Oie„Seeschlachi"vonLondon Oie Eröffnungssitzung verhindern. Eine der bedeutendsten Aufgaben bei lien habe ein großes Arbeitsprogramm ausgestellt, und Mussolini brauche zu seiner Verwirk- Oie Auffahrt des Königs. Starker Nebel behindert das Publikum. London. 21. Jan. (SU.) Die Eröffnung der Flottenkonferenz fand unter äußerlich sehr ungünstigen Umständen statt. 3m Reg e- rungsviertel war wegen starken Aebels oon oen zu Lande zu sein, sondern auch sich ein Kolonial» reich anzugliedern und anzubauen, das dauernd ohne die größten maritimen Hilfsmittel nicht zu halten ist. Das französische Kolonialreich ist es, das Italien den Weg ins Freie versperrt, den es sich unbedingt suchen muh, wenn es nicht seinen Bevölkerungszuwachs ins Meer wersen will. So hat sich das europäische Gefahrenzentrum in das Mittelmeer verschoben, in das auch die wichtigsten Lebensinteressen Englands vereinigt sind. Durch das Mittelmeer führt die Straße nach Indien und idem Fernen Osten, deren Bewachung sich Snmbol England sogar im Kellogg-Pakt gesichert hat. So ’-■■■ * gleichen die Verhandlungen in London trotz alles feierlichen Geredes über Frieden und Verständigung einer der machtpolitischen Entwicklung vorweggenommenen Seeschlacht, auf deren Ausgang man gespannt sein darf. dankte in englischer Sprache namentlich für den schönen Empfang, den das englische Volk der italienischen Delegation bereitet habe. Italien stehe in den Bemühungen für den Frieden keinem anderen Lande nach. Abrüstung und Sicherheit seien untrennbare Begriffe. Ita- Japans, der einzelnen britischen Dominions (Canada, Afrika. Australien. Reuseelaick>, Irland) und Indiens. Vorbereitungen für die Auffahrt des Königs nur wenig zu sehen und auch der Andrang des Publikums war gering, da die meisten durch die Verkehrsstockungen von dem Besuch abgehalten wurden. Gegen 10 Uhr begann sich langsam vor dem Oberhaus eine kleinere Menschenmenge anzusammeln. Wenige Minuten danach füllten sich die Dorräume des Oberhauses. Don den Teilnehmern erschien B r i a n d als erster. Wenige Minuten vor 11 Uhr nahmen die Konferenzteilnehmer ihre Sitze ein. 'Der Sitzungssaal mit dem hufeisenförmigen Tisch und dem goldenen Thronsessel in der Mitte bot ein eindrucksvolles Bild. Die Rede des Königs wurde von den Anwesenden stehend angehört. Rach dem Weggang des Königs übernahm Premierminister Macdonald das Präsidium. Die An- und Abfahrt des Königs vollzog sich ohne jedes Zeremoniell. Die Polizei hatte den Schuydienst vom Duckingham-Palast bis zum Oberhaus übernommen, die Im dichten Rebel kaum sichtbaren I Menschenmengen begrüßten den König lebhaft. Annahme oon Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm hö> e für Anzeigen von 27 nm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» tzlameanzeigen von 70 nm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° . mehr. Chefredakteur Dr Frredr Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich m Gießen diesen Bestrebungen sei die Beschränkung der Flotten stärken. Die Washingtoner Konferenz habe hinfichtlich der Schlachtschiffe gewisse Ersolge gehabt. Run aber sei man überein- gekommen, in selbstloser Weise eine Gesamtflottenabrüstung herbeizuführen. 3m 3n- teresse des Fortschrittes der Zivilisation muhten alle Hindernisse ein für allemal beseitigt werden. Die Welt müsse von den schweren Lasten der Rüstungen befreit werden. Auf Vorschlag Siimsons wurde der britische Premierminister Macdonald zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. Macdonald erklärte, er werde sein Bestes tun, um die Arbeiten so unparteiisch wie möglich zu überwachen. Für die e r st e öffentliche Rede des Königs sprach er dem König den Dank und die Glückwünsche der Konferenz aus. Der Wettbewerb in den Seerüstungen müsse unter allen Umständen aufhören, da die Welt sonst niemals zum Frieden kommen würde. M a n g e.l an Vertrauen und der Geist des Zweifels seien die Gründe, warum man bisher noch nicht weitergekommen sei. Schiedsgerichtsbarkeit allein tue es nicht. Er könne sich vorstellen, daß man in dieser Beziehung eines Tages den toten Punkt errreicht haben werde. Man müsse sich deshalb über irgendeine Methode der Sicherung des Friedens einigen. Merkwürdig langsam seien die Arbeiten bisher vorangegangen. Alle möglichen Mittel seien erwogen worden, um etwaige Friedensstörer zur Verantwortung zu ziehen, trotzdem sei aber bisher eine absolute Garantie für die Sicherheit der Völker noch nicht gefunden. Es wäre der Konferenz förderlich, wenn sie bei ihren Beratungen Don zwei Voraussetzungen ausgehe: 1. daß die Flottenbedürfnisse eines jeden Landes I von seiner geographischen Lage und Aus- | dehnung abhängen: .. _ 2. daß man aus technischen Gründen die Streitkräfte zur See, zu Lande und in der Luft voneinander trennen und jede Kategorie bei den Abrüstungsbesprechungen einzeln behandeln muß, daß man aber dabei niemals die praktische i n n e r e Verbundenheit der drei Kategorien vergessen Die nationale Sicherheit müsse natürlich in erster Linie berücksichtigt werden, und der Zweck der Konferenz solle auch nicht darin bestehen, diese Sicherheit zu schwächen, sondern sie zu stärken. In diesem Sinne seien auch die Verhandlungen mit verbreitet wurde, König Georg V. er begrüße die Vertreter der in London zusam- mengekommenen fünf Hcruptseemächte, die von Sozialdemokratie und Arbeitsmarkt. Forderungen zur Behebung der Arbeitslosigkeit. lichung nichts weiter als den Frieden. Zur Er- reichuna eines dauernden Friedens sei V e r - ständlgung notwendig. Alle Völker erwarten, daß die Probleme der Konferenz einer Lösung entgegengeführt würden. Grandi nahm besondere Veranlassung, dem amerikanischen Präsidenten Hoover für die 3nitiative zu danken, aus der diese Konferenz entstanden sei. Weitere Ansprachen hielten die Delegierten Bei der Eröffnung der Flottenkonferenz in der Königlichen Galerie des Oberhauses sagte in einer Ansprache, die über alle Sender der Welt zuringen. Daß sich heute ein Engländer bereit finden könnte, die Kreuzer- und Hilfskreuzerflotte abzubauen, solange es andere Seemächte gibt, die ebenfalls Kreuzer und sogar U-Boote unterhalten, ist gairz unwahrscheinlich. Auch die Labourleute machen davon keine Ausnahme, im I Gegenteil, sie sind sogar berufen, das zu tun, i was die eigentlichen Imperialisten um Balfour und Chamberlain nicht wagen konnten, ohne dem Imperialismus der Konservativen empfindlich Schaden zuzusügen. Weil es Baldwin und Chamberlain nicht gelungen war, sich mit den Vereinigten Staaten über das Zeitmaß und den Umfang der Flottenrüstung zu verständigen, hatte ein Wettrüsten eingesetzt, das im Txrlauf die machtpolitischen Reibungsflächen der beuen angelsächsischen Länder deutlich erkennen ließ. Die Konservativen wagten nicht, die Lösung für ein Entgegenkommen zu finden, das sich mit ihrem imperialistischen Stolz nicht vertrug. 21uf ein Wettrüsten mit der Union konnte sich England gar nicht einlassen, zumal dieses Wettrüsten in absehbarer Zeit zur unmittelbaren Kriegsgefahr hätte führen müssen. Dafür hat auch das englische Volk, das machtpolitisch gründlich durchgebildet ist, Verständnis gezeigt, als es im Mai 1929 die Konservativen entthronte, um die Labourleute an die Regierung zu lassen. Ihre Aufgabe war es, die drohenden Schatten am angelsächsischen Horizont zu zerstören, eine Aufgabe, die ihnen um so besser lag, als sie als Sozialisten, ohne den imperialistischen Rimbus preiszugeben, mit der Union eine Verständigung suchen konnten. Das hat Macdonald auch getan, als er zu Hoover fuhr, um diesem die Bereitschaft Englands mitzuteilen, das Wettrüsten zur See einzuschränken. Rur ist damit das internationale Rüstungsproblem zur See noch lange nicht gelöst. England hat in dem großen Kriege Deutschland niederringen helfen, weil es in ihm feinen gefährlichsten wirtschaftlichen Re'enbuhler sah. Dafür hat es sich auf dem Festlande einen militärischen Rebenbuhler in Frankreich grohgezogen, der nicht nur den Ehrgeiz hat, die stärkste Wacht Eriche int täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe tmterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Amerika geführt worden. Sollte die Konferenz durch ein Abkommen die Herabsetzung der Seerüstungen ermöglichen, ohne die Sicherbeit der einzelnen Nationen zu gefährden, so würde sie einen Markstein in der Reihe der großen Kundgebungen für die Verwirklichung des endgültigen Friedens darstellen. Der amerikanische Staatssekretär Stimson dankte für die Willkommensworte des Königs und für die kluge Analyse der Konferenzprobleme, die der englische Premierminister in seinen Ausführungen gegeben habe. Stimson erinnerte an die Washingtoner Konferenz als den ersten Meilenstein auf dem weiten Wege der Abrüstung. Man könne die Bemühungen, zur Abrüstung zu gelangen, nicht als etwas Einzelnes betrachten. Die Konferenzen, die diesem Zweck dienen sollen, seien nur Glieder einer Kette. So werde auch diese Londoner Konferenz sichernichtetwasAbschließendes sein. Der nächste Zweck der Verhandlungen sei, in» nerhalb der zur Zeit gegebenenMög- l i ch k e i t e n zu einem Ergebnis zu gelangen, das im Laufe der Zeit nach den Bedürfnissen der Rationen weiter ausgebaut und verbessert werden könne. Die Basis des Abrüstungsproblems bestehe nicht in der bloßen Verminderung Der Rüstungen, sondern in der Sicherung des Friedens. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse man später wieder mit gutem Willen zusammenkommen, um das Erreichte zu prüfen und weiterzuführen. Er tonne nur versichern, daß die amerikanische Delegation in diesem Geiste alle Anstrengungen für den Erfolg der Konferenz machen werde. Oer französische Ministerpräsident Tard eu erklärte u. a.: Man habe die Möglichkeit erkannt, zu einer Abrüstung der Flotten zu gelangen. Die Verantwortung, die alle Vertreter auf sich genommen hätten, sei außerordentlich groß. Ein Scheitern der Konferenz würde die schwersten Folgen haben. Mit Freude habe er die Erklärung Macdonalds vernommen, daß eine Einschränkung der Flottenrüstung nur im Verhältnis z u den Bedürfnissen der einzelnen Länder möglich sei. Diese Bedürfnisse der Länder ergäben sich aus der geographischen, historischen, kolonialen usw. Lage der einzelnen Mächte. Eine Abrüstung sei nur möglich, toenn man berücksichtige, daß Bürgschaften für den Frieden geschaffen werden müßten. Diesem klaren Ziel, nämlich der Sicherung der nationalen Existenz und des Friedens sei die französische Regierung zu dienen bereit Oer italienische Außenminister Grandi Mit jenem feierlichen Prunk, der fest in der Ucberüeferung des englischen Königstums wurzelt, hat König Georg V. die Verhandlungen über die Seeabrustung eröffnet. Daß es die Hauptstadt der größten Seemacht aller Zeiten und Völker ist, in der die Vertreter der maßgebenden Seemächte zusammengetreten sind, ist vielleicht ein Symbol. Daß es aber die Lab our-Regierung ist, deren Mitglieder sich aus ihrer sozialistischen Einstellung heraus für Völkerfrieden und Abrüstung! ausgesprochen haben, die nun berufen ist, die Verhandlungen zu leiten, ist wohl weniger em als vielmehr ein neuer Beweis für die englische Staatskunst, der alles zum Besten dient. Daß das Washingtoner Abkommen über die Seerüstung ein Versager war, ist ebenso unbestritten, wie erst seitdem das Wettrüsten der Seemächte eingesetzt hat. Gewiß wurde in Washington beschlossen, weniger Großkampfschisfe zu bauen teils aus maritimen Erwägungen, teils aus finanziellen Gründen. UM so stärker wurden dafür Schiffe gebaut, die sich nach den Erfahrungen des großen Krieges am besten dafür eigneten, den Gegner zu Wasser niederzuringen. England baute leichte Kreuzer, Frankreich U-Boote, Italien be des zusammen. Daß die Vereinigten Staaten dabei nicht ruhig bleiben konnten, erklärt sich nicht nur aus dem machtpolitischen Gegensatz zp I a p a n , sondern auch aus der immer starker werdenden Verflechtung in die internationale Wirtschaft. Die Vereinigten Staaten haben im Fernen Osten und in Südamerika vielleicht nicht weniger große Interessen zu verteidigen als England in Asten und Afrika. ., , . Daß bei einem Wettrüstenzwischender Union und England dieses den kürzeren hätte ziehen müssen, das war und ist auch dem ausgekochten britischen Imperialisten klar. Es gibt keinen Engländer, ganz einerlei zu welcher £gEe für I tan'aB-n» M«™ E ®iniflung ükr Großbritannien bedeutet. Dieser Gefahr hat Eng- die Flottenabrustung herbeizusuhren. Jedes Land land unmittelbar nach dem Kriege dadurch Rech- stolz auf seine Flotte und jedes Land habe nung getragen, daß unter allen Umftänöen eine ifi Hinsicht seine Tradition. Es liege weder °n Srointion n°ch an den Slottrn IE. Herr 8U werden. Wenn es gut geht, ist England daß der Wettbewerb im tflotten&au bisher nicht vielleicht für sieben Monate mit Lebensmitteln I aufgehalten worden sei. Allgemeine U n » und Rohstoffen versorgt, die es durc^oeg zum r ch e r h e i t sei hierdurch in der ganzen Welt 6erL*L?^uVl®ng;Un^ ™amrinerJoI,itri:t8be" entstanden SM ^cnbignng des Weltkrieg-« rechnen die Länge - dieser Anmarschwege auf seien nun die Lander zu der Ueberzeugung ge- achtzigtausend Seemeilen, die n i ch t o h n e A u f° kommen, daß nichts unversucht bleiben dürfe, sicht und Bewachung bleiben können und um €|n€ Wiederholung eines so schrecklichen Cr- dürfen Gerade der große Krieg hat England wie es der Weltkrieg gewesen sei, zu nur^w?nige deutsche Kreuzer ^und'H.lfsschiffe auf ' —orufnnbon Bei diesen englischen Versorgungsstraßen tätig sein konnten, haben sie der englischen Tonnage beträchtlichen Schaden zugefügt. Was heute die englischen Marinepolitiker offen zugestehen ist ein glänzender Beweis dafür, wie richtig die Berechnungen der deutschen Admiralität waren. England durch die ständige Bedrohung der Anmarschwege wirtschaftlich und militärisch nieder- Wirklicher Etatausgleich. Ungewöhnliche Korrekturen am Nachtragsetat Berlin, 21. Jan. Der Nachtragsetat von 1929 ist nunmehr beim Reichsrat eingegangen. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat der neue Reichsfinanzminister Moldenhauer an dem ursprünglichen Voranschlag noch einige sehr wesentliche Aenderungen vorgenommen. So hat man vor allem die Ansätze für die Steuereingänge, die im Etat 1929 v i e l z u h p ch angesetzt waren, wenigstens für den letzten Teil des Etatjahres wesentlich heruntergesetzt. Eine solche Korrektur an einem ordentlichen Etatsooran- schlay eines Reichsfinanzministeriums durch die selbe Behörde, ist bisher noch nicht vorgekommen, sie kennzeichnet die finanzpolitische Entwicklung des vergangenen Jahres sehr eindeutig. Durch diese Maßnahmen der Heruntersetzung der Soll-Ziffern für 1929 im Nachtragsetat, entsprechend den wirklichen Steuereingängen, hat der Nachtragsetat natürlich eine außerordentliche Mehrbelastung erfahren, aber andererseits hofft man, durch ihn das Jahr 1929 wirklich aus- General-Anzeiger für Oberheffen vnitk und Verlag: vrühl'lche Univerfiisi§-Vuch- und Sleindruckerei B. Lange in Gießen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttaße 7. Nr 18 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 22. Januar 1950 GiehenerAnzeiger Die Eröffnung der Londoner Flottenkonferenz. Oie Eröffnungssitzung im Oberhaus. - Oer König spricht. - Begrüßungsansprachen der Länderdelegierten Berlin, 21. Jan. (DDZ.) Eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der Spihenkörperschaften der Sozialdemokratischen Partei und der Freien Gewerkschasten befaßte sich am Dienstag mit den wachsenden Rotständen, die durch die außerordentlich schlechte Lage aus dem Arbeitsmarkt entstanden sind. Es herrschte Einmütigkeit, daß die folgenden Maßnahmen als dringlich anzusehen sind: Bei der Schwierigkeit einer durch- greisenden Arbeitsbeschasfung mit öffentlichen Mitteln ist die Kapitalzufuhr aus dem A u s l a n d e eine notwendige Voraussetzung der Desserung. Deshalb muh die sofortige Beseitigung aller inländischen Hemmungen verlangt werden, die gegenüber Anleiheausnahmen besteht, die aus Grund des Vertrauens ausländischer Geldgeber zur öffentlichen Wirtschaft in Deutschland erhältlich sind. Dadurch könnte über die Gemeinden ooer öffentlich-rechtlichen Kreditinstitutionen sine wesentliche Belebung des Baugewerbes und der mit ihm verbundenen Industrien erzielt werden. Um weiteren Industriezweigen Beschäftigung zu schassen, sollen R e i ch s- bahn und Reichspost im Hinblick auf ihre im Haag erreichte Beteiligung an der Mobili- sierungsanleihe zur beschleunigte n A u f - tragsvergebungveranlaßt werden. Die Ansätze für Bauzwecke und Rotstandsarbeiten in den ösfentlichen Haushalten sind vorweg zu verabschieden, damit eine vernünftige Verteilung der Aufträge umgehend erfolgen kann. Gleichzeitig mit allen erforderlichen Maßnahmen zur Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit, auch durch verstärkte Fortführung der Rotstandsarbeiten, muß bei der Gestaltung des Reichshausyalts der gesteigerteSozialbedarf für Erwerbslosenunter st ützung unbedingt sichergestellt werden. Angesichts der großen Zahl langfristiger Erwerbsloser bedarf insbesondere die Krisenfürsorge einer Reuregelung. Oie Geldnot der Arbeitslosenversicherung. Berlin, 21.Ian. (Priv.-Tel.) Wie voraus- zusehen war, hat die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung trotz der zum 1. Januar in Kraft getretenen Beitragserhöhung bereits an das Reichsfinanzministerium herantreten müssen, um die ihm zu- stehenden Darlehenszuschüsse zu erhalten. Der Reservefonds der Versicherung war bereits Ansang Januar aufgebraucht. Bisher sind etwa fünfzig Millionen aus der Reichskasse übernommen worden. D:e Anforderungen werden aber weiter steigen, da der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit wohl erst Mitte Februar erreicht sein wird. Die Reichsanstalt ist zurzeit mit der E t a t s a u f st e l l u n g für 1930 beschäftigt, für die ober irgendwelche feststehenden Positionen noch nicht vereinbart worden sind. Man rechnet zunächst aus Sicherheitsgründen damit, daß nach dem Ablauf des Gesetzes über die Beitrag lerhöhung am 30. 3uni d. 3. die alten Sätze wieder in Kraft treten, hofft aber, daß tatsächlich eine Verlängerung erfolgen wird. Allem Anschein nach ist auch trotz der Widerstände der Dolkspartei der Reichsfinanzminister Moldenhauer aus begreiflichen Etatgründen für dieBeibehaltung der erhöhten Sähe, denn gerade im Sommer wäre es dann der Reich-anstalt möglich, diesmal einen wirklich wirksamen Reservefonds anzusammeln, der über den 3ahres- beginn hinausreicht und die ReichOfinanzen entlastet. irdOyaj ferdeen- Dienstaa,. 2t Januar. 1930,7" abds. Pariser 9 ClerAufit Qenf X4 ■ SLJan Mayen. fle= emeinben Mehrko - Verabschiedung den der Jugend und Kaszismus (Line Antwort an den Papst. Rom, 21. Ian. ($11.) Das Defehlsblatt ___ Faszistischen Partei besaht sich mit der Bedeutung der Iugend in der Partei und im Staat. Der Faszismus, erklärt das Befehlsblatt, beabsichtigt, eine Herrschaft der Iugend zu bleiben. So würden in Zweifelsfällen unter 30- und 40jährigen bei gleichen Verdiensten erstere vorgezogcn. Auch die Stoßtrupps hätten sich aus jungen, teilweise jugendlichen Elementen zusammengesetzt. die sich zu schlagen verstünden und Vas hessische Hebammengesetz Aus dem Gesctzgebungsausschutz des Landtags. WHP. Darmstadt, 21. Jan. Der Gesetzgebungsausschuß des Hessischen Landtags begann mit der Beratung des Gesetzes über das Hebammenwesen. Von verschiedenen Seiten wurden Bedenken über die Verabschiedung geäußert, da doch mit der gleichen zu können, so daß — entgegen anders lautenden Meldungen — ein sehr wesentliches Defizit für die nächsten Jahre aus 1929 nicht entstehen wird. Selbstverständlich wird der Reichsfinanzminister seinen Etat für 1930 ebenfalls entsprechend der Wirtschaftslage auf den herabgesetzten Sollziffern für die Steuereingänge aufbauen. Damit erfährt diese unselige und unheilvolle Etatspolitik, die auf einer UeberschätzungderSteuereingänge beruhte endlich ein Ende. Inzwischen ist auch über das Defizit des Jahres 1928, das in der Hohe von rund 150 Millionen offen geblieben war, eine Entscheidung gefallen. Man hat es nicht in den Nachtragsetat für 1929 eingesetzt, sondern wird es, entsprechend den Haushaltsbestimmungen, er st im kommenden Etat decken. Sofort noch Verabschiedung des Nachtragshaushaltes im Reichsrat, der seine Beratungen jetzt beginnt, wird der Reichstag sich mit dieser Materie beschäftigen. Ein Roggenbrotgesetz? Zur Stützung des innerdeutschen Roqgenmarktes. Berlin, 22.Jan. (Priv.-Tel.) Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, schweben in Re- gierungskreisen Erwägungen, den Roggenpreis durch Schaffung eines Roggenbrotgesetzes zu heben. Die Stützung des innerdeutschen Rog- genmarttes ist nach wie vor eine der dringendsten Aufgaben, und das um so mehr, da trotz der Zollerhöhungen der Roggenpreis erneut gefallen ist. Bei den gegenwärtigen Erwägungen wird an eine Maßnahme gedacht, wie sie vor kurzem bereits in M ü n ch e n durchgeführt worden ist. Der Geschmack der Verbraucher an Roggenbrot soll dadurch gefördert werden, daß man Vorsorge trifft, daß das Roggenbrot an Stelle des üblichen aus gemischtem Mehl bestehenden Schwarzbrotes als reines Roggenbrot in den Handelgebracht wird, und zwar dürsten diesem Roggenbrot höchstens 5 v. H. von anderem Mehl beigemengt werden Ein solches Roggenbrot wird durch eine Siegelmarke als Marken- brot gekennzeichnet sein. Eine Entscheidung über die geplanten Maßnahmen ist noch nicht ' st en entstünden. Von Regierungsseite wurde das bestritten, so daß der Ausschuß beschloß, in die Beratung des Gesetzes einzutreten. Der Minister des Innern erklärte, der Gesetzentwurf sei auf Antrag des Landtages und des Hebammenvereins zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Hebammen eingebracht worden. In der Einzelberatung wurde bei Artikel 6 auf oolksparteilichen Antrag beschlossen, daß die Hebamme n b e z i r k e durch die Kreisämter auf Beschluß des Kreisausschusses eingeteilt werden. Artikel 8, daß die Hebamme bei der Ausübung ihres Berufs auf ihren Bezirk beschränkt ist, und daß sie außerhalb ihres Bezirks nur in Notfällen ober in Stellvertretung einer verhinderten zuständigen Hebamme mit Zustimmung des Kreisamtes Hebammendienfte verrichten darf, wurde g e - strichen. Der Artikel 13 wurde auf volksparteilichen Antrag dahin geändert, daß für die Erteilung und die Rücknahme der Niederlassungsgenehmigung das Kreisamt des Hebammenbezirks nach Anhörung der in Frage kommenden Gemeindevertretungen zuständig ist. Gegen die Entscheidung des Kreisausschusses steht nunmehr allen Beteiligten das Recht der Beschwerde an den Innenminister zu. Das Reichsbeamien Besoldungsgesetz. Berlin, 21. Ian. (DDZ.) Der Beamten - ausschuß des Reichstags berät gegenwärtig die Ausführungsbestimmungen zum Reichsbeamtenbesoldungsgeseh, die ihm die Regierung zur Kenntnisnahme vorgelegt hat. Aen- derungen kann der Ausschuß von sich aus nicht vornehmen, er hat jedoch bei der ersten Lesung im Januar 1929 der Regierung Aenderungs- wünsche unterbreitet. Diese sind inzwischen, wie sich jetzt bei der zweiten ßcfung heraus stellt, zum Teil berücksichtigt worden. So soll z. B. zur Verbesserung des Besoldungsdienstalters für Schwerkriegsbeschädigte deren Altersgrenze um je ein Jahr herabgesetzt werden. Bei Festsetzung der D i e n st - Wohnungsvergütung soll die Beamtenvertretung gutachtlich Mitwirken. Den Versorgungsanwärtern soll der ein Jahr übersteigende Vorbereitungsdienst angerechnet werden. fallen. Oie deutsch-polnischen Roggenexporibesprechungen. Warschau, 21. Jan. (WB.) Die deutsch-polnischen Roggenexportverhandlungen haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Dr. Baade hat gestern Warschau verlassen. Der polnischen Seite ist es freigestellt worden, das deutsche Angebot auf gemeinsame Exportorganisationen und Abnahme einer größeren Roggenmenge noch in dieser Woche anzu- nehmen. Jedoch haben beide Seiten sich s e l b st ä n - d i g c Roggenexportmaßnahmen vorbehalten. In polnischen Landwirtschaftskreisen besteht die Neigung, die deutschen Vorschläge anzunehmen, da man die polnische Exportorganisation nicht für stark genug hält, um den Konkurrenzkampf mit Deutschland auszunehmen, während der polnische Getreidehandel infolge der Vorteile, die ihm gegenwärtig durch das Softem der Exportprämie zufallen, dem deutschen Angebot ablehnend gegenübersteht. OeflerreW Erfolg aus der Haager Konferenz ne irgendeine g Oesterreichs Generalpfand- reruni von den Reparationen und vom Konferenz habe Vertretern worin es u. a. Auch des den die eine im Auto davongefahren war. Der Bunt cs Kanzler gab den der Presse eine (Srflärung, heißt: Der Abschluß der 2. Haager Vor einigen Tagen war es an der Grenze zwischen Bolivien und Paraguay zu einem Zwischenfall gekommen. Eine bolivianische Patrouille hatte eine paraguahanische Truppenabteilung in der Rähe von Puerto Casado angegriffen, wobei es einen Toten gab. Der Geschäftsträger Paraguays in Washington befürchtet. daß ein Konflikt unmittelbar bevorstehe. Seine Regierung habe ihm zur Kenntnis gebracht, daß der bolivianische Oberbefehlshaber, General Kuntz, den allgemeinen Angriff auf die paraguahanische Grenze befohlen habe. befriedigende Lösung erzielt worden. Jeder, der an der Konferenz teilnahm, habe das Empfinden gehabt, daß ihre Arbeit sehr erfolgreich gewesen sei. Geheimrat Payer, der Senior der schwäbischen Demokratie, früher Vizekanzler im Kabinett Max von Baden, hat infolge des Eintritts öer Demokraten in die Regierung Bazille seinen Austritt aus der Demokratischen Partei in Württemberg erklärt. Mit ihm sind auch noch die übrigen Mitglieder der Familie Payer aus der Partei ausgetreten 1. die Frage der Reparationen, 2. das damit zusammenhängende General- pfandrecht und 3. die Liquidierung der Vergangenheit. Auch die Tschechoslowakei und Rumänien hätten dank der Unterstützung der Der bisherige amerikanische Botschafter in Berlin, Dr. S y u r m a n ist nach Hamburg ab« gereift. Zum Abschied hatten sich fast das gesamte diplomatische Korps sowie Vertreter des Auswärtigen Amts und sämtlicher anderer Behörden eingefunden. Für den Reichspräsidenten v. Hindenburg überbrachte Staatssekretär Dr. Meißner, für den Reichskanzler Staatssekretär Dr. Pünder Abschiedsgrühe. Schober Glücklicheres Oesterreich. Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Hugenberg, soll durch dritte Personen an die Abgeordneten Schlange-Schöningen und von Keudell eine Ginladung zu einer nochmaligen Rücksprache haben ergehen lassen. Schlange-Schöningen habe abgelehnt. Der frühere Reichsinnenminister von Keudell habe mit Rücksicht auf den Deutschnationalen Landesverband seines Wahlkreises die Hugen- bergsche Einladung angenommen. Die Aussprache soll vor dem 28. Ianuar erfolgen, an welchem Tage die Volkskonservative Vereinigung mit einer Kundgebung im früheren Herrenhaus vor die breitere Oeffent- lichkeit tritt. Reichsminister Dr. C u r t i u s erstattete heute nachmittag dem Herrn Reichspräsidenten in ausführlichem Vortrag Bericht über d i e Verhandlungen der Konferenz im Haag. Der Herr Reichspräsident sprach nach Entgegennahme des Berichts dem Reichsaußenminister Dr. Curtius und der deutschen Delegation seinen Dank und seine Anerkennung für ihre Arbeit und ihre Haltung aus. Aach einer Meldung aus Mainz verlautet von unterrichteter Seite, daß der Reichspräsi- dent die Absicht habe, nach der Räumung der 3. Zone in der ersten Woche der Befreiung der 2. und 3. Zone einen Besuch a b z ust a t -- ten. Die Desuchsreise sei so geplant, daß die Städte Aachen. Trier, Koblenz, Mainz und Speyer vom Reichspräsidenten besucht werden sollen. harmlosem Charakter angenommen, mit Bezug auf die Verschiebung Transfers von Annuitäten für Fall, daß ein derartiger Transfer für deutsche Währung nachteilig fein könnte, sei Aller Reparaiionslasten frei. - Jubelnder Empfang des Bundeskanzlers in Men. ür Oesterreich einen großen Erfolg insofern gebracht, als endlich drei wichtige, die Entwicklung Oesterreichs auf das schwerste behindernde Fragen gelöst worden sind: Meine politische Nachrichten. Das ehemalige Grohherzogspaar von Hessen, Grobherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore feiern am 2. Februar das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Großherzogin Eleonore ist eine geborene Prinzessin von Solms- Hohensolms-Lich, der Ehe entsprossen zwei Sohne, der 1906 geborene ehemalige Crbgrohherzog Georg und der 1908 geborene Prinz Ludwig. 'Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten für Deutschland, ©adelt und Frau, werden Mittwoch mit dem Dampfer „President Har- dina" über Plymouth, London, Hoeck van Holland nach Deutschland abreisen. Botschafter Sackett gedenkt etwa am 5. Februar in Berlin einzutreffen. Der Führer der deutschen Sa ar de le- ga t ion, Staatssekretär a. D. Dr. von Simfon ift zur Fortsetzung der deutsch-französischen Saar- verhandlunaen wieder in Paris einge- troffen. Er hatte bereits eine erste Besprechung nut dem Führer der französischen Delegation, Minister Pernot. Wien, 21. Ian. (TU.) Bundeskanzler Schober ist am Dienstagabend mit der österreichischen Abordnung aus dem Haag in Wien eingetroffen. Auf dem Wiener Westbahnhof hatten sich sämtliche Mitglieder der Regierung, zahlreiche 'Sun» desräte, Rationalräte und Wiener Gemeinderäte der bürgerlichen Parteien versammelt, außerdem Vertreter der meisten Behörden, der Wirtschaft und viele Offiziere. Als der Zug in die Halle einsuhr, spielte die Regimentsmusik die neue Dundeshymne, deren zweüc Strophe der Wiener Männer-Gesangverein fang. Richt endenwollende Heil- und Bravorufe empfingen den Bundeskanzler und die Abordnung. Vizekanzler D a u g o i n begrüßte den Bundeskanzler mit einer An- prache, in der er u. a. sagte: „Durch Ihre zähe Ausdauer haben Sie es auf der Haager Konferenz durchgesetzt, daß Oesterreich bedingungslos befreit wurde von den Reparationen und von dem Generalpfandrecht. Sie haben damit die staatsfinanzielleSou- Deränilät