Montag, 20. Zanuar 1950 Nr. 16 Erstes Blatt 180. Jahrgang vruck und Verlag: vrühl'sche UnlverfilSlr.Vuch' und Zteindruckerei B. Lange in Sietzen. Zchristlettung und Seschästrstelle: Zchulftraße I. Vor -er Schlußsitzung im Haag 5100 gang. muar 1930. lermeiftertl ar, werden Im Riedummeter Scheitholz: finüppel: Juche 7, 3ud)e 55, Gidje 4, che 2600, Liche 170, Sd)n'\Ut)oly. }oly. Ächr 2.-4- Fichte (Spalter) 600. LWstenschneiselhat. m, Waldeingang). Kellers- mimen» Annahme von Anzeige« für die Tages.nummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- tzlameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich m Biehen. Erichelnl täglich.auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-vezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. $ernfpre0anfd}lüfie unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Zrantfvrt am Main 11686. Darmsladl, 19. Ian. (wolsf.) Rach jahrelangem Arbeiten des Reichssparkommissars und feiner Mitarbeiter in Hessen ist nun fein Werk, das in der Oesfentlichkeit zum Teil Befürchtungen ausgelöst hat, zum Abschluß gekommen. Die hessische Regierung läßt mitkeilen, daß das Gutachten über die Verwaltungsreform in Hessen nunmehr vorliegt und daß sich das G e s a m t m i n i st e r i u m in seiner letzten Sitzung bereits damitbefaßk und die Drucklegung beschlossen habe, um das Gutachten alsdann dem Landtag zu unterbreiten. Vis zu diesem Termin wird auch das eigene Sparprogramm der Regierung der Oesfentlichkeit unterbreitet sein. Ls läßt sich nicht leugnen, daß die Regierung Angriffen aus der Oeffentlichkeit gegenüber eine taktisch günstige Posi- Das Sparprogramm für Hessen. Das Gutachten vesReichssparkommiffars und die eigenenVorfchläge derRegierung andersehungen vermieden werden, die sich in der letzten Zeit ganz zwangsweise ergeben haben. Auch das Berliner Beispiel der Mißwirtschaft unter seiner links gern chtrtrn Verwaltung ist kein erhebendes Moment. Die Sozialdemokratie darf bei ihren weitgehenden Wünschen nicht glauben, daß sie allein regiert." Kommunalwirtschaft und Finanzreform. Keine neue Ausgabe ohne Deckung. Berlin, 18. 3an. (TU.) Die Vorstände des Deutschen und Preußischen Städtetages beschäftigten sich in ihren Sitzungen vom 17. und 18. Januar mit Fragen der Finanzreform. Die Städte stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine Senkung ihrer Einnahmen nur im Zusammenhang mit einemplanmäßi- g en Ab bau der Ausgaben in Betracht kommen könne. Mehr denn je ist es Grundsatz jeder Kommunalpolitik, neue Ausgaben nicht ohne gleichzeitige Deckung zu beschließen. Aus der gleichen Grundeinstellung heraus müssen Fehlbetragsabschlüsse für 1929 und FehlbetragshauHnlte für 1930 mit allen Mitteln vermieden werden. Die Voraussetzungen für die Reichsfinanzreform sind in den letzten Wochen völlig verändert. Für jede Reform verlangen die Gemeinden, daß d i e Höhe der dringlichen Ausgaben auch für dieBemessung der Einnahmen in vollem Maße zugrunde gelegt werden muh. Dabei müssen sowohl im Interesse der Allgemeinheit, als auch der Kommunen ausreichende, bewegliche Einnahmen mit vorgesehen werden. Die Vorstände befaßten sich weiter mit der wirtschaftlichen Betätigung der Gemeinden. Sie waren der Auffasiung, daß die Universalität der Zuständigkeit, die die deutschen Gemeinden mehr als klon dadurch erreichl hat, daß sie ein eigenes Sparprogramm ausarbeitete, das nicht so weitgehend ist, wie die Vorschläge des Reichssparkommissars. Sie hat bisher zu den zahlreichen Protestresolutionen und Kundgebungen gegen einzelne Reformen oder Umorganisationen dec Verwaltung geschwiegen. Gegenüber den Darlegungen, daß ihre eigenen Sparvorschläge zu einschneidend seien, wird sie später sicherlich und voraussichtlich mit Erfolg darauf Hinweisen können, daß nach dem Gutachten des Sparkommifsars noch viel weitergehende Sparmaßnahmen notwendig oder möglich sind, daß man daher ihr eigenes Sparprogramm als das kleinere Uebel betrachten und afjepHeten möge. Das Zentrum und Schacht. Entschiedener Widerstand gegen die sozialdemokratischen Forderungen. Berlin. 19. 3an. (SU.) Die „Germania" beschäftigt sich in ihrer Sonntagsausgabe mit den Ausfassungen, die die deutsche Abordnung bei ihrer RüÄehr aus dem Haag vorfindet. Dabei setzt sie sich auch mit den Forderungen der Sozialdemokratie bezüglich der Reichsban». auseinander und schreibt u. a.: „Wenn die Forderungen der Sozialdemokratie darauf abzielen, die finanzielle Autonomie der Reichsbank einzuschränken oder die Finanz- und Währungspolitik in den Partei- und tagespolitischen Strudel hineinzuziehen, dann muß man diesen Bestrebungen entschiedenenWiderstand entgegensetzen. Mit Parteistandpunkten kann man kein Reichsbankstatut machen. 3m übrigen will es uns scheinen, als ob die Sozialdemokratie bei ihrem Vorgehen doch das eine übersieht, daß Schacht trotz seiner persönlichen Eigentümlichkeiten in seiner sachlichen Arbeit ein Mann von großen Qualitäten ist. die er schon oft in der langen Zeit seiner Wirksamkeit in schwersten Momenten zum Wohl unserer Finanzwirtschaft erfolgreich eingesetzt hat. Das Reich soll einmal zeigen, daß es seinerseits eine gesunde Finanzpolitik zu machen imstande ist, und die Parteien sollen diesem Beispiel folgen. Dann wird manches besser sein und dann weichen manche Ausein- Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Ausgaben entschlossen sind. Zum erstenmal stehen wir unter dem Zwang, die Tribullast wirklich aus eigener Kraft aufbringen zu müssen ein Zwang, der sich zu unerträglicher Härte steigern kann, wenn wir angesichts der Ausschöpfung aller Steuerquellen die gefährliche schwebende Schuld von 1,8 Milliarden aboecken müssen. rförftad tich. werden im holet Scheitholz: Ducht nüppeV. Luche 27, le: Buche 36, Eiche 0, Eiche 1900. Son m Ausgebot: Fest. )uche 3.—5. ssl, 5, und 3. Klasse zirka fer 1; Raummeter : 17; Spalierholz: i; Stück Derbstangenr Spalier 700; Reisslängen 500. 4 Kreirstraße Lieh- lgeruyz. Januar 19_ ,ls* gen 1.$£ 52ßC 1: ’i: 6. „ 7- (Bohnen. ' H Kiefer 1,7, 8. Eiche 2 Ä ^efer üchte 3. A, W und Lchm. y ^r am 2ßaß>, 5 b« Distrikt Reu- Der „Goldstrom" aus dem Haag. Don unserer Berliner Redaktion. Uebertreibungen schaden immer mehr, als sie nützen. Wenn es dem Geschick des Reichsfinanzministers Moldenhauer im Haag gelungen ist, von der ersten Voung-Anleihe etwa ein Drittel, also 400 Millionen Mark f ü r Reichsbahn und Reichspost zu sichern, so besteht wirklich kein Grund, wie das in einer gewissen Presse geschieht, von Gvldströmen zu reden, die in die Kassen des Reiches fließen. Allerdings könnte die Reichskasse Goldströme gut gebrauchen, denn die Reichseinnahmen haben sich im Dezember viel ungünstiger entwickelt, als sich noch im Rovember voraussehen lieh. 3n den ersten drei Vierteln des Haushaltsjahres 1929/30 sind 6791 Millionen Mark her- eingekommen, was nicht entfernt dem Voranschlag entspricht. Es kommt weiter hinzu, daß ein Teil der Lohnsteuer, nämlich rund 125 Millionen Mark, der Reichskasse wieder entzogen werden, um sie der Knappschaftsversicherung und 3nva- lidenversicherung zuzuwenden. Die Hoffnung, daß der Monat 3anuar die Ausfälle decken könnte, zumal im 3anuar auch die Zahlungstermine für die Einkommensteuer, die Körperschaftssteuer und die Umsatzsteuer liegen, ist reichlich trügerisch, denn es hat sich inzwischen herausgestellt, daß am 10. 3anuar nicht entfernt die Beträge hereingekommen sind, die auf Grund des Voranschlages erwartet wurden. Selbst im Reichsfinanzministerium wird heute mit einem Fehlbetrag gerechnet, der hinter 600 Millionen Mark nicht weit zurückbleiben wird. Wir sind also trotz des Goldstromes aus dem Haag noch lange nicht über den Berg. Es steht sogar nicht einmal fest, ob die Reichsbahn trotz dieser Anleihe auf Tariferhöhungen verzichten kann. Hier ist immer wieder an die sehr ernsten Ausführungen zu erinnern, die die Reichsbahnverwaltung im Geschäftsbericht für 1929 gemacht hat: Rur die wichtigsten Oberbauanlagen konnten erneuert werden, während der weitaus größte Teil, der aber ebenso erneuerungsbedürftig ist, zurückgestellt werden muhte. Daß die Reichsbahnverwaltung dabei die Betriebssicherheit erwähnte. sollte erst recht zu denken geben, denn eine Verkehrseinrichtung, die nicht unter allen Umständen die Betriebssicherheit gewährleisten kann, schadet zehnmal mehr, als sie nützt. Ob die Reichsbahn nun zwei- oder dreihundert Mel- lionen Mark erhält, ist an sich belanglos. Denn in jedem Fall reicht die Summe nicht annähernd aus. um die Reichsbahn über alle betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten hinwegzubringen. Verzichtet die Reichsbahn auf Tariferhöhung, so wird ihr Betriebsbedarf im nächsten 3ahr nicht biel geringer sein. Es bleibt deshalb nach wie vor zu erwägen, der Reichsbahn andere Einnahmen zu^uleiten, zumal da ja in keiner Weise feststeht, daß sich die Auslandanleihe wiederholen läßt. Aus Kreisen der Wirtschaft ist hierfür wiederholt die Beförderungssteuer in Vorschlag gebracht worden. 3hr Ertrag ist im Haushaltsjahr 1929 30 mit 360 Millionen Mark vorveranschlagt, der wohl auch erreicht werden wird. Bisher mußten 293 Millionen Mark an den Generalagenten Parker Gilbert überwiesen werden, während der Lieberschuh glatt der Reichskasse zufiel. Da wohl nicht daran zu denken ist, die Besörderungssteuer ganz abzubauen, so muh wenigstens versucht werden, einen Teil für die Reichsbahn freizumachen. Für das Haushaltsjahr 1930/31 kommt das ja nicht mehr in Frage, was vielleicht zu ertragen sein wird, da ja die Reichsbahn mit dem zweifelhaften „Goldstrom" aus dem Haag rechnen kann Daß dieser Goldstrom auch zurückgezahlt Ire rben muß. daran sei nur beiläufig erinnert, ebenso daran, daß für die Verzinsung dieses Goldstroms 3ahr für 3ahr 12 bis 15 Millionen aufgewandt werden müssen, was also wieder die Ausgaben der Reichsbahn erhöht. Ob das Reich vorläufig auf den Ertrag der Besörderungssteuer verzichten kann, ist eine andere Frage. Der Rachtragshaushalt für 1929 muß die Deckung für einen Fehlbetrag von fast 600 Millionen versuchen. Rechnungsmäßig stehen hierfür die Ersparnisse aus dem Voung-Plan zur Verfügung, die sich aber nicht mobil machen lassen, well der größte Teil hiervon ja schon zu der Entlastung der Reichskasse von Parker Gilbert hergegeben worden ist. Es handelt sich aber um einen echten Fehlbetrag im ordentlichen Haushalt, der durch den Rückgang der Einnahmen entstanden ist, während auf der anderen Seite die Ausgaben noch gestiegen sind. Mit der schwebenden Schuld von 1,8 Milliarden Mark hat dieser Fehlbetrag also nichts zu tun, denn diese lastet nach wie vor auf der Reichskasse. Es ist sogar möglich, daß der Fehlbetrag sich noch weiter erhöht, sofern das Reich gezwungen ist, auch für Februar und März gleich hohe Beträge für die Arbeitslosenversicherung zur Verfügung zu stellen wie im 3anuar. Die angekündigten Steuersenkungen können wir also wohl abschreiben. Jedenfalls bietet sich für 1930/31 dafür kaum noch die Möglichkeit, denn der Reichshaushalt wird ja wohl erst Ende Februar zur Vorlage kommen. Da der Reichsfinanzminister Äroldenhauer heißt und nicht Hilferding, so ist auch damit zu rechnen, daß sich das Spiel vom Frühjahr 1929 nicht wiederholt, nämlich den Haushalt dadurch abzugleichen, daß die Steuereinnahmen willkürlich höher geschätzt werden. Ein echter Haushalt, der sich wirklich in Einnahmen und Ausgaben abgleicht, wird dem deutschen Volke jedenfalls zeigen, daß der Tribut schwer auf un§ lastet, daß er nur zu tragen ist, wenn wir auch zu einer Droffelung der die heiklen Probleme der Sanktionen und der Mobilisierung regeln konnten. Die Frage der Ostreparationen bezeichnete Tardieu als einen dunklen Punkt der Konferenz. Finanzminister E h 4 r 0 n hat dem Haager Berichterstatter des „Jntranstgeant" folgende Erklärung zum Abschluß der Haager Verhandlungen gegeben: Die Verfasser der Genfer Entschließung wollten eine vollständigeundendgültige Regelung der Reparationsfrage. Das ist erreicht. Was die neuen Abkommen charakterisiert, ist, daß sie nicht mehr auf dem Zwange des Gläubigers gegenüber dem Schuldner beruhen, sondern in einem gewissen Maße auf der Vereinigung ihrer Interessen. Die Mobilisierung des Glaubigeranspruches ist nunmehr sicher. Man kann sagen, daß sie für eine erste Tranche feststeht. Das Problem der Reparationen geht vom politischen auf komm er- ziellesGebiet über. Die französische Delegation glaubt annehmen zu können, daß sie m i t R u tz e n für den Frieden der Welt gearbeitet hat. Was im Haag erreicht wurde. Die amtliche Auffassung Haag, 18. 3an. (DTB.) Ein ileberblid über die finanziellen Regelungen der zweiten Haager Konferenz, die bittet einzeln festgestellt worden sind, ergibt die Verwirklichung bzw. Aufrechterhaltung des dem Voungplan zugrundeliegenden Gedankens, wonach das Reparationsproblem künftighin auf eine rein wirtschaftliche Grundlage gestellt wird. Das kommt zum Ausdruck in der Beseitigung mehrdeutiger Stellen des ursprünglichen Planes, von denen eine, diejenige des Zahlungstermines, zwar im Sinne der Auslegung der Gegenseite geregelt wurde, aber nicht als eine Abänderung zu betrachten ist. Der Wegfall fremder Kontrolle und Pfandrechte ist gegenüber Bemühungen zur Abänderung des Planes zu unseren Ungunsten sichergestellt. Die Bedeutung des beratenden Sonderausschusses und seiner uneingeschränkten Befugnisse ist hervorgehoben worden; eine Mithaftung der Reichsbahn ist nicht nur vermieden, sondern hundert Jahre besessen haben, auch jetzt in vollem Umfange aufrecht erhalten werden müsse. 