180. Jahrgang Donnerstag, 21. August (950 Nr. 194 Erstes Statt GietzenerAiizeiger Tt< irrt« General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Untverfi1ätr-Vuch> und Steinömdcrei K Lange in Kletzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Erschc t»l rüglich, außer Sonntag» ua* JeierUig» (Siebener Ja «then blätter hetmal im SUD Die Scholle moiai»-B<)iospiets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsenniy für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerRummem infolge höhere: Gewalt. SemfDred?anfd)lülfe nnterSammeInummer2251 1n|d)nft für Drahtnachrichten Anzeiger «testen, potltchecktonto: SreeMurl am Main 11686. Annahme nn Injelge« für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher. Preis fttr l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re» Illameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20'. mehr. Chefredakteur Dr. Jnebt. Wilh. Lange, verantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Jeuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Slumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Diesten 2n- 5 3" o 2 a3 r? > 1 ßs ” 2 O 3 J fg -5 s 2 «stellten von den einzelnen Unternehmern a u f die Gesamtheit umgeleat werden. Das hat die Wirkung, daß der einzelne Unternehmer es nicht in seiner Bilanz spürt, ob er junge oder alte, ob er ledige oder verheiratete Angestellte beschäftigt. Ein gutes Dorbild dafür haben wir tm Apothekerberufe. Durch einen allgemein >5 Q. _ r i ? 2$s- 9.2 v o 65 'M r >d 2; ”0 2-2 Angestellienschutz durch Berufskaffen. Don Dr. Heinz potthoff. Jedes neue Licht wirft einen neuen Schatten. Die wachsende staatliche Fürsorge für die 2r- beitnehmsr hat als eine ihrer Kehrseiten eine wachsende Rücksichtslosigkeit der Arbeitgeber her- vorgerufen. Die Arbeitslosenverficherung wird nicht nut von manchen Versicherten .mißbraucht", sondern auch von manchen Unternehmern, die sich daS Risiko des Konjunkturwechsels dadurch erleichtern, daß sie nicht nur Arbeiter, sondern auch Angestellte, die sie früher durch schlechte Zeiten durchzuhalten strebten. neuerdingS im Vertrauen auf die DerftcherungSleistungen sehr viel leichter entlassen. Das liegt im Zuge der Zeit und findet auch in der Verschärfung deS Daseinskampfes für die Betriebe feine Erklärung. Für die Angestellten wirkt sich daS insofern besonders schlimm auS, als bei schlechter Konjunktur in erster Linie die älteren und kinderreichen Angestellten abgcschoben werden, und als diese fast gar keine Aussicht aus neue Anstellung haben, so lange nicht ein völliger Umschwung der Wirtschaftslage die Rachfrage nach Arbeitskräften bedeutend hebt. Auch daS ist nicht zufällig, sondern die Kehrseite der seit !918 üblich gewordenen tariflichen Regelung der AnstellungSbedingungen. Während die Löhne der Arbeiter fast ous- schllestlich nach der Tätigkeit und Leistung, meist als Akkordlöhne festgesetzt werden, sind die Gehälter der Angestellten, in Anlehnung an die Be- soldungSordnuna für die Beamten, nach Lebensalter, Dien st alter und Familienstand abgestuft. Die Tarisverträae enthalten meist mehrere Gruppen von Angestellten (nach Art der Leistung) mit verschiedener Bezahlung. Innerhalb jeder Gruppe ist daS Gehalt nach dem Alter gestuft. Und neben dem reinen Arbeitseinkommen find Zulagen für Ehefrauen und Kinder vereinbart. Go richtig und erwünscht derarttge Abstufungen (nach dem Dedarfel) sind, so haben sie doch die Folge, dah der Unternehmer für die !i [ e i <) c Leistung der Angestellten Der» chieden hohe Entgelte zahlen muh. GS legt daher nahe, dah er in schlechter Zeit diejenigen Angestellten bevorzugt, die alS junge und ledige in einer niedrigen Tarifstufe eingeordnet werden können. Wenn eine Verminderung der allgemeinen Geschäftskosten nötig erscheint, so kann sie zum Teil dadurch bewirkt werden, daß der Unternehmer ältere, verheiratete An- Sestellte durch junge ersetzt. Und wenn eS sich um mtlassungen zum Zwecke der Kostenersparnis oder wegen Rückganges der Arbeit handelt, so ist die Ersparnis am größten, wenn die höchst- bezahlten Angestellten entlassen werden können. Dah dabei auch Rücksichten aus die verschiedene Leistung mitspielen müssen und mitspielen, ist selbstverständlich Aber die Erfahrung gerade der letzten Jahre zeigt mit erschreckender Deutlichkeit wie stark die tarifliche Fürsorge sich auch gegen die Familienväter auSwirkt. Das traurige LoS der älteren Angestellten ist zu einer sehr ernsten sozialen Frage aeworden. Go hart und manchmal auch unbillig das Vorgehen des Betriebsleiters gegen den einzelnen tm Dienste der Firma alt gewordenen Mitarbeiter sein matt so kann man doch nicht leugnen, dah eS dem Rechte und der Wirtschastsverfasfung entspricht. Hier liegt eben ein Widerspruch zwischen der privatkapitalistischen Grundlage des Markt- ncrkehreS und den sozialen Bindungen vor. Der .Internehmer, den die fremde Arbeitskraft nur als solche angeht, soll Rücksichten darauf nehmen, dah diese Arbeitskraft mit Menschen verschiedener Art verknüpft ist. Diese Rücksicht ist unwirtschaftlich". Go gern sie geübt wird in guten Zeiten, so sicher versagt sie in der Rot. Die bisher vorgeschlagenen Abhilfemittel sind bedenklich. Die Gewerkschaften streben auf einen gesetzlichen Zwang zur Einstellung von allen und verheirateten Angestellten hin, wie er für die Schwerbeschä- tilgten besteht. Aber die Reichsregierung hat sich bisher ganz ablehnend dagegen verhalten, und auch der Reichstag ist über unverbindliche Beschlüsse nach dieser Richtung noch nicht hinausgekommen. Eine Umkehrung der tariflichen Gruppierung der Angestellten, wonach also von einem gewissen Alter die Gehälter "teder niedriger würden, stände mit dem Aus- •u der Tarife in Widersprach. Roch bedenklicher irc eS. wenn die zwingende Wirkung der Taris- iträge gelockert und den älteren Angestellten erlaubt würde, niedrigere als die Tarif g e h S l t e r wirksam zu vereinbaren. Denn damit würde sicher das Tarifgehalt prakttsch beseitigt. auch für die jüngeren. Meiner Ueberzeugung nach gibt es nur einen Ausweg aus dem Widerspruche. Das ist die .genossenschaftliche' Gehaltsrege- lunn Wie in der Unfallversicherung das Risiko der Betriebsunfälle von den einzelnen Unternehmern auf die Derufsgenossenschaft übertragen ist, so dah alle Unternehmer ohne Rücksicht auf die gerade in ihrem Betrieb« erfolgenden Un- fälle die gleiche Deitrogslast tragen, so muh auch da- .Familien"- und .Alters"-Risiko der Die offene Regiemngskrisiö in Bayern. Der Landtag beschließt Aushebung der Rotverordnung über die Schlachtsteuer. — Das Kabinett Held tritt zurück. —Schwierigkeiten der Regierungsbildung. Was tut die Bayerische Volkspartei? Die monatelang währende schleichende Krisis in Bayern ist durch Den Rücktritt des Ministe- riums Held in eine offene verwandelt worden. Den äußeren Anlaß bilbete die Aufhebung der bayeri f ch en Notoerordnung über d i e Schlachtsteuer. Finanzminister Schmelzle hatte sein politisches Schicksal mit dieser Verordnung verbunden, die in der Mittwochsitzung des Landtages durch die Opposition, einschließlich des Bayerischen Ministerpräsident Dr. Held. Bauernbundes, gegen die Stimmen der Bayerischen Dolkspartei und der Dcutschnationalen aufgehoben worden ist. Den eigentlichen Grund zum Sturz des Kabinetts Held bildete das Abspringen des Bayerischen Bauernbundes aus der Regierungskoalition, das vor einiger Zeit durch den Rücktritt des Land- wirtschaftsminifters Prof. Fehr auch nach außen hin in die Erscheinung trat. Die Bayerische Dolkspartei hat die vereinigte Opposition mit Recht darauf hingewiesen, daß es nunmehr a n i h r fei, die Derantwortung zu übernehmen und die Finanzen des bayerischen Staates in Ordnung zu bringen. Das ist praktisch natürlich unmöglich, denn man kann nicht die Sozialdemokraten und Kommunisten mit dem Bayerischen Bauernbund und den Nationalsozialisten vor einen Regierungswagen spannen. Es wird also nichts übrig bleiben, als wiederum eine Regierung zu bilden, in der die Bayerische Dolkspartei eine entscheidende Rolle spielt. Bis es aber zu einer Lösung der jetzt in Bayern bestehenden Koalitionsschwierig, keit kommt , wird noch lange Zeit vergehen, und die Oeffentlichkeit hat inzwischen reichlich Gelegenheit, nicht immer sehr wohlwollende Betrachtungen über die Segnungen des deutschen Parlamentarismus und über das Verantwortungsgefühl der politischen Parteien anzustellen. Schon jetzt ist man auf der Linken Dabei, .tiefgründige" Erwägungen über die wahren Gründ« der bayrischen Vorkommnisse anzustellen. Man sagt, die älhr des Kabinetts Held sei abgelaufen, weil sich inzwischen eine durchgreifende Wandlung auch in der bayrischen Innenpolitik vollzogen habe. Man gibt wohl zu, dah das Ministerium Held gewisse Verdienste um die innere Festigung Bayerns nach den Erschütterungen des Unruhejahres 1923 gehabt hat, aber man betont gleich darauf, daß jetzt die Zeit für eine andere politisch« Kombination gekommen sei. Rattirlich wird dabei an eine Regierungsgemeinschaft zwischen Bayrischer Dolkspartei und Sozialdemokratie gedacht. Ist daS die Absicht des Bayrischen Bauernbundes gewesen, als er feint Hand zum Sturze des Kabinetts Held bot? Glauben die bayrischen Bauern, dah eine Regierung mit der Sozialdemokratie eine ihre Interessen mehr fördernde Politik treiben werde? Aus solche Fragen wird man kaum befriedigende Antworten bekommen, da gegenwärtig alles nur auf die Wahlagitation abgestellt wird. Das vicl- berufene flaat«bürgcrlicb« VcrantwortungSbe- wuhtsein aber hat mit dem Treiben in den Wahlversammlungen meist nicht viel zu tun. Helds Rücktritt. Die LozialDcmolratic mit der Kabinettsbildung beauftragt München. 20. Aug. wie gestern schon kur; gemeldet, stimmten im Landtag über den sozialdemokratischen Znitiativgesehentwurs für Aushebung der vom Gesamtministerium erlassenen sog. Schlachtsteuer-Rotoerordnung 62 Abgeordnete für den Entwurf, 58 dagegen. Damit ist die Notverordnung der Regierung gefallen. Sofort nach der Plenarsitzung de» Landtag» hat Ministerpräsident Dr. Held dem Landtagspräsiden- ten die Demission de» Gesamtministerium» erklärt. Der Landtag»präsident hat der sozialdemokratischen Fraktion de» Landtage» al» der stä r k st e n Fraktion In der Opposition den Austrag erteilt, die Frage der Bildung einer neuen Regierung in die Wege zu leiten und ihm innerhalb zehn Tage Bescheid über da» Ergebnis zusammen zu lassen. Breslau, 21. Aug. (CNB.) Prälat K a a s, der Dorsitzenbe der Deutschen Zentrumspartei, führte in einer Wahlrede in Breslau u.a. aus. Politik ist die Kunst des Erreichbaren, und wer seinem Volke mehr verspricht, als er angesichts der Kräfteverteilung halten kann, der mag es vielleicht fub- cktio ehrlich meinen, aber er irrt, und fein Irrtum ührt das Volk dem Untergang zu. Wer eines zu- ammengebrochenen Volkes Führer (ein will, der )at Die Pflicht, Die Möglichkeiten nüchtern und sachlich zu prüfen, die für die Zukunft seines Volkes gestellt sind. Wir kennen die Schäden hier im Osten aus eigener Anschauung mehr als andere. Aber wir wissen auch, daß der Weg zur Besterung nicht der Frontalangriff ist, sondern der Weg aufbouender und mühseliger Geduld. Eins wünsche ich: daß die Jugend einsieht, daß nur d i e richtige Synthese zwischen idea le m Schwung und strengerSach- (i d) f e i I einer politischen Richtung die Wege wählt, die zum Ausbau und nicht zum Niedergang führen Das Volk will gerettet (ein, ob mit Ar- Unmöglichkeit einer NcgicrnngSbildung ohne sie. Berlin, 21. Aug (ERB.) Die Bayerische Dolksportei-Korre(pondenz erklärt, dah die Bayerische Dolkspartei (ich sehr wohl der Derantwortung bewußt fei, die sie dadurch übernehme, daß sie der Opposition den Weg frei mache, nunmehr ihr Heil in einer neuen Regierungsbildung zu versuchen, an der die Bayerische Dolkspartei keinen Anteil nehmen könne. Die Berliner Morgenblätter knüpfen an den Rücktritt der bayerischen Regierung ausführliche Kommentare. Es wird allgemein der Ansicht Ausdruck gegeben, daß ohne die Bayerische Dolkspartei. die stärkste LandtaaSfraktion, eine Regierung in Bayern nicht gebildet werden kann. Eine Mehrheitsbildung ist ohne die Bayerische Dolkspartei nur möglich, bei Beteiligung der Sozialdemokraten, der Deutschen Dolkspartei, der Äommunlften, deS Bauernbundes und der Rationalsozialisten. Da jedoch diese Gruppen niemals zu einer Regierungsmehrheit zusammengcsaßt werden können und Die Bayerische Dolkspartei eine Koalition mit den Sozialdemokraten strikt abgclchnt hat, wäre nur Die Rückkehr zur alten Koalition, die aus der Bayerischen Dolkspartei, den Deutschnationalen und dem Bauernbund bestand, möglich. Auch eine Auslösung deS Landtags ^ut Klärung der Verhältnisse ist im Augenblick nicht möglich, da der GtaatSgerichtShos daS bayerische Wahlrecht für verfassungswidrig erklärt hat und zunächst ein neues Wahlrecht geschossen werden