtschaftspartei Lucke und bei der Konservativen Volkspartei Hartmann Mitglied des DBB. Im Christlich-sozialen Volksdienst sitzen drei Mitglieder des DBB., der seinen Ginfluh sogar auf die Rationalsozialisten erstreckt, wo ihm vier Abgeordnete zugerechnet werden müssen. Die unmittelbaren Einwirkungsmöglichkeiten des Deutschen Beamtenbundes aüf den Reichstag erstrecken fich also auf alle Parteien von den Kommunisten bis zu den Rationalsozialisten. politische Zusammenstöße. Berlin, 20. Sept. (CRV) Im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammlung im Kriegervereinshaus in der Chausseestraße kam es zu Zusammenstößen zwischen Ver- fammlungsteilnehmern und Polizei. Da von einigen Trupps der Rationaksozialisten die Rufe „Deutschland erwache!" usw. ausgestoßen wurden, ging die Polizei gegen sie vor, wobei insgesamt zehn Rationalsozialisten fest genommen wurden. Bei dieser Gelegenheit soll der Reichstags- abgeordnete Göbbels Schläge mit dem Gummiknüppel erhalten haben. Die Polizei bestreitet dies jedoch. In Brandenburg kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Rativnalsozia- listen und Kommunisten, bei denen es zahlreiche Verwundete gab. Vor einem Lichtspieltheater, in dem eine kommunistische Versammlung stattfinden sollte, stießen mehrere hundert Kommunisten auf einen Trupp von sieben Rationalsozialisten, rissen ihnen die Abzeichen ab und verprügelten sie. Einer von ihnen wurde durch Fußtritte und Schläge mit einer Stahlrute so zugerichtet, daß er besinnungslos in einen Hausflur gebracht werden mußte. Ein Polizeibeamter, der einen Kommunisten festgenommen und in einen Laden gebracht hatte, konnte eine Viertelstunde lang mit vorgehaltenem Revolver den gröhlenden Mob, deren Gefangenen gefreien wollte, in Schach halten, bis das lleberfallkommando eintraf und Ordnung schaffte. An einer anderen Stelle der Stadt gaben mehrere Kommunisten Schüsse auf die erleuchteten Fenster eines Lokals, in dem Rationalsozialisten tagten, ab. Dabei wurde ein Melker durch eine Kugel in den Oberkörper schwer verletzt. Aus aller Welt. Hessenkinder beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident nahm am Sams- tag im Garten seines Hauses die Begrüßung durch etwa 8 0 0 Kinder aus dem besetzt gewesenen Rheinland und dem Saargebiet entgegen, die auf gemeinsame Kosten des Reiches, Preußens und Hessens zu sechswöchigem Erholungsaufenthalt in verschiedene Heime an der Seelüfte entsandt werden und auf der Reise an ihre Bestimmungsorte die Reichshauptstadt passieren. Nach einer Ansprache des Führers des Transportes Landesrat G e r l a ch von der Reichszentrale „Landaufenthalt für Stadtkinder", in deren Händen die Durchführung des Transportes liegt, dankte der Herr Reichspräsident den Kindern für die Begrüßung und sprach ihnen mit herzlichen Worten seine besten Wünsche für den Aufenthalt an der See sowie für ihr ferneres Leben aus. General von Gebsattel f. Der frühere Kommandierende General des 3. bayerischen Armeekorps, General der Kavallerie Freiherr Ludwig v o n G e b s a 11 e l, ist in der Sonntagnacht nach einer Operation in einer Münchener Klinik im 74. Lebensjahre gestorben. Die Beisetzung dez Todesopfer der Döblinger Ilugkalaslrophe. Unter überaus großer Beteiligung wurden die ums Leben gekommenen vier Flieger Hauptmann Engwer, Kunstslieger Spengler, Flugzeugführer Hagenmeyer und Luftakrobat Schindler in einem gemeinsamen Grab in Böblingen beigesetzt. Als letzter. Gruß der Flieger kreisten mehrere Flugzeuge der Fliegerschule Böblingen und der Deutschen Verkehrsfliegerschule München und Braunschweig über dem Friedhof, lieber 100 Kränze, die den Verstorbenen aus dem ganzen Reich gewidmet worden waren, bedeckten die vier Särge, bei denen Angehörige der Böblinger Fliegerschule die Ehrenwache hielten. Unter Musikklängen wurden die Särge nacheinander in das gemeinsame Grab gesenkt. Schwerer Sturm an den atlantischen Küsten. Seit der letzten Rächt herrscht an der englischen Küste schweres Sturmwetter, das die Schiffahrt gefährdet. Im Kanal erreichte der Sturm eine Geschwindigkeit von 125 Stundenkilometern. Die Schiffe suchen Schuh in den Häfen. Der französische Segler „Leone" wurde bei Weymouth von seiner Verankerung losgerissen und droht an den Klippen zu zerschellen. Die Besatzung konnte von einem Boot der Rettungsstation an Bord genommen werden. Im Inland wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. Der Ernteschaden ist beträchtlich. Der Sturm, der im Laufe des Vormittags noch an Heftigkeit zunahm, ist der schwerste, der England seit Jahren heim- gesucht hat. Bei Reading stießen infolge strömenden Regens, der die Sicht erschwerte, zwei Güterzüge zusammen: Menschen kamen nicht zu Schaden, der Verkehr war lange lahmgelegt. Auch an der französischen Küste hat der Sturm ernstlichen Schaden angerichtet. Bei Douarnez sind zwei Fischkutter gestrandet. Fünf Leichter gelten als verloren. Die Thun-Fischerflotte von Concarneau hat im Sturm einen Dampfer verloren, aus einem anderen sind zwei Mann der Besatzung überBordge- spült worden. An der spanischen Küste mußten zwei Jachten von ihren Besatzungen verlassen werden, sie treiben als Wrack auf See. Auch an der Mittelmeerküste herrschte Sturm. — Ein französischer Küstendampfer hat in der Rordsee einen Deutschen namens Julius Scheuder und einen Holländer geborgen, die zur Besatzung des untergegangenen holländischen Schiffes „Foux- h o d" gehörten. Der Kapitän der „Fvuxhvd", seine Frau und sein zweijähriges Kind sind ertrunken. Eine Erklärung des Fliegers Raab. Der Rechtsbeistand des Fliegers Raab teilt folgendes mit: Durch die deutsche Presse läuft eine Meldung der „B. Z. am Mittag", wonach Raab nach erheblichen Unterschlagungen unter Mitnahme wichtiger Konstruktionszeichnungen und zahlreichen Aktenmaterials nach Amerika geflüchtet sei. Diese Informierung der deutschen Oeffentlichkeit ist in allen Punkten unrichtig. 1. Herr Raab befindet sich wegen Abschlusses wichtiger Geschäfte in Amerika. 2. Bei diesen Verhandlungen sind natürlich Blaupausen gewisser Konstruktionszeichnungen notwendig und aus diesem Grunde auch mitgenommen. Aktenmaterial hat Herr Raab nur insoweit anderweit sichergestellt, als er es für Klarstellung seiner Rechtsansprüche benötigt. 3. Don Unterschlagungen irgendwelcher Art kann überhaupt keine Rede fein. Die Reise wird aus privaten, Raab von dritter Seite zur Verfügung gestellten Mitteln bestritten. Der Schah des letzten Inka gefunden? In den Anden von Ekuador soll der Schatz des letzten Jnkakönigs Atahualpa von einer Expedition ineinerBergfestungentdeckt worden sein. Die Expedition ersuchte das Schatzamt um Entsendung von Truppen, um die Ausgrabungen vor Angriffen durch Indianer schützen zu können. Tagungen Abschluß des Deutschen Gastwirtstages. Am Donnerstag hat der 55. Deutsche Gast- Wirtstag in Leipzig seinen Abschluß gefunden. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der gegen die steuerliche Auflage der Reichsregierung protestiert wird, nach der Länder und Gemeinden verpflichtet sein sollen, alle in der Rotverordnung enthaltenen Steuern voll auszuschöpfen. Der Rückgang des Umsatzes allein, Der durch jede Steuererhöhung bedingt werde, verhindere einen Erfolg dieser Art von Steuerpolitik für das Reich. In einer längeren Aussprache wurde die vielerorts erhobene Dergnü- gungs- und Hockersteuer als zu hoch bezeichnet und ihre völlige Abschaffung wurde gefordert. Wenigstens sollten bei der Vergnügungssteuer die vom Reichsrat festgelegten Sätze als Höchstsätze gelten. Die Hauszinssteuer für gewerbliche Räume soll beseitigt werden. Die Steuerfreiheit der sogenannten gemeinnützigen Aus- schankstätten, Sportkantinen usw. müsse eingeschränkt werden. Gemeinnützig sei nur eine Einrichtung, die lediglich den notwendigsten Bedarf decke. Strafen wegen Ucbertretung der Polizeistunde unter dem Reichsgesetz sollen aus dem Strafregister gestrichelt werden. Der Dolks- trauertag soll mit dem Totensonntag ober einem anderen stillen Sonntag oder Feiertag zusammen«, gelegt werden. Bundestagung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbunde». Aus der dritten CBunbegtagung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes m München erstattete der erste Bundesvorsitzende, Ministerialrat a. D. Albert Falkenberg, den Geschäftsbericht. Die Zahl der angeschlossenen Verbände hat sich von 22 auf 29 erhöht. Dem Bund waren nach dem Stande vom 31. Dezember 1929 24 Verbände mit zusammen rund 177 000 Mitgliedern angeschlossen. Der Redner verteidigte das Einsetzen der Bundesleitung für die L i st e der SPD. bei den Reichstagswahlen. Der Redner des sächsischen StaatsbeamtenbundeS kritisierte dagegen heftig die Verletzung der fatzungsgemähfestgelegtenpar- teipolitischen Reutralität und erklärte, daß durch dieses Abweichen von Lern bisherigen Standpunkt der Bund schwer geschädigt worden sei. Vertreter des Bundesvorstandes erklärten, daß bei den letzten Wahlen für die Beamtenschaft eine andere Stellung als für das Eintreten für die Liste der SPD. gar nicht möglich gewesen sei. 25. (Eröffnung der Internationslev^Lederschau. Auf dem mit den Farben von 16 Ländern beflaggten Ausstellungsgelände am Kaiserdamm in Berlin wurde am Donnerstag die „Lederschau Berlin 1930" und die Modische Jahresschau „Leder und Mode" in Anwesenheit von nahezu 2000 Vertretern der Fachwelt, der Behörden des Reiches und Preußens, des diplomatischen Korps der Stadtverwaltung, der Kunst und Wissenschaft eröffnet. Bürgermeister Scholz gab der Genugtuung über die Veranstqltuna dieser großen internationalen Aus- stellung im Rahmen der Berliner Fachausstellung und Fachmessen Ausdruck. Die internationale Lederschau zeuge von einem festen Vertrauen in die Bedeutung Berlins als Wirtschaftszentrum. — Die Grüße der Reichsregierung überbrachte Reichsverkehrsminister v. G u 6 r a r b, der darauf hin wies, daß der Ausstellung eine besondere Bedeutung deshalb zukomme, weil sie die erste Veranstaltung der deutschen Lederwirtschaft von internationalem Charakter sei und ein übersichtliches und anschauliches Bild von der Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges gebe. Tagung des Hilfsbundes für die Elsaß-Lothringer im Reiche. Die Tagung des Hilfsbundes für dis Elsaß-Lothringer im Reiche, auf deren Tagesordnung die Erhaltung der elsaß-lothringischen Kultur und wirtschaftliche Tagesfragen stehen, hat in Koblenz begonnen. Lutz, Freiburg, sprach über elsaß-lothringische Kulturaufgaben unter Berücksichtigung der Heimatlande und der Organisationen. Unter den aus Elsaß-Lothringen Vertriebenen sei eine tiefe Sehnsucht wach «geblieben und ein festes Band binde alle Elsaß- Lothringer an die alte alemannische Heimaterde. Mit Sorgfalt müßte der Kampf verfolgt werden, den der Franzose mit der Verwischung von, Elsah-Lothringen betreibe. Mehr denn je müsse man in Deutschland Gewicht darauf legen, Die elsaß-lothringischen Autoren auf sämtlichen Gebieten des Kulturlebens einzuführen. Ministerialrat Dr. Donnevert betonte, daß man Dazu übergehen müßte, die Jugend der alten Elsaß- Lothringer für die Sache des Bundes zu gewinnen. Oie Wetterlage. raytn. ßo$r .Nordo. Sic igei ? 8^-eerllnb** «mMgss ©wontenios.o neuer. selben Abse Le M schloß er 1877 mrde Po versitat eng r ^lt>°us?Cg°' «chLVich KZ j&s? «?S oblegte' und §Ä'chcrwi SÄ LiK >1 fenban,11? bli si 'n bet i ÄH ^enbuü^ tite 5^4ta6anbt SA «s >'-'İ'- kN dlw xL ,n' *» *» bM **• 9or mcht Mebetf^o^ Ländern be. ?°'lerdomm in Erschau 8tr, K.L Preu. «°hnet %2S. 'S'uung übttj. »yta Au», rnatwnale Leder, trQuen in dj,»,. Zentrum. - £ 3rQ^le Reichzvtt. r „rQUf hinlvie, £ Sebeutunj de». Veranstaltung der rnationalem Tha. und onschoulichtt Miofts,juxige» inbti im Äriche. ^ndes für bit 4 deren Tages« laß-lothrinaischm lesfragen stehen, Freiburg, sprach aufgaben unter be und der Ot« Elfah'Lvthringm hnsucht wach gelinde alle Sliah« tifche Heimaterde. I verfolgt werden, Dervelschung dm hr denn je müllt daraus legen, dir 4 sämtlichen Sehren. Ministers. ?, bah man dazu > der alten Elsaß- Jundes zu ge« Ät. T°S<- ‘Sss SfiSS S« «Regen' leiste* mggJrS per- ^İSM *“ ,. (ß^in tttjo®- .... mittag -Kk^kS mAo Grad, 0 Aus Oer Pwvmzialhauptstavt. Dießen, den 22. September 1930. Geheimrat Prof. Dr. pasch t- 3n Homburg, wo er zur Erholung weilte, starb am Freitag der Geh. Hosrat Dr. phil., Dr. phil. nat. h. c., ordentlicher Univ.