Montag. 20. Oktober 1030 180. Jahrgang Nr. 245 Erstes Matt Annahme von Lnzetaen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20'/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, fämtlich in Biegen. Lrichetnt täglich.anher Sonntags und Feiertag» Beilagen: vte Illustriert« Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Berugsprets: 2.20 Reichemark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zemfprechanfchlüste anterSammemummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Blutiger Stehen. Postscheckkonto: granffurlam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: Vrühl'sche Univerfilätt-Vuch' und Zteindruckerei K Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschastrftelle: Zchulstrahe 7. r n n n 3 1 r e e 3 t 5 s Die Mehrheit für Brüning. ©er Reichstag beschließt nach zwölfstündiger Gitzung gegen Mitternacht mit 318 gegen 236 Stimmen über alle Mißtrauensanträge zur Tagesordnung überzugehen. — Annahme des Schuldentilgungsgefehes. — Aufrechterhaltung der Notverordnung.-DasAmnestiegefetz verabschiedet.-Oer Reichstag vertagt sich bis zum 3. Dezember.-Freie Bahn für Brüning Ein guter Start. Für daS Kabinett Brüning besteht natürlich keine Veranlassung, Feste zu feiern. Eine Mehrheit von 82 Stimmen ist gewiß keine berauschende Angelegenheit, die Stärkeverhältnisse in diesem Reichstag sind aber so unglücklich gelagert, daß man selbst mit diesem Abstimmungsergebnis zufrieden fein muh. 3m Grunde genommen ging es am Samstag für die Regierung auch weniger darum, eine imposante Mehrheit aus die Beme zu bringen, als zunächst einmal sich einen guten Start zu sichern. Das ist gelungen. Der Weg zur gesetzgeberischen Arbeit ist frei, das Kabinett wird auch schon in den allernächsten Tagen die ersten der etwa dreißig Vorlagen dem Reichsrat zugehen lassen. Wir werden also sehr bald wissen, wie die Pläne Brünings im einzelnen aussehen und mit welchen Mah- nahmcn er unserer augenblicklichen Wirtschaftsund Finanznot zu Leibe gehen will. Das Vernünftigste wäre aber, wenn der Kanzler die jetzt gewonnene Ellenbogenfreiheit auch gründlich aus- nutzen und dort, wo die Rot am größten ist, auf die Anwendung des Artikels 48 zurückgreisen würde. Schließlich hat sich der Reichstag nicht deswegen bis zum 3. Dezember vertagt, um den einzelnen Ressorts Zeit zur Ausarbeitung ihrer Gesetzentwürfe zu lassen. Der tiefere Sinn dieser Reichstagspause ist doch wohl der, dem Kabinett die Möglichkeit zu geben, mit Rot- verordnungen zu arbeiten und diejenigen Gesche schon jetzt verwaltungsmäßig zu verankern, die nach dem Wiederzusammentritt des Parlaments aus den verschiedensten Gründen auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen werden. die pber doch erforderlich sind, um die Finanzen auf lange Sicht in Ordnung zu bringen und unsere Wirtschaft wieder auszurichten. Es ist ganz selbstverständlich, daß dabei in erster Linie an die Erwerbslosen gedacht wird, die ein Opfer unserer Finanz- und Wirtschaftsnot sind und derentwegen die politischen Kämpfe der letzten Wochen und Monate entfesselt worden sind. Die Basis für eine derartige gesetzgeberische Arbeit ist in der Annahme des Schuldentilgungs- gesehes als Voraussetzung für den lieber- brüclungskredit geschaffen worden, sie ist noch weiter untermauert, weil es die Mehrheit des Reichstages bewußt abgelehnt hat, das Programm der Regierung schon jetzt irgendwelchen Korrekturen zu unterziehen. Der Kanzler würde gut daran tun, wenn er die ihm hier gebotenen Vorteile nun auch geschickt ausnutzen und rücksichtslos die von ihm aufgesteckten Ziele ansteuern würde. Die Voraussetzungen dafür sind günstig, Herr Brüning braucht jetzt nur noch eine entsprechende Portion Mut und Energie aufzu- bringen. Das Gchuldentilgungsgesetz Berlin, 18. Ott. (VDZ.) 3n der dritten Beratung des Echuldenttlgungsgesehes führt Abg. Dr. Q u a a tz (Dn.) aus, Reichsfinanzminister Dietrich habe seine Berechnungen zu optimistisch ausgestellt und vor allem nicht die ständig wachsende Zähl der ausgesteuerten Erwerbslosen berücksichtigt. Wenn nach der eigenen Angabe des Ministers die Schuldenlast am 1. April 1931 nicht vermindert ist trotz der Kreugeranleihe, so be- , beutet das. daß die Regierung die Deckung lausender Ausgaben der Zukunft überläßt im Wege i der Anleiheaufnahme. Das ist mit einer geordneten Finanzwirtschaft nicht vereinbar. Wenn der deutschen Wirtschaft das Betriebskapital entzogen wird, so leiden darunter auch die deutschen Arbeiter. DaS haben auch die Kommunisten erkannt, die in wirtschaftlicher Beziehung viel einsichtsvoller sind als die Sozialdemokraten. Abg. Feder (21.-6.) schließt sich der Kritik des Vorredners an. Die Wirtschaft werde geschädigt durch Steuerbolschewismus. Dazu komme die große Einfuhr. Bei dieser Lage werde der lleberbrüSungskredit in der bestimmten Zeit nicht abgcdeckt werden können. Der Redner begründet einen Antrag auf schärfere steuerliche Erfassung von Gewinnen aus Börsengeschäften. Den Bank- und Börsenfürsten und den großen Schiebern müsse zu Leibe gegangen werden. Auch die Abstimmungen zu dieser Vorlage werden zurück- gestellt. Die politische Aussprache. Die kleinen Parteien. 3n der Fortsetzung der Aussprache über die Regierungserklärung verlangt Abg. D ö b r i ch (L. D.) in der Wirtschaftspolitik Abkehr von den Theorien, die sich als falsch erwiesen haben. Die Dauhandwerkerlöhne und die Beamtengehälter sind zu hoch im Verhältnis zum Einkommen anderer Berufsschichten. Dem Reichskanzler und dem Rc ernährungsminister Scbiele danken wir für das, was sie im Interesse der deutschen Landwirtschaft getan haben. Wir werden dernMih- trauensantrag gegen das Gesamt- tabinett zustimmen. Wir erwarten aber, daß bas Wehrministerium dem Streit der Parteien entzogen wird und daß Minister Schiele als Fachminister uns erhalten bleibt. Wir haben einen Mißtraucnsantrag gegen den Außenminister Dr. C u r t i u s eingebracht, und wir hegen auch das größte Mißtrauen gegen den 3nnenminister Dr. Wirth. Zum Minister Schiele haben wir 2kt- trauen und zum Reichskanzler würde unser Vertrauen noch größer sein, wenn er sein Verhältnis lösen würde zu einer staats- und kirchenfeindlichen Partei. Abg. Simpfendörfer (Chr.-Soz. D.l erklärt, der Christl.-Soz. Volksdienst betrachte sich nicht als eine Partei, sondern als «ine e v a n g e - lischeBewegung, mit dem Ziel, die wichtigen Kräfte der Ration zur stärkeren Entfaltung zu bringen. Wir gehören zur antimarxistischen Front, aber das Kernstück des Marxismus ist der Materialismus, und den sehen wir als bürgerlichen Marxismus und als bürgerliche Klassenkampfidee ehr stark auf der politischen Rechten vertreten. Wir lehnen die Unterscheidung „bürgerlich" und „sozialistisch" ab. 3n einem Volk, von dessen Angehörigen 96 Proz. kein Vermögen haben, hätte es keinen Sinn, das Bürgertum auf die kleine Gruppe von 4 Proz. zu beschränken. Wir sind eine nationale Bewegung und bäumen uns auf gegen den Druck ungerechter 2krträgc. Wir sind eine soziale Bewegung und empfinden das Gefühl der Empörung gegen eine Wirtschaftsordnung, die dem Schwachen alle Lasten aufbürdet. Der Aufhebung der Rotverordnung können wir nicht zustimmen, aber wir wünschen ihre Berbesse- rüng in vielen Punkten. Vor allem muh bei dem Gehaltsabzug der Beamten die Freigrenze her- aufgesetzt und eine sozialgerechte Staffelung zugunsten der niedrigen Gehälter durch- geführt werden. Die Frage der Einführung eines ArbeitSleistungs - oDer Arbeitsschulungsjahres muh sofort geprüft werden. Wir wünschen eine aktive Außenpolitik mit dem Ziel der Befreiung Deutschlands. Unbegreiflich ist uns die Haltung des Ministers Dr. C u r t i u s in Genf gewesen und seine Erklärung, daß die bisherige deutsche Außenpolitik unverändert fortgesetzt werden soll. Abg. Abel (DRRV.) — auf der Tribüne schwer verständlich — polemisiert zunächst gegen die Rationalsozialisten. Wir machen es nicht mit, einem M'chtrauensantrag gegen den Außenminister zuzustimmen, um aus diese Weise das ganze Kabinett zu stürzen. Wenn von dort (zu den Rationalsozialisten) gesagt wird, das ist die Tributregierung und wir sind die Befreiungs- Partei, so ist das reine Demagogie. Auch wir stellen uns den deutschen Staat anders vor, als er heute aussieht. Aber wir beschränken uns nicht auf bloße Agitation, sondern wollen positiv daran arbeiten, diesen Staat vorwärtszubringen zum Heil des deutschen Bolles. Aog. von Lindeiner-Wildau (DK.) verliest eine Erklärung seiner Gruppe, in der es heißt: Angesichts der durch jahrelange Mißwirtschaft eingetrelenen Finanznot muh der aufgeblähte D e rw a 11 u n g s a p p a r a t rücksichtslos abgebaut werden unter schleuniger Inangriffnahme der Reichsreform. Bei der Verbesserung der Rotvervrdnung mühten alle marxistischen Experimente vermieden werden. Die bei der deutschen Wirtschaftsnot unerträglich gewordenen Reparationslasten mühten auf dem Wege direkter Revisionsverhandlungen mit den Dertragsgeg- nern erleichtert werden, da die Voraussehungeni für den Voung-Dertrag durch die inzwischen eingetretene Wirtschaftskrise in Deutschland durchaus geändert worden sind. Der erste Krach. Abg. Hoe gner (Svz.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Rationalsozialisten Strasser. Strasser habe mit seinen Heber- treibungen eine Panikstimmung verbreitet und die deutsche Wirtschaftslage zu schwarz geschildert. Das Elend der Massen könne nicht mit Medikamenten aus nationalsozialistischen Parteiapotheken geheilt werden. Die Sozialdemokraten sind einig mit Strasser in der schärfsten Verurteilung des Versailler Vertrages und sie haben auch immer die Lüge von der Alleinschuld in schärfster Weise verurteilt. (Abg. Strasser macht einen Zwischenruf.) Herr Strasser, reizen Sie mich nicht, ich erinnere sonst an Ihr gebrochenes Ehrenwort. Sie haben am 30. April 1923 Ihr vor der Landshuter Polizei gegebenes Ehrenwort gebrochen. (Abg. Strasser: Weil es politisch notwendig warl) Bei Ihnen ist also der Bruch des Ehrenwortes ein politisches Mittel. (Abg. Strasser: JawohlI Lebhafte Ruse bei den Sozialdemokraten: „Das muh man sich merken!") Die Rationalsozialisten sind in Wirklichkeit nicht national. Es ist nicht national, wenn Hitler am Tage des Ruhreinbruchs der Franzosen im Münchener Kindl-Keller sagte: „Richt nieder mit den Franzosen, sondern nieder mit den Rovemberver- brechern!" (Minutenlanges Beifallsklatschen der Rationalsozialisten.) Rational ist es nicht, wenn die Rationalsozialisten ein Militärbündnis mit Italien anstreben und dafür die Deutschen Südtirols der nationalen Unterdrückung preisgeben. Rach diesen Mörlen entwickeln sich bei den Tla- tionalfozialislen stürmische Lärmszenen. Dem Redner werden Zurufe gemacht, die auf der linken Seile große (Erregung auslösen. Rach einem nationalsozialistischen Ruf, der auf der Tribüne unverständlich bleibt, gehen einige So- zialdemokraten auf den Vizepräsidenten (Esser zu und sagen: „hören Sie denn nicht, daß der Redner von den Raftonalsozialisten mit Mord bedroht wird?" Als dann von den Rationalsozialisten auf den sozialdemokratischen Abgeordneten S e v e - ring gewiesen wird und drohende Zurufe gemacht werden, geht Abg. Severing demonstrativ durch die Reihen der Rationalsozialisten hindurch der Ausgangstür zu. Vizepräsident Esser erklärt, ihm sei milgeteilt worden, daß der Redner mit Mord bedroht worden sei. Die Rationalsozialisten antworten mit lauten Rusen und Vizepräsident Esser ersucht alle Abgeordneten, die Plätze einzunehmen. Der nationalsozialistische Abgeordnete Heines, der den drohenden Zuruf gemacht haben soll, wird durch den Vizepräsident Esser aus der Sitzung ausgeschlossen. Die Lärmszenen wiederholen sich, als Abg. hoegner erklärt, aus den Münchener Untersuchungsakten ergebe sich, daß die Nationalsozialisten finanziert werden vom Ausland, von schönen Frauen und von der Großindustrie. — Abg. M u t s ch m a n n (NS.), der von hoegner genannt wurde, springt auf und ruft: „Ich klage Sie der Lüge an! Ich hab« nie einen Pfennig...!" — Die kommunistischen Abgeordneten Pieck und Florin rufen dem Abgeordneten Mutschmann zu: „Aus- beuter der Textilarbeiterinnen!^ Sie werden des» wegen zur Ordnung gerufen. — Verschiedene Sozialdemokraten machen den Vizepräsidenten Esser darauf aufmerksam, daß einige Nationalsozialisten den Sozialdemokraten Landesverrat voraeworfen haben. Vizepräsident Esser ersucht den Zwischen- rufer festzustellen, aber die Nationalsozialisten antworten mit lauten Zurufen gegen links. Als Abg. hoegner fortfahren will, rufen die Nationalfozia- listen fortwährend laut: „Schluß! Abtreten!" Unter großem Lärm der Nationalsozialisten beendet Abg. Dr. hoegner seine Red«. Die rechte Opposition. Abg. Schmidt, Hannover (Dn.) erklärt, die unerhörten Angriffe Hoegners gegen einen Mann wie Hitler reichten der nationalen Opposition nicht an ihre Stieselspihen. Die Sozialdemokratie handle jetzt nach dem Motto: Der Unfall ist des Müllers Lust. (Große Heiterkeit.) Wenn man die Reden der Regierungsparteien und der Minister gegeneinander halte, ergebe sich ein Gemisch aus Deutschlandlied und Marseillaise. Die Steuerleute und Seekadetten, die das Staatsschiff auf den Sandbänken der Halbheiten festlaufen liehen, hätten besser getan, die selbstverständ- lichen Folgerungen aus ihrem Mißerfolg zu ziehen, als die Flaute der Weltwirtschaft anzuklagen und den Proteststurm der Wahl zu ignorieren. Der Leipziger Protest fei die Widerlegung der Politik der gleitenden Mitte auf wehr- politischem Gebiet, wie der Altonaer Prozeß die Widerlegung des Systems Braun sei. Die Reinerhaltung des Wehrprinzips und der Wehrethik sei umso nötiger, als der Fahneneid heute auf ein so fragwürdiges Gebilde wie die Verfassung geleistet werde. (Der Reichskanzler verläßt ostentativ den Saal.) Abg. Graf zu Reventlow (RS.) weist darauf hin, daß in einem Prozeß gegen die „Rote Fahne" der Schriftsteller Kurt Hiller unter seinem Eid behauptet habe, eine Abteilung der Deutschen Friedensgesellschaft habe Staatsgelder von Franzosen, PolenundTschechen genommen, um für die Aufrechterhaltung des Versailler Vertrages zu wirken. Das stehe ganz im Einklang mit der Politik der Sozialdemokraten. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten und Rufe: „Das geht uns gar nichts an!“) Wenn die Sozialdemokraten es einmal wagen sollten, die Aufhebung des Versailler Vertrages zu verlangen, dann würde man wohl noch ganz andere Dinge über die deutschen Sozialdemokraten erfahren. Bei diesen Worten rufen die Abgeordneten David, Keil und andere Sozialdemokraten erregt: „Das ist eine Infamie, eine unerhörte Verleumdung!" — Vizepräsident Esser fragt den Redner, ob er bei seiner Bemerkung Mitglieder des Hauses gemeint habe. — Graf Reventlow: Das kann ich im Augenblick nicht kontrollieren. (Stürmische Heiterkeit und langanhaltendes Beifallklatschen bei den Rat-Sozialisten.) — Vizepräsident Esser ruft den Aog. Graf Reventlow zur Ordnung. Als dieser in feinen Ausführungen fortfahren will, rufen die Sozialdemokraten: „Schluß!" Ein Sozialdemokrat ruft: „Reventlow, dieser Feigling, hat den Krieg in Berlin verlebt, dieser Drückeberger!" Der Zwischenrufen wird zur Ordnung gerufen. Abg. Graf zu Reventlow (R.-S.) crtoibert: Ich habe wenigstens keinen Munitionsstrcik angezettelt. Ich habe mich im Kriege nicht gedrückt; ich habe bloß keine Lust gehabt, in der Kaserne zu stehen. Ich bin mit meiner damaligen Tätigkeit sehr zufrieden. (Rufe: „Das glauben wir Ihnen!") Die bisherigen Regierungen haben durch den Locarno-Pakt und den Beitritt zum Völkerbund den Versailler Qkttrag freiwillig bestätigt. (Wegen einer in diesen) Zusammenhang gegnr Erzberger gerichteten Bemerkung ruft Bizepräsident Esser den Redner zum zweiten Male zur Ordnung und macht ihn auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam.) Der Kursrückgang nach der letzten Reichstagswahl ist nur von den Juden an der Börse absichtlich herbei- geführt worden. Rach einem Börsenwitz gab eS damals nur zwei Parteien, die Hitlerpartei und die Laubhüttler-Partei (Stürmische Heiterkeit bei den Rationalsozialen.) Der auhenpolittsche Erfolg des nationalsozialistischen Wahlerfolges ist gar nicht zu verkennen. Er hat sich sofort in der italienischen Presse gezeigt. (Rufe links: „Sie geben Südtirol frei!") Kommen Sie doch nicht mit solchen Kamellen. Mir haben gestern zwei Südtiroler durchaus Recht gegeben, als ich sagte, den Südtirolern kann am besten geholfen werden, wenn wir ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis zu Italien bekommen. In der deutschen Arbeiterschaft wächst immer mehr die Erkenntnis, daß der deutsche Wille geweckt werden muh zur deutschen 2tefreiung. Wir kennen keine Klassengenossen, sondern nur Volksgenossen. Am Schluß seiner Rede bedauert Gras Reventlow, daß der Bischof von Mainz Ratio- nalsozialisten aus der Kirche aus- schließe. Die Jugend werde aus der Kirche marschieren. (Deisall bei den Rationalsozialisten.) Abg. Dr. Brauns (Zentr.) weist die Kritik des Abg. Graf zu Reventlow an dem Erlaß des Mainzers Bischofs zurück. — Abg. Dr. Goebbels (NS.) macht wiederholt laute Zwischenrufe und Präsident Löbe sagt: „Aber Herr Goebbels, ehe Sie kamen, war es so schön ruhig!" (Heiterkeit.) — Abg. Dr. Brauns meint, die Nationalsozialisten hätten mit ihren Pfuirufen gezeigt, welche Stellung sie zu den kirchlichen Autoritäten einnehmen. Der Redner spricht dann gegen die kommunistischen und sozialdemokratischen Anträge, die sich gegen den Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie wenden. Mit solchen Anträgen werde die U n a b « hängigkeit der Schlichter angetastet, das Schlichtungswesen politisiert und ein politischer Eingriff in ein schwebendes Verfahren vorgenommen. Ein solcher Eingriff liege weder im Interesse der Wirtschaft noch der Arbeiterschaft. