LK« Äf£ .er pJÄj von ^"^Saslväre ftr s-Lr "zmN^auch^ en ^^^flobe notg^" DürgfE Sri' 5mmcnfianc^n, n, ®ti 3u|ammen' :r aui d>e o W 6tftn W haben an oc". dlIj> i Zustand s ^nte «i iäm.j; t «ä * S «*£ S Ä S-5 % *rtft eine rÄÄ -->L-!>*0 '*C. ÄÄ L ft sovohlLnüpst. Z« 5grfS 'L sW Ä Ford-' ^'!."Aeren Ächen ^d-r'dsÄ -- ?.Es- K-»- 'kn iftS. i>«6 lucfnillti y 8r- f "«t'ettSfejgn GKL Z-ZE ftäUg 1 ^rdcn ledoch inl^n^Cft!n,mun90n in -Raumen aurdch. : Vereine oder Mn, «" gemietet oder leih. M die Kantinen '« und Kasino, Vvl'-ei, aus Dahn. Peisetvagen. so- rgalltm Dranntwein. edoch bestimmen, dah es auch auf Speise- -rpersonalküchen der en. chiniMngen wegen 'HvUzeistund, engesetz hineingearbei« vrden. Während biz. ei liebet trehmgen der len in einer Schank- etlichen Dergnügungs-' : toar, bezeichnet der 6 des neuen Gesetzes t unter Strafe, wer als «ft, den Säumen einet peisewirtfchaft oder an lüamgsorte über die eilt, obwohl der Inter oder ein Polizei- jat, wegzugehen. Ster et als Inhaber einer ft ober eines össent- oder als Vertreter des i Gast über die M* Schankräumen oder an verweilt. uns ist Sie neue iftftättengefeM übet seit von Wirts- tanntvein. Dar- , eines Taft- oder uslchank von Drannt- >ch in sonstiger Weite Denn sie Personen ge- dem Wirt eine frühem , nicht bezahlt haben, ingen aus dem Mn« sofern nicht die Lie Geschäfts- oder Wirt- zers erfolgt. Die vor- den dagegen keimen t aus dem Ausschank die zur Beherbergung aus ^Forderungen aus u_.in w ubbch-r rn wab' Nr. U9 Erstes Blatt |80. Jahrgang Donnerstag, 22. Mai 1030 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle Monatr-Bezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfie anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: firanffurtam Main 11686. SiehenerAn;eiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSlr-vuch- und Stetnörutferei R. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme oon Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher» Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20'/. mehr. Thefredakteur: Dr. Friedt. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Krisis in der englischen Arbeiterpartei. Das Arbettsloseuproblem. — (Str Oswald Mosley legt fein porteieuille nieder. — Wird das Kabinett Macdonald zum Rücktritt gezwungen? London. 21.2Hai. (TU.) 3n dec Sitzung der Unterhausfraktion der Arbeiterpartei am Mittwoch teilte Sir Oswald Mosley seinen Rücktritt als MInister mit und beantragte ein Mißtrauensvotum gegen die Arbeits- lofenpolitik der Regierung. Auhcn- ministcr Henderson protestierte dagegen, da er diesen Antrag als Kritik an der Regierung ausfasse, der Mosley noch bis Dienstag abend angehört habe. Unter den Mitgliedern der Fraktion herrscht große Erregung. 3n den Wandelgängen des Unterhauses wird die politische Lage lebhaft besprochen. Es scheint, datz die Ereignisse sich bald überstürzen werden, wie verlautet, soll Macdonald beschlossen haben, in der Donnerstagssihung der Ar- bciterfraktion den Angrisfen der äußersten Linken seiner Partei ein Ende zu bereiten. (Er werde wahrscheinlich ein Vertrauensvotum verlangen und erklären, dah er im Falle der Ablehnung dieses Antrages den König sofort bitten werde, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Das Kabinett Macdonald befindet sich in höchst kritischer Lage. Die Konservativen haben beschlossen, eine Prüfung des Flottenvertrages durch einen parlamentarischen Sonderausschuß zu verlangen. Gestern spät abends Hal Lloyd George den Premierminister ausgesucht und ihm er- klärt, dah die Liberale Partei befriedigende Zusicherungen in der Frage einer w a h I r e f o r m erhalten müsse, wenn ihre Zusammenarbeit mit der Arbeiterpartei sortdauern solle. „Daily Herold" erwartet, dah die Krisis am Mittwoch ihren Höhepunkt erreichen wird, wo eine Abstimmung über das Gehalt des Ministers Thomas fällig wird. Die Konservativen haben den Antrag eingebracht, das Gehalt zu vermindern, was einem Mihtrauensantrage glcichkommt. wenn die Liberalen sich hierbei der Stimmabgabe enthalten, ist angesichts der Verstimmung einer Anzahl von Arbcitermitgliedcrn eine Niederlage der Regierung möglich, wenn die Liberalen aber mit den Konservativen stimmen, dann ist eine Niederlage und damit der Rücktritt der Regierung sicher. Der 'Jtiidtritt des britischen Ministers Mosley ist als Konfliktszeichen innerhalb der Londoner Regierung von so prinzipieller Bedeutung, daß da- hinter die kleinen persönlichen Pikanterien, an die man sich bei dieser Gelegenheit wieder erinnert, vollkommen verschwinden Mosley, Schwiegersohn des früheren konservativen Außen- Ministers Lord Curzon, trat 1924 zur Arbeiterpartei über, und der Schritt des jungen Politikers entfesselte damals die politischen und persönlichen Leidenschaften in einem Mähe, das man sonst in England nicht gewohnt ist. Wenn er nun heute demonstrativ oon seinem Ministerposten zurücktritt, so ist wiederum bezeichnend, dah diese Geste in der englischen Oeffentlichkeit gröhcre Be- achtung windet als zahlreiche Aktionen der Regie- rung, die des politischen Kommentars gewih ebenso würdig gewesen wären. Moslen scheiterte an einem sozialen Radikalismus, der bei einem ehemaligen Konservativen immerhin seltsam anmuten muß. Die Mittel nämlich, mit denen er die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen gedachte, gingen weit über das hinaus, was das Labour-Kabinett in feiner Gesamtheit für möglich und durchführbar hielt. Mosley, einer der engsten Mitarbeiter des Ministers für Arbeitsbeschaffung, Thomas, hatte vorgeschlagen, der Erwerbslosigkeit dadurch zu steuern, dah die älteren Ar beiter von Staatswegen pensioniert würden, um Raum für die nachfolgenden Generationen zu schaffen. Gleichzeitig verlangte er aber auch eine Heraufsetzung der schulpflichtigen Altersgrenze, um den Druck der jugendlichen Elemente Dom Arbeitsmarkt zu nehmen. Zusammen mit einem großzügigen Produktionsprogramm be- zifserte er die dadurch entstehenden Gesamt- kosten auf 25 bis 30 Millionen Pfund, die er im Anlcchewege zu beschaffen gedachte. Cs ist nun uperauä charakteristisch, dah das Labour-Kabinett diese Vorschläge als zu kühn und zu weitgehend a o I e h n t e, obwohl es sich dabei praktisch um kaum etwas anderes handelt als das, was Deutschland in seiner Invalidenversicherung und seinem Fortbildungsschul- Wesen bereits seit Jahrzehnten besitzt. Die Ablehnung durch Macdonald und Snowden beweist, dah man in den Reihen der britischen Arbeiterpartei begreift, dah man die Produktion in Zeiten scharfer internationaler Konkurrenz nicht mit Faktoren belasten darf, die notwendigerweise verteuernd und also hemmend auf die Absatzmöglichkeiten wirken müssen. Dah ein so vorsichtig operierender Finanzminister wie der englische Schatzkanzler Snowden die Finanzierung der von Mosley geforderten Arbeiterpensionierung aus Anleihe- Mitteln ablehnen muhte, ist für jeden wirtschaftlich denkenden Menschen wohl selbstverständlich. Allenfalls konnte er die Möglichkeit' ins Auge fasten, die Anleihe zur Produktionsankurbelung zu verwenden. Es ist doch aber symptomatisch, dah selbst Snowden der Meinung Ausdruck gab, die City werde hierfür die notwendigen 500 oder 600 Millionen Mark nicht zur Verfügung stellen können. Der weitgehende Ausfall der indischen Absatzgebiete für Daumwollwaren usw. wirkt in England zurück auf die Kohlenproduktion ebenso wie die geringe Beschäftigung des Maschinenbaus, in deren Gefolge auch noch die Hochofenindustrie notleidet. Gelingt es nicht, durch öffentliche Aufträge gröhten Stils den Beschäftigungsgrad von gewissen Schlüsselgewerben aus wieder anzukurbeln, dann wird man auf lange Zeit hinaus bei uns wie jenseits des Kanals mit h ich en Arbeitslosenziffern rechnen müssen. Wobei freilich vermerkt sei, dah England es nicht nur infolge seiner überseeischen Besitzungen leichter hat, sondern vor allem deshalb, weil es nicht eine jährliche Reparationsbelastung von zwei Milliarden Mark zu tragen hat, die für völlig unproduktive Ausgaben dem Körper der deutschen Volkswirtschaft abgezapst werden. Sicherlich ist die Arbeitslosenfrage ein internationales Problem von tragischer Gröhe, wie das dieser Tage der englische Minister für Arbeitsbeschaffung, Thomas, sestgestellt hat. Die Schuld an der Existenz dieses Problems wird er freilich bei denen zu suchen haben, die wie Sir Edward Grey im Zahre 1914 den Krieg mit „silbernen Kugeln" zu gewinnen gedachten. Cs ist gewih für England eine sehr heilsame Lektion, dah es seinerseits unter den wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Krieges anscheinend ebenso leidet wie Deutschland. Was aber drüben die Sorge eines Volkes ist, das auf einer reichem wohlfundierten Volkswirtschaft sitzt, das ist bei uns schleichende Rot, die der völligen Kapitalleere entspringt. Danzig protestiert gegen den Konkurrenzhafen Gdingen. Ein Hilferuf an den Döikerbundskommiffar. — Warum polen den Danziger Hafen nicht ausnutzt. — Die Freie Stadt vor dem wirtschaftlichen CRuin. Danzig, 21. Tttai. (IDXB.) 3m hauptausschuh des Danziger Volkstages berichtete der Präsident des Senats, Dr. S a h m, über einen Antrag auf Entscheidung des hohen Kommissars des Völkerbundes in der Frage der vollen Ausnutzung des Danziger Hafens für den polnischen Auhenhandel und die Beschränkung der Konkurrenz Gdingens. Der Präsident führte etwa folgendes aus: Die wirtschaftlichen Verhältnifse in der Freien Stadt Danzig befinden sich im Stadium einer sehr ernsten Wirtschaftskrise. Es ist dies darauf zurückzuführen, dah Polen zwar in Versailles d i e Loslösung Danzigs vom Reich unter der Begründung durchsetzte, dah es der vollen Ausnutzung des Danziger Häsens als feines einzigen Zuganges zum Meere bedürfe, andererseits Polen aber inzwischen zielbewuht das frühere Fischerdorf Gdingen zu einem eigenen m o- dern ausgerüsteten Hafen ausgebaut hat, mit dem es unter Anwendung aller staatlichen Machtmittel den Danziger Hafenverkehr a b - lenkte. Damit ist allmählich für Danzig ein Zustand geschaffen, der wirtschaftlich nicht tragbar ist, der die Gefahr einer Verelendung weitester Beoölkerungskreise naherückt und zu den Verträgen und Voraussetzungen, auf denen sich die neue staatliche Existenz der Freien Stadt aufbaut, im Widerspruch steht. Die wirtschastliche Notlage hat die Regierung der Freien Stadt Danzig gezwungen, einen dringenden Appell an den hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig zu richten und ihn darum zu ersuchen, eine Entscheidung zu treffen, dah die polnische Regierung ihren ver- pstichtungen, den Danziger Hafen voll auszunühen, Genüge zu tun hat und infolgedessen alle erfor- derlichen Mahnahmen auf dem Gebiete des Eisen- bahntariswesens und der Entwicklung des Hafen und der Schiffahrtswege zu Wasser und zu Lande zu ergreifen sowie die künstliche Förderung des waren- und Personenverkehrs anderer Häsen und ihre künstliche Begünstigung durch staatliche Erleichterungen und Zuwendungen aller Art aus Kosten Danzigs zu unterlassen hat. (Eine objektive Darlegung der Rechtslage erinnert daran, dah Danzig nur in feinerLigen- schäft als wirtschastshafen für das polnifchehinterland seine neueffaats- rechtliche Stellung erhielt, so dah es rechtswidrig ist, wenn Polen jetzt, anstatt diesen Hafen auszunuhen, ihn systematifch wirtschaftlich a b s ch n ü r t. Der Präsident des Senats sprach dabei die feste Zuversicht der Danziger Bevölkerung ans, dah die zuständige Völkerbundsinstanz aus Grund früherer Entscheidungen und Feststellungen die wirtschaftlichen Voraussetzungen.her Existenz Danzigs vollauf wahren und damit den gegenwärtig drohenden schweren wirtschaftlichen Gefahren rechtzeitig Einhalt gebieten wird. Italien ist gerüstet. Einzug Mussolinis in Florenz. — Im Oval: Mussolini bei feiner sensationellen Rede, in der er alle Nachbarn Italiens warnte, es nicht auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. Italien sei gerüstet und, wenn nötig, zum Kriege bereit Faschismus und Arbeiterschaft Mussolinis sozialpolitische Leistungen. Rom, 21. Mai. (511.) Mussolini setzte am Dienstag und Mittwoch seine Besichtigungsfahrt en in Mailand fort. Auch diesmal wurden ihn' lebhafte Kundgebungen bereitet. Bor den Mailänder Arbeitern hielt er eine große Rede, in der er u. a. erklärte, dah die faschistische Regierung sich in den acht Jahren ihrer Herrschaft immer des Schicksals der Arbeiter besonders angenommen habe. Aus Mussolinis Fragen: Wer hat 1923 das Gesetz über den Achtstunden- tag geschaffen? Wer hat die Zuschüsse für die Arbeiterinnen während der Zeit der Mutterschaft erhöht? Wer hat die Zwangs- versicherung gegen die Tuberkulose begründet? antwortete die Versammlung jedesmal mit dem Ruf: Der Ducel Das sei jedoch nur ein Teil, fuhr Mussolini fort, die faschistisch« Herrschaft habe Arbeit und Kapital auf gleiche Stufe gestellt mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten. So etwas sei in keinem Teil der Welt geschehen. Rachdem er auf die große Zahl der Arbeitslosen in England hingewiesen hatte, schloß er mit der Frage: Wem gehört das Italien der Arbeit und des Faschismus? »Uns", schallte die Antwort zurück. Kommunalfinanzen und Arbeitsbeschaffung. Berlin, 21. Mai. Das Reichskobinctl hat sich zwar kürzlich mit den Fragen der Arbeitsbeschaffung beschäftigt und dabei auch das kommunale vmschutdungsproblem gestreift, aber die Entscheidung, ob hier irgendeine greifbare Hilfsaktion möglich ist, kann erst in den nächsten lagen fallen. Die im Zusammenhang mit der Umschuldung notwendig gewordenen Sparmafj- nahmen der Kommunen bedeuten eine außerordentliche Erschwerung für den Arbeitsmarkt, da für mehr als 300 Millionen Mark geplante und in Angriff genommene Bauten in den Gemeinden über 25 000 Einwohnern nicht zur Durchführung kommen können, womit wohl größtenteils das außerordent- 11ch langsame Absinken der Ziffern der Arbeitslosigkeit zu Beginn der Frühjahrssaison zu erklären ist. Gleichzeitig haben diese Mahnahmen aber auch eine starke Betastung des kommunalen Wohlfahrlselats gebracht, der um rund 200 Millionen mehr belastet sein wird als man ursprünglich allgemein angenommen hatte. Da die Umschuldung erst Ende dieses 3ahres beendet fein kann, und Ausländsanleihen nach der Stellungnahme der Beratungsstelle vorläufig nicht in Frage kommen, bleibt nur die Möglichkeit von hitfsmahnahmen durch das Reich übrig, wie sie im Gutachten der Arbeitslosenversicherung durch Ausdehnung der Krisensür- sorge usw. vorgeschlagen find. Oie Berufung des Oberbürgermeisters Böfi. Tie Urteilsbegründung des Bezirks« aueschusses. Berlin, 21.Mai. (CNB.) Gegen das Urteil, durch das Oberbürgermeister B ö h gestern vom Disziplinargericht unter Zubilligung oon Zweidrittel seiner Pension mit Dienstentlassung bestraft wurde, haben seine beiden Derteidiger heute Berusung eingelegt. Sie wenden sich gegen einzelne Schuldfeststellungen sowie gegen die Höhe der Strafe. Nach der B.Z. am Mittag begründet das Disziplinargericht die Höhe der Strafe damit, daß Oberbürgermeister Böß der erste Bürger der ersten Stadt Deutschlands war, was ihm ganz besondere Ps lichten auferlegte, fo daß seine Dienstverfehlungen auch ganz besonders ins Gewicht fallen. Ihn in feiner Stellung zu belassen, wäre nicht mehr möglich gerne! en, da er das Vertrauen b e r Bürgerschaft verloren habe. Es wird damit gerechnet, daß die Berusungsoerhandlung vor dem Ober- Verwaltungsgericht erst nach den Gerichtsferien wird stattfinden können. Als eine besondere Schwier rigfeit wird es angesehen, daß Senatspräsident Grutzner Borsitzender des Diszi- pltnarsenats für die Berliner Ange- legenheiten ist. Im Zusammenhang mit seinem bekannten Brief in der Angelegenheit des früheren Innenminister Grzesinski an den Ministerpräsidenten Dr. Braun erwägt die Berteidigung Grütz- ners Ablehnung wegen Besorgnis der Befangenheit, weil er bereits öffentlich seine Stellungnahme zu den Berliner Vorgängen zum Ausdruck gebracht habe. Uebrigens wird im Zusammenhang mit der Berhandlung gegen Böß in parlamentarischen Kreisen der Gedanke erwogen, die Oeffentlichkeit des Disziplinarverfahrens auch bei Verhandlungen gegen Beamte einzuführen. "J wird, wäre es schon etwas. O.S. Oie Wetterlage. W. - 3. W rung des Entwaffnungsgesehes. 