Nr. 218 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, i8. September (950 (Er|d)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Vießener FamilienblLtt« Heimat im Dill» Die Scholle monat$:Bejug$preis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerRummern infolge höherer (BeroaÜ. Hernsprechanfchlüfie anterSammelnmnmer2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ rlnjeiaer Siehe». Postscheckkonto: firanMnrtam Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvä unö Verlag: vrühl'fche Univerfitülr Buch. und Steinörucferei H. Lange in Sietzen. Schriftlettnng und Seschäftrftelle: Zchulfttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20', mehr. Thesredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen General von Steuben. Don Frih Heinz ^eimesch. Am 17. September jährte sich zum 200. Male der Geburtstag Steudens. Die nach ihm benannte „Steuben-lYesellschaft", di« Zusammen- sassung der deutschstämmigen Amerikaner, hat diesen Tag feierlich begangen, und mit ihr gedenkt das ganze deutsche Volk eines Mannes, der im besten Sinne deutsch nxir, dessen Verdienste um Amerikas Größe un- bestritten sind. Deutsche Soldaten und Offiziere haben den Ame- rikanern zum mindesten ebensoviel geholsen, die Freiheit zu erringen, wie ihr Bündnis mit Frank- reich und die Arme« Lafoyette. Namen wie die des Obersten Nicolaus Herchheimer, der den Sieg von Oriskann mit seinem und dem Leben von 500 Pfälzer Bauern bezahlte, oder des streitbaren Pastors und Generals Peter Mühlenberg, der mit seiner deutschen Brigade Porktown miterobern half, dann vor allem aber der Friedrich Wilhelm von Steubens, des ftitzischen Offiziers und Generalinspekteurs der amerikanischen Frei- heitstruppcn, sollten neben den vielen tausend Helden deutschen Bluts, die vergessen sind, in der ame- ri kam scheu Geschichte nicht vergessen werden. Vornehmlich Steuden ist von dem Freiheitskriege der Amerikaner gar nicht fortzudenken. Denn sein Organisationsgenie und sein strategischer Weitblick haben zusammen mit den vielen tausend deutschen Freiwilligen die Freiheit des jungen Staatswesens verbürgt. Sicher haben sich auch die Farmer und Trapper angelsächsischen Blutes tapfer mit den Rothäuten, den Franzosen und nachher mit ihren eigenen, jedoch königlich gesonnenen Volksgenossen geschlagen — die berühmten Riflemen aus der heroischen Zeit, in der Coopers Lederstrumpf spielt oder Zone Greys prächtiger Roman „Betty Zone", also der Zeit der Freiheitskämpse, diese Riflemen sind hauptsächlich deutsche Former, Trapper, Wildtöter und Lederstrümpfe, so wie nach- gcwiescnermaßen Coopers berühmter Lederstrumpf auf den guten deutschen Namen Bohne hörte. Nur die Deutschen hatten Büchsen mit gezogenem Lauf, also die Rist«; sie waren die Scharfschützen, die in erster Reihe fochten, di« aber auch den Idealismus aufbrachten, nur um der Freiheit willen zu kämpfen. Schon 11 Jahre vor der Unabhängigkeitserklärung hatten die Deutschen Pennsylvaniens gegen die britischen Unterdrückungen Einspruch erhoben; sie waren die ersten, die gegen den Stachel der hochmütigen Tories lockten, die sich als Drohnen vom Volke mästen ließen. Washington war fraglos eine große Führernatur, aber es fehlte ihm sowie seinen Offizieren, die ja alle nicht vom Dau waren, das Wissen der militärischen Kunst, ohne das man wohl Schlachten gewinnen, kaum aber einen Krieg zu siegreichem Ende führen kann. Die britischen Truppen verstärkten sich immer mehr. 3m Frühzahr 1778 hoffte man 30 000 deutsche „Söldner" über den Ozean bringen zu können, mit denen man den Amerikanern den Garaus machen wollte. Es waren jene Kurhessen, Braunschweiger, Waldecker, Anhaltiner und Ansbach-Bayreuther, die von ihren sauberen Landesvätern für 51,50 Taler je Stück nach England verschachert worden waren. Am 1. Dezember 1777 traf der ehemalige Adjutant Friedrichs des Großen, Hofmarschall des Fürsten von HohenzoUern-Hechingen, Friedrich Wilhelm Freiherr von Steuben, in Amerika ein. Durchaus keine Abenteurernatur, aber unzufrieden mit dem Leben einer Hofschranze, die ihn zum Nichtstun zwang, wollte er — ohne an materielle Borteile zu denken — sein Leben um einer 3dee willen in die Schanze schlagen, ja, er mußte sogar seine jährliche Pension in Höhe von 580 Louisdor aufgeben, also einen erheblichen materiellen Berlust tragen. .Der einzige Beweggrund, der mich diesem Weltteil zuführt, ist der Wunsch, einem Bolke zu dienen, das einen so edlen Kampf für seine Rechte und Freiheit kämpft. Ich verlange weder Titel noch Geld. Mein einziger Ehrgeiz besteht darin, bei Ihnen als Freiwilliger einzutreten, mir das Vertrauen Ihres Oberbefehlshabers zu erwerben und denselben in allen Feldzügen ebenso zu begleiten, wie ich während des Siebenjährigen Krieges dem Könige von Preußen folgte. Ich möchte gerne mit meinem Blute die Ehre erkaufen, daß mein Name eines Tages unter den Verteidigern Ihrer Freiheit genannt werde." Von diesem 'Brief war der Kongreß begeistert und er ernannte Steuben zum General- inspekteur der Armee. Diese war ein Trümmerhaufen. 3m Winterlager von Valley Sorge hungerten und froren 5000 Männer, zerlumpt, desorganisiert, von den meisten Offizieren verlassen, bar jeder Disziplin. Steuben aber erschrak nicht vor der Fülle der Aufgaben, die sich vor ihm türmten. Da es kein gültiges Exerzierreglement gab, so bildete Steuben zunächst eine Lehrkompanie, die er selbst einexerzierte. Disziplin galt den Soldaten als Schikane, denn sie verstanden den tieferen Sinn derß°iben nicht. Mit Tapferkeit allein konnte Washington die geübten britischen Truppen auf feinen Fall schlagen. Wohl hatten diese Männer unerhörte Kämpfe gegen die Rothäute ausgefochten, den wohldisziplinierten Formationen der Briten standen sie jedoch hilflos gegenüber. Unter den allerschwersten Bedingungen gelang es — besonders weil die deutschen Mennoniten und Herrnhuter freiwillig Fourage heranführten — die Lehrkompanie auszubiDen, deren Mannschaften Steuben sodann als 3 n • Oie Herbstmanöver der Reichswehr. Manöver bei uns und in Frankreich. — Oie Sabotage der allgemeinen Abrüstung. Gegenwärtig finden die großen Herb st- Übungen der Reichswehr statt: im kleinsten Rahmen, da die finanzielle Lage die Heranschaffung der weit zerstreuten Verbände nur im kleinsten Umfange gestattet. Die Hebung ist als Rahmen- Übung gedacht und wird als solche durchgeführt. Sie soll den Führern bis zu den Kompanieführern herab Gelegenheit geben, im Rahmen einer großen Aufgabe ihre Kräfte zu erproben. Gleichzeitig werden natürlich die daran beteiligten Divisionen, die 5. Infanteriedivision und die 3. Kavalleriedivision geschlossen eingesetzt. Die Hebung findet in dem schwierigen Berggelände des Thüringer Waldes statt und wird völlig kriegsmäßig durchgeführt, so weit unser Reichsheer bei den ihm auf- erlegten Beschränkungen der Bewaffnung überhaupt eine kriegsmäßige Hebung veranstalten kann. Für die Rahmenübung entscheidet es, daß der vollständig« Nachrichtenapparat des gesamten Reichsheeres daran beteiligt ist, damit die Befehlsübermittlung kriegsmäßig gestaltet werden kann. Es ist natürlich ein großer Gewinn für die Ausbildung des Reichsheeres, daß wenigstens in diesem Umfange einmal die Schulung der Führer und der Truppe im Manöoergelände stattsinden kann. Es wäre ein Verbrechen, wenn man der Reichswehr die Mittel zur Durchführung solcher Aufgaben vor- enthalten wollte. Wir haben das Vertrauen, daß auch künftig diese einfache staatspolitische Erwägung über alle salschangebrachte Sparsamkeit und über alle unzeitgemäßen pazifistischen Theorien siegen wird. So wenig das deutsche Reichsheer heute im Stande ist, einem feindlichen Angriff wirksamen Widerstand zu leisten, so sehr müssen wir darauf achten, daß in seinem kleinen Rahmen an militärischen Leistungen d i e höchsten Ansprüchen gestellt werden. Denn unsere Nachbarn legen gerade letzt entscheidendes Gewicht darauf, die Ausbildung ihrer Heere in jeder Weise zu vervollkommnen. Die kürzlich beendeten großen Herb st Übungen des französischen Heeres haben mit Recht ein über das übliche Maß weit hinausgehendes Interesse erregt. Die französische Heeresleitung hot in den elf Friedensjahren an der kriegsmäßigen Durchbildung der Armee eifrig gearbeitet und in den großen Manöoern am Mont Cenis in den Hochalpen und bei Lunsville im lothringischen Bergland ein möglichst kriegsmäßiges Bild zu schaffen gesucht. Alle modernen Errungenschaften der Kriegsführung, die Luftwaffe, die Motorisierung der Armee und der Gaskrieg wurden dabei erprobt. Die daran beteiligten Formationen, das 7. und 20. Armeekorps sowie die 2 Nordafrikanische Infanteriedivision und die 5. Kavalleriedivision waren auf volle Kriegs st ärke gebracht. Verpflegung, Transport, Sanitätswesen, Munitions. und Materialnachschub waren kriegsmäßig eingerichtet. Die Infanterie- und Kavalleriedivisionen sind bereits im größten Umfange motorisiert. Heute kommen auf eine französische Infanteriedivision 1200 Lastautos, auf eine Kavalleriedivision 600 Mannschafts- und Lastautos und dazu noch 400 mit Pferden bespannte Fahr- zeuge. Wenn so für die schnelle Ueberwindung des Raumes beachtliche Fortschritte erzielt worden sind, so liegt die Schwierigkeit auf der anderen Seite darin, daß eine Ueberlaftung und Verstopfung der Anmarsch st raßen eintritt. Jeder, der den Weltkrieg mitgemacht hat, kennt diese Gefahr bei großen Truppenbewegungen und Kampfhandlungen aus eigener Anschauung. Die französische Feldgen- darmerie hatte bei diesen Manövern direkt die Ausgaben einer Verkehrspolizei zu bewältigen Der Leiter der französischen Manöver in Lothringen hat die durch das Manöver gewonnenen Erfahrungen dahin zusammengefaßt, daß jetzt Klarheit erzielt fei über die größtmögliche Länge einer Lerteidi- gungsfront und über die wirksamsten Deckungen. Kriegsminister Maginot hat die Bedeutung der Manöver so gekennzeichnet: „9m großen und ganzen ist es ein Deckungsmanöver auf einer Verteidigung sfron t." Dabei ist auch in Frankreich die Kavallerie im Abwehrkampfe ausgiebig verwendet worden. Ihre Aufgabe war es, einen dichten Feuerfchleier vor die Aufklärungslinie zu legen, um den Gegner zu zeitraubenden Aktionen zu veranlassen, wenn er diesen Schleier durchstoßen wollte. Zu diesem Zweck hatte man die Aufklärungskooallerie mit modern st enFeuer- Reichspräsident von Hindenburg beim Ehrentrunk in Königshofen (Franken). — * waffe nieder Art, z. B. mit Automitroilleufen und kleinen Maschinengewehrtanks ausgerüstet. Allerdings haben sich bei diesen Kämpfen Schwierigkeiten der Nachrichtenübermittlung ergeben, die schließlich nur durch die Funkentele- graphic überwunden werden konnten, ein Nachrichtenmittel, dessen Empfindlichkeit bekannt ist. Eine sehr beherzigenswerte Bemerkung hat der Leiter der französischen Manöver am Schluß gemacht, indem er betonte, daß der Krieg heute zwar ein „M a t e r i a 1 k r 1 e g" geworden sei, aber daß schließlich doch alles Material durch Männer in Bewegung gesetzt werden müsse, daß es also zuletzt doch auf die Tüchtigkeit und die Disziplin an- kommt. Diese Bemerkung ist völlig richtig und sollte von denjenigen beherzigt werden, die des Glaubens sind, daß heute das Material alles und die menschliche Leistung nichts sei. Den Sieg im Ernstfälle wird bei annähernd gleichen Waffen immer diejenige Armee erringen, die in sich den stärksten Zusammenhalt und das höchste Maß der Soldatentugenden verkörpert. Merkwürdig allerdings bleibt die Tatsache, daß Frankreich in einer Zeit, in der die Völker sich an- geblich zur Abrüstung anschicken, immer weiter an der Vervollkommnung seines kriegerischen Machtinstrumentes arbeitet. Das ist ein Zeichen eines starken staatlichen Machtempfindens und einer richtigen Werteinfchätzung, der nun einmal in dieser Welt wirksamen Mittel. Unfere Forderung kann deshalb nur dahin lauten, daß Deutschland zur Sicherung feines Landes dieselben Möglichkeiten der Landesverteidigung erhält, die man jedem freien Staat zubilligt, wenn die Gegenseite auch ferner die Erfüllung des im Ver- sailler Vertrag gegebenen Abrüftungsoersprechens verweigert. Oie Parteien im neuen Reichstag. Eine Fraktion der Mitte. Berlin, 17.Sept. Neben den Bemühungen um die Bildung einer konservativen und einer klerikalen Fraktion sind auch allerdings noch unverbindliche Bemühungen im Gange, die auf die Gründung einer großen liberalen Fraktion hinauslaufen. An dieser Fraktionsgemeinschaft sind die Volkspartei, die Wirtfchaftspartei und die Staatspartei interessiert. Sollte diese Kombination glücken, so würde die liberale Fraktion 73 Mandate umfassen, im Reichstag also a n fünfter Stelle stehen. Von den weiteren inoffiziellen Besprechungen wird es nun abhängen, ob sich diese Pläne, die durchaus in der Richtung der Scholzschen Sammlungsaktion liegen, auch in vollem Umfange verwirklichen lassen. Am schwierigsten scheint dabei die Haltung der W i r t s ch a f t s - partei zu fein, deren politische Linie sich noch nicht klar herausgezeichnet hat. Man spricht auch von der Möglichkeit einer A r - beitsgemeinschaft mit der neuen Fraktion, die sich aus der gemäßigten Rechten herauskristalli- siert. Es wird also versucht, eine Arbeitsgemeinschaft von etwa 90 bis 100 Abgeordneten zusammenzubringen. In parlamentarischen Kreisen verweist man auf die Erfahrung, daß den Sammlungsbestre- bungen der bürgerlichen Parteien vor den Wahlen doch ganz erhebliche Schwierigkeiten im Wege standen, und man beurteilt demgemäß die Aussichten der neuen Anlehnungsbestrebungen vorläufig noch skeptisch. Es wird aber zugegeben, daß die Situation sich inzwischen doch erheblich geändert habe und daß nun immerhin die Möglichkeit besteht, daß die Bemühungen mehr Erfolg haben. Die Wahl August Webers zum Vorsitzenden der Fraktion der Staatspartei wird gerade in diesem Zusammenhänge rechts von der Staatspartei durchaus g ü n st i g beurteilt. Oie „Deutsche Sraffion*. Berlin, 17. Sept. Die Verhandlungen über die Bildung einer konservativen Fraktion , Hie 43 Mandate umfassen würde, und der die Voltskonservativen, das Landvolk, der Landbund, die Ehrjstlich-Sozialen und die Deutsch- Hannoveraner angehören sollen, sind zu einem gewissen Abschluß gelangt. Diese Fraktion soll den Namen „Deutsche Fraktion" tragen und ihre Führung soll in den Händen deÄ Grafen Westarp liegen. Zum zweiten Vorsitzenden der Deutschen Fraktion, die im übrigen in ähnlicher Form bereits im preußischen Landtage besteht, ist der Präsident des Landbundes, Hepp, auscrsehen worden, während man mit der Geschäftsführung der Fraktion den konservativen Abgeordneten Lambach betrauen will. Die Konstitution dieser neuen Fraktion, die größer sein wird als die deutschnationale Fraktion, soll bereits in diesen Tagen erfolgen. struktoren benützen konnte. 3m Frühjahr konnte er bereits recht und schlecht vor Washington mit einer Division eine Parade abhalten. Da durch Friedrichs des Großen Einwirken — er verbot den Durchzug durch preußisches Gebiet — die englischen Hilfstruppen nicht frühzeitig genug in Amerika eintrafen, versuchten die Briten ihre in Philadelphia stationierte Arme« nach Norden zu führen, um die Verbindung mit Kanada herzustellen. General Lee, Washingtons Voriruppenkommandant, sollte die Abziehenden angreifen, statt dessen führte er sie — da er von den Engländern bestochen war — in einen Hinterhalt, so daß die Engländer leichtes Spiel mit ihnen hatten und sie in die Flucht schlugen. Der herbeigerufene Washington übertrug Steuben das Kommando. Es gelang Steuben, die Fliehenden aufzuhalten, neu zu formieren utib nochmals gegen die Briten zu führen, und — seine überlegene Kriegskunst besiegte die Engländer und rettete die amerikanisch e Freiheit. 