Nr. 192 Erstes Blati 180. Jahrgang Dienstag, 19. August 1930 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'fche Univerfilülr Buch. und Steinbrmferei B. Lange in Sletzen. 5chnf1lettung und Scfchästrftelle: Zchulfttatze 7. Erscheint täglich, avtzer Sonntags unb Jttertags. BtiUiei: Oie 3Hu|triert« Gießener Jamifienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark unb 30 Reichspfennig für Iräget» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Kernfprechanschlüße unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger sieszen. postfcheckronto: Sranffurtam Main 11686. Annahme »an Anzeigen für bie lagtsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mtn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Jrtebr. Will). Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Canae; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für ben übrigen Teil Ernst Llumfchein unb für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Die Reformpläne der Reichsregierung. Aenderung der Wahlbestimmungen unter Beibehaltung des geltenden Wahlrechts. Die Kinanzreform. Beflin, 18. Mug. (ZU.) Das R c i d) s t a b i - n e1 f wird sich am Dienstag mit verschiedenen Reformplänen beschäftigen, die dem Reichstag alsbald nach feinem Zusammentritt zugeleitet werden sollen. Am weitesten gediehen sind die Vorarbeiten des Kabinetts für die Wahireform. Die geplanten Maßnahmen beziehen sich lediglich auf eine Reform der Dahlgesehgebung. Sie lassen also die grundsätzlichen wahlbeftimmungen der Verfassung unange- taflet. Das Reichsfabinett will offenbar auf diese Meise den Zwang einer verfassungsändernden Mehrheit, die im Reichstag erfahrungsgemäß für grundsätzliche wahiresorrnen nicht zu bekommen ist, vermeiden. Infolgedessen verzichtete die Regierung auf eine Heraufsetzung des Wahlalters Die wichtigste Maßnahme, die das Reichskabinett oorschlägt, ist eine wesentliche Verkleinerung der Wahlkreise. Gegenwärtig bestehen 35 Wahlkreise, an deren Stelle später etwa 160 Wahlkreise treten sollen. Man würde es auf diese weise erreichen, daß in den einzelnen Wahlkreisen höchstens je drei bis vier Abgeordnete gewählt werden können, woraus man sich eine engere Verbindung zwischen Abgeordneten und wählerschast verspricht, weitere Reformmaßnahmen zielen aus eine völlige Beseitigung der Reichslisten h*n- Die Verrechnung der Reststimmen wird dann innerhalb der Wahlkreisverbände usw. zu erfolgen haben Die Vorarbeiten zur Jlnanjrefotm sind noch nicht so weit gediehen. Der Reichsfinanzminister dürfte am Dienstag zunächst seine Vorschläge Innerhalb des Kabinetts eingehend entwickeln, die Im wesentlichen auf eine Neuregelung des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern für einen längeren Zeitraum hinauslaufen. Erst auf Grund der Berichterstattung des Finanzministers und der anschließenden Erklärungen innerhalb des Kabinetts dürfte das Finanzministerium einen Referentenentwurf fertigstellen, der dann das Kabinett noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigen würde. Die Reichsregierung will sich nun endlich mit den Reformvorschlägen befassen, die sie dem- nächsten Reichstag zu unterbreiten gedenkt. Praktisch haben sich die Resormmaßnahmen nach zwei Richtungen hin konzentriert. Während nun aber die Austastungen in der Oessentlichkeit über die Rotwendigkeit unb die Grundzüge einer künftigen Wahlresorm schon so ziemlich einheitlich sein dürsten, gehen sie nach der anderen Richtung hin, der sehr viel tiefer greifenden Frage der Finanzreform immer noch sehr weit ausein- ander. Wir bedauern, daß der Reichsinnenminister schon jetzt auf den Versuch verzichtet hat, im R ab men der von ihm betriebenen Wahlreform auch die Heraufsetzung deS Wahl- alter- anzuslreben. Zwar sind wir mit ihm durchaus einer Meinung, daß angesichts des wachsenden Radikalismus gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt ziemlich schwierig sein wird, die hierfür notwendige verfassungsändernde Mehrheit vom Parlament zu erlangen. Immerhin hätte eS sich doch wohl gelohnt, mindestens einmal den Versuch zu unternehmen. Denn selbst in der Sozialdemokratie, die seinerzeit in Weimar für das heutige niedrige Wahlalter von zwanzig Jahren eingetreten ist, wächst doch die Erkenntnis, daß drese jugendlichen Wählerfchichten in zunehmendem Maße jede ruhige politische Entwicklung stören. Während unmittelbar nach dem Kriege zunächst noch eine gewisse Veranlassung gegeben schien, die Altersschichten von zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren wahlberechtigt zu machen, weil immerhin Hunderttausende von Siebzehn-, Achtzehn- und Reunzehnzährige den Weltkrieg als Freiwillige mitgemacht hatten, fällt heute diese Voraussetzung doch völlig fort. 3a, die jetzt neu hinzukommenden Wähler des Jahrgangs 1910 haben von dem großen Dölkerringen, das die politifchen Geschicke Deutschlands so entscheidend beeinflußte, gewiß kaum mehr als eine schimmerhafte Vorstellung, ihnen fehlt heute jede innere Beziehung zur Kriegs- und Vorkriegszeit. 6o wertvoll jede Reform der Wahlgesetzgebung. die ohne Verfassungsänderung zu erzielen ist. fein mag. das Werk kann er ft dann als abgeschlagen gelten, wenn die Wahlberechtigung auch von der Voraussetzung abhängig gemacht wird, daß der Wähler in der Lage ist. die Zusammenhänge des politischen Geschehens wenigstens einigermaßen zu erfassen. Denn nur so wird man mit Erfolg den wachsenden Radikalismus und die peinlich anmutende Politik der unverdauten Begriffe einbämmen können. Weit wichtiger aber sind für die nächste Zu- funft die Reformpläne auf finanzpolitischem Gebiet. Das Kabinett hat es bisher mit Erfolg verstanden, über alle Projekte in dieser Hinsicht den Schleier des Geheimnisses zu breiten. Es darf sich also auch nicht wundem, wenn sich einstweilen jeder, den diese Dinge beschäftigen. von den Absichten der Regierung etwas anderes erhofft. Wir fürchten nun freilich. daß man bisher auch im Schoße der Regierung noch nicht zu ganz klaren Vorstellungen über daS gediehen ist, was als Minimum unter allen Umständen erreicht werden muß, wenn das mit der großen Rotverordnung begonnene Werk nicht wiederum ein Torso bleiben soll. Die Fragen der Finanzresorm greifen sehr tief in den ganzen staatspolitischen Aufbau und das soziologische Gebäude der Ration ein. Und wir geben zu. daß deshalb auch eine einheitliche WillenSbildang innerhalb eines Kabinetts, dessen Elemente auS den Lagern der verschiedensten Weltanschauungen stammen, ganz besonders schwierig ist. Wenn aber überhaupt, so kann und muß sie heute gelingen. Denn niemals war der Zwang Au durchgreifenden Reformen auf diesem Gebiete stärker, niemals war die Frage der Finanzreform so sehr das Kernproblem der Rettung des deutschen Staates wie heute. Mit Palliativmitteln wie der Ausschreibung neuer Steuern und dergleichen ist heute nicht mehr geholfen, und Reichskanzler Dr. Brüning hat sich ja auch schon bei den verschiedensten Gelegenheiten zu dem Grundsatz des Abbau- der öffentlichen La st en aller Art bekannt. Wenn aber diese Lastenverminderung wieder nur a u f daS Reich beschränkt bleibt, wenn nicht gleichzeitig umfassende Vorsorge dafür getroffen wird, daß auchdieLänderund Gemeinden an ihrem Teile zu einer wesentlichen Verringerung der öffentlichen AuSgabenge- barung beitragen, dann stopft man nur ein Loch, um andere aufzureißen. Ohne weitgehende Aenderung der gegenwärtigen Kompetenzverteilung auf dem ganzen großen Gebiete der inneren Verwaltung Deutschlands wird eS deshalb nicht abgehen. Und damit kommt man zwangsläufig von der Finanzreform zur R e i ch S r e f o r m. deren Rotwendigkeit zwar bisher noch von keiner Seite ernsthaft bestritten worden ist. die aber in allen Lagern bis heute noch stets ebenso erbitterte wie erfolgreiche Gegner gefunden hat. Hier treten bie Versäumnisse von Weimar in ihrer ganzen tragischen Größe grell zutage. Deutsch- land kann es sich aber jetzt nicht mehr leisten, eine Vogel-Strauß-Politik zu treiben, und wir erwarten darum von dem Finanzminister, daß er seine Reformvorschläge auf finanzpolitischem Gebiete untermauert durch den Willen zu Reformen auf dem ganzen Gebiete unseres innerstaatlichen Lebens. Jeder Finanzausgleich zwischen Reich und Ländern müßte auch auf weite Sicht ein übles Provisorium bleiben, wie wir es nun seit zwölf Jahren erleben, wenn man sich nicht endlich zur Wahrung und Festigung der staatlichen Einheit Deutschland- zu organischen Reformen entschließt. Die gescheiterte Sammlung. Geheimrat Kahl äußert sich über bie Zusammenschlußbestrebungen. Der Vorschlag Höpker-Aschosfs und Dietrich-, beide Parteien auf gleichberechtigter Grundlage unter feiner, KahlS, Führung zusammen-uschlie- 'Berlin, 18. Aug (211.1 3n einer längeren Zuschrift an die „-dationalliberale Korrespondenz" äußert sich der Senior der Deutschen Volkspartei, Geheimrat Kahl, über die inzwischen gescheiterte Sammlungsbewegung der Mitte. Das völlige Versagen und Versiegen aller Verhandlungen, so sagt er, habe ihn natürlich schmerzlich berührt. Enttäuscht habe es ihn auch. Das Ergebnis einer Parteieneinheit habe er nicht erwartet. Der Plan von Scholz sei großzügig vorbedacht aewesen und konnte immerhin zu einem der Augenblickslage entsprechenden guten Ergebnis führen. Die Tatsache aber, daß und die Art, wie die AuSsührung durch die überraschende Gründung der Staatspartei durchkreuzt und vereitelt wurde, könne er nur aufrichtig bedauern. An dem gemeinsamen großen Ziele der Gründung einer Liberalen Partei, die er sich allerdings anders vorstelle, halte er heute und immer fest. Professor Kahl betont ausdrücklich, daß er gegen die Staatspartei als solche nicht einen Feldzug eröffnen wolle und auch volles Verständnis für das Wahlbündnis in Württemberg und Baden habe. Dagegen komme es ihm auf das klare Bekenntnis an, daß er nach Verlauf und Ergebnis der Verhandlungen auch seinerseits der von Scholz getroffenen setzten Entscheidung nur aus vollster Ueberzeu- gung be 11 r e t e n könne. ßen, sei gewiß für ihn sehr ehrenvoll. Aber er hätte auS sachlichen Gründen die ihm zugedachten Aufgaben niemals zu lösen vermocht: denn es fehlte die Grundvoraussetzung eines wirklichen Zusammenschlusses und die vorangegangene programmatische Verständigung wenigstens über die Hauptlinien der erstrebten gemeinsamen Politik. Kahl verweist vor allein auf Die Zwiespältigkeit im Verhältnis zur Sozialdemokratie. Er kenne kaum eine größere politische Torheit, als den Sah, daß nur ohne oder gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne. Es handele sich jetzt aber um d ie politischen 5 o l g c r u n g'e n aus einer bestimmten 3 ei t la g e und einem ganz konkreten Tatbestand. Sollte die Sammlung des Bürgertums nach dieser Reichstagsauflösung überhaupt einen politischen Sinn haben, so war es nur der, in der gegenwärtigen schweren Rotlage von Staat und Volk eine geschlossene Allianz für das vorläufige und endgültige Rettungsprogramm des Reichspräsidenten und der Reichsregierung für absehbare Zeit sicherzustellen. Diesem ersten und dringendsten Bedürfnis gegenüber fei jede Dorgreif- ließe und einseitige Koa l itio n s bin- düng verfehlt. 