Nr. 272 (Elftes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 20. November 1930 Eriche in, loglich.autzn sonntags und Feiertags Beilagen vtr Illustriert, viehenei Familienblättet Heimat im Bild Die Scholl« Monat,-Bezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Relchspfenntg für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüffe anterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: granffurtam Blain 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen t)mder allgemeinen Aussprache erklärte Ministerialdirektor Dr. P o s s e, dah Deutschland bereit sei, in Verhandlungen mit den Donaustaaten einzutreten. Er sei überzeugt, dah in dem gegenwärtig zerrütteten Zustand der europäischen Wirtschaft nichts nötiger sei als die Zusammenarbeit. Die vorgeschlagene Verbindung zwischen den südosteuropäischen Agrarstaaten und den zentral- europäischen Industriestaaten sei eine wich- Negierungsjubitaum König Haakons von Norwegen. Am Dienstag vor 25 Jahren wählte der Norwegische Storthing einstimmig den dänischen Prinzen Karl, Enkel des damals regierenden Königs Christian IX. von Dänemark, zum König. Man wird sich erinnern, dah dieser Wahl eine Volks- abstimmung vorausging, bei der für das Königtum eine so überwältigende Stimmenzahl abgegeben wurde dah sich sogar alle Republikaner im Storting für die Königswahl aussprachen. polens Außenpolitik nach -en Wahlen. Oer Korridor. Zaleski lehnt eine Revision ab. Paris, 19. Nov. (Tü.) Der polnische Außenminister Zaleski gab einem Vertreter des „Petit Parisien" eine längere Erklärung ab, in der er sich vor allem mit der Frage des Korridors be- schäftigte. Zaleski betonte, dah das Gebiet, das Polen freien Zugang zum Meere verschaffe, die Mindestbedingung der Existenzmöglichkeit Polens bedeute. Man dürfe nicht vergessen, dah der polnische Korridor Polen sämtliche Weltmärkte öffne, während ein deutscher Korridor lediglich dem Reich den Markt einer Provinz erschliehe. Polen habe den größten Wunsch, gute Veziehungen zu seinem westlichen Nachbarn zu unterhalten und es fei bereit, in einem versöhnlichen Geist der Zusammenarbeit sämtliche technischen Hinweise aufmerksam zu prüfen, die die Lage Ostpreußens bessern könnten. Lieber den Revisionsgedanken in Deutschland befragt, antwortete der polnische Außenminister nur sehr ausweichend: er glaube nicht, daß die Revisionsbestrebungen, die außerdem noch nicht amtlich zum Ausdruck gekommen seien, sich gegen eine bestimmte Grenze mehr als gegen eine andere richteten. Polen und Frankreich hätten ein Interesse daran, dah die Grenzen so blieben, wie sie durch den Versailler Vertrag fest gelegt worden seien. Bezüglich der Revision anderer Klauseln des Versailler Vertrages, insbesondere derjenigen, die Deutschland das Recht zu einer starken Rüstung geben würden, betonte Zaleski, dah ein st a r - kes Heer Deutschland bei der Verfolgung seiner Revisionspolitik sehr nützlich sein würde, da sich die deutsche Diplomatie sodann zum mindesten moralisch auf eine Macht stützen könne. Er wolle sich aber lediglich die Worte des deutschen Reichskanzlers Brüning zu eigen machen, dah die Politik auf der ehrlichen Durchführung der internationalen Verträge und auf der friedlichen Zusammenarbeit der Volker untereinander beruhen müsse. Oie Revision im Osten. Ein interessanter Disput über das deutsch-polnische Problem. London, 19.Nov. (WTB.) „Times" veröffentlicht einen Brief des Staatssekretärs Freiherrn v. Rheinbaben an den Herausgeber des Blattes, in dem der bekannte deutsche Auhenpolitiker zu verschiedenen Aeuhe- rungen Stellung nimmt, die sich auf die Frage der Grenzrevision im Osten beziehen. Es handelt sich um einen Leitartikel der „Times", der zum Ausdruck bringt, dah die Probleme, die mit der Revision der Friedensverträge verbunden seien, innerhalb der nächsten vier Jahre bestimmt zur Erörterung kommen würden, und dah Polen aller Wahrscheinlichkeit nach den deutschen Anregungen über den Danziger Korridor sympathisch gegenüberstehen würde, wenn Deutschland eine Verständigung über die Memelfrage zwischen Polen und Litauen begünstigen würde. Der polnische Botschafter in London ist aber dieser Auffassung in entschiedener Form entgegengetreten. Frhr. v. Rheinbaben bemerkt hierzu u. a.: Als deutscher Politiker, der während vieler Jahre der Ansicht gewesen ist. dah es nach Locarno die außerordentlich schwierige Aufgabe unserer Außenpolitik war, den Versuch zu machen, durch Verträge und gegenseitige Abkommen zu einem modus vivendi mit Polen einschließlich der Aufrechterhaltung der Rechte der Minderheiten zu kommen, der nun aber zu der Auffassung gelangt ist, dah dieser Versuch völlig scheiterte, betrachte ich das deutsch-polnische Problem nun wiederum als ein offenes vor Europa und gegenüber dem Weltfrieden. Deutschland kann und wird niemals die Versailler Grenzen im Osten a l s eine endgültige Regelung betrachten. Es erstrebt ihre Revision mit friedlichen Mitteln und ich wage zu hoffen, dah in den augenblicklichen und kommenden internationalen Diskussionen das deutsch - polnische Problem als ein wesentlicher Teil einer neuen internationalen Anstrengung und Aktion betrachtet werden wird, einer Aktion, durch welche vielleicht auch der höchst unbefriedigende Zustand des gesamten europäischen Ostproblems eine bessere Losung finden konnte. Asiatische Methoden. Die Pilsudski-Dragonaden in der Ukraine. München, 19. Nov. (Sil.) ilnter dieser Überschrift „Asiatische Methoden in Polen" veröffentlicht am Donnerstag der „Bayerische Kurier" eine zuverlässige Üebersetzung des Berichtes, den der ukrainische, griechisch-uniierte Bischof Dr Iwan B e nz k v in Lemberg unter dem 1. Oktober 1930 über seine Untersuchungen der üebergrifse der polnischen Strafexpeditionen gegen die ükrai- 2H a i n 3, 20. Roo. (TD5)1.) Das gegen den früheren Staatsanwall Dr. Dorten eingeleitete Verfahren wegen Hochverrats ist durch Beschluß des 4. Strafsenats des Reichsgerichts auf Grund des Gesetzes vom 14. Juli 1928 und auf Grund des Räumungsabkommens vom 5. Oktober 1 9 2 9 nunmehr eingestellt worden. Gleichzeitig wurde auch der Haftbefehl gegen Dr.Dorten ausgehoben. wie bekannt, hatte sich Dr. Dorten nach der Ausrufung der Ri einischen Republik im Sommer 1919 als deren „Präsident" betätigt und in dieser angemaßten Eigenschaft Zulassung seiner Delegierten zu den Friedensverhandlungen neben den Delegierten des Reichs verlangt. Ls wurde damals sofort vom Oberreichsanwalt das Hochverrats- verfahren gegen Dorten eingeleitet. Die Durchführung dieses Verfahrens muhte jedoch unterbleiben, da sich Dorten damals im Machtbereich der Franzosen befand. Obwohl der Traum von der Rheinischen Republik ausgeträumt war, betätigte sich Dorten noch weiter im besetzten Rheinland für seine separatistische Bewegung. Schließlich flüchtete ci aber nach Nizza. n et an das polnische Innenministerium in Warschau gerichtet hat. Die Feststellungen geben ein erschütterndes Bild der polnischen Barbarei gegen wehrlose, romtreue, griechisch-katholische Priester. In der Stadt Tarnopvl wurde die Wohnung des Dekans Beczynski demoliert. Das Lokal eines ukrainischen Vereins wurde ebenfalls verwüstet. Ferner wurden in einer ukrainischen Volksschule und in einer von ukrainischen Schülern besuchten Pension größere Zerstörungen an- gerichtet. Nachdem man hier den Direktor und die Schüler 24 Stunden lang in Arrest hielt, wurden sie beim Verhör geohrfeigt. In der Stadt Podhajce wurden dreißig Ükrainer verprügelt und in scheußlichster Weise gemartert. Ein Geistlicher in Blezwoski wurde schwer beschimpft. Im Dorfe Wierzdow hat man d a S Pfarrhaus zerstört und den Pfarrer, den Schulleiter und mehrere Dauern verprügelt. Weitere polnische Ausschreitungen ähnlicher Art Huben sich in Holhocze, Mondzelowko und Zac- wanica zugetragen. Im lehtgenarmten Orte wurde das Haus des Erzbischofs schwer beschädigt. Der Dorfpfarrer wurde mit 200 Stockhieben gemartert, als er bewußtlos wurde, goß man kalte- Wasser über ihn. Pfarrhäuser wurden auch in Wisniowczyk und Dohatskwcze sowie in den Dörfern Kupzynsca und Denysow beschädigt. Auch hier sind schwere Ausschreitungen gegen die Pfarrer vorgekvmmen. Bauern und Lehrer wurden verprügelt. Auch vor Gewalttaten gegen Frauen schreckten die Polen nicht zurück. Die Verantwortung für den Inhalt des Berichtes übernimmt nach dem genannten Blatt das griechisch-katholische Zentralpfarramt St. Barbara in Wien I, Riemengasse 1. Unter der Ueberschrift „Das Volk versteh! eseinfachnicht" stellt der „Mainzer Anzeiger" die Amnestierung Dortens und die Verurteilung eines jungen, bisher unbestraften Mannes, der sich an den Ausschreitungen gegen d i e S e- paratiften beteiligt hatte, zu drei Monaten Gefängnis gegenüber. Das Blatt schreibt u. a.: Die öffentliche Meinung wird es nie und nimmer verstehen, dah ein Dorten und viele seiner Spieh- gesellen in Mainz und anderswo unbehelligt bleiben, daß es keine Strafe für ihre Missetaten gibt, für Tote und Verwundete, für Mißhandlungen und Ausweisungen, während ein Deutscher für einen liebergriff gegen Separatisten, der juöem von dem Angeklagten noch in Abrede gestellt wird, drei Tftonate Gefängnis erhält. Dorten und feine verräterischen Freunde laufen ohnedenMakelderVvr strafeaisrecht- l j ch geschützte Ehrenmänner herum, der aus gesteigertem vaterländischen Impuls zu einem kleinen Uebergriff getriebene Mainzer Bürger bleibt trotz seiner Begnadigung vorbestraft und in den Polizeiakten belastet. Der rheinische Separatist Dr. Dorten amnestiert. Auf Grund des Räumungsabkommens. — Oer „Präsident der Rheinischen Republik" bleibt unbehelligt. tige underste Etappe für eineRatio- nalisierung der Wirtschaft Gesamteuropas. Die Schwierigkeiten des Problems für Deutschland ergeben sich jedoch daraus, daß Deutschland den Charakter eines gemischtwirtschaftlichen Landes habe. Auch bei den jetzigen Zöllen sei es für die exportierenden Staaten schwer, auf den Markt der südosteuropäischen Staaten zu tommen. Die Lösung scheint ihm außerhalb des Völkerbundes i n zweiseitigen Handelsvertragsverhandlungen zu liegen. Ministerialdirektor Posse wandte sich sodann gegen den Beschluß der Bukarester Agrarkonferenz, eine Beschränkung der industriellen Einfuhr vorzunehmen, falls das geforderte Dorzugssystem den 2lgrarstaaten nicht eingeräumt würde. Er betonte, dah derartige Mittel nicht weit von dem gegenwärtigen sowjetrussischen System lägen und di^er Beschluß keinen freundlichen Klang für Deutschland gehabt habe. Die Schwierigkeiten des Völkerbundes auf dem Wege eines europäischen Dorzugssystems seien groß, da die Wirkung eines derartigen Systems weit über Europa hinausgehe und leicht andere Staaten die gleichen Forderungen auf Einräumung von Vorzugszöllen erheben könnten. Die von einigen Staaten bereits vorgenommene Herabsetzung der Industriezölle seien in eigenstem Interesse dieser Länder erfolgt, keineswegs um der deutschen Regierung einen Gefallen zu erweisen. Das Streben nach wirtschaftlicher Gerechtigkeit sei eine der Hauptaufgaben des Völkerbundes, und es sei deshalb schwierig, die vorgeschlagene 3bee im Rahmen von Völkerbundskonferenzen praktisch zu behandeln. Er sei mit der weiteren Beratung durch einen besonderen Ausschuß einverstanden, wünsche aber die praktische Verfolgurg der Fragen in Verhandlungen zwischen den einzelnen Staaten. Die Konferenz beschloß, die Frage des Präferenzsystems für die südosteuropäischen Staaten einem besonderen Ausschuß zu überweisen. Oie indische Konferenz. Lffene Lprache der Znder am runden Tisch. London, 19. Nov. (Tü.) Der dritte Tag der Erörterungen über die zukünftige Verfassung Indiens brachte einen sehr feurigen Gegenangriff des Hindus M o o n j e gegen Lord Peel. Moonje gehört der gemäßigten Richtung in Indien an. Er legte dar, wie England Indien nur zu seinen eigenen Vorteilen entwickele. Die Inder stunden an Intellekt, Tüchtigkeit und anderen rühmenswerten Eigenschaften den Engländern um nichts nach. England habe die indische Industrie planmäßig ausgebeutet. Drei Generationen hindurch habe England die Inder im Zu stände der völligen Abrüstung gehalten, aber die Geister habe es nicht entwaffnen können, unb diese Gefühle seien tief in die Herzen der Inder eingedrungen. England dürfe nicht glauben, etwa mit Waffengewalt die wachsenden Kräfte des Nationalismus zerschlagen zu können. Indien verlange den Dominion-Status mit einer voll verantwortlichen Regierung und wolle seine Grenzen s e l b st verteidigen. Diese letztere Forderung wurde in noch viel stärkerem Mähe von Sardar Ü j j a l Singh betont, der als Vertreter der Sikhs sprach. Von der Loyalität der Sikhs hänge letzten Endes die Verteidigung der Nordwestgrenzen Indiens ab und ihre Rechte als Minderheiten mühten besonders geschützt werden. Er wäre bereit, die Frage der Verteidigung in den Händen des Vizekönigs zu belassen, wenn gleichzeitig mit der Indianisierung der Armee energische Fortschritte gemacht würden. Der Maharadscha von Patiala fahle die Forderungen der indischen Fürsten in einer beachtenswerten Rede zusammen. Nur unter voller Au f r e ch t e r h a l t un g der inneren Selb ständigkeit. die man in gleicher Weise auch Dritisch-Indien zubilligen müsse unter Deachtung der Dande mit der Krone, seien die Fürsten bereit, mit Dritisch-Indien zusammenzuaröeiten. In allen Fragen, die ein gemeinsames Interesse haben, wolle er es offen* lassen, ob Indien die Form von vereinigten Staaten oder die Form einer Föderation annehmen solle. Er machte der Konferenz den wichtigen Vorschlag, durch eine oberste juristische Stelle genau die Rechte der indischen Fürsten und ihrer Staaten zur Klärung von vielen noch bestehenden ünklarheiten ausarbeiten zu lassen. Maulana Muhammed Ali erklärte u. a.: Ich will nur in mein Land zurücktehren, wenn ich mit Freiheit in der Hand zurückkehren kann. Ich ziehe vor, in einem fremden Lande zu steröen, solange es ein freies Land ist. 5kr Redner zollte sodann dem konservativen Dizekönig Lord Irwin höchste An* erlennung und fuhr fort: Ich bin nicht gekommen, um den Dominionstatus zu erbitten. Ich glaube nicht an die Erzielung des Dominionstatus. Wir sind augenblicklich uneinig, und ihr herrscht; in dem Augenblick aber, wo wir beschliehen, einig zu sein, werdet ihr nicht mehr in der Lage sein, die Herrschaft über uns auszuüben. Die britische Herrschaft über Indien ist dem Untergang geweiht. Sie muh beseitigt werden. Aber die Freundschaft zwischen Grohbritan* nien und Indien soll sortbestehen. Oie Llnruhen in Spanien. Paris, 19.Nov. (WTD.) Verschiedene Nachrichten aus Spanien lassen darauf schließen, daß gestern abend eine gewisse Beruhigung eingetreten ist, ohne dah man deshalb mit einer baldigen Beilegung des sozialen Konfliktes, der politischen Charakter trägt, rechnen könnte. Das spanische Kabinett hat gestern abend getagt. Nach der Beratung teilte Ministerpräsident Deren- guer mit, dah in Barcelona der Straßen- bahn- und Autobusverkehr wieder ausgenommen worden ist und daß die Cafes und Speisehäuser ihre Betriebe wieder geöffnet hätten. Die Staatsanwaltschaft von Madrid hat die Freilassung von 150 Verhafteten angeordnet, die während des Generalstreiks in Madrid sestgenommen worden waren. 3nSevilla scheint der gestrige Tag aber ziemlich unruhig verlaufen zu sein. Die Universität ist geschlossen. Auch in A l i c a n t e kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Ruhestörern. Die Polizei machte von der Schußwaffe Gebrauch. Vier Personen sind verletzt worden. 3n Sevilla haben die Streikenden mehrere Autobusse und Straßenbahnwagen umgeworfen und teilweise sogar inBrand gesteckt. Die Feuerwehr löschte den Brand, und die Polizei zerstreute die Manifestanten. Autodroschken verkehrten auch heute in Sevilla nicht. Aach einer Mitteilung des Zivilgouverneurs sind vier Personen verhaftet worden. Die Bevölkerung stand heute vor den Bäckerläden Schlange, da das Gerächt im Umlauf war, die Bäcker würden sich der Streikbewegung anschließen. Die deutschen Krauen fordern Revision der Vertrage. Berlin, 19. Aov. (TU.) Der Deutsche Frauenausschuß zur Bekämpfung der Schuldlüge und zahlreiche andere Frauenverbände haben die Aeichsregierung in einer Eingabe gebeten, sich umgehend mit den früheren Feindbundstaaten in Verbindung zu setzen, um eine Befreiung des deutschen Volkes von den unerträglichen Kriegslasten zu erreichen. 