9m Interesse der Konzentrierung wirtschaftlicher Arbeit werden für die gemeindliche wirtschaftliche Betätigung in erster Linie diejenigen Betriebe in Betracht kommen, bei denen der volkswirtschaftliche Nutzen für die Allgemeinheit größer ist als im Privatbetrieb. Die Versorgungs- und Ver- kehrsunternehmungen sind auf alle Fälle im kommunalen Besitz und in voller Leistungsfähigkeit zu erhalten. Der Arbeitsplan des Reichstags. Am 7. Februar Beratung des Aonngplans. Berlin, 19.3an. (VDZ.) Der Aeltestenrat des Reichstages beschloß, daß der Reichstag in seiner ersten Sitzung nach der Weihnachtspause am 23. 3anuar zunächst nur die erste Lesung des Zündholzmonopolgesehes und der Kreuger-Anleihe vornehmen soll. Am Freitag und Samstag soll dann der Haushaltsausschuh dieses Gesetz weiter beraten. Am Montag und Dienstag der folgenden Woche würde dann das Plenum die zweite und dritte Lesung dieser Vorlage vornehmen können. Andere Gegenstände will der Reichstag vor dem Voung-Plan nicht mehr in Angriff nehmen. 3n parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß der Voung-Plan etwa am 7. Februar, nachdem er den Reichsrat durchlaufen hat, dem Reichstag zur ersten Beratung vorliegen kann. Es besteht allerdings der Wunsch, den Voung- Plan dann schon spätestens bis zum 15. Februar zu verabschieden. Erst wenn dieses Werk vollendet ist, würde sich dann der Reichstag mit dem Republikschutzgeseh, dessen zweite Lesung im Ausschuß unmittelbar bevor steht, dem Rachtragshaushalt für 1929 und schließlich dem Gtat für 1930 beschäftigen, deren Gestaltung noch von der endgültigen Form des Boung-Planes abhängt. aller übrigen Forderungen, insbesondere derjenigen der Kirche und der Erzherzöge in Ungarn, ferner der Eisenbahnen, also insbesondere für die Forderungen an die Tschechoslowakei, bestimmt ist. Dieser Vorschuß soll nach dem 3ahre 1966 von Ungarn durch Amortisation verzinst und getilgt werden; über die Modalitäten dieser Regelung wird jetzt mit den Großmächten zusammen beraten. 3. Für alle Rechtsstreitigkeiten aus dem Artikel 250 des Vertrages von Trianon bleiben weiter die gemischten Schiedsgerichte zuständig; jedoch wird der 3nternationale Schiedsgerichtshof im Haag als Appellationsinstanz hinzugefügt, der über die Zuständigkeit der gemischten Schiedsgerichte in allen noch umstrittenen Kompetenzfragen über die übrigen Fälle der Sache nach, in zweiter 3n- stanz entscheiden soll. Die übrigen Ostmächte tragen zu dieser Regelung in der Form bei, daß sie auf ihre Forderungen an Ungarn verzich ten. Gelingt es, zu dieser Vereinbarung die Zustimmung aller Beteiligten zu erreichen, so wird das Vertragswerk vom Haag alle Unterschriften der Beteiligten für sämtliche hier zu erledigenden Fragen tragen. Die Franzosen sind zufrieden. Tardieu und Ebsron über das Ergebnis vom Haag. London, 19. Jan. (WB.) Der französische Ministerpräsident Tardieu ist heute vormittag zur Teilnahme an der Flottenkonferenz hier e i n getroffen. Er hat heute abend eine Unterredung mit Premierminister Macdonald. Ein Mitarbei- ter des „Echo de Paris" berichtet über folgende Erklärungen, die Tardieu gestern abend, bevor er in Rotterdam das Schiff bestieg, abgegeben hat: Von Anfang haben an Briand und ich im Ein- Verständnis mit Snowden erklärt, daß nichts, was auf der August-Konferenz entschieden wurde, in Frage ge st eilt werden dürfe. Ich muß der Loyalität der deutschen Delegierten Anerkennung zollen. Unsere Beziehungen waren so ausgezeichnet, daß wir direkt mit den Reichsministern itinn rbeck Slawen rfel L, l02A Die Erledigung des Programms. Am )!ontag feierliche Schlußsitzung. Haag, 19. Jan. (WB.) Die Sitzung des Komitees für deutsche Reparationen, an der die sechs einladenden Mächte und die kleineren Mächte teil- nahmen ist heute vormittag um 11,15 Uhr nach mehrfachen Verschiebungen zustande gekommen. Sie dauerte nur etwa eine halbe Stunde und endigt« mit einer vollkommenen Erledigung des Konferenzprogramms und derZustimmungzur Unterzeichnung der Schlußakte, die heute nachmittag in feiert icher öffentlicher Sitzung vor sich gehen wird. In der heutigen Sitzung machten die Tschechoslowakei und Portugal kleine Vorbehalte für ihre Unterzeichnung, die sich im ersteren Falle auf die Regelung der Liquidations- frage, im zweiten auf Formalien bezogen; eine Bedeutung für die Unterzeichnung selbst haben sie nicht. Es wird erwogen, ob, wie bei der vorigen Haager Konferenz, nur der Vorsitzende Jaspar allein in einer größeren Rede die Konferenzergebnisse würdigen und ein anderes Mitglied der Konferenz deren Dank abstatten soll, oder ob auch einzelne Konferenzdelegierte Schlußreden halten sollen, was den Verlaus des Aktes wesentlich verlängern wurde. Die Rheinlandräumung. Spätestens bis zum 30. Juni vollständig und endgültig. Haag. 18. 3an. (Funkspruch.) Tardieu hatte am Samstagabend kurz vor seiner Abreise nach London noch eine private Unterredung mit Dr. Eurtius, in der vermutlich zum ersten Male im Verlaufe der Haager Konferenz auch die Räumung des Rbeinlandes auf der Grundlage deS Rotenwechsels zwischen Dr. Strese- mann und Bricmd auf der ersten Konferenz zur Sprache gelangt ist. — Von deutscher Seite wird über die Unterredung lediglich mitgeteilt, daß sich an der im Rotenwechsel vorgesehenen Lage nicht das Geringste geändert habe. Der Roten- wechsel vom August sieht bekanntlich vor, daß Frankreich das Rheinland acht Monate nach der Ratifizierung des Voungplanes vollständig und endgültig zu räumen habe, spätestens jedoch bis zum 3 0. 3 u n i 1 9 3 0. — Die Saarfrage ist im Verlaufe der zweiten Haager Konferenz, wie von deutscher Seite mitgeteilt wird, lediglich zu Beginn der Konferenz anläßlich des ersten Besuches Eurtius' bei Bri- and zur Sprache gelangt. Grundsätzliche Einigung über die Ostreparationen. Haag, 19. 3an. (WTB.) 3n der Frage der Ostreparationen ist in der heutigen Abendsitzung eine grundsätzliche Einigung erzielt worden. Die Einigung hat sich auf folgender Linie vollzogen: 1. Ungarn zahlt vom 3ahre 1943 ab bis 1966 jährlich 13,5 Millionen Goldkronen in den ersten Fonds, der für die Abdeckung der Ansprüche ungarischer Geschädigter aus den rumänischen und jugoslawischen Do - denreformgesehen bestimmt ist. 2. 3n den zweiten Fvnds sollen die Großmächte einen Vorschuß von etwa 100 Millionen Goltzlronen einzahlen, der für dieAbdeckung Weigerung- W'SX Wld Sur 506D Sl. std-'/pS 38,24 IlN, z im; 8-SL 14 ' 502'n'; tzK i * 78 torfliWL5' Butzba^ r A Förster inttk. 2. Hard Stangen). tersteigemng Sladlm-ld-. itaifaule werden am innuar 1930, vor- « 800, 51 .sbedinMt"' uar 193°- . .(»*«'w die Reichsbahn ist gegenüber dem Plan selbst noch mehr in den Hintergrund getreten. Ein Versuch, die Rerchsbank nut bezug aus eine 600-RIillionen-Grenze sür den Schatzwechselkredit des Reiches festzulegen ist ab* gewehrt worden,' in bezug auf das Moratorium und die Rachzahlung ist em Zusatz eingeschoben worden, wonach die Befugnisse des beratenden Ausschusses für diesen Fall uneingeschränkt bleiben. Die Ilebergangs- be stimm ungen, die auf der ersten Haager Konferenz dem Generalagenten die Mogllchcett der Gewährung von Erleiterungen an das Reich durch Kredite gaben und die im Dezember bis 31. Januar verlängert worden sind, haben lich eine Verbesserung noch dahin erfahren bah Liese Pflicht dem Generalagenten neuerdings und mit der Erweiterung durch andere Erleichterungen nach Annahme des Paungplanes auferlegt worden ist, und zwar ohne eine Fristsetzung, was eine materielle Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet. Oie Erhöhung der Tabaksteuer Die Auswirkungen auf den Kleinhandel. Berlin, 18. Jan. (WB ) Durch Gesetz zur Aen- derung des Tabaksteuergesetzes vorn 22. Dezember 1929 sind die auf Tabak und Zigaretten liegenden Steuern erhöht worden. Artikel 5 des Gesetzes sieht vor, daß die Reichsregierung Maßnahmen treffen soll, um eine wesentliche Erhöhung der Kleinhandelspreise und eine unbillige Beschränkung des Han- delsnutzens bei Zigaretten auszuschließen. Es hat daher das Reichswirtschaftsministerium nach einigen vorbereitenden Einzelbesprechungen mit Vertretern von Industrie und Handel zu einer gemeinschafllichen Besprechung der zahlreichen Streitpunkte eingeladen, die zwischen den Hauptstufen der Zigarettenwirtschaft bestehen. Die sehr stark besuchte Versammlung hat am 18. dieses Monats stattgefunden. Eine vollständige Klärung der Verhältnisse hat sich trotz der ausgedehnten Aussprache noch nicht ergeben. Es ist daher ein Arbeitsausschuß gebildet worden, in dem die offen gebliebenen Fragen tunlichst rasch gelöst werden sollen, damit eine Regelung gesunden werden kann, die einen möglichst großen Teil der Zigaret- tenwirtschast befriedigt. Kommunistenrevolte in Dortmund. Umgehung des Temonstrationsverbots. Dortmund. 19. Jan. (WTD.) Anscheinend vom kommunistischen Ruhrkongreß in Essen zu- rückgekchrte Kommunisten versucht.-n heute abend, unter Führung des L a n d t a g s a b g e - ordneten Duddins auf dem Hansaplah eine Versammlung abzuhalten. Hinzukommende Polizeibeamte vereitelten diesen Versuch. Daraufhin zogen die Kommunisten geschlossen in westlicher Richtung ab. Das Tlebersallkom- mando wurde alarmiert, löste den Zug auf und versuchte die Demonstranten zu zerstreuen. Dabei wurde ein Beamter von den Kommunisten angegriffen und zu Boden geworden. Es gelang der Polizei, die Haupträdelsführer. unter diesen ayd> den Landtagsabgeordneten Duddins, fest zunehm en. Von 15 Fest- genommenen wurde ein Kommunist in Haft bemalten. Ein Teil der Demonstranten sammelte sich später in einem anderen Teile der Stadt. Auch dieser Demonstrationszug wurde von der Polizei aufgelöst. Wie man der Lustfahrt helfen kann. (Line Lotterie nach dem Beispiel der Türkei. Berlin, 18. Jan. (Priv.-Tel.) Die Not und Sorge, in der sich die deutsche Luftfahrt und die deutsche Luftfahrtindustrie durch die eingeleiteten Sparmaßnahmen befindet, hat schon zu allen möglichen Versuchen und Vorschlägen einer Neubelebung geführt, die sich jedoch immer wieder als unzureichend herausgestellt haben. Es erscheint infolgedessen zweckmäßig, auf eine Einrichtung hinzu- weisen, die in der Türkei seit einiger Zeit mit großem Erfolg geschaffen worden ist, und mit deren Hilfe der nationale Luftverkehr nach großzügigen Gesichtspunkten ständig weiter ausgebaut werden kann Dort hat der Staat eine Lotterie nach dem Vorbild der Preußisch-Süddeutschen Klasfenlot- terie geschaffen, deren Uederschüsse als regelmäßige Subventionen an d i e Luftverkehrsgesellschaften ab geführt werden. Die Einkünfte aus dieser Einrichtung sind recht erheblich, wohl auch deshalb, weil diese Lotterie das einzig erlaubte Glücksspiel in der Türkei ist, und neben ihr feine zweite staatlich konzessionierte Lotterieeinrichtung besteht. In deutschen Luftsahrtkreisen, aus denen die Anregung für die Schaffung auch einer deutschen Luftfahrtlotterie ergangen ist, steht man fast einmütig der Durchführung eines solchen Planes sympathisch gegenüber, es ist infolgedessen zu erwarten, daß man sich auch behördlicherseits in Kürze mit entsprechenden Vorschlägen beschäftigen wird. Auftakt zur Ilottenkonserenz. Morgen Eröffnung London, 20. Januar. (WT2. Funkspruch.) Heute vormittag findet in Downingstreet 10 eine Sitzung aller Delegierten zur Flottenkonferenz statt, um baä vorläufige Programm für die erste Plenarsitzung zu erörtern. Der König trifft heute vormittag aus Sandringham in London ein. Um 3.30 Uhr empfängt er im Bücking- hampalast die Mitglieder der fünf Delegationen. Danach hält er einen Kronrat ab. Morgen eröffnet der König im Oberhaus die Flottenkonferenz und fährt danach sofort nach Sandringham zurück. Die Reden des Königs und der Führer der verschiedenen Delegationen werden über die ganze Welt durch Rundfunk verbreitet werden. Heute abend nehmen die Delegierten an einem Regierungsbankett im Savoyhotel und danach an einem Empfang im Lancasterhoufe teil. Italiens Standpunkt in London. Keine Verewigung des Ltatus quo. R o m, 19. Jan. (Tel.-Un.) Lange hat keine internationale Tagung mehr so sehr die Aufmerksamkeit der italienischen Oeffentlichkeit erregt wie die Londoner Flottenkonferenz. Italien, so erklärt der „Popolo di Roma , hat in London durch König Georg. seine Zukunft und den mühsam errungenen Platz einer Großmacht zu verteidigen. Es darf und wird auf dieser .Konferenz nicht zurückgeseht hervorgehen. Man habe von der Isolierung dieser und jener Macht, von bereits erfolgten Teilabkommen, von unversöhnlichen Thesen und von bestimmten Punkten gesprochen, von denen gewisse Regierungen nicht abzugehen gedenken. Wenn das alles zu- träfe, wäre die Konferenz gestorben, ehe sie geboren sei. Es ginge nicht, daß England und Amerika bereits ihr gegenseitiges Flottenverhältnis f e st g e s e tz t hätten, genau wie es unrichtig sei, zu behaupten, daß der französische und italienische Standpunkt unangleichbar seien. Aber die Konferenz sei einberufen für einen zwar iwd> nicht zugegebenen, aber völlig durchsichtigen politischen Zweck, nämlich für eine lange Zeit eine Rangordnung unter den Seemächten festzustellen und die gegenwärtige Lage der Schwachen und der Starken so erstarren zu lassen, daß die Schwachen nicht über kurz oder lang die Reichen oder Starken bedrohen könnten. Dieses überaus imperialistische Ziel könne von Italien nicht gebilligt werden. Das LiqmdationsabkomMen mit polen. Aeußerst bedenkliche Zugeständnisse an polen. — Mangelhaster Schuh der deutschen Interessen. Berlin. 