Nr. 271 Erstes Blatt 180. Zahrgang Mittwoch, 19. November 1930 Eriche >nl tügl'ch.cmtz« Sonntag» und Feiertag». Bcflaatn: The Illustrierte Siebener Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNurnmern mfolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse anterSammdnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Olehea. Postscheckkonto: KrontsuNam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfitäl5-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriflleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" „ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dieben. Wünsche und Wirklichkeiten. Unter dieser Überschrift schreibt der „Deutschen-Spiege l", eine Zeitschrift, Werben Kreisen des Reichsbürgerrats um Staatsminister v. Loebell nahefteht und sich seinerzeit für die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten besonders energisch eingesetzt hat: II. Die enge Verflechtung der Innen- und Auhen- politik wird immer klarer. Man erkennt immer deutlicher, datz der Reichskanzler feine ganze Innenpolitik in den Dienst des Revisionsgedan- kenS stellen will und seine Außenpolitik darauf richten möchte, Deutschland auch im Innern wieder seine Bewegungsfreiheit zurückzugeben. Wir sollten uns jetzt weniger um die Reihenfolge der notwendigen Schritte streiten. Wenn die einen sagen, daß keine wirkliche Ordnung in die Finanzen und in die Wirtschaft kommen könne, ehe nicht die Tribute herabgesetzt seien, so haben sie damit relativ recht. Wenn die anderen behaupten, daß jede aktive Revisionspolitik davon abhängig sei, daß Deutschland zunächst einmal im Innern die Bewegungsfreiheit wiederge- winnt, weil wir uns nicht nochmals mit finanziell gebundenen Händen an den internationalen Verhandlungstisch setzen könnten, so haben sie auch recht. Der akademische Streit hierüber kann solange geführt werden, bis Deutschland schließ- lich alle Gelegenheiten zum Wiederaufstieg verpatzt hat. Es gibt in der politischen genau so wenig wie in der militärischen Strategie Pläne, die im voraus bis in die letzten Einzelheiten hinein ausgerechnet werden können. Ieder Führer Weitz, daß alle seine Dispositionen nur bis zum ersten Zusammenstoh mit dem Feinde Geltung haben, und datz dann, je nach der taktischen Lage und nach der Gegenwirkung des Feindes, neue Entschlüsse zu fassen sind, die natürlich auch alle der Erreichung des grotzen operativen Ziels angepatzt sein müssen. Auch in der Politik steht nichts fest als das Endziel. Die Wege dazu zu finden, ist die Sache des Führers, der dabei als selbstverständliche Voraussetzung mit dem Vertrauen seiner Gefolgschaft rechnen mutz. Vertrauenskrisen mitten in der Schlacht sind das Schlimmste, was einem Feldherm und seiner ganzen Armee passieren kann, trotzdem es auch in der Geschichte genügend Beispiele dafür gibt, datz gerade die besten Führer mit solchen Widerständen kämpfen muhten und sich dabei durchgesetzt haben. Die autzenpolitischen Absichten des Kabinetts Brüning find zur Zeit nod> recht undurchsichtig. Daraus lätzt sich noch nicht ohne weiteres ein Vorwurf ableiten: Vielleicht bedürfen gerade diese Absichten des Dunkels, das noch über ihnen liegt. Abgesehen davon, datz sich die Abrüstungsfrage zu dem zentralen Problem der europäischen Politik überhaupt zu entwickeln scheint, will der Kanzler offenbar die notwendige Aktion zur Wiederausrollung der Tributfrage noch solange zurückstellen, bis er im Innern eine klare Bahn geschaffen hat. Leider bewegt sich die deutsche Innenpolitik immer noch in dem unfruchtbaren Kampf zwischen einer Regierung, die mit aller Macht die Röte der Gegenwart und die Sunden der Vergangenheit zu überwinden trachtet, und Oppositionsparteien links und rechts, die eben wegen dieser Röte immer neuen Auftrieb gewinnen. In diesem Kamps hat die Regierung den Rachteil, datz sie praktische Arbeit leisten und von den inneren Reformaufgaben ?unächst diejenigen angreifen mutz, bei denen ie niemals in der Wählerschaft Lorbeeren ernten kann, während die Oppositionsparteien in aller Ruhe solange warten können, bis die Zahl der verärgerten Zuläufer ihnen eine Beteiligung an der positiven Arbeit zur unabweislichen Pflicht macht. Die Herabsetzung der Beamtengehälter, die Verkürzung der sozialen Leistungen, die Beschränkung der öffentlichen Ausgaben, die Herabsetzung der Löhne, das alles sind Matznah- men, die sich sehr fühlbar im Leben jedes einzelnen auswirken, und die sehr leicht in der Agitation zum Beispiel so dargestellt werden können, als wolle die Regierung das Aeutzerste aufbieten, um immer wieder nur ■ „erfüllen" zu können. Wenn die radikale Rechte dabei noch so manövriert, datz die Reichsregierung stets auf die halbe Hilfsstellung der Sozialdemokratie angewiesen bleibt, so ist es dann für sie sehr leicht, im deutschen Volke Mißtrauen zu säen und dem unpolitischen Staatsbürger klarzumachen, datz die Rechtsopposition sich nur gegen dieses unnatürliche Bündnis der Regierung mit der Sozialdemokratie richte. Es gehört schon ein gewisses über dem Durchschnitt liegendes Matz von politischem Verständnis dazu, einzusehen, in welche schwierige Lage die Sozialdemokratie durch die Regierungstaktik hereinmanövriert worden ist. Der Schiedsspruch in der Metallindustrie war z. B. eine Probe daraus, ob die Sozialdemokratie sich wirklich zu einer Art staatsbürgerlicher Haltung durchringen könne. Sie hat diese Probe nicht bestanden Für die Partei Brauns und Severings gilt Demokratie nur so lange, wie sie ihr Vorteil bringt. Fällt ein Schlichterspruch gegen den Willen der Freien Gewerkschaften aus, dann spricht man von einem Schlag gegen das Schlichtungswesen und möchte am liebsten die ganze Institution verdammen, die man selbst einst geschaffen hat. Wir gönnen der Sozialdemokratie diese Schwierigkeiten, die sie, sich infolge ihrer sinnlosen und wirtschaftsfeindlichen Agitation selbst zuzuschreiben hat. Vor allem aber hoffen wir, datz sich die Rationalsozialistische Arbeiterpartei daraus die notwendige Lehre ent- trimmt Iede übertriebene Agitation bricht einmal Dingeldey wird als Nachfolger von Dr. Scholz Führer der Deutschen Volkspartei. Dr. Scholz legt aus Gesundheitsrücksichten seine Parteiämter nieder und bringt den Abgeordneten Dingeldey-Darmstadt als seinen Nachfolger in Vorschlag. Berlin, 18. Rov. (VDZ.) Der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, hat sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt gesehen, seine Aemter als Partei- und Frak- tionsvorsihender der Deutschen volksparlei nieder- zu legen. Der Parlelvorstand hatte einstimmig beschlossen, an Dr. Scholz das dringende Ersuchen zu richten, wenn feine Gefundheit es irgend gestattet, seinen Enlschluh rückgängig zu machen. Dr. Scholz beharrte aber auf feinem Lnlfchlutz. Der Parleivor- stand beschloh daher heule, dem am 30. November zusammentretendcn Zentraloorsland den Reichstags- abgeordnelen D i n g e l d e y entsprechend dem ausdrücklichen Wunsch des Herrn Dr. Scholz als Parteiführer in Vorschlag zu bringen. Ls gilt als sicher, datz Abgeordneter Dingeldeyauch Vorsitzender der Reichstagsfraktion der Deutschen Volksparlei wird. Diese Wahl kann jedoch nichl in der Sitzung des Zentralvorstandes erfolgen, da dies eine Angelegenheit der Reichstagsfraktion selbst ist. Ls ist anzunehmen, datz sie autzer- dem vielleicht die Abgeordneten Dr. Hugo und Da u ch zu stelloerlretenden Vorsitzenden wählen wird. Sein Reichslagsmandat wird Dr. Scholz beibehallen. * In führenden Kreisen der Deutschen Volks- Partei wird betont, datz der Wechsel in der Parteileitung keine Aenderung der politisch e n Q i n i e bedeutet, die bisher verfolgt wurde. Das gehe schon aus der Tatsache hervor, datz der Abg. Dingeldey von Dr. Scholz selbst zum Rachfolger vorgeschlagen worden ist. Rechtsanwalt Dingeldey nimmt bereits feit einer Reihe von Iahren eine führende Stellung in der Deutschen Dolkspartei ein. Er ist seit 1919 Mitglied des Hessischen Landtages und Vorsitzender der Deutschen Volkspartei in Hessen, feit 1922 Mitglied des Vorstandes der Gesamtpartei. Ferner wird festgestellt, datz der Rücktritt Dr. Scholz' tatsächlich nur in Gesundheitsrück- sichten zu suchen ist. In den ersten Tagen, die er in Locarno verbrachte, schien es, als habe sich sein Zustand bereits gebessert. Dann aber trat plötzlich eine s o starke Verschlechterung ein, datz der Arzt ihm dringend anriet, sich von den Anstrengungen und Aufregungen der politischen Führung zurückzuziehen. Auf diese Eröffnung hin ist der Abg. Dingeldey dann nach Locarno gefahren, um Dr. Scholz im Auftrage des Parteivorstandes den Vorschlag zu machen, datz er zunächst noch einen vierteljährigen Urlaub nehmen möchte, um nach seiner Wiederherstellung die Führung der Partei wieder zu übernehmen. Dr. Scholz hat daS jedoch a b gelehnt, weil er der Auffassung ist, datz die Partei schon jetzt eine straffe Führung braucht. Aus dieser Entwicklung ergibt sich, datz Meinungsverschiedenheiten politischer oder organisatorischer Art keine Rolle gespielt haben. Scholz schreibt an den Parteivorstand: Berlin, 18.Rov. (TU.) In einem Brief, mit dem Dr. Scholz von der Riederlegung seiner Aemter als Partei- und Fraktionsvorfiyender dem Parteivorstand der Deutschen Volkspartei aus Locamo Kenntnis gibt, heißt es u. a.: Als ich zu Beginn dieses Iahres die Geschäfte des Parteiführers und des Fraktionsvorsitzenden nach meiner so schweren Erkrankung übernahm, durste ich es in der Hoffnung tun, den Belastungen gesundheitlich gewachsen zu sein. Der Parteitag in Manrcheim, die Regierungskrise, die schwierigen und andauernden Verhandlungen des Sommers, die Auflösung des Reichstages, der Wahlkampf stellten besonders schwere Anforderungen an Körper und Rerven. Ich hatte mir z u viel zugemutet. Darüber hinaus brr arg1 aber cul> das Ges m int r. f: der Part i gerade im Augeichlick eine starke und energische Führung. Ich habe mich daher, wahrlich nicht reichten Herzens — entschlossen, meine Aemter als Vorsitzender der Partei und der Fraktion niederzulegen. Dieser Entschlutz ist reiflich überlegt und unwiderruflich. Er wird mir durch zwei Erwägungen erleichtert. Einmal kann ich mit Freude und Genugtuung feststellen, datz gerade im jetzigen Augenblick, der stärkste politische Aktivität verlangt, die Fraktion im Reichstag und wie ich glaube auch die Partei, einia sind in der Gesamtauffassung, wie ich sie seit Beginn meines politischen Lebens Rom, 18. Roo. (TN.) Der Ministerrat hat am Dienstagvormitlag nach Prüfung der kassenlage, die für das erste Viertel des Haushaltsjahres einen Fehlbetrag von 72 9 Millionen Lire aufweist, beschlossen, keine neuen Steuern einzuführen, noch die bestehenden Steuern zu erhöhen, sondern unverzüglich Sparmahnahmen durchzuführen. Der Minislerrat hat In diesem Sinne ein Geseh- dekrct angenommen, das ab 1. Dezember d ie Gehälter sämtlicher Beamten, Angestellten und Hilfsarbeiter des Staates und aller übrigen öffentlichen Körperschaften und halbstaatlichen Gesellschaften um 12 v. h. kürzt, von dieser Kürzung werden ebenfalls die Familien-, Feuerungs- und sonstigen Zulagen betroffen. Die Herabsetzung st e i g e r t sich auf 25 v. h. für die Einkommen über 40 000 Lire jährlich und auf 35 v. h. für diejenigen über 60 000 Lire in allen staatlichen Verwaltungen und irgendwie vom Staat abhängigen Betrieben. Diese Mahnahme wird mit folgenden Erwägungen begründet: 1. Die Bezüge aller Arbeiter haben in den letzten Monaten eine beträchtliche Herabsetzung erfahren. 2. Ls liegt im Interesse der Staats- ange st eilten selb st, datz das Budget- gleichgewicht gewahrt wird. 3. Die Senkung der Bezüge soll und wird eine weitere Beschleunigung im Rachgeben der Kleinhandelspreise und der Mieten herbeiführen. Der Minislerrat weist in seiner Begründung darauf hin, das Programm des neunten Iahres bestehe in der Linstellung des gesamten Wirtschaftsleben auf den feil drei Jahren feststehenden wert der Lira nach der Formel: Eine Vorkriegslire 3,66 Gegenwarlsllre, wobei dieser Werl unter Berücksichtigung der verminderten Kaufkraft des Goldes auf 4 abgerundet werden müsse, während die Regierung die Bezüge des ganzen Personals des Staates und der öffentlichen Betriebe diesem Verhältnis 1:4 an paffe, beabsichtige sie auch in der gleichen weise ihre p r o - unbeirrt vertreten habe, und zum zweiten glaube ich einen Rachfolger Vorschlägen zu können, dessen unverbrauchte Kraft die schwierigen Probleme der Zeit zu meistern in der Lage ist und zu dessen Gesamteinstellung ich vollstes Vertrauen besitze. Ich gestatte mir deshalb, dem Parteivorstand die Anregung zu geben, unseren Freund Dingeldey dem Zentralvorstand zur Wahl als Parteiführer in Vorschlag zu bringen. Schwerstes Hemmnis für meinen Entschlutz war der Gedanke, datz mein Schritt als Flucht ander Verantwortung gedeutet werden könnte, nachdem die Partei bei den letzten Wahlen eine unzweifelbare Riederlage erlitten hat. Ich habe dieses Hemmnis überwunden, gerade weil ich von höchster Verantwortung gegenüber meiner geliebten Partei durchdrungen bin und weil ich unerschütterlich an ihre Zukunft glaubet buffe und Dien ff lei ff ungen zu behandeln und alle Formen der prioalwirfschaff auf diese jetzt universale Rofwendlgkeif hinzuweifen. • Don der Gehalts- und Lohnkürzung werden rund eine halbe Million Beamte und Angestellte der staatlichen Betriebs Italiens betroffen. Außer dem eigentlichen De- amtenpersonal, das mit ungefähr 60 000 angegeben wird, gehören dazu 190 000 Beamte und Angestellte von Eisenbahn, Post und Telegraph, die bei den Staatsmonopolen Angestellten, deren Zahl sich auf rund 25 000 beläuft, und überdies 160 000 Gemeindebeamte, Lehrer usw. Ihre Iahresbezüge betragen nach einem Kommentar des „Giomalel d'Italia" zur Zeit gegen neun Milliarden, so daß sich durch die zwölfprozentige Kürzung eine Iahresersparnis (für bem Staatshaushalt, die Gemeindefinanzen und die Staatsbetriebe von über einer Milliarde Lire ergibt. Die Gehaltskürzungen müssen nach der Meinung der Zeitungen natürlich ergänzt werden durch eine baldige allgemeine Preissenkung, für die die Regierung bereits eine Reihe von Maßnahmen getroffen hat. Der Schritt der Regierung hat großes Aufsehen erregt insofern, als er in feinem Umfange unerwartet kam. Die Tragweite dieser einschneidenden Maßnahme ist noch nicht zu übersehen, zumal bisher jegliche Kommentare über das finanzielle Ergebnis der Kürzungen fehlen und auch amtlicherseits keinerlei Berechnungen bekanntgegeben worden sind. Eine Schätzung ist um so schwieriger, als die Kürzungen sich nicht nur auf die Gehälter, sondern auch auf all« Zulagen und außerdem nicht nur auf die Beamten und Angestellten des Staates und bec öffentlichen Körperschatten, sondern gleichfalls auf alle neben- und halbstaatlichen Einrichtungen beziehen. Man erwartet allgemein, daß Hand in Hand mit der Gehaltskürzung ein von Staats wegen geförderter Abbau der Lebenshaltungskosten erfolgen wird. In welcher Weise der Staat in den Preisabbau eingreifen will, ist zunächst jedoch noch nicht $u übersehen, zumal aus der amtlichen Mitteilung über die Dienstag-Sitzung des Ministerrats her- vvrgeht, daß eine etwaige Rückkehr z u Zwangspreisen und dergleichen staatlichen Regelungen, wie sie aus der Rachkriegszeit bekannt sind, nicht vorgesehen ist. EmVenvaliungssparprogrammlllllffolMS Ausgleich des Staatshaushalts durch Gehaltskürzungen der Beamten. zusammen. Sie Scheinerfolge, die eine Partei damit erzielen kann, basieren auf keinen wirklichen Werten und müssen deshalb nachträglich stets vom ganzen Volke bezahlt werden. In der nächsten Zeit treten die Reichstagsausschüsse zusammen, die sich mit der Rachprüfung der ersten Rotverordnung des Reichspräsidenten zu befassen haben. In welch schnellebiger Zeit leben wir: Was noch vor wenigen Wochen Gegenstand erbittertster Kämpfe gewesen war, was die Sozialdemokratie als den „Verfassungsbruch des Kabinetts Brüning" bezeichnete, das ist heute eigentlich schon zur „ollen Kamelle" geworden. Sie Reichstagsausschüsse befassen sich mit diesen Verordnungen in einer Zeit, in der schon der Erlaß neuer und viel weittragender Rotverordnungen zur Debatte steht. Der Wert der sachlichen Verhandlungen im Hauptausschuh und im Sozialpolitischen Ausschuß ist damit erheblich gesunken. Um so aufschlußreicher werden die Ausschußverhandlungen über die andere wichtige Frage fein, ob sich die Rationalsozialisten nun nach dem trostlosen Ausgang des Auswärtigen Ausschusses auf ihre positiven staatsbürgerlichen Pflichten beforaien haben und ihre Ausgabe nicht allein in der Schaffung zugkräftiger Agitationsparolen sehen, immer in der Hoffnung, daß schließlich doch noch die anderen ihnen die Verantwortung für den Fortlauf der Staats- maschine abnehmen. Hoffentlich wird von den Rationalsozialisten auch in den Ausschüssen einmal so gesprochen, wie Httler in den letzten Wochen gegenüber ausländischen Pressevertretern wiederholt gesprochen hat. Er hat dabei eine große Reihe sehr vernünftiger Aeuherungen übet seine volitischen Ziele getan. Man möchte nur wünschen, daß auch in den Versammlungen der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die staatspolitischcn Möglichkeiten einmal so gewürdigt werden. Gewiß ist das Verhältnis des Führers zu seiner Anhängerschaft heute schwieriger geworden als jemals. Mit Ausnahme des Zentrums, das sich einer erstaunlichen Disziplin seiner Anhängerschaft rühmen kann, geraten alle verantwortungsbewußten Führer in Gefahr, sobald sie ihren Wählern die Wahrheit sagen. Dank einer jahrzehntelangen sozialistischen Agitation sind bis tief in die bürgerlichen Kreise hinein die Wähler so zur älnsachlichkeit erzogen worden, daß sie immer nur „Erfolge" sehen wollen oder „Schuldige", die sie vereitelt haben und die dafür bei passender Gelegenheit „an die Wand gestellt" werden. Das nennt man in den Wahlversammlungen mannhafte und zielsichere Politik. In Wirklichkeit ist das natürlich nichts weiter als eine, und dazu recht üble, parteipolitische Taktik einer Opposition, die sich bemüht, alles auf einfache, aber darum doch wirklichkeitsfremde Formeln zu bringen. Tlnd solche Taktik entspricht in keiner Weise den Er- sordernissen der Stunde. Es soll den Rationalsozialisten ihre Tätigkeit im Sinne eines neuen nationalen Auftriebs dankbar anerkannt werden. Aber wir bedauern, daß sie sich nicht dazu entschließen können, sich mit an der Verantwortung zu beteiligen; daß sie glauben, immer noch nicht auf die agitatorischen Mätzchen verzichten zu können, mit denen sie zur Zeit noch in den Wahlversammlungen Eindruck machen, mit denen sie aber für die notwendigen praktischen Erfordernisse nichts leisten. So paradox es klingen