3n der Eingabe heißt es u. a.: „Aot und Verzweif lung sind die Folge der ungeheuren Lasten, die 3ahr für 3ahr getragen werden müssen. Dauer und Höhe der im Poungplan vorgesehenen Zahlungen nehmen dem deutschen Volk jede Hoffnung auf Wiederaufstieg. Finanz- und Wirtschaftsreformen allein können eine Gesundung Deutschlands nicht herbeiführen. Wir bitten, alle Möglichkeiten einer Revision des Poungplanes auszunützen, dessen Un- durchführbarkeit angesichts der Weltwirtschaftskrise auch im Ausland immer mehr eingesehen wird. Die Unhaltbarkeit der moralischen Grundlage der Tributforderungen, der Behauptung von Deutschlands Schuld a m K r ie g e , ist erwiesen." Die Welt müsse von der Aotwendigkeit einer Revision überzeugt werden, da die Grenze der Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes bereits überschritten sei. Die Eingabe ist u. a. unterzeichnet von den Reichsfrauenausschüssen der Staatspartei, der Deutschen Volkspartei und der Dcutschnationalen Volkspartei, ferner vom Auslandbund deutscher Frauen und Königin Luise, Deutsch-Evangelischer Frauenbund, Frauengruppe des Deutschen Of- fizievbundes, Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine, Katholischer Verband der weiblichen kaufmännischen Angestellten und Beamtinnen Deutschlands usw. Die Mrtschastsresorm in Italien Reben Gehaltskürzung auch Preisabbau. Rom, 19.Aov. (TU.) Das Dekret über die zwölfprozentige Gehaltskürzung für die Beamten und Angestellten der Staatsbetriebe dient nicht nur dem Ausgleich des Fehlbetrages im Staatshaushalt, sondern ist ein entscheidender Schritt zur Angleichung der gesamten italienischen Volkswirtschaft an das Verhältnis von 4:1 der heutigenLira zür Dorkriegslira. Die Folge ist die energische 3nangriffnahme des Preisabbaues seitens der faschistischen berufsständischen Verbände. Rachdem in der letzten Zeit schon in verschiedenen Städten der 2 r o t p r e i s herabgesetzt wurde, wird am Mittwoch aus Siena eine Herabsetzung des Brotpreises von 1,80 Lira (39,5 Pf.) auf 1,55 Lira (34 Pf.) je Kilo gemeldet. Außerdem wird eine besondere Kommission zusammentreten, um die Frage des Brotpreises allgemein zu prüfen. Die Aussprache im Korporationsministerium über den Arbeitsvertrag des Däckerei- gewerbes steht auch bereits im Zeichen des Laab- sichtigten Preisabbaues. 3n demselben Sinne ist auch der Verband des Handels tätig. Die Lebensmittelhändler haben bereits zugesagt. ihr möglichstes für einen Preisabbau zu tun. Auf alle Fälle wird, da eine Wiedereinführung staatlicher Zwangsregelungen nicht beabsichtigt zu sein scheint, von den berufsständischen Organisationen, die bekanntlich öffentlich-rechtlichen Charakter haben, ein zielbewußter Druck in Richtung auf einen beschleunigten Preisabbau ausgeübt werden. Oer Kampf gegen den Hunger in Rußland. Der Zusammenbruch der Getreide- Planwirtschaft. K o w n o, 19. Nov. (TU.) Nach einer Meldung der offiziellen Telegraphen-Agentur der Sowjetunion wird jetzt auch von amtlicher Seite zugegeben, daß die Brotversorgung des Landes für den kommenden Winter zusammen- zubrechen droht. In der ersten Novemberhälste sind nur 32,7 v. H. des erforderlichen Getreides abgeliefert worden. Dab.ei zeigt die Ablieferungsquote eine absteigende Tendenz. Das von der Regierung festgelegte Jahressoll wurde von den Bauern bisher nur im Umfange von 76 v. H. ausgeführt, wobei als besonders bemerkenswert heroorgehoben wird, daß die staatlichen Sowjet- wirtschaften, also die großen Mustergüter der Regierung, sogar nur 60 v.H. des Ge- treides olls abgeliefert haben. An vielen Stellen kümmern sich die Bauern gar nicht um die Brotablieferung, wobei amtlicherseits den Dorfsowjets wegen ihrer angeblichen opportunistischen Neigungen und wegen Begünstigung der Großbauern die größten Vorwürfe gemacht werden, während wiederum infolge der wachsenden Verkehrsschwierigkeiten in zahlreichen anderen Provinzen die Knotenpunkte so verstopft sind, daß an eine Weiterbeförderung der Getreidefracht nicht gedacht werden kann. Zu gleicher Zeit hebt die Telegraphen-Agentur hervor, daß auch der für die Herbstaussaat veranschlagte Plan nur zu 90 v. H. durchgeführt wurde, was auch für das nächste Jahr ungünstige Aussichten eröffnet. Die Regierung ist bestrebt, überall mit den schärfsten Mitteln gegen diejenigen vorzugehen, die das Getreide zurückhalten oder sonst die Schuld an der Der- England auf der Abrüstungskonferenz. Scharfe Kritik an der schwankenden Haltung der britischen Delegation. London, 19. Aov. (WTB.) Der »Manchester Guardian" schreibt in einem Leitauffah: Aach langwierigen Debatten in Genf ist die Abrüstungs- kommission zu der Feststellung gelangt, dah die Landabrüstung undurchführbar ist. Dies ist trotz Lord Cecils pathetischem Gerede von wirklichem Fortschritt das Ergebnis der Erörterung. Sogar bei der einfachen Aufgabe, einen Plan für die Beschränkung der Heere aufzustellen, ist die Kommission hoffnungslos gescheitert. Aach Hendersons tapferen Worten bei der Eröffnung der diesjährigen Völkerbundsversammlung hätte niemand voraussehen können, dah die britischen Vertreter bei jeder wichtigen Abstimmung für das Verfahren stimmen würden, das die Abrüstung schwierig gestaltet. Das Blatt betont, der einzige Weg, um die Kriegsstärke eines Wehrpflicht-Heeres zu vermindern, bestehe in einer ernstlichen Beschränkung des jährlichen Kontingents. Dies sei die vitale Frage der Länder. — Auch in der Frage des Kriegsmaterials, so führt „Manchester Guardian" fort, scheint Lord Cecil seine Ansicht geändert zu haben. Das Blatt fragt: „Hat Lord Cecil den vollständigen und wirksamsten aller Abrüstungsverträge, den Vertrag von Versailles, vergessen? Grohbritannien hat sich in Genf dem französischen Gedanken der Budgetkontrolle angeschlossen, der wirklich schwierig durchzuführen ist. Da die Militärausgaben in dem Voranschlag anderer Länder verborgen sind, ergibt sich, wie leicht die Budgetkontrolle umgangen werden kann. Wie kann anderseits diese Methode je 31 allen und Polen gegenüber angewandt werden, wo parlamentarische Verantwortlichkeit einfach nicht besteht." Es sei vollkommen sicher, so sagt das Blatt, dah keine Abrüstung möglich ist, solangeGrohbritannien die Freunde großer Heere unterstütze. 3nfolge der Haltung Englands in Genf sei es heute a u ch i n Deutschland schwierig, dem liberalen Standpunkt Geltung zu verschaffen. Die Anhänger der deutschen Wiederaufrüstung erhielten infolge der Erfolge in Genf Krästezuwachs. Zum Schluß macht „Manchester Guardian" der britischen Arbeiterregierung den Vorwurf, dah sie während der letzten Wochen die Aussichten auf Sicherung des Friedens verringert habe. „Daily M i r r o r" sagt: Der letzte und größte Fehlschlag der sterbenden Regierung ist der völlige Zusammenbruch ihrer so häufig erwähnten Hoffnungen auf Erzielung eines praktischen Abrüstungsplanes. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eins der Ziele, die das Volk mit den Bestrebungen der sogenannten Arbeiterpartei in Verbindung bringt. Aach jahrelanger Vorbereitung und nach zwei Wochen der Haarspalterei und des Gezänks über budgetäre oder direkte Kontrolle haben unsere Vertreter in Genf die Sache als aussichtslos aufgegeben — das Ganze kommt darauf hinaus. Somit scheint das ausgesprochene Ziel der Sozialisten — das übrigens nicht nur ihnen, sondern allen denkenden Parteien und Menschen am Herzen liegt — von sozialistischen Ministern „verpatzt" worden zu sein. Wirtschaftspolitische Forderungen der Freien Gewerkschaften. Düsseldorf, 19. Aov. (TU.) Auf einer. Kundgebung des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schaftsbundÄ sprach vor etwa 1800 Gewerkschaftsfunktionären aus Rheinland und West- salen der Bundesvorsihende Leipart (Berlin) über „Gewerkschaften und Wirtschaftskrise". Da niemand, so sührte er u. a. aus, ein Mittel kenne, um die Wirtschaft von heute auf moxgen wieder anzukurbeln, müsse zu Aotmahnah- m e n gegriffen werden. Die von den Gewerkschaften gesonderte gesetzliche Einführung der 40-Stundenwoche nebst ihren sinngemäßen Ergänzungen biete die Möglichkeit der Wiedereingliederung von rund einer halben Million Erwerbsloser in die Betriebe. Die Gegenvorschläge der Arbeitgeber, Lohnkürzung ober Verlängerung der Arbeitszeit, seien abzulehnen, da es etwa ein 3ahr dauern würde, bis sich die Lohnsenkung in einer Preissenkung auch für den letzten Verbraucher auswirken würde. Eine Lohnkürzung würde sich auch sofort in einem ebenso großen Kaufkrastausfall auswirken. Diese Vorschläge bedeuteten eine weitere Gefährdung der Wirtschaft. Deshalb hätten die Gewerkschaften die Schiedssprüche der letzten Zeit als einen Schlag gegen die Wirtschaft empfunden. Sie verlangten weiter ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung und der Kaufkraft der industriellen Bevölkerung. Leipart faßte seine Ausführungen in folgende Leitsätze zusammen: Kampf für die Revision und friedliche Aufhebung der Reparationsverpflichtungen, Entlastung dec Wirtschaft in erster Linie durch Sanierung der öffentlichen Finanzen, 40-Stundenwoche, als Aotmahnahme, keine Senkung der Reallohne, Angleichung des deutschen Preisstandes an die Weltmarktpreise durch Bekämpfung unwirtschaftlicher Preisbindungen, durch Kartellkontrolle und Zollsenkungen, Forderung einer zeitgemäßen Umstellung in der Landwirts chast, Kampf den Uebergewinnen des Zwischenhandels, Kamps dem heutigen Zunftgeist der 3nnungen, die lebenswichtige Bedürfnisse verteuern und schließlich Förderung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses von Erzeugern und Verbrauchern. Ueber „Wirtschaftskrise und Kapitalismus" sprach dann A a p h t a l i (Berlin) von der Forschungsstelle für Wirtschaftspolitik. Er erklärte u. a., die Löhne müßten so aufrecht erhalten werden, dah zumindest ihre Senkung, soweit sie im Verlauf der Krise unvermeidlich sei, der Preissenkung zeitlich so folgt, daß mit ihr keine Verminderung, sondern eine Steigerung der Massenkaufkraft verbunden sei. Protestkundgebung der Bankangestellten. Berlin, 19. Aov. (TU.) Auf einer Kundgebung des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten gab das Vorstandsmitglied Marx einen Ueberblick über die Bezüge der einzelnen Gruppen der Bankangstellten und erklärte, daß die unzureichenden Einkünfte die beabsichtigte Kürzung, die 11 v. H. betragen solle, nicht vertrügen, zumal die Geschäftserträgnisse der Banken als gut bezeichnet werden mühten. Die Bankangestellten hätten bei glänzendem Florieren der Bankgeschäfte keine Koniunkturlöhne erhalten. sie lehnten deshalb auch dieKri- s e n l ö hne ob. Das Vorstandsmitglied E m o n t s erklärte: Der von den Dankleitungcn in Vorbereitung befindliche neue Tarif, der eine Der» schmelzung der einzelnen Gruvpen vorsehe, versperre jede Aufstiegsmöglichleit der Angestellten. — Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in der die Abbaupläne des Reichsberbandes der Bankleitungen zurückgewiesen werden. Die Forderungen der Bankleitungen fänden in der wirtschaftlichen Lage des Bankgewerbes keine Begründung. Die Handlungsunkosten mühten dort eingespart werden, wo dies ohne Einschränkung der lebensnotwendigen Konsumkraft möglich sei: Kürzung des Einkommens der Bankleiter auf ein ihren Leistungen und der allgemeinen Moral entsprechendes Maß und Abführung der Aufsichtsratstantiemen der Vorstandsmitglieder rmd Direktoren in die Kassen der Banken. zögerung der Ablieferung tragen. Eine Reihe von Parteiführern in der Provinz ist ihres Amtes enthoben und dem Gericht übergeben worden. Es wird insbesondere gerügt, daß die Parteiführer an Ort und Stelle „beamtenmäßigen Bürokratismus" und mangelnd« Sorgfalt walten ließen. Es wird deshalb von nun ab jeder einzelne Führer der Dorf- und Kreissowjets oder der Kollektivwirtschaften persönlich für die Durchführung der Regierungspläne verantwortlich gemacht, um das notwendige Ausfuhrgetreide einzubringen und das Land vor der Hungersgefahr zu bewahren. Bucharin unterwirft sich. K o w n o, 20. Aov. (TU.) Wie aus Moskau berichtet wird, hat sich der ehemalige Vorsitzende der kommunistischen 3nternationale, Bucharin, der geistige Führer der Rechtsopposition, am Mittwoch in einem Schreiben den Beschlüssen der Parteileitung unterworfen. 3n dem Schreiben an das Zentralkomitee gibt Bucharin zu, dah er die Beschlüsse des letzten Parteikongresses mißbraucht und versucht habe, innerhalb der Partei eine neue politische Fraktion zu bilden, um die Partei zu zwingen, einen neuen Kurs einzuschlagen. Er bittet die Partei, ihm seine Fehler zu verzeihen, er werde sich sämtlichen Beschlüssen der Parteileitung un- terwerfen. Er sei außerdem bereit, der Zentralkontrollkommission der Kommunistischen Partei weitere Mitteilungen über seine Beziehungen zu der Rechtsopposition zu machen. Gegenrevolutionären Schädlingsorganisationen gegenüber sei unbarmherzige Abrechnung notwendig. Aus aller Welt. Richt ausgenuhle Mandate, ein wahlkuriofum. Die Mandatsverteilung auf Grund der Kommunalwahlen in der badischen Stadt Ueberlingen hat insofern eine kuriose Aenderung erfahren, als die A a t i o n a l s o z i a l i st e n, die eine Kandidatenliste mit nur a ch t Aamen eingereicht hatten, auf Grund der erzielten Stimmen- zahl aber Anspruch auf 13 Bürger- ausschuhsitze haben. Aach den gesetzlichen Bestimmungen fallen nun diese nicht verwerteten Stimmen den anderen Parteien zu. Es ergibt sich demnach das wohl einzig dastehende Kuriosum, dah die Aationalsozialisten unfrei* willig fünf Mitgliedern anderer Parteien im Bürgerausschuh Sitz und Stimme verschafft haben. Es erhalten nunmehr: Zentrum 25 Sitze, SPD. 9, Einheitsliste 14 und Aationalsozialisten 8 Sitze. Bundestag des Bundes Deutscher Zivilsupernumerare. Der Bund Deutscher Zivilsupernumerare hielt in Berlin seinen zweiten Bundestag ab. 3n seinem Geschäftsbericht entwickelte der Bundes- Vorsitzende ein Bild von den Aufgaben des Bundes. Die Versammlung stellte in einer Entschließung mit Befremden fest, daß das Berufsbeamtentum durch systematisch betriebene Be- amtenhehe immer mehr zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Meinungen gemacht werde. Die vielfachen Experimente am Berufsbeamtentum müßten zu einer Erschütterung des Rechts- bewußtseins innerhalb der Beamtenschaft führen, besonders, wenn durch diktatorische Maßnahmen — wie die sogenannte Reichshilfe und die durch Uebergehung verfassungsmäßig verankerter Ga- ranHen in Aussicht genommenen Gehalts- und Pensionskürzungsabsichten — die Pläne der Reichsregierung verwirklicht würden^ gleichgültig auf welchem Wege. Gegen eine einseitige Sonderbelastung eines einzigen Standes dem gegen Gewaltakte nur das Mittel der Verwahrung zur Verfügung stehe, müsse sich die deutsche Beamtenschaft mit aller Deutlichkeit aussprechen. Die geplanten Gehalts- und Pensionskürzungen, die zur Lastensenkung für andere De- rufskreise verwertet werden sollten, stellten feine Gleichbehandlung aller vor Gesetz und Recht dar und verstießen wider Treu und Glauben. Die Absichten der Reichsregierung kurierten am Symptom, gingen aber nicht an die Wurzel des Uebels: die untragbaren Tributlastenl Der Bundestag nahm Stellung zu einer Vertont- tungs ° und Reichsreform, deren Aot- tocnbigfeit er erneut anerkannte unter der ausdrücklichen Zusicherung seiner positiven Mitarbeit. 3edoch wandte er sich entschieden gegen solche Reformen, deren Ziel lediglich kalter Abbau des Berufsbeamtentums ist. Seine programmatische Kernforderung, füs Len Nachwuchs feines i Standes das Abiturium (Hochschulreife) zu erhalten, verteidigt der Bund. Die Verwaltungsreform wird den für den gehobenen mittleren (oberen) Beamten typischen Aufgabenkreis noch mehr qualitattv erweitern und die oberen Beamten immer mehr zu leitenden, inittativ bestimmenden, mit Zeichnungsbefugnis ausgestatteten Beamten machen. Dieser Sachentwicklung ist die Vorbildung des Berufsnachwuchses anzupassen, die auch die der besonderen Bedeutung des Amtes entsprechende Allgemeinbildung einschließt. Der Bund steckt nur daS Ziel Abiturium ab, verlangt aber nicht zu« Erlangung des Zieles unbedingt die normalen Ausbildungswege über die neunstufige höhere Lehranstalt, sondern überläßt den Weg zum Ziel dem einzelnen. Gegen den Terror in Sowjetruhland. Eine große Anzahl von führenden Persönlichkeiten der deutschen Wissenschaft, Technik, bildenden Kunst und Literatur veröffentlicht die folgende Erklärung: „Am 3. September meldete die amtliche sowjet- russische Presse die Verhaftung einer Reihe von hervorragenden Männern der Wittenschaft, die ihre ganze Kraft in den Dienst ihres Landes gestellt Hattern Die Tatsachen häufen sich, die zu beweisen scheinen, daß jede wissenschaftliche Tätigkeit, die auch nur das bescheidenste Maß von Gedankenfreiheit für sich beansprucht, in der Sowjetunion unmöglich wird. Aach weiteren Meldungen der amtlichen sowjetrusfischen Presse vom 22. und 25. September sind andere 48 Personen, an ihrer Spitze Professor Rjsan- z e w und Professor Karatygin, ohne Gerichtsverfahren, lediglich auf Beschluß der OGPU. (staatspolitische Verwaltung), erschos - s e n worden. Die unterzeichneten Vertreter der Wissenschaft, Technik, Literatur und Kunst, halten es für ihre Gewissenspflicht, gegen ein solches Vorgehen, das den elementar ft enGrund- sätzen des menschlichen Gemeinlebens widerspricht, vor der Oeffentlichkeit Einspruchs zu erheben." Unter den 82 Unterzeichneten sind der Präsident der Akademie 6er Wissenschaft in München, der Altphilologe Eduard Schwartz, der Vorsitzende Sekretär der Akademie der Wissenschaften in Berlin, der Physiker Max Planck, große Aerzte wie Ludwig^von Krehl und Max Rubner: die bekannten Aaturforscher und Erfinder Fritz Habe r, Alfred Mitsch - lich, die Mathematiker Erhard Schmidt und Rothe, führende Techniker und Architekten wie Hans P o e l z i g und Heinrich T e f f e n o to ; bekannte Schriftsteller wie Bruno Frank, Heinr. Mann, Walter von Molo und 3ak. Waffe r m an n bereinigen ihre Stimmen mit den Malern Ludwig von Hofmann, Max Liebermann und den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, Sigmund von Hausegger und K. Muck. Aus der besonders zahlreichen Gruppe von Vertretern der Geisteswissenfchaften seien genannt: die 3uriften Kahl und Triepel, die Philosophen Max D e s s o i r und Ed. ©Pranger, die Aationalökonomen und Soziologen Herkner, Gering, Ad. und Alfr. Weber: die Historiker Erich Brandenburg und Friedrich M e i n e cf e und der Kunsthistoriker Heinrich W 5 l f s l i n. Die Wetterlage. Q wolkenlos ©neuer, ©halb bedeckt, © wolkig, e oedecm eltege^ * Schnee esGraupein. e Nebel ‘KGewit'/r.