18. Jan. (TU.) Das deutsch-polnische Liquidationsabtommen. das infolge der Aengstlichkeit, mit der die amtlichen Stellen seinen Inhalt geheim halten, besonderes Interesse für die Oeffentlichkeit hat, umfaßt, wie die Tele° graphen-Union erfährt, rund drei Seiten, während die zum Abkommen gehörigen Rebenavreden etwa neun Seiten umfassen. Im Liquidationsabkommenverzichtet Deutschland auf alle finanziellen Ansprüche, die es gegen Polen hatte, fo u. a. auf die Entschädigungsforderungen des preußischen Staates, Entschädigungsansprüche aus den verschiedenen zu Unrecht erfolgten Liquidationen, sowie Ansprüche Deutschlands aus den Prozessen, die vor den internationalen Gerichten geführt wurden und zu einer Verurteilung Polens führten (z. B. Chorzow). Dies geschieht unter der Bedingung, daß die Polen weitere Liquidationen unterlassen. Die bisherigen Instanzen zur Beilegung von deutsch-polnischen Reparationsstreitigkeiten, wie z. B. das deutsch-polnische Schiedsgericht in Paris, werden in Zukunft beseitigt. Das Liquidationsabkommen ist „ne varietur“ geschlossen worden, das heißt also, daß das Abkommen so, wie es ist, vom Reichstage angenommen oder abgelehnt werden muß. Dies gilt hingegen nicht für eine Reihe von Nebenabreden, die für das Schicksal der in Polen verbliebenen deutschen Minderheit die allergrößte Bedeutung haben. Leider scheint es, daß in diesen Rebenabreden d e v deutsche Standpunkt sehr wenig gewahrt ist. So gesteht Deutschland den Anspruch, daß das Wiederverkaufsrecht gegenüber deutschen Bauernsiedlungen auf Polen übergegangen sei, indirekt zu, indem ein Brief der polnischen Regierung zur Kenntnis genommen wird, der einen nur teilweisen Verzicht auf die Ausübung des Wiederverkaufsrechtes enthält. Damit bleiben etwa 120 000 Deutsche polnischer Willkür ausgeliefert. Des weiteren soll Deutschland auf die Weiterverfolgung der sogenannten Raumann- Graebe-Petition vor dem Völkerbund verzichten. Es handelt sich hier darum, daß die polnische Regierung Stiftungen, Wohlfahrtsinstitute usw., die der deutschen Minderheit gehörten, enteignet hatte mit der Begründung, daß juristische Personen nicht unter Minderheitenschutz fielen. Obgleich es sich hier um eine krasse Verletzung des Minderheitenrechtes durch Polen handelt. soll Deutschland auf die Weiterver- solgung dieser Ansprüche verzichten. Weiter ist mit Polen vereinbart worden, daß das Rückkaussrecht vom polnischen Staat in den Fällen geltend gemacht werden kann, in denen der Erbe ein Verbrechen oder Vergehen (franz, „crime ou delit“) begangen hat. Polen versteht aber unter „Vergehen" zum Beispiel auch einfache Verstöße gegen Gesetze jeder Art, sowie solche Vergehen, die eine Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben. Eine derartige Strafe wird zum Beispiel gegen einen Angehörigen der deutschen Minderheit ver° Hl. Tag im KammerspieWlus. Gastspiel Tenia Maria. Der 3. Tag des vom Stadttheater gemeinsam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspielzytlus brachte ein Gastspiel von Senta Maria, 2Jlüm chen. Sie faßt ihr Programm unter der Bezeichnung „Getanzte Pantomimen" zusammen. Ihre Vorführungen stellen, ästhetisch betrachtet, ein Kompromiß dar. Sie kommt wohl von der lßig= manschule her: aber sie steht, wenn man das Wesen ihrer Darbietungen erfassen will, im scharfen Gegensatz etwa zur ißalucca. Deren Stil war, wie man sich erinnern wird, auf möglichste Abstraktion, Entfernung vom Stofflichen und Gegenständlichen gerichtet: ihr Tanz war absolut. Die Tänze der Senta Maria, sind, soweit man sie als Tänze im strengen Sinn bezeichnen kann, Ausdruck, Vermittlung, Mittel zum Zweck. in der Stimmung: endlich das „Geständnis im Tempel", eine wie für den Film geschaffene Soloszene. * Am Abend gab es eine Wiederholung der Morgenfeier mit teilweise neuem Programm. Die hier gezeigten Leistungen bestätigten im wesentlichen die Eindrücke vom Vormittag: starke schauspielerische Begabung, insbesondere für heitere Sujets. * Im einzelnen: die „Kriminalaeschichte" von Streuet ergab eine ziemlich handgreifliche Mimik mit groteskem Einschlag. „Angst" (von Zilcher) geriet schauspielerisch sehr eindrucksvoll, blieb aber tänzerisch belanglos. Eine heitere, leicht ironisierende Szene, mit hübschem Kostüm: das „Menuett zu Dreien", Musik von Bizet. Dagegen blieb schwach, tänzerisch und mimisch gleichermaßen unausgefüllt der „Choral", ein Versuch am untauglichen Objekt. Die reifste Leistung des Abends bildete als sehr gut erfaßte, gotische Bewegungsstudie: „Vor der Mater Dolorosa" (Musik von Janacek). Ihre Leistung steht also etwa in der Mitte zwischen reinem Tanz und stummer Pantomime. Der Akzent liegt aber durchaus im Pantomimischen, 'licht im Tänzerischen. Anders ausgedrückt und auf ihre Form bezogen: sie tanzt gewissermaßen „oben". Was sie gestaltet, gestaltet sie mit dem Gesicht und den Händen, mit der bewegten oberen Körperhälfte. Diese Akzentverschiebung scheint auf eine Entscheidung zwischen den beiden Elementen ihrer Ausdrucksgestaltung zu drängen: Entscheidung zwischen Tanzausdruck und Schauspielausdruck. Eine Verschmelzung beider Elemente gelingt nur unvollkom men, ist vielleicht überhaupt nur in ganz seltenen Fällen auf der Höhe eines reinen Kunstwerkes möglich. (Man muß, um alle Begriffsverwirrungen und Wertoerschiebungen möglichst zu vermeiden, sehr strenge Maßstäbe anlegen.» Die entschiedene Begabung der Senta Maria scheint uns auf eine schauspielerische, nicht tänzerische Gestaltung hinzuweisen: möglicherweise, unter Ausschaltung einer stimmlichen Formulierung, aus den stummen Film. Dafür sprechen die gelungensten Leistungen im Programni der Morgenfeier: „Ein sizilianischer Fischer erzählt Märchen" (schon die Fassung des Themas ist vollkommen untänzerisch; es handelt sich Hier um ein unmißverständlich episches Motiv): dann das „Phantom im Nebel", originell und einheitlich Am Flügel wirkte Kapellmeister Alfred W a n e ck , von der Akademie der Tonkunst in München, als diskreter Begleiter. — Es gab starken Beifall und mehrere Wiederholungen. —y— Das letzte Original vom k. u. k. Feldherrnhügel. Run ist, wie aus Wien berichtet wird, auch der „a 11£ Galgotzh" tot, der populärste General der österreichisch-ungarischen Armee, ein ganzer Kerl und ein ulkiges Huhn zugleich, der Held österreichischer Militär-Tonfilme, wenn die Filmautoren bis dahin diese famose Gestalt für ihre Zwecke entdeckt haben werden. 92 Jahre ist er alt geworden. Aber seine „Streiche", wenn man sie so nennen darf, sichern ihm über das Grab hinaus eine Berühmtheit, deren sich außer Prinz Eugen kein österreichischer Heerführer erfreuen konnte. Richts mochte der alte Soldat weniger leiden als die sogenannte Vielschreiberei, weitschweifige Berichte und Abrechnungen, wie sie im alten und im neuen Oesterreich noch immer üblich find. Galgohy war der Erbauer der berühmten Straße, die entlang der alten herzegowinischen Grenze führte Diese Straße wurde in kürzester 3eit und mit den geringsten Kosten und in der denkbar besten Ausführung hergestellt. Eine vorschriftsmäßige Abrechnung über die aufge- toenöeten Gelder war von Galgohh nicht zu erreichen. Alles, was er der drängenden Intendanz mitteilte, war: „Soundsoviel tausend Gulden erhalten, soundsoviel tausend Gulden aus- gegeben, bleiben 700 fl, die anbei zurückfolgen." Unterschrift. Eine letzte, dringende Warnung der Intendanz, doch genauere Rechnung vorzulegen, beantwortete er mit der gleichen Kürze, nur, mit dem Zusatz: „Wer es nicht glaubt, der ist ein Esel! Gruß Galgotzy." Mit dieser groben Antwort wollte man ihm höheren Orts einen Strick drehen. Denn bei der hohen Militärbureaukratie war dieser General alles weniger denn beliebt. So unterbreitete man Galgotzhs Bescheid dem alten Kaiser in der Annahme, Majestät werde sich mit einer derartigen „Abrechnung" unmöglich zufrieden geben können und damit notgedrungenerweise den ominösen Esel auch auf sich beziehen müssen. Folge: Abberufung, Kaltstellung oder Pensionierung Galgotzhs. Aber Franz Joseph bewies mehr Humor, als man ihm zutraute. Denn er schrieb auf den Akt kurz und bündig die Randbemerkung: „Ich glaube es! Empfehle den Herren der Intendanz, das Gleiche zu tun." Böse sprang Galgohy mit den kaiserlichen Prinzen um. Als er als kommandierender General in Przemysl einmal vor den ihm unterstellten Offizieren eine Aebungskrilik abhielt und der damalige Divisionär Erzherzog Leopold (später Wölfling) zu feinem Rachbar eine leise Bemerkung machte, hielt Galgohy inne und meinte bann unverblümt: „Hoheit! Wenn ich eine Besprechung halte, dann halten die anderen bas M - , keine Besprechung will ich sagen!" Als derselbe Prinz einmal eine Hebung geleitet hatte, deren Kritik Galgohh oblag, fällte er folgendes, klassische Urteil: „M ög 1 ich waren nur zwei Losungen der gestellten Ausgabe. Aber Kaiserliche Hoheit haben natürlich die dritte gewählt!" Sehr luftig war ein Renkontre, das er mit dem österreichischen Thronfolger hatte. Eines Tages sagte sich Erzherzog Franz Ferdinand zu einer Galaparade für 9 Uhr früh an. Galgotzy erschien gemächlich um ’/210. Der Thronfolger zog demonstrativ die Uhr und meinte vorwurfsvoll: Exzellenz! Es ist schon VtlO.“ Daraus Galgotzy mit unerschütterlicher Ruhe: Schmeißen S Ihre Uhr weg, Kaiserliche Hoheit, auf meiner Uhr iü halber zehn und die geht richtig!" Als Generaltruppeninspektor fiel hängt, wenn er sich abfällig über irgeirbeme polnische Staatseinrichtung geäußert hat. Der polnischen Auslegungswillkür ist damit Tor und Tür geöffnet. Des weiteren soll Deutschland daraus verzichten, die Rechte der Optanten geltend zu machen, die bekanntlich von Polen seinerzeit widerrechtlich enteignet und ausgewiesen worden sind und denen die Wiebereinreise nicht gestattet wird. Auch das sogenannte R i e - derlassungsabkommen schafft hier keine Abhilfe, da die Ausübung einer landwirtschaftlichen Tätigkeit in Polen Deutschen in dem Riederlassungsabkommen untersagt ist. Besonders schlecht sind die Optanten in Erbfällen gestellt, da die Rückkehr von Erben nach Polen im Rieder- lasfungsabkommen nicht vorgesehen ist. Völlig vergessen ist offenbar bei den Rebenabkommen eine Abrede, wonach in die Einstellung aller Liquidationen auch die Einstellung aller schwebenden Verfahren gegen Optanten einzubeziehen ist. Offengeblieben ist ferner die Frage, welche Schiedsinstanz an die Stelle des aufzuhebenden deutsch-polnischen Schiedsgerichts in Paris treten soll. Die Verträge sind..im übrigen so abgefaßt, daß sie alle möglichen Auslegungen zulassen, obgleich ein Jurist des Berliner Auswärtigen Amtes an ihrer Formulierung in Warschau mitgearbeitet hat. Die Rebenabreden stellen somit in der geplanten Form keinen ausreichenden Schutz für die deutschen Minderheiten in Polen dar. Auch während der Genfer Verhandlungen ist es nach zuverlässigen Informationen weder dem deutschen Gesandten Rauscher in seiner Verhandlungen mit dem polnischen Gesandten Knoll, noch Staatssekretär Schubert in seinen Verhandlungen mit dem polnischen Außenminister Zaleski gelungen, irgendwie nennenswerte Verbesserun-- gen zu erreichen. Die Verhandlungen sollen bekanntlich in Warschau zusammen mit den Verhandlungen über den Handelsvertrag fortgeführt werden. Ostpreußen gegen die polenvertrage. Beschlüsse des Königsberger Provinziallandtags. Königsberg, 18. Jan. (WTD.) Der Pro- vinziallandtag der Provinz Ostpreußen hat den von der Zentrumspartei eingebrach t 'n Antrag angenommen, der die Erwartung ausspricht, baß das Liquidationsabkommen mit Polen und ebenso der in Aussicht genommene Handelsvertrag eine solche Gestaltung erfahren, baß die 5 nie re ff en Ostpreu - ßens nicht beeinträchtigt werden. Dazu erklärte der Abgeordnete Graf Kanih. er hoffe, baß der Deutsche Reichstag nicht einen Vertrag ratifizieren werde, der Ostpreußen schädigt. Weiter wurde ein Antrag des nationalsozialistischen Abgeordneten Koch angenommen, die Reichs- und Staatsr^gierung zu ersuchen, keine Verträge weder wirtschaftlicher noch politischer Ratur mit Polen abzuschließen und alle Verzichte auf deutsche Ansprüche in Polen zu unterlassen. Rußland verstärkt die Gchwarzemeerstotte. Zwei Sowjetkreuzer passieren den Bosporus Moskau, 20. Jan. (Tel.