Nr. M Liftes Blatt 180. Jahrgang Montag, 21. Juli (930 Erscheint täglich,außer Sonntag, und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat int Bild Die Scholle. Monat, vezugrprei,: 120 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- Scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammeinummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten - Bnieiger Oietzen. po#|d)C(ffonto: Frankfurt am Main 11686. GichemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche Ulliverfitüls-Vuch- und Steinörudcrci 8. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschästrftelle: Zchlllstratze 7. Annahme von Anzeige, für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeiacn von 27 mttl Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» tlamranzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 201 e mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. ßange. Verantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Hindenburgs Triumphzug durch das befreite Rheinland Des Rheinlands Willkomm! Mit dem Reichspräsidenten durch die Pfalz x und den Rhein hinab. Hindenburgs Fahrt durch die Pfalz und den Rhein hinunter war ein Triumphzug. Rur schwer läßt sich ein Bild von der glänzenden Huldigung geben, die dem greisen Reichspräsidenten aus allen Schichten der Bevölkerung bat» fiebracht wurde. 3n jedem kleinen Weindorf, das ein Wagen auf der Fahrt durch die Pfalz passierte, hatte die Bevölkerung biS zum letzten Einwohner Aufstellung genommen. Alt« und Kranke lagen in den Fenstern, und Tücher- fchwcnkcn und Hochruse wollten kein Ende nehmen. Dätcr und Mütter hoben ihr« Kleinsten empor, Hindenburg entgegen. In Geinsheim hatte man einen kleinen dreijähriger! Buben am Wege auf einen Tisch gestellt und über ihm ein Schild angebracht, „Willkommen meinem Ehrenpaten!" In den Orten, wo einen Augenblick gehalten wurde, in Reustadt, Deidesheim und Dürkheim, war das Wiederanfahren nur mit Mühe möglich, weil die Begeisterung sich so spontan äußerte, daß die Menge den Kraftwagen — der Reichspräsident fuhr die ganze Zeit im offenen Wagen — dicht umdrängte. Immer wieder klang das Deutschlandlied auf. Ueberall schwang der Ton der Kirchenglocken hinein. An den Rebenstrahen harrten unzählige AutoS, die weiß Gott woher zusammengeströmt sein mögen. Sehr schwierig war die Einfahrt in Ludwigshafen. Die ganze Stadt, ganz Mannheim dazu, umsäumte dicht gedrängt die Straßen, und das Schönste war die herrliche Begeisterung der Jugend. Die Menge wich auch dann nicht, als das freundliche Sonnenwetter während des Haltens auf dem Lud- wigsplah in einen wilden Platschrcgen umschlug. Dann winkten von der Anlegestelle, wo der Reichspräsident mit seiner Begleitung den Dampfer bestieg, Zehntausende ihrem Hindenburg Abschicdsgrühe. Unb nun basselbe Bild den Rhein hinab bis Mainz. Sobalb ein Ort sichtbar wurdej waren di« Ufer wie schwarz besät mit jubelnden Menschen. Bis auf ben letzten Platz waren die bunt bewimpelten Dampfer beseht, bic dem Reichsprasibenten bas Geleit gaben. Sirenen heulten, während Schüsse über den Rhein krachten. In riesigen Buchstaben las man irgendwo „W illkornrnen H i n d e n- burg am freien deutschen Rheinl" Gerade an dieser Stelle passierten wir einen kleinen französischen Dampfer, der zum Gruß die Trikolore hißte. Die Begrüßung durch die Bevölkerung wurde immer lebhafter, je mehr der Dampfer sich