9er WMiisms her Konservativen Volkspartei. Aus neuen Wegen zu alten Zielen. Berlin, 18. Aug. (XU.) Die Konservative Volkspartei erläßt einen Wahlaufruf, in dem es u. a. heißt: In 12 Jahren haben neues System und alter Parteigeist nicht vermocht, der Zwietracht unseres Volkes zu steuern und machtvolle Autorität zu schaffen. Die Forderung Der Stunde ist. die politischen Menschen zur Geltung zu bringen, die der Freiheit der Ration dienen, die Wirklichkeit sehen und meistern wollen. Der Dienst an diesem Werk ist Wille und Rechtfertigung der Konservativen Dolkspariei. Der deutsche Freiheitskampf gilt den politischen und wirtschaftlichen Zwangsdikta- t e n. Ohne Ehre, Brot und Lebensraum kann unser Volk nicht start und unser Staat nicht kraftvoll sein. Rur ein freies deutsches Volk im Herzen Europas kann der Welt dauernd wahren Frieden sichern. Wir fordern Wehrsreihei t, die Voraussetzung fester Staatshoheit, das höchste Ehrcnrecht eines freien Volkes. Seinen Lebensaufgaben kann nur der Staat entsprechen, der alle lebendigen Kräfte der Ration c i n s e tz t. Rach der Flucht der Sozialdemokratie aus der Verantwortung im Reiche mußte der Reichspräsident neue Wege weifen. Im Bunde mit Kommunisten und Sozialdemokraten haben sich Rationalfozialisten und Deutsch- nationale der politischen Führung des Reichspräsidenten versagt. Damit ist der Sozialdemokratie wiederum der Weg zur Macht im Reiche frei gemacht. Die Gefahr eines sozialistischen Sieges gilt es, abzuwehren. Hierüber wird der 14. September 1930 entscheiden. Wir sammeln die aufbaubereiten konservativen Staatsbürger unseres Volkes zu Gemeinschaftsarbeit mit gleichgerichteten Gruppen, um dadurch die Aotvervrdnungen des Reichspräsidenten begonnene Reformwerk zum Abschluß zu — $ür freies Volk im freien Reich. bringen. Wer in solcher Schicksalsstunde auS Parteiegoismus, Agitationsbedürfnis oder mangelndem politischen Sinn sich diesem Rettungswerk versagt, ist unser Gegner. Im einzelnen werden dann u. a. folgende Forderungen erhoben: Gleichberechtigung des Deutschen Reiches im Kreise der Volker, Befreiung von jedem moralischen Makel: Reuordnung der Aufgaben von Reich und Ländern zur Dermei- dung vom Doppel re gieren und Leerlauf bei gleichzeitiger Stärkung der Reichsgewalt und Achtung des geschichtlich und landschaftlich begründeten Eigenlebens der deutschen Stämme. Beschränkung des Staates auf seine eigentlichen Ausgaben als Träger der Staatshoheit und Hüter der Rechtsordnung: Ausbau der Selbstverwaltung der öffentlich-rechtlichen Körperschaften, wozu die Gemeinden finanzielle Verwaltungs'lrcihcir aus besonderen Einnahmequellen brauchen, um die Eelbstverantworlung für die Haushaltsgebarung praktisch ausüben zu können: Herabsetzung der Gemeinderealsteuern und die Der- koppcluna jeder künftigen Erhöhung mit allgemeinen Gemeindeabgaben und eine Prüfung Der Haushalte durch unabhängige Buchprüfer: gleichmäßige Der teilung der wechselnden Belastung auf Reich und Länder, Beseitigung des Heber- maßes der behördlichen Arbeit durch Verringerung der Aufgabenkreise und Vereinfachung der Verwaltung in Reich und Ländern: Sicherung der Sonderstellung der Etaatsdiener. Schaffung eine- neuen Wahlsystems, das das Band persönlichen Vertrauens und greifbarer Verantwortung zwischen Wähler und Gewählten herstellt durch Einführung der Personenwahl an Stelle der Partei- und Programmwahl: Sorge für einen lebensfähigen inneren Markt, der den Millionen feiernder Hände nicht nur Unterstützung, sondern Brot geben soll, al- vordringlichste Aufgaben der Handelsvertrag-- und Wirtschaftspolitik des Reiches: Vollendung der Agrar- und Osthilfe in einem langfristigen Aufbauprogramm: Schutz des selbständigen Gewerbe- gegen Wettbewerbs- und sozialisierende Reigungcn der öffentlichen Hand und de- deutschen SparkapitalS gegen willkürliche und wechselnde Eingriffe der Finanzpolitik: Anerkennung und Förderung der berufsständigen Gliederungen aller Erwerbs- und Berufszweige al- Vertreter ihrer Wirtschaft-- und StandeSinteressen: Wahrung de- Erbgutes der sozialen Schutzgesetzgebung al- sittliche Verpflichtung volklicher Schicksal-Verbundenheit, ständische S e l b st h i l s e. die mit größerer Le bstvcrwaltung innerhalb der einzelnen Versicherungszweige die Sparsamkeit erzwinge n muß. ohne welche die Zwang-beiträge der Versicherung-pflichtigen die Leben-Haltung ernstlich gefährden müssen. Der Aufruf schließt mit den Worten: „In dankbarer und ehrfürchtiger Erinnerung an unsere große Vergangenheit in treuer Verbundenheit mit den Frontkameraden, die starben, damit wir leben, fordern wir freudigen Willen und fchran- kenlofe Hingabe für den Bau am entsühnten erneuerten Reich. Au f neuen Wegen zu alten Zielen, im Staat, für den Staat. Für freie- Volk im freien Reich. Konservative an die Front!" Kamps mit „geistigen" Waffen. Am letzten Sonntag sind in Berlin allein rund h u n de rt f ü n s z i g Personen verhaftet worden. Wir stehen zetzt erst in denAnfängen des Wahlkampses, wie soll es da erst gegen das Ende zu werden? Bei der leidenschastlichen (Erbitterung, die zwischen der äußerlten Rechten und der äußersten Linken herrscht, steht fast zu befürchten, daß mit gutem Zureden nicht viel zu erreichen ist. Es ist ja ein deutsches (Erbübel und gleichzeitig ein Beweis, wie unreif wir für den Parlamentarismus nach sind, daß man in dem politischen Gegner sehr leicht auch den persönlichen Feind sieht, der mit allen Mitteln bekämpft werden darf. diesen Mitteln gehören denn auch Revolver, Messer und Faust. Es wird also der Polizei kaum etroas anderes übrig bleiben, als vorbeugend zu wirken, um durch ihre Maßnahmen wenigstens Blutvergießen zu verhüten. Mit dem Verbot des Waffentragens allein ist es nicht getan. Das hessische Innenmini st erium hat Mitgliedern nationalsozialistischer und kommunistischer Organisationen Durchmärsche und Sammeltransporte mit Verkehrsmitteln jeglicher Art verboten. Die Münchener Polizei ist sogar noch weiter gegangen. Sie hat in den öffentlichen Versammlungen der beiden extremen Gruppen den gesamten Wirtschaftsbetrieb einschließlich des Ausschanks von Getränken, also auch von Bier, verboten. Gerade für München eine geradezu drakonische Maßregel, die vielleicht dem Besuch dieser Versammlung Abbruch tut, jedenfalls aber bie Begeisterung dämpft und die Verwendung von Bierseideln als Waffen verhindert. Traurig genug, daß man die Wähler halb und halb als unmündige Kinder behandeln muß. Aber wenn die Polizei ihrer Verantwortung gerecht werden will, bleibt ihr kaum etwas anderes übrig. Warum Geeckt kandidiert. Magdeburg, 18. Aug. (ERD.) Generaloberst von S e e d t, der, wie wir bereit- gemeldet haben, sich zur Uebernahme der volk-parteilichen Spihenkandidatur im Wahlkreis 10, Magdeburg- Anhalt, bereiterklärt hat. begründete seine Annahme, indem er u. a. aussührte, er habe, als zunächst der volksparteiliche Führer Scholz eine Kandidatur anbot, innere Widerstände überwinden müssen. Aber er halte jeden, der Kraft dazu in sich fühle, für verpflichtet zur Mitarbeit an der Behebung der derzeitigen gefährlichen politischen Lage. Der Deutschen DolkS- partel habe er sich angeschlossen, weil er glaube, daß er sich auf ihrem Boden am besten noch einmal zur Verfügung stellen könne. Als seine politische Ausgabe bezeichnete er die Mitarbeit an der Einigung einer national denkenden bürgerlichen Partei, die die Weiterentwicklung der politischen Singe nach innen und außen unter Ablehnung radikaler Lösungen führen müsse. Im Wahlkampfe und insbesondere nach ihm müßten große gemeinsame Ge danken herausgestellt werden. Oie Zentrums-Kandidaten in Heffen-Tiaffau. WLR. Limburg, 18. Aug. In der LandeS- ausschußsitzung der Rassauischen Zentrumspartei wurde die Gesamtliste der Kandidaten deS Zentrums in Hessen-Rasfau ausgestellt. An der Spitze stehen: Professor Dr. Dessauer. Frankfurt, Präsidialmitglied der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Krone-Münzebrock inDer- lin Mittelschullehrer Schwarz. Frankfurt, Arbeitersekretär Grün, Wiesbaden, Kaufmann Anton Schmidt, Fulda, Syndikus des Rhein- gauer Winzerverbandes Dr. Dyroth, Mittel- Heim. Der Landesausfchuß beschloß, die Benennung der Kandidaten zum Reichstag unter der Voraussetzung vorzunehmen, daß diese sich verpflichten, unbedingt für eine Aenderung de s bestehenden ReichswahlrechtS ein^u treten. Dieses lotl unter Beibehaltung de- VerhältniSwahlsystems und möglichster Auswertung aller Reststimmen vor allem eine 03er* kleinerung der Wahlkreise bringen, um den Persönlichkeitswert der einzelnen Kandidaten mehr zur Geltung zu bringen, sowie eine bessere Verbindung zwischen Wählern und Gewählten ^rbeizuführen. 3m Interesse der Heranbildung eines geschulten und erprobten Führernachwuchses wurde beschlossen, daß jedes Mitglied der Nassauischen Zentrumspartei höchstens zwei Mandate (!) übernehmen darf. Aus -em Wahlkampf. Frau D. von Liling, die Vorsitzende der Vereinigung evang. Frauenverbände Deutschlands, wird von den Deutschnationalen an sicherer Stelle der Reichsliste und außerdem in einem Wahlkreis aufgestellt. Die Deutsche Volkspartei im Wahlkreis III (Potsdam ll) besetzte die ersten Stellen der Kandidatenliste wie folgt: 1. Abg. v 0 n K a r- d o r f f, 2. Frau Regierungsrat AnnaMeyer, 3. Dihl.°Ing. Dr. Kruspi. Im Wahlkreis 4 (Potsdam I) wurde Gouverneur z. D. Exzellenz Schnee einstimmig wieder als Spitzenkandidat der DeutschenVolks- Partei aufgestellt. 2ln zweiter Stelle nominierte der Vertretertag den Führer der Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler Direktor Dr. A. Meier. • In einer Wahlkreiskonferenz der Wirtschaftspartei des Wahlkreises Düsseldorf-Ost wurde Reichsjustizminister Dr. Dredt. Marburg, als Spitzenkandidat aufge- stellt. Von der Wirtschaftspartei wurde für Hessen-Rassau aufgestellt Rechtsanwalt Rhode. Frankfurt. Iohann Ruhl und Georg Vest. Wie die Deutsche Staatspartei mitteilt, wurden für H e s s e n außer dem Bürgermeister Dr. E h r h a r d von Mainz Landwirt Zehner (Schwalheim) und Universitätsprofessor Dr. Hunte Müller (Gießen) als Kandidaten benannt. * Von der Staatspartei sind für den K öl - ner Wahlkreis Dr. Ioseph W insch uh und der Kölner Stadtverordnete Schäfer als Kandidaten für die Reichstagswahl aufgestellt worden. * 2m Wahlkreise Berlin sind nach einer Vereinbarung mit der VolksnationalenReichs- vereinigung die drei ersten Plätze auf der gemeinsamen Liste demokratischen Kandidaten Vorbehalten. 