-Un.) In ausländischen diplomatischen Kreisen wird die Entsendung der zwei russischen Kreuzer „P a r i s ch s k a j a K o m m u n a" und „P r o f i n t e r n" aus der baltischen Flotte nach dem Schwarzen Meer eingehend besprochen. Man erklärt, daß diese Verschiebung einen großen politischen Schritt der Sowjetunion im nahen Osten bedeute. Die russische Regierung stehe auf dem Standpunkt, daß sie i m Baltischen Meer ge- niigend Seestreitkräfte besitze, um ihre * Grenze vor einem Ueberfqll durch die Nachbarstaaten dem General auch öfters die unangenehme Aufgabe zu, pensionsreife Kameraden von ihrer bevorstehenden Uebersehung in den Ruhestand zu verständigen. Es war üblich, derartige unangenehme Botschaften den Betroffenen „höchst scho- nungsvoll" beizubringen. Galgohy tat dies auf seine Art, indem er den hohen Offizieren stets sagte: „Mein lieber Alter! Einer von uns beiden, Hör ich, soll in Pension gehen. Ich bin es nicht, bleibst also nur d u — also servus!" Als Korpskommandant in Przemysl bemühte sich Galgohh lange Zeit vergeblich, die Gemeinde zur besseren Instandhaltung der Straßen zu veranlassen. Aber der polnischen Sauwirtschaft war einfach nicht beizukommen. Im Frühjahr, als die Straßen ein einziges Kotmeer bildeten, erhielten die Bürgermeister und die Stadträte eines Tages unerwartet eine Einladung zum Mittagessen beim Kommandierenden. Zur festgesetzten Stunde fuhren die Stadtvätrr vor dem Kommando vor, in Frack und Lackschuhen, versteht sich... Doch Galgotzy erwartete seine Gäste schon vor dem Haustor. In hohen Reitstiefeln... „Grüß Gott, meine Herren! Wir haben noch a bisserl Zeit bis zum Essen. Möchten <5’ mich net a wengerl auf einem kleinen Spaziergang durch die Stadt begleiten?" So empfing sie mit strahlender Liebenswürdigkeit der General und führte sie dann erbarmungslos eine Stunde lang im tiefsten Straßen- tot umher, daß die ehrsamen Stadtpäter schließlich wie Kanalräumer aussahen. Aber diese derbe Lektion hatte die allerbeste Wirkung. Als Galgohy sich zu einer romantischen Liebesheirat entschloß, ließ er den Feldsuperior zn sich kommen und teilte ihm mit: „Ich fahre auf acht Tage weg und will in der Zwischenzeit heiraten. Verstanden? Führen Sie das Aufgebot durch! Aber es darf niemand etwas davon erfahren!!" „Exzellenz! Das ist ganz unmöglich. Ein Aufgebot muß..." „Abtreten!" schnitt Galgohh dem Feldsuperior das Wort ab. Rach acht Tagen erkundigte er sich bei ihm: „Haben Sie meinen Befehl ausgeführt?" „Jawohl, Exzellenz", lautete die stramm militärische Antwort des Armeepredigers, „ich ließ eine Halbkompognie Ruihenen in die Totenkammer marschieren und habe ihnen das Aus- gebot deutsch verlesen....!" übet . ^toiejen V ?,e einreif??tben Nnam»^'cht fjX>fft h^r L' Lla*>Ä ZD "Mbk» ^dsgeNcht»'^ *® Jurist ^ »«honen w ln feiner Der- Gesandten AnoIL Dcrhanü. dlN'msier Zalefki Jjjfe ^tbefkrun- Eungen kflm be. jyi den Per- Vertrag fortgeführt Ben »Verträge. r mjiailandiagS. iDTD.) Der Pro- Ostpreußen Hut den gebrachte Mao ing ausfpricht, dch kommen mit MW genommene )sch: ®?ftalhmg er- \\ en Ostpreu- ächtigt werben. >ek Dras Kanih, >e Reichstag nicht zieren toccbc. der : wurde ein Antrag Abgeordneten Koch und Staatör.gierung äge weder wirt- litischer Aotur liehen und alle Ansprüche in Polen >rM nerchvtte. veuzer tzotzpornS. ,-Un.) 3n ausländischen die Entsendung der zwei hskaja Kommun a »er baltischen Flotte »och r eingehend besprochen. Schiebung einen Men eiunion im nahen Osten lieruna stehe °us den. -ltisch-nMeer^ ste besitze, um W lurch die Nachbarstaaten ie unangenehme Auf- s reraden von i&rtr «' in Sen Mestand W d), derartige uE troffenen | JalgoW tat dies aus , ohen OMerm W ! . Einer von un» (0U in P-nstv t , bleibst also nur d° >"Vf tot cin 3er und die tirflerm,u eiw Ein. verwartet uhrcn d.e «« Qfld, •ffS »s s-M •jSfc te'ss? cht De'ehl au di- »f ^"^»redig^< /Toten' * Masten. Äöst; Clermont' iruna Sonntaq, ig.Januar. 1930, S'Tnqs "K,Z^ wen L®‘J irQi perim burtstag. Das Konihiystist in Bad-Nauheim im allgemeinen und Aus aller Welt. Die Ford-Niederlassung für Köln. Die die „Telegraphen-älnion" zuverlässig er- | fährt, ist nunmehr der Auftrag zur Ausfüh- I r u n g des Baues für die vielumstrittene Kölner Ford-Riederlassung endgültig vergeben worden. Mit der Ausführung des Mil- ii: en-Planes, der im Kölner Industriegeländc l.p. J'bein bereits in allernächster Zeit in Anis'' genonnnen worden wird, ist der Essener Architekt Pros. Edmund Körner betraut wor- . ii. Bon Kölner städtischer Seite erfährt die T. il." dazu weiter, daß die Verhandlungen mit .;cYb am Samstag z u einer (Einigung ge - ■ u b r t haben, und daß der Vertrag von ter SiaSt Köln mit diesem älnternehmen abgeschlossen worden ist. Wie verlautet, wird, wenn auch der Essener Architekt Prof. Körner den Auftrag ?-ir Errichtung des Baues bekommen hat, die Ausführung der ganzen Arbeiten a u ss chl i eh- l i ch Kölner Firmen überlassen bleiben. Es dürfte dies eine 0er Bedingungen der Stadt Köln Ford gegenüber sein. Schweres Bobsleigh-Unglück. In Murren (Schweiz) fuhr auf der Bobsleighbahn ein mit vier Engländer n b esetzler Schlitten in voller Fahrt aus der Bahn heraus und überschlug sich. Einer der Mitsahrenden erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald daraus u e r ft n r b; ein weiterer wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Vom christlich-sozialen Volksdienst. Dillenburg, 18.3an. (Priv.-Tel.) Sein- erste Bezirkskonferenz hielt der Christlich- s o z i a l e V o l k s d i e n st im Kurhaus zu Dillenburg ab, die aus allen Teilen des Dillkreises und des Kreises Biedenkopf gut besucht war, und an der auch sehr viele Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei teilnahmen. Vach einem mit einmütigem Beifall aufgenommenen Dortrage des Reichstagsabgeordneten Hartwig und einer längeren zustimmenden Aussprache wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die an der am 17. Januar 1930 im Kurhause zu Dillenburg gut besuchte Konferenz teilnehmenden christlich ° sozialen Frauen und Männer, geben ihrer großen Freude Ausdruck über das Zustandekommen der Einigung im Christlich-sozialen Vollsdienst und werden sich nach Kräften an seiner Arbeit beteiligen. Sie wissen sich eins mit dem aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgeschiedenen Abgeordneten." Aus der Provinzialhaupistadi. E i e ß e n, den 20. Januar 1930. Sie Rcichsgrün-ungSseier der Universität. In der Neuen Aula der Universität fand am Samstagvormittag unter großer Beteiligung aus den Kreisen der Universität selber, wie der Bürgerschaft die Reichsgründungsfeier der Landesuniversltät in dem tra- senpatienten aus Oberhessen beschickt. Turnen, Sport und Spiel. FuhbaU-Lokalkampf in Gießen Lpielvcreininnng 1900 schlägt B, f.B. 6:3. Bei dem gestrigen Spiel um die Meisterschaft der l.Dezirksklasse im Lahn- gau siegte die Spielvereinigung 19 0 0 Gießen gegen B. f. B. vor ungefähr 2000 Zuschauern nach durchweg einwandfreiem fairen Kampfe mit 6:3 (Halbzeit 3:21 Toren. Winterkur für Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte. SpeziaiknranstaltHoiheim im faonai bei Frankf.a.M. — Prospekte durch zum Tributär Amerikas gemacht wurde. Mit dem Hinweis auf die Votwendigkeit. in dieser Lage das nationale Bewußtsein zwischen allen Deutschen zu pflegen und zu vertiefen, schloß der Redner seine fesselnden Ausführungen. In dein von der Festversammlung stehend gesungenen „Deutschland, Deutschland über alles" klang die würdige Feier harmonisch aus. Daten für Dienstag, 21 Januar. Sonnenaufgang 7.53 illjr, Sonnenuntergang 16.30 Ahr. - Mondaufgang 0.03 älhr, Monduntergang 10.54 Uhr. 1804: der Maler Moritz von Schwind inWren geboren (gestorben 1871); — 1851: der Komponist Albert Sortzing in Berlin gestorben (geboren 1801); — 1867: der Schriftsteller Ludwig Thoma in Oberammergau geboren (gestorben 1921); - 1924: der Erste Volkskommissar der russischen Sowjet-älnion Wladimir Jljitsch Lenin in Gorki bei Moskau gestorben (geboren 1870). Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Licht spielhaus, Bahnhofstraße: .Heiratsfieber"; auf der Biihne: Revue „Lachendes Leben". — Astoria-Llcht spiele: „Der Klub der Junggesellen". Aus dem Stadttheaterbureau wird unS geschrieben: „Die andere Seite". be3 Erstlingswerk des jungen Engländers V. d-, Sheriff, der blutjung mit vielen andern Tausenden ins Feld zog und nach seiner Heimkehr für den engen Kreis seiner Freunde im Vuder- klub das große Erlebnis schlicht und anspruchsvoll niederschrieb, ahnte nicht, was für ein nachhaltiger und überall einmütig bestätigter Bühnenerfolg daraus werden sollte. - Morgen Dienstag, den 21. d. M.. findet eine Wiederholung der amerikanischen Detektivtomödie in 3 Akten von Arnold Vidley „Der Geisterzug" statt. -- Der dritte (musikalische) Volkskunst abend der Volkshochschule findet am Sonntag. 26. Januar, 20 Uhr im Großen Hörsaal der Llniversität statt. Der Abend bringt Märsche und Tänze von Strauß, Schubert. Brahms, vierhändig dargeboten von Frau El- sriede Fischer und Professor K. Schmidt (Friedbergs. Prof. Schmidt wird die Klaviervorträge durch Erläuterungen einleiten. Siehe heutige Anzeige. " Z u r V i ch t i g st c l l u n g. In dem Artikel des Beigeordneten Dr. Hamm über „Gießen und die Gasfernversorgung" in unserer SamStag- ausgabe ist in der zweiten Spalte in der dreizehnten Zeile von oben ein Druekfehler enthalten. Es muß dort nicht Hoch Öfen, sondern richtig Oie Bombenlegerasfäre. Keine Aufklärung des Anschlags auf den Acichsta-i. Berlin. 19. Jon. (Priv.-Tel.s Die .Unter- suchungen der Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei können nunmehr im wesentlichen als abgeschlossen gelten. Die vorliegenden Geständnisse der Angeschuldigten und Inhaftierten ge- n ü g e n für die Erhebung der Anklage, mit der nunmehr in Kürze gerechnet werden kann. Die zuständigen Stellen sind bereits damit beschäftigt, die Anklageschrift a u s z u a r b e i t c m Leider ist es nach wie vor nicht gelungen, den Bombenanschlag auf dasReichstags- gebäude in vollem Umfange aufzuklären. Alle in dieser Richtung verfolgten Spuren haben sich als unzureichend erwiesen, und es ist auch nicht gelungen, einen Zus ammenhang zwi- 'chen dem Anschlag und einem der Derschwörer- bnnbe aufzufinden. Gegenwärtig finden Verhandlungen zwischen der Berliner und Hamburger Staatsanwaltschaft statt, wo die Verhandlung gegen die Bombenleger abgehalten werden soll. Die Anklage wird von beiden Behörden gleichzeitig ausgearbeitet. ♦ Bad-Non heim, 19. Ion. Zu der WSN.- Meldung über die Vergrößerung des st a d t i- schen Konitzkystists wird uns von anderer Seite noch geschrieben: Die Notiz über den geplanten Erweiterungsbau des Konitzkystifts ist richtig, eilt aber den Tatsachen etwas voraus. Denn nod) hat der S t a b t r a t dem Plan die Genehmigung zu erteilen. Diese ist allerdings mit ziemlicher Gewißheit zu erwarten, nachdem in den zuständigen "Ausschüssen das Projekt eine st a r k e Mehrheit gesunden hot. Bürgermeister Dr. Ahl Hot den Bau in seiner Eröffnungsrede im neuen Stadtrat am 3. Januar ja auch bereits angekündigt und dabei ausgeführt, daß die Frage so gelöst werden müsse, daß das Vorhaben sowohl den Patienten des Stifts, als auch der eigenen Einwohnerschaft zugute komme. Der Bau ist eine Notwendigkeit. Die Versicherungsanstalten fordern ihn für ihre Patienten, andernfalls sie sich eigene Heime in Bad-Nauheim kaufen, oder die Kranken in andere Bäder schicken, die ihren Wünschen willfähriger wären. Zwölf ^deutsche Versicherungsanstalten haben den größten Teil der Bau- jumme, rund 800 000 Mark, wie schon gemeldet, für 6 v. H. zur Verfügung gestellt. Etwas über 200 000 Mark fließen aus dem eigenen Baufonds des Stifts. Der Erweiterungsbau wird u. a. Raum für 100 Betten schaffen, so daß nachher die Belegstärke des Stifts über 250 Betten betragen würde. Vorgesehen sind auch bedeutende sanitäre Verbesse- i rungen im alten Gebäude, dos durchaus nicht mehr neuzeitlichen Anforderungen entspricht. Es soll nicht verschwiegen werden, daß in den Kreisen der kleinen Vermieter, besonders in der Altstadt, wenig Sympathien für den Bau bestehen Seither mußte das Stift nämlich einen großen Teil der Kranken in die Stadt ousguortieren. Die Vermieter befurchten nun eine Schädigung ihrer Interessen. Die Bedenken werden von maßgebenden Stellen aber zerstreut. Einmal besteht leider die Tatsache einer Zunahme der Herzerkrankungen, was zu einem stärkeren Besuch des Bades feiner sozialen Anstalten im besonderen schon führen dürfte. Dann wird der Anruf von Patienten durch die Landesoersicherungsanstalten zunehmen, so daß auch nach der Durchflihning des Millionenprojekts die Anstalt immer nod) darauf angewiesen sein wird, einen größeren Teil der Patienten in Pri- valhciusern unterzubringen. Das K o n i tz k y st i f t ist übrigens die älteste soziale Anstalt am Platze und wird von jeher auch immer recht zahlreich von Kas- Dic Geschichte Europas seit der französischen Revolution wurde immer stärker durch die Tatsache bestimmt, daß nicht mehr wie früher der Herrscher und sein Staat im Mittelpunkt der Politik steht, sondern das national geschlossene Staatsvolk, das tatsächlich den Gang der Ereignisse auch in den noch monarchisch regierten Staaten bestimmte. Auch die Reichsgründung durch Bismarck ist von dem deutschen nationalen Volkswillen getragen und insofern demokratisch, wobei man an die wirksamen Kräfte, nicht aber an den Parteibegriff oder den staatsrechtlichen Inhalt des Wortes Demokratie denken