MS Wolland Ä7s^>- «"küL1*1' Juljoufrm““5, • *ei n.u Ks Ä'3cu ”ult 2"" l"er An. 'Werder Magd,. °Sünflcnfn .W satt mit. *,1 Z h°'-e das n. bo-^uhb in J® um X °^'w Achter ■M'Ratehr Serdarn, weh. "De Maas-.Rot. a aur den drillen eie9 kamen bi, wann.Einer. .*»> <’• ^ollerdam, m Wen (Erfolg hatte "erein Rotterdam r„ "ach 7:35,2 mit l'erdam an sich lüWffliDf Sonnlag in Esien aften non Nest, ’inqcf'unöen. De- , die sich jn der r ®cijlertl| von knapp, aber vci- >r den internatio« itl) den Essener »gen Spieler zeig- ihr 3ufommen|pie( l nuf, Die groM le zu Beginn nur • den |djon nach 19 eilergebnis auf 1:0 gaben anfangs bie erhöhten fchon in rung nuf 2:0. Lud- idmuiicr unhaltbar bradjten dann in Winten 6picring ffer ein. raMy. x Pahn in Manzo )bik" ausgetragen an gleicher Stelle iber" zur EniM m-Kkaffe geftallete die deutsche Marte iander Lullus, der er sich ließ und die i 1:58:43 Stunden 58,7 Kilometer zu- e Zeit des Tages i Ulmen und Nult- ten. )n der Klage >ener Ponzeri auf Mampf i-$ofio. Itnt 8ro««;8'* i Berlin, rokiound ikanlage des *i»rW3 haft mar nicht ooll außer Konkurre^ ttkampfe. zmMn sie Englandennnen >pen T'eg W°n. n 47 47. Da abtt SSfiSS *7,;,. i. Sinne- reitfprE [ skus-ver ; Speclw^, 2 ?e fe MeteN f £oS 49,3. »»gs. stellte" TpW * , u/asi'V /*'SW ier(nts cif c,n >eniC!strllSl,nt. st« “ I« ve'; l'LE* Nr. 211 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 17. September 1950 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Vie Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild vie Scholle IRonatS'Bejngspret»: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. 5emfprechanfchlöfse unter5ammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten: Btnelger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlck und Verlag: vrühl'fche UniverfilütL-vuch. und Steinöruderet 8. Lange in Sieben. 5chrtftleitung und Seschäftrftelle: Zchlllftratze 7. 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Aus diesem Grunde habe ich die Heber- Weisung der Minderheitenfrage an die Sechste Kommission beantragt. 3n der Kommission wird sich die Gelegenheit bieten, zu den einzelnen Punkten des Minderheitenschutzes, insbesondere zu der Behandlung der eingegangenen Petitionen Stellung zu nehmen. Bon dieser Stelle aus möchte ich nur noch einmal betonen, daß es sich bei der ganzen Behandlung der Minderheitenfragen nicht um die Vertretung irgendwelcher Sonderinteressen handelt, sondern um ein wichtiges Element für die Sicherung des Friedens, ein Element, an dem alle Dölkerbundsmitglieder in gleicher Weise interessiert find. paneuropa. Die Gesamtdiskufsion übet die Fragen, bie durch die gegenwärtige internationale Situation aufgeworfen werden, ist unter einen neuen Gesichtspunkt gerückt worden durch die Einfügung der Frage einer europäischen Kooperation in die Verhandlungen des Dölkerbun- des. Kein Land fühlt stärker als Deutschland den Druck und die Gefahr der gegenwärtigen Situation Europas. Vach vielen Jahren einer unter schweren Opfern durchgeführten Politik der Verständigung steht Deutschland gleichwohl auch heute noch in einer Lage, die seiner Regierung Anlaß z u ernster Besorgnis gibt. Das wäre nicht möglich, wenn es schon früher zu einer internationalen Kooperation im wahren Sinne des Wortes gekommen wäre. Es dürfte der allgemeinen Auffassung entsprechen, das Problem vor weiteren Entschließungen in feiner Totalität einem Studienkomitee zu überweisen. zu dem nach meiner Ansicht alle diejenigen Staaten hinzuzuziehen wären, deren Beteiligung für die sachliche Förderung des Problems erforderlich ist. Oie Wiftschastsknsis Der Reichsauhenminister ging bann auf die Folgen der allgemeinen Winschaftsdepression ein und führte dazu u. a. aus: Die Krise ist wie ein Elementarereignis über uns gekommen. Deutschland ist von ihr stärker betroffen als andere Länder. Es war selbstverständlich Pflicht der deutschen Regierung, einen Schutz gegen Üeberschwemmung mit landwirtschaftlichen Produkten aus anderen Ländern zu errichten, die den Ruin der Landwirtschaft nach sich ziehen mußte. Es ist auf die Dauer kein erträglicher Zustand, daß sich der einzelne europäische Staat — gleichviel, ob er groß oder Kein ist — für sich allein in einer solchen Rotlage nicht anders schützen farm, als durch autonome Zollmaßnahmen, auch wenn Außenminister Dr. Curtius spricht in Gens. Deutschlands Arbeit im Völkerbund. - Abrüstung, nationale Minderheiten, wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschland und paneuropa. Wenn Preußen gewählt hätte! Keine Mehrheit mehr für Braun. Berlin. 16. Sept. (211.j Als der Reichstag aufgelöst wurde, wurde vielfach angenommen, daß gleichzeitig mit dem Reichstag auch der Preußische Landtag neu- gewählt werden würde. Die preußisch» Staatsregierung hat aber bekanntlich dahingehende Anregungen aogelehnt. Eine Umrechnung des Ergebnisses der Reichstagswahlen auf den Preu- ßifchen Landtag ergibt folgendes Bild: Die Zahl dec Landtagsabgeordneten, die jetzt 450 beträgt, wurde sich danach auf etwa 540 erhöhen. Dl« Sozialdemokraten, die bisher 138 Abgeord- nete hatten, würden etwa 134 Sitze erhalten. Die Deutschnationalen würden statt 76 Sitze 50 das Zentrum 78 (bisher 71), die Deutsche Volks- Partei 27 (bisher 40), die Staatspartei 16 (bis- ber 21), die Wirtschaftspartei 20 (bisher 21), bie Kommunisten 80 (bisher 53), die Rational- sozialisten 104 (bisher 6) und Landvolk, Kvnser- vative, Hannoveraner und Ehristlicher Bolksdienst zusammen etwas mehr als 30 Sitze erhalten. land zoll- und handelspolitische Maßnahmen trifft, um seine Produktionskraft zu sichern, so mag das für die einzelnen Länder, die davon betroffen werden bedauerlich sein, aber die Beschwerden hierüber dürfen und können keine Frontstellung gegen Deutschland nehmen. So hat der dänische Außenminister die Meistbegünstigungsklause l zur Verhandlung gestellt ooer doch deren Prüfung und Auslegung verlangt, ohne jede Rücksicht darauf, daß auch diese Klausel nur ein technischer Begriff ist. dessen Wandlungsfähigkeit wir gerade nach dem Kriege gründlich genug zu spüren bekommen haben. Cs darf auch nicht vergessen werden, daß Deutschland im Versailler Vertrag die Meistbe- günft igungdfiaufel in einem Umfang aufgezwungen wurde, der die Entwertung der Klausel herbeiführen mußte, woran auch dpe Rückgewinnung der handelspolitischen Freiheit seit dem 15. Oanuar 1925 nicht viel geändert hat. Das gilt auch für die Anträge, die Polen als Beschlüsse der östlichen Agrarstaaten in Genf vorgebracht hat, weil es sich auch hier nur um einen Versuch handelt, Deutschland zum Vorteil Polens Wirtschafts- und handelspolitisch die Hände zu binden. Es war ein glücklicher Gegenzug, daß der deutsche Außenminister ankündigte, Deutschland werde die Frage des Kapitalverkehrs auf- werfen, d. h. eine Untersuchung darüber verlangen, wie die in einem bestimmten Land« auf gespeicherten Kapitalien nutzbringend in Ländern verwendet werden können, in denen Kapitalmangel herrscht. Als ein Land, in dem gewaltige Kapitalien aufgehäuft sind, in einem Maße sogar, daß sie die Verwendungsmöglichkeit in diesem Lande weit überschreitet, ist Frankreich zu bezeichnen. Briand könnte für seinen Europa- plan viel wirksamere Schrittmacherdienste leisten, wenn er unverzüglich die von Curtius ausge- worfcne Frage an erster Stelle auf die Tagesordnung brächte, die feinen Europaplan behandeln soll. Die internationale Wirtschaftskrise muß sich verschärfen, wenn es keine Mittel und Wege gibt, die Kapitalanhäufung in einem Lande fast unbegrenzt zuzulassen, während in anderen Ländern der Kapitalmangel zur Drosselung der Produktion führt. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der europäischen Völker, für die bekanntlich in der Zusammenschlußbewegung der ost- und südosteuropäischen Agrarstaaten ein sehr beachtlicher Anfang vorliegt, hat sich Dr. Curtius an die Ausführungen angeschlossen, die wenige Tage vorher der österreichische Bundeskanzler Schober an der gleichen Stelle gemacht hat. Bet aller Anerkennung des Idealzustandes, deck) ganz Europa sich zu wirtschaftlicher Gemeinschaftsarbeit zusammentut, scheint doch dieser Weg auf keinen Fall gangbar zu sein. Schober hat dem gegenüber den Zusammenschluß zwischen denjenigen Staaten empfohlen, bei denen nicht so verschiedene Voraussetzungen vorhanden sind. Die deutsche Delegation hat sich auf den gleichen Standpunkt gestellt. Oesterreich faßt feine Stellung dahin auf. zwischen dem agrarischen Osten und dem industriellen Westen die Mittlerrolle zu übernehmen. Zweifellos beginnen sich hier wichtige wirtschaftspolitische Entwicklungen am Horizont abzuzeichnen, die Deutschlands ganze Aufmerksamkeit erfordern. Ommer wieder aber gilt es zu betonen, daß über diesen wirtschaftspolitischen Wünschen und Rvtwendigkeiten das politische Ziel deutscher Wiederaufbauarbeit nicht aus dem Auge verloren werden darf. Sv sehr Deutschland ein Interesse daran hat, an seinem Teil dazu zu helfen, daß! die wirtschaftlichen Stockungen der Rachkriegszeit überwunden werden, die Europa besonders schwer treffen, sv wenig kann das uns genügen. Denn unser letztes Ziel bleibt die Wiedergewinnung der politischen Freiheit und des nationalen Selbst- bestirnmungsrechteS unseres Bolles. Gens, 16. Sept. (WTD.) Reichsaußenminister Dr. Curtius hielt in der Vollversammlung des Völkerbunds eine Rede, in der er u. a. ausführte: Der feste Entschluß, jeden Kriegsgedanken zu verbannen, bedingt auf der anderen Seite, daß an Stelle des Krieges andere Mittel gefunden und angewendet werden müssen, um den vorhandenen oder neu auftretenden Problemen gerecht zu werden. Denn die Besinnung auf die Rotwendigkeit der Erhaltung des Friedens darf nicht zu einer Ignorierung der Fragen führen, die einer Lösung bedürfen. Das Gefüge des Völkerbundes und seines Paktes muh weit und fest genug sein, und wirksam und entschlossen angewendet werden, um allen Möglichkeiten zu begegnen und eine friedliche Regelung auch in schwierigen und ernsten Situationen zu sichern. Unsere Arbeit an der Organisation des Friedens muß darauf gerichtet sein, den Krieg nicht erst in erster Linie durch Vorbereitung von Repressivmaßnahmen, fonOetn du r ch vorbeugende Mittel zu verhindern. Wir haben den Grundsatz betont, daß es nicht mit dem bloßen Verbot des'Krieges getan . ist. sondern das es darauf ankommt, die Konfliktsursachen zu beseitigen und Dor, kehrungen für die friedliche Schlichtung aller Arten von Meinungsverschiedenheiten zu treffen. An diesen Grundsätzen halten wir fest, da wir befürchten müssen, daß ihre Vernachlässigung die ganze Dölkerbundslätigkeit in eine falsche Richtung drängen würde. Oie Abrüstung. Im Zusammenhang hiermit steht die Abrüstung. Es ist unnötig, über diese Frage noch Worte zu verlieren. Auf die Darlegungen, die die deutsche Delegation darüber hier seit vier Jahren macht, sind keine entscheidenden Taten gefolgt. Der Stand der Dinge kann nicht zutreffender gekennzeichnet werden, als dies in den hoch bedeutsam en Ausführungen des Herrn Vertreters Großbritanniens geschehen ist. Wir müssen uns über die völlige Unhaltbarkeil dieser Lage einig fein und es als eine Selbst. Verständlichkeit betrachten, daß die Mbrüftungs- konseren; nun endlich im Laufe des nächsten Jahres Zusammentritt, wir erwarten von ihr eine gerechte Lösung, volle Publizität und Erfassung aller Rüstungsfaktoren, fühlbare Verminderung der Rüstungen auf der ersten Abrüstungskonferenz und anschließend weitere Schritte zur Abrüstung in kurzen Etappen. Oie Minderheiten. Sin weiteres Problem, dem die deutsche Regierung große Bedeutung beimiht, ist die auch schon von anderer Seite berührte Minderheitenfrage. Wenn die Erfahrungen seit dem verflossenen Jahr vielleicht noch keine endgültige Antwort auf die Frage gestatten, ob die in Madrid beschlossenen Verbesserungen des Der- fahrens zur wirksamen Durchführung der Ga- andere europäische Staaten dadurch mitbctroffen werden. Zur rechten Zeit kommt daher der Vorschlag einer europäischen Kooperation, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet Die deutsche Regierung ist bereit, alle dahin zielenden Dor- 4läge mit größter Sorgfalt zu prüfen und ich an allen Arbeiten aktiv zu beteiligen. Wir ind insbesondere damit einverstanden, daß die Meistbegünstigung in ihrem Verhältnis zum System der Zollkontingente geprüft wird. Die deutsche Delegation behält sich ihrerseit» vor, neben anderen Fragen auch dle Frage de» tiapitalverkehr» auszuwerfen. Geld und Kapital sollten in ganz anderer Weife al» jetzt zweck, mäßig so verteilt werden, daß sie überall die Gü- tererzeugung und -Verteilung befruchten. E» ist ein unwirtschaftlicher Zustand, wenn in einigen Ländern Uebersluh an Geld und Kapital besteht und kaum nützliche Anwendung finden kann, während in anderen Ländern ungeheuer hohe Zinsen gezahlt werden müssen. Herr Bundeskanzler Schober hat auf den Weg regionaler Verständigung hingewiesen und zunächst einen Zusammenschluß zwischen denjenigen Staaten empfohlen, zwischen denen die Verschiedenheit der Voraussetzungen geringer ist, als zwischen der Gesamtheit der europäischen Staaten Die deutsche Delegation wird sich an der Verfolgung des Gedankens aktiv beteiligen. Es kann sich bei dieser großen Ausgabe nicht darum handeln, um Zollpositionen zu feilschen oder sich kleine Vorteile für einige Jahre zu sichern, sondern es handelt sich darum, einen langen Abschnitt der europäischen Wirtschaftsgeschichte abzuschließen, der durch gegenseitige Abriegelung und durch den Kampf aller gegen alle gekennzeichnet war. Der Eindruck in Genf. Geteilte Meinung bet den Franzosen. ®enf, 16. Sept. (WTB.) Die Rede des deutschen Außenministers hat in der Vollversammlung des Völkerbundes eine durchweg gute Aufnahme gefunden Der Konferenzsaal war so gut besucht, wie bei den großen Reden Briands und chender- sons. Auffallend war der starke Andrang auf den Publikums, und Diplomatentribünen. Der herbe Ton, mit dem der deutsche Delegierte die zurückliegende Arbeit des Völkerbundes kritisierte, ist oll- gemein bemerkt worden. Die offene Sprache, mit der der deutsche Außenminister seine Auffassung über die unbefriedigende Entwicklung der letzten Jahre auf den verschiedensten Gebieten des Völkerbundes, insbesondere dem der Abrüstung, Ausdruck verlieh, hat allgemeine Beachtung gefunden. Die Rede wird auch innerhalb der Delegationen in den Wandelgängen des Batiment Electoral eifrig erörtert. Allgemein wird anerkannt, daß die Rede durch einen klaren bestimmten Ton ausgezeichnet war, daß in ihr aber auch der Wille zum Ausdruck komme, mit den übrigen Regierungen an ber Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in Europa positiv mitzuarbeiten. In franzö- s i s ch e n Deleaationskreisen sind die Auffassungen über die Ausführungen geteilt. Man erkennt Zwar an, daß die Rede eine Reihe positiver Gedanken über die europäische Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet enthält, übt an dem politischen Teil der Rede unverhohlen Kritik. Insbesondere scheint die neuerliche Initiative Deutschlands in der Minderheitenfrage bei den Franzosen auf wenig Gegenliebe zu stoßen. In der Abrüstungs-undSicherheits- frage wird von französischer Seite die e i n h e i t- liche Auffassung Deutschlands, Englandsund Italiens bemerkt, die mit der französischen Auffassung nicht übereinstimme. Die Italiener sind in der Beurteilung der Rede vorläufig zurück- haltend. Sie interessieren sich mehr für das Echo der Ausführungen des Minister in Deutschland. In Kreisen der englischen Delegation hat die Art, wie Dr. Curtius die Probleme behandelt hat, sehr sympathisch gewirkt. Reichsaußenminister Dr. Curtius hat jetzt nach den Wahlen in Genf seine große Rede im Rahmen der allgemeinen politischen Aussprache in der Döl- kcrbundsoersammlung gehalten. Die großen Probleme der deutschen Außenpolitik liegen klar auf der Hand. Es sind im ganzen vier Fragenkomplexe, von denen Dr. Curtius drei in seiner Rede aus- führlicher behandelt hat, während er leider den vierten njchl so stark herausgestellt hat, wie man es in Deutschland wohl wünscht. Es handelt sich um die Abrüstungsfrage, die Minderheitenfrage und die Reoifionssrage, so weit die politischen Probleme in Betracht kommen, sowie ferner um die wichtigen Fragen der europäischen Zusammenarbeit auf wirt- schastlichem Gebiet. hinsichtlich der Abrüstung hat der Reichs- außenminister auf die völlige Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Lage hingewiesen, und es als eine Selbstverständlichkeit bezeichnet, daß nunmehr endlich im-nächsten Jahre die große Abrüstungs- konferenz zusammentritt. Die deutschen Forderungen gehen auf eine Lösung, die der Sicherheit aller Staaten Rechnung trägt. In dieser Formulierung des Reichsaußenministers liegt natürlich der Anspruch Deutschlands, daß auch seine Sicherheit, von der bisher leider nie recht die Rede war, endlich berücksichtigt wird. Generaloberst von Secckt hat bekanntlich diese Frage im Wahlkampf stark in den Vordergrund gerückt und sich damit zweifellos Verdienste für die internationale Erörterung des Abrustungsproblemes erworben. Man möchte nur wünschen, daß gerade ber Gesichtspunkt der deutschen Sicherheit auch von den zuständigen amtlichen Stellen mit noch mehr Nachdruck in diese Debatten hineingcworsen wird. Denn es gilt jetzt in der Weltöffentlichkeit den Boden vorzubereiten für eine große Aktion Deutschlands in der Ab- rüftungsfrage. Dr. Curtius hat an weiteren Forderungen in Genf ooraebracht, die volle Publizität und Erfassung aller Rüstungsfaktoren, die fühlbare Verminderung ber Rüstungen auf der ersten Ab- rüstungskonferenz und anschließend weitere Schritte zur Abrüstung in kurzen Etappen. Das wäre na- türlich ein an sich gangbarer Weg, nur ist leider nicht zu hassen, daß die anderen Mächte, insbesondere Frankreich, bereit fein werden, ihn zu betreten. Das zweite wichtige Problem der deutschen Außenpolitik ist die Minderheitenfrage. Hier wies der Reichsaußenminister auf die vom Völkerbund übernommene Garantie des Minderheitenschutzes hin und forderte Verbesserungen und Ergänzungen des bestehenden Rechtszustandes, falls die Praxis den an die 0a- rantiepslicht zu stellenden Ansprüchen nicht genügt. Das ist eine sehr zurückhaltende Umschreibung und Kritik an den jetzigen Verhältnissen, die geradezu einen Hohn auf den wahren Minderheitenschutz bilden. Deutschland hat als Vorkämpfer für die Rechte der unterdrückten Minderheiten eine europäische Mission zu erfüllen, nicht nur im Interesse der vielen Millionen deutscher Volksgenossen, die im Auslande einen schweren Kampf um ihr volkliches Dasein und um ihre kulturelle Selbstbestimmung zu führen haben, sondern im Interesse des europäischen Zusammenlebens überhaupt. Denn solange den Minderheiten nicht ihr primitives Mindestrecht gewährt wird, gibt es in Europa keinen Frieden. Den größten Raum in dor Rede des Reichs- auhenministers nahm die Frage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa ein. Man kennt aus der deutschen Antwort auf das Briandmemorandum die Vorbehalte. die Deutschland gegenüber allen Plänen einer wirklichen europäischen Zusammenarbeit zu machen hat. Solange nicht der Gedanke der Gleichberechtigung lebendige Wirklichkeit geworden ist, ist an eine wirksame Befriedung des friedlosen Europa nicht zu denken. Diese Voraussetzungen jedes europäischen Zusammenlebens müssen noch viel stärker herausgearbeitet werden als es die amtliche Außenpolitik tut, und hier liegt zweifellos eine wichtige Aufgabe der deutschen Oeffentlichkeit, den Aktionen der Außenpolitik eine wirksamere Resonanz zu verschaffen. Leider hat sich bisher immer noch nicht eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen Regierung und Opposition bei der Vertretung außenpolitischer Interessen Deutschlands ermöglichen lassen, wobei die Schuldfrage einmal ganz aus dem Spiele bleiben kann. Aber kein deutscher Außenminister wird auf die Dauer Erfolge erzielen können, wenn er sich nicht von dem einheitlichen Willen eines ganzen Volkes getragen und vorwärts getrieben fühlt. Roch ehe Briands Europa-Plan den Dorhof des Meinungsaustausches verlassen hat, haben es einzelne Staaten für notwendig gehalten, sich mit Beschwerden und Anfragen an den Völkerbund zu wenden, die sich 'mehr ober weniger deutlich gegen die deutsche Handels- und Wirtschaftspolit ik richten. In der Antwort hat Curtius zunächst darauf hingewiesen, daß die internationale Wirtschaftskrise besonders schwer auf Deutschland lastet, weil es selbst bei einem Tiefstand der Produktion und des Warenverkehrs gezwungen ist, Tribute in einer Höhe aufzubringen, die die. Sachverständigen zum mindesten nur bei normaler Entwicklung für angemessen gehalten haben. Wenn unter diesen Umftänben Deutsch- Die gegenwärtige aus Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten bestehende preußische