Dienstag, 21. Moder 1950 180. Zahrgang Nr. 246 Erstes Blatt Nach Vertagung des Reichstags Sie neue RHarÄonMe l . Ult |CL VUH/lUyi |iv I ......'1 - o t der Amnestie betroffenen Personen schon - I nächsten Tagen erfolgen. Agrarnot unerledigt gelassen hat. Kein nochmaliger Einspruch Preußens. in der Einberufung des Reichstages gefordert. Gleichzeitig wurde beschlossen, in persönlicher Aussprache des Vorstandes der Fraktion mit dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten diesen Schritt zu begründen. Die Fraktion sieht sich hierzu insbesondere dadurch veranlaßt, das) der Reichstag eine Reihe wichtiger Forderungen der Landwirtschaft zur Behebung der wachsenden bankier" aufschwingen konnte? Jede bloße Herabsetzung der Reparationssummen ohne gleichzeitige Stabilisierung des allgemeinen Preisniveaus muh alle Anstrengungen zur Lösung des Reparationsprvblems wie des Problems der „Kriegsschulden" zu Sysiphus- arbeit machen, um so mehr, als jede durch Goldverknappung bewirkte Deflation, wie die. Goldaufspeicherungspolitik des Federal Reserve Boards und der Bank von Frankreich beweist, die Weltgläubiger dazu verleitet, das Tempo fortschreitender Verelendung in den Schuldnerländern noch zu steigern. beit hat. Das Amnestiegesetz hat bekanntlich eine lange Geschichte. Das Gesetz wurde vom vorigen Reichstag mit einfacher Mehrheit angenommen, bei der weiteren Behandlung des Gesetzes im Reichsrat wurde es jedoch auf den Einspruch Preu- Das Amnestiegesetz wird rechtskräftig. Aachen, 21.Oft (1BIB. Funkspruch.) 3m unter- irdischen Betrieb der Grube Anna II bei Alsdorf ereignete sich heute vormittag zwischen 8 und 9 Uhr ein folgenschweres Lxplosionsunglück. Vach vorläufigen Angaben soll das Verwaltungsgebäude in Trümmern liegen. Ueber Linfahrtsmöglich- feilen war Auskunft noch nicht zu erreichen. Alle benachbarten Feuerwehren sind zur Unfallstelle geeilt. Die Detonation wirkte sich in einem Umkreis von vielen Kilometer aus. Vach einem späteren Funkspruch wurde der Wilhelm-Schacht der Grube „Anna II“ bei Alsdorf heute früh durch eine Explosion eines Dyna- m i t l a g e r s auf der 200-Blder-Sole zerstört. Die Explosion verschüttete mehrere hundert Bergleute. Der Förderturm wurde umgelegt und mehrere Häuser in Alsdorf zerstört. 3n der Volke übernommen habe. Die Absicht, eine gesetzgebende Versammlung ein zuberufen, sei ein Zugeständnis an die arabische Bevölkerung, die nunmehr die Macht in der Regierung übernehmen wurde. Die judiiche Einwanderung solle davon abhängig gemacht werden, wie weit daS Land Einwandrer aufnehmen könne. Gröhere Geldbeträge sollen für die Entwicklung der landwirtschaftlichenBesihungender Araber aufgebracht werden. Dadurch würde der weiteren Ausdehnung der jüdischen Kolonisationstätigkeit entgegengetreten. Der Dollzugsausschutz behauptet, daß die Rechte und Vorrechte, die die 3uben in Palästina gemäß Mandat erhalten hätten, durch die Maßnahmen drr englischen Regierung zum größten Teil aufgehoben wurden. 5>er Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der 3ewish Agench, Dr. W e i z m a n n, gibt dem Kolonialminister Paßfield seinen Rücktritt bekannt. Die Regierungserklärung bedeute eine grundlegende Aenderung in der Durchführung der im Jahre 1922 verkündeten Politik und führe schließlich zur völligen Verleugnung der Rechte und zur Vernichtung der Hoffnung der Juden auf eine nationale Heimstatt in Palästina. Die Beschlüsse der Regierung legten auch der zukünftigen Arbeit der beiden Organisationen, deren Vorsitzender er, Weizmann, sei, die ernstesten Hindernisse in den Weg. das gefallen lassen und nicht beizeiten auf eine Reuregelung des internationalen Geld- und Kreditwesens drängen. Eine Grube kam ein Sprengsloffmagazin zur Explosion, wodurch die gesamte Grubenanlage zerstört wurde. Das Fördergerüst ist eingestürzt, jede Verbindung nach außen ist abgeschnitten. 3n den umliegenden Siedlungsbauten sind zahllose Fensterscheiben zertrümemrt und Dächer abgedeckt worden. Sanitätskolonnen und Feuerwehr aus dem ganzen Landkreise Aachen eilten sofort zur Unglücksstelle. Man schätzt die Zahl der Toten und verunglückten aus 2 0 0. Vorläufig wird versucht, von der Grube „Anna II", die mit dem Wilhelm-Schachl durch einen unterirdischen Gang in Verbindung steht, zur lln- glücksstelle zu gelangen. Man ist zunächst damit beschäftigt, die über Tage befindlichen verunglückten fortzuschofsen. Die Detonation war in einem Umkreis von vielen Kilometer vernehmbar. Würde Frankreichs vereinbaren ließen. Geldies Antwort. Der Stahlhelm und Preußen. sichert sein, wenn man französischerseits geprüft habe, was an den Angriffen gegen den Versailler Vertrag gerechtfertigt erscheine und wenn man Deutschland alle Zugeständnisse mache, die sich mit Herve an die Adresse des Stahlhelms. Tie Zusammenarbeit der Frontsoldaten. Paris, 20.Oft. (Tel.-Un.) Hervä wendet sich in seinem heutigen Leitartikel an den Stahlhelm und fordert ihn auf, zu erklären, was er von einer ehrlichen deutsch-französischen Verständigung auf der von ihm, Heros, angeführten Grundlage halte. Die große Mehrheit in Deutschland sei für ein« An- nähernngspolitik, sie würde es jedoch noch mehr sein, wenn man ihr gewisse Zugeständnisse mochte, die weder Briand, noch Tardieu, noch Poincars zu machen wagten. In Frankreich seien es nur die kleinen Gruppen der „Aktion Frcmgaise", die als unnachgiebige Gegner einer Annäherungspolitik angesehen werden konnte. Die anderen Kriegsteilnehmer würden leicht zur Vernunft gebracht werden können. In Deutschland sei das große Hindernis die Organisation des Stahlhelm. Der Stahlhelm, den man nicht mit den ein wenig verwirrten Elementen Hillers verwechseln dürfe, bilde die größte moralische Stärke Deutschlands. Der wahre Friede werde erst dann ge- Schwere Explosionskaiastrophe im Aachener Kohlenrevier. Ein Oynamiilager unter der Erde explodiert. — Oie gesamte Grubenanlage in Trümmern gelegt. — Zweihundert Verunglückte. London, 20. Oft. (WTD.) Die Erklärung, die die britische Regierung morgen über ihre Politik gegenüber Palästina abgeben wird, wird nach dem „Daily Herold" eine neue Bekräftigung der Balfour-Deklaration und der Bedingungen des Palästinamandats sein und -erneut die Entschlossenheit der Regierung zum Ausdruck bringen, das Mandat, koste es, was es wolle, auszuführen. Der Wortlaut des Berichts Sir 3ohn Hope Simpsons über die allgemeine Entwicklung in Palästina wird zusammen mit der Regierungserklärung veröffentlicht werden. Verschiedene große Pläne für L andauf s chließ un g und Dewä sse- rung, mit denen sich die Behörden in Palästina tragen, werden bekanntgegeben werden. Diese Pläne sollen sowohl Juden als Arabern zugute kommen und die Bevölkerung Palästinas heben. Auch die Pläne für die künftige Regierung Palästinas sollen verkündet werden. Sie haben zur Grundlage den entschlossenen Willen, die Rechte der Juden aufrecht zu erhalten und zugleich die der Araber zu gewährleisten. Der Vollzugsausschuß der Weltvereini- g u n g der zionistischen Revisionisten greift die Vorschläge der englischen Regierung heftig an. Die englische Regierung wolle sich aller internationalen Verpflichtungen entziehen, die sie gegenüber dem jüdischen solche Reuregelung ist noch wichtiger als ein Abbau des ganzen Reparations- und Kriegsschuldengebäudes, in dem tatsächliche Schaden längst „wiedergutgemacht", tatsächliche Leistungen längst durch Gegenleistungen ausgewogen worden sind. Hat etwa Onkel Som in Öen vier 3afjren des Weltkrieges soviel mehr geleistet als gewöhnlich, daß er sich kraft seiner Arbeitsfähigkeit von einem Schuldner Europas zum „Welt- ßens hin abgelehnt. Die dadurch notwendig werdende Zweidrittelmehrheit bei der nochmaligen Beratung im Reichstag konnte nicht erzielt werden, so daß das Gesetz zurückgestellt wurde. Rach der jetzigen Annahme der Amnestie mit Zweidrittelmehrheit im Reichstag tauchte vielfach die Behauptung auf, daß der Reichsrat dagegen Einspruch erheben würde, mit der Begründung, daß es sich um ein neues Gesetz handele. Aus informierten Kreisen erfahren wir jedoch dazu, daß ein nochmaliges Scheitern des Amneftiegefetzes für ausgefchlos - fen gehalten wird. Die preußische Regie- rung hat zwar bis zur Stunde noch keine Stellung oazu genommen, es soll aber nicht damit zu rechnen sein, daß sie ihren damaligen Einspruch gegen das Gesetz wiederholt. Damit würde dos Amnestiegesetz also endlich rechtsgültig werden. Bei dieser Sachlage dünste die Haftentlassung der von .. . .. ----- in den Annahme von Anzetaen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. amerikanischen Kulturkreises durch Entdeckung immer neuer Goldfelder mit der Zunahme der Warenproduktion ungefähr gleichen Schritt hielt. Während freilich der weihe Mensch im Himmel einer zuverlässigen Goldwährung lebte, war der farbige Mensch den Qualen der Hölle einer schwankenden und unzuverlässigen Silber- oder Kup*erwährung a "Metzt. Heute droht der Llltionsradius der Goldwährung auch innerhalb des europäisch-amerika.. i^en ÄulturlretcS immer mehr zu versagen, so daß eine immer empfindlichere Goldknappheit die Abhängigkeit verschuldeter Länder von ihren Gläubigern automatisch steigern muh, wenn die Schuldnernationen sich Englands MndalspoM in Palästina Llnzufnedenheit der Zionisten. — Rücktritt We zmannö. Berlin, 20. Oft. (TU.) Das vom Reichstag ... der Nacht zum Sonntag mit Zweidrittelmehrheit verabschiedete Amnestiegesetz ist damit gegen den Einspruch des Reichsrates rechtskräftig geworden, sobald es der Reichspräsident verkündet. Das Amnestiegesetz besagt, daß Straffreiheit gewährt wird für die im Paragraph 4 des Amnestiegesctzcs vom Jahre 1928 genannten, aus politischen Beweggründen begangenen Straftaten, wenn die Tat vor dem 1. September 1924 begangen ist und wenn sie sich n i ebt gegen ein Mitglied oder früheres Mitglied der Reichsregierung gerichtet hat. Es handelt sich hier in Äon Otto Eorbach. . , . ®in englisches Sprichwort unterscheidet drei ftUQCrt Arten von Lügen: „Weihe" Lügen (alerch Rot- lügen), „schwarze" Lügen (d. h. gewöhnliche Lügen) und S t a t i st i k. Daran ist gewiß so viel richtig, daß man sich über die wirklichen Dinge nicht leichter täuschen kann, als indem man ihnen ausschließlich rechnerisch beizukommen sucht. Mit Zahlen läßt sich noch trefflicher ..streiten" und „ein System bereiten", als, im Sinne Mephistos in Goethes Faust, mit Worten. Es gibt nichts Abstrakteres als eine Zahl; denn in ihr sind alle ülnterschiede zwischen den Dingen, die man zahlt, ausgelöscht. Darum ist Zahlentrug fooiel schlimmer als Worttrua. Gefährlich ist ein Diplomat, für den die Sprache erfunden scheint, die eigenen Gedanken zu verbergen, viel gefährlicher der Fi- nanzmann, für den Zahlen dazu da sind, betrügerische Absichten zu verschleiern. der Hauptsache um politische Tötungsdelikte, also um die Amnestierung einer Reihe von sog. Fememördern — etwa 15 — und von sieben Kommu- n i st e n. Es ist aber anzunehmen, daß über diesen Kreis hinaus das Amnestiegesetz auch auf diejenigen Personen Anwendung finden kann, die im Zusammenhang mit den Ruhrkämpfen und der Sc = kämpfung der Separatisten Strafen zu gewärtigen hatten, soweit die Taten vor dem 1. September 1924 begangen wurden. Sicher ist, daß auch der kürzlich wieder vertagte Prozeß F a h l b u s ch sowie der Fall Lampe! durch die Amnestie erledigt sein dürften. Dagegen werden die M ö r d e r E r z- bergers nicht amnestiert, da cs sich hier um eine Tat gegen ein Rcgierungsmitglied gchan- Hamburg, 21. Oft. (TU.) Auf einer Kundgebung des 3ung-Stahlhelms nahm Dunbesführer Srlbte Bezug auf die Artikel Hervös, die sich mit dem Stahlhelm beschäftigen und die auch als eine Auswirkung des Koblenzer Stahlhelm tages zu werten seien. Seldte erklärte, der Stahlhelm werde sich mit seiner Antwort nicht beeilen, sondern sich diese erst ht Ruhe überlegen. Wenn aber die Welt endlich zur Einsicht komme, dann sei auch der Stahlhelm bereit, mit dieser Welt zu sprechen. Darm möge an Stelle des Wortes: Proletarier aller Länder bereinigt euch" das künftige Wort lauten: „Fr on ts o Ida ten aller Welt seht euch zusammen und ordnet diese verquatscht« Erde". (Brausender Beifall.) Der Stahlhelm fordere Preußen vom roteij Berlin, 20. Oft. 3n parlamentarischen Kreisen, die den Oppositionsparteien nahestehen, beschäftigt man sich mit den verfassungsmäßigen Grundlagen für die Möglichkeit, den Reichstag schon früher als die Regierung beabsichtigt, einzuberusen. Man stützt sich dabei auf die Deichsverfassung, die im Artikel 24 vorsieht, daß der Reichstag in jedem 3ahre am ersten Mittwoch des Rovember, diesmal also am 5. Rovember, zusammentreten müsse. Die Regierung macht dagegen geltend, daß diese Bestimmung der Reichsverfassung nur dann Gültigkeit hätte, wenn der Reichstag vor diesem Termin überhaupt noch nicht getagt hätte. Da in der vorigen Woche jedoch schon einige Sitzungen des Reichstages stattgefunden . , . hätten, liegt nach Ansicht der Regierung fein Die aus dem großen Kriege erwachsenen Forde- Grund vor, den Reichstag im Laufe des Rovern- rungsrechte, die sich auf den dem deutschen Volke ber einzuberufen. Aus diesem Grunde wird auch zugemuteten „Reparationen" wie eine Pyra- ber Reichstagspräsident, falls ein dahingehender mibe auftürmen, deren Spitze in eine ferne Zukunft Antrag eingebracht werden sollte, diesen unter hineinreicht, haben die Lenkung der Geschicke der (Berufung auf vorliegende Rechtsgutachten der modernen Kulturmenschheit vorwiegend zu Reichsregierung ab lehnen. 