Nr. 165 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, iZ.Juli 1930 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vruck und Verlag: örühl'fche Univerfität5-Vuch- und 5teindruckerei H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger- lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüste unterSammeinummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gießen, poftschecktonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° „ mehr. Eheftedakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. 1 Das Delkungsprogramm durch Aoiverordnung in Kraft gefetzt. Oer Reichstag versagt sich dem Kabinett Brüning. - Oer Reichskanzler erhalt alle Vollmachten aus dem Artikel 48. Kommt die Reichstagsauflösung? Oer Artikel 48. Der Reichstag hat am Mittwoch in der indirekten Form der Ablehnung eines kommunistischen Mißtrauensvotums dem Kabinett Brüning mit einer Mehrheit das Vertrauen bescheinigt, wie sie noch keine der letzten Regierungen auf die Deine gebracht hat. Derselbe Reichstag aber hat kaum eine halbe Stunde zuvor demselben Kabinett Brüning d i e parlamentarische Gefolgschaft für notwendige Deckungsvorlagen versagt. Das ist ein so krasser innerer Widerspruch, daß es sich schon verlohnt, einmal einige Minuten darüber nachzudenken, wohin der deutsche Parlamentarismus geraten ist und welchen Konsequenzen er entgegensteuert, wenn er auf diesen Wegen weiterschreitet. Schon in den einführenden Worten, die der Reichskanzler der zweiten Lesung des Deckungsprogramms mit auf den Weg gab, ließ er klar durchblicken, daß er zur Anwendung aller verfassungsmäßigen Mittel entschlossen sei, um die vom Kabinett für notwendig gehaltenen Maßnahmen durchzuführen. Der Reichstag hat dann den grundlegenden § 1 der Deckungsvorlage, der formal alle Einzelheiten des neuen Steuerbuketts bereits enthält, mit Mehrheit angenommen. Rachdem sich zuvor auch der Reichsrat nach eingehenden Beratungen für die Deckungsvorschläge der Regierung Drüning entschieden hatte, dürften der Kanzler und seine Minister durchaus von der Annahme ausgehen, daß grundsätzlich eine große Mehrheit für ihre Vorschläge vorhanden war und daß das Zustandekommen einer parlamentarischen Mehrheit nur an den unmöglichen Verhältnissen, die in dem jetzt bestehenden Reichstag herrschen, scheiterte. Wer der Entwicklung der letzten Wochen und Tage auch nur mit einiger Aufmerksamkeit gefolgt ist. wird zugeben müssen, daß Dr. Drüning und seine Mitarbeiter sich gewiß nicht leichten Herzens zur Anwendung des Artikels 48 durchgerungen haben. Roch sozusagen in letzter Stunde wurde zwar nicht vom Kanzler selbst, aber doch mit seinem Wissen und seiner Billigung ein letzter Vermittlungsversuch unternommen, um wenigstens die Sozialdemokraten zur Unterstützung der Regicrungspolitik zu bewegen, nachdem sich die Deutschnationalen endgültig versagt hatten. Der Versuch ist an der Intransigenz der Sozialdemokratie gescheitert, die ihrerseits die letzten Vermittlungsbemühungen mit ultimativen Gegenforderungen beantwortet und fo den Derhandlungsführern aus dem Regierungslager die Plattform entzogen hat. Angesichts der Tatsache nun, daß die sozialdemokratische Reichstags- sraktion in Idealkonkurrenz mit den Deutsch- nationalen einen entscheidenden Paragraphen der Regierungsvorlagen niederstimmte, blieb dem Kabinett kein anderer Weg mehr, als der, den es jetzt beschritten hat. Die Deutschnationale Dolkspartei hat trotz der Kenntnis, daß die Regierung Brüning auf geraume Zeit hinaus das letzte bürgerliche Kabinett sein wird, sich der positiven Mitarbeit in einem gesamtbürgcrlichen Sinne versagen zu müssen geglaubt, wohl in der Hoffnung, daß es ihr gelingen werde, den Kanzler und seine Minister auf dem Wege der Anwendung des Diktaturartikels unserer Verfassung immer weiterzutreibcn. Von diesem Standpunkt aus gesehen, kann auch die Haltung der Deutschnationalen beinahe logisch erscheinen. Ganz unverständlich aber bleibt das Verhalten der Sozialdemokratie. Sie hat dem Parlamentarismus einen entscheidenden Schlag verseht, als sie am Mittwoch gegen die Regierung Brüning stimmte, und wir wissen heute noch nicht, zu welchen weiteren Konsequenzen das führen wird. Gerade wer sich immer wie sie als Hüter der parlamentarischen Idee und der Demokratie aufgcspielt hat, hatte in einem so entscheidenden Augenblick nicht das Recht, die Regierung von sich aus geradezu zur Anwendung des Artikels 48 zu zwingen. In der Wählerschaft draußen wird die Haltung des Kabinetts und der hinter ihm stehenden Parteien gewiß besser verstanden werden, als es nach den Auslassungen der sozialdemokratischen Reichstagsredner scheinen könnte. Es geht heute nicht mehr um verzwickte staats- und verfassungsrechtliche Theorien, es geht heute einfach um die harte und brutale Praxis der Erhaltung und Festigung des deutschen Staates schlechthin. Ein Parlament, das sich solchen Aufgaben aus Eigenbrödelei oder Parteiegoismus versagt, hat keine Existenzberechtigung mehr, hat auch nicht das Recht mehr, bei den entscheidenden Schicksalsfragen der Ration mitzureden. äleber kurz oder lang wird also auch unserer Meinung nach die Reichstagsauflösung unvermeidlich sein. Wir sind überzeugt, daß das Kabinett, das sich nur schweren Herzens zur Anwendung der Vollmachten entschlossen hat, die der Reichspräsident ihm gab, von seinen Vollmachten stets maßvollen Gebrauch machen wird. Es liegt nicht im Interesse Deutschlands, heute mit Hilfe des Artikels 48 politische Maßnahmen zugunsten der einen oder anderen Schicht, zuungunsten und zum Schaden des einen oder anderen Berufsstandes zu treffen. Es hat stets das Bestreben der Regierung Drüning sein müssen, die notwendigen Lasten in steuerlicher und wirtschaftlicher Beziehung aufeinemöglichst breite Basis zu legen, um sie überhaupt erträglich zu machen. Immer wird die Diktatur ein Rotbehelf sein, und niemand kann mehr wünschen als wir, daß die Anwendung des Artikels 48 der Sache und der Zeit nach fo eng begrenzt wie nur möglich bleibt. Gegenüber einem Parlamentarismus aber, der sich so auf Abwege begeben hat, wie der deutsche Reichstag des Sommers 1930, gibt es keinen anderen Ausweg. Oas Llnterstühungsangebot der Sozialdemokraten. Tie Regierungsparteien lehnen ab. Berlin, 16. Iuli. lVDZ.) Die Abgeordneten Dreitfcheid und Müller-Franken (Soz.) haben an den Zentrumsabgeordneten Esser folgenden Brief gerichtet: „Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist bereit, in mündlichen Verhandlungen die Bedingungen bekanntzugeben, unter denen sie eine Verabschiedung der Deckungs- vorlage mit ihrer Llnterstühung für möglich hält. Sie hat jedoch schon gestern durch die Rede ihres Vertreters im Reichstage erkennen lassen, daß die in der Deckungsvorlage enthaltene K o p f st e u e r, die sog. Bürgerabgabe, für sie vollkommen unannehmbar ist. Voraussetzung für fruchtbare Verhandlungen wäre daher die Bereitwilligkeit der anderen in Betracht kommenden Parteien, auf die Bürgerabgabe zu verzichten. In diesem Falle wäre auch Gelegenheit gegeben, über notwendige Aenderungen der Vorlagen zur A r - beits- und Krankenversicherung in Verhandlungen einzutreten." Rach einer Parteiführerbesprechung der Regierungsparteien im Reichstag wurde den Sozialdemokraten mündlich mitgeteilt, daß man in ihrem Brief keine geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen über die Deckungsvorlagen erblicke. Während der Plenarsitzung hielten die Sozialdemokraten nunmehr noch eine Fraktionssihung ab, in der der Beschluß erneuert wurde, die Deckungsvorlage der Reichsregierung abzulehnen, zumal die Kopfsteuer in Liese Vorlage selbst mit ausgenommen worden sei. Ablehnung des Artikels 2 im Reichstag. Sozialdemokraten und Oeuischnationale gegen die Regierung. Auf der Tagesordnung der Mittwochsihung des Reichstags steht zunächst der Einspruch desRcichsrats gegen das neue Am - ne st Lege seh. Die namentliche Abstimmung ergab 295 Stimmen gegen, 146 sozialdemokratische Stimmen für den Einspruch und 10 Stimmenthaltungen. Präsident Löbe erklärt, zur Zurückweisung des Einspruchs wären nach der Geschäftsordnung in diesem Falle 300 Stimmen notwendig gewesen. Da diese Zahl nicht erreicht wurde, sei dem Einspruch des Reichsrats stattgegeben worden. (Pfuirufe rechts.) Cs folgt die zweite Beratung der Oeckungsvorlage. Abg. Dr. B re i t s che i d (Soz.): Llnsere Stellungnahme ist nicht so sehr bedingt durch die Gestaltung der einzelnen Artikel des Gesetzes als durch die politische Gesamtsituation. Einzelne Bestimmungen des Gesetzes lehnen sich an die von uns veröffentlichten Richtlinien an. Ganz unannehmbar aber ist für uns die Bür- gersteuer. Bleibt sie im Gesetz, dann lehnen wir die ganze Vorlage ab. Für uns ist die Vorlage auch unannehmbar, weil sie verknüpft ist mit einer Verschlechterung der Sozialpolitik. Der Konsequenzen unserer Ablehnung sind wir uns bewußt. Die Regierung Drüning ist von Anfang an eine Minüerheitöregierung gewesen. Sie braucht zur Mehrheitsbildung die Llnterstühung von rechts oder links. Die nach rechts hin unternommenen Versuche scheinen gescheitert zu sein. Wir haben unzweideutig unsere Dereitwilligkeit erklärt, an der parlamentarischen Verabschiedung der Deckungsvorlage mitzuarbeiten. Die Verhandlungen sind gescheitert, soweit sie überhaupt begonnen haben, ilnferc ablehnende Haltung zur Deckungsvorlage steht damit fest. Der Reichskanzler beabsichtigt, zur Durchführung seiner Vorlage den A r t. 4 8 anzuwenden. Wir halten das für verfassungswidrig, denn Artikel 48 soll dem Staat helfen, aber nicht einer Regierung aus der selbstverschuldeten Verlegenheit helfen. Wir werden sofort die Aufhebung der Rotverordnung beantragen und ■ werden dann abwarten, ob die Deutschnationalen unserem Antrag zu- stimmen oder lieber ihre Oppositionsstellung aufgeben werden. Abg. Esser (Z.): Die Verhandlungen sind dadurch zum Scheitern verurteilt gewesen, daß die Sozialdemokraten den dritten Sah ihres Schreibens in eine ultimative Form gekleidet haben, die eine Verständigung unmöglich machte. Wenn auch auf Ihrer Seite der gute Wille gewesen wäre, so würde die Regierung Brüning nicht auf den Weg gezwungen sein, den Sie als verhängnisvoll ansehen. Wenn Sie diese Möglichkeit nicht wollten, dann durften Sie nicht diese ultimative Form schreiben. Ich stelle fest, daß, wenn diese Verhandlungen nicht zum Ziele geführt haben, es nicht an uns liegt, sondern an der Form Ihres Schreibens, daß jede weitere Verhandlung unmöglich gemacht hat. Abg. Dr. Breitscheid (Soz.) erwidert, der dritte Satz habe lediglich die Ablehnung der Bürgersteuer ausgesprochen. Diese Steuer fei aber in der Regierungsvorlage gar nicht enthalten gewesen, und der Reichsfinanzmimster habe die schwersten Bedenken dagegen geäußert. Wer ernstlich die Verständigung wollte, hätte an der Ablehnung dieser Steuer die Verhandlungen nicht scheitern lassen. Artikel 2 der Deckungsvorlage (Reichshilfe) kommt nun zur namentlichen Abstimmung. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des Artikels mit 256 gegen 204 Stimmen. Dagegen haben die Sozialdemokraten, Deutfchnationalen, Kommunisten, Rationalfozialiften und die beiden Mitglieder der Volksrechtpartei gestimmt. Der Reichskanzler erklärte, daß die Regierung auf die Fortführung der Verhandlungen über d i e Vorlage keinen Wert mehr lege. (Rufe bei den Kommunisten: „Ab- (refen!“) Präsident £ ö 6 e : Damit ist nicht nur d i e Deckungsoorlage gefallen, sondern auch der Lrgänzungsetal. vestehen bleiben aber der Antrag der Wirtschaftspartei, auf Reichslagsauflösung und der kommunistifche Mißtrauensantrag. Der Antrag der Wirtfchastspartei auf Reichs- tagsauf löfung wird gegen die Wirtfchafts- partei und die Rationalfozialiften abgelehnt. Der kommunistifche Mihtrauensan- t r a g gegen das Reichskabinett wird in namentticher Abstimmung mit 244 gegen 59 Stimmen bei 151 Stimmenthaltungen abgelehnt. Die Deutsch- nationalen haben gegen den Antrag gestimmt, die Sozialdemokraten haben Stimmenthaltung geübt. Oie zweite Beratung des Osthilfegesehes Abg. Hergt (Dntl.) führt aus, im Ausschuß Tei das Gesetz verschlechtert worden durch die Regierungserklärungen über die Durchführung. Bedauerlich sei auch die Animosität gegen d:e Großlandwirtschaft. Durch das Osthilfegesetz dürfe nicht der Winfriede in die verschiedenen Gruppen der Landwirtschaft getragen werden. 21bg. Siegfried (WP.) begrüßt die Vorlage. Die Rot des Ostens sei nicht nur eine Rot der Landwirtschaft, sondern auch des Handwerks und Kleinhandels. Der Redner begründet Anträge, wonach die öffentlichen Arbeiten den Firmen übertragen werden sollen, die ihren Hauptsitz im Wirkungsbereich der Osthilfe haben. Abg. Rönneburg (Dem.) ist der Meinung, daß die Ausschußbeschlüsse zu einer Verbesserung bet Vorlage geführt hätten. Der bäuerlichen Landwirtschaft müsse dec ihrer Bedeutung entsprechende gerechte Anteil an der Osthilfe gewährt werden. Dabei komme auch der Großgrundbesitz zu seinem Recht, gegen den keine Animosität bei den Demokraten oestehe. Durch die maßlosen Hebertreibungen der Landbundführer, durch ihre unwahre Behauptung, daß die ganze ostpreußische Landwirtschaft bankrott sei, werde den Landwirten nur Schaden zugefügt, indem der Kredit erschwert und verteuert werde. Re ichsernährungsminister Schiele erklärt: Es handele sich bei der Osthilfe keineswegs um eine Politik der Subventionierung notleidender Wirtschaftszweige, sondern um einen 2lkt der Staatspolitik von größter grundsätzlicher Bedeutung. Die drei großen Ziele der Reichsregierung seien auf wirtschaftlichem Gebiet: Die Bahn frei zu machen für einen organischen Wiederaufbau der Wirtschaft im Osten, auf sozialpolitischem Gebiet: die Bekämpfung ber Landflucht und tatkräftige Förderung der Siedlung, auf nationalpolitischem Gebiet: an Stelle der Landverödung und der wirtschaftlichen Preisgabe des deutschen Bodens im Osten ein starkes Bv llwerk bodenständigen Bauerntums zu schaffen. Die Rettung des Ostens sei die Voraussetzung für die Gesundung und den Wiederaufstieg des gesamten Vaterlandes. Weiterberatung Donnerstag. Oie Ermächtigung. Berlin, 16. Juli. (vvZ.) Der Herr Reichs- Präsident empfing heute den Reichskanzler Dr. Brüning und bestätigte, die Vollmacht, bei Ablehnung der Deckungsoorlagen diese mit Artikel 48 in krast zu sehen. Weiter erteilt« der Herr Reichspräsident die Ermächtigung, den Reichstag aufzulösen, wenn bet Reichstag beschließen sollte, die Verordnung nach Artikel 48 wieder aufzuheben ober wenn ein TNißtrauensantrag eine Mehrheit finden sollte. Brüning macht von feinen Vollmachten Gebrauch. Berlin, 16. Iuli. (WTB. Amtlich.) De» Reichstag hat am 15.Iuli den Artikel 1 de» Regierungsvorlage zur Deckung bei Haushalts angenommen und damit fcstgelegt, daß zum Ausgleich der Aufwendungen im ordentlichen Reichshaushalt, die sich infolge de« schlechten Wirtschaftslage ergeben, für die Zeit bis zum 31. März 1931 von den Einnahmen de« Personen des öffentlichen Dienstes und der Ledigen ein Betrag und von den