-Professor i. 2t. 2H o 11 0 Pasch im 87. Lebensjahre Pasch stammte auS einer Kaufmannssamjlie in Breslau. die in bescheidenen Verhältnissen lebte. Geboren in Breslau am 8. November 1843 erhielt er seine Dorbildung am dortigen Slisa- beth-Ghmnaslum und bezog im Herbst 1860 die Llniversität seiner Vaterstadt, an der er hauptsächlich Mathematik studierte und am 21. August 1865 den philosophischen Doktorgrad erwarb. Die beiden folgenden Semester verbrachte er an der Universität in Berlin und widmete sich dann wieder in Breslau wissenschaftlicher Arbeit bis zu seiner Aeberliedelung nach Gießen am 24. Oktober 1870, wo er am 29. November desselben Jahres als Privatdozent sür Mathematik in den Lehrkörper der Hessischen LandeS- universität ausgenommen wurde. An dieser wurde er am 18. August 1873 außerordentlicher und am 21. August 1875 ordentlicher Professor. Am 15. September lß75 schloß er in BreSlau den Ehebund mit Laura geb. Neichenbach aus Breslau. Ostern 1877 wurde Pasch Mitglied der mit der Uni- versität eng verbundenen Prüfungskommission für daS Höhere Lehramt. Am 15.2lpril 1891 wurde ihm der Vorsitz in dieser Kommission anvertraut. Für das Jahr 1886 war er Dekan der philosophischen Fakultät, für das Jahr vom 1. Oktober 1893 bis 1. Oktober 1894 Rektor der Universität. Die Lehrtätigkeit und die Derwal- tungsaeschäste nahmen Pasch in immer steigendem Maste in Anspruch. Um sich für den Rest seines Lebens ungestörter der wissenschaftlichen Arbeit widmen zu können, erbat er sich Ende 1910 die Versetzung in den Ruhestand, die ihm mit Wirkung vom 1. April 1911 gewährt wurde. Den Wohnsitz in Diesten behielt er bei und blieb nach Möglichkeit in Fühlung mit Universität und Stadt. Gin zunehmendes Augenleiden, ein damit verbundener Kräfteversall und vor allem der Tod seiner beide»» Töchter und zweier Enkel beeinträchtigten seinen Schaffensdrang außerordentlich. Seine geistige Regsamkeit blieb jedoch unerschüttert bis in die letzten Tage seines Lebens. Der Verewigte war in den Kreisen der Mathematiker der ganzen Welt allgemein bekannt. Die wissenschaftlichen Leistungen, die ihm diesen Ruf erworben haben, können hier nur kurz angedeutet werden. Durch sein« 1882 erschienenen .Vorlesungen über neuere Geometrie" hat Pasch eine ganz neue Art der Betrachtung der Grundlagen der Geometrie entwickelt und ist so Dorläuser, ja Vorbild der großen Zahl derer geworden, die sich in den letzten Jahrzehnten mit den Fragen nach den Grundlagen de^ Geometrie beschäftigt hoben. Die große Rolle, die die Axiomatik in neuerer Zeit auf allen Gebieten der Mathematik gespielt hat und noch immer spielt, ist letzten Endes auf den Anstoß zurückzuführen, den er gegeben hat. Wenn sein Werk längere Zeit nur bei wenigen die Beachtung fand, die es verdiente, so wurde eS dafür nachher um so allgemeiner anerkannt. Man sah ein, daß er für derartige Untersuchungen die Bahn gebrochen hatte. Der Nam« „Vater der Affiomatik", den man ihm wohl scherzweise gegeben hat, wird ihm vielleicht im Ernste verbleiben. Hat er doch selbst noch die Grundlagen der AnalysiS in ähnlicher Weise behandelt, wie die der Geometrie, und durch eine Reihe kleiner, scharfsinniger Abhandlungen die einfachsten Bestandteile alles mathematischen Denkens herauszuschälen versucht. So ist ihm auch bei den zahlreichen Jubiläen, di« er hat feiern dürfen, bei seinem 70. und 80. Geburtstage, bei seinem 50jäh- rigen Doktorjubiläum usw. die allgemeine und uneingeschränkte Anerkennung seiner Fachgenossen zuteil geworden Zum Beispiel haben ihn im Jahre 1923 die Universitäten Freiburg t. B. und Frankfurt a. M. gleichzeitig ehrenhalber zum Doktor der Naturwissenschaften ernannt. Seine zahlreichen Schüler werden nie vergessen, wie erquickend seine große Herzensgüte war. besonders gegen die jüngeren aufstrebenden Gelehrten. die er in ihren Studien mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit unterstützte und förderte. Glicht wie der Größere mit den» Geringeren, sondern wie mit Gleich st redenden verkehrte er mit ihnen. Er war ihnen der treueste und beste Freund. Daten für Dienstag, 23. September. 1783. der Maler Peter von Cornelius in Düsseldorf geboren. 1791: Theodor Körner in Dresden geboren: 1885: der Maler Karl Spitzweg In München gestorben. Bornotizcn. — Tageskalcnder für Montag. Lichtspielhaus: „Es gibt eine Frau, die dich niemals vergißt." — Astoria-Lichtspiele: „Das Land ohne Recht" und „Ribo, der Racher". e AuS dem Manöver zurück. Am gestrigen Sonntagmittag 12.38 Uhr tras unser Bataillon, aus dem Manöver in Südthüringen kommend, hier wieder ein. Nachdem die Fahrzeuge der Truppe aus dem Transportzug entladen waren, erfolgte gegen 13.30 Uhr der Einmarsch in die Stadt. Eine große Menschenmenge bereitete unfern 15ern. wie immer, auch gestern wieder einen herzlichen Empfang, der Zeugnis oblegte für die guten Beziehungen, die erfreulicherweise zwischen unserer Garnison und der Bürgerschaft bestehen. *' Werbetag des Gießener Stadt- l h e a t e r s. Man schreibt uns: Dem Ernst der Zeit eintsprechcnd, wird das Sladttheater Gießen am 2 8. September einen besonderen Werbetag für die Erhaltung der hiesigen Bühne veranstalten. Die Theaterkrisis im allgemeinen und die Not der Städte ve.unlassen Ne städtischen Behörden und die Intendanz^ des Stodttheaters, in einer dafür ange- fefjten etunbe für die hiesige Bühne zu werben. Aus dem Munde der in erster Linie dazu Berufenen wird in Borlragen, die musikalisch umrahmt sein werden, nochmals auf den Ernst' der Lage hingewiesen, und man wird vor allem die hiesige Bevölkerung darauf aufmerksam machen, daß es sich darum handelt, das einzige theatralische Stunftinftilut Oberhesiens zu erholten. Da auf allen Plätzen nur ein Eintritt von 30 Pf. erhoben wird, rechnet man bei dieser Sym- pothiekundgebung für das Theater auf zahlreiche Beteiligung der Gießener Bürgerschaft. • • Zur U i ch t i g st e l l u n g. In unserer Bornotiz am Samstag zu dem Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Gießener neuen Studentenhauses muß es richtig heißen, daß das Konzert von Wilhelm S ch ä t t l er s Schule für höhere» Violinspiel (nid)t Klaoierfpiels veranstaltet wird. • • Joseph-Plaut-Abend im Stadt- theater. Gestern abend gab der bekannte humoristische Dortragskünstler Joseph Plaut ein Gast- spiel im Stadtlheoter. das den leider nicht allzu Zahlreichen Besuchern zwei schöne Stunden bester Unterhaltung brachte. Plaut begann mit der Erzählung von zwei hübschen Märchen Andersen», dann brachte er «in« niedliche Tiererzählung von Manfred Rüber, hierauf ließ er Hass« Zetlerström mit einer Dichtung zu Worte kommen, sodann remitierte «r Friedrich den Großen am Abend vor der Schlacht von Leulhen, ein dramatisches Ereignis zwischen Napoleon I. und einem seiner Eliteregimenter. abschließend vor der Pause schließlich noch Fritz Reuter. Im zweiten Teile des Abends brachte er eine Anzahl schnurriger Dinge, u. o. prächtigen Humor von der Wasserkante, Dialektsachen aus Sachsen, Ostpreußen, Mitteldeutschland, Boyern und abschließend ein mimisches und- deklamatorisches Stück bayerischen Bauerntheaters, sowie gesanglich lippischen Humor in dem bekannten Liede „Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt". Sämtliche Darbietungen. die der Vortragende in reÜDoUfter Weise seinen Zuhörern brachte, standen auf großer Höhe rezitatorischen und mimischen Könnens, waren sprachlich hervorragend und in der Wirkung wohl- berechnet. Lebhafter Beifall dankte dem Künstler in ständig steigendem Maße für die köstliche Unterhaltung. — Sin Achtzigjähriger. Der Werkstatt- fchlosfer Wilhelm Schumann, Katharinen» gaise 15. feierte am gestrigen 21. September seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar durch die Herren Oberbaurat Zwilling und ReichSbahnamtmann v. d. He y d t ein Dank- und Glückwunschschreiben der Reichsbahn- gefellschoft. sowie im 2tuf trage der Reichsbahn- direktion Frankfurt ein ansehnliches Geldgeschenk überreicht. Schumann war früher als Werkstattschlosser bei der Oberhessischen Sisenbahngesell- schäft, dann bei der PreuHisch-Hesfischen Dahn- gemeinschaft unb der Reichsbahn beschäftigt und trat nach 49jähriger Dienstzeit im Jahre 1924 in den Ruhestand. • * Sarrafani beginnt am Freitag um 19.30 Uhr sein Gastspiel in Gießen Schon erhebt sich auf dem Bolkshalleplatz Sarrafani» mächtiges Zelt, dehnen sich fast kilometerlang die Stallungen. Im Laufe des Donnerstag werden die Autos mit den 78 Löwen, den 16 Tigern, den Seelöwen, den Eis- und Braunbären, dem Nilpferd ufw. und die Extra- züge mit den 22 indischen Elefanten, den über 200 Pferden, den Scharen von Kamelen, tibetanischen Stieren, Watussi.Rindern. Zebras, Büffeln usw. in Gießen einziehen und die Ställe auf dem Bolkshalleplatz bevölkern. Ein Schwarm von 450 exotischen Menschen aller Erdteile wird gleichzeitig in Gießen eintreffen. Es empfiehlt sich, schon zu den ersten Vorstellungen Karten zu lösen, denn das Gießener Gastspiel dauert unwiderruflich nur 4 läge. Man beachte die heutige Anzeige. Hausweihe Der Handels- und Gewerbebank Mit einer schlichten akademischen Feier wurde am Samstag in der Mittagstunde das in der Gocthestraße errichtete neue Bankgebäude der Handels- und Gewerbebank Gießen seiner Bestimmung übergeben. Mit diesem Dau hat unser Stadt- und Geschäftszentrum eine gute Bereicherung erfahren. Der stattliche Bau birgt in seinem Erdgeschoß den nach modernen Gesichtspunkten gestalteten großen Geschäftsraum der Bank, daneben unmittelbar anschließend die Räume der Direktion. ein Sprechzrmmer, Aktenzimmer usw.. die allesamt durch ihre gediegene und fchlichte, in den Formen und in der Farbengebung harmonisch« Einrichtung den denkbar besten Eindruck machen. Unter dem Hauptbankraum befinden sich die nach dem neuesten Stande der Technik hergcrichteten Treforräume. Jm ersten Obergeschoß haben der Ortsgewerbeverein Gießen und die Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen ihre Räume erhalten: der Ortsgewerbeverein besitzt jetzt hier einen schönen Versamm- lungssaal, der in pietätvoller und dankbarer Erinnerung an den um daS Gießener Handwerk hochverdienten langjährigen ersten Vorsitzenden des Ortsgewerbevereins, Oberstudienrat Prof. Dr. Krausmüller die Bezeichnung „Krausmüller-Saal" erhielt, anschließend ein Sitzungszimmer, das durch eine Schiebetür von dem Krausmüller-Saal abgetrennt, erforderlichenfalls aber auch mit diesem vereinigt werden kann, schließlich noch einen kleineren Saal zur Vornahme von Lehrlings- und Gesellenprüfungen: die Handwerkskammer-Nebenstelle hat gleichfalls einen kleineren Saal für Sitzungen, ferner schönen Bureauraum erhalten. Das zweite Obergeschoß enthält zwei Wohnungen, im ausgebauten Dachgeschoß ist die Wohnung des Hausmeisters untergebracht. Jm Krausmüller-Saal fand In Gegenwart zahlreicher Ehrengäste, Mitglieder des Orts- gewcrbevereins, der am Dau beteiligten Handwerker und Gewerbetreibenden, sowie des gesamten Vorstandes und Aussichtsrates der Handels- und Gewerbebank die Hausweihe statt. Als Dehördenvertreter waren zugegen Oberbürgermeister Dr Keller, Se. Magni- sizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger, Landgerichtspräsident Neuen- Hagen , Obersinanzrat Krug vom Finanzamt Gießen ferner u. a. Reichsbankdirektor Klip- stein, Kaufmann Wilh. Horn für die Industrie- und Handelskammer Gießen, die führenden Vertreter der anderen hiesigen Geldinstitute, hervorragende Männer des Genosfenschastswesens, Stadtbaurat G r a v e r t und Regierungsbaurat Kuhlmann als Bauberater, usw. Die Provinzial- und die Kreisverwaltung waren durch wichtige Sitzungen des Provinzial- und des Kreisausschusses am Erscheinen verhindert. Nach einer musikalischen Einleitung entbot Kommerzienrat Noll, der 4. Vorsitzende des Aussichisrais, der Festversammlung den herzlichen Willkommen- gruß des Aufsichtsrats und Vorstandes der Dank, wobei er betonte, daß man sich im Hinblick auf die ernsten Zeitverhältnisse absichtlich nur zu einer schlichten, akademischen Feier als Hausweihe entschlossen habe, zum anderen aber doch den für die Handels- und Gewerbebank bedeutungsvollen Tag nicht ganz in Stille hätte vorübergehen lassen wollen. Nachdem der Redner einer Reihe von Ehrengästen noch besonderen Willkommen und Dank für ihr Erscheinen ausgesprochen hatte, gab er einen kurzen Heber- blick über das Werden des Bankunternehmens, das im wesentlichen in dem Artikel in unserer vorigen Samstag-Ausgab« der Oeffentlichkeit schon mitgeteilt wurde. 2eber den Neubau sagte der Redner zum Schluß u. a.: Der Plan, ein Geschäftshaus in mehr zentraler Lage zu erwerben, wurde schon vor dem Kriege erörtert und nicht wieder aufgegeben. Die Verwirklichung wurde durch bert Ausbruch des Krieges, die Unsicherheit dec Inflationsperiode und fchliehlich die Ungewißheit unserer wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren nach der Inflation lange hinaus geschoben Es gelang uns vor drei Jahren, den Bauplatz in der Goethe- strahe zu erwerben, auf dem Sie unser neues Bankgebäude, das auch zu gleicher Zeit Raum bietet für den Gewerbeverein, errichtet sehen. Der Aufsichtsrat beschloß zunächst, einen Wettbewerb unter den hiesigen Architekten zu veranstalten. Die eingehenden Projekte wurden der Begutachtung eines Preisgerichts unterbreitet, dem außer Mitgliedern des Aufsichtsrats die Herren Beigeordneter Dr. Hamm, Stadtbaurat Gravert und Gewerbeschulrat Direktor Dr. B ü n n i n g s angehörten. Dieses Preisgericht entschied sich einstimmig für das Projekt des Herrn Architekten Schmidt, das auch von der Verwaltung genehmigt wurde. Wir haben uns entschieden für einen einfach gehaltenen, doch schönen und vor alley Dingen unseren Zwecken entsprechenden Dau. Wir müssen uns dabei wie jeder Bauherr der Kritik der Oeffentlichkeit aussetzen, denn es ist wohl niemand in der Lage, allen Wünschen und Geschmacksrichtungen voll und ganz zu entsprechen. Daß der Bau so bald fertig wurde, verdanken wir unseren Bauleitern, den tüchtigen Handwerksmeistern und deren fleißigen Gesellen und Gehilfen, und so möchte ich allen diesen Herren an dieser Stelle unseren besten Dank abstatten für das für uns Geleistete und Erreicht«. Möge Gottes Segen auf diesem Hause ruhen und auf allen, die in dem Hause tätig sind und sein werden, und mögen alle Geschäfte ebenfalls unter demselben Schuhe stehen, damit die Bank wie seither, trotz der schwierigen Verhältnisse, einen weiteren Ausschwung nehmen kann, zum Segen von Handel und Gewerbe unserer Vaterstadt. Architekt Emst Schmidt-Gießen, der nach seinem Entwurf den imponierenden Dau errichtete, übergab den Schlüssel des neuen Heims an Direktor Arnold als Zeichen der Fertigstellung des Bauwerks. Aus der von dem Redner vorgetragenen Daugeschichte sei folgendes entnommen: Die Ausschachtungsarbeiten wurden am 11. September 1929 begonnen und die Arbeiten dank der günstigen Witterung so gefördert, daß bereits am 23. Dezember die letzte Decke betoniert werden konnte. Der dann eintretenbe Frost verhinderte, daß noch im alten Jahre der Dachstuhl aufgesetzt wurde. Doch schon am 22. Januar 1930 konnte das Richtfest gefeiert werden. Auch weiterhin blieb uns der Wettergott günstig gefirmt, so daß der umfangreiche Innenausbau rechtzeitig fertiggestellt werden tonnte. Da ein großer Teil der Mitglieder der Handels- und Gewerbebank dem Handwerkerstande angehört, war es selbstverständlich, daß diese bei den zu vergebenden Arbeiten nach Möglichkeit zu berücksichtigen waren. Die einzelnen Firmen hier namentlich zu nennen, dürfte zu weit führen, da sie die Zahl 100 überschreiten. Beispielsweise find an den Schreinerarbeiten 17 Firmen, Schlosser arbeiten 9 Firmen, Weißbinderarbeiten 13 Firmen, Glaserarbeiten 7 Firmen, Tapezier ar bei ten 7 Firmen, Spenglerarbeiten 4 Firmen, Installationsarbeiten 6 Firmen usw. beteiligt. Die Vin- bauten im Erdgeschoß sind von sechs Schreiner- meistern ausgesührt worden, wobei die Schwierigkeit, eine