2ln erster Stelle wurde Reichsfinanzminister Dietrich gesetzt. Reichsminister a. D. Koch- Weser, der ursprünglich als Spitzenkandidat für Berlin genannt wurde, wird jetzt die R e i ch s l i st e anführen. » Der Aktionsausschuß der Staatspartei für Potsdam I einigte sich dahin, daß Potsdam I grundsätzlich der Volks nationalen Vereinigung zugesprochen werden solle, weil die Wahlkreise Berlin, Potsdam H und Frankfurt (Oder) schon demokratische Spitzenkandidaten haben. Georg Bernhard, der von den Demokraten als Spitzenkandidat vvrgeschlagen worden ist. wurde endgültig von der Liste abgesetzt. * Der Reichsparteivorstand des Zentrums stellte an die Spitze der R e i ch s l i st e Reichskanzler Dr. Brüning und Prälat Dr. K a a s. Dann folgen an sicheren Stellen als Vertreter der Industrie Geheimer Finanzrat a. D. B ü r ge r s, Köln, und Aorian Klöckner, als Vertreter der Frauen Frl. Dr. Peerenboom. Düsseldorf, und August Winkler, Köln, der Vorsitzende des Reichsjugendausschusses der Deutschen Zentrumsparlei. • Der Bezirksparleitag der Sozialdemokra- tischenPartei Hessen-Rassaus hat folgende Kandidaten aufgestellt: Philipp Scheide- DaspoMulein von Cadempino von Siegfried von Vegesack. Für Postfräuleins habe ich von jeher eine kleine Schwäche. Ich weiß nicht, warum. Der Anblick dieser armen geplagten Geschöpfe in ihrem Käfig rührt mich und quält mich zugbrich. Im kleinen Badeort Trosa in Schweden sitzt ein flachsblondes, sommersprossiges Fröken, in Le Lavandou in Südfrankreich eine schwarz- lockige Mademoiselle hinter dem Gitter. Alle haben denselben erloschenen Blick, denselben bekümmerten Mundwinkel, dieselbe vom vielen Stempeln etwas schief gedrückte Hand. Aber hier in Cadempino bei Lugano waltet eine Signorina ihres schwierigen Amtes, die mich tiefer erschüttert, als alle ihre Kolleginnen. Das Postfräulein von Cadempino ist ein Mysterium. Da ihr Vater, der alte Postbote, erst gegen zehn, manchmal auch um elf, sich die geflickte Ledertasche um den geflickten Rock schnallt und mit dem geflickten Regenschirm die Wanderung durch das Dorf beginnt, hole ich unsere Post schon um acht Uhr zwanzig ab. Um acht Uhr fünf trifft nämlich der Postsack von der Station ein. Uebrigens, es ist einerlei, wann ich komme: erst bei meinem Eintritt wacht das Postamt auf, gerät das Fräulein hinter dem Schalter in fieberhafte Tätigkeit. Ich trete also in den winzigen dusteren Raum ein, deffen einziges Fenster immer von Läden geschloffen ist, und deffen Ausstattung aus einem wackligen Schemel und einem pullartig an der Wand befestigten Brett besteht, deffen Bestimmung durch ein Fläschchen mit längst vertrockneter Tinte angedeutet wird. Dieser etwa ein Schritt tiefer und ein Schritt breiter Raum für das Publikum (übrigens bin ich bisher immer das einzige Publikum gewesen) ist vom Schalterraum durch einen Verschlag mit einem Schiebefenster aus mattem, geripptem Glas getrennt. Kaum hat die Tür bei meinem Eintritt schrill geklingelt, regt es sich hinter dem Schalter. Es sind nicht Schritte, nicht gewöhnliche Geräusche, es weht gespensterhast hinter der Glasscheibe. Rach einiger Zeit wird das Schiebefenster zögernd zur Seite geschoben, das Postfräulein erscheint in der Oeffnung und starrt mich mit den großen erschrockenen Augen einer Somnambulen an. Ich begrüße sie so herzlich, so stürmisch, wie ich es mit meinem Italienisch vermag, denn ich bin voll Spannung, erwarte wichtige Briefe, und hoffe das Fräulein durch meinen Ueber- schwang aus ihrem Trance-Dämmerzustand zu welken. Das Fräulein lächelt zwar malt, aber es schläft. Und alles, was es tut, tut es mit der unbeirrbaren feierlichen Gemeffenheit einer Rachtwandlerin. Das Postfräulein von Cadempino ist mondsüchtig am helllichten Tage. Allerdings, in ihrem Käsig ist es duster, Englands Gorgen in Indien. Die englische Regierung hat sich gezwungen gesehen, über den Bezirk Peschawar, der die Rordgrenze gegen Afghanistan deckt, das Kriegsrecht zu verhängen, in der Abwehr gegen einen neuen Einfall der Afridis. Derartige Einfälle sind an sich nichts Ungewöhnliches, sie gehören zum täglichen Brot des englischen Kolonialkrieges, sind auch für Indien selbst nicht allzu bedeutsam, da der halb nomadisierte Stamm der Afridis wenig mehr als hunderttausend Menschen zählt und auch, wenn er noch die Unterstützung der benachbarten Stämme finden sollte, kaum eine militärische Gefahr bedeutet. Denn England hat sich rechtzeitig seine rückwärtigen Verbindungen gesichert und festungsartig ausgebaut, so daß die Afridis sich sehr bald totlausen werden, selbst wenn es ihnen diesmal gelungen sein sollte, die Provinzial- hauptstadt einzuschließen. Immerhin, der Fall bleibt unangenehm genug, weil damit die Verkehrswege nach Afghanistan gesperrt sind und der Handel über die Grenze ziemlich lahmgelegt ist, noch mehr aber weil die ganze Spannung in Indien augenblicklich derart mit Elektrizität geladen ist, daß unter Umständen ein Funke genügt, um das Pulverfaß zur Explosion zu bringen. Rur aus dem Grunde ist man Wohl auch in London so nervös und sieht die Bedeutung dieses Einfalls noch mehr herabzudrücken. Indien ist nun aber einmal das Gespenst im englischen Hause, die nationalistische Bewegung droht alle Fesseln zu sprengen. Jedenfalls hat die englische Verwaltung trotz aller Gewaltmaßregeln es bisher nicht verstanden, der Gandhibewegung Herr zu werden. Nicht als ob man glauben dürfte, daß damit nun von heute auf morgen eine Gefahr für den englischen Besitzstand verbunden wäre, dazu liegen die Dinge in Indien viel zu kompliziert. Dieses Völkerkonglomerat von vierhundert Millionen Menschen ist national, religiös und sozial so stark unter sich differenziert, daß eine einheitliche Willensbildung praktisch zur Unmöglichkeit wird, um so mehr, als die eingeborenen Fürsten, die von der nationalistischen Bewegung für ihre Stellung und für ein Einkommen fürchten, die geborenen Bundesgenossen Englands sind. Aber die letzten Jahre haben doch gezeigt, daß Englands alte und seit Jahrhunderten bewährte Methode, mit Hilfe des einen Teils den andern Teil niederzukämpfen, langsam zu versagen beginnt und daß gerade bei der jungen Generation, die in Gandhis Schule gegangen ist, so etwas wie ein indischer Nationalgedanke sich herauskristallisiert. Es ist deshalb zweifelhaft, ob die englische Regierung gut beraten war, als sie Märtyrer schaffte und und ihre Gefängnisse mit den Anhängern Gandhis überfüllte. Sie schweißt dadurch die Bewegung nur noch mehr in sich zusammen und fördert vor allem die Boykottbewegung, die ihrem Handel schwere Wunden schlägt. Daß in einer solchen Zeit eine Revolte im Norden, die unter Umständen die Heranziehung militärischer Kräfte notwendig macht, von ganz anderer Bedeutung werden kann, als unter normalen Verhältnissen, versteht sich am Rande; daher das Interesse, das man nicht nur in London an dem Aufstand der Afridis nimmt. Gandhi Friedensbedingungen. Ein unannehmbares Ultimatum. London, 19. Aug. (WTD. Funkspruch.) Aus dem Gefängnis von Poona hat Gandhi am letzten Freitag einen Brief an den Vizekönig von Indien gerichtet, der folgenden Inhalt haben soll: Gandhi erflärt, er sehe ein, daß der Vizekönig und die britische sozialistische Regierung angesichts der starken konservativen und liberalen Opposition vielleicht nicht im Stande sein werden, Indien gegenüber die Gewähr dafür zu übernehmen, daß das Ergebnis der Konferenz am runden Tisch wirkliche Unabhängigkeit, d. h. der Status eines Dominions sein wird. Er verlange aber, daß der Dizekönig und die britische Regierung sich verpflichten, diese Politik am Konferenztisch offiziell zu der ihrigen zu machen. Wenn eine solche Verpflichtung übernommen und durch Gewährung einer Am ne - stie für alle politischen Gefangenen bekräftigt werden würde, dann würden die indischen Rationalistenführer bereit sein, die jetzt im Gange befindliche Bewegung e i n z u st e l len. „Daily Telegraph" nennt diese Mitteilung Gandhis ein Ultimatum und sagt, sie bedeute nur eine Wiederholung der unsinnigen Forderungen, die schon vor Monaten gestellt tour- dem Das Programm Gandhis sei lediglich insofern geändert worden, als er jetzt nicht mehr dem britischen Parlament, sondern der britischen Regierung ihre Politik diktiere. Der von gemäßigten indischen Politikern unternommene Friedensschritt sei also vergeblich gewesen, und die indische Regierung habe lediglich weiterhin ihre Pflicht zu tun. mann, Kassel; Franz Metz, Frankfurt a. M.; Heinrich Becker, Herborn; Michael S ch n a» brich, Hersfeld. , Arbeitsdienstpssicht und -ie Landwirtschast. Ein neuer Vorschlag aus Handwerkerkreisen Berlin, 18. Aug. (BD.) Der Antrag der Wirtschaftspartei auf Einführung der Arbeitsdienstpflicht hat bekanntlich in der Oeffent- lichkeit einen sehr starken Widerhall gefunden, und besonders die Handwerkerorganisationen beschäftigen sich noch immer sehr eingehend mit dem damit verbundenen Fragenkomplex. In der Handwerkszeitung erscheintx jetzt ein neuer Vorschlag, der, da er die Arbeitsdienstpflicht in erster Linie der Landwirtschaft zugute kommen lassen will, zweifellos Beachtung verdient. Es wird davon ausgegangen, daß die der Landwirtschaft nötigen Arbeitskräfte von den Arbeitsdienstpflichtigen gestellt werden können, so daß auf diese Weise d i e Beschäftigung von Ausländern, insbesondere polnischen Arbeitern überflüssig gemacht werden könnte. Weiter soll aber auch der Staat die von der.Pachtung frei- werdenden Staatsdomänen in eigene Bewirtschaftung nehmen, um auf diese die Fensterläden sind geschloffen: wahrscheinlich verträgt sie kein Licht. Zuerst ergreift sie den großen braunen Postsack, öffnet ihn umständlich, schüttet ihn aus. Ein winziges Päckchen kollert auf den Fußboden, und obgleich der Sack nie mehr enthält, schüttelt sie ihn noch lange Zeit, in der unbestimmten Hoffnung, daß vielleicht doch noch etwas herausfallen könnte. Richts. Der Sack ist leer. Sorgfältig glättet sie ihn und hängt ihn rechts in die Ecke. Dann bückt sie sich, nimmt das Päckchen, betrach, tet es nachdenklich von allen Seiten und stellt fest, daß es wie immer von einem Schnürchen umwickelt ist. Dieses Schnürchen ist ein Problem. Denn es hat einen Knoten. Und dieser Knoten ist schwer zu öffnen. Aber das Fräulein ist geduldig und vor allem gründlich. Zuerst versucht sie es mit den Fingern. Es geht nicht. Dann mit den Zähnen. Es geht nicht. Zuletzt ergreift sie mit nachtwandlerischer Sicherheit eine Schere, die rechts an der Wand hängt, betrachtet aufmerksam Schere und Päckchen, als besänne sie sich darauf, was sie eigentlich tun wollte, und droht dabei wieder völlig einzuschlafen. Ich räuspere mich, ich huste. Das Postfräulein wacht aber nicht auf. Sie wiegt das Päckchen in der linken Hand, die Schere in der rechten. Endlich öffnet sie langsam, wie im Traum, die Schere, schiebt das eine Ende unter das Schnürchen und drückt zögernd die Schneiden zu. Das Schnürchen ist zerschnitten, das Päckchen liegt nun in der offenen Papierhülle auf dem Tisch. Aber das Postfräulein ist auch ordentlich. Cs nimmt das Schnürchen, glättet es sorgfältig und hängt es rechts an einem Haken auf. Dort baumelt schon ein ganzes Fischerneh von Schnürchen übereinander aufgereiht: die Ernte vieler Jahre. Dann wird auch die Schere an ihrem Ragel aufgehängt. Und nun wird die Post aus ihrer Hülle herausgewickelt: Briefe und Zeitungen kommen zum Vorschein. Aber auch das Papier muß zuerst ordentlich zusammengefaltet und links in einem Regal verstaut werden. Hierauf beginnt die eigentliche Haupttätigkeit: das Sortieren der Post. Auch das ist nicht so einfach, obgleich fast alle Briefe für das Haus bestimmt sind, in dem ich wohne, und sonst in Cadempino selten jemand Post bekommt. Aber es könnte ja einmal der Fall eintreten, und deshalb muß jede Adresse sorgfältig geprüft werden. Endlich ist auch diese schwierige Prozedur überstan» den: die Briefe liegen ordentlich auf einem Häufchen, die Zeitungen aus einem andern. Aber auch damit ist die Tätigkeit des gewiffenhaften Fräuleins keines- Wegs beendet. Jetzt seht sich das Postfräulein feierlich auf ihren Hocker, legt das Briefhäufchen links vor sich auf den Weise ein Feld zu schaffen, wo die Dienstpflichtigen ihrer Arbeitspflicht genügen können. Die Organisation der Arbeitsdienstpflicht in der Landwirtschaft soll nach dem neuen Vorschläge durch d i e Domänen Verwaltungen übernommen werden, die für die Verteilung der Arbeitskräfte für alle in Frage kommenden Gebiete zuständig sein würden. Die Gesamtleitung soll nach Art der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft organisiert werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Landwirtschaft selbst und die Regierung zu diesem neuen Vorschlag stellen werden. Krankenkassen und Reichsregierung. Ein politischer Konflikt auf der Dresdener Tagung. Dresden, 18. Aug. (TU.) Auf der Tagung der deutschen Krankenkassen in Dresden war als Vertreter des Reichsarbeits- ministers Ministerialdirektor Dr. ©riefer erschienen, der in seiner Begrüßungsrede auf die verhängnisvolle Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung hinwies. Um die Arbeiter gegen die Verkürzung des Reallohnes, die von der Arbeitslosenversicherung herkommt, zu schützen, müsse der entschlossene Versuch gemacht werden, den Tisch, ergreift den Stempel mit der rechten Hand und beginnt nun mit der wichtigsten und verantwortungsvollsten Tätigkeit: mit dem Stempeln. Wieder wird jeder Brief noch einmal genau untersucht — vor dem Stempeln, nach dem Stempeln — und nun liegt das Häufchen da, aber in umgekehrter Reihenfolge. Und dies scheint das Postfräulein zu beunruhigen. Vielleicht wird sie auch von neuen Gewissenskrupeln gepackt. Lange überlegt sie, starrt das Päckchen mißtrauisch und sinnend an. Endlich hebt sie noch einmal jeden Brief einzeln ab, ordnet das Häufchen in seiner ursprünglichen Reihenfolge. Dann tritt sie mit einem somnambulen Lächeln an den Schalter, reicht mir Briefe und Zeitungen . . . Aber inzwischen bin ich selbst auf meinem Schemel beinahe eingeschlafen. Erst der Knall des Schiebefensters weckt mich auf. Ich nehme die Post und trete aus dem dustern Raum geblendet in das grelle Licht der strahlenden Morgensonne. Das Postfräulein von Cadempino schläft aber in ihrem Käfig weiter und träumt von der nächsten Post. Chestertons landen sofort. * Von Hans JRiebau „Drei Wochen in der Luft", sagten die Brüder Chesterton in Reuyork, „das ist gar nichts. Wir werden den Rekord spielend brechen." Und sie nahmen ein Flugzeug, flogen und flogen. Drei Wochen lang, vier Wochen lang, zehn Wochen lang. Den Leuten auf der Erde wurde es unheimlich. „Hallo", riefen sie (drahtlos natürlich), „wann gedenken Sie wieder herunterzukommen?" „Ueberhaupt nicht", sagten die Chestertons. Und flogen und flogen. Da bekamen es die Angehörigen mit der Angst. „Sie sind verrückt geworden", flüsterten sie. „Wie bekommen wir sie wieder herunter?" Und sie riefen von neuem an. „Hallo", sagten sie, „was wollt ihr eigentlich mit dem Rekord? Kein Mensch zahlt euch etwas dafür. Die Zeiten sind vorüber. Landet sofort!" „Rein", sagten die Chestertons, „wir bleiben." „Der Flugzeugrohölmotor ist erfunden", logen die Verwandten, „man fliegt überhaupt nicht mehr mit Benzin." „Trotzdem", lachten die Chestertons, „wir fliegen.“ Die Verwandten berieten. „Euer Vater ist krank", ließen sie telephonieren, „kommt herunter." „Wir bleiben", sagten die Chestertons, „holt lieber den Arzt." Beitrag kn der Krankenversicherung auf das natürliche Maß zurückzuführen. Das sei der wirtschaftliche Zweck der Verordnung über die Krankenversicherung. Für den Inhalt der Verordnung übernehme das Reichskabinstt die Verantwortung. Die Reichsregierung erwarte aber, daß die Krankenkassen die Verordnung nach Sinn und Zweck durchführen würden, auch wenn der eine oder der andere sich einen anderen Inhalt gewünscht hätte. Die darauf folgende Rede des Verbandsgeschästs- führers Lehmann wurde von dem Vertreter des Reichsarbeitsminifters als parteiagitatorisch und verletzend empfunden. Lehmann griff u. a. auch in schärfster Weise den früheren Arbeitsminister Dr. Brauns und den jetzigen Arbeitsminister Dr. Stegerwald an. Ministerialdirektor Grieser sah sich veranlaßt, noch während dieser Rede die Versammlung zü verlassen. Er richtete an den Vorsitzenden des Hauptoerbandes, den Berliner Stadtrat Ahrens sofort das folgende Telegramm: „Herr Lehmann hat heute seinen Vortrag über Inhalt und Anwendung der Verordnung über die Krankenversicherung z u einem politischen Angriff gegen denReichskanzler und zu persönlichen Auseinandersetzungen mit dem Reichs- arbeitsminister benutzt. In meiner Begrüßungsansprache hatte ich nicht ohne Absicht auf die Grenzen hingewiesen, die einer Kassenvereinigung gezogen sind. Herr Lehmann hat sich über diese Grenzen in einer Weise hinweggesetzt, die mir das weitere Verbleiben in der Versammlung unmöglich machte." Ministerialdirektor Dr. Grieser reiste darauf sofort nach Berlin zurück. Nervosität auf dem Balkan. Serbien und die ungarische Königsfrage. Belgrad, 18. Aug. (Tel.-Un.) Die „Nooosti" veröffentlicht einen Artikel aus Veldes, wo sich gegenwärtig der jugoslawische Hof, die Minister und das diplomatische Korps aufhalten. Der Artikel beruft sich auf Informationen von unterrichteter Seite und kündigt gegen Ungarn und Bulgarien Waffengewalt an, falls die Habsburger Frage und d^e Frage des mazedonischen Komitees nicht in befriedigender Weife gelöst würden. Der Gewährsmann der „Novosti" betont, daß die Wiedereinsetzung der Habsburger in Ungarn eine flagrante Verletzung der Friedensverträge bedeuten würde.-Daher hätten Süd- slawien und die Kleine Entente in diesem Fall das Recht, mit Waffengewalt einzugreifen. Wenn man auch hoffen könne, daß die ungarische Politik nüchtern genug sei, um einen Unterschied zwischen Demonstranten und praktischer Politik zu machen, so sei doch für jeden Fall Aufmerksamkeit geboten. Gegenüber Ungarn warte Südslawien die Entwicklung der Beziehungen noch ab. Die Regierung werde aber nicht länger mit gekreuzten Armen die blutigen Herausforderungen der Mazedonier entgegen- nehmen, sondern ganz energisch das Einschreiten des Völkerbundes gegen die Friedensstörer am Balkan verlangen. In dem Fall, daß der Völkerbund sich einzugreifen weigere, würde Südslawien den Standpunkt vertreten, daß es gegenüber Bulgarien freie Hand habe. Bezeich- nend ist, daß der Artikel der „Novosti" auch durch die amtliche Agentur „Avala" verbreitet wird. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in Italien. 2t o m , 18. Aug. (WTB.) Das große Programm für Rotstandsarbeiten, das die italienifcfyc Regierung zur Bekämpfung der Winterarbeitslosigkeit aufgestellt hat, ist nach einer Mitteilung des Organs der faschistischen Partei bereits durch früher bereitgestellte Geldmittel finanziert. Mit den staatlichen Rotstandsarbeiten, die Ende Oktober schon im vollen Gange sein sollen, finden über 200 000 Arbeiter in den Win termonaten Beschäftigung und V e r d i e n ft. Daneben sind von den großen „Die Polizei hat Flugverbot gegen euch erlassen." „Wir zahlen die Strafe." „Der Wetterdienst hat Schneesturmwarnung verbreitet.“ «Mitten im Sommer?“ lachten die Chestertons. Da rangen die Verwandten die Hände. Der Telephonbeamte auf dem Flugplatz aber sagte: „Wollen Sie sie gern herunter haben?" „Aber natürlich", nickten die 2)erwandten, „was denn sonst?" Da ging der Beamte ans Mikrophon. „Hallo, hallo", rief er, „das Reueste vom Reuen: soeben ist durch Volksabstimmung die Prohibition in den Vereinigten Staaten aufgehoben worden." Fünf Minuten später waren die Chestertons gelandet. Hochschulnachrichten. Der Berliner Prioatdozent Gerichtsassessor Dr. Walter H a l l st e i n hat einen Ruf als außerordentlicher Professor für deutsches Recht an die Universität R o st o ck erhalten. H. war Fakultätsassistent an der Universität Berlin, 1927 Zivilprozeßrichter und ist seither im Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Berlin (Kaiser-Wilhelm- Jnstitut) beschäftigt. Der Lehrstuhl für Veterinär- Chirurgie und Operationslehre in L e i p z i g ist dem dortigen a. o. Professor Dr. Ewald B e r g e, zur Zeit stellvertretender Leiter der Stuttgarter Tierklinik, angeboten worden. Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr. Richard L a q u e u r von der Universität Gießen zum ordentlichen Professor der alten Geschichte in Tübingen als Aachfolger von Prof. Ioseph Vogt bestätigt. Dr. Laqueur, Sohn des früheren Professors der Augenheilkunde Dr. Ludwig Laqueur in Straßburg, begann seine akademische Laufbahn im Jahre 1907 in Göttingen, wo er klassische Philologie dozierte. Später wirkte er in Straßburg und übernahm Michaelis 1912 den Lehrstuhl der alten Geschichte in Gießen. Hier bekleidete er 1923/24 das Rektoramt der hessischen Ludwigs-Dlniversität. Er ist Mitglied der Historischen Kommission für Hessen. Sein Sondergebiet ist antike Historiographie. — Der durch den Weggang des ord. Professors B. Bleyer an der Technischen Hochschule in München mit dem Dienstsihe in Weihenstephan erledigte Lehrstuhl der Chemie ist dem Privatdozenten Dr.-Ing. Friedrich Re in del an dieser Hochschule angeboten worden. Städten ht Vereinbarung mit der 'Regierung j vettere Aotftand-arbeiten geplant. Da- italienische Arbeitslosenproblem, da» nur als ein Ausschnitt auS der Weltwirtfchaft-lag« betrachtet werden könne, sei mit diesen Maßnahmen nicht vollständig gelöst, die saschislische Regierung habe damit aber zur Abwehr die notwendigen Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen. Der Bürgerkrieg in China. Ernste Lage in Nanking Pari». 18. Äug (MTV.) Wie die Agentur Indo Pacisique au» Schanghai meldet, haben die Hunantruppen T s i n a n s u ohne Zwllchenfall besetzt. Amerikanische katholische Missionare, die noch IZtägiger Flucht in Hunan eingetrvssen sind, äußern ihre Besorgnis über da- Schicksal eine» protestantischen Geistlichen und mehrerer in der Stadt Kam schau (Provinz Äiangfi) zurückgebliebenen Familien, wo die Kommunisten unter Leitung von Swdenten das Sowjet- regime einaesührl heben. 3n Nanking herrscht trotz der miUtärüchen Fonschritte der Truppen große BesorgniS und Tlchiangkai- scheck bietet seine letzten Reserven .an 2llen>chen und versügbaren stnanziellen Mitteln aus. Die Mehrzahl der Polizeistreltkräste ist militarisiert worden. Die Banditenüberfälle haben zugenommen und greisen bi» an die Mauern der Hauptstadt um sich. Sin Danditensührer hält ein Landhaus. daS Tfchiangkaifcheck selbst gehört und nur zehn Kilometer von Nanking ent- semt ist. besetzt. Die Soldaten plündern, die revolutionäre Gefahr in der Hauptstadt wird immer drohender. Di« Behörden suchen durch Massenhinrichtungen dagegen anzugehen. Auch einflußreich« Persönlichkeiten wurden hingerichtet. Aus aller Welt. Tagung de» Deutschen Jorftoerdn» In Hannover. Aus der in Hannover stattsindenden Dollversammlung deS Deutschen Forst Vereins stand daS Thema „Die Fortbildung der Fvrstverwal- tungSbeamten" zur Behandlung. Landsorstmeister StaatSrat Hesse. Darmstadt, wie- daraus hin. daß die Waldwirtschaft heute ein Glied der mit tausend Fäden in die Weltwirtschaft verflochtenen deutschen Desamtwirtschaft geworden sei. Erforderlich sei. Daß die Verwaltung-beamten mit ihrem Wissen und Können auf der Höhe Der Zeit ftänDen. Die Vermittlung Dieser Fähigkeiten sei Ausgabe Der Fortbildung. ‘Befreiung von materiellen Sorgen für Lebenshaltung. Kinderer- ziehung usw. sei eine ebenso wichtige Voraussetzung. wie Die Erhaltung einer gewissen geistigen Spannkraft. Bei Der FvrtbilDungSarbeit werde künstig namentlich Wert auf Die Heranbildung von Spezialisten zu legen fein. NegierungSdirektor Erb, Speyer, bezeichnete als wichtigste Stufe Der FvrtbilDungSarbeit die Lite- raturverforgung und Die Bezirk-Versammlungen (WirtfchaftSräte ufw ). Wichtig feien ferner die forstlichen Fortbildungskurse unD SluDlenrelsen und mehr noch Die staat-wissenschaftlichen Kurse. Schwere» Eisenbahnunglück bei Metz. Auf dem Gelände Der Kohlengrube Houoe bei Erenzwald fuhr ein au» drei Wagen bestehender Ardeiterzug, in dem sich über 60 Grubenarbei' ter befanden, von Grude I nach Grube II, wobei er in einer Kurve mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Kohlenzuge zuf am menst i e ß. Die drei Wagen des Arbeiterzuges sprangen aus den Schienen und wurden zertrümmert. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Die Unglücksftatte bi't emen findjtbaren Anblick, «chuhe und andere Kleidungsstücke lagen rings umher, während aus Den Trümmern das Htlfcgeschrei der Verletzten Drang. Die Holzsplitter der zerstörten Wagen waren den Unglücklichen zum Teil lief in den Körper einge- brungen, so daß die Rettungsarbeiten nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden konnten. Bei den meisten Schwerverletzten, die in das Krankenhaus von Treuzwald überführt mürben, haben blc Acrzie jede Hoffnung aufge» 8e b e n. Die Nachricht von dem furchtbaren Unylück atte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Angehörige und Arbeitskollegen halfen der zuerst an der Unglücksstätte erschienenen Sanitätswache der Grube bei den Rcttungsarbeiten und suchten verzweifelt nach Verwandten und Freunden. Frauen schrien nach ihren Männern und Kinder nach ihren Vätern. Wer die Verantwortung an dem Unglück trägt, muß erst die Untersuchung ergeben. Die große Mehrzahl der Arbeiter sind Saarländer. vor den Augen der Eltern überfahren. In der Nähe von Oxeiösund (Südschweden) wurde ein Kraftwagen an einem ungeschützten Bahnübergang von einem Eifenbahntriebwagen erfaßt und vollständig zertrümmert. Beide Insassen, ein 20]äßrigcr Führer und fein 17jäßriger Begleiter wurden sofort getötet. Die Eltern der jungen Leute waren von dem benachbarten Wohnhaus aus Zeugen der Katastrophe, die sie jedoch nicht mehr verhindern konnten. Folgen der Sturmflut. Das Untcrclbegeblet ist von großen Ueberschwemmungen heimgesucht. Alle Außendeichländereien stehen unter Wasser. Das auf den Feldern noch liegende (Betreibe ist überall, soweit cs nicht mit bem Wasser abgetrieben ist, burch bas Schlickwasser wertlos geworben. In ben Niederungen des Hinterlandes ist der Wasserstand weiter gestiegen. Weite Flächen sind bereits überschwemmt. UcberaU hat das Vieh eiligst von ben Weiden genommen werden müssen. Leider hat die Sturmflut auch ein Todesopfer gefordert. Der Pächter des Lokals auf der Wittenbergener Landungsbrücke ließ sich, da die Brücke unter Wasser stand, vom Brückenwärter mit einem Boot an Land holen, infolge des hohen Wellenganges auf der Elbe schlug das Boot voll Wasser. Der Brückenwärter konnte schwimmend eine Bake erreichen, von der er später durch hinzueilende Boote gerettet wurde: Der Brückenwirt ertrank. Erfolgreiche» Ende der Affenjagd im Zentrum Berlin». Der Affe, bet am Sonntagfrüfj aus Dem Tier- Hort m Der Schicklerstraß« entsprungen war, ist am Montagvormittag in Der Klosterkirche ein- gefangen worden. DaS Tier hatte sich zunächst in Die -Untergrunbbaßn begeben, konnte aber Dort trotz aller Bemühungen nicht eingefangen toerDen. Da es im Tunnel verschwanD. Anscheinend war Dem Affen Der Aufenthalt in dem Dunklen Llntergrundbahnschacht zu ungemütlich, Denn am Montagfrüh erschien er wieder am Tageslicht. Sofort begann eine neue Jagd. Die schließlich mit Der . Festnahme" des Ausreißers endete. Aus der prvvinzialhaupifiadt. Dießen, den 19. August 1930. $euer in der Diarburger Straße. Gestern gegen 17.20 Uhr brach in einem G e • treideschuppen auf dem Grundstück Marburger Straße 60, der von dem Landwirt H e I st e r • mann gepachtet ist, Feuer aus. Die Brand- Meldung ging bei der Feuerwache um 17.24 Uhr ein, und schon wenige ÜRinuten später war die Wache an der Unglücksstelle. Da der mit Getreide bi» oben hin angefüllte Schuppen eine starke Flammenwirkung entwickelte und durch einen angrenzenden Stall- bau mit einem Wohnhaus in direkter Verbindung stand, auch noch ein Querschuppen und ein anderes Wohnhaus im Bereiche des Brandherdes lagen, gab der Führer des Löschzuges vorsorglich die Meldung „® r o ß f e u c r* an Die Wache zurück. Daraufhin ertönten in der Stadt die Alarmsirenen, durch die eine Anzahl weiterer Feuerwehrleute an den Brandherd gerufen wurden. Mittlerweile war e» aber den umsichtigen und energischen Maßnahmen Des StabtbranDDircttors Braubach unD Der außerordentlich eifrigen Tätigkeit Der Feuerwachemannschaft gelungen, Die Flammen auf ihren HerD zu beschränken unD jeDe Gefahr einer Weiteroerbreitung auszuschließen Die nachruckenden Feuerwcbrmannschaftcn konnten Daher nur für Hilfsdienste in Betracht kommen. Die brennende große Stroh- unD Fruchtmenge erforDerte fortgesetzte kräftige Wasserabgabe und verbreitete außerdem in Der UmgegenD Des BranDherdes eine starke Rauch- entwicklund- Dem oerheerenDen Element fielen Der mit GetreiDefrucht angefüllte vorDere Querschuppen und ein ftfeintierftaU mit einer Anzahl Kaninchen zum Opfer. Die in dem Schuppen geborgene Ge- treibeerntc wurde ebenfalls vollkommen ein Opfer des Unglücks, teils durch Feuer und teils durch Das Wasser, ferner wurDe eine Mähmaschine, Die in Dem Schuppen untergebracht war, beschädigt. Ein anfchließenDer rückwärtiger Querschuppen konnte von Der Feuerwehr gerettet werden. Gegen 18.30 Uhr war Die Bekämpfung Des Feuers soweit oorgeschrit- ten. Daß Die Mannschaften Der Freiwilligen Feuerwehren von Der Leitung entlasten werDen konnten. Die Feuerwache selbst rückte um 18.58 roieDer in Das Depot ein. Vorsichtshalber verblieb bis gegen 22 Uhr eine Brandwache an der Unglücksstelle, jedoch war eine erneute Tätiafeit Der Feuerwehrleute nicht er- forDerlid). Die alsbald an der Brandstelle erschienene Polizei sorgte in ausgezeichneter Weise für die Ab- sperrung, da nach dem Alarmruf der Sirenen eine große Menschenmenge herbeigeströmt war Auch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz war auf Den Ruf „öroßfeuer" herbeigeeilt, brauchte aber zum Glück nicht in Tätigkeit zu treten. Den Mann- schäften der Feuerwehr, wie auch den Polizeibeam- ten und den Sanitätsmannschaften gebührt für ihren Eifer und ihre sorgsame Tätigkeit volle Anerkennung. Ueber die Ursache des Brandes läßt sich bi» zur Stunde noch nichts sagen. Wicfccncr Wochcnmarktpreise. LS kosteten auf Dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bi« 180, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bi« 140, Wirsing 10 bi« 12, Weißkraut 6 bi« 8, Notkraut 10 bis 15, gelbe Hüben 10 bi« 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10. Bohnen, grüne 15 bis 20, gelbe 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 20 bis 25. Zwiebeln 10 bis 15, Kürbis 10 bis 12, Pilze 30 bis 35. Kartoffeln 5*/, (Der Zentner 5 Mk.), Frühäpfel 15 bis 20. Falläpfel 5 bis 6. Birnen 20 bis 30. Dörrobst 30 bis 35. Brombeeren 40 bis 45, Prcißelbeeren 40 bi« 45, Pfirsiche 50 bi« 70. Pflaumen 10 bi« 15, Zwetschen 20 bis 25, Mirabellen 30 bis 35, Reineclauden 15 bis 20. Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bi« 120, Nüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund: Tauben (Stück) 70 bis 80, Lier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 70. Salat 10 bi$ 15. Salat- gurken 15 bis 30, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bi« 20, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bi« 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 10 bis 15 Pf. Hornotizcn. — Tageskalender für Dienstag. D.V.P.: Versammlung im „Hindenburg", 20.30 Ußr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Operet- ten-Sinaspiel-Revue: .Seitensprünge“ imD .Die Sirene der Tropen". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: ^akespeares „Liebes Leid und Lust", daS am nächsten Sonntagnachmittag in Der Inszenierung von Intendant Dr. P r a s ch auf Der WalDbühne in Szene geht, gehört zu Den am wenigsten ausgeführten Werken Des Dichters. Es eignet sich wie kaum ein anDeres Lustspiel Shakespeares zur Freilichtaufführung. Die Gießener WalDbühne, Die für diese Vorstellung besonders hergerichtet und teilweise umgebaut wird, ist durch ihre günstige Anlage besonders dazu bestimmt, diesem Stück einen außergewöhnlich guten Rahmen zu geben. In Den eigenen Werkstätten Des Theaters sind von Ober gar Derobier Huber neue Kostüme entworfen unD auSgeführt worden. Bei schlechtem Wetter kann nötigenfalls ohne weitere Schwierigkeiten im Stadtthea- ter gespielt werden. Findet die Aufführung auf Der Waldbühne statt, wird am Stadttheater eine Flagge gehißt werden. — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (H i t l e r be we g u n g). Kommenden Donnerstag. 20.30 Ußr m der Turnhalle am Oswaldsgarten öffentliche Versammlung, in der Prof. Dr. Werner (Butzbach) sprechen wird. (Siehe heutige Anzeige ) * • E i n Protest des Gewerbes gegen die geplante weitere Erhöhung der Grund- und der Gewerbesteuer in Der StaDt Gießen roirD von Dem OrtsgeroerbcDerein Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil veröffentlicht. Die ÄunDgcbung ist im Hinblick auf Die morgige Beratung im StaDtrat über Die neuen kommunalen Steuern besonDers bemerkenswert. • • Abmarsch ins Manöver. Unsere Garnison rückte gestern um 18.15 Uhr mit klingendem Spiel von den Kasernen zum Bahnhof, von wo sie gegen 20.45 Uhr die Reise nach dem Truppenübungsplatz Döberitz antrat. Eine große Menschenmenge gab unseren Soldaten das Geleite zum Bahnhof und bereitete ihnen damit eine freundliche Abschiedskund- gebung. • • Ehrung eines verdienten Feuer- w e h r m i t g 1» e d e s. Dor Beginn der gemeinsamen Hauptübung der beiden Feuerwehren am gestrigen Montagabend wurde vor versammelter Mannschaft dem Ehrenkommandanten L. Faber Das vom Landesverband hessischer Feuerwehren gestiftete Ehrenkreuz überreicht. Herr Faber gehört 45 Jahre Der Gießener Freiw. Feuerwehr an unD bekleidete bis 1922 alle Charaen. Krankheit zwang ihn. Das Amt als Sranbinfpenor nieberjulegen. — Zu Drr Hebung, Der letzten vor dem 75. Jubiläum, waren be:De Mannschaften unter dem Kommando des Branddirektors Braubach mit sämtlichen Geraten angetreten. •* Klinik-Persvnalie. Ernannt wurde der Kassenobcrintpcktor bei Der Augen- unD Kin- derkllnck Emil Kinkel mit Wirkung vom 1. August 1930 an zum Kasfenoberin'vektor bei Der allgemeinen Verwaltung Der medizinischen Klinik, Der Frauenklinik unD der Klinik für Haut- unD Geschlechtskranke Der LanDesuniversität Gießen. ' Iungdeutscher Orden. Man berichtet uns: Am Sonntag tagte hier im Hotel Köhler ein stark besuchtes erweiterte- Meisterkapitel her VruDerschaft Gießen Des Iungdeutschen Ordens (Einheiten von Gießen unD Umgcbuna). Rach reger Aussprache über die durch die Gründung der Deutschen Staat-Partei geschaffene Lage faßte bai Kapitel einstimmig folgende Entschließung: .Wir erkennen d.e ungeheure Tragweite des Entschlusses unteres Hochmeisters Artur M a h r a u n zur Gründung der Deutschen Stoatspariei und stehen in alter Treue tatentschlossen hinter unserem Führer." " Bcrkchrsunsall mit todlichcmAus- gang. Ein schwerer Unolückssall ereignete sich gestern gegen 18.15 Uhr aus Der Ostanlagc. Während um diese Zeit der Personenverkehr in der Ostanlage, infolge des Abruckens unserer Garnison zum Manöver, außerordentlich stark war, geriet ein sieden Jahre altes Mädchen beim Uebcrqueren Des Fahr- Dammes unter ein Lieferauto unD wurde von dem Kraftwagen schwer verletzt. Das bedauernswerte Kind wurde nach