muß, ehe an eine Reuwahl des Landtages gedacht werden kann. titel 48 ober ohne Artikel 48, und wenn es ohne Artikel 48 zugrunde geht, dann wird es sich bei denen bedanken, die um die Verfassung zu retten, das Volk selbst vor Die Hunde gehen ließen. Wir denken nicht daran, aus diktatorischem Wege das Volk um feine Rechte zu betrügen, aber wir haben das Vertrauen, daß trotz aller Verhetzunaen in den Masten noch soviel gesundes Urteil, noch soviel politischer und ethischer Instinkt schlummert, dah wir nur an sie zu appellieren brauchen, um ihn zu wecken und ihnen dann zu sagen: Demokratie ist nicht nur ein Recht, sondern aucheinePflicht. Halten wir Die Augen auf. Es geht um Großes, es geht nicht nur um Finanzen und Steuern, um Poung oder Dawes- plan, nicht um Osthilfe oder Revision der Friedensverträge. Dos sind Selbstverständlichkeiten aber das Notwendige ist, daß wir innerlich als Volk, a l s Dolksgesarntheit im physischen und moralischen Sinne des Wortes wieder (o gesunden, daß wir überhaupt fähig sind, diese uns gestellten Aufgaben und Missionen zu erfüllen. Prälat kaas über die Ausgabe des Wahlkampfes. Ein Appell des Zentnimsführers an die Jugend. verbindlichen Tarifvertrag sind nicht nur die Gehälter aller pharmazeutischen Angestellten geregelt; sondern es ist daneben eine sogenannte „Zufchußkasse" errichtet, die den Ausgleich her Bezüge nach dem Zamilienbedarse trägt In diese Kaste zahlt jeder Selbständige für sich und feine Angestellten bestimmte MonatSbeittäge ein. Dagegen erhält jeder Angestellte bestimmte Zulagen für Lebensalter, Dienst alter, Frau und Kinder. Also die Arbeitnehmer erhalten verschieden abgestufte Gehälter, aber die Arbeitgeber zahlen stets die gleichen Gehälter. Hinter Der Zuschuhkasse verbirgt sich eine genossenschaftliche Regelung Des Gehaltes. Diese ist offen Durchgeführt in Oesterreich, wo Der Staat Die Regelung in Die HanD genommen hat. In eine zentrale Geholtskaste zahlt jeDer Apotheker für jcDcn Angestellten eine gleiche Gehaltssumme ein: und aus ihr bezieht jeher Angestellte ein nach Alter unh Familienstand abgestuftes Gehalt Solche Berufskaffen zur sozialen Regelung deS Gehaltes sollten durch Tarifverttag in allen Wirtschaftszweigen eingeführt werden. Das würde nicht nur neue Q3anhe der Solidarität in Den Zweigen knüpfen, sondern auch die Röte der Angestellten wesentlich lindem. Denn wenn der einzelne Arbeitgeber für den älteren Familienvater nur bie gleiche Entlohnung zu zahlen braucht wie für die jüngeren, lebigen Angestellten, bann ist er nicht nur der Erwägung offen, bah er bem altbewährten Mitarbeiter Rücksichten schulbet. sondern er ist auch viel mehr bereit, bie Vortelle eines zuverlässigen, erprobten Angestellten zu würdigen. Wenn bie etwas erhöhten Kosten für bie älteren Angestellten von her Gesamtheit einer Branche getragen werben, kommen sie im Wettbewerbe zwischen ben einzelnen Unternehmern nicht zum Vorschein, ilnb als Gefamtbelastuna bie Den Wettbewerb auf bem Weltmärkte erschweren könnte, werben sie nicht fühlbar. Denn im Ge- samtburchschnitt finb bie Angestelltengehälter kein so erheblicher Posten in her Bilanz bet expor- tierenben Firmen, bah eine geringe Veränderung von wirklicher Bebeutung für bie Wettbewerbsfähigkeit wäre. Gerabe gegenwärtig, wo wir in schwerer Krise von unabsehbarer Dauer unb in allgemeinem Abbau von Arbeitskräften stehen, sollte man ben Versuch machen, burch Derusskaffen zur gleichmäßigen Regelung her Tarifgehälter einen Weg zu offnen, bet bie privatwirtfchaftlichen unb bie kottektivrechtlichen Momente, bie unsere Wirtschaft beherrschen, in Einklang mit einander brächte. Der Einzelhandel zum Wahlkampf. Ein Aufruf Der Hauptgemeinfchaft des Deutschen Einzelhandels Berlin, 20. Aug. (Tel-Un) Die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels veröffentlicht einen Wahlaufruf, in Dem es u a. heißt Bei den letzten Reichstagswahlen ist fast ein Drittel Der mittel st änDischen Wähler» schäft Der Wahlurne ferngeblieben. Dieses Versäumnis hat sich bitter gerächt. Immer tiefer sinh wir in Not geraten, immer stärker ist Die Lebensmöglichkeit Des Ein^lhandels wie des deutschen MittelstanDes im ganzen eingeengt unb bedroht worden. Es kann und darf nicht mehr (o weitergehen. Das deutsche Volk muß sich wieder emporarbeiten Zu den Voraussetzungen für einen Wiederaufstieg gehört eine G e - funbung her Finanzwirtschaft Durch Senkung der Ausgaben der öffentlichen Hand und st arten Steuerabbau sowie eine Reform der S oz i alversiche- r u n g. Die Gleichmacherei in der Sozialpolitik muß aufhören. Schließlich muß eine Wirtschaftspolitik geführt werden, die den Schutz des Privateigentums als tragenden Grundgedanken anerkennt. Weicht der Wähler der politischen Entscheidung am 14. September durch Enthaltung von der Wahl aus, so hat er fein Recht, sich über das, was bann kommen wird, zu beklagen. Mittelbar stärkt er Durch seine Wahlenthaltung die Feinde des Einzelhandels und des Bürgertums, denen er seine Stimme nicht entgegengestellt hat. Keine noch so große politische Enttäuschung, keine noch so berechtigte Partei- und Staatsoerdrosienheit darf irgendeinen Angehörigen des Deutschen Einzelhandels diesesmal bei der Wahl abseits stehen lassen. Wer ein Wahlrecht für sich in Anspruch nimmt, muß daraus auch eine Wahlpflicht herleiten. Die Reichsliste „Deutsches Landvolk". Tie Einigung zwischen LanDvolkParlei und Konservativer voltspartet. Berlin, 2S. Aug on deren Erfüllung oder Ablehnung es abhängt, ob diese Spinnereien auf die schwarze Liste des D 0 y k oTtTru s s ch ul - ses gesetzt werden sollen. Eine der Forderungen des Ausschusses geht dahin, daß kein Mitglied einer der 24 Firmen an regierungsfreundlichen oder kongrehfeindlichen Handlungen teilnehmen darf. Wenn z.B. ein Mitglied einer solchen (Strma den freiwilligen britischen Streitkräften angehört, so ist es verpflichtet diese militärische Verbindung sofort zu losen. Die hauptsächlichsten Forderungen taS Bohkottausschusses sind: 1. 7 5 v.H. des Kapitals müssen indisch sein. 2. Das Direktorium muß zu Zweidritteln aus Indern bestehen. 3. Das gesamte Personal muß indischer Staatsangehörigkeit sein. 4. Sämtliche von den Fabriken verwendeten Materialien müssen, soweit erhältlich, in 3nöien gekauft werden. 5. Die beteiligten Spinnereien sind verpflichtet, ihre Bank- und Versicherungsgefchäfte mit indischen Gesellschaften durchzuführen. Oie Sowjeiregierung dementiert. Berlin. 20. Aug. Die Botschaft der Sowietunion teilt mit: Deutsche Blätter veröffentlichen Meldungen über Berliner Verhandlungen zwischen einer nsrdamerikanischen Finanzgruppe, der Sowjetregierung und einem Vertreter der Russisch-Asiatischen Bank über den Berkaus der O stchinesischen Eisenbahn. bzw. über den Verkauf des Anteils der Sowzetunion am Besitze der Bahn. Diese Rach- richten entbehren jeder Grundlage und sind glatte Erfindungen. Es handelt sich um bewußt verbreitete Lügen einer jetzt in Berlin plötzlich aufgetauchten fragwürdigen russischen Emigrant engruppe. Die deutsche Studeuteudetegation verläßt den Brüsseler Kongreß der C. L. E llm die Vertretung der Danziger und sudetendeutschen Studenten. - Scharfe Zusammenstöße mit Polen und Tschechen. - parteiliche Geschäftsführung durch den Franzosen Saurin. - Holländische Vermittlung scheitert. Abbruch der Beziehungen. Die französisch-slawische Machtpolitik in der C. I. E. Berlin, 20. Aug. (TA.) Die deutsche Abordnung hat dem Präsidenten des C. I. E. in einem Schreiben mitgeteilt, daß sich die Deutsche Studentenschaft genötigt sehe, die Beziehungen zum Internationalen Studentenverband abzu- b re chen. Die Deutsche Studentenschaft wird in Zukunft weder auf Grund des bisher in Kraft gewesenen Abkommens »och im Wege einer Formel geregelter Zusammenarbeit irgendeine Verbindung mit dem Internationalen Studentenverband unterhalten. Gleichzeitig hat der Leiter des Amtes für Leibesübungen der Deutschen Studentenschaft. Dr.-Ing. H i n s ch. Berlin, sein Amt als ständiger Vizepräsident des Sportausschusses der C. I. E. niedergelegt. Den Grund für den Abbruch der Beziehungen bilden die beleidigenden Aeußerungen, die von den tschechischen und polnischen Vertretern während der letzten Sitzung der Brüsseler Ratstagung gegenüber der Deutschen Studentenschaft ausgesprochen worden sind. Die Zersetzung des Internationalen Studentenverbandes, die durch den Austritt Spaniens und die Abreise der italienischen und ungarischen Vertreter bereits deutlich in Erscheinung getreten ist. hat infolge der Zwischenfälle mit der deutschen Abordnung weitere Fortschritte gemacht. Holland hat von sich wegen der gehässigen Derhandlungsweise gegenüber der Deutschen Studentenschaft einen Mi h t r a uen s an- trag gegen den französischen Präsidenten gestellt, bei dessen Verhandlung es zu weiteren Zusammenstößen kommen wird. Infolge des deutschen Widerstandes scheint die französisch-slawische Machtpolitik innerhalb der C. I. E. keinen Erfolg zu haben. Die Partei und ihr Führer Treoiranus halten nach wie vor an der Auffassung fest, daß die Lösung der großen Aufgaben, vor die Reichsregierung, Reichstag und das ganze deutsche Volk jetzt und in der nächsten Zeit gestellt sind, keinesfalls mit den Sozialdemokraten möglich ist. Diese Auffassung wurde von der Partei und ihrem Führer schon bisher vertreten, an ihr hat sich nichts geändert. Die Sozialdemokraten haben yi den zwei Jahren, in denen sie an der Reichsregierung beteiligt waren, ihre Unfähigkeit so nachdrücklichst bewiesen, daß neue Versuche mit ihnen nid), mehr unternommen werden können. Sollten Die Liste der Konservativen Volksparte i fuhrt in Berlin Herr v. L i n b e i n e r- Sweiter Stelle kandidiert der Geschäftsführer des Deutschnationalen Hand- f rn , f Lucke, an dritter Stelle Dr Karl Rothe. Im Wahlkreis P 0 ts- dam ll steht ebenfalls Herr v. Lindeiner- Wildau an erster Stelle. Die zweite Stelle mmmt Frau Schloßmann-Loennies Re- im Gesamtverband Der Evangelischen Frauenhilfe, ein. riALel?°I-,8rrcSt'^arteiunZ) die Christ. SS h u 91 a 1spartet haben für den » m ? 9 E r Wahlkreis als Kandidaten Graf von Posadowsky-Wehner aufgestellt. Von der Kreisbauernschaft Rassau sind für bie Kandidatenliste der Landvolkpartei fau (Thristl.-Rat. Bauern- €l) ■rCnamt Landwirt Hepp (Seelbach), Bürgermeister Lind (Rietarissia- heim). Landwirt H i r s ch m a n n (Hochheim) Bürgermeister a. D. Gückes (Dreithardtf Nra,.' O v e r b e ck utid Landwirt Hatzfeld (DÄetarf). Aus einer Wahlkreiskonferenz der Wirtschaftspartei wurde der langjährige Reickis. tagsabgeordnete Oberpostinspektvr Emst Lucke (Chemnitz) einstimmig wieder zum Spihenkandi. taten für den Wahlkreis Chemnitz -Zwik- lau bestimmt. solche Versuche von anderer Seite gewünscht und für aussichtsreich gehalten werden, so steht jedenfalls heute schon fest, daß die Konservative Volkspartei sich an ihnen nicht beteiligen, sondern sie au das schärfste b e k ä-m psen wird. Eine Wahlrede Lettow-Vorbecks Konservative und Nationalsozialisten. Magdeburg. 