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Eine Attacke des Kammer- Herrn von Oldenburg. Abg. v. Oldenburg.Ianuschau (Dnt.): Wenn ich als Ostpreuße, der dauernd den Kor- ridor passieren muß, hier als Vertreter des abgetrennten Ostpreußens das Wort ergreife, so will ich dem Reichskanzler und dem Reichsernährungsminister Schiele danken für die Ansätze, die sie zur Hilfe für Ostpreußen gemacht haben. Sie werden ihr Ziel aber nicht erreichen können, solange der Gegensatz besteht zwi- schen der preußischen Regierung und der Reichsregierung. Die preußische Regierung besitzt nicht das Vertrauen (Zuruf links: „Der Junker! ) der ostpreußifchen Landwirtschaft, weil dort alles politisch aufgezogen ist, während wir der lieber- zeugung sind (Zuruf links: „Den Junkern alles und den andern nichts!), es muß der furchtbaren Not gesteuert werden. (Zuruf der Kommunisten: „Der Mann hat 13 Rittergüter und spricht von Not!" — Beifall bei den Kommunisten.) Ich habe mich zu dem Leipziger Prozeß zum Wort gemeldet, weil ich der älteste Soldat und Offizier bin, der dem Reichstag angehört. Ich habe im alten Reichstag jahrelang beim Wehretat gegen den alten Debe > gefochten. Wir haben das getan als ehrliche Gegner in anständiger Form. Heute bin ich in der Lage, in umgekehrter Front kämpfen zu müssen. Generaloberst von S e e ck t hat sich das Verdienst erworben, unter Minister Dr. Gehler, der chm freie Hand lieh, die Reichswehr aufzubauen in der Tradition der Kameradschaft, der Ehre und des Wrhrwillens. (Zuruf links: „Ewiges Dörrgemüse für die Soldaten!") Als die Spartakisten die Reichskanzlei beschossen telephonierte Reichspräsident Ebert an das Wehrministerium: „Schicken Sie mir ein Bataillon, aber von der alten Garde!" Dieser Tradition ist nicht mehr entsprochen worden durch die letzten Erlasse des Generalobersten Heye, den ich menschlich schätze, wenn ich sein militärisches Vorgehen auch nicht begreife. Ganz imbegreiflich ist der ttlhren- erlah. Früher hatte der Offizier den Begriff Iber Treue zu seinem König. Jetzt soll das allein ersetzt werden durch den Gehorsam. Man mutet ihnen zu, Kameraden zu denunzieren und dafür ttihren anzunehmen. Ich, der ich die Ehre hatte, den Rock S. M. des Königs von Preußen zu tragen, ich hätte die Ahr den Betreffenden vor die Füße geworfen. Ganz unerhört ist es, daß Offiziere im Beisein des Kommandeurs von der Polizei verhaftet wurden. Ich hätte als Kommandeur die Polizisten davongcjagt. 2hm heiht es, hinter diesen Maßnahmen stände der Wehrminister und der Herr Reichspräsident. Der Wehrminister mag stehen, wohinter er will. (Beifall und Heiterkeit rechts.) Aber dagegen wehre ich mich als einer von den Millionen, die im Kriege hinter dem Feld- marscholl standen, daß sein Name in Zusammenhang gebracht wird mit dieser jammervollen Handlung. (Stürmischer Beifall bei den Deutschnationalen und Nationalsozialisten. — Ein Nationalsozialist ruft nach links: „Dieser alte Herr hat mehr Courage als ihr alle zusammen!" — Zwei Kommunisten werden vom Präsidenten Lobe zur Ordnung gerufen.) Wenn die Offiziere in ihrer Verzweiflung sich besprachen, so durfte man deswegen nicht den Leipziger Prozeß machen, der dem ganzen Land geschadet hat. Die Leitung der Reichswehr hat nicht die richtige Erkenntnis. Graf Schlieffen würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von solchen Erlassen hörte. Die Deutschnationalen und Nationalsozialisten klatschen dem Abg. v. Oldenburg am Schluß seiner Rede stürmisch Beifall. 2lbg. Hugenberg (Dnt.) beglückwünscht den Redner. Die Rattonal-- sozialisten anifen: „Nieder mit den Landesverrätern!" Die Kommunisten rufen: „Nieder mit den Arbeitcrverrätern, nieder, nieder, nieder!" Scharfe Entgegnung des Kanzlers. Reichskanzler Or. Brüning: Die Reichsregicrung hat nicht die Absicht, in den Verlauf der Debatte noch einzugreifen, ich halle mich aber verpflichtet, einzugehen auf die Ausführungen des verehrten Kollegen v. Oldenburg, weil er die Persönlichkeit des Herrn Reichspräsidenten in die Debatte gezogen hat, was ein in diesem Hause ungewöhnlicher Vorgang ist. Herr v. Oldenburg hat bewußt oder unbewußt sich bemüht, eine Differenzierung zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und dem Herrn Reichswehrminister Groener vorzunehmen. Daß muß ich zurückweifen. Der Herr Reichswehrminister hat das vertrauen des Herrn Reichspräfideüten in voll ft em Umfange. (Er ist zur Zeit aus dienstlichen Gründen nicht anwesend und kann daher erst später auf die Frage der Abg. v. Oldenburg antworten. (Er wird dazu die erste Gelegenheit benutzen, die sich ihm bietet. Als sich Herr v. Oldenburg zum Wort meldete. Halle ich eigentlich etwas anderes erwartet. Ich durfte erwarten, daß er die Worte des Abg. Schmidt- Hannover auf schärfste zurückweisen würde. (Unruhe rechts.) Herr o. Oldenburg, Sie sind nicht der einzige, der als Soldat unter dem jetzigen Reichspräsidenten im Felde gestanden hat, (Lebhafter Beifall.) Ich kann mich nicht entsinnen, von seilen eines sozialdemokratischen Abgeordneten eine solche Verhöhnung des Fahneneides gehört zu haben, wie sie der Herr Abg. Schmidt sich heule geleistet Hal. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte und links. — Abg. Schmidt-Hannover (Dnt.) schlägt erregt mit der Faust auf den Tisch.) 3m Interesse der heilighollung des Fahneneides muß ich auf das entschiedenste gegen diese Verhöhnung Stellung nehmen. (Erneuter stürmischer Beifall.) Dagegen hätten Sie auch Stellung nehmen müssen, wenn Sie die stolze Tradition des preußischen Heeres hier hätten zur Geltung bringen wollen. (Beifall bei der Mehrheit. — Unruhe rechts.) Die Regierung hat in ihrer Erklärung ganz klar und deutlich ausgesprochen, daß sie alles tun wird, was in ihrer Macht steht, um die Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes zu stärken, und wenn irgend jemand etwas dafür getan hat in Fortsetzung des Werkes von Herrn General v. S e e ck t, dann ist et bet jetzige Herr Reichswehrminister. (Erneuter lebhafter Beifall in der Mitte.) wenn Herr v. Oldenburg — und damit will ich schließen — das Zeugnis des verstorbenen großen Generalfeldmar- scholls v. Schlieffen in einer für mich unverständlichen weise gegen den jetzigen Reichswehr- Minister hier aufgerufen Hal, so muh ich Ihnen, Herr v. Oldenburg, zu meinem größten menschlichen und politischen Bedauern sagen, daß Sie — wie ich annehme, wider Willen, — aber in der Tat der alten Tradition des preußischen Heeres, die auf Disziplin und Gehorsam aufgebaut ist, hier den stärk st en Abbruch getan haben. Die Kanzlerrede wird von der Mehrheit m 11 stürmischem Beifall ausgenommen. Minister Dietrich drückt dem Reichskanzler die Hand. Bei den Deutschnationalen und Nationalsozialisten herrscht große Anruhe. Abo. v on Oldenburg meldet sich nochmals zum Wort. Er erklärt: Ich stelle fest, daß die Rede des Herrn Reichskanzlers Beifall gefunden hat bei den bewährten Hütern deutscher Nation: Kommunisten undSozialdemokraten! (Stürmischer Beifall rechts.) Präsident Loebe stellt demgegenüber fest, daß k e i n K o m m u n i st Beifall geklatscht hätte. Abg. Schmidt- Hannover (Dnt.) nennt die Ausführungen des Reichskanzlers über seine Person erstaunlich und beleidigend. Der Reichskanzler habe ihm vorgeworsen, er hätte den Fahneneid herabgesetzt und beschimpft. Er müsse sich eine derartige Anterstellung auf das entschiedenste verbitten. Der Redner wiederholt seine Äeußerungen nach dem Stenogramm und verlangt, daß der Reichskanzler die gegen ihn erhobenen Beschimpfungen zurücknehmen soll. Er habe gesagt, die heutige Wehrmacht habe leider den Fahneneid auf em Abstraktum zu leisten, auf ein mehr oder minder durchlöchertes Instrument, die Verfassung. Jedenfalls müsse er als Ergebnis der Aussprache feststellen: Die Republik hat eine Schlacht verloren! (Beifall rechts, Lachen links und in der Mitte.) Reichskanzler Dr. Brüning erhebt sich sofort und erklärt: Nach der Feststellung des Reichstagspräsidenten halte ich es nicht für notwendig, aus die persönliche Bemerkung des Herrn von Oldenburg noch zu antworten. Der Abg. Schmidt hat t>en Fahneneid in Verbindung m i t einem durchlöcherten und brüchigen Instrument, der Verfassung, gebracht. Ich habe meinen Ausführungen nach dieser Richtung hin bewußt nichts hinzuzufügen. (Lebhafter Beifall in der Mitte und links, Gelächter rechts.) Oie Abstimmungen. Sprechchöre der Radikalen. Es folgen nun zunächst die heute vormittag zurückgestellten Schluhabstiminungen. In der namentlichen Abstimmung wird das Schuldentilgungsgesetz mit 325 gegen 237 Stimmen a n - genommen. Dagegen gestimmt haben Nationalsozialisten, Kommunisten, Deutschnationale und Landoolkpartei. Es rv^rd dann über die Ueberrvei- sung der Notverordnung an den Ausschuß namentlich abgestimmt. Als die Sozialdemokraten die weißen Ja-Karten erheben, ruft ein nationalsozialistischer Sprechchor: „Wer hat uns verraten — die Sozialdemokraten!" Die Sozialdemokraten rufen den Kommunisten zu: „Die nehmen euch eure schönsten Parolen weg!" — Die Kommunisten sprechen nun im Chor: „Nieder mit den Sozialfaschisten! Nieder, nieder, nieder!" Lachend ruft ein Sozialdemokrat: „Jetzt sind sie recht krank!" Die Nationalsozialisten rufen dreimal „Deutschland erwache!" Als Antwort von links kommt darauf von den Kommunisten der Gesang der ersten Strophe der Internationale und im Anschluß daran ein dreifaches „Nieder mit den faschistischen Strolchen!" Während dieser Lärmszenen werden die Stimmzettel weiter eingesammelt. Präsident Löbe teilt mit, daß er einen der Teilnehmer an der letzten Störungskundgebung mit Saalausweisung bestraft habe und dieses Verfahren bei weiteren Störungen weiter anwenden werde. — Diese Mitteilung hat die Wirkung, daß weitere Sprech- und Gesangschöre wieder in Aktion traten. Die Ausschuhüberweisung wird mit 339 gegen 220 Stimmen beschlossen. Die Anträge auf Aufhebung der Reparationen des Bvungplans und die übrigen außenpolitischen Anträge werden den: Auswärtigen Ausschuß mit 323 gegen 236 Stimmen überwiesen. Dagegen wird die Ausschußüberweisung der Amnestieanträge mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Deutschen Volkspartei, Zentrum und Bayerischen Dolkspartei abgelehnt. Der deutschnationale Amnestieantrag zugunsten der wegen politischer Mordtaten Verurteilten wird hierauf gegen Deutschnativnale, Nationalsozialisten und Kommunisten in erster Lesung ab- gelehnt. Annahme findet in erster Lesung ein Amnestieantrag der Christlich-Sozialen, der Straffreiheit für Vergehen politischer Art zusagt. Gegen die Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt wird die von den Kommunismen beantragte Aufhebung des Schiedsspruchs für die Berliner Metallindustrie. Mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten angenommen wird dagegen der sozialdemokratisch-kommunistische Antrag, den Spruch nicht für verbindlich zu erklären. Der Ltebergang zur Tagesordnung Nunmehr wird der Antrag zur Abstimmung gestellt, der den Aebergang zur Tagesordnung über alle Mißtrauensanträge ausspricht. Ag. Gottheiner (Dn.) erklärt, daß eine solche Abstimmung verfassungswidrig sei, da nach der Verfassung die Regierung des Vertrauens des Reichstags bedürfe. Die Annahme des vorliegenden Antrags sei aber kein Vertrauensvotum. Präsident Löbe erinnert an frühere Fälle, in denen ähnliche Anträge auf Llebergang zur Tagesordnung von Deutschnattonalen^ gestellt worden seien. Die Nationalsozialisten hätten mit dieser Einleitung einmal ein Vertrauensvotum für die Regierung beantragt. Mit 310 gegen 235 Stimmen wird der Vorrang der Abstimmung über den Heber- gang zur Tagesordnung beschlossen. Dieser Antrag selbst wird dann in namentlicher Abstimmung mit 318 gegen 236 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung angenommen. Das Ergebnis dieser Abstimmung, mit der alle Mih- trauensauträge abgelehnt sind, wird von den Flügelparteien mit Pfuirufen ausgenommen. Damit ist um 23 Uhr die Tagesordnung erledigt. 2lbg. Dr. Everling (Dnt.) beantragt, die nächste Sitzung heute, 15 Minuten nach Mitternacht abzuhalten, um das Amnestie g e s e h in dritter Lesung zu beraten. Im Hammelsprung wird der Antrag auf Abhaltung einer Nachtsihung mit 300 gegen 225 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung, die fünf Minuten nach Mitternacht stattfindet, steht die dritte Beratung der Amnestievorlage. Zum Wort meldet sich niemand bei der Beratung des Amnestteent- wurses. Ein kommunistischer Aenderungs- antrag, der den Stichtag für die unter die Amnestie fallenden Straftaten vom 1. September 1924 auf den 1. Oktober 1930 verlegen will, wird gegen Kommunisten, Nationalsozialisten und Deutschnationale abgelehnt. In der namenllichen Schluhabstimmung werden für das Amnestiegeseh 395, dagegen 147 Stimmen abgegeben bei einer Stimmenthaltung. Die zur Annahme des verfassungsändcmden Gesetzes erforderliche Zweidrittelmehrheit ist damit erreicht. Bon der Rechten wird das Abstimmungsergebnis mit lautem Beifall begrüßt. Durch die Vorlage wird die Amnestte für politische Straftaten auch auf Mordtaten ausgedehnt, also auchauf dielogenanntenFememorde, soweit sie vor dem 1. September 1924 begangen worden sind und soweit sie sich nicht gegen Regierungsmitglieder gerichtet haben. Gegen die Vorlage haben nur die Sozialdemokraten geschlossen gesttmmt. — Der Reichstag beraumt die nächste Sitzung auf den 3.Dezember an. Die berliner presse zum Abstimmungsergebnis. Berlin, 20. Ott. (TTl.) Die Berliner Blätter nehmen zu den Abstimmungsergebnissen in der Samstagsitzung des Reichstages ausführlich Stellung. Die „DAZ." (DDP.) hebt dabei hervor, daß die Regierung einen ersten bedeutenden. Erfolg erzielt, ihre Autorität sei erfreulich gestärkt. — Die „Germania" (Z.) schreibt: Der Erfolg der Regierung könne unter den obwaltenden Hm* ständen nicht hoch genug angeschlagen werden. Darin liege der Beweis, daß eine Regierung auch ein widerspenstiges Parlament zu zwingen vermöge, wenn sie nur den Willen zur Führung habe. — .Die „K r e u z z e i tu n g" (deutschnatl.) schreibt, die rettenden Arme der Sozialdemokratie, in die sich das Kabinett geflüchtet habe, müßten es letzten Endes erdrosseln. Das sei nicht der Sinn der Wahlen vom 14. September gewesen. — Der „Lokal- A n - zeig er (Hugenberg) schreibt, es sei kein Zweifel möglich, wenn auch mit den notwendigen Abstimmungen Rückzug und einstweilige Rettung der sozialistenreinen Regierung in die Arme der Sozialdemokratie durchgeführt seien, auch die neue Stellung werde auf die Dauer gegen die nationale Flutwelle von rechts nicht standhallen. — Die „De utsche Tageszeitung" (Landbd.) betont, daß die Rettung des Kabinetts durch die Sozialdemokratie erfolgt sei. Das Blatt hebt bei einer Besprechung der Auseinandersetzung zwischen dem Abg. v. Oldenburg-Ianuschau und Dr. Brüning noch hervor, der Kanzler habe durch die Art seines Auftretens mindestens stimmungs- mäßig Gegensätzlichkeiten verschärft, an deren Abmilderung ihm eigentlich liegen sollte, wenn er nicht etwa den Willen habe, sich in völlige Abhängigkeit von der Linken zu begeben. Der Temperamentsausbruch fei völlig am falschen Ort und am falschen Gegenstand in Erscheinung getreten. — Der „Börsen-Courier" (dem.) ist der Auffassung, daß nicht nur von der Regierung Brüning, sondern auch vom deutschen Volke ein schwerer Druck genommen sei. Es wäre nicht abzusehen gewesen, was geschehen wäre, wenn der Reichstag die Notverordnungen abgelehnt und den äleberbrückungskredit nicht bewilligt hätte, dessen Gewährung an die Zustimmung des Parlaments gebunden war. —- Der „Vorwärts" (Soz.) verteidigt die Haltung der Sozialdemokraten mit dem Hinweis darauf, daß es der sozialdemokrattschen Reichstogsfraktton nicht um die Existenz der Regierung Brüning an sich gegangen fei. Die Verteidigung der Demokratie und der Arbeiterrechte sei der oberste Gesichtspunkt dabei gewesen. Der „M o n t a g“ (Hugenberg) nennt die Vertagung einen Staatsstreich Brünings und behauptet, daß die Oppositionsparteien, deren Anträge auf frühere Einberufung des Reichstags abgelehnt wurden, die Möglichkeit besäßen, auch gegen den Willen der Regierung die Einberufung deS Reichstages durchzusetzen, Der „Montag" begründet diese Auffassung in der Hauptsache mit Artikel 24 der Reichsversasfung, nach dem der Reichstag am 1. Mittwoch deS November am Sitze der Reichsregierung zusammentreten muh. Die Regierung sei also nach diesem Artikel der Verfassung auch gesetzlich verpflichtet, den Reichstag für den 5. November einzuberufen. Das Blatt schließt seine Ausführungen mit der Ankündigung, es sei durchaus damit zu rechnen, daß ein derartiger Antrag sehr bald an den Reichstag gestellt werden wird. Das nationalsozialistische Wirtschastsprogramm. Dr. von Stautz über die bankpolitischen Anträge der Nationalsozialisten. Berlin, 