©Windstille O-» sehr leichte» Ost ^5 massiger Südsüdwest q Stürmische» «fordWesK Die Piene wegen mit dem winde. Die beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatui an. Die Linien verbinden Orte mit .gleichem auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Cnglandwirbel ist sehr rasch ostwärts über Deutschland hinweggezogen und hat eine vollständige Umgestaltung der Wetterlage herbeigeführt. Sein Warmluftsektor mit einer ausgeprägten Regenfront überquerte während des gestrigen Tages unseren Bezirk, brachte Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad, sowie Aiederschlags- mengen bis zu 10 Millimeter. Die Wetterlage bleibt vorerst im Zeichen von Druckstörungen, denn der Westküste 3rlands hat sich bereits ein neues kräftiges Tief genähert, welches nach dem Festlande an Raum gewinnt. Eine abermalige Warmluftwelle, an die ein erhebliches Regengebiet gebunden ist — in England sind Aieder- schläge bis zu 20 Millimeter aufgetreten — wird über Deutschland hinwegziehen, so daß feucht- mildes, trübes und regnerisches Wetter vorherrscht. Aach dem Vorüberzug der Warmfront und dem Uebergang zur Kaltfront wird unter auffrischender ßuftbetoegung der Witterungscharakter mehr und mehr unbeständig, das Regengewölk wird durchbrochen und vorüberziehende Döenwolken bringen noch Schauer mit. Aussichten f ü r Freitag:' Mildes und trübes Wetter mit Aiederschlägen, später wechselnd wolkig, südwestliche bis westliche Winde. Lufttemperaturen am 19. November: mittags 2,8 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 20. November: morgens 7,6 Grad. Maximum 9,3 Grad, Minimum 0,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. November: abends 2,2 Grad: am 20. Novembers morgens 5 Grad Celsius. — Niederschläge 7,5 nun, Aus -er Provinzialhaupistadi. Gießen, den 20. Rovember 1930. Vorsicht mit dem Tintenstift. Dom Landesausschuß für hygienische Volks- belehrung wird geschrieben: Der Tintenstift stellt heutzutage einen Gebrauchsgegenstand deS täglichen und besonders des geschäftlichen Lebens dar. Er verdankt dies der Eigenschaft, daß seine Schrift, insbesondere auf angefeuchtetem Papier, schwer verlöschbar ist und ähnlich wie Tinte tief in das Schreibpapier eindringt. Gerade der Farbstoff aber ist es, der den Tintenstift unter Um- ständen nicht ungefährlich macht. Als Farbstoff wird beim Tintenstift gewöhnlich das sogenannte Methylviolctt, d. h. em wasserlöslicher Anilin- Farbstoff verwandt, der. wenn er auf die menschliche Haut bzw. Schleimhaut kommt, stark ätzende Eigenschalten besitzt. Gelangt z. D. bei ungeschicktem Anspitzen eines Tintenstiftes ein kleines Stückchen der Dleistiftmasse in die Haut, so erzeugt es dort eine heftige Entzündung und bei längerem Derweilen oft schwere Zerstörungen. Weit gefährlicher noch wirkt das Eindringen von Tintenstift- Teilchen ins menschliche Auge. Wird gar, wie es in leichtfertiger Weise schon geschah, ein Stück Tintenstift verschluckt, so ist der Farbstoff des Tintenstiftes ^imstande, auf der Schleimhaut des Ma- gens schwere geschwürige Veränderungen zu erzeugen. Deshalb sorge man bei Tintenstift-Der- letzungen, welcher Art sie auch immer sein mögen, zunächst für schleunige ärztliche Hilfe, denn je rascher der Arzt in der Lage ist, die eingedrungene Schädlichkeit zu entfernen, um so geringer sind die Giftwirkungen. Kindern gebe man einen solchen Tintenstift gar nicht in die Hände. Unter allen Umständen sollte man, wie bei jedem Dlei- stift, besonders beim Tintenstift, vermeiden, ihn vor dem Gebrauch mit Lippe und Speichel in Berührung zu bringen. Gictzencr Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 130 an, Butter 150 bis 160, Watte 30 dis 35, Käse (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gebe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 25 bis 30. Feldsalat 80 bis 103, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3l/a bis 4, Aepfel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 100, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 18, Dlumenlohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 15 bis 20 Pf.: Kartoffeln der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Christliche Versammlung Gießen: Vortrag „Ewiges Gericht", 20.15 Uhr, im Cafs Leib. — Akademische Kurse für Kaufleute und Öciocrbetreibcnbe: Vortrag von Universitätsprofcssor Dr. Lenz über das Thema „Die deutsche Volkswirtschaft im Zeitalter des Hochkapitalismus. 20.15 Uhr, im Hörsaal 44. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Lindenwirtin". — Astoria-Lichtspielc: „Die weiße Spinne" und „Frauen am Abgrund". — Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: Morgen, Freitag, gelangt unter der Regie von Karl Dvlck das Lustspiel „Geschäft mit Amerika" zur Aufführung. Mit- wirlende: die Damen 3ahn, Leuthols, Schwend: die Herren Bäuerle, Hauer. — Der Goethe-Bund teilt uns mit: Zu dem ersten Dichterabend dieses Winters konnte der bekannte Dichter 3 oscf Ponten zu einer Dorlesung gewonnen werden. 3m ersten Teile des Abends am kommenden Montag wird der Dichter aus dem Buch „Seine Hochzeitsreise" vorlesen. 3m zweiten Teile des Dichterabends kommen Kapitel seines großen Romanwerkes „Wolga Wolga" zur Dorlesung. Mit diesem Werk hat der Dichter den Dersuch unternommen, das Deutschtum in der Welt als ein Ganzes zu begreifen und sichtbar vor Augen zu stellen. Der Abend wird eine interessante Dichterpersönlichkeit an den Dortragstisch führen. (Siehe heutige Anzeige.) — Sparer- und R e n tn e r v e r s a mm- lung. Die hiesigen Ortsgruppen des Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverbandes (Sparerbund) und des Deutschen Rentnerbundes halten am morgigen Freitagabend im „Pfälzer Hof" eine gemeinsame Mitgliederversammlung ab, in der sehr wichtige aktuelle Fragen für die Gläubiger von Aufwertungshypothelen und sonstige 3nslationsgeschädigte verhandelt werden sollen. Zu der Versammlung haben auch Richtmitglieder Zutritt. — Der Evangelische Kirchengesang- verein veranstaltet am Sonntag, 20 Uhr, in der Stadtkirche ein dem Totensonntag angepaßtes Kirchenkonzert. Eine Reihe von namhaften auswärtigen und hiesigen Kräften wirkt mit. Arien, die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme" von I. S. Bach mit Orchesterbegleitung u. a. m. kommen zu Gehör. Näheres in der Anzeige am nächsten Samstag. ♦ •* Der preußische Bußtags -Bes u ch in unserer Stadt am gestrigen Mittwoch war infolge des regnerischen Wetters und der gegen das Dorjahr wesentlich verschlechterten Wirtschaftslage geringer, als am Bußtage des vorigen 3ahres. Der Rückgang des Besuchs machte sich sowohl aus der Reichsbahn, wie im Kraftomnibusverkehr und natürlich auch in den Geschäften bemerkbar. 3mmerhin darf gesagt werden, daß auch der bescheidenere Fremdenverkehr in unserer Stadt am gestrigen Tage den Ladengeschäften und Erholungsstätten eine zusätzliche 3nanspruch- nahme gebracht hat, die in der heutigen schweren Wirtschaftszeit von den Geschäftsinhabern willkommen geheißen wurde. *• For st Personal! e. Der Amtsvorstand des Forstamts Mönchbruch, Forstmeister Rudolf A r n o l d i, wurde in gleicher Diensteigenschaft in das Forstamt Rabenau verseht. " Dahnhofspersonalie. Der Hilfs- bahnhofschaffner Karl Rodenhausen von Wieseck wurde rückwirkend ab 1. Rovember als Bahnhofsschasfner beim Bahnhof Gießen etatmäßig angestellt. Der Strahenbahnverkehr zum Reuen Friedhof beginnt am kommenden Samstag und Sonntag anläßlich des Totenfestes bereits um 10 Uhr. (Siehe heutige Bekanntmachung.) Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige,. wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf nationalen Handlungsgehilfen-DerbandeS sprach Kreisgeschäftsführer Klaue (Frankfurt a. M.) über: „Standesnot, unsere sozial- und gewerkschaftspolitischen Ziele". Der Kaufmannsgehilfen- stand sei schon lange vor Eintritt der augenblicklichen Wirtschaftskrise durch den durch die Rationalisierung der Wirtschaft bedingten Abbau stark in Mitleidenschaft gezogen. Dem Kaufmanns- gehilfenstcrnd, als einem wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben, mühten größere Sicherheiten gegeben werden. Unter der Devise „Sicherung des Arbeitsplatzes" habe der DHB. eine Reihe wichtiger Forderungen an den Reichstag und die Parteien gerichtet, von denen besonders hervor- gehoben seien die rechtliche Sicherung des festen Monatsgehaltes, der Ausbau des Schuhes für die älteren Angestellten und des Kündigungsschutzes aus dem Detriebsrätegeseh, sowie Maßnahmen gegen die Doppelverdiener. Die Dersammlung faßte im Anschluß an den Dortrag eine Entschließung zum Lohn- und Preisabbau, in der es u. a. heißt: „Die Ortsgruppe Gießen des DHB. nahm Stellung zu den aktuellen Fragen des Lohn- und Preisabbaues und stellte fest, daß die Gehälter der Kcrufmannsgehilfen bei weitem auch dann nicht an die vergleichbaren Beamtengehälter heranreichen, wenn diese um 6 v. H. gekürzt sind. Dabei ist die Lebenssicherheit der Beamten größer als bei den Kaufmanns- gehilfen, deren Gehälter in vielen Fällen bereits gekürzt sind und die schon eine Diertelmillion stellenlosen Kollegen der Wirtschaftskrise zum Opfer gebracht haben. Die regierungsseitige und in Unternehmerkreisen vertretene Auffassung, daß NUN auch die Angestellten-Tarifgehälter gekürzt werden müßten, lehnt die Ortsgruppe des DHB. ab. Die Angestelltengehälter machen nur einen sehr geringen Bruchteil der Gestehungskosten bzw. Berkaufspreise aus: sie sind auch seit der Währungsstabilisierung nicht so schnell wie die Arbeiterlöhne gestiegen und bleiben für einen großen Teil der Angestellten noch wesentiich hinter diesen zurück. Die Ortsgruppe Gießen des DHB. erachtet es deshalb als selbstverständlich, daß erst eine wesentliche Preissenkung der Lebensmittel und sonstigen Bedarfsartikel eintreten muß, ehe an eine Senkung der Ange st ell tengehä 1 ter gedacht werden farm. Die Ortsgruppe appelliert deshalb an die hiesigen Arbeitgeber, sich von der allgemeinen Gehaltsabbau-Psychose freizuhalten und ihren Mitarbeitern eine gerechte Beurteilung ihrer Lage zuteil werden zu lassen." ” Die Gesellschaft zur Förderung gesundheitlicher Ernährung trat in Verbindung mit dem Reformhaus Paul Scholz (Gießen) als Beranstalter eines Lehrganges für neuzeitliche Küchenführung auf. Der Kursus, der in zwei Abenden durchgeführt wurde, vereinigte im Kaufmännischen Dereinshaus eine Reihe von Haussrauen und junge Mädchen, die sich die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft der letzten 3ahre zu eigen machen wollten. Fräulein Ruth v. Hermanni, die Leiterin des Kurses, entwickelte in übersichtlicher Form die Theorien der salzarmen und eiweihbeschränkten Ernährung. Durch praktische Zubereitung und Der- teilung von Kostproben, gewannen die Teilnehmerinnen einen Einblick in die Technik und ben Sinn moderner Küchenführung. Das Elektrizitätswerk hatte für die Vorführungen einen elektrischen Kochherd zur Verfügung gestellt, das Reformhaus Scholz durch Bereitstellung von notwendigen Hilfsmitteln, Extrakten, Oelen, Fetten und verschiedenen anderen Materialien den Kursus unterstützt. Malzkaffee fchmeckt Ihnen nicht ? Kochen Sie ihn doch mit dann fchmeckt er! ** Aufgehobene Straßensperre. Tiit- geteilt vorn Oberhessischen Automobilklub E. D. (A. v. D.), Gießen: Die Straßensperrung Alten- bürg — Brauerfchwend, im Zuge der Pro- vinzialstraße Alsfeld—Fulda, ist ab 19. November aufgehoben. ** Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende. Im Rahmen dieser Veranstaltung, die von der Industrie, und Handels- Jammer und der Hochschulgesellschaft gemeinsam in die Wege geleitet wurde, beginnt heute abend die Vorlesungsreihe von Professor Dr. Len z. ** Zu dem Motorradunfall, über den wir gestern berichteten, wird uns von dem Vater des verunglückten Klein mitgeteilt, daß der Unfall sich auf der Landstraße nach Steinbach, kurz vor der 9. Schneise ereignet hat. Es habe aber kein Zu- sammenstoß mit einem Auto slattgefunden, sondern das Motorrad sei beim Ausweichen vor einem entgegenkommenden Fuhrwerk auf der nassen Straße ins Rutschen gekommen, und dadurch seien die jungen Leute gestürzt. Auf Rückfrage bei dem Gewährsmann unseres gestrigen Berichts wird uns erklärt, daß ihm bei seiner Darstellung ein Mißverständnis unterlaufen sei. ** Deuts chnationaler Handlungs- gehilfen-Verband. 3n einer gut besuchten Versammlung der Ortsgruppe Gießen des Deutsch* □ O o BETRIEBSAM LAGEN ausgeschaltet ist, 100% seines Kaufpreises an Waren. MAKEDON ZIGARETTENFABRIK G.M.B.H., MAINZ A. IFL Es ist selbstverständlich, daß wir jede technische Neuerung, die sich bei der Zigarettenfabrikation bewährt, unverzüglich einführen. So gewährleisten z. B. unsere Maschinen neuester Art eine Fabrikation, die das Eindringen jeden Fremdkörpers vollständig unmöglich macht. Die Raucher unserer PERFEKT erhalten also eine reine Zigarette/ Außerdem bieten wir aber noch einen weiteren Vorteil: Die Herstellung unserer Zigarette, von der Aussaat desTabaks bis zum Fertigprodukt, liegt ausschließlich in unseren Händen. Der Raucher unserer Marken erhält Generalvertretung: J. Meyer-Höckell, Frankfurt am Main, Staufenstraße 2, Tel. 73 884 Q e N • 8 C I »TU TT GART- fllb’bel- Politur MchLruä. .Denn ich e Mr den Abe, vor dm Schic Alpät nad; Suöen der Sic ^reie tfage bevorz. Schrtftl. Augeb. mit Pretsang. unt. 07187 an den Gieß. Anz. 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Kglg.9 U.Unterh. W.Blnm, Krenxpl. 11. Bettstelle mit Matratze für 20 Mk. zu verk. onre Ikudwigstr. 14 I. Prell mit Auftragtuch RM. t.— I SCHADEN FüLLGRABE Nr. 272 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 20. November (930 Vas britische Weltreich am Kreuzweg. Das Scheiieni der Weltreichskonferenz. - Frei anbei oder Reichsschuhzoll? Don unserem z-Derichterstatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. London, Dovember 1930. Die britische Reichskonferenz ist nach siebenwöchigen Beratungen, an denen die Premierminister aller Dominien teilnahmen, f a st e r g e b - niSlos auseinandergegang e n. D. h. es sind nur einige wenige verfassungsrechtliche Beschlüsse gefaßt worden, die den Dominien ihre ^Unabhängigkeit erneut bestätigen und einen weiteren Schritt auf dem Wege der verfassungsrechtlichen Umgestaltung des britischen Weltreichs zu einem Staatenbunär unabhängiger, nur noch durch die Krone verbundener Länder bedeuten, während die Lösung fast aller wirtschaftlicher Fragen auf eine Konferenz vertagt worden ist, die 1931 in Ottawa in Kanada stattfinden foll/ Die groß-britannische Regierung hat zwar, troh der wütenden Opposition Snowdens, nicht umhin gekonnt, die Borzugszölle für gewisse Waren aus den Dominien für weitere drei Jahre aufrechtzuerhalten, aber die große Frage der Einführung eines Weizenfchutzzolles für das britische Weltreich, der von dem kanadischen Premierminister vorgeschlagen wurde, ist un- aelöst geblieben. 