0 LO- la CorU ng wird ^iiTi vm- 3 ■ i daß An» den Krieg nur in einem Bez manbobureau mitgemacht. 7* ' w " 8ihu schusses. c 8.30 Lhr begi ÄegierungsgeL Ätzmg des 9 Anhessen sto 1- Nschenbier Itmi tzmAne, An bn Rlätan amti Nehm । betriebe. - 2. gentums. Die Festsetzung und Abschätzung der Schäden wird die meisten Schwierigkeiten machen. DeziriLWvigr berg pslegeiostm sL dererseits dürfe es aber auch nicht so dargestcllt werden, als sei die Reichswehr schwach und hilf, los. Sie sei stark genug zum Schutze des Landes. Das sei auch notwendig, solange in Europa bedauerlicherweise die politischen Zu. stände noch so sind, daß gegebenenfalls mit einer Verletzung der Neutralität und der Grenzen Deutschlands zu rechnen ist. Die Sozialdemokraten wollen alles zum Schutze des Londes tun, aber sie sind nicht der Meinung des Ministers, daß alle Möglichkeiten des Versailler Vertrages aus. geschöpft werden müßten. Noch mehr als im Vor. lahr stehen im diesjährigen Wehretat d i e A u S. gaben in starkem Gegensatz zu der .J' 20 Uhr, lidjen Instituts. Der unfterbüd "«wischen oierze 5 Die _ Stadtti uns: Heute st ment eine * Beginn 20 HO stellung Meine liebe Äenstag, 27. - im Wittlvo- liebe dumme W ü!s Schütervorf -Der De: ßen M im he Mitgliederversan 20 Uhr in der Anzeige. -Was ist 2 am kommenden < Jahnhosstrahe, Fabrik vorzefü! Lustspiel gegeb Näheres in der Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht worden. Wir wollen die Waldbesitzer davon überzeugen, daß die Bildung von Wald, und Wege-Ge- nossenschaften in ihrem eigensten Interesse liege. Für die nationalsozialistische Betätigung an der Försterschule sei kein Beweis erbracht worden. Die weitere Umorganisation würde uns nur aushalten. Abg. Schöpflin (Soz.) unterstreicht die Erklärung des Ministers, die Reichswehr keine Angriffswaffe sei. zurückgezogen, da sich die Desahungsarmee schon seit längerer Zeit auf den im Mai zu erwartenden Räumungsbefehl einrichtete. Größere Schwierigkeiten werden sich ergeben bei der Uebergabe des beschlagnahm tenEi. s. Die Festsetzung und Abschätzung der )ird die meisten Schwierigkeiten machen. Möglichkeit, die uns der Versailler Vertrag läßt, muß ausgenutzt werden, sobald sie einen Kräftezuwachs für die Verteidigung bietet. Gegen jede Zersetzung der Wehrmacht Kräftezuwachs für die Verteidigung bietet. 4'. & Str Siidamenkaslilg des „Gras Zeppelin." gent Die Abstimmung ergibt die Bestätigung der Ausschußbeschlüsse. 'Bezüglich der Kinder- zuschläge für Kinder vom 16. bis 21. Lebensjahr bleibt es bei der von Sozialdemokraten und Zentrum vorgeschlagenen gestaffelten Rege- hing, dagegen stimmten Volkspartei, Dolks- rechtspartei, Demokraten, Deutschnationale und drei Zentrumsmitglieder. Von den deutschen Behörden wird die Forderung aufgestellt, daß die Liebergabearbeit bis zum 1. Juli beendet sein soll, so daß die Belassung von Llebergabekommissionen nach diesem Zeitpunkt nicht mehr als notwendig erscheint. Der Abmarsch von geschlossenen französischen Truppenabteilungen aus Mainz hat am Montagnachmittag begonnen und wurde am Dienstag fortgesetzt. Die Verladung der Truppen geschah im Mainzer Hauptbahnhof. Sämtliche O-Zügc in Richtung Straßburg—Saarbrücken- Paris sind seit Montag mit nach Frankreich zurückkehrenden Familien von Desatzungsangehörigen überfüllt. Beim Abmarsch der Truppenteile sammelte sich zahlreiches deutsches Publikum aus Neugierde an, verhielt sich aber ruhig und kor- rekt. Der größte Teil der zur Geheimpoli- z e i der französischen Rheinarmee (Suret6) gehörigen Beamten ist bereits nach Frankreich zu- rückgetehrt und dort in den Dienst der Zivilpolizei getreten. Oer Wehretat vor dem Reichstag Minister Groener tritt für Wehrhasterhattung der deutschen Jugend ein. Lieber den Kapverdischen Inseln. Praia (kapverdische Inseln), 21. Mai. (2BTB.) Das Luftschiff „Gras Zeppelin" hat heute abend 6.05 Uhr Ortszeit d i e Stadl Praia auf den kapverdischen Inseln überflogen und Post a b g e w o r f c n. Ls hat nunmehr über d i e Hälfte des Weges zwischen Spanien und dem nächsten Punkt der brasilianischen Küste zurückgelegt. Das Erscheinen des „Gras Zeppelin" bedeutet für die kapverdische Inselgruppe eine mit Spannung erwartete Sensation. Nachdem die Bevölkerung zwei Stunden lang erwartungsvoll nach dem Luftschiff Ausschau gehalten Halle, tauchte es endlich am nördlichen Horizont auf und kam langsam näher. Es flog so niedrig, daß die Passagiere deutlich zu erkennen waren. Die genaue Lage des Postamtes war der Führung anscheinend bekannt, denn das Luflschifs steuerte direkt darauf zu und lieh einen p o st s a ck, der an einem kleinen Fallschirm befestigt war, fallen. Ls überflog sodann die Skadt, verweilte einige Minuten über dem Landungsplatz der Postflugzeuge und nahm bann mit erhöhter Geschwindigkeit Kurs nach Südwesten. Beim Luftschifsbau sind folgende Funksprüche von Bord des „Graf Zeppelin" eingegangen: „15.10 Uhr amerikanischer Zeit Kapverdische Inseln erreicht. Postabwurf Sao Thlago. Alles klar." 22 Uhr MEZ.: posksack 18 Uhr Porto Praia abgewogen, fiel auf Dach. Schwarze Bevölkerung und zahlreiche hochbeinige Schweine jäh aus Phlegma gescheucht. Insel gebirgig und steril, in Tälern relativ grün. Kurs pernambuco. pernambuco in Erwartung des „Graf Zeppelin/ Neuyork, 22.Mai. (TA. Funkspruch.) Wie aus Pernambuco gemeldet wird, rüstet sich die ganze Stadt zum Empfang des „Graf Zeppelin". Vor den Fenstern der Zeitungsgebäude stehen große Menschenmengen, die die letzten Standortmeldungen des Luftschiffes lebhaft besprechen. Die ganze Bevölkerung Pepnambucos ist bereits jetzt in größter Aufregung. Nach der Ankunft des Luftschiffes sind zahlreiche Festlichkeiten geplant, darunter ein großes Gartenfest beim Gouverneur am Samstag. 3n Eisenbahnzügen und Automobilen treffen stündlich Tausende von Menschen aus den verschiedenen brasilianischen Staaten ein, Daten für Freitag, 23 Mai. Sonnenaufgang 3.59 Uhr, Sonnenuntergang 19.55 Uhr. — Mondaufgang 2.16 Uhr, Monduntergang 14.14 Uhr. 1498: der Reformator Girolamo Savonarola in Florenz verbrannt: — 1618: Beginn des Dreißigjährigen Krieges: — 1707: der Naturforscher Karl von Linn6 zu Rashult in Schweden geboren: — 1838: der Geograph Alfred Kirchhoff in Erfurt geboren; — 1886: der Geschichtsforscher Leopold von an ansteckend« Klage des fy ^.Wische: - 5. . orgeverbande M Bezirks, ö ingen weg Men für a) i Ort, b) die N, und der oursorge. . " E i n M i o f Wie um NEv'rd.sch SZer?nftQ,,u der Ä.Mh Gießener < omm E'nheitlic Sä Heimwehrführung jedenfalls gleich erteilt werden: Sofortige^Dornahme der Durchfüh- um der Ankunft des „Graf Zeppelin" beizuwohnen. Die Hotels sind überfüllt und auch auf dem Flugplatz Campo Alfonso haben sich bereits Neugierige eingefunden. Die Behörden tun alles, um auch nur die geringsten Schwierigkeiten zu vermeiden. Die Regierung hat 12 000 Dollar zur Deckung sämtlicher Unkosten während der Drasilienfahrt des Zeppelins zur Verfügung gestellt. Aus den brasilianischen Südstaaten sind zahlreiche deutsche Kolo- nisten eingetroffen. Auf dem Flugplatz sind große Fässer mit mehreren tausend Litern deutschen Benzins angeführt worden. 3n ganz Pernambuco wird ein wahres Volksfest vorbereitet. Ein brasilianisches Flugzeuggeschwader wird dem Luftschiff aufs Meer hinaus entgegenfliegen und es einholen. Das Wetter und die Sicht sind gut. Auf dem Landungsplatz mit seinem der Sichtbarkeit rot-weiß angestrichenen Ankermast entwickelt sich bereits lebhafte ste s Treiben in der nach Tausenden zählenden Menge, die aus .dem Hinterland und den Nachbarstaaten zusammengeströmt ist, um den Zeppelin zu sehen. Auch sonst selten gesehene Typen kann man beobachten, wie zum Beispiel sogenannte Sertanejos, mit Flinten und Patronengürteln ausgestattete Siedler der abgelegenen Gegenden. die der Zeppelinlandung wie einem Wunder entgegensehen. '' Ohne Landung Weiterflug nach Rio? Neuyork, 21. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung der Ass. Preß aus Pernambuco hat Dr. Eckener den Behörden des Landungsplatzes durch Funkspruch mitaeteilt, daß der „Gras Zeppelin" kurz nach lOUHr vormittags Ortszeit in Pernambuco eintreffen werde. In Natal fing ein Amateurfunker einen Funkspruch des Luftschiffes „Graf Zeppelin" auf, demzufolge Dr. Eckener in einem Gespräch mit Passagieren nach der Abendmahlzeit äußerte, es sei noch unentschieden, ob „Graf Zeppelin" in Pernambuco zur Wasseraufnahme landenoderdirektnach Rio de Janeiro fahren werde. Der Tag war etwas trübe, doch brach bei den Kapverdischen Inseln verschiedentlich die Sonne durch die Wolken und es bot sich den Passagieren ein herrliches Panorama. Dr. M e g i a s hat ein während der Reise erkranktes Mitglied der Mannschaft behandelt. Dr. Megias bemerkte, der Fall beweise die Notwendigkeit eines Arztes an Bord eines Luftschiffes während der Transatlantikreisen, da viele Passagiere nicht an solchechöhen g e m ö h n t seien. Die Mehrzahl der Passagiere beschäftigte sich, so heißt es in dem Funkspruch weiter, während des gestrigen Abends mit der Niederschrift ihrer Eindrücke. Heimwehrsorderungen zur Entwaffnungsakiion. Ein Memorandum an Bundeskanzler Schober. Wien, 21. Mai. (WTB.) Nach einer Korre- fpondenzmeldung hat die Bundesführung der Heimwehr an den Bundeskanzler Dr. Schober bezüglich der Freitag einzubringenden Novelle zum Waffenpatentgesetz ein Schreiben gerichtet, in dem sie dem Bundeskanzler vorschlägt, daß die Staatsexekutive unterMitwirkung der Heimwehren die Entwaffnung der staatsfeindlichen und volkszersetzenden Elemente durch führen soll. Für die Zeit der Durchführung dieser Maßnahmen soll ein von der Dundesführung vorgeschlagener Vertrauensmann das Innenministerium übernehmen und an denjenigen Steifen, denen die Polizei sowie die Gendarmerie unterstehen, sollen Vertrauensmänner der Heimwehren eingesetzt werden. Das Landbundorgan „Neues Wiener Extrablatt" ' schreibt zu dem Memorandum der Heimwehr an den Bundeskanzler Schober u. a.: Mit der Ucber- reichung ihres Memorandums an den Bundeskanzler Schober hat die Bundesleitung der Heimwehren eine ernste und für die Heimwehrführung sehr kritische Lage geschaffen. Daß die Bundesleitung den Mut findet, dem Ches der Regierung ein Memorandum mit derartigen Forderungen zu überreichen, muß als beispielloser Vorgang bezeichnet werden. Da sich dieses Memorandum ebenso wie gegen Parlament und Parteien gegen die Regierung richtet, ist ein geschlossenes Vorgehen aller dieser Faktoren unbedingtes Erfordernis. Eine Antwort wird der Berlin, 21. Mai. In der Mittwochsitzung des Reichstages wurde begonnen mit der zweiten Beratung des Haushalts des R e i ch s w e h r rn i n i st e- r i u m 5. Reichswehrminister Groener: In der Presse des Auslandes, ja sogar in unserem eigenen Vaterlande, wird die Meinung verbreitet von dem militärisch angriffslüsternen Deutschland. Tatsächlich ist aber Deutschland abgerüstet und seine Wehrmacht ist keine Angriffs- waffe. Das zeigt schon der Vergleich unseres 100 000-Mannheeres mit der französischen Armee, deren Friedensstärke über 1 Million, deren Kriegstärke 9,650 Millionen beträgt. Der neue Chef des ranzöfischen Generalstabs, den wir 1918 als charfen, aber klugen und ritterlichen Gegner kennengelernt haben, joirb hoffentlich feine große Autorität dafür einsetzen, daß jene unwürdige und heuchlerische Deklamation von der angeblichen deutschen Gefahr aufhört. Trotz dieser Wehrlosigkeit muß bei uns alles geschehen, daß wir gegen jede Verletzung der Neutralität und jeden Gebietsraub auftreten und uns wehren können, sonst wird uns auch der Völkerbund nichts nutzen. (Beifall.) Wir müssen unsere Wehrhaftigkeit erhalten und ihren Geist auch in der Jugend pflegen, zumal bie Abrüstung ber übrigen fiänber, auf die wir Anspruch haben, keine F o r t sch ritte macht. Man spricht von beut- schen Geheimrüstungen. Ieber Fachmann weiß aber, baß eine geheime Rüstung unter den heutigen Verhältnissen ganz unmöglich ist. Solche Angriffe, wie sie neuerbings mieber Poincar6 erhoben hat, finb also als un- finnig zu bezeichnen. Die Ausgaben für die Wehrmacht betragen bei uns 4 Prozent des Gesamthaushalts, in Frankreich aber 27 Prozent und in Polen sogar 29,3 Prozent. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen bei uns an Wehrausgaben 11 Mark, in Frankreich aber 57,50 Mark. Jede Räumungsvorbereitungen. Der Rücktransport der Besatzungstruppen. WSN. Mainz, 21.Mai. Heber den Rücktransport der Desatzungstruppen der dritten Zone stehen Einzelheiten zur Zeit noch nicht fest, jedoch ist die Anweisung ergangen, daß die Neineren Städte zuerst geräumttoer» den sollen. So werden die Städte der Pfalz, Garnisonen an der Mosel und an der Rahe zuerst von den Desahungstruppen befreit fein. Wiesbaden und Mainz behalten a m längsten die französische Besatzung. In Mainz wird bis zum 30. Juni ein Kommando bleiben, bas zu einer noch festzusehenden Stunde die französische Trikolore einholt und mit diesem Einholen das Ende der Besatzung in der gesamten dritten Zone verkündet. Bisher wurden etwa 20000 Mann M’f N,,-" Henr'k l-E SS«:« 8® SÄ pro - lägest StMheaier: allgemeinen Finanzlage. Wir müssen bei verschiedenen Positionen Streichungen beantragen. Abg. von Lettow-Vorbeck (Oni): Wir können uns nicht der Meinung ,an- schliehen, daß im Reichswehretat noch größere Ersparnisse möglich wären. Dermilitärische Gei st in der Reichswehr ist ganz vortrefflich, ebenso das Verhältnis von Offizier und Mannschaft. Gegen politische Zer- sehungsbestrebungen muß nachdrücklich eingeschritten werden. Die Reichswehr soll nicht einer politischen Richtung, sondern der Volksgesamtheit dienen. Der Wehre tat ist zu sparsam ausgestellt. Als Angriffswaffe kommt die Reichswehr gegen die Millionenarmeen nicht in Frage; aber ein gewisser Schuh liegt darin, wenn der Gegner weiß, daß wir nicht wehrlos sind. 3n der Frage des Panzerkreuzers B hätte die Regierung nicht auf die Führung verzichten dürfen. Der Minister, der die Möglichkeiten des Versailler Diktats ausschöpfen will, muß auch die Baurate für den Panzerkreuzer fordern. Wir wollen Deutschland wehrhaft und bündnis- fähig machen. Wir wollen die deutsche Jugend zum Wehrwillen erziehen. Abg. Ersing (3 ): Wir brauchen die Reichswehr als ein Instrument der Verteidigung. Dem Friedensgedanken wird nicht damit genützt, wenn deutsche Zeitungen das Gerede von geheimen Rüstungen weitertragen. In Straßburg hat eine französische Zeitung der Richtung Herriot eine derartige Mitteilung des ..Berliner Tageblatts" wiedergegeben, das sei ein Beweis für das Bestehen geheimer deutscher Rüstungen. Während Deutschland vollständig abgerüstet ist, ist in der Abrüstung der übrigen Mächte kein Fortschritt zu verzeichnen. Auch die Hoffnungen auf die englische Arbeiterregierung Macdonalds haben sich nicht erfüllt. Bei dieser Lage mußte es befremden, daß auf der Tagung der sozialistischen Internationale in Berlin ausgerechnet gegen den geplanten Bau des deutschen Panzerschiffes B protestiert wurde. Die Art der Propaganda, die die Deutsche Friedensgesellschaft in einer ihrer letzten Broschüren treibt, schädigt Deutschland mehr als manche Hurra-Rede eines alten Generals, denn diese Broschüre kommt auf Grund ganz unzutreffenden Materials zu dem Schluß, daß doch geheime Rüstungen von der Reichswehr gefördert werden. Das Zusammentreffen von Lettow-Vorbeck mit seinem Kriegsgegner General Smuts war eine bessere Friedensarbeit als die unwahre denunziatorische Art, wie auch deutsche pazifistische Kreise um die Friedensgesellschaft herum ihre Propaganda treiben. (Beifall rechts.) Diese Kreise haben meist Oer Forstetat im Hessischen Landtag. Darmstadt, 21. Mai. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 1/111 Uhr. Es beginnt die Einzelberatung des Etats bei Kapitel 1 „Forst- und Kameralgüter unter Fvrst- Pertoaltung“. 