Nr. 295 Erster Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, (7. Dezember 1950 6r|d)etni tögl'ch.mltz« Sonntags and Feiertag». Beilagen; Tie 3Duftrtert» Wehen« ^amilienblätiei Heimat im Bild Di» Scholle Manals-Bezugroretr: 2.20 Netchsmark and 30 Reichspfenrng für Träge» lohn, auch bet Nichte» Schemen einzelner Nummern infolge höherer (Bemalt 5ernfprechanfchlüße anter5ammelnummer225L Anschnft tüt Drahtnachrichten Hnieiger 6ltfien- Postscheckkonto: 8ra*ftnrlam Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitülrvuch nnö Stetnörndcrei v. Lange in Sietzen. SchnfUeitung und Seschäftzftelle: 5chnlttratze Z. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne- ülameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Plahvorschrift 20° „ mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Gange. Derantwonlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Ma? Filte^ sämtlich in Gießen. Filmverbot-Debatte im preußischen Landtag. Mißtrauensaniräge der Rechten gegen Braun und Gevenng. — Der Zinanzminister legt den Etat vor. Berlin. 16. Dez. (B. D. Z.) 3m Preuhi- fchen Landtag tarn zur Beratung der Ur- antrag der Deutschnationalen, der dem Ministerpräsidenten Dr. Braun und dem Innenminister Levering daS Vertrauen entzieht, weil sie ihr Bedauern über das Ber- botdcS Remarque-Films .3 mWesten n i ch t S V c u e s" ausgesprochen habeir. ■21hfl. Schwecht (Dn.) erklärt unter großer Unruhe der Linken, Minister Severing habe sogar die amerikanische Fassung des Films gelobt, in der der Sah vorkommt: Schmutzig und widerwärtig ist^es, für das Vaterland zu sterben. (Pfui- Ruse rechts.) Es sei unerhört, daß der Ministerpräsident Dr. Braun das Verbot dieses Films össentlich verurteilt und dabei gesagt habe: „Ein Volk, das die Wahrheit nicht mehr verträgt, gibt sich selbst auf!“ (Lebhafte Rufe links: .Das ist durchaus richtig!" Bravo!) Wir wenden uns gegen den Geist dieses verleumderischen Films und treten ein für den Geist der Ordnung. (Beifall rechts.) Abg. K u t t n c r (Soz.): 3m Rainen des Bundes der deutschen Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten protestiere ich dagegen, daß man uns Frontsoldaten vorschrciben will, wie der Krieg darzustcllen ist. (Unruhe rechts.) Wir können es vollkommen verstehen, daß Dr. Goebbels eine arge Wut aus den Remarque-Film hat. Dieser Film zeigt, wie die deutsch en Primaner und Sekundaner im Felde kämpften in derselben Zeit, in der Herr Goebbels als lljähriger daheim blieb und vier Jahre während des Krieges die Bänke der Schule und Universität drückte. (Lebhastes Hört! Hört! links.) Don dem Taktgefühl tes deutschnationalen 2lbg. Bäcker hätten wir erwartet, daß er sich der Verhandlung der Filtncbcrprüsstelle ferngehalten hätte, die über den Frontgeist zu urteilen hatte. Abg. Bäcker ist nämlich auch wahrend der Kriegsjahre in der Heimat geblieben. (Hört! Hört!) Die ganze Hetze gegen den Remarque-Film ist nur der Kampf Hugenbergs gegen seine Konkurrenz. Wir danken den preußischen Ministern für ihre Haltung und sprechen ihnen unser Vertrauen aus. (Beifall links.) Abg. Kasper (Komm.) erklärt, der Protest gegen den Remarque-Film entspringe der Wut der Heimkrieger und Etappenschweine darüber, daß dieser Film wenigstens einen Abglanz der Wahrheit des Krieges zeige. (Die Deutschnationalen verlasse^ den Saal unter den Rusen der Kommunisten: „Die Etappe reißt aus!") Die preußische Regierung aber sei im Bunde mit den Faschisten und ihr gelte der Kampf der Kommunisten. Abg. Ruschke (Stp.): Der Kamps gegen den Remarque-Film wird geführt von Leuten, die weder den Schützengraben, noch den Film gesehen haben. Ich habe den Film auch in der ursprünglichen Fassung im Auslände gesehen und weih, daß er keineswegs daS Ansehen der deutschen Krieger herabsetzt, sondern geradezu das hohe Lied der Tapferkeit und Kamerad sch ast der deutschen Soldaten ist. Dagegen protestieren die Leute, die den Stahlhelm im Knopfloch tragen, weil sic ihn nie auf dem Kopfe trugen. Wir bedauern, daß die Reichsregierung vor dieser Hetze, vor dem Terror der Straße zurückgewichcn ist. Abg. Schröder-Krefeld (DVP.) bedauert,'daß es überhaupt möglich war, daß die Filmprüfstclle einen solchen Film zugelassen hat, der geeignet ist, das Fronterlebnis zu beschmutzen, das uns Frontsoldaten heilig ist. (Lärm links und Rufe: „Wo waren Sie denn an der Front?“) Gerade von Ihnen (nact^ links) waren 90 v. H nicht im Kriege. (Stürmische Protestrufe links.) Wir müs. fen es auf das tiefste bedauern, daß der Minister- präfibeni Braun ohne jeden ersichtlichen Grund seine Mißbilligung über die Entscheidung der Film- oberprüfstelle ausgesprochen hat, die durchaus dem Willen der wiehrheu der deutschgestnnten Bevölkerung entspricht. (Beifall rechts.) Die Ausführungen der folgenden Redner bleiben bei dem tosenden Lärm unverständlich. Als Präsident Bartels mittellt, daß weitere Wort- Meldungen nicht vorliegen, ruft die Linke: „Wo bleibt denn Kube, der Nazi?- Dazu erklärt die nationalsozialistische Gruppe des Preußischen Landtags: „Die Redezeit für die Fraktionen betrug zehn Minuten, für die Fraktionslosen insgesamt fünf Minuten. Die NSDAP, hätte also zweieinhalb Minuten für ihren Redner zu der bedeutsamen Angelegenheit zur Verfügung gehabt, da die andere Hälfte der Redezeit dem Christlich-Sozialen Dolksdienst zustand. Als Vertreter der größten Wählerschaft Preußens lehnen wir sechs Nationalsozialisten im Preußischen Landtag es ab, uns in dieser Weife wehrlos machen zu lasten. Die namenlliche Abstimmung über den Miß- trauensantrag soll am Freitag stattfinden. Es folgt nun die erste Beratung des Etats für 1931. Finanzminister Dr. H ö p k e r - A sch o f f erklärt u. a.: Nach der Reichstagswahl ist ein verschärfter Konjunkturrückgang eingetreten. Der Absatz der Jndustrieprodukte liegt jetzt um 25 v. H. unter dem des Vorjahres; der landwirtschaftliche Absatz stockt, und die Arbeitslosigkeit st e i y t. Die Zinssätze am Kapitalmarkt sind unver- hältntsmäßig hach. Nur unsere Handelsbilanz zeigt noch ein verhältnismäßig günstiges Bild. Aber die Aktivität der Handelsbilanz wird aufgewogen durch den kolossalen Devisenbedarf, den wir für Reparationen und Verzinsung ausländischer Schulden haben und der allein monatlich 240 Millionen Mark erfordert. Ls ist sehr notwendig, einmal den versuch zu unternehmen, die verhängnisvollen Auswirkungen der letzten Reichstagswahl auf die deutschen Finanzen und die deutsche Wirtschaft zahlenmäßig zu erfassen. Durch Kapitalrückfluß und Zurückziehung ausländischer Kredite nach dem 14. September 1930 wurden uns allein im Oktober 1,6 Milliarden entzogen. Zur Flucht des Kapitals und der Zurückziehung des ausländischen Kredites gesellt sich die Flucht in den Spar st rümpf. Die Kreditoren der Banken haben sich nach der Reichstagswahl, allein im September und Oktober, um 1218 Millionen Mark verringert. Der Zufluß zu den Sparkonten, der vorher durchschnittlich 50 Millionen Mark im Monat betragen hatte, ging im September auf 27, im Oktober auf 13 Millionen zurück. (Lebhaftes hört, hört!) Die Einnahmen aus den preußischen Steuern und aus der Forstverwaltung seien ebenso wie die Reichsüberweisungen zurückgegangcn. Es werde deshalb im Jahre 1930 einen größeren Fehlbetrag geben, der nur durch erhöhte Sparsamkeit abzudecken sei. Die De- soldungskürzung unb die Kürzung der Minister- gehällcr und Abgeordnetendiäten habe eine Ersparnis von 84,4 Millionen Mark zur Folge. Der Finanzminister bezeichnete es als fraglich, ob die Gemeinden auf die Dauer mit den Lasten fertig würden, die durch die gestiegenen Wohlfahrtsausgaben auf ihnen ruhten. Es hätten Verhandlungen über die Möglichkeit eines HcberbrückungskrediteS für die Gemeinden stattgefunden, wobei sich ergeben habe, daß eine akute Gefahr für die Gemeinden zur Zeit nicht bestehe. Der Remarque-Ulm in Oesterreich. Noch feine Enscheidung über ein Verbot. Wien, 16. Dez. (WTD.) 3m Rationalrat hat der H e i m a t b I o d eine dringende Anfrage eingebracht, worin auf das Verbot des Re» marque-Filrns „3 m Westen nichts Reucs" durch die deutsche Reichsregierung verwiesen und der 3nnenrninister gefragt wird, ob er bereit sei, mit Rücksicht auf die zweifellos zu erwartende Störung der Ruhe und Ordnung die Auf,ührung dieses Films im ganzen österreichischen Bundesgebiet zu untersagen. Da diese Anfrage nur von den acht Mitgliedern des Heimatblocks unterzeichnet war, muhte über die Zuerkennung der Dringlich- feit abgestimmt werden. Für die Dringlichkeit stimmten außer dem Heimatblock die Christlich-Sozialen und der Schober-Block, so daß die Debatte über die Anfrage noch in der heutigen Sitzung durchgeführt wurde. 3nncn- minister Winkler teilte mit, daß di« Angelegenheit den nächsten Ministerrat beschäftigen werde. Der Vertreter des Heimatblockes, der frühere 3ustizminister H u e b e r, erklärte, man dürfe nicht die deutsche Ehre durch Vorführung des Remarque-Films beschmutzen lassen. — Ramens der großdeutschen Mitglieder des Schober-Blockes sagte Abg. W o t a w a , daß schon mit Rücksicht auf das Verhältnis zu den Brüdern im Reich und auf das Ansehen der Republik Oesterreich nicht die Hand dazu geboten werden dürfe, das Empfinden weiter deutscher Dolkskreise durch die Verunglimpfung des Andenkens der deutschen Kriegstellnehmer zu verletzen. — Der Christi.-Soz. Dr. Schuschnigg erklärte, auch welle christlich-soziale Devöllerungsschichten feien gegen den Film. Heute, nachdem die Kriegsschuld der Mittelmächte schon ein allgemein abgetanes Märchen sei, trete an ihre Stelle die Konjunkturwelle der Kriegsliteratur. Ebenso wie es für manche ein Geschäft des Krieges gab, scheine es auch ein Geschäft des Pazifismus zu geben. Man betone hier oft das Zusammengehör igkeitsgesühl mit dem deutschen Volke. Run sei endlich einmal d ie Gelegenheit gegeben, dies praktisch auch nach außen hin zu bestätigen. — Bürgermeister Seih (Soz.) erklärte, er müsse sich dagegen verwahren, daß man Erwachsene wie Kinder behandeln wolle, um ihnen durch ein Verbot die Möglichkeit zu nehmen, sich selbst ein Urteil zu bilden. Wenn in Deutschland eine Möglichkeit des Filmverbotes bestehe, so möge man dort gesetzmäßig nach eigenem Ermessen Vorgehen; in Oesterreich müsse die Zensurfreiheit unangetastet bleiben. Wien und Oesterreich würden ruhig bleiben, ob der Remarque-Film aufgeführt werde oder nicht. Rach einem Schlußwort des früheren Ministers Hueber wurde sodann die Debatte geschlossen. Oie hessischen Kinobesiher gegen den Hemarque-Ulm. Frankfurt a. M, 16. Dez. (WSN.) Etwa 100 Lichtspieltheaterbesitzer aus Frankfurt, Hessen und Hessen-Nassau hielten heute hier eine Tagung ab. Neben der Behandlung interner Fragen war für die Öffentlichkeit die Stellungnahme des Lichtspielgewerbes zu dem Film ,3 m Westen nichts Neues" von besonderem Interesse. Der Zensurbefcheid wurde einstimmig be« grüßt. Der Vorsitzende Matter bezeichnete den Film als ein hervorragendes Meisterwerk. Die Tendenz müsse jedoch jedem ekelhaft Vorkommen, der als Soldat draußen war. Die deutschen Soldaten jammern und wimmern, rufen nach Papa und Mama und sind durchweg als Waschlappen gezeichnet, während die Franzosen lautlos st erben. Der Film müsse a b - gelehnt werden, weil die Lichtspiellheater unter keinen Umständen zum Tummelplatz politischer Leidenschaften gemacht werden dürften. Das Verbot sei eine dringende Notwendigkeit gewesen, schon im Jnteresie des deutschen Ansehens und um den Amerikanern, die mit uns Geschäfte machen.wollten, die Augen zu öffnen. Die Versammlung nahm die Ausführungen des Vorsitzenden mit großem Beifall auf. Der GestWSWuß am Heiligabend. Eine amtliche Verlautbarung. — Oie neue Anordnung tritt erst im nächsten Jahre in Kraft. Berlin, 16. Dez. (TU.) Reichs amtlich wird mitgetellt. Am 11. Dezember 1930 hat der Reichstag ein 3nittativgeseh beschlossen, durch welches das im Vorjahre erlassene Gesetz über den Ladenschluß am 24. Dezember Aenderungen und Ergänzungen erfährt. Während nach dem geltenden Gesetze die offenen Verkaufs stell- len am Heiligabend im allgemeinen nur bis 17 Ahr geöffnet sein dürfen, über für Lebensmittel-. Genuß- mittel-undBlumengeschäfte der Ladenschluß erstum 18 Ahr zu erfolgen braucht, soll diese Ausnahme künftig nur für Blumen- geschäf te gelten und der Siebzehnuhrschluß auch auf Apotheken ausgedehnt werden, die keinen Rachtd.enst haben. Außerdem wird ausdrücklich verboten, nach dem Geschäftsschluß Arbeitnehmer länger als eine halbe S t u n d e zu beschäftigen, und zwar werden während dieser Zeit nur Saa Zuendebedienen der Kundschaft und Aufräumungsarbeiten zugela sen. Sodann führt das Geietz einen Ge chäftsschluh auch der Gaststätten ein, die am Heiligabend um 19 11 Ij r geschlossen werden sollen, wobei die Landesbehörden Ausnahmen für die Beherbergung und Verpflegung nicht ortsansässiger Personen zulassen können. Am Donnerstag wird der R e i ch s r a t darüber zu befinden haben, ob er gegenüber diesem vom Reichstag beschloßenen Geietz von feinem Einspruchsrecht Gebrauch machen will. Auch wenn er dies nicht tut, wird das Gesetz indiesemIahr noch nicht wirksam werden, da eine Vorschrift über das sofortige 3 n f r a f t- treten des Gesetzes fehlt. Ohne eine solche Vorschrift ^ibcr tritt ein Reichsgefetz *e r ft mit dem 14. Tage nach dem Tage der Ausgabe des Reichsgeseyblattes in Kraft, im vorliegenden Falle also erst nach Weihnachten. Daher bewendet es in diesem 3ahr bei den Vorschriften des vorjährigen Gesetzes: Allgemeiner Ladenschluß um 17 11hr, Ladenschluß der Lebensmittel-, Genuh- rnlltel- und Blumengeschäfte um 18 Uhr, keine reichsgesetzliche Beschränkung der Gast- und Schankwirtschaften. 