Oesterreichs wiederhergestellt. In seiner Erwiderung erklärte Schober, daß das Verdienst für das glückliche Ergebnis im Haag nicht allein ihm gebühre, sondern auch einen Vorgängern, die alle gearbeitet hätten, um dieses Ziel zu erreichen. ..Ich danke dem Herrgott." sagte Schober, „daß er die Oesterreicher nicht vergessen hat, und daß er gefunden hat. es sei höchste Zeit, daß unser Land befreit wird. Ich habe im Haag erklärt, daß ein Land, mit etwa 300 000 Arbeitslosen nicht imstande ist, einen Heller ins Ausland zu zahlen. Die Mächte haben Oesterreich wieder großes Vertrauen geschenkt und ihre Sympathien haben es ermöglicht, daß wir heute rei sind von Reparationen und vom General- Pfandrecht und daß alles übrige gegenseitig gestrichen wird. Wir sind ein freier Staat und wollen als freies Volk nun an die Arbeit gehen, um die wirtschaftliche Lage so zu gestalten, wie wir es alle wünschen." Schober schloß mit den Worten: „Ietzt aber gehen wir an die Arbeit!" Der Bundeskanzler begab sich dann in den ehemaligen Hofwarkesalon, wo er sich von den vielen zu seinem Empfang erschienenen Persönlichkeiten verabschiedete. Als er das Bahnhofsgebäude verlies, brach die unübersehbare vieltausendköpfige Menge, die sich vor dem Bahnhof versammelt hatte, in stürmische Rufe aus, die erst lange danach verstummten, nachdem er Großmächte den Argumenten der österreichischen Delegation keinen weiteren Widerstand entgegengesetzt und o h n Entschädigung der Befrei recht zugestimmt. Die Verhandlungen gestalteten sich deshalb schwierig, weil bis in die letzten Tage das österreichische Problem mit der ungarischen Frage eng verknüpft war und es kaum möglich schien, diese Verbindung zu lösen. Aber auch das sei schließlich gelungen. — Wie die „Reue Freie Presse" meldet, wird Bundeskanzler Schober die feit längerer Zeit beabsichtigte Reise nach Rom am 31. d. M. antreten. Während des Besuches des Bundeskanzlers in Rom werden Konferenzen über noch schwebende finanzielle und handelspolitische Fragen stattfinden. Der Besuch Schobers in Berlin dürfte Mitte Februar erfolgen. Mit dem deutschen Außenminister Dr. C u r t i u s hat Bundeskanzler Schober im Haag wiederholt eingehenden Gedankenaustausch gepflogen. Gnowden hochbefriedigi. Ter britische Schatzkanzler zeigt sich sehr optimistisch. London, 21. Jan. (WB.) Snowden, der heute von der Haager Konferenz zurückgekehrt ist, erklärte sich in feiner Unterredung als h o ch b e f r i e - digt von den Ergebnissen der Konferenz, die alle feine Erwartungen übertroffen hätten. Er sagte, die Frage der Reparationen sei im Haag seiner Meinung nach auf eine durchführbare Grundlage gestellt worden, so daß jedem Lande ein Gefühl der Befriedigung verliehen werde. In den Punkten, die auf der Konferenz vom letzten August zwischen den Gläubigerregierungen und Deutschland ungeregelt blieben, sei eine Vereinbarung erzielt worden. Die vier ober fünf Fragen, die im Zusammenhang mit den deutschen Annuitäten zu einer beträchtlichen Erörterung führten, wurden in einer Weise geregelt, daß bei der deutschen Delegation kein Gefühl der Unzufriedenheit zurückblieb. Es sei ein Abkommen getroffen worden, wonach sich die deutsche Regierung vom Auslandgeldmarkt fernhalten werbe, bis die e r ft e Mobilisierungsbemühung erfolgt sei. In bezug auf bie Sanktionen hätten bie Deutschen ein Memoranbum von ziemlich Aus aller Welt. Slrafanlräge im Koblenzer Bestechungsprozeh. Im Koblenzer Eisenbahnbestechungsprozeß begannen die Plädoyers. Der Staatsanwalt beantragte, nachdem er bie Richter ermahnt hatte, das Wort wahr zu machen, baß im neuen Reich kein Raum für Korruption sei. und daß sehr strenge Strafen unter Ausschluß aller mildernder Umstände am Platze seien, gegen sechs der ange- klagten Reichsbahnoeamten Z u ch t h a n s ft r a s e n wegen aktiver bzw. passiver Bestechung, Amtsunterim Liktorenzeichen zu sterben wüßten. Der Faszis- mus beabsichtige, geistig die ganze italiemsche Iugend vorzubereiten. Aus ihr müßten die leitenden Schichten des faszistischen Italiens von morgen hervorgehen. Zu diesem Zweck feien neben der bürgerlichen Miliz der Partei die Iugend- verbände, die Abteilungen der Iungmannen und die faszistischen älniversitätsabteilungen gegründet worden. Manneszucht gehöre zu den obersten Rotwendigkeiten der faszistischen Revolution. Die Iungen mühten mehr als alle anderen gehorchen, um das Recht oder vielmehr die Pflicht zum Kommandieren zu erwerben. Diese Aeuherungen in dem Befehlsblatt der Faszistischen Partei sind zum Teil auch als Antwort auf die Enzyklika des Papstes über die Erziehung der Iugend zu werten, insofern, als hier nochmals die faszistische Auffassung über das Vorrecht des Staates hinsichtlich der Iugenderziehung zum Ausdruck kommt. Im Alter von fast 70 Jahren starb an einem Herzleiden der ehemalige fozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Max Quarck. Quarck war Redakteur der „Frantsurter Zeitung" bis zum Iahre 1891. Run trat er zur Sozialdemokratie über und übernahm 1893 die redaktionelle Leitung der „Frankfurter Volksstimme", die er bis zum Iahre 1917 innehatte. 1912 wurde Quarck als Vertreter der Stadt Frankfurt a. M. in den Reichstag gewählt. schlagung, schwerer Amtspflichtvertetzung von ein bi» 2% Jahren und gegen einen Beamten wegen Amts- Pflichtverletzung sechs Monate Gefängnis, gegen den Kaufmann Anton Dunkel wegen akttoer Bestechung und Betrugs zwei Jahre Gefängnis, gegen Kuhnen wegen aktiver Bestechung neun Monate Gefängnis und gegen Jakob Dunkel wegen Beihilfe 300 Mark Geldstrafe. Erneute Aufrollung des halsmanu-prozesfes. Der Wiener Kassationshof begann die Verhandlung der zweiten Richtigkeitsbeschwerde des wegen Totschlages an feinem Vater vorn Innsbrucker Schwurgericht zu vier Iahren schweren Kerkers verurteilten Studenten PHÜipp Halsmann. Das Urteil ist am Donnerstag zu erwarten. Die Arbeils- und Lohnverhättnisfe bei Ford in Köln. In einer Unterredung eines Vertreters der „Kölnischen Zeitung" nut dem Generaldirektor Heine der Deutschen Fordgesellschaft äußerte sich dieser über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in der in Aussicht genommenen Kölner Fordniederlassung u. a.: „Es ist ebensogut möglich, daß to-it m i t nur 800 Mann Belegschaft beginnen, und wir nicht gleich zu Anfang 1500 einstellen werden. Auf jeden Fall werden wir jedem Arbeiter einen Mindest lohn von 16 Mark am Tage zahlen, steigend bis 24 Mark täglich. Es stimmt auch, daß wir in unserem Kölner Betriebe die 5 - T a g e - Arbeitswoche einsühren werden (40 Arbeitsstunden in der Woche)." Schwere Zuchthausstrafe für Bankräuber. Das Schöffengericht Braunschweig verhandelte gegen vier Bankräuber, die Ende vorigen Iahres zwei Sparkas'senzweig stellen in Braunschweig mit Waffengewalt überfallen und mehrere tausend Mark geraubt hatten. Das Urteil lautete gegen Bernhard Polchck wegen schweren Raubes im Rückfalle auf zehn Iahre Zuchthaus, gegen Emanuel Polcyck, Wollnh und Banhsch wegen schweren Raubes auf je sechs Iahre Zuchthaus. Gegen alle vier wurde Polizeiaufsicht als zulässig erflärt. Autounglück auf der Sternfahrt Riga—Monte Larlo. Der Teilnehmer an der internationalen Sternfahrt Riga — Monte Carlo, Rennfahrer Saufet aus Innsbruck, übe r f u h r in der Gegend von Kell- mienen mit 95 Kilometer Stunbcnaeschwinbigkeit einen großen Schäferhund. Durch den Anprall löste sich bie Stoßstange und geriet in bas linke Dorberrab, so baß der Wagen sich um fast 90 Grad drehte und im Weiterrasen eine A n - zahl Bäume umriß. Die beiden im Fonds sitzenden Mitfahrer wurden herausgerissen und schwer verletzt. Saufet und sein Chauffeur blieben unverletzt. (Erfennungenummem für Wasserfahrzeuge. Im Reichsverlehrsministerium finden zur Zeit Verhandlungen statt, deren Ziel eine R e u - orbnung auf allen Gewässern ist. Es hat sich herausgestellt, daß der ständig wachsende Verkehr auf dem Wasser einer Reuregelung bedarf, die geeignet ist, die Sicherheit der Berufsschiffahrt, die gefährdet erscheint, wiederherzustellen. Zu diesem Zweck wird eine Reglementierung aller Wasserfahrzeuge vorgenommen werden. Genau wie jedes Wttomobil soll künftig jedes Wasserfahrzeug eine Nummer erhalten, so daß bei jeder Störung des Wasserverkehrs der Uebet- täter sofort erkannt werden kann. OWOlKenios o neuer ®naib bedecti ® wolkig. ® Gedeckt. • Regen, Schnee Graupeln. e Nebel K 6ewit'er.(g)Windstiile. •<>-. sehe leichte» O$i -nassige» Südsüdwest b stürmische- Nordwest Die Piene fliegen mit dem winde. Die beiden Stationen stenenoen Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit.gleichet* aut neeresniveau umoerechneten Luftdruck Wcttcrvo cauefage. Das neue Fallgebiet mit seiner ausgedehnten Südseite erstreckt sich von Island bis über die britischen Inseln und bringt dort erneutes Schlechtwetter. Heber Zentraleuropa hat der Hochdruckeinsluh unvermindert standgehalten. Er wird auch fortbauern, und die Ausläufer der Störung dürften wahrscheinlich in unserem Bezirk nur Bewölkung, leichte Milderung und ganz vereinzelt Riederschläge verursachen. Wettervoraussage für Donnerstag: Fortdauer des nebligwolkigen, zeitweise aufklarenden Wetters, Temperaturen noch wenig verändert, später mehr im nördlichen Teile etwas Milderung und Niederschlagsneigung. W i t t e r u n g s a u s s i cht e n für Freitag: Bewölkt mit Aufheiterung, Temperaturen schwankend und nur vereinzelt etwas Niederschläge. Lufttemperaturen am 21. Januar: mittags 3,3 ®rab Celsius, abends 1,8 Grab: am 22. Januarmorgens 1 Grab. Maximum 4,6 Grab, Minimum — 0,6 Grab. — Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe | am 21. Januar: obonbs 0,3 Grad: am 22. Januar: morgens 0,6 Grad Celsius. Sie Wetterlage. 6 ' Wien ttiao^nr Aus der Provinzialhüuptfiadi Gießen, den 22. Januar 1930. Mehr Rücksicht! Ich nahm dieser Tage an einer Beerdigung teil. tLs war in einem größeren Dorfe der Umgebung Gießens. Die Trauergäste hatten sich — wie üblich — auf der Hauptstraße versammelt, da der kleme Hof des Sterbehauses viel zu eng war. um die Leute alle zu fassen. 3m Augenblick, in tarn bet Sara auf den Wagen gehoben wurde, kam ein Personenauto, das durch lebhaftes Tuten kundgab, daß cs durchfahren wollte. Landfam, aber widerwi^g machten die Leute Platz und ließen es vorbei. Da es geregnet hatte und das Auto an Geschwindigkeit nichts zu wünschen übrig ließ, spritzte der Dreck nur so. Die zunächst Stehenden wurden beschmutzt. Ich konnte das Murren und Schelten verstehen, das die Persammlung dem Auto nachsandtc. Es ist in der Tat auch ein starkes Stück, wenn inanche Autofahrer nicht wissen, was sie in diesem Falle zu tun haben. Selbst, wenn sie einige Minuten warten müßten, wäre das doch kein Unglück. Sie hätten ja ebensogut eine Panne haben tannen. 3d) stand ganz seitwärts und sagte zu meinem Nachbar: „Die Leute hätten stehen bleiben müssen, dann hätte 'das Auto vielleicht doch nicht gewagt, eine Feierlichkeit zu stören." Denn es war eine Störung, noch mehr: ein Unfug. Autofahrer, aber auch die Besitzer anderer Fuhrwerke, sollten doch soviel Taktgefühl besitzen und wissen, was man seinen Mitmenschen, besonders aber dem Tode gegenüber, schuldig ist. Ich habe auch schon gesehen, daß Autos, die dem Leich^nzug entgegenfuhren, keineswegs hielten, sondern seitwärts in gutem Tempo vorübersausten. Dabei lernen schon die Kinder in der Schule, daß sie bei einer Beerdigung stehen bleiben und die Kopfbedeckung abnehmen sollen. Kann das Auto also die paar Augenblicke nicht warten, bis der Leichenzug vorüber ist? Um der Gerechtigkeit willen soU aber hier angefügt werden, daß ich auch schon sehr oft erlebt habe, daß Autos hielten, wenn em Trauerzug vorbeikam. Ich kann mir auch denken, daß z. D. ein Arzt, der zu einem Schwerkranken gerufen wurde, es sehr eilig hat und nicht warten kann. Hat sich der Leichenzug noch nicht in Bewegung gesetzt, dann braucht der Arzt nur aas- zusteigen und den Aächftstehenden zu sagen, um was es sich handelt. Dann wird selbstredend jeder dafür sorgen, daß das Auto weiterfahren kann. Tempo! Tempo! heißt aber bei gar vielen heute die Losung. Aber sollte man nicht soviel Zeit haben, um einem Toten die nötige Ehre zu erweisen?-- Auch bei anderen Anlässen kann man hier und da merkwürdige Beobachtungen machen. Man kann z. B. sehr oft in der Bahn Herren sehen, die ihre langen Beine, unbekümmert um die Mitfahrenden, ausstrecken, daß alle Ein- und Aussteigenden, den Schaffner einbegriffen,. besondere Sprungübungen machen müssen, um drüber zu kommen. Aus verkehrsreichen Straßen begegnet man immer wieder Damen (hier und da auch Herren!), die unbedingt untergehakt (per Arm!) gehen müssen. Es läßt sie ganz kalt, daß die Hälfte der Borübergehenden vom Fußsteig herunter und einen großen Umweg machen muß. Oder man steht vor einem Schaufenster und will sich die Auslagen ansehen. Zwei Freundinnen stehen auch da, sehen gor nicht nach den Waren, sondern unterhalten sich. 21 Der Platz machen sie nicht! In Wartehallen, auch in öffentlichen Gebäuden finden wir die praktischen, selbstschließenden Pendeltüren. Ist dir noch nicht eine solche Tür von deinem „Vorgänger" wider den Leib geschleudert worden? Oder warum machen so viele Leute die Tür nicht zu, wenn sie ins Zimmer treten? „Nur einen Augenblick", sagen sie, und dann werden viele Minuten daraus. Die Tür ober steht offen. Hat man nicht auch schon gesehen, wie sich manche Leute bei Aufläufen oder sonst, wenn es etwas zu sehen gibt, vordrängen? Unbekümmert um die wütenden Blicke der Umstehenden schieben sie sich mit Hilfe ihrer Ellbogen vor. Gar oft kann man von „unbekümmert" nickst mehr sprechen. Es schadet nichts, wenn allen diesen Leuten einmal von Zeit zu Zeit gehörig die Meinung gesagt wird. Wir müssen ihnen klar machen, daß sie nicht allein auf der Welt sind. Damit nützen wir uns, aber auch denen, die keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen. Das ist öffentliche Erziehung, und sie ist manchmal sehr nötig! D. Daten für Donnerstag. 23. Januar. 1806: der englische Staatsmann William Pitt d. I. in Putneii gestorben (geboren 1759); — 1832: der frünzösische Maler Edouard Manet in Paris geboren (gestorben 1883); — 1922: der Musiker Arthur Nikisch in Leipzig gestorben (geboren 1855). Bornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadtthcater. „Die andere Seite", 19.30 bis 22 Uhr — Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei: Oeffentliche Bersammlung, 20.15 Uhr, im „Postkeller". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Heiralsfieber"; auf der Buhne: Ope- retten-Revue: „Lachendes Leben". - Astoria» Lichtsviele: „Der Klub der Junggesellen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Erstaufführung' des englischen Kriegsdramas: „Die andere Seite" beginnt um 19,30 Uhr. Wegen plötzlicher Erkrankung des Herrn Haefer spielt Herr Zingel die Rolle des Feldwebels. — Am Freitag, 24. d. M. folgt wieder ein Gastspiel des Frankfurter Operettenensembles mit der bekannten und altbewährten Oskar Straußschen Operette: „Ein Walzertraum". — Am Sonntag, 26. d. M. findet als Fremdenvorstellung eine Aufführung der ur- komischen alten Berliner Gefangsposse: „Khrih- Pyrih" statt. - Der Vorverkauf zum Bühnenball des Stadttheaters am 1. Februar hat begonnen. — Der Ortsausschuß Gießen der Vertrauensmänner der Angestelltenversicherung veranstaltet am morgigen Donnerstagabend im Cafe Leib einen öffentlichen Lichtbildervortrag über das Thema „Die Berechnung und Zahlung der Renten nach dem Ange- stelltenversicherungsgeseh und das Rechtsmittel- verfahren", für den etwa 50 Lichtbilder zur Verfügung stehen. Vortragender ist der Revisor der Reichsverficherungsanstalt für Angestellte, Verwaltungsoberinspektor Busse, Gießen. Interessenten feien auf die gestrige Anzeige hingewiesen. * •* Der Provinzialtag der Provinz Oberhessen tritt am nächsten Samstag, 10.30 Uhr, im Sitzungssaals des Regierungs- gebäubes zu Gießen zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. Aach der Konstituierung deS Provinzialtages und der Verpflichtung der Mitglieder, sowie der Festsetzung der Tagegelder und Reisekosten wird die Wahl des Provinzial- ausschusses vorgenommen. Weiter wird sich der Provinzialtag mit der Übertragung von Provinzialstraßenstrecken und -brücken in das Eigentum der Stadt Gießen, sowie mit der Gasfernversorgung beschäftigen. ♦* Der Gießener Stadtrat tritt, wie schon kurz gemeldet, am kommenden Freitag, 17 Uhr beginnend, zu einer Sitzung im Stadthaus Bergstraße zusammen. Aus der Tagesordnung steht als wichtigster Punkt die Beratung und Entscheidung über das Vertragswert der Heköga. Ferner wird sich der Stadtrat mit einem Nachtragsvoranschlag für 1929 für das Stadttheater und mit der Verkehrsordnung in der Stadt Gießen beschäftigen. ** Personenveränderung im Pronin- zialtag. Der bei der Provinziallagswahl am 17. November v. I. in den Provinzialtag^dcr Provinz Oberhessen gewählte Landwirt Hch. Steuer- nagel In Eudorf hat sein Mandat niedergelegt. An seine Stelle ist der Landwirt und Müller Eduard Lutz in Klein-Felda in den Provinzialtag berufen worden. ♦’ Reichsbahnpersonalien. Ernannt wurden: zum Lokomotivführer Rcserv kfomotiD- führer Leonhard Kraft in Stockheim; zum Rangiermeister Ranqieraufseher Heinrich L o h ll. in Gießen; zum Stellwerksmeister Weichenwärter Ludwig Volk in Gießen; zum Bahnwärter Hilfsbahnwärter Werner Hanitsch in Alsfeld; zum Assistenten Außerplanmäßiger Assistent Adam Sippe! in Alsfeld. Bernhard Schrer- ner in Schlitz. Verseht: Betriebsassistent Joh. Wahl von Gießen nach Lohra. ** Von der Armen und Kranken- Sflege der Evangelischen Gemeinde. m Anschlüsse an die Notiz unter dieser Ueberschrift in der vorigen Freitagn»ummer wird uns mitgeteilt, daß auch die Spenden aus der Petrusgemeinde restlos zur Ausstattung der Schwesternwohnung in der Kleinkinderschule am Wetzlarer Weg Verwendung gefunden haben. Ebenso haben auch Frauen des Hrauenvereins der Petrusgemeinde sowohl bei Beschaffung der Ausstattung, wie auch bei der Herrichtung der Wohnung nach Möglichkeit mitgewirkt. " Die Heimatvereinigung „Schif- fenberg“ veranstaltete am Sonntag auf dem Schiffenberg eine gutbesuchte Familienzusammen- kunft. Der Vorsitzende der Vereinigung, Forstrat Rico laus, begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Damen. Er wies darauf hin, daß die Heimatvereinigung sich die Aufgabe gestellt habe, die Schönheiten der Heimat zu pflegen und nach Möglichkeit zu erhöhen. Man dürfe dabei aber nicht nur an die Wälder, Felder und Wiesen denten. sondern auch an die Menschen, die in der Heimat wohnen. Sie zur Heimatliebe anzuregen, sei der Zweck derartiger Veranstaltungen. Das Programm des Rachmittags brachte vor allem eine Reihe musikalischer Darbietungen, einen sehr beifällig aufgenommenen Gesangsvortrag von Frau Jensen; sowie das gemeinschaftlich gesungene, von Karl Weidig gestiftete Schiffenberglied: „Es steht ein Kloster". Auch unser Heimatdichter Gg. Heß trug durch den Vortrag seiner neuesten Dichtung „Wie ein oberhessischer Dauer mit dem Auto durch den Odenwald gefahren ist", wesentlich zur Verschönerung der Veranstaltung bei. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 17. Jan. Ein Servierfräulein. da« in einem auswärtigen Cafe bedienstet war, hatte in ihrem Bonbuch die ihr von den Gästen gemachten Bestellungen in geringerer Menge eingetragen und erst nach Abtrennung der jeweils für die Küche bestimmten Bons auf dielen die noch fehlende Menge der Bestellungen nachgetragen. Da aber lediglich die Eintragungen im Bonbuch die Grundlage für die abendlichen Abrechnungen bildeten, erreichte sie auf diese Weise, daß die tatsächlich erzielten Mehreinnahmen ihrem Arbeitgeber verborgen blieben. Jedoch schon nach zwei Tagen wurde dieses Betrugs- manöver aufgedeckt und die Angeklagte fristlos entlassen. Wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug wurde sie jetzt zu zwei, Wochen Gefängnis verurteilt. Ein Provisionsreisender hatte, um in den Besitz der Provision zu gelangen, seiner Firma in einer Reihe von Fällen fingierte Aufträge auf Warenbestellungen übergeben und daraufhin die Provision erhalten. Da die Bestellscheine aber nicht unterschrieben waren, nahm das Gericht lediglich Betrug in fortgesetzter Begangenfchaft an und verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf feine bisherige Unbestraftheit und fein reumütiges Geständnis unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von 3 0 Mark evtl. 3 Tage Gefängnis. Ein Zeitschriftenreifender ließ sich angeblich zwecks Kundenwerben von einer hiesigen Buchhandlung unter deren Eigentumsvorbehalt mehrere Vorlegehefte und Policen auf Versiche- rungszeitschriften geben. Dabei war es ihm aber weniger um die Ausübung einer ehrlichen Arbeit als darum zu tun, möglichst schnell in den Besitz von Geld zu gelangen. So verkaufte er verabredungswidrig gleich ein Vorlegeheft und behielt den Erlös für sich. In einem anderen Fall fälschte er eine Quittung. Seine Behauptung, aus Rot gehandelt zu haben, konnte ihm nicht ausreichend widerlegt werden. Er wurde daher nur wegen Rotunterschlagung und Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von drei Wochen einem Tag Gefängnis verurteilt. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein anscheinend unverbesserlicher Mann, dessen Vorstrafliste schon eine sehr große Zahl Vorstrafen aufweist. Kaum, daß die Gefängnistore sich hinter ihm wieder geschloffen hatten, beging er noch in der gleichen Stunde einen neuen Diebstahl, indem er einen unbewachten Augenblick in einer Wirtschaft dazu benutzte, um der Laden- kasse einen Geldbetrag zu entnehmen, obwohl er noch im Besitz des ihm zuvor von der Strafanstalt ausgezahlten Betrages von 38 Mark war. Da nach feinem Auftreten das Gericht Zweifel an feiner Zurechnungsfähigkeit hatte, beschloß es, den Angeklagten zunächst auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Berliner Börse. Berlin, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) Auf Grund der leichten Geldmarktverhältnisse, die See- handlung hat ihre Zinssätze erneut herabgesetzt, ist man im heutigen Frühverkehr weiter freundlich ge- stimmt. Besonders für Kaliwerte scheint sich das Interesse zu erhalten. Vorläufig hört man nur Wintershall mit 200 Geld. rzzzj. Ire!von Rauch, (jauch Ohne /Schlacke.. ohne Höhe Heizkraff, altbewährt Sauber,billig allbz.^ehrt'* WM» emvfiebll sich im Anfertigen von Damcnnarderobc _ und Maskenkostümen tn und außer dem Hau'e. [0152 «Sberftratze 811. 10009 R. auf 1. Hyvotbek geg. 30 000 Mk. Grund- u. Gebäude - Sicherheit zu leihen gesucht. Schrisil. Angebote uni. 0461 an den Gieß. Anz. erb. Bund „Haus«. Schule" Freitag, den 24. Zanuar 1930, abends s Uhr in der Zohanneskirche ZÄMttßV«MvKW Vortrag von Herrn Pfarrer Müller: .KMMasseSavke« in Deins auf öie Heutige 3eir Gesangbücher mitbringen! sstd Hener Freiw. Feuerwehr M. 1855) Samstag, den 25. Januar 1930, abends 8 Ubr in der Turnballe am OswaldSgarten sssv Wintertest (74. Musstest) Bei Kamerad Betz find die Karten für einzuladende Gäste unentgeltlich abzuholen. Wir bitten regen Gebrauch zu machen. Näheres siebe Aushängezettel bei Kamerad Betz, Malkomesius und tm Turmbaus.Der Vergnagonjreaueecholl. fFanx-Itntemdit An einem am Montag, dem 27. Januar, beginnenden Sanz-Mur sus können noch einige Damen und Herren teilnehmen Gefällige Anmeldungen werden in meiner Wohnung Löberstrabe 12 entgegengenommen. Wilftelm Will Universitäts-Turn- und Tanzlehrer. Privat-Unter richt zu jeder Zeit! 04*2 ■IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU 1-2000 M gegen Sicherheit ko- ioit zu leiben gesucht. Schr. Angeb. u. 0455 a. d. Gieß. Anz. erb. illlllllllllllllllllllllllllllllllß ObßrtMi/ Nr 0 Gicht, Rheuma // Reißen, Ademverlcalkstng, 5 Ischias, offene Beine, Kopf- 3 L. 1 b * - M schmerz, Energielosigkeit, Energielosigkeit, edi merz, . . . für Nierenleiden Wald-Hora 3 für S tnkl regulieren# Nr JO // U (Inhaltsangabe auf jeder Packung.) In Georg Rich. PFLUG & COGera (Thür.) I 3 Nr. 4 . 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Januar 1930. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Rosenberg. Die Einlösung der Abonnements vor der 17. Abonnements-Vorstellun Stndts kohlehydratearmea Krenznaeher Grahambrot Marke „Vitanova" gee. gesch. hergestellt unter Zusatz der basenreichen Heil- und Nährsalze der radioaktivwirkenden Kreuznacher Heilquellen, daher höchste gesundheltl. Wirkung. Aerztlich empfohlen, mehrfach hoch prämiiert! Sludts Diätzwiebaek Ifir Zuckerkranke Stets frisch bei: Hch. Driesch, Feinkost, Seitenweg 76. fiohEllou Seelodjs ®ol8öor|i5 Hottungen stoonen grüne geringe leoeoöe fiarnfen lehenöe stflielen I. Koch Wlolg. Mäusburg 15 Tel. 3612. („D 2-3-Zimmer- Wohnung füt alleinsteh ältere Dame gesucht. Echr. Angeb um. (>440 an den Gieß. Anz. Ladenlokal zentral gelegen, gc- iudit. Preis off. u. F. M. 8218 an Ala Haasenste-n» Vogler Frankiert a. M. M,V Masken- Kostüme zu verleiben. 0465 Friedrichitr. 5 11. £eetetÄ«oin der sich als Schuh» macherwerkiiatt eignet. zu mieten gef. Schrtstl. 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Januar für die Mittwochs-Abonnenten in der Zeit von 10 bis 13 Uhr und 16 bis 18 Ahr. 375C Rach Einzahlung auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 37210, Kasse des Stadttheaters Gießen, erfolgt Ueberfen- dung der Abonnementskarten. Frische Fische Schellfisch Kade Jan Seelachs o. K. Pid. 40—45, Filet [599D Pfund —.70. Liebigstraße 66 Tclcvbon 3685 Bienenzüchter von Gleflsn und üee. Ich bitte drmgeno um Rückgabe her Ihnen übersandten Krageboaen.foweit dieses noch nicht geschehen ist. da ich die Zusammenstellung an d.Deu sch.Imker- Hund umgehend abgeben muß. 6wdD Bedenbender. Junggesellenheim mit Kflthe von Xasy, Siegfried Arno, Kurt Gerron, Albert Paulig. Stimmnng — Tempo — Ein großer Laehertolgl Hierzu ein auserwAhlte» Beiprogramm und: »Die neueste Wochenschau“. Voranzeige! Nur Freitag, den 24 und Samstag, 25. Januar, abends 11 Uhr, MaehtvorotellMi: Gastspiel der Original-Liliputaner Wochenend-Liliputaner-Revue mit Musik und Tanz Freitag, 24., n. 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Durch die Steuergesetzgebung ist die Produktions- freudigkeit vollends gelähmt worden. Steuer- pflichten reihen sich an Steuerpflichten, durch Die sich der Steuerschuldner nicht mehr allein durchfinden kann. Steuerspezialisten stehen ihm gegen entsprechende Honorierung zur Verfügung. Es gibt wohl heute keinen Betrieb mehr, der sich nicht fachmännischen Rates bedienen müßte, um nicht infolge dieser oder jener Einzelheit straffällig zu werden. Der Steuererheber steht bei der Lohnzahlung, bei jedem Honorar, bei jedem Unternehmergewinn. An der ungeheure Summen verschlingenden achtzehnfachen Parlamentsspielerei und -regiererei in den Ländern, die auf dem Boden der ersten nachkriegszeitlichen Finanzreform ins Kraut geschossen ist, muh auch das kräftigste und arbeitsfreudigste Bolk zugrunde gehen. Es gibt außer Deutschland keinen Staat, in dem die Unternehmungen eine solch schwere Steuerbürde zu tragen haben, eine Bürde, die gegenüber 1913 um das zehn- bis zwölffache gestiegen ist. Die Folge ist eine katastrophale Beengung des Kapitalmarktes und durch den teilweisen Eingriff in die Substanz — die Kreditaufnahme zum Zwecke der Steucrzahlun- gen ist nicht selten — eine Erschwerung, ja Ein- schnürung der Produktion. Von selten des Fiskus wird immer wieder übersehen, daß die Höhe der Kapitalbildung in unserer Wirtschaftsverfassung im wesentlichen vom freien Entschluß der Individuen und der Unternehmungen abhängt und außer durch Abweichungen im Sparsamkeitsgrad in erster Linie durch den Umfang der nach Abzug der Steuer verbleibenden Einzeleinkommen bestimmt ist. Immer wieder wird zu wenig beachtet, daß die Beengung des Spielraums für die Kapitalbildung — das große Zuschußbedürfnis der Kapitalversorgung läßt dies erkennen — der Grenze des erträglichen sehr nahe gerückt ist. Ergibt sich doch bei vorsichtiger Schätzung eine Gcsamtbelastung der deutschen Wirtschaft mit Steuern und sonstigen Lasten von über 20 Milliarden Mark bei einem Sozialprodukt von rund 60 Milliarden. Ein Drittel des Volkseinkommens wird also von vornherein weggenommen. Das ist nicht nur ein ungewöhnliches, sondern ein ungesundes Verhält- n i s, das allerdings größtenteils durch die hohen direkten und indirekten inneren und äußeren Kriegslasten bedingt ist. Aber nicht nur die Produktionsfreudigkeit ist gelähmt worden, sondern auch der Sparsinn der Bevölkerung. Gewiß, die Spareinlagen weisen seit Iahren wieder eine steigende Tendenz aus. Indessen ist der Dorkriegsbestand der 20 Millionen Cinlagenkonten noch nicht wieder erreicht worden-, ein Beweis dafür, daß nur ein geringer Teil der Bevölkerung überhaupt sparen kann. Dicht viel besser ist die Lage auf dem Hypotheken- und Pfandbriefmarkt sow'e bei den Depositen der Banken. Diese bestehen zum größten Teil aus kurzfristigen Einlagen, sind also nichts anderes als angesammelte Betriebsmittel der Wirtschaft. Kein Wunder, daß bei dieser Sachlage die Wirtschaft mit ihrer Ware infolge der überhöhten Belastung gegenüber den ausländischen Warenpreisen ins Hintertreffen geraten ist. Fest steht, daß die Steuerlastbürde nirgends größer ist als in Deutschland, daß das deutsche Steuersystem nach dem Ausspruch eines Engländers eine Einkommens- und Vermögensbeschlagnahme darstellt, gemildert durch Steuer- Defraudation. Während die ausländischen Einzelwirtschaften sich der produktiven Kapitalsanlage widmen können, seufzt die .deutsche Wirtschaft unter der Steuerschraube, die einschließlich Der Zölle bereits die Höhe von 160 Prozent gegenüber 1914 erreicht hat. Geschunden wird heute im besonderen Maße d e r M i t t e l st a n d. Er sitzt unter einer hydraulischen Presse. Sicherlich würde die Gesamtlage ein wenig erträglicher geworden fein, wenn den zwischen der Reparations- frage und unserer innerwirtschaftlichen Gesetzgebung bestehenden Beziehungen rechtzeitig die genügende Beachtung geschenkt worden wäre. Die Steuerpolitik, die