'"SM »Hh ?3 2.5-ä* ? 5 - *—,3 « Samstag, 22. März <930 <80. Jahrgang Nr. 60 Erster Blatt t 1. Aril ab ausgesprochen werden, weiter wird aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt, dah das Reichskablnett dieser Tage einen Gesetzentwurf verabschiedet Hal, der die Kapitalertragssleuer auf neue und alle Petitionen völlig beseitigt und die Kapilalverkehrssteuer nicht unwesentlich herab- seht, um den Zustrom langfristiger ausländischer Gelder zu erleichtern. Eine weitere Vorlage, die einen Abbau der Gewerbe st euer vorsieht, wird anfangs der nächsten Woche als Dericht- erstalterenlwurf die interfraktionellen Besprechungen der Regierungsparteien beschäftigen. Erledigung des Steuerprogramms bis zum W. April? Eriche,n> täglich,außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monatsBtiugsprels: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch hei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsorechanschlüste ttnlerSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. leichterung bringen soll. Dos Kabinett hat dem Wunsch Hindenburgs entsprochen und hat sich einen vom Reichsinnenminister vorgelegten ?Plan einer Reichs- und Staatshilfe für die bedrängten Ostgebiete" zu eigen gemacht, der, soweit man der amtlichen Verlautbarung entnehmen kann, vorerst noch etwas dürftig aussieht. Mit ein paar Millionen ist hier nicht viel getan, dazu hat man die Dinge zu lange treiben lassen. Ausbau eines den Bedürfnissen entsprechenden modernen Verkehrsnetzes, Schaffung und Förderung einer bodenständigen Industrie und, was uns am wichtigsten erscheint, Erhaltung und Kräftigung des bäuerlichen Clements in der ostdeutschen Landwirtschaft, um der beängstigend zunehmenden Entvölkerung Einhalt zu gebieten und womöglich eine Rückwanderung aus dem Westen nach dem menschenarmen Osten, aus der im Zeichen der Arbeitslosigkeit stehenden Stadt auf das platte Land zu erreichen. Das kostet natürlich auch viel Geld und jede Anregung, woher die notwendigen Millionen zu nehmen sein könnten, wird ernsthaft geprüft werden müssen. Hindenburgs Vorschlag, aus der eigentlich abbaur.ifen Industriebelastung Mittel für den Osten und speziell für die Landwirtschaft freizumachen, scheint uns allerdings zu wenig zu berücksichtigen, daß die Industriebe-- lastung keineswegs bloß die Großindustrie trifft, die nun aus dem deutsch-polnischen Handelsvertrag unter ilmftänben Ruhen zu ziehen vermag, sondern alle Gewerbebetriebe mit mehr als 20 000 Mark Betriebsvermögen also auch den gewerblichen Mittelstand, der selbst unter ter schichten Wirtschaftskonjunktur schwer leidet und für den Export noch Polen nicht in Frage kommt. Aber wie gesagt, Vorschläge für die Aufbringung der Mittel bedürfen im einzelnen noch genauer Prüfung, wichtiger erscheint unß jedoch, daß die grundsätzliche Einstellung unserer politischen Instanzen einer Revision unterzogen wird unter dem Druck der Erkenntnis, daß im Osten einmal Deutschlands Zukunft entschieden wird, daß aber der Osten dem Deutschtum verloren geht, verloren gehen muß, wenn seiner Landwirtschaft nicht geholfen wird. Berlin, 21. Wär;. (TU.) Wie die Telegraphen- Union aus parlamenlarischen Kreisen erfährt, rechnet man in den Kreisen der Regierungsfraktionen mit einer Erledigung des Steuerprogramms der Reichsregierung bis etwa zum 10. April. Sicherem vernehmen nadj hat der Reichsfinanzminister zu erkennen gegeben, daß der 10. April für fein Amt der letzte Termin fein müsse, an dem die Steuergesehe in Kraft zu treten hätten. Seien die neuen Steuergesehe bis zu diesem Termin verabschiedet, dann könnten sie noch mit rückwirkender Kraft vom Rußland, die Annäherung an die kleine Entente und die Randstaaten, die Pflege guter Beziehungen zu Italien haben Polen auch außenpolitisch gestärkt. Der britische Bergarbeiterstreik erlaubte dem polnischen Kohlenbergbau einen ungeahnten Aufschwung. In Skandinavien, im Südosten, in Italien eroberte sich Polen, unterstützt von weit geringeren Produktionskosten als seine Konkurrenten Deutschland und England, wichtige Absatzmärkte. And schließlich gelang es Polen im Schutz des Zollkrieges mit Deutschland fast zwangsläufig die ersten Ansätze zu einer eigenen nationalen Industrie zu entwickeln, die durchaus beachtlich sind. So liegt es auch durchaus im deutschen Interesse, wenn durch den Abschluß des Handelsvertrages versucht wird, endlich wieder normale Wirtschaftsbeziehungen mit Polen anzubahnen, wenn auch — das muß immer wieder betont werden — eine Reihe wesentlicher Punkte der Vertragsregelung namentlich vom Standpunkt der Landwirtschaft aus — es sei nur auf das Polen zugebilligte Einfuhrkontingent von Schweinen hingewiesen — zu ernstlichen Bedenken Anlaß gibt. Aber für die Industrie, besonders des deutschen Ostens, die unter der allgemeinen Wirtschaftsdepression leidet, bieten sich doch durch die Oeffnung des polnischen Marktes gewisse Möglichkeiten, wenn auch vorerst im Hinblick auf die immer noch herrschende Unsicherheit in Polen namentlich auch in finanzieller Hinsicht Vorsicht und Zurückhaltung durchaus geboten erscheinen, wenn Enttäuschungen und Verluste vermieden werden sollen, wie sie unsere Industrie aus ihren Ruh- landgeschäften schon zur Genüge kennengelemt hat. Wir sagten schon, dah die Polenverträge darin ihre Begründung finden, dah sie den unter der Llnsicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse schwer leidenden deutschen Grenzprovinzen im Osten ein großes Moment der Beruhigung verschaffen. Cs ist deshalb lebhaft zu begrüßen, daß der Reichspräsident den Abschluß der Verträge $um Anlaß genommen hat, von der Reichsregterung die Aufstellung eines umfassenden Ost Programms zu verlangen, das namentlich der um ihre Existenz ringenden Landwirtschaft Hilfe und Er- Sozialdemokratic f ö wenig h a t durchsetzen k ö n n e n. Es ist ernstlich zu prüfen, ob das Verbleiben in der gegenwärtigen Reichskoalition, in der sich Herr Moldenhauer öffentlich mit Herrn Wissest herumboxen muh, den Auffassungen der Volkspartei von den staatlichen Notwendigkeiten noch weiter entspricht. Ist es außerdem nicht gerade für die Deutsche Volkspartei ein verlockender Gedanke, einmal auf einige Zeit in die „Erholung s Opposition" xu gehen? Der heutige Zustand ist ja ohnedies insofern eine Halbheit, als die Volkspartei die einzige Regierungspartei ist, die nicht gleichzeitig in Preußen über Ministersitze verfügt. Dadurch ist sie von vornherein verurteilt, sozusagen ein passives Mitglied der Reichsregierung zu bleiben, mögen ihre Reichs minifter vielleicht noch so aktiv und tatenfroh sein. Die Deutsche Volkspartei darf in Mannheim, ohne die Not des Augenblicks zu übersehen, sich nicht allein von Tageserwägungen leiten lassen, sondern sie muß auf weite Sicht vorsorgen. Die Volkskonservaiwe Vereinigung. Hamburg, 21. März. (TU..) Bor dem Hanseatischen Landesverband der Bolks.onserva- tiven Bereinigung sprachen die Führer der neuen Bereinigung, Treviranus, Klönne und Lambach, über die Ziele und das Programm. Trevi- ranus (M. d. R.) betonte, dah die Dolkskonser- vative Bereinigung mit der nationalen Opposition darin einig gehe, daß der Poungplan durch den Reichstag hätte abgelehnt werden müssen, sie könne jedoch nicht die Haltung billigen, wie sie in der ^Deutschen Zeitung" gegen den Reichspräsidenten v o n Hin- Reform auf der A u s g a b e n s e i t e des Reichshaushalts im Keime e r ft i rf c n. Im Zusammenhang mit dem Reichshaushalt für 1930 muffe daher folgende Maßnahme getroffen werden: <9 esetz 1 iche Sicherung der Ausgaben senkung im Reich, Ländern und Gemeinden, insbesondere auch durch Sanierung der Arbeitslosenversicherung unter Vermeidung jeder weiteren Erhöhung von direkten Steuern, gesetzliche Festlegung einer Senkung dieser Steuern von Beginn des nächsten Haushaltsjahres ab." Von Ofrefemann bis Scholz. Bottsparteiliche Koalitionspolitik. Berlin 22. März. (TU.) Die ,^DAZ." schreibt u. a.: Die Deutsche Volkspartei hat fast sieben Jahre lang in der Person Dr. Stresemanns die entscheidende Verantwortung für die Führung der deutschen Politik mitgetrageu und trägt sie noch heute in der Person seiner Testamentsvollstrecker Curtius und Moldenhauer. Für den Erfolg der Partei bei den Massen der Wähler mar das zuweilen eine außerordentlich starke Belastungsprobe. Da aber die Partei jahrelang gewissermaßen nur die Fortsetzung des Auswärtigen Amtes mit anderen Mitteln mar, mußte sie sich in der Innenpolitik zu Kompromissen bereitfinden, mußte sie sich eine Zurückhaltung auferlegen, die ihr nicht gut bekommen ist. Zur Zeit herrscht, das muß offen ausgesprochen werden, in weiten Kreisen der volksparteilichen Wählerschaft und vor allem in den führenden Kreisen der Wirtschaft, die ihr nahestehen, ja sogar schon innerhalb der Fraktion geradezu Erbitterung darüber, daß in der Innenpolitik, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik die Partei ihren Willen gegen d i e fühlt, immer und immer wieder die Aufmerksamkeit der Reichsregierung und darüber hinaus der ganzen Dtction auf die Notlage des Ostens lenkt und au: das, was dort für Deutschlands Zukunft auf dem Spiele steht. In diesen größeren Zusammenhang wollen auch die beiden Abkommen mit Po l e n gestellt werden, von denen wir eingangs sprachen. Wir haben das deutsch-polnische Liquidationsabkommen, das trotz schwerer Bedenken nicht bloß formaljuristischer Art die Unterschrift des Reichspräsidenten gefunden hat, bekämpft, nicht so Die Volkspariei beharrt auf ihrem Programm der Finanzsanierung und Lastensenkung. Auftakt zum Mannheimer Parteitag.-Eine einstimmige Entschließung des Zentralvorstands Es muß betont werden, daß die preußische Staatsregierung unter der energischen Führung des Ministerpräsidenten Braun, der selbst von Geburt Ostpreuße ist, bereits vieles getan hat, um die Lage des deutschen Ostens, namentlich in wirt schastlicher und verkehrspolitischer Hinsicht, zu er leichtern, und daß vor allem Reichspräsiden von Hindenburg, der sich als Retter Ostpreu ßens vor dem Russeneinfall im Kriege auch im Frieden dem Osten in besonderem Maße verbunden sehr der schweren finanziellen Belastung wegen, die uns daraus erwächst, sondern sehr vielmehr, weil uns einmal die in dem Abkommen erreichten Sicherungen für die Erhaltung der deutschen Minderheit in den neupolnischen Grenzprooinzen ungenügend erschienen, zumm andern weil das Abkommen unseres Erachtens für den polnischen Staat eine ungeheure moralische Stärkung bedeutet, die wir mit Rücksicht auf die große Rechnung, die zwischen Polen und uns noch zu begleichen sein wird, für unangebracht, zumindest aber für verfrüht hatten. Nun es indessen g:gen unsere Ueberzeugung die Billigung der verfassungsmäßig zuständigen und verantwortlichen Instanzen gesunden hat, wollen wir gerne anerkennen, daß sein Abschluß zur politischen und wirtschaftlichen Beruhigung der östlichen Grenzgebiete beitragen kann, wenn die deutsche Regierung mit aller durch die Erfahrung gebotenen Aufmerksamkeit und Energie seine strikte Durchführung durch die polnischen Behörden überwacht. Das gleiche gilt in erhöhtem Maße von dem deutsch-polnischen Handelsvertrag, den wir in dieser Form nicht gerne gesehen haben, weil er gewissen Zweigen der deutschen Landwirtschaft schwere Opfer zumutet, dessen Zustandekommen an sich aber um so mehr eine zwingende Rotwendigkeit wurde, je länger sich der Abschluß hinauszog. Der vertragslose Zustand, ja der erbitterte Zollkrieg, der seit 1925 zwischen Polen und Deutschland bestand, war auf die Dauer für zwei Staaten untragbar, die die längste gemeinsame Grenze aller europäischen Rachbarstaaten haben und deren Grenzgebiete vor kaum mehr als einem Iahrzehnt eine wirtschaftliche Einheit gebildet haben. Unö das umsomehr, als die Entwicklung seitdem einen für Deutschland keineswegs günstigen Verlauf genommen hat. Damals, vor fünf Iahren, stand die junge polnische Republik, innerpolitisch durch den Hader der Parteien entnervt, ohne mehr außenpolitischen Kredit, als Frankreich feinem Vasallen gewährte, wirtschaftlich und finanziell vor dem Bankrott. Seitdem hat sich manches geändert. Pilsudskis Diktatur hat die schrankenlose Parlamentsherrschaft gemildert, den Kampf aller gegen alle beendet. Der Friedenspakt mit Mannheim, 21. März. (TU.) Unter außerordentlich starker Beteiligung aus allen Teilen des Reiches trat heute der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei in Mannheim zusammen. Der Vorsitzende, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, er« tattete den Bericht über die politische Lage und erörterte dabei die großen Probleme der Zeit und Zukunft. Seinen mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen folgte eine eingehende Ansprache, an der sich u. a. auch Reichsfinanzminister Dr. M o 1 d e n h a u e r beteiligte. Das Ergebnis der Aussprache über die Finanz- und Steuerfragen konnte der Vorsitzende unter Zustimmung des ganzen Zentralvorstandes dahin zusam- mensassen, daß die Partei im Interesse des Reiches und Volkes eine Entlastung der Wirtschaft durch Steuersenkung für unbedingt erforderlich halte. Einigkeit bestehe in der Partei darüber, daß diese Steuersenkungen an Senkung der öffentlichen Ausgaben gebunden seien und daß Reformen in der Arbeitslosenversicherung durchgesührt werden mühten. Sollte sich Herausstellen, daß die Fraktion trotz stärkster Bemühungen nicht das Maß von Sanierung der Wirtschaft und der Finanzen durchsetzen könne, das zu erreichen sie für notwendig hatte, so stehe sie vor der Frage letzter Konsequenzen. Das sei diejenige sachliche Politik, auf deren Boden sich die ganze Partei zusammensafsen müsse. Es wurde bann eine Entschließung einstimmig angenommen, in der es heißt: „Der Zentralvorstand billigt die Beschlüsse des Reichsausschusses und der Reichstagssrak- fion vom 2. März und erwartet, daß die Reichstagsfraktion daran unbeirrt f" st - halten wird und spricht dem Parteiführer und der Fraktion sein vertrauen aus." Der Beschluß vom 2. März lautete: „Die Deutsche Bolksvartei ist der Auffassung, daß das Kernstück jeder Finanzreform eine Entlastung der Wirtschaft, die Wiederherstellung der Rentabilität in Landwirtschaft, Handel, Handwerk und Industrie, sowie Forderung der Kapitalbildung sein muß. Nur auf diesem Wege ist es möglich, das größte der sozialen liebel, die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen und aus dem großen Teil der Erwerbslosen einen möglichst großen Teil wieder in die Wirtschaft e i n z u g l i e d e r n. Nachdem die Entwicklung der Finanz- und Kafsenlage des Reiches, die von allen Seiten als notwendig erkannte Senkung der direkten Steuern für das Jahr 1930 unmöglich gemacht hat, muß die gesetzliche Festlegung einer solchen Senkung für das Jahr 1931 gefordert werden. Unvereinbar hiermit wäre eine neue Erhöhung der direkten Steuern, gleichviel, unter welcher Bezeichnung sie erfolgt. Das sogenannte Notopfer würde außerdem den Willen zur Die polen Verträge und der deutsche Osten. Die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens durch den Reichspräsidenten und die Paraphierung des deutsch-polnischen Handelsvertrags durch die beiderseitigen Unterhändler, den deutschen Gesandten Rauscher und den ehemaligen polnischen Minister von Twardowski lenken den Blick nach dem deutschen Osten, auf jenes Land, das die Vernunft und Recht hohnsprechende Grenzziehung des Versailler Diktats in seiner wirtschaftspolitischen Verbundenheit wohl am schwersten getroffen hat. Viel zu lange schon hat der Osten in der Außenpolitik des Reichs zurückstehen müssen, viel zu lange schon für die Wahrung der volksdeutschen Interessen in der Ostmark hat die Sich e- rung der Rückenfreiheit im Westen die ganze Kraft unserer Außenpolitik beansprucht. Die hier durch den Locarnovertrag und das Haager VJoungabfommen übernommenen nationalpolitifd) wie wirtschaftlich gleich schweren Bindungen finden ja letzthin nur darin ihre Begründung, daß Strese- mann als Endziel seiner Verständigungspolitik im Westen die freie Hand im Osten vorschwebte, die Deutschland gestatten sollte, wohl nach Möglichkeit auf dem Wege friedlicher Verständigung, aber zielbewußt und energisch eine Revision der in Versailles geschaffenen, für Deutschland unerträglichen Grenzziehung im Osten, von Memel und Danzig bis nach Oberschlesien hinunter, anzustreben. Aber diese Aufgabe, deren rechtzeitige und endgültige Lösung für die Zukunft des deutschen Volkes als Volk und Staat vielleicht schicksalbestimmend sein wird, ist in ihrem ersten Teil eine wesentlich innerpolitische. Es gilt vor allen Dingen erst einmal das Deutschtum innerhalb der Grenzen des Versailler Diktats kulturpolitisch und wirtschaftlich zu kräftigen, ja zu erhalten. Leider muß man heute schon von „erhalte n" sprechen, denn die Entvölkerung des deutschen Ostens, namentlich der Provinzen Ostpreußen, Grenzmark und Niederschlesien hat im letzten Jahrzehnt Ausmaße angenommen, die schwerste Besorgnisse rechtfertigen. Die Gründe hierfür sind verschiedener Natur. Die politische Unsicherheit während des Krieges und iiock mehr nach der Stabilisierung des neuen pol« nifnjen Staatswesens, die Zerreißung eines bisher geschlossenen Wirtschaftsgebiets durch die willkürliche Grenzziehung von Versailles, die Vertreibung und Ausrottung des deutschen Elements aus den neupolnischen Provinzen durch die Warschauer Regierung sind auch für die bei Deutschland verbliebenen Grenzgebiete nicht ohne schwere Folgen geblieben. Hinzu kommt noch der katastrophale Niedergang der Landwirtschaft, mit der die Bevölkerung im Listen des Reiches tn allen Schichten auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Die Flucht vom Lande in die Stadt, die als Folge der Agrarkrisis und der wachsenden Industrialisierung überall zu beobachten ist, findet ihre Parallele in der Abwanderung der deutschen Bevölkerung vom Osten nach dem Westen und der Unterwanderung der Polen in den deutschen Grenzprovinzen des Ostens. Der Zug nach dem Westen bat also in dem Nachstoßen der Polen als Avantgarde des Slawentums eine nationalpolitisch äußerst bedenkliche Kehrseite. Blicken die Lenker unserer außenpolitischen Geschicke auch ferner wie gebannt nach dem Westen, und geschieht innen« politisch und mehr noch wirtschaftspolitisch nicht bald ganz Entscheidendes, um dieser unheilvollen Entwicklung Einhatt zu gebieten und zu retten, was noch zu retten ist, so wird das deutsche Volk in kurzer Zeit nicht einmal mehr imstande sein, sich innerhaw der ihm im Versailler Diktat aufgezwungenen Grenzen zu behaupten, geschweige denn die Verbindung zu den deutschen Kulturträgern in Polen aufrechtzuerhallen und Gebiete zurückzugewinnen, die für die Sicherung unseres Volkstums und für den Ausgleich der wirtschaftlichen Kräfte unserer Ostprovinzen von höchster Bedeutung sind. Die Polen sind drauf und dran, im tiefsten Frieden die Entscheidungsschlacht zu gewinnen. Das klingt zwar sehr pessimistisch, und man wird uns vielleicht unverbesserliche Schwarzseher schelten, aber leider ist es nun einmal so, daß hier bei uns im Westen die Erkenntnis allzu langsam dämmert, daß über deutsches Schicksal die Würfel im O st e n fallen. Gelingt es uns nicht in absehbarer Zeit, unsere Landwirtschaft wieder auf die Beine zu bringen, die Landflucht abzustoppen und die Völkerwanderung nach dem Westen zu unterbinden, gelingt es uns nicht, in unseren Ostprovinzen den starken Wall deutscher Bauernhöfe als sichersten Schutz deutscher Kultur und deutschen Volkstums aufzurichten und in letzter Stunde nachzuholen, was die Ostmarkenpolitik der wilhelminischen Aera gänzlich versäumt oder nur unzureichend begonnen hatte, so drohen dunkle Wolken Deutschlands Zukunft. Annahme oen Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dt Fried! Wilh Lange. Derantworttich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich tn Gießen. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfilälr-Vuch- und SteinOrudcrei 8. Lange in Liehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. x l s 1 2 ’s e sh»5 ??• v» g*ft O» e> • 3 3 o s'Jc 2 - 5c-» - 0 ST 2. ° " ffrif lO -.M Wl Ar MM H -StzZo-ZI-r 9^21 - ------ ■ 5 0 -.0 .„Sir'* 1 * V„ »ci 5 'S p ft- • ”- r» c »5, Ri 33-3s = 2g.= ■- o c 2 "• a e 0 FS» Ml3 ** n cf 2? »? n c -3*s Severings HWprogramm fiir den deutschen Osten B e r l i n. 21. März. (L.N.B.) Die Denkschrift des Reichsinnenminislerlums über das Osthilfsprogramm gliedert sich, wie verlautet, in eine Einleitung, in der Ursache und Art der Rot des Ostens dargelegt wird, und eine Reihe von Abschnitten, in denen die Hilfe, die auf den ^nzelnen Gebieten gebracht werden soll, kur; skizziert wird. Das Oslprogramm sieht Hilfe für folgende Gebiete des preußischen Staates vor: Ostpreußen, die pornmerschen Kreise Bülow, Lauenburg, Rummelsburg und Stolp, die ganze Grenzmark Posen-Westpreu- hen, die brandenburgischen Kreise Landsberg, Friedeberg, Arnswalde und Züllichau-Schwie- bus, die nlederschlesischen Kreise Guhrau, TNilitsch, Ramslau, Grotz-Warlenberg, Glogau, Jret)- stadk und Grünberg, ganz Oberschlesien. Außerdem ist eine wohnungefürsorgeaktion für das Waldenburger Revier vorgesehen. Die landwirtschaftliche Hilfsaktion soll in gleicher Weise wie für Ostpreußen erfolgen. Zweitens ist eine Verstärkung der Ansiedle r s i e d l u n g und eine Reusiedlung beabsichtigt. Punkt 3 behandelt die Stühungskäuse und Instandsetzungen von Gütern. Wenn Preußen sechs Millionen zu diesem Zweck aufbringt, wird das Reich Zuschüsse in höhe von 11,3 Millionen Mark leisten. Außerdem sollen 58 Millionen Mark Reichskreditmittel zur Verfügung gestellt werden, die auf dem Anleiheweg zu beschaffen sind. Cs ist ferner die Ausstellung eines O st b a h n - bauprogramms vorgesehen, das die vom. Reichstag für dringlich erklärten Bahnprojekle um-' faßt. An Ehausseebaulen sind 7000 Kilometer angefordert, von diesen 7000 Kilometer, die besonders auf die Grenzmark Posen-Westprcuhen, auf Rieder- und Oberschlesien entfallen, sind 3000 Kilometer im Ostprogramm vorgesehen, die im Laufe von zehn Iahren gebaut werden sollen. 3m Kapitel wasser st raßen werden der Ausbau des Masurischen Kanals, des Oberländer Kanals von Elbing nach Masuren, der Oder bis Küstrin und die Fertigstellung des Staubeckens von Ottmachau in Aussicht gestellt. Ganz besonders ist die Glektrizitätser- s ch l i e ß u n g Ostdeutschlands und eine Strom- preisfenkung in Aussicht genommen. 