Nr. HO Erster Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 18. Jun! 1930 Erschein, täglich, außer Sonntag» und Feiertag». Mlttti: Die Illustrierte Glehencr FamUienblStter Heimat im Bild Di, Scholle monatsiBcjngsprdi: 2.20 Reichsmark und 30 Reich»pfennig für Trüger. lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern Infolge höherer Gewalt. Hernsprechanfchlüste nnterSammelmunmer225l. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: granffnrt am Main 11688. MetzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Vruck vnd Verlag: vrühl'sche Unberfitäts-Bedh nnö Stetwörnderef H. Lange in «letzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Injt.ati für die lageennmmer di» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Dreite örtlich 8, auswart» 10 Neichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 ,m Breite 35 Reichspfennig. Platz Vorschrift 20'/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will». Lauge. Berantwortlich für Dolttik Dr. Fr. WM). Lanae; für Feuilleton Dr.ß.Ibyuot; für den übrigen Teil 1 nst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen. Vertrauenskrise. Der etwas künstliche Optimismus, mit dem das Kabinett Brüning seine Steuerreform als ver- kleidetcs Notopfer startet«, hat nicht lange vorgchal- ten. Es ist so gekommen, wie zu erwarten war, daß die Regierungsparteien selbst dem Finanzminister fein Programm zerrissen. Das Kabinett Brüning war von der stärksten Partei, die es in Deutschland gibt, von der Partei der Nichtwähler, begrüßt worden als die Hoffnung, daß nun endlich mit den überalterten Methoden des neudeutschen Parlamcn- tarismus gebrochen und neue Wege eingeschlagen würden, die uns aus unserem Elend heraushclfen sollten. Dabei galt es als selbstverständlich, daß zunächst einmal die Erbschaft Hilserdings liquidiert werden mutzte. Deshalb hat auch niemand gegen die gewaltigen Steuerlasten, die am Anfang dieses Kabinetts standen, Einspruch erhoben. Alle haben eingesehcn, datz es das wichtigste Erfordernis war, den Haushaltsplan ins Gleichgewicht zu bringen und datz bei der Eile, die dazu geboten war, andere Mittel nicht zur Verfügung standen. Inzwischen hat aber doch die Regierung Zett gehabt, sich einzuleben. Mag sein, datz ihr das neue Defizit selbst überraschend gekommen ist. Tiber sie stellt doch die Verhältnisse und ihre Aufgaben auf den Stopf, wenn sie sich auch jetzt toieber mit mangelnden DorbereitungSmöglich- feiten entschuldigt und nur mit dem Anziehen der Steuerschraube weiterkommen will. Wie stark der Stimmungsumschwung ist. ergibt sich doch auS der einen Gegenüberstellung. das; im Frühjahr der Kanzler am längeren Arm deS Hebels saft, wem, er dem Reichstag mit der Auslösung und dem Artikel 48 drohte und damit dem Parlament seinen Willen aufzwingen konnte, datz aber heute Herr Vrüning eigentlich vor der lln- möglichkeit der Auflösung steht. Denn wie will er einen Wahlkampf führen, wenn die Regierungsparteien selbst gegen ihn stehen und wenn sich dabei voraussehcn lätzt, datz das Ergebnis dieses Wahlkampfes eben wegen der vollkommen verunglückten Parole eine weitere Zerreitzung der Mitte fein mutz? Tatsächlich ist im Augenblick mindestens der Reichstag, den dteseS Kabinett auf die Knie zwingen wollte, der stärkere Faktor, weil er weitz. das; bie Regierung sich nur im alleräußersten Rotfall auf daS verzweifelte Experiment von Reuwah- kn einlassen kann. Das braucht nicht unbedingt tragisch zu enden, aber eine sehr deutliche Warnung ist doch am Platze, gerade für den. der von dem Kabinett (Brüning viel erwartete. Wir sind bereits mitten in einer schweren Ver- trauenSkrise. Diel Autorität hat die Regierung nicht mehr zu verlieren: wenn sie nicht endlich begreift, datz sie wirklich führen mutz, um weiterzukommen, dann lätzt sich ungefähr vorausberechnen, wann der Versuch Vrüntng gescheitert ist. 11 nb waS dann werden soll — wenn man nicht gerade den Kommunisten oder den Rationalsozialisten in die Hände arbeiten will — das ist eine fast unlösbare Frage. Begreiflich genug also, wenn Herr Dr. 'Brüning etwas in Katzenjammerstimmung ist. Aber noch besteht für ihn kein Anlatz, die Flinte ins Korn zu werfen. Er mutz sich nur endlich auS feiner Lethargie aufraffen und sich klar machen, wo er steht. Der gesährlichste Faktor in der ganzen Rechnung ist doch der, datz wir alle in der Arbeitslosigkeit zu ertrinken drohen, datz dte Zahl der Arbeitslosen im Winter auf fünf Millionen ft eigen kann, wenn es uns nicht gelingt, sie im Sommer, also in der günstigsten Zeit, unter 2,5 Millionen herunterzudrücken. Davon, datz wir au8 den Arbeitslosen Staatspenswnare machen wird eS nicht besser, die Summen, die dazu erforderlich find, lassen sich auf dte Dauer überhaupt nicht aufbringen. Am Ende dieser Entwicklung steht unweigerlich der Staatsbankott. Deshalb ist der Gedanke, den ja auch Herr Brüning aufgegriffen hat, durchaus richtig, datz der Versuch gemacht werden muh, durch eine allgemeine Senkung der Löhne und Preise zu einer vollkommenen Um« Seftaltung unserer Produktionsbein g u n g e n zu kommen, den inneren Markt auSzuweiten und die Verdrängung vom Weltmarkt zu verhindern. Die Schwierigkeiten, die einem solchen Beginnen entgegenstehen, sind in der Theorie, wie in der Praxis ungeheuer: aber nicht unüberwindlich. Sie können jedoch von einer Regierung überhaupt nur dann bezwungen werden, wenn sie sich auf ein starkes D e r - trauen stützt, denn die Anforderungen, die sie an die Opferwtlligkeit aller Schichten des Volkes stellen mutz, dürfen nicht gering angeschlagen werden. Aber die Voraussetzung für diese Opfer bleibt doch die Hcberjeugung, datz es nun wirklich anders werden soll. Den Beweis dafür mutz uns das Kabinett liefern. Es kann ihn auch liefern, wenn es mit rücksichtslose st er Sparsamkeit die Rationalisierung_ zunächst einmal in der Wirtschaft von Reich. Ländern und Gemeinden selbst durchführt und dadurch den Steuerzahlern klarmacht, datz sie nicht mehr wie bisher in ein Danaidenfaß hinein, schütten, sondern mit einer letzten Kraftanstren- gung festen Boden unter den Füßen gewinnen. Geqen das politische Rowdytum. Berlin. 17. Iuni. (Eigene ERB.-Meldung.) Zur Bekämpfung des politischen Rowdytums , von rechts und links hat. laut »Vossischer Zeitung". der Reichsjustizminister Dr. B r e ö t an alle deutschen Landesjustizverwal- tungen einen Erlaß gerichtet. Er hat angeregt die Landesjustizverwaltungen möchten ihrerseits Gerichte und Staatsanwälte zu jcharfem Vorgehen veranlassen. Oer Konflikt Reich-Thüringen vor dem Reichstag. Entschiedene Abwehrfront gegen die Nationalsozialisten. Berlin, 17. Juni. (VDZ.) Fn der heutigen Sitzung des Reichstages wird die zweit« Beratung des Haushalts des Reichsinncnmini- fte r i u m s fortgesetzt. Abg. Frhr. v. fiarborff (Dvp.) beschäftigt sich mit dein Problem der Ucberfüllung der Universitäten. Es sei jetzt so weit, daß im Jahr« 1934 mit 324 000 stellenlosen Akademikern zu rechnen sei. Darin liege di« Gefahr, daß ein akademisches Proletariat entsteht, das die Reihen der radikalen Gruppen rechts und links verstärken würde. An- gesichts dieser Gefahr muh geprüft werden, ob man nicht durch «ine Verschärfung der Abgangsprüfung, oder durch die Einführung einer besonderen Auf- nahmeprusung den Zugang zu den Universitäten erschweren sollte. 2m Konflikt mit Thüringen billigen wir durchaus das Vorgehen des Minifters Dr. Wirth. Ich,habe schon früher bedauert, daß ich in der thüringischen Regierung auch mein« Partei- re unde in nationalsozialistischer Ge- e 11 s ch a f t seh«. (Unruh« bei den Nationalsozia- iften.) Leider sind solch« politische Zwangsehen eine Folge der Parlamentsspielerei in den Einzelftaaten. (Mg. Frick, Natsoz.: „Lösen Sie doch den Landtag auf!*) Nationalsozialiften gehören nach ihrer ganzen politischen Einstellung nicht an leitende Beamtenpoften. (Aba. S t ö h r , Nat.- soz., erhält wegen unparlamentarischer Zuruf« zwei Ordnungsrufe.) Keine Reichsgewalt kann es sich gefallen lassen, daß in der Weise mit ihr Schindluder getrieben wird, wie es jetzt in Thürinaen geschehen ist. Der Fricksche Erlaß über die Schulgebete war eine Blasphemie. (Große Unruhe bei den Na- tionalsozialisten. — Abg. St öhr, Natsoz., wird vom Präsidenten aus dem Saal gewiesen, als er ruft: „Das ist zum Kotzen!") Die Nationalsozialisten sollten di« Gebete beherzigen: „Du darfst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" „Du sollst den Feiertag heiligen!* Dieses Gebot wird verletzt, wenn jeder Sonntag zu Hakenkreuzdemonstrationen mißbraucht wird. Der bedauerliche Konflikt mit Thüringen beweist die Notwendigkeit einer Beschleunigung der Reichsreform und des Aufhörens der Selbständigkeit der Einzelftaaten. Bismarck hat immer gegen den preußischen Partikularismus gekämpft, leider ohne Erfolg. Wir dürfen uns nicht länger als Preußen, Thüringer, Bayern fühlen, sondern als Deutsche. Der Redner wendet sich dann gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Spahn, ersucht aber gleichfalls um Aufhebung des Stahlhelm- verbales im Westen. Die Uniform verböte feien zu begrüßen, die Durchführung des Waffenverbotes müßte noch energischer erfolgen als bisher. Wir hoffen, daß uns eine Reichstags- auflösung erspart wird, denn der aus den Neuwahlen hervorgehende Reichstag würde auch nicht arbeitsfähiger sein, als der jetzige. Meine Freunde lehnen das Notopfer ab, sind aber bereit, an anderen Regelungen positiv mitzuarbeiten, und sie werden hier wie immer dos Vaterland über die Parteien stellen. (Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) Abg. Drewitz (wirlschastsp.) führt aus: Wir bedauern, daß man jetzt von „Not- opfer" und „Reichshilfe" spricht, statt das Kind beim rechten Nomen zu nennen. Wir haben feit 1927 Ausgaben beschlossen, die wir heute nicht mehr a u f r e ch t e r h a 11 e n können. Dazu gehört auch die Beamtenbesoldungsreform. Die Ankurbelung der Wirtschaft darf nicht jetzt schon mit Lohnabbau beginnen, sondern mit einem Abbau der Gestehungskosten. Wenn das W a Hill 11 e r auf 24 Jahre heraufgesetzt wird, dann wird 1. die Zahl der Mandate auf ein vernünftiges Maß vermindert und 2. kann sich dann der ytational- fozialist Dr. Fr i ck feine Wähler mit der Laterne suchen. Zur Reichsreform werden wir ganz von selbst kommen unter dem Druck der wirtschaft- lichen Not. Wir müssen die Ausgaben senken. Dazu gehört auch eine Aenderung des Besoldungsgesetzes. Wir müssen vorgehen gegen die Doppelverdiener, gegen die hohen Pensionen, Ktnc übermäßig hohen Gehälter und gegen den j der Ministerialzulagen. Wir verlangen auch eine Herabsetzung der Aufwandsentschädigung für die Abgeordneten. Wir bekennen uns zur Re- publik, aber nicht zur sozialistischen, sondern zur bürgerlichen. (Beifall bei der Wirtschaftspartei.) Abg. Leicht (vayr. v.) bittet den Minister, sich nicht durch ParlamentS- reben zu einem überstürzten Tempo in der Frage bet Re ichSreform drängen zu lassen. In bet Frage des Konflikts mitThüringcn können wir uns dem Abg. v. Kardorff anschließen. On das christliche Gebet darf eine politische Partei nicht hineinreden. In das Gebet darf man auch nicht die Verurteilung ganzer Volksgruppen einflechten. Das Uniformier» bot muh allgemein durchgeführt und der Schutz der Wahlverfamnnnlungen verbessert werden. Wenn die nationale Front so schmal wäre, wie sie Hugenderg sieht, dann könnte man an Deustchlands Zukunft verzweifeln. Abg. Dr. kitt; (Dem.): Der Minister hatte die Pflicht, die Polizei- zuschüsse an Thüringen zu sperren. Ein Rationalsozialist kann unmögdid) als leitender Polizeibeamter wirken. Die ReichSrefvrm muß endlich energisch in Angriff genommen werden. Wir müssen zum begentraltfierten Einheitsstaat kommen. Wir wollen auch eine Wählte f o r m mit dem Ziel, daß die Persönlichkeit im verkleinerten Wahlkreis sich ihr Mandat erkämpfen muß. Hätten wir ein solches System, fo würde mancher Abgeordnete jetzt nicht im Reichstag sitzen. Der Verein für daS Deutschtum im Auslande ist absolut überparteilich. Wer in seinen Reihen versuchen würde, eine Front gegen bestimmte Volksgruppen zu bilden, würde rücksichtslos entfernt werden. Abg. Dr. Frick (Ral.-Soz.): Der S t r c i L£ Düringen — Reich ist von den beiden letzten Innenministern zur Groteske gemacht worden. Wenn wir die Sperrung der Polizeizufchüsfe mit derselben Methode erwidern wollten, dann könnten wir die thüringischen Finanzämter anweisen, keine Gelder mehr an da- Reich abzuführen. (Lachen links.) Beim ersten Ausbruch des Konflikts war in der Thüringer Polizei noch nicht das geringste geändert. AIS dann auf Anordnung der Entente die Kommunalpolizei in den größeren Städten verstaatlich! werden mußte, habe ich bei der Auswahl der leiteixbeu Beamten nicht nach dem Parteibuch gefragt, sondern nach der Dienstbefähigung. ES ist ni ch t wahr, daß die Rativnalfozialisten mit Gewalt die Verfassung stürzen wollen. Die nationale Erhebung vom Rovember 1921 war die Reaktion auf den Landesverrat von 1918. (Erregte Zwischenrufe links und rechts.) SS widerspricht allen Grundsätzen der Verfassung, wenn man erklärt, daß ein Rationalsozialist nicht Minister werden könne. (Adg. Dr. Rosenfeld (Soz.) macht einen Zwischenruf. Abg. Dr. Goebbels (Rat.-Soz.) ruff: „Was hat der Iude da zu sagen?" Vizepräsident Esse rweist daraufhin den Abg. Dr. Goebbels auS dem Saal.) Die von mir empfohlenen Schulgebete enthalten keine Angriffe gegen irgendeine Volksschicht. GS handelt sich nicht um Haßgebete, sondern um FreiheitSgebete. (Lärm links.) ES steht fest, daß die Sozialdemokraten tm Iahre 1918 DolkSverrat und Landesverrat getrieben haben. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten, minutenlang anhaltender Lärm.) Ich habe die Verfassung deS Reiches und des Landes Thüringen beschworen, und ich werde diesen Schwur auch halten. Ich habe aber nicht geschworen, in Thüringen Berliner Politik zu machen. Ich führe die Politik in dem neuen Geiste von Weimar, wie ich ihn verstehe, im Geiste des Widerstände- gegen Verrat und Unterdrückung. (Beifallsklatschen bei den Rationalsozialisten.) Reichsinnenminister Dr. Wirth: Der Abg. Dr. Frick hat nicht erwähnt, daß der thüringische Staatsminister Bau m fich in wirksamer Form von dem Vorgehen Dr. Frick» d i st a n z i c r t hat. Wenn in den von Minister Dr. Frick empfohlenen Schulgebeten Gottesftrafe für Landesverrat und Volksverrat erfleht wird, so wird man vielleicht auch davon sprechen, daß der derzeitige Minister Dr. Frick wegen eines Versuchs des Hochverrats zu einem Jahr und drei Monaten Festungshaft verurteilt worden ist. (Hört! Hört') Dr. Frick hat in seinen Erläuterungen klar gesagt, daß der Vorwurf des Verrats sich gegen die Luden richten soll. 2ch weise diesen Vorwurf zurück. Das ist der Stern unseres Staatslebens, daß jeder Staat »bürget in seiner Ehre, Würde und Freiheit geschützt wird. (Beifall.) Ein evangelischer Theologe erklärt in seinem Gutachten, wenn in den Frickschen Gebeten die Strafe Gotte» für da» Unrecht anderer erfleht werde, fo sei da» nicht evangelisch, sondern zeige einen starken An- klang an die Lehren des Alten Testaments. Die Art, in der die Notionalsoüalisten die Disziplin in unserer kleinen Wehrmacht zu untergraben versuchen, in der sie den Reichspräsidenten beschimpfen, in der sie zum g e • roaltfamen Sturz der Verfassung auffordern, laßt es unmöglich erscheinen, einen leitenden Polizeiposten in die Händ« eine» Nationalsozialisten zu legen. Darum ist der deutsche Reichsinnenminifter verpflichtet, die Polizeizuschüsfe an Thüringen zu sperren. (Beifall.) Abg. Crispin (So;.) führt Beschwerde darüber, daß die Rundfunkübertragung einer Maifeier deS Sozialistischen Kulturbünde- in letzter Stunde verboten worden ist. Rotwendig sei ein ReichSsunkgesetz. damit der Rundfunk nicht zum Instrument bestimmter Regierungsstellen werde. Reichsinnenminister Dr. Wirth erwidert dem Abg. Erispien, die Richtlinien für den Rundfunk, auf die sich die Nichtzulassung der Maiseier-Llebertragung stützte, seien 192* von Reichsinnenminister v. Keudelf gemeinsam mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun auSgearbettet und von Reichsinnenminister 6e Der in g bestätigt worden. ES werde geprüft werden, ob die Bestimmungen für die llebetlTagung kulturpolitischer Veranstaltungen geändert werden müssen. ES müsse den Eltern aber Gewähr gegeben werden, daß ihre Kinder «'' ätzt werden vor der Rundsunkbeeinflufsung Weltanschauungen, die fönst von den Eltern ihnen ferngebalten werden. preußische Vorschläge zur Deckung des Michsdefizits. Zunächst Entscheidung im Reicherst. Berlin, 17. Juni. (WIB.) Die gestern bereit» gemeldeten Vorschläge Preußen« zur Deckung der Fehlbeträge im Reich,- haushalt werden vom Amtlichen preußischen Pressedienst nunmehr in folgender Form veröffentlicht: Die preußische Staatsregierung befaßte sich am Dienstag mit der Vorlage der Reichsregierung zur Deckung der Fehlbeträge im Reichshaushalt und im haushalt der Reichsanstalt für Erwerbslosenfür- forge. Die preußisch« Staatsregierung beschloß, der Sonder steuer für Fe st besoldete nicht zuzu st Immen, vielmehr bei den Beratungen im Reichsrat vorzuschlagen, die Beamten und diejenigen Ange st eilten, die ein gesichertes Einkommen von mehr als 8400 Mark beziehen, zu den Ausgaben der Reichsanstalt für Erwerbs- losenfürsorge heranzuziehen. Sie würden afe- dann denselben Beitrag, da» sind 2i Prozent, zu zahlen haben, den nach der Erhöhung der Beiträge die Arbeitnehmer zahlen müssen. Die Staatsregierung lieh sich bei ihrer Beschlußfassung von dem Gedanken leiten, daß es bei der außerordentlichen Rotlage und Erwerbslosigkeit weiter Gruppen de» Volkes nicht unbillig sei, auch den in gesicherter Cage befindlichen Beamten und Angestellten ein Opfer für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ;u- zumuten. Die Vorschläge der preußischen Staatsregierung ergeben gegenüber den Vorschlägen der Reichsregierung eine Mindereinnahme von 12 3 Millionen. Die Staatsregierung beschloß, der Reichsregierung einen Ausbau de » Ledigenopfers oorzufchlagen, durch den eine Mehreinnahme von 50 Millionen erzielt werden könnte. Der dann noch verbleibende Unterschied muß durch Einsparung en oder schärfere Besteuerung de» Tabak» gewonnen werden. Die Verkürzung der Besoldungen nimmt den Ländern und Gemeinden die kehle Reserve für einen etwa notwendigen Ausgleich von Fehlbeträgen. Besonders bedenklich Ist die» für die Gemeinden, die durch die steigenden Lasten der Wohlfahrtsfürsorge Immer stärker bedroht werden. Die preußische Staatsregierung beschloß daher melier, der Reld)»reglerung die Einführung einer allgemeinen Gemeindegetränke st euer In der Form einer Schankoerkehrssteuer vor- zuschlagen. Derhandlungspanse. Abwartende Haltung der Parteien. Berlin, 17.Juni. (Eigene CNB.