Nr. 15 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 18. Januar 1950 Erscheint iS glich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse onterSammelnummer225I. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: granlfurt am Main 11686. GWnerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vriilil'iche UnlverfilSIrGuch- und Skinöruderei R. Lang« in Sietzen. Schristleitnng und Seschäftrftelle: Schnllttatze 1. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; fü Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u,„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr Wilh Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Emst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Gchlußarbeiien im Haag. Einigung über die Mobilisierung der deutschen Reparationszahlungen und die Beanspruchung des internationalen Kapitalmarkts durch deutsche Anleihen. Erst am Montag Schluß der Konferenz. AmTagederReichsgrülidung Von Dr. Gustav Noloff, o. ö. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. „QIm Ende eines schweren Jahres" bat Martin Schian seine Silvesterbetrachtung überschrieben, und die hierin ausgedrückte Stimmung muh auch für die Erinnerungsworte zum Reichsgeburtstag, die nicht dem Blick nach rückwärts, sondern nach vorwärts gelten sollen, maßgebend sein. Die Aufgaben, die uns obliegen, kennt und fühlt jeder; erliegen wir doch fast unter dem Druck der im höchsten Grade ungerechten Tribute, unter den Beschränkungen unserer Souveränität, unter dem Rückgang der wirtscha'tlichen Leistungsfähigkeit und dem Schwinden von Treu und Glauben im öffentlichen w.e ge,chäfrllcyen Leben. Daß gerade dieser moralische Schaden mit seinen verheerenden Wirkungen tiefer und tiefer in unser Bolk hineindringt, ist nicht verwunderlich. Durch die Ereignisse seit mehr als einem Jahrzehnt ist unser Staat schwer betroffen worden. Wenn er früher der Ration als Symbol ihrer Macht und Wohlfahrt galt, so heute nicht mehr, er hat damit an innerer Bedeutung für das Bolk verloren. Eine solche Verminderung der Verbundenheit zwischen Staat und Volk, ein Rückgang der Staatsautorität, bringt aber notwendig einen Rückgang der Moralität des Volkes mit sich. Denn der Staat ist nun einmal seit undenklichen Zeiten dazu da, die guten Eigenschaften seiner Angehörigen zu fördern und die schlechten zu beschränken. Hieraus ergibt sich von selbst die Folgerung, womit eine wirkliche Besserung unserer Zustände angestellt werden muh: sie muh mit einer Reform des Staates beginnen, um der Ration wieder das Gefühl einzuflöhen, dah der Staat ihre Angelegenheiten gut verwalten kann und will. Erst dann wird es möglich sein, alle in der Ration vorhandenen Kräfte zur Erreichung hoher nationaler Ziele zufammenzufassen, eine Politik zu führen, die zur Befreiung von den unmoralischen Versailler Fesseln führen kann. Ratürlich wird man sofort die Frage aufwerfen: sind nicht schon Ansätze zu einer solchen wohltätigen Umwandlung des Staates, die, wie ausdrücklich bemerkt sei, durchaus im großen Rahmen der Weimarer Verfassung, ja durch Entwicklung ihres Grundgedankens geschehen kann und muh, im öffentlichen Leben vorhanden? Ich beantworte diese Frage kurz und ■hart mit Rein! Manche Ereignisse des letzten Jahres haben sogar einer Reichsreform neue Hindernisse in den Weg geworfen. Die Reform unserer Reichsverfassung muh, da sie eine Hebung und bessere Verwendung unserer gesamten Rationalkraft zum Ziele hat, im Mittel- vunkt beginnen und irgendwie mit der Verstärkung der Zentralgewalt enden; sie muh, wie tausendmal ausgeführt worden ist, das Verhältnis zwischen Reich und Einzelstaaten ändern, insbesondere das Reich und Preußen in engeren Zusammenhang bringen. Aber um diese Verstärkung der Zentralgewalt dem Volke annehmbar zu machen, müssen Form und Geist der Regierung im Reich und in Preuhen gründlich geändert werden. Gerade weil ich in der angedeuteten Richtung das Heil für Deutschland feße, muh ich es mit dem stärksten Rach druck aussprechen: Das Reich und Preuhen haben im abgelaufenen Jahre dem Gedanken der Reichsreform schwerenSchaden zugefügt; sie haben vielen, die auf demselben Wege eine bessere Zukunft suchen, den Stohseufzer entlockt: Gott sei Dank, dah es noch autonome Einzelstaaten gibt, Damit gesunde politische Gedanken wenigstens noch im engeren Kreise vertreten werden können? Ich erinnere nur an die Behinderung der Kundgebungen zur Kriegsschuldfrage am 28. Juni und an die Bedrohung der Beamten beim Volksbegehren. Anstatt die patriotische Bewegung in der Kriegsschuldfrage entschlossen zu leiten und sie der auswärtigen Politik nutzbar xu machen, haben das Reich und der größte Bundesstaat sie mit abgebrauchten Mitteln zu ersticken versucht und dadurch vielfach dem utopischen Radikalismus das Feld geebnet, und dasselbe gilt von ihrer Haltung in der anderen Frage; es dürfte schwerlich jemand ernstlich bezweifeln, daß die gegen die Beamten ausgesprochenen Drohungen und allerlei Verbote dem Volksbegehren und Volksentscheid viele Tausende von Stimmen verschafft haben. Verantwortlich für diese im letzten Grunde freiheitsfeindliche Haltung der beiden wichtigsten Regierungen sird weniger die Männer an der Spitze als die Parteien, von denen sie abhängig sind. Da die Parteien in unseren heutigen parlamentarischen Verhältnissen die Regierung tatsächlich bestimmen, müssen sie z u e r st umgeformt werden, um eine bessere Regierung zu ermöglichen. üni> nicht nur um der Staatsregierung willen, auch um der kommunalen Selbstverwaltung willen muß diese Forderung erhoben werden, denn auch diese ist durch das geltende Parteisystem verdorben worden. Daß unsere heutigen Parteien — und damit ihr Erzeugnis, die Regierung — mit dem Fluche der Unfruchtbarkeit in den großen Lebensfragen belastet sind, liegt zum großen Teil an der Art ihrer Entstehung. Das Weimarer Wahlrecht war in demokratischem Sinne gedacht und wollte zugleich durch die Bildung großer Wahlkreise lokale Einflüsse zurückdrängen und den Blick au das Ganze zwingen. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Die Aufstellung der Listen für die großen Wahlkreise war nicht möglich, ohne die Schaffung einer großen Parteibeamtenschaft, und diese Instanz hat den Einfluß des Volkes — des eigentlichen Souveräns nach der Abschied vom Haag. Die Koffer der Delegation sind wieder einmal gepackt. Diesmal aber nicht, um einen Abbruch zu markieren, sondern um endgültig Abschied zu nehmen. Das Progranim ist im wesentlichen aufgearbeitet, die dreizehn Punkte, die von den Juristen als unerledigt herausgestellt waren, sind bereinigt. Im Hetztempo hat man das ganze große Gebiet des Poung-Plans noch einmal durchjagt mit der festen Absicht, die deutschen Widerstände einfach zu überrennen. Die Art, wie diese Konferenz betrieben worden ist, verrät gerade keine freundschaftliche Gesinnung. Don deutscher Seite ist rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Festlegung der Londoner Flottenkonferenz die Dewegungs- reiheit der Haager Konferenz einenge. Die Engländer haben sich darum nicht gekümmert. Sie haben erklärt, daß sie unter allen Umständen Anfang nächster Woche in London sein müßten, und da auch den Franzosen diese übertriebene Eile recht gelegen kam, haben sie mitgemacht. Freilich ganz so, wie die Gläubigerstaaten sich die Entwicklung gedacht hatten, sind die Dinge nicht gelaufen. Die deutsche Delegation hat eine unvermutete Wider st andskraft bewiesen und mit beharrlicher Zähigkeit ihren Standpunkt vertreten, in Kleinigkeiten sogar durchsetzen können. Wer die Lage nüchtern beurteilte, mußte sich ja von vornherein sagen, daß allzuviel Erfreuliches int Haag nicht für uns zu holen sein würde. Die politischen Klammern lagen zu eng um uns. Dazu kam die finanzielle Zwangslage, die dank Herrn Hil- ferding der Gegenseite zum Glaubenssatz gemacht hatte, daß Deutschland unter allen Um» ständen auf die Unterzeichnung angewiesen fei. Dr. Moldenhauer hat in der kurzen Zeit, wo er im Amt war, getan, was er tun konnte, um diesen Eindruck zu beseitigen. Er hat sogar eitlen Etatvoranschlag aus arbeiten lassen, der ohne Rücksicht auf Sie Unterzeichnung im Haag auf- gestellt war. Aber allzu viel konnte damit nicht gerettet werden, dazu war die Stunde längst verpaßt. Wir konnten also unsere Erwartungen von Anfang an nicht niedrig genug schrauben, und an diesem Maßstab gemessen, ist es wenigstens auf finanziellem Gebiet der deutschen Delegation gelungen, Schlimmeres zu verhindern. Sie hat das Zugeständnis machen müssen, daß die Zahlungen nicht erst am Monatsende, sondern um d i e Monatsmitte erfolgen, die jährlich eine Zi nsbelaftung von etwa vier bis fünf Millionen Mark bedeutet. Dafür haben wir Angriffe gegen die volle Wiederherstellung unserer Steuerhoheit abschlagen können. Wir haben auch die schmalen R e v i s i o n s- möglichkeiten, die uns der Youngplan läßt, durchgesetzt; auch dies gegen französischen Widerspruch. Deutschland ist das Recht zuerkannt, den Transfer der geschützten Zahlungen einzustellen und gleichzeitig damit auch die Zahlungen selbst für eine bestimmte Zeit aufzuschieben. Daß wir diese Beträge nachzuzahlen haben, ist demgegenüber von untergeordneter Bedeutung. Denn wenn einmal die deutsche Wirtschaftslage ein Moratorium notwendig macht, wird im inneren Zusammenhang damit das ganze Problem noch einmal international neu aufgeroHt, und dann ist hoffentlich der Augenblick gekommen, wo die Unmöglichkeiten, die auch im Haag noch sanktioniert wurden, verschwinden und eine endgültige, nicht mehr politische, sondern rein finanzielle Regelung der Kriegsentschädigung erfolgt. Schon der Poungplan selbst ging nach allgemeiner Ueberzeugung über d i e Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit hinaus. Die Pariser Sachverständigen find nicht stark genug gewesen, um sich von politischen Einflüssen freizuhalten. Sie haben ihre gesunde volkswirtschaftliche Einsicht verleugnet und schließlich doch nur ein neues Verfassung — auf die Auswahl der Kandidaten zurückgedrängt, also im antidemokratischen Sinne gewirkt. Anderseits hat das L i st e n s y st e m gerade alle politischen und wirtschaftlichen Sonder- interessen verstärkt, weil alle Interessengruppen befürchteten, in der großen Liste zu kurz zu kommen, und deshalb sich bemühten, ihre Wünsche mit besonderem Rachdruck zu vertreten. Wenn man also den Weimarer Grundgedanken der Dolkssouveränität wirklich ins Leben rufen will, bleibt nichts anderes übrig als Rückkehr zum früheren System der kleinen Wahlkreise; nur dadurch werden die Wähler den ihnen gebührenden Einfluß auf die Auswahl der Abgeordneten erlangen, und zugleich wird durch diese Aenderung den wirklichen politischen Talenten das Aufsteigen erleichtert werden. Es ist nicht anders möglich, als daß unser heutiges Parteileben eine Begünstigung der Mittelmäßigkeit mit sich bringt. Gewiß wäre es falsch und ungerecht, leugnen zu wollen, daß unser heutiges Parteileben auch tüchtige Talente emporgebracht hat, aber wahr bleibt doch: derjenige, der sich dem herrschenden Parteischema anzupafsen weiß, hat immer Aussichten auf einen Provisorium geschaffen, das freilich, nachdem es die Politiker in die Hand bekamen, noch erheblich verschlechtert worden ist. Wir denken dabei nicht einmal an die unmögliche Santtionsformcl, die unter dem Gesichtswinkel einer Liquidation des Krieges ja etwas Ungeheurliches ist. Wir denken vielmehr an die rein politischen Belastungen, die uns während und nach der ersten Haager Konferenz aus- gezwungen wurden. Der Verzicht auf die lieber; schlisse aus dem Daroesplan, die Aufbürdung der Besatzungskosten und die Sonderentschädigung für die dubiosen belgischen Markforderungen haben die Entlastung, die der Poungplan uns bringen sollte, wesentlich vermindert. Durch eine glatte Erpressung haben die Engländer uns hinterher gezwungen, auch auf die Ueberschüsse aus der Liquidation des deutschen Vermögens zu verzichten, wir haben den Polen ein Entgegenkommen gezeigt, das dem Reich Entschädigungsoerpflichtungen in beträchtlicher Höhe zumutet. Wenn also die Sachverständigen der Meinung waren, daß ihr Gutachten d i e äußer ft e Grenze bedeutet, so ist diese Grenze jetzt weit überschritten. Haag, 17. Jan. (WB.) In der Mobilisierungsfrage ist heute abend nach 8 Uhr eine völlige Einigung mit Geltungsdauer aufein Jahr erfolgt. Sie wird heute abend noch in einer um 9,30 Uhr beginnenden Sitzung zu Papier gebracht und dann den Juristen unterbreitet, die sie noch in der Rächt in eine geeignete Form gießen. Die Entwicklung, die zu dem jetzigen Ergebnis führte, hat sich etwa folgendermaßen vollzogen: Die Franzosen .verlangten zunächst eine generelle Verpflichtung von deutscher Seite, nichts zu tun, was die Mobilisierung hindern könnte, und außerdem auf die Gesamt- dauer der Reparationen, also unter Umständen auf 58 Jahre, eine Verpflichtung zur gemeinschaftlichen Aktion mit Frankreich in der Behandlung der Auslandanleihen. Diese Klausel ohne Befristung ist endgültig gefallen. In der zweiten Etappe wurde die Verpflichtung gefordert, daß Reich, Eisenbahn und Po st keine Kredit- operationen auf dem Auslandmarkt vornehmen dürften, bevor nicht die e r st e Tranche der Mobilisierungsanleihe untergebracht sei. Weiter wurde gefordert, daß der deutsche Anleihedienst durch die Hände der Bank für internationalen Zahlungsausgleich gehen sollte. All diese Forderungen wurden im zähen Ringen abgewehrt, an dem neben Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer namentlich auch die Sachverständigen, Dr. Melchior in erster Linie, in den letzten Tagen auch Direktor Ritscher, schließlich auch Dr. Schacht mit manchem guten Rat beteiligt waren. Deutschland hat sich bereit erllärt, einem Gentleman Agreement für eine gewisse Anzahl von Monaten oder e i n Jahr beizutreten, ohne eine allgemeine Klausel, aber mit dem Ziele, sich gegenseitig nicht zu stören. Das Reich selbst hat nach Erlangung der Kreugeranleihe kein Bedürfnis für langfristige Anleihen für das Etatsjahr 1930/31. Die P o st und die Eisenbahn hatten bereits im vorigen Herbst Verhandlungen durch die Reichsbank eingeleitet, um ihre Kreditbedürfnisse am Auslandmarkt zu decken. Diese wurden auf etwa 500 Millionen geschäht, 300 Millionen für die Bahn, 200 Millionen für die Post, die jedoch nicht ganz im knillend-m Jahr benötigt worden wäre.'.. Da die Verhandlungen von Dahn und Post mit dem Hause Morgan geführt wurden, das als offizieller Agent für Frankreich und England auch wegen der Mobilisierungsanleihe von Frankreich angegangen worden war, hätte die Möglichkeit bestanden, daß bevorzugten Listenplah. Politischen Talenten von ausgeprägter Eigenart wird es durch die Größe der Wahlkreise erschwert, durch ihre Persönlichkeit zu wirken, in kleinen Wahlkreisen können sie sich eher durchsetzen und lokale Einflüsse zurückdrängen. Da im letzten Grunde jeder politische Fortschritt auk der schöpferischen Persönlichkeit, einem politischen Künstler, beruht, so muß noch eine andere Forderung an die Parteien gerichtet werden. Sie dürfen nicht wie bisher daraus bedacht sein, die führenden Stellen fast ausnahmslos mit Fraktionsmitgliedern zu besehen, sondern müssen auch Persönlichkeiten, die außerhalb der Parteien Führereigenschaften bewiesen haben, heranziehen. Gerade solche Männer, die durch hohe sachliche Leistungen und politische Selbständigkeit die Aufmerlsamkeit auf sich gezogen haben, genießen in der Ration das stärkste Vertrauen. Was wir von den Parteien verlangen, geht, wie wir uns nicht verhehlen, bis zu gewissem Grade gegen ihre R atur, denn eine starke Individualität, mag sie auch einer oder der andern Gruppe nahestehen, wird oft mit Parteiüberlieferungen zusammenstoßen und Haag, 17. Jan. (TU.) Die Ausdehnung der Haager Konferenz bis Montag n ä d) ft e r Woche ist nunmehr beschlossen morden. In der Freitag» abendsitzung der sechs einladenden Mächte gelangte man nach kurzer Verhandlung zu der Ueberzeugung, daß eine Durcharbeitung des vorliegenden umfangreichen Materials bis Samstag abenb aus = geschloffen sei. Es wurde daher besch'ossen, auf Montag vormittag eine Vollsitzung ocr Konferenz einzuberufen. Die Ratifikation des Haager Abkommens wird, da voraussichtlich die Vereinbarungen zwischen den Ostmächten vorläufig nicht perfekt werden, nach einem heute noch formell zu fassenden Beschlüsse lediglichdurchdieGroß- Mächte erfolgen, und zwar soll die Ratifikation durch Deutschland und vier Gläubigermächte genügen, während I.o p a n als fünfte Gläubigermacht e r ft später nachkommen kann, was sich aus der Entfernung und aus parlament- technischen Gründen erklärt. erst die Kreditbedürfnisse Frankreichs befriedigt worden und die der Reichspost und der Reichsbahn ins Hintertreffen gekommen wären. Die französische Delegation regte nun eine 23 e - teitigung an ihrer eigenen 2H o b i - lifierungsantelße an, um dadurch eine aktive Jnteressennahme Deutschlands an der Transaktion bekundet zu sehen. Die Form, in der diese Lösung zuftandegekommen ist, ist die einer Option für Deutschland, das heißt, des Rechtes zur Annahme einer Beteiligung an der mobilifietungsanleifje ohne die Verpflichtung hierzu, wenn ;. 23. ihm die Bedingungen nicht Zusagen. Die Anleihe soll in einem Betrage von 1 200 000 000 Mark als erste Tranche ausgegeben werden, wobei ein Drittel auf Deutschland entfällt. Das wären etwa 400 Millionen Mark, die der Reichsbahn und der Reichspost für das laufende Jahr genügen. Ls gibt also keinen Borrang für die französischen Anleihebedürfnisse mehr. Deutschland übernimmt die Verpflichtung, weder für das Reich noch für die Reichsbahn oder Reichspost langfristige Anleihen auf dem ausländischen Markt vor dem 1.Oktober 1 9 3 0 aufzulegen. Wenn am 1. Oktober die BIZ. erklärt, daß der Markt bis dahin für die Mobilisierungsanleihe nicht aufnahmefähig geworden ist, so verlängert sich die Frist bis zum 1. April 1931. Wenn die erste Tranche, wie vorgesehen, aufgelegt ist. so wird Deutschland in seinen Anleihendispositionen auch auf dem ausländischen Markt frei. Wenn die Bank die Auflegung durchführen will, Frankreich aber darauf verzichtet, so wird Deutschland gleichfalls frei; außerdem enthält die Abmachung andere Klauseln, die uns gegen Schikanen sichern. In bezug auf die Kreuger-Anleihe, an deren Erörterung Ivar Kreuger heute im Haag selbst teilnahm, wurde deutscherseits die Erklärung abgegeben, daß Deutschland im Zinfen- dienst sür die Kreuger-Anleihe keine Diskriminierung gegenüber der Mobi- lifierungsanleihe vornehmen, also z. D. im Derzugsfalle eine gleichmäßige Teilzinszahlung für beide durchführen werde. Die Kreuger-Anleihe bleibt also, wie vorgesehen, bestehen. Das gesamte Abkommen hat den von deutscher Seite verfolgten Zweck erreicht, d. h. es ist vermieden worden, daß eine Beeinträch- rhre eigenen Ideen auch gegen die nächsten Gesinnungsgenossen durchführen wollen und müssen. Bismarcks Wirksamkeit ist das beste Beispiel. Er hat liberale wie konservative Ideen ergriffen und umgeformt und seine Entschlüsse bald mit der Rechten, bald mit der Linken, bald gegen alle durchgeseht. Solchen Persönlichkeiten den Weg zu ebnen, ist nicht nur die Aufgabe der Parteien, sondern der ganzen Ration. Muß also der erste Schritt zur Erhebung die Umgestaltung der Parteien fein, so ergibt sich daraus mit Rotwendigkeit, daß der Weg zu diesem Ziele lang sein wird. Wir müssen uns aber damit abfinden, daß es noch generationenlanger Anstrengung bedarf, um die uns geraubte Freiheit wiederzugewinnen. Die Vorstellung, daß mit dem Abschluß des Friedens sogleich alle Rot behoben fei, hat seinerzeit so überaus verderblich gewirkt: es wäre keine geringere Illusion, wenn man annehmen wollte, die Schäden der zehnjährigen Versailler Knechtschaft in einer kurzen Spanns Zeit wiedergutmachen zu können? Aber je länger der Weg^ um so nötiger der frühe Aufbruchs Das Mobilisierungsabkommen. tigung bei deutschen Handlungs - freiheit über die notwendigste Frist für die voraussichtlich einzige in diesem Iahre mögliche große Anleihetransaktion hinaus erstreckt wird. Zugleich ist erreicht worden, daß die Gefahr einer Beeinträchtigung der deutschen 2lnleihe° bedürfnisse durch die Auflegung der MobMsie- rungsanleihe nicht eintreten kann. Oie Liquidationsabkommen. Keine Teile des Haager Vertrages. ' Haag, 17. Ian. (WTB.) Die heutige Vor- mittagssihung der sechs einladenden Mächte, die der lleberprüfung der juristischen Formulierung für den Abschluß der ganzen Haager Arbeiten dient, beschäftigt sich mit der Frage der Svrm für den Gesamtrahmen des Abkommens. Voraussichtlich wird dafür nicht diejenige eines Protokolls, sondern ein Der t r a g - kicher Akt gewählt werden, um dennicht an allen Teilen des Abkommens mitwirkenden Machten, also der Schweiz und Amerika, die Teilnahme zu ermöglichen. Die Frage der Liquidation der -Ler- gangenheit ist in befriedigender ^eifc geregelt worden. Der vorgesehene Verzicht Deutschlands auf die Staatsforderungen und auf die Liquidationsüberschüsse, der bei Behandlung des Artikels 3 in Frage kam, ist hinfällig geworden und es ist auf die in dem Vorentwurs enthaltene dahingehende Erklärung von den Dertragsgegnern verzichtet worden, nachdem die sämtlichen Einzelabkommen in der Liquidationsfrage perfekt geworden sind. Bezüglich des deutsch-polnischen Liquidationsabkommens war durch die Hinterlegung des hierauf bezüglichen Teils des deutsch-polnischen Abkommens im Haag der Wunsch bekundet worden, es zu einem Teil des Haager Vertragswerks zu machen. Polen hat auf diesen Wunsch heute verzichtet. Das zunächst sehr zweifelhafte Abkommen mit Neuseeland ist gestern, dasjenige mit Italien heute vormittag in einer Besprechung zwischen Reichsminister Dr. Curtius und den italienischen Delegierten Mosconi und Pirelli zu einem Abschluß gekommen. Don italienischer Seite wird noch ein kleiner Heber» schuß (5 Millionen Lire) ausgezahlt werden. Der Wegfall der besonderen Derzichts- klausel hat zwar keine große materielle Bedeutung, ist aber für die Liquidationsgeschädigten selbst wertvoll, deren Wunsch nach Aufrechterhaltung der Möglichkeiten damit erfüllt wird, die ihnen durch einen Generalverzicht abgeschnitten worden wären. Zur Technik des Verfahrens ist zu bemerken, daß die verschiedenen Liquidationsabkommen mit Belgien, Italien, Polen, Australien, Neuseeland usw. an geeigneter Stelle des Schluhprotokolls lediglich historisch erwähnt werden, nicht aber den Charakter von Vertragsteilen annehmen. Eie werden, ebenso wie das Abkommen von der ersten Haager Konferenz über die commission de conciliation dem Schlußprotokoll angefügt, sind aber getrennt zu ratifizieren, kommen also einzeln und besonders vor den Reichstag, ohne das davon die Ratifikation des Haager Abkommens selbst irgendwie abhängig würde. Oie Ostreparationen. Keine Einigung mit Ungarn. — Die Verhandlungen werden fortgesetzt. .Haag, 17. Jan. (TU.-Funkspruch.) Die fünf großen Gläubigermächte setzten am Freitagnachinit- tag mit den Vertretern der kleinen Entente die Beratungen über die Ostreparationsfrage fort. Die ungarische Abordnung erklärte am Freitag früh, Ungarn sei bereit, ein Kompromiß in der Agrarfrage abzuschließen, es sei ihm aber materiell unmöglich, eine Regelung über die Forderung der Erzherzöge, der katholischen Kirche, die Verwaltungs- und andere Entschädigungsforderungen ungarischer Untertanen zu treffen. Die Vertreter der fünf Gläubigermächte richteten in der Freitagsitzung an die Vertreter der kleinen En- tonte die Frage, ob sie bereit seien, d i e Verhandlungen mit Ungarn nach der Konferenz fortzusetzen. Die Vertreter der kleinen Entente erklärten sich hiermit einverstanden und bereit, das Schlußprotokoll der Haager Konferenz auch ohne eine endgültige R e - gelang mit Ungarn zu unterzeichnen, falls sie von den fünf Gläubigerinächten die Garantie erhielten, daß im Falle eines Mißlingens der späteren Verhandlungen mit Ungarn der Betrag der Forderungen der kleinen Entente durch den Betrag der Gegenforderungen Ungarns nicht übertroffen würde. Im Falle einer solchen Garantie wäre die kleine Entente bereit, dem Ständigen Internationalen Gerichtshof die juristische Auslegung des Artikels 250 des Vertrages von Trianon über die Optanten und die gemischten Schiedsgerichtshöfe zu überlassen. Die Bemühungen, noch in letzter Stunde eine Einigung mit -Ungarn herbeizuführen, haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Verhandlungen sollen, wie von ungarischer Seite mitgeteilt wird, nunmehr zu einem späteren Zeitpunkt in Genf oder Paris fortgesetzt werden. Man wird nun m dem Schlußprotokoll der Haager Abmachungen den gegenwärtigen Stand der Dinge festlegen, wodurch eine Weiter- fuhrung der Ostrcparationsfrage zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht wird. Oie Aenderungen im Reichsbankstatut. Haag, 17.Jan. (WB.) In den das neue Reichs- bantftatut betreffenden Fragen ist außer beim §21 (gesetzliche Mitwirkung d e r Reichsbank an den Arbeiten der B.J. Z.) noch eme weitere Aenderung auf deutschen Antrag zustande gekommen, die den Zweck verfolgt, die deutsche Staatsautorität mehr zur Gel- tung zu bringen. Es handelt sich dabei um den An- trag, der bereits bei den Verhandlungen des Organisationsausschusses für die B. I. Z. in Baden- Baden von den beiden deutschen Mitgliedern dieses Komitees, Staatssekretär Schäffer und Geheimrat V o ck e , gestellt worden war und der dahin geht das diejenigen Bestimmungen des Reichsbantstatut^' die international gebunden find, bei einer deutschen Aenderung auf einem verkürzten Jnstan. jenroeg revidiert werden können. In Zukunft wird also die Reichsregierung einen Aenderungsan- trag beim Reichstag einbringen können, es fei denn, daß die Bank für internationalen Zahlungsausgleich das Schiedsgericht des Youngplanes anruft. Kann jeder einzelne Gläubiger zu Sanktionen schreiten? Wirths Standpunkt. Haag. 17. Ian. (Sil.) Die deutsche Ab- Dränung gibt amtlich folgende Mitteilung heraus: „Vor Beginn der heutigen Freitagnachmittagkonferenz gab Reichsminister Dr. Wirth im Einvernehmen mit der englischen Delegation folgende Erklärung ab: Durch die deutsche Presse liefen Äußerungen über angebliche Ausführungen des englischen Pressechefs Stewart über De- merkungen, die Reichsminister Dr. Wirth anläßlich der Besprechung der Sanktionsfrage im Kreise der sechs einladenden Mächte getan haben soll. Diese Aeußerungen, wie sie zum Teil in der deutschen Presse wiedergegeben sind, sind nicht gefallen und auch der englische Pressechef hat sie, so wie behauptet wird, nicht weitergegeben. Bei der damaligen Besprechung handelte es sich um die Beantwortung der vom Schatzkanzler Snowden gestellten Frage, ob bei einer etwaigen Diskriminierung einer einzelnen Nation durch Deutschland auch diese einzelne Nativ n in dem gegebenen Falle vor dem Ständigen internationalen Schiedsgericht Klage erheben könne. Diese Frage wurde dem Dertrags- text entsprechend heute wie damals bejaht. Im übrigen betonte heute abend Minister Dr. Wirth, daß eine solche Diskriminierung praktisch nicht in Frage kommen könne, da ja nicht Deutschland die einzelnen Gläubigermächte auszahle, sondern dieses Aufgabe der Bank für Internationale Zahlungen sei. Schahkanzler Snowden schloß sich der Feststellung des Ministers Dr. Wirth in der heutigen Abendsihung auf das energischste an.