mag: Bei dieser Einstellung wird die Stellung der Regierung immer stärker, selbst wenn ihre parlamentarische Basis im Laufe der nächsten Monate noch schmaler werden sollte. Ein« entscheidende Einwirkung kann die nationale Opposition nur dann erzielen, wenn sie bewußt und unter Verzicht auf die bisherigen Gepflogenheiten an der kommenden stürmischen Entwicklung mitarbeitet. Wenn sie aber immer nur auf das große Wunder wartet, durch das ihr eines Tages die Macht von selber in den Schah fällt, dann wird die gleiche Entwicklung, für die sie kämpst, über sie, trotz ihres neuen Wahlerfolges in Oldenburg, hinweggehen. Die Restauration des Hauses Habsburg in Ungarn. Großjährigkeit des Erzherzogs Otto. - Ungarn und die Habsburger. Oer Ehrgeiz der Kaiserin Zita. Olm 20. November vollendet Erzherzog Otto, der älteste Sohn des letzten Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn, Karls I., sein achtzehntes Lebensjahr. Nach habsburgischem Hausgesetz erlangt er damit seine Volljährigkeit. Sein Vater, Kaiser Karl, muhte am 10. November 1918 auf die Krone verzichten und nahm darauf seinen Wohnsitz in der Schweiz. Zweimal, im März und im Oktober 1921, unternahm er den Versuch, durch einen Putsch die Krone Ungarns zurückzugewinnen. Die Versuche mißglückten, und der Kaiser wurde nunmehr von der Entente y- Erzherzog Otto von Habsburg. endgültig mit seinem ganzen Hause als der ungarischen Krone verlustig erklärt. Er wurde in Funchal auf der Insel Madeira interniert und ist dort am 1. April 1922, erst fünfunddreihig Jahre alt, gestorben. Mit seinem Tode wurde der kaum zehnjährige Erzherzog Otto Prätendent der Kronen Oesterreichs und Ungarns. Ungarn ist auch nach seiner heutigen Verfassung, die ihm von seiner Nationalversammlung gegeben wurde, noch ein konstitutionelles Königreich. Sein offizielles Oberhaupt, der Reichsverweser, führt sein Amt nur als Ver- treter der Krone. Es ist also nach der Verfassung jederzeit möglich, den Thron wieder mit einem König zu besehen. Und insofern hat die jetzt eintretende Volljährigkeit des Kronprätendenten Otto eine Dedeutung, die über ein gewöhnliches Maß hinausgeht. Wird es hem Erzherzog Otto gelingen, seine Ansprüche auf den Thron in irgendeiner Form geltend zu machen? Das ist die Frage, die jetzt akut wird und die in diesen Tagen die politische Welt in besonderem Mähe beschäftigt. In Ungarn selbst herrscht zweifellos der Wunsch, die Frage der Thronbesehung in absehbarer Zeit zu klären und mit dem jetzigen interimistischen Zustande des Reichsverwesertums ein Ende zu machen. Eine republikanische Richtung, die irgendwelchen Anspruch auf eine Bedeutung machen könnte, gibt es in Ungarn nicht. Nur das ist die Frage, ob man den heutigen Zeitpunkt schon für geeignet hält, den Thron wieder mit einem Fürsten zu besetzen. Der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat noch vor gar nicht langer Zeit geäußert, das Land habe jetzt drängendere Sorgen als die der Thronbesetzung. Und auch der Reichsverweser Admiral v. H o r t h y dürfte auf diesem Standpunkt stehen. Trotzdem darf man annehmen, daß sie sich beide nicht einem Ereignis in den Weg stellen würden, das der tatsächlichen Wiederherstellung des Königstums den Weg bereitete. Das ungarische Volk aber würde — das steht fest — in seiner weit überwiegenden Mehrheit mit Begeisterung einem neuen König zujubeln. Bis vor kurzer Zeit noch war die Personenfrage strittig. Aber auch diese Schwierigkeiten sind jetzt behoben worden. Ungarn war in zwei Lager gespalten. Die einen, allerdings wohl die Minderheit, trat unter der Führung des sehr einflußreichen Grafen Apponyi für die nach dem habsburgischen Hausgesetz legitime Thronfolge des Erzherzogs Otto ein, während die andere Richtung den Erzherzog Albrecht, den Sohn des Erzherzogs Friedrich, auf den Schild erhoben hatte. Der Kampf um die Entscheidung, wem das Thronfolgerecht zufallen sollte, spielte sich weniger zwischen den beiden Prätendenten als zwischen ihren Müttern ab, der sehr ehrgeizigen früheren Kaiserin Zita, die wenigstens als Königin-Mutter wieder eine Rolle zu spielen trachtete, und der Erzherzogin Isabella, die sich nicht minder danach sehnte, das bescheidene Dasein einer Erzherzogin ohne Bedeutung mit dem Glanze eines Hofes zu vertauschen, dessen König ihr Sohn war. Man sagt, daß die Erzherzogin Isabella Unsummen für die Agitation zugunsten ihres Sohnes ausgegeben habe. Aber Erzherzog Albrecht selbst hat seiner Mutter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und auch hierbei war eine Frau im Spiele. Der Erzherzog verliebte sich in die Gattin des ungarischen Gesandten im Haag, v. Dubnay, die Tochter eines bürgerlichen Gutsbesitzers deutscher Abstammung in Ungarn. Sehr gegen den Willen seiner Mutter schloß er, nachdem die erste Ehe der Frau v. Rudnay geschieden worden war. mit dieser in London die Ehe. Und diese illegitime Heirat zerstörte natürlich die Aussicht auf den Thron. Hinter dem Rücken einer grollenden Mutter hatte der Herzog eine Zusammenkunft mit der Kaiserin Zita und ihrem Sohne Otto und verzichtete ihnen gegenüber ganz offiziell auf jeden Thronanspruch. Er reiste mit seiner Gattin nach Amerika, wo er noch heute glücklichen Flitterwochen und seiner Begeisterung für das Flugzeugwesen — er ist selbst ein geschickter Pilot — lebt. Damit ist auch nach dieser Richtung der Weg zum ungarischen Königsthron für den Erzherzog Otto frei geworden. Er ist jetzt der einzige Prätendent. Diese Prätendentur ihres Sohnes in eine Konigskrone umzuwandeln, ist Kaiserin Zita seit Monaten mit einem außerordentlichen Eifer bemüht. Sie soll, wie es heißt, Beziehungen zu Italien angeknüpft haben, um eine Vermählung des Erzherzogs Otto mit einer italienischen Prinzessin anzubahnen, und man muß annehmen, daß es ganz im Sinne Mussolinis liegen würde, auf diesem Wege eine engere Liierung zwischen Italien und einem künftigen ungarischen Königtum zu erzielen. Auch den König Albert von Belgien soll Kaiserin Zita bewogen haben, sich für die Restauration in Ungarn einzusehen. Man berichtet, König Albert habe schon bei Briand anfragen lassen. Tatsache ist, daß die Kaiserin schon vor einiger Zeit am luxemburgischen Hofe mit Vertretern der französischen und der belgischen Diplomatie zu- fammentraf und daß zu der gleichen Zeit auch der Oesterreicher Dr. Seipel in Luxemburg weilte. Was hier besprochen wurde, entzieht sich natürlich jeder Kenntnis. Doch drängen die Verhältnisse auf eine Erledigung dieser Frage zu, und sicher wird die Großjährigkeitserklärung des Erzherzogs Otto den Dingen einen neuen Anstoß geben. Man darf nicht überrascht sein, wenn in absehbarer Zeit sich in Ungarn Ereignisse abspielen werden, von denen es nicht ausgeschlossen ist, daß sie neue Wirrnisse in den Südosten/ Europas hineintragen und hier neue Gegensätze entfesseln werden, deren Tragweite man heute noch nicht übersehen kann. Ganz abgesehen von dem Auftrieb, den auch der schwarzgelbe Legitimismus — in Oesterreich — dessen Gefahren bei uns sehr unterschätzt werden — aus der Restauration der Habsburger in Ungarn erhalten müßte. Die Großjährig'eitserklarung. Wien, 18. Nov. (TU.) Von legitimistischer Seite wird mitgeteilt, daß anläßlich der Großjäh- rigkeitserklärung des Erzherzogs Otto keine, Manifeste erlassen würden. Am 20. November werde lediglich im Schlosse Ham bei Steenockerzeel in Belgien eine Familienfeier stattfinden, deren Bedeutung nur darin bestehe, daß Otto als Großjähriger an die Spitze des Hauses Habsburg trete. Außer den Familienmitgliedern werden aus Oesterreich und Ungarn nur eine kleine Abordnung von Mitglied dern des ehemaligen Hochadels sowie einige hohe Militärs teilnehmen. Don den nächsten Verwandten sind bereits die Großmutter, Erzherzogin Maria Iosefa, Erzherzog Max und Herzog Max von Hohenberg auf Schloß Ham eingetroffen. Am Donnerstag wird der ehemalige Wiener Burg- Pfarrer Bischof Dr. Seydel in der Schlotzkapelle eine Pontifikalmesse mit anschließendem Tedeum zelebrieren. Dor oder nach dem Hochamt wird die Erklärung der Großjährigkeit stattfinden. Noch am gleichen Tage werden die Gäste von Schloß Ham wieder abreisen. Dementis von allen Seiten. Die ungarische Regierung zur Königsfrage. Budapest, 18. Nov. (TU.) In verschiedenen ausländischen CBIättem sind in letzter Zeit im Zusammenhang mit der Dolljährigkeit des Prinzen Otto zahlreiche aufsehenerregende Nachrichten erschienen. An zuständiger Stelle wird dazu erklärt: Der Standpunkt der ungarischen Regierung ist unverändert, der durch das Gesetz von 1921 (Dethronisierungsgesetz des Habsburger Hauses) klargelegte Standpunkt. Es liegt keine Ursache vor, ihn zu verändern. Ministerpräsident Graf Bethlen hat in seiner Rede im Juni dieses Iahres erklärt, daß eine Aende- ning infolge des den Großmächten erteilten Der- sprechens nur durch vorherige Zustimmung des ungarischen Parlaments erfolgen kann. Auch von feiten der königlichen Familie liegt keine Absicht für ein Abenteuer vor. Dies wird bekräftigt durch das Dementi, das vor kurzem in Steenocker- zeele, dem jetzigen Aufenthaltsort der königlichen Familie in Belgien, ausgegeben wurde. In der ungarischen öffentlichen Meinung verursacht es eine gewisse Erbitterung, daß einzelne ausländische Zeitungen und Nachrichtenbureaus, die in dieser Angelegenheit Unruhe stiften wollen, wie allgemein bekannt ist, in enger Verbindung mit Prag stehen. Das SteuervereinfachungsgeseH Differenzen mit den Ländern im Neichsrat. B e r I i n, 18. Nov. (DDZ.j Die Reichsratsaus- schüsse berieten am Dienstag unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und in Anwesenheit der führenden Ländervertreter dasSteuer - vereinfachungsgeseh. Nachdem der preußische Ministerialdirektor Dr. Hog als Berichterstatter gesprochen hatte, wurde die Generaldebatte durch Ausführungen des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. He l d eröffnet. Dem bayerischen Ministerpräsidenten antwortete sofort Deichsfinanzminister Dr. D i e t r i ch. Es kam über das Steuervereinfachungsgesetz zu einer außerordentlich lebhaften Auseinandersetzung. Das Vereins achungsgesetz, das durch Beseitigung kleiner Steuermöglichkeiten, deren Erträgnis mit den Verwaltungskosten in keinem Einklang steht, bestimmte Mindereinnahmen ergibt, insbesondere auch durch die vorgesehene Vereinfachung der Agrar - undReal- steuern, sollte nach dem Wunsch des Reichsfinanzministers ohne Ausgleich der geringeren Einnahmen für die Länder verabschiedet werden. Cs wad sogar geplant, den DSrchsanteil an ben zu erwartenden Mindereinnahmen bei den Länderüberweisungen abzu st reiche tz. Der Dcichsfinanzminister empfahl den Ländern, diesen Ausfall vor allem auf dem Gebiete einiger Verbrauchssteuern, etwa der Bier- vder Getränkesteuer, hereinzuholen. Hiergegen wandte' sich vor allem der bayerische Ministerpräsident Dr. Held, worauf der Deichsfincmzmini- ster andere Komvromißvorschläge machte, ohne daß es bisher zu einer Verständigung gekommen wäre. Die ursprünglich für den Nachmittag und für den Bußtag angesehten Ausschußsitzungen fallen aus, dg sich herausgestellt hat, daß dis umfangreiche Materie dieses Gesetzes bis zum Donnerstag nicht mehr erledigt werden kann. Das SteuervereinfachungsgeseH wird daher von der Tagesordnung der Vollsitzung des Reichsrates am Donnerstag ab gesetzt werden. Dis Ausschüsse halten zunächst nur am Donnerstagmittag noch eine Sitzung ab, um die dritte Lesung der Tabak st euernovelle vorzunehmen. Die Plenarsitzung findet um 1Z Hhr statt. Ein Protest des Deutschen Beamtenbundes. Gegen die Vorverlegung der Gehaltskürzung. Berlin, 18. Nov. (BDZ.) Die Bundesleitung des DBB. hat heute zu dem gestrigen Beschluß der Reichsratsausschüsse, die Gehaltskürzung bereits am 1. Februar 1931 eintreten zu lassen, Stellung genommen. Dem Deichsrat wurde folgender einstimmig gefaßter Beschluß unverzüglich weitergeleitet: ®ie Leitung des Deutschen De- arntenbundes ist erstaunt und empört über den Beschluß der Deichsratsausschüsse, wonach die von der Deichsregierung für den 1. April nächsten Iahres geplante Gehaltskürzung bereits am 1. Februar eintreten soll. Die Beamtenschaft hat Verständnis für sachlich begründete Notwendigkeiten bewiesen, sie lehnt jedoch entschieden ab, zum Objekt eines politischen Geschäfts gemacht zu werden. Die Bundesleitung erwartet von der Vollsitzung des Deichsrates, daß sie dem Beschluß seiner Ausschüsse nicht z u st i m m t. Oie Sozialdemokraten für Staffelung der Bürgersteuer. Berlin, 18. Nov. (VDZ.) Der Vorstand der sozialdemokratischen Deichstagsfraktion nahm einen Bericht über die Unterredung entgegen, die die sozialdemokratischen Fraktionsführer mit Hauch von Paris. Äon Albert H. tausch. IV. Comedie mondaine. Boulevards exterieurs. In Paris gehe ich weit öfters in ein Theater als in Berlin. Es ist durchaus möglich, daß in Berlin heute besser gespielt wird. Ich weiß es nicht. Aber ich höre es doch sehr oft von Leuten sagen, die ein zuverlässiges Alrteft haben. Damir Theater — in welcher Form immer — niemals eine rein geistige Angelegenheit war, sondern weit eher eine solche der Unterhaltung und des sinnenhaften Genießens, da mich niemals das sogenannte Problem, sondern die Bewegung auf der Bühne schlechthin beschäftigt, so mußten mich viele der neueren deutschen Stücke — und gerade die „ernsthaften" — gleichgültig lassen. Wichtigtuerei von der Bühne herunter ist mir immer lächerlich erschienen^ Spiel, das aufhört ein Spiel zu sein, hat keinen Reiz für mich — und Theater im Dienste bet Politik ist mir ein Abscheu. Ich atme also auf, wenn ich nach Paris komme, wo es noch Theater alten Stils gibt. Wo man sich hinseht, die Ohren und Augen aufmacht — aber vor allem die Ohren — und nun in gutem Französisch etwas „vorgespielt" bekommt. Irgendein gut zurechtgemachtes Stück Leben, mit allerlei Spannungen und Verwicklungen und einem mehr oder minder glaubhaften Ausgang. Es kann sich da um hohe Dichtkunst ober um ein Gesellschaftsstück drehen: 5^5 Hauptsache bleibt, daß ich nicht einen Augen- bhd vergesse: „Theater", „Spiel" ... Sv genieße up — im Schauspielsaale, wohlgemerkt — eine Tragödie von Schiller oder den Fröhlichen Weinberg von Zuckmaher in der gleichen Weise ... Hnb 1° genieße ich - in Paris — ohne Unterschied, toa£ man in der Comedie fran^aise ober im Atelier ober im Th^ätre Pigalle spielt. Wie groß aber war mein Entzücken, als ich vor einigen Iahren die Comddie mondaine in der rue des Martyrs entdeckte und lieben lernte I Heber wieviel 2wende der Müdigkeit hat mich dieses parise- nschste und provinzbaftesle Miniaturtheater zugleich hinweggetäuscht! Wieviel Dinge lang vergangener Zeiten hat es in Schwingung gebracht und erhalten, wieviel oft gemachte Erfahrungen hat es bestätigt, wieviel menschliche Milde gepredigt... In diesem Theater werden nur Gesellschaftsstücke gespielt. Alte und neue. Was nicht bie französische und Pariserische Gesellschaft (Ja societe fran^aise“) angeht, hat keinen Platz aus dieser winzigen Bühne. Dicht das Problem, sondern der Konflikt steht im Vordergrund, das' Aus- einanderprallen der Motive. Nirgends mehr als in dieser Comedie habe ich begriffen, welche Macht noch heute in Frankreich die von der bürgerlichen Gesellschaft errichtete „Norm" bedeutet. Innerhalb dieser „Norm" ist reichlich viel Spielraum und viel menschliches Nachsehen für „Irrungen" belassen. Aber die „Norm" selber leugnen: das ist Todsünde. Auch hier wieder erweist sich, wie in den kleinen Gebräuchen des Tages, der außerordentliche Konservativismus des französischen Volkes, der das mächtigste Bollwerk gegen alle amerikanischen oder sowjetrussischen Strömungen darstellt. Es wird in der Comedie mondaine — dieses Iahr übrigens ganz ausgezeichnet — vor einem unbedingt kleinbürgerlichen Publikum gespielt. Es wird mit rührender Liebe gegeben und genommen. Die Tränen, die auf der Bühne fliehen, fliehen auch in den Logen und im Parkett... Das Theater ist immer voll. Alle Freitag wechselt das Stück. Soll ich es eingestehen? Alle Freitag finde ich mich ein — alle Freitag sagt mir die Schließerin: „Au revoir, monsieur, vendredi prochain. Ce sera de nouveau un grand succfes!