-Meldung.) Im Mittelpunkt der Erörterungen über die parlamentarisch« Lage steht der preußische Vorschlag zum Notopfer. Man beurteilt ihn in politischen Kreisen dahin, daß er zweifellos eine gewisse Aussicht aus Annahme im Reichsrat hat. Ge- rächte, wonach Preußen für die Länder einen Anteil beanspruche, treffen nicht zu. Dagegen dürfte es richtig sein, daß es gewisse Forderungen auf anderen Gebieten stellt. Da das Reichs kobi- nett zunächst dos Schicksal des preußischen Vorschlages im Reichsrat abwortet, tritt in der Behandlung der Frage zwilchen Regierung und Parteien nun zunächst eine Pause ein, die mindestens bis Dienstag nächster Woche dauern wird. Man rechnet damit, daß die erst« Lesung im Reichstag dann sofort beginnt und der Kanzler parallel die beabsichtigten Verhandlungen mit den Parteien aufnehmen wird. Unter diesen Umständen hat auch das Zentrum seine für Donnerstag vorgesehene Fraktionssitzung abgesagt, und sich mit dem Bericht begnügt, den Reichskanzler Brüning gestern dem Fraktionsvorstand erstattet Hot. Die übrigen Parteien dürsten inzwischen ebenfalls eine abwäre tenbe Haltung einnehmen. Demokratische Bedenken. Berlin, 18. Iuni. (Eigene ERB.-MeldungH Zu den Abänderungsanträgen, die die preußische Regierung zu den Gesetzentwürfen Woldenhauers im Reichsrat stellen wird, teilt der Demokratische ZeitungSdienst als Auffassung der demokratischen ReichStagSfraktivn u. a. mit: Innerhalb der demokratischen Reichstags- fraktioa bestehen die Bedenken fort, trotz ge* Erleichterungen, die die preußischen Vorschläge bringen. Auch die Vorschläge der preußischen Staats- regierung stellen in der neuen Form eine Auf- Erlegung von Sonderlasten zur Deckung des Fehlbetrages dar. und gerade solche Sonder- lasten Hai die demokratische Reichslagsfraktion nachdrücklich abgelehnt. Auch die preußischen Vorschläge entbehren einer inneren Begründung. So kann z. D. nicht eingesehen werden, warum die Privatangestellten mit dem Arbeitnehmerbeitrag in Höhe von 2,25 v. H. an den Beitragszahlungen für die Arbeitslosenversicherung beteiligt werden sollen: an den Versicherungsleistungen sollen sie jedoch nicht teilnehmen. Der Vorschlag der preußischen Staatsregierung, die Ledigensteuer noch zu steigern, wird ebenfalls keine Gegenliebe finden. Zweifel auf allen Geilen. B e r l i n , 18. Juni. (Eigene CNB.-Meldung.) Die volksparteiliche „D. A. Z." erklärt zu den preußischen Vorschlägen: Diese Vorschläge sind, namentlich soweit sie sich auf das N o t o p f e r beziehen, noch bedenklicher als die ursprünglichen Molden- hauerschen Pläne. Es ist ein absurder Gedanke, daß Beamte und Angestellte für eine Versicherung zahlen sollen — und zwar auf unabsehbare Zeit — ohne daß sie irgendwelche Aussichten haben, an den L eist u n g en di e s er D erst cherung teilzunehmen. Diese neue, ebenfalls nur schlecht gelungene Verkleidung des ollen Gedankens einer Sonber- belastung der Beamten und Angestellten hat keine Aussicht, von den Parteien angenommen zu werden, die das bisherige Hofopfer abgclehnt haben. Infolgedessen werden auch die parlamentarischen Schwierigkeiten durch diesen „Kompromiß-Versuch" in keiner Weise verringert. Der „Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt u. a.: Solange die Absichten der preußischen Regierung nur in diesen groben Umrissen bekannt sind, wird man Zweifel daran haben müssen, ob der Gedanke steuerlicher Gerechtigkeit ausreichend durch ihn gewahrt wird. Eine Sonderbelastung derjenigen Volksschichten, die sich in gesicherter Lebensstellung befinden, kann doch immer nur dann als vertretbar angesehen werden, wenn zuvor und daneben alle L e i - stungsfähigen ausreichend herangezogen worden sind. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, die sich bereits am Montag und Dienstag eingehend mit diesen Fragen beschäftigt hat, wird wahrscheinlich am Mittwoch ihre Beratungen abschließen und der Öffentlichkeit ihr Ergebnis unterbreiten. Sitzung des Aeichskabinetts. Berlin. 17. Juni. (WTB.) Bei Beginn der heutigen Reichskabinettssihung begrüßte der Reichskanzler, Dr. Brüning, den Vizekanzler und Reichswirtschaftsminister Dietrich, der nach Wiederherstellung von seiner Erkrankung wieder an den Arbeiten des Kabinetts teilnimmt. Die Sitzung diente der Erledigung laufender Angelegenheiten. Brüning will die sächsischen Wahlen abwarten. 7 Berlin, 17.Juni. (VDZ.) Unter den lau- .senden Angelegenheiten, die das Kabinett in seiner heutigen Sitzung erledigte, befand sich, wie das VDZ.-Dureau hort, auch eine Kundgebung der Reichsregierung aus Anlaß der Räumung des Rheinlandes, die in nächster Zeit veröffentlicht werden soll. Die wichtigen politischen Fragen, die zur Zeit die Gemüter bewegen, namentlich die Deckungsvorlage und die Sanierung der Arbeitslosenversicherung, spielten in der Kabinettssitzung nur eine untergeord- nete Rolle. Die Anträge Preußens für die Beratung der Deckungsvorlage im Reichsrat lagen der Reichsregierung noch nicht vor und konnten deshalb von ihr auch noch nicht behandelt werden. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, besteht bei der Reichsregierung überhaupt nicht die Absicht. vor den sächsischen Wahlen noch irgendwelche versuche zur Klärung der finanziellen Fragen zu unternehmen. Das schließt natürlich nicht aus, daß die Regierungsvertreter sich im Reichsrat an der Beratung der Angelegenheit tatkräftig beteiligen werden. Wie wir hören, wird sich die Reichsregierung im Reichsrat für ihre Vorlage in der gegenwärtigen Form einsetzen: erst wenn die Stellungnahme des Reichsrats vorliegt und der Wahlkampf in Sachsen abgeschlossen ist, dürfte die Regierung Verhandlungen mit den Parteiführern im Reichstage aufnehmen. Forderungen der W rtschafispartei. Berlin, 17.Juni. (Ddz.) Die Reichstagsfrak- tion der Wirtschaftspartei hat an den Reichskanzler Dr. Brüning ein Schreiben gerichtet, in dem der Standpunkt der Wirtschaftspartei zü aktuellen politischen Fragen zum Ausdruck gebracht wird. Die Wirtschaftspartei fordert darin, daß Neuanforderungen für die Erwerbslosenversicherung neben einer grundlegenden Reform durch Abstriche an anderen Stellen des Etats, nicht aber durch Erhöhung der steuerlichen Belastung aufgebracht werden müssen. Weiter wird ein Antrag auf eine f ü n f p r o - zentige Senkung der Gesamtausgaben angekündigt. Einer Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung könne die Wirtschaftspartei nur zustimmen, wenn durch Reduzierung der Beiträge zur Krankenkasse die Gesamtsoziallast nicht erhöht würde. Die Belastung der Angestelltenschaft wird als außerordentlich bedenklich bezeichnet: dagegen hält die Wirtschaftspartei eine Aenderung der Vesoldungsordnung in Reich, Ländern und Gemeinden grundsätzlich für notwendig, wobei jedoch die Familien- und Kinderzulagen aus sozialen Gründen unangetastet bleiben sollen. Die Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung sollen in Raturalien, im besonderen in Gutscheinen aus Das österreichische Eniwaffnungsgeseh angenommen. Wien, 17. Juni. (TU.) Nachdem der Rationalrat das Entwaffnungsgeseh in dritter Lesung angenommen hatte, kam noch am Rachmittag der Gesetzentwurf vor den Bundesrat. r r „ , Für die Sozialdemokraten sprach General Körner, der das Entwaffnungsgeseh als nicht weitgehend genug ab lehnte. Dr. Steidle lehnte hieraus den Gesetzent- wurf ebenfalls ab und erflärte, der Einfluß des Auslandes müsse aus Gründen des nationalen Selbstbewußtseins vor den Schranken der Gesetzgebung Halt machen. Die Regierung habe behauptet, sie sei vom Ausland ge- zwungen worden, dieses Gesetz zu machen. Die englische sozialistische Zeitung „Daily Harald" aber habe geschrieben, daß dies der erste Fall sei, daß eine der Mittelmächte freiwillig Zugeständnisse über den Friedensvertrag hinaus anbiete. Im weiteren Verlauf seiner Rede warf Dr. Steidle der Regierung vor, daß sie seit der Verfassungsreform Schritt für Schritt die Rechte der Länderregierung en abbaue, zu dem offenbaren Zweck, aus Oesterreich eine zentralistischen Polizeistaat zu machen. In diesem Zusammenhang müsse der Redner auch auf den Fall Pabst eingehen. Die Ausweisung des Majors Pabst müsse als ein Mißbrauch der Amtsgewalt bezeichnet werden. ein Willkürakt zur Befriedigung persönlicher Rachegelüste. Pabst sei nicht auf Grund von Tatsachen ausge- toiefen worden, sondern auf Grund von Gerüchten und Behauptungen von Polizeispitzeln. Die heim- wehr selbst könnte sich vielleicht für die Ausweisung des Majors Pabst bedanken, denn durch Märtyrer würde die Bewegung nur stärker. Bundeskanzler Schober verwahrte sich gegen dcn Vorwurf, daß er als Agent des Auslandes gewirkt habe, als er das Entwaffnungsgesetz eingebracht habe. Nach der Konferenz im Haag sei ihm nahegelegt worden, etwas zu unternehmen, um die ausländischen Bankiers über die Verhältnisse in Oesterreich zu beruhigen. Der Bundeskanzler habe sich deshalb entschlossen, den bekannten Brief an den Völkerbund zu schreiben. Zur Angelegenheit P a b st sagte der Bundeskanzler u. m. er bedauere, daß Dr. Steidle den Ausdruck „Mißbrauch der Amtsgewalt" unter dem Schutze der Immunität gebraucht hätte. Der Bundeskanzler würde sonst gerichtlich gegen ihn vorgehen. Die Ausweisung Pabsts sei vom Innenminister Schumy schon seit langem gewünscht worden. Der Bundeskanzler habe sich ihr aber widersetzt. Nach der Korneuburger Tagung jedoch habe er den Widerstand aufgegeben. Denn es sei ihm zuverlässig mitgeteilt worden, Major Pabst habe erklärt, die heimwehr müsse nunmehr auch das Bundesheer und die Dundes- pottzei bearbeiten. Im übrigen würde der Wunsch Dr. Steidles nach einem gerichtlicher Verfahren befriedigt werden. Denn die Polizeidirektion habe die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Der Bundesrat beschloß hierauf, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und in Abwesenheit Dr. Steidles, gegen die Gesehesnovelle keinen Widerspruch zu erheben. Mit 26 gegen 15 Stimmen. Wien, 17.Juni. (WTB.) Der Dundes- r a t nahm heute das Entwaffnungsgesetz mit 26 gegen 15 Stimmen an. Dafür stimmten der Landbund, die Grohdeutschen und die Christlich-Sozialen mit Ausnahme des Tiroler Bundesrates Steidle. Haimschs Demission angenommen. Wien, 17. Juni. (WTB.) Der Bundes- Präsident nahm die Demission des Handelsministers H a i n i s ch zur Kenntnis und betraute Bundeskanzler Schober bis zur Ernennung eines Rachfolgers mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Handelsministeriums. Roggenbrot, gegeben werden. Heber die Frage der Arbeitsdienstpflicht wird die Partei demnächst eine besondere Vorlage einreichen. Schließlich wendet sich das Schreiben dagegen, daß ein eventuell abzudeckendes Defizit durch neue, die Wirtschaft schädigende Steuern, oder durch die Erhöhung bestehender Steuern beseitigt wird. Sachsen gegen das AoioOr. Dresden, 17. Juni. (WTB.) Von der sächsischen Staatskanzlei wird amtlich mitgeteilt: Das G e s a m t m i n i st e r i u m hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, im Reichsrat dem Entwurf eines Gesetzes über eine R e i ch s h i l f e der Fe st besoldeten nicht zuzu stimmen. Außer verfassungsrechtlichen Bedenken war hierbei bestimmend, daß die Reichshilfe der Festbesoldeten ein Teil eines auf Senkung der Preise, der Produktionskosten und der Löhne gerichteten Programms fein soll, daß aber, bevor dessen Durchführung nicht irgendwie gewährleistet ist, eine so einseitige und schemattsche Belastung eines Volksteils nicht am Platze erscheint. Das Parieiimisorm-Lelbot vor dem Bayerischen Landtag. München, 17. Juni. (WTB.) Im haushaltsausschuß des Bayrischen Landtages kam es bei der Beratung des Etats des Staatsministeriums des Innern zu einer lebhaften Aussprache über den Erlaß des Innenministers, durch den uniformierte Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel verboten wurden. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dill führte Klage, daß durch diese Verordnung die staatstreuen Organisationen ebenso getroffen wurden, wie jene Kreise, die systematisch seit Jahren die Gewaltanwendung als politisches Mittel predigen. Abg. Schäffer (Bayr. VP.) betonte, der Minister habe mit dieser Verordnung, die seinem freien Entschluß entsprungen sei, als verantwortungsbewußter Staatsmann gehandelt. Der deutschnationale Abg. Hilpert stellte fest, daß weder die deutschnationale Fraktion, noch der Ministerrat mit dem Verbot des Innenministers irgendwie befaßt waren. Das Verbot finde nicht die Zustimmung feiner Fraktion, sondern ihren Widerstand. Staatsminister Stützet führte u. a. aus: Die bayrische Verordnung richtet sich gegen keine Organisation im speziellen, sondern gegen alle politischen Organisationen, d i e Uniform tragen. Die nächsten Wochen wird man beurteilen können, ob die Absicht, dem Frieden zu dienen, erreicht wurde. Selbstverständlich wurde die Zustimmung des Ministerpräsidenten vorher eingeholt. Völlig abwegig ist die Annahme, daß vorher Verhandlungen mit dem Reich oder anderen Ländern stattgefunden hätten. Beisetzung des Gesandten von Baligand. München, 17. Juni. (WTB.) Die sterbliche hülle des in Lissabon ermordeten deutschen Gesandten Dr. Albert von Baligand wurde heute mittag im Südlichen Friedhof in München in der Familiengruft beigesetzt. Neben der Gattin und den beiden Brüdern des Verstorbenen bemerkte man unter den Trauergästen als Vertreter des Reichspräsidenten und der Reichsregierung Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s, ferner Staatssekretär von Schubert, als Vertreter der Marineleitung Vizeadmiral Brutzer, ferner den bayerischen Landeskommandanten Generalleutnant von L e e b , den Gesandten der Reichsregierung in München von h a n i e l, den portugiesischen Gesandten in Berlin Dr. da Costa Cabral, den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, Vertreter der Landespolizei, der Stadt München und andere prominente Persönlichkeiten, außerdem auch die Gattin des verstorbenen Reichsaußenministers Dr. Stresemann. Reichsaußenminifter Dr. C u r • t i u 3 sprach am offenen Grab im Namen des Reichspräsidenten und der Reichsregierung und gab der Trauer Deutschlands um den DahmHeschiedenen Ausdruck. Er hob feine hervorragende diplomatische Eignung und die Achtung, die er sich in allen seinen Stellen, besonders auch in Portugal erworben hat, hervor und dankte im Namen des Reichspräsidenten für alles, was er für das Vaterland geleistet hat. Als äußeren Ausdruck dieses Dankes legte er einen Kranz mit einer Schleife in den Reichsfarben nieder. Für die Beamten des Auswärtigen Amtes sprach Staatssekretär von Schubert. Der portugiesisch« Gesandte in Berlin Dr. da Costa Cabral hob die Popularität des Verstorbenen in Portugal hervor und dankte ihm für die Treue und Freundschaft, die er dem portugiesischen Volk geschenkt hätte. Briands Emopabund. Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz." Derli-n, 18. Juni. Schon seit längerer Zeit beschäftigen sich die zuständigen Stellen des Aus- wärttgen Amtes mit der Beantwortung des großen Briandschen Memorandums über die innere Organisation Europas. Man hat, um eine Zusammenfassung dieser Arbeiten sicherzustellen, eine führende Persönlichkeit des Auswärtigen Amts mit dem ganzen Fragenkomplex betraut. Nach dem augenblicklichen Stand der Dinge scheint aber die Fertigstellung der Antwort nicht so schnell möglich zu fein, wie man ursprünglich angenommen hatte, so daß die deutsche' Regierung ihre Mitteilung in Paris nicht viel vor dem von Briand erbetenen Termin, dem 15. Juli, überreichen kann. Die Verzögerung ist zum Teil durch die Rücksichtnahme auf die bevorstehende Zollunionskonferenz in Paris zu erklären, deren Verhandlungsergebniffe man abwarten will, aber es kommt noch hinzu, daß ohnedies eine Fülle sehr komplizierter Fragen zu berücksichtigen ist. Die Grundhaltung der deutschen Antwort wird voraussichtlich auf den Versuch abgestimmt sein, in Verbindung mit der Zurückweisung solcher Vorschläge, die für Deutschland undurchführbar und unnötig erscheinen, das Europa-Problem in seinen positiven Möglichkeiten klar herauszuarbeiten. Englisch-französische Gorgen um Mussolini. London, 18. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent der „THorning Post" meldet: Es besteht Grund zu der Annahme, daß der gestrige Besuch des britischen Botschafters Ty- re 11 bei Briand einer Besprechung der Lage galt, die durch Mussolinis letzte Rede entstanden ist. Auf französischer Seite wird dem Zwischenfall in Bari, wo italienische Studenten eine Trikolore verbrannt haben, weniger Beachtung geschenkt, als der Haltung des Duce gegenüber mitteleuropäischen Angelegenheiten. Die Franzosen denken dabei nicht nur an Mussolinis offen bekundete Sympathie für Ungarn, und, wie man annimmt, für gewisse ungarische Wünsche, sondern auch daran, daß Mussolini maßgebenden französischen Besuchern gegenüber in sehr deutlichen Ausdrücken über den Danziger Korridor gesprochen hat. Polnische Angst vor der deutschen Sprache. K a 11 o w i tz, 17. Juni. (WTB.) In der heutigen Plenarsitzung des schlesischen Sejm wurde zunächst die Geschäftsordnung mit einer geringen Majorität angenommen, da sich der Deutsche Klub der Stimmabgabe enthielt. Eine lebhafte Debatte hatte der Antrag des Deutschen Klubs auf Zulassung der deutschen Sprache in den Plenar- und Kornmifsionssitzungen ausgelöft. Korfanty sprach sich grundsätzlich gegen den Antrag aus. Bei der Abstimmung wurden 22 Stimmen geaen und 21 Stimmen für den Antrag abgegeben, so daß die deutsche Sprache damit aus dem schlesischen Sejm ausgeschlossen ist. Für den Antrag hatten der Deutsche Klub, der Sozialistische Klub und die beiden Kommunisten gestimmt. Die Sitzung wurde, ohne daß die Tagesordnung vollkommen erschöpft war, nach der An- nähme der Geschäftsordnung auf den kommenden Freitag vertagt. !Der Mindener (Spronagefatt. Berlin. 17.Juni. (Eigene CRB.-MeldungF. Von zuverlässiger Stelle wird die Verhaft tung des Obermusikmeisters Adam und seiner Frau in Minden b e st ä t i g t. Rähere Angaben können nicht gemacht werden, weil sie nach § 11 des Gesetzes über den Verrat militärischer Geheimnisse ein Eingreifen in ein Verfahren darstellen würden. Wie die „Rachtausgabe" jedoch erfährt, hält man im Reichswehrministerium den Spionagefall des Obermusikmeisters Adam für außerordentlich ernst und ist der Ansicht, daß man einer umfangreichen Spionage- organif ation aus die Spur gekommen ist. Aus aller Welt. Wissenschaftliche Berater beim Polizeiinstitut Berlin. Der Preußische Innenminister hatPolizeiinstitut Berlin einen Beirat gebildet und neben den Polizeipräsident^, von Berlin, Hamburg, Stuttgart usw. als wissenschaftliche Berater den Bonner Gerichtsmediziner Prof.Müller-Hetz, den Kölner Psychiater Pros. Aschaffenburg und den Privatdozenten an der Hessischen Landes- llniberfität Dr. v. Hentig, Gießen, berufen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" zur Eharterfahrt aufgestiegen. Friedrichshafen, 18. Juni. (WTB. Funkspruch). Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist gestern abend 5.55 Llhr nach zehnstündiger Schweizerfahrt bei ziemlich starkem Winde glatt g e- landet. Heute morgen um 4.47 Ufjr ist das Luftschiff unter Führung von Kapitän Lehmann zu der geplanten Charterfahrt des Automobilclubs Vorarlberg aufgestiegen. An Bord befinden sich 35 Passagiere, die sämtlich Mitglieder des österreichischen Automobilclubs sind. Grubenunglück in Oberschlesien. — Drei Tote. Berlin, 18. Juni. (Eigene CRB.-Meldung.) Auf der „Graf Frank"-Kohlengrube bei Jmma- nuelssegen, die zum Fürstl. P(essischen Besitz gehört, brachen, nach einer Meldung des „B. T.", große Wassermassen durch und überfluteten eine Teilstrecke. Drei Bergarbeiter, die von dem Wasserdurchbruch überrascht wurden, konnten sich nicht mehr retten und ertranken. Drei Schüler durch eine Höllenmaschine verletzt. Brüx, 17. Juni. (WTB.) Der Schüler der Brüxer städtischen Handelsschule Ernst Löwen- berg erhielt heute ein Postpaket zugestellt, das ihm der Schuldiener im Schulhause überreichte. Als der Schüler S ch e b e r t a den Löwenberg das Paket aus der Hand nahm, explodierte es, und S d) e b e r t a brach zusammen. Die Untersuchung ergab, daß das Paket eine vollkommen fachmännisch hergestellte Höllenmaschine zum Inhalt hatte. Die ganze Ladung war dem Schüler Scheberta ing Gesicht gedrungen. Er erlitt Verbrennungen an beiden Augen und eine Schwächung des Seh- vermögens. Auch Löwenberg und ein anderer Schüler wurden verletzt. Man ist der Ansicht, daß es sich um einen Racheakt gegen den Vater Löwenbergs handelt, der durch feinen Sohn getroffen werden sollte. Trauriges Ende einer Kinderprozession. Paris, 18.Juni. (WTD. Funkspruch.) Rach einer Meldung des „Journal" aus Barcelona sind bei einer religiösen Kind er - Prozession 2000 Personen infolge Sonnenstiches bewußtlos geworden uni haben ärztliche Hilfe erhalten müssen. Der Zustand von neun Kindern soll hoffnungslos sein. Oie Weiterlage. 22 W Tb- icni o23. iiaeent izrdecn X -J2.0, N5 23 ©wolkenlos,© neiter. q naio oeoecKL ® womio. ©bedecm «Hegen * Schnee Graupel» e Mebel K Gewitter.®windstille. «Q-» sehr leichter Ost massiger Südsüdwest q stürmischer nordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeicen Stationen stenenden zahy len geben die Temperatur an. Die Linien verbmdeo Orte mit gleichen! auf neercsnii/edu umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Allgemeiner Luftdruckfall hat einerseits den hohen Druck im Rordosten etwas abgebaut, andererseits Über den Kanal flache Störungen aus- kommen lassen, so daß sich eine Rinne etwas tieferen Druckes von dem Jslandttef nach dem süditalienischen hin erstreckt. Jedoch sind die Druck- und Temperaturgegensätze sehr gering, so daß dadurch keine größere Beeinflussung unseres Wetters stattfinden wird. Die kontinentale Ostluftzufuhr ist in Deutschland erhalten geblieben, wodurch auch zunächst das heitere und trockene Wetter fortdauert. Es ist möglich, daß unter dem Einfluß der Kaaralstörung späterhin etwas maritime Luft nach dem Festlande gelangt und somit Bewölkung aufkommt, die gewitterdrohenden Charakter annimmt. Eine wesentliche Aenderung des herrschenden Wetters ist jedoch dadurch nicht in Aussicht gestellt. Aussichten für Donnerstag: Heiter, später auch Bewölkung aufkommend, warm und trocken. Lufttemperaturen am 17.Juni: mittags 25,5 Grad Celsius, abends 19,1 Grad: am 18. Juni: morgens 18,4 Grad. Maximum 28,2 Grad. Minimum 10,6 Grad. V • -> "V"> Aus der Provinzialhaupistadt. Dietzen, den 18.3unl 1930. Oie Strahlenpilzerkrankung, eine Gefahr in Öen Sommermonaten. Don Dr. Hoffmann, München. Der Erreger der Strahl«npilz«rkrankung wurde 1877 von Dollinger beim Rinde und 1878 von 3. 3 lrael beim Menschen beschrieben. ES handelt sich um einen verzweigte Fäden tragenden Pilz, der eine Mittelstellung einnimmt zwischen den Spaltpilzen (Bakterien) und den Schimmelpilzen. 3m Gewebe treten die Erreger nicht einzeln aus, sondern vereinigen sich zu charakteristischen grau biS aelblichweitzen Drüsen von Ltecknodelkopsgröhe. Die Verbreitung des Strahlenpilzes ist eine ausgedehnte. 3m Stroh-, Heu- und Misthaufen findet er sich, kommt so in den Ackerboden und haftet dann auch an her Getreidepflanze (Grannen-, Fruchtkörner, Strohpartikeln, Schalen von Sonnenblumen usw.). Don den Haustieren werden befallen hauptsächlich Rinder, ferner Pferde, Esel, Schafe, Schweine und gelegentlich auch Hunde und Katzen. Der Etntritt der 3nfeftion erfolgt durch eine äußere Verletzung, während eine direkte Ücbet- tragung vom erkrankten Organismus auf den Menschen kaum vorkommt. Durch Einatmen von pilzhaftigem Staub kann ebenfalls eine Erkrankung zustandekommen. Einer 3nsektion ausgesetzt sind besonder- in der Landwirtschaft tätige Personen gemäß der Verbreitung des Erregers. Ferner setzen sich der Gefahr einer Strahlenpilz- erkrankung alle diejenigen aus, welche die üble Angewohnheit haben, bei Wanderungen in der Ratur Getreidepartikel, Halme und Aehren in den Mund zu nehmen und daran zu kauen. Durch kranke (kariöse) Zähne, durch die kleinen, stets vorhandenen Schleimhautverletzungen des Mundes, sowie durch das Setzen von kleinen Schleimhautverwundungen durch die Pslanzenteile selbst kann der Pilz in das Gewebe eindringen. Die Krankheitszcichen treten meist einige Wochen nach Eindringen des Strahlenpilzes in den Organismus aus. Unter entzündlicher Gewebseinschmelzung kommt es zur derben eiterigen Durchtränkung der Haut oder der Schleimhaut und zu Fistelbildungen. Ost gesellt sich eine Mischinfektion dazu mit den gewöhnlichen Eitererregern. 3e nach dem Sitz der Erkrankung spricht man von Mund-, Hals-, Brust- und Dauchaktinomykose. Die Mundhalserkrankung kommt hauptsächlich durch Einführung infektiöfer Pflanzenteile in den Mund zustande. Die Drust- erkrankung (Lungen und Speiseröhre) wird selbständig veranlaßt durch Einatmen pilzhaltigen Staubes. Durch 3nfektion vom Darm aus (Mastdarm und Wurmfortsatz) infolge Verschlucken- von strahlenpilzhaltigem Material kann die Dctuch- höhle zuerst infektiös erkranken. Der Verlauf und Ausgang der Strahlenpilzerkrankung ist sehr verschieden. Die Mund-Halsaktinomykose verläuft meist oberflächlich, bleibt auf einen umschriebenen Dezirk beschränkt und ist daher gutartig. Gelegentlich allerdings kann durch rasches Vordringen der Erreger, durch Eiterbildung, Wischinsek- tion und Säfteverlust und dadurch bedingte Herabsetzung der Widerstandskraft und des Abwehrmechanismus des Körpers sowie durch Verschleppung des Pilzes in andere Organe, namentlich in lebenswichtige, das Leben vernichtet werden. Die Therapie sucht — rechtzeitige 3nanspruch- nahme de- Arztes vorausgesetzt — den Krankheitsherd zur Aussaugung und Erweichung zu bringen, so daß hierdurch ein Ausbruch des Eiters erfolgt, wodurch dann Heilung erzielt wird. Letzteres kann erreicht werden durch innerliche Verabreichung von 3od und durch Rönt- aenbestrahlung. Gelegentlich ist auch chirurgisches Vorgehen angezeigt. Dei allen Heilungen ist aber eine weitere ärztliche Kontrolle nötig, da Erreger zurückgeblieben sein können, die lange Zeit ruhen, aber später wieder eine Erkrankung veranlassen können Als vorbeugende Maßnahmen kommen in Betracht Spätbestrahlungen und nachträgliche zeitweise 3odkuren Die Verhütung von Strahlenpilzerkrankung ist in die Hand eines jeden einzelnen gegeben. 3n landwirtschaftlichen Betrieben ist es empfehlenswert, bei den geringsten Wunden durch entsprechenden Schutz (Schnellverband, Mullbinden) für Reinlichkeit zu sorgen Die Staubbildung ist aufs äußerste einzuschränken. Die häufige Gelegenheitsursache, durch Zndenmundnehmen strahlenpilztragendcr Pflanzenteile die Erkrankung zu erwerben, ist energisch zu bekämpfen Dor allem die Kinder sind in Schule und Elternhaus ständig zu belehren Tleue Einbahnstraßen in Gießen. Das Polizeiamt teilt mit: Durch Polizeiverordnung vom 10. Mai 1930 sind noch folgende Straßen zu Einbahnstraßen bestimmt worden: K le i n e Mühlgasse von Reustadt bis Mühlstrahe, Goethe st raße von Südanlage bis Ludwigstrahe, Am Rahrungsberg von Licher Straße bis Bismarckstraße, Leihgestcr - ncr Weg von Rodhohl bis Röntgenstrahe, R o d h o h I von Wilhelmstrahe bis Friedrichstraße. Straße ab Wegegabel 600 Meter südlich Echiffenberg in nördlicher Richtung über Punkt 266,2 (200 Meter östlich Schisfenberg), Punkt 212,5 (700 Meter nördlich Schiffenberg) bis Wegegabel bei Punkt 186,6 (ein Kilometer nordwestlich Schiffenberg). Entsprechende Eperrschilder und Richtungspfeile sind angebracht. Das Befahren der genannten Einbahnstraßen ist nur in der Pfeilrichtung ge- Verbandstag der Kriegerkanieradschafi Hassia in Alsfeld Am vergangenen Samstag und Sonntag fand der 5 7. Berbandstag der Hassia zugleich mit der Feier des 90jährigen Bestehens des Alsfelder Deteranen. und Kriegeroereins unter starker Beteiligung statt. Am Samstagvormittag um 11 Uhr begann im Sitzungssaale des Rathauses ble Sitzung des Präsidiums unter dem Vorsitz von Generalleutnant a. D. Exzellenz v. Oidtmann, 1. Präsident der Hassta, wobei Bürgermeister Dr. D ö l s i n g da- Präsidium der Hassia im Jia men der Stadt begrüßte. Die über den Rachmittag dauernde Sitzung beschäftigte sich mit der Vorbereitung für den Verbands tag. Um 6 Uhr abends erfolgte in der als GedachtniShalle auSgestatteten FriedhvfS- kavelle eine Kranzniederlegung zum Gedächtnis der Gefallenen des Weltkrieges, wobei Exzellenz v. O i b t m a n n die Ansprache hielt: ebenso wurde am Grabe de- im Vorjahre verstorbenen Bezirk-Vorsitzen- den Schade (Alsfeld) ein Kranz nieder gelegt. AbendS um 8 llhr fand im großen Saale des Hotels ..Deutsches Haus" ein vom (Beteranen- und Kriegerverein Alsfeld veranstalteter Degrühungsabend statt, der sich eineS sehr guten Besuches erfreute. Rach einleitenden Ansprachen des Dezirksvor» sitzenden und LeS Der einsvor sitzend en hielt Präsident v.Oidtmann eine bemerkenswerte Rede übet die Zwecke und Ziele der Kriegervereine und deS Hassia-Derbande-, wobei er sich mit Entschiedenheit gegen den Dorwurf wandte, daß die Kriegervereine reaktionäre Einrichtungen seien, sie wollten vielmehr mitarbeiten an dem Aufbau des Volkes in dem gegenwärtigen Staat, das Vaterland müsse über die Parteien gestellt werden. DieS müsse auch der Grundsatz der Krie- gerveteine fein. Ernste, stimmungsvolle und heitere Darbietungen der verschiedensten Art, sowie musikalische und gesangliche Darbietungen gaben dem Begrüßungsabend einen recht angepahten 3nhalt. Freiherr Ludwig Cornelius von Hehl zu Herrnsheim aus WormS sprach für da- besetzte Gebiet und gab seiner Freude über die Befreiung deS Rheins Ausdruck. Am Sonntagmorgen um 9 Uhr wurde im „Deutschen Hause" die von fast allen Bezirken deS Verbände- besuchte 57. Verbandsversammlung der Kriegerkamerad- schafl hassia durch ihren Präsidenten, Exzellei» v. Oibt - mann, eröffnet. Kreisdirektor Dr. Stammler (AlSfeld) überbrachte die Grüße des hessischen Ministers des 3nnern in dessen Auftrag. Dür- fiermeifter Dr. Völsing begrüßte die Versamm- ung namenS der Stadt Alsfäd. Der gedruckt vorliegende umfangreiche Jahresbericht über das 56. Verbandsjahr 1929 der hassia wurde zur Kenntnis genommen. Er läßt erkennen, daß in dem Verbände eine außerordentlich vielseitige Arbeit geleistet wird. DaS wichtigste Arbeitsgebiet der neuen Zeit war bisher die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen. Die hierfür vom Verbände aufgewendeten erheblichen Mittel haben schönste Erfolge gezeigt. Der Verband hat jetzt auch Mitarbeit in allen Wohlfahrtsausschüssen des Landes. Der von dem Schatzmeister vorgetragene Kassenbericht für das 3ahr 1 9 2 9 ergab als Summe der Einnahmen 197 150,44 Mk. und alS Summe der Ausgaben 188 897,63 Mk., so daß ein Ueberschuß von 8252,81 Mk. verbleibt. Die Rechnung wurde gemäß dem Vorschlag der Rnchnungsprüfungskommission genehmigt und die satzungsmähige Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1930, der sich auf 191 882 Mk. in Einnahme und auf 190 750 Mk. in Ausgabe beläuft, wurde genehmigt Der Betrag für allgemeine Unterstützungen stattet. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mark, im Uneinbringlichkeitsfalle mit Haft bestraft. 60. Stiftungsfest öer Reformverbinvung ^Adelphia^. Dom 10. bis 12. 3uni beging — wie man unS berichtet — die Studentische Reform- v er bin düng „Adelphia" die Feier ihre- 60jährigen Bestehens. Don nah und fern waren die 3img- und Altadelphen zur alten Musenstadt geeilt, um mit lieben Freunden frühere Erinnerungen auszutauschen. Rach internen Beratungen der Alt-Adelphia und des Hausbauvereins begab sich am Abend des ersten Tages die große Schar der Festteilnehmer in feierlichem Zuge unter Dorantritt der Vertreter sämtlicher Derbandskorporationcn des Verbandes Deutscher Burschen in WichS zum Hause des Gesellschaft-Vereins. Dort eröffnete der 1. Chargierte, cand. med. G r f m a n n, den feierlichen Kommers, begrüßte die Festgäste und betonte die überparteiliche Stellung der Adelphia zu Volk und Vaterland. Sein Salamander galt dem deutschen Vaterland. 3n seiner Prinzipienrede legte der Vorsitzende der Alt- Adelphia, Oberstudiendirektor Kissinger- Darmstadt, dar. wie die Adelphia aus den studentischen Reformbestrebungen entstanden ist und wurde von 12 000 auf 14 000 Wk. erhöht, die Beihilfe für die Alt-Veteranen wurde auf 15 Mk. erhöht. AlSdann erfoCgtc die Beratung deS vom Präsidium vvrgelegten Entwurfs der Satzung Säuberungen des Verbandes. ES ist eine allgemeine Revision der Satzung geplant. Dach längerer Aussprache wurde beschlossen, den SatzungSentwurs nochmals durchzuarbeiten und im nächsten 3ahre der DerbandS- versammlung wieder vorzulegen. Einen längeren Raum nahm alsdann die Beratung der vorliegenden Anträge ein, unter welchen der Beschluß hervorzuheben ist, daß an Stelle der Derbandsehrentafeln eine Hassia- Ehrenmünze geschossen werden soll für einzelne Mitglieder. Auch wurde ein Antrag auf Einschränkung der künftig zu verleihenden Hassia- Ehrenkreuze angenommen. Ferner wurde beschlossen, ein Ehrenzeichen zu schaffen für die Leiter der 3ugend- und Kleinkaliberschiehabtei- lungen. Ueber dieDerträge mit den Der- ficherungSgesells chaften erftattcteObcr» rcgierungSrat Linden st ruth (Darmstadt) Bericht. Gr empfahl einen weiteren Ausbau im Hinblick auf die große soziale und finanzielle Bedeutung dieser Verträge für die Hassia. Ueber die Kriegsbeschädigten- und kriegshinterbliebenen- sürsorge der hassia berichtete Präsidialmitglied 3 h r i g. Die Betätigung auf diesem Zweige der Fürsorge ist im abgelaufenen 3ahre bedeutend gewachsen. Dom Verband wurden im abgelaufenen 3ahre insgesamt 2500 Fälle vor den Gerichten imb Behörden vertreten. ES wurde eine Entschließung zugunsten der Kriegsopfer angenommen: Die Versammlung weist die ungerechtfertigten öffentlichen Angriffe auf die Versorgung der Kriegsopfer zurück. Sie erwartet von Reich-- und Landesregierung, daß sie von Amts wegen auf die Tatsache der jetzigen ungenügenden Versorgung aufmerksam machen. Gefordert wird eine ausreichende Altersversorgung. Gegen den Abbau von Schwerkriegsbeschädigten wird Protest erhoben. Die weiteren Punkte der Tagesordnung, Kleinkaliberschießen, 3ugenb* pflege, der „Hessische Kamerad", Vortragswesen, Sammelwesen, H^ssia-Kalender, UnterstühungS- wesen wurden ohne wesentliche Debatten erledigt. Dei der alsdann folgenden Dorstandswahl wurde der seitherige 1. Präsident Exzellenz von Oidtmann wiedergewählt, ebenso wurden die seitherigen Mitglieder des Präsidiums Stump f, Kapesser und Pfannmüller wiedergewählt. Als 2. Präsident wurde an Stelle deS verstorbenen Medizinalrats Dr. D o g t (Butzbach) Oberregierungsrat Lindenstruth (Darmstadt) gewählt, alS 3. Präsident mit Stimmenmehrheit Freiherr Ludwig Corneliu- von Hehl zu Herrnheim in Worms. Als Ort für den nächsten Derband-tag wurde Dieburg mit Stimmenmehrheit gewählt. Gegen 1,30 Uhr wurde die Tagung geschlossen. Am Rachmittag um 3 Uhr fand auf dem Marktplatz ein Festakt statt anläßlich der Feier des 90jährigen Bestehens des veteranen- und Kriegervereins Alsfeld, wobei die sämtlichen Vereine deS Bezirks mit ihren Fahnen erschienen waren. Rach einer Eröffnungsansprache deS Dorsitzenden, Lehrer Hartmann (AlSfeld), überbrachte Exzellenz von Oidtmann die Glückwünsche der Kriegerkameradschaft Hassia und Bürgermeister Dr. D ö l s i n g die der Stadt AlSfeld. Es wurden dem Derein mit entsprechenden Ansprachen mehrere Fahnennägel überreicht. Auf dem Festplatz fand anschließend an die Feier ein großes Militärkonzert unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r statt. Abends folgte der übliche Tanz. Der Besuch deS Feste- war sehr stark und die ganze Deranstaltung von herrlichem Wetter begünstigt. durch unentwegtes Festhalten an ihren Grundsätzen: Gleichberechtigung aller Studierenden, Gleichwertung der Ehre jedes Einzelnen und Duell- und Mensurverwerfung ihre heutige Stellung sich errungen hat. 3n zu Herzen gehenden Worten gedachte er aller verstorbenen Verbindung-brüder. Sein Salamander galt dem weiteren Blühen der Korporation. Die Grüße und Wünsche der Lande-universität überbrachte in Vertretung Sr. Magnifizenz des Rektors Pros. Dr. Laqueur. Er wieS besonders auf den Wert der Korporation als Bindeglied zwischen Universität und den ehemaligen Studenten, der Altherrenschaft hin. Ramens der Theologischen Fakultät sprach Prof. l). S ch u m a n n, der in dem engen Zusammenarbeiten zwischen AktivitaS und Altherrenschaft ein wertvolles Mittet sieht, die heute so oft zutage tretende Kluft -wischen alter und neuer Generation zu überbrücken. Die Wünsche und Grüße des Offizierskorps übermittelte der Dalatl'onskommandeur, Oberstleutnant Lüters: er ermahnte, den Gedanken der Wehrhaftigkeit lebendig zu erhalten. 