“ Mehrere Berliner Blätter nehmen zu diesem Dementi des Reichsministers Dr. Wirth über Bemerkungen eingehend Stellung. Der „Börfen - Cou - rier" stellt fest, daß die Erklärungen Dr. Wirths bas Dunkel, aus dem die gegen ihn gerichteten Vorwürfe stammten, nicht völlig aufhellten. Sie unterstreichen nur die Tatsache, daß in dem Meinungsstreit zwischen Tardieu und Snowden nicht der Engländer die deutsche Unterstützung gefunden habe. — 'Sie „Deutsche Tageszeitung" weist darauf hin, daß Dr. Wirths Dementi andern Kernpunkt vorbeigehe. Es hab« sich um nichts anderes gehandelt, als um einen Versuch Snowdens, entweder nur das Gesicht zu retten ober aber Deutschland doch noch eine letzte Gelegenheit zu einem Eingreifen zu geben, bas auch im Interesse Englands gelegen hätte. Das sei allerdings zu einem Zeitpunkt, als Deutsch- lanb und Frankreich sich unter s i ch geeinigt hätten und die Texte schon feftftanben. Man könne daher die Bedeutung dieser Aktion in diesem späten Augenblick, wenn man wolle, nicht allzu hoch veranschlagen. Sie beweise uns aber, wie die englischen Interessen tatsächlich lagen und wo wir vor und während der Konferenz rechtzeitig hätten einsehen müssen. In gar keinem Fall aber lasse es sich entschuldigen, daß Herr Wirth in dieser entscheidenden Frage sich vorbehaltlos dem Standpunkt Tardieus anfchloß. — Die „D A Z." weift darauf hin, daß auch die ausländische Presse den Vorgang in der Sitzung so dargestellt habe, wie es in einem Teil der deutschen Presse dargestellt worden sei. Auch Tardieu habe nach jener Sitzung einigen französischen Journalisten unter de m Ausdruck eines gewissen Erstaunens über die Haltung Dr. Wirths den Zwischenfall mit der gleichen Tendenz geschildert wie der englische Pressechef. Nie Flottenkonferenz. Ankunft der Amerikaner in London. London, 17. Ian. (Sil.) Die amerikanische Abordnung für die Flottenkonferenz ist am Freitag kurz nach 14 ilhr in London eingetroffen. Zur Begrüßung hatten sich u. a. der Außenminister Henderson, der Erste Lord der Admiralität, Alexander, und der Sohn Macdonalds als Vertreter feines Vaters eingefunden. Der amerikanische Staatssekretär S t i m f o n erklärte: „Wir sind nach England mit hohen Hoffnungen gereist und mit der Entschlossenheit, einen ernsten Versuch zu machen, die Konferenz zu einem Erfolg zu gestalten. Wir sind glücklich, daß der König von England von feiner Krankheit genesen und in der Lage ist, die Konferenz persönlich zu eröffnen." Eine Stunde nach der Ankunft stattete Staatssekretär Stimson dem Ministerpräsidenten Macdonald einen Besuch ab. Die Unterhaltung der beiden Staatsmänner dauerte sehr lange. MienwillsemeFlotteabschaffen. Wenn — die andern seinem Beispiel folgen. London, 18. Ian. (WTB. Funkspruch.) »Daily Herald" berichtet, bei der Eröffnung der Fünfmächte-Konferenz werde der italienische Außenminister Grandi mitteilen, daß Italien bereit ist, seine gesamte Flotte abzu- fchaffen, wenn die anderen Nationen diesem Beispiel folgen würden. Mussolini geht dabei von der Erkenntnis aus, daß jeder Plan, den die Konferenz annehmen könnte, Italien zu einer endgültigen .Unter- legenfjeit verurteilen- würde. Infolgedessen habe es durch eine wirklich praktifche Verminderung aller Flotten nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Indiens Zreiheiiskampf. London, 16. Ian. (Sil.) Zwischen maßgebenden moslemitischen Führern Indiens sind nach Meldungen aus Lahore Bestrebungen für die Herstellung einer Einheitsfront im Gange. Als Ziel der Moslems wird die Herstellung des Dominion st atus bezeichnet. Die Kritik gegen den Vizekönig, Lord I r D i n, dauert an, und das Mißtrauen gegen die Absichten Großbritanniens ist überall im Wachsest begriffen. Die Folge ist, daß sich die Meili u ngsverfchiedenheiten zwischen den radikalen, unabhängigen und den gemäßigten indischen Gruppen in letzter Zeit beträchtlich Der- mindert haben. Der Boykott britischer Waren und europäischer Kleider nimmt auch unter den gebildeten Kreisen schnell zu. Die britische Verwaltung hat eine Konferenz der maßgebenden Polizeiofsiziere der Derschiedenen ProDinzen ein» berufen, um über Vorsichtsmaßnahmen für den Fall Don ilnruhen zu beraten. Prozeß gegen russische Monarchisten. Moskau, 17. Ian. (WTB.) Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion mitteilt, hat das Militärkollegiurn heute in Leningrad die Verhandlung im Prozeß gegen fünf Monarchisten eröffnet, die der Spionage und des Ver- triebs gefälschter Tscherwonzen an» geklagt sind. Es handelt sich um ehemalige Zarenoffiziere. Als Leiter der Organifa- hon wird ein gewisser Schiller bezeichnet, der in engster Verbindung mit dem aus Danzig ausgewiesenen Führer einer monarchistischen Organisation, dem ehemaligen General Glase- gestanden haben soll. Schiller wird in der Anklageschrift u. a. beschuldigt, falsches Geld aus dem Auslande nach der Sowjet- unionbefördert zu haben. Oas Dereinsgeseh. der Gesetzgcbnngsmaschine stecken« geblieben. eJ- {* n *18. Jan. (Prio.-Tel.) Das Reichsinnen, mmifterium hat einen Entwurf zur Aenderung des noch aus dem vorigen Jahrhundert flammenden ^eremsgefetzes ausgearbeitet, der zwar schon den Jxcid)stag im Fruhsommer des letzten Jahres er- reichte, aber seitdem in der Versenk ung verschwunden bleibt Dies ist zwar nicht das einzige Gesetz des Reichsinnenministeriums, das im lefeten Jahr vom Parlament nicht mehr erledigt wer- äen konnte, aber hier liegen die Gründe, wie wir aus gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen Horen, nicht so sehr an der Arbeitsüberlastung des Reichstags mit dringenderen Aufgaben, sondern vor allem in politischen Motiven. Obwohl der Entwurf zur Aenderung von dem sozialdemokratischen Reichsinnenminister Severing eingebracht und auch vom Kabinett verabschiedet worden ist, hat nunmehr in weiten Kreisen der Sozialdemokratie die Anschauung Oberhand gewonnen, daß die sehr viel strafferen Bestimmungen der neuen Vorlage für die Partei nicht ganz unbedenk- l i ch find. Man zeigt daher wenig Interesse an der weiteren Erledigung des Entwurfes und so scheint es, als ob das Plenum des Reichstages sich nicht allzu bald mit dieser heiklen Frage beschäftigen wird. Die Aenderung des Vereinsgesetzes steht zwar nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Republikschutzgesetz, aber es ergänzt diese Vorlage, indem «s ebenso wie das Republikschutzgesetz in das politische Leben der Gesamtheit eingreift und gleichsam gewisse Spielregeln für die politischen Kämpfe auffteöt. , Oie Rationalisierung des Luftverkehrs. Berlin, 18. Iau. (Priv.-Sel.) Die durch die angekündigten Sparmaßnahmen des Reichsver- kehrsministeriums bezüglich der Subventionen für die Luftfahrtindustrie notwendig gewordenen Streichungen im Luftfahrtetat werden, wie wir hören, in Zukunft auch noch durch Kige Sparm abnahmen im Luftver- ;anzt. Die regionalen Luftverkehrsgesellschaften, die neben der Lufthansa Flugverkehr betreiben, haben dem Reichsverkehrsministerium Richtlinien für eine Rationalisierung desStreckennehes unterbreitet, das voraussichtlich in aller Kürze angenommen werden wird. Nach diesen Richtlinien soll in Zukunft eine Punktwertung für die sogenannten Hüpflinien eintreten, und zwar sieht diese Punktwertung für die Ausnützung mit Nutzlast 3 Punkte vor, für das Verhältnis der Fluggeschwindigkeit zur Bahnzeit 2 Punkte und für die S treckenlänge einen Punkt. Als Mindestmaß sind 4 Punkte vorgesehen. Im Durchschnitt schreiben die Richtlinien 250 Kilometer als Mindestlänge einer Flugverbindung vor, und 125 Kilometer, sofern es sich um eine Verbindung ohne Zwischenlandung handelt. Die Zeitersparnis zwischen zwei Punkten muß gegenüber der Bahnzeit mindestens 45 v. H. erbringen. Cs ist anzunehmen, daß mit der Verwirklichung dieser Vorschläge zu Beginn des Sommerluftverkehrs eine große Zahl innerdeutscher Flugverbindungeneingestellt wird. Welche Linien für die Einstellung in Frage kommen, hängt noch von Verhandlungen und Besprechungen ab, die zwischen den regionalen Luftverkehrsgesellschaften untereinander gegenwärtig geführt werden. Aus aller Welt. Shurmanns Abschied von Sfrefemann. Der amerikanische Botschafter Shurman, der in der kommenden Woche seinen Posten verlassen und nach Amerika zurückkehren wird, legte am Grabe des Außenministers Dr. S t r e s e m a n n einen Kranz nieder. Der Kranz ist mit einer Rosette in den amerikanischen Farben und einer Schleife geschmückt, die folgende Widmung trägt: Iacob Gould Shurman seinem verstorbenen Freunde. Im Anschluß besuchte der Botschafter das Geburtshaus Stresemanns. — Der Senat der Deutschen Akademie hat Botschafter Shurman in Anerkennung seiner die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika fordernde Tätigkeit zum Senator ernannt. Großer Destechungsprozeß in Koblenz. In Koblenz begann vor dem Erweiterten Schöffengericht der Prozeß, dem umfangreiche Betrügereien an der Reichsbahn durch eine Anzahl Reichsbahnbeamte infolge passiver Bestechung durch die Kaufleute Dunkel und Kuhnen zugrunde liegen. Es wurde mit fälschlich hoher ausgeschriebenen Rechnungen, als die wirklichen Lieferungen auSmachten, gearbeitet. Der Mehrerlös hieraus wurde jedesmal unter die Angeklagten verteilt. Im ganzen soll die Firma Dunkel für eine halbe Million Mark Lieferungen erhalten haben Die erschwindelten Beträge belaufen sich aus etwa 60 000 Mk. Als erster Angeklagter gab Detrlebs- ingenicur Schneider Auskunft über das Verfahren der fingierten Rechnungen. Die Höhe der erschwindelten Beträge wird von ihm auf 3000 Mark angegeben. Er leugnet irgendwelche Verabredungen der Angestellten unter sich. Reichsbahninspektor Dierks erklärt, wie die fingierten Rechnungen bei der Kasse behandelt wurden. Er gibt seinerseits zu, von Dunkel Gelder und Waren für seine Person empfangen zu haben. Auch der Angeklagte Fröhlich gibt zu, Gelder bis zu 800 Mark für die Instandsetzung feiner Wohnung in Form quittierter Rechnungen bekommen zu haben. Von Kuhnen habe er etwa 250 Mark erhalten. Reichsbahnoberrat Frey, der Leiter des Koblenzer Maschinenamts, gesteht ein, Geld von Dunkel erhalten zu haben; Arbeitszuweisungen habe die Firma durch ihn nicht erhalten. Der Angeklagte Rein k in g gibt zu, kleine Geldbeträge und Geschenke von Dunkel erhalten zu haben. Betriebsleiter Linden hat bei Dunkel gekauft und später bezahlt. Kältewelle in Amerika. Die mittelwestlichen Staaten sind von einer neuen Kältewelle und von einem schweren Schn e e - sturm heimgesucht worden. In Kansas City beträgt die Temperatur 21 Grad Celsius unter Null. Bei Colby im westlichen Kansas wurden 30 Grad unter Null gemeldet. Neue Lesen kehren gut. Der neue Intendant der Staatlichen Schauspiele in Berlin, Legal, hat am Tage seines Amtsantritts den Schauspieler Veit Harlan fristlos entlassen, weil Harlan am Donnerstag zur Vorstellung von „So und so, so weht der Wind" im Schillertheater nicht erschienen war. Schweres Kraftwagenunglück. Am Donnerstag ereignete sich zwischen Am- brock und Dahl bei Paderborn (Wests.) ein schweres Kraftwagenunglück. Ein rasender Personenkraftwagen überfuhr ein auf der rechten Straßenseite gehendes 20jähriges Mädchen, das schwere Verletzungen am Kopf und Rücken erhielt. Der Führer, der sah, was er angerichtet hatte, fuhr mit vergrößerter Geschwindigkeit weiter, ohne sich um die Verletzte zu kümmern. Kaum 500 Meter weiter verlor er die Gewalt über den Wagen, der gegen einen Bordftein raste und dann in den Straßengraben stürzte, wo er zertrümmert liegen blieb. Der Führer, der Besitzer und ein weiterer Insasse wurden schwer verletzt. Der Prozeß gegen die ungarischen Giftmischerinnen. In Szolnok begann die dritte Gruppe des Giftmischerinnenprozesses. Es stehen zwei wohlhabende Frauen aus der Ortschaft Nagyröv vor Gericht. Frau Foldvary ist angefiagt, ihren Mann undihren Geliebten mit Arsen vergiftet zu haben, während Frau Kardos der Vergiftung ihres Mannes und ihres aus der ersten Heirat stammenden Sohnes beschuldigt wird. Frau Foldvary erklärte, sie habe die ihr zur Last gelegten Verbrechen nicht begangen. Oie Wetterlage. freitaa, Bta 17. Januar. 1930,7" aDds. Wz w. Geri ~La CoAina M _Kii ■isdLnränKt f < -0Q 3£=j w.. _/_& X -Sei G wolkenlos. Q netter Q nait> Gedeckt. ® wolkig. ® Gedeckt • Regen * Sehnet a Graupeln e Nebel Kliewn’/r.©windstille. O-. sehr leichter Ost massiger Südsüdwest q stürmische» nordwest die Piene fliegen mit dem winde. Pie neiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte m>t.gleichet* ■ul Meeresniveau umaerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Das zentraleuropäische Hoch wird durch die Ausläufer der nördlichen Störung weiter ostwärts verdrängt. Im westlichen Deutschland macht sich der Vorschub warmer Luft bei den Morgentemperaturen bereits bemerkbar. Da eine abermalige Warmluftwelle von Westen heranrückt, so wird sich der Umschlag zu milderem Wetter weiter vollziehen. Gleich, zeitig wird dabei der Witterungscharakter mehr un- beständig, und mit dem Auftreten ist zu Beginn der kommenden Woche zu rechnen. Wettervoraussage für Sonntag. Langsame, von den Bergen abwärts einsetzende Milderung, nebeliges und wolkiges Wetter, später Nei- guna zu Niederschlägen. Witterungsausfichten für Montag, wechselhaftes Wetter, mild, vereinzelte Niederschlage wahrscheinlich. 5rufttemperaturen am 17. Ianuar: mittags — 1^0 Grad Celsius, abends —1,9 Grad; am 1i8-3anuar: morgens — 0,6 Grad. Maximum ~r 1,0 Grad, Minimum —3,8 Grad. Erdtempe- raturen m 10 cm Tiefe am 17. Ianuar: abends ~ 2.1 Grad, am 18. Ianuar: morgens -s-0,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6>z Stunden. Amtliche Dinterfportnachrichten. Schwarzwald. Feld berg: klar, 3 Grad, 30 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski- und Rodelmöglichkeit gut. — Hornisgrinde: klar, minus 1 Grad, 15 Zentimeter Schnee, Rauhreif, Sportmöglichkeit nur stellenweise vorhanden. Alpen. Berchtesgaden: klar, minus zwei Grad, 13 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit stellenweise vorhanden. Harz. Schierke: klar, 1 Grad, durchbrochene t Schneedecke, verharscht, Ski- und Rodelmöglich» reit nur stellenweise vorhanden. - Margarine-Vertretung! 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Zufriedenheit das war für mich gleichbedeutend mit geistiger und seelischer Stumpfheit. Was sollte das denn für ein Verdienst sein, sich zu bescheiden, wenn einer nicht ein Herz voller Wünsche und Sehnsucht in sich trug? Ich habe meine Ansicht über die Zufriedenen im Lause der Jahre geändert. Heute verstehe ich. was ich damals nicht erkannte: daß meine Abneigung im Grunde nicht den Zufriedenen, sondern den Selbstzufriedenen galt. Ich habe einsehen lernen, daß Zufriedenheit eine feine Lebenskunst ist, die ein bescheidenes Leben in ein reiches zu wandeln versteht, eine Lebenskunst, um die zu ringen es sich wohl lohnt. Lind als ich daher einst einen Menschen kennen lernte, an dem ich eine stets gleichbleibende Heiterkeit und Zufriedenheit bewunderte, fragte ich ihn, wie er es fertiggebracht habe, sich zu solcher Ausgeglichenheit zu erziehen. Da gab er mir zwei Worte mit auf den Weg, denen ich daheim in stillen Stunden nachsann: „Es kommt alles auf die Augen an, mit denen wir schauen", und: „Alles hat zwei Seiten". Es kommt alles auf die Augen an, mit denen wir schauen? Gewiß, das selbe Ding kann uns zu verschiedenen Zeiten gefallen oder abstoßen. Das selbe Licht, das uns nach der Dunkelheit hell und freundlich vorkam, erscheint trüb und armselig, nachdem wir in ein helleres geblickt. Lind das selbe Leben, das uns glücklich und reich dünkte, kann all feinen Glanz für uns verlieren, wenn wir in Schicksale geschaut, die uns viel lockender erschienen als das unsere. Wir neigen ja so sehr dazu, nach denen zu sehen, die es besser haben als wir. Warum sehen wir nicht lieber nach den Firmen und Aermsten, die in Not und Elend tasten? Ich glaube, wenn wir es öfter täten, wir würden zufriedener werden. Wir bekämen hellere Augen für alles, was wir als selbstverständlich hinnehmen, und was doch Tausende entbehren müssen. Wir sähen wohl auch mehr die vielen kleinen Freuden, die wir oft so wenig beachten, und die doch unser Leben reich und schön machen können. Ich las einst ein Wort von Carmen Shlva: „Das Glück ist nicht in einem ewig heiteren Himmel zu suchen, sondern in tausend Kleinigkeiten, aus denen sich unser Leben zusammenseht". Aber noch ein weiteres Wort gab mir mein Freund zu bedenken: „Alles hat zwei Seiten". Mir fiel beim Nachsinnen ein Gespräch ein, das ich einst in einem Eisenbahnabteil angehört hatte. Zwei Frauen unterhielten sich. Wie ich aus dem Gespräch hörte, wohnte die eine auf dem Lande, die andere in der Stadt. Die Frau vom Lande begann zu klagen: „Ich wünsche, ich könnte auch in der Stadt wohnen. Sie glauben es gar nicht, wieviel Arbeit der Haushalt auf dem Lande macht, wie lange das Neinigen der Wohnung, der Kleider und Schuhe jeden Morgen aufhält. Lind man entbehrt doch jede geistige Anregung, die Sie in der Stadt haben können." Aber der Städterin erschien ihr Los keineswegs beneidenswert. Sie dachte an ihre enge Wohnung, an Freiheit und Luft, die ihre Kinder entbehrten, an manche Mark, die für Vergnügen ausgegeben wurde, zu denen die Stadt lockte, und die sie viel lieber gespart hätte, um sich und ihrer Familie einmal im Jahr eine Erholungsreise zu ermöglichen. So und ähnlich ging es weiter. An dies Gespräch dachte ich. Die beiden Frauen hatten es ja bewiesen, das Wort: „Alles hat zwei Seiten." Jede sah nur die Lichtseiten im Leben der anderen und nur die Schattenseiten in ihrem eigenen. Könnten wir es nicht umgekehrt versuchen? Laßt uns die Lichtseiten unseres Lebens suchen und die Schattenseiten weniger beachten I Es mag eine schwere Kunst sein. Aber wenn ich an meinen Freund denke, der so unbeirrt durch anderer Schicksale, fern allem Neid, aller Zerrissenheit und Llnzufriedenheit durchs Leben geht, dann fühle ich, es lohnt sich wohl, diese Kunst des Zufriedenseins zu erlernen. P. Gießen und die Hekoga. Eine wichtige Sitzung des S t a d t r a t e s wird am Freitag nächster Woche im Stadtratssihungs- saale abgehalten. Es handelt sich dabei um die Stellungnahme z u den Verträgen der Hekoga mit der Ruhrgas- und Saargas- AG. und die Entscheidung unserer Stadt in dieser wichtigen Angelegenheit. Der neue Gießener Stadtrat trat am gestrigen Freitagmittag zu feiner ersten Sitzung im Sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße, zusammen. Die Stadtverwaltung war durch Oberbürger, meister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid und die Beigeordneten Dr. H a m m und Justizrat Dr. Rosenberg vertreten. Bon den 42 Stadtratsmitgliedern waren 41 zugegen, darunter vollzählig die 16 neuen Mitglieder des Hauses. Einziger Tagesordnungspunkt der öffentlichen Sitzung war die Einführung und Ber- pflichtung der neugewählten Stadt- ratsmitglieder. Oberbürgermeister Dr. K e l - l e r begrüßte das neue Siadtratskollegium und hieß insbesondere die neugewählten Mitglieder an der Stätte der kommunalen Arbeit des Stadtrates willkommen. Hierauf nahm er die Berpflichtung der neugewählten 16 Stadtratsmitglieder durch Handschlag vor. Damit war, nach wenigen Minuten, das Programm der öffentlichen Sitzung erledigt. Als der Oberbürgermeister den Schluß dieser Sitzung verkündete, gab es einen Zwischenfall, den die beiden kommunistischen Stadtratsmitglieder Lepper und Kästner herbeiführten. Gestern gegen mittag sand nämlich im Katholischen Vereins- haus eine von den Kommunisten einberufene Erwerbslosenversammlung statt, von der man einen Demonstrationszug nach dem Stadthaus zwecks Kundgebung in der Stadtrats- fitzung vermutete. Auf Grund dieser Vermutung und gewarnt durch die Ereignisse der letzten Tage in anderen Städten befand sich vorsorglich ein Polizei- Dalen für Sonntag, 19. Januar. (Sonnenaufgang 7.55 LIhr, Sonnenuntergang 16.27 LIhr. — Mondaufgang 22.44 LIhr, Mond- untergang 10.28 LIhr. 1809: der Dichter Edgar Allan Poe in Boston geboren: — 1863: der Nationalökonom Werner ombart tn Ermsleben geboren; — 1868: der Romanschriftsteller Gustav Meyrinck in Wien geboren. Daten für Montag, 20. Januar. Sonnenaufgang 7.55 LIhr, Sonnenuntergang 16.28 LIhr. — Mondaufgang 0 LIhr, Monduntergang 10.40 LIhr. 1813: der Dichter Christoph Martin Wieland in Weimar gestorben; — 1859: die Schriftstellerin Elisabeth von Arnim in Berlin gestorben; — 1875: der französische Maler Jean Francois Mittet in Barbizon gestorben; 1880: der französische Staatsmann Jules Favre in Versailles gestorben. Gießener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 170, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Llnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 80 bis 100, Tomaten 70 bis 90, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 50 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 110 bis 130 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 90, frische Landeier 17 bis 18, Kisteneier 16 bis 17, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 30 bis 40, Ober- Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Ps. das Stück; Kartoffeln 3,80 bis 4, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mark der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Gießener Ruder-Klub Hassia 1906 e. V.: Mitgliederversammlung, 20,30 Llhr, im Dootshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Graf von Monte Cristo"; 15 Llhr: Märchenvorstellung „Schneewittchen". — Astoria-Lichtspiele: „Vogelfrei" und „Atlantikfahrt des Meteor". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 11.30 bis 13 Llhr: „Senta Maria", 18 bis 20 Llhr: „D6sir6", 20.30 bis 22 Llhr: „Senta Maria". — Markusgemeinde: Geistliche Abendmusik, 20 Llhr, in der Stadtkirche. — Gießener Theater-Vereinigung: Winterfest, 20 Llhr, im Katholischen Dereinshaus. — GdA., tommanbo im Stabthause, bas gegebenenfalls ben Schutz bes Stabtrates bei etwaigen Zwischenfällen übernehmen sollte. Die Anwesenheit ber Polizei im Stabthaus war auch ben beiden kommunistischen Siabtratsmitgliebern bekanntgeworben, von benen Lepper in heftigen Worten P r o t e st gegen biese Maßnahme erhob. Er sprach babei im Hinblick auf bie Polizei von „Leuschner-Kosaken" unb -„Husaren", bie im Stabthaus nichts zu suchen hätten, ba sie angeblich bie Freiheit bes Stabtrates bebrohten. Kästner fefunbierte seinem Parteigenossen mit lauter Stimme unb etlichen Faustschlägen auf ben Deckel feines Pultes, fo baß im Hanbum- brehen ein minutenlanger tommuniftl« scher Spektakel im Gange war. Alle übrigen Mitglieber bes Stabtrates unb bie Vertreter ber Verwaltung nahmen ben Skanbal ber beiben Kommunisten, ber roeber auf bas Haus, noch auf bie Verwaltung einen Einbruck machte, mit gelassener Ruhe, eine Anzahl Stabtratsmitglieber auch mit Heiterkeit hin. Oberbürgermeister Dr. K e 11 e r ging unbeirrt von bem kommunistischen Tumult zur Tayesorbnung ber nichtöffentlichen Sitzung über unb hatte babei bie volle Zustimmung ber erbrüdenben Mehrheit bes Hauses. In biesem Teile seiner ersten Sitzung nahm ber Stabtrat bie Wahl ber Mitglieder ber Ausschüsse, Deputationen usw. nach ben Vorschlägen bes Ältestenrates vor. Für biese Vorschläge stimmten glatt 38 Mitglieber bes Hauses, zwei (bie Kommunisten) waren regelmäßig bagegen, ein Mitglieb enthielt sich ber Stimme. Gau- Fachgruppentagung aller Dehördenange- stellten, Hotel Hopfeld, 11 Llhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ..Der Graf von Monte Cristo". — Astoria-Lichtspiele: „Vogelfrei" und „Atlantiksahrt des Meteor". — D i e Sonntags-Vorstellungen im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Wir machen noch einmal auf das einmalige Tanzgastspiel der Münchener Tänzerin Senta Maria als Morgenfeier und Abendfeier im Kammerspielzyklus aufmerksam. Am Nachmittag wird als Fremdenvorstellung die reizende französische Komödie „Desire" von Sacha Guitry mit Oberspielleiter Hans T anner t in der Titelrolle gegeben. Wer Freude an einer eleganten, auf spritzigen Dialog gestellten Komödie hat. wird an diesem Sonntagnachmittag voll auf seine Kosten kommen. • ** Aufhebung des HL Polizeireviers. In Kürze wird das Hl. Polizeirevier in der Kirchstrahe aufgehoben werden. Die Maßnahme ist als ein Dehördenabbau anzusehen, da sie eine Einsparung am Verwaltungsapparat bezweckt. Die jetzt in dem Revier stationierten Polizeibeamten werden auf die übrigen Reviere verteilt. Mit dem Inkrafttreten dieser Einschrän- kung ist in etwa vier Wochen zu rechnen. ** Neufestsetzung des Ortslohnes. Das städtische Versicherungsamt gibt im heutigen Anzeigenteil eine Neufestsetzung des Ortslohnes bekannt, wie sie vom Oberversicherungsamt mit Wirkung vom 1. Januar 1930 ab für den Stadtbezirk Gießen bestimmt worden ist. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hin- getoiefen. * D ie Jahresarbeitsverdienste land- und for st wirtschaftlicher Arbeiter nach der Neufestsetzung durch den Ausschuß der hessischen Land- und forstwirtschaftlichen Derufsgenofsenschaft werden für den Gießener (Äadtbereich im heutigen Anzeigenteil bekanntgegeben. Man beachte die Bekanntmachung. ** Straßensperre. Wegen Ausführung von Kanal- unb Wasserleitungsarbeiten werben bie Pro- vinzialstraßen Heuchelheim—Atzbach unb Heuchelheim—Kinzenbach (Ortsburchfahrten Heuchelheim) । vom 27. Januar ab für jeben Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Robheim a. b. Bieder. *♦ Rindermarkt in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet in Gießen Rindvieh- (Nuhvieh-)markt statt. ** Wilddieberei im Walde bei der Badenburg. Vor einigen Tagen wurden in dem Walde zwischen der Dadenburg und Lollar ein durch Kugel und Schrot erlegtes Reh an einem Baume hängend ausgebrochen oorgefunben. Offensichtlich handelt es sich nach den bisherigen Feststellungen um Wilddieberei. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. •• D i e Einreichung von Belegen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1929 betrifft eine Bekanntmachung der Finanzämter Gießen, Butzbach. Grünbcrg und Hungen im Anzeigenteil der heutigen Nummer, auf die wir besonders Hinweisen. ''Diebstähle. In den letzten Wochen wurden an einem städtischen Neubau im verlängerten Asterweg (Schwarzlach) 15 Meter neue Regenabfluhrohre aus Zinkblech, die schon an ber Häuserfront befestigt waren, entwendet. Die einzelnen entwendeten Rohrlängen betragen zwei, drei und vier Meter und haben einen Durchmesser von 10 Zentimeter. '* Zeugen gesucht. Der Polizeibericht meldet: Am 13. Januar, vormittags gegen 11 Llhr wurde ein in der Südanlage in Höh« des Wetterhäuschens aufgestellter Personenkraftwagen durch Anfahren stark beschädigt. Personen, die Zeuge des Vorfalls waren, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei, Zimmer 64, mitzuteilen. " Herrenlose Fahrräder. Bei dem Polizeiamt sind nachstehende Fahrräder sicher- gestellt: Herrenrad, Marke „Göricke" Nr. 732 060, Herrenrad, Marke „Panther" Nr. 484 325, Herrenrad, Marke unbekannt, Nr. 8146, schwarzer Rahmen, ebensolche Felgen und gewöhnliche Lenkstange, Herrenrad (Geschäftsrad), Marke „Saalburg", Nummer unbekannt, schwarzer Rahmen und ebensolche Felgen, an der Vordergabel Gepäckträger, Herrenrad, Marke „Torpedo" oder ..Tornado" Nr. 245 165. Personen, die glauben Eigentumsrechte geltend machen zu können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Zummer 66, zu melden. ** Anlagenkonzert findet morgen, 11 Uhr, durch das Musikkorps des 1. Batl., 15. Jnf.-Rgts., bei günstiger Witterung in ber Südanlage statt. Leitung: Obermusikmeister Löber. Die Musikfolge ist: 1. „Ein Rianneswort", Marsch, E. Pollack; 2. Große Fantasie aus dem Ballett: „Coppelia", L. Delibes; 3. „Der alte Berner" (Charakterstück), M. Schme- ling; 4. Präludium, Chor unb Tanz aus ber Operette: „Das Pensionat", Franz v. Supp6; 5. „In Treue fest", Marsch, L. Blankenburg. *♦ Die Museen sinb am morgigen Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet. * Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, läuft gegenwärtig der zweite Teil deS Terra-Grohfilms „Der Graf von Monte Cr ist o", Regie von Henri Fescvur t. Er beschließt mit der Schilderung der Rache des Grafen. der aus dem Kerker entflohen und zu märchenhaften Reichtümern gelangt ist, die phantastisch bewegten Ereignisse des ersten Teiles, ohne jedoch diesen an Spannung und silmischer Wirksamkeit zu erreichen. Llebrigens haben sich die Bearbeiter in der Fortsetzung nicht mehr so eng an die berühmte Vorlage von Dumas und Maquet gehalten. Man hat den Eindruck, daß nicht alle Möglichkeiten für eine Filmbearbeitung ausgenuht wurden, und man wird überdies, besonders in den ersten Akten, durch die zahlreichen Texteinschaltungen gestört, die ihrerseits hier zum Verständnis der komplizierten Ereignisse allerdings schwer entbehrlich sind. Das Ganze ist mehr auf Gesellschaftsszenen und große Ausstattung hin gearbeitet, und man muh wiederum über die außerordentlichen Mittel staunen, die den Bearbeitern augenscheinlich unbegrenzt $ur Verfügung gestanden haben. Die Darsteller smd großenteils aus dem ersten Teil bereits bekannt. Im Vordergründe wiederum: Jean Angelo (Dantes), Lil Dagover (Mercedes). Modo t (Graf Morcerf), Batches f (Albert). Soulout (Dilleneuf) und Mary Glorh (Valentine). •• Eine Wiedersehensfeier ehemaliger 13er Huf aren findet am 7. und 8. Juni in Frankfurt a.M. statt. Eine Besprechung der alten 13er Husaren soll am 26. Januar in Dutenhofen abgehalten werden. Man beachte die Einladung im heutigen Anzeigenteil. 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Einern so leistungsfähigen Wärmeträger, wie dem Gase must ein erweitertes Betätigungsfeld zugewiesen werden. Schon nach dem Kriege haben Industrie und Gewerbe versucht, diesen leicht regulierbaren Wärmeträger einzuschalten. Gelingt es, dieses Problem zu lösen, so kann eine Abwanderung von Industrie und Gewerbe aus kohlenfernen Gebieten in kohlennahe verhindert, einem kohlenfernen Wirtschaftsgebiet seine Industrie und Gewerbe erhalten und so die nötige Dezentralisation von Industrie und Gewerbe gefördert werden. Ein Antrieb zur Erweiterung des Gaskonsums liegt in dem Bedürfnis nach einer R a u m g a s h e i z u n g , die für den Haushalt erhebliche Vorteile brächte (Wegfall der Stapelung von festen Brennstoffen, des Transports der Brennstoffe zur Feuerstelle, der unwirtschaftlichen Anhcizzeit, der Verschmutzung durch Kohle u. dgl.). Es handelt sich also um eine Konkurrenz des Gases mit den festen Brenn- stassen. Die Frage lautet deshalb: Wie bringen toir e s fertig, die festen Brennstoffe durch das volkswirtschaftlich günstigere Gas für Industrie, Gewerbe und Raumheizung zu ersetzen? Das ist der Ausgangspunkt des ganzen Problems. Zur Beantwortung dieser Frage bedarf es zweier Lleberlegungen: 1. Der Industrie- und Gewerbebedarf an Gas ist grasten Konjunkturschwankungen ausgesetzt. Der Raumhei.zgasbedarf hängt von der Witterung ab. Wir werden im Winter einen sehr großen, im Sommer so gut wie gar keinen Bedarf an Raumheizung haben. Diese starken Schwankungen an Gasbedarf könnte weder ein kommunales Werk, noch ein Gruppengaswerk wirtschaftlich ausgleichen. Denn da im Winter etwa fünf- bis zehnmal so viel Gas erzeugt werden mühte wie im Sommer, so mühten die vorhandenen Gaswerke oder ein neu zu bauendes Gruppengaswerk sich in ihrer Crzeugungsmenge auf den Winterbedarf einstellen und entsprechend groh ausbauen. Im Sommer lägen dann Teile des Gaswerkes still. Bei der Hohen Zinslast eines nur teilweise aus- genuhten Kapitals würden die Werke unwirtschaftlich arbeiten und ihr Produkt verteuern. Im Sommer mühte außerdem immer ein Teil der Arbeiterschaft entlassen werden. (Vgl. die Rohrzuckersabrikation, die fast unerträglich mit Kapitaldienst belastet ist, weil sie etwa elf Monate stilliegt und nur einen Monat arbeiten kann.) Die Lösung kann nur durch den Fernbezug von Gas aus einer Gegend, too Gas als Massenprodukt billig a n f ä l l t, gefunden werden, und zwar entweder auf dem Wege reinen Fernbezugs, oder auf dem Wege einer Kombination von Fernbezug und Gruppengaswerk. Den letzteren Weg hat die Hekoga gewählt; sie will von der Ruhr und der Saar Ferngas beziehen und das Gaswerk Mainz als Gruppengaswerk und als Reservewerk erhalten. 2. Wenn das Gas den Wettbewerb auf die Dauer mit den festen Brennstoffen aufnehmen soll, so muß sein Preis mit den festen Brennstoffen wettbewerbsfähig sein. Unter Berücksichtigung der oben dargelegten großen Schwankungen im Iahresgasbedarf ist aber weder ein vorhandenes Gaswerk in unserm Wirtschaftsgebiet, noch ein neu zu bauendes Gaswerk in der Lage, das Gas der Hekoga so billig anzubieten, daß das Gas mit den festen Brennstoffen wettbewerbsfähig wird. Es liegt das eben daran, daß weder die vorhandenen Werke, noch die Hekoga in einem neuen Eigenwerk der Schwankung begegnen können, weil sie zu große Kapitalien investieren müßten. Ruhr und Saar dagegen können die Schwankung ohne weiteres tragen, weil sie, wenn wenig Gas anae- fordert wird, selbst mehr Gas bei ihren Mo«^ Öfen unterfeuern. Wird mehr Gas verlangt, so unterfeuern sie mit Generatorgas und geben entsprechend mehr Starkgas ab. Deshalb können Ruhr und Saar Preise stellen, welche die Konkurrenz mit den festen Brennstoffen aufzunehmen imstande sind. Die Hekoga hat mit aus diesen Gründen das Angebot von Ruhr-Saar andern Angeboten und der vor- geschlagenen Errichtung einer Eigenkokerei vorgezogen. W i e ist nun die Lage der Stadt Gießen gegenüber dem Vertragswert der Hekoga mit Ruhr- und Saargas AG. und gegenüber den eben ausgeführten allgemeinen volkswirtschaftlichen Erwägungen? Rach den Gründungsverträgen, welche die Stadt Gießen durch ihren Beitritt zur Hekoga anerkannt hat, hat sie vollkommen freie Hand, ob sie ein eigenes Gaswerk betreiben, oder ob sie Ferngas durch die Hekoga beziehen will. Sie ist an die Gasfernversorgung nur insoweit gebunden, als sie eben Teilhaberin der Hekoga und damit im Rahmen ihrer Beteiligung (4 von 100 Anteilen) an der Hekoga finanziell mitverpflichtet ist. Die Stadt Gießen muß aber m. E. am Zu - standekommen des Vertrages aus folgenden Gründen interessiert fein: Unfer städtisches Gaswerk ist für eine Gasabgabe von 3 Millionen Kubikmeter Gas im Iahr gebaut. Tatsächlich werden aber heute schon 3,6 Millionen Kubikmeter im Iahr erzeugt. Das Gaswerk kann diese Menge aber nur liefern, weil es überhaupt nicht mehr normal betrieben, sondern ständig überlastet wird. Wenn wir nicht die Gasbeleuchtung in den Straßen durch die elektrische erseht und die Reichsbahn als Abnehmer (sie ist zur Wagenbeleuchtung mit Oel- gas und jetzt zur elektrischen Beleuchtung übergegangen) verloren hätten, wodurch wir zusammen V2 Million Kubikmeter Gas weniger zu erzeugen haben, so wüßten wir nicht, wie wir über 4 Millionen Kubikmeter Gas überhaupt im jetzigen Werk erzeugen sollten. Außerdem ist eine größere Reservehaltung bei erhöhter Anforderung mit dem derzeitigen Dehälterraum unmöglich, so daß Störungen dann nicht mehr, wie bisher, durch die Dehälterreserve ausgeglichen werden können. Selbst wenn eine Belieferung für Industrie und für Raumheizung nicht eintritt (wir sind dazu gegenwärtig auch gar nicht in der Lage; weil wir in dem veralteten Werk das Gas viel zu teuer erzeugen), so stehen wir doch tatsächlich vor der Rotwendigkeit, noch mehr Gas abgeben zu müssen. In unserem dazu zu kleinen und veralteten Werk sind wir dazu nicht imstande. Wir müssen also entweder ein neues Gaswerk bauen, oder Ferngas beziehen. Bei der Entscheidung, welche Form zu wählen ist, ist das wirtschaftliche und das finanzielle Moment in den Vordergrund zu stellen. Beim R e u b a u eines Gaswerkes müßten wir 1,6 b i s 2 Millionen M k. investieren. Durch die hohen Zinsen, Abschreibung, Instandhaltung, Kompressionskosten usw. müßte der Erzeugerpreis mehrere Pfennige für den Kubikmeter teuerer werden, als in unserem heutigen Werk. Der Gaspreis müßte also unter allen Umständen um diesen Betrag steigen. Man stelle sich dann einmal die Erbitterung in der Bevölkerung vor, wenn die Rachbargemeinden oder die übrigen hessischen Städte womöglich billiges Ferngas beziehen und bei uns durch den Reubau eines Gaswerkes die Preise steigen müßten! Durch die teuere Produktion in einem eigenen neuen Werke würde auch endgültig der volkswirtschaftlich richtige Gedanke, für Industrie- und Raumheizung Gas zu liefern, begraben, ebenso der Gedanke, Industrie durch billige Gasbelieferung heranzuziehen. Aber selbst gesetzt den Fall, wir könnten in einem neuen Werk billig produzieren und könnten Industriegas und Raumhcizgas absehen, so wären wieder die dadurch bedingten und schon erörterten Schwankungen im Gasbedarf wirtschaftlich nicht tragbar. Aus allen diesen Gründen komme ich zu dem Ergebnis, daß wir unsere Gasproduktionsfrage nur durch Bezug von Ferngas lösen können. Deshalb trete ich für den Vertrag der Hekoga mit Ruhr- und Saargas AG. ein, zumal ich durch die nahezu zwei Iahre dauernde ernste Prüfung dieser Frage durch die Hekoga genügend unterrichtet bin, um mir ein Urteil dahingehend zu bilden, daß die von der Hekoga vorgeschlagene Lösung: Fernversorgung von Ruhr- Saar mit Gruppenstühwerk Mainz von allen anderen Angeboten und Lösungen die wirtschaftlich günstigste ist, sowohl für die Kommune, die Industrie und Gewerbe, und die sonstigen Verbraucher. In der Polemik gegen die Gasfernversorgung ist behauptet worden, die Eigenständigkeit ginge verloren. Sie ist bei einem eigenen Gaswerk auch nicht vorhanden; denn es ist von der K o hle n I ie f e r u n g der Zechen abhän - g i g. Eine vollständige Eigenständigkeit wird nur erreicht, wenn auch die Kohlenbasis in Händen des Gaswerkes ist' Don einem solchen fragwürdigen Experiment werden wir hübsch die Finger lassen. Trägt denn beim elektrischen Strombedarf eine Kommune,Bedenken, ihn, auch ohne die Erzeugungsbasis zu besitzen, aus der Ferne zu beziehen? Die Befürchtung, daß durch irgendwelche Ereignisse der Zernbezug unterbunden werden könnte, ist nicht spezifisch für den Fernbezug, sondern auch für die Eigenerzeugung. Beim Rhein-Ruhrkampf wurde die Fernversorgung in den Fernleitungen von der Ruhr aus durchgeführt, während die kommunalen Gaswerke still- lagen. Bei der Unterbrechung der Hauptleitung treten die Reserveanlagen des von der Ruhr weiterzubetreibenden Gaswerks in Mainz in Tätigkeit. Heber den dauernden Weiterbetrieb des Werkes sind Verhandlungen mit Ruhr-Saargas AG. im Gange. Eine für die Hekoga günstige Lösung dieser Forderung ist die conditio sine qua non für die Annahme des Vertragswertes durch die Hekoga. Der Weiterbetrieb des Gaswerkes in Mainz sichert mit anderen Werken die Lieferung von G a s k o k s. Wenn das Programm, feste Brennstoffe durch Gas zu ersehen, durchgeführt werden soll, dann ist die Sicherung von Gaskoks nicht mehr von ausschlaggebender Bedeutung; wir wollen ja dann gerade auch den festenDrenn- stofs „Koks" durch das Gas verdrän- g e n. Durch Ersah der festen Brennstoffe sind Jnstallationsarbeiten nötig, die der Geschäftswelt und der Arbeiterschaft neue Derdienstmög- lichkeiten gewahren. Die öffentlichen Interessen im allgemeinen sind in dem vorliegenden Vertragswert dadurch gesichert, daß die H e k o g a an der Fernleitung beteiligt und nach § 14 des Gesellschaftsvertrages niemals majorisiert werden kann, sondern den Ausschlag gibt. Ferner wurde der Hekoga und dem Herrn Hessischen Minister des Innern je ein Sih im Aufsichtsrat der Ruhrgas-AG. zugesagt. Cs dürfte auch bekannt sein, daß die Saarzechen fast ausschließlich in Händen des Preußischen Staates sind, so daß ein genügender kommunaler und staatlicher Einfluß vorhanden ist. Zweifellos liegt eine Entscheidung von weittragender Bedeutung vor. Die Lage, in der sich die Gemeinden bei dieser Entscheidung befinden, läßt sich vielleicht in mancher Beziehung vergleichen mit ihrer Lage bei der Einführung der Eisenbahnen. Alle Gemeinden, die damals den Anschluß verpaßt hatten, sind ins Hintertreffen geraten. Wir brauchen den Mut zur Ueberzeugung, daß es sich hier um einen wichtigen Fortschritt handelt, damit wir nicht in denselben Fehler verfallen, wie d i e Gemeinden, welche die Eisenbahn abgelchnt haben. Eine Vrani und siebenmal sieben Kronen!!! Don unserm römischen ^-Korrespondenten. Rom, Ianuar. ... Da aber nahm er das Königstochterlein in seine Arme und sie haben Hochzeit gefeiert und das Volk schmauste und festete sieben Tage lang... Ist es möglich, daß anderswo die Leute Geschäfte abschließen, auf den diplomatischen Märkten, die man Konferenzen heißt, um Geld feilschen und sich überhaupt mit Kurszetteln abgeben, die im Märchenschatz keine gangbare Ware erblicken? Gibt es wirklich Zeitungen, in der Welt draußen, die über Kriegstribute und Skiwetter und die Papageienkrankheit schreiben? Ach ja, ich war auch einmal Zeitungsschreiber, ich habe mir die Reportersporen verdient, als ein Radfahrer von einem Automobil überfahren wurde, ich habe über die ornithologische Musterschau — Sie erinnern sich doch noch? — auf der Berner Landesausstellung berichtet, ich war Kriegsberichterstatter und interviewte Mussolini und sah, wie König und Papst sich begegneten — aber das alles muß lange her, vielleicht in einem anderen Leben gewesen sein. Ieht bewege ich mich schon lange nur noch in Kreisen, wo man mit Kronen umgehet, wie andere Leute mit Briefmarken, von sieben Zacken aufwärts, verkehre nur noch mit den Brüdern Grimm und einem Herrn Andersen, bin im Königs- schloß zu Hause und mische mich verstohlen unters Volk, recke die Rase in die Lust und kriege vor bassem Erstaunen die Maulsperre. Der schöne Königssohn, das werden Sie ja nun inzwischen wohl erraten haben, hat nämlich das blonde Königstöchterlein gefreit. Hochzeit— sieben Tage und Rächte lang —. * Eines bringe ich nicht fertig: die Zeitungen zu lesen. Sie schmecken wie (Sanßbraten am Dreikönigstag, wenn es an Weihnachten und Reujahr und die faulen Tage dazwischen mittags und abends nichts als Gansbraten gegeben hat. Auch Honigkuchen sollen auf die Dauer an Wohlgeschmack einbüßen. Ein Glück, daß sich allmählich sogar der römische Himmel überzieht, denn zu glauben, daß die Sonne an den sieben Hochzeitstagen aus meteorologischen Gründen geschienen habe, das kann nur einem Barbaren in den Sinn kommen. Sie erschien, wie die Gottheit erscheint, sie war würdig der ewigen Roma, sie war der Gruß des Himmels an das Brautpaar, — und es gab dennoch etwas, was noch herrlicher war als diese gebene beite Sonne. Die hehre Braut! „Das Gold der italienischen Sonne wird morgen nicht so viel Glanz haben wie deine Haare, o Prinzessin, und der Schnee der Apenninen nicht so weiß fein wie dein Brautschleier und die Aeolsharfen der Feuerinsel fingen nicht so jubelnd wie dein zitternder Atem; kein Springbrunnen so süß und fein wie die Stimmen der schönen Frauen, die von den Bergen herabsteigen und vom Meere Herkommen, dir, dir zu Ehren! Alle Farben, alle Düfte, alle Schönheit und aller „Florian Geyer." Hessisches Landcstheaier Darmstadt. „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz!" Immer wieder einmal muh man dieses Schauspiel lesen, immer wieder muß man es auf der Bühne lebendig sehn. Denn es steht noch immer in der vordersten Linie des dramatischen Schrifttums, das in den letzten 50 Iahren bei uns geschaffen worden ist. Es wird auch stets zu den Werken zahlen, welche entscheidend dem Dichter Gerhart Hauptmann seinen Platz in der deutschen Literatur erobert und behauptet haben. Unb es ist endlich ein ganz merkwürdig zeck- gemäßes Schauspiel, dieses Bauern- unb Ritterstück der Reformationszeit, diese Tragödie des deutschen Bundschuhkrieges, der _ doch vor vier Iahrhunderten begonnen, ausgekämpft und verloren wurde trotz dem Florian Geher und wider ihn. Aber die von fernher zum Leben erweckten Stimmen des bäuerlichen, evangelischen Haufens reden heute noch oder heute wieder mit einer schmerzhaften Eindringlichkeit zu uns und werden sofort verstanden: wenn die Dauernführer um den Florian Geher herum in der Würzburger Kapitelstube alle mit einem grimmigen Wunsch ihre Messer in den Kreidekreis an der Kirchentür gestoßen haben und ganz zuletzt der schwarze Ritter mit dem Eisen ausholt —: «Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz!",... dann erhebt sich, noch ehe der Vorhang fällt, spontan der Beifall im großen Haufe. * Es ist wahrhaft ein deutsches Schauspiel, was da mit fünf starken Akten und einem Präludium sich begibt. Daß Hauptmann hier die Tragödie des Bauernkriegs vor uns aufreiht, dah er die erste große soziale Revolution in Deutschland künstlerisch zu gestalten unternimmt, mag uns heute weniger bedeutsam sein, als dah das Schauspiel, durch alle Szenen hindurch, ein unbestechlich klares und erschreckendes Spiegelbild deutschen Wesens dar stellt —: ein Bild der ur- etoigen, inneren Friedlosigkeit unb Zerrissenheit unseres Volkes. • Darüber hinaus freilich wird hier eine alte Fabel abermals abgewandelt unb an einem zufälligen historischen Beispiel aufs neue erwiesen; eine Fabel, die übers Rationale und eigentümlich Deutsche allerdings weit hinaus reicht und das Stück über den vergessenen geschichtlichen Anlah hinweg ins allgemein Menschliche und zu einer bleibenden Gültigkeit erhebt: wie der Einzelne, groß, mächtig, berufen zum Führer und Wegweiser der dumpfen, kopflosen Masse, eben an der Masse zerbricht, von ihr verkannt, verfehmt, zu Tode gehetzt und vernichtet wird — und mit ihm zugleich die Idee, für die er sich einfetzte mit Leib und Leben, für die er feine Fahne schwang und fein Schwert. So ist uns die Tragödie des Bauernkrieges mehr als eine historische Erinnerung auf dem Theater, wenn wir den Aufruhr vor vierhundert Iahren als ein Beispiel und Sinnbild des unlösbaren Widerstreit, s begreifen, in dem allezeit der Einzelne gegen die vie.zuvielen steht. Dann ist der „Florian Geher" die Tragödie des Führers ohne Volk, des einsamen Fahnenträgers, der an der Kleinheit, an der Zwietracht, an der Feigheit und am Haß der anderen, der Alltäglichen unb ewig Gestrigen zugrundegeht. Es gibt Stimmen wider den „Geher", weil der wider den Goetheschen „Götz" fei; in der Tat spielt hier der Derlichinger mit der eifernen Hand eine recht klägliche Rolle. Das historische Urbild war sicher anders — beim „Götz" und beim „Geyer". Darauf kommt es nicht an. Möglich ist beides: der „Götz" und der „Geher"... im Wesen, in der Idee und im Stil. Goethes Form war eine geniale Stilisierung, die sicherlich oft der geschichtlichen Treue ermangelt. Sicherlich haben die Menschen zu Luthers Zeiten anders gesprochen, als sie es bei Goethe tun. Möglicherweise haben sie so gesprochen, wie sie es hier bei Hauptmann tun, der ein Raturalist blieb noch in der Historie und dabei nicht minder genial war. Entscheidend ist die innere Wahrheit oder Glaubwürdigkeit, — unb die ist hier wie bort zu spüren. e Was den „Geher" angeht, so hatte in ihm ber Naturalismus die größte Probe bestanden, die er je bestehen konnte, indem er, gegen sein eigentliches Wesen, sich rückwärts wandte und eine verschollene Zeit uns ebenso nahe rückte, wie die ewigen Wirklichkeiten ber Gegenwart (vor dreißig oder vierzig Iahren). War in den „Webern", wie man getadelt hat, kein „Held", war hier, wie man lobend hervorhob, eben die Masse der „Held", — so ist diese Masse im „Geyer" nur noch das brodelnde, brausende, verworren unb vielstimmig tönende Gegenspiel gegen den Helden, den schwarzen Feldhauptmann, der ihr Kopf und Führer sein sollte, den sie verlassen und dessen Fahne sie schänden. • Doch soll man auch den rein historischen Wert unb Gehalt des Dramas nicht gering anschlagen. Denn es gibt nicht allein ein erschreckendes und unheimliches Bild jener um 1525 an vielen Orten in Deutschland losbrechenden Bundschuh-Revolte; es stellt diesen. Aufruhr in fein Iahrhundert hinein, vor die Kulissen der Zeit, unb es sammelt in ihm auch die mancherlei Stimmen und Ströme, die durch den Bauernkrieg hindurchfließen und etwa mit den Ql amen Hutten, Luther, Sickingen, Karlstadt und Veit Stotz bezeichnet werden. Es hat das Bild jener Welt beschworen mit den Romen des Kaisers, der Fürsten und Bischöfe nicht allein, sondern auch mit den Rainen Pavia und Rümberg, den Rainen der Fugger unb Welser und Franzosen, mit den Stimmen der Ablatzkrämer unb mit der Predigt vom Iüngsten Gericht. * Dies alles macht uns das Schauspiel wichtig und wertvoll, darum wird man es immer wieder lesen und immer wieder lebendig an sich vorüberziehen lassen wollen, wenn manches andere (auch manches, das aus derselben Hand kam) längst vergessen ist. — * Die neue Inszenierung des Intendanten Carl Ebert ist in einem großen Rahmen angelegt, auf kräftige Linienführung und starke Akzente eingestellt, übrigens auch ausführlich und ohne schwerwiegende dramaturgische Eingriffe. Erhebliche Streichungen haben wir nur im Vorspiel bemerkt. Der günstige Gesamteindruck haftet an den Leistungen Volks (als Geyer) und des Bühnenbildners Reinking; beide machen manches wett, was der Regie und der Besetzung mangelt. Regiemäßig war eine gewisse dynamische Ausgeglichenheit zu vermissen, die allein jeder Szene ihr eigentümliches Gewicht, ihren besonderen Ton und ihre Geschlossenheit verleiht. Diese war erreicht im Vorspiel unb in den Mittelakten (im zweiten, zu Rothenburg, vor allem); sie schien uns zu fehlen im ersten, wo manches im Heber» maß der Stimmen (Götz!) unb dem Durcheinanderfluten der Massen verloren ging; und auch im fünften, der in feiner ersten Hälfte zu betont auf wirksames Theater gestellt war unb ganz am Ende erst in ber verzweifelten Kampf- und Todes- fzene das ihm gehörige Format gewann. * Fritz Volk ist der Geyer; er gibt ihm, eine sehr männliche-Erscheinung, prachtvoll das äußere