1778 verfaßte Steuben das sog. »Blaue Buch", das Reglement, das viele 3ahrzehnte in Gebrauch, stand. Daneben vermochte er auch das völlig korrumpierte Lieferungssystem — die Hccreslieseranten waren auf Provision angestellt — zu säubern und eine gediegene Verwal- »tung einzuführen. Um die ohnehin vorhandene Eifersucht der amerikanischen Offiziere nicht zu erregen, getraute sich Washington nicht, Steuben ein größeres Kommando zu übertragen, aber Steuben war fein Berater bei allen Unternehmungen. Schließlich wurde ihm auf dringenden Wunsch doch ein Divisionskommando verliehen. Am 19. Oktober 1781 kapitulierte die britische Hauptmacht, die in TZorktown eingeschlossen war, vor Steuben. Der letzte Widerstand war gebrochen. Als 1783 der Friede geschlossen war, bat Washington Steuben, weiter im Dienst zu bleiben. Steuben hatte bisher außer einigen Abschlagszahlungen auf das ihm zustehende Gehalt als Generalmajor keinen Sold erhalten. ja er hatte alles Privatvermögen geopfert, so daß er oft in größter Not war. Zwar schenkten ihm vier Staaten neben dem Ehrenbürgerrecht auch große Landstrecken, doch die waren irgendwo im Urwald und brachten feine Einkünfte. Ein sieben 3ahre währender Papierkrieg begann. Der Kongreß wollte die berechtigten Forderungen Steubens nicht anerkennen. Auf nahezu 70 000 Dollar belief sich seine Svldforderung bereits. Zum Dienstleisten war der deutsche Offizier gut, ja auf seine Anregung hin und nach seinen Plänen wurde das Milizsystem eingerichtet, daS heute noch in Amerika besteht und auch eine Militärschule gegründet — seinen Sold hat er nie erhalten. Nur mit schwerer Mühe gelang es, ihm eine Pension von 2500 Dollar zu erwirken. Als man ihm bann gar einen talentlosen, aber waschechten Amerikaner als Kriegsminister vorzog, legte er seine Aemter nieder und zog sich in die Einsamkeit seines Landgutes in Oneida zurück. 3m November 1794 ist er dann ganz plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Oie Landvolkpartei für eine Rechisregierung. Berlin, 17. Sept. (CAD.) Ein Mitarbeiter der „Deutschen Tageszeitung" hatte Gelegenheit, mit dem Parteiführer der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei Höfer über das Ergebnis der Reichstagswahlen zu sprechen. Dieser erklärte u. a. folgendes: Das Wahlergebnis im ganzen bedeutet für mich keine Befriedigung. 3d> hatte der deutschen Wählerschaft mehr realpolitisches Denken zugetraut, als daß sie in diesem Llmfang auf die Zukunftsversprechungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sich einlassen würde. Dom Standpunkt der Christlich-Nationalen Bauern- und Landvolkpartei allein könnte man mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden fein; denn ihr ist es gelungen, gegenüber der Reichstagswahl 1928 ihre Stimmenzahl und damit die Zahl der Abgeordneten mehr als zu verdoppeln. Die Lage im Reich beurteile ich dahin, daß eine andere Möglichkeit als die einer Rechtsregierung von der Deutschen Volkspartei über das Zentrum bis zu den Nationalsozialisten nicht gegeben ist. Die Christlich-Nationale Dauern- und Landvolkpartei wird etwaigen Anregungen von dritter Seite, sich an einer Großen Koalition mit den Sozialdemokraten zu beteiligen, ein kategorisches „Nei n“ entgegensetzen. Oer Iung-euische Orden nach der Schlacht. Ein Aufruf MahraunS. Berlin, 17. Sept. Der Hochmeister des Jung- deutschen Ordens Artur Mahraun wendet sich in einem Aufruf an die Brüder und Schwestern des Ordens, in dem es u. a. heißt: Die Erwartungen, die wir für die Deutsche Staatspartei hegten, sind nur zum Teil eingetroffen. Die Schaffung einer aktiven Mitte zeigt sich heute notwendiger denn j e. Bei der Lage der Dinge und bei der Kürze der Zeit konnten wir nur den Kern dieser Bewegung schaffen. Die Wahlen haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Bekämpfung des Marxismus mit den bisherigen Methoden der bürgerlichen Parteien vollkommen unwirksam ist. Durch diese Methoden ist der Marxismus nur gestärkt worden. Die nationalsozialistische Propaganda hat weite Volkskreise mit sozialistischen Gedankengänge erfüllt. Es liegt die ungeheure Gefahr vor, daß diePcher kom- mende Enttäuschung auf der radikalen Rechten ein noch größeres Anschwellen der marxistischen Bewegung zur Folge hat. Um so notwendiger ist es, jetzt schon die Aufnahme st ellung zu organi- fieren. Die Mitte ist in ihrer früheren Gliederung und Gestalt nicht in der Lage, diese entscheidende Aufgabe zu erfüllen. Darum muß sie auf eine vollkommen neue Grundlage gestellt werden. Die Voraussetzung dafür ist die Schaffung einer willensstarken und tatkräftigen Staatsbürgerbewe- gung. Es war notwendig, die Neuordnung der Mitte auf ihrem linken Flügel zu beginnen. Obwohl dies für euch Jungdeutsche eine besondere schwie- rige Aufgabe war, habt ihr sie mit einer Disziplin erfüllt, der selbst der Gegner die Achtung nicht versagt hat. Jetzt beginnt für euch die neue Aufgabe, eine lebendige Staatsbürgerbewegung zu schaffen, welche einer zielbewußten, aktiven, sozialen und nationalen Mitte das Vertrauen weiter Volkskreise gewinnt. Ein neuer Wahlkampf kann sehr bald notwendig werden. Er soll uns gerüstet finden. Wir wollen ihn mit einer Bewegung führen, die keine Lauheit kennt, die alles Ueberlebte und Erstarrte über Bord geworfen hat. Oie $raffion der Siaaispariei. Berlin, 17. Sept. Die Reichslagsfraktion der Deutschen Staatspartei wählte in ihrer heutigen ersten Fraktionssihung im Reichstag den Abg. Dr. August Weber zum Frak» tionsvorsitzenden, und zu steUvertretenden Dor- sitzenden die Abgeordneten Bornemann, Frau Dr. Bäumer und Oskar Meyer. Es verlautet, daß der bisherige Fraktionsvorsihende, Staatsseftetär Meyer und der Parteivorsihende Mert darauf gelegt hätten, daß die Reichstagsfraktion der neuen Partei auch von neuen Männern geführt werde. 3n der Wahl Dr. August Webers zum Fraktionsvorsitzenden sieht man ein Anzeichen, daß die Staatspartei auf Grund der Wahlerfahrungen den Gedanken des bürgerlichen Zusammenschlusses weiterverfolgen will. Dr. August Weber ist ein alter nationalliberaler Parlamentarier, der vor dem Kriege als Steuersachverständiger der nationalliberalen Fraktion bei der Finanzreform des Jahres 1909 eine große Rolle spielte. Das Amt des Geschäftsführers wurde dem Abgeordneten Theodor H e u h übertragen. Die staatsparteiliche Reichstagsfraktion ist die erste, die sich nach der Neuwahl konstituiert hat. Oie Berufe der nationalsozialistischen Abgeordneten. Konnte man schon aus den Wahlvorschlägen erkennen daß sich die nationalsozialistischen Reichstagskandidaten in großer Zahl aus Beamten und Lehrern zusammensetzden, so zeigt die Liste der gewählten nationalsozialistischen Abgeordneten beinahe das gleiche Bild. 13 Nationalsozialisten find Lehrer und Studienräte, 13 sind Beamte, unter ihnen zahlreiche Postbeamte, 14 Nationalsozialisten gehören der Landwirtschaft an, 11 sind Kaufleute, 11 ehemalige Offiziere und weiter zählt man unter ihnen 10 Arbeiter 12 Angestellte, 8 Schriftsteller und Journalisten, 3 Rechtsanwälte und drei die freien Berufen angehören. Don bekannteren Namen sind Dr. Goebbels, Hauptmann Göring, Studienrat Dr. Loepel- mann, Kube, Stöhr, Dr. Frick, Straßer. Münch- meyer, General von Epp und Gras zu Reventlow zu nennen. Oie Krauen im neuen Reichstag. Trotz der Befürchtungen, daß die Zahl der weiblichen Abgeordneten bei den letzten Wahlen zurückgehen könnte, sind in den neuen Reichstag sechs Frauen mehr eingezoge n als es im vergangenen Reichstage der Fall war. Insgesamt macht die weibliche Beteiligung 6,78 K aus, wobei allerdings den Hauptanteil ksparteien haben. Die meisten Frauen haben die Sozialdemokr aten in das Parlament delegiert, die mit 16 Frauen an der Spitze stehen. Es folgen sodann die Kommunisten mit 13 Abgeordnetinnen, das Zentrum hat 5 Parteien in 5 Reichstagen. und des Landwiks Sozialdemokraten D&Mnational Zentrum +++^ommun/sfen ooooo Nationalsozialisten _______________L, 160 150 IW 130 120 110 100 30 20 10 0 Oer Versailler Vertrag und der neue Kurs in Deutschland. Ein Warnruf aus Amerika. Die amerikanische Oesfentlichkeit beschäftigt sich im zunehmenden Maße mit dem Ergebnis Der deutschen Wahlen und kommt dabei zu dem Schluß, daß der jetzige Zustand unter keinen Umständen mehr lange aufrechterhalten werden kann. 3n der Hearst-Presse, die schon seit langer Zeit den Gedanken der Revision der Friedensverträge verficht, heißt es wörtlich: „Eine Gefahr, die jetzt selbst Halbblinde sehen, hätte Erupa schon lange vorher erkennen sollen. Der Der- sailler Vertrag, der dazu bestimmt war, die deutsche Nation verbluten zu lassen, ist ebenso dumm wie brutal. Er saugt alljährlich in Hunderten von Goldmillionen das Lebensmark aus der deutschen Industrie. Er bedeutet lange Arbeitszeit für jeden Deutschen, Entmutigung für Volk und Einzelmenschen. Keine Nation wird das auf die Dauer aushalten, keine kann es aushalten. Wenn die Alliierten in Dersailles mit voller Lieberlegung die Bolschewisie- rung Deutschlands geplant hätten, hätten sie es nicht besser und erfolgreicher tun können. Jetzt ist es an der Zeit, die Torheit und das Derbrechen des Dersailler Ver- trages ungeschehen zu machen und die schwere und untragbare Last vom Rücken des deutschen Dolkes zu nehmen. Es wird zu spät sein, wenn sich Deutschland wirklich Rußland und der bolschewistischen Politik zuwendet." In der „New Pork Wold" heißt es, daß Hindenburg und Brüning heute vor der Wende in Deutschland stünden, an der 1917 in Rußland Kerenski und 1921 in Italien Giolitti und Facta gestanden hätten. Es frage sich, ob in Deutschland der revolutionäre Sozialismus, das katholische Zentrum und die übrigen Parteien der Mitte begriffen, daß die Zeitenwende Außerordentliches von ihnen verlange. Hindenburgs und Brünings Aufgabe wäre viel einfacher, wenn sie mit einem Bufleben der Wirtschaft rechnen könnten. Da aber ein Winter bitterer N o t bevor- stehe, hätten jetzt England und Frankreich eine große Verantwortung. Sie seien zwar nicht imstande, die wirtschaftliche Lage zu ändern, aber sie könnten das Prestige der republikanischen Regierung in Deutschland erhöhen oder beeinträchtigen. Frank- reich sei der Meinung, daß es vor kurzem Deutschland mit der Rheinlandräumung eine große Konzession gemacht habe. Vor fünf Jahre n wäre die Rheinlandräumung in der Tat eine große Konzession gewesen. So aber hätte sich der extreme Nationalismus in Deutschland entwickeln können, während Frankreich zögerte. Die Stützung der deutschen Republik und die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Ordnung in Europa schienen in der von Henderson angedeuteten Richtung zu liegen, nämlich in der Anerkennungdesdeutschen Anspruchs auf die Gleichheit der Rüstungen durch eine wirkliche Verminderung der europäischen Rüstungen. Diese amerikanischen Stimmen sind zweifellos be- achtlich. Denn sie beweisen, daß man dort die G e - fahren der europäischen Lage, die sich unter den Friedensdiktaten immer mehr verschärfen werden, besser erkennt, als in Europa, wo man entweder das einmal bestehende Rechtsverhältnis zäh ver- teidigt oder sich bestenfalls ganz schüchtern für eine Revision ausspricht. Den Franzosen werden diese Aeußerungen nicht angenehm in den Ohren Hingen, zumal sie nicht nur in der Hearst-Presse stehen, deren Widerstand gegen die französische Politik verständlich ist, sondern auch in vielen anderen amerikanischen Blättern. vier Frauen aufzuweisen, die Deutschnationalen verzeichnen zwei weibliche Abgeordnete und die Deutsche Dolkspartei konnte nur eine Parlamentarierin in den Reichstag delegieren. Staatspartei und Bayerische Dolkspartei, sowie die Christlich-Sozialen sind ebenfalls durch je eine Frau vertreten. Dagegen weisen die Wirtschaftspartei, die Konservativen, das Landvolk, die Deutsche Bauernpartei, der Landbund, die Deutsch-Hannoveraner und die Nationalsozialisten keine Frauen auf. Oie Erneuerung des Völkerbundsrats. Genf, 17. Sept. (Sil.) Die Völkerbund sder- fammlung hat an Stelle der ausscheidenden nichtständigen Ratsmitglieder Kanada, Kuba und Finnland für die nächsten drei 3ahre Guatemala, Norwegen und 3 r l a n d zu Mitgliedern des Dölkerbundsrats gewählt. Guatemala erhielt 43, Norwegen 38 und 3rland 36 Stimmen. Portugal hatte bei der Abstimmung 30 Stimmen erhalten. Der Versuch der chine- s i f ch e n Regierung einen nichtständigen Sih im Völkerbundsrat zu erhalten, ist mißglückt. Die Völkerbundsversammlung hat den Antrag Chinas, noch vor dem satzungsmäßigen Ablauf der dreijährigen Frist, von neuem in den Völkerbundsrat gewählt zu werden, ab gelehnt. Die zur Erklärung der Wiederwählbarkeit einer Macht notwendige Zweidrittelmehrheit konnte nicht erreicht werden, da China nur 27 von 48 abgegebenen Stimmen erhielt. Die Ablehnung des chinesischen Antrages wird darauf zurückgeführt, daß die gegenwärtigen inner- politischen Zustände in China keine genügende Gewähr für eine feste Regierung bilden und deshalb die allgemeine Stimmung in der Völkerbundsversammlung für China nicht günstig war. Im Abrüstungsausschuß. Finanzielle Hilfe angegriffener Staaten. Genf, 17.Sept. (TU.) Nach dem Abschluß der Generalaussprache sind am Mittwoch die Aus- « Uo?? erhandlungen ausgenommen worden. . ^lbrustungsausschuß, dessen Vorsitz der griechische Gesandte P o l i t i s führt, wurde das Abkommen über die finanzielle Hilfe an- gegriffener Staaten behandelt. Die englisch, französischen Gegensätze traten erneut unvermindert Zutage, so daß die Verhandlungen zunächst ergeb- Ulslos abgebrochen und die Regierungen aufgefordert wurden, neue Vorschläge einzureichen. Frankreich will durch das Abkommen ein neues Kriegsinstrument schaffen und bezweckt, angegriffe- nen Staaten weitgehende finanzielle Mittel der hierzu verpflichteten Signatarstaaten zur Verfügung zu stellen, während die englische Regierung das Abkommen lediglich als allgemeines D r o h m i 11 e l betrachtet. Die Hauptstreitfrage ist jedoch die Feststellung des Angreifers in einem Kriegsfall. Aufhebung -er Kapiialeriragssteuer. Berlin, 17. Sept. (TU.) Der Reichstagsausschuh für die Wahrung der Rechte der Volksvertretung (Ueberwachungsausschuh) trat unter Vorsitz des Abg. Henke (Soz.) zusammen, um einen Verordnungsentwurf über die Aufhebung der Kapitalertragssteuer bei fe st verzinslichen Wertpapieren zu beraten. Ein sozialdemokratischer Antrag, die Entscheidung über diesen Gegenstand dem neuen Reichstag zu überlassen, wurde abgelehnt. Nach längerer Aussprache wurde die Verordnung unverändert in der Fassung der Regierungsvorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Die Verordnung besagt: Der Steuerabzug vom Kapitalertrag wird für die Beträge aus festverzinslichen Wertpapieren und aus Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahngesellschaft nach näherer Maßgabe der Paragraphen 2—4 auf* gehoben. Festverzinsliche Wertpapiere im Sinne dieser Verordnung sind Anleihen, die in öffentlichen Schuldbüchern eingetragen sind, Anleihen, über die Deilschuldverschreibungen ausgegeben sind. Diese Verordnung gilt erstmals für Kapitalerträge, die nach d e m 2. 3 a n u a r 19 31 f ä 11 i g> werden. Die Verordnung, die von der Regierung schon dem alten Reichstag vorgelegt worden war, konnte von diesem nicht verabschiedet werden, weil an demselben Tage, an dem der Dteuer- ausschuh darüber beraten wollte, der Reichstag ausgelöst wurde. Die Zusammensetzung »des ileberwachungsausschusses entspricht noch der Fraktionsstärke des ausgelösten alten Reichstags. Die Nationalsozialisten sind in ihm nicht vertreten. Aus aller Welt. Tagung für Denkmalpflege und Heimatschuß. 3n den Tagen vom 16. bis 20. September findet in Köln die Tagung für Denkmalpflege und Heimatschutz statt. 