2a, die Besprechungen hierüber haben deutlich gezeigt, daß eine Labour-Regie- rung kaum je imstande sein dürfte, sich positiv für solche Schutzzölle für auf reichseigenem Boden gewachsene Produkte einzusehen, weil dies der Tradition der freihändlerischen Arbeiterpartei nicht entsprechen würde. Die Enttäuschung über den Ausgang der Reichskonserenz ist denn auch ungewöhnlich groß, und man kann wohl sagen, daß kaum je seit Bestehen des Weltreiches so offen dieser Enttäuschung Ausdruck gegeben worden ist. Es wirkte wie ein offener Tadel für Macdonald, daß der kanadisch« Premierminister Bennett in seiner Schlußansprache der Erwartung Ausdruck gab, seine Vorschläge würden doch noch das nächste Jahr angenommen werden, und die offene Zustimmung deS Premierministers von lAustralien, S c u l - l i n , zu diesen Ausführungen des Kanadiers wirkten um so überraschender, als ja schließlich auch Australien zur Zeit eine Arbeiterregierung hat. Die britische Presse sieht daher diesen Ausgang der Konferenz nicht ohne Sorge an. Es wäre zwar lächerlich, wenn man behaupten wollte, daß die Konferenz den Beginn vom Ende des britischen Weltreiches bedeutet, aber immerhin ist doch nicht zu leugnen, daß Groß- Britannien an einem wichtigen Wendepunkt seiner Geschichte steht, der für das fernere Schicksal des britischen Reiches von entscheidender Bedeutung ist. Wenn man das britische Weltreich in seinem heutigen Umfang und in seiner heutigen Form genauer betrachtet, so vergißt man meist, daß dieses größte Weltreich un.e.er Erde eine junge Schöpfung ist. Genau genommen besteht es er st seit etwa fünfzig Zähren, während man in den vorhergehenden Iahrzehnien erster Eroberungen auch in England selbst keine Vorstellung davon halt:, welche Entwicklung die koloniale Betätigung der Briten eines Tages nehmen würde. Cs ist daher nur zu bezeichnend, daß in jener Zeit vor fünfzig Zähren, in der zum ersten Qltale eine Art Krise in der kolonialen Betätigung der Engländer zu verspüren war, dieselbe Frage auftauchte, die auch heute wieder zur Debatte steht: die Frage, ob England sich auf fein eigenes Znteresse beschränken, oder ob es sein Weltreich verteidigen und ausbauen solle. Die Partei der „K le i ne ng l ä n d« r", von der man heute kaum mehr sprich , war sei erzci. durchaus nicht unbedeutend. Es bedurfte erst der augenfälligen wirtschaftlichen Erfolge der britischen Kolonisatoren, bis die Meinung in England um schlug und das große Publikum wieder jenen Geschmack an Reichsangelegenheiten gewann, der die Voraussetzung für eine wirkliche Weltmachtpolitik ist und bleibt. Die Parallele mit jenen Zähren zeigt aber auch, wie grundlegend der Wandel ist, der inzwischen in England selbst vor sich gegangen ist. Seinerzeit hatte England noch eine zahlreiche landwirtschaftliche Bevölkerung, seine Z n d u st r ie blühte und war allmächtig auf dem Weltmarkt, seine Flotte beherrschte den Ozean, und auf dem europäischen Kontinent war keine Mach', die England hätte bedrohen können, während der amerikanische Imperialismus noch in den Windeln lag. Die Sorgen, die sich die Kleinengländer machten, waren die des reichen Mannes, der befürch et, daß sein Wohlstand allzu groß werden könnte. Vergleicht man damit die heutige Fragestellung, so fallen die älntersch'.ede so kraß ins Auge, daß man kaum viel Worte darüber zu verlieren braucht. Denn heute ist England eben nicht mehr die alleinige See» und Industriemacht der Welt, und innere Reserven, die man großzügig einsetzen könnte, um die Dominien an das Mutterland zu ketten, wie man das seinerzeit mit der landwirtschas tlichen Bevölkerung und der Industrie machte, sind nicht mehr vorhanden. Wenn England sich den Zusammenhalt mit den inzwischen selbständig gewordenen Kolonialländern erhalten will, so muß es heute, zum ersten Male in seiner Geschichte, Opfer bringen, die Großbritannien aus Eigenem bezahlen muß, bzw. am eigenen Leibe verspürt, Und diese Opfer können nur wirtschaftlicher Datur sein, weil es politische Bindemittel kaum mehr gibt, da die Dominien landwirtschaftliche Bevölkerung nicht mehr ausnehmen, und da auch die Expansion der britischen Industrie in den Dominien nicht mehr gern gesehen wird. ( Daß gerade in dem Augenblick, in dem alles daraus ankommt, daß derartige wirtschaftliche Opfer von Großbritannien gebracht werden, die britische Regierung versagt hat, hat also zweifellos symptomatische Bedeutung über den Augenblick hinaus. Di« britische Qlrbeiter- partei oder zum mindesten gewisse Telle dieser Partei unter Führung Snowdens, des besten wirtschaftlichen Sachverständigen der Partei, haben vor dem Rcichsprob.em versag'. Sie haben in durchaus verständlicher, wenn auch vielleicht kurzsichtiger Weise, die Interessen des Mutterlandes über die des Reiches gestellt und den geforderten Zollschuh für Dominienprodulte abgelehnt, weil sie befürchteten, daß mit den Zöllen eine Verteuerung der Lebensmittel und damit eine Schädigung des britischen Industrieexports eintreten würde. Ein Bedenken, das ja immerhin angesichts der Weltwirt chaftskri'e durchaus ernft» ha,t gewürdigt zu werden verdient, da Vorzugszölle für die Dominien im Verlause weniger Iahre zwcifellvs zu einer Schädigung des britischen Han- Hauch von Pans. Von Albert H. tausch. V. 2nonfparnaffe. Wenn ich eingeladen war („dans le monde“) oder den Abend über gearbeitet habe, fahre ich vor dem Schlafengehen oder Weiterarbeiten oft noch spät nach Montparnasse hinunter. In den Süden der Stadt. In jenes Viertel zwischen dem Bahnhof Montparnasse, von dem aus die Züge nach der Bretagne fahren, und der Avenue de l’Observatoire, welche zum Luxembourg hinführt. Das Rachtieben von Montmartre findet hier sein Gegenspiel: aber es hat eine andere Geste und einen anderen Ton. ES ist weniger für die Fremden, vor allem für die Amerikaner, hergerichtet, welche nur zu kurzem Aufenthalt nach Paris kommen und in möglichst wenig Tagen möglichst viel Pariserisches sehen wollen. Es ist für die Pariser selbst bestimmt und jene zahlreiche Iugend, die sich zu oft laugen Studienaufenthalten einfindet. Es ist ohne Bluff, ohne erzwungene und falsche Romantik. Es ist in einzelnen Bars und Dancings nicht anders als in den gleichen Orten aller Hauptstädte: farblos, bürgerlich und teuer. Es ist in einigen anderen von großem, heimlichem Reiz für den Eingeweihten — und manchmal voll von angenehmen Ueberraschungen. Sobald aber eine Bar in Mode kommt, ist ihr Ende besiegelt. Denn eben jene Menschen, welche sich in ihr etwas wie ein Asyl geschaffen und diesem einen besonderen Stempel aufgedrückt haben, haben einen großen Widerwillen gegen den Zustrom ungleichartiger Elemente — einen noch größeren aber gegen ein Begafft- ode» Delauschtwerden. Es genügen manchmal wenige Tage, um ein Todesurteil au vollstrecken. Die Nachtvögel haben sich ein anderes Rest gesucht, wo sw so lange bleiben, bis sich der gleiche Vorgang wiederholt. Ich könnte eine Reihe von Ramen solcher entzückenden Zufluchtstellen nennen: ich werd« mich hüten, es zu tun. Wer kurz nach Paris kommt, hat in ihnen nichts zu suchen. Wer lange bleibt, soll sich seiner Witterung und den schönen Zufällen des Lebens anvertrauen. Rur so findet er. wohin er gehört. Rur so wird er kein Störenfried in der Heimat anderer. Was da an Fremden in den großen, hochsihigen Sammelwagen durch das „Rachileben" von Paris herumgefahren wird, ahnt gar nicht, wie wenig mit Paris zu tun hat, was man ihm zeigt--das Schau,piel dieser zusammengepferchten Menschen, die nach Gott weiß, welchen Reizen lüstern sind (je nach Phantasien und „Komplexen"), hat etwas unbeschreiblich Trauriges für den Wissenden: die Verachtung, die ihnen der Mann aus dem Pariser Volk entgegenbringt, kennt gar keine Grenzen. Wie ost, wie oft habe ich — gerade in Montparnasse — Worte aus dem Mund einfacher Leute ungefähr des Sinnes gehört: „Unb das Zeug glaubt nun, etwas von den Parisern und ihrem Leben zu wissen, well man ihm Sekt und Cocktails aufschwätzt." Die Pariser— auch die von Montparnasse, sowie die von Montmartre — sind sehr bürgerliche, brave, fleißige Leute, die schlau genug sind, um zu wissen, wie man mit wenig Aufwand soviel als möglich Geld verdient. Sie sind gute Menschenkenner, welche den urteilslofen Fremden genau in den Bann zwingen, in dem sie ihn haben wollen. Dor allem: die Mühe, die Anstrengung ihres Geschäftes wird nicht sichtbar! Lind dies ist, in hundertfacher Abwandlung, ihr größtes Geheimnis. „Leichtigkeit" ist der Sinn dieses Rachllebens von Montparnasse — und ganz und gar nicht „Raffinement". „Oiissez, mortels, n’appuyez pas“ („Gleitet, Menschen, haftet nicht").. Aus d'.e er Leichtigkeit webt sich die Atmosphäre Oer Rächt des Pariser Südens: in dieser Leichtigkeit liegt ihr Zauber, liegt ihre Fähigkeit, auch das schwerste Denken zu entlasten. In Montparnasse ist nich.s von Pomp und Aufmachung: da ist alles — man» braucht ja nur an die großen Cafes Dome und Rotondc zu denken — Einfachheit, ja fast Dürftigkeit: und allein die Zwanglosigkeit der Menschen untereinander schafft jene Lust, in der das Leben zum umhüllenden Traum wird. ilnb doch liegt eine unendliche Melancholie über all diesen Stät.en, wo Derlangen nach Licht, nach Wärme und Gemeinschaft die Menschen zusammendrängt. Denn in diesem Rebeneinander — diesem beliebigen und häufig gewechselten Rebeneinander — ist nur selten ein wirtliches Miteinander: und gerade am Cafe du Dome, wo die vielen unbekannten und hoffenden Maler Abend für Abend sitzen: Maler aus allen Ländern der Welt, ost genug bettelarme, die sich das Geld für die Leinwand am Munde absparen müssen.. gerade an diesem Cafe ist die Heimatlosigkeit, die Verlorenheit, der unentwegteste East. Wer da in Herzen, wer da in Hirne schauen könnte.. Heber all dies oft Gedachte sann ich nach, während ich langsam im Lichlgeriesel auf und ab wanderte, die mitternächtige Menge des Totentages musternd: als mir plötzlich Georges begegnete .. Da stand er vor mir, hielt mir beide Hände |ijin, und sagte nur: „Est-ce possible?“.. 3a, ich war zurückgekommen für den Winter.. und ich war es wirklich — und er war es auch.. Unb es war sehr schön, daß wir es beide waren.. (wird fortgesetzt.) Hochschulnachnchten. Prof. D. Dr. Georg Wehrung. Ordinarius der systematischen Theologie in Hall e, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Tübingen angenommen. — Der Berliner Privatdozent Landrichter Dr. Helmut Kühl hat den Ruf an die Handelshochschule Mannheim als Ordinarius für bürgerliches Recht und Arbeitsrecht als Rachfolger von Prof. Lautner angenommen. — In der philosophischen Fakultät der Universität Berlin ist der a. o. Prozessor für Wirtschaftsgeographie Dr. Alfred Rühl zum ordentlichen Professor ernannt worden. delS mit dem europäischen Festlande und damit zu einer gänzlichen Umgeftaltung der britischen Wirtschaft führen könnten. Daß die Dinge so liegen, versteht man aber nicht in den Dominien, in denen ja auch allmählich die eigenen wirtschaftlichen Interessen so stark werden, daß sie nicht aus politischen Gründen beiseitegeschoben werden können. Das aber ist gerade die Tragik der Situation. Denn so wohlerwogen di« Stellungnahme der Arbeiterregierung war, auf so wenig Verständnis stößt sie bei den Dominien, ja auch in den reichsfreundlichen Kreisen Englands selbst. Die Arbeiterregierung erscheint vielen als reichsfeindlich, bzw. als unfähig, Reichsprobleme zu lösen, die wirtschaftliche Opfer von der GroßstadtbevLl.'erung Großbritanniens fordern, obwohl, das verdient besonders hervorgehoben zu werden, auch keine andere Partei in England vorläufig In der Lage sein würde, eine sehr anders geartete Haltung in diesen Fragen einzunehmen. Die Frage: Freihandel oder Äcichsschutzzoll, ist eben eine Schicksalsfrage an das britische Volk, die nicht eindeutig zu beantworten ist. Wenn bie Reichskonserenz, was vielfach durchaus für möglich gehalten wird, somit das ihrige dazu beigetragen haben solfte, die Regierungszeit der Arbeiterregierung abzukurzen, so wird man also nicht vergessen dürfen, daß auh di« künftigen Regierungen Großbritanniens sachlich eine von der Haltung der Arbeiterregierung nicht sehr vcrschie- bene Haltung einnehmen können, wenn fie nicht Demagogen und extremen Sozialisten das Feld überladen und damit so oder so eine gänzliche Umftcllung der Außen- und Innenpolitik Großbritanniens herbeiführen wollen. Rundsunkhörer gegen Rundsunkstörer. Oer Kampf im Aether. — Starkstrom, Schwachstrom und was dahinter steht. Prozeß oder technische Verbesserung? — Oer Rundfunk soll seine Sendeanlagen und Empfangsapparate verbessern. — Mehrere deutsche Großsender im Bau. Oer Llltrakurzwellensender mit störungsfreien Wellen. Von Or. Herbert E. Trieb. Ein Mann dreht stirnrunzelnd an seinem Radioapparat herum. Es klingt, als ob jemand aus dem Empfangsgerät heraus schnarche. Mit einem Fluch wird der Apparat abgestellt. Der Grund der ärgerlichen Störung: ein rücksichtsloser Rachbar läßt seinen Elektromotor laufen! Unter Umständen wird diese alltägliche Geschichte vom beeinträchtigten Genuß der Rundfunkdarbietungen im Gerichtssaal enden. Prozesse dieser Art sind häufig und werden von der Reichsrundfunkgesellschaft auf ihre Kosten geführt, um — soweit das juristisch möglich ist — den Räubern akustischer Genüsse das Handwerk zu legen. Ein wimmelndes Leben erfüllt unsichtbar den Raum. Wellen des Lichts, der Wärme, der Elektrizität fluten aneinander vorbei, Schwachstromwellen der Rundfunksender flitzen durch den Aether und treffen fich mit den Wellen, die von Starkstromleitungen, von elektrischen Motoren und von allerlei Apparaten ausgehen. Run sind diese Wellen verschieden stark. Sie stören sich gegenseitig, ein regelrechter Kampf beginnt, die Schwin- gungen „addieren sich geometrisch", wie der Fachmann sagt. Das Ergebnis erscheint dann als greulicher Mißton im Lautsprecher eines Radioapparates. । Der Kampf im Aether ist in der Hauptsache ein Streit zwischen Starkstrom und Schwachstrom, und hinter diesen feindlichen elektrischen Energien stehen gewaltige Industrien und öffentliche Körperschaften mit allen ihren Macht- und Rechtsansprüchen. Die Starkstromindustrie und die Elektrizitätswirtschaft pochen auf ihre - überragend« wirtschaftliche Bedeutung mit einer Weltleistung von jährlich 250 Milliarden Kilowatt: der Vertreter des Schwachstroms, der Rundfunk, macht seine kulturelle Bedeutung für 20 Millionen Menschen auf der Welt und für 3 250 000 Hörer in Deutschland geltend. Wer hat in diesem Kampf recht? Die Frage ist, so gestellt, nicht zu beantworten. Wer irgendeinen elektrischen Motor oder irgendein anderes elektrisches Gerät benützt, tut das mit derselben Berechtigung, mit welcher sich der dadurch gestörte Besitzer eines Radioapparates gegen die Beein- trächtigung seines Hörgenusses beklagt. Zu beseitigen ist das Liebel nicht auf rechtlichem, sondern nur auf technischem Weg. Man kann das Problem auf zweierlei Art lösen: entweder von der Seite der störenden Wellen her, indem durch geeignete Maßnahmen ihr Auftreten beseitigt wird, ober zweitens von der Seite der gestörten Wellen her, indem man sie so stark macht, daß ihnen fremde Schwingungen nichts anhaben können. Beide Möglichkeiten werden von den Industrien, dem Rundfunk und der Elektrizitätswirtschaft tatsächlich vertreten, und zwar so entschieden, daß man sagen kann, dem Kampf im Aether gehe ein Kamps der Technik zur Seite. Der Rundsünk stellt fich auf den Standpunkt: alle Besitzer von Anlagen und Apparaten, die störende Starkstromwellen aussenden, sollen sie im Interesse einer einwandfreien Sendung zu den Haupt» funkzeiten nicht benützen und müssen in allen Fällen, in denen Störungen unvermeidlich sind, ihre Apparate und Geräte mit einem StörungS- schuh versehen. Llnzählige Fälle der Art werden ja durch Vereinbarung gütlich geregelt, viele andere allerdings müssen durch Prozesse ausgetragen werden. Diese Prozesse sind nicht billig, sie kosten durchschnittlich 400 Mark, dazu kommen in den meisten Fällen Gutachterhonorare, die nicht selten bis zu 800 Mark betragen. Im Iahre 1929 sind 90 solcher Prozesse geführt worden. Wenn sie auch meistens zugunsten des Rundfunks, d.h. des klagenden Hörers, entschieden wurden, so hat man doch den Eindruck, daß dies« Methode besonders im Hinblick auf ihre Um* ständlichkeit und Kostspieligkeit nicht befriedigen kann. Die andere Partei, die Vertreter des Starkstroms, sind auch gar nicht damit zufrieden. Sie beflogen fich einmal darüber, daß ihre Industrie, jahrzehntelang ausgebaut, fich plötzlich zugunsten einer jüngeren, weniger bedeutenden umstellen soll. Verstoße dies schon ganz gegen jede rechtliche Gewohnheit, so sei es vollends aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich. Dr.