2lbg. Schott (D. Dp.) wünscht, daß in der Umorganisation der Forstverwaltung nun endlich Schluß gemacht werde. Die Deförsterungsbei- träge der Gemeinden und Privaten sind zu hoch. Abg. G u h m a n n (Lbd.) verlangt Aenderung des Forstverwaltungsgesetzes, das in bezug auf die Waldgenossenschasten und den Erwerb von Privatwald durch die Erben des Besihers Mängel aufweise. Abg. Späth (Zentr.) vertritt eine bessere Entlohnung der Waldarbeiter, da Hessen hier noch manches tun könne. Abg. Anthes (Soz.) behauptet, daß der Leiter und die Lehrlinge der Försterschule in Schotten sich an nationalsozialistischen Kundgebungen beteiligen. Das Parlament dürfe nicht, wie früher der Großherzog, der Gefangene der Oberförster werden. Abg. Dr. Werner (Nat.-soz.) fordert Einhaltung der freien Meinungsäußerung auch für alle Beamte. Landforstmeister Hesse erhärt, daß er allein den hessischen Wald in Staats- und Gemeindebesitz in seinem Bestand und seiner Verwertung vertrete. Die dem Staat noch verbhebenen Regiejagden seien zur Aufrechterhaltung eines gewissen Wildbestandes im Rahmen der Landeskultur notwendig. Dadurch trete gleichzeitig eine Wertsteigerung der angrenzenden Gemeindejagden ein. Bei Verpachtung auch der restlichen Regiejagden könne mit einer Einnahme von 2500 Mk. gerechnet werden. Hessen habe mit 26 Prozent bengering- Jt e n D estan d an Regiejagden (Preußen z.B. 95, Bayern 55 Prozent). Lediglich etwa 11000 Hektar Gemeindewald haben eine Rente die durch die Beförsterungsbeiträge aufgezehrt' werden, während über 68 000 Hektar eine Rente von mehr al« 35 Mk. bringen. Jede begründete Klage über den »Herrenftandpunkt der Grünröcke" wird eingehend geprüft werden. Nur wenn Privatwald an Staats- oder Gemeinde- Wald angrenzte, ist in AuSnahmefSklen von dem *7$ < ■V' Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. Mai 1930. Zwischen Gras und Mooö. Nur wenige Tage noch und schon ist die Herrlichkeit, mit der die Welt vom Mai überschüttet wurde, abgeblüht. Die Wege liegen weihgetupft: Dlütenschnee. Da im Schatten, einige Verspätete, die noch mit weißer Blütenpracht prunken; auf verborgenen Schattenwegen am Waldfaum der Schlehdorn, der noch Blüten trägt. Heute noch. And morgen? Da wirft auch er sein Prachtkleid ab und schickt die grünen Blättchen mit verdoppeltem Eifer vor. Auf saftigem Wiesengrunde wetteifern die sattgelben Blüten der Sumpfdotterblume miteinander. Der Löwenzahn streitet mit ihnen-UL^. das Vorrecht, zu leuchten und zu glühen. Der Huflattich breitet seine kühlgrünen Blätter aus. Unter den Baumwipfeln unb im Waldesdunkel reckt sich das grüne Leben empor und ringt um Licht und ßuft, strebt nach dem besten Plätzchen. Wie beim Menschen auch. Wettstreit überall und Ringen. Immer geizend um einen kleinen Vorteil, und doch gebunden an Boden und Anlage. Mag sich ein Grashalm noch so sehr strecken, er kommt doch nicht über das ihm zugewiesene Maß hinaus und bleibt ein schwaches, schwankendes Gebilde, dem der leise Lufthauch schon Unruhe zufügt. Unter ihm breiten sich gemächlich die kleinen, breitgeformten Schöpfungen des Frühlings aus, stehen festverwurzelt und sorgen sich trotzdem um ein wenig Raum mehr, den sie für sich nützen könnten, um mehr Licht und mehr Gewinn zu erlangen, mehr Gewinn von ihrem kurzen Dasein, das einen Sommer währt. Einen Sommer! Und unser Sein? Ein wenig länger; im Grunde aber auch nicht mehr. Trotzdem das gleiche Drängen, das gleiche Mißgönnen, das gleiche Sichemporstrecken, das doch auch am Boden und an der Anlage seine Begrenzung findet. Hier der leichte Halm, der sich flink über die andern erhebt und ein Spiel der Stürme wird. Dort die gewollte Beschränkung, am Boden haftend, sich begnügend mit dem festen Erdreich und dem geringeren Maß von Beachtung, dafür geruhsamer und stiller und dabei doch auch Blüten treibend, die erfreuen können. Ein Sinnbild überall, wenn wir wollen. Nur selbst müssen wir es mit Sinn erfüllen. Haben wir aber diesen Sinn und nützen ihn nach den Gegebenheiten, warum sollte es uns nicht zum Nutzen ausschlagen? Und wenn wir nur lernten, wie schnell der Blütenschnee zu Boden geweht • ü.. Owolkenlos.© neuer, onaio oeaecxl. ©womit), eoeoeckt. »Regen * Schnee & Graupein ■ NeDei K Gewitter.@WindstiUe.K^ sehr leichter Ost. massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem wmie Pie oeiaen Stationen stehenden Zart? (en geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mit gleichen! out rteerunireau umgereenneten Lultdruc» Wettervoraussage. Der Kern des Hochdruckgebietes hat sich noch weiter verstärkt und dabei nördlich verlagert. An seiner Südseite drehen die Winde auch in Deutfchland sehr nach Osten um, so daß bei kontinentaler Luftzufuhr zunächst vielfach heiteres Wetter herrscht und die Temperaturen tagsüber weiter ansteigen. Von Spanien her rückt jedoch eine Störung vor, so daß es allmählich zur Ausbildung einer Rinne etwas tieferen Druckes kommt. In ihrem Bereiche dürften nach kräftiger Erwärmung. lokale Gewitterstörungen auftreten, die vereinzelt auch Gewitterregen mit sich bringen. Wettervorhersage für Freitag: Teils heiter, teils wolkig, tagsüber weitere Erwärmung, lokale Gewitterbildung. Lufttemperaturen am 21. Mai: mittags 12,2 Grab, abenbs 11,7 Grab; am 22. Mai: morgens 10,5 Grab. Maximum 15,8 Grab, Minimum 7,7 Grab. — Erb- temperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Mai: abenbs 16,4 Grab; am 22. Mai: morgens 11,8 Grab. — Niederschläge 7,8 mm. — Sonnenscheinbauer 2% Stunden. Reisewelterdienst. Baden-Baben. Temperatur 8 Grab, kühle Nacht, Sübostwinb, heiter bis halb bebeeft; Witte- rungsverlauf seit gestern veränberlich mit Schauern. Garmisch -Pa rtenkirchen. 9 Grab, vorherrschend kühl, Südwind, heiter bis halb bedeckt; Ditterungsverlauf seit gestern meist trübe. We st erlaub auf Sylt. 10 Grad, kühle Nacht, Nordostwind, heiter bis halb bedeckt; Witte- rungsverlauf seit gestern meist heiter, Paris Rö' 2ts '2 Man.i7g<£ yO jü/6 ■Clerrrtfrit fonl < 20 >-361 Gastwirte-Tagung in Gießen. Verbandstag des Rhein-Main-Gastwirteverbandes. Am Dienstag und gestern fand hier der 4 7. Derbandstag des Rhein-Main- Gast wirte-Derbandes «Hessischer Landesverband im Deutschen Gastwirtsvcrbond) statt. Singcleitet wurde die Tagung durch eine Bor- standssitzung am Dienstagnachmittag Im Hotel Schuh. Arn Abend fand ein gutbcfuchter Be» grüßungsabend im Caalc dcS Caf6 Leib statt. Das Programm enthielt eine Reihe musikalischer Darbietungen von Mitgliedern der Gießener Militärkapelle. Außerdem erfreute Frl. G a u b (Gießen) durch den Dortrag mehrerer Lieder. Der Vorsitzende der hiesigen Innung, H Schmitz, begrüßte die Erschienenen mit dem Hinweis, daß die Gießener Gastwirteinnung alles getan habe, um den aus allen Teilen des Hessenlandes Erschienenen einige angenehme Stunden zu bereiten. Der stellvertr. Vorsitzende des Rhein» Main-GastwirteverbandeS, P. Tischler (Darmstadt- gab seiner Freude über den herzlichen Empfang Ausdruck. 3m übrigen trugen Humorist Ludwig Clermont und Frau durch künstlerische Darbietungen wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Am Mittwochvormittag fanden in CafS Leib die Verhandlungen statt, an denen etwa 300 Delegierte und Gäste teil- nahmen. Gastwirt H. Schmitz entbot den Erschienenen namens der Gastwirteinnung Gießen herzlichen Willkommengruß, während P. Tischler, Darmstadt, der die Verhandlungen leitete, namens des Verbandes begrüßte. Außer den zahlreichen Delegierten nahmen an den Verhandlungen teil: Ministerialrat Hechler als Vertreter des Hess. Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, Regierungsrat Dr. Vraun als Vertreter des Kreisamts und der Provinzialdirektion, Beigeordneter Dr. Hamm als Vertreter der Stadt Gießen, Regierungsrat Wolf als Vertreter des Polizeiamts, außerdem eine Reihe von Vertretern anderer Organisationen des Gastwirtsgewerbes. Der stellvertr. Vorsitzende des Verbandes, P. Tischler, Darmstadt, wies bei der Eröffnung der Verhandlungen darauf hin, daß sich die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in besonderem Maße auf das Gastwirtsgewerbe aus- wirkten. Kein Gewerbe greife so stark in andeve Gewerbe ein, wie das Gastwirtsgewerbe. Er sprach die Hoffnung und den Wunsch aus, daß die behördlichen Stellen auch im neuen Jahre für die Wünsche des Gastwirtsgewerbes das notwendige Verständnis zeigen möchten. Ministerialrat Hechle r-Darmstadt versicherte, daß die Regierung gerne bereit sei, mitzuhelfen. Hierzu biete sich eine günstige Gelegenheit bei dem Erlaß der Ausführungsbestimmungen zum Gaststöttengesetz. D'.e Regierung habe hierbei besonderes Interesse, die Wünsche des Gastwirtsgewerbes kennenzulernen, damit diese, soweit möglich, berücksichtigt werden könnten. Beigeordneter Dr. Hamm gab namens der Stadtverwaltung der Freude darüber Ausdruck, daß die Tagung in Gießen stattfindet. Allerdings hätte man in Gießen gerne gesehen, wenn auch die Gastwirtsmesse hierher gekommen wäre, es sei aber auch verständlich, daß man dem besetzten Gebiet, dessen baldige Befreiung bevorstehe, habe Rechnung tragen wollen. Sein besonderer Gruß gelte den Gästen aus dem besetzten Gebiet. Rach weiteren kurzen Ansprachen von D ö h n c, Kassel (Wirteverband Hessen'Rassau u. Waldeck), und A. Fröhlich, Gießen (Selterssprudel), begannen die Verhandlungen. Aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorstandes und dem Rechenschaftsbericht ging hervor, daß der Verband auch im vergangenen Jahre vorwärts gekommen ist. Ein Antrag des Vorstandes auf Beitragserhöhung wurde abgelehnt. Hierauf hielt Derbandssyndikus Rechtsanwalt Dr. Mattern, Darmstadt, einen Vortrag über das Thema: „Die Bedeutung des Gastwirlsgewerbe» innerhalb der gesamten Virtschaft ." Der Redner wies daraus hin. daß der Konsum im Gastwirtsgewerbe wesentlich zurückgegangen sei. demgegenüber seien die Ansprüche der Gäste, sowie die steuerlichen Belastungen größer geworden. Insolgedessen sei die Existenzsähigkeit im Gastwirtsgewerbe schwer bedroht. Verantwortlich für die enorme Belastung des Gast- wirtsgcwerbeS sei die verfehlte Finanzausgleichsgesetzgebung. Durch dieses System gehe Staat und Gemeinden das Verantwortungsbcwußtscin verloren, daher das ständige Anschwellen der Haushaltspläne. Der Redner forderte größte Sparsamkeit in der Verwaltung. Er kam dann weiter auf die Sozialgesetzgebung zu sprechen und betonte, daß auch daS Gastwirtsgewerbe für eine gesunde Sozialpolitik zu haben sei, allerdings dürften derartige Einrichtungen sich nicht als Dersorgungsinstitute herausbilden. Jeder Mißbrauch müsse unterbunden werden. Bei der Behandlung von Steuersragen zeigte der Redner die Auswirlung des Finanzausgleichsgesetzes, besonders im Gastwirtsgewerbe. Er forderte weiter, daß das Reich die Durchführung der erlassenen Gesetze bei den Landern überwacht. Zum Schluß besprach er noch kurz das Gaststättengesetz und seine Auswirkung. In der Aussprache wies Ministerialrat Hechler darauf hin, daß in Hessen weitgehende Sparmaßnahmen getroffen seien und auch fernerhin getroffen würden. Der Sparkommissar habe selbst anerkannt, daß Hessen in der Verwaltung am sparsamsten sei. Wenn die Arbeitslosenversicherung verschwinde, würde eine Erhöhung der Wohlsahrtslasten und damit eine Steigerung der Realsteuern eintreten. 3n einem weiteren Referat sprach Amtmann Strauch (Darmstadt) über: „Die Reichsunfalloersicherung im Gastwirts- gcwertre". Er erläuterte dabei den Kreis der Versicherungs- Pflichtigen Betriebe, den Umfang der Versicherung und die Organisation, streifte die Leistungen und Beiträge in der Unfallversicherung und wies zum Schluß auf die weitgehenden Pflichten der Betriebsinhaber hin. Nach einer «inständigen Pause wurden noch drei weitere Referate über die Selb st Hilfeeinri ch- tungen des Verbandes gehalten, und zwar sprach M. Iaskowsky (Offenbach) über die (Sterbe- unterstützungskasse des Deutschen Gastwirte-Bundes, W. Döring (Darmstadt) über die Haftpflichtkasse deutscher Gastwirte lind A. Fröhlich (Gießen) über den Selterssprudel Augusta Viktoria in Selters. Es tarnen sodann eine Reihe von Anträgen zur Verhandlung. Ein Antrag der Gastwirteinnung Darmstadt, der die Ausschaltung jeder tariflichen Regelung bei Lehrlingen for- bert, wurde angenommen. Ebenso ein Antrag des Verbandsvorstandes betreffend Zusammen- schluß aller Spitzen verbände und örtlichen Organisationen aus dem Gasthausgewerbe. Ein Antrag Alzey wegen Aendcrung des Eichgesetzes wurde dem Vorstand zur Bearbeitung überwiesen. Ein Antrag von Bingen, welcher die Hebung des Weinumsatzes in Hessen fordert, wurde zur Kenntnis genommen. Ein Antrag Butzbach fordert die gleichen Vergünstigungen bezüglich der Sonder st euer, wie bei der Landwirtschaft. Die Versammlung stimmte dem Antrag zu. — Bei den Dahlen wurde der seitherige 2. Vorsitzende des Verbandes P. Tischler (Darmstadt) zum 1. Vorsitzenden, W. Döring (Darmstadt) zum 2. Vorsitzenden und Mundt (Darmstadt) zum Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses gewählt. Als Ort der nächsten Tagung des Verbandes wurde Heppenheim bestimmt. Ranke In Berlin gestorben: — 1906: der Dichter Henrik Ibsen In Oslo (Ehristiania) gestorben. ttictzcncr 'L^ochcuurarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 25 bi» 30, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüden 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, Spargel 45, Erbsen 35 bis 40, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 60 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 10 bi» 15. Aepfel 10 bis 15. Dörrobst 30 bi« 35. Kartoffeln 4.5 bis 5 (pro Zentner 3.80 bis 4 Mk.), Kirschen 100 bis 120, Rüsse 50 bis 70. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130. Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund: Tauben 70 bis 80, Eier 10. Blumenkohl 50 bis 100. Salat 10 bis 15, Saiatgurken 50 bis 80, Oberkohlrabi 20 bis 25. Lauch 5 bis 10, Rettich 20 bis 25, Sellerie 10 bis 40 pro Stück: Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund. Bornotizerr. — Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: „Elooigo", 20 bis 22 Uhr. — Oberhessischer Geschichtsverein: Vortrag von Universitäts- Professor Dr. Rolosf über das Thema,, Zu den Wirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf Deutschland", 20 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts. — Lichtspielhaus Bahnhosstraße: „Der unsterbliche Lump". — Astoria-Lichtspiele: „Zwischen vierzehn und siebzehn" und „Der Kampf um die Rayfield-Mine". — Stadtthea ter Gießen. Man schreibt uns: Heute findet im Mittwochabonnement eine Vorstellung von .Clavigo" statt. Beginn 20 Alßr. — Morgen ist die letzte Vorstellung des Freitag-Abonnements: „TU eine liebe dumme Mama", Lustspiel. — Dienstag, 27. Mai, findet die letzte Vorstellung im Mittwochabonnement statt: .Meine liebe dumme Mama." — SamStag zum letztenmal als Schülervorstellung, 16 Uhr, „Elavigo". — Der Verein Volkshochschule Gießen lädt im heutigen Anzeigenteil zur diesjährigen Mitgliederversammlung auf Mittwoch, 28. Mai, 20 Uhr in der Oberrealschule ein. Näheres siehe Anzeige. — Was ist Trumpf? Unter diesem Titel wird am kommenden Sonntagvormittag im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ein Film der Trumpf-Schokoladen- Fabrik vorgeführt, als Beiprogramm soll ein "Ton- Lustspiel gegeben werden. Der Eintritt ist frei. — Näheres in der heutigen Anzeige. * M Sitzung de» Provinzialaus» schuffes. Am nächsten Samstag, vormittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgcbäudes zu Gießen, eine öffentliche Sitzung des Provinzlaiausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Jlaschenbierhandel der Fritz Detter Ehefrau Ernestine, geborene Horst, in Gießen, An der Kläranlage 80: hier: Antrag des Kreis- amt« Gießen auf Untersagung des Gewerbebetriebs. — 2. Klage des Preußischen Dezirks- sürsorgeverbandcs Wetzlar gegen den Can» desfürsorgevcrband Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Alsfeld, wegen Erstattung von Pflegekosten für Johann Schoop. — 3. Klage des Preußischen Bezirks- fürsorgeverbandes Limburg gegen den Lan- deSsürsorgeverband Hessen, vertreten durch den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Friedberg, wegen Uebernabme von Krankenhaus- pflegelosten für Eduard Fröhlich — 4. Berufung des Heinrich Jüngling in Ortenberg gegen das Urteil deS Kreisausschusses des Kreises Büdingen, in Sachen: Entschädigung für an ansteckender Blutarmut erkrankte Pferde: hier: Klage des Heinrich Jüngling in Ortenberg gegen den Hessischen Minister des Innern in Darmstadt — 5. Klage des Preußischen Dezirkssür» sorgeverbandes Gelnhausen gegen den Hessischen Dezirlssürsorgeverband des Kreises Büdingen wegen Erstattung von Unterstühungs» kosten für a) das Kind Karl Weißbecker in Bad Orb, b) die Eheleute Willi Eberhard in Bad Orb und deren Uebernahme in unmittelbare Fürsorge. E i n Mllitär-Großkonzert in Gießen? Wie uns vom Städtischen Verkehrsamt mitgeteilt wird, schweben zur Zeit Verhandlungen über die Veranstaltung eines Militär-Großkonzerts in Gießen in der gleichen Art, wie es dieser Tage in Marburg stattfinden soll. Es ist beabsichtigt, auch bei bei Gießener Konzert mehrere Militärkapellen zu einem einheitlichen geschlossenen Klangkörper zusammenzufassen. um dadurch ein Orchester zu bilden, wie es hier noch nicht in Erscheinung getreten ist. Der bisherige Verlauf der Verhandlungen war günstig, so daß man wohl auf das Zustandekommen dieser musikalischen Großveranstallung hoffen darf. ' Kirche ngesangvereinSfe st des Dekanats Gießen. Im heutigen Anzeigenteil wird zu dem Iahresfest der evangelischen Kir- chengesangvereinc des Dekanats Gießen am kommenden Sonntag, 25. Mai, in Kloster Arnsburg cingeladen. Der FestgotteSdienst beginnt um 14 Uhr, Festprediger ist Pfarrer Hartmann, Alten-Buseck. 