einkommensteuerpflichtigen Personen einmalige außerordentlich» Zuschläge zur Einkommensteuer zu erheben sind. Bei der darauf erfolgten Abstimmung über A r t i k e l 2 hat sich eine Mehrheit über die Einzelausgestaltung dieser Vorschriften nicht gefunden. Den für die Vorlage der Reichsregierung über die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes abgegebenen 204 Stimmen de« hinter der Regierung stehenden Parteien standen 256 Stimmen der Sozialdemokraten, Deutschnationalen, Kommunisten und Rationalsozialisten entgegen. Die Einzelheiten der Durchführung der Reichshilfe haben danach die parlamentarische Mehrheit nicht erreicht. Die Regierung hat darauf auf die Weiterberatung der zur Deckung des Reichshaushaltes bestimmten Gesetze verzichtet. Ein gegen sie eingebrachte« Miß trauensantr ag ist mit einer Mehrheit von 240 gegen 59 Stimmen abgelehnt worden. Die Deckung des Reichshaushaltes Ist ein unbedingtes Erfordernis für die Aufrechterhaltung geordneter Staatsfinanzen und für die Kreditwürdigkeit des Reichs und ber Wirtschaft. Sie ist auch unbedingt vorausfehung für die weitere Durchführung der Fürsorge für die Arbeitslosen und eine unabweisbare Rotwendigkeit in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Lage der Welt in fast allen Ländern schwere Gefahren für die Staatsfinanzen bietet Daher hat der Herr Reichspräsident die Voraussetzung für die Anwendung des Artikels 48 bet Reichsverfasfung für gegeben er ad) t e t und auf Antrag der Reichsregierung die zur Deckung des Haushaltes erforderlichen Maßnahmen getroffen. Damit ist ein fester Ausgangspunkt für die weiter» staatliche Tätigkeit und für die Erledigung bet brlngenb erforberlichen parlamentarischen Arbeiten, insbesondere für die Verabschiedung des Reichshaushalts und für die Durchdringung des vsthilfegefetzes geschaffen. Der Herr Reichspräsident hat gemäß der Reichs- oersassung van den auf Grund des Art. 48 getroffenen Maßnahmen dem Reichstag unverzüglich Kenntnis gegeben. Diese Maßnahmen bestehen in zwei Verordnungen, von denen die eine die Deckungsvorlagen bet Reichsregierung mit Bürgerabgabe unb die zweite die Gemeindegetränkesteuer umsaht. Die finanzielle Sanierung bet Gemeinden ist ebenfalls eine unabweisbare Rot- wcndigkeit, um die Auszahlung der Unterstützungen für die wachsende Zahl der Wohlfahrts-Renten- Empfänger sicherzustellen. Auch gerade aus diesem Grunde hat der Herr Reichspräsident die Anwendung des Art.48 der Reichsverfasfung für geboten erachtet. Der Wall der Ao Verordnung. Wie die neuen Steuern aussehen werden« Re r l in,_ 17. Iuli. (Tel.-äln.) Wie mitgeteilt wird, enthält die erste Rotverordnung einige Aenderungen am bisherigen Deckungsprogramm. Dre Reichshilfe, das 2V,Prozentige Rotopfe» der Beamten und Behördenmrgestellten, ist dahin gemildert: worden, daß Staats- und Behördenangestellte unter einer GehaltS- grenze von 8400 Mark von der Reichshilfe befreit sind. Das Rotopfer ist ferner auf M» Tantiemen der Aufsichtsräte ausgedehnt worden. Der öprozentige Einkommen steuer»uschlag ist unverändert geblieben. Die Ledigensteuer ist dahin gemildert worden, daß Einkommensteuerpflichtige, die fü« einen geschiedenen Gatten oder für einen unterhaltspflichtigen Elternteil Tlnterstützungen über 10 Prozent ihres Einkommens abführen und hierfür einen Steuerabzug genießen, von der Gebigen* steuer befreit fink Die Dürgerabgab« Ist in der Fassung des gemeinsamen Initiativ- antrages der hinter der Regierung stehenden Parteien darin vorgesehen. Die Gemeinde- getränte steuer, für die das Kabinett eine zweite Rotverordnung beschlossen hat, soll nicht etwa den Gemeinden wahlweise mit der Kopfsteuer überlassen werden, sondern es ist vorge- sehrn, daß beide Steuern nebeneinander zur Entlastung der Gemeindefinanzen und zur Milderung der Realsteuerlasten Verwendung finiten. Wie weiter versichert wird, ist die Unterzeichnung der Rotverordnungen bereits am Mittwochabend erfolgt, so bah sie am Donnerstagvormittag bereits dem Reichstag zügele itet werden können. 3n parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß auch aus den Reihen der hinter der Regierung stehenden Parteien der Versuch gemacht werden wird, die Aufhebung der Rotverordnung über die Gemeindeverzehrsteuer durchzusetzen. Insbesondere hat ja bereits die Wirtschaftspartei in einem früheren Stadium der Dinge zu erkennen gegeben, daß sie eine Gemeindegetränkesteuer mit aller Entschiedenheit a b l e h n e n müsse. Wie sich das Kabinett zu einem etwaigen Aufhebungsbeschluh des Reichstages über die Gemeindegetränkesteuer verhalten wird, darüber liegt eine Kabinettsentscheidung noch nicht vor. Man rechnet in politischen Kreisen jedoch damit, dah die Reichsregierung hieraus keinen Konfliktfall machen wird, der etwa zur Auflösung des Reichstages führen tonnte. Oie Meinung der presse. Wird die Notverordnung wieder aufgehoben werden müssen'? Berlin, 17.Juli. (CNB.) Die mit so aroßer Spannung erwartete Entscheidung im Kampfe um das Deckungsprogramm ist nunmehr durch die Notverordnung des Reichspräsidenten auf Grund des , Artikels 48 der Verfassung gefallen. Die Stellungnahme der Berliner Blätter ist naturgemäß nicht | einheitlich. Die „Germania^ (Ztr.) macht dem Reichstag zum Vorwurf, daß er in einer Stunde ve rsagt habe, wo er inmitten einer gefahrdrohenden Wirtschaftskrise, inmitten dringlichster finanzieller Aufgaben handeln und entscheiden mußte. Infolge dieses Mangels an Mut und Verantwortung, den der Reichstag gezeigt habe, sei der Reichsregierung nichts anderes übriggeblieben, als das zu tun, was im Interesse des Staates und einer geordneten Finanzwirtschaft ihre unaus- weichliche Pflicht war. Das Blatt hebt besonders die Ablehnung des kommunistischen Mißtrauensantrages mit einer Mehrheit von 185 Stimmen hervor und knüpft daran die Folgerung, daß der gestrige Tag mit einem starken Erfolg des Kabinetts geendet hat. Ueber das Schicksal des von den Sozialdemokra- ten angekündigten Aufhebungsantrages äußern sich die Blätter zumeist in dem Sinne, daß es mit Hilfe der Deutschnationalen gelingen dürfte, die Notverordnung weiter in Kraft zu halten. Die „Deutsche Tageszeitung" (Landbund) weist auf die Gefahren hin, die bei einer Wiederaufhebung der Notverordnung, insbesondere der Landwirt- s cha ft in der allerkritischsten Zeit der Ernte drohen 'und schreibt: wir können uns nicht vorstellen, daß die deutsch- nationale Reichstagsfraktion bei der entscheidenden Machtprobe zwischen der Regierung Brüning- Schiele und der aufs äußerste bereits wieder machthungrigen Sozialdemokratie anderswo zu finden fein sollte, als in Gemeinschaft mit dem übrigen Bürgertum an der Seite der Regierung. Die „Deutsche Tageszeitung" erblickt in der Ablehnung des kommunistischen Mißtrauensantrages eine günstige Vorbedeutung für die letzte Entscheidung der Deutschnationalen. Richt ganz so optimistisch äußert sich der „Berliner Lokalanzeiger" (Hugenberg), der erklärt, dah eine Entscheidung bei den Deutschnationalen noch nicht gefallen ist. An sich sei das Schicksal t>er Notverordnungen um so prekärer, als anzunehmen sei, daß auch einzelne Mitglieder der Regierungsparteien sich dem Aufhebungsantrag anschliehen dürften. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (Volkspartei) stellt für den Augenblick eine starke Steigerung der Regierungsautorität und einen weiteren Verlust an Ansehen des Parlaments fest. Die -Börsenzeitung" (Volkstons.) bedauert, daß der Artikel 48 in Anspruch genommen werden muhte und sagt, es wäre zweifellos besser gewesen, wenn man die Unterschrift des Siegers von Tannenberg nicht für Experimente steuer- diktatorischer Ratur in Anspruch genommen hätte. Der „Vorwärts" (soz.) sagt, Brüning habe es sehr eilig gehabt mit dem Artikel 48 zu kommen. Die Sozialdemokratie werde sofort die Aufhebung der Verordnung beantragen und gegen die Regierung einen Mihtrauensantrag einbringen. Der Mihtrauensantrag liege unterschrieben bereit. Die Sozialdemokratie wolle den Wahlkampf. Wenn es den bürgerlichen Parteien auch gelingen sollte, den Kampf hinauszuschieben, so werde die Abrechnung nicht lange auf sich warten lassen. Sie komme wahrscheinlich schon in diesem Herbst. Die „Vossische Zeitung" (dem.) rcäjnet nicht damit, bah sich ein« Mehrheit für den sozialdemokratischen Antrag, die Rotverordnung aufzuheben, finden wird. Sie glaubt, dah der Reichstag nicht aufgelöst und am Samstag nach Verabschiedung des Haushalts bis zum Spätherbst in die Ferien gehen wird. Aufhebung des Giahlhelmverbois im Rheinland. Einigung zwischen preußischem Innenministerium und Gtahlhelmbundesleiiung. Hindenburg besucht Sonntag auch die Rheinprovinz. Berlin, 16.Juli. (TU.) Amtlich. Im Verlauf des 16. Juli fand im preußischen Ministerium des Innern mit bevollmächtigten Vertretern der Bun- desleitung des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, eine längere Besprechung statt. Hierbei wurde vom preußischen Ministerium des Innern erneut den Vertretern des Stahlhelms dargelcgt, daß die gewünschte Wiederzulassung des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Westfalen von einer eindeutigen Er- Hz -"fn Die Stahlhelmführer Düsterberg und Seldte. klärung der Bundesleitung abhängig gemacht werden müßte, die eine bindende Zusaae enthielt, daß in Zukunft Verstöße gegen bestehende Gesetze nicht mehr vorkommen würden. In den Abendstunden des 16. Juli ging dann im preußischen Ministerium des Innern die nachstehende Erklärung der Bundesführung des Stahlhelms, vom 1. Bundesführer Seldte und 2. Bundesführer Düsterberg gezeichnet, ein: 1. Die Bundesführer des Stahlhelms haben erneut von der Auffassung des preußi- schen Staatsmini st eriums über die Vorgänge, die zu der Auflösung des Stahlhelms ln der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen geführt haben, Kenntnis genommen. 2. Unter Zugrundelegung dieser Auffassung geben die Bundesführer des Stahlhelms die Erklärung ab, daß sie in Zukunft solche Hebungen, wie sie im Oktober 1929 zur Auflösung Anlaß gegeben haben, unterlassen werden. Sie versichern ferner, daß eine den Vorschriften des Gesches vom 22. Mär; 1921 zuwider- laufende Betätigung, namentlich auch die Ausbildung und Hebung der Mitglieder im Waffenhandwerk und im Gebrauch von Kriegswaffen nicht im Stahlhelm geduldet wird. Der Stahlhelm wird sich mit allen Mitteln dafür einsehen, dah diese Verbote restlos befolgt werden und daß Mitglieder, die den verboten zuwiderhandeln, aus dem Bunde ausgeschlossen werden. 3. Insbesondere werden die Bundesführer dafür Sorge trogen, daß im Falle der Reubildung des Stahlhelms in der Rheinprovinz in der Provinz Westfalen nur solche Landesverbände und Hnt e r o rgan i f a- Honen gebildet werden, bei denen die Gewähr dafür geboten ist, daß die Anordnungen und Zusicherungen der Bundesführung von allen Mitgliedern befolgt werden. Berlin, 16. 3ull 1930. 1. Bundesführer gez. Franz Seldte. 2. Bundesführer gez. Düst erber g. Auf diese Erklärung hin hat der preußische Minister des Innern der Bundesführung des Stahlhelms ein Schreiben zugehen lassen, in dem es u. a. heißt: „Nach der von der Bundesführung des Stahlhelms abgegebenen Erklärung werden der Neubildung von Organisationen des Stahlhelms in der Rheinprovinz und in der Provinz Westfalen von der Polizei keine Hindernisse de- reitet werden. Die preußische Staatsreaierung setzt dabei im Vertrauen auf die gegebenen Zusicherungen voraus, daß der etwa neu zu gründende Stahlhelm in den genannten beiden Provinzen da- mit einem wesentlich anderen Charakter haben wird, als die seinerzeit aufgelösten Teile des Bundes und daß auch bei derFührer- o u s w a h l diesen Gesichtspunkten ausreichend Rechnung getragen wird. Die preußische Staats- rcgierung erachtet es im übrigen als selbstverständlich, daß die Wiederzulassung des Bundes nicht zum Anlaß neuer Angriffe gegen die Staatsregierung genommen wird und das schwebende Beschwerdeoerfahren seitens des Stahlhelms gleichfalls als erledigt angesehen werde. gez. Dr. W a e n t i g." Gleichzeitig hat der preußische Minister des Innern die nachgeordneten Behörden in der Rhein- provinz und in der Provinz Westfalen hiervon un- terrichtet und mitgeteilt, daß eine etwaige Neubildung des Stahlhelms in den genannten beiden Provinzen nicht zu beanstanden fei. Hindenburg besucht auch die Rheinprovinz. Berlin. 16. Juli. ($11.) Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt der preußische Ministerpräsident Dr. Braun im Lause des Donnerstagvormittags dem Reichspräsidenten zusammen mit dem Reichskanzler Dr. Brüning einen Besuch a b z u st a t t e n , um den Reichspräsidenten in aller Form zu bitten, auf feiner Reise durch d ie b e f rei ten Geb ie te auch die preußischen Gebietsteile zu besuch e n. Da das Stahlhelmverbot für Rheinland und Westfalen am Mitttvvchabend von der preußischen Staatsregierung aufgehoben worden ist, entfällt der Grund, der bisher den Reichspräsidenten veranlaßt hat, nicht in die preußischen Gebietsteile des befreiten Gebietes zu reisen. Man nimmt daher an, daß die Reise des Reichspräsidenten in derursprünglich geplanten Form und Ausdehnung st a 11 f i n d e n wird. Oie Sozialdemokraten wollen nicht mitmachen. Köln, 16. Juli. (ERB.) Die sozialdemokratische „Rheinische Zeitung" veröffentlicht einen Aufruf des Bezirksvorstandes der Sozialdemokratischen Partei Oberrhein (Bezirke Köln, Aachen, Koblenz und Trier), in dem unter Bezugnahme auf den Brief des Reichspräsidenten erklärt wird, dah eine Rückgängigmachung des Stahlhelmverbotes eine Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei (Bezirk Oberrhein) an den Befreiungsfeiern aus- schliehen würde. Neuer Amnestieantrag der Regierungsparteien. Der durch die Annahme des Einspruchs deS Reichsrates gefallene Amnestieantrag ist von den Regierungsparteien als neuer Initiativantrag im Reichstag eingebracht worden. Der Antrag muß nunmehr nochmals in drei Lesungen vom Reichstag erledigt werden. Ebenso muh er dann noch einmal dem Reichsrat vorgelegt werden. Ein Künfjahr-Wohnungs- bauprogramm. Berlin, 16. Juli (DD.) Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören beabsichtigt das Reichsarbeitsministerium nach Abschluß der De- mühungen um die Ankurbelung des Daumarktes die Frage «eines mehrjährigen Wohnungsbau- Programms und seiner Finanzierung einer gründlichen Durcharbeitung zu unterziehen. Man hat schon seit längerer Zeit bei den zuständigen Stellen erkannt, dah die Regierung die von ihr zur Durchführung kommende Wohnungsbaufinanzierung rechtzeitig den Aenderungen am Wohnung sm arkt anpas sen muh. Man teilt dre von Vertretern der freien Wirtschaft und der kommunalen Spitzenbehörden verschiedentlich geäußerte Berechnung, dah im Jahre 1935 der jetzige anormale Reubauwohnungsbedarf im wesentlichen gedeckt sein wird. Die damit verbundene Umstellung der Wohnungsbau p o l i t i k muh rechtzeitig und auf lange Sicht vorbereitet werden. Damit ist auch eine Aufrollung der Frage der Zwangswirtschaft verbunden, die aber in diesem Herbst noch zu keiner Entscheidung gebracht werden kann. Es läßt sich schon jetzt übersehen, dah man — eine normale Entwicklung vorausgesetzt. Tanz im Tessin von Siegfried von Vegesack. Es gibt vielerlei Tanzlokale und vielerlei Musik Mögen andere die mondänen Tanzdielen, den eleganten Eintänzer und die Jazzband bevorzugen, — ich bekenne mich zur Osteria von Bezia, zu Guerino, dem Steinklopser im Trikot, zum elektrischen Klavier. Bezia ist ein kleines Dorf an der Gotthardstrahe, kurz vor Lugano. Kirche und Osteria liegen dicht nebeneinander. Solange die Glocke läutet, hinter den bunten Fensterscheiben Gesang und Gebetgemurmel herübertönt, muß das elektrische Klavier oder, wie es hier genannt wird, das Vertikal, schweigen. Aber schon sitzt der dicke Mann mit dem spitzen Strohhut und der scharlachroten Bauchbinde in der Ecke neben dem schwarzen Kasten, auf dem ein blauer See mit Alpen» landschaft aufgemalt ist. Und kaum ist die Andacht zu Ende, wirft ein Bursch ein 10-Gentimeftüd in den Schlitz, der Alte dreht die Maschine auf, es kracht und stöhnt und rumort unheimlich in den Gingewei- 6en des Instrumentes — und die Musik geht los. Wie soll man diese Musik beschreiben? Es ist ein Poltern, Dröhnen, Stampfen, gewaltig wie ein Gewitter, wie das Brausen des Meeres, wie das Donnern eines V-Zuges durch den Tunnel. Aber dann plötzlich quirlen aus der Tiefe unsagbar vergnügte, kindlich lustige Töne auf, es klimpert und klappert, Helle Glöckchen klingeln verführerisch, das ganze elektrische Klavier scheint zu hüpfen, und sogar der dicke Mann schmunzelt und schnallt sich die Binde fester um den gewaltigen Bauch. Doch schon orgelt wieder der Bah ganz tief, dumpf, drohend, der schwarze Kasten mit der blauen Seelandschaft brummt und gurgelt melancholisch, und der dicke Mann vergräbt träumerisch beide Hände hinter der roten Bauchbinde. Der Raum ist schmal, nur von einer schwachen Petroleumlampe und dem Feuer im mächtigen Kamin erhellt. Gewaltige graue Quadersteine bedecken den Fußboden. Und aus diesen Steinen wird getanzt. Es ist eigentlich kein Tanzen, sondern ein wildes, nur vom Rhythmus gebändigtes Rasen und Wirbeln, ein Sich-Drehen, Sich-Schleudem, jähes ruckweises Stehenbleiben und Sich-weiter-Wirbeln, bis das Klavier plötzlich verstummt. Der beste Tänzer in Dezia ist Guerino, der Steinklopfer und Athlet, dessen Tanzkünste nur von Giovanni, dem Mehgergesellen von Lamone fast erreicht werden. Ader Guerino hat ein prächtiges rotgrün gestreiftes Trikot, bronzebraune tätowierte Arme und eine verwegene Ballonmütze, neben denen Giovanni mit seinem aufgekrempelten Hemd und dem schwarzen Haarschopf doch nicht recht zur Geltung kommt- Wenn aber diese beiden Burschen miteinander tanzen, so ist das wirklich eine Sehenswürdigkeit, mit der Berliner Kabaretts ein Bombengeschäft machen könnten. Leider will Guerino nach Amerika auswandern. Er wartet nur auf den Tod seiner Mutter. Fünf Jahre wird es noch dauern, laxiert er. Bis dahin klopft er Steine und läßt auf Wunsch seine Muskeln spielen. Ader das tut er nur im Rehhemd, im Kramladen seiner Mutter. Sozusagen als Gratiszulage für treue Kunden. Man braucht nur um die Mittagszeit eine Schachtel Uto-Zigaretten zu kaufen, den Athleten zu rufen und schon steht er da, im Retzhemd, und läßt die tätowierten Muskeln spielen . . . Zwischen den Tänzen wird aber gelungen oder „Morra" gespielt. Die Burschen stellen sich im Kreis auf, sehen sich starr in die Augen und schmettern „La bella Ticinese“ — ein schwermütig verhaltenes Lied von hinreißendem Schwung, wie alle Lieder hier in Moll gelungen. „Morra" ist aber ein Spiel, das von der Polizei verboten ist, weil es dabei oft zu Messerstechereien kommt,und das deshalbnur hinter gesetzlos, jenen Fensterläden gespielt wird. Den eigentlichen Sinn habe ich nicht ergründen können- Jedenfalls muh es sehr aufregend fein: man hockt um einen Schemel, schleudert die rechte Hand vor, streckt dabei einen oder mehrere Finger aus und brüllt sich gegenseitig fürchterlich an. Man tanzt, man singt, man spielt mit Leidenschaft, mit Vehemenz, mit wildem Rhythmus und zugleich mit einer kindlich unverdorbenen Freude, die beneidenswert ist. Wer das Tessiner Volk kennenlernen will, der meide die Kaibeleuchtung in Lugano, die Kurpromenade und die Dars und wandere statt besten zur Osteria nach Vezia, zum Vertikal, zum dicken Mann mit der scharlachroten Bauchbinde, zum Steinklopfer in Trikot. Der schwarze Kasten mit der blauen Seelandschaft orgelt und klimpert, brummt und donnert, quirlt und klingelt, die Burschen stampfen und wirbeln auf den Quadersteinen, die alte freundliche Wirtin bringt dir einen neuen „Litro Nostrano“,unb du hockst im Kamin, am Feuer, das die Schatten der Vorbeitanzenden gespensterhaft an die Wand wirft. Im Fenster, hinter dem Gitter, hängt ein Bube, preht das blaffe schmale Gesicht an die eisernen Stäbe und starrt in den Raum. Und hinter ihm hängt der Mond, noch blasser, noch schmaler, im hellblauen Viereck des sommerlichen Rachthimmels. Wanderst du dann heimwärts, nehmen die zirpenden Grillen die Musik von Dezia auf, flimmern und funkeln die heuduftenden Wiesen von unzähligen Glühwürmchen, atmen die Rebenhügel, heben und senken sich die mondüberglänzten Berge von Eademariound Arosio, tanzt diese ganze tessiner Land- । schast im Takt des elektrischen Klaviers: heiter beschwingt, und doch mit gurgelnden Untertönen 1 schmerzlicher Melancholie. Lustige Kriminalgeichichten. Aus den Erfahrungen von Scotland Vard, der englischen Polizeizentrale, erzählt ein Beamter allerlei komische Vorfälle der letzten Zeit. Gin berüchtigter Hochstapler wurde viele Monate hindurch „be- fchattet", weil man erfahren hatte, dah er einen großen Coup plane. Er schien von dieser Aufmerksamkeit, die ihm die Polizei widmete, nichts zu ahnen, und die Erregung der Beamten wuchs immer mehr, da man beobachtete, wie er häufige Besprechungen mit seinen Helfersheisern hatte. Aber nicht das geringste Anzeichen für dieAusführung des Verbrechens wurde beobachtet, so daß man schließlich die „Beschattung" aufgab. Arn nächsten Morgen wurde der Inspektor, der die Sache unter sich hatte, angerufen, und eine Stimme fragte durchs Telefon: „Wo ist denn mein Schalten hingekommen? Ich genieße doch nun schon feit Monaten den Schutz der Polizei, und jetzt plötzlich nehmen Sie mir alle meine Schutzengel fort- Wissen Sie denn nicht, dah meine Leute nicht in Ruhe arbeiten können, wenn sie nicht wissen, dah ich beobachtet werde?" Zwei Stunden später war der langerwartete Coup ausgeführt. - Eine Detektivpatrouille beobachtete jpät in der Rächt einen Mann mit einem Koster, der unruhig und ängstlich vor einem Hause auf und ab ging. Man verhaftete den Verdächtigen, und da er über fein Benehmen keine genügende Auskunft geben konnte, befahl man ihm, den Koster zu offnen. Rach heftigem Widerstreben tat er es: und man fand darin eine gröbere Menge Geld und einigen Schmuck. Das war aber noch viel verdächtiger, und nun bequemte sich der Verhaftete zu einer Erklärung: „Ich bin der Schatzmeister einer Wohltätigkeitsgesellschaft und komme von einem Essen, bei dem eine Sammlung veranstaltet wurde. Den Ertrag führe ich bei mir. Ich habe mich etwas verspätet und weih, dah meine Frau auf mich wartet. Deshalb wanderte ich noch etwas herum, um mir Mut zu machen, bevor ich ihr unter die Augen trete." Die Detektive begleiteten den zitternden Pantoffelhelden in feine Wohnung und als sie bereits an der Tür die Gattin erblickten, die sofort ihre Gardinenpredigt eröffnete, verzogen sie sich, von der Unschuld des Mannes überzeugt. — Zwei Einbrecher führten kürzlich in dem Garten einer Vocstadtvilla eine unbeabsichtige Komödie auf. Sie hatten es beide auf die Teppiche und das.Silber des stattlichen Hanfes abgesehen, und jeder belauerte vorsichtig und argwöhnisch die Bewegungen des andern. Wenn der eine aus seiner Ecke hervorkam, ergriff der andere die Flucht, um wieder zurückzu- kehren, wenn der erste verschwand. Rach einer halben Stunde dieses Katze-und-Maus-Spiels wollten beide flüchten und stießen dabei aufeinander. Run entstand ein heftiger schwelgender Kampf, bis die unterdessen aufmerksam gewordenen Schutzleute dazu kamen und beide verhafteten. .Du Idiot", sagte der erste Einbrecher auf dem Wege zur Polizei zu feinem Gegner. „Warum hast du denn nicht gesagt, was du vorhattest? Ich dachte, du wärst ein Polyp." „Wie konnte ich denn", erwiderte der andere gekränkt. „Ich hielt ja dich für einen!" — Rudolf Schildkraut t« Rudolf Schildkraut ist, wie aus Washlng- t o n gemeldet wird, in Hollywood an den Folgen eines Herzschwächeanfalls gestorben. Erst die Nachricht von seinem Tode erinnert wieder an diesen Schauspieler, der in der deutschen Oeffentlichkeit heute schon ziemlich vergessen und vielen Jüngeren überhaupt nicht mehr bekannt ist. Abenteuerlich und fremdartig genug waren fein Leben und Aufstieg. 1862 wurde er in Konstan- tinopel als Sohn eines Hoteliers geboren, lernte erst mit 12 Jahren die deutsche Sprache und kam dann nach Wien, wo er die Aufmerksamkeit Friedrich Mitterwurzers erweckte, als dessen einzigen Schüler er sich gerne bezeichnete. 1893 spielte Schildkraut am Wiener Raimund-Theater, einige Jahre später am Karl-Theater und war von 1900 bis 1905 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Don dort holte ihn Reinhardt plötzlich fort, und es erging daher ein Urteil, nach dem Schildkraut eine sehr bedeutende Konventionalstrafe nach Hamburg zu zahlen hätte. Von nun an läuft der Rest feines Ledens im Dunkeln. Dieser Schauspieler, der erst mit 50 Jahren seine ganz großen Erfolge buchen konnte, mußte, um seine Verpflichtungen zu erfüllen, im Berliner Apollo-Theater einen krassen Sketch spielen, der für seine vielseitigen Gaben und Fähigkeiten eigens geschrieben wurde. Dann ging Schildkraut nach Amerika und spielte dort am Jiddischen Theater und scheint hier alles gefunden zu haben, was er brauchte, denn er ist nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt. Es war wohl so, daß sich dieser Schauspieler und Vagant in den geordneten Verhältnissen der großen Bühnen niemals recht wohlfühlte, darum brach er immer wieder aus ihnen aus. Es bleiben von ihm in der Erinnerung einige weitzurückliegende Abende bei Reinhardt, ein packender „König Lear", der Vater in Schalom Aschs „Gott der Rache" und der S h y l o ck in der Reinhardtschen Inszenierung des „Kaufmanns von Venedig". Der Schauspieler ist in dem biblischen Alter von beinahe 70 Jahren in dem Hause feines Sohnes gestorben, der in Hollywood Filme dreht. itlb. M fidi3^ es! •'»•n wird. lttg. >llen nicht ^yehoben V bisher frä ’ in .?? Ne ^UNglich "behnung ag der ictt. Einspruch- M ihag ist von den r Initiativ« gebracht vor« nochmals in hstag erledigt noch einmal t werden. htotmofai« JenlW men Unde» der «hem (Ijä, ^)- m dem w *} Aeichspriist, Rückgängig« verboteSeine N Partei (De« lngsseiern M- »HMNgSr IM. - wir aus parla« beabsichtigt das Ibschlub der De- des Daumarkles . Wohnungsbau- mng einer gründ' zie^n. Man hat den zuständigen ung die von ihr Hnungsdaufinan- ngen am Doö> Wan M »'s ciMi und dn ^chiedentlich ge- Ichre 1935 der mungsbedars ün >. Die damit vcr- 'Dohnungs- itig und aus Damit ift auch der Zwangs- aber in diesem ing gebracht wer« ht übersehen, daß ^orausgeM ^da^amnund agte der erste Sm jzuseinmEcS"^ aat was du vor- AiM« rauit- nert wieb« an x.!!S Ä, ssfe tte, SLs und war »flinburl ÄS SSfÄ A°A ti» E ZM 0in« ourde- bort am (Pie 5 Kunden f#A * aruöl ;9 ßeflr, Ernste Lage in Aegypten. Oie Unruhen in Alexandrien dauern an. — Unzufriedenheit mit England. — Oben links: Die Ankunft Nahas Paschas in Alexandria, wobei es zu Unruhen kam, die 17 Tote forderten. — Unten links: König Fuad I. — Oben rechts: der frühere Ministerpräsident Nahas Pascha, der Führer der Wafd-Partei, die sich gegen die englische Vorherrschaft wendet. — Unten rechts: Blick auf Alexandria. London, 16.2uli. (XU.) Nach den letzten Berichten sind bei den Unruhen in Alexandrien 17 Personen getötet und 400 verwundet worden. Die Regierung hat das Erscheinen von drei führenden Blättern der nativ- nalistifchen Wafdpartei verboten. Die Unruhen sind für die Behörden trotz der herrschenden Spannung vollkommen überraschend gekommen. Die Polizei wurde auf dem Mohammed-Ali-Plah von Studenten i n kurzer Zeit überwältigt. Auch das Eingreifen einer kleinen Abteilung ägyptischer Soldaten blieb erfolglos. Die Polizeistationen sind angegriffen worden, von denen eine vollständig zerstört wurde. Die passive Haltung Englands hat in nichtägyptischen Kreisen starke Besorgnis und Kritik hervorgerufen. Ministerpräsident Macdonald teilte im Unterhaus mit, das) die Regierung mit Rücksicht auf die Bedrohung ausländischen Lebens und Eigentums in Alexandrien zwei Kriegsschiffe dahin entsandt habe. Der englische Oberkommissar in Aegypten fei beauftragt worden, dem ägyptischen Ministerpräsidenten mitzuteilen, daß die britische Regierung sich nicht in den Kampf gegen die ägyptische Verfassung einmischen werde und daß er für den Schuh des ausländäschev LebenS und (Ngentums verantwortlich fei. In Alexandria kam es zu neuen Unruhen vor dem Krankenhause, als der Generalstaatsanwalt es ablehnte, die dort aufgebahrten Opfer der Unruhen vor der Sektion freizu- geben. Mehrere tausend Mnwohner rotteten sich zusammen und bewarfen das Krankenhaus mit Steinen. Die Polizei hatte große Mühe, die Ordnung wiederherzustellen. Die Menge wollte die Beisetzung der Getöteten zu einer imposanten öffentlichen Kundgebung gestalten. — in etwa fünf Jahren die Wohnungsbaupolitik des Reiches vor allem auf den Ersah baufällig gewordener Altwohnungen — die Schäden einer relativ schlechteren Bauarbeit der ersten Rachkriegsjahre werden sich dann stärker bemerkbar machen — und auf die Beseitigung sogenanter Elendsquar- tiere richten wird. Oie Auswirkungen der Pensionskürzungspläne. Berlin, 16. 9uli. (Priv.-Tel.) Die von der Sozialdemokratie betriebene Pensionskürzung der Beamten auf eine Höchstgrenze von jährlich 12 0 0 0 Mark scheint gewisse parlamentarische Erfolgsaussichten zu haben, wenn auch die praktischen Auswirkungen nach Ansicht unterrichteter Reichsstellen zumindest recht zweifelhafter Natur sind. Der Kreis der von der Kürzung erfaßten Reichsbeamten dürfte relativ gering sein. Man schätzt, daß etwa 60 Ministerial- beamte — die Minister werden nach dem neuen Pensionsgesetz ja nicht getroffen — eine Kürzung erfahren, deren Gesamtertrag 150 000 Mark im Jahr wahrscheinlich nicht übersteigt. Eine stärkere finanzielle Entlastung wird die Kürzung für die Militärpensionäre bringen, da die Zahl der pensionierten und von der Kürzung betroffenen Generäle angesichts des ziemlich schnellen Wechsels in diesen Positionen relativ größer ist. Eine Gesamt- aufstellung fehlt noch, aber bei einem jährlichen Pensionsetat von 640 Millionen des Reiches wird durch die Kürzung praktisch nur eine geringe Summe eingespart. 