18. Olt. (CNB.) Zu den bank- politischen Anträgen der Nationalsozialisttschen Partei nimmt im heutigen „Bank-Archiv" D r. von Stauh, Mitglied des Reichstags, Vorstandsmitglied der Deutschen Dank und Disconio- Gesellschaft, in einem Aufsatz über die finanz- und wirtschaftspolitischen Aufgaben des neuen Reichstags wie folgt Stellung: „Die bestehende Vertrauenskrise kann allerdings eine wesentliche Verschärfung erfahren, wenn durch die Anträge politischer Parteien das Privateigentum und sonstige private Rechte bedroht werden und wenn diese Beunruhigung durch undurchdachte gesetzgeberische Vorschläge verstärkt wird, welche an die Grundlagen der deutschen Kreditwirtschat, rühren und damit an die Grundpfeiler der Wohlfahrt des Landes und seiner produktiven Stände. Möge nicht vergessen werden, daß verstärkter politischer Einfluß auch verstärkte Verantwortung für alles Unheil in sich schließt, welches schon allein dadurch entstehen kann, daß solche Anträge vielleicht da oder dort im Inland oder Ausland ernst genommen werden, obwohl kaum ein einsichtiger Mensch ihre Verwirklichung für möglich hält." Die Deutsche Gtaatspartei. Das Ausscheiden der Bolksnationalen. Keine Fraktionsgemeinschast mit der Bolkspartei. Berlin, 20. Oft (VDZ.) Der Reichsvorstand der V o l k s n a t i on a len Re ichsv e re i ni- g u n g faßte eine Entschließung, in der zunächst darauf hingewiesen wird, daß die Dollsnationalen die Gründung der Staatspartei als eine entschlossene Erneuerungsbewegung begrüßt hätten. Die Staatspartei habe aber in der letzten Zeit eine Entwicklung genommen, die die Erreichung der Ziele der Dolksnattonalen u n- möglich gemacht habe. Der Reichsvorstand billige deshalb die Gründe, welche die volksnatio- nalen Mitglieder des Hauptakttonsausschusses der Staatspartei zum Austritt bewogen haben. Ebenso wurde die Haltung der sechs volksnatto- nalen Reichstagsabgeordneten gebilligt. Die Volksnationale Reichsvereinigung betrachtet eS als ihre Aufgabe, mit aller Kraft die Sammlung solcher Staatsbürger mit dem Ziel einer grundlegenden Erneuerung weiter zu betreiben. Finanzminister Dr. Höpker-Aschoss hat an die aus der Deutschen Staatspartei ausgeschiedenen Reichstagsabgeordneten Abel, Adolph, Bornemann, Daltrusch, Hesse, Prüh vom Iung- deutschen Orden ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Der Hauptakttonsausschuh der Deutschen Staatspartei hat beschlossen, die Partei aufrechtzuerhalten und den Aufbau sofort durchzuführen. Es ist gleichzeitig beschlossen worden, Sie um die Riederlegung Ihres Reichstagsmandats zu ersuchen. Nachdem Sie aus der Partei und aus der Fraktion aus- geschieden seien, sei es geboten, den Platz den nach st folgenden in der Staatspartei verbliebenen Kandidaten zu überlassen. Am Montag tritt übrigens der Parteivorstand der Deutschen Dolkspartei zusammen. Seine Verhandlungen dürften jedoch nichts mit den allgemeinen politische Fragen zu tun haben, sondern nur dem Organisationsausbau der Partei dienen. Die Verhandlungen zwischen der Deutschen Volks Partei und der Deutschen Staatspartei wegen einer technischen Vereinigung zu einer Reichstagsfraktion werden als gescheitert angesehen, da die Frakttonsfuhrung der Deutschen Volkspartei hierbei Dr. Weber empfahl, daß )eder Abgeordnete der Staatspartei sich als. Hospitant einzeln anmelde. Dieser Vorschlag wurde von der Deutschen Staatspartei jedoch abgelehnt, damit sind die Aussichten auf ein Zusammenkommen der beiden Gruppen vorläufig wohl erledigt. Die Kommunalgehäiter in Preußen. Die Auffassung des Finanzministeriums. Der bin, 20. Ott. (Wolff.) Im preußischen Finanzministerium haben, wie der „Montag Morgen" (demokratisch) meldet, in den letzten Tagen Beratungen über die finanzielleDe- lastung der Gemeinden durch hohe Gehälter der leitenden Gemeindebeamten stattgefunden. Bei den Besprechungen herrschte Einigkeit darüber, daß die Gehälter der Kommunalbeamten im Verhältnis zu denen der Staatsbeamten ou hoch sind un& von den Gemeinden nicht länger getragen werden können. Eine Nachprüfung des Finanzministeriums hat ergeben, daß selbst Kommunen mit Etats von wenigen Millionen an ihre Bürgermeister Gehälter zahlen, wie sie der preußische Staat und das Reich nur ihren Ministerialdirektoren zugestehen. Zahlreiche Oberbürgermeister beziehen ein Einkommen, das in Wirklichkeit die Gehälter von Ministern oder Staatssekretären übersteigt. Es wird daher erwogen, die Gemeinden zu einer Herabsetzung der an die Bürgermeister und cprders leitenden Beamten gezahlten Gehälter zu zwingen. Das Finanzministerium steht auf dem Standpunkt, daß eine Aenderung der Desoldungsordmmg keine wohlerworbenen Rechte berührt. Unschuldig in südslawischen Gefängnissen. Das Verfahren gegen Neuner und Zsolde Reiter eingestellt. Belgrad, 19. Oft (TU.) Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den ehemaligen deutschen Abgeordneten Dr. Wilhelm Neuner, gegen die Schriftleiterin Isolde Reiter und gegen den Verwaltungsbeamten Paul U r s o eingestellt worden. Die Genannten mußten vier Wochen unschuldig im Gefängnis zubringen, wobei bekanntlich Isolde Reiter, den furchtbarsten Folterungen ausgesetzt war. Auch nach ihrer Freilassung im Iuni standen sie unter polizeilicher Aufsicht und konnten sich nicht frei bewegen. Zugleich meldet das „Deutfche Volksblatt", daß auch der Lehrer Ioseph Wilhelm, Mitglied l^s Hauptausschusses des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes, der am 13. Oktober verhaftet wurde, ebenfalls unter Einstellung des Verfahrens auf freien Fuß gesetzt worden ift Zugleich mit ihm wurden fünf deutschstämmige Bürger, die am selben Tage von der Gendarmerie festgenommen worden waren, aus der Haft entlassen. Als Grund für die Verhaftung führt das Volksblatt an, daß diese Personen d-en neuen Pfarrer von Erdevik mit einer deutschen Ansprache begrüßt hatten. Sine Anzeige bei ter Gendarmerie unterstellte ihnen bei dieser Gelegenheit staatsfeindliche Äeußerungen, die sich bei den Erhebungen bald als Verleumdungen herausstellten. Die Bekämpfung der Wettwirtschastskrisis. Interessante Vorschläge Dn Schachts. Neuyork, 19.Oft. (TU.) „Herold Tribüne" veröffentlicht einen interessanten Beitrag des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise und die Maßnahmen, die zu ihrer Behebung ergriffen werden müssen. Schacht erklärt, daß die Welthandelskrise keine gewöhnliche Ebbeerscheinung fei, sondern auf die durch den Krieg und die Nachkriegszeit heroorgerufenen Veränderungen in der Struktur der Weltwirtschaft zurückgeführt werden müsse. Die eigentlichen Gründe des beispiellosen Tiefstandes der Wirtschaft seien die Hochschutz, Politik, der Ausbau nationaler Industrien in neugeschaffenen Ländern Osteuropas, die gewollte Abwehr gegen den Welthandel in Rußland, Indien uni Aegypten und anderen asiatischen Ländern, die väb> lige Mißachtung des feindlichen Privatbesitzes während des Krieges und in den Friedensverträgen und vor allem das Höch st beunruhigende Reparationsproblem sowie die unaufhö» lichen Störungen des internationalen Geldmarktes durch eine frivole Anleihepolitik. In striktem Gegensatz zu Hoover ist Schacht davon überzeugt, daß Amerika seine eigene Krise nur in eng ft er Zu - fammenarbeit mit der übrigen Welt beheben kann. Die Lösung des Problems der Welthandelskrise sieht Schacht in einer Steigerung der Konsumkraft. Für die Erweiterung des Welthandels müsse in bisher unerschlossenen Ländern durch Kapitalanlage und aktive Arbeit gesorgt werden. Der notwendige internationale Zusammenschluß könne durch Schaffung einer aus Bankiers und Jndusttiellen zu« fammengesetzten Wirtschaftsorganisation gewährleistet werden, die stark genug sein müsse, um das Vertrauen des Publikums, das Anlage» kapitalien zur Verfügung stellt, zu gewinnen. Znterallierte Schulden undMparationen London, 20. Oft. (WIB. Funkspruch.) Wie slimes“ unter allem Vorbehalt und unter Hinweis darauf, daß eine Bestätigung nicht zu erreichen sei, au» Washington meldet, soll nach dort umlaufenden Gerüchten von gewissen Kreisen, zu denen in erster Linie der Setfretär des Schatzamt» Mellon, der Unterfetretär Ogden Mills und der Leiter der Jeberal Reserve Bank von Reuyork, George Harrison, gehören, der plan eines Moratoriums für öle Schuldenzahtungen der früheren Alliierten an die verelnig- t e n Staaten erörtert werden. Diesem Plan, so berichtet der Korrespondent, würde natürlich nur eine bedingte Bedeutung zukommen und mehr der Frage gelten, ob ein solcher Entwurf überhaupt später einmal den tatsächlichen Verhältnissen angepaßt werden könne, al» dah die in ihm vorgesehenen Bedingungen im Augenblick schon Anwendung finden konnten. Aber die kaum mehr al» theoretische Bereitschaft der amerikanischen Regierung, solche Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, wühle allein schon alle diejenigen ermutigen, die von der Notwendigkeit einer entschlossenen Aktion seitens der vereinigten Staaten in einer nicht allzu fernen Zukunft überzeugt sind. weiter meldet die „Times", daß der frühere Reichsbankpräsident Dr. S ch a ch t am Samstag eine halbstündige Unterredung mit dem Staatssekretär S 11 m f o n gehabt und heute den Präsidenten Hoover und den Staatssekretär Mellon sprechen werde. Ueber den Inhalt der Unterredung mit Stimfon sei nichts Näheres bekannt, aber Dr. Schacht habe bei Verlassen de» Bureaus des Staatssekretärs Pressevertretern gegenüber sich dahin geäußert, daß nach seiner Ueberzeugung Deutschland früher oder später gezwungen sein werde, e l n Moratorium für seine Reparation»- Zahlungen zu beantragen. Auf die Rückwirkungen eines solchen Schrittes in internationaler Beziehung sei Dr. Schacht nicht näher eingegangen, er habe jedoch auf die wirtschaftliche Ungerechtigkeit, die Deutschland durch den Ver- failler Derirag widerfahren fei und die Notwendigkeit der Revision desselben hingewiesen. Der „Iimes"-Korrespondent bemerkt dazu, es wäre überraschend, wenn Dr. Schacht in feiner heutigen Unterredung mit dem Präsidenten und anderen Führern der amerikanifchen Regierung nicht auf dasselbe Thema noch näher einginge. Der Besuch Schachts sei aber nicht erst notwendig gewesen, um die finanzieren Machthaber der Bereinigten Staaten davon zu überzeugen, daß die Ereignisse einer Krisis zutreiben, und zwar einer Krise, die größere Hilfsmaßnahmen erforderlich mache, als nur das Notmittet eine» Moratoriums. Der Goldabsluh aus Europa nach den Vereinigten Staaten und Frankreich und die damit verbundene 3mmobllif ierung der Geldvorräte bereite Neuyork und Washington große Sorge. Vie führenden Bankiers machten au» ihren Befürchtungen keinen hehl, dah dieser Stand der Dinge eine allzugroße Belastung für das internationale System der Goldwährung bedeute. Hervss Feldzug für die Vertragsrevision. Paris, 18. Oft. (TH.) Herv6 setzt seinen Feldzug für die Revision der Verträge in der Samstagausgabe der „CBictoire“ fort. Für den Fall, daß eine solche Revision nicht zustanbekommt, sieht er schon einen neuen Krieg voraus, in dem Frankreich als Sieger nichts zu gewinnen und als Besiegter alles zu verlieren habe. Natürlich gehöre, so führt HervL aus, eine ungeheure Chacakiergröhe dazu, einem Besiegten Erleichterungen eines Vertrages zu gewähren, zu dessen Hnterzeichnung man ihn mit dem Messer am Halse gezwungen habe. Hervö fordert dann die Verbände ehemaliger Kriegsteilnehmer, insbesondere das Croix deFeu auf, sie möchten durch eine große Geste ihren Willen zum Frieden /bekunden. Herv6 schlägt ihnen vor, am 11. November ein Telei aramm an den Stahlhelm zu senden mit der Frage, ob dieser bereit sei, auf Ehre und Gewissen zu erklären, dah die von ihm, Herv6, vvr- geschlagene Revision zu einer deutsch-französischen und deutsch-polnischen Versöhnung ohne Hintergedanken führen würde. Er, Herv6, sei überzeugt, dah der Stahlhelm eine derartige Frage» bei ah e nd beantworten und sofort eine moralische Abrüstung in Deutschland eintreten würde, die im Zeitalter der Flugzeuge und Giftgase die einzigewirkliche Friedens- s i ch e r u n g darstelle. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 20. Oktober 1930. Kemer will Gold! Ein Zehnmarkstück in Gold ist unter kursver- ständigen Leuten immer noch seine zehn Mark wert. So ein Geldstück kam mir in die Finger. 3n irgendeinem Strumpf wird es sich bis in diese schlechten Zeiten hinübergeschlafen haben. Es ist noch wunderschön blank. Es hat nur einen Nachteil: ich kann es nicht wieder loswerden. Da war erstens der Kellner eines größeren Restaurants. „Herr Ober, zahlen!" Wie toemt ich die Goldstücke lose in der Westentasche trüge, lege ich ihm das Zehnmarkstück auf den Tisch. Er nimmt es, besieht es und lächelt: »Tja, das war einmal...“ »Das ist auch noch, Herr Ober! Vollgültiges Zahlungsmittel!" Er guckt mich an, guckt das Goldstück an: »Augenblick mal.. 3n einer Ecke wird eine Oberkonserenz ein- berufen. 3ch sehe nur Kopfschütteln. Nach einer Meile kommt er zurück: „Hat der Herr kein andres Geld?" ,3a, aber bitte schön, warum denn nur?“ „Tja, wissen Se, da haben se erst vorige Woche einen verhaftet wegen Falschgeld..." „Ach, sehr freundlich nun meinen Sie von mir auch...?" „Nee, das nich gerade: aber wahrscheinlich sind Se auch damit angeschmiert, und nun möchten Ce’8 wieder loswerden. 3s ja verständlich..." Zweiter Versuch in der Straßenbahn. Der Schaffner stutzt: „Nanu?" Er versucht das Goldstück mit dem Daumennagel anzukratzen, dann steckt er es zwischen die Zähne, um ein Stück abzubeihen. Nachdem ihm das glücklicherweise mißlungen ist, reicht er es mit den Worten zurück: „Nee, Männecken, bei mir nich!" 3ch versuche höflich, ihn zu meinem Goldstück zu bekehren, da wird er amtlich: der Schaffner sei nicht verpflichtet, großes Geld zu wechseln, Paragraph sowieso dec Derkehrsordnung... Denn nicht! Dritter Versuch bei einem Droschkenchauffeur. La hätte ich bald Prügel bekommen. „Mensch, näch- ftenä kommen Se und toollcit mit Schokoloden- plähchen bezahlen! Diennarken nehme ich nich!" Auf meine währungstechnischen Belehrungen antwortet er bloß: „Da soll ich vielleicht für die lumpige Mark fuffzig erst noch bei de Repa- rationskonscrenz anrusen und mich erkundijen, hä?" Letzter Versuch bei meinem Friseur. Er weiß es, wie immer, ganz genau: „Laut Reichsbankgesetz vom August 1924 ist das Goldstück außer Kurs gesetzt..." Alle Achtung, konkretes Wissen imponiert! Es gibt nur leider gar kein Reichsbankgesetz vom August 1924! Jedenfalls besitze ist das Goldstück heute noch. 3ch werde mir wohl eine Schlipsnadel daraus machen lassen. So ändern sich die Zeiten... 3.3. Große Alarmübung oberhessischer Saniiäiökolonnen. Am gestrigen Sonntagvormittag alarmierte der 3nspekteur der oberhesstfchen Freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz, Sanitätsrat Dr. Hahn (Bad-Nauheim), die Freiwilligen Sanitätskolonnen von Gießen, Homberg, Alsfeld, Lauterbach, Gedern, Schotten, Laubach, Hungen und Leihgestern zu einer großen Alarmübung am Bahnhof Grünberg. Bei der Gießener Kolonne ging der Alarmruf gegen 11 Hhr ein. Innerhalb weniger Minuten fuhr der große Sanitätskraftwagen mit 6 Sanitätsleuten besetzt nach dem Alarmplatz ab, bald darauf folgte auf einem Lastkraftwagen die übrige Mannschaft der Gießener Kolonne mit allem Hilfsmaterial. Die Gießener Sanitäter trafen als erste an der Hebungsstelle ein, dann folgten in kurzen Abständen die übrigen Kolonnen, die teilweise auf Lastautos, Personenkraftwagen, Fahrrädern usw. herbeigeeilt kamen. Eine kurze Hebung am Bahnhof Grünberg vereinigte die Mannschaften zu gemeinsamer Arbeit. Die große Alarmübung, die für sämtliche Kolonnen völlig überraschend kam, fiel zur vollen Zufriedenheit des Inspekteurs aus und erwies erneut die Schlagfertigkeit der beteiligten Organisationen. Bornotizen. — TageskalendersürMontag. Gießener Eisverein e. 23.: Ordentliche Mitgliederversammlung, 20 Uhr, Cafe Astoria. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebesparade". — Astoria-Lichtspiele: „Messalina". — Aus dem S t a ö t tlj e a t e r b ur eau wird uns geschrieben: Am Mittwoch findet an Stelle der im Spielplan vorgesehenen Aufführung von „Einen Jux will er sich machen", infolge Erkrankung im Personal ein einmaliges Gastspiel der Vereinigten Operettenbühnen Dochum-Ham- bom mit „Der Zigeunerbaron" statt. Dieses Werk ist eine der bekanntesten 3ohann-Strauß-Operetten. Bei dieser Ausführung wird erstmalig der aus 60 Mitgliedern bestehende Chor dieser Operettenbühne in Gießen mitwirken. Der Abend verspricht ein Genuß zu werden. Außerdem macht die 3ntendanz darauf aufmerksam, daß die Operette „Der Zigeunerbaron" nur einmal aufgeführt werden kann, und zwar als Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Die Vorstellung beginnt um 19.30 Hhr und endet gegen 22.30 Uhr. — Am Dienstag findet die erste Wiederholung deS mit großem Erfolg uraufgeführten Werkes von Curt Corrinth: „Sektion Rahnstetten" statt. — Das nächste Ensemblegastspiel findet am Samstag, 25. Oktober, statt. Die Intendanz hat die Ludwig-Thoma-Dühne zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Zur Aufführung gelangt: „Magdalena" von Ludwig Thoma. — Vortrag über China. Die Fragen deS Femen Ostens stehen mehr denn je im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, nicht nur, weil die Entwicklung Chinas von größtem Einfluß auf die MenschAit im allgemeinen fein wird, sondern weil der berart sich auswirkende Geist auch in unserem Volke zu spüren ist. Es wird deshalb von Interesse sein, einen Sachkundigen, den Missionsinspektor D. Dr. Oehler (Basel) über „Kommunismus und Mission in China" reden zu hören. Näheres In der heutigen Anzeige. — Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hält am Mittwochabend in der Turnhalle am Dsroalbsgarten eine öffentliche Versammlung ab. Redner: S). Däuser, M. d. L., München. — Gin Berg- und Ski-Film „Sonne über Piz Palü" wird, wie man uns schreibt, am Mittwoch, 5. November, in der großen Aula der llnioerfität vorgeführt werden. Der bekannte Alpinist und Sportlehrer Willy Dobia s ch, München, der an der Aufnahme deS Films aktiven Anteil genommen hat, wird den begleitenden Text sprechen. Das Hniversitäts» Institut für Leibesübungen und der Ski-Klub Gießen sind es, die Film unb Vortrag nach Gießen bringen. Wer vor zwei Jahren in jenem begeisternden Lichtbildervortrag von C. I. Lu - ther, München, über „Schnee-Ski-Pabdel" gewesen ist, den damals der Ski-Klub Gießen öeranftaltet hat, wird auch biedmal wiederkommen. Der Vortrag Dobias^s und sein Film werden nicht minder packend sein. Mit einem Faltboot- und Kletterakt beginnt es. Es folgen Ski-Fahrten am Sell. Die Pracht der winterlichen Bernina zieht in weiteren vier Akten an dem Besucher vorüber. Bergsteiger unb Skifahrer selbst waren es, die diesen Film geschaffen. Der Zuschauer tritt unwillkürlich mit ein in ein Erleben, das sonst nur dem Hochtouristen vergönnt ist. Film und Vortrag sind für jeden Freund der Natur bestimmt. Näheres wird noch bn Anzeigenteil bekanntgegeben werden. • ** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Brauerschwend — Reuters ist aufgehoben. ** Gin Neunzigjähriger. Am morgigen Dienstag begeht Herr Friedrich Muhl, Licher Straße 7, bei guter Gesundheit und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag. - Vom Hessischen Tierschutzverein. Der Tierschutzoerein für Hessen hält seine 49. Hauptversammlung am 30. Oktober in Heppenheim a. d. B. ab. Auf der Tagesordnung steht neben den geschäft- lichen Punkten ein Vortrag von Rektor Pfeiffer (Birkenau) über Naturschutz. «- Hessische Vereinigung für Volkskunde. Die Hessische Vereinigung für Volkskunde hält ihre diesjährige Jahrestagung Anfang Dezember in Schotten ab. Sin Appell an die Frauen! Angesichts der Notlage der Zeit hat der Gesamtvorstand des Bundes Deutscher Frauenvereine auf seiner Tagung in Göttingen folgende Entschließung gefaßt: Der Bund Deutscher Frauenvereine sieht die praktisch-soziale Arbeit als dringlichste Aufgabe in dem bevorstehenden Notwinter an. Alle Bestrebungen des Bundes werben im Hinblick auf bie gegenwärtige beson- bere Notlage der Dollsgesamtheit gestaltet werben. In biesem Sinne richtet ber Bund an die ihm angeschlossenen Verbände auch den Appell, alle beabsichtigten Veranstaltungen in Form und Inhalt unter dem Gesichtspunkt größter Sparsamkeit durchzuführen. Er ruft die einzelnen Mitglieder seiner Verbände auf, durch möglichste Einschränkung der eigenen Lebenshaltung ein Beispiel zu geben unb durch Tat- unb Opferbereitschaft unb burch Hergabe entbehrlicher Mittel sich in ben Dienst ber Volksgemeinschaft zu stellen. " Auszahlung von Guthaben ehemaliger KriegsgefangeneninFrank- reich. Einer Mitteilung der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener zufolge werben auf Grunb einer Entscheidung des Reichsfinanzministers die seit einigen Jahren in ben Händen des Reichsfinanzministeriums befindlichen Guthaben ehemaliger Kriegsgefangener aus französischer Kriegsgefangenschaft nunmehr zur Auszahlung gelangen, soweit sie den Betrag von 10 Mark übersteigen. Eines besonderen Antrages zwecks Auszahlung bedarf es im Einzelfalle nicht. Die Auszahlung erfolgt von Amts wegen, ohne besonderen Antrag, burch die Rcstverwaltung für Reichsausgaben, in deren Händen sich die Listen der Anspruchsberechtigten besinden. Die Auszahlung wird erfahrungsgemäß eine Reihe von Monaten dauern. Eine Heberschüttung der tn Frage kommenden Dienststelle mit Einzelanträ- gen kann nur eine Verzögerung unb Erschwerung der Auszahlung zur Folge hoben. Hm Irrtümern vorzubeugen, sei nochmals darauf hingewiesen, daß es sich nicht um militärischen Sold, sondern um die meist geringfügigen Arbeitsguthabenbeträge handelt, bie beim Abtransport bet Kriegsgesangenen aus Frankreich einbehalten unb burch die Inflation des französischen Franken entwertet wurden. " „Rund um den Erdball." lieber die Leinrvand des Lichtspielhauses Bahnhofstraße ging gestern vormittag ein sehr sehenswerter Kulturfilm. Die Besucher erlebten in gedrängtester Form eine Weltreise und lernten all das im Bilde kennen, was aus fremden Erdteilen unb fremden Völkern wif senswert erscheint. Der Filmstreifen, der im Auftrage der „Hapag" hergestellt wurde, zeigte zur Einleitung unsere deutsche Heimat aus der Vogelschau, und zwar vom „Graf Zeppelin" aus ausgenommen, anmählich der Hamburgsahrt.. — Die eigentliche Reise „Rund um den Erdoall" an Bord des Dampfers „Resolute" führte zunächst nach Italien. In großartigen, künstlerisch gesehenen Bildern waren Neapel, der Vesuv, Sorrent und die Insel Capri auf den Filmstreifen gebannt; die klassischen Stätten Griechenlands, Kairo und sein orientalischer Zauber, Damaskus und Jerusalem, schließlich Indien und die skurrile Pracht seiner Tempel erstanden vor den Augen der Zuschauer. Siam und sein in Bildern widergespiegelter mystischer Götterkult, die Insel Bali, Cyinas Hafenstädte unb Japans frembe Welt, nahmen bas Interesse nicht weniger in Anspruch. Bilder von San Franzisko unb der Metropole Neuyork beschlossen ben Film. Mit sicherer Hanb war aus dem überwältigenden Stoff, den diese Weltreise bieten mußte, das Bedeutsamste herausgegriffen, so daß jedermann einen tiefen Eindruck von der Vielfältigkeit unserer Erde und dem uns doch oft so rätselhaften Leben und Treiben asiatischer Völker mit nach Hause nehmen mußte. Die Wetterlage. iß«! 12, Ocrim O £ --MG.I Qwomtnioi © neuer, r» naft> oefleart» vorxeg. • oedeen •’We^ » Schnee a Graupeln. e Neoel K GeWitter.(§)Wind5tfl auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Zufuhr ozeanischer Luftmassen an ber Südseite des Norbmeertiefs hat in ganz Deutschland wieder Nebel unb Wolkenbilbung zur Folge. Das Barometer zeigt gegenwärtig wieber fallende Ten- benz, so baß bas Hochdruckgebiet weiter zum Abbau gelaugt unb bas Wetter mehr von dem sich südlich ausbreitenden Tief bestimmt wird. Bei nun mehr aufkommenden westlichen Winden wird sich vielfach Bewölkung zeigen und zeitweise werben Niederschläge auftreten. Aussichten für DienStag: Wolkige- Wetter mit vereinzelten Niederschlägen. Aussichten für Mittwoch: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter mit einzelnen! Regenschauern. Lufttemperaturen am 19. Oktober:, mittags 16,8 Grad Celsius, abends 8,6 Grad; am 20. Oktober: morgens 9,7 Grad. Maximum 16,8 Grad, Minimum 7,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Oktober: abends 12,8 Grad; am 20. Oktober: morgens 10,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer vier Stunden. c .. S eI' s 6F B-S-Ü” S <5 o; ^S6! 'S 2 j «5ÄÜÄ-: .5 u$-o fid9»; «I®b' c’tst c "*••0 Si LZL^r *o=E^ |«to= Sparen I... bei Nowack 6993A Seiden- Stoffe kaufen! MUI gesucht 06499 NabrunaSberg 39. Tüchtiges kür kleinen Haushalt f. sofort gesucht nee D Franks. Str. 27 I. Kostenlos. Gegen Erteilung von Nachhilfestunden fürObersekundaner, Realgymnasium, geben wlr ein clea. möbliert. Zimmer mit Zentralheizung, Klavterben. u. allem Komfort, in d. Südanlage gelegen, ab. 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Frankfurter Zeitung: .Nach dieser Tonfilmoperette müßten alle Operettentheater zusperren.. .* Neue Berliner Zeitung:.....Chevalier, dieser bezauberndste Bursche derWelt. “ Tempo: .Lubitschs Tonfilm-Sieg.* Hamburger Neueste Nachrichten! .... Man kann Worte auf Worte häuten, um die Wirkung Maurice Chevaliers zu schildern, und dennoch wiid die Beschreibung immer hinter der Wirklichkeit Zurückbleiben. — Denn Maurice Chevalier ist etwas Einmaliges.....' ..... also ein Film, der Ihnen einen Abend voll Vergnügen und guter Laune sichert. von seinem schweren Leiden erlöst I. A. Heß 71530 Gießen, den 20. Oktober 1930. 06511 7155D Gießen (Ederstraße 16), den 20. Oktober 1930. 71620 Zahlung: 7159D Mk. Seltersweg <•» Telephon 2687 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Frau Mathilde Schlapp, geb. Hoffmann. Für die vielen Beweise aulrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlichst Lose Vg Alte BnM Schleim B Rach.-Kehlk.-Bronch.- Katarrhe, schw. Atemnot 1 Bewährt ist: Wörlahofer Äithma-Tee. Kräuterhaus lung, Schulstr. Legler Südanlage 5 Fernsprecher 3882 Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. Oktober, nachm. 4 Uhr statt. ___________________________________________ _______________06496 sind zu beziehen, solange Vorrat, durch die Staatlichen Lotterie-Einnehmer in Gießen: bestehen darin, daß die Mittelgewinne verdreifacht sind bei gleicher Loseanzahl wie seither, so daß auf ca. zwei Lose jetzt schon ein Gewinn entfällt 6990D Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Martha Klein und Kinder. Binder, zwei Spiegel. Hebbel, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen sagen wir Innigsten Dank. Buchacker Flimm Neuen Bäue 11 Walltorstraße 63 Fernsprecher 3182 Fernsprecher 3186 Reinigung Braubach aFischer . wir reinigen und lirben Ihre Anzüge, k Kleider,Gardinen,Teppiche uiw. k und Sie sparen das Geld für Neuanschaffungen 5.- 10.- 20.- 40." Klasse Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Else Müller, geb. Hebbel. Lang-Göns, den 19. Oktober 1930. Gröffie und leistungsfähigste deutsche Schnellwaageusabrik sucht für ihre weltbekannt. Erzeugntffe. ganz befand, für ihre neue konkur enzlose Schnell waage, die in Hotels,Gasthäusern, Pensionen geradezu gesucht wird, erstklasL über den Durchschnitt stehende seriöse Verwette geg. hohe Provision. Der Verkauf bietet Herren, die tm Schnellwaagenverkaus oder ähnl. Maschinen bewandert und an intensives reelles Arbeiten gewöhnt sind, aufferordentltch grobe Verkaufs- möglichkeit u. Verdien st. Bewerb, mit Referen»angabe und Angabe überEr- solasnachwetse unt. s. C. 3449 durch Rudolf Moffe, Köln a. Rb. [7156D eine rote Kuh, eine gelbe Kuh, einen Erntewagen, eine Schrotmühle und einen Räucherapparat. Zusammenkunft auf dem Ortsgericht Lindenstruth. 2. Ferner am gleichen Tage, nachmillags 4 Uhr, in Saasen: ein Pferd (Grauschimmel). Zusammenkunft auf dem Ortsgericht Saasen. 3. Donnerstag, den 23. Oktober 1930, nachmittags 3 Uhr, in Grünberg: einen Schreibtisch, einen zweitürigen Kleiderschrank, einen Kassenschrank. Zusammenkunft auf meinem Amtszimmer. Grünberg, den 18. Oktober 1930. .König, Gerichtsvollzieher. Vermietungen WllM möbliert, tm Zentrum der Stadt, zu 2 bis 3 Jlmmee mit Balkon, flteff. Wasser, Bad, Küche und Keller, ab 1. November Zll oermlelen. Schrtsrl. Anfragen unter 06448 an den Gieff. Anz. erbeten. Schönes gr. Zimmer l ob. 2 Berten, et. L., zu vermieten 06498 Bleichste. 8 LL Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen des Schreinermeisters Wilhelm Rau in Klein-Linden ist am 17. Oktober 1930, 17.30 Uhr, das Ver- gleichsoerfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen, Am Nahrungsberg 16, ist zur Dertrauensperson ernannt. 7164D Termin zur Verhandlung über den Ver- gleichsvorschlag ist auf Mittwoch, den 12. November 1930 vormittags 10 Uhr vor dem hessischen Amtsgericht in Gießer — Zimmer Nr. 201 — anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst feinen Anlagen ist auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 17. Oktober 1930. Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Dienstag, den 21. Oktober 1930, versteigere ich in Gießen zwangsweise gegen Barzahlung (Zusammenkunft nachmittags 2 Uhr im Gasthaus „Zum Löwen", Neuenweg 28): Vitrinen, Flurgarderoben, Teppiche, Kredenzen, Büfetts, Ausziehtische, Bücherschränke, vollständige Schlafzimmer, Waschkommoden, Bettstellen, Schreibtische, Sessel, runde Tische, eine Furnierpresse, eine Kreissäge mit Bohrmaschine, eine Abrichtmaschine mit elektrischem Motor, eine Friseurtoilette, einen Klappschrank, einen Flurgarderobenschrank, zwei Küchenbüfetts, eine Küchenanrichte, zwei Stühle, drei Kinderbetten, zwei Gasherde, zwei Küchenschränke, drei Sofas, ein Glasschränkchen, drei Näh- Maschinen, ein Vertiko, einen Eiskonservator, eine Kaffeemaschine, zwei Registrierkassen, einen Eisschrank, drei Ladentheken, ein Grammophon mit 25 Platten, ein Fahrrad, eine Schreibladenkasse, zwei Warenschränke, drei Diwane, eine Radioanlage (Dreiröhren mit Lautsprecher), drei Nachtschränkchen, zwei Kleiderschränke, vier vollständige Betten, einen Regulator, ein Motorrad, eine Chaiselongue, ein Klavier, einen Handwagen, einen Dixi-Wagen, einen Pflug, einen Krupper, einen Vorderwagen für Die Verbesserungen bei der wieder am 24. Oktober beginnenden Preußisch-Süddeutschen Staatslotterie Heute wurde mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Wilhelm Müller Reichsbahn-Assistent Unterfertigter C. C. betrauert tief das Ableben seines 1b. A. H. Fabrikant Dr. inr. Bernhard Averhetk ree. 1896 (XX) Rhenania Straßburg Gest, am 17.10. 30 in Göschwitz (Saale). Der C. C. der Teutonia Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I — Telephon 4039 Bekanntmachung. 1. Mittwoch, den 22. Oktober 1930, nachmittags 3S Uhr, versteigere ich In Linden- struth öffentlich, meistbietend gegen Var- Die tönende Ufa-Wochenschau Micky Mans,dasTonfUmwunder | Verkäufe Em noch gut erhalt. Zwillings- Spori-Llegewagen billig abzugeb. ni,D Zu erfragen in der Geschäftsstelle. o tO *w 88 <2 ö *-* £• <3 r> »-» o J=> O rr e CM C Q -O O> e -*• 88 O 00 o E E s « ♦« cr> « o •■w t& : Z-LZ e £€c c — Jff'o v=s = e 8» x8 S«:S«2 A Z -c ■e = ' C - je” *=* n _-■ 7 HZ gSEg g* « £ E 2"o o70£ »-'•«*_.H —w® e 5zö " gi= e§ -bZKL« = 5«ti)2g E=.-= «SiMJBI». W"u C ==-o e = Z Bpil fs«ii= c E :S FZ ZG« ' = -Zc eS = =. 2 O C 3 fJs! ez»-as m 5 £**s i|=lg^E. E^A- 5 E E = S iTgö^xS - E E o E 5j2 E " o 2 £ «o E je- e~-* ,'auu®’ = «-- *e*- *E‘" E *-* X u* o 3 s. g€s«o ESs^S g5c *» ^T- = §=- iä=585 ZZH°ZLZZjZZs°8 u Q C c =£-Cfl =a O- N-A CSo(9 !Eö'S, GsZLZ-S gÄ-äSI w c c — •=* = o E £x83S" äE£EE ■pr O 2 ,= = s &7S e-i55E;i?= oa • E 3 O ex M 3 XO " EK“ Cfla <; E-eE«, e© LZ. 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Wehe denen, die etwa Widerstand leisten wollten, kein Mitglied Der Familie fände mehr Arbeit, hungern mühten sie und betteln gehen, wenn sie sich den Luxus einer eigenen Meinung erlauben sollten. Bei dieser abstoßenden Gruppe spielt die eigentliche politische Richtung keine Rolle, sie setzt sich aus Konservativen (d. h. der sogenannten konservativen Partei) und den regierungsfähigen Liberalen zusammen, deren Ideal die streng geordnete Ablösung in der Regierung des Landes ist. Charakteristikum dieser Richtung ist das fast völlige Fehlen wirklicher Anhänger im Volk, der rahmenartige Aufbau und die auch heute wieder trotz jener Eigenart oder vielmehr gerade wegen ihrer Eigenart große Aussicht auf Erfolg im sogenannten Wahlkampf. Das Volk und die politischen Gruppen aller Richtungen hassen sie wie die Pest und trotzdem sind sie eine Macht. Dieser Gruppe gegenüber, die sich durch ihre Arbeit im Stillen, ihre Konferenzen hinter verschlossenen Türen auszeichnet, steht d i e Gruppe der Aktivisten, deren Erscheinen auf der politischen Bühne Spaniens eine begrüßenswerte Folgeerscheinung der Diktatur ist, bemüht sie sich doch, in die politische Lethargie des Landes Schwung und Leben zu bringen. Sie teilt sich in zwei Lager, in das repu- Oberhessischer Kunstverein. Eröffnung der Wintersaison 1930/31. Gestern. Sonntag vormittag, wurde eine neue Ausstellung im Turmhaus am Brandplatz eröffnet, mit welcher der Oberhessische Kun st verein feine winterliche Saison einleitet. Die Ausstellung bringt Arbeiten von R. Sieck, Prien am Chiemsee (Del, Aquarell, Tempera), Gottfried Richter, Offenbach a. M. (Del, Aquarell) und Julius Held, München (Aquarell). * Sie macht im Gesamtbilde infolge der fast ausschließlichen Behandlung von Landschaftsmotiven zunächst einen nicht gerade abwechslungsreichen Eindruck und wird eher durch die verschiedenartige Technik und die — z. T. wohl generationsmäßig bedingte — malerische Haltung der drei Künstler ein wenig variabel gestaltet. Wir haben unter all den Pleinairs und Landschaften nur ein einziges Stilleben gefunden: es würde die Anziehungskraft, das Interesse des Publikums und die Diskussion über die Veranstaltungen des Kunstvereins u. E. beleben und steigern, wenn die Ausstellungen — sofern es sich nicht um eine Kollektivschau oder den Ueberblick über das Gesamtwert eines Einzelnen handelt — etwas vielseitiger (im Stil und im Stoff, nicht in der Zahl der vorgeführten Werke und Persönlichkeiten) gestaltet würden. * Die vordere Hälfte des Raumes beherrschen Oelbilder und Aquarelle von Gottfried Richter (Offenbach): er ist, stilistisch jedenfalls, der Jüngste in diesem kleinen Kreise, der Fortschrittlichste unter den dreien. Er matt Landschaften, wobei er mit Vorliebe das Weichbild, die