2n der Rachversammlung, die um 15.45 Uhr beginnt, wird jeder Verein selbst- gewählte Chöre vortragen. Da« herrliche Fleckchen Erde dürfte eine große Teilnehmerschar zum Besuche reizen. Bei ganz schlechter Witterung müßte die Feier in die große Kirche zu Lich verlegt werden. (Siehe heutige Anzeige.) ** »Rund um die Welt in einer Somme r n a ch t.“ Die Gießener Studentenschaft veranstaltet am Sonntag, 1. Juni, in den ®ef am träumen der Dolkshalle ihr diesjährige» Sommerfest. Motto: .Rund um die Welt in einer Sommernacht." Die Veranstaltung wird, wie man un» schreibt, in großem Rahmen stattfinden und die Besucher mit den Eigentümlichkeiten einiger Länder bekannt machen. TeraS, eine türkische Kaffeestube. chinesische Opium-Höhle, Original-Ameri» can-Dar. Wcindori. Münchener Oktoberwiese und viele andere Darbietungen werden neben dem Tanz auf riesigen Tanzflächen bei ausgesuchter Musik zur Größe de» Festes beitragen Rach den Erfahrungen, die der Wiener Praterabend im vorletzten und da» großartige Sommerfest im vorigen Jahre gegeben haben, dürfte auch diesmal die Beteiligung der Gießener Bürgerschaft und Studentenschaft sehr groß werden. Karten sind im Vorverkauf in der Musikalienhandlung von Challier und für Studenten bei Sekretär Ritter in der Universität zu erhalten. 3m übrigen verweisen wir auf die heutige Anzeige. •• Sonderfahrt an den Rhein. Am kommenden Sonntag veranstaltet da» Reise- burcau Loeb in Dießen seine erste diesjährige Sonderfahrt an den Rhein. Frühmorgens soll die Reise mit einem Sonderzug von Gießen bis Mainz-Kastel gehen, dann folgt Dampferfahrt bis Rüdesheim, wo eine längere Pause zum Besuche de« Riederwalddenkmals eingelegt wird, anschließend geht e« mit dem Dampfer weiter bi« Koblenz, zu dessen Besichtigung gegen Abend noch genügend Zeit verbleiben soll. Mit einem Sonderzug geht es dann von Koblenz aus über die Lahnbahn nach Gießen zurück. Die wiederholten Sonderfahrten an den Rhein, die daS Reisebureau Loeb in den letzten 3ahren organisierte, fanden stets starken Zuspruch und waren für die Teilnehmer sehr genußreich. Auch bei den diesjährigen Fahrten dürsten die Mitreisenden sicherlich auf ihre Kosten kommen. (Man beachte die heutige Anzeige.) ,e Sommertagung der Hohenfolm- ser Arbeitstage für evang. Leben»» g c ft a 11 u n g. Man schreibt uns: Auf Burg Hohensolms findet am nächsten Sonntag, 25 die erste Eommertagung im Rahmen der Hohen» solmser Arbeitstage für evangelische LebenS» gestaltung statt. Sie steht unter dem Thema: „lieber den Sinn von Arbeit und Berus in der heutigen Wirtschaftswelt" und ist damit einer der brennenden Fragen der Gegenwart gewidmet. Vielleicht lockt ein schöner Maiensonntag auch manchen, der ein 3ugendtresfen bisher noch nicht mitgemacht hat, nach dem schönen HohensolrnS: und ein Sonntag im Kreise froher Menschen, die mit ernstem Mut um die Röte der Zeit ringen, ist eine Herzstärkung für lange Zeit. (Siehe heutige Anzeige.) ** M i t dem Fahrrad gestürzt. Ein Radfahrer namens Heinrich Rehs aus Allen- dorf a. d. Lda. stürzte gestern nachmittag auf der Frankfurter Straße zwischen Gießen und Klein-Linden mit feinem Rade. Gr erlitt dabei schwere Verletzungen und mußte nach xrster Hilfeleistung durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zu- gcfüfjrt werden. Oer Offenbacher Fehlbetrag auf 3% Millionen Mai l gestiegen. WSR. Offenbach, 21. Mai. Der Oberbürgermeister hat den Mitgliedern des Stadtrats einen Bericht zugehen lassen, nach dem der ursprüngliche Entwurf zum Haushaltsplan für 1 9 3 0 einen Fehlbetrag von Mark 2 169 016 vorsah. ^inzwischen hat sich diese» Defizit durch erneute erheblich« Zugänge an ausgesteuerten Erwerbslosen um Mark 842 000 ausMarkZ 260 000 erhöht. Zur Deckung diese- Fehlbetrages wird die Erhöhung des Aus- schlagssahes für die Gebäudesteuer bei 124 v. H. gesetzlicher Miete, Erhöhung des Wasserpreise« von 30 auf 35 Pfennig für den Kubikmeter Dor» geschlagen. Ein Kopfsteuerbeitrag für jeden einzelnen in Offenbach wird erwogen. Berliner Börse. Berlin , 22. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nach den teilweise kräftigen Erholungen der gestrigen Frankfurter Abendborse schien sich die freundliche Stimmung auch im heutigen Frühverkehr erhalten zu können. Man rechnet mit weiteren Deckungen der Spekulation zum Ultimo und erwartet mit Span- nung den heutigen Entscheid der Bank von England in der Diskontfrage. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,97, London gegen Mailand 92,72, London gegen Spanien 40, London gegen Buenos 42,95, London gegen Kabel 4,8610, London gegen Berlin 20,3675, Kabel gegen Berlin 4,1897 zu 4,19. VIER erprobteTypen - Lastkraftwagen und Omnibusse Technisch bis ins Letzte durchdacht, praktisch seit Jahrzehnten erprobt, entsprechen' diese vier Typen in idealer Weise allen Transportbedürfnissen der Weltwirtschaft. Wir liefern nach wie vor unsere bewährten, selbsterzeugten Benzinmotoren modernster Konstruktion. Unsere Rohölmotoren für schwere und Groß-Lastwagen, sowie Groß- Omnibusse nach eig. umfassenden Patenten genießen internationale Anerkennung. L = Leichter Lastwagen bis 13/ Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen dem Wilhelm Wabenpfuhl und dessen Ehefrau Luise geb. 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Wie sich di« Dinge in Tunis entwickeln sollen, ist eben unbestimmt, solange es nicht gelungen ist, das italienisch-französische Derhältnis zu klären. Die Flottenkonferenz in London gibt ja überdies Italien allen Anlaß, derartige Fragen vorläufig nicht crnzuschneiden, da dies möglicherweise die starke Stellung der Franzosen in London noch mehr verbessern würde, ohne datz ersichtlich wäre, wer nun in diesen Fragen den Italienern zur Seite stehen soll. Man darf |a schließlich nicht vergessen, daß die italienischen Ansprüche recht groß sind und weit über das hinauSgehen, was Frankreich bisher zuzugestehen bereit war. Doch wäre es verkehrt, anzunehmen, daß die Faschisten die Dinge in Ruhe weitertreiben ließen und sich auf den Zufall verliehen, der freilich den Italienern in der Rachkriegszeit bisher ja stets zur Seite gestanden hat. Das läge weder in der faschistischen Mentalität noch in der Linie der staatsmännischen Doraussicht, die Mussolini bisher bewiesen hat. Hnb bei näherem Zusehen ergibt sich in der Tat, daß die Italiener an einer Stelle in der Welt bewußt und systematisch die Doraussehungen für ihr Dorgehen in der Kolonialfrage schaffen: in Tripolis. Die italienische Kolonialpolitik in Tripolis ist bekanntlich nicht immer glücklich gewesen. Seitdem die Italiener den Versuch unternahmen, den Türken Tripolis wegzunehmen, hat dieses Land eine äußerst wechselreiche und blutige Geschichte durchgemocht. War cs den Italienern während des türkisch-italienischen Krieges int Jahre 1912 kaum gelungen, die wichtigsten Küsten- plahe der tripolitanischen Kolonie zu besehen, so wurden sie im Derlaufe des Krieges aus Tripolis so weitgehend vertrieben, daß sie praktisch nur noch in der Stadt Tripolis selbst und einigen wenigen Küstenplähen Garnisonen unterhielten und das übrige Land sichselbst überlassen mußten. Die inneren Wirren Italiens in der ersten Zeit nach dem Kriege waren erklärlicherweise wenig dazu geeignet, eine. erfolgreiche Kolonialpolitik zu treiben, und auch nach dem Marsch auf Rom konnte lange Zeit noch nichts zur Wiederbesetzung von Tripolis, die praktisch eine Wiedererobcrung sein mußte, geschehen. Erst nachdem das faszistische Regime stabilisiert und die Sicherheit geschaffen war, dah das italienische Vorgehen nachhaltig sein würde, setzten die Italiener größte Truppenmengen in Tripolis ein, die nun schließlich nach fast achtjährigem Kampf das ganze Land wieder in italienischen Besitz gebracht haben, und nunmehr auch bis weit in das Innere hineindrangen, das bisher herrenlos war und von wilden Vcduinenhordcn beherrscht wurde. Im Januar dieses Jahres konnte das italienische Kolonialministerium mit Stolz bekanntgeben, dah Mur- s u k. die Hauptstadt des sog. Fessangebietes, etwa 150 Kilometer südlich von Tripolis im Inneren des Landes, von italienischen Truppen beseht sei, die nunmehr weiter nach Süden vorstoßen würden bis an den südlichen Rand dieses Gebietes in der Nähe von Tibesti, dem unerschlossenen „Herz Afrikas". Wer diese letztere Ankündigung gelesen hat und die afrikanischen Verhältnisse kennt, wird aufhorchen, denn das Kartenbild, das unsere Atlanten in dieser Gegend vorspiegeln, entspricht ja nicht den Tatsachen. Die südliche Ausdehnung des Gebietes von Tripolis ist in Wirklichkeit noch keineswegs international festgelegt, und die Franzosen, die das Gegenteil behaupten, vermögen keine sichere Grenze für ihr Kolonialgebiet lZentrolfranzösisch-Acguatorial- afrika) anzugeben, ebenso wenig wie die Engländer, deren englisch-ägyptischer Sudan ebenfalls hier im Süden an das italienische Lybien angrenzt Run ist dieses Gebiet so gut wie unerforscht. Das heiht, man weih nicht recht, wie cs im einzelnen beschaffen ist, obwohl man immerhin weih, dah es sich um ein gebirgiges, teilweise von Sand- und Steinwüsten erfülltes Gebiet handelt, in dem nur wenige Romaden ihre Wohnsitze haben. Die Franzosen, die den bewohnbaren Teil dieses Landes, d. h. das Gebirge von Tibesti oder Tu, beseht halten sollten, haben in Wirklichkeit in dieser Gegend nichts zu sagen und haben wegen der grohen Kosten sich bisher gescheut, Truppen einzusetzen, um dieses Gebirgsvolk tatsächlich zu unterwerfen. Infolgedessen wird dieses Gebiet noch heute von herrenlosen Räuberhorden bewohnt, die den Karawanenverkehr, der zwischen dem Tschadsee und Tripolitanien vor sich geht, unterbunden haben, seitdem die Italiener in Tripolis sitzen. Da aber von dem störungsfreien Ablauf dieses Karawanenverkehrs die Wohlfahrt des größten Teiles des tripolitanischen Gebietes abhängt, ist es in dem Augenblick, wo die Italiener ihrerseits Tripolis effektiv besehen, für sie geradezu eine Lebensfrage, daß dieses Gebiet unter italienischer Kontrolle steht. Ohne Tibesti, so kann man manchen Kolonialsachverständigen äußern hören, wird Italien Lydiens nicht froh werden.... Was also wohl kaum etwas anderes heißt, als daß die Italiener auf ein herrenloses Gebiet Anspruch machen, das bisher von den Franzosen als Frankreich gehörig bezeichnet wurde. In allernächster Zeit wird der im vorigen Herbst begonnene Verfuchsstollen zum Tauern-Kraftwerk vollendet sein. Damit wird ein Milliardenprojekt von größter wirtschaftlicher Bedeutung zur Entscheidung gestellt. Es ist kein Geheimnis: auch in Deutschland gibt es Leute, die nicht für den Anschluß sind. Sie begründen die ablehnende Haltung damit, daß das mit Tributen beladene Reich genug mit sich selbst zu tun habe und sich nicht mit einem armen Land wie Oesterreich belasten dürfe. Diese Anschluß- gegner vergessen, daß Oesterreich seinen heute noch verborgenen Reichtum erst im Rahmen des Reichs richtig entfalten könnte. In den Alpen- gewässern sind Schätze begraben, deren Hebung sich nicht nur für das kleine Oesterreich lohnen würde. Die deutsche Industrie steht nicht im Ruf, sich in Unternehmungen einzulassen, die auf keine Zukunft hoffen können. Wie oft hat sie sich an die Verwirklichung von Projekten gemacht, die der Laie für Utopien hielt, bis er erkennen muhte, daß die Industrie weiter gesehen hatte! So hat auch die deutsche Clektrizi- tätsindustrie, vor allem die AEG., tfc Ausbeutung der österreichischen Run mag man den Streit um dies« wüstenhaften Gebiete für verwunderlich halten. Wenn man aber weiß, daß der Besitz von Tibesti für die Franzosen deshalb wichtig ist, weil sie ohne Tibesti die große Transsaharabahn, die Zranzösisch-Aeguatorialasrika und Kamerun (früher Deutsch-Kamerun) mit Französisch-Algerien verbinden soll, nicht bauen können, so bekommt die Angelcgenheil doch wohl ein anderes Gesicht. Denn diese Dahn bebrütet ja doch nichts anderes als die endgültige Sicherung des großen französischen Reiches in Afrika, das bisher durch die Sahara in viele Teilgebiete zerrissen wird. Das heißt also, daß es für die Franzosen nicht nur um eine Prestigefrage, sondern tatsächlich um eine Frage von größter kolonialpolitischcr Bedeutung geht. Die starke Beachtung, die das italienische Vorgehen im Fessan in der französischen Presse gesunden hat, zeigt denn auch, daß man in Frankreich das Vorgehen der Italiener mit starker Besorgnis sieht. Man befürchtet eben in Paris, dah die Dinge sich hier so entwickeln können, daß das von den Franzosen begehrte Gebiet eines Tages von den Italienern besetzt ist, ohne daß Frankreich die Möglichkeit hätte, sich hiergegen zu wehren, und dah Italien schliehlich für die Wiederherausgabe des Gebietes um Tibesti entsprechende Kompensationen verlangen könnte. Man wird das italienische Vorgehen in Tripolis deshalb mit einigem Interesse verfolgen dürfen. Die „Eroberung" der italienischen Kolonie kann eine Bedeutung gewinnen, die weit über Afrika hinausreicht, ilnö wenn sich die italienischen Kolonnen von Mursuk weiter nach Süden auf das Herz Afrikas zu in Bewegung fetzen, so gestalten diese Kolonnen u. 11. die Geschichte der nächsten Jahre stärker, als dies viele große Konferenzen in Europa in den letzten Jahren getan haben. Sie schaffen die „Tatsachen", die ein Faustpfand in der Hand Mussolinis bei der Verfolgung feiner kolonialpolitischen Ziele fein werden. Wasserkräfte zur Erzeugung elektrischer Kraft für aussichtsreich angesehen. Sie war cs, die der Regierung des Landes Salzburg einen bis in die kleinste Einzelheit gehenden Plan vorlegte, nach dem auf einer Fläche von 2000 Quadratkilometer im Massiv der Hohen Tauern das größte Kraftwerk Europas errichtet werden soll. Die Hohen Tauern liegen für den Ausbau der vorhandenen Wafferkräste überaus günstig. Zur Anlage von Wasserkraftwerken sind sie, die ein sehr hochgelegenes Riederschlagsgebiet mit einem starken Gefälle vereinen, wie geschaffen Alle Hänge dieses gewaltigen Gebirgsmassivs, das in einer Länge von 150 Kilometer nirgends unter 2200 Meter liegt, sind von unübersehbaren stärkeren oder schwächeren Wasseradern durchzogen. In einer Höhe von 1903 bis 1600 Meter gehen diese erst zu Wildwassern und Bächen zusammen. Rach Ansicht der Fachleute erfordert die möglichst günstige Ausnützung der Wasfermengen die erste Anstauung in einer Höhe von 2060 Meter. Die darüber liegenden Wasseradern sollen, in Hängekanälen und Sammelstollen zufammengeführt, dem Stausee zugeführt worden. Zum erstenmal in der Geschichte der Technik geschieht es, dah man in einer Höhe von über Oesterreichs Aipenglelscher- dieSiromversvrger Deuischlands. Vor der Entscheidung über ein Milliardenprojekt. — Europas größtes Kraftwerk in den Hohen Tauern. — Zahreserzeugung: ein Drittel des gesamten deutschen Strombedarfs. — Elektrizität als Exportartikel. Jon Albert Richter. Der Schweizer Schillerpreis. Jakob Schaffner, dessen Romane „Irrfahrten", „Konrad Pilater", „Der Bote Gottes", „Kinder des Schicksals", „Die Glücksfischer" u. a. in Deutschland sehr bekannt wurden, erhielt den 5000-FrankeN'Preis der Schweizer Schillerstiftung. Schaffner ist geborener Schweizer und lebt feit 191 l in Berlin. Im Gießener Goethe Bund gab er vor längerer Zeit einen Bortragsabend. 