3m Kapitel „soziale und gesundheitliche Maßnahmen" werden 15 Millionen für Kanalisationen, Bau von Wasserleitungen und Krankenhäusern, Errichtung von Schulen, Kindergärten, 3ugendpslege- einrichlungen, Sportplätzen und Schwesternslationen in national gefährdeten Gebieten an- geseht. Zur Förderung der Wissenschaft sind drei Millionen Mark, für Reubau von Volksschulen 35 Millionen Mk. in Aussicht genommen. Oie ostdeutsche Landwirtschaft an den Reichspräsidenten. Berlin, 22. März. (WTB.) Bei dem Reichspräsidenten ist nachstehendes Telegramm ein- gegangen: „Namens der ostdeutschen Landwirtschaft danken die unterzeichneten Landwirtschaftskammern dem Herrn Reichspräsidenten für seine väterliche Fürsorge. Möge Ew. Erzellenz starken Hand es gelingen, in kürzester Frist diejenigen durchgreifenden Maßnahmen zur Durchführung zu bringen, die allein unseren in schwerster Rot um sein Dasein ringenden Berufsstand retten können. Die Präsidenten der ostdeutschen Landwirtschaftskammern: von Der- nuth, Dr. Brandes, von Flemming, Franzke, von Oppen, Weber." benburg zum Ausdruck komme. Der Reichs- | Präsident habe nur nach der Verfassung gehandelt. Auch sein Rücktritt bzw. seine Unter» schriftsverweigerung hätten die Annahme des Reuen Planes nicht verhindern können. Die Bolkslonservative Bereinigung wepde treu zu Hindenburg stehen. Die Bedenken Schachts gegen den Poungplan seien viel zu spät vorgebracht worden. Es wäre weit richtiger gewesen, wenn er schon in Paris sein Beto eingelegt hätte. Heute handele es sich darum, eine nationale Front herzustellen, die aber nur durch Mitarbeit im Staat und in gemeinsamer Arbeit mit anderen Parteien erreicht werden könne. Die Wiederherstellung der A u t o- ritätdesStaatessei eine der ersten Forderungen. Auch müsse die Selb st Verwaltung und die Selb st Verantwortung der Gemeinden und der öffentlichen Körperschaften wtederhergestellt werden. Mit der Auflockerung der alten politischen Parteien, die durch die Entwicklung bedingt sei, fei auch die Möglichkeit zur Bildung neuer Parteien gegeben. Seven'nq lenkt cm. Die Antwort des Neichsinnenministers an die thüringische Negierung. Berlin, 21. März. Der Reich Innenminister sandte dem thüringischen Staatsministerium ein Schreiben, in dem es heißt: Wenn Form und Inhalt meines Schreibens Sie außerordentlich befremdet haben, und wenn Sie mitteilen, daß ein derartiges Vorgehen bisher im Verkehr zwischen Reich und Ländern nicht üblich war, dann habe ich zu erwidern, daß mein Schreiben nur die einzig mögliche Antwort darstellte, auf das Vorgehen, das von einem Mitglied des thüringischen Staatsministeriums beliebt wurde, und das in der Tat bisher im Verkehr zwischen Reich und Ländern nicht üblich war. Meine Anfrage vom 17. Februar, die ich durchaus vertraulich behandelt habe, ist nicht nur veröffentlicht worden, sondern Staatsminister Frick hat in einer öffentlichen Versammlung dazu erklärt, daß ich auf eine Antwort lange warten könne. Es würde mich außerordentlich befremden, wenn Sie auch nur einen Augenblick dem Gedanken Raum gegeben hätten, daß die Reichsregierung sich eine derartige Behandlung gefallen lassen würde.... Durch die Mitteilung Ihrer Feststellung über den Bund „Adler und Falken", mit der meine Anfrage vom 17. Februar in der Form nunmehr beantwortet ist, ist zugleich der übliche amtliche Verkehr zwischen dem thüringischen Staatsministerium und meiner Amtsstelle wie - derhergestellt. Soweit im Rest des laufenden Etatsjahres für Thüringen noch Fondsmittel in Betracht kamen, können Zahlungen jedoch nicht mehr geleistet werden, da über die betreffenden Fonds inzwischen rest- l o s verfügt worden ist. Ob und inwieweit im nächsten Etatsjahr Mittel aus Fonds meines Ministeriums zur Verfügung gestellt werden können, ist von der Beschlußfassung der gesetzgebenden Körperschaften und der weiteren politischen Entwicklung abhängig. Was die Frage angeht, ob die Voraussetzungen für die Gewährung eines Reichszuschusses für Polizeizwecke von feiten des thüringischen Staatsministeriums noch vorliegen, so erkläre ich mich damit einverstanden, Untersuchungen zur Klärung dieser Frage anzustellen. Als meinen Beauftragten zur Mitwirkung an dieser Untersuchung nach Ziffer 1,7 der Grundsätze benenne ich den Ministerialdirektor Menzel, den Leiter der zuständigen Abteilung im Reichsministerium des Innern, den Sie von der Anberaumung eines Termins für den Beginn der Untersuchungen gefälligst benachrichtigen wollen. Bis zum Abschfuß der Untersuchungen bleibt es selb st ver stündlich bei der in meinem S^-reiben vom 18. März mitgeteilten Anordnung. ZumRückiriitdesRegierungs- präsidenten Momm. Ein Dankschreiben des Innenministers. Berlin. 21. März. (WTB.) Amtl. Der preußische Minister des Innern, Professor Dr. W a en t i g , hat an den Potsdamer Regierungspräsidenten Momm, der bekanntlich wegen der von seiner Frau fingierten Diebstahlsaffäre zurückgetreten ist, das folgende Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Regierungspräsident! Ihr Rücktritt aus dem bisher von Ihnen verwalteten Amte des Regierungspräsidenten in Potsdam hat mich mit aufrichtigem Bedauern erfüllt. Die Gründe, die Sie zu diesem Entschluß bestimmt haben, geben mir besondere Veranlassung, mit dankbarer Anerkennung der zahlreichen Verdienste und schönen Erfolge zu gedenken, die Sie sich in jahrzehntelanger treuer und gewissen h'af ter Pflichterfüllung nicht nur in Ihrer letzten Dienststelle, sondern auch auf allen übrigen von Ihnen bekleideten Posten erworben haben. Das Bewußtsein eines in aufopfernder und selbstloser Hingabe im Staats- bienftc gewidmeten Leb ens und die unveränderliche Hochachtung aller Menschen, mit denen Sie dienstlich oder außerdienstlich in Berührung gekommen sind, begleiten Sie in Ihren Ruhestand und werden Sie alle die Kämpfe und Enttäuschungen, die Sie zur Zeit erleben, überwinden lassen. Mit dem Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung bin ich Ihr sehr ergebener (gez.) Waentig. Jkue Ausbildungs- und prüfungsvor- schristen in der Säuglings- und Kleinkinderpflege. Berlin, 21.März. (WTB.) Der Reichsrat stimmte in seiner Sitzung vom 20. d. W. mehreren vom Reichsminister des Innern vorgelegten Entwürfen zu, nach denen die Landesregierungen ersucht werden, die Ausbildung und staatliche Prüfung des Pflegepersonals auf dem Gebiete der Säuglings» und Kleinkinderpflege nach bestimmten Richtlinien einheitlich zu regeln. In Zukunft wird unterschieden werden zwischen Säuglings- und Kleinkinder p f l e gerinnen. die in einem einjährigenLehr- gang ausgebildet und für die Pflege gesunder Säuglinge und Kleinkinder in der Familie bestimmt sind und zwischen Säuglingsund Kleinkinder s ch w e st e r n, die nach zweijähriger Ausbildungszeit vrr.ugsweise für die Versorgung kranker Kinder, in erster Linie i n Anstalten, in Betracht kommen. Was die Giadte von her Finan reform vergangen. Berlin, 21. März. (WTB.) Der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes nahm zur Reichsfinanzreform einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: „Infolge des Ansteigens der Ausgaben für Wohlfahrtserwerbslose, für dos gesamte Schulwesen und die Polizei sind in der Mehrzahl der mittleren und kleinen Städte trotz größter Sparsamkeit große Fehlbeträge entstanden, die im Rechnungsjahr 1929 nicht mehr gedeckt werden können, weil sowohl die R e a l st e u e r n wie die Werk- t ar if e in vielen Fällen das Höchstmaß des Erträglichen erreicht haben. Diese Rotlage wird gesteigert durch die zum mindesten gleichen Fehlbeträge für 1930. Besonders mißlich gestaltet sich Oie Lage in kleineren Städten bei Stillegung eines örtlichen Großunternehmens durch erhebliche Minderung ihrer Steuereinnahmen und gleichzeitige Erhöhung ihrer Wohlfahrtslasten. Der Reichsstädtebund erwartet daher von der bevorstehenden vorläufigen Reichsfinanzreform eine Ausdehnung der Krisen- fürsorge auf alle Berufe ohne zeitliche Begrenzung, eine ausreichende Beteiligung der Gemeinden an den erhöhten Reichseinnahmen insbesondere durch Erhöhung der Umsatz st euer auf 1 v. H. und eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden zur Erhebung einer Getränk e st e u e r. Ebenso dringlich ist der preußische S,ch u l l a st e n a u s g l e i ch für 1930. Die Reichsbahn rationalisiert das Anstellungeverfahren. Ein Zentralpersonalamt in Frankfurt. Berlin, 21. März. In dem Bestreben, ihren Verwaltungs- und technischen Apparat nach Möglichkeit zu vereinfachen, ist die Reichsbahn wiederum ein Stück weitergegangen. Am 1. April d. I. wird in Frankfurt a. M. eine Behörde ihre Arbeit aufnehmen, deren Aufgabe es fein wird, die bisher zersplitterte Verwaltungsarbeit bei der Einstellung von Beamten nach einheitlichen Gesichtspunk- t e n durchzuführen. Damit hören gleichzeitig die Kompetenzen der einzelnen Reichsbahndirektionen auf, die bisher sehr oft umfangreiche Doppelarbeit zu leisten hatten. Rur bei den ehemaligen Staatseisenbahnen Bayerns wird man das Zentralpersonalamt in München bestehen lassen. Dieser Behörde lag vor der Verreichlichung der Staatsbahnen die gesamte geschäftliche Behandlung der Bewerbungen des bayerischen Bezirks ob. Im gesamten übrigen Teil der Reichsbahn muhte sich der Anwärter aber bei den einze lnen Reichsbahndirektionen um Anstellung bewerben, so daß zahlreiche Bewerberlisten geführt wurden. Da sich jeder Anwärter bei jeder Reichs- bahndirektion bewerben konnte, bestand die Möglichkeit, daß derselbe Anwärter bei allen Reichsbahndirektionen in den Listen für eine Beamtenlaufbahn geführt wurde. Die neue Behörde in Frankfurt wird in Zukunft alles bearbeiten, was mit der geschäftlichen Behandlung der Bewerbungen zusammenhängt. Die Ersparnisse, die durch die Reuregelung erzielt werden können, dürften bei dem Umfang des Per- fonalkörpers beträchtlich sein. Die Verkehrsentwicklung bei der Reichspost. Ausdehnung des Telbstanschlutzb triebe Berlin, 21. März. (WTB.) Aus dem 'Tätigkeitsbericht der Reichspost geht hervor, daß der Selbstanschluhbetrieb guie Fortschritte machte. Ende 1929 waren 45 v. H. aller Hauptanschlüsse an selbsttätig betriebene Vermittlungsstellen herangeführt. Die Bestrebungen der Reichsregierung auf wirtschaftliche Berücksichtigung des deutschen Ostens sowie der besetzten und der sonstigen Grenzgebiete wurden durch Vergebung von namhaften Oluf trägen wirksam unterstützt. Die Verkehrszahlen lassen erkennen, daß das weitere Abgleiten der Konjunktur die Verkehrsentwickelung der Post im Iahre 1929 noch nicht wesentlich beeinflußt hat. Der Gesamtverkehr hat sich vielmehr im allgemeinen zufriedenstellend entwickelt. Im gewöhnlichen Driefverkehr ist eine leichte Abschwächung eingetreten. In allen übrigen Dienstzweigen liegen die Verkehrszahlen durchweg höher als irit gleichen Zeitraum 1928. Eine Europa-Marke. Vereinheitlichung im internationalen Postverkehr. Berlin, 21. März. (Priv.-Tel.) Auf Anregung des Reichspostministeriums finden augenblicklich zwischen den Postbehörden der europäischen Staaten Verhandlungen mit dem Ziele statt, eine Reihe von Vereinheitlichungen durchzuführen, die auch eine durchgreifende Neuerung in der Handhabung der Portogebühren vorsehen. Zunächst ist daran gedacht worden, für alle europäischen Staaten im Brief- und Postkartenverkehr einheitliche Tarifsätze aufzustellen. Die Schwierigkeiten dürften im Verhältnis zu den damit erzielten Erleichterungen für den gesamten Wirtschaftsverkehr leicht behoben werden können. Don der Reichspost ist dabei angeregt worden, ein europäisches Postwertzeichen zu schaffen, das sowohl im Inlandverkehr als auch im Verkehr mit dem europäischen Ausland Verwendung finden tarnt. Auf einer der nächsten Tagungen des Weltpostvereins dürften bereits konkrete Vorschläge gemacht werden. Die Gchuldebaiie im hessischen Finanzausschuß. Darmstadt, 21. März. Im Finanzausschuß ging die Aussprache bei Kapitel 57: Volksschule weiter, brachte jedoch noch keineKlärungder Lage, da sich die Regierungsparteien in der interfraktionellen Sitzung noch nicht völlig einig geworden find. Hinsichtlich der F ö r d e r k l a s s e n war sich die Mehrheit der Ausschußmitglieder darüber einig, daß bei dem notwendigen Abbau des Schulapparates zunächst an die Aufbauschulen und die Klassen mit erweiterten Lehrzielen herangegangen werde, ehe man an der allgemeinen Volksschule rühre. Auch bei der Z u- weisungderKinderin die Förderklassen solle etwas größere Vorsicht walten. Die Regierung vertrat den Standpunkt, man möge es bei den von ihr vorgeschlagenen Sparmaßnahmen belassen. Hinsichtlich der Fortbildungsschule erklärte die Regierung bereits wesentliche Abstriche gemacht zu haben, weshalb sie den weitergehenden Anträgen des Landbundes widersprach. Landbund und Lolkspartei sprachen sich für die Streichung der 1 4 000 Mark für Werkunterricht aus. Von sozialdemokratischer Seite wurde auch anerkannt, daß angesichts der Notlage des Staates mit Einsparungen bei der Volksschule nicht vorübergegangen werden könne, so gerne man diese davon ausnehmen würde. Zum anderen sei aber auch eine Heranziehung der Gemein- d e n zu den Schulkosten gerechtfertigt, da die vom Finanzministerium unterbreiteten Ziffern ergeben hätten, daß die Gemeinden bei dem inneren Finanzausgleich wesentlich besser ge ft eilt seien als in anderen Ländern und als der Staat selbst. Vielleicht sei aber ein geringerer Betrag als 200 Mark pro Schulstelle schon ausreichend. Die Mehrbeit des Ausschusses regte dann noch an, bei der Aushebung von einklassigen S ch u - len mit größtmöglicher Schonung vorzugehen. , Keine Aussicht für die Flottenkonferenz. Die Möglichkeit eines Drei Mächte-Pakts. London, 22. März. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter sind der Meinung, daß kaum noch Aussicht auf den Abschluß eines Fünf-Mächte- Paktes besteht, da bieMeinungsverschie- denheiten zwischen Frankreich und Italien über ihre Kräfteverhältnisse zur See anscheinend nicht zu beheben sind. Der nunmehr in Frage kommende Drei-Wächte- Dertrag müsse eine Bestimmung enthalten, wonach jede der drei Mächte das Recht haben soll, nach vorheriger Verständigung der beiden anderen verttagschließenden Teile die Lage erneut zu prüfen, falls eine außenstehende Macht ihre Seerüstungen beschleunigt. „Times" sagt: Weder Iapan noch Amerika, noch Groß-Britannien würden abgeneigt sein, diese Möglichkeit eines Drei-Mächte- Paktes zu erwägen, falls ein Fünf-Mächte-Der- trag sich als unmöglich erweist. Diel wird dabei natürlich von der Haltung des japanischen Kabinetts abhängen. Auch die Pariser Morgenwresse stellt fest, daß die Unterredung, die der französische Marineminister und der französische Kolonialminister vor ihrer Abreise nach Paris mit dem italienischen Außenminister Grandi hatten vollkommen ergebnislos verlaufen ist. „Iournal" schildert die Lage in London folgendermaßen: Es gibt zwei Mächtegruppen eine Gruppe, die das Bedürfnis hat, Schiffe zu bauen — wie zum Beispiel FrankreichunddieDer- einigten Staaten — und eine andere, die nicht bauen will. Dazu gehören Großbritannien Italien und Iapan. Wenn die Losung, die man zu finden sucht, praktisch darauf hinausläuft, den Schiffsbau zu verhindern dann würden die Mächte, die das Bedürfnis haben, zu bauen enttäuscht werden. Im Grunde bewegt man sich auf der Konferenz immer in Unklarheiten. Aus aller Welt. Grohseuer im Zirkus. In einem Zirkus in Birmingham brach ein Großfeuer aus, das mit ungeheurer Geschwindigkeit um sich griff und unter den Tieren der Menagerie einen riesigen Tumult verursachte. Am schwierigsten gestaltete sich die Rettung der in einem großen Käfig befindlichen acht Löwen des Zirkus, durch dessen Eisenstäbe die Flammen schlugen. Der unerschrockene Löwenbändiger begab sich in den Käfig und es gelang ihm auch nach vieler Mühe, die wild umherspnngenden Tiere zu beruhigen. Die Elefanten benahmen sich verhältnismäßig ruhig. Nur zwei traten in ihrem Schrecken einen Wärter, der schwer verletzt wurde. Die ausgebrochenen Pferde mußten später im Stadtpark wieder ein- gefangen werden: ein Kunstreiter, der in dem Hauptzelt trainierte, mußte durch die Flammen hin- durchreiten, wobei sein Pferd schwere Brandwunden erlitt. Schließlich wurde noch ein junges Mädchen des Personals bei dem Versuch, dressierte Gänse zu retten, schwer verletzt. Der Zirkus, einer der größten Wanderzirkusse Englands, hatte erst am vergangenen Samstag Schaden erlitten, als bas große Manegezelt einer Schneelast nicht widerstehen konnte und zusammenbrach. Eine Ehrenbürgerin der Berliner Universität. Die Friedrich-Wilhelm-Unioersität hat Frau Lande gerichtsdirektor Marie Ehr ecke, die ihren 60. Ge. burtstag feiert, zur Ehrenbürgerin der Unioersilät ernannt. In der Urkunde wird ausgeführt, wie aufopfernd Frau Ehrecke jahrelang voll mütterlicher Fürsorge um die in wirtschaftlicher und seelischer Not befindlichen Studenten gesorgt und wie sie für jedes Leid ein herzliches Wort oder eine helfende Hand gehabt hat. Frau Ehrecke ist die einzige und erste Ehrenbürgerin der Berliner Universität. Ein Lawinenunglück auf dem Montblanc. Bei der Nequin-Hütte oberhalb von Ehamonix im Montblanc-Gebiet haben zwei deutsche Alpinisten, Robert Göbel aus Stuttgart und Edgar D e f r a n c aus Innsbruck durch eine Lawine den Tod gefunden. Puloerexplosion In einem amerikanischen Arsenal. Ein schweres Unglück ereignete sich im Arsenal der Bundesarmee in Picatinny (New (Jersey). Als Versuche mit einer neuen Art von rauchlosem Pulver angestellt wurden, erfolgte eine heftige Explosion. Ein Offizier und zwei Zivilangestellte wurden getötet und zwei verletzt. Oie Wetterlage. Thi Vai *3 IDO Freitaa 21. März. 1930 7" abds 2ciE U7NI* Owolkenlos.0 neuer <>naiD oedee-t 0*omo ♦oedecxi •Re- ?ns 30 Stück o IS SYläntel ^Kleider Wiener Stricfifileidung T Seltersweg 52 FRÜHJAHRS-NEUHEITEN in 2147D Ein Spatz in der Hand... ist bester als eine Taube auf dem Dach, sagt schon ein altes Sprichwort. Das Gewisse ist immer bester als das Ungewisse. Sie sollten deshalb Ihren neuen Frühjahrsanzug oder Mantel nur dort laufen, wo Ihnen lostenloser Ersatz garantiert wird, falls Sie nicht zufrieden sind - nämlich bei Herren-Kleider, fertig il n. Maß Der kleine Spezial-Laden, der sich so große Mühe gibt. Gehen Sie ruhig mal hin! I950A Hut-Zentrale M. 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Außenpolitische Umschau. Vov Or. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. Zft. Der neue amerikanische Botschafter in Berlin, Mister Sacke tt, der ein führender Wirtschaftler in dem Staate Kentucky ist und bisher Senator. Vorsitzender der Finanzkommission im Senat war, hat soeben in Berlin vor der amerikanischen Handelskammer eine sehr interessante Bede gehalten. Er sprach von der langen Verschuldung seines Landes an Europa, von den europäischen Vorschüssen und Anlagen in Amerika, die natürlich von den Amerikanern verzinst und abgezahlt werden muhten und eine wesentliche Vorbedingung für das märchenhafte Wirt- schastsaufblühen seines Landes waren. „Es kam uns vor, wie die Zahlung eines Tri.- butes an die Welt. And es gehörte ein unbedingter Glaube an den endgültigen Erfolg dazu, um durchzuhalten." Die 'Probe darauf brachte der Weltkrieg, der die Gläubigcrnationen zwang, ihre Anlagen drüben zurückzuziehen, weil sie Has Geld für den Krieg brauchten. Da zeigte sich, dah Amerika ohne Finanzkatastrophe diese Probe bestehen konnte. Aach dem Krieg aber, sagte der Botschafter, verleitete der zunehmende Reichtum zu schneller Ausdehnung der Produktion. And das bringe den Vereinigten Staaten die Bedeutung der Ausfuhr, die Abhängigkeit ihrer Prosperität von der Wirtschaftslage oller anderen Länder zu Bewuhtsein, denn ohne seinen Export würde das Wirtschastsleben Amerikas schnell lahmgelegt werden. 