21. Aug. (TA.) Bei der ersten öffentlichen Wahlkundgebung der Konservativen Dolkspartei des Landesverbandes Magdeburg-Anhalt sprach der Spitzenkandidat des Wahlkreises 10, General von Lettow-Vor- b e ck, der u. a. sagte: Die Gefahr des vollständigen Zusammenbruches des deutschen Volkstumes und Staatstumes sei in greifbare Bähe gerückt. Die Wurzel des Aebels sei in dem immer weiteren Amsichgreifen des sozialistischen Geistes zu erblicken, der das deutsche Volk in nationale und wirtschaftliche Kraftlosigkeit zurück- , geworfen habe. Leider finde der Marxismus im bürgerlichen Lager immer wieder einen Verbündeten im Zentrum. Die Trennung beider Parteirichtungen müsse wie im Reiche so auch in Preußen bewerkstelligt werden. Die Ziele der Konservativen Dolkspartei seien die gleichen, wie die Hugenbergs, wenn auch die Wege auseinandergingen. Allein könne jedoch die Konservative Partei eine starke bürgerliche B e ch t e nicht stellen. Durch ein Zusammengehen mit den Rationalsozialisten könne die starke Rechte jedoch nicht erreicht werden, denn das Wirtschaftsprogramm dieser Partei sei besitzfeindlich und stehe in direktem Gegensatz zu dem bürgerlichen Programm. Oer Iungdeutsche Orden. Berlin, 20. Aug. (CRD.) Im „Jungtaut, schen "veröffentlicht der Komtur der DaNei Groß- Berlin des Iungdeutschen Ordens, Ernst Helmers/einen Aufsatz „Parole 1929 — Parole 1930“, in dem es heißt: Es sei betont, daß der Iungdeutsche Orden nach wie vor ein unparteiischer Bund l e i b t. Seinen Mitgliedern, unseren jungtaut* chen Schwestern und Brüdern, steht es ab- s 0 lut frei, in welcher parteipolitischen Gruppe sie sich persönlich betätigen wollen. Außerdem 7können staatsbeiahenta deutsche Menschen verschiedener Parteien oder sonst nicht politisch Organisierte jederzeit in den Iungdeutschen Orden als Mitglieder ausgenommen werden. Für uns Iungdeutsche gibt es keinen Zweifel dar- über, daß Dolksnationale Reichsvereinigung und Deutsche Staatspartei vorübergehende Zweckorganisationen sind. Das Bleibende. der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist nur unser Orden. In dieser Erkenntnis liegt die unparteiische Haltung und Gruntain- ftellung des Ordens verankert, die uns über aste Tagesfragen und taktischen Zwischenspiele hinaus das Fernziel nicht aus den Augen verlieren läßt. Aus dem Wahlkampf. Die ÄationalsozialistischeDeutsche Arbeiterpartei hat im Wahlkreis C h e m- Nitz - Zwickau Gregor Strasser (München) als Spitzenkandidaten aüfgefteHt. Das jetzt vom Reichskabinett verabschiedete Gesetz über die Errichtung eines Reichsverwal- tungsgerichtes hat die deutschen Regierungen schon seit bald zehn Iahren beschäftigt. Der stärkste Anstoß zur Lösung der Frage ging vor annähernd fünf Iahren durch ein Angebot der preußischen Regierung aus, die auf ihr eigenes Oberverwaltungsgericht verzichten wollte. Aber trotz des aussichtsvollen Angebotes kam man zu keiner Einigung, und es entspann sich ein langwieriger Kleinkampf zuerst zwischen dem Reich unö einigen Ländern und Dann zwischen verschiedenen Reichsressorts. Besonders umstritten war die Frage, ob der Staatsgerichtshof weiterhin dem Reichsgericht angegliedert bleiben soll oder in das Reichsverwaltungsgericht aufzunehmen ist. Zwischen Reichsjustiz- und Reichsinnenministerium fanden lebhafte Auseinandersetzungen statt. Die Befürworter der Angliederung des Staatsgerichtshofes an Das Reichsverwaltungsgericht, das nunmehr die oberste Instanz in allen Verwaltungsstreitigkeiten ist, erklärten, daß bei der bisherigen Form der Staatsgerichtshvf zu stark von zivilrechtlichen Grundsätzen beeinflußt sei, die eigentlich nicht auf öffentliche Rechtsverhältnisse übertragen werden könnten. Man hat auch auf diese Erscheinung gewisse Differenzen zurückgeführt, die seinerzeit entstanden, als der Staatsgerichtshof über die Besetzung des Verwaltungsrates der Reichsbahn entschied. Die Reichsregierung erklärte damals, daß sie die Entscheidung des Staatsgerichtshofs für unrichtig halte. Auch die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes hat in diesem Zusammenhänge ebenfalls zu heftigen Kämpfen geführt. So haben die verschiedenen Regierungen und zuletzt noch das Kabinett der Großen Koalition unter Führung von Hermann Müller vergeblich versucht, erst die Länder und dann die Reichsministerien untereinander auf eine einheitliche Linie zu bringen und das seit langem geforderte Gesetz zu verabschieden. Gerade angesichts dieser vergeblichen Bemühungen und der manchmal schon tragikomischen Kleinkämpfe ist der Entschluß des Kabinetts, das Gesetz nunmehr dem neuen Reichstag vorzulegen, besonders bedeutungsvoll. Eine wenig erfreuliche Epoche deutscher Innenpolitik ist damit hoffentlich abgeschlossen. Englands Handelsintereffen in China. Aufhebung des britischen Konsulats in Tschangscha. t ^.??don, 2°- Bug. (TU.) In maßgebenden britischen Kreisen in Schanghai hat der Beschluß der britischen Regierung, dasbritischeKon- sulat in Tschangscha, der Hauptstadt tar Provinz Honan, auf mindestens vier Monate im Iahre (während des niedrigen Wasserstandes) zu s ch l 1 e ß e n, starke Verstimmung hervor- gerufen. Bisher wurde in Tschangscha ein Kanonenboot unterhalten, das einen niedrigen Siefgang hat und das während des ganzen Iah- res dort stationiert war. Rach dem Be- ^luh der Flottenbehörta in Tschangscha, ein Kanonenboot nicht mehr während des ganzen Iahres zu stationieren, blieb der britischen diplo- mati^en Vertretung nichts anderes übrig, als in Tschangscha aufzuheben und den britischen Staatsangehörigen die Räumung zu empfehlen. In einem „Tirnes"-Berich1 au8 landbundpräsident Dr. Schiele, der Präsident des Deutschen Landgemeindetages Dr. Gereke und Reichslandbundpräsident Hepp. Wie die „Landvolknachrichten“ weiter melden, haben die Verhandlungen zwischen der Landvolkpartei und der Konservativen Dolkspartei über die gemeinsame Reichsliste zu einem positiven Abschluß geführt. An der Spitze der konservativen Liste stehen: Reichsminister Trevi r a n u s , Graf Westarp, v. Lindeiner- Wildau und Lambach. Sozialdemokraten und Konservative Volkspartei Berlin, 20. Aug. (TU.) Die Pressestelle der Konservativen Volkspartei verbreitet folgende Feststellung: Aus aller Welt. Letzte Tage in Bayreuth. Obwohl die Bayreuther Festspiele am Donnerstag zu Ende gehen, macht sich noch kein Abflauen des Besuches bemerkbar. Der Dienstagabend brachte die letzte Aufführung tar Dramentrilogie des Ringes der Ribelungen, „Götterdämmerung". In der sechs Stunden dauernden Dorstellung lösten die Darsteller ihre überaus schwierige Ausgabe in glänzender Weise. Die Besetzung war die gleiche wie am Dorabend. Melchior spielte den Siegfried gleich hervorragend wie in der letzten Aufführung. T sch u r t s ch e n t h a l e r gestaltete den Günther mit prächtigem Stimmaterial. Harold Ära* bitt als Hagen wurde seiner Rolle in allen Punkten gerecht. Linnek zeigte während der ganzen Vorstellung, daß sie seelisch vollständig in ihrer Rolle aufgeht. Die Rornen und Rheintöchter konnten voll und ganz befriedigen. Der Orchesterleiter Elmendorfs feierte für dieses Iahr seine letzten Triumphe. Zum letzten Male wurde am Mittwoch „Tannhäuser" unter Leitung Toscaninis aufgeführt. Tos- canini holte aus dem Orchester wunderbare Klangwirkungen heraus. Sigismund Pi lin s k, der seine Indisposition vollständig überwunden hat, verkörperte den Tannhäuser mit herrlicher Stimme und höchster schauspielerischer Kunst. Hervorragend in Ton und Spiel waren Herbert I a n s s e n als Wolfram, K i p n i s als Landgraf von Thüringen und Sattler als Heinrich der Schreiber. Die beste Leistung des Abends bot jedoch Maria Müller als Elisabeth. Einen erlesenen Genuß bot die von der Tanzschule Lab and gestellte Gruppe im Bacchanal des Venusberges. Die Chöre entzückten durch ihre Klangschönheit und Kraft. Rehabilitierung eines angeblichen Spions. Vom Militärgericht in Paris ist im Wieder- aufnahmeverfahren der vor 35 Iahren nach Kalifornien ausgewantarte Elsässer Hartmann, der 1919 von einem französischen Kriegsgericht wegen angeblicher Spionage in contumaciam zum Tode verurteilt worden war, freigesprochen worden. In dem Spionage- Prozeß von 1919, der damals großes AufseAn erregie, waren der französische Schriftsteller Henri Gilceaux und ein gewesser Dr. Charles Hartmann beschuldigt tvortan, mit ausländischem Geld defaitistische Zeitschriften unterstützt und auch sonst die gegen die Fortsetzung des Krieges gerichtete Bewegung gefördert zu haben. In der Begründung des Urteils, das Hartmann völlig entlastet und rehabilitiert, wird festgestellt, daß Hartmann bis vor wenigen Monaten, als er seinem elsässischen Geburtsort einen Besuch abstattete und verhaftet wurde, Amerika überhaupt nicht verlassen hatte und daß das gegen Hartmann gefällte Todesurteil von 1919 einen Unbekannten betrifft, der sich die Ausweis- Papiere Hartmanns angeeignet hatte. Brückeneinsturz in Spanien. Dei Mengibar ist eine Brücke über den Guadalquivir eingestürzt, als gerade zwei Lastautos, in denen auch sechsStierefürdieStier- ?,£ m ” Almeria transportiert wurden, über die Drucke fuhren. Beide Lastautos stürzten Bieter Höhe in den dort sehr tiefen Fluß. ®rei Personen wurden getötet, mehrere andere verletzt. Eine kostbare Dürersammlung in Oesterreich entdeckt. Der Kustos der Wiener Albertina, Heinrich *-et> ormi, soll gelegentlich einer Inventavi-, letung auf einem österreichischen Landgut eine ungewöhnlich reichhaltig- Reichskanzler a. D. Michaelis, General der Infanterie a. D. von Kuhl und Oberpräsident m r»?innt9 finb Sur Konservativen -Volkspartei übergetreten. Oie Aenderung des Reichswahlgesetzes. Erste Ansätze zur Parlamentsrcform. Berlin, 20. Aug. (WTB.) Das Reichskabinett verabschiedete in seiner heutigen Sitzung unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning tan von dem Reichsinnenminister Dr. Wirth vorgelegten Entwurf eines Reichswahl- gefehes, der nunmehr dem Reichsrat zugeleitek werden wird. Der Entwurf geht davon aus, die besonderen Mängel des geltenden Wahlrechtes, die großen Wahlkreise und die langen Ci ff en, und die dadurch hervorgerufene Entpersönlichung und Mechanisierung der Wahl zu beheben. Der Wähler soll wieder unmittelbar an die Reichs- willensbildung herangebracht, der Gedanke der Verbundenheit des Abgeordneten mit einem Wahlkreise und die parteipolitische Konzentration gefördert werden. Zur Erreichung dieser Ziele sieht der Entwurf eine wesentliche Verkleinerung der Wahlkreise, die Beseitigung der Reichsliste und den Wegfall des amtlichen Stimmzettels vor. Es werden 162 Wahlkreise gebildet, die zu 31 Verbänden, diese zu 12 Ländergruppen zusammengefaßt sind. Die Verteilungszahl, auf die ein Abgeordneter entfällt, beträgt 70 000. Einreinen Persönlichkeiten wird durch das neue Wahlgesetz der Weg zum Parlament wieder eröffnet. Der Einreichung von Wahlvorschlägen bedarf es nicht mehr. Innerhalb der Parteien, die Sitze in den verbänden erhalten haben, wird ein verhältnismäßiger Ausgleich in den Ländergruppen vorgenommen. Schon durch den Wegfall der Reichsliste wird eine Vermindern ngderZahlder Abgeordneten erreicht. Diese verstärkt sich durch die in Aussicht genommene Verteilungszahl von 70000. Der Entwurf sieht bewußt von „verfassungsändernden Regelungen“ ab, um die vom deutschen Volke geforderte Wahlreform in Gang zu sehen. Oie Schaffung eines Reichsverwaltungsgerichts. Umorganifation des Staatsgerichlshofs. Sammlung Dürer sch«r Graphiken entbedt haberu Fast alle Dürer-Werke sollen in herrlichen Früh drucken vorhanden sein, so z^B. die Serie Warienleben in saft 6 tu dir. (4 cn Probedrucken. e« fehlt aber auch nicht an seltenen Kostbarkeiten wie sie selbst in den größten öffentlichen Sammlungen nur vereinzelt zu finden sind Strafjtnlumulle la Btf»lau. In der Gneifenauftrah« in Breslau wurde ein fünfjährige- Mädchen, das ohne Aussicht auf der CMraftc spielte, von einer Straßenbahn übersahren und getötet. An der Unfall- pelle sammelte sich eint größere Menge an. die ein« drohende Haltung gegen die Poll »et einnahm, al- diese bic Leute zum Weitergehen aufs orderte. Da- herbeigerufene Ucberfan» kvmmandv wurde m i t Steinwürfen empfangen und mußte sich -urückziehen. Da die Menge immer werter nachdrüngtc, gab einer der Beamten einige Schreckschüsse ab. Nachdem weitere Polizeioerstärkung tinge troffen war, konnte die Straß« geräumt werden. Sin Teil der Menge, die zumeist au- Erwerbslosen bestand, sammelte sich auf dem Gneisenauplatz zu einem Demon- ftration-zug, der sich in Stärke von etwa 300 Personen nach dem Innern der Stadt in Bewegung setzt«. In der Nähe de- Ringes wurde der Zug von der Polizei a u s g e l b st. Aus der Provinzialhauptstadt. ' Gießen, den 21. August 1930. Wahlkampf-Beginn bet Deutschen Volkspartei in Gießen. Die Deutsche Volk-Partei in Gießen trat am Dienstagabend mit einer gut besuchten Dersamm- lung im .Hindenburg in den Wahlkamps ein. Der als zweiter volk-parteilicher ReichStagS- ßindidat in Hessen vorgechlagene LandtagSabge- -rdnele Bürgermeister Dr. Riepoth, Schlitz, erklärte, der 14. September werde ein Schidsals- tag de- deutschen Volke- sein, an dem e- sich piqen müsse, ob ba« deutsche Volk sich selbst regieren könne oder nicht, ob da- Interesse de» einzelnen den Vorrang vor den Erfordernissen der Gesamtheit habe. Der Redner wie» zunächst aus die vollständige Räumung de» Rheinland«» hin, die ein großer geschichtlicher Erfolg de» Führer» der Deutschen Volk-Partei sei. Er betonte sodann u. a. weiter, daß die Deutsche Volk-Partei den Wahlkamps offensiv führen und dabei klar sagen müsse, welche Reformen sie vom neuen Reich-iag erwarte. An die Spitze der drängenden Probleme stellt« der Redner die Frage der Reich-resor m, da e- nicht mehr länger angeh«, daß im Reich« und in Preußen und auch In anderen Ländern nach ganz verschiedenartigen Grundsätzen regiert werde. Die Reichs- resorm müsse mit allem Nachdruck in Angriff oenommen werden. Hand in Hand damit fCf unbedingt eine Wahl reform durchzuführen, bei der an dem Proportinalwahlrecht wohl festge- halten, aber die großen Wahlkreise verkleinert werden müßten. In der Wahlreform müsse die Selbstbesinnung des Volke- wieder zum Ausdrud kommen. Die Deutsche Volk-Partei habe bereit- früher beantragt, du» wahlfähige Alter wieder auf 25 Iahre herauszusehen. Ebenso dringlich sei «tne Parlamentsreform, durch die da» Verantwortungsgefühl der Parlamentarier gegenüber dem Staat-ganzen geschärft und eine klare Scheidung zwischen dem Parlament und der Exekutivgewalt der Regierung erreicht werde. Mit größter Beschleunigung müsse auch an der Wiederbelebung der Wirtschaft und in engster Verbindung damit an der durchgreifenden Lösung de» Problem» der Arbeitslosigkeit gearbeitet werden. Allerdings sei «» nicht möglich, dies« beiden Ausgaben ohne bie Lösung des Preisproblems mit dem Ziel« der Senkungder Preise durchzufüh- ven. Don großer Bedeutung sei ferner da» Zin»- und Kapitalproblem: e» müsse dafür gesorgt werden, daß der gegenwärtige Zin»satz nicht nur vorübergehend fei, sondern für die Dauer Geltung habe. Dabei müsse der Ka- pitalzin»fuß dem GeldzinSsuß angeglichen werden. Reben der Wirtschastsresorm sei eine Re - form dersoxialenGesetzgebung dringlich» tvobei oberstes Ziel die Stärkung des Selbst- verantwortlichkeit-bewußtsein» sein müsse. Auf dem Gebiete der Steuerreform fei mit der Ueberspannung der direkten Steuern Schluß zu machen und durch geeignete Maßnahmen dahin zu streben, daß jeder einzelne Bürger virmittelbar interessiert werde an der Bemessung der steuerlichen Last. Au» diesen Erwägungen Herausei die Dolk-partei auch für die ‘Buroerfteuer eingetreten. Rur die Parteien der Mure könnten die Träger dieser Reformen sein. Deshalb müsse im Wahlkampf alle» getan werden, um die Mittelharteren stark aenug zur Durchsetzung dieser Aufgaben zu machen. Hinsichtlich der Verhandlungen zwischen der Deutschen Dolk-partei und der Staat-Partei bedauerte der Redner da- Scheitern der b.