Regie- rungskoalition verfügt bekanntlich über 230 Sitze, also über eine Mehrheit von 10 Stimmen. Die Koalition würde infolge des Zuwachfes beim Zentrum ihre Mandatszahl ungefähr behauptet haben, wäre aber trotzdem stark t n die Minderheit gedrängt da die Opposition eine Mehrheit von mehr als 80 Stimmen haben würde. Auch unter Einschluß der Deutschen Volkspartri, also nach Bildung derGroßen Koalition, wäre keine Mehrheit vorhanden. Genau wie im Reiche würde nur eine Große Koalition mit Einschluß der Wirtschaftspartei über eine Mehrheit verfügen oder nach Auflösung der jetzigen Koalition ein Rechtsblock mit Einschluß des Zentrums. Das Reichskabinett zur neuen Lage. Durchführung des 'Regierung«: Programms Berlin, 16. Sept. (WXB.) Unter dem Vorsitz des Reichskanzler» Dr. Brüning trat heute das Reichskabinett in einen Meinungsaustausch über die durch die Wahlen geschaffene politische Lage ein. Ls bestand die einmütige Auffassung, daß die Reichsregierung das im Sommer in Angriff genommene Programm einet sachlichen Arbeit zur Lösung der wirtschastlichen, finanzpolitischen und sozialpolitischen Ausgaben mit allem Rachdruck soweit zu fördern hat, daß dem neuen Reichstag be Himmle Vorlagen zugeleitet werden können. Das Reichskabiuett hat also zunächst den sehr vernünftigen Beschluß gefaßt, nicht zurückzutreten, wie es vielleicht nach der Wahlniederlage parlamentarisch üblich gewesen wäre. Aber die Zeiten sind für solche Formalien doch wohl zu ernst, und wir haben oft genug die Erfahrung geinacht, daß Nichts dabei herauskommt, wenn man erst Tatsachen schasst und sich danach überlegt, was werden soll. Diel vernünftiger ist es schon, daß Kabinett bleibt im Amt und prüft die Möglichkeiten, die ihm verblieben sind. Zum Rücktritt ist dann immer noch Zeit. Es würde sogar einen bedauerlichen Mangel an Mut beweisen, wenn das Kabinett, das die Auflösung des Reichstags Luvchführte, nicht 5en Willen aufbringt, um sich noch einmal unter Umständen sogar zum Kampf im Reichstag zu stellens auf die Gefahr hin, dabei zu unterliegen. Obwohl das noch keineswegs sicher wäre, denn es fragt sich doch, ob Sozialdemokraten und Deutschnatwnale Wert darauf legen, ihr Pulver auf Anhieb zu verschießen. Es ließe sich immerhin denken, daß diese beiden gemäßigteren Flügclparteien einer neuen Krise zunächst ganz gern aus dem Wege gingen und daher dafür Sorge trügen, daß Mehrheiten gegen die Regierung sich im Reichstag nicht zusammenfinden. Aber das wäre nur der äußerste Weg. Vorläufig gehen die Ambitionen noch nach einer anderen Richtung. Der preußische Ministerpräsident Braun, der schon im Wahlkamps der anerkannte Führer der Sozialdemokraten war, hat die Parole von der „Regierung der Vernünftigen" ausgegeben. Das klingt sehr verantwort- tungsbewuht, nur schade, daß diese Vernunft bei den Sozialdemokraten nicht schon vor zwei Monaten ihren Einzug hklt, dann hätten wir uns den ganzen Wahlkampf ersparen können. Jetzt ist es vielleicht schon zu spät. Denn die Wahrscheinlichkeit, daß der Minister Schiele und die Konservativen oder auch ' nur die Wirtschaftspartei politisch oder sachlich mit den Sozialdemokraten sich auf eine erweiterte Große Koalition verständigen könnten, ist - denkbar gering. Ebenso gering freilich sind die Aussichten nach der andern Seite Den Nationalsozialisten ist begreiflicherweise der Kamm sehr stark geschwollen. Sie werfen einstweilen Forderungen in die Lust, die jede Verständigung unmöglich machen. Sie oer- langen für sich die wichtigsten Ministerien Im Reich, verlangen eine vollkommene Neuorientierung in Preußen und das Berliner Polizeipräsidium Das Zentrum hat aber so oft und so ausreichend die Nationalsozialisten als regierungsunfähig bezeichnet. daß an eine Wandlung kaum zu glauben ist Herr Hugenberg hat zwar verkündet, daß er dem Zentrum die Fortsetzung seiner Schaukelpolitik unmöglich machen würde, aber das Zentrum ist sich seiner Schlüsselstellung in Reich und in Preußen zu genau bewußt, als daß es auf die Vorteile einer solchen Doppelpolitik ohne dringende Notwendigkeit verzichten sollte. Und diese dringende Notwendigkeit wäre ihm erst einmal nachzuweisen. Man mag also die Dinge drehen und wenden, wie man will, das Ende ist immer ein großes Fragezeichen. Die Lösung der Schwierigkeiten durch parlamentarische Kombinationen ist kaum gegeben, wenn man nicht an eine Minderheitsregierung ober an ein Kabinett der Fachminister ohne jede Bin- düng heranwill. Was will Hitler? München, 16. Sept. (TU.) Im Zirkusgebäude am Marsielde sprach am Dienstagabend der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, über die Bedeutung des Wahlsieges. Der Sinn dieses Sieges sei darin zu sehen, daß sich die Bewegung nunmehr einen Platz in der Öffentlichkeit erobert habe. Es sei geradezu lächerlich, in der Bildung einer neuen Regierung das Ziel der nationalsozia- listischen Bewegung zu sehen. Für die National- sozialisten sei das Parlament nicht das Ziel an sich, sondern nur ein Weg zum Ziel. Die Nationalsozialisten seien nicht Parlamentspartei aus Prinzip, sondern Parlamentspartei aus Zwang, und dieser Zwang heiße Verfassung. Der Steg oom 14 September sei nicht das Signal zum Ausruhen, es sei nur eine neue Masse gewonnen worden. „107 Mann stehen nun auf dem legalen Fechtboden Sie werden zeigen daß die Na- tionalsozialisten nicht nur die Massen beherrschen sondern daß sie auch Florett fechten können. Die W- tionalsozialisten werden auf diesem Boden jede Möglichkeit kühnsten Sinnes wahrnehmen, die sie ihrem Ziel näherbringen kann. Nicht um Abgeordnetenmandate kämpfen die Nationalsozialisten, sondern sie erobern Mandate, um das Volk dereinst frei machen zu können." Der Sieg habe nicht im geringsten das nationalsozialistische Ziel verändert. Adolf Hitler schloß seine Rede, zu der auch zahlreiche Vertreter der ausländischen Presse erschienen waren, mit einem beschwörenden Appell an die SA., die er mahnte, weitere Opfer zu bringen. Der Kampf dürfe keine Sekunde erlahmen. Darum müsse das Wort Sieg heute wieder aus den Köpfen gestrichen und an feine Stelle wieder das Wort Kampf gefetzt werden. Wie kann nun regiert werden? rung 353 319 304 Zentrum— Sozja/demokr. WirtM.-Pf. Dt-Vo/kspart Zentrum— Soziatde/nokr. -Bavr-Vofaparnu Sraatspartei Wirtschfh.-Partei Dt.-Volkspartei Vdkshu.Bautrnpfn. Zentrum 'W/rfschps.-fart Dt-Vo/kspart- Dt-Uatzonale - VolkskuBauernptn Zentrum--- Nafionalsozial. Wksk-ußauernpln. = Konservative Volkspartei+Welfen +Deutsches Landvolk+Christlich -sozialer Volksdienstr Deutsche Bauernpartei Landbund. des neuen Reichstags. Wie kann platz geschafft werden für mehr als achtzig neue Abgeordnete? Der Präsident des alten Reichstags hat die Ausgabe, das neue Parlament einzuberu- f e n. Das ist nicht ganz so einfach, tote es aus- sieht, weil eine ganze Masse von Formaten zu erledigen sind, die Doppelinandatare müssen gefragt werden, wo sie ihre Wahl annehmen, ihre Listennachfolger müssen benachrichtigt werden und ihre Zustimmung zur Annahme der Wahl geben. Dadurch geht eine Masse Zeit verloren, und deswegen wird vermutlich schon rein technisch die nach der Dersassung gegebene äußerste Frist do n dreißig Tagen ausgenutzt werden müssen. Ebenso schwierig erweist sich das Problem, wie dieser Segen von Abgeordneten in dem Plenarsitzungssaal unterzubringen ist, der ja von Hause aus nur auf vierhundert Abgeordnete berechnet war. Schon die 491 waren des Guten zuviel, es blieb seit 1924 nichts anderes übrig, als auch öle Ruhebänke am Rücken Deä Saales, die nach altem Brauch zu einem verkappten Schlaf dienen sollten, als Sitzgelegenheiten heranzuziehen. Auch das reicht nun nicht, schon muh für über achtzig neue Abgeordnete Platz geschaffen werden. Da ist zunächst der phantastische Gedanke aufgetaucht, den Reichstag i n Etagen zu besiedeln und einen Teil der Pu° blikumstribünen für die Fraktionen heranzu- ziehen. Der Berkehr soll Dann durch Wendeltreppen hergestellt werden. Man stelle sich nur dieses Durcheinander vor, das dann bei Abstimmungen und bei Ordnungsrufen entsteht. Der Präsident müßte ja weitsichtig sein, um den Aeberblick nicht zu verlieren, der bei dem starken Anwachsen der radikalen Flügelparteien doppelt notwendig ist. Es wird also nichts anderes helfen, als mit der geheiligten Tradition aufzuräumen, daß jeder Abgeordnete im Plenarsaal seinen Arbeitsplatz haben muß; heraus mit den Bänken und dafür bequeme Stühle, dann ist das ganze Problem gelöst! Dielleicht würde diese Reuerung auch dazu führen, daß dann etwas mehr Aufmerksamkeit während der Derhandlun- gen herrscht, zumal wenn Hand in Hand damit dem groben Unfug der Wiederholung alles dessen, was bereits in den Ausschüssen gesagt ist, ein Ende gemacht wird. Bedenklich aber wird es auch schon mit der Präsidentenwahl. Daß Herr L ö b e wiedeckehrt, ist selbstverständlich. Rach altem Brauch jedoch werden die Vize- Präsidenten von den nächststärksten Parteien gestellt. Das wären in diesem Falle die Nationalsozialisten und Kommunist en. Die Vertretung im Präsidium aber legt den Parteien auch die Derpflichtung auf, die Grenze parlamentarischer Ordnung innezuhalten. Davon hat man bei den Kommunisten bisher nichts gemerkt, und ob die Nationalsozialisten dazu bereit sein werden, ist immerhin zweifelhaft. Die Bildung des Bureaus wird also nicht so einfach sein wie bei früheren Gelegenheiten. Sie kann sehr leicht zu hitzigen Kämpfen führen, durch die alle in der Luft liegenden Explosionsstoffe schon am ersten Tage zur Entzündung kommen. Eine reine Freud« wird daher das Abgeordnetenmandat diesmal gewiß nicht sein. Der Reichspräsident im Mnövergelände. ©er erste Gefechtstag -er Reichswehrrahmenübung in Südihünngen. Bad Kis fingen, 16. Sept. (TA.) Der erste Gefechtstag der großen Rahmenübung der Reichswehr zeigte am Dienstag im Gesamtverlauf der kriegsmäßig durchgeführten Entwicklung eine so- wohl in taktischer wie in militär-technischer Hinsicht interessante Lage. Auf beiden Seiten hatten die für Rot und Blau eingesetzten Aufklärungstruppen der Kavalleriedivisionen sich aus dem Raum Mellrichstadt-Heustreu heraus entwickelt. Don Blau war der Versuch gemacht worden, auf den Höhen nordwestlich von Kissingen die anmarschierende rote Infanteriedivision zu überflügeln und in der Flanke zu fassen. Durch diesen Flankenstoß wurden die drei Infanterieregimenter 13, 14 und 15 gezwungen, auch nach Nordwesten Front zu machen. (?n den Mittagsstunden übte Blau, das immer weiter den rechten Flügel von Rot zu umfassen suchte, einen starken Druck auf die bei Groh-Barsdorf in Stellung gegangene rote Infanterie aus. Das von Rot am weitesten rechts eingesetzte Infanterieregiment 15 wurde zurückgedrängt. Hierbei tarn das am Dienstag bereits zahlreich im Manövergelände versammelte Publikum gut "auf seine Kosten. Sogar ein regelrechtes Ortsgefecht gab es bei dem Dorfe Rödel- mayer, das rote und blaue Aufklärungstruppen wegen seiner beherrschenden Lage beiderseits stark in Besitz zu nehmen strebten. Mitten zwischen staunenden Ortsbewohnern, wild- gewordenen Gänsen, sperrenden Ochsenfuhrwerken knatterten die Schüsse einer motorisierten! blauen Aufklärungstruppe, klatschten die Platzpatronen und bellten die Maschinengewehre. Der Truppenführer von Rot der das Dorf so gern in seiner Hand behalten hätte, mußte auf Schiedsrichterentscheid mit seinem Stabe beschleunigt weichen. Bald darauf gab es bei Groß- Elbstadt einen schneidig durchgeführten Vorstoß von zwei blauen „Tankwagen", die unbekümmert durch die roten Plänklerlinien hindurchpreschten, links und rechts Maschinen- gewehrfeuer streuend. Selbstredend handelt es sich bei den „Tanks" nur um die von den Der- $ General der Kavallerie o. Kayser, Befehlshaber der „Roten Partei". — In der Mitte: Reichs- Präsident von Hindenburg und Reichswehrminister Oraner. — Rechts: General der Infanterie Haffe, Befehlshaber der „Blauen Partei", <> ' W WH fallier Mächten unbeanstandet gebliebenen Pappe-Atrappen. Dabei erwies sich wieder einmal in der Praxis, wie unsere Reichswehr hinsichtlich aller modernen Rüstung waffenlos gemacht worden ist. So verfügten die roten Truppen über keine Spezialwaffe, wie z. D. Infanteriegeschütze, die notwendig gewesen wären, um sich im Ernstfall der vernichtenden Wirkung des Tankeinbruchs erwehren zu können. Daß unsere Feldgrauen hier im Lande nichts an der alten Zuneigung eingebüßt haben, dafür bietet bas starke Interesse aller Dolkskreise an dem Verlauf der Hebungen den besten Beweis. Diese innere Anteilnahme erreichte am Dienstagnachmittag einen Höhepunkt in der kleinen 300 Seelen zählenden Ortschaft Königshofen. Da war kein Haus, das nicht Kranz- und Fahnenschmuck trug, lieber die Hauptstraße roimpelten blauweiße Fähnchen, unaufhörlich strömten Menschen zu Fuß unb allerlei Fahrgerät heran, um in unserem Reichspräsidenten den Mann zu begrüßen, der heute den Begriff aller großen deutschen Ueberlieferung in höchster Pflichterfüllung gegenüber dem Staat verkörpert. Gegen 5 Uhr nachmittags traf im Kraftwagen R e i ch s p r ä s i de n't von Hin den-- bürg ein, umjubelt von Tausenden, feierlich begrüßt vom Stadtoberhaupt. Das toaF nicht nur der übliche festliche Empfang, wie eine solche Gelegenheit ihn zu bringen pflegt. Hier kam die Liebe einer treuen, überwiegend bäuerlichen und bodenständigen Bevölkerung mit einer Stärke zum Ausdruck, von der der Reichspräsident sichtlich ergriffen war. Als der Wagen wieder, anzog, um Hindenburg nach dem nahen Schloß Sternberg in fein Manöverquartier zu bringen, gelang es nur mit Mühe, durch die jubelnde Menge einen Weg zu bahnen. Westarp fordert die Große Koalition der Rechten. Die Nationalsozialisten müssen zur Ber- anwortung erzogen werden. Berlin, 16. Sept. (TU.) In der „Kreuzzeitung" stellt Graf Westarp fest, daß Zentrum (68), Bayer. Vp. (19) und Nationalsozialisten (107), die aus der Deutschnationalen Volkspartei hervorgegangenen anderen Rechtsparteien (40), Hannoveraner und Deutsche Bauern (9) und Wirtschaftspartei (23) mit 367 Stimmen eine sehr feste Mehrheit, zu der noch die Deutsche V o l k s p a r t e i mit 30 hinzutreten würde, im neuen Reichstag bilden. Auf die Staatspartei brauche also nicht gerechnet zu werden. Westarp sagt dann u. a. weiter. Will die Regieruno Brüning alle parlamentarischen Möglichkeiten ausschöpfen, so wird sie sich nicht der Aufgabe entziehen dürfen, über diese Mehrheitsbildung in Verhandlungen ein- zutreten Voraussetzung dieser Regierungsbildung würde die Loslösung des Zentrums von der Sozialdemokratie in Preußen sein Sie ist auch von uns stets gefordert worden und die bisherigen fünf bis sechs Monate, während deren die Regieruntz Brüning an der Arbeit ist, haben erneut gezeigt, wie eine sozialisten- freie Regierung im Reich durch die sozialdemokratische Herrschaft in Preußen in ihren Erfolgen ge- hemmt wird. Es bleibt die Frage offen, ob in Verbindung mit den Nationalsozialisten das Programm der Hilfe für die Landwirtschaft und den Offen, und der umfassenden Reformen der Sozialversicherung der Finanzen und der Wirtschaft sich durchführen und weiter ausbauen läßt. Zu den Ergebnissen des 14. September gehört auch, daß für die Frage eines Eintritts der nationalen Opposition in die praktische Arbeit jetzt nicht die von Herrn Dr. Hugenberg gefügte Deutschnationale Volksoartel, sondern die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei mit ihrem wirtschaftlichen Sozialismus an erster Stelle steht. Das Zentrum hat oft ausgesprochen, daß es sich berufen fühle, andere Parteien zur Verantwortung zu erziehen. Die Nationalsozialisten bieten sich ihm jetzt als Erziehungsobjekt dar. Man wird es ihnen — im Ernst gesprochen — nicht ersparen können, den Nachweis zu führen, ob sie, ihrer so überraschend gewonnenen Stärke entsprechend, gewillt und befähigt sind, verantwortlich an Der Leitung der äußeren und inneren Politik teilzunehmen. Das unbekannte Deutschland. Das Echo derReichstagswahi tmAuslande Der Ausfall der Reichstagswahlen hat im Ausland eine noch größere Lleberraschung als bei uns ausgelöst. In London, Paris, Brüssel, Rom, Washington und allen anderen Hauptstädten war man zunächst völlig sprachlos, dann setzte ein wildes Rätselraten über die Ar- sachen und die Bedeutung namentlich des nationalsozialistischen Sicgcs, aber auch des geradezu beängstigenden Anwachsens der kommunistischen Stimmen ein. Am Tage nach der Wahl hat es wohl kaum einen ausländischen Zeitungsartikel gegeben, der eine wirklich einwandfreie Begründung des Abmarsches der Wählermassen zu den extremen Parteien brachte. Und fragen wir uns, warum, dann gibt es darauf nur eine Antwort: Deutschland ist für das gesamte Ausland noch immer ein Buch mit sieben Siegeln, obwohl es durch keinerlei chinesische Mauern von seinen Nachbarn getrennt ist. Aber draußen weih man eben herzlich wenig von der Not unserer Wirtschaft, den Leiden unserer Arbeitslosen, von der katastrophalen Finanzlage des Reiches und dem unerhörten Druck des Versailler Vertrages, der unS wertvolle Wirtschaftsgebiete geraubt und das deutsche Volk zu einem Ausbeutungsobjekt degradiert hat. Amerika, England, Frankreich kennen nur ein Deutschland, das über unerschöpfliche Reichtümer verfügt. Daran ist aber die ausländisch« tendenziöse Berichterstattung Schuld, die aus durchsichtigen Gründen immer wieder die Behauptung in die Welt seht, daß Deutschlands Leistungsfähigkeit unbegrenzt sei und daß bas deutsche Volk trotz der Tribute von Iahr zu Iahr wohlhabender werde. Kein Wunder also, daß mqjr sich das Abströmen der Wählerschaft nach rechts und links nicht erklären kann. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß das Ausland über die Radikalisierung der Wählerschaft bis zu einem gewissen Grade beunruhigt ist. Aller- dings sind diese Nachrichten zum großen Teil von der deutschen Linkspresse sensationsmäßig stark aufgebauscht worden, da Blätter wie der ..Vorwärts" und das „Berliner Tageblatt" immer die Auffasfuna vertreten, daß nur eine deutsche Linksregierung das „Vertrauen" des Aus- landes genießt. Man erinnert sich bei dieser Gelegenheit der Zeit vor der Wahl des Reich*« xS OS $etlU Iun0nÄ gilt es. d>e Heren. ® National QDeite,Pin J ©emeinlj und der 2 schassen, sample m, München m schcn W einer MMN yc W Ä iann « jie drittgrof stellte, ist n sollen Die Scholz ch- damit zu n Dbeitsgeme neuen W alle biele 2 Fraktion jm allen Bei ergebnis bett’ bangen a u s in du Zeit !» hasste, mM einigen unb t eigene Hand Professor I Zu dem miß! i zum Flug in t I carb: Ein 2 j München, her I ertlärie, bet I zwischen b un I läge bis 2 I Daraufhin w I Aernenhimm I Füllung I I bcendeier Füll I der vorläufig gab, sich aber kurz nach 8 Ul Halle sich der von dem gas berabhängend, I segelartig I Ballon wurde I gedrückt, bah I längere S I oussuhren m gen worden ’ gungder: lich. Man m stieg ju Der Ziehen der Re der verlorene, meiern Wasser kein Schad 0er 31« ».Tc 34re alt. J870 in QHai vlM und I in Mainz r Deutschfreifin Einsamer K Versammlung Ebnetet und M wurde I .Mit Die ' M nach b Kttburgennei oranzoscn. A 5» 1923 b Jnn Aainz £ berent ite Berlin r F*” As Äs sSs KL «*k jJ* Der- 2BQ*>4i5rt :^Ä i truo. T' ks * *<* t ^fnidji nur £ le °'che 0tle0^ Lflm ^,e Ckbe L" und bobtn. lÄeJUm ÄU5. ergriffen ÄJJJ Üinben. Sb”6 ln ’«« 1 8. K "ui nüi R* "Nrn ®tg^ Achten. 'ülien yirStr. werden. ,b«.^reu,Leitung* B Zentrum nQ loüaliften analen Soitspartei echlsparieien (40L wn (9) und T.tt- Men eine fehr ch die Deutsche treten würde, im die Slaatspartei ’rben. Westarp lagt iegieruna Brüning iten auslchopstn |o e entziehen dürfen, Verhandlungen ein- dieser 'Regierung». Jng des Zen- demokratie in t>on uns stets gefor- fünf bis sechs Mo. ung Srünmg an der wie eine sozialisten« h die lojialhemolra» ihren Erfolgen g e - frage offen, ob in ationalfoiia» 1 für die Landwirt« Mistenden Veisr. Finanzen und der en und oeiler chnisten des 14. Sepie Frage eines Emin in die prallildje i Dr. fiugenberg ae- partei, sondern die Arbeiterpartei mit Sozlallrmu» Irum hat oft ausge- hie, andere Port.-ien erziehen. Die ihm setzt olr Er- >z ihnen - im Ernst ren tonnen, den brer so überraschend nd, gewillt und j an Der Leitung der ülzunehmen. )euW"d. >ahi 'm «Alande igsvahien hat im knatoung atf iriS, Drüssel, Dom, Hauptstädten war chlos. dann setzte en übet die Hr mentlid) W * auch des der kommunistischen riet WB Hut es L-A sählermassen u inb $ 'ui *}“LC Instand A ^Siegeln- siebenen wn MELnvettz -xSZ -«"K, rr« der wcide./ " Sd- Ä"*! ’ Ml ■** m, tis s» Ji« W rviif j'liil °°" um Ä I>°^ lall««!