Mainz näherte. Der Jubel erreichte seinen Höhepunkt, als der Reichspräsident in Mainz wieder an Land ging. An Bord des Dampfers war Reichspräsident von Hindenburg von dem Generaldirektor der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrtgesellschaft kurz und herzlich begrüßt worden. Herr von Hindenburg fügte feinem Danke hinzu, daß er sich freue, zum ersten Male mit dem Schiff zu fahren, das seinen Ramen trägt. Der Dampfer „Hindenburg" legi in Worms an. Die hessische Ltaatsregierung geht an Bord Auch auf der Rheinfahrt nach Worms konnte man an den Ufern hin und wieder zahlreiche zujubelnde Menschengruppen bemerken. Zu besonders stürmischen Begrüßungen kam es wiederholt bei Begegnungen mit dicht mit Menschen besetzten Dergnügungsdampsern. Gegen 5,30 Uhr kündeten Böllerschüsse die Ankunft des ReichspräsidentenschiffeSinWorms - V/w C - ‘i* an. Glockengeläut«, Böllerschüsse und der Jubel unzähliger Tausender grüßten den Reichspräsidenten, der von der Drücke des Schisses aus dankte. Der Dampfer legte nur zehn Minuten an und nahm in dieser Zeit den hessischen Staatspräsidenten Dr. A de l un a, den Innenminister L c u s ch n e r und Minister für Arbeit Korell, sowie den Oberbürgermeister von Worms und einige Stadträte und Stadtverordnete an Bord. Der Oberbürgermeister hielt eine kurze Begrüßungsansprache, für die der Reichspräsident dankte. Hierauf wurde die Fahrt nach Oppenheim und Mainz fortgesetzt. Des Reichspräsidenten Vesnch in Rheinhessen. Unbeschreibliche Festtage in Mainz. - Hunderttausende jubeln dem Reichsoberhaupt zu. Jubelnder Empfang in Mainz Mainz hatte einen seit Jahrzehnten nicht mehr erlebten großen Tag, den schönsten seit langer Zeit. Bon den frühen Morgenstunden an bewegten sich freudig erregte Menschenmassen durch die Straßen der Stadt. Der Zuzug der Fremden hörte seit gestern abend nicht auf. An 1 5 0 00 0 auswärtige Besucher wurden gezählt. Die Stadt hat herrlichen Schmuck angelegt. Selbst die Defreiungstage werden an Farbigkeit und Fülle des Schmucks übertroffen. Fahnen an Fahnen reihen sich in den Straßen; die Häuser sind mit Flaggen. Girlanden und Tannengrün übersät. In den Schaufenstern stehen Hindenburg- Bilder. Schöner kann eine Stadt den Reichspräsidenten, der zum ersten Male die Stadt besucht. nicht empfangen. Die Schiffe, die Türme, die öffentlichen Gebäude, Autos, Straßenbahnen, alles ist bekränzt und geschmückt. Turner und Vereine durchziehen singend unb spielenb bic Straßen; bie Schupo marschiert in festem Schritt, Lieber singenb, burch bie Stabt. An bem Rheinufer stehen seit 5 Uhr nachmittags Menschenzu Hunberttausenben, bas Schiff, von Worms kommenb mit Hinbenburg, erwartenb. Kurz nach sieben Uhr trifft es in voller Fahrt «in, geleitet von etwa bveißig anderen, festlich geschmückten Schiffen, die in Paradefahrt ans Präsidentenschiff vorbei fahren. Böllerschüsse empfangen Hindenburg auf Mainzer Boden, die Glocken läuten und die Menschenmenge brach in Hurraruse au», al» da» Schiff anlegte. Da» Deutschlandlied schlägt dem Reichspräsidenten wie ein gewaltiges Bekenntnis entgegen. Immer und immer wieder braust da» Hurra-Rufen zu Hindenburg hin. Als er vom Oberbürgermeister Dr. Külb ein- St. das Schiff verläßt, entblößen sich die ter der Hunderttausend unter dem Rufer mburg und Hurra! Gin Mädchen überreicht einen Strauß roter Rosen. Der Reichspräsident ist auf das tiefst, gerührt. Den kurzen DegrühungSworten deS Oberbürgermeisters weih er vor Rührung kaum zu antworten. Vom Rhein aus durchfuhr der Reichspräsident im Auto die Hauptstraßen der inneren Stadt. Die Bevölkerung stand hier wieder dicht gedrängt unb jubelte ihm zu unb warf Blumen unb kleine Fähnchen auf ihn herab. Kaum wirb Hindenburg einen schöneren Empfang erlebt haben. 