-hengen Bemühungen, er gab aber der Hoffnung Au-drud, daß nach den Wahlen die bisher erstrebte und wünschenswerte Sammlung der liberalen Mitte durchgeführt werden könne. Zum Schluff« forderte er die Versammlung aus, durch Stimmabgabe für die Deutsche Dolk-- parter zur Verwirklichung de- oben skizzierten Reformprogramm- beizutragen. Im Anschluß an den Dortrag fand eine reg« Au-sprache statt, bei der sowohl die ideellen Z «le der Deutschen Volkspartei, wie auch di« Fragen der Wirtschaft und der liberalen Sammlung mit ernster Gründlichkeit besprochen wurden. Taten für Freitag, 22. August. Sonnenausgang: 4.55 Uhr, Sonnenuntergang: 19.09 Uhr: Wondausgang 1.44 Uhr, Monduntergang : 1<26 Uhr. 1789: der Maler Ioh. Heinrich Tischbein der Aeltere in Kassel gestorben. — 1850: der Dichter Rikolau- Lenau in Oberdöbling gestorben. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: •Butter 160 bi» 180 Pfennig, Matte 30 bis 35. Käse (10 Stückt 60 bis 140, Wirsing 10 bis 12. Weißkraut 6 bi» 8. Rotkraut 10 bis 15, gelbe Rüben 10 bi» 12, rote Rüben 10 bi» 12, Spinat 20 bi- 25. Römischkohl 8 bi- 10, Bohnen (grüne) 15 bi» 20, (gelbe) 20 bi» 25, Unterkvhlrab» 6 bi» 8. Erbsen 20 bi- 25, Tomaten 20 bi» 25. Zwiebeln 10 bi» 15. Kürbis 10 bi» 12, Pilze 30 bi» 35. Kartoffeln 5,5 (pro Zentner 5 Mk). Frühapfel 15 bis 20, Falläpfel 5 bl» 6. Dirnen 20 bi» 30. Dörrobst 30 bi» 35. Pflaumen 10 bi» 15. Zwetschen 20 bi» 25. Mirabellen 25 bi« 30, Reineclauden 15 bi» 20, Pfirsiche 50 bi« 70, Brombeeren 40 bi« 45. Preihelbeeren 40, Honig 40 bi« 50, Russe 60 bis 70, junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bi» 120 pro Pfund: Tauben 70 bi« 80. Eier 12 bi« 13, Blumenkohl 30 bi« 70. Salat 10 bi« 15. Salatgurken 10 bis 25. Sinmachgurken 2 bi« 4. Endivien 10 bi« 20. Oberkohlrabi 6 bi« 8. Lauch 5 bi« 10. Rettich 10 bi« 15. Sellerie 10 bi« 20 pro Stück: Ra- die«chen 10 bl« 15 Pfennig pro Bund. Pornotizen. — Tage«kalender für Donnerstag. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oesfentliche Versammlung. 20.30 Uhr, in der Turnhalle am O-waldsgarten. — D. f. B.: Generalversammlung. 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Scapa Flow" und »Der König der Sensationen". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die am nächsten Sonntagnachmittag auf der Waldbühne ftattfinbenbe Erstausführung von Shakespeares „Liebes Leib unb Lust" beginnt um 15.30 Uhr. Bei schlechtem Wetter sinbet bie Vorstellung zur gleichen Zeit im Stadt- theater statt. Wenn auf ber Waldbuhne gespielt wirb, wirb am Stabttheater eine Flagge gehißt werben. Die musikalische Begleitung wirb vom Kapellmeister Fritz Cujs nach altenglischen Motiven von Purccll, Brabe unb Simpson aus bem 16. unb 17. Jahr- hunbert ausgeführt. Spielleitung Intendant Dr. Prasch. Die Waldbühne ist bequem mit der roten Linie der Straßenbahn zu erreichen. — Dortrag im Verein ehern. 168er. Man schreibt unö: Auf den Dortrag im Verein ehern. 168er am 22. August 20.30 Uhr im «Casö Leib über die Schlacht bei Reu-Chateau sei nochmal« besonders hingewiesen. (Siehe heutige Anzeige.) Oberstleutnant De iß war Führer der 4. Komp. Inf.-Regts. 168, und ist Verfasser des bekannten Duches „Die Hessen im Weltkrieg". Die zur Vorführung kommenden Lichtbilder sind zum größten Teil eigene Aufnahmen. — Gewerbeverein Gießen. Nächsten Mittwochabend Hauptversammlung im Saale Kirchstraße 16. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. e • • Bie 2(uffid)tsratstantiemen. Der Präsident des Landessinanzomtes fordert im heutigen Anzeigenteil zur Abgabe einer Erklärung über die Aufsichtsratstantiemen zweck» steuerlicher Veranlagung auf. Die Anmeldungen trugen in der Zeit vom 25. August bi» 5. September erfolgen. Nähere» ist au» der Bekanntmachung erfidKlid) " 8 6. Geburtstag eine» Gießener Mitbürger« Der KavaUerre-Derein teilt un» heute mit: Am Montag. 18. August, konnte Herr Hermann Knobel, Leutnant a. D. Ehrcnmit- gheb de« Verein», leinen 86. Geburtstag begehen. Unter den zahlreichen Glückwünschen befand sich auch ein Glüdwunichschrciben de« R» benten v. Hindenburg. Herrn. Knobel, der noch sehr rüsng ist, mar Feld zugsteü nehme» von 1864. 1866 und 1870 71. Er ist einer der wenigen heute noch Ccbenbcn, die bei der Kaiserproklamation in Berfatlle« zugegen waren. • • Ardeitsfubiläum Der Vorarbeiter Wilhelm Eckhardt au» Dielcck feierte heute bei der Firma Wilhelm Zimmer, G. m. b. H., Metallgießerei unb Kupferschmiede, sein 25 Arbectsjudiläum Der Jubilar wurde an seinem geschmückten Arbeitsplätze von der Firma unb bem D-rtreter der Arbeiterschaft beglückwünscht, und es wurden ihm verschieden« Iubiläumsgcschenk« überreicht. ee Der Lehrernachwuchs in Hessen. Die Zahl der Lehrerstudenten in Hessen beträgt im Sommersemester 1930 insgesamt 385, darunter 92 weibliche Studierende. Das Pädagogische Institut in Darmstadt zahlt 199, da» in Mainz 186 Besucher. Don den Studierenden sind 314 Hessen, 71 Richthessen. Rach dem Bekenntnis sind es 229 evangelische, 150 katholische, 4 freireligiöse und 2 israelitische Studierende Ihre Dorbil- bung erhielten auf dem Gymnasium 21, der Obcrrealschule 195, der Aufbauschule 62, auf Studienanstalten 57 Besucher. • • Eine längere Verkehrs st örung ent- stand gestern nachmittag an der Ecke Frankfurter Stroße-Liebigstraße durch einen umgestürzten, hoch- beladenen Erntewagen. Der Wogen war auf das Gleis der Straßenbahn und zur Hälfte auch auf den Bürgersteig gefallen. Die Straßenbahn mußte für etwa eine halbe Stunde Pendelverkehr durchführen. Personen wurden zum Glück nicht verletzt. •* G i n Zusammenstoß eines Automobil« mit einem Motorradfahrer ereignete sich gestern gegen 12 Uhr an der unübersichtlichen Kreuzung der Löberstraße mit der BiSmardstraße. Ein Personenwagen, der von der Ludwigstraße herkam. rannte mit dem Motorradler zusammen. Der Lenker de« Motorrades wurde heruntergeschleudert, daS Rad kam völlig unter das Automobil zu liegen. Außer einem zerrissenen Anzug, einem völlig demolierten Motorrad und eingedrüdten Kotflügeln passierte zumGlüd nicht-. Preußen. Das erste Mehlschiff auf der kanalisierten Lahn. WSR. Limburg, 19. Aug. Die Ankunft des fchön gefchmüdtcn Frachtschiffes „Lahn- fahrt" mit 1200 Zentner Mehl für die Bäder- genossenschast war ein Ereignis, das etwa 1500 Menschen an die Ufer der Lahn gelocht hatte. Das Schiff hatte den Weg von Worin» bis Limburg in rund' 15 Stunden zurüdaelegt. Den ganzen Montag über sahen zahlreiche Schaulustige der Löschung deS Dampfers zu. Nachmittags erschien Landeshauptmann Dr. Lutsch an der Schleuse, um die Verladung in Augenschein zu nehmen. In seiner Begleitung befanden sich Landesrat Schlüter und Direktor B a n s a. Als der letzte Sad Mehl verladen war. gestattete der Schisfseigentümcr eine Besichtigung des Schisses. Bald nachher fuhr das Schiss lahnabwärts, um auf der unteren Lahn die Verfrachtung von Kalksteinen ufto. wieder aufzu- nchmen. Eine Bande von Kottidieben verhaftet. WSN. Frankfurt a. M.. 20. Aug. Dor einigen Tagen wurden durch di« Kriminalpolizei vier Kollidiebe fest genommen. Weitere Komplizen waren flüchtig gegangen, al« sie von der Festnahme ihrer Genossen erfuhren. Nunmehr gelang es, noch fünf weitere Beteiligte teils hier, teils auswärts festzunehmen und einen Teil der DiebeSbeute zu beschlagnahmen. Unter den beschlagnahmten Sachen befinden sich lederne Damenhandtaschen, Herren-Halbschuhe mit Stoffeinsah und eine elektrische Tischlampe. Kreis Wetzlar. (? Krofdorf, 19. Aug. Aus der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf-Gleiberg ift u. a. zu berichten: Für bie Erweiterung der Wasferlei- t u n g ift die Ausnahme einer Anleihe erforderlich. Deshalb soll zunächst mit den hiefiaen DarlehnSkasten verhandelt werden. Von den Haushall-kursen de« Kreise« für den kommenden Winter ist einer unterer Gemeinde über* wiesen. Die Gemeindevertretung stimmt dem zu. — Wegen der Erweiterung de» Sportplatzes wurde mit verschiedenen Grundstücksbesitzern eine Einigung über den Anlaut ihve» Gelände» bi» jetzt nicht erzielt SS soll nun ein letzter Versuch gemacht und. fad« auch dieser er- gebni-lo» verläuft, das Enteignung-verfahren betrieben werden. — Die ‘Burgmauer i n Gleiberg an dem vom sog. Schnepfenbrunnen herführenden historischen Eingang bedarf dringend der Reparatur. Nachdem der Kreis und der Rheinische Verein für Denkmalpflege unb Heimatschutz Beihilfen gewährt haben, beschloß bie Vertretung, bic Arbeiten au-tühren zu lasten. Bnestasten der Redaktion. (Rkchtsgutachtkn sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. M. 55. Ein Aufwertvng-anspruch besteht nicht mehr. Die Wetterlage Wi A o Ist r --■■454 iS? 4t / / £ -4V ©vonttnJoto eentt <>nare ecoccn » worxig • Dtatctx • ’frgtn * 5mD Opel- W. Sieben Frankfurter Str. 52. Tel. 2847. Opel 4 20 Baujahr 1929, in gutem Zustande, zu verkaufen. 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Wie stellt sich die heutige Generation zum Kapitel Eifersucht? diferfüllt Im Jahre 1930? Lächerlich, Werden viele meinen, wir sind doch so vernünftig, fo sachlich, so innerlich frei geworden! Eifersucht ist altmodisch 1 Wer, aber: da« moderne Programm scheint nicht recht zu stimmen Täglich kommen Meldungen von Eifersuchtstragödien, in den Terminen der Shcscheidungskammcrn spukt die Eifersucht ganz unzweideutig, und wir selbst, wenn wir ganz ehrlich sind, aber — das sind wir ja höchst selten. Lesen wir also, waS einige zuständige und prominente Persönlichleiten beiderlei Geschlechts auf unsere Rundfrage, ob die Eifersucht noch zeitgemäß sei, antworteten. Clara Viebig: ..Ob Eifersucht noch modern ist? Die gute alte Eifersucht, sie hat schon so viele Moden überlebt, sie wird auch die heutige überstehen. Lassen Sie sich von mir sagen: Eifersucht ist immer: modern, wird es immer sein und ist es immer gewesen. Ich bin überzeugt, daß schon Sva eifersüchtig war, vorausgesetzt, daß sie Wam wirklich liebte. Sic wußte nur nicht recht aus wen. Richt eifersüchtig sein war nie Mode. Mode ist nur ab und zu, die Eifersucht zu — leugnen Wer wie ich viel In der Ratur lebt und die Tiere beobachtet, der weiß, daß die Eifersucht keineswegs der Krone der Schöpfung, dem Menschen, allein Vorbehalten ist. Auch die Tiere find eifersüchtig, nein, ich meine nicht nur den Autterneid, richtige erotische Eifersucht gibt es bei ihnen. Beobachten Hie nur, wenn sich ein Spatzen- ober Meisengalan einer verehelichten Spatzen- oder Meiscnmadame zu nähern sucht. Ich habe mehr als einmal gesehen, wie der wütende ..Ehemann" den Störenfried seines Eheglücks getötet hat. WeSyalb ich diese kleinen Beispiele anführe? Weil sie zeigen, daß das Eiferluchtsgefühl auS der Ratur kommt, und deshalb kein ..modernes" und kein ..altmodisches", sondern ein ewiges Gefühl ist Gewiß, die grauen sind beute selbständig und haben ihren Beruf: da» finde ich schön und richtig Wer an den Grundbe- ziehungen der Geschlechter ändert daS wenig: Arbeit schützt nicht vor Eifersucht, Zeit und Anlaß dazu findet sich auch im beschästigsten Leben. Was ich von den modernen kameradschaftlichen Ehen der jungen Leute halte, di« jeden Gedanken an Eifersucht mit Entrüstung zurückweisen? Ich kann nur sagen, das müssen laue Ehen sein, in denen sich die Menschen schon von allem Anfang an gleichgültig sind: es gibt keine große Liebe ohne Eifersucht: denn der wirklich Liebende will den geliebten Menschen ja ganz besitzen. Der Derstand macht wohl Konzessionen und räumt auch der ilmtoelt kleine Rechte auf die geliebte Person ein. Wenn es aber ernste Recht« au werden drohen, dann zeigt sich, daß die modernen