3m übrigen hätte einem Rechenexempel gemacht, dessen ein Zusammentritt des Reichstages praktisch keine Lösung in erster Linie der Hochfinanz obliegt. Die Bedeutung, da eine Mehrheit für feine sofortige Staatsmänner sind zu Schattenkönigen geworden; Wiedervenagung vorhanden wäre. Außer- die wirkliche Politik wird in den großen Banien bem liegen keine zu beyandelnde Gesetzentwürfe und an den Weltbörsen gemacht, von wo aus man vor. 3n parlamentarischen Kreisen nimmt man die Welt mit einem Rie enzisierngewebe zu um- an, daß auch die Tagung des Reichstages im spinnen sucht, worin sich alle lebendige Kreatur mit Dezember höchstens acht Tage dauern wird, der Zeit verfangen und zu Tode zappeln soll. worauf sich das Haus bis Mitte 3anuar Warum ist bei uns das Lied von den großen vertagen dürfte. Erleichterungen, die der Boung-Plan gegenüber dem Dawes-Plan bringen sollte, so VtlU )U>Cu lUfCF Uy* rasch verstummt? Unser Anteil an der Weltwirt- Das Landvolk WÜnschtWiederZUsammentritt schaftskrise allein erklärt das mcht. Hätte sich in- h = »Neichstaas zwischen an dem Leistungsinhalt der Reparati- ^ettystag^. onszisfern nach dem neuen Plan nichts geändert, Berlin, 21. Ott. (BDZ.) Die Reichstags- so würde man es schon verstanden haben, das frattion Deutsches Landvoll (Christlich-Rationale Reparationsübel im Spiegel der Weltwirtschasts- Bauern- und Landvolkpartei) hat sich mit den krise immer kleiner erscheinen zu lassen. Die Wahr- letzten Beschlüssen des Reichstages beschäftigt heil ist, daß sich seit der Pariser Sachverständigen- Zn der Fraktion herrschte Einmütigkeit in der Tagung diewirklicheBelastung durch die Beurteilung der hierdurch geschaffenen Lage, die Reparationsforderungen für das deutsche Dolf bie Abhängigfeit des Kabinetts in einem Maße gesteigert hat, daß die Gau- Brüning von ber Sozialdemokratie Mei der bloß zahlenmäßigen „Herabsetzung" in aller Öffentlichkeit erwiesen habe. Die Frak- jedem Volksgenossen fühlbar werden mußte. Zwei üon sehe infolge dieser verstärkten Verbindung Milliarden Mark unter dem Voung-Plan bebeu- bes Kabinetts Brüning mit der Sozialdemokrati- ten eben heute schon viel mehr als zwei- fd)Cn Partei die Unmöglidjleit der Lö - einhalb Milliarden Mark unter dem Dawesplan, s u ng der außenpolitischen und wirtschaftspolili» weil die in fortschreitendem Tempo wachsende f(f)en Aufgaben im Sinne der Landvolkauffassung. Goidknappheit inzwischen das allgemeine Die Landvolkpartei bringt daher unter Aufrecht- Warenpreisniveau in einer Weise h e r - erhaltung ihres Vertrauens zu Minister Schiele abgedrückt hat, daß jede Zahlung einer be- ihre Forderung nach einer grundsätzlichen stimmten Reparationssumme durch immer Umbildung des Kabinetts unter Berück- größere Arbeitsleistungen ausgewogen sichtigung des Wahlergebnisses zum Ausdruck, werden muß. Langsam dämmert es auch in den Die Fraktion hat erneut Einspruch gegen Kreisen zünftiger Politiker, daß die Magrer per bie Vertagung des Reichstages er- mobemen Finanzkunst sie bisher am ^arrenserl hohen und beim Reichspräsidenten sofortige geführt haben. Hätten sie in Zeiten, wo die Voller - des Abendlandes noch so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft bedeuteten, sich eingehender mit ber Geschichte unterdrückter Kolonialvölker besaßt, so wären sie den Zahlenkünstlern des heutigen Geld- und Kreditwesens gewiß schneller hinter ihre Schliche gekommen. Ein Pfund Sterling in England ist etwas ganz anderes als ein Pfund | Sterling in 3ndien ober Afrika. 3n den Kolonien enthält es mehrmals soviel an „geronnener Macht" wie im Mutterlande. Roch ausgesprochener sind die Wertunterschiede, die ber unsichtbare amerikanische 3mperialismus schafft. Ein chinesischer Kuli, der fünf Goldbollar in bie Währung seines Lanbes umwechseln läßt, tann von bem Erlös einen ganzen Monat lang bequem leben. Da er bei bem gewaltigen ileberangebot an Arbeitskräften für sein bloßes Existenz-Minimum zwölf unb mehr Stunden am Tage zu arbeiten bereit ist, kann man sich in China für den Tagelohn eines amerikanischen Arbeiters bie Dienste eines Menschen für einen vollen Monat kaufen. Man kann sich danach eine ungefähre Vorstellung davon machen, in welchem Maße Länder wie 3ndien und China in den letzten 3ahrzehnten lediglich mit Hilfe der abstrakten Logik, daß 2x 2 = 4 ist, ausgeplünd er t werden tann. Das gegenwärtige rapide Steigen des Goldwertes aut Kosten des Warenwertes gibt uns einen Vorgeschmack von dem, was uns mit ber Zeit blühen könnte, wenn wir unverdrossen bis zu voller Auszehrung unserer Ratur- und Men- schenkräfte „erfüllen" und uns durch gelegentlichs zahlenmäßige Herabsetzungen ber Reparationsziffern in den Wahn einlullen lassen, daß damit auch die von uns beanspruchten Leistungen schon herabgesetzt seien. Die verhältnismäßige Stabilität der Warenpreise in den letzten hundert 3ahren vor dem Weltkriege hat in den europäischen Hirnen bie 3Ilu» sion fest einnisten lassen, als ob nichts so treu sei wie Gold, aber diese Stabilität rührte nur daher, daß die Goldproduktion innerhalb des europäisch- (£t|d)etnt tägltd), aufen A "'vf’ O Siebener Anzeiger lohn, auch bei Richter- 'tUr scheinen emzelnerRummern _ ss General-Anzeiger für Oberhessen richten fltnetger -ietze«. 8ranHu"™ma"l6ii63e vnick und Verlag: vrLHI'Iche UnioerNiätr-vuch. und Stetnt>rn7 nzPQA ’ worden ist, ist in dieser Form nicht zutreffend. Es haben im Ministerium nur Verhandlungen mit Vertretern Berlins über die Frage der Berliner Kommunalgehälter stattge- f unten. * Der Parteivorstand ter DeutschenDolks- pa rt^i hat den Abg. Dingeldey zum stellvertretenden Parteivorsitz en den gewählt. Damit führt Dr. Dingeldey während tes Llrlauts von Dr. Scholz nicht nur die Reichstagsfraktion, sondern auch die Parteigeschäfte. • Die sozialdemokratische Fraktion tes braunschweigischen Landtags hat die sofortige Einberufung des Landtags verlangt und eine Drohe Anfrage in ter Angelegenheit Dr. Franzen eingebracht: 1. 3ft Minister Dr. Franzen bereit, sein 2ünt nieterzulegen oder sich bis zur Entscheidung über das Strafverfahren aller Dienstvcrfahren zu enthalten: welche Folgerungen gedenkt das Staatsministerium aus dem Verhalten tes Ministers Dr. Franzen zu ziehen. e Das päpstliche Schriftstück, das die Di f peUser t e i l u n g für die Hochzeit des Königs Doris von Bulgarien und ter Prin^ssiu Giovanna von Italien enthält und von ter Prinzessin persönlich angefordert worden war, ist unter den vom kano- nischeii Recht gestellten Bedingungen erteilt worden, dah nämlich sämtliche Kinder katholisch getauft und erzogen werden. * Die Wahlen zumnorweg ischenStor- thing sind im ganzen Lande ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung war sehr stark. Soweit feststellbar ist, haben die Rechtsparteien st a r- fcn Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die Arbeiterpartei (Sozialdemokraten und Kommunisten) hat ungefähr acht Mandate verloren. Aus aller Welt. Letzte Nachricht über die Explosions- latastroyhe bei Alsdorf. Aachen, 21.0ff. (TDIB. Funkspruch.) von unserem Sonderberichterstatter. Die Explosion erfolgte um 7.20 Uhr. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Dynamilexplosion. Der gesamte Schachtbau und der darauf stehende Förderturm mit den in der näheren und weiteren Umgebung besind- lichen Mafchinenhäufern, waschräumen usw. sind eingestürzt. Unter den Bureaugebäuden befand sich ein Benzollager, das ebenfalls in die Luft flog und das ganze Gebäude mltrih. Zur Zelt der Explosion waren in dem Gebäude etwa 30 Beamte tätig. Dis zur Stunde find zwei Tote geborgen. Die übrigen Beamten sind mehr oder weniger schwer verletzt. 3m unterirdischen Betriebe war die ganze Frühschicht und noch ein Teil der Nachtschicht tätig, so dah 3 0 0 b i s 4 0 0 Bergleute eingeschlossen sind. Man versucht, von den Rachbarsgruben Adolf in Steif- feld und Anna 1 in Alsdorf an den Unglücksherd heranzukommen. Bis 10.30 Uhr vormittags waren etwa 50 Tote und verletzte geborgen. Die Trümmer des Förderkorbes find jetzt zu einem Teil beseitigt, jedoch ist der Zugang zu dem llnglücks- schacht noch nicht ganz freigelegt. Mit den auf der 450-Meter-Sohle eingeschlosfenen Bergleuten besteht noch telefonische Verbindung. Die verschütteten haben sich auf Anruf als noch lebend gemeldet. Das Technische Bureau, das ebenfalls eingestürzt ist, hat alle darin besindlichen Angestellten unter sich begraben, von diesen sind drei tot und mehrere verletzt. Der Nachterstedter Mordprozeh. Am Montagvormittag begann vor dem Halber- slädter Schwurgericht der Prozeh gegen den Heilgehilfen Koch aus Hohm in Anhalt, ter beschuldigt wird, den Direktor der Bcrgwerks- gcscllschast Concordia in Rachterstedt, Kra- m c r. aus dem Hinterhalt erschossen zu haben. Die Hauptbelastungszeugin ist seine Ehefrau, die ihren Mann einer Nachbarin gegenüber als den Mörder bezeichnet hat. Koch gab bei der Vernehmung an, dah Kramer sehr verhaßt gewesen sei, da er kurz nach seinem Amtsantritt etwa 2000 Mann der Belegschaft abgebaut habe. Er, Koch, habe aber niemals einen Zusammen st oh mit Kramer gehabt. Er sei wegen eines Streites mit tem Werkbeamten Hense, der ihn bei Kramer angezeigt habe, fristlos entlassen worden. 30 Schiffe in China verbrannt. 3n Wutschau bei Kanton brach in einem Restaurant, das sich auf einem Schiff befand, ein Brand aus, der rasch auf andere Schiffe übersprang. Dreißig chinesische Schiffe wurden zerstört, Hunderte von Chinesen sprangen von den brennenden Fahrzeugen ins Wasser. Ein Teil von ihnen erreichte schwimmend das Ufer, die anderen wurden von Helfern aus dem Wasser geborgen. Don den Personen, die sich an Bord des Schiffrestaurants befunden hatten, werden 40 vermißt. Man glaubt, daß sie entweder verbrannt oder ertrunken sind. Schwere Explosion in einer tschechischen Munitionsfabrik. In einer Munitions- und Metallfabrik in Preß- bürg ereignete sich eine schwere Explosion. In einem Arbeitsraum, in dem Leuchtpatronen erzeugt werden, sprang von einer Kapselpresse die Kapsel ab und siog in den Sprengstoff, der explo- vierte. Die Kleider der in dem Raum beschäftigten sieben Arbeiterinnen fingen Feuer und, obwohl es shnen gelang, sofort ins Freie zu entkommen, wo ihnen die brennenden Kleider vom Leibe gerissen wurden, erlitten sie doch so schwere Verletzungen, daß sie taum mit dem Leben daoonkommen werden. Eine der Frauen ist bereits ihren schweren Brandwunden erlegen. Der durch die Explosion verursachte Brand konnte nach kurzer Zeit lokalisiert werden. Zeitungs-Kuriosu im Museum. Roch im Laufe dieses Monats wird in Aachen ein bisher provisorisch untergebrachtes Museum eröffnet werden, daß die größte internatio- na le Zeitungsschau der Welt enthält. Das Museum wurde 1886 von Oskar von Forckenbeck gegründet, und enthält ungezählte Kuriositäten aus allen Ländern und Zeiten Da gibt es ein spiritistisches Blatt, das WeißaufSchwarz gedruckt wurde, eine der ersten sozialistischen Zeitungen a u f dunkelrotem Papier ist erhalten und schließlich findet man ein Exemplar der.Kölnischen Volks- Zeitung" vom 31. Oktober 1889, das im zweiten Morgenblatt eine 30 Zeilen lange Notiz über das lOOjäfj- rige Bestehen einer Kölner Bankfirma in Golddruck gebracht hat. Explosionsunglück eines Gasolinlanks. Auf einem im Hudson-Fluh a n Pier liegenden Dasolintankkahn ereignete sich in Troy (Neuyork) eine Explosion, durch die zwei Mann der Besatzung getötet und zwei schwer verletzt wurden. Zwei neben dem Tankschiff liegende Schlepper wurden zerstört. Die DeWalt der Explosion war derart, dah die ganze Stadt erschüttert wurde und Tausende von Fensterscheiben in Trümmer gingen. 