Bild, das man hier erwartet, in Kopf, Gestalt, Bewegung und Stimme; aber er gibt — und das ist das Wertvolle an feiner Leistung — mehr als das Bild eines trotzigen Haudegens und halsstarrigen Fähnleinführers, er dringt in die Gestalt ein und bemüht sich um den menschlichen Hmritz, der uns heute allein wichtig sein kann am Florian Geyer; und so ist er ebenso stark und eindringlich wie in den repräsentativen großen Szenen — wenn er lutherisch dröhnend sein Truhlieb singt oder zuletzt fechtend stirbt mit seiner Fahne, — in den stillen Augenblicken, wenn er etwa der Mutter des Geblendeten zuhört oder eine geschnitzte Madonna nachdenkend in den Händen hält. * Reben Volk können aus dem Riesenaufgebot nur die wichtigsten Ramen notiert werden. Vor allem der von QKinetti sehr geistig gefaßte, leidenschaftliche Feldschreiber Löffelholz; der von Ebert selbst klangvoll und mit feiner Gliederung gesprochene Bischof von Würzburg; Gallin- g e r s fanatischer Link; gut waren auch Schindler (Karlstadt), Westermann (Desenmeher), Keßler (Iöslein) und W e m p e r, der den Schäferhans mehr in den Vordergrund spielte, als man es sonst gewohnt ist. Recht äußerlich und stellenweise verkrampft wirkte daneben Baumeisters Tellermann, sehr schwach auch die weiblichen Rollen — Inge Conradi (Marei); Bessie Hoffart (Anna von Grumbach) —, nur Käthe Gothe (alte Frau) traf den richtigen Ton. — • Ganz ausgezeichnet in Farbe unb Form waren bie Dühnenbilber von Reinking, großzügig unb stilrein, eingefühlt in ben Geist des Iahr- Hunderts, kraftvoller Rahmen unb Hintergrund für bie bewegte Szene. — Das Große Haus war stark beseht; lang anhaltender Beifall rief zuletzt bie Hauptdarsteller an bie Rampe. Dr.Th. Ruhm. die ganze unermeßliche Lrebe deines neuen Vaterlands wird morgen in dem Zauberkrecs deines Drautdiadems eingeschlossen semi So beginnt der Leitartikel in der Zeitung, so hallt es Tag für Tag durch alle Spalten. So apathetisch ist die Sprache des Orients noch nicht gewesen, so viel Stilblüten sind noch nicht einmal auf das Haupt des Duce herniedergegar^en. Wenn das Journalismus ist, dann ist das Märchen vom Glasberg ein Zeitungsbericht über die mathematischen Möglichkeiten der schiefen Ebene. • Wenn man jetzt wachen Sinnes und geschärften Blickes durch die Stadt schlendert, dann flimmert es einem noch sieben Tage lang grün und weiß und rot vor den Augen. Sogar die Rächte find in den Landesfarben angestrichen. Um die Reggia herum, den Quirinalspalast, gehen die Leute alle, als hätten sie drei Zentner am Zopf hängen und die Frauen träumen alle von drei Meter langen Schleppen. Die Soldaten funkeln, wie vom Weihnachtstisch weggenommen und die Automobile haben einen gravitätischen Gang angenommen. Taxameter, die sich in diese Gegend verirren, werden so verächtlich angeschaut, wie Bettler im Reiche Amanullahs, der übrigens auch zu den Gästen gehört. Ich habe bis jetzt vierKönige undfunf- undvierzig andere Kronen gezählt, es können auch ein paar mehr sein. Da ist ein Herzog, der das mächtige Britannien vertritt, da ist der Gesandte des Pharaos Fuad, da ist König Boris, der, wie man flüstert, ein Auge auf das andere Königstöchterlein geworfen hat. Gold- und kriegsruhrnstrohend, an der Spitze einer die schimmernde Wehr verkörpernden Schar von Offizieren, zeugt Marschall Petain für das pazifistische Frankreich und Splitter von Tributärstaaten, wie Bayern, haben gleich drei Prinzen geschickt. Wer zählt die Orden und Spangen und Schnallen und Schärpen an den königlichen Empfängen im Quirinal, auf dem Kapitol? Mein armer Frack schämte sich sichtlich seiner Blöße. Der Hund bellt, der Hof glänzt, das ist nach der Grammatik ein „einfach nackter Sah", da muh so ein Journalist, der schreibt, schon ein ganz schamloser Kerl sein. Immerhin hat mich der Großzeremonienmeister, es sei ihm in den Annalen der weltmächtigen Presse hoch angerechnet, „auf Befehl Seiner Majestät" sogar zu der Trauung in der Schloßkapelle eingeladen. Mir war zumute wie siebenmal sieben jungen Mädchen. Auch eine englische Kollegin hätte die Erlaubnis gehabt, als einzige weibliche Iournalistin dem großen Augenblick der Weltgeschichte beizuwohnen. Aber sie mußte verzichten, denn sie hatte keine Dreimeterschleppe. Die aber war wichtiger als die Einlaßkarte. So demokratisch Diktor Emanuel sein mag, so väterlich er ein Auge zudrückte, als seine Aelteste nicht einem Prinzen, sondern ihrem Reitlehrer zum Altar folgte, bei Hof gilt noch die strenge Etikette, die sogar Botschafter und Gesandte räumlich trennt Die Könige saßen, die Ioumalisten standen und sahen infolgedessen mehr als alle anderen, die im Zuge mitschreiten mußten, Rang nach Rang. Einen solchen Zug hatte Italien noch niemals erlebt, noch niemals segnete, vom Papste gesandt, ein Kardinal einen königlichen Bund. In dieser Kapelle Paolina fand so manchesmal ein Konklave statt, sie sah Kronen und Purpur vergangener Zeiten, aber die Pracht an diesem 8. Ianuar des eisernen Jahrhunderts war so übermächtig, daß sie blendete. Sie war ernst, die Prinzessin, als sie in ihrem schneeweißen Engelsgewand als belgisches Königstöchterlein an den Altar trat, sie lächelte wie ein Cherub vor Gottes Thron, als sie das Ia gesprochen hatte und die künftige Königin Italiens war. Pastellfarben waren für die anderen Damen des Hofes vorgeschrieben und so schwebten zarte Frühlingswölkchen vor dem schweren roten Samt der Himmelswände. Winnetou... Von Helmut Rosenthal. Mit Hans Rückert, der mittlerweile ein ordentlicher Theologie-Professor geworden ist, konnte man kaum darüber reden: und auch Rohr, der unterdessen ein Pastorat im Ucker- märkischen bekommen hat, hielt nie viel davon. Denn Rückerts strenge Reigung galt den Gleichungen mit zwei Unbekannten: und Rohr war fachmännisch in den Feldzügen des Dreißigjährigen Krieges beschlagen. Sie beide, hatten Besseres zu tun, als sich um einen Ap'achenhäuptling zu kümmern. Und wahrscheinlich haben sie da genau das Richtige getan — denn wer ihren heutigen Stand mitsamt seinen Würden in Betracht zieht, der gewahrt nicht ohne Ehrfurcht, daß sie das Dasein unbeschränkt belohnt hat: die Achtung der Mitbürger begleitet ihr Tun und Treiben: die wohlwollende Zustimmung der Gutgesinnten ermuntert sie zu weiterem Wirken: und sie sind uns anderen um etliche Rasenlängen voraus. Ihr Leben glitt sanft auch ohne Winnetou dahin. Wir anderen indessen richteten den Schwung unserer dreizehn Iahre weniger auf Gleichungen ober verschollene Feldzüge: und darum hatten wir unglücklicherweise Muße, uns um Sachen zu kümmern, mit denen man es leider zu nichts Rechtem bringt: wir glaubten an Mokassins und Kalumets, an Federn und doppelläufige Silber- büchscn, an Leggins und Medizinbeutel; und wir glaubten am gläubigsten an das bronzefarben edle, heroisch schweigsame Profil Winnetous. Vielleicht hätten wir lieber nicht daratz glauben sollen. Denn die Welt, in der wir dann später Hausen sollten, zieht aus guten Gründen einen weit unscheinbareren Menschenschlag vor — einen Menschenschlag, der weder eine Fährte lesen noch den berühmten Knieschuß zwischen den Augen eines Spähers tun kann, aber dafür mit der Doppelzunge eines heuchlerischen Bleichgesichts redet und den ehrlichsten Trapper in Verlegenheit setzen darf. Iedoch an unseren Horizonten stand herrisch Winnetous Antlitz, beispielhaft und vorbildlich. Lind das war in der Lat nichts Geringes: denn schließlich war doch Old Shatterhand auch ein Kerl, der durch die prachtvollsten Fähigkeiten bestach. Aber so anerkennenswert fein Iagdhieb auf die feindlichen Schläfen war und so erregend Das Volk raste, als die beiden Könige, die beiden Königinnen und das Brautpaar auf den Balkon trat, es geriet aber ins Delirium, als Prinz und Prinzessin allein dort standen, um- rauscht von ihrem jungen Glück. ♦ Sechstausend Gefangene sind in Freiheit gesetzt worden. Dierhunderttausend Menschen brauchen ihre Geldstrafen nicht zu bezahlen, nicht einmal die Polizeibußen. Zehntausend Paar Schuhe wurden verteilt, alle Pfänder im Leihhaus ausgelost, es gibt Brot und Spiele! Stundenlang zieht der Trachtenzug vorüber, tausend Tiere führt er mit, Ziegen und Pferde und Schafe und Kamele, Mohren und Muselmänner — groß, groß ist das Reich des Königs. Aus Südtirol kommen sie und aus Rhodos, die Tamburine schellen, die Dudelsäcke flöten, man tanzt die Tarantella und singt ergreifende Volkslieder Auf buntbemalten Karren, auf dem Rücken von Eseln und Muli trotten vollständig ausgerüstete Brautbetten vorüber. Hochzeitsbitter «n voraus. Iede Provinz hat ihre schon- ädchen ausgewählt, das Herz kann einem sein unfehlbarer Schuß aus Bärentöter und Henrhstuhen: an den „roten Gentleman" Winnetou kam selbst er nicht hera^ ■Unb so hübsch es sein mochte, beim Indianerspielen etwa den listig kleinen Sam Hawkens vorzustellen oder den bärenstarken Old Firehand oder den geriebenen Schuft Santer — zunächst wollten wir allesamt Winnetou werden. Erst wenn seine Maske und seine Rolle vergeben war, entschlossen wir uns zaudernd, den Ramen eines andern Westmanns und Savannenläufers anzunehmen. Iedoch, das Richtige war das nicht; denn Winnetou war eben alles untergeordnet. ■Unb, falls wir ehrlich sinb: niemals waren wir in jenen Iahren so zuverlässig, so ritterlich, so überlegen gütig, als wenn wir Winnetou spielten. Alle Bosheit fiel von uns ab, wir ärgerten niemanben mit ungestümen Streichen; jebe Un- beherrschtheit der Zunge war uns ein Greuel. Wie hätte sich auch bas bamit vertragen, daß wir tapferer, besser, heldenhafter waren als bas Volk ber weißen Männer unb den Vorrang auf das nachdrücklichste bestätigen mußten! Ein Iahr nur — ein strenges, knabenhaftes herbes Iahr nur — waren wir so heroisch, wie wir das eigentlich allem Widerstand und Hemm» nis zum Trotz hätten werden können, wenn wir nicht doch allmählich ein bißchen klug unb toelt- getoanbt geworben wären und der Einsicht Platz gemacht hätten, daß die Winnetous immer und immer dem Untergang geweiht sind, während die Vorsichtigen auf ber (Stufenleiter hurtig höher klimmen. Rur ein Iahr gehörte Winnetou • Langsam schritt er bann aus unseren Gebanken- räumen hinaus; benn unversehens waren anbere Heroen mächtiger unb zwingenber geworden. Schlank, schweigsam, bronzefarben ging er gelassen in die halbe Dämmerung jener verschütteten Bezirke hinüber, in deren ungewissem Licht jetzt auch die Gleichungen mit den zwei Unbekannten und die Feldzüge aus dem Dreißigjährigen Kriege ruhen. Die Fährte seines geschmeidigen Fußes verwischte sich zur Unkenntlichkeit. Denn das Leben hat von uns nicht gewollt, daß wir Bowiemesser und Lasso in der Faust halten. Es hat nicht gewollt, baß wir „Zounds!" sagen unb flink den Skalp vom Haupt unserer Feinde trennen. Es hat uns Schreibmaschinen oder Geschäftsbücher oder sonst etwas Rühlichcs in die Hand gedrückt. Und es hat uns gelehrt, bah man ben Gegner noch besser trifft, wenn man spitze Polemiken toiber ihn schreibt ober gehörig hinter seinem müben Rücken herschimpft. pumpern wie bamals, als man ums Lyzeum herumschlich. Schönes, schönes Italien —I Auf dem Kapitol stehen brei michelangeleske Paläste, die durch Zubauten für den einen Tag des großen Empfangs verbunden wurden. Sv trefflich sind sie ausgefallen, daß man sehr scharf zugucken muß, um unterscheiden zu können, too das Echte aufhört. Vielleicht, die Aestheten streiten sich schon, würde der Platz durch eine solche Geschlossenheit gewinnen. Wie ber Blick nachts bei bem großen Empfang hinunterfiel auf bie unsagbar gewaltige Trüm- merftätte des Forum Romanum, gewahrte er dort Gladiatoren und Bürger im Streit, bann tauchten Fackeln auf, Prätorianer machten Platz ... Blumen, Frauen ... ein antiker Hochzeitszug .., Gallier, Germanen, Aethiopier ... man hält ben Atem an, bis bie Schatten unter bem Triumphbogen verschwunben sinb. Das war geniale Regie. Feuerwerk auf dem Ianiculus. Hofjagd in Castelfusano. Paraden. Galavorstellung im Opernhaus. Ein Parkett von Königinnen. Mögen sie markten im Haag — wir, wir leben im Märchen. Doch wenn auch die Silberbüchfe nicht mehr dröhnt und der Kriegsruf der Apachen nicht mehr über bie Prärie rauscht — allzu sehr bürfen wir uns nie barauf verlassen, baß Winnetou starb unb schattenhaft im Rebel zerging. Denn es kann fein, daß wir eines Tages durch bie Savanne ber Friedrichstraße pirschen, unb baß bann von hinten die biedere Faust Gerhard Ritsches auf unsere Achsel haut. Ritsches, der damals wohl ein Old Firehand war. Dann aber können wir machen, was wir wollen: während die Untertertia und die Obertertia aus ihrer Versunkenheit hinterlistig heraufgeschlichen kommt, hebt sich langsam ein schweigendes, gebräuntes Profil aus den Schatten ... und während zwei ausgediente abgehalfterte Obertertianer ein bißchen verlegen zusammen in die Settlements der Leipziger Straße einbiegen, schreitet — unhörbar, unsichtbar — der schweigsam schlanke Winnetou mit ihnen. Winnetou, der besser war als wir alle... Der Gonntagswächier. Von Siegfried von Vegesack. Hier im Dorf gibt es keine Schupo, keine Sipo und überhaupt keine po. Dafür gibt es den Sonntagswächter. Die Würde eines Sonntagswächters wird jedem männlichen Einwohner zuteil. Und da unser Dorf etwa zwanzig Häuser hat, kommt jeder ungefähr zweimal im Iahr an bie Reihe. Waffe unb Emblem des Sonntagswächters ist eine lange Hellebarde mit Blechschild, auf dem „Gemeindedienst" steht. Mit dieser Hellebarde bewaffnet, umschreitet ber Sonntagswächter toäfj- tenb der Kirchzeit feierlich das Dorf, sieht zu, baß nichts gestohlen wird, unb daß kein Feuer ausbricht. Selbst die ältesten Sonntagswächter erinnern sich nicht, daß bisher während der Kirchzeit etwas gestohlen wurde, ober bah ein Feuer auKbrach. Aber vielleicht ist bie erfreuliche Tatsache nur dem Vorhandensein des Sonntagswächters zuzuschreiben. Als uns eines Samstagsabends zum erstenmal die Hellebarde ins Haus getragen unb ich in bie Geheimnisse bes Sonntagswächteramtes ein- geweiht wurde, konnte ich. blaß vor Glück, die ganze Rächt kaum schlafen. Es war das erste öffentliche Amt. das mir anvertraut wurde, unb toirb wohl auch mein letztes sein. Schon in aller Frühe, wenn bie letzten Kirchgänger. alte Dauern in schwarzen, breitkrempigen Hüten mit talergeschmückten Westen, bie Straße dem er ft en Schritt auf bie schiefe Ebene ne n Schutz vor dem Abgleiten mehr gibt. Es war gut, daß solchen Möglichkeiten dank ber unabhängigen Stellung ber Reichs« bank ber Boden von vornherein entzogen war. Herr Schacht hat sich als ein unerbittlicher Hüter ber Währung gezeigt. Freilich bie Macht, bie ihm f;in Amt verlieh, mar mehr negativ als positiv. Er konnte wohl bie zunehmenbe Verschuldung im Auslanb abbremsen, er konnte auch bafür sorgen, baß bie Mark auf ben internationalen Gelbmärkten ihre Parität mit den anderen Gold- beoifen bewahrte, aber bie Mißwirtschaft im Innern, bas sinnlose Anschwellen ber Ausgaben über die Einnahmen, bie Defizitbetriebe unb die Verringerung ber inlänbischen Kaufkraft ber Mark konnte er nicht oerhinbern. Erst als man endlich ohne seine Mitwirkung nicht mehr auskam, konnte er es im Dezember vorigen Jahres erzwingen, bah im Gegensatz zu bem Hilserdingschen Dilettantismus ein erster Versuch gemacht wirb, bas Finanzwesen bes Reiches auf eine gesunde unb solibe Basis zu stellen. Auch biefer Erfolg ist der Autonomie ber Reichsbank z u danken. Er war nur möglich, weil sich ihre Leitung nicht mit dem jeweiligen Kurs ber Regierung zu ibentifizieren braucht. Unb babei muß es bleiben! Von ber Person des Herrn Schacht kann ganz abgesehen werden, aber an bie Spitze ber deutschen Notenbank gehört ein Mann, ber es nicht nötig hat, mit ben parlamen« torischen Majoritäten zu liebäugeln unb mit den von ihnen bestellten Ministern Kompromisse zu schließen, ein Mann, ber ohne ein rotes ober rötliches Parteibuch in ber Brusttasche, frei unb unabhän - g i g für sein Institut unb für bie Währung bes Reiches sorgen kann. Gewiß ist es grundsätzlich nicht wünschenswert, daß ber Reichsbankpräsibent eine berartige Ausnahmestellung besitzt, aber wie die Verhältnisse liegen, ist es zur Zeit unvermeidbar. Das Vertrauen in unsere Währung stützt sich zum großen Teil auf bie Gewißheit, baß sie in bie finanzielle Misere und marxistische Mißwirtschaft nicht hinein- gezogen werben kann. Wenn biefe beseitigt sinb unb wenn bie regierenben Parteien gelernt haben, ihre Ausgabefreubigkeit zu zügeln unb statt mit Schulden mit Den tatsächlich vorhandenen Einnahmen zu wirtschaften, bann ist es Zeit, auch bas Statut ber Reichsbank zu reoibieren unb ihrem Präsibenten wieber den Platz unter bem Reichskanzler anzuweisen, ben er vor bem Kriege einnahm. Die Regierung muß erst beweisen, baß sie selbst bie er- forderliche finanzielle Gewissenhaftigkeit besitzt, ehe man ihr ben Schlüssel zum Gelbschrank wieder in bie Hanb gibt. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen. 15. Ian. Ein oberhessischer Standesbeamter hat sich mehrerer Verfehlungen gegen das Personen st andsgesetz schuldig gemacht, indem er die Trauung einer minderjährigen Braut ohne Einwilligung ihres gesetzlichen Vertreters und weiter eine andere Trauung vorgenommen hat, ohne vorher das ordnungsmäßige Aufgebot zu veranlassen. Strafe: je zehn Mark Geldstrafe oder 2 Tage Gefängnis. Außerdem hat er aber auch in einem Falle falsche Einträge in das Heiratsregister und in das Aufgebotsverzeichnis vorgenommen. Obwohl § 348 StGB, für dieses Delikt eine Mindeststrafe von einem Monat Gefängnis vor- sieht, erkannte das Gericht doch dem Antrag des Staatsanwalts gemäß an Stelle dieser in erster Linie verwirkten Freiheitsstrafe auf eine Geldstrafe von 100 Mark. Ein bisher unbestrafter Angestellter war geständig. bei feiner Firma im Laufe der letzten Iahre den Betrag von etwa 20 000 Mark unterschlagen unb diese Unterschlagungen durch Fälschung der Lohnlisten, Eintragung höherer Löhne ufto. verschleiert zu haben. Er will durch seine finanzielle Rotlage und die großen Aufwendungen für feine Familie zu diesen Verfehlungen gekommen fein. Das Gericht billigte dem An- zum Marktflecken hinunterstapfen, schreite ich, die Hellebarde aufrecht in ber Hand, über den grünen Hügel ins Dorf, und Frau und Kind Winken mir stolzerfüllt ein letztes Lebewohl vom Fenster zu. Mit äußerster Gewissenhaftigkeit prüfe ich jedes Haus, jeden Schornstein, jede Tür. Aber nirgends kann ich etwas Verdächtiges bemerken. Das ganze Dorf ist wie ausgestorben. Rur fürchterlich zischende Gänse ziehen in Scharen hinter mir drein, weichen aber vor meiner gezückten Hellebarde scheu zurück. Beim Pledl knabbern zwei Ziegen an einem Obstbaurn; ich treib sie mit der Waffe in die Flucht. Drüben beim Killinger hockt ein Bub in der Pfütze und brüllt. Ich zieh ihn heraus, aber jetzt brüllt er noch toller. Da. plötzlich kommt ein Schwein um die Ecke, rennt wie besessen durch die Pfütze und verschwindet in Obermeiers Krautfelde. Ratlos stehe ich mit der Hellebarde da. schleiche mich gebückt um den Acker und stürme mit vorgehaltenem Spieß auf den Sonntagsfrevler los. Er zieht sich grunzend zurück. Ich bin von einem so unbändigen Pflichteifer erfüllt, daß ich in jedes Fenster hineinschaue unb in jede offene Tür eintrete. Immer liegt irgendwo eine Spiegelscherbe, ein steifes Vorhemd und ein abgebrochener Kamm. Unb überall wälzen sich winzige Geschöpfe auf dem Fußboden, starren stumpfe Augen mich blöde an. Doch man sieht auch rührende Bilder: Väter und Großväter, die das Iüngste wiegen, während die Mutter zum Hochamt gegangen ist. Uralte verhuzelte Weiberchen zupfen mich am Arm und laden mich freundlich zum Sitzen ein. r /?^r am liebsten gehe ich in das kleinste, letzte Häuschen, das abseits am Walde liegt. H'er wohnt ein junges, glückliches Paar, eine strahlende Mutter, unb fast jedesmal wenn ich komm, regt sich wieder etwas in der Wiege und hackt ein Kind mehr auf dem Fußboden! Habe ich so in alle Häuser geb lieft, bin ich toteber auf und ab geschritten, von einem Ende jum anderen, bann überschau ich noch einmal vom grünen Hügel das ganze am Hang niedergeduckte Dorf unb das weite Land mit ben blauen Bergen und Wäldern. Aus der Tiefe klingt die Sonntagsglocke vom Marktflecken herauf, und über ben ^alb kommen die hellen hohen Glocken aus Rinchnach, bem früheren Kloster. Die ersten Kirchgänger, schwarze, steife Gestalten, eine hinter ber anderen, stapfen den Derg herauf. Das Amt des Sonntagswächters ist vorüber. Und mit feierlicher Würde, bie Hellebarde aufrecht in ber Hand, kehrte ich heimwärts. Regierung und Reichsbank. Professor Dr. Max J. Wolff, Berlin. Der bedauerlich offene Krach im Haag mußte unter allen Umständen vermieden werden. Der Gegensatz zwischen der deutschen Regierung und dem Reichsbankpräsidenten durfte nicht in der Öffentlichkeit und sogar noch im Ausland unter den Augen unserer Gegner ausgetragen werden. Der Zwischenfall hat das Ansehen der einen wie der anderen Seite schwer geschädigt. Herr Schacht kann sich freilich darauf bekusen, daß er die Regierung über feine Absicht nicht in Unkenntnis gelassen, sondern ihr rechtzeitig den Inhalt feines Briefes an den amerikanischen Bankier Reynolds mitgeteilt habe' aber er mußte sich sagen, als er trotzdem a l s Sachverständiger nach dem Haag berufen wurde, daß seine Absicht entweder mißverstanden ober in ihren Konsequenzen nicht deutlich genug ausgedrückt war. Es mußte ihm klar fein, daß er auf der dortigen Konferenz nicht als Gegner, sondern als Helfer der deutschen Minister auftreten sollte. Wenn man aber zugibt, daß sich Herr Schacht i n der Form vergriffen hat, so ist damit in der Sache nichts gegen seine Auffassung gesagt. Man kann gewiß der Ansicht sein, daß die nachträglichen Verschlechterungen des Poungplans nicht so schwer ins Gewicht fallen, daß seine Ablehnung und damit die Rückkehr zum Daroesplan eine nationale Pflicht ist, aber man wird auch der entgegengesetzten Ansicht ihre Berechtigung zugestehen, und vor allem roird man dem Reichsbankpräsidenten, dem Mann, der zum Hüter der unter den größten Opfern stabilisierten deutschen Währung bestellt ist, nicht das Recht bestreiten, seine Stimme zu erheben, und zwar so laut als möglich zu erheben, wenn er eine Gefahr für diese Währung befürchtet. Das ist keine „nationale Disziplinlosigkeit", wie der „Vorwärts" pathetisch erklärt, „kein Theater", das zum Besten der internationalen Zuschauer aufgeführt wird, sondern die Erfüllung einer selbst - verständlichen Pflicht. Innerhalb ber deutschen Grenzen gibt es wohl kaum einen zurechnungsfähigen Menschen, ber an ber Ausführbarkeit bes Poungplanes nicht zweifelt, unb wenn eine Finanzautorität wie ber Reichsbank- präfibent biefen Zweifeln Ausbruck gibt unb erklärt: „Hier kann ich beim besten Willen nicht mehr mitmachen!", ba wäre es besser, diese Erklärung als wirksame diplomatische Waffe gegen bie Gegner zu verwenben, statt ben Mann, ber sie gewiß nicht leichten Herzens abgegeben, zu verhöhnen unb niebrzubrüllen. Allgemein wirb von Schachts Gegnern bie Forderung erhoben, das Statut ber Rcichsbank zu änbern, b. h. bem Präsibenten, mag es nun Herr Schacht ober ein Nachfolger sein, eine Stellung anzuweisen, bie ihm in Zukunft j e - den Widerspruch gegen die Pläne ber Regierung unmöglich macht. Der Leiter unserer Notenbank besitzt die denkbar größte Unabhängigkeit. Er ist von der Regierung nicht eingesetzt und kann von ihr nicht abgesetzt werden. Er ist weder dem Reichskanzler noch dem Reichspräsidenten verantwortlich, sondern nur bem Verwaltungsrats seines Institutes, der sich wieber aus unabhängigen Männern ber Wirtschaft zusammensetzt. Diese übergeordnete Stellung wurde der Reichsbank und ihrem Präsidenten als Schutzmittel gegen eine neue Inflation eingeräumt, man wollte der Regierung jeden Einfluß auf die Notenbank, auf das Rückgrat der Wirtschaft, entziehen. Das war eine Forderung, die von den ausländischen Gläubigern gestellt wurde, aber eine Forderung, die auch im dringend st en Interesse bes beutschen Volkes lag. Der Vorgang ber unbegrenzten Notenausgabe bürste sich nicht wiederholen, das Reich sollte auf diese Weise gezwungen werben, seine Einnahmen unb Ausgaben ohne den Druck von zusätzlichem Papiergeld zu balangieren. Deutschland ist von einer zweiten Inflation verschont geblieben, aber man wird nicht behaupten, daß darum die bisherigen vorbeugenden Maßnahmen überflüssig wären. Im GeKnteil, bei der finanziellen Mißwirtschaft, bie sich überall in Reich, ßänbern unb ® emeinben breit macht, wirb man bafür bankbar sein, baß bie Reichsbank noch immer ihre völlig unabhängige Stellung besitzt, baß sie — unb bamit Die Deutsche Währung — wie ein Fels im Meer, unberührt von allen um- roogenben wirtschaftlichen unb finanziellen Krisen, dasteht. Die Finanzwirtschast ber letzten Jahre bestand in einer unbegrenzten Ausgabefreudigkeit, ohne daß man sich um die Frage ber Deckung viel Sorge machte. Ausgaben und Einnahmen gerieten in ein immer stärkeres Mißverhältnis. Selbst in Preußen, dem Staat, der noch am verständigsten in finanzieller Beziehung verwaltet wird, ist das Defizit eingezogen, und die anderen Länder sowie das Reich unb ber größte Teil ber großen Kommunen greifen heute zu ben verzweifeltsten Mitteln, um ber chronischen Erschöpfung ihrer Kassen und ber beftänbig zunehmenden Verschuldung zu begegnen. Hätte es unter diesen Umständen nicht nahe gelegen, wieder zur Notenpresse zu greifen? Gewiß nicht in der bösen Absicht, eine neue Inflation Herausgabe- schwören. Aber so ein bißchen Papiergeld hätte doch in manchen Augenblicken eine bedeutende Erleichterung gebracht. Die Versuchung wäre groß gewesen, unb aus Erfahrung wissen wir ja, baß es n a ch geklagten mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu 7 Monaten Gefängnis. (Sin auswärtiger junger Mann wurde beschuldigt, in mehreren Fällen sich mit jugend- lichen männlichen Personen — § 175 StGB. — vergangen zu haben. Er war umfassend geständig. Da der Mißbrauchte in einem Falle unter 14 Jahre alt war, liegt auch ein Verbrechen gegen § 176 Ziffer 3 StGB. vor. Das Gericht nahm in Liebereinstimmung mit dem Staatsanwalt mildernde Umstände an, sprach aber mit Rücksicht auf das für die Jugend außerordentlich gefährliche Treiben eine Gefängnis- strafe von zusammen 11 Monaten und 2 Wochen aus. Der andere jugendliche Angeklagte wurde zu 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 18. Januar 1930. Auslandsdeutschtum und Schule. Der Abschluß der Tagung. Der Lehrgang „Auslandsdeutsch- Ium und Schule" fand am Donnerstagnachmittag seinen Abschluß. Aach einleitenden Worten von Oberstudiendirektor Prof. Altendorf (Gießen) behandelte Sludicnrat Prof. Dr. König ehemals in Straßburg, der derzeitige Dozent für Auslandsdeutschtum an der hiesigen Universität, das Thema „Volk und Staat". Er führte etwa folgendes aus: Bolksgrenzen decken sich nicht mit Staatsgrenzen. Aicht der Staat ist Zweck, sondern die Volkheit. Der Staat soll Mittel zum Zweck sein zur Erfüllung der Vo'k- heit, ein Volk ohne Staat kann nicht leben. Das deutsche Volk lebt nicht nur in Deutschland, sondern im Grunde in mehr als zwanzig europäischen Staaten. Als Volk sind wir Deutsche die größte Volkheit Europas, zählen weit mehr als die 60 Millionen Russen und sind an Zahl doppelt so stark als die Franzosen. Im Ra- tionalitätenstaat Schweiz leben mehrere Volkheiten friedlich zusammen. Auch in Estland ist es gelungen, die Mehrheit der Estländer mit der Minderheit der Deutschen in gedeihlicher, fruchtbringender Zusammenarbeit zusammenzufuhren. Die Mehrheit unterdrückt nicht die Minderheit. Treue dem Staat und Treue dem Volk können nebeneinander Berechtigung finden. Der Staat ist in der Regel mehr Gesellschaft, während Volkheit enge Gemeinschaft bildet. Die Gemeinschaft ist die höhere, der einzelne ist untergeordnet. Die Stellung zur Gesellschaft Staat kann man auf- geben, die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft Volk nicht, es müßte denn jemand seinem Volk untreu werden. Volkheit ist relativ ewig. Hoffen wir, daß wir alle vom Staat über das Volk doch noch einmal zum Ziel kommen! Legalionsrat Dr. Bochme vom Auswärtigen Amt. ehemaliger langjähriger Leiter der deutschen Auslandschule in Mexiko und einstiger Austauschprofessor an Liniversi- täten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, referierte über das Thema „Von der Arbeit der deutschen Auslandschulen". Er zeichnete zunächst die einzelnen Typen der deutschen Auslandschulen, die vielfach von kirchlicher Seite ins Leben gerufenen Siedelungs- schulen, die nach 1850 entstandenen Auslandbürgerschulen, deren Bildungsziel schon gehoben war, wenn auch die deutschen Lehrpläne noch keine Berücksichtigung fanden. Aach 1871, als Vertreter von deutschen Handelssirmen in den Handels- und Hafenstädten fremder Staaten ansässig wurden, gestaltete sich der Charakter der Schulen um. Die Lehrziele wurden höher gesteckt: Es entstanden die ersten Realschulen mit Anschluß an die deutschen Lehrpläne. Sie fanden Der Traum vom Slülk. Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 14. Fortsetzung. Raddruck verboten. Inzwischen war Scharf denselben Pfad hinabgeschlendert, den Sabine von Rechten und Kurt von Wildhofen kurz vorher eingeschlagen hatten. Er hatte die beiden von dem Fenster seines Dachstübchens aus in den Wald schreiten sehen. Den abgeschabten Kragen seines alten Lieberziehers hoch hinaufgeschlagen und den zerdrückten Hut möglichst tief in die Augen gezogen, so stopfte er langsam einher. Seine roten Hände hatte er tief in die Rocktasche vergraben, und ein schmutziges buntes Seidentuch schützte seinen Hals vor der Kälte. Mit seinen schadhaften Stiefeln bewegte er sich auf dem feuchten Waldwege vorsichtig weiter, dabei ununterbrochen mit sich selbst redend und lebhaft gestikulierend. Meistens waren cs Drohworte, die aus seinen zusammengepreßten Lippen hervordrangen. Der Mann sah krank, hungrig und verzweifelt aus: ein Bild des Elends. Er trat jetzt in einen der schmalen Pfade, den man der Fasanenjagd wegen durch das dichte Unterholz gebahnt hatte. Solche Durchbrüche waren in großer Anzahl vorhanden, die teils durchschnitten, teils nebeneinander herliefen oder das Jagdterrain umgaben. Der Fremde war noch nicht weit gegangen, als er in geringer Entfernung das vom Fenster aus beobachtete Paar in eifrigem Gespräch stehen sah. Er trat schnell seitwärts in das Gehölz und verbarg sich hinter einem dichten Wacholderbusch. Die Entfernung zwischen ihm und den beiden jungen Leuten war zu groß, als daß er sie hätte belauschen können, obwohl das Paar viel zu vertieft in sich selber war, um die Aähe eines Dritten zu ahnen. Der Herr hielt die Hände der jungen Dame in den seinigen und versuchte, sie leise an sich heranzuziehen: sie aber entzog sie ihm, wandte sich hastig von ihm ab und betrat schnell den Weg, der an dem Versteck des Fremden vorüberführte. Ihr Begleiter sah ihr einige Augenblicke nach: dann schritt er mit gesenktem Antlitz in der ent- geoengcsehten Richtung davon. Sabine, denn sie war es, schien bis ins tiefste Innere erregt zu sein Heiße Tränen rollten über ihre Wangen, und ein krampfhaftes Schluchzen erschütterte ihre schlanke Gestalt, während sie langsam zum Pachter- Hause zurückkehrte. Der Mieter von Frau Heiß hatte dieses scyone Mädchen vor langen Jahren, als es noch em Kind war, zum letzten Male gesehen: aber ihr goldblondes Haar und ihre großen, blauen Augen waren unverändert geblieben. deutscherseits 1899 Anerkennung, und nicht lange später wurde einzelnen auch das Recht zugespro- chen, Reifezeugnisse auszustellen, so in den Städten Konstantinopel. Bukarest, Antwerpen und Brüssel. Aach 1900 wurde auch Kindern des Gastlandes Genehmigung erteilt, in die deutsche Auslandschule einzutreten, infolgedessen stieg die Schülerzahl vor dem Weltkrieg noch auf 56 000, von denen aber am Schluß des Weltkrieges nur noch ein Viertel übrig blieben. In den letzten Vorkriegsjahren wurde auch noch die Gründung von deutschen Auslandschulen nur für Ausländer vorgenommen, die man als Propagandaschulen ansprechen darf. Sie wurden alle ein Opfer des Krieges und sind bis heute nicht wieder eröffnet worden. 3n ungeahnter Weise stieg nach dem Weltkrieg der Besuch der deutschen Auslandschulen wieder in die Höhe, die Vorkriegszahl von 56 000 war bald überholt, ein Zeichen dafür, daß die deutschen Schulen doch in den Ländern verwurzelt waren (selbst in Belgien). Sämtliche deutschen Auslandschulen werden getragen von Schulvereinen, sind also privater Aatur: Reichsschulen bestehen bis heute noch keine, wenn auch die vom Reich aufgebrachten Mittel für die deutschen Auslandschulen viel größer sind, als vor dem Weltkrieg. Alle Schulen verbindet der Blick auf Deutschland, der Anschluß an deutsche Ziele. In wenigen Jahren werden etwa zwanzig deutsche Vollanstalten im Auslande vorhanden sein, z. Z.-sind es schon zwölf. Infolge der Zwei- sprachlichkeit macht der Unterricht in den Schulen große Schwierigkeiten. Wenn auch die deutschen Lehrpläne Richtlinien bilden müssen für das Bildungsziel, so muß auch den Lehrzielen des Gastlandes unbedingt Rechnung getragen werden, die Arbeit wird dadurch sehr erschwert. Die Schulen sind als Einheitsschulen zu betrachten, vom Kindergarten ab bis zum sechs- bis siebenjährigen Volksschulaufbau, auf dessen Grundlagen dann bis zur Reisevrüfung weitergearbeitet wird. Das Hauptarbeitsg:biet ist und bleibt der deutsche Sprachunterricht. Vom Redner wurde am Schluß seiner Ausführungen noch dankbar anerkannt, daß namentlich in Hessen für die deutschen Aus- landschulen großes Interesse besteht. Obcrftttdicndirektor Altcndorf sprach unter dem Beifall der Lehrgangsteilnehmer allen Rednern herzlichen Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Anregungen auf fruchtbaren Boden gefallen sein möchten. Bornotizen. — „D i e andere Seite" im Stadttheater. Man schreibt uns: Aach den vielen Kriegsbüchem hat nun ein Engländer, R. C. Sheriff, auch eine Tragödie des Schützengrabens geschrieben: „Journey s End“ („Die andere Seite"), ein Stück in 3 Akten. Deutsche Bearbeitung von Hans Reisiger. Es hat einen beispiellosen internationalen Erfolg gehabt in London, Aeuyork und Paris. Dieses Stück wird am Mittwoch, 22. Januar, in unserem Stadttheater unter der Spielleitung des Intendanten Dr. Prasch erstaufgeführt. * ** Wer hat Photographien vom K r ie a s a u s m a r s ch der Gießener Garnison? Zur Vervollständigung der Sammlungen unseres Oberhessischen Museums wäre es der Museumsleitung erwünscht, wenn ihr photographische Aufnahmen, die beim Kriegsausmarsch der hier aufgestellten Truppenteile gemacht worden sind, überlassen würden. Cs handelt sich darum, diese Bilder in wohlgeordneter Sammlung und in Verbindung mit anderen Dokumenten und Erinnerungsstücken aus der Kriegszeit für spätere Geschlechter, zu erhalten. Wer von unseren Mitbürgern Gewicht darauf legt, die Aufnahmen im eigenen Besitz weiter zu verwahren, möge die Photos der Museumsleitung vorübergehend zur Herstellung einer neuen Aufnahme überlassen. Man darf wohl hoffen, daß Jetzt trat er plötzlich aus dem Gehölz heraus und stellte sich ihr in theatralischer Pose und mit ausgestreckten Händen in den Weg. Sabine schrie laut auf und stand vor Schreck gelähmt still: sie hielt den Mann für einen Landstreicher mit üblen Absichten. Trotzdem versuchte sie mit Aufbietung ihres schwachen Mutes, an ihm vorbeizuschlüpfen. Doch er blieb mit aus- gebreiteten Armen inmitten ihres Weges stehen, somit offen seine Absicht bekundend, sie nicht durchzulassen. „Sei ganz ohne Furcht, mein liebes Kind! redete er sie jetzt an. „Ich würde dir um keinen Preis der Welt etwas Böses zufügen." „Geben Sie mir den Weg frei, bitte!" flehte das geängstigte Mädchen. „Was, du erkennst deinen eigenen Vater nicht mehr, mein Täubchen?" „Mein Vater?" Mit entsetzten Blicken maß sie die Vagabundengestalt vor sich von oben bis unten, und noch einmal in das Gesicht des Mannes schauend, kam ihr plötzlich die Erinnerung an ihre Kindertage. Auch wußte sie, daß ihre Mutter „ihn" erst gestern getroffen hatte. „Warum bist du denn noch immer hier?" stammelte sie. „Du hast der^Mutter gestern versprochen, die Gegend zu beifaffen und keine Begegnung mehr mit uns zu suchen", sagte sie jetzt mit plötzlich wiedergewonnener Fassung. „Ach, mein Kind, Versprechungen sind schnell gemacht und oft schwer zu halten. Deine Mutter zum Beispiel versprach mir auch etwas, nämlich eine Summe Geldes, und ich kann nicht früher von hier fort, bis ich sie habe. Ich brauche Geld, um nicht zu verhungern, liebe Sabine — ich brauche dringend Geld." „Du willst also jetzt von mir Geld haben?!" „Ja, eine große Summe noch dazu, mein gutes Kind! Deinem armen Vater geht es sehr traurig. Sieh dir diesen abgetragenen Lieberrock, diese Hassenden Stiesel, dieses zerlumpte Flanellhemd an!" Er öffnete den alten Paletot. „Keine Weste, kein warmes Llnterkleid, um mich vor der Kälte zu schützen! Ach, Sabine, ist es recht, daß du in Samt und kostbarem Pelzwerk einhergehst, während dein armer, kranker Vater vor Kälte zittern muß in feiner elenden Kleidung?" Trotzdem Sabine ihn in seiner ganzen Schlechtigkeit kannte, erfüllten sie seine Worte doch mit dem tiefsten Mitleid: auch ließ sich ihre Wahrheit nicht leugnen. „Ich habe aber kein Geld, um es dir geben zu können, Vater!" erwiderte sie klagend und mit einem traurigen Blick auf feine armselige Erscheinung. „Gott weiß es, wie gern ich dir bei- stehen würde, wenn ich es könnte: aber auch wir sind sehr arm, und wenn du mich auch gut gekleidet siehst, besitzen wir doch nur das aller- notwendigste Geld, um von hier wieder abreifen zu können. Die Kleider, die wir tragen, haben diese Ditte des Museums bet unseren Mitbürgern Erfüllung findet. Zusendungen richte man an die Direktion des Oberhessischen Museums und der Gailschen Sammlungen. *• Das Kirchnotgeld. Von dem Vorsitzenden des Evangelischen Gesamtkirchenvvrstan- des wird uns folgendes mitgeteilt: „In einem „Eingesandt" in der Dienstagnummer wird bemängelt, daß das Kirchnotgeld an den Samstag- nachmittagen von 2 bis 5 Llhr erhoben wird. Diese Anordnung wurde getroffen, weil unser Kirchenrechner zu anderer Zeit beschästigt ist. Wir glaubten auch, durch diese Maßnahme die Entrichtung dieser außergewöhnlichen Steuer unseren Gemeindegliedern, von denen viele am Samstagnachmittag nicht beschäftigt sind, sehr bequem zu machen. Ist es zuviel verlangt, wenn jetzt bei dem schönen Wetter jemand nachmittags einen Spaziergang macht und dabei im Markus- faale vorspricht? Cs jedem recht zu machen, ist eine Kunst, die bekanntlich niemand versteht." ''Eine Erwcrbslosenversammlung. die von den Kommunisten einberufen war, sano gestern von 11 bis gegen 14 Llhr im Katholischen Vereinshaus statt. Vor etwa 200 Zuhörern sprachen das kommunistische Stadtratsmitglied Lepper. Gießen, und der kommunistische Provinzialtagsabgeordnete Schäfer, Bad-Aauheim. Die Versammlung nahm einen ruhigen Verlaus, die Teilnehmer gingen nach Versammlungsschluß ohne Zwischenfall auseinander. Vorsorglich hatte die Polizeibehörde Sicherungsmaßnahmen getroffen. ** Aus dem Gießener Standesamt s- r e g i ft e r. Cs verstorben in der Zeit vom 1. bis 15. Januar: 1. Josef Stern, Viehhändler, 57 Jahre, Aordanlage 11, Martha Jörg, 5 Jahre, Asterweg 7; 3. Karoline Lock, geb. Seibel, 69 Jahre, Kirchenplah 18, Dorothea Baßler, geb. Hütter, Witwe, 65 Jahre, Wetzlarer Weg 80: 5. Berta Kalbhenn, berufslos, 55 Jahre, Kaiserallee 23; 9. Anna Aierstheimer, geb. Scherer, 67 Jahre, Mäusburg 1; 12. Rifka Sulzbacher, geb. Aeumann, Witwe, 71 Jahre, Liebigstraße 31, Elisabeths Geißler, geb. Häuser, Witwe, 73 Jahre, Bahnhofstraße 60, Luise Berta Elisabeth Viertel- Hausen, geb. Schäfer, 28 Jahre, Ludwigstraße 21, Marie Woldt, geb. Aff, Witwe, 55 Jahre, Ebel- strahe 9; 13. Fridolin Zöllner, Pfarrer i. R., 76 Jahre, Keplerstraße 13; 15. Georg Henrich, Geschäftsführer, 61 Jahre, Frankfurter Straße 25. '• ileber d i e Aussichten im Volksschullehrerberuf teilt das hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen mit, daß in den nächsten Jahren voraussichtlich eine Verschlechterung eintreten wird. Die Aufnahme in die Pädagogischen Institute soll deshalb vom Sommersemester 1930 ab nur noch in beschränktem Umfange erfolgen. Cs ist damit zu rechnen, daß nach Abschluß des zweijährigen Studiums als Dolksschullehrer die Anwärter noch 1—2 Jahre (katholische Anwärterinnen sogar 3—4 Jahre) warten müssen, bis sie eine_ bezahlte Verwendung im Schuldienste finden können. In der Wartezeit kann jedoch der Vorbereitungsdienst zur 2. Lehrerprüfung (Staatsprüfung) erledigt werden, so daß die Anwärter dauernd mit dem Lehrerberufe verbunden bleiben. ** Der Kriegerverein Gießen feierte am .Samstag im Saale des (Safe Leib sein 56. Stiftungsfest. Es wurde durch einige Musikstücke der Kapelle Weller eingeleitet, worauf Sri. Liesel Amend einen von Herrn Binde - Wald verfaßten Dorfpruch ausdrucksvoll zu Gehör brachte. Der 1. Vorsitzende, Landgerichtsrat Trümpert, begrüßte die Gäste und Kameraden und entwickelte ein ausführliches Bild der Vereinsgeschichte, wobei er der Altveteranen und aller im Weltkriege gefallenen Kameraden mit Dankesworten gedachte. Anschließend überreichte er an 10 Altveteranen das „Hassia"- Ehrentreuz, die höchste Auszeichnung, welche die Kriegcrkameradschaft „Hassia" verleiht, und gab die gleiche Auszeichnung auch dem Kameraden wir noch nicht bezahlen können." Sie dachte einen Augenblick an ihre Ringe; aber die Steine waren künstliche Diamanten und deshalb wertlos. „Mutter sagte mir, daß sie dir gestern etwas Geld gegeben hätte," fuhr sie fort, „da kannst du doch heute nicht in so großer Rot sein." „Armselige fünf Mark! Die habe ich bereits der Pächtersfrau, bei der ich ein kleines Zimmer mietete — auch ohne Geld natürlich —, gestern gleich für meine Beköstigung gegeben." „Du wohnst im Pächterhaufe?" rief Sabine bestürzt. „Dort, wo wir soeben gefrühstückt haben?" Cr nickte zustimmend. „Lind werde dableiben, bis ich Geld genug habe, diese Gegend als anständiger Mensch verlassen zu können," setzte er mit Rachdruck hinzu. Sabine war sprachlos. Wenn ihre Mutter das geahnt hätte, wäre sie wohl lieber gestorben, als heute mit ihr hierherzukommen. „Du hast aber der Mutter gesagt, daß du sofort nach der Stadt zurückkehren wolltest!" rief sie empört. „Sie glaubt dich bereits dort. Warum hast du sie denn getäuscht?" Der Mann lachte leise in sich hinein. „Ihr lieben Weiblein täuscht euch selbst zu viel. Jetzt aber, Sabine, gib mir einstweilen etwas Geld; selbst das allerwenigste ist mir willkommen. Morgen erscheinst du dann wieder hier und bringst mir mehr. Deine Mutter ist eine gefühllose Frau, hart wie Stein, doch du wirst deinen armen Vater gewiß nicht umkommen lassen." „Aber ich besitze ja kein Geld, Vater: ich sagte es dir schon — außer einer Mark höchstens." Dabei zog sie eine winzige Börse aus der Tasche und schüttete ihren Inhalt auf ihre Hand. Cs waren ungefähr sechzig Pfennige in Rickel, dazu einige Kupfermünzen. Ihr Vater streckte gierig die Hand danach aus und versenkte das Geld ohne weiteres in seine Rocktasche. „Das, liebe Sabine, betrachte ich aber nur als einen Scherz von dir," sagte er dann trocken. „Morgen mußt du mir schon einen größeren Betrag bringen." „Das ist aber alles, was ich besitze." „LInsinn, Kind!" Lind plötzlich in einen grollenden Ton verfallend, fuhr er fort: „Die Leute, bei denen ihr zu Gast seid, sind sehr reich und mit euch befreundet. Du kannst von ihnen Geld verlangen, wenn du nur willst." „Auf welche Weise denn? Ich kann es doch nicht stehlen?" „Rein, natürlich nicht, aber von ihnen borgen!“ „Lieber Vater, Damen borgen sich kein Geld von Freunden, bei denen sie Gastfreundschaft genießen," entgegnete Sabine in halb belehrendem, halb verächtlichem Ton. „Sie sind nicht eure ersten besten Freunde. Du bist so gut wie verlobt mit dem Erben dieser Besitzung, das hat mir deine Mutter erzählt. Karl Rück für Verdienste innerhalb des Vereins. Ehrentafeln tonnten überreicht werden an zwei Mitglieder für 40jährige und zwölf Mitglieder für 25jährige Zugehörigkeit zum Verein. Kain. Albin Klein überreichte nach einer Ansprache über das Kleinkaliberschießen an vier Kameraden die vom Kysshäuserbund gestiftete Ehrennadel für bestes Kleinkaliberschießen und für Erwerbung des Hassiawanderprcises, sowie an zwei Kameraden dieselbe Radel für hervorragende Schieß- Iciftung. Im folgenden gemütlichen Teil kamen neben Musikstücken zur Ausführung ein Tanz, der von drei Damen in schönster Weise vorgesührt wurde, ferner ein humoristischer Vortrag und ein Lustspiel, die sämtlich lebhaften Beifall fanden. Eine Verlosung und anschließender Tanz schlossen die schön verlaufene Feier. " Jahreshauptversammlung der OrtsgruppeGiehenimD. H. V. Man berichtet uns: Die Ortsgruppe Gießen im D. H. D. hielt am vergangenen Samstag im „Bayerischen Hof" ihre Jahreshauptversammlung ab. Der Vertrauensmann der Ortsgruppe. Herr Schaub, begrüßte die Erschienenen, insbesondere Gau- vorsteher Auerbach, Frankfurt, der in einem einstündigen Referat zur Wirtschaftslage sprach. Der noch nicht beendete Rationalisierungsprozeh in der Wirtschaft habe auch im verflossenen Wirtschaftsjahr zu erhöhter Arbeitslosigkeit geführt, wovon gerade die Kaufmannsgehilfen am stärksten betroffen sind. An Hand von Zahlen wies der Redner nach, daß in unserem Wirtschaftsgebiet die Zahl der stellenlosen Kaufmannsgehilfen besonders hoch ist. Rur zaghaft und äußerst vorsichtig nehme die Wirtschaft neue Kräfte auf. Die Schwierigkeiten der Geldversorgung unserer Wirtschaft seien durch Be- iDegungeu auf dem internationalen Geldmarkt zeitweise erheblich verschärft. Mit den Stockungserscheinungen sei auch ein gewisser Reinigungsprozeß in der Wirtschaft verbunden gewesen. Der Favag-Zusammenbruch und der Sklarek-Skandal seien Beispiele hierfür. Mit starken Hemmungen hatte die Wirtschaft von außen zu rechnen, zunächst mit den Reparationen, dann aber auch mit dem hohen internationalen Zinsniveau, hervorgerufen durch die Reuyorker Börsenhausse und endlich dem Angriff auf die deutsche Währung auf der Pariser Sachverständigen-Konserenz. der Diskonterhöhung im Gefolge hatte. Dieser Angriff auf die deutsche Währung habe int Innern eine sinnlose Jnflationsangst ausgelöst und die Kapitalflucht gefördert. Hinzu komme der in Unternehmerkreisen verbreitete Pessimismus. 3m Gegensatz zu der unsicheren Lage der Wirtschaft stehe die Entwicklung des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen - Verbandes. Gemessen an dem Reinzuwachs an Mitgliedern stelle das verflossene 3ahr das beste seit der Stabilisierung dar. Mit einer Mitgliederzahl von rund 380 000 männlichen Kaufmannsgehilfen und Lehrlingen habe der D. H. V. weiter feine Stellung als größter Angestelltenverband der Welt gefestigt. Die erhöhte Spartätigkeit der Mitglieder in der Goldmarksparkasse des Verbandes, die günstige Entwicklung der Versicherungsunternehmungen. vor allem der Berufskrankenkasse des Verbandes, zeugen von dem Vertrauen, daß die Mitglieder zu ihrem Berufsverbande haben. Die sich anschließende 3ahreshauptversammlung der Ortsgruppe zeigte, daß die Ortsgruppe Gießen mit der allgemeinen Entwicklung des Verbandes Schritt gehalten hat. Auf allen Gebieten des Verbandes war eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung festzustellen. Besonders sei hier erwähnt, daß auf dem Gebiete der Berufs- und Allgemeinbildung die Ortsgruppe den Mitgliedern sehr gutes geboten hat und erfreulich ist die starke Anteilnahme der Mitglieder an diesen Bildungseinrichtungen. Der Vorstand wurde durch Reuwahl ergänzt. Mit dem Gelöbnis, weiter für Vaterland, Stand und Verband zu wirken, wurde in das neue Geschäftsjahr eingetreten. Sie hofft, daß er dich bald heiraten wird, und hat mich damit vertröstet. 3ch soll geduldig warten, bis du hier die junge Schloßherrin bist, aber — ich kann nicht warten, ich muß Geld haben — innerhalb zweier Tage schon. Wenn du mit ihm verlobt bist, kannst du dir das ja leicht von ihm vorstrecken lassen. 3ch brauche ungefähr zweitausend Mark." „Aber Vater! Lim Gottes willen! Außerdem bin ich keineswegs mit ihm verlobt." „Keineswegs verlobt? Was hat er dir denn soeben noch gesagt, als er dich bei den Händen hielt? Du willst mich also belügen und mir ableugnen, daß er dich um deine Hand gebeten hat?" „Ich belüge dich nicht, Vater, und sage dir hiermit die volle Wahrheit: Kurt von Wildhofen hat mir allerdings einen Heiratsantrag gemacht, aber ich habe ihn ausgeschlagen." „3hn ausgeschlagen?!" zischte er mit blitzenden Augen. Dabei faßte er ihr Handgelenk und schüttelte sie heftig. „Du Wahnsinnige, du alberne Rärrin, wie kannst du dich unterstehen! Aber ich erlaube das nicht! Geh sofort zu ihm zurück und sage ihm, daß du deine Meinung geändert hast." „Das ist ganz unmöglich, Vater I" „Unmöglich? So? Run, wir wollen gleich sehen, ob es unmöglich ist. Ich werde schon Mittel finden, es möglich zu machen. Sieh her!" Er griff in die Brusttasche seines Rockes und zog einen geladenen Revolver hervor. Sabine sprang entsetzt zur Seite. „Du Törin! Dich zu erschießen beabsichtige ich nicht: aber ich schwöre dir, daß, wenn du mir das Geld nicht bis übermorgen ausgehändigt hast, ich deinen stattlichen Freund erbarmungslos niederschießen werde wie einen Hund." Sabine stieß einen Schreckensruf aus; dann aber, von dem Mut der Verzweiflung erfaßt, führte sie einen heftigen Schlag nach seiner Hand, die die Waffe hielt. Er aber war schneller als sie. denn er zog sie zur Seite und steckte den Revolver hohnlächelnd an seinen früheren Platz. Seine List hatte also Erfolg gehabt und er wußte jetzt, was er wissen wollte: in der Person ihres Liebhabers war Sabine zu treffen. „3n meiner verzweifelten Lage," fuhr er jetzt in drohendem Ton fort, indem er den schäbigen Lieberrock über dem Revolver zuknöpfte, „kann ich mich mit dem, was du mir eröffnet hast, nicht zufrieden geben, und wenn es nötig ist, werde ich ihn" — dabei schlug er dröhnend auf die Stelle, wo der Revolver steckte — „schon zu gebrauchen wissen. Sei also ein folgsames Mädchen und tue, was ich dir sage. Warum in aller Welt hast du diesen Freier denn abgewiesen, da du doch weißt, was für eine vorzügliche Partie er ist?" (Fortsetzung blgt) WwEWAMes" Sonnenstraire Sonntag. 19. Januar, ab 18 Ubr Dale im Lovß mtt -Kavioffelklötzen £. wennev. Gleichzeitig emöfeble ich meine oberen Räume für kleinere und flrduerc Vermmmlungen.______ l^'11 6ar6-H?Kautnnt miiteismüDle ö. Itoöe Am Samstag nnd Sonntag. 18. und 19. Januar [523D AerWWWsil in karnevalistisch dekorierten Näiimcn Ludwigsburg b. Dieseck Jnb. Ludwig Werner 490i) Sonntag, den 19. Januar 1930 Tanzmusik UNt.Miiivirknng v. Herrn Chormstr. Mayer •HNieteMtHMOOHSHH Eine 4J4U" MkttWNSM der ehemaligen 13er Husaren findet am 7. u. 8. Juni dieses Jahres in Frankfurt a. 3JL statt. Aus Anlah dieser Feier werden alle Kameraden gebeten, zu der am 26. Fanuar 1930, nachm. I Uhr, in Dutenhofen, Kr. Wetzlar, im „Gambrinus" stattfindenden Versammlung, wo Angehörige des Vereins ehemaliger 13er Husaren von Frankfurt a. M. sprechen werden, zu erscheinen.___________ siy Sperrholz a «n Eiche. Gaboon u. Kiefer 3-2ämm «ä j ° Breuer und Dielen aller Stärken, ä » e • schwedische und bayerische Hobel» äj£ *-*3 breiter. Svauerlauen. Eichen- u Z o a« Buchen'Schnlliivaren liefern in *~"äo alten Starken i137D feHs fingen BOn & Go., men « 2 s e Tclkvbon 3949. 