“ („Auf Wieder» sehen am nächsten Freitag. Cs wird wieder ein großer Erfolg werden."). Natürlich wird es das. Bei diesen liebenswerten Schauspielern und diesem liebenswerten Publikum. Ach — und dann, wenn das Spiel aus ist (Kitsch oder Nicht-Kitsch: was liegt daran, wenn es so viel Freude macht?) — wie ist es dann schön, unter den Bäumen der äußeren Boulevards hinzuschlendern, wo es von Menschen auf- und niederflutet, wo sich die Blicke fassen und lassen und wieder fassen, abmessen, die Wahl treffen... ja wie ist es schön und befreiend in den phantastischen roten Deklamelichtern der Dächer urnher- zustreichen, in alle die merkwürdigen Cafes hineinzuschauen, die da zum Derweilen rufen: Pigall’s Tabac, Noctambules, Clair de Lune und wie sie alle heißen: zum Teil gefährliche Orte mit verwegenen Menschen (früher würde man „Apachen" gesagt haben) ... ja wie ist es schön, sich mit ihnen hinzusetzen, zu plaudern, sich etwas vorlügen zu lassen, ihnen ein paar Zigaretten zu schenken, ein Bier zu bezahlen — und dann weiter- zuwandern, der Place Blanche zu ... und schließlich bei Graff zu landen, wo das große Leben um Mitternacht beginnt und bis zum frühen Morgen weitergeht... Da sind die Musiker und Conferenciers der Nacht-Kabaretts, da sind die Schauspieler der vielen Theater der äußeren Boulevards, da ist das Publikum der Cin6mas, das noch seine „Bocks" trinken und eines der Nachtgerichte essen will, die für wenig Geld zu haben find: Geröstete Würste, Klub-Sandwichs, Eier mit Tomaten, Muscheln, Austern ... Austern (claires portugaises), baS Dutzend zu sechs Franken, zu einer Reichsmark... Hinter den vorderen Kaffeeräumen liegt das ausgezeichnete Restaurant, in dem noch — ein uralter französischer Brauch — nach Mitternacht „soupiert" wird. Da sieht man häufig Leute von Welt, im Abendanzug, Frauen in prachtvollen Kleidern und mit schönem Schmuck, elegante junge Menschen aller Nationen, sehr viel Spanier und Südamerikaner von oft verblüffender Schönheit... Die Sprachen der Welt schwirren durcheinander — die Kellner rennen, die auf- getragenen Speisen duften durch den Raum. Lachen, sorgloses Lachen durchläuft das Schwingen der Laute ... und (o Segen aller Segen, o Glück des Glückes!) das ist die einzige Musik dieses herrlichen Ortes... Kein Geklimper und kein Gedudel: Möge es immer so bleiben „eher Graff“. (wird fortgesetzt.) Kleine Geschichten vom Heater. Von Emil Lannings. Cs gab eine Zeit, an die ich mich gut erinnere, und in der es mir herzlich schlecht ging. Im Icchre 1905 war ich Direktor in Wollin in Pommern. Die Bühne ist nicht sehr groß gewesen, die Einnahmen waren noch kleiner. Aber ich war doch ein sehr großer Direktor. Damals kam ein junger Mann namens Behr zu mir, der gerade sein Abitur gemacht hatte und der unbedingt zur Bühne wollte. Er stammte aus Wien und ich gab ihm im „Weißen Röhl" die Dolle des Zählkellners, der bekanntlich österreichischen Dialekt sprechen muß. Behr sprach dieses Idiom auf der Probe, aber er sprach es ganz anders als ich. Ich gestehe, ich kann heute noch nicht wienerisch, aber damals bildete ich mir em, ich könnte es. Ich sagte daher zu Behr: „Was Sie daherreden, ist niemals österreichisch. Sie müssen so sprechen, wie ich es Ihnen vormache." Cs muß ein schaudervolles Deutsch gewesen sein, aber Behr hatte so große Hochachtung vor mir als Direktor, daß er tatsächlich selber glaubte, er könne seine Heimatsprache nicht mehr reden. Er hat dann so gesprochen, wie ich es ihm vormachte. Ob die Leute in Wollin ihn verstanden haben, weih ich nicht. Ieht ist dieser Behr feit Iahren Direktor vom Deutschen Dolkstheater in Wien und ein großer Mann. Als ich aus Hollywood zurückkam, sagte er zu mir: „Früher habe ich bei dir gespielt. Ieht muht du mal bei mir spielen." Auf diese Weise bin ich wieder zum Theater zurückgekehrt. Irn Iahr 1906 waren wir dann in Misdroy. Sommertheater mit allem Drum und Dran. Ich spielte wieder den Direktor, aber Geld hatten wir nie. Einer der jungen Schauspieler, ein ganz begeisterter, hatte sich vor lauter Enthusiasmus lange Haare wachsen lassen. Gr war erst 20 Jahre alt, mußte aber eine« Abends einen älteren Herrn mit Vollbart spielen. Natürlich hatte der Anfänger die Bartwolle vergessen. Da habe ich ihm mit der Schere feine langen Haare abgefchnitten und nicht nur ihm einen langen Vollbart, sondern noch vier anderen Schauspielern Schnurrbärte daraus geklebt. Die Leute müssen grausam ausgesehen haben, aber das haben wir damals in unserer Begeisterung gar nicht gemerkt. Als ich nach Amerika übersiedelte, hatte ich mit meinem ersten amerikanischen Film „Der Weg allen Fleisches". einen großen Erfolg. Es war das erstemal, daß ein europäischer Schauspieler kam, einen Film ohne „happy end“ drehte und keinen Durchfall oder etwas ähnliches erlebte. Später verlangte ich eine lustige Dolle, da fielen die Filmdixektoren einfach auf den Dücken: „Sie eine luftige Dolle? Ausgeschlossen! Jeder Mensch in älSA. weih, dah Emil JanningS großen Erfolg mit einem Film ohne glückliches Ende hatte. Sie sind abgestempelt als „unhappy“, Sie dürfen nur traurige, ganz traurige Rollen spielen." Ich kann Ihnen sagen, so schlecht wie damals ist es mir nie wieder in meinem Leben gegangen. Ich bin mehrfach gestorben, dreimal erblindet, zweimal verkommen, erschossen und erstochen worden. Nur im Film! Aber immerhin, es ging mir so dreckig, dah ich aufatmete, als ich jetzt in dem deutschen Film „Der Liebling der Götter", wieder eine lustige Dolle darstellen durfte. Die erste seit „Kohlhiesels Töchtern" mit der Henny Porten, älnd das liegt weit zurück! Ich komme mir vor wie Dornröschen, wie aus einem unhappy- Schlaf erweckt und einem happy end wieder- gegeben. • Aach drei Jahren Amerika war ich dann doch der Heimat etwas entfremdet, aber ich habe in Berlin fast alle alten Freunde wiedergefunden und sofort wieder Kontakt gehabt. Auch der alte Duff lebte noch. Kennen Sie den alten Duff? ?r,v^L'3®itun98trä9er, und wir kennen uns seit bald 30 Jahren. Damals war er schon ein alter Mann, heute zählt er 85 Jahre. Sie haben ihn bestimmt einmal gesehen, denn als ich den „Letzten Mann' verfilmte, habe ich den alten Duff go* nommen und ihm die Dolle vom „allerletzten Mann" gegeben, jenen Toilettenmann, der m dem Sum mein Nachfolger wurde. Damals war Duff sehr stolz. Jeden Abend kam er in unsers Stammkneipe und erzählte: „Ich hin jetzt engagiert, ich habe eine Rollq in einem großen Film." älnd dann fügte er hinzu: „JanningS spielt auch mit" dem Reichskanzler gehabt haben. Der Reichskanzler soll dabei zum Ausdruck gebracht haben, daß er mit gewissen Aenderungen der Dotverordnung sich einverstanden erklären könnte, soweit dies den Sinn und das Ziel des Regierungsprogramms nicht beeinträchtige. Die Sozialdemokraten werden vor allem versuchen, die Dürgerabga be (Kopfsteuer) aus dem Programm zu Fall zu bringen. Sollte dies nicht gelingen, so wollen die Sozialdemo- kratyt wenigstens eine Staffelung dieser Abgabe gesetzlich verankert haben. Oer Tiroler Bauernbund und die Heimatwehren. Lcharfc Stellungnahme gegen den politischen fturd der Heimatwehrcn. Innsbruck, 18. Rov. (LU.) Großes Aufsehen erregt eine Mitteilung des Tiroler Bauernbundes über die künftige Stellungnahme des Bauernbundes zurHeimatwehr. Darin wird erklärt, daß sich der Landesbauernrat am Montag mit den Ergebnissen der Ra- tionalratSwahlen beschäftigt habe. 3n den Verhandlungen sei die tiefgehende Mißstimmung zum Ausdruck gekommen, die sich der bäuerlichen^ Bevölkerung infolge der Kampfes- weise der neuen Partei des Heimatblockes bemächtigt habe. Um volle Klarheit zu schaffen, Hobe der Landesbauernrat auch hinsichtlich der Person des bisherigen Bauernbundes-Abgeordneten und Landesführers der Heimatwehren, Dr. S t e i d l e, die notwendigen Folgerungen gezogen. An der Heimatwehr, so wird in der Mll- teilung weiter erklärt, lasse die Bauernschaft nicht rütteln. Aber sie verlange, dah sie z u ihren urspründlichen Zielen zurück- kehre und sich jeder aktiven Einmischung in die Tagespolitik und jeder Derbindung mit politischen Parteien enthalte. Zur Sicherung einer solchen, wahrhaft überparteilichen Haltung der Tiroler Heimatwehr verlange die Bauernschaft, dah die Leitung der Heimatwehr dem Bundeshauptmann, also dem gesetzmäßigen Oberhaupt des Landes unterstellt werden solle. Der Landesbauernrat befaßte fich ferner mit den Vorgängen beim Empfang des MajorS P a b st auf dem Brenner nach seiner Rückkehr aus Venedig und verurteilte auf das s ch ä r f st e, dah durch eine solche würdelose Anbiederung an den italienischen Faschismus dem Gefühle des Tiroler Volkes ins Gesicht geschlagen werd«. Eine weitere Mitarbeit des MajorS Pabst in der Tiroler Heimatwehr sei dadurch unmöglich geworden. Die Tiroler Dauern, die im Weltkriege Seite an Seite mit den Südtirolern gegen Italien gekämpft hätten, seien nicht gewillt, sich in das Lager des Faschismus und auch nicht in daS der Rationalsozialisten führen zu lassen. Um Indiens Verfassung. Die Fürsten fordern in London „Bereinigte Staaten" und Dominion-Status. London, 18. Rov. (TU.) Die englisch- indische Konserenz setzte am Dienstag die allgemeine Erörterung über die grundsätzlich« Frage fort, ob die zukünftige Verfafsungsform Indiens der Unitarismus oder der Förderalis- mus sein soll. Mohammed Shafi wies im Ramen der Allindifchen mohammedanischen Liga und der Allindischen Moslemkonferenz darauf hin, dah Indien zwar den Versailler Vortrag unterzeichnet habe und ein Mitglied des Völkorbundes fei, aber trotzdem nicht im englischen Weltreich als gleichberechtigtes Mitglied angesehen werde. Er verlangte den Dominion-Status bei föderalistischer Regierungsform unter gleichzeitiger Sicherung der mohammedanischen Interessen. Der Maharadscha von Alvar sieht die Vereinigten Staaten von Indien als die rechtlichste Form der zukünftigen Verfassung an. Der Maharadscha von Rewa, der jüngste unter den anwesenden Fürsten, vertrat die konservative Richtung unter den Fürsten. Lord Peel warnte als Vertreter der konservativen Lords davor, schon jetzt eine feste Verfafsungsform zu schaffen, die die weiteren Cntwicklungsmöglichkeiten durch die Inder selbst verhindern könne. Auch er sprach sich für ein f ö d e r a l i st i s ch e s System aus. Oie Geeabrüstung. Deutschland enthält sich in Genf der Stimme. — Attacken der Russen. Genf, 18. Rov. (TU.» Der Abrüstungsaus- schuh hat heute zur allgemeinen Ueberraschung zum ersten Male einen sowjetrussischen Antrag angenommen. Da der erste Artikel des Vorschlages der fünf Londoner Seen.ächte nur die Begrenzung ter Ec amtkciegsschisfstonnage vorsieht, beantragte Litwinow unter Hinweis auf den Völkerbundsvertrag die Einfügung einer Verpflichtung zur allgemeinen Herabsetzung der 2c ü st u n g e n. Der französische Vertreter lehnte den Sow>tantrag als eine leere Manifestation schroff ab. C.' beglückwünschte hierbei ironisch Litwinow zu der Verteidigung der Grundsätze des Völkerbundspaktcs. Der Sowjetantrag wurde dann mit elf gegen d.e Stimme Polens bei zwölf Stimmenthaltungen angenommen. Graf D e r n st o r f f erklärte, dah er sich bei künftigen Abstimmungen der Stimme enthalten werde, da das gegenwärtige Abrüstungsabkommen für Deutschland wertlos und sinnlos sei. Um der durch den Sowjetantrag herbcigesührten Verschärfung der Bestimmungen des Artikels I entgegenzutreten, beantragte der französische Vertreter eine Fassung, nach der die Heraosetzung der Flottrnrüstungen „soweit möglich" erfolgen soll. Obwohl der holländische Vertreter darauf hinwies, dah der Wortlaut „soweit möglich" den Mächten die Möglichkeit neuer Aufrüstung offen lassen würde, wurde der französische Antrag mit 14 gegen eine Stimme bei deutscher Enthaltung angenvmmen. Der Abrüstungsausschuh hat damit eine Herabsetzung der Flottenrüstungen „soweit möglich" beschlossen und damit seine gesamte Einstellung von neuem aufs Gütlichste offenbart. Der Russe Litwinow hat diese Haltung des Ausschusses mit der mit großer Heiterkeit aufgenommenen Bemerkung treffend charakterisiert, es sei am besten, dem ganzen Ausschuß die Bezeichnung „Commission pr^paratoire du dSsarmement si possible“ zu geben. Es kam dann noch zu einem kurzen Zusammenstoß zwischen dem Präsidenten Loudon und Litwinow, als dieser darauf hinwies, dah einTeil der russischen Flotte fich heute noch inderGefangenschafteinereuro- päischen Großmacht befinde. Der Präsident unterbrach sofort Litwinow mit dem Hinweis, daß er unter keinen Umständen Erörterungen von Fragen zulassen könne, die in keinem Zusammenhang mit den eigentlichen Verhandlungen stünden. Es handelt sich hierbei um die russischen Schiffe, die nach der russischen Revolution von der französischen Regierung zum Transport der Wrangel-Truppen nach Süd- rußland zum Kampf gegen die Moskauer bolschewistische Regierung verwendet wurden und sich seitdem in einem französischen Ha- f e n befinden. Aus oller Welt. Dr. Käthe Schirmacher f. Dr. Käthe Schirmacher, die bekannte Vorkämpferin deutscher Volkstumsinteressen und hervorragende Schriftstellerin, ist in Meran an Herzschwäche gestorben. Käthe Schirmacher wurde 1865 in Danzig geboren und war zunächst im Schulfach tätig, 1898 wurde sie Dr. phil. und nahm in allen srauenrcchtlichen Fragen eine writragende Führerstellung ein. Ihre sonstigen in deutscher und französischer Sprache veröffentlichten Arbeiten bezogen sich auf französische Literatur, Rationalökonomie und allgemeine kulturelle Fragen. In der Rachkriegszcit trat sie besonders als hervorragende Vorkämpferin ihrer Heimat Danzig sowie des Deutschtums im Osten für vaterländische Belange ein. Von 1919 bis 1920 gehörte Käthe Schirmacher als Abgeordnete der Deutschnationalen Fraktion in der Rationalversammlung an. G 38 vom (Europarunbflug nach Dessau zurückgckchrt. Das Iunkers-Grohflug-eug O 38 ist, von Köln kommend, Dienstag 13.42 Llhr in Dessau glatt gelandet. DaS Flugzeug hat insgesamt 9000 Kilometer zurückgelegt. Der Erbauer des Flugzeuges, Prof. Dr. Junkers, begrüßte die Flugzeugführer Zimmermann, Dessau, und Brauer, Berlin, aufs herzlichste. Dr. Böhm schilderte den Länderflug. Auf der 9000 Kilometer langen Flugstrecke durch die verschiedensten Länder hätten 3000 Kilometer über Wasser geführt. Die Stürme Spaniens hätten dem Flugzeug ebensowenig anzuhaben vermocht wie die schweren Wetter im Golf von Eorinth und die Rebel von Apulien. Auch die wolkenerfüllten Hochtäler der Pyrenäen hätten die Maschine nicht auS ihrem Kurse bringen können. Der Flug habe zur weiteren Stärkung des deutschen Ansehens unendlich viel beigetragen. Die Beschuldigungen gegen den Ozeanflieger Levine. Zur Verhaftung des Amerikaners Levine unter dem Verdacht der Anfertigung falscher französischer Münzen, meldet die Polizei- korrespondenz, daß Levine vor kurzem einem Graveur drei Medaillen brachte und sagte, er wolle zur Herstellung dieser Medaillen Stanzen haben, die die Jahreszahlen 1920 bis 1930 aufwiesen. Auf der Rückseite sollten die Medaillen die Bezeichnung tragen: „Chambre de Commerce de Paris" und die Wertangabe „Bon pour 2 Francs", „Bon pour 1 Francs" und „Bon pour 50 Centimes". Derartige Münzen kursierten, wie Levine sagte, als Geld in Oie Gießener Viehhoffrage. In einer stark besuchten öffentlichen Qkrfamm» lung, zu der die Deutsche Dolkspartei auf Montagabend in das Gasthaus „Hindenburg" eingeladen hatte, sprach — wie gestern schon kurz berichtet — Obeiweterinärrat Dr. M o n n a r d über die Gießener Diehhoffrage. Zu Beginn der Versammlung betonte der Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe der DVP., Stadtratsmitglied Oberreallehrer Appel, dah die seit mehreren Jahren im Vordergründe des kommunalen Interesses stehende Diehhoffrage nunmehr in das entscheidende Stadium eingetreten sei. In diesem Augenblick solle der Vortrag des 2lbends Aufklärung in die Bürgerschaft bringen. Obepveiennärrat Or. Monnard legte der zahlreichen Zuhörerschaft zunächst den Unterschied zwischen einem Schlacht viehhos und kHnem Ruh viehhof, wie letzterer bisher als Ruhvieh markt in Gießen betrieben wird, dar und betonte dann, daß die gegenwärtigen 23er- hältnisse auf dem Gießener Viehmarkt außerordentlich primitiv seien, und eine Aenderung sowohl zum Schutze der aufgetriebenen Tiere, wie auch der Diehkaufmannschaft dringende Rot- tocnbigteit geworden sei. Rach einem Heberblick über die technische Seite des Marktbetriebes erwähnte der Redner die von allen berufenen Instanzen sorafältigst geprüften drei Projekt e für die Schaffung einer Ruhviehhofanlage. Die Pläne, den Rutzviehhof an der Gelnhäufer Bahnstrecke in der Gegend der Gailschen Tabat- fabrik, oder auf dem Gelände der Margareten- hütte zu schaffen, seien nunmehr endgültig als «erledigt anzusehen, da sich in beiden Fällen allerlei Unzuträglichkeiten, aber auch sehr erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich des Dahnverkehrs ergeben würden. Runrnehr sei nur noch das dritte Projekt der Errichtung des Ruhviehhofes etwa 200 Meter südlich des Schlachthofes vorhanden, und für diese Platzbestimmung hätten sich auch die maßgebenden Instanzen entschieden. Auf diesem Gelände jenseits der Lahn solle kein Prunkbau erstehen, sondern die Anlage solle so einfach wie möglich gestaltet werden. Vorgesehen sei folgendes' An der Schlachthausstraße, 200 Meter südlich des Schlachthofes, soll ein 180 Meter langer und 90 Meter breiter Hochbau erstehen, der in der Hauptsache eine groß« Halle mit 6 Meter breiter, in der Mitte gelegener Hauptstraße für den Passantenverkehr der Viehkaufleute und einer Anzahl Reben st raßen für die Vorführung des Viehes enthalten, sowie die zum Verkauf aufgetriebenen Tiere in Ständen aufnehmen soll. Die Halle soll durch reichliches Oberlicht beleuchtet werden. Südlich der Halle soll ein großer Platz für die Vorführung der Tiere im Sommer geschaffen werden. Die Heizung der Halle soll durch Dampfleitung vom Schlachthof her geschehen, ferner will man in Derbindung mit der Halle die erforderlichen Räume für den Geschäftsverkehr bet Viehhändler (Kasse, Telephon, Abrechnung), sowie Kleiderablage, Wasch» gelegenhcit und Zimmer für die Beamten schaffen. Der Viehhof soll durch einen neuen Brückenbau über die Lahn die erforderlichen Bahnverbindungen erhalten, es soll dabei am Viehhofsgebäude ein Tlebergabebahnhof mit den erforderlichen Laderampen geschaffen werden, weiter ist vor* gesehen, auf der gegenüberliegenden Seite des Diehhofgebäudes Rampenanlagen für Autotransporte mit Vieh herzurichten und auch einen geräumigen Platz für die Aufstellung von Last- und Personenautos herzurichten. Reben dem Viehhof ist eine D e s - insektions- und Waschanstalt für die Vieh-Güterwagen geplant, deren Betrieb die Stadt mit. übernehmen soll, wobei aber die Reichsbahn eine gewisse finanzielle Haftung eingehen wird, damit dieser Betrieb sich selbst trägt bzw. ein eventueller Fehlbetrag der Stadt ersetzt wird. Zur Finanzierung des Baues seien vom hessischen Staat aus dem Programm zur Arbeitsbeschaffung für Erwerbslose 350 000 Mark zur Verfügung gestellt worden, wenn mit der Arbeit alsbald begonnen werde. Der hessische Staat habe weiter ein Darlehen von 350 000 Mk. zu billigem Zinssatz zugesagt, die Reichsbahn als starker Interessent an diesem Vorhaben der Stadt werde voraussichtlich ebenfalls mit einer gewissen Summe die Finanzierung erleichtern. Dre Gesa m t k o st e n des Projektes, einschließlich des Baues einer Brücke Ä»er die Lahn und der Bahnanschlüsse, seien auf 2 bis 2.4 Millionen Mark veranschlagt. Zur Beurteilung de^Ren- Labilität sei errechnet worden, daß jährlich etwa 182 000 Mark als Einnahmen unb 190 000 Mark als Ausgaben in Betracht kämen. Dabei sei aber von der gegenwärtigen Lage der Dinge, also alle 14 Tage e i n Markt, ausgegangen worden. Rach der Errichtung des Diehhofes könne aber mit einem weiteren Ausbau unserer Märkte und der Abhaltung der Schweine- und Pferdemärkte in dem neuen Gebäude gerechnet werden, so daß sich die Rentabilität sicherlich noch erheblich günstiger stellen dürfe. Hinsichtlich der Frequenz und der wirtschaftlichen Bedeutung der Gießener Viehmärkte brachte Dr. Monnard sehr eindrucksvolles Zahlenmaterial vor, nach dem unter allen deutschen Ruhviehmärkten die Gießener Märkte an dritter Stelle stehen. An der Spitze dieser zahlenmäßigen Aufstellung erschien Lübeck mit einem Iahres- auftrieb von 32800 Tieren, dann folgte Friedrichsfelde-Berlin mit rund 31 000 Tieren, in beiden Städten bei jährlich 50 Märk- ten. Anschließend steht Gießen mit einem Iahresauftrieb von rund 29 000 Tieren bei nur 25 Märkten jährlich. Dann folgen: Dortmund mit rund 27 900 Tieren, bei 48 Märkten im Jahre, Leer mit rund 26700, bei ebenfalls 48 Märkten jährlich, zahlenmäßig erheblich weiter zurück folgen dann Osnabrück, Dinslaken, Oldenburg und Bamberg. Zusammenfassend erklärte der Referent, daß angesichts der großen wirtschaftlichen Bedeutung der R u tz v ie h m ä r k t e für unser Gemeinwesen trotz der Schwere der Zeit die Schaffung des Ruhviehhofes auf der Grundlage des vorgefchlagenen Projektes dringend zu empfehlen sei. Unsere Gießener Viehmärkte könnten dann noch erheblich ausgebaut werden unZ> auf die Förderung der Wirtschaftsgesamtheit unserer Stadt