-Ing. h. c. H. Pafsavant hat dazu in einem Vortrag auf der Hauptversammlung der Vereinigung deutscher Elektrizitätswerke nähere Angaben gemacht. Rach ihm betragen die Kosten für die zur Zeit üblichen Entstörungsvorrichtungen zwischen Fridolin im Weltkrieg. Anekdote von Karl Federn. Nachdruck verboten. Wenige Leute werden auf ein Kriegserlebnis zu- rücksehen können, wie es unserem Freunde Hoch- meier begegnet ist, der es uns eines Abends, da wir in einer Weinstube in Bern beisammensaßen, in aller Unschuld erzählte. Man muß sich Hochmeier vorstellen, schon ein wenig beleibt, kahlköpfig, mit mächtigem grauen Schnurrbart, der die Gutmütigkeit seines Ausdrucks nur erhöht, schlauen und freundlichen Aeuglein, wie er auch wirklich klug und gutmütig ist: dazu Rheinländer und weinliebend. Er hatte im ersten Kriegsjahr geschäftlich in Genf zu tun, war mit besonderen Empfehlungen hingekommen und hatte sich eines Sonntags nachmittags, vermutlich nach einem üppigen Mittagessen und einer Flasche von herrlichem Dole oder Mont d'or, in die Straßenbahn gesetzt, um einen Ausflug nach einem der schöngelegenen kleinen Orte am See zu machen. Es war ein heißer Sommernachmittag. Hochmeier lehnte sich auf seiner Bank zurück und sah erst noch die Landschaft, Büsche, das blendende blaue Wasser und die runden weihen Wölkchen traumhast flimmernd an sich vorüber- gleiten, dann entschlief er und fuhr, den Kopf an das erwärmte Holz gelehnt, vermutlich von Fliegen umsummt, harmlos dahin. Irgendwo hielt der Wagen an; Stimmen ertönten, und Hochmeier erwachte, sah um sich und bemerkte am andern Ende des Wagens einen Mann, der einem der Wageninsassen Papiere abnahm, sie eine Weile betrachtete und zurückgab, worauf er sich an den nächsten wendete. Und es fiel Hochmeier auf, daß dieser Mann eine blau-weiß-rote Binde am Arm trug. So verschlafen er war, fiel ihm dies lebhaft ein, und sich wachrüttelnd: „Hilf, Herr Gott, ich bin in Frankreich!" sagte er zu sich selber, „ich muh falsch gefahren sein. Das ist eine schöne Geschichte!" Es war, wie schon bemerkt, im ersten Kriegsjahr und die Grenzen noch nicht so strenge gesperrt und so scharf überwacht, wie dies später allenthalben geschah. Der Mann mit der blau-weiß-roten Binde war am andern Ende des Wagens beschäftigt und hielt sich bei jedem einzelnen Mitfahrenden ziemlich lange auf. So gelaßen, wie er es vermochte, stand Hochmeier auf, stieg über die ihm zunächst gelegene Plattform aus und ging langsam dem Wagen entlang zurück und weiter, in der entgegengesetzten Richtung als die, in der er gekommen war. Zunächst hatte wirklich niemand auf ihn geachtet, dem harmlosen dicken Herrn, der im weihen Sommeranzug, den Sttohhut auf dem Kopf, dahinging: dann hörte er laut rufen, tat aber, als könnte das nicht ihm gelten, und schritt, ohne sich umzusehen, weiter, langsam, dann rascher, immer dem Geleise nach. Und in der Tat kam niemand hinter ihm her, woraus er schließen durste, daß er sich bereits wieder auf Schweizer Boden befand. Tiefatmend ging «t an dem Geleise hin, das jetzt mit einem andern zusammenfloh. Damit war ihm auch klar, daß er irrtümlich in den Wagen einer anderen Linie gestiegen sein muhte, der auf dem gleichen Geleise von Genf ab und über die Grenz« nach einem der französischen Orte am Seeufer fuhr. Weitergehend, fand er indessen, dah das Geleise sich abermals, und jetzt in entgegengesetzter Richtung gabelte, was ihm keineswegs angenehm war, da er nun nicht wußte, auf welchem er gekommen und welches am schnellsten nach Genf zurückführte. Die Straße war menschenleer. Er ent- schloß sich, der Strecke zu folgen, die seinem Gefühl nach die rechte fein muhte, und ging und ging. Die Schienen liefen einen einsamen Weg zwischen Büschen hin. Er muhte lange geschlafen haben: leider wußte er nicht, wie lange; schließlich kam er in ein gröheres Dorf, das er schlummernd durchfahren haben muhte. Auf dem Haupt- Platz stand die Kirche offen; Lichter glänzten am Altar; er konnte die Stimme des Priesters hören, und er trat ein, um Gott für seine Rettung zu danken. In Andacht versunken, folgte ct dem Gottesdienst, bis ihm, der selten ein« Mess« versäumt hatte, und in kirchlichen Dingen wohlbewandert war. irgend etwas am Ritus als ungewohnt und fremd auffiel. Lind jetzt hörte er, wie der Geistliche laut um Sieg für die französischen Waffen betete... „O Gott! Ich bin schon wieder in Frankreich", sagte er sich. Er mußte auch wach und zu Fuß den Weg verfehlt haben! Trotz der Kirchenkühle brach ihm der Schweiß aus allen Gliedern. Er blieb bis zuletzt und hat, wie er uns sagte, inbrünstig gebetet; er verließ das Gotteshaus erst in der Menge der andern Gläubigen. Draußen auf dem Platze, der bereits dämmerte, standen die Leute in erregtem Gespräch; er hört« sie sagen, dah berittene Gendarmen do rüber gekommen waren, die einen „Boche" suchten, der sich irgendwo an der Grenze verdächtig gemacht hatte. Hochmeier horchte nicht lange; wieder schritt er so gelassen wie möglich den Weg zurück, den er gekommen war. Sobald er sich allein im Wald« sah, nahm er seinen Landsturmpah aus der Rocktasche, zerriß üjn für alle Fälle in kleine Stücke und warf ihn in ein Gebüsch. Aber er vergaß ganz, dah er auch irgendeine Empfehlung eines deutschen Offiziers in der Tasche trug, die, ob an sich völlig harmlos, ihm vielleicht verderblicher werden konnte ... Es kam nicht dazu. Er ging etwa eine Stunde unangefochten, dann sah er das weihe Kreuz im roten Feld an einem Zvllhause mit inniger Freude. In der Kirche hatten ihn die französischen Gendarmen nicht gesucht! „Ein frommer Knecht war Fridolin", Jagten zwei Herren an unserem Tisch zugleich. 2 bis 100 Prozent vom GestehungSpreiS teS um* geänderten Apparates. Er führt als Beispiel den Fall eines Fleischers an, der auf die Klage eines Hörers vom Gericht zur Umänderung feines Elektromotors verurteilt wurde, und zwar legte man ihm auf, für die notwendige Entstö- rungsvorrichtung bis zu 200 Mark zu bezahlen, daS sind schätzungsweise 50 Prozent dessen, was ihm der ganze Motor gekostet hatte. Auf diese Weise, erklären die Vertreter des Starkstroms, würde die Volkswirtschaft ganz übermäßig und dazu noch unproduktiv belastet, wozu noch komme, daß man für die Unschädlichkeit der bisher üblichen, mit Kondensatoren arbeitenden Entstö- rungsvorrichtungen nicht garantieren könne. Es gäbe daher nur eine Möglichkeit: der Rundfunk müsse, wozu er bisher leider nicht die geringste Neigung gezeigt habe, von sich aus dem Liebel steuern: durch entsprechende Verbesserung seiner Sendeanlagen und Empfangsapparate. Dr. Passavant hat in seinem erwähnten Vortrag über die praktische Durchführbarkeit dieses Gedankens interessante Angaben gemacht. Er führt etwa aus: Aach einem physikalischen Grundgesetz sichere man irgendeine Kraft gegen Störung durch eine andere am besten, indem man sie so weit verstärkt, Latz die Störung auf einen Prozentsatz herabsinkt, der praktisch nicht mehr in Betracht kommt. Im Falle Rundfunk ergäbe sich daraus folgendes: Die nutzbare Kraft der verteilten Wellen werde bestimmt von der Stärke des elektrischen Feldes am Ort des Empfanges, diese hänge aber ab von der Leistung der Sendestation. Sei diese gering, so müßten notwendig die Wellen am Ort des Empfangs so schwach werden, daß sie fremden Wellen gegenüber nicht aufkommen könnten. Da aber die Leistung der meisten deutschen Sender nicht genüge, um die unbedingt notwendige Empfangsfeldstarke zu halten, seien die dauernden Störungen unvermeidlich. Gr kommt also zu dem Schluß: das Störungsübel könne nur befriedigend beseitigt werden, wenn man die Leistung der deutschen Sender und damit die Stärke der Rundfunkwellen am Gmpfangsort erhöhe. Sache der Techniker sei es dann, herauszufinden, welches die wirtschaftlich und sendetechnisch günstigste Leistungsstärke sei. Diese Lösung der Störungsfrage sei jedenfalls wirtschaftlich tragbarer und technisch einwandfreier als die auf dem bisherigen Wege versuchte. Dazu muß freilich gesagt werden, daß damit Störungen beim Fernempfang nicht beseitigt werden könnten, aber Dr. Passavant steht auf dem Standpunkt, daß man vor allem einmal den deutschen und europäischen Empfang sichersbellen müsse. In den Kreisen des Rundfunks steht man diesen Gedanken anscheinend nicht unbedingt bejahend gegenüber. Jedenfalls werden die bisherigen Methoden, durch die dem Störungsübel gesteuert werden soll, fortgesetzt: Beratung der Hörer durch die Sendehilfen, Llebernahme von Prozessen gegen .böswillige" Inhaber von störenden Anlagen und Versuche, die Einführung von Vorrichtungen zum Störungsschuh zu beschleunigen. Erst neulich hat der Rundfunkkom- missar Dr. Bredow auf der Weltkraftkonferenz entsprechende Anträge gestellt. Im gleichen Sinae arbeiten, wie es scheint, der von der Reichsrundfunkgesellschaft eingesetzte St-örungsaus- schuh und die neugegründete Störungskommission des Verbandes deutscher Elektrotechniker, über deren bisheriges Ergebnis noch nichts bekannt ist. Immerhin aber vertritt ein so führender Fachmann, wie Graf Arco, auch auf der Rundfunkseite den Gebauten, daß das beste Mittel gegen Störungen ein starker Sender und damit eine genügende Empfangsfeldstärke sei. Lind die Entwicklung des deutschen Sendebetriebs scheint, wenn auch vorerst aus internationalen Konkurrenzgründen, diesen Gedanken in Wirklichkeit umzusehen. Schon sind mehrere deutsche „Großsender" von 75 bis 150 kW Sendestärke im Dau — Mühlacker, Heilsberg, Der Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys. Copyright 1929 by Verlag Vechthold, Braunschweig. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Montserrat, gütiger Himmel, Montserrat, komm doch zu dir! Du bist überreizt, du bist krank, ich bitte dich, besinne dich doch!" Gr machte einen halben Schritt auf sie zu. Sie schrie laut auf und stürzte an ihm vorbei, hängte sich an die Portera. „Retten Sie mich, bitte, beschützen Sie mich vor dem Vatermörder!" Ihre Hände krallten sich in das schwarze Kleid der kleinen Frau. Primo Duero verharrte starr und regungslos. Ihm war unbeschreiblich zumute. Richt einmal klar zu denken vermochte er. So entsetzlich, so grausam wehetuend traf ihn das Wort höchster Schmach und Schande. Montserrats Erregung von gestern hätte er vergeben und vergessen können, was sie ihm aber eben angetan, niemals. Die Portera murmelte erschreckt: „Sennorita, Sie dürfen das nicht sagen, die Polizei hat Sennor Duero doch freigegeben und man hat doch auch schon oft bei so schweren Verbrechen gehört, daß zuerst Llnschuldige verdächtigt wurden." Montserrat ließ die Frau los und ihre Augen hefteten sich auf das Gesicht des Verwandten, der sich von Kind an ihrer in liebevollster Weise angenommen und aus dessen brüderlicher Liebe allmählich eine andere gekeimt. Sie sagte mit kühler Zurückhaltung: „Ich Wunsche dir Glück zu deinem Freisein, Primo." Der Mann lachte kurz und bitter auf. „Dein Glückwunsch klingt befangen, klingt, als Ware jede Silbe in Mißtrauen getaucht." Er zog die Brauen finster zusammen. „Ich hatte auf em bißchen Freude von dir gehofft, Montserrat, dies Wiedersehen nach den furchtbarsten Stunden meines Lebens hatte ich mir anders gedacht. Aber lassen wir das. Die Wohnung ist auch von der Polizei wieder freigegeben und es gibt wohl allerlei zwischen uns zu besprechen." Er wandte sich an die Portera: „Würden Sie mir hier in Ihrem Zimmer eine Unterredung mit der Sennorita gestatten?" Die Portera nickte eifrig. Sie hatte jetzt bas Gefühl, viel an Primo Duero gutmachen zu müssen. Denn sie trug wohl allein die Schuld an seiner Verhaftung. „Natürlich, besprechen Sie sich nur mit der Sennorita." Sie wollte sich sofort entfernen. Doch Montserrat hastete ihr nach. „Ich möchte Königswusterhausen und Langenberg — und andere werden folgen. Man kann also hoffen^ daß man bald überall in Deutschland mit billigeren und einfacheren Apparaten, die ja auch weniger empfindlich sind, einen guten Empfang auch von ferneren Sendern her erhält. Und schließlich: die Technik schreitet immer weiter. Bereits wird von der Reichspost in Berlin der von Dr. E s a u (Jena) eingeführte U l t r a k u r z- wcllensender ausprobiert, der mit störungsfreien Wellen arbeiten soll. Auch die Liebhaber des Fernempfangs haben die leise Hoffnung, daß sich die Idee des Erfinders Manfred von Ar den ne, die übrigens auch auf dem System einer Verstärkung des Cmpfangsfeldes beruht, vielleicht doch leichter und schneller durchsetzen könne, als die kritischen Fachleute und Autoritäten zugeben möchten. Man sieht: alle Welt arbeitet fieberhaft am billigen und störungsfreien Empfang! Funk Heil! Abnahme der Arbeüsmöglichkeüen Das Arbeitsamt Gießen berichtet über die Arbeitsmarktlage im Oktober. Die Lage des oberhessischen Arbeitsmarktes verschlechtert sich mit zunehmender winterlicher Arbeitslosigkeit immer mehr. Die Metallindustrie, Industrie der Steine und Erden, das Holzgewerbe und das Baugewerbe wurden stärker belastet. Aus dem Gastwirtschaftsbetrieb nahm die Arbeitsuchendcnzahl durch Entlassungen hauptsächlich aus den Kurbetrieben zu. Die Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft blieb in diesem Jahre hinter der der früheren Jahre zurück. Die ständige Zunahme von kurzfristigen Beschäftigungsverhällnissen ruft naturgemäß beim Arbeitsamt eine große Fluktuatton, mithin eine große Mehrarbeit hervor. Aus den Mitteln der Rcichsanstalt wurden im Berichtsmonat 5423 männliche und 340 weibliche, zusammen 5 7 6 3 Personen unter st ützt, gegenüber 5180 des Vormonats und 2246 des Vorjahres: mithin liegt die Zahl der Haupt- unterstühungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung um rund 15 6 Prozent höher a l s im Vorjahre. Krisenunterstützung erhielten 1486 männliche und 41 weibliche, zusammen 1 5 2 7 Personen, gegenüber 1065 des Vormonats und 14 8 des Vorjahres. Die Zahl der Krisenunterstühungsempfänger liegt um rund 9 3 0 Prozent höher als im Vorjahre. 37 Unterstützungsempfänger wurden bei Rvt- standsarbeiten beschäfttgt. Im Oktober konnten wir 947 männliche und 197 weibliche, insgesamt 114 4 Arbeitsuchende in Arbeit vermitteln, gegenüber 812 des Vormonats und 1250 des Vorjahres. 4043 männliche und 488 weibliche, insgesamt 4531 Arbeitsuchende meldeten sich erneut arbeitslos, 2091 Arbeitsuchende fanden ohne Mitwirkung des Arbeitsamts Arbeit. An Arbeitsuchenden standen am Ende der Be- richtszeit 8606 Personen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, gegenüber 7310 des Vormonats und 4019 des Vorjahres. Die Arbeitsmarktlage hat sich mithin gegenüber des Vorjahres um rund 114 v. £). verschlechtert. Das bedeutet, daß die ArbeitsmarVtlage gegenüber dem Vorjahre um nahezu zwei Monate voraus ist. Aus den einzelnen Berufsgruppen ist wie folgt zu berichten: Landwirtschaft. Die Marktlage in der Landwirtschaft hat sich weiterhin verschlechtert. Die Nachfrage nach De- schäftigungsmöglichkeiten aus den Reihen des Durchgangsverkehrs hat infolge des schlechten Wetters nachgelassen. In der Berichtszeit wurde die Kartoffelernte zur Beendigung gebracht. Es waren in dieser Zeit verhältnismäßig wenig Leute an g-ef örtert worden. Wanderer, Nachbarshilfe, Ausgesteuerte und Familienangehörige waren harchtsächlich an ter Bergung der Kartoffeln beteiligt. Im allgemeinen wurde mit Rücksicht auf die Verhältnisse am Kartoffelmarkt, sowie Anwendung von Maschinen am Einsatz von Arbeitskräften gespart. Als große Hemmung für die Arbeiten stellte sich das dauernde Regenwetter heraus. Die Zuckerrübenernte dürste in fast allen Betrieben zur Hälfte erledigt sein. Auch hierfür wurden von einigen wenigen Betrieben Kräfte angefordert. Don besonderer Bedeutung waren die Verhandlungen mit den Forstämtern zum Zwecke bevorzugter Einstellung von Arbeitslosen beim Holzeinschlag. Soweit der Staat selbst als Arbeitgeber in Frage kommt, wurde dolle Liebereinstimmung und Bereitwilligkeit zur Einstellung der wirtschaftlich Schwächeren erzielt. Dasselbe war der Fall bei größeren Privatbetrieben. Am Ende der Derichtszeit zählten wir in dieser Berufsgruppe 234 Personen gegenüber 150 des Vormonats und 70 des Vorjahres. Bergbau. Die Lage im Bergbau hat sich nicht gebessert. Durch Entlassungen im Kalibergbau war ein Zugang von Arbeitskräften zu verzeichnen, der durch Abgang von Arbeitsuchenden in die Forstwirtschaft ausgeglichen wurde. Es wurden 101 Arbeitsuchende gegenüber 85 des Vorjahres gezählt. Industrie der Steine und Erden. Die Beschäftigungsverhältnisse verschlechtern sich anhaltend. Verschiedentlich fanden Steinbrucharbeiter kurzftistige Beschäftigungen durch Strahenerneuerungen. Einige oberheffische Stein- brüche entliehen wegen Absatzmangels Arbeitskräfte. Die oberhessischen Ziegeleien klagen ebenfalls über Absatzstockungen. Auch hier wurden Arbeitskräfte abgestößen. Ein Kristall-Glasschleif- werk hat nach vorausgegangener Kurzarbeit seinen Betrieb wegen Auftragsmangels geschlossen und die Arbeitskräfte zur Entlastung gebracht. Am Ente der Berichtszeit standen 1084 Arbeitsuchende dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gegenüber 986 des Vormonats und 591 des Vorjahres. Metallindustrie. Der Beschäftigungsgrad hat sich auch im De- richtsmonat weiterhin verschlechtert. Der größte Teil der Betriebe, sowohl Industrie als auch Handwerksbetriebe, leiten weiter an Auftragsmangel. Mit einer Besserung der Marktlage dieser Derufsgruppe dürfte vorab nicht zu rechnen sein. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 1829 gegenüber 1676 des Vormonats und gegenüber 415 des Vorjahres. Spinnstoffgewerbe. Die Marktlage des oberhessischen Spinnstofs- gewerbes ist im Verhältnis zur Gesamtmarktlage noch als gut zu bezeichnen. In der Derichtszeit wurden 34 Arbeitsuchende gezählt gegenüber 24 des Dormonats und 19 des Dorjahres. Papierindustrie. Die Arbeitsmarktlage ist als uneinheitlich zu bezeichnen. Zum Teil wird in der oberhessischen Papierindustrie kurz gearbeitet. 