Ausläufer und Vororte eines Stadtbezirkes als Kulisse oder Hintergrund einbezieht. Er malt stellenweise recht pastös, mit gedrungenem Farbauftrag, manchmal aber auch ganz trocken und stumpf. Er gibt die Dinge realistisch, sachlich, oft mit harter Konturbetonung, ist aber allenthalben neben dem Gegenständlichen auch auf koloristische Pikanterien bedacht. In diesem Sinne sind etwa die erst bei angemessener Entfernung des Beschauers das Bildganze pointierenden, kleinen weißen Flecke einer Gruppe von Gänsen ... innerhalb einer an sich gar nicht kleinlich angelegten Freilichtszenerie aufzufassen. Bei dem rechts nebenan hängenden Bild wäre der koloristische Geschmack in der Nuancierung der den Hintergrund adschlie- ßenden Häuserfronten zu beachten. Im „Vorfrüh- b l i k a n i s ch e und dos monarchistische. Die erstgenannte Richtung seht sich zusammen aus den republikanischen Liberalen, den verschiedenen alten republikanischen Parteien und aus den Sozialdemokraten. Das unsympathischste Element dabei bilden die sogenannten Intellektuellen, die in Verbindung mit ein paar Tausend unreifer Studenten durch Straßendemonstrationen, blöde Aufhetzerei und Schlagwortakro- batit glauben Politik machen zu können. Eie gefährden eine ruhige Evolution, sind der Svzial- demokratte ein Dorn im Auge und werden niemals ihr Ziel, die Errichtung einer Republik in Spanien, erreichen, es sei denn als Helfershelfer der später zu nennenden Syndikalisten und Anarchisten. Die Zukunft dieses Lagers hängt davon ab, ob die besonnenen, Elemente, die zielbewuhte, arbeitsfreudige und von Idealen beseelte Richtung die Oberhand über die ebengenannten Schreier gewinnt. — Im monarchistischen Lager ist die Schar der aktiven Kräfte noch klein aber zielbewuht und außerordentlich rührig. Ihr Hauptkontingent bilden die Vertreter der Ideen Primo de Riveras, die Union monarquica nacional. Ihre Mitglieder sind keineswegs als Diktaturanhänger anzusehen, sie bilden vielmehr die Vertretung eines aktiven nationalen Geistes, dem Arbeit und positiver Fortschritt mehr bedeuteten als hohle Phrasendrescherei. Sie erkennen die Gefahren, in die sich die Monarchie durch ihr Paktieren mit der Gruppe der Berufspolitiker begibt, sie weih, wie der monarchische Gedanke verliert, wenn er nicht durch positive Geltungen, durch Vorwärtsstoßen der im Lande schlummernden Kräfte seine Heberlegenheit beweist. An der Spitze dieser Monarchisten steht der G r a f Guadalhorce, Verkehrsminister unter Primo de Rivera, der fähigste Kopf, den Spanien seit langer Zeit besessen hat. Unantastbar, von lauterster Gesinnung und ohne jeden Flecken auf seiner politischen Hemdbrust, tritt er in den Kampf ein zur Rettung der Monarchie, zur Rettung Spaniens. Unbeeinflußte Wahlen, die ja leider nie zustande kommen werden, brächten ohne Zweifel eine überraschende Zahl von Anhängern für seine Idee. Die dritte Gruppe auf der politischen Bühne Spaniens bilden die Syndikalisten und A n a r ch i st e n , jene Geister der Verneinung, deren Ideal die Zerstörung um jeden Preis, das Zerschlagen des Staatsgefüges und die Herrschaft des Proletariats ist. Sie haben ihren Hauptsitz in Katalonien und eine nicht geringe Anhängerschaft im Horben Spaniens, mit anderen Worten in den Industriebezirken des Landes. Ansehnliche Verstärkung erhalten sie aus dem Äontingen* der Landarbeiter Andalusiens, wo eine irrsinnige Aus- nühungspolitik die Entmündigten der Revolution in die Arme treibt. Cs ist geradezu lächerlich, daß die Regierung die Gefahren ableugnen will, die aus dieser Grupve dem Lande drohen, Wenn nicht bald eine wesentliche Verschärfung des Autoritätsprinzips in Kraft tritt, dann kann man sich auf die übelsten Überraschungen gefaßt machen. Die nun feit Monaten immer wieder aufflackernden Streiks in allen Teilen des Landes stellen weiter nichts dar als eine Heerschau der staatsfeindlichen Elemente. Ihre Organisation ist ausgezeichnet und die Mobilmachungen haben gerade wieder in den letzten Wochen hervorragend funktioniert. Wenn nicht bald der Wille zur Autorität sich bemerkbar macht und Maßnahmen zur Sicherung der öffentlichen Ordnung getroffen werden, dann wird niemand mehr für die Zukunft Spaniens garantieren können, die durch republikanisches Sprüchereißen und durch das Wiedererwachen des Syndikalismus gefährdeter ist als man glaubt. SJixfpoii Fußball in Hessen-Hannover. Jaoorlfenfiege. — Ueberraschung in Fulda. Bei den Meisterschaftsspielen der Sonderklasse in Hessen Hannover konnte der SC. 03 Kassel mit einem 5:2-(2:2-) ©ieg über Hessen 09 sich seine führende Position in der Rordgruppe erhalten. Der Sieg war allerdings keineswegs überzeugend, zumal die Hessen die ganze zweite Halbzeit mit 10 Mann durchstehen mußten. Kur- hessen Kassel rückt nunmehr an die zweite Stelle vor, während der FC. Großalmerode, der einen knappen aber verdienten 2:1 (l:0)°Sieg über Göttingen 05 erringen konnte, den dritten Platz vor Hessen 09 besqht. Die Spielvereinigung Göttingen schlug erwartungsgemäß den FC. Grone sicher 4:2 (2:1). In der Südgruppe übernahm der VsB. Kurhessen-Marburg durch einen 2:1-Sieg über den VfB. Gießen die Führung. Germania Kassel mußte trotz überlegenen Spiels einen Punkt an Hessen Hersfeld abgeben, die Mannschaften trennten sich 0:0. Eine Ueberraschung leistete sich wieder der Spielverein Kassel, der sich in Fulda von der Germania mit 3:0 (1:0) glatt schlagen ließ. Fußball der Gießener Mannschaften. Auf dem Waldspielplah unterlag der VfB. Gießen gegen den großen Gegner und Tabellenführer ..Kurhessen Marburg" ehrenvoll mit 2:1. Das schmeichelhafte Ergebnis hat die Mannschaft nicht zuletzt dem Torhüter zu verdanken. Die zweite Mannschaft spielte gegen Lollars erste Mannschaft und gewann 5:2 nach einem reichlich körperlichen Spiel. Die erste Mannschaft der Spielvereinigung 1900 war spielfrei. Die zweite Mannschaft kämpfte in Steinberg gegen Steinbergs Erste und gewann 5:2. Die Dritte spielte gegen die vierte Mannschaft des eigenen Vereins und entschied das Treffen! erwartungsgemäß mit 3:1 für sich. Die Schüler der Spielvereinigung hatten Rauborns Schüler zum Gegner und kämpften unentschieden 0:0. Die 1. Handballmannschaft der Spielvereinigung hatte auf dem Trieb die Handballmannschaft des I. Batl. 15. Inf.-Regt. zu Gast und verlor 1:5. Punktekämpfe in der Gruppe Main. Eintracht siegt weiter. Rach acht Spielen hat der Süddeutsche Meister Eintracht Frankfurt in seiner Gruppe bereits einen so sicheren Vorsprung gewonnen, daß als einziger noch gefährlicher Mcisterschaftsrivale nur noch die Offenbacher Kickers in Frage kommen. Und auch diese liegen um drei Punkte hinter der Eintracht zurück. Diesmal besiegte die Eintracht die Union Niederrad auf dem Platze des Gegners mit 3:1 (1:1) Treffern. Die Offenbacher Kickers hatten Mühe, aus Fechenheim mit einem mageren 2:1 (1:1) die Punkte zu holen. Der Fußballsportverein fiel durch eine in Bieber erlittene 1:0 (1 ^-Niederlage erneut zurück. Rot-Weiß siegte zuhause gegen die im Sturm sehr schwache Mannschaft des FC. 93 Hanau sicher mit 3:0 (1:0). ll. FE. Nürnberg — l.$. 6. 35of?rcufHO : 0! Rach seinem 1:1-Spicl am Vorsonntag gegen Kickers Würzburg zeigte der Altmeister 1. FC. Nürnberg diesmal gegen Len 1. FC. Bayreuth, daß er auch noch ganz anders kann und landete einen eindrucksvollen 10:0°Sieg. Die 2000 Zuschauer, die zu diesem Spiel erschienen waren, sahen den Club in einer ganz ausgezeichneten Form, die man schon lange nicht mehr bei ihm feststellen konnte. Hätte Bayreuth nicht in Lienhardt einen Torhüter von hoher Qualität besessen, dann hätte das Ergebnis noch wesentlich anders gelautet. fing" kontrastiert die Nüchternheit stumpfer Haus- wände und Mauern mit der Leuchtkraft der Atmosphäre und der Frische des jungen Baum- laubes. Ueberhaupt scheint der hohe, aufgehellte, aber durchdringend farbige Himmel über und hinter den Dingen im Bildausschnitt ein besonderes Merkmal dieser Landschaftsschilderung zu sein. Mehr motivisch als malerisch bilden der „Bankbote" und das „Fußballspiel" mit ihren Kontrastwirkungen Pendants zu den oben besprochenen „Gänsen". Die Besonderheit liegt hier wie dort in der Titelgebung, die auf das Unscheinbare oder Unwesentliche innerhalb des Großen und den Eindruck zunächst Beherrschenden den Akzent legt. (Allerdings ist es mit einer derartigen Bildtaufe allein nicht getan, wenn das Bild selbst nicht sofort oder nach einigem Verweilen seinen Nqmen aus eigener Leuchtkraft, Wirkung oder Stimmung bestätigt und legitimiert.) Das „Dorf im Spessart" und das Stilleben mit den Drangen seien noch mit einer Empfehlung notiert, ebenso eine Reihe von Schwarzweiß-Zeichnungen, die großenteils ähnliche Motive zum Vorwurf nehmen wie die Malereien. * Ziemlich bekannt geworden sind die Arbeiten von Rudolf Sieck in Prien am Chiemsee. Von den hier oorgestellten Landschaften fallen zunächst einige, im Seitenkabinett rechts hängende Stücke — „Februarabend", „Ruhpolding" und „November" — dadurch auf. daß sie in Farbton und Stimmung an einige sehr charakteristische Landschaften des Romantikers Kaspar David Friedrich erinnern. Im übrigen wäre auch innerhalb dieser Kollektion eine gewisse motivische Abwechslung der Belebung, Erweiterung und Abrundung des Gesamteindrucks zugute gekommen. Bemerkenswert scheint die Gegensätzlichkeit der einmal ganz klaren, ausgearbeiteten und gewissermaßen in den Vordergrund gerückten, landschaftlichen Motive („Hessische Landschaft", „Am Neckar" beispielsweise) — neben einer ganz weichen, aufgelösten und auflösenden Darstellungsform, die verschwommene und verschleierte Bilder bevorzugt, mit viel ,Luft", Bergdunst und Nebelschwaden. (Etwa die Chiemsee- Aquarelle, wobei auch freilich die Mattechnik eine nicht unwesentliche Rolle spielt, „Gebirgslandschaft", „Winterlandschaft", „Fichte im Nebel".) Zum Abschluß sei auf ein kräftiges, großliniges und massiv aufgeschichtetes Bild hingewiesen, den „Vorfrühling" von 1926. * Die Ausstellung wird ergänzt durch sechs Aquarelle von Julius Held, München, die — sauber. korrekt und etwas akademisch gemalt — ebenfalls Landschaften, vornehmlich Gebirgsmotioe, zum Vorwurf haben. —y— Kleistpreis 1930 für Reinhard Goering. Berlin, 18. Oft. (WTB) Der für dieses Lahr bestellte Vertrauensmann dec Kleist-Stiftung, Dr. Ernst Heilborn, hat den Kleistpreis 1930 in Höhe von 1500 Marl ungeteilt dem Dramatiker Reinhard Goering für sein Schauspiel „D i e Südpolexpedition des Kapitäns Scott" zuerkannt. Reinhard Goering, Dr. med., zur Zeit Verwalter des Heims für Geistesarbeiter „Gut Für-" steneck" bei Oberkirch in Vaden, ist an 23. Juni 1887 auf Schloß Bieberstein bei Ful)a geboren. Er begann seine literarische Laufbahn mit dem Roman ..Iung Echuk', wurde aber vor allem als Dramatiker bekannt mit den Schauspielen „Seeschlacht", „Der Erste '.^,Der Zweite", „Die Retter" und „Scapa Flow". Ferner schrieb Goering Ravellen und Reiseberichte. Sein sehr umstritle.es letztes Stück, „Die Südpolexpedition des Kapitäns Scott", wofür Goering jetzt den Kleistpreis dieses Iahres erhielt, wurde seinerzeit anläßlich der Erstaufführung am Hessischen Landes the ater, Darmstadt, im Feuilleton des Gießener Anzeigers ausführlich gewürdigt. Oie Zubiläumswoche des Frankfurter Opernhauses. Die Gestaltung des Spielplans der vergangenen Woche stand unter dem Zeichen des 50jährigen Jubiläums des Frankfurter Opernhauses, das am 20. Oktober 1880 in Anwesenheit des alten Kaisers Wilhelm I. mit Mozarts ,/D 0 n Juan" feierlich eröffnet wurde. Auch diesmal wurde als eigentliche Festvorstellung dieses Meisterwerk Mozarts in der prachtvollen Inszenierung Dr. Waller st eins aufgesührt. Die musikalische Leitung hatte Hans W. Steinberg inne, der der Partitur ein sorgsamer Ausbeuter war. An die Aufführung schloß sich ein vom Patronatsverein veran- statteter Gesellschaftsabend an, der die Teilnehmer bis zum frühen Morgen in den festlich geschmückten Räumen des Theaters zusammenhiett. Den Auftakt der Festwoche bildete das erste Opernhauskonzert, das unter Hans W. Steinbergs Stabführung Auch die Sp. Vg. Fürth kam zu einem ziemlich hohen Sieg von 6: 1 gegen den FV. Würzburg, der nach den Chancen gemessen, ebenfalls höher hätte aussallen müssen. Süd gegen West in Frankfurt. In der Zwischenrunde um den DFB.-Pokal werden am 11. Januar Süd- und Westdeutschland vc raussichtlich in Frankfurt zusammentreffen, während für die zweite Begegnung zwischen Süd- ost- und Mitteldeutschland wahrscheinlich Benthe n als Austragungsort bestimmt werden wird. Eine Amnestie des OFB. Die DJB.-Iagung In Berlin. Am Samstag und Sonntag tagte in Berlin der geschäftsführende Ausschuß im Vorstand deS Deutschen Fußball-Bundes zusammen mit den Vorsitzenden der einzelnen Landesverbände. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete erwartungsgemäß die Frage einer Amnestie für Vergehen gegen die Amateur-Bestimmungen. Rach lebhafter Aussprache wurde folgende Entschließung gefaßt: „Vereine, bei denen Verstöße gegen die Amateur-Bestimmungen bis zum Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung vorgekommen sind, haben diese Verstöße über ihre Landesverbände dem Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes bis zum 1. Dezember 1930 zu melden. Die Verstöße sind im einzelnen genau zu bezeichnen. Für diese fristgemäß gemeldeten Verstöße wird das Bundesgericht die Durchführung der Strafverfahren bei sich und bei den Landesverbänden für die Dauer eines Iahres aussehen. Erfolgen während dieses Jahres bei den in Frage kommenden Vereinen keine neuen Verstöße gegen die Amateur-Bestimmungen, so wird das Bundesgericht die Verfahren niederschlagen. Richt fristgemäß gemeldete Verstöße werden unnachsichtlich verfolgt und bestraft. Die Vereine haben außerdem die Spieler zu melden, die nicht gewillt sind, sich den neuen Amateur-Bestimmungen des DFB. zu .unterwerfen. Der Bundesvorstand wird nachprüfen, inwieweit bereits abgeschlossene Verfahren neu aufzunehmen sind." Im weiteren Verlauf seiner Sitzung beschäfttgte sich der Bundesvorstand und der Presseausschuh mit der Riederschrift der Beschlüsse, die auf dem Dresdener Bundestag gefaßt wurden. Frankfurter Sieg im Kunstturnen. Die FrankfurterTurngerncindeEin- tracht veranstaltete am Sonntag im vollbesetzten Schumann-Theater einen Kunsttumwettkampf gegen den Männerturnverein München und die Turngemeinde Bochum. Es gab dabei ganz ausgezeichnet: Leistungen an allen Geräten und auch in den Freiübungen. Erwartungsgemäß siegten die Frankfurter mit 1581 Punkten vor München (1545) und Bochum (1455). München war den Frankfurtern nur am Darren und Querpferd unterlegen und lag bei diesen Geräten mit 72 Punkten im Rückstand. Bei den Freiübungen, am Längspserd und am Reck vermin- «derten die Bayern den Vorsprung Frankfurts aber um die Hälfte. Bester Einzelturner war der Frankfurter Kampfspielsieger Ernst Winter, der bei 240 erreichbaren Punkten auf 233 Punkte kam und auch als einziger Teilnehmer an einem Gerät (Reck) die volle Punktzahl von 60 erreichte. Rach ihm waren sein Vereinskamerad Georg Pfeiffer und der Münchener Christ mit je 217 Punkten die Besten. „Graf 3iolomz/ gewinnt den preis der Republik. Der Große Preis der Republik, das mit 105 000 Mk. dotierte wertvollste Rennen des deutschen Galoppsports, wurde am Sonntag in Grünewald von Graf Isolani (Rastenberger) vor Gregor (O. Schmidt) gewonnen. die Erstaufführungen zweier geistlicher Chorwerke brachte: Leo Janaceks „Festliche Messe" und Verdis „Ouattro pezzi sacri". Liegt uns die Art des religiösen Musizierens des tschechischen Altmeisters ziemlich ferne, so sprach das tiefe Empfinden Verdis um so mächtiger zu den Herzen der leider nicht sehr zahlreich erschienenen Zuhörerschaft. Aus dem Theaterchor, den Mitgliedern mehrerer Frankfurter Chorvereinigungen und dem Opernhausorchester hatte Steinberg, dem Curt K r e tz s ch- mar mit der Einstudierung der Chöre vortrefflich zur Hand gegangen war, einen Klangkörper von rund 400 Stimmen zu einer homogenen Masse zusammengeschweißt. Während das Haus sich der „Festlichen Messe" gegenüber begreiflich reserviert verhielt, fanden die „Geistlichen Stücke" stärksten Beifall. Die sieben Festopern gaben ein Bild von der Entwicklung der deutschen Oper: Mozarts „Don Juan" eröffnete den Reigen: es folgte Beethovens „Fidelio", den Egon Pollack von der Hamburger Oper grandios dirigierte. Als Typus der heiteren Oper stand L 0 r tz i n g s „3ar und Zimmermann" in der entzückenden Neuinszenierung Dr. H. Grafs auf dem Spielplan. Richard Wagner kam mit feinem „Lohengrin" zu Worte, den Gustav Brecher in des Wortes wahrster Bedeu- tuna zelebrierte. Richard S t r a u ß' „Rosenkava- Iierx als führendes Werk der kaum vergangenen „Moderne" unterstand der musikalischen Führung Eugen S z e n k a r s vom Kölner Opernhaus. Als Repräsentant der zeitgenössischen Opernproduktion erschien das letzte heißumstrittene Opus der Firma Bert Brecht und Kurt Weill, die Sensationsoper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Im Frankfurter Opernhaus kam es am Sonntagabend bei der Aufführung der Oper „A u f - ftiegunö FalrderStadtMahagonny" von Kurt Weill und Bert Brecht zu erheblichen Störungen. Während der Vorstellung, der auch Prinz Takamatsu von Iapan beiwohnte, wurden mehrere Stinkbomben geworfen, wodurch die Aufführung erheblich gestört wurde. Rach Schluß des Stückes muhte das Opernhaus polizeilich geräumt werden. Dor dem Hause kam es dann zu einer großen Ansammlung von Menschen, die die Oper stürmen wollten. Sie wurden schließlich von der Polizei auseinandergetrieben. Auch in den umliegenden Anlagen und Straßen wurden Versuche, Semon- strationszüge zu bilden, von der Polizei unter«« Kunden. Mehrere Sistierungen wurden borgenommen. lalter, ein Redakteur, emeindeoorsteher, vier Wer gewinnt das große Los? der für Wirtschaft Banknoten. Devifenmarkl Berlin — Frankfurt a. 211. Taten für Dienstag, 21. Oktober. 