Nr. 270 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 18. November 1950 Erscheint täghfyaufcct Sonntags und Feiertag». Beilagen: Vte Illustrierte Siebener FamllienblLtter Heimat im Bild Die Scholle monats-Be$ng$pret$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüfse «nterSammelnummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Nnzetaer Sieben. Postscheckkonto: Krankfun am Main 11686. GietzeiierAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dnid unö Derlag: vrlihl'lche Unwerfttätr Such, und Steinörutferel R. lange in Sietzen. Sdjriftleitung und S-schSftrftelle: Lchnlttratze I. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20v , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Terrorwahlen zum polnischen Sejm. Keine qualifizierte Mehrheit für den Pilsudsii-Block. — Schwere Mandatseinbußen der Minderheiten. — Die deutsche Sejmvertretung von 21 auf 5 Mandate herabgedrückt. Die absolute Mehrheit ist für den Block des polnischen Diktators Pilsudski gesichert. Denn er hat in den Sonntagswahlen zum Sejm immerhin 248 von. 444 Mandaten erobert. An sein eigentliches Ziel, nämlich die Erringung einer qualifizierten Me h r h e i t ist der Marschall aber nicht gelangt. Dazu fehlen ihm noch 50 Abgeordnetensitze, die er sich nun auf negativem Wege dadurch zu verschaffen suchen muß, daß er mit seinem Mehrheitsblock ge- schäftsordnungsmäßig rigotos gegen jeden Parlamentarier, der nicht zum Regterungsblock gehört, verfährt. Der Stotz feiner Gruppe richtete sich vor allem gegen die sogenannte Zentrolinke und selbstverständlich gegen die Minderheiten. Während es nun aber den Zentrolinken als polnischer Partei trotz allem noch gelang, sich verhältnismäßig gut zu behaupten — obwohl ihr die Regierungsschikane von vornherein etwa sechzig Mandate durch Listenannullierung genommen hatte, zieht sie doch wiederum mit 78 Abgeordneten in den Sejm ein —. sind die nationalen Minoritäten ungewöhnlich stark dezimiert. Don den ehemaligen deutschen Sejmabgeordneten werden künftig mindestens drei Mertel fehlen, und noch schlimmer sieht es bei den Ukrainern aus. Die „De- friedungsaktion", die Pilsudski durch seine Ulanen in der Ukraine vornehmen ließ, hat ihre Aufgabe in wahrhaft erschütterndem Umfange erfüllt. So wird aus einem rein ukrainischen Bezirke, aus Wolhynien, auf das sechzehn Mandate entfallen, berichtet, daß es dem Regierungsblock gelungen sei. davon fünfzehn zu „erobern". 3n der Tat. es war ein regelrechter militärischer Eroberungszug mit Maschinengewehren, Minen- wersern. mit schärfstem Einsatz von Kavalleriedetachements, über den nichts in die breitere Ocfsentlichkeit gedrungen wäre, wenn nicht einige amerikanische 3ournaliften die Kühnheit besessen hätten, sich an Ort und Stelle von der Wahrheit der Terrorgerüchte zu überzeugen. Daß Ost- Oberschlesien nicht in dem Maße einem militärischen Druck von der Regierung ausgesetzt worden ist, liegt sicherlich nur an der größeren Rähe des zivilisierten Europa, obwohl auch dort der illegale Terror der von den Regierungsbeamten zielbewuht geleiteten Aufständischen-Der- bände stark genug gewesen ist. Cs wird immer ein Ruhmesblatt in der tragischen Geschichte des vst-oberschlesischen Deutschtums bleiben, daß die unerhörten Gewaltmaßnahmen der national- polnischen Stoßtrupps seine Stimmziffer nur um etwa 25 Prozent zu dezimieren vermochten, während allerdings der Mandatsverlust in Ost- Oberschlesien sich für das Deutschtum auf etwa 50 Prozent beläuft Auch diese Stimmverluste sind vielfach nur dadurch entstanden, daß den Wählern roh und brutal die deutschen Stimmzettel aus der Hand gerissen wurden und man sie unter Androhung schwerster Verfolgungs- mahnahmen nötigte, ihren Stimmzettel für den Regierungsblock abzugeben. Selbstverständlich hat man das nur dort getan, wo keine ausländischen Beobachter, hie natürlich dem Regime Pilsudskis sehr unbequem sind, seiy konnten. Man hat sich damit aus die Land- oezirke und kleinere Jndustrieorte beschränkt, während die ost-oberschlesischen Großstädte am Wahlsonntag verhältnismäßig ruhig blieben. Hier ist auch die Abstimmung für das Deutschtum trotz des vorher geübten Terrors verhältnismäßig gut gewesen. Was aber an dem oberschlesischen Wahlausfall in Erstaunen setzen muß, das ist der ungewöhnliche Erfolg, den'Korf anty hier davongetragen hat. Er hat in Ost-Oberschlesien nicht weniger als vier Mandate gewonnen, und es ist ihm gelungen, die auf seinen Block entfallenden Stimmen um etwa fünfzig Prozent, in einzelnen Fällen um achtzig bis hundert Prozent zu vermehren. Nun war Kor- fanti) zwar nicht in dem gleichen Maße der Verfolgung durch die Regierungsorgane ausgesetzt wie das Deutschtum. Immerhin, da er als einer der intimsten politischen Gegner Pilsudskis längst bekannt ist, haben sich die Aufständischen-Verbände in einzelnen Fällen auch nicht gescheut, gegen seine An- Hänger vorzugehen. Man muß somit das ost-ober- schlesische Wahlergebnis geradezu als eine Niederlage des Diktators ansehen, und als einen Protest gegen die Knebelung der freien Meinung. So bleibt insgesamt der parlamentarische Erfolg Pilsudskis höchst fragwürdig. Es wird ihm jedenfalls nicht gelingen, die Wahlen des 16. November als einen politischen Sieg aufzufrisieren, die Welt wird wissen, mit welchen Mitteln die Sejm-Mehrheit für Pilsudski zustandegekom- men ist. Insbesondere wird sich der Völkerbund noch einmal sehr eingehend mit den Dingen zu beschäftigen haben, und wir erwarten, daß er sich dabei nicht auf die formale Prüfung der Beschwerden des oberschlesischen Deutschtums beschränkt. sondern daß er dabei auch die Vorgänge in der Ukraine und anderswo unter seine Lupe nimmt. Dem moralischen Ansehen Polens in der Welt hat Pilsudski nicht gedient. Mag sein, daß er in den nächsten Monaten innerpvlitisch eine gewisse Ruhe hat. Es ist aber für große Landesteile eine Kirchhofsruhe, in anderen Provinzen die Ruhe vor einem neuen Sturm. Soweit das deutsch-polnische Verhältnis zur De- batte steht» kann nur gesagt werden, daß die Aussichten auf einen leidlich vernünftigen Ausgleich und auf die Herstellung korrekter Beziehungen zwischen Berlin und Warschau nach diesen Wahlen schlechter sind als je zuvor. pilsudskis Sieg. Aber keine verfaisungsänderndeZweidrittelmehrheit. Warschau, 17. Koo. (2BIB.) Die offiziellen Schluhergebnisse der Sejmwahlen liegen nunmehr vor. Demnach haben der Regierungsblock 248 Wandale, die Ralionaldemokraten 65, der Oppositionelle Block der Zentrostnken 78, die Lhristlich-Demokraten mit fior- santy 14, die Ukrainer 20, die Juden 7, die Kommuni st en 5, die Deutschen 5 und wilde 2 Wandale erhalten. 3n zahlreichen Kreisen des Ostens, in geschlossenen ukrainischen und weißrussischen Sprachgebieten, sind sämtliche Wandate dem Regierungsblock zugefallen. Die Rationaldemokraten haben gewonnen und der Oppositionelle Block der Zentrolinken hat sich, wenn man die Ungültigkeitserklärungen von 11 wertvollen Listen und die Gefangennahme der Führer und Agitatoren berücksichtigt. recht gut gehalten. Den Hauptdruck haben die nationalen winde r h e i t e n ausgehalten, die auch demgemäß d i e stärksten vertu sie erlitten haben. Die Deutschen haben sämtliche Wandate in Kongreh-Polen und in pommerellen, drei in Oberschlesien, zwei in der Provinz Posen und eins in Ostgalizien verloren. Die deutsche Vertretung wird somit im kommenden Sejm von 21 aus 5 Sitze zusammenschmelzen. Aehnlich stellt sich das Verhältnis für die ukrainische und die weißrussische Vertretung. Der Pilsudski-Block hat zwar die einfache, nicht aber die zur Durchführung der verfassungsreform angestrebte Zweidrittelmehrheit erreicht. Die sich daraus ergebenden innerpolilischen Komplikationen können zur Zeit noch nicht übersehen werden. Jubel der polnischen presse. Material gegen die deutschen Grenzrevisionsansprüche. Warschau, 17. Rov. (2il.) Die polnische Regierungspresse feiert in überschwänglichen Worten den Sieg Pilsudskis. Heber die Riederlage der Deutschen schreibt die Agentur „Preß", die Schmälerung des deutschen Besitzstandes sei vor allem daraus zurückzuführen, daß die polnischen Parteien geschlossener waren als bei den letzten Wahlen und dementsprechend weniger Stimmen verloren gingen. Außerdem hätten die Deutschen zu wenig Einheitlichkeit gezeigt. Früher hätten deutsche Arbeitgeber ihre polnischen Arbeiter gezwungen, für die deutsche Liste zu stimmen. Das sei diesmal nicht möglich gewesen. Die Tatsache der deutschen Wahlniederlage habe außenpolitisch große Bedeutung. Auf internationalem Boden werde das deutsche Bestreben, Pommerellen den Polen zu entreißen, mit den polnischen Stimmen in sehr wirksamer Weise la hm gelegt werden. Was sagt man in Berlin zum Wahlergebnis? Berlin, 18.Rov. (TU.) Eine Reihe Berliner Blätter nimmt zu dem Ergebnis der polnischen Wahlen ausführlich Stellung. Hebereinftimmenb werden die Wahlen alsTerror - oderDik- taturwahlen bezeichnet, durch die besonders dasdeutscheBolksturnentrechtet werden sollte. Der „Berliner ßotalanaeiger“ sagt, Pilsudski habe damit sein Land aus Der Reiche der europäischen Kulturstaaten gestrichen. Die „Germania" schreibt, die größte Tragik des Wahlergebnisses liege unstreitig in den Wählerzahlen der Mirrderheitsparteien. Der „Vorwärts" fordert von der Reichsregierung, daß sie die politische Entrechtung der Deutschen in Ostoberschlesien vor dem Forum des Dölkerbunds- rates zur Sprache bringe. Die „Dvssische Zeitung" weist auf die Wahlen zum Schlesischen Sejm im Mai dieses Jahres bin, die den Beweis gebracht hätten, wie stark das Deutschtum in den abgetretenen Teilen Oberschlesiens sei, wenn heute der von allen Seiten auf die deutsche Minderheit ausgeübte Druck eine zahlenmäßig richtige Vertretung des Deutschtums unmöglich mache, so wisse die gesamte Kulturwelt, daß nur äußere Hmftänbe die anderthalb Millionen Deutschen in den westlichen Randgebieten des heutigen Polens daran gehindert hatten, ihrer wahren QKeimmg frei Ausdruck zu geben. Der „Tag" betont, Pilsudski habe vor allem durch den Terror aller Welt die Schwäche der Deutschen vor Augen führen wollen, um die hier und da in Gang gekommenen unbequemen Diskussionen über die Revision der Ostgrenzen Deutschlands zum Abschluß zu bringen. Die »Deutsche Zeitung" fordert als Antwort auf den Pilsudski- Terror gegen die deutschen Minderheiten in Polen eine völlige Aenderung der deutschen Politik gegenüber Polen. Ein neuer deutscher Abrüstungsantrag in Genf. Verbot von Tanks und schwerer Artillerie. Genf, 17. Nov. (TU.) Die deutsche Abordnung hat am Montag km Abrüstungsausschuß einen außerordentlich bedeutungsvollen Antrag eingebracht, der bei dem Kapitel des Verbotes des chemischen Krieges das Verbot der schweren entscheidenden Angriffswaffen vorsieht. 2)er deutsche Antrag, der auf den Deutschland auferlegten Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages aufgebaut ist, sieht folgende Verbote vor: 1. Außerhalb von Festungen und befestigten Plätzen Geschütze über 7,7 cm Kaliber und Mörser über 10,5 an; 2. innerhalb von Festungen und befestigten Plätzen Geschütze über 15 cm und Mörser über 21 cm; 3. Mörser und Minenwerfer über 15 cm Kaliber; 4. jegliche Arten von Tanks. Ferner sollen sich die Mächte verpflichten, das gesamte Krieg^naierial sowie die einzelnen Teile Madrid, 17. Rov. (TU.) 3n Spanien sind politische Unruhen ausgebrochen, die nach heftigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und streikenden Arbeitern zum Generalstreik geführt haben. Die Städte Valladolid, Bilbao und Barcelona scheinen sich der Bewegung anschliehen zu wollen, die Lebensmittel beginnen bereits knapp zu werden. Schulen unb Geschäfte in Madrid wurden geschlossen. Die Regierung droht mit dem Belagerungszustand. 3n Barcelona ist der Generalstreik der Arbeiterschaft auf unbestimmte Zeit erklärt worden, d. h. bis die Regierung sich entschließen wird, die anarchistisch-kommunistischen Arbeiter- s y n d i k a t e Spaniens offiziell anzuerkennen. Auch in Valencia, Granada und Bilbao, wo die Syndikalisten die Herrschaft über die Arbeitermassen besitzen, ist der Generalstreik im Gange. 3n Valladolid erklärten sich die Arbeiter solidarisch mit den genannten Städten und traten ebenfalls in den Streik. Die Arbeiter der Eisenbahnreparatur-Werkstätte sind ebenfalls in den Ausstand getreten. Es steht zu befürchten, daß das Fahrpersonal der spanischen Eisenbah-ngesell- schaften, die größtenteils Privatunrernehmungen sind, auch streiken und damit den Verkehr in Spanien lahmlegen werden. der genannten Waffen zu vernichten und dem Generalsekretär des Völkerbundes in einer bestimmten Frist nach dem Inkrafttreten des Abkommens die Zahl der vernichteten Geschütze und übrigen angegebenen Waffen mitzuteilen. Ferner soll noch dem deutschen Antrag die ch e r st e l l u n g und die Einfuhr des für diese Kriegswaffen tn Frage kommenden Kriegsmaterials verboten werden. Im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß wurde heute eine Entschließung der französischen Delegation angenommen, wonach die Frage der B e g r e n • zu n c der Militärbudgets der erneuten Prüfung durch ein Sachoerständigenkomitee unterzogen werden soll. Graf Bernstorfs erklärte, daß diese Prüfung nicht zu einer Verschleppung der Abrüstungskonferenz führen dürfe. Deshalb müsse bereits jetzt feftgelegt werden, daß dieses Komitee seinen Bericht nicht an den Vorbereitenden Abrüstungsausschuß, dessen jetzige Tagung die unwiderruflich letzte sein müsse, sondern direkt an die Abrüstungskonferenz zu richten habe. Im selben Sinne sprachen sich die Vertreter Italiens unb der Türkei aus. Der Ausschuß erklärte sich einverstanden. Sodann begann der Ausschuß mit den Fragen der S e e r ü st u n g und nahm zunächst eine Erklärung der Vertreter Griechenlands unb der Türkei zur Kenntnis, daß zwischen ihren Ländern ein Marineabkommen beschlossen worden sei. Die artikelweise Beratung wurde einem besonderen Komitee übertragen. 3n Barcelona verbrannten die Streikenden zwei Trambahnwagen unb mehrere Lastkraftwagen. Bei Zusammenstößen mußte die Polizei mehrfach von der Schußwaffe Gebrauch machen. 3n den Abendstunden hat sich die Lage verschärft. Die Arbeiter reißen die Strahenpflaste- rung auf, um sich mit Wurfgeschossen zu versehen unb ben Verkehr der Polizei au tos zu unterbinden. Ein großer Teil der Studentenschaft nimmt ebenso wie in Madrid, wo die jungem Leute die rote Fahne auf der Uniöerfität gehißt hatten, Partei für die Streikenden. Die Leitung der Sozialdemokratischen Partei, die den Madrider Generalstreik lediglich als Protestkundgebung gegen die durch das Eingreifen der Polizei erfolgten Opfer inszeniert hat, steht der Ausdehnung des Streiks ablehnend gegenüber. Da aber ihr Einfluß beschränkt unb besonders in Katalonien gleich null ist, so gelang es den Syndikalisten, die Oberhand zu gewinnen unb die Streiks weiterzuführen. Die Leiter der revolutionären Bewegung bedauern dieses Vorgehen der Synbikalisten, da dadurch eine gemeinsame Aktion zu gegebener Zeit, die die Leitung noch nicht für gekommen hält, erschwert wird. Oben lmks: Mmisterprastdent Genera Deren guer, dessen Stellung gefährdet ist; rechts: das ftönlgs- schloß von Madrid. — Unten: Professor Miguel de Unamuno (X), der Dichter und Revolutionär un Kreise der Professoren der Madrider Unioerfitäl. Daneben König Alf o n s XIII. von Spanien. 4 ■wie p - M -s UM Syndikalistische Muhen in Spanien. Ausdehnung des Generalstreiks. Verschärfung der Lage in Madrid und Barcelona. Goldverieilung und Wirtschastskrisis. Die Notwendigkeit einer Revision des Reparation«)- und SchuldcnProblcmü. London, 16. Hob. (WTB.j Der „Obferver" schreibt u. a. G» scheint, das; da- Problem der Goldverlellung Gegenstand diplomatischer Aktion geworden ist. Der Pounaplan, die DIZ., der bor- läufige Bericht der Golddelegation de- Finanz- au-schrlsse- des Völkerbunds haben Material zur Lösung de« Problems geliefert. Zum ersten Male sei die Forderung nach einer beschleunigten diplomatischen Aktion bon deutschen Politikern erhoben worden, nämlich bon Dr. Wirth in seiner letzten Aundfunkansprache und hieraus vom Reichskanzler Dr. Brüning in der vor dem Reichs- tag abgegebenen Erklärung, in der es hieß, der verhältnismäßige Wert des Goldes und der Waren habe s ich zum R a ch t e i l der Länder mit internationalen Verbindlichkeiten berändert. Da- Blatt berweist ferner auf die bon Dr. Schacht in Reuyork abgegebene Erklärung, das; der deutsche Austen handel um 40 bi s 50 Proz. erhöbt werden müsse, um die Voung-Annuitäten bestreiten zu können. ES fährt fort: Die finanziellen Ratgeber der Gläubigerregierungen find gezwungen, mit der Möglichkeit einer Anwendung der Mora- tortumsklauseln des Voungplanes zu rechnen. Die Frage eine« solchen Moratoriums ist allerdings nur eine Rebensrage des Hauptproblem«. Eine wirksame Aktion kann nur aus internationalem Wege erfolgen. Die „Daily Mail" meldet, dast Bankier Lamont bon der Firma Morgan & Go. die An - bäusungenbonGoldin Amerika stark kritisiert habe. Wesentlich offener habe sich Professor Angel bon der Columbia-Universität geäußert. Amerika sei, so erklärte er, die Hauptursache für den Druck, der auf dem gesamten europäischen Zahlungssystem laste. Wirksame und dauernde Hilfe könne nur eine Rebision der interalliierten Schulden sowie eine Herabsetzung der Repa ra tl onsver- p f l i ch t u n g e n und der Zollmauern in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern bringen. Die Gesa l> reines allgemeinen Zusammenbruchs sei grost, wenn nicht die Vereinigten Staaten bon sich aus freiwillig Schritte ergreifen sollten, um den finanziellen Druck au erleichtern. Sir Iosuah D t a in p, der britische Ftnanzrnann, erklärte: Wenn die Goldfrage nicht gelöst wird, so werden wir alle in Europa bankerott gehen. Die Frage hänge hauptsächlich mit der Erhöhung des Goldwertes zusammen, wodurch die Regelung der internationalen Ver- psllchtungcn erschwert werde. Die Lasten seien biel gröster, als Vor einiger Zelt und hierdurch würde die Zahlung der Schulden ganz erheblich beeinflußt. Diese Frage könne nur durch eine energische Zusammenarbeit gelöst werden, Unglücklicherweise seien bleie Staaten noch nicht dazu bereit. Die Gemeindewahlen in Vaden. Karlsruhe, 17.Noo. (WTB ) Die Presse- fommentare zum Ausfall der badischen Gemeinde- Wahlen gehen einig In der Feststellung, dast