Nr. 294 Erstes Blati ISO. Jahrgang Dienstag, 16. Dezember 1950 Grit)*tut «agl'ch.cwtzn Sonntag» onb Stiertag». Beilagen Du Illustriert« Wetzent! Jamthenblätta Heimat im Bild Du Scholle Monat» bezug,vrel»: 2.20 Reichsmark and 30 Setd)»ptenntg für Träger» lohn, auch bet Richter- Schemen emzelnerRummern tnfolqe höhere, Gewalt. HernsvrechanschlSßt enter5amme(nnmmer2251 Lnlchrtst für Drahtnachrichten anjetger Ziehen, poftscheckfonto: $rarMurl am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Ornd mtö Dtrlag: vrLhl'Ich« UnIversiiütrGiich. und Steinbruderel R. lange in Siegen. Sd)riftleitnng und SeschäfisNelle: Schulittage r. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. 2vilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Emst Dlumfchein und für Öen Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen Neue Militärrevolte in Spanien niedergeschlagen. Meuterei auf dem Madrider Milttär-Flugplah „Zu den vier Winden." - Nie Regierung unterdrückt den Aufstand. Nie Führer, darunter der Rekordflieger Franco, nach Portugal entstohen. Der spanische Vulkan. roegung sein. Wenn Ihr Euch nicht unterwerft, wird Eure Kaserne innerhalb einer halben Die kleine spanische Grenzstadt 3aCa in den Pyrenäen ist für achtundvierzig Stunden zu einer europäischen Berühmtheit geworden. Die Garnison hotte dort gemeutert und sollte sich in Marsch gesetzt haben, um den Aufstand langsam nach Süden vorzutragen. Die Regierung hat getan, was in solchen Fällen üblich ist, sie hat erst einmal Grenz- und Rachrichtcn sperre verhängt, damit aber praktisch nur erreicht, das) der ganze Zwischenfall stark aufgebauscht wurde und die Spanien feindlichen Länder schon eine Revolution mit einem Sturz des Königtums Voraussagen zu können glaubten. Der Spuk hat nicht allzu lange gedauert. Die Aufständischen sind geschlagen. Ihr Standouartier wurde von den Rcg'erungstruppen .zurückerobert", und die verhafteten Führer sind standrechtlich erschossen. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Aber wenn auch die Regierung selbst glaubt, nun darüber zur Tagesordnung übergehen zu tonnen, wird doch der uirparteiische Beobachter in dieser Revolte eine bedrohliche Erscheinung sehen, die zum mindesten darauf hindeutet, wie unsicher und unausgeglichen die ganzen Derbältnisse in Spanien noch sind. Es ist in wenigen Jahren nun schon d i c vierte Militär- re v o l t e, diesmal aber mit a u s - Stunde bombardiert. Soldaten? Es lebe Spanien, es lebe die Republik!" Vieser Ausruf ist, wie von republikanischer Seite mitgcteilt wird, das verabredete Felchen zum Beginn der Unternehmung. Der General ft reit ist bis jetzt ausgerufen in Santander, Bilbao, Valencia, San Sebastian, 3aen, Sevilla, Labix, San Fernando und Barcelona. Rach einer amtlichen Meldung aus Madrid traten SARAGOSSA MADRID BARCE TO NA ^VALENCIA - BILBAO CJACA> fHUESCAl cn r> gesprochen republikani- — Ich« n Vorzeichen, ein Beweis. r- welche starke unterirdische Propagan- ZZ Datätigkeit d e Republi.aner ent alten L_ und welche Erfolge sie gerade bei der - Intelligenz haben müssen, wenn es ihnen sogar gelingt, Offiziere für sich zu gewinnen. Freilich, Ursache und Wirkung find hier schwer zu unterscheiden. Man braucht nicht unbedingt anzunehmen, daß in Spanien sich eine staatspolitische Reu- vrientierung von der theoretischen Seite her vorbereitet. Sehr viel wahrscheinlicher ist, daß der Ausgangspunkt dieser Unruhen wirtschaft- l ich er Ratur ist. Spanien hat jahrzehntelang unter einer Mih- wirtschaft gelitten, die mit dem Parlamentarismus nicht allzu viel zu tun hatte, aber von seinem Ramen gedeckt wurde.' Primo de Rivera hat als Diktator Ordnung zu schaffen versucht, was ihm zunächst auch gelang, aber er fand bann nicht den Rückweg in die normalen Verhältnisse und stürzte über der Welle der Unzufriedenheit, die aus den wirtschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit und einer sinkenden Währung eigentlich unvermeidlich war. Sein Rachfolger Berenguer kämpft mit den gleichen Schwierigkeiten, nur dah er eben nicht Die Autorität besitzt, auf die sich Primo de Rivera wenigstens in seinen Anfängen stützen konnte. Troy der Diktatur scheint es aber immer noch nicht gelungen zu fein, die 2 u n t a s. die Offizierscliquen, unschädlich zu machen, die eine der stärksten Quellen der Unruhen waren und dem Militär seine Zuverlässigkeit nahmen Man kann den Fall 3aca als einen Ausfluß dieser Junta-Stimmung bewerten, man kann ihn aber auch ernster auffassen als den Beweis einer weiter um sich greifenden Unzufriedenheit. Rur dah selbst in Spanien das Schicksal des Landes vermutlich nicht von einer Grenzfestung aus, sondern von den Großstädten aus, vornehmlich also von Madrid und Barcelona her entschieden wird, aus denen seit den letzten 24 Stunden allerdings recht bedrohliche Meldungen vorllegen. Ein Klugblatt der Revolutionäre. Der Madrider Militär-Klugplatz wird beschossen. M a d r l d, 15. Dez. (TU.) Kur, vor 12 Uhr MLZ. wurde von Flugzeugen folgender Aufruf über Madrid abgeroorfen: „Soldaten! 3n der vergangenen Rächt ist In ganz Spanien die solange erwartete und ersehnte republikanische Bewegung ausgebro- chen Volk und Armee vereint haben sie ausgeführt. DU Rachrichten, welche die neue Regierung aus allen Provinzen erhält, bestätigen den erwarteten Erfolg. Zur Vermeidung leidenschaftlicher Akte und unschuldiger Opfer und um der ganzen Welt zu zeigen, daß das spanische Volk seine Geschicke so, wie sie Gerechtigkeit, Friede und Ar- beit erfordern, selbst lenken kann, ist es nötig, daß Ihr Euch der Bewegung anschließt, um so den Bürgerkrieg zu vermeiden. Wenn Ihr so handelt, macht Ihr Luch u m d a s Vaterland und die Republik verdient. Wenn aber Eure Schwäche oder Eure Gewissenlosigkeit Luch gegen diese Bewegung Stellung nehmen läßt, werdet Ihr die ersten Opfer der Be- — Hauptorte des Generalstreiks D Ausgangsort der Mihtarrevolte 3 Ort der Vollstreckung der Todesurteile 5000 Wann der Besatzung des Flugplatzes „Zu den vier Winden", unter dem Befehl des Generals Oueipo bei Cano und mehrerer Offiziere, darunter Major franco, in den Aufstand. Sie entwaffneten die Wache des Pulvermagazins und füllten einen Kraftlastwagen mit Bomben, die sie an Bord mehrerer Flugzeuge brachten. Line Abteilung Truppen unter General Orgaz belegte den Flugplatz mit Geschühfeuer, der nach einer halben Stunde die weiße Fahne hißte. Oueipo del Cano und Franco flüchteten an Bord eines Flugzeuges. Ls ist nicht bekannt, ob die etwa 100 Kanonenschüsse, die gegen den Flugplatz abgefeuert wurden, Todesopfer gefordert haben. Sämtliche Führer des Volkshauses haben dieses verlassen, wie es scheint aus Furcht vor Verhaftung. Das Athenäum in Madrid, dessen umstürzlerische Tätigkeit in der letzten Zeit König Alfons XIII. von Spanien. bekannt ist, wurde geschlossen. Das Stand- r e ch t wurde über Madrid und Umgebung verhängt. Die Hauptstadt zeigt bis jetzt kein verändertes Bild. In anderen Provinzen, wie ;. B. in S e - Villa, hatte der versuch eines Streikes keinen Erfolg und die Truppen blieben regierungstreu. Rach den letzten Meldungen haben die Behörden ein Extrablatt verteilen lassen, in dem mit- geleilt wird, daß sich die Aufständischen des Flugplatzes um 12.30 Uhr ergeben haben. Einige sind geflüchtet, sie werden von der Gendarmerie und von Husaren verfolgt. Der Flugplatz ist von der Gendarmerie beseht worden. Verhaftungen in Madrid. Paris, 15. De,. (WIB.) havas berichtet aus hendaye, daß sich die Rachrichl von der standrechtlichen Erschießung zweier Offiziere bestätige. Andere Rachrichlen ließen auf den baldigen Ausbruch des Generalstreiks in Spanien schließen. Es seien bereits Maßnahmen dagegen vorgesehen, namentlich die Ausdehnung des Belagerungszustandes auf gan; Spanien. 3n der Hauptstadt sollen einige politische Persönlichkeiten, darunter Alcala Zamora und Miguel Maura, verhaftet und ein Waffen- unb Munitionsdepot entdeckt worden sein. Auch ein Professor der Industrieschule von Saragossa, ein Gewerkschaftsführer und etwa 50 Kommunisten und Extremisten sollen wegen Beteiligung an der jüngsten Aufstandsbewegung feftgenommen worden sein. Die Meuterei niedergekümpst. Wieder Muhe in Madrid Paris, 15. Dez. (WTB.) lieber die Meuterei der Besatzung des Flugplatzes „Zu den vier Winden" berichtet Havas in einer Meldung aus Madrid noch folgende Einzelheiten: Die aufständischen Flieger besetzten die Funk- station der spanischen Telephongesellschaft, die sich in der Rähe des Flugplatzes befindet, nahmen den Direktor und die gebäude gerufen worden, wo man sie von der Ausstandsbewegung unterrichtet und jedem von ihnen ein Gewehr in die Hand g e d r ü ck t habe. Zahlreiche Arbeiter hätten s i ch geweigert, sich der Bewegung anzuschließen und das Gewehr entgegenzunehmen. Sie hätten erklärt, sie seien friedliche Familienväter und wollten nur ihre Arbeit verrichten. 'Daraufhin seien einige Arbeiter von den Aufständischen in einer -Baracke eingefchlossen worden. Ve agerungszustandiiberMdrid (Genaue Kontrolle Der Rordgrenzc Paris. 