3n sehr vorsichtig gewählten Worten ist damit dem eigenen Lande etwas gesagt, was dieses heute noch durchaus nicht überall begriffen hat, nänilich dah die Prosperität und die Ausnahnre- fähigkeit des Binnenmarktes und die Steigerung der Produktion ihre Grenzen haben. Der ueue Botschafter blickt als Geschäftsmann weit genug, um das zu sehen, und mit dieser Erinnerung an die Abhängigkeit selbst eines so reichen Landes von der Wirtschaftslage in der Welt seinen Leuten vor Augen zu führen, dah sie, sie mögen wollen oder nicht, mit dieser Welt, mit der Weltwirtschaft aufs engste verflochten sind. Weiter ist sehr interessant seine Formulierung, dah diese Zinsbelastung aus europäischen Vorschüssen von Amerika wie-ein „Tribut" betrachtet worden sei. Liegt darin eine kaum merkbare Andeutung auf die deutsche Tributzahlung, die eben jetzt endgültige Form gewonnen haben soll? Etwa ein leiser Hinweis, dah, so wie Amerika damals seinen Glauben an den endgültigen Erfolg nicht verloren habe, jetzt auch Deutschland in dieser Lage, da es nun wenigstens genau wksse, wieviel es zu bezahlen habe, in der gleichen Lage sei oder sein müsse? Wir wollen nicht zu weit gehen in solcher Deutung, ober die Ansicht hat Amerika, und sie wird wohl auch von dem neuen Botschafter geteilt, dah nunmehr Deutschland auf Grund der geordneten Finanzverpflichtungen zur Stabilisierung seiner Industrie und Finanzen, zum Rückgang der Arbeitslosigkeit, ja zu einem neuen industriellen Aufschwung kommen wcrdel Dabei fehlt aber dann in den Berliner Ausführungen des neuen Dotschasters ein Glied, von dem er wohl mit Absicht, weil das in seinem Lande noch ein heihes Eisen ist, nichts gesagt hat. Aämlich dah, wie damals der amerikanische Tribut eine Schuld an Europa war, der deutsche Tribut heute geworden ist zu einer Schuld — an die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir begreifen, dah Mister Sackett davon jetzt nichts sagen konnte und wollte, aber das hindert nicht, dah wir, wenn nun einmal ein so interessanter Zusammenhang gezeigt wird, den für uns wesentlichen Punkt nachdrücklich mit hineinstellen samt den Folgerungen, die wir daraus ziehen. Schließlich — um noch einmal diese bedeutungsvolle Rede zu zitieren — betonte der Botschafter, dah Amerika auch aus wirtschaftlichen Gründen für die Erhaltung des Friedens arbeite. Da sprach er nun ganz unumwunden und mit deutlichem Hinweis nicht nur vom Kellogg- pakt, sondern auch von der Abrüstungskon- ferenz in London. And wenn man deren Verlauf jetzt wieder einmal betrachtet, so versteht man, warum ein amerikanischer Diplomat, der bis jetzt Geschäftsmann war, darauf hin- weist und nicht ohne Sorge. Denn die Konferenz, die unter so günstigen Vorbedingungen begann, droht, wenn nicht zu scheitern, so doch zu versacken. Die Opposition der Marineleute selbst, die Hoover wie Macdonald gerade hatten ausschalten wollen, noch mehr die Opposition Frankreichs und die „launische" Haltung Italiens drohen die Konferenz wenigstens um einen Gesamterfolg, einen Welterfolg zu bringen, wie ihn seinerzeit die Washington-Konferenz erzielt hat. Frankreich verlangt einen ßocarfio- Vertrag f ü r das Mittelmeer. Weder England noch gar Italien sind dafür zu haben. Dann kann Frankreich, wie es behauptet, seine Flottenrüstung nicht ändern, die es, bei Zustandekommen eines solchen Vertrages bereit sei, denkbar niedrig zu nehmen. Run aber fordert Italien einfach die Parität mit Frankreich und weigert sich, Zahlen für seine Flottenstärke zu nennen, wie Briand das wünschte. So aber kommt man überhaupt nicht voran. Scheitert die Konferenz, so endet sie mit einer Isolierung Frankreichs, da England und Amerika unter allen Amständen eine Verständigung zustande bringen. Aber der Rückschlag, den dann sowohl Hoover wie namentlich Macdonald in ihrer politischen Stellung zu Hause erleiden, wird sehr grob fein. Beide brauchen einen derartigen außenpolitischen Erfolg bei den großen Schwierigkeiten der Innenpolitik mit denen sie beide, Macdonald noch mehr als Hoover, zu kämpfen haben. Im weiteren wird natürlich die Isolierung Frankreichs, in die Tardieu und Briand ihren Staat weltpolitisch führen, ihre Wirkungen zeitigem Zunächst aber bedeutete ein solcher Ausgang einen Rückschlag im Fortgang der Völker- bundserörterungen über die Abrüstungsfrage. Der englische Auhenminister Henderson hatte ja zu Anfang ein großes Programm dafür hingestellt, wie aus der Londoner Konferenz Schwung in die vorbereitende Abrüstungskommission des Völkerbundes käme, so daß dann die definitive allgemeine Abrüstungskonferenz des Völkerbünde; sehr bald beginnen könnte. Schlägt aber die Konferenz im allgemeinen fehl, so wird England in Genf nicht viel Druck dahinter setzen, wird Amerika erst recht sich den Genfer ergebnislosen Auseinandersetzungen fernhalten. Dann behauptet Frankreich abermals in dieser Zentralfrage des Völkerbundes das Feld! Um die Mimst der hessischen höheren Schulen. Von Siudienrai Holzhäuser, Worms. Von der Pressestelle des Hess. Philologenvereins werden wir um die Veröffentlichung dieses Aufsatzes gebeten. Schon seit Jahren steht die höhere Schule Hessens ununterbrcchen im Kampf um die Wahrung ihrer primärsten Existenzbedingungen. Don Jahr zu Jahr vollziehen sich an ihr immer wieder von neuem Avbaumaßnahmen und Spar- aktionen, die ihr die Erfüllung ihrer wichtigen Aufgabe der Erziehung und Bildung der geistigen Führerschicht erschweren. Die großen Spar- aktionen von 1924 und 1926 brachten die stärkste Erschütterung in den Betrieb der höheren Schule: die einzelnen Sparmaßnahmen der folgenden Jahre, vor allem die Auswirkung der Bestimmung des hessischen Besoldungsgesetzes, daß jede dritte freiwerdende Beamtenstelle unbesetzt bleiben solle, hinderte die Rückkehr zu der Ruhe und inneren Stetigkeit, die unbedingte Voraussetzung für den Erfolg jeder Dildungsarbeit ist. Mit dankbarem Beifall vernahm deshalb die vor einem Jahr in Bad-Rauheim versammelte hessische Philolögenschaft die Begrüßungsworte des Staatspräsidenten und Kultusministers, der sich dagegen wandte, daß die notwendige Sanierung unseres Staatshaushaltes Kulturquellen verschütte und das Kulturniveau Husens senke." Dem entgegen hat die Regierung in ihrem im Januar d. I. veröffentlichten Sparprogramm erneute starke Eingriffe in das höhere Schulwesen angekündigt und nun dem Landtag einen Staatsvoranschlag für 1930 vorgelegt, der die Zahl der Lehrerstellen an den höheren Schulen um 52 gegenüber der des Vorjahres kürzt. Diese Maßnahme hat in allen an der höheren Schule interessierten Kreisen besorgtes Erstaunen hervorgerufen. Läßt sich diese erneute Einsparung ohne Sch ädigung der kulturellen Leistungshöhe Hessens durchführen? Beachtet diese von der Regierung vorge'chlagene Maßnahme den Grundsatz, daß der Schule als dem wichtigsten Aktivposten unseres Volkstums kein Schaden erwachsen dürfe? Bei der Bedeutung, welche die höhere Schule für alle Schichten unseres Volkes hat, da sie den geistig strebsamen Kindern aller Berufsstände die Erwerbung einer höheren Bildung als notwendige Grundlage zu höheren Derufsstudien und als wirksames Rüstzeug für den verschärften Existenzkampf ermöglichen will, erscheint es angebracht, die Auswirkungen dieser einschneidenden Maßnahme vor der Oeffentlichkeit zu erörtern. Welche Folgen zieht die Slellenverminderung nach sich? Eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl der Philologen ist nicht möglich. Die dienstliche Inanspruchnahme der akademisch gebildeten Lehrer ist jetzt schon so stark, daß der Amtsvorgänger des jetzigen preußischen Kultusministers geradezu von einer „barbarischen Aeberlastung der Philologen" sprach. Die häufigen Fälle von Erkrankungen und Beurlaubungen zur Wiederherstellung der Gesundheit legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, wie sehr der Staat die Arbeitskraft der Philologen ausschöpft. Folglich führt die Stellenverminderung automatisch zu einer Erhöhung der Schülerzahlen in den einzelnen KL' 'n und zu Kombinationen verschiedener Klassen in gewissen Anter- richtsfächem. Diese o'v^gen wären als Rotmaßnahmen einigermaßen erträglich, wenn die Verhältnisse in dieser Hinsicht zur Zeit so günstig lägen, daß eine gewisse Verschlechterung immerhin in Kauf genommen werden könnte. Run ist der Tatbestand aber so, daß die in der Erhöhung der Klassenbesuchsziffern und in der Dürnahme von Kombinationen liegenden Ersparnismöglich- leiten im Verlauf der letzten Jahre an der höheren Schule schon überreichlich ausgenuht wurden: der Bogen ist schon bis zum Zerspringen angespannt. Der Hessische Philologenverein veröffentlicht soeben gerade rechtzeitig als Material zu dieser Frage eine statistische Zusammenstellung über die ü b e r f ü l l t e n Klassen der beiden Schuljahre 1928/29 und 1929/33. Sie zeigt deutlich ein bedrohliches Anwachsen der Zahl der Überfüllten Klassen. So ist im ablaufenden Schuljahr in mehr als der Hälfte der Klassen der Oberstufe die Schüierzahl überschritten worden, die nach einem Beschluß des preußischen Landtags vom 14. Februar 1928 in Preußen als Höchstzahl gelten soll! And nun wird eine erneute Stellenverminderung vorgeschlagen, die sich um fo katastrophaler auswirken muß, als sie mit einer durch die starken Geburtenjahrgänge der Rachkriegszeit bedingten Steigerung der Gesamts chülerzahl zulammenfallt. Der erste dieser starken Jahrgänge tritt Ostern 1930 in die Sexta der höheren Schule ein. Dem Anwachsen der Schülerzahl entspräche eigentlich ein genau errechneter Mehrbedarf von 35 Lehrerstellen. Run soll nicht nur diesem erhöhten Bedarf keine Rechnung getragen, sondern sogar die derzeitige Stellenzahl noch um ein halbes Hundert vermindert werden. Werden diese Vorschläge Tatsache, so müssen die hessischen höheren Schulen in Zukunft in den einzelnen Klassen Schülerzahlen aufweisen, welche die Erreichung des Bildungsziels der höheren Schule ungeheuerlich erschweren. Die gesamte Schülerschaft wird darunter zu leiden haben: besonders aber wird sich der unhaltbare Mißstand bei den Kindern recht bald fühlbar machen, die zu ihrem geistigen Fortkommen der besonders individuellen Behandlung, der bedächtigen und besonnenen Förderung durch den Lehrer bedürfen. Zu dieser schwierigsten pädagogischen Leistung des Lehrers wird in einer Klasse von 50 und mehr Schülern, die in die Grundlagen der lateinischen oder französischen Sprachlehre einzuführen sind, kaum Zeit fein; die unterrichtliche Arbeit wird mechanisiert werden müssen, sie wird am laufenden Band vor sich gehen. Aehnlich verhält es sich mit der Frage der Kombin ationen. Auch von diesem gefährlichsten Mittel, Ersparnisse zu erzielen, hat man schon in den letzten Jahren einen so ergiebigen und rücksichtslosen Gebrauch gemacht, daß dadurch der Bildungsgang der von ihnen betroffenen Schulen schwer geschädigt wurde. Eine statistische Zusammenstellung über diesen Gegenstand in der neuesten Rümmer der Südwest- deutfchen Schulblätter weist nach, daß im Schuljahr 1929/30 in 730 Fällen lehrplanmäßig getrennter Unterricht an den höheren Schulen Hessens kombiniert werden mußte. Sie deckt so unglaubliche Fälle auf wie den, wo eine höhere Schule gezwungen war, 49 Ober- und Unter» Primaner gemeinsam im Französischen zu unterrichten! Ist schon eine horizontale Kombination an einer Anstalt mit Doppclllassen sehr bedenklich, weil sie zu außerordentlich hohen Schülerzahlen führt, so läuft eine solche vertikale Kombination aufeinanderfolgender Klaffen zumal in wissenschaftlichen Fächern geradezu auf eine Benachteiligung der Schüler und ihrer Eltern hinaus, denen bei diesen Verhältnissen nicht der von ihnen mit Recht erwartete Gegenwert für ihr Schulgeld geboten werden kann. Mag der Lehrer unter Raubbau an seiner Gesundheit noch so sehr versuchen, die Rachteile der vertikalen Kombination nach Möglich!.it auszugleichen, jene Oberprima, die in einem wissenschaftlichen Fach mit einer Anterprima kombiniert unterrichtet wurde, wird nicht mit dem Maß von Wissen die Schule verlassen, das einer Oberprima an einer anderen Anstalt in gesondertem Kurs vermittelt wird. Kombinationen erfolgen immer auf Kosten der Leistungshöhe der von ihnen betroffenen Schulen und sind bei den hohen Anforderungen, die heute der , Lebenskampf an die in ihn eintretenden jungen Menschen stellt, besonders bedenklich. Es steht leider zu befürchten, daß die Fälle, wo von diesem gefährlichen Mittel Gebrauch gemacht wird, sich in Zukunft noch mehren: denn wie will man sonst dem vermehrten Personalbedarf bei verminderter Stellenzahl Rechnung tragen? Diese beiden unausbleiblichen Folgen der Stellenverminderung sollten das Interesse aller Eltern, die Kinder zur höheren Schule schicken oder in Zukunft zu schicken beabsichtigen, an dem Kampf gegen die geplanten Abbaumaßnahmen wachrufen. Die Elternschaft kann sich dabei sehr wohl auf die Erhöhung des Schulgeldes stützen und die Forderung erheben, daß der hessische Staat, der erst am 1. Oktober seine Schuldgeldsähe auf eine Höhe Heraufgeseht hat, welche die der anderen deutschen Länder mit Ausnahme der Hansestädte zum Teil recht erheblich übersteigt, nun nicht ein halbes Jahr später seine Gegenleistung in ihrem Wert ent- Räckilicher Schulbesuch. Von Martin Borrniann. Heute nacht träumte ich davon, meine alte Schule, jenes hohe, ziegelrote Gymnasium, wieder zu besuchen, und so hoch ein Traum an Deutlichkeit manchmal über der wachen Erinnerung steht, so sehr zeichnete sich auch der meinige an Eindringlichk.it vor jeder g d^n.enmäßipen Rückschau, vor jedem bloß wirklichen Wiedersehen mit einer alten Stätte aus. Ich ging die lange und schmale Promenade vom Vorbau der Schule, der an der Straße liegt, zu deren eigentlichem Massiv, das mehr in den Hintergrund gebaut ist, und dort, wo der Weg die Kurve macht, erkannte ich zur Rechten die Turnhalle wieder, auf deren Wand eine lateinische Inschrift der Meinung ist, daß ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper lebe. Zur Linken sah ich in der Ferne das kleine Rebengebäude, in welchem Menschen Menschen sind, aber die Schüler lernen darin während der Pausen, und die Lehrer sind sehr böse darüber. Dann öffnete sich der Hof: da schien alles gleichgeblieben, die Darren, an denen man bei den Turnspielen schwingen mußte, die kleinen Ketten, welche die Wege bezeichneten, auf denen man Butterbrot aß, die Mauer, die das Leben der teppichklopfenden Außenwelt von unserem sakralen Treiben trennte. Ich sah die Fenster, aus denen der Pedell den Kindern, die ihr Frühstück vergessen hatten, Milchbrötchen verkaufte, und den grünen Roll-Laden im Erdgeschoß, von dem die Sextaner erzählten, daß er einen schauerlichen Karzer absperre: es war aber der Kohlenkeller. Ich sah. in einem anderen Winkel des Schulhofes, die seltsame Sonnenuhr. Endlich stand ich unter der Schar der Schüler vor dem eigentlichen Schuleingang, dem schweren Cichenportal, und wartete auf Einlaß. Der Pedell, groß und alt wie Petrus, öffnete. Wir stürmten derart die Stufen empor, daß er hinter die Tür geklemmt wurde. Drinnen standen schon einige Lehrer und empfingen uns entsprechend. Ich erinnere mich genau ihrer Ramen. Der eine hieß im Traume Herr Birblitz, der andere Herr Buhkies. Birblitz ohrfeigte meinen Freund, weil er aus den Fliesen getrappst hatte, während Butzkies mir von rückwärts feinen runden Schirmgriff ums Dein legte. Ich war zu schnell gelaufen, siehst du, nun mußte ich büßen; ich fiel hin: aha, das hatten die beiden noch so von früher an sich! Rach bitterem Auftakt begaben wir uns in die Klassenräume. Hier machte mein Traum einen jener Sprünge, wie sie nicht selten in der Welt nächtlichen Wandelns sind. Während die Kinder, die mit mir gekommen waren, Unterricht erhielten, stand ich sogleich wieder draußen allein im Korridor — dieser Korridor hatte sich aber inzwischen hinsichtlich Geist, Raum, Geruch und Zeit vollständig verändert. Man strich jetzt seine Säulen an, es war' großes Reinemachen. Aus einer Klasse trug man die Schulbänke heraus und stellte sie in den Flur. Ich setzte mich dort nieder, um unterrichtet zu werden. Ich llappte mit den Sitzen der Bank, so wie ich es früher getan hatte, und sieh mal an, sie klangen noch wie ehemals. Auf dies Zeichen hin kam sogleich ein Lehrer herzugelausen, erkannte mich und kommandierte mit ernster und erregter Stimme einige Minuten lang: „Auf — Setzen!" — Auf... ab... Das ging so geraume Zeit hindurch. Als aber nichts, gar nichts geschah und ich nur immerfort dies leere Getöse der rasselnden Bank unter mir hören mußte, paßte ich auf. benützte einen Augenblick, in welchem der Lehrer sein Butterbrotpapier — denn er aß während seines Kommandos — zusammenknüllte uno in den Kasten unter dem Fensterbrett steckte, lief eine Treppe höher, wo die Klassen der älteren Schüler lagen, und entkam! Es war die Erkenntnis dieser Flucht, daß ich merkte, die ganze Schule sei architektonisch nach dem System des Aufstiegs von den unteren zu den oberen Klassen gebaut, wobei die Begriffe „unten“ und „oben" eben nicht nur hingesprochen, sondern räumlich gedacht waren. 2m Traume kommt man auf solche Dinge sehr bald. Im Erdgeschoß, begriff ich jetzt, arbeiteten die kleinen Jungen, da roch es nach den zwei Kartenzimmern. Im ersten Stock, wohin ich geflüchtet war, lagen die zwei Mittelklassen: hier fühlte ich mich schon Wohler, es gab unter den Lehrern zuweilen fein- gesponnene Raturen, welche die jugendlichen Herzen besser kannten: auch hingen an den Wänden hübsche Dllder, Segelschiffe und wogendes Meer. Dann kam die Aula, welche durch zwei Etagen ging. Im dritten Stock waren rechts und links von ihr Prima und Sekunda untergebracht. Rur die Oberprima lag, dem Dachboden nahe, im vierten Geschoß... Ganz für sich allein, an ihrem eigenen Korridor, wohnten die Oberprimaner. Diese Klasse war offenbar nicht mehr Schule, sondern eigentlich schon Aniversität. Die Oberprima war die Prätorianergarde des Direktors. Oberprimaner waren geachteter als Studenten; weil sie so nahe der strengen Schuldisziplin wohnten, toi.Len ihre kleinen Freiheiten außerordentlicher als das Meer von Freiheit, das etwa die schon längst der Schule fernen Erwachsenen genoßen. Oberprimaner waren Herren. Den ganzen Traum hindurch strebte ich, in diese hochgelegene und bewunderte, beneidete Klasse zu kommen. Sie rückte höher und höher, je mehr ich mich um sie bemühte... Es tarnen immer neue Treppen, aber der Flur, an dem die Oberprima lag, war nicht zu erreichen. Plötzlich gelangte ich wider alle Voraussicht dennoch dorthin. Aber als ich die Klasse nun betrat und Erwachsener sein wollte, da war es gar nicht die Oberprima, jedenfalls nicht jene Klasse, die mein Ideal gewesen war. Ich wiederhole: Oberprimaner waren Herren. Ich hatte diesen Herren- standpunkt mit dem Eintritt in die Klasse nun auch für mich erhofft. Er wurde mir auch zuerkannt. Aber leider war das, was ich inu Traume sah, eine Enttäuschung. Es war nichts Besonderes mehr, Oberprimaner zu sein, seit ich es selbst war. Run dachte ich, würde ein Wunder kommen, ein Examen, und nach diesem das Besondere, welches mein Schülerleben mit der Hand des großen Schicksals rühren würde. Aber das Wunder blieb fort, dafür geschah etwas vollkommen anderes, das ich nicht erwartet hatte, und das mich zwar von der Enttäuschung befreite, aber durchaus nicht in der Wegrichtung lag, auf der ich während meines Traumes vorwärts wollte. Cs geschah nämlich das Widersinnige, daß ich die vielen Treppen, die ich hinaufgeklettert war, wieder hinuntergeschleudert wurde, und das nicht einmal mit Bedacht, sondern plötzlich und höchst gewaltsam. -Ich tat einen jener furchtbaren Stürze, die viele Klafter tief sind und die uns, wo nicht völlig wecken, so doch derart ermuntern, daß wir dem eigenen Traum gegenüber vorsichtig werden. Aber erst, als ich wieder unten der Sexta eingeordnet war und neben meinem Freunde faß, dessen Backe anschwoll, während der Unterricht in Botanik und Buchrechnung anhob — beschloß ich, aufzuwachen! Ich weiß dann nicht mehr, ob ich froh oder traurig war. Ich hatte so viel gesehen. Ich war sehr froh, nicht mehr auf der Schule zu fein! Andererseits betrachtete ich jetzt die endlose Wanderung zur Oberprima als Gleichnis des Lebens überhaupt. Auch dort strebte man die längste Zeit auf ein Ziel los, und wenn es errungen war, dann gab es eine Enttäuschung. Run wartete man auf ein Wunder, das die Enttäuschung ablösen sollte. Aber statt des Wunders kam das Bestürzende. Es brauchte kein klaftertiefer Fall zu fein, es konnte sich im Gegenteil im Bestürzenden sogar etwas sehr Gutes verbergen. Immer aber lag dann dies gute Ereignis außerhalb der Wegrichtung, in der man einst, mit so großer Sehnsucht, zu gehen begonnen hatte. Valeniinoö trotzige Nase. Es handelt sich nicht etwa um die Rase des vor mehreren Jahren verstorbenen Frauenlieblings der Flimmerwand; das überaus trotzige Riech- organ besitzt sein Bruder Albert. Albert Dalen- tino ist bis dato kein Filmheld. Das ist es eben; er sollte es nämlich werden. Jedenfalls versprachen sich die Filmproduzenten allerhand von dem Experiment mit Valentins II., und ließen zu diesem Zwecke die nicht gerade formvollendete Rase des jungen Mannes operieren. Leider ist der Eingriff mißlungen — die neue Rase fiel viel zu kurz aus. Ein Amoroso mit Stumpfnäschen, das ging nicht gut, die Rase wurde abermals geschnitten. And abermals versagte die Kunst der oft besungenen amerikanischen Schönheitsärzte. Treu und brav wie ein geduldiges Schaf ließ in der Folge Valentins junior nicht weniger als sechsmal die nicht gerade schmerzlose Operation durchführen, ohne seinem und feiner Förderer Ziele, eine richtiggehende „Filmnase" zu erhalten, auch nur um einen einzigen Schritt nähergekommen zu sein. Run soll der Versuch noch ein siebentes und zugleich letztesmal gemacht werden. Wenn die bockige Rase auch diesmal „nicht will", gibts Albert ein für allemal auf, das Erbe seines berühmten Bruders anzutreten! Hochschulnachrichten. Professor Dr. Hans R i t s ch l in Basel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Rationalökonomie an der Aniversität Greifswald als Rachfolger von Professor W. E. Biermann abgelehnt. — Amtlich wird die Ernennung des Berliner Privatdozenten Dr. Gottfried Weber zum Ordinarius der deutschen Sprache und Literatur an der Aniversität Königsberg als Rachfolger von Professor Fried« rich Ranke bestätigt. v # scheidend herabmindert. Mit dieser Schulgelderhöhung hat der Staat schon eine indirekte, von den Eltern unmittelbar bestrittene Einsparung am höheren Schulwesen erreicht. Die Mehreinnahme des Staates durch die Erhöhung des Schulgeldes kommt dem Gehaltsaufwand für rund 90 akademisch gebildete Lehrkräfte gleich. Diese Zahl muh. will man die Gesamtersparnis des Staates am höheren Schulwesen gegenüber 1929 feststellen, der Zahl der 52 Stellen zugerechnet werden, die jetzt nach dem Staatsvoranschlag für 1930 abgesetzt werden sollen. Diese Summe übersteigt sogar noch den Vorschlag des Reichs- sparkommisfars. Dem höheren Schulwesen wird damit eine Gesamtersparnis aufgebürdet, wie sie kein anderer Zweig der Staatsverwaltung zu tragen hat. Kann man da wirklich noch von dem Willen der Schonung der kulturellen Einrichtungen, von dem Streben, das Kulturniveau Hessens zu wahren, reden? Das entscheidende Wort hat nun der Landtag Jedem Einsichtigen ist die Zwangslage offenkundig, in der sich Regierung und Volksvertretung befinden: das Schicksal Hessens hängt an der Behebung seiner Finanznot. 2lbcr ebenso klar zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dah Oie höhere Schule ihr gerüttelt Mah zur Behebung dieser Rot schon geleistet hat. Erneute Eingriffe in ihren Betrieb gefährden auf das schwerste die geistige und moralische Ausbildung unseres Vachwuchses. Staatsmänner und Volksvertreter, die heute dieser Einsicht entgegenhandeln, schädigen den Staat und das Volk von morgen. Aus der provinzialhauptstaSt. Gießen, den 22. März 1930. Kriegsbefchädigien-Tagung in Gießen. Man berichtet uns: Am Sonntag, 16. März, fand im Saale d«s Gewerkschaftshauses der 4. Bezirkstag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, ehem. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen statt. Etwa 150 Vertreter sämtlicher oberhessischer Ortsgruppen hatten der Einladung Folge geleistet. Als Vertreter des Gaues Freistaat Hessen war Gauleiter Tauer anwesend. Vach herzlichen Degrühungsworten durch den Bezirksvorsiyenden Schirm deck wurde, der Bedeutung des Dolkstrauertages entsprechend, der Toten des Weltkrieges gedacht. Vach kurzem Rückblick auf die Entwicklung des im Jahre 1921 gegründeten Bezirks erstattete Bezirks- Srkretär Benner den Geschäfts-, und Bezirkskassierer Vogel den Kassenbericht. Aus beiden Berichten war in der Hauptsache zu entnehmen, daß der Bezirk seit dem letzten Bezirkstag etwa 800 Mitglieder neu ausgenommen hat, die sich auf bereits bestandene und auf neugegründete Ortsgruppen verteilen. Die Kassen- Verhältnisse wurden in Ordnung befunden. Durch größte Sparsamkeit war es im abgelaufenen Jahre möglich, eine neuzeitliche Bureau- und Registratureinrichtung anzuschaffen, um auch hierdurch dem immer steigenden Verkehr Rechnung zu tragen. Die über beide Berichte stattgehabte Aussprache ergab die Billigung der Maßnahmen der Bezirksleitung. Weiter wurde dann der vom 25., bis 28. Mai stattfindende Bundestag des Relchsbundes, verbunden mit einer öffentlichen Kriegsopferkundgebung, behandelt. Als Zeichen besonders guten Einvernehmens zwischen Bezirk und Ortsgruppen war es möglich, sich über die zum Bundestag zu entsendenden Delegierten für das ganze Bezirksgebiet auf einen Wahlvorschlag zu einigen. Der Bezirkstag hat gezeigt, daß die Organisation gut ausgebaut ist und ein gutes Vertrauensverhältnis besteht. Mit dem Wunsche, daß dies auch ferner im Interesse der Kriegsbeschädigten und der Kriegerhinterbliebenen der Fall sein möge, konnte der Bezirksvorsitzende nach Erledigung weiterer Tagesordnungspunkte die sehr gut besuchte Tagung schließen. * *' Deutsche Volkspartei in Gießen. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volkspartei hielt dieser Tage im „Hindenburg" ihre diesjährige Iohreshauptversamm- lung ab. Der erste Vorsitzende, Oberreallehrer Appel, erstattete nach einleitenden Worten der Begrüßung den Kassenbericht. Ihm, als dem bisherigen Rechner der Ortsgruppe wurde bei der Entlastung der Dank für seine mühevolle, langjährige Arbeit als Rechner ausgesprochen. Anschließend erstattete Geschäftsführer Dr. Weißer den Tätigkeitsbericht, der von dem regen Politischen Leben innerhalb der Ortsgruppe Zeugnis ablegte. Die Wahl des Vorstandes für das Geschäftsjahr 1930 wurde ohne Debatte einstimmig vorgenommen. Der erste Vorsitzende berichtete nach Erledigung dieses geschäftlicheü Teils über Gießener kommunalpolitische Fragen. Anter Berücksichtigung der verschiedenen Bindungsmöglichkeiten der bürgerlichen Parteien im Stadtrat legte er eingehend die Gründe dar, die zur Bildung der Arbeitsgemeinschaft der Mitte geführt haben. Desgleichen berichtete Landgerichtsdirektor S ch u d t über die Vorgänge bei der Kreisausschußwohl, die es mit sich brachten, dah infolge des Verhaltens der Wirtschaftspartci weder die Stadt Gießen noch der Mittelstand im Kreisausschuh vertreten sind. Vachdem dann noch der erste Vorsitzende und der Geschäftsführer über die Tagung des Landesausschusses und über verschiedene Sitzungen des geschäftsführenden Ausschusses berichtet hatten, wurde in die Aussprache eingetreten, il. a. wurde besonders gefordert, dah mehr Aufklärung der Wähler durch die Abgeordneten erfolgen müsse. Die sehr anregend verlaufene Versammlung konnte erst gegen 12 Ahr von dem Vorsitzenden mit warmen Worten des Dankes in die Erschienenen geschlossen werden. •• Preisverteilung des Reichsberufswettkampfes des GDA. Am Samstag hielt die Ortsgruppe Giehen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten (GDA.) in der „Stadt Lich" eine Schluhfeicr für die Teilnehmer am Reichsbcrufswettkampf der Angestelltenjugend 1930 ab, die einen recht guten Verlauf nahm. Der Vorsitzende der Ortsgruppe. Herr L. Zecher, begrühte die Ehrengäste, Eltern und Jugendlichen und betonte in seinen Ausführungen das Bestreben des GDA.. die Jugend zur Berufsertüchtigung anzueifern und dazu die Gelegenheit zu geben durch Veranstaltung von Derufswettkämpsen und Scheinfirmenarbeit innerhalb der Iugendgruppe des GDA. Aeber ..Die Iugend und unser Beruf" referierte hierauf Geschäftsführer Mack, Giehen. Er streifte die schweren Erziehungsprobleme und wies aus Memrentenanspruch und Mslablauf. Von Regierungsrat Weishaupt, Sreslau. I. Oer Anspruch. Die Frist für die Erhebung eines Anspruchs auf Elternrente läuft frühestens mit dem 31. März 1 9 30 ab. So eng umgrenzt, wie diese Vorschrift lautet, ist sie aber nicht. Ehe jedoch auf die Fristenfrage eingegangen werden kann, bedarf es des Hinweises auf die Grundsätze der Elternversorgung nach dem Reichsversorgungsgeseh. Ist der Tod eines ehemaligen Angehörigen der Wehrmacht die Folge einer Dienstbeschädigung oder eines Rentenleidens, so ist zur Anmeldung eines klagbaren Anspruchs auf Elternrente (C. R.) der Vater, die Mutter, der Großvater und die Großmutter berechtigt. Den Elitzrn werden gleichgestellt: 1. die Adoptiveltern, wenn sie den Verstorbenen vor der Dienstbeschädigung an Kindes Statt angenommen, 2. Stief- und Pflegeeltern, wenn sie den Verstorbenen vor der Dienstbeschädigung unentgeltlich unterhalten haben. Großeltern erhalten Elternrente nur, wenn keine anspruchsberechtigten Eltern vorhanden sind. Die E. R. eines Elternpaares beträgt 50 Prozent, eines Clternteils 30 Prozent der Dollrente des Verstorbenen. Für jeden weiteren an Dienstbeschädigung verstorbenen Sohn erhöht sich die Rente um 1 , dieser Beträge. Zur E. R. wird eine Zusahrente durch die örtlich zuständige Fürsorgestelle für Kriegerhinterbliebene gewährt. Sie muh dort beantragt werden, denn auch Zusahrenten» ansprüche bedürfen der Anmeldung. E. R. wird gewährt für die Dauer der Bedürftigkeit, wenn der Verstorbene der Ernährer gewesen ist, oder nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst geworden wäre. Für die Bejahung der Ernährerfrage ist Voraussetzung, dah der Verstorbene seiner Anterhaltspflicht freiwillig und nicht im Wege des Vertrages, etwa eines Auszugsvertrages, nachgekommen wäre. Zur Beurteilung der Frage, ob der Verstorbene der Ernährer war, ist von Tatsachen auszugehen: sür die Frage, ob er der Ernährer geworden wäre, können nur Mutmaßungen herangezogen werden. Der Verstorbene ist der Ernährer seiner Eltern gewesen, oder würde es geworden sein, wenn er sie dadurch, daß er zu ihrem angemessenen Lebensunterhalt regelmäßig und in erheblichem Maße beisteuert, vor Rot geschützt hat oder schützen würde. Erheblich beisteuern würde er, wenn der von ihm zu leistende Anterhaltsbetrag sich von der Hälfte des Gesamtbetrages nicht allzuweit entfernt. Die Ernährerfrage läßt sich somit nur nach dem Gesamtbild des Falles, den allgemeinen wirtschaftlichen Erfahrungen und der landläufigen Anschauung beantworten. Sie ist im wesentlichen daher eine T a t f r a g c. Ist die Tatsache einmal festgestellt, daß der Verstorbene der Ernährer war oder geworden wäre, so ist sie unabänderlich. Außer der Bejahung der Ernährerfrage muh Bedürftigkeit sür den Bezug der E. R. anerkannt werden. Bedürftig ist, wer erwerbsunfähig ist oder als Vater dos 60., als Mutter das 50. Lebensjahr vollendet hat. Eine Mutter, die noch für den Anterhalt und die Erziehung von Kindern zu sorgen hat, wird einer Erwerbsunfähigen gleichgestellt. Erwerbsunfähig ist, wer infolge körperlicher oder geistiger Gebrechen nicht nur vorübergehend auherstande ist, durch eine Tätigkeit, die ihm unter Berücksichtigung seiner Lebensverhältnisse. Kenntnisse und Fertigkeiten zugemutet werden kann, ein Drittel dessen zu verdienen, was gesunde Personen derselben Art und ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Auherdem darf das Einkommen der Eltern bzw. eines Elternteils in Sonderklasse 60 bzw. 48, in Ortsklasse A 58 bzw. 46,40, in B 56 bzw. 44,80, in C 54 bzw. 43,20, und in D 52 bzw. 41,60 Mk. nicht übersteigen. Mahgebend ist der Wohnsitz der Eltern. Zum Einkommen gehören alle Einnahmen, auf die mit Wahrscheinlichkeit und Regelmäßigkeit gerechnet werden kann, also auch Anterhaltungsbeiträge von Kindern usw., nicht aber Wohlfahrtsunterstühungen. Es darf kein Anterhaltsanspruch gegenüber Personen vorliegen, die imstande sind, ausreichenden Anterhalt zu gewähren. Es kommt nicht darauf an. was die Anterhaltspflichtigen an Anterhalt tatsächlich leisten, sondern nur, ob sie dazu fähig sind. Z. B. ist ein lediger Sohn leistungsfähig, wenn er gesund und arbeitsfähig ist. Erwerbslosigkeit erschwert ihm nur, seiner Anterhaltspflicht nachzukommen. Eine Tochter, die verheiratet ist und fein eigenes Einkommen hat. wäre nicht fähig, Anterhalt zu gewähren, selbst wenn sie aus dem Einkommen des Ehemanns die Eltern unterstützt. Alle vier genannten Voraussetzungen müssen für die Bewilligung von E. R. nebeneinander vorliegen. An Stelle der E. R. kann Elternbeihilfe (E. B. Abs. 3) bewilligt werden, wenn die Ernährerfrage bejaht wird, Erwerbsunfähigkeit vorliegt bzw. die Altersgrenze erreicht ist, doch die genannten Eißkommensgrenzen überschritten sind oder der ausreichende Anterhalt nur unter besonderen Schwierigkeiten gewährt werden kann. Häufig sind die Fälle, in denen die Einkommensgrenze zwar nicht überschritten ist, ausreichender Anterhalt aber nur unter besonderen Schwierigkeiten gewährt werden kann, die anderen Bedingungen aber erfüllt sind. Diese Beihilfe darf die C. R. einschließlich Zusahrente nicht übersteigen. Somit ist also möglich. E. B. Abs. 3 in der gleichen Höhe wie E. R. einschl. Zusahrente als Kannanfpruch zu bewilligen. Zahlung der gesamten E. D. Abs. 3 erfolgt vom Versorgungsamt. Die Einkommensgrenze für eine solche Beihilfe wird aus Zusammenrechnung von Elternrente. Zusahrente und der obengenannten E. R.-Einkommensgrenzen festgestellt, wovon dann etwaiges Einkommen abgezogen wird, so dah die E. B. Abs. 3 beziehenden Eltern in ihrem Gesamteinkommen nicht schlechter als die E. R.- Empfänger gestellt sind. Ferner kann Elternbeihilfe (E. B. Abs. 4) gewährt werden, wenn der Verstorbene nur teilweise der Ernährer gewesen ist, oder geworden wäre. Der mit Wahrscheinlichkeit regelmäßig zu leistende Anlerhaltsbeitrag muß mindestens Vs des notwendigen Gesamtbetrages ergeben. Im übrigen ist selbstverständlich Voraussetzung, daß Erwerbsunfähigkeit vorliegt, die Altersgrenze erreicht ist und ausreichender Anterhalt nur unter besonderen Schwierigkeiten gewährt werden kann. Die für C. R. maßgebenden Einkommensgrenzen können überschritten sein. Die vom Versorgungsamt gezahlte E. B. Abs. 4 darf zwei Drittel von E. R. und Zusahrente nicht übersteigen. Ihre Errechnung erfolgt wie bei der E.B. Abs. 3. Sind zwei Söhne in einer Familie gefallen, soll angenommen werden, daß sie in der Regel mindestens ein Drittel des Lebensunterhalts der Eltern tragen würden, wenn nicht angenommen werden kann, daß sie die Ernährer der Eltern geworden wären. Bei Verlust einziger Söhne und Kinder ist besonders wohlwollend zu verfahren. Ist E. R. oder E. D. wegen Wegfalls der Bedürftigkeit entzogen worden, so würde sie bei Wiedereintritt der Bedürftigkeit auf Antrag wieder bewilligt. E. R. oder E. B. kann auch bei vermißten Söhnen als Kannanfpruch vor erfolgter Todeserklärung gewährt werden. (Ein Schluß-Artikel folgt.) deren Arsachen hin. Der Berufssportgedanke solle von diesen Mängeln die aufsteigende Generation loslösen, um sie lebenstüchtig zu machen zum Wohle des einzelnen wie der Gesamtheit. Drr Iugendbund im GDA. strebe bewußt die Berufsertüchtigung an, indem er die Freizeit des Lehrlings im besten Sinne des Wortes geistig und körperlich zu beeinflussen versuche. Gute Vorlesungen, Musik, Lied und Spiel seien die beste Waffe gegen das Minderwertige. Selbstzucht und charaktervolle Gesinnung sollten aus eigenem Willen zu rechtschaffenem Handeln lebendig machen. In Bezirks-, Gau- und Reichsjugendtagungen werde dieser Geist aufs stärkste entfacht. Besonders begrüßt werde der Besuch der Heimabende durch Eltern, Erzieher, Lehrherren/ Handelslehrer und ältere Kollegen, damit diese einmal ihre Meinung dazu sagen, vielleicht selbst einmal mitwirken, von ihrem Wissen und Erfahrungen den Iugendlichen mit« teilen. Unter Volksleben bedürfe solcher Kreise, in denen sich vorurteilslose Menschen mit Menschen anderer sozialer Schichten und anderer Altersstufen zusammenfänden, um Mißverständnisse und Mißtrauen aus der Welt zu schaffen. Beiden Rednern wurde herzlicher Beifall zuteil. 'Bei der anschließenden Preisverteilung erhielten sieben Iungens und fünf Mädels erste, zweite und dritte Preise in Form von Ledermappen, Büchern, Füllfederhaltern, während weitere zehn Teilnehmer ehrende Anerkennungen sich erringen konnten. Landkreis Gieken. " W i e s e ck, 20. März. Gestern abend hielt die hiesige Volkshochschule ihre Hauptversammlung ob. Aus dem Bericht des Schriftführers, Lehrer Eschenbrenner, ging hervor, daß im vergangenen Winter 15 Vorträge gehalten wurden, die durchschnitllich von 40 Hörern besucht waren. Dr. Ma lech sprach an fünf Abenden über „Gesunde Lebensführung", Frl. Le verzapf an einem Abend über „Du und dein Heim"; Dr. Michel leitete die Winterarbeit ein mit einem Vortrag über das Wesen der Volkshochschule und sprach an zwei Abenden über Traumdeutung, und an zwei weiteren Abenden über die Entwicklung der Wiesecker Bevölkerung in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht: Frau Dr. Reumann behandelte an vier Abenden Erziehungsfragen. Die Auswahl der Themen, sowie die gemeinverständliche Art der Darbietung fanden bei den Hörern durchweg Beifall, und es wurde auch für die Zukunft die Behandlung solcher allgemein interessierender Fragen gewünscht. An einem Sonntag im Frühjahr soll eine botanische Exkursion auf den Hangelstein unter Führung von Garteninspektor R e h n e l t unternommen werden. Die Rechnungsablage durch Hch. I h.m ergab ein verhältnismäßig günstiges Bild der Kassenlage: neben dem Zuschuß, den in dankenswerter Weise die Gemeinde alljährlich leistet, erwartet man noch eine Anterstühung durch die Zentralstelle für Volksbildung. Auf diese Weise kann ein namhafter Betrag zum Ausbau der noch wenig entwickelten Volks- und Echülerbücherei verwendet werden. Aeber die Rechnungsablage der früheren Iah re, wo die Volkshochschule durch Dr. Rein geleitet wurde, fand eine sehr rege Aussprache statt. Es wurde beschlossen, die Abrechnung zu prüfen und in der demnächst stattfindenden Vorstandssihung darüber zu beschließen. Sollte der Vorstand zu keiner Einigung kommen, so soll eine nochmalige Generalversammlung einberufen werden. Bei der Wahl des Vorstandes wurden die seitherigen Mitglieder, mit einer Ausnahme, wiedergewählt. Vorsitzender ist Rektor Petri, fein Stellvertreter K. Reuter, Schriftführer W. Eschenbren- ner, Rechner H. Ihm, Beisitzer E. Die rau und Frau Spuck. Aufgabe des Vorstandes und der Hörerschaft muß es fein, durch Aufklärung über die Bedeutung der Dolkshochschularbeit eine Steigerung der Hörerzahl im kommenden Semester herbeizuführen. Durch eine weitere Ermäßigung der Hörergebühr im nächsten Semester hofft man auch den wenigbemittelten Kreisen die Teilnahme an der Volkshochschule zu ermöglichen. £ Wieseck, 21. März. Gestern abend fand bei Heinrich Braun eine von hiesigen Handwerkern einberufene Versammlung statt, in der Syndikus Röhr über die derzeitige Lage im Handwerk und über Organisationsfragen sprach. Im Anschluß daran wurde ein Ortsgewerbeverein gegründet, dem von 36 Anwesenden 32 beitraten. Als erster Vorsitzender wurde Maurermeister Heinrich Oswald, als Schriftführer Weißbinder Heinrich D e ch gewählt. 8 Alten-Buseck, 20. März. Infolge der Abbauvorschriften wurde Schuloerwalter Dieme r mit Wirkung vom 6. April nach oiermonallichcr Tätigkeit aus dem Schuldienst abberufen. Lehrer Dr. Meuer, der beurlaubt mar und während dieser Zeit eine Lehrstelle an der cheeresfachschule in_ Gießen bekleidete, wird mit Beginn des neuen Schuljahres feine hiesige Stelle wieder übernehmen. — Das in der hiesigen Kirche aufgeführte Konzert des Vereins für christliche Musik Gießen erfreute sich eines guten Besuches der Einwohnerschaft. Die Darbietungen boten einen hohen künstlerischen Genuß und fanden wohlverdiente dankbare Aufnahme. — Der Gemeinderat hatte in feiner letzten Sitzung einen wichtigen Punkt auf die Tagesordnung gesetzt, dem die jüngere Einwohnerschaft, zuletzt auch nicht die Schulen, starke- Interesse entgegenbringen. Es wurde beschlossen, der Fertigstellung des im nahen Wald herrlich gelegenen Sportplatzes nunmehr näherzutreten und nach Ausstellung eines Kostenanschlags den schon lange gehegten Wunsch der Iugend- in Erfüllung zu bringen. Ein weiterer, ebenfalls sehr wichtiger Punkt dieser Sitzung betraf die eventuelle Sperrung der Gemeindewaldungen für Leseholzsammler, falls die Verwüstungen des Waldes durch Abbrechen von Aesten und Amknicken kleinerer Bäume in Zukunft nicht unterbleiben. s. T r a i s - H o r l o f f, 18. März. Gestern fand die Beerdigung unseres Pfarrers Karl Adolf Weber auf dem hiesigen Friedhof statt. Ein Trauergefolge, wie es unsere Gemeinde noch nicht gesehen, gab dem früh verstorbenen Seelsorger das letzte Geleite. In der Kirche fand eine Gedächtnisfeier statt, die durch einen Vortrag des Lang-Gönser Posacknenchors und Orgelvorfpiel eingeleitet wurde. In einer warmempfundenen Ansprache umriß Pfarrer Dr. H e y m a n n. Langsdorf, das Blld des Heimgegangenen und konnte hierfür kein besseres Schriftwort zugrunde legen, als Psalm 25. Vers 21: „Schlicht und recht, das behüte mich: denn ich harre dein." 2Ls schlichter, gerade denkender Mensch, dessen Grundzug Herzensgüte war, als treuer Seelsorger und Helfer wird die Gemeinde ihren verewigten Seelsorger im Herzen bewahren. Rach Gemeindegesang entwarf Dekan Engel, Obbornhofen, ein Lebensbild des Verstorbenen. Tiefergriffen wurde die Trauergemeinde, als er erwähnte, daß bqr Verstorbene die Erfüllung seines letzten Lebenswerkes, die auf Ostern geplante Weihe des soeben fertigge- wordenen neuen Glockengeläutes, nicht mehr hat erleben dürfen. Amrahmt wurde die Feier durch Chöre der Gesangvereine Inheiden und Atphe. sowie durch Choralvorträge des Posaunenchors Lang-Göns, unter der feinsinnigen Leitung des Dirigenten Boller. Rach der Feier in der Kirche setzte sich der riesige Trauerzug unter Vorantritt der Schulkinder und Vereine in Bewegung nach dem nahen Friedhof, wo Pfarrer Dr. H e y m a n n die Bestattung vornahm. Alsdann legten Kränze nieder: die Seitlichen des Dekanats Hungen, der Kirchenvorstand, die Schulvorstände des Kirchspiels Trais-Horloff und der Filialen Atphe und Inheiden, die drei Gemeinden durch ihre Bürgermeister, der Gesangverein „Lorelei" (Atphe), -dessen Ehrendirigent Pfarrer Weber war, die Konfirmanden und Schüler, seine frühere Gemeinde Reichelsheim i. DM der Gießener Wingolf und der Evangelische Pfarrverein. Der hiesige Kriegerverein feuerte eine dreifache Ehrensalve übers Grab. Altbürgcrmeifler Är. Kaysel-Aauheim t. 4. Bad-Rauheim, 21. März. Rach längerem Krankenlager ist heute der frühere Bürgermeister unserer Stadt, Dr. Gustav Kayser, im Alter von 68 Jahren gestorben. Mit ihm ist eine der kenntnisreichsten» und erfolgreichsten Persönlichkeiten in der kommunalen Verwaltung Hessens dahingegangen. Dr. Kayser, der einer rheinhessischen Lehrersfamilie entstammte, war am 16. Februar 1862 geboren. Rach seiner Ghmnasialzeit genügte er als Einjährig- Freiwilliger beim Inf.-Regt. 116 in Gießen seiner Militärpflicht, anschließend widmete er sich dem juristischen Studium. 3m Staatsdienste fand er u. a. als Amtsanwalt in Büdingen und bei der Staatsanwaltschaft in Gießen Verwendung, dann als Amtsrichter in Vilbel. Seine kommunale Laufbahn begann er als besoldeter Beigeordneter der Stadt Worms. Im Iuni 1903, als hier die Städle- ordnung eingeführt wurde, wählten ihn die Stadtverordneten zum ersten Berufsbürgermeister unserer Stadt, der er in ^jähriger Amtszeit bis zu seiner im Iuni 1927 erfolgten Pensionierung hervorragende Dienste geleistet hat. Seinem Weitblick, seiner juristischen Kenntnis und seiner reichen Begabung für die Verwaltungsausgaben ist es mit in erster Linie zu danken, dah die Entwicklung der Stadt gleichen Schritt gehalten hat mit dem ungeahnten Aufschwung des Bades, der mit der großzügigen staatlichen Bautätigkeit im ersten Jahrzehnt des Iahrhunderts begann und wenige Jahre vor dem Weltkriege zum Abschluß kam. In- der Geschichte unserer Stadt wird das verdienstvolle Wirken Bürgermeister Dr. Kaysers unvergessen bleiben. Oberstudienrat Dr. F. ist einer der fähigsten und beliebtesten Lehrer, für den seine Schüler durchs Feuer gehen. Er bringt ihnen nicht nur Wissen bei; durch sein Vorbild erzieht er sie zu Menschen, die im Leben ihren Mann stehen werden. „Daß Sie nie ärgerlich und immer guter Laune sind - sagen oft seine Kollegen - und das selbst in den schweren Wochen vor derVersefjung, ist kaum zu begreifen." „Nichts leichter als das - antwortet er - wenn man Herz und Nerven schont und Kaffee Hag trinkt! Dieser prächtige Bohnenkaffee ist coffeinfrei und völlig unschädlich, regt an, aber nicht auf und ist im Geschmadc garnicht zu übertreffen. Wollen Sie's nicht auch mal mit Hag versuchen?" Smher.Lillij, allBz-dythrf—* $ o^jo^ ^>- fctoäWWrfkeffs 4> Verkäufe von der 2392D wert ab ufk/ CZa^rtaHuna I Gasthaus zur Traube, Laubach. 2355D Günstige Ratenzahlungen. 2154V Alleinvertreter der N S U - Motorräder: schnell und billig im FR. LINKER & SOHN Ludwigstr. 16 Giefaen Teleph. 3531 >5 in den Preislagen von ML 16.00,19.60, 20.50, 28.00, 33.00 u. höher Herren-Mäntel 1776A In den Preislagen von Mk 21.75, 32.50, 40.50, 49.75, 65.00 u. höher 5 Prozent Barrabatt H.Kaess Nacht Batterien (Leihbatterien) Kreuzplatz 15 24U5A Hohlsaum-Arbeiten Näh- u. Stick-Arbeiten Kurbel-Arbeiten Wäsche-Anfertigung Gardinen-Anfertigung Mittwoch, den 26. 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Für die überaus zahlreichen Kranzspenden und die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem Hin scheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Frau Elisabethe Kreiling Wwe. und Angehörige. Danksagung. Allen denen, die uns bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen ihre Teilnahme bezeigten, herzlichen Dank. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Vaters sagen wir allen Verwandten und Bekannten innigen Dank. Familie Wilhelm Lotz Familie Philipp Lotz. Wieseck, den 22. März 1930. Der Herr über Leben und Tod erlöste heute nachmittag mein über alles geliebtes Mütterlein Frau Katharina Wen zier von ihrem langen qualvollen, mit großer Geduld ertragenen Leiden durch einen sanften Tod im 75 Lebensjahre. Mit der Bitte um stille Teilnahme: Mathilde Voß geb. Wenzler. Alice-Schule. Zn dem am S4. Avril beginnenden Aol-20.-Nachn.Natalog für Obn und Hoch- itammrosen franko. Helnr. P. J. 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Dienst, jubiläums erwiesenen Aufmerksamkeiten und Ehrungen sage ich auf diesem Wege allen Äe« fertigten meinen herzlichsten Dank r Heinrich Pfeffer, Postagent | Großen-Äuseck, den 22. März 1930 r 2372O Baue* Gesangverein e.V, Gleiten gegründet 1864 Mitglied des Deutschen und des Hessischen Sängerbundes Sonntag, 6. April, nachm. 4 Uhr, in der Aula der Universität IKON ZIERT Leitung: Ehrenchormeister Otto Görlrach Mitwirkende: Konzertsänger Johannes Willy* aus Frankfurt am Main. Am Flügel: FrauWillyausFrankfurtam.Main. Es gelangen zum Vortrag: e Kunstchöre u.Volkslieder von Lendvai.,Kaun, Sijcher, A. v. Othegraven, Orlandodl Lasso und W. Moldenhauer; Lieder für Biariton von Fr. Schubert. R. Schumann und H. Wolf. Preise der Plätze: I. Platz 2 — RM.. II. Platz 1.50RM , 10 Platz 1 — RM. Eintrittskarten im Vorverkauf ab 24. M^rz bei Herrn Ernst Challier und nachmittags an der Kasse. Samstag, den 5. April um 20 Uhr Konzert für Mitglieder mit dem gleichen Programm wie am Sonntag, dem <6. April Eintrittskarten sind ab 24 März bei Mitglied Fr. Lotz,Friseur- geschält, Bahnhofstraße erhältlich. 2376D Der Flügel ist a. d.Pianohaus R. Schönau, Gießen, Seltersweg Zur Fußbodenpf lebe IGIobellä-Bohnerv^chs Fest und flüssig Globellä-Mop-Politur Globella-Mop und) Globus-Wachs-Beize Braun-qelb-rot_____Fest und rlifssig Fritz Schulz jun. A-G,Leipzig Wo kaufen Sie Dualitäts-Möbel? Am besten und billigsten beim Hersteller! Ein Beweis meiner Leistungsfähigkeit: Schlafzimmer poliert, afrik. 