2000 Meter fo aroßc Wasscrmcngen binden und auswcrten will Die vorgesehenen Zubringc» kanäle für den Stausee würden eine Länge von 1250 Kilometer ausweisen. In drei Werken soll das Umformen des Druckes der in drei in verschiedener Höhe angelegten Stauseen an- gesammelten Wasscrmcngen erfolgen. Diese Seen sollen dann durch zwei Tunnels in der Länge von 4,4 und 6,9 Kilometer miteinander verbunden werden. Die Staubecken sollen auf dem Tauern- moßboden, dem Mooservoden und dem Oyler» hoben erstehen. Diese drei Kraftstufen werden Gefälle von 420 Meter, 891 Meter und 194 Meter haben. Dieses gewaltige Werk, dessen Dau nicht weniger als zwölf Jahre dauern wird, soll die stattliche Summe von einer Milliarde Reichsmark erfordern. Ist es fertiggestellt, so könnte cs schon im ersten Jahr elektrischen Strom in der Riesenmenge von 6,6 Milliarden Kilowattstunden erzeugen. Deutschland verbrauchte im letzten Jahr 17 Milliarden Kilowattstunden. Das Tauernwerk würde demnach über ein Drittel des gesamten deutschen Strombcdarfs decken können. Wie weit das projektierte Riesenwerk in dem landschaftlich fo reizvollen Bundesland Salzburg anderen Großkraftwerken neuester Schöpfung überlegen ist, zeigt der Vergleich mit dem bayerischen Walchensee- Werk, das nur 200 Millionen Kilowattstunden jährlich erzeugt, und den Dutzend Werken, die zur Ausnützung der oberrheinischen Ge ällstusen von Konstanz bis Vasel geschaffen worden sind. Diese letztgenannten erzeugen trotz ihrer großen Zahl von Einzelwerken nur 4,4 Milliarden Kilowattstunden im Jahr, also nur zwei Drittel der Äraftmenge, die man sich vom Tauernwerk verspricht. Cs ist natürlich ausgeschlossen, daß in Deutschland und Oesterreich eine Summe von einer Milliarde Reichsmark aufgebracht werden kann. Amerikanische Geldgeber, die „General Electric“, ist bereit, hier einzugreifen, macht dies aber von dem Verlauf von Versuchsarbeiten *im Gebiet der Hohen Tauern abhängig. Seit dem, Herbst vorigen Jahres wird nun schon an einem Verfuchsstollen gearbeitet, der allein einen Kostenaufwand von einer Million Mark verlangte. Der Taucrn-Ausfchuß in Berlin leitet und beaufsichtigt diese Arbeiten. Rach den ursprünglichen Berechnungen wird der Versuchs- Der Maihauqen. Bon Per (3d)Wenden. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Oslo, Mai 1930. Arn Ende des riesigen Mjösen-Sees, am Eingang des reichen Gudbrands-Tales liegt die entzückendste Stadt des nördlichen Kontinents, Lillehammer. „Der kleine Hammer" hämmert feit etwa hundert Jahren den Herzschlag des kulturellen Lebens in diesem norwegischen Binnenland. Mit fünftausend Seelen und fünf Tageszeitungen, mit Künstlerkolonien. mit Sigrid ilnbfct und Sven Elvestad, mit Winter- fporthütten und Militärflugplatz, mit heroischer Geschichte und mit dem originellsten Museum Skandinaviens steht diese Helle Holzhäuserstadt in den weichen Hügelmelodien der Landschaft, zwölf Kilometer vor den Ketten des Hochgebirges. Als Stadt ist Lillehammer etwa hundert Jahre alt Der Gutshof aber, der feinen Rainen der Stadt vermachte, geht schon durch die Sage, spielt eine Rolle in den prachtvollen Heldenüberlieferungen aus der Zeit der „Bagler" und „Dirkebeiner", die sowohl an Ramenspracht wie auch ganz besonders an „Schwertgewaltigkeit" mit allen Myrmidonen und Sassaniden wetteifern können! Im Jahre des Herrn 1204 versteckten die Königstreuen das Königskind auf dem Gutshof Lillehammer. Gepanzerte Skiläufer brachten den anderthalbjährigen Kronprätendenten im rasenden Schneesturm auf heimlichen Umwegen über die Gebirge nach Ridaros. der Krönungsstadt, dreihundert Kilometer Luftlinie .. Achtzehn Kilometer nördlich von Lillehammer liegt Aulestad, Bjornstjcrnc Björnfons Hof. Klein-Hammer liegt im Herzen des Landes, und an seinem Herzen liegt das Land mit seinen großen Erinnerungen. Und darum bitte folgen Sie mir zum Marktplatz an der Mesnabrücke, denn hier steht, Dom Wirbel bis zur Sohle aus echter Bronze, Herr Kaufmann Ludwig Wies«, der Gründer dieser hundert Icchre jungen Stadt. Ziehen wir den Hut, meine Herren... Einmal vor dem bronzenen Kaufmann Wiese, und abermals vor dem lebenben Professor Sand- Dig, dem Allen von Maihaugen. Dieser Maihaugen (Maihügel) ist das lebendigste und rührendste Museum, das ich die Freude hatte, kcnnenzulemen. Hier liegen die Hütten und Häuser eines Jahrtausends in Raumabständen von etwa je hundert Schritten im waldigen Hügelterrain beieinander. Aus allen Winkeln des Gudbrands- toles hatte der Zahnarzt Anders Sandvig die allen Hütten und Häuser, Ställe und Speicher, Kirchen und Kapellen zusammengetragen, im wörtlichen Sinne: aus vergilbten Registern stellte er etwa fest, daß die Kirche von Garmo im Jahre 1870 abgerissen wurde und laut beigefügten Listen die einzelnen Partien Balken wie folgt versteigert waren. Er ging den vorgezeichneten Spuren nach, holle sich die Teile der heiligen Wände mit dem hemmungslosen Fanatismus des genialen Sammlers aus Kuhställen und Wohnhäusern heraus, trug aus hundert Winkeln die Pokale, Bilder und Schnitzereien zusammen, fand das geweihte Schiff, das an Ketten von der Decke hing und im Jahre 1921 wurde die Kirche in ihrer alten Gestalt auf dem Maihügel zum zweiten Male eingeweiht. Es ist die älteste Kirche des Gudbrandstales, in den Tagen des Afenglaubens erbaut, fo alt wie das nordische Christentum selbst. Man glaubt, daß die Garmokirche 1021 erbaut, im Jahre 1600 erweitert und 1870 abgerissen wurde. Jetzt steht sie hier auf dem Maihügel, eine holzgefchnitzte Chronik von 900 Glaubensjahrcn... Wir treten in das Halbdunkel ein. Wunderliches Schnihwerk, ein schwebendes Schiff, Atem der Jahrhunderte weht durch den Raum. Einsam und starr hängt ein einsamer Kirchenstuhl an der Wand wie eine Sitzkanzel. Sie wurde für einen Großbauern gebaut, der in irgendeinem heidnischen Zeitalter den unchristlichen Stolz hatte, hoch über anderem Volk schwebend das Wert des neuen Herrn zu vernehmen... Benommen vom Zauber der ewigen Vergänglichkeit sitzen wir in den Stühlen, da singt die Orgel, ein uraltes norwegisches Kirchenlied steigt auf, froh, gläubig, bunt in feiner irdischen Melodie, bunt wie die Heiligen, das Schiff und die ganze nordische Welt. Wir sehen die Behausungen der Rordgerma» nen von primitiven Löchern, da die Feuerstelle halb inner-, halb außerhalb der Wand liegt, über die Herdstuben, da die offene Feuerstelle inmitten des Raumes liegt, mit einem Rauch- loch im Dach und bis zu den prachtvoll, reich geschnitzten und ausgestatteten Psarrstuben und Festsälen der Großbauern des 18. und 19. 3ahr- hundert^. Wir sehen die ,3ungfrauentäfigc“, sehr zu Unrecht so genannt Hier erwartete die heiratsfähige Tochter des Hofes die verschiedenen Freier. Sie lag — der Sage nach im vollen Schmuck der Gewänder auf dem faft iivx* dratischen Ruhebett und gab sozusagen ihren Bewunderern Audienzen. Audienz kommt vom lateinischen audire — hören, erhören ... Herrlich diese räumlichen Impressionen germanischen Volkstums. Die kräftige Vorzeit ist hier mit den dicken Querbalken, den Schildfronten der wagenradgroßen Mesfingtellcr, mit 800 Jahre alten Bärenschinken bis in die Zeit der Wolkenkratzer und Konserven gerettet. Ja, bei Thor und Odin! — da hängen die Därenschinken aus der Zeit des heiligen Olaf, verwittert und verschrumpelt, da liegt ein Berg Fladbröd, germanische Matze, die drei Jahrhunderte ihre bröckelige Substanz gegen das Eindringen von Schimmelpilz und Maden verteidigte! Der Geruch in diesem „Stabur“, diesem Vorratshaus, das auch heute noch pfahlbaumartig auf vier Deinen errichtet wird, wirkt katabomoifch, grufc- lig-moderhaft, Odeur eines balsamierten Jahrtausends .. - Insgesamt liegen auf diesem seltsamen Museumsterrain 75 Häuser. Die enorme Sammlerarbeit war nur durch die lebhafte Anteilnahme der gesamten Lillehammer Bevölkerung möglich. 3m 3ahre 1904 gründete man die „Aktiengesellschaft Björnstad°Hvf". Zweck und Sinn dieser Aktiengesellschaft bestand darin, einen alten Guts- Hof, Djömstad bei Laim in Daagaa, aufzukaufen. Der Gutshof war 350 3ahrc vom Vater auf den Sohn vererbt und der Befitzerstolz der Bauern schraubte den Preis durchaus ins Museische. Qlber man kaufte doch, brach ab und baute die ganze Herrlichkeit auf Maihaugen wieder auf. Herrlich die riesige Gesindestube. blaugescheuerte Bohlen und offener Kamin. An dem Gesindetisch wird eine verkratzte Vertiefung in der Tischplatte gezeigt. Das haben die lieben Pferdchen getan. Denn bei besonderen Feierlichkeiten ritten die Burschen auf den gelben Halbponys in den Saal hinein und zwangen die Tiere auf den Tifch, ritten zwischen Schüsseln und Kannen herum, eine Hebung, die man für das nächste Reitturnier ernstlich erwägen sollte ... Unter zahlreichen kulturellen Werten stechen immer die episodisch reizvollen hervor: da steht also wirklich die Hütte Peer Gynts! Hm 1700 erbaut, aus Vinstra geholt, und glaubwürdigen Versicherungen zufolge die Hütte des tollen und verwegenen Mannes. Lügners, Raufers und Jägers Peer Gynt! Hnb ein forftmäßig auf 750 Lebensalter taxierter Baumstamm, der ..Dyringsli- könig", beherbergt in seinem ehrwürdigen und hohlen Bauche eine komplette Falschmünzerpresse. 3m dunklen Räuberwalde von Lcsja druckten dazumalen gerissene 3ungcns Banknoten über Speciestaler und ähnliche gute Papiere, auf denen der gute Dänenkönig weit unten in Kopenhagen dem Einlieferer das bekannte Dcrfprcchen gab. Er brauchte es nicht einzulösen. Die Schurken wurden gehängt. Die Werte inslatiert. Hnb die böse Presse sicht mit anderen Geräten und Stätten menschlichen Mühens und Eifers ordentlich registriert auf dem Maihügel, dem Märchen» garten bei Lillehammer. Auf der einsamsten Insel der Well. Es dürfte viele einsame Inseln in der Welt geben, die kaum eine Verbindung mit den andern Men- schcn haben, aber sicher ist die kleine Welt der Insel Tristan da Cunha die vcrlasfendste von allen. Nicht weniger als 2800 Kilometer liegen zwischen ihr und dem nächsten Festland, und wenn nicht durch Zufall oder besonderen Anlaß beim Ausfall der Frachldampfer Vergnügungsreisende den Weg zu ihr finden, liegt die Insel allein für sich zwischen Südamerika und Südafrika. Der gesamte Umfang dieser kleinen Welt beträgt nur 33 Kilometer, dabei steigt die höchste Erhebung aber bis zu einer Höhe von nicht weniger als 2300 Meter, einen Krater bildend, der den Namen der Insel trägt. Wildarten sind nicht zu sinden, nur eine Herde von 600 Schafen und 300 Stück Vieh hilft, die Nahrung zu ergänzen, denn in der Ernährung ist man ganz auf äußere Zufuhr angewiesen Im letzten dafjr, als durch die herrschenden Sturme etn Herankom- men der Dampfer unmöglich war, sahen sich die Bewohner gezwungen, die noch unreifen Kartoffeln auszugraben, um überhaupt irgend etwas Eßbares zu haben. Fünf Monate lang hielt dieser Zustand an, bis endlich ein Frachtdampfer Erlösung brachte. Puder, Schminke und Parfüm, so erzählt ein eng- lil'chcr Missionar, der drei Jahre lang auf der Insel gelebt hat und soeben zurückgekehrt ist, sind unbekannt unter den Frauen, und sie würden wohl kaum €troa5_ damit anzufangen wissen, wenn man sie ihnen gäbe. Das Haar tragen sie noch ungekürzt und ungebrannt und als vor ein oder zwei Jahren ein Schiff die Insel berührte, waren die Einwohner entsetzt über die kniefreien Röcke und Seidenstrümpfe der Damen. Die Hochzeitszeremonien sind sehr einfach, Flirt gibt es nicht, Ballgeflüster erst recht nicht und wenn zwei Insulaner überein gekommen sind, sich zu heiraten, dann setzen sie sich an den Tagen vor der Hochzeit stundenlang einander gegenüber und schweigen sich erst einmal gründlich aus. (tollen in diesem Monat vollendet sein. Sodann fällt die Entscheidung über das Riesen- kraftwerk in den Hohen Lauern, das auch für Deutschland von größter wirtschaftlicher Bedeutung werden dürfte. Denn das kleine Oesterreich kann natürlich nicht 6,6 Milliarden Kilowattstunden allein verbrauchen, zumal da schon seit dem Ende der achtziger Iahre Wasserkraftwerke in den österreichischen Alpenländern bestehen. Dafür verspricht sich der Bruderstaat an der Donau die günstigsten Folgen für seine schlechte Handelsbilanz, der ein durch die Eröffnung des Zauernwerkes beträchtlich ansteigender Stromexport zugute kommen soll. Man rechnet in Wien damit, daß Mittel- und Aorddeutschland bei ihrem wachsenden Bedarf gute Kunden des Lauernwerks sein werden. Schon im alten Oesterreich wollte man die alpenländischen Wasserkräfte nutzbar machen, aber die in Wien allmächtigen böhmischen Kohlenmagnaten wußten dies im Interesse ihres Kohlenabsatzes stets zu verhindern. Es gab wohl schon im Jahre 1914 in Steiermark, Oberösterreich, Aiederösterreich, Kärnten und Vorarlberg Wasserkraftanlagen,' keines von ihnen hatte jedoch die Ausmaße, über die die nach dem Krieg errichteten Werke verfügen. Erst im Achensee w e r k in Aordtirol, das im Jahr 1928 nach vierjähriger Arbeit in Tätigkeit gesetzt wurde, erhielt das Land einen wirklich großen, natürlichen Kraftspeicher. Trotz diesem Werk, das jährlich 155 Millionen Kilowattstunden hervorbringt, übersteigt heute Oesterreichs Elektrizitätserzeugung noch nicht die dritte Milliarde Kilowattstunden. Das Tauernwerk würde demgegenüber allein mehr als die doppelte Menge Strom abgcben. Aber auch in anderen Teilen Deutschösterreichs wird an Kraftanlagen gearbeitet. Sn dem vielbesungenen schönen Zillertal ist seit dem Sahr 1929 eine Gruppe von Wasserkraftwerken im Bau. Auch im westlichen Tirol will man, zusammen mit Deutschlands größtem ElektrizitLtskonzern, den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerken, Wasserkraftwerke errichten, die österreichischen Strom empfangen. Dazu will man den Innfluß und die Oetztaler Ache ausnühen. Auch mit der Traun und Enns in Oberösterreich verbindet man schon Kraftwerkprojekte. Selbst die schöne blaue Donau wird noch daran glauben müssen; jedenfalls schweben schon heute Erwägungen, sie durch ein Kraftwerk, das bei Wien errichtet werden soll, in das Retz der österreichischen Krafterzeugung einzubeziehen. Die bereits vorhandenen, zur Zeit im Dau befindlichen und für die nahe oder ferne Zukunft noch projektierten österreichischen Kraftwerke würden aus den Alpenwässern und der Donau jährlich insgesamt 20 Milliarden Kilowattstunden liefern. Bon dieser Menge könnte weit über die Hälfte ins Ausland geleitet werden. Finden sich für diese gewaltigen Energiemengen die Abnehmer, woran bei der immer mehr steigenden Verwendung elektrischer Kraft in Wirtschaft und Haushalt nicht gezweifelt werden kann, so würde die Republik Deutsch-Oesterreich keineswegs mehr ein lebensunfähiges Gebilde sein, das sich nur von ausländischen Anleihen zu erhalten vermag. Man rechnet in Wien damit, daß nicht nur Deutschland, sondern auch Stalien, Ungarn und die Tschechoslowakei später einmal gute Kunden für österreichische Elektrizität