16.Dez. (Havas.) Eine Meldung aus Hendaye besagt: Gerüchtweise verlaute, daß i n ganz Spanien de r General st reik au»* gerufen sei. Die Sperre an der Grenze werde außerordentlich scharf gehandhabt, jedoch sei heute nachmittag der Verkehr der elektrischen Bahn zwischen Hendaye und San Sebastian, also zwischen den französischen Grenzstationen, der vormittags eine zeitlang unterbrochen war, xum ‘Teil wieder ausgenommen worden. Allerdings seien die Fahrgäste genau untersucht worden, um zu verhindern, daß Personen, die an der Aufstandsbewegung beteiligt waren, über die Grenze nach Frankreich flüchteten. 2km französi- Exminister Zamora wurde in Madrid verhaftet. — Rechts oben: Der Fliegermajor Franco, einer der Hauptführer der Revolution. Angestellten gefangen und ließen darauf die Rachricht verbreiten, daß in Spanien Die Republik auggerufen sei. Bei der Beschießung des Flugplatzes durch die Regierungstruppen soll nur ein Aufständischer leicht verletzt worden fein. Als die Journalisten um 14 Uhr sich auf den Flugplatz „Zu den vier Winden" begaben, stellten sie fest, daß dort wieder völlige Ruhe herrschte. Die Madrider Zeitungen veröffentlichten am Rachmittag Extraausgaben, in denen die Befriedigung über die Wiederherstellung der Ruhe zum Ausdruck gebracht wird. Die Blätter begrüßen es, daß die Regierung auf diese Weise Madrid einen Trauertag erspart habe. Die Monteure, die als Z i v i l a n g e st e l l t e auf dem Madrider Flugplatz „Zu den vier Winden" arbeiteten, erzählten, sie seien heute früh um 8 Uhr, als sie auf ihrer Arbeitsstätte erschienen, in das Direkt ions- fchen Departement Basses Pyrenees sei die Grenze auf spanischer Seite gesperrt. Eine Havasmeldung aus Madrid besagt, um 10.30 Uhr habe bei Ministerpräsident Berenguer eine Besprechung stattgefunden, an der mehrere Generäle teilnahmen. General Balmes. der Leiter der spanischen Luftfahrttruppe, begab sich darauf nach dem zweiten Flugplatz von Madrid, Getase, und ließ von dort aus zwei Abtellungen ausrüsten, um den Flugplatz „Zu den vier Winden" zu beschießen. Als der Ministerrat um die Mittagsstunde noch tagte, sei bereits bie Rachricht von der Uebergabe der Aufständischen ein gegangen. Um 12.46 Uhr durchzogen Infanterie-Abteilungen die Stadt und gaben d i e Ausrufung des Belagerungszustandes öffentlich bekannt. Die Verlesung dieses Dekrets sei von der Bevölkerung mit Beifall be- Llick auf 3 g c g in Rordspamen, wo Die Regierung Der Revolte Herr wurde. ^9». 1 ■75 ■ -1 8n.lL grüßt worden. Um 14 Uhr habe sich Gras Du- gallal. der Führer der Konservativen, ins Lknnenininistermm begeben, um die Regierung die bedingungslose Unterstützung sei- ner Partei anzubieten. Aach Schluß des Ministerrats erklärten die Minister, daß der Zwischenialt vollkommen bei gelegt sei. Alle Flugplätze Spaniens Haven durch Vermittlung der ntüitärischen Behörden der Regierung chre unbedingte Ergebenheit veriichern lassen. General Bcrenguer erklärte heute aoend, dah wegen der heutigen Vorfälle zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden seien. Unruhen in Gan Sebastian. Hendaye, 15. Dez. (Havas.) Heute früh sollen mehrere Gruppen exttemistßcher Manifestanten i n ö i e Bureaus des Gouverneurs von San Sebastian eingedrungen sein und zwei wachhabende Polizisten, die ihnen entgegentraten, durch Revoloerschüsse getötet haben. Die Manifestanten sollen dann das ganze Bureaumaterial zerstört haben. Andere Extremisten sollen zur gleichen Zeit in den Zufahrtstraßen der Stadt den Milchwagen und den Arbeitern, die sich an ihre Arbeitsstätte begeben wollten, den W e g versperrt haben. Die Zivilgarde und die Polizei sollen bei der Verfolgung mehrere Manifestanten getötet bzw. verletzt und eine große Anzahl verhaftet haben. In San Sebastian und Irun seien die Kaffeehäuser und die Läden geschlossen. Der Telephon- und Telcgraphenverkehr nach Spanien ist unterbrochen, weil die Manifestanten in San Sebastian die Apparate der Post zerstört haben sollen Major Francos Flucht. Madrid, 16. Dez. (TU.) Von der Regierung wird besonders darauf hingewiesen, daß Anzeichen vorhanden seien, daß Major Franco der Führer der gescheiterten Aufstandsbewe- g u n g gewesen sei. Sicher sei, daß Franco am Montagmorgen Madrid überflogen habe. Während der Kapitulation der Besatzung des Flugplatzes Quarto Vientos hätten Major Franco und General Oueipo del Lano ein Flugzeug bestiegen und seien nach privaten Meldungen entflohen Eine Jagdstaffel habe die Verfolgung ausgenommen. Major Fr a n c o soll mit vier anderen Offizieren nach Portugal entkommen sein. Flücht ge Republikaner in Gibraltar. London, 15. Dcz. (Töl.) 3n Gibraltar ist eine größere Anzahl von flüchtigen spanischen Republikanern eingclrcffcn. Sie berichten, dah die Zivi'gardr in allen spanischen Städten in der Rahe von Gibraltar republikanische Führer verhaftet habe. Die Madrider R'gierung hat eine Abteilung Zivilgarde aus Marokko nach Spanien beordert. 3n Gibraltar verlautet, dah die Regierung auch die Absicht habe. Truppen per Fremdenlegion nach Spanien zu verschiffen. Artilleristen hätten jcöou; gedroht, icves S^iff zu bomvardie- ren, das mit Truppen an Vord den Hafen verlassen sollte. 3m Laufe des Montagnachmittag teilte die Leitung des Telephondienstes mit, dah die telephonische Verbindung mit Spanien unterbrochen sei. Es lägen keine Rachrichten vor, wann die Verbindung wirderhergestcllt werden würde. R'sikopramien gegen Kriegsgefahr. Nervosität in Lchisfahrtskreisen. London, 15. Dez. (TU.) Im Hinblick auf bie Lage in Europa erwägt nach einer Meldung der „Sunday Times" die große englische Der- sicherungsgesellschast Lloyds zur Zeit einen vor- schlag, die Frachlversicherungssähe gegen Kriegsrisiko um 6 Pence zu erhöhen. Dies würde die Versicherungskosten für englische Frachten um 10 Millionen Mark und für alle Frachten der Weltwirtschaft um 30 Millionen Mark erhöhen. Rach Aussagen eines führenden Maklers soll innerhalb der Schiffahrtskreife eine gewisse R e r o o s i l ä l wegen der gegenwärtigen internationalen Lage herrschen. Der „Daily Telegraph" meldet hierzu ergänzend, dah die Verhandlungen sich noch im Ansangszustand befänden, soweit das Institut der Londoner Underwriters und die Lloyds Underwriter Association in Frage kommen. Als Grund werde angegeben, dah im Hinblick aus die unruhigen politischen Verhältnisse in vielen Ländern die gegenwärtige Gepflogenheit, das Kriegsrisiko umsonst oder gegen eine sehr kleine Prämie i n d i e p o l i c e einzuschllehen, dem Underwriter sehr schwere Verpflichtungen bringen könnte, ohne dah sie dafür eine entsprechende Vergütung erhalten. In den gegenwärtigen Verträgen über die Versicherung von Frachten sei eine Klausel enthalten, die die „Beschlagnahmung und ...alle Folgen von Feindseligkeiten, ganz gleich ob vor oder nach einer Kriegserklärung" a u s s ch l ö s s e n. 3n den letzten Jahren sei gewohnheitsmäßig diese Klausel a u s g e st r i ch e n worden. Gewöhnlich bestände übrigens im Hinblick auf die Fortlassung dieser Klausel eine K ü n d i g u n g s s r i st, die meistens 10 Tage betrage, aber den Underwriters nach ihrer Ansicht keine ausreichende Sicherheit biete. Der Vorschlag dieser Sonderprämie erstrecke sich, soweit bekannt, nicht aus die Schiffskörper, da die meisten Reeder ihre Schiffe gegen Kriegsgefahr ohnehin durch besondere Vereinigungen auf Gegenseitigkeit versicherten. Oie Entrechtung derOentschen in der Tschechoslowakei. Prag, 15. Dez. (Täl.) Seit 3ahren bemühen sich die deutschen Parteien in der Tschechoslowakei, die Stelle eines dritten Landes- präsidenten zu schaffen und diese m i t einem Deutschen zu besetzen. Rach einer Erklärung der halbamtlichen „Prager Presse" hat das Prager 3nnenministerium nach langjährigen Verhandlungen die Stelle zwar neu geschaffen, jedoch nicht mit einem Deutschen, sondern mit einem Tschechen besetzt. Danach setzte sich nun das Präsidium der böhmischen Landesverwaltung aus vier Tschechen zusammen, während die Deutschen, die ein Drittel der Bevölkerung Böhmens ausmachen, auch künftig im Präsidium der Landesverwaltung nicht vertreten sein werden. Schwere Erkrankung poincares. Das Befinden des ehemaligen Präsidenten der Republik gibt zu größter Besorgnis Anlaß. p a r i s, 16. Dez. (I2L Funkfpruch.) wie erst jetzt bekannt wird, hat der ehemalige Präsident Raymond poincare am Samstag einen Schwächeanfall erlitten, der als eine Folge feiner Anfang des Jahres überstandenen Operation anznfehen ist. Er muhte auf Anraten der Aerzte sofort das Bett hüten. Der Zustand poincares hat sich im Laufe des Montagabends weiter verschlimmert. Nachdem sein Privatarzt bis gegen 20 Uhr an feinem Krankenlager geweilt hatte, wurde er erneut gegen 2 2 Uhr z u dem Patienten gerufen. Der Arzt hielt es für ratsam, noch einen Spezialisten vom Hospital de la Salpetrige hinzuzuziehen, der wenige Augenblicke später in der Wohnung poincares eintraf. Als diejer das Krankenlager verlieh lehnte er jegliche Aeuherung über das Befinden des Patienten ab. Der Hausarzt blieb während der Rächt am Krankenlager. Im Freundeskreise des Kranken herrscht größte Besorgnis. Rach den letzten Rachrichten soll das Befinden poincares zu der größten Beunruhigung Anlaß geben. „Petit parisien" will mitleilen können, poincare habe eine halbseitige Lähmung. Der ehemalige Präsident der Republik befindet sich im 71. Lebensjahre. Schober Über österreichische Politik „Keine Kombination fürO sterreich/ aus der Deutschland ausgeschlossen wird!" München, 15. Dez. (TU.) 3m Akademisch- Politischen Klub hielt am Montagabend der österreichische Vizekanzler und Minister für Auswärtige Angelegenheit.n, Dr. Schober, einen Vortrag über „Oesterreick, s Probleme der Gegenwart". Unter den wichtigsten innerpolitischen Fragen hob Dr. Schober die Verfassungsreform, den Finanzausgleich, die Regelung der Arbeitslosenfürsorge, den Abbau des viel zu großen Verwaltungsapparats und dir Rückkehr zur Ueberparteilichk it und vollen Objektivität in der Regierungspolitik h-rvor. Zur Frage der Bewaffnung der Selbstschuhverbände erklärte der Redner, daß in einem geordneten Gemeinwesen nur die gesetzlichen Vollzugsorgane des Staate s, in Oesterreich also das Bundesheer, die Gendarmerie und die Polizei Waffen tragen dürften. Alles andere sei ungesund und habe keine Existenzberechtigung. 