3edoch ist zu hoffen, daß auch in diesem 3ahre eine schon früher beobachtete Hebung Platz greifen wird, wonach zahlreiche Gastwirtschaften ausfreienStückenzu einet früheren Stunde schließen oder doch mindestens ihre verheirateten Angestellten früher entlassen. Auch haben schon vor dem Reichstagsbeschluß die zuständigen Reichsministerien Schritte getan, um tarifliche Vereinbarungen der Gastwirte und Gastwirtsgehilfen zu fordern, in denen eine solche Regelung vereinbart wird, wie denn auch der Abschluß solcher Vereinbarungen bereits bekannt geworden ist. Ferner haben sie den Landesregierungen nabegelegt, soweit solche Vereinbarungen nlcht zustande kommen, gegebenenfalls von der Möglichkeit einer früheren Festsetzung der Polizeistunde auf Grund des Gaststättengesehes Gebrauch zu machen. Oer preissenkungsausschuß. Berlin, 16. Dez. (ENB.) An der heutigen Sitzung des Preissenkungsausschusses nahmen teil außer dem Reich s'k a n z l e r Rcick)s bantpräfibent Dr. Luther, die Reichsminister Dietrich, Wirth, Stegerwald und Schiele, der Leiter des Rcichswirtschaftsministcriums, Staatssekretär Trendelen bürg, der preußische Han° delsminister Schreiber und der Präsident des Deutschen Städtetagcs Dr. M u I c r t. Die Beratung drehte sich hauptsächlich um die Preise der Markenartikel. Wenn ein Beschluß noch nicht gefaßt wurde, so hat das zweifellos feinen Grund darin, daß der Ausschuß eine Entscheidung über dieses Gebiet der Preisbildung wenige Tage vor Wechnachten nicht für angebracht hielt. Man kann aber wohl annehmcn, daß die Aktion im Januar gerade im Hinblick auf die Markenartikel erneut fortgeführt werden wird. Die Maßnahmen, die zu einer Senkung der gebundenen Preise führen können, sind außerdem unter Umständen ein schneidender Art, und schon deshalb wird der Ausschuß vielleicht die letzte Entscheidung dem Kabinett überlassen wollen, sicher ist jedenfalls, daß vor Weihnachten keine cinschnei denden Maßnahmen mehr getroffen werden, so daß also eine Störung des Weihnachtsgeschäftes nicht zu befürchten ist, das sich übrigens nach der Auskunft einer Reihe von Geschäftszweigen in den letzten Tagen doch erheblich g ü n ft i g e r gestaltet hat, als ursprünglich erwartet wurde. Oie Frage der Arbeitsbeschaffung. Die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten. Berlin, 16.Dez. (DB.) Sell mehr als einem Vierteljahr ist die G e f c 11 f d> a f t f ü r öffentliche Arbeiten AG., die die Aufgaben der produktiven Erwerbslosenfürsorge übernommen Hot, in Tätigkeit. Es zeigt sich nun, daß erhebliche Anfangsschwierigkeiten zu überwinden waren und sind. Obwohl die erwartete Auslandanleihe nicht zustandegekomnien ist, stehen Mittel in Höhe vonetwa 45 Million enzur Verfügung. Abgerufen worden sind aber nur 15 Millionen, d. h. die Möglichkeiten dieser Arbeits- beschaffting werden zur Zeit noch nicht genügend ausgenutzt, was um so bedauerlicher ist, als wir unter der großen Arbeitslosigkeit sehr zu leiden haben. Die Schwierigkeiten, die der Ausnutzung entgegen stehen, sind mannigfacher Art, aber man ist schon erfolgreich dabei, neue Wege zu ihrer lleberwindung zu beschreiten. Mit den drei Ländern Baden, Sachsen und Württemberg hat die Gesellschaft Sonderab- kommen geschlossen, die aus eine Arbeitsteilung hinauslaufen, nach der im wesentlichen die größeren Projekte direkt von der Gesellschaft durchgesührt werden. Da die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich sind, kann man diese Regelung nicht verallgemeinern, es verlautet aber, daß auch mit Preußen über eine Klärung des Verfahrens verhandelt wird. Gleichzeitig rücken auch neue Arbeitsgebieten den Vordergrund, wie z B. die Förderung gemischt-wirtschaftlicher betriebe etwa der Elektrowirtschaft oder die Förderung von Reichsbahnbauten und von größeren Meliorationsarbeiten im Zusammenhang mit Fluhregulierungen. Banken und Wirischastskrisis. Dr. Solmsfen gegen geldwirtschaftliche Erpcrimcntc. Berlin, 16. Dez. (WTB.) Die Generalversammlung des Zenlraloerbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, c. V., Berlin, wählte Geheim- rat Dr. R i e f f e r einstimmig zum Ehrenpräsidenten. Zum neuen Vcrbandspräsidenten ist vom Ausschuß Dr. Georg S o l m s s e n , Vorstandsmitglied der Dedi-Bank, gewählt worden. Dr. Solmssen erklärte, in Verkennung der Zusammenhänge werde gegen die deutschen Banken der Vorwurf erhoben, sie versuchten, ihre Kredite einzuschränken und versagten also gerade in einer Zeit größter wirtschaftlicher Not. Demgegenüber lehre ein Blick auf die Monatsbilanzen der Banken, wie stark sich die fremden Mittel vermindert haben. Der Gedanke, den Staat zum Träger bj?r Wirtschaft zu machen, habe auf der ganzen Linie Schiffbruch er. litten. Ein besiegtes Volk dürfe sich nicht vermessen, der Entwicklung der Weltwirtschaft Gesetze oorzuschreiben, sondern müsse sich den Gesetzen der Weltwirtschaft fügen. Auch innerhalb der breUen Masse des breiten Volkes fange man langsam an zu begreifen, daß wir im letzten Jahrzehnt in big Irre gegangen sind und anstatt uns emporzusparen. versucht haben, uns emporzuborgen. Wie stets in Zeiten der Not, treten jetzt Naturärzte auf. die glauben, mit einem Federstrich, durch Aufhebung der Zinsknechtschaft und durch freie Geldschöpfung alle unsere Leiden heilen zu tonnen. Aus derartigen wirtschaftlichen Utopien müsse es ein böjes Erwachen geben Deutsch- land sei und bleibe vom Auslandabhängig, und es sei ein Verbrechen, so zu tun, als ob wir in der- Lage wären, unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Gläubigern zu negieren Gerade die letzten Monate hätten erneut gezeigt, in welchem Ausmaße wir in unserer Wirtschaftsführung vom Vertrauen des Auslandes abhängig feien. Gerade das Gegenteil werde aber bewirkt, wenn im Augenblick eine Partei mit einem bank- und kredit- politischen Programm aufwarte, das jeder Einsichtige nur als Phantasterei bezeichnen könne. Eine verantwortungsbewußte Staatsleitung muffe allen Versuchen energisch entgegentreten, derartige Ideen zum Gegenständ gesetzgeberischer Experimente zu machen. Mehr denn je erfordere unsere Zeit eine entschlossene Staatsleitung, die zum Besten des Ganzen bereit ist, sich unpopulär zu machen, indem sie von der Gesamtheit Opfer verlange und nicht davor zurückschrecke, der Gesamtheit die Lage zu schildern, wie sie i st. Ablehnung der Strafanzeige des ^egierungsrats KabriciuS. Berlin, 16. Dez. (WTD.) Regierungsrat Dr. Fabricius hat bei der Staatsanwa tschaft III eine Strafanzeige gegen den Polizeipräsidenten Grzesinski den Poliz ivizepräsidenten Dr. Weiß, den Polizeivberst Heimanns- berg und den PoÜzeimajor Heinrich wegen Freiheitsberaubung im Amt (§ 341 StGB.) erstattet und den Erlaß eines Haftbefehls wegen dringenden Tatverdachts, Flucht und Verdunkelungsgefahr beantragt. Die Staatsanwaltschaft hat den Anzeigenden dahin be- schieden, daß zum Einschreiten kein An- l a h vorliege, weil der vvrgetragene Sachverhalt den Verdacht einer strafbaren Handlung nicht rechtfertige. Besserung im Befinden poincares. Paris, 16. Dez (WTD.) Poincare wurde im Laufe des Rachmittags von Professor Mario gründlich untersucht. Der Arzt erklärte beim Verlassen der Wohnung, es sei eine merkliche Besserung eingetreten, der Zustand des Kranken befriedige. Senator Dar thou, der Frau Poincare einen Besuch abgestattet hat, erklärte beim Verlassen der Wohnung, der Zustand Doincares gehe der Besserung entgegen; es handele sich weder um einen Schlaganfall noch um eine Urämie-Kris r. Aach der ärztlichen Untersuchung von heute abend hat der Hausarzt Poincares folgenden Krankheitsbericht ausgegeben: Man stellt heute abend eine leichte Besserung fest; Temperatur 37,4, Puls 70 regelmäßig. Obgleich die Aerzte, über die Erkrankung Poin- rares großes Stillschweigen beobachten, will Paris Midi folgende Einzelheiten über die Ursache und den bisherigen Verlauf der Erkrankung mitteilen können. Noch am 4. Dezember, dem Tage, an dem der Senat die Interpellation beriet, befand sich PoincarL völlkommen wohl. Er wohnte der Sitzung von Anfang bis Ende bei, spürte aber nachher eine gewisse Müdigkeit und ließ feinen Hausarzt kommen, der ihm einige Tage Bettruhe verordnete. Poincare war zu dieser Zeil noch im vollen Besitze seiner geistigen Kräfte. Er legte die letzte Hand an die Rede, die er gestern bei Eröffnung des Germanistischen Institutes in der Sorbonne halten wollte Am Samstag wurde der Hausarzt eilig gerufen. Poincare war von großer Schwäche befallen, die Beine versagten den Dienst, und das Sprechen fiel ihm sehr schwer Die Nierentätigkeit setzte aus Der Hausarzt stellte fest, daß Harn- gifte ins Blut gedrungen waren. Es machte sich daher eine Erhöhung des Blutdruckes geltend. Auch schien Anlaß zu der Befürchtung vorzuliegen, daß eine kleine Ader Im Oetjirn gerissen sei. Man brachte den »Kranken zu Bett, ließ ihn zur Ader und schrieb ihm Diät vor. Aus aller Welt. Der Reichsgründungstag. Das Reichskabinett tritt am Mittwochoormittag zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung auch die Frage steht, in welcher Form diesmal der Reichsgründungstag am 18. Januar amtlich gefeiert werden soll Es handelt sich um die 60. Wiederkehr des Reichsgründungstages und aus diesem Anlaß ist daran gedacht, eine besondere Feier zu veranstalten. Die Todesstrafe in England. Der parlamentarische Sonderausschuß, der sich mit der Frage der Aufrechterhaltung der Todesstrafe zu besagen hatte, macht den Vorschlag, die Todesstrafe versuchsweise in Fredenszeiten fürdieDauervonfünsIabrenaufzu- heben Die konservativen Mitglieder des Ausschusses waren kürzlich unter Protest zurückgetreten, weil sie der Ansicht waren, daß verschiedene Sachverständigengutachten in dem Bericht nicht berücksichtigt worden seien. Schiedsspruch im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Nach zweitägiger Verhandlung fällte die Schlichterkammer mif den Stimmen der Arbeitgeber einen Schiedsspruch im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau, der die jetzige Arbeitszeit im Braunkohlenbergbau über den 1. Januar 1931 hinaus i n Kraft läßt. Die Arbeitszeit ist mit einer sechswöchigen Kündigungsfrist erstmalig zum 31. August 1931 kündbar. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 22. Dezember d. I. Die Gewerkschaften nahmen dem Schiedsspruch gegenüber eine ablehnende Haltung ein. . Absage der 3ubiläumstagung des Preußischen Landes-Jagdverbandes. Der Preußische Landes-Iagd-Verband plante im Jahre 1931 fein 1 Ojähriges Beftehen am 1 Februar im Rahmen der sechsten Grünen Woche 1931 festlich zu begehen Wegen der außerordentlich schweren wirtschaftlichen Krise und der Not, die auch unter den Jägern Preußens herrscht, hat der Vorstand beschlossen, die Iubiläumstagung des Verbandes auf eine geeignetere Zeit zu verlegen. An Stelle der Jubiläumstagung findet eine Vertreter- Versammlung des Verbandes am 1. Februar 1931 in Berlin statt. Die Aufstanosvewegung in (Spanien. Der vorläufige Gieg -es Königs. König Alfons hat über die Widersacher der Monarchie einen wenn vielleicht auch nur vorläufigen Sieg davongetragen. Die Urheber der revolutionären Unruhen haben sich außer Landes begeben, ihre Anhänger sind dagegen zum Teil eingekerkert, zum Teil hingerichtet worden. Auch die Gewerkschaften, die offenbar den Zeitpunkt für eine neuerliche Einschalzum Ziele, denn das Land brauche größere Freiheit und könne nicht länger unter einem Regime leben, das es seit acht Jahren ersticke. Spanien wolle nicht länger von General Berenguer regiert werden Spanien werde auch seinem König die Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten nicht verzeihen. Der Ausstand sei jetzt nur aufgeschoben, denn es handele sich um eine große nationale B e - w e g u n g, nicht aber um vereinzelte unbesonnene Handstreiche. Er, Franco, und seine Freunde beabsichtigten, Portugal zu verlassen und in ein anderes Land überzusiedeln Dann würden sie weiter sehen. NNW. y.' 3 / Abmarsch - republikanischen Truppen von der Artilleriekaserne in Jaca (im Hintergrund die Pyrenäen). tung in die spanische Innenpolitik für günstig hielten, haben die Generalstreikparolen wieder zurückgezogen. Das, was soeben glücklich überwunden worden ist, kann aber morgen f ch o n w i e d e r in die Erscheinung treten. König Alfons, der sich mit den Verhältnissen seines Landes viel intensiver beschäftigt, als man allgemein annimmt, hat offenbar die A b h a l f t e » rung des Generals Berenguer schon in Aussicht genommen. Wie man hört, soll der katalanische Finanzmann Sambo in absehbarer Zeit die Leitung der politischen Geschäfte übernehmen. Offenbar glaubt der König, daß eine Regierung aus Zivilisten beruhigend wirken und die Ordnung allmählich wieder Herstellen kann. Eambo ist eine der angesehensten Persönlichkeiten im Lande. Aber auch er kann unter den gegenwärtigen Umständen ohne die bewaffnete Macht nicht auskommen. Solange jedoch die Offiziere in der Politik eine Hauptrolle spielen, ist es nahezu unmöglich, den Frieden in Spanien wieder herzustellen. Oie Flucht -er Meuterer. Sn Portugal festgesetzt Lissabon, 16. De^ (Havas.) Der spanische Flieger Franco ist, begleitet von dem Mecha niker R a b a und dem Kommandanten Puy, um 17 Uhr a u f dem Flugplatz Alverca gelandet. Die Flieger erfLirten, daß drei Wei e e Flugzeuge in Cuatro Vienlos gestartet feien. Ein.s davon landete auf dem Flugplatz Madera, an Bord befanden sich die Majore Laroquetto und Gonzales sowie Leutnant Collar. Das zweite Flugzeug landete auf freiem Felde bei Moita mit General Queite de l L a n o und Major Roa, das dritte in Gairia mit den Majoren Pasor, Cisneros und Martinez AraDie künftige Republik Spanien, für die sie kämpf- ten, könnte nur eine bundesstaatliche R e - publik fein. Die einzigen Verantwortlichen für die Vorfälle auf dem Flugplatz „Zu den vier Winden" feien er, Franco, und feine in Portugal befindlichen Freunde. Sie seien nach Portugal geflüchtet, wett die Bevölkerung von Madrid aus ihre Ausrufe nicht ein gegangen fei. Sie hätten nicht gewollt, daß die Soldaten und Arbeiter auf den Flugplatz „3u den vier Winden" einer Bestrafung ausgesetzt werden. Die aufständischen Flieger hätten, obwohl sie an ihren Flugzeugen Bomben befestigt hatten, diese mit Rücksicht auf die Bevölkerung nicht abgeworfen. Der aufständische General del L a n o macht den standrechtlich erschossenen Hauptmann Galan für das Sch item dec Bewegung verantwortlich. Er habe unklug gehandelt, indem er Elemente rekrutierte, die nicht sicher gewesen seien. Außerdem habe Galan die Ereignisse überstürzen wollen. — Ueber die Ziele der revolutionären Bewegung befragt, erklärte del Lano. „Wir wollen die Republik und die S.,afiung einer neuen verfassungsmäßigen Ordnung. Unserer Ansicht nach hatte das Heer die Aufgabe, in den Kasernen zu bleiben. Das Heer ist ein Verteidigungsorgan des Vaterlandes, und nicht ein Regierungsinstrument. Wir möchten die Regierungsgewalt an Zivilpersonen abgetreten wissen, weil nur diese regieren können. Weil die Monarchie die stärkste Stütze der Diktatur war, wandten wir uns der Republik zu und suchten neue Freiheitshorizonte. Spanien leidet unter dem Werk Primo de Riveras und Deren- guers, die von der Regierung ' die Persönlichkeiten ausgeschlossen haben, die auf Grund ihrer Kenntnis der nationalen Probleme allein fähig sind eine gute Politik zu treib Von der % v. Der Eskorictt bei Madrid, der Palast der spanischen Könige, feit Philipp 11. das Symbol der fpanifchen Monarchie. gon. Sämtliche Offiziere begaben sich nach Lissabon und meldeten sich dort beim portugiesischen Kriegsministerium, das ihnen ihren Wohnsitz in Mafra anwies. Da es sich um ein politisches Vergehen handelt, komme d i e Auslieferung kaum in Frage. Oas Ziel -er Aufständischen. Die Ausrufung der Republik Paris, 16. Dez. (WTB.) Die nach Portugal geflüchteten spanischen Offiziere, die an dem Auf- standsversuch teilgenommen haben, berichteten, daß die Revolution in Spanien auf gestern (Montag) früh 6 Uhr in ganz Spanien anberaumt gewesen sei. Infolge der Unvorsichtigkeit des Hauptmanns Galan, der zu früh losschlug, sei die Regierung gewarnt worden und unter den Aufständischen fei eine große Verwirrung entstunden. Als aber die Revolutionäre erkannten, daß ihre Lage auf dem Flugplatz unhaltbar wurde und die übrigen Truppen sich ihnen nicht angeschlossen hatten, beschlossen sie, zu fliehen bzw sich zu ergeben Franco erklärte, die Ausstandsbewegunq hatte die Ausrufung der Republik in Spanien Derwaltungsunfühigkeit der Militärpersonen überzeugt, sind wir aufständisch geworden, den Blick auf die Zukunft gerichtet. Wir woNen dem Heer ein Prestige verschaffen und d i e Regierung den Zivilgewalten einräumen, die unter der Aegide der Republik die Ration vor dem Abstieg retten können. Oie Wiederherstellung -er Ruhe. Paris, 16. Dez. (TU.) Wie aus Madrid berichtet wird, ist die Regierung über die Lage in der Provinz optimistisch. Die Gouverneure von Barcelona und Valencia sowie anderer Provinzstädte sollen berichtet haben, daß völlige Ruhe herrsche Nur in einigen Städten sei der Streik erklärt worden. Die Negierung hat Vertreter des Handelsver- bandes, der Handelskammer sowie führender Industrie- und Bankverbände empfangen. Die Vertreter haben der Regierung volle Unter st ützungzu- gesichert. Ueber die Lage in Barcelona verlautet aus Perpignan, daß nach der Ausrufung des Belagerungszustandes in den Straßen Polizeitruppen patrouillieren. Auch über Bar- «Iona sollen am Montag Flugzeuge erschienen sein, die republikanische Flugblätter ab warfen. Die Revolutionäre werden darin aufgefordert, vorsichtig zu fein, um eine Unterdrückung der Revolution zu verhindern. Die Eisenbahnlinien und sämtliche übrigen Verkehrswege und die telephonischen und telegraphischen Verbindungen werden überwacht. Es wird eine ftrenge Pres- sezensur ausgeübt. In Barcelona haben Truppen die wichtigsten Punkte der Bannmeile besetzt. Die Militärbehörden haben die Geschäftsräume der katalanischen National-Republikanischen Partei Accion Eatalana schließen lassen. 