sein werden. Sn den Kreisen, die diese Projekte warm befürworten » pnd ihre baldige Verwirklichung betreiben, wird immer wieder darauf hingewiesen, daß Deutsch- 7 land es sich nicht länger leisten dürfe, aus Braunkohle Elektrizität zu gewinnen. Denn die deutschen Braunkohlenlager dürften nach 100 bis 150 Sahren völlig erschöpft sein. Was liegt unter diesen Umständen näher, als daß sich Deutschland zur rechten Zeit nach einem Ersah umsieht und ihn dort nimmt, wo es ihn am besten haben kann: daß es sich also mit Strom aus dem ungeheuren Kraftreservoir der Alpenwässer eindeckt? Die nächste Zukunft wird lehren, ob das Projekt des Tauern-Kraftwerks schon in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden kann, oder ob die schwierigen Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt eine zu langfristige Snvestion gewaltiger Summen nicht unmöglich machen. Seden- falls ist das eine sicher: einmal wird das Werk gebaut werden, und die wildschäumenden Gewässer des herrlichen Alpenlandes werden, wenn wir den elektrischen Strom einschalten, in unserem Dienste stehen und Handel und Verkehr versorgen. Aus dem Amisverkündigungsblait. * Das Amtsverkündigungsblatt 01 r. 3 8 vom 20. Mai enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Schwei ne- zwischenzählung. — Polizeiverordnung über den Kraftfahrzeugverkehr in der Gemeinde Lich. Verkalkter Formalismus. Von unserer Berliner Redaktion. Der deutsche Parlamentarismus, so jung er auch noch ist, zeigt bereits deutliche Spuren einer Ueberalterung. Er bedürfte der Auffrischung nicht einmal so sehr in den Personen als vielmehr in feiner Handhabung. Wir haben uns leider damit begnügt, das westliche Beispiel zu übernehmen, haben uns aber gar nicht die Mühe gegeben, den tieferen Sinn der Snftitutionen zu erfassen, sondern sind am äußerlichen Formalismus hängengeblieben und haben infolgedessen eine Schale ohne Kern gezüchtet. Daß die Volkssouveränität, wie sie in der Verfassung verankert ist, auch dem Reichstag starke Verpflichtungen auferlegt, daß er versuchen müßte, mit der Entwicklung Schritt zu halten, davon teilt man in den heiligen Hallen des Wallothbaus nicht gern etwas hören. Aber der Formalismus ist TrumpfI Welche Mühe hat es den Präsidenten gekostet, etwas Leben in die erstarrten Debatten zu bringen, er mutzte das Rednerpult absägen lassen, um nur zu verhindern, dah sämtliche Reden abgelesen wurden und infolgedessen aus einer Debatte ein Aneinandervorbeireden wurde. Setzt hat sich der Hauptausschuß des Reichstags den Scherz geleistet, den früheren deutschnationalen Abgeordneten H o e tz s ch, einen der bekanntesten Sachkenner unserer Außenpolitik, als Berichterstatter für den Außenetat abzuberufen, nur weil er aus der deutschnationalen Fraktion ausgeschieden ist und die Deutschnationalen den schlüssel- mäßigen Anspruch auf dieses Referat geltend machten. Anstatt zu fühlen, daß es hier galt, eine Persönlichkei t zu halten, gegen das i allmächtige Schema. Lind in Preußen beschwert sich die sozialdemokratische Regierung darüber, daß die Abgeordneten von dem Recht der klei- | nen Anfragen in zu umfangreichem Ausmaße Gebrauch machen, weil dadurch die Ministerien angeblich übermätzig belastet würden. Die Deutfchnationalen haben es mit Recht abgelehnt, sich darin Enthaltsamkeit aufzuerlegen, nur um die Behaglichkeit der Aemter nicht zu stören; wenigstens so lange, wie in der preußischen Verwaltung noch mancherlei passiert, was der Aufklärung durch eine kurze Anfrage bedarf. Sm Reich sind die kleinen Anfragen fast vollkommen von der Bildfläche verschwunden. Cs galt als eine große Aquisition, als sie seinerzeit in die Geschäftsordnung eingefügt wurde. Daß heute noch die Möglichkeit besteht, im Reichstag ein Frage- und Antwortspiel zwischen Regierung und Parlament zu erzwingen, davon weiß niemand mehr etwas. Die Möglichkeiten, die im englischen Unterlaufe — oft genug durch ein Spiel mit verteilten Rollen — durch derartige Anfragen herausgeholt werden, find bei uns mit ganz wenigen Ausnahmen n i e- mals erzielt worden, es fehlte nicht nur den Abgeordneten, sondern auch den Ministerien an der erforderlichen Wendigkeit, um ohne Konzept etwas sagen zu können. So ist diese große Errungenschaft sehr rasch wieder unter den Tisch gefallen, der ganze Verkehr über die kleinen Anfragen spielt sich heute ausschließlich zwischen den einzelnen Abgeordneten und den Ministerien unmittelbar ab, ohne daß die Oeffentlichkeit etwas davon erfährt, ohne dah politische oder propagandistische Wirkungen auch nur versucht werden. Würde es sich nicht doch vielleicht einmal lohnen, wenn der Reichstag ernstlich den Versuch machte, aus dem engen Turm seiner Gewohnheiten herauszukommen und wenn gleichzeitig auch das Kabinett sich einen Sprechminister hielte, der geschickt genug ist, um auch über die Fallstricke unbequemer kleiner Anfragen nicht zu stolpern. Wirtschaft. *Dankenzusammenschluh. WieWTD.- Handelsdienst erfährt, sind die Verhandlungen zwischen der Commerz- und Privatbank AG. und dem Bankhause Martin Schiff, Berlin, zum Abschluß gekommen. Die Firma Martin Schiff wird mit der der Commerzbank nahestehenden Dankfirma Marcus hielten & Sohn unter gemeinsamer Firma vereinigt. Sm Zusammenhang hiermit hat die Commerzbank die Polyphon-Sn- teressen der Firma Schiff übernommen. * Elektrizitäts - Akt. -Ges. vormals Schuckert & Co., Nürnberg. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß mit 12 v. H. Dividende. * Hirsch-Kupfer. Zu den verschiedenen Gerüchten, die über Auslandsverhandlungen der Firma Hirsch Kupfer und Messingwerke AG., Berlin, schweben, erfährt der WTD.-Handels- dienst von maßgebender Seite, daß Verträge mit einer Filialgesellschaft der Soci£f£ g£n£rale de Belgique Brüssel, die der Katanga-Gesellschaft nahesteht, zustandegetommen sind, die beiden Lln- ternehmungen wichtige industrielle und kommerzielle Vorteile verschaffen. Aktienverkäufe seitens der Majoritätsgruppe sind weder getätigt, noch vorgesehen. Frankfurter Börse. F r a n f f u r t a. M., 22. Mai. Tendmrz: freundlich. — Rach dem sich gestern abend eine kräftige Erholung durchsetzen konnte, eröffnete die heutige Dörse in recht freund! icher Haltung, da man noch im Vormittagsverkehr mit der Möglichkeit einer heutigen Diskontsenkung der Dank von England gerechnet hatte. Die Kurse waren daraufhin weiter erhöht, doch war die Spekulation später etwas enttäuscht, als eine unveränderte Diskontnotierung von London gemeldet wurde. Auch mahnte die gestrige schwache Reuyorker Dörse etwas zur Zurückhaltung. Das Geschäft war dann im allgemeinen nicht sehr groß, zumal auch der Ordereingang keine Zunahme erfahren hatte. Rur in Spezi a l to e r t e n entwickelte sich wieder lebhafteres Geschäft. Die Kursgestaltung war gegenüber der gestrigen Abendbörse nicht ganz einheitlich, doch überwogen die Erholungen. Sm Vordergründe des Snteresses standen aus den bekannten Gründen erneut Holzverkohlung und Scheideanstalt, die bis zu 2,5 Proz. anzogen. Farben eröffneten behauptet, während Rütgerswerke leicht gedrückt lagen. Am Elektromarkt waren Licht und Kraft nach der gestrigen Dernachläsfi- gung stärker bevorzugt und 2,5 Proz. fester. Siemens dagegen lagen auf Gewinnmitnahmen 1 Proz. niedriger. Gesfürel plus 1 Proz., AEG. knapp gehalten. Montanteerte waren bei ziemlich ruhigem Geschäft leicht erhöht. Bauunternehmungen gaben im Kurse leicht nach. Von Banken waren Reichsbankanteile gebessert und 2 Proz. fester. Dresdner Bank etwas niedriger. Von Schiffahrtsaktien gaben Rorddeutscher Lloyd etwas nach. Am Rentenmarkt waren deutsche und ausländische Anleihen still und nachgebend. Sm Verlaufe schrumpfte das Geschäft ein, und die Kurse konnten teilweise nicht gehalten werden, doch machte sich später erneut verstärktes Sntereffe für Spezialwerte geltend, so daß die eingetretenen Rückgänge wieder ausgeglichen werden konnten. Lebhaft gehandelt wurden Schuckert, die gegen Anfang 2,5 Proz. an» zogen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent notiert. Am Devisenmarkt lag Spanien etwas schwächer. Man nannte sonst Mark gegen Dollar 4,1899, gegen Pfund 20,3680, London gegen Kabel 4,8513, gegen Paris 123,96, gegen Mailand 92,73, gegen Madrid 39,975, gegen Schweiz 25,1175, gegen Holland 12,0870. Berliner Börse. Berlin, 22. Mai. Auch heute waren es in erster Linie nur wenige Spezialwerte, die nennenswerte Kurssteigerungen erzielten, durch ihre Festigkeit aber die Gesamtbörse einen f re u üblichen Gvundton verliehen. Eine gewisse Enttäuschung ging von der Richtermäßigung der Londoner Diskontrate aus, und die ho^en Dormittagskurse konnten sich im allgemeinen nicht behaupten. Diese hatte man in der Hauptsache mit Hoffnung auf Steuersenkungen (Dörsenumsahsteuer, Kapitalertragssteuer usw.) begründet, ohne die ungünstigen Momente in dieser Hinsicht (Rotopfer resp. Erhöhung der Arbeitslosenbeiträge) zu berücksichtigen. So entwickelte sich zu den ersten Rotierungen nur auf einigen Spezialgebieten etwas Geschäft, das teilweise auf A u s l a n di n te r- esse (die Schweiz), teils auf kleine Publikums- beteiligung zurückzuführen war, Gegen die gestrigen Mittagsschlutzkurse ergaben sich meist etwa 1 bis 2prozentige Gewinne, d. h. die Kurse lagen etwa auf dem gestrigen erhöhten Frankfurter Abendniveau. Demerkenswert fest lagen nur Licht und Kraft, die 5 Proz. anzogen, Vogel Telegraph mit plus 4,40 Proz. und Polyphon mit plus 4,75 Prozent. Für letztere regte an, dah die schon vor-Tagen erwähnten Verhandlungen der Firma Martin Schiff mit der Commerzbank zu einem Abschluß gekommen sind. Schiffahrtswerte konnten sich etwas befestigen, obwohl nach Der Meldung eines Mittagsblattes eine Freigabeentscheidung erst in sechs Wochen erfolgen dürfte. Es wird in dieser Meldung aber von einem Betrage von fünf Millionen Dollar gesprochen, die allein als Entschädigung für die beschlagnahmten Schiffe vorgesehen seien, Wesentlich schwächer lagen nur Gebrüder Sung- hans mit einem Kursrückgang um 2 Prozent. Deutsche Anleihen waren ruhiger. Ausländer behauptet. Der Pfandbriefmarkt war uneinheitlich. Der Geldmarkt war leichter. Tagesgelb 2 bis 4 Proz.; Monatsgeld 5 bis 6 Prozent, Warenwechsel etwa 4,5 Proz. Auch im Verlaufe blieb das Geschäft ruhig und auf Spezialwerte beschränkt. Die Kursentwicklung war uneinheitlich. So konnten z. B. Polyphon und Reichsbank ihren Anfangsgewinn nicht behaupten, anderseits zeichneten sich Metallgesellschaft und Deutsche WE. Die anfangs schon um 4 Proz. eröffneten, durch weitere Festigkeit aus. Sonst waren von Rebenwerten im Verlaufe Deutsche Telephon und Kabel 2,5 Proz. höher mit 85,5 Prozent und Krauß & Co. 3,5 Proz. mit 70,5 Proz. notiert Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt o. M., 22. Mai. Auftrieb: 107 Rinder, 1048 Kälber, 352 Schafe, 1954 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 81 bis 85 Mk., mittlere Mast» und Saugkälber 74 bis 80 Mk., geringe Kälber 68 bis 73 Mk. — Marktverkauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine schleppend, Lieberstand. Schafe und Schweine wegen des geringen Auftriebs nicht notiert. Rundfunkprogramm. Freitag, 23. Mai. 8 bis 9 Llhr: Von Bad Homburg: Konzert der Homburger Kurkapelle. 13 bis 14: Schallplattenkonzert: Die Revellers — Die Merrymakers — Die Abels u. a. 15: Sm Rheinhafen. Mikrophonreportage von Dr. Paul Laven. 16 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters. 17.55: „Luftbadpflege", Vortrag von Stadtarzt Dr. Meyer vom Stadtgesundheitsamt. 18.05: Buch und Film. 18.35: Von Stuttgart: Aerztevortrag: „Das Problem der Abhärtung". 19.05: Von Stuttgart: Vortrag. 19.30: Von Stuttgart: Eine heitere Abendunterhaltung. 20.30: Von Stuttgart: Sta- lienifche Meister der Musik. 22: Don Stuttgart: Sonniger Süden. Samstag, 24. Ifiai. 8 bis 9 Llhr: Von Dad Homburg: Konzert des Homburger Kurorchesters. 9.30 bis 10: Schulfunk: Französisch. 13 bis 14.30: Fritzi Massary —' Max Pallenberg — Claire Waldoff — Paul Graeh. 15 bis 16: „Wildpferdefang in Westfalen", Mikrophonreportage aus dem Wildpark des Herzogs von Croy in Dülmen-Westfalen. 16 bis 17.45: Aus dem Kurhaus Bad-Rauheim: Konzert des Rauheimer Kurorchesters. 18.05: Stunde der Dühne. „George Antheil und seine Oper ,Transatlantik", Vortrag von R. St. Hoffmann anläßlich der -Uraufführung am 25. Mai im Frankfurter Opernhaus. 18.35: Stunde der Arbeit. — „Die Sugenbbetoegung“, Gespräch mit drei Sugendlichen. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Von Lahr i. D.: Chorkonzert anläßlich des fünfzigsten Stiftungsfestes des Sängerbundes Lahr-Burkheim. 20: Don Stuttgart: Dei uns zu Lande, Gestalten und Werke des schwäbischen Schrifttums. 20.45: „Wie wohl ist dem, der dann und wann sich etwas Schones anhör'n kann". 23.20 bis 0.30: Tanzmusik. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Lerbindlichkeit der Schriftleitung.) Mietsache. Nach § 545 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hätte Ihnen der Mieter unverzüglich von der Undichtigkeit des Abstellkranes Kenntnis geben müssen. Tut er das nicht, so haftet er für den Schaden, soweit er durch seine Unterlassung entstanden ist. Dagegen ist der Mieter nicht verpflichtet, zu den Kosten einer Veränderung am Hause einen Beitrag zu leisten. Ist die Veränderung notwendig, so muß Der Mieter die Vornahme solcher Arbeiten dulden. Mit einer Räumungsklage konnten Sie nur dann Erfolg haben, wenn der Mieter Ihre Interessen vorsätzlich oder des öfteren verletzt, so daß daraus seine böse Absicht gefolgert werden kann. Das scheint hier nicht der Fall zu sein. Haustochter. Da die Haustochter monatlich 15 Mk. sowie Kost und Wohnung erhält, ist sie bei der Ortskrankenkasse versicherungspflichtig. Unterlassung der Anmeldung kann nach § 530 der Reichsversicherungsordnung mit Geldstrafe bis zu 1000 Mark bestraft werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. _______________________ Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 v. H., Lombardzinsfuß 5,5 v. H. ^ranffuri a. M. Berlin Aranksurl a. UL Berlin Frankfurt a. M. | Berlin Banknoten. Schluß» tut» t'Uhr« Kurs Schluß» kurs Anfang» Kurs Gchluß-1 l-llyr» kurS I Kurs Schluß- lurS Anfang» Kurs Schluß» kurS l'Uhr» Kurs Echluß- Anfang» Berlin, 21. Mai Geld »rief Amerikanische Noten..... Belgische Noten........ Dänische Noten ...... Englische Noten........ französische Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch Oesterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ...... Devisenmarkt Berlin 4,168 58,30 111,73 20,32 16,41 168,01 21,95 111,74 58,92 2.465 111.98 80,865 50,90 12,40 73.00 - Frankfurt 4 188 58,54 112,17 20,40 16,47 168,69 22,03 112,18 59,16 2,485 112,42 81,185 51,10 12,465 73,30 a. M. Datum 21. 5 22 5 21. 5. 22- 5 Datum 21 5 22 5 21- 5 22. 5. Datum 21- 5- 22 5 21- 5. 22. 5 6% Seutfdje Reichsanleihe von 1927 ........ 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 ...... . Deutsche Ant.-Ablös^Schuld mit Auslos ^Rechten ..... Desgl. ohne Auslos.»Rechte . . . 8% Hess. Bolksslaal von 1929 lrückzahlb. 102%)...... Oberhelsen Provinz - Anleihe mit Autzlos.-Rechten...... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% Franks Hyp^Bank Goldpse XIII unkündbar bis 1934 7% Franks Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 . . 4/i% Rheinische Hyp.-Bank Liga. Goldpse. ... 8% Pr. LandeSpsanbbriesanstall, Pfandbriefe R. 17 6% Br Landespsandbrtesanslalt, Komm^Obl. R. 16 7% Pr. LandcSpsandbrtesanstalt, Psandbriese 81 io ... Ü.E.G abg. Borkriegs-Obltgatio- nen. rückzahlbar 1932 4% Veiterrelchlsche Goldrenu . 4,20% Oeslerreichische Glibenente 4% Oesterreichiiche Einheitliche Rente . . 4% Ungarische Goldrente ... 4% Ungarische Slaalsrente v. 1910 4/i% veSgl. von 1919 4% Ungarische Kronenrente 4% Türkische gollanlethe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn»ArU. Serie 1 4% de»gl. Serie II....... 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ......... 4/i% Rumänische veretnh. Rente von 1918 ......