3m Auftrage deS Vorstandes des Verbände- Deutscher Burschen würdigte Verband-Philister Dr. Paulus, Askaniae Köln, die JSerbienfte der Adelphia um den Verband und überreichte ein finniges Geburtstagsgeschenk. Bei frohem Sana und echt studentischem Treiben blieb man noch lange beisammen. Der zweite Tag begann mit einer etnbnutt* vollen Trauerfeier für die in Dießen bestatteten Adclphen auf dem Alten Friedhof. Daran schloß 'ich ein Festakt anläßlich M bOjährigen Bestehens der Alt-Adelphia an. 3n seiner Festrede zeigte Geh. Medizinalrat Dr. Balser- Darmstadt die Entstehung und Entwicklung deS AllherrenverbandeS bi- sur Gegenwart auf. Die Frier fand ihren Abschluß mit der Ehrung verdienter Mitglieder der '3Ü- Adclphia. Dann begaben sich die Teilnehmer zum Festessen im Klub. Am 2lbend hielt dort ein Festball jung und alt bi- zum frühen Morgen in bester Stimmung zusammen. Mit einer Fahrt zum Gleiberg am nächsten Tage fand da- in allen Teilen wohlgelungena Fest seinen Abschluß. Dr. O. Daten für Donnerstag, 19. Juul. Sonnenaufgang 3.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.19 Uhr. — Mondaufgang 0.22 Uhr, Monduntergang 11.57 Uhr. 1884: der Maler Ludwig Richter in Dresden geworben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Baugenossenschaft 1894/Bezirkssparkasse Gießen: Dortrag über Erleichterung unt Beschleunigung der Ansammlung von Kapital für Neubau und Kauf von Eigenheimen usw., 20 Uhr. Hotel Einhorn, Lindenplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eagliostro" und „Raketen-Omnibus". — ,»tud. ehern. Helene Wills Ü«r". Ab Donnerstag, 19. d. M., läuft im Lichtspielhaus der Film „stud. ehern. Helene Willfüer", gedreht nach dem bekannten Roman von Dickv Baum. Di« Titelrolle spielt Olga Tschechowa. Don den übrigen Darstellern sind in erster Linie 3gv Syn^ Hermann Dalentin und Emst Stahl-Rachbaur au nennen. Der Film durfte in Gießen besonderem 3nteresse begegnen. •• Personalie. Ernannt wurde am 10. 3uni der Privatdozent Oberforstmeister Professor Dr. Gustav Baader zu Darmstadt zum ordentlichen Honorarprofessor an der Technischen Hochschule zu Darmstadt. "DieTheologische Konferenz (Frvn- leichnamSkonferenz) tagt am Donnerstag im Kol- legiengebäude. Am Dormittag spricht Pnvat- dozent Pfarrer Lic. Adolf Allwohn, Gießen, über „Die Aufgabe der praktischen Theologie": nachmittags Professor D. Rudolf Bultinann, Marburg, über „Die Thristologie des Reuen Testaments". ee Sperrung der Ortsdurchfahrt Lollar. Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Provinzialstraße Ortsdurchfahrt Lollar (vom Bahnübergang bis Abzweig nach dem Bahnhof) vom 1. 3uli ab für jeglichen Derkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Staufenberg—Dwib ringen—Gießen. •• 3n der Lahn ertrunken. Die Leich« deS seit Sonntagabend vermißten Ludwig Hölscher konnte gestern nachmittag 16,10 Uhr am LaunSbacher Badeplatz geborgen werden. Sie wurde nach Lounsbach übergeführt, wo heute vormittag die gericht-ärztliche Untersuchung ftatt» findet. * Die Marburger Festspiele erfreuen sich, wie man unS schreibt, eines sehr guten Besuche- aus allen Gegenden Deutschlands. Bei den bisherigen Vorstellungen konnten bereits über 10 000 Besucher gezählt werden. Besonder«- 3nteresse beanspruchen die Ausführungen de- Hofmannsthalschen Mysterienspiel- „Jedermann", da- die Zuschauer vom ersten bi- zum letzten Augenblick in Spannung hält. „3eb«rmann"-Auf- führungen finden nur noch am Donner-tag, dem 19. und Freitag, dem 20.3uni statt. Die Darstellungen des „Kaufmann von Venedig" haben am vergangenen DamStag begonnen. Die Premiere mit Dr. Ludwig Wüllner war ein schöner Erfolg. Weitere Ausführungen deS „Kaufmann von Denedig" finden am 18. und 21. 3uni statt. Am Sonntag, 22.3unt, beginnen die Aufführungen deS „Götz von Berlichingen" mit Friedrich Kayßler, dem vorjährigen Tell, in der Titelrolle. • • Dors ich t mit Päckchens Di« Post flagt darüber, daß jetzt häufig Päckchen mit Gegenständen aufgeliefert werden, die unter dem Ein- fluh der Wärme leicht verderben ober Flüssigkeiten absehen, wodurch ander« Sendungen beschmutzt werden. Für die Absender können daraus leicht Weiterungen und Ersatzverbindlich- feiten entstehen. Die Post ist auch berechtigt, derartige Sendungen von der Beförderung auS- zulchlicßen. GS empfiehlt sich daher, solch« Geaen- stände, wie Früchte, Beeren, Butter und anoer« leicht schmelzende Fette, in der heißen 3ahreSzeit in Päckchen nicht zu versenden. Auch zu anbettr Zeit ist es ratsam, eine 2 er Packung anzuwenhen, bei bet bet 3nhalt so gesichert ist, daß eine Beschädigung anderer Sendungen nicht vorkommen kann. Ob schwarz, brünett oder blond — für jede Fran ist Schwarzropf-Trocken-Schaumpon daS ideale Hilfsmittel, wenn sie ganz rasch lockere-, duftige- Haar haben möchte. Ter Puder verschwindet sofort im Haar, fauat im gleichen Augenblick Schmutz und Fettoestandtrile auf und wird mit diesen durch kräftiges Ausbürsten wieder aus dem Haar entfernt In 3 Minuten glänzt daS taar wie frisch gewaschen. ie arüne Achteckdose mit dem praktischen Puderbeutel— Sorte .hell" für Blondinen, Sorte .dunkel" für Brünette und Schwarze, kostet nur RM. 1.— und hält lange Zeit vor. Preis: 70 Pfg. In den ersten 10 Jahren sollte jede Mutter ihr Kind ausschließlich mit der reinen, milden NIVEA KINDERSEIFE waschen und baden. Dem Kind wird dadurch später manche Sorge um die Erhaltung seines guten Teints erspart bleiben. 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(Schäferhund aus den Namen Wolf hörend, entlaufen. Lindenvl- 4 >03921 Vereine | Rottweiler. Die B.-G. W. hält am 22. Juni auf dem Schützeubans, vormitt. 9 Uhr, eine BereinSschan ab, wozu alle Mitglieder der Gruppe m. ihren Roiti zu ersch. hab.; auch Nichlmltgl. fön. ihren Hund bewert, lasten. Anmeld. biS 9 Uhr oorm. Freunde u. Gönner der Raste berzl.wiük.Rotthetlt v. »NUsr. 1. Bors. Gesangverein Concordia Giefeen Gegründet 1864 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Mitgliedes «mD Hans Luch geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. Juni, nachm. 2V1 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 600 W gegen Sicherheit : Zinsen bei monai Rückzahlung soso gesucht. Schr. Ang. u. 03916 a. d. G. Anz. Baute! 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Im hohen Vörden deS Atlantischen Ozean-, von einem stürmischen Meer umspült. das vielen Fahrzeugen zum Verhängnis geworden ist, liegt Irland, das »Land des Eises", eine merkwürdige Mischung von Gletschern und unterirdischen Gluten — und eine Insel, die sich rühmen kann, das älteste Parlament aller europäischen Völker *u besitzen. Seltsam, daft gerade dieses kleine Volk, welches in seiner mittelalterlichen Blütezeit ebenso wie jetzt nur etwa hunderttausend Deelen zählte, vor einem Jahrtausend die Beat erungssorm entwickelt hat, die sehr viel später die ganze Kulturwelt zu erobern bestimmt gewesen ist. Irische Mönche liehen sich im achten Jahrhundert in der isländischen Einsamkeit nieder, und bald folgten norwegische Ansiedler, die politischem und weltanschaulichem Druck in ihrer Heimat entgehen wollten. 3m Gegensatz zu den skandinavischen Königreichen entstand aus der Insel eine Republik, deren oberstes Organ der Althingi, daS Im Jahre 930 gegründete Parlament wurde. In jedem Hochsommer tagte vierzehn Tage lang der Althingi unter freiem Himmel. in einem erloschenen Krater, um neue Gesetze zu beschließen und als höchstes Gericht für die Ausrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. AIS dieses Parlament 70 Jahre bestand, faßte es Im Jahre 1000 den Beschluß, das Ehristen- tmn auf Island einzuführen. Es entstanden Bistümer, der Handel belebte sich, der Wohlstand stieg, biS im 13. Jahrhundert die Norweger das Land unterdrückten, das von nun ab unter der Fremdherrschaft der Norweger und der Dänen zu leiden hatte, bi- es sich in den letzten hundert Jahren Schritt für Schritt seine Freiheit zurückeroberte. Die Isländer haben den Beweis erbracht, daft ein zäheS Volk auch ohne blutige Nevolutivn unter Umständen sähig sein kann, sich aus kolonialer Abhängigkeit zu befreien und die volle Souveränität wieder zu erlangen. Im Jahre 1800 wurde der Insel durch die Aufhebung des Althingi auch der letzte äußere Schein einer Selbstverwaltung genommen MS der dänifch-enalifche Krieg von 1807 biS 1814 den dänischen König daran verhinderte, wie bisher absolut die Negierung auszuüben, riß Im Jahre 1809 der dänische Abenteurer Jürgensen, nachdem er zu den Engländern ühergelaufen war, die Gewalt an sich und erklärte sich zum König von I-land. Goch wurde er schon anderthalb Monate L von den Engländern selbst wieder verjagt, und Island kehrte im Jahre 1814 unter die Hoheit der dänischen Krone zurück. Aber in den wenigen Kriegsjahren war der isländische Freiheitsdrang erwacht, und seitdem hat man eS verstanden, in zäher, unblutiger und fast loyal zu nennender Weife die alte Selbständigkeit zurückzugewinnen. Im Jahre 1843 wurde der Althingi wieder eingeführt, wenn auch nur mit beratender Kraft, und ein paar Jahre daraus wurde da» Handelsmonopol aufgehoben, daS bi- zu jenem Zeitpunkt der dänische Staat besessen hatte. Verfassungsänderungen folgten in den siebziger Jahren, ohne datft dadurch die isländische Bevölkerung zusriedengestellt worden wäre. Man forderte vduf der Insel vielmehr, daß man von eigenen Beamten und einem eigenen Minister regiert werden sollte, und tatsächlich erhielt GasschO-NuWugiibuWcn des Bolen Kreuzes. Eines der zum Transport Verunglückter bestimmten Flugzeuge des Roten Kreuzes. Auf dem Flughafen Tempeihof in Berlin veranstaltete das Deutsche Rote Kreuz am 15. Juni große Flugzeug-Rettungsübungen. die bei Tasvergiftungen im Falle eines Zukunftskrieges von größter Wichtigkeit fein werden. Rumänien» neue Regierung nach der Vereidiaung. 1. Reihe von links nach recht»: Kuttusminiftcr Coftachescu. Innenminister Najda-Woswod, Ministerpräsident M a n t u , Außenminister Minorescu. Kriegsminister General Condeescu. — 2 Reihe, beim Zweiten von link» beginnend: Finanzminister Popovici, Arbeitsminister Halipa, Landwirt« schaft»minister M i h a 1 a ch e, chandelvminister Madgearn. Verkehrsminister M a n t l e f c u. Island im Februar 1904 seinen ersten eingeborenen Ministern daS Amt wurde einem Mann anvertraut, der biS dahin Stadthauptmann der Hauptstadt Reykjavik gewesen war. Weitere Verbesserungen der Dersassung folgten in den nächsten Jahren, und im Hochsommer 1918 wurde da» Abkommen unterzeichnet, daS Island zu einem souveränen Königreich erhob; bet Staat blieb nur noch burch Personalunion mit Dänemark verbunben. Die Dänen hatten gehofft, durch ihr Entgegenkommen die frühere Kolonie wenigstens in einem loderen Zusammenhang mit dem Mutterland halten zu können, und tatsächlich änderten sich die Gefühle der Isländer gegen die Dänen im letzten Jahrzehnt beträchtlich Wenn Island auch feine eigene Sprache spricht, nämlich einen nordgermanischen Dialekt, der sich seit 800 Jahren überhaupt nicht verändert hat und von dem der Deutsche glauben könnte, er höre die Sprache seiner Vorfahren aus dem frühen Mittelalter, wenn die isländische Kultur auch durchaus boden- wüchsig und eigenartig ist, so weih man auf der Insel doch, daß man durch tausend historische Fäden mit Dänemark verbunden ist, und schließlich sind auch die familiären Beziehungen zu dem südlichsten skandinavischen Staat sehr eng. Der große dänische Bildhauer Torvaldsen hatte einen isländischen Großvater und bezeichnete sich selbst als Isländer. Aber die freundschaftlichen Gefühle, die inzwischen zu Dänemark entstanden sind, haben nicht die Loslös ungsbestrebungeir gemindert, und man rechnet jetzt allgemein damit, daß der dänisch-isländische Vertrag schon im Jahre 1932 gekündigt werden wird. Bereits vorher ist mit einem anderen entscheidenden Schritt der Isländer zu rechnen. Das souveräne Königreich Island, da« im Jahre 1918 gegründet wurde, hatte nämlich bisher daraus verzichtet, eine eigene Außenpolitik zu treiben, und man begnügte sich damit, für den auswärtigen Verkehr die dänische Diplomatie in Anspruch zu nehmen. Nun tritt Island gleichzeitig mit der Tausendjahrseier seine- Parlament- in den Völkerbund ein! Damit nimmt eS auch seine außenpolitischen Geschicke in die eigene Hand. Obwohl der dänische König, der jetzt seit der Souveränitätserklärung zum drittenmal in Reykjavik weilt, dort als isländischer Herrscher stet« freundlich, wenn auch ohne Begeisterung empfangen wird, muß man damit rechnen, daft sich das junge Königreich bald wieder in eine Republik zurückverwandeln wird, in die älteste Republik Europa-. Da die Dänen diese Entwicklung nicht auszuhaiien vermögen, wird sie sich oyne blutige Konflikte und sozusagen in aller Freundschaft vollziehen. Für Deutschland ist diese Entwicklung nicht ganz gleichgültig. Zwar ist I-land, da« ungefähr fo groß wie Südbeutfchland ist, al»er nur fo viel Einwohner wie die Stadt Mainz hat. kein sehr wichtiger Faktor auf dem Weltmarkt, doch lauft e- immerhin ein Zehntel feiner Güter in Deutschland ein. Wenn sein natürlicher Reichtum erst ausgebeutet, wenn die Bevölkerung wachsen und eine nennenswerte Industrie entstehen wird, kann I-land bei steigenden 1k* dürsnissen eine« Tages ein guter Kunde der deutschen Wirtschaft werden. Vorläufig lebt der größte Teil de- Volke- vom Fifchfang, der In den i-ländischen Gewässern ganz besonder« ergiebig ist, und von der Konservierung der Fische, die al- Stockfische besonder- in den südlichen Ländern viel gekauft werden. Der Ackerbau ist nur fpärlich entwickelt, da außer der Kartoffel und einigen Futterpflanzen kaum etwa- gedeiht; selbst Bäume kommen in dem rauhen Klima nur spärlich fort. Aber ble Insel hat dafür andere Dck)ätze, die bisher nur der Vernichtung dienten, in Zukunft jedoch der Kultur dienstbar gemacht werden tollen. I-land ist da- Land der Geifer, der heißen Dprlngquellen, deren Wärme von dem vulkanifchen Boden herrührt und industriell ausgenutzt werden foll. ES ist ferner ein Land reißender Flüsse, die vorläufig ihre mächtige Wasserkraft nutzlos in- Meer strömen loffen, aber eines Tage- ungeheure elektrifche Spannungen in Fabriken leiten werden. Es ist merkwürdig, daß ein fo kleines Land Io gewaltige Ströme hervorzubringen vermag. Das liegt daran, daft unter den Glelfchern zahlreiche tätige Vulkane liegen, ble zu bestimmten Zeiten die ElSmaffen auf ihrem Rücken schmelzen und bann riesige Wassermengen vom isländischen Ohren über ganz Deutschland. Von Hans Heßler. So ist e» gekommen. Ich saß in einem Hamburger Hotel mit einem Herrn zusammen, wir tarnen ins Gespräch und beiläufig sagte er, nach seinem Gewerbe befragt, er fei ein Direktor der Zugtelefonie. Auch ein Beruf, dachte ich, muß der Mann Sorgen haben. Von Meter merkwürdigen Einrichtung wußte ich nicht viel mehr als andere Mcnfchen auch, daß zwifchen Hamburg und Berlin folche Wagen laufen, aus denen man nach Hamburg oder Berlin telefonieren könne, waS sicher eine einigermaßen unzuverlässige und windige Sache sei. Jener Direktor suchte meinen unverhohlenen Skeptizismus zu zerstreuen und lud mich schließlich ein, am nächsten Nachmittage nach Belieben meine Ohren über ganz Deutschland auszustrecken, wenn wir zusammen wieder nach Berlin zurücksahren würden. In einer Kabine sitzt eine Beamtin vor einigen Schalttafeln, glühenden Lampen und brennenden Riefenröhren. Voltmeter, Amperemeter, und allerlei Uhren mit fchwankenden Zeigern umgeben sie - so sehen die ersten Zugsunkkabinen der Welt aus, denn die Welt hat sie noch nicht außer zwischen Hamburg und Berlin. In einer geräumigen und luftigen Fernsprechzelle sitze ich selbst, bekomme einen Kopfhörer umgebängt und einen gewöhnlichen Telescm- trichter in die Hand gedrückt, in den ich zu reden hätte. Man kann's ja versuchen. denke ich und fehe nachdenklich in das frifche durchfonnte Grün des Sachfenwaldes, das mit einer Achtzig-Kilometerge- fchwlndigkeit an uns vorbeihufcht. Auch fönst, fällt mir eben ein, ist Meter O-Zug ganz normal, in den Abteilen sitzen die Menfchen und lefen oder böten ober schlafen. sie haben jenes deruhigenbe Gefühl, bas bie Reise gibt, den Dingen für eine ganze Weile unfehlbar entrückt zu fein. Halloh, tagt mir plötzlich jemanb ins Ohr, unb es ist ganz unzweifelhaft bie Stimme meiner Frau. Es gibt Situationen, in benen uns ber Atem stockt, und diese war so eine. Man mag sich beruhigend znslüstern. daß wir uns als Geschöpfe unterer technischen Zeit über nichts mehr zu wundern haben, unverfehens bricht das Wunder doch übet dich herein und benimmt dir bie Luft. Hallo, tagt meine Frau mit wieder in« Ohr, bist bu fchon hier, in Berlin, wann bist bu gekommen, wo bist bu? - Nein, tage ich, unb habe nun meinen □Item wieder, ich beende mich im O-Zug zwischen '4)erlin unb yumburg luj eben haben wir den Sach- senwalb passiert, aber jetzt ist eine Wiese vor mir unb Kühe toeiben auf ihr, sie find fchon fort .... und meine Frau hat nachher gesagt, sie hätte um meinen Verstand ein wenig gefürchtet, denn sie hat mich In einer Femfprechzelle am Lehrter Bahnhof vermutet, und wie kommen die Kühe da hinein. SS ist mir felbst während dieses Berichts nicht ganz wohl und recht unwahrscheinlich zu Mule, ich empfinde eine Art von metaphysischer Raumangst, eine ganz starke Suggestion gegen das Faktum, au« einem sahrenden Zuge zu reden; sie schwindet auch dann nicht völlig, al« wir weiter sprechen unb mir meine Frau so beutltch unb persönlich In« Ohr redet, als stände sie neben mir. Um mich aber au« einem Saulus ganz zu einem Paulus zu machen, läßt da« Fräulein in ber Nebenzelle plötzlich alle Teufelchen bes Zuglunk« fpielen. Ich höre: Fräulein Witten- berge, geben Sie boch mal Köln. Sogleich spricht es mir ins Ohr: Hier Köln. Es melbet sich Düsseldorf. Frankfurt am Main erfcheint, Leipzig tritt auf den Plan Landfchaften liegen zwifchen uns, Atmosphäre ist zu überwinden, Leitungen von Hunderten Kilometern werden in Sekundenschnelle durchschoßen. Ich meine, es wäre seltsam, mit dem äußersten Osten zu sprechen, und schon höre ich: Hier Königsberg! und spreche plötzlich mit einem Bekannten Kollegen einer KonigSberger Zeitung. Don diesen enormen Strecken werden manchmal Spuren in den Kopfhörer geschleudert, bann ist e«. alS laufe ble Weite zwl- fchen uns unb empöre sich gegen ihre llbertoinbung. Aber bie anbeten, bie ba in Düfselborf ober Königsberg sitzen, kennen biete Störungen nicht, sie empfinben an ihren ruhenben Tifchen wahrscheinlich auch nicht bie Wucht biefer hinellenben Landschaft, welche die Unglaublichkeit deS Vorgang« boch immer wieder ins Absurde steigert. Wtr reden auch mit dem O-Zug, bet vor uns nach Berlin fährt unb schon halb in ber Halle bes Lehrter BahnhofS einlaufen wirb; zwei Herren, bie eilenb« nach Passau wollen, haben von bort aus nach Berlin telefoniert, ihr Zug hätte Verspätung unb sie würben ben bringend benötigten Anschluß am Anhalter Bahnhof nicht mehr erreichen — auf welche bewegliche Klage sich die Eisenbahn einmal deS Dienste« am