11 Gewerkschaftsführer, die zum Streik aufforderten, sind fe st genommen worden. Das Gerücht, daß in Madrid der G ene- raIstreik ausgebrochen sei, ist nach einer in der Uebermittlung verzögerten Meldung der Agentur Havas aus der spanischen Hauptstadt bisher nicht nachzuprüfen gewesen. Ohne polizeiliche Erlaubnis darf kein Wagen die Stadt Madrid verlassen. Cs heißt, daß ständigVer- Haftungen vorgenommen würdSst.^md daß das Madrider Gefängnis gegenttwnij überfüllt sei. Da der Belagerungszustand die Einstellung des Telephon - und Telegraphenverkehrs mit dem Auslande und mit den spanischen Provinzen nach sich gezogen hätte, fei ds unmöglich gewesen, die Rachrichten zu kontrollieren, die von Unruhen in der Provinz berichteten Bestätigt sei nur, daß in Bilbao der Streik ausgebrochen und daß es i it Santande r zu Unruhen gekommen sei. Der Generalstreik soll ferner in San Sebastian, Santander, Valencia, EeviUa, Cadiz, Iaen und int Dergwerksgebiet von Asturien proklamiert fein. Auf das Palais des Hivilgouverneurs von San Sebastian soll ein Angriff versucht worden sein. Oie Notwendigkeit von Reformen. Ein spanischer Staatsmann über die innerpolitische Lage. Paris, 16. Dez. (WTD.) „L'Ordre" veröffentlicht Aeuherungen eines nicht genannten ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten zue Lage in Spanien. Der Betreffende erklärte u. a.: W i r brauchen in Spanien einen König, um uns vor dem Chaos zu retten. Für die Republik ist Spanien noch nicht reif. Aber ich bin der Ansicht, daß Spanien nicht mehr die Auswirkungen einer persönlichen Politik eines Souveräns, der das Regime Primo de Riveras wieder einführen würde, ertragen könnte. Eine konstitutionelle Monarchie ist für Spanien unerläßlich. Sie ist aber der sicherste Garant einer demokratischen Ordnung. Alfons XIII. ist übrigens durchaus geneigt, gewisse Vorrechte aufzugeben. Auf dem Lande ist man dem König immer noch sehr zugetan. In den Städten dagegen denkt man mehr an die Republik. Aber abgesehen von Katalonien bleibt die Mehrheit der Bevölkerung ihrem Souverän treu. Nur weih man niemals, wo ein Spanier, wenn er irgendwo zu reformieren anfängt, Halt macht. Ich bin fest überzeugt, daß der König sich durch die Abschiebung Primo de Riveras gerettet hat. Aber jetzt ist keine Minute mehr zu verlieren, um Spanien sozial und wirtschaftlich zu reformieren. Oie Detterlaae 5 en. -M =3 Blrej) (iCnf Owolkenlos.© helfe» Oneio oedecn. ®woixig. • oedecn «Regen * Schnee a Graupein e HeDei K Oewitter.<§)windstiile. seh, fekhter Ost massige- Sudsuowesi 3 stürmische' norowesl 6ie Pfene fliegen mit dem winde Oie oeiaen Stationen stenende.i zahlen gehen die femperatu» an Die Limen veromden Orte mit gleichens auf neeresniveau umgerechneten Lultdruc* Wetli 1 Voraussage Die aus dem nordöstlichen Hochdruckgebiet aus- fließenden Kaltluftmassen haben sich über Deutschland weiter durchgefetzt und die Temperaturen zum größten Teil unter Null sinken lassen. Dabei sind durch allgemeinen Luftdruckanstieg die Atlantik- Störungen zur Auffüllung gelangt und eine Hoch- druckdrucke hat sich von dem Skandinavienhoch in südwestlicher Richtung nach dem Atlantischen Ozean hin gebildet. An ihrer Südseite wird sich meist kontinentale Luftzufuhr einstellen, so daß der Frost auch bet uns weiter zunimmt und die Wolkendecke stellenweise sich auflöst. Aussichten für Donnerstag: Reblig- wolkig mit Aufklaren, Temperaturen sinkend unter Rull, meist trocken. Aussichten für Freitag: Weiterhin Frost, teils bewölkt, teils aufklarend. Lufttemperaturen am 16. Dezember: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 1,2 Grad; am 17. Dezember: morgens 0,8 Grad. Maximum 3,1 Grad, Minimum — 2,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Dezember: abends 1,6 Grad; am 17. Dezember: morgens 0,8 Grad Celsius. nmii «* K " ytlirNlM«^'<'"•'■ \ (1 r,,n"'' wwueii« *■••••■ lUW««lWl#llh ist unvergleichlich naturfrisch duftend und geradezu einzig im Geschmack. Zum Kochen, Braten, Backen und aufs Brot von stets gleichbleibender Güte. Inlllllnmfimflfl bc Aioerus Minu te amen W& iri6- lieft 0« 10 Lrtbttl nA iah ■K. 'Jlubn. 25 Prozent Rabatti Albert Knorr, Eisenwaren Frankf. 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Endlich hat die Stadtverwaltung den Stadtrat schon vor mehreren 3ahren darauf hingewiesen, daß, wenn man in günstigeren Wirtschaftsjahren die Steuern zu niedrig halt, man später in die Lage kommen könne, in ungünstigen 3ahren Steuererhöhungen vornehmen zu müssen. Die Mahnungen und Warnungen der Stadtverwaltung blieben vom Stadtrat vollkommen unbeachtet. Sie werden nunmehr letztmals kurz vor Torschluß eindringlichst wiederholt. Die Stadt Gießen erhebt zur Zeit von allen 13 hessischen Städten — die kleinsten wie Butzbach, Heppenheim. Oppenheim einbegriffen — die niedrigste Gewerbeertragsteuer. Die Mehrheit deS Stadtrats hat die von der Stadtverwaltung in den letzten Jahren vorgeschlagenen Erhöhungen der Gewerbesteuer stets abgelehnt und die Ablehnung damit begründet, daß die wirtschaftliche Struktur der Stadl Gießen anders sei, wie in den übrigen hessischen Städten, und sie hat behauptet, daß Handel, 3ndustrie und Gewerbe der Stadt Gießen nicht die Gewerbesteuerfähe tragen könnten, wie sie in sämtlichen anderen Städten Hessens von den Stadträten festgesetzt sind. Es ist aber nach der Ueberzeugung der Stadtverwaltung nicht angängig, dem Wirtschaftsleben der Stadt Gießen die unterste Stu'e unter allen Städten des Landes einzuräumen, und die Stadtverwaltung ist durchaus der Auffassung, daß für die Gießener Wirtschaft diejenigen Gewerbesteuersähe tragbar gewesen wären, die sich als durchschnittliche Belastung in allen anderen hessischen Städten ergeben. Wenn im Finanzausschuß und Stadtrat wiederholt die Meinung vertreten wurde, daß die anderen Städte an diesen Steuersätzen „zugrunde gehen", so wird die Zukunft lehren, wer eher „zugrunde geht": die Städte mit höheren, oder die Städte mit niedrigeren Realsteuern. Knppenlandschast von Hans Brandenburg. Hans Brandenburg wurde soeben mit dem Münchener Dichterpreis 1930 ausgezeichnet. Auf der Schwelle zwischen altem und neuem 3abr steht der Christbaum, der alte und neue Freunde versammelt, und unter ihm reichen sich Über jener Schwelle Hirten und Könige die Hände Ein Hirte selbst, ein Südtiroler Hüterbub. hat ihre Gestalten und die des Viehes geschnitzt, Oberammergau hat die Schar vervollständigt. Ochs und Esel sind vom Mür.ch.mer Kripperlmarkt hinzu- gekommen. Und die heilige Landschaft, in der sich alles begegnet, die gastlich offene für Völker md Dinge der Erde, tue den Okzident zum Orient wandelt und umgekehrt, ist ganz Deutschland von der Etsch bis an den Belt. Die Könige mit ihrem schwarzen Gefolge wandern aus Urwäldern her. sie treten unter Misteln wie unter tropischen Bäumen mit glasweihen Früchten und unter unseren zu fremdländischen Kandelabern gewordenen Disteln ins Freie. Hauswurz aus einem Bauernhof des einsamsten Am- mertales bildet Agaven und Kakteen, durch die sie näher schreiten, hügelige Steppe empfängt sie, bewachsen mit Heidekraut von nordischen Hünengräbern Gebirge steigt auf. Steine vorn Sylter Roten Küss, arktischer Granit, angeschwemmt vom Meere, roter Helgoländer Fels mit grünen Kupseradern, Dergkristall aus dem Erzgebirge, als Glasberg die Kerzen des Gezweiges spiegelnd. Die Hirten stehen schon anbetend vor dem CSS nüber, die Füße in heimischem Waldmoos Ein Felsblock von der Benediktenwand wuchtet im Vordergrund. umlagert von Steinen des Allgäus, von batiniertcr Kugelflechte des Schlehdorfer Moors von grasgefleckter Schildflechte und Isländischem Moos aus dem bayerischen Hochgebirge. Bartflechten hängen auf die Häupter herab, darunter eine Art aus dem Wettersteingebirge wie lange, durchsichtig gesponnene, lichtgrüne Girlanden. Der Stall ist aus Rinden, Geäst und Wurzeln verstrebt. die den 3farauen entstammen, und verliert sich in eine rechte bethlehemitische Geburtshöhle, deren Wand sich tropfsteinhaft aus alten Holzstrünken aufbaut, die in den feuchten Wäldern am Rande des Dachauer Mooses moderten. Das Oesuskind, eine wmzig-rosige Nacktheit aus unseren alten Wachsziehereien, ist auf Wolle von Schafen der Nordfeeinfeln gebettet, und in der Nähe lehnt mit dem Wasservorrat der Heiligen Familie das kleine Tongefäh eines Indianers, das ein Freund aus Peru mitbrachte, als riesige Amphora. Bis zum Dreikönigstage lebt diese Landschaft! dann geht sie unter, um erst nach einem Jahr im Schein der nächsten Wachslichtersonne wieder aufzuerstehen. Dann brennen die letzten Kerzen aus nur die hinter der Krippe verborgene leuchtet noch, und ihr Glanz genügt, sich all den schwebenden Glaskugeln droben so weit zu spenden und mitzuteilen, daß sie einen zarten Sternenhimmel über die entschlummernde Weihnacht breitet. Man geht schaufensterln. 23on Dorothea Hofer-Oernburg Die kleine gnädige Frau. Die kleine gnädige Frau geht, gut eingebunden, die ganze große Straße entlang und ist hübsch. Allen fällt es auf. So hübsch ist sie, daß sie es schon gar nicht nötig hat, sich viel darum zu kümmern. Die Straße ist lang und, wie gesagt, voller Läden. An allen Kreuzungen stehen Christ bäume, zusammengepackt, wie Kulissen. die erst entrollt werden sollen. Cs duftet nach Schnee, nach Harz, nach Tannen und Winter und Weihnachten. Die kleine gnädige Frau geht schnuppernd daran entlang — geht und bleibt ein wenig stehen, wenn ein günstiges Schaufenster ein günstiges Spiegelbild von ihr wirft, und besieht sich ihre günstige Silhouette. Schau- senstcr haben das so an sich, veredelnd auf Silhouetten zu wirken. Dann besieht sie die Auslagen. - Gott im Himmel, was es alles gab! So hübsche Sachen und so furchtbar billig! — Man findet durchaus nicht immer alles furchtbar billig! Dazu muß man schon disponiert fein, seinen guten Tag haben. O, es gibt so tief melancholische, wo alles lächerlich und widernatürlich teuer ist. Tage, an denen man nicht einmal Shopping gehen würde, geschweige denn ,Besorgungen machen", lind das ist doch so ein wesentlicher Unterschied. Shopping ist die platonische Urform der Besorgung, Shopping heißt im wesentlichen, einen Vorwand suchen, etwas Ueberflüssiges nicht überflüssig finhen. Die kleine gnädige Frau hatte diesbezüglich einen ihrer allerbesten Tage. Alles war entzückend, und alles für denselben Preis zu haben, solange ihr Shopping eben nicht in Besorgungen ausartete. Da waren Perlketten — unglaublich, was für eine Auswahl. Man mußte zu jedem Kleid eine haben. Das war das einzige, was sie eventuell teuer machte. Seidenwäsche gab es — also einfach unerhört, was man schon spottbillig mit Handarbeit bekommen konnte Pelze...! Einfach lächerlich! Die kleine gnädige Frau ging und fand so dies und das, wünschte sich dies und das. Dabei hatte sie noch nicht die mindeste Idee, was sie ^i hm" schenken würde. Das fand sich dann schon ganz von selbst. Was kann man übrigens Männern schon schenken. Sie sind in dieser Beziehung so unamüsant und so anspruchslos. 3a, sie würde sich Kombination wünschen. Unter andern natürlich. Ein Kombination, zwei Kombination. Wenn er nett ist, wenn er sehr nett ist. schenkt er ihr dann einen Pelz. Der nette junge Mann. Der nette junge Mann schaufensterlt sozusagen in der vierten Dimension. — Er sieht weder sich noch Preise oder 3nbegriffe von greifen darin, er sieht nur hübsche und günstige Silhouetten und fängt etwas auf von dem stummen aber heftigen Wunschfluidum ihrer 3n- haber Darum versucht er ä tempo, sich vorzustellen, was er ihr schenken würde, toeim ... und ist zufrieden, daß es nur eine beliebig wiederholbare Vorstellung bleibt — Uebcigens eine neue Aktenmappe würde er sich an Weih- nachten wohl zulegen müssen. Daran dachte doch keiner sonst, und es war ja auch nur etwas Praktisches. Zu einem Auto reichte es nicht. Ein Auto ist kein Schlips und folglich kein „geeigneter Geschenkgegenstand für Herren". Für die Hemden sorgte Mama, und ziemlich viel Eau de cologne würde er bekommen, darauf konnte er sich mit einiger Sicherheit verlassen. — Und also konnte er sich mit Gemütsruhe dem Verzügen des vierdimensionalen Dchaufensterlns hingehen. DaS Kind. Das Kind drückt seine kleine Nase platt an der Scheibe. Es gibt einen dicken runden Hauchrand mit einem schwarzen, verwehenden Loch in ber Witte. — „Pfui", sagt die Mama, „wie unappetitlich ... komm schon endlich, es gibt noch so viel hübsche Läden", und zie^t es weiter zum nächsten, ein wenig sperrig, ein wenig schwerfällig in seinen Buhen mit Reihvcr'chluh. — Das Kind wundert sich und wagt nicht recht etwas darüber zu sagen. Erwachsene sind so komisch. Wie ist das nun aber wohl ...? Man schreibt an den Weihnachtsmann, man wünscht sich das Blaue vom Himmel, und dabei kann man es hier unten in all den Läden da viel einfacher kaufen? — Der Weihnachtsmann eine himmlische G. m. b. H ? — Wozu machen sie immer alles so umständlich? — Wozu? — Nur damit Kinder wieder Mühe davon haben? — Komisch. — Das Kind überlegt schwer und mit kleinen stoßenden Seufzern, die in der QBinter- (uft wie gehauchte Fragezeichen hängen bleiben. — „Mach schön den Mund zu", sagt Mama. Das Kind macht ihn zu, schließt gleichzeitig einen Kompromiß zwischen Augenschein und Herkommen und schreibt zu Haus seinen Wunschzettel. Es stehen entsetzlich viele Sachen darauf und schließt mit den Worten: „Lieber Gott, mach Dich vergnügt und grüße