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 87,5 103,8 59,6 11,45 94,9 56 59,25 100 94,25 88,95 101 96,5 95 97 26,25 2,3 24 21 2.25 6,35 10,2 17,25 8,25 1 1 18 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 111115 II 1 II 103,4 59,5 11.45 95 59 101 96,5 95 26,4 ’ 3,8 2,3 24 21 22 2,25 6,5 10,25 17,3 8,35 II 1 1 tn cn 1 1 1 co#» 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 w'a> 1 | Hamburg-Amerika Patel ... 7 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine DeutscheCreditanki. 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Handelsgesellschaft 12 Commerz- und Brivat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bant und DiSconto-GeseUschast, ... 10 Dresdner Bank ...... 10 Neichsbank ...... 12 A.E.G............8 Bergmann .........9 Elekn. LieserungSgesellschast. 10 Licht und Kraft...... 10 Reiten & Guilleaume . . 7/t Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen ... 10 Hamburger Elektrizitäts-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckert & (So. ...... 11 Siemens & Halske ..... 16 Transrabio ........ 8 Labmener & (So...... . 10 Buderus ....... 6 Deutsche Erdöl . ...... 6 Essener Sleinkohle ...... 8 Hoesch Eisen. ....... 6'/z I>se Bergbau ....... 10 Rlödnerwerte ........ 7 Mannesmann-Röhren .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 Oberschles. Eigenbedarf .... 6 Oberschles KokSwerle .... 7 Phöntr Bergbau . . ... 6% Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstahl ........c Ätebcd Montau ...... 7,2 116 115,75 116 126,5 178 153 235 142,5 143.5 300 172 159,5 167 5 126 168,5 199 258,5 171 71,5 139,5 126 109,75 100 • 235 '2 115,25 153,5 143 302 171,75 169,75 169,5 257,5 110,13 77 118-75 114,65 115,25 116,25 126 5 177,5 153 233,5 142,13 143,25 300,75 170,75 186,5 159.25 166 126,25 168 140 147 167,75 197.5 255.4 132 170,25 71,5 100,65 142 139 65 125,5 109 219 102,5 107 109,75 76,4 110,5 100 235 118,25 115,4 115,75 116.75 126 5 177,25 153,5 253,5 142 143 5 302,6 171.75 187,5 159 75 171 170 168 198,4 258 171 70,6 100,6 139,5 107 110,4 78,25 110.9 100.25 236,75 118 9 — Bereinigte Stahlwerke..... Olavi Minen......16’/, Kaliwerke Aschersleben ... io Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 16 3. ®. Farben-Jndustrte ... 12 Dynamit Nobel ....... 6 Scheideanstalt........ 9 Goldschmidt ....... .5 Rülgeröwerke . ....... 6 Metallgeielllchaft.......8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Eementwerk Karlstadt. ... 10 Walch & Freytag......8 Schulthets Patzenhoser ... 15 Ostwerke.........12 Aku...........18 Bemberg.........1-1 Zellstoff Waldhof .... 13'/, Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Eharloitenburger Wasser ... 8 Dessauer GaS........9 Daimler Motoren . ..... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau A.-G. ..... O Orenstein & Koppel <,.... 6 Svensko ■ ...... . Frankfurter Maschinen . ... < Heyligenftaedt ....... O IunghcmS...... 6 Lechwerke..........8 Matnkraftwerke Höchst a. M.. . 8 Miag .........10 Gebr. Roeder.......10 Boigi & Haeffner......9 Süddeutsche Bildet «... 10 233 235 5 420 187,65 163,5 70,25 69 119,5 101.5 135,5 97 106,5 129 247 156 31 36 14,5 122,5 104,25 170 161,25 1 1 1 1 ।S।1 । 1 K । 1। 1 1 11 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 CO CO CM CO CO 98 52,5 233,5 235 419,5 186,4 70,5 118,75 102,5 95,25 322,25 265.75 106.5 127,4 185 148 105,65 167,25 38 246,5 53,75 18,4 85 156 337 30,5 36,25 44 121,5 170 161 98 52,9 233 236,75 419,25 187.75 70,75 120 323 267,75 107 128,5 185 105,9 167,25 38 247 53,5 85,75 156,9 338 121 21. Mai 22. Mai Amtliche Notierung Geld | Nrlei Amtliche Notierung Geld | Bries Amft.-Nott. Buen--AireS Brss.-Antw. Christiania - Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . . Weuflort .. Paris.... Schweiz .. Spanien . . Japan .. . Rio de Jan. Wien in D.» Oest. adgest. Prag Belgrad . . Budapest.. Bulgarien. Inflation . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada . . Uruguay. . ttairo .. . 168.30 1.598 58.42 112.02 112.01 112,25 10,54 21,95 20,344 4,186 16,405 80,96 51,00 . 2,070 0,4955 59,045 12,413 7,392 73,135 3,037 18,80 81,37 1,785 5-43 4,82 3,836 20,865 168,64 1-602 58,54 112,24 112.23 112,47 10,56 21 99 20 384" 4,194 16,445 81,12 5110 2,074 0,4975 59,165 12,433 7,406 73,275 3,043 18 84 81,53 1,789 5-44 4,90 3,844 20,905 168.32 1.598 58,42 112,01 112,02 112,26 10,538 21,95 20,345 4,186 16,41 80,995 50,90 2,068 0,495 59,05 12,415 7,392 73,135 3,035 18,80 81,37 1,784 5,43 4,181 3,816 20,855 168,66 1,602 58,54 112,23 112,24 112,48 10,558 21,99 20,385 4,194 16,45 81,155 51,00 2-072 0.497 59,17 12,435 7,406 73,275 3,041 18,84 81,53 1,788 5,44 4,189 3,824 20,895 Aus der Provinzialhaupistadt. Gießen, den 22. Mai 1930. Wohltätigkeitsfestspiele. Am Sonntagnachmittag und -abend brachte der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See, Ortsgruppe Gießen, zugunsten der Ausländsdeutschen in Paraguay in der Volkshalle ein Märchcn- schauspiel in 6 Akten: .D i e Königskinder" von Pohl-Prandl zur Aufführung. Leider wurde der Besuch der beiden Veranstaltungen durch die ungünstige Witterung wesentlich beeinflußt, was — abgesehen von dem guten Zweck der Veranstaltung — um deswillen bedauerlich war, weil die umsangreichen Vorbereitungen ein volles Haus verdient hätten. Die Rachmittagsveranstaltung wurde eröffnet mit einem flotten Marsch, dargeboten von Mitgliedern des Mandolinen- und Gitarrenvereins „Reapolita", die auch die einzelnen Pausen durch gute Musikvorträge in bester Weise ausfüllten. Hierauf entbot Frau Provinzialdirektor Graes als Vorsitzende des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See, Ortsgruppe Gießen, den Erschienenen herzlichen Willkommgruß. Sie führte u. a. auS: „Deutsch sein und bleiben ist auch heute wieder die Losung bei unserem Feste, das wir. wie alle Jahre, unserer fernen Brüder und Schwestern gedenkend, ihnen in ihrer Rot zu helfen geben. Habt deutschen Dank, der aus tiesstem Herzen kommt, für euer Erscheinen! Ja, die Rot ist groß, auch überm Wasser. Besonders in Paraguay, wo 12 000 Deutsche um ihr tägliches Brot und für die Gesundheit ihrer Familie kämpfen. Sie haben dort keine deutsche Hilfe, keine deutschen Schwestern, Aerztc, Pfarrer oder Lehrer. Die deutschen Kinder sterben in Massen weg, da sie keine Pflege haben, ebenso die deutschen Frauen. Sie haben auch kein Geld, eine Schwester usw. zu bezahlen. Der Landesverband Hessen hat sich daher entschlossen, eine Schwester nach Paraguay zu senden und die Kosten hierfür zu übernehmen. Die Ortsgruppe Gießen hat sich verpflichtet, hierzu einen Teil beizutragen. Der Reingewinn unseres Festes ist hierfür bestimmt. Herrlich ist es, daß heute sich hier 100 Schulkinder zur Verfügung stellten, um uns bei unserer schweren Ausgabe zu Helsen. Wir kommen nur einmal im Jahre, um euch zu bitten: Vergeht auch unsere fernen deutschen Brüder und Schwestern nicht, laßt nicht so viel Deutsche ohne deutsche Hilse zugrunde gehen, helft auch diesen einmal im Jahre!" Hierauf fand die Aufführung des Märchenschauspiels „Die Königskinder" statt. Die Leitung lag in den Händen von Direktor Hermann Kappenmacher (Frankfurt a. M.), der unter Mitwirkung von etwa 100 Schülern und Schülerinnen der hiesigen Lehranstalten anerkennenswerte Darbietungen herausbrachte. Don den einzelnen . Rollen, die gut verteilt waren, verdient vor allem der äln- hold Geron (gespielt von Direktor Kappen- macher- besondere Erwähnung. Auch Prinz Edelbcrt, dessen Stiefmutter und Stiefschwester, die Prinzessin Vergißmeinnicht, die Feenkönigin, Vater KlauS, der Berggeist und alle die vielen kleinen Rollen wurde in bester Weise dargeftellt. Dazwischen wirkten die Tänze und Lieder, von Sri. 'S) cd er auf dem Klavier begleitet, recht nett. Die einzelnen Bühnenbilder waren geeignet, die Zuschauer in die Märchenwelt zu versehen. Dor dem Schluhbild erfreute einer der Mitwirkenden durch ein vaterländisches Gedicht, als dessen Ausklang am Schluß der Aufführung von der Kapelle das Deutschlandlied gespielt wurde, in das die Besucher der Deranstaltung einstimmten. Rach der Aufführung wurden die Mitwirkcnden bewirtet, auch sorgte eine Tombola für entsprechende Belebung. Am Abend fand eine Wiederholung des Märchenspiels statt: außerdem wurde der tanzlustigen Jugend Gelegenheit zur Unterhaltung geboten. . * * Alicefrauenverein vom Roten Kreuz. Am Dienstagnachmittag fand in den oberen Räumen des EafE Astoria eine Zusammenkunft des Hauptvereins Darmstadt mit den Zweigvereinen Oberhessens bzw. deren Vorsitzenden statt. Eine intensive, inhaltsreiche Arbeitsbesprechung entwickelte sich, die besondere Anregung durch die neu auf gegriffenen Arbeitsgebiete des Hauptvereins fand, aber leider nicht in vollem Maße auf kleinere Verhältnisse übertragbar sind. Jeder Zweigverein berichtete von seiner Tätigkeit und ein reger Erfahrungsaustausch bereicherte in der wertvollsten Weise die Aufgaben des Roten Kreuzes. Dor segensreiche Erfolg der Arbeit, auch die Freudigkeit der Arbeit prägte sich in den Berichten aus und unentwegt wird die Linderung der Rot unserer Mitmenschen die Vereine beseelen, wozu die stille Mithilfe der Freunde des Roten Kreuzes erbeten wird. " Der Bezirksverein Rord - Ost hielt am Montag im Cafä Leib seine ordentliche Generalversammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Etadt- ratsmitglied Lchteiedcr. begrüßte die verhältnismäßig gut besuchte Versammlung. Der Schriftführer, Buchhändler Pfeiffer, erstattete hierauf Bericht über die Tätigkeit deS Vorstandes in den zwei abgelaufenen Gefchäfts- jobren. Es war daraus zu entnehmen, daß die Beseitigung der letzten alten Dammstraßehäuser und somit die Erweiterung dieser Straße noch in diesem Jahre erwartet wird. Weiterhin erhofft man noch in diesem Jahre die Fertigstellung der 60 Wohnungen in der Schwarzlach. Bedauert wird, daß infolge der allgemeinen Finanznot das Stadtviertel von den Hauptverkehrsstraßen der übrigen Stadt nach wie vor durch den Engpaß am Kirchenplatz abgeriegelt bleibt. Der Bericht schloß mit Dankcsworten an die Mitarbeiter, die Stadtverwaltung und die Presse, und forderte auf, weiter zu kämpfen zur Wahrung der berechtigten Interessen von Rord-Ost zum Ge- samtwohl der Stadt Gießen. Der Kassenbericht zeigte eine erfreuliche Dostandszunahmc: dem Rechner, Herrn B i n d e w a l d, wurde Entlastung erteilt. Darauf wurde der Vorstand in der seitherigen Zusammensetzung wiedergewählt. " Vortrag in der Christengemein- schäft. Man berichtet uns: Auf Einladung der Christengemeinschaft sprach am vorigen Donnerstag in der Universität Dr. I. Jerk, Kopenhagen, über das Thema: .Götterdämmerung und Auferstehung im nordischen Geistesleben". Die Welt der nordischen Götterkräfte, die Welt der allen Mystik und Magie, wie sie noch in den Sagas und in den Volksliedern lebte, fei nicht mit jenen Zeiten untergegangen. Sie lebe weiter in den großen Gestalten des nordischen Geisteslebens, in Ibsen, Grundtvig, Strindberg usw. Ihnen allen gemeinsam sei das Zugekehrtsein zu einer inneren Welt, das Erleben des Göttlich- Geistigen als bildhaft, wesenhaft erscheinend. Aus solchen Erlebnissen schöpsten sie die Kraft, die Inspiration für ihr äußeres Wirken. Hnt> was früher Kraft der Vergangenheit war, wird Richtlinie für die Zukunft. So gestaltet sich diese Zukunftshoffnung bei Ibsen in der von ihm ausgesprochenen Hoffnung auf das „dritte Reich", auf die Versöhnung von Geist und Ratur. Oberheffen. Landkreis Gictzen. £ 2B i e f c rf, 19. Mai. Während hier in den Nachkriegsjahren eine rege Bautätigkeit herrschte und ndch im vergangenen Jahre zwölf Wohnhausneubauten erstanden, ohne die An- und Umbauten, ist die Bautätigkeit in diesem Jahre etwas zurückgegangen. Werden doch dieses Jahr, wie bis jetzt bekannt, nur sechs Wohnhausneubauten erstellt. Trotzdem waren die Bauarbeiter bis jetzt beschäftigt, da durch die Erweiterung des Kanalnehes genügend Arbeitsgelegenheit geschaffen war. £ Wies eck, 20. Mai. Gestern abend fand eine Sitzung des Gemeinderats statt. Dor Eintritt in die Tagesordnung stellte Gemeinderat Rösser den Antrag, als Punkt 10 den Kanalbau im Reuenweg zu behandeln, während Gemeinderat Benner die Punkte 5 und 9, Erhöhung des Wassergeldes und Erweiterung des Wasserbassins, zusammen behandelt haben will, dem auch zugestimmt wurde. Bürgermeister S ch o m b c r gab nun den Dorschlag der Bau- komrnisfion über die baldige Instandsetzung der Philosophen st raße bekannt, während Benner mit Rücksicht auf die bereits geleisteten Dorarbeiten den Eichrnröder Weg zuerst instandgesetzt haben will. Rach längerer Aussprache einigte man sich mit Rücksicht auf den starken Personenverkehr und das im Lause des Sommers stattfindende Radfahrerfest dahin, daß als erste Straße die Philosophenstraße in Ordnung gebracht werden soll und im Anschluß hieran der Eichenröder Weg sertiggestellt wird. Der Einzäunung des Festplahes mit Maschendraht wurde zugestimmt, die Leistung soll fubmittiert werden. Die Mieten für die Gemeindewoh- nungen wurden vom letzten Gemeinderat um 46 Prozent erhöht. Hiergegen hatte die Linke des jetzigen Gemeinderates einen Beschluß durch- gedrückt, der besagt, daß die Mieten nur um 25 Prozent erhöht werden dürften. Bürgermeister S ch o m b e r verlangte erneute Beschlußfassung, da er die Mieten als zu niedrig erachtet. Rach längeren Ausführungen von verschiedenen Gemeinderäten blieb es bei dem letzten Beschluß, jedoch wurde ein Antrag Benner angenommen, der besagt, daß sämtliche Gemeindewohnungen demnächst durch Mitglieder der Wohnungskommission besichtigt werden und ein Plan ausgestellt wird, um eine gerechte Regelung ZNtr Mieten her- beizusühren. Gemeinderat Seibert beantragte, daß in Zukunft die verbilligten Gemeindewohnungen nur den wirklich Bedürftigen zur Verfügung gestellt würden. Gs könnten hier z. B. Wohnungen von Mietern frei gemacht werden, die auf Grund ihrer Einkommensverhältnisfe in der Lage wären, gleichwertige beschlagnahmefreie Wohnungen zu beziehen zugunsten wirklich Minderbemittelter. Der Beschränkung des Ortsbauplanes wurde insoweit zugestimmt, daß alle diejenigen, die außerhalb der bereit- vorgesehenen Straßen bauen, auf Wasser, Kanal und Weg verzichten müssen. Zu einer örtlichen Begrenzung des Ortsbauplanes konnte sich der Gemeinderat mit Rücklicht auf die dann ein- sehende Geländespekulation nicht entschließen. Sines der größten Schmerzenskinder ist die Wasserversorgung, besonders des höher gelegenen Ortstciles. Um endlich Abhilfe zu schaffen, beschloß der Gemeinderat, den Hochbehälter zu erweitern und ein Bassin von mindestens 250 Kubikmeter Inhalt anzubauen, damit das Wasser, das nachts unbenutzt weggeflossen ist, erfaßt wird. Somit würde auch dieWafser- geldabgabe für daS von der Stadt Gießen bezogene Wasser sich um einen wesentlichen Betrag verringern. Dieser ersparte Betrag würde ausreichen, um die Amortisation der Anlage durchzusühren. Die Arbeiten sollen schnellsten- in Angriff genommen werden. Ucber die Erhöh u ng des WassergeldeS für 1930 konnte sich der Gemeinderat nicht entschließen, vielmehr soll das Ergebnis der Kosten nach Fertigstellung der Erweiterung der Anlage abgewartet werden. Als Rachtrag von Wassergeld sür 1929 beschloß der Derneinde- rat gegen eine Stimme, 30 Prozent zu erheben. Dieser Rachtrag machte sich notwendig, da die teilweise Erneuerung der Anlage und Reparaturen aus dem Winter 1928 29 hohe Mittel verschlungen hatten, anderseits aber ein solcher Betrieb sich selbst tragen muß und Reserven nicht vorhanden sind. Dem Verkauf von Gelände an Karl Dorfeld wurde zugestimmt. Ebenso wurde die Renovierung des früheren Fabrikgebäudes in der Alicestraße allseitig gutgeheißen. Ucber den Kanalbau im Reuenweg brachte Ge- meinderat Rösser Beschwerden vor, die abzustellen Bürgermeister Schorn ber versprach. Weitere kleinere Anfragen wurden besprochen und wurden Aufklärungen zugesagt. • Dorf-Gill, 21. Mai Als der in den 50er Jahren stehende Landwirt S a m e s heute vormittag sein Fuhrwerk besteigen wollte, scheuten die Pferde und gingen durch. Der bebauemStoertc Mann fiel dabei auf eine im Hofe stehende Bütte und wurde außerdem vom Pferd geschlagen. Er erlitt schwere, anscheinend auch innere Verletzungen und mußte nach erster Hilfeleistung durch einen Arzt von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik zu Gießen eingeliefert werden. Kreis Schotten. * ß a u b a d), 19. Mai. Als Auftakt zu dem großen Bundestag des Deutschen Stenographenbundes, der alle fünf Jahre stattfindet und dieses Jahr in Berlin abgehalten wird, findet die Tagung des Bezirks Gießen des Hessisch-nassauischen Kurz- schristverbandes anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Laubacher Stenographenvereins (Babelsberger am 31. Mai und 1. Juni in L a u b a ch statt. Am Samstag werden schon die Unterrichts- leiter-Besprechungen und Dertreterversammlung ge- halten, damit am Sonntag genügend Zeit verbleibt für das Prüfen und Werten der Wettschreibarbeiten. Es sind bereits soviel Teilnehmer für den Sonntag gemeldet, daß ein Sonderzug von Gießen nach Laubach fahrt. Da die Schulräume alle Wettschreiber nicht fassen können, wird auch noch in den Sälen der Gasthäuser geschrieben werden. Zahrestagung des Hessischen Landesverbandes evanaelischer Männer * Vereinigungen. 