3m Schloß, in dem bis vor kurzem noch General @atllaumat gewohnt hatte, stieg der Reichspräsident ab. 3m Schloßhof waren die alten Veteranen versammelt. An sie trat Hindenburg heran unb brückte jebem bie Hanb. Um neun Uhr abenbS fanb ein kleines Essen statt, bei dem nur wenige Personen anwesenb waren, da bas Essen privaten Charakter hatte. Während des Essens zogen bie Mainzer Vereine in einem Facke lzug am Palais vorbei. Die Sängerschaft brachte bem Reichspräsidenten ein Ständchen. Dicht gedrängt stand wieder die Menge, die Hindenburg stürmisch zu sehen begehrte. 3m Lichterschein von tausend Fackeln (rat Hindenburg auf den Balkon de» Palai» und grüßte die Menge. Lauter 3ubel schallte ihm wieder entgegen und nicht endenwollender Beisallsslurm und Hurra-Rufe. Die Sttaßen der Stadl sind auf da» stärkste belebt, Sängergruppen und vereine bewegen sich immer noch unablässig auf und ab. Mainz hat seinen Hindenburg, auf den es viele 3ahre hat warten müssen: es ehrte ihn wie eine deutsche Stadt, die in nationaler Erhebung erneut ihren Treueschwur ablegte. Kestgottesdienst in der Ehristuskirche. Der Festsonntag in Mainz beginnt am frühen Vormittag mit Festgottesdiensten in den Kirch?n der Stadt. Eine Menge, die nach Tausenden zählte, hat sich vor der mit Gläubigen dicht besetzten protestantischen Ehristuskirche eingefunden, stürmisch begrüßt sie den Reichspräsidenten, als dieser kurz vor 9 Uhr am Hauptportal der Kirche vorfährt. Das Reichsoberhaupt wird hier von dem Prälaten der hessischen Landeskirche D r. Diehl und dem Superintendenten von Rheinhessen Oberkirchenrat Zentgraf an der Spitze der evangelischen Geist» lichkeit begrüßt. Dann brausen jubelnde Klänge einer Bachschen Feftkantate durch das weite Schiff der Kirche hinaus auf den Platz, auf dem die Menge weiter geduldig ausharrt. Rach der Liturgie des Geistlichen der Ehristuskirche hält Superintendent Zentgraf die Festpredigt. Altlutherische Choräle schließen den Gottesdienst. Als der Reichspräsident wieder vor der Kirche erscheint, wird er von dem inzwischen eingetroffenen Staatspräsidenten Dr, 3n S p e y e r: Ein Blumenstrauß aus Kinderhand für den Reichspräsidenten. Reben ihm der bayerische Ministerpräsident Dr-Held. Die Ankunft in Mainz: Der Reichspräsident verlaßt in Begleitung bes Mainzer Oberbürgermeisters Dr.Külb dos SchiA Adelung begrüßt und beginnt dann mit ihm und dem Oberbürgermeister Dr. Külb die Rundfahrt durch die Stadt. In seiner Begleitung befinden sich die hessischen M i n i £ c r , die Spitzen der M a i n 3 e r Behö r- den. Seine Magnifizenz, der Rektor der hessischen Landesuniversität Gießen, Professor Dr. Brügge- mann, der auch später an dem Frühstück im Schloß teilnahm, ferner Reichsaußenminister Dr. Curtius, der lyrische Ministerpräsident Dr. Held, der badische Staatspräsident Dr. Schmitt, der Reichskommissar für die ehemalig besetzten Gebiete Botschafter Freiherr Langwerlh von Simmern, Ministerialdirektor im Ministerium für die besetzten Gebiete, Graf Adelmann, Prälat Dr. Diehl und