alle, die mir das schenken. — Deine liebe Biene." Lob ber fflütter. Mit einem Preis der Mütter (von Hans Dethge) eröffnet die Leipziger „3IIuft ritte oeitung" (Verlag 3.3. Weber) ihre diesjährige Weihnachtsnummer, die der Mutter gewidmet ist. Die unter dem Titel .Das Bild der Mutter" zusammengefaßten Beiträge von Thomas und Klaus Mann. Gustav Frenssen. H-lene Böh- Fulda. Ludwig Finckh. Wilhelm Ost- wald, Wilhelm Dölsche und Alfred Brust stehen un Mittelpunkt des Heftes. Probleme des Tages werden m den Aussätzen von Dr. H Boeßneck .Die Mutter und die junge Genera.ion' und von E Fe- cern-Kohlhaas .Ter Schuh >. er Muller in Beruf" berührt. Der ‘Seitrag „Mütter und Söhne" von -Dalertan Tornius bringt eine Auslese von Müt- tem berühmter Männer. Don der Pädagogium Seite aus wird das Thema in dem Artikel ,Müt- ter. die uns Lehrern gefallen“ von Paul Georg Münch beleuchtet. Gabriele Reuter plaudert über bte »Aschenbrödel unter den Müttern", die be- riichtigte Schwiegermutter und die übel beleumdete 6tiefmut.er. Heber die Steuerungen der Muttersiebe bei den farbigen Völkern berichtet Dr. QL Heilborn in einem Artikel ,3n der Hautfarbe verschieden — in der Mutterliebe gleich". — Ausgezeichnet ist das reiche Bildmaterial. Die Stadtverwaltung beantragt mit vollem De- backt und im Bewußtsein ihrer Verantwortung, mehr als die Hälfte des im Rechnungsjahr 1930 weiterhin vorhandenen Fehlbetrags durch Erhöhung der Real steuern mit Wirkung vom l. April 1930 zu decken. Die Gewerbesteuer vom Ertrag soll von 220 auf 2 8 0 Pfennig erhöht und dadurch eine Mcckrein- nahme von 52 200 Mk erzielt werden. Der durchschnittliche Steuersatz in den hessischen Städten beträgt 326.2 Pfennig. Die Gewerbesteuer vom Kapital soll von 55 aus 60 Pfennig erhöht werden und somit ein Mehr von 14 900 Wk. einbringen. Der durchschnittliche Steuersatz beträgt 7 9.61 Pfennig. Die Grund st euer von Gebäuden soll von 27 aus 33 Pfennig erhöht werden und eine Mehreinnahme von 60 000 Mk. liefern. Der durchschnittliche Steuersatz beträgt 3 9,25 Pf. Die Stadtverwaltung beantragt ferner, vom 1. Januar 1931 ab das Wassergeld von 25 auf 28 Pf. je Kubikmeter zu erhöhen, um dadurch eine Mehreinnahme im letzten Vierteljahr des Rechnungsjahres von 9000 Mk. herbeizuführen. Me von dem Stadtrat beschlossene An- schluhgebühr soll damit in Wegfall kommen. 3n anderen Städten bestehen seit längerer Zeit höhere Tarise, wie der hier vorgeschlagene. ilm den Hausbesitzern für die Erhöhung der Gebäudesteuer und des WasiergeldeZ einen Ausgleich zu bieten, beantragt die Stadtverwaltung, den Hundertsatz der gesetzlichen Miete vom 1 Januar 1931 ab um 2 Prvz. zu erhöhen. Durch diese Mieterhöhung wird, auf das volle Jahr berechnet, den Hausbesitzern in Zukunft nicht nur die Erhöhung der Gebäudesteuer. sondern auch die Erhöhung des Wasser- aeldes voll ausgeglichen. Für das gegenwärtig laufende Rechnungsjahr ist allerdings dieser volle Ausgleich nicht vorhanden, da die Erhöhung der gesetzlichen Miete und des Wassergeldes mit rückwirkender Kraft nicht möglich erscheint, sondern erst am 1. Januar 1931 in Kraft treten kann. Die Stadtverwaltung bedauert lebhaft, daß sie eine Erhöhung der Realsteuern in einer Zeit beantragen muh. in der das Wirtschaftsleben einen wenig günstigen Stand aufweist. Wenn also die Stadtverwaltung offen zugibt, daß die Zeit für Steuererhöhungen gegenwärtig wenig günstig ist. so muh sie mit der gleichen Offenheit und mit besonderem Rachdruck feststellen. daß für die geschaffene Lage die Stadtverwaltung keinesfalls verantwortlich ist. Denn bereits seit Jahren hat die Stadtverwaltung in der eindringlichsten Weise urrd bei >eder sich bietenden Gelegenheit daraus hingewiesen, welche nachtelligen Folgen die vom Stadtrat in den letzten Jahren verfolgte Finanzpolitik und insbesondere die systematische Riedrig- Haltung der Steuersätze eines Tages für die Stadt Gießen herbeiführen wer^e. Aachäem zusvtge der neuesten Gesetzgebung oie Lage sich nunmehr so gestaltet hat. daß nach dem 31. Dezember 1 930 eine Erhöhung der Realsteuern nicht mehr möglich ist, wird der Zustand der städtischen Finanzen ein geradezu katastrophaler werden, wenn der Stadtrat nicht unverzüglich weitere Einnahmequellen durch Erhöhung der Realsteuern erschließt. Denn der Stadtrat wird bei dem Voranschlag 1931 vor der Aufgabe stehen, die Deckungsmittel für einen Fehlbetrag von mindestens 750 000 Mk. zu beschaffen. Diese Aufgabe würde geradezu unlösbar werden, wenn dieser Fehlbetrag durch Mitübernahme des im Rechnungsjahr 1930 vorhandenen Fehlbetrags noch um ein Beträchtliches vergrößert werden würde. Dabei muß die Stadtverwaltung, die von einer vorsichtigen und soliden Finanzpolitik in keiner Lage abirren wird, schon jetzt betonen, daß sie niemals die Hand dazu bieten wird, auch nur einen Teil des Fehlbetrags durch einen sogenannten Ueberbrückungslredit zu decken. Fehlbeträge im laufenden Betriebe durch einen Lleber- brückungskredit. also durch Schuldaufnahme zu Lasten der Vermögensrechnung zu decken, ist eine verwerfliche Maßnahme, die eine gesunde Finanzpolitik weit von sich weisen muß. Ein Lleber- brückungskredit kann nur eine alleräußerste Rot» Maßnahme darstellen, und nur in solchen Städten in Betracht kommen, die alle Einnahmequellen, insbesondere auch die Realsteuern, bis zum äußersten ausgeschöpft haben. Da nach den Beschlüssen des Stadtrats die Realsteuersätze in Gießen unter dem Durchschnitt aller übrigen hessischen Staute festgesetzt sind, kann nicht davon gesprochen werden, daß alle Einnahmequellen bis zum äußersten erschlossen worden sind. Deshalb kann auch aus diesem Grunde eine Abdeckung des Fehlbetrags durch einen Lleberbrücknnaskredit für Gießen nicht in Frage kommen. Auch eine Herabminderung deS Fehlbetrags durch weitere Senkung der Ausgaben ist untunlich, da die Stadtverwaltung bereits seit Jahren die Ausgaben auf das Allernotwendigste beschränkt hat, sogar so weit beschränkt hat, daß bereits im laufenden Rechnungsjahre erhebliche Rachbewilligungen eintreten muhten. Eine Aus- gabcer'parnls wäre nur dadurch zu erzielen, dah sämtl.che „fre willigen" Le stungen der Stadt rück» sichtslos eingestellt werden. Die Stadtverwaltung wird in Kürze den Stadtratsmitgliedern ein Verzeichnis der freiwilligen Leistungen der Stadt zugehen lassen und es den Stadtratsmitgliedern Überlassen, Anträge auf Streichung oder Kürzung zu stellen. Es to:rb sich dann ergeben, dah mit solchen Abstrichen nur sehr wenig gewonnen sein wird. Die Stadtverwaltung ersucht zum Schlüsse dringend darum, der Stadtrat möge die gestellten Anträge annehmen, um zu retten, was noch zu retten ist. Jetzt noch hat der Dtadtrat die Möglichkeit, weitere nachteilige Auswirkungen seiner Finanzpolitik zu mildern. Versagt der Stadtrat in diesem letzten Augenblick, so werden schwerwiegende Folgen für die Stadt Giehen in Zukunft daraus entstehen. gez. Dr. Keller. SJl.-'fpOTt (Skilauf-Hochschulmeisterschasten in parienkirchen. Der Winter ist in den Gebirgen über Rächt eingezogen und hat allenthalben die Hoffnungen auf ein fröhliches „Ski-Weihnachten" g.hoben. Die offizielle Terminliste ist soeben durch Veröffentlichung der akademischen Beran st altun- g e n der neuen Saison ergänzt worden. Aus Antrag der Technischen Hochschule München wird die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Skilauf 1931 am 17. und 18. Januar in Partenkirchen abgehalten. Angeschlossen an diese Veranstaltung ist der 2. Akademische Sli-Länderkamps Deutschland - Schweiz. - Die 7. Akademischen Skiwettkämpfe aller Länder werden dagegen mit den schweizerischen Winter-Hochschulmeisterschaflen v.-rbunden und vom 11. bis 15. Februar - diesmal nicht im Engadin, sondern in Gstaad (Zweisiimmengebiet) - durchgeführt. St. Rloritz wird aber trotzdem nicht ohne akademische Konkurrenzen bleiben, il a. werden die älniversitäts-Slirennen Oxford—Cambridge mit Abfahrts- und Slalom-Lang- und Sprunglauf vom 23. bis 25. Dezember abgehalten. Fußballklub 1926 Großen-Buseck DfD. Aßlar — FC. 26 Grotzen-Duseck. Die Ligamannschaft des VfB. 1920 Aßlar gewann am Sonntag auf eigenem Platze, auf Grund der besseren Stürmerleistungen, verdient. Obwohl die Hintermannschaft der Grohen-Busecker Liga, und besonders der Torhüter, saubere Ad- wehrarbeit leisteten und auch die Läuferreihe auf ihrem Posten war, so konnte der Sturm in keiner Weise befriedigen. Die Reuaufstellung erwies sich als ein Fehlschlag. Das Spiel wurde äußerst flott und fair ausgetragen. Richt zuletzt war aber die 3:0-Riederlage auf die schlechten Bodenverhältnisse zurückzufuhren, mit denen die Grohen-Busecker nicht fertig wurden. (Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenteich l — Daubringen 11 8:2. Die beiden Mannschaften standen sich im Verbandsruckspiel gegenüber; die Daubringer verzichteten jedoch auf die Punkte, da einige Spieler der ersten Mannschaft mitwirkten. Der Kampf wurde sodann als Gesellschaftsspiel ausgetragen, das der Gastgeber mit 8:2 für sich entscheiden konnte und damit unter Beweis stellle, dah er auf eigenem Platze keinen Gegner zu fürchten braucht. Arbeiter-Turn- und (Sportbund. Gießen I — Wieseck Ib 8:3. Auf einem Schneefeld trafen sich die beiden Mannschaften am Sonntagvormittag in Wieseck. Der glatte Boden lieh aber eine volle Entfaltung der Gegner nicht zu. Ueberraschend führten die Einheimischen nach kurzer Zeit bereits mit 0:3. Zugleich wurde viel Scharfe in das Spiel getragen. Gießen gelang es sodann, zwei Tore auf- zuholen und auch den Ausgleich zu erzielen. Rach Wechsel zeigte sich Giehen etwas im Vorteil und erhöht das Ergebnis aus acht Tore. Der Schiedsrichter, dem das Spiel völlig entglitt, brach bei diesem Stande den Kampf ab. Wieseck I - Rieder-Florstadt l 1:11. Der Dezirksmeister des 6. Bezirkes. Rieder- Florstadts 1., war am Sonntag in Wieseck zu Gast. Die Gäste stellten eine kräftige und flinke Mannschaft ins Feld, die in allen Teilen gut besetzt war. Vom Anstoß ab entwickelte sich ein flottes Spiel. Die Gäste sanden sich bald mit den schlechten Platz- verhältniisen ab und gingen durch einen Flachschuh in Führung. Wohl schuf auch Wieseck kritische Momente vor dem Tore d.r Gegner, vergab jedoch die sichersten Chan en. Die Gaste erhöhten dann das Ergebnis auf 2:0, und ein Selbsttor der Platzbesiher schuf den Pausenstand. Rach Wechel lagen die Gäste wieder in Front und wurden dem Tore- der Einheimischen immer gefährlicher. In gleichmäßigen Abständen und nachdem zwei Wiesecker Spieler ausschieden, erhöhten die Gäste auf 11:1 und das Schicksal der Einheimischen war besiegelt. Daubringen 1 — Marburg I 1:0. Die beiden Mannschaften trafen sich in Daubringen zu einem Fußballspiel. Die Elf des Platzbesitzers trat reichlich geschwächt und nur mit 10 Mann an, vermochte aber doch nach einem flotten Spiel bereits in der ersten Halbzeit mit 1:0 zu führen. Ein Elfmeter-Ball wurde nicht ausgewertet Nach dem Wechsel zeigte sich das gleiche Bild, trotz aller Anstrengungen der Daubringer gelang es nicht, einen weiteren Erfolg zu erzielen, obwohl die Feldüberlegenheit die Platzbesitzer klar in Front zeigte. Das Spiel wurde unter den schlechten"Plstzverhalt- Nissen doch sehr flott und fair durchgeführt. Dem Spielverlauf nach mußte Saubringen mit einer höheren Torzahl gewinnen. Handball. Bor dem Spiel der ersten Mannschaften von Wieseck und Rieder-Florstadt standen sich die ersten Handballmannschaften beider Vereine im Freundschaftsspiel gegenüber. Die Wiesecker erwiesen sich vor dem Tore entschlojsener und führten bei Halbzllt bereits mit 2:0. Rach dem Seitenwechsel erhöhte Wieseck in gleichmähigen Abständen auf fünf Tore, denen die Gäste kurz vor Schluß das Ehrentor entgegensetzten. Marga von Etzdorf auf dem Heimflug. -M.! 3 ’-yy-, V'Ä,>yx/'z> Die deutsche Fliegerin Marga von Etzdorf hat auf ihrem Alleinflug, der sie von Berlin über Frankreich und Spanien nach den Kanarischen Inseln führte, den schwierigsten Tell der Strecke in Nordafrika über das Atlasgebirge bereits bewältigt und traf am Dienstag in Algier ein. Morgen soll der Start nach Tunis erfolgen. Oer Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig 30 Fortsetzung Nachdruck verboten „Wie gelangten die blauen Brillanten in Ihren Besitz, die Sie Ricolaas Sneek verpfändeten?" „Zwei Glassteine habe ich ihm verpfändet. Dort liegen sie auf dem Tisch. Wie können Sie diese Glassteine Brillanten nennen." Aha, auf diese Weise wollte sie sich aus der Schlinge ziehen! „Ricolaas Sneek betrog Sie um die echten Steine, die ihm jedenfalls unzweifelhaft von Ihnen verpfänoet wurden. Ich muh wissen, woher Sie die Brillanten erhielten, weil die Steine meinem Vater von seinem Mörder gestohlen wurden." Die Frau antwortete nicht, aber im nächsten Moment war sie an Primo Duero vorbeigestürzt und rih die Tür auf. Er war aber, schnell gefaßt, gleich bei ihr und rih die Fliehende mit Gewalt ins Zimmer zurück. „3eßt haben Sie sich nur noch stärker verdächtig gemacht", sagte er, und seine Augen ruhten unablässig auf dem Gefickt der Frau, das dem seinen so nahe war. Woher kannte er nur diese Züge, woher nur? Die Lider mit den langen dunklen Wimpern der Frau lagen tief über den Augen, als schlafe sie. Er faßte sie fest an den Schultern. „Reden Sie, ich fordere es von Ihnen: Wie kamen Sie zu den Brillanten? Bedenken Sie. ein Mord fordert Sühne. Wissen Sie, wer den Word beging? Gestehen Sie es, sonst lasse ich sogleich die Polizei rufen. Ich will das Leben des Mörders für das Leben meines Vaters." Die $rau rührte sich noch Immer nicht. Wie ein Sternbild stand sie da. „Reden Sie, sonst, beim Himmel, behandle ich Sie, als wenn Sie für die Tat verantwortlich wären. Roch einmal, zum letzten Male: Woher haben Sie die Brillanten mit dem seltenen bläulichen Schimmer?" „Sie tun mir weh", stöhnte die Frau unter seinem harten Griff und unwilllürlich zuckten dabei ihre Lider hoch. Zwei große, dunkle Augen von seltener Schönheit tauchten mit einem Blick entsetzlicher Angst in die seinen. Primo Duero war plötzlich zumute, als wandele sich das Blut in seinen Adem zu Eis. Die Augen kannte er sogar genau, er meinte fast, es gäbe nur ein einziges solches Augenpaar auf der Welt. „Montserrat'" drängte es sich über seine L:ppen, während seine Finger die Schultern der vor ihm Stehenden freigaben. Er wiederholte: „Montserrat!" und ihm war es, als könne es nicht wahr fein, was er doch sah. Konnte denn Montserrat auch nur das geringste mit dieser grauhaarigen Frau gemeinsam haben? War es Teufelsspuk, der dieser Frau Montserrats Augen, ihre Züge und ihre Stimme gegeben? Trieb seine Phantasie ein jedes Maß überschreitendes Spiel mit ihm? Er verharrte wie gelähmt, und als die Frau abermals auf die Tür zuschnellte, sand er nicht die Kraft, sie festzuhalten. Doch schon prallte die Frau wieder von selbst zurück, denn vor der Tür stand Jan, der einäugige Riese, und fein Anblick genügte, ihr die Aussichtslosigkeit des Fluchtversuches zu zeigen. Inzwischen aber hatte sich Primo Duero gefaßt. Er schloß die Tür und stellte sich davor. „Montserrat, tue die Perücke herunter und ziehe den weiten Mantel aus, damit ich sicher bin, du bist es, damit ich mich überzeuge, daß da oben in meinem Kopf noch alles in Ordnung ist. Ich muß ja um meinen Verstand fürchten." Plötzliche Wut befiel ihn. „Stehe nicht da, als verständest du unsere Sprache nicht, gib dir keine Mühe, dich zu verstellen. Tust du es nicht freiwillig ab, dann reihe ich dir dos falsche Haar herunter, ich will mich überzeugen davon, Montserrat Duero steht vor mir, sie, die mich Vatermörder geschimpft und doch die einzige zu sein scheint, die den Mörder meines Vaters kennt." Er schrie, am ganzen Körper bebend: „Herunter mit dem falschen Haar, schnell, Ich habe keine Geduld mehr." Die Frau hatte noch kein armseliges Wort der Erwiderung gefunden. Jämmerlich geduckt stand sie da, schien nicht zu wissen, was sie tun sollte, ilnö dann hoben sich ihre Hände mechanisch, mit ein paar Griffen löste sie die grauen Scheitel, die sich zu kleinen Knoten im Racken zusammen- f außen. Glattes glänzendes Schwarzhaar lag jetzt über der schmalen Stirn und veränderte das Gesicht vollständig. Der Mann fühlte, wie eine Kältewelle nach der anderen über seinen Körper hin- strich. Jetzt hatte er Gewißheit. Montserrat die er niemals mit dem furchtbaren Geschehnis am Rosenmontag vor nun fast drei Jahren in Zusammenhang gebracht hätte, mußte genau wissen, wer seinen Vater getötet. „Du bist also die Komplizin eines Mörders", sagte er, und seine Stimme klang heiser, „furchtbar ist das, furchtbar ohnegleichen. ilnö nun nenne mir den Ramen des Menschen, der die Tat beging.