* ®U » L immer * M£b beut|d)‘ rel"e?M «u»' Präsidenten von Hindenburg, al» die« selbe Linkspresse in geradezu ungeheuerlichen Nachrichten die Wohl des Fckdmarschalls als eine G e • fahr des Frieden« hinzustellen suchte. Auch jetzt wäre es angebracht, wenn die deutsche Oefsentlichkeit das Ausland sehr nachdrücklich darauf hinwiese, daß die Radikalisierung der deutschen Wählerschaft in erster Linie auf die Ueberlaftung Deutschland« mit Kriegstributen und die dadurch heroorgerufenen Störungen in seinem Staat», und Wirtschaftsleben zurückzuführen ist. Das Sammeln der ZraMonen. Berlin, 16. Sept. Die parteipolitische Füh- lungnahme ist bereit» in vollem Gange. Zunächst gilt es, die einzelnen Fraktionen zu konftitu- Heren. Dabei dürfte es möglich sein, die aufgenommenen Verhandlungen um die ch r i st l i ch - nationale Arbeitsgemeinschaft schon in diesen Tagen erfolgreich zum Abschluß zu bringen und damit eine Fraktion zu schaffen, die, Da sie 43 Wandale umfaßt, größer sein würde als die Fiktion der Deutschnationalen Partei. Weiterhin sind (3r6rterungcn im Gange, ein« Gemeinschaft zwischen dem Zentrum und Der Bayerischen BolkSpartei za schaffen, die im übrigen ja bereit» im Wahlkampfe insofern bestand, al» Dr. Brüning in München in einer Wahlversammlung der Bayers schen Volk-Partei sprach, während Dr. Leicht in einer Zentrumsversammlung deS Vheinlande- gesprochen hat. Ob man sich hierbei auf die Bildung einer einzigen Fraktion einigen wird, die dann 87- Wandale umfassen würde, somit also die drittgrößte Fraktion deS Reichstages dar- ftellte, ist noch nicht zu überblicken. Weiterhin sollen die HammlungSbestrebungen von Dr. Scholz ihre Fortsetzung finden, doch ist kaum damit zu rechnen, daß hierbei mehr al» eine Arbeitsgemeinschaft herauSkommen wird. 3m neuen Reichstag würden dann, vorausgesetzt daß olle diese Bemühungen Erfolg haben, neun Fraktionen bestehen, also genau soviel wie jm alten Reichstag. Jedenfalls hat das Wahlergebnis bewirkt, daß die Zusammenschlußbestre- bungen aussichtsvoller geworden sind alS in der Zeit deS Wahlkampfes, wo jeder immer noch hoffte, möglichst viele Stimmen auf sich zu vereinigen und damit die Sammlungsinitiative in di« eigene Hand zu bekommen. Aus aller Welt. Professor Plccards mißglückter BallonauffHeg. Zu dem mißglückten Start des Ballon» „F.N.R.S." zum Flug in die Stratosphäre erklärt Professor Pic- carb: Ein Meteorologe der Landeswetterwarte München, der zur Beratung zugezogen worden war, erklärte, der Start zur Höhenfahrt sei Sonntag zwischen 6 und 7Uhr möglich, wenn die Wetter, läge bi» 2 Uhr nachts sich nicht verändern werde. Daraufhin wurde Samstagfrüh 2 Uhr bei klarem Sternenhimmel und vollkommener Windstille die Füllung beschlossen und begonnen. Erst nach beendeter Füllung kam ein schwacherWind auf, der vorläufig zu keinerlei Besorgnissen Deranlassung gab, sich aber gegen 1% Uhr verstärkte Als kurz nach 8 Uhr der endgültige Start erfolgen sollte, hatte sich der immer noch zunehmende Wind in der von dem gasgefüllten oberen Teile der Hülle lose berabhängender Stofsmasse verfangen und diese segelartig aufgebläht. Der 55 Meter hohe Ballon wurde dadurch in eine derartige Schräglage gedrückt, daß beim Start die Kabine erst eine längere Schleppfahrt am Boden hatte ausfuhren muffen, ehe sie vom Ballon emporgezo« gen worden wäre. Ein Start ohne Beschädigung der Instrumente war also unmög- l i ch. Man mußte sich daher entschließen, den Aufstieg zu verschieben und den Ballon durch Ziehen der Reißbahn zu entleeren. Wenn man von der verlorenen Arbeitszeit und den 2200 Kubik- meiern Wasserstoff absieht, so ist dem Unternehmen kein Schaden entstanden. Oer Mainzer Oberbürgermeister 60 Jahre alt. WSR. Mainz, 16. Sept. Morgen wird der Mainzer Oberbürgermeister Dr. K ü l b 60 3 ab re alt. Er wurde am 17. September 1870 in Mainz-Weisenau geboren, studierte Medizin und ließ sich 1905 als praktischer Arzt in Mainz nieder. 1907 wurde er von den Deutschfreisinnigen und Rationalliberalen als gemeinsamer Kandidat in die StaDtverordneten- versammlung gewählt. 1912 wurde er Beigeordneter und 1916 Bürgermeister. Am 23.3uni 1919 wurde Dr. Külb zum Oberbürgermeister gewählt. Die Wahl zum Oberbürgermeister erfolgte nach der Ausweisung des verstorbenen Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann durch die Franzosen. Aber auch Dr. Külb war vom Januar 1923 bis September 1924 ausgewiesen. Wenn Mainz sich trotz der schweren Besatzung-- zeit weiterenlwickelt hat und im Rahmen der ihm zur Verfügung stehenden Mittel am Fortschritt der Zeit teilnahm, so ist das mit ein großes Verdienst seines Oberbürgermeister- Dr. Berliner Börse. Be r l i n , 17. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend in Frankfurt, hauptsächlich auf Deckungen, allgemein fester geworden war, konnte man im heutigen Frühverkehr infolge der bestehenden Geschäftslosigkeit noch keine Tendenz erkennen. Momente, die gegen die freundliche Grundstimmung sprechen, liegen aber nicht vor. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,75, London gegen Mailand 92,82, London gegen Spanien zirka 45, London gegen Kabel 4,8613, London gegen Berlin 30,40, Kabel gegen Berlin 4,1965. Aus Der provinzialhauptstadt. Gießen, den 17. September 1930. Eine Mutier und ein Kind. Was ist es doch Schöne- um eine Mutter, die ihr Kind am Arm hat! Wieviel Zärtlichkeit, wieviel Hingabe, selbstlos unb opferfreudig, kann darin liegen! Es gibt viel Schönes auf unserer Erde — es gibt auch viel Häßliche- — aber wovon all dem Schönen ist vergleichbar der Mutter- lieb«? Durch eine gleichgültige Landschaft trug mich am frühen Morgen der Zug. Rahkalt war es, ungemütlich häßlich Die Welt hing in schweren Rebelschlei em. das Licht deS Tages zwang sich nur mühsam durch die dichte Wolkendecke. Die Menschen gingen mit verdrossenen Mienen, die Mitreisenden blickten unfroh vor sich hin. Richt einer fand ein Wort, das die graue Stimmung zerrissen hätte. 11 nb ich selbst war verdrossen über den unfreundlichen Morgen und vergrämt über die Fehlschläge, die ich erlitten hatte. Mir war fast, alS sähe ich keinen'Weg mehr vor mir, den, jemals die Sonne verschönen würde. E«m da erblickte ich durch das Fenster deS Zuges eine Mutter mit ihrem Kind. Sie stand am Fenster eines alten Häuschens und preßte das Händchen ihres Kindes, das wohl eben erwacht war, an den Mund. Es war keine hübsche Frau. Das Leben hatte ihr wohl auch viel Arbeit und Entbehrung auferlegt. 3n diesem Augenblick aber war sie schöner als manche andere Frau, der schon in der Wiege ein Maß von Schönheit gegeben wurde, das sie mit vielen Mitteln pflegen und heben konnte. Ein so glückliches Lächeln verschönte die nicht bedeutenden Züge der Frau, und ein Ausdruck stillen GlückS lag in den Augen, die ins Leere zu sehen schienen, daß man mitzuempsinden gezwungen war. Vielleicht dachte die Frau an die Zukunft ihres Kindes, die sie glanzvoll und glücklich wünschte. Vielleicht sah sie zurück auf ihre eigene 3ugend. und der Gedanke war in ihr: Wie bin ich froh, daß ich meinem Kinde meine Liebe auS vollem Herzen bereiten kann. Die Mitreisenden hatten mit mir beobachtet. Sie sahen einander an, sprachen kein Wort, lächelten nur vor sich hin. Vielleicht dachten sie auch an ihre eigene Kindheit. Sie alle hatten ja einmal die Mutterliebe in ihrer Opferbereitschaft und in ihrer unverbrüchlichen Treue empfunden. Bei dem und jenem wurden die Züge gleich darauf versonnen und ernst. Vielleicht dachten sie daran, daß die Frau, die ihnen einst das Glück der Mutterliebe geschenkt, längst unter dem Rasen ruht, und sie widmeten ihr ein stilles, dankbares Gedenken in dieser, wie es schien, unpassenden Stunde. Aber kann jemals eine Stunde unpassend fein für ein schönes, edles, großes Gefühl? Und noch etwas hatte diese Mutter am Fenster erreicht, von dem sie nichts wußte und nichts wissen konnte. Die Reisenden sahen nicht mehr so mißmutig vor sich hin, und auch mir war, als hätte mich ein heller, warmer Sonnenstrahl getroffen, der mir das Herz durchwärmte, daß alle Trübe und alle Kälte von draußen ihm nichts mehr anhaben konnte. S—r. LZornotizcn. — Tageskalender für Mittwoch: Licht- fpielhaus, Bahnhofstraße: „Westfront' 1918". — Astoria-Lichtspielc: „Die Bande der Wölfe" und „Moderne Piraten". — Joseph Plaut im Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am Sonntag, dem 21. September, wird im Stadttheater einer der bekanntesten deutschen Rezitationsmeister, Joseph Plaut, gastieren. Plaut, der sich auf einer Tournee befindet, war im Ausland und ist für Gießen eine künstlerische Neuerscheinung. Seine große Eigenart am Dortragspult besteht darin, daß er nicht nur Rezitator, sondern Sänger, Darietskünstler und vor allem auch, da er sein ganzes Programm ßuswendig spricht, Gedächtniskünstler ist. Der Rezitationsabend beginnt um 19 Uhr. ** Der Bau der orthopädischen Klinik, der seit einiger Zeit an der Ecke Klinik, und Gafskystraße im Gange ist, ist bis jetzt so weit vorangekommen, daß das Mauerwerk zum Bettenbau in der nächsten Woche fertiggestellt wird. Mit den Fundamentierungsarbeiten zu dem unterkeller- len Derbindungsöau wurde in der vorigen Woche begonnen, anfangs dieser Woche sind die Funda- mentierungsarbeiten zu dem Behandlungsbau (Hauptbau) in Angriff genommen worden. Es wird damit gerechnet, daß beim Fortbestehen günstiger Witterung der Hauptbau bis Anfang November im Rohbau fcrtiggefteUt werden kann. ** Die Wohnungsbauten in der verlängerten Schott st raße, wo in zwei städtischen Häusern eine Anzahl Kleinwohnungen geschaffen werden, befinden sich zur Zeit im Stadium der weit vorgeschrittenen Fundamentierungsarbeiten. Im Lause der nächsten Woche dürsten die Maurerarbeiten des Kellergeschosses fertiggestellt werden. * Die Umgestaltung der West- «nlagc hat in der letzten Zeit gute Fortschritte gemacht. Am Bahndamm entlang ist das Gelände zum größten Teil schon fertig eingeebnet und für gärtnerische Zwecke vvrgerichtet. Ein großer Teil der Flächen ist auch bereits mit Grassamen eingesät. Die Bepflanzung der Anlagenstücke soll im Laufe des Herbstes stattfinden. Die Anlage, die sicherlich eine wesentliche Verschönerung der Westanlage bedeuten wird, sei dem Schuhe der Bürgerschaft empfohlen. 3ns- besondere wäre zu empfehlen, das Herumlaufen der Kinder auf den frisch hergerichteten Flächen zu verhindern. ** Maßnahmen gegen O b st d i e b st ä h l e. Das Kreisamt Gießen weist in einer Bekanntmachung nunmehr im neuesten Anusoertundigungsblatl darauf bin, daß sich in diesem Jahre die Klagen über Obstdiebstähle, insbesondere auch an den Prooinzialstrahen, mehren, da großer Mangel an Obst besteht Das Kreisamt hat die Bürgermeistereien angewiesen, dem Feld- schugperfonal die Ueberwachung des Obstes an den Provinzialstrahen zur besonderen Pflickst zu machen. •• Uraufführung im Gießener Stadttheater. Die 3ntendanz deS Gießener Stadttheaters hat für die kommende Spielzeit Eurt E 0 r r i n t h S Schauspiel „Sektion Rahnst et t en" zur Uraufführung erworben. Das Stück wird Mitte Oktober heraus^ebracht werden. An her Uraufführung beteiligen sich noch das Schauspielhaus Köln und das Rationaltheater Mannheim. *• Goldene Hochzeit. Das Fest der goldenen Hochzeit feiern morgen die Eheleute Johannes Komps. Das goldene Jubelpaar erfreut sich noch geistiger und körperlicher Frische. •* Sarrasani-in Gießen. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten wird Sarrasani nicht vom 25. bis 28. September, sondern vom 26. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf bis 29. September in Gießen gastieren. Sarrasani baut auf dem Trieb bei der Volkshalle auf, der groß genug ist für das Riesenuntcrnehmen, und seiner Beschaffenheit noch völlig« Sicherheit für die Verankerung der riesigen Zelte und der Sitzeinrich- tung für mehr als zehntausend Personen bietet. Es ist bei der persönlichen Eigenart des Zirkus Sarrasani schwer, mit Worten zu schildern, welcher Glanz über allen seinen Darbietungen liegt. Das eine kann aber vorweg gesagt werden, daß bei Sarrasani alles anders ist wie bei den anderen, daß niemand seine Eigenart kopieren kann. Sarrasani eröffnet am Freitag, 26. September. •• Keine Anfechtung bei Zurücknahme eines Rechtsmittels. Wir lesen in den von Steuersyndikus Hermänn Will zu Gichen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 18) folgendes: Ein Steuerpflichtiger hatte auf die Zusage des Finanzamts, in den nächsten 3ahren einen streitigen Abzug vorzunehmen, ein eingelegtes Rechtsmittel zurückgenommen. Als das Finanzamt sich an diese Vereinbarung später nicht hielt, wollte der Steuerpflichtige das Rechtsmittel nachträglich aufrechterhalten. Der Reichsfinanzhof lehnte das ab (1. V. 30. — VI A 647/30). Die Zurück- nähme sei unbedingt erfolgt. Die getroffene Vereinbarung sei überdies unwirksam, da es einen unzulässigen Vergleich darstelle. " Bewerbungen um technischeStel- len bei der Reichsbahn zwecklos. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. teilt mit: Eine technische Zeitschrift und verschiedene Tageszeitungen (Richt der Gieß. Anz. D. Red.) haben vor einigen Tagen eine veraltete Verfügung bekanntgegeben, nach der die Deutsche Reichsbahngesellschaft beabsichtige, 140 technische Beamte einzustellen. Der Wortlaut der Bekanntmachung erweckt bei oberflächlichem Lesen die Vorstellung, daß Bewerbungen an die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. als Zentralstelle zu richten seien. Tatsächlich besteht hier weder Bedarf, noch Einstellungsmöglichkeit. Bewerbungsschreiben sind daher zwecklos. Oberbürgermeister Dr. Kühn t. Wetzlar, 16. Sept. Unser Oberbürgermeister Dr. Kühn ist heute mittag gegen 1 Uhr freiwillig aus dem Leben geschieden. Zwei junge Leute fanden ihn auf einer Bank am Grabe seines vor zwei Jahren verstorbenen Töchterchens mit einem Schuß in der Schläfe tot vor. Dr. Kuhn war schon seit mehreren Jahren gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe und hatte deswegen öfters einen Erholungsurlaub angetreten. Der eigentliche Grund zu seinem tragischen Schritt dürfte aber wohl in der Untersuchung zu erblicken sein, die seit einigen Wochen wegen des Baues seines Jagdhauses ein- geleitet und die, wie jetzt verlautet, an die Staatsanwaltschaft gegeben war. Ob Dr. Kühn sich bei dem Bau des Jagdhauses wirklich Verfehlungen zum Schaden der Stadt hat zu Schulden kommen lassen, wie in der Bürgerschaft behauptet wird, ist noch nicht erwiesen, da die Untersuchung streng geheim geführt wird. Mit Dr. Kühn, der etwa 48 Jahre alt ist und aus Gießen stammt, ist ein Mann dahingegangen, der sich hohe Verdienste um die Stadt seines Wirkens erworben hat. Wetzlar hat unter feiner 23er» rvaltung äußerlich ein ganz anderes Gesicht bekam- men. Nur waren seine Pläne oft zu weitgehend und finanziell zu großzügig für eine Stadt von 17 000 Einwohnern. Dies war auch der Grund zu den wiederholten Zusammenstößen zwischen Verwaltung und Stadtverordneten, besonders über die hohe Verschuldung der Stadt und die hierdurch entstanden« steuerliche Belastung. Vielleicht dürfte Dr. Kühn auch durch den wirtschaftlichen Rückgang und die hierdurch eingelretencn Sleuerschwierig- keiten nach und nach die Nerven verloren haben, was ihn nun unter dem schweren seelischen Druck der Untersuchung zu diesem tragischen Schritt geführt hat. Trotz der Angriffe aus der Bürgerschaft, die sich in einer Zeit wirtschaftlicher. Not und starker steuerlicher Belastung verstehen lasten, muß gesagt werden, daß der freiwillige Tod des Oberbürgermeisters in unserer Bevölkerung tiefstes Mitleid erweckt. Man bedauert den außerordentlich klugen Mann, der feit 1914 an der Spitze unseres Gemeinwesens gestanden hat. Di« Derwaltungsgeschäfte werden schon seit einiger Zeit durch den Beigeordneten Dr. Bangert erledigt, da Dr. Kühn vom Dienste beurlaubt war. Wie der WSN.-Dienst noch berichtet, erklärt Oberbürgermeister Dr. Kühn in einem hinterlassenen Briefe, daß seine geschwächten Nerven der Hetze gegen ihn nicht mehr standhalten könnten. Kirche und Schule. Tekanatsmissionsfcst dcHTckanatc- Gictzcn. D Großen-Linden. 16.Sept. Am Sonntag wurde in unserer Kirche das diesjährige Dekanat-fest deS Dekanats Gießen gefeiert. Der Mädchenchor der Evangelischen Iugendvereiniguna Klein-Linden eröffnete mit Gesang den FestgotteSdienst. Pfarrer Röhricht. Darmstadt, der Direktor deS hessischen LandeSvereirrS für 3nnere Mission, hielt die Festpredigt. Rach kurzer Kasseepause, bei der die Besucher von auswärts in hiesigen Familien eingeladen waren, begann die Rachversammlung. die ebenfalls mit einem Chorvortrag der obengenannten Bereinigung eingeleitet wurde. Der OrtSgeistliche, Pfarrer Schultheiß, der derzeitige Vertrauensmann des Vereins für 3nnere Mission im Dekanat Gießen, führte in seiner Ansprache zurück zu dem Gründer der 3nneren Mission Wichern-Hamburg. Direktor Röhricht wieS auf die Gründungen und Segnungen der 3nneren Mission in Hessen hin. Gr forderte Opferbereitschaft aller evangelischen Christen, um den Aerrnsten unter den Armen die Segnungen der 3nneren Mission zuteil werden zu lassen. Mit Gemeindegesang fand die Rach- versammlung ihr Ende. Die Kollekten des Feste- kommen den Einrichtungen der 3nncren Mission zugute. Oie Wetterlage. w- TZ 5 O rr-fö w 13/ A2 O 0 ( ----- ©tforxenloL O nenn. <> nate eeoeert » woma •oeoem «nrgkH ♦ Sehnet & Oriuptie ■ nehtl l Oewitter ©Windstille O> xt» ttlchter Ost y ®iis|0t*"3ud$0dwe$i q SUirmtsche» "ordwesl Ole Pfene flfegen mn dem winde Oie oeinen Stationen dienenden Zanten gehen die Temperatur an. Oie Limen eerhindeo Ort» mit flicicneig tu» nccrcsnivtao umgcrechneten Luftdruck ettervoraussage. Sehr rasch hat sich das Regengebiet der neuen Tiefdruckstörung, welches gestern über 3rlont> und England lag, ostwärts fort bewegt, so daß bereits in den heutiaen Morgenstunden in unserem Bezirk Riederschlagstätigkeit einsetzte. Durch die zur Zeit bestehende Verteilung des tiefen Druckes über der Rord- und Ostsee, dessen Bereich sich zum größten Teck mit über Deutschland erstreckt, ferner durch die erneute Dtörung-anzeige im Westen geht die Wetterlage noch keiner Beständigkeit entgegen. Der hohe Druck im Südwesten, über Frankreich und der Discaha, der vorübergehend zur Geltung kam, wird weiter abgebaut und fein Einfluß verschwindet wieder. Aussichten für Donne-rstag: Veränderliches, wechselnd wolkige- Wetter, kühl, zeitweise Riederschläge. Aussichten für Freitag: Roch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 16. September: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 12,3 Grad; am 17. September: morgens 10,4 Grad. Maximum 17,1 Grad, Minimum 7,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. September: abends 16,4 Grad: am 17. Septem- ber: morgens 12,5 Grad. — Niederschläge 1,1 mm.— Sonnenscheindauer 8% Stunden. MV wm V der anflDerironene ÖO^VDO* V JU SÜNLICHT GESELLSCHAFT A.C, MANNHEIM-BERLIN Denken Sie an Stolle, denken Sie an L Bernard Gießen, den 16. September 1930. Rundfunkteilnehmer 63F0D (liehen Herborn Dlrektioni Olehen. Ooethestrafie 32 6002 A 6W»V Steinbach, den 16. September 1930. 6399 D Jede Woche frische Fische 6396V liefert 1490D FULLGRABE 6192 C o Rückvergütung I greifbar. 07)740 I versteigert- 638ID 05692 £ germcifterel 6393D weg 30. 05743 Radio Photo Telefunkendienst Telephon 2534 WäLLTORSTP- 95 5911D ►VEREINIGTE WACHSWARENFABRIKEN A.-C, ' 0'. . MASSATlLIlP’dance Bäckerei Keil, Neuen Bäue 6 Lederhandlung Becker, Bahnhofstr.16 Frau Franziska Schmitt, geb. Wirsig Josef Schmitt Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. d. M., nachmittags 2% Uhr statt. MmiillWSslklle Gletze», WWMM 36 Vevtvetev ruv Leit in Lieb - Vavkboteir h° OC ü r- fx le t« Sonntag, o. ri.SevU Hasselborn— Ein-i hauS —Attenkirchen- Ttergarten-Braun» selS. 6 Stund. Abs. 538 Uhr. SonniagS» karte Braunfels. Die Srantentane für Canöroirte unö felüflünoige ©eroerueireiuenöe Wöchentlicher Beitrag IllM. 1.20 für die ganze Familie. Hohe Erstaitungssahe. — Altersgrenze 65 Fahre. — Ausnahmen ohne ärztliche Untersuchung. Vergütung der Arzt», Arznei», Operations» u. 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Die ten können, lung und Er Die Koai denn je ein Parlamentärs stärksten Zela wird (laal8mä: Mrrwarr sm ist die schwe< kann, wenn i sich von Prin frei macht. 1 Bürgertum, < Diese Lehre staatsbür, düng einer gr zeitiger Ernei allein auch bei mehr den Lu und die Dass lich selbst zu sannnentreten richten. Einkurbeln von Spitzen, Einsätzen usw. In Wäsche und Kleider, wird aut neuester Maschine prompt und sauber bei billigster Berechnung ausgetührt. Für Geschäfte hohen Rabatt. Er trägt ai Jp wird diese, «■'ne leere b^lte Zwieba sunzes Kocha, Qilfletolll ^e. Dgz ji braucht. e0 to. nmerÜQniu^ 3en und bo Kleider Ala ^Florida) b Flrngebi N Dandern 'Ny ^nendlich^t -J* 8i6t u F&s "^lAensch lernte D»un! der 4 ^as n irK L'K' iort yulN S* Ä ‘•»«n te"c nö|,„ Auto-Gelegenheitskäufe 4-PS-0peI'Zweisltxer 4-PS-Opel-Cabriolet 4-PS-0pel-Viersitzer 4-PSOpel- Llmonslne 4-PS-Flat-Viersitzer gebraucht,guterhali., preiSw., Zahlungs» erleichterung. 6308D Voel-Mlo. (Sieben Frankfurter Str. 52. Telephon 2847. 