einheitliche Ausführung zu erhalten, mit Glück überwunden wurde. Die Detailpläne wurden gemeinsam mit Architekt Philipp Nicolaus bearbeitet, die örtliche Daufühimng durch meinen Bauführer Edelmann durchgeführt. Die statische Berechnung stellte Herr Ingenieur R i e ck h o f (Darmstadt) auf. Die Ausgestaltung des Raumes, in welchem wir uns zur Zeit befinden, (Krausmüller-Saal), erfolgte unter Mitarbeit der Herren Dr. D ü n n i n g s und Gewerbelehrer Walter. Der im Haupteingang angebrachte plastische Schmuck bringt Darstellungen aus dem Handwerk und Handel, nach dem Entwurf des Kunstbildhauers Güngerich. Die Modelle sind von den Herren K ö d d i n g und Güngerich, die Steinhauerarbeiten durchHerrn Seelbach ausgeführt. Alles in allem ist auch bei diesem anspruchsvolleren Bau gezeigt worden, daß derartige Bauaufgaben sehr wohl durch einheimische Kräfte zu bewältigen sind. Bankdirektor Arnold übernahm als Vertreter der Handels- und Gewerbebank den Neubau mit Worten des Dankes an die bauleitenden Architekten und an alle, die bei dem Bau mitwirkten. Er gab sodann einen Rückblick auf die Geschichte der Bank, die zu den ältesten genossenschaftlichen Gründungen in Deutschland gehört, und beleuchtete dabei ein wesentliches Stück der Entwicklung des deutschen Genossenschaftswesens. Bei seinem Bericht über die Geschichte der Bank fügte er der Veröffentlichung vom Samstag noch einige Details des Gründungsvorgangs und der späteren Entwicklung an, er gedachte dabei u. a. mit herzlichen Dankesworten der Manner, die in der Leitung der Dank an hervorragender Stelle mitwirkten, und sagte dann u. a. weiter: »Es würde über den Rahmen dieser Darlegungen hinausgehen, über die Erfolge der Genossenschaft im einzelnen zu berichten. Ich darf aber wohl zur Illustration einige Zahlen in Abschnitten von 10 zu 10 Jahren nennen. Es betrugen: 1868: die Mitglieder 449, die Umsätze 1 667 548 Mk. 1878: „ „ 778, „ „ 4 535 268 „ 1888: „ „ 1052, „ „ 5 765 615 „ 1898: „ „ 1343, „ „ 10 919 038 „ 1908: „ „ 1710, „ „ 59 567 032 „ 1918. „ „ 1403, „ „ 109 272 500 „ Die schöne Entwicklung der Dank wurde jäh unterbrochen durch die Auswirkungen der Inflation. Die Papiermarkbilanz am 31. Dezember 1923 mit ihren Dillionensummen ergab in Goldmark umgerechnet ein Gesamtgeschästskapital von 143 910 Goldmark, 1763 Gvldmark Geschäftsguthaben der Mitglieder und eine gesetzliche Rücklage von 50 000 Goldmark. Di« Inflation hatte, wie bei allen Kreditinstituten, verheerend gewirkt. Denn die Ware der Dank, di« Papiermark, war die verderblichste von allen. Aber das, waS di« Inflation nicht vernichten konnte, war unsere, auf di« Grundpfeiler genossenschaftlichen Lebens: Selbsthilfe und Selbstverwaltung, tm Laufe der Jahrzehnt« feftgefügte Organisation. Die lebendige Quelle unseres LebenS konnte nicht verschüttet werden. Das Vertrauen. daS die Genossenschaft in jahrzehntelanger Arbeit sich in allen Kreisen unserer Stadt und in der nächsten Umgebung erworben hatte, und daS Vertrauen auf di« eigene Kraft blieb ihr erhalten. Der vertrauensvollen Mitarbeit unserer Genossen und der treuen Mitarbeit unserer Beamten ist eS zu danken, daß der Wiederaufbau der Genossenschaft erfolgreich war. Konnten wir doch Ende 1929 wieder eine Bilanzsumme von über 3 Millionen ausweifen, darunter 568 000 Mark Geschäftsguthaben unserer Mitglieder und 200 000 Mk. offene Reserve bei einem Umsatz von 130 Millionen und einem Bestand von 1470 Mitgliedern. Die Spareinlagen waren auf über eine Million gewachsen. Hier machte sich die freiwillige Aufwertung der alten Geschäftsanteile und Spareinlagen vorteilhaft bemerkbar. Den Erfolg verdanken wir aber auch unserer Zugehörigkeit zum Deutschen Genosfenschastsverband, zu dem Unterverband Hessischer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Kassel, dem wir feit feiner Verschmelzung mit dem Verband« der Oberhessischen Vorschuß- und Kreditkassen im Jahre 1882 angehören, und zu dem besreundeten Verbände der Erwerbs- und WirtschastSge- nosfenschaften im Dolksstaate Hessen in Darm- stadt sowie unseren Zentralkasfen, insbesondere der Dresdner Dank Genossenschaftsabteilung Frankfurt a. M." Nachdem der Redner in großen Strichen die Tätigkeit und die wirtschaflliche Bedeutung der Genossenschaftsverbände geschildert und den Verbänden sowie deren Leitern Dank ausgesprochen hatte für ihre Förderung der Handels- und Gewerbebank, sagte er zum Schlüsse: „Unsere Beziehungen zu den hiesigen Kreditinstituten sind die denkbar besten und sollen eS auch im neuen Heim in diesem stattlichen Gebäude bleiben. Wir haben es nicht errichtet, um uferlosen Plänen nachzujagen. Wir kennen sehr wohl die Grenzen, die unserem Arbeitsfeld gezogen sind und denken nicht daran, diese Grenzen zu überschreiten. Aber das Feld, das unS Genossenschaften angewiesen ist, wollen wir emsig bestellen und unsere Arbeit leisten an sichtbarer Stelle in gefunden und zweckmäßigen Räumen. Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich der freundfchaftlrchen Beziehungen gedenken, die unS mit dem hiesigen Gewerbeverein verbinden. Sie haben gehört, daß der Gewerbeverein der Vater der Dank ist. Und heute nach 77 Jahren können wir unserem alten Vater einen Einsitz im neuen Haus bieten, dank seiner freundlichen Unterstützung. Der Gewerbeverein hat zur Finanzierung des Hauses sehr wesentlich beigetragen. Diese Hilfe ist nicht zuletzt feinem leider allzufrüh verstorbenen früheren ersten Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Krausmüller. au verdanken. Als vor etwa zwei Jahren die Pläne zum Neubau heranreiften, war der Gewerbeverein gerade auf der Suche nach einer neuen Heimstätte, nachdem er fein altes Heim nach dem Uebergang der Gewerbeschule auf die Stadt Gießen abgegeben hatte. Herr Professor Krausmüller hat die Anregung begeistert ausgenommen, das Handwerk, die Handwerkskammer und die Handels- und Gewerbebank unter einem Dach« zu vereinigen und so die alten Beziehungen im beiderseitigen Interesse noch enger zu gestalten. Wir wollen hoffen und wünschen, daß dem Gewerbeverein, wie auch unsere Genossenschaft eine glückliche Zukunft im neuen Heim beschießen fein möge. Möge echter genossenschaftlicher Geist der gute Geist dieses Hauses sein und bleiben für alle Zeiten zum Segen für Handel und Gewerbe in unserer Stadt. Glückwunsch-Ansprachen. Namens des Ortsgewerbeoereins sprach nunmehr dessen 1. Vorsitzender Schreinermeifter Haubach der Handels- und Gewerbebank herz- liche Glückwünsche aus. Auf seine Aufforderung gedachte die Versammlung unter Erheben von den Sitzen auch der verstorbenen Führer des Gewerbevereins. Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Eger brachte zugleich im Namen zahlreicher Ehrengäste herzliche Glückwünsche und die wohlverdiente Würdigung der Arbeit der Handelsund Gewerbebank zum Ausdruck. Reichsbankdirektor Klipstein sprach im Namen der Reichsbank und zugleich persönlich die herzlichsten Wünsche aus. Weiter sprachen noch in herzlichen Worten Direktor L e t s ch e r t - Kassel vom Verband der hessischen Erwerbs, und Wirtschaftsgenossenschaften, zugleich im Namen der anderen Genossenschaftsverbände, und Direktor Dr. Bredenbreuker von der Genossenschastsabteilung der Dresdner Bank in Frankfurt. Mit Dankesworten des Aufsichtsratsvorsitzenden Kommerzienrat Noll und einer musikalischen Darbietung fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Anschließend machten die Gäste einen Besichtigungsrundgang durch den Geschäftsteil des Baues, wobei man häufig Worte der vollsten Anerkennung über das Werk hören konnte. kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Dienstag, 23., und Mittwoch, 24. September: Neujahr s f e st. 1. Tag: Vorabend 6.10 Uhr, Predigt: nachmitags 4. — 2. Tag: Vorabend 7.10; morgens 6; nachmittags 4; Festesausgang 7.05 Uhr. Für die tägliche Pflege der Haut ist die Qualität Ihrer VFaschtischseife immer entscheidend. Deshalb verwenden Sie ein Produkt, dessen auserlesene Beschaffenheit in allen Ver- 4007braucherkreisen gerühmt wird: Dr. DRALLE s Lavendelseife Große Runde Form, RM. 0.75 Wetter-Mantel von Für die Nowack Regen-Tage den praktischen Seltersweg 85 Gießen 5946A Dienstag und Mittwoch SCHUHHAUS leierlaoshalber beschlossen! Herr Ludwig Wiedmeyer 6132 A Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: itlietgesnche. SARRASANI Gießen, Kastel, Beuern, Barmen, den 20. September 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. September 1930, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 05872 Volkshalleplatz 12 wichtige Punkte, deren Beachtung ihnen Aerger erspart Frau Adele Slock verwitwete Schill! im Alter von 51 Jahren. Gießen (Bismarckstraße 17), den 20. September 1930. abzugeben 05868 Verschiedenes Heuchelheim, Neu-Rössen, den 20. September 1930. 05870D Eysseneckstraße 17 6503 D 05866 (deka Erzeuger >- Verbraucher Gemeinsamer Großeinkauf von zirka 35000 Lebensmittel-Geschäften ermöglichen ihrer Kundschaft das vorteilhafteste zu bieten in Qualität sowie Preis 6280 A Reelle Bedienung 5% Edeka-Rabatt Volles Gewicht Mbl.Zimmer zu vermieten 05869 Slitcbftr. 13 v. hmenWrraü 25 Wit, z. verk. 05864 KrofdorferLtr. 37. 4-S-Zimmer- Wohnung ruhige, sonnige Lage, mögl. mit Bad oder Gelegenh. z. Etnr^ für bald gesucht. Dringlichkeusschein vorh. Schr. Angeb. u. 6498V a. d. G.Anz. Samstag, den 20. September, vormittags 10% Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld ertragenem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Trenchcoat, mit und ohne Futter, in allen Preislagen Oumml - Mäntel, uni und farbig, In Seide, engl. Batist und Halbseide, In nur guten Qualitäten Wollserge-Mäntel, Imprägniert, wetterfeste Strapazier-Mäntel, mit und ohne Futter, in allen modernen Farben Heinrich Wiedmeyer und Frau Luise, geb. Hofmann Mathilde Pfaff Witwe, geb. Wiedmeyer Willi Weber und Frau EHsabethe, geb. Wiedmeyer Otto Jung und Frau Hedwig, geb. Wiedmeyer und 6 Enkelkinder. Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. September, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause Ludwigstraße 11 aus statt. Gelände mit Wasseranschluß und guter Anfuhr- rnöglichkeit. als Lagerplatz geeignet, im Südost- uieriel Gießens, bevorzugt am Nah- rungsberg oder in den Eichgärten, zu pachten, evtl, zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 6500V an den Gieß. Anz. Sarrasani kommt selbst! 1. Hans Stosch-Sarrasan i ist nicht, wie immer wieder erzählt wird, auf der Überfahrt nach Amerika ertrunken, sondern leitet noch persönlich den ihm allein gehörenden größten europäischen Zirkus, den er nun am Freitag, dem 26. September in Gießen eröffnen wird. Sarrasani bringt das berühmt gewordene Berliner Festprogramm! 2. Direktor Sarrasani bringt nach Gießen das große Berliner Festprogramm, das Berlin nahezu 8 Wochen lang in Bann hieltu.von der gesamten in- u. ausländischen Presse stürmisch gefeiert wurde. Sarrasani kommt nicht sobald wieder nach Gießen! 3. Sarrasani wird mit diesem Programm, das er in der jetzigen Vollendung nie mehr bieten kann, zam letzten Dale in Gießen gastieren, da er für die nächsten Jahre anderweitige große Auslandverpflichtungen hat. Nur 4Tage in Gießen! 4. Sarrasani wird in Gießen nur 4Tage gastieren. Premiere: Freitag, den 26. Sept., abds. 7.30, Samstag, den 27. Sept., nachm. 3Uhr: Familien vorsteiig., abds.7.30Uhr: Festvorstellung, Sonntag, den 28. Sept., nachm. 3Uhr: Familienvorsteiig., abds. 7.30 Uhr: Wiederholung des glanzvollen Premierenprogrammes, Montag, den 29. Sept., 7.30 Uhr abends: Abschiedsvorstellung. Zu den Nachmittagsvorstellungen, die das ungekürzte vollwertige Abendprogramm bieten, zahlenKinder auf allen Plätzen von 2.20Mk. aufwärts halbe Preise. Was bietet die Tierschau? 5. Tierschau findetinGießennurSamstag; den 27.. und Sonntag, den2s. Sept., vorm. von 9.30—1 Uhr statt. Eintritt: Erwachsene IMk., Kinder50Pf. Sarrasani zeigt in seinerTierschau zoologische Reichtümer, wie sie kein Zoologischer Garten der Welt aufzuweisen hat. U. a. 22 indische Elefanten, 16 Königstiger, 78 Löwen, 12Polar- und Braunbären, die ersten naeh Europa importierten Watnssi • Rinder, 200 Pferde aller Rassen usw. Ohne Extraentree sind mit der Tierschau verbunden : Massenkonzert der 100 Sarrasani- Musiker. sowie Vorführungen der ech- tenSioux-Indianer.AußerdemOrlginal- tänze der Singhalesen. Der ganze Sarrasani kommt nach Gießen! 6. Sarrasani spielt mit seinem ganzen, unbedingt vollständigen Unternehmen in Gießen. Alle Gerüchte über eine „Teilung" des Zirkus Sarrasani sind unsinnig und falsch. Aus technischen Gründen wäre eine solche Teilung überhaupt nicht möglich. Das ganze Inventar, Tiermaterial, Personal und was sonst zum üb- rigenProgramm gehört,wirdimmer erst nach Beendigung des Gastspiels überführt. Deshalb wirdauchSarrasanisAb- schiedsVorstellung stets in aller Ruhe und mit absolut ungekürztem Programm durchgeführt. Besorgen Sie Ihre Karten im Vorverkauf! 7. Es ist noch keine Vorstellung ausverkauft! Aber besorgen Siesich IhreKar- ten rechtzeitig, evtl, telephonisch. Vorverkaufsstellen : Wilhelm Moeser G. m. b. H.. Zigarrenhaus, Selters weg 38, Tel. 2328; Verkehrs verein E.V.,Seltersweg93 Tel.2396u.2851; Zigarrenhaus S.Loeb, Bahnhofstr.52a,Tel.4196. Zirkuskassen täglich von 9 Uhr früh durchgehend geöffnet. Zirkustelephon: 3333/3400. Billige Eintrittspreise! 8. Dem Volke darf der Zirkus nicht durch hohe Eintrittspreise verschlossen werden. Sarrasani hat heute die gleichen niedrigen Eintrittspreise von 1913. Für 1.10 Mk. schon wird man alle Wunder des Zirkus Sarrasani erleben können. Der beste Logenplatz kostet bei Sarrasani nur 6.60 Mk. trotz dreifacher Stei- gerungallerUnkosten.Solltendannim Vorverkauf gewisse Platzsorten nicht mehr vorhanden sein, dann bemühe man sich an die Abendkasse des Zirkus. Sarrasani spielt nur in einer einzigen Manege 9. Sarrasani verwarf das amerikanische System derdreiManegen.dieäuch vom Publikum in überwältigender Mehrheit abgelehnt wird. Aber dafür hat Sarrasani den Ring der alten 13 Meter Manege gesprengt und eine Riesenmanege geschaffen. In ihr bringt er Massendarbietungen, wie sie Im alten Manegenring nicht möglich waren. Nur 4Tage! 10. Das Gastspiel in Gießen dauert nur 4 Tage. Man mißtraue allen anderslautenden Gerüchten und sichere sich schleunigst Karten. Was Sarrasani in der Vorstellung bietet! Hin allen Vorstellungen, abends und nachmittags, alle Wunder der Weltteile. Darunter z.B.eehteSionx-Indlaner, dieSarrasani vor kurzerZeit über den Ozean holte, in großer Wild-West- Scene mit ihren heimatlichen Gebräuchen, Cowboys. Cowgirls aus dem Westen Amerikas. Indischer Akt mit 150 Fakiren, Schlangentänzerinnen, arabischen Akrobaten, indischen Tempeltänzern u a.m. Ferner: Jahrmarkt in Peking mit 30 chinesischen Gauklern, Zopfakrobaten, tibetanischen Gladiatoren, mongolischen Teufelsgahel- jongleuren, Asiens best. Reckturnern und 60tanzende Chinesenmädel. 