einen sehr starken, günstigen Einfluß ausüben. Als unmittelbarer, greifbarer Gegenwartserfolg komme hinzu, daß reiche Arbeitsgelegenheit durch diesen Bau geschaffen und auch dadurch die Wirtschaftslage in unserem Gemeinwesen günstig beeinflußt werde. Rach alledem befürworte er die Verwirklichung des Viehhofprojektes. (Lebhafter Beifall.) Oie Aussprache nach dem interessanten und aufschlußreichen Vor- trag war sehr rege. Als Vertreter des Vieh- Handels sprachen der Vorsitzende des Dieh- händlervereins für Gießen und Umgegenb, Herr Sternberg (Reiskirchen), ferner die Herren Dauer (Leihgestern) und Stern (Gießen). Diese Redner sprachen sich mit rückhaltloser Entschiedenheit für die Schaffung des Ruhviehhofes in Gießen aus, wobei sie die große Bedeutung der Gießener Diehmärkte hervorhoben unb betonten, daß die Möglichkeit des weiteren Ausbaues unserer Märkte ohne weiteres bestehe, da hier, im Gegensatz zu den Märkten in anderen Städten, llmfahmöglichkeit für jede Gattung Vieh vorhanden sei. Ferner betonten die Redner übereinstimmend das große Interesse der Diehhändler an der Weiterentwicklung der Gießener Märkte, sie forderten allerdings auch gebührende Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen und Wünsche der Diehhändlerschaft. Weiter sprachen als Vertreter des Stadtteils jenseits der Lahn Polizeiverwaltungsoberassistent Dierlamm, als Mitglieder des Stadtrates die Herren Horn, Schwieder, Leopold Mayer und Appel, die sich allesamt in entschiedenster Weise für die baldmöglichste Verwirklichung des jetzt vorliegenden Rutzviehhospro- jektes aussprachen. Insbesondere betonte der Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Arbeitsgemeinschaft der Mitte, Stadtratsmitglied Horn, baß man nach bem Ergebnis der Rentabilitätsberechnung bet Sache nähertreten und sie ernstlich in Angriff nehmen könne. Stadtverwaltung und Stadtrat seien nach ge- ' wissenhafler Prüfung zur Erkenntnis der Rot- Wendigkeit dieses Merkes gekommen, und sie würden sich jetzt entschieden dafür einsehen. Mit einem kurzen Schlußwort des Referenten, Oberveterinärrats Dr. Monnarb, der zu einigen Aeuherungen in der Aussprache Stellung nahm, im übrigen aber sich einer Einheitsfront von Dejahern bes Projekts gegenüber sah, schloß die Versammlung. ___ garu Frankreich. Nun erklärte der Graveur, tr müsse sich erst beim Münzamt erkundigen, ob er solche Stanzen Herstellen dürfe. Levine reifte dann nach dem Semmering, wo er dann in dem Augenblick verhaftet wurde, als er mit dem Expreßzug nach Italien reisen wollte. Levine stellt jede verbrecherischer Absicht in Abrede und erklärte, daß er die Medaillen nur für feine Freunde bestellen wollte. Daß er Stanzen bestellt und daß er auf die Rückseite die Wertbezcichnungen verlangt habe, stellte er in Abrede. Mit einer Wiener Firma stand er wegen der Lieferung von 100 000 Spieljetons in Verbindung. Levine gab an, er habe sie für einen Prioatklub bestellen wollen. In Begleitung Levine» befand sich Mabel Doll, die Witwe eines reichen Plantagenbesitzers, die in den internationalen Badeorten wegen ihres Schmuckbesitzes unter dem Namen „die Diamantenkönigin" bekannt ist. Ihr ständiger Aufenthalt ist ein Schloß bei Paris. Zauberkünstler Dellachini in Marburg f. In Marburg ist kurz vor Vollendung seine- 70. Lebensjahres der bekannte Hofzauberkünstler Dellachini an den Folgen eines Schlaganfalle- gestorben. Dellachini bereiste vor dem Kriege säst alle europäischen Länder. Er war mehrfacher Hosrat und Besitzer vieler in- und ausländischer Ehrenzeichen. Seinen Lebensabend hat er ln Marburg verbracht. Mord und Versicherungsschwindel. Der kürzlich in Berlin wegen Brandstiftung verhaftete und nach Darienstein (Ostpreußen) übergeführte Safran hat eingestanden, daß er und sein Geschäftsführer Kipnick einen Mord verübt hätten, um sich in den Besitz Der Leiche zu setzen, die in dem in Brand gesetzten Hause in den Kleidern SafranS niedergelegt wurde, um vorzutäuschen, dah Safran selbst bei dem Brand den Tob gefunden hätte. Sie seien in der Rächt vom Freitag zum Samstag, 13. September, mit dem Kraftwagen sortgefayren. Auf der Ehaussee Stürlack—Queben hätten sie bei Luisenhof einen Melker getroffen. Kipnick fei ausgestiegen und habe den Melker mit einer Selbstladepistole niedergeschossen. Sie hätten dann die Leiche in einen zu diesem Zweck mitgenommenen Teppich gewickelt und in dem Möbelspeicher des Platz in der Artilleriekaserne in Rastenburg verborgen. Am nächsten Abenb hätten sie die Leiche abgeholt, sie mit den Sachen Safrans bekleidet und m i t Benz o l begossen und darauf das Haus angezündet, um die Vers iche- runassummen zu erhalten. Cs bleiot nun festzustellen, ob seitdem ein Melker vermißt wird. Der ebenfalls verhaftete Kipnick ist trotz Gegenüberstellung mit Safran bei seinem Leugnen geblieben und will an der Tat nicht beteiligt sei^i. Oie ÜWfertaae 18. s .om 4V --------Itt ~La sehr leichter qsi nissige» Südsüdwest 7167 Kirchenplatz 23. Samstag. 0en22.öJn. 21 Uhr, im Bootshaus Semol' Berfammlnng. Es ist dem Laien nicht möglich, beim Einkauf von Bestecken eine etwaige unzureichende oder sonstwie schlechte Silberauflage testzustellen. Derartige Fehler stellen sich oft erst nach einer Reihe von Jahren heraus, um so mehr, als das Besteck vielfach einige Zeit unbenutzt Hegen bleibt und daher gar nicht abgenutzt wird. Deshalb sollte man Bestecke eben nur in den bekannten Fachgeschäften kaufen. Freie Innung der Uhrmacher u-Goldfchmiede Giefcen und Umgegend. _________________________________ 7541D Wohnungsvergebung. Wegzugshalber ist eine Drei-Zimmer- wohnung in unseren Neubauten „Wohnhof-Aulweg" sofort zu vermieten. Mitglieder unserer Genossenschaft wollen sich dieserhalb möglichst umgehend an uns SMellum und Bentnetbnno Freitag, 21. November 1930, abends Sy* Ubr, im Pfälzer Hof, Schanzenstr. 2: Monats-Versammlung. ES sprechen: 1. Herr Rechisanw. Luley über: „Was müssen die Aufwertungsgläubiger über das neue Vcrzinsungö-, FälligkeitS-u.Grundbuchbereinigungö gesetz wissen? Fristen!?",' 2. Herr Stauf- mann Witt, Vorsitzender des Sparer- bundes Wetzlar: „Warum kämvst der Cvarerbund auch fernerhin für das deutsche Bolksrccht?": 3. Allgem. Mitteilungen iBeratungsstelle, Formulare usw.l. Besuch der Versammlung ist allen Hupo- Ibekengläublgern und sonstigen Jnflaiions- geichädigten dringend zu empfeUen! Auch Nichtmitglteder sind eingeladen! 78421) Der Vorband. Warnung! Ich warne biermit, die über mich im Umlauf befindlichen unwahren Gerüchte weiterzuverbreiten da ich im and. Falle gerichtlich vorgeben ?>! für Ghriflüaumoetrauf in Milte der Stadt $ür die uns aus Anlaß unserer silbernen und grünen Hochzeit sowie unseres 25jZhr. Geschäftsjubiläums in so reichem Maße bargebrachten Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Familie Wilh. Wagner, Gastwirt Karl Schimmel Luise Schimmel, geb. Wagner Großen-Äuseck, den 19. November 1930 Danksagung. Für alle Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unserer lieben Entschlafenen Frau Katharina Mnhl Witwe, geh. Feller insbesondere dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte, dem Gemischten Chor und den einundsieh- zigjährigen Altersgenossen für ihre Ehrungen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden sprechen wir hiermit unseren tiefgefühlten Dank aus. Die trauernden Hinterbliebenen. Großen-Linden, Frankfurt a. M., den 19. Nov. 1930. __07i n Jos. Cbambri, F. Eifert, S. 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Mit Aüchich ttirtfN*; | die vereinigt - Stellung Snm' der Km Die Wirts 4 o deutschm W aruirdsaht Methoden de Sozialpo deutsche Wirt! bewußte Zufa Steigerun i Hesamtwii ' mdgültigen D i Arbeit md x -er Bedeutung Wönlichkeitcr M gewerblich wirtschaft und bisher Rechnm Wirkliche ( Sin Das Progro auch für die ( keine Steu aber erstmals ' Etatsjahre ab ausgleich c und erscheint einer Finanzp deutschen Dol sucht. Die 1 Steuern und i bieterisch weite bei einer tragbi zu einer mir tl öffentlichen Die auf einen umlagerung — Forderung det Bosch-Dienst - Akku-Dienst Instandsetzung sämtlicher Elektroanlagen an Kraftfahrzeugen Ruhl & Fetzer Gieben, Schanzenftr. 3 Telephon 2534 i9hd » T» ÖSwhj Att Entl Nach kurzem schweren Leiden entschlief heute abend um 6 Ubr unser liebes, gutes Söhnchen und Brüderchen, Enkel und Urenkel Heini Bepperling im Alter von 21/, Jahren. In tiefer Trauer: Familie Heinrich Bepperling Familie Philipp Schmidt nebst allen Angehörigen. Großen-Linden, den 17. November 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag. 20. November, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Alte Heerstraße Nr. 14 aus statt. 071M Ntri g«? p -t _ -H Md 5*8 der zu WH deren dc * Gkuetun Mn Gerechtiqt der S ^ndweik o &»Q8@efa* ^chsregrerung geraden l innen Ui ^genügend C-J 0 Technikum Ilmenau ThQr. Ingenieurschule tür Maschinenbau und Elektrotechnik ____________Wissenschaftliche Betrlebsführg. Werkmeisterabteilung es® ^^starisen. SM chrez wrde rvrv warmen Sie 3t>ren23en»erbungen auf Anzeigen ohne tarnen Zeugnisse, Urkunden ob. sonst wichtige Papiere belzufügen; Abschriften genügen zur Einleitung v. Anstestungsvechand- ungcn. Oft Ist uns der Auftraggeber unbekannt und In diesen^ällm können wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Äewerbungs unterlagen Gietzenev ÄluzeLgev Laden in guter Geschäftslage mit Zimmer u. Nebenräumcn zum 1. Januar 1931 ru vevmleten. Schrtstliche Angebote unter 07173 an den Gießener Anzeiger erbeten. Der KSwn«»'“ Hf«»11'4 ,ur MW 6 «m W « Donnerstaa, 20. 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November, 5 Uhr: KONZEßTneuÄntnhau.s Werlte der nenrnssischen Scheie Rimsky-Korsakow Solo- und Ensemblespiel für Klavier, Konkursverfahren. lieber das Vermögen des Händlers Salomon Berlin in Großen-Buseck wird heute, am 17. November 1930, 17 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. 7844D Der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Schneider in Gießen, Bahnhofstraße 381, wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen find bis zum 5. Dezember 1930 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag, den 12. Dezember 1930, 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer Nr. 204, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesondert- Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. Dezember 1930 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht in Gießen. Bekanntmachung. Die Lieferung von 200 Zentner Hafer ist ZU vergeben. 7840D Bedingungen können bei der unterzeichneten Verwaltung eingesehen werden. Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift „Angebote für die Hafer- Iteferung" mit dem Muster bis zum 29. No- oembec 1930, vormittags 11 Uhr, einzu- reichen. In den Angeboten sind die Be- dmgungen anzuerkennen. Zuschlagsfrist sechs Tage. Das einzureichende Hafermuster, 1 kg ent= balteno, muß getrennt von dem Angebot verpackt mtt der Aufschrift „Muster zum Angebot für Hafer lief er ung" versehen sein. Gießen, den 18. November 1930. Verwaltung der Veterinär-Kliniken und -Institute. Wolin. in Watzenborn, wenn gewünscht, auch kleine Küche, zum 15. Dez. 30 zu verm. Wo'? sagt d. Geschst. d.Gieß.Anz. [78491) —oecoe Unieslörles Zimmer mit Dampfheizung, für zwet Herren. Schriftl. Angeboten. 07172 a. d. Gieß. Anz. (fin grauer, heller ElWWW im 1.Stock, m. Heizg^ geeign. f. Büro ob. Lager, z. verm. O7om Neuenweg 22. | Mietgesuche | Beamter mitDring- lichkeitsschein sucht 3-4-Zimmer- Wohnung Schr. Angeb. unter 07165a. d.Gieß.Anz. | Verkäufe UtilOfl SüDpenkötioet lebend oder ge- schlachtet abzugeben aries Neustadt 55. Auto- GelegenheMaus l3/4-to-Opel fabrikneu, besonderer Umstände halber wett unter Fabrikpreis zu verkauf. Schr. Ang. u. 7846D an den Gieß. Anz. IV iih maschine« gut erhalt., billig ab- Auncb. Näb. t. d. 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Der Wirtschaft-- und Finanzplan der ReichS- regierung wird ancrfarait als ein Anfang der Maßnahmen, die zur Gesundung der öffentlichen Finanzen in Deutschland und zur Rettung der deutschen Wirtschaft vor weiterem Dersau notwendig sind. II. Mit Rücksicht darauf, das) dieser Plan der Reichsregierung nicht die Gesamtheit der Volks- wirtschastliclxn Rotwendigkeiten erschöpft, nehmen die vereinigten Vorstände im besonderen wie folgt Stellung: Grundsätzliche Wandlung der Finanz' und Sozialpolitik. Die wirtschaftliche und politische Lage deS deutschen Volkes ersordert dringend eine endliche grundsätzliche Wandlung der bisherigen Methoden der deutschen Finanz- und Sozialpolitik in ihrer Wirkung auf die deutsche Wirtschaft. Durch entschlossene und ziel- bewußte Zusammenfassung oller Kräfte muß die Steigerung der Produktivität der G e s a in t w i r t s ch a s t erstrebt werden, die zur endgültigen Befreiung de- deutschen Volke- durch Arbeit und Leistung unerläßlich ist. Dabei ist der Bedeutung der auf verantwortungsbewußten Persönlichkeiten beruhenden Wirtschaftsführung de- gewerblichen Mittelstandes für die Gesamt- wirtschaft und Volksgemeinschaft weit mehr als bisher Rechnung zu tragen. Wirkliche Sanierung der öffentlichen Finanzen erforderlich. DaS Programm der Reichsregierung bringt auch für die Jahve 1930'31 und 1931/32 noch keine Steuerermäßigungen. TS zeigt aber erstmals den ernsten Willen, vom nächsten EtatSjahre ab einen echten Haushaltsausgleich aus der Ausgabenseite zu suchen und erscheint insofern als ein erster Schritt zu einer Finanzpolitik, die der schweren Lage der deutschen Volkswirtschaft Rechnung zu tragen sucht. Die Ueberlastung der Wirtschaft mit Steuern und öffentlichen Abgaben erfordert gebieterisch weitere Schritte in dieser Richtung, um bei einer tragbaren Höhe der öffentlichen Lasten AU einer wirklichen Sanierung unserer öffentlichen Finanzen zu kommen. Die auf einem Teilgebiet vorgesehene Steuerumlagerung — Heranziehung von bislang zur Förderung des Wohnungsbaues verwandten Hauszinssteuermitteln zur Senkung der Realsteuern erscheint finanzpolitisch problematisch, wirtschaftspolitisch bedenklich. Die Vorschläge der Reichsregierung für die spätere Zeit (vom Jahre 1932 ab) sind noch zu wenig konkretisiert, als daß jetzt schon zu ihnen Stellung genommen werden könnte. Zn verschie- denen Punkten zeigen sie zudem Unklarheiten lz. B. werden nebeneinander vorgeschlagen: Einführung einer DinheitSsteuer für Kleingewerbetreibende unter Einschluß der Gewerbesteuer, Senkung der Gewerbesteuer um 20 v. H. und Durchführung der Realsteuervereinheitlichung). Vollkommen undurchsichtig ist namentlich noch die Tendenz der zukünftigen Lastenverteilung, hinsichtlich deren das Handwerk bei dem zu erwartenden Steuerumbau den Grundsatz der Neuerlichen Gerechtigkeit vertritt. Angesichts der Ungerechtigkeit der bestehenden Lastenverteilung wird tos Handwerk auf alle Fälle verlangen müssen, daß das G e s a m t - F i n a n z p r o g r a m m der Reichsregierung im Rahmen deS als Einheit zu betrachtenden Steuersystems von Reich, Ländern und Gemeinden keine Lastenverlagerung zu seinen Ungunst en bringt. Ungenügende Vorschläge zur Reform der Sozialpolitik. Soweit dos Regierungsprogramm sich mit Maßnahmen auf dem Gebiete der Sozial- d o l i t i t befaßt, lind die Spitzenkörperschaften deS deutschen Handwerks einmütig der Auffassung, daß die Vorschläge ungenügend sind und der tatsächlicl>en Lage der deutschen Wirtschaft nicht gerecht werden. Das Handwerk vermißt in erster Linie eine ztelbewußte Abkehr von der ZwangSbe- wirtschaftung der Löhne. Das feit mehr als einem Jahrzehnt geübte System der „politischen Löhne" mit seinen Schiedssprüchen und Ztoangstarifen hat in hohem Maße zur aegen- tvärtigen Wirtschaftskrise mit ihrer ungeheuren Arbeitslosigkeit beigetragen. DaS Handwerk fordert alsbaldige Beseitigung dieser wirtschaftsfeindlichen Zwangswirtschaft. Er fordert weiter die sofortige Vorlage eines Gesetzentwurfes seitens der ReichSregie- rung, in welchem das Recht der amtlichen Veruss- nertrctungen des Handwerks zur allgemeiiuxr- bindlichen Regelung des gesamten Lehrvertrages auf der Grundlage der oerufsständischen Selb st Verwaltung festgelegt wird. Der tatsächliche Zusammenbruch der A r b e i t S- losenversicherung hätte die ReichSregie- rung bestimmen müssen, unverzüglich mit einem anmdlegenden Reforinprogramm. noch für dies.rn "Binter, hervorzutreten. Die an Stelle eines solchen Reformprogramms einseitig verfügte Erhöhung der Beiträge um 2Prozent ist für das Handwerk, wie für die übrige Wirtschaft von größtem Schaden, sie stellt eine harte neue Steuererhöhung dar, gegen die unbedingter Einspruch erhoben wird. Das Handwerk ist bereit, an einer Reform der ArbeitSlosenver- sicheruna mltzuarbeiten, die sich zur Aufgabe macht, die Versicherung unter Beseitigung aller Mißbräuche — auch in den eigenen Reihen — auf eigene Grundlage zu stellen. Dazu gehören: Herabsetzung der Unterstützungssätze in den höheren Lohnklafsen, Kürzung der ä.lnterstützungS- höchstdauer, verstärkte Sinsührung der Bedürstig- keitSprüsung, strengste Sparmaßnahmen in der Verwaltung und endlich Herabsetzung der Beiträge auf ein wirtschaftlich erträgliche- Maß. Dagegen muß das Handwerk eine schematische Herabsetzung der Arbeitszeit im Wege der Gesetzgebung ab lehnen, weil sie mit seinen Produkt!onSbedingimgen nicht vereinbar ist. DaS Handwerk erwartet tveiter, daß in dem von der Reichsregierung angekündigten Entwurf eines ArbeitSschutzgesetzeS der technischen, sozialen und wirtschaftlichen Struktur deS Hand- werksbetdebes und den daraus sich ergebenden Lebensnotwendigkeiten des Handtverk« in vollem Umfange Rechnung getragen und alles unterlassen wird, was geeignet ist, die Arbeitsfreudig- keit und die Selbstverantwortung deS selbständigen Handwerkers zu schmälern, oder gar zu unterbinden. Die Versuche zu einer schematischen Gleichstellung der Zndustriearl»eit müssen auf das schärfste bekämpft und abgelehnt werden. Alle etwaigen Versuche, daS selbständige Handwerk in die bestehende Kranken-, Invaliden- und Altersversicherung durch aesetzl.ichen Zwang einzubeziehen, müssen a b gelehnt werden. Das selbständige Handwerk bat bewiesen, daß eS in der Lage ist, durch eigene Versicherungsanstalten auf beruf«- ständischer Grundlage die notwendigen Schutzmaßnahmen zu treffen. Es erwartet, daß ihm auch die Möglichkeit der AlterSfür- sorge für selbständige Handtverker durch S e l b st v e r w a l t u n g s m a ß n a h m e n feiner DerusSvertretungen baldigst freigegeben wird. Schnellere Beseitigung der WohnungszwangSwirtschast. Zu der von der Reichsregierung vorgeschlagenen Reuregelung der WohnungSwirtschast sordert das HandN'erk im Einvernehmen mit leinen baugev>erblichen Spitzenverbänden und dem Zentralverband