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Gerade deshalb aber werden sie unzweifelhaft für den Leser von besonderem Interesse sein. Nicht den Mut verlieren — und lernen. Don Dr. Joseph Winschuh (Deutsche Staatsp.) Wie nicht anders zu erwarten war, hat diese Wahl die radikalen Flügelgruppen g e st ä r k t, aber sie hat sie über Erwarten vergrößert. Sozialdemokraten und Zentrum haben ih^en Bestand behauptet, die bürgerliche Mitte hingegen ist zusammengedrückt worden. Folgende Tendenzen haben sich ausgewirkt. Der Radikalismus rechts und links hat auf der ganzen Linie gesiegt. Don den staatsbejahenden Parteien haben sich die behauptet, die entweder ausgesprochene Interessen» und Klasscn- parteien sind wie die Sozialdemokratische Partei mit ihrem starken Block der Freien Gewerkschaften im Rückhalt, oder die DolkSgemeinschaftsparteien, deren Grundlage und Kitt konfessioneller Art ist wie das Zentrum, dessen Zunahme besonders bemerkenswert ist. Bei diesen beiden Parteien hat sich ferner die straffe und schlagkräftige Organisation bewährt. Dasselbe gilt von Hugenberg: hier hat die sture Vradheit der politischen Linienführung im Verein mit der rücksichtslosen Ausnutzung der Oppositionsstellung und einem intakten Parteiapparat sich als wirksamer erwiesen, als der Ausbruch neuer Kräfte in der konservativen Partei, die ohne Maschine in die Wahlschlacht ziehen mußte. Bemerkenswert ist auch die Widerstandskraft des berufsständischen Gedankens und der materialistischen Haltung in der Wirtschaftspartei. Zweifellos liegt eine Riederlage der bürgerlichen Weltanschauungsparteien vor. Am besten hat unter ihnen noch die Stoatspartei abgeschnitten, well sie eine politische Erneuerung und Dlutauffrischung vorstelle und im Raum der bürgerlichen Mitte am stärksten aufrüttelte. Die Parole der Sammlung und Erneuerung hat ihre Feuerprobe bestanden und sich im Tumult dieses Wahlkampfes bewährt. Die Mitte hätte sich ganz anders halten können, wenn die Dolkspartei die Sammlung und Erneuerung mitgemacht hätte. Die Koalitionsbildung ist nun mehr denn je eine Sphinx geworden: der deutsche Parlamentarismus steht zur Zeit vor seiner stärksten Belastungsprobe. Wird er sie bestehen, wird staatsmännische Kraft den jetzt entstandenen Wirrwarr formen und meistern können? Das ist die schwere Frage, die nur gelöst werden kann, wenn man nicht die Rerven verliert und sich von Prinzipienreiterei und Traditionalismus frei macht. Darüber hinaus gilt es für das Bürgertum, aus dieser Wahlschlacht zu lernen. Diese Lehre heißt. Weiterführung der staatsbürgerlichen Sammlung. Bildung einer großen Partei der Mitte, bei gleichzeitiger Erneuerung der Haltungen und vor allem auch der Köpfe. Die Mitte kann sich nicht mehr den Luxus erlauben, zersplittert zu sein und die Waffen des politischen Kampfes gegen sich selbst zu kehren. Sie muß zum Karree zusammentreten und die Stacheln nach außen richten. Oer Vagabund. Don Frank Highman. Er trägt an seinem Leibriemen einen „Jacky“, so wird dieser Blechtopf genannt, der aber auch eine leere Cornedbeefdose oder eine alle, verbeulte Zwiebackschachtel sein kann. Das ist fein ganzes Kochgerät. Auf seinem Rücken hängt ein aufgerolltes „Blankett", eine grobwollene Decke. Das ist alles, was er für die Rächt braucht. So wandert er durch den riesigen nordamerikanischen Kontinent, durch flimmernde Salz- wüstcn und donnernde Mammutstädte, durch die glühenden Einöden von Texas und die kristallenen Eisfelder Alaskas, durch die lichten Palmenhaine Floridas und die schweigsamen Llrwälder der Felsengebirge. So durchwandert er ruhelos die Staaten, durchstreift rastlos diese Kontraste: das Wandern wird schließlich fein Lebenszweck. Dicr-ig, fünfzig Jahre — mit der Sonne in die ^Unendlichkeit. Das ist der Tramp. Es gibt unter ihnen Menschen, die Jahrzehnte in keinem Bett geschlafen, Menschen, die ihren Geburtsort, ihren Ramen vergessen haben. Die vergessen haben, daß sie überhaupt einmal Menschen waren ... So ein Tramp war Hadrian. Er mochte Anfang der Fünfziger stehen, als ich ihn tennen- lernte. Das war in Dankton am Missouri, in der Dar des dicken Whals. Diese Gaststätte steht am Flusse und ist eine armselige Bretterbude mit einer ungehobelten Kellertüre als Tischplatte und einigen alten Whiskykisten als Sitzgelegenheiten. Möglich, daß Freund Whals jetzt schon eine Malachittafel und l-ouis-seire-Etühle hat, dann will ich nichts gesagt haben. Mac Hutton, der Eisenindustrielle, führte mich dort ein. Da Hutton ein gutes Destillations- Produkt zu würdigen weih, er ist Schotte, und die Dar am Flusse ein giftgrünes Gebräu führte, das, im Gegensatz zur Einrichtung, hoch nobel zu nennen war, ist diese Tatsache weiter gar nicht verwunderlich. Als wir nun eines Tages Whals „Etablissement" betraten, sah dort ein Mann auf einem Haufen alter kanadischer Weizensäcke. Zwischen seinen Beinen stand ein großes Schafs, in das er langsam und bedächtig kleine braune Früchte warf, die er vorher mit einem Messer von den Kernen und einem mysteriösen haarigen Innern befreit hatte. Als wir eintraten, sah er einen Moment von seiner De- Ichäftigung auf, und vir blickten in em troll „Zusammenschluß auf breitester Grundlage". Don Staatssekretär z. D. A. KempteS (Deutsche Dolkspartei.) Unter einer an die Zeit der Rationalversamm- lung erinnernden Wahlbeteiligung hat das deutsche Dolk seine Entscheidung getroffen. Eie ist dahin ausgefallen, daß sich die Zahl der nationalsozialistischen Mandate von 12 auf 107 vermehrt hat und dah die Rationalsozialisten damit die zweitstärkste Partei des Reic^tagS geworden sind. Ob die meisten sich bei der Wahl über die realen Rotwendigkeiten der nächsten Zeit klar geworden sind, mag dahingestellt bleiben. Ebenso mag dahingestellt bleiben, ob diejenigen Parteien und ihre Führer, die im Juli die Auslösung des Reichstags herbeigeführt haben, auf den damals gefaßten Beschluß mit einer besonderen Befriedigung zurückblicken werden und ob sie auch wirklich heute noch der Meinung sinh, ihr damaliges Verhalten hätte zu einer Besserung der außen- oder innenpolitischen Situation Deutschlands beigetragen. Diesem Eiegeszug der nationalsozialistischen Bewegung gegenüber treten die Betrachtungen über Erfolge und Mißerfolge der übrigen Parteien stark zurück. Die Deutsche Dolkspartei hat mit 30 Mandaten ein Drittel ihrer Stimmen eingebüßt und die Staatspartei mit 20 Mandaten ein Fünftel der früheren demokratischen Stimmen trotz des angeblichen oder wirklichen Zustromes von Anhängern aus den anderen Lagern, insbesondere aus der politischen Jugend. Ist er wirklich so stark gewesen, wie die Etaatspartei in ihrer Wahlagitation dies behauptet hat, fo würde allerdings ein Rückgang der Demokratischen Partei auf über die Hälfte der bisher innegehabten Mandate eingetreten und sie nur noch als Splitterpartei in Betracht gekommen sein. Auch die Wirtschastspartei hat gegenüber früher gehegten Hoffnungen ihren Bestand nur erhalten, also unter Berücksichtigung der stärkeren Wahlbeteiligung Derluste davongetragen. Diese in der Mitte eingetretenen erheblichen Rückgänge dürften unzweifelhaft auf die vielfach ruinöse Wirtschaftslage zurückzuführen sein, bei der der Hinweis auf die Richtigkeit einer die Staatsnotwendigkeiten bejahenden Politik der egozentrischen Einstellung des interessierten Wählers gegenüber versagt. Rückblickend beweisen gerade die vorher erörterten Ergebnisse die Richtigkeit der von der Deutschen Dolkspartei betriebenen Sammlungspolitik, die zum Ausgangspunkt ihrer Aktion das Erfordernis des Zusammenschlusses von Parteien auf breitester Grundlage nahm. Heute werden auch diejenigen, die glaubten, in engerer Zusammenfassung unter Hervorhebung politischer Trennungslinien eine „Sammlung" betreiben zu müssen, sich der Einsicht nicht verschließen, daß solche Sammlungen angesichts der eingetretenen Entwicklung praktischen Wert nicht mehr besitzen. Zwang zur Gemeinschaft. Don Dr. Heinrich Krone (Zentrum.) Der Stimmenzuwachs des Zentrums zeigt, daß im Gegensatz zu unseren Rachbarparteien — ganz zu schweigen von den radikalen Parteien — unser Wählervolk für den Ernst der Stunde und für das Rettungswerk der Regierung Brüning Derständnis gezeigt hat. Mit dieser Einsicht verband sich Glaube und Dertrauen, die der Persönlichkeit des Reichskanzlers entgegengebracht wurden, seiner offenen und ehrlichen Sprache, die über die kritische Lage keinen Zweifel ließ, seiner mutigen und verantwortungsbewußten politischen Handlungsweise. einem schlohweißen Stoppelbart umrahmtes Gesicht mit klaren, vergnügt blinzelnden Schelmenaugen. Reben ihm lag ein kleiner schmutziger Köter, dessen Rasse zu bestimmen selbst dem raffiniertesten Kynologen eine Unmöglichkeit gewesen wäre, und knabberte mit Hingabe an einem undefinierbaren Gebein. „Zwei Töpfe Gift", bestellte Mac Huttvn, und der dicke Whals beeilte sich, mit Hilfe seiner Lungenkraft den Etaubbelag des Tischplatten- ersahes wie ein Blasengel in alle Winde zu zerstreuen. „Drei Töpfe, Mister Huttvn! Für mich auch einen!" Der Dagabund auf den Weizensäcken hatte es gesagt und dabei seine lustigen Aeuglein auf Mac Huttvns Bullenbeißergesicht gerichtet. „Was? Zum Teufel, wo habe ich diese Disage schon gesehen? Woher kennen Sie mich, Alter?" rief mein Begleiter erstaunt, und man merkte, daß er angestrengt nachdachte. Der Mann hinter dem Schaff streichelte langsam den Kops des Hundes neben ihm, dann meinte er lächelnd: „Wetten wir, daß Sie nicht darauf kommen, Hutton! Einen Topf extra, wenn Sie es in fünf Minuten noch nicht wissen." Hutton gab keine Antwort. Er kramte sichtlich noch immer in seinen Erinnerungen. Da dies ohne jeden Erfolg blieb, wandte er sich an den Wirt: „Wie heißt der Bursche, Whals?" „Keine Ahnung, Mister Hutton! Es ist ein Tramp! Dor einer Stunde kam er und fragte, ob ich nicht für einen Hund einen Knochen und für ihn selbst ein Stück Brot hätte, da versprach ich beiden eine komplette Mahlzeit zu geben, wenn er mir diese langweilige Arbeit da abnehmen würde", stotterte der dicke Wirt und blickte ^ratlos' auf den Tramp, den Hund und dann auf Mac Hutton. „Zweimal sind wir uns begegnet, lieber Mister Hutton", fuhr der Mann auf den Weizensäcken fort, „das erstemal wär es in den Kohlenrevieren von Pennsylvanien und das zweitemal war eS in Washington bei dem Bankett, das Teddy Roosevelt. unserem damaligen Präsidenten zu Ehren, anläßlich seiner Rückkehr von der Afrikadurchquerung gegeben wurde. Sind auch schon wieder zweiundzwanzig Jahre her. Yes, so vergeht die Zeit, wenn man immer der Sonne nachgeht." „Ja, ja! das stimmt! Ich war längere Zeit in den Kohlenrevieren und war auch bei diesem Präsidenten-Dankett, aber ich kann mich trotzdem nicht erinnern. Die Freude über den Ausgang der Wahl für die Zentrumspartei wird auch bei uns übertönt von der Sorge wegen des Gesamtausganges der Wahlen. Die sich zu einer vernünftigen, den Gegebenheiten und der Lage entsprechenden Realpolitik bekennenden Parteien haben sämtlich — mit Ausnahme des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei — verloren. Der utopische Radikalismus hat überall gehegt. Diese Wahlen haben ganz deutlich gezeigt. daß diejenigen Parteien, besser gesagt, politischen Bewegungen, in einem siegreichen Aufmarsch begriffen sind, die letzte politische Ideale Herausstellen, an die sich der Glaube und die Hoffnung der Massen klammern. Die Zeit des politischen Individualismus ist vorüber. Hierüber sollten wir uns keinem Zweifel Hingaben, auch dann nicht, wenn, wie wir hoffen, spätere Wahlen eine wesentliche Korrektur des jetzigen Wahlergebnisses zeitigen. Mit der Rot der Stunde und den Sorgen, die schwer drücken, ist diese Erscheinung in erster Linie nicht zu erklären. Diejenigen Parteien und Bewegungen werden die politische Zukunft bestimmen, die eine weltanschauliche und soziologische Gemeinschaft bilden. Uns hierfür einzurichten ist wichtiger und realpolitischer, als verstaubte Ideologien neu aufzupuhen. Wir stehen vor einer Bewährungsprobe unseres politischen Systems, wie wir sie bedeutungsvoller bisher kaum gehabt haben. Ohne eine Hinwendung auch aller Parteien, die sich zum deutschen demokratischen Dolksstaat bekennen, zu einer verantwortungsbewußten Politik, die parteipolitische Opfer einschließt, wird die Bewährungsprobe nicht bestanden. Oer erste Eindruck. Don Or.Z W. Reichert (Konservative Dolksp.) Der neue Reichstag wird voraussichtlich 80 Abgeordnete mehr zählen, als der letzte. Es ist sicher, daß dadurch seine Arbeitsfähigkeit xiicht zunimmt. Ramentlich ist das Hauptziel Hugenbergs, eine Schaukelpolitik mit dem Zentrum als Mittelpunkt unmöglich zu machen, nicht erreicht. Mehrheiten lassen sich auch im neuen Reichstag nur mit Hilfe des Zentrums erreichen. Den Wahlkampf haben nicht diejenigen Parteien gewonnen, die fachlich und aus vaterländischem Verantwortlichkeitsgefühl gehandelt haben. Die Erwartung, daß Hitler seine Gefolgsleute von der Linken holen und die marxistischen Parteien zerschlagen würde, hat sich nicht erfüllt. Dank Hugenbergs und Hitlers Arbeit ist die Mitte geschwächt. Es bleibt den bürgerlichen Mittel- und gemäßigten Rechtsparteien nichts anderes übrig, als für den folgenden Wahlkampf schon jetzt einen vollständigen Zusammenschluß der Bürger- und Bauernparteien herbei^usühren. Ein Zusammenschluß, bestehend aus Deutscher Dolkspartei, Wirtschaftspartei, Landvolkpartei. Christlichem Dolksdienst. Konservativen, Deutschen Dauern und Deutsch- Hannoveranern sowie Aufwertungspartei könnte nahezu acht Millionen Stimmen vertreten. Das wäre also eine Partei von über 130 Abgeordneten. Schließlich, aber nicht zuletzt, ist zu betonen, daß die sozialistischen Par leien zusammengenommen, nämlich Sozialdemokraten (143), Kommunisten (76) und Rationalsozialisten (106) zusammen 325 Sitze haben, also für sozialistische und sozialpolitische Experimente eine erdrückende Mehrheit. Kurz, auch dieser Hinweis zeigt, welch schwere Schuld diejenigen Parteien auf sich geladen haben, die den alten Reichstag vorzeitig gesprengt haben. Es hängt außerordentlich viel davon ab, welche Haltung d i e Rationalsozialisten im kommenden Reichstag einnehmen. Sollten sie, wie sie es bisher getan haben, in ihrem Radikalismus mit Der Tramp erhob sich, kam auf Hutton zu und setzte sich gemächlich auf eine dieser Whischkisten neben den Eisenindustriellen: Ich werde Ihnen aus dem Traum helfen. In Pennsylvanien waren Sie damals Grubeningenieur, Mister Hutton, nicht wahr? Da kam ich eines Tages zu Ihnen und brachte einen Mann mit, der das Geben in den Kohlenseldem stud eren wollte. Sinclair hieß der Mann, Lipton Sinclair. Er soll mittlerweile, wie ich hörte, ein ganz bedeutender Schriftsteller geworden sein und ich ..." „Zounds! ! 1“, entfuhr es Mac Hutton, „der Herr, der damals mit Sinclair kam, war ja... dann sind Sie ja ■ ■ das ist nicht möglich ... Sie sind John Wa ...?" „Hadrian heiße ich feit zwanzig Jahren, Mister Hutton, und ich will an keinen anderen Ramen mehr erinnert werden. Hadrian nennen mich meine Freunde von der Landstraße und von der Pacisic-Küfte bis zum Atlantischen kennt jeder alte Tramp diesen Ramen." Lind nun erfuhren wir die Geschichte dieses merkwürdigen Mannes. Hadrian, wie ich ihn weiter nennen will, entstammte einer angesehenen Familie, deren Vor- sahren schon mit der „May Flower“ nach Amerika gekommen waren. Sein Dater war einer der bedeutendsten Kohlenbarone des Rordens gewesen und hatte ihm, außer Dutzenden von Der- waltungsratsstellen, auch ein selbst für amerikanische Verhältnisse achtunggebietendes Vermögen hinterlassen. Da trat das Weib in Hadrians Leben. Eie war schon, jung und vergnügungssüchtig. Hadrian, ein stiller Träumer, lieh ihr vollkommen freie Hand, und so kam es zur Katastrophe. Als er Gewißheit hatte, daß sie ihn hundsgemein betrog, verließ er bei Rächt und Rebel das Haus, um nie wieder zu- rückzukehren. Was er am Leibe trug und einiges Kleingeld war sein ganzer Besitz. So wanderte er tage- und wochenlang, immer mit der Sonne. Das Wandern ließ ihn alle die bittern Gedanken ersticken. Er erfuhr nicht, daß seine Frau wegen böswilligen Derlassens die Scheidungsklage gegen ihn eingebracht hatte. Er erfuhr nicht, dah er entmündigt und feine Habe der treulosen Gattin zugesprochen worden war. Er wanderte immer weiter gegen Sonnenuntergang und sand dabei langsam sein inneres Gleichgewicht wieder Lind so wurde Hadrian ein Tramp. Ein ganz gewöhnlicher, verachteter Tramp: aber er war glücklich wie nie zuvor. Er durchquerte als blinder Passagier, yjmngings“ nennt man Liese Mittwoch, 17. September 1950 den Kommunisten zusammengehen, dann bleibt nur eine Große Koalition übrig. Wollen sie jedoch verantwortungsbewußte, vaterländische und nationalpolitische Arbeit leisten, dann müssen sie ihr halb sozialistisches und halb nebelhaftes Parteiprogramm a u f g c b c n und in wahrhaft konservativem Sinne arbeiten. Rückblick und Ausblick. Don Otto Schmidt, Hannover (Oeutschnationale Dolkspartei.) Lieber allen parlamentarischen Kombinationen muß heute die Erkenntnis stehen, daß ein neuer Abschnitt der deutschen Revolutionsgeschichte beginnt. Es wird in ihm Vielleicht weniger mit Zahlen als mit Energien gerechnet werden müssen. Die Front gegen den OJoung- Bctrug ist in Fortsetzung unseres bisherigen, über die Enge der Parteigrenzen hinaus getragenen Kamvses entscheidend verstärkt. Jugend drückt auf der ganzen Linie nach. Die klar erkennbare Isolierung Frankreichs, die damit verbundene Llmgruvpierung der Weltmächte, die gesteigerte Weltwirtschasts- und Kulturkrise, die zunehmende Zer'etzung des Der- failkr Systems haben größte außenpolitische Möglichkeiten für Deutschland eröffnet. Eine Regierung, die heute noch zu erklären wagt, daß der außenpolitische Kurs keine Veränderung erfahren würde, zeigt, daß sie die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Die ang ft geborene Politik des Fort wurst e l n s wird nur s.'hr kurzlebig sein, und in fortgesetzten Reichstagsauflösungen — in Wahlen am laufenden Bande — wird inzwischen die gesamte Mitte ebenso wie die Sozialdemokratie ein Haar gefunden haben. Das ft ar le Anwachsen der Rationalsozialisten, die von Dr. Hugen- berg vorausgesagte natürliche Reaktion gegen jahrelange staatliche Mißwirtschaft und verderbliche Schwäche. Schwere Krisenmonate stehen bevor. Sie können die Rotwende bringen, wenn sich über alle hemmenden organisatorischen Schranken hinweg diejenigen Kräfte zu großzügiger Zusammenarbeit finden, die mit nationalrevvlutionärem Angriffsgeist politische Beherrschtheit und wirtschaftspolitische Erfahrung verbinden. Die Schaffung einer solchen Arbeitsfront ist das drängende Gebot der Stunde. 172 000 M. Lleberschreitungen beim Marburger Hallenschwimmbadbau. 3 C Marburg, 12. Sept. In der heutigen ersten Sitzung der Stadtverordneten nach den Sommerferien lag u. a. ein Antrag des Magistrats zur Deckung von 172000 Mark für das neue Hallenschwimmbad vor, um welche der Betrag der veranschlagten Bausumme von 750 000 Mk. überschritten worden ist. Als Deckung hatte man bereits früher bewilligte Beträge vorgesehen, und zwar die zum Bau einer Berufsschule vorgesehenen 108 000 Mark, 59 000 Mk., für die städtische Wohnungen gebaut werden sollten, und 5000 Mk. aus Anleiheersparnissen. Aus LIniversitätskreisen ist weiterhin eine Schenkung von 13000 Mk. für das Bad gemacht worden. Es entspann sich eine erregte Aussprache, nach der der Magistratsantrag mit dem Zusatz angenommen wurde, daß die für die Berufsschule vorgesehenen 108 000 Mark beim Akutwerden der Schulbaufrage wieder beschafft werden sollen. Der Magistrat hat u. a. die Lleberschreitungen mit zu niedrig ausgefallenen vorherigen Schätzungen, Frostschäden während des Baues im Winter 1928 29 und anfänglich nicht vorgesehenen Verbesserungen während des Bauens begründet. Daten für Donnerstag, 18. Leptember. 