darf. In diesem Sinne hat auch Kaiser Wilhelm 11. I gleich den andern deutschen Fürsten keine dy- nastischc Politik verfolgt, sondern eine demokratisch-nationale. Aus diesem Grunde ist denn auch das Reich Bismarcks trotz der Katastrophe des Weltkrieges erhalten geblieben, während das Habsburgische Reich, dessen Politik infolge der Völkermischung notwendig antidemokratisch und antinational war, im Zeitalter der nationalen I Demokratien unter dem Druck des Weltkrieges auseinanderfallen mußte. Gegenüber der weitverbreiteten Auffassung, daß der national-demokratische Staat ein fortschrittlicher fei, steht die Tatsache, daß in der Antike dieser Staat bereits vorhanden gewesen ist. daß er dort aber Über- । wunden wurde, so daß man ebensogut auch das übernational-antidemokratische Reid) als das fortschrittlichere bezeichnen kann. Deshalb ist es für das geschichtliche Verständnis notwendig, in der Antike die Gründe dieses Wandels festzustellen. Der antike demokratische Staat zeigt eine Höchstleistung an individueller Kraftentfaltung, aber als Kehrseite dazu das Streben, die eigene Kraft I rücksichtslos auszunuhen, so daß schließlich in dem Peloponnesischen Krieg, ..dem Weltkrieg der Antike". die völlige Zerreißung eintritt, aus der Griechenland sich politisch nicht mehr erholen konnte. Die führenden Geister wandten fid) öaoer von dem Staate überhaupt ab und suchten iyre höchste Vervollkommnung in der Erfassung derjenigen Erscheinungen. toeia)e dem Menschen als Menschen eigentümlich Und. So entsteht das überstaatliche Band eines allgemeinen tosmo- politischen Menschentums, das als die höhere Stufe der Gemeinschaft erschien und schließlich in I dem römischen Weltreich der Kaiserzeit seine Rea- I lisierung finden sollte. Die griechische Lehre vom I allgemeinen Menschentum brach den nationalen Gedanken der Römer, und das Imperium des I 2. und 4. nachchristlichen Jahrhunderts will nicht mehr an sich römisch, sondern human fein. Alle im römischen Reiche vereinten Pölker genossen einen Frieden während Jahrhunderten, jede na- I lionale Bedrückung fehlte aber das Band, welches I Öen Bewohner mit dem Reiche verband, war nur | lose und darum mußte das Reich, das seinen Zeitgenossen als die Erfüllung des gotdenen Zeitalters erfdjicncn war, auseinanderfallen, ms die Germanen mit der Vollkraft des Jugend- volles in das Imperium einbrachen. Aber auch die Germanen verfielen alsbald der imperialen Idee, welche ihnen durch die Kirche vermittelt | wurde, und welche für die deut'che Geschichte im Gegen-atz zur französischen bestimmt wurde. Frankreich, das dem Pavsttum freier gegenüber- stand als Deutschland, entwickelte daher auch den Anschluß an die Antike, die Vorstellung von der Souveränität des Staates und übertrug diese auf die in der französischen Revolution frei- gewordenen Volkskräfte. Die französische Revolu- Hon stellt daher in dieser Entwicklungsreihe den (Segenboi gegen peloponnesischen Krieg dar: seit dieser Zeit sind die Volkskräste gelöst. Gewaltige Leistungen an Herrentum sind dadurch ermöglicht worden, aber die national-demokratischen Staaten vermochlen ihre Politik nicht vernunflmaßig von einer objektiven Wertung der zwischenstaatlichen Kräfte abhängen zu lassen, vielmehr betrachtete jede Ration die Weltlage nur von ihrem Gesichtspunkt aus; und so verfielen die Völker ebenso wie die Demokratien des Altertums, in den Kampf aller gegen alle. Der Weltkrieg ist damit das Ergebnis der seit der sranzösischen Revolution wirkenden Kräfte, die Europa seine über 2000jährige Vorherrschaft gekostet haben, und der Friede von Versailles ist der typische Ausdruck dieser Geisteshaltung, die den europäischen Gedanken so sehr verleugnete, daß Deutschland, der Schutzmacht der romanisch- germanischen Völkergemeinschast gegen Asien, die rechte Flanke aufgerissen, und das Land zudem owolkenlos Qhtitez. »naiD oedetM. »wolkig, e oedecki •«egen, ♦ Schnee graupeln e Nebel H Gewit-er.(§)Ulnd$Ullc-O X* leichte' Os' d massiger Südsüdwest q. stürmische nordwesl Die Piene fliegen mH dem Winde. Die beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit .gleichet» *u< rteeresniveau umocrechneten Luftdruck Wettervoraussage Der Einfluß des südöstlichen Hochdruckgebietes und die Warmluftausläufer des nördlichen Tiefes verursachen über Deutschland stärkere Temperatur- gegcnsätze. So lagen im Bereich der Warmluft heute morgen im nördlichen und westlichen Deutschland die Temperaturen bis zu 10 Grad über Null. Bei uns und im südlichen Deutschland unter Null. Mit dem Abzug der Störung nimmt auch die uorge brungene Warmluft wieder ab und kühlere folgt, die zu Barometeranstieg siihrt. Die Pemperatur- gegensätze gleichen sich dabei wieder aus, und für unser Gebiet läßt der Hochdruckeinfluß die herrschende Wetterlage bestehen. Wettervoraussage für Dienstag. Vielfach heiteres bis wolkiges, stellenweise auch nebeliges Wetter mit leichtem Rachtfrost. Amtliche Winkersporlnachrichten. Schwarzwald. Feldberg: Klar, 5 Grad, 25 cm Schnee (gekörnt), Ski- und Rodelmöglichkeit flut-_______________________________________________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. poliiischer Racheakt gegen Minister Leuschner? Rüsselsheim, 19. Jan. (1BIB.) Gestern sollte in Rüsselsheim das von den Opclwcrken errichtete Volkshaus eingeweiht werden. Zu der Feierlichkeit waren Innenminister L e u s ch n c r und mehrere Re- gierungsoertreler erschienen. Das Auto des Mini st e c s, das von einem Polizeichauffeur gesteuert, wurde, um den Verkehr nicht zu behindern, etwas abseits gefahren. Der Innenminister hatte seinen wogen gerade verlassen, als v e r s ch i e d e n e Individuen, die sich durch ihre Kleidung u n - kenntlich gemacht hotten, aus ihn cindran- g e n. Der Minister konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Daraus fielen die Angreifer in einem unbewachten Augenblick über das Auto her und zertrümmerten es, stahlen die Mäntel des Ministers und seiner Begleitung, Aktentaschen usw. und konnten wiederum unbemerkt verschwinden. Als der Innenminister davon erfuhr, lieh er sofort telephonisch in Darmstadt eine P o 1 i z e i k o m m i s s i o n ansor- dcrn, die alsbald mit Polizeihunden die Spur der Täter ausnahm. Ans Aeußerungen von k o m in u - njsten und aus sonstigen Anzeichen glaubt man schließen zu können, doh es sich um einen Racheakt dasür handle, daß Minister Leuschner bei den Wormser Strahenunruhen Polizei- krofte aus Darmstadt entsandt hatte. Aus eine telefonische Anfrage bei der hessischen Amtlichen Pressestelle wurde uns von dieser erklärt, daß der Vorfall sich ereignet Hobe, während Minister Leuschncr bereits bei der Aeier weilte. Ein Uebersoll auf den Minister habe nicht stattgefunden. An dem Auto seien lediglich zwei Fensterscheiben eingeschlagen und dann aus dem wagen zwei Mäntel ge- stöhlen worden, von einem Aktentaschendiebstahl sei nichts bekannt. Die Polizei habe Fingerspuren ausgenommen und Polizeihunde in Tätigkeit gesetzt. In Rüsselsheim vermute man, daß ein politischer Racheakt die Ursache zu der Tot sein könne. Sine Darstellung des Ministers. Frankfurt a. Bl., 20. Ion. (WTB.) wie der hessische Innenminister Leuschner dem WTB. auf Anfrage mitteilt, kann von einem Heber fall auf ihn während der Einweihung des Volkshouses in Rüsselsheim keine Rede sein. Dagegen sei noch nicht sestgestellt, ob cs sich bei der Entwen - düng der Mäntel und der Beschädigung d e s A u t o s um einen politischen Rache- a p, ober nur um einen Diebstahl handelt. Die Wetterlaqe. bitionell feierlichen Rahmen statt. Der Festakt wurde durch den von Orgelklängen begleiteten Einzug des Senats eröffnet. Rach I einem vom Akademischen Gesangverein unter der Leitung des akademischen Musikdirektors Dr. Temesvary fcorgetragenen Chor richtete Se. Magnifizenz der .Hctiov der LandeS- nniverfität Prof. Dr. med. Brüggemann eine Ansprache an die Festverfammlung, in der er u. a. sagte: Die Reichsrinheit als wertvollstes Erbe zu erhalten und auszubauen ist unsere vornehmste Aufgabe. Mit Stolz gedenken | wir an der Hochschule heute derer, die vor 1 hundert Jahren mit jugendlicher Begeisterung auf unseren Äniversitäten für ein einiges Deutschland stritten und litten. Bismarck selbst hat es offen ausgesprochen, daß er fein Werk nur vollbringen konnte, weil vor ihm deutsche Männer wertvolle Arbeit für den Gedanken der Reichseinheit geleistet hatten. Der heutige Tag soll uns daran erinnern, daß wir Deutsche eine Schicksalsgemeinschaft sind. Für uns ist der Gedanke der Volksgemeinschaft nicht ein modernes Schlagwort politischer Ideologie. Wir denken nicht daran, naturgegebene Gegensätze zu negieren, aber wir denken daran, daß es möglich fein kann, sie zurückzustellen hinter den einen, uns allen gemeinsamen Gedanken; Das Wohl unseres Volkes Ermahnung an die akademische Jugend, doch endlich aus Liebe zu unserem Volke und zu unserem Vaterlande das Ideal der Einheit und Zusammengehörigkeit über die Ideale der Partei zu stellen. Dann hielt der Ordinarius der Alten Geschichte an der Landesunniversität Professor Dr. Richard Laquei r die F e st r e d e über „Imperium und nationale Demo fr atle": Koksöfen heißen. " Die Bildung einer Deputation für Jugendwohlfahrt betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung in unserer Samstag-Ausgabe. Die hier bestehenden interessierten Vereinigungen seien auf diese Veröffentlichung besonders hingewiesen. »• Die staatliche S t e n o g r a p h i e l e h- rerprüfilng bestanden: Dieser Tage legten die Herren Kurt Moosdorf, Mitglied der 1. Reichskurzschriftgesellfchast „Gabelsberger und Damenabtcilung e. D., und Kurt Leip old Mitglied des Stenographenvereins von 1861 Gießen, vor dem Prüfungsausschuß für Stenographielehrer in Darmstadt die staatliche Stenographielehrerprüfung mit Erfolg ab. ** Ein Achtzigjähriger. Herr Bernhard W e st b r u ck . Neuenweg 8, feierte gestern in bester körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Ge° >u schützen. Rußland besitze im Baltischen Meer nach der Tonnage die stärkste Flotte, außerdem verstärkten die beiden Kreuzer der Schwarzen Meer- flotte die politische Stellung Rußlands gegenüber Rumänien und Bulgarien, da die Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern noch nicht wiederhergestellt feien. Die russische Regierung habe selbstverständlich die Entsendung der beiden Kriegsschiffe nach dem Schwarzen Meer im E 1 n - Verständnis mit d e r türkischen Regie rung unternommen, die der Sowjetregiemng keine S d) w i e r i g k e i t e n in der Ueberque- rung des Bosporus durch die beiden Kreuzer gemacht habe. Die Russen haben damit wieder einmal aller Welt gezeigt, wie wenig sie ihre Gegner furch- i ten und wie frei und unabhängig sie sich fühlen. Sie haben ihre Kriegsschiffe in das Schwarze Meer cinlaufen lassen, obwohl durch einen allerdings von Rußland nicht unterzeichneten Vertrag die Zugangs st raße au diesem Meer, die Dardanellen, für Kriegsschiffe aller Art g e - sperrt ist. Diesen Vertrag haben die Russen von jeher bekämpft, weil sie auf dem Standpunkt stehen, daß es ihre eigene Angelegenheit ist, soviel Kriegsschiffe im Schwarzen Meer zu halten wie sie es für nötig finden. Qlad; öem Abschluß de« Weltkrieges zeigte sich jedoch, daß die großen Seemächte sich ernstlich mit der Absicht trugen, im Schwarzen Meer Flottenstützpunkte einzurichten. Das hätte zu einer scharfen Rivalität zwischen einigen seefahrenden Rationen geführt, so daß man sich endlich entschloß, in den Friedensvertrag von Lausanne einen Passus hineinzuarbeiten. wonach die Dardanellen gesperrt wurden, es also jedem Staat untersagt ist. Kriegsschiffe in das Schwarze Meer zu schicken und das hier bestehende Gleichgewicht der maritimen Kräfte zu stören. Eine Kommission wurde zur Lleberwachung dieser Vereinbarung eingesetzt. Am Wohnsitz dieser ftommiffion sind nun die beiden russischen KriegSschisse vorbeigelaufen, sie wurden sogar noch durch einen Salut türkischer Festungsgeschutze begrüßt. Jetzt ist Rußland im Schwarzen Meer bie stärlste Macht. Vielleicht werden sich nun die übrigen Mächte beeilen, ebenfalls einige Einheiten in das Schwarze Meer hineinzuschicken, um wenigstens dafür zu sorgen, daß hier nicht russische Großkampfschiffe allein kreuzen. Der Durchbruch durch die Dardanellen ist aber dock) bezeichnend für das S e l b st b e w u ß t s e i n der Russen, das sich schon während des Konflikts mit China in dec Richtachtung des Kelloggschen Kriegsächtungspaktes äußerte. Lichtspielhaus Hafenstraße 52. 