Deutscher HauS- und Grundbesitze rve re ine mit allein Flachdruck, daß die im Regierungsprogramm angegebenen Fristen für den Abbau, bzw. Beseitigung der Woh- nungszwangswirtschaft wesentlich verkürzt werden, derart, daß daS Reichs miete nge- letz und das Mieterschutzgesetz mit sofortiger Wirkung von allen durch die heutigen Verhältnisse auf dem WohnungSmarkt überholten Bestimmungen bereinigt toer- den und daß die Aufhevung deS Restes dieser Gesetze in kürzester Zeit erfolgt. Wohnungsämter und MieteinigunaSämter find im Interesse der Sparsamkeit ebenfalls weit früher aufzulöfen, als vorgesehen. Die Spitzenkörperschasten deS Handwerks schließen sich im übrigen der Kritik und den Aende- rungsvorschlägen zum D a u p r o g r a m m der Reichsregierung an, die die baugewerblichen Spitzenverbände in einer Eingabe an Regierung und Reichstag ausgestellt haben. Keine schematischen Hilfsmaßnahmen. Mit ernster Besorgnis haben die beruflichen Vertretungen deS Handwerks in den von den Regierungen des Reichs und der Länder angekündigten, ober von den Vertretungen der Landwirtschaft geforderten Hilfsmaßnahmen auch solche Maßnahmen feststellen müssen, deren Durchsührung einseitig zu Ung un ft en deS Handwerks sich auswirken müßte. Die beruflichen Vertretungen deS Handwerks erkennen durchaus an, daß die Wirtschaftskrise, in der sich gegentoürtig die deutsche Landwirtschast befindet, durchgreifende Unterstützung und dauernde Preisabbau im Einzelhandel Hebimg der Landwirtschaft verlangt. Bei der al- notwendig anerkannten Hilf-aktion darf aber nicht schematisch verfahren, muß vielmehr die Wirkung der für die Landwirtschaft durchzuführenden Hilf-aktion auf die gesamte Wirtschast beachtet werden. Die beruflichen Vertretungen de- Handwerk- erbeben bic Forderung, daß bei i\-n Hilfsmaß nahmen für die Landwirtschaft nicht nur die landwirtschaftlichen Vertretungen gutachtlich gehört werden, sondern daß die Wirkung dieser Hilfsmaßnahmen aus die gesamte Wlrtsäwft unter Anhörung der beteiligten Bernssveitretungen gutachtlich geprüft werde. Gestehungskosten und preiöabbausrage. Bei der Beurteilung der PrelSwtrtfchaft im Handwerk darf nicht vergessen werden, daß unter 1 350 000 Betrieben eine große Anzahl Klein- oder Alleinbetriebe sind. Diese ‘Setdein' rechtfertigen ihre Existenz durch geringere» Verdienstanteil und längere Arbeitszeit. Wie die Finanzämter beftftttgen können, wird der Verdienst eine- voll beschästigten Gesellen von derartigen DetriebSinhat>ern selten erreicht. Die Leute bezahlen also ihre Selbständigkeit sehr teuer. Hinsichtlich der größeren OktrlelK darf fest- gestellt werden, daß mit dem Wachsen der Be- schästigtenzahl sich auch die Unkosten vermehren, so daß hinsichtlich der Produktionskosten im Handwerk keine großen Unterschiede belieben. Erkundigungen bei den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken toerbeit ferner ergeben, wie groß die K a p 11 a l n o t heute Im Handwerk ist. Sogenannte „Substanz" Ist nur noch ausnahmsweise vorhanden. Das Zufammenholen der Löhne nimmt bei der pa slven Haltung der Kundschaft immer inehr - son t produktiv zu rx'rwendende Arbeitszeit In Anfvruch. Eine Ausnahme hiervon machen lediglich d e LebenSm i t tei gewe rbe, dafür haben sie aber entsprechend höhere DerkaufS- f pesen. Für die DreiSbildmra im Handwed sind Maie- dalkosten, Löhne imt> Geschäftsunkosten die haupt- sächllchsten Faktoren. Aus die Preise für Rohstoffe und Halbfabrikate hat daS Handbxnk feinen Ginfluß. Selbst wenn die Weltmarktpreise gesunken sind, muß eS wohl oder übel avwarten, bis die vorhergehenden, mehr oder loenlger kartellierten, oder syndizierten Lieseranien für den innerdeutschen Markt einen entsprechend billigeren Bezug ermöglichen. Ebenso ist da- Handwerk nicht unabhängig in der Lohnbildung. Soweit Forderungen der Arbeitnehmer als übertrieben bezeichiret iverden müssen, fehlt eS den betroffenen Getverben meist an der Möglichkeit, sich dagegen durchzusetzen, teil- wegen der pekuniären Folgen, teils tvegen der staatlichen Schlichtungspolitik. Umsomehr bat das Handwerk die Verpflichtung, die Geschäftsunkosten möglichst nied - rig zu halten. Al>er auch hier stößt eS überall auf gebundene Verhältnisse. Die Zinfen für Anlage- und DetriebSkavital sind nach wie vor hoch, daS gleiche gilt von den sozialen Lasten und den Realsteuern. DaS Borgunwesen nimmt unerträglich zu, ebenso die Höhe der absoluten 'Verluste. Von leb ter en werden insbesondere die Bekleidungsgewerbe und die Daunebengewerbe be- troffen Eine Deckung von derartigen Ausfällen durch den dem selbständlgeir Handwerker zustehenden Verdlenstanteil ist unter den heutigen Verhältnissen einsach ausgeschlossen. Die übergroße Konkurrenz Innerhalb und außerhalb deS Handwerk-, wie sie durch Warenhäuser, Konsumvereine, WerksverkausssteUen, Deamten-Vertriebsgesell- schasten, Hausierhandel, öffentliche Hand und Vom Landesverband deS Hessischen Einzelhandels, Litz Darmstadt, werden wir um die Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Die in der Oeffentltchkeit vertretene Forderung der Senkung der VlnzelhandetS- preise ist mit einer Kritik an der gegen* ttflen P r e l S st e I l u n g bv» öl n ftCI * handel- verbunden, die von irrigen Voraussetzungen auSgeht und vor allem übersieht, daß schon eine ganze Reihe wichtiger Preissenkungen im Lause der letzten Monate erfolgt sind. Soweit eS sich um eine Kritik der Drot- und Fleichpreise handelt, muß darauf hingewiesen werden, daß diese Waren nicht vom Einzelhandel, sondern vom Handwerk vertrieben werden und daher bezüglich der iln- kosten und Kalkulation ander- zu bewerten sind, als die im Einzelhandel geführten Ware». Bereits seit über einem Jahr ist eine Senkung der Preise im Einzelhandel im Gange, die natürlich in den einzelnen Branchen und auch bei den einzelnen Artikeln einen verschiedenen Verlauf genommen hat. Selbstverständlich können nicht alle Waren automatisch im Preise zurückgeyen. Ausnahmen werden Immer vorkommen, besonder- bei Waren, deren Preisbildung wesentlich durch hohe Zölle beeinflußt wird. Tatsache aber ist es. daß in folgenden, als Beispielen herausgegdsfenen Branchen die Preise für die hauptsächlichsten Artikel gegenüber 1928/29 folgende Senkungen erfahren haben: Lebensmittel. Putz- und Waschmittel 10 bi- 20 Proz., Textilwaren 104»ts 20 Proz., Herren- und Damenkonfektion 15 bis 35 Proz., Schuhwaren und Leder 10 bis 25 Proz., HauShaltungS- artllcl, Kleineisenwaren usw. bis zu 30 Proz. Die starke Verbilligung der Kartosselpreise gegenüber dem Vorjahre darf als bekannt vorausgesetzt werden, ebenso die durch die Presse bekanntgewordenen Senkungen der Markenartikel- preife, wie z. V. Persil, Sunlicht, Kathreiner, Komfrank und viele andere. Die Hülfenfrüchte, Gemüse, Obst und auch die Speisesette, Margarine usw., soweit sie lose verkauft werden, find wesentlich im Preise gesunken, ebenso Kaffee. Oele und Konserven. Palmin, Rahma und die Hafer- Produkte, sosern sie Markenartikelpackungeir sind, Sahen im Preis noch nicht nachgegeben. Die- sind aber Artikel deren Preis von dem Erzeuger, nicht etwa vom Einzelhandel, sestgesetzt wird. ES wäre wirklich wünschenswert, wenn das Publikum einmal in allen Branchen die im Vorjahr angelegten Preise mit den jetzigen Preisen für Waren gleicher Qualität vergleichen würde. ES würde zu der überraschenden Feststellung kommen, daß sich bei einem großen Teil der im Einzelhandel vertriebene» Artikel der Preisabbau von s e I h |l Und ohne großes Geschrei In der Öffentlichkeit vollzogen hat. ES darf ferner darauf hingewlefen werden, daß der Reichsindex für die Lebenshaltung gegen da« Vorjahr um rund 1 Proz. gefallen ist, woran die Preissenkungen für Gegenstände deS täglid-en Bedarfs hervorragenden Anteil haben. Daß dieses nicht iwch stärker in Erscheinung tritt, ist auf die ganz entflig einer Erhebung der Forschung-steile für den Handel gegenüber dem Vorjahr im ReichSburch- schnltt nur 1,1 Proz. beträgt also kaum spürbar ist. Produktiv-Genossenschasten gekennzeichnet wird, zwingt jeden Unternehmer von ix>n»beieln, sich mit dem bescheidensten Gewinn zu begnügen. Die fiohK ist eine noch nicht dagewesene Ber- a r m u n g i m Hand w « r k und immer weitere Minderung der S u b st a n z . soweit sie nach der Inflation überhaupt noch vorhanden mar. Diese Substanz beftanb in der Hegel in HauS- und Grundbesitz, der durch ständig erhöhte Steuer» und Zwangswirtschaft ebenfaNS ver.orenzugehe» dwht, nachdem vorhandene« Kapital schon meist verloren ist Schließlich steht da« deutsche Volk vor der Frage, ob eS ein wichtige» Glied de» Mittelstai. deS ül'erhaupt noch al« lebensfähig und existenzberechtigi anerkennen will. Der Handwerker kann nicht zu Fabrikpreise» liefern, ivell er keine 0H a He nm a re liefert und keine Massenproduktion betreibt. Seine individuelle Tätigkeit und seine mir zeittveilige Inans) ruchnabme durch die Ikmöltevimg, seine erhöhten Gestehung-kosten, die auch durch höhere Löhne für seine Gesellen al- für Industriearbeiter l»eel»slußt werden, ln'dingen eine a n - de re Beurteilung, ais sie zur Zelt wieder einmal üblich ist. Erzwingen läßt sich eine Preissenkung a»S den angesührten Gründen überhaupt nicht, sondern sie kann nut au« dem guten Willen aller Beteiligten hervorgehen Dieser gute Wille l st bei in H andwerk unbedingt vorhanden. Man soll aber nicht die Tatsache verkennen, daß die neuzeitlichen Verhältnisse den Handwerker in eine Zwangslage versetzt haben, die nicht überall richtig erkannt und beurteilt wird. Voraussetzung für einen fühlbaren Preisabbau ist daher die Beseitigung jeglicher Zwangswirtschaft Schleuniger Abbau der Regiebetriebe. Die beruflichen Vertretungen de« Handwerk- Verlangen einen schleunige n A b b a u der Regiebetriebe de- Reich«, der Länder und der Gemeinden, die in ihrem bisherigen Be- stande unter Verletzung de« Artikel- Itzt der ReichSversassung zu einer allmähliche» Aufsaugung der HandwerkSwirtschast sühi-en müsse». Sie verlange» weiter die V e r g e b u n g v f - f e » 111 d) e r Arbeiten und Lieferungen unter tatsächlicher Befolgung de« Inhalte« und des Ginne« der R e i ch S v e r d i n g u n g S o r d - n u u g bei den Behörden de« Reich«, der Länder und Gemeinden unter angemessener Beteiligung deS Handtverk«. VerwaltungS» und Verfaffungsreform. Zur Gesundung der innerdeutschen Verhältnisse kann eine durchgreifende Verwaltung«- und D e r f a f f u n g « r e f o r m nicht entbehrt werden. Sie ist von entscheide'» der B - deutung und muß mit allem Rachdrud dnrch- gefübrt tverden. Mehr Mcksichi gegenüber dem gewerblichen Mittelstand. Ganz allgemein ist in der Gesetzgebung De« Reich« und der Länder auf die Leben«- b e b l n g u n g e n des gewerblichen QH H - te l st a » de « we t t m e h r a l« b t S h e r R ü ck- stcht zu nehmen. Die Übermäßige Einschätzung der kapitalistischen und gewei kschasiliche» Kräsle läßt eine angemessene 'Berücksichtigung de« Mittelstandes in der Gesetzgebung de« Reich« und der Länder, trotz de« Artikel« 164 der Dersas- sung, seit deren bestehen vermissen. Deshalb »erlangen die berufliche» Vertretungen de« Handwerks auf da« entschiedenste, daß die künftige Gesetzgebung deS Reich« nicht in der bisher üblichen schematische» Form weitergesührt wird, sonder» das) In ausreichender QVoibereltung der zu erlassende» Gesetze deren Wirkung auf die einzelne» Kreise der deutschen Wirtschaft vorher geprüft und jeweils ein gerechter Ausgleich unter den verschiedenen Interessen herbeigeführt wird. Revision der außenpolitischen Bindungen. Die Spitzenvertretunge» deS Handtverk« haben von Ansang an darauf hingewlefen, daß die Bela st u n g ans d e m V o u n g - P l a n die L eist ung-fähigkelt der deutschen Wlrt- fchast übersteigt und i»«befondere auch die Leistungsfähigkeit de« deutschen Handtverk«, da« durch die »virtschastliche Entwicklung seit Kriegsende in immer mehr wachsende Rot geraten ist. Die Vorstände de« KammertageS und Reichsverbandes weisen erneut daraus bin, daß die ReparatlonSlaste» angesichts der inzwischen eingetretenen Entwicklung d ö 111 g untragbar geworden sind. Deshalb ist eine durch- greifen&e Revision der außenpolitischen Bindungen Deutschland- so bald wie möglich einzuleilen und durchzusühren. (Sperrung des Rechisanwattsberufs? Berlin, 1K. ’Jlou. (LAB. Eigene Meldung.) Ififl Mitglieder der Anwaltskammer Berlin habe» bei dem Kammeruorftanb die Einberufung einer außerordentliche» Kammerversammlung beantragt. Sfe schlagen die (Ehireldning elneo Bot- gefetze » vor, durch da» mit sofortiger Wirkung eine sechsjährlgeSperre der Zulassung zur Dl e d) 1 » n n ro a 111 d) a f t für den Kammer- vezirk cingeführt werden soll. Die Tarifverhandlungen im Bankgewerbe gescheitert. Berlin, 18. Rov. (TU.) Wie der Deutsd>- natlonale HandlungSgehilfein>erband, Relchsfach- Sruppe Danken, mltlelll, sind die Verhandlungen der den neuen Reichstarifvertrag für daS Dankgewerbe gescheitert. Die Dankleitungen verlangten einen GehaltSabbcru um 11 v. H-, ferner u. a. Kürzung der Tarifstaffel und Wegfall der Dankfeiertage. Wie der Deutsche Dankbeamtenverein ergänzend mitteilt, wird cS nunmehr zu einem Schlichtungsverfahren im Reichsarbeitsministerium kommen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. November 1930. Kündigungen in der Tabakindustrie. Veranlaßt durch die von der Reichsregierung beabsichtigte gewaltige Erhöhung des Tabakzollco und die dadurch hervorgcrufene schwere Gefährdung der Zidarrenindustrte ist in einer Anzahl hiesiger Zigarrenfabriken einer Reihe von kaufmännischen und technischen An- gestellten, deren Arbeitsverhältnis eine längere Kündigungsfrist vorsicht, zu in 31. Dezember dieses Jahres gekündigt worden. Die Tabakindustrie rechnet damit, daß beim Inkrafttreten der seht vorgesehenen außerordentlich starken {teuer- lichcn Mehrbelastung des Tabaks kurz nach Weihnachten alle Z i g a r r e n b e t r i e b e zum Erliegen kommen und auf eine ganze Reihe von Monaten ftillftehen werden, da infolge der unerläßlichen Preiserhöhungen mit Sicherheit ein starker Konsumrückgang ein- treten wird. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß die maßgebenden Stellen in Berlin allen begründeten Einwendungen der Tabakindustrie gegenüber an ihrem unglückseligen Projekt festhalten und dadurch über einen wichtigen deutschen Industriezweig, den die Zigarrcnindustrie unstreitig darstellt, eine so schwere Krisis heraufbeschwören. Rach einer Meldung aus Heidelberg haben auch die größeren Betriebe der Heidelberger Tabakindustrie einem beträchtlichen Teil ihrer k a u f m ä n n t - scheu Angestellten zum 1. Januar 1931 gekündigt und außerdem die Absicht geäußert, zum gleichen Termin ihre Heidelberger Fabriken und die F i l i a l b e t r i c b e in Nordbaden st i l l z u l e g e n. Sie sind ebenfalls der Ansicht, daß die ganze deutsche Tabakindustrie in ähnlicher Weise Vorgehen wird, weil vom 1. Januar ob infolge der Tabakzollerhöhung der Verbrauch so stark zurückgehen werde, daß die Fabriken m o - natelang nichts zu produzieren brauchten, zumal die Laaer voll seien und die Bestände noch für längere Zeit ausreichten. politische Neutralität der Evangelischen Landeskirche. 3n dem soeben herauSgekommenen Verordnungsblatt erläßt das Evangelische Landeskirchenamt an alle Kirchenvorstände ein Aus- schreiben, in dem mit Nachdruck darauf hin- aewiesen wird, daß eS verboten ist, evangelische Gemeindehäuser zu irgendwelchen Parteizwecken zu benutzen. Alle Einträge der Parteien seien abzuweisen. Don allergrößter Bedeutung bleibe, daß die c v a n- gelische Kirche allen Parteien gegenüber allerstrengste Neutralität bewahre. Vorsicht mit Gistweizen. Dom „Hubertus", Derein weidgerechter 3ager, Sitz Gießen, wird uns geschrieben: Die Mäuseplage zwingt den Landwirt zu energischen Be- lämpsungsmitteln, u. a. zum Streuen von Gift- weizen. Die Derwendung von vergifteten Ge- treioekörnern birgt aber eine große Gefahr für d ie Bestände an Rebhühnern und Fasanen in sich, da leider bet dem Auslegen nicht immer mit der nötigen Sorgfalt verfahren wird und die Körner häufig offen in den Löchern liegen anstatt in die Gänge eingeschoben xu werden, so daß sie dem Dvgelauge nicht sichtbar sind. Es werden auch dann noch genug Körner durch die Mäuse wieder herausgeschasst. Wer mit Gift arbeitet, macht sich auch haftbar für etwaige Schäden, die anderen aus seiner Oer Dreizehnte. Vornan von Anny von panhnys. Copyright 1929 by Verlag Bechthold, Braunschweig. 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Seine Brauen zuckten nervös und seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er mußte sich bezwingen, um es nicht laut hinauszuschreien, was er nun antwortete. „Der Dreizehnte?! Wie konnte ich ihn vergessen! Er muß mit unS gefahren sein vom Hause aus, denn unterwegs ist niemand aufgestiegen und konnte niemand aufsteigen, der Wagen war ringsum meterhoch geschlossen, Scn- norila Hirtberg machte sich den Spaß, nachzuzählen und entdeckte zuerst, wir waren eine Person mehr als wir sein könnten. Da glaubte sie sich verzählt zu haben und zählte wieder. Auch ich tat eS mehrmals, aber wir sprachen zu niemand davon, um die vergnügte Stimmung der anderen nicht mit abergläubischem Kram zu zerstören, ilnb weil eS auf dem Wagen etwas durcheinander ging, durch das Karten- und Konfettiwersen ins Publikum und in die Nachbar- Wagen, lachten wir schließlich über unseren Dreizehnten. Doch als wir vor der Dar den Wagen verließen, zahlte ich bestimmt dreizehn, aber gleich darauf waren wir zwölf und blieben zwölf. Es war in der Dar ein halb nach vier, mit etwa« Eilen konnte der Mensch also ganz gut zu der von der Portera genannten Zeit in unserem Hause sein. Er {tieft das alle- rauh und atemlos hervor und in seinen Augen war die Flamme deS Hasses entbrannt. DaS heiße Blut seiner Rasse brach durch. ...Ich will ihn suchen, den Mörder, und der Himmel möge mir belstehen, ihn zu sinden." Er hob wie in Ekstase die Arme. „Dio mio, hilf mir, das erbärmliche Subjekt seiner Strafe zu- zuführen. Blut fordert wieder Blut!" Seine tiesdunklen Augen In dem sehr ebenmäßig geschnittenen, bräunlichen Gesicht hatten einen sanatischen, fast wilden Ausdruck, und Eva dachte, zusainmenschauernd, einer solchen Leidenschaft hätte sie Prlmo Duero gar nicht für fähig gehalten. Ur lief) sich erschöpft auf dem Stuhl nieder. Der Richter sagte: „Können Sie diesen drei- zehnten Clown äußerlich beschreiben?" „Bewahre", gab Primo xur Antwort, Sen- norlta Hirtberg und ich stellten nur eine Person mehr fest. Lind erst, als wir ixxr der Dar vom Wagen abgestiegen waren, nahmen wir die MaSken ab. Der Dreizehnte stieg mit vom Wagen und muß sich dort in der Dar sofort entfernt haben." Anwendung entstehen. Daher ergeht an olle Kreise, die mit der Mäusevergiftung zu tun haben, die Ditte, dafür Sorge zu tragen, daß Giftweizen nur unter Anw endung der gebotenen Vorsicht Verwendung findet. Schäden an den Wildhühnerbeständen treffen nicht nur den 3äger, sondern auch den Dauer selbst.