3n der Verfassungsfrage habe er sich bisher damit begnügen müssen, zu erreichen, was par amentarlsch durchzusetzen möglich war. Leider sei ihm die Heimwehrführerschaft auf diesem W ge nicht gefolgt. Trotz der zweifellosen Erfolge habe die Heimwehrführerschaft, die ihren überparteilichen Charakter jetzt aufgegeben habe, von einer Riederlage Schobers gesprochen und ihn des Poktterens mit der Sozialdemokratie verdächtigt. Es sei bedauerlich, dah der gesunde Gedanke der Heimwehr, auf den man so große Hoßnungen gesetzt habe, durch die wenig staatsmännische Führung auf Abw.ge geraten sei. Das Wichttgste sei in Oesterreich die unbedingte Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, weil die notleidende Wirtschaft die andauernden Störungen durch Aufmärsche und Kundgebungen nicht ertrage. Lieber das Verhältnis Oesterreichs zum Deutschen Reich erklärte Dr. Schober: „3n dieser Hinsicht müssen wir unsere nationalen Hochziele uns stets vor Augen halten. 3nsbeson- dcre müssen wir Wert darauf legen, dah d i e Angleichung unseres Rechtszustan- des endlich zur Wahrheit wird. Wir müssen die Einsetzung von Ausschüssen in beiden Parlamenten anstreäen, deren Aufgabe es sein wird, die wirtschaftlichen Fragen Deutschlands und Oesterreichs so zu regeln, dah eine engere Verbindung auf volkswirtschaftlichem Gebiet hcrgestellt wird. Die von mir in Paris geprägte Formel: Ein Volk in zwei Staaten muh richtunggebend sein für unsere Politik, und die zweite Formel: Keine Kombination für Oesterreich, aus der Deutschland ausgeschlossen w.rd!, gibt dieser ersten For- mel größere Bedeutung. (Stürmischer Beifall.) Der kleine und der große Bruder müssen als Gleichberechtigte einen Weg gehen, den gegen- seittgen wirtschaftlichen Rotwendigkeiten Rechnung tragen, und auf das Wohl des großen deutschen Gesamwolkes bedacht sein." Zu dem Briandchen Paneuropa-Plan erklärte Dr. Schober, nach den mageren Ergebnissen der Zollkonserenz könne nur noch ein unverbesserlicher Optimist dof'en, daß es möglich sein werde, 21 Staaten wir'scha tlich oder gar politisch zu einigen. Wer jedoch varan denke, alle gleich- ge.ichteten wirt chaf l.cy n 3n eres enten zu ei::em Wirtschaftverbande zu vereinten, ter werde aus Erfolg rechnen können. Eine regio- naleWirtschaftsvereinigungsü durchaus möglich, wobei die Oesterreichrr und Reichsdeutschen auch in nationaler Beziehung auf ihre Rechnung kommen würden. Zum Schluß betonte der Redner, daß er stets dem großen Ziel gedient hab', Oesterreich zu allen Staaten freundlich zu stellen, ohne j doch an der herzlichen Veroundenheit Oesterreichs mit dem Deutschen Reich', den geringsten Zweifel aufkommen zu lassen. Er habe mit dieser Politik gerade mit dem Hinweis auf die engste Verbindung mit dem Deutschen Reich: auch in Paris Verständnis gefunden und in London und Rom gleichsalls Erfolge erzielt. Diese Tatsache zeigt neuerdings deutlich, wie wenig Einfluß die deutschen Parteien in der tschechoslowakischen Regierung besitzen. Von deutscher Seite wurde seinerzeit der deutsche Regierungsrat- Dr. Graf Doos- Waldeck vorgeschlagen, der auch hinsichtlich der Rangordnung von den Tschechen nicht hätte umgangen werden können. Besonders bedauerlich ist das Spiel des deutschen Bundes der Landwirte, der durch eine Gegenkandidatur gegen Graf Boos-Waldeck mit einem bedeutend rangjüngeren Kandidaten die Lage noch weiter zuungunsten der Deutschen verschärft hat. „Sott das so bleiben?" Ein deutscher Sozialist über Ungarns Kamps gegen das Friedensdiktat. Berlin, 15. Dez. (TA.) Das führende Mitglied des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, Franz 3oses Furtwängler, ein Sozialdemokrat, unterzieht in der „Zeitschrift für Geopolitik" (Verlag Kurt Vowinckel. Berlin) unter dem besonderen Blickwinkel der Cinstellungi der ungarischen Sozialdemokraten gegenüber der Regierung Horthy-Dethlen den Kampf der Magyaren gegen das Diktat von T r i a n o n einer eingehenden Untersuchung. Der Trianon-Vertrag, schreibt g-unu/angler, riß von Ungarn zwei Drittel seines Bodens und seiner Bevölkerung weg: er stellte sie unter die Herrschaft von Staaten, die bis an und in die 80er 3ahre des vergangenen 3ahrhun° derts türkische Paschaprovinzen waren und deren Kultur und Wirtschaft noch alle Kennzeichen dieser Vergangenheit tragen. Eine Diktatur in einem Lande wie Ungarn, wo Sozialdemokraten sagen, ihre schärfste Anklage gegen die Diktatur sei, dah die Propaganda der Gegner Ungarns mit dem Schlagwort „Horthy-Regiment" ihnen, den Arbeitern, den Kampf gegen den Tria- non-Vertrag erschwere, ist so überflüssig, wie ein Kropf. Das meinen auch ungarische nichtsozialistische Polittker. Entscheidend ist, dah der Kampf gegen das F r i e de n s di k t a t in Ungarn sich nicht auf eine Oberschicht ober Partei beschränkt, sondern über alle Partei- und G e s e l ls ch a f t s s ch r a n ke n hinweg getragen wird von einem einzigartigen Machtwillen des Gesamtvvlkes. Wie sollte es auch anders sein, fragt Furtwängler, wo jeder am eigenen Leibe die Armut, in die das Land durch seine unerhörte Verstümmelung, die Abtrennung aller ergiebigeren Erwerbsquellen und die wirtschaftliche Einkreisung durch feine mit Frankreich verbündeten Rachbarn hineingestürzt wurde, verspürt. 3n Ungarn wird jede Schule zur Rekrutenanstalt und jede Straßenecke zum Werbeplah. An Pforten, Hauseingängen, Bürotüren ist das kleine Metallschild genagelt, auf dem die Karte Rumpf Ungarns steht und die abgerissenen Gebiete, die eine bluttriefende Dornenkrone umschließt. Eine '^ußchriit fragt den Beschauer: soll das so bleiben? und antwortet selbst: „Nem, nem, sohal" (Rein, nein, niemals!) Wie in Ungarn muh die junge Generation des arbeitenden und republikanischen Deutschlands mit dem Beweismittel der sozialen Belagerung, die sich gegen Deutschland richtet, das Versailler System abwehren. Immer noch der Remarque-Kttm. Neichsbannerproteft gegen das Filmverbot. Berlin, 15. Dez. (CRB.) Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete in vier Sälen Berlins Protestkundgebungen gegen das Verbot des Remarque-Films. Die Reichstag ^abgeordneten Ministerpräsident a. D. Stelling und L e m m e r forderten die Aushebung des Verb ts. Das Straßenbild war stark belebt, ohne daß es im Saal oder draußen zu Zwischenfällen kam. Auch die Kundgebung in der Reuen Welt vollzog sich zunächst in Ruhe. Da der etwa 4000 Menschen fassende Saal wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrt war, wurde in Kliems Festsälen eine Parallelkundgebung abgehalten. Auch die Versammlung in den Pharus-Sälen in der Müllerstrahe war so stark besucht, dah eine Parallelversammlung abgehalten werden muhte. Schon um 20.30 Tlhr tarn es in der Hauptkund- gebung zu Störungen, als der vom Reichsbanner gestellte Saalschutz einen kommunistischen Zwischenrufer aus dem Seele entfernen wollte. Von allen Seiten erhoben sich Kommunisten, die ihrem bedrängten Parteigenossen beisprangen. Es entwickelte sich eine allgemeine Schlägerei, in die auch Versammlungsteilnehmer eingriffen. Dem Saalschutz gelang es, die Störer aus dem Saal zu drängen. Rachdem ein Polizeioffizier mit mehreren Mann an der Tür des Saales Posten gefaht und Öen Raum für weitere Teilnehmer geschlossen hatte, konnte die Kundgebung ungestört beendet werden. Oie preußenkoalitton. Das Zentrum und die „Internationale der Gottlosen". Berlin, 16. Dez. 3m Zentrum scheint man jetzt ernstlich auf die Sozialdemokraten böse zu fein, die feit einiger Zeit wieder mit heftigen Angriffen auf das Kabinett Brüning aufwarten. Namentlich das Verbot des Remarque- Films hat es ihnen angetan. Der Kanzler und sein 3nncnmtnifter müssen sich aus dem sozialdemokratischen Lager die gröbsten Vorwürfe gefallen lassen, wobei noch das Schwergewicht auf die Feststellung gelegt wird, dah eine faschistische Diktatur drohe und dah Brüning mit der Rechten liebäugle. 