8522V Heuchelheim, Köln, Leuna b. Merseburg, 18. Jan. 1930 545D I. Das berühmte Rheingold-Ballet t » 538D Eber. 64g. Beckmann (Soz.) beantragte, diese Sähe in Liebereinstimmung zu bringen mit den Sähen für den Provinzialtag und Prvvinzial- ausschuß. Abg. Bommersheim, Langsdorf (Landbund) forderte namens seiner Fraktion die Herabsetzung dieser Sätze, damit der Kreistag selbst hier ein Beispiel zum Sparwillen gebe. Diese Minderung der Sähe solle aber nur dann eintreten, toenn auch der Provinzialtag seine Sähe ermäßige. Er beantragte eine Kürzung der Tagegelder um ein Drittel. Ferner ersuchte er die Landtagsabgeordneten, im Landtag und im Reichstag in gleicher Weise zu wirken, und schließlich empfahl er auch die Ge- bälter etwas zu kürzen, damit überall Sparsam- feit geübt werde. Abg. Müller. Bellersheim (Landbund) unterstützte diesen Antrag und betonte, es müsse gespart werden, wo es gehe. Hier wolle man mit der Sparsamkeit von unten anfangen, erwarte aber mit Bestimmtheit, daß man von oben nachfolge. Abg. L e m p, Gießen (Evang. Volksgemeinschaft) beantragte folgende Tagesgeldsähe: für Gießener Mitglieder des Kreistags 5 Mk., für Auswärtige 8 Mk. Abg. Schudt, Gießen (Dtsch. Dolksp.) sprach sich gegen eine Angleichung zwischen Kreis und Provinz aus, ebenso dürfe eine Bemessung der Gebührensätze unter dem Gesichtswinkel der Verantwortlichkeit nicht stattfinden. Er empfahl eine absolut selbständige Regelung des Kreistages. Abg. Lepper, Gießen (Komm.) forderte eine solche Bemessung der Tagegeldsähe, daß der Arbeitslohn eines Arbeiters, der wegen der Ausübung des Kreistagsmandats ausfällt, voll gedeckt wird. Oberregierungsrat Ritzel unterstrich diesen Gedanken. Weiter empfiehlt er, durch die Kreisverwaltung mit der Provinzialverwaltung wegen einheitlicher Gestaltung der Tagegeldsähe in Verbindung zu treten mit dem Ziele der Senkung der Sätze. Werde eine Einigung nicht erzielt, dann solle der Kreisausschuß die Vollmacht haben, die Tagegeldsätze für den Kreistag und Kreisausschuh von sich aus festzusetzen. Für die jetzige Kreistagssihung seien die bisherigen Sätze noch zu zahlen. Abg. Schudt- Gießen (Deutsche Volksp.) sprach sich gegen die Ermächtigung des Kreisausschusses zur Regelung dieser Frage aus, da man im Augenblick der Beschlußfassung ja noch gar nicht wisse, wie sich der neue Kreisausschuh zusammensetzen werde. Er empfahl gleichfalls Verhandlungen mit der Provinzialverwaltung in dem von Oberregierungsrat Ritzel vorgeschlagenen Sinne, falls aber eine Einigung nicht zustande komme, seien bis zur nächsten Sitzung des Kreistages für die Sitzungen des Kreisausschusses noch die alten Tagegeldsähe zu zahlen. Diesem Vorschlag entsprechend wurde mit allen Stimmen gegen die des Kommunisten beschlossen. Oie Kreisausschuß-Wahl. Bei der nun folgenden Wahl des Kreisausschusses wurden abgegeben: für den Wahlvorschlag der Sozialdemokratie 13 Stimmen, für den Wahloorsck^ag Fenchel (Landbund) 10 Stimmen, für den Wahloorschlag Schmidt (Wirtschaftliche Vereinigung) 3 Stimmen, für den Wahlvorschlag Schelm (Deutsche Volkspartei) 4 Stimmen. Hiernach wurden in den Kreisausschuß gewühlt: von der S o - zialdemokratie die Abg. Beckmann (Gießen), Benner (Wieseck) und Haas (Steinberg); vom STa ndb ü nd die Abg. Fenchel (Oberhörgern), Bommersheim (Langsdorf) und Müller (Bellersheim). Die beiden übrigen Listen fielen aus. Der kommunistische Abg. Lepper hatte seine Stimme für die Liste der Sozialdemokratie abgegeben. Mit der Feststellung der Gültigkeit dieser Wahl war die Tagesordnung erschöpft. Im Anschluß an die Tagesordnung erfolgten noch von bürgerlicher Seite. zwei Proteste gegen die Personalpolitik des Znnenministets. Abg. Bommersheim (Langsdorf), Landbund, verlas im Auftrage der Kreistagsmitglieder des Landbundes, der Wirtschaftspartei, der Deutschnationalen Dolkspartei und der Evang. Volksgemeinschaft folgende formulierte Erklärung: „Der Kreistag des Kreises Gießen, zum ersten Male in der Wahlperiode 1930 33 versammelt, hat mit B e - fremden von der trotz Sparmaßnahmen, trotz Beförderungssperrc erfolgten Neubesetzung der Stelle des O b c r r c g ie r u n g s r a te s bei dem K r e i s a m t Gießen Kenntnis genommen. Dieses Befremden ist um so größer, als für die Besetzung lediglich parteipolitische Erwägungen maßgebend waren. Da der neue Stelleninhaber sich in seinem Amt einseitig parteipolitisch betätigt hat in einer Art, die den Ansichten der Mehrheit der Bevölkerung des Kreises Gießen widerspricht, liegt die Gefahr nahe, daß das bisherige reibungslose Zusammenarbeiten zwischen den Vertretern des Staates und der Selbstverwaltung aufhört und damit die Interessen der Gesamtbevölkerung schwer geschädigt werden. Falls sich die Befürchtungen bewahrheiten, fei schon heute festgestellt, daß alsdann die Folgen der verfehlten Personalpolitik des Innenministers zuzuschreiben find." Oberregierungsrat Ritzel bemerkte, er nehme von dieser Erklärung Kenntnis und werde sic an den Minister des Innern weiterleiten. Er möchte nur sagen, daß die Bereitwilligkeit zu loyaler Zusammenarbeit hier zu fehlen scheine. Abg. Schudt- Gießen (Deutsche Volkspartei) gab im Ramon der Deutschen Dolkspartei ebenfalls eine Erklärung ab, in der er sagte: »Wir und das Verufsbeamtentum protestieren auch gegen die Art der Ernennung des neuen Oberregierungsrates. Wir sehen dabei von der Person des Stelleninhabers vollständig ab. Wir bekämpfen das System. Llnsere Partei und der größte Teil der Bevölkerung des Kreises Gießen widersprechen einem derartigen System. Auf die Folgen dieses Systems will ich nicht näher eingehen, sie sind zu bekannt. Schon wegen der Wirkung auf die Verufsbeamten ist dieses System zu verwerfen. Die Deutsche Dolkspartei hat auch im Kreistage feit 1919 immer vermittelnd und ausgleichend gewirkt. Die Deutsche Dolkspartei wird hinsichtlich ihrer Stellungnahme zur Zusammenarbeit mit dem neuen Oberregierungsrat zunächst abwarten, wie er sein Amt führen wird und ob er das, was er heute versprochen hat, zur Tat macht. Davon wird es abhängen, wie die Deutsche Volkspartei sich stellen wird." Der Redner forderte dann weiter größte Sparsamkeit bei der Kreisverwaltung, und er gab der Erwartung Ausdruck, daß der neue Voranschlag diesen Zug erkennen lasse. Cs bestünden im Voranschlag eine ganze Reihe von Möglichkeiten, an denen gespart werden könne und müsse. Die Deutsche Volkspartei werde den kommenden Voranschlag daraufhin sehr genau prüfen, und sie werde auch den Landbund in jeder Weise unterstützen, damit die Landbundmitglieder im Kreisausschuh schon im Sinne dieser Forderung tätig seien. Die Kreisverwaltung möge schon von sich aus den Voranschlag entsprechend gestalten. Oberregierungsrat Ritzel erklärte, er könne heute noch nichts über die Gestaltung des Voranschlags fagen. Iedoch hoffe er, einen Voranschlag vorzulegen, mit dem der Kreistag zufrieden sein werde. Abg. Beckmann (Soz.- bemerkte, wenn die Ernennung Ritzels bei anderen Parteien Befremden errege, so nur wegen seiner parteipolitischen Zugehörigkeit. Die Sozialdemokratische Partei habe mit großer Befriedigung die Ernennung Ritzels zum Oberregierungsrat beim Kreisamt Gießen zur Kenntnis genommen, da feit Iahren die Sozialdemokratische Partei die stärkste im Kreise sei. Die Sozialdemokratie freue sich, daß die Regierung diesen Weg beschritten habe. Zur Frage der Sparsamkeit bemerkte der 9er Ämm vom Mil. iRomcm von G. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 15 Fortsetzung. Na..-druck verboten. „Weil ein Mädchen wie ich feine Gattin nicht werden kann!" rief sie leidenschaftlich. „Weil ich die Schmach eines solchen Vaters, wie du es bist, auf niemanden, am allerwenigsten auf den Mann laden will, den ich liebe." „Danke, mein Kind, für deine Artigkeiten, doch' das ist wohl die Gepflogenheit der großen Welt, in der du dich bewegst. Aber das ist schlimm, recht schlimm: denn wenn du meinen Worten keine größere Beachtung schenken willst, wirst du mich nötigen, dem Manne, den du liebst, eine Kuael durch den Kopf zu jagen. Du weißt, daß es Tn diesem Dickicht leicht ist, einem Menschen nachzuschleichen, besonders wenn es zu dunkeln beginnt, und ich darf mich wohl rühmen, ein guter Schütze zu fein — ja, ein ausgezeichneter sogar. Das ist die größte Fertigkeit, die ich je besessen habe, und ich werde bauen, Gebrauch machen, sobald du mich dazu zwingst." „Oh, du kannst unmöglich so etwas Entsetzliches im Sinn führen!" rief Sabine verzweifelt aus. Sie rang die Hände und blickte sich ratlos nach allen Seiten um. „Wie könntest du zu deinem früheren Verbrechen auch noch das des Mordes hinzufügen wollen!" „Ich habe ganz und gar nicht die Absicht, das zu tun. Mein früheres .Verbrechens wie du so hochtrabend das viel zu hart verurteilte Versehen von damals bezeichnest, war nur die Folge einer Dummheit und hat Widerwärtigkeiten in Menge für mich gebracht. Ich will darum auch nichts anderes, als bis übermorgen zweitausend Mark von Herrn von Wildhofens Geld. Lind du wirst es mir auf irgendeine Weise verschaffen — wie, ist ganz deine Sache, mein Liebling. Die Hauptsache ist nur, daß ich es pünktlich erhalte. Vielleicht wird er es dir ohne Zögern, aus lauten Liebe geben; aber möglich ist es auch, daß er kein Rarr ist und sich weigern wird, die Summe ohne eine Bedingung herzugeben — Männer sind zu dergleichen gewöhnlich nicht ohne weiteres bereit. Doch das kann mich nicht kümmern, denn das Verhalten deiner Mutter zwingt mich da>u. mich an dich zu halten. Liebermorgen um diese Zeit werde ich dich hier erwarten, und wenn du nicht erscheinst, wird baä kleine Spiel- zeug in meiner Tasche seine Dienste tun. Ich versichere dich, daß ich es ungern gebrauchen werde, denn ich bin ein friedliebender Mensch; aber es bleibt mir nichts anderes übrig, wenn du nicht gehorchen willst. Dein Anbeter wird somit seine Halsstarrigkeit mit dem Leben bezahlen müssen." „Was aber, wenn ich dich zwischen heute und übermorgen als Mörder anzeige?" schleuderte ihm Sabine, durch seine wohlberechneten Drohungen fast zum Wahnsinn gebracht, entgegen. „Wie? Deinen eigenen Vater, mein Herz? Oh. da bin ich sicher, daß du das nicht tust. Was würde die Welt dazu sagen, und dann? Du kleine Einfalt, man ist kein Mörder, bevor man gemordet hat. Solltest du das nicht wissen? Lind welchen Beweis hast du dafür beizubringen, daß ich mörderische Absichten hege, bitte? Du als Tochter könntest ja auch gar nicht gegen mich zeugen. Rein, Hebe Sabine, mit dem Ausliefern an die Polizei ist es nichts." „Aber — aber, wenn du eine so furchtbare Tat begehst, wirst du bald in ihren Händen sein. Man wird dich.. „Man wird mich aufhängen, meinst du? Ia, mein liebes Kind, das ist wohl so gut wie sicher, daß ich dafür an den Galgen komme, wenn es mir nicht gelingt, zu entschlüpfen; aber das wird den Mann, den du liebst, nicht ins Leben zurückrufen — vergiß das nicht!" Sabine stöhnte laut auf, wie in körperlichem Schmerz. „Was soll ich tun, o Gott, was soll ich tun?“ jammerte sie. „Vernünftig fein und tun, was ich dir sage! Erzähle deinem Verehrer, daß du dich momentan in Rot befindest, sofort einer größeren Summe bedarfst, und weiter, daß du ihn doch heiraten wolltest, falls er noch auf feinem Wunsch beharre. Das ist das, was du zu tun hast. Befolge deines Vaters Rat, und alles wird gut gehen! Ich gebe dir Zeit bis übermorgen, damit du zu keiner Lieberstürzung gedrängt wirst. Also — sei ein gutes, verständiges Mädchen und handle nach meinen Worten!" Mit der Hand ihr zuwinkend, trat er zurück in das Dickicht und war sofort ihren Blicken entschwunden. Erleichtert atmete Sabine auf; denn jetzt drangen Stimmen aus der Richtung, wo des Pächters Haus lag, an ihr Ohr. Man schien sie zu suchen, da man wiederholt ihren Ramen rief. In diesem Augenblick nur dankerfüllt, von ihrem schrecklichen Partner erlöst zu sein, eilte sie schnell ihrem Ziel entgegen. Bepackt mit den Körben, stand der Wagen bereits vor der Tür, und die Mutter und Doris waren eben im Begriff, einzusteigen; man wartete nur noch auf sie. „Wo bist du solange gewesen, liebes Kind?" rief Frau von Rechten ihr munter entgegen, als sie ganz atemlos bei dem Wagen anlangte. Dabei warf sie einen forschenden Blick auf das Antlitz der Tochter, die nur auf ihr Anstiften zu der Begegnung mit Kurt unter vier Augen gedrängt worden war. Ieht war sie natürlich aufs äußerste begierig, das Resultat dieses Zusammenseins zu erfahren. Hatte er sich erklärt? Waren die beiden jetzt einig? An Kurt eine diesbezügliche Frage zu richten, als dieser einige Minuten früher allein aus dem Walde zurückgekehrt war, hatte sie nicht gewagt. Sein Gesicht war ihr undurchdringlich vorgekommen, und er schien sie absichtlich zu meiden. „Komm, steige schnell ein!“ fügte sie hinzu. „Die Herren sind bereits wieder jagen gegangen, und es wird kalt; was wollen wir uns noch länger hier auf halten!“ Stumm bestieg Sabine den Wagen. Auch Doris warf einen verstohlenen Blick auf ihr Antlitz und fand, daß sie bleich und traurig aussah. Weiter bemerkte sie nichts. Wie hätte sie auch die erschütternde Tragik des Vorfalls ahnen können, all das, was dem beklagenswerten Mädchen soeben widerfahren war! Don neuem herrschte Schweigen unter den drei Insassinnen des Wagens, bis sie nach einer Stunde auf Schloß Wildhofen eintrafen. • „Sie hat meinen Antrag zurückgewiesen, Doris! Ich bin der unglücklichste Mensch der Welt!" Kurt von Wildhofen sah in dem Zimmer seiner Mutter allein am Kamin, wo ihn Doris fand, als sie eintrat, um ein Buch für ihre Tante zu holen. Als Doris ihn sah, bückte sie sich nieder und schürte das halb erloschene Feuer noch einmal zu Heller Glut an. Bei dem ausflackernden Schein bemerkte sie, wie blaß und verzweifelt Kurt aussah Er hatte seinen Jagdanzug noch nicht einmal abgelegt, sondern sich so, wie er heim- gekommen war, mit feuchten Kleidern in den atlasbezogenen Sessel am Kamin niedergelassen. „Ich kann nicht anders, ich muß es dir sagen, liebe Kusine!