erster ärztlicher Hilfeleistung sofort von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik verbracht, wo es leider bald nach der Einlieferung feinen schweren Verletzungen erlag. •• Vom Gerüst a b g e ft ü r j t. Gestern gegen 14 Uhr stürzte beim Abbau eines Gerüstes an einem Hause in der Ludwigftraße der 17 Jahre alte Wciß- binderiehrling Karl Höres aus Großen-Buseck vom Gerüst ab. Der bedauernswerte junge Mensch erlitt dabei Verletzungen am Kopse und an einem Arm und mußte Der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. Sein Befinden ist heute vormittag erfreulicherweise Den Umständen entsprechenD gut. " E in Gießener wegen Waren- schwindeleien in Frankfurt verhaf- t e t. Einen guten Fang machte gestern Die Frankfurter Kriminalpolizei in Der Person eines harmlosen ReifenDen, Der wegen einer geringfügigen Zechprellerei sistiert worden war. Sehr bald stellte sich heraus, Daß der Betreffende sich eines falschen Namens bedient« und mit Dem vielgesuchten WarenschwinDler O. K., aus Gießen stammend, identisch ist. K. verstand es, ein« ganze Anzahl Frankfurter Geschäftsleute um Warenlieferungen, Fensterleder, Schuhcreme und Einlegesohlen zu prellen, Die er angeblich für feinen Vater, einen ehrbaren Handwerksmeister in Gießen, bestellte. K. hat außerdem noch ein erhebliches Strafkontv bei der Staatsanwaltschaft in Gießen zu begleichen. Gegen ihn lag hier ein Haftbefehl vor, dem er sich Durch Die Flucht entzog. ” Di e 3a g D auf Rebhühner im Kreis e Wetzlar beginnt am 1. September unD enDigt am 30. November. IvZahre Turnverein 1860 Vad-Aauheim - Bad-Nauheim, 17. Aug. Der Turnverein 1 8 6 0 Bad-Nauheim, neben dem Tv. 1846 Gießen, dem T. u. Spv. Butzbach und der Tgm. Friedberg einer Der ältesten Turnvereine unseres Heimatgaues und in bezug auf die Mitglied«rzahl zur Zeit der stärkste Verein des Turngaues Hessen, feierte gestern die Erinnerung an seine vor 70 3 a ßr en erfolgte Gründung durch eine schlichte 3ubiläumfeler. Der zweite Dauvertreter, Verleger K. Schneider (Butzbach), überbrachte unter Würdigung der Verdienste des 3ubelvereins um di« Turn- fache die Grüße des Gaues Hessen. Er überreichte dem Verein im Auftrage der Deutschen Turner- schafi die Ehrenurkunde der DT. und dem verdienten 1. Vorsitzenden. Kaufmann Dh. Weiß, der über 25 Iahre an der Spitze des Vereins steht, den Ehrenbrief Der Deutschen Turnerschaft. Gauoberturnwart W. W i l l (Gießen), der ebenfalls herzliche Worte der Anerkennung für die von dem 3ubelt>ercin in 70 Iahren geleistete Arbeit fand, konnte eine Reih« weiterer Auszeichnungen an verdiente Mitglieder des Vereins bekanntgeben, die diesen durch Verleihung des KreiSehrenbriefes oder .deS Gauehrenbriefes durch die turnerischen Oraanifatio- nen zuteil geworden sind. Die Vereine Der Stadt übermittelten dem Turnverein 1860 ihre Glückwünsche durch Heberteidjung einer größeren gemeinsamen 3ubiläumsspende. Heute fanden auf dem Friedhof Kranzniederlegungen an den Gräbern verdienter Tumersührer statt. Unferfd)(ogungen beim Mainzer Arbeitsamt? WSN. Mainz, 18. Aug. Gegen einen in der Nebenstelle Rüsselsheim tätigen Angestellten des Arbeitsamts Mainz ist Strafanzeige erstattet worden. Er soll Veruntreuungen inHöhevonl000Mark begangen haben. Der Angestellte hatte bereits vor vier Wochen feinen Posten freiwillig aufgegeben mit der Angabe, der ihm übertragenen Arbeit nicht gewachsen gewesen zu fein. Eine Revision ergab, Daß er in den letzten Monaten seiner Tätigkeit stets Fehlbeträae in Der Kasse zu verzeichnen hatte. Die bis heute noch nicht aufgeflärt werden konnten. Wettervoraussage. Der Einfluß der neuen Störung tritt bereits in Erscheinung, wobei mit der Südwestluft Eintrübung und leichte Niederschläge auftreten. An Der Südseite des Fallgebietes gelangt jetzt kühlere Ozcanlutt nach dem Festlande, welche vorerst wieder etwas unbeständiges Wetter verursacht: ferner ist Damit Abkühlung verbunden und ein weiteres Auftreten von Niederschlägen, jedoch zunächst mehr in Form von Schauern. Wettervoraussage sürMittwoch: Wie- der wechselhaftes Wetter, Dabei vorübergehend auf- heiternd, kühler, einzelne Regenschauer, teils geteilter» Hafter Art. Lufttemperaturen am 18. August: m.ttags 22,7 Grad Celsius, abends 16,7 Grad: am 16. August: morgens 15,7 Grad. Maximum 22,7 Grad, Minimum 13,8 Grad. Erdtemperaturen m 10 cm Tiefe am 18. August: abends 20,2 Grad, am 19. August, morgens 16,2 Grad Celsius. — Niederschlag 0,6 Millimeter. — Sonnenscheindauer 8 Stunden. Oie Wetterlage. «5* MO .°°°° ©wone-ioi,© nenr» 3 n«ie »eotcet ® wem» ® Dcetcti «XMtc A 6r«e»ci» ■ X XW nunter Oji elingc' leeseoven q >twr*6u 1000 M. 1029 44255 45492 49885 53776 105222 126082 ------ ----- ------ 151408 17441 222378 389383 142074 161864 192628 381235 2 •rtrtan« ge 10000 HL 11556 18 •to’ nn. >. 3000 M. 833 7 52355 114949 1 67550 238601 269024 280787 286862 328872 14 e«te-nn« .u 2000 TI. 42376 96245 143932 201192 217383 316845 377903 6. Klaffe 35. Preußlfch-Süddeulfche (261. Preuß.) Klasien-Lotterie 190 »eteinae 300 W. 3352 3835 4043 4497 7455 7859 8705 20056 21394 22784 23444 24702 36843 37288 52722 54181 66115 57089 58050 63073 75111 82087 83208 94019 96241 ----- ------ --------------- ---- 28312 63238 65248 67216 86700 92806 93350 119496 ----- ------ ------ ------ 58 ®te>lnne ,u 500 TL 51648 59377 104313 119888 125609 ------ ------ ------ ------ 30 »etolnne ,u 1000 M. 4656 24662 52065 123512 206334 212877 220655 222904 236707 282939 290748 355135 364677 381147 394480 8n der heutigen Donnittagszlebung wurden Gewinn» über 150 M. gezogen Aus jede aezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Im Gewtnnrade verblieben: 2 Prämien zu fe 600000, 2 Gewinne zu je fr>0000, 2 zu je 200000, 2 au je 100000, 2 zu e 75000, 4 Gewinne zu je 50000, 8 zu je 25000, 64 zu je 10000, 124 zu je 600), 838 zu je 8000, 574 zu je 2000, 1498 zu je 1000. 3802 zu |e 600, 8668 zu je 800. Gegen Kopfschuppen und Haarausfall verwenden Sie nicht dieses oder jenes, sondern verlangen Sie ein Mittel, das wissenschaftlich erprobt ist und seit 50 Jahren unvergleichliche ♦607V Erfolge zu verzeichnen hat: Dr. DffALLE’s Birken wasser OriginaJflischt RM 2.40 Doppe/flische RM 4.20 05120 ncfucbt 5764 D Bleichstr. 21 v. Von der Reise zurück 5762 D 05125 RUHRKOHLE TheaterIWErnlt Ludwig Gießen (Bielchstraße 2), Köln. Ober-Roßbach, den 18. August 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 21. August, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. junges MW vom Lande daS nicht mehr fort- bildungvschulpflichttg ist, »um 1. Scvlbr. Mit den heizkräftigen Ruhr-Nußkohlen erzielen Sie die 3420V günstigste Herdfeuerung. Morgen Mittwoch, nachm. 4 Uhr Tanz-Tee Statt besonderer Anzeige. Am Sonntag, dem 17. August, abends 10% Uhr, verschied sanft nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden unsere Hebe, gute, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Witwe Heinrich Schneider Christine, geb. Heinz im Alter von 63 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Statt besonderer Anzeige. Heute abend 8 Uhr entschlief sanft nach langem Leiden mein lieber Mann, unser Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Johannes Engel Gastwirt und Forstwart 1. R. im Alter von 70 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elise Engel, geb. Koch. Birklar, den 18. August 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. August, nachmittags 3% Uhr statt. Statt Karten. I leute nacht entschlief sanft nach schwerem Leiden mein herzensguter Mann, unser treuester Vater und Schwiegervater, der Oberst a.D. Carl Pampe Ritter hoher Orden. Georgenthal (Thür.), Hamburg und Langensalza, den 17. August 1930. In tiefem Schmerz Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Clara Pampe, geb. Heß. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 21. Aug., nachmittags 2% Uhr, vom Trauerhause aus statt. _______________________________________________5765" Hugo Theis staatl. gepr. Dentist Ludwigstraße 60, Telephon 3364 Tngiich frische Fische und Filets feinste Fettbückinge. Fischhaus Cuxhaven Marktafr. 23 5377A Tel. 2417 wir warnen Sie JbrtnZhtotrbunnen auf Anzeigen ohne Namen Zeugnisse, Urfunbtn ob. (onff wichtige Papiere btIsuföqen; Abschriften genügen zur Einleitung v. BnsseIIung«veichanb- lunaen. Oft Ist und der Auftraggeber unbekannt und in DltftnSdllm 16xv ntn wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Äewrrbungdunterlagen Gtetzenev Aurelgev >■ 7 | Verkäufe | Zuchteber veredelte» Land- fchwetn, 7'/, Monate alt. »u verk. bet 0BoW> Hcinr. Kans, I.. Beltershain bei Grünberg. Küchen fchrank und Tifch nut erhalt UniANgS bald. vreiSw. abAng. MITT Astcrwea3»ll. Mit Kraftomnibus Ausflug nach Braunfels! 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Schellfisch. Slabclinn u. Seelachs 'Bürftinnc, sste. Bollseiiblickltnge sbfb.BO.\blcSTlücm.neitü5iie beste Freundin von der Ulla ist auch die Freundin meiner Schwester, und die hal s mir erzählt, weil fie weiß, daß Sie und ich so gute Freunde geworden sind. Und sie meinte, ich soll - Ihnen nur sagen, damit Sie keinen Dampf haben, beim Baron um tne Hand seiner Tochter anzuhalten Die wundem sich nächstens schon, dah Sie gar net kommen, wo Sie doch immer mit der Ulla zusammen ausfahren unb Tennis miteinander spielen." Der kleine Reinwalb war ganz stolz auf seine kluge und lange Rede, die er Contius gehalten hatte. Er wollte ihm so gern behilflich fein, denn der arme Kerl war wirkllch schrecklich schwerfällig und stellte fein Licht gar zu sehr unter den Scheffel. Deginald sagte ganz geistesabweserrd, als sei das noch ein Ausweg aus dem Dilemma: „Aber ich bin doch ein Bürgerlicher. Wird das kein Hindernis sein?" Er kam sich selbst bei diesem Einwand geradezu lächerlich vor. .Aber ich bitt Sie, Contius!" rief der quecksilbrige Reinwalb, wie erlöst, bah Reginalb überhaupt etwas sagte. .Das wollen- benn noch? Die Frau Baronin ist ein 'Bürgermäbel aus den Deinen Kreisen, es hat damals bei seiner Familie einen Heidenstunk gesetzt deshalb. Und ((ine eigene Mutter och, geh'ns bloh ab damit! Da kommen Sie zehnmal mit!" .So. meinen Sie also?" sagte Reginald Con- ttu- unb fiel richtig in sich zusammen vor dev Wucht biefer Erkenntnisse. „Also - ich gratulier!" „Servus, servus. ich komme gleich", winkte Reinwald auf einmal zu einem Herrn hinüber, der gerade in das Cafö eintrat und nicht weit von den beiden Platz genommen hatte. „Gelt, Sie entschuldigen mich a bifferl. Ist a geschäftliche Angelegenheit. Alles Gute, und Ohren steif!" Mit einem kräftigen, sehr warmen Händedruck verabschiedete sich Reinwald. Contius trank seinen Kaffee aus, erhob sich unb ging hinaus. Er sollte sich verloben. 