- DaS Rebhuhn ist ein eifriger Vertilger kleiner 3nsekten und vor allem von ilnfraut- famen, der Fasan dagegen verzehrt große Mengen von Drahtwürmern, ist ein geschworener Feind der Schnecken und frißt Mäuse, wo er sie erwischen kann. DaS freie Lim her liegen vergifteter Mäuse gefährdet daher auch alle Tiere, die dem Bauern von der Natur als Helfer gegen die Mäuf ep läge gegeben sind. Muß also Giftweizen Verwendung finden, bann mit aller VorsichtI BerufSkundlicher Vortragsabend. Der Montagabend brachte im Rahmen der von der Berufsberatung des Arbeitsamts Gießen veranstalteten berufSkundlichen Vortragsreihe vier ausführlich «.«Referate über Berufe, die sowohl von Knaben alS auch von Mädchen erlernt werden können. Herr TheiS, Gießen, sprach über den Beruf des Dentisten (Dentistin) und schilderte sehr eingehend das Arbeitsgebiet, sowie die Ausbildungswege und -möglichkeiten dieses Berufes. Gute Volksschüller mit mindestens Durchschnittsnote „gut", sowie Schüler höherer Lehranstalten können den Berus erlernen. Der Referent gab zum Schluß seiner Ausführungen noch genaue Angaben über die Derdienstmöglichkeiten nach abgeschlossener Ausbildung. 3n lebendiger Weise wußte Herr Winter- Hofs, Gießen, den Beruf des Drogisten zu schildern, der bei dreijähriger Lehre nicht nur eine gute fachmännische, sondern eine ebenso gründliche kaufmännische Ausbildung erfordert. Die theoretische Ergänzung der praktischen Ausbildung erhält der junge Drogist (Drogistin) durch den Besuch einer Drogistenfachschule. Wo eine solche Schule nicht besteht, muß der Drogistenlehrling neben dem Besuch der kausinänni- schen Fortbildungsschule an Fernkursen teilnehmen. Eine Fortbildungsmöglichkeit für den ausgelernten Drogisten ist durch Besuch der höheren Lehranstalt für Drogisten gegeben. Herr K e iß n e r, Gießen, behandelte den Berus des Buchhändlers bzw. der Buchhändlerin. 3n klarer, sachlicher Weise wies er darauf hin, welch großes und weites Arbeitsgebiet dem Beruf zu eigen ist und welche Anforderungen er an die Ausübenden stellt. Gute, über dem Durchschnitt stehende Allgemeinbildung, ausgeprägter Geschmack, vor allen Dingen aber auch Liebe xum Buch und Freude am Lesen sind die Hauptbedingungen im Berus, der heute allerdings sehr stark unter den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden hat. Die vielen und verschiedenartigen Tätigkeiten des Gärtners bzw. der Gärtnerin schilderte das ausführliche Referat von Herrn Schneider, Gießen, das durch Lichtbilder noch ergänzt wurde. Der Beruf ist gut und gesund für kräftige junge Leute, stellt jedoch auch an die geistigen Fähigkeiten deS Lehrlings einige Anforderungen. Bornotizcn. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Das Land des Lächelns", 18 bis 21 Llhr. — Kirchenkonzert, 20 LIHr, in der 3ohanneskirche (zum Besten der Hinterbliebenen der Opfer deS Grubenunglücks zu Alsdorf und Maybach). — Christliche Versammlung, Gießen.- Vortrag: „Ewiges Leben", 20.15 Llhr, im Cas6 ßeib. — Deutscher Sprachverein: Vortrag von Prof. Dr. A. Götze über „Die deutschen Familiennamen", 20.30 Llhr, im Vorlesungsgebäude Hörsaal 45. — Oberh. Ges. f. Natur- und Heilkunde: Vortrag (Thema „Versuche mit kurzwelligen und ultrakurzweAigen SchwingungS- „Er wird anscheinend ungefähr 3hre Figur haben", sagte der Kommissar, „denn wenn er auf fallend großer, oder kleiner gewesen, könnte sich doch die Portera nicht darauf versteifen, gerade Sie gesehen zu haben." „Natürlich", gab Primo Duero zu und sein Kopf schmerzte von dem bohrenden Gedanken. Da gab es also einen Menschen auf der Welt, der seinen Vater erschossen hatte, der Werte gestohlen, deren Verlust fast den Ruin deS Geschäftes bedeuteten, und er wußte nichts, gar nichts von ihm. Nichts weiter, als daß er für kurze Zeit der Dreizehnte auf dem Korsowagen am Rosenmontag gewesen. Der Llntersuchungsrichter erklärte, die Sen- norita könne nun gehen. Da erhob sich Eva Hirtberg und Primo Duero stand auch sofort auf. Er bot ihr die Hand. „Dank. Sennorita, daß Sie an den Dreizehnten dachten. Sie nahm die Hand und lächelte ihm ermutigend zu. Doch sprach sie nicht. Die anderen Angestellten hatten sich schon entfernt, aber sie blieb in der Nähe des Präsidiums slehon, ihr war es, als müsse sie hier auf Primo Duero warten. Lind sie wanderte langsam auf und ab, sann unablässig, wer wohl jener Mensch fein konnte, der mit so grenzenloser Llnverschämtheit den dreizehnten Clown gespielt. Nach ungefähr einer halben Stunde kam Primo Duero langsam aus dem mächtigen Dau geschritten, und als er des blonden Mädchens ansichtig ward, glitt eS wie freudiges Erstaunen über seine Züge. Eva Hirtberg wartete, bis er nahe war. „3ch wollte 3hnen nur sagen, eS tut mir furchtbar leid, daß Sie in diesen gräßlichen Verdacht geraten konnten." Er zuckte die Achseln. „Die allzu sicher ausgesprochene Behauptung der Portera trägt daran die Hauptschuld." Seine Augen ruhten in den ihren. „Herzlich danke ich Ihnen aber für 3hr Mitgefühl, Sennorita Hirtberg, es tut wohl. 3d) habe sehr gelitten unter dem Verdacht, und ich leide bitter unter dem Geschehenen. 3ch weiß noch nicht, wie das alles werden wird, denn ich muß doch dem Marques de Palma die blauen Brillanten ersetzen, und dazu kommt der Verlust von sünsundslebzigtausend Peseten." Seine Lippen zuckten. „Ich fürchte, das Geschäft wird auf» hören müssen, zu existieren." Sie gingen langsam nebeneinander her. „Das heißt, wenn man den Mörder nicht findet und ihm die Deute wieder abnehmen kann", begann er wieder. „Der Kommissar befragte mich noch, wer in der Familie einen Schlüssel zum Korridor unserer Wohnung besäße. Meines Vaters Schlüssel fand man in Erzeugern), 20.30 Llhr, !m Physiksaal deS Real- GymnasiumS. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Lindenwirtin" (mit Käthe Dorsch). — Astoria-Lichtspiele: „Das wilde Blut" und „MaS- cotldyen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet als Fremdenvorstellung daS Gastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn statt. Zur Ausführung gelangt die Operette von Lehar „Das Land des Lächelns". Die 3ntendanz macht darauf aufmerksam, daß diese Aufführung die letzte Wiederholung dieser Spielzeit ist. *• Morgenfeier Im Stadttheater Gießen. Die Intendanz teilt mit, daß die Morgenfeier am Sonntag wiederholt wird. Zur Aufführung gelangt ein Spiel vom Tode von Julius Maria Becker: „5)er Brückengeist." Spielleitung Intendant Dr. Prasch. Diejenigen Mitglieder des Goethebundes, die am vergangenen Sonntag die Aufführung nicht besucht haben, können am kommenden Sonntag die Morgenfeier ebenfalls besuchen mit Inanspruchnahme der ihnen zustehen- den Preisermäßigung. •* © t erbet äl le In Gießen. 3n der Zeit vom 1. bis 15. November sind in Gießen verstorben: Minna Adam, geb. Söhngen, Witwe, 76 Jahre, Löberstraße 19; Helene Appel, geb. Körbächer, Witwe, 85 Jahre, Iohannesstraße 16; Michael Behold, Gckstwirt, 51 Jahre, Lessingstraße 18; Wilhelm Gräf, Pflasterer, 59 Jahre, Schützenstraße 15; Emst Ruppel, Fuhrmann, 70 Jahre, Frankfurter Straße 165; Philipp Wolf, Llnierrffizier, 30 Jahre, Weserstraße 18; Hugo Robert Osinsky, Maschinenschlosser, 78 Jahre, Ludwigftratze 12: Berta Koch, geb. Brennemann, Witwe, 85 Jahre, Röntg en strafte 2; Ludwig Sieglinger, Hausbursche, 21 Jahre, Katharinengasse 11; Antonie Margareta Decker, geb. Georg, 28 Jahre, Frankfurter Strafte 165. ** Zusammenstoß zwischen Auto und Motorrad. Gestern nachmittag stießen auf der Landstraße in Richtung Reiskirchen, bei der Umleitungsstelle an der Annerodcr Chaussee, ein Personenauto aus Gießen und ein Gießener Motorrad in ziemlicher Fahrtgeschwindigkeit zusammen. Auf dem Motorrad saßen drei junge Leute von hier, von denen die zwei Beifahrer erheblich zu Schaden kamen, während der Motorradführer zu seinem Glück nur leichte Wunden erlitt. Der etwa 18 Jahre alte Hans Dups von hier wurde am schwersten von dem Unfall betroffen, denn er erlitt innere Verletzungen und liegt zur Zeit in ernstem Zustande in der Chirurgischen Klinik darnieder; der ungefähr ebenso alte Paul Klein von hier trug Prellungen am Arm davon und ist ebenfalls in der Chirurgischen Klinik untergebracht. Von den Insassen des Autos kam niemand zu Schaden. Die Verletzten wurden von einem Kraftwagenführer bzw. Motorradler, die beide kurz nach dem Unglücksfall die Straße passierten, sofort nach Gießen mitgenommen. lieber die Schuldfrage wird erst die behördliche Untersuchung näheren Aufschluß erbringen können. *• (Jamiltenabcnb des Bundes „Haus und Schule". Der Bund „Haus und Schule" hielt am Freitag im Iohannessaal einen gut besuchten Familienabend ab, bei dem Prof. Keller (Friedberg) einen Vortrag über „Die letzte Wirklichkeit" hielt. Der Redner führte, wie man uns berichtet, etwa folgendes aus: Bei Christen solle es eigentlich eine Frage nach der letzten Wirklichkeit, d. i. nach der Wirklichkeit alles dessen, was wir in unserem Glaubensleben erhoffen und erwarten, gar nicht geben. Doch angesichts des Zweifels so vieler sei eine Behandlung der Frage berechtigt. Man sei lange Zeit gewohnt gewesen, die Wirklichkeit durch Llntersuchung der Materie zu erforschen, und die Wissenschaft habe nur das als Wirklichkeit gelten lassen, was man mit den ©innen erfassen könne. 3n dieser Beziehung sei heute eine Wendung eingetreten. Maßgebende Stimmen der Jetztzeit seiner Tasche, den zweiten hatte ich, und da es keinen dritten gibt, muß sich der Mörder einen Nachschlüssel besorgt haben. Man fragte mich noch allerlei und mir ist davon wieder ganz konfus zumute. Aber man gibt die Leiche meines Vaters frei, und ich darf auch wieder in die Wohnung." Er seufzte. „Ich werde den Packer bitten, mit mir in der Wohnung zu schlafen, bis ich erst über alles im klaren bin." Eva sagte teilnehmend: „Sie werden viel zu tun und zu überdenken haben in nächster Zeit, ©ennot Duero." Er nickte. „Sehr viel, und ich bitte alle AngesteUten, vorläufig abzuwarten; in einigen Tagen werde ich allen Nachricht geben." Eva dachte, der Mann an ihrer Seite wäre vielleicht jetzt lieber allein, sie hätte wohl doch nld)t auf ihn warten sollen. Aber es hatte sie dazu gedrängt, ihm zu sagen, wie leid es ihr tat. Sie meinte hastig: „Ich möchte dort mit dem Autobus Helmfahren, auf Wiedersehen, Sennor Duero." Er zog den Hut. „Aus Wiedersehen, ©ennonta!“ Er blickte ihr flüchtig nach und sann, es wäre gut gewesen, wenn sie noch ein Stückchen mit ihm zusammen gegangen wäre. Ihre klare biegsame Stimme hatte etwas Wohltuendes und Beruhigendes. Sein Gesicht versinsterte sich, ©eine Kusine war ihm eingefallen, und ihre wehetuende Schroff» fteit gestern an der Leiche seines Vaters. Wie hatte sie seine Hand von sich geschleudert. AIS wäre er ein Aussätziger. War es nichk. schrecklich, daß sie, die ihn doch schon so lange Jahre kannte, ihm eine solche Tat zutraute? ©ie muftte ganz von Sinnen gewesen fein. Die furchtbare Lleberraschung, die sie vorfand, als sie von dem Karnevalstreiben heimkam, mußte sie so verstört haben, daß sie nicht mehr wußte, waS sie ihm antat mit dem Betragen. Er erreichte die Calle Fernando, und als er das Haus betrat, umfing es ihn sofort wie ein starker Alpdruck. Die Portera stand auf dem Flur. Sic wich vor ihm zurück wie vor einem Gespenst. Er sagte heftig: „Meine Llnschuld ist einwandfrei erwiesen, sonst stände ich nicht hier vor Ihnen. Ich fordere Ihre Achtung, Sennora, das ist wohl das mindeste, was ich verlangen darf, da mich die Polizei freigegeben, die mich auf Grund Ihrer Angaben verhaftete." Die Frau knickte vor Öen scharf gesprochenen Worten etwas in sich zusammen. „Ich kenne Sie ja schon lange, Sennor, und konnte Ihnen fo etwas EntfetzlicheL nicht zutrauen, aber ich — bezeichneten diesen Weg alS Irrweg, denn unserer Wissenschaft seien Grenzen gesetzt, und wir ständen vor der Tatsache, daß unser eigenes Ich uns eine andere Wirklichkeit erschliefte, unabhängig von unserem Verstand, nur durch unser Empfinden und Erleben erfaftbar, die stille leuchtende Wirklichkeit des ewigen Gottes, und letzte Wirklichkeit überhaupt. Der überzeugende. Vortrag machte auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck. Stud phil. Weber erfreute im weiteren Verlauf des Abends durch zwei Klaviervorträge. ** Gewerkschaftsbund der Angestell. t e n. Man schreibt uns: Die Gruppe der weiblichen Angestellten im GdA. hatte Frau Dr. Margret Neumann (Gießen) für einen Vortrag über das Thema: „Der Einfluß des Berufes auf die geistige und seelische Haltung der Frau" gewonnen. Die Vor- tragende betonte, daß die subjektive, d. h. die innere Einstellung zum Beruf meist zugunsten der objektiven, der äußeren Einwirkungen zurücktrete, was für die Frau um so mehr bedeute, als sie mehr gefühlsmäßig reagiere als der Mann. Die Frau fei aus ihrer hauswirtschaftlichen Tätigkeit burd) die Mechanisierung des Haushalts mehr heryusgedrängt worden, und ihr urfprüngliches Gebiet des Hausgewerbes habe sie aufgeben müssen. Dadnrch-sei eine gewisse Entwurzelung eingetreten, die sich auch auf ihre Berufstätigkeit auswirke. Drei Typen ließen sich unterscheiden: der aktive Typ, der den Beruf bejahe, der Erwerbstyp und der Berufstyp, der sich in nüchterner Weise mit den Gegebenheiten abfinde. Entscheidend sei hierbei die Einstellung zum Leben. Darüber hinaus komme es darauf an, ob durch geeignete Erziehung eine positive Lebenseinstellung mitgegeben ist. Die Folge davon zeige sich in jeder Lebenslage in der Meisterung oder Erfolglosigkeit des Augenblicks. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Fahrplanwünsche an die Vlebertalbahn. Bekanntlich fährt der Mittagszug der Dieber- talbahn 13.20 Llhr ab Gießen. Er trifft in Bieber 13.52 Llhr ein. Die Rückfahrt ab Bieber erfolgt erst 14.40 Llhr, Ankunft in Gießen 15.10 Llhr. Der Zug liegt somit 48 Minuten in Bieber still und hat in sehr vielen Fällen bei der Rückfahrt noch Verspätung. Eine große Anzahl Fahrgäste hat nun bei der Diebertalbahn den Wunsch geäuftert, den Mittagszug so zu legtn, daß wenigstens, besonders bei der jetzt kommenden kalten Jahreszeit, für die Fahrgäste die Möglichkeit besteht, nach Hause zu fahren, um ein warmes Mittagessen einzunehmen. Dies trifft hauptsächlich auf die Heuchelheimer Fahrgäste zu. Die Verwaltung der Diebertalbahn hat dieses Ansinnen abgelehnt mit dem Bemerken, die Mehrzahl der Fahrgäste wolle an dem seitherigen Plan festhalten. Lieber dieses Verhalten der Verwaltung der Biebertalbahn sind viele Fahrgäste sehr erbittert, denn die übergroße Mehrzahl ist anderer Meinung als die Verwaltung und glaubt in dem Einwand eine Irre-» führung erblicken zu müssen. Bei gutem Willen könnte man den Zug so legen, daß er 13.15 Llhr in Gieften abfährt und kurz vor x/215 Llhr in Gießen wieder eintrifft. Daft dies möglich ist, beweist die Biebertalbahn an anderen Stellen des Fahrplanes. Die Verwaltung der Biebertalbahn führt weiter ins Feld, daß die Rangierarbeiten, besonders der Güterverkehr, während dieser Zeit geregelt würde. Dieser Grund erscheint in keiner Weise stichhaltig. Der Morgenzug ab Gieften fährt 8.20 Llhr und ist 8.50 Llhr in Bieber, der nächste Zug mit Ausnahme von Mittwoch, Samstag und Sonntag fährt erst in Bieber ab 11.25 Llhr. Gerade der Vorort Heuchelheim könnte eine viel geeignetere und bessere Verbindung haben, wenn nicht dieser unglückselige Vertrag mit der Diebertalbahn noch bestünde. Viele Fahrgäste der Biebertalbahn. Sie brach ab. Sie wagte den flammenden Augen gegenüber nicht, noch einmal etwas davon zu wiederholen, was sie gesehen hatte. „Wo befindet sich meine Kusine, wissen Sie es?" Die Portera gab eilfertig Auskunft. „Nach einem furchtbaren Weinkrampf gestern abend brachten wir sie in meine Wohnung. Ich habe die halbe Nacht bei ihr gewacht. Sie ist heute früh vernommen worden, ich auch, und nun ist sie wieder in meiner Wohnung. Sie ist entsetzlich verstört." Primo Duero vergaß in jäh aufquellenöent Mitleid völlig, wie schwer ihn Montserrat am Tage vorher beleidigt und ihm weh getan. „Ich möchte meine Kusine sprechen , erklärte er, „es wird sie beruhigen, mich frei zu sehen." Er dachte, die Portera hatte gestern mit ihrem Geschrei die ganze Umgebung förmlich in den entsetzlichen Glauben an seine Schuld hinei n- fuggeriert. Auch Montserrat. Er woltte ihr vergeben. Er lächelte ein wenig, er freute sich auf ihre Freude, wenn sie ihn plötzlich vor fich stehen sehen würde. Die Portera nickte: „Kommen Sie, Sennor, ich führe Sie zu ihr." Die Wohnung der Portera lag hinter der Porteria (Pförtnerloge), und die Frau führte ihn dorthin, klopfte an ein Zimmer, öffnete die Tür um einen Spalt. „Sennorita, es Ist jemand gekommen, der SIL gern sprechen mochte." Primo Duero hörte Montserrats Stimme. Es war ein zitternder Klang darin, der sein Mitleid noch verstärkte. Sie sagte wie klagend: „Schon wieder die Polizei? Man soll mich doch in Ruhe lassen, ich weift doch wirklich weiter gar nichts, als was man schon aus mir heraus- quetschte." Da Jtleft Primo Duero, überwältigt von seinem Gefühl, die Tür völlig auf und trat langsam ein. „Montserrat!" Die Zärtlichkeit, die er seit langem für das reizvolle Mädchen empfunden, überwältigte ihn, als er sie totenblaft, mit großen, verstörten Augen vor sich sah. Sie hatte in einem urgroßväterlichen Armstuhl gesessen und sprang, wie von kraftvollen Händen gewaltsam emporgerissen, bei seinem Anblick hoch. „O santa mia, Nuestra Sennora de Montserrat, dul" Beide Hände, mit den Innenflächen nach auften, waren ißm entgegengebreitet wie zur Abwehr, die durch ihren Gesichtsausdruck noch verstärkt wurde. „Was willst du hier, was willst du bei mir? Störe ich dich auch? Willst du mich mit deinem lautlosen Mordinstrument auch von der Erde bringen?“ (Fortsetzung folgt.} , erstattet« Mattia-W geringen Leb' Mit einem ©( vorsihendenm zuhalten, schw brachte dann : Der nächst^ in Dirklar der Verschmelz Hund kaum m poch Gauangel Ml Grünte von Grünberg Verlassen bei Strecke ztveihr eines großen Heimer Gemar allgemein den trägt. Etwa I l'/r Weier lies weist er eine । Sommer günsti Umgebung. D untersteht der hiesigen Forste Fischzucht Schleien und Zeitraum von Jetzt sand m Fischzug statt. (lattgctjabtc $i, Pfund Schleien entsprach diesm Erwartungen. < ein Wehr gex Karpfen war c bv erntete man rend im Früh großen Anzahl Man schreibt Zahl dem starb sowie dm Bei rrihersam l e r ihre 5jant m,t Destmnnth« Se-ge in dieser Die Karpfen Durchschnittsgcv gaben ein Gela Mn fast alle rnlchhandlers ■ übernahm, dcre denfner bet "chng bi?