“ Sie schüttelte den Kops: „Das kann ich nicht!" Gr trat einen Schritt auf sie zu. „Du wirst mir den Ramen nennen, sonst foltere ich ihn aus dir heraus. Mir ist jedes Mittel recht." Seine Augen blickten sie drohend an. „Sage mir den Ramen des verdammten Mörders, säße mir diesen verfluchten Ramen." Sie wrch zurück. „Laß mich gehen", keuchte sie, als säßen seine schlaff niederhängenden Hände an ihrem Halse. „Du kommst nicht aus diesem Zimmer, wenn du mir nicht den Ramen nennst!" knirschte et. ilnö als sie auch jetzt noch nicht die verlangte Antwort gab, fuhr er sie an: „Aber schwelg nur, schwelg, du bist mir zu miserabel, um mich an dir zu vergreifen. Ich schicke jetzt zur Polizei, damit vor allem die Mitwisserin an dem Mord ins Gefängnis kommt." Er wollte die Tür öffnen, doch schon löste es sich wie ein Schrei von ihren Lippen: „Ich will ja sprechen, ich will die Wahrheit bekennen." Er wandte sich langsam um und sah Montserrat, die noch eben so geduckt dagestanden, in fast herausfordernder Haltung vor sich. „Run ist ja alles gleich", murmelte sie wie zu sich selbst, und etwas lauter: „Ich sitze ja doch in einer Mausefalle. Din selbst hineingelaufen." Sie fuhr sich mit der Rechten über die Stirn. >3ch will erzählen, wie alles gekommen ist, ganz wahr will ich fein.“ Cr drängte: „Wer ist der Mörder meines Vaters?" „Der Reihe nach will ich erzählen." „Den Ramen!" drängte er abermals, „meine Geduld ist zu Ende. Der Polizei wirst du ihn nennen müssen." Seine Hand lag schon auf der Türklinke. 3n ihren Augen glimmte es auf. „3d) habe es getan, ich!" schrie sie ihn plötzlich an. „3ch habe keine Stimmung für derartigen Unfug. Wen willst du mit dieser blöden und unglaubwürdigen Selbstbeschuldigung retten? Du versprachst vorhin, die Wahrheit zu sagen." „3ch bin grausam wahr, ich gebe mich ja selbst preis. Ich wiederhole es: Ich tötete deinen Vater, ich tötete ihn in einem Moment völligen Be- nommenseins, in einem Moment, in dem jede Vernunft, jedes Denken in mir ausgeschaltet war." Primo Duero war es, als würge ihn ein furchtbarer Schrei Im Halse, den er mit aller Kraft unterdrücken muhte. Er sank auf einen Stuhl, denn seiner Deine war er nicht mehr sicher Er begriff einfach nicht, was er eben gehört, es überflieg alles, was cr erwartet hatte. Sie stand aufrecht vor ihm da. „Dein Vater hat mich von jeher eingeschüchtert und mir immer wieder allzu deutlich gezeigt, dah ich nur von seiner Gnade abhing. Richts hatte ich vorn Leben, immer war ich das Aschenbrödel. Und in mir lebte auch Verlangen nach Freude. Sogar sehr viel Verlangen. Doll Sehnsucht habe ich gesteckt, bis zum Halse, zu genießen, wie andere Mädchen, aber was ich mltmachen durfte war Abfall von dem, was man Vergnügen nennen könnte." Ihre Stimme war schwingend. „Aus dich setzte ich mein Hoffen, aber du liehest mich im Stich, warst feige vor deinem Vater. Als der Rosenmontag nahe war, machte ich mir heimlich einen roten Clownsanzug, um mitzufahren auf dem Auto. Ich wollte Maske sein unter Masken, wollte einen Scherz machen. Ich stand schon hinter dem einen Flügel der Haustür verborgen in der Maske, als ihr euch versammeltet, als ihr die Mitfahrenden zähltet. Es glückte mir auch, mich unbemerkt unter euch zu mischen. Rur ein Scherz sollte es fein, ein paar amüsante Stunden wollte ich mir verschaffen. Alles ging gut. Ich wollte dir unterwegs meinen Streich erzählen, aber du unterhieltst dich fortwährend mit der blonden, deutschen Verkäuferin, und ich wagte mich keinem der anderen Clowns zu entdecken. Mir wurde plötzlich Angst, es käme deinem Vater zu Ohren, was ich getan, und er würde zornig werden. Ich bemerkte, dah dir oder der Deutschen anscheinend schon auf- gesallen war, es befanden sich statt zwölf Clowns dreizehn aus dem Auto, und ich verlor die Lust, dir zu erklären, wer der Dreizehnte war. 3ch traute dir auch nicht mehr. Schließlich würdest du vielleicht deinem Vater etwas verraten oder die Deutsche würde es tun. Ich war verstimmt. Das Vergnügen, das ich mir versprochen, sand ich nicht, die Clowns waren albern und langweilig, das Publikum nicht minder. Ich atmete auf, als das Auto vor der Bar hielt. Es ward mir dort leicht, mich über den Hof durch einen Ausgang in eine Rebenstraße zu entfernen. Ein Clown fiel an dem Tage nicht auf. Ich hatte damit gerechnet, von dir ins Haus geschmuggelt zu werden, nun du aber nichts wußtest von allem, konntest du mir auch nicht Helsen. Ich nahm bestimmt an, dein Vater würde um die Zeit meines Rachhausekommens im Laden sein, der Hund meldete ja nicht, wenn einer von uns heim» kam. War ich dann erst in meinem Zimmer, würde ich in fünf Minuten umgezogen fein, dachte ich, und ich wollte dann schnell ein paar Schritte fortgehen, um gleich danach offiziell wiederzukommen. Dah ich einen heimlichen Wohnungsschlüssel besah, wußte niemand. 3ch hatte zuerst das Pech, als ich aufschloß, von der Por» tera gesehen zu werden. Da ich fast gleich groß bin wie Du, hielt sie mich für dich, und ich sand das ganz praktisch. Die Maske schützte meine Züge. Wenn ich erst einmal umgezogen sein würde, wäre für mich alles erledigt. Schließlich hatte ich ja auch gar nichts Besonderes getan, nichts, als einer törichten Laune nachgegeben, die mir nicht Die kleinste Freude eingebracht." „Sei nicht so weitschweifig", unterbrach Prim« Duero Montserrat, „deine Empfindungen sind Rebensache." „3a, das waren meine Empfindungen für dich wohl immer. Auch für deinen Vater. Die Hauptsache wäret ihr selbst, nur ihr. Ich öffnete mit meinem Schlüssel leise die Wohnungstür und stand in Der Diele Deinem Vater gegenüber. Auch er hielt mich für dich, sprach mich als Primo an, fragte, warum ich wiedergekommen sei. Mir fiel keine Ausrede ein. In der nächsten Sekunde aber hatte er mir schon Die Waske heruntergezogen, und als er sah, wenn er vor sich hatte, schimpfte er mich zornig, ich sei eine Vergnügungsnärrin, eine Leichtsinnige, und als ich etwas entgegnen wollte, hob er Die HanD gegen mich. Ich floh in Der Richtung meines Zimmers. Er mir nach mit geballter Faust. Es gelang mir, in mein Zimmer zu kommen, aber er hatte seinen Fuß zwischen die Tür gesetzt. Ich war außer mir. All der Hah gegen ihn als Unterdrücker und Peiniger, der sich seit 3aF>ren in mir aufgespelchert, war zum lodernden Brand geworden. Ich langte ganz unbewußt und nur Instinktiv nach der Luftpistole, die ich mir einmal gekauft hatte in einer verzweifelten Stimmung, mit der ich meinem Leben einmal ein rasches, lautloses Ende hatte bereiten wollen. Dein Vater wich zurück vor mir wie vor einer Irren. Und das war ich auch. Richts anderes als eine Irre war ich in jener Stunde. Er wich zurück, aber ich drückte ab und traf. Traf ihn nur zu gut Er taumelte und stürzte, war auf der Stelle tot. Der Hund kam erst jetzt aus Dem Laden, und ich erkannte, nun begann eine böse Gefahr Er konnte mich an» fallen, laut heulen. Ich lud neu und schoß auch auf ihn. Das arme Tier tat mir leid. Als es stumm am Boden lag, kam ich überhaupt erst zum Dewuhtsein, was ich getan hatte. Da setzte mein Verstand erst wieder ein. Und von der Sekunde an dachte ich scharf und logisch. In rasender Hast schloß ich vor allem erst den Laden, damit kein Kunde eintreten konnte, und dann packte ich ein Kleid und einen Mantel in einen großen Bogen Packpapier und wollte davoneilen. Ich sah den Kassenschrank im Bureau offen. Dein Vater war wohl gerade daran gewesen, als er mich kommen hörte. Ich nahm Das bare Geld, das ich fand und Die blauen Brillanten, die Dec Marques de Palma am gleichen Tage abholen wollte, und stürzte fort. Auch Diesmal sah mich öle Portera. Ao er Ich hatte mein Gesicht wieder mit der Waske bedeckt, und sie konnte mich nicht erkennen. Ich —" tFortletzultg folgt) Lollar, den 17. Dezember 1930. iniiiiic 8496D im 76. Lebensjahre. TEPPICHHAUS BERHARD 84700 FRANKFURT A M- NEUEMA1NZERSTR-22 ECKE FRIEDENSSTR 7194V und verfeuern Sie 3420 V 8466 D SvrSi Radio Photo Telefunkendienst 8387* 8492 P L GIESSEN Ver- oer- Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Verbilligung Ihres Ofen- und Küchenbrandes geb Will Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Kuhl Familie Karl Kuhl Familie Johannes Schlapp III. Die Trauerfeier findet vor der Einflscherung am Donnerstag, dem 18. Dezember, nachmittags 3 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes zu Gießen statt H. Kraft, Neuanweg 46 Nähmaschinenhandlung Fernspr. 3297 • 6 eg r. 1879 widrigenfalls für das Recht der steigerungserlös an die Stelle des steigerten Gegenstandes tritt Lich, den 10. Dezember 1930. Hessisches Amtsgericht. Der C.C. der Silvania. I. A.: Hans-Martin August (X)- Staufenberg, Jugenheim, den 16. Dezember 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. Dezember, nachmittags 2 Uhr statt. die äußerst sparsamen und im Verbrauch billigsten Oiihr Nußkohlen llUll'Eiformbriketts geruchfrei - aschearm In den Preislagen von Mk. 24.50 an für Damen von Mk. 27.50 an für Herren dA$ Schönste =>. GEfCHENK "J EINE Heute morgen entschlief sanft unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Helene Kuhl Wwe. Unterfertigter C.C betrauert tief das Ableben seines lieben A.H. Oberförster Hans Bommerich aktiv 1898/1900. Coleurringe Trauringe Siegelringe Bestecke LMaII Graveurmelater • INOU Neuenweg 32 Gestern nacht entschlief in der Med. Klinik Gießen sanft nach längerem Leiden meine Hebe Frau, unsere treusorßende Mutter, Schwiegermutter, Grobmutter. Schwester und Schwägerin Frau Elisabeth Schadeck geb. Frey Weihnachls- bilte! Die Herberae zur Heimat richtet auch tn dtesemHabre wieder eine herzliche Bitte an dieBüraer- schait, nitiAubcllen, den Weihnachtstisch für fremde Wanderer zu decken. Die Not und Zahl iftiirob. auch solcher, die durch die Zett- Verhältnisse dahin ae bracht worden sind. Gaben an Geld, Wasche, flcir. SLeiber, Vcbcndmittel jc. werden danlbarvom Unierzeichneien eni- acaenaenom uen. Auf rel.-Änrui237- roerben die Gaben abgeholt. 8370k- Namens deS 'Vorstandes Loh. HauSvater. Durch Ausnützung einer günstigen Situtahon am Teppichmarkt in Konstantinopel diele ich aus selten vorteilhaftem Einkauf, solange Vorrat Prachtvolle persische Joraghan-u.Töbrizteppiche Größe 2501350 von 580.- RM. an „ ca. 280/380 w 860.- e , . . 300/400 , 780.- . . 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Kantor Samper, Darmstadt, leitete den Kursus. 3m ersten Teile seiner Ausführungen beschäftigte er sich mit der AuS - spräche, linier Zugrundelegung des Textes eines allen VollSliedes erläuterte er die Bildung der Vokale und Konsonanten, wie sie in der Bühnensprache festgelezt sind. Abweichende Formen wurden besprochen und durch Beispiele belegt AuS der Teilnehmcrschar wurden zahlreiche Anfragen an den Kurfusleiter gerichtet, die zu einer anregenden Besprechung Anlaß gaben und zur Klärung manchen Mißverständnisses beitrugen. Der zweite Teil zeigte die zielbewuhte Arbeit, des Chorleiters beim Einüben eines Chores. Dazu stellten sich in dankenswerter Weise die Mitglieder des G e - sangvereins .,S ä n g e r k r a n z" zur Verfügung. Man hatte einen polyphonen Sah, die Walter Reinsche Bearbeitung des alten Volksliedes „Es ritt ein Jäger wohlgemut", ausgewählt. Der aufnahme ähige. stimmlich gut auS- geftattete und tref.lich disziplinierte Klangkörper sang mit sichtlicher Freude die wertvolle Vertonung des reizenden Volksliedes und bewältigte auch die nicht immer leichten tonalen Einsätze mit gutem Gelingen. Vach einer Stunde konnte der Kurfusleiter schon den Chor mit dynamischen Steigerungen zum Vortrag bringen. Hinweise auf die weitere Vervollkommnung des Vortrags schlossen den ersten Tag ab. Der Sonntag brachte einen Vortrag des Kursusleiters über Entstehung, Merkmale und gesangliche Wiedergabe des echten Volksliedes. Eine Be- sprechung über die Auswahl wertvoller Chöre, sowie über andere Fragen des Chorgefangs bildete den Abschluß der anregenden Tagung. Um im 52. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig SchadeckV. 5n wenigen Wochen Ist wiederum der Zeitpunkt Zur ersten Kopfdüngung der Wintersaaten da, aber in vielen Fällen wird der Landwirt noch kaum an die Beschaffung des notwendigen Stickstoffes gedacht haben. Leicht Iaht er sich dazu verleiten, mit dem Einkauf der Düngemittel bis kurz vor ihrer An wendung zu warten, wenn er die Vorteile nicht kennt, die mit frühzeitigem Bezug verbunden find. Prüft man die Preise der Slickstoffdünguni im laufenden Düngejahr, so findet man, daß gerade Zwischen Dezember und Januar eine beträchtliche Spanne besteht, durch die der Dezemberbezug außer- ordentlich günstig ist. Jeder Landwirt sollte daher seht schon seine Einkäufe vornehmen. 188V Wollirnyma 200/300 250/350 300/400 prächtige Perser-Kopien Velvet* sehr strapazierfähig Alle Markenteppiche zu billigsten Listenpreisen Bettvorlagen, Tisch-, Divandecken, Läufer im Preise starl$ ermässigt. 18-. 3oh. Leun, fa., Heinrich Aeinhardt, fg., PH. lg: Leghorn: Karl Schupp. Rhein- Idnbcr, chwarz: Karl Hetz. E.. Ludwig Hankel. 