3m übrigen scheint man in den zuständigen Reichsstellen die Bedenken der preußischen Regierung zu teilen, die den Weg dieser Kürzung aus beamtenpolitischen Gründen für v erseh l t halt, da sie die Spitze der Beamtenschaft vom Ministerialdirigenten an der mittleren Stufe so sehr annähert, daß der Anreiz, sich der Beamtenkarriere zu widmen, eine bedenkliche Verringerung erfährt, «ollte die Pensionskürzung auf 12 000 Mk. jährlich für das Reich durch di« Sozialdemokraten zur Annahme gebracht werden, so wird sich die merkwürdige Situation ergeben, daß die unter sozialdemokratischer Führung stehende Preußenregie- rung a n den alten Sätzen fest hält. Wie wir von unterrichteter Seite Höven, ist angesichts dieser Schwierigkeiten der Gedanke aufgetaucht, eine generelle Kürzung der Pensionen vorzunehmen, die von den jetzigen 80 o. H. des Gehaltes auf 75 v. H wie in der Vorkriegszeit heruntergesetzt werden sollen. Prdmienmarff in Alsfeld. Alsfeld, 16. Juli. Am vergangenen Montag fand in der gewohnten Weife der diesjährige Prämtenmarkt statt, der sich eines recht guten Besuchs erfreute. Auch die Beschickung des Marktes mit Prämiierungsvieh hielt sich auf der vorjährigen Höhe, bei den Pferden war sogar eine Zunahme zu verzeichnen. Es waren zur Prämiierung aufgetrieben 141 Pferde (114), an Rindvieh 80 Stück Rotvieh der Vogelsberger Zucht, 150 Stück Fleckvieh, 128 Stück Ziegen, 810 Ferkel gegen 408 im Vorjahre, sowie 14 Schafe und 8 Eber. An Prämien gelangten insgesamt etwa 4000 Mk. zur Verteilung. Das zur Schau gebrachte Zuchtmaterial war nach übereinstimmender Auffassung der Preisrichter besser als im vergangenen Jahre. Zu der von dem Landwirtschafts- kammcrausschuh für die Provinz Oberhessen gleichzeitig mit dem Prämienmarkt veranstalteten Bullenauktivn waren 40 Tiere aufgetrieben. Die Mehrzahl wurde verkauft, die Preise bewegten sich zwischen 800 unb 1220 Mk. Am Rachmittag fand auf dem Festplatz eine reitersportliche Veranstaltung des Reit- und Fahrvereins für den Kreis Alsfeld unter der Leitung von Rittmeister a. D. Graf Bredow zu Altenburg statt, die sich eines regen Interesses und guten Besuchs erfreute. Man beschränkte sich diesmal auf Schulreiten und Geschicklichkeitsprüfungen der Reiterabteilungen. Reu war die von der Bezirksstelle für Pflanzenschutz bei dem Landwirtschaftsamt Alsfeld in Verbindung mit dem Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Alsfeld in der Turnhalle veranstaltete Ausstellung für Schädlingsbekämpfung, welche die Schädlinge und Krankheiten unserer Nutzpflanzen sowie deren fachmännische Bekämpfung in sehr anschaulicher Weise zeigte. In der Stadt, insbesondere auf dem Marktplatz herrschte das be- kcnmte bunte Jahrmarkttreiben. Nachspiel zu den Wormser Unruhen. WSR. Darmstadt, 16. Juli. Vor der Großen Strafkammer in Darmstadt begann am Dienstagvormittag die Berufungsverhandlung wegen der Wormser Unruhen im Januar. Don den damals zwanzig Angeklagten hatten sich jetzt noch siebzehn zu verantworten. Die Vernehmung der Angeklagten nahm den ganzen Tag in Anspruch und förderte nichts Reues zutage. In der heutigen Verhandlung soll eine eingehende Vernehmung des Po- lizerdirektors K 1 a p p r o t h und des Polizeihauptmanns Jennewein erfolgen. Man hofft hierdurch eine solche Klärung zu erzielen, daß auf den größten Teil der Zeugen verzichtet werden kann. Flugzeugabsturz im Odenwald. Die Pilotin tödlich verunglückt. WSR. Darmstadt, 16. Juli. Heute mittag nach 12 Uhr stürzte ein Flugzeug, das kurz vorher das Dorf Würzberg bei Erbach im Odenwald überflogen hatte, in der Rähe der Heistermühle bei Wüi^berg ab. Das Flugzeug wurde von der 38jährigen Pilotin Paula Kister aus Böblingen gesteuert, die bei dem Absturz den Tod fand. Augenzeugen wollen beobachtet haben, wie der Motor plötzlich aussetzte, worauf sich die Pilotin zum Gleitflug an- schickte. Vermutlich ist die Maschine in den Daum- Wipfeln hängengcblieben, wodurch der Absturz verursacht wurde. Die Maschine trug die Bezeichnung „Deutsche Luftfahrtgesellschaft 909 Hermann Köhl". Berliner Börse. Berlin, 17. Juli. (WTB. Funkfpruch.) Die gestrigen Vorgänge im Reichstag haben in der innerpolitischen Lage zu einer wesentlichen Klärung geführt und eine merkliche Beruhigung an den Effektenmärkten hervorgerufen. Die Umsatztätigkeit war zwar im heutigen Frühverkehr immer noch klein, die Tendenz muh aber alB nicht unfreundlich bezeichnet werden, obwohl Kurse noch nicht zu hören sind Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Pari« 123,60, London gegen Mailand 92.88. London gegen Madrid 41,58. London gegen Buenos 40,85, London gegen Kabel 4,865054, London gegen Berlin 20,3725, Kabel gegen Berlin 4,187073. Die Wetterlage. © Wort enlos.® nenn. O naro oeaertt ® wonna • otdecti • Keofll # Schnee o Graupeln « ncdcl K Otwiiitr ©windstille.O* xh* leichter 0» y massige* "Südsüdwest Q stürmschci nordwesl die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oooen Stationen stehenden Za* len gehen die Temperatur an. Pie Limen «eromdco Ort» mit gleicht® . vergeben werden. Angebote sind verschlossen, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens am Mittwoch, dem 23. d. M., vorm. 10 JO Uhr, beim Städtischen Tiefbauamt, Asterwea Nr. 25, abzugeben. 5101C Angebotsvordrucke sind daselbst zu haben. Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen. Gießen, den 15. Juli 1930. Städtisches Tiefbauamt: Braubach. Bekanntmachung. Die zur Neubefeftigung verschiedener Straßen erforderlichen Maurer- und Pflasterarbeiten sollen auf Grund der R.V.V. öffentlich vergeben werden. Angebote sind spätestens am Mittwoch, dem 23. d. M.» vorm. 10^ Uhr, verschlossen, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, beim Städtischen Tiefbauamt, Asterweg Nr. 25, abzugeben. Angebotsvordrucke sind daselbst zu haben. Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen. Gießen, den 16. Juli 1930. Städtisches Tiefbauamt: Braubach. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Großen- Linden für das Rj. 1930 liegt vom 18. 3ull an eine Woche lang auf dem Bureau der Bürgermeisterei Großen-Linden zur Ein- sicht der Interessenten offen. 50950 Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Großen-Linden, den 15. Juli 1930. Hessische Bürgermeisterei. Lang. Zwei gutmöbl.Zlmmer sind alsbald zu verm. mi,D] Stidanlage 9 p. | Mietgesuche Schöne 6 bis 7-Zinnnßr- Wobnung mit Bad, Veranda od. Balkon, in gut. Lage ZU mieten gefufit. Schrift!. Angeb. unt. 50971) an d. Gß.Anz. 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Bedarf Sonntag 5.20 Uhr ab Bahnhof u. 5.30 Uhr ab Gießen (Ludwigsplatz). 9 Uhr ab Lud- wigsplatz. dann von 11.30 Uhr ständiger Pendelverkehr ab Ludwigsplatz. Ab Garbenteich 9.30 und 13 Uhr, Rückfahrten bis 24 Uhr und nach Bedarf auch später. Montag fahrplanmäßig und abends nach Bedarf Eintrittspreise: Samstag Mk. 0.50, Sonntag Mk. 0.80, Montag Mk. 0.30, Dauerkarten Mk. 1.20 9 Unterstellung von Motor- und Fahrrädern auf dem Festplatz unter Aufsicht 5110V ■Lichtspielhaus I Bahnhofstraße 34 Ab heute bis einschließlich Sonntag: Henny Porten in: I Mutterliebe! Gesellschaftsdrama in 8 Akten. I Die Deatiehe Tageszeitung schreibt: Man hat die Künstlerin, an der man Glanz- I leistungen gewohnt ist, noch nie so gelöst, so I von echtem Gefühl erfüllt gesehen, wie in I „Mutterliebe“. — Ferner: I Sieg des Herzens | I Ein Sensationsschauspiel in 6 spannenden Akten. I I Mit diesem erstklassigen DoppelpiO-iramm werden M I auch die allerverwöhntesten Besucher zufrieden sein ■ I Anfang täglich: 4. 6 und 8.30 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr. I 4758 C ■ Vergleichsverfahren. lieber das Vermögen des Adam Wehrheim, Inhaber der Firma 21. Wehrheim, lolsierwerkstätte in Gießen, Löberstrahe Nr. 17, ist am 15. Juli 1930, vormittags 9% Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. Der Rechtsanwalt Rothenberger in (Siezen ist zur Vertrauensperson ernannt. Termin zur Verhandlung über den Vergleichsoorschlag ist auf Donnerstag, den 14. August 1930 vormittags 9 Uhr vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 204, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. 50980 Gießen, den 15. Juli 1930. Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Vergleichsverfahren. Heber das Vermögen des Spenglers und Installateurs Wilhelm Druck in Leihgestern (Kreis Gießen) ist am 15. Juli 1930, 16.30 Uhr, das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses eröffnet worden. 51000 Der Geschäftsführer Hermann Kirchner in Gießen, Am Nahrungsberg 16, ist zur Vertrauensperson ernannt. Termin zur Verhandlung über den Vergleichsvorschlag ist auf Mittwoch, den 13. August 1930, 10 Uhr vor dem Hessischen Amtsgericht in Gießen, Zimmer Nr. 201, anberaumt. Der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens nebst seinen Anlagen und das Ergebnis der weiteren Ermittlungen sind auf der Geschäftsstelle zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 15. Juli 1930. Die Geschäftsstelle des Amtsgerichts. Wie NlieiMU Am Freitag, dem 18. Juli, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im «Löwens Neuenweg 28: Möbel aller Art, Schlafzimmer, Kuchen- schränke, Büfetts, Tische, Stühle, einen weiß emaillierten Herd (Röder), Spielwaren, Zigarren, eine Dezimalwaage, eine Tischbohrmaschine mit 25 Bohrern und verschiedene andere Werkzeuge. Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28 — Telephon 3414 Verkauf von Herren- und Damenrädern zu jeder Tageszeit. |Verschiedenes 250001 10000 8000 2000 £m1:m Porfüu tute 3M ■ LF.Ohnacker Staatlicher Lolieiie-Einnehmer Darmstadt $chulitr.15 Alle Lotterie-Einnehmer und Verkaufsstellen. ■Mi Rat AusküntteinRechlS-» Siras-,Famtl.-Ange- leaenbeiten, Gesuche, Verträge, Beobachtungen, Ueberwachg. und Ermittlungen preisw^stre'Ng diskr. u. an all. Orten err. u. erledigt Detektiv- Bnreau-u. Auskunftei Inb.K.Gerz, Bad-Nau- heim, Kurstr. 17. tiS Goldenes geltenormönnö mit Steinchen verloren. SlbAugeben geg. Mn- derlohn auf dem Fundbüro. 04505 | Vereine | Union. Samstag, 19. Juli fineioe u. MlW BelDteüiuog. Erscheinen Eicht. Die Vorstände. MTV. Alle Läufer für den Hindenburg - Lauf Freitagabend 8.30, in d. Turnhalle, zwecks Einteilung einfinden Der OberturnwarL Nr. 165 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, (Z. Juli 1930 Landtagspause in Hessen 3n den Dorbereitungen zur Feier der Rhein- fanbräumung und der bevorstehenden Reise deS Reichspräsidenten an den befreiten Rhein ist der Abschluß der Budgetberatungen des Hessischen Landtags beinahe unbeachtet geblieben. Ein Rückblick ist aber notwendig angesichts der monatelangen Kämpfe um den Etat und das in ihm enthaltene Sofort- Sparprogramm der Regierung. GinS darf festgestellt werden: Der Landtag hat verhältnismäßig rasche Arbeit geleistet, was umsomehr in die Augen springt, wenn man einen Vergleich mit den Verhandlungen über den Reichsetat zieht. Auch in Hessen. haben die notwendigen Sparmaßnahmen nicht den ungeteilten Beifall der Parteien gefunden, aber die Regierung hat sich die Führung nicht aus der Hand nehmen lassen und die oft auseinan- derstrabenden Kräfte zufammengehalten, selbst auf die Gefahr hin, daß Verstimmungen zurückblieben. Sie zwang dadurch auch die Koalition-Parteien zu mancherlei taktischen Wanö- vern und Abstimmungen, die von der gewohnten Linie abwichen. — Ein Rückblick ergibt, daß die von der Regierung vorgesehenen Einnahmeerhöhungen durchgeführt wurden, und zwar Mehrablieferungen von Bad-Rauheim 300 000 Mk., Erhöhungen der Pflegegeldsätze in den Heil- und Pflegeanstalten 570 000 Mk., Gemeindebeiträge zu den Dolksschulstellen 734 000 Mk., und Gerichtsgebührensteigcrung 100 000 Mk. — Auch in der Ausgabensenkung folgte die Mehrheit des Landtages den Vorschlägen des Sparprogramms: Kürzung der Geoäude-älnterhaltungskosten 745 000 Mark, personelle Einsparungen im Forstwesen 280 000', personelle Einsparungen in Bad-Rau- heim 16 000 Mark, Herabsetzung der Woh- nungsbauzuschüsse und der Sondergebäudesteuer 2 000 000 Mark (hier sind allerdings wieder 600 000 Mk. nachträglich eingestellt worden). Wegfall des Staatszuschusses bei der Versicherungsanstalt für Gemeindebeamte 170 000 Mk., Einsparungen bei der Polizei 550 000 Mk.', Kürzung der Straßenbauzuschüsse 200 000 Mk., Einsparungen bei den Volksschulen 740 000 Mk.', Einsparungen bei den Höheren Schulen 280 000 Mark', Einsparungen bei den Hochschulen 230 000 Mark, Einsparungen bei dem Landestheater 200 000 Mk., Einsparungen bei den Feldberei» nigungs- und Dermessungsämtern 100 000 Mk., durch Stelleneinsparungen weitere 96 000 Mk.'. Einsparungen beim Landesgestüt sofort 20 000 Mark und durch Inhaberversehunzen 102 000 Mark', Einsparungen beim Gcwcrbemuseurn 24 000 Mk.', personelle Einsparungen im Gerichtswesen 184 000 Mk.', Einsparungen im Strafvollzug 35 000 Mk., Stellenverminderungen im Landesvermessungswcsen 67 072 Mk., desgleichen im Bauwesen 157 404 Mk. Die mit ' versehenen Summen wirken sich natürlich erst im Dauerzustand, also erst nach vollständiger Durchführung der beschlossenen Stellenverminderungen oder Inhaberbewilligungen aus. Die «Linsparungen bei den Zentralbehörden. die besonders umstritten waren, stellen sich nach den Beschlüssen des Plenums wie folgt: Im Staatsministerium' nich Regierungsvorschlag 11 000 Mk., durch Land- taasbeschluß jetzt weitere 16 000 Mk.', Fondsabstriche 7000 Mk., zusammen 23 000 Mk. Im Innenministerium 7000 Mk., im Finanzministerium 46 000 Mk.', im Kultusministerium 10 000 Mark'. — Das Plenum hat weiter folgende Abstriche vorgcnommen: Abstriche cn den Kinderzuschlägen 350 000 Mk., ohl zu weit führen. Wir möchten nur einige ziffernmäßige Hauptpunkte herausgreifen. Wenn die Landwirtschaftskammer sagt, das Roggen mehl sei gegenüber der Vorkriegszeit um 35 Prozent billiger geworden, das Roggen b r o t habe sich aber um 40 bis 50 Prozent verteuert, so möchten wir doch bemerken, daß bei dieser Gegenüberstellung sehr wesentliche Faktoren außer acht gelassen sind. Es ist von der Landwirtschaftskammer nicht berücksichtigt worden, daß auch auf dem Däckergewerbe sehr große steuerliche Lasten liegen, daß die Aufwendungen für die Beiträge zur Sozialversicherung wesentlich höher sind als früher und auch noch die neben dem Mehl erforderlichen Rohmaterialien und De- triebsunkoften sehr stark auf der Aus- gabenseite des Däckereibetriebes erscheinen. Wenn man alle diese Belastungen der Bäckerei betriebe berücksichtigt, so wird man zugeben müssen, daß die von der Landwirtschaftskammer angeführte Spanne schon in einem ganz anderen Lichte erscheint. Im übrigen trifft aber der von der Landwirtschaftskammer angeführte Drotpreis von 88 Pf. für ein Vierpfund-Roggenbrot f ü r G i e - ßen nicht zu, denn hier verkaufen die Bäcker das Vierpfund-Roggenbrot für 75 Pf., gegenüber dem von der Landwirtschaftskammer genannten Preis also um 13 Pf. billiger. Die Spanne zwischen dem Drotpreis von 1909'13 in Höhe von 58,8 Pf. nach den Angaben der Landwirtschaftskammer und dem heutigen Gießener Drotpreis von 75 Pf. beträgt also nur 1 6,2 P f., sicherlich