20 Arbeitsuchende standen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, gegenüber 19 des Vormonats und 15 des Vorjahres. Holzgewerbe. Die Beschäftigung im Holzgewerbe flaut Weiter ab. Die oberhessischen Sägewerksbetriebe haben nicht mit ihm allein bleiben." Sie schüttelte sich. „Mir graut vor ihm!" Primo Dueros Stolz bäumte sich auf. „Wahre deine Zunge, Montserrat, ich lasse mich nicht so unerhört von dir beleidigen. Du gehst zu weit." Sie wurde flammend rot und strich mit der Rechten über ihre Sttrn. LInaufhörlich hin und her, als versuche sie durch das Streichen einen Schmerz fortzudrängen. „Du hast recht, Primo, ganz recht, ich benehme mich häßlich. Ich muh mich ja erst daran gewöhnen, daß all das Schreckliche Wahrheit ist." Sie winkte der Portera. „Gehen Sie nur, ich will mit meinem Vetter sprechen, und vergessen Sie bitte, was Sie gehört haben." Die Frau ging langsam, fast zögernd. Sie sann, die Beiten sollte sie vielleicht nicht allein lassen, denn der Blick Primo Dueros war voll Zorn. Als die Portera die Tür hinter sich geschlossen, sagte der Mann gequält: „Alles, was ich dich fragen und mit dir besprechen wollte, ist nun hinfällig. Lind wenn deine Nerven auch ganz kaputt wären, durftest du mir das nicht antun, was du mir angetan hast. Die Polizei gestattet mir also wieder den Eintritt in die Wohnung und ich möchte nun wissen, wie du es zu halten gedenkst. Denn nach dem von vorhin, werten wir doch kaum noch zusammen unter einem Dache leben können." Sie lieh sich wieder in dem Armstuhl aus Llrgrohväterzeiten nieder. „Es tut mir leid, was ich gesagt, ich wiederhole es, trage es mir nicht zu sehr nach, Primo." Sie rang die Hände. „Aber ter gestrige Abend zerrüttete mich zu sehr. Lind dann heule die vielen Fragen des Kommissars. Lind ich weih doch nichts, gar nichts. Vor allem aber der Tod des Onkels, so ein Tod!" Primo fiel ihr ins Wort: „Mag das alles sein, wie es will, wenn du mich auch nur ein Kitzchen kennen würdest, hättest du niemals an mir gezweifelt. Wollen von der Zukunft reden. Wie denkst du dir deine?" Sie zuckte lässig die Schultern, und ihr hübsches Gesicht mit dem glatten glänzenden Haar verdunkelte sich. „Was brauche ich viel über meine Zukunft nachzudenken. Es wird wohl bei ter Zukunft bleiben, die ich zu deinem Vater schon erwähnte, als er mich letzthin in eine Ehe drängen wollte e™em mir gleichgültigen und nicht einmal wohlhabenden Manne. Ich werde mir eine Stellung als Gesellschafterin suchen. Für solche Posten sind ja die armen Mädchen da, die über keine besonderen Talente verfügen." Die schloß: „Bei dir bleiben kann ich so wie so nicht. Wir sind keine Geschwister und man würde darüber klatschen." Er neigte den Kopf. „Vielleicht wartest du mit deinen Entschließungen noch etwas, bis alles geordnet ist." Sie fuhr sich mit dem Tuch über die breiten Lider. „Ich werde wohl warten müssen. Erst will ich vor allem an den Messen für Les Onkels Seelenheil teilnehmen und dann wisfen, wo er zur Ruhe gebracht wird, um dort für ihn zu beten. Vielleicht verlangt auch die Polizei noch allerlei Fragen beantwortet. Ein bihchen Geld habe ich mir ja im Laufe der Jahre zusammengespart, das wird reichen, bis ich eine Stellung antrete. Ich kann hier so lange bei der Portera wohnen bleiben." Sie hatte das Tuch schon wieder vor den Augen und er sah, wie heftig ihre Schultern beim leisen Weinen bebten. Aber in ihm war kein Mitgefühl mehr. Zu hart war das Wiedersehen heute mit ihr gewesen. i „Also weiß ich, wo ich dich treffen kann, wenn ich dir etwas mitzuteilen habe." Er grützte kurz und ging. An der Tür wandte er sich noch einmal flüchtig um, und fein Blick umfaßte die Weinende. Ihm war es, als hätte er Montserrat sehr, sehr lieb gehabt, viel lieber wie er es selbst gewußt. Als sei er sich jetzt, in dieser traurigen Stunde, darüber klar geworden. In dieser Stunde, da er wußte, nun konnte Montserrat niemals feine Frau werden, wie er es sich zuweilen aus- gemalt. 5. Primo Duero schlief kaum in den nächsten Tagen, so sehr war er in Anspruch genommen. Das Begräbnis seines Vaters erfolgte in aller Stille, nur die Angestellten ter Firma, Primo und Montserrat, sowie der Anwalt des Toten waren dabei, als man Jose Dueros ©arg in das Nischengrab schob, auf dem schön gelegenen Frieds Hof, hoch über dem blauen Mittelländischen Meer. Montserrat trug einen großen schwarzen Schleier, der den schmalen hübschen Knabenkopf bedeckte und bis über den Saum des düsteren Mantels fiel, der sie völlig einhüllte wie in ein Nonnengewand. Aus mattem Marmor gemeißelt schien das reizvolle Gesicht, und Eva mußite mehrmals zu ter schlanken Gestalt Monserrats hinüberschauen. Die Kollegin, Paquita Casanovas, hatte ihr erzählt, Primo Duero liebe seine Kusine, aber vor dem Vater hätten beide nicht den Mut aufgebracht, das zuzugeben; nun er tot wäre, würden sie bald genüg heiraten. Eva dachte, was kümmerte es sie, wenn di« zwei ein Paar wurden. Aber ihr war es dabei, als ob ganz feine, doch unendlich schmerzhafte Sttche Lurch ihr Herz gingen. Sie fand Monl- wegen Auftragsmangels Arbeitskräfte zur Eni- lassung gebracht. Durch die vorgeschrittene Jahreszeit wird mit einer wesentlichen Besserung ter Marktlage dieser Derufsgruppe nicht zu rechnen sein. An Arbeitsuchenden zählten wir 564 gegenüber 493 des Dormonats und 183 des Dorjahres. Bekleidungsgewerbe. Die erhoffte saisonmäßige Belebung ist nicht eingetreten. Die Marktlage ist weiterhin uneinheitlich. Hauptsächlich wurden Schneider und Schneiderinnen zur Entlassung gebracht. In ter Schuhindustrie hat sich die Lage leicht gebessert. Die Arbeitsuchentenzahl betrug 215 gegenüber 217 des Dormonats und 110 des Dorjahres. Gesundheils- und Körperpflege. In der Marktlage dieser Berufsgruppe ist in ter Berichtszeit eine Verschlechterung eingetreten, die hauptsächlich auf Entlassung von Badepersonal und Arbeiterinnen von Wasch- und Plättanstalten in den vberhessischen Kurorten zurückzuführen ist. Es wurden 79 Arbeitsuchende gegenüber 24 des Vormonats und 28 des Dorjahres gezählt. Baugewerbe. ~ -Die Beschäftigung ging entsprechend ter vorgerückten Jahreszeit stärker zurück. Verschiedentlich konnten Bauarbeiter bei ten Gemeinden und im Holzwald Arbeit finden. Dem Arbeitsmarkt standen am Ende der Derichtszeit 1627'Arbeitfuchente gegenüber 1161 des Dormonats und 761 tes Dorjahres zur Derfügung. Musik. Die Beschäftigungsmöglichkeiten für Musiker toaren im Berichtsmonat gut, doch ist mit einer Verschlechterung zu rechnen, die auf die bald beginnende Adventszeit zurückzuführen ist. Es konnten 363 Vermittlungen getätigt werden. (Baff- und Schankwirlschaflsgewerbe. Durch Beendigung der Kursaison hat sich gerate die Arheitsmarktlage dieser Berufsgruppe wesentlich verschlechtert. Zahlenmäßig wirkt sich die Belastung auf den vberhessischen Arbeitsmarkt nicht im vollen Llmfange aus, da ein großer Teil in ihre Heimat zurückgekehrt ist und den dortigen Arbeitsmarkt belastet. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 86 gegenüber 39 tes Vormonats und 61 des Vorjahres. Verkehrsgewerbe. Die Beschäftigungsverhältnisse im VerkehrSge- werbe haben sich weiterhin verschlechtert. Während die Entlassungen von Zeitkräften bei tert Reichsbahn nachgelassen haben, hat neuerdings die Reichspost ebenfalls Hilfspersonal entlassen. In den Kurorten wurden durch Beendigung ter Kursaison Kraftwagenführer und Droschkenkutscher arbeitslos. Wir zählten 298 Arbeitsuchente gegenüber 62 tes Vormonats und 94 des Dor- zahreS. häusliche Dienste. Trotz guter Vermittlungstätigkeit (127 Vermittlungen) ist ein Zugang von arbeitsuchenden Hausangestellten und Putz- und Waschfrauen zu verzeichnen. Die Praxis lehrt, daß vor Weihnachten wenig Hauspersonal neu eingestellt wird. Es wurden 94 Arbeitsuchende festgestellt gegenüber 59 des Vormonats und 32 tes Vorjahres. Lohnarbeit wechselnder Art. Die Marktlage dieser Derufsgruppe hat sich wiederum verschlechtert, obwohl eine Anzahl Arbeitsuchender im Holzwald Arbeit finden konnten. Auch für diese Derufsgruppe wird infolge der vorgeschrittenen Jahreszeit mit einer Besserung nicht zu rechnen sein. Die Arbeitsuchenden- zahl betrug 1229 gegenüber 1122 tes Vormonats und 1107 des Vorjahres. Angestelltenberufe. Der Arbeitsmarkt für die kaufmännischen und technischen Angestellten hat sich im Oktober wesentlich verschlechtert. Besonders aus ter Metall- ferrat schön und erschien sich selbst unbeteuten® und nichtssagend gegenüber Montserrat, deren herrliche schwarze Augen jetzt starr ins Weite schauten, und um deren wundervoll gezeichneten Mund es ab und zu nervös zuckte. I Am Nachmittag dieses Tages war die Testa-, mentseröffnung. Primo war der alleinige Erbe von Haus und Geschäft, feiner Richte hatte Ios6 Duero nichts hinterlassen. 3m Testament stand: „ Frauen brauchen kein eigenes Geld, wenn sie nicht alleinstehen in der Welt. Primo wird weiter für Montserrat sorgen, wie ich es getan, darauf verlasse ich mich. *2tenn sie heiratet, ist sie ja sowieso versorgt. Dann soll ihr Primo das Geld zu einer anständigen Aussteuer geben. Wenn sie nicht heiratet, wird sie wahrscheinlich bei Primo bleiben, ihm das Haus führen. Selbst wenn er heiratet. Sollte sie dann zuviel im Haushalt sein neben der grau, mag ihr Primo zehntausend Peseten auszahlen, damit sie sich weiterhelfen kann." So las der Anwalt vor. : Er sah an seinem mächtigen Schreibtisch und rechts von ihm saßen die beiten, die wie Geschwister ausgewachsen. Links von ihm sah ein Schreiber als Zeuge. Primo sah Montserrat an, die regungslos verharrte, als ginge sie das Vorlesen Les Testaments nichts an. Lind doch mußte sie sehr darunter leiden, in welcher kalten Weise sein Vater über jede Zukunftssicherheit von ihr wegglitt. Jetzt aber hob sich Montserrats Blick, doch kein Wort kam über ihre Lippen. Sie zuckte nur ein wenig mit den Schultern, das war alles. Der Anwalt sagte: „Ich bin vollkommen über die Vermögensverhältnisse Ihres Vaters unterrichtet, Don Primo, und stehe mit jeder gewünschten Auskunft zur Verfügung." Primo dachte an die blauen Brillanten und erwiderte, er würde dem Marques de Palma wohl die kostbaren Steine ersehen müssen. Der Anwalt wiegte, wie in leisem Bedauern, den Kopf. „Ein Teil des Geldes ist vielleicht Lurch die Versicherung hereinzuholen. Aber sehr einfach dürfte sich das nicht ordnen lassen, da ausgerechnet nur dieser Schmuck geraubt wurde, der durch seinen ungewöhnlichen Wert eigentlich extra hätte versichert werden müssen. Aber ich will selbst annehmen, Sie ersetzen dem Marques ten vollen Wert und auch die fünsundsiebzig- tausend Peseten, die in bar gestohlen wurden, wären endgültig verloren, so bleibt Ihnen doch noch das fast unbelastete Haus und ein Vermögen von annähernd einer halben Million Peseten." (Fortsetzung folgt.) unb Tabakinbustne waren Zugänge au verzeichnen, darunter auch einige ältere Angestellte. Auch das Telegraphenomt entlief* eine Anzahl Telephonistinnen. Der Gesamtzahl von 158 Zugängen stehen nur 66 Abgänge und 15 Vermittlungen gegenüber. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug Ende Oktober 632. Oie Berufsberatung. Die Abteilung Berufsberatung wurde im Monat Oktober von 39 Ratsuchenden (25 männliche, 14 weibliche) 132 mal (45 mal von Knaben und 48 mal von Mädchen wiederholt) in Anspruch genommen. 12 Ratsuchende (5 männliche, 7 weibliche) kamen aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus Volksschulen. 13 der Ratsuchenden (sieben männliche, sechs weibliche) waren schon schulentlassen und 12 hatten keinen bestimmten Berufswunsch und überließen es dem Berufsberater bzw. der Berufsberaterin, einen passenden Derufsvor- schlag zu machen. 8 Knaben und 32 Mädchen wurden einer psychotechnischen Eignungsuntersuchung unterzogen, 1 Knabe und 1 Mädchen auf besonderen Wunsch von Arbeitgebern auf die wahrscheinliche Berufseignung begutachtet. Auch wurden noch besonders 13 schriftliche Auskünfte erteilt. 2m Derichtsmonat sand in den Räumen der Berufsberatung eine Lehrerbeiratssiyung statt. 2n den Volksschulen haben der Berufsberater und die Berufsberaterin wie im Vorjahre wiederum mit den Besprechungen über die Berufswahl in den Entiaßllassen begonnen. Zur Anmeldung kamen 52 neue offene Lehrstellen (40 für Knaben, 12 für Mädchen), die meist erst im Frühjahr 1931 zu besehen find: 5 Knaben und 4 Mädchen konnten für sofort in Lehrstellen vermittelt werden. ö.J.-fport Offenbacher Hallenschwimmfest. Am kommenden Sonntag veranstaltet die Offenbacher Schwimmgesellschast ihr alljährliches großes Hallen-Wettschwimmen. Das Meldeergebnis ist mit 180 Nennungen ausgezeichnet ausgefallen. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf die Staffelkämpfe der 2. Klasse, an denen die Vereine Moenus Offenbach, Offenbach 96, Rotweiß Darmstadt und 1. Frankfurter SC. teilnehmen werden. Vienna in Mannheim. Die Berufsspielerelf des First Vienna FC. Wien spielt auf ihrer Reise in Süddeutschland am 2. Weih- nachtsfeiertag in Mannheim, wo die Oesterreicker auf eine kombinierte Mannschaft der Vereine VfR. Waldhof und VfL. Neckarau treffen werden. Oesterreich —Schweden 4:1. 9m Fuhball-Länderspiel Oesterreich gegen Schweden in Wien behielten die Cinheimischen vor 15 0(X) Zuschauern bei aufgeweichtem Boden mit 4:1 (1:1) sichere Sieger. preußenmeisterschast im Radball. Am Sonntag wurde in Göttingen die Preußenmeisterschaft im Zweier- und Dreier-Radball aus- getragen. 3n den beiden Wettbewerben fiel der Sieg an die Frankfurter Mannschaften, die sich in ausgezeichneter Form befanden. Wanderlust Frankfurt konnte mit der Mannschaft Schreiber-Blersch die Zweiradballmeisterschaft gewinnen, R a d s p o r t- klubFrankfurt-Obcrrad belegte im Dreierradball den ersten Platz vor der Erfurter Turncr- schaft. Bausch-Hürtgen in Köln siegreich. Die Berliner Sechstagesieger R a u s ch . H ü r t - gen gewannen am Sonntag in der Rheinlandhalle in ihrer Heimatstadt Köln ein Dreistunden-Mann- schastsrennen mit einer zurückaelegten Gesamtstreckc von 126,750 Kilometer. Eine Runde zurück endeten die Belgier Duray-Depauw und eine weitere Bahn- lange zurück Oßmella-Meyer vor den Gebrüdern van Kempen. Oreistädiekampf im Kunstturnen. Leipzig siegt vor Hamburg und Berlin. Dor 3000 Zuschauern würbe am Mittwoch in dem Leipziger Kristallpalast ein Dreistädtekampf im Kunstturnen ausgetragen, der mit einem Sieg der Leipziger mit 2416 Punkten vor Hamburg und Berlin endete. Ein schwerer Unfall ereignete sich bei der sechsten Uebung, bei der der Berliner Deckenauer beim Abgang von den Ringen ein Bein brach. Oer Turnausschuß lagt... Aus -em Mittelrheinkreis der OT. Eigener Bericht des Gießener Anzeiger. Zum erstenmal hatte der Mittelrheinkreis der DT. für Samstag und Sonntag den Gesamt- Kreisturnausschuß, der aus sämtlichen Fachwarten und ihren Unterausschüssen besteht, zu wichtigen Beratungen nach Mainz einberufen. Auch der Kreisvorstand nahm an der Führertagung teil, weil er — wie Kreisvertreter P f e i f»f e r in seiner Begrüßungsansprache betonte — sich bewußt ist, daß eine engere, verständnisvollere Zusammenarbeit zwischen den Männern der Verwaltung und den technischen Führern eine dringende Rotwendigkeit ist. Einen wesentlichen Puntt der umfangreichen Tagesordnung bildete die von Kreisoberturn- wart Frey (Mainz), dem Leiter der Tagung, eingeleitete Ausspräche über die Zusammenarbeit der D. T. mit anderen verbänden. Bekanntlich haben die Vertreter des Mittelrheinkreises bei dem Zustandekommen des Vertrages zwischen DSD., DFB. und DT. gegen denselben gestimmt, wahrscheinlich wegen der im Mittelrheingebiet besonders gelagerten Derhalt- nisse. Nachdem die Fachwarte für Spielen, Dolks- turnen und Schwimmen über ihre Erfahrungen berichtet hatten, stellte die Aussprache allgemein fest, daß die Ausführungsbestimmungen zu dem Vertrag gewisse Mängel aufwiesen, so daß sich nicht geringe Schwierigkeiten bei der Durchführung ergäben. Das betreffe besonders das Gebiet des Fußballs, das unter der Ob- Mannschaft von Franz Deck (Mainz) im Mittelrheinkreis in kurzer Zeit erfreulich aufgeblüht war und bereits 200 Turner-Mannschaften umfaßte. Kveisspielwart Reih sprach jedoch die Hoffnung aus, daß die sich für die Turner bemerkbar machenden Mängel mit der Zeit beheben würden und in der Zukunft etwas Gutes aus der Zusammenarbeit der leibesübungtreiben- den Verbände herausspringen möchte. Gegenstand längerer Besprechungen war das Kreisturnfest in Hanau. Der Kreisoberturnwart, die Fachwarte für Män- nerturnen, Frauenturnen, Dollsturnen, Spielen, Schwimmen und Fechten, der Kreispressewart und der Kressjugendausschuh nahmen in längeren Referaten kritisch zum Festverlauf Stellung. Anerkannt wurde, daß die Feststadt sich alle Mühe gegeben, um das Fest reibungslos durchzuführen, daß trotzdem aber Mängel in Erscheinung getreten seien, die bei künftigen Veranstaltungen derart abgeftcllt werden müßten. Als Ergebnis der zum Teil stark kritischen Aussprache konnten beachtliche Richtlinien für die zukünftige Gestaltung des Kreisfestes herausgearbeitet werden. Für das Kreisturnfest 1 9 3 2 liegt bereits eine Bewerbung seitens der Stadt Trier vor. Doraussichtlich wird sich auch Mainz melden. Eine Besichtigung des gegebenenfalls von Mainz vorgesehenen Geländes ergab, daß die Plahfrage in Mainz in jeder Hinsicht zufriedenstellend gelöst werden könnte. Nach gemeinsamer Körperschule galten die Beratungen des Sonntags zunächst dem Kreispressewesen, für das der Leiter der Kreispressestelle, Kreispressewart Wollenberg, grundlegende Forderungen aufstellte. Die notwendige Mitarbeit der Gaupressewarte soll durch eine Kreis- Presseordnung straff geregelt werden. Die Einstellung des Großteils der Tagespresse xum Turnen wird als erfreulich gut bezeichnet. Beschlossen wurde die Herausgabe eines amtlichen Kreis-2ahrbuchcs, das zu Beginn 1931 erscheint und einen Ueberblick über die Arbeit aller Fachgebiete geben soll. Der Arbeitsplan für 1931, bet gutgeheißen wurde, sieht neben den turnerischen Wettkämpfen in größerer Zahl auch KreiS- lehrgänge aus den einzelnen Fachgebieten vor. Aus der Reihe der Kreisveranstattungen seien nur einige der festgelegten Termine genannt: Am 11.3anuar führt die Kreiswinterfahrt, die dem Gedächtnis des Freiherrn v. Stein (100. Todestag) gilt, nach Nassau. Der 15. März bringt die erste Wiederholung deS Hessenturnkampfs in Mainz, am gleichen Tage trifft auch der Feldbergfesttumtag die Dorbereitungen für das am 14.3uni stattfindende Feldbergfest. Für den 22. Marz sind die Waldläufe in den Gauen, für den 12. April der Kreiswaldlauf angesetzt. Die Kreismeisterschasten im Dolksturnen kommen am 21. 