22 Japaner,darunter die berühmtenSchräg- seilläufer. Ferner Prunkballets mit 60 Tänzerinnen. Weiter: Altmeister Schumans m.Massenpferdedressuren, Burg- hardt-Footit, der Klassiker der Hohen Schule, Meyer-Florio auf dem Schul- Kam el. Lufttruppen Artonis u. Marces. Bei Artonis die einzige Dame, die den Doppelsalto vorwärts dreht. Ferner: der kleine Francois, der Liebling aller Kinder v. Island bis nach Indien, zahlreiche Spaßmach- d. durch sprühende Witze u. gesund. Humor d. Programm eine äuß. heitere Note verleihen. Vor allem aber Direktor Hans Stosch-Sarra- sani mit seiner Herde indisch. Elefanten. Weiter: Entwed. Polarbär.,od. Löwen, oder Tiger, Kapitän Frohns unübertr. Seelöwen. Diese u. noch viele andere Attraktionen in jedem Programm. Für günstige Verkehrsmöglichkeiten zum und vom Zirkus ist gesorgt! 12. Die Besucher d.Umgebung vonGießen im weitesten Um kreise haben Gelegenheit, SarrasanisVorstellung.in Gießen bequem zu besuchen, und sollten sich diese Gelegenheit nicht entgeh.lassen, da Sarrasani in den nächsten Jahren nicht wiederkommt Kxtrazüge, Extraomnibusse usw. sind von u. nach jeder Richtung eingelegt worden. Man erkundige sich bei den zuständigen: Bahnverwaltung, Stationsvorsteher, Post, Zeitungsverlag. Aller Losung muß heißen: AUF ZU SARRASANI! W Nur 4 Tage! Nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden entschlief heute mittag unsere Hebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Unser Heber Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel ist nach kurzem schweren Leiden im 77. Lebensjahre sanft entschlafen. Die Leichenfeier findet Dienstagnachmittag 1% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Auto - Garage auch für Möbel unierzustellen, zu vermieten. 05871 Knhn.KaiseraUcel8 im 87. Lebensjahr. Im Namen der Hinterbliebenen: Dr. Richard Herz, Frankfurt a. M. |Stellenangebote| Sahv- brsvsOe zu einem Pferd gesucht, bei freier Kost und Logis. Schriftliche Angebote unter 6478D an den Gieß. Anzeiger. Hcrren-Toblcn - von 3.6V an Daincn-Soblen,aeklcbt,v.2.60an aenäbte Sohlen 60 Pf. mehr. Herren'Abiätzc - -- von 1.20 an Tamen-Adfätze von 90 Pf. an Eilaufträge werden möglichst sofort gemacht. — Ein Versuch lohnt sich! Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Hans Schütz. Tüchtiger ScteNto 18 I, sucht ). 1. Oft Stellung In gut. Maßgeschäft. Schr. Ang. ii. 6502D an d. Gieß. Anzeiger. Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen Am 20. September verschied sanft in Bad Homburg unser lieber Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel Geh. Hofrat Prof. Dr. Moritz Pasch Prof. Dr. Clemens Thaer, Greifswald, Gützkower Str. 1. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 24. September, nachm. l/A Uhr, von der Israel. Leichenhalle des Neuen Friedhofes in Gießen aus statt. j Verkäufe Auto- GelegenHeiiSkauf l’A - To. - Opel - Last- wanen, fast neu, 3*/?-To.-Benz-Lastwagen, gebraucht, in tadellosem Zustande, preisw., ZahlungS- erleichierung. 6308D Svel-M», (gießen Franks. Str. 52. Selbstangefertigte Schlafzimmer konkurrenzlos billig | In schöner, freier Lage fofort bezieht). ö-Mm.-VM mit Bad, Veranda usw., 1. Etage, in bestem Zustand, sof. z. verm. Schr.Ang.u. 05867 a d. Gieß. Anz. Wollen Sie gut bedient » sein,so bringen Sie Ihre Stiesel zum Schubmachermeifter Boamann.5otiBennrc5P29mrPC 26. bis 29. September Zirkus der Zehntausend in Gießen Nabrungsberg 18. Zwei weiße Metall-Bettstellen m. Matratzen z. verk. Wo? sagt d. Geschst. d. Gieß. Anz. 05862 Ferdinand Rinn Sehuhmaehenneister im 67. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Rinn, geb. Hofmann. Mül. Zimmer zu vermieten 05863 Krotdorier Str. 37 p. Huto-EeDorotur- roertliolle mit Groß- u. Kleingaragen in bell.Lage an nur erükl. Firma z.vrm. Schr.Ang.u. 05842 a. d t»teß. Anz. 15.Okt Beginn neuer Kurse vogtsche Handelsschule Gießen uoethestraße 32 Prosp.kostl. 6501 Nr. 221 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Montag, 22. September 1930 Ser Abschluß her§erbflmanö»er: Die Parade vor dem Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg (X); in Zivil Reichswehrminister (9 r o e n c r; auf dem Schimmel der Chef der Heeresleitung, Generaloberst o. H e y e. Das Unrecht an Eupen-Malmedy. Von Dr. Werner Wirths. Am 20. September 1920 w ie s derVölker- B u n d 6 r a t den deutschen Einspruch, der sich auf die fragwürdige Durchführung der im Q3cr- faillcr Vertrage vorgesehenen Volksbefragung in Eupen-Malmedy bezog und noch einmal an Hund unwiderlegbaren Materials das Anrecht, das diesem deutschen Grenzgebiet zuteil geworden war, darleglc, z u r ü ck. Das Schicksal Eupen- Malmedys war damit vorläufig entschieden. Obschon die klägliche Komödie, die in den vor- angegangenen sechs Monaten mit der zugcstan- dencn Berechtigung der Bevölkerung, „schriftlich den Wunsch auszudrücken, daß diese Gebiete ganz oder teilweise unter deutschen Souveränität verbleiben" offen zutage lag, obschon die belgische Militärdiktatur jede freie Meinungsäußerung verhindert und die Einzeichnung in die ausgelegten Listen durch Terror mannigfachster Art unmöglich gemacht hatte, obschon also die Volksbefragung gar nicht durchgeführt worden war, bestätigte der Völkerbund durch Zurückweisung des deutschen Pro'.estes die belgische Souveränität. 60 000 Menschen wurden um ihr Vaterland betrogen. Seitdem sind zehn Jahre vergangen — und in diesen zehn Jahren wurden die Grundlagen dieses Rechtsstreites endgültig geklärt. Selbst die belgische Propaganda wagt heute nicht mehr, offensichtliches Unrecht als Recht auszugeben. Da im Jahre 1920 die vorgesehene Abstimmung nicht ftattgesunden hat, besteht die Forderung Eupen-Malmedys aus Durchs ührung einer Volksbefragung in einem Rahmen, der die freie Willensäußerung des einzelnen nicht behindert, zu Recht. Und das belgische „Ric- mals", das dieser Forderung entgcgengestellt wird, beschränkt seine Begründung aus die „nun einmal vollzogene Tatsache" der Eingliederung Eupen-Malmedys in den belgischen Staat und ihre Testätigung durch den Fehlspruch des Völkerbundes. Das, was die Frage Eupen-Malmedys grundsätzlich von allen Fragen, welche die „Reuordnung Europas" durch die Verträge von Versailles, Trianon und St. Germain unterscheidet, ist also: daß an dieser Stelle ein Teil der Frie- densverträgc nicht erfüllt worden ist, daß diese Erfüllung aussteht, ja. daß diese Richterfüllung vom belgischen Gcgnerpartner ernsthaft nicht mehr bestritten wird. Mehr noch: der belgische Staat degradierte, als er sich in den Verhandlungen von 1926 durch den Mund seiner Vertreter bereit erklärte. Eupen-Mauncdy gegen rund 240 Millionen Goldmark an das Reich zu verkaufen, die ganze Frage der Grenz- revision zu einem Finanzgeschäft für Belgien. Damit gab er zu, daß er als Staat an dem Besitz Eupen-Malmcdys nicht interessiert sei, und seitdem erübrigt sich auch jede Erörterung, ob Belgien durch eine Rückgabe der widerrechtlich gewonnenen Gebiete an staatspolitischem Prestige verlieren toürbe. Dieses Prestige ist verloren und kann auch durch erneute „Riemals" nicht wicderhergestellt werden. Rückgabe und damit Befriedung der belgisch- reichsd^utfchen Staatsgrenze scheiterten 1926 am Widerspruch Frankreichs. Trotzdem — nichts entbindet Belgien und die Dertragsmächte von der Verpflichtung, zunächst einmal den Versailler Vertrag dort zu erfüllen, wo er nicht erfüllt wurde, also: eine «Volksbefragung in Eupen- Malmedy unter solchen Garantien durchzuführen, wie sie unter der Militärdiktatur des Barons Baltia nicht vorhanden war. Zwölf Jahre kämpft Eupen-Malmedy um sein Recht. Man mag diesen Kamps eine europäische, eine gesamtdeutsche oder eine innerpolitische Angelegenheit Belgien nennen — ohne eine Entscheidung, die begangenes ilnrcdyt wiedergutmacht, bleibt der Trennungsstrich zwischen Deutschland und Belgien gezogen. Wir kennzeichneten die Schwäche der belgischen Position und die Eigenartigkeit der Lage auf Grund der Verhandlungen von 1926, die nicht aus der Welt zu schaffen sind. Das mißtönende Echo, das aus einem Teile der altbelgischen Presse immer dann am lautesten herübertönt, wenn auf deutscher Seite die Tatsachen dar- gestellt werden, wie sie sind, zeigt uns, welche Schwierigkeiten dem Recht immer nc>ch entgegenstehen. Aber wird das Belgien von heute auch das Belgien von morgen fein? Der Glanz der Jahrhundertfeier konnte die inneren Schwierigkeiten dieses Rationalitätenstaates nicht verdecken, nicht verdecken, daß das Jahrhundert der wallonischen Vorherrschaft zu Ende geht. und dieflämischeDewegung Kräfte bloh- legk, die in einem unabhängigen Gemeinwesen eher das Heil erblicken, als in einem Staate, der von Frankreich aus die Parolen bezog, ohne daß die Mehrheit seiner Bevölkerung damit einverstanden wäre. Das Geschrei der belgischen Chauvinisten täuscht eine Macht vor, die einschrumpft und ein schlechtes Gewissen verrät. Weil Deutschland mit dem belgischen Staate hr Frieden leben will, dient es, zur Lösung der Frage Eupen-Malmedys im Sinne der Selbstbestimmung drängend, dem Recht. Die Lage des nachkriegszeitlichen Belgiens'schien das kluge vvr- kriegszeitliche Wort, der Wohlstand Belgiens sei mit dem Wohlstände Deutschlands verbunden, zuweilen zu widerlegen. Trügt der Schein nicht auch hier? Wäre es nicht auch für die gegenwärtigen belgischen Machthaber eingehender ilcöcrlcgung werk, ob es sich im Falle Eupen- Malmedys wirklich lohnt, eine zwangsläufige Entwicklung weiter zu sabotieren, ob es nicht belfer wäre, rechtzeitig ein Anrecht wiedor- gutzumachen. als auf einem rechtswidrigen Standpunkt zu verharren, den auf die Dauer zu halten Belgien die Macht fehlt? Daß-sich der Völkerbund" 1920 zum Handlanger dieses Unrecht» machte, kann die Verantwortlichkeit des belgischen Staates nicht mildem. Finnland vor den Wahlen. Don unserem K. L. - Korrespondenten. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Helsingfors, September 1930. Die nach dem „Kreuzzug" der Lappo- l e u t e neu gebildete finnländische Regierung bat am 1. und 2. Oktober die Feuerprobe von Reichstagswahlen zu bestehen. Das bedeutet selbstverständlich auch für Finnland, daß derzeit politische Eturmperiode herrscht. Aber so wild bewegt, wie es in dieser Zeit in Deutschland zugegangen ist, ist das Bild der finnlänbi- schen Wahlagitation nicht. Man hält Wahlversammlungen ab, in denen es ruhig und ohne jede Störung zugeht. Der Hauptkampf wird in der Presse geführt und - wie verwundend manche Aeußerungen des Blattes der einen Partei übet die Gegenpartei sein mögen, so fließt aus diesen Wunden doch kein Tropfen Blut. Raufereien im Wahlkampf sind ein völlig unbekannter Begriff. Das gilt selbst für diese Wahlen, die doch im Zeichen der Ausrottung der gesetzlichen wie auch der heimlichen f o m m u n i ft i f d> e n Partei stehen. Der Kampf gegen bk kommu- nistischen Abgeordneten ist. nachdem die fominu- nistischen Mitglieder des Reichstags wegen Hochverrat angeklagt worden waren, nun auch in sämtliche Städte und Gemeinden hinein- getragen worden, die den Abgang der jeweiligen kommunistischen Deputierten verlangten. Teilweise sind die Kommunisten selbst zurückgetreten, in einzelnen Ortschaften weigerten sie sich, dies zu tun, fanden Rückhalt bei den Sozialdemokraten — und da ist es denn einmal auch zu einem bewaffneten Kampf gekommen. Die zwangsweise Abschiebung der Kommunisten durch die Lappo- leutc hat ihren Erfolg nicht verfehlt, und gewisse Streitigkeiten im bürgerlichen Lager über die Berechtigung der formalgesetzlich natürlich unbegründeten Zwangsmaßnahmen der Lappokeute treten jetzt im Wahlkampf zurück. Die Leitung Landschaftsmatio aus dem Gebiet von Eupen und Malmedy. S. n- Georg Kaiser: „Mississippi". Nraufsüßrung am Hessischen l'nnhcethcntir Darmstadt „1928 bedrohte der Mississippi New- Orleans. Die tatsächlichen Vorgänge veranlaßten die Erfindung dieses Schauspiels." Wer, außer Kaiser, würde darauf verfallen fein, aus dem einfachen Tatbestand einer drohenden Naturkatastrophe ein Schauspiel zu machen? Ein Drama schreiben, so hat er früher einmal formuliert, heißt: einen Gedanken zu Ende denken. Das wird hier nicht allein in der logischen Folge eines Szenenablaufs verwirklich!, sondern zugleich darin, daß der (an sich: künstlerisch) belanglose Tatbestand ins Symbolische erhöht wird, daß seine zufällige und einmalige Erscheinung in eine Allgemeingültig- keit und eine innere Gesetzmäßigkeit einbezogen wird, welche seit uralten Zeiten die Welt regiert und anerkannt werden mußte. So wird das mechanistisch bedingte und erklärbare Naturereignis geistig gedeutet als der Ausdruck des Kampfes um eine Idee: so wird die Katastrophenmeldung aus USA. die Grundfabel zu einer modernen Legende. New-Orleans, die Weltstadt des Reichtums, des Handels, der Börse, deren Untergang den Erdball erschüttern würde, wird zum Babylon oder Gomorrha unserer Zeit, der durch wochenlange Regengüße wild angeschwollene Mississippi eine andere Sintflut ... oder „der fließende Arm Gottes", der die Stadt des fündigen Reichtums hinwegfpülen wird ... So verstehen es die Farmer, die -oberhalb der Stadt abgesondert in einem kleinen Distrikt beiein- anderwohnen als eine Sekte, eine Art religiöser Kommunisten und Anarchisten, eine „höllische Bruderschaft" der freiwilligen Armut. Sie befestigen einen Damm, damit die reißende Flut mit ungehemmter Gewalt über die Stadt dort unten hereknbreche. Die Stadt setzt sich zur Wehr: die Regierung