3n den Vordergrund hat man den „Kölner Dom" gestellt. Nach Degrü- ßungswvrten des Vorsitzenden, Geheimrat Clernen, Bonn, hielt Professor Drinckmann, Köln, einen Vortrag über „Kathedralen und Städte". Prof. Dr. Sauer, Freiburg, sprach über „Der Kölner Dom als Gotteshaus und Baudenkmal". Dombaumeister Oberbaurat G ü l - denpfennig, Köln, gab einen Äeberblick über den Derwitterunaszustand des Domes und ging namentlich den Ursachen der Verwitterung nach. Anschließend behandelte der Konservator der Kunstdenkmäler, Ministerialrat Dr. Hiecke. Berlin, die Fragen der Denkmalpflege am Kölner Dom. Es handele sich darum, ob man sich mit statischen Sicherungen begnügen könne oder ob man Vereinfachungen anstreben solle. Hauptversammlung der deutschen Geschichts- und Archivvereine. Unter Teilnahme zahlreicher Vertreter der Staats-, Landes- und Stadtarchive Deutschlands, der Schweiz und Oesterreichs, wurde in der Wiener Universität die Hauptversammlung deS Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine und Archivvereine durch den Vorsitzenden Geheimrat Wolfram, Frankfurt a. M.» eröffnet. Bundespräsident Miklas hieß die Gäste willkommen und feierte unter Hinweis auf die geschichtliche Bedeutung Wiens und die innige Verbundenheit der Deutschen im Reich und in Oesterreich die erfolgreiche Tätigkelfches Geschichtsvereins für das Deutschtum. Nach Ansprachen des Bundeskanzlers Schober, des Unterrichtsministers 3nniher, des deutschen Gesandten Grasen Lerchenfeld, des Generaldirektors der Preußischen Staatsarchive Professor B r a ck- mann begannen die Vorträge über geschichtliche Fragen. 75. Reichstagung des Gustav-Adolf-Vereins. Unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Rend- t o r f f fand in Stuttgart die Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins statt. Kirchenrat Kübel Frankfurt a. M. sprach üoer die Wirkung der jährlichen Hauptversammlungen des Vereins. Im Jahresbericht fehle ein ins einzelne gehender Bericht über die Auslandsdiaspora. Prälat Dr. Hoffmann teilte mit, daß nach Erfüllung sämtlicher Verpflichtungen dem Zentralvorstand vom württembergischen Kirchenoolk die Summe von 165 000 Mark zur Verfügung gestellt werden könne. Kirchenrat Dr. Wurm überreichte 5000 Mark aus dem Schwabenland. In den Stuttgarter Kindergottesdiensten und Sonntagsschulen wurden 1200 Mark gesammelt, die in 100 schwedischen Zündholzschachteln in hundert Zeppelintalern überreicht wurden. Sodann überbrachte Arbeitsgemeinschaft der Stuttgarter Jugendverbände ebenfalls eine Spende. Als Kinderliebesgabe aus Schlesien, der Pfalz, Bayern, Sachsen, Rheinland, Hessen, Württemberg usw. überreichte Pfarrer Uhlich-Bremen die Summe von 46 600 Mark dem Zentralverein. Sodann folgte die Uebergabe der Festesstiftung der deutschen und württembergischen Frauenoereine der Gustav-Adolf-Stiftung, die 30 800 Mark beträgt Weiter wurden Taufgeräte und Altardecken dem Zentraloorstand übergeben. Der Vorsitzende dankte allen Spendern. Die Hauptliebesgaben erhielten Berndorf in Oesterreich, San Leopolde» in Rio Grande, do Sui und Sorau in Ostoberschlesien. Als Ort für die nächstjährige Tagung wurde Osnabrück festgesetzt. Sfaateminiffer a. D. von Loebell 75 Jahre alt. Am 17. September beging Staatsminister a. D. o. Loebell, der jetzt als Domherr im Domstift zu Brandenburg (Havel) seinen Wohnsitz hat, seinen 75. Geburtstag, v. Loebell, der 1855 in Lehnin geboren wurde, war unter Fürst Bülow Unter- staatssekretär der Reich skanzlei und nach dem Rücktritt Bülows Oberpräsident der Provinz Brandenburg. 1910 nahm er seinen Abschied. Von 1914 bis 1917 war o. Loebell preußischer Innenminister. Im Jahre. 1920 übernahm Exz. v. Loebell das Präsidium des Reichsbürgerrates und war dann bei der Wahl des Reichspräsidenten von Hindenburg Vorsitzender des Reichsausschusses. Wichtige Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin. Vor der 8. Kammer des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg siegten heute die Brandenburger Brennabor-Werke gegen den Gewerkschaftsbund der Angestellten. In dem Rechtsstreit handelt es sich um die Frage, ob während Der Dauer eines Tarifvertrages Ver- kürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitigem Gehaltsabbau zulässig ist oder nicht. DieArbeitsgerichteBrandenburg und Berlin hatten im at d. I. gegen die Bergmann Elektrizitätswerke iskürzung bei Einführung von Kurzarbeit für unzulässig erklärt, das Landesarbeitsgericht aber kam zugunsten der Brennabor-Werke zu der entgegengesetzten Auffassung. Der Angestell- tenverband wurde kostenpflichtig abgeroiefen. In Betracht kommt jetzt nur noch Einlegung der Revision beim Reichsarbeitsgericht. Das Urteil des Landesarbeitsgerichts ist von Bedeutung für den Angestelltenkonflikt in der Berliner Metallindustrie. Schweres Unglück an einem Bahnübergang. Bei Groh-Pöchlarn (Nieder-Oesterreich) wurde bei der Bahnüberführung gegen Brunn ein Lastauto von dem V-Zug Wien — Paris erfaßt, einige hundert Meter weit mitgeschleift und zertrümmert. Der Führer des Autos wurde schwer verletzt. Der Besitzer des Autos sowie ein mitfahrender Kaufmann wurden getötet. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß die Bahnschranken nurhalb herunter- gelassen waren, so daß der Führer deS Autos glaubte, die Gleise passieren zu können. Pest in der Rordmandschurei. 3n der Nordmandschurei ist die Deulenpest ausgebrochen und breitet sich in der Richtung auf Tsitsikar aus. Es sind bereits einige hundert Todesfälle zu verzeichnen. Der Bevölkerung hat sich große Unruhe bemächtigt. Kohlenfelder im ehemaligen Deutsch-Ostafrika. Im südlichen Teil von Tanganjika (dem ehemaligen Deutsch-Ostafrika) wurden reiche Koh- lenfelber mit Hunderten von Millionen Tonnen bituminöser Kohle entdeckt. Die Flöze erstrecken sich stellenweise über 20 Kilometer an der Erdoberfläche. Von Sachverständigen wird die sofortige Ausbeute dieser Kohlenfelder als lohnend bezeichnet. Dynamilexplofion in einer amerikanischen Pulverfabrik. 5000 Pfund Dynamit der Alaska-Pulvev-Gesell- schäft flogen in Everett (USA.) in die Luft, kurz nachdem die Mehrzahl der Arbeiter die Fabrik- anlagen verlassen hatte. Die Explosion z e r ■ ft ö r t e die Fabrik und richtete meilenweit in der Umgegend Schaden an. Mehrere Personen werden vermißt, zahlreiche wurden verletzt. Der infolge der Explosion entstandene Brand droht weitere 8000 Pfund Nitroglyzerin zur Explosion zu bringen. Aus der Provinzialbauptstadt Gießen, ben 18. C-eptcmber 1930. Dom Grüßen. Der Gruß ist die leichteste. zarteste, geistigste Berührung, die es unter Menschen gibt. Die Augensterne zweier Menschen ruhen einen Augenblick ineinander, und daS Haupt neigt sich und bestätigt, was da« Auge sah. Rur kurz, nur wenige Augenblicke dauert die Spanne, di« dem Gruh gegeben, — ober welch eine Welt kann fic enthalten! Zwei Menschen begegnen sich die sich am Abend vorher flüchtig kennengelernt haben. -Um) während die Augen sich begegnen, beginnen ihre beiden Herzen wild zu klopfen und sie wissen, wa- sie vorher noch nicht gewuht haben: Das Schicksal ist über ihnen! Zwei andere begegnen sich die sich schon lange gekannt haben. Und während sie sich^ühen und der Mann mit Spannung in den Mienen des MSdchenS sorscht, blickt sie beiseite, kaum dab sie daS Haupt geneigt hat. Und das Herz in seiner Brust erstarrt, er weih: eS ist aus und für immer! — Schon au grühen ist eine edle Gabe von Gottl Ts gibt Menschen, die so grüben können, dab der schönste Tag noch schöner strahlt und der gräueste vergoldet wird. Wer solchen Druh empfängt, der geht nach HauS, beglückt und erwärmt, als wenn er ein kostbares (^schenk empfangen hätte. ES gibt Menfchen, die so viel Inbrunst in einen kurzen Grub drängen können, dah man an den Grub des Engel- denken muh. vor dem Maria erschrak: Gegrübet seist du. Holdseligste! Du Ge- benedeiete unter den Weibern! Ts gibt aber auch Menschen, die grüben, al« fletschte einen eine übelgelaunte Bulldogge an! DaS ist dann eigentlich kaum meßr ein Gruh -u nennen, — fast eher eine Beleidigung! SS gibt Menschen, weltkluge Blenschen, die für jeden Mitmenschen und für jede Gelegenheit einen besonderen, wohl abgetönten Grub bei der Hand haben. Sie können liebenswürdig, freundlich, achtungsvoll, gleichgültig, abweisend und grob grüben. Man freut sich vielleicht, wenn man eines freundlichen Trutzes gewürdigt wird, aber man wende sich dann ja nicht, um dem freundlichen Gesicht nachzublicken! Denn wie abgezirkelt ist mit dem Grutz auch die Freundlichkeit verschwunden, und mit welcher Ernüchterung blicken, wir in das trockene, kalte Alltagsgesicht! Wie schön ist dagegen der völlig absichtslose Druh, der nur die Blüte eines liebevollen Herzens ist. Dieser Grub lächelt wie die Sonne über Arme und Reiche, über Gerechte und Ungerechte. 3a, er tut mehr al- die Sonne, denn den Armen, den vom Leben Benachteiligten lächelt er besonders warm. Er scheint zu sagen: Du mein Freund und Bruder, du meine arme Schwester, ich möchte dir gern mehr schenken, als nur diesen Grub, denn ich weis), das Leben ist rauh mit dir verfahren. Aber heute grüßt dich Gott durch mich! Grüß Gott! Was für ein schönes Wort. Wie schön, wenn wir es auf fremder Strabe von einem fremden Menschen hören, wenn ein paar fremde Augen mit einem heimatlichen Glanz für einen Augenblick in die unseren tauchen. 3a, bann ist Heimat um uns, mitten in der Fremde, die Heimat, die immer da aufblüht, wo Menschen sich freundlich begegnen. Gott lehre eS unS alle, fo zu grüßen, damit es heimatlicher werde in dieser kalten Welt! Sch. Gießener Wochcnmarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bi« 15. gelbe und rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Bohnen 15 biS 20, Unter-Kohlrabi 6 bis 8. Erbsen 20 bi« 25, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 biS 60, Kürbis 8 bis 10, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 4,5, Falläpfel 5 bis 6. Aepfel 20 bis 35, Birnen 15 bis 30. Dörrobst 30 bis 35, Zwetfchen 10 bis 15, Pfirsiche 40 bis 70, Brombeeren 40 biS 45, Preißelbeeren 30 bis 35, Honig 40 bis 50, Rüsse 50 bis 60, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfd.: Käse (10 Stückt 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 80. Eier 13 bis 14, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Ein- machgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 6 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 20 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. daS Bund: Kartoffeln 4 Mark der Zentner. Vornotizen. — TageSkalender für Donnerstag Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Westfront 1918“. — Astoria-Lichtfpiele: .Der Erzieher meiner Tochter" und .Der Detektiv des Kaisers". — Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am Sonntag, 21. September, 19 Uhr, wird Joseph Plaut einen Heiteren Abend geben. Plaut hat sowohl im Ausland wie in allen größeren deutschen Städten sensationelle Erfolge gehabt. Für Gießen bedeutet Joseph ^Maut eine Reu- hett. Wer für die Kammerkunst der Rezitation Verständnis hat, sollte sich diesen Künstler an- Hörem Die 2ldonnenten für die kommende Winter- fpielzeit zahlen den nächst niederen Platz. ee Die Ausführungsbestimmungen zum Milchgesctz. Wie aus dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mitgeteilt wird, find dort die Vorarbeiten für die Aussührungsbesttrnrnungen zum Milchgcfey soweit qcöieben, daß die aufgestellten Entwürfe bereits in nächster Zeit mit den in Betracht kommenden Wirtschaftskrisen erörtert werden können. Bei diesen Vorarbeiten hat es fich als notwendig und zweckmäßig herausgestellt, daS Wilch- gesch stufenweise in Kraft zu setzen. Aus diese Weise wird es möglich sein, den wichtigsten Teil der Vorschriften des Milchgesetzes schon zu einem früheren Zeitpunkt in Kraft treten zu lassen. Damit wird auch dringenden Wünschen der beteiligten Wirtschaftskreise entsprochen. •• Aus dem Gießener Standesamt«- r e g i ft e t. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. biS 15. September: 1. 3ennh Heß, geb. Höxter, Witwe, 62 3ahre, Roonstraßc 25. 3. Marie Euler, ohne Beruf, 63 3ahre, Ludwig- straße 14. 4. Margarete Hartmann, geb. Reust, 38 Jahre, Westanlage 33. 5. Karoline Charlotte Marie Zimmer, geb. Weinhardt, Witwe, 49 Jahre, Reuen Bäue 19. 6. Therese Sondheim, geb. Stern, Witwe, 69 3ahr«, Rordanlaae 11. 9. Christine Mauk, Schneiderin, 67 3ahre, Reuen Bäue 11: Johannes Appel, Kutscher, 66 Jahre, Schifsenberger Weg 28; Paula Margarete Ampt, geb. Pies, Witwe, 83 Jahre, Bahnhofstraße 39. 10. Franziska Schoinber, geb. Kaczmarek, 56 Jahre, Sonnenstraße 6; Katharine Wirsig, geb. Lauterbach, Witwe, 72 Jahre, Seltersweg 10. 11. Elisabeth« Luise Hirsch, geb. Dörr, 39 Jahre, Wetzlarer Weg 17. 14. Luise Müller, geb. Knörr, 62 Jahre, Westanlage 17a. •* Seinen schweren Verletzungen er- legen ist gestern abend in der Chirurgischen Klinik der Fuhrmann Jakob von hier. Der bedauernswerte Mann war, wie wir am Montag berichteten, am Samstagnachmittag beim Zwetfchenpflücken auf einem Grundstück in der Nabe des Hardthofes vom Baume gestürzt und hatte sich dabei die Wirbelsäule gebrochen. ** A u f dem Wege der Besserung. Der am Sonntagnachmittag auf der Landstraße bei Großen.Linden durch Sturz mit dem Motorrad verunglückte Willy Zander aus Döttingen (Württemberg), der in bewußtlosem Zustande mit schweren inneren und äußeren Verletzungen in die Chirurgische Klinik eingeliefert wurde und dort bis gestern früh noch bewußtlos lag, befindet sich seit gestern abend erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung. Der Verunglückte hat das Bewußtsein wieder erlangt, er wird sich aber wohl noch längere Zeit gedulden müssen, bis er völlig wiederhergestellt ist. ee Handwerkertagung in Alsfeld. Am 4. und 5. Oktober findet in Alsfeld die diesjährige Tagung des hessischen Handwerksund Gewerbeverbandes statt. Für den 4. Oktober ist eine Tagung des Landesausschusses vorgesehen. Die Hauptversammlung folgt am 5. Oktober vormittags. Bei dieser Gelegenheit sprechen Dr. Wagner (Marburg) über „Bedeutung und Aufgaben des deutschen Handwerks in der wirtschaftlichen und polittschen Krisis in der Gegenwart", sowie Syndikus Dr. Vierra t h (Berlin) über „Ausstieg oder Riedergang, Schicksalsfragen des beutfdgen Handwerks". Oie Tragödie des Wetzlarer Oberbürgermeisters. WSÄ. Wetzlar, 17. Sept. Der Tod des Wetzlarer Oberbürgermeisters Dr. Kühn gibt dem Kommunalkonflikt in Wetzlar eine neue Wendung. 3n der Tasche des Toten fand man Briefe. Ein Schreiben war an den Schriftleiter des „Wetzlarer Anzeigers" gerichtet. Dr. Kühn bittet darin, sein Andenken zu schonen und feinen Rainen nicht unnötig durch den Schmutz zu ziehen. Es heißt bann weiter: „Der Rer venzus am- m e n b r u ch fleht vor der Tür, oder ist schon da. Ich fühle kein« Kraft mehr, Widerstand zu leisten. Ich sehe nur Rächt um mich. Körper und Geist versagen mir den Dienst. Ich weiß, man wird meine Tat als Schuldbekenntnis werten. Rein, niemals wollte ich dies! 3m Gegenteil, meine etwas großzügige und vielleicht hie und da leichtfertige Art, und dazu meine unselige 3agdpassion, haben mir einen unseligen Streich, der tödlich ist, gespielt. 3ch kann auch nicht weiter mit ansehen, daß treue Beamte und untadelige Menschen, die mir gefällig sein wollten, gerade dadurch ins Glend kommen, und baß ich nicht Helsen kann, lieber meine Lebensarbeit fällt ein Schatten. 3ch hatte mir daS alle« ander« gewünscht. Daß solche Lappalien daran schuld sind, schmerzt mich doppelt. Wo aber bleibt letzten Endes der Schaden für die Stabt? Diesen Anwurf werden Sie zu gegebener Zeit mit zurückweifen helfen." Rechtsanwalt und Dotar Dr. Schauen empfing ebenfalls einen Brief des Toten, in dem Dr. Kühn noch einmal erklärt: „3ch will kein Schuldbekenntnis mit meinem Frei - tob ablegen. Ein bißchen Leichtsinn, aber doch auch Gutgläubigkeit, auch kein Dolus eventualis. Ich ließ manche« geschehen. Kleinigkeiten nachzuspüren, war nie mein Fall. Daß ich die Absicht gehabt hätte, mich an der Stadt zu bereichern, wird niemand mir Zutrauen, der mich gekannt. Wie oft hätte ich dazu in der Vergangenheit Gelegenheit gehabt, und habe doch immer meine Hände rein gehalten. Gs ist mir ein unerträglicher Gedanke, daß ich mich auf meine Bona fides berufen muß und womöglich strafgerichtlich frei auSgehen könnte, während mit stet« treugesinnte Beamte, die mir aus Hochachtung und vielleicht auch au« Dankbarkeit für freie« Arbeiten und Schaffen einen Gefallen zu erweisen glaubten, hängen bleiben. Mit meinen Ehrbegriffen ist daher mein Weiterleben unvereinbar, fo hart es für mein Kind und vor allem für meine Frau fein mag. Schütz' meine Ehre auch nach meinem Tode." Die Stadtverwaltung widmet dem Toten einen Rachruf, in dem ihm feine glänzenden Geistesgaben und seine Tüchtigkeit al« Verwaltungsbeamter nachgerühmt werden. 