kühlen Ehen weit weniger kühl und modern sind, als man es — theoretisch vereinbart hat. Dann bricht nämlich durch alle Erziehung, die heute glücklicherweise die kleinliche, nichtig« und unbegründete Eifersucht ziemlich zum Der- schwinden gebracht hat. der natürliche Trieb des Desihwillens durch Richt mehr modern? Schon die Tragödien, durch die wir „Modernen" täglich in den Zeitungsberichten erschreckt werden, beweisen uns die Ewigkeit der Eifersucht mehr als uns lieb ist." Oer Vorsitzende einer Berliner Ehescheidungskammer: „Sie fragen zu einem günstigen Zeitpunkt: Augenblicklich schweben bei uns drei Eheschei- dungsprozesse, in denen die Eifersucht eine maßgebende Rolle spielt. In einem dieser Falle ist die Frau berufstätig. Wir können aus unserer Erfahrung sagen, daß die Berufstätigkeit d e r F r a u oft die Eifersucht des Mannes verstärkt. Sie zu Hause au wissen, ist für ihn meist ein beruhigendes Gefühl. Im Beruf dagegen trifft sie mit anderen ihm unbekannten Männern zusammen und befindet sich in einer fremden für den Mann unkontrollierbaren Sphäre. D i e «Ä u I ob u sk a l a st r o ph e bei «pinblerm ihle im Riesengebirge, oei dec acht Personen den Lod fanden: Der mit Ketten aus der Elbe gezogene Autobus am Flußufer Ein überfluteter Damm im Elbüberfchwemmungsgebiet bei Stade. Andererseits steht die berufstätige Frau heute viel sicherer und unterrichteter in der Öffentlichkeit und vor Gericht, — eine angenehm« Folge ihrer Selbständigkeit. In allen drei Fallen handelt eS sich um ältere Ehen, wie sich Eifersucht vor Gericht überhaupt meistens bei älteren Paaren zeigt. Begründet ist das wohl in der strengeren Lebensauffassung der alleren Generation, ferner in dem größeren Altersunterschied, der früher bei der Heirat zwischen Mann und Frau üblich war, und noch ein sehr wichtiger Grund: die Beschäftigungslosigkeit des Mannes nach der Pensionierung. Merkwürdigerweise gerät der pensionierte Mann selbst weniger auf Abwege, nicht er gibt den Anlaß zur Eifersucht, sondern nach langjähriger glücklicher Ehe fängt er oft plötzlich an, seine Frau mit grundloser Eifersucht zu quälen, wodurch langsam, aber sicher die beste Ehe zerstört wird. Der hauptsächliche Zerstörer der heutigen Ehe ist die wirtschaftlich schwierige Lage, die erst mittelbar durch Wohnungselend, Aufnahme von Untermietern und Schlafburschen usw. manchmal auch die Eifersucht veranlaßt. Die Rot ist ein weit gefährlicherer Feind der glücklichen Ehe als die Eifersucht." $räukincand.med.!$beaC.z 22 Zahrc und glückliche Braut: „Eifersucht ist modern und unmodern zugleich, das kommt ganz daraus an. Wenn ein Mensch wegen Richtigkeiten eifersüchtig ist, dem anderen seine Freundschaft mißgönnt, dann ist er nur zu bedauern, dann quält er sich und den anderen. Es würde mir ja auch nie einfallen, meinem Verlobten Vorschriften zu machen, die darfst du nicht anschauen und warum warst du gestern mit der solange zusammen und mit der wieder sollst du nicht zweimal am Abend tanzen. Solche Eifersüchteleien sind heute unmöglich: das ist ja auch gar keine Eifersucht, sondern ganz gemeine Herrschsucht. Und für Tyrannei, ob durch den Mann oder durch die Frau, hat unsere Generation nichts übrig. Wenn ich aber bemerken müßte, daß mein Verlobter ostentativ eine andere 5rau mir vorzieht, sich in ihrer Gesellschaft wvhler fühlt als bei mir und mich ihretwegen vernachlässigt, so bin ich eifersüchtig und mit aanzem Herzen. Wenn jemand in einem solchen Fall behauptet, das mache ihm nichts aus, dann kennt er sich selbst nicht oder er ist nicht normal. Solche Käuztz gibt es nämlich, die den Partner erst schätzen, wenn er von anderen Menschen begehrt wird, unb noch glücklich darüber sind! Im modernen Leben kann man seinen Parin«» nicht in Watte packen und vor der Welt verstecken. Lieber noch zuviel Vertrauen, auch wem, es einmal getäuscht wird, als ein ewiges Beaufsichtigen und Beargwöhnen. Tinen 23ert trauensbruch kann man unter Umständen ver* zeihen, wenn man wirklich liebt, dauernde Eiser- süchteleien aber, — das hält auch die größte Liebe nicht aus." , Frau Dr. iM.Durand'Wever, Leiterin einerverlrauenöslelle fürBerlobte und Eheleute: „Die Eifersucht zerstört gewiß auch heute noch viele Ehen. Trotzdem kommen wir in der Eheberatung eigentlich relativ selten mit ihr in Berührung. Der Grund ist leider ein durchaus negativer: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die den Befallenen in einen Zustand versetzt, in dem er selten klar genug sieht, um sich rechtzeitig für seinen Fall bei uns Rat zu holen. Sowell wir Fällen von Eifersucht begegnen, handelt es sich meist um alte, oft bis zu 20 Jahren und noch länger dauernde Ehen. Es ist eine in der Psychologie sehr bekannte Erscheinung, daß der Mann zwischen 40 und 50 Iahren, dec seiner Frau bis zu dieser Zell immer treu war, plötzlich einen neuen Geltungstrieb spürt und seiner dann meist schon verblühten Frau berechtigten Anlaß zur Eifersucht gibt. Allerdings löst das bei der Frau Wohl meist weniger öifer- sncht als ein gewisses — DeeinträchtigungSgesähl aus. Das Schicksal der Ehe hängt in solchen Fällen nur von der Frau ab. Läßt sie sich rert nünftig raten, das Ganze als das anzu>hen, was es ist, nämlich als eine Episode, so kehrt der Mann fast immer nach kurzer Zeit für dauernd zu ihr zurück. Rimmt sie aber den aussichtslosen Kampf auf, fo zerbricht meisten» die Ehe endgültig durch ihre Eifersucht. Eifersucht ist eine sehr primitive Leidenschaft, die, wie jede Leidenschaft, von einer Charakter- anlagc abhängig ist. Richt jeder ist eifersüchtig. Sehr oft handelt es sich um sogenannte Minderwertigkeitsgefühle, mancher quält sich grundlos, weilf er sich dem geliebten Partner unterlegen Shakespeares Lustspiele auf der Freilichtbühne. Zur Grftüuffübrung von „Liebes Leid und Lust". Die Ratur als Bühnenatmofphärc hat wohl kaum mehr Berechtigung als bei den Shake- stxareschen Lustspielen Sind sie doch von den „Die beiden Dervneser" bis zum „Sommemachts- traum" und „Was ihr wollt" aus dem Gegensatz von Ratur und Lebensgewohnheiten entstanden Am deutlichsten ausgeprägt zeigt sich diese Popularität in „Liebes Leid und Lust" Gegen das verschnörkelte und preziose Leben bietet die Ratur eine gesunde und echte Folie und hebt den Witz, der durch das Unnatürliche bedingt wird. Die typisch rustikale Komik (Vertreter Schädel. Dumm) bekommt draußen im Freien etwas SrdhafteS, Selbstverständliches eben Ratürliches. Die Liebeständclei. wenn Männlein und Weiblein auf einander losgclassen werden, kann keinen schmuckeren Boden haben, keinen, der mehr in den siebenten Himmel hebt, als den einfachen Rasenteppich. Auf ihm liebäugelt, komplimentiert. flirtet, buhlt, spielt und springt es sich doppelt gefedert. Dor allem, das was Shakespeare bei seinen Liebespaaren will, das Harmlose, das Kindliche, das Sonnige, das trotz Hoftracht, trotz Livree, trotz Seide und Brokat energisch pulst, lebt Hd) unter dem freien Himmel am herzlichsten aus. ®a wird das Kostüm mit feinen Farben Äatur- harmon.e 3c stofflicher, je greller, ,e kolorierter oicf« Äoftunnctung. desto mehr lähk sie sich von der Durchsicht gk.lt der Lu>t tele.cn. Alles Mas.ie t:. 2 u ^"M"^aschanz. alles Larven- und Fratzen- haste bekommt -Lricbhaftigkell und wirkt, von der Illusionsbuhne emanzipiert (wo ja alles Ver- kletdung ist', besonders komisch. Die Rüpclfzenen lnd primitiv wie die Bo^sprünge und das Haken- schlagen der Waldticre in Fabeln und Gedichten. Menschen in der Fabel der Ratur Bewegungen wird gesteigert^ das ^r dieneren und Raunen der Worte braucht weniger verstanden als erfühlt zu werden Lind das ist bei .Liebes Leid und Lust" befon- iwttoenbig. Da kommt es weniger auf Wort und Sinn als auf Pfiff und Laune an. Es sind in otefem Lustspiel, das zwar von fast allen Literarhistorikern angegriffen wird, nicht seelische oder gedankliche Tiefen aufzuspüren, sondern es wollen sich Spielereien austoben: sinnlich, herzlich und aphilosophisch Aehnlich wie im „Hamlet", dem problematischsten aller Shakcspcarestücke. sich Shakespeare selber in die Figur des Hamlet einspinnt, so lebt sich der junge Shakespeare, der Stürmer und Dränger bei Hof, in seinem Luftikus Biron gegen alle Art und Form seiner Zeit aus Die Ucbcrspannthcit des Hofes um sich, gesundes Gefühl in sich, tollt er an der platonischen Akademie von Ravarra umher. Wo könnte diese gesunde Herzensart sich unbeschwerter. jünger und ausgelassener austoben als unter freiem Himmel? Sei es in den Rachmittagsstunden unter strahlender Sonne, sei es im Abendschatten des unter- gehenden Himmelsgcstims. sei es unter dem neutralen Bleigrau eines an gelichteten Horizonts, oder sei es gar unter den Tauperlen eines regen- übersprühlen Waldes, alle Raturstimmungen passen zu Shalespeares Stücken, weil sie nicht di« Ratur als szenisches Hilfsmittel brauchen, sondern in der Ratur leben Wenn bei ganz ungünstiger Witterung die Aufführung (Spielleitung Intendant Dr. Rolf P r a s ch) auf der Bühn« stattfinden sollte, so wird auf dem Theater genau so agiert wie auf bem Frcilichtspielfeld Der riesige Rundhorizont wird Hintergrund fein. Dor ihm sollen sich nur die einzelnen Figuren wie in freier Luft - abheben Auf den Stufen eines Podestes ohne Kulissen und Attrappen wird gespielt Der Wechsel des Schauplatzes ist nicht im geringsten angedeutet, sondern bleibt wie bei der Freilichtbühne ber Phantasie bes Zuschauers überlassen. Ob es ber „Park vor bem Schloss« von Ravarra" ist ober .ein andrer Teil des Parkes" oder .vor den Zelten der Prinzessin", „im Iagdgebiet" usw., ift ganz gleich. Aus die Ratur. die das Wirkliche in den Figuren bloß stellt, kommt es an. Sie zün- bet den Wiy, sic weckt die romantische Ironie, sie lacht mit den Tölpeln. Sie macht es endlich möglich, daß das ausgelassene Luststück vom Emst des Lebens überrascht wird, daß eine Todes- mclbung dem Treiben, nicht aber dem Stück, ein Ende macht. Denn Leben und Sterben sind die Grundelemente aller Ratur. unter ihrem Druck geftaltct sich die Flucht der Erscheinungen: Die Komödie. Dr. Karl Ritter, Dramaturg. Oer Montserrat. Don Erika Kramer von Oüsterlohe. Als ein großer, harter Steinblock steigt er jäh aus einer welligen Ebene empor: der Montserrat. Er heißt der zersägte Berg, denn in diese Felsen riß der Laus der Zeit und der Erde Kluft unb Tiefe unb kantige Steile. Der Mensch, der sich ihm nähert, der ihn erwandern will auf ber breiten Straße, bie zu ihm steigt, geht ben Weg ber Wandlung. Denn dieses Gestein greift tief in das Innerste ein. Es ist Kosmos, ber ein Mysterium birgt. Unter ihm liegt Sonne. Oben, hoch oben kreisen Wolken und Rebel. Sie hüllen in Grau den großen Giganten. Sie geben fein zackiges Ende nicht frei. Der Mensch steigt höher. Mit aufeinandergeschichteten Keilen erhebt sich die Felswand. Auf dem festen Gestein blicken Gesichter, Figuren. Formen. Immer neu brechen sie auf Immer deutlicher werfen sie sich aus dem Felsen hervor und reden ihre Sprache. Das ist der Weg Parsi- fals zum Gral. Hoher, immer höher geht ber Weg. Wolken unb Rebel weichen zurück. Run steht ber Mensch oben. Unten breitet sich das Lanb wie ein Meer. Die Hinteren Hügel finb bie großen Wellen, die kleiner werdend an bie feste Montferratküste schlagen. Die Sonne liegt wie weißer Gischt auf ben Dogen. Dieses Meer brandet und brandet. Es ist Urgesang der Erbe, der um ben Felsen schlägt, den Hort des Gral, ber weißen, weißen Taube. In Rebeln steht bie Klosterkirche. Sie ist ein- schifsig weit mit Seitenkapellen unb öffnet sich hinter hohen Gittern. Leises, langsam getragenes Orgelspiel steigt, Weihrauch zieht blau um das 2ichl der Kerzen. Aus hohem Altar erhebt sich da» Standbild ber Schwarzen Mutter Gottes. Sie ist aus Holz, das im Laus« der Zeiten sich schwärzte. Don bem hl Lukas soll sie geschnitzt worden sein. Auf dem Montserrat hat man sie später gefunden. Aus verborgenen Treppen zu beiden Seiten des Altars geht man hinauf, um ihr. der besonderen Schutzheiligen der Ehe. den Saum zu küssen. Sie ist herb unb ftvlz unter schwerer, byzantinischer Krone. Auf ihrem Schoß sitzt das Kind, und ihr« schmalen Hände halten die reine Linie. In diese Burg des Allerheiligsten, die hoch über dem Leben auf steinigem Felsen steht, umwogt von ben Rebeln unb umbrandet vom Hügelmeer ber Tiefe, bringt nichts als daS leise Orgelspiel. Die Sonne sinkt. Rot glüht der rote Stein, und dann jäh, wie in magischem Wandel, tiefblau. Scharfe Schatten schlägt ber Abend. Die einzelnen Felsteile, die sich absondern, sind wie steinerne Finger Gottes, bie zum Himmel weisen. Der Mensch steht unten und sieht zurück. Steil steigt der Berg wieder auf, streng, in sich verschlossen und hart. Er steht in der Landschaft al» Mysterium, um das die Rebel des Geschehen» ziehn. Hochschulnachnchten. Amtlich wirb die Ernennung des a. o. Professor Dr Eugen Lerch von