6. und ig., Löw. Weigandt. fg., Hch Schaum Hochelheim, fg., Ph. Schaum, fg., Aug. Klaum, fg.: TTa6ma: Wich. Weber. fg : Rhodeländer: 3pß. Leun, sg ; Welsumer: Hch Schaum. Hochcl- beim fg.; Hamburger Schwarzlack: W. Eommer- *ao. fg.; S.locr.Bracke!: Kar. WallooU. fg. Zwerghühner: S egerpreis: Ioh. Dietz, auf Antw. Dcr zw.rge; Deutsche Zwerg«, schwarz: Hch Wagner, E.; Antw. Dartzwerge: HanS ®ectg«. E. und fg.. 3oß. D.etz. S. und fg.; engl. neumodische Zwcrgkämpfcr: Wilh. Sommer! ad. E. und fg. T auben: Siegerpreis auf Hess. Kröpfer, dll. ^tger: Hch. Wag. ec; Aotschilder Kappig: W. E roher, S. und fg., W. Struck, fg.; Helf. Kröpfer, fahl: Heinrich Wagner. E. und fg.; Hans George, E. und fg.; Hess. Kröpfer: dkl. Tiger: Hch. Wagner. E. und fg.; Heff. Kröpfer, schwarz: Karl Schupp, fg.: Brünner Kröpfer, we.h: Wilh. Gröher, E. und fg.; Brün- ner Kröpfer, schwarz: Hans George, E. und sg.; Brünner Kröpfer, rotgestr.: Hans George, sg.; Elster Tümmler, schwarz: Wilh. Sommerlad. sg.; Altdeutsche Kröpfer, blau: Hch. Krahl. fg.; Stet- ger. rot: Aug. Lenz, Klein-Linden, fg.; Schle* lischt Weihplattkröpfer: Wilh. Sommetiad, fg. Aus dem SängepgauVogelsberg-Süd. A i b d a. 14. Dez. Von dem Gau 03 o» gelsberg-SüdimHeffifchenSänger- buno wurde im „Gambrinus" ein Dirigen- tenkurfus abzehalten, der gestern begann und beute beendet wurde. 22 Teilnehmer hatten sich Farm- Tvinkelev Oleflüoelfarm 9täbe (y:en. hat ivödieni- lich 8—700 Stück ab» Aufleb. Suche Tauer- nbneamer. auch in kleiner n Menaen. rrfr. in der Ge- fchasisfl.d.G A. o-ej Auto- Batterien bringt man stets Autn Fachmann. Iheietunfl u. Reparatur in bester Aus- tübrunn au mafriaen 1h elfen l6W»i' Lsitdokk, Restant 31 iHol d Firina Dern & Co >. Tel. 433 ». Oberbeffen. Geflüqelausstellung in (Sl-oßen-Linden. U Drohen-Llnden, IS. Dez Der hiesige Geflügel- und Kaninchenzuchtver- ein .,Vo 1 kSwohl" hielt am SamStag und Sonntag im Saale von Philipp Schaum feine diesjährige Lokalschau ab. Es wurden 272 Hühner, Truthühner. Tauben und Kaninchen in schönen Exemplaren ausgestellt. Das Geflügel wurde von Frick (Biebrich) und Jäger (Over-Hörgern), die Kaninchen von Wihler (Veu-I'enburg) bewertet. D:r Besuch der Ausstellung war besonders am Sonntagnachmittag sehr aut Folgende Aussteller erhielten Preise (E. = Ehrenpreis, fg. = sehr gut): Kaninchen. Siegerpreis auf Schwarzloh: Otto Rau: Weih« Wiener: Wilhelm Gröher. E. und zwei 2. Pr.; Marburger Zen: Philipp Olau- mann, E., Wilh Gröher. E. und 1. Pr.; Eastor Aex: Wilh. Gröher. E. und 2. Pr.; Hermelin: PH. Zimmermann, 1. Pr. W. Zahrt, 2. Pr.; Grau-Silber: August Rinker. 1. Pr. und zwei 2. Pr.. PH. Zimmermann. 2. Pr.; Braun-Siloer: PH. Zimmermann, zwei 2. Pr Geflügel: Siegerpreis und Muskator-Lei- stungSpre7s auf schwarz - Italiener: Hch Wagner; Italiener, rebbuhnfaroig: Otto Hofmann, E.. Karl Faber, rg.; Italiener, schwarz: Heinrich Wagner, zwei S. und sg.. Wilh Walther, fg.; Italiener, gelb: Aug. Lenz, Klein-Linden, fg.; Wyandott, fllbcr: Alfred Jung. E. und fg.; Wyandott, weih: Funk (Mustergeflügclfarm. Gießen), fg.; Dornefelder: W. Sommerlad, E. und Zwangsversteigerung. Die nachstehend bezeichneten Grundstücke, die zur Zeit der Eintragung des 513er» stetgerungsvermerks auf den Namen des Otto Reuhl und dessen Ehefrau Marie Ettsabeth geb. Zinlhan zu Dors-Güll im Grundbuch eingetragen waren, sollen Jreitag, den 6. Februar 1931 nachmittags 3 llhr durch das unterzeichnete Gericht auf dem Rathaus in Dors-Güll versteigert werden. Die Versteigerung erfolgt im Wege der Zwangsvollstreckung. 8493D Der Versteigerungsvermerk ist am 14. November 1930 in das Grundbuch eingetragen worden. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsoermsrks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, find sie spätestens im Derfteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Ge- boten bei dem unterzeichneten Gericht an- zumelden und, wenn der Gläubiger wider- spricht, glaubhaft au machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem An- spräche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Es ist zweckmäßig, schon zwei Wochen vor dem Termin eine genaue Berechnung der Ansprüche an Kapital, Zinsen und Kosten Der Kündigung und der die Be- friedigung aus dem Grundstück bezwecken- Den Rechtsoerfolgung mit Angabe des beanspruchten Ranges schriftlich einzureichen oder zu Protokoll der Geschäftsstelle zu erklären. Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgesordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung ober einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, Ruhl, Plockstraße 12 Toiepnon 817 494 1 RM. 45.-. 88 Grundbuch für Dorf-Gull, Band II, Blatt 110: Bezeichnung der Grundstücke: Ordn.-Nr. 1, Flur VI, Nr. 245/io, Kulturart Hofreite, Gewann Auf der Hohl, 447 qm. Betrag der Schätzung 10 000 RM. Ordn.-Nr. 1, Flur VI, Nr. 245/io, Kulturart Grabgarten, Gewann Auf der Hohl, 221 am, Betrag der Schätzung 250 RM. Ordn.-Nr. 2, Flur I, Nr. 337, Kulturart Grabgarten, Gewann Im Flutloch, 233 qm, Betrag der Schätzung 300 RM. Band II, Blatt 109: Ordn.-Nr. 3, Flur I, Nr. 336, Kulturart Grabgarten, Gewann Im Flutloch, 448 qm. Betrag der Schätzung 700 RM. Bekanntmachung. Behufs Ergänzungswahl unseres Vorlandes für Herrn Kaufmann Sally Meyer- eQ), dessen Wahlzeit abgelaufen ist, liegt die Liste aller Stimmberechtigten drei läge lang in dem Bureau des Unterzeich. neten, Marktstraße 30, zur Einsicht der Beteiligten offen. 8468D Nur während dieser Zeit können Einwendungen gegen den Inhall der Liste zugelassen werden. Gießen, den 15. Dezember 1930. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. 3. S.: Meyerfeld. cm Meine liebe Frau, meine ffuie Mutier. Schwiegertochter. Schwester. Schwägerin u. Tante Henriette Michel geb Dern ist am 6. Dezember im Alter von 47 Jahren nach einer Operation sanft entschlafen. Philipp Michel Gustav Michel Wilh. Heinrich Dern Dorpat (Estland!, (Hellen, Leihgestern. den 18. Dezember 11)30. 849 >U RM eo.- 138.- 185.- . 105.- 185.- t7O.. Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L Oernard Wohnungs-Einrichtungen 8308 A in jeder Preislage und Holzart Zum We.hnachtseinkauf Klein- und Einzelmöbel zu billigsten Preisen Zahlungs-Erleichterung Franko-Lieferung Asterweg 47 und Cafe Schwarz, Bahnhofkolonnade Heinrich Hodistätter Ehr. Werihal, Gießen Ausstellung: Mäusburg 5 Verkauf: Brandplatz 1 Zemrus 3973 8108 A B Bücher Bilderbücher B Pfeiffersche Buchhandlung G WalltorstraBe 21 ö Walltorstraße 21 8490 P llllllllllllllllllllllllllllliilllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli; überzeugen /869D Erhältlich bei den Mitgliedern der Bas-Vereinigung Städtisches Gas- und Wasserwerk, Gartenstraße 3. 8465 D Toial-AmerM c Achtung I 950 0'777 7680» 25 Bäder RM. 10.-. 8394D Zu haben: Gießen. Seltersweg68a. Häuser, Neustadt 56 Hensel, Walltorstr. 10 Herling, Marktstraße 12 Heyd, Seltersweg 12 Höss, Neuen Bäue 10 Irle, Kaiserallee 36 Appel, Seltersweg 56 Blum, Grabenstraße 9 Borrmann, Neustadt II Dahmer, Neuenweg 40 Dörr, Gr. Steinweg 14 Eidmann,Bahnhofstr.24 Kolb, Ludwigstraße 40 Lieh, Sonnenstraße 31 Mootz,Goethestraße35 Pistor, Marktstraße 10 Rödiger, Walltorstr. 35 Schmidt, Seltersweg 83 der heutigen Marktlage entsprechend billig! — Bilder Rahmen Kunstgewerbe Weinaroßhandlung Wir führen - auf Wunsch in bequemer Teilzahlung bis zu 12 Monaten Damen-Mäntel Serie I Unter der Hälfte des seitherigen Preises verkaufen wir: J. HIRZ Seltersweg 22 Nicht nur die Hausfrau die ganze Familie ist beschenkt, wenn ein Gasherd untern Weihnachtsbaum steht. Jugendschriften Geschenkwerke Volksausgaben und Gelegenheitskäufe äußerst billig 3. B. HÄUSER, GIESSEN AM OSWAL DSC ARTEN Werkstätte für moderne erstklassige Polstermöbel Carl Stückrath / Glessen Spezialität: Einrahmungen 851JD Bin an das Telephonnetz unter Nummer 4244 55 angeschlossen Hermann Vogel, Schuhmachermeister Gießen, Mittelweg 7 Bad-Nauheimer Fichtennadelbäder sollten auf keinem Weihnachtstisch fehlen. Packung: 6 Bäder RM.3.60; 12 Bäder RM.6.50; Christbaumständer Laubsäge-Werkzeugkasten, Vorlagen in grober Auswahl b292A E^gar Borr-r ann / Gießen Cisenwaren, Haus- und Küchengeräte Salomons Achtung! Bitte aueechneiden! sorgfältig gepflegte Weine aller Weinbaugedieie,- ferner Südweine, Weinvrände, Rum, Arrak und Punsche Verlangen Sie Preisliste! 8fe entstandene Schilderung, die den Leser in die verschollene Welt der Lichterselder Kaiettenansta t zurückführt, jener Hochburg preußischer Milit-rtrad tten. wo eine große Anzahl von Offizieren der alten Armee Die erste Vorbildung für den späteren Beruf erhielt. Ein unterhaltsam und nicht ohne Humor geschriebenes, in vieler Hinsicht recht aufschlußreiches Buch. — Otto Ghsae: Die Bilanz der Terborgs. Roman In Halbleder gebunden 3,70 Mark. Dolksverband der Dücherfreu.de. Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Derl.n-Charlot.en- burg 2. (570.) — In einem in Meber ee beginnenden Geselljchaftsrvman, stellt der Verfasser der älteren Generation, d:e mit ihren Gefühlen nicht zurechtkommt, weil sie in veral eien Konventionen hängt, die tapfere Detrach.ungsweise der heutigen Jugend gegenüber, die nach reinerer Luft und eigener Verantwortung strebt. Er hat seine tiefgehende Psychologie mit der atemlosen Spannung einer Kriminalgeschichte verbunden. Verwirrung der Gefühle wird zur Verwirrung von Schicksalen, die erst langsam vor dem Le er enthüllt werden - Geld regiert die Wett. Roman von Harr- D a t o n c k. (Paul Zsolnay Verlag, Berlin. Geb. 7 Mk. 401.) — Man tut in diesem Buch einen Blick in die Ideenwelt und das Seelenleben eines gut bürger.ichen Revolutionärs, der im Reichtum auf den Höhen des Lebens wandelt und von dort nach vielfachem Ringen den Weg zu den Anschauungen der sozialen Reu- ordnung findet. Das Buch ist fesselnd g schrieben, vom Zeitgeist erfüllt und interessant in der Milieuschilderung. — Rudolf Geck: —ck. erzählt zum zweitenmal von Frauen, Kindern und Käuzen. 192 Seiten 8°. Preis broseu. 3 Mk. Eo:ieläts-Verlag, Frank, urt a. M 1932. (646) — Das früher hier angezeigte Buch ck. erzählt von Tieren, Kindern und Begegnungen" hat so viele Freunde gefunden, daß der Verfasser den Wünschen um eine Fortsetzung entsprochen hat. Zum zweitenmal erzählt —ck. von Frauen, Kindern und Käuzen. Wieder schöpft er aus dem Alltag, formt Beobachte es und Erlebtes, schildert heiter oder ernst, was ihm begegnet. Er betrachtet ein verzwistetes Liebespaar, den Schimmel, der geschlachtet werden soll, späht durch das Fernglas, er ist zu Gast in einer alpinen Wo^enstube, berichtet, wie ihn der Zufall für eine Stunde zum Polizeipräsidenten machte, er zeichnet Freuen ab. erzählt von seiner Grippe, von Gesprächen mit Kindern, vom Dackel, der in einer Sitzung erschien, von fröhlichen und unfröblichen Ausflügen, von der Zähmung cincs Gewalttätig'n, vom Leben einet! Schweine- hirten, von sonderbaren Käuzen, die er trat Ein weise Gewordener, den Erfahrungen nicht verbittert haben, verklärt das Leben mit wärmendem Humor. Di- hellen wie die dunkcln Blätter werden durch ihre menschliche Haltung den Leser für sich gewinnen. Neue deutsche Lyrik. — Werner Dock: Das ewige Dn Gedichte. 41 Seiten 8°. Erich Lichtenstein Verlag, Weimar. — (594.) — Es scheint uns kaum ein Zufall, vielmehr von finngebender und wegwei» fenber Bedeutung zu sein, daß dieser schmale Ly- rik-Dand gerade in Weimar erschienen ist. Wer biete aus Hunder.en ausgewählten dreiunddreißig Gedichte mit der heute schon selten gewordenen inneren Sammlung und Hingegebenheit auf sich toit.cn läßt, die das icinftc und persönlichste Kunstwerk des lyrischen Dichters vom Leser oder Hörer bedingungslos fordert, der wird die angedeutete Vermutung gewiß bestätigt finden,... noch ehe er an das leidenschaftliche Bekenntnis in der Apostrophierung Goethes gelangt: diese Lyrik entwuchs durchaus der von unserer Gegenwart grundlegend geschiedenen geistigen Welt der Dor- lr cgsgenera.ion. Hier wurzeln die innere Haltung des Buches, seine ganz unaktuelle, sensationsferne. geistige Form, sein Weltbild und seine von der Antike und der deutschen Klassik bestimmten, festen und unvcräußerlichen Wertmaßstäbe unb Formgesehe. In so klaren, von einer reinen und starken Melobie getragenen Dersbilbungen — an deren die Stilwandlungen vom Expressionismus bis zur jüngsten Sachlichkeit spurlos üorübergegangen sind — äußert sich eine Lyrik im strengsten und gültigsten Sinne. Hier strömt alles, Wort und Bild, Jubel unb Klage, Anrufung unb Trauer, Liebe unb zärtliches Glück, aus bem Ich, aus bem Blut, aus dem Herzpunkt und Lebens- xentrum einer gereiften Persönlichkeit. Der oft so peinlich gequälten und »erbitterten Aussage einer hoffnungslos mißverstandenen Zeit-Literatur steht hier, in entschiedener und bewußter 2Tb- kehr. d.e ganz au*s Gefühl bezogene, aus Rausch und Traum leidenschaftlich — und dennoch in edlem Gleichmaß beherrscht — hinströmende DerS- Dichtung. Lind die auch guten Gedichten manchmal eigene, völlig in sich gekehrte Monolog-Form ist hier überwunden von einem Lebensgefühl, bas gerade in ben schönsten unb reifsten Strophen — ber Lieberschrift des Ganzen gemäß — immer wieder Drücken zu bauen weiß vorn eigenen Ich zu einem geliebten, erträumten, verlorenen ober angebeteten Wesen der Welt, es sei nun ein Mensch ober ein großes Gefühl, eine Musik, ein Stück Architektur, ein atmender Daum, eine wehende Wolke ober ein tröstliches Gestirn. — Wem heute noch ein Gedichtband geheime Freude und schöpferische Erfüllung bedeuten kann, dem sei dieses schöne (vornehm gedruckte und aus- geftattete) Buch eindringlich empfohlen. — y — — Reue Lyrik: Anthologie 29 junger Autoren. Zweite Veröffentlichung des Selbstverlags junger Autoren im Joachim-Gold» stein-Derlag, Berlin 1930. (549.) — linier den zahlreichen Bemühungen, die Arbeiten junger unb noch unbekannter Autoren an bie Oejfentlichkeit zu bringen, ist biefc Anthologie wegen ihrer Arbeitsmethode bemerkenswert, die im Vorwort erläutert wirb. Dur Sammelbände erscheinen: die Druckkosten werden zu gleichen Teilen auf die Autoren um gelegt Verkaufspreis pro Band nicht über 2 50 Mk. Das Autorenhonorar ist für alle Mitarbeiter gleich. Einen Teil ber Auflage läßt man aber honorarfret um qualitätvollen Arbeiten unbemittelter Autoren bie Aufnahme zu ermöglichen. Die Bände erscheinen in zwangloser Folge: als erster Band der Veröffentlichungen des Selbstverlages kam ein Band .Reue Prosa" mit 9 Dovellen junger Autoren heraus. Die vorliegende Veröffentlichung will ausdrücklich als Versuch gewertet werden: man muß die Entwicklung biefer jungen Leute abwarten: von den hier gebrückten Gedichten ist kaum eines so reif oder über dem Durchschnitt stehend, daß man diesen ober jenen Autor durch D amens nennung hervor- heben könnte. — Politik und Geschichte Einen der großen Dolkstribunen der französischen Oteooluiion greift Hermann Wendel heraus für seine Biographie .Danton" (23er- lag Ernst Rohwolt, Berlin W 50 — 550). Danton ist gewiß einer der menfchiich sympathischsten und politisch weitblickendsten QHänner ber großen Revolution gewesen. Man hätte deshalb auch seiner Bedeutung voll gerecht werden können, oh..e politische Tendenzen der Gegenwart überall zwischen den Zeilen durchblicken z^ lassen Dieser Gesich.s- winkel des 23er, affer8 be.intruchtigt den Wert des Buches und den Genuß seiner Lektüre, nicht minder der Stil, der gelcgcnUid) wie eine fch.echte Heber- setzung a.imutct. Ausgezeichnet ist die Schilderung des letzten Aktes ber LeoenStragödie Danlvns, des Prozesses, den Robespierre sei. e.n Feinde unb Konkurrenten um bie Dolksgunst bereitete. Diese letzten außerordentlich fpan.enden und plastisch gesehenen Kapitel erinnern an daS, waS wir soeben selbst in Rußland erleben. — Schlange-Schöningen: Führer unb Völker. Clernenceau, Llohb George, Wilson, Dikoiai Rikolajewi.sch. bas Vermächtnis des Freiherrn vom Stein. Verlag Paul Parey, Berlin SW 11. Preis 6.50 Mk. (649.) - In kurzen historischen Durchbucken — das Frankreich des toerbenben Elemenceau, das Rußland ber Romanow, Englands innere Kämpfe um Oberhaus unb Sozialgesetzgebung usw. — entwickelt der Verfasser die inneren unb äußeren europäischen Wandlungen ber letzten VorkeiegLjahrzehnte. Männer formen bie Schicksale der Völker. 