3m gleichen Sinne lautet der Rachruf der Kreisverwaltung, die den Verlust eines langjährigen Kreistagsmitgliedes beklagt. Das Disziplinarverfahren gegen Dr. Kühn bzw. die mit ihm zusammen angellag- ten Beamten läuft weiter, lieber den Gang des Verfahrens bewahren die Behörden naturgemäß Stillfchweigen. Soviel steht fest, daß die Diszi- plinartammcr das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Limburg abgegeben hat. Rach unfern Informationen dürfte auf da« Konto von Dr. Kühn eine verschleierte Summe von 4000 Mark, die er zum Dau seines 3agdhaufes verwandte, in Frage kommen. 3m Laufe des Verfahrens sind bereit« einige weitere städtische Beamte, so bet Leiter des Städtischen Detriebsamts und zwei Beamte des Gaswerks, vom Amt suspendiert worden. Die Regierung wird voraussichtlich einen kommissarischen Bürgermeister ernennen. Oer Mord in Frankfurt. Frankfurt a. M, 17. Sept. (WSN.) Zu dem Mord in der Maulbeerstraße werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die Kriminalpolizei war mit ziemlich großem Aufgebot fast die ganze Nacht am Tatort beschäftigt. Vor allem fuchten die Beamten des Ertennungsdienftes nach brauchbaren Tatortfpuren. Die Untersuchung dehnte sich auch noch auf den Mittwochoormittag aus. Bei einer genauen Durchsuchung der Wohnung der ermordeten Frau Schreyer wurde noch Geld gefunden, das einwandfrei der Frau gehörte. Außerdem sind die kleinen Wertgegenstände der alten Dame, wie Broschen, Ketten usw., vorhanden. Weiterhin stellte die Kriminalpolizei fest, daß nur ein Teil der in der Wohnung voryandenen Schubfächer und Behältnisse geöffnet und durchsucht wurde. Zwei Hypothesen haben sich bisher bilden lassen: Entweder handelt es sich um einen richtiggehenden Raubmord eines bisher noch unbekannten Täters. der nach begangener Tat sich nicht die Zeit nahm und vielleicht auch nicht nehmen konnte, sämtlich« Zimmer nach Geld und Wertsachen zu durchsuchen, ober aber der Raub als solcher ist fingiert. Es könnte nämlich durchaus möglich sein, daß ein Raubmord zur Irreführung der Behörden nur vor- getäuscht wurde, das Motiv kann Rache gewesen fein. Vielleicht hat der Täter nach vorangegangenem Streit die alte Frau gewürgt und niedergeschlagen und hat einen Raubmord „hergerichtet" Unverständlich erscheint nämlich auch die ganz oberfläch- liche und leichte Fesselung, die gar keinen Zweck hoben konnte. Die Kriminalpolizei nahm im Laufe des Tages einige Sisterungen vor, die Iestgenorn- menen konnten jedoch ihr Alibi einwandfrei Nachweisen und wurden sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Vom Polizeipräfibium wird mitgeteilt: Wie bereits gemeldet wurde, ist die Witwe Elisabeth Schreyer am 16. b.M. in ihrer Wohnung um 20 Uhr ermorbet aufgefunben worben. Sie wurde an diesem Tage nach den bisherigen Feststellungen um 11 Dhr zuletzt gesehen. Rach den Tatumständen hat zwischen Frau Schreyer und dem Täter ein Kampf stattgefunden, bei dem der Täter zweifellos Verletzungen an den Händ en und möglicherweise auch Kratz- wunben im Gesicht davongetragen hat. In der Küche, in der Frau Schreyer tot lag, wurde ein von ihr geschriebener Zettel folgenden Inhalt« gefunden. .Mar? 5 erhalten. Frau Schreyer." Hieran« ist zu schließen, daß der Täter (Mann ober Frau) Frau Schreyer bekannt war, Ihr Gelb toulbctc und ihr fünf Mark zurück- crflattcn wollte. Offenbar war bet Täter mit den Gepflogenheiten der Frau Schreyer und den Oerttichkeiten ihrer Wohnung vertraut. Wenn auch au« verschiedenen Behältnissen von dem Täter Sachen herauSgenommen worden find, so ftcht bisher nicht fest, baß er Geld oder andere Gegenstände genommen hat. 3ebenfall« wurden in der Wohnung noch Wertgegenstände und Bargeld vorgefunben, die der Täter leicht hätte finden können. Der Regierungspräsident in Wiesbaden hat für die Ergreifung de« oder der Täter und für Angaben, die zu ihrer Deberführung dienen, eine Belohnung von 1 000 Mark ausgesetzt. Die 'Belohnung ist nur für Privatpersonen bestimmt. Heber die Verteilung entscheidet der Regierungspräsident unter Ausschluß de« Rechtsweges. Oie Wetterlaae. ryd»$fryliiic.-O' ith» leichter O$i £> «ni$$iger Sodiodwesi Q, Murmtjche» «lordweil Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie »einen Stationen jttntnden Ze> len geven die Temperatur en. Pie Limen verDmdc» Orte eit flicunct» euf neercsnirfeeu umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. 3n der Rinne tiefen Drucke« bewegt sich «in neues kräftiges Kerngebiet mit Barometerständen bis zu 745 Millimeter. Sein Zentrum lag heute morgen über Schottland. Barometerfall über dem Kontinent deutel darauf hin, daß Ausläufer de« Tief« südlich vorgreifen und durch den Herantransport feuchter ozeanischer Luftmassen erneut schlechtes Wetter bringen. Bei meist bedecktem Himmel sind also noch Riederschläge zu erwarten. Die an der Rückseite nachfolgenden etwas kühleren Lustmassen gestalten dann da« Wetter veränderlich, wobei die Temperaturen etwa« zurückgehen. Aussichten für Freitag: Zunächst meist bedeckt mit Niederschlägen, später wechselnd wolkig und kühl. Aussichten für Samstag: Veränderliche» Wetter mit einzelnen Regenschauern. Lufttemperaturen am 17. September: mittags 16,8 Grad Celsius, abends 14,4 Grad: am 18. September: morgens 14,6 Grad. Maximum 17 Grad, Minimum 12 Grad. — Erdtemperaturen In 10 cm Tiefe am 17. September: abends 15,6 Grad: am 18. September: morgens 14,3 Grad. — Niederschläge 6,4 mm.— Sonnenscheindauer 1J4 Stunden. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religlonsgesellschaft. Sabbatseier den 20. September. Freitag abend 6 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.15. — Wochengottesdienst: Sonntag: morgens 5.30, abend» 6; Montag: morgens 5 Uhr. nur .f^uJeKe* frische Milch S-e/v*A- ? 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Denn die kulturellen Interessen sind in Oberhessen nicht geringer wie anderwärts. Darum ergeht an die gesamte Bevölkerung die Aufforderung, das Gießener Stadttheater durch regste Anteilnahme, insbesondere am Abonnement, das große Vorteile bietet, nach Kräften zu unterstützen. Wenn jeder einzelne nachdrücklichst für das Gießener Stadttheater wirkt und wirbt, wird diese bedeutsame Kultureinrichtung auf ihrer bisherigen anerkannten Leistungshöhe erhalten bleiben. Gießen, im September 1930. Der Rektor der Landesuniversität: Dr. Eger. Der Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen und Kreisdirektor des Kreises Gießen: Graef. Der Präsident des Landgerichts der Provinz Oberhessen: I. V.: Seh mahl. Der Oberbürgermeister der Provinzialhauptstadt Gießen: Dr. Keller. Die Stadtratsmitglieder: Albin Mann, Wilhelm Horn, Philipp Nicolaus. 6407D Familien-Drucksachen Verlobungsanzeigen i . _ .... _ Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen Namens der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Büchsenschütz. Danksagung. Allen, die uns bei dem so unerwarteten Ableben unserer lieben Entschlafenen herzliche Anteilnahme bekundeten, sei hiermit innigster Dank gesagt Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer innigstgeliebten Mutter Frau Therese Sondheim sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 17. September 1930. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang meiner lieben Gattin und unserer treusorgenden Mutter, besonders für die trostspendenden Worte des Herrn Pfarrers Wahl, für den erbebenden Grabgesang des Gesangvereins .Frohsinn* sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden usw. sagen wir innigsten Dank. Karl Schmidt IV. und Kinder. Lang-Göns, den 16. September 1930. Miele Hauswaschanlagen Haus«.,Handarbeit Seltersweg 81 5% Edeka-Rabatt! Preise verstehen sich ohne Glas — Erhalt lieh in den Astoria-Lichtspiele Heute bis einschließlich Sonntag: Doppel-Programm Harry Liedtke Dolly Davis in dem entzückenden Lustspiel Der Erzieher meiner Tochter Otto Gebühr Olga Tschechowa in Der Detektiv des Kaisers « Ein Spionage-Film nach den Veröffentlichungen im Berliner 8-Uhr- Abendblalt Oberbürgermeister Dr. jur. Heinrich Kühn akt. 00-02 (XX. X.) et Brunsvigae (XX.) 3-Röhren Radio - Netzempfänger mit la Lautsprecher 167.- u.169.50 M. Nur erstklassige Rundfunkgeräte! Für das Gießener Stadttheater Tanz-Institut Lieber Str-Tel. 3835 Beginn des ersten TaiMiis am Montag, 29. Sept, abends 8 Uhr. M,6V Anmeldungen und Anfragen jederzeit. aiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiyiiiiiiiD MIM für engt. Abendkurs gesucht. Schr. Anneb. u.05758 a. d.Gb.Anz. 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Derweil in Weh n die Erde trritzt, Gewaltiges sich vorbereitet, Unb ein vcrderbenschwangerer Deist Deharnischt durch die Länder schreitet...? Wie einfach im Vergleich zur Gegenwart lagen damals noch die europäischen, die Welt-Gegensätze! ES war der Konflikt, der sich bald danach im Krimkriege entlud, 1854, der sich in jener vor bald achtzig Jahren geschriebenen Strophe spiegelte. Selbst der Krieg von 1 8 7 0 war daS Eraebn'S einer Streitfrage: Werden daS französisch« Selbstgefühl, die französische Sorge um nationale .Sicherheit", die bevorstehende politische Einigung Deutschland- unter preußischer Führung dulden? Dann schürzte sich, langsam, in Jahrzehnten, der Knoten zum Weltkrieg. Die Herde der Anruhe lagen in Frankreich, daS Eksah-Loth- ringen nicht verschmerzte, in Rußland, daS nach Konstantinopel und noch der Herrschaft über die Slawen drängte, in England, dem die deutsche Flotte Sorge machte und das den deutschen Handel neidete. DaS Feld Oer streitenden Kräfte, die sich zur Entladung sammelten, war größer geworden: es reichte vom Westen Europa- bis in den Orient. Vergleichen wir ober seine Ausdehnung mit der Summe dev Gebiete, in denen die heutige Weltunruhe wurzelt. so sehen wir, wie weil entfernt die angebliche Formel der Weltbefriedung, die Formel deS Versailler Diktats, davon war, den Welt- srieden zu bringen. Sie hat nicht den Frieden gebracht, sondern sie hat überall neue Spannungen geschaffen, die sich entladen wollen. Es ist bezeichnend für die Gegenwart, daß überall die Entwicklung zur Krisis drängt. Wir sehen auf der einen Seite, daß Keime, die vor langer Zeit gepflanzt wurden und die allmählich emporwuchsen, jetzt plötzlich zu einer folgenschweren Entfaltung kommen. Als Ra- poleon i. am 30. April 1803 Louisiana, damals die Hälfte des ungeheuren Mississippi- VeckenS, an die Vereinigten Staaten verkaufte, sagte er zu seinen Ministern: .Die Engländer streben, die Reichtümer und den Handel der ganzen Welt an sich zu reihen. Am die Völker von ihrer unerträglichen kommerziellen Tyrannei zu befreien, ist eS nötig, ihren Einfluß durch eine Seemacht zu balancieren, die ihnen eines TageS die Handelssuprematie streitig machen kann. Diese Macht sind die Vereinigten Staaten. Stärke ich deren Stellung durch Abtretung des Mississippi-Gebiets, so erhält England im Welthandel einen Mitbewerber, der seinen Aebermut früher oder später dämpfen wird!" Eine - TageS! Große Politiker sind große Propheten, durch ihr Handeln nicht minder, als durch ihr Reden. Es sind über hundert Jahre vergangen, bi- der Prophet Rapoleon Recht behielt, aber hat er nicht Recht behalten auf eine Art und in einem Amfang, daß wir über seinen divinatorischen Dorausblick staunen? 3m Jahre 1799 sprach man zuerst von einem englischen Reich in Indien. Die englische Verwaltung aber konnte je länger, desto weni- ?er auskommen, ohne eingeborene Hilfs- r ä f t e heranzuziehen. Eie gab den Indern Schulen. Aus den Schulen wurden Hochschulen, wurden indische Rationalvereine, wuchs eine indische Presse, eine indische Kritik, ein indsches Selbstgefühl heran. Dann zertrümmerte der Weltkrieg den Glauben des indischen Volks an die Superiorität der weißen Rasse. Indien will jetzt frei fein, und wenn man den Index fragt, mit welchen Mitteln er denn glaube, England zu zwingen, so lächelt er nur und sagt: ES gibt jemanben der stärker ist alS Englanb, und dem eS paffen könnte, daß Indien frei ist! Eo strecken sich die Linien, längs denen politische Kräste zur Wirkung kommen, jetzt über die ganze Erde. Alle die Felder aber, die sie durchschneiden und verbinden, sind Felder der Anruhe. Welche Anruhen und welche Spannungen sind allein davon in die Welt gekommen, daß zuerst der Oesterreicher Regrelli einen Plan für die Verbindung des Mittel- meers mit dem Roten Meer ausarbeitete und der Franzose LessepS ihn aufnahm und auS- führte! Ein anderer, mächtig wirkender Faktor der Weltunruhe ist das Rationalitäts- Prinzip geworden. Es ist im Grunde ein Abkömmling aus deutschem Geist. Als Herder die .Stimmen der Völker" sammelte und als die Romantiker — selbst Goethe tat es — dem Eigenleben halbvergessener europäischer Ostvölker in ihren Liedern und Sitten nachgingen, wurden am Dalkan und am Fuß der Sudeten die ersten Keime gepflanzt, deren hundertjährige Entwicklung die alte habsburgische Monarchie zersprengt hat. Dann kam der Menschenfang der Entente mit der Verkündung des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Wenn die Betrüger nur geahnt hätten, welch eine Anruhe in der ganzen Welt sie damit gegen sich selber herauf- beschwvren würden! Es ist die stärkste Sanktionierung für die große Forderung, die jetzt von allen nationalen Minderheiten erhoben wird: Volkstumsfreiheit soll dieselbe Geltungskraft haben wie Religionsfreiheit! Es wird nicht lange dauern, so wird auch dies Prinzip em anerkannte- Stück vom moralischen Kultur- besih der Menschheit sein, aber bis es dahin kommt, zuckt eine Anruhe, die aller DämpfungS- versuchc spottet, durch die vergewaltigten Völker und Volksteile der Welt. Kaum ein Jahrzehnt nach dem Weltkriege bricht unter den Flamen in Belgien eine Bewegung auS, die den Anschluß an Holland verlangt, und die bei den Wallonen die Gegenwirkung auSlöst: Gut, dann wollen wir zu Frankreich! Wir Deutsche brauchen sicher nichtS dagegen zu haben, aber welche Folgerung ist natürlicher, als daß dann auch die Oesterreicher heim ins Reich kommen, daß der Weichselkorri- d o r und der Verrat an Oberschlesien ungeschehen gemacht werden? Jeder Schultag, jede öffentliche Versammlung, jedeS festliche Beisammensein in Ungarn beginnt heute mit dem gemeinsamen Bekenntnis: .Ich glaube an einen (Sott! Ich glaube an ein Vaterland! Ich glaube an eine ewige göttliche Gerechtigkeit! Ich glaube an Angarns Auferstehung!" Völker, die diesen Willen haben, werden sich nie beruhigen, bevor ihren abgerissenen Gliedern Freiheit der Selbstbestimmung wird. Was verschlägt es dagegen, wenn die Besitzer des Raubes an Angarn sich zur .Kleinen Entente" zusammentun? WaS verschlägt es gegen das deutsche Recht auf geraubten deutschen Boden, wenn die Polen in Warschau und in Posen Hatzlieder singen? Mögen sie singen! Ihr Singen ist nützlich für die Ohren derer, die an der Weltunruhe schuld sind. Weltausstellung der Briefmarken. Oie Internationale Postwertzeichen-Ausstellung (Iposta) Berlin 1930. i on M. Büttner. In demselben Jahr, in dem das wichtige kleine Werkzeug deS schriftlichen Weltverkehrs, das Postwertzeichen, seinen 9 0. De burtstag feiern konnte, ist die lange geplante, bisher größte Welt- und Heerschau der Philatelie, zur Wirklichkeit geworden. Die Internationale Postwertzeichen-Ausstellung, die am 12. September in Berlin in sämtlichen schönen Festsälen des Zoologischen Gartens eröffnet wurde, bestätigt aufs neue dem Kenner und lehrt überraschend den Laien, daß die Briefmarkenkunde sich aus einer früher oft belächelten Liebhaberei der Jugend längst in eine Art liebenswürdiger Wissenschaft, in eine Kulturerscheinung verwandelt hat. Wenn man von der Ausstellung selbst und von ihrem fast überwältigenden Umfang auch nur einen ungefähren Begriff vermitteln will, lassen sich ein paar Zahlen nicht umgehen. Etwa 600 Einzelobjekte sind hier zusammengestromt, davon zwei Drittel aus dem AuSlande mit seinen reichen Sammlern: rund 2000 Quadratmeter Wandausstellungsfläche in äußerst ansprechender Aufmachung sind bedeckt. 