der Bischof von Mainz Dr. Ludwig Maria Hugo, ferner der ehemalige hessische Staatspräsident Ülrich und der Präsident der Reichsvermögensverwaltung C 0 l l a tz. Der Festakt in der GtadthaUe Nach der Rundfahrt begab sich der Reichspräsident dann zum Festakt in die Stadthalle am Rhcinufer, die bis auf den letzten Platz mit geladenen Gästen aus allen Schichten der Bevölkerung gefüllt war. Das städtische Orchester spielte Beethovens Leonoren- ouvertüre, dann betrat der hessische Staatspräsident das Podium. Staatspräsident Or. Adelung begrüßte den Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg und entbot ihm im Namen der hessischen Staatsregierung und des ganzen Hessenlandes herzlichen Gruß und Willkomm. Ferner das Volk seine vaterländische Pflicht in der Abwehr, im Leiden und Dulden. An dieser Kraft zerschlugen sich alle Anstrengungen des übermächtigen Gegners, nicht nur in dem Sinne, daß er die Auflockerung des Deutschen Reiches nicht erreichte, sondern vor allem auch, daß er die deutsche Seele des rheinischen Volkes erkennen muhte. Das deutsche Volk am Rhein kann nun wieder, und mehr wie je, zu dem zurückkehren, was seiner Natur und Art gemäß ist: In der stolzen Sicherheit seines tief wurzelnden Volkstums Brücken schlagen zu helfen zu anderen Völkern. Möge es dem deutschen Volke mit der Kraft und mit dem Verständnis für Mcnschheitsfragen, das einer großen Nation innewohnt, gelingen, auf dem friedlichen Wege des Ausgleichs der Interessen der Völker zur vollen Freiheit zu gelangen mit dem Ziele einer dauernden Befriedung der Welt. Es ist falsch, das Land am Rhein etwa als Grenzmark in dem Sinne zu bezeichnen, daß es durch fremde Einflüsse gefährdet sei und deshalb einer besonderen pfleglichen Behandlung bedürfe. Das rheinische Volk ist deutsch und wird es immer bleiben. Wenn es besonderer Pflege bedarf, und es bedarf solcher, so darum, weil es nicht angeht, die Lasten und Schädigungen der Besatzungsjahre den Schultern eines verhältnismäßig kleinen Volksteiles allein aufzubürden, sondern weil die Gesamtheit des deutschen Volkes sie tragen helfen muß. Das hessische Besatzungsgebiet und besonders diese alte Stadt Mainz standen in einem Brennpunkt des großen Ringens um den Rhein. Mein Dank gilt allen t>enen, die unter Leiden und Opfern mithalfen, die Heimat gegen fremde Machthaber und ihre Helfershelfer zu verteidigen. Wärmsten Dank aber auch dem Reiche, dessen Lenker diesen Tag der Befreiung nunmehr herbeigeführt und damit die Vorbedingungen zu glücklichem Aufstieg geschaffen haben. Verehr u n g s v 0 l le r Dank vor allem dem Haupte der deutschen Republik, dem Herrn Reichspräsidenten, in dessen Person ich in besonderem Maße den Willen des deutschen Volkes zur Einigkeit, zu Aufstieg und Freiheit verkörpert sehe. Ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Herr Reichspräsident von Hindenburg — hoch! Reichsaußenminister Or. Curtius bedauerte, daß sowohl Reichskanzler Dr. B r ü - ning, wie auch sein Vorgänger Reichskanzler a. D. Müller, die beide bei der heutigen Feier sprechen sollten, am Erscheinen verhindert seien. Die Befreiung des Rheinlandes sei der Politik zu danken, die in dem Ramen des leider zu früh verstorbenen großen Staatsmannes S t r e f e - mann ihre Verkörperung gefunden habe. Mit großem Opfermut habe die Bevölkerung des besetzt gewesenen Gebietes alle Leiden der Desat- zungszeit