3m Reich gibt es aber keine Möglichkeit, die Sozialdemokratie wirksam in die Zange zu nehmen, wohl aber in Preußen, wo es lediglich vom Zentrum abhängt, zu welchem Zeitpunkt die sozialdemokratische Herrschaft ihr Ende finden soll. Der preuhische Zentrumsfraktionsführer Heß hat jetzt einen Brief an den Ministerpräsidenten Braun gerichtet, in dem er darauf aufmerksam macht, daß die kommunistische „internationale der Gottlosen" ihren Sitz von Moskau nach Berlin verlegen will, um hier an einem neuen Piscatvr-Fibn mitzuwttken. Herr Hetz bittet den Ministerpräsidenten, eine Niederlassung dieser Körperschaft unter keinen Tim ständen zuzulassen. Wenn sich das Zentrum veranlaht sieht, diesen Dries zu veröffentlichen, dann darf man wohl daraus schließen, dah wir es hier mit einer ziemlich ernsten Aktion des Fraktionsführers Heh zu tun haben, über deren Bedeutung sich Herr Braun mit feinen Parteifreunden nicht im Unklaren sein wird. Der.noch wol e i wir davon Absta d nehmen, einen nahen Zusammenbruch der preuhiichen Re- gierungsgemeinschaft in Aussicht zu stellen. Finstere Wolken ballen sich allerdings am Koalitionshimmel zusammen, das war aber schon wiederholt der Fall. Sie haben sich noch jedesmal im letzten Augenblick wieder zerteilt. Oie Verwendung öffentlicher Gelder in Preußen. Kontrollergebnisse der prentzischen Oberrechnungskammer. Berlin, 15.Dez. (DDZ.) 3m Preußischen Landtag stand zur Beratung die P rü f u n g der Haushaltsrechnungen von 19247*1920 und 1926. Abg. Ebersb ach (Dnt.) erklärt, seine Frak- tion werde beim Etat beantragen, den lOprozen- tigen Abstrich bei der Oberrechnungskam- mer zu unterlassen. Besonders dürfe man nicht, wie beabsichtigt, etwas von den 10 000 Mark Reisekosten der Oberrechnungskammer streichen. Die örtliche Prüfungsarbeit der Kammer habe nämlich in einem einzigen Falle dem Staatüber500 000 Markei n gebracht. (Hört! Hort!) Die Kammer habe feftgeftellt, dah bie Porzellan-Manufaktur es fertigbekommen habe, einen Tatsachenverlust in einen wenn auch scheinbaren kleinen Gewinn umzuwandeln. (Hört! Hört! rcdjLä.) Die ganze Umstellung der PorzKlan-ORanufaktur, die angeblich dem 3nstitut eine taufmännische Grundlage geben sollte, sei, wie sich aus dieser Tatsache ergebe, nichts weiter alseinSchwindel. Bei der Landesschulkasse waren nach den Ermittlungen der Kammer die Bücher so un - übersichtlich, daß ein Angestellter dort über 300 000 Mark veruntreuen konnte, ohne daß der Landesschulkasse etwas auffiel. (Hört! Hört! rechts.) Dafür aber haben auch die vorgesetzten Behörden versehentlich der Lcmdesschulkassenoerwal- tung die gesetzlichen Zuweisungen zweimal zu- gewiesen. Insgesamt sind von der Oberrech- nungskammer bei der Landesschulkasse zugunsten der Regierungskassen mehr als 2 Millionen gerettet worden. In geradezu leichtfertiger Weise habe weiter der Kreis Adenau beim Bau der Autorennst r a ß e Nürburgring verfahren. Von einem ordentlichen Bauplan habe man überhaupt ab« gesehen und infolgedessen erlebt, daß der Bau« preis von 2Z Millionen, aus 12 2 Millionen anstieg. (Anhaltendes Hört! Hört! bei den Deutschnationalen.) Der ganze Nürburgring sei ein dunkler Punkt des Zentrums. Denn alle für das Projekt Verantwortlichen gehörten dem Zentrum an. (Unruhe im Zentrum.) 8 Millionen müßten bei dem Nürburgring-Bau schon jetzt als verloren gelten. (Hört! Hört! rechts. — Rufe bei den Sozialdemokraten: „Sie haben ja selber zugestimmt!") Die Deutschnationalen hätten ihren im Ausschuß von, den Regierungsparteien niedergestimmten Antrag wieder eingebracht, die an dem kolossalen Nürburgring-Defizit schuldigen beamteten und nichtbeamteten Personen zur Verantwortung zu ziehen. Britische Kriegsschuldenzahlungen an Amerika. London, 15. Dez. (WTB.) Die britische Regierung hat heute an das amerikanische Schatzamt die auf Grund des Schuldenabkommens mit Amerika fälligen 94 390 000 Dollars als Halbjahreszahlung geleistet, wovon 28 Millionen Dollars zur Amortisierung und der Rest für den Z i n s e n d i e n st der britischen Kriegsschuld bestimmt ist. Hiermit steigt die Summe, die den Vereinigten Staaten seit Fundierung der britischen Schuld gezahlt worden ist, aus 1 285 750 000 Dollars, wovon 202 Millionen Dollars zur Amortisierung gedient haben. Die Gesamtschuld beträgt noch 4 398 000 000 Dollars. Kleine politische Nachrichten. Der im Taris st reit des Bankgewer- bes ergangene Schiedsspruch ist vom Reichsverband der Bankleittmgen angenommen worden. Da die beteiligten Geweüschaften den Schiedsspruch ihrerseits abgelehnt haben, hat der Reichsverband der Bankleitungen die V e r b i n ö- lich keitse rklä rung des Schiedsspruchs beantragt. Zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten im Hamburger Hafen einigten sich die Parteien auf folgenden Schiedsspruch: Mit Rücksicht auf die besondere Lage im Hamburger Hafen bleibt der bisherige Lohn für die erste Schicht von 9,20 Mark bis zum 15. Februar 1931 in Kraft. Die Parteien werden rechtzeitig erneut jufammentreten, um über die weiteren Lohnverhandlungen zu beraten. • Die „Rote Fahne", die einen längeren Artikel des Parteivoriitzenden Th> tma, u. t . rn Titel „Wir führen das Volk zum Siege über die faszistische Diktatur" enthielt, wurde beschlagnahmt. Als Grund für die Beschlagnahme gibt der Gerichtsbeschluß Hochverrat Widerstand gegen die Staatsgewalt und Aufreizung zum Klassen- hah an. 3n Berlin verschied her sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete 3ohannes Hoffmann (Kaiserslautern). Rach dem Umsturz bekleidete er in dem Ministerium Kurt Eisner das Amt des Kultusministers. Rach der Ermordung Eisners wurde er bayerischer Ministerpräsident. * Anläßlich des parteipolitischen Auftretens des Kasseler Dberpräfibenten H a a s in der sog. Bürgerkrieg Kundgebung in der Kasseler Stadthalle hat der Vorsitzende der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft im Provinziallandtag, Senatspräsident Dr. H e l d m a n n (Frankfurt a. M.), an das preußische Ministerium des Innern folgendes Telegramm gerichtet: „Als Vorsitzender der Vrovinziallandtags- fraktion der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft erhebe ich schärf st.e n Einspruch dagegen, daß der sozialdemokratische Oberpräsident Haas durch hemmungslosesparteipolitifchesHer- BAre 5SS Mlytn N Ydo, 7~Thdrsh< flber< Ciermi nLmvg O Denin- i^QSrParti. Trankt tZ?s Gr. _ 1Ä1 । Der Abzua des Zahnschutzes aus dem Saaraebiel Die letzte Parade der Bahnschutztruppen in Saarbrücken. Zahlreiche Feuerwe^-rzüge wurden eingesetzt, um das ' Was er abyiteiten. Modetorheiten von 1900 sind langst über Schleifen und langen, weiten Röcken? Doch damals war ja alles Unnatürliche, Überflüs- Denn wir lieben Zweckmäßigkeit und sige so wichtig! Selbst an der Cigarette. reinen Genuß: die Cigarette ohne Mundstück, N ? i ? ? ? i i DaS brasilianische Arbeitsministerium hat durch Dekret die Einwanderung nach Dra - silien sür ein Jahr vom 1. Januar 19 31 a b verboten. Eine Ausnahme soll nur mit den Ausländern gemacht werden, die bereits Arbeitskontrakte unterzeichnet haben. ten schließlich für jeden Verkehr gesperrt werden, und Arbeiterkolonnen Können Sie sich heute Damen-Hockey in Temperaturen um den Gefrierpunkt, nebNg-trüde, dann etwas milderes Wetter mit Uedergang zu Niederschlägen teils in Form von Schnee. Lufttemperaturen am 15. Dezember: mittags 4,1 Grad Celsius, abends 2,4 Grad: am 16. Dezember: morgens 1,4 Grad Maximum 4,4 Grad, Minimum 1,1 Grad — Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe am 15. Dezember: abends 1,8 Grad; am 16 Dezember» morgens 1 Grad Celsius. Amtliche Dinterfportnochrichten. Vogelsberg, Hoherodskopf: Leichter Nebel, — 1 Grad Celsius, 10 cm Schnee, verharscht; Sportmöglichkcit noch vorhanden. Oie IBetterlaae Der wandernde Berg. Bei ChambSry In Ostfrankretch wird ein Bergrutsch gemeldet, durch den die an seinem Abhang gelegene Gemeinde bedroht wird. Derschie- Wettervoraussage Der gestern über Nordfrankreich gelegene lief, ausläufer hat sich abgeflachl, während sich das im Nordosten liegende Hochdruckgebiet wesentlich verstärkt hat. Die aus ihm ausströmenden kalten Luft- massen sind bis nach Deutschland hin oorgedrungen und haben den östlichen Teil der Temperaturen bis Zu — 7 Grad zurückgehen lassen. Von dem Islandtief hat sich ein Wirbel abgcspalten, dessen Kerngebiet heute morgen über Südengland und dem Kanal liegt. An seiner Vorderseite befindet sich ein Regengebiet, das sich von Spanien nördlich über Westfrankreich bis nach Schottland hin erstreckt. Mit dem Weiterzug der Störung wird über Deutschland ein Zusammentreffen von Warmluft mit der kontinentalen Kaltluft stattfinden, wobei die ausgleitende feuchte Ozeanluft zu Niederschlägen führen wird Die Temperaturen steigen dabei etwas an. Aussichten für Mittwoch: Anfänglich wunden. Sie passen nicht mehr zu uns, Darum bekam sie ein Mundstück. Doch dieser Kleidung vorstellen ? Mit Kragen, dene Häuser, die durch die Erdbewegung bereit- große Risse erhielten, mutzten geräumt