1833: der Chemiker Alfred Robel, Stifter der Nobelpreise", in Stockholm geboren. 14 Angestellte, vier Arbeitslose, fünf Maschinenmeister, zehn Musiker, drei Maurer, zwei Fabrikbesitzer, ein Landgerichtsdirektor, sieben Eisenbahner, ein Photograph, drei Buchhc" *" zwei Hausfrauen, sieben (8e 7 , Chauffeure, zwei Geschäftsinhaber, zwei Äerkäuse- Zn Deventer, auf dem Platze des holländischen Meisters Go-Ahead standen sich die Repräsentativen von Ostholland und Westdeutschland am Sonntag gegenüber. Der Kampf war von trockenem. wenn auch unsicherem Wetter begünstigt und hatte etwas meyr als 8000 Zuschauer ungezogen. Der Sieg der Westdeutschen mit 3:1 (2:0) war vollauf verdient. Sie waren in der Zusammenarbeit und auch in der Eirrzeldurchbildung besser als die Holländer. Man merkte den Holländern das Fehlen der namhaften international erprobten Kräfte an, da cs sich in der Hauptsache um ein Probespiel für den demnächstigen Ländcrkampf gegen die Schweiz handeln sollte. Erst in der zweiten Spielhälfte, als die Zuschauer ihre Landsleute stark anfeuerten, kamen die Ostholländer stärker auf und erzwangen einen ausgeglichenen Kampf, ja waren sogar zeitweise überlegen. Dann machte sich jedoch mangelndes Schuhvermögen sehr bemerkbar und zudem erwies sich die westdeutsche Deckung als sehr zuverlässig. sie etwas übrig hat. Wer gewinnt eigentlich das Große Los? Die Frage zu beantworten ist natürlich nicht möglich, ober man könnte doch einmal nachsehen, wer das Große Los in den letzten Jahren gewonnen hat. Und siehe da: Man stellt fest, daß alle Volksschichten darunter gewesen sind. In den letzten drei Jahren haben das Große Los gewonnen: zwei Klempnermeister, acht Bäckermeister, sechs Gastwirte, ein kleiner Beamter, 16 mittlere Beamte, ein Reisender, zwei Vertreter, durch den Linksaußen Straßburger, der einen Flankenball des Rechtsaußen Albrecht freistehend aus vier Meter mit dem Kopfe einlenken konnte. Zn der zweiten Halbzeit glückte den Holländern nach halbstündiger Spielzeit das Ehrentor durch den Linlsinnen Frölig, der das Leder in die linke obere Ecke placierte. Obwohl sich nun die An- fcuerungsrufe der Zuschauer verdoppelten, verloren die Westdeutschen nicht die Rerven, sondern arbeiteten sich allmählich wieder eine ILeberlegen- heit heraus, die denn auch fünf Minuten vor Schluß, abermals durch Straßburger, zu einem weiteren Treffer und damit zur Sicherstellung des Sieges führte. Der beste Mann der westdeutschen war der Internationale Albrecht durch seine gefährlichen und schnellen Flankenläufe. Auch Straßburger konnte in der ersten Halbzeit gut gefallen. Der Znnensturm übertrieb das Zusammenspiel und blieb dadurch unproduktiv. Zn der Läuferreihe enttäuschte der rechte Läufer Gottschall (Düsseldorf). Zn der Verteidigung hinterließ Weber (Kassel) einen ausgezeichneten Eindruck. Der Torhüter Kimmeskamp zeigte sich von der besten Seite. — Bei den Holländern war der rechte Verteidiger Horsten der beste Mann. Die Läuferreihe der Holländer mußte sich z i sehr auf die Defensive beschränken, der ©türm ijatte gute Einzelkräfte. rinnen und zwei Blinde. Man sieht, alle Schichten sind vertreten, und zwar die unbemittelten Schichten viel stärker als die bemittelten, was allerdings schon deshalb erklärlich ist, weil von 100 Menschen, die Lotterie spielen, 90 den unbemittelten Kreisen der Bevölkerung angehören. Was machen die Leute mit dem Geld, wenn sie das Große Los gewonnen haben? Da war ein Klempnermeister — die Fälle stammen alle aus den drei letzten Jahren —, der als Kriegsbeschädigter seinem Beruf nicht mehr so nachgehen konnte, wie er wollte. Er spielte das Los fünf Jahre, kam einmal mit dem Einsatz heraus, dann wurden ihm 125 000 Mark ausgezahlt! Vor Freude gab er dem Geldbriefträger 100 Mark. Dann hat er fein Geschäft vergrößert. Der Sohn soll studieren, die Tochter bekömmt eine anständige Aussteuer, und eine ganze Familie ist glücklich. Einmal spielte ein Blinder, ein Bürstenhändler, dem es recht schlecht ging, ein Achtellos. Jetzt hat er einen Wagen, sein Sohn chauffiert, und das Geschäft geht schneller und auch wohl besser. Ein Junglehrer, der sich verheiratete, hatte das Glück, daß seine junge Frau, die aus ganz armer Familie stammte, das Große Los gewann und dadurch eine namhafte Aussteuer mitbringen konnte. Der Vertreter einer Firma, der ständig auf Reifen war und nicht viel verdiente, verlachte feine Frau immer wegen ihrer Treue zu dem „Rielenhändler", wie er den Lotterieeinnehmer nannte. Aber sie ließ sich nicht beirren, gewann das Große Los, man konnte sich neue Sachen anschaffen, und der Mann sich eine bessere Vertretung durch Stellung einer Kaution besorgen. Einmal spielten zwei Brauereigehilfen, drei Fabrikarbeiter sowie 16 Arbeiter und Arbeiterinnen gemeinsam ein ganzes Los. Als bekannt wurde, daß sie gewonnen hatten, wollten sie es nicht glauben und waren einfach fassungslos. Ein ähnlicher Fall ereignete sich jüngst, als 30 Angestellte einer Elektrizitätsgesellschaft ein halbes Los spielten und als ihre Nummer mit dem Großen Los herauskam. rungen bis zu 1 Prozent ein. Die Festigkeit der Mark und die Aussichten auf einen neuen Schiedsspruch in der Metallindustrie waren eine weitere Anregung. Der Pfandbriefmarkt lag ebenfalls überwiegend fester. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Prozent weiter erleichtert. Am Devisenmarkt war die Mark sehr fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975. gegen Pfund 20,4018, London gegen Kabel 4,8605, gegen Paris 123,83, gegen Mailand 92,85, gegen Madrid 48,40, gegen Schweiz 25,0413, gegen Holland 12,0725. Berliner Börse. Berlin, 20. Ott. Die Woche eröffnete in ausgesprochen fester Haltung. Rach- dem die innerpolitische Lage durch das günstige Abstimmungsergebnis für das Kabinett und durch die Vertagung des Reichstages bis zum 3. Dezember eine wesentliche Entspannung erfahren hat und danach auch das Ausland die Situation des Kabinetts Brüning in den Pressekommentaren allgemein günstiger beurteilt, war heute die Bahn für eine neue Aufwärtsbewegung frei. Die unregelmäßige und teilweise schwächere Haltung der Auslandbörsen blieb demgegenüber ohne Eindruck, zumal ein heutiges Mittagblatt meldet, daß es in der Absicht der Regierung liege, einen neuen Schiedsspruch im Metallarbeiterkonflikt zu fällen, der eine Verlängerung des bisher geltenden und jetzt abgelaufenen Tarifs vorsehe. Weitere günstige Momente waren das erneute Anziehen der Mark und ein reichliches Devisenangebot. Der Dollar ging im Freiverkehr auf 4,1975 zurück. Bei den Banken lagen zahlreiche neue Aufträge der Depositenkasfenkund- schast, der Provinz und des Auslandes, vor, die bewirkten, daß die Erwartungen des heutigen Vormittags noch übertroffen wurden, nachdem es vor Festsetzung der ersten Kurse so aussah, als ob sich die festeren Vormittagstaxen nicht würden behaupten können. Zahlreiche Plus-Plus- Zeichen wurden wieder sichtbar (es waren etwa Zn der ersten Spielhälfte hatten die Westdeutschen eine klare lleberlegenheit für sich. Durch den Halbrechten Reisgen, der eine Flanke pes' Linksaußen Straßburger aus zwei Meter Entfernung unhaltbar eindrücken konnte. Das zweite Tor fiel, nachdem einige gute Chancen verpaßt worden waren, erst in der 40. Minute In wenigen Tagen fängt die erste Ziehung 36. Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie an, und wieder werden Tausende harren, ob Fortuna f'""- Ein Sieg der westdeutschen Fußballelf Ostholland — Westdeutschland 1:3 (0:2). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 20. Ott. Tendenz: fest. — Trotz der schwachen Reuyorker Börse war die Tendenz zu Beginn weiter recht fest. Ausschlaggebend hierfür war die innerpolitische Entspannung. Daß die Regierung durch die Abstimmungen am Samstag im Reichstage eine Mehrheit erhalten hat. stimmte außerordentlich zuversichtlich. Die Kulisse schritt in großem Umfange zu Meinungskäufen, wozu auch wieder an den Markt kommende Aufträge vom Ausland, sowie vom Znland beigetragen haben dürften. Schon zu Beginn des offiziellen Marktes war das Geschäft auf fast allen Märkten lebhaft. Zm Vordergründe standen natürlich Spezialwerte, bei denen sich gegenüber den Schlußkursen vom Samstag Kursbesserungen i m Durchschnitt b i s zu 6 Prozent ergaben. Führend war der Kalimarkt, an dem Salzdetfurth einen Spihengewinn von 17 Prozent aufwiesen. Aschersleben und Westeregeln gewannen je 6 Prozent. Auch der Elektromarkt hatte regeres Geschäft. Hier trat vor allem die Schweiz als Käufer auf. Es gewannen alle Papiere durchschnittlich 6 Prozent. Z.-G.-Farben besserten sich um 2,5 Prozent und Deutsche Erdöl um 4 Prozent. Am Montanmarkt traten besonders Phönix auf Realisationen mit plus 6,5 Prozent stärker in den Vordergrund. Deutsche Anleihen, sowie Ausländer fester. Das Geschäft bewegte sich bei der starken Konzentration auf den Aktienmärkten in bescheidenerem Rahmen. Deutsche Linoleum, Kunstseideaktien, Zellstoffwerte usw. lagen von 3 bis 5 Prozent fester. Schiffahrtspapiere zogen bis zu 3,5 Prozent an. Am Dankenmarkt bestand erneut für Reichsbankgnteile mit plus 8 Prozent stärkeres Znteresse. Auch die übrigen Werte dieses Marktes waren gesuchter und bis zu 3 Prozent fester. Zm Verlaufe war die Tendenz unverändert fest. Rach vorübergehendem Rachgeben der Kurse auf Gewinnmitnahmen traten auf erneute Käufe der Kulisse gegen Anfang nochmals Besse- Bobmeisterschasten in Winterberg. Der Deutsche Bobverband hielt am Samstag in Berlin seine Jahreshauptversammlung ab. Zum ersten Vorsitzenden und ersten Svortwart wurde Hahmann-Derlin gewählt. Die Deutschen Meisterschaften im Zweier- und Fünfer-Bob werden in der Zeit vom 16. bis 18. Zanuar in Winteroerg ausgetragen. .... und Eislaufmeisterschaften in Hamburg. Dem Hamburger Schlittschuhläufer-Verein von 1881 sind aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens die deutschen Meisterschaften im Kunst» und Schnellaufen zur Austragung übergeben worden. Die Wettkämpfe kommen in der Zeit vom 16. bis 18. Zanuar auf der neuen Eisbahn am Gesund- brunnen-Grevenweg in Hamburg zur Durchführung. Zm Rahmen der Veranstaltung werden auch die Schnellaufwettbewerbe um den Senatspreis und den Stadtpreis von Altona ausgetragen. paolino wieder in Europa. Der Baske Paolino trug am Samstagabend in Paris nach langer Abwesenheit von Europa seinen ersten Kamps in der alten Welt aus. Paolino besiegte den französischen Schwergewichtsmeister Griselle in der fünften Runde durch technischen k. o. Weihe eines Fliegerheims. WER. D i l l e n & u r g , 19. Oft Auf der 500 Meter hohen Hirzenhainer Höhe fand heute nachmittag die Einweihung des Fliegerheims und der neuen Flugzeughalle, errichtet vom Verein für Luftfahrt Hirzenhain, statt. Die Weihe vollzog Hüttendirektor R e u - s ch ä s e r aus Eibelshausen. Das Fliegerheim erhielt den Ramen »Hindenburghaus" mit dem Wunsche, daß darin immer echte und treue Kameradschaft gepflegt werden möge, würdig dem Träger seines Ramens. Die Flugzeughalle erhielt den Tarnen Reuschäser-Haus, zur dankbaren Erinnerung an den verstorbenen Sani- tätsrat Dr. Reuschäser - Steinbrücken, eines starken Förderers des Luftfahrtgedankens. Schließlich wurde noch eine Vereinsfahne geweiht. Zu der Feier waren u. a. erschienen Vertreter des Oberpräsidenten der Provinz Hessen- Rassau und des Regierungspräsidenten in Wiesbaden, ferner der Landrat des Dillkreises, sowie ein Vertreter des Deutschen Luftfahrtverbandes in Berlin und zahlreiche Herren als Dertretev des Rheinisch-Westfälischen. Luftfahrtvereins. Zn allen Ansprachen kam zum Ausdruck, daß auf der Hirzenhainer Höhe ein vorbildliches Fliegerlager errichtet worden sei. 1 zwanzig Werte zunächst so notiert), und Vewrnnd bis zu 5 Prozent waren keine Seltenheit. Darüber hinaus waren Reichsbank um 8,25 Prozent, Salzdetfurth um 12 Prozent, Chade-Aktzien um 6 Mk., Zulius Berger um 10,5 Prozent, Polyphon um 5,5 Prozent usw. höher. Von variablen Werten waren Chemische Heyden, Deutsche Kabel, Hackethal, Lahmeyer und Wiking Zement stärker beachtet. Hohenlohe fielen mit einem 2,5prozenti< gen Verlust aus dem Rahmen. Fahlberg List, Diez-Gulden-Werke, BMW., Braubank konnten überhaupt nicht zur Rotiz gebracht werden. Anleihen lagen höher. Mexikaner bis 1 Prozent anziehend. Der Pfandbriefmarkt war noch undurchsichtig, aber ebenfalls gebessert. Das Aw- gebot hatte an diesem Markt so gut wie gan- nachgelassen, nur einige Stadtanleihen waren wieder fest. Der Geldmarkt war leichter. Tages- flelb 4 bis 6 Prozent, Monatsgeld 6 bis 7,5 Prozent, Warenwechsel etwa 5,5 Prozent. Rach den ersten Kursen wurde die Tendenz in Reaktion auf die starke Anfangssteigerung vorübergehend etwas leichter, und einige Papiere verloren bis 2 Proz. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20. Oft. Zu Beginn der neuen Woche war die Tendenz am Frankfurter Produkdenmarkt weiterhin recht unsicher. DckS Angebot für Znlandware blieb sehr klein, doch wurde hierdurch die Rachfrage nicht gesteigert. Gegenüber den Rotierungen vom Mittwoch der vergangenen Woche waren die Preise jedoch kaum verändert, zumeist gut behauptet. Roggen konnte sogar 2,50 Mark anziehen, obwohl der Preis im allgemeinen gegenüber den letzten Freiverkehrstagen niedriger liegt. Am Mehlmarkt notierte Weizenmehl je 0,25 Mark niedriger: Roggenmehl zog bis zu 0,50 Mark an. Das Geschäft war ruhig. Cs notierten: Weizen (Hessen und Prov. Hessen-Rassau) Hektolitergewicht von 75 Kilo 250 bis 252; Roggen (Hessen, Prov. Hessen-Rassau und ünterfranfen) 167,50 bis 165; Hafer, inländischer 155 bis 160; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 39,50 bis 40,25; Roggenmehl 26 bis 27; Weizenkleie 6,25 bis 6,35; Roggenkleie 6,75 bis 7; Erbsen 28 bis 35; Linsen 32 bis 60; Heu, süddeutsches 5,50 bis 6; Weizen- und Rvggenstroh, drahtgepreßt 2,25 bis 2,50; Weizen- und Rongenstroh, gebündelt 2; 2re* ber, getrocknet 9,75 b s 10,50. Tendenz: unsicher. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. TL, 20. Oft. Auftrieb: 1361 Rinder; Ochsen 273, Bullen 138, Kühe 495, Färsen 435; Kälber 449; Schckfe 128; Schweine 5087. Es notierten: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 56 bis 60, ältere 52 bis 57, sonstige vollfleischige: jüngere 47 bis 51; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 55, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 52; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht- Werts 46 bis 48, sonstige vollfleischige oder aus- gemästete 40 bis 45, fleischige 35 bis 39. gering genährte 30 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 58 bis 60, voltfleischige 53 bis 57, fleischige 47 bis 52; Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 78 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 77, geringe Kälber 66 bis 72; Sch a s e. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 50 bis 53, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 49; Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 57 bis 59, vollsleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 58 bis 60, vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 59 bis 61, voll- fleischige Schweine von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 59 bis 61, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 57 bis 59 Mk. — Marktverkauf: Rinder: ruhig, Lieber- stand. Kälber: ruhig. Schafe: rege, ausverkauft. Schweine: mittelmäßig, ausverkauft. Frankfurter Eiermarkt. Marktlage: Zm Zusammenhang mit der stark zurückgegangenen Produktion konnten sich die Preise am Frankfurter Markt zum Wochenschluß wieder teilweise merklich befestigen. Das Geschäft bewegte sich jedoch in sehr engen Grenzen, da der Konsum nach wie. vor sehr kaufschwach ist. Auch wird schon mehr und mehr Kühlhausware aus dem Markt genommen, die naturgemäß relativ billiger ist, als frische Ware. Es notierten in Pfennig per Stück: bulgarische, jugoslavische, rumänische 11,25 bis 11,50, polnische 9,25 bis 9,75, chinesische 10 bis 12. holländische 14 bis 15, dänische 13,50 bis 15,25, belg. flander. 14 bis 15, bayerische 12 bis 12,50, norddeutsche 13 bis 14. Kühlhauseier notierten zwischen 11,50 und 13 Pf. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 v.H. Sronffurt a. Ul. Berlin Frankfurt a. 11. Berlin Frankfurt a. Ul. | Bierlin Echluß-| kurs | 1-Uhr- Kurs Schluß-! kur» | Anfang- Kur» Schluß-l hird I 1-ilhr- «vr4 Schluß-s Anfang- kurs | Kurs (Schluß-s 1-ilhr- | lurt | Kurs | (vchluß- kurs Anfang- Kure! Datum 18. 10 ! 20 10 18. 10. 1 20 10 Datum 18 10 20 10 18 10 20 10 Datum 18 10- 20 10 18 10. 20. 10 6% Deutsche Reichsanleihe von 1927 .......... 7% Dentsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsch? Anl.-Ablös^Schuld mit AuSlol.