nicht zu hoch, wenn man die obenerwähnten Delastungen der Bäckereibetriebe berücksichtigt. Als Beispiel sei hier nur noch bemerkt, daß vor dem Kriege der Zentner Briketts für Däckereibetriebe 70 Pf. kostete, heute dagegen 1,40 Mk., also eine Preissteigerung von 100 Prozent. Dne Reichsregierung versucht, einen großen Teil des auf Grund der Stützungsaktion erworbenen Roggens zu ganz besonders billigen Preisen nach dem Ausland zu verkaufen. Rach unserer Ansicht wäre es richtiger, verbilligten Roggen zum Verbacken im Inland zur Verfügung zu stellen, um dadurch den | Drotpreis zugunsten der besonders notleidenden Volksgenossen zu senken. Das Däckergewerbe ist gerne bereit, bei einer solchen Aktion tatkräftig mitzuwirken, denn es ist ein Freund des Wirtschaftsfriedens, und es ist auch bereit, sich das Vertrauen der Verbraucher ehrlich zu verdienen. Rotwendig, ja dringend notwendig ist aber auch eine durchgreifende Aenderung unserer gesamten Wirtschafts- und Steuerpolitik, bei der den berechtigten Lebensinteressen der Landwirtschaft und des Gewerbes besser als bisher Rechnung getragen wird. Für dieses Ziel wollen wir gerne gemeinsam mit der Landwirtschaft kämpfen. Auch das Bäckerhandwerk hat schwer um seine Existenz zu ringen. Cs ist nicht, wie so manche meinen, auf Rosen gebettet. Der Verbrauch an Dackwaren — abgesehen von Drot — zeigt vielfach einen sehr großen Rückgang, wodurch der Däckermeister starke Mindereinnahmen erleidet. Dazu kommt in den Städten die Konkurrenz der Konsumvereine, die ebenfalls dem selbständigen Handwerk empfindlichen Abbruch tut Auch die gesteigert. m Hm so verwunderlicher ist es, daß aus Kreisen des Däckergewerbes scharfe Angriffe auf das Agrarprogramm der Landwirtschaft und insbesondere auf den angeblich hohen Drotgetreide- zoll erhoben worden sind. Auf der Verbands- tagung des Rhein-, Main-, Rahe-Däckerinnungs- verbandes wurde, wie die Tagespresse berichtet, die Behauptung aufgestellt, daß das Bäckergewerbe die Zeche für die gesamte Agrarreform in Höhe von 53 Millionen Mark bezahlt habe. Etwa zur gleichen Zeit sind verschiedenerorts und vor allem auch im Mittelpunkt des Frankfurter Wirtschaftsgebietes, in Frankfurt selbst, die Gebäckpreise erhöht worden, und zwar mit der Begründung, daß durch die erhöhten Getreidepreise die Mehlpreise unerschwinglich hoch geworden seien. Bezüglich des Roggenbrotes ergibt ein Vergleich gegenüber der Vorkriegszeit folgendes: Im Durchschnitt der Jahre 1909 bis 1913 war der ungefähre Preis für ein Kilogramm Roggenbrot 29,4 Pfennig. Rach Abzug des damaligen Durchschnittspreises für ein Kilogramm Roggen in Höhe von 17,4 Pfennig verbleibt eine Preisspanne von 12 Pfennig pro Kilogramm. Durchschnittspreis für Tagen im Reichstag gestellt wurde, ist nach den vorstehenden Ausführungen unverständlich. Der Dermahlungszwang hat segensreich gewirkt und neben dem Zoll den ersten Schutz für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gebracht. Deutscher Grund und Boden ist noch zur Genüge vorhanden, um Hunderttausende von Volksgenossen als Landwirte anzusetzen, aber nur dann, wenn diese neuen Existenzen wie auch die bereits vorhandenen Landwirte wirtschaftlich bestehen können. Der kommende Winter wird bestimmt eine große Arbeitslosigkeit bringen, wenn nicht endlich der Kurs unserer Wirtschaftspolitik entscheidend geändert wird. _ „ . „ Es ist sehr bedauerlich daß weite Volkskreise nicht wissen, daß die Erschwerung der Brotgetreide-Einfuhr gar nicht unsere Ausfuhr von Industrie-Erzeugnissen drosselt; vielmehr stammt diese Einfuhr von Brotgetreide aus Ländern, welche uns verhältnismäßig wenig Industrieerzeugnisse abnehmen, wie Argentinien, Kanada, Australien und die Vereinigten Staaten. War doch unsere Handelsbilanz im Jahre 1928 mit diesen vier Ländern allein um 2,3 Milliarden Mark passiv. Schon vor dem Kriege waren die Brot- und Futtergetreide-Zölle ungenügend. Die Kriegszeit hat gelehrt, daß die deutsche Landwirtschaft Brot- und Futtergetreide möglichst im eigenen Lande erzeugen muh. Deutschland hat kein Interesse daran, überseeischen Ländern Brotgetreide abzunehmen, die sich selbst durch ungeheure Zölle (Rordamerika) gegen die Einfuhr von Industrieerzeugnissen anderer Länder schützen, wenn wir in der Lage sind, durch eine mit Leichtigkeit durchzuführende Verschiebung innerhalb des Roggen- und Weizen-Verzehrs auf diese Einfuhr zu verzichten. Wenn unser Volk und seine Wirtschaft wieder gesunden sollen, so muh das alte Bibelwort beherzigt werden: „Einer trage des anderen Last". Mark und ging im Januar 1930 auf 272 Mark, im Februar auf 259,50 Mark und im Juni bis auf 252 Mark laut Frankfurter Rotierung herunter. Im Jahresdurchschnitt 1929 war das Roggenmehl etwa 15 Prozent teurer als jetzt und um 35 Prozent billiger als vor dem Krieg. Während also das Roggenmehl gegenüber der Vorkriegszeit um 35 Prozent billiger geworden ist, hat sich das Roggenbrot um 40 bis 50 Prozent verteuert. Die Lebenshaltungskosten ließen sich erheblich senken, wenn die Zwischenspanne der wichtigsten Rahrungsmittel und die auf dem Gewerbe lastenden Steuern ermäßigt würden. Ein Vergleich zwischen Weizenbrot und Roggenbrot ergibt folgendes: Ein Sack Aoggen- mehl liefert etwa 66 Laib Brote von je zwei Kilogramm Gewicht. Der Mehlpreisanteil am Drotpreis beträgt bei einem Mehlpreis von 26 Mark 39 Pfennig. Aus drei Pfund Mehl werden bekanntlich vier Pfund Drot gebacken. Im Durchschnitt der Jahre 1909/13 kostete das Mehl für das vierpfündige Roggenbrot 52,5 Pf., jetzt nur 39 Pfennig. Damals war der Brotpreis durchschnittlich 58,8 Pf., jetzt 88 Pfennig. Die Zwischenspanne zwischen Mehl- und Brotpreis war also in der Vorkriegszeit 6,6 Pf., heute 49 Pfennig. Der Doppelzentner Weizenmehl kostet zur Zeit rund 46 Mark. Bei einem vierpfündigen Laib beträgt der Mehlpreisanteil 69 Pfennig gegenüber 39 Pf. beim Roggenmehl. Bei einem Brot aus gleichen Teilen Weizen- und Roggenmehl ist der Mehlpreisanteil 54 Pfennig und bei einem solchen aus ein Drittel Weizen und zwei Drittel Roggenmehl 49 Pfennig. Er ist also um so niedriger, je weniger Weizenmehl verwendet wird. Im Interesse der gesamten Volkswirtschaft müssen aber auch vom Bäcker gewisse Opfer gebracht werden. Die Forderung auf Aufhebung des Vermahlungszwangs von Inlandweizen, die vor einigen ist also pro Tonne seit der letzten Zollerhöhung und zwar im Durchschnitt des Jahres 1929 und jetzt um 24 Prozent und gegenüber der Vorkriegszeit um 53 Prozent in die Hohe gegangen. Er hat somit den Indexstand der Industrieprodukte erreicht. Dafür ist aber der Roggenpreis erheblich zurückgegangen und zwar auf den Stand vom Jahre 1913. Der Landwirt muh also seinen Roggen zum Friedenspreis und teilweise darunter verkaufen, da er ja nicht den Preis der Frankfurter Rotierung erhält, sondern etwa 10 Mark weniger die Tonne infolge der Frachtunkosten usw. Der Roggenmehlpreis betrug im Durchschnitt der Jahre 1909 13 346 Mark die Tonne, irn Jahre 1929 = 297,90 Weizen Weizenmehl 212,60 416 246,50 359,5 269,1 400,1 262,1 393 267,1 282,5 288,7 425,9 311,3 447,3 325—327,5 450—460 Roggen Roggenmehl 174 326 215,5 297,9 185,8 272 176 259,5 168,6 251,5 188,3 278,1 179,6 267,3 171—172 252—262 Qualität der Weizenmehle hat durch den Deirnahlungszwang bedeutend gelitten. Das heutige Weizenmehl 00 ist in der Qualität nur noch mit dem früheren Weizenmehl 0 zu dergleichen, aber die Preisspanne zu Lasten des Bäckers beträgt zwischen den beiden Sorten 4 Mk. Daß bei diesem Qualitätsunterschiede der Mehle die Herstellung von Weitzgebäck mit Schwierigkeiten verbunden ist, wird jedermann klar sein. Im Interesse unserer hessischen Landwirtschaft und des Bäckergewerbes dürfte zu empfehlen sein, daß sich die Landwirtschaft wieder mehr dem Anbau von Krahnenweizen zu- wendet, womit dem jetzigen Hebelstand in der Mehlaualität abgeholfen wäre. Auch das Däcker- gewerbe ist gerne bereit, gemeinsam mit der Landwirtschaft und den Verbrauchern nach dem Wort zu handeln: „Einer trage des anderen Last!" Mögen die Regierung und die andern maßgebenden Stellen auch ihrerseits die entsprechenden Vorbedingungen dazu recht bald schassen durch eine vernünftige und annehmbare Wirtschafts- und Steuerreform. Däcker-Zwangsirrnung Gießen, gez.: W. L o eber, Obermeister. Anm. der Redaktion: Aus den Ausführungen der Däcker-Zwangsinnung dürfte hervorgehen, daß der Drotpreis in Gießen im Vergleich zu dem in andern Orten, der offenbar dem Aufsatz der Landwirtschaftskammer zugrunde gelegt wurde, erheblich günstiger liegt. Aus her pwvinzialhaupistadt. Gießen, den 17. Juli 1930. Zst der Star schädlich? Vom Vvgelschutzverein für den Volks- staat Hessen in Darmstadt gehen uns folgende Zeilen zu: Schon seit altersher gilt der Star als ein nützlicher Vogel, und zwar hauptsächlich feiner Insektenvertilgung wegen, die er zweifellos mit großem Eifer betreibt. Bereits vor dem Weltkriege kamen besonders aus England Meldungen, daß der Star unter Umständen auch ein höchst unangenehmer Getreidedieb sein kann, indem er in Schwärmen frisch besäte Weizenfelder aufsucht und die Körner aus der Erde holt. Untersuchungen des Mageninhalts haben diese Beobachtungen bestätigt. Dieser Schaden scheint jedoch nicht so groß zu sein, auch hört man bei uns kaum Klagen hierüber. Man nimmt an, daß es sich hierbei um eine „neue Gewohnheit" der Tiere handelt, die man als harmlos bezeichnen kann, so 'Longe diese Gewohnheit nicht der Insektenvertilgung vorgezogen wird, was ja auch bis jetzt glücklicherweise nicht der Fall ist. Häufiger und zahlreicher sind aber die Klagen, die gerade dieses Jahr wieder von Gartenbesitzern geführt werden über Schaden der Stare an der Obsternte. Besonders stark sind nun diese Klagen in Gegenden, in denen keine Stare brüten. Durch Beringungsversuche ist nämlich nachgewiefen worden, daß Brutstare nicht an Obst gehen. Als gesellig lebender Vogel überfliegt der Star nach der Brutzeit in großen Schwärmen das Land, und diese zu- geflogenen Stare richten allerdings am Obst großen Schaden an. Gegen derartige Schäden hilft man sich, indem man auf Stangen tote Katzen, Sperber u. dgl. aufstellt. Dabei hat man aber nur Ersolg, wenn man'jeden Tag den Stand derartiger Vogelscheuchen ändert, weil sich der Star sonst daran gewöhnt. Reuerdings hat man mit großem Erfolg Lautsprecher auf der Plantage aufgestellt. Der Kuriosität halber sei auch hierbei erwähnt, daß ein Plantagenbesitzer an die Vogelschuhstation in Seebach berichtete, er stecke auf seine Kirschbäume einzelne Salzheringe und habe damit die besten Erfolge erzielt. Jedenfalls läßt sich aber durch derartige Maßnahmen der Schaden der Stare auf ein Minimum herabdrücken, so daß weitere De- kämpfungsmahnahm' n der Stare, vor allem Abschuß, nicht nötig ersche.nm. Der Star ist und bleibt in der Hauptsache doch Insektenvertilger, und aus diesem Grunde ist seine Rühlichkeit nicht hoch genug anzuschlagen. Besonders bei der Bekämpfung der Schädlinge des Waldes hilft uns der Star sehr gründlich. Der Star läßt sich rasch und in großer Zahl ansiedeln und ist oft Retter in höchster Rot. Dies zeigt sich vor allem bei der Bekämpfung des Kiefernspanners, der bisweilen auch heute noch Millionenschaden anrichtet und der, um nur ein Beispiel anzuführen, für Homburg in der Pfalz schon im Jahre 1898 als durch diesen Vpgel vertilgt nachgewiesen wurde. So dürfte also der Ruhen des Stares bei weitem seine Schädlichkeit übersteigen und seinen bisweiligcn Kirschhunger viel milder beurteilen lassen. Gietzener Wochenrnarktpreise Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben (Bund) 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 30 bis 35, Römischkohl 8 bis 10, grüne Bohnen 20 bis 25, gelbe Bohnen 25 bis 30, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln, alte 4Vz bis 5 (der Zentner 3,80 bis 4 Mk.), neue 6 bis 7, Birnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 20 bis 40, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 20 Erdbeeren 60 bis 80, Himbeeren 40 bis 45, Aprikosen 50 bis 55, Pfirsiche 60 bis 100, Pflaumen 30 bis 35, Mirabellen 45 bis 50, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund; Tauben (Stück) 70 bis 80, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 20, Salatgurken 20 bis 40, Einmachgurken 3 bis 6, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Volkshalle Gießen: Militär-Groß-Kon- zert, 20 Hfjr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Mutterliebe" und „Sieg des Herzens". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am nächsten Dienstag wird das Stadttheater die Posse mit Gesang: „Einen Jux wiN er sich machen" unter der Regie von Heinrich Hub und der musikalischen Leitung von Kapellmeister Fritz Cujä aufführen. Besonderer Wert ist diesmal auf die Ausstattung gelegt worden. Obergarderobier Huber und Theatermeister Löffler haben neue Dekorationen und Ausstattung für diese Aufführung geschaffen. Daten für Freitag, 18. Fuli. Sonnenaufgang 4.03 Hhr, Sonnenuntergang 20.08 Hhr; Mondaufgang 23.02 Hhr, Monduntergang 12.06 Hhr. 1374: der Dichter Francesco Petrarca in QIrqua gestorben; — 1721: der französische Maler Antoine Watteau, Hauptvertveter der Rokokozeit, in Rogend gestorben; — 1811: der englische Schriftsteller William Thackeray in Kalkutta geboren; — 1864: die Dichterin Ricarda Huch in Braunschweig geboren; — 1870: Verkürckngung des päpstlichen Hnfehlbarkeitsdogmas auf dem Vatikanischen Konzil in Rom. •• D ie städtischen Wohnungsbau- ten in der Schwarzlach. .Seit einiger Zeit ist in dem östlichen Gebäude der städtischen Wohnungsbauten im Schwarzlachgebiet. an der Innenherrichtung der Räume so nachdrücklich gearbeitet worden, daß die Wohnungen in diesem Hause am 1, August bezogen werden können. Es kommen hierbei 30 Wohnungen mit drei bzw. zwei Zimmern nebst Zubehör in Betracht. Zu jeder Wohnung gehört u. a. auch eine Dade- einrichtung mit Wand-Kohlenbrandvfen, ferner ein Stück Gartenland. Die Mietpreise firtb auf 48 bis 50 Mark für eine Dreizimmerwohnung und auf 43 bis 45 Mk. für eine Zweizimmerwohnung festgesetzt worden. Gleichzeitig mit der Fertigstellung dieses städtischen Wohnhaus- blockes ist auch der Ausbau des verlängerten Asterweges über die sog. Ost-West-Strahe hinaus in Angriff genommen worden. Der Fahrdamm und der östliche Bürgersteig werden zur Zeit hergestellt und voraussichtlich bis zum Bezug der neuen Wohnungen fertig sein. Mit dem Innenausbau des auf der westlichen Straßenseite gelegenen Baublockes dürfte voraussichtlich in Kürze begonnen und dabei auch gleich der westliche Bürgersteig hergerichtet werden. •• Die älmgestaltungsarbeiten in der Gießener Bahnhofshalle haben in den letzten Tagen die Aufstellung des Buchhändler- und Zeitungsstandes an seinem endgültigen Platze gebracht. In Verbindung damit ist ein Durchbruch nach dem Bahnsteig I zu vorgenvmmen und hier ein Ausgabeschalter des Dahnhofsbuchhändlers geschaffen worden, durch den es den Reisenden möglich sein wird, sich mit Lesestoff zu versorgen, ohne erst zu diesem Zwecke durch die Sperre gehen zu müssen. Die Reueinrichtung des Dahnhofsbuchhändler- standes macht einen guten Eindruck und dürfte wohl allgemein als zweckentsprechend angesehen werden. An der Stelle des bisherigen Buchhändlerstandes, in der Mitte der westlichen Seite der Bahnhofshalle, sollen nunmehr die Ausgänge nach den Bahnsteigen der westlichen Bahnhofsseite endgültig hergerichtet werden. Ferner ist geplant, der Bahnhofshalle in nächster Zeit durch Reuanstrich ein freundlicheres Gewand zu geben. ** 75 Jahre Gießener Freiwillige Feuerwehren. Am 6. und 7. September begehen die Gießener Freiwillige Feuerwehr und die Freiwillige Gailsche Feuerwehr gemeinsam die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Die Jubiläumsfeier soll in einer den schwierigen Zeitverhältnissen entsprechenden schlichten Weise durchgeführt werden. Für den 6. September abends ist ein Fackelzug vorgesehen, anschließend soll auf der Liebigshöhe ein Kommers stattfinden. Am Sonntag, 7. September, wird vormittags der Kreisfeuerwehrverbandstag abgehalten werden, anschließend werden die beiden Wehren auf Oswaldsgarten Aufstellung nehmen und Geräteübungen durchführen, denen dann ein großer Brandangriff folgen wird. Am Rachmittag soll ein Feuerwehrmarsch durch die Stadt nach der Volkshalle stattfinden, wo schließlich Fannlien- fest mit Theater, turnerischen und gesanglichen Darbietungen, sowie Tanz den Tag beschließen werden. •* Aus dem Gießener Standesamt s- r e g i st e r. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Juli: 1. Karl Ieschke, 1 Jahr, An der Kläranlage 92. 2. Margarete Dombrowfkh, geb. Krämer, 26 Jahre, Leihgestemer Weg 18. 4. Wolfgang Brück, 1 Jahr, An der Kläranlage 58. 6. Erna Köhler, 5 Minuten, Friedensstraße 7. 10. Elise Volk, ohne Beruf, 76 Jahre, Reuenweg 18. 12. August Karl Valentin Installateur, 38 Jahre, Alicenstraße 2. 13. Karl Müller, Eisenbahnsekretär i. R., 66 Jahre. Crednerftrahe 14. 15. Elsa Margarete Timm, ohne Beruf, 25 Jahre, Goethestrahe 26. ** Ein Marder im Hühn er st all. In einem Hühnerstalle auf dem Grundstück Liebig- stratze 33 gab in der letzten Rächt anscheinend ein Marder ein für die Hühner und deren Besitzer wenig erfreuliches Gastspiel. Das Raubtier biß vier Hühner tot und sog zwei Eier aus. Hm die Rachbarn, die Hühnerbestände besitzen, vor Schaden zu bewahren, sei auf diesen Vorfall aufmerksam gemacht und den Hühnerbefttzern empfohlen, ihre Ställe gut zu verjähren. ♦♦ Mode-Vornamen. Heber eine neue Modetorheit wird uns aus der 'Detterau geschrieben: Die Sucht nach neuen Ramen zeitigt in unseren Dörfern merkwürdige Blüten. Je fremder die Ramen klingen, um für soviel vornehmer werden sie gehalten. Jetzt hat ein glücklicher Vater sein neugeborenes Töchterchen Eli da (nach der bekannten Hautcreme!) genannt. Der Rachbar will aber nicht zurückstehen. Sein Töchterchen soll den Rainen Rivea führen. Dann wird bald der erste glückliche BubenvateL seinen Stammhalter vielleicht Persil nennen. Gibt es denn keine Beratungsstelle für namen- suchende Eltern? Rötig wäre sie, denn die Kinder müssen zeitlebens mit ihren tarnen Herumlaufen, die ihnen elterliche Torheit anhängte. (Sn strittigen Fällen bei Ramensgebung kommt als entscheidende Instanz zunächst das für den betreffenden Ort zuständige Amtsgericht als Reviftons- behörde für die Standesämter in Betracht. Gegen die Entscheidung des Amtsgerichtes kann das Landgericht in Anspruch genommen werden. D. Red.) " Iustizpersonalie. Ernannt wurde der Dersorgungsanwärter Karl Deprä in Gießen zumAmtsgehilfen bei dem Amtsgericht in Gießen mit Wirkung vom l.Iuli 1930 ab. Je blonder Ihr Haar umso nötiger PIXAVON Außerordentlich billige Schluß-Angebote unseres Saison-Ausverkaufes Strümpfe I Kinder-Söckchen, vorzügliche Qualitätmit farbigem Wollrand Größe 7-10 4-6 A AA 0.58 0.48 1-3 U-UO Damenstrümpfe, feinste künstliche Seide, besonders feines Gewebe, größte Auswahl in den neuesten Modefarben S;n; " - Serie I 145 jetzt 1.75 Damenslrümpfe, Original Bemberg » n — in den neuesten Farbtönen 1 xh Goldstempel 2.25, Silberstemp. jetzt liUU Damenstrümpfe, feinster, krift. Seidenflor, mit besonders verstärkter Sohle und Ferse - - 0.75 Damenstrümpfe, besonders krift. Seidenflor, unsere Spezialmarke „Florseta“, nur moderne Farben, jetzt 1.95 Damenstrümpfe, feinste künstliche Seide, plattiert, beson- Serie II ders haltbar Serie I jetzt 2.35 1.85 Herren-Socken X"\XSqutdnmUster Serie III Serie II 0.85 0.68 S-e ’ 0.45 Unterzeuge Damen-Schlüpfer, Charmeuse 1.45 Serie 1 Serie II mit Spitze seKe 12.45 3.25 0.45 mit verstärktem Schritt neueste Modefarben .. 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II. Platz RM. 0,80. Vorverkauf« 1855D Challier. Neuenweg. Loeb. Bahnhofstraße und Verkehrsverein. Waschbeozin zur 5029D chem. Reinigung Drogerie Noll Bahnhofstraße Nr. 165 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften) Donnerstag. (7. Juli (930 Wirtschaft. Oer deutsche Außenhandel im Juni. 100 Millionen Mark Ausfuhrüberfchuh im Juni. Der Außenhandel schließt im Juni mit einem Aus- fubrüberschuß von 100 Millionen Mark ab. Die Einfuhr (813,6 Millionen Mark) ist derjenigen im Mai nahezu gleich geblieben. Die Ausfuhr (910,2 Millionen Mark) hat dagegen um 186,3 Millionen Mark abgcnommcn; der Rückgang ist zum erheblichen Teil jahreszeitlich zu erklären: auch in früheren (Zähren brachte der 3uni regelmäßig einen größeren Rückgang der Ausfuhr. Der Anteil der Reparationssachlieferungen an oer Ausfuhr beträgt 51.8 gegen 78,8 Millionen Mark im Mai. — An dem Rückgang der Ausfuhr sind mit Ausnahme der Lebensmittel und Getränke sämtliche Warengruppen beteiligt: 76 Prozent deS Rückganges entfallen auf die Fertigwaren, deren Absatz sich gegenüber dem Vormonat um 143,3 Millionen Mark vermindert hat. 3n größerem Umfange abgenommen hat die Ausfuhr von Textilfertigwaren (minus 25,3 Millionen Mark), von Wasserfahrzeugen (minus 24,4 Millionen Mark) und von Walzwerkserzeugnissen und sonstigen Sisenwaren (minus 19,3 Millionen Mark). Wirtschaft und GenchtSfenen. Der Beginn der Gerichtsferien, die vom 15. 3uli bis 15. August dauern, rückt erneut das 3nteresse aus die Bestrebungen der Wirtschaft, die darauf hinzielen, die Gerichtsferien völlig a b z u s ch a f - f e n. Wie wir hören, Haden eine Reihe 3n- dustrie - und Handelskammern erneut einmütig für die Abschaffung der Gerichtsferien plädiert. Eie stellen sich damit also auf den gleichen Standpunkt, den der Deutsche Industrie- und Handelstag schon seit geraumer Zeit vertritt. Die Wirtschaft ist zu dem Schluß gekommen, daß die Auswirkungen der Gerichtsferien auf den Ablauf der Rechtspflege sich über einen Zeitraum von mindestens vier Monaten erstreckt. Die Schädigungen, die dadurch dem gefamten Wirtschaftsleben entstehen, find daher auch einleuchtend. Gerade jetzt wieder in den Monaten einer starken wirtschaftlichen Depression wird daraus hingewiesen, wie stark durch die Gerichtsferien dieGläubigernot vermehrt wird und wie notwendig die Aufhebung einer veralteten Einrichtung für den gesamten gewerblichen Rechtsschutz ist. 3nzwischen haben sich nun auch bie 3uristenschast und die Organisationen der Anwaltschaft für die Aufhebung der Gerichtsferien ausgesprochen, so daß einer Reuregelung nichts mehr im Wege steht. Rur vom Rechtsausschuh des Reichstages sind Bedenken ausgesprochen worden, die jedoch kaum so schwerwiegend sein dürften, daß die neuen Pläne ohne weiteres beiseite gelegt würden. Das Reichsjustiymtnisterium hat zwar im Augenblick die Initiative zur Reuregelung der Gerichtsserien noch nicht ergriffen, trotz alledem hören wir von einer ihm nahestenden Seite, daß man einem älebergangsstadium sympathisch gegenüber- stcht. Dieses UcbergangSfta&ium sieht zunächst einen zeitlich begrenzten Fortfall der Gerichtsferien vor, um vorerst einmal die Auswirkungen praktisch zu erproben. Weitere Zunahme der Biererzeugung. 3m vierten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1929/30 beliefen fich nach den Erhebungen des Stailstifchen Reichsamts die versteuerten und steuerfrei abgclaffencn Biermengen (3nlandabsatz und Ausfuhr) auf 11898 Mill. Hektoliter: gegenüber den entsprechenden Mengen des Vorjahres (10,921 Mill. Hektoliter) ergibt sich eine Zunahme von 9,0 Proz. Da auf den außerordentlich kalten Winter 1928 29 ein sehr milder Winter folgte, dürfte sich die verzeichnete Zunahme des Bicrabsatzes im wesentlichen durch die Witterungsunterschiede erklären. 3m Rechnungsjahr 1929 30 hat der Malzvcr- brauch zu Zwecken der Dierherstellung eine Gesamtzunahme um rund 7 Prvz. erfahren (1 055 462 Tonnen-. Die versteuerten und steuerfrei ab- gelaffcncn Biermcngen find von rund 55 Mill. Hektoliter in 1928 29 auf 58,06 Mill. Hektoliter in 1929'30 gestiegen. An der Mehrerzeugung waren sämtliche Landesfinanzamtsbezirke mit Ausnahme von Karlsruhe beteiligt. An der gesamten Diermenge waren die drei bayerischen Landes- finanzamtsdezirke mit 27,1 (27,7) Proz., die Bezirke Münster und Düsseldorf mit 13,6 Proz. (13,2) und Berlin mit 10,5 Proz. (10,1) beteiligt. Die Zunahme der Biercrzeugung entfiel wie in den Vorjahren auch 1929,30 auf Dollbier, welches an der gesamten Biermenge mit 95,5 Proz. (95,6) beteiligt war. Die Biereinfuhr betrug nach den Ergebnissen der Handelsstatistik im Rechnungsjahr 1929/30 208 885 Hektoliter (L D. 198 450 Hektoliter) im Werte von 6,3 Mill. Mark (5,8). Die eingeführten Biere stammen nach wie vor fast ausschließlich aus der Tschechoslowakei. Die Ausfuhr von Bier bezifferte sich auf 618 760 Hektoliter (i. D. 571 647 Hektoliter) im Werte von 37,1 Mill. Mark (34,3). Von der Gefamtausfuhr entfielen 456 117 Hektoliter auf Flaschenbier. Der deutsche Bierverbrauch hat sich von 54,55 Mill. Hektoliter in 1928/29 nach vorläufiger Berechnung auf 57,65 gehoben. Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen 1929'30 90,0 Liter Bier, gegen 85,6 Liter in 1928/29. Die 3st-Einnahmen des Reiches aus der 'Bier« steuer erreichten 411,8 Mill. Mark, d. t ein Mehr von 3,8 Droz, gegenüber dem Vorjahr. Einschließlich der Zollerträge stellten sich die Bierabgaben (Reichssteuer und Zoll) 1929'30 auf 415,9 Mill. Mark (400,8) oder 6,50 Mark (6,29) je Kops der Bevölkerung. * Bayerische Staatsanleihe von 12 6 Millionen Mark. Der bayerische Finanzminister hat auf Grund eines Beschlusses des Staatsministeriums dem Landtag einen Antrag auf Ermächtigung zur Aufnahme einer Staatsanleihe bis zum Betrage von 126 Millionen Mark zugehen laffen, die dazu dienen soll, kurzfristige Verpflichtungen des Staates in Höhe von 84 Millionen Mark (20 Millionen Dollar) in eine langfristige Schuld umzuwandeln. Der Restbetrag von 42 Millionen Mark soll an die bayerischen Großwasserkraft-Llnternehmungen als Darlehen weitergegeben werden. • Rassauische Landes - Dersiche- rungsbank Wiesbaden. Aus dem Geschäftsbericht für 1929 geht hervor, daß sich der weitere Aufbau dieser im Jahre 1924 gegründeten Anstalt weiter günstig entwickelt hat, trotz der überaus schwierigen Verhältnisse. Die Zahl der selbst abgeschlossenen Versicherungen ist auf 14 427 gestiegen. Mit Einschluß der in Rückdeckung übernommenen Versicherungen hat die Anstalt eine Prämieneinnahme von 900 275 Mk. erzielt, davon entfallen 758 187 Mart auf die selbstabgefchloffenen Versicherungen. Der Schadenverlauf war normal Die weitaus größten Schadenzahlungen mußten wieder in der Haftpflichtversicherung geleistet werden und überschritten sogar die Einnahmen in diesem Versicherungs» zweige, so daß auch das 3ahr 1929 der Anstalt in der Haftpflichtversicherung Verluste brachte. Die Gesamteinnahmen übersteigen die Gesamtausgaben um 27 363 Mark. Dieser ^leberschuh wird satzungsgemüh der Sicherheitsrücklage zugeführt. * Braunkohlenbergbau in derRhon. Das Braunkohlenbergwerk am Bauersberg (Röhn) ist wieder in Betrieb genommen worden. Die Errichtung eines Drikettwerkes ist geplant, wenn Kohlen in genügender Menge gelagert find. * Zus ammenschluß der Basalt- La va-3ndustrie beschlossen. Rach mehrjährigen Bemühungen ist nunmehr der Zusammenschluß in der Dasalt-Lava-3nduftrie Tatsache geworden. 3n einer stark besuchten Versammlung der Grubenbesitzer wurde der Vertragsentwurf, der vom Basalt-Lava-, Bord- und Pflastersteinvcrband borgelegt wurde, einstimmig genehmigt Dem neuen Vertragswert gehören etwa 95 Proz. aller Betriebe des Basalt-Lava» 3ndustriegebietes im Kreis Mayen und anschließender Gebiete an. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 17. 3uli. Tendenz: fester. — Die Börse, die in den letzten Tagen trotz der innerpolitischen Schwierigkeiten und der sich lange hinziehenden Verhandlungen über das Deckungs- Programm eine kräftige Widerstandskraft gezeigt hatte, eröffnete heute, nachdem unter Anwendung des Artikels 48 die Entscheidung gefallen war, wovon eine wesentliche Beruhigung ausging, in festerer Haltung. Das Geschäft hatte aber aus Mangel an Aufträgen vom Publikum, sowie an Auslandorders einen sehr geringen Umfang. Dur die Spekulation war zuversichtlich gestimmt und zeigte Mut, in den führenden Werten in etwas größerem Umfange zu Deckungen zu schreiten, so daß in diesen Papieren öic älinsahtätigkeit etwas lebhaftere Formen annehmen konnte. 3m allgemeinen fehlten sonst Anregungen. Rur die gestrige feste Reuyorker Börse fand noch freundliche Aufnahme. 3m Vordergründe des 3ntereffes standen am Kunst - feidemarkt Dernberg, die auf angebliche Aus- landkäufe — man sprach von amerikanischen Aufträgen —f 7 Prozent gewinnen konnten. Auf dem freien Markt waren Kunstfeidewerte weiter gesucht und fester. 21 tu gewannen 3 Prozent. Etwas mehr in den Vordergrund treten konnten noch am Elektromarkt Siemens, die, obwohl eine Erstnotierung erst später zustande kam, 3 Prozent anzogen. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen bis zu 1,5 Prozent höher. Am Chemic- markt bestand auch für I.-G.-Farben etwas regere Rachfrage bei einem Gewinn von 1 Prozent gegenüber der gestrigen 2Ibcnbbörfe. Holzverkohlung waren um 1,5 Prozent gesteigert. Die Umfahtätigkeit war am Montanmarkt und am Kalimarkt sehr bescheiden: ersterer lag bis zu 1,5 Prozent, letzterer bis zu 2,5 Prozent fester taxiert. Banken und Schiffahrtsaktien lagen bis zu 1 Prozent gebessert. Von Dauunter- nehmungen büßten Wahß & Frey tag fast 1 Prozent ein. Renten und Pfandbriefe lagen heute stiller und kaum verändert. Rach den ersten Kursen beschränkte sich das Geschäft nur noch auf einzelne Spezialaktien. Die Tendenz blieb freundlich. 3m allgemeinen ergaben sich gegen Anfang nochmalige Gewinne bis zu etwa 1 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4,5 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1874, gegen Pfund 20.3725, London gegen Kabel 4,8652, gegen Paris 123,61, gegen Mailand 92.87, gegen Madrid 41,70, gegen Schweiz 25,0225, gegen Amsterdam 12.0660. Berliner Börse. Berlin, 17. 