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Januar, abends 8 Uhr, im Cafö Leib. Om II IIgilt we Leiter der staatswissenschaftl. Ui * K* Ilvllll Abteilung des Ordensamtes, spricht über die jungdeutsche Erneuerungsbewe- gung und den in Bildung begriffenen christlich' nationalen und sozialen Block der Mitte, sisd Eintritt so Pf. Jungdeutscher Orden, Gießen 5J5» Mein neuer Katalog über Blumem, Gemüse- und landw Sämereien, Vogel' futter, Blumen'Knollen, Garten Werkzeuge, Düngemittel usw. ist erschienen und steht Interessenten kostenlos zu Diensten Samenbaus Heinricb Habn Bahnhofstraße Ecke Wolkengasse Telephon 3403 Deiektiv-AdsMlei letzt Sluritr. 17 v., BadNaubeim erledigt Ihnen alle vertraulichen Ange legenbetten dtskretu. preiswert. Ermtlie- lunnen, Beobachtungen. Gesuche, Be« iveiSmiltcli.Stras u> ^tvilvrozesseii. Site, öit- u. HeiratSauSk. ank aUePlätze d.Weti ^lllllllillll!lll!lllllllllllllllll Kurse und Etnzetstunden in Literatur, Prival- unterrtdit in französisch und Englisch. Dr. ßisela Thyrlot, Allcenstr. 13 II. 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H.V., Ortsgruppe Gießen — HerrWilh. Tebje, Hamburg, Bariton (Vorsitzender des Bundes der Männerchöre im D. H.V.) Es werden u. a. vorgetragen: Werke von Beethoven, Liszt, Schubert, Strauß, Kreutzer. Schneider, Kann, Nagel, Gebhardt 5i6D Anschließend: Gemütliches Beisammensein / Tanz Eintritt frei. Eingelührte Gäste willkommen Deutschnationaler Handlungsgehilten- Verband, Ortsgr. Gießen / Der Vorstand Durch Jahrhunderte dasselbe Lob. Immer wieder ist auf die Bedeutung des Köstritzer Schwarzbieres, das blutbildende Stärkungs-Getränk, hingewiesen worden. Generationen haben es täglich mit Behagen getrunken. Alle Blutarmen, Genesenden, Schwachen, aber auch Nervöse und Heber- aebeitete sollten daher täglich ihre Flasche Köstritzer Schwarzbier trinken. Eine durchgreifende Kräftigung des gesamten Organismus wird einsehen und sie werden sich wieder wohl und frischer fühlen. Ber- tretung: Emil Schmall. 487V H Lichtspielhaus HM Nur noch heute und morgen Sonntag: H II. Teil DerGrafvon Monte Crisio Hierzu: Ein auserwähltes Beiprogramm Voranzeige! ■ Gastspiel der besten deutschen Operetten-Revue: Lachendes Leben!!! 120 Personen 20 Personen Ferner das erstklassige Filmprogramm: Heirats-Fieber! Astoria-Lichtspiele Tom Mix = Vnnelfrei Sensationsfilm I VmUIII Ul _________ ____________________________ 428C Samstag, 18. Zanuar 1930 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessens Nr. 15 Drittes Blatt Zeiifragen des Mittelstandes. Ruhen fein kann. Kapital mal Zeit den Rangfolge, ferner das und dergleichen mehr, deutsche Bausparkasse Freunde e. G. m. b. H. Schlüssel ergibt für die System der Auslosung Die älteste und größte ist die Gesellschaft der in Wüstenrot-Ludwigs- muhten. Dieser Aussah macht den Versuch, ausglcichend in dem Widerstreit der Meinungen zu wirken, von dem Gedanken getragen, dah eine v e r - ständnisvolle Zusammenarbeit zwi- schen den werktätigen Schich^n der Bevölkerung und den für die Führung der öffentlichen Aufgaben notwendigen Beamtenkreisen der Qnjgc* Der Angestellte ist innerhalb der deutschen Wirtschaft ein wichtiges Glied. Er nimmt an der Gestaltung der deutschen Bollswirtschaft hervorragenden Anteil. Biele Tausende von Angestellten sind in fernen Ländern tätig. Sie arbeiten bei deutschen und ausländischen Firmen und machen dem deutschen Kaufmann Ehre. Die deutschen Angestelltengewerkschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Angestellten fortzubilden, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und sie zum Gemeinschaftsgeist, zur Mitarbeit am großen Ganzen zu erziehen. Ich glaube, daß bei dieser Einstellung der neue Stand der Angestellten sich immer mehr innerhalb der verschiedenen Berufsstände festigen wird und daß er die besten Aussichten für einen weiteren Aufstieg hat. tiefen. Anderseits sollte auch das Handwerk objektiv über die Einkommerrsverhältnisse, Anstel* lungs- und Befördcrungsaussichten im Beamtentum urteilen. Die Boranschläge von Staat, Städten und Gemeinden g:ben hierfür genügend Material, um phantasicvollen Schilderungen über Deamtcneinkommen entgegentreten zu können. Welche Verbindungen führen nun vom Handwert zum Beamtentum? Erwähnt wurde bereits das Beamtentum als große einzureihen. Man kann auf die Dauer nicht zu- ehen, dah Menschen 20, 30 und 40 Jahre auf der Straße liegen und von den Wohlfahrtsämtern unterhalten werden. Diese ausgestoßenen Men- I chen können auch nie die richtige Einstellung zum Staate finden. Die F i n a n z k r i s e der Städte ist mit darauf zurückzufuhren, daß die Städte gezwungen I ind die Lasten der Folgen der wirtschaftlichen Umschichtungen zu tragen. Darunter leiden andere wichtige Kulturaufgaben der Städte, und dies wird auf die Dauer nicht tragbar sein. Die Stellung der Angestellten in der Wirtschaft unterscheidet sich auch in anderer vielfacher Hinsicht von der des Hand- I arbeiters. Die Tarifverträge für Angestellte ühren eine große Zahl von Beschäftigungsarten auf. Diese sind meistens in vier oder fünf I Gruppen zusammengefaht. Man kann daraus die Verschiedenartigkeit der Angestelltentätigkeit ersehen. Selbst die Tätigkeit, die man gemeinhin I als schematische Arbeit bezeichnet, ist sehr ver- chiedenartig und bedarf der individuellen De- I Handlung. Der Stand der Angestellten ist in neuester Zeit I Gegenstand wissenschaftlicher ülntersu» I ch u n g e n. Die Angestelltenverbände haben über die Angestellten zahlreiche SchAften herausgege- I ben. Anfang des Jahres 1929 haben verschiedene Verbände wirtschaftliche Erhebungen bei ihren Mitgliedern vorgenommen. Es liegen darüber zur Zeit nur Teilergebnisse vor. Zweifellos werden aber die Endergebnisse, die in umfangreichen Schriften dargelegt werden, von großem Inter- I esse sein. Interessant ist es, über die Herkunft der Angestellten einiges zu erfahren. Aach einem Teil- I ergebnis der Erhebung des Gewerkschaftsbundes der Angestellten stammt die größte Zahl der Angestellten aus den Kreisen der Handwerker, Gewerbetreibenden und kleinen Kaufleute. An zwei- I ter Stelle kommen die Arbeiter, an dritter Stelle die Angestellten und an vierter Stelle die Beamten. Die Angestellten, die aus dem Kreise der Landwirtschaft stammen, spielen nach dieser Fest- I stellung gar keine Rolle; ihre Zahl ist eine verschwindend kleine, es sind nur 2 bis' 3 Prozent. Die Angestellten streben danach, die Grundlagen des Berufes zu sichern. Sie müssen dies tun, da — wie schon gesagt — sie einen neuen Stand darstellen, der sich erst den Raum schaffen muß, innerhalb dessen eine Sicherung und Ausbreitung möglich ist. Abgesehen von der Sicherung der Stellung durch Gesetze, der auskömmlichen Bezahlung durch Tarifverträge trachten die Angestellten danach, Einrichtungen .zu schaffen, die eine Sicherung für Rotfälle und vornehmlich für das Aller bieten. Diesem Zweck dient die Angestelltenversicherung, die heute ! Renten bis zu 125 Mk. gewährt. Diese Rente erhalten aber nur diejenigen, die in den höheren Klassen von Anfang an versichert sind. Sie werden sich steigern infolge längerer Dauer der Beitragszahlung. Die Angestelltenverbände haben für ihre Mitglieder noch Zusahversicherungcn geschaffen und geben ihren Mitgliedern bei Erreichung des 60. bzw/ 65. Lebensjahres nach längerer Mitgliedschaft ein Altersruhegeld. Außerdem haben die Verbände verschiedene andere älnterstühungseinrichtungen, die gegen die Rotfälle des Lebens schützen sollen, wie Hinter- bliebenengcld. Auch gibt der Gewerkschaftsbund der Angestellten seinen weiblichen Mitgliedern bei Verheiratung eine Berheiratungsbeihilfe. Der Angestelltenberuf galt vor Zähren als der zukunftsreichste. Es haben sich ihm viele zu- gewandt. 3n den letzten Jahren hat sich diese Ansicht geändert. Das Gespenst des stellenlosen älteren Angestellten hat vielen Eltern vor Augen geschwebt, und sie haben ihren Sohn einem anderen Berufe zugeführt. Eine gewisse Lleber- flutung des Angestelltenberufes ist vorhanden. Sie hat die verschiedensten Ursachen. Trotz alledem bietet auch heute noch der Angestelltenberuf Aussichten. Wissen, Können und Streben eröffnen Aussichten. Die modernen Spezialgeschäfte brauchen erste Kräfte mit guter Allgemeinbildung, hervorragenden Fachkenntnissen, guten Umgangs- formen, geschicktem Benehmen, Redegewandheit. Auch Großhandel und Industrie brauchen tüchtige Kaufleute. Eine große Gruppe unter den Angestellten bilden die Reisenden. Sie alle müssen, wenn sie Geschäfte machen wollen, hervorragende Kaufleute sein. Sie müssen alle guten Eigenschaften besitzen, wenn sie ein Geschäft machen wollen, und es besteht gar kein Zweifel, daß trotz aller Hemmnisse und aller Schwierigkeiten die deutschen Reisenden es verstehen werden, den deutschen Produkten immer neue Absatzmärkte zu erschließen, fei es im Inland, fei es auf dem Weltmarkt. wie immer wieder neuer Zuwachs aus dem Handwerk in die Beamtenlausbahn flieht. Anderseits aber, wie viele Beamten, auch solche höhe- der Kategorien, ihre Söhne und Töchter dem Handwerk zuführen. Sollte es da tatsächlich nicht möglich sein, in der Wechselwirkung dieser Beziehungen bei einigermaßen gutem Willen zu einer gerechteren Beurteilung der beiderseitigen Lebensnotwendig- leiten zu kommen? Man soll sich bemühen, auf beiden Seiten mit Ruhe und Sachlichkeit diese Frage zu behandeln, und vor allem aber solche Entgleisungen vermeiden, wie sie einem Handwerker in einer Wahlzeitung anläßlich der Mainzer Stadtratswahlen passiert sind, die in Beamtenkreisen mit Recht eine sehr scharfe Erbitterung auslösen bürg, die 1924 gegründet wurde; ihr folgte als ausgedehnter privatrechtlicher Verband 1925 die Deutsche Dau- und Siedlungsgemeinschaft e. G. m. b. H. Darmstadt, die auf zinslosem System aufgebaut ist. Das Kernproblem des ganzen Dausparens ist jedoch zu sehen in der Frage des offenen oder geschlossenen Systems. Dei dem offenen System sparen sämtliche Sparer derselben Dausparkasse in einen Topf, d. h. die heute erfolgenden Einzahlungen neu hinzutretender Mitglieder kommen in vollem Umfange den früheren Sparern nach Maßgabe ihrer Reihenfolge zugute. Dei vielen Dausparkasfen wird noch von den neueintretenten Mitgliedern die Vorweg« Käuferschicht. Man denke weiter an die große Zahl der Bauhandwerker, die sowohl in Staat, wie Kommunen in steter Verbindung mit dem Daubeamtentum stehen, an die Referenten für gewerbliche Angelegenheiten in Staat und Kommunen, die laufend Verkehr mit den handwerklichen Organisationen unterhalten, an die Be- russbcratungs- und Arbeitsämter, die Wohl- ahrtsbehörden und sozialen Anstalten, die in teter Fühlung teils persönlich, teils in Deiräten und Ausschüssen mit dem Handwerk stehen. Un- endlich viele Möglichkeiten gibt es doch, hierbei sich gegenseitig auszusprechen, geg e n- eitig Verständnis für die eigene De- rufstätigkeit zu gewinnen. Weiter soll nicht , .............■— "n<- öaran vorbeigegangen werden, daß unendlich meinhell, unserem Volksganzen von höchstem viele Deamten aus Handwerkskreisen kommen, | Ruhen sein kann. Handwerk und Vausparkasien. Von Or. £. Reis, Syndikus der Handwerkskammer-Nebenstelle Friedberg. Der Daulustige der Vorkriegszeit sparte hel feiner Sparkasse mit der allgemeinen Zielsetzung, Geld zurückzulegen. Entstand mit der Bildung des Sparguthabens der Wunsch, ein Wohnhaus zu bauen, so erhielt er von seiner Sparkasse eine erste und von privater Seite mühelos eine zweite Hypothek, womit meistens das Bauvorhaben gesichert war. Diese Derhältnisse haben sich durch die Kriegs- und Inflationszeit wesentlich verschoben, das Sparkapital — etwa 20—25 Milliarden bei den Sparkassen — war durch den rapiden Währungszerfall in ein Richts zerflossen und muh erst nach und nach wieder angesammelt werden. Das Wohnungsbauproblem der Rachkriegszeit ist nicht eine einseitig bestimmte, bauberufliche Angelegenheit, sondern ein Werk, das nur durch gemeinschaftliches Wirken aller Wirtschafts- und Volksgruppen gelöst werden kann, und es gipfelt heute weniger in der technischen als in der Finanzfrage, zumal die Versuche zur Verbilligung des Bauens eine gewisse Grenze erreicht haben. Rach vorsichtiger Schätzung ist zur Auffüllung des Wohnungsmarktes bis etwa 1935 ein jährlicher Baugeldbedarf von 2.5 Milliarden erforderlich. Ausschlaggebend bleibt im Augenblick die Knappheit und Verteuerung des Baukapitals, das aus privaten Quellen nur spärlich fließt, während die öffentlichen Zuschüsse stark vermindert sind, zumal die Städte und Kommunen oft schon für ein oder mehrere Zähre darüber verfügt haben. Angesichts dieser Tatsachen verdient die Bau- sparbewegung eine sorgfältige Beachtung, das sogenannte kollektive Bausparen, d. h. die auf gemeinsamem Zusammenschluß beruhende Art des Sparens zum Zwecke der Ansammlung von Kapital für Wohnbauten, mit deren praktischer Durchführung sich die Bausparkassen befassen. Zn Deutschland kennt man die Bausparbeweguna im neueren Sinne erst seit 1924, gleichwohl hat die junge Bewegung in den wenigen Zähren bis heute schon etwa 200 Millionen an Hypotheken für den Wohnungsbau zur Verfügung gestellt. Der Bau- sparer der modernen Bewegung ist bewußter Zweck- und Kollektivsparer. Die Bausparkassen sind weder eine neuzeitliche Erscheinung, noch eine deutsche Erfindung, vielmehr ist ihre Heimat England und die Vereinigten Staaten. Welche Bedeutung diese sog. „Buil- i ding societies“ in England haben, geht daraus hervor, daß dort 1086 bestehende Bausparkassen von 1918 bis heute etwa 7 Milliarden Hypotheken für den Wohnungsbau ausgegeben haben. Sie sind nach ihrer heutigen Entwicklung mehr mit unseren Realkredit-Znstituten zu vergleichen, die neben der Hergabe von Baudarlehen auch das Hypothekengeschäft mit fremden Kreditnehmern pflegen. Man kann zwei Gruppen von Bausparkassen unterscheiden: Die auf dem Gedanken des zinslosen Systems aufgebauten, und die Bausparkassen, welche in Anlehnung an die herrschende Wirtschaftsauffassung für Einlagen Zinsen geben und für Darlehen Zinsen nehmen. Dem zinslosen System liegen zweifellos gute Zdeengänge I zugrunde, die ganz allgemein darauf hinaus- I laufen, den Zinswucher zu beseitigen, während es zum mindesten zweifelhaft ist, ob ein derartiges zinsloses System sich innerhalb einer Wirtschaft behaupten kann, die auf dem Gedanken aufgebaut ist, daß die Zur-Derfügung-Stellung eines Kapitals eine Leistung ist, welche die Gegenleistung in Form von Zinsen bedingt. Eins ist sicher, daß die auf dem zinslosen System auf- gebaute Sparkasse in einer zinsmäßigen Wirt- I schäft in Verbindung mit den Geldquellen vcr- I liert, welche das Zinfennehmen und -geben für I richtig halten. Die zinslosen Bausparkassen haben in ihren ersten Anfängen das Moment des gerechten Ausgleichs für diejenigen Sparer, die erst später zum Bauen kommen, außer Acht gelassen, dann aber zur Erzielung des Ausgleichs zwischen dem ersten und letzten Sparer eine Ausgleichszahlung geschaffen, was in Wirklichkeit die Bankerotterklärung des zinslosen Systems bedeutet. Ein umftrituneä Kapitel ist auch die Rangfolge bei der Zuteilung, und hier besteht ein erhebliches Durcheinander und Rebeneinander von Systemen, wie z. D. das Kennziffemsystem, wobei Die Angestellten sinh erst durch die industrielle Entwicklung Deutschlands ein großer Stand geworden. Sie haben sich innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Rach der Berufszählung 1907 und 1925 haben sich die Angestellten um 133 Prozent vermehrt. Die gleiche Feststellung hat die Angestelltenversicherung gemacht. Zn den Denkschriften zur Schaffung der Angestelltenver- sicherung wurde die Zahl der Angestellten auf 1,5 Millionen geschätzt. Die Auszählung der Versicherungskarten Anfang 1913 ergab jedoch 1,7 Millionen Angestellte. Rach dem Jahres- bericht 1928 gehörten der Angestelltenversicherung 3,3 Millionen Angestellte an. Die Angestellten nehmen eine Stellung zwischen Arbeitgebern und Handarbeitern ein. Diese Sonderstellung ist seit Zahrzehnten auch in den verschiedensten Gesehen verankert. Das Bürgerliche Gesetzbuch enthält eine Reihe von Sonderbestimmungen über den Dienstvertrag der Angestellten. Das gleiche trifft zu für dasHan - delsgesehbuch. Eine besondere Anerkennung des Standes der Angestellten geschah durch Die Schaffung derAngestelltenverficherung, durch das Gesetz vom 23. Dezember 1911, welches am 1. Januar 1913 in Kraft trat. Aber auch in neuester Zeit ist die Sonderstellung der Angestellten gesetzlich anerkannt worden. Bei der Schaffung des ‘Betriebsräte- gef ehes im Jahre 1920 ist neben Arbeitgebern und Handarbeitern der Ange- st eilten st and als ein gleichberechtigter Stand anerkannt und im Gesetz verankert worden. Der Berichterstatter für das Betriebsräte- gefetj in der Rationalversammlung, Reichstagsabgeordneter Gustav Schneider, hat mit Recht auf die besonderen Belange der Angestellten und die besondere Stellung, die der Angestellte in der Wirtschaft einnimmt, hingewiesen. Das Betriebsrätegesetz sieht besondere Gruppenräte vor für den Angestellten und Arbeiter, und es kann gesagt werden, daß die Schaffung besonderer Angestelltenräte sich bewährt hat. Die meist wesentlich anders gearteten Arbeitsbedingungen der Angestellten, sowie die wirtschaftliche Lage derselben und die besonderen gesetzlichen Bestimmungen erforderten eine Behandlung durch Standesangehörige. In der neuesten Zeit ist die Sonderstellung der Angestellten anerkannt worden durch das Kün- digungsschuhgefeh vom 9. Juli 1926. Dieses Gesetz sieht für ältere Angestellte mit längerer Beschäftigungsdauer in einem Betrieb eine längere Kündigungsdauer bis zu sechs Monaten vor. Dieses Gesetz stellt eine Abschlagszahlung auf das Verlangen der Angestellten nach einer gesetzlichen Regelung der Wiedereinstellung der stellenlosen Angestellten dar. Das Problem der älteren Angestellten zeigt die Sonderstellung der Angestellten. Für den Arbeiter bedeutet Arbeitslosigkeit ein großes Unglück. Die Erwerbslosenunterstühung kann auch für ihn kein Ersatz für Arbeit fein. Wer zum Nichtstun verurteilt ist und von Unterstützungen leben muß, wird leine wirkliche Lebensfreude aufbringen können. Immerhin bietet sich für den Arbeiter noch eher einmal die Möglichkeit, durch Rotstands- oder Aushilfsarbeiten vorübergehend Beschäftigung zu erhalten und schließlich in den Saisonzeiten für eine längere Zeit Arbeit zu bekommen. Für den Angestellten bedeutet Arbeitslosigkeit noch viel mehr. Er hat höhere Ausgaben für die Wohnung, die er auf Grund seiner bisherigen Stellung innehatte. Er ist auch nicht in der Lage, diese Wohnung abzustoßen, da neue Wohnungen meistens teurer sind und die Umzugskosten nicht getragen werden können. Der Angestellte muß mehr ausgeben für Kleidung, denn wenn er nicht alle Hoffnung auf eine neue Stelle aufgeben will, muß er einen guten Anzug und saubere Wäsche tragen. Er muß sich weiter bilden und kann auch nicht ohne erhebliche Rachteile die Schulausbildung seiner Kinder herabmindern. Die vom Reich vor Jahren gemachten Erhebungen über die Lage der stellenlosen Angestellten hat bis jetzt umfangreiche Denkschriften gebracht, aber noch keine Regelung. Da leider keine Aussichten vorhanden sind, in der nächsten Zukunft die durch Stillegungen, Betriebsumstel- hingen, Fusionierungen usw. abgebauten älteren Angestellten in andere Betriebe wieder einzustellen, wird die Zeit früher oder später kommen, in der die gesetzgebenden Körperschaften gezwungen find, eine gesetzliche Regelung zum Zwecke der Wiederein st ellung dieser Angestellten in die Wirtschaft vorzunehmen. Es wird für alle gesetzgebenden Körperschaften und die Oeffentlichkeit eine wichtige Aufgabe fein, Menschen, die noch im Vollbesitz ihrer Arbeitskräfte sind, die kaum das Alter von 30 Jahren überschritten haben, in den Arbeitsprozeß wieder OieAngestettten - einneuerGtand Von Armin Geßner, Geschäftsführer des GKies Hessen im GOA. Verzweiflung gebracht. . Diese Verhältnisse bedingten eine Einkommensverknappung. die in nur allzu zahlreichen Fällen das Existenzminimum nicht mehr erreicht. Daß hierdurch zunehmende Erbitterung entstehen muß. ist nur zu begreiflich. Rlit Reid wenden sich die Blicke den Kreisen zu. die m festen Einkommens Verhältnissen, in gesicherter Lebensbedingungen stehen. Man glaubt vielfach, daß die Beamtenschaft Hauptschuldiger an den mißlichen Verhältnissen sei, daß die werktätige Bevölkerung mit ihren sauer verdienten Geldern ein unnützes Heer Festbcsoldcter unterhalten müsse und in der Hauptsache die Beamten an der Höhe der Steuerlasten schuld seien. Dieser Schluß ist jedoch nicht ganz berechtigt. Es darf nicht vergessen werden, daß, solange es cm geordnetes Staatswesen gibt, die Funktionen von beamteten Personen ausgeübt werden. Reue Gesetze. vielfach auf Verlangen der Wirtschaft selbst entstanden, bedingten stets die Schaffung neuer Beamtenstcllen. Der verlorene Krieg, die hierdurch entstandenen Verpflichtungen, sowie die Deutschland aufgebürdeten Lasten erzwangen zur Regulierung neuen Dehördenausbau. Auch der Beamte hat seine Steuern zu entrichten; Einkommensteuer von feinen Bezügen. Hauszins- und Grundsteuer, wenn er Grundbesitzer ist. Vermögenssteuer, wenn er Vermögen besitzt. Ist doch nach der Reichsstatistik das Aufkommen an Einkommensteuer der Festbesoldeten, Beamten, Angestellten und Arbeiter annähernd gleich dem der Gewerbetreibenden. Wieder hat aber auch das Handwerk recht, wenn es sich gegen die Aufblähung der öffentlichen Verwaltungen wendet, soweit sie über den zur regulären Erfüllung öffentlicher Aufgaben notwendigen Derwal- tungsapparat hinausgeht. Ueberhaupt richtet sich die Erbitterung, meiner Erfahrung nach, weniger gegen das sog. Berufsbeamtentum, vielmehr gegen die Schaffung von Beamten st eilen lediglich aus Parteirücksichten, oder gar um Einrichtungen ins Leben zu rufen, die direkt dem Gewerbe Konkurrenz bereiten, und gegen solche Stellen und Beförderungen, die in der heutigen Zeit als überflüssig angesehen werden müssen. Haben sich doch manche Stadtverwaltungen gerade in dieser Hinsicht allerhand geleistet, Dinge, die besonders bei den verschiedenen De- soldungsregulierungen die durch die Rollage der Wirtschaft dringend gebotene Sparsamkeitsrück- sicht vermifsen lassen. Dazu kommt noch ein weiterer, schwer ms Gewicht fallender Punkt. Richt nur das Handwerk, sondern auch andere für die Deckung des täglichen Bedarfs notwendige Wirtschallsgrup- pen haben von jeher mit Recht in den Beamten unö Festbesoldeten einen guten und großen Kundenkreis gesehen. Von selbst wurden diesen Kreisen günstige Zahlungsbedingurgen eing^- Täumt. Hat nun die Beamtenschaft zur sog. Selbsthilfe gegriffen durch Bildung von Beamten- b e z u g s ge n o s f e n s cha f te n, (Beamten- bqnfen, B e a m t e n k a u s hä u s e rn und dergleichen, in weitem Umfange sich von der freien Wirtschaft losgesagt, dann verriet sie em auffallendes Unverständnis über die wirtschaftlichen Zusammenhänge, und sie kann sich kaum darüber wundern, wenn die Wirtscha'tskrcise in eine gewisse Kampfstellung gezwungen worden sind. Auch das Verhalten zahlreicher Beamten gegenüber dem Publikum — besonders wird hierbei übet Beamte der Steuerverwaltung geklagt — ist nicht gerade geeignet, Sympathie zu erwerben. Der Beamte darf nicht vergessen, daß er für die Bevölkerung und nicht die Bevölkerung für ihn da ist. Wenn alle beamteten Personen von solcher Beschaffenheit und Gesinnung wären, wie sie als Ideal von dem 1. Vorsitzenden des Hessischen Beamtenbundes, Herrn Dr. El aß, in seinem Artikel „Beamtentum, eine Staatsno twendig- feit" in Rr. 287 des „Gießener Anzeiger" vom 7. Dezember 1929 geschildert wurden, dann würde sich zweifellos die Stimmung bald bessern. Hieran zu arbeiten, die Vertiefung volkswirtschaftlicher Bildung zu fördern, hat sich der Deamtenbund zum Ziele gesetzt. Es sollten auch alle die Personen, die in Diensten von Wirtschaftsvertretungen stehen, es sich zur Aufgabe machen, an der Beseitigung der Kluft rnitzuarbei- ten. Viel wäre schon gewonnen, wenn einerseits die Beamtenschaft sich mehr bemühen wurde, sich in die Lcbensbedingungen des Handwerks und sonstiger Erwerbsgruppen, auch wenn sie nicht direkt dienstlich damit zu tun haben, zu ver- Handwerk und Beamtentum. Von Handwerkskammerdirettor Schüttler. Dem aufmerksamen Beobachter der heutigen Verhältnisse wird es nicht entgangen sein, daß der schon stets zwischen werktätiger Bevölkerung und Beamtenschaft bestehende Gegensatz sich immer .mehr verschärft hat Fast scheint es, als ob diese Kluft kaum noch zu überbrücken wäre. — Und doch muh von einsichtigen Personen immer Wieder der Versuch gemacht werden, eine Ver st and i - gung im Interesse des Gesamtwohles herbei - zuführen, wenn auch an eine völlige Aussöhnung wohl kaum gedacht werden kann. Wenn hier das Verhältnis des Handwerks zum Beamtentum kurz behandelt werden soll, so um deswillen, weil mir die Einstellung des Handwerks genau bekannt ist, ich mir aber auch bewußt bin, toiebiele Faden gerade das Handwerk mit der Beamtenschaft verbinden. Etwas mehr Verständnis für die beiderseitigen Lebensbedingungen, etwas Hineinvertiefen in die Zusammenhänge der Volkswirtschaft dürfte die Wege zeigen zur Besserung. _ Gehen wir den Gründen nach, die der bedauernswerten Erscheinung zugrunde liegen, so darf man die derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht unberücksichtigt lassen. Der schwere Existenzkampf, verschärft durch die fortgefehtrn Schwankungen der Wirtschaft, die ungeheuren steuerlichen und sozialen Lasten, die Herab» drückung der Kaufkraft, die üblen Zahlungsgepflogenheiten