3uni, die Kreis- meisterschaften im Schwimmen am 2. August (in Kirn) zum Austrag. Die Spieler veranstalten am 8. September in Trier ein Kreisspielfest. Don den größeren Kreislehrgängen kommt einer auch nach Gießen, und zwar der Lehrgang für Wasserball. Heber Bedeutung und Gestaltung vonA l t e r s- treffen, wie sie in manchen Gauen schon erfolgreich durchgeführt werden, hielt Gaufrauen- tumtoart Schmidt (Koblenz) ein dankbar aufgenommenes Referat, während übet die Notwendigkeit von (Jugendtreffen W. Wollenberg im Anschluß an einen Bericht über die 3u- gendwartetagung der DT. in Annweiler anschaulich und überzeugend referierte. Wirtschaft. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 20.Nov. Tendenz: geschäftslos. — Die heutige Dorfe eröffnete nach der Unterbrechung durch den gestrigen preußischen Feiertag wiederum in stiller und weiter schwächerer Haltung. Die meist leicht gebesserten Auslandbörsen konnten dem Ma kte kaum eine Anregung bieten, ebenso die wahrscheinlich: Freigabe der Farbeneinsuhr nach England. So lagen eher wieder kleine Derkaussorders vor, so daß die Daissepartei weiter kleine Dorstöße unternehmen konnte und das Kursniveau gegenüber der Abendbörse vom Dienstag um bis zu 1 Proz. gedrückt lag. Die Umsatztätigkeit hielt sich weiter in sehr engen Grenzen. Etwas mehr angeboten lagen am Elektromarkt Siemens, Rheinische Elektrizität Mannheim, AEG. und Gesfürel. Letztere verloren 2 Proz. Licht & Kraft waren dagegen 1 Prozent gebessert. Am Montanmarkt fielen Rheinstahl mit einem Derlust von 2,25 Prozent auf. Gelsenkirchen unb Phönix büßten 1 Prozent ein. Don Kaliaktien gaben Salzdetfurth 1 Proz. nach. Artt Chemiemarkt waren die Kursveränderungen nach beiden Seiten sehr gering. Die Veränderungen waren selten größer als um 1/1 Prozent. Gut behauptet waren Dauunternehmungen, Kunstseideaktien und Frankfurter Maschinen. Don Tanken lagen Bayerische Hypothekenbank auf Münchener Abgaben 2 Prozent niedriger. Dresdener Bank büßten 1,25 ein, während im übrigen die Kursveränderungen 0,5 Prozent betrugen. Am Zellstoffmarkt lagen Waldhof wieder 1 Prozent ab geschwächt. Am Anleihemarkt waren Deutsche Anleihen angeboten und neigten bei kleinstem Geschäft ebenfalls zur Schwäche. 3m Verlaufe wurde die Stimmung etwas freundlicher. Die Kulisse schritt zu kleinen Deckungen. Schon klein« Nachfrage konnte das Kursniveau um bis zu 1 Prozent heben. Am Geldmarkt hielt die Nachfrage nach Tagesgeld weiter an. Der Satz war auf 5,5 Proz. erhöht. Am Devisenmarkt lag Madrid mit 42,90 wieder fest. 3m übrigen nannte man Mark gegen Dollar 4,1960, gegen Pfund 20,38, London gegen Kabel 4,8567, gegen Paris 123,66, gegen Mailand 92,78, gegen Schweiz 25,0575, gegen Holland 12,0740. Berliner Börse. Berlin, 20. Nov. Trotz der gestrigen Börsenunterbrechung und vorliegender freundlicher Meldungen von der letzten Neuyorker Börse war heute eine Geschäftsbelebung nicht eingetreten. Lieberwiegend ungünstige Nachrichten aus ber Wirtschaft verstimmten. Entlassungen bei ben Ablerwerken, Verkürzung ber Arbeitszeit bei ben Leuna-Werken, höhere Hal- benbeftänbe, niebrigere Karstabt-Llmsähe, Meldungen über weitere Bankinsolvenzen im Auslände unb die Nachricht, daß die Verhandlungen des Deutschen Kalisyndikats mit den Russen ergebnislos abgebrochen seien, waren die hauptsächlichsten Momente. Daß der Farbenzoll in England aufgehoben wird, wirkte sich am Farben- Markt nicht besonders aus, dagegen bewirkten Nachrichten auS Madrid über eine Befestigung der spanische Valuta ein Anziehen des Chade- kurses um 3,50 Mark. Sonst erfuhren die Kurse mit ganz wenigen Ausnahmen gegen ihre letzten Notierungen Rückgänge von 1 bis 3Pro- A e n t. Kaliaktien verloren auf die erwähnten erfolglosen Russenverhandlungen Rückgänge bis zu 4,75 Prozent. Salzdetfurth waren auf Dividen- denhofsnungen behauptet. DaS Angebot war nicht besonders groß. Man sprach von weiteren Aus- landabgaben in verschiedenen Werten und Positionsdeckungen des Publikums vor dem Ultimo. Da demgegenüber wenig Deckungsneigung resp. Ausnahmelust der Börse bestand, war es auch rein stimmungsmäßig schwächer. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer kaum verändert. Türken etwas nachgebend. Pfandbriefe geschäfts- loS, aber zur Schwäche neigend. Reichsschuldbuch- forberungen bis 0,25 Prozent nichtiger. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld auf 4,75 bis 6,25 Prozent festgesetzt, Monatsgeld stellte sich auf 6 bis 7 Prozent unb Warenwechsel auf 5,5 Prozent zirka. Auch nach den ersten Kursen überwog die Abgabeneigung, zumal die Spekulation wissen wollte, daß weitere Verkäufe zur Ausführung kommen würden. 3m allgemeinen traten erneut Derluste b i s ein Prozent ein. Conti Gummi, Aschersleben und Polyphon waren darüber hinaus bis zu 2,5 Prozent rückgängig. Del letzteren verstimmten schwächere Meldungen über den Kurs der Grammophonwerte in London. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 20. Nov. Auftrieb: 99 Rinder, 612 Kälber, 434 Schafe, 465 Schweine. Es wurden notiert; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 77 Mk., mittlere Mast- unb Saugkälber 68 bis 73, geringe Kälber 55 bis 67. — Schafe: Mastlämmer unb jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 45 bis 48, mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 44, fleisch. Schafvieh 33 bis 39 Mk. — Marktverlaus: Kälber unb Schafe ruhig, ausverlauft. Schweine schleppenb, ausveriauft. Lchwcincmarkt in Friedberg. WSR. Friedberg, 19. Nov. Der Auftrieb zum heutigen Schweinemarkt betrug 336 3ungtiere, die alle verkauft wurden. Es wurden bezahlt für Tiere bis 6 Wochen alt 22 bis 25 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 25 bis 30 Mark, 8 bis 12 Wochen alt 30 bis 40 Mark. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 19. Nov. 3n diesen Tagen erhielt der Saal ber Oberklasse unserer hiesigen Volksschule eine m ob e r ne Verdunkelung s- a n I a g e. Während seither ber Lichtbildwerser, den die Schule schon seit 3obren besitzt, nur von ber Volkshochschule an den Winterabenden benutzt werden konnte, ergibt sich jetzt die Möglichkeit, den Bildwerfer jederzeit auch im Schulunterricht zur Veranschaulichung des Lehrstoffs heranzuziehen. * Wieseck, 18. Nov. Der frühere Bahnbeamte Reinhard Kling, Hierselbst, schlachtete dieser Tage ein Schwein, welches das stattliche Gewicht von 4 80 Pfund hatte. «Geilshausen, 19. Nov. Am vorigen Sonntag wurde hier in einer sehr gut besuchten Versammlung von Landwirten aus unserem Orte unb ber ilmgegenb nach einem Vortrage bes Landwirtschaftslehrers Frech (Darmstadt) über die Organisation und Ziele von Viehverwertungsgenossenschaften eine Viehverwertungs- genossenschaft für das ßumbatal gegründet. Der neuen Genossenschaft traten sofort etwa 50 Landwirte als Mitglieder bei. Zum Direktor wurde Landwirt Lust (Geilshausen), zu seinem Stellvertreter Landwirt Herzberger (Bersrod), zunt Geschäftsführer Landwirt Sturm (Londorf) gewählt. Der Aufsichtsrat seht sich aus Vertretern der angeschlossenen Gemeinden zusammen. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 19. Nov. Am Dienstagnachmittag wurde auf dem mit Schranken versehenen Straßenübergang der Main-We- ser-Bahn bei Okarben ein Pferde- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o H.» Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. Dl. Berlin Frankfurt a. M. Zerlln Frankfurt a. Ul. Berlin Banknoten. Schluß» kurs l»tkhr» Äur<< Schluß» furd Ansang- flur# Schluß»! l»Uhr» lurs 1 Kurs Schluß» für« Anfang» nur« Schluß» 1 l-ilhr» kurs 1 $Tur4 Schluß» j für« | Anfang» flur# ZJerlln, 18. November ndelv «ries Amerikanische Noten...... Belgische Noten. ....... Tantsche Noten ........ Eng'lsche Noten ........ tzranjölilche Noten ....... Hollandlsche Noten....... Italienische Noten. ........ Norwegische Noten . A..... Deutsch-Leslerreich, 1 100 Schilling Rumänisckte Noten....... Schwedische Noten....... Schmetter Noten ........ Spanische Nölen........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ....... Devifenrnarkl Berlin 4,187 58,25 111,83 20.34 16,436 168,41 21,90 111,83 58,90 2.465 112,18 81,11 45.81 12,388 73,12 — Frankfurt 4,207 53,49 112,27 20.42 16.496 169.09 21.985 112,27 59,14 2,485 112,62 81,43 45,99 12,448 73,42 . a.m. Datum 18 11. 20 11 18. 11 20 11 Dalum 18 II 20 11 18 il 20. 11. Datum 18 11 20 11 18 11 20 II 6% deutsche RelchSanlethe von 1927 .......... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablöl.-Schuld mit Auslol.-Rechlen....... TeSgl. ohne AuSlol.-Rechte . . . 8% £>cfi. Dolkislaal von 1929 (rüdiablb. 102%)...... Cbertjeifcn Provinz - Anleihe mit AuSIos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Gerte 1 . .... 6% firanff. Htiv.-Bank Goldpfe XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% firanti. Hpp -Bank Gokdpfe uniünvbar bis 1932 ..... 4%% Rheinisch» Hyp.-Ban! 86,5 98,4 53,5 6,4 89 50,75 51 98,25 93,25 85,9 100 97 97 95 2,75 23,25 18 1,675 3,65 2,65 8,5 6,75 i i »s । । । । । । । । । । 11 11 । । । । 11 । 98,5 53,5 6,4 89,5 51,25 100 97 97 26,6 23,3 18,25 19,5 1,65 3,65 8,5 13,5 6,7 53,5 6,4 — 23,3 1,65 3,55 3,6 3,55 13,6 6,7 vamvurg-Amerika Palet ... 7 Hamburg-Güdam.Dampslchifs. 8 Hansa Tampsschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine TeutscheSreditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz- und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nationalhanl 12 Deutsche Bank und DtLronto-GefeUschasl, ... 10 Dresdner Bank......10 Nelchedank........12 •216.®............6 Bergmann.........9 6lektr. Lieferungtgesellschaft. 10 Licht und Uralt......10 Reiten & Guilleaume . . . 7J$ Geselljchasi lür Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger Elektrtzttättz-Werke 10 Rheinische Dektrtzität .... 9 Schkcslsche Elektrizität. ... 10 Schuckert & ec.......11 Stenten« S HalSle.....16 .................... Labmeyer L 6o.. ..... 1( Buderus.....•••••& Deutsche Erdöl . ...... k Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ...... »8 Harpcner ........ 0 Hoeich Eisen. . ...... 8^, RIMnrrroerte . ....... 7 Köln-Neuessen ...... ^ . 7 Mannesmonn-Röhre» .... 7 ManSselder Bergbau . .... 7 Lberlchles. Eisenbedarl . . . . 6 Cbertd)ic|. fioleroeite.....7 Phönix Bergbau .... 6^4 Rheinische Braunkohlen • . 10 Rhetnikahi ......... 6 Rtebeck Mont» ...... 7,2 7,l 72 — 100,75 127 111.5 149,25 109,25 109,75 222 110 120 ’ 93 116,75 128,4 174 132 52 5,25 82 206 68 69,5 64 157,5 100,5 111 108,75 108,5 109,5 121 116,5 121 172,25 84.5 63 74 71,25 72,13 96.4 100,75 127.75 111,5 149,25 109,5 109,75 222,5 110,5 130,75 114 120,5 95,25 117,13 105,25 110 127,65 173,75 131,75 64,75 85,75 74,75 206 69 81,5 70,5 40,5 40 71,75 64,75 158,65 75,25 70,4 157 121,5 71,75 96,6 100,5 126,5 111 149,25 109 109 220,75 109,75 129 121 92 116,5 105,5 127 172,5 131,5 51,25 63,5 85,25 73,5 202 69 81,25 71 40,13 70,5 63,5 157,25 Bereinig le Stahlwerke..... Ltavt Minen......16'/, Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 3. G. Farben-Invustrte ... 12 Tvnamit Nobel..... . 6 Scheldeanslall........ v Goldschmidt ........6 RütgerSwerke ........ 6 Metallgetelllchaft.......8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Eementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & Frcotag ...... 8 Schultheis Payenhoser ... 15 Cftrocde.........12 Aku........ 18 Bemberg.........14 fteUftofl Daldbos .... 13'/, flellfioll Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Tessauer Gat . . ...... 9 Taimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Maschinenbau B.-Ä. . • • • . 0 Rat. Automobil . ...... 0 Ctenfleln & koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Evenska........... frankfurter Maschine» .... 4 Grtyner....... • . 6 Hevltaenstaedl .......0 Iunghans...... 6 Lechwerke..........8 Matnkrastwerke Höchst a. M.. . 8 Miag...........10 Gebr. Roeder ....... 10 Loigt 8 Haeffuer ...... 9 Süddeutsche Zucker ..... 10 68 186 188 256 136,13 131 44,5 47 85,75 75.5 50 67,5 63,5 80 25 112 14 28 28 82,75 133,75 Illi« 1 mts 1 K ISIS 1 1 £ 1 8 1 1 H 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ” 1 1 1 1 1 CO 5 10 w— OO 68 33.65 186.75 188,25 257 136 - 47.25 86 76,13 50 174 139,25 68 68.5 106.25 73,75 82.75 108.5 25,25 111,75 40,5 46 115 272 14 28,75 27,5 70 149 133 67,6 33.25 183 183.25 255,5 135,75 47,4 85,6 76 172.25 137 67,75 105,75 81,5 107.5 24.75 111 33,25 114,75 273 = 27,75 - - 18 November 20 November Amtliche Kotierung Geld Srte Amtliche Geld Kotierung »ne «mft» Rott. Buen.»AireS Brff.'Antw Christtanta. Kopenhagen Stockholm . HeliingforS. Italien. . . London. . . Neuyork .. DariS.... Schwei, . . Spanten. yapan . . . 'Kto de Ian. Wien in D-» £eft. abgeft Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . T anzig. . . Konstanttll. Athen. . Canada . . Urn.uat). Tatra .. 168.65 1,440 58,445 112,11 112,10 112,51 10,552 21,945 20,36 4,1930 16,458 81,27 45,95 2,080 0,415 59,015 12,432 7,418 73,31 3,037 18,80 81,41 1,784 5,435 4,196 3,327 20,88 168,99 1,444 58,565 112,33 112,32 112,73 10,572 21,985 20,40 4,2010 16,498 81,43 46,05 2,084 0,417 59,135 12,452 7,432 73,45 3,043 18,84 81.57 1,789 5,445 4,204 3,333 20,92 168.61 1,432 58,45 112,09 112,08 112,51 10,555 21,945 20,359 4,1920 16,459 81.235 47,40 2,080 0,409 59,01 12,43 7,418 73,31 3,042 18,80 81,42 1,784 5,432 4,196 3,307 20,88 168,95 1,436 58,57 112,31 112,30 112.73 10,557 21,985 20,399 4,2000 16,499 81,395 47,50 2,084 0,411 59,13 12,45 7,432 73,45 3,048 18,84 81,58 1,789 5,442 4,204 3,313 20,92 8% Pr. LandeSptandbriesanstalt, Pfandbriefe 8L 19...... 8% Pr Landerp>an:briesanslalt, Komm.-Lbi. R. 20...... 7% Pr. LandeeviandbriefanltaU, Psandbriese 81 91...... A E G. abg. 8or.neg»-OblIgcttio. nen. rückzahlbar 1933.... 4% Oesterretchlsche Golvrenke . - 4,20% Oesterrelchische Gübcrrente 4% Oeslerreichische Einheitliche Rente .......... 4% Ungartsche Goldrente .... 4% Ungartidje Staatsrente v. 1910 4N% desgl. von 1913 . . . - 4% Ungarische Kronenrente . . - 4% Türkische gollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie 1........ 4% desgl. Serie II....... 6% Rumänische veretnh. Rente von 1903 ....... 4%% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische veretnh. Rente . fuhrwerk von 6cr Lokomotive eines Eilgut e r z u'g c s ersaht und zertrümmert. Ein Pferd erlitt einen Beinbruch und muhte ab- geschlachtet werden. Die Ursache des Unfalls ist darin zu suchen, dah der Schrankenwärter die Schranke nicht geschlossen hatte. Kreis Büdingen. WSN. Büdingen, 19. Nov. Der 80 Jahre alte Weihbindermeister Schäfer aus dem benachbarten Dorfe L o r b a ch wurde, als er vom dortigen Friedhof kommend auf dem Heimwege begriffen war, von einem Kraftwagen angefahren und so schwer verletzt, dah er v e r st a r b. △ Nidda, 19. Nov. Heute vormittag ereignete sich hier beim Karlshof, kurz vor dem Stadteingang der Strahe von Ranstadt, ein Au toll nfall, der leicht verhängnisvoll hätte werden können. An der abschüssigen Stelle kam der Wagen infolge der Nässe ins Schleudern und fiel um. Die Insassen, drei Landwirtschaftslehrer aus Darmstadt, konnten sich nicht selbst befreien. Der Wagen mußte erst von zu Hilfe gekommenen Arbeitern aufgerichtet werden. Die Reisenden kamen mit dem Schrecken davon. Nur der Lenker hatte eine Hand verletzt. Sie setzten ihre Reise in den Vogelsberg mit einem anderen Wagen fort. Der Kraftwagen war so stark beschädigt, dah er in eine hiesige Reparaturwerkstätte transportiert werden muhte. Erweitertes dezirksschöffengericht Gießen. * Friedberg. 