Kunden erinnert unb verspricht, auf ble beiden Spätlinge zu warten. Man hat mich bann bei dem Fräulein an der Schalttafel belasten und ich habe einige«, unbefugt vielleicht, mitgehort: Bankbirektoren fptechen mit ihren Filialen, ein Hamburger Chirurg läßt sich übet ba« CBefinben bet Patienten in feiner Klinik berichten unb gibt Anweifungen. Sin Japaner wird au« feinem Abteil geholt unb hort staunend eine lange Geschichte, die ihm ein LandSmann in seiner fremden Sprache erzählt .... eine ganze Welt von Geld. Leiden und Mitteilungen zieht vorüber, unb ble Mikrophone vermitteln alles mit ber gleichen Treue, unb ruhig liegt bieHanb be« Schalterfräulein« auf einem Hebel, ber bie Lautstärke burch alle Schwankungen auf einer gleichmäßigen Stärke erhält. Man barf e« freilich nicht so treiben, tote jener Sport«mann. ber nach halbjähriger Abwesenheit in Hamburg an Lanb ging unb sogleich aus bem Zug seine Frau in München antief. Sie waten nach so langem Abschieb beide so erschüttert, daß sie vor Freude weinten unb nur weinen konnten, währenb brauhen bie Wiesen unb Schonungen und Städte mit der Geschwindigkeit von achtzig Kilometern vorüberflogen Wie ein moderner ^iefenhompfer entsteht. Don ben Vorstädten Glasgow« aus erblickt man heute eine seltsame Stadl im Entstehen, einen Wald von emporragenden Schornsteinen und Dächern. Ist es eine Riesenfabrik-Anlage, bie hier geschaffen wirb? WaS sich biet au« bem EhaoS gestaltet, ba« ist ba« Werben eine« modernen Riesendampfer«, ber „Em- preß of Britain“, die wie ein Titan zwischen Zwergen auf ber Werft von Elybebank liegt. Noch ummauern sie Wälle unb Ketten, noch ist sie. wiePercival Phillip« in ber Daily Mail schreibt,Alle« unb Nicht«, ein Wol- kenkratzet ohne List, eine Ansammlung von Tunnel«, eine TeufelSküche mit geheimnisvollen feuerspeienden Maschinen, ein Gewirr von Slsengerüsten in vielen Stockwerken, ein Schiff mit einem Namen, aber ohne Seele. Doch wenn erst ein Jahr vorüber fein wird, dann wird sich ein Lurusdampfer. destengleichen die Gefchichte der Schistahrt noch nicht gefehen hat, au« bem Wirrwarr entwickelt haben. Wie viele von ben 2000 Neifenben, bie zu gleicher Zelt bie Freuden unb Genüsse eine« LuruShotelS unb die Zerstreuungen einer Großstadt hier genießen werden, werden dem Wundermärchen feine« Werden« nachsinnen? Will boch selbst ber Schifisarchitekt, ber Schöpfer bleie« Zaubergebildes, nicht« von einem Wunber wisten. Nach feiner Auffassung ist bie Sntstehung-sormel für ein solche« Rielengcbilde die natürlichste unb einfachste Sache ber Welt. Man nimmt nur 20000 Tonnen Stahl, 41/, Millionen Nieten, 2500 Arbeitet ber verschiebensten Handwerke, dann noch solche Kleinigkeiten, wie Kefiel, Maschinen, Holztäfelungen. Teppiche. eine Bareinrichtung unb vor allem genügend Gehirn, vereinigt alle» dieses in einem Raum von etwa 800 Fuß Länge unb 150 Fuß Breite unb läßt sie 2/, Jahre auf einander einwirken Das Drama de« Schtfi-baue- vollzieht sich in drei Akten. Zuerst kommen die Metallarbeiter an bieArbeit, ble den Außenbau zufammenfügen. Ihnen folgen Zimmerleute. Kalfaterer. Bleiatbeiter unb bie Vertreter ähnlicher Hanbwerkszweige. die ben zweiten Akt zu Enbe führen. Dann erscheinen die Ingenieure unb ble Kefselbauer auf bem Schauplatz, gefolgt von einem Heer von Malern. Tapezierern, Slektro- monteuren, Kabinenbauern unb ähnlichen Künstlern, bie ble letzte Hanb anlegen. Aber ber Plan zu all biefer unendlichen Vielheit, die taufend Hände bewältigt, ist bi« zu letzten Einzelheiten von Anfang an vorliegend. Der Schifisarchileki der .Empteß" hat auch alle ihre Möbel entworfen. Bettgestelle, Speifezimmerstühle unb selbst jene kleinen kunstvollen Schränkchen, ble - ein neuer Zug ber Zelt - Whisky unb anbere Mittel, bie sich gegen bie Seekrankheit eignen, verschlossen halten sollen. Wo sich heute noch ein Etwa- auftut, ba« einer unvollenbeten Sifen- bahnftation ähnelt, wird sich über kurz ober lang ein herrlicher Speisefalon auebrelicn, ber größte un- gestutzte Raum, ben je ein Dampfer aufzuweifen hatte Diele Halle wird kostbare Wandmalereien unb Wanbbekorationen erhalten, ble von bem gleichen Geist ber Einfachheit getragen werben wie bie ganze Einrichtung. Vie wird von Lichttiromen burch- stutet fein. Ueber gelänberlofe Treppen gelangt man mit Lebensgefahr zu Schiffsräumen, wo sich hier ein Spielzimmer im fpanifchen Stil mit forgfältig gearbeiteten (Xifentüren unb Kachelböden befinden wirb, bort ist ein Barraum vorgesehen, ber in ber originellen Malkunst Heath Robinson« eine Geschichte bes LocktailS aulweisen wird. Die Klnber werben ein wahre« Parabies finben; denn für sie find Kin- derzimmer vorgesehen, wie man sie sonst nirgend« findet. Ein Miniaturladen, bewegliche Modelle aller Ktnderstubenreime und ein Flugzeug wird für das Vergnügen der kleinen Gäste sorgen, indefien für die großen eine Sportarena von 60 Quadratfuß. ein gedeckter TenniSraum von zwei Stockwerken Höhe mit einer Zufchauergalerie herum, offene TenmS- plähe und ein wundervolle« Rauchzimmer im chinesischen Stil neben vielen Gefellschaftsräumen zur Verfügung stehen wird Was besonder« angenehm auffällt, Ist die außergewöhnliche Höhe des Deck«, ber Kabinen und aller Räume. 3m ganzen sind 11 Deck- vorgefehen unb über diesen Riefenraum — die .Empreß" ist 250 in lang - werden sich ble Gelaße für 423 Passagiere ber ersten Klasse, 260 Reisende der zweiten, 470 ber dritten Klaffe unb für 680 Offiziere unb Matrofen verteilen. heim. Kreis Friedberg. Nachdruck verboten. 39 Fortsetzung. Zeitung fiel sein ihn faszinierte: Kritik der Erst- der Münchener Hochland in die Taler und zu den Meeresküsten senden. In kaum zu zahlenden Wasserfallen stur- zen die Fluten auf allen Seiten von der Insel herunter, reihen Eisschollen und zeitweise sogar Eisberge mit sich, ein Schauspiel von gigantischer Gröhe wie es kein anderes Land bietet. Man hat sich in den letzten Jahren viel bemüht, die eigenartigen Schönheiten Islands in der Well bekanntzumachen, um Touristen in das Land Der andere betrachtete seine polierten Nägel und versicherte schließlich: tut mir leid, daß es Ihnen schlecht geht, mein Bester. Wir haben alle zu kämpfen. Sie werden wissen, dah es mit dem Werk nicht zum Besten steht. Ich habe viel Personal entlassen müssen und die neuen Angestellten..." Lothar unterbrach ihn: „Ich weih, auch Ihnen geht es nicht gut, mein Liebster. — Ich will Ihnen helfen." „Eie?" In der Frage lag großes Erstaunen. „Ia, ichl" bestätigte Lothar. „Stellen Sie mich wieder ein als Direktor, als Prokurist meinetwegen. Ich werde das Werk wieder hochbringen. Sie wissen, wie die Fabrik zu meiner Zeit florierte." Da regte sich etwas wie Ehrgeiz m Siegfried Marschner. „Wollen Sie sagen, dah ich allein nicht fähig war, die Werke zu leiten?" „Sie verstehen mich falsch, Herr Marschner. — Ganz gewiß sind unglückliche Zufälle schuld an der mißlichen Lage des Werkes. Ich will sagen, dah vier Hände immer stärker sind als zwei. Besonders, wenn zu Ihren beiden Händen noch die von mir kommen. Ich kenne die Schwächen und Stärken der Fabrik. Ich habe jahrzehntelang hier gearbeitet. Vertrauen Sie mir einen Posten an. Sie sehen, ich bin nicht so lleinlich und schäme mich, heute als Bittender zu Ihnen zu kommen. Einst war ich der Stärkere, nun sind Sie der Mächtigere. Wir sind alle nur Menschen und den Schwankungen unseres Lebens unterworfen." Marschner nickte nachdenklich. „Ein gut Teil unseres Loses liegt in unserer Hand." Er blickte seinen früheren Kompagnon dann fest an, erhob ftch und streckte ihm die Hand hin. „Ich danke Ihnen, Herr Cmmerstorff. Ich kann Ihr Anerbieten leider nicht annehmen." Lothar verfärbte sich. „Wieso denn — wollen Sie mir nicht — erklären..." Konstanze Emmerstorff." Er las und las. Es war die Es war ihm, als stünde sie hier im Zimmer, ganz nahe bei ihm und eine maßlose Sehnsucht nach Konstanze nahm von ihm Besitz. Diese Sehnsucht war so stark, daß ihn der Wunsch, sie zu sehen und zu hören, wie ein brennender Schmerz durchwühlte. Plötzlich stand der irrsinnige Entschluß in ihm fest, nach München zu fahren. Wie in der Kritik zu lesen war, trat Konstanze auch noch in- anderen führenden Rollen auf. Es war also kein Zweifel, sie würde an einem der nächsten Tage wieder singen. Lothar Emmerstorff befragte das Kursbuch. Der nächste Zug ging morgen nachmittag fünf ^Es ist derselbe Zug, mit dem Konstanze Berlin verlieh, als sie von mir ging", überlegte er. Dann schrieb er ein paar Zeilen an Iulia, dah er verreisen müsse. — Einige Stunden darnach fuhr er München entgegen. Als er aus dem Münchener Bahnhofsportal trat und den Weg nach einem nahen Hotel einschlug, umwehten ihn Tausende von Schneeflocken. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt lag eine dichte weiße Decke. Der Winter hatte viel Schnee gebracht in diesem Iahre. Rach kurzer Ruhe im Hotel begab sich Lothar zum Opernhaus. — Die Lichter der Großstadt tauchten die Straßen in ein helles Gewand. Es war noch zu früh, die Kasse noch nicht geöffnet. Rur wenige Menschen standen im Portal der Oper. Da fiel Lothars Blick auf einen Anschlag. . ..... m . „Wegen Veränderungen im technischen Personal muß die Oper „Titanen" für die nächsten Wochen vom Spielplan abgeseht werden." Darunter stand die Besetzung der heutigen Vorstellung. Man gab „Tiefland". Konstanze sang nicht. Lothar empfand eine bittere Enttäuschung. Wann trat Konstanze wieder auf? — Er fragte einen Pförtner. Man verwies ihn an die Kasse Endlich wurde geöffnet. „Frau Emmerstorff tritt erst am 27. wieder auf und zwar in »Amelia , lautete die Auskunft. — Heute schrieb man den 17. - Lothar verließ das Opernhaus. Sollte er bis zum 27. in München bleiben? — Er überlegte lange hin und her. — Eine gewaltige Sehnsucht, Oberheffen. Gemeinderat in Grünberg. 4- Grünberg, 17. Iuni. In der jüngsten Sitzung des G e m e i n d e r a t e s, zu der elf Gemeinderäte erschienen waren, wurden folgende Sachen verhandelt: Rach Mitteilung des Kreisamtes hat der Finanzminister zur Wiederbelebung der Dau* wirtschaft durch steuerliche Begünstigungen auch in diesem Iahre die Befreiung der im Iahre 1 930 erstellten Wohnungsneubauten für die folgenden fünf Iahre von der staatlichen Grundsteuer angeordnet, und ersucht darum, dah die Gemeinden in gleicher Weise eine Befreiung von der gemeindlichen Grundsteuer beschließen. Der Gemeinderat beschloß mit Mehrheit diese Befreiung, zwei Gemeinderäte stimmten nur für eine dreijährige Befreiung. Der Gemeinderat ist damit einverstanden, daß eine Straßenlampe in der Bahnhof- Konstanze. Vornan von Karl Heinz Doigt. Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau stand er draußen. „So weit ist es also mit dir", sagte er sich. „Man nimmt dich nicht mehr ernst." — Seine Gedanken waren wirr und ungeordnet. Auch Iulia würde ihm entschwinden wie ihm Konstanze entschwunden war. Konnte er ihr, der verwöhnten Filmschauspielerin, ein Leben an der Seite eines kleinen Angestellten anbieten? — Es war für Lothar nun kein Zweifel mehr, er mußte irgendwo unterkriechen, als bescheidener Buchhalter in irgendeinem Keinen Geschäft. — Oder halt! — Plötzlich hatte er einen Gedanken. Er kannte in Berlin eine Firma, die immer Vertrauensleute suchte. Die Firma war nicht einwandfrei, durchaus nicht, aber er wußte, daß sie gut bezahlte. — Plötzlich schämte er sich — War er schon so weit, daß er sich in unsaubere Geschäfte einlassen wollte. Es würde ihm also nichts anderes übrigbleiben. Da geschah etwas, das seine Vorsätze zunichte machte. Beim Durchblättern der °'!1 t:'r Blick auf einen Namen, der Schuldebatie im Hessischen Landtag Die höheren Schulen. Siegfried Marschner kämpfte mit einem Entschluß. „Ich bin Ihnen Offenheit schuldig, Herr Emmerstorff. Es fällt mir nicht ganz leicht. Ihnen zu gestehen, was mich dazu bestimmt, Ihr Anerbieten auszuschlagen. Alm es ohne Umschweife zu sagen: Ihre völlig ziel- und planlosen Alnter- nehmungen, die Sie ins Unglück stürzten, sind in der Großindustrie und Geschäftswelt bekanntgeworden. Ich will Ihnen ganz offen gestehen, auch ich habe nicht mehr das rechte Zutrauen zu Ihrem geschäftlichen Scharfblick. Bitte, halten Sie mich nicht für brutal, daß ich Ihnen das so unumwunden sage. Sie werden mich aber kennen als einen Mann, der nichts mehr schätzt, als Ehrlichkeit." Lothar hatte sich erhoben. „Ich danke Ihnen für Ihre Erklärung", sagte er bitter. Er hörte noch irgendwelche bedauernde Worte, ein paar nichtssagende Redensarten, dann <£ Bad-Nauheim, 17. Juni. Die Meisterschaft von Europa im Gesellschaftstanz für Amateure und Professionals kam im Rahmen einer internationalen Tanzwoche am Samstag hier zum Austrag. Am Start waren erschienen die Inhaber der Weltmeisterschaft, der Europameisterschaft und die Champions der Länder. Siebzehn Paare konkurrierten um den Titel. Europameister in der Amateurklasse wurden Mr. und Miß Wells (England), zweite Herr Neumann- Frl. G r ü n - waldt (Deutschland). Die Europameisterschaft für Professionals errangen Mr. Maxwell Stewart und Miß W a l m s l e y (England), den dritten Preis Herr und Frau Kaiser (Deutschland). Das Turnier war nach dem allgemeinen Urteil der maßgebenden Fachleute das bedeutendste, das bisher in Europa stattgefunden hat und fand das lebhafte Interesse des zahlreich erschienenen internationalen Publikums. U. a. hatte auch die hessische Regierung Staatspreise für beide Meisterschaften gestiftet. 4= Steinfurth bei Bad-Nauheim, 17. Iuni, Die Rosenernte ist in vollem Gange. Vom frühen Morgen an werden große Mengen Schnittblumen in allen Farbenschattierungen geerntet, sorg faltig verpackt und nach allen Ländern verfrachtet. Für unser Dorf bilden die weltbekannten Rosenkulturen eine bedeutende Einnahmequelle. Viele Interessenten, besonders die Kurgäste aus dem benachbarten Bad-Nauheim, kommen täglich in unsere Gemarkung, um den herrlichen Duft und die Farbenpracht an Ort und Stelle zu genießen. Kreis Büdingen. nd. R i d d erbänbe an den höheren Schulen führte der Redner auf Einflüsse verschiedenster Art zurück, wie die Einführung des Wahlrechts für die Zwanzigjährigen. Auch die Sozialdemokratie fei von Schuld nicht frei. Sie scheue sich nicht, bei der Einweihung von Jugendherbergen, wie z. B. in Zwingenberg und Frankfurt a. M., in ihren Jugendgruppen rote Danner mitzuführen, womit sie zum Ausdruck bringen wolle, daß für sie bet heutige Staat, die Republik, die Verfassung von Weimar nur ein Uebergangsstadium sei. Die deutsche Republik sei für sie nur ein politisches Interregnum. Wahres und, letztes eigentliches Ziel der Sozialdemokratie sei die rote Republik, für die sie heute schon unter der Schuljugenld agitiere. Zur Abstellung der von sozialdemokratischer Seite geführten Klagen genügten vollauf die gesetzlichen Vorschriften des Iahres 1922. Abg. Werner (Nal. Soz.) trat für Erhaltung der höheren Schulen, namentlich in den kleinen Städten ein. Er wiederholte nochmals seinen schon früher bekanntgegebenen Standpunkt, wonach er mit einem Verbot der politischen Iugendverbände durchaus einfcerftan* den sei. Aber wenn die Regierung schon glaube, die je Verbände verbieten zu müssen, dann sollte sie ein allgemeines Verbot erlassen und es nicht nur auf die Nationalsozialisten beschränken, wie das soeben erst mit dem preußischen Uniform* • verbot der Fall gewesen sei. - Abstimmungen. In der dann folgenden Abstimmung wurden 7 eine ganze Reihe von Kapiteln, darunter das Ministerium für Kultus und Bildungswesen und das Dolksschullapitel, sowie das Ministerium der Finanzen entsprechend den Ausschußbeschlüs- sen verabschiedet. Sodann wurde die Aussprache zum Kapitel Höhere Lehranstalten fortgesetzt. Abg. hainstadl (Zentr.) bestritt, daß gegenüber 1914 eine Aufblähung der höheren Schulen zu verzeichnen sei. Der sozialdemo- kratijchen Forderung, nur begabte Kinder zum höheren Schulbesuch zuzulassen, könne seine Partei nicht zustimmen. Dagegen unterstütze sie bereitwilligst das Bestreben, wirklich begabte Schüler tatkräftig zu fordern. Die Schulgelderhöhung und den Schulabbau beklage auch seine Partei. Das Zentrum fordere nach wie vor Parität und Wiedergutmachung des Unrechts, das den Katholiken von den Liberalen zugefügt worden sei. st raße, die durch die Zerstörungswut von Rohlingen fortgesetzt neue Glühbirnen erforderte, durch eine überdachte Lampe ersetzt wird, deren Installation nach einem Angebot des äleberland- werkes sich auf 75 Mark stellt. Eine Eingabe des Obst- und Gartenbauvereins regt die Pflanzung einer Kirschba um * a n [ a g e am Südhang des Tannenkopfes, links der Lauterer Straße, an und macht darauf aufmerksam, daß bei Obstpflanzungen im Herbst 1930 namhafte Zuschüsse aus Reichsmitteln — etwa 25 bis 30 Prozent — gewährt würden. Hierüber entspann sich eine längere Aussprache, wobei der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Landwirtschafts-Assessor Dr. Böcher, auf Wunsch der Versammlung erläuternde Aufklä- rungen gab. Bei der Annahme von 3,50 Mark pro Daum würde die Anlage einen Mindestbetrag von 800 Mark kosten. Da der Voranschlag nur einen Detrag von 300 Mark für derartige Zwecke aufweist, beschloß der Gemeinderat. vorerst einen Versuch zu machen, indem er die Pflanzung von 50 Kirschbäumen genehmigte. Der Deigeordnete teilte mit, daß die Instandsetzung der Lvndorfer Straße die Stadt mit 9000 Mark belasten würde, wozu noch die Kosten für zweimalige Teerung von 1500 bzw. 800 Mark kommen würden. Inwieweit hierzu Geld zu billigem Zinssätze aus Reichsmitteln zu beschaffen sei, ist noch nicht übersehbar. Die Dache wurde zurückgestellt. Zu der Ortssatzung über die Wahl eines Derufsbürgermeisters in Grünberg hat der Minister des Innern sein grundsätzliches Einverständnis erklärt. Er ersucht nur um einige Aenderungen, die zum Teil redaktioneller Art sind. Dezüglich der Besoldung, die Gruppe 3 a mit Steigen nur bis Stufe 7 vor sah, empfiehlt er vorerst eine niedere Gruppe vorzusehen. Die endgültige Genehmigung will er aber erst erteilen, wenn der Gemeinderat den seinerzeit beschlossenen Zusatz, daß die Wahl erst nach Erledigung des Disziplinarverfahrens gegen den jetzigen Wahlbürgermeister stattfinden soll, aujhebt. Auch über die Angelegenheit entjpann sich eine längere Aussprache, in der das lange Hinausziehen der Dürgermeisterfrage seitens der Behörde einer scharfen Kritik unterzogen wurde, da es den Anschein erwecke, als ob man die Sache, die nun schon seit Ianuar 1929 schwebe, bis zum Ablauf der Wahlperiode des jetzigen Bürgermeisters — Oktober 1931 — verschleppen wolle. Die Angelegenheit wurde, besonders um die Besoldungsfrage nochmals eingehend zu erörtern, der Finanzkommission über* wiejen. Landkreis Gießen. LJ Grohen-Linden, 16. Iuni. Am 14. und 15.Iuni fand hier das Bezirksfest des 4. Bezirks, Gau 18, des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes statt. Die Einleitung erfolgte am Samstagabend durch einen Kommers im Saale des Gastwirts Ludwig Faber. Den Willkommengruh entbot der 1. Vorsitzende der Ortsgruppe Großen-Linden, Karl jammert. In bunter Reihenfolge wechselten daran anschließend Gesangsvorträge der hiesigen Gesangvereine „Germania" und „Harmonie", Kunst- und Reigenfahren der Ortsgruppen Großen-Linden, Frankfurt a. M.