sich durch den ft arten Einbruch der Ratio- nalsozialisten die Mehrheitsverhältnisse auf den Rathäusern vielerorts völlig verschoben haben, so in Karlsruhe, mo die Nationalsozialisten an die Stelle der Sozialdemokraten als stärkste Fraktion getreten sind. Die Kommunisten haben trotz relativen Stimmenzuwachses ihren Besitzstand nicht überall zu behaupten vermocht, dagegen in einigen Städten, a. D. in Mannheim, Karlsruhe und Freiburg, ein vis zwei Stadtvcrordnetenmandate gewinnen können. Die geringste Wahlbeteiligung halte mit etwa 64 Prozent die badische Landeshauptstadt auszuweifen, während aus dem Lande Wohlbetelligungszif- fern bis fast 90 Prozent gemeldet werden. Die Gewinnenden in diesem Wahlkampf sind fast auvschlicstlich die Nationalsozialisten und Gießener Konzeriverein. Zweites Konzert: Rosö'Qnartett. Fast gleichzeitig mit dem Beginn seines sympho- ntfchen Schaffens wendet sich Beethoven mit seinem Opus 18 dem Streichquartett zu. Bon Den sechs Quartetten in Obus 18 gilt das dritte in D Dur als das zuerst vollendete: ihm folgte dann das F-Dur-QuartetL Die ursprüngliche Fassung dieses Quartetts (Juni 1799) hatte Beethoven seinem Freunde, dem kurländischen Theologen Karl Ferdi- »and Amenda geschenkt. Aber schon ein Jahr später, als Opus 18 im Druck erschien, schrieb Beethoven an ihn: „Dein Quartett gib ja nicht weiter, well Ich es sehr umgeändert habe, Indem Ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weist, was Du schon sehen wirst, wenn Du sie erhalten wirst." Diese Worte mögen uns die Tatsache beweisen, dast Beelboven in der Zwischenzeit erst zu letzter Klar- hett in der Gestaltung des Streichquartetts gelangt war. Der erste Satz des I.Dur-Quartetts wird von einem sehr markanten STopfmotlo beherrscht, das die in ihm ruhenden Möglichkeiten durch den Verlauf des Satzes erschllestt. Dav folgende Adagio affet- tnoso cd appassionato weist in feiner geistigen Haltung weit vor In die Zukunft. Es Ist einer von jenen langsamen Moll-Sätzen, die über die Freude an musikalischer Gestaltung hinaus dem menschlichen Erleben In tiefer Vergeistigung Ausdruck gewähren. Eine Ucbcrlleferunfl, die ebenfalls auf den obenerwähnten Amenda zurückgeführt wird, mag diesen Satz besonders charakterisieren: „Als Beethoven sein bekanntes Streichquartett in F-Dur komponiert hatte, spielte er dem Freunde das herrllrt)e Adagio vor und fragte ihn Darauf, was er flch gedacht hcwe. Es hat mir, war die Antwort, den Abschied zweier Liebender geschildert. Wohl, entgegnete Beethoven, Ich habe nur Dabei Die Szene Im Grabgewölbe aus Romeo unD Julia geDacht " — Aus Dem Versinken In Der Welt Des Adagios führt das Scherzo hin zur Lebensbejahung; das Finale nimmt durch feine sprudelnde Lebhaftigkeit gefangen. Al« ein LebenSbekenntniS kann Schuberts Düstere« O-Moll-Quartett gelten, Da« In feinen hier Lätzen Da« Moll-Geschlecht nicht verläßt. D« ist ein überau« tressendes Deispiek für Den Stretchquartettstil Franz Schubert«, von einem ungeheuer starken dämonischen Impuls erfüllt und erhebt sich zu starker bramatifcher Kraft. Der zweite Satz knüpft an Schubert« Lied: „Der Tod und ha« Mädchen" an, vielmehr er legt Den Gesang De« Tode« einer Folge von Variationen zu- grunhe, Die Da« Thema In seiner schaurigen 11 n- erbitllichkeit und In leinte friedbollen TröstUchlelt j der Evangelische V o l k s d i e n st. Im allgemeinen haben infolge Der geringen Wahlbeteiligung alle Parteien gegenüber den letzten Reichstags- wählen einen Stimmenverlust zu verzeichnen, der sich am empfindlichsten bei den bürgerlichen Mittel- Parteien und den Deutschnationalen auswirkt. — Das Zentrum hat sich gut gehalten und konnte im Oberland an verschiedenen Plätzen seine Sitze in den Bürgerausschüssen erhöhen: ebenso war cs in der Lage, in Mannheim einen Sitz Im Bürgeraus- schust zu gewinnen. Auch die W i r t s ch a f t s v a r - tei hat im allgemeinen nicht ungünstig abgeschnlb ten, mit Ausnahme von Freiburg, wo sich die Zahl ihrer Sitze Im Bürgerauoschust von 14 auf 5 vermindert. Schwere Verluste haben zum Teil die Sozialdemokraten zu verzeichnen, so in Mannheim rund 10 000 Stimmen (fast 30 Prozent) und In Karlsruhe etwa 9000 Stimmen (über 40 Prozent) bei einer Verminderung der Stadtverord- nelensitze von 24 auf 18. Bessere Ergebnisse sind aber auf dem Lande festzustellen. Auch die Kom° m u nist en haben in Mannheim einen grasten Verlust zu beklagen (minus 12 000 Stimmen gleich 40 Prozent) und In Freiburg, wo sie fast die Hälfte Ihrer Stimmen elnbüstten, ferner In Karlsruhe, wo sie zwar einen Stimmenverlust von 30 Prozent auf= zuweilen haben, aber zwei Sitze gewinnen konnten. Die Nationalsozialisten kommen in Heidelberg ast an Die Stimmen bei Der Reichstaaswahl heran, währenD sie in Karlsruhe einen Rückgang um über 4000 Stimmen zu verzeichnen haben (17 Prozent). Der Kamps um die Erhöhung der Tabaksteuer. (Lin neuer Vorschlag des Tabalgewerbes. Der ReichsoerbanD Deutscher Zigarrenhersteller, Bezirksgruppe Hessen-Untersranken E. V., roenbet sich mit einem elngehenDen begrünbclen Vorschlag an Den Reichstag, Der unter Schonung Der ZI gar- renherftellung Der Regierung auf an De re Welse, nämlich Durch Besteuerung ber Mafchlnenlnbustrle im Tabakgewerbe bie beanspruchten Mittel zur Verfügung stellen will. Es helstt Darin: „Die Reichsregierung will bewusst Die Zigarren- inDuftrie zugunsten Der nur mit Maschinen arbel- teuben Grost-Kvnzerne ber Zigaretenlnbustrie zerschlagen, trotzbem Hunberttausenbe von Existenzen in Der Herstellung, Im Handel unD in Den 'lieben- gcroerben hierdurch brotlos werben, lieber 60 v. H. unserer Arbeiterschaft beflnbet sich In Den kleinsten LanDorten unter 2000 Einwohnern. Das heißt, es flobet sich für Hunderttauscnde von Arbeitern, Angestellten ufro. in ben ärmsten Gegenden fein Ver- Dienst mehr, nadjDem Die Grubenvetrlebe unD Der ec Teil Der übrigen Industrien schon jetzt still- i. Man will also alle die HunDerttausenbe von Menschen wirtschaftlich abwürgen, um Der Maschinen- tnbuftrie Der Zigarette weitere Chancen unD Gewinne zuzugestehen! Das Ist unter Den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen ein Irrsinn. Die Regierung nzust oas GelD bei Der Maschine holen! 1. Sie must Die Zigarette mehr belasten, 2. ste muh Die Stumpen mehr belasten unb 3. ste must Die Maschlnen-Zigarren mehr belasten! Verwaltungskosten entstehen hierbei nicht. Für alle MaschlnenproDukte roirD Die Schaffung einer anDerssarblgen BanDerole oorgeschlagen, Die für das Mille Stumpen 4 Mark, für bie Maschinenzigarren 6 Mark pro Mille mehr kostet. Die Zlga- retten-Banberole wäre so hoch zu erhöhen, baß bie 4-Pfennlg.Prelslaae = 5 Pf. unb bie 5-Pfennig- Prelslage 6 Pst pro Stück kostet. Diese geringe Erhöhung um je nur einen Pfennig würbe vom Zigarettenraucher gern getragen werben. Der Zigarrenraucher lehnt aber eine Erhöhung ber 10- Pfennlg-Preislage auf 15 Pf. unb 15-Pfennlg- Preislage auf 23 bis 25 Pf. ganz bestimmt ab. Die Regierung bringt nach unserem Vorschläge ganz Kr Die von ihr benötigten Mittel auf. Sie braucht liefern Falle Die Mittel- unb Klelninbustrie unserer Zlgarrenherstettung nicht zu ruinieren. Sie spart sich selber Die Kosten für Hunberttausenbe von Erwerbslosen unb bie Entschädigungen für bie ab- gewürgten Zigarrenfabrikanten. Sie erhält bann weiter Arbeit für rund 200 000 Menschen, Die sie sonst Doch unterstützen must. Wir forDcrn, Daß Die Reichsregierung weiter die Ausstellung auslänDischer Maschinen Durch Aus- länDer in unserer JnDustrle verhinDert, Durch welche deut.sche Arbeiter brotlos gemacht werben sollen. (Einen solchen Luxus können mir uns in unserem verarmten Deutschland nicht leisten. Zweite Lesung des Etats im Reichsrat. Oie Länder stimmen einer Kürzung der Lleberweisungen zu. — Oie Gehalts- lürzung der Beamten beginnt bereits am 1. Februar 1931 und endet auch zwei Monate früher. Berlin, 17. Rov. (WTB.) Unter Dem Vorsitz des Reichskanzlers verabschiedeten die vereinigten Ausschüsse Des Reichsratv in Der heutigen Rachmittagssihung In zweiter Lesung das Reichshaushaltsgesetz unD Den Haushaltsplan 1931. Rach schwierigen Verhandlungen erklärte sich die Reichsregierung elnoerftauDen, Den CänDern für Die Kürzung Der Ueberweisungen um 100 TU l H 1 o n e n Mark, die im Hinblick auf Die Einschränkung Des PersonalauswanDes In Der öffentlichen Verwaltung Der CänDer unD Gemeinden vorgesehen ist, einen Ausgleich zu gewähren. Jür einen Betrag von 50 Millionen Mark werden ihnen im Reichsbesitz befindliche Reichsbahnvorzugsaktien Übereignet. Die Tragung Der restlichen 50 Millionen Mark soll ihnen DaDurch ermöglicht werden, daß Die für Drei Jahre vorgesehene sechvprozentlge Gehaltskürzung Der Beamten schon mit Dem 1. Februar 19 3 1 beginnen unD DemenlsprechenD mit Dem 31.Januar 1 9 3 4 außer Kraft treten soll. Ab 1. Februar roirD Die Reich » hilfe Der Beamten auf Die Gehaltskürzung Der Beamten an- gerechnet. Die Tabak st euernovelle wurde im Reichsrat In zweiter Lesung angenommen, ofjntf Daß materielle AenDerungen oorgenommen wurden. Die Hauptstreitpunkte, Die hauptsächlich in Der Begünstigung Der Zigarette gegenüber ber Zigarre bestehen, sinD allerdings Dabei noch wie vor ungeklärt geblieben. Die Tabakssteuernovelle roirD Daher in Den Ausschüssen noch eine Dritte Lesung erfahren, die noch vor Donnerstag ftattfinDen sott. Zur (ErleDigung Der Tabaksteuernovelle erfahren wir noch, Daß Die von ber Regierung vorgeschlagenen Zollsätzeetwas herabgesetzt worben slnb. Der Finanzminister hat sich mit bleuen Beschlüssen elnoerftqnben erklärt. Strittig ist nur noch eine Frage, bie beshalb für bie brüte Lesung zurückgestellt worben ist. von einigen Länbern wirb im Hinblick auf bie neue starke Belastung ber Zigarre noch eine erhöhte Belüftung für bie Zigarette für notroenblg gehalten. lieber blefe Frage sollen bis zur briflen Lesung noch Verhandlungen ffaftfinben. Die Reichsralsausschüsse erlebigten ferner die brd Gesetze, bie bie Wohnungswirtschaft betreffen, ebenfalls in zweiter Lesung. Die von Preußen zum Wehretal gestellten Aenberungs- unb Kürzungsanlräge finb gegen bie preußischen Stimmen abgelehnt worben. Die Verhanblungen trugen roieber bas Gepräge eines großen Tages. Auster bem R e I ch s k a n , l e r, bem Reichs wehrmlni st er unb bem Reichsfinanzminister finb bie zustänbigen Minister bzw. Mlnlflerpräfibenten ber meisten £ ä n b e r wieder persönlich anwesend, u.a. der bayerische Minlsler- piäfibenl Held, ber württembergische Minister B o 13, ber badische Minister S chmibl, ber hessische Staalspräsibent Dr.Adelung, ber thüringische Minister B a u m , ber sächsische Minister- präfibenl Schleck unb ber braunsckyveigische Minister üüchenlhal. Man erblickt barin Das Bestreben, Die AusschustverhanDlungen auf jeDen Fall gemäfi dem Wunsch Der Reichsregierung so zu sör- Dern, Daß Die verabschieDung Der Gesetze unb Des Haushalts am Donnerstag erfolgen kann. Die persönliche Anwesenheit ber TRirriflet macht es möglich, strittige Fragen sofort zu bereinigen, für die sonst erst verzögernde Rückfragen erforberlich wären. Der Preissenkungsausschuß Des Reichskabineiis. Heranziehung der Städte. Berlin, 18. Rov. (ERB.) Der PreiSsen- kungsausschuß der Reichsregierung ist gestern nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers wieder zusammengetreten. Der Ausschuß will eine Lockerung der Kartellbindun- gen erzielen, wenn auch bisher Vorschläge, in; welcher Form dies geschehen konnte, noch nicht vorliegen. Die Durchführung des Gesamtpro- gramms wird noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Bei den gestrigen Beratungen war u. a. der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. Mulert zugegen. Gr wird auch an den weiteren Beratungen teilnehmen, weil sich die unbedingte Rotwendigleit herausgestellt hat, eine direkte Verbindung zu den Gemeindeverwaltungen herzustellen, um di« Beschlüsse des Preissenkungsbusschusse« auch in der Provinz durchzusehen. Der Deutsche- Städtetag wird einen besonderen PreiS- nachrichtendienst einrichten, um durch schnelle Feststellung jeder Aenderung des Preisniveaus die Verbraucher ständig auf dem Laufenden zu halten. Die Reichsbahn zur Preissenkung Um eine Ermäßigung der Gütertarife. Berlin, 17. Rov. (ERB.) Von der Verwaltung der Deutschen Reichsbahn wird rnitgeteilt: Die Öffentlichkeit fordert mit wachsendem Rachdruck auch eine Ermäßigung der Reichsbahngütertarife im Rahmen der allgemeinen Preissenkungsaktion der Reichsregierung. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß sich auch die Reichsregierung mit dieser Frage befaßt. Wie erinnerlich, hat der Reichsverkehrsminister bereits in diesem Frühjahr die von der Reichsbahn wiederholt geforderte Erhöhung der für die Wirtschaft besonders bedeutsamen Wagenladungstarife verhindert. Die schon damals schwierige Lage der Reichsbahn hat sich seitdem weiter verfchärft. Die sich aus den Reparationsleistungen, der B e f ö r d e- rungssteuer und der aus der Demobil- machungszeit stammenden gewaltigen Pen- s i o n s l a st ergebenden Gesamtbelastung beträgt 26 Prozent der Bruttoeinnahmen des laufenden Geschäftsjahres: sie geht erheblich über die Summen hinaus, die die deutschen Eisenbahnen in der Vorkriegszeit je herausgewirtschaftet haben. Ist die Reichsbahn nicht In der Lage, ihre Reparationsverpflichtungen und die Dividenden für die Vorzugsaktien zu zahlen, erschließen. Gerade diese Variationen haben diesem opus eine besondere Volkstümlichkeit gesichert. Romantisches, feinnerviges Musikerleben kündet Schum annsStreichauartett op. 41; Rr. 1 (A-QUolI). Sein Quartettstil Ist in seiner Haupt- domäne, der Klavierkomposition, begründet. Die Wesensart seines Schassens ließ ihn nicht zu jener straffen Konzentration im Ausbau gelangen, wie wir fte bet den Klassikern bewundern. Seine Thematik besteht tocnlaer in der sog. „durchbrochenen" Arbeit, in einem Aus- und Ihn teerten und Reu- geftalten des motivischen Materials, als vielmehr in der Wiederholung motivischer Gruppen. So getetnnen auch seine Durchführungen eine von der klassischen Art abweichende Struktur. DaS Fluten der Gmpsindungskraft gibt seinen Quartetten den Lebensnerv. Wenngleich seine drei Quartette seinem Freunde Felix Mendelssohn-Bartholdy au- flcclgnet sind, so bedeutet da« nicht ein Verlassen^ seiner persönlichen SchafsenSctgenart, sondern diese Quartette geben ein Bild von seiner impulsiven Ursprünglichkeit, die sich dem augenblicklichen mu- tkalischen Erlebnis völlig hingibt und darin auf- teht. Der erste Satz, au dem eine thematisch ge- ugte Einleitung hinführt, zeigt eine besondere, Frische. Eigenartig ist das Scherzo mit seiner hastenden Dämonik. Da« Adagio ist erfüllt von Kantabilität. Da« schwungvolle Presto gewinnt in einem visionären Moderatotetl einen Ruhepunkt, au« dem die Toda voller Klangsreude sich erhebt. Aus die hohe K'langkultur de« Rosöquar- t e t t « und aus die ausgeprägte Individualität In der Besetzung der einzelnen Instrumente konnte schon im Vorjahre gebührend hlngewtesen werden. Mit Freuden kann e« begrüßt teerben, daß Prof. Buxbaum, der schon so lange Jahre der Vereinigung angehört hatte und bann für einige Zelt au«geschseden war, nun wieder an seinen allen Platz getreten ist: denn in ibm müssen wir einen der allerersten Quartettcellospieler erkennen. DaS Beethovenquartett wurde namentlich im Adagio in aller Feinheit de« Ausbaus in seiner hehren Größe erschlossen. Hier tote auch in dem langsamen Satz de« Schumann-Quartetle« erklang die Kantilene in Tonschönhett und edler Musikalität. Da« Kopfmottv de« DeethvvenquartettS erschien aber durch eine zu leichte Behandlung der letzten beiden Achtel im ersten Takt nicht markant genug In Anbetracht der führenden Bedeutung, die e« Im Verlauf de« ganzen SatzeS gewinnt: e^nso hätten bie llnlcrftImmen am ^chl"ß de« Scherzo« deutlicher heraustreten tonne,ii, Für das Schumann-Quartett wäre mehr lieber* sichtllchkeit, Artikuliertheit der melodischen Linhe erwünscht gewesen, denn die Bindebogen be- beuten doch Wohl Abschnitte, die fürs Ohr wahrnehmbar sein müssen. Das Drängende, das sich in der dynamischen Steigerung in der Scherzoeinleitung ausprägt, kam nicht zur Geltung, weil die Sechzehntelanfätze in gleicher Tonstärke gegeben wurden, statt sie, wie es Schumann vor- fchrelbt, au« dem Plano herauswachsen zu lassen. Die Sforzando-Septimen-Rufe der Bratsche traten nicht, der ihnen vom Komponisten gegebenen Bedeutung entsprechend, genügend hervor. Es ergab sich somit das gleiche Bild wie im Vorjahre, daß nicht alle Werke gleichmäßig durchstudiert erschienen. Denn zu welchen Offenbarungen das Rose- Quartett fähig ist, da« bewies die Durchgestal- tung des Schubert-Quartetts, wo dem Willen des Komponisten bis zur feinsten leisesten Regung gefolgt wurde, wo das Werk in einer Größe und Schönheit erstand, wie man es sich nicht idealer denken könnte, so daß das Haus noch lange unter der Wirkung dieses Eindruckes stand. Dr. H. Mexikanisches HeldengeDichi. Von Hans Meban. \ In Mexiko scherzt man nicht. In Mexiko macht man nicht gute Miene zum bösen Spiel. In Mexiko sitzt das Messer locker, und der Browning guckt au« der Hosentasche. „Ich kann heute abend nicht zu dir kommen", sagte Alberte, „ich habe was Besonderes vor." „Das trifft sich ausgezeichnet", lachte Cäsa^, „ich habe auch etwa« Besonderes vor. Ich gehe zu meiner Braut." „Tch", hob Alberte den Kopf, „du bist verlobt?" „Richt gerade verlobt", murmelte Cäsar, „aber so ungefähr." „Ein merkwürdiges Zusammentreffen", sagte Alberte, „auch ich gehe heute abend nicht zu meiner Braut, aber so ungefähr..." Sie trennten sich. Abends um acht Uhr prallten sie auf der Straße zusammen. „Ich gebe zur Plaza Mayor", sagte Alberte. „Ich gehe auch zur Plaza Mayor", zog Cäsar die Augenbrauen hoch. „Dann gehen wir zusammen." Sie gingen zusammen. Bor dem Hause Plaza Mayor Rr. 7 blieb G-äJar stehew »Hier ist to", jagte er blickte auf eine kleine Porzellantafel. „Pellegrini" stand da. „Auch ich will in dieses Haus", keuchte Alberte, und seine Fäuste ballten sich. Cäsar griff in die Tasche. „Sie ist blond, klein und hat graue Augen." „Ganz recht", flüsterte Alberte, unb seine Stimme klang wie zitternder Stahl. „Sie ist blond, klein unb hat graue Augen." Dann knallten — fast gleichzeitig — die beiden Schüsse. Am nächsten Tag — im Spital — saß Lu- krezia Pellegrini, blond, klein und mit grauen Augen, auf