1426: Der Maler H. van Eyck in Gent gestorben: — 1786: Der Dichter I. Kerner in Ludwigsburg geboten; — 1806: Der Schriftsteller Heinrich Laube in Sprottau geboten. Ttampgewohnheit, den amerikanischen Kontinent kreuz und quer. Sprang heute in Kalifornien auf einen Güterzug, um ihn in einer Woche in Kanada wieder zu vetlafsen. Immer in Gefahr, unter die Räder zu kommen oder vom Bahn- Personal heruntergeworfen zu werden. Zwanzig Iahte hindurch! Aber er wat restlos glücklich. Rahtung bekam er ausreichend von den Farmern, die es zufrieden sind, hin und wieder von dem Getriebe der großen Welt erzählen zu Horen. Diesbezüglich braucht fein amerikanischer Vagabund ernstliche Sorgen zu haben. Manchmal arbeitet er auch, aber nie länger als zwei Tage, am selben Ort. Das ist oberstes Trampgebot. „Aber das ist ja furchtbar", entsetzte sich Mac Hutton, nachdem Hadrian geendet halte. „Da muß sofort etwas geschehen. Ich werde Ihnen gleich morgen eine Anstellung vetscha..." „Lim Gotteswillen, sind Sie toll oder wollen Sie meinen Tod? Wenn Sie durchaus den Wohltäter spielen wollen, dann bestellen Sie noch so ein Teufelsgetränk", schrie lachend der alte Vagant. Lind indem er den zottigen Kopf seines Hundes zart kraulte, sagte er zu diesem: „Was würden wir beide wohl mit einer Anstellung anfangen, alter Pompejus? Ja, wenn die Sonne nicht wäre ..." Dann wieder zu uns: „Sehen Sie, meine Herrn, dieses Hundevieh läuft mir nun schon zwei Jahre nach. Seit zwei Jahren kann ich wegen diesem Biest keine Jumpings mehr machen, weil ich fürchten muß, dieser Tolpatsch kommt mir unter die Räder. Aber was soll ich mit dem Strolch tun?" Da sah Pompejus mit den klugen braunen Hundeaugen vorwurfsvoll auf seinen Herrn, als wollte er sagen: Vater: Hund, Mutter: Hund, wie also hätte aus mir ein Gott werden 'ollen... Hochschulnachrichten. Der dem Diplomhandelslehrer Dr. Fr. Feld in F r a n k f u r t a. M. erteilte Lehrauftrag zur Vertretung der Handelsschulpädagogik und der Handelsschulmethodik in der wirtschasts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der dortigen Llni- versität ist wegen der Berufung Dr. Felds an die Handelshochschule Berlin zurückgezogen worden. Der Landgerichtspräsident Dr. Alexander Bergmann in Wiesbaden ist beauftragt worden, in der rechtsw.ssenschaftlichen Fakultät der Llniversitäl Frankfurt a. M. das Bürgerliche und Internatwnale Privalrecht in Vt>r- lefungen und, .Hebungen zu vertreten. Für den Büchertisch. Länder und Völker. Dr. C. Leonhard Woolleh: il r unb n t f I u t. Sieben Jahre Ausgrabungen in Chaldaa, der Heimat Abrahams: mit 92 Abbildungen, einer Karte und einem Plan von Ur Ganzleinen 8 Mk. Verlag F. A. Brockhaus. Leip- zig (335). Die Ausgrabungen der gemeinsamen Expedition des Britischen Museums und des Museums der Universität von Pennsylvanien unter Leitung Woolleys haben eine vollständige Umwälzung unserer Kenntnis von den Anfängen menschlicher Kultur mit sich gebracht. Lange bevor die Pharaonen ihre prächtigen Bauten zu ihren und der Götter Ehren auftürmen ließen bestand in der Heimat Abrahams schon eine alte hohe Kultur. Wie die Ausgräber die verschic- schiedcnen Schichten Urs im Verlaufe sieben ar- beitsreicher Jahre langsam aufdeckten, schildert Woolleh als erster und nur in diesem überaus fesselnden Buche. Die Schätze in den (Ruinen von Ur übersteigen an Pracht oft noch die schon berühmt gewordenen Kostbarkeiten aus dem Grabe Tut-ench-Amuns. Der Leser kann sie in dem Buche Wolleys, das mit 92 prächtigen Originalbildern von den Ausgrabungen auf Kunstdrucktafeln und einem Plane Urs geschmückt ist, staunend betrachten. Freilich dürfte die rein menschliche Anteilnahme an den bewunderungswürdigen Leuten, die schon vor 5500 Jahren eine wundervolle Kultur schaffen konnten, dem Buch wohl die meisten Leser zuf ähren. Politik und Geschichte. — Geschichte der französischen Revolution, 1 7 8 9 b i s 1 7 9 9. Von Professor Dr. O. Wahl. 140 Seiten. 1,80 Mk. 3n Sammlung Wissenschaft und Bildung. Verlag von Quelle & Mchcr in Leipzig (285). — Der Verfasser läßt das ganze Drama der Revolution von der Änberufung der Generalstände bis zum Staatsstreich Bonapartes in übersichtlicher Gliederung vor uns abrollen. Lebendig und anschaulich sind die führenden Männer der Revolutionszeit und das meist gewaltsame Ende ihrer Macht gezeichnet. Doch bleibt der Verfasser nie bei Einzelheiten stehen, arbeitet vielmehr stets die großen Linien der Entwicklung und die wechselseitigen Beziehungen zwischen Innen- und Außenpolitik, Reformversuchcn und Zwangsmaßnahmen heraus. — Zwölf Jahre Ruhrbcrgbau. Aus feiner Geschichte vom Kriegsanfang bis zum Franzosenabmarsch (1914 bis 1925) Band IV. Der Ruhrkampf 1923 bis 1 925. Das Ringen um die Kohle. Von Dr. Hans Speth- mann, Privatdozent in Köln, mit einer Karte, 51 Tafeln und 39 Textabbildungen. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin SW 61. (263.) — Das große monumentale Quellenwerk für die Wirtschaftsgeschichte des Rachkriegsdeutschlands wird mit diesem 4. Band textlich zu Ende geführt. Ein 5. Band, der für den Rovember 1930 in Aussicht gestellt ist, soll in einer Auswahl von etwa 450 Photographien ein geschlossenes Bilderwerk des Ruhrkampfes darstellen. 3m 4. Band schildert Spethmann den Kampf, den der deutsche Bergbau' mit den eingedrungenen Franzosen, den „Gerichtsvollziehern" Poincares, der Jngenieur- kvmmission, um die Zechen des Ruhrgebiets zu führen hatte. Die Zechenbesehungen, das skrupellose Räubern von Deputatkohlen, das Stehlen von Lohngeldern, der Regiebetrieb, sind traurige Etappen einer verfehlten Politik. Eingehend wird dann die Haltung der Bergarbeiter s ch a f t gezeigt, die keineswegs einheitlich war, da der sozialistische Alte Verband, die Christlichen Gewerkschaften und die Kommunisten zeitweise in ihrer Stellungnahme weit auseinander gingen. Während die Freien Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei Sonderprotestkundgebungen veranstalteten und ihre Hoffnung auf die 3nternationale setzten, standen die Christlichen Gewerkschaften in der Stunde der nationalen Rot mit dem Unternehmertum einmütig gegen die landfremden Eindringlinge zusammen. Aber unter dem Eindruck der Ereignisse änderte sich manches. Rach der ersten Rieder- geschlagenheit über die tatsächliche Verwirklichung des Einmarsches löste die fremdländische Vergewaltigung mit all ihren aufreizenden Begleiterscheinungen gerade bei den Bergarbeitern aller politischen Richtungen Kräfte starken, gefunden, nationalen Willens aus. So klingt ein gemeinsamer Aufruf sämtlicher Dergarbeiterorga- nisationen des Reviers, der etwa eine Woche nach dem Einmarsch erging, schon beträchtlich anders als jene Aufrufe, die im Augenblick des Einmarsches von den Zentralen in Berlin, fern vom Schuh, erlassen worden waren. Die Haltung des Alten Verbandes rückt nun von der der Berliner Zentrale in wesentlichen Fragen scharf ab. Sozialdemokratische Führer wie Martmöller vom Alten Verband, der Reichskommis- far Mehlich, unb der wegen seiner energischen Haltung berühmt gewordene Düsseldorfer Re- -Lierungspräsident Dr. G r ü tz n e r wurden Führer des deutschen Abwehrkampfes, die stets bemüht blieben, die Gewerkschaften in einer Front zu führen, im Gegensatz zur Berliner Zentrale und der Parteipresse. Der Verfasser schildert dann des weiteren die kommunistischen Unruhen, die schon im April in Mülheim ein» fetzten und im Mai. wie später im August, fast das ganze Revier erschütterten. Rach dem Zu- fammenbrechen des passiven Widerstandes erhob zu allem Unglück noch der Separatismus, der 1918 keinen Erfolg gehabt hatte, erneut sein Haupt, allerdings auch diesmal ohne irgendwo festen Boden zu gewinnen. Die Anhängerschaft war nur zum kleinen Teil an Ruhr und Rhein ansässig, vielfach war es angeworbenes Gesindel, mit dem niemand etwas zu tun haben wollte. 3m Dchluhkapitel betrachtet der Verfasser dann die furchtbaren Opfer dieses Kampfes, die Verhaftungen und Verurteilungen, die furchtbaren Zustände in den Gefängnissen, die unzähligen Mißhandlungen, Beraubungen. Vergewaltigungen und sogar Tötungen, die sich die Einbruchsarmee der ..ruhmreichen" französischen Ration zusammen mit ihren belgischen Verbündeten zuschulden kommen ließ. Das nunmehr seinem Abschluß zugehende Werk ist der Darstellung nach, wie im Hinblick auf die einzigartige Quellen- fammlung vielleicht das wertvollste, was über den Ruhrkampf geschrieben wurde und gerade rn den Tagen der Rheinlandbefreiung eine besonders interessante und nachdenkliche Lektüre. — Dr. Hermann Lufft: Lateinamerika, mit 17 Karten, 202 Abbildungen und Diagrammen, in Ganzleinen 28 Mk. Verlag Bibliographisches Institut AG. Leipzig (189). — 3n dem durch Anlage, Durchführung und Ausstattung gleich hervorragenden Sammelwerk „Provinzen der Weltwirtschaft und Weltpolitik", das der um die geographische Wissenschaft feit Jahrzehnten hochverdiente Verlag veranstaltet, erscheint als neuester Band eine Darstellung Lateinamerikas in einem Augenblick, der durch die nicht alltägliche Revolutionsbewegung in Argentinien und einer Reihe südamerikanischer *'ftftaatcn eine zusammenfassende Betrachtung Lateinamerikas in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Beziehung besonders aktuell macht. Der Verfasser, der jahrelang in Uebersee gelebt hat. ist bereits durch eine Reihe von Büchern über Südamerika bekannt geworden. 3n diesem, durch ausgezeichnete, auch technisch gut wiedergegebenen Abbildungen und interessante statistische Zusammenstellungen besonders wertvollen Buch gibt Lufft nach einer allgemeinen Betrachtung über die geographische und verkehrswirtschaftliche Lage Südamerikas im ganzen, eine Darstellung der einzelnen Länder, namentlich ihres Außenhandels, ihrer für die Weltwirtschaft bedeutsamen Produktionen, der verkehrswirtschaftlichen Gliederung und Der Aussichten für die Zukunft. Bei dem großen Interesse, das heute für die Weltwirtschaft neu entdeckter überseeischer Länder in dem übervölkerten und nach Absatzgebieten suchenden Deutschland besteht, wird das Buch wie überhaupt das ganze Sammelwerk auf rege Anteilnahme, nicht nur in Fachkreisen, rechnen dürfen. Neue Kriegsliieraiur. — Schicksalswende. Von der Marne bis zur Vesle 19 18. Band 35 der vom Reichsarchiv herausgegebenen Schriftenfolge „Schlachten des Weltkrieges". Bearbeiter: Archivrat Alfred Stenger. Druck und Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis in Halbleinen 5,50 Mk. (237). — Der vorliegende Band setzt, unmittelbar an den Band 34 („Der letzte deutsche Angriff, Reims 1918“) anschließend, die Schilderung der Kampfereignisse des Jahres 1918 fort. Auf deutscher Seite hatte man auf Grund von Gefangenenaussagen und Agentennachrichten für den 14. oder 15. Juli — der 14. Juli war der französische Rationalfeiertag! — mit einem Angriff zwischen Soissons und Chäteau-Thierrh gerechnet und die entsprechenden Abwehrmaßnahmen getroffen. (Nachdem aber beide Tage ruhig verlausen waren, hielt man die Lage an diesem Frontabschnitt für entspannt. Als daher die französischen und amerikanischen Divisionen am frühen Morgen des 18. Juli im Schuhe dichten Rebels und unterstützt von mehreren hundert Panzerwagen hinter einer dichten Feuerwalze zum Sturme vorbrachen, traf ihr Angriff die Deutschen völlig überraschend. Die zwischen Aisne und Marne stehenden deutschen Divisionen waren fast alle schon feit sehr langer Zeit eingefeht, durch fortwährende Teilangriffe zermürbt und nur vereinzelt gelang es, die Angreifer abzuwehren ober auch nur längere Zeit aufzuhalten. Sehr bald schon hatten die französischen und amerikanischen ©turmfolonnen westlich und südwestlich von Soissons die Hauptwiderstandslinie und die Artillerieschutzstellung der Deutschen überschritten und den größten Teil ihrer Batterien genommen, unaufhaltsam wälzten sich die Tanks und die Massen der feindlichen Infanterie nach Osten. Eine Krise ungeheuren Ausmaßes war da. Aber das fast unmöglich Erscheinende geschah: Es gelang den letzten Resten der deutschen Stellungs-»und Eingreifdivisionen, sich auf den Höhen westlich und südwestlich von Soissons sestzullammern und eine neue Linie zu bilden, aus der den zu neuen ©türmen vorbrechenden Franzosen und Amerikanern vernichtendes M. G.-Feuer entgegensprühte. Der Angriff kam zunächst zum Halten. Aber die durch den feindlichen Einbruch entstandenen, überaus ungünstigen Kampfverhältnisse dräng'en zur Zurücknahme der deutschen Front in eine Sehnen- I stellung zwischen Soissons und Reims. Die Rück- wärtsbewcgung begann in der Rächt vom 23. zum 24. Juli und endigte am Morgen des 3. Aug. hinter der Vesle. Das Gelingen der RückzugS- bewegung hinter die Vesle gab zwar den Deutschen die am 18. Juli verlorene Operationsfreiheit in begrenztem Umfang zurück: immerhin aber mußte die Oberste Heeresleitung doch zum mindesten erst eine gründliche Auffrischung der zerschlagenen Divisionen abwarten, ehe sie neue Entschließungen fassen konnte. Tatsächlich kam ihr indessen die Entente in diesen Entschließungen zuvor. Als am 8. August ein neuer feindll.cher Stoß die deutsche Front östlich von AirTens zerbrach, wurde klar, daß der Gegner die Initiative endgültig an sich gerissen hatte, und daß der 18. Juli die Schicksalswende des Krieges gewesen war. — Kamerad im Westen. Ein Bericht in 221 Bildern. Preis: Ganzl. 6 Mk. Socieläis- Derlag, Frankfurt a. M. (338). — Aus Hundert- taufenben von Bildern — deutschen und ausländischen — ausgewählt, schildern diese Aufnahmen den Krieg vom ersten Tag der Mobilmachung bis zur Abrüstung des deutschen Heeres. Chronologisch geordnet sehen wir zunächst die äußerst seltenen und packenden Aufnahmen aus dem Bewegungskrieg. der nach der Marneschlacht in den Stellungskrieg überging. Von diesem wieder sind die Hauptphasen vorgeführt, so daß, rein geschichtlich betrachtet, kein wesentlicher Moment des Lebens an der Westfront unberücksichtigt blieb. Doch nicht nur dies, auch alle Waffengattungen. die an der Westfront Verwendung sanden, finden sich im Bilde wieder. Der Krieg ist in diesem Buch, soweit es menschenmöglich ist. tendenziös bargeftellt. Es ist gewissermaßen ein Tagebuch eines einfachen Frontsoldaten, das sich wie ein Film abrollt. ES werden die schönen und die furch.laren Stunden des Frontkämpfers gezeigt. die Stunden der größten Anspannung und Entbehrung, wie die darauf folgenden Tage der Ruhe und Sammlung j ; neue Strapazen. Freund und Feind sind kaneradschastlich mit der gleichen Achtung behandelt. Dem Herausgeber kam es wohl auch darauf an, zu zeigen, daß sich hinter der Uniform hüben und drüben Menschen verbergen, die Gleiches erlebten, Gleiches erlitten. Deutsche Erzähler. — Wilhelm Bölsche: Der Zauber des Königs Arpus. Ein Römer- und Germanenmärchen vom Ursprung des Bieres. 15. Auflage. 280 Seiten 8°. Kart. 5 —, Ganzleinen 6.50. E. Haberland, Verlagsbuchhandlung, Leipzig CI. — (19) — Der bekannte Raturwissen- schaftler, Verfasser des »Liebenslebens in der Ratur", hat hier ein harmlos-heiteres, feuchtfröhliches Unterhaltungsbuch geschrieben, eine Schilderung etwa im Geiste Scheffels, wie zwei genußsüchtige Römer auszogen, die Quelle des „Cdelbieres" zu entdecken, von dem ihnen Fortuna eine Kostprobe in den verwöhnten Gaumen spülte. Die kulturgeschichtlichen und historischen Hintergründe der lockeren Handlung geben dem ganzen ein solides Fundament. — GeorgHermann: GrenadierWor- delmann. 'Verlag Ullstein. Berlin, Preis: brosch. 4,50 Mk., Leinen 6,50 Mk. (337). — Einer der größten Bucherfolge der Vorkriegszeit war Georg Hermanns „Iettchen Gebert", das durch seine liebenswürdige Wiederbelebung des alten Berlin der Biedermeierzeit die Herzen für sich gewann. Rach vielen Jahren kehrt Georg Hermann in seinem neusten Werk in die vertraute Vergangenheit zurück: Das Potsdam der srideri- zianischen Grenadiere, die letzten Lebensjahre Friedrich des Großen geben den Hintergrund für „Grenadier Wordelmann", die Geschichte des armen Bauern Schmitzdorf, aus Wust in der Mark, deren Ablauf in Anekdoten und Doku- menten auf unsere Gegenwart überkommen ist. ölnter Georg Hermanns zart malender Feder wird daraus ein unendlich liebevoll gezeichnetes Bild des alten Potsdam, seiner Grenadiere, seiner Soldatenliebsten, seiner Bürger, seiner Bauten, semer schwermütigen, farbenbunten Landschaft: aber auch ein nachdenkliches und sehr ergreifendes Bild menschlicher Einfalt und menschlicher Riedertracht. ~ K°rl Heinrich Waggerl: Brot. Roman. 406 Seiten, 8°. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1930. - 174 - Der Insel-Verlag, der sich neuerdings sehr dankenswerter Weise auch für ganz junge und noch unbekannte Talente ein- fetzt bringt mit dieser Veröffentlichung die erste große literarische Arbeit eines jungen Dichters r»on dem man bisher nichts wußte, als daß er neben einigen anderen in einer Anthologie junger österreichischer Dichtung mit einer Rovelle ^u Wort kam, die man rühmen hörte. Der vorliegende Roman, eine ruhig und stetig flie- ücnbe klar komponierte Erzählung. behandelt ein altes, einfaches, erst in der jüngsten Literatur hier und da wieder aufgenommenes Thema: der Meiisch in der Ratur: der schaffende Mensch im Kampfe mit einer oben, spröben und untoirt- liegen Landschaft. Ein Mann siedelt sich hoch oben m einsamem Bergland an, nimmt sich ein □Selb und behauptet sich gegen alle Unbill von Wetter und Welt, bis aus der kleinen Siedlung der große, fest in sich selbst ruhende Bauernbesih geworden ist. Arbeit und Brot heißen die großen, einfachen und immer gültigen Grundkräfte, die die Handlung dieses Buches bewegen. Und der alte Ruf „Zurück zur Ratur!“, den man hier aufklingen hört hinter dem Gleichmaß einer stetigen Prosa, wird, wie uns scheint, auch in unserer Zeit nicht ohne Echo und Widerhall bleiben. — Die verlegerische Ausstattung des Buches ist vorzüglich. — Wilhelm Speyer: Ich geh aus und bu b I e i b ft b a. Der Roman eines Mannequins. 306 Seiten 8°. Brosch. 4 Mk., Leinen 6 Mk. — Verlag Ullstein, Berlin. (295.) — Speyer hat bas entzückende, jugendliche und menschliche Buch vom „Kampf der Tertia" geschrieben, für das man ihm dankbar ist, und an das man sich oft und gern erinnert. Dieser neue Raman — aus dem Berlin von 1930 — läßt sich erst so an, als ob er eine ähnlich erheiternde und herzbewegende Lektüre werden wollte, aber dann wird man ermüdet und zuletzt enttäuscht, weil Speyer sich zusehends in eine gespreizte und exaltierte Unwahrscheinlichkeit seiner Menschen und seiner Szenen verliert, ... und weil er sich einen unangenehm manierierten Stil ungewohnt hat, über den man bisweilen lächelt, der einem am Ende aber auf die Nerven fallt. Sehr wünschenswert, wenn Speyer demnächst wieder zu der frischen und ungekünstelten Natürlichkeit seines Schülerromans zurückfinden würde. — H. S. Milbe: Die Liebe der Zehnjährigen. (Roman. 235 Seiten 8°. F. G. Spei- belfche Verlagsbuchhandlung, Wien und Leipzig. (144., — Ein Schulrnäbchenrornan, eine Schilderung erster Erlebnisse und kindlicher Leidenschaften, die zweifellos aus genauer Beobachtung und wirklichem Erlebnis schöpft. Ein (Beitrag zur modernen Psychologie der Jugendlichen, als naiver, ungeschminkter, auch soziologisch bemerkenswerter Bericht in der Jch-Form gegeben, der sich heute an ein sachlicher denkendes und minder sensationell eingestelltes Publikum wendet als seinerzeit die — den gleichen Problemew-nachspürende — Kindertragödie Wedekinds: Eltern und Ju- genderzieher werden das Buch mit besonderem Interesse lesen. — Rudolf v. Beyer: Rot. Rovellen. Bearbeitet von seinem Enkel Rudolf Schade. Mit einem Rachwort von Ernst Heilborn. Re- clams Universal-Dibliothek Rr. 7066. Geh. 40, geb. 80 Pf. (217). — Beyers autobiographische Rovellen geben Einblick in bas buntbewegte Leben eines ganzen Mannes, der Dichter, Edelmann, Krieger und Revolutionär in einer Person ist. und ein Beobachter dazu, der — wie E. Heil- bom im Rachwort betont — „gerade uns und unserer Zeit in eigener Weise lebt“. Besonders reiaoofl die intimen Beziehungen zu E. T. A. Hoffmann, Balzac, Heine, Eichendorfs ufto» Mderbilder und Kindergedichle „Ein Kind ist b a“. Die frühe Kindheit int Bilde deutscher Lyrik. Auswahl und Vorwort von Peter Bauer. 