getragen. Mit standhafter Einmütigkeit habe das Volk am Rhein in allen seinen Schichten, insbesondere auch durch die Arbeiterschaft, allen Loslösungsbestrebungen und allen rechtswidrigen Eingriffen einen entschlossenen Widerstand mit den Waffen des Rechts und des Friedens entgegengesetzt. Das ganze deutsche Volk sage den Rheinländern und all denen, die zu dem großen Erfolg beigetragen haben, aus vollstem Herzen den aufrichtigen Dank des Vaterlandes. Freuen wir uns, so fuhr der Minister fort, über den Sieg der deutschen Sache nicht nur um Deutschland und seiner friedlichen Zukunft willen: freuen wir uns auch um Europas willen. Ein gesundes, lebensfähiges Europa ist auf die Dauer nur möglich, wenn alle feine Glieder gleichberechtigt und gleich geachtet sind. Die Besetzung, das Symbol der Unfreiheit, das sichtbare Zeichen des verlorenen Krieges, gehört der Vergangenheit an. Aber ihre Folgen können sich lm Rheinland noch lange auswirken. Das befreite Gebiet darf davon überzeugt fein, daß die Reichsregierung nach wie vor ihm auch weiterhin feine wärmste Fürsorge angedeihen lassen wird. Zum Schluß gedachte der Minister der deutschen Brüder an der Saar, die von der Befreiung noch ausgeschlossen seien, und schloß mit dem Appell, die Wiedergewinnung der Freiheit der rheinischen Lande solle ein Ansporn sein, mutig und entschlossen weiterzukämpfen, damit Deutschland volle Gleichberechtigung im Kreise der Völker zuteil werde. Oer Reichspräsident Links: Reichsaußenminister Dr. Curtius. — Rechts: Staatspräsident Dr. Adelung. begrüßte er als Vertreter der Reichsregierung Reichsaußenminister Dr. Curtius sowie die Der- treter der Länderregierungen, des Reichsrats, des Hessischen Landtags, der Reichs, und Landesbehörden, der Beamtenschaft usw. und führte dann u. a. aus: Wir finden uns zusammen in dem Gefühl, das uns die vergangenen schweren Jahre hindurch verbunden hat, in dem Bewußtsein, alle Glieder der großen deutschen Nation zu sein, ein Volk, untrennbar für alle Zukunst. In solchem Gedenken wird diese Weihestunde erinnerungsreich und wertvoll sein und bleiben für lange Zeit. Sie sollte auch dazu beitragen, daß in den innenpolitischen Meinungskämpfen sich Formen bilden, die die Achtung vor der Ueberzeugung des anderen nie verletzen und die dadurch das Ansehen des deutschen Volkes und feine Weltgeltung sichern und festigen. Das Volk am Rhein, als Träger ältester Kultur, innerlich gefestigt in seinem Deutschtum und aus dieirm Gefühl heraus stark und aufgeschlossen gegenüber den Kulturgütern anderer Völker, dieses Land wuxde nach einem unglückseligen Krieg mit den Truppen fremder Mächte überzogen, von denen eine den Rhein als seine Grenze erstrebte. Dies Streben hatte das schwere Ringen zur Folge, das wir viele Jahre erlebt haben. Die rheinische Bevölkerung, ihrer Art nach geeignet, friedlich auszugleichen und Brücken der Verständigung zu schlagen, sah sich vor die Notwendigkeit gestellt, i h r deutsches Volkstum zu verteidigen. Mit gewaltiger Kraft, die nur aus einem aufs tiefste gefestigten nationalen Gefühl entspringt, tat dankte dann In längerer Ansprache zunächst für den herzlichen Willkomm in Mainz und im Hessenland und fuhr dann fort: Unser aller Denken und Fühlen ist heute beherrscht von Dankbarkeit. Das, was nach langen Zähren des Leidens heute erreicht worden ist, verdanken wir in erster Linie der Bevölkerung des