der Llniversität München zum ordentlichen Professor der romanischen Philologie in M ü n st e r als Rachfolger des verstorbenen Prof. Leo Wiele bestätigt. — Prof. Dr. Wilhelm Brünings in Iena hat den an chn vor längerer Zeit ergangenen Rus aus den Lehrstuhl für Ohren-, Rasen- und Halskra. k- heiten an ber Universität München als Rach- solger von B. Heine angenommen unb bereit» Dom L Oktober b. I. ab die Ernennung zum etatsmähigen Ordinarius in München erbat» ten- — Rektor und Senat der Technischen Hoch» 'chule Darmstadt haben aus einstimmigen Antrag ber Abteilung für Maschinenbau Dr. August Dyckerhoff in Amöneburg bei Biebrich n Anerkennung seiner hervorragenden technisch» wissenschaftlichen Leistungen aus dem Gebiete der Zementerzeugung, insbesondere ber Herstellung bc» hochwertigen Zements Dyckerhoff-Doppeü und der damit verbundenen Forderung ber In» buftrie des Hefsenlandes die Würde eines D o k» kor - Ingenieurs ehrenhalber Der» liehen. — Anläßlich des zehnjährigen Iubiläums der Salzburger Festspiele hat die Philosophisch« tfahdtäl der Frankfurter Universität Professor Dr. Max Reinhardt zum Doktor der Philosophie ehrenhalber ernannt. Zur Derl-ihung weilten der Dekan der Philosophischen Fakultät unb der Rektor der Universität in Sc lzburg. Neue Giadtratsbeschlüsse über die Deckung -es Haushalts für 1930. Keine Erhöhung -er Steuer vom Gewerbeertrag. Einführung der Bürgersteuer. Ergebnisloser Kampf um die Biersteuer. Neue Mittel für Wohnhausbauten und Notstandsarbeiten. — Zeppelin-Befuch in Gießen vorbereitet. Der S t a d t r a t beschäftigte sich gestern erneut mit der Beratung über die Deckung des Fehlbetrages im Gießener Haushalt für 1 9 3 0. Wiederholten schwierigen Sitzungen des Finanzausschusses folgte gestern eine mehrstündige Steuerdebatte, die schließlich zu einem Ergebnis führte, von dem man wohl annehmen darf, daß es nunmehr endgültig den Voranschlag unter Dach und Fach bringen hilft, lieber die Beratung wird noch mancherlei zu sagen sein. Den Schluß des Berichtes über die gestrigen weiteren Verhandlungen bringen wir morgen. Sitzungsbericht. * Gießen, 20. August 1930. Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, die Beigeordneten Dr. Hamm und Kommerzienrat Kling spar, 32 Stadtralsmitglieder. Der Zuhörerraum ist nur schwach besetzt. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Anträge des Finanzausschusses zur Deckung des Voranschlags für das Rechnungsjahr 1 9 30. Oberbürgermeister Or. Keller leitet die Beratungen mit folgender Rede ein: Die vom Stadtrat bei Beratung des Voranschlags am 20. Mai 1930 beschlossene Erhöhung der gesetzlichen Miete, die mit einer Erhöhung der Gebäudesteuer verbunden war, ist von dem Herrn Minister für Arbeit und Wirtschaft nicht genehmigt worden. Aus diesem Grunde hat der Stadtrat erneut über den Ausgleich des Voranschlags für das Rj. 1930 zu beschließen. Die D e ck u n g s v o r s ch l ä g e, die ich zu diesem Zwecke dem Finanzausschuß unterbreitet habe, sind von diesem in der Hauptsache a b g e l e h n t worden, wie ja Finanzausschuß und Stadtrat in den letzten Jahren besonders hinsichtlich der Aus- gleichung des Voranschlags sich immer weiter von derjenigen Finanzpolitik entfernt haben, die ich für richtig halte. Ich habe dem Finanzausschuß vorgeschlagen, außer einer weiteren mäßigen Heranziehung der Betriebsüberschüsse der städtischen Werke die Realsteuern in sehr geringem Ausmaße zu erhöhen, nämlich die Steuer vom Gewerbeertrag von 220 auf 240, die Steuer vom Gewerbekäpital von 55 auf 60 und die Gebäude st euer von 25 auf 30 Rpf. Die vom Stndtrat in den letzten Zähren beliebte Riedrighaltung der Realsteuersätze — und AtMr beträchtlich unter dem Durchschnitt aller anderen hessischen Städte, selbst der kleinsten —, halte ich für ungerechtfertigt und schädlich für die städti- schen Finanzen. Wenn z. B. in den kleinen ober- hessischen Rachbarstädten Friedberg und Bad-Nau- heim Gewerbesteuersätze von 344 und 300 in Geltung sind, so bedeutet ein Gewerbesteuersatz von 240 Rpf. für Gießen gewiß keine unbillige Belastung. Der Finanzausschuß hat die Steuer vom Gewerbeertrag jedoch nur auf 230 Rpf. erhöht, eine Erhöhung der Steuer vom Gewerbekapitol abgelehnt und die Gebäudesteuer nur um 2 Pf., nämlich auf 27 Pf. erhöht Auch in der Frage, wie von den durch die Reichs- Verordnung vom 26. Juli 1930 eröffneten neuen Steuern Gebrauch zu machen sei, ist der Finanzausschuß von meiner Auffassung abgewichen. Ich habe dem Finanzausschuß vorgeschlagen, für das laufende Rechnungsjahr zunächst die Biersteuer zu erheben und für das Rechnungsjahr 1931 im Falle der Rot Wirble ins Leben! Vornan von Anna Kink. Lirheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister. Verdau. S -21. 26 Fortjetzung Nachdruck verboten Schwester Irene schien sich der Einsamkeit des Herrn Much liebevoll angenommen zu haben. Reginald konnte es beinahe körperlich' fühlen, wie diese Frau den Mann dort mit jeder Bewegung, mit jeder Biegung ihres Körpers an sich zu ziehen verstand. Sie war von einer geradezu schamlos betonten gelegenen Eleganz und benahm sich genau so, wie Much es brauchte. Much selbst sah immer noch etwas leidend aus, vielleicht machte das auch, daß sein Gesicht etwas Gedunsenes hatte, was früher nicht vorhanden war. „Sie ist eine vollkommene Schauspielerin — das muß man ihr lassen", stellte Reginald fest u,rd gmg langsam weiter. Er hatte genug gesehen. Em leichtes Ekelgefühl stieg in ihm auf. Seine Freude, die er vorhin an dem Gefühl, ein Reisen- *•**1 Ju icln. gehabt hatte, war weggewischt. Er hastete in die Stadt, nahm ein Taxi und fuhr zum Konsulat. Zwei Stunden darauf war er wieder auf dem Bahnhof und stieg in den Zug nach Tnest. . 3“/171 kann der Vergangenheit nicht entrinnen, dachte er niedergeschlagen. Er hatte sich gehütet, dw ganze Zelt an die verflossenen Monate zu denken, nicht an Much, nicht an Irene, vor allem mcht an Barbara. Er hatte nur aus dem Augen- blick heraus fein Leben gestalten wollen. Jetzt |QVr™tn’ auch das nicht möglich war. Die Vergangenheit lag in ihm. Man konnte sie wohl verarbeiten, aber streichen ließ sie sich nicht. 9Q5 c8 clnc Katastrophe, wenn er, Reginald Contius, nut Frauen in nähere Berührung kam. , "Aar er fo feige so schwach, so dumm? Dabet hatte er scheinbar die Bestimmung, immer wieder mit ihnen zusammenzutreffen. Sr dmHte an Barbara, und ihm war zumute, als hätte er sich vor einer Aufgabe die ihm von irgendeiner Seite gestellt worden war, schmählich gedrückt. Ihm wurde es beim Rattern der Räder mit fast schmerzhafter Deutlichkeit klar, daß er Barbara suchen müsse. Bislang hatte er diese Aufgabe — das war nicht länger zu umgehen — innerlich auf Much abgeschoben. Das war ein lächerlicher Rückzieher. Muchs Aufgabe konnte das ja gar nicht sein. Lind wenn er zehnmal ihr angetrauter Mann war. die Bürgersteuer zu erschließen. Die Biersteue r stellt gewissermaßen eine freiwillige Belastung dar, Die jeder umgehen kann: diese Steuer erfordert zudem für die Verwaltung keinerlei Mehrarbeit. Die Bürgersteuer dagegen ist trotz ihrer Staffelung eine unsoziale Kopfsteuer, die von der Finanz- Wissenschaft längst zum alten Eisen geworfen ist und für die praktische Finanzpolitik nur als alleräußerster Notbehelf in Betracht koüimen kann; ihre Veranlagung, Erhebung und Beitreibung wird erhebliche Mehrarbeit verursachen. Der Finanzausschuß hat jedoch die Einführung der Sier ft euer ab- gelehnt und die Erhebung der Bürger st euer schon jetzt beschlossen, obwohl die notwendigen Ausführungsbestimmungen des Hessischen Staates noch nicht erlassen sind. Die Anträge, die der Finanzausschuß zur Ausgleichung des Voranschlags stellt, find aus der Tages- ordnung ersichtlich. Es ist die Aufgabe des Stadtrats, hierüber endgültig zu beschließen. Gtadtratsmitgl. Mann (Soz.) erinnert daran, daß seine Fraktion mit der im Mai von der Stadtratsmehrheit beschlossenen Deckung des Voranschlags nicht einverstanden gewesen sei und deshalb den Voranschlag abgelehnt habe. Die sozialdemokratische Fraktion betrachte die Bewilligung der hessischen Durch- schnittssähe der Realsteuern auch für die Gießener Verhältnisse als tragbar. Im Finanzausschuß habe sie sich gegen die Diersteuer ausgesprochen, weil diese auf der Rotverordnung des Reichspräsidenten beruhe und man heute noch gar nicht wisse, ob der neue Reichstag diese Rotverordnung bestehen lassen werde. Hinsichtlich der Bürgersteuer habe er den Worten des Oberbürgermeisters nichts hinzuzufügen. Mit den Durchschnittssätzen der hessischen Realsteuern könne der Voranschlag ausgeglichen werden. Seine Fraktion sei bereit, der vorgeschlagenen Erhöhung der Steuer vom Gewerbcertrag und der Grundsteuer von bebauten Grundstücken und Bauplätzen zuzustimmen. Inzwischen sei aber von Kreisen .außerhalb des Stadtrats ein Schritt unternommen worden, durch den die von Der- antwortungsbewußtsein beseelten Stadtratsmitglieder, die für diese Steuererhöhung stimmen, den Stempel der Richtswürdigkeit ausgedrückt erhalten sollen. Diese Art und Weise des Vorgehens müsse zu einer Schädigung des Wirtschaftslebens führen. Der Redner wendet sich schließlich noch gegen eine Erhöhung der Werktarife, weil diese nur zu einem Konsumrückgang führen werde, und spricht sich für ungesäumte ausreichende Deckung des Voranschlags aus, damit die Stadt nicht mehr von teuren Krediten zu leben braucht, sondern nun endlich Steuern erheben Fann. Wenn die Verwaltung im Finanzausschuß vorgeschlagen habe, die Steuer vom Gewerbeertrag von 220 auf 240 Pf. zu erhöhen, so sei keine Veranlassung zu Angriffen von außen her gegeben. Gtadtratsmitgl. Horn (ArbeitSgem. der Mitte) bedauert zunächst, daß die Deckungs-Beschlüsse des Stadtrats vom Mai von der Regierung nicht sofort zurückgereicht worden seien, sondern Darmstadt sich mehrere Monate Zeit dazu lieh. An der Erklärung des Ortsgewerbevereins gegen die Erhöhung der Grundsteuer und der Gewerbesteuer könne die Arbeitsgemeinschaft der Mitte nicht vorübergehen. Der Redner zieht hieraus einen kurzen Vergleich zwischen den Vorschlägen Es gibt innere Gesetze und Kausalitäten, die man nicht auf die Dauer übergehen darf. Reginald Contius wußte das von seinem Berufe her. Erfindungen machen, war ja letzten Endes auch nichts weiter, als bestimmte Naturgesetze erkennen und mit ihnen in einer Weise arbeiten, auf die sonst noch niemand gekommen war. Er merkte, daß die Erinnerung an Barbara anfing, wieder aufzuleuchten. Das gab innere Ruhe und Bestimmtheit. Ob das Liebe zu ihr war, daran dachte Contius überhaupt nicht. Es war im Augenblick erst mal seine Aufgabe, und daran wollte er sich halten, bis sie gelöst war. Was dann kam, wußte er nicht. Vielleicht würde er die ganze Welt durchwandern, oder auch in ein Kloster gehen, das konnte man doch nicht Vorhersagen. Seit langer, langer Zeit fühlte Reginald sich konzentriert und bei sich selbst. Lind es kam ihm vor, als sei Italien das richtige Land für sein neues Ziel. Barbara stand aus dem riesigen Platz vor der Peterskirche in Rom. Sie war zum Umfallen müde. Sie war von Frascati zu Fuß bis nach Rom gegangen, denn die paar Mark in deutschem Geld nützten ihr nichts dort draußen. Lind um keinen Preis hätte sie sich in Frascati noch länger aufhalten mögen. Der Conte hätte vielleicht doch ihr Verschwinden noch in der Rächt bemerken und auf ihre Spur kommen können. Es war schon sehr spät in der Rächt, und sie wollte in einem kleinen Hotel unterkommen. Das Geld würde vielleicht gerade zum Lieber- nachten reichen. Sie wanderte ziellos durch einige Straßen. Oesters flog chr ein aufforderndes oder auch ein freches Wort zu. Einmal verfolgten sie zwei Kavaliere, die eine angenehme Bekanntschaft machen zu können glaubten. Wie ein gehetztes Reh rannte sie ihnen davon und bog so geschickt in eine Querstraße ein, daß die beiden ihre Spur verloren. Aus der anderen Seite der Straße brannte ein kümmerliches Licht und beleuchtete ein Schild auf dem das Wort „Albergo" gerade noch zu erkennen war. Alles andere war in der Dunkelheit unleserlich. Barbara eilte hinein. Rur eine Unterkunft für diese eine Rächt finden, so war ihr Gedanke. Sie war doch immer noch reichlich mitgenommen und konnte große körperliche Strapazen nicht ertragen. der Verwaltung und den Beschlüssen des Finanzausschusses, und erkennt dabei an, daß von der Verwaltung alles geschehen ist, um den erforderlichen Deckungsbetrag zusammenzubringen. Seine Fraktion habe sich nur schwer zu den Vorschlägen des Finanzausschusses durchringen können, denn überall in der Bürgerschaft höre man, daß die Grundsteuer und die Gewerbesteuer nicht mehr erhöht werden könnten. Auch von einer führenden sozialdemokratischen Seite sei anerkannt worden, daß es zu begrüßen sei, wenn hier noch die bisherigen Steuersätze gehalten werden könnten, damit die Wirtschaft nicht noch schwerer