3n der Nachbarschaft der Explosivnsstelle brach eine Panik aus und Dutzende geängstigter Mütter eilten nach der nahegelegenen Schule, da sie fürchteten, dah das Schulgebäude zerstört worden sei. Zwei Todesopfer eines Molorradunfalls. Ein Nürnberger Motorradfahrer stieh vor ter Ortschaft Brauersdcrf gegen einen Daum. Der Fahrer und sein Sozius blieben zerschmettert liegen. Am Millelhorn verunglückt. Von drei Touristen, die eine Besteigung teS Mittelhorns bei Meiringen in der Schweiz unternommen hatten, sind unterwegs zwei abgestürzt. Eine Rettungskolonne sucht nach den Verunglückten, die aus Meiringen stammen. Büchertisch. — Max Frehhan: 3bsen. Bd. II. Das Drama der Gegenwart. Analysen zeitgenössischer Dühnenwerke. Reclams Tlniverial-Bibliothek Nr. 7049. Geheftet 40 Pf. Inhalt: Rosmersholm. Baumeister Solneh. Die Frau vom Meer. — (58.) — Dr. Max Freyhan, der durch sein Buch über das Drama der Gegenwart bekannt geworden ist, setzt die früher begonnene Reihe der Ibsen-Analysen fort. Der vorliegende Band zeigt Henrik 3bien an einer Wende und bezeichnet damit zugleich eine Krisis seiner Zeit, deren Wellen noch die Gegenwart bewegen. — Elsa Reger: Mein Leben mit und für Max Neger. Leipzig 1930. Koehler & Arne- lang G. in. b. H. Ganzleinen 8.50 Mark. (391.) — Max Regers Musik setzt sich immer mehr im deutschen Volke durch, und damit gewinnt Reger auch als Mensch und Persönlichkeit größere Beachtung. Der Auswahl seiner Briefe, die als Selbstzeugnisse für die Kenntnis Max Regers von größtem Wert sind, folgte jetzt das Erinnerungsbuch seiner Witwe. Es zeigt in welch hervorragendem Maße die liebende Frau als geistig und seelisch verwandte Lebenskameradin einem in höheren Sphären wandelnden Künstler den Weg ebnet, ihm helfend und tröstend zur Seite steht, ihm Kraft Und Freude am Schaffen erhält und auch über den Tod getreu das ihr über- lommene Erbe verwaltet. Nicht nur für den Musikfreund, für jeden Verehrer großer Künstlernaturen eine interessante Gabe, sondern auch ein besonderes Frauenbuch, das die Künstlerehe zweier hochstehender Menschen in gewinnender Form widerspiegelt. — Alfred Polgar: Auswahlband. Aus neun Bänden erzählender und kritischer Schriften. 310 Seiten 8Ü. Leinen 3.80 Mk. Ernst Rowohlt Verlag. Berlin 1930. (111.) — Das Vorwort tes Verfassers erläutert, wie dieser Extrakt zustande kam. Eine Anthologie nach eigenem Urteil und Geschmack. Eine bunte Reihe erzählender Kritiken und kritischer Erzählungen, — leicht, zwanglos, boshaft, hellsichtig, witzig, unverbindlich, sauber pointiert, kurz mit allen Eigenschaften ausgestattet, die um den liebenswürdigen Feuilletonisten Polgar eine große und getreue Gemeinde gesammelt haben; hier erhalten seine Freunde eine neue, sicher willkommene Probe seiner prägnanten, angenehm zu lesenden Einfälle und Beobachtungen, die er selber im Vorwort als »Geschichten aus dem Leben" bezeichnet. — Hermann Lint: D i e glücklich st e Frau Londons. Roman. 140 S., broschiert 1,80; Leinen 2,60 Mark. Baden-Baden 1930. Merlin-Verlag. — (333) — Der Verfasser kennt England, nicht nur das »nüchterne" sondern auch das romantische er hat sicher auch Oskar Wilde gelesen (freilich ohne dessen subtile Könnerschaft zu erreichen) — und hat hier einen angenehm kurzen, leichtbekömmlichen Unterhaltungsroman geschrieben. — ArthurSchubart: Grotesken.Verlag von Adolf Bonz & Comp., Stuttgart. Geh. 4, geb. 5,80 Mark. — (323) — Die Kurzgeschichten Schubarts, der als Verfasser von Tier- und Iagderzählungen bekannt wurde, bilden eine harmlos-unterhaltende Lektüre für unterwegs und für Leute, die nicht viel Zeit und Geduld zum Lesen aufzubringen vermögen. Wettervoraussage. Die Westströmung an der Südseite des britischen Tiefs setzt sich immer mehr durch. In der letzten Nacht überquerte bereits ein Regengebiet unseren Bezirk, wonach heute morgen wieder Aufheiterung eingetreten ist. Das immer mehr zurückgedrängte Hochdruckgebiet besitzt jetzt nicht mehr die Energie, um eine konstante Schönwetterlage aufrecht zu er- halten. Vielmehr wird unter der Zufuhr etwas kühlerer ozeanischer Luftmassen das Wetter sich In jener Zeit der Konvention ... als j j Tennis noch kein Sport war, sondern ! nur ein eleganter Zeitvertreib . . • • da rauchte man die Cigarette mit ; Mundstück. In unsre Zeit aber • . . wo Tennis ein Spiel der Strategie, der Geschicklichkeit ist — gehört die Cigarette ohne Mundstück! LT ■K4H selbstverständlich ohne Mundstück etwas veränderlich gestalten, so daß Bewölkung und Aufheiterung sich ablöfen werden. Aussichten für Mittwoch: Wechselhaftes, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, etwas kühler, gelegentlich auch Regenschauer. Aussichten für Donnerstag: Noch keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 20. Oktober: mittags 11,4 Grad Celsius, abends 10,4 Grad; am 21. Oktober: morgens 10,4 Grad. Maximum 11,4 Grad, Minimum 9.4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Oktober: abends 10 Grad: am 21. Oktober: morgens 10,4 Grad Celsius. — Niederschlag 2,7 mm. Die Wetterlage. ©wolkenlos 0heiter Ohalt» bedeckt. ® wolkig, •bedeckt. •Rc0th» * Sehnet ä Graupeln «Nebel K 0e wi(«er.(g)Wlndstille. -O» sehr leichte» Osi massige» SOdsudwest q stürmische« «tordwesl öle Piene thegen mit dem Winde. Die beiden Stationen stenenoen Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit.gleliuf Mreresmveau umgerechneten LultduicK wndsetot'bWty XLm, Oppenrod, Alten-Buseck, den 20. Oktober 1930. 7173D Die trauernden Hinterbliebenen. 06523 Gießen, den 21. Oktober 1930. kaufen 06506 71800 Dor Mäntel 28 46 .Psd. 65 4 Seelachs, feinste Nordsee im Ausschnitt .. Psd. 55 4 Nowack Gießen usw. 7174D RR Psd. 60 4 Psd. 55 4 ff. Schellfische o. K. im Ausichnitt ... tm ganzen Fisch-. Pa. Kabeljau o. K. tm Ausschnitt... Allzufrüh, im 44. Lebensjahre, verschied heute aus ihrem arbeitsreichen Leben unsere innigstgeliebte, treusorgende Mutter, unsere gute Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante riir die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste sagen auch auf diesem Wege herzlichsten Dank. 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Oktober 1930. hessisches Amtsgericht. 3n 8 das dr" Mig n sich um Sraguf 191? n< gerichh wollen AM! nur di l'm stc wachei ihm zr südslar Ober schen ' Olanicn werden stellte, in dem 6 ü) treu diele 1 sühigte' kriegs!« Geist, ' des 1 toitl< der in fvrd Ayis „Schr aus 1 odbr: an i sche- Fer. höchst Oester Leistungsfähige rbein. Weinbrenue- rci und Südwetn-Jmvort-Firma lucht für Gießen-Limburg und weitere Umgeb, eingeführten, seriösen Herrn geg. Provision und Spesenzuschuß. Soweit Kundschaft vorliand^ wird solche mttllber- geben. Nur solche Herren, die jahrlang mit la cinfchläg. Kundschaft nachweisbar in Verbind, üeh., mög. sich meld.unt. D. P. 914 durch Ala Haasensteln & .ogler, Kfiln. 7|;.,V Student sucht eins. ntöbL, heizb. Aimmev Schr. Ang. m. Preis u. 06 >03 a. d.Gß.Anz. |wohnungstausch| Such- 2-3lwtnetWo6nnnQ Gebe moderne 3-3lmmttlDol]nnng tnTausch.Schr.Ang. u. 06521 a. d.Gß Anz. [ Stellenangebote | Gin einfaches fiinöennflOiDen für tagsüber gesucht. Lu erfr. t. d. Geschst. ' d. 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Oktober 1930 hiermit festgesetzt. 7072C D ejenigen Steuerpflichtigen, die bisher einen Steuerbescheid nicht erhalten haben, werden aufgeforbert, dies alsbald beim Städtischen Rechnungsamt im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 17a, anzuzeigen. Die zu entrichtenden Steuerbeträge sind wie folgt fällig: Die etwaige Nachzahlung für 1929 sowie das 1. und 2. Ziel für 1930 bis zum 25. Oktober 1930, die weiteren Ziele jeweils bis zum 25. der Monate November und Dezember 1930 und Januar und März 1931. Gießen, den 20. Oktober 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seib. Kaiserallee 5 I. Lange Lieillsie» 10 Slck. 3 50 MU bet 2L Steinreich, Lindengasse 2. (06517 ( Kaufgesuche | Größeres billiges Grundstück zusammenliegend. 4-6Hektargroi, auch Oedland, in der Gemarkung Gießens, geschüize Südseite, zu kaufen gesucht. EoiL Tausch geg. anderes Anwesen, je nach Ueberetnk. Schr. Angebote mit Preisang. u. 06520 an d.G.Anz. [Verschiedenes, 3. Nov Beginn neuer Kurse Vogtsche Handelsschule Gießen Ooethestr. 32 Prosp.kostl. Wi HEL \v * 6555 A J. B. HAUSER, GIESSEN AM OSWALDSGARTEN denkt Onkel Mollig und stellt den Wecker auf 6 Uhr. Morgens zur festgesetzten Stunde „Wupp dich“ raus aus dem Bett und zur Morgenübung. Jawohl, Onkel Molli» macht jeden Morgen seine Morgengymnastik. Und draut der Winter noch so sehr und hängen draußen vor den Fenstern die Eiszapfen knüppeldicke, was geht das Onkel Mollig an. Seitdem er den schönen Dauerbrandofen, der das Schlafzimmer mitheizt, vom Häuser hat, spürt er nichts von Kälte. Wollen auch Sie es so warm haben, daß Sie wie Im Sommer In der Wohnung umherlaufen können, so lassen Sie sich einmal meine große Auswahl In Oefen zeigen. Ich habe erste Fabrikate in neuesten Modellen reichhaltig am Lager und Sie werden gewiß etwas darunter finden, was für Ihre Räume paßt. 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Eines noch wirst du seuszend erkennen: Früher war der Wagen immer schon bezahlt. Heute aber laufen Automobile und Liebe auf Wechsel. Und du weißt selber, wie viele nicht eingelöst werden! M. 21. Konzert des Arbeiter-Gesangvereins „Eintracht". In den letzten Jahren ist die Bildung von Arbeiterchören immer stärker fortgeschritten. Im Daten für Mittwoch, 22. Lktober. Sonnenaufgang: 6.34 Uhr. Sonnenuntergang: 16.54 Uhr. — Mondaufgang: 7.17 Uhr, Mond- untergang: 16.59 Uhr. 1811: der Komponist Franz v. Liszt geboren. — 1869: der Tierbildhauer August Gaul geboren._ 7id) die Zeit, während die Tlelteren sämtliche Seitenstraßen mit großen Weinfässern und2Oa- gen absperren und die sensationslüsterne Weiblichkeit sich hinter den Eisengittern tat Fenster oder innerhalb der provisorischen Barrikaden einen guten Deobachtungsplah sichert. Da plötzlich ertönt rasendes Schreien und Johlen, zu Hunderten kommen sie die Dorfstraßen heruntergerannt, mit erhitzten Gesichtern, eine merkwürdige Mischung von Schneid und Angst - dahinter im gestreckten Galopp, geführt von berittenen Hirten mit langen Lanzen, die Kampfstiere, eingerahmt von glockentragenden Ochsen, die dafür zu sorgen haben, daß die starken Brüder nicht ausbrechcn. Jeder Versuch wird mit einem unsanften Rippenstoß der ...Fahrnen bestraft. So stiebt es dahin wie die wilde 3agb ohrenbetäubendes Kreischen der Weiber macht Vieh un) Menschen verrückt. Das Publikum rast; eigens zu diesem Zweck mitgebrachte dünne Stöckchen sausen auf die Rucken der Tiere hernieder. die. Schaum vor den Mäulern, dahin- rafen wie wenn der Teufel hinter ihnen wäre. Im Augenblick ist das Bild vorüber, dtoei neue Reiter bilden den Schluß. Auf bem Marktplatz ist ein provisorischer Stall errichtet, der die Opfer bis zum Nachmittag aufnimmt — bis zum Beginn ihres Martyriums. Heiße Nachmittagssonne brennt auf den von festlich geschmückten Häusern emgesaumten Platz, der nach allen Seiten hin abgesperrt ist. Starke Holzwände sind ringsum aufgerichtet zum Schutz der Zuschauer, die aus notdürftig zusammen» gehauenen Gerüsten dichtgedrängt sitzen. Die Veranden der Häuser und die Fenster des Rathauses sind die Vorzugsplähe. Kot-gelb-ro e Fahnen und Tücher bilden den Hintergrund für die viertausend Menschen, die sich zusammenpferchen wie das Vieh, fiebernd vor Aufregung und freudiger Erwartung. Kein freies Plätzchen ist zu sehen, aus jeder Ritze schaut ein Kopf, auf jedem Dach sitzen Menschen, an jeder Säule klebt ein Kerl. Dumps braust das Stimmengewirr über den Platz bis plötzlich ein Trompetenstoß ertönt und zwei festlich aufgemachte Reiter in die Arena sprengen, um den Platz zu säubern. Neues Signal, die Militärmusik seht ein mit einem schneidigen Marsch, die Tore offnen sich und hereinmarschiert der Festzug. begrüßt mit ohrenbetäubendem Lärm. Toreros. Banderilleros, Picadores, Knechte und das prächttg geschmückte Maultiergespann, dessen Aufgabe das Hinausschleifen der toten Stiere ist so marschiert es die Runde herum. Das blitzt und funkelt, strahlt und gleißt und die sausende scheinen verrückt vor Freude, sie klatschen sich die Hände wund und schreien sich die Kehlen heiser. Plötzlich wird es ruhig, der Platz> liegt leer. Nur der Torerv und ein paar seiner Leute stehen irgendwo an der Wand. Da, ein neues Trvrn- petensignal und aus dem engen Käfig rast der Ein nach Berlin beförderter Brief der indischen Flugpost, auf dem sich neben den amtlichen Briefmarken mit dem Bilde des Königs von England die verbotenen Boykottmarken (einemit dem Port rat Ghandis befinden Daß die Marken gemeinsam obgestempett wurden, und der Bries über die amtlicheKontrolle hinweg seinen Weg ins Ausland fand, ist bezeichnend für die Stimmung der Beamten, soweit ftc indischer Herkunft sind. Stier in die Arena, groß, wuchtig, mächtige Horner schlagen wie im Spiel ins Holz, daß es kracht und splittert, ein», zwei-, dreimal. Plötzlich stoppt der Lauf, gierig saugt das Tier die Luft ein, wütend stampfen die Hufe den Sand, sein scharfes Auge hat den Gegner erkannt, der sich langsam loslöst von der Wand - der Kamps beginnt. Seine verschiedenen Phasen sollen hier nicht beschrieben werden, wohl aber die Stimmung des Volkes Heber zwei Stunden scheint es keine Cin- zelindividuen mehr zu geben. Wie vom elektrischen Strom ersaßt, so hängen sie zusammen, besessen von einer Idee, hingerissen von einer Leidenschaft, betrunken vom Kampfspiel. Wie