Rheinlandes selbst. Zn Fesseln der Unfreiheit, lange Zeit hindurch abgeschnürt vom deutschen Wirtschaftsgebiet und ganz auf sich selbst gestellt, fremder Gewalt wie starken Versuchungen preisgegeben, haben Männer und Frauen dieses Landes, haben insbesondere die Bürger dieser altehrwürdigen Stadt in ihrem Deutschtum ausgeharrl in vorbildlicher Treue. Rur innere Stärke und unbeugsamer Wille konnten sich gegen die überlegenen Machtmittel der Gegner durchsetzen, und nur einige Geschlossenheit aller Schichten der Bevölkerung konnte die versuche, durch Loslrennung vom Multerlande Erleichterung des eigenen Schicksals zu erlangen, abwehren. Durch sich s e l b st ist so das Volk am Rhein seines Schicksals Herr geworden. Ihnen allen im Namen des Vaterlandes hierfür Dank und Anerkennung auszusprechen, ist mir am heutigen Tage Herzenspflicht! In tiefer Trauer senken wir gemeinsam das Haupt in der schmerzvollen Erinnerung an die Opfer, die der Abwehrkampf und die Selbstbehauptung gefordert haben. In brüderlichem Mitempfinden gedenken wir der Unsumme von körperlichem und seelischem Leid, welche die Besatzungszeit dem Lande hier auferlegt hat, aber auch des hohen Maßes von Heroismus, der hier in der Stille gegeigt worden ist. In der Geschichte der Nachkriegs, zeit, die leider manche Beweise von Materialismus, Eigensucht und Zwietracht aufweist, wird diese selbstlose Treue eines ganzen Volksteils ein b e • fonöeres Ruhmesblatt Deutschlands fein. Mit Ihnen allen bedauere auch ich, daß der Mann, mit dessen Ramen sich das Bemühen, unter Opfern und durch Verständigung die Befreiung rheinischen Gebietes zu erlangen, unlösbar verknüpft, daß Gustav Strefemann heute nicht mehr unter den Lebenden weilt, die ihm hier den Zoll ihres Dankes entgegengebracht hätten, wir gedenken in dieser Stunde feiner als eines Mannes, der in vaterländischer Pflichterfüllung seiner selbstgestellten Ausgabe der Befreiung der Rheinlande treu bis zum letzten Atemzuge gedient hat und als Opfer diese» Dienstes von uns gegangen ist. Wenn wir unseren Blick von dem Heute dem Morgen zuwenden, so geht unsere Hoffnung dahin. daß der Tag der Befreiung von fremder Besatzung ein Fortschritt auf dem Wege zum wahren Frieden und zur vollen Freiheit sein möge. Rach der Beseitigung all der Hemmnisse und Reibungen, die mit fremder Besatzung unabwendbar verbunden sind, wird — so hoffen wir — der Gedanke der Selbstbestimmung und der Gleichberechtigung an Geltung gewinnen und damit der Geist der Verständigung und des gerechten Ausgleichs die Beziehungen zwischen benachbarten Völkern stärker beherrschen als bisher. Heute fehlt uns noch manches zu dieser vollen Gleichberechtigung: noch immer unterliegt das nun geräumte Gebiet Vorschriften, die seine Selbstbestimmung und Deutschlands Hoheitsrechte einschränken. Roch immer stehl das deutscheLand an derSaar, losgelöst vom Mutterlands, unter einer ihm wesensfremden Verwaltung. Wir wollen hoffen, daß unsere deutschen Brüder und Schwestern an der Saar, denen wir auch in dieser Stunde die Versicho- rung unseres Dankes für ihre treue Haltung und das Gelöbnis herzlichsten Gedenkens ablegen, bald wieder mit uns vereinigt sein toen- den, und daß das Land am Rhein und an der Saar bald wieder in vollem Maße frei und gleichberechtigt zu uns gehört. Wenn das erreicht wird, ist dem Frieden Europas und der Versöhnung der Rachbarvölker der beste D