getrieben wird, ist rein fiskalisch eingestellt, somit unsozial und wirtschaftsschädlich. Gewiß ist die grundsätzliche Vorstellung vom Vorrang des Gemeinschaftsinteresses richtig. Falsch ist es aber, lediglich in quantitativen Maßstäben das ganze Heil zu sehen und die innere Mitwirkung der von bestimmten Gemeinschaftsideen getragenen Staatsbürger zu negieren. Bis jetzt wägte man nicht die verschiedenen Gesichtspunkte rein finanzieller. volkswirtschaftlicher und sozialer Art miteinander ab, sondern ließ sich allein von dem Willen zu schnellem und großem Steuerertrag leiten. Volkswirtschaftliche Fernwirkungen, der Einfluß der Steuergesehe auf Umfang und Gestaltung der Produktion, auf die Bctriebsformen sowie auf den internationalen Wettbewerb blieben unberücksichtigt. Indem der Staat sich für Aufgaben einsetzte, die ihm nicht zukommen, die er nicht lösen kann, bei deren Durchführung sein Unvermögen und seine Machtlosigkeit zum Vorschein kommen, hat er nach einem früheren Urteil des bekanntlich vorn Marxismus herkommenden Wirtschaftspolitikers Richard Calwer allen Beteiligten bewiesen, daß er nicht zu fürchten ist. „Im wirtschaftlichen Leben hat der Staat Treu' und Glauben zerstört, aber darüber hinaus hat er seine eigene Autorität untergraben, und seine Versuche, in dieser Beziehung durch neue Strafen oder besondere Gerichte Wandel zu schaffen, bleiben immer wieder erfolglos, weil er nicht genug Beamte zur Überwachung und Kontrolle aufstellen kann." Dieses Urteil, das Calwer im Hinblick auf die soziale und wirtschaftliche Betätigung des Staates in der Zeit von 1918 bis 1924 fällte, hat zum Teil auch heute noch Gültigkeit. Daß der Staat noch heute bemüht ist, bis ins einzelne Verwaltungsfragen zu lösen, über die eigentliche Legislative hinaus bis zur Exekutive vorzudringen, ist sachlich nicht nur übertrieben, sondern geradezu abwegig. Solche die Grenzen der Gesetzgebung überschreitenden Bestimmungen schematisieren, bureaukratisieren die öffentliche Verwaltung und verteuern sie. Es soll an dieser Stelle nicht mit näheren Beispielen aufgewartet werden. Ein Gesichtspunkt sei jedoch unterstrichen, nämlich: daß diese Beispiele völlig im Einklang mit der noch aus der Inflationszeit stammenden Auffassung stehen, wonach die Einnahmen sich nach den Ausgaben zu richten haben. Daß dieser Grundsatz nun endlich einmal aus der öffentlichen Wirtschaft verschwinden muh, bedarf keiner näheren Begründung. Ein weiterer Gesichtspunkt, um den der Kampf entbrannt ist, ist das Derhältniszwischen direkten und indirekten Steuern, über das sich wirtschaftliche und politische Urteile in höchstem Maße verwischen. Die Summe der verschiedenartigen Zwecke, die für jede Steuergesetzgebung maßgebend sind, kann nur erreicht werden, wenn eine besondere Kombination von ebenfalls sehr verschiedenen Steuerarten zur Anwendung kommt. Das bedeutet, daß jede gerechte und zielbewuhte Besteuerung sich sowohl der direkten wie der indirekten Steuer bedienen muh. Dabei ist zu beachten, daß man die indirekten Steuern keineswegs als sogenannte bloße Ergänzungssteuern aufzufassen hat, sondern daß sie im eigentlichsten Sinne ebenso sachlich berechtigte Haupt- steuern wie die direkten Abgaben sind. Der bekannte Finanztheoretiker Schacffle zog den feinen Unterschied, daß die direkten Steuern die Steuer- fräfte des einzelnen unmittelbar, also im Vermögen und Einkommen, die indirekten Steuern aber die Steuerkräfte nach Tatsachen und Vorgängen erfassen sollen, die auf eine für die direkte Besteuerung nicht ebenso leicht erreichbare Steuerfähigkeit schließen lassen. Eine gesunde Steuerpolitik darf also ihr Augenmerk nicht nur auf die verhältnismäßig leicht zu erfassenden Größen des Vermögens und Einkommens richten, sondern sie muß auch alle übrigen für den Volkswohlstand und demnach für die Steuerkraft des Volkes maßgebenden wirtschaftlichen Erscheinungen in den Kreis ihrer Berechnung ziehen. Es muß also ein aus direkten und indirekten Steuern harmonisch gemischtes System Anwendung finden. Beide Stett^rarten sind im Verhältnis der Leistungsfähigkeit zu verlnüpfen. Rur auf diesem Wege können die Mängel der direkten Besteuerung durch die indirekten Steuern, Die Mängel der letzteren durch die direkten korrigiert werden. Freilich wird jeder nur die Steuern für gut halten, die seine Person nicht treffen oder weniger belasten. Das ist, sagt Fuisting, die unvermeidliche Folge teils Der menschlichen Selbstsucht, teils der unvollkommenen Erkenntnis staatsbürgerlicher Pflichten. Diese Fehler aber müssen bekämpft und abgelegt werden. Die Steuerprobleme vom Wirtschaftsleben aus umzugestalten und zu durchdenken, muß das Ziel sein. Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 22. Januar 1930. Geistliche Abendmusik. Rach der Fülle hochwertiger kirchenmusikalischer Aufführungen, wie sie in der letzten Zeit in Gießen stattfanden, sah man mit etwas Dangen der Geistlichen Abendmusik entgegen, zu der die Markusgcmeindc für den vorigen Sonntag in die Stadtkirche einlud,' man fragte sich, ob Der Besuch wohl den Dorbereitungen und der musikalischen Höhe des Programms entsprechen würde. Der überaus starke Besuch zeigte wiederum das große Interesse, das man in unserer Stadt solchen Veranstaltungen entgegenbringt, und war allen Mitwirkenden Wohl die beste Genugtuung. Es handelte sich diesmal um ein reines Stilprogramm der Bachschen Zeit (Bach, Telemann, Divaldi, Heinichen). Der bisher weniger geübten Form kirchenmusikalischer Feierstunden — Instrumentalmusik, gebuten vom Kammerorchester der Gießener Volkshochschule — durfte man mit besonderer Spannung entgegensehen. Daß Kunst- beflissene sich in unserer Zeit zu solch hohen Dil- dungszielen in selbstlosem Dienst bereinigen, ehrt die Künstler und vor allem auch ihren musikalischen Führer, Musiklehrer Franz Dauer jr. Einer alteingesessenen Gießener Musikerfamilie entstammend, in welcher die Pflege guter Musik Tradition ist, hat er als gutes Erbteil die Fähigkeit, seine Kunstgemeinde zu einer seltener Höhe zu führen. Das einheitliche Wollen und das ernsthafte Können aller Musiker, ihr verständnisvolles Gingehen auf die Intentionen ihres sicheren Führers waren der Schlüssel zum Gelingen der Sache. Kristallisch klar klang der Streichkörper. Fein nuanciert begleitete ihn die von Herrn Bauer seelenvoll gespielte Solovioline. Wie schwebten die Töne Der Solo-Flöten Durch Den weiten Kirchenraum, sowohl in dem lieblichen Weihnachtspastorale, wie auch in dem großangelegten Brandenburgischen Konzert, mit edlem Reiz gespielt von den Herren Locher, Kehr- m a n n und Eger. Edle Klänge des Cembalo durchzogen die Werke, dynamisch und rhythmisch sicher gespielt von der auch auf dem Gebiete der Kirchenmusik so hochgeschätzten Gießener Künstlerin Frau Elfriede Fischer. Ein besonderes Erlebnis war die geradezu vollendete Wiedergabe des Brandenburgischen Konzerts, wohl der Höhepunkt des Abends. Zwei dem Stile des Programms angepaßte Vokalvorträge boten Dem Zuhörer Abwechselung in den vielseitigen Darbietungen. Frl. Christ- lore Partenheimer hat seit ihrem Auftreten vor Jahresfrist in ihren gesanglichen Studien ein entschiedenes Plus zu verzeichnen. Die in großem dramatischen Stil angelegte Solokantate von Buxtehude „Singet dem Herrn ein neues Lied" stellt an Stimmkraft, Ausdauer, Atemtechnik und musikalisches Können sehr hohe An- sorderungen. Rach jeder Seite hin zeigte sich Die jugendliche Gesangstudierende durchaus auf der Höhe. Auch das mehr lyrische Moment bei Bachs „Vergiß mein nicht" war in seiner warmen Innigkeit mit seelenvoller Einstimmung gut getroffen. Die Begleitung dieser Lieder hatte wiederum unser Stadtkirchorganist Heinz Simon ' übernommen. Sowohl in dieser Begleitung,, wie auch in dem krastvollen Choralvorspiel am Schluß und besonders in dem weitgespannten, schwierigen Pastorale am Eingang, beide von Bach, zeigte sich auss neue, wie meisterhaft unser Organist sein Instrument technisch beherrscht und wie innig er mit ihm verbunden ist, so daß sein Spiel zur frohen, selbstlosen Gabe wird. Der Ausklang im „Vaterunser" bot der Gemeinde Gelegenheit, sich an Der herben, keuschen Schönheit des von Martin Luther gedichteten und in Gesanqsweise gesetzten Chorals zu erbauen. Die Chorschüler der Stadtkirche, unter Leitung von Herrn Simon, hatten mit ihren frischen, klaren Stimmen gern und froh die Führung des Choralgesanges übernommen. So führte das Gerneindelied zu Dem hinauf, Dem jene großen Meister ihre Schöpfungen als ein Dankopfer Dar* brachten und auf den Luther im „Lob der Musika" als den Geber aller Gaben, auch der köstlichen Musika, hinweist, „Den ehrt und lobt auch mein Gesang und sagt ihm einen eto’gcn Dank". Daß die Feier in diesem Sinne von der großen Gemeinde als ein reiches Geschenk erfahren und empfangen wurde, das ist der schönste Dank, den die Mitwirkenden haben können und den sie auch hier gefunden haben. -- Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Der letzte Vortrag der Gesellschaft, den Dr. Egon Freiherr von Eickstedt. Direktor des anthropologischen Instituts der Universität Breslau, hielt, und Der den Titel „Vergessene Rassen" hatte, führte nach Vorderindien. Der Redner gab eine Probe von der ungeheuer reichen Fülle von Ergebnissen, die seine ethnologisch-anthropologische Forschungsreise 1926/29 gezeitigt hat. Einleitend wies er auf die außergewöhnlichen Verschiedenheiten hin, die Indien, ein Gebiet von erdteilhafter Größe, in rassischer, kultureller und linguistischer Hinsicht auswcist. Diese Verschiedenheiten werden beherrscht von Dem Gegensatz zwischen Den Reu-Indern und Alt-Indern. Die ersteren, die gewöhnlich schlechthin Inder genannt werden, sind erst im zweiten Iahrtausend vor Christi als arische Eroberer eingedrungen. und die Kunde von ihnen wird von ganzen Wissenszweigen seit Jahrhunderten liebevoll gepflegt. Der eigentliche und echte Inder Dagegen. Der vorarische Urbewohner, ist bisher geradezu übersehen worden. Dabei sind die Gebiete dieser Altinder noch heute nach einem drei- tausendjährigen Kampf mit ungleichen Mitteln von einem Ausmaß, gegenüber Dem Deutschland als klein erscheint, und ihre Kopszahl umfaßt viele Dutzende von Millionen, in Denen uns sehr alte, wenn auch nicht Die ältesten Entwicklungsstufen Der Menschheit erhalten geblieben sind. Das ist das sehr überraschende und glückliche Hauptergebnis der mühevollen und gesahren- reichen Reise Dr. v. Eickstedts, der nicht weniger als 80 dieser im Gebirgsdschungel zurückgezogen lebenden Dolksstämme untersuchte. Diese zerfallen anthropologisch und linguistisch in zwei. Hauptgruppen, eine mongoloide und eine weddoide. Die Spuren der ersteren reichen nach Rorden bis nach Kaschmir, nach Süden tief ins heute drawidische Indien hinein. Zahlreiche ihrer Kulturgüter weisen aus eine enge Verwandtschaft mit den hinterindischen Mongolen (austroasiatische Sprachen, Schulterbeile im Verbreitungsbercich der Mundsprachen, Pfau als Haustier, Palisaden. Pfahlbauanlagen in den Rebengebäuden, Iünglingsh tten. Gedenksteine). Der Redner schilderte dann an Hand sehr schöner Lichtbilder das körperliche Erscheinungsbild, die Lebensweise (insbesondere Die Tänze) und das Kulturinventar Auf Der Elchfährte. Sibirisches Zagderlebnis. Von Joseph M. Delter. Eine ganze Woche lang hatten wir am Baikal von unserer Blockhütte aus Streifen unternommen. In unserer Hoffnung aber, auf robben zu stoßen, sahen wir uns getauscht. Dafür fingen wir, von unserer Lodka aus mit dem Reh fischend, prachtvolle Omule und eine große Salmonide, Deren Ramen ich nicht kenne, die aber an die Relma, Den weißen Lachs, erinnerte. Mit dem Angelzeug hatten wir Dagegen höchst klägliche Erfolge. . ,, Zu hungern brauchten wir ohnehin nicht. Von Irkutsk hatten wir uns allerlei Konserven und Zwieback mitgenommen, und En len, Gänse, Birk- und Auerwild gab es genug, wie fast überall in Sibirien bis weit in Den hohen Rorden hinauf. Dor allein Birkhühner finden sich vielerorts in solchen Mengen, daß man unwillkürlich an eine Schar schilpender Spatzen erinnert wird. Dayer kommt es, daß man Den kleinen Hahn ebensowenig wie Den Auerhahn zur seltenen unD wertvollen Deute rechnet wie bei uns zu Hause. Ost genug gilt er lediglich als Fleischlieferant, Der fast stets zur Stelle ist, wenn man ihn braucht, mit Ausnahme jener bösartigen Situationen, in denen man von allen guten Geißern verlassen zu sein scheint und einfach alles schief geht. Fleisch aber brauchten wir jetzt mehr als früher. Denn wir hatten von einem Baucmjäger zwei Laiki, sibirische Derbellerhunde, gekauft, mlt Denen wir Den Winter über im Gebirge ein paar Bärenlager auszuheben gedachten. Bären sollte es viele hier geben. Run waren wir auf einer weiten Wanderung durchs Gebirge nach drei Tagen in das Quellgebiet Der Lena gekommen, vielleicht achtzig Wjorst von unserem Hauptlager am Baikal entfernt. Hier halten wir im Reuschnee Die Fährte eines offensichtlich ganz kapitalen Elches gefunden. Wir wußten, daß jeden Winter einige Rudel Elche aus höhergelegenen Bergsumpsen zu Tal stiegen. Daß wir hier aber auf einen Einzelgänger stießen, deutete Darauf, daß cs cm alter Schaufler fein muhte, Der erst später zu einem Rudel stoßen würde. Im Augenblick hatte uns ein wildes Ijagd- fieber gepackt. Den Elch, diesen wehrhaften Riesen der sibirischen Urwälder, den größten Recken I Der weißen Taiga und des schwarzen Urman, hatten wir bislang noch nicht schußrecht vor | Die Tüchse bekommen können. Aber jetzt sollte er uns nicht entgehen. Die Verfolgung g'eich au zunehmen, Dazu war es zu spät. Es ging bereits gegen Den späten Rachmittag. Der Himmel hing tief und schnee- grau über Dem felsigen Tal, in Dem die junge Lena schäumte und über Gesteine stürz c, manchmal ihren Laus hemmte, kurzv tiefe Stellen bildete, und Dann wieder in reihenden Strom- schnellen vorwär'.sichoh. Wir bauten unser leichtes Wanderzelt auf, und schichteten ringsum den Schnee säst , zu Meterdicke über die Zellwände: das ist das einzige Mittel, um das Zelt warm zu halten und sich vor dem Erfrieren zu schützen. Bald flammte aus trockenem, harzigem Lär- chtsves geleijtet wird, I Wahres abgehaltene lüfte Stiftungen uon iache unterftiil wat zum le " Ball hatte er die Heim in der W en. eleganten M" Erlaubnis Erhalten, : dürfen. Bei einem te ihm W™ Wohnung nur vor- 3d) einer paffenM vielleicht auch w Dills zu m* len an vorhandene Tew- festen auftommen. Dankbarkeit geM »»WxSL MM» t i« W* "h ®ulkr**S L'LröU entstanden, die der Verfasser anläßlich der Repa- | rationsvexhandlungen den vier zuständigen Reichsministern sowie den deutschen Sgchverstän- digen in Paris überreicht hat, und vom Verfasser zu der vorliegenden Volksausgabe umgestaltet worden- — Dos Gothaische Jahrbuch für Diplomatie, Verwaltung und Wirtschaft liegt im neuen, 167- Jahrgang ppr (Verlag von Justus Perthes in Gotha, Preis 24,00 Mark- (20) — Rachschlagewerke dieser gründlichen Art sind heute wertvoller denn je. Rur England besitzt eine dem deutschen Werke ziemlich gleichgerichtete und gleichwertige Veröffentlichung: Sta- tesmans Vearbook: sie fehlt bei keiner Behörde, keiner Zeitung, keiner Donk, keiner Fabrik des Jnselreiches- Der ungeheuer vielseitige und im besten Sinne aktuelle Inhalt des Gothaifchen Jahrbuchs, das vortrefflich mehr als hundertjährige Tradition mit gesundem Fortschritt verbindet, läßt hoffen, daß der Freundeskreis des Gotha von Jahr zu Jahr wächst. Rehen einem guten Atlas ist er wohl das beste Hilfsmlltel znr Orientierung über politische und wirtschaftliche Verhältnisse in der ganzen Welt, und wer kann heute im Zeitalter der engen Verknüpfungen von Politik. Handel und Verkehr solch ein Kompendium missen? Beruf und Interessen weifen eindringlich auf den neuen Gotha hin fe fe« tt, eit. »«Alft f'8' IM® ch bi« Ö ’n an ergS. LM Äfe aeting £ ^^wöchentlich« ;.ne ^UMMe zu wnsausstattz,;; M °udernsW mfi 7 W ist. b wÄ* M Summen 1 ^tragen erzielt f Nren bei 3e< im ganzen er Tesamteinlag«. 