3uli. Unverkennbar trat schon im heutigen Dormittagsverkehr nach den gestrigen Entscheidungen im Reichstage eine ruhigere Stimmung zutage. Man glaubt damit r«hnen zu können, daß das Deckungsproaramm nunmehr durch die Rotverordnung verabschiedet wird, daß alle Anträge, die noch kommen könnten — die SPD. hat schon einen eingebracht — an dem Widerstand der Deutschnativnalen scheitern werden. Der Reichstag wird am Samstag in die Serien gehen und dann tritt eine längere Atempause hinsichtlich der innerpolitischen Beunruhigung für die Börse ein. Bei den Banken mangelte es zwar auch heute immer noch an Orders: es wurde aber mit Befriedigung feftgeftellt, daß auch Derkaufsaufträge fo gut wie ganz fehlten, fo daß die Spekulation Deckungsneigung zeigte, und in einigen Papieren auch schon zu kleinen Meinungskäufen schritt. 3m allgemeinen setzten sich Kursbesserungen von etwa 1 Prozent gegen gestern durch: einige Werte, wie Kaliaktien, Kunstseidepapiere, Deutsche Linoleum, RWE., Julius Berger ufto. gewannen darüber hinaus bis zu 3 Prozent. Siegen-Solingen profitierten von der Meldung des Aktienerwerbs der Lippischen Farbenindustrie und zogen auf 13,75 nach 12,60 Prozent an. Anleihen lagen etwa behauptet. Auch Ausländer zeigten nur geringe Veränderungen. Am Pfandbriefmarkt war auch heute das Geschäft etwas ruhiger: es herrschte aber weiter feste Grundstimmung. Der Geldmarkt brachte für Tagesgeld eine weitere Erleichterung von 3,25 bis 5,25 Prozent, vereinzelt schon von 3 Prozent: die übrigen Sähe blieben unverändert. Rach den ersten Kursen war es zunächst ruk>ig, doch setzte sich, von Kunstseidewerten ausgehend, eine freundlichere Stimmung durch, von der die Hauptpapiere, wie Reichsbank Siemens, Spritaktien, Salzdetfurth, und von Rebenwerten Draubank. Feldmühle und 3ul. Berger 2 bis 3 Proz. profitieren konnten. 3.-G.»Farben gewannen etwa 1 Proz. Der zur Veröffentlichung Mkommene Reichsbankausweis für die zweite Iuliwoche foTmtc mit einer Gefamtentlastung um 145,9 Millionen keine besondere Anregung geben. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 17.3uli. Auftrieb: 110 Rinder, 176 Kälber. 156 Schafe, 923 Schweine Es notierten: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 79, mittlere Mast» und Saugkälber 68 bis 74, geringe Kälber 60 bis 67; Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast, 49 bis 52; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 48; Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Bei allen Gattungen rege, auS- verkauft. Berliner Prodnktenmarkt. Berlin, 16. 3uli. Während im Vormittags* verkehr die Tendenz am Produktenmarkt lediglich als gut behauptet zu bezeichnen war, machte die Aufwärtsbcwegung zu Börfenbeginn enuut kräftige Fortschritte. Infolge der weiterhin festen Auslandmeldunaen hat sich das Angebot von 3n- landweizen stark vermindert, und soweit Umsätze zustande kamen, erfolgten sie auf 2 bis 3 Mark höherem Riveau als gestern. Der LicserungS- markt lag unter Deckungen gleichfalls sehr fest. Das Angebot von Roggen aller Ernte macht fich auch etwas knapper, allmählich verringert sich die Differenz zwischen den Stützungs- und den im freien Markt erzielbaren Preisen. Reuroggen zur prompten Verladung bringt gegenüber Ware alter Ernte Aufgelder von 4 bis 5 Mark. Der Lieferungsmarkt lag fester, Interventionen waren heute nur in geringem Umfange zu beobachten. Für Weizen- und Roggenmehle waren die Forderungen um 25 Pfennig erhöht, das Geschäft war jedoch kaum lebhafter. In Hafer liegt Angebot nur zu stark erhöhten Preisen vor, die de» Konsum zum Teil, wenn auch zögernd bewilligt. Wintergerste in guten Qualitäten macht sich knapper bei festerer Grundstimmung. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer, Juli 291,50 biS 292,25 (fest), Sept. 264 bis 264,50 (Geld), Oft. 267 bis 268, Dez. 275; Roggen, märkischer, 172 bis 177 (fester), Juli 178,50, Sept. 186 bis 187.25. Oft. 189,50 bis 190. Dez. 197 bis 196.50; Gerste 170 bis 190 und 158 bis 170; Hafer, märkischer, 177 bis 185 (sehr fest), Juli 186.50 (Geld), Sept. 189, Oft. 194.50 bis 195.25. Dez. 195.50 bis 198; (100 Kilo). Weizenmehl 33.50 bis 40.25 (still). Kirche und Schule. LJ Rodheim a. d. Horloff. 14. 3ult. Am vergangenen Sonntag feierte das Dekanat Ridda in unserem Ort fein diesjähriges Miffions- f e st. In dem am Vormittag stattgefundenen Gottesdienst in unserer geräumigen Kirche sprach Pfarrer C r u 11, Ulfa, über Zweck und Bedeutung der Heidenmiffion. Gleichzeitig war mit dem Gottesdienst die bei uns mit beginnender Ernte übliche schöne Sitte der „S i ch e 1 w e i h e" verbunden. Am Rachmittag bewegte sich dann unter Vorantritt des Ruppertsburger Posaunen- chors ein Festzug vom hiesigen Pfarrhaus nach dem idyllisch gelegenen Forsthaus Glaubzahl, wo das Fest seine Fortsetzung fand. Rach einleitendem Ehoralvorspiel des Pofaunenchors sprach unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Kornmann, herzliche Worte der Begrüßung. Als Hauptredner des Tages ergriff dann Missionar Lauf, Frankfurt q. M., das Wort zu einer längeren Rede, worin er über die Heidenmiffion in China, der er etwa ein Jahrzehnt dienen durfte, in sehr interessanter Weise erzählte. Gemeinsamem Gesang und schön vorgetragenen Bibelsprüchen der Rodheimer Schulkinder folgte der Jahresbericht der Mission im Dekanat Ridda, der von Pfarrer Siebeck, Echzell, erstattet wurde und ein Iahreskolleftenergebnis von 1782 Mark aufwies. Anschließend fang die Gemeinde das Lied „So nimm denn meine Hände", worauf Pfarrer Kornmann das Schlußwort sprach, das den Dank an alle, die an dem Zustandekommen des Festes mitgeholfen hatten, enthielt. Eine am Ausgang erhobene Kollekte wird der Basier Mission zugewiesen. Letzte Nachrichten. programmäßige Weinfon Greife des Reichspräsidenten. Berlin, 17. Juli. (OB. Eigene Meldung.) Reichspräsident von Hindenburg hat heute vormittag um 10% Uhr, wie angekündigt, den Reichskanzler Brüning und den preußischen Ministerpräsidenten Braun empfangen. Bei dieser Gelegenheit sind die durch das inzwischen a u f - gehobene Verbot des Stahlhelms für Rheinland-Westfalen aufgerollten Jragen erörtert und endgültig bereinigt worden. Der Reichspräsident wird die Rheinlandreise nunmehr dem ursprünglich feff gelegten Programm entsprechend durchführen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Oie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt belchlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 4 o. h., Lornbardzinsfuß 5 o. H. Srantmn a. Mi. »eriu Ironltun a. Dl. Derim tranftun 0. Berlin Banknoten. hire R re c-chlutz» ttln'ünv für« Nur» I-Oi.ug. i7.7. Datum 16- 7. 17. 7 16. 7. 16 7 Amerikanische Noten .... Belgische Noten ..... Dänische Noten ....... Englische Noten . ....... französische Noten....... Hollänoische fluten....... Italienische flöten . ....... Norwegische flöten....... Deutsch-ceslerreich, i 100 Schilling Rumänische Noten ...... Schwedische flöten ....... Schmetter flöten . ...... Spanische Noten...... . T'chechol.owakiiche Noten. .... Ungarische Roten ..... Deoifi amacfl Berlin 4,169 58,50 111,93 20.33 16,44 168,21 22,00 111,83 59,05 2.47 12.39 81,34 48,20 12,38 73,17 - Frankfurt 4,189 58,74 112,37 20,41 16,50 168,89 22,08 112,27 59.29 2.49 112,83 81,66 48.40 12.44 73,47 a M t>% ÄlullOK Jll Idl-ÜIUCUK von 192? . . . 7% Deutsche RelchSanleihe von 1929 . . Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mt Auslo>.-Rechten $e4gl. obne Suslos.-Rechte 6% Hel«. SolMftaa! von 1929 (rüdiablb m2%) . Cberbfficn Provinz - Anleihe mi Ausloi -Rechten .... Deutsche flomm. Gammelabl. Anleihe Serie 1 8% Franks. Hvv.-Bank (Molbpfr XIII untünobat bl« 1931 . . 7% ntanff. Hnp.-Bank tSoldvke unkündbar bi« 1932 <4% Rheinische Hvp.-Ban! Lian. Soldpse. % Pr. LanSeSpsandbriesanstalt Ptondbriese 9117 . % Pr LandesptandbriesanNal! abfl. Borkriegr-Lbllgatio 'n riirfiabltkiT 1932 o Lenerreubtici't- woictente i,2O% Lesterreichische Silberrem, 4% LeNerreichiiche Einheitlich. Rente . 4% Ungarische Goldrente . . . 4% Ungarische Staatsrente v. 19U, W,% de«gl. von 1913 4% Ungarische Kronenrente . 4% Türkische Zollanleibe von 1911 4% Türkische Bagbadbabn-Anl Serie I 4% desgl. Serie II...... 5% Rumänische verernh. Rente von 1903 ........ «Vi% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereknb. Rente -<8,25 103.25 61,1 8.8 98 57,5 60,5 102 36,75 90,3 '01,5 97 92,5 26,75 2,9 1,8 >3.5 i,8 5 3,13 5,13 9,5 7.7 i । 32 । 1 ' । 1 ’ । ’ । 1 11 lull'1 H । H 88,75 103.13 60.75 8.825 38.25 60,5 101.25 97 1,9 23,65 20,9 1,9 5.1 3,1 5,1 16,25 7.75 1 1 55. 1 1 1 • • » 1 1 1 1 II lllll* || 1 -•uir.ourg..'tmenla ■bau. Hamburg-Süvam Dampfschifs 8 öanta Tampsschiss . 10 Norddeutscher Lloyd . 9 .'Illgemetnc TeutidvfftrBttanfl. 10 Farmer Bankverein 10 Berliner Handelegeiellschast 12 eomrnen- und Prioat-Bank 11 Darmstädter und flationaldank 12 deutsche Boni und Tirconto Gesellschaft, . 10 Dresdner Bank......10 Reichrdan! 12 fl.ti.®. 6 Bergmann ........9 rtettr. Lieierung4gelelI1»ast 10 i'tdjt und Uralt . 10 .Velten 8 Guilleaume 7y. l-ieUschait für Elektrische Unternehmungen 1< Camburger Stektruitäts-Werke 1( rlbeintutf E-ektritttät ... 9 -chlciische Liekmzuat. ... 10 Schutken L Lo. .... 11 Siemen» 8 Hal-ke....... 5 tanetaoio ........ fr Lahmeyer & So.......ir tiUOetur 0 Deutsche Srdot ......C 2,jener Steinkohle ...... fr Gelsenkirchener ....... fr dctrvener ........ f Hoeich Eisen........65i 5>le Bergbau ......1( Slocknerwerke . ...... 7 Manneemann.Röbre» .... 7 Monstelder Bergbau.....7 Lberschlei. Eisende darf .... 5 Lberschlei. Sokswerke. .... 7 $bönfr Bergbau......6Z4 Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstabl ....... k Riebeck Montan ...... 7,2 97 97 110,75 120 157,5 139,25 201.75 131,13 131 150 147,25 <08 217 161.5 '3,5 127,5 118.75 3.5 35,5 101,5 — m n —- — — t2> — 7"* 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ISi । 1 i£ 8 1 1 1 52 III 1 b, 1 S 1 3 1 1 1 97,25 97,65 111.25 120 157.75 139.25 701.75 130,75 131 266 150,75 140 147,-, 108.5 i<8 131,5 144.5 173.25 218 161,75 73 85,5 127,5 ■ 19,5 95,75 92,25 94 68 93,25 85,75 224 101.65 97,5 97 "s 111,25 120 157 138,75 201.75 130,9 131 267,25 150,75 109,25 148,65 131,5 145.75 174 219 160,25 85,5 127,25 118,25 95 239 95,75 93 94 68 93.5 85.5 224,5 102,4 Bereinige -tahlwerfr CtaDl Minen......16’/, Kali werke Aschersleben .. . 1( äaltrocrfe Westeregeln ... i< Kaliwerke SaUdetrurth . . . 1L ?. G warben.Industrie . . . 11 Tnnamit Nobel.......f Gtfceibeanftali........fr Goldschmidt ........6 Rütgerlwerfe...... . f Metallgelellschaft.......f Bdilwv Hot^mann......7 Zementwerk t-eiv^erg . . 10 Ceeentwerf klar ''abt. . . . 10 Wann & ffrcQiag .....fr Schultdet» Patzenhofer ... 15 Cftroerfe.........11 Aku...........1fr Bemberg.........14 Zellstoll Waldboi .... 13«/, Zellstoll Alchastenburg ... 12 ISbatiotten bürget Wasser ... fr Dessauer Ma» . L Daimler Motoren......O Deutsche Linolenm ...... Maschinenbau 2L-®. ..... 0 Rat. Automobil ...... 0 Crenftetn & koppel.....f Leonbard Tietz ...... 10 Soenska ....... .tranffurtet Maichmen .... 4 «ritzner ........x Heo!igensiaebt ....... c Iunghan,.........6 Lech werke..........g Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 8 Miag 10 ®ebr. Roeder.......10 Loigt 8 Haesfner ...... 9 Süddeutsche Zucker .... 10 85,5 208 213 165 160,5 144 60 57,5 114 86 107 131 ■5,25 ,05 104 ■45.5 HO 32 41 23,5 32 36,25 83,75 81,5 104.25 147,5 159 3 — 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Iml ■ 1 1 =2 ■ ^1 1 1 MJJio, Illis 85.5 12.25 214 166,75 161.25 - 07,75 113,5 75 289,: 233,25 105.25 106,5 '46.5 101,25 147 32.75 201,25 45,5 68 142 11,5 24,5 32 15,5 91,25 148 158,75 85.65 42.13 209.75 370 161,5 57,13 — 290,5 238.25 107,5 109.75 1<7 101,25 147,13 32,5 203,25 45.25 63 142 311 91,75 16 Juli 17. Juli umtuch. Honerung cseto | Ämtl chr Hontruny Selb i »n. .•rtnn.» 'Hon. Bu n AireS . ris- inno (ibriftiania. HoD.’nbafltn Stockholm . 6elüngfor3. Italien. . London. . . •Jienoort . . Poris.... Schwei; .. '2Da i üa . Jovan . . . ,“to de Jan Dien in D-- Ceft. abfleft Prag . . . Bel, rod . . Vndavtst. . Bul ariea Lissabon Taiii-a. . . lsor.it arm. Sitten. . . Canada Hat aal) Cairo • • . 168,40 1,523 >8,455 112,09 112,11 112,50 10,534 21,915 20,357 4,1835 16,455 81,22 48,35 2.068 0,464 59,10 12,417 7,425 73,31 3,034 13,76 81,38 1,784 5,425 4,184 4,606 20,875 «68,74 1,527 58,575 112,31 112,33 112,7z 10,554 21,955 20,397 4,1935 16.495 81,48 48,45 2,072 0,466 59,22 12,437 7,439 73,45 3,046 18,88 81,54 1,739 5,435 4,192 3,614 20,915 168,37 168.71 1.508 1,512 58.455 58,575 112,07 112,29 112,09 112,31 112,46 112,68 10,53 10.55 21.91 21.95 20.352 20,392 4.1885 4,1915 16.46 16,50 81,335 81.495 48.60 48.70 2,066 2,072 0,464 0,462 59,105 59,225 12,407 12,427 7.421 7,435 73,32 73.46 3.034 3,040 18.80 18,84 81,35 81.51 1.784 1,789 5.43 5,44 4.186 4,194 3,566 3,574 20,87 20.815 Oberheffen. Landkreis (Sieben. * Beuern, 16.3uIL Dieser Tage unternahm der hiesigen Frauenverein unter zahlreicher Beteiligung einen Ausflug nach Marburg, wo die Ellsabethenkirche besichtigt wurde, die mit ihren Sehenswürdigkeiten auf jeden einen tiefen Eindruck machte. Darauf sah man sich die Stadt an und pilgerte zum Schloß hinauf. Die herrliche Aussicht lohnte die Mühe des Aufstiegs. Nachdem man sich erfrischt hatte, wurde noch der Friedhof besichtigt, der mit seinen schonen Anlagen allgemein bewundert wurde. Der Ausflug wird den Teilnehmern noch lange in guter Erinnerung bleiben. A Allend orf a. d. Lda., 16. Juli. Nächsten Sonntag findet das diesjährige K r e i s s ch i e - h e n der Schühenvereine des Kreises Gießen- Nord auf dem hiesigen neuzeitlich angelegten Schühenstand statt. Hieran nahmen zwölf Vereine teil. Wertvolle Preise winken den Siegern. Anschließend hieran soll ein Pokal- und Decher- schießen stattfinden. Die Teilnahme an dem Schießen ist jedermann gestattet. — Einem langgehegten Wunsche der hiesigen Einwohnerschaft hat Oie hiesige Arbeitsgemeinschaft dadurch entsprochen, daß sie am Kleinmüller-Wehr an der Lumda ein B o l k s b a d mit Luft- und Sonnenbad errichtet hat. Das Holz hierzu wurde in dankenswerter Weise von der hiesigen Stadt gestellt. Damit diese segensreiche Einrichtung von jedermann benutzt werden kann — auch Auswärtigen ist die Benutzung gestattet — werden Jahresbadekarten zu geringem Preise ausgegeben. - s- Reiskirchen, 15. Juli. Die Blutlaus tritt in diesem Sommer in hiesiger Gemarkung verhältnismäßig stark auf. Die Gemeinde hatte im vergangenen Winter eine Spritzung auf den Gemeindebaumstücken durchgeführt. Hier ist auch eine Abnahme gegenüber dem Borjahre und gegenüber den privaten Baumstücken festzustellen. Die Gemeinde beabsichtigt, im kommenden Winter wiederum eine Spritzung durchzuführen und wird mit allen Mitteln versuchen, auch die privaten Besitzer zur Beteiligung zu veranlassen, da nur in der gemeinsamen Bekämpfung Aussicht auf Erfolg besteht. — Die Ernte in der hiesigen Gemarkung ist in vollem Gang, aber durch das Regenwetter der letzten Tage etwas aufgehalten. Leider besteht dadurch die Gefahr, daß insbesondere die Sommergerste notreis werden wird. Da außerdem sehr stark Lagerfrucht vorhanden