einem Stuhl neben einem Bett, und wenige Meter von ihr entfernt saß ein Mädchen, auch auf einem Stuhl, auch neben einem Bett, gerade so klein, blond unb mit grauen Augen. Das war Isabella, ihre Schwester. Konsul Olafsons „Oienft am Volkes In einem Wiener Tonfilmatelier kam man während der Aufnahme zu einem Schteedenfilm in größte Verlegenheit: in einer Szene, die die Verhaftung eines ausländischen Schmuggler« durch einen schwedischen Polizeibeamten bringt, mußte der Vertreter der Staatsgewalt einige Worte auf schwedisch sagen. Die Suche nach einem schwedisch sprechenden Schauspieler im Studio blieb ergebnislos: man fand keinen einzigen Rordländer. Da wandte sich der Aufnahmeleiter an das schwedische Konsulat unb bat um Ramhaftmachung eines womöglich arbeitslosen Schweden, dem die paar Schillinge auf die Beine geholfen hätten, nachdem er selbst der Szene auf die Beine geholfen ... Diesmal war das Konsulat ratlos: man höre und staune, in ganz Wien trieb sich kein Arbeitsloser schwedi- cher Rationalität herum! Zum Glück sind aber >ie Schweden hundertprozentige Filmfreunde, unb o ließ ber Konsul Olafson bie Direktion wissen, baf) er die Rolle persönlich übernehmen würde. Gr erschien auch prompt im Atelier und brachte sogar (als Reserveoffizier) einen schmucken Waffenrock mit. Im Handumdrehen war die kleine Rolle ungeschrieben: kein Polizist, sondern ein „richtiger" Offizier der Grenzwache hatte den Schmuggler zu ertappen. „Im Ramen des Königreichs!", ertönte die Stimme des opferfreudigen Diplomaten in einwandfreiem Befehlstone-- bie Aufnahme toat in Bild und Ton ausgezeichnet gelungen. Man kann gespannt sein, ob Exzellenz Olafson einen Orden für seinen gewiß nicht alUäglichen „Dienst gm Vaterlands" belommt so trifft die- das "Reich. Alle diese Umstände müssen bei der Prüfung der Möglichkeit einer Tarifermäßigung sehr sorgfältig abgewogen werden. Bei dem Nachdruck, mit dem die ReichS- regierung die Preissenkung im 3^*yrcffe der Wirtschaft verfolgt, darf die Oeffentlichkeit überzeugt sein, bah kein Weg unversucht bleiben wird, um ein für die Allgemeinheit und auch für die Reichsbahn annehmbares Ergebnis zustande zubringen. Die Indienkonferenz. Die Forderungen der indischen Fürsten. London, 17. Nov. (TU.) Die englisch-indische Konferenz tritt am Montag zu ihrer ersten Sitzung zusammen, um das Arbeit-Programm festzustellen. Di« indischen Fürsten sind, soweit die Nachrichten erkennen lassen, bereit, sich einem allindischen Bund unter folgenden Vorbehalten anzuschliehen: 1. Der Dizeköniy in Indien soll der Vertreter des Königs bletben: 2. alle dynastischen Fragen wie Thronfolgerheirat ustz>. bleiben ihnen selbst Vorbehalten, und die Bundesregierung soll keinen Einfluß auf sie haben; 3. sie wollen Einnahme-Anteil an allen öffentlichen Diensten haben, wie Eisenbahn Kanäle usw. in Britisch-Indien und den indischen Staaten; 4. die Armee soll unter der Oberleitung des Dizekönigs verbleiben, der die Truppen der indischen Staaten je nach Notwendigkeit verwenden kann; 5. die bestehenden Verträge mit der Krone sollen in Kraft bleiben und nicht in neue Abmachungen mit der allindischen Regierung umgeändert werden; 6. die bisherigen Vollmachten des Dize- kvnigS für gewisse Dinge, wie z.D. Mißwirtschaft in den Staaten, sollen an den Fürsten- r a t übergehen. Die Fürsten sind bereit, die Frage der Grenzverteidigung als «irre Frage deS englischen Weltreiches anzuerkennen. DaS Problem der zentralen gesetzgebenden Gewalt ist noch nicht erörtert worden. Die Fürsten sind in den obengenannten Punkten einmütig mit Ausnahme des Nizam von Hai- derabad. Die Hinduführer sollen sich damit «in* verstanden erklärt haben, die Nordwestgrenz« und daS Punjabgebiet als vorwiegend mohammedanisch anzuerkennen und daS Sind- gebiet von der Provinz Bombay abzutrennen. Die Frage der mohammedanischen Mehrheit in Bengalen wurde noch nicht besprochen. Sie soll der Entscheidung des Aga Khan überlassen bleiben. Aus aller Wett. Do» Rheinland-Album wird dem Reichspräsidenten überreicht. Reichspräsident von Hindenburg empfing den Vorsitzenden des Deutschen Luftfahrt- verbandeS, Staatsminister a. D. Dr. Domini- c u S. und nahm aus dessen Händen das Album entgegen, das die Grüße der deutschen Städte an daSbefreiteRhelnland aus Anlaß deS vom Deutschen Luftfahrtverband veranstalteten Rheinlandbesreiungslluges entkält.Der Herr Reichspräsident bat Herrn Domini- cuS, den Veranstaltern und Förderern dieses Fluges seinen Dank für die dem befreiten Rheinland erwiesene Anteilnahme zu übermitteln und brachte bei dieser Gelegenheit lein persönliches lebhaftes Interesse für den deutschen Flugsport zum Ausdruck. Lin Lehrgut für Reichrwehrsoldalen. Das Wehrkreiskommando Stettin hat das 750 Morgen großen Gut Grammen im vorpornrner- schen Kreise Franzburg-Barth angekauft, um es als Lehrgut für Reichswehrsoldaten zu verwenden, die nach ihrer Entlassung zur Landwirtschaft übergehen wollen. Vie Aufräumungsarbeiten in Lyon. Unter den Trümmern der eingestürzten Gebäude liegen noch dieLeichenvoncinemFeuer- Wehroffizier, zwölf Feuerwehrleuten, einem Polizeioffizier und drei Polizeibeamten sowie schätzungsweise zehn Bewohnern. 200 Personen sind obdachlos. Montagvormittag geriet von neuem eine Grdmasse in- Rutschen, ohne daß neues Unheil entstand. Nach Bergung der Leichen dürfte es noch Wochen bauern, ehe die Unglucksstätte wieder aufgeräumt ist. Der Ozeanflieger Levine verhaftet. Der Ozeanflieger Levine ist in der Nacht zum Montag auf dem Semmering unter Beschuldigung der Fälschung französischer Münzen verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte auf Grund der Anzeige eines Graveurs, bei dem Levine Stempel bestellt hatte, von denen er behauptet, daß sie zur Herstellung von Fliegermedaillen dienen sollten. Am Montagfrüh wurde Levine von Kriminalbeamten nach Wien gebracht. Die Wiener Polizei hat es vermieden, die Angelegenheit bekanntzugeben, da keine greifbaren Beweise für ein Verschulden Levincs vorliegen und sie von vornherein damit rechnete, daß Levine wieder auf freien Fuß zu fetzen wäre. 1 Ein französisches Min-Lustschiff abgestürzt Paris, 17. Nov. (WTB) Das französische Marineluftschiff „V. 10", das aufgestiegen war, um das deutsche Flugschiff „Do. X" zu empfangen, ist in der Nähe von Rochefort infolge Gasverlustes abgestürzt. Die Besatzung konnte sich durch Absprung retten. Das Luftschiff war 60 Meter lang und hatte einen Inhalt von 3500 Kubikmeter. Dr. Dornier hat dem Befehlshaber der französischen Marinestation Rochefort ein Telegramm gesandt, in dem er sein Beileid zu dem Absturz des Marineluftfchiffes zum Ausdruck gebracht hat. „V. 10“ war aufgestiegen, um nach dem „Do. X“ zu forschen, von dem man keine Nachricht hatte. Do X auf seinem Landeplatz bei La Rochelle vor dem Start nach Bordeaux. -—. Wie vom Sonderberichterstatter des WTD. berichtet wird^ hatten sich auf Einladung der Dor- nierwerke Vertreter des französischen Luftfahrtministeriums, des Marineministeriums sowie Vertreter der deutschen und Pariser Presse nach Dor- deaur begeben, um das Flugschiff Do X zu besichtigen. Als der Zug um 9.30 Uhr in Bläh einlief, konnte man von ihm aus bereits die aus dem Nebel auftauchende gespenstisch anmutende Form des Riesenflugschiffes bemevken. Es hatte bereits gwei Motoren angeworfen und harrte Der Fluggäste, die in zwei aufeinan- derfolgend-en Gruppen von je 50 Personen sich in bereit liegenden Barkassen an Bord begaben und während eines 10 Minuten dauernden Rundfluges um das Gironde-Delta bzw. von der Landungsbrücke aus die Sicherheit und Eleganz des Do X in allen Manöverbewegungen zu verfolgen in der Lage waren. Besonder« Aufmerksamkeit und Bewunderung erregte d i e unglaublich kurze Startzeit von 43 Sekunden, die der Apparat brauchte, um unter Ausnutzung seiner zwölf Motoren aufzusteigen. Vom Ufer aus beobachtete eine zahlreiche Menge unter Ausrufen der Bewunderung und des Entzückens die einzelnen Bewegungen des Riesenapparates. Allenthalben war man des Lobes voll und nicht ein einziges Wort war zu vernehmen, das irgendwie in den Rahmen dessen fiel, was einige deutsch-feindliche Pariser Blätter durch wichtige Überschriften zu insinuieren versuchten. Der Empfang, den Dr. Dornier und das Flugschiff in Bordeaux gefunden haben, ist überaus herzlich gewesen. Gestern hat halb Bordeaux dem Flugschiff, wenn auch nur aus der Ferne, einen Besuch abgestattet. Dornier beabsichtigt, grundsätzlich den Flug nach Amerika über Lissabon und die Azoren durchzuführen, falls es die Witterungsbedingungen gestatten. Man verhehlt sich jedoch nicht, daß die IahreSzeit, die dafür gewählt ist, sehr u n g ü n st i g für ein derartiges Unternehmen ist. Zweimal zum Tode verurteilt. Das Breslauer Schwurgericht verurteilte den 29jährigen Hausdiener Schiewek wegen Mordes in zwei Fällen zweimal zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Schiewek hatte im Ianuor 1928 die Prostituierte Marie Kristen aus Breslau und im Februar 1930 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau auf bestialische Weise getötet. Da es sich um z w e i L u st m v r d e handelte, wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Lin Antifafchiftenprozeß in Lugano. In Lugano begann der Prozeß gegen den italienischen Flieger Bassanesi und seine sieben Mitangeklagten, die Bassanesi bei der Vorbereitung und Ausführung des Fluges Paris—Genf—Tessin—Mailand am 9. bis 11. Iuli geholfen haben. Im Namen des antifaschistischen Komitees für Gerechtigkeit und Freiheit wurden am 11. Iuli mittags Flugblätter über Mailand abgeworfen. Bassanesi ist dann auf dem Rückfluge über dem S t. Gotthard abgestürzt. Unter den Mitangeklagten befinden sich u. a. der Friedensrichter Carlo M a r t i g n o l i von Lodrino in Tessin, auf dessen Wiese Bassanesi vorschriftswidrig gelandet ist sowie der frühere Chefredakteur des „©ordere della Sera", A.Tar- chiani. und der Iournalist Carlo Ros seit. beide in Pads wohnhaft. Letzterer, der Professor an der Universität Florenz war, half dem Sozialistenführer Turati 1926 zur Flucht nach Corsica und entfloh selbst 1928 von der Verbannung auf Lipad nach Afdka. Schließlich ist auch angeklagt der Direktor der Pariser Zeitung „L'Avion", Gustave Brabant, der mit Bassanesi bis Lodrino floh und von hier aus mit der Eisenbahn und mit dem Gepäck Dassanesis nach Paris zurückreiste. Die Bundesanwaltschaft hat von einer Anklage wegen Verletzung fremben Gebietes und wegen Verübung einer völkerrechtswiddgen Handlung abgesehen. 7Der Flieger hat sich nur wegen Ve rletzung der Luftverkehrsordnung der Schweiz zu verantwoden. Bassanesi wird verteidigt durch den Pariser Rechtsanwalt Moro-Giafferi, der am Sonntagnachmittag zusammen mit Tarchiani und dem Ehepaar Rosselli in Lugano eintraf und von der Menge mit Evviva-Rufen empfangen wurde. Als Entlastungszeugen find u. a. die bekannten italienischem Politivrr Graf Sforza und der Sozialistenführer Turati geladen. Die Vernehmung Dassanesis ergab keinerlei neue Momente. Er bemühte sich offensichtlich, seine Mithelfer zu schützen und verweigerte beharrlich, Angaben über den unbekannten Mithelfer, sowie darüber zu machen, woher die Flugblätter stammten und wo er sie an Bord des Flugzeuges genommen hatte. Bassanesi lehnte e- auch ab, sich darüber au äußern, wohin er mit feinem Flugzeug geflogen war, nachdem er daS Schweizer Gebiet verlassen hatte und ob er wirklich bis Mailand gekommen war. Odfunbe in Pommern. Auf dem Gute de» Grafen Behr in Bu » dors in Pommern, auf dem bereits feit längerer Zeit nach Del gebohrt wird, haben sich jetzt D elf pur en gezeigt. Es erfolgten dauernd Erdausbruche. Die zutage aeförberten Stoffe sollen in den nächsten Tagen untersucht werden. Man hofft, aus ein abbaufähige» Dellager zu stoßen. Die Wetterlage. 10 o MS Uai M ulln1 Paris G Clcrmöl M Tfwsnavn*^?? ■ *4- )$io Oworxemoi <3 netter. seh» Wehte» Ost oassiov SOdsoawcsi q stürmische» eordwc* Ole Piene fliegen mn dem winde Pie oa den Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Ole Linien verbinden Orte mil.gleich«* «trtMeczesniveau omgerechnetee Luftdruck Wettervoraussage Der hohe Druck hat sich mehr nach dem Festland» konzentriert und beherrscht infolgedessen unsere Wet- terlage. Unter dem Einfluß der absinkenden Luft- massen bleibt vorerst das meist klare Wetter erhalten, so daß der Frost standhält und sich sogar noch etwas verschärfen dürfte. Bon Westen yer sind jedoch die Anzeichen einer späteren Umgestaltung der Wetter- läge bereits vorhanden, denn Warmluft verursacht im Bereich der britischen Inseln erneut Barometerfall und Niederschläge. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer des Frostwetters, stellenweise neblig und bewölkt, sonst meist heiter und klar. Aussichten f ü r Donnerstag. Rückgang des Frostes und Witterungsumschlag wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 17. November: mittags 3,8 Grad Celsius, abends 2,5 Grad; am 18. November: morgens —1,4 Grad. Maximum 3,9 Grad, Minimum — 2 Grad. — Erdtcmperaturcn in 10 cm liefe am 17. November: abends 2,8 Grad; am 18. Novcm- der: morgens 2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 5 Stunden. — Niederschläge 1,1 mm. Der Kaffee rollt zur Bahnstation. Nicht überall sind die Weg« für Autos fahrbar. Oft leistet der primitive Ochsenkarren dem Fatendelro, dem Farmer, wertvolle Dienste, besonders auf den Gebirgspflanzungen, wo die wertvollen Hoch- gewächse geerntet werden. Für Kaffee Hag, den coffeinfreien, echten Bohnenkaffee, werden allerfeinste, auserlesene Hoch- gewichse verwendet. Daher der unübertreffliche, feine Geschmack des Kaffee Hag, der jeden Kenner begeistert Dabei Ist Kaffee Hag frei von Coffein und vollkommen unschädlich. Auch Kindern darf man Ihn unbedenklich geben. Mehr Genuß und gute Gesundheit durch Kaffee Hag. Sparen an Jacht: Ist Sp **LAMDEN $ i -geben jKM&teö £icht । Je feiner die Arbeit, desto besser muß das Licht sein. Darum sollte niemand an lebensnotwendigen Dingen, zu denen das Licht gehört, sparen, denn schlechte Beleuchtung schadet dem Auge und erschwert jede Arbeit. Lichteinschränkung ist kein vernünftiges Sparen. Jeder Elektro-Lichtfachmann liefert Ihnen die für Sie notwendige Arbeitsplatzbeleuchtung. Die 0Ppo ten Deut arbe eine tonn Par! Äeg! beste beiis lichte ob n wickel dem lenz Por.'c sans übchl Amp joidlv Konz Hebe Veni Rett heut ber.k iyt) Deu liche tiger lung die Wied flcge die, Volii Tor D pvli! dies oebi< drin, ousg pvlit dräu zu l< wäh fein untc öuß« eine» dos Scut Die£ M)n < Rechi einen lung fich goto dies, fie Pun Eng Dni die ®c6: ober und mehr ersah die „ ettDQi .Sa tch n Durc neu am anto teilt Par Vego doh! lonöf ger i wird, Probt bleibt Am Sinne in bei tung Stabi unb( in ur tvvrd> geblil nerS gibt i Mcrs, .Frühi 'n feir Uge Men }we D M Uf Am S &• $. Mn ">k> l| Empfehlungen | 78130 erfüllen. Gießen (Weserstr. 18), den 18. Nov. 1930. 07142 7821 D ab Mk. 1.50 07143 Die trauernden Hinterbliebenen. 7822D Alten-Buseck, Seligenstadt, Mainz, Weimar, den 16. November 1930. auf dem Oswaldsgarten 0/111 Versteigerung bestimmt. 78310 Martin Brackeisberg eingesehen werden. 78320 entscheidet! zusenden. 78190 6994 D 7824 0 Brückmann. 2 3 4 5 6 7 Buchen, Kiefern, Eichen, Fichten, Eimen, Kiefern, ca. 80 Stück schw. 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Der Komplex iwrb zusammen, sowie auch in drei und noch mehrerenTetlen auSqeboten, evtl, auch ohne die daraussiehenden Hallen und Maschinen. , Die Bedingungen werden in dem Termin bekanntgegeben, sind aber auch schon vorher bei demUnterzeichnetenzuerfahren Friedrich Neubau*, Immobilien bilro, Wetzlar, Am Dom, Telephon 2442. Der Käufer bleibt 8 Tage vom Tage des EröffnungötcrminS an gerechnet an fein Gebot gebunden und muß fick verpflichten, mit einem Mehr- oder Minderanfall einverstanden zu fein. Der Zuschlag bleibt der Gemeindevertretung Vorbehalten. Der Kaufpreis ist vor der Abfuhr in 3 Raten, und zwar ein Drittel bei Erteilung des Zuschlages, ein Drittel am 1.4.31 und ein Drittel am 30. 6. 31, zu zahlen. Angebote auf einzelne Lofe ober die Gefamtmenge sind bis zu dem am Montag, dem 1. Dezember 1930, nachmittags 3 Nhr, im Dienstzimmer des Gemeinde- Vorstehers stattsindcndcn ErüffnungStermin bei dem Unterzeichneten cinzureichcn. Atzbach, den 13. November 1930. Der Gemeindevorsteher: Holzsubmission. Aus dem Gemeindewald Launebach. Kreis Wetzlar, sollen, falls annehmbare Angebote eingehen, geschlagen werden: Los 1: Zirka 50 km Fichten Klasse la, 1b, 2a, 2b, 3a (meist Klasse 1b und 2a). Der Käufer bleibt acht Tage, vom Tage des Erösfnungstermlns an gerechnet, an fein Gebot gebunden und must sich verpflichten, mit einem Mehr, ober Minder- ansall einverstanden zu sein. Der Zuschlag bleibt der Gemeindevertretung vorbehalten. Der Kaufpreis ist vor der Absuhr in drei Raten, und zwar % bei Erteilung des Zuschlags, Va am 1. April 1931 und % am 30. Juni 1931 zu zahlen. 7815D Angebote auf einzelne Lose oder die Gesamtmenge sind bis zu dem am Mittwoch, dem 3. Dezember 1930, vormittags 11 Uhr, im Dienftzimmer des Gemeindevorstehers endenden Eröffnungstermin bei dem zeichneten einzureichen. Launsbach, den 13. November 1930. Der Gemeindevorsteher, Pfaff. Beitrieb von Schafen. 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November, Oott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine innlgstgellebte Frau, unsere unvergeßliche, treusorgende Mutter, meine Hebe Schwester, unsere Hebe Schwägerin und Gote , Frau Maria Wagner, geh. Wagner nach kurzem schweren, in großer Geduld getragenem Leiden, im 49. Lebensjahre zu sich In die stille Ewigkeit abzurufen. In tiefstem Schmerz: Heinrich Wagner II und Kinder Oroben-Buseck, den 17. November 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. November, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause Weidengasse aus statt. [Stellengesuche Ich suche für eine in jeder Weise tüchtige junge Frau, die ich nicht mehr voll beschäftigen kann, Stellung im haushalt od. »um Putzen für einige Stunden pro Tag. Krankenkasse zahle ich. Schr.Ang. u.07131 a. d.Gst.Anz. | Verkäufe | Zwei erstklassige Simmentaler Meli-Buhen stehen zum Berkaus. Kl ter 15 Monate. 