21ber Systeme formen bie Männer, die in entscheidenden Augenblicken oft aus ben Tiefen bes Volkes steigen Systeme tragen sie an ihren Platz — ober lassen sie im Dunkeln unb zerbrechen selber an der eigenen Erstarrung. So sind denn auch bie vier Kapitel über bie feinblichen Führer unb Staatsmänner Elemenceau, Lloyb George, Wilson unb Dikoiai Rikolajewi.sch nicht als Endzweck gedacht, sie steigern sich vielmehr zum deutschen Schlußkapitel, das — um den Freiherrn vom Stein gruppiert — bie praktischen Folgerungen für die deutsche Politik ber Gegenwart unb Zukunft zieht: Enblich bas Versäumnis ber Zeit zwischen Freiheitskrieg unb Bismarck nachzuholen unb auch in Deutschland) im Sinne Steins das bewußte Staatsvoll zu schassen, mag bie Staatsform babei heißen, wie sie will. Das Etaatsvoll, bem es oberstes Gesetz ist, über bie persönlichen Interessen bes einzelnen baS Interesse des Staates zu stellen, bie Dotwendigkeiten seiner Politik zu erkennen unb zu erfüllen, unb babei innerlich freie Männer herauszubilden, bie über alle Dogmen ber Vergangenheit unb über alle Parteischranken unb Berranntheiten ber Gegenwart hinweg nur einen Lebenskampf kennen: Rettung unb Zullmft ber Ration! — Dr. h. c. Alfreb v. Wegerer: Wie es zum Großen Kriege kam. Vorgeschichte bes Weltkrieges. Reclams Universal-Dibliothek Dr. 7101. Gebunden 80 Pf. (658) — Der Leiter der Zentralstelle für Erforschung der Kriegs- 4 ur'achen gibt hier das Wesentlichste aus der Geschichte von 1871—1914, soweit die Ereignisse auf die Entstehung des Weltkriegs von Einguß waren. — D.e Veröffentlichung gibt auch bem Unbemittelten bie Möglichkeit, sich an Hand bet Schrift barüber zu unterrichten: „Wie es zum Welteriege kam". Durch seine objektive Darstellung ber historischen Wahrheit erfüllt bas Büchlein eine wichtige Mission für bas Inlanb unb für bas Auslanb. — Hitler, Eine deutsche Bewegung von E. CzechIochberg. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis: Leinenband 3,90 VJlt. (629.) — Zn diesem Buch wird von einem Gefolgsmann Hitlers das Werben Hitlers und der nationalsozialistischen Bewegung vom „Fähnlein ber sieben Aufrechten" an bis zum überschwemmenden Erfolg in ben letzten Reichstagswahlen bargestellt. Die nationalsozialistische Bewegung ist zu jung, um sie schon in dem objektiven Blickpunkt einer zünftigen Geschichtsauffassung zu meistern. Dies Hitlerbuch verteilt nicht sanft Lob und Tadel. Entstanden aus bem Strom der Bewegung zeigt es bas Lächeln der Liebe unb die Zähne des Haffes. Man darf es dem Verlage Gerhard Stalling, der uns im Rahmen feiner zeit- und zu unftsgefchichtlichen Werke Bücher wie Beumelburgs „Sperrfeuer um Deutschland" und Volkmanns „Revolution über Deutschland" gebracht hat, Zanken, daß er sich, selbst frei von arteipolitischer Bindung, zur Herausgabe dieses neuen aktuellen Buche« entschlossen hat. — atastrophe 19 4 0 von K. L. Kossak- Ray an 23erlag G. Stalling, Oldenburg t O., Preis Leinen 6,50 2T.t (313). — Als spannender Zukuns.sroman, ber b:n Leser bis zur le te.i Zeile n:ch. zur Besinnung kvnmen läßt, z ig. bas Werk, wie urch Amerikas ungeheures Ka ital uno dessen alles über pannenbes In ere se ein Keiner Funke den nächsten Weltbrand enternde!. Hierbei spiel, bie Devölkerungspolitik Japans und nicht minder das Rassenvroblem des ganzen fernen Ostens eine entscheidende Rolle. Wir sehen, wie die deutsche Kriegsentschädigungskrise, bie schon heute begonnen, sich während des nächsten Jahrzehntes ge'ehmäßig mit all den schon jetzt akut gewordenen Fragen ber Innen- und Außenpolitik Weiterenttoidelt hat. Siete Krise bildet auch im alten Europa den Zündstoff für neue k iegeri'che Creignisje, bie burch bie unüberbrückbaren politischen Gegen ätze zwischen Frankreich und dem faschistischen Italien ben ersten ernsten Anstoß erhallen Wie nun auf deutscher Seite ein neues Rußland, das inzwischen verjüngt aus der Asche des alten empvrgestiegen ist, eingreiit; welch? Rolle hierbei Polen, bte Kleine Entente und das übrige neu träte Europa spielen und wie vor al en Dingen England durch feine gärenden Kolonien zur Ohnmacht veru.teilt, Deutschland aber von einem neuen Führer, ber nicht nur Mut, sondern auch Größe besitzt, in die politische und w.r.schaft- lidte Freiheit geführt wird, das ist das fesselnde Zukunftsbild dieses Buches. Zur Literaturgeschichte. — Die Soziologie ber literarischen Geschmacksbildung. Von Pros. Dr. L. L. E ch ü ck i n g. 2., erweiterte 21uflagc. (IV und 119 Ö.) Geb. 5,60 Mark. Verlag von D. G. Teubner in Leipzig unb Berlin, 1931. (657) — Die Geschichte ber Literatur, bie Geschichte der Kunst überhaupt, hat bisher fast ausschließlich ihre Ausgabe in ber Beschäftigung mit bem Kunstwerk unb bem Künstler gesehen Die Frage ber Entwicklung des KunstgeichmackS beim Publikum, fein „2Bie“ unb .Warum" ist noch kaum emft gestreift worden. Daher ist das vorliegende Buch, das in neuer unb anregender Weise diese Probleme erörtert, von besonderem Interesse für jeden ßitcraturfreunb. Das Material, an dem die typischen soziolog sll.en Erscheinungen aufgc- toicsen werden, erstreckt sich über bie ganze neuere Literaturgeschichte bs in bie Gegenwart hinein. — Herbert Jhering: Die getarnte Reaktion. 45 Seiten 8°. Kart. 1,80 Mk. Ernst Rowohlt 23erlag, Berlin (542.) — Die fultur- politischr Broschüre Jhcrings, ber zu den einflußreich sten 25erlincr Theaterkrillkern gehört, vereinigt eine Anzahl von knappen und entschieden lesenswerten Auseinandersetzungen mit a.tucHen Problemen des geistigen Lebens unserer Gegenwart: wir nennen besonders die Kapitel »Polemik". .Bruckner", .Die Rotterwelt" .Hermann Kesten", „25 Reinhardtsahre" und „Die neue Illusion". — Von Kairo nach Bagdad und Stambul, von Professor Dr. Konrad G u e n t h e r (Karl May, Verlag, Radebeul b. Dresden, mit 32 Bildern 655). — Karl May ist zu Unrecht viel verspottet unb gelästert worden. Seine Bedeutung als Volks- unb Jugendschriftsteller, dessen große Erzählergabe unb dessen geographisches Wissen noch nach Jahrzehnten allen deutschen Jungen zum ersten Male bie fremde Welt des Orients ober Amerikas erschließen wirb, ist heute längst unumstritten So wird auch dies Bändchen Reiseskizzen das lebhafte Interesse der großen Karl-May-Gemeinde finden. Skizzen die ber Freiburger Llniversitätsprofefsor Winter auf ben Spuren Karl Mays im Orient gesammelt und mit interessanten Bildern illustriert hat. — 23on Wanderungen auf Karl Mays Spuren durch Dordamerika berichtet auch Franz Kandols In einem ebenfalls im Karl-May-Verlag erschienenen Büchlein: „Die finsteren und blutigen Gründe ein st und jetz t." Es sind Briefe an den Derlagsteiter, spannend und interessant unb sehr hübsch illustriert. Schließlich sei eine Biographie Karl MayS angeführt, bie Otto Forft-Dattaglia (im 2lmal* thea-Verlag Wien IV. Preis gebunden 5 Mk. — 648) herausgegeben hat. Er gibt die tragische Le- benSaeschichte des Dichters unb eine Kritik seine- Werkes, bie dem fo viel Angefeinbeten vollauf gerecht wird. Philosophie, Theologie, ZNediztn. — Philosophisches Wörterbuch. Don Studienrat Dr. P. Thormcyer. 4., Derb, unb erw. Auflage. Gebunden 6 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (619.) — Die 4. Auslage biefes Buches ist ein Beweis für feine Brauchbarkeit als Hilfsmittel bei ber Einführung in bie Philosophie unb beim Lesen philosophischer Schriften. Es enthält nicht nur fachliche, sprachliche unb geschichtliche Erklärung aller wichtigen philosophischen Fachaus- brücke, sondern auch eine Darstellung ber Haupt» lehren von mehr als hunbert Philosophen. — RomainRolland: 23 io e I ana nba IL Ramakrishnas unb Vivekananbas universale- Evangelium. 6,40 Mk. Rotapsel-Verlag, Leipzig. (613.) — Während 2tollanb in ben ersten zwei Bänden dieser Reihe die beiden ungewöhnlichen Lebensläufe des Ramakrishna und des Dive- fananba erzählt, erläutert er int letzten Bande sein Evangelium, jenes Gebäude religiösen, philosophischen, ethischen unb sozialen Denkens, bai, in fernen Jahrhunderten indischer Vorzeit begründet, sich nun der Menschheit von heute auftut In einem Anhänge geht er ber WesenS- verwandtschaft nach, bie zwischen dieser orientalischen Mystik und jener anderen besteht, auf bet unsere ganze abendländische Religiosität ruht, — besonders in den ersten christlichen Jahrhunderten, im Werke jenes Pseudo-Dionysius, ber Aero- pagiten. Endlich zeigt sein Buch, wie Dive- kanandas Geist zum Erwachen deS indischen Rationalbewußtseins beigetragen Hal und zur älnabhängigkeitsbetoegung, bereit neueste Richtung durch Gandhi bestimmt ist. — Adolf von Harnack: AuS der Werkstatt des Vollendeten. 2lls 2£b- schluß ferner Reden unb Aufsätze. raue;gegeben von Axel v. Harnack. Mit zwei Dilbniffen Geh. 8,50, geb. 11 Mart Alfreb Töpelmann 23erlag, Gießen. (556) — Als Denker, Forscher unb Lehrer, als The'löge unb Prebiger, als Organisator ber Wissenschaft unb als Kämpfer für sozialen: Fortschritt tritt Adolf v. Harnack in dem vorliegenden Bande „2ie&en unb Aussätze" der großen Schar seiner Freunde unb Verehrer entgegen. 41 Stücke hat sein jüngerer Sohn aus seinen, für bie gebildete Allgemeinheit bestimmten Heineren Arbeiten namentlich ber letzten sieben Jahre aus- gewählt und damit ben 6 bisher erschienenen Dän- ben einen Abschluß hinzugesügt. Reben Altem fin- bet ber Leser ilngebrudteä. Da Harnack Feine Lebenserinnerungen hinterlassen hat, gewinnen bie hier ge'am mellen Arbeiten bef^nbere Bedeutung. Ein systematisches Inhaltsverzeichnis der sieben 23änbe ermöglicht einen umfassenden Lieberblick über Harnacks literarische Produktion. Dem Gewicht seines Wortes und dem 2keiz seines Stils wird sich kein Leser entziehen tonnen, und manchen wird es locken, auch nach ben älteren Bänden zu greifen. Zwei Bildnisse aus verschie- benen Lebensepochen erhöhen ben Wert des sorgfältig ausgestatteten Werkes. — Das Wunder in der Heilkunde. Bon Dr. mea. Erwin Liek, Danzig. Preis geh. 3.60 Mk., Lwd. 5 Mk. 2. F. Lehmanns 23erlag, München (618.) — Von ben Wunderheilungen der Bibel über bie Priester unb Medizinmänner aller Zeiten bis zu den modernen Wundermän- nem und Wunderärzten, finden wir immer wieder Heilungen, bie sich mechanisch nicht erklären lassen. Diesen Heilungen geht Dr. Envin Stet der bekannte Danziger Arzt, in seinem Buche nach Gr steht fest auf dem Boden der Ratursor- schung und der wissenschaftlichen ärztlichen lln- tersuchungs- und Behandlungsweisen. Er hat aber auch einen weiten Blick für all das, was abseits der sogenannten Schulmedizin geschieht. Er führt den Leser durch die bunte Geschichte der Wunder- Heilungen. Er erzählt von den Zauberärzten der Tempelmedizin den kirchlichen Wundertätern, den Teuselsaustrcibungen und kommt dann auf die Gegenwart, auf Gallspach, auf Couö und Felke, Kneipp Und Schweninger und viele andere. Er schildert eingehend ihre Dehandlungsweise und ihre Erfolge und fragt dann nach dem Warum. Liek sieht die starte Einwirkung des wahren Arztes und des wahren Laienbehandlers auf die menschliche Seele und er verkennt nicht den heilenden Einfluß dieser Einwirkungen auf die Zellen des Körpers. Das geheimnisvolle Etwas, der innere Schöpfer, den wir Seele nennen, leitet auch die Heilung. Das) persönlicher Magnetismus oder die Zeileisschen Starkströme oder irgendwelche andere physikalischen oder chemischen Einflüsse von ausschlaggebender Bedeutung seien, ist Liek unwahrscheinlich. Dos Wesentliche ist ihm der Glaube des Heilenden und das gläubige Vertrauen des Kranken. Das Wort des Arztes und seine ganze Persönlichkeit müssen die Seeje des Kranken erschüttern und aufrütteln und dadurch seinen Körper zur Mitarbeit bei der Heilung heranziehen. Liek zeigt auch, wie der moderne Arzt sich dieser seelischen Behandlung bedient, wie auch wunderbare ärztliche Erfolge zu einem großen Teil der seelischen Einwirkung zu verdanken sind. Wirtschaft. Oie eisenverarbeit nde Industrie für Senkung der Eisenpreise. Die Arbeitsgemeinschaft der eisenverarbeitenden Industrie faßte zur Frage der Eisen preise in ihrer gestrigen Vorstandssihung in Berlin eine Entschließung. in der es u. a. heißt: „Für die deutsche eisen- und metallverarbeitende Industrie mit ihren mehr als 1000 Unternehmungen und mehr als 2j5 Millionen Beschäftigten ist die Senkung ihrer Materialkosten von unmittelbar entscheidender 'Bedeutung. Eie erwartet von der eisenschaffenden Industrie die alsbaldige Vornahme einer so großen Preissenkung für Roheisen und Walzcisen. daß iede die Kauflust bisher hemmende Spekulation auf weitere Preissenkung von vornherein ausgeschaltct wird. Deshalb hält sie eine Senkung der innerdeutschen Eisenpreise allermindestens auf das Maß von Weltmarktpreis plus Zoll und Fracht spätestens Anfang Ianuar für unumgänglich. Die energische Fortsetzung der Kostensenkungs- o k t l o n seitens der Reichsregierung auf allen Gebieten, vornehmlich der Steuern, Frachten. Löhne und sozialen Lasten, wird der eisenschaffenden Industrie die aus volkswirtschaftlichen Gründen unbedingt notwendige Preissenkung wesentlich erleichtern." e * Der A k t i e n i n d e x. Der vom Statistischen Rcichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 = 100) stellt sich für die Woche vom 8. bis 13. Dezember' auf 88,3, gegenüber 90,4 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 82,1 (85,0), Gruppe verarbeitende Industrie auf 77,7 (79,5) und Gruppe Handel und Verkehr auf 112,4 (114,2). * Brauerei Henninger — Kempfs - Stern AG., F r o n k f u r t a. M. Die Generalversammlung, welche über die Bilanz des Geschäfts- lahres 1929 30 beschließen soll, wird am 12. Januar 1931 stattfinden Mit Rücksicht auf die allgemeine schlechte Wirtschaftslage und den durch die außerordentliche Erhöhung der Blerstcuer heroorgerufe- ncn Absatzrückgang, der auch im neuen Geschäfts- fahr andauert, wird die Verteilung einer Dividende von 9 gegen 10 Prozent im Vorjahre für die Stammaktien vorgeschlagen werden. * Kontingentierung derlitauischen Schweine auf demFrankfurterMarkt. Wie bereits gemeldet, hao.'n fick die den Frank- furler Markt beschickenden Händler und die Kom- Missionäre an den Reichsernährungsmirister und den preußischen Landwirtschaftsminister beschwerdeführend wegen der starken Zufuhr litauischer Schweine gewandt. Aunmehr ist eine Vereinbarung zwischen der Firma, die diese Schweine importiert, und der Vereinigung Frankfurter S iweinehändler und Kommissionäre zustonde- ge.ommen, wonach auf dem FräTA urter Viehmarkt wöchentlich nur noch 200 Schweine aus Litauen zum Verkauf gelangen, die alle abgeschlachtet werden und dann zum größten Teil aus die süddeutschen Fleischgroßmärkte gehen. Pokorny & Wittekind, Frankfurt am Main. Der Aufsichtsrat der Frankfurter Maschinenbau-AG. Dom. Pokorny & Wittekind hat in seiner gestrigen Sitzung den Bericht des Vorstandes entgegengenommen. Danach frriidt sich die schwere Depression der Weltwirtschaft auch m dem Geschäftsgang des Unternehmens aus. Der Rückgang des Umsatzes und die Verengerung der Gewinnspanne, verbunden mit dem dringenden Gebot einer vorsichtigen Bewertung sämtlicher Aktiven, werden zu einem Verlustergebnis führen. Wenn der Jahresabschluß aus Grund der neuen Inventur vorliegt, wird man sich darüber klar werden müssen, ob der Zeitpunkt gekommen ist, einer Kapitalherabsehung näher zu treten, um das Unternehmen wieder auf eine rentable Grundlage zu stellen. Frankfurter vörse. Frankfurt a. M., 17. Dez. Tendenz: abgeschwächt. — Im heutigen Vormittagsverkehr machte sich im Anschluß an die wieder schwächere gestrige Reuyorker Börse st a rke Zurückhaltung bemerkbar. Die offizielle Börse eröffnete in abaeschwäch- ter Haltung, da aus der Industrie und Wirtschaft wieder überwiegend ungünstige Momente vorlagen. So wurden die weiter ansteigende Arbeitslosenziffer und die immer noch nicht behobenen Bankscywierig- keiten in USA. usw. als verstimmende Symptome gewertet. Namentlich am Elektromarkt wurden größere Abgaben vorgenommen. Aber auch von Auslandsseite wurden Verkaufsausträge an den Markt gegeben, so daß die Spekulation auch an den übrigen Märkten zu stärkeren Abgaben schritt. Die Kursverluste betrugen allgemein 1 bis 3 o.H. Größeres Angebot bestand am Elektromarkt für AEG. und Gcsfürel, die je 3 v. H. einbüßten; Siemens lagen 3,5 v. H. niedriger, Schuckert sogar 4 v. H. Auch am Chemicmarkt herrschte etwas mehr Angebot. So war in I.