werden. Die Bevbachtungsposten haben festgestellt, daß der Berg in kurzer Zeit seine Lage um nicht weniger als 48 Zentimeter verändert hat. Der Bevölkerung der bedrohten Gegend hat sich naturgemäß eine große Beunruhigung bemächtigt, da ein plötzliches Abgleiten des Berges geradezu verheerende Folgen haben würde. Ein Massengrab au» dem Dreißigjährigen Krieg. Bauarbeiter, die in A l g r i n g e n in Lothringen mit Ausschachtungsarbeitcn für einen Reubau beschäftigt waren, stießen in etwa 60 cm Tiefe auf einen großen Haufen Knochen, dem sie zunächst keinerlei Bedeutung beimaßen. Als sich aber ähnliche Funde an anderen Stellen der Fundamentsarbeiten wiederholten, benachrichtigten sie die Behörden. Man ist der Auffassung. daß eS sich um die Gebeine von Soldaten handele, die während des Dreißigjährigen Krieges getötet wurden. Bor Algringcn spielten sich während des Religionskampfes blutige Kämpfe ab, wobei die Stadt von den Kroaten zerstört wurde Die Knochen wurden gesammelt und in einem gemeinsamen Grab auf dem Gemeindefriedhof beigesetzt. Großer Brand In einem kalifornischen Seebad. Bei Los Angeles gerieten 15 Häuser eines mondänen Strandortes infolge einer Explosion in Brand. Das Feuer wütete drei Stunden lang. Sämtliche Häuser wurden g ä n z l i ch z e r st ö r l. Die Be- wohner, Filmschauspieler und -schauspielerinnen, konnten nur das nackteLeben retten. Untergrundbahnzüge verlassen konnten, zu Fuß durch die Tunnels marschieren, um die Ausgänge zu gewinnen. Dreißig Omnibuslinien mutzten umgeleitet werden wodurch in den engen Seitenstraßen ein heilloser Derkehrswirr- Warr entstand. Die Hauptstraßen in einem Umkreis von zwei Kilometer um die Bruchst lle muß- 3n der Bundesversammlung deS Bundes Oberland, der auch in Oesterreich verbreitet ist, wurde der frühere österreichische Innenminister Fürst Starhemberg mit 37 Sinmen zum Bundesvorsihenden gewählt. Der bisherige Dundesvorsitzende. Generalmajor a. D Rechter, München, hatte 36 Stimmen erhalten. Aus aller Wett. (Eröffnung des Germanislifchen Instituts an der Pariser Universität. An der Pariser Universität wurde das Institut für das Studium der deutschen und im weiteren Sinne der germanistischen Kultur offiziell seiner Bestimmung übergeben. Es hat sich entwickelt aus dem schon seit längerer Zeit an der Sorbonne bestehenden Germanistischen Seminar des Professors Henry Lichtenberger, der auch die Leitung des neuen Instituts übernimmt Bei der Eröffnungsfeier begrüßte der Rektor der Universität den anwesenden deutschen Botschafter o. Hoesch als Kulturträger und aeiftigen Mittler. Poincar 6 hat den Vorsitz der Veranstaltung übernommen, war aber durch seine Krankheit am Erscheinen verhindert und ließ deshalb seine Rede verlesen, in der ausgeführt wurde, daß das bessere Verstehen der geistigen Struktur anderer Völker und besonders des deutschen Volkes dem Franzosen die Augen nicht nur für die Vorzüge der anderen öffne, sondern auch eine bessere Einsicht in die ihnen eigene Psyche verschaffen werde. Sy werde man zu einer „Entente r^flöchie" Deutschlands und Frankreichs und über beide später zu einer Gemeinsamkeit ihrer Kultur gelangen. (Eröffnung des Nürnberger Milchhofes. In Rürnberg fand die feierliche Einweihung des Milchhvse > der BayerischenM lchverssrgungs- ge'ellscha't statt. Oberbürgermeister Dr. Luppe gab einen Ueberblick über die Geschichte der Bayerischen Milchvers rgMgsgescllschaft, die aus der Rürnberg Fürther Milchversorgungsgescllschast entstanden ist. Die Aufgabe der Gesellschaft sei der Ausgleich der Gegeniä-e zwischen Erzeugung, Handel und Verbraucher durch eine organisierte Zusammenarbeit 'De t e i l i g t sind an dem Unternehmen die Städte mit 60 v. H.. d e L a n d- wirtschaft mit 25 v. H. und der Handel mit 15 v H. Das neue Gebäude ist der fortschrittlichste Betrieb dieser Art in ganz Europa. Die finanzielle Durchführung des Werkes wurde dadurch ge.ichert, daß es gelang, vom Reich'ernäh- rung8minifternnn für eine Reihe von Jahren Zlnszuschüsse zu gewinnen. Autonnsall des Grafen Curfner. 5n Waukegon (Illinois) wurde Graf Luckner bei einem Autounfall ernstlich verletzt. Er hat das Schlüsselbein sowie mehrere Rippen gebro- d) e n und befindet sich im Krankenhaus, wo er wahrscheinlich mehrere Wochen an das Bett gefesselt sein wird OtfotXentos. 0 neue, o nei» oedec0 vonug. • oedem eftegetl * Schnee a Graupein ■ Neoei K Orwitter (§)wind5t-iie. eO $erw leichter Ost massige- Sudsoowesi K sturmgcnei -lo-dwes» O'e Piene fliegen mit dem winde Die oe>den Stationen stenenoe" rat» ten gehen die Temperatur an Die Linien eerhrnden Orte mit gteichcoi Heeresnitieau umgerechneten Luftdruck Dortreten zur Verschärfung der Gegen- fätze tn der ihm anoertrauten Provinz beiträgt und parteipolitisch nicht mit ihm übereinstimmende Staatsbürger als Analphabeten beschimpft. An das Ministerium des Innern richte ich das Ersuchen, Herrn Haas energisch zu recht- zuweisen, damit er sich künftig im Interesse des Ansehens seines Amtes solcher Entgleisungen enthält/ Der Konrektor Klagges und der Lehrer Meyer in dem Harzort Benneckenstein, die sich als Dersammlungsredner für die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei betätigt hatten, wurden vom Disziplinargericht tn Erfurt zur Dienstentlassung ohne Pension verurteilt. Eine Uebergangszahlung in Höhe des halben Gehaltes für ein halbes bzw ein 2ahr ist den Entlassenen bewilligt worden. Wasserrohrbruch verursacht Verkehrsstillegung in London. 3n der Zeit des stärksten Straßenverkehrs ereignete sich am Montag in der Rähe der Untergrundbahnstation Tottenham Court Road ein Wasserrohrbruch, der große Verkehrsstörungen verursachte. Die Straßen in der Umgebung der Bruchstelle wurden in kurzer Zeit überschwemmt. Das Wasser, das etwa 50 Zenti- meter hoch stand, drang mit großer Gewalt in die benachbarten Untergrundbahn- ft a t i o n e n ein, die bald daraus geschlossen werden mußten. Auf zwei Hauptlinien der Untergrundbahn wurde derVerkehrvöllig still- oelegt. Di« Fahrgäste muhten, soweit sie die 1K Hl H r^\llSVESE CIGARETTEN « ! «.. selbstverständlich ohne Mundstück 07750 8438D 1774/ Trohe, den 14. Dezember 1930. 07755 Die Beerdigung findet Mit:woch, den 17. Dezember, nachm. 2 Uhr statt Gießen (Steinstraße 70), den 15. Dezember 1930. O77R0 Anna Adolph, geb. Mellor Dr. Heinrich Adolph Anna Schönewolf, geb. Adolph August Adolph Erna Adolph, geb. Grambow und 4 Enkelkinder. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen.- Frau Luise Krause und Kinder. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Sophie Siech. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 17. Dezember, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 17. Dezember, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Gießen, den 16. Dezember 1930. Die Beerdigung findet auf Wunsch des Verstorbenen in der Stille statt. Gießen (Hammstr. 7), Wetzlar, Frankfurt a. M., Hamburg, Ruppertsburg, Münster, den 15. Dezember 1930. Gießen (Buddestraße 2), Brau erseh wend, Grünberg, Blitzenrod, Wieseck, den 14. Dezember 1930. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise inniger Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres lieben Vaters sagen wir aut diesem Wege herzlichen Dank. Besonders danken wir dem Herrn Plärrer für die trostreichen Worte, dem Eisenbahn-Verein, dem Eisenbahn-Fahrbeamtenverein, dem Vorstand und den Bediensteten des Bahnhofs Gießen für die erwiesene Ehre. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren treuen, lieben, unvergeßlichen Mann. Vater, Großvater, Urgroßvater, Onkel und Schwager Herrn Johannes Sieck nach langem Krankenlager im 79. Lebensjahre zu sich zu rufen. In tiefstem Schmerz: K. Rupp und Kinder, Meine liebe Frau, die treusorgende Mutter ihrer lieben zwei Kinder, unsere Tochter, Schwester, Tante, Schwägerin und Gote Katharine Rupp, geh. Hamel ist im schönsten Alter von 29 Jahren in die Ewigkeit abgerufen worden. Statt besonderer Anzeige. Am 13. Dezember entschlief sanft nach langem Leiden im Alter von 76 Jahren mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel Heinrich Adolph Ev. Pfarrer L R. Plötzlich und unerwartet verschied meine liebe gute Frau, unsere gute treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Marie Vogel, geb. Körber im 56. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Vogel und Kinder nebst allen Angehörigen. 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Dezember 1930. __________hessisches Amtsgericht.__________ Mittwoch, den 17. November, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Reuenweg Nr. 28, „Zum Löwen" zwangsweise gegen Barzahlung: 1. einen weiften emaillierten kombinierten Küchenherd (Gas- und Kohlenheizung), Tennisschläger mit Tennisbällen, ein Faltboot (Zweisitzer), eine Partie Gesangbücher. Quartbücher, Folio- u. Lohnbücher. Registrierbücher, einen Vervielfältigungsapparat. Stahlfedern, einen Schreibmaschinenstuhl, eine Holz- tadenkasse. Bleistifte, Radiergummi, Schreibblöcke, Zirkel, Briefbtöcke, Reihzeuge. Tintenstifte, Postkartenrahmen, rNahstäbe, eine Partie Henkelkörbchen, Waschbretter, Gardinenleisten, Gardinenstangen. 