*Dornheim, Frankfurt a. M-Sachfenhausen, Rieder-Florstadt, Darren-, Doden- und Reckturnen der Bezirks- riege der Freien Tumerschaft. Den musikalischen Teil bestritt eine unter der Leitung des Herrn Müller. Lang-Göns, stehende Musikkapelle. Alle Darbietungen gefielen sehr gut und wurden mit starkem Beifall belohnt. Am Sonntagvormittag fanden Wettbewerbe im Strecken* und Kunstfahren usw. statt. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Ortsstratzen. Die Festansprache hielt Herr Durban, Gießen. Der Nachmittag war, wieder mit einem reichhaltigen Programm ausgefüllt. Neben Kunst- und Reigenfahren und Radballspielen erfolgten Gesangsvorträge durch den Arbeitergefangverein „Harmonie", Leihgestern, und den Gesangverein „Harmonie", Großen-Linden. Um 18 Uhr fand die Diplomverteilung statt. Es erhielten: im 50-Kilometer-Einzelfähren: 1. Rob. Dalzer, Weckersheim, 91,30 Min.; 2. Theod. Reif, Butz- bach, 97,39 Min.; 3. Hans Iaeobi, Wetzlar, 107,31 Min. 5-Kilometer-Einzelfahren, Iugend: 1. Erwin Will, Pohl-Göns, 11,7 Min. 100- hh». 40,5 Ä. LrA Ä S»’iu ett,^ 1x2 hr fieräu- Zahl xQf, 6tli*i IM» ” IMnlmro * unlf4rt. berlaufencn Tage rg. um- Sie Meister. 5iQnj jür JImateure "en einer inter am Samstag bin erzenen bit 3r kuropameisterjchast Siebzehn Paare opameister in der ^®ell6($nfl. u-Fü. ®rün• pamchnschch str apeü StemaO ianb), den dritten i (SeuMlanb). las icn Urteil ber mafc. ibftc, bas bisher in fanb bas lebhafte j nen internationalen hessische Regierung hasten gestiftet Rauheim, 17.3uni.. idem Gange. $om he Mengen Schnitt ingen geerntet, sorg Ländern pcrM.'r. ellbtfannkn Rosen nafomequdk. Siek rgäste aus bem be. en täglich in unsere ! Dust und die gar- | genießen. deute tourte hier unter ohnerschast und ter (er ter Gemeinten nd zahlreicher au«- Dornholzhausen, 17. Juni. Um für die Jugend eine Badegelegenheit zu schassen, beschloß der Gemeindcrai, im Kleebach unterhalb der neuen Brücke ein Stauwerk zu errichten. Die Arbeit soll sofort ausgeführt werden. O Hochelheim. 17. Juni. AuS der jüngsten GemeinderatSfitzung ist folgende- au berichten: Die OrtSstraßen der hiesigen Gemeinde befinden sich von dem Wasserleitung-- und Kanalbau her in einem sehr schlechten Zustande. Vertraglich ist die Baufirma verpflichtet, die Straßen wieder in den Zustand zu versetzen, in welchem sie sich vor Ausführung des WasserleitungSbaueS befanden. Der Demeinderat beschloß jedoch, die StraßeninstandsetzungSarbei- ten durch die Gemeinde selbst au-sühren zu lassen, wenn die Baufirma einen entsprechenden Betrag an ihrer Restforderung an die Gemeinde nach- läßt. — Gin Teil der Hauptortsstraße, welcher sich in Kreisunterhaltung befindet, soll in diesem Die Schmerzen der Lichtspieltheaterbesitzer Oie Diffofur der Elellrokonzerne und Musilergewerlschasten. — Oie Gefahr des Tonfilms. Frankfurt a. M, 17. Juni. (WSN.) Bei der Tagung der hessisch-hessennassauischen Kinobesitzer wurde zuerst einmal die überraschende Feststellung getroffen, daß ber I o n f i l m nicht nur ein Danaergeschenk fei, sondern daß auch der erste Tonfilm- laumcl schon verrauscht ist, und die Geschäfte ganz jämmerlich gehen. Tatsächlich haben in Franksurt 5 Lichtspieltheaterbesitzer mit zusammen 8 Theatern ihre Zahlungen ein st eilen müssen, und auch für die Fabrikanten bedeute der Tonfilm keine reine Freude weil die Elektrokonzerne eine auf die Dauer untragbare Diktatur ausübten Die Konzerne sprechen sogar bei rein künstlerischen Fragen, wie Auswahl des Manuskripts und der Darsteller ober Festlegung ber Sprechterte ein gewichtiges Wort, und wenn die großen Frankfurter Theater auf Kosten ihrer kleineren Kollegen, die noch stumme Filme brachten, ein gutes Geschäft erzielen konnten, so ist diese Zeit schon längst überholt, der erste Tonfilmtaumel ist vorüber. Zum Zwecke des Erlasses der Dergnügungs- steuer über die Sommermonate hat ber Landes- verband ber Lichtspieltheaterbesitzer von Hessen unb Hessen-Nassau eine auch für Außenstehende recht interessante Statistik ausgestellt. Danach setzen sich die diirchschnitlichen Unkosten eines Lichtspieltheaters folgendermaßen zusammen: 25 v. H. der Einnahmen für Miete und Nebenabgaben, 25 „ „ „ „ Filmoerleihgebühren, 20 „ „ „ „ Gehälter, einschließlich Musiker, 4 v. H. ber Einnahmen für allgemeine Steuern, 4 „ „ „ „ elektrischen Strom, 12 „ „ „ „ Reklame, 3 „ „ „ „ Ersatzteile, Apparate, Kohlen usw. 10 „ „ „ „ allgemeine Unkosten. Rach dieser Ausstellung arbeitet der Lichtspieltheater besitzer tatsächlich mit Unterbilanz. Beim Tonfilm liegt die Sache noch schlimmer, weil die Filmverleihgebühren 10 Prozent höher sind. Eine ähnliche Diktatur, wie die Glektro- konzerne, sollen nach einer Mitteilung deS Verband-Vorsitzenden Matter die Musikerorganisationen auSüben. Wer au- einem begrüßen»- werten sozialen Empfinden heran- für die Bedienung seiner mechanischen Musikapparate. Plattenwechset usw einen arbeitslosen Musiker einstellt, muß für diese rein mechanische Arbeit den verhältni-mäßig hohen Musikertarif bezahlen. Interessant ist die Tatsache, daß die Pläne Mar Reinhardt- in Berlin al- keine allzu große Gefahr bezeichnet werden. Reinhardt soll zwar Verträge besitzen, wonach er alle staatlichen Opern- unb Schauspielhäuser in Tvnfrlmtheater umwandeln kann. Aber gegen eine vollkommene Umstellung würden sich nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Kulturgemeinden stellen, außerdem arbeiten diese Theater sowieso schon mit ungeheuren Defiziten, so daß eine allgemeine Umstellung auf den Tonfilm schon an- finanziellen Gründen kaum zu befürchten sei. Jahr durch die Kreisstraßenbauverwaltung mit Kleinpflaster versehen werden. Der Gemeinderat beschloß, daß bei der Ausführung der Pflasterung auf Gemeindekosten ein Bürgersteig angelegt unb Bordsteine gesetzt werden sollen. Zur Abgabe von Angeboten soll eine entsprechende Aufforderung ergeben. — Der Schulvorstand schlug in seiner jüngsten Sitzung als Vorsitzenden den Lehrer Zeuge der Schulouf- sicht-behörde einstimmig vor. Gleichzeitig beantragte er, die Psingstferien um acht Tage zu verlängern und dafür die Sommerferien um acht Tage zu verkürzen. x.p. Odenhausen, 16. Juni. Gestern morgen ereignete sich in der Lahn bei Friedelhausen ein tödlich verlaufener Unglücksfall. Der Verwalter des Hofgute- Friedelhausen ritt, obwohl er des Schwimmens unkundig war, auf einem Pferd in die Lahn Das Pferd kam an eine tiefe Stelle, wodurch es so tief sank, daß der Verwalter vom Strom heruntergeschwemmt wurde. Er versank augenblicklich, ehe durch andere Badende Hilfe gebracht werden konnte. Die Leiche wurde gegen Abend durch einen Handwerksburschen, der vorzüglich zu tauchen verstand, geborgen. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Staufenberg. Das am vorigen Freitag, 13. Juni, im „Gießener Anzeiger" erschienene Eingesandt betreffend die Burg Dtausenbcra kann ich als Gastwirt unb Pächter der Burg Staufenberg nicht unwidersprochen lassen. Es war früher, vor 35 Jahren unb mehr, schon so wie heute, daß in Ausflugsorten Konzerte abgehalten wurden, die natürlich nicht ohne Blasmusik waren. Besonders in der heutigen Zeit, wo auch der Gastwirt al- Gewerbetreibender mit Steuern unb sonstigen Verpflichtungen schwer belastet ist, muß er darauf sehen, daß bei aller Wahrung eine- einwandfreien Geschäftsbetriebe- sein Unternehmen nicht rückwärts geht, sondern vorwärts entwickelt wird. Cs ist auch völlig verfehlt, Motorradgeknatter unb gesteigerten Autoverkehr in ben Straßen dem Gastwirt zur Last zu legen, ich bin vielmehr der Meinung, daß derartige Begleiterscheinungen des Verkehrs doch nur die Ortspolizeibehörde angehen. Wenn einem Orte wie Staufenberg jetzt ein so erfreulich guter Fremdenverkehr beschießen ist, so meine ich, daß die- auch vom Standpunkt der Allgemeinheit au- nur begrüßt werden muß, da Fremdenverkehr immer zum Vorteil der Geschäftswelt und deren Cteferanbcn, aber auch zum Besten von OrtSeinwohnern ist, die dabei Lohn und Verdienst finden, nicht zuletzt auch zum Ruhen ber Gemeinde, die ja an ihren Steuereinnahmen ben Vorteil eines guten Geschäftsganges verspürt. Ich erinnere mich, daß vor vielen Jahren fast an jedem Sonntag Musikchöre nach der Burg zogen und die Besucher sich hier stets wohlgefüolt haben. Auch mein Bestreben geht dahin, den Gästen der Burg Staufenberg einen angenehmen Aufenthalt zu bieten, unb wenn mir babei von meinen Mitbürgern durch verständnisvolle Rücksichtnahme auf ben Fremdenverkehr Unterstützung gewährt wirb, so werbe ich dafür nur dankbar fein. Ludwig Dierau. Kunst und Wiffenschast. Musik-Uraufführung in Darmstadt. Die Uraufführung der Großen Messe von Wilhelm Petersen für Soli, Chor und Orchester durch den Musikverein unter Generalmusikdirektor Dr. Karl Böhm brachte dem Komponisten einen ganz bedeutenden Erfolg. DaS klangschöne, charaktervolle und tief religiöse Werk wurde mit stärkstem Interesse ausgenommen. Bn'efkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne verbindlichkeU der ' Schriftleitung) O W In Gieße». Zu I Der Mädchenname Herta wird nach der neuesten Rechtschreibung (Der große Duden, 1929. Seite 216) ohne ,.b‘* geschrieben. Für bic Beantwortung der Fragen II unb III dürste das Deutsche Seminar der LandeS-Umverfttät zuständig fein. Die Beantwortung der Frage IV geht über den Rahmen de» in einer Briefkastennotiz Ueblichen weit hinaus: mir können nur kurz auf den Artikel. „RerthuS" in DU euer» Leffikvn, VII Auflage, 1928, 8. Band, Spalte 1138, und auf Mannhardt. „Wald- und Feldkulte", Band 1, Berlin 1875, verweisen. Berliner Börse. Berlin. 18 Juni. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Vormittag-Verkehr ist wieder vollkommen geschästSlo». Die Tendenz scheint nach der unregelmäßigen. doch zum Teil erholten gestrigen Reuyorker Börse und dem etwa- festeren Frankfurter Abenbverkehr nicht unfreundlich zu sein, man beschäftigt sich beute morgen mit ber akuten Diskontfrage Kurse sind noch nicht zu frören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Kabel 4,8580 bi» 4.8582. London gegen Schweiz 25,09, London gegen Mailand 92,76, London gegen Madrid 42,00 zu 42.05, London gegen Berlin 20.3650, Kabel gegen Berlin 4,1920 zu 4,1922. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 18. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, 19.Juni: Fronleichnamsfest. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Meße: 8: Kommunion: 9: Hochamt: Prozession: 11.30: Messe: 14: Andacht mit Segen. — Hungen. 8: Hochamt. — tich 10. Hochamt mit Predigt: 20: Andacht. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Sprechstunden ver Redaktion. 11.30 dis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslost nachmittag gefchiosien. Anzeigenaufträge sind lediglich an dl- Geschäftsstelle zu richten. Jür unverlangt eingefandte Manuskript- ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. (Schluß de» redaktionellen Teils.) Herztöne auf der Schallplatte, ferner die Abhörung des eigenen Herztöne» durch Lautsprecher, neueste Prüfgeräte für Lungenkraft, Herz und Pul» sind ein Teil des Aufsehen erregenden wifsenschaftlichen Materials auf der Internationalen Hygiene Ausstellung in Dresden. Jrn Rahmen der Ausstellung „Gesundheit und Leistung" der Kasfee Hag Bremen werden diese neuesten Horlchungo, । uiglid) von Ta» senden von Besuchern bewundert. 1731V TVertie Sport und wer ßeim’Wsndern r-Borax-Puder wäfift nurdiesen-fceinen andern^ Veil ihn nie mehr XVundsein quält. rat* und ohne Schmerzen — durch Einreibung vor end während Luft- end Sonnenbädern mit Sportcreme Mouton. Sie fördert dot natürliche Bräunen der Haut, verhütet ober den gefährlichen Sonnenbrand. Vor dem Gebrauch die Haut frechen reiben I Zur besonderen Beachtungt Sportcreme Mouion-Dosen lind oa* reinem Aluminium. Daher kein' Rotten oder Anlaufen wie bei den gänzlich ungeeigneten Blechdosen. SPORTCREME MOUSON Autobrillen SoDnenschalzbrtilen größte Auswahl bei Optiker Magnus Marktplatz 19 4M7D wo DO Bevor Sie einen (2186V gebrauchten Wagen kaufen besichtigen Sie bitte zuerst unser Lager Gelelteetraße 2—10 Borcbwerke 1.-6.,FilialeFraakferl M. Telephon Senckenberg 33996 und Senckenberg 31310. 6eschäfts-Drucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten bei Brühl, Schulstraße 7 Beschkftskerten i Lichtspielhaus Gießen Heute letzter Tag: Leben und Liebe eines VagllOSlrO großen Abenteurers Ferner: Rat und Patachon in Raketen-Omnibus Ab morgen Donnerstag: Olga Tschechowa in stud.chem. HeleneWillfiir Nach dem gleichnam. Roman der Berliner Illustrirten Das tragische Schicksal einer Werkstudentin 4440 C SOVWWWT- Sefatofa, Schön | AAVldz | billig Wir suchen für unsere Kleiderstoff-Abteilung jüngere tüchtige Verkaufskraft Ferner eine Kassiererin Eintritt nach Vereinbarung Kaufhaus Hansa, Gießen Seltersweg 28 iusd Eisschränke, Eismaschinen Getränkekühler empfiehlt Äußerst preiswert die Spezialfabrik Jacob Dies, Frankfurt a. M. 23, Langestraße 35 Telephon Hansa 23854. 2471V Photo» Entwickeln Kopieren Vergrößern in Stunden bei individueller Bc- Handlung. 4'tUD Ruhl -Giefoen Blockstraße 12. 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Juni, 207,-227, Uhr, »Kaufmann von Venedig« (Aufführung steht noch nicht endgültig fest) Mittwoch, 25. Juni, 17—19 Uhr, »Götz von Berlichingen« Alsob es uniere eigeneWäicbe wäre so sorgsam und schonend wird bei uns Ihre Wäsche behandelt. — Wir haben uns die neuesten fachtechnischen Erfahrungen zunutze gemacht. Daß wir nur erstklassige Waschmittel verwenden, ist selbstverständlich. Wir garantieren für schonendste Behandlung; bitte lassen Sie einmal versuchsweise Ihre Wäsche bei uns waschen. Die Erfahrung lehrt: Einmal — immer wieder! 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Mit dem Auszug dieses Mieters allein ist dem Vermieter in solchen Fällen nicht gedient, well er damit ja in bezug auf seine finanziellen Ansprüche nicht zufriedengestellt ist. Um dem Vermieter in der Befriedigung derartiger Heldansprüche au Hilfe zu kommen und ihm die Durchsetzung seines Rechts zu erleichern. hat das Bürgerliche Gesetzbuch ihm das sogenannte Zurückbehaltungsrecht eingeräumt, d. h. der Vermieter hat für seine Forderung aus dem Miet- oerhältnis ein Pfandrecht an den eingebrachten Sachen des Vermieters und kann zur Durchsetzung seines Pfandrechts der Entfernung der Sachen aus den oermieteten Räumen widersprechen. Grundsätzlich hat dabei der Vermieter das Recht, die unbefugte Entfernung der dem Pfandrecht unterliegenden Sachen auchohneAn- r u f u n g des Gerichts zu verhindern und die Sachen bei evtl. Auszug des Mieters in feinen Besitz zu nehmen. Man spricht in solchen Fällen vielfach vom sogenannten „Rücken" des Mieters, das im übrigen sogar nach besonderen Bestimmungen des Strafgesetzbuches st r a s b a r fein kann. Das Gesetz bedroht nämlich mit Gefängnis bis zu drei Jahren den. der seine eigenen Sachen demjenigen, welchem ein Zurückbehaltungsrecht zusteht, in rechtswidriger Absicht wegnimmt. Rach der allgemeinen Rechtsprechung unserer Gerichte liegt eine solche Wegnahme in rechtswidriger Absicht schon dann vor, wenn ein Mieter heimlich die von ihm innegehabten Räume ohne Wissen des Vermieters verläßt und dabei solche Sachen mitnhnmt, an denen der Vermieter ein Rückbehaltungsrecht gelten machen konnte. Das Selbsthilferecht zur Verhinderung der Entfernung der Sachen Hot der Vermieter solange, als nicht vom Mieter feine begründeten Forderungen beglichen worden sind. Weil meist bekannt ist, daß der Vermieter ein solches Pfandrecht hat, ist auch vielfach die Meinung verbreitet, daß dieses nun an allen von dem Mieter in die Wohnräume eingebrachten Sachen ausgeübt werden könne, und zwar gleichgültig, welcher Art die vom Vermieter gegen den Mieter zu machenden Forderungen sind. Beides ist irrig. Das Pfandrecht des Vermieters besteht grundsätzlich nur s ür solche Forderungen, die aus dem Mietverhält- niS stammen, also nur für den Anspruch auf den Mietzins selbst, evtl. Rückstände desselben, ferner für Schadensersatzforderungen wegen Beschädigung der dem Mieter überlassenen Möbel und anderen Sachen und endlich bei Untermietern und Pensionen die Forderungen, die sich auf die Begleichung der Rechnungen für Bedienung, Reinigung des Wohnraumes und ähnliche Reben - Iciftungen beziehen. Ueberhaupt ausgenommen Dom Zurückbehaltungsrecht an Sachen des Mieters sind künftige Entschädigungsforderungen, und ebenso erstreckt sich das Pfandrecht nicht auf Mietzinsanfprüche für eine spätere Zeit, als daS lausende und folgende Mietzahr. Ebenso bedeutsam wie die Tatsache, daß sich das Rückbehaltungsrecht nicht wahllos auf alle Ansprüche bezieht, die der Vermieter geltend machen kann, ist die Tatsache, daß sich das Rückbehaltungsrecht nicht auf die der Pfändung nicht unterworfenen Sachen erstreckt. Dazu gehören in erster Linie das unentbehrliche Mobiliar und Arbeitsgerät, notwen- Das Recht am eigenen Bilde. DonGerichtsassefforHeinzO. Wagner,Gießen Ruch dem Gesetz betr. das Urheberrecht an Derlen der bildenden Künste und der W»' graphie Dom 9. Januar 1907, kurz „Kunstschutz- gesey" genannt, genießt der Urheber eines Kunstwerks oder einer Photographie weitgehenden Schuh gegen unerwünschte Rachbildung seines Werkes. Handelt es sich bei dem Werk um ein Bildnis iPorträt), so gewährt das Gesetz auch dem Abgebildeten einen Rechtsschutz gegen die unbefugte Verwertung des Werkes. Ueber Umfang und Bedeutung dieses Re ch t e s am eigenen Bilde besteht vielfach Unklarheit. Die Frage des Rechtes am eigenen Bilde hat das Kunstschutzgefeh für Werke der bildenden Künste und für Werke der Photographie einheitlich gelöst, sie ist aber weit überwiegend für den Bereich der Photographie von Bedeutung. Rach §22 KSchG, dürfen Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung kann ausdrücklich erteilt werden, aber auch aus den Umständen zu folgern sein. Insbesondere gilt die Einwilligung im Zweifel als erteilt, wenn die abgebildete Person dafür, daß sie sich abbilden lieh (als „Modell") entlohnt wurde. Die Entlohnung braucht aber nicht etwa in