3a, eigentlich war cr’8 schon. Er konnte keinen rechten Gedanken fassen. Er sprang auf die vorüberfahr ende Bahn und fuhr bis zur Endstation. Dann flieg er ab und wanderte fo lange, bi- er auf einer einsamen Waldwiese angekommen war. Er warf sich ins Gras und wollte Nachdenken. Es ging in feinem Kops alle- durcheinander. Er hatte gerade die letzten Rächte so viel gearbeitet, daß er nicht denken konnte. Er schlief sofort ein. Plötzlich krabbelte ihn etwas an der Aase. Er mußte niesen und erwachte. Es war schon etwas dämmerig geworden. Er sah in ein paar lachende Augen „Sie holen sich hier noch den Rheumatismus, mein Bester", hörte er eine Stimme sagen, die ihm recht bekannt erschien. Es war Ulla von Orlffinger. .She Eltern sind schon vorangegangen. Wir sind mit dem großen Wagen ein Stück voraus- gefobren und dann bei dem herrlichen Abend en Brief erneut verschlossen hatte, den Scheck beizufügen, der sich jetzt in der Schreibtifchlade in England vorfand. Ein lange gesuchter Mörder verhaftet. ][ Marburg, 18. Aug. Gestern gelang es den Oberlandjagern Rosenmund aus Cölbe und S u ch l a n d aus Ebsdorf, einen schon lange gesuchten Mann namens Matthias Kreutz fest zu nehm en, der im Verdachte steht, im Jahre 1922 in Corbach einen Mord begangen zu haben. Bei der Untersuchung eines Zigeunerwagens flüchtete Kreutz in der Rahe des Dorfes Ginseldorf in die Lahnberge. Der sofort telephonisch benachrichtigte Oberlandjäger Suchland in Ebsdorf nahm dann den Mann, als er in seinem Bezirk auftauchte, fest und wartete die Ankunft seines Kollegen aus Cölbe ab. Kreutz wurde ins hiesige Landgerichtsgefängnis übergeführt. Wirtschaft. Starker Rückgang des Zahrradexports. Der Export in Fahrrädern ist im ersten Halbjahr 1930 gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres um etwa 50 Prozent gesunken, ein Kennzeichen für die kritische Lage der deutschen Fahrradindustrie im Zusammenwirken mit dem ebenfalls stark abgeschwächten Zn- landabsatz. Die Ausfuhrziffern der letzten drei Halbjahre zeigen folgendes Bild: 1929 1929 1930 1. Halbj. 2. Halbj. 1. Halbj. insgesamt (Stück) 134 232 42 988 70 811 (Wert in 1000 Mk. 8 502 2 589 4 511) davon u. a. nach Ungarn 32170 7 010 4 497 Rumänien 26 463 3 477 12162 China 11 639 6 061 6 250 Riederländ. Zndien 10 270 4 675 4 265 Litauen 5 680 3 600 8 679 Estland 8113 977 5105 Schweiz 4815 1385 2 954 ßettlanö 4 568 642 2 369 Holland 2126 1694 1633 Bemerkenswert ist der außerordentlich scharfe Rückgang der Fahrradbelieferung -Ungarns, das bisher das bedeutendste Abnahmeland deutscher Fahrräder war. Auch die Ausfuhrziffem nach Rumänien sind erheblich gesunken. Zn der Ausfuhr nach den sog. Randstaaten sind nicht sehr wesentliche Veränderungen eingetreten, nur nach Lettland ist eine erhebliche Senkung zu verzeichnen Besonders erwähnenswert ist die völlig unzulängliche Belieferung des holländischen Marktes. Deutschland exportierte im Zähre 1927 noch nahezu 20 000 Fahrräder nach Holland. 1928 trat bereits eine Verminderung auf etwa 7000 Stück ein, und im ersten Halbjahr 1930 wurde nur noch die relativ unbedeutend« Menge von 1633 Fahrräder nach Holland geliefert. * 2k eu e Arbeiterentlassungen in Mannheim. Rach einer Mannheimer Dlätter- meldung sind beim Strebelwerk in Mannheim etwa 80 Arbeiter entlassen worden. Die Enzinger- Umonwerke AG. haben Antrag auf Entlassung von 83 Arbeitern beim Landeskommissar gestellt. • Konservenfabrik Zoh. Braun AG., Pfeddersheim. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß mit 4 (im Vorjahre 8) Prozent Dividende. Wie auf Anfrage eines Aktionärs mitgeteilt wurde, war der Konservenabgang im vergangenen Winter infolge des Ausfalls der Wintersportplähe sehr ungünstig. Einer »eiteren Vorratsvergrößerung sei man jetzt mit Betnebseinschränkungen begegnet. Zm laufenden Zahre sei der Absatz leicht rückgängig: infolge der Unkostenminderung erwarte man daraus jedoch keinen Betriebsverlust. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 19. Aug. Tendenz: lustlos. — Rachdem schon an der gestrigen Abendbörse die Tendenz nicht mehr so freundlich war, machte sich zu Beginn des offiziellen Marktes, in Verbindung mit der wieder schwachen gestrigen Reu- Yorker Börse, eine Verstimmung bemerkbar. Zm Zusammenhang mit der Zurückhaltung der Spekulation, die durch eine wieder ungünstige CBeurtei- lung &er Wirtschaftslage veranlaßt wurde, und dre sich wieder verbreitende Orderlosigkeit kamen Um sähe kaum zustande. Vereinzelt kam Material an den Markt, so daß bei einem Der- | Roggenpessimislnus gegen Roggenlogik? Don Or. h. r. Schiele, Reichsminifter für Ernährung und Landwirtschaft. Seit einigen Wochen steht der Roggen- markt im Zeichen der Depression. Das Angebot nimmt zu, die Rachfrage hält sich zurück, die Preisentwicklung ist flau. Pessimismus und eine gewisse Roggenpsychose tun das ihrige, um eine Gesundung des Marktes zu verhindern. Eine Reihe ausgesprochener Haussemomente, so der wesentliche verstärkte handelspolitische Schutz, der quantitativ und qualitativ ungünstigere Ernteausfall, die zusätzlichen Roggenabsatzmöglichkeiten durch das Brotgeseh und die Eosin-Roggenaktion kommen dabei nicht zur Geltung. * Die flaue Marktentwickluna der letzten Wochen ist im wesentlichen auf folgende Ursachen zurückzuführen: Väcker und Mühlen halten mit ihrer Rachfrage zurück, da das Brotgeseh, das am 15. August 1930 in Kraft getreten ist, für sie eine neue Lage geschaffen hat, die der einzelne Bäcker und Müller vielfach heute noch nicht in ihren letzten Konsequenzen zu übersehen vermag. Der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Ware neuer Ernte, der die Mahl- und Backfähigkeit beeinträchtigt, unterstützt die zögernde Haltung der Abnehmer, insbesondere der Mühlen. Gegenüber dieser zurückhaltenden Rachfrage hat das Angebot wegen der Geldschwierigkeiten der Landwirtschaft zum Teil einen sehr dringenden, den Markt beunruhigenden Charakter angenommen. Solche, die gegenwärtige Marktlage beeinflussenden Faktoren werden verstärkt durch die pessimistische Grundstimmung, die sowohl in Kreisen der Erzeuger, wie der Abnehmer vielfach noch vorherrschend ist. Die Erinnerungen an das vorige Zahr, wo die Roggenpreise mit 200 Mark einsehten, um allmählich bis auf 145 Mk. abzusinken, lassen viele Mühlen und Händler vor spekulativen Käufen und zahlreiche Landwirte vor Lombardierungen zurückschrecken. Es besteht daher auch bei allen für die Bewegung der Ernte unentbehrlichen Faktoren, den Genossenschaften, dem Handel, den Mühlen und den Bäckern das Bestreben, die eigenen Vorräte so klein als irgend möglich zu halten. Ueberprüft man diese Gründe der gegenwärtigen Preisdepression kritisch, so wird man zu Dem Urteil kommen, daß sie nicht ausreichend sind, um auf die Dauer den gegenwärtigen niedrigen Preisstand zu begründen. Lassen wir einmal die Roggenlogik sprechen: Eine Ueberschwemmung des heimischen Marktes mit Auslandgetreide, wie im Vorjahre, dürfte in diesem Zahre unmöglich sein. Unsere handelspolitische Rüstung ist so weit verstärkt, daß sie bei der gegenwärtigen Weltmarktlage eine ausreichende Gewähr hierfür bietet. Der Zollsatz ist für Roggen von 5 Mark auf 15 Mark erhöht, so daß selbst vorübergehende Einbrüche von Auslandroggen unmöglich sein dürften. Der Zollsatz für Futtergerste ist von 2 Mark auf 12 Mark erhöht. Die Maiseinfuhr kann durch das neu geschaffene Maismonopol so gut wie völlig gedrosselt werden. An dieser bisher befolgten Politik wird das Maismonopol auch künftig so lange festhalten, als nicht eine Bereinigung der heimischen Getreidemärkte eingetreten ist. Durch diese Maßnahmen wird die Roggen- und Futtergetreide-Einuhr im laufenden Wirtschaftsjahr, die im vorigen Erntejahr rund drei Millionen Tonnen betragen hat, um etwa 50 Prozent gedrosselt werden können. Aber auch die heimische Roggen- und Futtergetreideproduktion ist in die- em Zahre wesentlich geringer als im Vorjahre. Die Ergebnisse der preußischen Erntevorschätzung vom 20. Zuli 1930, die gegenüber der Schätzung des Vorjahres eine Minderernte von 500 000 Tonnen Roggen und 1,5 Millionen Tonnen Hafer ergibt, erscheint mir noch zu optimistisch, zumal der schlechte qualitative Ausfall der diesjährigen Ernte in diesem Ergebnis noch nicht zum Ausdruck kommt. Das Regenwetter der letzten Zeit bringt täglich weitere Verschlechterungen, da ein Teil der Ernte noch nicht geborgen und schließlich dem Verderben preis- gegeben ist. Die verminderte Einfuhr und die geringere deutsche Ernte ergeben daher insgesamt im Vergleich zum Vorjahr eine Mind e r be l a stun g des deutschen Roggen- und Futtergerstenmarktes von etwa 3,5 Millionen T onnen. Die Roggenbilanz wird in diesem Zahre folgendes Bild ergeben: Die Gesamtroggenmenge, die zur Verfügung steht, beträgt höchstenfalls 8 bis 8,5 Millionen Tonnen. Auf den bisherigen normalen Verbrauch an Brot- und Saatroggen, sowie auf die bisher übliche Verwendung von Roggen zu Futterzwecken in den Betrieben der Erzeuger entfallen insgesamt etwa 7,25 bis 7,50 Millionen Tonnen. Es verbleibt mithin höchstenfalls eine Roggenmenge von etwa 1 Million Tonnen, für die zusätzliche Absatzmöglichkeiten geschaffen werden müßten. Auch hierfür ist bereits gesorgt. Durch das Brotgeseh wird — abgesehen von den Wirkungen der Weizenpolitik — eine Steigerung des Roggenkonsums eintreten, die von den verschiedenen Fachkreisen verschieden beurteilt, auf 700 000 bis 1 Million Tonnen Roggen geschätzt wird. Für die Unterbringung des Roggens ist aber nmh ein weiterer Weg durch die Eosin-Roggenaktion gefchaffen worden. Bisher sind in drei Monaten rund 240 000 Tonnen Eosin-Roggen abgesetzt worden. Daraus ergibt sich, welche Roggenmengen zusätzlich zu Futterzwecken untergebracht werden können, wenn es die Marktlage erforderlich macht. Außerdem bleibt auch noch das Ventil des Roggenexports, das, zeitlich und lokal gewertet, nicht zu unterschätzen ist. Ueberblickt man die gesamten Aktiven unö Passiven der Roggenrechnung des begonnenen Wirtschaftsjahres, so erweist sich — selbst wenn man die Kalkulation so ungünstig wie irgend möglich aufmacht — daß wir in diesem Zahre, insgesamt betrachtet, mit einem Roggen- überschuh nicht zu rechnen haben werden. Rach ruhiger Abwägung des Ernteausfalls, der Vorratsziffern, der Einfuhrmöglichkeiten und der Absatzlage auf dem heimischen Markte komme ich daher zu dem Ergebnis, daß es uns im Lause dieses Erntejahres nach menschlicher Voraussicht gelingen muß, Ordnung auf dem Roggenmarkte zu schaffen. e So klar sich also das Bild der Roggenmaickt- lage für das gesamte Zahr heute bereits abzeichnet, so wenig darf man doch die Gefahren unterschätzen, die noch in der nächsten Zeit für die Roggenpreisbildung bestehen. Die Zurückhaltung der Abnehmer und das dringende Verkaufsangebot der Erzeuger können sehr wohl den Markt auch weiterhin noch unter Druck halten. Die Stützungsaktion, die diesmal auf wesentlich breiterer Basis als im Vorjahre und ohne Zögern betrieben wird, ist bewußt von dem Ziele geleitet, die oben gekennzeichnete künftige Marktlage, soweit dies überhaupt möglich ist, schon heute zu eskomptieren. Sie ist hierzu im Gegensatz zu den Erfahrungen des Vorjahres in der Lage, weil ihr durch die Gesetzgebung die notwendige Rückendeckung zur Verfügung steht. Entscheidend für die Marktentwicklung in den nächsten Wochen wird es aber fein, ob es auch gelingt, die Genossenschaften, den Handel und die Landwirtschaft vom Rog genpessimis- mus zur Roggenlogik zu bekehren. Wenn diese, an der Crntebewegung so maßgebend beteiligten Kreise sich in ihren geschäftlichen Maßnahmen von dem notwendigen Vertrauen in die Zukunft leiten lassen und sich frei machen von den Einwirkungen der Roggenpsychose, so zweifele ich nicht daran, daß wir auch in aller Kürze einen Umschwung am Roggenmarkt erleben werden. Zu welchem Zeitpunkt diese Wendung zum Besseren eintreten wird, hängt davon ab, wann die unerbittliche Logik den Pessimismus und die Psychose am Roggenmarkt niedergerungen haben wird. gleich mit den zum Teil schwächeren Kursen der gestrigen Abendbörse bei den wenig zustande gekommenen Erstnotierungen sich zumeist