i e n st geleistet worden. Meine Damen und Herren! Zn den vergangenen Zähren der Rot hat hier am Rhein in allen Ständen und Parteien ein gemeinschaftlicher Wille geherrscht. Rur dieses Bewußtsein, eine Gemeinschaft zu sein und zu leben in unlösbarer Verbundenheit mit den deutschen Volksgenossen, jenseits des Rheins, hat es vermocht, alle Anschläge auf deutschen Boden zuschanden zu machen. Möge in der Zukunft allen Deutschen dieser Geist der Einigkeit gegeben sein. Möge flch zur Freiheit am Rhein im ganzen deutschen vaterlande endlich auch die Einigkett gefellenk Dann, aber auch nur bann werden wir btr ftraft haben, die uns trotz allem, was noch auf dem deutschen Volke lastet, vorwärts und aufwärts bringt. 3n dieser Hoffnung lassen Sie uns gemeinsam unsere Liebe und Treue zum Lande unserer Väter bekennen, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch! Rach dem Hoch des Reichspräsidenten fang die Menge gemeinsam begeistert das Deutschlandlied. Richt endenwollende minutenlange Beifallsstürme folgten der Rede. Der Reichspräsident folgte dann einer Einladung des Staats-* Präsidenten Dr. Adelung und des Oberbürgermeisters Dr. Külb zu einem Frühstück im kurfürstlichen Schloß. Um 15 Uhr erschien das Luftschiff „Graf Zeppelin- über der Stadt, um dem Reichspräsidenten seine Huldigung darzubringen. Begeisterter Empfang in Wiesbaden. Im Kurhaus. - Aus dem Festplatz unter den Eichend Der Besuch des Reichspräsidenten von Hindenburg bedeutete für Wiesbaden, das gewiß schon aus Tradition glanzvolle Feste zu feiern versteht, einen unübertrefflichen Glanz-und Höhepunkt seiner Defreiungsseierlichkeiten. Der herzliche Zubel, der den Reichspräsidenten auch hier aus unzähligen Kehlen empfing, wird ihn überzeugt haben, wie dankbar Wiesbaden, für das alsBaddieRot derBesatzung beson- Die^Fahrt des Reichspräsidenten, die am 19. Juli in Speyer begann und am 23. Juli in Aachen endet. Speyer 19 7. S y m, \ *»oJ)üren \ r Sy^hrchen Neustadt0* WksbatS
Sind s% Aleistu (1.8E.^ Sekunden- A, stungsste'gcn> Sldr«
Oberschles KokSwerke.....7
Phönir Bergbau......6%
Rheinische Braunkohlen . . 10
Rhetnstahl.........6
Riebed Montan 7.2
98
98,25
110,75
120
157,5
139,75
202
131,25
131,75
268,5
150,5
148
109
148
219,25
161,5
74,25
129
119
14,5
68
86
224,5
102
95
137
146
141,25
164
206,5
125
99
98.13
98,13
111,25
120
157,5 139,75 202,75
131
131,75 268,25
150,5 178
148 109,65
148.65
132,5 145.75 172,25
219,5
160,5
85,25
128,75
119,25
95
239
96 93
93,75
68
13,25
86,4 224
101,75
95,25
95,25
111
120
153
137
195
129,5
129,5
255
146
174,25
141
105
142,5
131
129,5
139
164,9 207
80,75
125
115,5
93,76
90,25
91
67,5
90,75
82
216,25
99
Bereinigte Stahiwerte . . .
Olavi Minen......16'/,
Kaliwerke Aschersleben ... 10
Kaliwerke Westeregeln ... 10
Kaliwerke Salzdetjurth . . . 16
3. ®. Sarden-Industrie ... 12
Dvnamtt Nobel.......6
Scheideanstalt........9
Goldschmidt........6
RÜtgerSwerke........6
Metallgeiellschast.......k
Philipp Hol,mann......7
Zementwerk Heidelberg . . 10
Eementwerk Karlstadt. ... 10
Watch ä Srehtafl ... .8
Schultheis Patzenhofer . . 15
Ostwerke......... 18
Aku...........18
Bemberg.........14
Zellstoff Waldhof .... 13'/. Zellstoss Vlschafsenburg . . . ly
Charlottenburger Wasser ... 8
Dessauer Ma«........9
Daimler Motoren ...... 0
Deutsche Linoleum ......
Not. Automobil.......0
Orensloin & Koppel.....6
Leonhard Lied......10
SvenSka ........