Geld zu bestehen, sie kann auch in der Gratislieferung einer Anzahl von Abzügen (Kopien) des in Frage stehenden Bildes au sehen sein. Die Einwilligung zur Verbreitung eines Bildnisses wird man weiter dann annehmen dürfen, wenn jemand ohne ausdrücklichen Vorbehalt eine Aufnahme gewährt oder zuläßt, die nach den Umständen offensichtlich für eine spätere Veröffentlichung bestimmt ist. Rach dem Wortlaut des §22 soll jede unbefugte Verbreitung, auch wenn sie nicht in der Oefsentlichkeit geschieht, verboten sein, dagegen eine Schaustellung nur. wenn sie össeilllich erfolgt. Keiner Einwilligung des Abgebildeten bedarf daher eine Schaustellung, die sich auf einen engen Kreis, etwa die Mitglieder eines Ama- teurphvtograPhen-Dereins. beschränkt. Oeffent- lich ist eine Schaustellung an Orten, die dem Publikum gewöhnlich zugänglich sind, also nicht nur das Ausstellen in Schaufenstern und Schaukästen an der Straße, sondern auch die Ausstellung im Empfangszimmer eines Derufsphoto- dige Kleidungsstücke u. a. Selbstverständlich er» fä>eint es. daß der Vermieter nicht Sachen zurück- bcbalten kann, die dem Mieter überhaupt nicht gehören, ebensowenig die Sachen der Ehefrau, wenn diese nicht den Mietvertrag mitunter- schrieben hat unt> damit auch selbst Mieter geworden ist. 3n der heutigen Zeit, in der außerordentlich viele Anschaffungen für den Haushalt auf Abzahlung gemacht werden, muß auch daraus geachtet werden, daß aus Abzahlung gekaufte Sachen, an denen dem Verkäufer noch das Recht des Eigentums auf Grund eine- beim Kaufabschluß gemachten Vorbehalts zu steht, nicht ^urüdbebaltcn werden dürfen. Da die Möbel, die in eine Wohnung eingebracht werden, sehr häufig Eigentum der Frau sind, wird von den meisten Hauswirten schon bei Abschluß des Mietvertrages vorsichtigerweise verlangt, daß die Ehefrau den Mietvertrag mit- unterschreibt. um fo im Falle späterer Auseinandersetzungen ein zweifelsfreies Recht zu haben. das Rückbehaltungsrecht an den Möbelstücken auSüben zu können. Soweit dabei die Mietpartei allerdings nur die notwendigsten Möbel besitzt, wird auch bann daS Rückbehaltungsrecht nicht verwirklicht werden können. Will der Vermieter das RückbehallungSrecht geltend machen, so kann er diese- — wie schon gesagt — indem er der Entfernung der Sachen widerspricht und diese in eigene Verwahrung nimmt. Sind die Sachen ohne Wissen oder unter Widerspruch des Vermieters entfernt worden, so kann der Vermieter von jedem Besitzer Herausgabe der Sachen zum Zweck der Zurückschaffung in seine Räume verlangen. Hat allerdings etwa ein Dritter die Dars ein Architekt Provisionen nennten? Don Rechtsanwalt Frh. Vor Beantwortung dieser Frage muß klargestellt werden, waS hier unter Architekt verstanden wird. Rach einem Urteil des Kammergerichts kann sich jeder Architekt nennen, der sich auf Grund besonderer Eignung und Kenntnisse mit der Errichtung von Bauwerken, oder der Ansertigung von Bauplänen besaßt, und zwar ohne Rücksicht daraus, ob er eine besondere Vorbildung genossen hat oder nicht. Es kann also sowohl der nur den Bau leitende Baumeister als auch jeder Bauunternehmer und Maurermeister sich Architekt nennen. Die Stellung eine« Bauunternehmers ist jedoch verschieden von derjenigen eines b a u I e i t e n - de n Architekten. Der Bauunternehmer liefert auf Grund eines Werkvertrages einen Bau, oder Arbeiten zu einem Bau. Er hat die von ihm übernommenen Arbeiten einwandfrei und dem Vertrage entsprechend auszuführen, wofür er den vereinbarten Preis erhält. Es ist fein^ Sache, wie er mit diesem zurechtkommt. 3n der Spanne zwischen vereinbartem Preis und Selbstkosten liegt sein Gewinn. Wenn es ihm gelingt, seinerseits die Arbeiten zu besonders vorteilhaften Bedingungen an Unterlieferanten oder Handwerker zu vergeben, so kommt der Gewinn ihm allein zustatten: auf der anderen Seite kann er aber, wenn ihm der Bau teurer wird, als er ihn kalkuliert hat, auch den Preis dem Bauherrn gegenüber nicht heraufsetzen, bleibt vielmehr an ihn gebunden. Daraus folgt, daß alle Provisionen. Rabatte und sonstige Vergünstigungen, die der Bauunternehmer bei der Weitervergebung der Arbeiten erzielen kann, ihm allein zustehen. Anders ist es jedoch bei dem Honorar- archite kten Er leistet keine Lieferungen oder Arbeiten für den Dau selbst, sondern seine Aufgabe ist es nur. Pläne und Entwürfe anzufertigen. den Bauherrn bei der Vergebung der Arbeiten zu beraten und zu vertreten und die Ausführung der Arbeiten zu überwachen. Er steht zu dem Bauherrn in einem Dienstverhältnisse, und zwar in einem ganz besonderen Treuverhältnisse, das ihn verpflichtet, die Interessen des Bauherrn in jeder Beziehung wahrAunchmcn. Als Entgelt steht ihm dafür das vom Bauherrn zu zahlende Honorar zu. Die Stellung, die der bauleitende Architekt — und nur dieser soll im folgenden unter Architekt gemeint sein — als Berater des Bauherrn hat, und die ihm auch in der Regel einen entscheidenden Einfluß bei der Vergebung der Arbeiten an Unternehmer und Handwerker gibt, kann leicht zu einem Mißbrauch führen. Bei der großen, auf dem Daumarkte bestehenden Kongraphen. Hier ist also grundsätzlich die Einwilligung des Abgebildeten nötig, was häufig überleben wird. — Für das Erfordernis der Einwilligung des Abgebildeten spielt es keine Rolle, ob das Bildnis auf Bestellung oder ohne solche hergestellt wurde: auch ist es belanglos, ob irgendein geschütztes Urheberrecht an dem Bildwerk besteht. Andrerseits ist die Einwilligung des Abgebilbeten nur zur Verbreitung und öffentlichen Schaustellung nötig. Die bloße Herstellung oder Rachbildung eines Bildnisses kann der Abgebildete nicht aus dem Recht am eigenen Bilde verbieten. Hiergegen kann er möglicherweise unter anderen rechtlichen Gesichtspunkten vorgehen. Tie Einwllllgung muh von dem Abgebildeten selbst erteilt werden und kann bei Minderjährigen oder Entmündigten weder durch Erklärung des gesetzlichen Vertreters ersetzt, noch durch das Vormundschaftsgericht ausgesprochen werden. Bei Gruppenbildern ist die Einwilligung jeder einzelnen abgebildeten Person erforderlich. Tas Einwilligungsrecht des Abgebildeten besteht naturgemäß, solange dieser lebt. Rach seinem Tode bedarf es bis zum Verlauf von 10 Jahren der Einwiligung seiner Angehörigen. Angehörige im Sinne dieser Vorschrift sind der überlebende Ehegatte und die Kinder des Abgebildeten. und wenn weder ein Ehegatte noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten. Ist keine der hier genannten Gruppen von Angehörigen vorhanden, so ist dem Urheber die Verbreitung und Zurschaustellung des Bildes gestattet. Von dem Recht am eigenen Bilde gibt es mehrere Ausnahmen. Rach § 23 KSchG, ist die Einwllllgung des Abgeblldeten nicht nötig bei Bildnissen aus dem Bereich der Zeitgeschichte, bei Bildern, auf denen die Personen nur als Beiwerk (Staffage) neben einer Landschaft oder sonstigen Oerllichkeit erscheinen. bei Bildern, von Vers ammlungen, Auszügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben, und bei Bildnissen, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, wenn die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient. Die Motive (die dem Reichstag vorgelegte Begründung zum Entwurf des Gesetzes) sagen hierzu, daß der Allgemeinheit ein gewisses publizistisches Anrecht an der freien Darstellung von Personen, die im öffentlichen Leben stehen, eingeräumt werden müsse, well dies den natürlichen Bedingungen sozial«! und v. Nordenflychi, Berlin. kurrenz kommt es häufig vor, daß Dausirmen und Handwerker, die sich um die Ausführung des Baues bewerben, dem Architekten Provisionen, oder sonstige persönliche Vergünstigungen für den Fall, daß er im Rainen des Bauherrn sie bei der Auftragserteilung bedenkt, anbieten, und leider läßt es sich nicht abstreiten, daß häufig solche Provisionen angenommen, ja auch mitunter sogar von Architekten gefordert werden. Die Annahme von derartigen Provisionen, oder auf deutsch gesagt, Schmiergeldern, ist aber durchaus unzulässig, denn eS ist klar, daß sie zu einer Schädigung des Bauherrn sühren müssen, dessen Interesse gerade der Architekt nach allen Kräften wahrzunehmen hat. ES ist naheliegend, daß die Lieferanten und Handwerker, die dem Architekten Provisionen geben, diese wieder in irgendeiner Form dem Bauherrn aufzuschlagen bestrebt sein werden, so daß nicht sie, sondern in Wirklichkeit der Bauherr die Provisionen zu tragen hat. Entweder werden sie die Provisionen bei ihren Offerten mit einkalkulieren und die Preise entsprechend hoher berechnen, oder, falls dies nicht gelingt, sich durch Lieferung von schlechterem Material oder Arbeit mehr oder weniger schadlos halten. Sie werden damit rechnen können, daß der Architekt, dessen Aufgabe es gerade ist, für möglichst preiswerte Vergebung der Arbeiten zu sorgen und die ordnungsmäßige Ausführung zu überwachen, vielleicht ein Auge zudrücken wird, wenn er selber eine Provision verdient. Es ist ja auch klar, daß ein Architekt durch Annahme von Provisionen hinter dem Rücken des Bauherrn sich in die Abhängigkeit der betreffenben Lieferanten und Handwerker begibt, da sie ihm durch Anzeige bei dem Bauherrn zum mindesten Unannehmlichkeiten bereiten können, und daß der Architekt infolgedessen in seiner Stellung gegenüber den Unternehmern beeinträchtigt wird und ihnen gegenüber nicht in derselben sorgfältigen und unnachgiebigen Weise die Rechte des Bauherrn vertreten kann wie ein Architekt, der sich nicht durch Provisionen hat bestechen lassen. Die persönliche Annahme solcher Provisionen und Vergünstigungen ist eine schwere Pflichtverletzung des Architekten. Der angesehene Archi- tektenveroand. der Bund Deutscher Architekten, verbietet es seinen Mitgliedern auf das schärfste Provisionen anzunehmen, und geht gegen Mitglieder, die es doch tun, disziplinarisch vor. Die Bestrebungen des Architektenverbandes, das Unwesen der Provisionen auf dem Daumarkte zu unterdrücken, verdient allseitige Dilligung und Förderung. geschichtlichen Lebens entspreche. Der Ausdruck Zeitgeschichte ist hier im weitesten Sinne zu verstehen, er umfaßt sowohl das eigentliche politische, als auch das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Volkes. Der Zeitgeschichte gehört jeder an. der in der Oeffentlidjleit von sich reden macht, mag der Anlaß dazu gut oder schlecht, von weitestreichendem oder nur örtlichem Interesse sein. — Bei Dlldern von Versammlungen usw. wird angenommen, daß durch die Eingliederung in eine Menschenmasse daS Dildnis des einzelnen seines individuellen Charakters entkleidet ist. Es kommt bei der Frage, ob ein Dild zu dieser Aufnahmegruppe gehört, nicht darauf an, ob etwa die Gesichtszüge des einzelnen Teilnehmers mehr oder weniger deutlich erkennbar sind. Es kommt ferner nicht darauf an, ob et sich um eine öffentliche Versammlung, um eine beabsichtigte oder nur zufällige QBaffenanfamm- lung (letztere etwa durch einen Unglücksfall veranlaßt) handelt. — Die Vorschrift, daß das Einspruchsrecht bei unbestellten Bildnissen, deren Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient, Wegfällen soll, will die Deröffenllichung künstlerischer Dildnisstudien ermöglichen, bei denen eine Verhandlung wegen Erteilung der Einwilligung des Abgebildeten der Sache nach ausgeschlossen, oder aussichtslos zu sein pflegt. Man denke etwa an künstlerische Aktstudien. Auf photographische Bildnisse ist diese Vorschrift nach den Motiven aber nicht zu beziehen. Die vorgenannten Ausnahmen sind zum Tell von größter Bedeutung, ermöglichen sie doch überhaupt erst die Illustration unserer Zeitungen und Zeitschriften, sowie die anderen Arten moderner Bildberichterstattung: Die „Wochenschauder Lichtspielhäuser und demnächst des Rundfunks. Eine notwendige Begrenzung finden die erwähnten Ausnahmefälle jedoch in der Bestimmung, daß durch die Verbreitung oder Schaustellung kein berechtigtes Interesse des Ab - gebildeten ober, falls dieser verstorben ist, feiner Angehörigen verletzt werden darf. Durch diese Vorschrift soll verhindert werden, daß Vorgänge des persönlichen, häuslichen und Familienlebens an die Ocfsentlichkeit gezogen werden, und daß das Bildnis für Zwecke verwendet wird, mit denen eine Verletzung der dem Abgeblldeten zukommenden Achtung, oder eine Kränkurig, oder schließlich die Gefahr einer sonstigen Benachteiligung verbunden ist. Ueber den ‘Begriff der Angehörigen und die Dauer ihres Einspruchrechtes gilt das oben Gesagt. Sachen gutgläubig erworben, so erlischt damit der Anspruch auf Zurückbeschaffung. Im übrigen ist das RückschafsungSrecht spätestens einen Monat nach Kenntnis von der Entfernung der Sachen aus den vermieteten Räumen gerichtlich geltend zu machen, da andernfalls daS Pfandrecht erlischt. Macht der Mieter dem Hauswirt bei Ausübung des Rückbehaltungsrechts Schwierigkeiten, so ist der Hauswirt berechtigt, polizeilichen Schutz zu beantragen. Iedoch darf der hinzugc- rufene Polizeibeamte sich nicht in den Streit zwischen Vermieter und Mieter einmischen, und eS wäre zwecklos, von dem Polizeibeamten ein« Entscheidung darüber zu verlangen, ob der Vermieter da- Recht hat. tatsächlich die von ihm gewünschten Sachen zurückzubehalten. ES handelt sich in solchen Fällen um rein zivilrechtlich« Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter, die zu entscheiden nicht zum AusgabenkreiS der Polizei gehören. DaS einzige, was der Polizeibeamte tun kann, ist, bafür zu sorgen, daß dio Auseinandersetzungen zwischen Vermieter und Mieter nicht in Tätigkeiten auSarten und der Mieter sich nicht gewaltsam der Durchführung des Rückbehaltungsrecht» widersetzt. Am besten wird es im Falle solcher Auseinandersetzungen sein, wenn der Mieter von dem ihm gesetzlich zu st eßenden Recht Gebrauch macht, die drohende Rückbehaltung durch Sicher- heitsleistung abzuwenden. Der Mieter kann nämlich jede einzelne Sache, die der Hauswirt zurückbehalten will, durch Sicherheitsleistung in der Höhe des Wertes von dem Pfandrecht befreien. In Fällen, in denen der Mieter weiß, daß der Vermieter Forderungen gegen ihn geltend machen wlll und in denen nur Streit darüber herrscht, ob die Forderung gerechtsertigt erscheint, dürste es sich empsehlen. schon vorsorglich beim zuständigen Amtsgericht einen Betrag in Höhe der von dem Vermieter gesor- berten Summe zu hinterlegen. Will dann ber Vermieter sein Rückbehaltungsrecht geltenb machen, so ist bie Rückbehaltung hinfällig in bemt Augenblick, inbem der Hinterlegungsschein bem Vermieter vorgezeigt wirb. Auf der anderen Seite ist aber auch ber Vermieter gesichert, weil ohne sein Einverständnis der Mieter den vorsichtigerweise hinterlegten Betrag nicht wieder an sich nehmen kann. Der Gläubigerschutz im Ansechiungsgesetz. Don Dr. jur. Barifch. Diele Fälle gibt e», in denen Schuldner, um sich der Pflicht zur Defriedigung ihrer Gläubiger zu entziehen, ihre Vermögenswerte beiseite schaffen. So kommt eS, daß nach erfolgreich durchgefochtenem Prozeß der Gläubiger der Genarrte bleibt, well die Zwangsvollstreckung fruchtlos auSfällt, ja, er hat nicht nur fein Geld verloren, sondern muß noch die Kosten des Verfahrens zahlen. Häufig wird dem Handeln dcS Schuldners eine betrügerische Absicht zugrunde: liegen, besseren Motiven entspringen die Fälle, in denen ber bedrängte Schuldner, der nach der Degleichung feiner Verbindlichkeiten mit seiner Familie vor dem RichtS stehen würde, versucht, wenigstens seiner Frau und seinen Kindern Zuwendungen zu machen, um diese vor Rot zu bewahren. Rechtlich läßt sich diese Handlungsweise nicht verteidigen, so sehr sie menschlich verständlich ist. Sache des Gesetzgebers wgr cs demnach, dem Gläubiger ein Mittet in die Hand zu geben, daS zu feiner Befriedigung führt. Es ist im allgemeinen wenig bekannt, daß nach dem fog. Anfechtungsgesetz Rechtshandlungen eines Schuldners, durch die die Eine weitere Ausnahme von dem Grundsatz des § 22 stellt § 24 KSchG, auf, wonach die Behörden für die Zwecke der Rechtspflege und der öffentlichen Sicherheit Bildnisse ohne Einroilli- aung des Berechtigten (b. h. des Urhebers oder seines Rechtsnachfolgers), sowie des Abgebildeten oder feiner Angehörigen vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zur Schau stellen dürfen. Hier ist in erster Linie an die Zwecke der Strafrechtspflege g«. dacht (Steckbriefe!). Doch auch außerhalb dieses Rahmens können Fälle eintreten, in denen bas öfenUiche Wohl nach dem Ermessen der zuständigen Behörde einen Eingriff in bas Recht des Abgebil- beten (und des Urhebers) nötig macht, wie z. B. durch Deröffenllichung des Bildes eines gemeingefährlichen Schwindlers. Die Bestimmungen über das Recht am eigenen Bilde finden keine Anwendung auf Karikaturen, d. h. mehr ober weniger willkürliche, nach einem bestimmten Zweck ausgeführte künsllerische Bearbeitungen von Bilbnissen mit bem Ergebnis einer neuen, felbftänbigcn Darstellung Gegen ben Mißbrauch ber Karikatur gewährt bie Rechtsordnung durch § 185 des Reichsstrafgesetzbuches, ber die Beleidigung unter Strafe stellt, eventuell in Verbindung mit dem Pressegesetz genügenden Schutz. Daneben hat Der Dargestellte unter Umständen bte Möglichkeit, ben Mißbrauch ber Karikatur bei einer drohenden Wiederholung durch eine Unterlassungsklage zu verhindern, oder bei vorsätzlicher Ehrverletzung nach § 823 Abs. 2 Des Bürgerlichen Gesetzbuchs Schadensersatz (dazu ist auch die Beseitigung der Druckschriften, in denen die Karikatur enthallen ist, zu rechnen) zu verlangen. An die Verletzung des Rechts am eignen Bilde knüpft bas Kunstschutzgefeß straf- und zivilrechtliche Folgen von erheblicher Tragweite. Die vorsätzliche Zuwiderhandlung gegen die §§ 22 und 23 KSchG, wird auf Antrag des Verletzten mit Geld- strafe, eventuell mit Gefängnis, geahndet. Auf Verlangen des Verletzten kann bas Gericht neben ber Bestrafung des Täters auf eine an ihn zu erlegende Buße erkennen. Schließlich bann nach näherer Vorschrift des § 37 KSchG, die Vernich- tung ber wiberrechtlich verbreiteten, ober öffentlich zur Schau gestellten Bildnisse und ber ausschließlich zu beren Vervielfältigung bestimmten Vorrichtungen angeorbnet werben, unb zwar auch bann, wenn bie Verbreitung ober Schaustellung nicht schulbhast geschah! Statt ber Vernichtung kann aber der Verletzte, d. h. der Abgebilbete, verlangen, daß ihm bas Recht zuerkannt wird, die Exemplare und Vorrichtungen gegen eine angemessene Vergütung zu übernehmen. Vor dem Rücktritt Moldenhauers. Oer Wirifchastöflügel der ODP. gegen den Minister. - Ein Schritt des Partei- und Iraktionsvorsihenden Or. Scholz. Befriedigung de« Gläubiger« vereitelt wirb. angefochten werden können. Anfechtung s- b c r e ch t i g t in diesem Sinne istjederGläu- b! g e r, der gegen den Schuldner einen vollstreckbaren Schuldtitel erlangt hat und dessen Forderung fällig ist. sofern die -Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Schuldners zu seiner vollständigen Befriedigung nicht geführt hat oder anzunchmen ist, daß sie zu einer solchen nicht führen würde. Es ist also nicht immer nötig. dah der Gläubiger eine Pfändung versucht hat und diese fruchtlos ausgefallen ist. Din VechtSgrund zur Anfechtung ist z. D. auch dann gegeben, wenn dem Gläubiger bekannt ist. dah kurz vorher schon von anderer Seite der erfolglose Versuch Liner Pfändung gemacht worden ist. Anfechtbar sind nur ganz bestimmte Rechtshandlungen. Drei Fälle sind zu unterscheiden: Erstens: Anfechtbar sind die Rechtshandlungen, die der Schuldner in der Absicht vorgenommen hat. seine Gläubiger zu benachteiligen. sofern diese Absicht dem andern Teil, mit dem die Rechtshandlung vorgenommen wurde, bekannt war. Erforderlich ist hier insbesondere, dah der Schuldner wußte, dah durch seine Handlung die Gläubiger benachteiligt wurden und dah er diese Benachteiligung tatsächlich gewollt hat. So häufig derartige Fälle in der Praxis vorkommen, so schwer sind sie nachzuweisen. Will der Gläubiger auf dem Umwege über diese Anfechtungsbestimmung seine Befriedigung erreichen, so wird er es meist auf einen Prozeß mit recht unsicherem Ausgang ankommen lassen müssen. — Zweitens sind anfechtbar die im letzten Jahr vor der Anfechtung geschlossenen unentgeltlichen Verträge deS Schuldners mit gewissen nahen Angehörigen, sofern die Gläubiger durch den Abschluß des Vertrages — also unmittelbar — benachteiligt werden. Es wäre z. D. der Fall denkbar, dah ein Schuldner seine kostbaren Möbel, mit deren Pfändung er rechnen mußte, an seinen Bruder verkauft hat, da er dos dafür erhaltene Geld leichter dem Zugriff der Gläubiger verbergen könnte. 