50 Vitrinen gefüllt, ganz abgesehen von den vielen ßogen und Ständen der Markenhandelshäuser. Die heute vielleicht wertvollsten Sammlungen der Welt sind hier zu sehen, darunter Markengruppen einzelner Länder im Werte von 500 000 Mark und mehr. Stets dicht umdrängt von staunenden Sammlern und Laien sind im Marmorsaal besonders die beiden feuer- und diebessicheren Tresors, die ständig scharf bewacht werden: bergen sie doch die größten Seltenheiten der philatelistischen Welt. Da bewundert man die fast schon sagenhafte, nur in einem einzigen Stück bekannte Britisch- Guiana zu 1 Cent farmin von 1856, für die ihr glücklicher Deisher, der Amerikaner Arthur H i n d, auf einer Ferrari-Versteigerung fast 150 000 Goldmark bezahlt hat. Oder die berühmten und auch dem Laien vom Hörensagen bekannten roten und blauen Mauritius zu 1 und 2 P. mit der falschen Inschrift „Post Office“, deren jedes Stück heute mit rund 60 000 Mark bewertet wird. Sogar die seither noch nirgends öffentlich gezeigte Druckplatte dieser Raritäten ist hier zu sehen. Eine andere Kostbarkeit ist die ebenfalls nur einmal vorhandene, versehentlich gelb statt grün gedruckte 3 Skilling von Schweden, die der Aussteller 1928 für 37 500 schwedische Kronen gekauft hat. Oder von den altdeutschen Seltenheiten der bekannte Baden- Fehldruck 9 Kreuzer blau-grün statt rosa, den man auf 25 000 Mark schätzt. Mit diesen und einigen anderen Seltenheiten bergen die kleinen Stahlschränkchen wohl den Wert einer runden Million. Einen besonderen Rana nimmt die sog. Rote Veranda ein, in der zehn europäische Staaten ihre philatelistischen Objekte ausgestellt haben. Da zeigt das Berliner Reichspostmuseum Entwürfe und Probedrucke deutscher Marken: die Abteilung München des Reichspostministeriums veranschaulicht in Originalzeichnungen, Druckplatten usw. den gesamten Herstellungsgang der Prinzregent-Luitpold-Marken von 1911. Der Reichskunstwart hat Original-Markenentwürfe deutscher Künstler, Probedrucke nicht verausgabter Marken usw. beigesteuert. Auch die österreichische Postverwaltung stellt den Werdegang der Briefmarke dar und zeigt die Originalentwürfe zu einigen ihrer schönen Wertzeichen. Das niederländische Postmuseum im Haag hat u. a. die Kupferdruckplatten der Gedenkausgabe 1913 geliehen. Die polnische Post und die russische Sowjetrepublik haben Teil« ihrer Staatssammlungen zur Aufstellung gebracht. DaS letzte Jahrzehnt ihrer Markcnkunsl schildert die schwedische Postverwaltung, die Herstellung der vorbildlichen tschechoslowakischen Marken führt daS Prager Postministerium vor, ebenso die Verwaltung der Fürstlich Liechtenstcinschen Wertzeichen-Sammlung den Druck der reizvollen neuesten Ausgabe. Aus den hier zusammengetragenen Warken- schätzen der eigentlichen Sammler können an dieser Stelle und nach einem ersten Rundgang nut einige der hervorragendsten Objekte erwähnt werden. In der Gruppe der Forschungssammlungen zeigt etwa Adolf Passer (Prags auf zehn Meter Wandfläche Marken der provisorischen Regierung in Angora. Direktor H. Birnbach (Berlin) auf siebzehn Meter seine berühmte Moldau- und Altrumänien-Sammlung, C. Ott (Altona) seine prächtigen SchleSwig- Holstein-Markcn. Konsul A. Weinberger in Brünn hat auS seiner Allgemeinsammlung eine Anzahl hervorragender Seltenheiten von Altdeutschland, Altitalien und Aebersee auSgewählt. Der bekannte große Sammler Alfred F. Lichtenstein (Reuyork) sandte seine kostbaren Mauritius, die nicht nur ein kleines Vermögen darstellen, ferner alte Schweizer Kantonalmarken, Britisch Kolumbia und Vancouver. Don seinem Landsmann Arthur Hind sieht man, außer der erwähnten größten Seltenheit, auf zehn Meter eine herrliche Sondersammlung der ersten Spanien-Marken in Blocks, ganzen Bogen und wiederhergestellten Platten. Ein dritter berühmter Reuyorker, Theodore E. S t e i n w a y . stellt nicht nur Konzertflügel, sondern auch ausgezeichnete Markensammlungen her, wie der ausgestellte Teil von Reu-Süd-Wales beweist. Tracey Woodward (Schanghai) schickte einiges auS seiner Forschungssammlung von Japan, Korea und Formosa, zwölf Bände auf über tausend Seiten, das Ergebnis 45jähriger Forschungsarbeit! Dr. Siegfried Ascher (Berlin) ist mit seiner interessanten Spezialsommlung der ersten englischen Briefumschläge von Mulready vertreten. H. Bauer (Straßburg) mit seinen Slsaß- Lothringen und Kricgsmarken von 1870/71, I. B. Seymour in London mit seiner bedeutenden wissenschaftlichen Großbritannien-Sammlung. Don Dr. E. Siena (Rom) sieht man eine wundervolle alte Parma-Zusammenstellung, von K. A. Günther (Chemnitz) ferne schon oft preisgekrönte Sachs en-Sammlung, von Konsul F. D e n z i g e r (Stockholm) 20 Meter Schweden- Marken und von vielen anderen zahlreiche Kostbarkeiten, die sich wohl nur durch häufige Besuch« alle entdecken lassen. Einen breiten Raum nimmt der modernste Sammelzweig, die F l u g p o st ein, aus welchem Gebiet insbesondre die jüngsten großen Zeppelinfahrten mit ihren vielenl Postsachen reich vertreten sind. Dem gefährlichen Problem der Briefmarkenfälschungen haben andere Aussteller ihre Studien gewidmet. Immer beliebter wird auch das Sammeln von Abstempelungen, denen man in außerordentlich vielen Objekten begegnet. Mit welcher Vielfel- tigkeit und Gründlichkeit allein dieses eine Gebiet der Poststempel heute philatelistisch bearbeitet wird, vermag sich der Laie nicht vorzustellen. Schließlich ist ein besonderer Raum der AuSstel- lung der umfangreichen Literatur über Briefmarken Vorbehalten, die in einer großen Reihe von Handbüchern. Studien Katalogen und Zeitschriften auf dem Plan erschienen ist. Daß in der größten aller bisherigen Brief- marken-Ausstellungen zwei «igenePostäm- t e r mit Sonderstempeln nicht sehlen dürfen ist wohl selbstverständlich Die intimen De- zieyungen zwischen Post und Sammlern kommen auch darin zum Ausdruck, daß die deutsch« Reichspost den Philatelisten besondere Ausstellungsmarken mit Städtebildern beschert bat, bruch- technische Meisterwerke, die natürlich eifrig ge- Auswanderer. Begegnung in Cuxhaven. Von Franz Gensecke. Ich sehe sie nod) deutlich vor mir: drei schlanke, starke Jungen, fünfundzwanzigjährig. mit sehnigen. hageren Arbeitshänden und lässig getragenen Schultern. Wir saßen am frühen Morgen auf einer Bank auf der .Alten Liebe" nebeneinander. Unter unseren Füßen gluckste und platschte das schmutzig.graue Wasser der Elbebucht, die sich in alter Gewohnheit in Rebeltücher gehüllt hatte. Don seewärts kam eine scharfe, kühle Brise, die den Wellen hier unb dort kleine, weißschäumige Kronen aufsetzte. Die Sonne steckte noch als matte, glasige Scheibe in den Wolken. Eie sahen zu britt und doch jeder für sich neben mir, die Hände unbeholfen auf die Knie gestützt, und starrten von Zeit zu Zeit in die Richtung. aus der die Elbe herfloß, als warteten sie aus etwas, das mit den Wassern des Stromes dort irgendwo aus der Dunstwand herauskommen müßte. Sie waren wetterharte, derbe Jungen und trugen Anzüge nach gestrigem Schnitt aus grobem Stoff. Der erste, Sohn eines Bauerst, groß und gebräunt, sprach von praktischen Dingen, die seine Gedanken beschäftigten, ohne zu fragen, ob die anderen daran Interesse hätten. Der zweite, Bergmann aus Westfalen, trug über blassem, ein wenig rundlichem Gesicht mit schwarzem Stutzbärtchen einen schwarzen Hut mit breitet, weicher Krempe. Er hörte teilnahmslos zu unb knetete aus seinem Morgenbrot kleine, harte Kügelchen, die er über die Latten des Fußbodens rollen ließ, bis sie in das Wasser absprangen. Der dritte, ein Schmied, reckte sich lang gegen die Rücklehne der Bank, streckte die Deine von sich, vergrub die Hände tief in den Hosentaschen und betrachtete des Bergmanns Brotkugelspiel mit geringschätzigem Grinsen. 3ch versuchte ein Gespräch in Fluh zu bringen, indem ich von dem Grunde ihres Wartens, von dem Lleberseedampfer sprach, der sicherlich schon irgendwo zwischen Hamburg und Cuxhaven auf der Elbe schwamm. Ob ich den Dampfer schon gesehen hätte, fragte der Bergmann. Ob man fein Gepäck gut unterstellen und sein Geld beim Zahlmeister in Derwahr geben könne, erkundigte sich der Dauer. So kamen wir allmählich in eine Unterhaltung, * beten Kosten allerdings in der Hauptsache von mir getragen wurden. Ich erfuhr dabei, was ich ihnen schon angesehen hatte, daß sie nach Südamerika auswandern wollten, und daß drüben jeder fein besonderes und fein großes Glück erwartete, vorläufig zwar noch mit vielen „Wenn" und „Aber", doch mit beneidenswerter Konsequenz. — Als ich nach dem Mittagessen im Hotel mich auf mein Zimmer zurückgezogen hatte, um in Auhe eine Zigarre zu rauchen, hörte ich von der Elbe her die Sirenen des herankommenden Dampfers. And als ich an das Fenster trat, schob sich die hohe, schwärzliche Masse des Ozeanriesen gerade aus dem Rebel heraus. Ich ging sofort hinunter. Am Zoll Hause wirbelndes Gedränge, das durcheinander-, umcinanberquirlte und sich langsam auf den Anlegekai hinausschob. Meine drei Freunde kamen soeben nacheinander, jeder einen schweren Koffer und noch verschiedene einzelne Pakete in den Händen, aus der Hatte. Auf dem Kai blieb der Schmied stehen, um sich zu verschnaufen, schob den Hut in den Racken und wischte mit einem bunten Tuch den Schweiß von der Stirn. Dann sah er andächtig an der schwarzen Wand des Schiffes in die Höhe und faßte seinen aus Ehrfurcht und Staunen gemischten Eindruck zusammen in das Wort: „Donnerwetter". Der Bauerssohn kam als zweiter. Sein Gesicht schien mir zusammengekniffener als am Morgen. Zwischen den Zähnen zerbiß er das Mundstück einer Pfeife, die kalt uno leer auf der älnterlippe schwappte. Als er neben mir stand, nahm er den Pfeifenkopf zwischen bi« Finger der Rechten unb sagte so beiläufig mit halbgeöffnetem Munde: „Ick habe mir überlegt, daß drüben Weibe unb Diey doch ganz anders bewirtschaftet werden. Da wird man umlernen müssen unb Lehrgeld zahlen." Er seufzte, als sähe er sich in Oebanlen noch einmal hemdärmelig, Hut tief in Stirn unb Racken gezogen, im Grummetschnitt stehen: Gras duftete, Sonne stach, ßerchenlieber schwangen im Blauen, Sensen Langen und flirrten, und er fang ein Lied, ein Lied, wie die Mädchen fangen, wenn sie abends Arm in Arm zu einer Reihe gefettet auf der Landstraße spazieren gingen. Er wies auf den Schmied. „Wer nicht an der Scholle haftet, scheidet doch leichter." Unbeachtet hatte sich der Bergmann auf seinen Koffer gesetzt. Ich bemerkt« ihn erst, als er mich am Aermel zog, mir behutsam einen Brief in die Tasche schob und leise fragte, ob ich ihn in den Postkasten stecken wolle. Er möge ihn keinem Fremden anvertrauen. Ich mochte wohl gelächelt haben, denn er wurde rot und fügte entschuldigend hinzu: .Er ist an meine Mutter." Da standen nun diese jungen Männer kleinlaut am Fuße der schmalen Fallreepstveppe, hatten ihre Koffer auf den Boden gesetzt, als seien sie vom Tragen müde, ftierten die hohe Echifsswand an und zögerten den ersten Fuß auf die erste Stufe zu fetzen. Der eine dachte an dce Scholle, auf der fein Blut gewachsen war. der andere an die Mutter, die ihn geboren hatte. Erde — Mutter? war dies nicht im Grunde bas gleiche? Umfaßten sich die beiden nicht in dem einen Begriff Heimat? Ob der eine bei dem Gedanken an die Scholle, die fein Pflug gewendet hatte, seufzte, oder der andere nod> einen raschen Brief an die Mutter schrieb, nach beiden griff die Heimat mit unsichtbaren, festen Händen. Als sie schließlich nach ihren Koffern griffen und mir ihre Hände zum Abschied hinstreckten, waren wohl in beiden die gleichen Gedanken wach: Du bist kein Kind mehr, laß dir nichts aranerten. Dann stiegen sie die Stufen des Fallreeps hinan und schauten sich oben noch einmal um. als der Schmied noch immer neben mir stand. Dann drehte auch er sich langsam um, gab mir mit festem Druck die Hand, nahm seinen Koffer auf und schritt mit tapsenden, schweren Schritten feinen Gefährten nach. Die Sirene hatte ohrenbetäubenb geheult. Eben wurden die Stahlttosfen gelöst. Die drei standen über mir an der Reeling. Da begannen die Schrauben zu wühlen: weißer Gischt schäumte auf. Ein Zittern lief über den stählernen Leib, ein Riß entstand zwischen Land und Schiff, der immer weiter klaffte, und in den graues Wasser gurgelnd schoß. Hundert Augenpaare bohrten sich von oben in diesen Riß, der zwischen ihnen und der Heimat aufbarst. Musik spielte ein Abschiedslied. Während der Dauer und der Bergmann mit bunten Tüchern winkten, als wollten sie mir ihre Herzen zuwerfen, stand der Schmied am Heck, spuckte ins aufgewühlt« Wasser und warf dem weichenden Lande kaum einen Blick nach. Bizarre 2Reforbjagben in Amerika. In den letzten Wochen sind aus den ^Bereinigten Staaten die seltsamsten Rachrichten über ein Rekord« fieber gemeldet worben, bas unter ber Bevölkerung ausgebrochen ist. Diese Manie ruft bie ernsten Verrenken aller einfichtigen Beobachter des Dolkslebens hervor, unb es ist eine Bewegung im Gange, bie bie verrücktesten Wettbewerbe durch Verbote verhindern will. Besonders sollen die Kinder geschützt werden. Gin jugendlicher .Daumsitzer'' ist bereits herunter- gefallen und war sofort tot. Sin anderer, der 13 jährige Billy O' Donnell aus Camden in Rew Jersey, der auf diese Weise Geld verdienen wollte, um seine kranke Mutter zu unterstützen, stürzte ebenfalls herab und wurde schwer verletzt in dasselbe Krankenhaus übqjgcführt, in dem seine Mutter lag. Sin 14 jähriger aus Riagara Falls hatte bereits 164 Stunden auf feinem Baum gesessen, als ber Dämon der Eifersucht ihn zum plötzlichen Abbruch feiner Rekordjagd veranlaßte. Seine „Freundin", die es müde geworden war, auf ihn zu warten, ließ fich vor den Augen ihres Liebhabers von einem feiner Gefährten zn einem Kinobefuch verführen, und das konnte Red nicht ertragen. Einen Rekord im Baumsitzen hat Daniel Knight mit 336 Stunden aufgestellt, während gleichzeitig feine Mutter auf einem benachbarten Baum ihre 217. Stunde verbrachte. Andere Iungeng suchen Rekorde im Drachensteigen aufzustellenz so hielten zwei Brüder Otterbein ihren Drachen 19 Stunden in der Luft, bis eine Taube mit ihm zufammenstieß und ihn zu Fall brachte. Vier ander- Knaben ttieben einen Baseball Tag und Rächt 130 Stunden, bis daS Interesie des Publikums erlahmte. Die Fahrrad-Wettbewerbe, bei denen immer ein Radler den andern auf demselben Rade ablöfk wurden Tage und Rächte lang fortgesetzt, wöbet vielfach die Eltern der Rekordbrecher alS „Manager* auftraten. Hinter all diesen Tollheiten steckt ja ein prakttscher Zweck, da man von den Zuschauern nicht unbeträchtliche Summen einfammelt In der Stadl Bloomfield begannen Raymond-Sharp und Wallac« Bogel einen Rekord im Bartwachsen. Dieser mußts von Vogel, nachdem er eine Woche gewährt hatten abgebrochen werden, weil Frau Dogel drohte, ihrem Manne Leim auf die .Stoppeln" zu schmieren, wenn er fich nicht sofort rasierte. Besonderes Ärgernis hat der Rekord im Sargliegen erregt, den .Kapitän* Jack Evans in Atlantic City unternahm. Sr lieft fich in einem Sarg unter der Erde eingraben unb stand nur durch eine stählerne Röhre mit der Oberwelt irr Verbindung. Ein Trupp von Totengräbern stand bereit, um ihn sofort auszugraben, wenn etz diese Probe nicht mehr aushalten könnte. Das Sin» zige, worüber er fich in feinem Grabe beschwerte war das ewige Herumtrampeln der Zuschauer übet ihm, das ihn nervös machte. Rach einer Woche unb nachdem er den Rekord im Sargliegen geschlagech hatte, gab er seinem Wunsch Ausdruck, ausgegrabeN zu werden, da er an Krampf litt. Aber die Managet wollten das Geschäft noch einträglicher gestalten unft sagten ihm zurück, daß fie für baß Schauspiel des Ausgrabens einen Eintritt von 50 Cents erhebe- würden. Das aber erschien SvanS zu viel und eß bat, doch nur 25 Cents zu nehmen, da die LeutS soviel nicht bezahlen würden. Auf dieser Bafis einigt* man fich, nachdem es noch zu einigen häßlichen Auftritten gekommen war. Schließlich brachte man einen Halbtoten herauf, mit langem Bart, eingesunkenen Wangen und zitternden Händen, der vor der versammelten Menge eine mühselige Verbeugung machte... kauft werden. Da diese Marken aber nur gegen Vorlage der Eintrittskarte verkauft werden, so haben die leidenschaftlichen Sammler in aller Welt eben — Eintrittskarten zur Iposta bestellt! Diele Markenfreunde aus aller Herren Länder haben indessen auch die löbliche Absicht, persönlich ihr gutes Geld in Deutschland zu lassen, wozu ihnen die mannigfachen gesellschaftlichen Veranstaltungen, von denen die Ausstellung begleitet ist, allerlei Gelegenheit bietet, Und schließlich werden Medaillen und schöne Ehrenpreise dazu beitragen, daß man das große philatelistische Ereignis überall in bester Erinnerung behält. Schwerer Einbruch in ein Kornhaus. WSR. Ziegenhain, 17. Sept. 3n der Dacht zum Dienstag wurde das Kornhaus Hessenland am Südbahnhof in Ziegenhain von Einbrechern heimgesucht. Die Täter waren durch ein Kornbvdenfenster eingestiegen und nach Aufbrechen der Tür in das Kontor eingedrungen. Hier erbrachen sie einen Geldschrank älterer Konstruktion. Ilm besser arbeiten zu können, hatten sie den Geldschrank aus zwei Kornsäcke umgekippt und dann die eisernen Doppeltüren aufgemeihelt. Die in dem Geldschrank aufbewahrten 1 4 0 0 Mark In Papier- und Metallgeld nahmen die Tater an sich und verschwanden damit auf demselben Wege, auf dem sie gekommen waren. Die Landeskriminalpolizei Kassel hat die Ermittlungen ausgenommen. Daten für Freitag, 19. Tcptcmber. Sonnenaufgang 5.40 Uhr, Sonnenuntergang 18.08 Uhr. — Mondaufgang 0.45 Uhr, Monduntergang 17.22 Uhr. 1814: der Rechtslehrer K. Friedrich v.Savignh in Berlin geboren; — 1867: der Maler G. Oppler in Hannover geboren. 