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Unter dieser Ueberschrift schreibt der „D e u t s ch e n - S p i e g e t". eine Zeitschrift, die den Kreisen des Reichsbürgerrats um Staatsminister v. Loebett nahesteht und sich seinerzeit für die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten besonders energisch eingesetzt hat: I. Die Wechselbeziehungen zwischen Regierung und Opposition, die in anderen demokratischen ©.aalen der Form den Inhalt geben, haben in Deutschland keine fruchtbare politische Zusammenarbeit ermöglicht. Wir haben noch nicht einmal eine echte parlamentarische Opposition entwickeln können, d. h. eine Partei oder eine Gruppe von Parteien, die gewillt und in der Lage ist, dir Regierung zu übernehmen, um im Rahmen eines bestehenden und feststehenden Systems ihr Arbeitsprogramm zu erfüllen. Das System selbst ist bei uns noch umkämpft. Untere gesamten politischen Auseinandersetzungen gehen in Wirk- lichlett immer noch und einzig und allein darum, ob man das zur Zeit herrschende System entwickeln kaün oder ob man es stürzen muh. An dem bisherigen Zustand parteipolitischer Impotenz fosthalten will eigentlich nur noch die eine Partei, die im heutigen Deutschland die Reaktion sans phrase vertritt, die Sozialdemokratie. Alle übtfgcn Parteien streiten sich nur über das 2>empo, das Ausmah und die Richtung der Ent« >oidlung. Dah Deutschland zu einer stärkeren Konzentration seiner politischen Kräfte, zur Uebcrtoinbung der Parteiwirtschaft, zur Stabili- ficrung der Macht des Reichspräsidenten und der Reichsregierung gelangen muh, das kann man heute von Hitler und von Brüning, von Hugen- ber.g und von Treviranus, von Graf Westarp uub von Dietrich hören. Aber wie immer in Deutschland: Ie näher man sich bei den sachlichen Auseinandersetzungen kommt, um so heftiger tobt der Streit darum, wer die Entwicklung durchführen soll. Am grimmigsten kämpfen die „Hundertprozentigen", und das find immer wieder die, die nicht an der Macht beteiligt sind, gegen die „Fünfundsiebzigprozentigen", das sind die, die an der Macht sitzen und aus reaL- politischen Gründen sich mit einem schrittweisen Borgehen begnügen müssen. Die Regierung Brüning muh heute auhen- politisch neue Wege beschreiten. Richt nur, weil dies die Opposition mit vollem Recht immer aebieterischer fordert, sondern weil jetzt auch dringende sachliche Gründe dafür sprechen, das ausgefahrene Geleise der reinen Völkerbunds- Politik zu verlassen. Die nationale Opposition drängt jet)t stürmisch daraus hin, neue Tatsachen zu schassen und selbst einen Bruch nicht zu scheuen, während die Reichsregierung in vollem Bewußtsein der auf ihr lastenden Verantwortung und unter nüchterner Abschätzung aller inneren und äußeren Kräfte danach strebt, durch die Fügung eines Steinchens an das andere allmählich wieder das Gebäude eines neuen freien und geachteten Deutschen Reiches zu errichten. Mit Recht kann die Opposition auf die ständig wachsende Anzahl von Stimmen im Auslande Hinweisen, die das Recht Deutschlands auf Wiederaufrüstung bei einem Scheitern der Genfer Abrüstungsverhandlungen betonen. Mit noch größerem Recht hält sich aber die Reichsregierung für verpflichtet, gewissenhaft zu prüfen, welche Kräfte und Motive diese Auslandstimmen veranlaßt haben, ob für sie nicht etwa nur egoistische taktische Gesichtspunkte maßgebend sind, ob die Presse in Italien, England und Amerika damit nicht nur einen Druck aus Frankreich ausüben will, um von ihm die Zugeständnisse auf dem rüstungspolitischen Gebiet zu erlangen, die sie selbst benötigen, die aber unsere rüstungspolitischen Bedürfnisse nie und nimmer befriedigen können. Wir haben in mehr als zehnjähriger bitterer Leidensgeschichte erfahren, daß das Volk betrogen ist, das auf die „wachsende Weltvernunft" und das „toieber- erwachende Weltgewissen" vertraut. Bis jetzt haben wir solche Irrlehre immer nur von den Linkskreisen predigen Horen. Ietzt bekennen sich auf einmal auch die Rechtskreise zu dieser Lehre und wollen dem Volke weisrnachen, daß wir jetzt nur gewissermaßen ein leeres Schlachtfeld in Dösitz zu nehmen brauchten. Wenn wir aber wirklich einmal Anstalten dazu machen, unser Recht auf Aufrüstung durchzufetzen, bann sehen wir. wie schnell sich auch heute noch die nut? langsam zerfallende Front der anderen wieder zusammenschlieht. Wenn wir dies einmal ganz irüchtern aus- sprechen, so wissen wir, daß uns bas der Gesahr ausseht, mißverstanden zu werden. Wir sind keine „Schwarzseher" und laurnacher" und lehnen es auch ab, eine Poli ik der Nachgiebigkeit in Rüstungsfragen zu be ürtoorten. Aber wir halten es auch für keine nationale Politik, die Augen vor den Schwierigkeiten zu verschließen und eine Regierung deshalb anzutlagen, weil diese nicht sofort mit Hurra schreit, sondern erst nüchtern feststellt, ob dazu überhaupt eine Veranlassung gegeben ist. Es ist merkwürdig, daß man das gerade denjenigen gegenüber sagen muß, die selbst immer wieder und mit vollem Recht betonen, daß die Macht in den Beziehur en der Staaten untereinander den Ausschlag gibt. Die Macht ist vorläufig immer noch auf der anderen Seite. Allerdings mag es richtig sein, daß sich in den Völkern ein Stimmungsumschwung vollzieht. Aber dieser muß von uns sehr pfleglich behandelt werden, wenn er zu einem auswertbaren politischen Faktor reifen soll. Denn zuletzt geben doch immer nur die Staaten den Ausschlag, Unb in den Staaten unserer früheren Kriegsgegner herrscht uns gegenüber nach wie vor eine eiskalte Zurückhaltung und Feindschaft. Die sogenannte öffentliche Meinung — so wichtig sie namentlich in den angelsächsischen Ländern sein mag — hat gegenüber dein starken Willen eines Staates nur eine sehr beschränkte Bedeutung. Bei Kriegsausbruch haben sich alle übrigen Völker, genau wie das deutsche, begeistert in den Dienst der Kriegsidee gestellt, obwohl es überall genügend Pazifisten gab. die alle Welt glauben zu machen versuchten, alle Staaten, und ganz besonders Frankreich, seien bereits pazifistisch so durchsetzt, dah sie überhaupt keinen Krieg mehr führen konnten. Ieder, der in einer bestimmten Idee lebt und für sie begeistert kämpft, verfällt der Gefahr, allzu egozentrisch zu werden und alles unter einem einzigen Gesichtspunkt zu sehen. In der Außenpolitik muh aber alles von allen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Sie verlangt eine zähe Energie, die mit Anpassungsfähigkeit und Verschlagenheit gepaart ist. Dies verlangt ganz besonders die Außenpolitik eines Staates, der auf Grund seiner sich erst allmählich wieder sammelnden Volkskräfte den Versuch unternimmt, sich den ihm zukommenden Platz unter den Völkern wieder zurückzuerobern, von dem es eine Weltliga von Feinden in langjährigen blutigen Kämpfen mit Mühe und Rot vertrieben hat. Dazu gehört ein Mann, der unverrückbar das Ziel der Macht und der Freiheit im Auge hat. Ob Dr. Curtius dieser Mann ist, das ist eine ganz andere Frage. Auch die schärfsten Angriffe auf den Außenminister können aber nicht darüber Hinwegtäuschen, daß die nationale Opposition in den jüngsten Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses noch keinen Beweis dafür geliefert hat, daß sie selbst das nötige Augenmaß für das besitzt, was jetzt notwendig und erreichbar ist. sSchluß folgt.) Preissenkungsaktion in Bad-Nauheim. — Bad-R anheim, 17. Rov. Schon bevor die Preis'enkungsaktion der ReichZregieruna eingesetzt bät e, hat der Vorstand des hiesigen Einzelhandels in der Frage derPreisherab- sehung die Initiative ergriffen, indem er mit den Innungen und Fachgruppen in Verhandlungen über diese Frage eingetreten war. Seine Anregung. über die Senkung des Gestehungspreises hinaus der gesunkenen Kaufkraft eines Großteils der Bevölkerung du.ch einen weiteren Preisnachlaß auf Kosten der eigenen Verdienstspanne Rechnung zu tragen, begegnete allseits Verständnis. In einer von Kaufmann W. Simon, dem Vorsitzenden des Einzelhandels, geleiteten Versammlung wurde nun vom Vorstand eingehend begründet, daß der Einzelhandel als letzte Stelle, die eine Verteilung der Waren vornimmt, in erster Linie berechtigt sei, eine Regulierung der Preise auch während einer Pre'.s enkungsbewegung vorzunehmen Einmütig wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Preissenkung, soweit sie auf Kosten der Verdienstspanne gehe, nur getragen werden könne, wenn chr alsdald eine Minderung aller öffentlichen Lasten folge. Ein Öffentlicher Aufruf enthält neben allgemeinen Richtlinien auch eine Zusammenstellung der bis zum 15. Rovember erfolgten ©cfamt- Preissenkung, die sich aus der bisherigen Preissenkung infolge Herabsetzung der Ge- stehungspreise und dem jetzt wirksamen, von den Organisationen und Derkau 8"teilen freiwillig übernommenen Preisnachlaß zusarn- menseht. An den nachstehend au'geführten Prozentsätzen sind alle Verkcusergruppen auch mit einem Rachlaß zu Lasten dec ^erbienstspanne über die allgemeine Preissenkung hinaus mehr oder weniger beteiligt. Bei einigen Branchen, in denen eine Preissenkung von „oben" her nicht angeordnet ist, sind die angegebenen Prozente aus chliehlich ein selbstauferleg.es Opfer. Die Preissenkung hat bis zum 15. Rov. folgende Durchschnitts ätze erreich!: Brot: 4-Pfd.- Drot von 80 auf 78 Pfennig (bei Barverkauf); Fleischwaren: Schweines lei"ch 20 Prozent, Wurstwaren 15 Proz, Rindfleisch 8 Proz.; Lebensmittel im Einzelhandel: Fleischwaren 10 Proz., Gemüsekonserven 10 Proz, Hülsens rüchte 15 Prvz.; Wild und Geflügel 20 Proz.: Milch 10 Proz; Butter 12 Proz.; Speisefette und Oel 15 Proz.; Seifenwaren 30 Proz.; Textilien 18 Prozent; Schuhwaren 15 bis 20 Proz.; Schuhmacherarbeit 10 Proz; Haushaltungs- toaren 5; Schneiderwaren 10; Uhrmache r- toaren 12 Proz.; Iuwelen und Silber- Waren 20 bis 25 Proz.; Friseurhandwerk 20 Proz.; Buchhandel: sämtliche Reuausgaben 30 Proz; Bureaubedarf und Schreibwaren 20 bis 25 Proz; Lederwaren 10 Prozent; Kohlen: Anthrazit 5 Pf., Koks ll 5 Pf.» Briketts 10 Pf, Bäckerbriketts 15 Pf. pro Zentner. Oer Hessische Landkreistag zum Negierungsprogramm. D a r m st a d t, 16. Rov. (WSN.) Der Hessische Landkreistag nahm zum Regie- rungsprogramm in einer Entschließung wie folgt Stellung: Ebenso wie in den Städten, bedroht auch in den Landkreisen das Anwachsen der W o h l s a h r t s e r w c r b s l o s e n l a st e n die Fi- nanzgestaltung. Eine Reihe von Kreisen sind sehr schwer betroffen. Im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres sind Steigerungen der Wohlfahrtslasten von 9 0 0 bis 1 000 v.H. nicht selten. Diesen Landkreisen und ihren Gliedgemeinden kann mit der Bürgerabgabe und der G e t r ä n k^e st e n c r nicht geholfen werden. Hier muß vielmehr Hilfe auf dem Wege der Dotationen Platz greifen. Die Bestimmungen über die Krisenfürsorge sind nicht ausreichend. Sie bedeuten für das Land vielerorts keine Erleichterung, sondern eine Vermehrung der Fürsorgelasten. Dasselbe gilt von der Einschränkung der Unterstützungsdauer auf 32 bzw. 45 Wochen. 2)ic Reichsregierung wird sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß dem flachen Lande ebenso geholfen werden muß, wie den Städten Die Organe des Deutschen Landkreistages stehen auf Hauch von Paris. Don Albert H. Rausch. III. Erster Spaziergang. Tagelang vor meiner Ankunft in Paris freue ich mich auf den ersten Gang durch die Stadt. Durch die Stadt? Rein. Aber durch jenen kleinen Teil der Stadt, in dem mir Paris immer am pariserischsten erschienen ist. So oft ich hier ankam, habe ich diesen selben Weg gemacht. Ich würde niemals das Gefühl haben, wieder in Paris zu Hause zu sein, solange ich ihn nicht gegangen wäre. Es ist nötig, an solchen Gewohnheiten festzuhalten. In ihnen wohnt ein besonderer Sinn und eine große Kraft. Ie flüchtiger die Flucht der Erscheinungen um uns her wird, um so tiefere Bedeutung gewinnt das Erprobte, dessen ausstrahlender Zauber standhaft bleibt. Arn Pont-Royal, auf dem linken Seine-Ufer, beginne ich diesen Weg. Immer um die Stunde, in der schon eine Ahnung von nahender Dämmd°> rung webt. Denn es gibt keine nordcuropäische Stadt, in die sich der Abend mit so viel Duft und Silber niederläßt wie in Paris. Dieses Licht in und über Paris. Wieviel ist Darüber gesagt worden — aber wie unsagbar ist es noch immer geblieben. Cs ist immer wie mit dem Abglanz ferner Schneefelder unterlegt, und die finkende Sonne gibt ihm oft eine Beimischung korallenen Schimmers. Ganz besonders im Frühling und im Frühfommer. Aber nun ist ja das Iahr schon in seine tiefste Reige getreten, die Sonnenuntergänge geschehen hinter undurchdringlichen Schleiern von bleigrauem Wolkendunst — und die vielen Brücken, die über die Seine gehen, spannen ihre Dogen von stumpfem Ufergeftcin zu stumpfem ilfcrgcftein. Am Quai Voltaire schlendere ich dahin. Bald an der Seite der Häuserfronten, bald an den Ufermauern entlang, auf denen die fliegenden Buchhandlungen aufgebaut find: schwere hölzerne Kästen zum Aufklappen, welche bei sinkendem Abend mit eisernen Darren verschlossen werden. Was es da alles zu kaufen gibt: Dogelbilder, Modebilder, farbige Stiche mit Szenen aus dem Leben des Volkes, zwischen höchst bürgerlichen Darstellungen mehr als unbürgerliche, die sich nur schwer beschreiben lassen. Da ist »Der Traum einer unbefriedigten Dame", da ist „Die entschlummernde Köchin und der erwachende Mars", da ist „Die verräterische Schaukel". Ich weiß nicht mehr auswendig, was da alles ist. Ich freue mich immer wieder am Wiedersehn mit lang bekannten (Blättern und an der Entdeckung neuer. RichtS von dem Dargestellten hat einen Dezug zu unserer Zeit. Alles ist aus vergangenen Icchr- yunderten, alles zeugt vom freien Spiel der erotischen Phantasie, der dieses starke und unverdorbene Volk deshalb so freien Lauf lassen konnte, weil es sich in seinem Grundstoff unverletzbar fühlte. Drüben, auf der Häuserseite, wohnen berühmte Antiquare in Palästen mit ungeheuren Torbögen und gewaltigen Fenstern. Ich kenne die eine oder andere dieser Wohnungen. Da sind Fluchten von Zimmern, die mit Kostbarkeiten angefüllt sind. In einem dieser Räume gibt es eine Sammlung von türkisblauen persischen Schalen und Vasen, in denen der arabische Wüstenhimmel kurz vor Sonnenaufgang gebrannte Erde geworden zu sein scheint. Manchmal, im Sommer, sind ganze Fensterreihen erleuchtet. Dann strahlt ein Glanz verrauschter Welten in die schwere Abendluft nieder — und viele einsame Spaziergänger bleiben an den Ufermauer lehnen und starren in das Wunder empor. Wissen sie, daß es auch denen nicht mehr weitcrhllft, die es ihr Eigentum nennen? Dis zum Pont-Neuf schlendere ich so dahin, unter den gelichteten Ulmenwipseln, von denen gilbende ‘Blätter langsam niedertaumeln, auf das Pflaster, in die Buchkästen, in das trübe Seinewasser, das sie weiterträgt an Brückenpfeiler, wo sie sich stauen, bis ein Strudel sie fortreibt. Diese? Ulmen I Im Sommer sitz ich manchmal an heißen Rachmittagen eine Stunde lang am Caf6 de la Fr^gate (an der Ecke der nie du Bac und des Quai Voltaire) und sehe dem Spiel ihrer Blätter in den blau durchdunsteten Lüften zu. dem grünen Geflieste und Geflüster e über dem Tumult. Man mühte weinen, wenn diese Blätter fallen und sterben ... So viel, so viel Paris entschlummert mit ihnen... Da ist der „Pont des Arts“, Kinderwehmut weckend. Welches deutsche Kind hätte nicht gelitten mit der schönen ‘Bettlerin, die ihm der göttliche Hauff in fein dreizehntes ober vierzehntes Iahr zauberte? Wie ich am Pont-Neuf ankomme und die Blicke hebe, sehe ich, dah drüben, am anderen Ufer, die grellen Dachlichter auf flammen: blutrot und weih: La Samaritaine und La belle Jardini&re. Und aus allen Fenstern der riesigen Warenhäuser blinken die Lampen nun auf — und aus den Fenstern der anderen Häuser ebenfalls. Es ist plötzlich in der basaltblauen Abendluft ein Gewühl von Goldsternen, das die Seinewasser spiegeln und zerdehnen. Die Wagen rasen leise zischend auf dem nebelfeuchten Asphalt... die Menschen fluten in die Helle hinüber, alle Bewegung ist verzehnfacht in diesen beiden letzten Stunden des Arbeitstages. Auch ich gehe über die Brücke, die Isle de la Cit£ schneidend, in Deren Dämmer Nötre Dame verschleiert ruht, fern, wie entrückt und nicht mehr zu Paris gehörig. Ich gehe zu den Vogelhänd- lern am Quai du Louvre, da, wo er an den Quai de la Mcssigerie stützt. Und bleibe lange bei dem bunten Gefieder, das aus allen Teilen der Welt in diese vogelliebende Stadt gebracht wird, in die freundliche Sklaverei des fleinen Bürgerhauses. Auch Schlangen gibt es da zu kaufen, Hasen, Katzen, Wiesel, Goldfische Moos und See- pflanzen für Aquarien — und große, irisierende Glaskugeln für Wassergetier, '^uan biege ich nach der rue de Rivoli hinüber. Die Decken der Arkaden am Warenhaus Louvre sprühen von goldenen Birnen, welche Rechtecke und Figuren formen. Die Auslagen sind überströmt von Platin- Licht. Ein paar Schritte durch die unnatürliche Helle hin — und bann hinein in ben weiten, stillen Binnenhof bes Louvre-Palastes. Wiewun- bervoll ist dieses milbe Dunkel, biete milde, feuchte Luft, in der es nach späten Dahlien duftet. Ueber- all blühen hier noch Die Dahlien — und der Ra-- fen ist grün wie im Frühling. Ueber die Place du Caroussci, am kleinen Triumphbogen vorbei weiter nach dem Pavillon de Flore ... und zurück über ben Pont-Royal nach dem Quai Voltaire. Ich habe mich vor Paris verneigt — bet erste Gang ist getan: Es hat mich, wie immer, mehr als reich entlohnt. (wirb fortgesetzt.) Verwickelte Verwandtschaft. Eine Witwe Müller, deren Tochter bereits 25 Icchre alt ist, hat sich entschlossen, einen jungen Mann namens Beginsky zu ehelichen, dessen Vater viel eher zu ihr gepatzt hätte. 