ist und die Frucht, insbesondere Roggen, teilweise fest auf dem Boden aufliegt und zudem noch mit Ackerunkräutern, Winden und dergleichen massenhaft durchwachsen ist, muh bei Fortdauer des unbeständigen Wetters mit Auswuchs gerechnet werden. - s- Linden st ruth, 15. Juli. Die Arbeiten an unserer Wasserleitung werden mit Ablauf dieser Woche zu Ende geführt werden. Da das Wasser der Gießener Wasserleitung entnommen wird, die durch unseren Ort führt, war nur der Ausbau des Ortsnetzes notwendig, der dann auch in knapp fünf Wochen durchgeführt wurde. Obwohl ein Teil des Dorfes stets für eine eigene Wasserleitung stimmte, entschloß man sich doch der geringeren Kosten wegen für den Anschluß an Gießen. Die Arbeiten werden von der Firma Herrmann in Steinbach durch- l geführt. - s- Dorf-Gill, 15. Juli. In dem Walde zwischen hier und Garbenteich wurde auf der Landstraße ein herrenloses Automobil aufgefunden. Da es sich anscheinend um einen gestohlenen Wagen handelt, wurde er von der Gendarmerie sichergestellt. # Hungen, 15. Juli. Der Bienenzüchter v e r e i n Hungenund ilmgegeno hielt dieser Tage auf der Grube Abendstern im Heckenwald eine ordentliche Mitgliederversammlung ab, zu der sich neben einer großen Zahl Teilnehmer auch der erste Borsihende des Oberhessischen Jmkerbundes, Lehrer Runk, Nidda, eingefunden hatte. Der Bezirksvereinsvorsihende, Lokomotivführer K i ch von hier, besprach die Arbeiten, die der gewissenhafte und rationell arbeitende Imker jetzt an seinen Bölkern vorzunehmen hat. Anschließend fand eine Standschau statt, bei der Bergverwalter K i r ch h ö f f e r über die Betriebsweise der von ihm benutzten Kastensysteme referierte und Fingerzeige gab für die notwendigen Maßnahmen des nun beginnenden neuen Dienenjahres. Lehrer Runk ermahnte die Mitglieder, durch Schaffung guter Bienenweiden und Zuchtwahlbetrieb dazu beizutragen, daß sich die Einfuhr des Auslandhonigs erübrige. Leider sei der Honigertrag, der zu den besten Hoffnungen berechtigte, durch viele Schwärme und die seitherige zu trockene Witterung durchschnittlich nur als eine Mittelernte zu bezeichnen, vereinzelt sogar unter Mittel. Mit Dankesworten des Ehrenmitgliedes Noll (Riedmühle) schloß die in voller Harmonie verlaufene Tagung. Was kostet eine Weltreise? Billige weisen sind anstrengend. — Luxusreisen nur für Amerikaner. — Gute Gelegenheit für Mitgistjäger. Von Heinrich Gühring. Die Sehnsucht, die Sommerreife nicht nur zur Erholung, sondern zum Studium ferner Gegenden zu benutzen, ist in unserer Zeit stärker als je. Linser Mitarbeiter warnt davor, sich mit ungenügenden Mitteln und unzureichenden Kenntniffen zu weit hinauszuwagen, und schildert den Luxus, den die amerikanischen Weltreisenden entfalten. Die Deutschen, die im Ausland ansässig sind, wissen ein Sieb von den hilfsbedürftigen Landsleuten zu singen, die ihnen mit der Regelmäßigkeit der Zugvögel in jedem neuen Jahr von Neuem zur Last fallen. Don den Bertrelern großer deutscher Firmen wandern sie zu den Vereinen der Ausländsdeutschen und von dort zu den Konsulaten, um Unterstützung, Vermittlung von Stellen oder Geld für Oie Rückfahrt zu erbitten. Meist beherrschen sie die Landessprache schlecht oder gar nicht, und sie haben es auch nicht für nötig gehalten, sich vorher über die Sitten und die Gewohnheiten der von ihnen besuchten Völker zu informieren. Besonders die Länder um das Mittelmeer werden von Scharen romantisch veranlagter junger Deutscher aufgesucht, die kein genaues Reiseziel haben, und über deren Hilflosigkeit die deutschen Konsulate in Madrid und in Florenz, Rom, Athen, Belgrad und Budapest zu berichten wissen. Manche Wanderer werden von den Behörden wieder an die deutsche Grenze zurückgeschickt, andere verkommen, und wieder andere, die mit Zelt und Rucksack auszogen, um auf dem Balkan oder im Nahen Orient auf mitteleuropäische Weise zu leben, holen sich Malaria, Typhus und andere Krankheiten. Man kann in der Tat überall billig leben — aber etwa 7 Mark muh jede Person täglich doch ausgeben können, wenn sie bei den bescheidensten Ansprüchen eine größere Reise unternimmt. Bei diesem Kostensatz muh man verwanzte Herbergen häufig in Kauf nehmen und in Restaurants essen, die gewöhnlich nur von Einheimischen besucht werden, nicht ganz sauber find und nur die Küche des Landes führen: man muh ferner die jeweils unterste Klasse der Berkehrsmittel benutzen, also auf dem Schiff im Zwischendeck fahren. Wer jung ist, fremde Sprachen spricht, keine Ansprüche an Bequemlichkeit stellt und nur etwas sehen will, kann fich auch mit bescheidenen Mitteln hinauswagen. Wer aber von den Annehmlichkeiten Gebrauch machen will, die die Fremdenindustrie in den fünf Erdteilen geschaffen hat, braucht eine reichgespickte Börse, und bei Reisen in die Tropen dürften täglich hundert Mark knapp ausreichen. Die Amerikaner, die Weltreisen unternehmen, geben gewöhnlich mehr aus. Wer rechnen muh, dabei nicht übermäßig reise- gewandt ist, schlieht sich wohl am sichersten einer Reisegesellschaft an, die ihn für einen Pauschalbetrag rund um den Erdball befördert - wobei man furchtbar viel sieht, freilich nicht immer die Dinge, auf die man Wert legt. Schon 1890 begann die Hamburg-Amerika-Linie mit Reisen nach dem Orient, und 1909 folgte die erste Weltreise, die allerdings dadurch erschwert war, dah man damals noch ganz Südamerika umsegeln muhte, um in den Stillen Ozean zu gelangen. Nach der Eröffnung des Panama-Kanals im Jahre 1915 wurden Weltreisen etwas billiger. Gleichzeitig verringerte sich aber der Wohlstand der europäischen Nationen, und so ist es zu erklären, dah die Mode, den ganzen Erdball zu bereisen, in der Hauptsache eine amerikanische Angelegenheit wurde. Die meisten Dampfer, die Weltreisen unternehmen, beginnen ihre Tour in Newyork, mögen sie nun amerikanischen oder europäischen Schiffahrlslinien gehören. Sie sind luxuriös ausgestattet und gleichen schwimmenden Palästen,in Denen der Reisende nichts von demLuxus vermissen soll, der ihn auch in seiner Häuslichkeit umgibt. Bei der Weltreise eines großen Dampfers, der 500 Passagiere mitnahm, wurden insgesamt drei Millionen Dollars auigege6en; bie Hälfte ba- von entfiel allein auf Fahrgelber, so bah jeber Rei- fenbe allein für biefen Zweck 3000 Dollars ober 12000 Mark zu entrichten hatte. Die schäbigste Kabine kostete taufenb, eine solche mit Bad 7000 unb eine Luxuskabine 10000 bis 12000 Dollars, also runb 50000 Mark, wozu noch große Spesen für Landreisen kommen. Es gibt Passagiere, die schon fünf oder sechs Weltreisen mit demselben Schiff gemacht haben: aber ihre Zahl ist nach dem letzten Börsenkrach sehr zusammengeschmolzen, und vor allen Dingen haben auch die protzigsten Amerikaner darauf verzichtet, eine Flucht von Luxuskabinen für fünf oder sechs Personen zu mieten unb biese Räume von ihren Innenarchitekten mit eigenen Möbeln einrichten lassen. Für viel Gelb kann man etwas verlangen. Das Schiffspersonal übernimmt nicht nur bie gewöhnliche Bebienung: man kann einem Angestellten der Schifffahrtsgesellschaft z.B. auch das Amt übertragen, das Tagebuch des Reisenden zu führen. Noch wichtiger ist eine andere Art von Dokumenten, die der Tourist sammelt: Er verlangt, daß seine Koffer mit Hotelzetteln aus aller Herren Länder beklebt sind. Bei Landreifen werden daher oft überflüssige Koffer mitgeschleppt, die buntbetlebt auf das Schiff zurückgelangen. Einfacher ist es jedoch, sich diefe Zettel an Bord von den Stewards zu kaufen, bie eine reiche Aus- ’ wähl mit sich führen. Damit bie Reisenben nicht unvorbereitet in bas nächste Lanb kommen, werben ihnen Kinovorträge über bie Genüsse gehalten, bie ihnen bevorstehen. Regelmäßig wirb an Bord ein Kamera- Hub gebilbet, ber Wettbewerbe für bie besten Aufnahmen ausfchreibt, unb besten Mitglieder durch bas Surren der kleinen Kinoapparate die Eingeborenen erschrecken. Es gibt Rundfunkklubs unb Golf Hubs: Golf spielt man an einem Apparat, ber bie Stärke des Schlages angibt. Um über bie Langeweile hinwegzukommen, grünbet man überhaupt Vereine der ver- schiebensten Art unb verteilt bei bieser Gelegenheit zahlreiche Ehrenämter. Uber bas Vereinsleben berichtet bann eine Bordzeitung. Daneben begrüßen die Tageszeitungen der besuchten Orte die Reisenden mit Sondernummern, die unverändert für alle Schiffe Dienen, und in die nur jeweils ein anderer Schiffsname eingesetzt wird: die Inserate dieser Zeitungen weisen eindringlich auf die dem Hafen benachbarten Läden hin. Da die Amerikaner manches nachzuholen haben, was ihnen im Lande der Prohibition verboten ist, auch für die .trockene Jahreszeit" in den Vereinigten Staaten Vorsorgen wollen, wächst der Verbrauch von Alkohol ins Ungeheure. Auf einem großen Dergnü- gungsdampfer wurden in 30 Tagen auf der Fahrt nach Vokohama von 375Pastagieren 2000 Kisten Bier vertilgt! Auf einem anderen Dampfer verbrauchten 306 Amerikaner unb 47 Angehörige anberer Nativ, nen in 181 Tagen 4000 Flaschen Whisky, 2800 Flaschen Sekt, 4000 Flaschen Wein unb 50000 Flaschen Bier. Im Gegensatz zu ben Engländern unb anbcren .schwächlichen" Völkern trinken bie Amerikaner ben Whisky rein, ohne Zusatz von Sobawaster, unb aus Wassergläsern. Da bie angegebenen Ziffern vielen Kennern ber Berhältuiste zu niebrig erscheinen werben, sei zu ihrer Beruhigung mitgeteilt, baß die Reisenden zwei Fünftel ihrer Zeil an Land zugebracht haben: bie angegebenen Mengen Alkohol würben nur an Borb bes Schiffes konsumiert. Wer wenig Gelb hat, kann auf einer Auslanbs- reife mehr erleben, als ihm lieb ist, Da er mit Dem Ungeziefer unb anderen Unannehmlichkeiten in sehr nahe Berührung kommt. Wer viel Gelb hat, sieht bagegen auf einer Weltreise meist zu wenig, vertreibt sich bie Zeit mit unwichtigen Dingen, mit Alkohol - unb mit Flirt. Fast regelmäßig werben am Schluß ber Weltreise einige Verlobungen gefeiert, unb mancher Mitgiftjäger hat bei solcher Gelegenheit schon kostbares Wild zur Strecke gebracht. Es muß babei nicht immer so dramatisch zugehen wie in bem Fall einer reichen amerikanischen Witwe, bie sich in einen Stewarb verliebte unb ihn bei kurzem Aufenthalt in Manila heiratete. Der Oberftetoarb, ber bavon nichts ahnte, aber boch feine Beobachtungen machte unb vielleicht auch eifersüchtig war, sorgte für Orbnung, inbem er seinen Untergebenen wegen zu familiären Verkehrs mit Pastagieren in eine femliegenbe Abteilung versetzte. In Neapel verließ bann bas neugetraute Paar bas Schiff, um sich bem Gerebe ber übrigen Reifenden zu entziehen. Kreis Friedberg. M. Butzbach, 15 Juli. Dieser Tage sand hier eine Vorstandssitzung des hiesigen Geschichtsvereins statt, an der bie Herren Prof. Horst, Reallehrer i. R. Weide, Prof. Dr. Werner und Lehrer Bach teilnahmen. Real- lehrer Weide sprach zunächst über den Stand der Reparaturen im Museum unb gab eine Uebersicht über die bisherigen Ausgaben. Die Ausbesserungsarbeiten erstrecken sich hauptsächlich auf Reinigung und Erneuerung ber Trachtengruppen unb Figuren. Als Museumsdiener würbe Oberwachtmeister i. R. Köberer gewonnen. Cs wird ein Eintrittsgeld erhoben, das fich bei einer größeren Anzahl von Besuchern ermäßigt. Sonntags von 13—14 Uhr ist der Besuch frei. Zu Punkt 2: Bessere Reklame, sprach ebenfalls Reallehrer Weide. Ueber den Stand ber Geschichtsblätter sprach Prof. Horst. Die Blätter finden großen Anklang. Es müssen noch mehr Mitarbeiter gewonnen werden, die nicht nur Arbeiten, sondern auch Material unb Anregung liefern. — Die Zelt-Bolks-Mission begann vor kurzem hier ihren Bortragsbienst. Bei der Eröffnung sprachen Bürgermeister Dr. Jansen für die Stadt Butzbach, Pfarrer Schneider als CBer tretet der ei). Kirchengemeinde, und Kaufmann Dinkel für bie ev. Gemeinschaft. Die Borträge, die in volkstümlicher und anschaulicher Sprache gehalten wurden, behandelten sittlich-religiöse Fragen der Gegenwart. Sie erfreuten sich eines stets wachsenden Interesses. Umrahmt wurden die Borträge von gemeinsamen Gesängen mit Posaunenchorbegleitung und gemischten Chören. K S t e i n f u r t h , 16. Juli. Unter großer Beteiligung ber hiesigen Gemeinde mnb ber Lehrerschaft des Kreises Friedberg wurde gestern auf dem Bad-Nauheimer Friedhöfe Der-nach kurzer Krankheit im Alter von 49 Jahren unerwartet verstorbene hiesige Lehrer und Vorsitzende des Schulvorstandes Heinrich Hildebrand zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene, der 29 Jahre lang ununterbrochen hier in Schule und Gemeinde segensreich gewirkt hat, nahm auch, in der hessischen Sängerbewegung eine führende Stelle ein. Die Wertschätzung, deren er sich erfreute, kam in der Grabpredigt des Pfarrers Knodt (Bad-Nauheim) unb in zahlreichen Kranzniederlegungen zum Ausdruck. Es sprachen Lehrer Metzler für Den Schulvorstand und das Lehrerkollegium, Bürgermeister Schwegler für die Gemeinde, Rektor Meyer (Friedberg) für den Dezirkslehrerverein Friedberg - Bad-Nau- Heim unb das Kreisschulamt Friedberg, Lehrer Schenk (Melbach) für den Wetterauer Sängerbund, Beigeordneter Bechtold für den Gesangverein „Frohsinn", dessen Dirigent der Verstorbene 24 Jahre lang war. Ein Schülerchor und die Sänger des Gesangvereins „Frohsinn" entboten dem verehrten Lehrer und Chormeister den letzten Sängergruß, und die Danner mehrerer Gesangvereine des Wetterauer Sängerbundes senkten sich über bem Grabe. Kreis Schotten. V Sichenhausen, 16. Juli. Gestern fiel das vierjährige Söhnchen des Arbeiters Heinrich Dlöser X. hier so unglücklich vorn Kirsch- b a u m, daß es einen Obers chenkelbruch davontrug unb bem Gederner Krankenhause zugeführt werden mußte. Kreis Alsfeld. * Homberg «. d. Ohm, 16. Juli. Das alte Gasthaus „Frankfurter Hof", Besitzer Heinrich D e e g I., ist jetzt durch eine Frankfurt ter Baufirma zu einem modernen Hotelbau umgestaltet und erweitert worden. Hoch über dem Ohmtal erhebt sich ein schöner Terrassenbau, ber so geschickt mit dem alten Gebäube verbunden worden ist, daß ein organisches Gebilde entstand. Das Hotel verfügt u. a. über eine freie und eine geschlossene Terrasse, Kegelbahn und Saal. Die Einweihung vollzog sich dieser Tage unter Teilnahme ber Stadtverwaltung. Bürgermeister Sch weiter brachte namens ber Stabt ferne Freube barüber zum Ausdruck, daß bem Ohmtal hier ein neuer Anziehungspunkt für Fremde erwachsen sei. Preußen. Kreis Marburg. WSN. Marburg, 16. Juli. In bem Dorfe Sterzhausen (Kreis Marburg) ist einS ch u I- streik ausgebrochen, bem sich bie Mehrheit ber Bevölkerung angeschlossen hat. Der Schulstreik richtet sich gegen ben ersten Lehrer, ber es angeblich nicht verstanden haben soll, das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 19. Juli 1930. Freitag abend 7.45 Uhr; Samstag vormittag 8 Uhr; nachmittags 4 Uhr; Sabbataus- gang 9.25 Uhr. — Wochengottesdienft: morgens 6.30 Uhr; abends 7.15 Uhr. streicheln die weichen,seidigen Locken des reizenden Kinderköpfchens. Die sorgsame Pflege mitdem milden Schwarzkopf - Schaumpon ergibt gesundes,volles Haar. Schwarzkopf Schaumpon (Päckchen 20 Pfq., „Extra“ mit Haarglanz 30 Pfg.) LUI f* 6Ut| HANS