'IO Jahre Iugendherbergsarbeit im Gan Main-Nhein-Lahn-Fulda. Von Dr. W. Flörke-Gießen. „Die Jugendherbergen, wanderfroher Jugend zur Rast bestimmt, sollen Pflegstätten wahrer Volksgemeinschaft und treuer i)eimat= und Vaterlandsliebe sein." v. Hindenburg. Am 11. Januar 1920 wurde in Frankfurt der jetzige Jugendherbergsgau Main-Rhein- Lahn-Fulda gegründet. Das Gründungspro- tokoll sagt über seine Ziele: „Unsere Bestrebungen sind im Grunde genommen die Wiedererweckung einer alten deutschen Kultur, die von den Ranken und Auswüchsen einer verfeinerten Zivilisation überwuchert wurde. Wir wollen uns wieder darauf besinnen, daß die Mutter Natur es ist, die uns wieder neue Kräfte geben kann und geben wird. Das ist der Sinn der neudeutschen Jugendbewegung. Das größte Hindernis an der Befriedigung des Wandertriebs war bisher das Fehlen guter und billiger Herbergen. Diesen Uebelstand will der neugegründete Verein im Anschluß an den Verein deutscher Jugendherbergen für das Gebiet des Taunus, des Westerwalds, des Vogelsbergs, des Spessarts, der Rhön und des oberhessischen Berglandes beseitigen." Konnte der Vorsitzende in der Gründungsversammlung noch feststellen, daß das neue Werk in Frankfurt nur wenig Freunde besitze, so hat sich dies seither grundlegend geändert. Heute erfreut sich das Jugendherbergswerk allgemeiner Achtung und Wertschätzung, und überall hat es treue Helfer und Schaffer gefunden für den Dienst an der Jugend. Seiner Entwicklung verleihen • die folgenden Zahlen beredten Ausdruck: Die Entwicklung des Jugendherbergwerks im Gau Main-Rhein-Lahn-Fulda. Jahr Anzahl der Herbergen Uebernachtungen insgesamt männlich weiblich 1920 14 2 026 1740 286 1921 34 15 106 12 004 3102 1922 55 29 998 24 384 5 614 1923 68 31 617 25 325 6 292 1924 73 36 325 29 651 6 674 1925 69 46133 43 597 11536 1926 70 88 510 69 374 19 136 1927 78 126176 90 484 35 692 1928 83 157 144 113 628 43 516 1929 73 169 132 122 146 46 986 Uebernachtungen in zehn Jahren 702 167 523 333 178 834 Bescheiden und einfach waren in den ersten Jahren die Herbergen, die der Gau der wandernden Jugend gab. Unzulängliche und unvollkommene Einrichtungen mußten zunächst ihre Dienste tun, so gut sie es vermochten. Galt es doch, im Verlaufe weniger Jahre ein ausreichend dichtes Herbergsnetz zu schaffen. Mit der Wiedererlangung einer festen Geldwährung begann für das Herbergswerk ein neuer Abschnitt. Nicht Neugründungen war jetzt die Losung, sondern Vervollkomnung der vorhandenen Einrichtungen und Ersatz minderwertiger Herbergen durch neue. Damit begann im Jugendherberge verband die Schaffung von Eigenheimen überall da, wo die unaufhaltsam wachsende Zahl der Wanderer die Beherbergung in geliehenen und gemieteten Räumen immer schwieriger, ja vielfach zur Unmöglichkeit machte. Heute verfügt der Gau über eine große Zahl leistungsfähiger und vollkommener Herbergen. Mit dem Neubau in Rüdesheim, der 400 Betten aufweist und in der kurzen Zeit seit seiner Eröffnung bereits über 20 000 Uebernachtungen aufzuweisen hat, ist die „R h e i n st r e ck e" fertig ausgebaut. Sie umfaßt die Eigenheime: Braubach, Lorch (erbaut aus der Gewerkschaftsspende), Rüdesheim. Dazu kommen das Turnerheim auf der Loreley und Herbergen in Wiesbaden, auf der Elsen- burg und Burg Liebenscheid. Im Taunus stehen die Eigenheime in Schloßborn und Bad Homburg an der Spitze. Weitere sind in Oberursel, Bad Königstein, Bad Soden, auf dem Feldberg, in Bad Schmalbach, Emmershäuser Mühle und Weilmünster. An der L a h n finden wir Eigenheime in Mar- bürg, der erste Neubau des Gaues noch in der Inflationszeit begonnen, in Weilburg und Limburg, wo die neue Jugendherberge gleichzeitig als Kriegerehrenmal ihren jungen Gästen Mahnung und Erinnerung sein soll. Herbergen in Bad Ems, Nassau, Holzappel, Diez, Wetzlar und Gießen sorgen dafür, daß sich auf der Lahnwanderstrecke in Abständen, die in Tagesmärschen gut oewältigt werden können, Raststätten befinden. Der Westerwald besitzt gut ausgebaute Herbergen in Montabaur (Eigenheim des Gaus), auf der Westerburg (Sun- desourg des Bundes deutscher Jugendvereine), in Marienberg, in Dillenburg (Eigenheim), in Herborn (Eigenheim der Stadt), Hohensolms (eingerichtet von der Christdeutschen Jugend) und kleinere Herbergen in Kirchähr, Wallmerod, Gemünden und Hachenburg, wo in Bälde auch ein Neubau entstehen soll. Im hessischen Hinterland stehen Herbergen in Biedenkopf und Hatzfeld zur Verfügung. Noch bedeutender Anstrengungen bedarf es, um das Herbergsnetz in der Rhön so auszubauen, daß es dem starken Wanderverkehr dieses Gebietes gerecht werden kann. Vor allem fehlt hier ein Neubau in Gersfeld, der sich trotz aller Pläne und Bemühungen bis jetzt nicht hat ermöglichen lassen. Die Rhön hat Herbergen in Hünfelds Tann, Hilders, Dberbern- hards, Wüstenfachfen, Gersfeld, Poppenhausen, Dalherda, Petersberg bei Fulda und Fulda. Das Gebiet des Spessarts wird feit einigen Jahren vom Gau Bayern versorgt. Zum Gau Main-Rhein» Lahn-Fulda gehören noch die Herbergen auf dem Burgberg b. Bieber und in Gelnhausen. Am Main haben die Städte Hanau, Offenbach und Frankfurt Jugendherbergen. In Frankfurt ist durch die Fertigstellung des Hauses der Jugend, das von dem Verein „Haus der Jugend" in Gemeinschaft mit der Stadt erbaut worden ist, einer wirklichen Not abgeholfen worden. Zwei Räume in der Rettungswache und eine Baracke in der Dlücherstraße hc^e« hier noch im Jahre 1929 14 000 Wanderer behek« bergt. Tausende aber mußten abgewiesen werden weil kein Raum war. Seiner Vollendung entgegen geht der Ausbau des oberhessifchen Jugendherbergwerks. Darüber ist an dieser Stelle regelmäßig berichtet worden. Neu hinzugekommen sind im Jahre 1929 die Eigenheime Gedern mit 36 Betten und Büdingen mit 40 Lagerstätten. Vorarbeiten in Lauterbach und Friedberg sind im Gange, und es ist begründete Aussicht vorhanden, daß dank des Entgegenkommens der Stadt Lauterbach noch in diesem Jahre eine reizend gelegene, hübsch ausgestattete Jugendherberge erhalten wird. Die Benutzung der oberhessischen Jugendherbergen in 1929 (Uebernachtungen). Herberge Aus Volksschulen Aus höheren, Mittel- und Hochschulen Sonstige Jugendliche unter 20 Jahren lieber 20 Jahre Gesamtzahl Zu- summen 1929 m. W. m. w. m. w. m. w. m. w. Alsfeld........ 21 15 77 29 95 5 69 5 202 '54 256 Butzbach • •••••• — — 31 — 173 23 110 — 314 23 357 Friedberg....... 20 26 220 27 298 49 116 11 654 113 767 Gedern........ 20 — 60 19 23 — 10 — 113 19 132 Gießen........ 70 49 547 67 442 109 541 89 1600 314 1014 Herbstein....... 225 2 175 20 55 2 64 4 519 28 517 Herchenhain...... 577 426 1428 2191 331 116 411 153 2747 2886 5633 Hoherodskopf...... 32 61 402 94 62 21 54 18 550 194 744 Laubach ........ 4 —— 129 12 24 —— 27 5 184 17 201 Salzhausen ...... — — 22 2 11 2 16 3 49 7 56 4 4 77 16 14 5 63 18 158 43 201 (Schotten • •••••• 45 33 128 57 47 17 68 20 288 127 415 1018 616 3294 2534 1575 349 1549 326 7378 3825 11203 Herbst-pserdemarkt in Gießen. Pferde - Prämiierung. Der gestrige Gießener Herbst-Pferde- markt hatte sehr unter der ungünstigen Witterung zu leiden. Die Besucherzahl war in den ersten Vormittagsstunden befriedigend, war allerdings gegen die früheren Märkte wesentlich nie» driger. Auch die Zahl der aufgetriebenen Tiere war gegenüber dem Herbst-Pferdemarkt 1929 geringer. Es waren aufgetrieben: 213 Pferde, 23 Fohlen (gegenüber Herbst 1929 mit 264 Pferden und 24 Fohlen). Das Geschäft war im allgemeinen sehr ruhig, gegen 11 Uhr waren infolge der ungünstigen Witterung Händlerpferde kaum noch auf dem Markt, auch die Besucherzahl war um diese Zeit äußerst gering. Es wurden gezahlt: für leichte Pferde 300 bis 450 Mk., mittlere 450 bis 750 Mk., schwere Arbeitspferde 750 bis 1200 Mk., Schlachtpferde 100 bis 150 Mk. Oie Prämiierung. Bei der mit dem Herbstpferdemarkt verbundenen Pferde-Prämiierung fungierten als Preisrichter die Herren Oekonomierat K. Müller, Reuhvf; Landstallmeister a. D. Oberstleutnant Schörke, Darmstadt; Oekonomierat Breidenbach, Dorheim; Rittmstr. a.D. Lei- p o l d, Münzenberg; Oek.-Rat Korrell, Angenrod; Gutspächter Weih, Hof Graß bei Hungen; Landwirt O. Schneider!., Utphe; Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d, Gießen. Die Prämiierung brachte folgendes Ergebnis: (1., 2., 3. usw. — 1., 2., 3. Preis usw.; ^. — Anerkennung; M. — Medaille). Reitpferde, unter dem Reiter gezeigt: 1. Ludwig Schömbs, Gießen; 2. Hch. Hofmann, Bergermühle; 3. Karl Pfannmüller, Dorf- Gill; M. Wilh. Eifer, Muschenheim; Fritz Schlüter, Gießen; Hch. Müllers!., Ober-Hörgern. Wagenschläge, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. August Frensdorf- Gießen; 3. Gebr. Isenberg, Gießen; ^.Gebr. Isenberg, Giehön. Arbeitsschläge, schwere, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. August Frensdorf, Gießen; 3. Salomon Michel, Gießen. Arbeitsschläge, leichte, paarweise: 1. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 2. Gebr. Isenberg, Gießen; 3. August Frensdorf, Gießen; A. S. Roth, Frankfurt a. M. Schwere Arb e it s s ch lä g e, einzeln: 1. Julius Kaufmann, 2. Gebr. Isenberg, Gießen; 3. August Frensdorf, Gießen; A. Salomon Michel, Gießen. Leichte A rb e i ts s ch lä g e, einzeln: 1. August Frensdorf, Gießen; 2. Julius Kaufmann, Rieder-Weisel; 3. S. Roth, Frankfurt am Main; 4. Gebr. Isenberg, Gießen. Schwere Ar b ei t s s ch lä g e, einzeln: 1. Louis Häuser, Rieder-Weisel; 2. Amb. Jak. Dill, Rieder-Weisel; 3. Louis Klein, Wohnbach; 4. Hch. Wallbott XI!., Garbenteich; A. Wilhelm Laux!., Holzheim; Adam Hofmann, Langsdorf; Louis Klein, Wohnbach; Ehr. Schmidt, Birklar; Hch. Dreutll., Griedel; Jakob Krausgrill VIII., Rieder-Weisel. Leichte Arbeitsschläge, einzeln: 1. Wilhelm Eiser, Muschenheim; 2. Karl Pfannmüller, Dorf-Gill; 3. Karl Rühl, Eberstadt; 4. Hch. Müller XL, Ober-Hörgern. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von Z. Schneider-Zoerstl. Llrhcber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Eine kalte Hand griff nach ihrem Herzen. Daß man sterben konnte an dem gleichen Tage, an welchem einem höchstes Weibesglück wurde, das hatte sie nicht in Erwägung gezogen. „Ich will nicht sterben!" schrie sie des Rachts in ihr Kissen. „Ich will nicht!" — Erst war es nur die Gier zu leben, die sie so sprechen ließ, dann konzentrierten sich ihre Gedanken nur noch darauf, daß sie leben mußte für das Kind, das niemand so lieben und niemand so zu beschützen vermochte, wie sie allein. „Ich werde nicht sterben! — Rein! Du wirst nicht alleinstehen", sagte sie in sich hinein, als könnte das Wesen, das da unter ihrem Herzen dem Licht entgegendrängte, ihr Trösten hören. Vierzehn Tage später blühte an ihrer weißen Drust ein Kindermund. Ihre Hände hielten das Wunder an sich gedrückt. Zart wie ein Hauch, mit großen, dunklen Augen und ihrem Blondhaar, ruhte der Sohn ihr in den Armen. Erst drei Wochen später meldete sie dem Gatten die Ankunft seines Erstgeborenen. Er wurde auch eben erst in dieser Zeit in die Register eingetragen: Hubert Justus Franke. Roch nie war Helene Chlodwig so frauenhaft schön gewesen wie letzt in ihrer Mutterwürde. «Auf Rottach-Derghof flattert seit dem Eintreffen Deines Telegrammes die Fahne", schrieb der Doktor. Helene preßte den Knaben an sich: „Ich werde leben! Für dich werde ich leben! Du hast nur mich allein!" An Petratini ging eine Depesche ab: „Mein Sohn ist heute geboren. Helene." Ende Juli kam Dr. Franke nach Calais, um Frau und Kind in Empfang zu nehmen. Auf Rottach-Berghof krachten die Böller, als sie die Steigung hinauffuhren. Die Geheimrätin stand am Tor und nahm den Enkel auf die Arme: Ihres Sohnes Sohn! „Ich lebe!" dachte Helene. Wenn wirklich einmal die Stunde kam, ihr Glück unter Lawinen zu begraben — der Knabe blieb ihr. Sein Vater hatte auf jedes Anrecht an sie beide vernichtet. Und Just konnte sie nur zugleich von sich stoßen. Keinem allein die Türe weisen! Sie und ihr Sohn gehörten zusammen! „Ich lebe!" flüsterte sie vor sich hin. »Ja, mein geliebtes Weib! Du lebst!" Frankes starke Arme hoben sie auf und trugen sie über die Schwell ihres Heims. Friedvoll, wie immer, zogen die Sterne zur Rächt über den Giebel des Hauses, darunter die Schuld schlief. * * * „Der Kerl hat sicher einen Sporn zuviel gehabt", sagte der Redakteur der „Idca Razio- nale", als er eine kurze Rotiz, die eben eingelaufen war, mit rotem Stift unterstrich. „Der berühmte Pianist Umberto Petratini ist in den Orden der Büßer eingetreten." Das Kloster, in welchem er Aufnahme gefunden hatte, bestätigte die Richtigkeit der Mel- dung. „Blödsinnig!" urteilte der Kollege vom Feuilleton. „Daß es solch hirnverbrannte Einfälle heutzutage üoerhaupt noch gibt! Fast nicht zu glauben! Schließlich bekommt er cs nur zu bald wieder satt. Die Mönche sollen nicht gerade sanft zueinander sein und das Essen mehr als. knapp. Ein paar Wochen wird er ihnen die Orgel spielen und das Mea culpa bei der Messe fingen, dann wirft er ihnen den Krempel wieder vor die Füße. Ich müßte Petratini nicht kennen!" Der Feuilletonredakteur war nicht der einzige, der so prophezeite. Reporter nahmen den Weg in die Sabinerberge, wo das Kloster der Büßer stand. Keiner bekam den jungen Frater zu Gesicht. Er ist gar nicht dort, schrieben die Zeitungen. Wenn dem so wäre, sollte er eine kurze Rotiz in die Blätter geben. Die Rotiz kam: „Infolge eines Gelübdes habe ich auf Del Sankta Maria den Habit genommen. Frater Umberto Petratini." Was mochte das für ein Gelübde sein? Und wieder rannten die Reporter. Ihre Kraft- wagen machten die schmale Steigung nach Del Sankta Maria hinauf unsicher. — Richt einem glückte es, den