“ fuhr er in seinem Geständnis fort. „Erst jetzt weih ich. daß ich eine Schwester an dir besitze. Ich glaube, ich könnte es leichter ertragen, wenn ich die Lieberzeugung hätte, daß ich ihr gleichgültig bin; doch ich weiß, daß sie mich liebt, wenn sie es auch nicht gestehen will. Was ist es also? Dielleicht eine Art Stolz, weil sie arm ist? Als ob das die geringste Bedeutung hätte! Wie kann sie mich ausschlagen, obgleich sie mich liebt?! Hätte sie eine Abneigung gegen mich, würde ich ihr „Rein“ wie — nun, wie ein Mann ertragen; aber — sie liebt mich, sie liebt mich!" „Kommt dir nicht der Gedanke, daß sie einen ganz besonderen Grund haöen muß, L b.r Kurl?" fragte Doris, indem sie feine Hand ergriff und leise drückte. Merkwürdig, daß ihr Herz dabei so ruhig schlug! Sie empfand weder Eifersucht bei dem Geständnis feiner Liebe zu Sabine, noch eine geheime Genugtuung über das Scheitern feiner Hoffnungen. Richis als Sympathie und inniges Mitgefühl für die beiden Liebenden durchströmte ihr Herz. „Lieber Kurt, ich bin überzeugt, daß mit der Zeit doch alles noch gut wird. Rur mußt du Vertrauen zu ihr haben und dich durch nichts verleiten lassen, an ihr irre zu werden." „Aber sie gibt mir ja nicht einmal die kleinste Hoffnung für die Zukunft. Sie sagt einfach, es sei ihr ganz, ganz unmöglich, meine Hand anzunehmen, will mir aber auf feinen Fall erklären, warum. Wo ist sie jetzt? Hast du sie gesehen?“ „Rein — sie ging sofort nach unserer Heimkehr in ihr Zimmer, nachdem sie unterwegs kaum ein Wort gesprochen hatte. Ihre Mutter war vor einer Viertelstunde oben, um nach ihr zu sehen, kam aber gleich wieder herunter mit der Rachricht, daß ihre Tochter starke Kopfschmerzen habe und sich daher ins Bett gelegt hätte." „Glaubst du, daß sie morgen früh äbreifen werden? Sabine sagte mir, daß sie es wollten. Hat Frau von Rechten zu meiner Mutter irgend etwas darüber gesagt?" „Richt ein Wort, soviel ich weih! Ich glaube, ich hätte es erfahren.“ Kurt atmete erleichtert auf. „Wenigstens ein Trost für mich!" sagte er dann nachdenklich. „Ich beabsichtige durchaus nicht, sie zu einem anderen Entschluß zu überreden — das wäre unmännlich —, aber ich fühle, daß ich sie noch einmal allein sprechen muß. Glaubst du, mir morgen dabei behilflich sein zu können? Zwar wird diese verwünschte Hühnerschlacht auch noch morgen fortgesetzt, doch hoffe ich, einen Schnupfen oder dergleichen vorschützen und mich frei machen zu können. Es kommen morgen noch zwei andere Herren aus R., so daß man mich nicht so sehr vermissen wird. Vielleicht schließe ich mich auch am Rachmittag der Jagdgesellschaft wieder an.“ „Lieber Kurt, mochtest du einen Rat von mir annehmen? Laß Fräulein von Rechten ungehindert abreifen und versuche es nicht, eine abermalige Llnterredung mit ihr herbeizuführen. Gedulde dich einige Wochen, bis du sie wieder aufsuchst; vielleicht hat die Zeit dann manche Veränderung gebracht." „Man sieht, daß du noch nie geliebt hast!“ fuhr es Kurt ungeduldig heraus. „Was für ein lächerlicher Rat! Ich soll wochenlang warten! Wie kann ich das! Ich würde es nicht ertragen! Rein, ich muß jetzt, bevor sie uns verläßt, noch einmal mit ihr reden." „Sie wird dir jetzt kaum eine Antwort geben und — und vielleicht würde es dir doch nützen, wenn du warten könntest, Vetter Kurt!" Aber Detter Kurt war nicht zu überzeugen und Doris mußte ihn jetzt verlassen, ohne diese Genugtuung zu erlangen. Die einzige Beruhigung war ihr der Gedanke, daß Sabine auch weiter die Kraft haben würde, das Rechte zu tun, da das Schürfte überstanden war. (Fortsetzung folgt.) Redner, daß die sozialdemokratische Fraktion bereit sei zu sparen, wo gespart werden tonne. Wenn man aber glaube, die Sparmaßnahmen am Wohlfahrtsetat durchsetzen zu können, werde man den größten Widerstand der Sozialdemokratie finden. Wenn Oberreaierungsrat R i he l versichere, die Geschäfte loyal führen zu wollen, dann müsse man zunächst abwarten, ehe man Beschwerde erhebe. 3n der weiteren Aussprache wandte sich Abg. Hornberger (Soz.) dagegen, daß di« Mitglieder des Kreisausschusses bei ihrer Stellungnahme zum Voranschlag nach Anweisung, also mit gebundener Marschrichtung handeln sollten, während Abg. Fenchel (Landdund) darauf hinwies, daß die Landbundanträge früher immer mit knaoper Stimmenmehrheit abgelehnt worden seien und Abg. Klein (Landbund) sich gegen die Gewährung von Wohlfahrtsleistungen wandte in solchen Fällen, wo diese Zuwendungen mangels Erfordernisses nicht am Platze seien: der Landbund sei jedoch dafür, daß den unverschuldet in Not geratenen Leuten unbedingt geholfen werden müsse. Der Kreistag müffe seinen Willen zur Sparsamkeit in den nächsten Jahren gemeinschaftlich ausdrücken und eine wesentliche Steuererleichterung, besonders für das Land, durchführen. Abg. Benner (Soz.) hegt keinen Zweifel an dem loyalen Verhallen des neuen Oberregie- i'ungsratos, betonte den Willen seiner Partei zu weitgehender Sparsamkeit und unterstrich im übrigen die Stellungnahme des Abg. Beckmann hinsichtlich Einsparunasabsichten am Wohlfahrtsetat. Abg. Lepper (Komm.) polemisierte gegen den Landbund, worauf Abg. Fenchel (Lod.) nachdrücklich erwiderte. Obcrregierungsrat Ritzel bemerkte zur Gestaltung des neuen Voranschlages, daß dabet einerseits die Not der Zeit beachtet und anderseits die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der sozialen Fürsorge nicht außer acht gelassen werden dürften. Er habe den Wunsch, daß es gelingen möge, durch vernünftige Maßnahmen zu einer Hebung der Wirtschaft im Kreise zu kommen, denn nicht In der Gewährung von Unterstützungen sondern in der Schaffung von Arbeit sehe er das Heil, Er glaube, daß man sich sehr gut einigen werde, wenn man die Kirche im Dorfe lasse, d. h. der tatsächlichen Lage gerecht wird. Nach weiteren kurzen Bemerkungen wurde die Sitzung geschlossen. Wirtschaft. Das Vordringen der öffentlichen Hand. Die öffentliche Hand kontrolliert heute in Deutschland bereits 20 Proz. der gesamten deutschen Wirtschaft, gegen 8 Proz. vor dem Kriege und gegen Vg Proz. in den Bereinigten Staaten von Amerika. Der Gesamtumsatz der ösfrntlichen Betriebe beträgt 10 Milliarden Mark jährlich und erreicht damit den Umsatz aller privaten Betriebe der Schwerindustrie, der weiterverarbeitenden und der elektrischen Industrie. 3n diesem Zusammenhang ist auch die Feststellung interessant, daß es zur Zeit im Deutschen Reiche rund 11 Millionen Nutznießer der öffentlichen Hand gibt. Setzt man die Gesamtzahl der Gr- werbstät gen der Zahl der Wahlberechtigten (rund 42 Millionen) gleich, so ergibt sich, daß 25 Proz. der deutschen Gesamtbevölkerung Gehalts-, Pen- sions-, Bersicherungs- und Unterstützungsempfänger sind. • • D i e Kohlenproduktion in Hessen. 3m Jahre 1929 wurden im Bolksstaat Hessen an Rohbraunkohlen gefördert 661 982 Tonnen. Davon wurden verkauft 306 404 Tonnen, während der übrige Teil weiterverarbeitet wurde, und zwar zu 474 563 Tonnen Schwelereiprodukten und 3544 Tonnen Briketts. Aus den verschwelten Kohlen wurden u. a. gewonnen 13 030 Tonnen Rohteer, 518 Tonnen Leichtöl und 31 862 Tonnen Koks. Die Dr.ketterzeugung betrug 20 610 Tonnen. * Weitere Produktionseinschränkungen inder Eisenindustrie. 3m Rahmen der von der Eisenindustrie in den letzten Monaten vorgenommenen Produttionseinschrän- kungen ist inzwischen auch der Stillegunasantrag der Hagener Gußstahlwerke (Stahlrewag) genehmigt worden. Angesichts der ungünstigen Konjunkturentwicklung besteht die Möglichkeit, baß auch bei anderen Konzernen Arbeiterentlassungen nicht zu vermeiden sind. Gegenüber anderslautenden Meldungen ist jedoch hervorzuheben, daß Stillegungen beim Stahlwerk Krieger, den Gelsenkirchener Gußstahlwerken und den Annener Gußstahlwerken nicht beabsichtigt sind. Diese Betriebe der Stahlrewag sind gut beschäftigt und arbeiten wirtschaftlich. Der deuische Außenhandel im Dezember 1929. Ausfuhrüberschuß von 47,6 M.llionen im ganzen Zahre 1929. Der deutsche Außenhandel im Dezember weist einen Ausfuhrüberschuß von 50 Mill. Mark auf. Dieser Aeberschuh ist das Ergebnis eines stärkeren Fallens der Einfuhr. Während die Ausfuhr (1063,0 Mill. Mk.) nur um 90,6 Mill. Mk. abgenommen hat, ist die Einfuhr (1013,1 Mill. Mk., um 147,9 Mill. Mk. zurückgegangen. Auf das Ausmaß der rückläufigen Bewegung in Ein- und Ausfuhr dürften erfahrungsgemäß die Ruhetage in der Weih- nachtswoche von Einfluß gewesen sein. Der Anteil der Reparations-Sachlieferungen an der Ausfuhr beträgt 57,8 Mill. Mk. Für den Rückgang der Einfuhr ist ausschlaggebend die Abnahme des Bezuges an Rohstoffen und halbfertigcn Waren, die 124,7 Mill. Marr beträgt. An dieser Abnahme sind besonders beteiligt Baumwolle, Mineralöle, rohe Pelzwerkfelle, Kupfer, sowie Kalbfelle und Rindshäute. Zugenommen hat öagegen die Einfuhr von Wolle und anderen Tier-Haaren. Weniger ins Gewicht fällt die Abnahme der Einfuhr bei den übrigen Warengruppen. Die um 4,3 Mill. Mk. verminderte Einfuhr von lebenden Tieren entfällt vorwiegend auf Gänse. An dem Rückgang dec Lebensmitteleinfuhr um 4,8 Mill. Mk. sind namentlich Obst, Butter, Reis und Hülsenfrüchte beteiligt: ausgleichend hat hier die Zunahme der Einfuhr von Weizen, Malz und Südfrüchten gewirkt. Die Abnahme der Einfuhr von Fertig- Mark: in nennenswertem Umfange (— 3,1 Mill. Mark) sind lediglich Pelze und Pelzwaren von waren, die sich stark verteilt, beträgt 14,1 Mill, einer Einfuhrabnahme betroffen. Der Rückgang der Ausfuhr ist ganz überwiegend die Folge eines verminderten Aus- lantnbsahes von Fertigwaren, deren Ausfuhr um 75,8 Mill. Ml. gegenüber dem Vormonat abgenommen hat. Fertigwaren fast aller 3n- dustrlegruppen find an dem Ausfuhrrückgang beteiligt. Es treten hervor: Textilfertigwaren — namentlich baumwollene und wollene Gewebe sowie Kleidung und Wäsche — (— 17,8 Mill. Mark), Pelze und Pelzwaren (— 9,3 Mill. Mk.), Maschinen außer elektrischen Maschinen (— 9,1 Mill. Mk.), Kinderspielzeug (- 8,9 Mill. Mk.), chemische und pharnfazeutische Erzeugnisse einschließlich Farben und Farbwaren (— 5,0 Mill. Mark), Papier und Papierwaren (— 3,6 Mill. Mark). Eine Zunahme der Ausfuhr ist hingegen beispielsweise für Röhren und Walzen (+ 5,8 Mill. Mk.), sowie für Blech und Draht (-H 1,5 Mill. Mk.) festzustellen. Auch Lebensmittel und Rohstoffe verzeichnen eine Abnahme der Ausfuhr. An dem Rückgang der Lebensmittelausfuhr um 9,3 Will. Mk. sind vorwiegend pflanzliche Oele und Fette (- 6,2 Mill. Mk.) beteiligt. Die Abnahme der Ausfuhr von Rohstoffen und halb- fertigen Waren beträgt 6,3 Mill.Mk.: hier stehl einer verminderten Ausfuhr von rohen Pelz- wcrkfellen (— 6,1 Mill. Mk.), Wolle (— 3,3 Mill. Mark), Koks und anderen Rohstoffen eine Zunahme der Ausfuhr von Steinkohlen ( r 9,5 Mill. Mark) gegenüber. Von Öen wichtigsten Reparations - Sach- (icferungen im Dezember 1929 gehören zu der Gruppe Lebensrnittel. Zucker mit 1,8 Mill. Mark: zu der Gruppe Rohstoffe und halbfertige Waren: Steinkohlen mit 13,2, schweselsaures Ammoniak mit 3,2, Koks mit 2,0 Mill. Mark; zu der Gruppe Fertigwaren: Walzwerkserzeugniffe und sonstige Eisenwaren mit 11,3, Maschinen ohne elektrische Maschinen mit 9,0, chemische Erzeugnisse einschließlich der Farben mit 2,3, elektrische Maschinen und elektrische Erzeugnisse mit 2,2 Mill. Mark. Für das ganze Jahr 1929 schließt der deutsche Außenhandel mit einem Ausfuhrüberschuß in höhe von 47,6 Millionen Mark im reinen Warenverkehr des Spezialhandels ab. Die Gesamtaussuhr des 3ahres 1929 beträgt 13 482,2 Millionen Mark, hiervon entfallen auf Reparations-Sachlieserungen 799,1 Millionen Mark. Die Gesamteinfuhr beläuft sich auf 13 434,6 Millionen Mark. Die Ausfuhrzahl entspricht nicht genau der Summe der monatlich veröffentlichten- Zahlen. Nachprüfungen des Statistischen Reichsamts, die durch die Reform der Handelsstatistik erleichtert wurden, haben ergeben, daß die Anmeldenden in die Grenzwerte ür die Ausfuhr einfuhrscheinberechtigter landwirt- chaftlicher Erzeugnisse vielfach den Wert des Ein- uhrscheins einbezogen haben. Erst ab November neses Jahres hat das Statistische Reichsamt von den Exportfirmen in dieser Beziehung durchweg fehlerfreie Grenzwertangaben erhalten können. Daher ist für die ersten zehn Monate des Jahres 1929 eine Korrektur der Ausfuhrwerte, die sich insgesamt für die an dem Einfuhrscheinverfahren beteiligten Waren auf 31,2 Millionen Mark beläuft, notwendig gewesen. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 20. 3an. Tendenz: fest. Die befriedigende Lösung der Mobil i f i e r u n g s s sr ag e, die Aussicht, daß heute die letzte Sitzung der Haager Konferenz stattsin- den, und die plötzliche starke Erleichterung des Geldmarktes hatten zu Beginn der neuen Woche wieder lebhafteres 3nteresse vom Publikum und Spekulation schritt zu Rückdeckungen, zumal sich wieder lebhaftes Interesse vom Publikum und von Auslandseite her geltend machte. Das Geschäft war aber nur In Spezialwerten lebhafter, in denen sich ganz erhebliche Besserungen durch- fehen konnten. Als dann aber eine Meldung eintraf, in der zum Ausdruck kommt, daß eine Regelung der Ostreparationen noch nicht erzielt worden fei, machte sich wieder Zurückhaltung bemerkbar, die hohen vorbörslichen Kurse konnten nicht gehalten werden. Doch änderte sich an der allgemeinen Lage sonst nicht viel. Man nimmt an, daß eine Einigung 'm der Frage der Ostreparationen doch bald erzielt werden wird, und auch der Verzögerung des Llbschlusses der Haager Konferenz um einige Stunden wurde nicht allzu viel Bedeutung beigemessen. Man nimmt an, da!