2. Trumeauspiegel, Schreibtische, Nähmaschinen, Sofas, Zimmerteppiche, Ladenschränke, Grammophone, zwei Koffer, einen Puppenwagen, eine Plüjchdecke, ein Deckbett, eine Chaiselongue, ein komplettes Eßzimmer, Kleiderschränke, eine Blumenkrippe, ein Büfett, eine Kredenz, einen Gasherd, eine Registrierkasse. 3. 2ln Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal): 8447D drei Ladenschränke, eine Ladentheke, ein komplettes Eßzimmer, ein komplettes, w^ißlackiertes Schlafzimmer, einen Wäscheschrank, ein Pianino, eine Chaiselongue, einen Eisschrank, eine Kaffeemaschine, zehn Dutzend Alpakka-Bestecke, einen Zimmerteppich, eiye Chaiselonguedecke. Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt statt. Scheuer stellvertr. Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 B isipeta meirl wenn Sie Ihre alten oder neuen Messer und Gabeln verchromen, d. h. rostfrei machen lassen. Lrrts Verchromte Messer bleiben stets scharf und behalten Hochglanz. 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Mittwoch. 17.Dez., von :0 bis 22'/« Llbr il.Mlw0ly-M.VM Gewöhnliche Preise Zum ersten Male vleersleWll'klvg Komödie tn 3 Akten von Sf.JobnErvtne Deufschv.ErlchGlast Adreßbuch Lr.-::.:.rSladlplan 8361D gegr. 1873 und Einwohner» und Geschästsverzeichniffen von 2 Städten und 74 Ortsqemeinden mit etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Wirf« schasts- und kulturgeschichtlichen Sonderadschnitl / Preis 10 Reichsmark Oherbetflftber Adreßbuchverlaa. Gießen. Schulstr 7 Die schönsten Puppen Stuben-Tapeten finden Sie bei 8442A Heinrich Hochstätter mS&y Für die Weihnachtsbäckerei Diamantmehl ....in 5-Pfund-Beuteln 1.65 Diamantmehl ....in 2-Pfund-Beuteln 0.65 Mandeln, süße..................Pfund 1.40 Haselnußkeme.................Pfund 1.— Kokosraspeln...................Pfund 0.45 Sultana, kalifornische..........Pfund 0.44 Sultaninen, hell.................Pfund 0.56 Korinthen............ Pfund 0.60 Zitronat (Succade)..............Pfund 1.60 Orangeat........................Pfund 1.20 Für den Weihnachtstisch Basler Lebkuchen..............Paket 0.15 Märchenhäuschen..............Paket 0.25 Thomer Katherinchen......... Paket 0.35 Pfeffernüsse.....................Pfund 0.60 Magenbrot.......................Pfund 0.80 Kakao-Plätzchen................Pfund 0.80. Mandarinen, süß.............3 Pfund 1.10 Apfelsinen....................3 Pfund 0.85 Spekulatius.....................Pfund 1.— Printen..........................Pfund 1.— Plätzchen, Baumbehang.......Pfund 1.— Baumbehang aus Schokolade, bestreut, Fondant-und Gelee-Ringen, Sternen usw. von per Pfund 1.- bis 1.20 Konserven Junge Schnittbohnen .........1/1 Dose 0.57 Junge Brechbohnen...........1!1 Dose 0.57 Gemischtes Gemüse..........X/1 Dose 0.52 Karotten, geschnitten.........l/( Dose 0.38 Spinat..........................Vi Dose 0.55 Pflaumen mit Stein...........1/1 Dose 0.68 Erdbeeren, roh eingelegt.....1/l Dose 1.58 Ananas........................*/, Dose 1 05 Apfelmus, tafelfertig...........1/l Dose 0.95 Brechspargel, stark............*/t Dose 2.90 Brechspargel, mittel...........1/1 Dcse 2.60 Hamburger KaHee-lager Thais § Barls Mäusburg 3 Walltorstrabe .8439 A Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 294 Zweites Statt Dienstag, 16. Dezember 1930 Deutsche Realpolitik. Don * * * Wir lassen den In Ur. 283 und 284 vom 3. und 4. Dezember veröffentlichten Aufsätzen „Gedanken zur europäischen Laa e" eine abschließende Betrachtung des gleichen Verfassers über die wesentlichen Richtlinien dcr deutschen Auhen- Politik folgen. Auch in diesen Darlegungen — wir betonen dies ausdrücklich — handelt es sich nicht um unsere Meinung ober Stellungnahme. Es handelt sich darum, alle denkenden Deutschen, insbesondere die deutsche Jugend, zu gründlichem Rachsinnen anzu- regen und sie zu veranlassen, leidenschaftslos Stellung zu nehmen zu Fragen, in denen sich die deutsche Zukunft nicht minder birgt als die europäische: was immer das'elbe ist. D. Red. Der Reichstag hat die Debatte über die deutsche Außenpolitik aogelehnt. Für den Augenblick. Er hat sich damit, ebenso wie die Regierung, ein unschätzbares Verdienst erworben, ein Verdienst, dessen ganze Tragweite erst dann ermessen werden kann, wenn es den Deutschen z„r vollen Bewußtheit gekommen sein wird, in welcher ungeheuren Gefahr sich ibr Land am Ende des Jahres 1930 befunden hat. Es wäre falsch, an- zunehmen. daß alle Gefahr überhaupt gebannt ist. Sie ist nur, fürs erste, zurückgedrängt: und es ist zu hoffen, daß sie noch weiter zurückgedrängt werden kann, sofern sich in den kommenden Wochen die Gemüter beruhigen und die Vernunft über die Leidenschaft einen weiteren Sieg davon trägt. Ich bin dcr Ansicht, auch die Rational- sozialisten sollten sich eher darüber freuen, daß die fürchterlich« Verantwortung, welche eine Annahme ihres Antrages ihnen aufgebürdet hätte, vorläufig von ihnen genommen ist. Denn es ist nicht er letztlich, welche „aktive" Außenpolitik sie betreiben sollten, die ihnen — angesichts der gesamten europäischen Lage — nicht infolge ihrer völligen Aussichtslosigkeit viele heute bestehenden idealen Sympathien ver'chcrzt hätte. Es ist außerhalb jeden Zweifels, daß die nationalsozialistische Jugend von einer brennenden Vaterlandsliebe beseelt und von einem hohen Willen, Deutschland aus seinen Fesseln zu befreien, getragen ist. Aber das sind doch nur Selbstverständlichleiten: Voraus'«Hungen, deren Fehlen bei jeder anständigen Jugend als jammervoll empfunden werden müßte! Wo ist denn dcr Deutsche, der sein Land nicht aus der Tiefe seines Herzens liebt, und ihm in Zeiten der schwerste., Rot nicht mit der ganzen Kraft seines Gefühles anhängt? A:er mit Gefühl allein wird doch keine praktische 'jtolitif gemacht! Ja, man tann behaupten, daß mit Gefühl fast immer schlechte, zum mindesten gefährliche Politik gemacht w ro! In ollem politischen Handeln hat die Klugheit das Primat. Klugheit aber ist: Berechnung des Möglichen, Ablehnung des Unmöglichen. Denn alles Unmögliche bürgt die Ge'ahr, eine schlechte Situation weiter zu ver'chlechiern, wenn nicht gar den Zusammen, ruch herbeizuführen. Alle Entscheidungen politischer Ratur, welche gefällt werden, but en nur den kältesten Erwägungen des realen Vorteils entspringen. Tun sie das nicht, so tragen sie fast den Slempel des Verbrechens. Und solche Entscheidungen pflegen sehr junge und heißblütige Mcn chen ebensowenig fällen zu können wie vcruissene Ideologen oder bequeme, verantwortungslose Philister: ganz ein er. ei, in welchem Lager sie sich befinden. Wir leben in einer Zeit — ich muß es einmal aussprechen — wo die einfache Tatsache, daß einer „jung" ist, überschätzt wird! Jungsein verpflichtet weit mehr, als es berechtigt. Ausgeglichenere Zeiten werden auch hier wieder ein ge'ündcres Gleichgewicht Herstellen. Es ist heute die Aufgabe gereifter Menschen, sich Der (als Stoff oft hervorragend guten) deutschen Wunschzettel für Weihnachten. Don Ernst Lissauer. Alljährlich um die Zeit, wenn die ersten Fest- bäume in kleinen Weihnachts-Wäldchen auf den Plätzen und Bürgersteigen emporwuchsen, durfte ich als Knabe einen Wunschzettel schreiben. Ge- burtötag und Weihnachten lagen nahe beieinander unMo kam nur ein einziger zustande, in dem ich aber Geburtstag.- und Weihnaptswünsch« serg- fältig unterschied. Weil ich ohnehin wußte, daß ich nur einen Teil dec gewünschten Bücher und Spielsachen bekommen würde, so stellte ich. weit über die Möglichkeit hinaus, vielerlei zur Wahl doch unterließ ich nicht, die Heftigkeit, mit der das einzelne begehrt wurde, durch ein- bis vielfache Unterstreichung zu kennzeichnen. Und eigentlich war dies wünschende Schwe.fen in den Möglichkeiten die schönste unter den vorweihnachtlichen Freuden. Zinnsoldaten, Uniformen. Bücher, das war jahraus, jahrein Inhalt und Inbegriff der Wünsche, später wurden die Soldaten und Uniformen durch Roten ersetzt: di« Bücher blieben und sind geblieben. Heut aber fliegen sie. erwünschte und unerwünschte, das ganze Jahr lang, ^gein. tagaus, in die Stube. Doch noch immer stehen Bücher auf meinem Wunschzettel. Seltene? in kein Sammler. Kostbare? Kein Biblio- pvUe- Vergriffene? Von Fall zu Fall. Und dennoch Bucher: nun wünsche ich mir Bücher, die es .nie und nirgend hat gegeben". Vielleicht schriebe Ky sie selbst gern; aber ein Leben ist kurz, und e$ mangelt an Zeit oder auch an Eignung und Kenntnis. Alljährlich also wünsche ich mir livres imaginai- res; das sind beileibe nicht „eingebildete Bisher" wie jener „eingebildete Kranke", dec lebenslänglich an salscher Uebersetzung leidet, sondern Bücher deren Stoff und Jnhall ich selbst ersonnen habe. 1930 aIf° mCin Wunschzettel für Weihnachten Zum ersten: „Die ewige Apokalypse" Ein monumentaler Band, großen Formats, mit vielen Bildnissen und Dlldtafeln ausgestattet. Das erste Kapitel hanvell von dec .Offenbarung Johannis", der „Apokalypse" schlechthin, von Ort und Zeit. Art und Bedeutung; das zweite von den apokalyptischen