176 Seiten 8°. Mit 23 Photographien von Erich Retzlaff. Leinen 6 Mk. Pädagogischer Verlag G.m. b. H., Düsseldorf 1930. (261) — Dieses schöne und aus lauterer Gesinnung hervorgegangene Buch ist geschaffen worden und dazu angetan, einem großen Kreise besinnlicher Menschen auf eine vornehme und zugleich eindringliche Art das Zarteste und Wertvollste wieder vor Augen zu führen, was eine Ration besitzen kann, und worauf jede Zukunft sich gründet: das Kind. Rovalis hat gesagt: „Wo Kinder sind, da ist goldenes Zeitalter". Lind indem dieses Buch sich an alle wendet, ohne Unterschied des Geschlechtes, Standes oder Bekenntnisses, — an alle, die selbst Kinder haben, die Kinder lieben, mit Kindern umgehn (und wer wäre das nicht!) — führt es zugleich zum lyri,scheu Kunstwerk hin und entzieht Dkeses der Isolation und dem Sonderinteresse des leider noch immer kleinen Kreises derer, die heutigentags von Gedichten etwas wissen wollen und dafür übrig haben. Das Buch also erschließt die paradiesische Welt des Kindes mit den feinsten und eindringlichsten Mitteln: im Bilde und im Gedicht. Aus der deutschen Lyrik vom späten Mittelalter bis zur nächsten Gegenwart sind hier die schönsten und empfindlichsten, aus dem Leben und aus unmittelbarer Anschauung geborenen Gedichte, welche mit dem frühen Kindesalter in irgendeiner Beziehung stehen, ausgewählt und zusammengestellt in Gruppen, welche jeweils einem bedeutsamen Einzelmotiv ober einem beachtlichen Zeitabschnitt getoibmet wurden: wie zum Beispiel: „Das Wunder der Wiege": „Erste Zwiesprache mit der Welt"; „Der Sandmann kommt": ..Der Todesengel": „Dom Ernst der Zukunft". Der Herausgeber Peter (Bauer (gebürtiger Rheinhesse übrigens) hat in einem klug und warmherzig geschriebenen Vorwort das große Stoffgebiet abgegrenzt, die Auswahl innerlich begründet und den Sinn und die Aufgabe seiner Anthologie umrissen. Auf die Unterabschnitte oder einzelne Gedichte des näheren einzugehen, müssen wir uns, so verlockend es wäre, aus räumlichen Gründen versagen. Rur ein paar (Hamen seien genannt: Ina Seidel und Ruth Schaumann an erster Stelle: (vielleicht kann gerade hier, in der Kinderlyrik, überhaupt nur eine Frau aus eigenem innigem Erleben das Letzte und Tiefste aussagen und gestalten.) Linker viele« andern: Claudius und Conrad Ferdinand Meyer neben Münchhausen, Hesse, Binding. Carosfa und etlichen von den jüngsten unter unfern Lyrikern. Dreiundzwanzig ganzseitige Photos sind in den Text eingeordnet: von Künstlerhand ausgenommen, ganz ungezwungen, lebendig: wesenhafte Illustration: gerade die Bilder dürften dem Schaubedürfnis unserer Zeit, dem Wunsche weiter Leserkreise aufs glücklichste entgegenkommen: die Reproduktionen sind vorzüglich. Die verlegerische Ausstattung zeugt von gediegenem Geschmack. Das wohlfeile Werk erscheint uns als nobles und sinn olles Geschen?, zumal für Frauen und Mütter, überaus geeignet s US fremden Literaturen. — John Galsworthy: Weltbrüder, Verlag Paul Zsolnay, Wien 4, Prinz-Eugen- Straße 30 (232). — Der große Erfolg, den der englische Schriftsteller seinerzeit mit b:r Forsyte Saga errungen hatte, hat ihn anscheinend zu einer sehr in die Breite laufenden Produktion verführt. Schon die letzten Teile der großartigen Chronik des englischen Bürgertums in der viktorianischen Aera waren sehr ungleich und von seinem nun erschienenen neuen Roman „Weltbrüder" wirb man ebenfalls kaum sagen können, bah er die Höhe der Forsyte Saga auch nur annähernd erreicht hätte, wenn auch der Verlag ihn auf dem Titelblatt als GalsworthyS soziale Lebensbeichw: ..den aufwühlenden großen Roman seines Volkes" propagiert. Es ist eine Weichheit und Verschwommenheit in Handlung und Charakterzeichnung, die ermüdet und entmutigt. — Albous Huxley: Kontrapunkt bes Lebens. Insel-Verlag, Leipzig. (173) — Richt nur, wenn man das heutige England und seine führenden Schriftsteller kennen lernen will, muß man sich mit Huxley beschäftigen, sondern auch, wenn man europäische Literatur zu lesen wünscht. Die Gesellschaft und die gesellschaftlichen Zustände, die in seinem Roman „Kontrapunkt bes Lebens“ so witzig unb mit so überlegenem Geiste geschildert werben, kennt jeder Großstadt-Deutsche. Lächelnd wird er sich freuen, daß bestimmte ihm wohlbekannte Typen und Charaktere endlich bei Rainen genannt und daß Fragen, die auf vieler Lippen liegen, beantwortet oder wenigstens formuliert sind. Es geht bunt genug zu in diesem Roman, der mit dem des Cervantes verglichen und das Buch der Zeit genannt wurde — aber ist nicht das moderne Leben ein rasendes Orchester mit schwer au findendem Kontrapunkt? Huxley führt uns in diesen Wirbel, folgen wir ihm. — (Samer Fabian: College Girls. Lieberseht von H. Reisiger. Verlag Ullstein, Berlin. Preis: broschiert 3,50 Mark, in Leinen 5 Mark. — (272) „College Girls", das sind die Schülerinnen der amerikanischen höheren Schulen, einem Mittelding zwischen Lyzeum unb Universität. Wie diese Mädchen sprechen, wie sie kokettieren und flirten, wie sie leben unb lernen, wie hinter all ihren Gedanken unb Handlungen immer der Mann steht, der für sie meist nur ein Spielzeug ist, das hat Fabian unmittelbar frisch unb doch schonungslos geschildert. — Weil dieser Roman die vielbesprochene, bewunderte und geschmähte Amerikanerin in ihrer wichtigsten Entwicklungszeit ohne Maske zeigt, vermittelt er uns ein tieferes Verständnis für die Lebensweise der amerikanischen Frau. — Claude Anet: Mayerling, Verlag E. T. Tal & Co.,-Wien 7, Lindengasse 4 (221). — Ein Stoff, der für Sensationen geradezu geschaffen unb infolgedessen auch in den letzten zehn Jahren bis zum Ueberdruß behandelt worden ist. wirb hier noch einmal, diesmal in Romanform, vorgesetzt, ohne baß er damit schmackhafter geworden wäre. Der Verfasser müht sich aus dev Staatsaffäre, zu der die Tragödie von Mayerling werden mußte, die gewiß traurige Geschichte eines sentimentalen und romantischen kleinen Mädchens zu machen, das von Anbeginn an wußte, daß seine Liebe xu dem österreichischen Thronfolger nur unglücklich auSgehen tonnte. Für die «Anstalt deS Kronprinzen Rudolf werden ebensowenig neue Züge glaubhaft gemacht, wie für die historische Abwicklung der Tragödie D«u«s herbeigebracht werden tonnte. 64 wäre wünschenswert, wenn sich unsere Romanschriftsteller nun doch auf ein andere- Thema besännen. Verschiedenes. — Philipp halsmann: Briefe au» der Haft an eine Freundin. herausgegeben von Karl SBIantf. Mit einem Selbstbildnis Halsmanns. Stuttgart 1930, I. Engelhorns Nachf. Leinen 5M TOaxf. (281) — Seit dem September 1928, als der Dresdener Student Philipp Halsmann aus Riga unter dem furchtbaren Verdacht des Vatermordes im Zillertal verhaftet wurde, beschäftigt sich die Oef- fentlichkeit immer wieder mit diesem seltsamen Prozeß Auch die Verurteilung Halsmanns im Januar 1930 hat die Diskussion über Schuld oder Unschuld nicht zum Stillstand gebracht. Die Briefe, die hals- mann aus der Haft an eine Freundin schrieb, sind in dem vorliegenden Bande veröffentlicht worden. — Adalbert Zöllner ,M« i n« rMut- ter Kochbuch". Verlag .Die Schaulade" in Bamberg. — (177) — Dan in Deutschland ein Kommerzienrat ein Kochbuch schreibt, ist immerhin bemerkenswert. Dr. Adalbert Zöllner, Vorstandsmitglied der Rosenthal Porzrllansabrik in Marktredwitz, hat den deutschen Frauen diese Lleberraschung bereitet. Man lieft das Buch und must staunend fragen: Kann es solche gesunde und unkomplizierte Kommerzienräte geben? Romantiker, die in der Würde des Zndustrie- magnaten solche Purzelbäume schlagen? Dabei ist eS nicht nur ein schlichtes und prächtiges, sondern auch ein geistreiche- Buch. Rur auf der Höhe kultivierter Häuslichkeit kann solches Werk gereiften. Viedermeiergrazie mit dem praktischen Sinn für das rollende Band. — .M c i - nerMutter Kochbu ch", Derlag .Die Schau» labe" in Bamberg 8in paar Worte aus der Einleitung: .ES gibt nicht viele Kochbücher, die von Männern versaht wurden: und doch will mir fcheimrn: DaS Kochen ist ein Problem, das man den Frauen nicht allein überlaffen sollte. ES könnte sonst zu leicht kniefrei und bubiköpfig betrieben werden, also modisch — dem heutigen Zeitgeist entsprechend Zum Kochen aber gehören: alte Mode, alter Brauch. Liebe, Zeit und ein bißchen Wissen. Praxis. Auch die Küche hat etwas von unserer schnellen Zeit bekommen, ein wenig Kino. Radio, Auw. Weekend. Auf dah diese heitere Kunst wieder Anschluß finde an alte Tradition, an Postkutsche und Geruhsamkeit, habe ich versucht, meiner Mutter Kochbuch mit dem nötigen Kommentar herauszugeben." — llnb nun folgen in frischer lustiger Harmonie prächtige, vielfach unbekannte Rezepte. Suppen, Braten, Fische, Mehlspeisen, Abendbrot, Kuchen — kur;, alle-, was das Herz begehrt. Rund 300 köstliche Rezepte. Die werden aber von klugen Worten begleitet. — Wir haben in der Weltliteratur schon einmal einen feinfinnigen und anmutigen Geist gehabt, der über Kochkunst schrieb: Drillat-Savarin. Er trug einen blauseidenen Frack, verkehrte im Salon der Madame Recamier und schrieb, nach reichem und schönem Leben .Die Physiologie des Geschmack-". Wahre LebenSkunst strahlte dieses Werk aus, das heute noch, nach 105 Jahren, in allen Kultursprachen der Welt lebt -Unb Zöllners Buch, geschrieben in einer neuen, ganz anders gearteten Zeit, reich belebt von klugen Worten gesteigerten Lebensgefühls, hell und liebenswürdig, verdient nicht nur wegen seines StilS literarische Bewunderung, sondern es bejaht, in lebendiger, oftmals dichterischer Kraft, den schönen Pflichtkreis der deutschen grau. Jener grau, die immer noch, trotz Bubikopf und Seidenstrümpfen, den Krug und die gacfcl.in treuforgenben, selbstlosen Hänben trägt. M. A. Turnen, Sport und Spiel. ReichSoffeneWettlämpse der DT. Die Deutsche Turnerschaft hielt am Sonntag in Koblenz reichsossene Wettkämpfe in der Leicht- olhletik 'ab. Leider waren Welter, und Bodenver- hältnifje nicht gut und drückten auf die Leistungen. Trotzdem gab cs einige recht gute Ergebnisse. Die wichtigsten Resultate waren: 100 Meter: 1. Lammers-Oldenburg 10,5 Sek.-, 2. Mährlein-Mainz 10,6 Sek.: 3. Feistel-Wiesbaden 10,7 Sekunden. — 2 0 0 Meter: 1. Mährlein 22,4 Sek.; 2. Feistel 22,5 Sekunden. — 4 00 Meter: 1. Ahlmeyer- Herne 50,7 Sekunden. — 8 0 0 Meter: 1. Ro- meyt-Köln 2:05 Minuten. — 3 000 Meter: 1. Herchenröber-Köln 9:16,7 Minuten. — 1 1 0 - Me - ter-Hürden: 1. Prieh.Kreuznach 17,1 Sekunden. — 4X100-Meter: 1. St. Johanne» Turnerschaft 43,7 Sekunden: 2. Gästestafsel (Lammers. Feistel, Ahlmeyer, Kürten) 43,8 Sekunden: 3. THE. Ludwigshafen 43,9 Sekunden. — 4X4 00« Meter: lubb. Wiesbaden 3:38 Minuten: 2. Tg. Kreuznach, Briiftbreite zurück. — Olympische Staffel: 1. Tbd. Koblenz 3:47 Minuten: 2. TD. 1817 Mainz 3:52 Minuten. Sommerspiel«Meisterschaften der OT. Am SamStag nahmen die Kämpfe um die Sommerspiel-Meisterschaften ter Deutschen Tur- ncrschaft auf der Thüringer Kampfbahn in W e i - m a r ihren Anfang. Da zu den einzelnen Konkurrenzen überaus zahlreiche Meldungen aus dem ganzen Reiche eingegangen waren, gab eS bereits am ersten Tag der Wettkämpfe eine große Anzahl von Begegnungen, die zum Teil einen recht spannenden Verlauf nahmen. Die Ergebnisse sind: Faustball der Männer. Lichtlustbad Frankfurt a. M. — ATV. Leipzig 34.22, Tel. Hannover — Tv. Pforzheim-Bröhingen 29: 32, Mtv. Königsberg — Lichtluftbad Frankfurt ohne Kampf zugunsten von Frankfurt, Tv. Pforz- Helm-Brötzingen — ATD. Leipzig 50:34, Mtv. Königsberg — Tcl. Hannover ohne Kampf zugunsten von Hannover. Lichtluftbad Frankfurt gegen Tv. Pforzheim-Brötzingen 40:24, Tv. Krefeld — Tg. Landshut 22:42, DfT. Berlin-Hamburg — Rothenburgsorter Tv. 27: 42, Tg. Landshut — Tfchft. Görlitz 42: 19. DfT. Berlin gegen Tv. Krefeld 26:33, DfT. Berlin — Tg. Landshut 28: 41. Faustball der Melieren. Lichtluftbad Frankfurt — Mtv. Erfurt 42. 17, Tcl. Hannover — TFC. LudwigShafen 39 25, Tcl. Königsberg — Lichtluftbad Frankfurt 12: 42, TFE. Ludwigshafen — Mtv. Erfurt 31:30. Tcl. Königsberg — Tcl. Hannover 24:42, Tv. Waldhausen-Gladbach — Tv. 46 Dürnberg 35:37. Tv. 61 Forst — Mtv. Bremen 23:36, Tv. 46 Dürnberg — Breslauer Lehrer-Tv. 26: 36. Tv. Forst — Tv. Waldhausen-Gladbach 30:33. Faustball der Frauen. Tv. Saarbrücken — KTV. Gera 35:44, Tcl. Hannover — Tv. Zweibrücken 47:24, Tcl. Königsberg — Tv. Saarbrücken 33:27. Tv. Zweibrücken — KTD. Gera 28:47, Tcl. Königsberg gegen Tcl. Hannover 23:38, Tv. Saarbrücken gegen Tv. Zweibrücken 37:33, Tv. Krefeld gegen Tv. Schweinau-Dürnberg 40:28. Tschst. Berlin gegen Hamburger Tfchft. Barmbeck-Uhlenhorst 27:37. Tv. Schweinau-Dürnberg — Vorwärts Breslau 33:37. Berliner Tfchft. — Tv. Krefeld 17:31, Hamburger Tfchft. Barmbeck-Uhlenhorst gegen Vorwärts Breslau 40:28, Berliner Tfchft. gegen Tv. Schweinau-Dürnberg 27:25. Schlagball der Männer. Tv. Friesenheim — Tv. 60 München 8:53. Mtv. Tapiau — Tv. Wittgendorf 2:50, VfL. Charlottenburg — Tv. Gutheil Arbergen 8:22, Tv. Germania Weddersleben — ATV. Mikult- fchüh 10: 16, Tv. Wittgen — Tv. 60 München 34:21. Licht«Luft»BadHratnfurt und München 1860 verleid gen ihre Titel. Bei den Sommerfpielmeifterschaften der Deutschen Turnerschaft gelang es dreien von den vier Titelverteidigern, ihren Meistertitel auch diesmal wieder an fich zu bringen. So konnte Licht- Luft-Bad Frankfurt die beiden Titel im Faustball der Turner und der Aelteren an sich bringen, und auch der Turnverein München 1 8 6 0 verteidigte feinen Meistertitel im Ochlagball erfolgreich. Dagegen muhte der mehrfache Meister im Faustball der Turnerinnen, die Turnerfchaft Barmbeck-Uhlenhorst, ihren Titel an den westdeutschen Meister, den Turnverein 1 8 5 5 Krefeld abgeben. D. f.B. Leichtathletik. Die grauenabteilung stand im Klub-Rückkampf den Frauen deS VfL. Wetzlar auf dem dortigen Platz gegenüber. Die Wetzlarer Damen zeigten sich in vielen Konkurrenzen überlegen und gewannen mit 90:61 Punkten. Die Ergebnisse: Frauen. 100 Meter: 1. Schneider, VfL. Wetzlar, 13,8 Sek.; 2. Frey, VfL., 13.9 Ged: 3. Stichler, VfB. 08 Gießen, 14,2 Set; 4. Müller, VfB. 08, 14,4 Sek. 800 Meter: 1. Pfaff, VfL, 2:54,2 Min.; 2. Ehenmüller, VfB. 08, 2,59 Min.; 3. Müller, VfB. 08, 3 Min. Hochsprung: 1. Schneider, VfL., 1,25 Meter: 2. Frey, VfL., 1,25 Met.: 3. Luh, VfB. 08, 1,20 Met.: 4. Müller, VfB. 08. 1,10 Meter. Kugelstoßen (10-Pfund-Kugel) : 1. Abee. VfL. 7,67 Met.: 2. Frey, VfL, 7,51 Met.: 3. Stühler, VfB. 08, 7,02 Met.: 4. Luh, VfB. 08, 6,84 Meter. Diskuswerfen: 1. Frey, VfL, 22,80Met.: 2. Abee. VfL. 21.80 Met.: 3. Luh, VfB. 08, 21.50 Met.: 4. Euler. VfB. 08, 16,95 Meter. Schweden staffel: 1. VfL., 2,58 Min.: 2. VfB. 08, 3,10 Minuten. 3ugcnbflaffe A. 5 0 Meter: 1. Daudt, VfL. 8 Sek: 2. Fischer, VfB. 08. 8,1 Sek.: 3. Hollmann, VfL, 8,2 Set; 4. Krause, VfB. 08. 8,4 Sek 75 Meter: 1. Kuhn, VfL. 11,2 Sek: 2. Daudt. VfL 11,3 Sek: 3. Müller VfB. 08, 11.4 Set; 4. Fischer. VfB. 08. 11.5 Set 4 75 Meter: 1. VfL. 44 Set: 2. VfB 44,2. Hochsprung. 1. Fischer, VfB. 08, 1.20 Met.; 2. Kuhn, VfL. 1.15 Meter: 3. Daudt. VfL, 1.10 Meter; 4. Stein. VfB. 08, 1,10 Meter. Kugelstoßen: 1. Kuhn, VfL, 7,80 Meter; 2. Holimann. VfL., 6.38 Meter; 3. Fischer, VfB. 08, 5,80 Meter; 4. Stein, VfB. 08, 5,43 Meter. Ballweitwerfen: 1. Kuhn. VfL.. 47,03 Meter; 2. Hollmann, VfL . 45.18 Meter; 3. Schneider. VfB. 08. 40,25 Meter; 4. Schmidt, VfB. 08, 39,57 Meter. Jugendklasse B. 5 0 Meter: 1. Knorz, VfL., 7,8 Set; 2 Schneider, VfB. 08. 8 Set; 3. Müller. VfB. 08. 8,2 Set; 4. Dietsche, VfL, 8,3 Set 75 Meter: 1. Knorz, VfL, 11 Sek; 2. Schmidt. VfB. 08. 11,2 Sek; 3. Müller, VfB. 08. 12.3 Sek; 4. Dietsche. VfL. 12,5 Sek. 4x50-Ule ter- Staffel: 1. VfB. 08 30,8 Set; 1. VfL. 31 Set Weitfprung: 1. Schneider. VfB. 08., 3 94 Meter; 2. Knorz, VfL, 3 92 Meter; 3. Müller, VfB. 08. 3,59 Meter; 4. Dietsche. VfL. 3,44 Met. Kugelstoßen: 1. Schmidt. VfB. 08. 6,73 Meter; 2. Knorz, VfL., 6.06 Meter: 3. Metschke, VfL. 5,80 Meter; 4. Müller VfB. 08, 5.16 Meter. Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenteich I — Dutenhofen I 4:1 (1:1). Garbenleich II — Steinbach II 4:1 (2:0). Die erfte E l s Garbenteichs fertigte am Sonntag bie gleiche aus Dutenhofen in einem Gesellschaftsspiel in Garbenteich mit 4:1 Toren ab. Beide Mannschaften lieferten fich ein schnelles und doch faires Spiel. Die 2. Mannschaft des Sportvereins schlug die gleiche des Fußb. Sp. 1926 Steinbach in einem Gesellschaftsspiel mit 4:1 Toren. Handball im T. D. Klein-Linden. Arn Sonntag hatte die Iugenbmannfchaft des Tv. Klein-Linden die aktive Mannschaft des Tv. Dutenhofen zum Freundschaftsspiel. Duten- hvben ging mit 3:2 Toren führend in die Halbzeit Trotz großer Anstrengung konnte jede Mann- fchaft in der zweiten Halbzeit nur noch «in Tor werfen, so daß das Spiel für Dutenhofen mit 4:3 gewonnen wurde. Handball im T. D. Großen-Linden. I. u. Sp. Buhbach II — To. Großen-Linden I 5:5 (2:1). Die Mannschaften lieferten fich in Butzbach einen fpannenden Kampf um die Punkte, der mit einem Unentschieden endete und beiden Parteien einen Punkt brachte. Großen-Linden konnte schon in der ersten Minute in Führung gehen. Butzbach glich aber bald aus und stellte noch kurz vor Halbzeit das Resultat auf 2:1. Dach der Paufe kam der Gastgeber zunächst zu feinem dritten Treffer. Großen-Linden konnte dann in kurzen Abständen zwei Tore erzielen und damit den Ausgleich Herstellen. Bis zum Schlußpfiff konnten beide Parteien noch je zweimal erfolgreich fein. Handball in Allendorf a. d. Lahn. Allendors I — Krofdorf I 2:0. Am Sonntag ftanben sich diese Mannschaften zum fälligen Rückspiele gegenüber. Allendorf konnte nach technischer Ueberlegenheit bas Spiel für sich entscheiden. Handball im T. D. Großen-Buseck. Grohen-Luseck I — To. Lauterbach I 12:2 (4:1). Am Sonntag weilte die erste Mannschaft beim Tv. Lauterbach zum ersten Derbandsspiel. Dach ständiger Ueberlegenheit fertigte sie den Plah- verein mit diesem hohen Resultate ab. Handball im Turnverein 1860 Lich. Io. Lich Jugend — Io. Dehlar Jugend 1:7. Am Sonntag trafen fich bie Zugendmannschaften in Wetzlar zu ihrem ersten Verbandsspiel. Zn ber ersten Halbzeit konnten bie Wetzlarer, die körperlich und technisch weit überlegen waren, nur einen Treffer erzielen. Die Licher muhten, durch bie Verweisung zweier Spieler vom Platze geschwächt, eine 1:7-Nie- berfage hinnehmen. Handball im T. V. Kronhansen (OT). Am Sonntag weilte Fronhausen mit zwei Mannschaften beim Turnverein Ockershausen. Die Jugend Fronhausens trat komplett an und konnte nach durch- weg überlegenem Spiel einen 3:1-Sicg erringen. Die 1. Mannschaft Fronhausens muhte mit vier Mann Ersatz antreten und verlor mit einem Resultat von 5:3 Toren. Turngau Lahn-Oünöberg. Turnverein Waldgirmes. Am Sonntag veranstaltete der Tum-Verein Waldgirmes mit feiner Schüler-Abteilung feinen diesjährigen Vereinswettkampf, bestehend aus 100-Meter-Lauf, Hoch- und Weitsprung und Pflichtfreiübung. Man kann mit den Leistungen zufrieden fein, erzielten doch in der 1. Stufe Jahrgang 1917/18 mehrere Schüler im Weit- fprung 4,25 Meter, und im 100-Meter-Lauf 15 Sekunden. Eine glänzende Leistung brachte der 11jährige Schüler Werner Fischer im Hochsprung mit 1,30 Meter. Den Abschluß der Veranstaltung bildeten die sehr gut vorgeführten Mafsenfreiübungen der 45 Schüler. Dach- stehend die fünf ersten Sieger der drei Stufen: Iahrg. 1917/18: 1. Albert Lepper, 79 P. 2. Wilh. Ldpper, Hch. Schaub, 77 P. 3. Karl Pfeiffer, 74 P. 4. Gust. Stamm, 72 P. 5. Walter Schmidt, 71 P. I a h r g. 1919: 1. Werner Fischer, 73 P. 2. Hans Jung, 70 P. 3. Albert Bernhardt, 67 P. '4. Karl Lepper, 66 P. 5. Alb. Stamm, 63 P. Zahrg. 1 920'2 1: 1. Rudolf Schmidt, 81 P. 2. Hch. Schäfer, 79 P. 3 Willi Zimmermann, 78 P. 4. Willi Will, 77 P. 5. Willi Hepp, 76 P. Raubmord in Frankfurt. WSD. Frankfurt a. M., 16. Sept. Heute gegen 20 Uhr wurde die 61jährige Witwe Elisabeth Schreyer, geborene Bullmann, in ihrer Wohnung in der Maulbeerstraße 7 von einem ihrer Untermieter t o t aufgefunden. Die Leiche weist W ü r g e m a I e am Hals und Kratz- wunden im Gesicht auf. Die Beine waren mit dünnem Bindfaden leicht gefesselt. Cs hat offenbar ein Kampf ftattgefunben. Schränke und Be- hältnisfe der Wohnung waren durchwühlt. Demnach dürfte Raubmord vorliegen. Gegen 15 Uhr war die Frau noch gesehen worden. Oie „Selbsthilfe der Arbeit^. WSD. Frankfurt a. M., 16. Sept. Der Bausparkasfenzusammenbruch der „Selbsthilfe der Arbeit", durch den sieben Gesellschaften und 74 Genossenschaften in Mitleidenschaft gezogen worden sind, hat nunmehr dazu geführt, dah seitens des Vertreters der Gesellschaft Vergleichs- und Kvn- kursantrag beim Amtsgericht gestellt wurde. Die gegen eine Anzahl Vorstands- und Auffichts- ratsmitglieder eingeleitete Voruntersuchung erstreckt sich gegen den Redakteur des »Volkswirts", Dr. Ernst Hunkel, den Aussicht-rat-vorfrLen« den Bender, den stellvertretenden Aussicht-^ ratSvorsitzenden Scharf«, den Bankvorstand Schuhmacher und den DefchäftSleiter der Zwecksparkaffe Dr. Diel. Buntes Allerlei. Kreuzung zwischen £1» und ZaierslachS. Der deutschen landwirtschaftlichen Forschung ist in diesen Tagen nach langjährigen Laboratoriums- verfuchen ein großer Erfolg beschieden worden, der unter Umständen geeignet sein kann, der deutschen Landwirtschaft insbesondere im Osten ganz neue Wege zu weisen. Der Direktor des Bastfafersor- schungSinstitutS in Sorau, Profesior Dr.Schilling, der sich durch eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Werken über den Flach- einen Damen gemacht hat, bat sich feit Zähren mit streuzung-verfuchen zwischen 01- und Faserflach- beschäftigt, d»e jetzt zum Abschluß gekommen sind. Der Forscher hat einen Zwischentyp beider Flach-arten gezüchtet, der bie Eigenschaften des öl- und FaferflachseS gleichzeitig besitzt. Da bisher in Deutschland ölleinen nicht angebaut wurde, und di« Ölindustrie jährlich etwa 9 Millionen Zentner im Werte von 160 Millionen Mark einführen mußte, ist es verständlich, welche Bedeutung dem Schillingschen Züchtungsergebnis zukommt. Der neue Zwischentyp eignet sich ganz außerordentlich für den Anbau auf unserem ostdeutschen Roggenboden, da er keine sonderlichen Anforderungen an den Boden selbst und an da- Klima stellt. Professor Schilling hat an Hand von eingehenden Berechnungen den Beweis geliefert, dah die kommenden Anbauerträgnisi« in der Lage fein können, unsere Handelsbilanz wesentlich zu verbesiern und der Landwirtschaft im Osten sehr beträchtliche Erleichterungen zu bringen, wenn sie den Flachsanbau grohzügig in die Wege leitet. Profesior Schilling äuhert sich im übrigen über leine Züchtungsergebnisie dahingehend, dah bie von ihm gezüchteten Zwischentypen bie Eigenschaft von Ölleinen haben, baß sie sehr ertragreich an Samen sind und dah sie von Faserleinen her so gezüchtet werden, dah ihre Stengel und deren Fasern für Deugame brauchbar sind. Sie sind alfo ertragreich für den Landwirt, aber auch brauchbar für bie Textilindustrie. Sechs Uhr — die Unglück-stunde für Autofahrer« Umfassende Statistiken, die der französische Gendarmerie-Kommandant Serin zusammenge- bracht hat, ergeben, dah die Stund« um 6 Uhr nachmittags als die Gefahrstund« für Autounfälle betrachtet werden muß. Serin hat die genaue Zeit feftgcftellt, in der über 2000 schwere Kraftwagenunfälle in dem unter feiner Aufsicht stehenden Oise-Departement in den letzten fünf Jahren sich ereignet haben. Daraus geht hervor, daß in der ganzen Zeit von 1925'29 die gefährlichste Stunde am Vormittag 11 U^r war. Von 2 Uhr nachmittag- steigt die Unfallkurve ständig an, erreicht ihren Höhepunkt um 6 Uhr; dann erfolgt ein scharfer Abfall. So ereignete sich z. B. im letzten Jahre nur ein Unfall um 1 Uhr morgens, 18 paffierten um 8 Uhr früh, 28 um 11 Uhr. 10 zu Mittag, 41 um 3 Uhr und 76 um 6 Uhr. Die Erklärung für diese Erscheinung, findet Serin darin, dah gegen 6 Uhr abend- die Zeit ist. in der die Automobilisten entweder aus ihren Geschäften heimkehren ober noch einen Ausflug unternehmen. Sie haben «S dann sehr eilig, find ermüdet und ungeduldig und daher nicht so Herr über ihre Herben wie in den Morgenstunden. (Schluß des redaktionellen Teils.) Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.36 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Deue Höchstgewichte für Lastwagen. Durch bas neue Äraftverkehrsgesetz vom 15. Juli 1930 über Höchstgewichte von Nutzfahrzeugen ist das Höchstgewicht für beladene Dreiachser auf 16 Tonnen festgesetzt worden. Dadurch eignet sich der große M. A. N-Dreiadjfer (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG.), einer der größten Lastwagen überhaupt, hervorragend für schnelle Schwertransporte. Der M. A. N.-Drdadjfcr wurde den' zu erwartenden Bestimmungen entsprechend konstruiert; sein Tempo und große Tragfähigkeit bedeuten für den Besitzer eine wesentliche Erhöhung der tonnenkilometrischen Leistung und da» mit der Wirtschaftlichkeit.348D Hans Stosch-Sarrasanis „Fahrten und Abenteuer* betitelt sich die Serie interessanter hefte, die unserer heutigen Auflage beiliegt. In packenden, Handlungsreichen und spannenden Schilderungen erzählt darin Mr. Talker von den seltsamen Erlebnissen, die Hans Stosch-Sarrasani, Deutschlands populärster Zirkusdirektor, der demnächst in Gießen gastieren wird, in allen Ländern und Zonen hatte. Die Erzählungen vermitteln nicht nur Unterhaltung, sondern geben auch Kenntnis fremder Völker und Länder. __63190 Obstflecke in der wasche können leicht und schnell entfernt werden durch das vorzügliche Bleichmittel Seisix. 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Habrich (Gym), 67 P. 2. Mittelstufe: Knaben. (3e eine Darren- und Tieckübung. Weitsprung, Schlagballweitwurf und 100-Meter-Lauf. 86 Teilnehmer. 54 Sieger.) 1. Sieg Ernst Lippert (071). 113 P; 2. Wilh. Gräf (Gym ). 112 P.; 3. Alfred Köhler (Dym.). 105 P.; 4. Kurt Faber (TIGym.). 101 P.; 5. Kurt Strack. 100 P.; 6. Ernst Feiling (DHS.), 98 P.: 7. Ehristian Möbus (071.). 94 P.; 8. Siegfried Metz (021.). 93 P; 9. Mar Öfter (Päd.), 92 P.; 10. Helmut Studenroth (07t.) und Heinrich Schorge (071). je 91 P.; 11. Tllfred Diehl (071.). 90 P., '12. Karl Weigand (TIGym.), 89 P.; 13. Erich Eichhorn (07t.). 86 P.; 14. Heinz Schmidt (07t.), Karl Diehmann (0R.), Viktor Schlarp (Dym), je 85 P.; 15. Walter Lenth (Ghm.) und HanS Wenzel (07t ), je 84 P.; 16. Hans Herrmann (TIGym.). Karl Kaufmann (Päd.). Otto Schultheih (VHS.), je 83 P; 17. Ernst Stuhl (RGym), 82 P.; 18. Ewald Brams (Gym.) und Wilh. Ellermeier (OR), je 80 P; 19. Heinz Derth (02t.) und Hans Reinhard (OTtJ, je 79 P. 20. Fritz Hammerschlag lRGhm), Fritz Lotz (Gö. S.) und Erwin Rothschild (071.). je 78 P; 21. Helmut Weih (07t.). 77 P.; 22. Karl Burkard (Gym ), Fritz Emmerich (07t.), Karl Hoffmann (02t) und Karl Opper (02t.), je 76 P.; 23. Karl Rinn (02t), Hans Textor (RGym.) und Willi Weimar (Oeff. HS.), je 75 Punkte, 24. Helmut Brüning (Gym ). 74 P.; 25. Erich Kinkel (O2t), Hans Bickel (021.), Theo» dor Rink (OR.). Karl Heinz Sch.'llenbcrg (02t.), Walter Schäfer (Päd), Karl Vetter (OR.). je 73 P.; 26. Albin Hansen (Päd.) und Rich. Stock (RGym.), je 71 P.; 27. v. Bültzingslöwen (Gym.) und Günther Marx (02t.) je 70 P.; 18. Wilhelm Korfs (02t.) und Rudi Striegnitz (Päd.), je 69 Punkte; 29. Helmut Reuning (Gym.) und Hans Watz (Gym.) je 68 P.; 30. Ernst Dlumschein (Dym.), 67 P. 3. Unterstufe: Knaben. (Fünfkampf: 3e eine Darren- und Reckübung, 100-Meter-Lauf. Weitsprung und Schlagballweitwurf. 164 Teilnehmer. 78 Sieger.) Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. ZRoman von I. Schneider-Zoerstl. Llrheber-Rechtschutz durch Derlag Oskar Meister. Werdau L Sa. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten Allmählich kam ihr volle- Bewußtsein zurück. Sie versuchte sich aufzurichten, taumelte beim ersten Male und schob sich langsam hoch. Sie verspürte keinerlei Leben in den Fingern und bewegte die Hände automatenhgst nach der Stirne hin, ob das Gehirn nicht in die Brüche gegangen war. »Wirst du mir Mitteilung machen, ob es ein Sohn ist oder eine Tochter?" bat er dringlich Sie hielt die Fingerspitzen an die Schläfen gepreßt und die Lider zur Hälfte über die Augen gedeckt. »Wirst du mir das schreiben? 3a?" hörte sie ihn feine Frage wiederholen. »3ch werde dir schreiben", sprach sie leise. »Das Kind einmal sehen, das kann ich wohl nicht T‘ »Vielleicht später — wenn du mir auf Eid versprichst, daß du niemals mehr meinen Frieden störst." Es war mit so demüttgem Verzicht gesagt, daß sie eine seltsame Rührung dabei verspürte. Sie nahm fein Gesicht zwischen ihre Hände und küßte ihn. ,3ch will nicht kleinlicher handeln als du, Hindert. 3ch bitte dich für alles, was ich an dir gefehlt habe, um Verzeihung." Vr nickte nur, strich über ihre Hände, zog sie dann zu seinem Munde hoch und preßte seine Lippen darauf. Die Schwester kam. das Licht einzuschalten. Helene hielt Petratinis Rechte umfaßt und zwang em Lächeln in ihr schönes Gesicht. »Roch weiter gute Erholung. Umberto — und eine glückliche Heimkehr!" „Ich danke Ihnen, gnädige Frau! — Grüßen Sie 3hren Gatten von mir, sowie Direktor Aversou!" Dann klappte die Türe hinter Helene Chlodwig ins Schloß. Arbeit ist doch die vollkommenste Einrichtung, die eS aus Erden gibt, dachte Dr. Franke, seufzte und schlüpfte dann in seinen weißen Kittel, um nach vier Wochen völliger .Untätigfeit seine Praxis wieder aufzunehmen. 3n den ersten Tagen, nachdem Helene ihre Reise angetreten hatte, war es ihm manchmal gewesen, als müßte er sich in ein 2lbteil des 1. Sieg Reinhold Vlatz (RGym.). 114 P.: 2. Helmut Viehl (Oeff. HS.106 P ; 3. Karl Volk (Oeff. HS). 94 P.; 4. Albert Dötz (RGym.). 91 P.; 5. Heinz Roll (Gym ). 90 P.; 6. Karl Schrnulbach (RGym.) und Willi Epeier (VHS.), je 88 P.; 7. Georg Dingel (OR.), Willi Huske (Pest.S ), Kurt Volk (RGym.) und Helmut Dem- Hardt (Gym.). je 85 P.;.8. Ernst Keppel (Gym.). 84 P.; 9. Otto Dapper (OR.) und Otto Diehl (OR.). je 83 P.; 10. Ludw. Sommer (RGym.), 81 P.; 11. Ekkehard Weyl (RGym.). Rich. Lang (DHS.), Willi 3akob (Pest S.), 3gnaz Falls (Gym.). Armin Krausgrill (021.). Karl Leib (OR.), Heinz Wolfewitz (Gym.), Erich Zeidler (OR.), je 80 P.; 12. Fritz Happ (RGym.), Gustav Mank (RGym.). Karl Schmidt (Oeff. HS.), je 79 P.; 13. Winfried Reuning (Gym.) und Karl Keiner (OR.). je 77 P.; 14. Walter Schraub (Ghm.). Max Roth (RGym.). Walter Fischer (021.), je 76 Punkte; 15. Heinz Schneider (RGym.), Walter Hotz (OR.), Heinrich Schieser- ftcin (Oeff. HS ), Kurt Schliff er (OR.), je 75 P.; 16. Heinz Pieper (RGym ), Karlheinz Wolter (®t)m.k je 74 P.; 17. Heinz Arabin (RGym.), Kurt Patsch (RGym.) und Karl Schäfer (OR.), je 73 P.; 18. Hermann Völker (02t), Ulrich Hildebrandt (Gym ), Albert Kreiling (02t), H. Mellinger (Pest. S ), Hartwig v. Pentz (Gym.), Heinr. Röhm (OR.), Karl Wagner (RGym.), je 72 P.; 19. Albin Ttüffer (Goe. S.). Willi Dlieder (OR.), Hermann Schreiber (Oeff. HS), August Schütz (RGym.), Theo Deher (Ri> .,m.). Alfred Wolf (Gym.), je 71 P.; 20. Karl Käppele (RGym ), Rudolf Holmedin (Goe. S), Günther Deulshausen (Päd.), Eduard Klinke! (OR.), Kor! Ruhn (Päd.), je 70 P.; 21. Horst Lehrmund (OR.), Heinz Dvnarius (Pest.S.), Bertold Goß (Gym.), Oskar Klingelhöfer (Gym.), Karl Schweitzer (OR.), Kurt Weyershäuser (OR.) je 69 P.; 22. Hans Barth (Goe. S.), Willi Braun (Goe. S.), Heinz Decker (Gym.), Helmut Fleischmann (Goe.-S.), Kurt 3ensen (02t.), Helmut Schäfer (RGym ), je 68 P; 23. Ewald Albach (OR.), Hans Bauer (RGym.), Karl Röckel (RGym.), Willi Herrmann (RGym.), Helmut Bauer (RGym.), Helmut Möll (RGym.), Raimund Rittmcicr (Gym.), WernerWiegand (Gym.), je 67 P. 1. Mädchen-Oberstufe' Vierkampf (eine Barrenübung, 75-Meter-Lauf, Weitsprung und Kugelstoßen.) 1. Sieg G. Schuchard (Stud.-Anst.), 67 P.; 2. H. Staubach (Oeff. HS.), 66 P.; 3. M Schmelz (Oeff. HS.), 61 P. 2. Mädchen-Millelstufe. Dierkampf (Darrenübung, 75-Meter-Lauf, Weitsprung, Schlagballweitwurs.) Ehrensieg E. Röhmig, (Goe. 6.1, 112 P.; 1. Sieg H. Röll (Stud.-Anst.) und E. Schmidt (Oess. HS), je 74 P.; 2. 3. v. 3eschke (StA.), 73 P.; 3. L. Simmermacher (StA.), 69 P.; 4. M. Mayer (StA.), 67 P.; 5. E. Leinweber (Oeff. HS.), 66 P.; 6. E. Küpper lStA.), 65 P.; 7. 3. Mangold und G. Odel lStA.), 64 P.; 8. M Borst und 3. Schön (StA.), je 63 P.; 9. E. Feyh (StA.), 62 P.; 10. L. Lösch (StA.), 60 P.; 11. E. Datz (StA.), und H. Puß (HS.), 59 P.; 12. 3. Kloß und G. Theiß (HS), je 58 P.; 13. H. Plank (StA.), A. Tuender (Goe. S.), E. Schüßler (StA.), 57 P; 14. 3. Hahn (StA.), E. Richtberg (Oeff. HS ), L. ßeinert (StA.), je 56 P.; 15. M. Kay (Oeff. HS). 54 P.; 16. A. Wechselmann (Oeff. HS), 52 P.; 17. G. Rüdersdorf (StA.) und E. Hofmann (HS), 51 P.; 18. W. Cermak (StA.), E. Lynker und E. Schneider (HS.) 50 P. nächstbesten Schnellzuges fetzen und ihr folgen, so gähnend leer und öde erschien das Leben ohne sie. Dann fand er sich in das Unabänderliche, fraß sich durch den Stapel von Fachzeitschriften, die auf seinem Schreibtisch lagerten, rechnete mit seinem Vertreter ab, nahm seine Patientenbesuche wieder auf und fuhr Samstags regelmäßig nach Rottach-Berghos, wo die Teheimrätin als Herrscherin in Haus und Garten waltete. Ihre Wohnung war vermietet, Helenes Villa in Harlaching versperrt. Die Mutter wollle bis zum Frühjahr auf dem Lande bleiben und dann zu ihrem Sohne übersiedeln. Helene hatte es so gewünscht. Und alles, was die Schwiegertochter vorschlug, war gut, so gut, wie vorher alles schlecht gewesen war. »So ändern sich die Menschen", lachte Franke, nahm das noch immer hübsche Frauengesicht zwischen seine Hände und besah es aufmerksam. »Restlos zufrieden, Mutter?" »Vollkommen restlos, mein Junge!" „Es ist möglich, daß sich über Jahr und Tag eine Mehrarbeit ergibt“, sagte er schmunzelnd. „Wirst du dann nicht auskneifen, Mama?" Sie maß ihn etwas von oben herab: „Arbeit habe ich nie gescheut, Just. Als du beim Studium warst —" „Ich weih schon, Mutter", spann er ihre Geschichte fort, „da hast du sogar ein bißchen gehungert für den Dengel, der trotz Vaters hohem Wechsel immer wieder Schulden machte. 2teut es dich jetzt, du Gute?" „Bewahre!" versicherte sie eilig. „Ich wollte dich nur erinnern, daß ich mich in jede Lage schicken kann." „Das ist sehr tröstlich", freute er sich, nahm einen ‘Brief aus feiner Innentasche und legte ihn in ihre Hand. „Lies ihn mit Ruhe, Mutter, ich habe mit Döblinger noch einiges zu besprechen. Gegen sechs Uhr fahre ich wieder zurück. Es dunkelt jetzt so rasch" • Die Geheimrätin setzte sich in den großen Lehnstuhl am Fenster und strich die breite Schürze glatt Es war nett von Helene, daß sie so fleißig schrieb. Manchmal war es ihr ein Rätsel, woher sie die viele Zeit für all die langen Briefe nahm. Wenn man so viel von der Welt fehen könnte, wie die Schwiegertochter! Aber sie war auch so zufrieden. Es war ja alles besser geworden, als sie gefürchtet hatte. „Mein lieber Just! Geliebte Tilutter!" Feinfühlig war die Helene, das muhte man ihr lassen. Rie vergaß sie, daß neben dem Manne zu Hause auch noch die Frau lebte, die ihn geboren hatte. Die Augen der Geheimrätin bekamen plötzlich ein Strahlen, als hätten sich Lichtbündel in denselben entzündet Wie fraulich schlicht sich das las: 3. Mädchen-Unterstufe. Dreikampf (75-Meter-Lauf, Weitsprung, Ballwurf.) 1. Sieg M. Lösch (Schi. S.), 84 P; 2. Ehr. Schmidt (Goe. S ), 79 P.; 3. 3. Sturm (HS.), 77 P.: 4. M. Weberpals (StA.), 71 P; 5. TL Heß (Goe. S ). und 11. Lippert (StA.) 70 P.; 6. E. Bittner (StTL), 69 P.: 7. E. Knapp (StA). 67 P.. 8. K. Körner (Goe. S.). M Lenz lStA), und 3. Abt (Goe. S.). je 64 P.; 9. M. Hcihler (Schill. E.). 63 P.; 10. L. Bönsel (Goe. S.). und G. Watzenborn (HS.), je 62 P.; 11. 11. Fabian (StA ). 59 P . 12. L. Herbert (Schill. S). und K. Simon (Oeff. HSll, je 57 P.; 13. 3. Ewald, M. Guth, L. Löhr. R. v. Ieschke (StA), je 56 P. Oberheffen. Ziegenmarkt in Nidda. △ Tlibba, 13. Sept. Anschließend an die bereits gemeldete Prämiierung von Rindvieh gelegentlich deS Riddaer Herbstmarktes folgt zum Schluß das Ergebnis des Ziegenmarktes am gleichen Tage. Zur Tluttion von Zuchtböcken waren 41 Iungböcke aufgetrieben, von denen 37 abgeseht werden tonnten. Die Auktion verlief glatt, in ganz kurzer Zeit war die Ware abgesetzt; nur 4 Bocke fanden feinen Käufer. Der Durchschnittspreis betrug 70 bis 75 Mk. je Sier, der höchste Preis, der für einen Bock, gezüchtet von Schuchmann in Bingenheim, erzielt wurde, betrug 112 Mk. Zur Prämiierung standen den Preisrichtern Aingshausen aus Friedberg und M o g k aus Echzell etwas über 30 Tiere zur Verfügung. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: Klaffe 4. Ziegen, vor dem 1. 3a- nuar 1 9 2 8 geboren: 1. Preis Filsinger, Rainhäuser Hos; 1. Stein, Ridda; 2. Hofmann, Rabertshausen; 2. Kreuder, Ridda; 2. Bürger, Ridda; 2. Kreuder, Ridda; 2. Filsinger, Rain- häuser Hof; 3. Schneider, Ridda; 3. Grünbein, Ober-Widdersheim. Klasse 5. Ziegen, 1 9 28 geboren: 1. Preis Repp, Dorsdorf; 1. Wetzstein, Ridda; 2. Uhl, Ridda. Klasse 6. Ziegen, 1 929 geboren : 1. Preis Appel, Borsdorf; 1. Schneider, Ridda (Zeitziege); 2. Zörr, Ridda; 3. Klös, Kohden. Klasse 7. Mutterlämmer: 1. Preis Grün dein, Ober-Widdersheim; 1. Appel, Dorsdorf; 1. Zörr, Ridda; 1. Repp, Borsdorf; 1. Repp, Borsdorf; 2. Repp, Bingenheim; 2. Bürger, Ridda; 2. Strauch, Borsdorf; 2. Fil- finger, Rainhäufer Hof; 3. Stein, Ridda; 3. Wagner, Bingenheim; 3. Schultheih, Echzell; 3. Schultheiß, Echzell. Die Auktion und die Prämiierung wurden von dem Kreisziegenzuchtverein Büdingen vorbereitet und mit sinanz.eller Unterstützung der Stadt Ridda durchgeführt. Es kann gesagt werden, dah die Züchter mit den Erfolgen auf dem Riddaer Markt zufrieden fein können. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 16. Sept. In der Mitglie- berDerfammluna des hiesigen Turnvereins wurde beschlossen, den im Oktober stattfindenden Herbstgeländelauf des 2. Bezirks des Gaues Hessen zu übernehmen. Bezirkssportwart Albert Weigel (Klein-Linden) wird die Vorbereitungen leiten. Das Abturnen hält der Verein am kommenden Sonntag ab. 117 Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen werden sich daran beteiligen. )( Grohen-Linden, 17. Sept. Landwirt Philipp P e p p l e r IV. feiert heute seinen 8 6. Geburtstag. x» Leihaestern, 16. Sept. Der Turnverein „Frisch auf" veranstaltete am Sonntag „Run muh ich ja wohl immer und zu jeder Stunde des Tages und der Rächt an Dich denken, geliebter Mann, da ich mich Mutter fühle." „Mein Sohn wird Vater sein!" durchzuckte es die alte Dame. „Run, MuttAen?" lachte seine Stimme zum Fenster herein. „Mein Bub, dah ich die Freude erlebe!" „Warum sollst du sie nicht erleben, Mama?! — Ich hoffe noch viele Male." Er streckte die Arme über das Sims und hielt das Frauengesicht zwischen feine Hände gepreht. „Ein moderner Mann bist du nicht", sagte sie stolz. „Man will heutzutage keine Kinder mehr." „Die anderen vielleicht!^ lachte er knabenhaft selig. „Ich habe keinen Grund, mich einzuschrän- ken. Drei ernähre ich! — Drei Helene! — Die anderen drei gehen auf deine Rechnung, Mutter!" Ehe sie etwas erwidern konnte, hörte sie seinen Schritts bereits unter den Obstbäumen verklingen, wo Döblinger, auf einer großen Leiter stehend, die letzten Aepfel von den Bäumen nahm. „Reun Kinder!" staunte die Geheimrätin entsetzt, schrie auf und hielt einen kleinen Dörsdorfer im Schoß, den ihr Franke übermütig hereingeschleudert hatte. Sie waren doch auch für etwas gut, diese modernen Ehen: Man verdiente zu zweien, das war früher nicht gewesen. Aber heute fand feiner mehr etwas dahinter. Es'hatte eben jede Zeit ihren Schatten und ihr Licht. * * * Das Schwerste ist vorüber, urteilte Helene und hielt sich die Schläfen, in denen das Blut klopfte. Jetzt weiß er es! Wenn das Kind zur Welt kam, war sie voraussichtlich in London. Ein Rach- bausekommen, wie er es in seinem letzten, über- seligen Briese gewünscht hatte, war ausgeschlossen. In London konnte man womöglich auch das Datum fälschen, konnte überhaupt einen Schleier über das Ganze breiten. Sie war einfach einige Wochen vorher unpäßlich und vermochte nicht aufzutreten. Der Sheaterdirektor wußte bereits, wie die Dinge standen. Man mietete sich in einer verschwiegenen Pension ein, und wenn dann das Kind drei Wochen alt war, ging die Rach richt in die Welt, daß die berühmte Sängerin Helene Chlodwig die Frau des Dr. Just Franke, glückliche Mutter geworden war. Petrattni würde feinen Eid nicht brechen. Er hatte ihn zu ehrlich gegeben. Alles war gut! Das ungeheure Vibrieren der Heroen fetzte aus. Helene Chlodwig war noch nie fo berauschend schön gewesen und hatte noch nie so über die Maßen wundervoll gesungen wie in dieser Zeit ihrer Mutterschaft. Aller Glanz und alles Frohlocken, daS sie in sich trug, strömte in ihrer Stimme aus und fein diesjähriges 3 b t u t n c n. Eine stattlich« Anzahl Turner, die im Geräteturnen, sowie bei den volkstümlichen Hebungen sehr gute Leistungen zeigten, erfreuten die zahlreich erschienenen Zuschauer durch ihre Darbietungen. Auch die Leistungen der Schülerriege sanden lebhaften Beifall. Die Hebungen würben von auswärtigen Kampfrichtern gewertet, ba um die Austragung des DereinSwanderpreiseS für Geräte- und volkstümliches Turnen gelämpst wurde. Dia Preisverteilung fand im Dereinslokal statt, nachdem der 1. Vorsitzende Wilh. Will in einen kernigen Ansprache den Turnern Dank für den fleißigen Besuch der Turnstunde ausgesprochen und unter Hinweis auf Zweck und Ziel des Turnens die noch fernstehende Jugend aufgefor- bert hatte, sich ebenfalls in bic Reihen der Turner zu stellen. Den Wanderpreis für volkstümliches Turnen erhielt der Turner Karl Schaum, den für Geräteturnen der Turner Willi Rohrbach Letzterer wird, nachdem er diesen Sieg drei Jahre hintereinander errungen hat, statutengemäß ständiger Eigentümer seiner Plakette. Der Turnverein »Frisch auf* kann mit Befriedigung auf die Leistungen feiner Turner im abgclaufencn Jahre zurückblicken. Es wurden im Gau-, Verbandsund Dundesturnen des ATD. im ganzen 62 Preise errungen, davon 11 erste Sieg'. 26 Siege unter den zehn ersten und zwer VerbanbS- meifterf «haften. i. Wiefeck, 17. Sept. Gestern abend beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Vergebung der Arbeiten und Lieferungen zur Instandsetzung der Grabenstrahe, Ludwigstrahe und des Eichenröder Weges. Sämtliche Arbeiten wurden den einheimischen Handwerkern übertragen. Zu den Arbeiten sollen außer Facharbeitern die Wohlfahrtserwerbslosen herangezogen werden. (D Lollar, 16. Sept. Die K a n a l i s a t i o n des Holzmühlenweges mit Auslauf in die Lumda unterhalb des Wehres wurde in der jüngsten Sitzung dee Gemeinderats beschlossen. Die Arbeiten sollen unter den beiden hiesigen Unternehmern Heinrich Deibel und Jost L e m m e r ausgeschrieben werden» ch Daubringen, 15. Sept. Der hiesige Man- nerturnDerein veranstaltete am Sonntag sein diesjähriges A b t u t n e n. Im allgemeinen wurden gute Leistungen erzielt, auch die der Schüler waren zufriedenstellend, einzelne standen sogar auf beachtlicher Höhe. Die wichtigsten Ergebiusse sind: Oberstufe: 1. Ludwig Walther, 2. K. Erb, 3. H. Zecher. Mittelstufe: 1. G. Wagenbach, 2. E. Reif, 3. K. Klingelhöfer. Unterstufe: 1. H. Zecher. 2. Hch. Weimer. 3. Hch. Reis. Altersstufe: 1. 2Iug. Erb, 2. Otto Reif und Hch. Hofmann, 3. Hch. Braun. Turnerinnen: 1. Marie Braun, 2. Toni Vogel und Lina Opper, 3. Anna Weimer. Schüler: 1. Ludwig Walther, 2. Hch. Kleinhenn, 3. K. Finke. Schülerinnen: 1. W. Albach, 2. M. Schneider, M. Michel, TL Erb und E. Geißler. 