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Äon Dr. Paul Rohrbach. Die Weltpresse ist voll von dem Thema: „Indien und England", und sie weih warum. Es ist nicht nötig, daß aus dem indischen Natio- nallongreh in Lahore, der eben seine Kriegserklärung an England erlassen hat. schon gleich die große anglo-indische Krisis kommt, von der »iele reden. Dazu ist die Zerspaltung Indiens noch zu groß. Das Entscheidende aber ist geschehen. Der Franzose Romain Rolland hat schon vor Jahren über den Inder Gandhi, der nach einer Periode der Zurückgezogenheit jetzt wieder an die Spitze der radikalen Bewegung in Indien getreten ist, ein Buch versaht. Darin sagt er, es seien schon viele Beschwerdebücher Asiens gegen Europa geschrieben worden, aber das furchtbarste, das unwiderlegbarstem „das Buch, das die europäische Zivilisation selber in das Herz der unterdrückten Rassen ge- schrieben hat, der Rassen, die ausgeraubt und beschmutzt wurden im Ramen lügenhafter Prinzipien" — war der Krieg 1 So grob war die Unbesonnenheit Europas, dah es die Völker Asiens und Afrikas einlud, zu kommen, um es in seiner Nacktheit zu betrachten. Sie haben es betrachtet — und verurteiltl Vor einigen Wochen las man, dah die selber schwankende, von allen möglichen Aufständen bedrohte chinesische Regierung den europäischen Mächten mitgeteilt hat, mit dem 1. Januar 1930 seien alle Gerichtsprivilegien der Ausländer in China aufgehoben. Die Mächte haben protestiert, und der chinesische Außenminister hat geantwortet, er sei zu Besprechungen bereit, aber bei der Aufhebung der Privilegien müsse es bleiben. Sieht man auf die materiellen Machtverhältnisse allein, so erscheint die „Aufhebung" wie eine Lächerlichkeit. Dor neunzig Jahren, als China das englische Opium nicht haben wollte, schickte England Kriegsschiffe, und das Opium muhte genommen werden. Heute kann niemand, auch England nicht, etwas von der Art wagen. Hinter der Regierung in Nanking steht in der Fremdenfrage das ganze chinesische Volk, bis auf den letzten Kuli, und auf fremde Kanonen würde es mit dem Boykott fremder Waren antworten. Das wäre eine so gefährliche Sache, dah niemand, England am wenigsten, wagen würde, sich dem auszusehen. England hat den chinesischen Warenboykott schon einmal, vor vier Jahren, erlebt, und es hat nachgeben müssen. Romain Rolland hat Recht, wenn er sagt, dah durch den Weltkrieg die innere Einstellung des Asiaten zum Europäer dahin verändert worden ist, dah der Asiate das Gefühl der „moralischen" Überlegenheit der Weihen — das Wort moralisch in dem Sinne genommen, wie es in den angelsächsischen und romanischen Sprachen gebraucht wird — v e r l o re n hat Gandhi selbst war früher ein Freund Englands. Da sand 1920 in Amritsar im Pandschab. nicht weit von . Lahore, wo jetzt der Nationallongreh versammelt ist. jenes Blutbad statt, in dem der englische General Dyer eine waffenlos demonstrierende Menge ohne Warnung mit Maschinengewehren beschiehen lieh. Bis dahin war die indische Bewegung im ganzen eine „konstitutionelle Opposition", getocfcn Rach dem Blutbad schickte Gandhi dem Vizekönig die Orden und Titel zurück, die er von England erhalten hatte und schrieb I „Der letzte Krieg hat deutlicher als sonst die satanische Natur der Zivilisation erwiesen, von der sich Europa heute beherrschen läßt Jedes Sittengeleh ist von den Siegern im Die gesiedelte Schlange. Roman von Edgar Wallace 6 Fortsetzung '.Hadiörud verboten Leicester antwortete ihr nicht, aber das Streichholz, mit der er ihre Zigarette entzündete, zitterte leise. „Billy, du wirst schwach, du machst dir Sorgen um nichts Wenn du heute abend Weggehen solltest, ich würde bestimmt bleiben, nur um zu sehen was weiter geschieht Ich bin wirklich neugierig." „Tu bist verrückt," sagte er gereizt und verfiel wieder in ein langes Schweigen oie beobachteten die Zeiger der Uhr, die langsam vorrückten .. Paula hatte ihr Zigarette zu Ende ge- raucht und eine neue genommen Eine Viertelstunde ging vorüber — zwanzig Minuten - dreißig Minuten — danti hörten sie in der ruhigen Straße einen Wagen und das leise Geräusch der Bremsen, als er anhielt Leicester schob die Gardine zur Seite und schaute in den Rebel hinaus Er sah undeutlich die beiden Hauptlampen des Autos „Das ist Joe," sagte er. „Ich will ihn herein- lassen." Er ging in die dunkle Halle hinaus und öffnete vorsichtig das Haustor. Als er die Klinke her- unterdrückte, schlug die Tür von selbst auf. als ob sich jemand dagegen stemmte. Er verlor den Drücker aus der Hand Eine dunkle Gestalt fiel mit einem dumpfen Geräusch aus den Teppich Als sich Crewe umschaute, sah er in seiner Verwirrung, daß der Wagen dovonfuhr und verschwand Dann hörte er plötzlich Paulas Stimme hinter sich. „Was ist los?" fragte sie mit furchterfüllter Stimme. „Drehe schnell das Licht an!" rief Leicester Crewe. Die Halle wurde plötzlich hell. Joe Farmer lag der Länge nach auf dem Boden Seine Füße waren noch außerhalb der Türe Die linke Hand krampfte sich um eine Karte. Leicester Crewe kniete bei ihm nieder, legte ihn auf den Rücken und schaute in die weitaufgerissenen, starren Augen eines Toten. Was für eine geheime Nachricht Joe Farmer auch in solcher Eile bringen wollte — sie war ■ mit ihm verschwunden. Von der dunklen Straße aus mußte ihn die Hand eines Unbekannten erschossen haben. Wan hatte Joe Farmer von hinter niedergeknallt. Leicester schaute ihn noch immer entsetzt an und konnte sich vor Schrecken nicht rühren Erst nach einer Weile nahm er mechanisch die Karte aus seiner Hand... wieder die gefiederte Schlange l Samstag, 22. März 1930 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Joes Uhr und ein anderer Gegenstand waren bei dem Sturz aus seiner Tasche auf den Boden gefallen. Leicester Crewe schaute reglos auf die viereckige, flache Börse, die er nur allzugut kannte. Was für ein Narr war doch Joel' Er trug dieses Andenken noch immer mit sich herum I Crewe beugte sich über den Toten, nahm die fleine Ledertasche auf und reichte sie nach hinten „Cs ist doch merkwürdig man konnte keinen Schuß hören," murmelte er. „Nimm dies, Paula, wirf es ins Feuer oder vernichte es sonstwie, bevor die Polizei kommt." > Die Börse wurde ihm aus der Hand genommen Er schaute sich nicht um, wer bei ihm war. Er blickte erst auf. als er eine weiche, erschreckte Stimme hörte: „Soll ich der Polizei telephonieren?... Ist er verletzt, Mr Crewe?" Daphne Olroyd stand dicht hinter ihm. „Ach, Sie sind es," sagte er verwirrt. Dann sah er Paula auf einem Stuhl sitzen Sie konnte sich nicht rühren. Ihr Gesicht war weiß und eingesunken „Ach ja, bitte telephonieren Sie .. Von der Treppe, die zu den Räumen der Dienstboten führte, ertönten schnelle Fußtritte. Der Diener trat in die Halle, als Daphne in ihr Zimmer eilte Sie war im Straßenkleid und hatte gerade Weggehen wollen, als sie wider ihren Wollen Zeugin dieser Tragödie wurde Sie berichtete der Polizeistation in abgerissenen Worten, daß sich etwas zugetragen hätte, das sie nur unvollkommen verstand. Sie hatte das ungewisse Gefühl, dah der Polizeisergeant unbedingt den Eindruck haben müsse, daß sie verrückt sei. Dann erinnerte sie sich plötzlich an den jungen Journalisten, und nach einem kurzen Zögern suchte sie im Telephonbuch die Nummer feiner Zeitung Sie hörte, wie die Verbindung mit feinem Zimmer hergestellt wurde und gleich darauf riet Peters Stimme: „Hallo, was wünschen Sie? Wer ist dort?" Ihr Bericht war nicht viel klarer als ihr Anruf an die Polizei. eine schreckliche Sache hat sich zugetragen ich glaube, der Mann ist tot... er hatte eine Karle in der Hand... können Sie sich an die gefiederte Schlange erinnern?“ „Von wo aus sprechen Sie?" unterbrach er sie schnell. „Don Mr. Crewes Haus aus. Der Mann heißt Farmer — ich bin dessen ganz sicher, aber ich habe sein Gesicht noch nicht gesehen — es ist schrecklich!" „Ist er tot? Hatte er wirklich eine Karte in der Hand? Und darauf war die gefiederte Schlange? Ich komme sofort!" Plötzlich erschrak sie. „Bitte, erzählen Sie Mr. Crewe nicht, dah ich Ihnen etwas davon gesagt habe." .Verlassen Sie sich nur auf mich", sagte er heiter. Sie hatte vorher nicht gewußt, daß seine Stimme so lustig klingen konnte. Sie hörte, daß ihr Name gerufen wurde und eilte schnell die Treppe hinunter. „Paula ist ohnmächtig geworden — sehen Sie, bitte, nach ihr!" Crewes Stimme war heiser, und er war sehr nervös. Es schien Daphne, als ob er dem Zusammenbruch nahe sei. Um den daliegenden Mann hatte sich eine kleine Gruppe gesammelt. Offensichtlich hatte einer der Diener einige Kenntnisse in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Er untersuchte die Wunde, und sie hörte, wie er fagte: „Mitten durchs Herz!" Sie zitterte, als sie in die Bibliothek eilte und die Tür hinter sich schloß. Paula lag bleich und vollständig kraftlos auf dem Sofa. Daphne sah sie hilflos an. Sie hatte sich noch niemals mit ohnmächtigen Frauen beschäftigt und erinnerte sich nur, dah man ihren Kopf in den Schob legen müßte. Das tat sie auch ... behutsam... Mochte es nun diese Behandlung fein, oder erholte sich Paula bereits wieder - jedenfalls öffnete sie ihre Augen und schaute verwundert auf Daphne. „Joe ist ermordet worden", sagte sie dann, bedeckte ihr Gesicht mit den Händen und verfiel in einen Weinkrampf.. Als Daphne aus ihrer ersten Bestürzung erwachte, ging sie in die Halle, um Dr. Crewe zu rufen. Sein Gesicht zuckte nervös, seine glanzlosen Augen wanderten von der weinenden Paula zu Daphne. Er war unfähig, irgendeinen bestimmten Gedanken zu fassen oder etwas zu unternehmen. „Es ist besser, dah Sie gehen", sagte er schließlich zu Daphne. „Und zwar ist es das beste, wenn Sie durch die Dienertür in die hintere Gasse gehSn. Die Polizei wird in einigen Minuten hier fein.“ „Kann ich Ihnen nicht noch irgendwie behilflich fein?“ Aus irgendeinem Grund schien ihn diese Frage zu beunruhigen. „Behilflich fein?“ sagte er rauh. „Was könnten Sie helfen ^.. ich möchte nicht, daß Sie hier sind, und dann Horen .Sie, Miß Olroyd, wenn die Polizei Sie fragen sollte, ob Farmer ein häufiger Besucher hier im Hause war, dann müssen Sie sagen, daß er es nicht war. Verstehen Sie mich? Selbstverständlich habe ich Geschäfte mit ihm abgeschlossen, weil das mein Beruf ist, aber er war nicht mein Freund - ist habe ihn erst letztes Jahr tennengelernt.“ Dann schien er sich plötzlich an ihre frühere Unterhaltung zu erinnern. „Ach, Sie wollen mich ja verlassen — dann ist es besser, daß Sie gleich ganz gehen. Ich werde Ihnen einen Scheck für Ihr Gehalt schicken.:." Er drängte sie beinahe hastig aus dem Raum, und sie stand in der nebligen Straße, bevor sie eine Erklärung für seine außerordentliche Aengstlichkeit finden konnte. Eine kleine Menschenmenge hatte sich am Fuß der Treppe angesammelt. Der Himmel mochte wissen, woher die Leute so schnell zusammenge- kommcn waren. Als Daphne durch die Durchfahrt schritt, kam ein Polizeiauto heran. Es hielt vor dem Haus und ein halbes Dutzend Beamte sprang heraus. Gleich darauf folgte ein Krankenwagen, und dahinter fuhr ein Mietauto, aus dem Peter Dewin eilig ausstieg. Sie rief ihn an, und er drehte sich um. „Hallo! Ich hoffte. Sie hatten den Platz schon verlassen. Was ist denn geschehen?“ Sie erzählte ifjm, was sie wußte. Sie war oben in .ihrem kleinen Arbeitszimmer gewesen und hatte sich eben fertiggemacht, um nach Hause zu gehen. In dem Augenblicke, als sie das Licht ausdrehte, sah sie ein Auto heranfahren und vor dem Tore halten. Ihr lleines Bureau lag direkt über der Eingangshalle und neben dem eigentlichen Bureau von Mr. Crewe. Gleich daraus war sie die Treppe heruntergegangen. Die Halle lag im Dunkeln, und sie tastete sich vorsichtig vorwärts. Mr. Leicester Crewe war genau in kleinen Dingen und beinahe ein Geizhals, wenn es sich um den Verbrauch elektrischen Lichtes handelte. Sie trat eben in die Halle, als er die Türe öffnete. Dann hörte sie einen Mann zu Boden fallen. Mr. Crewes Stimme verlangte nach Licht — sie sah die reglos ausgestreckte Gestalt auf dem Boden. „Ach so!" sagte sie plötzlich. „Was haben Sie?" fragte er. „Er gab mir diese Börse und sagte, daß ich sie ins Feurr werfen oder sonstwie vernichten sollte Vermutlich hielt er mich für Mrs. Stai- nes Würden Sie so liebenswürdig fein, sie ihm zurückzugeben?" Er nahm die flache Tasche aus ihrer Hand und steckte sie ein. Sein Wagen wartete noch. „Fahren Sie nach Hause, und nehmen Sie meinen Wagen", sagte Peter zu ihr. Er fragte nach ihrer Wohnung. Sie hatte ein kleines Heim in der Nähe von Baker Street, in einer Gegend, in der Strahensänger und Dreh- orgelfpieler ihre kargen Verdienste einfammelten. Peter drückte dem Chauffeur einige Silbermünzen in die Hand und nannte ihm ihre Adresse. Er trat an die Tür des Wagens. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich Sie diesen Abend noch besuche? Oder wohnt die unvermeidliche Tante bei Ihnen?" „Dicht einmal die", antwortete sie. „Ich wohne ganz allein, und Sie können mich nur besuchen auf Kosten meines guten Rufes." (Fortsetzung folgt) Zum 25. Todestag Lutes Vernes. — geborenen ausgekommen, als das englische in Indien. Nur einen Fehler darf man nicht machen, wenn man sich diese Dinge Deraegentoärtigt. Man darf nicht das eigentliche Afrika, daS Afrika der schwarzen Rasse, mit Asien verwechseln. Der Neger ist ein anderer Mensch als der Chinese, der Inder, der Malaie, der Aegyp- ter, der Nordafrikaner. Der Neger wird niemals fähig sein, anders als unter der Leitung des weihen Mannes in Frieden zu leben, zu arbeiten, Werte zu schaffen. Wohl ist die Unruhe auch ins schwarze Afrika eingezogen, auch als eine Folge der Kriegsverwendung Schwarzer. Hier aber wird nie von etwas anderem die Rede sein können, als von der Bewahrung der Autorität der Weißen. ----------------------------- j Taten für Sonntag. 23. März. (Sonnenaufgang: 5.58 Uhr, Sonnenuntergang: 18.17 Uhr. — Mondaufgang, 3.44 Uhr, Monduntergang : 10.31 Uhr. 1842: der französische Schriftsteller Henry Deyle (Stendhal) in Paris gestorben. Taten für Montag, 24 März. 1844: der dänische Bildhauer Albert Thor- waldsen in Kopenhangen geftorben. — 1882: der amerikanische Dichter Henry Wadsworth Long- felloto in Cambridge gestorben. — 1905: der französische Schriftsteller Jules Verne in Amiens gestorben. Namen der Gerechtigkeit gebrochen worden. Keine Lüge war zu schlecht, um angewendet zu werden. ... Europa ist heute nur dem Namen nach christlich. In Wirklichkeit betet es den Mammon an.“ Dies ist die Stimmung, aus der heraus solche Beschlüsse zustande kommen, wie die der Versammlung von Lahore. Es fehlen auf ihr die indischen Mohammedaner, es fehlen die Vertreter der immer noch vorhandenen gemäßigten Richtung unter den Hindus, und es fehlen bie von England abhängigen indischen Fürsten. Ein anderes, sehr wichtiges Element, auf das England bisher fest bauen konnte, die Sikhs in Nordwestindien, hat aber auf einem besonderen Kongreß seine Zustimmung erklärt. Das Gefühl der Deputierten in Lahore und der um sie versammelten Massen gegenüber den Engländern ist dieser Art. Jene, die unsere Herren sein wollen, sind schlechter als wir, und wir halten, auch ohne Waffen, ein Mittel in der Hand, vor dem sie Furcht haben müssen Streik und Boykott! Es wäre undenkbar gewesen, daß vor dem Kriege ein indischer Nationalkongreh aus diese Weise sich hätte versammeln und auf diese Weise beschließen dürfen Indien für die Inder, fort mit der Fremdherrschaft! Nicht die Einzelheiten, nicht was an politischen Deklamationen und Beschlüssen jetzt von beiden Seiten geschieht, sind das Entscheidende, sondern entscheidend ist, daß die „farbigen“ Völker Asiens eine von Grund auf umgewandelte seelische Einstellung gegenüber dem Europäer gewonnen haben, und daß sie sich ihrer Abwehrkräfte bewußt geworden sind. Beides ist nicht mehr rückgängig zu machen, beides treibt jetzt die Entwicklung ununterbrochen weiter. Was in Lahore geredet und beschlossen wird, das liest am nächsten Tage der Chinese in Kanton und Nanking, das liest der Malaie in Batckvia und Surabaja, das lieft der Aegypter in Kairo und Alexandrien — und sie alle haben das Gefühl der Solidarität und der gemeinsamen Kräfte. Jetzt eben haben die Wahlen zum ägyptischen Parlament eine Siebenachtel- Mehrheit für die englandfeindlichen Nationalisten ergeben. Der ägyptische König Fuad, der im Einvernehmen mit England „regieren“ möchte, hat vor anderthalb Jahren das Parlament nach Hause geschickt, um selber ägyptische Politik zu machen. Auf drei Jahre — so ließ er damals verkünden. Erst die Hälfte der Zeit ist abgelaufen. und Fuad konnte nicht länger wagen, die Wiederberufung des Parlaments zu verweigern. Auf Java hat die holländische Verwaltung noch im letzten Augenblick Wind davon bekommen, daß am Neujahrstag Unruhen unter den Eingeborenen ausbrechen sollten. Die javanischen Nationalisten nennen sich Kommunisten und sie stehen in naher Verbindung mit Moskau. Man hat sechshundert verhaftet. Das nächstemal wird man sechstausend verhaften müssen — und dabei ist das holländische Regiment in Java und Sumatra bisher immer noch besser mit den EinAm 24. März sind es 25 Jahre seit dem Tode Jules Dernes, dessen utopistische Romane einst die halbe Welt in Atem hielten Seine Phantasie, gepaart mit technischem Wissen, ahnte bereits vor 50 und mehr Jahren Erfindungen voraus, die erst unser Jahrzehnt verwirklichte. Immerhin, wenn er uns heute besuchte, selbst sein prophetischer Geist würde wohl über das Tempo der technischen Entwicklung staunen. — Jules Berne 1930: „Na, ein bißchen weit habt ihr es ja wohl gebracht! Hoyers Geständnis. Er hat den Schutz abgegeben, um Schulte vor der Festnahme zu schützen WEN. Frankfurt a. M., 21. März. Der an dem Mord des Polizeioberwachtmeisters Kern mttverdächtige Her mann Hoher hat heute bei seiner Vernehmung nach kurzem Leugnen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Hoher gibt an. daß er die Absicht gehabt habe, seinen Komplizen zu schonen, und er habe deswegen anfänglich geleugnet. Das erdrückende Beweis- material lieh ihm jedoch keinen Ausweg mehr. Er gestand, dah er den Schuh abgegeben habe, bestreitet aber, die Absicht gehabt^ zu haben, den Oberwachtmeister Kern zu töten. Als der Schuh gefallen sei, batten sie unmittelbar die Flucht ergriffen. Der Grund, warum er auf Kern geschossen habe, sei der gewesen, dah er Schulle vor der Festnahme schützen wollte. Noch eine dritte Verhaftung. Am 20. d. M. ist ein Landwirt in Scheuerfeld bei Betzdorf auf Grund eines hiesigen richterlichen Haftbefehls fe ft genommen und der Frankfurter Kriminalpolizei zugeführt worden. Die kriminalpolizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß er Schulle und Hoher drei Tage beherbergt hat, obwohl er wußte, dah sie als Täter für die Mordtat an Kern gesucht wurden. Er hat auch zugegeben, die Tatwaffe vor einigen Wochen an Hoher verkauft zu haben. Weiter haben die bisherigen Ermittlungen ergeben, dah Schulle und Hoyer vor und nach der Mordtat schwere Eigentumsdelikte verübt haben. Aus dem Alsfeioer Sia)tvorstand. H Alsfeld, 19. März. Stadtvorst a n d s f i h u n g. 3n der am Dienstag stattgehabten Sitzung beschäftigte man sich zunächst mit der Herstellung der Provinzial- strahe Alsfeld — Altenburg. Diese soll nach dem Vorschlag der Provinzialdirektion mit einer sog. Halbtränkdecke mittels Teerverfahrens versehen werden. Aach dem Kostenanschlag der Provinz beträgt der Anteil der Stadt dazu 5891 Mk. Cs wurde beschlossen, sich zur Aeber- nähme des städtischen Kostenanteils bereit zu er- Ilären. Die Umleitung der Kraftpostlinie Alsfeld —Zella ist aus Interessentenkreisen angeregt worden dahingehend, dah der Verkehr dieser Linie künftig über die Orte Münch- Leusel, Heidelbach, Holzburg, Schrecksbach, geleitet werden soll, vorausgesetzt, dah die Gemeinden sich an der Garantiesumme anteil- mähig beteiligen. Der Stadtvorstand erklärte sich mit der beantragten Umleitung einverstanden, ebenso mit der dadurch bedingten Erhöhung der Garantiesumme der Stadt Alsfeld von 11845 Mark auf rund 13 000 Mk. Ausbau einer Wohnung im Nebengebäude des Posthausneubaues. Da die für den Postneubau voranschlagsmähig vorgesehenen Mittel aufgebraucht sind, wurde bis jetzt die vorbezeichnete Wohnung nur im Rohbau sertiggestellt. Nachträglich hat sich die Post- verwaltung bereit erklärt, der Stadt zum Ausbau der Wohnung ein Darlehen von 4700 Mk. -zu gewähren, dessen Verzinsung und Tilgung die Rcichspostverwaltung übernimmt, wofür sie auch die Miete für die zu erstellende Wohnung erhält. Der darüber vorgelegte entsprechende Darlehensvertrag wurde genehmigt. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende bekannt, dah nach einer Mitteilung des Reiter« Vereins für den Kreis Alsfeld die seither im Zusammenhang mit dem Prämienmarkt stattgefundene reitersportliche Veranstal- t u n g in diesem Fahre ausfalle. — Am Schlüsse der öffentlichen Sitzung gab es eine Theaterde b a t t e, die sich zeitweilig sehr lebhaft gestaltete und die sich auf die Vorstellungen des Giehener Stadttheaters in Alsfeld bezog. Cs wurde zum Teil scharfe Kritik an dem kürzlich aufgeführten Stuck „Die heilige Flamme ' geübt, sowie an dem Spielplan überhaupt. Der Vorsitzende trat der Kritik entgegen, die er als nicht berechtigt erklärte. Man werde für die nächste Winterspielzeit in Alsfeld eine Kommission bilden, der die für Alsfeld vorgesehenen Theaterstücke vor der Aufführung vorzulegen sind, wie dies auch in anderen Städten der Fall sei. 25000 Zigaretten gestohlen II Marburg, 20. März. Zn einem hiesigen Tabakwarengeschäft wurden nachts 25000 Zigaretten im Werte von etwa 1500 Mark gestohlen. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Durch einen etwas mehr als fingerbreiten Bentilationsfpalt am Schaufenster eines Modewarengeschäfts wurden ferner mit einem Draht sechs Paar Seiden st rümpfe herausgeangelt. Oberbürgerme sterwahl in Fulda. WSA. Fulda, 21. März. Die Stadtverordnetensitzung wählte das Mitglied des Magistrats Dr. Franz Danzebrink zum Ober- Kreistag in Wetzlar. 607000 Ml. für Straßenbauzwecke im Rechnungsjahr 1930. - 200000 Ml. für Kleinwohnungsbau. JJ Wetzlar, 20. März. 3n der gestrigen Sitzung des Kreistage-, die unter dem Vorsitz des Landrats M i h stattfand, führte dev Vorsitzende zunächst den an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Kreistagsabgeordneten Pfarrer Bausch, Krofdorf, getretenen Ersatzmann Landwirt Karl Friedrich Stroh, Reiskirchen, in sein Amt ein. Sodann gab der Vorsitzende davon Kenntnis, dah der Oberpräsident den als Kreis- deputierten gewählten Kreistagsabgeordneten, Geschäftsführer Fischer (Soz.), Wetzlar, bestätigt habe. An Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Pfarrers Bausch, Krofdorf, der verschiedene Ehrenämter bei der Kreiskommunalverwaltung bekleidete, wurden gewählt: a) als Kreisdeputierter Rechtsanwalt Dr. Schauen (Arbeitsgemeinschaft), Wetzlar: b) als Mitglied des Kreisjugendamtes Kreistagsabgeordneter Langsdorf (Arbeitsgemeinschaft), Groß-Rechtenbach: c) als Mitglied der HauszinssteueHjommission Brunnen- besitzer Broll (Arb.