will den Damm sprengen ... gerade im Distrikt der Farmer, weil deren Land das ärmste und wertloseste ist im ganzen Reich. Man will sie großzügig entschädigen, die armen Ansiedler. Aber die weigern sich, das Land zu verlassen, das sie geflissentlich verkommen ließen, ihrem Ideal der Besitzlosigkeit zu dienen. Sie verleugnen ihren Got- tesglaubcn und pochen auf ihren Besitz, auf die ererbte Scholle. Die Regierung begreift das: aber in New-Orleans stehen größere Werte auf dem Spiel. Die hartnäckige Bruderschaft treibt „Produktionssabotage" und will die Vernichtung der sündigen Stadt, des inöchtigen Staates. Der Anschlag wird verraten, die Bewohner mit Gewalt aus dem preis- gegebenen Landstrich entführt. Zwar flieht der geistige Führer der Bruderschaft, und fast gelingt es ihm, im äußersten Augenblick noch einmal die Dammsprengung zu verhindern: da wird er abermals entdeckt und fällt als Opfer feiner Idee, — indes die schwer bedrohte Stadt vor der „Sintflut" verschont bleibt. Man sieht: ein Stück mit Hintergründen, mit Beziehungen, mit Gedanken und Symbolen: solche Stücke sind meistens fürchterlich langweilig und un- brauchbar auf der Bühne. Kaisers Schauspiel aber ist ein glänzendes Theaterstück: knapp, prägnant, Dorroärtsgetriebcn mit lebendigem Impuls aus gegnerischen Kräften. Mit einem zweiten 21 ft der geradezu meisterhaft gebaut, als geistiger Mittelpunkt und steile Gipfelung ins Zentrum der Dramenfassade gerückt ist. Und mit der elementaren Spannung einer hinter den Worten, den Szenen und allen Gestalten drohend heranrauschenden Naturkatastrophe. In den drei Akten steht kaum ein Wort zuviel: dennoch ist alles Wesentliche gesagt und geformt, was hier mitzufpielen hat. Auch jene, bei Kaiser immer wiederkehrende metaphysische Unterströmung in einer sehr realen Handlung ist hier eingefangen: die geheimnisvoll und unheimlich wirksame Verknüpfung entscheidender Vorgänge und entscheidender Personen. Sie wird erkennbar, wenn beim Dammbau der Opfer- tob eines jungen Menschen besten Mutter aus der bedrohten Stadt zurückführt zu dem Mann, den sie vor Zwölf Jahren verließ, weil sie sich nicht zur Sekte der Armen bekennen wollte. Und die dennoch bekehrt wird durch die überwältigende Kraft der Idee ... vom Haß zur Liebe zurück zu diesem wunderlichen Apostel ... und zur freiwilligen Sühne für ihren Verrat, indem sie in der letzten Stunde bei ihrem wiedergefundenen Gemahl ausharrt ... Der einzige Einwand gegen das Schauspiel richtet sich gegen die einzige Frauengestalt im Stück: sie steht, als eine Penthesilea der neuen Zeit und der neuen Welt, in einer zitternden Gefühlsspannung zwischen Haß und Liebe: sie steht in beiden Lagern zugleich, sie erlebt in sich den Kampf der widerstrebenden Gewalten, und sie versteckt hinter der Zivilisationsgebärde der rationalistisch denkenden und handelnden Staatsbürgerin die seelische Erschütterung und Wandlung des mütterlich liebenden Menschen. Aber diese Wandlung geschieht — vom ersten zum dritten Akt — zu schnell, zu überraschend, zu unvermittelt und ohne Uebcrgang, als daß man ihr bedingungslos z« folgen vermöchte ... Noch manches wäre zu sagen über dieses Schauspiel: nur anbeuten kann man, was es — als Bekenntnis seines Schöpfers — beiträgt zur sozialen Frage, zum Problem Amerika, zur Beurteilung bes Krieges und der Staatsgewalt: wie es die Vorgänge eingliedert in den ewigen Widerstreit zwischen Materie und Geist zwischen Herz und Gehirn, zwischen Gefühl und Geschäft: «ie bitter pessimistisch die Frage: „ — aber wie tötet man eine Idce?" und die verzweifelte Erkenntnis, daß keine Auseinandersetzung, auch die geistigste nicht, ohne schmerzlichste Opfer zu erkaufen sei. — Die Ausführung (Generalintendant Ebert) war als Ganzes eine sehr respektable Leistung, der ent- scheidende Höhepunkt war der glänzend gespielte Mittelakt, der mit der erbitterten Auseinandersetzung der gegnerischen Gruppen, in der Verteilung von Maste und Einzelspielern, mit der dynamischen Steigerung und Zuspitzuna des Konfliktes den Zuschauer innerlich angriff und eine großartige Theaterszene darftellte. Gut auch der erste Akt, — etwas matter, abflauend und schleppend der dritte. * Schauspielerisch die weitaus reifste Leistung bot Nürnberger, der den Staatskommissar Stirn» son mit hinreißender Lebendigkeit und Umrißschärfe auf die Bühne stellte. Daneben, aus dumpfer Menschenmasse wuchtig und gläubig sich aufrichtend, Noel Kehoe, der Führer der Farmer: Josef Keim. — Die Doris Thompson gab Sibylle Schmitz, eine intelligente und rassige Schauspielerin mit klarer Stimme und gutem Profil, sie holte aus der sehr schwierigen Nolle das Möglichste heraus, ohne freilich die oben angedeuteten Einwände zu entkräften. * Mit dem stürmisch beklatschten zweiten Akt war der äußere Erfolg der Uraufführung (die in Darm- stadt gleichzeitig mit sechzehn anderen deutschen Städten erfolgte) bereits entschieden. Das Stück wird übrigens vielleicht auch im Gießener Winterspielplan erscheinen. hth. Gegen den Vogelmord im Süden. Während in den nordischen Ländern Europas ein vernünftiger Vogelschutz feit langem durchgeführt ist und die für die Landwirtschaft nützlichen Tiere erhalten werden, herrscht in Spanien und Italien noch immer ein Massenmord von Vögeln. Dadurch werden unsere Bestrebungen in Frage gestellt, denn unsere heimischen Vögel fallen auf ihren Wanderzügen im Herbst und Frühjahr vielfach der Gier der Südländer zum Opfer. Diese Untugend, die auch ihren Garten- und Weinbau, ihre Landwirtschaft schädigt, liegt den Südländern im Blute und ist ihnen nur schwer abzugewöhnen. Darum wird von deutscher Seite immer dringlicher ein internationales Vogelschuhgeseh gefordert, das wohl am ehesten mit Hilfe des Völkerbundes durchzusehen wäre. Dann müssen aber die Südländer erst für den Vogelschuhgedanken erzogen werden, und dazu machen jetzt die Regierungen Anstalten. Wie Finus in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" auf Grund von Mitteilungen der deutschen Botschaften in Madrid und Rom berichtet, sind in beiden Ländern Gesetze zum Schuh der Vögel erlassen worden, wenn auch freilich der Schuh noch nicht in demselben Umfange wie bei uns besteht. Die spanische Regierung hat 1929 weitgehende Bestimmungen getroffen, um alle nützlichen Tiere und Pflanzen zu schützen. Der Vogelfang wird verboten, die Herstellung und der Handel mit Fanggeräten unter Strafe gestellt. Diese Bestimmungen werden mit Strenge durchgeführt, und besonders ist der Verkauf von gebratenen oder sonstwie zubereiteten kleinen Vögeln in den Gasthäusern unterdrückt worden. Ebenso ist in Italien in den letzten Jahren ein gewisser Wandel eingetreten, indem die Regierung durch Gesetze und polizeiliche Anordnungen den Vogelschutz fördert. Hochschulnachrichten. In der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig rft der nichtplcmmähige a. o. Professor Dr. med. vet. Ewald Berge vom 1. Oktober 1930 ab zum ordentlichen Professor der Veterinär-Chirurgie und Operations- lehre als Rachfolger des von den amtlichen Verpflichtungen entbundenen Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. O. Röder ernannt worden. Dr. Berge studierte in Dresden und Gießen, war Assistent in Dresden und Leipzig, erhielt 1925 die Lehrberechtigung für Veterinär-Chirurgie an der Leipziger Universität. Wirtschaft 100 Devisenmarkt Berlin — Arankfurl 128 126,6 126,5 154,5 76 74,75 •r 8 9 129,9 102 77 103 56 141 65,25 45,25 51,13 100 76,25 77 49,75 128,5 141,9 179,5 152 54 66,5 102,5 92,5 176 150 54 127,5 161 121 126,5 102,25 126,75 126,5 122 137 179 122,5 150 135.75 73,75 82,5 122,25 87,5 141,5 136,5 44,75 50,5 100 32 96,5 78 138,5 136 138 63,75 45,25 50,5 99 15 12 IS 14 13'/, 12 . 8 . 9 . 0 * v . 0 . 6 10 12 , 6 . 9 , 5 6 8 72 192,65 76 10 S 127 302 21,5 Philipp Holzmann . . . . Zementwerk Heidelberg . Cementwerk Karlstadt. . . Wayß & Freytag .... 129 161 122,5 128 103.13 128 128,75 124 141,5 180 124 151,5 54 66 102,5 93,65 78,75 216,5 74,5 80 77,5 50 77 72,25 193,5 75,9 9. ®. Farben-Industri« . . Dynamit Nobel..... Echetdeanftalt...... Goldschmidt ...... RütgerSwerke ...... Metallgesellschaft. . . . . he A.T.G.. . Bergmann Sprechstunden der:-teoaktion. H.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmitlag geschlossen. Erie]' 4,218 58,52 112,37 20,432 16,505 169,46 22,10 112,32 59,405 2,495 112,79 81,96 44,64 12,46 73,50 CL M. . 6 . 0 . 6 . 8 . 8 10 10 . S 10 '•Tor öer r Könij 53,25 65 102,5 92 75,75 215 74 76,75 75,25 50,25 75,5 70,75 192,25 75,75 88 5 F 3n von W Sroh'F^ [aul 6tati' |utl, fliehen^1 ted)W 2'8 ®a\ geme'n i hrrt und > such 6et6' auher -^0I kam der' den übrigen j nur au Ml W Sttecle ab unangesva Berlin, 20. (September Amertkaniiche Noten ...... Belgische Noten. ....... Dänische Noten Englische Noten ....... Französische Noten ...... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten Deutsch-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten . Schweizer Noten...... , Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten Ungarische Noten ........ Handhabe, periodische Druckschriften wegen jedes einzelnen Verbrechens auf je höchstens ein Jahr zu verbieten. Die Verbreitung verbotener Druckschriften soll mit Geld oder Gefängnis bis höchstens sechs Monate bestraft werden. Voraussetzung für die Verurteilung ist (im Gegensatz zur Rechtslage in Deutschland) das Wissen des Verbreitenden um das Verbot. Im Strafgesetz sind Vorträge und Mitteilungen, die das Land und seine Einrichtungen und Maßnahmen verächtlich machen und herabsehen, mit Geldstrafen oder mit Gefängnis bis zu höchstens einem Jahre bedroht. — Man sieht, daß diese Strafbestimmungen durchaus nicht übermäßig hart sind. Aber sie werden ihren Zweck bei vernünftiger Anwendung voll errechen. Die außenpolitischen Auswirkungen des scharf ontikommunistischen Kurses in Finnland bedürfen natürlich der aufmerksamen Beobachtung der Schultheis Paycnhoser . . Ostwerke fflu . Bemberg Zellstoff Waldhof .... Zellstoff Aschaffenburg . . Charlottenburger Wasser . Dessauer Daimler Motoren . . . . Deutsche Linoleum ... Maschinenbau A.-T. ... Rat. Automobil .... Orenstetn & Koppel ... Leonhard Tietz .... Sven-ko Frankfurter Maschinen . . Gritzner enstaedt .... an« echwerke Mainkraftwerke Höchst a. M. Mtag Gebe. Roeder . . . . * . Boigt & Haeffner .... Süddeutsche Zucker . . . finnländischen Regierung. In Schweden und in den Randstaaten hat man, auch wenn in den einzelnen Ländern Llngesehlichkeiten verurteilt werden, volles Verständnis für die Volksbewegung gegen den Bolschewismus, und man begrüßt es, daß in Finnland ein Damm gegen die bolschewistische Krankheit errichtet worden ist. Sowjetrußland freilich steht ganz anders. Es hatte schon vor einiger Zeit in einer Rote an die finnische Regierung in sieben Fällen um Aufklärung gebeten. Diese Rote ist von Finnland bisher noch nicht beantwortet worden, weil die finnländische Regierung immer noch ohne Antwort auf eine schon früher obgesandte Rote an die Sowjets geblieben ist, in der um Aufklärung wegen des Todes eines finnländischen Ingenieurs in einem sowjetrussischen Gefängnis ersucht wurde. Geld 4,198 58,28 111,93 20,352 16,445 168,78 22,02 111,88 59,165 2,475 112,35 81,64 44,46 12,40 73,20 Kursverlust erlitten wieder Deutsche Linoleum mit minus 4,5 Prozent, ferner Zement Heidelberg, die 3,75 Prozent nachgaben. Montan- und Bankaktien waren durchschnittlich 1,5 Prozent, Schifffahrtswerte 2,5 Prozent abgeschwächt. Am Markte der Kaliaktien lagen Salzdetfurth 2,5 Prozent, Westeregeln 1,25 Prozent niedriger. Kunstfeide- akticn waren bis 3 Prozent gedrückt. Zellstoff- werte lagen bis 1,5 Prozent niedriger. Von lokalen Papieren waren Metallaesellschaft und Scheideanstalt behauptet. Deutsche Anleihen waren etwas schwächer. Am Markte der Anleihen lagen Türken im Angebot und niedriger. Im Verlaufe hielt das Angebot zunächst an; die Kurse gingen weiter etwas zurück. Später machte sich jedoch ein gewisses Deckungsbedürfn's geltend. Es konnten sich leichte Kurserholungen durchsetzen. Am Geldmarkt war Tagesgeld unverändert mit 3 Prozent festgesetzt. Am Devisenmarkt hielt die Rachfroge nach Devisen an, so daß der Markkurs eine Abschwächung erfuhr. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1980, gegen Pfund 20,40, gegen Paris 123,72, London gegen Kabel 4,860 250, gegen Mailand 92,83, gegen Madrid 44,45, gegen Schweiz 25,0440, gegen Holland 12,0550. Berliner Börse. Berlin, 22. Sept. Entgegen den Erwartungen des heutigen Vormittagsverkehrs, daß nach den beruhigenden Erklärungen der Reichsregie- rung nun auch an den Effektenmärkten die Abwärtsbewegung zum Stillstand kommen und die starke Abgabeneigung des Auslandes nachlassen werde, lagen zu Beginn der offiziellen Börse bei den Danken doch überwiegend Verkaufsorders vor. Die Erholung der deutschen Anleihen im Ausland scheint ebenfalls nur vorübergehender Ratur zu sein, denn heute Wurden aus London schon wieder |toä d) e r e Kurse geneidet. Man nannte fut die Poung-Anleihe eine Rotiz von zirka 77 Prozent. Auf Grund des vorliegenden Effektenangebots schritt nun auch die Spekulation ihrerseits zu Exekutionsverkäufen, so daß K u r s° rückgänge von 1 bis 3 Prozent ein» traten. Darüber hinaus lagen Schiffahrtsaktien. Salzdetfurth, Deutsche Linoleum, Akkumulatoren, Rhemisch-Westfälische Elektrizität, Schuckert, Berger, Tietz usw. bis zu 5 Prozent gedrückt. Sprit- werte verloren 6,5 resp. 8,25 Prozent. biefen Abschlägen gegenüberstehenden Erholun- gen waren ganz vereinzelt und gingen auch nur bei Aschaffenburger Zellstoff und Schubert & Salzer über 2 Prozent hinaus. Eine ganze Reihe von Werten erreichte durch die heu- tigen Verluste lange nicht innegehabte ?