ß, einer weiteren guten Entwickelung des Börsengeschäftes nichts im Wege steht. Gegenüber Samstag ergaben sich Besserungen von 1—3 Proz. 3m Vordergründe des Interesses standen Salzdetfurth mit plus 5 Proz. und Westeregeln plus 5,5 Prozent. Aschersleben zogen 4,5 Prozent an. Arn Elektromarkt eröffneten AEG. 1 Prozent schwächer. Nachfrage bestand für Siemens, die nach Berücksichtigung des Dividendeabschlages 3 Prozent gewinnen konnten. Lah- meyer lagen 3 Prozent, Gesfürel 4 Prozent, Schuckert 2 Prozent und Chadeaktien 2,50 Ml. fester. Am Chemiemarkt waren 3.-G.-Farben zu den ersten Kursen leicht gedrückt. Deutsche Erdöl gewannen 2 Prozent. Am Montanmarkt traten Mannesmann mit plus 3 Prozent in den Vordergrund. Die übrigen Werte vieses Marktes lagen bis 2 Prozent höher. Schiffahrtswerte bis 2,5 Prozent erhöht. Zellstoff Waldhof plus 3 Prozent. Renten still, aber fester. 3m Verlaufe neigte die Tendenz zur Schwäche, und es traten auf Glattstellungen Abschläge bis zu 3 Prozent ein. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld auf 5,5 Prozent ermäßigt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1340, gegen Pfund 20,370, gegen Paris 123,91, London gegen Kabel 4,8.75, gegen Mailand 93,00, gegen Madrid 36,90, gegen Schweiz 25,195, gegen Holland 12,1113. Frankfurter Eiermarkt. Marktlage: 3n Fachkreisen rechnet man, daß die Eierpreife ihren Tiefstand erreicht haben werden, da mit dem Eintreten kälterer Witterung wieder mit einer Aufwärtsbewegung der Preise für frische Eier gerechnet wird. Kühlhauseier wurden von 9—12 Pf. per Stück loco gehandelt. Preise in Pf. per Stück: bulgarische 9,75 bis 10,00; jugoslawische 9,25 bis 9,75; rumänische 9,25 bis 9,50; dänische 9,75 bis 12,50; holländische 9.75 bis 12,50; belg.-slandr. 11,50 bis 12,00; fran- zösische 11,50 bis 12,50; schlesische 13,00 bis 13,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20.« 3an. Zum Wochenbeginn war die Tendenz am Frankfurter Produk- tenmarlt allgemein schwächer. Namentlich am Weizenmarkt hatte sich das Angebot wieder verstärkt, so daß hier ein kleiner Preisrückgang eintrat. Roggen konnte sich dagegen behaupten. Größere Preisrückgänge traten für Sommergerste, Hafer uno Mais ein. Auch Kleie tendierte etwas schwächer. Am Mehlmarkt war dagegen für Weizenmehl einige Nachfrage fest.ustellen, bei leicht anziehendem Preise. Roggenmehl dagegen schwächer. Cs wurden notiert: Weizen 26,60 bis 26,75, Roggen 18,50, Sommergerste für Brauzwecke 19,50 bis 19,75, Hafer, inlänb. 17 bis 17,25, Mais (gelb) für Futterzwecke 16,50 biS 16,75, Weizenmehl, südd. Spezial 0 39,50 bis 40,25, Roggenmehl 26,25 bis 27,50, Weizenkleie 8,60, Roggenlleie 9,25 bis 9,50. Erbsen, je nach Qualität für Sveisezwecke 31 bis 44, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 55 bis 100, Heu, südd., gut, gesund, trocken 10.50, Weizen- und Roggcnstroh, drahtgepreßt 5,50, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 5,50, Treber, getrocknet 14 Mt. Tendenz schwach. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 20. San. Austrieb: Rinder 1341 Stück; darunter Ochsen 369, Bullen 80, Kühe 521, Färsen 345: 554 Kälber: 175 Schafe; 5066 Schweine. Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 55 bis 57, ältere 50 bis 54, sonstige vollfleischige jüngere 45 bis 49; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 56, sonstige voll- fleischige oder ausgemästete 46 bis 52; Kühe: jüngere, voltsleischige, höchsten Schlachtwerts 44 bis 47, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 43, fleischige 35 bis 39. gering genährte 28 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrindex): voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 57 bis 59. vollfleischige 53 bis 56, fleischige 48 bis 52. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69, geringe Kälber 54 bis 63. Schaf c. Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast 50 bis 53, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 45 bis 49. Schweine. Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82. von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 77 bis 80. Marktverlauf: Rinder ruhig, -Ueberftanb. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Schweine schleppend, äleberstand. Oer rheinische provinziattag zur Ferngasversorgung. WSN. Mainz, 19. 3an. Gestern nachmittag befaßte sich der neugewählte Provinzialtag für Rheinhessen nach der feierlichen Verpflichtung der neuen Mitglieder und der Wahl der Provinzialausschußmitglieder in eingehender Verhandlung mit der Frage der Ferngasversorgung Hessens. Gegen die von dem Vorstand und Aussichtsrat der Hekoga zur Annahme empfohlenen Vertragsentwürfe wurden von sozi aldemokrati- s ch e r und Zentrum sseite starke Bedenken zum Ausdruck gebracht. Der Antrag des Provln- zlalausschusics, den Provinzialdir.k.or Dr. Wehner zu ermächtigen, in der Generalversammlung der Hekoga am 27. 3anuar f ü r den Abschluß der Casverträge zu stimmen unter der Voraussetzung, daß der Pachtvertrag mit der Stadt Mainz hinsichtlich des Weiterbetriebs nach den ersten zehn 3ahren in befriedigender Welse gelöst werde, wurde mit 24 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Auch ein sozialdemokratischer Antrag, der die Vertragsentwürfe ablehnte und den Einbau kommunalwirtschaftlicher Sicherungen forderte, wurde mit 20 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Annahme sand schließlich ein Zentrums antrag, der den Provin- zialdirektor beauftragt, die bestehenden Deden- ten z u klären und dem Provlnzialtaa in einer neuen Sitzung vor der Generalversammlung der Hekoga Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Lüdemann Oberpräsident von Hessen-Nassau? WSN. Kassel, 18. 3an. Wie die »Kasseler Post" hört, wird der Posten des Oberpräsidenten von Hessen-Nassau mit dem sozialdemokratischen Regierungspräsidenten Lüde m a n n '(Lüneburg) beseht werden. Die beiden andern frei werdenden Oberpräsidenlenposten in Pommern und Schlesien sollen mit einem Dolks- parteiler bzw. einem Zentrumsmann besetzt werden. Kündigungen am Hessischen Landesiheaier. WSN. D a r m st a d t, 18. 3an. Wie wir hören, wurde sämtlichen Angestellten des Hessischen Landestheaters soeben zum Ablauf der gegenwärtigen Spielzeit gekündigt. Kurszettel der Berliner und Franksurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern zeben die Höhe bet zuietzl beichlosfenen Dividende an. — Reichsbantdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 o. H. .'ranffutl a W 1 tHerlir -zdjiub-I Kn.e I ‘" Ulli Hur ,'ri|luh ftun Unfang- Kure Datum 18 1 20 1 18 I 20. 1 L eu fdjc j<. id)«anlette ron 1'?Z7 ........ 87,5 - - 87,5 __ 7% Xrutfdit Relchranlcihe Von 1&29 ......... 96,6 — 96,6 _ Dl. llnl.-»blöf.-(5d)uH) mit 0uo lof -IHtAIrn...... ■»1,7 — 51,6 51,75 te:nl cfm« Blufilof Rechte 6% Heil. NolMaat von 1020 8,55 8,6 8.6 8.75 (tüdj.i()lb, 102%) ... Omt>c|[cn Vtovin, - Anleihe mH 87 — 87,5 - iUuNo>.-Rechten..... 48,26 - — — $ttil|d)c (tumm. Lamm,lobt Anleihe Serie 1...... 8% 5nuif|. Pnp.-B-inl Ävidple XIII iiiifiinsbiir l>i6 1034 . 48,25 - 48,5 — 96,5 — — 7% yrnnls. änp.-Hant Goldpic iintüncOüt Li« hiuü..... 4U% Rheinische Hhp. Bant Licht. Svlüvle........ 83 — — — 82.25 — — — 8% 1!r. Siuibi'tpfaiibbrielaiifiall 'üfmtbbtiefc 91. 17..... 8% 'in, Lnndecpinnbbkielmisialt 97 — 97 — Kvnun.-L.bt. 9i. 10..... 94,5 — 94 _ 7% '13r. Caiibcnilaubbtlcfanftali, Vldiibbtlelt Ui. 10 ... C.v G. üt>ß. Dorkrl»üL-Lbii-ation 88,5 - 88 — lUdtaUlbar 1982 91,5 — — — 4% LeNerkelchtich« «Bolbrir — _ 4.2o0o Cflltn. Silbern 4% Lellcrreichilche Einheitliche — — — — Rente....... . . . 4% Vngarijche «Dolbtte . . 2.1 — — — 23 w* 23-13 23,3 4% Uiiflnrlldje Eiaatßr v 1910 21,4 —— '1.6: 41/-",. cetfll. von 1018 . . . — — 22.75 — 4% Unlivunlh- Kronenrtr.. . 2,1 — 2.15 2,15 4% lütl. HollaiilrllK v 1911 4% TurMche «agdabbahn «n Serie i /. 9 7,9 I I ••,95 8 <•/„ dee.it S-rU II 6% Olunilniftfir vereinh. Rente 7,9 — 7,9 7,9 von 1903 ■ . . . . 10,25 —— 10,1 4h . dl-arfinhdir verein!, fliciiu von 1913 ....... 15,25 15,4 — 4% Juiiiaiiildir vereinh. lettu . — 8 — ranlkurt a M Beritt .-dlnilr ! fture ] Unmut edfluß i ftni? ; Äniang- ftur. Datum 18 1 20 1 18 1 20 1 Hamdurg-Amerila Paiei . ßatnb.-Sübam. Damptzch . b panla $01111(14)111.....io WorDbcuiidiec Lioyb.....> Attg. Deutiche Urcsitanst. . 1< Barmer Banlverein . . . . 1< Berliner HanvelegeieUich. . 1- Lommerz. unb Prival-Boni >> Darms!, u. 9lationcdbaul . 1. Deutiche Bank..... 1' $letonto-6)c|eU!(f|a|i, Kni. • V Dreevner Ban!......1' Mcichaban- 1 a.tt.® . Bergmann . . liltlit. Lieferung«gelclltchofi b Licht uno flrafi n Kellen & Guilleaume. ... 7h (8cl. f. Gleftr. Untern.. ... 10 Hamb, (Sleftr -Werke .... 1 Rhein. Glefit.........i Schlei. (fleh> ......io (ädiuderl 4lttp, .....11 Eiemen» & Hauke....... rraneradio.........6 Lahmeyer chEo.......10 ifluoeruj . .......6 Deutiche Grbdl.......6 Sliener Steinkohle......v* Velirnkirchener . ...... 8 Harvener..........0 6ovid) Eiten..... . . 6V, Hilf tUergbau .......1( SUmLi, riuette ....... Äöin Ulrurllen .... 7 Mannesman •flfOhire .... 7 ’Mlatufcloe- Öjngbau..... tbertch'ei. (flau eoan .... Cbcridjlei liohroerte.....7 Bbonir Bergbau......6h fihe'niich-- BrauiUohlea... 10 Slheinstah! 6 Ktebtd Montau......7,2 105 105,25 122,6 122.6 159 243 151.76 1'1,75 151.5 296. D 176.25 212 168 165.5 123 166 182 309 170 69.4 107 142 143 241 106.26 HO iO3.5 77.5 105 121.5 107,1) 106,75 16g 153 153 298 175.5 170 194 299 173 71 109 144 - 113 >06 6 i ' 106.5 156.6 106 123 124 188.25 159 243.5 H2.25 152,25 152 295,5 175.13 213 169,5 166.25 123 75 166,5 18t 142 160.9 192 308,25 169,5 70 107.5 140,75 143.h 143 118 242 IU7 116 llu 110 75 103 105.65 255 10713 176 157 107,13 123 9 124.75 189 160 244.75 163 153 162,5 296,5 173.25 214.76 169.9 169 125-23 169.6 136 142 164 193 7 300 171,6 71 109.26 141.75 143,75 144 120.21 244 108 5 118 112 111 104 13 106.75 123.5 107,75 'rantfuri a M Berlin eriiinb* UH. Schlug dtii lang- Kurs Knr ftiir. nur. Datum 18. 1 20 1 18 1 20 1 Bereinigte Stahlw . . . 104 — TÖT 10S 5 Ctaöi Minen . . 16'/. 57,25 — 57,5 58 ftai werte *211 dKtdleöen . . 1 208,5 212-76 208.5 212.75 va werte Weite.egeln . 10 213 217-5 214.5 217.73 6autuet e SaUüetturth . 15 343 348 344,25 348.2 ® Rntben^nouliTle . . . 12 181,25 180,75 I81,)3 180,75 Dnnamit 'Jiobel..... . . 6 — — Scheide anitoU...... . . u 149,75 150 —- Golvichmiot...... . . b 68 — 68,5 70 Rütgerrwerte...... . . 6 76,4 79,25 77 77,75 Metal lgeielllchaft .... . . 8 115.25 — 117 118 Philipp Smumann 90 — 97,5 100,5 Lernen wert Heidelberg . . . 10 119,5 — — Zementwerk Uarlstadl . . . 10 - - — toaeti x 150 152 146.5 150 (lljarlöttfnburgcr ÄÜagec . . . 8 — — 103 104.5 Deiiauer cha» ... . . 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Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten ....... Schweizer Noten . ...... Spanische Noten ..... . Tlchechoslowatiiche Noten..... Ungarische Noten ..... 4,168 58,10 111,58 20,335 16,44 167,71 21,87 111,53 58,63 2,475 112,03 80,99 54.79 12,34 72.95 4,188 58,34 112,02 20,415 16,50 168,39 21,95 111,97 58,92 2,495 112,47 81,31 55,01 12,40 73.25 18 Ianua, 20 Iatnnn Äntllich' Notierung tllnttürhe Neuerung Weir Brtei 6eik Art f Nm't.-Nott 168,00 168.34 167.94 168.25 Buett.Aires 1 661 1,665 1.663 1.667 Brll'2intw 58,215 58.33 58.19 58,31 (Sbriftinnln 111.72 111.94 111.68 111,80 Qove rilinaett 111.87 112.09 111,86 112.08 Stockholui 112,21 112.43 112,18 112,40 Hciiingsors 10.505 10-525 10.503 10,523 Italien. . . 21.87 21.91 21.87 21.91 London. . . 20.39U 20.309 20.346 20 306 Ncunork . . 4,1810 4.1890 4.1000 4,1880 'ßnriu... 16.425 16.415 16.445 Schweiz . . 80.775 80,905 80.76 80,92 Eva tlcn 55,19 55.31 55.14 55,26 Japan j 2,0-i3 2,057 2.056 2,060 Hio de (san 0,471 0,473 0,471 0,473 Wien in D-. Cefi. abgeft 34.78 58,10 ov.79 58,91 Prag ;2.J72 12,392 12.360 12.386 Bel t rad 7.390 7,404 7.375 7.389 Budav.li. 73,11 73.25 73,10 73,24 Bul arten 3,029 3.635 3,029 3,035 i'tffaboti H.79 18.63 18,77 18.81 Tonjlg 81.31 81,47 81,31 81.47 Wonit ntln. 1 980 1.984 1 976 1,980 Atljen 5.435 5,445 5,435 5,445 banoba 4.126 4,134 4,129 4.137 Um uao 3,866 3-874 3,856 3.864 ttatro . . . 20,87 20,91 20,875 20,915 r-» o B s <3 r-» E Ü c E <* E ct 5 ff- _ ö s ff _ c^if^°ö5 ZL a a c .ZH- c 3 ypg - VffLS^ZHL : _ -3 O A * u 5 C *“ O *G*" MZL^§Z 6? e3 o Ö-Ea^ e~äE Cf) a Ffe o ff 53?® — 3-3 = CA O! AHK •ss $ og) -e .2 3i- e ots V o 19 Z. C M 'S to .ffff I H H 5 *3 ff 3^Sls® S^s § §• ^sSgLj' £ c — ff 2? dZ^Mk imiiiil £ c E « c E E3t-g8?E ilH •?|:| Ä ”m£ 11 SLAZ 551§ ’s X cffa ff S'6' ^luua-g „-nÄ-° S s3“ •esi L m 2 ocfo _■ X H 3 R 5 a |=|4]£:E WS-E EEL * 5= » 5^48 2 Bl a. P tf. _ B u C ff S- ff ff — pö re .© CT- Ä|?8gT^Ä8 SSCp; „ff-El o 3 ff . 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