Vorstellungen früherer und späterer Zeiten: von den Gesich.en der Propheten Ezechiel und Daniel, von jenen apokalyptischen Büchern, die nicht in den Kanon der beiden TestaJugend liebend anzunehmen und sie in ruhigem Erwägen der Gegebenheiten und Möglichkeiten politisch zu erziehen. Die Partei und ihre Axiome mögen innenpolitische Routine geben: in der Außenpolitik kommt man mit keiner Parteidoktrin aus. Denn die Auhenpolill eines Landes wird bestimmt durch die Darriören, welche ihr die Außenpolitik anderer Länder entgegensetzen. Mit Ideologien aber hat noch kein Mensch, solange die Welt besteht, diese Barrieren beseitigen können. Manchmal mit Cewalt — mit Krieg: sofern der Krieg eine wirkliche Aussicht auf Sieg hatte. Endete er mit der Riederlage, so war Vernichtung oder Aufrichtung neuer Barrieren die unausbleibliche Folge. Wenn ein Land dieses weiß, so ist es das unsere. Machen wir uns doch immer wieder dieses eine klar: so bitter und so qualvol. es auch für uns sei: D e u t s ch l a n d i st noch ineiner Zwangslage: und zwar in einer solchen. welche durch keinen Krieg nur im entferntesten beseitigt, sondern erheblich verschlimmert würde. In meinem Aufsatz „D.e Landkarte" (Gießener Anzeiger Rr. 284) ist in unwiderleglicher Weise bargetan, wohin eine militärische Aktion führen müßte. Cs erübrigt sich, diele Dinge noch einmal auseinanderzusetzen, geschweige denn das Phantom einer deutsch-italienisch-russisch-türkisch-grie- chisch-bulgarisch-ungarisch-österreichischen Allianz im Rebel der Phantasie aufsteigen z lassen. Das deutsche Interesse verlangt keine solchen Allian« zen, welche uns nur im Dienste anderer verpflichten und unser 2anb zum Schlachtfeld machen würden: das deutsche Interesse verlangt — für die kommenden Jahr: — eine Politik der unbedingten Geduld, der vorsichtigen, lautlosen diplomatischen Kulissenarbeit und der militärischen Reutralität. Deutschland muß ein Maß von innerer, nationaler Diszi - pliniertheit und Selbstbeherrscht- heit aufbringen, w i e nie zuvor: und eben dadurch seine wirkliche Kraft, ober sage man. fein „Heldentum" beweisen. Es muh seine Ziele so wenig wie möglich von der Tribüne herunter verkünden, es muh ihre Verwirklichung in aller Stille vorbereiten und sein« Karten nicht vor aller Welt aufdecken Es muh gegen allzudeutliche Sympalhiebezeugun- gen mihlrauisch bleiben und nie vergessen, daß der Sperling in der Hand wichtiger ist. als die Taube auf dem Dach. Hat nicht eben erst in seiner Münchener Rede Dr. Schacht sehr richtig gesagt, dah ja der QJoungplan i n s i ch selbst die Handhabe zu seiner Abänderung birgt? Also wozu vorzeitig darauf bestehen, dah er falle? Automatisch wird sich unser Recht aus Modifizierung Geltung verschaffen. Man lasse doch den psychologischen Augenblick ganz von selbst kommen! Sodann: ist es klug, öffentlich Grenzregulierung zu verlangen? Sich durch eine solche Forderung mit allen anderen Staaten zu solidarisieren, welche das gleiche tun, und sich dadurch mit ihnen auf Verderb und Gedeih zu verbinden? Hat Deutschland ein Interesse an einem Einsturz des gesamten europäischen Gebäudes, wie es nun einmal ist — an einem Einstur,;, der von dem unerhörtesten aller Kriege begleitet sein müßte? Glaubt ein denkender Mensch, England werde gegen Frankreich stehen? Hält man Locarno für einen Fetzen Papier? Glaubt derselbe denkende Mensch, es liehe sich irgendeine diplomatische Revision (denn nur eine solche kann für Deutschland aus den oben bargelegtcn Gründen in Betracht kommen) anbcrs bewerkstelligen als im Einverständ- nis mit Frankreich? Drehe es sich nun um ben Anschluß oder um bie Ostgrenzcn ober um die Kolonien? Solange Frankreichs Macht so ungebrochen da steht wie heute, gibt es keine praktische deutsche Außenpolitik. die diesen Kardinalfaktor, dieses A und O der europäischen Lage, außer acht liehe! Das ist auch einem Manne wie Hitler klar: und er selbst wäre wohl der letzte, der — hätte er bas Steuer in bet Hanb — bie Verantwortung auf sich lübe, einen Krieg gegen Frankreich mit bem linken Rheinufer zu bezahlen. Wie man sich wend« und wie man sich drehe: alle Wege der deutschen Revisionspolitik gehen über Paris unb über die Verständigung mit Frankreich. Es ist ganz gleichgültig, ob man einen solchen Weg liebt oder nicht. Er ist ein Weg der unabänderlichen Rotwendigkeit unb muh als solcher begangen werden ... Ein tönendes Lexikon wird redigiert In der Lautabieilung der Berliner Staatsbibliothek. Don Hans Biückner. Auf dem Podium in bem kleinen Vortragssaal steht ein alter Mann mit langem Haar unb bunter Tracht, unb singt. Er hält eine abgenutzte Guitarre in dcr Hand, eine sogenannte Gusliha, unb begleitet damit seinen Gesang Die Gus.'itza ist ein uraltes Instrument aus dem Lande der schwarzen Berge, unb dcr Alte, der hier seinen Gesang vorträgt, ist auch von ben schwarzen Bergen hernicbergeftiegen unb singt uns jetzt die alten Volks- unb Heldenlieder seiner Heimat mit der ihm eigenen Begeisterung vor. Auch feine Tracht ist seltsam, buntfarbene Stickereien und wci.e Gewänder. Dec giuze Aufzug wirkt in der Rühe des großen schwarzen Flügels unb der modernen Umgebung anachronistisch unb theatra i,ch. Merkwürdigerwe sc zeigt der Alte fein markantes Gesicht nur ganz selten. Er ist dem Saal mit bem Rücken zugekehrt unb singt fortwährend unter Beibe)a'tung dieser Stellung. Das Publikum würde sich beleidigt fühlen, wenn es hier überhaupt ein Publikum gäbe. Cs gibt aber nur einen Hörfaal mit leerstehenden Stühlen. Rur ein einziger Mann steht vor bem Allen, ber technische Leiter bieses Instituts, unb der alte Mann in seiner sonderbaren Tracht singt in einen Trichter hinein, ber in die Wand eingelassen ist. Ratürlich ist es ein Mikrophon. Alte montenegrinische Heldenlieder würden an anderer Stelle kaum noch eine geduldige Hörerschaft finden, aber dieses Mikrophon verliert nie die Geduld, und auch der Mann der Technik, der es belauscht, bringt allem immer gleich großes Interesse entgegen. Der Alte hat nicht einmal eine gute Stimme, auch die Aussprache ist nicht besonders. Aber was er vorträgt, muß vor bem Vergehen bewahrt werden. Cs ist zwar nur aus dem Dolksschah eines kleinen unbedeutenden Volkes, aber hier an dieser Sammelstelle der Schätze aller Sprachen der Erde, sind diese verwelkten Kricgsiieder von großer Bedeutung. Was dieser Mann singt, kennen nur noch einige Hirten, Jäger ober Bauern bes kleinen Balkanlandcs, und wenn diese sterben, ist es ganz versunken. Ausgeschrieben ist es nirgends, unb. auch bas Land ber schwarzen Berge mobemifiert sich allmählich. Es ist nicht der Aufnahmeraum einer. Schallplattenfabrik. Es würde auch gar nicht lohnen, diese alten Lieder mit der Begleitung der alten abgewetzten Gusliha im Vortrag einer nicht mehr klangvollen Männerstimme herzustellen. Aber hier werden ja die Stimmen nicht um des Verkaufes willen festgehalten, sondern für bie Wissenschaft, für bie Rachkommen, ja, für bie Ewigkeit. „Wie schön wäre es", sagt mir der Leiter dieses Aufnahmeraumes — es handelt sich um bie C a u t - abteilung der Staatsbibliothek in mente eingegangen sind, wie „das Buch Henoch" unb „bie Apokalypse des Baruchbie dem Umkreis des Alten, wie bie „Offenbarung bcsPetrus" unb „ber Hirt des Hermasdie dem Grenzbereich des Reuen Testaments angehören. Ein Kapitel schildert jene Epochen, in denen apokalyptische Stimmung herwebt unb bie bem ber Apokalypse innerlich verwandt sind: ein Zeitalter verdrühnt in ungeheuren Umwälzungen unb Kriegen, in Gefchichts- unb MenschhcitsbVen, unb das Zeitenbe wirb als Wellende gefühlt: so bas erste Jahrhunbcrt nach G^ri'to, das Jahrhundert vor ber Reformation, die ersten Jahre ber Reformation selbst; die Jahre um das Ende des Dreißigjährigen Krieges unb fch..eßlich unsere eigene Gegenwart. Ein anderes Hauptstück erzählt von den vielfältigen Deutungen ber Offenbarung, bie vornehmlich in solchen Epochen entstanden doch vielfältig auch sonst, weit über Has neunzehnte Jahrhundert hinaus bis auf heutige Schriften, wie die des amerifani d)m Pfarrers Ruffel, welche die Apokalypse für die ganz: Geschichte bis auf unsere Zeit kurios auslegen, unb von benen viele Millionen Exemplare, auch in Europa, verbreitet sink». Ein anderer Abschnitt stellt bar, wie bie Gesichte ber Offenbarung sich auf ben Blättern derGraphi- fer unb den Tafeln ber Malerei spiegeln unb bietet die bebeutenbften Stücke selbst. Da wäre die Rede von ber „Auferstehung" des Signorelli, von der gewaltigen Blut.erfolge Dürers, vom Jüngsten Gericht Michelangelos, von ben apokalyptischen Reitern Kaulbachs unb Döcklins unb ben apokalyptischen Visionen heutiger Künstler. Ein anderes Hauptstück! Rachhall der Apokalypse in der Dichtung: ihre Einwirkung auf Dantcsche unb Mittonsctze Gesichte; die Erzählung des Franz Moor im letzten Akt der „Rnuber"; jener Traum in Morik.s Roman „Maler Rollen"; manche Gedichte des neunzehnten Jahrhunderts von Arndt, Rückert, Blomberg; eine Szene aus bem Roman „Die Taten des Herakles" von Felix Braun; oder jene kurze, starke Beschreibung, die