• Besonders in Farben, in Rheinisch-Westfälische Elektrizität und Schiffahrtsaktien wollte man größere Abgaben des Auslandes beobachten. Am Pfandbriefmarkt kam weitere Ware heraus, doch hofft man größere Kursverluste vermeiden zu können' Reichsschuldbuchforderungen waren ebenfalls an- geboten. Deutsche Anleihen und Ausländer wenig verändert. Mexikaner etwas schwächer. Der Geldmarkt lag wenig verändert. Tagesgeld lag mit 3,5 bis 5,5 Prozent eher etwas leichter. Monatsgeld aog auf 4,75 bis 5,25 Prozent und ljerc’n£eIt auf 6 Prozent an. Warenwechsel mit ch75 Prozent nominell. Im Verlaufe gingen die Murfe unter leichten Schwankungen weiter zurück. Schubert & Salzer gaben ihren Anfangs- gewlnn voll wieder her und verloren darüber hinaus noch 0,5 Prozent. Schlesische Bergbau Zink, die auf kleine Abgaben zunächst mit Minus-Minus-Zeichen notiert worden waren, tour* den später mit 43 nach 47 Prozent festgesetzt. Auch Julius Berger gaben im Verlaufe um weitere 3,5 Prozent nach. Hirsch Kupfer, die schon anfangs 1,5 Prozent höher lagen, zogen später um weitere 1,5 Prozent an. Frankfurter Schlachtviehmarkt, i Frankfurt a. M., 22. September. Auftrieb: Rinder 1312 Stück; darunter 314 Ochsen, 135 Bullen 430 Kühe, 373 Färsen; Kälber 437, Schafs 90 Schweine 5369. Rinder. Ochsen: vollfleischige. ausgemäste!e, höchsten Schlachtwert?: jüngere 58 bis 62. ältere 53 bis 57, sonstige vollfleischige jüngere 48 bis 52; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 58, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 49 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 50, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 43 bis 47, fleischige 38 bis 42. gering genährte 32 bis 37; Färsen (Kalbinnen, Iung- ^tnder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 59 bis 62, vollfleischige 55 bis 58. fleischige 50 bis 54. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 78 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 77, geringe Kälber 66 bis 72. S ch w c ine. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 62 bis 64, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 63 bis 65, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 63 bis 65, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 61 bis 63, Sauen 50 bis 54. Marktverlauf: Rinder anfangs rege, zum Schluß stark abflauend, geringer Äeberstand. Schweine ruhig, geringer Heber ft anb. Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Sept. Der hiesige Produktenmarkt eröffnete die neue Woche in weiter flauer Haltung. Es herrschte weitgehende Unsicherheit, da über die Weiterentwicklung der innerpolitischen Lage noch keine Klarheit besteht. Das Angebot in Inlandware ist zwar etwas zu- rückgegangen, es ist jedoch immer noch zu groß. Di« Gebote lagen wesentlich niedriger, so daß die Preise für Weizen um 2 Mark und für Rogges um 4 bis 5 Mark niedriger festgesetzt wurden. Auch am Mehlmarkt war die Haltung flau. Umsätze kamen nur ganz vereinzelt zustande. Futtermittel lagen ebenfalls schwächer. Kleie war trotz einer Preisermäßigung kaum unterzubringen. Einiges Interesse bestand für Hafer und Gerste. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Rpssau) Hektolitergewicht von 75 Kilo 241,50 bis 243; Roggen (Hessen, Prov. Hessen- Rassau und Unterfranken) 165 bis 166; Hafer, inländischer (neue Ernte) 162,50 bis 165; Weizenmehl. süddeutsches Spezial 0 39,75 bis 40,50; Roggenmehl 27,25 bis 28,25; Weizenkleie 6.25; Roggenkleie 6.25 bis 6,50; Erbsen 28 bis 40; Linsen 32 bis 68; Heu. süddeutsches 5,50 bis 6; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 2,25 bis 2,50; gebündelt 2; Treber, getrocknet 10,50 bis 11. Tendenz: flau. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a.M., 20. Sept. Marktlage: Die feste Stimmung, die seit einigen Tagen herrscht, vielt auch zum Wochenschluß an, wobei sich meist weitere Preissteigerungen ergaben. Die Umsatz- tätigfeit konnte sich nach anfangs schleppendem Geschäft ebenfalls leicht bessern. Es notierten in Pfennigen per Stück: Bulgaren 10,75 bis 11; Jugoslawen 10 bis 10.25; Rumänen 10 bis 10,25; Polen 8,25 bis 8,50; Holländer 12,50 bis 15; Dänen 12,50 bis 14,50; Belgier 13 bis 13 25- Schlesier 11 bis 12; Bayern 10,75 bis 11; Ro'rd- ^utschs 11,50 bis 13. Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, Inlandeier ab Station. * Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 17. September berechnete Groß- handelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 123,0 gegenüber der Vorwoche (123,5) um 0,4 Prozent zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,0 Prozent auf 114,1 (Vorwoche 115,3), die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 0,3 Prozent auf 116,3 (116,6) und die Indexziffer für industrielle Fertigwaren um 0,1 Prozent auf 148,3 (148,4) nachgegeben. Die Indexziffer für Kolonialwaren ist um 0,2 Prozent auf 108,3 (108,1) gestiegen. Bon der Frankfurter Börse. Vom 1. Oktober ab wird die Rotiz für 6,5prozentige Deutsche Reichspost-Schatzanweisungen, rückzahlbar am 1. Oktober 1930, und 6,5prozentige Preußische Staatsschahanweisungen, rückzahlbar am 1. Oktober 1930, eingestellt. * Aufhebung der hessischen Bergwerksdirektion Wölfersheim. Rachdem die staatlichen Braunkohlenbergwerke in Oberhessen an die Preußische Elektrizitäts-AG. veräußert worden sind, wird die hessische Bergwerks- direktion Wölfersheim mit Wirkung vom 1. Oktober 1930 aufgehoben. Die Abwicklung der Geschäfte wird von diesem Tage ab im hessischen Finanzministerium bearbeitet. * Keine Fusion Danatban k—D resb- n e r Bank. Die Gerüchte, die von einer bevorstehenden Fusion der Dresdner Bank und der Darmstädter und Rationalbonk wissen wollen entbehren, wie WTB.-Handelsdienst auf Anfrage von beteiligter Seite erklärt wird, jeglicher Grundlage. * Eduard Beit von Speyer 70Iahre alt. Der Seniorchef des Bankhauses Lazard Speyer-Ellissen, Frankfurt a. M.-Berlin, begeht am heutigen 22. Sept, seinen 70. Geburtstag. Der Subtlar, der der Firma seit 38 Jahren angehört, ist Vorsitzender der Frankfurter Bankiervereinigung, Mitglied des Börsenvorstandes und des Bezirksausschusses der Reichsbank. Als Vertreter seiner Firma gehört er dem Aufsichtsrat einer grober deutscher Aktiengesellschaften an. Eduard Beit von Speyer hat sich auch um die Förderung der Wissenschaft sehr verdient gemacht; er ist Ehrenbürger der Universität Frank- urt a. M. und Mitglied ihres Kuratoriums. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 22. Sept. Tendenz: schwach. — Die Hoffnung, daß nach den beruhigenoen Erklärungen der Reichsregierung hinsichtlich der mnlosen Putschgerüchte im Auslande und auf die Kurserholungen der deutschen Werte in Reu- York eine etwas freundlichere Stimmung plah- greifen würde, erfüllte sich nicht. Die Börse eröffnete die neue Woche in weiter schwacher Haltung. Die anhaltende Ungewißheit über die zukünftige innerpolitische Entwickelung läßt nach wie vor eine ruhigere Stimmung nicht aufkommen. Das von Ausland- und Publikumseite herauskommende Material traf dagegen wieder auf einen kaum aufnahmefähigen Bk a r 11, so daß die ersten Kurse gegenüber dem Schluß von Samstag erneut 1 bis 3 Prozent niedriger lagen. Verschiedentlich konnte man Inter- ventionstätigkeit der Danken beobachten- Farben lagen 3 Prozent schwächer, um später erneut 1 Prozent nachzugeben. Am Elektromarkt konnte man vor allem Licht & Kraft und Siemens mtt Abschwächungen von je 3,5 Prozent bemerken; diese Werte waren angeboren. AEG. verloren 1,5 Prozent, Lahmeyer 2 Prozent. Einen größeren "Be Ch. c in Briefkasten der Redaktion. lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 6. p. in Beuern. Thüringen hat drei Minister. Seit dem 23. Januar 1930 bilden Landvolkpartei, Rationalsozialisten, Wirtschaftspartei, Deutsch, nationale und Deutsche Dolkspartei oie Regierung. Ministerium der Finanzen: Daum (Landbund), Inneres und Volksbildung: Frick (Ra- tionalsozialist), Justiz und Wirtschaft: Kästner (Wirtschaftspartei). Staatsräte sind Warscb- ler (Rat.°Soz.), Kien (Deutschnatl.), Fürth (Wirtschaftspartei), Dauer (Deutsche Volkspartei), P o r t h (Landvolkpartei). 1. Hassele renz». 2. Frank) Eintracht Heimer D 6'Kla Luiskonia 11:55,4, 3. O-Kla Jortvärls Klassc gemeinde t , Klasse gesellschasi gemeinde' Inger Konkurren furrena). Jamei „Vorwärts Mm DaS .7 bürg tour! 35 000 Zr einzelnen Lauf gal Ladouir Franzose 3:59 Mim 5000-71; Nurmi die deutsch Strecke 14 15:21,8 A der Mr, Meter vor iäMeMn weiürm 100-71 berg. 11 Harmover, mann-Han den: 1. : 1- Hannot 1- Preußer Der F In der i daran, ba1 diesem 3i F.ranlsu Einücchi M All Halbzeit Verletzung tracht 22: Stveiter b! die auch (2:1) eine F heim mit jus! eilen. : ntdl einen ’n den bo: Kennten sj hiebet t U (0:0). Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Dl° hinter den Pap!°r°n °ng-führ.-n Zissern geben bk Höhe der zuletzt b°W°ll-n-n Ltuidenbe an. - R°ich-ban,bls,°n, 4 °.H., Lombarbzln-futz 5 °,H. Banknoten. der Lappobewegung hatte den Gedanken eines allgemeinen bürgerlichen Wahlver - bandes propagiert, aber dieser Plan ist nur teilweise verwirklicht worden. In den meisten der 16 Wahlkreise wurden alle oder fast alle bürgerlichen Listen vereinigt. Cs handelt sich um die Schwedische Volkspartei, die Sammlungspartei (finnifche Konservative), Agrarpartei und Fortschrittspartei. Diese letzte vor allem ist es, die mit der Lappobewegung nicht allzu stark sympathisiert, und auch die Agrarier machen ihre Vorbehalte, weil es eine nur aus Agrariern bestehende Regierung war, die die Lappobewegung zum Rücktritt zwang. Das große Ziel der Wahlen vom 1. und 2. Oktober ist d i e Erringung einer Zweidrittel-Mehrheit der bürgerlichen Seite über die Linke. Von den 200 Mandaten des finnländischen Reichstages hatten bisher die Sozialdemokraten 59, die Kommunisten 23. Es fragt sich nun, ob die bürgerlichen Parteien die in Zukunft fortfallenden kommunistischen Mandate für sich zu erobern vermögen. Die Zweidrittel-Mehrheit ist so besonders wichtig, weil die von der neuen Regierung bereits eingebrachten jetzt aber ruhenden antikommu- nistischen Gesetzesvorlagen zu ihrer Annahme der qualifizierten Mehrheit bedürfen. Vis jetzt ist die Verdrängung der Kommunisten aus dem Reichs- und den Gemeindeparlamenten gesetzlich noch nicht sanktioniert. So konnte es geschehen, daß die Kommunisten auch jetzt noch in einigen Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt haben, und daß diese Kandidatenlisten sogar anerkannt wurden. Aber früher oder später werden diese Leute dennoch irgendwie als nicht wählbar erklärt werden. Es dürfte ausgeschlossen sein, daß ein Kommunist im neuen Reichstag Sitz und Stimme erhält. Die vorliegenden Gesetzentwürfe, um die es im kommenden Reichstag geht, sind interessant als ein Bespiel für den Versuch der gesetzlichen Ausschaltung einer Partei, die zweifellos mit landesverräterischen Absichten umging. In der Begründung für die Aenderung der finnländischen Reichstagsordnung sowie der Gemeinde- und Wahlgesetze wird ausgeführt, daß die bisherigen Gesehesverordnungen über die Wählbarkeit es zuließen, daß gewisse, der herrschenden Rechts- und Gesellschaftsordnung feindlich gesinnte Kreise Personen in die Volksvertretung wie in die Gemeindeverwaltung eingesetzt haben, die, einem von außen kommenden Einfluß unterworfen, die Volksfreiheit au zerstören und die Rechts- und Gesellschaftsordnung umzu stürzen versuchten. Da die Regierung, wie sie erilärt, es nicht für moglid) gehalten hat, Beschränkungen des Stimmrechtes vorzuschlagen, so habe sie es für natürlich gehalten, daß es vertrauenswürdigen Mitbürgern wenigstens nicht gestattet sei, die Initiative zur Aufstellung von Kandidatenlisten für staatliche und kommunale Wahlen zu ergreifen. — Darum heißt es im Gesetz über die Veränderung der Reichstagsordnung (und dementsprechend im Kommunalgeseh): »Wählbar ist indessen nicht, wer zu einem solchen Verein, Orgamfafion oder sonstigen Verband gehört, in dessen Zielen der mittelbare oder unmittelbare gewaltsame oder sonst ungesetzliche Umsturz der finnischen Staats- oder Gesellschaftsordnung enthalten ist, oder wer einen solchen Verein, solche Organisation oder solchen Verband repräsentiert, sowie ferner auch nicht, wer iw sonstiger Weise bewiesen hat, daß er Mah- nafjmen begünstigt, durch welche der erwähnte Zweck angeftrebt wird." 3n dem neuen Gesetz zum Schutze der Repu- 'blik wird vom Kommunismus gesagt: „Er ver- halt sich den grundlegenden patriotischen, religiösen und ideellen allgemein menschlichen Wer- - ten gegenüber vollkommen ablehnend. Ein Volk )as sich dieser Werte und seines eigenen Be- teh^is bewußt ist, kann demgegenüber nicht gleichgültig sein — am allerwenigsten ein Volk >as in fühlbarer Weise die kommunistischen Ein- lusse hat erfahren und feststellen müssen, daß die für ordnungsmäßige Verhältnisse beabsich- tlgte Gesetzgebung nicht ausreicht, um das verderbliche Treiben zu verhindern." Zu deren Bekämpfung räumt der Entwurf des Gesetzes -um Schuhe der Republik der Regierung die Vollmacht ein, alle diejenigen Maßnahmen zu verordnen, welche zur Abwehr der Gefahr oder zum Schuhe der Ordnung unentbehrlich sind. Der finnländische Reichstag, dem solche Verordnungen zur Kenntnis zu bringen sind, soll echt haben, ihre Aufhebung zu verlangen. Eine Aenderung des Pressegesetzes bietet die ®eltr. LieferungSgesellfchafl. 10 Licht und ftraft io Felten & Guilleaume . . , IV. Gesell,chaft für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger Elektrizitäts-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 0 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert & So. .... . n Siemens & Halske . • • . . 16 TranSradto ........ s Lahmeyer« Co.. .... 10 Buderus & Deutsche Erdöl ...... 6 Essener Steinkohle ..... 8 Gelsenkirchener ...... 8 Harpener O Hoesch Eisen . 6y, Ilse Bergbau ...... 10 Klöcknenverke ....... 7 Köln-Neuessen ....... 7 ManneSmann-Röhrea .... 7 Mansfelder Bergbau .... 7 Oberschles. Eisenbedarf .... 6 Oberschlcs. Kokswerke. .... 7 Phönix Bergbau 6y, Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhetnslahl . 6 Riebeck Montan ..... 7,2 Frankfurt a. DI. Berlin Schluß» fürs 1-tlht- Äurd Schluß« fürs Anfang- Kurs Datum 20 9 22 9. 20 9. 22. 9 6% Deut,ehe ineichsameiye von 1927 ......... 88,25 88,4 1% Deutsche ReichSanleihe — von 1929 .......... 100,4 Deutsche Anl.-M>lös.-Schuld mit 101 — Auslos.-Rechten....... DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 60,1 7 59,75 6,85 60,25 7 60 6% Hess. Bolksstaat von 1929 (rückzahlb. 102%)...... eberhellen Provinz. Anleihe mil 89 — Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 59 *— XIII unkündbar bis 1934 . . . 