kleine Abbröckelungen ergaben. Das Angebot war jedoch nicht umfangreich. Der Grundton der Börse konnte als verhältnismäßig widerstandsfähig bezeichnet werden. Eine Ausnahme machten dagegen Felten, für die sich weiteres Interesse zeigte und die nochmals 2,5 Prozent gewinnen konnten. Vckn Zellstoffwerten waren Aschaffenburg etwas bevorzugt und bis 1 Prozent erhöht. Stärker gedrückt lagen am Elektromarkt Siemens, die 3,5 Prozent einbüßten. AEG. und Licht und Kraft gaben bis zu 1 Prozent nach. Am Chemiemarkt gingen die Kursabschläge bis zu 1 Prozent. Aus dem Rahmen fielen Rüt- gerswerke mit einem geringfügigen Kursgewinn. Der Montanmarkt hatte kaum Geschäft zu verzeichnen. Rur in Harpener kam vorläufig eine Erstnotiz zustande, die bis zu 1,5 Prozent anzogen. Kunstseideaktien büßten bis zu 2 Prozent ein. Schiffahrtswerte gaben bis zu 1,75 Prozent nach. Stark gedrückt und angeboten waren von internationalen Werten auf schwächere Meldungen aus London Svenska, die 10 Prozent niedriger taxiert wurden. Von Kaliwerken zeich. neten sich Salzdetftkrth durch einen Kursabschlag von 5 Prozent aus, während Aschersleben kaum verändert lagen. Banken waren zumeist etwas abgeschwächt: nur Barmer Dank leicht gebessert. Am Rentenmarkt war die Umsatztätigkeit ebenfalls sehr bescheiden. Deutsche Anleihen lagen zumeist leicht gedrückt. Zm Verlaufe wurde die Umsatztätigkeit auf vereinzelte Deckungen der Kulisse etwas lebhafter, und gegen Anfang traten verschiedentlich Kurserholungen bis zu 1 Prozent ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3 Prozent etwas leichter. Am Devisenmarkt konnte sich Spanien nach der gestrigen starken Abschwächung wieder etwas befestigen. Am Devisenmarkt nannte man Mark ge* gen Dollar 4,1866, gegen Pfund 20.3913, London gegen Kabel 4,8708, gegen Paris 123,83, gegen Mailand 92,99, gegen Madrid 45,75, gegen Schweiz 25,0425, gegen Holland 12,09. Berliner Börse. Derlin, 19. Aug. Die Börse eröffnete heute in etwas schwächerer Haltung, doch war eine gewisse innere Widerstandsfähigkeit unverkennbar. Die Kurssteigerungen des gestrigen Tages hatten bei der Tagesspekulation eine leichte Realisationsneigung zur Folge, und auch aus dem Reiche lagen teilweise Verkaufsorders vor, allerdings in ganz minimalem Ausmaße. Die vorliegenden Momente konnten keine Anregung bieten; lediglich eine Erklärung des Generaldirektors der Feldmühle AG. bezüglich der Dividendefrage wurde mit Befriedigung ausgenommen. Anderseits verstimmten der matte Schluß der gestrigen Reuhorker Börse und die schwächere Tendenz der Welt-Rohstoffmärkte. Auch die europäischen Auslandbörsen meldeten schwächere Kurse, so daß insbesondere internationale Werte hiervon in Mitleidenschaft gezogen wurden. So büßten Polyphon 4,25 Proz. im Zusammenhang mit den Rückgängen der Grammophonwerte in London ein. Kunftseidewerte waren mit minus 2,25 Prozent gedrückt, wobei man von Amsterdamer Abgaben sprach. Weiterhin fielen Svenska durch einen Rückgang von 7 Mark auf. Zm übrigen betrugen die Verlust« in der Regel 1 bis 2 Proz. Siemens und Aschaffenburger Zellstoff waren 2,75 Proz. niedriger. Auf der anderen Seite konnten sich Berliner Handelsgesellschaft, Felten, Oberbedarf, Klöckner, Schubert L Salzer, Hirsch- Kupfer, Berger, Deutsche Atlantische und Rord- seesischerei um 1 bis 2,25 Proz. bessern, während Reichsbankanteile bemerkenswerter Weise ihren stark erhöhten gestrigen Schlußkurs voll behaupten konnten. Deutsche Anleihen nur wenig verändert. Ausländer uneinheitlich; Mexikaner und Ungarn etwas fester, Süden, Anatolier und 5prozentige Tehuantipek schwächer. Der Pfandbrief markt war noch unentwickelt. Der Geldmarkt war etwas angespannter. Tagesgeld 3 bis 5 Proz., vereinzelt etwas darunter. Monatsgeld 4,5 bis 5,5 Proz.; Warenwechsel etwa 3,60 Prozent. Zm Verlause blieb das Geschäft sehr ruhig, und es kam Überwiegend zu weiteren kleineren Abbröckelungen, die jedoch nur bei Kaliwcrten 1 bis 2 Prozent betrugen. Zm übrigen hielten sich die Verluste im Rahmen von 0,5 bis 1 Proz. Chadeaknen wurden verspätet 2,75 Mark schwächer festgesetzt. Orenstein L Koppel fielen von Anfang an durch einen l,5prozentigen Rückgang auf und verloren im Verlaufe noch 0,5 Proz. Für Z.-G.-Far^rn war es bis 12.30 Uhr noch nicht zu einer zweiten Rotiz gekommen. Daten für Mittwoch, 20. August. 1153: der Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux gestorben; — 1639: der Dichter Martin Opitz von Beberfeld gestorben; — 1854: der Philosoph Friedrich Wilhelm von Schelling gestorben. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. fVranffurt a. M. | Berlin Banknoten. a. 2TL Devisenmarkt Berlin — Aranksur» Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinssuß 5 v. H. Frankfurt a. Dl. Berlin Frankfurt a. Dl. Berlin todjluß» lurd l»Uhr» Kurs Schluß» ture Anfang» Kurs Schluß» kurs t-Uhr» Schluß» Anfang- Kurs Datum 18. 8. 19. 8. 18. 8. 19. 8. Datum 18. 8. 19. 8. 18. 8. 19. 8. Vamburg-iUmertla 'Batet ...< Hamburg-Südam. Dampfschiff. 6 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Commerz, und Privat-Bank . 11 Darmstädter und Nattonalbank 12 Deutsche Bank und Dtsconto-Geselllchaft, ... 10 Dresdner Bank......10 Reichsbank ........ 12 A.E.G............. Bergmann.........8 Elektr. Lleserungsgesellschaft. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume ... 7% Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 Rheinische Elektrizität .... 8 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schlickert & So. ..... . n Sternen» & HalSke ..... 16 Transradio ........ 8 Lahmeyer L Co.. ..... io Buderus...... .... 6 Deutsche Erdäl ...... 6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener.......8 Harpener.......... 0 Hoejch Eisen. ....... 6% Ilse Bergbau ....... 10 Klöcknerwerke ........ 7 Köln-Neuessen........ 7 ManneSmann-Röhren .... 7 Mansselder Bergbau . .... 7 Oberschlei. Eisenbedars . . . . 5 Oberschlei. Kokswerke.....7 Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen . . 10 Rhein stahl.........6 Rlebeck Montan ...... 7,2 93,25 93,25 107 115,75 142 129 181,5 123,5 124 137,4 101 126 151 153 57,5 105,5 98,5 79 84 76,75 206 86,5 91,6 116,5 129 122,5 123,5 136,6 134 103,5 189 100 93 149,5 93,25 107 115,75 142,5 129 181,25 123,25 124 246,5 137,65 167 125 135 101,5 136,9 129,5 126 130,5 150,75 192,5 153 72,5 105,25 99,5 82,5 221 79 80,65 83,9 54 84,75 76,4 206 86,5 96 92,5 149,5 125 92,5 107,75 116,5 143,5 129 180 122,75 123,5 246 136,75 166 124,75 102,5 136 130 150 189,75 110 55,25 72 105,75 100 83 80,25 81,13 83,75 54 51 84,5 77 85,75 95 Bereinigte Stahlwerke..... Olavi Minen......16'/» Kaliwerke Aschersleben ... 10 Kaliwerke Westeregeln ... 10 Kaliwerke Salzdetfurth ... 15 I. G. Farben-Industrte . . . 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstakt........v Goldschmidt ........ 5 RütgerSwerke ........ 6 Metallgelelllchast. ...... 8 Philipp Holzmann......7 Zementwerk Heidelberg . . 10 Cementwerk Karlstadt. ... 10 Wayß & Freytag......8 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerke...... 12 Aku...........18 Bemberg...... 14 Zellstoff Waldhof .... 13'/. Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gas..... • . S Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum ...... Rat. Automobil . ...... 0 Orenstein & Koppel ..... 6 Leonhard Tieh ...... 10 Svenska........... Frankfutter Maschinen .... 4 Gritzner........... Heyliaenstaedt ....... o Iunghantl........... Lechwette........... Mainkraftwette Höchst a.M.. .8 Mag...........10 Gebr. Roeder ....... io Rotgt & Haeffner ...... s Süddeutsche Zucker .... 10 76,5 39 192,5 198 309 151,4 136 54,5 50,2 105,5 81 104,5 66 87 130 96,25 27,5 130 294 21,75 31 26 94 79 86 58,5 152 146 192 304 150,6 51 104,5 104,5 65 1 85 89 97,25 26 146 77,75 38,13 192 200 309 151,9 72 55 52 104 80,5 254 204,25 88,25 90,25 129,25 98,75 92,75 130 28 183,5 38,5 9,5 59,5 293 22,5 31 26 86,25 152 145,5 77,75 38 191,5 198,5 308 150,5 55,25 51,6 104 80,5 253 203 86 89 127,25 93,5 92,5 130,5 27,5 183,5 39 9,9 58 286 86 Schluß» t.Uhr» Schluß» Anfang» kurs Kurs lurs Kurs Datum 18. 8. 19. 8. 18. 8. 19. 8. 6% Leutiche tketchsametyl. von 1927 ......... 7% Deutsche ReichSanleihe 87,75 — 88 — von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 101,75 — 102 — Auslos.-Rechten....... 60 59,85 60 60 Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 7,8 7,8 7,75 7,8 8% Hess. Dolksstaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... 93 93,5 Oberhessen Provinz - Anleihe mit AuSlos.-Rechten....... Deutsche Komm. Sammelabl. 59 — — — Anleihe Sette 1....... 58,95 — 58,5 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpsc XIII unkündbar bis 1934 . . . 101 7% Franks. üyp.»Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... <%% Rheinische Hyp.-Bank 99 — — — Liqu. Goldpse........ 6% Br. Landrspsandbttefanstalt, 86,75 — — — Pfandbriefe R. 17...... 8% Pr. LandeSpsandbttesanstalt 101,25 — 101,25 — Somm.-Lbl.R. 20...... 7% Pr. Landerpfandbriesanstalt, 98 98 — Pfandbriefe R. 10...... A.E.G. abg. Borkttegs-Obligatio 97 97 nen, rückzahlbar 1932 .... 92 - — — 4% Oesterrelchtsche Goldrente . . 26,5 4,20% Oesterreichische Silberrente 3,25 3,15 — 4% Oesterreichische Einheitliche 3,15 Rente.......... 2,075 _ 2.1 «% Ungarische Goldrente .... 24,15 -___ 24,4 24,4 4% Ungarische StaatSrenie v. 1910 19,5 4N% desgl. von 1913..... 20,75 — 20,25 4% Ungarische Kronenrente . . 2,1 — 2,15 2,13 5,25 4% Türkische Zollanleihe von 1911 5,35 5,3 5j2 4% Türkische Bagdadbahn-Anl Serie I........... 4% deSgl. Serie II....... 5,4 — 5,65 _ 5,25 — 5,4 _ 5% Rumänische vereinh. Rente von 1903 .......... 9,5 — 9,55 9,55 iy*% Rumänische vereinh. Rente Von 1913 ......... 16,2 16 16 15,99 t% Rumänische vereinh. Rente . 7,45 7,4 7,4 Berlin, 13. August Geld Bries " Amerikanische Noten ...... Belgische Noten. ....... Dänische Noten ........ Englische Noten ....... Französische Noten ....... Holländische Noten ....... 4,165 58,38 111,95 20,347 16,427 168,16 21,95 111,86 59,08 2,469 112,08 81,44 43,51 12,39 73,15 4,185 58,62 112,32 20,427 16,487 168,84 22,03 112,30 59,32 2,489 112,52 81,76 43,89 12,45 73,45 Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten ....... Schweizer Noten ........ Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten. .... Ungarische Noten........ 18. August 19. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Briet Amft-Rott. 168,47 168,81 168,48 168,82 Buen^AireS 1,528 1,532 1,511 1,515 Brff.-Antw- 58,455 58,565 112,33 58,44 51,56 Christiania - 112,11 112,12 112,34 Kopenhagen 112,16 112,38 112,16 112,38 Stockholm - 112,37 112,59 112,39 112,61 Hclsingfors. Italien. . . 10,524 21,91 10,544 21,95 10,525 21,805 10,545 21,945 London. . . Ncuhork . . 20,37 20,41 20,37 20,41 4,1815 4,1895 4,1825 4,1905 Paris.... Schwei; . . 16,44 16,48 84,95 16,445 16,485 84,34 81,385 81,502 Spanien. . 43,81 43,89 44,56 44,64 Japan . . . >ttio de Jan. 2,066 2,070 2,066 2,070 1,417 1,419 0,415 0,417 Wien in D-° Ceft. abgest 59,095 59,215 59,095 59,215 Prag - . . Belgrad . . 12,406 12,426 12,413 12,433 7,430 7,444 7,429 7,443 Budapest. . Bulgarien. 73,36 3,032 73,50 3,038 73,35 3,027 73,49 3,033 Lissabon . . 18,80 18,84 18,81 18,85 Danzig. . . Konstantin. 81,44 1,784 81,60 1,789 81,43 1,784 81,59 1,789 Athen. . . 5,435 5,445 5,435 5,445 Caoada . . 4,183 4,191 4,182 4,190 Uru aaD ° . 3,467 3,473 3,457 3,463 Cairo . . . 20,88 20,92 20,88 20,92