-Gem?), Diskirchen: d) als Mitglied des Ueberwachungsausschusses der Aufbauschule Landwirt Karl Friedrich Stroh (Arb.- Gem.), Reiskirchen. Als Vertrauenspersonen für den zum Zwecke der Auswahl der Schöffen und Geschworenen zusammentretenden Ausschuß wurden gewählt: für das Amtsgericht Wetzlar: Rechtsanwalt und Notar Dr. Schauen, Wetzlar; Landwirt Spieß, Hohensolms: Orlsgerichts- vorsteher Kunz, Nauborn: Hauptlehrer Watz, Klein-Altenstädten: Schreiner Albert Wagner, Gleiberg, und Arbeitsamtsvorsihender B ä r - winkel, Wetzlar: für das Amtsgericht Fronhausen: Herr Rollshausen, Salzböden. Wegen der Unterhaltung des Kreis- straßennehes hatte die Kreisverwaltung den Kreistagsabgeo.dneten eine ausführliche Denk- schritt 7Uirfte I ; in Verbindung hiermit wurde das Slrahenbauprogramm für das Jahr 1930 beraten. Das von der Verwaltung vorgelegte ordentliche Slrahenbauprogramm wurde vom Kreistage unverändert angenommen. Hiernach werden an Kreisstrahen Arbeiten mit einem Gesamtkostenaufwand von 93 000 Mk. und an Gerneindestraßen solche mit einem Kostenaufwand von 154 000 Mk., zusammen 247 000 Mk. im Rechnungsjahr 1930 ausgeführt. Außerdem werden an Provinzialstraßen Arbeiten im Werte von 360 000 Mk. ausgeführt, die jedoch zu Lasten der Provinz gehen. Außerhalb des ordentlichen Straßenbauprogrammes beschloß der Kreistag, in diesem Fahre nur noch diejenigen Arbeiten (Kleinpflasterungen) auszuführen, für die das erforderliche Material bereits angefvhren ist. Der Ausbau und die Erweiterung der Straße Dom Block Dorlar bis Dutenhofen mußte zurückgestellt werden, weil er eine Erhöhung der Kreissteuern im Gefolge gehabt hätte, die unbedingt vermieden werden soll. Die Kreisstrahen- bauverwaltung wurde beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten, welches die gerade Strahenfüh- rung vom Block Dorlar bis an das Allendorfer Wäldchen, der Bahnlinie entlang, vorsieht, um dort in die Provinzialstrahe Wetzlar—Gießen einzumünden. Ein Antrag der sozialdemokratischen Kreistagsfraktion, den durch die Zurückstellung des Straßenbaues vom Block Dorlar bis Dutenhofen eingesparten Betrag von 120 000 Mk. zum Dau der Umgehungsstraße bei Diskirchen zu verwenden, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Zur Förderung des Kleinwohnungsbaue» wurde die Aufnahme eines Darlehens von 2 0 0 0 0 0 M k. zu einem Zinssätze von 5Vr Prozent bei der Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz zu Düsseldorf einstimmig beschlossen. Die Rechnung der Kreiskommunalkasse für das Rechnungsjahr 1928 wurde wie folgt festgestellt und entlastet: a) in Einnahme auf 4110 510,69 Mk., b) in Ausgabe auf 4 071 999,99 Mk., c) der Destand auf 38 510,70 Mk., d) die einziehbaren Einnahme- reste auf 19 020,17 Mk., e) die Sonderrechnung auf 216 451,92 Mk. Der Antrag der „Arbeitsgemeinschaft für Stadl und Land" auf Wahl einer Kommission zur Prüfung der Kreis- kvmmunalkasse und der Rechnungen des Kreiskommunalverbandes wurde abgelehnl. Die Ermäßigung der Kreis-Fagd- steuer für Ausländer von 30 Prozent auf 20 Prozent wurde einstimmig abgelehnl. Die Abgabenordnung über die Erhebung von Vorausleistungen für die Wegebau- unlerhaltung im Kreide Wetzlar wurde aus formalen Gründen geändert. Am Schlüße der Kreistagssihung wurde noch ein Dringlichkeitsantrag der Arbeitsgemeinschaft auf Abgabe von Laub st reu aus den Gemeindewaldungen eingebrachl.Der Antrag sah die generelle Genehmigung der Streu- laubabgabe durch den Regierungspräsidenten für den ganzen Kreis vor und wurde von dem Kreistagsabgeordneten Langsdorf, Groh- Rechtenbach im einzelnen begründet. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Der Landrat wurde beauftragt, bei dem Regierungspräsidenten entsprechend vorstellig zu werden. bürgermeister der Stadt Fulda. Der Gewählte ist 31 Fahre alt und seit vier Jahren in der Stadtverwaltung von Fulda tätig. Veruntreuungen bei einer Mainzer Finanzkasse. WSN. Mainz, 21. März. Der bei der Finanzkasse 3 beschäftigte, verheiratete 33 Fahre alte Angestellte Hessel von hier hatte bei Steuerpflichtigen Kirchen- und andere Steuern einkassiert, ohne hierzu berechtigt zu sein. Er hatte die Quittungen mit dem Namen eines Steuererhebers unterzeichnet und die einkassierten Gelder für sich behalten. Auf diese Weise waren ihm 5900 Mark in die Hände gefallen. Hessel, der bei seiner Verhaftung seine Verfehlungen zugab, wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Rundsunkproaramm. Sonntag, 23. März. 7 bis 8.15: Von Hamburg: Hafenkonzert. 9 bis 10: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Landeskirche Frank'urt a. M. 10: „Zurück zur Erde". Vortrag von Cxz. Pros. Arturo Marescalchi, Unterstaatssekretär beim italienischen Ministerium für Land- und Forst- wirtfchaft. 11: Erziehung und Bildung: „Arbeit und Freiheit im Erziehungsheim", Vortrag von Direktor Lindner, Rengshausen. 11.30: Eltern- stunde. „Ueber Schülerbriefwechsel und Schüler- auslausch", Vortrag von Oberstudiendireltor Dr. Richard Oehlert, Frankfurt a. M. 12: Stunde der Bühne. Wilhelm Groß spricht anlählich der Uraufführung über seine Oper „Achtung, Aufnahme?" 12.20: Stunde des Chorgesangs. 13.30: Stunde der Jugend. „Die Geschichte von dem kleinen Muck" (Wilhelm Hauff). 14.30: Stunde des Landes. 15: Das Land spricht zur Stadt. „Die Milchversorgung der Großstadt", ein Dreigespräch zwischen Erzeuger, Milchwirtschäftler und Verbraucher. 15.35: Aus Heidelberg: Hockey- Weltspiel Süddeutschland — Brandenburg um den Silberschild. 16.20: Szenen aus „Carmen", Oper in vier Akten von G. Bizet (auf Schall- platten). 17.30: Marieluise Fleiher liest aus eigenen Werken. 18: Stunde des Rhein-Maini- schen Verbandes für Volksbildung: ..Karl Sonnenschein, seine Persönlichkeit und sein Werk", Vortrag von Universitätsseelsorger Dr. Vielen, Frankfurt a. M. 19: Sportreminis'enz. 20: Von Stuttgart: Der getreue Musikmeister. Komische Oper in zwei Aufzügen von Giov. Ball. Pergo- lese (1710 bis 1735). 21.15: Von (Stuttgart: Ballade und Melodram. 22: Von Stuttgart: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 23.30 bis 0.30: Tanzmusik. TUonfag, 24. März. 10 bis 10.35: Von der Deutschen Welle Berlin Schulfunk „Staatssekretär a. D. Dr. Bredow spricht zur Jugend". 12.30: Schallplattenkonzert: Vergleichen Sie...! 13.45 bis 13.55: Schallplalten zur Demonstration der Störquellen. 15.15 bis 15.45: Stunde der Fugend: „Wanderungen eines deutschen Seemannes durch die Fnseln Neu- Seelands". 16 bis 17.45: Nachmittagskonzert. 18.05: „Aus der Praxis der Arbeitsgerichte", Vortrag von Ernst Nentwig vom Gewerkschaftsbund der Angestellten. 18.35: Von Stuttgart: „Chilenische Landwirtschaft", Vortrag von Professor A. Matthei, Berlin. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: „Organisation der Störungsbekämpfung und die gesetzlichen Handhaben" Vortrag von Dr. Wilhelm Schüller. 19.40 Uhr: Elftes Montagskonzert. Dritte Sinfonie in v-Moll für großes Orchester, Altsolo, Knaben- und Frauenchor, Gustav Mahler. 21.30: Nachtschutz der Großstadt. Dienstag, 25. Marz. 13.30: Schallplattenkonzert: Wunsch-Konzert. 15^5 bis 15.45: Stunde der Fugend. Wanderburschen erzählen Dr. Laven von ihrer Fahrt. 16: Hausfrauen-Nachmittag. 17 bis 17.45: Aus Mannheim: Nachmittagskonzert der Kapelle Otto Gellert. 18.05: Bert Schiff liest aus seinen Werken. 18.35: „Sechzehn Fahre als deutscher Arzt auf Sansibar", Vortrag von Sanitätsrat Dr. Friedrichsen, Bad Neuenahr. 19.05: Von Stuttgart: „Wandlung der Fugend 1900 bis 1930", Vortrag von Dr. H. Roeseler. 19.30: Oper auf Schallplatten. Fn der Besetzung des Teatro alle Scala, Mailand: Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in zwei Akten von Cesare Sterbini. Musik von Gioacchino Rossini. 21.30: Zeitberichle. Das zweite Kabinett Tar- dieu stellt sich der französischen Kammer vor. 22.10: Konzert. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 23. März, 15 bis nach 17.30 Uhr: Das Land des Lächelns: 19.30 bis gegen 22 Uhr: Achtung! Ausnahme!, vorher zum ersten Male: Petrouschka. Montag. 24. März, 19.30 bis nach 22.45 Uhr: Aida. Dienstag, 25. März, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Die Afrikanerin. Mittwoch, 26. März, 20 bis 22.30 Uhr: Tiefland. Donnerstag, 27. März, 19.30 bis nach 22 Uhr: Das Land des Lächelns. Freitag, 28. März: Geschlossen. Samstag, 29. März, 19.30 bis 22.30 Uhr: Der getreue Musikmeister: hierauf: Petrouschka: zum Schluß: Achtung, Aufnahme! Sonntag, 30. März, 15 bis 18 Uhr: Die Fledermaus: 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Fndigo. Montag, 31. März, 19.30 bis 22.15 Uhr: Amelia oder Ein Maskenball. Schauspielhaus. Sonntag, 23. März, 16 bis gegen -18.15 Uhr: Katharina Knie: 20 bis gegen 22 Uhr: Die neue Sachlichkeit. Montag. 24. März, 20 bis gegen 22 Uhr: Brülle China. Dienstag, 25. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Zum ersten Male, Uraufführung: Schwingen über Europa. Mittwoch, 26. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Schwingen über Europa. Donnerstag, 27. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Freitag, 28. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Samstag, 29. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Schwingen über Europa. Sonntag, 30. März, 15.30 bis 17.45 Uhr: Wilhelm Sell; 20 bis gegen 22 Uhr: Die neue Sachlichkeit. Montag, 31. März, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Straße. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 23. März. Dtuli. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Schlaudraff; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde, Pfarrer Schlaudraff; 18: Pfarrer Becker, Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus« und Morkusgemeinde. — Johanneskirche. 9.30: Psarer Bechwlsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeindc, Pfarrer Bechtolsheimer; 18: Pfarrer Ausfeld; 20: Bibel- besprechung im Johannesjaal, Pfarrer Schlaudraff. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 11: Kinderkirche, Pfarrer Lenz. — Ettjabeth-Klein- kinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche. — Alten-Dufeck. 10; 6. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 13.30: Mainzlar. — hau- sen-Garbenleich. 9.15: Garbenteich, Feier des hl. Abendmahls; 11: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 13.15: Hauptgottesdienst, Pfarrer Steiner, Hausen. — Lich. 10: Stistsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Pfarrvikar Draudt. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; anschließend hl. Abendmahl für die männliche Jugend; 11: Kindergottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 22. März. Gießen. 16.30: und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 23. März. 3. Fastensonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe, Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45. Messe mit Predigt. — Hungen. . 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Dienstag, den 25. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Freitag, den 28. März. Gießen. 18.30 Uhr: Fastenandacht. Sounkaassienst o. Aerikc u. ttvotbeken am 23 3 0 (3x1. Dr. Gürtler. Dr. Ploch. Pelikannvoibekc. .iabnarzt: Dr. Baum. 'D Ingenieurschule Technikum Lage (Lippe). Der Unterricht im Sommersemester beginnt am 29. April 1930. Ausgenommen werden junge Leute mit einer mindestens einjährigen praktischen Tätigkeit in dem Fachgebiete, in dem sie sich zum Ingenieur ausbilden lassen wollen. Auf Anfrage wird der ausführliche Lehrplan kostenfrei zugesandt. Das Sekretariat ist gern bereit, über evtl. Unklarheiten beim Jngenieurstudium Aufklärung zu geben. ioeiv -- Was ist Laxin? Laxin ist ein milde wirkendes Mittel zur Regelung des Stuhlganges und zur Ber- Hütung von Verstopfung, das als wohlschmeckendes Konfekt das Angenehme mit dem Nützlichen ver- bindet. 2228v Ludwig Heumann Pfarrer Heumann-Heilmittel erhalten Sie Pfarrer Neumann s Heilmittel bewährt bei zahlreichen Krankheiten. 180000 Dankschreiben. Das Pfarrer Heu« mann-Buch(272S^150Abb.) jeder, der sich auf dieses Inserat beruft, völlig umsonst u. portofrei durch & Co., Nürnberg S 7. 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Hessische Bürgermeisterei Wetterfeld. Krauß. DER KLASSISCHE DI ES EL-MOTOR_ Angebot Qualitäts- Arbeit! Grundk pital RM 8 200000 Reserven „ 9425 896 Jagd-Verpachtung. Die Gemeindejagd Rabertshäusen 1 und II soll Samstag, den 29. Mär; 1930, nachmittags 3 Uhr. nochmals unter den bei der Verpachtung bekanntgegebenen Bedingungen im Schulsaal verpachtet werden 2403V Rabertshausen, den 21. März 1930. Hessische Bürgermeisterei Rabertshausen. Reichhardt. ModehausNowack Bekanntmachung. Dienstag, den 25. März 1930, findet Rindvieh- (Nutzvieh ) Markt statt; sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Auftriebszeit am Markttage von 17s bis 8‘/a Uhr vormittags. Der nächste Schweinemarkt findet Wir haben unsere Photographischen Ateliers jeden Sonntag von 10—3 Uhr geöffnet Karl Borst. Babnbolstr. 61. F. Kuno Borst, Jobannesstr. 11, E. Bürck. Seltersweg 60, L. Uhl, Frankfurter Straße 5, D. Schuchhardt, Diezstraße 4. Chr. Zimmer. Goetbestraße 25 20/9A Gießen Fürsorge-Sprechstunde für Gemüts- und Seelenleidende. Zwecks Beratung bei (Ertranfungen an Geistes- und Gemütsstörungen sowie daraus folgenden Fragen betr. Vererbung, Eheeingehung, Versorgung, Unterbringung in Arbeitsstellen, Familienpflege oder Anstalten, bzw. Entlassung aus letzteren u. ä. m. ist von feiten der staatlichen und städtischen Behörden des Kreises und der Stadt Gießen eine Fürsorgestelle mit Beratungssprechstunde durch einen Facharzt für Psychiatrie eingerichtet. 2366t) Diese Beratungssprechstunde für Gemüts. und Seelenleidende wird vorläufig einmal im Monat, und zwar jeden Zweiten Mittwoch, nachmittags 4 bis 5 Uhr. von Medizinalrat Dr. Frank im Gebäude des Wohlfahrtsamtes, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 12, abgehalten und steht jedem, der in diesen Fragen für sich oder andere Auskunft und Rat bedarf, unent- gelllich zur Verfügung. Gießen, den 18. März 1930. Der Oberbürgermeister — Wohlfahrtsamt Abt. Gesundheitsfürsorgeamt. Bürsten, Besen, Reinigungs-Artikel? Bekanntmachung. Das Fahren der Leichenwagen für die Zeit vom 1. April 1930 bis 31. März 1931 soll öffentlich vergeben werden. 2263C Die Unterlagen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Freitag, den 28. Mär; 1930 vormittags 11 Uhr bei uns einzureichen. Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen. Gießen, den 21. März 1930. Städtisches Hochbauamt: Gravert. StB brauchen zu Ostern ein neues Oberhemd Heizungen aller Art führt preiswert aus Letzte Nutz- und Srennholzversteiaerimgen L Donnerstag, den 27. Mär; 1930, vormittags 10 Uhr, in der Schottschen wirtschaft zu vernsfeld aus den Forstorten Pferdsbacherholz 1, 2, 4, 5, 8, 9, 10, Pfingstweide 1, 3, 7, Müllerberg 1, 2, 3, Lichterwald 1, 2, 3, 6, 7, 8, 10, 11, 12, 13, Buchwald 1 bis 7, Eifenkaute 1, 4, 7, 8, der Försterei Bernsfeld: A. Nutzholz, Stämme Güteklasse N, Eiche: 2. Kl. 1 St. 0,47, 3. Kl. 19 St. 9,52, 4. Kl. 14 St. 8,15, 5. Kl. 7 St. 7,74 ; Eschen: 1. Kl. 56 St. 7,98; Ahorn: 1. Kl. 18 St. 2,39, 2. Kl. 4 St. 1,08; Dirke: 4. Kl. 1 St. 0,78; Kammgarn 140 cm breit, mod. 750 Muster, auch für Kostüme geeignet ■ Burberry 140 cm breit, reine 1050 Wolle, meliertes Kammgarngewebe preußische CeNtral-Bodenkredii- Aktiengesellschaft Zeichnung auf 8000000 GM. 8°/0 Central-Goldpfandbriefe v. 3.1928 — Apr -Okt.-Zinsen — Kündigung frühestens zum 1. Oktober -1934 zulässig. Oie Zeichnung findet statt: vom 26. März bis zum 15. April d. 3. früherer Schluß Vorbehalten in Berlin bei der Kaffe der Gesellschaft, , , Deutschen Bank und Oisconto-Geseltschast, „ dem Bankhause <5. Bleichröder, in Gießen bei der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen. und bei den sonstigen Zeichnungsstellen, Bankfirmen und Sparkassen ,um Kurs- °°n 96,50 Prozent Stücke zu 5000, 2000,1000, 500, 200 und 100 GM. Oie Abnahme der Pfandbriefe kann bis zum 30. April geschehen. Sie werden an der Berliner Börse, auch in Frankfurt (Main), Hamburg, Köln und Leipzig amtlich notiert und bei der Reichsbank in Klasse A beliehen. Stücke können sofort geliefert werden. - Prospekte und Zeichnungs-Formulare sind bei allen Banksirmen zu beziehen. Ole Aufsicht der preußischen Staatsregierung wird durch einen für die Gesell- schast bestellten besonderen Gtaatskommiffar ausgeübt. Äerlin NW. 2, Unter den Linden 48 '49. preußische Central-BodenkredihAktiengesellschast Gesamt-Deckung GM 446 972 835 Gesamt-UmLuf GM 438 770 056 ERNST RAU ÄS ir TÜmam 89 200crnff r.m.ffsp. Füllff. iRn läcmtf.Fttr.undßekldff. I Ml Uli Mk.26.— p.Stück, Haus- i üren.Glasabschlüsse. Fensterladen •• J _ Ar» AS« Prütungsber. Oberrealschule e flCläSOglll IM u. Reform-Realgymnasium n - w , « . m. Internat. Kl. Klassen, kl DÄQ Liebensteifl Fleirn Schularb.unt Anleihzv nach Londorf zu Philipp Schudt in Standorten eingetroffen. Gießen, den 21. März 1930. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Rosenber g. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 18. März 1930 bei der Firma Siea-Lahn-Vergbau-Gesellschafl mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Bergasfessor a. D. Gustav Brockhoff, jetzt wohnhaft in Bonn a. Rhein, ist als Geschäftsführer abberufen und an seiner Stelle Bergassessor a. D. Dr. Erich Böhne in Betzdorf a.d.Sieg zum Geschäftsführer bestellt. Die Prokura des Bergassessors Dr. Erich Böhne ist erloschen. Dem Markscheider Karl Noot in Betzdorf a. d. Sieg ist Prokura erteilt derart, daß er in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer zur Vertretung der Gesellschaft befugt ist. 2374D Gießen, den 19. März 1930. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. Betr.: Das Landgestüt; hier: den Abgang der Landgestütsbeschäler nach den Deckorten. Nach Mitteilung der Landgestlltsdirek- tion sind die Landgestütsbeschälcr für die Deckorte Berstadt, Butzbach, Lich und Grünberg sowie ein staatlicher Lcihhengst C. Röhr & Co. _____ _____/5lA ■ L erhalten Sie sich Illa BJfl<11* schön und voll bei BlflOI läffl. Gebrauch des Echten Brenn- ne*se. haarwawNers nach Hofapo- theker Schaefer. Haarausfall, Schuppen u. Kopf|eckenverschwindeii.Fein parfümiert Flaschen mitbrinffen. */« Liter 0.75 RM.. v, Lit. 1.25 RM. Nur erhältl.Engel-Apote.hek - FT e in kaukas Nußbaum, bpeise-Zimmer p°iet * bestehend aus: Büfett (200 cm, ganz zerlegbar, mit Silberkästen und Marmorschieber), Vitrine (120 cm, mit Tischwäsche-Schrank), Tisch (100/130 cm, ausziehbar, Form halboval), 2 Sesseln und 4 Stühlen (gepolstert)........... Eiche: Nutzsch., gesp. = 4 rm, i. R. = 44 rm; Nutzknüpp. = 44 rm. Nadelholz: Langh. u. Abschn., N, Kl. la = 3,39 km; Kl. 1b = 11,53 km; Kl. 2a = 14,87 km , Kl. 2b = 11,55 im; Kl. 3a = 5,76 km. Derbh.-Stang. 1 = 49 St., II = 125 St., III -- 235 St. Reish.-Stang. 4. = 100 St. Nutzscht. i. R. u. Knüpp. = 81 rm. Auskunft erteilen die Oberförsterei, Förster Melching in FH. Haina (Tel. Oeffentl. Fernsprechstelle FH. Haina, Amt Gießen), Förster Krieger, Hof Haina, Post Rodheim a. d. B. 2b-Kl. 13 St. 10,54, Za-Kl. 17 St 15,15, 3b-Kl. 14 St. 18,46, 4a-Kl 2 St. 2,13, 4b-Kl. 1 St. 1,45; Lärchen: lb-Kl. 1 St. 0,23, 2a°Kl. 4 St. 1,88, 2b-Kl. 7 St. 6,51, 3a-Kl. 3 St. 2,35; weihtannen: 2a-Kl. 3 St. 1,96, 2b-Kl. 3 St. 3,25, 3a-Kl. 2 St. 3,34 fm. Derbffangen, Stück, Eschen: 1. Kl. 9; Sichle. l.Kl. 269, 2. Kl. 62; Ruhscheiter, Elche: 44 rm (1,25 m lang); Ruhreiser (Schichthaufen): 65 rm Eschen. Von dem Kiefernstammholz lagern 30,57 fm 2b- bis 4b-Kl. besserer Qualität in Lichterwald 136. B. Brennholz: Scheiter, rm: 44 Buche, 19 Eiche, 2 Birke, 2 Kirschbaum, 1 Kiefer, 17 Fichte. Knüppel rm: 34 Buche, 46 Hain- Buche, 52 Eiche, 4 Kiefer, 10 Fichte. Reiser 3. kl. rm: 74 Buche, 14 Eiche, Stücke rm: 16 Buche, 2 Eiche, 11 Fichte. II. Freitag, den 28. März 1930, vormittags 9i Uhr, in der Döllschen Wirtschaft zu Rieder - Ohmen aus den Forstorten Mühlberg 6, Oberer Haagkopf, Junger Zwilling 5, 7, Hirzkopf, Linnenstruth 1, 2, Vorderster Köpfel 3 und verschiedenen der Försterei Nieder-Ohmen: Ruhholz, Stämme, Güteklasse N, Eiche: 2. Kl. 6 St. 2,26, 3. Kl. 10 St. 7,17, 4. Kl. 3 St. 2,25; Esche: 2. Kl. 1 St. 0,14 ; Buchen: 3. Kl. 1 St. 0,87, 4. Kl. 7 St. 6,22, 5. Kl. 6 St. 8,89; Fichte: lb-Kl. 1 St. 0,25, 2a-Kl. 5 St. 2,98, 2b-Kl. 2 St. 2,78, 3a-Kl. 1 St. 0,56, 3b-Kl. 3 St. 6,33, 4b Kl. 1 St. 2,83; Kiefer: 2a-Kl. 2 St. 1,12, 2b-Kl. 7 St. 4,17, 3a-Kl. 6 St. 5,27, 3b-Kl. 2 St. 3,09; Lärchen: lb-Kl. 1 St. 0,34, 2a-Kl. 1 St. 0,45, 2b-Kl. 1 St. 0,53 fm. Derb- slangen, Stück, Eichen: 2. Kl. 4; Fichten: l.Kl. 100, 2. Kl. 233, 3. Kl. 462; Ruhschei- ter: 3 rm Fichte (3 m lang); Ruhknüvpel: rm 40; Eiche 8 rm (4 m lang); Deichseln 32 rm (2 m lang), 3 Fichte (3 m lang); Arbeitsvergebung. Für die Feldbereinigung Gonterskirchen sollen auf der Bürgermeisterei zu Gonterskirchen die zur Entwässerung der Horloffwiesen erforderlichen Grabenarbeiten öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei Gonterskirchen offen, woselbst Leistungsverzeichnisse, soweit vorrätig, unentgeltlich zu erhalten und wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin am Mittwoch, dem 2. April 1930, vormittags 11 Uhr. einzureichen sind. Zuschlagsfrist drei Wochen. Freie Auswahl bleibt vorbehalten. 2363V Gießen, den 15. März 1930. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach,' Regierungs-Baurat. Ruhholzversteigerung. Die Oberförfferei Strupbach versteigert am Montag, dem 24. Mär; 1930, nachmittags von IX Uhr ab, bei Wirt Scherer in Bieber aus den Förstereien Königsberg Bandsä^ Blätter vorrätig von 8 bis 40 mm Breite sowie prima Ichwedtiche Bandsäge Feilen Oeberg» EöktlStuna für Hand und Maschine. 