1929 vorhanden wr sich ans 173 Nt flirr bie Xe j, 8onbiugenb> e zweite Generql- orsitzende, Stöbert weitere Entwicklung dieser letzten siegreichen Angriffsoperation des deutschen Westhceres ist einem zweiten in Kürze folgenden Bande Vorbehalten. — Das Reserve-J ns anterte-Regi- ment Ar. 116 mit zugeteiltem 3. Bataillon des Landwehr-Jnsanterie-Regiments Rr. 85 im Weltkriege. Rach amtlichen Unterlagen in Tagebuch- sorm bearbeitet von Oberstleutnant a. D. Rader- wacher, ehemals Kommandeur des Regiments. (Band 293 der Schriftenfolge „Erinnerungsblätter deutscher Regimenter"). Preis 16,50 Vlk. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i- D- (74?.) — Auf vielen Kriegsschauplätzen hat das Regiment gekämpft. Seine Feuertaufe erhielt es am 22. Aug. 1914 bei Reufchateau in Belgien und nahm dann in Frankreich an der Schlacht an der Waas, an den Gefechten am Axdennenkanal, an den Verfolgungskämpfen zwischen Waas und Marne und an dex Warneschlacht teil. Rach dem Rückzug von der Warne machte bad. Regiment nach kurzem Stellungskampf westlich der Argonnen die Schlachten bei Lille und Vpern mit und wurde dann nach dem östlichen Kriegsschauplatz transportiert. In Polen kämpfte es in den Schlachten bei Lowicz-Sanniki und an der Rawka-Bzura. Mit der 103. Division wurde es zunächst im Grenzschutz in Südungarn (Syrmien) verwandt, um dann hei her 11. Armee die Verfolgungskämpfe vom Wieprz zum Bug und vom Bug bis zur Jasiolda in Rußland mitzumachen. Dann focht das Regiment im serbischen Feldzug und kam durch den ganzen Dalkan bis zum Dojran-See an der griechischen Grenze. 1916 nahm es nach kurzem Stellungskampf in der Champagne an den Schlachten bei Verdun und später an der Somme teil. Rach vielfachen Stellungskämpfen in der Champagne, vor Verdun, am Chemin des Dames, bei lehr häufigem Wechsel des Ortes, kam der Siegeslauf im Verbände der 18. Armee vpn der Oise über den Crezat-Kanal bis in die Gegend von Montdidier-Rohon. Dann folgten die Schlachten bei Soissons und Reims und die Vexsylgungskämpfe bis zur Marne. Rach der Abwehrschlacht an der Ailette wurde das Regiment aus Mangel an Ersah aufgelöst. Das Buch enthält eine Ehrentafel aller Gefallenen und ist mit 120 Bildern und Karten ausgestattet. Allen Regiments-Angehörigen wird es sicher willkommen sein. h sich lhtel” v jm »lill*' Separat? (i”eÄ' tu ihc Ahnung f fiA * * -Äi'S sich zu 'N deren Ad " gegenwärtigen privaten Volksverinögens zu entrichten, ungeachtet der Tatsache, daß Deutsch- and schon bisher Werte ist Hphe von weit über >0 Milliarden Mark hingegeben hat. Der Ver- asser vergleicht ferner bie deutschen Tribut- ahlungen mft den amerikanischen Einnahmen aus i>en interalliierten Kriegskredllen unb stellt fest, daß mit dem Voung-Plan die ehemaligen Kriegsgegner sich von ihren Kriegsschulden entlasten und ihre äußeren Staatsguthaben erheblich erhöhen, während Deutschland der gr.ßte Schu.dne: der ganzen Welt bleiben würde. -- 2n der Sammlung ^Weltwirtschaftliche Vorträge und Abhandlungen" hat der ordentliche Professor der Volks- und Weltwirischqftssehre an der Handelshochschule Leipzig und Direktor des Weltwirlschaftsinstitutes, Dr. Ernst Schultze unter dem Titel „Voung - Plan, Tributzahlung unb Ausssthrkraft. Kritische Betrachtungen zum deutschen Wirtschastsschicksal' im Verlag der Deutschen Wissenschaftlichen Buchhandlung, Leipzig s929. ein Handbuch herausgegeben, das eine besonders übersichtliche und klar gegliederte Zusammenfassung der deutschen Wirtschaftslage innerhalb der Weltwirtschaft und besonders innerhalb des Reparatiensproblerns bar- teilt. (Alleinvertrieb: Adolf Gruft Kuhr Qrgani- sation, Berlin W 35. Preis 2.5Ö Wk. „Volksausgabe") (11) Das Buch ist aus einer Denkschrist — Deutsche Siege 1918. Das Vordringen über Ailette, Aisne, Vssle und Ourcq bis zur Warne vom 27. Mai bis 13. Juni. Band 32 der vom Reichsarchiv h.rqusgegebenen Schriften- solge „Schlachten des Weltkrieges". Mit drei Karten, zwei Skizzen und acht Bildern. Bearbeiter: Wajor a. D. Thilo v. Pose. Druck und Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. 0- Preis in Halbleinen 5,50 Mk. (629) — Als am Morgen des 27. Mai 1918 die deutsche Infanterie aus einer Front von fast 45 Kilometer Ausdehnung von südwestlich Laon bis nördlich Reims aus ihren Gräben zum Sturm antrat, war eine Unsumme Dp;v DorbcrUtungsarbcit in den Stäben und an b?r Front bereits geleistet worden. In fast sechswöchiger, fieberhafter Tätigkeit hatte man in aller Heimlichkeit ungeheure Mengen von Munition und Waterial hinter der Angriffssront angehäust. hatte Truppen hercm- gesührt und alle Einzelheiten des Angriffs aufs sorgsamste und bis ins kleinste vorbereitet. 5>ie Oberste Heeresleitung entschloß sich zum Angriff über die Aisne in klarer Erkenntnis der ungeheuren Schwierigkeiten, die gerade in diesem Gelände die angretfeskde Truppe erwarteten, aber in vier Tagen waren die starken Stellungen auf dem Chemin des Dames durchbrochen, pie Hindernisse der Aisne und des Aisnefanals überwunden, unermeßliche Mengen aji Beute aller Qlrt und Gefangenen in Die Hände der Sieger gefallen unb die Marne erreicht. Aber es zeigte sich auch jetzt schon die Schwäche jeder Durchbruchsoperation. Es begann sich das Bild abzuzeichnen des weit in die feindlichen Linien vorgeschobenen Bogens, da die Angriffsflügel mit dem Vordringen des Zentrums nicht hatten Schritt halten können. Roch auf eine andere Sorge wcist der Verfasser des Buches in offenem Freimut hin, qus die bedenklichen Erscheinungen in der Disziplin der Truppe, die ihr inneres Gesüge doch nicht mehr als so unerschüttert erscheinen ließen, als man es bis dahin als selbstverständlich angenommen hatte. Trotz alledem aber war dex beabsichtigte Erfplg dieser Durchbruchsoperation am vierten Schlachttage, dem Höhepunkt der Ängriffshandlung. insofern bereits eingetreten, als dex Gegner gezwungen war, erhebliche Teile seiner Reserven in bie Schlacht zu werfen. Mit pem Erreichen der Marne schließt der erste Band des Werkes, dje — lgeorg Rosen, Juden und Phönizier. Das antike Judentum als Missionsreligion und die Entstehung der jüdischen Diaspora. Neubearbeitet und erweitert von Friedrich Rosen und D. Georg Bertram, Professor an der Universität Gießen. I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. In Ganzleinwand geb. 14 Mark. (61tz) — Die Arbeit knüpft an die These Renags gn: Das Judentum Religion und nicht Raffe. Sie weist in einer Untersuchung der Lebensbedingungen in Palästina und der Nachrichten über Zahl und Entstehung des Diasporajudentums in aller Welt — hier liegen vielfach persönliche Beobachtungen und Forschungen auf Reisen von Georg und Friedrich Rosen zugrunde — die Unmöglichkeit der Verbreitung der Juden durch Anwachsen und Kolonisation allein nach: nicht die Juden, sondern die jüdische Religion hat sich wesentlich durch Bekehrung vor allem der semitischen Bestandteile der hellemstisch-orientalischen Mittelmeer- roeft und der angrenzenden asiatischen Länder ausgebreitet. Die Phönizier, die den Juden auch kulturell am nächsten stehen, sind fast ganz durch das Judentum aufgesogen worden. Die erweiternde Bearbeitung bezieht sich im besonderen auf dje Darstellung der alltestamentlich-iüdischen Religion als Missionsreligion unter Berücksichtigung der Septuaginta und auf die Heranziehung der phönizischen Inschriften, sowie des jüdischen Materials, das in Inschriften ober auf Papyrus sich in Aegypten oder den römischen Katakomben hat gewinnen lassen. — Einleitung in bas Alte Testament. Von Professor Dr. E. Sellin. 5. neubearbeitete Auflage. Leinenband 8 Wk- (Evangelisch-theologische Bibliothek.» Verlag Quellss & Meyer, Leipzig. — 436. — Dies Handbuch ermöglicht es jedem, sich rasch über den heutigen Stand der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der alttestamentlichen Forschung zu unterrichten. Durch seine gedrängte Kürze, bie geschickte und zuverlässige Einführung in die Problemstellung unb die lebendige Darstellung hat sich das Buch besonders für den Studierenden als hervorragend brauchbar erwiesen. —' Schöpfung, Wandel und Wesen der Religion. Don Professor D. Karl Born hausen. Leinenband 12 Mk. Verlag Quelle L Meyer, Leipzig. — 439. — Börnhausen gibt hier eine umfassende Darstellung der Formengestalt und des Wandels aller Religionen, die für die Menschheit von Bedeutung wurde. 3m Anschluß an Schelling charakterisiert der Verfasser mit dem Wort Schöpfung treffend den eigentümlichen Charakter der Religion, dex sich am deutlichsten in ihren geschichtlichen Formen ausdrückt. Dementsprechend gibt Verfasser eine Geschichtsphilosophie der Religionen der Krde, wobei er mit sicherem Grif aus der unendlichen Fülle religionsgeschichtlicher Formen die wesenksichsten ausgewählt hat. Ueber diesen geschichtlichen Erscheinungsformen der Religionen erbaut sich eine Philosophie der Religion, die diese in Raum unb Zeit relativen Geltungen innerhalb der Geschichte wertet. — Philipp Matthäus Hahn: CinLe- ben im Dien st am Königreich Gottes in Christus. Von Pfarrer stic. tfieol. 3 Rößle. Mit vier Bildtafeln. Ganzleinen 5,50 Mark. Quell-Verlag der Ev. Gesellschaft, Stuttgart. (457.) — Das Leben und Wirken des ebenso vielseitigen als tief gegründeten Mannes, der als Theologe wie als Wechaiiiker gleich Großes geleistet hat, hat Rößle unter gründlichstem Studium aller Quellen bargelegt. Rößle gibt uns aber auch eine mit wissenschaftlicher Treue unb Grünblichkeit aus den Schriften Hahns geschöpfte Darlegung der inneren Entwicklung des Theologen Hahn und eine eingehende Schilderung feiner theologischen Welt. 3n dankenswerter Weise werden uns dann wertvollste Abschnitte aus Hahns Briefen unh Werken in geschickter Auswahl geboten. Dem reiht sich ein eingehendes Quellenverzeichnis, ein Personen- und Sachregister. sowie eine Anzahl Erläuterungen an. — Psr. I). Gustav Benz: Ich hin der Herr, dein Gott. Predigten aus den Jahren 1923-^-1929. Ganzleinen 6,80 Mark. Druck und Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. (626). — Die früheren Predigtbände des bekannten Basler Pfarrers haben sich einen großen Leserkreis im ganzen deutschen Sprachgebiet erworben. Das neue Predigtbuch hält wiederum, was man sich von ihm versprochen hat. Tiefe des Gefühls und des Missens, Belesenheit in der Literatur und eine reiche Lebenserfahrung treten uns überall wohltuend entgegen- Dabei spricht Benz fo schlicht und natürlich, daß sich sowohl der Gebildete als auch der einfache Mann angezogefl fühlen. Für Pfarrer, die geistig vjel ausgeben müssen, mir denken vor allem auch an diejenigen auf dem Lande, wird dieser neue Predigtband eine Quelle wertvoller Anregungen sein. Meyers Lexikon. — Metzers Lexikon. Siebente, völlig neu hegrbeitete Auflage. Lieber 160 000 Artikel ^nd Verweisungen auf etwa 21 000 Spalten L.ext mit rund 5000 Abbildungen, Karten und Plätten im Text; dazu etwa 755 besondere Dildertaseln (darunter etwa 100 farbige) unb 280 Kartenbeilagen imb Stadtpläne sowie 200 Text- Ustd statistische plehersichten. 12 Bände in Halbleber gebunden etwa 363 Mark. Verlag Bibliographie sches Institut AG. in Leipzig. — Don der siebenten Auslage des der Gegenwart angepaßten „Großen Weyer" ist nunmehx der elfte (vorletzte) Band erschienen, welcher bie Artikel von Seefeld bis Traum umfaßt. Mit diesem Bande wird jeder, der die übrigen zehn bereits besitzt, abermals eine wesentliche Bereicherung feiner Handbibliothek und seiner unentbehrlichen Rachschlagewerke zu verzeichnen haben. Der vorliegende Band entspricht der Gesamtanlage sowohl in der gebotenen Komprimierung der Stoss- Fülle gegenüber den Dorkriegsausgaben, wie auch in der Ergänzung und Anpassung des Materials gu den modernsten Stand der Forschung. Wie Stichproben ergeben, ist zum Beispiel bereits ein Artikel über den Tonstlm eingeschaltet: beim Artikel Südpol sind schon Byrds Flüge von 19i8 perzeichnet. Vielfach ist die Literatur aus dem 3ahre 1929 noch verzeichnet (z. B. in den Artikeln über Tanz, Totenmaske, Frank Thieß): zeitgemäß ist die ausführliche Behandlung des Sports, mit vorzüglichem Bildermaterial auf vier Tafeln. Daneben aber werden auch mit der wünschenswerten Ausführlichkeit behandelt die Artikel etwa über Shakespeare (Literatur bis 1929), spanische Malerei (mit zwei schönen Tafeln), Selbstbildnisse (zwei Tafeln: von Dürer und Ljonardo bis van Gogh und Kokoschka), Sprachstämme, Sternwarten, Straßenbau, Tauben, Teppiche. Theaterbau und Tiefseeforschung, — um nur einiges berauszugreisen. Vorzüglich ist auch das beigegebene Kartenmaterial (z. B. über die Südpolarländer, Spanien, Südafrika, und zu dem Artikel über Sprachstämme). Politik und Geschichte. - Fürstenbriefe an Rapolepn •- Herausgegeben von Friedrich M. Kircheifen. Zweiter (Schluß-) Band: Außerdeut'che Fürsten und Fürstinnen: Fürsten und Fürstinnen dem Hause Bonaparte. Mit 6 Bildnissen und 6 Brieffaksimiles. Leinenband 14 Wk. Verlag 3. G. Cotta. (721) — Dem vor kurzem erschienenen ersten Bande von F. M. KircheisenS großangelegter Sammln g „ Fürstenbriese an Ra-- poleon', der die interessantesten Schreiben deutscher Monarchen an den französischen Imperator enthält, folgt nunmehr ein zweiter mit einer Auswahl der Briefe, die einst außerdeutsche Fürsten und die Mitglieder bet' Familie Bona- varte an Rapoleon richteten. Das Wesentliche der Ereignisse, das diplomatische Spies der Kabinette wirtungskräftig herauszuheben und dje Tharattere der einzelnen Driefschreiber, ihre menschlichen Vorzüge und Schwächen ins hellste Licht zu rüden, ist dem verdienstvollen Rapoleon- sorscher auch hier wiederum gelungen. Diese ,. Fürstenbriese an Rapoleon" stellen vine historisch-politisch wie kultur-psychologisch bedeutende Publikation bar. — D ie Reichsverfassung vom 11. August 1919. Voller Text mit Erläuterungen, geschichtlicher Einleitung und Gesamtbeur- teifung. Von Prof. Dr. O. Bühler. 