-Rechten....... DeSgl. ohne AuSlol.-Rechte . . 8% Heil. BolkSstaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... Ober Hellen Provinz • Anleihe mit AuSlol..Rechten....... Deutlche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. XIII unkündbar bis 1934 .. . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 4/2% Rheinische Hyp.°Bank Ltqu. Goldpse......... 8% Pr. LandeSpkandbriesanstalt, Pfandbriefe R. 19...... 8% Pr. Landesplanvbriesanstalt, ftomm.«C&l. 81.20...... 7% Pr. LandeLptandbries anstatt, Psandbriese R. 21...... A.E.G. abg. BorlriegS-Obligatto- nen, rückzahlbar 1932 ..... 4% Oesterretchstche Goldrente . . 4,20% Oelierreichilche Silberrente 4% Oelierreichilche Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Goldrente . . . . 4% Ungarische Staatsrenle v. 1910 4/i% beSflL von 1913..... 4% Ungarische Kronenrente . . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie ............ 4% de»gl. Serie ll . ... - - 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 ...... • •. 4K% Rumänisch« vereinh. Rente 4% Rumänische vereinh. Rente 87 97,8 54,8 6,75 87 51,25 98,25 93,5 85,13 100 97 97 94 26,5 24 1,85 4,55 44 8,5 To | | | IO v * “7 o “ CO C£> — CMU> e< — o — 65 31,9 201 202 278,5 144 42.5 53,75 93 80 58 188,5 150 61,25 69,5 119,5 90 83.25 119,5 24,4 162,5 35 12.13 51,5 121,5 286 18 30 28,75 71 150 140 71,5 32,75 207 207 290,5 148.5 69,13 44.25 55 94,6 84 193 153,5 64,5 72,5 123,5 86 123,25 25,75 167.5 37 12,5 55 125 286 i i Berlin, 18. Oktober <5ei5 SrI-f _ Amerikanische Noten...... 4.198 57218 Belgische Noten. ....... 58,33 58,57 Täuischc Noten ........ 112.08 112,52 Englische Noten...... . 20,395 20,475 Französische Noten ....... 16.445 16,505 Holländische Noten....... 169,01 169,69 Italienische Noten........ 22,01 22,09 Norwegische Noten....... 112,03 112,52 Dcutscks-Oesterrcich, t 100 Schilling 59,11 59,35 Rumänische Noten....... 2,477 2,497 Schwedische Note» ....... 112,58 113,02 Schweizer Noten........ 81,48 81.80 Spanische Noten........ 41,82 41.98 Tschechoslowakische Noten..... 12,42 12,48 Ungarische Noten........ 73,35 73,65 13 Oktober 20 Oktober Amtliche Geld lioiierung Brie' Amtliche Geld Notierung Briet Amst.- Rott. 169.07 169,41 168,89 169.23 Buen.-Aires 1.442 1.444 1,453 1,455 Brss.-Antm 58,54 58,66 58,49 58,61 Christiania - 112,34 112,56 112,22 112,44 Kopenhagen 112.33 112,55 112,24 112,46 Stockholm - 112,77 112,99 112,61 112,83 Helsingfors. Italien. . . 10,566 21,99 10,586 22,03 10,556 21,96 10,576 22,00 London. . . 20,407 20,477 20,382 20,422 Neupork . . 4,1995 4,2075 4,194 4,202 Paris.... Schweiz .. 16,467 16,507 16,457 16,497 81,56 81,74 81,40 81,56 Spanten. 42,16 42,24 42.38 42,46 Japan . . . 2,077 2,081 2,076 2,080 Rio de Jan —- — —- —* Wien in D-- Oest. abgest 59,225 59,345 59,165 59,285 Prag Belzrad . . 12,461 12,481 12,441 12,461 7,484 7,462 7,433 7,447 Budapest. . 73,52 73,66 73,043 73,057 Bulgarien. 3,044 3,050 3,037 3.043 Lissabon . 18,83 18.87 18,81 18,85 Danzig. . 81,58 81,74 81,51 81,67 .Ronft.uitta- 1,784 1.789 1,784 1,789 Athen. . ■5,44 5,45 5,435 5,445 Canada . 4,203 4,211 4,199 4,207 Uruguay. 3.247 3,253 20,97 3,257 3,283 Catro . « 20,93 20,90 20,94 Provinzialausschuß - Sitzung. 2Im Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Dorsitz von Provinzialdirektor Graes eine öffentliche Sitzung des Provinzial au sschu sfes der Provinz Oberhessen statt, in der folgende Verwaltung s- st r c i t s a ch e n verhandelt wurden: 1. Die Klage des Ernst Drückmann in Dir kl ar gegen den Kreisdirektvr des Kreises Gießen aus Aufhebung des Polizeibefehls vom 19. Juni 1930, in dem der Abbruch des dem Kläger gehörenden Gebäudes in der Rähe des Bahnhofs Lich verlangt wurde. — Der Klager, der täglich von Birklar Milch an den Bahnhof Lich zum Verladen bringt, benutzt dieses Gebäude zum Unterstellen seines Pferdes. Da das Gebäude reparaturbedürftig wurde und die Re- paraturarbeiten bereits in vollem Gange waren, wurde gegen ihn Polizeibesehl erlassen mit der Begründung, daß es sich hier nicht um eine Reparatur, sondern um eine Reuerrichtung des Stallgcbäudes handele. Rach Anhören der Sachverständigen, sowie des Dertreters der Stadt Lich konnte sich der Prooinzialausschuß mit den von dem KreiSdirektor des Kreises Gießen angeordnetcn Maßnahmen nicht einverstanden erklären und hob den Polizeibesehl auf. Die Kosten des Dersahrens. ausschließlich der Gebühren und Auslagen der anwaltlichen Dertre- tung des Klägers, wurden der Staatskasse auferlegt und der Streitwert auf 500 Mark festgesetzt. 2. Der Antrag der Stadt Butzbach auf Enteignung von Straßengelände an der Ecke Wei- seler und Bahnhosstraße zu Butzbach. — Gegen den Beschluß der Lokalkommission bei dem Kreisamt Friedberg aus Enteignung des dem Hermann Küchel (Bützbach) an der Ecke Weiseler und Bahnhofstraße gehörenden Geländes erhob der Dertreter des Geländeeigentümers bei dem Provinzialausschuß Einspruch. 3n der mündlichen Verhandlung, in der lediglich über die Höhe des Enteignungspreises für den in Betracht kommenden Gelängest reifen (Grabgartengelände) von 3,4 Quadratmeter verhandelt wurde, beantragte der Dertreter des Grundstückseigentümers, die Stadt Butzbach zur Leistung einer Entschädigung von 2500 bis 3000 Mark zu verurteilen, während die Stadt Butzbach, unter Hinweis auf den Beschluß der Lokaltommission, nur eine solche von rund 500 Mark zu bewilligen bereit war, und sich außerdem noch verpflichtete, die durch die Abtrennung entstehenden Kosten der Wiederherstellung der Gartenmauer von etwa 250 Mark zu übernehmen. Rach Anhören der Sachverständigen, sowie der geladenen Mitglieder der Lokalkommission beschloß der Provinzialausschuh Inaugenscheinnahme an Ort und Stelle und Anberaumung eines neuen Termins. 3. Das Gesuch des Heinrich Kniese in Schotten um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirt- schäft: hier: Berufung gegen das Urteil des Kreis- ausschusscs ches Kreises Schotten vom 18. Juni 1930. — Der Gesuchsteller beabsichtigte in seinem Wohnhaus« zu Schotten eine Gastwirtschast zu betreiben, wobei er auf seine schlechte wirtschaftliä)« Lage und die Absicht zur Gründung einer neuen Existenz hinwies. Der Stadtvorstand zu Schotten, sowie der Kreisausschuh Schotten lehnten das Gesuch ob, da ein Bedürfnis angesichts der in Schotten bereits vorhandenen 26 Wirtschaften (2500 Einwohner) nicht vorliege und außerdem die räumlichen Zu» ftände, sowie die Verhältnisse des Gesuchstellers derart seien, daß hier eine Konzessionserteilung nicht in Frage komme. In der mündlichen Verhandlung vor dem Prooinzialausschuß wurden die bestehenden Verhältnisse nochmals eingehend durch Anhören des Gesuchstellers, sowie der Vertreter der Stadt, des Kreisamts und des Hochbauamts Schotten dargelegt. Der Prooinzialausschuß erkannte durch Urteil zu Recht: Die Berufung des Gesuchstellers gegen das Urteil des Kreisausschusses Schotten wird als unbegründet zurückgewiesen und der Bcrufungskläger in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Streitwert wurde auf 1000 Mark festgesetzt. 4. Die Klage des .Hermann Heine in H u n g e n gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 25. August 1930 wegen Versagung des Wandergewerbescheines. — Der Prooinzialausschuß gab der Klage statt und erteilte dem Kläger den nachgesuchten Wandergewerbeschein, unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens und Festsetzung des Streitwertes auf 100 Mark. Oberheffen. Landkreis Gießen. * ti o U a r, 20. Oft. Am morgigen Dienstag kann Bureauvorsteher Heinrich Becker aus Staufenberg in geistiger und körperlicher Frische auf eine fünf- zigjähkige Tätigkeit bei den Bude- russchenEisenwcrkcnin Lollar zurückblickcn. Gleichzeitig kann der Jubilar dos 30. Jubiläum seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Betricbskrankcnfasse der Main-Weser-Hütte begehen. Strengste Pflichterfüllung und allezeit gefälliges und liebenswürdiges Wesen haben dem verdienstvollen Mitarbeiter die hohe Wertschätzung seiner Vorgesetzten, Kollegen und der übrigen Werksangehörigen eingetragen. t $ r c t 6 a. b. Loa., 19. Ort. Heute wurde m unserer Kirche das Erntedank fe st gefeiert. Kreistag des DHV. in Hessen. Der Deutschnationale Handlungs- gehilfenverband, Kreis 2 (Miltelhes- s e n), hielt gestern in Gießen im Cafs Leib seinen Kreistag ab, an dem über 200 Delegierte aus sämtlichen 18 Ortsgruppen teilnahmen. Rach einigen Gesangsvorträgen des „Männerchors Deutscher Sang im DHV." und kurzer Begrüßung durch den Kreisvorsteher E. Reuter (Gießen) gab Kreisgeschäftsführer Schroeder (Gießen) einige Erläuterungen zum Jahresbericht. Daraus war zu entnehmen, daß der Äreis im vergangenen Jahre eine gute Entwicklung genommen hat. Der Reinzuwachs an Mitgliedern beträgt 17,5 o H. Auf allen Gebieten der Verbandsarbeit ist rege Tätigkeit entfaltet worden. 263 mündliche, 113 schriftliche Rechtsauskünfte wurden erteilt, in 70 Terminen vertrat die Kreisgeschäftsstelle die Mitglieder vor den Arbeitsgerichten mit Erfolg. Die Kaffenoerhältnisse sind günstig. Die Einnahmen betrugen 1058,49 Mark, die Ausgaben 702,95 Mark. Der Voranschlag 1930,31 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1219,54 Mark ab. Bei den Wahlen zum Kreisoorslond wurden die ausscheidenden Herren Ebel (2. Vorsitzender), Kutzer (Rechner) und Resch (Kreis- lugendführer) wiedergewählt. Als Rechnungsprüfer für das laufende Jahr wurden Schwarz (Gießen) und Kühne (Gießen) bestimmt. Als Tagungsort für den nach st jährig en Kreistag wurde Friedberg gewählt. Für den Derbandstag in Hannover wurden Schwarz (Gießen) und D re x- l e r (Haiger) vorgeschlagen. Hierauf sprach Kreisgeschäftsführer Schroeder (Gießen) über Gewerkschaft«- und sozialpolitische Fragen. Der Redner kam zunächst auf die Weltwirtschaftskrise zu sprechen, von der Deutschland besonders in Mitleidenschaft gezogen sei. lieber 300 000 Angestellte seien heute arbeitslos. Der Redner sprach dann über die Sanierungsversuche bei der Arbeitslosenversicherung und die seinerzeit beabsichtigte Heranziehung der Gelder der Angestelltenversicherung zu dieser Sanierung, die erfreulicherweise nicht zustande gekommen sei. Das Sanierungsprogramm der Reichsregierung sehe einseitige hohe Belastungen der arbeitnehmenden Schichten der Bevölkerung vor. Durch eine Senkung der Löhne und Gehälter werde die Kaufkraft der breiten Bevölkerungsschichten weiter gemindert. Die Ankurbelung der Wirt- schäft sei nur durch scharfe Ueberwachung und durch- greifende Aenderung in der Preisbildung, sowie durch Schaffung neuer Absatzmöglichkeiten zu erreichen. Weiter forderte der Redner eine Reform der Arbeitslosenversicherung dergestalt, daß den Angestellten die Möglichkeit gegeben werde, eigene Er- satzkassen (ähnlich wie die Ersatzkrankenkassen) zu errichten. Zum Schluß erläuterte der Redner noch eine Reihe von Forderungen, die der DHV. an die Gesetzgebung stellt. Einer längeren Entschließung, in der die Ausführungen und Forderungen des Referenten entsprechend formuliert sind, stimmte die Versammlung einstimmig zu. Anschließend sprach Kreisblldungsobmann Wiß- n e r (Marburg) über Bildungsfragcn. Er stellte vor allem fest, daß eine geistige Vertiefung der Verbandsarbeit eingetreten sei. Es fei notwendig, Persönlichkeiten heranzubilden, die den heutigen Aufgaben gewachsen seien. Wichtig sei auch die Heranziehung und Heranbildung der Jugend. Auch der Handlungsgehilfe müsse sich mit politischen Tagesfragen beschäftigen und Einfluß in den politischen Parteien suchen. Kreisjugendführer Resch (Alsfeld) berichtete so- bann über die Kreisjugendarbeit und unterbreitete Vorschläge über die Winterarbeit, während Schob loch (Frankfurt o. M.) über Werbearbeit referierte, dabei besonders auf die Wichtigkeit der Mitarbeit der Frau hinweisend. In einem Schlußveferat wies Gauvorfteher Auerbach (Frankfurt a. M) darauf hin, daß sich die Auswirkungen des Weltkrieges erst jetzt richtig erkennen ließen. Es zeige sich, daß der Krieg nur ein Wirtschaftskrieg gewesen sei. Vor dem Kriege sei Amerika Schuldner gewesen, heute fei es umgekehrt. Frankreich sei der einzige Nutznießer, das keine Arbeitslosen, dagegen große Goldvorräte besitze, ungeheure Rüstungen und Befestigungen auf- weise und trotz aller Friedensversicherungen Briands für einen neuen Krieg rüste. Der Redner forderte, daß der Wehrgedanke im deutschen Volk mehr gepflegt werde. Außerdem sei eine baldige Revision des tzoung- plans notwendig, wenn nicht die gesamte deutsche wirtschaft zusammenbrechen solle. Die Tributverpflichtungen könnten nicht anerkannt werden, weil diese Leistungen auf der Kriegsschuld- lüge aufgebaut seien. Der Redner kam dann auf die innenpolitischen Verhältnisse, insbesondere auf die große Arbeitslosigkeit zu sprechen und erklärte u. a einen Abbau der Frauenarbeit, soweit dies in sozialer Hinsicht möglich ist, als erforderlich. Er wandte sich weiter gegen die Bürokratisierung in Staat und Wirtschaft. Mit der Tagung verbunden war eine in den Nebenräumen des Caf6 Leib untergebrachte Mus- stellung über „Der DHV., sein Wollen und Wirken". Am Nachmittag fand ebenfalls im Cafs Leib die 32. Gründungsfeier der Ortsgruppe Gießen des DHB. statt. Den musikalischen Teil der Beronstaltung hatte die Gießener Militärkapelle unter Leitung von Ober- musikmeister Löber übernommen, die im ersten Teil Streichmusik, im zweiten Teil Blasmusik, teilweise mit folistischen Darbietungen, in guter Weise zum Vortrag brachte. In seiner Begrüßungsansprache gab der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, HcrrSchaub, einen Lieberblick über die Gründung und den Werdegang der Ortsgruppe, die heute 800 Mitglieder zählt. Die Festansprache hielt Gauvorsteher Auerbach. Frankfurt. Er wies auf die derzeitigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse hin und betonte, daß unser Volk in dieser Hinsicht in einer Zeitenwende stehe. Der Parlamentarismus habe nicht befriedigt, die extremen Strömungen verlangten nach einer Diktatur. Im Wirtschaftsleben müsse der einzelne zuriick- treten vor dem Willen der Gemeinschaft und der Organisation. Auf dem Gebiete der Technik müsse sich zukünstig zeigen, vb unsere geistigen Kräfte bestehen oder seelisch zugrunde gehen. Die Pflege der Kultur sei für unsere Wiedererstarkung von großer Bedeutung. Die Menschen hätten seither zu sehr dem Materialismus gehuldigt. Erfreulicherweise rege sich wieder ein Erleben von Gott, Ratur und Arbeit. Kräfte des deutschen Gemütes und Charakters seien wieder bemerkbar. Die Frauen seien die berufenen Pfleger der deutschen Seele, sie seien besonders geeignet, glühende Vaterlandsliebe zu pflanzen. Kreisvorsihender Reuter wies in einer kurzen Schlußansprache noch auf den guten Verlauf oci: Tagung hin. ’ Vor der Predigt führten die Konfirmanden vor dem festlich geschmückten Altar das Erntedankfest spiel von S c r i b a (Ridda) auf. Daran schloß sich ein Chvrgesang der Schüler: „Wir pflügen und wir streuen". Rach der Predigt sang der Kirchengesangverein: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren". Alle Gesänge wurden von Orgel und Posaunenchor begleitet, welch letzterer durch sechs Mitglieder des Lon- dorfcr Posaunenchores verstärkt war. Die ansehnliche Kollekte kommt den Evangelischen Gemeinden des Auslandes zugute. * Garbenteich, 19. Okt. Gestern fand in unserer Gemarkung eine Waldtreibjagd unsrer Jagdpächter statt, an der sich rund 25 Jäger beteiligten. Die Strecke belief sich auf 56 Hasen. (D Grüningen, 19. Okt. Durch die N e u e i n • richtung einer ? o ft ft eile in unserer Gemeinde wurde eine wesentliche Besserung der Poft- Verhältnisse herbeigeführt. Seither erhielten wir nur einmal Post durch Vermittlung der Postagentur Watzenborn-Steinberg. Nunmehr werden, unter Aus- schaltung der Agentur, die Postsachen zweimal täglich durch die Kraftposten von dem Postamt Gießen nach hier befördert. Morgens wird die Post durch den Poststelleninhaber zugestellt. Die Nachmittagspost kann abgeholt werden. Die abgehen.de Post kommt ebenfalls täglich zweimal zur Beförderung. I Aus dem südlichen Kreise Gießen, 19. Okt. Die Landwirte beginnen jetzt allgemein mit der Aussaat des Wintergetreides, die schon früher hätte stattfinden können, wenn nicht das Ueberhandnehmen der Mäuse die Arbeit verzögert hätte. Die Mäuse plage ist in diesem Iahre besonders groß. Da das AuS- legen des Giftweizens bei Regenwetter nicht viel hilft, ist man in vielen Gemeinden dazu über- gegangen, die Mäuse mit Gas zu vernichten. Dabei werden auch ost die schädlichen Hamster, aber auch die Maulwürfe getötet. Auch in den Häusern machen sich die Mäuse sehr unangenehm bemerkbar. Die Dickwurzernte geht ihrem Ende entgegen. Sie ist äußerst gut ausgefallen. Der Handel mit Kartoffeln ist weiterhin sehr schleppend. Der Preis schwankt zwischen 1,70 und 2 Mk. für den Zentner bester Dpcisekartoffeln. Kreis Friedberg. $ Sri ebb er g, 19. Okt. Hier ist Landmesser i. R. Ferdinand Schopbach gestorben. Er ist als Geometer in weiten Kreisen Oberhessens bekannt geworden und hat sich um die Durchführung der Feldbereinigung verdient gemacht. Nebenberuflich entfaltete der Verstorbene von früher Jugend an eine eifrige floristische Tätigkeit, der nach feiner Pensionierung mit seltener Hingabe sein ganzes Schaffen galt. Er war einer der besten