4 Bad-Rauheim, 19. Mai. Der Hess. Landesverband evangelisch er Män- ner-Dereinigungen, der sich 1924 zusammengeschlossen hat und heute bereits 5000 Mitglieder zählt, hielt gestern hier feine auS dem ganzen Lande sehr zahlreich besuchte 6. Hauptversammlung ab. In Verbindung damit feierte die hiesige Evang. Männer-Vereinigung, die 1905 von Pfarrer Knodt als „Evang. Jünglings- und Männerverein" gegründet worden ist, ihr 25. Jubiläum. Ein feierlicher Festgottesdienst, verschönt durch stimmungsvolle Chöre der Chorvereinigung und festliche Orgelmusik, bildete in der bis zum letzten Platz gefüllten Dankeskirche den Auftakt der Haupttagung. Pfarrer Schäfer sprach in der Festpredigt packend über das Bibelwort: „Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und stark." Die eigentliche Hauptversammlung, die starken Besuch aus nah und fern aufwieS, wurde eröffnet vom Verbandsvorsitzenden, Ministerialrat Dr. 11 r ft a b t (Darmstadt), mit herzlicher Begrüßung und herzlichem Dank für die gastliche Aufnahme in der schönen Badestadt, die den bereits am Samstag eingetroffenen Gästen Frei- quartiere zur Verfügung gestellt hatte und die Stunden zwischen den Verhandlungen dazu benutzte, tn sachkundigen Führungen die Anlagen und Betriebe des Bades den Tagungsbesuchern zu zeigen. Der Begrünung burch 5en Vorsitzenden folgte ein Vortrag von Prof. Cahn (Frankfurt a. M.) über daS Thema „Moral ohne Gott". Rach einem geschichtlichen llebcrblid übet die Zusammenhänge zwischen Religion und Sittlichkeit legte der Redner seinen Au-führungen das Wort Rietzsche- zugrunde: „Die Sonne ist untergegangen, aber der Himmel leuchtet noch." Wenn die religiöse Kraft in weiten Kreisen de- Volkes unwirksam geworden sei, sähen wir noch sittliche Rachwirkungen im Lichtschein vergangener Religiosität. ES komme aber die Rächt, wo da- Licht nicht mehr nachwirke. Deshalb sei auf die Dauer ein Volk ohne Moral nicht denkbar. Der Redner forderte: Wir müssen zu einer neuen Frömmigkeit kommen. In der ausgiebigen Aussprache wurde den Gedankengängen de- Redner- im wesentlichen stark zugestimmt und eingehend die Frage erörtert, waS praktisch zu tun sei. Der Hauptversammlung war am Sam-tag- abenö die Delegiertentagung unter Vorsitz von Ministerialrat Dr. 11 r ft a b t vor- ausgegangen. Jahresbericht unb RechnungSablage zeigten, daß eS in bem noch jungen Verband vorwärts und aufwärts geht. 3n der regen Aussprache wurden die Hauptziele deS Verbandes nochmals klar herauSgestellt. Sr erstrebt den Zusammenschluß aller evangelischen Männer zu gemeinsamer Abwehr gegen den Unglauben unb Die ReligionSverneinung, Helferbienst im sozialen Leben ber Oemcinben, Ausbau beS christlichen VolksbüchereiwesenS, Errichtung unb Unterstützung von Alters-, Jugend« unb Lehrlings» Heimen. Besprochen würbe auch baS VerhältniS zum Evangelischen Bunb, zum Verband ber Dorf- kirchenfreunbe, zum Zweckverband der evangelischen Organisationen unb zum evangelischen Gemeindetag Der nächstjährige DerbandStag findet in Rüsselsheim statt. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.) steine anonymen Anzeigen an den lierschutzvereink Die Leitung des hiesigen Tierschutzvereins sieht sich veranlaßt, auf die Ruhlosig - teil anonymer Anzeigen auS dem Publikum hinzuweifen. So beklagenswert die gemeldeten Vorfälle find, so bedauerlich ist eS, diese unbeachtet lassen zu müssen. Weder die Polizei, noch der Tierschuhverein kann auf solche Anzeigen wirkungsvoll etwas tun. Wiederholt ist gesagt worden, daß der Rame des Anzeigenden nicht genannt wird. Wer dem Tiere wohl will, ist auf dem falschen Wege, wenn er sich hinter dem Busch verkriecht und nicht mit offenem Visier rnitkärnpfen teilt. Anonyme Anzeigen gehen darum den Weg, den sie gehen müssen — in den Papierkorb! Der Vorstand deS TierschuhvereinS. bei der Wahl des Brotes, als besonders bekömmlich. Roggenbrot empfehlen Also verwenden Sie in Ihrem eigenen gesundheitlichen Interesse zum Familiengetränk auch nur „Seelig 's kandierten Kornkaffee" aus deutschem Roggen. Dr. Lahmanns - Hausgetränk. 1 Pfundpaket 55 Pfennig. •XHn- ! Leiden Sie an Nbeuma? Dann fordern Sie die Truckschrilt »Aerziliche Berichte über Heilerfolge mit dem LalzichlirferBoniiaztuS Brunnen"durch: Niederlage von W. Sioll bei: Wilhelm Michel, Walltorftr. 71. Tel. 2479. — Niederlage von Otto Klein L Co.. 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Gr nahm ihre Hand, küßte sie und sah sie Dankbar an. — Run stand sie fertig vor ihm. Als sie ins Auto stiegen, sagte er: „Vielleicht gehen wir später nach St. Moritz oder nach Arosa. Ich will Ihnen die Welt zeigen, Julia. Die Welt ist schön. Sie ist anders, als man sie im Film sieht." Als eifriger Automobilist fuhr er, wie oft, auch heute selbst. Der Wagen glitt am Tiergarten vorbei. Potsdam war das Ziel. Sie ließen bald die belebten Straßen hinter sich. Schnurgerade, wohlgepflegte Wege tauchten auf. „Wie gefällt Ihnen diese Gegend?" fragte Lothar, der die freie Stirn in dem entgegenkommenden Luftzug wohltuend badete. „Hier muß es sich herrlich wohnen", entgegnete Julia mit einem bewundernden Blick auf die Dillen und schloßähnlichen Bauten. Eine ruhige Vornehmheit schwebte über diesen Besitzungen. „Dieses Palais möchte ich haben", rief Julia übermütig und zeigte auf ein mit schönen hohen Bäumen umgebenes schloßähnliches Gebäude im Barockstil. Lothar wandte den Kopf. „Diese Villa möchten Sie haben? — Ich will mein Möglichstes tun. Vielleicht kann ich so glücklich sein, sie Ihnen zum Geschenk zu machen." Sie nahm seine Worte nicht ernst, ließ ihre Gedanken zu dem Manne da vor ihr schweifen, dessen starke Fäuste den Wagen dirigierten. — Es müßte die höchste Wonne sein, von diesen starken Armen umfangen, von diesen Händen geliebkost und von diesen männlichen Lippen geküßt zu werden! — Aber diese Hände brachten ihr nur Blumen und diese Lippen formten nur anerkennende und kühl höfliche Worte. Den ganzen Tag verbrachten sie im Freien. Die Sonne lockte und die zahlreichen Kiefernbs- stände in der Umgebung Potsdams hauchten einen Duft aus, der in die Ferne rief. Sie tranken eine Tasse Kaffee in einem Gartenlokal, das von Ausllüglern bevölkert war. Dann unternahmen sie einen langen Spaziergang. Auf einsamen Wegen schritten sie dahin, schweigsam und in sich gekehrt, als lauschten sie einer Melodie, die in ihnen wie Geigentöne lockte und klang. Dur ihre immer länger werdenden Schatten waren ihre Begleiter. Die Sonne tauchte als blutrote Kugel unter, als Lothar und Julia den Wagen wieder bestiegen. Ein rotgoldener Schein der versunkenen Sonne schwebte noch in der Dämmerung dieses Abends. In dieser Stunde glich das Haar Julias einem Gespinst aus purpurroter Seide. Ihre Haut schien blasser geworden zu sein, eine Komposition aus Elfenbein und Blut. — Lothar sah voll Bewunderung dieses Märchenwunder, das ihn einspann und festhielt. Immer dichter und dichter wurde der Schleier der Sömmerung. Die Schatten waren bald violett. Die Umritte der vorbeihuschenden Villen erschienen größer und entrückter. „Dort jenes Haus wünschten Sie sich", rief Lothar und deutete mit dem Kopf die Richtung an. Sie lachte: „Das hatte ich schon wieder ganz vergessen. — Aber wenn Sie es mir schenken wollen, werde ich Sie ganz gewiß nicht hindern." Sie zeigte lächelnd ihre schönen Zähne und fühlte die Wärme des Mannes an ihrer Seite. Der Wagen hielt vor Julias Wohnung. Er geleitete sie hinauf zum ersten Stockwerk. Vor der Tür reichte er ihr die Hand. Sie fühlte das Verlangen im Blicke des Mannes und rief, um ihre Verwirrung $u verbergen: „Vielen, vielen Dank für die schönen Stunden, Herr Emmer- ftorffl" „Ich bin dankbar, wenn ich in Ihre Augen blicken darf", entgegnete er demütig und umarmte sie mit einem heißen Blick. „Was ist dir, Lothar?" fragte er sich und horchte auf das Stürmen seines Blutes. „Dieser Abschied ist eine Komödie", dachte er und schämte sich ein wenig seiner Regungen. — — — Als er in seine Wohnung kam, war es ihm, als trete er in ein Grab. Stille herrschte. Er fröstelte, obwohl draußen ein silberheller Mond niedrig an dem Rachthimmel hing. Er würde eine andere Wohnung nehmen! Hier in diesen Räumen ging Konstanze um. Konstanze, die er nicht vergessen konnte. Lleberall war sie. In jedem Winkel in jeder Ecke stand Konstanze. Da fiel ihm fein Versprechen ein, das er Julia heute gegeben. Er klingelte. Wenige Minuten später erschien Paul vor seinem Herrn. „Sehen Sie sich dahin", sagte Emmerstorsf in freundlichem Ton und bot ihm eine Zigarre an. „Sie können Sie ruhig anstecken", lächelte er, da er sah, daß sie Paul verlegen zwischen den Fingern drehte. — „Ich leiste Ihnen Gesellschaft. — Ich habe einen Auftrag für Sie, der Ihnen viel Geld einbringen wird. Passen Sie auf. — Ich muß bis morgen mittag wissen, wem die Villa auf der Babelsberger Straße Nr. 47 gehört und ob sie verkäuflich ist. — Wenn Sie mir bis morgen mittag zwölf Ähr eine Auskunft bringen, erhalten Sie eine angemessene Belohnung. — Haben Sie verstanden?" Paul schlug die Hacken zusammen. „Gute Nachti" Emmerstorsf kehrte ihm den Rücken. Als er sich wieder allein fühlte, schüttelte er den Kopf über sich selbst. „Du bist ein ausgemachter Narr, Lothar!" Er dachte an seine unsinnigen Geschäfte und Spekulationen, in die er sich in dieser letzten Zeit eingelassen hatte. Er hatte Bergwerke gekauft und wieder veräußert. Er gewann dabei ein kleines Vermögen. Ganze Waldbestände hatte er aufkaufen lassen, die er urbar machen wollte. Von dem Verkauf des geschlagenen Holzes versprach er sich große Gewinne. Er hatte einen Pachtvertrag mit dem Besitzer riesiger Obstplantagen auf viele Jahre abgeschlossen. Der Ankauf der Glasfabrik von Anton Fischer & Co. stand kurz vor dem Abschluß. — Fabelhaften Gewinn versprach er sich von all diesen Unternehmungen. Obwohl er einen geradezu einzig dastehenden kaufmännischen Spürsinn, der in der Großindustrie schon fast sprichwörtlich geworden war, besaß, konnte er doch nicht leugnen, daß er allmählich die Äebersicht über diese großen -Unternehmungen verlieren mußte. Und wenn er sich nun fragte, weshalb er all diese riesigen, ja gigantischen Ankäufe vomahm, die doch mehr oder weniger alle ein Risiko bedeuteten, konnte er sich doch keine Rechenschaft hierüber ablegen. Meist ohne sich lange zu überlegen, unterzeichnete er die wahnsinnigsten Kontrakte, sobald ihn irgendeine Sache $u interessieren begonnen hatte. Das Merkwürdigste aber war, was ihn heute noch interessierte, langweilte ihn schon sehr bald. Es war ein Verlangen nach Neuem in ihm, das ihn zu Hetzen schien und ihn nicht befriedigte. Er überlegte, feit wann diese Verwandlung bestand. Ja, von der Stunde an, da Konstanze ihn verlassen, begann dieses Hetzen, dieses ziel- und planlose Spekulieren. Von dieser Stunde an wurde — wenn auch ganz allmählich — aus dem sonst so kühl berechnenden Großindustriellen der nach Gewinn und Geld heischende unüberlegte Mensch, der keine Freude fand an seinem Tun, aber den doch irgendeine Macht zum Unsinnigsten trieb. Seine Gedanken wanderten zu seinem früheren Kompagnon Siegfried Marschner. — Die chemische Fabrik steht jetzt hart an der Pleite. — Auch daran, daß er dort ausgetreten, war Konstanze indirekt schuld. — Und plötzlich kreiste eine irrsinnige Erkenntnis in seinem Hirn: Seit Konstanze aus dem Hause fort war, hatte siH sein Vermögen ganz gewaltig vergrößert. Es war ohne Zweifel, Konstanzes Weggang hatte ihm materielle Güter gebracht. Die Kassen der Erde schienen sich ihm erschlossen zu haben. — Schon am zeitigen Vormittag des nächsten Tages machte Paul seine Meldung: „Das Hanaus der Babelsberger Straße Nr. 47 ist verkäuflich." »Sie sind ein Genie, Paul", lachte Emmerstorsf und schenkte ihm hundert Mark. „Ich fahre sofort hin, Sie haben heute Urlaub." Eine Stunde später stand Lothar vor der Villa. Sie schien im Dornröschenschlaf zu liegen und zu träumen. Die heiße Sonne dieses Tages glitzerte in den mächtigen Spiegelfenstern und zauberte auf die Fassaden und Türmchen einen flimmernden Schein. — Emmerstorsf läutete dreimal. Endlich schien das Haus zu erwachen. Ein Bedienter kam mit gemessenen Schritten über den Kiesweg auf das große Eingangstor zu. Eine englische Dogge folgte dem Lakai ruhig und wohlerzogen. Sie schielte den Fremdling lauernd an und lieh ein warnendes Knurren hören. „Dieses HauS ist zu verkaufen, kann ich es besichtigen?" „Ich will sehen, ob die Damen zu sprechen sind." Emmerstorsf trat ein. Die Kühle einer äußerst vornehmen Diele umfing ihn wohltuend. Don der Diele führte eine breite Marmortreppe nach dem obersten Stockwerk. Von der Galerie herab hingen kostbare Felle. Sie verliehen dem großen Raume ein gewisses exotisches Gepräge. Irgendwo plätscherte ein kleiner Zimmerspringbrunnen, den man nicht entdecken konnte. Ein paar überaus wohlgepflegte Palmen mit weit ausladenden Fächern boten dem schweifenden Auge einen gewissen Ruhepunkt. Eine seltsam feierliche Stille herrschte in dieser Diele. Eine alte Dame mit schneeweißem Haar trat ein. Sie sah gepflegt aus und machte den Eindruck einer Aristokratin. Emmerstorfs nannte seinen Namen und gab einige Erklärungen. ..Es ist schlimm für uns, sehen Sie. Wir sind leider gezwungen, zu verkaufen. — Mein Mann starb in der Zeit der großen Umwälzungen in Deutschland. Wir haben unser ganzes Vermögen verloren. Das einzige, was uns geblieben, ist dieses Haus. Ich wohne mit meiner Schwester zusammen hier. Sie ist krank und bedarf sehr der Pflege. Das Haus kostet Geld. Der Park Wilk gepflegt fein. Das Personal will feinen Lohn naben und, sehen Sie, Herr Emmerstorff, wir können das nicht mehr durchführen. So müssen wir uns trennen von diesem Besitz." (Fortsetzung folgt.) iDas natürliche Bräunen der Haut fördert Sportcreme Mouson wie fiJ| |f ß W zweites Mittel, verhütet aber den gefährlichen, schmerzhaften Sonnenbrand. Sh Äfl KJ n- - STX Reiben Sie sich öfter — bei trockener Haut — ein. Wenn Ihre Haut an- 8»»MW»• *-31 —— gfi HB P fängt, wieder blaß zu werden, können Sie durch die eigenartige Wirkung ^^^^^^^-^^^der^^rt^n^M^^^in^rn^t^^achdunkeln^^^en. _______ L^X N /^\ Besucht die 8912D Im Bittersaal. I3908D Dleee drei wesentlichen Elgenochaften der gediegenen BrQhl’sche Druckerei, Gießen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2251 5 2 • Juni 1930 Anfang 8 Uhr • Saalöffnung 7 Uhr Volkshalle Es ladet herzlich ein 3911D der kriegerocrein Ilbeshausen. Rund um die Welt in einer Sommernacht! empfiehlt [03405 3918D c toriföf iÄ*2" stevolt. T' den daß e« m .^schl Zchiedsjnst""^usr bcn ÄUJ9CI K°ben v besteh. Streitfall,!,ni< tien bcs V'ne ge »Ürb?n fincrs ti & Ma i'begr 2°r«n °u U »Utotn. Di Pötuno .ö°nnen -..M zLv eret •; isSri