19. Nov. Aus Ersparnisgründen — weil 16 Zeugen und ein Sachverständiger aus Friedberg zu vernehmen waren — hielt das Tezirksschöffengericht Gießen heute seine Tagung im Amtsgericht in Friedberg ab. Angeklagt waren der Holzdreher R.. 22 Jahre alt, der Fuhrmann M., 26 Jahre alt, und der Metallgießer F., 22 Jahre alt, wegen Rauf Handels. In einer Augustnacht dieses Jahres standen die Angeklagten mit einigen Bekannten in der schmalen Engelsgasse in Friedberg, als der Melker Schmid, aus seinem unkÄeuchteten Fahrrad langsam daherfahrend, von ein paar Freunden gefolgt, auf sie zukam. R., der nach der Angabe eines der Mitangeklagten Handel suchte, erklärte, dem gehe er nicht aus dem Weg. Als Schmid ihn anfuhr, drückte er ihn mit den Worten: „Wo hast du deine LampeI" vom Rade herunter. In diesem Augenblick wurde ein brennender Zigarettenstummel nach Schmid geworfen. Darüber ärgerlich, stellte dieser zwei Leute aus der gegnerischen Gruppe zur Rede und packte einen an der Trust: zu weiteren Streitigkeiten kam es aber nicht. Als Schmid sich abwandte, um wegzugehen, sprang R. auf ihn zu und schlug ihm ins Gesicht. Dies war das Signal für die beiden anderen Angeklagten, über ihn herzufallen und ihn zu mißhandeln. M. und F. schlugen mit Stöcken auf ihn ein, R. schlug mit der Faust und trat ihn. Schmid, der sich gegen die Liebermacht nicht wehren konnte, flüchtete hinter das Gerüst eines Hauses und bat, ihn doch gehen zu lassen, er wolle sein Rad wieder nehmen. Als er hinter dem Gerüst heraustrat, fielen die Angeklagten sofort wieder über ihn her und mißhandelten ihn weiter: schließlich packte ihn R., warf ihn wieder das Gerüst und gab dem zu Toden Gefallenen noch einen Tritt. Das Ganze hatte sich in 1 bis 2 Minuten abgespielt. Schmid blieb liegen und st a r b alsbald, wie die Leichenöffnung ergab, an einem Bruch der Schädelbasis. Nach dem Sachverständigengutachten wurde der tödliche Ausgang durch die anormale Beschaffenheit des Schädels — Asymmetrie und übermäßige Sprödigkeit — begünstigt. Die Angeklagten suchten zu leugnen und sich, .7-soweit sie etwas zugaben, auf Notwehr hinauszureden: sie wurden aber durch die in allen we- - sendlichen Punkten übereinstimmenden und sich ergänzenden Aussagen der Zeugen überführt. Der Lärm hatte die Anwohner ans Fenster gelockt, und die gute Beleuchtung der Gasse ermöglichte genaues Beobachten. Die Angeklagten wurden des Raufhandels schuldig befunden und demgemäß verurteilt. Ihre Jugend, Llnbescholten- h?it und die leichte Angetrunkenheit wurden ebenso wie die verhängnisvolle Beschaffenheit des Schädels des Getöteten berücksichtigt und demgemäß mildernde Llmstände angenommen. Es erhielten R. zwei Jahre, F. ein Jahr acht Monate, M. ein Jahr sechs Monate Gefängnis. In die Strafe F.s sind vier Monate Gefängnis einbezogen, die er erhielt, weil er zwischendurch einem der Begleiter Schmids mit einem Stockhieb das Nasenbein eingeschlagen hatte. Die Haftbefehle, unter denen sämtliche Angeklagten stehen, wurden aufrechterhalten. Große Strafkammer Gießen. Gießen, 18. Nov. Ein auswärtiger, wiederholt vorbestrafter Reisender hat sich in einer ganzen Anzahl von Fällen bei seiner Firma Anzugsstofse dadurch erschwindelt, daß er B e - stellungen fingierte. Das Gericht erster Instanz hat ihn wegen Betrugs zu einer Ge- I fängnisstrafe von neun Monaten verurteilt. Wegen Llrkundenfälschung und weiterer Zechprellereien, deren der Angeklagte beschuldigt ist, erfolgte Freisprechung. Auf Berufung des Verurteilten fand nochmalige Verhandlung statt, die aber dasselbe Deweisergebnis hatte. Die Berufung wurde deshalb verworfen. Ein achtmal wegen Diebstahls — davon dreimal im wiederholten Rückfall — vorbestrafter Zimmermann aus dem Rheinland hat einem mit ihm im Krankenhause liegenden Bergmann einen Geldbetrag entwendet. Das Schöffengericht sprach eine Strafe von ein Jahr Gefängnis aus. Da dem Angeklagten die Strafe zu hoch war, legte er Berufung ein. Das Berufungsgericht hielt jedoch die Strafzumessungsgründe des Gerichts erster Instanz für zutreffend und verwarf die Berufung. Das Gericht nahm ebenfalls mildernde Umstände an, erkannte jedoch mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen auf die frühere Strafe. Eine Frau, Rechnerin einer oberhessischen Spar- und Darlehnskasse, ist der Veruntreuung eines Betrages von etwa 1000 Mark zum Nachteil der Kasse' beschuldigt: außerdem hat sie die auf die Veruntreuung bezüglichen Geschäftsbücher beiseite geschafft Die Anklage nimmt an, daß sie zur Verschleierung der Untreue einen Einbruchsdieb st ahl in ihr Geschäftszimmer, wobei die fragliche Summe abhanden gekommen, fingiert habe. Das Be- zirksschöfsengericht hielt die Angeklagte für schuldig und verurteilte sie zu neun Monaten Gefängnis. Auf ihre Berufung verhandelte heute die Strafkammer unter Zuziehung von Sachverständigen. Der eine Sachverständige hielt es für zweifelhaft, ob der schwere Diebstahl von einer schwachen Frau ausgeführt worden fein könne. Auf Antrag des Staatsanwalts ordnete das Gericht die Aussetzung des Verfahrens und die Vornahme weiterer Ermittlungen zwecks Aufklärung an. Gießener Jugendgericht. In der jüngsten Sitzung des Jugend'erich.s wirkten als Jugendschöffen mit Frau Margarete Schreiner, Alten-Buseck, und Lehrer Philipp Hofmann, Lang-Göns. Zwei junge Leute aus der Nachbarschaft haben sich der Fälschung vonArbeiterwochen- karten der Reichsbahn schuldig gemacht und stehen deshalb wegen schwerer Llrkunden- fälschung, begangen in Tateinheit mit Betrug, unter Anklage. Beide haben mehrere Male auf Grund abgelaufener und sodann gefälschter Karten Dahnzüge nach Gießen benutzt. Während der eine von ihnen genau wußte, dah er eine öffentliche Llrkunde fälschte und sich des Betruges schuldig machte, konnte dem andern, der einen beschränkten Eindruck machte, nur nachgewiesen werden, dah er sich der betrügerischen Absicht bewußt war. Beide sind bisher nicht bestraft. Mit Rücksicht hierauf wurden die erkannten Gefängnisstrafen von sechs bzw. drei Tagen unter Festsetzung einer Bewährungsfrist von vier Jahren ausgesetzt. Gleichzeitig wurden noch besondere Erziehungsmaßregeln angeordnet, über die nunmehr der Vormundschaftsrichter zu befinden haben wird. Ein Sechzehnjähriger bzw. sein Vater hat form- und fristgerecht Einspruch gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts eingelegt, durch den er wegen Vergehens gegen § 24 Ziffer 1 des Gesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen in eine G e ld strafe von 25 Mark genommen wurde, die im Falle der Uneinbringlichkeit mit fünf Tagen Gefängnis zu verbüßen sind, weil er „das Auto nicht selbst gesteuert habe". Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, dah der Beschuldigte im vergangenen Sommer mit zwei andern bereits rechtskräftig bestraften jungen Leuten, die sich gleichfalls nicht im Besitze von Führerscheinen befanden, eine sog. Schwarz- f a h r t mit dem Lieferwagen einer hiesigen Firma nach Lich und zurück gemacht und dah er den andern die Gelegenheit zur Erlangung des Wagens verraten und sie zur Tat angestiftet hat. Es kommt deshalb nicht in Frage, ob der Der- anzeigte den Wagen selbst gesteuert hat oder nicht. Alle drei waren sich der Strafbarkeit ihres Tuns bewußt. Der Angeklagte wurde zu der bereits im Strafbefehl erkannten Strafe verurteilt, da in derartigen Fällen stets straferschwerend zu berücksichtigen ist, daß durch ein solches Vergehen nicht nur Leben und Gesundheit der Leichtsinnigen, ungeprüften Fahrer, sondern auch das anderer Personen außerordentlich gefährdet und daß deshalb stets empfindliche Strafen am Platze sind. Im vorliegenden Falle wurde zudem der betreffende Wagen bei der Schwarzfahrt nicht unerheblich beschädigt. Ein Jugendlicher, der im Kreise Friedberg beim Hausieren betroffen wurde, ohne sich im Besitze eines Wandergewerbescheins zu be° inden, hat gegen einen Strafbescheid Einspruch eingelegt, weil er angeblich nicht der betreffende Veranzeigte gewesen ist. Offenbar stimmt letztere « Angabe nicht, da der betreffende Sicherheitsbeamte den damals Veranzeigten heute doch nach ' einem ihm vorgelegten Lichtbilde wiedererkennt. Da der Beschuldigte zudem im Hauptverhandlungstermin ohne jede Entschuldigung nicht erschienen ist, wurde, dem Anträge des Jugendstaatsanwaltes entsprechend, der Antrag auf gerichtliche Entscheidung bestehender Vorschrift entsprechend für zurückgenommen erklärt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mahnruf eines Opfers der Tabakzollvorlage. Als erste der zu erwartenden nachteiligen Wirkungen der geplanten 500prozentigen Tabakzollerhöhung ist zu verzeichnen, dah bereits eine gröhere Anzahl kaufmännischer und technischer Angestellte der Zigarrenindustrie ihre Kündigung zum 31. Dezember erhalten haben. Selbst wenn bei manchem hiervon Betroffenen Hoffnung besteht, dah sich durch eine von den Fraktionen herbeigeführte Milderung oder Ablehnung der Vorlage eine Entlassung vermeiden lassen wird, so kann man sich doch einmal vo-rstellen, welche niederdrückenden Gefühle es bei diesen Angestellten, die gröhten- teils schon mehrere Jahrzehnte lang unter den schwierigsten Verhältnissen ihre ganze Kraft für die Erhaltung der Betriebe mit eingesetzt haben, auslöst, wenn sie infolge derartiger, sich ständig wiederholender Gesetzesvorlagen alle paar Jahre den Weg nach der Türe gewiesen bekommen. Daß durch eine solche dauernde Beunruhigung mit der Zeit jede Lebenslust und Arbeitsfreude dem Angstgespenst der Stellenlosigkeit und deren Folgen weichen muh, liegt für jeden denkenden Menschen klar auf der Hand. Hoffentlich gelingt es den in ihrer Existenz so schwer Bedrohten mit Hilfe derjenigen Stellen, welche die verheerenden Wirkungen dieser Vorlage mitvorauszusehen befähigt sind, das Schlimmste abzuwehren und damit die Vergrößerung des Elends auf dem Arbeitsmarkt zu verhindern. Ein gekündigter Angestellter mit Famllie. Hammstraße gegen Frankfurter Straße. Es ist das gute Recht jedes einzelnen Staatsbürgers, Nachteile, die ihn betreffen, nach Möglichkeit abzustellen, oder doch deren Abstellung von einer Seite, die dazu berufen ist, zu verlangen. Aber: „Was du nicht willst das man dir tu' ..." und wenn du an der Frankfurter Straße den Lärm der durchrasenden Kraftfahrzeuge abgestellt haben willst, dann verlange nicht, daß er auf die Hammstraße verlegt wird. Oder kommen für die Anwohner der Hammstraße andere Gesichtspunkte in Betracht, als für diejenigen der Frankfurter Strahe? Es ist ja jedenfalls in der nächsten Zeit, wegen der finanziellen Frage, nicht mit dem Bau einer Llmgehungsstraße zu rechnen. Der Stadtverwaltung harren vorerst noch wichtigere Aufgaben. Ganz abgesehen davon, dah dem Dau einer Strahe entlang der Main-Weserbahn Geländeschwierigkeiten im Wege stehen werden. Soweit mir bekannt ist, gehört die Zufahrtstrahe zum Güterschuppen der Reichsbahn von der Bahnüberführung an der Wieseck bis zur Einmündung der Klinikstrahe der Deutschen Reichsbahn. Das kann man nicht nur an der Reinhaltung, sondern auch an der Beleuchtung merken. Ob der schmale Streifen zwischen Lahn und Bahnkörper vom Neustädter Tor bis zur Eder- straße als Durchgangsstrahe ausgebaut werden kann, mühten berufene Fachleute entscheiden. Ich denke hier an die besonders schmale Stelle bei dem Hause der Giehener Rudergesellschaft. Aber hierüber soll ja auch jetzt noch nicht gestritten werden. Zweck dieser Zeilen ist nur, die Hammstraße, die schon in der Frage der Beleuchtung stiefmütterlich behandelt ist, nicht ganz zur Strahe zweiten Grades zu stempeln, auf die man alle Llnannehmlichkeiten einer anderen Strahe abwälzt. W. Der Kampf um den Milchpreis. Obwohl ich beabsichtigt hatte, die Auseinandersetzung in der Presse um den Milchpreis mit meiner Erklärung vom vorigen Samstag meinerseits als abgeschlossen anzusehen, muh ich heute noch einmal öffentlich auf diese Angelegenheit zurückkommen, da die Antwort der Herren Gebrüder Grieb mich dazu zwingt. In meinem Artikel vom Samstag hatte ich zwar die Herren Grieb nicht genannt, sie müssen aber doch wohl meine Erklärungen sehr unangenehm empfunden haben, da sie meine Berechnung in Zweifel stellen wollen. Inwieweit die Behauptungen der Herren Grieb zutreffend sind, wird wohl am besten der Milch- erzeugerverband angeben können. Wenn die Herren behaupten, der Preis für die Werkmilch bringe bei weitem den zu zahlenden Stallpreis nicht auf. so beweisen sie m. E., dah meine Erklärung. eine gewisse Rechenkunst bringe es fertig, Gewinne Rull für Null aufgehen zu lassen, berechtigt war. Für die Frischmilch wird jetzt ein Kampfpreis von 20 Pfennig bezahlt, die Butter hat aber bis jetzt noch den früheren Normalpreis. Da nun nach Angabe der Herren Grieb Leihgestern täglich 1000 Liter Milch an sie liefert, ausgerechnet nach dem Fettgehalt 3,8 und 4 Prozent, und diese zu Werkmilch verarbeitet wird, mithin an dem Preis der Frischmilch nicht beteiligt ist, der Preis von 14 Pfennig aber auf 13,5 Pfennig reduziert wird, so dürfte damit bewiesen sein, daß die Behauptungen der Herren Grieb nicht zutreffend sind. Wenn die Herren weiter erklären, dah sie keine Gelegenheit hätten, die Milch von der Kanne des Erzeugers direkt in den Topf der Hausfrau zu liefern, so kann Lechgestern darauf Hinweisen, dah die Milch von dort aus direkt an die Hausfrau geliefert werden kann. Daß eine Molkerei auch Linkosten hat, wissen die Landwirte natürlich, auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht übersehen, daß die Milchv.ehhaltung des Landwirtes mit Kosten und Risiko verbunden ist. Wenn die Herren Grieb am Schlüsse erklären, dah der Kampf weiterbestünde, wenn nicht alle Landwirte an der Frischmilch beteiligt würden, so ist darauf hinzuweisen, daß diese Aeußerung schon einmal in Leihgestern vorgebracht und dabei behauptet wurde, sie stamme von Herrn Abg. Fenchel. Herr Abg. Fenchel hat aber öffentlich erklärt, daß er diese Behauptungen nicht getan habe. Damit schließe ich meinerseits die öffentliche Erörterung ab, da ich annehme, haß meiner öffentlichen Versammlung Gelegenhelrsein wird, zu dieser Frage noch näher Stellung zu nehmen. Karl T e x t o r II., Leihgestern. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. K. Wenn der Betreffende mit Ihnen im gleichen Gemeindebezirk wohnt, ist er auf die Bürgermeisterei zum Sühnetermin zu laden. Gibt er dort seine Verfehlung zu, so besteht die Möglichkeit seiner späteren Bestrafung. Andernfalls ist jedoch mit letzterer nicht zu rechnen, da Zeugen nicht vorhanden sind und die Beeidigung der Beteiligten in einer Privatklagesache unzu- lässig ist. K. D. in W. Die Versicherungsfreiheit der in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen ist im Gesetz vom 16. Juli 1927 über die Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosenversicherung geregelt. Lassen Sie sich auf der dortigen Bürgermeisterei den Gesetzestext vorlegen, Reichsgesetzblatt von 1927, Teil I Seite 195 und prüfen Sie nach, ob Ihr Sohn unter den § 72 des Gesetzes fällt. Wenn er in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen war und zum ländlichen Gesinde gehörte, so war seine Beschäftigung versicherungsfrei. Weinbuch. Nach § 19 des Weingesetzes vom 25. Juli 1930 ist derjenige, der gewerbsmäßig... Wein in Verkehr bringt, oder zu Getränken verarbeitet, verpflichtet. Bücher zu führen, aus denen zu ersehen ist.... 3. welche Mengen von dem Weine ähnlichen Getränken er aus eigenem Gewächs gewonnen oder von anderen bezogen und welche Mengen er an andere abgegeben, oder welche Geschäfte über solche Stoffe er vermittelt hat. Obst- • Weinhersteller fallen nicht unter diese Vorschriften. Das Weinbuch für Schankwirte, Lebensmittel- Händler, Krämer und sonstige Kleinverkäufer von Wein ist eingerichtet nach Muster F der Ausführungsbestimmungen zum Weingesetze. Letzte Nachrichten. Vertrauensvotum für die Thüringer Regierung. Weimar, 20. Nov. (TLl. Drahtmeldung.) Im Thüringischen Landtag wurde am Donnerstag der nationalsvzialistische Vertrauens an trag für die Gesamtregierung mit 28 Stimmen der Rechtsparteien einschließlich der Deutschen Volkspartei, gegen 25 Stimmen angenommen. Lieber die sozialdcmvkratiichen Mißtrauensanträge gegen Staatsminister Dr. Frick und Staatsrat M a r s ch le r wurde aus Antrag der Landvolkpartei zur Tagesordnung übergegangen. Der kommunistische Auflösungsantrag fand keine Mehrhett. Do X auf dem Wege nach La Loruna. Bordeaux. 20. Nov. (Don Bord des Do X. Copyright Wolffs Telegraphen-Bureau.) Do X ist um 11.10 Ahr gestartet und fliegt über Jrun nach La (Koruna. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 22. November. Vorabend 4.30 Uhr: morgens 9; abends 4.45 und 5.25 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 22. November. Freitag abend 4.10 Uhr: Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.25. — Wochengottesdienst: morgens 6.45; abends 4 Uhr. o Das ideale Abführ-Konfekl la Seefischeu. Filets Zum Totensonntag Marktstr. 23 Tel. 2417 Gesundheitstechnische Anlagen 7760A Zentral-Heizungen aller Art Be- und Entwässerungs-Anlagen Elektrische Licht-, Kraft-, Klingel-, Radio- und Verstärker-Anlagen Bade- und Wasch-Einrichtungen Große Ausstellungs- Räume größte Auswahl 7507a Fischhaus,Cuxhaven6 RudolfRödiger,Gießen Fernruf 2497 ■ Walltorstraße 35 Sienschirme Koblcnfiillcr, Koblenkatten.Ofcn vorieirer. Verdamvsichalen in grober Auswahl 7859A Edgar Vorrmann, Äsenhandlung In reichster Auswahl empfehle zum Totenfest Kränze, Kreuze und Sträuße Billigste Preisei 07156 ÄemGMkerM Von Donnerstag bis Samstag auch Verkauf in den Marktlauben 8 bis 11. 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