|( N> alle zur Durchschnitts^ dwn weitaus , •X Unfow,; ■ SÄsst S^’Miin Di,®; Ä?" ÄH« Ä Oberhessen. Lhaitia Sänger-Bund. ~ Münster. 17. Rov. ©eftern fand hier der durch den Vorsitzenden Rinker zusammenberufene Bundestag desC h a t t i a - S ä n g e r- b un des statt. Rach einem Begrüßungschor unseres Gesangvereins eröffnete der Vorsitzende die Tagung, zu der auch zwei Vertreter des Wctter- tal-Bunde« eingeladen waren, da auf der Tagesordnung auch Gauangelegenheiten standen. Der Dorsihende referierte zunächst über den Gauvertretertag in Offenbach. Sodann erklärte er, daß der Bundestag nach Zusammenschluß der beiden Bünde eigentlich schon ein (Sautag geworden sei. Sodann wurden die eigentlichen Dundesange- legenheiten, wie Rechnungsablage durch Bürgermeister R e e b (Hattenrod) und Jahresbericht durch Bundesschristführer Wagner (Saasen) erledigt und ohne Anstand genehmigt. Zum Kassenbericht sei bemerkt, daß der Bund mit einem kleinen Lieberschuh von 8,09 Mark abgeschlossen hat. Eine längere Aussprache rief der Punkt „G au liedertag" hervor, der scchungsgemäh jährlich stattfinden soll. Es drehte sich um das .Wie". „Wann" und „Wo". Da man über die Art des Gauliedertages, ob mit oder ohne Wertung. nicht gary einig ging, schritten die Der- treter zur Abstimmung. Mit 19 gegen 9 Stimmen und einer Stimmenthaltung war man aus Sparsamkeitsgründen gegen Wertungssingen. Als Tag wählte man den 17. Mai 1931, also Sonntag vor Pfingsten, als Ort wurde Rönne n r o t h bestimmt. Da keine Unkosten entstehen. kann von der Erhebung eines Beitrages zum Gauliedertag 1931 abgesehen werden. Als Massenchor wurde von den anwesenden Dirigenten „Schwinge dich auf, mein Lied" gewählt. Der Gaurechncr, Bürgermeister Kneipp (Langsdorf), erstattete Rechnungsablage für den Gau .CHattia^Wettertal". der ebenfalls mit einem geringen Lieberschuß von 7,44 Mark abschloß. Mit einem Schlußwort des Bundes- und Gau- vorsihenden und der Ermahnung, treu zusammenzuhalten. schloß die Tagung. Linser Gesangverein brachte dann noch zwei Lieder zu Gehör. Der nächstjährige Gauvertretertag soll in Birklar stattfinden. Bundestage sind nach der Verschmelzung von Ehattia- und Wettertalbund kaum mehr nötig, da es eigentlich nur noch Gauangelegenheiten gibt. Jischzug im Merlauep Teich. '+ Grünberg, 17. Rov. Bei der Bahnfahrt von Grünberg nach Mücke erblickt man nach dem Verlassen des kurzen Waldstückes auf dieser Strecke zweihundert Meter links ab den Damm eines großen Teiches, der sich noch auf Lehn- heimer Gemarkung befindet, im Volksmunde aber allgemein den Ramen „Merlauer Teich" trägt. Etwa 13 Morgen fassend und ungefähr l'/s Meter tief — nur in der Rähe der Schleuse weist er eine größere Tiefe auf — bietet er im Sommer günstige Badegelegenheit für die nähere Llmgebung. Der Teich, der dem Fiskus gehört, untersteht der Forftwartei Merlau, bzw. dem hiesigen Forstamte Rieder-Ohmen. Es wird darin Fischzucht betrieben, denn er ist mit Karpfen, Schleien und Hechten beseht und wird stets im Zeitraum von je drei Zähren ausgefischt. Ietzt fand am Samstag in ihm wiederum ein Fischzug statt. Während der vor drei Zähren stattgehabte Fischzug 772 Pfund Karpfen, 27 Pfund Schleien und 35 Pfund Hechte erbrachte, entsprach diesmal die Ausbeute nicht ganz den Erwartungen. Zwar ergaben Schleien und Hechte ein Mehr gegen das vorige Mal, aber an Karpfen war ein starker Ausfall zu verzeichnen. So erntete man nur noch 14 4 Karpfen, während im Frühjahr 1928 600" Stück nebst einer großen Anzahl Schleien eingesetzt worden waren. Man schreibt das Fehlen einer solch großen Zahl dem starken Vorkommen von Wildenten, sowie dem vereinzelten Auftreten des Fischreihers am Teiche zu. Ob auch Fisch frevler ihre Hand im Spiele hatten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit behaupten, eine derartige Anzeige in dieser Zeit ist jedenfalls nicht erfolgt. Die Karpfen, meist Spiegelkarpfen, hatten ein Durchschnittsgewicht von 3 bis 4 Pfund und ergaben ein Gesamtgewicht von 4 6 4 Pfund. Sie gingen fast alle in den Besitz eines Frankfurter Fischhändlers über, der auch die Schleien übernahm, deren Gesamtgewicht annähernd zwei Zentner betrug. Interessant ist, daß die erst zu Anfang dieses Zahres eingesetzten 4 0 Hechte noch alle zur Stelle waren. Sie hatten ein Durchschnittsgewicht von drei Pfund und wurden zum weitaus größten Teil von Privaten der Llmgegend erworben. Der Fischzug hatte viele Zuschauer an den Teich geführt, u. a. waren saft sämtliche Schulen der Llmgegend anwesend, um sich das interessante Schauspiel anzuschen. Der Händler verludt die Fische auf einen Kraftwagen, der eigens für den Fischtransport eingerichtet ist, denn neben großen Behältern, die mit Wasser gefüllt waren, besitzt er einen Sauerstoffapparat, um die Fische lebendzuerhalten. Die Fische wurden nach Frankfurt verbracht. Landkreis Gicücu. : W i e s e ck, 18. Rov. Zn der jüngsten G e - meindevertretersitzung stand erneut die Festsetzung der Kanalgebühren zur Verhandlung. Da der Demeinderatsbeschluh vom 1. April des Zahres (40 Prozent vom Wasser- gelb als Kanalgebühren zu erheben) vom Mini- sterum abgeleihnt wurde, beschloß man nunmehr, pro Familie 4 Mk. zu erheben Die Bürgerlichen lehnten diese Art der Umlage als unzureichend und bezüglich ihrer Verteilung als unsozial ab. Zm weiteren Verlauf der Sitzung wies der Bürgermeister darauf hin, daß die Wvhlfahrtser- Werbslosen-Llnterstützungsverpflichtungen die Gemeinde immer mehr belasteten. Er beantragte die Zustimmung des Gemeinderats zur sofortigen Ausnahme eines kurzfristigen Darlehens in Höhe von 20 000 Mark, das notwendig sei, um den Derpslich- tungen, die durch die Ausführung der Rotstandsarbeiten entstanden find, nachzukommen. Die Aufnahme des Geldes fei außerdem notwendig, weil die Girozentrale Darmstadt bei der Lieberweisung von Rotstandskrediten 10 000 Mark für fällige Zinsen in Abzug gebracht habe und die Steuern sehr schlecht eingebracht werden könnten. Der Gemeinderat stimmte in Anbetracht dieser Umstände der Aufnahme des Darlehns zu. Der Bürgermeister unterbreitete sodann dem Gemeinderat Vorschläge zur Erhebung der Bier- steuer, über die jedoch ein Beschluß nicht herbei- vesührt werden konnte. ch L i ch, 18. Nov. Der hiesige Männergesang. verein „Cäcilia", einer der ältesten Vereine Oberhessens, feierte am Samstag in der Turnhalle sein 9 3. S t i f tu ng s s e st. Dem Ernst der Zeit entsprechend, hatte man auch diesmal von einer größeren Festlichkeit abgesehen. Die vorgetragenen Chöre, zum Teil recht schwieriger Act, zeugten von gründlicher Durcharbeitung und hoher musikalischer Auffassung des Chormeisters, Lehrer Ernst Z l g e (Butzbach), der, unterstützt von einem glänzenden Stimmenmaterial, den Verein auf eine ungeahnte Höhe gebracht hat, wofür auch die Erfolge auf dem Gesangswettstreit in Lang-Göns Zeugnis abgelegt haben. Das Programm brachte ferner Darbietungen einer ausgezeichneten Musikkapelle und gutgcspielte humoristtsche Einlagen einiger Vereinsmitglieder. Den Höhepunkt beä Abends bildete die Ehrung verdienter Sänger des Vereins, die von dem ersten Vorsitzenden Karl Loh vorgenommen wurde. Aus Anlaß ihrer 35jäh- rigen aktiven Sängertätigkeit wurden Schreiner- meister Hermann Schmidt, Landwirt Karl A l - b o h n und Landwirt Karl Vogt unter Überreichung von Ehrenurkunden zu Ehrenmitgliedern ernannt; ferner wurde dem Kaufmann Heinrich Pies aus Anlaß seiner 25jährigen akttven Sängertätigkeit die silberne Radel überreicht. Verlosung und Tanz beschlossen die Feier, die einen recht würdigen Verlauf nahm. T Birklar, 18. Rov. Es ist lobenswert, daß trotz der Rot unserer Dauern die Gebefreudigkeit des Landvolkes für mildtätige Zwecke nicht nachgelassen hat. Dies zeigen hier die Ergebnisse der in drn letzten Wochen vorgenommenen drei Sammlungen. Für die Studentenhilfe in Gießen wurden von den oberen Jahrgängen der Schule 19 Zentner Kartoffeln zu- fammengebracht. Roch erfolgreicher war die Sammlung für das Elisabethenstift in Darmstadt. Eine ganze Fuhre Kartoffeln und Kraut liegt zur Abfahrt bereit. Auch der Hilfsverein für Geisteskranke kann mit dem Ertrage seiner Haussammlung, die 27 Mark einbrachte, zufrieden sein. z. Rödgen, 18. Rov. Am Sonntagabend unterhielt der hiesige Fuhballverein seine in Balsers Saalbau sehr zahlreich versammelten Gäste durch zwei flott gespielte und in sehr guter Aussprache dargestellte Theaterstücke. Zn einer Ansprache legte der Vorsitzende des Vereins, Philipp Rabenau, die Ziele des Vereins dar und bat um Llnterstühung dieser 2Ift>eit an der Zugend. * Clirnb ach, 18. Rov. Am 21. d. M. feiert die Einwohnerin Frau HeleneWißner Wwe. in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren siebzig st enGeburtstag. Trotz ihres hohen Alters nimmt sie an ihrer Landwirtschaft noch regen Anteil. Wirtschaft. »Der Aktienindex. Der vorn Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 ----- 100) stellt sich für die Woche vom 10. bis 15. Rovember auf 93,5 gegenüber 94,4 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 89,3 (90,1), Gruppe verarbeitende Industrie auf 82,4 (83,4) junZ> Gruppe Handel und Verkehr auf 116,5 (117,2). • Arbeiterentlassungen bei den Adlerwerken. Die Adlerwerke vorm. Heinrich Kleycr AG. in Frankfurt a. M. beabsichtigen, einem großen Teil der Delegschast zum 15. Dezember zu kündigen. Von der Maßnahme werden etwa 1500 Mann betroffen. Wie die Verwaltung mitteilt, handelt es sich bei den Entlassungen nur um eine vorübergehende Maßnahme. Eie begründet den Schritt in der Hauptsache mit der Rotwendigkeit technischer Llm- stellungen. Wie versichert wird, will man den Betrieb mit Beginn des neuen ZahreS wieder voll ausnehmen. Cs stehe noch nicht fest, ob die Entlassungen überhaupt in dem zunächst geplanten Umfange durchgeführt werden. • Einschränkung der Hochofenbetriebe im Saargebiet. Die Saareisenhütten haben ihre Hochofenbetriebe im Oktober dem Produktionsrückgang angepaßt. Von 30 vorhandenen Hochöfen sind zur Zeit noch 22 unter Feuer. Die Rohstahlerzeugung ging von 146 625 Tonnen auf 141 400 Tonnen zurück. Zm Oktober 1929 hat die Rohstahlerzeugung noch 199 389 Tonnen betragen. Die Roheisenerzeugung blieb im Oktober mit 146 254 Tonnen konstant. • Schultheiß-Patzenhoser Brauerei AG., Berlin. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 3. Zanuar 1931 einzuberufenden Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von wieder 15 Prozent auf die Stammaktien und der sahungsgemäßen Dividende von 6 Proz. auf die Vorzugsaktien vorzuschlagen. Der nach den üblichen Abschreibungen und Rückstellungen verbleibende Reingewinn beträgt 10,42 (10,36) Millionen Mark. Schweincrnartt in Butzbach. pb. Butzbach, 18. Rovember. Der heutige Schweinemarkt war mit 462 Ferkeln beschickt. Es wurden gezahlt für Ferkel bis sechs Wochen alt 17 bis 22 Mark, von sechs bis acht Wochen 22 bis 26 Mark, und von acht bis dreizehn Wochen 26 bis 33 Mark. Der Handel war lebhaft. Der Markt wurde bis auf geringen ileberftanö geräumt. Frankfurter Abendbörse. Frankfurt a. M., 18. Rov. Tendenz: ge- schästslos. An der Abendbörse herrschte wieder weitgehendste Geschäfts stille. Das Fehlen jeglicher Orders veranlaßte die Kulisse, eher zu weiteren Abgaben zu schreiten, zumal die überwiegend schwachen Auslandbörsen keine Anregung boten. 5>ie wenigen Kurse, die zunächst zustandekamen, wiesen jedoch keine größeren Veränderungen auf, lagen aber gegen den Berliner Schluß eher weiter etwas schwächer. Zm Verlaufe stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Gegen Schluß der Börse konnte sich das Kursniveau auf Heine Rückdeckungen etwas heben. Anleihen fast ohne Geschäft. Reubesih 63/8, fünf- prozentige äußere Goldmexikaner 165/s. Daher- Hypothekenbank 124, Danatbank 149,25, Dresdner Dank 109,75, Reichsbank 222, Buderus 52, Gelsenkirchen 85,25, Aschersleben 186,50, Salzdetfurth 256, Westeregeln 188, Mannesmann 69,50, Rheinische Braunkohle 157,50, Stahlverein 68, Aku 67,50, AEG. 110, Chade 291, Daimler 25, Deutsche Linoleum 112, Licht & Kraft 120, I.-G.- Farben 135,75 bis 136'/»,. Holzmann 75,50, Metallgesellschaft 85,75, Schuckert 128V«, Siemens 174, Südd. Zucker 133,75, Hapag 71,50, Rordd. Lloyd 72. Berliner Börse. Berlin, 18. Rov. Zu Beginn der heutigen Börse setzte sich die Abgabeneigung. die schon gestern abend in Frankfurt und im heutigen Vormittagsverkehr festzustellen war, in eher stärkerem Maße.fort. Es wurden verschiedene Gründe ins Feld geführt, die diese schwache Stimmung hervvrgerusen haben sollen. So verwies man auf bai sehr schwache Reuhork von gestern, für das bereits auch schon die bot» läufige Zahlungseinstellung der Rational Bank Kentucky und die Schwierigkeiten fünf weiterer kleiner Danken in der Gegend von Louisville ausschlaggebend gewesen waren, man sprach von Publikumsabgaben infolge der verschiedentlich aufgetretenen innerpolitischen Spannungen, man war verstimmt über den Rückgang der Kupferpreise und beeinflußt durch die schwache Haltung der Chadeaktien im Zusammenhang mit einem starken Rachgeben der spanischen Währung. Zu Beginn des offiziellen Marktes gaben die Kurse daraufhin von 1 bis 3 Prozent nach. Darüber hinaus gingen Reichsbank, Salzdetfurth, Deutsche Linoleum, Lahmeyer, Schubert & Salzer bis zu 4,5 Prozent zurück. Chadeaktien verloren 10 Mk., bei einem Angebot von 15 000 bis 20 000 Mk. Otavi nach anfänglicher minuS-rninus-Rotiz 2,40 Mark niedriger. An diesem Markte waren etwa 700 bis 800 Stück angeboten. Eine Bestens- kauforder von 2 Millionen trieb den Kurs der Allumulatorenaktie um 3,5 Prozent in die Höhe. Anderseits soll aber auch der 3,5prozentige Verlust bei Lahmeyer auf eine Bestensverkaufsorder von 3 Millionen zurückzuführen sein. Deutsche Anleihen waren kaum verändert. Von Ausländern zeichneten sich Mexikaner durch festere Haltung aus. Pfandbriefe still. Reichsschuldbuchforderungen behauptet. Am Geldmarkt waren die Sähe unverändert. Tagesgeld war aber eher etwas leichter. Rach den ersten Kursen traten zunächst keine größeren Aenderungen ein. Eine gewisse Beruhigung ging von den Ziffern de« Reichsbankausweises für die zweite Rovember- woche aus. Die Entlastung der Desamtkapital- anlage um 51,69 Millionen, die Zunahme der Gold- und Devisenbestände um 266 Millionen und die kräftige Besserung der Deckung um 2,5 Prozent machten einen guten Eindruck. Berliner Produktenmarkt. Berlin. 18. Rov. Die Produktenbörse eröffnete auf allen Marktgebieten in freundlicherer Haltung, allerdings waren die unter dem Eindruck der kräftigen Erholung an den nordamerikanischen Terminmärkten gestern nachmittag und heute vormittag bezahlten Preis« für Weizen an der Börse nicht mehr ganz durchzuholen. DaS In- lanbangebot von Brotgetreide ist keineswegs reichlich, etwas bessere Kauflust zeigt sich jedoch nur für Roggen für etwa zwei Mark höher als an der gestrigen Börse bezahlt wurde. Die Llm- sahtätigkeit hielt sich im Prompt- und Termingeschäft in mäßigen Grenzen. Die Lieferungspreise tagen für Weizen eine Mark, für Roggen 1 bi« 1,50 Mark über gestrigem Schlußniveau. Weizen- und Roggenmehle hatten ruhiges Geschäft zu wenig veränderten Preisen. Hafer blieb namentlich in guten Qualitäten gefragt und liegt fester, zumal sich am Lieferungsmarkte Deckungsbegehr bemerkbar macht. Gerste in unveränderten Preisen ruhig. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer. 250 bis 251 (fester), Dez. 261 bis 260,50. März 273.50 bis 273, Mal 282,50 bis 282 (Brief); Roggen, märkischer, 153 bis 155 (etwas fester), Dez. 173,25, März 185,50, Mai 192 bis 191,50; Braugerste 186 bis 212 (fester); Industrie- und Futtergerste 170 bis 180; Hafer, märkischer, 141 bis 151; Dez. 154, März 165,50 bis 165; (100 Kilo): Weizenmehl 29 bis 37,50 (behauptet); Roggenmehl 23,90 bis 27 (ruhig); Weizenkleie 8,25 bis 8,75 (behauptet); Roggenkleie8bis8,50; Bik- toriaerbsen 25 bis 31; kleine Speiseerbfen 24 bis 26; Futtererbsen 19 bis 21; Pelufch'en 19 bis 20; Ackerbohnen 17 bis 18; Wicken 17 bis 20; Rapskuchen 8,50 bis 9,25; Leinkuchen 14,70 bis 15; Trockenschnihel 5,50 bis 6; Sojaschrot 12,40 bi« 13; (50 Kilo): Roggenstroh, drahtgepreßt 0,70 bis0,80; Weizenstroh 0,60 bis 0,70; Haferstroh 0.65 bis 0,75; Gerstenstroh 0,65 bis 0,75; gebund. Roggen- lang stroh 0,80 bis 1,00; bindfadengepr. Roggenstroh 0,75 bis 0,90; Weizenstroh 0.65 bis 0.75; Häcksel 1,50 bis 1,65; handelsübliches Heu 1,40 bis 1,75; gutes Heu (erster Schnitt) 1,85 bis 2,35 (still); Luzerne, lose 2,90 bis 3,30; Thymotee, lose 2,80 bis 3,20; Kleeheu, lose (zweiter Schnitts 260 bis 3,00; Mielihheu. lose (Warthe) 1,65 bis 1,85; (Havel) 1,20 bis 1,50; drahtgepr. Heu in Pfennig über Rotiz 40. Allg. Tendenz: schwankend. Daten für Donnerstag, 20. November. (Sonnenaufgang 7.25 Llhr; (Sonnenuntergang 16.06 Llhr. — Mondaufgang 7.39 Llhr; Mond- untergang 15.43 Llhr. 1858: die Schriftstellerin Selma Lagerlöf geboren; — 1910: der Schriftsteller Leo Tolstoi gestorben; — 1915: der Schriftsteller Iohannes Trojan gestorben. Sprechstunden der uicvaktion. 11.30 dir 12.30 Uhr, 16 bl» 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Neichsbankdiskont 5 o Lombardzlnsfuß 6 v. 5). Berlin Sranffurt a. M. Banknoten. Frankfurt a. 31. Serlln Schluß» für« Schluß!. Abend« börte Schluß« Iure Schluß!. Dliitag« dörse Datum 17. n 18 1) 17 11. 18 11. 6% Stuft die Reichsanleihe 7% Stuttoe Reichsanleihe 86,5 86,5 66,65 — von 1929 .......... 98,4 98,4 98,4 98,5 Stutfdjt An!.-Al>!b^SchuId mit SiuSlos.-Rechten....... 53,6 53,5 53,6 53,5 LeSgl. ebne LluSlol.-Rechtt . . 8% Hell. Volksstaat von 1929 6,55 6,4 6,3 6,4 89,5 (rüchablb. 102%)...... Cbtrbellcn Provinz • ßnlelbt mit 89 89 89,5 eiu#lo|.-9icd)tcn....... 50,75 50,75 —— — teulldje flomm. SammelabL 51,25 Anleihe Gerte 1 .... 8% ßranff. Hnv.-Bank Soldpfe. 51,3 51 51,13 XIII unlünöbar bU 1934 . . - 98,25 98,25 — ?% Franks. Vfp-Bank Soldvle 93,25 93,25 «%% Rheinische Hvp.-Vank 85,65 85,9 _ - |% Pr. eanbeepftmbbrtcfanfialt, PfandbrtefeR.lv ...... 8% Pr. Landeopianobrtefanfialt, 100 100 100 100 Äomm.»CbL 01. 20...... 7% Pr. Landesv'andbriefanfialt, 97 97 97 97 97 97 97 tk-E.G- abg. fBormeflfrDbllgatfo* nen. rückzahlbar 1932 ..... 95 95 — — 4% Cefienetdjlldie Goldrente . . — _ _ 26,6 4,20% CefterrctäUdje Gilbertente 4% Cefterreidjlldje Einheitliche — 2,75 — Rente........... —— — 1,65 — 4% Ungarische Goldrente .... — 23,25 23,25 23,3 4% Ungarische Gtaatirente v. 1910 18,25 18 18,25 4K% Bctfll. von 1913 .... — — — 19,5 4% Ungarische Kronenrente . . - 1,675 1,675 1,6 1,65 4% Türkische Zollanleibe von 1911 4% Törtliche Bagdabbahn-Ani 3,6 3,65 3,6 3,65 Serie 1......... ■— — 3,6 — 4% deSgi. Gerte 11....... 