frankfurter Malchtilen .... 4
Geißner..........6
Heyligenstaedt ....... 0
Iunghan«. ........6
Lechwerke..........8
Mainkraftwerke Höchst a. TO.. .8
Miag..........10
Gebe. Roeder . ...... io
Boigt & Haesfner ...... g Süddeutsche Zucker .... io
86
211
217,5
370
161,65
145
60
57,5
114
105,5
131
76
109,5
32,5
203,5
141,5
25
31
16,25
94
104,25
148
160
41,13
155,25
112
104
30,9
94,5
86,25 42 211,5 218.5
371
161,65 76,75
60 57,25 113,5
76
290,5 239,25 109,25 110,25
146,5
HO 101,75 147,4 32,5 204,13
46
68 142,25
311
23 31,25
35,25
91,75
150 160
83
41
201,75
208
357
155,65
74
58
55,25
277
227
104,5
141.5
110,5
98
140,75
31
197,5
44,5
63,65
311
35,5
88
18. Juli
21. 3ult
Amtliche Geld
Notierung Brie,
Amtliche Geld
Notierung Brici
1 1 | 1 1 II Ullis II I II
üimft.-Wott. Buen.»Aires Brss.-Aiitw- Christiania - flopznbngen Stockholm • HelsingsorS. (Hallen . . . London - . . Weunort - • Paris.... Schweiz .. Spanten. . Japan .. . tKio de Ian f^ieu in D-« Ceft. abfleft Prag ... Bel irad . . Dpdavest. . Bulgarien. Lissabon - . Danzig. . . Konst.intin. Athen. . . Canada . . Unt uay. . Cairo . . .
168,37 1,508
58,455 112,07 112,09 112,46
10,53 21,91
20,352 4,1885
16,46
81,335 48,60 2,066 0,464
59,105 12,407
7,421
73,32 3,034
18,80 81,35
1,784
5,43 4,186 3,566 20,87
168,71 1.512
58,575 112,29 112,31 112,68
10,55 21,95
20,392 4,1915
16,50 81,495
48,70 2,072 0,462
69,225 12,427
7,435 73,46
3,040 18,84
81,51 1,789
5,44 4,194 3,574
20,915
168,37 1,522
58,455 112,05 112,08 112,47 10,527 21,915 20,351 4,1825 16,455
81,30 48,15
2,068 0,454
59,10 12,404
7,425 73,33 3,035 18,83 81,33
1,784 5,435 4,186 3,586 20,87
168,71 1,526
58,575 112,27 112,30 112,69 10,547 21,955 20,391 4,1905 16,495
81,46 48,25 2,072 0,456
59,22 12,424
7,439 73,47 3,041
18,87 81,49 1,789
5,445 4,194 3,594 20,31
Ifi
*05
E E
57Ä-J
"CS
B
le
= E
S
°Ee
E
E
oBe
w c c©
E i-
S
io K
Be
-C
Z-e
L E
E«S =
(0 2. "c
z
E
äi
B 2
§
Ä= a-£
EȀ
in /= «
ZBTL--Z
?E
o-a
B
•e.
«SS§m
K«
e
ee
a
5 3 ° b
tO
gaStowSES
SS
E
D
>
□ H
5
Z
E
N
S
E
3
05 -e
R
z
Z
B
-b H
8
e
N
S
N
K
ZZ
ü> D
3
ö
= t-e.x §
zDz
X 3 c ■o
2€o§
Z
E®
t«
£
-8
ij> ••
2
^E
z
E =
8
■l
2 c
c?
.X .2
a £
e
eö
22
s(%
ZE
T
o E
2»=.:
3
Z 5
<£? E
iE E
s
»S*4a5
Etyxr-
•e
II
©
S
z
:Q := iSSJ ce sEe°fE§
•2 05 E
ZZ
e®
Z-.L4
m —'
Ai^
s ‘2 Z
,®.ER -ei =
E
AZ
5^
N io
SsS*i
go
KzF
Ei
E b
§
>a
L
S-eSz
<«
= ;z
3 «
uoto
IZLz
BaMC
■z La L
S E «>
Ei
#
R
"2
S= =
e
®
§
e
zz
3
2
E€
■8>
fz-8
sr
Z
=
«X
ZSEj^
B
Et
Z1
Q
zs
a — =
g =10 C =
£z
- s
ö§S"-8
■tt>
A ro'
W
L
c?
Z
2 L
2i
c= -
<$)
=
R€
Z
§g’Ägs ?fl S
0^(0
MiZ.
X<0
8i* o e
Z
le»
z-e'
s M ZZ8-
e
LZ2.A
E
E
: E o
E
3 E Z
Z e 6
e
•c s
e e
10 E
E
E
■2 g>