Pflanzenkenner Ober- Hessens. Sein umfangreiches, sorgfältig angelegtes Herbarium ist ein wertvoller wissenschaftlicher Beitrag zur Floristik Oberhessens und der benachbarten Gebiete. Kreis Vüdingen. < Ortenberg, 18.Okt. Gestern feierten fiir- chenvorsteher und Bauoberinspektor i. R. Wilhelm Karl I c ck e l und seine Ehefrau Katharine geb. Bel» Unger im Kreise ihrer Angehörigen das Fest der goldenen Hochzeit. Zahlreiche Ehrungen wurden dem Jubelpaar aus allen Kreisen der Gemeinde zuteil. Der Kirchenvorstand überreichte nach einer Ansprache des Ortsgeistlichen seinem Mitglied unter herzlichen Segenswünschen eine Jubiläumsbibel. Das Landeskirchenamt hatte mit einem Glückwunschschreiben ein Gedenkblatt und ein Gesangbuch gewidmet. i. Babenhausen I, 20.Okt. Die Zahl der Kinder, die in diesem Jahre in unserem Kirchspiel konfirmiert werden, ist noch geringer als im Vorjahre. Aus allen vier Kirchspielgemeinden treten nur fünf Knaben und sieben Mädchen vor den Altar, und zwar aus Babenhausen zwei Knaben und ein Mädchen, aus Schwickartshausen ein Knabe und drei Mädchen und aus Eckartsborn zwei Knaben und drei Mädchen. Die Gemeinde Bellmuth hat keinen einzigen Konfirmanden. Rheinhessen. WSR. Mainz, 18. Oft. Der Bürgermeister der Vorortgemeinde Gonsenheim war wegen fahrlässiger Tötung durch Lieberfahren eines Bürstadter KindeS vom BezirkSschöfsenge- richt Darmstadt zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der heutigen Derufungsverhandlung vor der Großen Strafkammer Darmstadt ergaben sich in den Meinungen der vernommenen Sachverständigen verschiedene Widersprüche, die dazu führten, daß das erstinstanzliche Urteil ermäßigt wurde. Anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat wurde auf 600 Mark Geldstrafe erkannt. Preußen. Zwei Sägewerke in einer Nacht niedergebrannt. WSR. Marburg, 18. Okt. Heute nacht brach in dem Sä gewe rk der Firma Kamm in Schweinsberg Feuer aus. Das gesamte Sägewerk mit den wertvollen Maschinen und großen Holzvorräten wurde ein Raub der Flammen. Heute früh gelang es den Feuerwehren, die aus der ganzen Umgebung herbeigeeilt waren, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist sehr groß, aber durch Versicherung gedeckt. WSR. Laasphe, 18. Okt. Heute nacht ist das Sägewerk Müller in Feudingen vollkommen niedergebrannt. Alle Maschinen und Holzvorräte wurden vernichtet. Der Schaden ist sehr groß, ist aber ebenfalls durch Versicherung gedeckt. KreiS Wetzlar. > Wißmar, 18. Okt. Der erwerbslose Arbeiter Zörb von hier stürzte in einer Kurve oberhalb des Dorfes so unglücklich von feinem Fahrrad, daß er Verletzungen am Kopf und am Schlüsselbein erlitt und ohnmächtig nach Hause gebracht werden mußte. Kein Abzug der Einkommensteuerschuld vom Betriebsvermögen. Unter dieser Ueberschritt ist in den von Steuer- shndikus Hermann Will au Gießen heraus- gegebenen „Aktuellen (Steuerfragen“ (Rundschreiben Rr. 20) folgendes zu lesen: Die Frage, ob die Einkommen steuerabschluh- zahlungen und sonstigen Einkornmensteuerschul- oen vom Betriebsvermögen abzugsfähig sind, war lange Zeit streitig. Der Reichsfinanzhof hat jetzt in zwei Entscheidungen ertlärt: Eine Abzugsfähigkeit ist selbst dann nicht gegeben, wenn das Einkommen ausschließlich aus Gewerbebetrieb herrührt. Die Begründung geht dahin: Es liegt kein wirtschaftlicher Zusanunen- hang zwischen Betriebsvermögen und Ginkommensteuerschuld vor, weil die Einkommensteuerschuld als solche einheitlich und losgelöst von den dct- schiedenen Einkommensquellen zur Entstehung gelangt und keinen unmittelbaren Zusammenhang mit diesen hat. Praktisch zu betonen ist: Vorstehend wird nur die Abzugsfähigkeit vom Betriebsvermögen verneint. Vom Gesamtvermögen ist natürlich Abzugsfähigkeit gegeben. Die Ansicht hat also ihre Bestimmung für das gewerbliche Betriebsvermögen, die für die Gewerbekapitalsteuer, die Ausbringungsbelastung und die Einkommensteuer- schuld abziehbar ist. Berliner Börse. Berlin, 20. Okt. (WTD. Funkspruch.) Die politische Entspannung lieh trotz des schwankenden und überwiegend schwächeren Verlaufes der Reu- Yorker Samstagbörse die neue Woche für Effekten recht freundlich beginnen. Die Umsahtätigkeit war zwar im heutigen Frühverkehr noch sehr gering, man taxierte aber nur Geldkurse, die teilweise noch über den Samstag-Schlußnotierungen lagen. So sprach man von Farben mit 144,5 Geld und Siemens mit 185 Geld. Diel beachtet wurde auch die weitere Festtgkeit der Mark. MKZ95cx,- Typ L2ooo/ 2to Nutzlast- mit 55PS Sechszylinder Mk 6.980.- Typ L25ooz 2yz.to Nutzlast Typ L3oooz2/£-3to Nutzlast* mit 6o PS Sechszylinder mit 7oPS Sechszylinder- MK 9.95O-— ab Wer* MERCEDES-BENZ Vorausschauend- nicht nur schritthaltend mitder Entwicklung - haben wir unsere Schnell-Lastwagen-Modelle weiterentwickeltzdamit sie heute schon den gesteigerten Anforderungen eines kommenden Lastenverkehrs gewachsen sind.Planmäßige Rationalisierung ermöglichte uns au!5erdem eine wesentliche Senkung der Preise. DAIMLER-BENZ AKTIENGESELLSCHAFT • GAGGENAU IN BADEN Verkaufstelle Frankfurt a.M„ Abt. Lastwagen, Hanauer Landstraße 106-108, -- Gießen, Bahnhofstraße 90-92. WKWen-Moim Vornan von Hans Friedrich. Arheber-Rechtsfchutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er schlich sich aus dem Saal, als die Wogen der Tanzlust am höchsten gingen. Auf dem Steig, der von der Landstraße zur Oetztaler Ache führt, sprach Gutenberg weiter mit sich. „Ich bin ein armes Luder und muß meine paar Schillinge beisammenhalten, wenn ich nicht vorzeitig und unverrichteter Dinge heimfahren will! Der Schwaihofcr kann cs sich leisten, Mute die ganze Rächt mit Sekt zu traktieren. Dessen Vater verdient an einem Tage mehr, als ich in vier Wochen." Er stapfte im Finstern über die Brücke, schlich am Schreinerhause vorüber, tastete sich über die Brücke der tosenden Windach und lag fünf Minuten später in den Federn. Inzwischen hatte drüben in der »Post" Ludwig Schwaihofcr leichtes Spiel. Erdmute Hansen hielt ihr Herz tapfer in beiden Händen und merkte dabei gar nicht, daß sie es trotzdem verlor.... Der Schwaihofcr, das war einerI Tanzen konnte er — einfach hinreißend! Dagegen war Heinz Gutenberg ein schwerfälliger Bär! And plaudern — wie nur ein Mann von Welt! Dabei war er der Schönste von allen Herren, die zur Zeit in Sölden und Amgebung wohnten. In dem wundersamen Gemisch von Tanz- und Weinlaune wäre es Erdmute gar nicht darauf angekommen, ihren feschen Partner als den schönsten Mann von Mitteleuropa zu erklären. O, er hatte allerhand Pluspunkte für sich, der schmucke Bayer! „Wo ist denn Ihr Freund hingekommen?" fragte er übermütig in einer Tanzpause. Erdmute erschrak. An Gutenberg hatte sie gar nicht mehr gedacht. Run tat es ihr leid, daß sie ihn so arg vernachlässigte. ..Er wollte zeitig schlafen gehen, um morgen früh für eine Partie zum Gaiskaarferner gestärkt zu sein...Mit dieser freien Erfindung nahm sie ihn in Schuh. Schwaihofcr sollte nicht übermütig triumphieren können, Heinz aus dem Sattel gehoben zu haben... „And Sie. Fräulein Mute, Sie kommen doch morgen bestimmt in meine Iagdhütte zu Besuch?" drängte er. Sie neigte den Kopf zweifelnd nach der Schulter. „Ich weiß noch nicht. Mein Programm erlaubt mir eigentlich keine großzügige Aende- rung. And außerdem schickt es sich nicht, daß ich allein zu Ihnen komme..." Bel sich dachte sie: „Ausflüchte, nichts als leere Ausflüchte! Ich weiß doch ganz genau, daß ich ihn besuche. Ob schicklich oder nicht — ich habe mir bisher Zudringliche noch jederzeit vom Halse zu schaffen gewußt!" Schwaihofer hatte seinen Plan schon fertig. Er verstand es, die Sache beim richtigen Ende anzupacken. „Ich wollte Sie bitten, mir ein Bild für meine Iagdhütte zu malen: Den Aöderkogel von Rord- osten gesehen und ein Stück vom Dentertal. In der Ferne die Silhouette der Thalleitspitze." Die Malerin lächelte. „Sie machen mich neugierig, Herr Schwaihofer! Sie verstehen mit Worten zu zeichnen." Er hob das Glas. „Auf die Malerin der Oetztaler Alpen." Sie tat ihm Bescheid, sagte mit erzwungenem Ernst: „Auf den Aimrod vorn Brunnen- kogel." In der ersten Stunde des neuen Tages trennte man sich. „Das kann eine Pirsch geben — morgen früh — hoffentlich lacht der Hirsch nicht, wenn er mich verschlafenen Iäger sieht." Mit dieser Bemerkung machte sich Schwaihofer über sich selber lustig. Dabei umkreisten seine Gedanken weniger das Wild als vielmehr das Mädel. „Sie kommen bestimmt!" prägte er ihr nochmals ein. Sie schüttelte schelmisch den Kopf, aber ihre Augen bejahten. „Ich schicke Ihnen den Buben meines Wirtes, der wird Ihnen Ihr Malgerät zur Hütte tragen." Erdmute nickte zustimmend und stieg die Treppe hinan. Im Flur standen noch lachende und schwatzende Gäste, die sich nicht trennen konnten. Alles Rachtschwärmer, die um einiger Tanztvuren willen so manche für den nächsten Tag angesehte Hochpartie in den Wind schlugen. Schwaihofer wohnte für die Dauer seines Iagd- aufenthaltes in der Hütte droben an der Waldgrenze, rechts vom Falkner. Wenn er aber im Tale war, blieb er beim Rihl Iohann, dem Dergbauern am Fuße des Soldnerkogels, über Aacht. Heute legte er sich gar nicht erst hin, sondern hinterließ nur einen Zettel mit der Anweisung für den Buben, dann machte er sich auf den Weg zur Iagdhütte. Dort wartete schon der ©meiner Sepp auf ihn. And vor seinem Jäger wollte sich der Iagdherr keine Blöße geben. Mit der ersten Stunde des neuen Tages war die Iagd auf männliches Rotwild frei. Da hatten bei einem weidgerechten Iäger alle anderen Interessen zu schweigen. Alle Sinne stellten sich in den Dienst von St. Hubertus. Das verstand sich von selbst. „Ich muß den Sechzehnender haben, schon um Vaters willen! Der alte Herr legt Wert darauf, daß ich auch in puncto Iagd sein Rachfolger werde." So und ähnlich redete der Bergsteiger mit sich selber. Er kannte den Pfad wie seine Ioppe und fand sich trotz der Rächt gut zurecht. Die stählerne Spitze seines Bergstocks klirrte zuweilen auf dem Fels. And wo die Zirbelkiefern nicht so dicht standen, konnte der nächtliche Wanderer die Sterne am Himmel sehen. „Der Hirsch gehört mir — und das Madl auch!" lachte er und tat einen tiefen Schnaufer. 9. Franz Strobl und Trude Gutenberg konzertierten täglich vom Rachmittag bis zur Mitternacht im elegantesten Kaffeehaus Innsbrucks an der Maria-Thercsienstraße. Das erste Auftreten hatte Trude allerhand Aeberwindung gekostet. Das Lokal war von Fremden und Einheimischen überfüllt. Sie nahmen hier den Tee oder den Kaffee, aßen etwas Gebäck dazu und plauderten. Ein wahrhaft babylonisches Stimmengewirr brandete durch den langgestreckten Raum. Als die Musiker — Strobl, Trude und der Cellist Weißkugl — auf dem Podium Platz nahmen und das Stimmen der Instrumente begann, wurden die zunächst sitzenden Gäste aufmerksam. Die entfernter Sitzenden reckten die Hälse. Ah, siehe da, eine Pianistin, und noch dazu solch eine hübsche! Man tuschelte. Die Herren machten entsprechende Bemerkungen. Manche lachten verständnisinnig. Gertrud kam sich vor wie auf dem Präsentierbrett zur Schau gestellt. Sie fühlte die Blicke auf sich, sah sich bestaunt wie ein Wundertier. Aber sie muhte sich wohl oder übel an diese Schattenseite ihres neuen Berufs gewöhnen. Schließlich würde sich ja auch das Publikum beruhigen und sie nicht immer anstarren. Schauobjekte gab cs genug. Andauernd kamen und gingen junge, graziöse Damen, die zur Kritik herausforderten. „Bitte noch einmal A.“ Trude gab den gewünschten Ton an und Strobl schraubte am Wirbel der A-Saite herum. Der Cellist reichte Roten aus einem Schubfach. Dann konnte es losgehen. Eröffnungsmarsch: „Alte Kameraden." Trude griff tapfer in die Tasten. Die Roten sah sie nicht. Die schwammen wie Linsen auf dem Wasser, bildeten eine zusammenhängende Kette von grauslichen Klecksen, glitten zu einem Konglomerat zusammen, flohen sich wieder. Rein, das waren keine sauber gestochenen Roten, das waren miserable kleine Diester, die es darauf abgesehen hatten, die Spielerin zu verwirren. And dazu die Pfeile aus dem Publikum! Die Blicke der Männer schnellten herauf, spießten sich an Trudcs glühendem Gesichtchen fest, machten es erröten und wieder erblassen. And trotzdem ging alles gut! Die Hände griffen die Tasten automatisch. Ohne hinzusehen, fast mit geschlossenen Augen, bewältigte die Pianistin ihren Pari. Sie hatte diesen Marsch daheim schon oft gespielt, er bot ihr keine Schwierigkeiten. Endlich nach dem üblichen Dacapo Schluß! Trude lieh die Hände erschöpft sinken und toun* derte sich, daß das Publikum applaudierte. Wie durch Nebelschleier sah sie Strobl und den sanften, semmelblonden Weihkugl. „Hat großartig geklappt!" sagte der Geiger anerkennend. „Richt die Spur von Lampensieber." Trude verzog den Mund zu einem verunglückten Lächeln, dachte bei sich: „Mensch, hast du 'ne Ahnung!" Der schüchterne Cellist fühlte sich verpflichtet, auch etwas zu sagen, bemerkte mit seinem stillen Dulderlächeln: „Den Marsch haben wir gespielt, nun werden wir auch in der Tat alte Kameraden werden." „Wollen's hoffen!" pflichtete Strobl bei und sah Trude mit einem sehnsüchtigen Blick feiner dunklen Augen an. And dann spielten sich die Drei immer besser zusammen. Rach zwei Tagen glaubten sie, schon jahrelang miteinander konzertiert zu haben. Zuweilen gab es auch edle Spender unter den Gästen. Die Erfüllung besonderer Konzertwünsche wurde immer mit einem Glas Wein oder Likör quittiert. Ganz Anentwegte schickten "duch ohne Anlaß Gebäck oder Getränke aufs Podium. Diese Gaben waren durchweg für die schöne Klavierspielerin gedacht, natürlich gingen dabei auch die anderen nicht leer aus. Einmal bekannte Strobl: „Ich habe noch nirgends solch gebefreudiges Publikum gefunden Wie hier." And Weihkugl überlegte erst vorsichsig, ehe er sich zu einer Aeuherung hinreiben lieh. „DaS danken wir unserem Fräulein Trude." Strobl hatte ihm gesagt, dah die Pianistin verheiratet sei. Er aber beharrte auf feinem „ Fräulein" weil „sie doch gar nicht ausschaue wie eine verheiratete Frau". Schließlich bildete sich Trudes wegen ein neues Stammpublikum, das Tag für Tag zum Konzert kam. Man setzte sich so, daß man die „fesche" Pianistin sehen konnte und wurde nicht müde, zu schauen und zu lauschen. Ganz klar, dah es unter dieser „Elitegarde" — wie sie Trude scherzhaft nannte — auch einige Frechdachse gab, die geschickt unter das gespendete Gebäck ihre Karte schmuggelten und Verabredungen wagten. Trude lächelte nur und lebte ihr einfaches, unkompliziertes Leben weiter. Fehlte noch, dah sie sich mit Fremden einlieh! Sie hatte schon ihre liebe Rot, Franz in Zucht und Ordnung zu halten. Der verliebte Bengel versuchte immer wieder, aus der Freundschaft in ein feurigeres Stadium überzuleiten. Bisher hatte sie sich seiner immer noch erwehren können, aber sie sah mit Dangen dem Tag entgegen, an dem sie gröberes Geschütz Würde auffahren müssen. (Fortsetzung folgt.) Es gibt nur eine MAGGI-Würze KENNZEICHEN: Der Name MAGGI - die gelb-roten Etiketten • die typische Form der Flaschen Der Kauf eines Ofens ist Vertrauenssache! ■L i ffl ! s Die führenden Qualitätsmarken Junker & Ruh Concordia Buderus Kramer Juno Cora Esch bieten Ihnen beste Gewähr für: Preiswürdigkeit, Formenschönheit, Präzision Reichhaltiges Lager In allen Systemen 7049 D Emil Pistor Nacht, Marktstraße 10 M * Sehen Sie immer, wenn Sie Ihre Kleidungsstücke des öfteren bügeln, dämpfen und auffrischen lassen Per Anzug (im Abonnement nur Mark Äs’* nur Mark 1.50) Abholen und Zu senden kostenlos Amerik. Exprefe-Dampf-Bügel-Anstalt „Wie-Neu“ Inh.:E. Kömpel, Schneider,Wolkengasse 23 Telephon 2503 / Alle einschlägig. 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Oktober, 15Uhr,im Johannessaal Missionsinspektor D. Dr. Oehler, Basel: „Kommunismus und Mission in China“ Es ladet herzlich ein: 7154D Der Oberhess. Missionsverein für Basel Gußmann. Vorsitzender. DeutschnationalerSand. lungsgehilfen-Verband Ortsgruppe Gießen. Die in unserem Winterbil- beginnen ab 20. d. M. Zn der Teilnehmer- Besprechung vom 12. d. M. wurden folgende Tage und Stunden festgelegt: Doppelte Buchführung im Warenhandels- geschäft (für Anfänger) ab 23.10.193h Donnerstags, 20-22 (Ihr, Zimmer 8 Höherer Lehrgang für Buchführung und Bilanzwesen ab 26. 2. 31, Donnerstags, 20—22 Uhr, Zimmer 8 Lack« und plakatschrifi ab 29.10. 30, Mitt- wachs, 20-22 Uhr, Zimmer 2 Maschinenschreiben ab 20.10. 30, Montag- Cafe Amend Heute, Dienstag und Mittwoch ein kurzes Sensations-Gastspiel des wellbekannten Geigers Lajos Rigo Lajos Rigo ist konkurrenzlos! Lajos Rigo ist in allen Weltstädten eine Sensation I Solo-Einlagen nachm, 5 Uhr, abends von 8-10'/, Uhr 7126D und Mittwochs, 20-21 Uhr, Zimmer 2 Kurzschrift für Anfänger ab 20. io. 30, Montags und Dienstags, 20-21 Uhr, Zimmer3 Kurzschrift für Fortgeschrittene ab 21.10.30, Dienstags, 20-22 Uhr, Zimmer 8 Redeschrift anschließend an Lehrgang f. Fortgeschrittene Englisch, Anfänger ab 21.10. 30, Dienstags und Freitags, 20-21 Uhr, Zimmer 6 Englisch, Fortgeschrittene ab 20.10.30, Montags 20 - 21,Freitags 21 - 22 Uhr,Zimmer 6 Französisch, Fortgeschrittene ab 23.10.1930, Donnerstags 20-22 Uhr, Zimmer 6. Alle Teilnehmer müssen in der ersten Unterrichtsstunde unbedingt anwesend sein. Weitere Anmeldungen werden in dieser Stunde noch entgegengenommen. tictd