2tber der interessierte sich für Fräulein Müller und führte sie nach einiger Zeit tatsächlich zum Altar. Seitdem wissen die vier Familienmitglieder nicht dem Standpunkt, daß das künftige Sanierungsund Finanzprogramm der Reichsregierung für da» Problem der Krisenfürsorge und der Wohlsahrts- erwerbslosigkeit eine Lösung finden muß, die den Gemeinden und Gemcindeverbänden gestattet, diese Krisenzeit ohne Schaden zu überwinden. Aus der Provinzialvauptstodt. Gießen, den 18. Rovember 1930. Oie Gießener Viehhoffrage. In einer stark besuchten Versammlung, zu der die Ortsgruppe Gietzen der Deutschen VolkSpar- tei aus gestern abend in daS Gasthaus „Hindenburg" eingeladen hatte, sprach Oberveterinärrat Dr. M o n^n a r b, Gießen, über den heutigen. Stanb der Gießener Viehhoffrage. In seinem Vortrag machte der Redner u. a. die Mitteilung, daß nunmehr die außerordentlich wichtige Plahfrage in dieser Angelegenheit entschieden sei. Danach wird der Viehhof etwa 2 0 0 Meter südlich vom Schlachthof jenseits der k>ahn errichtet werden. Es soll kein Prunkbau erstehen, jedoch soll die ganze Einrichtung so gestaltet werden, dah sie den zeitgemäßen Erfordernissen des Viehhandels entspricht. Die Kosten des Projekts sind auf 2 bis 2,4 Millionen Mark veranschlagt. Zur Finanzierung dieses für unsere Stabt außerordentlich wichtigen Unternehmens sind aus dem hessischen Arbeitsbeschaffungsvrogramm 350 000 Mark bereitgestellt, fallH mit ber Arbeit alsbald begonnen wird, Darüber hinaus hat die hessische Regierung ein Darlehen von ebenfalls 350 000 Mack zu billigem Zinssatz zugesagt, ferner Dürfte auch eine Mithilfe der Reichsbahn anzunehmen fein. Die Rentabilitätsfrage steht auf Grund vorsichtiger Berechnungen günstig, Da mit einer Iahreseinnahme von rund 182 000 Mark und einer Iahresausgabe von rund 190 000 Mark gerechnet wird, wobei aber beachtet werden muß. daß für diese Berechnung Der gegenwärtige Stand des Viehmarltes, b. h. ein Markt alle 14 Tage, zugrunde gelegt ist, während nach der Errichtung des Viehhofes ein erheblicher Ausbau in der Richtung v e r me h r t e r M ä r k t e vor sich gehen kann und dadurch auch die Einnahmen entsprechend steigen werden. Es ist damit zu rechnen, daß die Verwirklichung dieses Projektes nunmehr mit aller Energie voranschreiten wird. In einer längeren Aussprache wurde dieses Vorhaben der Stadtverwaltung allseitig lebhaft begrüßt. Heber die Einzelheiten des Vortrags und der Aussprache werden wir morgen näher berichten. Reisende Autoräuber. Am Freitagabend wurde in Gießen, wie wir am Samstag berichteten, vor dem Stadttheater eine Daimler -Benz-Limousine mit dem Zeichen VO 9201 g e st o h l e n. Wie die polizeilichen Ermittelungen mittlerweile ergeben haben, kommen als Diebe Drei reisende Autoräuber in Betracht. Die Spitzbuben kamen, nach bisherigen polizeilichen Fest- steUnngen, mit einem in Karlsruhe vor dem dortigen Stadttheater gestohlenen Auto hier an. Diesen Wagen stellten sie ab, gingen dann vor das Theater und stahlen den oben bezeichneten Kraftwagen, mit dem sie bis in die Gegend von Germersheim fuhren. Kurz vor Germersheim überholten sie ein anderes Auto und gerieten dabei in den Straßengraben. Die Insassen des gestohlenen Gießener Fahrzeugs zwei Manner und eine Frau, die gemeinschaftlich die Spitzbübereien verüben — blieben unverletzt. Dagegen wurde Der Kraftwagen erheblich beschädigt. Als das überholte Auto herankam, hielten feine Insassen an, um ben Verunglückten zu helfen. Diese versetzten aber den hilfsbereiten Leuten in einem günstigen Augenblick gehörige Fußtritte, so Daß Die Helfer ganz überrascht in Den Straßengraben kollerten. Diesen Moment benutzte Das Räubertrio, um in ben anberen Kraftwagen hineinzuspringen und mit biefem auf unb davon zu fahren. Die Reise mit dem neu gestohlenen Wagen ging nun nach Karlsruhe zurück, wo die Gauner das Fahrzeug wieder abftelltcn, am gleichen mehr recht, wie sie sich anreden sollen, denn die ehemalige Witwe Müller ist jetzt bie Schwiegermutter ihres Schwiegervaters, gleichzeitig ist sie aber auch bie Schwiegertochter ihrer eigenen Tochter unb bie Großmutter ihres Mannes. Ihr Mann, der jüngere Deginsky, ist gleichzeitig Schwiegervater seiner Tochter unb seines Vaters, wöhrenb das ehemalige Fräulein Müller sich als Enkelin ihres eigenen Mannes zu fühlen hat. Rachbem bie beiben Paare noch je ein Kind bekommen haben, einen Knaben unb ein Mädchen, finb Die Verhältnisse derart verwi feit, bah man überhaupt nicht mehr aus noch ein weiß. Da ist zum Beispiel das mänirliche Baby der Bruder seiner Großmutter und der Vetter seines Urgroßvaters geworden, während bas weibliche Baby unter anderem sogar zur Schwester seiner Urgroßmutter avancierte! Sochschulnachrichten. Professor Dr.-Ing. h. c. Georg Rüth, Vertreter bes Cisenbetonbaues Straßen-, Brücken- unb Wasserbaues an ber Technischen Hochschule in Darmstadt, beratendes Mitg.ied des Deutschen Beton-Vereins, beging am 15. Rovember seinen 50. Geburtstag. Rüth war Schüler unb Assistent von Geheimrat Prof. Landsberg in Darmstadt. Die Technische Hochschule in Darmstadt verlieh ihm bie Würbe eines Doktor- Ingenieurs ehrenhalber in Anerkennung seiner hervorragenden Verbienste um bie Einführung neuzeitlicher Sicherungsarbeiten an gefährdeten alten Bauwerken. — Der ordentliche Professor der Pharmakologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf Dr. Adolf I a r i f ch hat einen Ruf an die Universität Innsbruck erhalten. — Der a. o. Professor in der Theologischen Fakultät ber Universität Berlin D. Dr. Iohannes Witte hat ben Ruf auf ben durch bie Emeritierung von Prof. 3uliu8 Richter in der genannten Fakultät erledigten Lehrstuhl für Mlssionswissenschaft angenommen unb bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor daselbst erhalten. — Amtlich wirb bie Versetzung des o. Professors unb Direktors des gerichtsärztlichen Instituts in Halle Dr. Friedrich P i e t r u s k h in gleicher Eigenschaft in die Medizinische Fakultät der Universität Bonn als Rachfolger von Prof. Müller-Hetz beftätlgt Abend aber wieder vor das Karlsruher Stadttheater gingen und dort erneut einen Kraftwagen stahlen, mit dem sie sich sodann auf die Reise begaben. Vor der Ankunft in Gießen hatte das Trio zwei andere Opelautos gestohlen und diese verkauft, um sich Geld zu verschaffen. Als Haupttäter kommt der am 19. Dezember 1901 in Karlsruhe geborene Kaufmann Erich Kitt in Betracht, der einer sehr angesehenen Karlsruher Familie entstammt, nach dem Kriege aber auf die schiefe Ebene geraten ist. Kitt wird von der Karlsruher Staatsanwaltschaft wegen einer Reihe von Autodiebstählen steckbrieflich gesucht. Er nennt sich u. a. Dr. H e l w i g, Dr. Till, Dr. Köhme und Dr. R o l l i tz. Seine beiden Helfer sind bisher noch nicht bekannt. Rach dem Räubertrio wird weiter mit aller Energie gefahndet. Verein für Luftfahrt in Gießen. Die Jungfliegergruppe des Vereins für Luftfahrt hielt kürzlich ihre Jahreshauptversammlung ab. Außer den zahlreich erschienenen Jungfliegern hatte sich der Gründer der Gruppe, Geheimrat König, von den Jungfliegern freudig begrüßt, eingebunden. Zunächst wurde der Bericht über die Flugtätigkeit im vergangenen Jahr erstattet. Insgesamt wurden über 100 Starts ausgeführt, in der Mehrzahl auf dem Flugfeld bei Aßlar und einige Anfängerstarts auf der Wiese an der Bergschenke. Es wurden zwei ^-Prüfungen und zwei 6-Prüfungcn geflogen. Von den beiden Segelflugzeugen, die Eigentum des Vereins sind, ging leider eines zu Bruch; es wird aber in den kommenden Wochen in der Werkstätte der Jungflicgcr wieder gebrauchsfertig gemacht. Das andere Flugzeug steht startbereit zu weiteren Schulflügen zur Verfügung. Im Laufe des Sommers sind die von der Stadt Gießen zur Verfügung gestellten Räume in der früheren Zurbuchschen Fabrik als Werkstatt hergerichtet worden. Außer den notwendigen Jn- standsetzungsarbeiten sind im kommenden Winter mehrere Vortragsabende geplant, die das Interesse am Flugsport in weiteren Kreisen der Gießener Bevölkerung lebendig machen sollen. In dem Bewußtsein, ein Jahr erfolgreicher Tätigkeit abgeschlossen zu haben, trennten sich die Jungflieger. Gießener Wochenmarltpreise. Es kosteten auf bem heutigen Wochcnmarkt: Kochbutter von 130 an, Butter 150 bis 160, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Untcrkohlrabi 5 bis 5, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3’/s bis 4, Acpsel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis HO, Supvenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 110, Rüsse 40 bis 60 Pf. das Pfund; Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 16 bis 18, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 6 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 15 bis 20 Pf.; Kartoffeln der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk. Bornotizcn. — Tageskalender f ü r Dienstag. Stadttheater: «Das Land des Lächelns". 20 bis 23 Uhr. — Christliche Versammlung Gießen: Bor- trag «Wie werde ich gerettet?", 20.15 Uhr, im Caf6 Leib. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Die Lin^enwirtin" (mit Käthe Dorsch). — Astoria Lichtspiele: «Das wilde Blut" und „Mas- cottchen". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 20 Uhr auf vielseitigen Wunsch letzte Wiederholung im Abonne- ment der mit so großem Beifall aufgenommenen Operette Lehärs „Das Land des Lächelns" als Gastspiel der Vereinigten Operettentheater Bochum-Hamborn. — Ein Kirchenkonzert zum Besten der Hinterbliebenen der Opfer der Grubenunfälle zu Alsdorf und Maybach findet am Mittwochabend Oer Dreizehnte. Vornan von Anny von panhuys Copyright 1929 by Verlag Bechthold, Braunschweig. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. 3m Hintergrund des Hausganges fand sie die Kollegen schon vollzählig versammelt. Sie war die letzte und es war noch nicht ein halb neun. So überpünktlich waren die meisten sonst nie. Aber fast alle hatten schon etwas von der furchtbaren Neuigkeit gehört, teilweise sogar schon gestern abend. Zwei fremde Herren fielen Eva auf. 3hre Kollegin, die kleine lebhafte Paquita Casanovas, flüsterte ihr zu: „Das sind Kriminalbeamte. Wir werden alle nachher mit müssen zum Untersuchungsrichter. Wir haben nur auf Sie gewartet. So ein Unfug", entfuhr es ihr lauter, „der Pr .no, der gute Primo soll ein Mörder sein! Dabei ist er den ganzen Nachmittag bei uns aus dem Wagen gewesen und in der Bar, und mit uns zurückgefahren. Die Polizei vertrödelt die Zeit und derweil entweicht der wirkliche Mörder." Der eine der fremden Herren sagte leicht belustigt: „Da kann sich ja der Derhaftete freuen, das ist ja ein vollstäichiger Freispruch vor der Verhandlung." Die bildhübsche Paquita gefiel dem schnauzbärtigen Kriminalbeamten. Die ältliche Portera hätte er wohl gebeten, ihre Meinung über die Polizei für sich zu behalten. Und dann war es soweit. In zwei Autos fuhr man fort und fand sich, ehe man sich recht besann, in einem kühl anmutenden, langgestreckten Zimmer, wurde nacheinander in ein anderes Zimmer geführt. Vor den Kriminalkonnnissar und den Untersuchungsrichter, die beide den aufsehenerregenden Raubmord bearbeiteten. Raubmord war angenommen worden, weil die zwei blauen Brillanten im Werte von einer Viertelmillion vermißt wurden, und eine Summe von fünsund- siebzigtausend Peseten dazu, die Jose Duero am Mordtage morgens in bar erhalten Hütte. Es war ausgeliehenes Geld gewesen, das ihm ein Geschäftsfreund zurückge^ahlt und das am nächsten Tage auf die Dank gebracht werden sollte, wie Primo Duero ausgesagt. Primo Duero war gestern spät abends noch mit vielen Hin- und Herfragereien gequält worden, bis er apathisch nur noch Ja oder Rein geantwortet. Fast willkürlich: Einmal: 3a! und das nächstemal: Nein! in der 3vhanneskirche statt. Die Musikkapelle des I.Datls. 15.3nf.-Regts. unter der Leitung von Obermusikmcister L ö b e r und Organist Habicht haben ihre Mitwirkung zugesagt. Das Programm bringt xl a. Werke von 3ohann Sebastian Dach und von Deethoven. "Sitzungen des Provinzialausschusses. Am Donnerstag, 20. November, finden ösfcn.liche Sitzungen les Pxovinzialciulschusfts wie folgt statt: 1. 3m Rathaus zu Dutzbach, vormittags 10.15 Uhr, in Sachen: Antrag der Stadt Butzbach auf Enteignung von Straßengelände an der Ecke Weiseler- und Bahnhofstraße in Butzbach, 2. in der Gastwirtschaft Huber in Wölfersheim, Bahnhofstraße, 13 116r, in der Sache: Antrag des Braunkohlenschwelkraftwerks Hessen-Frankfurt AG. (Hefragi in Wölfersheim auf Grundstücksabtretungen in der Gemarkung Wölfersheim Flur III und IV. •* Zu Handelsrichtern ernannt. Ernannt wurden Kommerzienrat Adolf Kling- s p o r in Gießen, Kaufmann 3osef Sauer in Gießen, Bankdirektor Ludwig Grieß bauer in Gießen, Fabrikbirektor Peter T h o m £ in Gießen, Kaufmann Louis Hirsch in Friedberg. Direktor Karl Wieland in Butzbach zu Handelsrichtern; Fabrikant Georg Schuchardt in Gießen, Kaufmann Leopold Mayer in Gießen, Kaufmann Karl Fr. L. H i n k e l in Vilbel zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen des Landgerichts der Provinz Oberhessen für die Zeit vom 1. 3anuar 1931 bis 31. Dezember 1933. " Aufgehobene Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.) Gießen: Die Sperrung der Straße Gießen — Saubringen vom Abzweig der Straße Gießen—Lollar wird ab 17. November, die Sperrung der Ortsdurchfahrt Grünberg im Zuge der Straße Gießen—Alsfeld ab 22. November aufgehoben. ** E i n leichter Verkehrs Unfall ereignete sich gestern gegen 21 Uhr an der Ecke Bahnhofstraße und Westanlage, indem sich von dem Anhänger eines Lastkraftwagens ein Rad löste. Da die Straße um diese Zeit ziemlich menschenleer war, kamen Personen zum Glück nicht zu Schaden. " Oberhessischer Ge s ch i ch t sv e re i n. Die Veranstaltungen dieses Winters wurden durch einen Vortrag von Geh. Rat Krüger eingeleitet. Vorher fand die diesjährige Mitglieder- Hauptversaimnlung statt, in der der Vorsitzende, Dibliothelsdirektor Prof. Dr. Ebel, über das vergangene 3ahr berichtete, wobei er dem verstorbenen Rechner Oberstabsarzt Dr. K l e w i tz einen ehrenden Nachruf widmete; dem stellvertretenden Rechner Prokurist Frech wurde Entlastung erteilt. Zum Schluß richtete Prof. Ebel einen Appell an die zahlreiche Versammlung, fcem Verein, der doch wahrlich bedeutsame Leistungen für die Provinz aufzuweisen hat, die Treue zu halten und darüber hinaus neue Mitglieder zu werben. Sodann ergriff Geh. Rat Prof. O.Krüge r das Wort zu seinem Vortrag und führte etwa folgendes aus: 3n den 3ahren 1795 bis 1798 erschien eine Zeitschrift' unter dem Titel: „Eudämo- nia oder deutsches Volksglück, ein 3ournal für Freunde von Wahrheit und Recht", deren nicht genannte Herausgeber und Mitarbeiter von ihren Gegnern als „Cudämonisten" bezeichnet wurden. Ziel der Zeitschrift war, dem Einfluß des französischen 3akobinertums in Deutschland entgegen- xutreten, der seit 1793 im sogenannten „Mainzer Club" greisbare Gestalt genommen hatte, und dem die deutschen Aufklärer, besonders im 3IIu- minatenorden, Vorschub zu leisten schienen. Ein im Staatsarchiv zu Darmstadt aufbewahrter in- tüncr Briefwechsel aus dem Herbst 1794 zwischen Ludwig Adolf Christian von Grolman, damals Konfistorial- und Regierungsdirektor'in Gießen, und 3ohann Georg von Zimmermann, Leibarzt des englischen Königs in Hannover, einem sehr bekannten Literaten, gibt über die Vorgeschichte des 3ournals genaue Kunde und ermöglicht es, eine interessante Episode im publizistischen Kampf dieser Zeit lückenlos aufzuklären. 3m Vorder- Cr hatte sich schließlich so dumpf und stumpf gefühlt, daß fein gemarterter Kopf nichts mehr faßte. Heute morgen, nach einer Nacht, die ihm wenigstens ein paar Stunden Schlaf gegönnt, fühlte er sich wieder frischer und kräftiger. So entsetzlich die W.rttichkeit war, sagte er sich doch, seine Verhaftung könne nicht aufrechterhalten bleiben. Zuviele vermochten zu bezeugen, daß er gestern nachmittag um die böse Stunde nicht in der Calle Fernando gewesen fein konnte. ilnö während er darauf wartete, zu neuem Verhör gerufen zu werden, defilierten alle Angestellten der Firma Duero an dem Kriminalkommissar und dem Untersuchungsrichter vorbei. Und 'mit derselben Sicherheit wiederholten alle dasselbe. Sie hatten alle Primo Duero während des ganzen Nachmittags gesehen. 3n der Dar war man um ein halb nach vier gewesen, bezeugte der Chauffeur, er hätte zufällig dort auf die große Saragossauhr geschaut, die über dem Schanktisch angebracht wäre. Der Packer bestätigte, die Uhr habe ein halb über vier gezeigt, und Primo Duero hätte seine Maske aogeseht wie die meisten, und sich sehr lebhaft mit der deutschen Verkäuferin unterhalten. Eva Hirtberg war die letzte, die vernommen wurde. Sie beschwor, sich fast vom Anfang der Korsofahrt an bis zur Bar ständig mit Primo Ducro unterhalten zu haben. Dann hätten sie zusammen am Bartisch gestanden und hätten beide die Masken abgenommen gehabt, weil es ihnen zu warm darunter geworden. Auch habe sie Primo Duero wieder den Wagen besteigen sehen und ihn während der zweiten Korsofahrt heimlich beobachtet. Er hätte zuletzt auf einem Stuhl gesessen, den einen Arm auf die Wagenwand gestützt. Anscheinend sei ihm der Lärm und das Toben ringsum über gewesen. Seine Natur passe auch ganz und gar nicht in so ein Narrengewand, setzte sie freimütig hinzu. Dcr Untersuchungsrichter hielt ihr entgegen: „Aber die Portera beschwört, Primo Duero in dem roten Clownsanzug kurz vor fünf Uhr gesehen zu haben, wie er die Korridortür zur Wohnung aufschloß. Wenn er sich aber ungefähr eine halbe Stunde vorher oben in der Seitenstraße des Paseo in einer Dar befand, dort fast eine halbe Stunde vor Zeugen verweilte, kann er unmöglich dcr Clown gewesen fein, den die Portera gesehen. Könnte sich vielleicht einer der andern Angestellten, alle trugen ja dieselbe Maske, heimlich fortgeschlichen haben? Denken Sie einmal darüber nach, Sennorita!" Eva Hirtberg sah den älteren Herrn mit dem grauen Haar, der sie fragte, eine ganze Weile gründe steht dabei, außer den Genannten, Johann August Starck, der Darmstädter Oberhofprediger, dessen unheimliche Persönlichkeit der Vortragende zum Schluß mit wenigen Strichen charakterisierte. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen; eine Diskussion fand nicht statt. ** Kirchenkonzert. Am Sonntagabend fand, veranstaltet vom Gemeindeverein der Lukas- gemeinde, ein Kirchenkonzert in der 3ohannes° kirche statt, zu dem sich sehr viele Zuhörer eiix- gefunden hatten. Fräulein von der Heydt (Gesang), Organist R e b e l i n g und der Dläser- chor des Vereins für christliche Musik unter der Leitung von Herrn Riebergall hatten sich zur Verfügung gestellt. Ein sorgfältig ausgewähltes Programm kennzeichnete den Abend. Fräulein von derHeydt sang mit ihrem klaren Sopran die Lieder „Wie lieblich ist der Botin Schritt" (Händel), „So ihr mich von ganzem Herzen suchet" (Mendelssohn-Bartholdy), Largo aus „Ierxes", sowie „Danket dem Herrn" und schuf sich durch die Art ihres Vortrages dankbare Zuhörer. Die Bläser gaben unter anderem Chor und Arie aus „Messias" sehr eindrucksvoll wieder. Unter der Leitung von Herrn Riebergall füllte der Posaunenchor mit wuchtigen Klängen den Raum. Von ben Darbietungen für Orgel gestaltete Organist R e b e I i n g besonders das Toc- cato-Adagio und Fuge in C-Dur von 3. S. Dach zu einem bleibenden Erlebnis. Oberbeffen. Aus dem Alsfelder Stadivorstand. fr* Alsfeld, 15. Rov. Aus der umfangreichen Tagesordnung der jüngsten Stadtrats- sihung ist vor allem der Geländeerwerb zur Erbauung einer Kläranlage zxx erwähnen. Für die Errichtung der Anlage hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, eine dem Freiherrn von Doernberg gehörige Wiese von 3974 Quadratmeter zu erwerben. Da die Eigentümer den von der Stadt gebotenen Einheitspreis von 20 Pf. für den Quadratmeter, der nach Ansicht landwirtschaftlicher Sachverständiger angemessen ist, als zu niedrig ablehnen, wurde beschlossen, Antrag auf Einleitung des vereinfachten Cnteignungsvcrfahrens zu stellen. Wiederholt beschäftigte man sich mit den Richtlinien für die Arbeitsbedingungen der Fürsorgearbeiter. Die von dcr Daukommission gemachten Vorschläge zur Abänderung des anrechnungsfähigen Arbeitseinkommens von Familienangehörigen, im Zusammenhang mit der dadurch bedingten Verminderung der Arbeitszeit, wurde von den Rednern der Linken bekämpft. Nach längerer Aussprache wurde die Angelegenheit gegen die Stimmen der Linken an die Daukommission zurückverwiesen, die ermächtigt wurde, etwaige Aenderungen der seitherigen Richtlien selbständig durchzuführen. Eine Neufestsetzung der Bauflucht- linie in der Rambach nebst dem erforderlichen Geländeausgleich wurde nach den Vorschlägen der Daukommission gutgeheißen; ebenso eine im Feldbereinigungsverfahren erfolgte Wegeregulierung an der Gemarkungsgrenze nach Altenburg. Unter Mitteilungen wurde von sozialdemokratischer Seite beantragt, die Bürgermeisterei möge atebalb Schritte unternehmen wegen Gewährung einer Winterbeihilfe an die Arbeitslosen, Klein- und Sozialrentner. Der Vorsitzende bemerkte dazu, daß erst die Beschlüsse des Landtags abgewartet werden müßten. 3m Anschluß an die Sitzung begab sich der Stadtrat auf Einladung des Stadtbaumeisters auf den Marktplatz zur Besichtigung und Probe- beleuchtung des Marktplatzes mit moderner Flutlichtbestrahlung, die ein sehr wirkungsvolles Bild ergab und die voraussichtlich zur Einführung kommen wird. Landkreis Wjenen. * Klein-Linden, 17. Nov. Durch die Arbeiten für die Wasserleitung ergab sich die Notwendigkeit, die ßinbenbäume, die eine an, als hätte sie ihn überhaupt nicht verstanden. 3n ihrem Kopfe war bei seiner Frage plötzlich ein strudelndes Durcheinander, das sie betäubte, das ihr die Fassung nahm für Momente. „Der Dreizehnte!" preßte sie hervor, erschüttert von der Erinnerung an das eigenartige Erlebnis gestern. Die beiden Herren sahen sich fragend an. Was war nun plötzlich mit der hübschen Deutschen, die bisher so ungewöhnlich klare Antworten auf die ihr gestellten Fragen gegeben? Dcr Kriminalkommissar sagte ein bißchen frostig: „Was' soll das heißen: Der Dreizehnte? Zum Rätselraten haben wir hier nämlich sehr wenig Zeit." Eva Hirtberg griff sich mit beiden Händen an die Schläfen, in denen kleine Räder ein spukhaftes Schnurren begonnen hatten, und wiederholte mit abwesendem Blick: „Dcr Dreizehnte!" Die beiden Herren sahen sich abermals an und dcr Untersuchungsrichter meinte in beruhigendem Tone: „Fassen Sie sich doch, Sennorita, denken Sie daran, es gilt, einen Menschen von dem Verdacht zu reinigen, ein Mörder zu sein, und zugleich den Mordbuben zu fassen. Was meinen Sie damit: Dcr Dreizehnte!?" Eva Hirtbergs Hände sanken von den Schläfen nieder und ihr Blick fand zurück in die kahle, nüchterne Umgebung, in der sie sich befand. Soeben war es ihr gewesen, als ob sie im roten Clownsanzug, auf dem buntgeschmückten Auto wie gestern, den Korso hinauf und hinunter gefahren wäre und mit Primo Duero die Clowns auf dem Wagen nachgezählt hatte. Sie berichtete atemlos, schalt sich dazwischen selbst, wie ihr so etwas Wichtiges nur erst jetzt einfiel, und erzählte, als man an der Bar ausgestiegen, wären es bestimmt dreizehn Clowns gewesen und dort plötzlich nur wieder zwölf. Soviele, wie man gezählt, als man den Wagen um ein halb nach drei Uhr in der Calle Fernando bestiegen. Eva sprach klar und deutlich, vergaß keine Kleinigkeit zu erwähnen. „Der Dreizehnte ist der Mörder!" rief sie, hingerissen von der Wichtigkeit ihres Wissens. „Der Dreizehnte, niemand sonst." Der Dreizehnte! Der Untersuchungsrichter nickte vor sich hin. Der Fall fängt an, sich besonders interessant zu gestalten. Denn mit der Zahl dreizehn verbindet man meist etwas Unheimliches. Der Dreizehnte? Der Kommissar riß an seinem Schnurrbart. Ein bißchen stark phantastisch klingt Idas alles, aber durchaus glaubhaft. Er sah den Untersuchungsrichter fragend an, der antwortete nur mit einem zustimmenden Blick. Straßenseite an der Bahnlinie säumen, zu fällen. So sehr diese Maßnahme zu bedauern ist, so sehr wird sie anderseits im Interesse des überaus starken Verkehrs begrüßt werden, denn es ist nunmehr die Gelegenheit gegeben, den Bürgersteig, der bisher kaum seinen Zweck erfüllte, nunmehr starker zu benutzen. (-,> Holzheim, 17. Nov. Nachdem Bürgermeister Wetz vor kurzem verstarb, steht man vor der Notwendigkeit, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Das Kreisamt hat als Wahltag den ersten Sonntag im Dezember bestimmt. — Am heutigen Montag begannen d> Holzfäller im Dienste der Gemeinoe ihre Arbeit. 24 Erwerbslose werden in drei Rotten 400 Festmeter Holz schlagen. — Bei einer Z reib - jagb der „Jagdgesellschaft Holzheim" wurden etwa 40 Hasen und ein Reh geschossen. ! Aus dem Horlofftal, 17. Nov. Die Landwirte der Umgebung mußten, nachdem die Kartoffeln seit einigen Wochen Im Keller liegen, feststellen, daß ein großer Teil der Kartoffeln von Fäule, haup.tsäck>lich von Trockenfäule, befallen ist, die ein Auslesen der Kartoffelvorräte notwendig macht. '*• — Kreis Büdingen. „ ?" N i d d a, 17. Nov. Der Geflügelzuchtverein Nidda veranstaltet in Gemeinschaft mit den Vereinen von Schotten, Laubach, Büdingen, Gedern, Altenstadt, Düdelsheim, Dauern- heim, Hungen und Selters am nächsten Samstag und Sonntag eine Geflügel - und Kaninchenausstellung. Es werden über 400 Tiere in der Turnhalle zur Schau gestellt, darunter Pfauen, Gold- und Silbersasanen, Kanarienvögel, sowie die verschiedensten Wellen-Sittiche (Papageien!), Truthühner, Hühner, Gänse, Enten usw. Kreis Schotten. □ Laubach, 17. Nov. Bei der von xmferem 3agdpächter (Fabrikant Schunk in Gießen) ab- gefwltenen Treibjagd wurden am ersten Tage 80 Hasen, eine Schnepfe und ein Fasan, am zweiten Tage 45 Hasen zur Strecke gebracht. Rehe wurden auf Anordnung des 3agspächters nicht geschossen. i Sellnrod, 16. Rov. Heute fand im hiesigen Schulsaale eine Sitzung der K irchenge- meindever tretung des Kirchs Piels Sellnrod statt. Zunächst xrstattete der Vorsitzende, Pfcrrer König (Groh-Eichen), den Bericht über den religiös-sittlichen Zustand der Kir- chengemeinde aus den Jahren 1928/29. Alsdann stand der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 zur Beratung, der in allen Teilen einstimmig angenommen wurde. Der erste Teil schlißt ab mit einer Summe von 2507,73 Mk. in Einnahme xmd Ausgabe, der zweite Dell mit einer Summe von 1531,88 Mk. in Einnahme und Ausgabe. Die schon seit langem geplante Kirchenheizung für Sellnrod soll möglichst int Fahre 1931 zur Ausführung gelangen. . Eichelsdorf, 17. Rvo«. 3n der hiesigen Försterei haben die Holzhauer die Arbeit aufgenommen. Die einzelnen Rotten sehen sich in der Hauptzahl aus den Holzmachern des Vorjahres zusammen. Arbeitslose konnten nur insoweit Verwendung finden, als sie bereits in früheren 3ahren im Holzwald beschäftigt waren. Die Akkordlöhne wurden gegen die des Vorjahres um 20 Proz. gesenkt. Dagegen übersteigt die zu schlagende Holzmenge die durchschnittliche 3ahresfällung um etwa ein Drittel. f Gedern, 17. Rov. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein hielt am Samstag in der „Traube" eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Häusel, gab zunächst einen Rückblick über die im 3ahre 1930 geleistete Vereinsarbeit. Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, eine Schädlingsbekämpfung im Laufe dieses Winters wiederum durchzuführen. Viele Fragen über Vaumpflege konnten in anregender Aussprache beantwortet werden. Sodann fand eine Verlosung von 18 erstklassigen Obstbäumen statt. 4. Dcr Untersuchungsrichter rief dem Polizisten an dcr Tür etwas zu. Der entfernte sich und kehrte bald zurück. Bei ihm befand sich Primo Ducro. Eva Hirtberg konnte nichts dafür, daß ihr flammende Röte ins Antlitz schoß, daß das Erbarmen über das müde, Der quälte Aussehen des Mannes, für den sie mehr als Sympathie empfand, ihr die Tränen in die Augen drängte. Sein Blick traf sie und er lächelte ein ganz klein wenig, es war, als wollte er etwas sagen, aber die Stimme des Untersuchungsrichters verhinderte ihn daran. „Sennor Duero", klang es ausfallend milde an das Ohr des von dem gestrigen scharfen Verhör noch immer etwas Verstörten, „ich drücke 3hnen mein Bedauern aus über 3yre Verhaftung. Die Angelegenheit sprach im ersten Augenblick zu 3hren Ungunsten. Aber 3hr Alibi ist so völlig einwandfrei von beinahe sämtlichen Angestellten des Geschäfts bezeugt worden, daß der Verdacht gegen Sie in sich zusammenfällt." Primo sah den Richter einen Moment fast erschreckt an. Also war er frei? Brauchte nicht noch einmal immer aufs neue seine Unschuld beteuern und immer auf3 neue wiederholen, daß ihn doch soundso viele Menschen während der fraglichen Zeit gesehen hätten. Dcr Richter nickte ihm zu. Er beobachtete genau, wie es in dem jungen Mann arbeitete. Eva hätte am liebsten dem grauhaarigen Richter fest die Hand geschüttelt in der ersten stürmischen Freude. Wie gut das war, wie froh sie darüber war, daß der schreckliche Derdacht von Primo Ducro genommen wurde. Sie fuhr sich hastig mit dem Tüchlein über die Augen und blickte scheu hinüber zu dem vor dem Richter Stehenden. Abcr er sah sie jetzt nicht an. Dcr Richter sagte freundlich: „Sehen Sie sich. Sennor Duero, und erzählen Sie xms, bitte, was Sie von dem Dreizehnten wissen, der gestern mit 3hnen auf dem Auto fuhr?" Eva saß, aber Primo hatte noch nicht Platz genommen. Bei dcr Frage des Richters ging es wie ein Ruck durch feinen Körper und er trat mit lebhafter Bewegung einen Schritt näher auf den Frager zu. 3hm ging es, wie es Eva gegangen, der auch erst spät dieser geheimnisvolle dreizehnte Clown eingefallen. Aber sein Gedächtnis hatte noch schlechter gearbeitet. Hätte er nicht schon an diesen Dreizehnten denken müssen, als die Portera unentwegt bet der Behauptung blieb, ihn um die Stunde des Unheils im Hause der Calle Fernando gesehen zu haben? (Fortsetzung folgt) Gpielvereinigung 1900 Gießen. Spieloereinigung 1900 Gießen — BfB. IDeibenau 0:3. Die Ligamannschaft der Spielvereiniaung 1900 halte am Sonntag bekannte Gäste als Gegner im Gesellschaftsspiel auf dem Trieb. Unter der Mannschaft des VfB. Weidenau befand sich unter anderem auch der lange Zeit in der Ligarnannschast der hiesigen tätige Walter Katz, der nunmehr für feinen Heimatverein spielt. Der Darsitzende des Vereins ergriff die Gelegenheit, dem allgemein beliebten Spvrtsmann die silberne Ehrennadel des Der, eines zu überreichen. Der Kampf der beiden Mannschaften nahm einen sehr spannenden Verlauf. Die Gäste fielen nicht nur durch ihre Schnelligkeit, sondern auch durch ihre geschickte Ballbehandlung und ihre Verständnis- volle Zusammenarbeit auf. Die Läuferreihe stellte für den Sturm eine tatkräftige Unterstützung dar, was nicht zuletzt auf die Initiative des Mittelläufers Walter Katz zurückzuführen war, der mit feinen beiden Brudern im Sturm sehr gut zu ko'rrespon- vieren wußte, ohne dabei das Mannfchaftsganze aus bcm/2Iuge zu lassen. Die Mannschaft des Gastgebers stand den Weidenauern allerdings nicht viel nach, konnte sich aber leider im Sturm wieder nicht zu jener Entschlossenheit aufraffen, die nun einmal notwendig ist, wenn eine von der Läuferreihe ein- geleitete Aktion erfolgreich beschlossen werden soll. Die Unentschlossenheit der Gießener im Sturm fiel um so mehr auf, alt tatsächlich einige totsichere Torgelegenheiten große Chancen boten. Das Spiel setzte mit einigen energischen Durchbrüchen der 1900er ein, die jeweils zu kritischen Situationen vor dem Gästetor führten. Ein Schuß ging kurz nach Beginn glatt über die Latte, der gute Tormann der Siegerländer verhinderte andrerseits jeden zählbaren Erfolg. Nach etwa 15 Minuten jedoch kamen die Gäste wesentlich auf, diktierten zeitweise die Spielhandlung und vermochten in der 18 Minute durch ihren Linksaußen den Führungstreffer zu erzielen. In der 35.Minute wurde Brambach durch einen scharfen Schuß des Mittelstürmers überrascht, nachdem er kurz zuvor einen gutplacierten Ball in blendender Manier hielt. Mit 2:0 wurden die Seiten gewechselt. Die zweite Halbzeit brachte ein ziemlich ausgeglichenes Mittelfeldspiel, bei dem die Gäste fast durchweg leicht in Feldvorteil lagen und schließlich in der 30. Minute auch ein drittes Male, wiederum durch den Mittelstürmer erfolgreich sein konnten. Die Schlußminuten standen im Zeichen einer lebhaften Druckperiode von Seiten der 1900er, der jedoch auch der zahlenmäßige Ausdruck versagt blieb. Das ganze Spiel litt sehr unter einer mittelmäßigen Schiedsrichterleistung. Ein Ergebnis von 3:1 hätte dem Spielverlauf entsprochen. Entgegen der Ligamannfcha't schnitten alle übrigen Mannschaften gut ab. Die Re'erven kehrten von Hermannstein bei Wehlar mit einem Un- cntschicden (3:3) zurück. Die dritte Mannschaft blieb über die zweite Elf Großen-Bufecks mit 5:2 Treffern Sieger. Die 4. Mannschaft der 1930er war dieses Mal gut aufgelegt und siegte gegen Dau- bringend zweite sicher mit 4:1 Toren. Die 1. Jugend trug ein DeseNschastS'Piel gegen die 1. Jugend der Germania Marburg aus. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse zeigten beide Mannschaften hervorragen.es Können. 1903 war in der Läuserreihe besser al- der Gast und konnte das Spiel daher 2:1 gewinnen. Die 2. Jugend setzte ihre Pflicht'piele fort und trat gegen die 2. Jugend des DfD. Gießen an. Das Spiel wurde vollständig von den 1930cm bestimmt, und der Gegner mußte eine 6O Niederlage einstecken. Die Schüler weilten zum Pflicht- spiel in Wetzlar und kehrten mit einer V:1-Nieder- lage heim. DfB. Gießen. Daß die Ligamannschaft gegen Spielverein Kassel nicht viele Siegesaussichten hatte, war vorauszusehen. Man erwartete aber wenigstens nur eine knappe Niederlage oder besser, cm Unentschieden. Daß die DfB.-Elf sich abermals mit 3:7 geschlagen bekennen mußte, überraschte sehr. Das Torverhältnis entspricht allerdings nicht ganz dem Spielverlauf. 3m Gegensatz zu den am vorletzten Sonntag in Hersfeld gezeigten mäßigen Leistungen lieferte Gießen diesmal eine in jeder Beziehung gute Partie. Die Mannschaft mußte in der ersten Halbzeit gegen Wind und Sonne spielen und es ist bezeichnend, daß schon das Halbzeitresultat 3:7 lautete. Die Spielstarke des Gegners ist nicht so gering, wie sein schlechter Tabellenplatz es annehmen läßt. Die Elf führte ein flüssiges und rationelles Spiel vor und verstand sich auch körperlich durchzusehen. Der Spielverlauf: Schon zwei Minuten nach Beginn ging Kassel in Führung, um, wenig später, die Äeberraschung der Gießener Hintermannschaft ausnutzend, das zweite Tor zu schießen. BfB. verbesserte dann auf 2:1, mußte jedoch ein drittes Tor hinnehmen, um kurz darauf seinen zweiten Erfolg zu buchen. Trotzdem das Spiel in der Folgezeit vollkommen offen und die beiderseitigen Angriffe gleich zahlreich und gefährlich sind, vermag der Spielverein in kurzen Abständen noch viermal erfolgreich zu sein. Noch vor dem Wechsel gelang es Gießen einen dritten Treffer anzubringen. Nach der Pause kämpfte BfB. mit aller Energie aber vergeblich um Verbesserung des Resultats. Einmal noch verhinderte die Torlatte einen Erfolg, zum anderen wertete der Schiedsrichter einen Treffer nicht als Tor. Spielverein hatte sodann kurze Zeit mehr vom Spiel als die stark deprimierten VfB.er; der Erfolg blieb jedoch auch auf der Seite des Gegners aus. Handball im Gau Hessen (D.T.) 1846 I — To. Großeu-Buseck I 7:1 (2:0). Die ileberrafdjung des Tages bildete der Sieg der ersten Mannschaft über Großen-Buseck. Die Gäste hatten das Pech, die 1846er in einer noch nie gezeigten Hochform anzutreffen. Das 7:1 entspricht vollkommen dem Spielverlauf. Die 1846er zeigten keinen schwachen Punkt. Der Mannschaft gebührt ein Gesamtlob. Zu empfehlen wäre nur eine gleichmäßige Bedienung der Flügel und hier und Da im Sturm ein schnelleres Abspiel. Buseck war nicht schlecht. Man sah gute Ballbehandlung, doch war das Zuspiel zu eng. Hahn im Sturm jab sich alle Mühe, traf aber auf wenig Der- ländnis bei seinen Nebenleuten, die meist nicht chnell genug waren, so daß die gute Hintermann-' schäft ter hiesigen stets abwehren konnte. 1846 kam in dieser Spielreihe verhältnismäßig spät in Fahrt und hat nach dem augenblicklichen Stand höchstens noch Aussicht auf den zweiten Platz. Die Entscheidung um den ersten Platz liegt zwischen Großen-Buseck und Bad-Nauheim. 1846 II — To. Großen-Buseck II 4:7 (3:4). Die zweite Mannschaft trat mit viel Ersatz an und verlor gegen die gleiche Großen-Dusecks verdient 7:4. To. Dehlar-Niedergirmes I — Mlo. Gießen I 2:2. Am Sonntag trugen die beiden Tabellenersten der zweiten Gaugruppe, der Tv. Wetzlar-Niedergirmes und Mtv. Gießen, ihr Pflicht Piel auf dem Mtv.-Sportplatze am Schisfenberger Weg aus. Ebenso wie das Dorspiel, so endete auch dieses Rückspiel mit einem unentsch eden. Schon nach zehn Minuten Spielzeit endete ein schön vorgetragener Angriff der Gießener mit dem Führungstor. Nach ziemlich verteiltem Spiel glichen die Gäste kurz vor dem Halbzeitpfiff durch einen Etrafwurf aus. Trotzdem die Mtver in der zweiten Halbzeit etwas überlegen waren, erzielten die Niedergirmeser den Führungstreffer, dem nach kurzem Hin und Her abermals der Ausgleichstreffer entgegengesetzt wurde. To. Buhbach II — Mlo. Gießen II 1:4. Dor dem Spiele der ersten Mannschaften trugen die zweiten Mannschaften ihr Derbandsjpiel aus. Nach einem schönen und fairen Spiel konnten die Männerlumer ihre Gäste mit einer 4:1-Nie- derlage nach Hause schicken. Neues aus dem Westen. Die „tägliche Meldung" aus dem westdeutschen Fußball-Lager berichtet diesmal von einer frist- losen Entlassung des Verbands- spvrtlehrers Hoke. Ralph 3. Hole, der frühere Sportlehrer des Norddeutschen Verbandes, trat vor einigen 3ahren zum Westen über und erfreut sich dort seitdem bei allen Mitgliedern allgemeiner Beliebtheit. Ter WSD. gibt als Gründe für die fristlose Entlassung beleidigende und ehrenrührige Behauptungen Hokes gegenüber dem WSV.