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Aus dem umfangreichen Werk des großen plattdeutschen Romanciers ist außerhalb des niederdeutschen Sprachgebiets Hanne Rute, diese köstliche, von feinem, stillem Humor durchsetzte „Dagel un Minschengeschicht" zu Anrecht wenig bekannt. Es wäre zu wünschen, wenn dem die buchtechnlsch wertvolle Ausgabe des Verlages Walter Hae- decke in Stuttgart, die Hermann Quistorf besorgte, abhülfe. Der sehr schöne Danzlederband in Dünndruck kostet 15 Mk. (744.) — Das Weiberdorf. Roman aus der Eifel von Clara Die big. (Derlag Allstein, Berlin). (360). - Eine außerordentlich fesselnde Erzählung, in der die Verfasserin ihre Leser« gemeinde mit dem kunterbunten Leben und Treiben in dem Weiberdorfe in der Eifel bekannt« macht. Die Schilderung der Personen und der Derhältnisse in diesem während der größten Jahreszeit von den Männern entblößten Dorfe, in dem nur die Weiber und das „Pittchen", der einzige daheimbleibcnde junge Mann, Hausen, ist lebendig und fein gezeichnet. Der Roman verrät aufs neue das tiefe Eindringen dieser „Erzählerin der Eifel" in die Psyche der Eifel« bauern, die auf kargem Boden ein ebenso karges Leben führen und sich mit ihren handfesten, derben Belustigungen über die Misere ihres Daseins hinwegyelsen. Der Roman ist «ine unterhaltsame Lektüre für reife Menschen. -- Herbert Eulenberg: Menschen an der Grenze. Roman. Engelhorns Romanbibliothek. Stuttgart. Leinen 3,50 Mk. (95) Die Menschen dieses Romans wohnen an der Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg und viele von ihnen schmuggeln hinüber und herüber. Sie wohnen auch an der Grenze zwischen Recht und Derbrechen, zwischen Dernunft und Irrsinn, — oder wohnen wir alle dort? In diesem Buch wird jedenfalls offenbar, wie schmal diese Grenze ist und wie leicht sich ihre Spur ver- wischt. Eine bunte Fülle echt Eulenbergischer Gestalten tritt uns entgegen, in der Mitte die abenteuerliche Figur des zügellos genießenden Gutsherrn, der des Mordes an seiner dritten Frau beichuldigt wird. Die Aufdeckung des geheimnisvollen Derbrechens — zuerst durch das Gericht, dann durch den Detter des Gutsherrn betrieben — ist der Kern der vielfältig verschlungenen Handlung, in der sich wieder eine Welt des Skurilen, des Mystischen, des Dämonenhaften offenbart, wie nur Eulenberg sie schaffen kann. - Heinrich Manns „Professor Anrat" (Allstein, Berlin). 31. Die tragikomische Erzählung von dem Schulprofessor, für den der Kampf mit seinen Schülern sich zu einem immer leidenschaftlicheren und blindwütiger geführten Kampf gegen die ganze Stadt, die ganze bü^ gerliche Gesellschaft auswächst, erschüttert auch heute noch durch die starke Fülle scharf beobachteten Lebens. — Meta Schneider - Weckerling: Cornelia Goethe. Roman in Tagebuchblättern. 301 Seiten 8° mit 12 Tafeln. Erstes bis drittes Tausend. Geh. 6.—. Eugen Diederichs Derlag, Jena 1930. (736) — Cs ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß die Biographie bedeutender Menschen vielfach auch Leben, Taten und Meinungen von Zeitgenossen der Rachwelt überliefert, die minder beachtet oder längst vergessen wären, wenn^ie nicht eben bei Lebzeiten irgend einmal vom Lichtkreis des Genies gestreift und so in dessen Geschichte mit ausgenommen worden wären: seltener ist der umgekehrte Fall: daß einer zu Anrecht übersehen wurde. Immerhin scheint uns das Derdienst dieses Buches über Cornelia weniger darin zu liegen, daß es der kaum beachteten Schwester des Dichters ein Denkmal seht, als darin, daß in der Gestalt der Heldin die größere Persönlichkeit ihres gebebten Bruders sich spiegelt und so von einer nahen, menschlich-vertrauten Umgebung her angcschaut wird: weniger auch darin, daß hier die Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte eines Mädchens geschildert wird, welches vom Schicksal zum Geschwister eines großen Menschen bestimmt wurde —: als darin, daß in diesen Aufzeichnungen, in denen Phantasie. Einfühlungsgabe und durch Quellen belegte Historie sich glücklich verbinden, zugleich ein anschauliches und kulturgeschichtlich interessantes Bild jener Zeit gezeichnet wird. Hiermit ist übrigens wohl auch die stellenweise Breite und Ausführlichkeit des Romans am ehesten zu rechtfertigen. Die Ver» fässerin gibt in einer Rachschrift einen Aeberblick über das Quellenmaterial: vor allem eine Anzahl Briefe der Cornelia, Aeuherungen Goethes und etlicher Zeitgenossen, Derse von Lenz. Merck, Goethe und einiges andere. 3m ganzen stellt der Roman eine schätzenswerte Bereicherung der rie« sigen Goethe-Literatur dar. - Paul (Buffon: Ditus Dcnloo. Die Geschichte einer Jugend. 25) Seiten 8'*. F. G. Spcidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. (76.) — Buffon hat bereits mehrere vortreffliche Bücher geschrieben: „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte", Roman einer Seelenwanderung, „Die Ferterbuhe' aus der Zeit der Tiroler Freiheitslampfe von 1809, und „Sylvester", eine Sommcrgeschichte: trotzdem scheint ec uns nicht hinreichend bekannt zu fein, und wir benutzen gern den willkommenen Anlaß, mit einer Anzeige des vorliegenden Werkes ausdrücklich auf diesen Erzähler hinzuweisen. Die Kindheitserzählung „Ditus Denloo" ist ein stilles, vornehmes, durch und durch dichterisches Buch, fern aller Sensation und Aktualität des Tages, aber auf jeder Seite gespeist vom lebendigen Blutstrom eigensten Erlebnisses. Hier ist die Schilderung einer Knabenzeit, in der gewiß jeder besinnliche Leser etwas Verwandtes finden wird, — einer 3ugend mit aller Zartheit, allem Geheimnis, allem Glück und Leid der ersten Begegnung mit dem Leben und den noch unbegriffenen Wundern der Welt. Wir möch« len den Roman neben die schöne Erzählung „Untenn Rad" von Hermann Hesse stellen, und wir wünschen, daß sie bald ebenso bekannt werde wie jene. — Hubert E. Gilbert: Landsknechte. Roman. 404 Seiten 8°. Leinen 7,80 Mk. Adolf Sponholtz, Verlag, G. m. b. H., Hannover. (65.) — Auf dem Umschlag steht: das Buch des deutschen Offiziers nach dem Kriege: eine Bezeichnung, die sich nach der Lektüre als reichlich anspruchsvoll erweist: es wäre bescheidener gewesen, vom Schicksal eines deutschen Offiziers zu sprechen, welches hier geschildert wird, aber keineswegs typisch zu nennen ist. Es wird dar- gestellt das Leben eines Fronthauptmanns, der aus dem Kriege nicht mehr in den Frieden und ins bürgerliche Leben zurncksinden kann und aus seinem Landsknechttum heraus ein Abenteuer auf eigene Art wird. Er ist ein Fanatiker der starken Faust, der Gewalt und der Waffe: er sucht dem Lande auf seine — primitive — Art , zu dienen, guten Willens, aber mit unmöglichen | — Wachsende Schwierigkeiten. Vergebliches Ringen vor Compiegne, Villers-Cottc- rets und Reims. Band 33 der vom Reichsarchiv herausgegebenen Schriftenfolge „Schlachten des Weltkrieges". Bearbeiter. Major a. D. Thilo v. Bose. Druck und Derlag von Gerhard Stal- ling, Oldenburg i. O. Preis in Halbleinen 5,50 Mk. (32) Als Fortsetzung des Bandes 32 schildert der vorliegende Band den Ausgang der großen Soissons-Offensive im Frühjahr 1918 und ihren allmählichen Ausllang im Stellungskrieg. Am Schluß des vorigen Bandes war der Höhepunkt des Angriffes geschildert, die Hoffnung auf das Erreichen des großen Zieles schon in greifbare Rähe gerückt. Wieder standen deutsche Truppen nach stürmischem Siegesläufe an der Marne. Doch wiederum sollte es ihnen nicht beschieden sein, den Erfolg zum entscheidenden Siege zu gestalten. Der eine Zweck der Overation war erreicht.' von allen Seiten waren die Reserven der Derbündeten herangezogen, in den Kampf geworfen und in feinem wilden Strudel verschlungen worden: noch fehlte aber zum endgültigen Erreichen des Zieles eine zur Abwehr geeignete Front. Diesem Zwecke waren die Kämpfe der ersten Tage des 3uni gewidmet: Die Linie Crepy - en - Dolois — Chateau-Thierry — Marne bei Cpernay sollte erreicht werden. Aber bereits die nächsten Kampftage ließen erkennen, daß die französische Abwehr soweit erstarkt war, daß mit den vorhandenen Mitteln dieses Ziel nicht mehr zu erreichen war. Ein Schicksal voll tiefer, innerer Tragik. 3n heldenmütigem Ringen erschöpft sich Vie Kraft der Truppe. Sie schlägt den Feind und wirft ihn weit nach Süden bis hinter die Marne zurück und kann doch das Endziel nicht erreichen, den Weg für die Entscheidung zu öffnen. — Was w i r vom Weltkrieg nicht wissen. 3m Auftrage der Weltkriegsbücherei herausgegeben von Friedrich Felger. Wilhelm Andermann, Verlag, Berlin W15. 3n Ganzleinen 38 Mk. (734.) — Groß ist dos Versprechen, das dieses Werk all den Kreisen macht, die ihm wissens- und erlebnishungrig entgegen- sehen. Soeben erst ist eine große Sturmwelle von Weltkriegsliteratur über uns hinweggebraust. Man hat den Krieg gedreht und gewendet, ein Teilchen dort, ein Teilchen hier davon sich her- ausgepslückt. 3m wesentlichen drehten sich alle Erörterungen um dasselbe. Man mußte sehr suchen, um irgendwo doch etwas Reues zu finden. — Mein Leben als Entdecker. Von Roald Am un d s en. (Derlag C. P. Tal & Co., Wien VII. G«bd. 8 Mk. — 671.) — Roald Amundfen. der gr.ße Forscher, erzählt hier schlicht und einfach seinen Leoensgcmg. Man kann dem Dersafser von seiner 3ugendzeit aus folgen und alle seine Expeditionen von der Rordwestpafsage über die Eroberung des Südpols bis zur Heber« fliegung des Rordpols mitmachen. Auch über den italienischen Gernegroß General Robile ersährt man in diesem Buche allerlei interessante, aus eigenem Erleben Amundsens gegebene Ausschlüsse, die für den italienischen Prahlhans recht wenig schmeichelhaft sind. Diese Autobiographie des begeisterten Forschers und großen Menschen, der 1928 fein Leben wieder einsehte und es verlor, als er in edler Menschlichkeit zur Rettung des ihm vorher so übel mitspielenden Robile herbeieilte, ist von tiefem Eindruck auf den Leser. Die lebendige und oft temperamentvolle Schilderung, in fein geschliffener Sprache geschrieben, fesselt vom Anfang bis zum Ende in höchstem Maße. Ein Rachwort des Prager Professors Dr. Dehounek, eines Gefährten Robiles auf dessen tragischem Rordpolflug, beschließt das wertvolle Buch, dem ein bevorzugter Platz im guten Bücherschrank gebührt. — 11 m b e r t o Robile : 3m Luftschiff zum R o r d p o l. Die Fahrten der „3ta(ia“. 383 Seiten 8" mit 43 Abbildungen und 2 Kartenskizzen. Ganzleinen 9 Marl. - Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin SW 29, Abteilung Lustfahrt-Verlag. — (45) - Dies ist Robiles Verteidigungsschrift, seine Rechtfertigung gegen die .seinerzeit, nach der verunglückten Expedition, in aller Welt gegen ihn erhobenen, schweren Anklagen: zugleich ein ausführlicher Bericht über den Zweck und den gesamten Verlaus des Flugs in die Arktis, der anschaulich geschrieben und fesselnd zu lesen ist. Das Buch ist eine bemerkenswerte Ergänzung zu dem etwas früher erschienenen (und von uns bereits besprochenen) Bericht des Prager Professors Behounek: aus der Lektüre beider Werke wird sich jeder Leser sein Urteil über die Expedition, ihren Führer und die übrigen Teilnehmer, selbst bilden müssen. — 3ndianerland. Bilder aus dem Gran Chaco. Bon Professor Dr. Hans Krieg. 140 Seiten 8". Mit 26 Tafelbildern nach Photos, 73 Zeichnungen des- Verfassers und einer Karte. Geh. 4.50, Leinen 6,80 Mk. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart. (38) — Der Verfasser dieses Buches, Direktor der Zoologischen Staatssammlung in München, war der Führer der erfolgreichen Expedition, die 1925 z27 den Gran Chaco durchquerte. Dieses weite Gebiet zwischen Argentinien, Bolivien und Paraguay ist 3ndianrr» Mitteln. Er wird Freikorpsführer im Osten, gerät in den Kapp-Putsch hinein, muß nach Polen fliehen, wird ausgewiesen, tritt nach abermaliger, abenteuerlicher Flucht in die Rote Armee ein und kämpft auf dieser Seite gegen die Polen. Der Roman ist spannend zu lesen und sicherlich aus eigenem Erleben gespeist. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß der Stoss heute nicht mehr viel 3nteresse beanspruchen kann, und daß einem der recht rüde Lands- lncchtston, dessen sich die Schilderung vielfach mit Behagen befleißigt, auf die Dauer doch erheblich auf die Rerven fällt. Run kommt dieses reich Uluftrierte Buch, das man wie eine von einer einzigen Feder geschriebene Erzählung liest, obwohl 36 verschiedene Begutachter und Zeugen des Weltkrieges hier ihr besonderes Willen um die Dinge niederlegen. Das Außergewöhnliche tritt ein. 3edes Kapitel dieser „Kriegsgeschichte in einem Band" steigert die Spannung, weil immer von neuem wieder ein Schleier von dem fällt, was uns bisher noch von dem Kriegserlebnis verborgen war. So spinnt sich nun schon 3ahre lang um eine deutsche Frau im 3n- und Ausland Sage um Sage. Es ist „Mademoiselle Docteur“, die deutsche Meisterspionin, „die Königin der Spionage", wie die Franzosen sie nennen. 3n diesem Buch tritt sie zum erstenmal selbst an die Öffentlichkeit. Mit Stolz werden die deutschen Frauen lesen, was sie über ihr Wirken an verantwortlicher Stelle berichten kann, mit hoher Anerkennung auch die Frontsoldaten, die hier endlich erfahren, was Sage und was Wahrheit ist. Das ist eine der „Sensationen" des Krieges und — dieses Buches. Dann das Parisgeschüh, die Technik der Flammenwerfer, die Probleme der Tankschlacht, Luftschifskrieg und Flugzeug-Schlachten, ^-Deutschland und Scapa Flow. Bis zu den kleinsten Einzelheiten erfahren wir das Wissenswerte über diese Themen. Darüber hinaus werden die großen Fragen des Krieges von ersten Sachkennern behandelt. Männer wie Generalleutnant a. D. Kabisch, General d. 3nf. a. D. von Eisenhart-Dothe, Oberstleutnant a. D. Garcke, Generalmajor a. D. von Borries, Oberst a. D. Ricolai, Major a.D. von Roeder, Konteradmiral Geyer u. a. beleuchten das Spiel und Widerspiel der hohen Kriegsführung. Der Weg unseres Schicksals wird rückwärts Etappe um Etappe auf- gedeckt. 3n anderen Kapiteln rollt sich der Krieg in der Heimat auf. Sabotage, Kriegszensur, unbekannte Materialnot, Kriegswirtschaft und Rüstungsindustrie, kein Problem des Heimatskampfes bleibt unberührt. Ausgezeichnete Aufschlüsse über die Zermürbung der Heimatfront bringen Archivrat Do'kmann und Dr. Alexander Graf Brockdorff. Selbstverständlich fehlen in diesem gründlichen Werk auch nicht Kapitel wie „Aerzte und Sanitäter an der Front", „Dom unbekannten Heldentum deutscher Gefangener", I„Vom unbekannten Kolonialkrieg" und „Die Parteien im Weltkrieg". Reben 267 interessanten Originalphotographien wird eine große Fülle statistischen Materials geboten. land und wird von den Resten der freien Stämme bewohnt, die durch Salzsümpfe und Urwald vor der Zivilisation geschützt, sich ihre alten Sitten und Gebräuche und ihren Rassenstolz noch bewahrt haben. Krieg hat ihre Dörfer und Hütten besucht und schildert nun in seinem Buche unter Verzicht auf tagebuchmäßige Berichte ihr Leben und Treiben in so ansprechender Form, daß jeder Leser davon gefesselt sein muß. 3ndianer, Weiße, Tiere und der Zauber der tropischen Landschaft fügen sich wie die Szenen eines Films zu einem reizvollen Gesamtbild. Der Verfasser ist ein scharfer Beobachter. Er schreibt einen knappen, lebendigen Stil, bei dem oft ein prächtiger Humor durchklingt, und schmückt sein Buch mit zahlreichen künstlerischen Zeichnungen und einer Anzahl Photos nach eigenen Ausnahmen und denen seiner Begleiter. — Rund um Südamerik a." Don Phil. Bockenheimer. (Derlag F. A. Brockhaus, Leipzig. Gebunden 3,50 Mark.) (393) — 3n diesem Buche, das im Rahmen der guten Brock- hausschen Sammlung „Reisen und Abenteuer" als Band 46 erschienen ist, führt der Dersafser seine Leser durch neue und alte Städte der süd- amerikanischen Staaten, dieses gegensatzreiche Rebeneinander von Glanz und Armut, Zivilisation und Ursprünglichkeit, Fruchtbarkeit und Wüste. Der Autor berichtet dabei über Vergangenheit und Gegenwart jener Länder in sehr interessanter und aufschlußreicher Weise. Das Buch verdient eine gute Empfehlung. — 3n Menschenspuren um dieWelt. Ein Buch der Sehnsucht und der Erfüllung von E. Scheuermann (Brunnen-Verlag, Karl Winckler, Berlin. Gebunden 7 Mark). (474), — Ueberdrüssig der europäischen Zivilisation macht sich ein deutscher Künstler auf, den Menschen zu entdecken. Er reift zusammen mit Auswanderern in der dritten Klasse, und er hat das Herz unö den Blick für die Schicksale von Enterbten. lieber Australien kommt er nach Samoa. Er kennt die Südsee bereits, und beim Wiedersehen vertieft sich ihm der Eindruck: hier liegt das Paradies der Menschheit. 3n den Frieden seines Malerdaseins fällt der Krieg. Scheuermann kommt nach Amerika, wirkt hier als Wanderredner für die deutsche Sache, bis sich die Staaten zu unseren Feinden schlagen und er, zusammen mit feiner mutigen Frau, nach lieber« Windung schwerster Widerwärtigkeiten zurückkeh- ren darf und in der Heimat die Welt, die doch im Grunde die seine ist, findet. Ein Buch, gefüllt mit wunderlichen Menschen und abenteuerlichen Erlebnissen, ein Buch, in dem sich Liebe zur Fremde und Treue zum Vaterland aufs innigste vereinigen. Neue Knegsbücher. Reisen und Abenteuer. Aus fremden Literaturen. — 3ackLondon: .Die glücklichen 3n- fein." 272 Seiten 8J. Brosch. 3 Mk.. Leinen 4 80 Mk. Universitas Deutsche Verlags A. G., Berlin W 50. (77.) — Dieser Band unterscheidet sich von der gesamten übrigen Produktion 3ack Londons durch den Schauplatz seiner Erzählungen: die Hawai-3nseln. London schilderte in den bisher erschienenen Bänden Südseeinseln, in denen eine mörderische Hitze und eine wilde Kannibalenbevölkerung dem Weißen das Leben fast unmöglich machen. Hier zum ersten Mal führt er uns in ein Land, ba5_ unserer sehnsüchtigen Vorstellung von der Südsee wirklich entspricht, in ein Paradies auf Erden, mit dem herrlichsten Klima, der lieblichsten Landschaft und mit Menschen, die durch ihre ungewöhnliche Schönheit und durch die Verbindung von alter Kultur und moderner Zivilisation einen ganz eigentümlichen Reiz ausüben. Der harte Realismus 3ack Londons verbirgt zwar auch hier die Schatten nicht, im wesentlichen aber sind diese Erzählungen ein Loblied auf das herrlichste Land der Erde, das 3ad London in den letzten 3ahren seines Lebens auch am liebsten zu seinem Aufenthalt erkoren hat. — 3ohannes V. 3 e n I e n : 3 ö r g i n c. Eine Erzählung aus alter Zeit. 3ns Deutsche übertragen und mit einem Rachwort versehen von 3ulia Koppel. Reclams Universal-Diblio- thek Rr. 7050. Geheftet 40 Pf., gebunden 80 Pf. (59.) — Der dänische Dichter erzählt ein Frauen- schicksal aus dem Himmerland, dem Rordwesten 3ütlands, wo ein altes, genügsames Bauerngeschlecht den dürftigen Heideboden bebaut. 3ör- gine ist ein Sonnenkind, das überall Frohsinn verbreitet und die Umwelt beglückt, aber nach ihrem eigenen Fall doch von allen verlassen wird. Rur einer nimmt sich ihrer an: der wortkarge Gryhknecht Han'en. Mit ihm erzwingt sie sich in harter Arbeit Wohlstand und Ansehen. Die kleine Erzählung ist eine lesenswerte Darstellung nordischer Menschen und nordischer Landschaft. — Sergei Minhloff: Das Theater des Herrn Pentaurow. Roman. Aus dem Russischen von Oskar v. R i e s e in a n n. Stuttgart 1930, Engelhorns Romanbibliothek. Band 1034'35. Broschiert 2 Mk., Leinen 3,50 Mk. (94.) — Der reiche Pentaurow baut ein Theater, um feine dilettantischen Stücke durch Leibeigene zur Aufführung zu bringen. Die überaus luftige, von prächtiger Charakterkomik getragene Handlung spitzt sich plötzlich dramatisch zu, als der gutmütige Pentaurow stirbt. Rach Ueberwindung zahlreicher Abenteuer von immer größerer Spannung findet die Handlung in einer Doppelhochzeit ihr glückliches Ende. Ein interessantes und amüsantes Sittenbild aus dem alten Rußland. Kunst- und Kulturgeschichte. — Altgermanische Kunst. Don Professor Dr. Friedrich B e h n, Kustos am römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz. Mit 100 Abbildungen auf 48 Tafeln und einer Einführung. 2. Auflage. Kart. 4 Mk. 3. F. Lehmanns Verlag, München. (78.) — Die Kulturbewegung der Renaissance, die das klassische Altertum in seiner ganzen s innverwirren^en Schönheit wieder erweckte, hatte gleichzeitig die Erinnerung an eine reiche, blühende nordische Kunstentwicklung überdeckt. Roch vor gar nicht allzulanger Zeit verband sich bei den meisten Deutschen die Vorstellung von ihren Ahnen mit den Leuten, die am liebsten auf den Bärenhäuten lagen und zu beiden Ufern des Rheins immer noch eins tränten. Eine Kultur wurde den alten Germanen nicht zugebilligt. Erst allmählich besann sich unsere Zeit auf den hohen Wert des eigenen Volkstums. Dank gebührt hier besonders unserem geschätzten Mitarbeiter Professor Dr. Friedrich Behn, der mit seinem soeben in zweiter erweiterter Auflage erschienenen Buch „Altgermanische Kunst" die lange verschütteten Quellen germanischen Kunstschaffens neu zum Fliehen gebracht hat. Der prachtvolle Schmuck der späteren Wickinoerzeit reicht an die schönsten Kunstwerke des klassischen Altertums wohl heran und die Urnen und Gefäße der germanischen Stein- und Bronzezeit brauchen sich vor den Vasen der hellenistischen Epoche nicht zu verstecken. Eine kurze, alles Wesentliche besprechende Einführung von Professor Behn geht den Bildtafeln voraus. Das Buch vermag ’e- dem Deutschen viel Freude zu vermitteln, besonders die Lehrer sollten es sich zunu!-: machen. 3 a c o b Burckhardt, Kulturgeschichtliche Vorträge. Mit einem Rachwort herausgegeben von Rudolf Marx und 20 Abbildungen. (Kröners Taschenausgabe Bd. 53.) Gcschenkausgabe (Dünndruck) 5 Ml. Alfred Krö« ner Verlag, Leipzig. (36) Burckhardt beschäftigten in seiner zweiten Lebnshälste 3ahrz«hnte hindurch allein Vorlesungen und die Vorträge, deren großartige Viclse.t gleit und Tiefe sich in diesem Bande dem ergriffenen Leser offenbart. Das Buch enthält nicht nur die berühmten Vorträge über Rapoleon. Rembrandt, Schiller, Van Dyck, die niederländische Genremal:r.i und das Porträt, sondern sämtliche bisher veröffentlichte, auch die zur Kunstgeschichte. Weg blieben nur einige, die in die „Griechische Kulturgeschichte" eingingen. Zwanzig Abbildungen von We k:n Rembrandts und Dan Dycks wurden beigegeben. — Dr. Viktor Engelhardt: Sie geistige Kultur der Antike. Dritter Teil der Geschichte der geistigen Kultur. Reclams Uni» versal-Biblioihek Rr. 7035 -37. Geh. 1,20, Ganzleinen 2 Mk. (738) — Der Verfasser gibt hier ein groß angelegtes Gesamtbild der antiken Religion, Philosophie und Kunst. Dem Leser wird das Erlebnis eines Kulturkreises vermittelt, der die Grundlage unseres modernen Denkens und Wissens bildet: wir fühlen überall den Lebensrhythmus, der uns noch heute durchpulst. Das Buch leitet mit zahlreichen Literaturangaben zur genauen Betrachtung der Einzelheiten. Dem Schüler gibt das Buch eine willkommene Ergänzung zu dem im Unterricht Gehörten. Vorzügliche Ausstattung bei billigstem Preis erlauben jedem den Kauf. I — OB. 3.(Bonn: Die Kultur der Vereinigten Staaten von Amerika. (Dolks- verband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H.. Berlin-Charlottenburg 2.) 