ein Mann schreien fie. hoch und nieder, wie ein Mann jubeln sie einer eleganten, mutigen Bewegung zu. Sie alle erleben das Geschehen mit Angst. Schneid. Stolz Wut, jede Regung prägt sich auf ihren Gesich em gleich aus so als ob sie es wäre, die fiebernde Macke. die da unten mit dem Tod spielte. Mitleid und Erbarmen kennen sie nicht, wehe dem Stier, wehe dem Torero, der feige ist! Der Bann weicht erst, wenn mit dem Tode des letzten, des sechsten Stieres, das Drama sein Ende erreicht hat. Dann bricht es herein in den Platz von allen Seiten, gestikulierende Menschen drängen sich auf dem Sand, der kurz vorher noch der Schauplatz des Todes war Die hereinbrechende Rach: lockt zum Tanz. Gitarren ertönen und aus den Tavernen erklingen schwermütige Lieder. Immer nur einer singt, die anderen hocken an den Wänden und lauschen. Oft zuckt cs in den harten, durchfurchten Geckchtem, andächtig folgen sie dem Vorsänger, der ihnen erzählt von der Mutter und vom Vaterland - ein zarter Windhauch bringt herein in d e verqualmte Stube und trägt das Lied hinaus in die tiefblaue Herbstnacht Oie Azteken aus Berlin Cs ist allgemein bekannt, daß die mexikanische Bevölkerung zum Teil von europäi chen Einwanderern. zum Teil von den Ureinwohnern Mexikos, den Azteken, a stammt. Und auf die lassen die Mexikaner nicht gern etwas kommen. Kürzlich hatte die mexikanische Gesandtschaft in Berlin herausbekommen, daß auf süddeutschen Jahrmärkten „die letzten Aztelen" gezeigt würden, und interessierte sich natürlich dafür. Ein Frankfurter Hochschulprofessor sah sich die Sache mal an und erstattete ein Gutachten, wonach er einen solchen ilnfinn über Mexiko und 'eine Bewohner noch niemals im Leben gehört habe. Daraufhin nahm die Polizei die ^aabe e.was unter bie Lupe unb stellte fest, daß kein Mitglied der Truppe einen Pah besaß und keiner die mexikanische Staatsangehörigkeit. Die einzige Frau, welche dabei war, wurde eruiert als eine 1892 in Neukölln geborene Marga Geis! Das durfte allerdings nicht kommen. sondern nur ein Ziel kannte: „M eine Rasse an die Spitze, und dann das freie Südslawien!" Ob hinter der Erschießung der damalige serbische Thronfolger und heutige König Alexander von Südslawien steckte, kann mit Sicherheit nicht gesagt werden. Es ist nur auffallend, daß die unter dem Befehl des Gardegenerals und Ministerpräsidenten Schifkowitsch stehende Belgrader Zentralregierung im Jahre 1929 den unbedingt von allen zu befolgenden Befehl hinausgab, niemandem auf der Welt Die Archive des Belgrader Außenministeriums und des königlichen Hauses zugänglich zu machen. König Alexander und Belgrad scheinen kein reines Gewissen zu haben, von einem ganz reinen zu schweigen: denn sonst wären die Archive nicht so dicht abgeriegelt. Schisk 0 witsch hat allerdings als junger Leutnant die serbischen Offiziere, die König Alexander Obrenowitsch und dessen Frau Draga im Juni 1903 viehisch hin- schlachteten, in das königliche Schloß hinein- gelassen, damit diese, vielleicht ungeahnt den Weltkrieg einläutende Tat vollbracht werden konnte. Schifkowitsch, der mit der Zeit zum Gegner von Apis wurde, hat sich mit seinen Genossen die ganzen Jahre ruhig verhalten, wenigstens solange bis König Peter im Jahre 1921 starb. Sein zweiter Sohn und Nachfolger Alexander kam in die Krallen der ruhig zuwartenden Schifkowitschleute, die dann ihre Rechnung für 1 903 präsentierten. Cs hat immerhin noch lange gedauert bis Alexander sich zur Honorierung verstand. Hätte Alexander nicht am 6. Januar 1929 Schifkowitsch Vollmachten für die seit diesem Tage errichtete Militärdiktatur gegeben, so säße Alexander heute nicht mehr auf seinem Throne. Schtt- kowitsch und Genossen rissen die Macht, selbst auf die Gefahr einer Revolution und vielleicht eines neuen Königsmordes, an sich Brutalität war immer ein hervorstechendes Merkmal aller Begebenheiten in Serbien. Brutalität war den Politikern und Militärs im Vorkriegsserbien gleichermaßen eigen. 1918 ging der -B^Utrieg zu Ende. Das von den besiegten Siegern besetzte Serbien wird frei, Belgrad wird geräumt, Serbien ist Sieger und feiert sich als ^^rrier der Kroaten und Slowenen vom österreichisch- ungarischen Joch. Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen tritt in die Geschichte ein und wird 1929 Königreich Südslawien. Warum fürchtet die gegenwärtige Belgrader Regierung die Aufrollung des Falles Dimttne- witsch? Dimitriewitsch mußte sterben wett er einsüdslawischerNationalist war, und die Serben ein serbisches Südslawien verwirklichen wollen. Aber nicht um Theaterstücke sollte man sich heute in Belgrad kümmern, sondern um die Wirklichkeit und die eigene PoUttk. Cs sind andere Dinge, die zwischen Belgrad und Berlin, zwischen Belgrad und Europa, ja der Welt stehen. Die Mngelöstheit des südslawischen Staatsproblems, die Knebelung der Minderheiten, die Bedrückung der Kroaten — bad alles ist es, was den rechtlich denkenden Menschen schwere Sorgen bereitet. Belgrad, Oktober 1930. In Frankfurt wurde im Neuen Theater das dreiaktige Schauspiel von Leo Cant a »Gott König und Vaterland" uraufgeführt. Es handelt sich um ba$ Schicksal des serbischen Obersten Dragutin D i m i t r i e w i t s ch, der int Jahre 1917 nach dem Spruch eines serbischen Militär- gcrichts in Saloniki erschossen wurde. Wir wollen das Schauspiel nicht werten, das nach Auffassung der Belgrader Zentralregierung nicht nur die Mrziehungen zwischen Belgrad unb Berlin störe, sondern auch Friedensfreunde besorgt machen könne. Wir wollen die Tatsachen, die ihm zugrunde liegen, und die ein Stück serbisch- südslawischer Geschichte verdeutlichen, betrachten. Oberst Dimitriewitsch war in den nationalistischen Kreisen des Dorkriegsserbiens unter dem Namen „A p i s" bekannt, und es muß betont werden, daß Apis sein Ideal, das Jugoslawe n t u m , über sein serbisches Volkstum stellte. Er wollte ein freies Jugoslawien, in dem cs keine Serben, keine Kroaten und keine Slowenen gibt, sondern nur Jugoslawen. Für diese Idee mußte Apis sterben. Ein sehr befähigter, über den höchsten Durchschnitt des vor- kriegsscrbischen Offiziers weit hinausragcnder Geist, war er der Inspirator des Mordes an König Alexander Obrenowitsch im Jahre 1903. Apis tat alles, damit der in Genf lebende Emigrant Peter Karad- j 0 r d j e w i t s ch König von Serbien wird. Apis leitete die geheime Offiziersorganisation »Schwarze Hand", befruchtete die nationalistische, auf Irrcdcnta abgestellte Organisation „Narodna odbrana“ (nationale Verteidigung), ja, er war an der Ermordung des österreichischen Thronfolgers ErzhcrzogFranz Ferdinand beteiligt. Apis dirigierte, an höchster Generalstabsstelle, den Krieg gegen Oesterreich Lingam. Dimitriewitsch — Apis ist der Mann im Vorkriegsserbien, der alles für das Slawentum tut, der durch Zusammenschmelzung der drei südslawischen Volks- ftämme, das südslawische Volk künstlich erzeugen, den wahren südslawischen Freiheitsstaat schassen teilt. Im Vorkriegsserbien sind aber auch andere am Werk, ein Südslawien zu errichten, ein unter großserbische Ni Einfluß stehendes und serbisch regiertes Südslawien, also ein Großserbien, dem die anderen Slawen im Süden, die Kroaten und Slowenen, untertan sein sollen. Für dieses Ziel hat man das serbische Volk m den Krieg getrieben. Cs ist klar, daß ein Mann von Format, wie Apis einer war, Feinde in allen Kreisen, und besonders in Kameraden- kreisen, hatte. Apis hatte aber besonders unter den vorkriegsserbischen Politikern mächtige Feinde. Der mächtigste unter ihnen war Alexander, der Thronfolger, der damals weder die hohen Ziele der Politik eines Dimitrie- Witsch-Apis begriff, noch sie heute begreift; in dem Rationalhervs Apis sah Alexander Karad- jordjewitsch etwas heranreisen, das ihm gefährlich werden konnte. 1917 machte, unter Ministerpräsident Paschtisch die scrbilchc Regierung dem Obersten Dimitriewitsch-Apis den Prozeß wegen Hochverrats. Das auf Todesstrafe lautende Mrteil wird in Saloniki an diesem aufrechten Manne, der mit dem Rufe: „Cs lebe Jugoslawien!" stirbt, durch Erschießen vollzogen. Die Entente war Zeuge des Mordes an Apis, der bestimmt nie Hochverrat getrieben hat, „Gott, König und Vaterland." Bon unserem Viwa-Korrespondenten. Anfang der Bewegung, als deren Führer etwa Gust. Ad. Llthmann in Deutschland und Ios. Scheu in Oesterreich zu gelten haben, waren es eine große Anzahl Durchschnittskomponisten, die für Arbeiterchöre schrieben, und deren Werke sich im Etil der vergangenen romantischen Epoche hielten. Aber von der jüngeren Generation haben sich gerade in letzter Zeit bedeutende Vertreter der Sache der Arbeiterchöre an- Scnommen. Hier sind u. a. Herm. S ch e r ch e n, rwin Lendvai und Heinz Tießen zu nennen, die entweder kleinere Chorlieder oder ganze abendfüllende Werke geschrieben haben. An diese Spezialliteratur hat sich allerdings der Arbeiter-Gesangverein „Eintracht" nicht gehalten, sondern sein Konzert im allgemeinen mehr auf das Volkslied eingestellt, und bei dieser Auswahl guten Geschmack bewiesen. Man sollte jedoch ein Arrangement, wie das „Gebet" der Agathe aus dem „Freischütz", lieber nicht bringen, denn es bleibt im künstlerischen Sinne immer ein Notbehelf. Den Leistungen des Chores kann man in jeder Beziehung ein Lob aussprechen. Sie sind, seit wir Gelegenheit hatten, den Chor zu hören, entschieden gewachsen. Die Aussprache, nächst der Intonation das schwierigste Problem des Chorgesangs, ist deutlich und durchaus verständlich. Kleinere dialektisch begründete Llnebenhetten (wie z. V. ch in Kirche) lassen sich leicht abschleifen. Die Tongebung ist voll, besonders bei den Männerchören, und Tonhöhendifferenzen kommen nicht vor. Es wird stets rein gesungen. Schließlich sei auch der guten und in geschicktester Weise verwendeten Stärkeverhältnisse Erwähnung getan. Was hiermit über das Können des Gesamtchores bzw. der Einzelchöre (Männer-, Frauen- und Gemischter Chor) gesagt ist, geht in erster Linie auf das Konto des Leiters Heinrich Meyer (Wieseck). Er hat sich seinen Chor zu einem sicher arbeitenden und auf seine Absichten gut eingehenden Instrument gestaltet, das auch einmal an größere und schwierigere Aufgaben herangeführt werden sollte. Zwischen den Choren bot das „Llnion-Quar- tett" Frankfurt a. M. ausgezeichnete Einzel- leistungen. Die vier Herren verfügen über ein in Ausdruck und Klang gleich gutes Stimmenmaterial, das ihren Gesang zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen laßt. Wir hörten von ihnen Werke von Silcher, Waelraut (um 1550), Epp und Heim. Der Verein sang Chöre von Schäffer, Llth- mann, Weber. Mendelssohn u. a. Er kann mit Recht auf den ideellen Erfolg seines Konzerts stolz sein. Der Beifall war sehr stark und zwang das „Union-Quartett" zu zwei Zugaben. B. Das Mntervrogramm dervolkshochschule. Man schreibt uns: Auch das diesjährige Winterprogramm der Volkshochschule sucht den Forderungen der gestaltenden Volksbildung soweit zu entsprechen, als es unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen möglich ist. Diese Forderungen decken sich, wie namentlich das starke Anwachsen der Hörerzahl im Vorjahr erweist, mit den wesentlichen Bildungsinteressen des modernen Menschen. Die Volkshochschule lädt zur Teilnahme an ihren Kursen in erster Linie solche Menschen ein. die eine geistige Lebenshilfe suchen, um den sehr veränderten Ansprüchen besser gerecht zu werden, die die heutige Zeit in beruflicher, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher ulw. Hinsicht an unsere Nerven und körperliche Leistungsfähigkeit, unser inneres Erleben, unser ganzes Verhalten zu dem von außen und innen an uns Herantretenden stellt. Worauf cs da für uns ankommt, ist viel mehr, als nur die geistigen Bedürfnisse unter dem Druck der materiellen, beruflichen und gesellschaftlichen Nöte nicht ersticken zu lassen; das ist: mit dem geistigen Werkzeug, das uns aus Philosophie, Religionskunde, Seelenkunde, Erziehungslehre, Gesellschaftslehre, in gewisser Weise auch die Naturwissenschaft (vor allem auch Biologie) und Kunst und Dichtung liefern, sozusagen uns ein neuartiges geistig-seelisches Lebensschiff zu zimmern und ein neuartiges Wissen und Können zu seiner Steuerung airzueignen. Der Ruf der Volkshochschule ergeht wiederum besonders an die I u - g e n d. der mannigfache Lebensaufgaben teils bevorstehen, teils sich bereits aufgedrängt haben, und die die richtigen Mittel zu ihrer Meisterung sucht. Der neue Lehrplan enthält daher u. a. Themen angefangen von der Gesundheitslehre bis zu den Höhen der religiösen Stellungnahme zum Leben. Möge niemand versäumen, zu prüfen, welchen der Kurse er mit Nutzen besuchen würde. Anscheinend ist noch nicht genügend bekannt, daß jeder Interessent in der ersten Woche des Semesters sich durch einen Probebesuch beliebiger Kurse über deren Inhalt und Arbeitsweise unterrichten kann, ehe er sich zur Einschreibung entschließt. Besonders die Teilnehmer des am Samstag, 25. Oktober, 20 Llhr, im Großen Hörsaal der Llniversität stattfindenden Eröffnungsabends seien auf diese Möglichkeit hingewiesen. (Man beachte die heutige Beilage des Kursverzeichnisses.) Giehencr Wochcnmarkipreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 170, Kochbutter von 120 an, Matte 30 bis 35, Wirsing, Rotkraut, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6. Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 25 bis 50, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3.5 bis 4, Aepfel 25 bis 50, Dirnen 15 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 60, Honig 40 bis 50, junge Hahne und Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück! 60 bis 140 Pf.; Eier 15 bis 16, Tauben 50 bis 70, Blumenkohl 30 bis70. Salat 10 bis 15, Ealatgurken 10 bis 30, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund; Kartoffeln 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mark der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Sektion Rahnstetten". 20 bis 22.15 Llhr. — Oberhesfischer Missionsverein für Basel: Oeffentlicher Missionsvortrag über das Thema „Kommunismus und Mission in China", 15 Uhr, im Iohannessaal. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Liebesparade." — Astoria-Licht- spiele: „Messalina." — , — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, um 20 Uhr, findet die erstmalige Wiederholung des mit großem Erfolg und Beifall uraufgeführten Werkes von Curt Corrinth: „Sektion Rahnstetten" statt. Die Regie führt Intendant - Dr. P rasch. Die Besetzung ist dieselbe wie bei der Uraufführung. — Mittwoch geht infolge Spielplanänderung Strauß' Meisteroperette:' „Der Zigeunerbaron" in Szene. Die Vereinigten Operettenbühnen Bochum-Hamborn gastieren mit dieser Operette und stellen gleichzeitig ihren Chor in Stärke von 60 Mann den Gießener Theaterbesuchern vor. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß eine Wiederholung der „Zigeunerbaron"-Aufführung nicht ermöglicht werden kann. — Am kommenden Samstag findet das nächste Gnsemblegastspiel statt. Die Ludwig - Thoma - Bühne gastiert mit dem Volksstück: „Magdalena" von ßubtoig Thoma. — Der Kaufmännische Verein und Ortsgewerbeverein beginnt am kommenden Donnerstag in der Aula der Universität mit seinem diesjährigen Dortragsprogramm. Dr. Babendererde (Rostock) wird über „Das erwachende Asien" sprechen. — Man schreibt uns zu diesem Vortragsabend: Seit dem Kriege ist Europa nicht mehr der maßgebende Mittelpunkt der Welt. Die Weltgeschichte wird jetzt auch wesentlich von Nanking und Neuyork, von Kairo und Kalkutta aus beeinflußt. Was in jenen fernen Zonen seit dem Kriege vorgegangen ist, entzog sich, die wir mit unseren eigenen Nöten beschäftigt waren, zum größten Teil unserer Kenntnis. Es geht aber auch uns an, wenn in Asien die Fundamente der großen Kolonialmächte zu wanken beginnen. Dr. Babendererde wird alle diese Geschehnisse und Probleme als unparteiischer Historiker behandeln. Man beachte die heutige Anzeige. — Vorträge über aktuelle Lebensfragen. Die heutige Notlage läßt bestimmte Lebensfragen besonders brennend werden. Die Bewegung für religiöse Erneuerung, die Christengemeinschaft, wird deswegen in diesem Herbst und im kommenden Winter in ihren einzelnen Vorträgen besonders aktuelle Fragen behandeln lassen, die jeden Gegenwartsmenschen interessieren können. Der erste öffentliche Vortrag findet in dieser Woche statt (Mittwoch, 22. Oft., 20.15 Ufjr) und wird das entscheidende Lebensfragen berührende Thema behandeln: „Christentum und Okkultismus". Als Redner ist der Mitarbeiter der Chnstengemeinschaft in Prag, Eduard Lenz, gewonnen worden. Der Vortrag findet in der Universität, Hörsaal 41, statt. (Siehe heutige Anzeige.) — Dcherber-Ga st spiel. Am 25. und 26. Oktober findet im Saale des Cafe Leib ein Gastspiel der Scherber-Variet^-Schau statt. Wir verweisen auf die heutige Anzeige. • ** Wechsel in der Leitung des Gießener P o st a m t s. Der Vorstand des Postamts Gießen, Postdirektor Körber, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1931 ab als Oberpostdirektor nach Darmstadt versetzt, lieber die Amtsnachfolge des von hier scheidenden Postdirektors ist bis jetzt noch nichts entschieden. ** I u st i z p e r s o n a l i e. Der Oberjustizinspektor Karl Link beim Amtsgericht Gießen wurde mit Wirkung vom 1. November ab zum Bureaudirektor beim Landgericht der Provinz Oberhessen ernannt. ** Ehrung eines Iubilars bei der P o st. Heute, Dienstag, feiert — wie man uns berichtet — der Oberpostschoffner Ludwig Groh, Roonstraße 6 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische seinen 65. Geburtstag. Dem Iubilar wurden von seinen Vorgesetzten, den! Mitarbeitern, dem Reichsverband Deutscher Post- und Telegraphenpeamten und dem Postverem 1906 zahlreiche Ehrungen zuteil. ** Aufgehobene Straßensperre. Der Oberhesf. Automobilclub E. V. (A. v. D.), Gießen, teilt mit: Die Straßensperre auf der Provinzial" straße Nösberts — Grebenhain ist wieder aufgehoben. •• Halte st ellen-Verlegung der Kraftpostlinie Gießen — Wißmar- Krofdorf. Mit Ablauf des 21. Oktober wird die Haltestelle am N e u st ä d t e r Tor für die aus der Richtung Krofdorf und Wißmar eintreffenden Kraftvostwagen von der Rodheimer Straße (Diebertalbahnhof) nach der West - a n l a g e verlegt werden. ** Der Deutschnatl. Handlungsgehilfe n ve r b a n d gibt im gestrigen Anzeigenteil bekannt, daß die im Winterbildungsplan vorgesehenen Lehrgänge demnächst beginnen. Interessenten seien auf die Anzeige verwiesen. Wirtschaft. ORinbermorff in Gießen. Auf dem heutigen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 1745 Stück Großvieh und 228 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 550 bis 600 Mk., 2. Qualität 300 bis 500 Mk., 3. Qualität 200 bis 350 Mk., Schlachtkühe 150 bis 400 Mk.; Rinder, V.- bis 3/4 jährig 125 bis 225 Mk., 3/t- bis zweijährig 200 bis 350 Mk., tragend 350 bis 500 Mark; Kälber das Pfd. Lebendgewicht 50 bis 60 Pf. Ausgesuchte Tiere erbrachten Preise über Notiz. Marktverlauf schleppend, es verblieb Lieberstand. • * Preissenkungsaktion und Frachtentarif. Gegenüber der Aeußerung eines Berliner Mittagsblattes, das in einer Erörterung über die Preissenkung eine wirksame Senkung der Frachtentarife gefordert hat, wird aus Kreisen der Reichsbahnhauptverwaltung darauf hinge- wiesen, daß der Frachtenindex mit 142 Punkten keineswegs höher liege, als die anderen Indexgruppen. Die Frachtenpreise machen nur einen Bruchteil der Bezugspreise aus. Beispielsweise beträgt der Frachtanteil bei Dpeisekartoffeln und Weizen 1/10, bei Aepfeln 1 '30, bei Briketts 1/7, bei Steinkohlen Via und bei Maschinen V« der jeweiligen Bezugspreise. Eine Senkung der Frachtpreise würde auf die Preisbildung der Waren einen kaum nennbaren Einfluß ausüben. Frankfurter Börse. Frankfurt o. M., 21. Oft. Tendenz gut behauptet. — Nachdem sich an der gestrigen Abendbörse eine gewisse Freundlichkeit durchsetzen konnte, wurde auch im heutigen Vormittagsverkehr im Einklang mit der erneuten Befestigung der Mark und der höheren gestrigen Neuhorker Börse eine zuversichtlichere Stimmung sichtbar. Die Kurse wurden um mehrere Prozent über dem Niveau der gestrigen Abendbörse gesprochen. Zu Beginn des offiziellen Marktes jedoch trat eine Reaktion ein, die wohl auf die starke Steigerung der Kurse in den letzten Tagen zurückzuführen war. Ein anderer Grund war jedenfalls nicht erkennbar. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte auch ein Druck von der Baissepartei ausae- gangen sein. Der Ordereingang war etwas bescheidener, aber die LImsatztätigkeit war trotz der Zurückhaltung der Kulisse zufriedenstellend. Die Grundstimmung war wieder im allgemeinen recht zuversichtlich; die ersten Kurse bewegten sich überwiegend etwas über dem Stand der gestrigen Abendbörse, ohne daß jedoch die hohen vorbörslichen Kurse erreicht worden wären. Am Chemiemarkt eröffneten Farben unverändert, Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft gewannen bis 2 Proz., dagegen tagen Rütgerswerke 1 Prozent schwächer. Am Elektromarkt fielen Elektrische Lieferungen mit plus 1,5 Prozent auf. AEG. lagen leicht erhöht. Gesfürel gaben 1 Prozent nach, während die Übrigen Werte dieses Marktes gut behauptet waren. Am Montanmarkt ergaben sich unter Führung von Mannesmann Gewinne bis zu 1,5 Prozent. Nur Rheinstahl lagen leicht gedrückt. Dauunternehmungen gehalten. Von Barken traten Bayerische Hypothekenbank mit plus 3 Prozent mehr in Erscheinung. Am Rentenmarkt waren deutsche und ausländische Anleihen anziehend. Pfandbriefe konnten sich zum Teil weiter etwas bessern. Im Verlaufe schrumpfte das Geschäft wieder stärker zusammen. Material wurde jedoch kaum an den Markt gegeben, so daß die Mehrzahl der Papiere gegen Anfang gut behauptet blieb. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent etwas leichter. Am Devisenmarkt war die Mark fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1930, gegen Pfund 20,3850, London gegen Kabel 4,8610, gegen Paris 123,81, gegen Mailand 92,83, gegen Madrid 46,90, gegen Schweiz 25,0313, gegen Holland 12,0690. Berliner Börse. Berlin, 21. Okt. Die Diskussionen über die Möglichkeit eines Weltmoratvriums, die schon gestern durch eine Rede Dr. Schachts angeschnitten wurden, waren in der heutigen Mor- genpresse weiter ausgeführt worden und hatten, verbunden mit dem sehr festen Neuhorker Schluß, im heutigen Dormittagsverkehr eine festeSt immun g zur Folge gehabt. Ziemlich skeptisch steht man dagegen der Meldung eines Frühmittagsblattes gegenüber, nach der zwischen Paris und Berlin Geheimverhandlungen geführt werden, wobei es sich um einen Verkauf deutscher Aktienpakete nach Frankreich und indirekt so um einen Kredit, für die deutsche Wirtschaft in Höhe von etwa einer halben Million Mark handelt. Die ersten Kurse brachten dann insofern eine gewisse Enttäuschung, daß sie zwar noch über den gestrigen Schlußkursen, aber unter den hohen Vormittags- taxen lagen. Die Börse neigte zu Realisationen, wobei die Nachricht von dem Grubenunglück beim Aschweiler Bergwerk nicht ohne Einfluß blieb. Auch das Ausland war heute zurückhaltender; nur die Depositenkassenkundschaft zeigte weiter Kaufneigung. Allerdings konnte man feststellen, daß auch hier die Orders teilweise zu niedrig limitiert wurden. Die meisten Papiere waren um 1 bis 2 Prozent gegen gestern gebessert. Hamburg-Süd lagen 4,5 Prozent höher, Reichsbank plus 2,90 Prozent, Bergmann plus 4 Prozent, Iulius Berger plus 5,5 Prozent, Wiking Zement plus 6 Prozent und Karstadt, plus 3,25 Prozent. Bei letzteren sprach man von einem guten Geschäftsgang der Einheitspreisläden. Von Nebenwerten lagen Hugo Schneider, Gebrüder Körting und Motoren Deutz etwas stärker gebessert. Holzmann profitierten von den schwebenden Verhandlungen über einen großen Auftrag mit Südamerika. Wesentlich schwächer lagen nur Gesfürel mit minus 3,13 Prozent, wobei man von Tauschoverationen gegen Licht & Kraft sprach. Montanwerke wiesen dagegen allgemein nur ganz geringe Veränderungen auf. Der Bergbaubericht mit den hohen Haldenbestän- den (483 \ Millionen Tonnen Ruhrkohlen) mahnte zur Zurückhaltung. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche. Von Ausländern verloren Bosnier bis zu 1 Prozent, während die 5prozentigen Mexikaner um 1 Prozent anziehen konnten. Auch anatolische Renten tendierten fester. Pfandbriefe; lagen bei kleinen ilmfätjen allgemein freundlicher. Reichsschuldbuchforderungen waren dagegen, besonders in späteren Fälligkeiten, angeboten und bis zu 3/,t Prozent schwächer. Geld leichter. Tagesgeld 3,5 bis 5,5 Prozent, Monatsgeld und Warenwechsel unverändert. Auch im Verlause hielt die Abwärtsbewegung der Börse an; die Kurse bröckelten allgemein bis zu 1 Prozent, und für Spezialwerte bis zu 2 Prozent ab. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 ü. Sy, Lombardzinsfuß 6 o.H. Frankfurt a. M. | Serlln Frankfurt o. M. Berlin Frankfurt a. 271. Verlin Banknoten. Schluß-l 1-Uhrkur« 1 ,«ur4 Schluß- furd Anfang- Kurd Schluß-1 1-Uhr- furd | Ä«rd cSckiuß- kurS Anfang« Kurs Schluß-! 1-ilhr- furd Kurs Schluß- kurS Anfang- Kurs Zjerlin, 20. Oktober Geld Snef .. Amerikanische Noten ...... Belgische Roten. ....... Dänische Noten ........ Englische Noten ........ Französische Noten . ...... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch'Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten..... . Schwedische Noten..... . Schweizer Noten ........ Spanische Noten...... . Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten........ Devisenmarkt Berlin 4,188 58,33 111,98 20,37 16,437 168,63 21.91 111,98 59.01 2,477 112,43 81,19 42,07 12,40 73,20 - Frankfurt 4,208 58,57 112,42 20,45 16,497 169,31 21,99 112,42 59,25 2,497 112.87 81,51 42,23 12,46 73,50 a. rn. Datum 20 10 21 10 20 10. 