3. Auflage. Geb. 3.00 Mk- Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (706) — Das Buch bringt nach einem geschichtlichen lleberblick die Reichsverfassung im Urtext mit ausführlichen Erläuterungen aller Ar- tikes. Ein größerer Schsuhabschnitt faßt dje Grundgedanken der Verfassung zusammen und gibt eine rein sachliche Beurteilung ihrer zehnjährigen Praxis, frei von jeder politische Stellungnahme. Einige wertvolle tabellarische Uebex- sichten über hie Landesverfassungen, Reichs- minifterie», Leichskahinette und Reichstagspar- teien beschließen den Band. 3n der Reuauflage sind die Grusidrechtsbestunmungen wesentlich eingehender erläutert und auch sonst hgt sich der Stoff entsprechend der Weiterentwicklung von Schrifttum und Rechtsprechung erheblich vermehrt. — Prof. Dr. Georg Mehlis. Der Staat Mussolinis. Die Verw.rllichung des korporativen Gemeinschaftsgedankens, mit 21 Illustrationen nach Original-Photographien. Kartoniert 6,00 Mark, in Ganzleinen gebunden 8,00 Mark. Verlag C. Haberland. Leipzig. (22) — Cs ist heute wohl Pflicht eines jeden, der den geistigen unb politischen Strömungen der Gegenwart nicht interesselos gegenübersteht, sich mit der in der Geschichte in dieser, Foxm noch nie dagewesenen faszistischen Slaatsidee auseinander- zusetzen, die das Staatsgefühl des italienischen Volkes in ganz neuer eigenartiger Weife belebt hat, der es gelungen ist, die sozialen und Klassengegensätze zu versöhnen und zu Überbrüden unb so wertvolle Kräfte, die sich vorher im Klassen- kcunpf verbrauchten, produktiver Arbeit für den Stagi. für die Gesamtheit zuzuführen Ästl diesen Stgat unb die viel umstrittene Persönlichkeit seines geistigen Führers richtig beurteilen zu können, muß man das Werk des Duce und den Geist, der in seiner Schöpfung lebt, genauer len» neniernen. Hierzu aber läßt sich kein besserer Führer finden als Georg Mehlis, der vielseitig gebildete Philosoph, der als Deutscher in Italien das Werk ONussolinis heranreifen sah. mit deutscher Gründlichkeit alle Erscheinungen beobachtete und berufen ist, die Kräfte und Tendenzen des faszistischen Staates anschaulich zu machen. Voung-Plan, Finanzen und Wirtschaft. Von Dr. 3. W. Reichert, M. b. R Preis 2,40 Mk. Verlag von Reimar Hophing in.Berlin SW 61 (6). — Dr. Reichert untersucht an Hand umfangreichen, einwandfreien amtlichen Zahlenmaterials die Velastung der verschiedenen Tributträger, nämlich pes Reichshaushalts, der Reichsbahn und 3ndustrie, und die gefährliche Tributauswirkung auf die Finanzlage des Reichs unb ber Wirtschaft, sowie bie Folgen für die deutsche Ausfuhr unb Währung. Besondere Untersuchungen widmet Dr. Reichert dem Zusammenhang zwischen Tributen unb Zinshöhe, ^»sichen Tributen und Arbeitslosigkeit, zwischen Tributen und Auslandverschuldung, sowie zwi- schep Tributen und Vplksvermogen. Während <1^ukreich nach dem Siebziger Krieg nur 2 .Prozent seines privaten Volksvermögens Kriegsentschädigung an Deutschland zu 6e« jablen brauchte, hat Deutschland 30 Prozent des Romane und Novellen. — Martin Deheim-Schwarzbach: Der kleine Myltke unb bie Rapier- f u n ft. Reclams Universal-Dibliothel Rr. 7040. Geh. 40 Ps.. geb. 80 Pf. (737; — Hier wird eines jener blamablen Abenteuer aesch ldert, in denen die Tragik der Kleinen unb Verschüchterten offenbar wird: eine unpathetische unb verschwiegene Tragik. Es ist ein Abenteuer, in dem der un- hcldlsche Mensch sich zum äußersten Maß von Heroismus durchringt, dessen er fähig ist; in dem er, ber Würdelose, an Würde gewinnt. Das Leben wird hier so geschildert, wie es dem Autor erscheint: nicht groß und machtvoll daher- rguschend, in einem gradlinigen Fluß, ww es die Pathetiler darzustellen lieben, sondern ganz klein, voller Winz ger Geringsügigk.iten und fd>il ernbet Avancen, angefüllt mit ernstgenommenen Lächerlichkeiten und Rutzlosigkeiten. Die Charaktere, die darin erscheinen, werben auf solche Weise voll und ganz sichtbar: es wird kein Lebenslauf erzählt, sondern ein Ausschnitt: dieser aber ist so vieldeutig, daß alle die Fülle unb Dunthett des Menschen sich enthüllt. — Carl Marquard Sauer: Kinder aus dem Heiligen Geist. Eine Erzählung aus der guten alten Zeit. Bearbeitet von Johannes Leonhard. 173 Seiten 8°. Preis 3,00 Mark. — Verlag: Gutenberg-Druderei, Mainz, 1929. (5) — In der Erzählung werden die Bewohner des Mainzer Hauses zum „Heiligen Geist" unb das Leben und Treiben in ihm, wie es sich vor 100 Jahren abgespielt hat, geschildert. Auch die aufgeregte Zeit des letzten Kurfürsten und der Rapvleonskriege wirb gestreift. In einer spannenben Handlung werden uns die Erlebnisse eines jungen Studenten geschildert, ber sein Studium aufgeben unb die Laufbahn eines Privatlehrers ergreifen muß. Der Verfasser hat jn diesem Werk sicher ein kleines Stück Autobiographie gegeben; denn er selbst-war lange Jahre in Wien und Triest Privatlehrer gewesen. — Sigfrid Siwertz: Jonas und der Drache. Roman. 330 Seiten. Aus dem Schwedischen übertragnen vpn Heinrich Goebel. Geh. 5 Mk., Ganzleinen 7 Mk. Buchausstattung von Prof. Stcincr, Prag. Carl Schünemann, Verlag, Bremen. (741) — Ein Gelehrter trennt sich von seiner Wissenfchaft und ergreift den Beruf eines Zeitungsredakteurs. Hier findet er, was er suchte, nämlich praktische Tätigkeit, immer neue Arbeit, kurz das Leben! Aber er muh erfahren, daß sein Herz in ber Hetzjagb bes Tages leer unb unbe- friebigt bleibt. Zwischen zwei Frauen gestellt, bie die beiden Seiten seines Wesens unb zugleich bie Phasen seiner Entwicklung symbolisieren, sinbet er nicht bie Rücksichtslosigkeit, sich von ber Mutter seines Kindes zu trennen, um der neuen höheren unb beglücken deren Liebe zu folgen. Er zerbricht zuletzt an ber Unrast, bie sein Berus unb bie Unausgeglichenheit in feinem Innern Hervorrufen. Erziehung und Unterricht. — Das deutsche Bildungsideal der Gegenwart in geschichtsphilosophischer Beleuchtung. Von Prof. Dr. E. Spränger. 2. Auflage. 3n Leinenband Mk. 4. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. (449) Wie läßt sich vom geschichtspilosophl- fdjen Gesichtspunkt aus das brutsche Bildungsideal normieren? Diese Frage von allgemein kulturellem Interesse bildet den Ausgangspunkt dieser geistvollen Untersuchung, bie als eine erste Einführung in die Pädagogik der Gegenwart bezeichnet werden kann. — Unser Deutsch. Don Geheimrat Professor Dr. F. Kluge. Fünfte Auflage. 21, bis 25. Tausend. Reubearbeitet von Professor Dr. A. Götze. 126 Seiten. Gebunden 1,80 Mark. (Sammlung Wissenschaft und Bildung). Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. (553) — Kluges Einführung in die Wuttersprache hat sich längst als ein zuverlässiger Wegweiser durch die Werkstatt peutscher Sprachsch5p,ung erwiesen, den heute unsere Studenten der Germanistik genau so wenig missen möchten wie die gebildete Laienwelt, die sich für sprachgeschichtliche Dinge interessiert. Es ist daher freudig zu begrüßen, daß ber Gießener Germanist, Professor Götze, die Neubearbeitung dieses ausgezeichneten Bändchens übernommen hat unb jetzt eine in vielen Einzelheiten verbesserte Auflage vvrlegt. Er betont mit Recht, baß kaum eine Einführung in die Muttersprache bei aller musterhaften Sorgfalt im Kleinen die großen Gesichtspunkte so unbedingt wahre, wie das vorliegende Buch, dessen ungeheueren Reichtum ein weiter Hintergrund harmonisch umspanne. 3n der Tat hat Kluge hier aus seinem reichen Wissensschah eine schier unendliche Fülle von Dingen mitgeteilt, die ein vertieftes Der- -ständnis unserer Muttersprache ermöglichen. Er beschränkt sich dabei keineswegs auf sprach- gefchichtlich interessante Fragen, wie die fprach- liche Stellung der Germanen unb bie Entstehung ber Schriftsprache, sondern er gibt — unb bas macht den besonderen Reiz dieses Büchleins aus — sehr viel kulturgeschichtlich Wertvolles, wie bie Standes- unb Berufssprachen, bie Stubenten-, Seemanns- unb Weibmannssprachen. In ihnen wirb ein gut Teil echt deutschen Volkslebens lebendig. Dgbei vermeidet Verfasser jede trockene Untersuchung und Zusammenstellung zugunsten einer lebensvollen Darstellung, die die Lektüre dieses Büchleins zu eigenem Genuß werden läßt. — C h a r af t er b e g r i f f und Charaktererziehung. Don Geh. Oberstudienrat Professor Dr. Dr. e. h. G. Kerschen st einer. Dierte verbesserte Auslage. Geh. 5, geb. 6,40 Mk. Derlag von B. G. Teubner ip Leipzig und Berlin 1929. (521) — Der Verfasser stellt sich als erste Aufgabe, den Begriff „Charakter" sicher zu umreißen; wertfrei im Sinne der Individualität, wertbetont im Sinne gemeinschaftlicher Wil- lensgrundsäyc. Zu den Ternperaments- unb 3n- divibualitätsthpen der älteren und neueren Forschung wird Stellung genommen. Als Hauptaufgabe ergibt sich: „zu untersuchen, welcher Bestand an psychischen Kräften als Anlage vorhanden sein muh, damit überhaupt ein Charakter sich entwickeln kann." Don hier aus gewinnt , Kerschensteiner Richtlinien, „an welche sich so- i wohl die Familienerziehung als auch die Schulerziehung, als endlich auch bie Selbsterziehung ju halten hat, damit die Charakterbildung «Ü Erfolg in Angriff genommen werden tarai.‘r iedjner End) f)qj> I Mage. Der Benin I )n eswa 350 Mark. I wurde dem Rechner' irach man die Et* ebedien Assjt« eitplo^es. ßf Statt Hungen ge- n twe MMr zu itmächüzi, Angebole einzuholen und die luMrbeitung vorzu- hessischen Reit- und iel. Redaktion?^ 5 17 Uhr. Samstag Wirtschaft. Geldmarkt und Rentenwerte. Die Entspannung aus den internationalen Geldmärkten hat seit Jahresbeginn weiter erhebliche Fortschritte gemacht. Eine zweite Diskont- fenkungswelle ist im Gange, die durch die Reichsbank mit einer Ermäßigung ihrer Rate von 7 auf 6' '2 Proz. eingeleitet wurde. Diese Maßnahme erscheint geeignet, die LIeberwi n d u n g des saisonbedingten Koniunktur- t i e f st a n d e s zu erleichtern. Es sind heute in der ganzen Welt nirgends Anzeichen dafür bemerkbar. daß der Verflüssigungsproze,; auf den Geldmärkten durch plötzliche Anforderungen gestört werden könnte. Was Deutschland anbetrifft, so darf, wie in einem Bericht der Berliner Handelsgesellschaft ausgeführt wird der Llnsicher- heitssaltor des öffentlichen Geldbedarfs gegenüber den Kräften, die zur Erleichterung des Geldmarktes beitragen, noch nicht unberücksichtigt bleiben, zumal die Konsolidierung der kurzfristigen Schulden der öffentlichen Hand allem Anschein nach mit einer gewissen Energie in Angriff genommen werden soll. Anderseits besteht nach Beendigung der Haager Konferenz durchaus die Möglichkeit des 21 b - schlaffes von Auslandanleihen. Einer liberaleren Handhabung der Diskontpolitik seitens der Reichsbank steht nichts im Wege. Der Kapitalmarkt hat nach der monatelangen Lethargie ebenfalls eine gewisse Belebung zu verzeichnen. Auf den meisten Gebieten sind seit Rcujahr fühlbare KurZbesserungen eingetreten. Trotzdem läßt sich nicht sagen, daß, an der Rendite gemessen, diese Entwicklung der Zinsverbilligung bereits ausreichend Rechnung getragen hätte. Eine sehr fühlbare Anregung ging von den verschiedenen Llmschuldungspro- jetten aus: wenn es gelingt, die Llmschuldung schrittweise durchzuführen, so wird jedenfalls dem Kapitalmarkt eine große Sorge genommen werden. Eine LInterscheidung zwischen steuerpflich- tigen und steuerfreien Emissionen würde allerdings dem Markt eine unerträgliche Unsicherheit geben. Eine restlose Beseitigung der Kapital- ertrogssteuer muß jedenfalls zumindest für alle festverzinslichen Werte gefordert werden. Oie Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. Lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Frankfurt a. M.: Der Arbeitsmarkt erfuhr in der letzten Woche eine weitere Belastung von rund 8500 Arbeitsuchenden. Die Steigerung der Arbeitslosigkeit um 4,1 v. H. ist also im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Wochen (Zugang 7,1 und 7,5 v. H.) beträchtlich langsamer geworden. Die Abschwächung des Andranges war in fast sämtlichen Berufen (Baugewerbe, Industrie der Steine und Erden, Lohnarbeit wechselnder Art, Bekleidungsgewerbe usw.) zu spüren. Außerdem wird in nicht unerheblichein Maße verkürzt gearbeitet. Die Zahl der unterstützten Kurzarbeiter betrug Ende Dezember rund 5200; zur gleichen Zeit des Vorjahres erhielten nur 730 Personen Kurzarbeiterunterstühung. Insgesamt sind am 15. Januar 1930 bei den Arbeitsämtern im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen 2 1 4 8 0 0 Arbeitsuchende (davon 30 000 Frauen) vorgemerkt gewesen. In der Arbeitslosenunterstützung wurden 132 000, in der Kri - senunterstühung 14600, also in beiden Lln- terstühungszweigen zusammen 146 670 Hauptunter - stühungsempsänger gezählt, das sind 10 900 oder 8 v. H. mehr als zu Anfang der Woche. Daß die Zunahme der Llnterstühten größer war als die der Arbeitsuchenden, rührt daher, daß eine größere Anzahl Personen, die in der Vorwoche arbeitslos wurde, erst im Laufe dieser Woche nach Zurücklegung der gesetzlichen Wartezeit Llnterstühung erhalten. * * Der Privatdiskont ist gestern für beide Sichten um je 1/8 v. H. auf 6x/8 v. H. ermäßigt worden. "Der Aktienindex. De vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktien.nvex (19 4 26 = ICO) stellt sich für die Woche vom 13. bis 18. Januar 1930 auf 123,2 gegenüber 117,8 der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 121,0 (116,7), in der Gruppe verarbeitende Industrie auf 112,5 (106,8) und in der Gruppe Handel und Verkehr auf 141,4 (135,8). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Ian. Tendenz: Ab- geschwächt. — Im Vormittagsverkehr war die Stimmung anläßlich der f 0r t s ch r e i t e nden Geldmarkterleichterung freundlich. Das Geschäft war jedoch ruhig, da Aufträge nur spärlich eintrafen. Für Kaliaktien machte sich aus den bekannten Gründen lebhafteres Interesse bemerkbar, zumal Käufe von Auslandseite hier anhielten. Zu Beginn Les offiziellen Marktes trat ein Tendenzumschwung em, die Tendenz wurde merklich schwächer. Anlaß hierzu boten die sich wieder mehr verbreitenden Gerüchte, die mit den Stickstoffplänen von Gelsenkirchen in Zusammenhang zu bringen sind und noch ungünstiger lauten, als seither, so daß die Spekulation zu Entlastungsverkäusen schritt; da die Aufnahmelust unter den veränderten Verhältnissen sehr gering war, ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse zum Teil recht erhebliche Abschwächungen. Aber trotzdem bietet die so neu geschaffene Situation keinen Anlaß zur Besorgnis, denn es wird in Börsenkreisen angenommen, daß die Gerüchte aufgebauscht sind, um sie für einen Daissevor- stoß auszuschlachten. Llngünstiges lag nämlich nicht vor. In Reuhork war die gestrige Börse fest, die internationalen Geldverhältnisse liegen günstig, und auch innerpolitisch hat man sich nach Beendigung der Haager Konferenz beruhigt. Stärker angeboten eröffneten selbstverständlich I.-G.