Künstler persönlich zu sprechen. Die Unverfrorensten unter ihnen überkletterten nachts die Mauer des Klosters und schlichen bis an die Pforte. Auf ihr Läuten wurde ihnen auch aufgetan. Der Pförtner hatte Wohl von seinem Oberen bestimmte Instruktionen bekommen. Er führte die Herren einen langen, dunklen Gang zurück, dessen Wände eine feuchte, kühle Luft ausströmten, und öffnete die Zelle, die Frater Umberto bewohnte. Sie war teer. -Also, wie ich gesagt habe", höhnte ein De- porter. „®r hat eS satt gekriegt und ist ausge- krnffen!" „DaS nicht", gab der führende Frater zur Ant- wortt „Er hat gebeten, das Kloster wechseln zu dürfen, hier fand er seinen Frieden nicht." Als geschlagene Kämpen zogen die Reporter ab. Sechs Wochen später sprach niemand mehr von Umberto Petratini. Mochte er sich da oben in den Sabinerbergen in seine Heiligenlegenden vergraben. Andere Sterne tauchten am Himmel der Kunst auf. Rach einigen Jahren kannte man kaum mehr seinen Ramen. Die Welt vergaß so schnell! * * * Vier Kinder schenkte Helene Chlodwig dem Gatten. Dem Erstgeborenen folgte nach zwei Jahren eine Tochter. Dann nochmals eine Tochter und als Letztes wiederum ein Sohn. Die Kinder umschwärmten die schöne, berühmte Mutter, wie sie der Vater vergötterte und die Geheimrätin war der Leitstern und Regent des Hauses, wenn Helene auf Reisen war. Die Diva hätte ihre Lieblinge in keiner besseren Hut zurück- lassen fönnen, als in der ihrer Schwiegermutter. „Er hat sein ganzes Herz an seinen Aeltesten verloren", flüsterte die Geheimrätin, als Franke mit dem sechzehnjährigen Hubert den Weg über die Wiesen gegangen kam. „Mach fein solch ernstes Gesicht, Helene, er liebt ja alle seine Kinder, aber feinen Aeltesten verdreifacht. In der Zeit, da du fort bist, steht er, wenn sie schon schlafen gegangen sind, an ihren Betten, besieht ihre Gesichter und streicht ihnen die Kissen glatt. Zuletzt neigt er sich über jedes und küßt es. Aber Hubert küßt er auch auf den Mund — die andern nur auf die Stirne." „Der Junge ist mir ein Rätsel", sagte Helene kleinmütig. „Ja, nicht wahr? Ganz anders, als die Geschwister. Fast wie ein Erwachsener, der Sinn und Zweck und Leid des Lebens bereits erfaßt hat. Du kannst mit ihm sprechen, wie mit einem gereiften Menschen. Richts ist ihm fremd." Frank kam mit seinem Aeltesten auf die beiden Frauen zu, die in ihren Korbstühlen unter den Bäumen Mittagsruhe hielten. Er hatte den Arm um Huberts Schulter gelegt und zeigte auf den piepsenden Vogel, den der Knabe in der gehöhlten Rechten trug. „Er hat da hinten in der Schlucht gelegen, Mutter. — Vater will ihn verbinden. Ich will ihn pflegen, bis er wieder heil ist. — Gibst du mir etwas Leinen, Großmama, vielleicht auch ein wenig Watte, daß er weich zu liegen kommt?" „Alles, mein Junge!" Die Geheimrätin hatte sich bereits erhoben und ging Sohn und Enkel ins Haus voran. Helene sah ihnen nach, klemmte die Hand um den Wulst des Stuhles fest und ließ den Kops weit hintenüber sinken. Wo war alle Angst, alle Verzweiflung, alle Furcht geblieben, die sie in sich getragen hatte, als der Knabe unter ihrem Herzen dem Leben entgegenschlummerte? Richts war in diesen siebzehn Jahren ihrer Ehe trennend zwischen sie und ihr Glück getreten. Jeder Tag war ein gerütteltes Maß von beseligter Freude! Rie eine Rächt in Tränen oder Sorge oder Kummer! All die bösen Zeiten hatte Just mit der Mutter allein durchkostet, ohne daß sie, die von Triumph zu Triumph flog, auch nur eine Minute der Sorge zu durchbangen brauchte. Die Kinder hatten die Masern gehabt, den Scharlach, den Keuchhusten. Just und die Schwiegermutter hatten zu Hause allein um das Leben der Kleinen gebangt und erst, wenn die völlige Hoffnung auf baldiges Genesen gegeben war, hatte der Gatte ihr von der überstandenen Gefahr ihrer Lieblinge geschrieben. Just, der Achtjährige, kam mit Trvmpeten- geschmetter und erhitzten Wangen vom Wald herübergelaufen und warf Säbel und Helm in ihren Schoß. Seine schlanke Person kam nachgeklettert. „Sechs Tote liegen drüben in der Schlucht. Mutter — Hubert muh sie hernach beerdigen." „Weshalb Hubert?" Helenes Sttmme zitterte etwas. „Weil es sonst keiner kann als er, Mama. Die anderen lachen alle, wenn sie eine Leichenrede halten. Er aber bleibt ganz ernst. — Laß mich jetzt los, bitte!“ Er strebte von ihrem Schoß zu Boden und lief dem Bruder entgegen, der mit einem Körbchen aus der Türe trat und es behutsam in die Sonne der Veranda stellte. • „Begräbst du jetzt unsere Toten?" forschte der Kleine und schaute gleichmüttg nach dem Vogel, der mit kläglichem Piepsen die Flügel zu gebrauchen suchte. Als Hubert noch einmal an dem Reste rückte, wurde er ärgerlich. „Mach schon, sie bleiben mir ja sonst nicht mehr liegen, der Boden ist zu naß." „Kann ich dir den Vogel anverttauen, Vater? Wenn eine Katze kommt, bitte verscheuche sie." Der Kleine nahm den großen Bruder an der Hand und zog ihn mit sich nach dem Walde, wo die große Schlacht ftattgefunben hatte. Franke setzte sich neben feine Frau in einen Stuhl und lieh den Blick nicht von den Kindern, bis sie hinter den Bäumen verfchwanden. „Er will Arzt werden", sagte er und steckte sich eine Zigarette in Brand. „Hubert?" — „Ja! Es ist mir sogar sehr lieb. Er paßt für diesen Beruf. Du hast mir in diesem Jungen etwas geschenkt, Helene, das unter tausend Vätern kaum einem wieder zuteil wird. Er ist mir Sohn und Freund und eher mir Halt und Stütze, als ich ihm, trotzdem er erst in sein sechzehntes Jahr geht. Du muht in der Zeit, in der du ihn mit deinem Leibe umschlossen hieltest, wie ein Heiligtum gewesen sein, aus welchem diese seltene Blüte zum Lichte reifte." (Fortsetzung folgt.) Schwer« ArbeNSfchläge, ei n ze l n. 1. Hch. Dreut II., Griedel: 2. Laut- Klein, Wohn- bach: 3. 3afob KrauSgrill VIII.. Dieder-Weisel. Leichte ArbeitSfchläg«, paarweise: 1. Wilh. Sijer, Mufchcnheim: 2. Eugen StraS- heirn. Griedci: 3. Karl Psannmüller, Dorfgill: August Weih. Dorsgill. Dreijährige Fohlen, geboren 1 92 7, ArbcitSfchläge: 1. Hch. Dreut II., Griedel: 2. Wilhelm Reul, Oberhörgern: 3. Jakob KrauS- grill VI1L, Diederweisel. Dreijährige Fohlen, geboren 1 927, Wagenschläge: 1. Karl Decker V., Muschenheim: 2. Wilh. Giser, Muschenheim: 3. Hch. Fenchel, Griedel: A. Karl Psannmüller, Dorf- gill: August Weih, Dorfgill. Zweijährige Johlen, geboren 1928, 1. Wilh. Wagner II., KirchgönS. Zweijährige Fohlen, geboren 1928, Wagenschläge: 2. Herm. Schott, Griedel: Wilh. Dingel, Grüningen: 3. Hch. Schneider, Birklar: 4. Wilh. Wächter II., Gambach. Zuchtstuten mit Sougfohlen oder mehr. Dachkommen, Arbeitsschläge: 1. Hch Dreut II., Griedel: 2. Adam Hofmann, Langsdorf: 3. Ehr. Schmidt, Dirklar: 4. Gg. Rühl, Langsdorf. Zuchtstuten mit Saugfohlen oder mehr. Dachkommen, Wagenschläge: 1. Eugen Etrahheim, Griedel: 2. Herrn. Disfel, Griedel: 3. Wilh. Dingel, Grüningen: 4. Karl Dopf II., LanggönS: 5. Hch. Seipp, TratS-Mün- zenbrrg. Zucht st uten,nachweislichin 1 92 9 g e- deckt und erkennbar tragend, Ar- beitSschläge: 1. Hch. Wallbott XII., Garbenteich, und Louis Häuser, Diederweisel (M); 2. LouiS Klein, Wohnbach: 3. Amb. Jak. Bill, Diederweisel: 4. Louis Klein, Wohnbach: 5. Adam Hofmann, LangSdorf: A. Jakob Krausgrill VIII., Diederweisel: Wilh. Reuhl, Oberhörgern: M. 3akob Krausgrill VIII., Diederweisel: Wilh. Wagner II., Kirchgöns: Hch. Groh, Annerod: Georg Kitzler III., Diederweisel: Gg. Rühl, Langsdorf. Zuchtstuten, nachweislich in 1 930 g e- deckt und erkennbar tragend, Wagen- schläge: 1. Gg. Hch. Dender, Dorfgill: 2. Hch. Hofmann, Dergcrmühle: Eug. Strahheim, Griedel: 3. Karl Psannmüller, Dorfgill: 4. Paul Butz, Gambach: 5. Karl Dopf II., Lang-Göns: M. Hevm. Schott, Griedel: Fr. H. Will, Holzheim: Wilh. Schmidt II., Grohen-Duseck: Konrad Wilhelm, Deckenbach: Wilh. Sames, Dorfgill: Rud. Koch. Trais-Münzenberg: Hch. Seipp, Trais- Münzenberg. Zahrestagung der Hessischen Landesversicherungsanstalt. WSD. Oppenheim, 17. Sept. Hier tagte gestern die Hessische L a n de s v e r s i che - rungsanstalt. Zum Voranschlag für 19 31 erklärte Präsident Dr. Reumann, daß die guten Zeiten für die LandesverficherungS- anstalt vorbei seien. Während es noch im vor. 3ahre möglich war, ^leberschüsse zu erzielen, die in die Millionen gingen, ist es in diesem Jahre nur durch die Heranziehung der Zinseinnahmen möglich, den Betrag von rund einer Million dem Vermögen zuzuschreiben. Der Voranschlag läht keine Möglichkeit mehr, Vermögen zu bilden. Die Einnahmen aus den Beiträgen werden entsprechend der schlechten Wirtschaftslage auf 2,3 Mill. Mk. w e n i g e r veranschlagt. Demgegenüber steigen die Ausgaben sehr stark. Die Renlenousgaben, die in diesem Jahre auf über 23 Mill. Mk. veran- schlagt sind, werden für das kommende Zahr auf rund 25 Mill. Mk. veranschlagt. 3n Hessen finö zur Zeit rund 70 000 Rentenempfänger vorhanden bei einer Dersichertenzahl von rund 350 000. Das bedeutet, dah in Hessen auf fünf Versicherte ein Rentenempfänger ^mmt. Zur Zeit liegen die Verhältnisse so, dah Tag für Tag durchschnittlich 75 Anträge auf Rentenempfang eingehen. Was die freiwilligen Leistungen angeht, so soll im nächsten Jahre das Heilverfahren im bisherigen Umfange beibehalten werden. Dagegen ist es nicht möglich die Mahnahmen für die allgemeine Gesund- veltSfü rsvrge, die dem Kreise der Richt- verficherten zugute kommen und die bisher rund 750 000 Mark betrugen, für 1931 in gleicher Höhe auSzuwerfen. Hier wurde auf Vorschlag deS Vorstandes eine Kürzung um 200 000 Mk vorgenommen (525 000 Mk. in 1930 auf 325 000 Mark in 1931). Wirtschaft. Roggenstühung und Baisse-Spekulation. 3n der Frage der Roggenstützung hat sich — wie der WTB.-Handelsdienst von unterrichteter Seite erfährt — von Tag zu Tag mit immer gröberer Deutlichkeit herausgestellt, dah eine umfangreiche Baissespekulation in Verbindung mit politischen Tendenzen gegen die Stützung-st eile betrieben wird. Die Mengen, die die Stühungs- stelle einschließlich der Terminkäufe aus dem Markt nehmen mußte, haben mit 40 000 Tonnen täglich eine Höhe erreicht, die es ziemlich ausgeschlossen erscheinen läht, dah tatsächlich landwirtschaftliche Verkäufe auch nur annähernd in diesem Ilmfange den Angeboten des Handels zugrundeliegen. 3n den acht Wochen von Mitte 3uli bis September sind von der Stützungsstelle mehr als 700 000 Tonnen Roggen ausgenommen worden, denen allerdings auch Verkäufe von mehreren 100 000 Tonnen Gosin-Roggen gegenüberstehen. Ein Angebot von mehr als 700 000 Tonnen — überwiegend aus Ostdeutschland — ist aber ein Vielfaches von dem, was die Landwirtschaft selbst bei guter Ernte in diesem Zeitraum zum Verkauf bringen kann. Aus der Güterbewegungsstatistik geht hervor, dah selbst in den guten Erntejahren 1928 und 1929 aus ganz Ostdeutschland in dem Zeitraum von Mitte 3uli bis Mitte September noch nicht 250 000 Tonnen zum Versand gebracht worden sind. Wenn dieses 3ahr bei geringerer Ernte das Dreifache allein von der Stühungsstelle ausgenommen wurde, so ist dies nur dadurch zu er» klären, dah einerseits die Landwirte aus ihrer bedrängten Lage heraus sich mit Verkäufen außerordentlich beeilt' haben, andererseits aber von feiten des Handels eine großangelegte Baisse-Spekulation betrieben wurde mit dem ausgesprochenen Ziel, die Stützungsaktion mit Angeboten zu überschütten und zum Zusammenbruch zu bringen. Die Getreidepolitik des Reiches kann sich aber das Gesetz ihres Handelns nicht von den Machenschaften der Baisse-Spekulation vorschreiben lassen. Aus diesxm Grunde hat man sich entschlossen, durch eine beweglichere Gestaltung der Stützung die angebotenen Mengen auf das normale M a h zurückzuführen, um den durch Spekulation verwirkten Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Landwirtschaft darf darauf rechnen, dah die Stützung auch weiterhin erfolgreich durchgeführt wird, da man sich zu einer elastischen Taktik in einem Augenblick entschließt, wo die finanziellen Reserven trotz der Baisse-Spekulation des Handels und trotz der bedauerlichen Aufforderung gewisser politischer Kreise, Roggen jetzt forciert zu verkaufen, noch ausreichen. Die Eisen- und Stahlwarenindustrie im August. Auch der Monat August brachte den Werken der Eisen- und Stahlwarenindustrie keine Besserung der Geschäftslage. Aus den einzelnen Bezirken wird u. a. berichtet: Die Lage der 3ndustrien im südwestfälischen Gebiet hat sich nicht gebessert. Absatzschwierigkeiten führten in vielen Betrieben zu neuen Entlassungen und erheblichen Arbeitszeiteinschränkungen. 3n der Eisenfertigwarcn-3ndustrie haben sich die Schwierigkeiten weiter vermehrt. 3nsbesondere leidet die Gesenkschmiedebranche. Die Schraubenindustrie liegt gleichfalls stark darnieder. Bei den Kalkwalzwerken und Drahtziehereien ist die Lage unbefriedigend. Arbeiterentlas s u ngen bei der Gute Hoffnungshütte. Die Gute Hoff- nungS-Hütte wird infolge des schlechten Absatzes am 1. und 15. Oktober 1215 Bergleute und Kokoreiarbeiter entlassen. Die Entlassungen verteilen sich auf die Zechen Bondern, Äerkrade und Oborhausen. Vorübergehend wird der Betrieb der Zeche Sterkrade eingeschränkt. Ganz- lich stillgelegt werden die Zechen Bondern und Oborhausen. Die Zeche 3acobi übernimmt di« Förderung der Zeche Bondern. Eine äleberlei- tung der gekündigten Arbeiter auf die Anlagen der Gute Hoffnungshütte ist nicht möglich. Mühlen-Fusion. Die Generalversammlung der Rheinmühlenwerke AG., Mannheim (Kampffmeher-Kon^ern) genehmigte die vorgeschlagene Fusion mit der Mühlenfirma H. Hildebrandt & Söhne, Mannheim, und die zu diesem Zwecke notwendige Kapitalerhöhung um 3 auf 5 Millionen Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 18. Sept. Tendenz: schwächer. — An der heutigen Börse war die Stimmung wieder recht unsicher, da über die weitere Entwickelung der innenpolitischen Lage naturgemäß weiter vollkommene llnllar- heit bestand. Bei der herrschenden Zurückhaltung genügte schon relativ kleines Angebot, um kleine Kursrückgänge herbeizuführen. Die Haltung war daher allgemein schwächer, zumal bei den Danken verschiedentlich Berkaussorders vorgelegen haben sollen. Berstimmend wirkten auch die Schwierigkeiten bei der Roggenstützungsaktion und der im August erneut allgemein rückgängige Zementabsah. Die ersten Kurse waren b e t äuhcrst kleinen Umsätzen überwiegend 1 biS2Prozent niedriger. Einige Werte büßten etwas mehr ein. Farben waren erstmalig in größeren Beträgen angeboten und eröffneten 1,5 Prozent niedriger: später ging der Kurs weiter um 1 Prozent zurück. Am Elektromarkt waren vor allem Siemens mit minus 3 Prozent abgeschwächt. AEG. lagen 1,13 Prozent, Licht & Kraft 1,75 Prozent, Ehade- aktien 1,50 Mark niedriger. Montanwerte wurden kaum umgeseht. Die KurStaren lauteten meist etwas schwächer. Einen stärkeren Kursrückgang hatten am Kalimarkt wieder Salzdetfurth. die 6 Prozent einbühten. Banken waren bis zu 1 Prozent abgeschwächt. Zellstoffwerte gaben bis 1,5 Prozent nach. Zement Heidelberg blieben trotz des schlechten ZementabsatzeS behauptet. Deutsche Anleihen waren knapp gehalten. Am Markte der Ausland-Anleihen waren Mexikaner weiter angeboten und schwächer. 