21 10 Datum 20 10 21 10 20 10 21. 10 Datum 20 10. 21 10 20 10. 21. 10 6% Deutsche ReichLan leihe voll 1927 .......... 7% Deutsche Reichranlelhe von 1929 .......... Deutsch« Anr-Ablös^SchuId mit Auilos.-Rechten....... DeSgl. ohne Au-los.-Rechl« . . . 8% He«. BolkSNaat von 1S29 (tüd>o61b. 102%)...... Oberhellcn Provinz - Anleihe mii AuSIos.-Rechten....... Deutsche Komm. Smnmelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hhp.-Bank Goldpse. XIII unkündbar bi« 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Ban! Goldpse unkündbar bi« 1932 ..... 4%% Rheinische Hyp^Banl Liqu. Goldpse......... 8% Pr. LandeSpsandbriesaustalt, Pfandbriefe R. 19...... 8% Pr. LandeSpIandbriesanstaU, Äomm^CbL N. 20...... 7% Pr. LandeLplandbriescmstcut, Pfandbriefe R. 21...... A.S.G. abg. BortrregS-Obligatio. oen, rückzahlbar 1932 ..... «% Cefienetd)i|d)e Goldrente . . 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Oesterreichilche Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 Wi% befiflt. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrente . . - 4% Türkische Lollmckeihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. Serie I........... 4% de«gl. Serie U....... 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 .......... 4%% Rumänische vereinh. Rente von 1913.......... 4% Rumänische vereinh. Rente . 87 97,8 55,4 7 88 52 52,75 98,5 93,5 86,13 100 97 97 94 27 3,13 1,8 24 19,4 1,85 4,55 4,65 8,25 14,25 7,2 55,6 7 23,2 1,95 14,6 87,5 93,5 55,5 7 89 52,75 100 97 97 3,1 1,85 24,2 20 1,9 4,45 4,55 4,4 8,7 14,5 7,25 8 ! | £ 1 C'SSI I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Hamburg-Ämertka Patel . . . ’< Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampsschisf.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Creditanst. io Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz, und Privat-Bank. 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und DUconto-Gesellschast, ... 10 Dresdner Bant......10 Reichsbank........12 A.cr.cs.............. Bergmann.........9 Elektr. LteferungSgeselllchaft. 10 Licht und 8 rost......10 Felten & Guilleaume . . .7•/, Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schuckerl L Co....... n Siemens & HalSle ..... 16 Tra-.Sradio ......... 8 Lahmeyer L Cv.. ..... jn Buderus...... .... 5 Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ....... 8 Harpcncr..... 0 Hoelch Eisen........6% Ilie Bergbau ...... 10 Klückncrwcrke ....... .7 Köln-Ncuessen....... 7 Mannermann-RShre» .... 7 ManSfelder Bergbau.....7 Oberschlei. Etscnbcdarf .... 5 Oberschlcs. Kokowerke..... 7 Phönir Bergbau...... 8% Rheinische Braunkohle» . . 10 Rh-inslahl...... 6 Ricbeck Montao......7,2 5T 82,5 100 109 133,5 122 163 118,5 117,5 230 128,5 131,5 105,5 133,5 143,75 188 148 56 71,5 96,5 94 223,5 78,75 41,13 44 69.25 188 83 109.5 122 163 118,75 118 230,5 128,9 124,9 131,5 132,4 144 188 151 56,5 72 97 94 80,25 83,5 82,5 161 83,5 100,25 109 133 122,25 162,5 118,25 117,5 227 128,75 141 123,25 132,25 103,25 134,75 121,25 129 125,25 144,25 188,5 128,5 148,75 55 71,5 97 94 85,5 223 78 86,5 79 41,5 45,76 81,75 69,25 188 84,25 83 165,5 83,6 100,6 109,5 134.5 122.75 163 118,5 118 229,9 129,25 145 124,6 132,5 103.6 131,6 121,75 125,25 144,75 189,75 128,75 149,5 56,5 72 97,5 93.4 86 76,25 86,75 80 43,25 46,5 81 . 69,5 189 84,5 Bereinigte Stahlwerke..... Olavi Minen......16'/. Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 g. G. Farben-Industrie ... 12 Dynamit Nobel ....... 6 Ccheideanstalt........9 Goldschmidt ........ 5 Rütgerswerke ........ 6 Metallgelellschast.......6 Philipp Holtmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Zementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & Frey tag......8 Schultheis PaHenhoser ... 15 Ostwerke.........13 Aku...........18 Lemberg........ . 14 Zellstoff Waldhos .... 18'/, Aellstoss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer GaS..... 9 Daimler Motoren . ..... 0 Deutsche Linoleum ...... Rat. Automobil ....... 0 Orenstein & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 SvenSka........... ktranksurter Maschine» .... 4 Sritzner........ . 6 Heyltaenstaedt..... . 0 Iunghan»..........6 Lechwerte..........8 Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 8 Miag...........io Gebr. Roeder...... 10 Boigt & Haesfner ...... 9 Süddeutsche Zucker • . • • 10 ' 71-5 205 207 288,5 148 — 142 46 54,75 95 85 61 64 73,5 124,75 92 166 125 30,25 29,5 87 93,25 150 143 288 148 53.75 97 84,6 93 61 92 25,9 165,5 75 — 70,5 32,4 204.5 206,5 288,5 147,65 69,5 44 54,65 95 83,25 61,75 192,5 153 64,9 73 123 91,5 86,25 122,75 25,25 164 37,25 12,75 55 125,75 288 18,75 30,75 30 71,5 150 143,9 71 33 203,5 207.5 290 148,5 70,25 45,75 54,25 93,75 85,5 195 175 65,5 74,5 123 94 87 25.6 166 37,75 55 126 287 20 Oktober 21. Oktober Amtliche Dotierung Geld | Srie, Amtliche Notierung Geld | Sriti Amtt.- Mott. Buen.-AireS Brss.-Antli). Christiania. Kopenhagen Stockholm . HclsingforS. Italien. . . London. . . Neuyork . . Paris. . . . Schweiz .. Spanien. . Japan . . . Nio de 9au. Wien hi D-- Ceft. abgcst Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . Kanada . . Uruguay.. Cairo ... 168,89 1,453 58,49 112,22 112,24 112,61 10,556 21,96 20,382 4,194 16,457 81,40 42,38 2,076 59,165 12,441 7,433 73,043 3,037 18.81 81,51 1,784 5,435 4,199 3,257 20,90 169,23 1,455 58,61 112,44 112,46 112,83 10,576 22,00 20,422 4,202 16,497 81,56 42.46 2,080 59,285 12,461 7,447 73,057 3,043 18,85 81.67 1,789 5.445 4.207 3,283 20,94 168,73 1,447 58,43 112,12 112,13 112,47 10,546 21,235 20,364 4,189 16,445 81,365 44,00 2,078 59,10 12,428 7,427 73,33 3,034 18,80 81,44 1.784 5.43 4.1955 3,297 20,83 169,07 1,449 58,55 112,34 112,35 112,69 10,566 21,975 20,404 4.197 16,485 81.525 44,08 2,084 59,22 12,448 7,441 73,47 3.040 18,84 81.60 1.789 5,44 4,2035 3.303 20,93 Oberheffen. Oie Grünberger Gallusmarkt-Derlosung. -L- Grünberg. 20. Oft Am Eonntagnach- mittag fand in der Turnhalle bei starkem Besuch die Vallusmarktverlosung statt. Die ursprünglich auf den zweiten Markttag festgesetzte Ziehung konnte damals nicht stattfinden. da. wie wir bereits berichteten, anstatt «r -1000 Losnummern. auS Versehen weihe Zettet geliefert worden waren. Die fünf ersten Gewinne sielen auf folgende Hummern: Br 3333: eine Kücheneinrichtung im Werte 450 Mr., Ar. 1874: an Stelle eines Rinde- 200 M. in bar: Nr. 3330: eine Rährnaschlne: Nr. 3345: ein Fahrrad: Rr. 2177: eine moderne Wanduhr. Fortuna hatte bei der Verteilung der Hauptgewinne eine glückliche Hand, denn die Kucheneinrichtung gewann ein bereit- verlobter junger Mann auS dem benachbarten Atzenhcnn, die 200 Mark bescherte sie einem hiesigen Arbeitslosen. Landkreis Gießen. * Ä (e i n • ß i n b e n, 20. Oft. Der Turnverein Klein-Linden hielt gestern seine dies- jährig« Generalversammlung ab. A,us dem Jahresbericht des ersten Vorsitzenden, Sattlermeisters Kaarl Weiß, war zu ersehen, daß der Verein im Lause des Jahres 18 Turner und 13 Turnerinnen neu ausnehmen konnte. Nach dem Bericht des ersten Turnwarts Ernst P s a f f war die durchschnittliche Besucherzahl einer Turnstunde 14 Zöglinge und 31 Schüler. Frauenturnwart Morneweg hielt | 86 Turnstunden ab, die Teilnehmerzahl stieg bei den Turnerinnen von 15 auf 23, bei den Schülerinnen von 14 aus 36. Ein günstiges Bild gab auch der Bericht des Dereinsrechners Karl Klein; die Einnahmen und "Ausgaben betrugen zusammen rund 6000 Mark. Die Auslosung von vorerst 300 Mark an Anteilscheinen kann in nächster Zeit vorgenommen werden. Die Rechnung wurde genehmigt. Der Gesamtvorstand, mit Ausnahme der bei Gericht eingetragenen drei Vorstandsmitglieder, wurde neu gewählt und setzt sich jetzt aus folgenden Personen zusammen: Vorsitzender Karl Weih, Rechner Karl Klein, erster Schriftführer Karl SUintel, zweiter Schriftführer August M u l l e r, erster Turnwart Heinrich Adolph, zweiter Turn« wart Heinrich Marten, Schulerturnwart Wilhelm Harnisch, Frauenturnwart Fritz Morneweg, Schülerinnenturnwart Ella Jung, Zeugwart Friedrich Kraft. Beisitzer Jakob ^rey, Heinrich Lang und Wilhelm Weber. Das Amt eines Spielwarts übernimmt Albert Weigel. Zu Rechnungsprüfern wurden Wilhelm Fey, Karl Otto und Ludwig Volk durch Wiederwahl bestimmt. Der seitherige langjährige erste Turnwart Ernst Pfaff, der ein« Wiederwahl abgelehnt hatte, wurde angesichts seiner treuen Dienste um den Der- ein einstimmig zum Ehrenmitglied mit Sitz und Stimmrecht im Vorstand ernannt. Aus Wunsch der Altersturner übernimmt er die Führung der Alters- riege. „ . ck. Heuchelheim, 20. Oft Am gestrigen Sonntag inspizierte Kreisfcuerwehrlnspektor Dickore die hiesige Feuerwehr, um deren Schlagfertigkeit durch eine größere Hebung zu prüfen. Die Exerzierübungen, wie auch der anschließende Drandangriff zeigten, daß die Feuerwehr ihre Aufgaben in vollem Maße gerecht wird und mit den Neuerungen des Feuerlöschwesens durch Inanspruchnahme der Wasserleitung voll vertraut ist. An der Hebung nahm auch Die hiesige Ortsgruppe des Arbeiter- Samariterbundes teil. Kreisseuerwehr- inspektor Dickvrö sprach am Schlüsse der Hebung seine volle Anerkennung über die Leistungen der Mannschaften aus. Kreis Friedberg. K Kirch-Göns, 20. Oft. Seit etwa einem Jahre ist die hiesige Pfarr stelle verwaist. Seitdem wird der kirchliche Dienst von Lang- Göns aus versehen. Run soll die Pfarrstelle wieder beseht werden, imb da der neue Pfarrer in Kirch-Göns seinen Wohnsitz haben soll, sah es der Gemeinderat als seine Pflicht an. das hiesige Pfarrhaus als Wohnung für den neuen Geistlichen bereitzusteilen, was um so schwieriger war, da das Pfarrhaus schon seit Jahren vermietet ist. Der Gemeinderat sah sich daher gezwungen, da eine Mietwohnung im Dors nicht aufjutreiben war, ein Wohnhaus in der Nahe der Dahn errichten zu lassen. Darin sollen der derzeitige Mieter hes Pfarrhauses und noch drei anoerc Familien untergebracht werden. Das Haus wird demnächst bezogen. Alsdann dürfte die Instandsetzung des Pfarrhauses begonnen werden. Kreis Schotten. * Eichcls achsen, 20 Oft. Am geftrigen Sonntag wurde unter großer Anteilnahme der Devölkerung und der Kriegervereine unserer Gegend das Ehrenmal für die 17 Gefallenen der Gemeinde geweiht. Das Denkmal ist nach Entwürfen des Hochbauamtes Hübingen (Nebenstelle Schotten) aus festem Sandstein her- gestellt und hat auf dem alten Friedhöfe an der Kirche Aufstellung gefunden. An eine vierseitig» Säule mit den Sinnbildern (Kriegerkopf mit Stahlhelm. Opferflamme und Schwert) lehnen sich zwei Seitentafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermißten. Pfarrer W o l f (Wingershausen) hielt eine eindrucksvolle Werherede. Es sprachen außerdem für das Hochbauamt Sekretär Polster, für den Kriegerverein Cichelsachsen Schneidermeister Dl um. für die Gemeinde Bür» germeister Sachs, für das Kreisamt Schotten Negierungsrat Schwan, für den Hassiabezirk Vogelsberg Förster Schmitt (Eichelsdorf). Außerdem traten Weibbindermeister Peppler, Kirchenvorsteher Haas, sowie Vertreter auswärtiger Vereine als Redner auf. Der Männerge- s angverein Eichelsachsen, der Posaunenchor und die Jugendbundkapelle Eichelsachsen umrahmten die Feier mit musikalischen Vorträgen. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 20. Oft. Auf Veranlassung der Bürgermeisterei fand in der hiesigen Turnhalle vor zahlreichem Publikum ein Filmvortrag über moderne Äläranlagcn von Ober- Ingenieur Preuß von der Deutschen Abwasser- | ReinigungSgesellschast (Städtereinigung Wiesbaden) statt. In einleitenden Worten wie- Dür- germeifter Dr. Völsing daraus hin, daß sich die Stadt Alsfeld demnächst mit der Erbauung einer neuzei tlichen Abwasser-Reini- I gungsanlage befassen müsse. Durch den Vortrag sollte der Einwohnerschaft Gelegenheit ge- I geben werden, Aufklärung über die für die Stadt wichtige Angelegenheit zu erhalten. 3m ersten Teil seines Vortrags zeigte der RLdner an der Hand von Lichtbildern die verschiedenen Systeme der modernen Abwässer-Reinigungsanlagen, und erläuterte die HnterschGde der technischen Verfahren hinsichtlich der mechanischen und biologi- I sehen Klärung. Im zweiten Teil deS Vortrags gab der Vortragende auf Grund eines für diese | Zwecke eigens aufgenommenen Films ein anschau- I liches Bild von der Einrichtung und Tätigkeit der Abwässer-Reinigungsanlagen in einer Anzahl I deutscher Städte. Im dritten Teil wurden in- | dustrielle Kläranlagen in ihrer Treuzeitlichen Ausgestaltung vorgeführt. Das Publikum folgte den I Darlegungen mit lebhaftem Interesse. Don der I städtischen Daukommission wurden in letzter Zeit mehrere Kläranlagen in benachbarten Städten I besichtigt. Die Vorarbeiten zur Aufstellung von Projekten sind bereits in die Wege geleitet worden. und die Stadtverwaltung wird sich demnächst darüber schlüssig werden müssen, welches System für Alsfeld in Anwendung zu bringen ist. Preußen. Die erste preußische Landgerichtsrätin. | WEN. Frankfurt a. M. 20. Oft. Durch Erlaß des preußischen Justizministers ist die bisherige Amts- und Landrichterin Frau Hedwig Hrann geb. Frank in Frankfurt a.M. zum 1. November d. I. zur Landgerichtsratcn und zugleich Amtsgerichtsrätin ernannt worden. Es handelt sich um die erste Anstellung einer Frau im preußischen Justizdienst. Herabsetzung von Ortskrankenkaffenbeiträgen. WSN. Frankfurt a. M., 20. Oft. ÄKe wir erfahren, hat der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse beschlossen, die Orts- I franfenfaffenbeiträge um 1,5 Prozent von 7,5 auf 6 Prozent herabzusehen. Die I neuen Sähe sollen am 3. November in Kraft treten. Kreis Biedenkopf. WSN. D i e d e n f o p f, 20. Oft. In dem Dorfe I Duchenau an der Lahn fiel ein zwei Jahre altes Kind in eine Jauchegrube und e r ft i d t e. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 20. Olt. Sc ft genommen wurde die 31jährige Kontoristin Elsa ©unter auß Elmshorn. Sie hat sich in verschiedenen Städten Süddeutschlands in Hotels einlogiert, wo sie sich unter den verschiedensten Namen als Augenärzti n ausgab. Hnter irgend einem Vorwand verschwand sie dann, ohne die Hotelschulden zu bezahlen. Kirche und Schule. Einführung des neuen evang.Pfarrers in Laubach. * Laubach. 20. Oft. Gestern wurde der neuernannte Geistliche unserer Gemeinde. Pfarr^ I K o r nm ann von Rodheim, in außerordentlich I stark besuchtem Gottesdienst durch Dekan Widmann in den hiesigenPfarrdienst eingeführt.Dekan Widmann sprach dabei von der Köstlichkeit und Schwierigkeit des Amtes. Der Pfarrer solle eine treue Hilfe, ein ernster ‘Berater in allen I Lebenslagen, ein zuverlässiger Vertrauensmann I seiner Gemeinde sein. Mit ganzer Kraft solle er dienen im Geist der Liebe. Dei der geistigen Zerrissenheit, Verwirrung und Not in unserem Volk müsse ein evangelischer Prediger eine heroische Auffassung von feinem Amt haben. Nach feierlicher Frage und Antwort über die Führung des Amtes hielt derneuePfarr er feine Antrittspredigt. Der Pfarrer müsse in bet furchtbaren geistigen Zerrissenheit, bei der Ab- I neigung, ja Feindschaft gegen die Wahrheit da- I Wort Gottes in seinem ganzen ernsten Sinn verkündigen. Wie Petrus und Johannes im Gefängnis zu Jerusalem keine Hilfe für sich als nur die Freudigkeit zur Predigt von Gott erbaten. so erbitte auch er Freudigkeit, zu reden | dos Wort. „ Hnfer Weg führt jetzt durch Finsternis, gespenstische Nebelschwaden und Not. Wenn wir den Weg auch nicht überschauen, Gott weiß ihn und hilft denen, die tapfer vorwärtsschreiten. hindurch." Der Kirchengesangverein trug durch drei Chöre unter Leitung von Lehrer Haas dazu bei, die durch die beiden Predigten geschaffene weihevolle Stimmung zu erhöhen. eoiiDfrcie Wiegen. O Holzheim, 20. Oft. Unser« Gemeinde feierte am Sonntagvormittag das (Xrntebanff e ft Abends fand «in liturgischer Gottesdienst statt. Die Gemeinde in der dicht gefüllten, festlich geschmückten Kirche hörte dieses Jahr zum erstenmal von den Konfirmanden und einigen andern Schulkindern Sprüche, in denen für die Erntegaben gedankt wurde. Der Gemischte Chor trug wesentlich zum Gelingen der Feier bei. Im benachbarten Dorf- Güll wurde am selben Tage das Erntedankfest in gewohnter Weise begangen. Kreis Büdingen. nd. Nidda. 20. Oft. Am gestrigen Sonntag wurde in unserem Kirchspiel das diesjährige Erntedankfest begangen. 3n beiden GotteS. diensten war die Kirche dicht gefüllt von Gläubigen. Zu ‘Beginn des Vormittagsgottesdienstes schmückten die Konfirmanden unter passenden Gesängen. Aussagen von Bibelsprüchen und Gedichten den Altar mit Feld- und Gartenfrüchten. Diese Neuerung fand allseitig Gefallen. Die Fest- predigt im Vormittagsgottesdienst hielt Dekan S c r i b a. Die Beteiligung an der anschließenden Feier des heiligen Abendmahls war sehr stark. Pfarrer Laut predigte im Nachmittagsgottesdienst. _________________ S.jl.-l Generalversammlung des Eisvereins. 3m Eafö Astoria hielt gestern abend der Eis- verein feine Generalversammlung ab, in deren Mittelpunkt die Wahlen des Vorstandes standen. Der Vorstand wurde im wesentlichen in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. — Der Eisverein wird in der kommenden Saison mit einigen sportlichen Veranstaltungen aufwarten, und zwar soll ein Verbands -Kunst- eislaufen und ein Eisschnelläufen, abgehalten werden. Die für die Durchführungen der Veranstaltungen notwendigen Mittel wurden von der Versammlung genehmigt. Mit Genugtuung nahmen die Anwesenden davon Kenntnis, daß der neueingeführte Rollschuhlauf, der vom Eisverein großzügig aufgezogen und gc- förbert wurde, bereits festen Boden unter sich hat und eine interessierte Anhängerschar gewann. Herr Loh gab im Laufe des Abends einen kurzen Bericht über eine von ihm besuchte Rollschuhveranstaltung in Remscheid und vermittelte einige Anregungen, die dankbar entgegengenommen wurden. — Der Generalversammlung schloß sich eine Vorstandssitzung an. Zu Beginn der Versammlung gedachte der erste Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Wodaege in ehrenden Worten des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Löb er, der dem Verein stets ein treuer Förderer war. Die Anwesenden ehrten den Verstorbenen auf die übliche Weise. „Kurhefsen" Marburg - VfB. Gießen. 2:1. Die Begegnung des Tabellenführers Kurhessen Marburg — VfB. Gießen, die am Sonntag bei prächtigem Wetter und vor nahezu 1000 Zuschauern von Stapel ging, endete mit einem Siege der Gäste, der allerdings zahlenmäßig viel hoher ausfallen konnte. Die Marburger stellten eineben Gießenern schon körperlich überlegene Mannschaft ins Feld, die dem Platzbesiher auch m Spielanlage und der Ballbehandlung überlegen war. Die Aktionen des Marburger Sturms stutzten sich auf eine fähige Läuferreihe, die wiederum eine recht zuverlässige Verteidigung hinter sich hatte. Der Sturm selbst ließ allerdings in der Präzision des Schusses Wünsche offen, fand andrerseits sein stärkstes Hindernis im Tormann der VsB.er. der einen glänzenden Tag hatte. Beim hiesigen Sturm vermißte man besonders die 3nitiatit>e vor dem Tor. Die Mannschaft selbst spielte reichlich zerfahren, vermochte allerdings trotzdem den Kampf einigermaßen offen zu halten. Das Spiel wurde sehr fair durchgeführt und bot eine Menge recht anziehender Momente. Der Spielverlauf: Mit stark forciertem Tempo begann der Kampf, die Gießener setzten sich gleich nach dem Anstoß vor das Gästetor, jedoch ohne Erfolg. 3n der zweiten Minute verschossen die Marburger aus hoffnungsvoller Situation den ersten Ball und in der vierten Minute hatte Balser schon Gelegenheit, eine glän- zende Parade zu zeigen. 3n der elften Minute fiel aus dem Gedränge heraus das erste Tor für die Gäste. 3m weiteren Verlauf vergab der Rechtsaußen von VfB. eine hervorragende Chance, der Sturm erwies sich verschiedene Male reichlich unentschlossen. Kurz vor Halbzeit vergaben die Marburger zwei große Möglichkeiten; trotz vielfachem hin und her bei leicht überlegenem Feldspiel der Gäste wechselte man aber die Seiten doch mit 1: 0. Die zweite Halbzeit brachte bei flottem Tempo und einigen guten Cinzelleistungen auf beiden Seiten keine befreienbe Tat. 3n der 12. Minute erböten die Kurhessen auf 2:0, aber erst in der 30. Minute gelang es den Hiesigen, durch einen Kopfball von Kreß ein Tor aufzuholen. Von nun ab drückten die Gießener mit aller Kraft und in den letzten drei Minuten lag der Ausgleich mehrmals in der Luft. Es sollte indes nicht fein und der Tabellenführer ging als Der- Tabellenstand no Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers". = Wegen des Gaufpieltags galt für die Handballer des Gaues Hessen am letzten Sonntag Spielverbot. Nur in den unteren Klassen wurden noch einige rückständige Spiele nachgeholt. Die Spiele der Vorrunde waren am 12. Oktober in der Hauptsache be- endet. Im großen und ganzen nahmen die Spiele einen reibungslosen Verlauf. Die Rückrunde- spiele beginnen kommenden Sonntag und werden Anfang Dezember beendet sein. Die Tabellen haben nach den Spielen am 12. Oktober folgendes Aussehen: Meisterklasse. l.Bezirk: Spiele gew. unentfch. oerl. Pkte. Tv. Großen.Buseck 4 4 0 0 8 To. 1846 Gießen 4 3 0 1 6 Tv. 1860 B-Nauheim 4 2 0 2 4 Tv. Lauterbach 4 1 0 3 2 T. u. Spv. Marburg 4 0 0 4 0 2. Bezirk : Tv.Wetzl.-N.-Girmes 4 3 1 0 7 Mtv. Gießen 4 2 2 0 6 Tgm. Friedberg 4 2 1 1 3 Tv. Alsfeld 4 1 0 3 2 T. u. Spv. Butzbach 4 0 A-filaffe. 0 4 0 l.Bezirk: Spiele gern. unentfch. verl. Pkte. To. Großen-Linden 4 3 1 0 7 T. u. Spv. Butzbach 5 3 1 1 7 Tv. Heuchelheim 4 2 0 2 4 Mtv. Gießen 5 2 0 3 4 Tgm. Friedberg 5 1 1 3 3 Tv. Münchholzhausen 3 0 1 2 1 bientet Sieger vom Platze. Das schmeichelhaft- Ergebnis hat der DfV. zweifellos feinem Tormann zu verdanken. Der Schiedsrichter konnte nicht sehr befnevi- gen. Unangenehm berührte es, daß das Spieli mit einer halben Stunde Verspätung begann. Die Ligareserve hatte im VerbandSspiel aus dem Waldsportplatz die erste Mannschaft des Sportvereins Lollar zum Gegner _unb gettann nach größtenteils überlegen durchgesührtem Kamps mit 5:2. Zu Beginn des Treffens war der Gegner mit einem Rieseneiser bei der Sache und ließ durch sein flottes, forsches Spiel an cm für ihn günstiges Resultat glauben. Allmählich aber setzte sich die reifere Spielweise der Platzmannschaft durch und brachte Lollar, trotz feine» großen Energie- und Krästeauswands ins Hintertreffen. Als auch noch zwei seiner Spieler vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen wurden, war es um seine Widerstandskraft geschehen. Der Sieg ber BfB.cr war verdient. Die dritte Mannschaft war spielfrei. Von ber 3ugenbabteilung war lediglich die A2-Mannschast auf dem Plan. Sie stand auf eigenem Platz ber Al-3ugenö Steinbachs gegenüber und gewann trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit des Gegner- nur knapp mit 1:0. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Während die l.Slf ohne Spiel war, trug die Ligareserve ihr Verbandsspiel in Steinberg au«. Der Kampf war überaus hart und nahm nach dem Wechsel wenig schöne Formen an. 1900 siegte mit 5:3 Treffern, nachdem das Spiel bei Halbzeit 2:2 und dann später nochmals durch ein Gießener Eigentor 3:3 stand. Die Gießener fanden sich auf dem unzulänglichen Platz nur schlecht Aurecht. Der Spielleiter hatte am Schluß feine liebe Not, da« Spiel unter Dach und Fach zu bringen. 3m Treffen 1900 Hl. gegen 1900 IV. siegte erwartungsgemäß die dritte Mannschaft. Zur größten Ueberraschung lieferte aber die vierte Els das weit bessere Spiel. Jugendspiele. Schüler 1900 gegen Schüler Nauborn 0:0. Beide Parteien waren mit Eifer bei der Sache unb zeigten manchmal recht gefällige Kombination und Einzelaktionen. _ , All-3ugenb -Buöbacb AI-3ugcnb 0:1. Die stärkeren Butzbacher kamen in der ersten Halb« zeit durch ein Mißverständnis in der Verteidigung zu ihrem Tor. Alle Anstrengungen nutzten den 1900cm aber nichts, um öiefeS Resultat zu Alll-3ugenb. Diese weilte in Nieder-Weisel bet der dortigen AI»3ugenö und kehrte mit einem 6:2°Sieg heim. Handball der Sp.-Dg. 1900. llnleroffizler-Mannfchafl 3.-21. 15 — 1900 I 6:1. Die Begegnung auf dem 1900-Sportplah zwischen der neu zusammen gestellten Hnterosfizier- Mannschast des hiesigen Bataillons und 1900s erster Garnitur endete mit einem überraschend hohen Sieg der Gäste. Cs ließ sich bei ihnen schon za Anfang des Spieles feststellen, daß die Elf sehr gut zusammenarbeitete und durch einige hervorragende Einzelspieler auch über die nötige Stoßkraft verfügte. Dem Spielverlauf nach ist der Sieg allerdings etwas hoch ausgefallen, obwohl das Militär bereits bei Seitenwechsel in Führung lag. Nach der Pause kamen die 1900er besser in Schwung, und die Gelegenheiten zu Gegentoren waren verschiedentlich vorhanden. Der gesamte Sturm erwies sich jedoch als schußunsichec, most wurde hoch übers Tor geworfen. Der Kampf verlief äußerst fair und wurde von Koch (VfL. Wetzlar) gut geleitet. Io. Conborf II — 1900 II 0:2. Die zweite Mannschaft weilte bei der gleichen des Tv. Londorf zu Gast und machte dort ihre Sache recht gut. Die Gießener, die zu Halbzeit 1:0 führten, erhöhten den Vorsprung in der zweiten Spicllhälfte auf 2:0. der Vorrunde. 2. Bezirk: 3 0 0 6 To. Gedern 3 Tv. Merkenfritz 2 I 0 1 2 Tv. Schlitz 3 0 0 3 0 B-filaffe. l.Bezirk: Spiele gern. unentfch. verl. Pkte« Tv. Dutenhofen 4 4 0 0 8 To. Allendorf 4 2 1 1 5 Tv.Wetzl.-N.