6% Rumänisch« Verein!,. Rente 3,65 3,65 3,65 —■ von 1903 .......... 8,5 8,5 8,5 4H% Rumänische vereinh. Rente von 1913 .......... 14 — 14 13,5 6,7 Rumänische verrinh. Starte . 6,8 6,75 6,7 Frankfurt a.M. Berlin Schluß» kur» Schluß,. Abend, Nrfe Schluß» für» Schloßt. Mittag» börte Datum 17 11 | 18 H 17 11 18 11 Vamvurg-Ämenta ‘Batet . . i — 71,5 72,13 71,25 Hamburg'Südam. Dampfschiff 8 — —— — —— Hansa Dampfschiff..... 10 — — — — Norddeutscher Lloyd .... 8 73,13 72 73,4 72,13 Allgemeine DeutlcheEredilanfi. 10 96,5 — 97,13 96.4 Barmer Bankverein .... 10 101 100,75 101,25 100,75 Beniner Handelsgesellschaft . 12 127,5 127 127,75 127.75 Gemmen- und Prioat-Ban!. 11 111,5 111.5 111,5 111.5 Tannftäbter und Nationallxml Teutsche 6 an, und 12 149,4 149,25 149,25 149,25 109,5 DUeonto Gesellschaft, . . . 10 109 109,25 109 Dresdner Bank...... 10 109,5 109,75 109.25 109.75 ReichSbank........ 12 227 222 227,9 222,5 a.e.®........... . b 112,75 110 113 110.5 Bergmann........ Elektr. LieserungSgelellschaft. . v — — 131.75 130.75 10 — — 115,5 114 Licht und Kraft...... 10 123 120 122.5 120,5 Felten & Guilleaume . . . Geiellschall für Elektrische 1V1 94,5 93 95 95,25 117,13 Unternehmungen .... 10 117,5 116,75 117,5 Hamburger ElektrizllLtS-Lerke 10 — — 107,13 105,25 Rdcmllche Elektrizität . . . . 9 — — — — Gchlcsische EleklriziUU. . . . 10 — —— 113 110 — . 128.4 174 130,5 176,25 127.65 173,75 Giemen» ei Halske ..... 16 175,5 Transradio........ . t — — — — Lahmeyer S Go...... . !(■ 136,5 132 135 131,75 52,5 52 52,25 — . b — — 65,25 64,75 Eilener Steinkohle..... • 8 — — — — . v 66,25 69,25 86,25 85,75 . U 62,5 82 83 — Hoclch Eilen. ..«•••. 6Vi — — 75,75 74,75 Hi’e Bergbau ....... 10 206 — 206 Klöcknenverke . ...... ■ « 68 69 69 Köln-Ncuciien....... . V — — 82,5 81,5 DianneSmunn-Röbreo • • • e < 69 69,5 71 70,5 ManSjelder Bergbau . • • • Oberschles. Eijenbedarf ... . 7 42 — 43,9 40,5 . I — — 40 Oberjchlcs. kolLwerke. . . . . 7 — —— 73,5 71,75 Phönix Bergbau . ..... 64 65,25 64,75 Rheinische Braunkohlen . . Rhein fiahl........ 10 . 158^5 157,5 159.9 75,75 158,65 75,25 Rtebed ............ ■— — — Schluß» kur» Schloßt. Abend« bSrse Schlußkur» Schluß/. Mittag» bffrfe_ Datum 17 11 | 18 ll 17 H 18 II Bereinigte Stahlwerke..... 68 68 68.25 68 Otavi Dttnen......16’/. — —— 36,4 33,65 Kaliwerk» «scherrleben ... 10 188 186 188,75 186,75 Kaliwerke Westeregeln . . . io 190 183 190 , 188,25 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 258 256 259,9 I 257 F.G. Farben-Inbufirte. . . 12 137,65 | 136,13 137,9 136 Dvnamit Nobel.......6 - — — —- Gcheideansialt....... .9 133 131 —» — Goldschmidt ....... .6 44,5 44,5 44,5 — RürgerSwerte..... 6 47,5 47 48.25 47,25 86 85,75 86,5 86 Phüwp Holzmann......*1 77 75,5 77,5 76,13 Lementwerk Heidelberg . . 10 —- — — Eementwert fiarlflabt. ... 10 —— — — EaflS & Stet;tag......8 50,25 50 50,9 50 Gdiultbetl Patzenhose, ... 15 _ - 176 174 — — 140 139,25 Liu...........18 69 67,5 71 68 Bemberg.........1» 68 68,5 70,9 68.5 Heimo ff Daldbof .... 13'/, — — 106,5 106.25 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 — 80 78,9 78,75 Ehariottenburger Wasser ... 8 — — 83 82.75 Dessauer Ga»..... • • 9 — — 109,25 108.5 Daimler Motoren ...... O 24,5 25 25 25,25 116 11? _ 111.75 — 40,5 Rat. Automobil . ...... O — — — — Ctenfleln S floppe! . .... 6 —— — 47 46 Leonhard Tietz ...... 10 — — 116,5 115 — — 276 272 frankfurter Maschinen .... 4 14,5 14 14 14 Gntzner....... 6 28 28 28,65 28,75 Heyttgenfiardt ....... 0 3unoban8......... 28 28 27,65 27,5 Lechwerke. . ........ 83,13 82,75 — — Mainiraftwerke Höchfi a. SR.. . 70 — — Miag...........IC — — 70 70 ®ebr. Roeder.......IC 88 — — — Bolflt & Haesfner...... 146,5 — 146,5 Lübdeutsche Zucker • ... IC 132 133,75 133 1 133 Nerssö , 18. November SÜ5 Srles Rmentantlcbe Roten . . 4.187 4,207 Bclflüdw Roten. . . . • 58.25 58.49 Dänische Roten . . . . 111,83 112.27 Englisckie Roten . . . . . tztanzoslsche Roien . • . • 20,34 20.42 16,436 16.496 vollandische Roten . . • • e • e 168.41 169.09 Italienische Roten..... e • e 21,90 21.985 Rorweailche Roten . . . . « . . 111.83 112,27 Deutsch'Lefierreich, 8 100 Schilling 58,90 59,14 Rumänische Noten . . . . 2.465 2,485 Schwedische Noten . . . . . . . 112.18 112,62 Schweizer Noten..... 81,11 81.43 Spanische Roten..... 45,81 45.99 Dichechoslowolllche Roten. . . . 12.388 12,448 Ungarische Noten ■ ■ . 73,12 73,42 Deoi enmarfl Berlin — Frankfurt a. ZTl. 17 November 18 November tflmihdif «oxerung »miliche .Notierung Seid | Snt Geld rtrie timtL-lNott. 168,56 168,90 168,65 168.99 Bu?n«Atreß 1,438 1,442 1,440 1,444 Brsl.'Ankw. 58,45 58,57 58,445 58,565 (Ebriftiania - 112,10 112,32 112,11 112,33 Kopenhagen 112,11 112,33 112,10 112,32 Clockholm - 112,52 112,74 112,51 112,73 feelfingforS- 10,552 10.572 10,552 10.572 Italien. . . 21,945 21,985 21,945 21.985 London. . . 20.359 20,399 20.36 20.40 entj ort . . 4.1920 4,2000 4.1930 4,2010 Paris. . . . 16,461 16,501 16.458 16,498 Schweiz •. 81,22 81,38 81,27 81,43 Spanten. 47,80 47,90 45,95 46,05 Japan . - . «io de Jan 2,078 2,082 2,080 2,084 0,421 0,423 0,415 0,417 Dien In 59,135 Ceft. abgeft 59,035 59,155 59,015 Prag - . - - 12,429 12,444 12,432 12.452 HeUrad . 7,418 7,432 7,418 7,432 Budapest. 73,32 73,46 73,31 73,45 Bulaarien 3,037 3,043 3,037 3,043 Lissabon - 18,80 18,84 18,80 18,84 Tanttg. . Pnnrtnnnn- 81,40 1,784 5,435 81,56 1,789 5,445 81,41 1,784 5,435 81,57 1,789 «tben. . 5,445 Tanada . 4,195 4,204 4,196 4,204 Urn may. 3,327 3,333 3.327 3,333 Cairo • • 20,885 20,925 20,88 20,92 SJL-tfpott Oer Abschluß der Saison. Hubertusjagd beim Gießener Reit- und Fahrklub. Zu den schönsten reiterlichen Freuden gehören die alljährlichen Reitjagden. Froh schlägt das Herz, wenn der Herbstwind über die Stoppeln bläst und beim hellen Klang der Jagdhörner das weite Feld dem Reitersmann und den flinken Husen seines Pferdes gehört. Auch dieses 3ahr, trotz der Regengüsse, die ein tückischer Wettergott schickte, liehen sich unsere Reiter und Reiterinnen nicht um ihre reiterlichen Herbst- sreuden bringen. Den Abschluß der diesjährigen 3agdsaison bildete die Hubertusjagd am Samstag, die, wie auch die übrigen 3agden, vom Reit- und Fahrklub Gieße n gemeinsam mit dem hiesigen Reichswehrbataillon geritten wurde. Außer den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften hatten sich vierundzwanzig Reiter und Reiterinnen eingefunden. Selbst vom Marburger Reiterverein waren einige Damen und Herren herübergeritten. um sich an der 3agd zu beteiligen. Leider waren infolge des andauernden Regens der vorhergehenden Tage und Wochen die Bodenverhältnisse die denkbar schlechtesten. Um so größerer Dank gebührt dem Fuchs des Tages, Herrn Oberleutnant Doigtsber- ger, der es verstanden hatte, trotz dieser ungünstigen Vorbedingungen ein reitbares, prächtiges und abwechslungsreiches Gelände für die 3agd ausfindig zu machen. Die Hindernisse stellten in diesem 3ahre größere Anforderungen an Reiter und Pferd ate in früheren trockeneren Jahren. Sie wurden aber alle in flottem Tempo überwunden. Rur hier und da gab es ein paar Stürze, die schließlich zum Bild der meisten 3ag- den gehören und es mehr oder weniger vervollständigen. Hell langten jedenfalls die stattlichen Felder beim Halali an. Der Sieger des Tages war ein Gast, Herr Sam es aus Marburg, dem es gelang, den ausgerittenen Fuchsschwanz zu erobern. Der Abend vereinigte alle Reiter und Reiterinnen noch für einige frohe Stunden, und es zeigte sich, daß ein tüchttger Reiter nicht nur in allen Sätteln, sondern auch den nicht immer ganz unkomplizierten Anforderungen des Tanzbodens gerecht zu werden versteht. Alles in allem — — — ein wohlgelungener Tag, mit dem der Schutzheilige St. Hubertus sicherlich einverstanden imb zufrieden gewesen ist. Dr. Kz. Zußball im Gau Gießen-Wehlar. FC. Grohen-Buseck II — Spvg. 1900 III 2:5. Da das Verbandsspiel gegen die Ligamannschaft von Ehringshausen abgesetzt wurde, trug die zweite Mannschaft ein Spiel gegen die dritte von 1900 Gießen aus, das die Gäste verdient aus Grund ihres Eifers und ihrer Spielanlage schließlich aber durch das völlige Versagen dÄ Großen-Busecker Tormannes mit 5:2 gewinnen konnten. Die 1. Jugend konnte gegen die 1. Jugend des VfB. Gießen mit dem knappsten aller Resultate siegreich sein. Beide Mannschaften erwiesen sich als völlig gleichwertig. ^vßballableilung des Tv.wieseck I — Lollar I 2:1. Am Sonntag weilte Lollars 1. Mannschaft in Wieseck zu Gast. Der Plahbesitzer ging bald nach .Spielbeginn in Führung, Lollar vermochte jedoch bald auszu gleich en: mit 2:1 für Wieseck wurden die Seiten gewechselt und der Halbzeitstand blieb trotz größter Anstrengungen der Ool- larer auch dos Schlußergebnis. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — To. wieseck I 9:2. Die aufsteigende Linie im 1900er Handball spiegelt sich auch in den Ergebnissen des vergangenen Sonntags. Wenn auch bei der ersten Mannschaft von vornherein mit einem Sieg über die Wiesecker Turner gerechnet werden muhte, so bedeutet es doch eine gewisse Ueberraschung, daß er in so überzeugender Manier erfochten wurde. Die Gästemannschaft war keineswegs schlecht. 3n körperlicher und taktischer Hinsicht waren die Spielvereinigungsleute jedoch klar im Vorteil. Bei Seitenwechsel lautete das Ergebnis bereits 5:0. Dann mehrten sich die Wiesecker Gegenvorstöße, die auch zwei Tore einbrachten. To. Burkhardsfelden I — 1900 II 1:1. Das auf fremdem Gelände erzielte Unentschieden der ersatzgeschwächten 2. Mannschaft ist als sehr ehrenvoll zu bezeichnen. Der Gastgeber stellte eine wuchtige Mannschaft. Die Gießener waren jedoch technisch besser und hatten wieder eine besondere Stütze im Torwart. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Handball im Gau Hessen (O.T.) Ergebnisse vom Sonntag, 16. November 1930. Meisterklasse: T. n. Spv. Marburg — Tv. Bad-Rauheim 2:3; Tv. 1846 Gießen — Tv. Grohen-Buseck 7:1; Mtv. Gießen — Tv. Niedergirmes 2:2; T. u. Spv. Butzbach — Tv. Alsfeld 2:1. ^-Klasse: Mtv. Gießen — T.u. Spv. Butzbach 4:1; Tgm. Friedberg — Tv. Münchholzhausen 4:2. B-KIasse: Tv. Riedergirmes — Tv. Dutenhofen 3:5; Tv. Lützellinden — Tv. Münchholzhausen 6:0; Tv. Rieder-Mörlen — Tv. Ortenberg 2:2; Tv. Romrod — Tv. Maar 4:1. Jugendklasse: T. u. Spv. Butzbach — Tv. Wetzlar 2:6. Tv. Heuchelheim I — To. Grohen-Linden I 3:2. Die beiden Mannschaften lieferten sich am Sonntag auf dem Geiersberg einen erbitterten Kampf. Heuchelheim befand sich in großer Form und schuf manche kritische Situatton vor dem Tor der Großen-Lindener, deren Tormann jedoch jeden Erfolg verhinderte. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt. Rach der Pause kam Heuchelheim auf, spielte auf Sieg und konnte in kurzen Abständen dreimal erfolgreich sein. Erst zum Schluß rafften sich die Gäste auf und konnten durch zwei Strafwürfe auf 3:2 verkürzen. Rach diesem Siege führt Heuchelheim mit einem Punkt vor Grvßen-Linden die Tabelle an. Tv. Allendorf I — Tv. Rauborn I 2:0. Die beiden Mannschaften lieferten sich in Allen- dorf ein flottes Spiel, das die Allendorfer nach zeitweilig starker Ueberlegenheit für sich entscheiden konnten. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Garbenleich I — Garbenheim I 5:0. Das am Sonntag in Garbenteich ausgetragene Gesellschaftsrückspiel, das auf einer Wiese zum Austtag gelangte, bracht« zwar den erwarteten aber wenig überzeugenden Sieg des PlotzbesitzerS, dessen Mannschaft sehr zerfahren spielte. Schuld daran dürfte allerdings der Umstand sein, daß die Mannschaft mit fünf Mann Ersatz anzutreten gezwungen war. Das Halbzeitergebnis von 0:0 entspricht dem Spielverlauf der ersten Spielhälfte. Rach dem Wechsel fand sich der Gastgeber besser zusammen und warf in kurzen Abständen fünf Tore, während den Gästen das unbedingt verdiente Ehrentor versagt blieb. Garbenheim stellte eine flink« Mannschaft ins Feld und hatte dem Gegner im Fangspiel einiges voraus. Wißmar — hausen 3:3. Am letzten Sonntag trafen sich die Handballmannschaften der Turnvereine Hausen und Wißmar zu einem Gesellschaftsspiel. 3n der ersten Halbzeit waren die Gäste überlegen. 3n der zweiten Halbzeit jedoch tarn Wißmar so auf, daß sich die Gäste faßt nur auf Verteidigung beschränken mußten und der Gastgeber noch ausgleichen konnte. Das Spiel war von Anfang bis Ende sehr lebhaft. Tv. Dorlar I — Tv. Ruttershausen I 4:3 (2:2). Beide Mannschaften traten mit Ersah, der Plahbesitzer nur mit 10 Mann an. Das Spiel trug den Eharatter eines erbitterten Punkte- fpieles und wurde hart durchgeführt. Weitere Ergebnisse. Tv. Garbenteich I.— Tv. Garbenheim l. 5:0; Tv. Staufenberg t.—Tv. Launsbach l. 6:3; Tv. Allendorf I.—Tv. Lollar I. 4:1 (Verbandsspiel); Tv. Kinzenbach 3ug.—Tv. Dorlar 3ug. 0:3. Staufenberg I — Launsbach I 6:3. Die beiden Mannschaften lieferten sich in Staufenberg ein flottes Spiel, bei dem gleich zu Beginn Launsbach mit zwei Toren in Führung ging, schließlich aber durch die geschlossene Spielweise der Staufenberger in das Hintertreffen gedrängt wurde und sich mit 6:3 geschlagen bekennen mußte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Burkhardsfelden I — Heuchelheim I 4:4. Die beiden Mannschaften lieferten sich am Sonntag in Burkhardsfelden ein Gesellschaftsspiel, das der Plahbesitzer zum großen Teil mit 10 Mann bestreiten mußte. Bereits zur Halbzeit führten die Gäste mit 1:0 und konnten auch während der zweiten Spielhälfte teilweise führend bleiben. Schließlich raffte sich aber Heuchelheim auf und erzwang nach wechselvollem Spiel das Unentschieden. • Bei einem Werbetag in Hausen trugen die ersten Mannschaften von Kinzenbach und Watzenborn ein Spiel aus, das nach sehr fairem und flottem Verlauf unentschieden 4:4 endete. Vorher standen sich die Jugendmannschaften von Annerod und Watzenborn gegenüber. Das Treffen entschied Watzenborn mit 4:0 für sich. Gau-Lehrgang für Tumwarie der OT. -o- u«ber di« planübliche Ausbildungsarbeit in den Pekeinen, den Bezirken und den Gau hinaus wurde unter der Oberleitung von Gau- Oberturnwart Wilh. Will (Gießen) und Gau- Männerturnwart Martin T e x t o r (Marburg) am Sonntag zu Gießen ein Lehrgang eröffnet, an dem 50 Turner aus nahezu ebenso vielen Vereinen des Gaues Hessen teilmhmen. 3m Gegensatz zu der Fachausbildung auf einzelnen Gebieten der Leibesübungen wendet sich der Lehrplan an eine gewisse Gesamtausbildung des einzelnen Turners, der dadurch angeleitet wird, als Dereinsturnwart insbesondere auf dem Lande bem Uebungsbetrieb im ganzen vorzustehen. So umfaßt die Uebungsfolge an vier Sonntagen zu je sechs Lehrstunden auf breiter Grundlage Ordnungs- und Freiübungen, eine Auswahl aus der Dewegungsschule, Keulenschwingen und Turnspiele (der Gauoberturnwart), ferner Uebungsgruppen aus der Körperschule (Gau-Frauenturnwart R. Paul Gießen, P. Götsch, Marburg), Anleitung in volkstümlichen Uebungen (Gaufachwart Klimmer, Kloster Haina) und an den Schaukelringen (Dezirksturnwart Heberlein, Marburg), Einblick in die Gestaltung von Kinderturnstunden (Gaufachwart E. Wagner, Kirchhain), Pflege des Turngesangs und schließlich in größerem Umfang das Geräteturnen (Gau- Wart Textor, Marburg, die Dezirksturnwarte P. Schüler, Wetzlar, K. Reuter, Gießen, und Sy-bet* lein, Marburg). Dazu werden in Vorträgen be> handelt Einrichtungen in der DT. (Gauwart E. Wagner, Kirchhain), Rotwendigkeit der Körperübungen (Dr. med. Rau, Butzbach) und der Pflichtenkreis des Vorturners und Turnwartes (der Gau-Oberturnwart). Zreundschastsspiel evang. Zugendvereinigungen. Am letzten Sonntag trug die Handballmannschaft der Eo.Jugendvereinigung in Rodheim a.d.B. gegen die dortige Eo. Jugendoereinigung ein Freundschafts, spiel aus, das sie (bei einem Halbzeitergebnis 3:2) 6:3 für sich entscheiden konnte. Die Klein-Lindener verdanken den Sieg ihrer ausgeglichenen Mannschaft, der die Rodheimer als stärkste Waffe einen energischen Sturm entgegensetzten. Meinhessen. WSR. Gau-Odernheim, 18.Rov. Bei der am Sonntag stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde bei einer 97prozmrtig«n Wahlbeteiligung der Kandidat der Rationalsozialisten Ritter mit 571 Stimmen gewählt, gegen den gemeinsamen Kandidaten der Sozialdemokraten, Demokraten und des Zentrums Landwirt Beckenbach, der 545 Stimmen auf sich vereinigte. Preußen. Kreis Wetzlar. 6 Kinzenbach, 18. Nov. Die z w e i t e K l a s s e der hiesigen Volksschule ist infolge zahlreicher Erkrankungen der Kinder geschlossen worden. Von 34 Schülern dieser Klasse sind 24 krank. Es handelt sich in den meisten Krankheitsfällen um O Hochelheim, 16. Nov. Hier fand irr der Gastwirtschaft 3ung eine Versammlung statt, an der eine Anzahl Vertteter der Behörden und verschiedene an der Jugendpflege interessierte Personen teilnahmen. Regierungsassessor Dr. L ö e r leitete die Versammlung und wies darauf hin, daß es Mittel und Wege zu finden gelte, der seelischen Not der jugendlichen Erwerbslosen zu steuern. An drei Nachmittagen der Woche solle« Kurse und Arbeitsgemeinschaften eingerichtet werden, die von ehrenamtlichen Kräften durchgeführt und geleitet werden sollen. Vorgesehen sind Kurse über folgende Arbeitsgebiete: Landwirtschaft, Sozial- polittk, Staatsbürgerkunde, Berufssragen, Ethik, Weltanschauung, Heimatkunde und Sport. Für die Organisatton und Durchführung der Kurse wurde von der Versammlung ein Ausschuß gewählt, der sich aus folgenden Herren zusammen- seht: Bürgermeister Dr. Neumann (Groß- Rechtenbach), Vorsitzender, Pfarrer Schneider/ (Hochelheim), Lehrer Zeuge (Hochelheim), Wag- nermeister 3ohannes Reitz (Hochelheim), Arbeiter Karl Hepp (Hochelheim), Gemeindevorsteher-Stellvertreter Eckhardt (Hochelheim) und ein Vertreter des Evangelischen 3ünglings- vereins. Als Sitz der Arbeitsgemeinschaft wurde Hochelheim besttmmt. Das Arbeitsgebiet umfaßt die Orte Hörnsheim, Hochelheim, Lützellinden, Dornholzhaufen, Niederkleen, Oberkleen und Ebersgöns. Die Teilnahme an den Kursen befreit die erwerbslosen Jugendlichen von der Stempelkontrolle des Arbeitsamtes. Mit der Einrichtung der Kurse soll noch im Monat November begonnen werden. Büdo Metallputz putzt eile M»teile erstaunlich resch spiegelblank wwreti ase Seifix I Durch Seil«x erhöhen Sie eine I blendend weilje, unverdor- I bene Wäsche. Dazu beseitig! Seilix bestimm! eile Obst-» V Wein-, Kaffee-, Kaleoflecken usw. Seifix wäscht und bleicht Seifix wird hergestelh in den Fabriken von Dr• Thompson*! Seifenpulver «». b. H., Düsseldorf. Machen Sie sich unabhängig vom Regenwetter, unabhängig von jeder Rasenbleiche. Verwenden Sie zum Bleichen In reichster Auswahl empfehle zum Totenfest Kränze, Kreuze und Sträuße Billigste Preisei o?i56 Gärlierei G. 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