96 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 89 *¥i% Rheinische Hyp.-Bank —• fifqu. Goldpse......... 88,25 8% Pr. Landespsandbriesanstalt, Psandbriese R. 17...... 102 102 8% Pr. Landespsandbrtefansialt, — Komm.-LbI.R. 20...... 98 7% Pr. Landespsandbriesanllall. 98 —— Pfandbriese R. 10...... A.E.G. abg. BorkriegS-Obligatio. 97,5 — 97,5 — nen, rückzahlbar 1932 . . . 93,5 — — — 4% Oesterretchtsche Goldrente . . 4,20% Oesierreichische Stlberrente 28 — 27,81 — 4% Oetterreichilche Einheitliche — «% Ungarische Goldrente .... 24,5 — 24J 1,95 4% Ungarische StaatSrente V. 1910 24,4 d%% bcigL öon 1913..... 19,5 4% Ungarische kronenrente . . . 2 2,05 5,2 20,5 4% Türkische Zoll anleihe von 1911 5,2 5,25 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie I .......... 5,25 5,25 5,25 5,25 4% deigl. Serie II....... t>% Rumänische vereinh. Rente _ — 9,3 4%% Rumänische vereinh. Rente —* SON 1918 ...... 15,65 7,3 15,6 7,3 15,7 7,3 1% Rumänische vereinh. Rente . — Frankfurt a. Dl. Berlin Schlußkurs 1-ilhr- Kürs Schlußkurs Anfang- Datum 20 9 22 9 20. 9 22 9 Vamburg-Lmettka ’Balei . . i 84,75 82 R3 7S Sö" Hamburg-Südam. Dampfschiff . 8 Hansa Dampfschiff..... 10 _ 127 83 6S 126,5 80,75 105,25 112,5 133,25 121,5 168 Norddeutscher Lloyd .... 8 83,5 81 Allgemeine DeutscheCreditanst. 10 105,5 105,28 Barmer Bankverein .... 10 112,$5 112,5 Berliner Handelsgesellschaft . 12 135 135'25 Commerz- und Privat-Bank. 11 123 121,5 122,75 Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 12 170 170,5 Disconto-Gesellschast, . . . Dresdner Bank ...... 10 10 118,25 119 230,5 117,75 118 118,5 118,5 230 118 RetchSbank ........ 12 118 227 Frankfurt a. Dl. Berlin Schlußkurs 1-Uhr- Kurs Schluß- kurs Anfang- Kurs Datum 20. 9. 22 9 20 9 22 9. Bereinigte Stahlwerke Otavt Minen .... Kaliwerke Aschersleben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth - - 16'/. . . . 10 . . . 10 . . . 16 73 193 196,5 298,5 195,5 296 72,75 32,75 192,5 196,75 299 72 32,6 191,5 196,25 295 99,75 78,75 76 20 September 22 September —— — — Amtliche Jloilerung Amtliche Dotierung — 56 — Geld 3rlei Geld Erie] 'Jlmft.- Rott. 168,95 169,29 169,03 169,37 _ 215,25 907 Buen.»AireS 1,512 1,516 1,508 1,512 — 169 162,5 71.75 Brff.°Antw. 58,435 58,455 112,35 58,465 58,500 71 72,5 Christiania. 112,13 112,15 112,37 83,5 80,5 122 Kopenhagen 112,18 112,40 112,23 112.45 120,75 124 Stockholm . 112,60 10,547 21,955 112,82 112,64 112,86 89 86,25 90,25 86,25 HelNngforS. Atalien. . . 10,567 21,995 10,553 21,97 10,573 22,01 — 122,4 25,9 155 36,65 12,65 120 London. . . Reupork . . 20,372 4,9115 20,412 4,9950 20,377 4,193 20,417 4,201 16,505 81,555 45,75 150 151,5 37 Daris.... Schweiz . . Spanien. . 16,465 81,355 45,20 16,505 81,515 45,30 16,465 81,395 45,65 — 53 126 300 21,5 30 ' 32 97 79,5 151,75 135 52 Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-- 2,071 0,422 2,075 0,427 2,074 0,4215 2,078 0,4235 32 96 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Oest. obgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon . . Danzig. . . Äonftanttn. Athen. . . Tanada . . Uruguay. . Tatro . . . 59,195 12,443 7,431 73,40 3,039 18 83 81,49 1,784 5,445 4,196 3,447 20,885 59,315 12 463 7,465 73,44 3,055 18,47 81,85 1,789 5,455 4,204 3,453 20,925 59,215 12,451 7,433 73,41 3,039 18,83 81,51 1,784 5,445 4,197 3,447 20,90 59,335 12,471 7,447 73,55 3,045 18,87 81,67 1,789 5,455 4,205 3,453 20,94 Turnen, Sport und Spiel. Turner-Siaffellauf ,/RunÖ um Frankfurt". 3n Frankfurt wurde am gestrigen Sonntag von der Arbeitsgemeinschaft der Turnvereine Droh-Frankfurts zum 7. Male der Staffel- lauf „Rund um Frankfurt" auSgetragen. In 20 Klaffen gingen über 2000 Läufer an den Stare. In der Hauptklasse trat der Verte,digcr des Wanderpreises, Polizeisportverein Frank- surt. nicht an. um damit äuhcrlich die Unzu- friedenheil mit der nach seiner Ansicht unge- rcchtserliglen Verlegung deS Laufe- zu zeigen. Als Gast weilte die Kasseler Turn- gemeinde mit zwei Mannschaften in Frank- furt und belegte sowohl in der Hauptklassc a's auch bei der Jugend den ersten Platz, allerdings ouher Konkurrenz. Als zweiter der Hauptklasse kam der frühere mehrfache Sieger Turnverein „Vorwärts" ein und gewann damit den „Otto-Doldmann-Wanderpreis" zurück. Die übrigen Teilnehmer der Hauptstaffel .spielten nur auf den ersten Wechselstrecken eine Volle. Kassel schüttelte seine Konkurrenten aus halber Strecke ob und siegte unangefochten und ebenso unangefochten wurde „Vorwärts" Zweiter. Ergebnisse: Hauvtklasse (8100 Meter, 30 Läufer): 1. Kasseler Turngemeinde 16:55,3 (außer Konkurrenz), 1. Tv. „Vorwärts" Vocken heim 16:58,3, 2. Frankfurter Tv. 60 17:38,6, 3. Turngemeinde Eintracht 17:46, 4. Tgs. Sachsenhausen, 5. Dockenheimer Xurngcmcinbe. »-Klasse (5520 Meter, 20 Läufer): 1. ATV. Tuiskonia Frankfurt 11:55, To. Jahn-Grünweih 11:55,4, 3. Tv. Riederrad 12:21,3. L-Klasse (5520 Meter, 20 Läufer): 1. Tv. Vorwärts II 12:19,2. Klaffe D (4700 Meter, 16 Läufer): 1. Turn- gemeinde Hanau 10:32,2. / Klasse L (2900 Meter, 10 Läuser): 1. Turn- gesellschast Offenbach 6:20. Klasse F (2900 Meter, 10 Läufer): 1. Turngemeinde Praunheim 6:51,2. Jugend: 1. Kasseler Turngemeinde (außer Konkurrenz), 1. To. Jahn-Grünweih (in Konkurrenz). Domen (1100 Meter, 10 Läuferinnen): 1. Tv „Vorwärts" 2:25,4. Nurmi-Gporifest des (5GG. DoS .Rurmi-Sportfest" deS SC. Charlotten- burg wurde zu einem sensationellen Erfolg. Lieber 35 OCO Zuschauer verfolgten mit Spannung die einzelnen Wettkämpfe. Im 1500-Meter- L o u f gab es ein Duell zwischen dem Franzosen Ladoumögue und Dr. P e l h e r, das der Franzose in 3:53,7 Minuten vor Dr Pelyer in 3:59 Minuten zu seinen Gunsten entschied. Der 5000-Meter-Lauf war dem Weltrckordler R u r m i nicht zu nehmen, geqen den vergeblich die deutsche Elite anlief. Sturmi benötigte für die Strecke 14:58 Minuten vor Petri (Hannover) 15:21.8 Min. Das Speerwerfen holte sich der Weltrekordmann M. Järvinen mit 66,83 Meter vor Maser und dem wieder einmal enttäuschenden deutschen Rekordmann Weimann. Die weiteren Ergebnisse sind. 100-Meter-Lauf 1. Pflug, Tv. Schöneberg. 11 Sek. 300 Meter: 1. Dorchmeyer, Hannover, 35 Sek. Weitsprung: 1. Köchermann-Hamburg, 7,38 Meter 200 Meter Hürden: 1. Troßbach 26 Sek. 4x100 Meter: 1. Hannover 78 42,9 Sek. 4 800 Meter: 1. Preußen Stettin 8:16,7 Min. Der Fußball im Maingebiet. In der Gruppe Main zweifelt heute niemand daran, daß die Gruppenrneisterschast auch in diesem Jahre wieder an die Eintracht Frankfurt fallen wird. TieSmal besiegte die Eintracht Germania Dieber mit 11:0 (4:0). Allerdings verlor Dieber in der zweiten Halbzeit seinen Verteidiger Lukas durch eine Verletzung Vach vier Spielen hat die Eintracht 22:0 Tore und 8:0 Punkte. Tabellen- zweiter blieben die Offenbacher Kickers. Die auch Rot - Weiß Frankfurt mit 3:2 (2:1) eine Niederlage beibringen konnten. Der FSV. Frankfurt hatte Mühe, in Fechenheim mit 2:1 (0:0) einen knappen Sieg sicherzustellen. Der Heuling Fechenheim leistete diesmal einen wesentlich härteren Widerstand als in den vorausgegangenen Spielen. In Hanau trennten sich FC. 93 Hanau und Union Viederrad mit einem Unentschieden von 1:1 (0:0). Oie Punktespiele in der Hessen gruppe. In der Gruppe Hessen gab es gestern insofern eine Untersuchung. daß der Liganeuling Viktoria Urberach den ernsthaftesten Konkurrenten des Hessenmeisters Wormalia Worms. SV. Wiesbaden, mit 2 0 (0 0) Toren schlug und damit der Wormalia einen guten Dorspanndienst leistete. Veu-Jsenburg hatte den 1. FC. Langen auf eigenem Platz alS Gegner. Isenburg mußte sich sehr strecken, um gegen die eifrigen Gäste einen 2 1-(1: l)-€ieg herauszu- holen. Weniger schwer hatte es die W o r m a - t i a Worms, die auf eigenem Platze den FED. Mainz 05 mit 4:0 abfertigte. Ser flcfinoe Zußball in Seffen>Hannovec. Dorussia Fulda gegen VfB. Gießen 4:0. Sportv. Kassel gegen Germania Fulda 3:1. Hessen HerSfeld gegen Ockershau'en 3:0. Kurhessen Marburg gegen Spielo. Kassel 1:0. Kurhessen Kassel gegen SC. Göltingen 05 2:0. Einbeck 05 gegen SC 03 Kassel 0:3. Spvgg Göttingen gegen Groß-Almerode 2:2. Aener Tornerrelor» im Schlaadallwersen. Sin DT.-Rekord im Schlagballweitwerfen wurde gestern bei dem frei »offenen Sportfest des Mw. Kremmen von Fräulein Daehne (Frankfurt a. O.) mit 78,30 Meter ausgestellt. Holland im Golf-Länderkampf geschlagen. Deutschland siegt mit 7:2 Punkten. Der Golf-Länderkamps in Frankfurt zwischen Deutschland und Holland endete mit einem überraschend hohen Sieg von 7:2 Punkten, ein Sieg, den man in dieser Höhe der deutschen Vertretung gegen die spielstarke holländische Mannschaft nicht zugetraut hatte. Dazu kam noch, daß durch den Regen der Boden schwer und ausgcweicht war und so Verhältnisse geschaffen waren, an die die Holländer im Gegensatz zu unseren Spielern gewohnt sind. Deutschland gewann von den sechs Einzelspielen fünf und von den drei Doppelspielen zwei, so daß das Gesamtergebnis mit 7:2 Punkten zu seinen Gunsten lautete. Oesterreich schlägt Deutschland 6:5 Oer Handball-Länderkamps in Darmstadt. Man stand der Ausstellung der DSB.-Mannschaft zu dem gestrigen Länderspiel gegen Oesterreich in Darmstadt — es ist das fünfte in der Handball- geschichte dieser beiden Länder — von Ansang an* sehr skeptisch gegenüber. Die Befürchtungen haben sich verwirklicht. Die deutsche Mannschaft erreichte niemals das Können, das man von ihr erwartet hatte, und erlitt so eine durchaus verdiente Niederlage Das Halbzeitergebnis lautete bereits 3:1 zu- gunften der Oesterreicher. Der Führunastresfer der Oesterreicher fiel in der 10. Minute. Kurz darauf erhöhten die Oesterreicher auf 2:0. Erst als die Oesterreicher mit 3:0 führten, kam Deutschland durch fi a u n b t) n i a zu seinem ersten Gegentreffer. Nach Wiederbeginn lag die deutsche Mannschaft mehr im Angriff Kaundynia war jetzt zum zweiten Male erfolgreich. Vorher hatte man für den verletzten Feick dessen Klubkameraden Werner in die Mannschast genommen. Der Kampf wurde jetzt spannender. Oesterreich stellte durch einen Pracht- schuß von Meist die alte Differenz wieder her. Doch ein Alleingang von Zabel verbessert das Ergebnis auf 4:3. Die Partie wurde sogar durch einen vierten Erfolg von Kaundynia remis. Oesterreich kam durch P e r w e i n zu einem fünften Tor. Abermals war esKaundynia, der gleichzog und so wenigstens ein einigermaßen besrie- digendes Unentschieden wahrscheinlich fein ließ. Doch die Oesterreicher gaben sich nicht zufrieden, bis der 6. und Siegestreffer fast mit dem Schlußpfiff im deutschen Netz gelandet war. Der Sieg der Oesterreicher war verdient, sie lieferten das bessere und eifrigere Spiel. Bei Deutsch- land erfüllte eigentlich nur der Torwart Cuchra alle Ansprüche, die man an internationale Spieler stellte. Ohne seine ausgezeichneten Leistungen wäre die deutsche Niederlage bestimmt höher ausgefallen. Schiedsrichter Küppers (Köln) leitete den Kampf von 5000 Zuschauern korrekt und einwandfrei. Oberbeffen. Mitgliederversammlung des Vorschußvereins Laubach. □ 2 a u bad), 22. Sept. (Eigner Drahtbericht.) Gestern fand im Saale des „Solmser Hofes" in Laubach die Mitgliederversammlung des Vorschußvereins L a u b a d) e. G. m. b. H. statt. Es waren 190 Mitglieder erschienen. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Aussichtsrates, Lehrer Römer (Munster) eröffnet. Die Revisoren gaben einen eingehenden Bericht über den Stand der Kasse. Dabei stellte sich heraus, daß ein Fehlbetrag von zirka 200000 Mark vorhanden ist. Nach eingehenden Verhandlungen wurde beschlossen, daß der Vorschußverein zunächst fortbestehen soll. Es soll im Lause dieser Woche mit den Einlegern in einer besonderen Versammlung ein Vergleichsoorschlag an- gebahnt werden. Man will versuchen, die Einleger dahin zu bringen, daß sie die Einlagen auf drei Jahre festlegen. Es wurde noch eine besondere Treuhandkommission gebildet, die die Ver- hältnisse der Kasse nochmals eingehend nachprüfen soll. In der Leitung und im Aufsichtsrat der Kasse wurden folgend? Aender ungen vorgenommen: An Stelle des seitherigen Direktors Stadlrechner Schmidt (Laubach) wurde Eisenbahninspektor i. R. Henze (Laubach) gewählt; an Stelle des seitherigen Kontrolleurs Kratz wurde K r ö ck (Heuchelheim) eingesetzt. Aus dem Aussichtsrat schieden aus Heinrich H ö g y, jDlto SchmidtII. (beide aus Laubach) und Hahn (Ruppertsburg); dafür wurden neugewählt L. H o h m a n,n sen., Paul Schumann und Karl Rühl. Es wurde noch beschlossen, eine neue Versammlung abzuhalten, wenn die Verhältnisse der Kasse durch den eingesetzten Treuhandausschuß einer eingehenden Prüfung unterzogen worden sind und die (Einleger- Versammlung stattgesunden hat. Landkreis Gießen. s. Beuern, 21. Sept. Dieser Tage feierte die älteste Einwohnerin unseres Ortes, Frau Friederike Kutscher, geb. Schneider, die Wktwe des Glasers Kutscher, ihren 8 4. Geburtstag. Abgesehen von Schwerhörigkeit erfreut sie sich noch völliger körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Holzheim, 20. Sept. Einen ernsten 11 n - g l ü ck s f a l l erlitt die 5rau des Weihbindermeisters Moritz Ohly. Sie holte mit einem Kuh- fuhrwerk Futter. Als sie auf den beladenen Wagen steigen wollte, kam sie zu Fall und zog sich dabei einen Druch eines Schienbeines zu. Ein Auto der Freiwilligen Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz brachte die Verunglückte nach Gießen in die Klinik. Kreis Schotten. V Herchenhain, 20. Sept. Beim ersten Start st ü r z t e heute der Segelflugschüler Hermann Stempel aus Frankfurt a. M., De- rufsschule 1, aus etwa 15 Meter Höhe ab. Der Bedauernswerte trug Kopfverletzungen und Verletzungen des linken Auges, wahrscheinlich auch einen Schädelbruch, davon. Lebensgefahr besteht zum Glück aber nicht. Er wurde sofort dem Gederner Krankcnhause zugeführt. Preußen. Oie Beisetzung des Wetzlarer Oberbürgermeisters. * Wetzlar, 21. Sept. Unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung fand gestern die Beisetzung des auf so tragische Weise aus dem Leben geschiedenen Oberbürgermeisters Dr. Kühn statt. Die prächtige Friedhofskapelle vermochte kaum die Zahl der Trauernden zu fassen. Studentische Chargen hielten während der Trauerfeier an dem überreich mit Kränzen und Blumen bedeckten Sarg die Ehrenwache. Der evangelische Pfarrer Gütiges zeichnete in ergreifenden Worten ein Lebensbild des Verstorbenen und verglich ihn mit einem kühnen Hochgebirststouristen, der jäh abstürzte. Der kommissarische Bürgermeister Beigeordneter Dr. Bangert hob die Verdienste des Toten als Verwaltungsbeamter und Stadtoberhaupt hervor der während seiner 16jährigen Tätigkeit in schwerster Zeit Hervorragendes für die Stadt geleistet habe. Landrat M i ß dankte namens Die Flugzeugkatastrophc bei Böblingen: Die Flugzeuge verfangen sich in der Luft. der Kreisverwaltung und des KreisausschufscS dem Verewigten für die hervorragende Mitarbeit zum Wohle der Allgemeinheit. Vertreter der staatlichen Schulen, der Hospitalverwal- tung und der Arbeiterschaft der Stadt legten Kränze nieder, während die Alten Herren und Aktiven der Landsmannschaft „Darmftabtia“ Gießen und ^Brunsvigia" Leipzig dem Dahin- geschiedenen Durschenband und Burschenmühe mit in das Grab gaben. Maingau Frankfurt a. M., 21. Sept. lWSR.) Heute nachmittag brach in einem Lagerschuppen der Firma I. Adler jun. im Osthafen Feuer aus. das sich mit rasender Schnelligkeit ausbreitete. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatte das Feuer bereits einen zwe'ten Schuppen ergriffen. "Zelte Schuppen, in denen sich Altgummi und Lede rabsälle besanten. brann'en vollständig nieder. Fast 500 Quadratmeter Lagerhallen wurden ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr halte mehrere Stunden zu tun, um den Brand zu löschen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Der Brand in den Chemischen Werken Albert. WSN. Mainz, 20. Sept. Zu dem Brand in den Chemischen Werken von Dr. Kurt Albert in Mainz-Amöneburg wird noch folgendes mitgeteilt: Heute früh gegen 4 Uhr entstand, wahrscheinlich infolge Selbstentzündung, in einem Holzgebäude ein Feuer, das auf das in der Nähe liegende Kolophonium- und Faßlager Übergriff. Das b renne n b e Harz ergoß sich in einem breiten Strom- durch das Fabrikaelande auf die Straße nach dem Rhein zu. Die Fabrikfeuerwehr und die Feuerwehren aus Groß-Mainz und Wiesbaden, fowie der umliegenden Ortschaften bekämpften den Brand mit zirka 35 Schlauchleitungen. Aber erst nachdem im Verein mit den Fabrikarbeitern tiefe Gräben ausgehoben worden waren, konnte man das Feuer durch Sandaufwurf größtenteils ersticken. Derbrannl sind vier Lagerhallen, eine Schreinerei und lausende von Jaffern mit Kolophonium. Das eigentliche Fabrikgebäude ist unversehrt geblieben. Um 7 Uhr morgens war der Brand im wesentlichen gelöscht, so daß nur noch eine Brandwache Zurückbleiben mußte. Ein Glück war es, daß die alsbald herbeigeeilten Feuerwehren das angrenzende Terpentin- lager schützen konnten, eine fürchterliche Kata- strophe wäre sonst unvermeidlich gewesen. Auch das Hauptfabrikgebäude konnte gerettet werden, so daß trotz des unaeh euren Schadens, der auf etwa eine Million Mark aeschätzt wird, der Betrieb keine Unterbrechung zu erleiden braucht. ^jir 'Bereitung von 'Jleischbrühsuppen. 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Gemeinde Obbornhofen wünscht jungen, sprungfähigen Eber (veredeltes Landschwein) zu kaufen. Anmeldung und Alter an Bürgermeisterei Obbornhofen erbeten. Obbornhofen, den 20. September 1930. 6497E) Philippi, Bürgermeister. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von I. Schneider-Foerstl. Llrheber-Rechtfchutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Was half hier Trost? — Was sagen Worte? — Klober die Schwere dieser Stunde half nichts hinweg als die Zeit, die unablässig von heute in das Morgen rann, vom Morgen in das Liebermorgen und immerfort und immerzu, bis man sich dareinschicktc und das Llnabänderliche ertragen lernte, und sich abfand mit dem, das Loch nicht mehr zu ändern war. Vicht Gold, nicht Geld noch alles Wünschen hielt den Schritt des Schicksals auf. Lind legte ihm einer das eigene Herz als Hindernis in den Weg, es verhielt den Schritt nicht und zertram- Peltc es mit. Ein Leben mehr oder weniger, im Titanenmaß der Zeit war es ein Vichts. * * * An Aversons Landhaus zu Starnberg gilbten die Blätter des wilden Weins, der den weitläufigen Dau bis an den Giebel umspannte. 3m Park raschelte das Laub, tanzte in Varren- gewändern von Grün und Vot und sattem Gelb, um zuletzt todmüde auf Len Vasen zu taumeln, der streng gezogen zwischen den Bäumen hinlief. Helene kam an Aversons Seite durch den Laubgang ünd hatte den gestickten Seidenmantel eng um ihre schlanken Formen gewunden. „Wissen Sie einen Vat, Averson? — Och bin am Endet Dos ist nicht mehr zu ertragen! 3d) liebe meinen Sohn! Liebe ihn doppelt und dreifach aus dem Gefühl meiner Schuld heraus, aber ich kann darüber die anderen nicht vergessen. Den Mann! Die Kinder, die ich noch geboren habe! Für 3ust ober existiert nichts mehr als sein kranker Sohn, der Sohn, der sein Leben dem anderen verdankt, der seit sechzehn Jahren in der Einsamkeit der Sabinerbcrge auf diese Stunde der Vergeltung wartet." „Ich glaube cs nicht, Helene!" „Dost er darauf wartet? — Das glauben Sie nicht, Averson?" „Vein!" „Was denn sonst? — Gott, was denn sonst? Sind Sie vielleicht der Meinung, daß er es in Heiligkeit und Wcltentsagung so weit gebracht hat, zu vergessen, daß irgendwo in der Welt eine Frau lebt, die einmal sein Kind unter dem Herzen trug und dieses Kind dem anderen zuerkannte, der nichts mit ihm zu tun hatte?" „Ein Mann, der auf Vergeltung wartet, schweigt nicht sechzehn Jahre, Helene. Es ist lediglich die Hand des Schicksals, die Sie traf. Vicht das Wünschen und Wollen Ihres früheren Gatten." Ein tonloses Seufzen hob die Brust der schönen Frau, die ihren Seidenmantel immer noch enger um sich zog. „Sie haben mich einmal geliebt, Averson! — Ist das wahr?" „Ja! — Lieber alles geliebt, Helene!" „Vichts ist vergänglicher als Liebe!" Der Frauenmund zog sich herbe zusammen. „Ich glaube, die meine hat sich bewährt!" Sie blieb stehen und fing eines der brennend- roten Blätter auf, die von dem großen Ahorn, der in der Mitte eines Vondells thronte, herabgetaumelt kamen. Ihre Augen blieben daran haften und verschleierten sich langsam: „Würden Sie mir eine Zufluchtsstätte gewähren, wenn ich eines Tages käme, mich und mein armes Kind bei Ihnen zu verstecken?" Er war zu sehr erschrocken, als daß er Antwort zu geben vermocht hätte. Vur ihren Va° men hauchte er heraus: „Helene!" — „Sie glauben nicht, Averson, wie das zermürbt." Sie lief vom Wege ab quer über den Vasen, nach den Beeten hin, in denen letzte Chrysanthemen blühten. „Ich ertrage das einfach nicht mehr! Ich soll nicht singen! Ich will es auch gar nicht, weil ich den Mund nicht öffnen könnte, weder zu einem Liebes- noch zu einem andern Liede. Mir verrostet der Ton in der Kehle. Ich merke es. Aber ich bedaure es nicht. Das andere aber ist zuviel! Die Tage sind noch zu ertragen. Die beiden Töchter können wieder lachen, mein Jüngster freut sich über die Aepfcl, die unter seinen Pfeilen von den Zweigen stürzen, die Schwiegermutter geht mit weißem Haare durch die Stuben, aber sie trägt das Hoffen im Auge, daß alles wieder wird, wie früher. Sie weiß nichts von den Rächten, die ich allein mit Just durchlebe." „Können Sie Ihren Gatten nicht bestimmen, daß er reist, Helene?" Averson hatte, ohne daß sie es wehrte, ihren Arm durch den seinen gezogen und führte sie auf dem Weg zurück. „Reisen?" Sie sah ihn an, als habe sie nicht recht verstanden. „Ohne Hübert? Er weicht keinen Schritt von seinem Lager. Der Aermste weiß noch nicht einmal, daß er siech bleiben wird. Just wird ihn hoffen lassen, bis an das Ende seines Lebens." „Schrecklich!" hauchte Averson. „Sie wissen noch nicht alles." Als fürchte sie einen Lauscher, sah sie sich angstvoll um. „Vachts, wenn ich todmüde von der Pflege und gepeinigt von Gewissensqual für eine Stunde Ruhe suche, reiht er mich auf und schreit mir ins Gesicht: „Herzlose Mutter! Du schläfst, wenn dein Kind in Schmerzen stöhnt!" Er läßt mir gar nicht Zeit, mich anzukleiden. Sieht, wie ich Int Bette vor Kälte zittere und achtet es nicht, hat nur ein Auge für den Sohn und nur für ihn! — Ich bin ein Vichts geworden!" Averson lenkte, ohne daß sie es merkte, den Schritt dem Landhause zu. In der Diele umfing sie huschelige Wärme. Er rief nicht nach dem Diener, sondern nahm ihr selbst den Mantel ab und hing ihn an den Ständer. „Kommen Sie, Helene! Jetzt bei Tag vermißt er Sie am wenigsten. Sie sollen ein bißchen ruhen! Wirklich ruhen, Helene, und an nichts denken, an gar nichts, nicht an die Vot zu Hause, auch nicht an Ihre Schuld, die längst vergeben ist. Ich werde Ihnen ein Pulver mischen. Dann schlafen Sie. Vichts wird Sie stören. Lind wenn Sie erwachen, sind Sie frisch gestärkt. Alles ist weniger schwer, und wird leichter zu ertragen fein." Es war ihr unmöglich, sich länger zu beherrschen. Sie legte dos Gesicht gegen seine Schulter und weinte haltlos. Wie ein Kind lieh sie alles mit sich geschehen, dah er vor ihr niederkniete und ihr die Schuhe von den Füßen streifte, das Bett für sie zurechtrichtete und die Decke sorglich über ihren Körper zog. Er entnahm einem Schränkchen ein Pulver und mischte es in einem Glase Wasser, das er ihr hinübertrug. „Werde ich auch nicht zu lange schlafen?" fragte sie ängstlich. „Drei Stunden! — Vicht länger!" „Spätestens um sieben Llhr muß ich zu Hause sein." „Ich bringe Sie selbst nach Rottach-Derghof! — Gute Rächt!" Er neigte sich zu ihr herab und kühte sie auf die Stirne. „Averson!" Ein Schluchzen quoll aus verschütteten Tiefen zu ihm empor. „Jetzt schlafen!" mahnte er bittend. „Es wird alles gut sein, Helene! Alles wird gut sein!" Ein Schein von Hoffen ging über ihr Gesicht. „Averson!" Behutsam nahm er die weißen Arme hoch und legte sie sorglich auf die mattblaue Seide der Decke. Mit aufeinandergeprehten Lippen sah er aus sie herab. Die Frau eines anderen! Kraftlos fielen die Schultern nach vorne! Aus den Zehenspitzen verlieh er den Raum. * * * Klein-Iust lief mit einem Hüh und Hott hinter dem Jungvieh her, das mit hellem Schellengebimmel auf die abgemähten Wiesen getrieben wurde. Von hinten packte ihn eine stählerne Faust und hob ihn mit einem Ruck empor: „Weiht du nicht, dah dein Bruder krank ist?" Der Kindermund verzog sich in Schreck und Furcht. Die kleinen Fühe strebten zu Boden. „Laß dich nie wieder hören!" donnerte Franke und setzte ihn unsanft auf den Wiesenrand nieder. Mit weitgeöffneten Augen sah der Junge dem Vater nach, wie er mit schleppendem Schritt nach dem Garten zurückging und zwischen den Bäumen verschwand. Klein-Iust stand für Sekunden unschlüssig. Dann lief er nach dem Walde und berkroch sich ties ins Gebüsch. Hier würde ihn keiner finden. Er nahm eine Holzpfeife aus der Tasche und blies eine Melodie. Das hatte die Mutter einmal gesungen! Früher! — Als Hubert noch — hemmungslos jagten die Tränen über das schmale Gesichtchen. „Du lieber, lieber Gott, laß den Bruder wieder gesund werden, damit es wieder so schön ist auf Rottach-Berghof, wie es einmal gewesen war. Gewesen war!" Müde vom Weinen sank das Kinderköpfchen ins Gras. * * * „Die Mädchen müssen aus dem Hause", sagte Franke mit harter Stimme und zeigte nach Hella, her Fünfzehn- und Sabiye, der Zwölfjährigen, die Arm in Arm über die beließen Wege des Gartens kamen. Ihre- Augen schäkerten. Ihre blühenden Lippen standen in Hellem Lachen. Die weißen Dogen ihrer schönen, festen Zähne schimmerten schneeig hinter dem Rot des Mundes. „Just!" — Helene starrte ihn aus verschat- teten Augen an. „Ihr — ihr habt ja kein Herz!" fuhr er auf. „Ihr könnt noch scherzen und lachen und an Tand und Gewänder denken — und euch freuen auf das Morgen und hoffen auf übers Jahr und droben liegt er und —“ „Just, wer vergißt das je!" „Ihr! — Du! — Deine Kinder! Die eigen« Mutter!" „Just!" — Sie hielt sich taumelnd an den Gardinen, die leise in den Ringen knarrten. Mit halbgeschlossenen Lidern sah er nach ihr. „Alles andere wäre zu überwinden gewesen —- über alles würde ich hinweggekommen fein.“ „Selbst, wenn es mich getroffen hätte", hauchte sie verzweifelt. * „Ja!" Der leise Schrei, mit welchem sie in die Luft griff, riß ihn hoch: „Helene!" — Das schneeige Gesicht an seiner Drust bergend, streichelte er die eisigkalten Wangen, über denen die Tränen unaufhaltsam ihren Weg zu feinen weißen Händen herabsuchtcn. „Vergib mir, Helene! — Ich weiß nicht mehr, was ich sage. Ich kann nichts mehr denken als nur das eine: Daß er zu einem Krüppeldasein verdammt ist und verblöden wird! — Verblöden, Helene!" (Fortsetzung folgt.) 2045 V Auch Sie sollten sich Immer vergegenwgr- tigen; Herrenanzüge etc. können durch Chem. Reinigung so tadellos wieder her- gestellt werden, dass selbst die Wünsche der anspruchvollsten Herren voll und ganz befriedigt werden. Sie sind sicher überrascht von dem Ausfall, wenn Sie mit ganz schmutzigen Kleidungsstücken einen Versuch machen. Jedenfalls werden durch unsere Chem. Reinigung viele Neuanschaffungen gespart. In keiner Weise wird Stoff. Farbe und Fasson der Garderobe beeinträchtigt. Die Chem. 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B flüioStottor S-ntTHlt otiKl ntt ov 2-21 s s D Lft Ezzj^ E E ° eg) AS L E u=2o 8« I' = =l N E* UL 6 c? tt) E = 3 5E i-« 2 *z2l 5^ oC? 2 s 8- cu »p^SEQ 2 E .»Äj» iß r? ^EZL^LZ 2 ff 5^ tf> 8b E ID-C u uff: - a öaXlS C? ’S -=5e: 1..1 ö 3 E 8-52 ßZU) € zz i> &(D s * 3 ff s VCD ff C 3 in E 65ö ff •»*8« 8 8 ff ■8 p ®-o Egg •SS -A tE ES 2 *53 £ cA i ftH 8« 5» T3 O)S ^ff"3^ 33 • ff U 3 M aS -n ©X 3 S1 ID|’ ff 3 8 Eff p s 5 3- lDtol g3' &- <0 2 §.! Eff 2 A ffsi ff <&cA * 5 S. O ff C 5fftoa ID S E ffZ--^ 22 ,-ss-LL öi ^A^ E ff Eff LDff. ö. E2 LZ’ 2 u cCTto e^ff o 53 «ff' DZ« E L LS Kl — AHEZGsä to 22’5 qsöcS 82 ff ff ^«2 öc Eff 8S- P EH ff«2 c?a ff J5 5 ft-; LK =2-8^^ P s KI^2N c «d 3 >n E c — i» AS o H ff P »af ^ZZ AZ N ri = E ff E s ff Q ff 2 i ff o iS R 8. ff 2 =: ff •2 ff. .2 8 = 8 ff A 5 = 2 = gffff 8 L§ <5ff± Z E - ’3«> riobungsa”«1;’" rrnghlungs3^65 burtsanzelfl^ c öi u Ü a a ® 8 ID AC . 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