-Farben mit minus 3 v. H., und im Zusammenhang hiermit Rheinstahl mit minus 3.25 v. H. Am Elektrvmarkt verloren AEG. 1, Siemens 2,5 v. H.. Licht L Kraft lagen unverändert. Einige Rachfrage bestand für Gesfürel, die 2 v. H gewinnen konnten. Am Montanmarkt gingen die Rückschläge, mit Ausnahme der schon angeführten Rheinstahlaktien, nur bis 1,5 0. Sy Am Kunstseidemarkt war das Angebot etwas größer, bei Verlusten bis zu 4 v. H. Die Kali- aftien wurden von der veränderten Börsensituation nicht berührt, sie konnten sich auf dem erhöhten Stand voll behaupten. Aschersleben und Westeregeln lagen bis 1,5 V.H. fester. Renten still und leicht nachgebend. Rach den ersten Kursen verstärkte sich das Angebot und die Kurse gaben erneut bis 2 v. H. nach. Am schlimmsten betroffen wurden wieder Farben. Später wurde bei Außerachtlassung der Gerüchte die Stimmung wieder etwas günstiger. Die Spekulation nahm Rückdeckungen vor, und die im Verlaufe eingetretenen Abschläge konnten bei den meisten Werten fast völlig ausgeglichen werden. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld auf 6 v. H. erhöht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1864. gegen Pfund 20,397, London gegen Kabel 4,8670, gegen Paris 123,91, gegen Mailand 92,98, gegen Madrid 37.60, gegen Schweiz 25,1925, gegen Holland 12,1075. Berliner Börse. Berlin, 22. Ian. Der Druck, der seit Tagen auf dem offiziellen Markte lastete, schien im Verlaufe der gestrigen Börse gewichen zu sein. Die Spekulation hatte neuen Mut gefaßt und sich stärker nach oben engagiert, zumal das Interesse des Auslandes für Kaliaktien besonders anhielt. Auch heute vormittag sah es so aus, als ob sich eine freundlichere Stimmung fortsetzen werde. Zu den ersten offiziellen Rotierungen trat dann aber ein ziemlicher Tendenzumschwung ein, der seinen Ausgang vom Farbenmarkt hatte. Hoffnungen, daß sich der Markt von der schwachen Haltung der Farben-Aktie freimachen werde. -'-•füllten sich nicht. Als Grund für die neuen 2Vs j.äge führt man neben den bekannten Momc.t^.i und den Vorgängen in der Stickstoffindustrie die von einer hiesigen Morgenzeitung gebrachte Meldung von einer neuen Transaktion bei der I.-G.-F a r b e n zwecks Verteilung der Dividende an. Als weitere retardierende Momente wurde noch die für den 1. Februar zu erwartende Liquidation der Allgäuer Dereinsbank und die in der zweiten Januarwoche erneut erhöhte Arbeitslosenziffer erwähnt. Demgegenüber konnte die weiter leichte Verfassung des Geldmarktes keinen Einfluß auf die Tendenz gewinnen. Die ersten Rotierungen tagen gegenüber gestern bis zu 3 v. H. niedriger. Bömberg, die heute exklusive Dividende gehandelt wurden, verloren 3,75 0. H. Man brachte diesen Rückgang mit einer Meldung von Preisherabsetzungen in der britischen Kunstseideindustrie in Zusammenhang. Deutsche Anleihen nachgebend. Ausländer behauptet. Pfandbriefmarkt ziemlich freundlich. Der Geldmarkt war sehr leicht. Tagesgeld 4,5 bis 6,5 D. Sy, Monatsgeld 7,5 bis 9 t>. Sy. Warenwechsel etwa 6,5 V.H. Rach den ersten Kursen wurde es auf festere Auslandmeldungen zunächst ziemlich widerstandsfähig, und es ergaben sich später noch allgemein weitere Rückgänge von 1 bis 2 v. Sy Papiere wie Siemens und Salzdetfurth verloren bis 4 v. Sy, überhaupt konnten sich die anfänglich recht festen Kali- und Draunkohlenaktien, ebenso wie Julius Berger (plus 6 V.H.) im Verlaufe der allgemeinen Tendenz nicht entziehen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Ian. Am heutigen Produktenmarkt war die Tendenz ruhig. Die Grundstimmung war jedoch infolge der höheren Auslandnotierungen etwas fester. Preisveränderungen ergaben sich im allgemeinen nicht, nur Weizenmehl konnte etwas anziehen. Leicht gedrückt lag Weizenkleie, dagegen konnte am Futtermittelmarkt Mais für Futterzwecke bis 0,25 Mk. anziehen. Es wurden notiert: Weizen 26,75; Roggen 18,50; Sommergerste für Brauzwecke 19,50 bis 19,75; inl. Hafer 17 bis 17,25; Mais 16,75 bis 17; Weizenmehl, süddeutsches Spezial0, 39,50 bis 40,50; Roggenmehl 26,25 bis 27,50; Weizenkleie 8,40 bis 8,80; Roggenkleie 9 bis 9,50. Tendenz: ruhig. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 21. Ian. Linker dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Schmäht fand heute die erste Sitzung der diesjährigen ersten Tagung des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen statt. Wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang halte sich ein aus Bayern stammender Dienstknecht namens Josef Bös! zu verantworten, der zuletzt längere Zeit in Griedel auf einem Hofgut seinem früheren Beruf als Schlosser entsprechend beschäftigt war. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Schneider, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Elsoffer. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Im September v. I. befand sich eines Abends der Agent Elmiger von Butzbach in der dortigen Wirtschaft „Zum alten Fritz", wo er mit Bekannten Karten spielte. Dorthin kam kurze Zeit später auch der Angeklagte Bösl mit zwei auf der Wanderschaft befindlichen Landsleuten, die er zuvor in einer anderen Wirtschaft getroffen hatte. In der Wirtschaft „Zum alten Fritz" selbst ging es sehr friedlich zu. Riemand konnte ahnen, was sich kurz darauf auf der Straße unmittelbar vor der Wirtschaft abspielen sollte. Als nämlich Elmiger gegen 10 Llhr das Wirtszimmer verlieh, hörte man kurz darauf draußen poltern. Als daraufhin ein Teil der Gäste hinauseilte, fanden sie Elmiger auf dem Bürgersteig stehend, wie er gerade nach seiner linken Brustseite griff und dabei schrie: „Ich bin gestochen!" In seiner unmittelbaren Rähe stand der Angeklagte mit den beiden Handwerksburschen. Während der Angeklagte bei seiner Festnahme sich zunächst vollkommen unwissend stellte und sogar noch, als man in seinem Strumpf das mit Blut befleckte feststehende Messer gefunden hatte, von der Sache nichts wissen wollte, gab er schließlich doch zu, daß er den Elmiger mit dem vorgefundenen Messer gestochen habe. Zu seiner Entschuldigung führte er an, daß ein ihm unbekannter Mann ihm plötzlich gepackt habe, gegen den er sich mit seinem Messer zur Wehr gesetzt habe. Rach Vernehmung der Zeugen wurde der ärztliche Sachverständige über die von ihm vorgenommene Sektion gehört. Rach dem von ihm erhobenen Befund hatte der Angeklagte dem Elmiger das Messer bis nahezu an das Heft in den Brustkorb gestoßen und dabei den Herzbeutel und die Herzkammerwand durchstochen, so daß der Tod infolge Herzblockierung in der darauffolgenden Rächt eintrat. Der Staatsanwalt wies unter Würdigung der Zeugenaussagen zunächst darauf hin, daß sich keine Anhaltspunkte für die Annahme der von dem Angcllagten behaupteten Rotwehr ergeben haben. Vielmehr fei der Beweis erbracht, daß der Angeklagte ohne für ihn begründeten Anlaß den verstorbenen Elmiger angegriffen und ungewollt den tödlichen Stich ins Herz verseht habe, vermutlich, um seinem Landsmann beizu- stehen, mit dem Elmiger auf der Treppe eine kleine Auseinandersetzung hatte. Er wandte sich entschieden gegen Bewilligung mildernder LIm- stände und beantragte gegen den Angeklagten vier Jahre Gefängnis und Einziehung des bei der Tat benutzten Messers. Der Verteidiger suchte nachzuweisen, daß der Angeklagte in Rotwehr gehandelt habe, jedenfalls aber straflose Lleberschreitung der Rotwehr in Frage käme und bat um milde Beurteilung der Tat. Rach geheimer Beratung wurde das Urteil verkündet, das den Angeklagten der Körperverletzung mit Lodesfolge für schuldig erkennt. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte die Grenzen der Verteidigung erheblich überschritten habe. Mit Rücksicht auf seine bisherige Llnbestraftheit und die gezeigte ehrliche Reue wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt, und der Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis abzüglich der Untersuchungshaft verurteilt. Außerdem wurde auf Einziehung des Messers erkannt. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) L. B. j. Der betreffende kaufmännische Lehrling fällt unter die Angestelltenversicherung und muß Krantenkassebeiträge bezahlen. Er muß auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen, wenn er nicht durch Vorlage seines Lehrvertrages Befreiung erwirkt. P. R. lieber die Erlaubnis zur Anlegung einer elektrischen Lichtleitung befindet allein der Hauseigentümer. Wohnt der Wohnungsinhaber im Stockwerk unter Ihnen nur zur Miete, so wird er die Legung der Leitung dulden müssen. Dabei vorkommende Beschädigungen müssen so gut als möglich vermieden und demnächst ordnungsmäßig wiederhergestellt werden. Bieten Sie dem Hauseigentümer für die mutmaßliche Höhe der Kosten Sicherheit in bar an. R. £. 24. Wenn Sie den Beruf eines Volksschullehrers in Hessen ergreifen wollen, müssen Sie sich mit einem Aufnahmegesuch unter Beifügung des letzten Schulzeugnisses an das Ministerium für Kultus» und Bildungswesen in Darmstadt wenden. Don dort erhalten Sie auch Mitteilung über die Einreichung weiterer Papiere. Die Ausbildung erfolgt an einem der Pädagogischen Institute in Darmstadt oder Main; und dauert mindestens vier Semester. Die Beherrschung von Harmonium, Geige oder Klavier kann noch während der Ausbildungszeit erlernt werden. Für Preußen ist die Anmeldung an das Preußische Kultusministerium in Berlin zu richten, von wo ebenfalls weitere Auskunft erteilt wird. Wenn Sie sich über die einschlägigen Verhältnisse näher orientieren wollen, wenden Sie sich an den zweiten Vorsitzenden des Hessischen Lande lehrer- vereins, Herrn Rektor Kaufmann in Gießen, Pestalozzischule. Borsiandswahl. Es muß keine Stichwahl ftatt- finden. Mangels bestimmter anderer Satzungsvorschriften gilt G. als gewählt. Stubent C. B. in Gießen. Die gewünschten Angaben über das Eisenbahnschienennetz der Erde und der verschiedenen Erdteile im einzelnen können w i r beim besten Willen nicht ermitteln. Vielleicht können Sie durch eine direkte Anfrage bei der Reichsbahn- direktion Frankfurt a. M., oder bei der Hauptverwaltung der Reichsbahn in Berlin den gewünschten Aufschluß erhalten. Letzte Nachrichten. Oie Stützung des Rogaenpreises. Berlin, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) In einem Teil der Presse wird die Rachricht verbreitet von der bevorstehenden Einbringung eines Roggenbrotgeseh.es. Wie wir dazu von unterrichteter Seite erfahren, liegt ein Gesetzentwurf in der angedeuteten Richtung vorläufig nicht vor. Tatsache ist jedoch, daß mit Rücksicht auf die katastrophale Lage am Roggenmarkt über das Problem der Roggenstützung seit längerer Zeit Erwägungen schweben, die sich voraussichtlich in allernächster Zeit zu konkreten Vorschlägen verdichten werden. Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichsrates und des Reichstages werden sofort nach Zufammen- treten des Reichstages über die weitere Regelung des Dermahlungszwanges gutachtlich gehört werden. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft beabsichtigt, den zurzeit festgesetzten Dermahlungssah für Inland- weizen von 50 v. H. auch für den Monat Februar festzusetzen. Das Reich Kabinett wird sich bereits in einer seiner nächsten Sitzungen mit dieser Frage beschäftigen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern ;eben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 0. H. iranlfurt 0 ' lherl- ’ankfurt 0 Berit 'ranlhirt a B»ch'l Banknoten. ,-ch'ub- U Qu re Ritt ,1 > atifl- . ichsanietyr ron lOz? ....... 7% Deutsche Reichranlethe von 1929 ......... Dl. Anl.-Ablüs.-Schulb mir Am lol-«ect>ten . . $eooi ebne Auiloi. Rcchie 8% Hess. DolMoat von 1929 (rückzahlb. 102%) Cbcrbeilcn Provinz »Anleihe mil iHux'lol.-flkdiicn . . . $cut|d)e .(lumm. Sammelahl. Anleihe Leite 1 . 8% Franks. Hnp.-Bank Koldpsc XIII imlüithbar bis 1934 . 7% Franks. Lnp -Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... dihciiiiidx- Hyp.-Ban« ülQll. ®Ol!'p|C........ 8% Pr. Laiibcspsaubbricsanktall Psanvbriese R. 17..... 8% Pr. Landeevlanvbriesanslail Komm.-Lbl. R. 16..... 7% Pr. Landc-psandbriesanNaU. Psandbricse R. 10 ... A.U.W. abg. korkriegs-Obiigatton rückzahlbar 1932 ...... 4% CettenddHI&e Eoldtte. 4,20% Oellcri. Silbent' 4% Oestcrreichilchc Einheitliche Rente.......... 4% Ungarische Goldtte.. 4% Ungarllche Staattr. 0.1910 4y,% detgl. von 1913 . . . 4% Ungaritche Kronenrte.. . 4% rürt. Zolianleihe v. 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Aw Serie 1..... 4% de»g>. Serie II 6% Rumäntlche veretnh «ent von 1903 . . . 4y,% üinmSntiche veretnh. «ent von 1913 ...... 4% Rumänische veretnh. Diente 87,25 96,4 11,75 8,45 87 48,5 48,75 96,5 84 82,25 97 94,5 88,5 90,5 26,25 3,2 23,3 21,35 2,15 7,75 7,75 7,75 10 15,4 8 || | || 1 I I 1 1 1 II 1 1 1 । । 1 1 1 1 1 1 1 1 87,5 96,4 i1,6b 8,4 87,5 49 97 94 88 3,2 2,13 23,4 21,5 22,75 2,15 7,8 7,8 10,13 15,4 8,05 | | StoKroede..... Phöni; Bergbau......6V, «bc nhdj» ytauntoblca. . . li Rlemüah ....... «iebeck Montan ...... 7,. 106 105,75 122,25 125 187 159 742,5 151 151 293 174,75 125 167,5 191,5 296,5 171 71,25 107,5 141 41,5 247 08.25 111 111 105.25 263 121,5 c _ 158,25 151,25 173,75 166,5 169,5 294 70,75 2 — 107 109,75 1 118 105,75 15S75 105,5 122,75 125 186,5 159 242,5 151 151 152 294 174,75 212 167 167 124,25 168 135 142 164,7t 191,5 294,5 170,5 71 107,25 139 140,9 141,25 119 246 108,5 117,5 110,73 110,75 76,25 103,25 105,5 263 120,65 104,5 105,75 105 122,5 123,75 187,5 158.25 241,5 150,5 150,5 151,25 293,13 174 210 166,5 166 122,75 168,23 134,4 143,5 156,6 191.75 296 71,75 106,5 137 140 141,25 119 248 107 117 109,4 110 103,25 104,6 263 1 118.5 1 102,25 Bereinigte Stahlw Ctaoi Minen . . 16’/» Kai werke Aschersleben . . 1 Km wette Ißcfictegein 10 Kaitwei e SaUbctiuttb 1b 3. G Farben-Jnduilrte ... 1t Dhnamtt Nobel.......6 Scheideanstalt........v Goldschmidt ........6 Rütgerswette ........ 6 Meiallgoellichast......8 Philipp Hmrmann . ... "1 Lernen wett Heidelberg ... 10 Gement wett Karlstadt ... 1° löaoB & Frei» ag .... 8 Schultheis Patzent-os« ... 16 Oslwette.........12 Bet. Glan.,Noss......18 Bömberg........ 14 Reliitofi Waldhos ... 18% gellslosi Aichasi- nburg ... • Charlottenburger Waller ... 8 / Deiiauer Bas .....9 Daimler Motoren . ..... v Deutsche Linoleum..... Maschinenbau A.-G......0 A ' rw rt.- Kl yt ...» . C Luow Loew 1< Nat Automobil . . ..... c Orenüeln 4 Koppel.....f V-onhntD Tietz......10 Svenkko .«••••• .vtanh Maichtnen...... Grtyner ......... Hevltaertstaedt .......u tzunghan». ..... Lechwette. ■ s Mamtvntwcrk- Höchst a. ÖL Miag. 10 Bebt «oebet......10 Boigt 4 Haessaer ...._. Süvtz. Lucke, ....... 10 216 221,5 361 177,25 151 68 77 116 99 168 151,5 252,5 54 8 47 108 108 130,5 113,5 220 _ 217,5 222,5 174,25 76,2=' 116 97,5 118 85,5 150,75 251,75 1 47^ z 1 155,5 104 57,25 215 220.75 360 176,9 83,25 68,25 76,4 116 98,75 87 280,25 212,9 170 202,25 149.5 104,25 169,25 42 252 46,5 20,5 77 165 343,75 46,75 54 47 129,5 220 155,5 103 57 216.75 221,76 360 173,75 83 68 75,75 98,25 280,5 211,75 159 200,75 149.5 104,5 169 40,6 251,2' 46,75 20,75 344,5 129,5 1 — 21 Januar 22 Januar Amtiichr Gelt Dotierung Brie! Amtliche Näherung Geld Btt ; «mit.» Ml ott. Bucn.-AireS Brss.-Antw Gbriftiania. .fiopenbafl.-n Stockholm • HelsingtorS- Italien. . . London. . . Ncuyork . . Paris. . . . Schweiz . . Spanien - Japan . . •Kto de Jan Wien in D-° Ceft abaeft Prag Bdirad Budapist. Bui arten Lissabon Tanrig. Konst.NttN. Athen. . 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