3. G. Dort. )( Lich, 16. Sept. Auf Einladung seiner Vorsitzenden, I. D. der Fürstin Reinhard zu Solms-HvhenfolmS-Lich, versammelten sich am Sonntagnachmittag der hiesige Alicefrauenverein im Festsaal des Schlosses zu einem geselligen Beisammensein. Heber 100 Mitglieder waren erschienen. Während der Kaffeetafel begrüßte der Schriftführer, Stiftsdechant Kahn, die Erschienenen, dankte der Vorsitzenden, wies auf die Friedensaufgaben des Roten Kreuzes hin und bat um rege Mitarbeit des Vereins bei den mannigfachen Aufgaben des Roten Kreuzes. Der Redner richtete sodann herzliche Abschieds- und Dankeswvrte an die Fürstin, die zum großen Bedauern dc5 Vereins mit ihrer Familie im nächsten Monat unsere Stadt verläßt, um nach Wiesbaden überzusiedeln. Ein Märchenspiel, von jungen Mäd- schlug die Menschen in Dann. In Kopenhagen waren die Theater ausverkauft, in Paris konnte man schon drei Wochen vor ihrem Auftreten kein Billett mehr bekommen. Ihr Ruhm eilte ihr von Stabt zu Stadt voraus. Es gab keinen Stern am Dühnenhimmel, den sie nicht überglänzt hätte. Die Metropolitanoper in Reuhork bot ihr eine Riesengage, für ein mehrere Woche dauernde- Gastspiel. Helene sagte zu allem ja. Sie liebte den Mann, der in der Stille von Rottach-Berghos aus sie wartete! Sie liebte daS Kinb, das mit sachten Fingern an ihr Herz pochte! Sie liebte die Frau, die statt ihrer dem Gatten das Haus führte! lind sie liebte sogar den Mann, der auf jedes Recht an sie verzichtete, und eS einem anderen überließ, damit ipr Glück von Dauer war. »Eie müssen sich unbedingt mehr schonen", sagte Prosessor Roels, den sie in Pari- zu Rate gezogen hatte. Ab und zu litt sie an Schwinbelanfällen und Herzbeschwerden. „Wann rechnen Sie?" fragte Helene vorsichtig. „Mitte April! — Es fann auch Ende werden, beschied er lächelnd. Ihrem Manne schrieb Helene, es würbe wohl Mitte Mai sein, wenn das Ereignis eintrete. Er möchte sich keinerlei Sorge machen. Eine Reise würde viel schlimmer fein. Sie würde sofort ein Telegramm schicken, wenn irgendwelche Gefahr bestünde. Die kleine Pension, in welcher sie sich einmietete, war ein Idyll von Wohnlichkeit. Eine russische Fürstin, welche an einen Pariser Großindustriellen verheiratet war, und eine Amerikanerin, die einen deutschen Prinzen zum THarm hatte, waren die einzigen Gäste. Tliemand ft orte durch Reugier ober Zudringlichkeit. Aus dem Zimmer der Russin kam wenige Tage später ein hilfloses Kinberweinen herüber. „Ein Knabe!" sagte die Prinzessin-Mutter zu Helene, und bat zugleich, ihre Eile zu entmündigen. Der Gatte der jungen Frau habe soeben seine Ankunft telegraphisch gemeldet. Der deutsche Prinz holte seine junge Frau jeden Rachmittag zur Ausfahrt ab und brachte sie abends wieder In die Pension zurück. See Amerikanerin war noch ein Kind und hing mit rührender Zärtlichkeit an ihrem Manne. Dierunbzwanzig Stunden später schenkte fee einem Mädchen das Leben. — Drei Sage nachher begrub man sie. Helene hörte bas erschütternde Weinen des Mannes zu sich herüber. Sie vernahm, wie man die Sote hinaustrug und stopfte sich die Ohren zu, als baS Wimmern des verwaisten KindeS zu ihr drang. (Fortsetzung foigtj djen und Töchtern der Dereinsmitglieder auf- geführt, bildete den Abschluß des schönen Rach, mittags und fand reichen und wohlverdienten Beifall. -3 n h eiden. 16. Sept. Die Arbeiten an dem Gefallenendenkmal unserer Gemeinde sind so wett vorgeschritten, daß seine feierliche Ein- wechung nun nächsten Sonntag stattfinden soll. Es hat seine Aufstellung auf dem Friedhof ge- fanden. Sobald man diesen betritt, liegt es in der Blickrichtung. Auf einem massiven Unterbau ruht ein etwa-1 Meter langer und 0,65 Meter breiter Sockel mit der Inschrift: „Die Gemeinde Inheiden ihren Helden". Auf diesem Sockel erhebt sich ein mächtiger vierseitiger Obelisk, auf dessen Vorderseite die Ramen der gefallenen, vermißten und gestorbenen Söhne unserer Gemeinde zu lesen sind. Darüber befindet sich ein plastisch dargestellter Stahlhelm. Das ganze Denkmal wird gekrönt durch das in Stein ausgehauene Eiserne Kreuz, welches die Inschrift trägt: 1914 bis 1918. Auf beiden Seiten desselben befinden sich zwei große Kugeln. Das Denkmal ist aus Diabas hergestellt. Der Plan der ganzen An- läge ist sehr ansprechend, die Ausführung ausgezeichnet. Cs ist ein Werk des Steinmetz Heinrich I o k e l zu Queckborn. Bis zum Frühjahr soll eine schöne gärtnerische Anlage die Wirkung des Ehrenmals noch vervollkommnen. P Holzheim, 16. Sept. Dieser Tage wurde bei Zimmermeister Wilhelm Schneider, als niemand zu Hause war. eingebrochen und aus dem Schreibtisch 77 Mark entwendet. Der Hoftorschlüssel war, wie es hier allgemein üblich ist, „gelegt" worden. Obwohl an dem Tage ein älterer Mann hier bettelte, glaubt man doch, daß ein Lokalkundiger der Täter ist. — Am Sonntagabend veranstaltete P. von der Au, Mainz, in unserer Kirche eine religiöse Orgelandacht. Die zahlreichen Zuhörer waren ergriffen von der meisterhaft zu Gehör gebrachten Musik. Bereits im Vormittagsgottesdienst, in dem Missionar Schäfer, Hausen, predigte, war v. d. Au als Organist tätig. — -Unsere Filialgemeinde Dorf-Gill hatte am Rachmittag durch die Vorträge des Künstlers eine schöne Feierstunde. Kreis Friedberg. 2$. Dad-Rauheim, 16. Sept. Seinen 70. Geburtstag feierte heute Oberbadmeister i. R. und Beigeordneter Franz Kissel, eine um das öffentliche Leben unserer Stadt hochverdiente Persönlichkeit. Den städtischen Körperschaften gehört Franz Kissel seit 1912 ununterbrochen an. In körperlicher und geistiger Frische übt er täglich auf dem Stad'bause seinen Dienst als Beigeordneter aus. Sch verdient hat sich der Iubilar in der Verkcd.^lommission um die Hebung des Fremdenverkehrs gemacht. Auf heimatkundlichem Gebiet ist er wiederholt schriftstellerisch hervorgetreten. — Seinen 6 0. Geburts- Krcis Lauterbach. £ Lauterbach, 16.Sept. Der hiesige Männergesangverein „Lrederkranz" hielt dieser Tage seine Herbst-Generalver- s a m m l u n g ab. Rach einem Bericht des Rechners verfügt der Verein gegenwärtig über einen Kassenbestand von 880,95 Mk. Die Abrechnung über das 25. Vereinsjubiläum mit dem Gau- wcrtungssingen des Gaues Vogelsberg-Rord wies einen Lleberschutz von 128,54 Mk. auf. Dem Rechner wurde mit Dankesworten Entlastung erteilt. Die Versammlung beschloß dann u. a., den arbeitslosen Vereinsmitgliedern den Vereinsbeitrag zu erlassen, ferner bei der Vereinszugehörigkeit von drei Mitgliedern einer Familie eines dieser Mitglieder beitragsfrei zu lassen. Preußen. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 16. Sept. In Werdorf wurde das dreijährige Kind der Eheleute Otto Schneider in der Küche von einem umstürzenden Eimer mit heißem Wasser derart schwer verbrüht, daß alsbald der Tod eintrat. 0 Groß-Rechtenbach, 16. Sept. Der G e - m e i n d e r a t beschäftigte sich dieser Tage zum zweitenmal mit dem KulturplandesGemeinde- waldes für das Wirtschaftsjahr 1930/31. In der Sitzung vor einigen Wochen hatte der Gemeinderat an den Ausgaben des Kulturplanes 250 Mark gestrichen. Damit war die Forstbehürde nicht einverstanden. In Anbetracht der schwierigen finanziellen Lage der Gemeinde blieb jedoch der Gemeinderat bei seinem ersten Beschlüsse, nach dem die Ausgaben des Kulturplanes 850 Mark nicht übersteigen dürfen. Umbau der Mainzer Straßenbrücke. WSR. Darmstadt, 16. Sept. Für den längst notwendigen Umbau der Straßenbrücke über den Rhein bei Mainz, der sich nach dem Voranschlag auf 3 900 000 Mk. belaufen dürfte, sollen jetzt die Vorarbeiten begonnen werden. Die hessische Regierung hatte bei den Verhandlungen eine Kostenbeteiligung von Ve der Gesamtkosten in Aussicht gestellt. Demnach würde der Kostenanteil Hessens an den Vorarbeiten, die sich auf insgesamt 120 000 Mk. stellen, 20 000 Mk. betragen. Hiervon sind bereits 6000 Mk. beschlossen, während der Rest von 14 000 Mk. beim Landtag angefordert wird. Schweres Unglück an einem Bahnübergang. WSR. Siershahn (Westerwald), 16. Sept. Heute morgen kurz nach 9 Llhr wurde an dem mit Schranken versehenen Lieberweg zwischen den Bahnhöfen Raubach und Dierdorf der Strecke Siershahn—Altenkirchen ein Lieferauto von einem Zuge überfahren. Hierbei wurde ein siebenjähriges Mädchen getötet, der Kraftwagenführer und eine mit- fahrende Frau wurden verletzt. Die Ursache des Llnglücks ist darin zu suchen, daß die B a h n- schranke nicht geschlossen war. Wirtschaft. Weiter günstige Außenhandelsentwicklung. Die günstige Entwicklung des deutschen Exports hat auch im August angehalten. Die Ausfuhr, die bereits im Vormonat um 40 Millionen Mark zugenommen hatte, ist um wertere 20 auf rund 970 Mill. Mark gestiegen, wobei die Zunahme vornehmlich auf die Fertigwaren (740,1 Mill. Mark) entfällt. Die Einfuhr weist einen neuerlichen Rückgang auf, eine Tendenz, die nun schon längere Zeit anhält. Alles rn allem ergibt sich für die ersten acht Monate des laufenden Iahres ein erfreuliches Bild des Außenhandels. Während im gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Einfuhrüberschuß von 286 Millionen Mark zu verzeichnen war, ist in den ersten acht Monaten dieses Iahres ein Aus- fuhrüberschluh von etwa eine Milliarde Mark insgesamt festzustellen. Wenn man die Reparationslieferungen abzieht, so verbleibt immer noch eine Mehraus* fuhr von mehr als einer halben Milliarde. Selbstverständlich ist diese günstige Entwicklung in erster Linie auf den niedrigeren Rohstoffimport, der sich vor allem wertmäßig vermindert hat, zürückzuführen: auch sind die hohen Ausfuhrwertziffern in den Sommermonaten des Iahres 1929 mit 1100 bis 1200 Millionen nicht erreicht. Dies liegt aber auch zum Teil daran, daß die Weltmarktpreise auf allen Gebieten eine rückgängige Tendenz auf« weisen. Wenn also der Gesamtexport in den ersten acht Monaten des laufenden Iahres gegenüber den der entsprechenden Zeit des Vorjahres relativ gering zurückgegangen ist, so sind daran durch die sinkende Weltmarktpreistendenz diktierte niedrigere Erlöse schuld. Mengenmäßig dürfte sich aber die Ausfuhr nur in unerheblichem Umfange vermindert haben, was beweist, daß die Grundlage der diesjährigen Entwicklung des deutschen Außenhandels durchaus als gesund und günstig angesehen werden kann. Weiter rückgängiger Autoabsah. Der Absatz in sämtlichen Zweigen der Kraft- fahrzeugindustrie hat im August, wie saisonmätzig zu erwarten war, weiter a 6 genommen. Die Produktionsentwicklung zeigt ein uneinheitliches Bild. Während die Herstellung von Personenkraftwagen stärker als der Absatz zurückgegangen ist, ist in der Lastkraftwagenindustrie gegenüber dem Vormonat eine Produktionssteigerung erfolgt. Die Produktions- und Absatz- ziffcm vom gleichen Monat des Iahres 1929 wurden in keinem Zweig des Kraftfahrzeugwesens wieder erreicht. Die Absatzverminderung in der Personenkraftwagenindustrie entfällt zum größeren Teil auf die deutschen Werke. Anteilsmäßig haben jedoch die ausländischen Montagebetriebe den bei weitem stärkeren Rückgang zu verzeichnen. Dementsprechend ist ihr Anteil am Gesamtabsatz von Personenwagen von 23,1 Proz. im Juni auf 20,5 Proz. im Iuli gesunken. Am Absatzrückgang der Lastkraftwagenindustrie sind ausschließlich die ausländischen Montagestellen beteiligt, während die deutschen Betriebe sogar eine geringe Absatzsteigerung verzeichnen konnten. Der Anteil der Montagewerke am gesamten Lastkrastwagengeschäft ist demgemäß von 40,6 Proz. im Iuni auf 37,0 Proz. im Iuli zurückgegangen. Auch bei den Krafträdern ist ein Rückgang sowohl des Absatzes, als auch der Produktion eingetreten. Herbst-pferdemarki in Gießen. Der heutige Gießener Herbst-Pferde- markt hatte sehr unter der ungünstigen Witterung zu leiden. Die Besucherzahl war in den ersten Vormittagsstunden befriedigend, war allerdings gegen die früheren Märkte wesentlich niedriger. Auch die Zahl der aufgetriebenen Tiere war gegenüber dem Herbst-Pferdemarkt 1929 geringer. Es waren auf getrieben: 213 Pferde, 23 Fohlen (gegenüber Herbst 1929 mit 264 Pferden und 24 Fohlen). Das Geschäft war im allgemeinen sehr ruhig, gegen 11 Uhr waren infolge der ungünstigen Witterung Händlerpferde kaum noch auf dem Markt, auch die Besucherzahl war um diese Zeit äußerst gering. Es wurden gezahlt: für leichte Pferde 300 bis 450 Mk., mittlere 450 bis 750 Mk., schwere Arbeitspferde 750 bis 1200 Mk., Schlachtpferde 100 bis 150 Mk. • * Der Aktienindex. Der vom Stattstischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 — 100) stellt sich für die Woche vom 8. bis 13. September auf 105,0 gegenüber 104,5 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 101,7 (101,2), Gruppe verarbeitende Industrie auf 93,4 (93,0) und Gruppe Handel und Verkehr auf 127,8 (127,2). * Fusion in der Mvtoren-Industrie. Den auf den 21.'Oktober einberufenen Hauptversammlungen der Motorenfabrik Deutz AG., der Maschinenbauanstalt Humboldt und der Motorenfabrik Oberursel AG. wird die Fusion der drei Gesellschaften vorgeschlagen werden. Humboldt als die größte Gesellschaft gewährt den Aktionären von Deutz eine Aktie gegen eine Deutz-Aktte und den Aktionären von Oberursel fünf Aktien gegen drei Oberursel-Aktien. Das Kapital der neuen Gesellschaft („Humboldt-Deutz- Motoren AG.") mit dem Sih in Köln wird bis zu 31 Mill. Mark erhöht werden. — Für das abgelaufene Geschäftsjahr verteilen Deutz und Humboldt nach reichlichen Abschreibungen je 5 Proz., Oberursel 10 Proz. Dividende. * Frankfurter Gasgesellschaft, Frankfurt a. M. Die 0.-03. genehmigte den bekannten Abschluß für 1929. Zur teilweisen Deckung des Verlustes von 1 126 220 Mk. wird die Reserve von 540 514 Mk. herangezogen: der verbleibende Verlust von 585 708 Mk. kommt zum Vortrag. Die a. o. G.--D., in der über die beabsichtigte Umgründung der Gesellschaft und Zu- famnienfaffung der Frankfurter Gasinteressenten Beschluß gefaßt werden soll, wird voraussichtlich auf Ende Oktober einberufen werden. * Reue Mehlpreisermätzigung. Die Süddeutsche Mühlenvereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 am 16. d. M. um 50 Pf. auf 40,50 Mk. ab Mühlenstatton ermäßigt. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 17. Sept. Tendenz: behauptet. — Rachdem an der gestrigen Abenobörse die Besserung der Stimmung wettere Fortschritte gemacht hatte, kam die Aufwärtsbewegung zu Beginn der heutigen Börse zum Stillstand. Die Zurückhaltung fast aller Börsenkreise hat sich wieder verstärkt, da bei dem Rätselraten über die innenpolitische Weiterentwicklung brauchbare Ergebnisse kaum zustande kamen. Zu den ersten Kursen bestand etwas Abgabeneigung: größere Verkäufe dürften jedoch kaum vorgenommen worden sein. Bei allgemein kleinen Umsätzen waren die ersten Kurse meist gehalten, die Kursentwickelung war aber Nicht ganz einheitlich. Am Chemiemarkt gaben I.-G.° Farben im Verlaufe 0,75 Prozent nach. Am Elektromarkt konnten Siemens erneut 1 Prozent anziehen während AEG. und Licht & Kraft behauptet blieben. Einiges Interesse bestand für Gesfürel. Montanwerte waren vernachlässigt und etwas schwächer. Rheinstahl verloren 1 Prozent. Bankaktien konnten sich, durchweg behaupten. Schifsahrtswerte lagen schwächer: Hapag minus 1,5 Proz. Kunstseide werte waren auf dem ermäßigten Riveau der Abendbörfe knapp gehalten. Don den Kaliwerten zogen Salzdetfurth weiter leicht an. Am deutschen Anleihemarkt waren Schutzgebiete etwas gefragt. Ablösung ohne Auslosungsrecht anziehend. Von ausländischen Renten Mexikaner und Rumänen etwas fester. Im Verlaufe trat etwas lebhaftere Rachfrage nach I.-G.-Farben hervor, die 1 Proz. an- ziehen konnten. Siemens gaben dagegen ihren ein- prozentigen Gewinn wieder her. Im übrigen herrschte Zurückhaltung. Der Reichsbankausweis für die zweite Septemberwoche fand nur wenig Beachtung. Am Geldmarkt war Tagesgeld stärker angeboten, nd der Sah war auf 2,5 Prozent ermäßigt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,40, gegen Mailand 92,80, London gegen Kabel 4,8608, gegen Madrid 45,40, gegen Schweiz 25,0540, gegen Holland 12,0675. Berliner Börse. Berlin, 17. Sept. Auf Grund der Tatsache, daß sich das Ausland durch den Ausgang der Wahlen nicht hat beunruhigen lassen und daß es, _ abgesehen von den unterbliebenen Geldabzügen, auch Effektenverkäufe in nennenswertem Umfange nicht Dargenommen hat,'Dar- es gestern abend in Frankfurt auf Deckungen der Spekulation mehrprozentig fester geworden. Auch im heutigen Vormittagsverkehr konnte man eine freundliche Grund st immung feststellen. Die gut erholten Reuyorker Kurse, eine Besserung in London, gebesserte Aussichten für eine innenpolitische Verständigung (die Börse hofft auf ein Zustandekommen der Regierungsmehrheit auf der Basis der Großen Koalition), und auch diejenigen Momente, die in den letzten Tagen keine Beachtung gefunden hatten, besonders die günstigen Auhenhandelsziffern, ließen die Hoffnung auf einen freundlicheren Börsen- verlauf aufkommen. Die ersten offiziellen Quotierungen tagen denn auch in der Tat meist: 1 bis 2 Prozent über gestern, entsprachen aber nicht den Erwartungen des Vormittagsverkehrs. Um 2 bis 3 Prozent waren Deutsche Kabel, Motoren Deutz (auf zweiprozentige Dividende- Erhöhung), Deutsche Atlantische, Svenska, Transradio und Spritaktien gebessert: Salzdetfurth lagen 4,5 Prozent hoher, d. h. sie behaupteten den Gewinn der gestrigen Frankfurter Abend- börse: Iulius Berger zogen auf die Meldungen von dem befriedigenden Geschäftsgang um 8 Prozent an. Bis zu 1 Prozent schwächer eröffneten Kunstseidewerte. Ausgesprochen schwach lagen Goldschmidt minus 2,75 Prozent. Deutsche Anleihen lagen fester. Altbesitz konnten sich um 0,75 Prozent bessern. Ausländer geschäftslvs. Auch Pfandbriefe fast ohne Umsatz, bei eher etwas freundlicherer Tendenz. Der Geldmarkt war etwas erleichtert. Tagesgeld stellte sich auf 2 bis 4,5 Prozent: die übrigen Sätze blieben unverändert. Im Verlaufe wurde die Tendenz wieder unsicher, und die Ku r s en tw ick lun g uneinheitlich. Der Reichsbankausweis für. die zweite September-Woche, der eine Entlastung um 20 Millionen brachte, blieb ohne Einfluß. Felten konnten sich, angeblich auf Käufe eines amerikanischen Investmenttrusts, auf 108 Prozent erholen. Salzdetfurth waren 3 Prozent schwächer. Einiges Interesse machte sich für Conti- Gummi geltend: auch AEG. und I.-G.-Farben lagen etwa 1 Prozent über Anfang. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17.Sept. Am heutigen Produktenmarkt war das Geschäft wieder sehr still. Das Angebot von Inlandgetreide ist nach wie vor ziemlich stark. Da andererseits jedoch keine Rachfrage bestand, erfuhr Weizen einen stärkeren Preisrückgang. Auch Roggen lag etwas schwächer. Am Futtermittelmarkt -war das Geschäft ebenfalls etwas kleiner. Hafer neuer Ernte geringfügig niedriger, ebenso Kleie. Am Mehl- markt hat sich das Geschäft ebenfalls nicht belebt, obwohl der Preis etwas anstieg. Roggenmehl lag etwas niedriger. Es wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 75 Kilo 242,50 bis 245; Roggen 170; Hafer inländischer 162,50 bis 165; Weizenmehl, südd. Spez. 0 40 bis 40,75; Roggen- mehl 27,50 bis 28,50; Weizenkleie "6,50 bis 6,75; Roggenkleie 6,50 Mark. Tendenz: flau. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsoerkündigungsblatt Nr. 70 vom 16. September enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen. — Straßensperren. — Kraft- fahrzeugoerordnung. — Die Bewachung des Obstes. — Tagung „Industrielle Arbeitsschulung". Kurszettel der Berliner und Krankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Franlsurl a. Dl. | Berlin Frankfurt a. Dl. Berlin Frankfurt a. Dl. Berlin Bantnoten. Schluß«! furd | 1-Uhr- Kurs Schluß« | kur» | Anfang« Kurs Schlußkurs 1-Uhr« Kurs Schluß- Anfang- Kurs Schluß- kurs 1-Uhr- Kurs Schlußkurs Anfang- Kurs Berlin, 16. Septemver OelD Bries Amerikanische Noten...... Belgische Noten........ Dänische Noten ......... Französische Noten ....... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, t 1OO Schilling Rumänische Noten ....... Schwedische Noten ....... Schweizer Noten . . ...... Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten. • • • • Ungarische Noten........ Devisenmarkt Berlin 4,203 58,28 111,98 20,36 16,445 168,61 22,02 111,88 59,165 2,495 112,40 81,59 44,66 12,385 73,30 — Frankfurt 4,223 58,52 112,42 20,44 16,505 169,29 22,10 112,32 59,405 2,515 112,84 81,91 44,84 12,445 73,60 a. M. Datum 16. 9. 17 9. 16 9- 17. 9- Datum 16 9. 17 9. 16. 9. 17. 9 Datum 16 9. 17. 9 16 9 17. 9 6% itieuiidje uieia>eaiueii)t von 1927 ......... 7% Deutsche Reichsanleihe von 1929 .......... Deutsche Anl.-Abiös.-Schuld mit Auslos.»Rechten....... Defgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 6% He«. SBolKftaat von 1929 trückzahlb. 102%)...... Oberhesten Provinz • Anleihe mi: Auslos.-Rechten....... Deutsche Komm. GammelabL Anleihe Serie 1....... 6% Franks. Hyp.-Bank Goldpse XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar vis 1932 ..... % Rumänische veretnh. Rente von 1903 ..........