erschüttert werde. Die Fraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte hätte es lieber gesehen, wenn die Diersteuer an Stelle der Dürgersteuer in den Vordergrund gestellt worden wäre. Seine Fraktion habe die beiden anderen Stadtratsfraktionen gefragt, wie sie sich zur Einführung der Diersteuer stellen würden, sie habe damit aber hei beiden Fraktionen keine Gegenliebe gefunden; seine Fraktion habe sich sehr ernstlich mit der Einführung der Diep- fteuer beschäftigt, aber- angesichts der Stellungnahme der beiden anderen Fraktionen darauf verzichten müssen. Wenn nun der Ortsgewerbeverein in der Anzeige im „Gieß. Anz." vom Dienstag erkläre, daß eine weitere Erhöhung der Steuersätze nicht zu ertragen sei, so könne er das verstehen. Aber der Schlußsatz der Erklärung des Ortsgewerbevereins sei verletzend für alle die Stadtratsmitglieder, die mit ernster Sorge an den Steuerfragen mitgearbeitet hätten. Seine Fraktion sei dabei mit größter Sorgfalt vorgegangen und habe sich schweren Herzens nur mit dem Rotwendigsten einverstanden erklärt, deshalb müsse er auch die Vorwürfe zurückweisen. Durch die Erklärung des Ortsgewerbevereins sei nun eine neue Situation entstanden. Seine Fraktion lehne die Erhöhung der Steuer vom Gewerbeertrag und der Grundsteuer ab, bis ihr gesagt werde, woher nun die Deckung für die hierbei in Detracht kommenden Deträge von 8700 Mk. und 22 000 Mk. kommen solle. Er erwarte hierauf die Antwort von den beiden anderen Fraktionen. Die Arbeitsgemeinschaft der Mitte widersetze sich so lange der Annahme der beiden Steuern, bis nicht erneut über die Diersteuer beraten sei, zu der sich die Arbeitsgemeinschaft bekenne; die Gewerbesteuer- Erhöhung lehne sie ab, hinsichtlich der Grundsteuer wolle sie noch abwarten. Gtadtratsmitglied Nicolaus (Wirtschaftliche Vereinigung) erklärt, seine Fraktion habe den Qlnträgen der Stadtverwaltung nicht zustimmen können, weil damit wiederum der alte Weg der Delaftung nur einer Bürgerschicht gezeigt worden sei. Wenn seine Fraktion im Mai trotzdem den Voranschlag mit verabschiedete, bann habe sie bewiesen, daß sie zu positiver Arbeit bereit fei. Seine Fraktion sei der Meinung, daß alle diejenigen, die die Wohltaten eines geordneten Gemeinwesens genießen, auch zu dessen Lasten beitragen müssen; dieser Standpunkt sei nur gerecht. Der Redner polemisiert sodann gegen die Entscheidung des Ministers für Arbeit und Wirtschaft, der die im Mai gefaßten Beschlüsse des Stadttates nicht gutgeheißen habe, die Gebäude- steuererhöhung mit einseitiger Auswirkung auf den Hau^-sitz beibehalten, aber die .Umlegung dieser £_-dL |.uf die Mieter vermeiden möchte. Die Entscheidung des Ministers findxt der Redner nicht ausreichend begründet, es gehe aus ihr eine vollständige Verkennung der wirtschaftlichen Verhältnisse des entrechteten Hausbesihes hervor. Bei der Entscheidung des Ministers für Arbeit und Wirtschaft seien nicht wirtschaftspolitische Gesichtspunkte maßgebend gewesen, sondern zweifellos nur parteipolitische Rücksichten. Der Hausbesitz habe von 1926 bis 1929 eine Mehrbelastung von rund 325 000 Mark allein auf sich nehmen müssen, und heute sei er so weit, daß er auch die geringste Steuererhöhung nicht mehr tragen könne. Aus diesen Erwägungen heraus habe seine Fraktion die Erhöhung der Grundsteuer abgelehnt. Zur Frage der Gewerbesteuer-Erhöhung erklärt der Redner, daß schon im vorigen Jahre berechtigte Gründe gegen eine solche Erhöhung vor- ae legen hätten, die in diesem Jahre noch viel stärker geworden seien. Die gegenwärtige große Arbeitslosigkeit sei doch nur der Austzxuck eines tatsächlich bestehenden Aufttags- und "Arbeits- mangels, unter dem auch der ganz kleine Handwerker außerordentlich schwer leide. Es gebe jetzt Handwerkerexistenzen, die nur knapp über 1500 Mark Jahreseinkommen verfügen. Angesichts dieser Sachlage könne man dem Hand- toerF und Gewerbe eine weitere ©teucrbelaftung nicht mehr zumuten. Seine Fraktion lehne es ab, an einer solchen Steuererhöhung sich zu beteiligen. Die wirtschaftlichen Gesetze der Privatuntemehmungen, nämlich die Bemessung der Ausgaben nach den Einnahmen, müßten auch für die Kommune, das Land und das Reich nun endlich Geltung erlangen. Auch in unserer kommunalen Verwaltung müsse ernstlich darüber nachgedacht werden, wie man zu einem Abbau der Lasten komme. Die Möglichkeit dazu bestehe durchaus, wenn der gute Wille vorhanden sei. Er (Redner) wünsche, daß die Fraktionen nicht erst von sich aus noch im Laufe diese- Jahres Vorschläge zum Ausgabenabbau einreichen mühten. Er hoffe vielmehr, daß die Stadtverwaltung sich der Rotwendigkeit der Ausgabensenkung bewußt sei und nun auch den Wilken aufbringe, hieraus die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. Der Redner betont sodann, daß seine Fraktion sich nur einverstanden erklären könne mit den vorgeschlagenen Mehreinnahmen aus den städtischen Betrieben und mit der Einführung der Bürgersteuer. Für die Stellungnahme seiner Fraktion sei die Erklärung des Ortsgewerbevereins nicht maßgebend gewesen, da seine politischen Freunde sich schon vor dieser Erklärung auf den gegenwärtigen Standpunkt geeinigt hätten in der Lieberzeugung, daß nur auf diesem Wege den heutigen Zeitverhältnissen Rechnung getragen werden könne. Oie weitere Aussprache. Oberbürgermeister Dr. Keller empfiehlt dem Hause^ von einem großen Redekampf abzusehen. Die Gewerbesteuererhöhung um 10 Pfennig sei ja doch nur. gering und mache jährlich bei 3000 Mark nur 3 Mk., bei 6000 Mk. nur 6 Mk., bei 10 000 Mk. nur 10 Mk. Ein großer Teil des Gießener Gewerbestandes fei sicherlich gern bc reit, diese verschwindend geringe Steuererhöhunq auf sich zu nehmen in der Erkenntnis, daß doch die Stadt leben müsse und sie diese Einnahmen brauche, die ja auch zum großen. Teile dem heimischen Gewerbe wieder zugute kämen. Stadtratsmitglied Mann (Soz.) betont, daß die Gesamtheit der Bürgerschaft, also nicht nur die Hausbesitzer und Gewerbetreibenden, an den steuerlichen Lasten der Stadt beteiligt seien, denn die Lieberweisunyen aus Reichssteuern an die Stadt und die Einnahmen durch die Werktarife Ein listig aussehender italienischer Wirt kam ihr im Flur entgegen und musterte sie frech von oben bis unten. Ob sie ein Zimmer für die Rächt bekommen könne, fragte Barbara von oben herab. Daraufhin wurde er etwas höflicher. „Gewiß, gewiß", versicherte er händereibend. Er führte Oie Dame in den ersten Stock uni) öffnete die Tür zu einem mäßig großen Zimmer. Cs war mit schäbiger Eleganz ausgestattet. Lleberall hingen schmutzige Portieren und Vorhänge, das Bett war nicht frisch bezogen und sah unordentlich aus. Der ganze Raum war von einer so üblen Hintertreppenatmosphäre erfüllt, daß Barbara ganz schlecht wurde. Trotzdem fragte sie tapfer nach dem Zimmerpreis. Es sollte zehn Lire kosten, was reichlich teuer war für diese Albergo. „Ich habe nur deutsches Geld", sagte Barbara, „aber Sie können es einwechseln gehen." Sie zeigte ihm ein paar Markstücke. Der Padrone besah sie mißtrauisch und erklärte dann: Er bedauere, aber er müsse italienisches Geld haben. Barbara sah ihn flehend an. Ihr erschien das hier immer noch besser, als in den Straßen Roms herumzuirren. „Bitte, geben Sie mir das Zimmer. Ich wechsle morgen das Geld. Ich will Sie doch nicht betrügen.“ Sie sprach schon ein ganz leidliches Italienisch, genug, um sich verständlich machen zu können. „Sie können umsonst hier wohnen bleiben, Signora", flüsterte er ihr verttaulich zu, „wenn Sie Ihre Zimmertür nicht zuschließen." Barbara sah ihn verständnislos an. „Ich weih nicht, wie Sie das meinen." Run wurde er deutlicher. Er hatte ihr die Treppe versperrt und drängte seinen plumpen Körper an den ihren. Barbara stieß ihn so heftig vor die Brust, daß er, um nicht die Treppe herabzustürzen, sie freigab und sich am Treppengeländer festhielt. Diesen Augenblick benutzte Barbara. Sie huschte die Treppe hinunter und stürzte auf die Straße. In wilder Hast rannte sie weiter. Lieber im Freien bleiben, als so etwas Fürchterliches noch einmal durchmachen. Die war wieder in belebtere Straßen gekommen. 3m Süden ist das Rachtleben viel intensiver als in Deutschland. Wäre Barbara nicht so verwirrt gewesen, so hätte sie Freude an dem temperamentvollen, durchgluteten Rachtleben gehabt. Plötzlich kam ihr ein erlösender Gedanke. Die brauchte doch nur in einem der großen ®af<& nach einer Pension zu fragen, wie sie es in jeder großen Stadt gab. Sie entsann sich dunkel, daß sie einmal .mit Much zusammen in der Schweiz gereift war und sie für ein paar Rächte in einer sehr guten ßu- zemer Pension untergekommen waren. Sie trat vor das Caf6, vor dem sie sich gerade befand, und fragte den aufmerksam tzerbei- eilenöen Kellner nach einer guten, bescheidenen Pension. Der Kellner holte den Inhaber des CafsS, einen elegant gekleideten Herrn, herbei. „Ditte, nehmen Sie Pkch", fagte er höflich und bestellte sofort für sie einen schwarzen Expreß-Kaffee. Darbara wollte abwehren. Er machte nur eine liebenswürdige, abwehrend« Handbewegung. „Sie sind allein, gnädige Frau?" fragte et und sah sie prüfend an. Rein, wie eine elegante Dirne sah die Frau nicht aus. Er hatte Erfahrung in diesen Dingen. Barbara fühlte es instinkttv und war dankbar dafür. Ihre Sicherheit kam wieder. „Ich bin mit dem Zug allein angekommen und will morgen nach Neapel weiterfahren, um dort meine Schwester zu treffen", phantasierte sie los. „Ich habe den Äamen der Pension, die sie mir gesagt hatte, vergessen." Der Kaffee kam und Barbara sagte entschuldigend: „Ich habe leider nur deutsches Geld bei mir.“ »Aber gnädige Frau", sagte der Desiher, der ihr gegenüber Platz genommen hatte, „das macht doch nichts. Diese kleine Erfrischung" — der Kellner hatte auf seinen Wink ein Stück Kuchen gebracht — „müssen Sie mir schon gestatten. Ihnen anzubieten. Ich freue mich, Ihnen behilflich fein zu dürfen. Wenn Sie sich etwas gestärkt haben, gebe ich Ihnen einen meiner jungen Leute mit, denn eine so schöne Frau wie Sie ist nachts immer Belästigungen ausgesetzt." Barbara lächelte befreit. „Ich bin Ihnen sehr, sehr dankbar." Er sah befriedigt zu, wie sie aß und trank. Als sie fertig war, rief er einen feiner jungen Leute heran. »Du gehst jetzt mit der Signora und bringst sie nach der kleinen Pension, die der Schweizer Dame gehört. Lind gib gut acht auf die Dame, daß ihr nichts passiert. Sie ist fremd hier." Lind zu Barbara gewandt, sagte er: „Es ist eine kleine Schweizer Pension, sehr sauber und preiswert. Sie könnten nirgendwo besser aufgehoben fein. Fernando ist zuverlässig." Er verbeugte sich höflich vor Barbara, di« chm warm dankte. „Buona notte", sagte er lächelnd in dem weichen toskanischen Tonfall und winkte mit der Hand. (Fortsetzung folgt.) seien der TLutbmd der Neuerlichen Mitträger- schaft aller DevölkerungSkreif«. Stadtratsmitglied L -i.i a o« r (Arbeitsgem. d Mitte) hebt hervor, daß die Forderung nach örlpamilfcn in der Verwaltung nicht erst jetzt, sondern schon vor Jahren dem Oberbürgermeister auS dem Stadtrat vorgetragen worden sei und daraufhin auch die Zusage eriolgte, daß keinerlei Vorlage eingebracht werde, die nicht unbedingt notwendig sei. Der Redner gibt im übrigen der Auffassung Ausdruck, dah man angesichts der finanriell«n Rotlage der Stadt der vorgeschlagenen ®runt>ftcu-Rechte . . 9% Hell. volMtaai otm 1989 (rtdiab». 108%)...... Cbetbellen $n>eln| • Inlette mit Auslol-Rechten...... Leufiche Komm. GammelefcL Anleihe Gerte 1...... 9% fttann. PyP.-Bank Soldpfe XIII nntunbtat btt 1994 . . 7% Rranfl Oep-Ban! »olbpfe unkündbar btt 19M .... *¥i\> «betniiebe Hyp.-BatU etflu. »olbpff........ 9% $t. £anbHpf Ärnie ..... «% llngartlche «vldrente .... 4% llngartlche Staat« reute d. 1910 «H% beifll. von 1913..... 4% Nngarfiche fctrnenrente . . 4% lütfiidie Zollanlette von 1911 4% lürfficbe Bagdabbabn-Bnl Serie I.......... 4% be*gl. Serie II....... 6% Kumhtfdx verein b. Rente von 19OS ......... 4H% RumLnfiche vereinb- Rente von 1918 .......... 1% ÄHeuhriltbe hereinb. Rente .iranffnrt a. Ul. Berlin Schluß- turt 1-Uhr» flure Schluß- furt flur# #. 21. 2a b. 21. b. 87,75 — 81,1 101,5 — 102,1 — 60,65 60.4 <0.25 60.25 7,9 7.95 7,85 8 93 - 93,5 - 59 — — — 58,5 — 58,4 — 101 — — — 96 — — — 86,9 - - — 101,25 — 101,25 — 98 - 98 - 97 — 97 — 91,75 — - — 26,5 — 26,2 _ — — 3.1 — 2,13 — 2,1 _ 24,5 24,5 4.2 24,5 19,5 — 19,6 2,15 — 20,6 M3 2,1 5.13 — 5.05 5,13 — 5,4 5,05 5,13 —* 5,15 5,05 9,65 - 4,55 — 16 15,9 15,9 15,9 < .4 — 7.4 7,4 Iranfturi a. Ul Berlin Arankfuri a. Ul Berlin ediiui- rurt 1-Ubr- Äur# «Schlußkur« «nfang. Nors Schluß« für# i'Uhr« Nur« Lchtoi- für« Hnfcmg» flur# Votum 20. 21. B. 20. o. 21. a. Volum 20. ", 21 - 20. 6. 21. b. Oambutfl-emenla telei ... OambutQ-Sübant. Tampftotfl . 8 öenfa tempMditff.....10 «orbdeuficher Lloyd.....8 Äügeinetne Teuf te örebttanft. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berlin et OenbettflefeUfdiaft . 12 Lammet», unb Privat-Vank . 11 tannlUbler unb 9?ati»nnlbanl 12 teurttte Bank unb Ttteontv^elelltchaN, ... 10 Dresdner Bank ...... 10 iReidttbffld........U fl.ee ............e Bergmann.........9 Llekrr. Liefe«n»4ge1eMchott. 10 Lichl unb Ätafl......10 Seiten L Guilleaume . . . 7K »eftUldxtfl für «tettrsche Untetnebtnungen .... 1( Hamburger EIrtirtz,lütt-Werte 10 «bernsche NetrrtzULl .... 9 Sd>iertf* »ettnitttt. . . . io 51 i.9 U -3 12,435 '3,47 täntldie Noten ....... Englische Noten ........ iltanjultldie Noten ....... HoUünbfiche Noten . ...... Iialtenfiche Noten........ 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Gemeinderai in Grünberg. 4- Grünberg, 19. Aug. Aus der jüngsten Sitzung des G e m e i n d e r a t s ist u. a. zu berichten: Für die Beschaffung von Wassermessern haben die Firmen Rosenkranz & Dreyer, Lux, Siemens & Halske Modelle nebst Angeboten ein- gereicht. Die Preise sind, da die Firmen kartelliert sind, die gleichen. Die Wasserkommission soll unter Zuziehung eines Sachverständigen vom Kulturbauamt über das zu wählende Modell entscheiden. Hierauf beschäftigte man sich mit der Ver^ gebung öer Kanalisationsarbeiten in der Gießener Straße. Dafür lagen fünf Angebote vor: Hofackcr & Bocher, Beltershain, 4896,98 Mk.: Keil, Hattenrod, 5508,15 Mk.; Kühn, Grünberg, 5576,05 Mk.; Bock, Grünberg, 5980,10 Mark; Bernhardt, Höingen, 7768,25 Mk. Verspätet, daher ungültig, war noch ein Angebot von Jäger, Queckborn, eingegangen, das 6036,10 Mark forderte. Rach längerer Aussprache entschied sich der Gemeinderat mit allen gegen eine Stimme für die llebertragung der Arbeiten an die Firma K. Bock, Grünberg. . Dem Unternehmer wird dabei zur Bedingung gemacht, hiesige ausgesteuerte Erwerbslose zu beschäftigen. Die Pächterin der st ä d t i s ch e n Schaf- weiden, Frau Gruber, Witwe, die für zwei Herden seither 2800 Mk. jährliche Pacht zahlte, ist bereit, die Pacht für das nächste Jahr zu) übernehmen, bittet aber mit Rücksicht auf dis gegenwärtige schlechte Lage des Wollmarktes um Herabsetzung der Pachtsumme. Rach längerer Aussprache wird ein Antrag, es bei dem seitherigen Pachtpreis von 2800 Mk. zu belassen, mit sieben gegen sechs Stimmen abgelehnt und beschlossen, die Pacht auf 2600 Mk. festzusetzen. Der Beigeordnete teilte mit, daß er vom 24. August bis 6. September einen vierzehntägigen Urlaub antreten wird. Während dieser Zeit übernimmt die Führung der Bürgermeistereigeschäfte das älteste Gemeinderatsmitglied, Schlossermeister Heinrich S chmid t II. Stiegergruppe am Polytechnikum Sriebberg. WSR. Friedberg, 20. Aug. In den letzten Wochen hielt die Fliegergruppe am Polytechnikum Friedberg auf dem Flug- ?elände der Herchenhainer Höhe einen S ch u - ungskursus für Segelflieger ab. Das von der Fliegergruppe nach dem „Prüfling"-Typ erbaute Schulflugzeug „Zögling" und das Segelflugzeug „Friedberg" standen für Uebungsflüge zur Verfügung. Trotz des ungünstigen Wetters kamen etwa 50 Uebungsflüge mit erfreulichen Leistungen zustande. Die Schulmaschine „Zögling" kam am letzten Schulungstage leider fast ganz zu Bruch. Der Pilot wurde nicht verletzt. Auf der Wasserkuppe in der Rhön wird eine Gruppe von vier Mann die Maschine „Friedberg" zu neuen Flugversuchen einsetzen. Landkreis Gießen. s. Utphe, 20. Aug. Am Sonntag wurde das diesjährige Jugendfest in Verbindung mit einer Rheinbefreiungsfeier gefeiert. Ein farbenfroher Festzug der Schuljugend, des Krieger-, Gesang-, Turn- und Fußballvereins mit ihren Fahnen bewegte sich durch das Dorf unter Dorantritt der Musik des Turnvereins und der Streich- und Mandolinenkapelle des Gießener Jugendvereins „Wanderlust". Auf dem Festplah wechselten Lieder, Deklamationen und Theaterspiel der Schüler, sowie Chöre des Gesangvereins „Lorelei", die reichen Beifall ernteten, mitein- ander ab. Der Leitgedanke aller Darbietungen war: „Vom freien Rhein zum freien Vaterland!" Ihm verlieh Lehrer Arnold in seiner Ansprache Ausdruck. In bunter Folge reihten sich daran Spiele der Jugend, dann lief der Fußballverein eine Schwedenstaffel uni) der Turnverein bot schöne turnerische Leistungen an Barren und Pferd. Dazwischen trug die unermüdliche Spielerschar der „Wanderlust" flott gespielte Musikstücke vor. Mehrere Flötenduette der Schüler fanden gleichfalls Anklang. Eine Ortssammlung, sowie ein vom Gemeinderat bewilligter Zuschuß ermöglichten es, daß alle Schuler eine Brezel, sowie kleinere Geschenke und Preise erhalten konnten. Kreis Friedberg. Friedberg, 20.Aug. (WSN.) Zum heutigen Schweinemarkt waren 315 Jungtiere auf- getrieben. Es wurden bezahlt für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 35 bis 40 Mark, für 8 bis 12 Wochen alte 40 bis 55 Mark. Der Markt wurde geräumt. Kreis Büdingen. A Ridda, 19. Aug. Heute wurde hier einer der ältesten Bewohner unserer Stadt, Heinrich Kraft, zur letzten Ruhe bestattet. Er war Altveteran der Feldzüge 1866 und 1870/71 und hat ein Alter von beinahe 85 Jahren erreicht. Der Kriegerverein erwies ihm die letzte Ehre und gab die drei Ehrensalven über dem Grab ab. Run leben hier nur noch drei Veteranen, die die Feldzüge 1866 und 1870/71 mitgemacht haben. Sie sind alle über 85 Jahre alt. # Hirzenhain, 20. Aug. Die Gemeinde Hirzenhain hatte kurz nach dem Kriege ihrer gefallenen Helden gedacht, indem sie die Ramen derselben in einer Säule unserer alten Kirche eingraben lieh. Run soll auch außerhalb der Kirche ein sichtbares Zeichen für den Weltkrieg errichtet werden. Hinter dem Chor der Kirche soll ein mit Anlagen geschmückter Platz mit Sitzen entstehen. In der Mitte ragt eine Säule, auf dieser kniet eine Jünglingsgestalt mit dem Blick gen Himmel. Diese Figur soll das junge Deutschland verkörpern, denn, wenn wir zur Zeit auch schwer zu kämpfen haben, das junge Deutschland kommt auch wieder hoch. Auf der Säule soll stehen: „Die dankbare Gemeinde Hirzenhain ihren Helden von 1914 bis 1918.“ Damit sollen auch die geehrt werden, die den Krieg mitgemacht haben und durch Gottes Fügung glücklich wieder in die Heimat zurückgekehrt sind. Der Entwurf stammt von Regierungs-Baurat Frey, Büdingen, und fand allgemeine Anerkennung. Kreis Schotten. Y Burkhards, 19. Aug. Schon wieder tritt jetzt ein Lehrerwechsel an unserer einklassigen Volksschule ein. Lehrer Schnitz- spahn, der seit Ostern hier wirkte, wurde nach Worms verseht. An die hiesige Stelle wurde Lehrer Heinrich Schäfer berufen, der von Worms kommt. Die Schüler des letzten Jahrganges haben seit Beginn ihrer Schulzeit etwa den zehnten Lehrer, was für ihre Kenntnisse und Fertigkeiten nicht von Vorteil gewesen sein dürfte. Kreis Alsfeld. lß Atzenhain, 20. Aug. Am Samstag und Sonntag fand am Krahberg (zwischen Atzenhain und Rieder-Ohmen) ein Treffen von „H a s - sia"- Jugendgruppen statt, an dem die Gruppen Atzenhain, Schotten, Lollar, Weiters- hain, Reinhardshain, ßumba, Heimertshausen und Stangenrod mit mehr als 130 Jungmannen teilnahmen. In mustergültiger Weise hatte die Gruppe Atzenhain unter ihrem Führer, Förster S ch e i g, die Veranstaltung vorbereitet. Besonderes Interesse brachte bic Bevölkerung der umliegenden Orte dem Lagerfeuer entgegen, zu dem am Samstagabend etwa 600 Zuschauer gekommen waren, um dem frohen Treiben der Jugend bei Gesang, Musik und Ansprachen beizuwohnen. Festnahme eines Schwindler-Ehepaares. „Lungenbluten" aus Schweineblut. WSR. D a r m st a d t, 20. Aug. Dieser Tage erstattete ein Autobesiher bei der Polizei Anzeige, daß sich ein angeblicher Oberingenieur Peter Mertes aus Trier mit Frau und Kind durch seinen Chauffeur nach Langen, Frankfurt a. M., Wormfelden und Dudenhofen habe sahren lassen, und daß Mertes beim Verlangen des Fahrpreises zwei Wechsel ausgestellt habe. Mertes war bei der Polizei nicht unbekannt. Er wurde in Langen, wo er vorübergehend wohnte, ermittelt und mit seiner Familie nach Darmstadt übergeführt, wo die F e st - nähme des Ehemannes erfolgte. Es stellte sich heraus, daß die Eheleute Mertes in einer Anzahl Geschäfte in Darmstadt Trauringe, Kleidungsstücke, Wäsche, Schuhwaren, Koffer usw. gegen Rechnung gekauft und baldige Bezahlung in Aussicht gestellt hatten. Mertes gab sich auch als ehemaliger Offizier aus. Er will im Krieg einen Lungenschutz erhalten haben und Rente beziehen. Im Knopfloch trug er Bänder der höchsten Kriegsorden, an der älhrkette einen Bierzipsel und ferner ein Couleurband einer Darmstädter Studentenverbindung. Das Geld hierfür hatte er seiner Schwiegermutter abgenommen. Er besuchte vornehmlich Bekannte, die er in Krankenhäusern kennengelernt hatte und legte sich dann als Schwerkranker in deren Behausung nieder. Dort wurde er angeblich von Lungenbluten befallen. Aus Mitleid wurde er bewirtet und gepflegt. Die Frau des Mertes hatte ihren Mann stets mit Schweineblut versorgt, damit er den behandelnden Arzt jederzeit von seinem „Lungenbluten" überzeugen konnte. Ein Teil der erschwindelten Waren wurde bei Althändlern verkauft oder in Pfandhäusern verseht. Eine Verwandte der Ehefrau Mertes, eine Hausangestellte, wurde um ihre gesamten Ersparnisse geprellt. Auf die gleiche Weise wie in Darmstadt begingen die E^leute Mertes auch in Trier und älmgegend Waren» und Mietbetrügereien. Oer Salzschlirfer Zuwelenraub vor der Aufklärung? Bad Salzschlirf, 20. Aug. (WSN.) Wie kürzlich gemeldet, wurden in einem hiesigen Hotel von einem Mann, der sich dem Hotelpersonal gegenüber als Elektrotechniker ausgab und angeblich Reparaturen an der elektrischen Leitung vornehmen wollte, Schmucksachen im Werte von 15000 Mark gestohlen. Jetzt ist hier ein Mann fest genommen worden, in dessen Besitz sich eine Platinkette befand, über deren Herkunft er sich nicht ausweisen konnte. Möglicherweise stammt die Kette aus dem Diebstahl her. Die Polizei stellt zur Zeit Nachforschungen nach dieser Richtung an. Zwei AMächenschulen in Frankfurt. WSR. Ankfurt a. M., 20. Aug. Frankfurt hatse/.LLi neue Schulen erhalten, die nachp ^itonmen der beiden Reichspräsidenten »Aenburg und Friedrich Ebert benannt sind. Beide Schulen stellen den modernen Typ der Freiflächenschulen dar. Die Hin- denburgschule ist für die beiden Siedlungen Praunheim und Westhausen bestimmt. Sie liegt an einem kleinen Wäldchen und besteht zunächst erst aus drei Pavillons, die später auf fünf erhöht werden sollen. Auch die Friedrich-Ebert- Schule am Bornheimer Hang liegt in landschaftlich hervorragender Gegend. Die Klassenräume beider Schulen sind nach den Freiflächen hin ganz verglast und gestatten bei schönem Wetter den Unterricht halb im Freien. Die Schulen enthalten außerdem neben Turnhalle und Festsaal Bad, Experimentierräume, Kinderspeisung, Gymnastikterrasse usw. Schwerer Auiounfall bei Fulda. WSR. Fulda, 20. Aug. Gestern vormittag verunglückte auf der Landstraße zwischen Fulda und Lehnerz ein Kasseler Privatauto, das mit vier Personen beseht war. Der Wagen war auf der asphaltierten Straße ins Schleudern geraten und mit voller Wucht gegen einen Baum geflogen. Von den Insassen wurde der 26jährige Schaffner Adolf Schulz^nus Kassel so schwer verletzt, daß er am Abend im Landeskrankenhaus Fulda verstarb. Der Führer des Kraftwagens, der 31jährigr Chauffeur Adam Kühleborn aus Kassel ist so schwer verletzt worden, daß sein Zustand zu den ernstesten Bedenken Anlaß gibt. Die Ehefrauen der beiden Männer kamen mit unerheblichen Verletzungen davon. Vezirksschöffengericht Gießen. * Gießen, 20. Aug. Sin wegen Eigentumsvergehens mehrfach vorbestrafter kaufmännischer Angestellter hat erhebliche Geldbeträge, die er für seine Firma in Groh-Felda einkafsiert hatte, unterschlagen; ferner hat er mit dem Ramen seines Chefs fünf Postschecks unterzeichnet, die Gelder abgehoben und für sich verbraucht. Er war in der Hauptsache geständig. Die Strafe wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrugs lautete auf zehn Monate Gefängnis. Wegen Unterschlagung von anvertrauten Geldern wurde ein Eisenbahnbeamter in Dad-Rau- heim zu sechs Monatvn Gefängnis verurteilt. Er hat namhafte Beträge, die er ml Friedberg zur Auszahlung an Darlehnsnehmer des Eisenbahn-Spar- und Dorschuhvereins in Frankfurt a. M. erhalten hatte, nicht an die Kasse abgeführt, sondern für sich verbraucht. Auch et war geständig. Eine Frau von Gießen hat, um Schulden, dis sie gemacht hatte, bezahlen zu können, Wechsel auf den Ramen ihres Mannes gefälscht. Ihre Behauptung, sie habe sich dazu berechtigt geglaubt, war unglaubwürdig. Da es sich nicht um hohe- Beträge handelte und die Angeklagte unbestraft war, wurde auf eine Gesamtgefängnis- strafe von zwei Wochen erkannt. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 23. August. Freitagabend 7 Uhr; Samstagoormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.15. — Wochen- gottesdienst: morgens 6.30, abends 7 Uhr. 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