-Vorstand an. Hoke hat auf Fortzahlung des Gehaltes bis Vertragsablauf geklagt. Weiter ist aus Westdeutschland bemerkenswert, daß in Kürze eine Sitzung der westdeutschen Großvereine in Düsseldorf stattfindet. Die Einladung zu dieser Versammlung ergeht von Turu Düsseldorf. Die letzten Vorgänge werden den Diskussionsstoff bilden und man wird wahrscheinlich gegen die Bestimmung des WSV.-Vor- standes opponieren, nach der Spesen nicht in bar, sondern in Naturalien gezahlt werden sollen. Ausschreitungen in Saarbrücken. Wan hat sich im Laufe der Zeit schon an manche unliebsamen Begleiterscheinungen der Punktkämpfe gewöhnt, doch was sich in und nach dem Treffen in Saarbrücken zwischen FD. Saarbrücken und dem FK. Pirmasens abspielte, spo:tet jeder Beschreibung. Der Schiedsrichter hatte einen Saarbrücker Spieler vom Platze gestellt, eine Maßnahme, die die Zuschauer als ungerechtfertigt empfanden. Nun setzte ein Proteststurm ein, so daß die Pirmasenser Spieler, trotz der aufopfernden Arbeit des Ordnungsdienstes, nicht unbelästigt den Platz, der sich inzwischen zu einem Schlachtfeld umgewandelt hatte, verlassen konnten. Die Schlägereien zwischen den einzelnen Parteien fetzten sich bis in die Straßen von Saarbrücken fort, wo verschiedene Wagen der Pirmasenser demoliert wurden. Tagung des Deutschen Olympischen Ausschusses. Am Samstag hielt der Deutsche Olympische Ausschuß unter Anwesenheit der Vertreter der Behörden und Sportverbände in Berlin eine Sitzung ab, bei der vor allem über die Finanzierung der deutschen Expedition für die Olympischen Spiele 1932 in LoS Angeles beraten wurde. Man errechnete, daß zur Finanzierung der Expedition eine Summe von insgesamt 450 000 Mark (pro Kopf 3000 Mk.) notwendig ist. Die Reichsregierung ist bereit, ein Drittel dieser Summe in den Etat für 1932 einzusetzen, die anderen zwei Drittel sollen von dem, Reichsausschuh und von den Verbänden aufgebracht werden. Ein Reservefonds von 100 000 Mark soll durch die vom Deutschen Botschafter in Amerika einzuleitende Sammlung unter den Deutschamerikanern geschaffen werden. Arbeiter-Turm und Sportbund. Lollar I — Rodheim I 7:0. Lollar hatte sich die erste Mannschaft oon Rod- heim zum Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Gäste gaben wohl alles her, konnten jedoch den Einheimischen nie recht gefährlich werden. Lollar erzielte in gleichmäßigen Abständen sieben Tore. Vilbel I — wieseck I 4:5. Wieseck weilte am Sonntag mit seiner I., Id und 1. Iuaendmannschaft in Vilbel, um gegen die gleichen Mannschaften von Vilbel fällige Rückspiele auszutragen. Das Spiel der ersten Mannschaften stand auf beachtlicher Höhe. Vilbel konnte in der elften Halbzeit zwei Tore vorlegen, dem die Gäste bis Halbzeit ein Tor entgegensetzen konnten. Rach Seitenwechsel zeigte sich Wieseck besser und nach wechselvollem Spiele gelang es Wieseck jedoch bis Schluß das Resultat auf 4:5 zu stellen. Das Spiel der Id-Mannschaften endete unentschieden 2:2. Äm Spiel der Jugendmannschaften konnten die Einheimischen die Gäste mit 3:1 Toren schlagen. Handball SR®. Friedberg I — wiefeck I 0:2. Wiesecks Handballer spielten in Friedberg. Trotz schlechter Platzoerhältnisse entwickelte sich ein flottes Spiel. Wieseck zeigte sich dem Gastgeber üerlegen, konnte jedoch nur zweimal erfolgreich sein. führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und Du hist im Bilde ■— GEH. DR. WILHELM V. OPEL »BLITZ« . . . der vom Preisgericht gewählte Name für den von Opel gebauten, alles überragenden neuen Lastwagen. Ich freue mich, mitteilen zu können, daß aus einer Zahl von Vit Millionen Vorschlägen, die uns aus allen Teilen Deutschlands zugegangen sind, der Name BLITZ für unsere neuen Lastwagen gewählt worden ist, der deutschen Ursprung und Kraft und Leistung unseres neuen Erzeugnisses in gleicher Weise versinnbildlicht Ich danke allen, die uns durch Teilnahme an diesem Preisausschreiben geholfen haben. Ich bin mit ihnen stolz darauf, daß unsere neuen Lastwagen unter dem gewählten Namen nicht nur in Deutschland, sondern in allen Teilen der Welt Zeugnis für deutsche Leistungsfähigkeit und deutsche Arbeit ablegen werden. „BLITZ“ - ein Erzeugnis der Adam Opel A. G., Rüsselsheim a. M. 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Die übertn Die meistei vom S Die statistist zuin Y sich enti Vchörd Hvrimt ÄS boll 1V2 wutftfie Nr. 270 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften)Dienstag, (8. November 1950 Wirtschaft. • Kündigung des Lohntarifs in der Metallindustrie. Der Verband der Metallindustriellen im Frankfurter Bezirk hat gestern den Lohntarif zum 31. Dezember gekündigt. Der Arbeitgeberverband fordert mit Wirkung vom 1. 3anuar 1931 einen Lohnabbau von 15 Proz. Weiter haben die Ortsgruppen des Verbandes der Metallindustriellen für Hessen, Hessen-Äassau und angrenzende Gebiet in Darmstadt. Hanau und Offenbach gestern ebenfalls die bestehenden Lohn- und Akkordabkommen, sowie die verschiedenen Londerabkommen zum 1. Januar 1931 gekündigt. Den M-tallarbeiterverbärrden ist der Vorschlag einer 15prozentigen Lohnsenkung gemacht worden. Eine Begründung der Maß» nahme der Arbeitgeber soll später erfolgen. • Hessische und H e r k u l e s - D r a u e re i AG., Dassel. Der Aufsichtsrat beschloß. der auf den 18. Dezember einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 11 Prozent vorzuschlagen. • Damag-Meguin AG. Die Bilanz und Gewinn- und Vcrlustrechnung der Damag-Meguin AG. Berlin schließt mit einem ^leberschuh von 100 589 (i. D. 269 486) Mark ab. Hieraus erhalten die Vorzugsaktien wieder die satzungs- gcmähe Dividende von 6 Prozent. Die restlichen 96 809 Mark werden auf neue Rechnung vorgetragen. * Mehlpreisermäßigung. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl (Spezial 0) um 25 Pf. auf 42 RM. per Doppelzentner ermäßigt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 18. Aov. Tendenz: schwä- chrr. — Auch die heutige Börse hatte wieder überwiegendschwächereKurse, nachdem schon an der gestrigen Abendbörse weitere Ent- lastungsverkäufe vorgenommen waren. Die schwache gestrige Abendbörse trug zur weiteren Verschlechterung der Situation bei. Da auch keine Anregungen Vorlagen, die der Börse eine Stühe hätten bieten können, schritt die Kulisse weiter zu Abgaben, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse weitere Kursabschläge zu verzeichnen waren. Die älmsahtätigkeit hielt sich in den engsten Grenzen. Verstimmend wirkte ferner ein ungünstiger Bericht vom Arbeitsmarkt und von schwierigen Tarifverhandlungen in der Industrie. Schon Üeinstes Angebot genügte, um den Kurs um bis zu 1,5 Prozent zu drücken. Stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde der Montanmarkt. Gelsenkirchen, Rheinstahl und Rheinische Braunkohlen büßten bis zu 2,5 Prozent ein. Durch größere Kursverluste fielen Deutsche Linoleum minus 4,5 Prozent und Reichsbank minus 4 Prozent auf. Am Clektromarkt war das Angebot zum Teil stärker, und AEG., Licht & Kraft und Elektrische Lieferungen eröffneten bis zu 2 Prozent niedriger. Die Übrigen Werte waren stark vernachlässigt. Ani Chemiemarkt lagen I.-G.-Farben bei weniger starkem Angebot 1,25 Prozent schwächer. Dis zu 1,5 Prozent niedriger eröffneten noch Holzmann, Westeregeln und die Mehrzaht der Dankaktien. Fester lagen lediglich Zellstoff Waldhof, die 1,5 Prozent gewannen. Don deutschen Anleihen neigten Reubesih wieder zur Schwäche. Bon Ausländern gaben Anatolier leicht nach. Rach den ersten Kursen hielten die Abgaben an, doch waren die Verluste nur unbedeutender Ratur. Später machte sich als Folge des günstigen Reichsbankausweises eine gewisse Beruhigung bemerkbar. Die Abgaben kamen zum S t i l l st a n d. Eine Belebung des Geschäftes trat jedoch nicht ein. Weiter schwach lagen Chade- oktien, die gegenüber der gestrigen Abendbörse 8 Mark verloren. Ain Geldmarkt setzte sich eine kleineErleichterung durch. Tagrsgeld 3 Prozent. Am Devisenmarkt lag Madrid aus die bekannten Vorgänge im Lande weiter sehr schwach. Die Mark konnte sich etwas befestigen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1968, gegen Pfund 20,3790, London gegen Kabel 4,8565, gegen Paris 123,67, gegen Mailand 92,75, gegen Madrid etwa 45,00, gegen Schweiz 25,0475, gegen Holland 12,07. Berliner Börse. 03 er I in, 18. Rov. Zu Beginn der heutigen Börse setzte sich die Abgabeneigung, die schon gestern abend in Frankfurt und im -heutigen Vormittagsverkehr festzustellen war, in eher stärkerem Maße fort. Es wurden verschiedene Gründe ins Feld geführt, die diese schwache Stimmung hervorgerufen haben sollen. So verwies man auf das sehr schwache Reuyork von gestern, für das bereits auch schon die vor^ läufige Zahlungseinstellung der Rational Bank Kentucky und die Schwierigkeiten fünf weiterer kleiner Banken in der Gegend von Louisville ausschlaggebend gewesen waren, man sprach von Publikumsabgaben infolge der verschiedentlich aufgetretenen innerpolitischen Spannungen, man war verstimmt über den Rückgang der Kupferpreise und beeinflußt durch die schwache Haltung der Chadeaktien im Zusammenhang mit einem starken Rachgeben der spanischen Währung. Zu Beginn des offiziellen Marktes gaben die Kurse daraufhin von 1 bis 3 Prozent nach. Darüber hinaus gingen Reichsbank, Salzdetfurth, Deutsche Linoleum, Lahmeyer, Schubert & Salzer bis zu 4,5 Prozent zurück. Chadeaktien verloren 10 Mk., bei einem Angebot von 15000 bis 20 000 Mk. Otavi nach anfänglicher minus-minus-Rotiz 2,40 Mark niedriger. An diesem Markte waren etwa 700 bis 800 Stück angeboten. Eine Bestens- kauforder von 2 Millionen trieb den Kurs der Aklumulatorenaktie um 3,5 Prozent in die Höhe. Anderseits soll aber auch der 3,5prozentige Verlust bei Lahmeyer auf eine Bestensverkaufsorder von 3 Millionen zurückzuführen sein. Deutsche Anleihen waren kaum verändert. Von Ausländern zeichneten sich Mexikaner durch festere Haltung aus. Pfandbriefe still. Reichsschuldbuchforderungen behauptet. Am Geldmarkt waren die Sähe unverändert. Tagesgeld war aber eher etwas leichter. Rach den ersten Kursen traten zunächst keine größeren Aenderungen ein. Eine gewisse Beruhigung ging von den Ziffern des Reichsbankausweises für die zweite Rovember- Woche aus. Die Entlastung der Gesamtkapitalanlage um 51,69 Millionen, die Zunahme der Gold- und Devisenbestände um 266 Millionen und die kräftige Besserung der Deckung um 2,5 Prozent machten einen guten Eindruck. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der Kampf um den Milchpreis. Zur Orientierung geben wir nachstehend die bei einem Kleinverkaufspreis von 28 Pfennig pro Liter Milch frei Haus an die Landwirte der umliegenden Dörfer a u s b e - zahltenPreise bekannt: Albach........14 Langsdorf......14 Muschenheim.....14 Birklar.......14 Leihgestern......14,5 Cberstadi.......14,5 Dorf-Güll......14,5 Lang-Göns......15 Alten-Duseck i/3 der Milch 14,5 Alten-Duseck -'3 der Milch 18 Rödgen.......18 Trohe........18 Ruktcrshausen.....18 Steinbach......19 Grüningen......19 Annerod.......19 Heuchelheim......19 Wieseck.......20 Die Verhältnisse in Gießeiz hätten sich niemals soweit entwickeln können, wenn nur derjenige den Handel mit Milch hätte betreiben können, der hierfür den notwendigen älmfatz aufzuweisen hat, denn es ist klar, daß die Handelsspanne bei geringerem Umsatz größer fein muß und daß sie noch größer wird, wenn in ein und dasselbe Haus vier, ja sogar fünf Milchhändler in unrationeller Weise ihre Milch absehen. Vielleicht überlegt sich auch die Gießener Bevölkerung und-besonders die Gießener Geschäftswelt, was die Kaufkraft der an dem Milchpreiskampf beteiligten Landwirtschaft bedeutet! Man hört ja, daß die Stadtverwaltung an ein Eingreifen denkt. 3m übrigen mag der Leser entscheiden. Milcherzeugerverband e. D. Friedberg. Wir hatten bisher keine Veranlassung, an dieser Stelle uns zu dem Kampf um den Milchpreis zu äußern, da wir bis jetzt in der Oeffent- lichkeit nicht in den Streit hineingezogen worden waren. Wenn auch die in dem Eingesandt des Wilch- erzeugerverbandes vom 4. d. Mts. angeführten Zahlen, die sich auf unsere Auszahlung an die Milchlieferanken beziehen, geeignet waren, bei der Verbraucher schast ein falsches Bild entstehen zu lassen, sahen wir zunächst von einer Richtigstellung ab. Rachdem jedoch das Eingesandt vom letzten Samstag mit aller Deutlichkeit beabsichtigt, die Differenz zwischen den von uns ausbezahlten Milchpreisen und dem Kleinverkaufspreis in Gießen als Derdienstspanne hinstellen, soll folgendes erwidert werden: Zunächst sagt schon das Wort „Molkerei", daß hier nicht lediglich ein Milchhandel in Frage kommt. 3n die Stadt Gießen werden täglich etwa 18 000 Liter Milch eingeliefert, während der gesamte Frischmilchbedail etwa 11 000 Liter beträgt. Hiervon werden von den Erzeugern direkt an die Verbraucher etwa 3000 Liter geliefert. Von Milchhändlern, welche die Milch von Erzeugern beziehen, dürften etwa 5000 Liter Frischmilch untergebracht werden, während der Rest von 3000 Liter auf die Molkerei entfällt. Von dem bei unserer Molkerei eingehenden Milchquantum von täglich etwa 10 000 Liter sind also, wie bereits angeführt, nur bis zu 3000 Liter als Frischmilch unterzubringen, und etwa 7000 Liter müssen täglich verarbeitet werden. Bei den derzeitigen Butter- und Quarkpreisen wurden aber nicht, wie der Einsender irreführenderweise behaupetet, 32 Pf., sondern höchstens 14 Pf. für das Liter Milch erzielt, während ein weit höherer Stallpreis ausbczahlt wurde. Wenn der Landwirt bei der Butter- Herstellung einen noch höheren Preis erzielen könnte, würde er die Milch bestimmt nicht zur Molkerei liefern. Aber auch auf den geringen Teil der Milch, welcher von unserer Molkerei dem Frischmilchmarkt zugeführt wird, trifft die Milchmädchenrechnung des Einsenders, bei welcher eine Derdienstspanne von 100 Prozent, und zwar 16 Pf. vom Liter Milch, herausgerechnet wird, nicht zu, und es bedarf wirklich keiner Rechenkunst, eine derartige Einstellung auf das richtige Maß zurückzuführen. Wir hahen keine Möglichkeit, die Milch von dcr Kanne des Erzeugers direkt in den Topf der Hausfrau zu dirigieren, sondern sind darauf angewiesen, nachdem die Milch einer Behandlung unterzogen wurde, die für die einwandfreie Beschaffenheit aller Konsummilch notwendig wäre, diese an die Milchausträger, Händler, sowie Kliniken und sonstige Anstalten abzugeben. Es kommt also gar nicht der Kleinverkaufspreis, sondern eine Spanne, die nicht höher ist, wie bei jeder Landmolkerei, die auf Frischmilch- Versand eingestellt ist, für uns in Betracht. Hieraus sind die Kosten für die Anlieferung ab Stall, sowie alle Detriebsunkosten, Steuern, Löhne und soziale Lasten zu decken. Außerdem muh aus dieser Spanne noch ein Ausgleich für die 7000 Liter Milch, die zur Verarbeitung kommen, her- ausgewirtschaftet werden, da der Erlös aus der verarbeiteten Milch nicht ausreicht für den Werkmilchpreis, der an die Landwirte bezahlt wird. Dcr Kampf um den Milchpreis wird immer wieder aufs neue entbrennen, wenn nur die an die Molkerei liefernden Landwirte allein den Verlust an den zur Verarbeitung kommenden Aeberschuhmengen, die durch die gewaltige Steigerung der Milchproduktion vorhanden sind, tragen sollen und nicht alle nach Gießen liefernden Landwirte in gleicher Weife am Frischmilch- und Werkmilchvreis beteiligt werden. An diesen Tatsachen werden auch die beabsichtigten „Delehrungs- und Dekehrungsversuche" des Herrn T e x t o r aus Leihgestern nichts ändern. Dampfmolkerei Gießen Gebrüder Grieb. Kunst und Wissenschaft. Hermann Hesse aus der Dichterakademie ausgetreten. Berlin, 17. Rov. lTIl. Funkspruch.) Rachdem vor kurzem Walter von Molo aus der Deutschen Dichter-Akademie ausgeschieden ist, ist jetzt auch Hermann Hesse aus der Dichter- Akademie ausgetreten. Bücheriisch. — Professor Dr. Walter Scheidt: Rassenkunde. Rcclams Aniverfal-Dibliothek Rr. 7076. Geh. 40. geb. 80 Pf. Die „Rassenkunde" des bekannten Hamburger Forschers enthält in gedrängter Form alles daZ, was jeder wissen sollte, ehe er sich auf Auseinandersetzungen über die schwierigsten — nämlich die europäischen — Rassenprobleme einläßt. Wer sich ein eigene- Urteil bilden will, muß sich mit den Grundlagen der Erblichkeitslehre, den Erscheinungen der Siebung und Auslese, Rassenbildung und Rassenvermischung vertraut machen. Daxu bietet da- Büchlein in seiner gemeinverständlichen und erschöpfenden Zusammenfassung eine vorzügliche Handhabe. — An der Leine. Von Mechtilde Lich- nowsky. (Verlag S. Fischer, Berlin. 228.) — Die Verfasserin bringt in diesem Buche eine Fülle hochinteressanter Tierstudien, für die ein Dackel das beweiskräftigste Objekt abgibt. Liebevolle und feinsinnige schriftstellerische Gestaltung, gepflegte Sprache und fesselnde Situationsschilderungen sind die besonderen Vorzüge dieses schätzenswerten Buches, dem man eine gute Empfehlung geben kann. — MassimoDontempelli:DerVohn zweier Mütter. Roman. Autorisierte Uebet- sehung von Hellh Hohenemser-Steglich. Phil. Reclam fr.. Leipzig. Preis 2.75 Mk. — 160). — Dieses Meisterwerk des großen italienischen Dichters, das mit dem „Preis der Dreißig" gekrönt wurde, vereinigt tue festen Konturen und die spannende Handlung des großen realistischen Roman- mit den Zaubern einer traumhaften, die Grenzen des Wirklichen überfliegenden Phantasie. Ueber- sinnliches spielt herein in die Welt der mit aller Schärfe erfaßten Wirklichkeit, aber so zwingend sind sie miteinander verbunden, daß der Leser in völliger Verzauberung nicht mehr weiß, wo die verschwimmende Grenze liegt. — D ie heilige Scholle. Ein Westfalenroman aus der Zeit des Ruhreinbruchs von Alfred Funke. (Heimat-Verlag Halle (Saale.) Gebunden 6 Mark. (233.) — Der Westfale Alfred Funke gehört zu den Schriftstellern, die gleich stark nach der wissenschaftlichen und belletristischen Seite veranlagt sind. Seinen beiden Romanen von der Roten Erde Westfalens, dem „Bruch im Lande" und dem „Middelhof", folgt jetzt die „Heilige Scholle", deren Handlung ebenfalls auf der Roten Erde, der Grenzmark zwischen bäuerlichem Besitz und vorstoßender Industrie, wurzelt. In seiner dichterischen Gestaltung, in der starken Handlung und Charakterzeichnung von Menschen und Verhältnissen ist er vielleicht noch wuchtiger, noch wirkungsvoller und doch wieder ebenso zart und fein abgestimmt wie in seinen ersten Westfalenromanen. Rach Art und Form ist die „Heilige Scholle" ein starkes Buch. Keine Tendenz, aber höchste Gerechtigkeit des schauenden formenden Dichters und Liebe zum Schicksalsgenossen in erschütterter, sturmgestohener Zeit, das bedeutet das jüngste Werk Alfred Funkes. — Boheme ohne Mimi. Roman von Joachim Maaß. (Verlag S. Fischer, Berlin. 