3m Gegensatz zum ersten Falle ist hier die Durchführung der Anfechtung bedeutend erleichtert, hat doch der Anfechtungsgegner, also der betr. Angehörige, Beweis zu führen, daß er die Absicht des Schuldners, die Gläubiger zu schädigen, nicht gekannt hat. — Der dritte Fall ist die .Schenkungsanfechtung". Anfechtbar sind nämlich die im letzten Jahr vor der Anfechtung — und handelt es sich um Schenkungen an die Ehefrau des Schuldners, in den letzten zwei Jahren vor der Anfechtung — von dem Schuldner vorgenommenen unenkgLltlichen Verfügungen. Der Gesetzgeber hat durch diese Bestimmungen versucht, dem ehrlichen Gläubiger zur Befriedigung seiner berechtigten Ansprüche zu verhelfen. ihm insbesondere seinen Schutz gegen betrügerische Manipulationen des Schuldners angedeihen zu lassen. Wirtschaft. Oer Aeuyorker Börsenkrach. Wenn die Börse das Manometer der Wirtschaft ist, dann steht es nach dem erneuten Börsenkrach in Reuhork international stuf Sturm. Wenn auch die glänzende toirt- ichaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaken nach dem Krieg« eine gewaltige monetäre Grundlage geschaffen hat. so werden bei der engen Verflechtung des Reuyorker Geldmarktes mit den internationalen Geld- und Warenmärkten die Rückschläge an der Reuyorker Börse überall zu spüren sein. 3n erster Linie sind die »Schwarzen Tage" darauf zurückzusühren, daß die überhitzte Produktion trotz oder gerade wegen des hohen Lohnspiegels in den Vereinigten Staaten keinen aufnahmefähige n M a r kt mehr findet. Gerade die Industrie- oruppen. denen der wirtschaftliche Aufstieg der Ilnion scheinbar unbegrenzte Absatzmärkte geschaffen hatte, wie die elektrotechnische und Kraftfahrzeugindustrie, sind in dem Dörsensturm vom vorigen Herbst und in diesem Frühjahr am schärfsten mitgenommen worden. 3n kluger Voraussicht dieser Entwicklung haben diese 3ndustriegruppen nach ihrer Auffassung rechtzeitig versucht, sich neue Absatzmärkte im Auslande zu schaffen. Die Tatsache, daß die großen Kraftfahrzeugfabriken ebenso die der elektrischen Industrie in die am wenigsten widerstandsfähigen verwandten europäischen Industrien einzudringen suchen, findet so eine Erklä- Berlin, 18. Juni. (LRB.-Drahlmeldung.) Der Wirtschaflsflügel der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat heute einen Schritt bei dem Iraktionsvorsihendeu Dr. Scholz zur Herbeiführung des RücktritlsdesReichs- finanzminifters Dr. Moldenhauer unternommen. Dr. Scholz hat Minister Moldenhauer von dieser Aktion Kenntnis gegeben, und in einer erneuten Rücksprache mit dem Reichssinanzminister diesem auch von sich aus den Rücktritt nahegelegt. Reichssinanzminister Dr. Molden- Hauer hat nicht die Absicht, dem Drucke der wirl- schaftsgruppe der Dvp. zu folgen, er ist aber der Auffassung, daß seine Aktion, die n.a. das rung, die diese Vorgänge auf die wirkliche Bedeutung zurückführt. Richt Kraftüberschuß war es. die General Motors veranlaßten, sich der Opelwerke zu bemächtigen oder die General Electric zu Teilhabern der deutschen elektrotechnischen Industrie machten, sondern die Berechnung, daß der überstark angeschwollene finanzielle und technische Apparat für die Vereinigten Staaten zu groß geworden sei. Auch der Auftrieb, den die Hochschutzzoll- Politik der Union neuerdings erfahren hat, erklärt sich durch den drohenden Einschrumpfungsprozeh der Inlandwirtschaft. Um die Anlaufszeit für einen neuen Aufschwung zu sichern, wird der Markt gegen das Ausland mit unübersteigbar hohen Zollmauern obgesperrt, während die wichtigsten Ausfuhrindustrien der Union gleichzeitig einen erheblichen Teil ihrer Produktionskraft in das Ausland verlegten. Die Kurseibrüche, ganz einerlei, auf welche unmittelbaren Ursachen sie zurückgeführt werden, haben zweifellos das Rationalvermögen der Union empfindlich geschwächt. Der eigene Schwarze Freitag, den wir am 13. Mai 1927 erlebten, gibt nur eine schwache Vorstellung von dem, was die Schwarzen Tage an der Reuyorker Börse für die Volkswirtschaft der Union bedeuten. In den Vereinigten Staaten spekuliert so schließlich jedermann, was auch durch die Technik des Wertpapiermarktes begünstigt wird. Die Kurseinbrüche im Rovember vorigen Jahres, die nichtsdestoweniger zu Milliardenverlusten führten, konnten zwar von beü Banken zum Teil aufgefangen werden, da aber die Wirtschaft trotzdem oder gerade deswegen weiter einschrumpfte. so mußte unvermeidlich der Tag eines neuen Kurseinbruches kommen. Die Auswirkungen dieses neuen Schwarzen Montags sind denn auch verhältnismäßig größer, da nun das Privatpublikum sich seiner Wertpapiere entledigen mußte. Die Ausland- märkte. insbesondere die in Europa, werden sich nun auf einen beispiellosen Ansturm v on Waren aller Art gefaßt machen müssen, weil es für die Union zunächst kein anderes Mittel gibt, um aus der Krise herauszukommen. Schweinemarli in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 141 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alt« Tiere 37 bis 42 Mk., 8 bis 10 Wochen alte 42 bis 48 Mk.. Läufer. 16 Wochen alt, 70 Mk. Der Marktverkauf brachte mäßiges Handelsgeschäft. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 9. bis 14. Juni 1930 auf 118,2 gegenüber 120,1 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 116,4 (118,1), in der Gruppe verarbeitende Industrie auf 107,6 (109,7) und in der Gruppe handel und Verkehr auf 138,1 (139,9). * Der einigte Glanz st off AG. Wie in der Gen er a lve rs amml un g mitgeteilt wurde, hat sich di« Geschäftslage nicht wesentlich geändert. Man müsse abwarten, ob von dem Zustandekommen des Kunstseidepaktes Anregungen zu weiteren Vereinbarungen ausgehen. Die Preis« seien weiter wenig stabil, jedoch für die Gesellschaft ohne Verlust, da eine weitere Senkung der Selbstkosten eingetreten sei. • Die Kraftfahrzeugproduktivn int , April. Der Absatz in sämtlichen Zweigen der Ziel Halle, diepreifeundLöhnezusenken. gescheitert ist. hiernach werde er seine Entscheidung von sich aus treffen. Minister M olde nh au er hat den Reichskanzler gebeten, für morgen eine kabinetlssihung einzuberufen, in der er seinen Standpunkt noch einmal klarlegen wird. 3m Anschluß an die kablnettssihung dürfte der Reichssinanzminister aus sachlichen Gründen seinen Rücktritt erklären. Die Relchs- lagsfraktion der Deutschen Volkspartei wird sich am Freitag mit der Angelegenheit beschäftigen. Der Reichssinanzminister hat die Absicht, am Freitagabend zu einem Erholungsurlaub In die Schweiz zu reisen. Kraftfahrzeugindustrie hat im April eine geringe Zunahme gegenüber dem Vormonat aufzuweisen. die jedoch hinter der saisonmäßig erwarteten Steigerung zurückgeblieben ist. Die Produktionsentwicklung zeigt ein ungünstigeres Bild. Rur die Erzeugung in der Personenkraftwagen- und Kraftradindustrie hat eine Steigerung zu verzeichnen, während die Produktion in der Lastkraftwagcnindustrie sich nicht auf der Höhe des Vormonats gehalten hat. Die Absatzsteigerung in der Personenkraftwagenindustrie gegenüber dem Vormonat entfällt zum großen Teil auf die ausländischen Montagebetriebe. Ihr Anteil stieg im Gesamtabsah von 21,7 Prozent int Vormonat auf 25,1 Prozent, gegenüber 27,6 Prozent int April 1929. Frankfurter Börse. Franks ur t a. M.. 18. Juni. Tendenz: etwas freundlicher. — Die Hoffnungen auf eine baldige Diskontsenkung der Reichsbank verstärkten sich weiter, und int Zusammenhang mit der wieder etwas gebesserten gestrigen Reuyorker Börse war die Stimmung $u Beginn des heutigen Marktes allgemein etwas freundlicher. Das Geschäft nahm aber immer noch keinen größeren Umfang an, da die unklare innerpolitische Lage und die nur geringe Abnahme der Arbeitslosigkeit der Spekulation einen gewissen Druck auferlegten. Auch war der Ordereingang sehr klein, Material tarn aber nicht an den Markt, so daß schon bei geringster Rachfrage gegenüber der gestrigen Aoendbörse Kursbesserungen bis zirka 2 Prozent eintraten. Mehr in den Vordergrund treten konnten von Kunst- seidewcrten Aku. plus 2 Prozent. Von Schifffahrtsaktien machte sich für Hapag wieder etwas mehr Interesse mit plus 2 Prozent bemerkbar. Die in letzter Zeit stark angebotenen Wayh & Frehtag konnten einiges Interesse auf sich lenken und 3,5 Prozent gewinnen. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben nur geringfügig erhöht, während Deutsche Erdöl 1.5 Prozent und Goldschmidt 1,25 Prozent gewannen. Scheideanstalt waren nur knapp behauptet. Der Elektromarkt hatte immer noch unter Abgaben von der Schweiz zu leiden. Licht und Kraft büßten weitere 1,5 Prozent ein. Dagegen lagen Schlickert behauptet. Deutsche Linoleum waren leicht erhöht. Der Montanmarkt hatte nur sehr bescheidenes Geschäft. Mannesmann und Stahlverein wären bis 0,5 Prozent fester. Rheinische Braunkohlen lagen leicht ge- brüdf Harpener traten jedoch etwas über den Rahmen hinaus und gewannen 1,5 Prozent. Am Kalimarkt gewannen Salzdetfurth 1,5 Prozent: Aschersleben und Westeregeln wurden bis zu 4 Prozent fester taxiert. AG. für Verkehrswesen lagen wieder im Angebot und 1,25 Prozent niedriger. Bankaktien zumeist leicht abgeschwächt. Dresdner Bank gut gehalten. Renten hatten nur kleines Geschäft. Reubesih waren wieder etwas höher. Von den Ausländern lagen Mexikaner abgeschwächt. Unter dem Druck der mangelnden Aufträge und der damit verbundenen Geschäftsstille wurde die Tendenz im Verlaufe allgemein schwächer. Die Anfangsgewinne gingen in den meisten Fällen fast wieder verloren. Farben lagen sogar unter Anfangsniveau. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 Prozent angeboten und sehr leicht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1921, gegen Pfund 20,368, London gegen Kabel 4,8583, gegen Paris 123,77, gegen Mailand 92,77, gegen Madrid 41,61, leicht gebessert: gegen Schweiz 25,0950, gegen Hofland 12,0850, etwa« schwächer. Berliner Börse. Berlin. 18.Juni. Die Beruhigung, die litan im heutigen Vormittagsverkehr feststellen konnte, herrschte auch an der Vorbörse und zum offiziellen Dörsenbeginn. Die kräftige Interventionstätigkeit an der gestrigen Reuyorker Börse, die zwar unregelmäßig, aber, doch erholt war, wirkte hier etwas anregend. Ebenfalls stimulierten die festeren Frankfurter Abendbörsenkurse. Der günstige Reichsbankausweis wirkte ebenfalls noch nach: und vor allem sprach man heute lebhaft über die eventuell bevorstehende Diskontherabsetzung. Man hört, daß der bevorstehende Halbjahres- ulttmo zwar erhebliche Anforderungen stellen wird, jedoch nicht schwer überwunden werden wird. Zu den ersten Kursen lagen in einer großen Zahl von Werten kleine DeckuLgskäufe vor. die ein- bis zweiprozentige Besserungen gegen den gestrigen Mittagsschluh hervorriefen. Auffallend gut erholt waren Kali Aschersleben und Westeregeln, die über 3 bi« 5 Prozent anzogen. Ebenfalls waren Eisenbahnverkehr 4,5 Prozent höher: Au g S- burg-Rürnberger Maschinen konnten sich um über 3 Prozent, Fahlberg List um 2,5 Prozent befestigen. Dagegen lagen Reichs- b an fant eile sehr schwach, mit einem Verlust von 4,5 Prozent; man sprach von ausländischen Abgaben. Von Rebenwerten lagen Deutsche Erdöl und Oberschlesische Koks fester. Deutsche Anleihen waren gut behauptet. Reubesitzanleihe konnten bei lebhaften Umsätzen 0,20 Mk. anziehen. Ausländische Renten unverändert. Pfandbriefe waren eher etwa« freundlicher. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2 bis 4 Prozent wieder leichter, die übrigen Sähe blieben unverändert. Rach den ersten Kursen setzten sich die Kurserholungen auf den meisten Gebieten weiter leicht fort; auch Reichs- bant holten 1,5 Prozent ihres Anfangsverluste« wieder ein. Spater gingen die im Verlaufe erzielten Gewinne infolge anhaltender Geschäftsstille meist wieder verloren. Westeregeln unterschritten ihren Anfangskurs sogar um 2 Prozent, viele andere Werte bis 1 Prozent. Rur Reubesitzanleihe blieb weiter gefragt und konnte sich mit 9,5 Prozent erneut befestigen. Deutsche Linoleum waren fast 2 Prozent gegen Anfang gebessert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 18. Juni. Trotz der höheren Auslandnotierungen war die Stimmung am Produktenmarkt flau. Die Händler üben weitere Zurückhaltung und die Preise standen unter Druck. Besonders Weizen lag bis zu 2,50 Mark niedriger. Das Mehlgeschäft war schleppend, Weizenmehl notierte vis 0,25 Mark niedriger. Roggenmehl ebenfalls abgeschwächt, dagegen blieb Roggen behauptet. Futtermittel waren nachgebend. Es notierten: Weizen, Hektolitergewicht von 78 Kilo, 317,50 bis 319; Roggen, Hektolitergewicht von 72 Kilo, 167,50 bis 168,50; Sommergerste für Drauzwecke 200; Hafer, inländischer, 162,50 bis 165; Weizenmehl, süddeutsches Spez. 0 44,75 bis 45,50; Roggenmehl 24,75 bis 25,50; Weizen- und RoggenÜeie 6,75 Mark. Tendenz: flau. Frankfurter Pfcrdcmarkt. Frankfurt a. M., 17. Juni. (WSR.) Der Auftrieb zum gestrigen Pferdemarkt ist, wie alljährlich in den Sommermonaten, gering gewesen, und auch der Besuch war infolge der im Gange befindlichen Heuernte schwach. Trotzdem war die Rachfrage nach jungen, mittelschweren Arbeitspferden groß, und die Tiere dieser Gattung sind bald zu anziehenden Preisen ausverkauft gewesen. Einige Transporte ostpreuhischer Arbeitspferde fanden gleichfalls willige Käufer, welche teilweise Handelsleute aus Süddeutschland waren. Schwere belgische Tiere standen nur in geringer Zahl zur Wahl. Im allgemeinen sind die Preise gut und behauptet gewesen, Schlachtpferde erzielten die vormonatlich notierten Preise. Letzte Nachrichten. „Gras Zeppelin^ wieder gelandet. Friedrichshafen, 18. Juni. (WTD. Funk- spruch.) Das Luftschiff „GrafZeppelin", das heute früh zu einer Charterfahrt aufgestiegen war, ist um 8.35 Ahr glatt gelandet. Die Fahrt führte von Friedrichshafen nach Bregenz, Sonthofen, Oberstdorf, Dornbirn, Arlberg und Sargans zurück nach Friedrichshafen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die flöhe der zuletzt beschiosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 o. H., Lombardzinsfuß 5,5 v. S). Jranffurt a. 2)1. Serlln Schmß« für« 1-Uhr» Aurt Schluß» l Anfang« für« | Aur« Datum 17 6 18. 6 17. 6. 18 6 6% Deuinye iHeia)»aiueü)t von 1927 ......... 7% Deutsche Reichöanlethe Yon 1Y28......... 104,5 57,5 9,25 57 56,75 100,5 94,9 89 101 96,5 95,5 96,5 | | 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1_________। 88,25 104,4 57.5 9,05 57 101,25 95 i । । i i i i i i i ££ i i Deutsche Ant.-AblSs.-Schutd mit Detgi. ohne Äu«tos.-Rechte . . 6% Heil, «oittitaat von 1929 trültznhtb 102%)...... Oberheilen Provinz»Anleihe mit Deutsche flemm. Sammeiabl. Anleihe Serie 1....... 8% fftönlf. Hpp.-Bank Goldpse XIII unkündbar bl« 1934 . . • 7% Rumlf. Hyp.-Ban! Boldp|r unkündbar bl« 1932 ..... 4%% Rheinische Hyp.-Bank £tqu. Goldpse......... 8% Pr. Lande«psandbrtesanftalt, 4liandbrtele R. 17...... 6% Pr. Lande«piandbries— — — Miag.......... . 10 — 114 115 Gebe. Roeder...... . 11 —— — Voigt L Haeffn« . . . . . . 150 —— 150 — Süddeutsche Lucker . . . . 10 156,5 157,5 — Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Vanknoten. Lerlin, 17. Juni (Reib Ärics Amerikanische Noten...... 4,169 4,189 Belgische Noten ....... 58,39 58,63 Dänische Noten ........ 111,78 112,22 Englische Noten ...... 20,312 20,392 Französische Noten . ...... 16,42 16,48 Holländische Noten....... 168,06 168,74 Italienische Noten........ 21,94 22,02 Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 1OO Schilling 111.83 112,27 59,06 59,30 Numänische Noten....... 2,465 2,485 Schwedische Noten....... 112,25 112,69 Schweizer Noten........ 81,04 81.36 Spanische Noten ........ Tichechoslowakischc Noten..... 47,70 12,39 47,90 12,45 Ungarische Noten........ 73,02 73.32 17. Juni 18. Juni Amtliche Dotierung Amtliche Notierung Geld | Arie, Geld Sries Amst.-Nott- 168,40 168,74 168,36 168,70 Buen.-Aires 1,540 1,544 1,538 1,542 Brss.-Antw- 58,39 58,51 58,39 58,51 Christiania. 112,04 112,26 112,05 112,27 Kopenhagen 112,05 112,27 112,05 112,44 112,27 Stockholm . 112,44 112,66 10,561 112,66 10,56 Hclsingsors. 10,541 10,52 Italien. . . 21,925 21,965 21,935 21,975 öondon. . . 20,342 20,382 20.346 20,386 Neunork . . Paris.... 4,1875 4,1955 4,188 16,425 4,196 16,43 16,47 16,465 Schwei; . . 81,095 81,255 81,075 81,235 Spanien. . 48,05 2,70 48,15 48,80 2,070 48,90 Japan . .. 'üto de Jan 2,74 2,074 0,469 0,471 0,472 0,474 Wien In D.« Oest. abgest. 59,10 59,22 59,10 59,22 Prag . . . . 12,419 12,439 12,419 12,439 Äelgrad . . 7,398 7,412 7,405 73,225 3,035 7,419 Budapest. . Bulgarien. 73,215 3,035 18,81 73,375 3,041 73,365 3,041 Lissabon . . 18,85 18,81 18,85 Danzig.. .Konstantin. 81,34 81,51 81,33 81,49 1,784 1,789 1,785 1,789 Athen. . 5,425 5,435 5,435 5,445 sscmada . . 4,188 4,196 4,186 4,194 3,654 lirn 'ucttr. 3,656 3,664 3,646 iSairo . . 20,86 20,90 20,66 20,90