-Girmes 3 1 1 1 3 To Münchholzhause' n 2 ii 0 2 0 Tv. Lützellinden 3 0 0 3 0 2. B e z i r k: To. Treis a.d. Lda. 3 2 1 0 5 Tv. Krofdorf 3 1 1 1 3 To. Lich 3 1 0 2 2 Tv. Großen-Bufeck 3 1 0 2 2 3. B e z i r k: Tv. Dorheim 3 3 0 0 6 To. Ortenberg 4 2 1 1 5 To. Nieder-Mörlen 3 1 1 1 3 Tv. Hirzenhain 4 1 0 3 2 To. Gedern 2 0 0 2 0 4. B e z i r k: Tv. Romrod 4 3 1 0 7 Tv. Maar 4 2 1 1 5 To. Alsfeld 4 2 0 2 4 To. Brauerschwend 4 1 0 3 2 Tv. Lauterbach 4 1 0 3 2 Jugendklasse. Spiele gew. unentsch. verl. Pkte. Tv. Wetzlar 4 3 1 0 7 Mtv. Gießen 4 3 0 1 6 T. u. Spv. Butzbach 4 2 1 1 5 To. Heuchecheim 4 1 0 3 2 Tv. Lich 4 0 0 4 0 WMM-MMW Vornan von Hans Friedrich. Llrheber-Nechtsschuh durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten Vorsichtig pirschten zwei dunkle Gestalten durch den Wald. Lieber ihnen glänzten noch die Sterne, aber gegen Osten begannen sie schon fahl zu werden im ersten grauen Schein der Morgendämmerung. , ,„1L „Alsdann pressiert's. Herr Schwachofer hatten eh a biss'l früher aufi kommen müssen." „Halts Maul. Sepp!" verwies der Iagdherr den ©meiner. Der Säger schwieg gekränkt, und mit tastenden Füßen setzten sie ihre Wanderung über Geröll und Gestein fort. Natürlich war es schon etwas spät. Das sah der junge Schwaihofer auch ein, aber der Teufel sollte zur Pirsch gehen, wenn er ein Schlankerl von der Art und Nasse Erdmutes im Arm hielt! Lind wenn es Ernst wurde, ging Schwaihofer die Pirsch auf die zweibeinige Geist doch noch über die auf den König der Wälder. Verschnaufend, fragte er im Flüsterton: „Wo hast du ihn ausgemacht?" Der Sepp grinste. „Noch a Stündl von hier, da drunten in der Senk vor der Windach." Sein Herr unterdrückte einen Fluch. Noch a Stündl und noch a Stündl! Wann sollte er da zurück sein in der Hütte? Er erwartete Damen- besuch und konnte sich nach der Frühpirsch nicht aufs Ohr legen. Der Sepp schien die Nervosität feines Herrn zu merken und liest sich zu der gut gemeinten väterlichen Mahnung hinreihen: „Da müssen S' scho a G'duld hoam!" Schwaihofer hatte eine heftige Entgegnung auf der -Zunge, besann sich aber und stieg schweigend weiter. Lind je näher er dem Standplatz des Hirsches kam, um so mehr packte ihn das Iagd- fieber. Donnerschlag, den Kapitalen muhte er haben! Das toar eine Empfehlung besonderer Art. Mute sollte staunen! Endlich hatten sie die Talsenke erreicht. Cs war nun mittlerweile Tag geworden. Die Sonne schickte schon eine purpurflammige Nöte als Voten voraus. Der Giebel der Falknerhütte war ganz in Glut getaucht, als ob er vom Feuer verzehrt würde. „So, iaht bleiben S' hier hocken. Dös is sei Wechsel. Hier auhi —“ „Ich weih schon!" unterbrach Schwaihofer den Redseligen barsch. „Mach, dah du einen Dogen schlägst und hinüber kommst. Wenn du richtig treibst, muh ich ihn kriegen.. Die Düchse griffbereit über die Schenkel gelegt, die Ohren auf den geringsten Laut gespannt, so sah Ludwig Schwaihofer auf einem moosigen Stein und 'wartete. Eine Weile konnte er den Lauf seines Jägers verfolgen. Sepp schlug einen Dogen um das Revier und beeilte sich, hinüber auf die andere Seite zu kommen. Wenn das Programm mihlang, gab es ungnädige Laune beim Herrn, und die Pirsch muhte so oft wiederholt werden, vis der Kapitalhirsch im Feuer lag. In zwei Wochen war der alte Schwaihofer zu erwarten. Dis dahin muhte der Junior wenigstens den Beweis erbracht haben, dah er ein pirschgerechter Säger sei. Ob er inzwischen auch mit Mute ins Reine kam? Die Geiß hatte sich gestern sehr zutraulich gezeigt... Sm Holze regte sich 'was. Schwaihofer rih die Düchse in Anschlag. „Der Sepp kann die andere Seite noch nicht erreicht haben", dachte er. Da trat schon der mächtige Kopf des Hirsches aus dem Dickicht, keine zwanzig Schritte vor dem Säger. Dem stockte der Herzschlag. Die Lichter des Wildes funkelten argwöhnisch. Kein Zweifel: Der Gute hatte seinen Feind erkannt. Llnd noch ehe Schwaihofer sein Dlut beruhigen, Korn und Kimme in Llebereinstimmung bringen konnte, wendete der Todgeweihte und sauste mit tollen Sprüngen wieder hinein in die schützende Dickung. Das Rauschen und Drechen der Aeste und Zweige klang dem enttäuschten Säger wie ein Hohn in die Ohren. „Tuifl, dah ich net zum Schuh kam!" Llnd verdrossen nachdenklich: „Sch wollte ihm die Kugel nicht in die Dlume antragen.“ Nun, für heute war die Pirsch zu Ende. Als Sepp endlich mürrisch zurückkam, fand er den Platz seines Herrn leer. „Teuxl, aus is mit der Pirsch!" wetterte er vor sich hin. „Aus dem Schuh is nix word'u. Der Herr hat seine Gedanken heut nit beieinand. Malefizische weiberleutische G'fühl! Sell mich Wundern, wann's net a Deandl war!" Natürlich war's „a Deandl!" Als der Säger zur Hütte kam, hörte er Stimmen — eine tiefe, die seines Herrn, und eine hohe, die des Mädchens. „Akkurat hab i mir's denkt!" frohlockte der Dursch aus dem Ober-Snntal, stolz auf seine Kombinationsgabe. Als er vorsichtig um die Ecke bog, sah er ein Gestell aus dünnem, Weihern Holz, darauf ein Dild mit den Llrnrissen des Nöder- kogels und davor eine Dirn, die wohl für den gnädigen Herrn gewachsen sein konnte, so „schian" war sie. „A G'stell, so schmal und zierlich, wie a zweijähriges Cdeltier!" dachte der Säger. „Lauscher, Lichter und Windfang — alles so fein, wie man's nur bet die Herrensleut fand!" Der junge Schwaihofer stand dicht neben der Malerin und lobte die Arbeit. „Das Dild, wenn's fertig ist, muh ich haben!" rief er begeistert aus. Llnd gleich darauf mit komischer Neugier: „Sind S' auch nicht zu teuer damit, Fräulein Mute?" Sie streifte ihn mit einem flinken, abfchähenden Dlick. „Dreihundert Markln müssen S' schon anlegen!" ahmte sie seinen Dialekt nach. Er lenkte ein. „Darüber müssen wir noch reden..." Sie lachte. „Nix da zu reden! Sn der Kunst wird net gehandelt!" Trotzdem wurde das Geschäft perfekt. Nach zweistündigem fleihigen Schaffen war die Skizze fertig bis zum Künstlersignum. Llnd gelungen war sie! Man sah förmlich die Luft um die Thalleit- spitze flimmern. Lind der Nöderkogel toar so kalt und kantig wie in Wirklichkeit! „Schade, dah der ©meiner Sepp wieder fort ist", meinte Schwaihofer. „Der hätf Sfjnen auf der Stell ein Martl für seinen in den Dergen verunglückten Vater in Auftrag gegeben.“ Dann, nach einer Pause: „Also, zweihundert." „Das ist zu wenig", protestierte Mute ruhig aber entschieden. Sie dachte an ihre Flucht aus dem Eltemhause. Zwei Skizzen hatte sie schon für gutes Honorar an einen Berliner und einen Frankfurter Herrn verkauft. Drunten in der „Post" war eine ständige kleine Ausstellung ihrer Bilder eingerichtet. Llnd nun fand das dritte Werk feinen Herrn. Sollte 'mal die Mutter sagen, die Malerei wär' eine brotlose Kunst! „Na — i bitt: In zwoa Stündl so ane Menge Geld!“ lachte Schwaihofer. Llnd plötzlich auf Hochdeutsch: „Soviel verdient nicht einmal mein Vater in München. Llnd der beschäftigt zweitausend Arbeiter." Erdmute hob bedauernd die schmalen Schultern. „Die Farben und Lltensilien sind teuer..." Lind da kam ihr der rettende Gedanke. „Leben und leben lassen, Herr Schwaihofer! Einigen wir uns auf die Mitte: Zweihundertfünfzig Mark. Einverstanden?" „Gut!“ Ihre Hände fanden sich, und der Sagb- herr hielt fest. „Llnd nun koch ich uns einen Schmarren. Es ist zwölf vorbei, und Sie werden hungrig sein." Dagegen hatte Erdmute nichts einzuwenden. Der Hüttenbesiher lieh es sich nicht nehmen, den Schmarren selber zu kochen. Bald drang der Duft von Teig und Butter aus der Pfanne, brotzelten die gelben Schmarren. Dazu gab es würzige Gebirgspreihelbeeren und ein Gläschen goldgelben Terlaner. Das Mahl mundete und wurde mit ausgezeichnetem Appetit verzehrt. Ganz entschieden: Mit dem Deandl" hatte der Iagdherr mehr Glück, als mit Dem Sechzehnender! Die beiden jungen Leute kamen sich in diesen Stunden bedeutend näher. Lind war es auch nur verliebtes, mehr ober weniger sinnlose- Zeug, was sie sprachen, so half es doch vorwärts zum Ziele. Einmal dachte Mute flüchtig an ihren Freund drunten im Tale. Das toar, als sie den Scheck über die ztoeihundertfünfzig Mark für den „Nöderkogel" in Empfang nahm. Der arme Heinz Gutenberg muhte rechnen und sparsam mit feinem Reisegeld wirtschaften. Sn einer stillen Stunde droben auf der Gaislach- alm hatte er ihr sein Herz ausgeschüttet. Ach ja, er war in Not. Aber je mehr sie über ihn nach- dachte, um so deutlicher kam es ihr zum Bewußtsein: Seine Not toar mehr geistiger als materieller Art. Er toar nun dreißig Sahre alt und hatte noch nichts geschaffen, was ihn über den Durchschnitt hob. Diese halb erzwungene, halb ertrotzte Reise toar entweder der Anfang zu einer neuen Schaffensepoche, ober aber der Beginn kraftloser Resignation. Das Schlimme war, dah ihm in dieser Situation niemand helfen konnte. Er muhte feinen Weg alleingehen. Sogar ohne feine Lebenskameradin. Armer Heinz! Schwaihofer kam aus der Küchel und brachte die neu mit Terlaner gefüllte Karaffe. Ein Blick in das besinnliche Gesichtchen seines Gastes lieh ihn aufmerken. ~ „Sein S' net Harb, liab's Mutl! Hier wird net spintisiert, auf der Alm wird g'fungen!“ Damit nahm er die Laute von der Wand und begann tn luftiger, ansteckender Ausgelassenheit seine Schnadahüpfeln vorzutragen, dah Erdmute bald nicht mehr aus dem Lachen kam. Die ihr be- 1 kannten Lieder fang sie mit. So viel Fröhlichkeit hatte die Jagdhütte des Herrn Schwaihofer aus München lange nicht gesehen. Der feurig°sühe Terlaner hatte es in sich. Sn ihm war die Kraft der südlichen Sonne gefangen, und er bewirkte das, was ewig in der Vorstellung der Menschen mit dem Süden verbunden ist: Frohsinn. Aber: Wenn ein Mädel und ein Bursch Wein trinken, ist das Mädel im Nachteil. Das wußte Erdmute. Sie kostete nur sparsam und — bekam dennoch ihren kleinen Schwips. Daß sie nicht zu wenig trank und das Markieren nicht übertrieb, dafür sorgte schon Schwaihofer. „Aber Mutl, so lassen S' Ihnen doch net notigen! Dös Weinerl is ja allweil so viel harmlos. Dös gibt nur oan fideln Hamur, sonst tut's nix, rein gar nix!" Ja, und da trank das Dimlein noch ein Schlückerl und noch eins. »Llnd das letzte Tröpferl schmeckte immer besser als das erste. Llnd „an Hamur" schaffte es! Man fühlte es förmlich in sich, wie die Brust vor lauter närrischer Freude zu eng wurde. Nur schade, daß der Gutenberg nicht mit dabei fein konnte! (Fortsetzung folgt.) MAGGI* Bratensoße — die kochfertige Soße in Würfelform — OUA, /h|w>. Erst sehen Illi o) y (o o) (o d) (o y (o y 6 t) (c (o y 9 D) (o d) (a d) (o d) (o Enn] junntfURuH Sie tfleh unser Lager In Oefen an, bevor Sie sich 8um Kauf entschließen. Junker- L -Ruh- Oefen 6363 a Kramer-Oefen Viele erstklassige Marken! Langjährige Erfahrung! H e y d L Sohn Seltereweg 12 ML BRINKMANN _ I autorisierter Telefunkendienst AS»-1----------- Aelteste Fachfirma 6781 a Größte Erfahrung Wenn nichts hilft, MsTolsicher hei Hühneraugen Tube 80nur in der Drogerie Noll Babnbofür. |67„P I. 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Oktober, je abends 8 Ubr. Samstag, nachm.4 Uhr,betklein.Preis. Einm. Fremden- n. Schüler-Vorstellung ,3iir Nachm.-Vorst. haben 400 Arbeitslose, Ktnoer armer Eltern und Waisen flefl. Amisauswets freien Eintritt. Freikarten müssen zwischen 10 und 12 Uhr tm (£af& Leib geholt werden. Karl Scherber. der Vielseitige, m feinen verbluff.Darbietungen Chln Ling Soo, chinesische Gaukler, phänomenaler Oelmalaht, waghalsige türk. Jongleure, unvergleichl. Zahlen- Matador, vorxtigl. Dressur, verblüfl. Illusionen Akibas, Padischa-Szenen, LUtr-Losttimverwandlungenisehr lehrreich für Damen», Terrys urkomische Schatten-Pantomimen. Neu! Großer mimischer Aktl Turnvater Jahn. Graf Zeppelin, Fürst Bismarck, Hindenburg. Alt-Nürnberg, die wunderschöne Original-Variet6-Nenheit. Im Schumanmheater Frankfurt 32, im städt. Kursaal Wiesbaden 25 und im Kurhaus Bad-Nauheim 25 Borstest gegeben. — Herrl. Kostüme und De- korationen, 1200kgGeväck! 25 Tiere! 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Oktober, abends 8.30 Ubr (pünktlich), im Heim, Lonyftraße 18, statt. Anschließend läuft ein Film „Mafureu, daS Land der taufend Seen". Wtr laden unsere Mitglieder und ihre e Angehörige hierzu ein. Etngeführte Gäste sind willkommen. 7184D Eintritt frei! D. H.V. Ortsgruppe Dieben. Wir zeigen die Geburt unserer zweiten Tochter an S. Bensinger und Frau Gießen (Wilhelmstraße 1), den 20. Oktober 1930 z. 3- Katholisches Schwesternhaus 06511 t Für die vielen guten Wünsche und Aufmerksam« i I* keiten zu meinem 60. Geburtstag sage ich auf i diesem Wege meinen aufrichtigen herzlichen Dank I Apotheker Th. Schmieder s Gießen, den 21. Oktober 1930 7176D .1 GeianOretein .Heiterkeit', OieOen Mitglied des Deutschen und des Hessischen Sängerbundes Sonntag, den 2. November, nachm. 4 Uhr in der Neuen Aulader Universität Gießen Ludwigstraße KONZERT Leitung: Wilhelm Schättler, Gießen Mitwirkende: Irmgard Heermann (Alt), Ernst Schneider (Cello), am Flügel Marie Eckhardt, Gießen Streich Quartett. 1 Violine Wilhelm Schättler, Viola Karl Jost, 2. Violine Reinhold Ploch, Cello Ernst Schneider Zum Vortrag kommen; Chöre von Suter, Kreutzer, Kel- dorter, Esser, Silcher, Schaub, von Moellendorf und Buck — Lieder von Schubert und Brahms Musikstücke v. Schubert, Grieg, Fischer, Dvorak Karten -Vorverkauf: Musikalienhandlung Chai Her. Neuen» weg. sowie an der Kasse. Preise der Plätze: 1. Platz 1.50 Mk., 2. Platz 1 Mk. 7170V tiesnnd und nährstoffreich! Das richtige