169.) — Ein fesselnd geschriebenes Buch, das dem Leser interessante Einblicke in eine ihm sonst meist nicht geläufige Welt gibt. Anschauliche Darstellung und flotte Schreibweise sind weitere Merkmale dieses Werkes. Taten für Mittwoch, 19. November. 1805: F. V. de Lesseps, der Erbauer des Suez- Fanals, geboren; — 1828: der Komponist Franz Schubert in Wien gestorben. Letzte Nachrichten. Rücktritt von Dr. Scholz. Oingeldey soll Nachfolger werden. Berlin, 18. Rov. (TU. Drahtmeldung.) Der Bor- sitzende der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz Hal aus Gesundheitsrücksichten seine Remter als Partei- und Reichstagsfraktionsoorsihender der Deutschen volkspartei niedergelegt. Der Par- teivorstand der Deutschen Volkspartei hat einstimmig beschlossen, dem Zentralvorstand den Abgeordneten Dingeldey als Parteiführer in Vorschlag zu bringen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H., Lombardzinsfuß 6 v.H. Frankfurt a. M Berlin Schluß^ kurs | l'Uhr. Kurs Schluß- furt Anfang- Kurs Datum 17 n 18 11 17 H 18 .11 6% Deutsche ReichSanleihe von 1927 .......... 7% Deutsche ReichSanleihe 86,5 86,65 — von nies.......... Deutsche Ant.-AblSI.-SchuId / mil 98,4 — 98,4 — Auslos.-Rcchten....... 53.6 — 53,6 53,6 Tesgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 6% Hess. Lolküstaal von 1929 6.55 6,45 6,3 6^5 (tüd$ol;l6.102%)...... Oberbeilen Provinz • Anleihe mit 89 — 89,5 — Aueloi.-Rechlcn....... Deutsckie Komm. Sammelabl. 50,75 — — — Anleihe Serie 1 . .... 51,3 _ 51,13 6% Rranlj. Hyp.-Ban« fflolbpft XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 98,25 — — — unkündbar 6U 1932 ..... 4%% Rheinische Hyp.-Ban! 93,25 — — — Liga. Goldpse......... 85,65 8% Pi. LondeSpkandbrtefanstast, — Pfandbriefe R. 19...... 8% $r. LandeSpiandbriesanvalt, 100 — 100 — ftomm.-Cbl. R. 80...... 7% Pr. Landeopiandbriefanüall, 97 — 97 — Pfandbriefe R. 8)...... A E.G. abg. BormegS-Obllgatio- 97 — 97 — nen, rückzahlbar 1938 ..... 95 — — — 4% Ceflenetthildif Goldrente . . 4,20% OeNerreichijche Gilberten te 4% Oesterreichische Einheitliche Rente........... 4% Ungarische Goldrcnte .... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4h% deSgl. von 1913 .... 4% Ungarische Kronenrente . . . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% lürtifdK Bagdadbahn-Anl Serie I........ 4% desgl. Serie II....... 6% Rumänische veretnh. Rente von 1903 ......... 4J4% Rumänische verrinh. Rente von 1913 .......... 1% Rumänische veretnh. Sato . — — _ _ — — — — — — 1,65 _ 18,25 _ 23,25 Zf, 3 — — 1,675 — 1,6 _ 3,6 — 3,6 3,65 — — 3,6 — 3,65 — 3,65 3,65 — 8.5 8.5 u 14 13,9 6,8 6,75 6,7 6,7 Frankfurt a. 2JI. Serkin Schluß-! kurs | l'Uhr. Kurs Schluß» kurs Anfang- Kurs Datum 17 II 18 11 17 il. 18. 11. Hamvurg-rlniersta Paket . . - — — 72,13 71,25 Hamburg-Südam. Tampfschiss . 8 — — Hansa Dampsschiff..... 10 — — — — Norddeuticher Lloyd .... . 8 73,13 72,5 73,4 72.13 Allgemeine DeutscheCreditanst. 10 96,5 97,13 96.9 Barmer Bankverein .... 10 101 101 101.25 100.75 Berliner Handelsgesellschaft . 12 127,5 — 127,75 127 Commerz, und Privat-Bank. 11 111,5 111 111,5 111 Darmstädter und Naironalbani 12 149,4 149 149,25 149 Deutsche Bank und Dirconio Gesellschaft, . . . 10 109 — 109 108,5 Dresdner Bant...... 10 109,5 109,5 109,25 109,25 Reichsbank........ 12 227 223 227,9 224 A.C.S........... . t 112,75 111,25 113 111,25 Bergmann........ . 9 — — 131,75 Belte. LieierungSgesellschafl. 10 — 114,5 115,5 113.5 Licht und straft...... 10 123 121,25 122,5 121,25 Fellen & Guilleaume . . . 94,5 —— 95 95,25 Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 117,5 — 117,5 116,25 Hamburger GlektrstitätS-Werke 10 — — 107,13 106,5 Rheinische Elektrizität . . . . 9 — — schlesische Elektrizität. . . . 10 — — 113 , — Schuckerl & Go. . ..... 11 — — 130.5 129 Siemens & Halske..... 16 175,5 — 176,25 174.75 Transradto ........ . 8 — — Lahmeyer & Go....... 19 136,5 — 135 132 52,5 — 52,25 _ Deutsche ErdSI ...... . 6 — —— 65,25 64,5 Ei'iener Steinkohle . • • • . . 8 — — — — Gelsenkirchener ...... . 8 86.25 84,9 86,25 85.5 Harpener ...... . 0 82,5 82,5 83 — 6Vi — — 75,75 74,75 Ilse Bergbau ....... 10 — — — 206 — — 69 68,5 Iköln-Ncuessen..... . . 7 — — 82,5 Dkannermann-RSbreu ... . 7 69 — 71 70 Mansseldcr Bergbau .... . 7 42 — 43,9 41,5 Oberlchles. Eisenbedars ... . b — 40 Oberlchles. Kokswerke.... . 7 — — 73.5 72,75 Bbönir Bergbau...... 6V, —- _ 65,25 Rbeiuuche Braunkohlen . . 10 158,5 156 159.9 157.5 Rheinstahl ...... . 6 75 75,75 75 u - - - Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß- kurs 1-Uhr. Kurs Schluß- kur' Anfang- Kurs Datum 17 11 18 11 17. 11 18 11 vereinigte Stahlwerke . . Ltavi Minen...... Kaliwerke Aschersleben . . Kaliwerke Westeregeln . . Kaliwerke Salzdetfurth . . I. G. Farben-Industrte . . Dvnamit Nobel..... Scheidean statt...... Goldschmidt ...... Rütgcrswerke ...... MeiallgeleUIchasi..... Philipp Hol,mann .... Zementwerk Heidelberg . Cementwerk Karlstadt. . . Wavß & Frevtag .... Schultheis Patzenhoker . . Lstwerke........ Aku.......... Bemberg........ Zellstoff Waldhof .... Zellstoff Aschaffenburg . . Charlottenburger Wasser • Dessauer Gas...... Daimler Motoren .... Deutsche Linoleum . . . Rat. Automobil ..... Orcnstein & Koppel ... Leonhard Tietz . . • • • Frankfurter Maschinen . . Grrhner........ Hevllgenstaedt ..... Iunghan,...... . . Lechwerke........ Mainkraftwerke Höchst a. M. Miag......... Gebr. Roeder...... Bolat & Haeffner .... Süddeutsche Suda e • • 16«/. . 10 . 10 . 15 . 12 . . 6 . . 9 . . 6 . . 6 . . 8 . . 7 . 10 . 10 . . 8 . 15 . 12 . 18 . 14 13’/. . 12 . . 8 . . 9 • . 0 . . 0 • . 6 . 10 . . 4 • . 6 . . 0 . . 6 . . 8 . . 8 . 10 . 10 . . 9 . 10 68 188 190 258 137,65 133 44,5 47,5 86 77 50,25 69 68 24,5 116 14,5 28 28 83,13 70 83 146,5 132 189 136,4 47,18 75,5 50 107,5 111,5 14,5 '— — 68,25 ' 36,4 188,75 190 259,9 137,9 z 44,5 48,25 86,5 77,5 50,9 176 140 71 70,9 106,5 78,9 83 109,25 25 47 116,5 276 14 28,65 27,65 70 146,5 133 68 34 187.5 190 255,75 136,25 47,75 86 174 139,25 68 67,9 106,5 82,5 108,5 24,5 111,5 z 46 115,5 274 — — — Banknoten. Derllttz 17. November Welt» »rief Amerikanische Noten . . - _ 4,187 4,207 Belgische Noten. ... 58,25 58,49 Dänische Noten .... 111,88 112,32 Englische Noten .... e e - - 20,339 20,419 Französische Noten . . . 16,44 16,50 Holländische Noten . . . 168,23 168,91 Italieniickie Noten.... 21,89 21.97 Norwegische Noten . . . 111,85 112,29 Deutsch-Oesterreich, 6 100 Schilling 58.88 59,12 Rumäuiick>e Noten . . . 2.465 2,485 Schtstedische Noten . . . 112,33 112,77 Schweizer Noten .... 81,06 81,38 Spanische Noten .... 47.50 47,70 Tichechollowakische Noten. 12,393 12,453 Ungarische Noten . . . 73,12 73,42 Deoifenmarfl Berlin - Frankfurt a. zn. 17 November 18 November Amtliche Dotierung Amiuche Notierung Geld eirie Geld 23riei 168.56 168,90 168,65 168,99 Buen-AireS 1,438 1,442 1,440 1,444 Brss.-Antw. 58,45 58.57 58.445 58,565 Cbristiania ■ 112,10 112,32 112,11 112,33 Nopenb«a-n 112,11 112,33 112,10 112,32 Stockholm . 112,52 112.74 112,51 112,73 Helnngfors. 10,552 10.572 10,552 10,572 Italien. . . 21,945 21.985 21.945 21,985 London. . . Neuyork . . 20.359 20,359 20.36 20,40 4,1920 4,2000 4,1930 4,2010 Poris. . . . 16.461 16.501 16.458 16.498 Schweiz . . 81,22 81,38 81,27 81.43 Spanien ■ 47,80 47.90 45,95 46.05 Japan . . . »llio de 9an. 2.078 2,082 2,080 2.084 0,421 0,423 0,415 0.417 Wien in T-. Lest, abgeft 59,035 59,155 59.015 59,135 Prag . . . . 12,429 12,444 12.432 12.452 Belgrad . . 7,418 7,432 7,418 7,432 Budapest. . 73,32 73.46 73.31 73,45 Bulgarien. 3,037 3.043 3,037 3.043 Lissabon . . 18,80 18.84 18,80 18,84 Danzig. . . ftonft.ntin. 81,40 1,784 81,56 1,789 81,41 1.784 81,57 1,789 Atben. . 5,435 5.445 5.435 5,445 Canada 4,195 4,204 4,196 4,204 Uta uai). 3,327 3,333 3,327 3,333 Cairo «• 20,885 20,925 20,88 20.22 Preußen. Gedanken zum Bußtage! Von Neinhol- Braun. Da steht er mitten unter seinen grauen Brüdern und will ein rechter „Werk"-Lag sein, wenn auch in einem ganz besonderen Sinne, ein Werktag, der nicht der Erde gilt, sondern dem Himmel in unserer Brust. Ein Werk will er treiben, nicht eins mit dröhnenden Hämmern und funkensausenden Rädern, sondern eins, das wie aus Mutterbehutsamkeit heraus und doch mit der Herbheit des heilig Wollenden geschieht. Gottes-Werktag! Erfülle dich an uns! Wohl dem Menschen, der guten Willens zu dir ist! Wohl dem Volk des guten Willens! Deine grauen Brüder, du Werktag, rufen auf zur Weltzugehörigkeit im Sinne des Schaffertums; du aber rufst uns heim in die ernste, wache Ichzugehörig- keitl Zeigen willst du uns wieder, daß wir nur in solchem Wechsel bestehen können, dah Innentat so wichtig ist, wie Äuhentat, und dah wir uns zu einem rein Maschinenhaften Dasein herabwür- digen oder diesem verfallen, wenn wir jede Innentat außer acht lassen, oder sie zu gering cinschätzen. Du zeigst uns, dah wir ohne Innenwerk den Hcimatgrund unseres Lebens verlassen und als ewige Fremdlinge im Kreise irren. Dem Anrast-, dem Tempomenschen unserer Tage stellst du dich mit dem Gesicht des gottgesandten Bruders entgegen und rufst ihm sein wahres Ziel ins Gewissen. Freilich, unendlich viele rasen an dir vorüber mit dem Antlitz der falschen Zielstürmer. And andere wieder, die du zwingst, dennoch zu verharren, schauen dir wie leere Masken ins Gesicht und wissen nichts mit deinem Rufe anzufangen. Sie verstehen deine Sprache, die alte Heimat-Seelensprache, nicht mehr. Das Wort Gottes ist ihnen ein Spott geworden: aber das Wort Mammon schlägt in sie wie ein dionysisches Feuer. Aber es kommen auch andere auf dich zu. Sie haben den Schritt der Sinnenden und Feiervollen, der vom heiligen Ernste Geprägten. Sonst sind sie wirklichkeitstreue Werker. Aber heute merkst du an ihren Augen, ihren frommen Gebärden, dah sie Brüder und Schwestern der ur-. alten Sucherschaft, der Freunde vom heimischen Leben sind. Sie gehören zu denen, die noch die alte Kunst hochanschlagen, sich selber immer wieder zu begegnen, die noch die alte Herzensfähigkeit haben, auf sich selber zuzuwandern. Es sind auch die sonst innerlich stets Gradwegigen und Grund-Ehrlichen, die wahrhaft Zuverlässigen, weil sie zunächst auf sich selber acht haben und immer darauf hinaus sind, dah inwendig bei ihnen alles stimmt. Ihnen ist die innere Reinlichkeit Lebenselement. Sie grühen dich, den Gottes-Werktag, als einen, der ihnen in seiner herben Ruhsamkeit und zu- .gleich heilig-ernsten Wachheit von neuem in all der Hast des kampfvollen Daseins Gelegenheit gibt, sich im eigenen Kern zu befestigen, ewiges Licht über das Innenland gleiten zu lassen und alle Innendinge in die alte, gnadenhafte Gott-, bezüglichkeit zu rücken, alles aus sich hinauszutun, was nicht zu ihnen gehört. AÄe Welt- und Berufsdinge tun sie gleichsam von ihrem Tisch herunter, entzünden Kerzen der Andacht darauf und räumen dem Heiligen einen Ehrenplatz ein. ilnt> ihre Seele feiert ein heimlich Abendmahl. Solch stilles Werk an sich selbst segnet sich dann wundersam in ihr Leben und ihre Liebe ein. Und mit dem Licht der ewigen Sternenbahn angefüllt, schreiten sie zu neuem, kryftvollen Tun ins Leben zurück. 3632 Studierende im Marburger Wintersemester. WSR. Marburg, 17. Rov. Am Samstag gingen die Immatrikulationen zum Marburger Wintersemester zu Ende. Insgesamt haben sich 3632 Studierende einschreiben lassen (2870 Männer und 762 Frauen). Dcnnit ist die bisher höchste Studierendenzahl zu einem Wintersemester wieder um einige Hundert überboten. Auf die einzelnen Studienfächer entfallen folgende Zahlen: Theologen 346 Männer, 28 Frauen: Rechts- und Staatswissenschaft 670 Männer, 44 Frauen; Medizin 808 Männer, 127 Frauen: Philosophie 1046 Männer, 563 Frauen. Oer neue Bürgermeister von Wehlar. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". JJWetzlar, 18. Noo. Di- WetzlarerStadt- oerordnetenversammlung wählte gestern abend in einer geheimen Sitzung, die bis in die späten Nachtstunden andauerte, den bisherigen zweiten ehrenamtlichen Beigeordneten Dr. Hugo Bangert (Wetzlar) zum Bürgermeister der St a d t Wetzlar. Für den neuen Bürgermeister wurden sämtliche 15 Stimmen der bürgerlichen Parteien, außerdem die Stimme der sozialdemokratischen Stadtverordneten Frl. Holland abgegeben, während sich die übrigen sozialdemokratischen MitgliederdesStadtparlamentsnicht an der Wahl beteiligten. Die Stadtverordnete Frl. Holland trat wegen ihrer Stellungnahme bei der Bürgermeisterwahl aus der sozialdemokratischen Stadtoerordnetenfraktion aus und legte nach Schluß der Sitzung ihr Stadtoerordnetenmandat nieder. Bürgermeister Dr. Bangert wurde am 16. Mai 1890 geboren, er steht also im 41. Lebensjahre. Am 17. November 1929 wurde er als Mitglied der Deutschen Bolksoartei in die Stadtverordnetenversammlung und Anfang 1930 zum ehrenamtlichen Beigeordneten der Stadt Wetzlar gewählt. Seit Anfang September d. I. verwaltete Dr. Bangert nach dem Ausscheiden des verstorbenen Bürgermeisters Dr. Kühn den verwaisten Bürgermeisterposten. Beruflich war der neue Bürgermeister bisher als Syndikus für Wirtschaftsfragen bei den Buderusschen Eisenwerken in Wetzlar tätig. Kreis Wetzlar. 3 Dutenhofen, 17. Nov. Beim Fischen in der Lahn sah ein Mann von hier etwa 100 Meter oberhalb der hiesigen Lahnbrücke in Ufernähe einen Fahrradsattel aus dem Wasser hervorragen. Die Nachforschungen ergaben, daß ein Fahrrad, an einem Weidenbusch angelehnt im Wasser stand. Der Fund wurde aus dem Wasser geholt und in polizeiliche Verwahrung genommen. Es handelt sich um ein im allgemeinen noch gut erhaltenes Fahrrad, Marke Ideal, schwarzer Nahmen, schwarze Felgen mit grünen Streifen, Torpedofreilauf. Die Möglichkeit liegt vor, daß das Rad irgendwo g e st o h l e n und in den Weidenbusch der Lahn versteckt worden ist. (Schluß des redaktionellen Teils.) Diesen Winter vollzieht sich im Kaffee-Konsum ein großer Amschwung. Durch die Rot der Zeit hat so manche Hausfrau zu Misch- oder Getreide- Kaffee übergehen müssen. Dank „Webers Carls- bader" wurde ihr dieser ile&crgang Vicht allzu schwer; denn jedes Kaffeegetränk wird Lmr^„We- ber's" kräftiger im Geschmack und schöner im Aussehen. 7088V Gesundes Blut im Körper bringt Wohlbefinden, sind die roten Blutkörperchen in der Minderheit, so stellen sich allerlei Beschwerden ein. ßeciferrin besitzt die Fähigkeit, in hohem Maße blutbildend zu wirken, es kräftigt den Körper, beseitigt die Beschwerden und macht die Betreffenden froh und zufrieden. 7808V Die Adam Opel AG. veröffentlicht heute das Ergebnis ihres Preisausschreibens. Bekanntlich war die Zahl der eingegangenen Lösungen so groß (1,5 Millionen), daß die ursprünglich für den 22. Oktober beabsichtigte Bekanntgabe des Resultats bis heute hinausgeschoben werden mußte. 1344V DeuischerSprachvereill Vortrag 7773D y sowie Merren- und Jinaben-Anzüge in reicher Auswahl zu billigsten Preisen bei H. Kaefi Nachfolger tu verdanken. Inh.: Wilhelm Horn & Sohn Kreuzplatz 15 Mittwoch 7507 A Telephon Nr. 2773 Tel. 2417 Marktstr. 23 7U9A 7830D Bewerhevereinu.Bezitoerbanfl Waschsamt Keine Kollekte! Eintritt frei! Knurrhahn Pfund 45 Christliche Versammlung Gießen, Löwengasse 9 Pfund 40 % Passender Benn für Frauen und Töchter Frauenkleider 2.40, Neuenweg 15 07139 Umtausch v. Schalwolle u. Stricklumpen Phantasie-Muster 3.80, 4" Geschäfts-Drucksachen 07135 Friedhofsgärtner bei Brühl, Schulstraße 7 Wiesecker Weg 42 / Tel. 4212 Pfund 38 <5 Pfund 42 4 MagtstratssekreMr Sch., Plllkalten, schmeckt sehr angenehm und wird gut vertragen. Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten billiger Fischtag Fischhaus,Cuxhaven* im Kinosaale des »Einhorns«, die bis 23. November geöffnet ist, aufmerksam und bitten um zahlreichen Besuch Sonntags von 11-13 und 16—19 Uhr, werktags von 16—19 Uhr. Eintritt frei Kunsts. Waschsamt 70 cm breit, besond. flotte Muster, für Morgenröcke................ Waschsamt 70cm breit, Lindener Qual.,fesche 21/2-5pfünöifl. im Ausschnitt Waschsamt 70 cm breit, in schwarz und blau- gründig, kleidsame Muster für Waschsamt , 70 cm breit, gute Strapazier-Qual., in Tweed- u. Punkt-Charakter, 1.95, IAcnt, Eczema und ähnliche Hautunreinheiten! Verwenden Sie Indosan! Keine prahlerische Reklame, nur ein Versuch _ überzeugt. Normal-Packung Mk. 3.40. Zu W beziehen durch alle Apotheken, bestimmt: Pelikan-Apotheke, Gießen, Kreuzplatz 2 7667V Indosan-Vertrieb, Abtlg.: 6a, Stuttgart, Fach 29 Freundliche Einladung zu den Evangelisations-Vorträgen des Eoang. Aug. Svade-Belbert (Rheinland) von Montag, den 17. Nov., btS Sonntag, den 23. Nov^ abends 8*/4 Uhr, tm Saale des Cafs Leib tn Gießen. Walltorstrnhe 36 Dienstag, 18. November: Wie werde ich gerettet? Mittwoch, 19. November: Ewiges Leben. Donnerstag. 20. November: Ewiges Gericht. Freitag. 21. November: Gottes Angebot. Samstag, 22. November: Warum so unglücklich? Sonntag, 23. November, nachm.3 Ubr: Wird Samstag bekannigegeben. Abends: 8'/« Ubr: Am herrlichen Ziel. Außerdem finden DienStag, Donnerstag und Freitag, nachm. 3*/. Ubr, im Lokal Löwengaffe 9, sowie Mittwoch, nachmittags 3'/« Ubr, im Easö Leib B.o r- träge stau über: DieErwartung der Gläubigen in der Endzeit der christlichen Kirche. Jeder ernst denkende Mensch sollte nicht versäumen, diese Vorträge zu besuchen. 78121) Bei Blutarmut,Nervenschwäche und deren Folgeerscheinungen: Ferromaron Flaschen zu Mk. 2.35 u. 3.00. Fabrik] Engelapotheke. In allen Apotheken zu haben. von Professor Or.AlfredGöhe über Die öentWii SooiilieBnoniea am Mittwoch, dem 19. November, abends Vs9llhr im Vorlesungsgebäude Hörsaal 45. Gäsie willkommen! 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Da Ist der Vetter Paul, die Tante Frieda und wie eie \ alle heißen. Es vergeht kein Sonn- tag, an dem sie sich nicht einladen. Kann man es den Leuten ver- r.y