86. — 68 gibt In Europa und insbesondere in Deutschland zwei einander völlig widersprechende Vorstellungen von den Vereinigten Staaten. Die eine sieht in dem rastlosen wirtschaftlichen Fortschritt des gewaltigen Landes eine Art wirtscha tlichen Wunders, die andere in der amerikanischen Entwicklung den Sieg eines rohen Materialismus über alle idealistische Zielsetzung. Daß weder die eine noch die andere Auffassung zum klaren Verständnis des eigentlichen Wesens Amerikas führen kann, beweist das neueste Werk Professor Bonns, „Die Kultur der Vereinigten Staaten". Bonn, der selbst jahrelang dem Lehrkörper verschiedener amerikanischer älnwersitäten ongehört hat, weist an Betrachtungen über Land, Volk und Staat, Wirtschaft, Außenpolitik und geistige Wandlungen nach, daß die Vereinigten Staaten nicht einfach eine Wirtschaftsgröße und nicht bloß die große überseeische kapitalistische Metropole sind, die durch ihren Reichtum und ihre vorzüglichen Organisationsmethoden die kapitalistische Reukolonisation Europas in die Hand nehmen werden, sondern daß sie ein großes Stück Menschheitsgeschichte und ein gewaltiges Stück Menschheit darstellen. Wirtschaft. Gememschafisvertrag zwischen Hapag und Lloyd. Wie die „Kölnische Zeitung" meldet, sind die kürzlich wieder aufgenommenen Verständi- g u n g s v e r h a n d l u n g e n zwischen Hapag und Lloyd praktisch abgeschlossen. Sie bedürfen nur noch der formellen Genehmigung. Das Ergebnis dieser Verhandlungen geht über die weiten Ziele der früheren Verhandlungen noch hinaus. Eine auf die Dauer von 5 0 Zähren abzuschließende enge Arbeitsgemeinschaft wird aus den beiden deutschen Großreedereien eine enge Einheit bilden, wenngleich die beiden Gesellschaften nach außen bestehen bleiben, also ihre Schiffe, wie bisher, unter den alten Flaggen abfertigen werden, ohne daß eine Umgruppierung innerhalb der Flotten stattfindet, eine Forderung, an der die Verhandlungen im Jahre 1928 gescheitert sind. Dagegen wird der Ertrag künftig im Verhältnis von 1:1 für Hapag und Lloyd geteilt. Es wird also auf sämtlichen Verkehrs- gebieten von beiden Reedereien für gemeinsame Rechnung gearbeitet werden. Die dadurch bedingte gemeinsame Betriebsführung soll in der Weise erledigt werden, daß die Betriebsvorstände gegenseitig übernommen werden, indem der Vorstand des Lloyd durch die Herren der Hapag ergänzt wird und die Bremer Herren in den Hapagvorstand eintreten. Auch in -den Aufsichtsräten dürften entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden. Wochenbericht vom Sranffurfer Effektenmarkt. Zu Beginn der neuen Woche war die Börse wieder durch die anhaltende Geschäftslosigkeit gekennzeichnet. Der anhaltende Ordermangel erstickte jede Llnternehmungslust im Keime und drückte so stark auf die Stimmung, daß das Geschäft zeitweise fast völlig zum Stillstand gekommen war. Man hatte nach der Verabschiedung der Vounggesetze mit einer Erholung gerechnet, doch wurde man bitter enttäuscht, obwohl der internationale Geldmarkt eine Verfassung aufwies, die wirklich schon Grund genug zu einer Besserung wäre. Dann waren es wieder andere Gründe, die allgemein zur Zurückhaltung mahnten, obwohl die vorteilhaften Aussichten überwogen. Dor allem wurde das Polen.abkommen in den Vordergrund geschoben: man wartete auf die Unterzeichnung des Liqni- dationsabkommens durch den Reichspräsidenten. Aber dessenungeachtet zeigte die Börse im Grundton immer eine gewisse Wider st ands- kraft: die Verluste waren mit Ausnahme einiger Werte, bei denen Sonderanlässe Vorlagen, nie nennenswert groß. 3m zweiten Abschnitt der Dörsenwoche änderte sich die Tendenz grundlegend. Eine nicht zu verkennende Freundlichkeit kam zum Durchbruch, obwohl das Geschäft in den meisten Werten infolge des immer noch sehr geringen Ordereinganges viel zu wünschen übrig ließ. Die schon anfangs günstigeren Symptome fanden jetzt mehr Beachtung, da auf der ganzen Linie eine Klärung eingetreten zu sein scheint. Rur Farbenaktien blieben vorläufig noch etwas im Hintergründe, und zeitweise wurde die ganze Börse hiervon noch etwas ungünstig beeinflußt. Die Einstimmigkeiten bet den Stickstoffverhandlungen zwischen 3. G. Farben und den Ruhrzechen boten Anlaß zu den wildesten Versionen. Aber auch Gerüchte, die von einer Dividendenermäßi- gung bei der D. D.-Bank wissen wollten, trugen zur Unsicherheit bei. Die so eingetretene Verstimmung wurde jedoch bald beseitigt, als von Verwaltungsseite der D. D.-Bank ein Dementi herauskam. Rach der Llnterzeichnung des Polenabkommens durch Hindenburg war eine freundliche Stimmung unverkennbar ersi^)tlich. Man schöpfte neuen Mut und die Kulisse schritt nach der innerpolitischen Bereinigung zu Rückkäufen, zumal die Entlastung des Relchsbankaus- weises weitere Fortschritte machte, da hierdurch der günstigen Weiterentwicklung der Geldmarkt- läge freie Bahn geschaffen wird. Das Geschäft war aber nur in Spezialaktien lebhafter, doch konnten sich auch die Rebenmärkte im Kurse bessern. Der Auftragseingang war immer noch nicht bedeutend größer. Bis zum Wochenschluh blieb jetzt die Tendenz freundlich: man konnte sogar von einer festeren Stimmung sprechen. Der relativ gute Abschluß der Commerz- und Privatbank, das Rachlassen der Arbeitslosigkeit im Reiche, die bevorstehende Einigung im Stickstoffstreit und vor allem die Diskontreduktion um */■> Prozent der Bank von England vergrößerten die günstigen Momente, ebenso trugen noch vorteilhaftere Wirtschaftsaussichten für die kommende Zeit zur besseren Beurteilung bei. Die Llmsatztätigkeit blieb aber immer noch nur auf Spezialwerte beschränkt, da die zweite Hand — das Publikum -, die für eine Belebung des Geschäftes unbedingt als Mitgängerschaft erforderlich ist, noch fehlte. Don Auslandseite konnte man schon das Eintreffen einiger Aufträge freudig verbuchen. Die Kursbesserungen blieben in Anbetracht dessen, daß d'e Kulisse zum größten Teil auf sich selbst angewiesen war, auch ziemlich klein. Doch wurden die anfangs der Woche eingetretenen Abschwächungen ausgeglichen und bei den meisten Aktien waren immer* hin nicht zu verachtende Erhöhungen zu verzeichnen. Die Dörse beschloß die Woche mit Zuversicht und mit der Hoffnung auf eine Besserung des Geschäftes. Wochenbericht vom Sranffurfer produkienmarff. 3n Anbetracht der älnsicherheit über die beabsichtigten Aegierungsmahnahmen und des anhaltend schwachen Mehlgeschäftes kam das Geschäft zum Wochenbeginn nur schleppend in Gang. Die Händler bekundeten zumeist Abgabeneigung, so daß weitere Abbröckelungen eintraten. Rur Weizen war weiterhin recht widerstandsfähig. Zum Wochenschluß machte sich jedoch eine leichte Befestigung und Beruhigung bemerkbar. Dos Zustandekommen einer Verständigung zwischen dem Reichsemährungs- Minister und ben Vertretern der Regierungsparteien über die meisten schwebenden Agrarfragen bot eine Anregung. Die Händler verhielten sich jedoch immer noch sehr abwartend, da man glaubt, daß auch die neuen Erhöhungen den gewünschten Erfolg einer Entspannung der schwierigen Getreidemarktlage nicht bringen werden, da Zöllen von Ratur aus das Problematische alles Künstlichen anhafte. Die älmsatztätig- keit war weiterhin nur sehr gering. 3m Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnte Weizen 0,50 Mark, Roggen und Weizen» und Roggenkleie je 0,25 Mark anziehen, während Gerste um 0,50 Mark und Roggepmehl 0,25 Mark nachgaben. Hafer, Mais und Weizenmehle unverändert. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 26,50 bis 26,25: Roggen 17; Gerste 16,75; Hafer 15,75 bis 16; Mais 14,75 bis 15; südd. Weizenmehl 37,75 bis 38,50; niederrhein. Weizenmehl 37,75 bis 38,25; Roggenmehl 24,25 bis 25,50; Weizenkleie 8,10 bis 8,25; Roggenklei" 8,50. Erbsen je nach Qualität 22 bis 33; Linsen je nach Qualität 35 bis 83; südd. Heu 8.75, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepr., 4.80, gebündelt 5,00; getrockneter Treber 10,50 bis 11. Kartoffeln per Zentner hiesiger Gegend: 2,60 Mark. Wochenbericht vom Sranffurfer Schlack tviehmarkt Auch in dieser Woche war das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt weiterhin sehr klein, und nur der Export schritt zu verstärkten Käufen. Die Preise hielten sich auf der Höhe der Vorwoche, nur am Schweinemarkt war ein größerer Verlust festzustellen. Schafe konnten sich am Rebenmarlt leicht befestigen. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb geringer als in der Vorwoche. Das angetriebene Vieh war von mittlerer Qualität. Rach ruhigem Handel wurde nahezu au5ixrtau't Etwa 50Prozent des Austriebes wurden wieder ausgeführt und zwar hauptsächlich nach Hessen (insbesondere Provinz Starkenburg), Hessen-Rassau und der Rheinprovinz. Auch auf dem * Schweine markt war die Beschickung geringer. Rach schleppendem Geschäft und bei nachgebenden Preisen verblieb ziemlich Heber» stand. Kälber und Schafe wurden nach ruhi- §em Handel auäverkaust. Der Gesamtauftrieb estand aus 1445 Rmdern, darunter befanden sich 312 Ochsen, 81 Bullen. 521 Kühe und 325 Färsen; ferner aus 1554 Kälbern, 232 Schafen und 5487 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 86 Rinder, 43 Kälber, 40 Schafe und 88 Schweine weniger angetrieben. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: al) 54 bis 58, a2) 50 bis 53, bl) 46 bis 49; Bullen: a) 54 bis 56, b) 49 bis 53; Kühe: a) 45 bis 43, b) 41 bis 41, c) 34 bis 40, d) 28 bis 33; Färsen: a) 56 bis 59, b) 52 bis 55, c) 43 bis 51. Kälber: b) 75 bis 78, c) 63 bis 74, d) 63 bis 67. Schase: al) 50 bis 54, b) 42 bis 49. Schweine: a) 70 bis 72, b) 70 bis 73, c) 70 bis 73, d) 70 bis 73, e) 63 bis 70. 3m Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Ochsen 1 Mark und Schafe 2 Mk. anzichen, während Schweine.bis zu 4 Mark nachgaben. Bullen, Kühe, Färsen und Kälber unverändert. " Die Preußische Central-Do de n- kr e di t - Ak t ie n g e s e l l sch af t zu Berlin legt von ihren an der Berliner und an anderen Börsen bereits amtlich notierten 8 Prozent ©en» tr al- Goldpf and bri efen vom 3afjre 1928 — unkündbar bis Oktober 1934 — einen Teilbetrag von 8 000 000 Goldmark in der Zeit vom 26. März bis zum 15. April d. 3- zur öffentlichen Zeichnung auf. Der Zeichnungskurs ist auf 93,50 v. H. festgesetzt, gegenüber dem gegenwärtigen Tageskurse von 97 v. H. Die Abnahme der zugeteilten Stücke kann nach Wahl der Zeichner bis Ende April geschehen. Stückelieferung erfolgt sofort bei der Abnahme. Räheres in der heutigen Anzeige. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 22.März. Tendenz freundlich. Die Wochenschlußbörse war stimmungsgemöß im Vormitlagsverkehr freundlich, doch war das Geschäft noch nicht umfangreich. Die Nachricht von der Arbeitsgemeinschaft zwischen Hapag und Norddeutscher Lloyd wirkte anregend. Zum offiziellen Beginn machte sich indessen eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar, da der Ordereingang infolge des frühen Börsenbeginns nicht groß war. Außerdem wurde dem WTB.-Handelsdienst von der Verwaltung des Norddeutschen Lloyd bekanntgegeben, daß von einer Interessen - oder Arbeitsgemeinsd)aft bis jetzt noch nicht die Rede sein könne. Aber trotzdem erhielt sich für Schisfahrtsaktien weiter Interesse. Gegenüber der gestrigen Abendbörse gewannen Hapag 2 v. H. und Norddeutscher Lloyd 1 v. H. Am Chemiemarkt bestand für Farben weiter einige Nachfrage bei leicht gebessertem Kurse. Sonst war die Kursgestaltung im allgemeinen nicht ganz einheitlich. Deutsche Erdöl lagen im Angebot und 1 v. H. schwächer. Von Elektrowerten verloren Chade-Aktien 2 Mark, AEG. und Siemens konnten sich erneut bis 1 v. H. bessern. Montanpapiere, in denen wenig Geschäft zustande kam, waren bis zu 1 v. H. fester. Banken waren ge, halten. Zellstoffwerte leicht gedrückt. Renten still, aber freundlich. Im Verlaufe waren die Umsätze kleiner geworden, obwohl einige Auslandorders eingetroffen sein sollten. Die Stimmung war freundlich, und die Kurse konnten fid) gegen den An- fang bis zu 1 v. H. bessern. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 5 o. H. unverändert. Am Devisenmarkt lag der Dollar weiter etwas schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,19. gegen Pfund 20,3890, London gegen Kabel 4,8665, gegen Paris 124,32, gegen Mailand 92,95, gegen Madrid etwas schwächer 39,05, gegen Schweiz 25,1240. gegen Holland 12,13. Berliner Börse. Berlin. 22. März. Der letzte Tag der Woche zeigte für die Dörse eine unverändert freundliche Grund st immung, die sich schon vormittags erkennen ließ. Es lagen zu den elften Kursen kleine Kaufaufträge vor, die zu einer Erhöhung des Niveaus um zirka 1 bis 2 v. H. führten. Die gestrige Versteifung am Neuyorker Geldmarkt — Tagesgeld war von 3 auf 4,5 v. H. gestiegen, — die aber auf den freundlichen Verlauf der Börse keinen Eindruck machen konnte, wurde hier lebhaft diskutiert. Auch die anscheinend unnachgiebige Haltung der Deutschen Volksportei fand Beachtung. Das Hauptmoment für die Börse bildeten aber die Verhandlungen Norddeutscher Lloyd-Hapag, die scheinbar einen recht günstigen Verlauf nehmen, über die aber von der Verwaltung jede Stellungnahme obgelehnt wird. Hapag zogen um 2,25 v. H. und Nordlloyd um 1,13 v. H. an. Die Umsätze an diesen Märkten sollen heute mehr als je 100 Mill. Mark betragen haben. Einiges Austandinterefse zeigte sich auch heute für Elektrowerte, von denen Siemens und Bergmann je 2,5 o. H. gewannen. Deutsche Stabei plus 3,25 v. H. und Hotelbetrieb plus 1 v. H., unmittelbar nach den ersten Kursen plus 2 o. H. Svenska, Spritwerte und einige andere Werte hatten ebenfalls recht freundliche Veranlagung. Von Montanwerten lagen Berger, bei denen heute die Bilanzfitzung stattfindet, auf die enttäuschende unveränderte Dividende 3,25 v. H. schwächer, während Holzmann mit plus 2,5 v. H. höher lagen. Siegen- Solingen schwächten sich aus den bekannten Gründen um weitere 2,13 v. Sy ab. Außerdem lagen Ilse- Bergbau. Calmon-Asbest, Akkumulatoren, Polyphon, Hotelbetrieb und Commerz- und Privatbank zirka 1 v. H. nochgebend. Bon Anleihen waren Alt- besitz weiter freundlich. Am Markte der Ausland- werte 5-o. H.-Mexikaner von 1899 zirka 1 o. H. höher. Der Pfandbriefmarkt war fester veranlagt. Der Geldmarkt war unverändert leicht. Nach den ersten Kursen bemerkte man verschiedentlich Nachfrage. Man sprad) von holländischen Käufen, die Kurse waren auch weiterhin ziemlich gut behauptet. Später kam es zu leichten Abbröckelungen, die nur bei Deutsche Linoleum mehr als 1 v. H. betrugen. Letzte Nachrichten. Lleoerraschende Bekenntn.ffe der Sranffurfer Po izistenmörber. Frankfurt a. 2H., 22. März. (121. Eigener Drahlberlchi.) Die Vernehmung der an tem JJ o - lizistenmord in Frankfurt beteiligten Hoyer und Schulte hat zu dem überrafdjenben Ergebnis geführt, daß diese beiden schweren Jungen auch noch eine erhebliche Anzahl anderer Straftaten auf dem Kerbholz haben. Die schwerste davon ist der Raubüberfall auf die Staflonsfaffe von Ohhaufen in der Röhe von Trier. Die beiden drangen maskiert in das Zimmer des Stationsvorstehers mit dem Rufe „Hände hoch!" ein. Der Beamte dachte, in Rücksicht darauf, daß es Fa- sching war, daß es sich um einen Fastnacht»- scherz handele. Auch dann noch, als der Ruf „Hände hoch!" zum zweiten Male ertönte, glaubte der Beamte an einen Scherz. Erft nach und nach erkannte er, daß es mit bem Raube ernst gemeint war und ergab sich in fein Schicksal. Die Kasse wurde ihres Inhalts von 7 0 211 a r f beraubt. Dann wurde die Fernsprechleitung durchschnitten, die Sicherungen ausgedreht und die Türen geschlossen, versehentlich wurde ausgerechnet die Leitung zu dir Lampe des Beamten nicht mit zerstört, so daß der Beamte in den verdacht kam, er habe den Raub selbst ausgeführt. — Einen anderen großen Schlag beabsichtigten die Räuber in Schwanheim ave* zuführen. Als Anstifter kommt hier ein gewisser Otto Georg in Frage, bet in Scheuerfeld wohnt. Dieser war früher Strafgefangener in Freienwalde und hat Hoyer und Schulle nach der Ermordung de» Polizeibeamten in Frankfurt beherbergt. Er machte den beiden davon Mitteilung, daß die Vorschuß- kaffe in Schwanheim an gewissen Tagen einen erheblichen Betrag enthalte, der ein dankbares Objett für einen Raubüberfall fei. Die Revolver wollte er liefern, wofür er ein Drittel der erbeuteten Summe für sich beanspruchte. Derjenige, der Georg d'e Tat empfohlen hatte, sollte 2000 Mark bat be- kommen, während der Rest zwischen Hoyer und Schulle, sowie einem dritten, der noch beteiligt wurde, verteilt werden sollte. Schließlich haben Hoyer und Schulle auch noch einen Einbruch in eine Kirche verübt. Näheres darüber steht aber noch nicht fest. Kurszettel der Berliner und Sranffurfer Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5,5 v. H., Lombardzinsfuß 6,5 v. H. ;tranffurt a. in. Schluß^ l-ilhr- turd । Kurs Berlin Schluß-^ Änlanq- turd Aurd Frankfurt a. 371. e uß< t-uür- h'ri ; CT r» Serlin cschiutz« Anlang« kur« , CTur8 Banfnc Lerlin, 21-März len. (Ftlb 25 ru — 'ur • , ÄurtT .uiuruantiroe Woten..... 4 175 .30 ,90 ,32 367 .61 .99 .75 .83 .46 25 96 ,94 .38 7.97 anffut 4.195 58.54 112 34 20,40 16,427 168,29 22.07 112.19 59.07 2.48 112.69 81.28 53 16 12.44 '3.27 a nt Datum 21. 3. 1 22 3 21 3 22 3- Datum 21 3 ! 22 3 21 d 22 3 Datum I 21 3 22 3 21 3 22 3 belgische Noten ....... Taiii'chc Noten ....... Englische Noten...... • - 1 11 20 6 67 21 11 5k 1 8 5 1 fr 6% Deutiche dietdirameihe VVN 1927 7% Deutsche Rcichranleih« von 1029 Seutfdie «nt.-Ablöl.-Schulb mit Slueloi.-Rechten Desgl. ohne AuSlol.-Rechte 8% Heil. 2?oll6ftaat von 1929 (rüdmftlb 102%) Oberdellen Provinz - Anleihe mit Auslol.-Rechten Deutiche Komm. GammelabL Anleihe Serie 1 8% Rranff Hov.-Bank Goldvle XIII untünhbai bis 1934 7% Krankt Hov.-Bank Äolbvle unkündbar bis 1932 *¥i% Rdeinilche Hov.-Bank Stau. Koldvle. 8% Pr. Landesvlandbiteinnllalt. Piandbrieie R. 17 8% Pr Landeevlandbrielanstalt, Romm.-Cbl. R. 16 7% Pr. Canbeepfanbbrtefanftalt, ‘Bfanobrick R 10 A.E.G. abg. Borlrieas-Obligationen. rüdxabibar 1032 4% Oetterrelchttche Wolorcntt 4,20% Oelterreichilche Silberrente 4% Oelterreichilche Einheitliche Rente 4% Ungarilche Solbrente 4% Ungarilche Staaiorcnte v. 1910 4%% ocsgl. von 1913 4% Ungarilche Kronenrrnte 4% lürtlidw flollanlHbf von 1911 4% Zürtiltbr Bagbabdabn-Aul Serie l 4% beogt Serie II 5% Rumänilche vereint) Rente von 1903 4%% Rumänilche vereint) Rente von 1913 4% Rumänilche vereint). Reut» 87 98,5 i2.75 8.5 87.75 49.5 50.6 96,5 85,75 83,1 97 94 89 1 92 29.25 5 26,55 23.25 24.75 ’,55 6.3 .65 6l6 11.3 17,4 9.3 | | «| | | i I | I | 1 1 1 II • 1 1 • 1 1 II । II 87 98.75 52,7 8.5 88.25 50,75 97 94 89 29,6 5 26.65 23,4 2,6 «45 6,55 6.6 11,4 17,4 9,15 53 8,5 29,9 5,25 24.75 2.55 6.5 6,5 vamburfl.’2tmeri!a 'Batei . 7 Hamburg-Söbam. Damplichisl 8 Hanta Tamviichiil . 10 Norbbeuticher Lloob . . 8 Allgemeine TcutlcheCrrbitanst. 10 Barmer Bankverein 10 Berliner HanbclsgeieUichast 12 ilommerz- unb Privat-Bank 11 Darmstädter unb Nationalbant 12 Teutlche Bant unb Tisconto «esellschaft, . . 10 DreLbner Bank ...... 10 NeichSbank ...... 12 A.S.G......... 8 Bergmann........ 9 Elektr. LieierungrgeieMchast 10 Licht uno Kray 10 .gelten & Guilleaume IV* Belellichai! für Slekrrilche Unternehmungen 10 Hamburger ölffiriritäU-tBed# 10 Rheinische Elektrizität . 9 Schlelilche Elektrizität. ... 10 Schuckert L Eo......11 Siemens & Halske ..... 16 Trantzrabio..... 8 LabmeverLEo.......lf Buberus ...... 6 Deutiche Erböl . 6 Geilenkirchener . 6 Harpener ....... 0 Hoeich Eilen ...... 6’; ßlddnenD#rt# -»..»< Söln-Neuelien . • • . < Mannesmann-RSbre« .... 7 Manstelber Bergbau • • • " Lberlchlel Eilcnbevari ... 6 Lbt'richtet 8okewerke . ' Phonir Bergbau . . 6Vi Rtiemiiaie Braunlohleo . . U Rheinstabl . ..•••* 6 Rtcbeck Ätontao ...... 7,2 105.75 108,75 121 131 65 171 159,4 130,5 '48 150 285.5 '66,25 166 169 <27 173 189,5 252 164 16.75 103 '43 132 106 ■07,25 102.25 238 118 107.75 109,5 131,75 147,9 150 1664 190,5 253 — 77,5 102 — 118 1 '05.75 150.25 108,4 121.5 131.4 170.75 159 75 230-65 147,25 150 284.5 '65.25 198 165 75 169 127 65 172.75 1325 146 ■675 189.5 250.5 164 77 101,75 144.25 '43.25 132 '09.5 252.25 105 75 ■07.75 107 '04.5 70.! 102 ■02.25 237.75 ■1775 96,5 108 109,5 122 131.9 180.75 158.5 231 147,5 150 285 166,5 200.5 167.5 170.75 128 103 9 134 168.5 190.5 253 165 25 78,4 102.5 144,75 143.25 133 110,5 251,5 105 25 108 107 25 105.25 72 102.75 102.6 238 117.75 1 97,5 Lerernigte Stahlwerke Ltavi Minen . . 16*/, Kaliwerke Aschersleben ... U Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Saltbetsurth ... 15 I. ®. äarben-Inbustne ... 12 Tnnamit Röbel.......6 Scheibeanl'alt..... 9 Golblchmibt ........ 5 RütgerSwerke ....... 6 MetallgeieUlchask.......8 BHUwv poumann Zementwerk Heibelberg . . 10 Eementwerk fiarlftabt. ... 10 Wavft & Ttrentao .... 8 S»ui wets Payenhoser ... 15 Cftrorrfe 12 Aku 18 Bemberg .......H Zellktoss Walbdot ... IS'/. Zellstoki ÄichaUendurg ... 12 Lhmiottenburger Waller ... 8 Dellauer Wae ..... 9 Daimler Motoren ..... 0 Deutiche Linoleum ..... . Maichinenbau A.-G. ..... 0 Rat. ‘MutomobÜ ..... 0 Lrenllein & Kovpel ..... 6 Leonhard Tietz . • • • • 10 SvenSka ..... .tranlturm Mmchmeu ... 4 «rinn,, .... 6 Hev'lgenstaedt . . . . C .lunflhane .... t Lechwerke 8 Mainkraltwerke HSchst a. M. 8 Mtag ... 10 Sebr Roeder ..... lf Lüodeutiche Zucker • • • • 10 97 215 218 • 66 149 68,5 '8,75 108 99 5 129 5 144 82.25 '01.5 150 211.5 156 19,25 19 38 >05 '06 130 104 218 157 % _ 5" — a> m “ 1 1 | | | | i | | 1 1 I 1 | 1 1 1 i 1 = 1 2 S ' 1 Ä 1 1 5 1 3. 1 S I 1 1 96,5 58,25 214 75 217 365.75 • 65 79 68,25 78 108,5 99 12,5 274 217 100 '49 /IC.25 • 154 100.5 '72,5 38 5 Z47.25 47.25 17.5 25-25 155.5 •42 * 40 38.5 •30.J 218 156 96,6 58.6 216 367.5 166 68,5 78-5 109 100,5 275 219 100 ISO 211,75 109 173.13 38.6 248 47.75 75,75 344,5 - - ' 130,5 । 2 i - Französische Noten...... Holländische Noten ..... jt ftcntkbe Noten...... Norwegische Noten ...... D' Utsch i? -sterr,ä wo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ...... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . » Ungarische Noten - . - ^eoiltnmarfl Berlin 21.22.dn 2 Dldn Amtlich. Dotierung Geld Sri - iümllichr Xoticrung «eid i 3rit um'l.- 'Hott. Bu n AireS Brss- Antw- Chriskiania. gov.'niiag.'n Stoikholm . HclungtorS. Italien. . . London. . . '.Kcunor! .. Boris.... Schwei» .. Sva i:n - Iavan . . . nio de Ian Wie', in T-- Cesi- abfleft Brag . . . Bel;rab Dudav "i . . Üul arten •ssabon Tanya. . Honst nria- Athen. . . Tanada Nrn ucw . Kairo . . 167.8b 1.556 ,8.345 112,05 112.10 ■12.46 '0.538 21 915 20.36 4.186 16.375 81.03 52,5 z 2.068 0 479 59.00 •2.406 7.399 73.1z 3.03t 18.80 ‘1.395 1 785 5.424 4.184 3.666 20,88 >68,29 1.573 dB.463 112.27 112.32 H2.6t 10 556 >1.955 20.40 4.194 16.415 81.19 52.62 2.072 0.481 59.12 •2.426 7.413 73.26 3 04z 18 84 81.555 1.785 5.434 4.192 3.674 20.92 '67.88 1.589 )8 355 112 07 H2.I5 112.46 10.537 21.94 20,365 4.186 16.38 81.07 52,10 2.068 1.483 58.985 12.409 7.400 /3.O8 3.039 18.8/ 81.47 1.784 5,425 1,184 3,696 20.88 168.22 I.&93 38.475 112 .9 112 37 112.68 10.557 21.96 20.405 4.194 16.405 81.73 52.20 2.072 0465 59 05 12,429 7.414 73 22 3.045 18.86 81.63 1,788 5,435 4,192 3,704 20.92 nr.t 8r|d)tl SonnW Di Mene 611 giono 2.20 Plicht lohn- ® infolge Ztlitfl «nlerSan 5nfd)rift ridjten: . pol zrailksiü Der 227a n i öung.) Seulfcher des Rose derWuj' len neb( Scholz Dr. W Persönl Minister Dr. schlagen abgeorü stellvert Basse übernah des vcrf femann, Plagen grohem Torjitzen unb tyta aus. 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