und anderes mehr haben weite Kreise des Handwerkerstandes an den Rand der einzahllmg von Hausanteilen gefordert und erst durch die Einzahlung die Anwartschaft auf ein Darlehen erworben. Alle auf dem offenen System aufgebauten Bausparkassen rechnen mit einem laufenden starken Mitgliederzuwachs, die gesamte Berechnung fällt aber zusammen, wenn dieser Zuwachs aufhört. Das geschlossene System vereinigt gewisse Gruppen von Sparern z. B. solche, die . an einem bestimmten Zeitpunkt zusammen eintreten, und solche, die auf einen bestimmten Betrag sparen. Innerhalb einer solchen Gruppe läßt sich mit mathematischer Genauigkeit errechnen, wann der letzte Sparer zum Zuge kommt. Also Klarheit, Offenheit und Llebcrsicht- lichkeit ist der Vorteil dieses Systems, das sich in erster Linie die öffentlichen Bausparkassen zu eigen gemacht haben, durch deren Gründung die Bausparbewegung in jüngster Zeit eine ungeahnte Förderung erfahren hat. Gemäß einem Beschlüsse des Deutschen Sparkassen- und Giro-Verbandes hoben zahlreiche Landesbanken und städtische Sparkassen lhtt Institute auch der Idee des kollektiven B au - sparens dienstbar gemacht. Die Satzungen dieser neuen Bankabteilungen werden nach einheitlichen Richtlinien der Spihenverbände gestaltet. Cs ist demnach zu erwarten, daß das ganze Deutsche Reich, ohne die Bildung neuer Verbände, bald von einem weitverzweigten Rehe von Bausparkassen überzogen ist. Dieser Schritt darf als Zeichen des öffentlichen Vertrauens in die Zweckmähigkeit und. Berechtigung der Bewegung gedeutet werden. Vorbildlich vorangegangen ist die städtische Sparkasse in Stuttgart, die seit April 1928 etwa 1000 Bausparverträge mit einer Vertragssumme von elf Millionen abgeschlossen hat. Ihr folgten dieBa- dische und die Bayrische Bausparkasse, die Westfälische Landesbausparkasse, die Bausparkasse der Rheinprovinz, und in Hessen und Hessen-Rassau die öffentlichen Bausparkassen für den Volksstaat Hessen, bei der Hess. Girozentrale in Darm- stadt. für den Regierungsbezirk Wiesbaden bei der Rassauischen Landesbank in Wiesbaden, für den Regierungsbezirk Kassel bei der Landeskreditkasse in Kassel, errichtet als Abteilung be- stehender öffentlicher Bankanstalten, mit einer gemeinsamen Geschäftsstelle in Frankfurt a. M. und unter voller Garantie der betr. Gewährsverbände. die hinter diesen Danken stehen. Für die Hessische Girozentrale und damit auch für ihre Bausparkasse haften die Mitglieder des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes, das sind 33 öffentliche Sparkassen, elf hessische Kreise und eine Provinz (Oberhessen). Diese Mitglieder umfas- sen etwa 95 Prozent der Gesamtbevolkemng Hessens. Den Unterbau bilden überall die ort- lichen öffentlichen Sparkassen, welche die Dau- interessenten beraten, chre Anträge entgegen- nehmen und den gesamten Zahlungsverkehr mit den Bausparern vermitteln. Die Ausdehnung der privaten und öffentlichen Bausparkassen, sowie die obengenannten Zahlen sind ein Beweis dafür, daß das Handwerk alle Veranlassung hat, sich mit dieser Frage zu befassen zumal der Handwerksmeister nicht nur als Bausparer, sondern auch als Auftragnehmer von Bausvarern ein aktuelles Interesse an der Sache besitzt. Wenn auch die Bausvarbewegung anfänglich von vielen Seiten mit Mißtrauen beobachtet worden ist, und zum Teil sogar infolge mangelnder praktischer Erfahrungen, unrichtiger mathematischer Berechnung der Kapitalansammlung und -Vertellung, sowie ungeeigneter Organisationsformen Anlaß zum Einschreiten der Behörden gegeben hat. so sind doch diese Kinderkrankheiten zum größten Teil überwunden. Die Nachprüfung der Bau- sparbewegung durch das Handwerk hat ergeben, daß das Bausparen dringend förderungswürdig und in seinem Kern« gedanken gesund ist, daß Millionenbestände dem Luxuskonsum entzogen und für den Wohnungsbau flüssig gemacht werden, und daß durch diese Bewegung weiteste Kreise der Bevölkerung wieder zum Sparen erzogen werden können. Es liegt deshalb für das Handwerk die dringende Aufgabe vor, im bauwirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Interesse sich in den Dienst dieses gesunden Gedankens zu stellen, gleichzeitig aber auch auf die Beseitigung von Mißständen bedacht zu fein. Der Dauspargedanke ist dazu angetan, die Herbeiführung normaler Verhältnisse auf dem Bau- und Wohnungsmarkt zu beschleunigen. Das Bauhandwrrk erhält durch die^Bausparer Beschäftigungsmöglichkeit, zumal solche Bautätigkeit nicht an den Ort gebunden ist, vielmehr der persönliche Wille, der Geschmack und Bedarf des Bauherrn wieder in den Vordergrund treten. Schließlich wird die Individualisierung des Baues von selbst dem bedrohenden Einfluß der Bauindustrie Einhalt gebieten und so dem bau- gewerblichen Klein- und Mittelbetrieb ein willkommener Helfer fein. Wirtschaft. Wochenbericht vom frankfurter Schlachtviehmarkt. Da? Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt war in dieser Woche sehr ruhig, zumal auch der Auftrieb verschiedentlich weiter groß war. Infolge der herrschenden Arbeitslosigkeit und der allgemein schlechten Wirtschaftslage konnte sich wieder nur sehr langsames Geschäft entwickeln. Lediglich der Export beteiligte sich wieder in verstärktem Maße am Geschäft, während die hiesigen Metzger wenig Kaufneigung bekundeten und nur den notwendigsten Bedarf eingedeckt haben. Die Preisbewegung war ziemlich uneinheitlich. Während Rinder im großen und ganzen und Schweine gut behauptet waren, gaben Kälber erneut um 6 Mark nach: Schafe konnten ihren Preisstand weiter verbessern. Auf dem Rindermarlt war der Auftrieb stärker als in der Vorwoche. Das Geschäft ging infolgedessen nur langsam von statten, so daß größerer äleber- stand verblieb. Am Schweinemarkt war die Beschickung etwas geringer, trotzdem war der Handel schleppend. Es verblieb Dleberstand. Kälber hatten schleppendes, Schafe ruhiges Geschäft: die Märkte wurden jedoch geräumt. — Der Ge - famtauftrieb bestand aus 1807 Rindern, darunter befanden sich 336 Ochsen, 110 Bullen, 667 Kühe und 470 Färsen, ferner aus 1737 Kälbern, 450 Schafen und 5233 Schweinen. Im Vergleich mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 237 Rinder und 60 Kälber mehr ange* trieben, während 113 Schafe und 103 Schweine weniger zum Verkauf standen. — Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: al) 56 bis 58, a2) 50 bis 54, b) 45 bis 49. Dullen: a) 54 bis 56, b) 50 bis 53. Kühe: a) 44 bis 47, b) 40 bis 43, c) 35 bis 39. d) 28 bis 34. Färsen: a) 57 bis 59, b) 53 bis 56. c) 48 bis 52. Kälber: b) 70 bis 76, c) 64 bis 69, d) 55 bis 63. Schgfe: al) 48 bis 52. b)\40 bis 47. Schweine: b) 81 bis 84, c) 82 bis 85, d) 81 bis 84, e) 80 bis 82. Verglichen mit den Preisen der vergangenen Woche gaben Kälber 6 Mark, Dullen und Kühe je 2 Mark nach, dagegen konnten Schafe um 2 Mk. anziehen. Ochsen, Färsen und Schweine blieben behauptet. Gute Entlastung der Reichsbank. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 1 5.3 a n u a r hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten in der zweiten Januarwoche um 483,3 Millionen auf 2054,2 Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln Hid Schecks um 476,1 Millionen auf 1893,8 Millionen Reichsmark abgenommen, während die Lombardbestände um 16,6 Millionen auf 67,9 angewachsen sind. Bestände an Reichsschatz- wcchseln, die am Ende der Vorwoche 23,8 Millionen Reichsmark betragen hatten, sind nicht mehr vorhanden. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 423,9 Mill. RM. in die Kassen der Bank zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 417,6 Millionen auf 4187,0 Millionen Reichsmark, derjenige an Ren- tenbankscheinen um 6,3 Millionen auf 356,0 Mil- licnen Reichsmark verringert. Unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche Rentenbankscheine in Höhe von 14,1 Millionen Reichsmark getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Renten- bankscheinen auf 40,2 Millionen Reichsmark ermäßigt. Die fremden Gelder zeigen mit 543,4 Millionen Reichsmark eine Abnahme um 41,2 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 6,2 Millionen auf 2681,4 Millionen Reichsmark ermäßigt. Im einzelnen haben sich die Goldbestände um 55 000 Reichs- mark auf 2 283,8 Millionen Reichsmark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 6,2 Millionen auf 397,6 Millionen Reichsmark verringert. Die Deckung der Istoten durch Gold allein besserte sich von 49,6 Prozent in der Vorwoche auf 54,5 Prozent, diejenige durch Gold und deckungs- fähige Devisen von 58,4 Prozent auf 64,0 Prozent. # * Prolongation der am 31. Ianuar fälligen R e i ch s s ch a tz a n w e i s u n g e n. Hinsichtlich der Erneuerung der am 31. Ianuar fällig werdenden 200 Millionen Mark Reichs- schahanweisungen haben nach Informalionen des WTD.-Handelsdienstes die Verhandlungen zwischen den Banken und dem Aeichsfinanzministe- rlüm zu der Vereinbarung geführt, daß 100 Millionen Mark bis Ende Iuli. 50 Millionen Mark bis Mitte Rovember und die restlichen 50 Millionen Mark bis Mitte Dezember prolongiert worden find. Heber die Bedingungen verlautet, daß die Prolongation zum Lombardzinsfuß der Reichsbank zuzüglich der üblichen Provision erfolgt ist. * Betriebsstillegungen im Ruhr- gebiet. Rach eingehenden Verhandlungen mit dem Staatskommissar wurde gestern die Stilllegung der Hochofen-, Stahl- und Walzwerkbetriebe Dremerhütte in Geisweid und Weidenau für den 1. Februar beschlossen. Von der Stillegung werden etwa 1003 bis 1200 Arbeiter und Angestellte betroffen. Man will versuchen, wenigstens den Betrieb der Dremerhütte in Me- then aufrechtzuerhalten. Der Grubenbetrieb von Storch & Schöneberg in Gosenbach, dessen Stilllegung gleichfalls beantragt war, wird sortgeführt werden. Die Kündigung von etwa 600 Arbeitern und Angestellten, die bereits ausgesprochen war, ist wieder zurückgezogen worden. — Die Gute Hoffnungshütte Oberhausen A. G., die bereits am 1. Dezember 1929 infolge schlechter Absatz- Verhältnisse von den vier Hochöfen ihres De- triebes Oberhausen einen Jtillgelegt, aber die dadurch überflüssig werdenden 200 Arbeiter in Erwartung einer Belebung des Absatzes noch weiterbeschäftigt hatte, teilt nunmehr mit, daß sie dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf gemäß der Stillegungsverordnung die bevorstehende Entlassung von 150 bis 200 Arbeitern angezeigt hat. Die Sperrfrist läuft vier Wochen. Die Entlassungen würden mit dem 14. Februar beginnen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 18. Jan. Tendenz: freundlich. An der Wochenschlußbörse war man hinsichtlich der nicht gerade günstigen innerpolitischen Verhältnisse etwas beruhigter, und die allgemeine Situation war wieder ruhiger und zuversichtlicher, zumal eine Lösung in der Frage der Mobilisierungs- anleihe gefunden wurde. Das Geschäft nahm aber keinen größeren Umfang an, da die eingehenden Aufträge nur geringen Umfang annahmen. Die sich wieder bemerkbar machende Entspannung des Geldmarktes feit dem Ultimo trug ebenfalls etwas zur Besserung der Lage bei. Die feste gestrige Neuyorker Börse blieb ohne Eindruck. Etwas lebhafter gehandelt wurden Spezialwerte, bei denen gegenüber der gestrigen Abendbörse ganz ansehnliche Kursgewinne eintraten. Die Spekulation schritt wieder zu Rückdeckungen. Auslandoerkäuse wurden nicht mehr vorgenommen, und es machte fid) später eine etwas lebhaftere Geschäftstätigkeit geltend. Die Umsatztätigkeit blieb aber immer noch stark hinter den letzten Haussetagen zurück. Der gestern wenig beachtete Reichsbankausweis wirkte heute günstig nach. Im Vordergründe standen Kaliwerte. Aschersleben gewannen 3 v. H, Salzdetfurth 4 v. H. und Westeregeln 5 v. H. Am Elektromarkt waren Siemens 4 v. H., Schuckert 2,5 v.H., Gesfürel 1,5 v.H., Licht & Kraft 1 v. H. und AEG. 2,25 v. H. ,höher notiert. Von Chemiewerten eröffneten Farben 2,5 v. $)., Scheideanstalt 1,75 v. H., Deutsche Erdöl und Rütgerswerke je 1,25 v.H. fester. Am Montanmarkt war die Umsatztätigkeit sehr bescheiden, doch ergaben sich auch hier Gewinne bis 1,5 v. H. Zu erwähnen sind nod) Zellstoff Aschaffenburg plus 3 v. H., Waldhof plus 2 v. H. und von Bankwevten Reichsbank mit plus 2,5 v. H. Renten ebenfalls freundlicher. Jrn Verlaufe schrumpfte das Geschäft erheblich ein. Aufträge fehlten, und unter dem Druck einer gewissen Lustlosigkeit traten Abschläge ein. Die Gründstimmung aber blieb freundlich, und ein großer Teil der Anfangsgewinne konnte erhallen bleiben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 v. Sj. weiter leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,18475, gegen Pfund 20,373, London gegen Kabel 4,867250, gegen Paris 123,91, gegen Mailand 93, gegen Madrid 37, gegen Schweiz 25,1875, gegen Holland 12,1140. Berliner Börse. Berlin, 18.Jan. Die innerpolitischen Beklemmungen, die noch gestern nachmittag ausschlaggebend für die Tendenzgestallung waren und die Kurse weiter etwas gedrückt hatten, traten heute mehr in den Hintergrund und machten den f.reundlicheren Nachrichten aus dem Haag Platz. Man diskutierte viel über die geplante Mobilisierungsanleihe und will wißen, daß diese spätestens bis zum April zur Auslosung kommen werde. Auch der gestern nur wenig beachtete Reichsbankausweis wirkte sich noch nachträglich aus, zumal die Ge l d s ä tz e heute eine u n - erwartete Erleichterung erfuhren. Das Geschäft bewegte sich zwar in dem üblichen Samstagsrahmen. Die Spekulation bekundete aber Deckungsneigung, und auch kleine Aufträge, man sprach besonders vom Rheinland, dürsten zu den ersten Kursen Vorgelegen haben. Die Kurse erfuhren überwiegend kleine Besserungen gegenüber den gestrigen Mittags-Schlußkursen, so daß sie gegenüber den gestrigen Abendbörsenkursen doch erheblich (2 bis 3 v. H.) höher lagen. Stöhr und Polyphon eröffneten zirka 2 v. H. niedriger, dagegen gewannen über den Durchschnitt Sarotti 2 o. H., Ilse Bergbau 0,5 v. H., Schuckert 2,75 v.H., Siemens 3 v.H., Westeregeln 3,5 v. H. und Salzdetfurth 4,25 v. H. Die Meldung über die neue Anleihe regte an, so daß am Rentenmarkt Neubesitz mit 8,5 v. H. einsetzten und im Verlaufe bei zunehmendem Interesse auf 8,7 v. H. anziehen konnten. Ausländer lagen ruhig. Pfandbriefe sehr still. Liquidationspfandbriefe und -anteile eher schwächer. Die Geldsätze waren heute wie folgt: Tagesgeld 5,75 bis 7,25 o. H., vereinzelt schon 5,5 v. H., Monatsgeld 6 bis 8 v. H. Auch nad) den ersten Kursen blieb die Stimmung freundlich, zunächst setzten sich weitere kleine Gewinne durch, später machte sich das Fehlen von Orders wieder fühlbar. Turnen, Sport und Spiel. Handball im Männerturnverein (D.T). Am morgigen Sonntag trägt die 1. Mannschaft des Männer-Turnvereins auf dem Turn- und Spielplatz am Schiffenberger Weg ein Handball- Freundschaftsspiel gegen die gleiche Mannschaft des Turnvereins Dillenburg aus. Die Dillenburger Mannschaft ist ein gut eingespielter Gegner, der in der vergangenen Derbcmdsrunde an der Tabellenspitze der Meisterklasse des Lahn- Dillgaues stand. Da jedoch diese Mannschaft in letzter Zeit mit Vereinen des hiesigen Gaues keine Spiele ausgetragen hat und man aus diesem Grunde fein Maß über die Spielstärfe der Gäste hat, wäre es gewagt, über den Ausgang des Spiels etwas vorauszusagen, zumal die M.T.V.er mit mehrfachem Ersatz antreten müssen. Letzte Nachrichten. 2,4 Millionen Theaterzuschuß für Frankfurt a. M. Frankfurt a.M., 18.Ian. (WTD. Drahtmeldung.) Wie in einer Pressebesprechung von dem Direktor der Städtischen Bühnen mitgeteilt wurde, wird in dem der Stadtverordnetenversammlung demnächst zugehenden Rachtragsetat ein Zuschuhbetrag für die Städti- schenBühnenin Höhe von 2,4 Millionen Mark gefordert werden. Die Ursachen dieses Fehlbetrages sind im allgemeinen bekannt. Bemerkenswert aus dem vorgelegten Material ist. daß die Zahl der Tibonnenten um 600 zu- rüdgegangen ist, während die Einnahme aus den von den Theatergemeinden bezogenen Karten sich erfreulicherweise auf 300 000 Mark gesteigert hat, so daß heute zu jeder Theatervorstellung ungefähr 1000 Personen zu ermäßigten Preisen Zutritt haben. Einen starken finanziellen Erfolg hatte die Operette ,.D a s Land des Lächelns", die bei elf Vorstellungen eine Gesamteinnahme von 60 000 Mk. erbrachte. Das hat mit dazu Veranlassung gegeben, bereits für die Sommerspielzeit die Engagements von vier Operettenkräften vorzunehmen, damit die Operette im Rahmen des bisherigen Spielplanes stärker gepflegt werden kann. Aus den Mitteilungen der beiden Intendanten hatte man den erfreulichen Eindruck, daß die künstlerische Leitung der beiden Theater mit vollem Rachdruck bestrebt ist, durch hochwertige Aufführungen, sowie Uraufführungen die Leistungen auf eine den Traditionen Frankfurts entsprechende Höhe zu bringen. Die in der in- und ausländischen Presse verbreiteten übertriebenen Meldungen über den Fortgang prominenter Künstler ist von dem Operninten- danten auf das richtige Maß zurückgeführt worden. Interessant ist dabei die Mitteilung, daß der Opernsänger Franz Völker, der an der Frankfurter Oper ein Jahreseinkommen von 28 000 bis 30 000 Mark hat, von dem früheren Intendanten der Frankfurter Oper, Professor Krauß, zu einem Gagensatz von 60 000 bis 70 000 Mk. an die Staatsoper nach Wien verpflichtet worden ist. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern leben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 v. H. ."tranlfurt a M Berlin .tranffun a M | Beeil' fturi | Uh Rur •ednuB l Rur. I tiniang. Kur, -chtud-l Rure ' •Ubi Rur Schuch. Rur: Bniong- Kurs Datum 17- 1 18 1 17 1 18 1 Datum 17 l 18. 1 17 1 18 1 1% leu !chr Jx. iduarueuje ron 1P£? ........ 7% Dcutfdjt Reichranieih« voll 192» ......... Dt. Hinl^AblüI--Schulo mit Om Inf.-Keditrn........ Ttx'nl. ebn; VluSIot Rechte 8% He«. BolMoot von 192» (kückjllhlb. 102%) .... Cberhclfcn Provinz -Knleihr mit 0u.’lot.-9ifd)lcn . ... Deutsche ftunnn. Sammelabl. Anleihe Serie 1..... 8% urauff. Hvp.-Bank Goldpse XIII Uiitünobüt bld 1934 . 7% tzrnntl. Hvp.-Bank Äoidplc unfuiiobai bk 1932 ..... 4K% S.bcinijche Hvp.-Bank Liqn. ök’lbVft........ 8% Pr. 2n:tbetp1anbbrtefanfiall Psandbriese R. 17..... 8% Pr. 8>uibf.pfanbbrit|anRalt Romm.-Cbl. R. 16..... 7% Pr. £ünbr«p!anbbdetanßall, Plandbrietc R. 10 CLti.Q). obfl. 6 ottrttQB-Obligation rückzahlbar 1933...... 87,5 96.7 51,75 8.15 87 48.5 48,25 96,5 83 82 97 94,5 88.5 90,25 | | | I 1 1 1 1 1 1 1 । ?7.5 96,6 51,6 8.2 48,5 97 94 88,5 i i i i i i i i i i ££ i i Hamburg-Amerika Palet . Hamb -Südam. Tampsich. Hania Domifschig .... Norddeutscher Lloyd . . . Aiig. Deutjche Creditanü- . Barmer Bankverein . . . Berliner Hanoelsgeielllch. . ILommerz- und Privat-Ban! Tarmst. u. Narionalbanl . Deutsche Bonk..... Dikconto-GeieUschali, 8bxL Dresdner Ban!..... Aeichtibaiu...... a.o.®........ Bergmann . . ttieflt LielerungegeleMchasl Licht und Krasl Feiten 4 Guilleaume . . . @ff. 1 Eieltr. Untern.. . . Hamb. Gleit: -Wette . . . Rhein. (Sieht, . ..... Schlei, ttlcfrr ..... Schuckert 4 Go. . . . . Siemens 4 yaute . • • • Transradio ....... Lahmeyer 4 Co...... . f 10 . k n 1< 12 11 1: 1 H H 1 ’n 1< 7K 10 1 V 11 16 . b 10 103,b 103 122.5 122 187.5 159 242 152 152 151 172 163.5 124 304.5 169 104,9 159 243 151.13 1'1,13 151 13 297.2o 174,25 164.5 166 192 308,5 104,5 175 154.65 104,5 123.5 122.25 188 5 159 242 151.25 151.23 151 296 173.25 211 5 167.5 165.25 124.23 164.5 133.75 141.75 158,13 189.; 305.5 126 169.5 10b.25 155.5 105,13 122.75 122.5 189 159 243 151,75 151,75 151,5 297 174.75 211 75 168 166 123 25 166 135 159.5 192.25 308.5 170 4% OeftmeldtlW Soldtte. - 4,20% Ctflcn. Silbern - 4% Oetlerrrlchilche ikinheluiche Diente.......... 4% Nngarilche «oldrte.. . 4% Ungarilche Staat«!, o. 1810 drtgl. von 1913 .... 4% Ungarische fironenrte.. . . 4% tüiL fiollanlclbe v. 1911 . 4% Dattilche «agvadbaha-Anl Serie l......... 4% veegt. Serie II 6% Rumänische wretnb. Rente von 1903 . . 4H% «"manische verein!,. Sentr von 1918 ...... 4% Rumänische verrinh. Diente 26.25 3,15 2,1 23-1 21 2.15 7,9 7,8 7,8 10 15.3 8,1 II 1 | | 1 1 || | II 26 3,2 23,13 21.1 2.13 8,05 7.9 7.75 10,2 15. r 8,1 ii i ii ££i£ii ii Buderus..... . . Deutsche Erdöl ..... Etiener Steinkohle .... Geilenkirchener . . . • . Harpener........ Hoeich Eiten. ...... 3He Bergbau ...... Liöcknerwette ..... Köln Neueren . . . Pkannesman-' -RShren . . ivkanslcioel Bergbau . . . Cbcndt'ei Enen^eoari . . CbctiAlei. StoMroerte . . . tbouir Bergbau..... öide niiche Braunkohle». . Nheinktahl ... . • • . 1 Utlebed Montan . . . • . 6 . 6 .' 8 . 0 « K 10 ; 7 . 7 .' 7 6H in . 6 7,2 68 105 139.25 142 237 5 1.5.75 108.75 103.5 253.5 116.5 70 106.13 109,13 104 118 69.13 105.75 137.5 140 142 117 237 5 106.25 114 109.65 110,5 74.! 101.75 104-4 254 116,4 69.9 106.4 140,75 142 241 106.75 113.7 108-9 111 102 104 255.5 117,25 skrankkutt a M ! Berlin Banfnoten. 3 0,471 58.78 12.372 7.390 73.11 3.029 11.79 81.31 1.980 5.435 4.126 3.866 20,87 168.34 1.665 58.336 111,94 112.09 112.43 10 525 21.91 20.389 4.1890 16.465 80.905 55.31 2.057 0.473 58.90 12.392 7.404 73.25 3,035 18.83 81,47 1.984 5.445 4.134 3-874 20,91 Qualität üDerlegenenjV' L/WM TiS9 58,32 112.02 20.413 16.50 168.46 21.94 112,04 58.92 2,495 112,37 . 81.3 55,7 12.38 73-25 Ä 1,58 ,333 6,44 7.78 1,86 1,60 8,68 1,475 1,93 10,99 <5.51 12,32 72,95 Zur jJJJh. nur weAung f) noch n2 be- )eUte ein» ®' Khrrn. V; ub[r(hen e *°5 'etUHMe^T wtln 'NamÖ WS LrrZ heut- toie fff re'nzelt chnuchW Hnbhtfj, dunäd)|( . | pater ' w'eder suhlbar. i* Spiel. ereinsO.T). '? t- Mmnschaft «9 an Handball, Winnlchalt ML. Die Sit'en. eingespielter Eea- ' DerbmdsrL ervasse de! Lohn- se Wamischasi in hiesigen Tauend man au- bu- ' Spielstarke der ?r den Ausgang M, zumal die antreten müssen, ifen. Stanlfutia.’BL lDTD. 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Don zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß das gesamte Solo per- sanal des Mainzer Stadttheatcrs, Schauspiel und Oper, sowie das O r ch e st e r gekündigt worden ist. Die zukünftige Gestaltung der Mainzer Theaterverhältnisse liegt einstweilen vollständig im Dunkeln. Strafkammer Gießen. * Gießen, 17. Jan. Ein Landwirt aus dem Vogelsberg hatte im Juni 1929 auf der Jagd seines Onkels einen Rehbock geschossen, der noch über die Grenze ging und dort verendete. Von hier hatte ihn der Landwirt geholt. Wegen unbefugter Jagdausübung hatte das Amtsgericht Grünberg auf 60 Mark Geldstrafe und Einziehung des Gewehrs erkannt. Die Strafkammer bestätigte das Urteil. Eine Woche Haft hatte ein Mehgergeselle aus dcm Rhcinlande von dem Amtsgericht Lauterbach bekommen, weil er seit 1927 seine von ihm getrennt lebende Frau und Kinder nicht unterstützte. Die Strafkammer verwarf seine Berufung. Da er ein Jahr lang 40 Mark die Woche bei freier Station verdiente, konnte er während dieser Zeit mindestens Frau und Kinder unter» halten. Im übrigen hätte er Arbeit bekommen können, wenn er gewollt hätte. Er hat böswillig seine Unterhaltspflicht verletzt: dafür sei das Wohlfahrtsamt da, meinte er. Auch die Strafkammer hielt bei diesem Verhalten eine Freiheitsstrafe für notwendig. Aus dem Amtsverkündigungüblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 5 vom 17. Januar enthält: Errichtung von Prüfungskommissionen. — Straßensperre. — Bildung einer öffentlichen Wassergcnossenschaft in der Gemarkung Gießen und Wißmar. — Steuerabzug vom Arbeitslohn. — Feldbereinigung Annerod. — Dienstnach- richten. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 19. Jan., 15.30 bis 17.30 Uhr: Hänsel und Gretel, Märchenoper von Engelbert Humperdinck: 20 bis nach 22.30 Uhr: Madame Butterfly, Tragische Oper von Puccini. Montag, 20. Jan., 20 bis 22.30 älhr: Fra Diavolo, Komische Oper von D. F. E. Auber. Dienstag, 21. Jan., 19 bis nach 21 Uhr: Figaros Hochzeit. Komische Oper von Mozart. Mittwoch, 22. Jan.. 19 bis gegen 22 Hljr: Hoffmanns Erzählungen, Phantastische Oper von Offenbach. Donnerstag, 23. Jan., 19.30 bis 22.15 llftr: Fidelio, Oper von L. van Beethoven. Freitag, 24. Januar, Geschlossen. Samstag, 25. Januar, 19.30 bis gegen 22.30 Llhr: Die Afrikanerin. Oper von G. Meyerbeer. Sonntag, 26. Jan., 15.30 bis 17.30 Uhr: Hänsel und Gretel (Ge- schlossene Vorstellung für Erwerbslose): 20 bis nach 22.30 Uhr: Das Land des Lächelns, unter musikalischer Leitung des Komponisten Franz Lehär, Operette von Franz Lehä^__________ Sonntag, 19. Januar. 7 Uhr: Hafcnkonzert. Die Glocken vom Großen Michel. 7.05: Hamburger Morgenruf. 9 bis 10: Morgenfeier. 10.30: „Die erziehliche Verarmung des Elternhauses". 11: Elternstunde. 11.30: Konzert. 12.30: Stunde des Chorgesangs. 13.20: Zehnminutendienst der Landwirtschastskammer Wiesbaden. 13.30: Großes Skispringen. 14.10: Stunde der Jugend. 15: Stunde des Landes. 16: „Wilhelm Holzamer", eine künstlerische Vorlesung von Lektor Roedemeher. 16.30: Unterhaltungskonzert. 17.30: ..Was ist ein Architekt?". Vortrag von Dr. Fritz Rupp. 18.30: Wilhelm von Scholz: Vorlesung aus eigenen Werken. 19.30: Populäres Konzert. 20.45: Vom Strickstrumpf bis zum Führerschein. 22.15: Kleine Stücke für Cello. 22.45: Tanzmusik. Montag, 20. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 13.45: Wcrbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16: Hausfrauen* Rachmittag. 16.50: „Vorschläge aus der Praxis zur Zusammenarbeit von Schriftleitung und Leser", Vortrag von Dr. Martha Wertheimer. 17.20 bis 17.45: Konzert. 18.05: „Regieliche und dramaturgische Reuinszenierungen von Shakespeares Julius Cäsar", Vortrag von Intendanten Dr. Alwin Kronacher und Dramaturg Dr. Arthur Sakheim. 18.35: „Sortenwah'en der Haupt- fruchtartcn in der Landwirtschaft". 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: 7. Montagskonzert. 21.30: Schallplattenkonzert. Dienstag, 21. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 13.15: Werbekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Unterhaltungskonzert. 18.05: „Vereinheitlichung der Justizverwaltung", Vortrag von Professor Dr. Walter Simons. 18.35: „Baltisches Hochschulleben einst und jetzt". 19.05: „Ueberblick über die Weltgeschichte nach H. G. Wells". 19.30: „Lenz", Rovclle von Georg Büchner, gesprochen von Willi Buschhosf. 20: Funkbrettl. 21.30: Zeitbcrichte. 22.30: Aeltere Tanzmusik. Schauspielhaus. Sonntag, 19. Jan., 16 bis nach 18 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt, Weihnachtsmärchen von Ludwig Lustig: 20 bis gegen 22 Uhr: Brülle China, Drama von S. Tre- tiakow. Montag, 20. Jan., 20 bis gegen 22.15 Uhr: Marius ahoi!, Dolksstück von Marcel Pag- nol. Dienstag, 21. Jan., 20 bis gegen 22.30 Uhr: Komödie der Verjüngung, von Alexei Tolstoi. Mittwoch, 22. Jan, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Reu inszeniert: Julius Cäsar, von Shakespeare. Donnerstag, 23. Jan, 15.30 bis gegen 17.45 Uhr: Marius ahoi!; 20 bis gegen 22.30 Uhr: Komödie der Verjüngung. Freitag, 24. Jan, 20 bis gegen | 22.15 Uhr: Marius ahoi! Samstag, 25. Jan, 15.30 bis nach 17.30 Uhr: Hui, wir sausen um die 1 Mittwoch, 22. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 11.15 bis 11.45: Schulfunk. 13.15: Wcrbekonzert. 13.30: Schallplattenkonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 vis 17.45: Konzert. 18: „Mainschisfer". 18.35: „Menschenfreunde". Vortrag von Martin Lang. 19.05: „Im Dienste Brasiliens zur Erschließung von Heilbädern". 19.30 bis 20: Tylo- phon-Konzert. 20: Konzert auf zwei Klavieren. 21.30: Liederabend. 22.35: Funkstille. Donnerstag, 23. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 13.45: Wcrbekonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Konzert. 18.05: „Pariser Köpfe". 18.35: „Das Voltsbad der europäischen Völker von seinen Anfängen bis zur Gegenwart", Vortrag von Dr. med. Alfred Martin, Bad°Rauh§im. 19.05: Französischer Sprachunt rricht. 19.30: Blasmusik. 20.15: „Der gerettete Alkibiades", Stück in drei Teilen von Georg Kaiser. 22: Unterhaltungs* tonzert. 23.20 bis 24: Tanzmusik. Freitag, 24. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 13.45: Werbckonzert. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend. 16 bis 17.45: Tanzmusik. 18.05: Buch und Film. 18.35: „Sport und Sportschäden". 19.05: „Konjunktur und Konjunkturforschung". 19.30: „Das Blaue vom Himmel". 20.30: Russische Klavierkonzerte. 21.45: Liederabend Lotte Leonard. Samstag, 25. Januar. 6.30 Uhr: Wetterbericht und Zeitangabe. Anschließend: Morgengymnastik. 11.15 bis 11.45: Schulfunk. 13: Wunsch-Konzert. 14 bis 14.15: Werbekonzert. 14.15 bis 14.45: Stunde der Jugend. 16: Konzert. 17: Tanz-Tee. 18 05: „Dürfen wir lcbensunwertes Leben vernichten?" 18.35: „Mensch und Maschine III.“. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: „1001 Rächt", Phantastische Operette. 21.45: Dom Schloß Solitude Stuttgart — Am Fernempfänger. 23: Serenaden. 24 bis 1.30: Tanzmusik. Welt: 20 bis gegen 22.30 Uhr: Julius Cäsar. Soimtag, 26. Jan., 15.30 bis nach 17.30 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt; 20 bis gegen 22.30 Uhr: Julius Cäsar. Montag, 27. Jan., 20 bis gegen 22 Uhr: Brülle China. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 19. Januar. 2. Sonntag nach Epiphanias. Stadtkirche. 9:30 Uhr: Pfarrer Becker; 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde, Pfarrer Becker; 5: Pfarrer Mahr. — Johanneskirche 9.30: Pfarrer Ausfeld; zugleich Militärgottesdienft; 11: Kin- Miere i SaruMiiW werd, fachgemäß u. preiswert gestimmt u. revar. G.EvekiL" Gießen. UiotfftLli Teleohon 2403. Verkauf o. neuen u. gebr. Klav. dcitreibmaschioeo von 20 RM. an auch in Raten. 9836D AEG-Schreibmasiiiinen Gießen Seltersweg 89 Ruf 4291 Reparatur-Werkstatt für Schreibmaschinen aller Systeme GMelWltt, brecht iixizti) mit der einseitigen Körncrfülterung! ftüttert daS jabr- zehmetang bewährte Mifchluuer und gömeiltoftfottei Will Naaut ist und bleibt da» Beste, ein ide« niereS Kurier von solch.Mtschung gtbl'S nicht mehr, io und ähnlich lauten die Urteile der Züchter. Hauptniederlaae: Otto Hoch, Frankfurt am maln, Ctioitt. 17 Erhältlich bei: Heinrich Hahn, Sa- menhandlg- Bießei; Behr. Marx, Dorlar, Tel. Wetzlar 2837; Behr. Marx, Hatten« lurl,Tel.Kavenf.2; Phil. Klein, Wetzlar, Tel. Wetzlar 2183. Gießen, den 18. Januar 1030 Sehr geehrter Herr Müller! - Bitte füllen Sie den Rame: Stand: Ort: — Straß«:, 5O9A Diesen Abschnitt ausschneiden, in einen offenen Umschlag stecken und unfrankiert in den Briefkasten werfen. Sie erhalten dann kostenlos unsere interessante Schul-Druckschrift. nur Nutzen daraus ziehen, nebenstehenden Abschnitt gleich aus, ehe Sie es vergessen. Mit freundlichen Grüßen Vogtsohe Handelsschulen Qießen-Herborn Direktion Berufswahl - dieses Wort wird Sie in der letzten Zeit des öfteren schon im Interesse Ihres zu Ostern ins Leben tretenden Kindes beschäftigt haben. Sie wollen das Beste für Ihr Kind; Sie suchen einen Beruf, der die günstigsten Aussichten in Bezug auf Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten bietet. Das ist nicht nur Ihr gutes Recht, sondern auch Ihre Pflicht. Haben Sie schon das Richtige gefunden? Sind Sie schon über alles im Klaren? Haben Sie sich schon über alle die Berufswahl betreffenden Fragen genügend unterrichtet? Nehmen wir an, bei Ihrem Kinde ist die Neigung zum kaufmännischen Beruf vorhanden. Die Vorbedingung, eine gute allgemeine Vorbildung, ist ebenfalls gegeben. Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an uns. Wir können Ihrem Kinde vorwärts helfen. Theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens braucht heute jeder- wir geben beides auf dem billigsten Wege durch gründliche fachmännische Ausbildung. Gerne würden wir Sie auf Grund unserer langjährigen Erfahrungen durch unsere interessante Schul-Druckschrift über alle diese Fragen einmal eingehend beraten - es entstehen Ihnen keine Kosten, Sie können derkirche für die Johannesgemeinde, Pfarrer Aus- fcld; 5: Pfarrer Bechtolsheimer; 8: Bibelbespre» chung im Johannessaal, Pfarrer Lic. Waas. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 11. Kinderkirche, Pfarrer Lenz. — Elisabeth-Klein« kindcrschule. 9.45: Psarrer Lic. Waas; 6: Pfarrer Lic. Waas. — Gemeindesaal (Liebigstraße 50). 2: Taubstummengottesdienst, Pfarrer Bechtolsheimer. — Klein-Linden. 10: hauptgott^sdienst; 11: Kindergottesdienst, 1.30: Evangelisation; 8: Liturgische Feier. — Meseck. 10: Hauptgottesdienst; 5.30 und 7.30. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 130: Lollar. — Allen-Vuseck. 10: Altcn-Buseck; 6: Alten-Duseck. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 10.30: hauptgottesdicnst; 11.30: Kinderkirche. — Lich. 10: Stistsdechant Kahn: 12.45: Kindergottesdienst. — Rieder-Vef singen. 2: Stistsdechant Kahn. Mittwoch, den 22. Januar. Lich. Abends 8 Uhr: Bibclstunde. katholische Gemeinden. Samstag, 18. Januar. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 19. Januar. 2. Sonntag nach Epiphanie. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jünglinge: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Messe mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. So-'Nkaqs!"e"str'.'"er.;re u.Avotbeten nm 19.1.30 S.-R. Dr. Schltevbake. Dr. Neumann-SvengeU Pellkanavukb .iabnarzt: Dr. Gomer. ’D Pfarrer Heumann’s Heilmittel bewährt bei zahlreichen Krankheiten. / 180000 Dankschreiben. Das Pfarrer Heumann-Buch S., 150 Abb.) erhält jeder. völlig umsonst u.portofrei durch Ludwig Hcumann & Co., Nürnberg S 3. Die Pfarrer Hcumann-Heilmittel sind stete frisch u. zu Originalpreisen erhältlich in der Niederläger Hirsch-Apotheke Gießen Frankfurter Straße 4. Niederlage t Jean Weisel, Gießen, Sonnen, straße 6, Telephon Nr. 3888. 10230V Bewährt bei Gicht Diabetes, Grieß . Stein . 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Januar 1930 den Ortslohn für den Stadtbezirk Gießen wie folgt festgesetzt: 473D Für Versicherte über 21 Jahre von 16 bis 21 Jahren unter 16 Jahren männlich weiblich männlich weiblich männlich weiblich RM. RM. RM. RM. RM. RM. 5,— 3,50 4,10 2,80 2,30 1,70 Die in der Bekanntmachung vom 8. Juni 1927 enthaltene Festsetzung tritt mit dem 31. Dezember 1929 außer Kraft. Gießen, den 13. Januar -930. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Sei b. Asbest- Platten 1,2, 3,4 und 5 mm, wieder nm Lager. 67851) CarlSchunck Prima speise- n. Salat- MM W. Hankel Bekanntmachung über die Einreichung von Belegen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1929. Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichsministers der Finanzen über die ver einfachte Einreichung der Belege über den Steuerabzug vom Arbeitslohn für das Kalenderjahr 1929 vom 14. Dezember 1929 sind bis spätestens 15. Februar 1930 einzureichen: 5170 I. von den Arbeitgebern, die den Steuerabzug im Ueberweisungsoerfahren vorgenommen haben: 1. Lohnsteuer-Ueber Weisungslisten nebst Bescheinigungen über die im Kalenderjahr 1929 einbehaltenen Steuerabzugs- beträae derjenigen Arbeitnehmer, die im Kalenderjahr 1929 während der ganzen Dauer ihrer Beschäftigung oder während eines Teiles derselben in einer anderen Gemeinde als in der Beschäftigungsgemeinde einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatten. Als Beschäftigungsgemeinde gilt die Gemeinde derjenigen Betriebsstätte, von der aus die Steuerabzugsbeträge für im Kalenderjahr 1929 gezahlten Arbeitslohn abgeführt worden find. Im Behördenverfahren ist der Sitz der abführenden Kaffe maßgebend. Für jede Wohnfitzgemeinde ist eine befondereLohnsteuer-Ueberweifungslifte auszufchreiben. Besitzt der Arbeitgeber mehrere Betriebsstätten, von denen aus im Kalenderjahr 1929 Steuerabzugsbeträge abgeführt worden find, so sind von jeder dieser Betriebsstätten aus die Lohnsteuer-Ueberweisungsliften besonders auszuschreiben. Hat ein Arbeitgeber die in mehreren Betriebsstätten einbehaltenen Steuerbeträge durch eine Stelle gesammelt an Ane Finanzkasse abgeführt, so sind die Ueberweisungslisten grundsätzlich von dieser Stelle aus auszuschreiben. In besonders begründeten Fällen kann der Präsident des Landesfinanzamts auf Antrag ein vereinfachtes Verfahren Zulassen. Arbeitnehmer, die während der Dauer der Beschäftigung im Deutschen Reich weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt hatten, find für ich in einer gemeinsamen Lohnsteuer- leberweisungsliste zusammen auszu- ühren. 2. Fehlanzeigen, sofern Lohnsteuer-Ueber- weisungslisten nach Ziffer 1 nicht auszuschreiben sind. Bekanntmachung betr. die Bildung einer Deputation für Jugendwohlfahrt. Nachdem die Wahlzeit der Deputation für Jugendwohlfahrt mit dem 31. Dezember 1929 abgelaufen ist, muß die Deputation neu gebildet werden. Nach 8 51 Abs. 1 Ziffer 4 der Gießener Fürsorgeordnung stehen 6 Sitze in dieser Deputation den in der Stadt Gießen wirkenden freien Vereinigungen der Jugendwohlfahrt und der Jugendbewegung, unter denen beide Geschlechter und mindestens ein Angehöriger der Jugendbewegung vertreten sein müssen, zu. Den gleichen Vereinigungen find zwei Beifitzerftellen im Beschwerdeausschuß zu übertragen, soweit dieser über Jugendsachen entscheidet. Die in Gießen bestehenden Vereinigungen, die in der Deputation für Jugendwohlfahrt oder im Be- chwerdeausschuß vertreten zu fein München, werden aufgefordert, bis zum 27. Januar 1930 dem Wohlfahrtsamt der Stadt Gießen, Gartenftraße 2, ihre Satzungen und ihre ^Mitgliederzahl mitzuteilen. Statt der Einreichung der Satzung genügt die Bezugnahme auf eine etwa dem Wohlfahrtsamt bereits vorgelegte Satzung. 5320 Wohlfahrtsvereine find auch dann vor- fchlagsberechtigt, wenn sie sich nicht aus- chließlich mit Jugendwohlfahrt befassen. Bestimmte Persönlichkeiten sind noch nicht zu benennen. Nach Ablauf obiger Frist, die genau einzuhalten ist, erhalten die sich meldenden Vereine zunächst Mitteilung, ob sie nach den gesetzlichen und ortsstatutarischen Bestimmungen berücksichtigt werden können oder nicht. Wer die Frist nicht einhält, hat keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Gießen, den 17. Januar 1929. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Seid. Bekanntmachung. Dienstag, den 21. Januar 1930, findet Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt; sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpst. Auftriedszeit am Markttage von 8>2 bis 9% Uhr vormittags. Der nächste Schweinemarkt findet am 12. Februar 1930 statt. 375C Gießen, den 18. Januar 1930. . Der Oberbürgermeister. _____I. V.: Dr. Rosenberg.______ Brennholzversteigerung Freitag, den 24. Januar, 9% Uhr, wer- Bekanntmachung. Der für den Bereich der Hessischen Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gebildete Ausschuß zur Festsetzung der durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienfte land- und forst- wirlschaftlid)er Arbeiter hat gemäß § 933 der Reichsversicherungsordnung die Jahresarbeitsverdienste für den Stadtbezirk Gießen wie folgt festgesetzt: 473D A. Für Arbeiter, Gehilfen, Gesellen, Lehrlinge über 21 Jahre RM. von 16—21 Jahren RM. unter 16 Jahren RM. 1. In der Landwirtschaft beschäftigte • a) Gespannführer 1230 1050 660 b) Mägde 825 735 630 c) Taglöhner: männlich 1095 900 570 weiblich 600 495 330 2. Forstwirtschaftliche Arbeiter: männlich 1320 930 660 weiblich 795 660 390 3. Gärtner und Gartenarbeiter: a) gelernte Gärtner: männlich 1320 930 660 weiblich 795 660 390 b) sonstige Gartenarbeiter: männlich 1095 900 570 weiblich 600 495 330 4. Im Weinbau beschäftigte Arbeiter: männlich 1230 1050 660 weiblich 735 630 390 B. Für versicherte, die nicht als Lohnarbeiter bei der Verufs- genoffenschaft versichert sind: über von unter 21 Jahre 16—21 Jahren 16 Jahren RM. RM. RM. 1. Betriebsunternehmer 1200 2. Ehegatten der Betriebs- 840 600 Unternehmer 750 3. Sonstige im Betrieb Be660 — schäftigte und Betriebsfremde: männlich 900 750 510 weiblich 540 450 300 Vorstehende Festsetzungen gelten nicht für Rechnungsführer, Lagerverwalter, Buchhalter, Buchhalterinnen, Gutsverwalter, Wirtschaftsführer, Gutsaufseher, Vögte, Forstgehilfen (Wild- meister, Jäger), Forst- und Jagdaufseher (Forstschutzbeamte), Meier und Meierinnen, Molkereimeifter, Kuhmeister, Käser, Schafmeister, Oberknechte, Gestütswärter, Futtermeister, Bereiter, Fischmeister, Torfmeister, Nieselmeister, Wirtschafterinnen, Verwalterinnen, Brauer, Stärkemeister, Kraftwagenführer, Schlosser, Sägemeister, Tischler, Sattler, Küfer. Diese Festsetzung tritt am 1. Januar 1930 in Kraft. Mit dem gleichen Tage tritt die seitherige Festsetzung außer Kraft. Gießen, den 13. Januar 1930. Versicherungsamt der Stadt Gießen. Dr. Seid. Neuen Baue 7.l,eD Telcvbon 2612. Autos* aller An, auch Um- zliae. übernimmt billigst 0378 Eiltransporte Karl Bender, Bleich- strafte z, Tel. 3350. DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl'sche Druct.erei |Verschiedenes| Anlo- Möhelwafien zur Mtinabme von Gütern v. 22. d. MiS. von Gienen nach Frankfurt a. Main- Darmstadt bietet an Stückrath & Bender, ß.m.b.B., Möbeltransport Walltorstraßc 40b Televbon351S"°l) 15000 man gegen Sicherheit tüt sofort oder später ociudit. Schriftliche 'Jtnneb. um. 4331) an den Gien. Anz. erb. Landwirt sucht auf ernkiass. Sicherheit >S:etterein ettömcrt 26 6 0 Rm.» 3500 bis 4000 Mk. Sckr. Angeb. u. 0349 an d. G en. Anz. erb. Die Lohnsteuer-Ueberweisungsliften, Bescheinigungen und Fehlanzeigen sind an das Finanzamt einzusenden, in dessen Bezirk die Beschäftigungsgemeinde liegt. II. von den Arbeitnehmern, bei denen der Steuerabzug im Kalenderjahr 1929 im Markenoerfahren durchgeführt wurde, die Steuerkarte und die Linlagebogen, die im Kalenderjahr 1929 zum Einkleben und Entwerten von Steuermarken verwendet worden find. Dabei ist die Nummer der Steuerkarte für 1930 und die Behörde, die diese Steuerkarte ausgestellt hat, sowie die Wohnung am 31. Dezember 1929 anzugeben. Zuständig für die Ablieferung ist das Finanzamt, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer zur Zeit der Ablieferung feinen Wohnsitz (Aufenthalt) hat. Auf die Verpflichtung zur Einreichung der Steuerkarten und Einlagebogen haben alle Arbeitgeber (auch wenn sie den Steuerabzug im Ueberweisungsverfahren durchführen) durch Anschlag in den Arbeite und Geschäftsräumen hinzuweisen. An Stelle des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber die Einreichung der Steuerkarten und Einlagebogen übernehmen. In diesem Fall sind die Steuerkarten und Einlagebogen dem für den Arbeitgeber zuständigen Finanzamt zu übersenden. Die Versäumnis der den Arbeitgebern und Arbeitnehmern obliegenden Einlieferungspflicht ist mit den im § 377 der Reichsabgabenordnung vorgesehenen Strafen bedroht. Außerdem kann die Einlieferung durch die im § 202 der Reichsabgabenordnung vorgesehenen Strafen erzwungen werden. Die Vordrucke für die Lohnsteuer-Ueber weisungsliften und Bescheinigungen (1,1) sowie für die Fehlanzeigen (1,2) sind bei dem unterzeichneten Finanzämtern kostenlos erhältlich. Auch wird von diesen jede weitere Auskunft erteilt. Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 17. Januar 1930. Die Finanzämter. 600 Mk. gegen Sicherheit so- wiort oder ab 1. 2. au leihen gesucht. Lchr. At'geb. u. 03S2 a. d. Gien. An», erb. Statische Berechnungen aller Art für Eticn u. vnknbctonfoii strnkt oncn, (5:ut wiirie, Detail,ctch- nuiincn. Liege Vlättc fertigt an lag. Fahrig, Gießen, Au! der WeIß erdej. Keifecer (Beithfillsmann der AiirütfneAonen leben iiiächte.wünicht nemctnmmen Haue<- halt nut geb. eogl. Dante, a. liebft. nut Eigenheim. Evtl, getrennte Mafien. Zuschriften unter F. P. 0. 859 ueiörbeit Bndolf Bosse, Frank- lurt U. B. 47oV Uhr gesunden. 0388 1 Vlebtgftr.TSI. Brennholzversteigerung im Gemeindewald Langsdorf. In den Distrikten Seekopf, Rasenstück und Stockwiesen werden nach vorheriger Zusammenkunft am Waldeingang der Pro- vinzialstraße Langsdorf—Nieder-Besfingen am Wittwoch, dem 22. Januar 1930, vormittags 9% Uhr, versteigert: 478D Scheite: rm: Buche 147,6; Eiche (rund) 5,7; Kiefer (rund) 7,7. Knüppel rm: Buche 40,5; Hainbuche 134,4; Eiche 15,5; Erle, Aspe, Kirschbaum 10,6; Kiefer 58; Fichte 1,8. Reisig 3. Klasse: Buche 242 rm; Hainbuche und Eiche 133 rm. Stammreisig 2. ft lasse rm: Hainbuche, Eiche, Erle 240; Kiefer 108. Stöcke rm: Buche 69,5; Hainbuche und Eiche 25,7; Kief r 67,5. Nutzholz: Stämme: Esche 1. Kl. 1 Stück = 0,06 km Derbftangen: Fichte km: 1. Kl. 10 Stück - 0,90 km; 2. Kl. 15 Stück = 0,90 km; 3. Kl. 6 Stück = 0,18 km. Reisslängen: Fichte km: 7. Kl. 560 Stück = 1,68 km. Ruhknüppel: Lärche (3 m lang) = 3,6 rm. Ruhreisig: Fichte = 113 rm. Langsdorf, den 15. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei Langsdorf. Kneipp. den in der will'schen Wirtschaft zu Treis a. d. Lda. aus den Forstorten Fortbachseck, Himberg und Holzgeschirr des Staatswaldes der Försterei Treis a. d. Lda. versteigert: 480D Scheiter rm: 43 Buche, 20 Eiche; Knüppel rm: 86 Buche, 133 Eiche, 2 Kiefer, 3 Fichte; Reisig 2. kl. (Stammreisig) rm: 203 Buche, 41 Eiche. Reisig 3. kl. rm: 118 Buche, 253 Eiche; Stöcke rm: 4 Eiche. Auskunft erteilen Herr Förster Bing zu Treis a. d. Lda. und das Forstamt. Gießen, den 15. Januar 1930. _______Hessisches Forstamt Gießen._______ Holzversteigerung aus Forstort Eibschenhain der Freiherren von Rordeck zur Rabenau Freitag, den 24. Januar 1930, 9.30 Uhr vormittags. Beginn in Abteilung 17 (Kinkwiese). Es werden versteigert: 525D 8 Fichtenderbstangen 2. Kl.; 6 rm Kie- sern-Nutzscheit (3 m lang); 64 rm Fichtennutzreisig (Schichthaufe'n); rm Scheiter: Buche l.Kl. 68, 2. Kl. 4, Fichte 2. Kl. 7, Kiefer (rund) 20; Knüppel: Buche l.Kl. 26, 2. Kl. 4, Fichte l.Kl. 10, 2. Kl. 13, Kiefer 52; Knüppelreisig: Kiefer 16; Reisig: Buche 64; Stöcke: Buche 10, Fichte 6, Kiefer 8. Londorf, den 17. Januar 1930. ______Hessisches Forftamt Rabenau.______ Nutz- und Brennholzversteigerung Donnerstag, den 23. Januar, vormittags 11 Uhr, werden in der Gastwirtschaft „Zum steinernen Haus zu Rainrod aus den Staatswalddistrikten Görköpfe 4, 5, 7, Schenkenwald 1 und 4, Schlägelsberg 2, Mühlenkopf 1 und 2 und verschiedene der Försterei Rainrod und Schotter Spieß 4 der Försterei Kiliansherberge versteigert: A. Ruhholz (aus Kleerberg 3; Wolfslauf 1—4 und Schlägelsberg 4): Lärche: Kl. la 64 Stck. = 8,36 km; Kl. 1b 15 St. = 3,89 km; Kl. 2a 1 St. = 0,22 km. Fichte: Kl. la 8 St. = 1,16 km, Kl. 1b 19 St. = 5,73 km; Kl. 2a 11 St. = 5,89 km; Kl. 2b 3 St. = 2,71 km; Kl. 3a 2 St. = 2,78 km; Kl. 3b 1 St. = 0,51 fm. Derb- (langen: Lärche: 1. Kl. 95 St., 2. Kl. 18 St., 3. Kl. 3 St. Fichte: l.Kl. 12 St., 2.Kl. 17 St., 3. Kl. 123 St. Reisstangen: Fichte: 4. Kl. 66 St., 5. Kl. 45 St., 6. Kl. 44 St., 7. Kl. 23 St. Ruhscheiter: Buche: 13 rm (1,25 m lang). Ruhknüppel: Liche: 2. Kl. 5 rm (2 m lang). 479D B. Brennholz: Scheiter rm: Buche: zirka 500 1. Kl., 150 2.511.; Liche: 53 l.Kl., 6 2.KI.; Fichte 5 2.KI. Knüppel: Buche: 221 1. Kl., 168 2. Kl.; Liche: 138 1. Kl., 31 2. Kl.; Lsche: 8; Birke: 1; Hainbuche: 1; Aspe: 11; Kiefer: 1; Cärtf . 13; Fichte: 14 2.Kl.; (Erle: 10. Reiserholz 1. kl. (knüppelreisig): 235 Buche; 37 Eiche; 4 Esche; 14 Aspe. Reiserholz 2.61. (Slammreisig) rm: 82 Buche. Reiserholz 3. kl. (Astreisig) rm: 568 Buche; 34 Eiche; 2 Esche. Stöcke rm: Buche: 64 1 Kl., 71 2. Kl.; Eiche: 4 2. Kl. Sämtliches Holz lagert an chauffierten Wegen oder in der nächsten Nähe. Das blau unterstrichene Holz in den Losholz- schlägen kommt zur Versteigerung. Besichti- gung des Holzes wird vorausgesetzt. Nähere Auskunft durch Förster Ruppert, Rainrod, und die unterzeichnete Stelle. Hessisches Forstamt Eichelsdorf. dem Fachmann Karl Overbeck Rodbcimcr €tr.58, zur Reparatur. Telephon 3715 IttSD An- und Berkans gebr. Maschine«. AuS anerkannter Ltammznrbt des ver« edeben Landschweines gibt fortlaufend ab: Eber, Zungsauen und Ferkel zur Zucht. 10235 £. fflotir. fiofgut Hülfenrod (8r. Alsleld), Holzversteigerung. Donnerstag, den 30. Januar 1930, soll aus dem Gemeindewald Annerod, Abt. 1, 2, 3, 4 und 7, nachfolgendes Holz ver« steigert werden: . 526C 185 Stück Derbstangen l.Kl' 228 „ „ 2. „ 209 „ „ 3. „ 161 „ Reisstangen 4. „ 487 „ „ 5. „ 737 „ „ 6. „ 1540 „ „ 7. „ (Dohnen« stangen). Scheitholz rm; Eiche 14, Kiefer 1,7p Fichte 20. Knüppel rm: Fichte 28. Reiserholz wellen: Eiche 2. Kl. 50, Eiche 3. Kl. .515; Weichholz 2. Kl. 150; Kiefer 3. Kl. 20; Fichte 2. Kl. 120, Fichte 3. Kl. 915. Beginn der Versteigerung und Zusammenkunft vormittags 9 Uhr am Wald« eingang von Annerod bei Distrikt Neu« wiese, Abt. 7. Annerod, den 17. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei. ____________gez. Horn.____________ ^M-verskklMWeu^ der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag, 27. Januar, werden im höler versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 83, Eiche (rund) 51; Knüppel: Buche 27, Eiche 45, Nadel 9; Stöcke: Buche 36, Eich« 61; Wellen: Buche 1200, Eiche 1900. Von mittags ab kommt zum Ausgebot: Fest» meter Schnittholz: Buche 3.—5. Kl. 5, Wagnerholz: Eiche 2. und 3. Klasie zirka 40, Elsbeere 1, Kiefer 1; Raummeter Gartenpfosten: Eiche 17; Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 8; Stück Derbftangcnt Fichte: Sparren 102, Spalier 700; Reis» stangen 100, Bohnenstangen 500. Zusammenkunft 9% Kreisstraße Lich— Garbenteich, Waldeingang. 510D Dienstag, 28. Januar, werden im Ried- wald versteigert: Raummeter Scheitholz: Buche 86, Fichte 30; Knüppel: Buche 7, Fichte 12; Stöcke: Buche 55, Eiche 4, Fichte 66; Wellen: Buche 2600, Eiche 170, Fichte 2000; Festmeter Schnittholz: Buche 3.—5. Kl. 17, Wagnerholz: Eiche 2.-4.511. 10; Raummeter Gartenpfosten: Eiche 3, Spalierholz: Fichte (1,55 m lang) 21; Stück Derbstangen: Fichte (Spalier) 600. Zusammenkunft 9% Pfaffenschneise (Hattenrod—Ettingshausen, Waldeingang). Voranzeige: 3.2. Fuchsstrauch — Kellers» berg; 4. 2. Meilbach; 10. 2. Brunnen- ^roalb; 11. 2. Mönchwald (Bauholz^ Stangen); 12.2. Hard (Bau- Hk holz, Stangen). Brennholzversteigerung im Licher Stadtwalde. In dem Distrikt Lisenkaute werden am Donnerstag, dem 23. Januar 1930, vormittags 10 Uhr, nach vorheriger Zusam- menkunft am Kreuzungspunkt der Nieder- Bessinger und Konzebühlschneise, Anfang bei Nr. 108, versteigert: Scheiter rm: Buche 800, Hainbuche 5, Eiche 6. Knüppel rm: Buche 130. Reisig Wellen: Buche 5000. Stöcke rm; Buche 300, Eiche 6. Die blau unterstrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot. Nächste Holzversteigerung Donnerstag, den 30. Januar 1930. 4770 Günstige Zahlungsbedingungen. Lich, den 15. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Rutzholzversteigerung. Dienstag, den 28. Januar 1930, kommt im Rieder-Weiseler Wald zur Versteigerung: 5060 Stämme: Liche: 1. Kl. 64 Stck., 5,68 fm; 2. Kl. 99 Stck., 29,66 km; 3. Kl. 44 Stck.» 28,39 km; 4. Kl. 17 Stck., 12,91 km; 5. Kl. 19 Stck., 20,32 fm; 6. Kl. 24 Stck., 38,24 fm; 7. Kl. 5 Stck., 13,33 fm; 8. Kl. 1 Stck* 2,58 fm. Stämme: Buche: 2. Kl. 4 Stck., 1,25 fm; 3. Kl. 13 Stck., 6,57 fm; 4. Kl. 8 Stck* 6,70 fm; 6. Kl. 1 Stck., 1,15 fm. Stämme: Lsche: 1. Kl. 4 Stck., 0,84 fm; 2. Kl. 5 Stck., 2,34 fm; 3. Kl. 1 Stck., 0,43 fm. Stämme: Kiefer: 2b-Kl. 1 Stck., 0,57 fm; 3b-Kl. 5 Stck., 2,74 fm; 5a-Kl. 1 Stck., 0,81 fm. Stämme: Fichte: la-Kl. 20 Stck., 5,02 fm; lb-Kl. 37 Stck. 12,17 fm; 2a-Kl. 6 Stck* 3,90 fm; 3a-Kl.'l Stck., 1,48 fm. Stämme: Lärche: lb-Kl. 3 Stck., 0,61 fm; 2a-Kl. 3 Stck., 1,78 fm; 2b-Kl. 1 Stck* 0,92 fm. Ruhscheit: Liche rm: 12. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr an der Waldecke auf der Straße Butzbach- Hausen. Vorherige Auskunft durck Förster Becker in Hausen, Post Butzbach. Nieder-Weisel, den 16. Januar 1930. Hessische Bürgermeisterei. Winter.