-G.-Farben ein Verlust von 2,13 o. H. zu verzeichnen. Rütgerswerke, Metallgesell- schäft und Goldschmidt gaben bis 1 v. H. nach. Von Kunstseideaktien verloren Aku 2,25 v. H. Am Montanmarkt herrschte weiterhin großer Auftragsmangel. Ein Kurs kam zunächst nur in Rheinstahl zustande. Sckiffahrtswerte büßten bis 1,5 v. H. ein. Fester eröffneten dagegen Süddeutsche Zucker mit plus 2 v. H. und Ehadeaktien mit plus 4,50 Mark. Bei letzteren befriedigte der fehlgeschlagene Aufstand in Spanien. Am Kalimarkt lagen Salzdetfurth 8 5 v. H. gedrückt. Von Bankaktien waren OOBank 1,25 v. H. niedriger, die übrigen Werte dieses Marktes waren wenig verändert. Deutsche Anleihen lagen meist gut behauptet. Ausländer waren nur wenig verändert. Im Verlaufe konnte sich die Stimmung auf den etwas gebesserten Reichsvankausweis für die zweite Dezemberwoche leicht bessern. Die Kurse zogen um etwa 1 v H. an. Licht & Kraft kamen trotz der unveränderten Dividende mit minus 2 v. H. zur Notiz. Am Geldmarkt machte die Erleichterung für Tagesaeld weitere Fortschritte. Tagesgeld 4.5 v. H. Am Devisenmarkt lag Madrid sehr fest, die Mark und der Schweizer Franken lagen ebei falls etwas fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1930. gegen Vfund 20,3650, London gegen Kabel 4,8560 gegen Paris 123,60, gegen Mailand 92,73, gegen Madrid 45,05, gegen Schweiz 25,0225, gegenHolland 12,0613. Berliner Börse. Berlin, 17. Dez. Die Befestigung, die sich hauptsächlich auf Deckungen der Spekulation gestern durchsetzen konnte, mußte schon im heutigen Vormittagsverke^r einer Abschwächung Platz machen. Die Stimmung wurde von dem schwachen Sch'uß der gestrigen Reuyorker Börse, besonders von dem Rückgang deulscher Werte drüben, beeinflußt. Aber auch die sonst vorliegenden Momente waren kaum geeignet,.eine große LInternehmungslust hervorzurufen. Aus dem Geschäftsbericht der Licht und Kraft war zu erkennen, daß auch in der Elektroindustrie eine Abwärtsbewegung eingetreten ist. Die Besorgnisse, für die Reuyorker Dankwclt sind noch nicht geschwunden, und auch Berlin wartete mit einer Zahlungseinstellung auf. Die für die Börse allerdings von geringer Bedeutung gewesene Dankfirma Gebrüder Donte hat ihre Schalter geschlossen. eine Tatsache, die psychologisch nicht ohne Einfluß bleiben konnte. Die ersten Kurse waren dann zwar nicht ganz so schwach, wie vorbörslich taxiert, die Verluste gegen gestern Schluß betrugen häufig noch 1 bis 3 Proz., nachdem Frankfurt gestern abend meist noch weitere Besserungen von 1 bis 2 Proz. aufzuweisen hatte. Lebhaft und Widerstands.ä^ig eröffneten Montanpapiere, und Ehadeaktien lagen auf die kräftige Befestigung der spanischen Valuta 5,5 Proz. höher. Die lUmsahtätigkeit war im allgemeinen aber sehr klein. Es kam zunächst nur un- erhcb'iches Mat rial außenstehmder Kr Ve heraus. Von variablen Papieren waren Schantung, Wiking Zement, Iulius Berger. Aschaffenburger Zellstoff usw. etwas fester. Deutsche Anleihen waren behauptet. Auch Ausländer ruhig. Türken trotz widersprechender Rachrichten ebenfalls etwas fester. 1914er Oesterreichische Staatsrente weiter fest und anziehend. Am Pfandbriefmarkt waren die Sähe kaum verändert. Im Verlaufe schrumpfte das Geschäft noch weiter zusammen. Die Kurs7ntwicklung war zunächst nicht ganz einheitlich. Der Reichsbankausweis für die zweite Dezemberwoche mit einer Entlastung von 230 Mill, und einer Besserung der Deckung auf 52,1 bzw. 65,0 Proz. brachte eine gewisse Stütze: trotzdem überwogen aber die Abgaben, wobei mau auch von kleinen USA-Verkäufen wissen wollte. Svenska verloren 3 Mk. Frankfurt«. Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. Dez. An der heutigen Produktenbörse herrschte weitgehendste Geschästs- stille. Die Stimmung war trotz der flauen Aus- landmeldungen nicht unfreundlich. Da auch das Angebot weiter sehr gering blieb, waren die Preise gut gehalten. Für Roggen und feine Braugerste erhielt sich Rachsrage. Das Mehlgeschäft lag völlig darnieder. Die Stimmung für Futtermittel ist eher etwas leichter. Der Besuch war infolge der bevorstehenden Feiertage sehr schwach. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Rassau), Hcktolitergewicht von 74 Kilogramm. 262,50— 263,50; Roggen (Hessen, Provinz Hessen-Rassau und Llnterfranken) 172,50—1^5,00; Sommergerste für Brauzwecke 212,50—217,50; Hafer, inländischer, 155,00—160,00; Weizenmehl, süddeutsches Spezial (\ 40,25—41,25; Roggenmehl 26,50—27,50; Weizenkleie 9,10—9,20; Aoggenkleie 8,90—9,00. Tendenz: ruhig. Oberbeffen. Landkreis Gienen. CD Lollar, 16. Dez. Am Samstagabend versammelten sich die Mitglieder des Turn- und Gesangvereins Lollar und des M ä n ■ nergejangoereins Daubringen in Lollar zu einer Ehrung ihres bewährten Chorleiters, Berufsschullehrers Eberle- Lollar, der in diesem Jahre auf eine 25jährige Tätigkeit als Dirigent zurückblicken kann. Der 1. Vorsitzende des Lollarer Vereins, Ph Harbufch, entbot den Anwesenden den Willkommgruß, brachte auf den geschätzten Dirigenten ein Hoch aus und überreichte ihm ein Geschenk als äußeres Zeichen der Anerkennung. Anschließend würdigte der vom Hessischen Sängerbund entsandte Gauvorsitzende Koch die Arbeit des Jubilars für das deutsche Lied und ernannte ihn auftragsgemäß zum Ehrendirigenten. bei gleichzeitiger Ueberreichung einer Urkunde und einer Ehrennadel. Dirigent Eberle dankte bewegt für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. Gesangsvorträge der beiden Vereine umrahmten den Abend O Reiskirchen, 16 Dez. Als Folge der Ta- baksteuererhöhung wurde sämtlichen Arbeiterinnen der hiesigen Zigarrenfabrik, die der Firma Schirmer (Gießen) gehört, zum 19. Dezember gekündigt. Etwa 50 Arbeitskräfte von hier und der Umgegend werden dadurch arbeitslos. > Reiskirchen, 16. Dez. Da 2 Hofau t Winnerod, das vor ein'gen Iahren käuflich an den Gutsbesitzer Neume i e r Überg ng. soll fetzt zum großen Teil besiedelt worden. Schon vor einem Jahr sollten beträchtliche Teile des Gutes, die an d!e Gemarkungen Bersr-d und Reiskirchen angrenzen, ai Landwirte der beiden Orte verlaust werden. Es fanden sich jedoch nicht genug Liebhaber, und so unterblieb der Verkauf. Runmehr hat eine Berliner Siedelungsgesell- sch aft die Vers'edelung des H^fgute) übernommen. In den letzten Tagen fanden in Bersrod und Reiskirchen Versammlungen statt, die den Zweck hat'.en, eine Aussprache zwischen Vertretern der Gesellschaft und der Bauernschaft herbeizuführen. Rach Bersrod sollen etwa 20 Morgen Ackerland und 8 Morgen Wiesen, nach Reiskirchen 70 Morgen Ackerland und 32 Morgen Wiesen freihändig verkauft werden. Der Quadratn eier f. ll sich, je nach dem Bodenwert, auf 43 bis 63 Ps. stellen Daneben sollen noch selbständige (Bauern ft eilen mit eigenen Gebäuden geschaffen werden. Wie doch sich der Kaufpreis für eine solche Bauern sie Ile gestalten wird, kann zur Zeit noch nicht gesagt werden. Etwa 333 Morgen Land nebst den Gebäuden sollen als Restgut bestehenbleiben. wr. O d e n h a u s e n, 16. Dez. Der Volksmissionar Walther aus Beuern veranstaltete hier und in Geilshausen eine Evangelisationswoche. Der Missionar hielt in jedem Dorfe acht Gottesdienste ab, die sehr gut besucht waren. Kreis Schotten. a Laubach, 16. Dez. Zu dem Vortragsabend, den der hiesige Kriegerverein im „Schätzenhof" veranstaltete, war der Zeppelin- fahrer Hahn aus Beltershain als Redner verpflichtet worden. Der Vortragende schilderte in anschaulicher Weise seine Erlebnis e bei der Flotte, der er von 1911 bis 1916gehörte, um dann den Luftschickern zugeteilt zu werden. Er machte aus verschiedenen Luftschiffen Erkundungsfahrten und Belastungsflüge mit; er nahm teil an den Flügen nach England und Italien und an der wagemutigen Fahrt der „L.59" nach Afrika, um den Verteidigern der Kolonie Deutsch- Ostafrila Verbandszeug, Medikamente, Munition und Lebensmittel zu bringen. Sühne für niederträchtige Schlingenstelle ei. WSR. Herborn, 16. Dez. Ein Brüderpaar aus Günterod (Kreis Biedenkopf), von Beruf Bergleute, ging der Wilddieberei nach und brachte innerhalb kurzer Ze.it 15 Rehe zur Strecke. Meist fiel das Wild der Schlingen- ftellerei zum Opfer und fand dann einen elenden Tod. Einer Anzahl Rehe war durch den Schlingendraht das Geäse zerrissen worden, so daß ein langsamer Hungertod die Folge war. Runmehr standen die beiden Iagdfrevler vor Gericht, das den Anstifter, den Bergmann Adolf Iung. zu einem Jahr Gefängnis und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilte. Sein Bruder Fritz I u n g erhielt wegen Beihilfe acht Wochen Gefängnis. In Anbetracht der Riederträchtigkeit der Tat versagte das Gericht mildernde Llmstände und lehnte auch Bewährungsfrist ab. Gründung eines Milcherzeugervereins. * Marburga. d. ß., 16. Dez. Ilm zu verhüten, daß die M i l ch p r e i s s e n k u n g in Marburg, wie feit Jahren, wiederum auf dem Rücken der dorniederliegenden Landwirtschaft ausgetragen wird, sowie auch in Vorbereitung der diesbezüglichen Bestimmungen des Milchgesetzes fand heute hier eine Versammlung statt, die von rund 100 Landwirten besucht war, welche den hiesigen Polizeivorschriften entsprechende Frischmilch noch Marburg liefern. An der Versammlung nahmen auch der hessische Landtagsabgeordnete Fenchel (Oberhörgern), der Vorsitzende des Milcherzeugerverbandes des Frankfurter Wirtschaftsgebietes ist, sowie der Geschäftsführer dieses Verbandes, Reif (Haffelhcck bei Friedberg), teil. Die Versammlung beschloß einstimmig die Gründung des Mllcherzeuger- Vereins für Marburg und Umgebung. Als Vorsitzender wurde gewählt: Landwirt Joys. Mink (Wolfshausen), als 2. Vorsitzender Landwirt Adam Grebe (Niederweimar), als Geschäftsführer Artur Meyer (Marburg), als Syndikus zu Vertretungen Reif (Hasfelheck). Dem Vorsitzenden sicht ein Arbeitausschuß zur Seite, in denen 7 Herren aus den verschiedensten Gegenden mit verschieden zu berücksichtigenden Interessen gewählt wurden. Es wurde ferner vorläufig ein Erzeugerpreis von 18 Pf. ab Stall, oder 20 Pf. frei Bahnhof Marburg beschlossen, was am 11 Dezember von den Milcherzeugern bereits als jetziger Preis festgelegt, jedoch damals nur vorläufiger Beschluß war. Kunst und Wissenschaft. Münchener Dichterpreis 1930. München, 16. D.z. (WTB. Funkspruch.) Der Münchener Dichterpreis 1933 wurde an den 1885 in Barmen geborenen, seit 1903 In München lebenden D chter und Schriftsteller Hans Brandenburg verliehen. Die früheren Preisträger waren Hans Carossa, Willy Seidel und Joseph Magnus Wehner. Die hmte» den Papieren Frankfurt a. OT Berlin <-chiuß- tur4 t-ilhr- Äur.> (Schluß« Anta a» für HurO Datum 16 12 17 12 16 12 17 12 6°o teurtdjr tftelrfiOanlelbe von 1027 7% Tätlich? Neichsanleiüe 06,5 — ->6,65 — von 1029 Deutlche flnl.-iablö>.-6diul6 mit 98,5 — 98,5 — tiualoi. Mochten 1,75 51,6 51.9 51,8 5,6 ohne ituetoi.-fflcdite H% ML «lulMaat von 1929 5,5 5,65 5.6 (tüdiahlb 102%) Oberteilen Ptovln, • Anleihe mit 88,25 — 88 — Auoiot..Rechten 49 Deutldie flumm Cammelabt. Anleihe Gerte l 8% rtrnnll Hnv. Bank (Bolbbfe 51 — 50,65 — XIII unlünöbar bk 1094 1% rtranfl tu)P.-®anf Soldvle 98 — - — unlünobat bla 1932 9 8% Pr VanDeerianjbrlefanfialt, 100 — 100 — flomm.-Cbl. »t. 8» 7% Br eanoeei'ta'iobrtefanftaJt, 97 — 97 — i'fanobricle >)< tl A E G abfl. Bor.rteg».Obllgatio. 97 — 97 — nen. rürfiablbar 1983 — — — — <% Oesterreichitche tSoidrente . . 26,25 26,5 4,20% Oeslerrolchilche Gilberrentc 4% Oefteneldjlldje Einheitliche Rente 2.25 — 2,45 1,25 — 4% IhtgarW Golbrente ... 22,15 22,4 4% Unflarildie Gtaaterente D. 1910 — —— 17,5 4ft% oeefil. von 1918 W — 18,75 4% Ungorilche Rronrnrente 1,4 — 1,4 _ 4% lürttidie floltanlelbe von 1911 '4% lürftlAe Bagvadbalm.Anl 2,9 1,05 2,95 2.9 3 Gerte 1 3,05 * 3,05 4% w«fll Gerte II . - 6% Rumäntlche oetehib. «rate 2.9 7,4 — — 3,05 von 1903 7,4 7,45 «H% Rumanbche vereint, Äente von 1918 .... 11,75 11,65 11,7 t% Rumtalfdte wtetab ttart» 6,25 W 6.2 6.13 1 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. angefüyrlen Ziffern geben die Höhe de, zuletzt beschlossenen Dwldende an. - Reichsbankdlskont 5 o H . Lombardztnsfuß 6 o H. Vanknotem »ran' urt a. )' Berlin Gchluß- 8,5 — 57,25 55,25 • e VI. — 92,25 90,75 RellftoH Alchalienburg 12 74 74,4 73,75 75,5 Lharloitenburger Waller . • . 8 78 78,5 Dellaner (Hae e • • . 0 — — 105,5 104,25 Daimler Mowren e • e> . 0 23,25 _ 23,65 24,13 Deutlche Linoleum . 104,25 —- 103,25 102 Dialrfitncnbau A.-iS. . . 0 —• _ 30 29,5 Wal. Aulomobil . . e e e . 0 — — Crenfteln & Koppel . e e • . 6 —• — 42,5 42,5 Leonhard Tietz . . . • e • 10 — —— 109 107 SvenSka . • • • - - • — — 270,5 270 üraniiuncr Maichtnen - - . 4 12,9 _ 13,25 Wripnet ... • . 6 — — 28 —w Henltgenstaedt . . . ■ M * . V — —— — nunghans .... Cediroerte .... • » . 6 30 — 30 . 6 78 — — Diainkrallwerke Höchst a. M.. . 8 — —— — «Mag . . . e • e 10 58 —- 59 ®ebr. Roeder . . . 10 78 —— — Boigt & Haefiner . . Gstddeutiche Rudel • e . V 10 150 130 132 150 130,5 — Berlin, 16. D zember