3m Verlaufe bestand die Abgabeneigung fort, die Kurse gingen verschiedentlich weiter etwas zurück^ Farben blieben auf dem ermäßigten Riveau behauptet. Tagesgeld war mit 3 Prozent wieder gefragter. Am Devisenmarkt war die Mark etwas höher. Man nannte Mark gegen Dollar 4,196 250, gegen Pfund 20,40, London gegen Kabel 4,8618, gegen Paris 123.73, gegen Mailand 92,81, gegen Madrid 45,40, gegen Holland 12,0680, gegen Schweiz 25,0525. Berliner Börse. Berlin, 18. Sept. Rach dem freundlichen Verlauf des Vormittagsverkehrs, eigentlich recht unerwartet, lag die Börseneröffnung allgemein schwächer. Obwohl die extremen Parteien, und besonders die Rationalsozialisten, in ihrem Programm etwas gemäßigter zu werden scheinen und obwohl man damit rechnen kann, daß auch die SPD. der Regierung gegenüber zumindest eine wohlwollende Haltung einnehmen wird, wurde die innenpolitische Situation heute doch wieder etwas ungünstiger beurteilt. Auch der Mißerfolg bei der Roggenstützungsaktion wurde lebhaft diskutiert. Momente, wie die Aufhebung der Kapitalertragsteuer, bessere Berichte aus der Metallwarenindustrie, die Transradio - Fclten- Deutsche-Atlanten-Kombinationen und höhere Reuhorker Schlußkurse blieben dagegen ohne Einfluß. Es war zu den ersten Rotierungen Ware da, die bei einem Teil der Papiere bei einem ein- bis zweiprozentigen und bei schwereren Werten bis zu fünf Prozent niedrigerem Kurse Aufnahme fand. Als Grund für diese Schwäche gab man die rückgängigen Metallpreise und vor allem einen Passus in dem gestrigen Zulassungsprojekt der Siemens-Debentures an. in der die Geschäftslage als nicht befriedigend bezeichnet wird. Hierbei wurde aber wohl übersehen, dah dieses Prospekt vom August 1930 datiert und Daß man nach den lehtgerneldeten Reueinstellungen von über 500 Arbeitern eigentlich annehmen müßte, daß r Beschäftigungsgrad jetzt wieder in aussteigen- ber Linie sich befände. Siemens-Aktien eröffneten 4,25 Prozent niedriger. Salzdetfurth minus 5,5 Prozent. Als einzige Ausnahme lagen Deutsche Kabel 1,25 Prozent höher Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer wenig verändert. Auch Pfandbriefe trotz der Meldung von dem Wegfall der Kapitalertragsteuer für festverzinsliche Werte ab 2.3anuar 1931 kaum verändert. Der Geldmarkt lag unverändert. Tagesgeld 2,5 bis 4.5 Prozent, im Verlaufe des Dormittagsverkehrs allerdings auch mit 2.75 bis 4.75 Prozent angeboten. 3m Verlaufe überwog weiter die Abgabeneigung. Trotz geringer Umsätze verloren die Papiere 2 bis 3 Prozent. Frankfurter Lchlachtvicsimarkk. Frankfurt a. M. 18. Sept. Auftrieb: 111 Rinder, 1039 Kälber, 377 Schafe. 562 Schweine. GS kosteten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 79 biS 83 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 74 biS 78, geringe Kälber 68 biS 7d; Schase: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemastj 48 bis 52 Mk., mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und aut genährte Schase 43 biS 47: Schweine: nicht notiert. Markt - verlauf: Schweine rege. auSverkauft. Kälber und Schafe: anfangs rege, zum Schluß stark ab- flauend, auSverkauft. Briefkasten der Redaktion. (Rcchtsgutachtkn sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 6. Der Hausbesitzer hat die Treppe zu beleuchten und Duftet für jeden Schaden, der einem Passanten infolge ungenügender Beleuchtung entsteht. Zu den Kosten einer elektrischen Lichtanlaoe können Eie nicht herangezogen werden, auch nicht zu den Beleuchtungskosten. 2U. in C. Falls mit der Hühner- und (Entenfarm keine Kleinschlächterei verbunden werden soll, ist nach der Gewerbeordnung sür ein solches Unter« nehmen keine kreisamtliche Genehmigung erforderlich. Etwas anderes ist jedoch die Möglichkeit einer Störung von Rachbargrundstücken. Lesen Sie die Paragraphen 906 folgende deS Bürgerlichen Gesetzbuchs nach. J. Sch. Die Wasserleitung ist ein Bestandteil de» Ihnen seinerzeit zusammen mit Ihrer Wohnung vermieteten Klosetts, dessen DebrauchSmög- lichkeit 3hnen jederzeit nach 3nhalt deS Miet- rechteS gewährleistet bleiben muß. 3m Verhalten des Vermieters kann eine Schikane erblickt werden. Beantragen Sie, falls keine gütliche Einigung zustande kommt, zu Protokoll der Geschäftsstelle des Amtsgerichts einen Sühnetermin. Aus aller Wett. Raubüberfall auf eine Strahenfahnkasse. Auf die Kasse des StraßenbahndepotS in Saarlouis wurde ein verwegener Raubüberfall verübt. Als zwei Kasfenbeamte und drei weitere Bedienstete mit der Abrechnung der Tageseinnahme beschäfttgt waren, drangen zwei maskierte Männer in den Raum ein. Während einer die Beamten mit zwei Revolvern im Schach hielt, nahm der andere die auf dem Tisch liegenden Gelder an sich. Darauf verließen die Räuber den Raum und riegelten die Tür von außen ab. Soweit bis jetzt feststeht, sind den Räubern nur etwa 1000 Mark in die Hände gefallen. Die Polizei nahm unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft einen Marrn in Haft. Anklage gegen Joses Weißenberg. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Heilmagnetiseur und „Propheten" 3osef Weißenberg Anllage wegen fahrlässiger Tötung unter erschwerenden Umständen erhoben. DaS Hauptverfahren ist bereits eröffnet. Bei drr Anklage handelt es sich um den Tod des Drogisten Wernicke, der seinerzeit großes Aufsehen erregt hat. Wernicke, der seit längerer Zeit a n Zuckerkrankheit litt und ein schmerzhaftes Karfunkel im Racken hatte, war ein überzeugter Anhänger der Weißenberg-Gemeinde. Ec ließ von Weißenberg dis Geschwüre durch Handauflegen, Auflegen von weißem Käe sowie einige andere Hausmittel behandeln. Das Leiden verschlimmerte sich in gefahrdrohender Weise und dann erst, als es bereits zu spät war. wurde Wernicke auf dringende Veranlassung eines Mediziners in das Krankenhaus gebracht, wo er bald infolge der unrichtigen Behandlungsmethode Weißenberg- verstarb. Auf Grund der medizinischen Gutachten unter Zugrundelegung des Obduktionsergebnisses und mikroskopischer Untersuchungen der Leiche hat sich die Staatsanwaltschaft nunmehr zur Erhebung der Anklage veranlaßt gesehen, da sie zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß der Tod des Drogisten Wernicke durch die unsachgemäße und fahrlässige Behandlungsmethode Weißenbergs verursacht worden ist. Sprechstunden der Redaktion. 1130 bi» 12.30 Uhr. 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Mnjeigenauflräge sind lediglich an die Geschäfts st eile ju richten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. M. Vertin Schluß furrf l-Uhr- flurt Echluß- hir« Ansang- Rur4 Datum 17. 9. 18 9. 17. 9. 18. 9. 6% £cuntt . . . 7,6 7,55 7^6 8% Hess. Potoftaat vov 1929 (rütfjablb 102%)...... 93,75 93,5 Ober Reffen $roötaj • Änlribe «b — Autlos.-Nechten...... Teutfäe komm. SamtnelabL 59 — — — SJnlrtfx 3erie 1....... 60,13 8% gtanff. Hyp.-Bank Soldpfe — XIII unkündbar bti 1934 ... 101 _ _ 7% Krankt. Hyp.-Bank »olbpfe unkündbar bti 1933 .... 96,5 or* nehmen müsse. Auch die Dedürfnisfrage sei ein wichtiger Grund, denn den immer wiederkehrenden Beschwerden über Wasser in den Kellern der Anlieger trage man dadurch Rechnung: außerdem zeige die von früher bestehende Kanalisation an einzelnen Stellen, wo die Rohre nur knapp einen halben Meter tief liegen, Beschädigungen. die durch den starken Lastverkehr entstanden seien. Der Gemeinderat beschloß daher einstimmig die Vornahme dieser Arbeit. Du die Arbeit von einer leistungsfähigen und im Tiefbau erfahrenen Firma durchgeführt werden müsse, denn stellenweise sei ein Erdaushub von über 4 Meter auf teilweise aufgefülltem Grund (Drandschutt) vorzunehmen, der viel Absprießungen benötige, wurde sie der hiesigen Firma K. B o d zu denselben Einheitspreisen und Bedingungen übertragen, unter denen die Firma gegenwärtig die Kanalisation der Gießener Straße ausführt. Ein Gesuch der Gallmarktkommission wegen Aufstellung von Masten für die Beleuchtung des Gallmarktplatzes wurde zurückgestellt. Man ist der Meinung, daß die Beleuchtungsfrage in richtiger Weise zu regeln sei, dies aber aus Mitteln des jetzigen Voranschlags nicht möglich werde. Im nächsten Voranschlag soll der Sache näheraetreten werden. Gemeinderat H. S ch m i d t 11. teilte mit, daß er die K a p i t a l a u s n a h m e bei der Hessischen Girozentrale, die in der llrlaubszeit des Beigeordneten in einer von ihm geleiteten' Sitzung beschlossen wurde, später rückgängig gemacht habe, da zu derselben Zeit die hiesige Bezirks-Sparkasse, sowie andere Kassen den Zinsfuß für Gemeindedarlehen von 8,75 auf 8,25 Prozent ermäßigt hätten und daher ein besonderer Vorteil entfallen sei: auch sei von der Bezirks-Sparkasse die Hergabe eines größeren Darlehens in sicher» Aussicht gestellt worden. Die beiden Grünberger Amerikaner, Karl Schröder und Otto Ries, haben zwei Erinnerungen an unseren verstorbenen Landsmann Theo Koch, Grünberg, für das st ä d t i s ch e Archiv gestiftet, ersterer eine photographische Ausnahme des Begräbnisses von Koch, letzterer ein Wert über seine Forschungsreisen in Südamerika. Der Beigeordnete übernahm die beiden Geschenke, indem er den Spendern im Vamen der Stadt dankte. Landkreis (£ici;ch. - r. Lang-Göns. 17. Sept. Da der Weg nach dem preußischen Vachbardvrf Dornholzhausen bei schlechtem Wetter für schwer beladene Fuhrwerke kaum zu benutzen ist, beschlossen vor einigen Iahren die Gemeindevertretungen von Lang-Göns und Dornholzhausen, den Feldweg zu einer Straße umzubauen. Während Dornholzhausen seinen Anteil schon fertiggestellt hat, wird zur Zeit in der Lang-Gönser Gemarkung ein neues Stück der Straße gebaut. Die ziemlich steile Anfahrt vor dem Wald, wird beseitigt und nach dem Dorf zu ein Damm aufgeführt. Durch diese umfangreichen Arbeiten, die von dem Bauunternehmer Hch. Schaub, Lang-Göns, ausgeführt werben, haben zahlreiche ausgesteuerte Arbeitslose neuen Verdienst gefunden. Der Gesamt- aufwand für den Straßenbau wird immerhin 15 000 bis 17 000 Mk. für den Lang-Gönser Anteil betragen. In Anbetracht der guten Bezte- Hungen, die zwischen beiden Gemeinden herrschen, wird diese Summe aber sicher gute Zinsen bringen. — Da es in diesem Iahre in unserer Gemarkung fast gar kein Obst gibt, haben die Landwirte schon vor etwa acht Tagen mit dem Ernten derKartoffeln begonnen. Durch die Vieder- schläge der letzten Wochen ist das Erdreich genügend feucht, damit auch die zahlreichen Kartoffelauswerfmaschinen tadellos arbeiten können. Der Ertrag ist sehr gut, besonders der der Sorte „Hassia". Hier und da haben die Mäuse einigen Schaden verursacht. Wenn das gute Wetter anhält, dürften bis Ende der Woche die meisten Kartoffeln im Keller sein. So frühzeitig ist die Kartoffelernte in den letzten zwanzig Iahren wohl noch nicht beendet worden. * Steinheim, 17. Sept. In dieser Woche verläßt Lehrer Beppler unsere Gemeinde, um nach seinem neuen Wirkungskreis Wieseck überzusiedeln. Er hat 20 Iahre an unsrer Schule gewirkt. Vorbildliche Arbeit hat er u. a. auch in der Fortbildungsschule geleistet, in der er den Ganzjahres-Ilnterricht einführte. Auf einem von ihm eingerichteten Schulversuchsfeld wurden aufschlußreiche Düngungs- und Sortenanbauversuche durchgeführt, Ilm den Schülern auch praktische Unterweisung im Obstbau zu geben, wurden unter seiner Leitung größere Obstpflanzungen für die Gemeinde durch die Fortbildungsschüler neu angelegt und unterhalten. Lehrer Beppler war ferner Vorsitzender des Volksbildungsvereins und Leiter der Volksbücherei. Fast zwei Iahrzehnte war er Dirigent des Gesangvereins „Frohsinn". Diel verdankt ihm auch der von ihm ins Leben gerufene Obstbauverein, dessen rühriger Lei- ter er war. Von großem Wert sirr spätere Ge- chlechter ist die von ihm mit Gründlichkeit ge- ührte Orts- und Schulchronik. Eine Abschiedseier größeren Stils lehnte der Scheidende ab, o daß nur im Kreise der Ortsvorstände eine olche stattfand. Für die Schule sprach Lehrer Wieder, während Bürgermeister S ch mi d t besonders die vielseitigen Verdienste deS Schel-» denden um die Gemeinde würdigte. Lehrer Beppler dankte herzlich für die Abschieds- Worte, Unsere Gemeinde sieht in ihm einen verdienstvollen Erzieher ihrer Iugend und stets hilfsbereiten Berater der Alten scheiden, ihre besten Wünsche begleiten ihn nach seiner neuen Wirkungsstätte. ch M ü n st e r, 18. Sept. Polizeidiener Heß vollendet morgen in voller geistiger und körperlicher Frische sein 8 0. Lebensjahr. Den Polizeidienst in unserer Gemeinde versieht er nun sieben Iahre. Kreis Büdingen. * Michelnau, 17. Sept. Dieser Tage vollendete der älteste Mann unserer Gemeinde, der Landwirt Iohannes Konrad Schmidt IL, sein 90. Leb ensjahr. Seine Frau starb vor vier Iahren, nachdem sie mit ihrem Manne 1925 die diamantene Hochzeit gefeiert und 61 Iahre mit ihm in glücklicher Ehe gelebt hatte. Ioh. Krd. Schmidt ist noch rüstig und geistig frisch. Er interessiert sich noch für die Angelegenheiten der Gemeinde und war beinahe 40 Iahre Beigeordneter. Auch wgr er viele Iahre Mitglied der Kirchengemeindev^ttretung des Kirchspiels Vidda. An seinem Geburtstage überreichte ihm Pfarrer Laut ein Glückwunschschreiben des Landeskirchenamts und des Dekanats Vidda. Zahlreich« Glückwünsche und Geschenke wurden ihm persönlich und brieflich überbracht. Unter den Gratulanten war auch der Freund und Altersgenosse des Iubilars. Stationsvorsteher i. R. W. Hammel aus Vidda, erschienen, der am 2. d. M. sein 90. Lebensjahr vollendet hat. Sunlicht Seife schont Wäsche, Börse, Kräfte! SS 7/77 -tv€ e&l^VVMfißwj^VIV /VlSlVV- ($n4vvfyvVvV, am^aSLam^Äw*^ „ Obivi^l ÖIawamk» ÖLvvx^ TSmv /Jvn/ptvw J&vvpvw aowwoama^ivw. rduvww uckerkranke: Nur noch ,,FaekOl", weil ohne Spritze, ohne strenge Diätkur, ohne Berufstörung. Ärztl.vielfach erprobt. Ständig neueErfolgs« berichte. Fordern Sie sofort kostenlos Probe u.hochlnteress.Abhandlg Uran-O.m.b.H. Berkenbrück 34 (Spree). Pianist Hans Krug gibt wieder Unterricht. Neuanmeldungen bitte Bleichstr. 181. - 05764 Bekanntmachung. „Die Ziegelstein Verkaufsstelle Gießen G. m. b. D. in Gießen ist gemäß Beschluß der Gesellschafter vom 6.6.1930 ausgelöst. Die Gläubiger wollen stch bei dem unter- zeichneten Liquidator melden. 05760 o. ,. , Ad. Steinmetz, Liquidator der Ztegelstetn-NerkaufSstelle Gießen G. m. b. ■£>„ Westanlage 39. StiftieSiitbe Morgen Freitag treffen ein: ff. norwegische Schellfische 2-4pfundig.......Pfund 45 4 pa. Goldbarschfilets Pfund................... 60 a ff. frischer Goldbarsch. 0. $t................Pfund 38^ Grüne Heringe u. Brat- schellsischc.......Pfund 28 d> Feinster frischer Kabeljau und Schellfische tm Ausschnitt.....Pfund 65 4 Filets von Kabeljau und Schell- fisch...............Pfund 80 3 Lvtttbe VüÄttuge das Pfund 45 d), die Stifte mit netto5Pfund...RM. 2.10 Frische Bananen, Zitronen, Taselävfel, Pfirsische Frische Weintrauben 3 Pfund.............RM. 1.- Stttbarrd Grünewald Babnbofstr. 27, Fernfpr.3631 6063 A Freitag, den 19. September, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 6420V eine Drehbank, fünf Stanzen, einen Schweißapparat (komplett), eine Bohrmaschine, einen Amboß, eine Lochplatte, einen Ausstellkasten, eine Kaltsäge (auch für Gehrung), eine Feldschmiede, einen Ventilator, eine Bandschleifmaschine, einen Schraubstock, eine kombinierte Schneidkluppe, komplette Autowerkzeugtaschen, eine Kreissäge mit Motor (3 PS), ein Schlafzimmer, ein Büfett, vier Sofas, einen Spiegel, drei Schreibmaschinen, zwei Grammophone, einen Schreibtisch, zwei Nähmaschinen, fünf Nachtschränke, drei Oefen, einen Dauerbrenner, zwei Küchenschränke, Gasbacköfen, Bilder, Kronleuchter, eine Ladentheke, drei Kisten Schuhfett, eine Standuhr, zwei Waschbütten, eine Leiter (9 Meter lang, 24 Sprossen, für Scheune), eine Leiter (14 Sprossen), zwei Waschmaschinen, zwei Erkerspiegel. Sämtliche Gegenstände kommen bestimmt zur Versteigerung. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Bekanntmachung. Am Freitag, dem 19. September 1930, nachmittags 3 Uhr, werden im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 6, die nach, stehenden Gegenstände öffentlich meistbie- tend gegen Barzahlung versteigert: ein Wanderer-Motorrad, zwei Schreib- tische, ein Schreibtisch, ein Vertiko, ein ovaler Spiegel, ein Spiegelschrank und 38 Büchsen eingemachter Früchte. Gießen, 17. September 1930. 6314C Der Oberbürgermeister. ___________(Vollstreckungsstelle.)____________ Ihre Geschättsdrucksachen atet1«n die Verbindung her zu Ihren Erzeugnleeen. Man stellt eloh die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge, Postkarten, Rechnungen. Geechäftskarton Ihres Hausee beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen I Wir bieten ole Ihnen. BrühPsche Druckerei, Gießen, Schulstr. T, Anruf 2261 _ Ziehung: 24. 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