Friedrich Raumann von Rubens »Sturz der Verdammten" geboten hat. Zweitens: ein Tafelwerk „Schlußstein e". Schlußsteine heißen jene vielfältig geformten, vielfarbig bemalten Steine an ben Deckenwölbungen gotischer Dom«, in benen die von unten her aufwach senden Streben zusammen- treffen, unb die eben diesen Zusammenschluß baulich betonen unb schmuckhaft ausbrücken. Ein Essay über die Entwicklung bes Schlußstein begleitet bas anmutige Buch. Zum Dritten: Kulturgeschichte der mittelalterlichen Bauhütte. Ausführliche Darstellung ber Sitten unb Bräuche, die bei den zunftmäßig geordneten Bauhütten, zumal in Deutschland und Frankreich, im Schwange waren: Satzungen; Wappen und Zeichen; bie Werkgeheimnisse und ihre Bewahrung; Verkehr von Hütte zu Hütte; ihr Gemeinsames unb ihre Unterschiebe, das Ende; der Zufammenhang mit der Freimaurerei. Dies Buch erzählt nicht kunst- geschichtlich von Art unb Wert der Leistungen, sondern von ben Bedingungen, unter benen sie zustanbe kamen. Zum Vierten: Goethes Leben, tagte e i f e bärge st ellt. Ein Weimarer Goethe- forscher hatte diesen Plan gefaßt, muhte ihn aber auf geben. Das Leben GoecheZ ist uns so tief bis ins einzelne bekannt wie das Leben keines anbern Menschen: durch seine Tagebücher unb Briefe, durch bie Tagebücher, Berichte. Erinnerungen, Briefe von Menschen, die in seiner Umgebung lebten, von Gästen unb Besuchern. Vi'le Lücken selbstverständlich vorausgesetzt, vermag solch Buch tatsächlich Goethes Leben Tag für Tag und oft sogar Stunde für Stunde zu schildern. Der riesige Kalender eines unermeßlich fruchtbar angewandten, eines aufs Breiteste ausgedehnten unb aufs Dichteste gesammelten Daseins: ein ungeheures Dorbilb der Menschheit. Ergebnisse der letzten Expedition Sven Hedins. Die große Expedition Sven Hedins, die feit 37, Jahren in Kaniu und Chinestich-Turllstan tätig ist, hat auf den verschiedenen Forschungsstationen, die von dem großen schwedischen Gelehrten angelegt wurden, wichtige Ergebnisse gezeitigt, wie der geringer Berichterstatter des Manchester Guardian meldet. Die Expedition, die hauptsächlich aus schwedischen. deutschen und chinesischen Forschern zu- sammenge etzt ist. halte bei ihrem Abmarsch von Peking auch deutsche Flieger mitgenommen, um sonst unzugängliche Tei.e ber Wüsten von der Luft aus zu studieren. Aber die chinesische Regierung hat bis- her die Erlaubnis verweigert, das Flugzeug zu benutzen. Eine der ersten Aufgaben war bie Einrichtung von Stationen znr Sammlung meteorologischen Berlin — „wenn wir zum Beispiel die VollS- unb Hclbengesänge. die zarten Minnelieber unb Weisen des Mittelalters im Vortrag ihrer Schöpfer oder mindcstcirs im ursprünglichen Dialekt so ausbewahrt hätten, wie wir cs jetzt mit der Dichtung dieses fremden Dolles tun." Aber nicht nur die Dichtung selbst wird ausgenommen. sondern auch die Art und Weise des Vortrages, der Klang ihrer Melodie unb alle Schattierungen der fremden Zunge. Eins Menge von unbekannten Worten, die lein Lexikon aufweist, werden so au! bewahrt in ihrer ursprünglichen Frische erhalten. Und die Aufgabe dieser ßautabtetlung ist cs. dieses tönend« Lexikon zu redigieren unb dauernd zu erweitern. Cs ist sicher nur ein Zufall, daß ich ben alten Montenegriner vor dem Mikrophon getroffen habe. Genau fo gut hätte cs auch ein Malaie, ein tibetanischer ötubenl, ein Südchinese oder ein Kurde sein können. Den Exoten, die in Berlin leben, wirb mehr als einmal Gelegenheit gegeben, ihre Stimm- unb Spracheigenarten für diese schallende Bibliothek herzugeoen. Einige machen cs aus Begeisterung für die Sache, andere gdgen ein Entgelt. Man lammt so noch billiger dazu, als wenn man diese Leute in ihrer Heimat aussuchen müßte. .Dies ist aber dennoch dcr häufigere Fall. Im dunkelsten Afrika, in den Wüsten Asiens, in den Schluchten des Kaukasus und in den Kordvllieren, unter den Eskimos uhb Menschenfressern wirb mit größtem Eifer die lebende Stimme unb Sprache der Völker gesammelt. Alle Weiber von ben Bantu-Regem ober Greise von ben Papuas hocken vor bem seltsamen Apparat unb reben, fingen, schreien, klatschen, schnalzen, kichern und gurgeln in das kleine Mikrophon hinein unb übergeben so ihre seltsamen Mutterlaute der Wissenschaft unb der Ewigkeit. In dcr Lautabteilung der Staatsbibliothek in Berlin sind bereit die Sprachen der meisten Völler der Erde in tausenden von kleinen Platten aufbewahrt. Cs ist eine der reichhaltigsten Lautbüchereien der Welt. Fast alle Regersprachen und Dialekte sind hier vertreten und auch die Verschiedenheiten der modernen Sprachen. Ein Engländer kgnn nur hier erfahren, daß di« englische Sprache zwanzig große Dialekte hat, denn die englischen ßautfammlungcn wissen sie selbst nicht so genau. Die Japaner und Chinesen können hier ihre eigene Sprache belauschen unb bie amerikanischen Reger die ihrer in Afrika gebliebenen Brüder. Die „Befer“ dieser Bibliothek sitzen nicht in einem großen Saal dicht nebeneinander, fonbem jeder für sich in einer kleinen Box. In jeder dieser Do^en steht ein Tisch mit einem Grammophon, auf dem man die ausgesuchte Platte spielen lassen kann. Es ist sehr interessant zu sehen, wie so ein Student ober Gelehrter vor seinem Grammophon sitzt unb sich Rotizen macht und. wenn er nicht ganz verstanden hat, „aurüdblättert", das hecht, die Membrane einige Drehungen zurück fetzt. Die Abteilung ist nicht nur eine Sprachen- und Dialektsammlung, es ist auch die B i b l i o t h e t historischerStimmen. Reben unb Sprach- bokumen te. Reben dcr Stimme Kai'er Wilhelms II. sind hier auch Ebert. Hindenburg unb anbere Persönlichkeiten ber Politik, ber Wissenschaft unb ber Dichtung vertreten. Aber nicht nur Menschenstimmen werden hier konserviert. Auch die Stimmen der Tiere sind unendlich lehrreich. Es ist keine le'ichte Arbeit für ben technischen Beiter in Menagerien, Zoologischen Gärten unb Zirkussen dafür zu sorgen, dah die Tierstimmen in ihrem ursprünglichen Charakter festgehalten werden. Die Arbeit erfordert viel Geduld und Hingabe. Man geht den wilden Tieren mit bem Mikrophon so nahe wie nur irgendmöglich unb lauschte ihre Sprache ab, das heißt bie verschiedenen Stimmen ihrer verschiedenen Stimmungen. Ein Elefant, ein Tiger, ein Affe oder ein Rilpferd geben ganz anbere Baute von sich, wenn sie hungrig sind, als toenn sie sich vollgefreffen haben. Cs gibt Freuden- ftimmen, Brunst st immen, Zomesftimmen und Stimmen des Wohlbehagens unb Spielens. Für unb astronomischen Materials. Vier solcher Stationen. die einzigen in diesem riesigen Gebiet, haben nun seit mehr als 3 Jahren stündliche Beobachtungen aufgezeichnet. In Turfan am Rordwestrand des Tarim- oeckenS in einer Vertiefung von etwa 70 Meter unter dem Meeresspiegel macht Dr. Ricls Ambolt besonders interelsante Versuche über die Schwerkraft; er muh dabei 55 Stunden lang säst ununterbrochen beobachten und kann während dieser Zeit nur 5 Stunden der Ruhe pflegen. Hedin hat im vergangenen Jahre diese reich ausgerüsteten Stationen der chinesichen Regierung unter der Bedingung zum Geschenk gemacht, daß sie von chinesischen Gelehrten Welter znr Beobachtung benutzt werden. Aus den bereits gesammelten meteorologischen Tatsachen hofft man, aus dem Rordwcsten kommende Stürme Vorhersagen und damit den Chinesen einen großen praktischen Ruhen bringen zu tonnen. Mehr als 20000Werkzeuge der jüngeren Steinzeit sind von dem Archäologen Dr. Folke Bergmann gesammelt worden; er hat auj) alle Schriften aus der Zeit der ersten Han-Dynastie, also aus einem der beiden letzten vorchristlichen Jahrhunderte, gefunden, die auf Hvlzstäben ausgezeichnet find und die Feldzüge der älteren Han-Rai er gegen die eindringenden Hunnen schildern. Wichtige paläontologische Entdeckungen, darunter eine neue Art Dinosaurier unb versteinerte Insekten unb Fische, sind von Dr. Birger Bohlin gemacht worden. Biele Lücken in unserer beschräntten Kenntnis der physikaliichen Geographie des großen Tarim-Beckens werden durch die Arbeiten der beiden schwedischen Geologen Dr.Erik Rorm unb Atels Hoerner ausgefüllt, bie genaue Karten von dielen bisher noch kaum erforschten Gebieten aufgenommen Haden. Eine große Sammlung seltener Pflanzen ist von der boianiichen Abteilung angelegt worden, die in dem Gebiet von Tebbu in ber 2lähe der Grenze von Tibet arbeitet, unb eine ethnologische Gruppe hat in Rord-China unb der Mongolei die Kuliformen des Lamaismus studiert. Dr. Hedin hofli, drei schwedische Archäologen auch nach Russisch-Turkestan schicken zu können, wenn es die Sowjet-Regierung gestattet, und eine bo'anilche Expedition nach dem östlichen Himalaya. Er steht mit diesen weit entfernten Unternehmungen von seiner Basis in Peking aus in Beziehung, so gut daS möglich ist; aber wie schwierig bie Verständigung ist, zeigt bje Tatsache dah ein Te egramm an ihn von bem nächsten Vorposten fast 3 Wochen braucht. Die Gruppen in den entfernten Gegenben von Chinesisch- Turkestan sind nur von Kamelreitern nach Monaten anstrengender Reise durch die Wüste zu erreichen. Nachdruck verboten 29 Fortsetzung Schluß, man wollte sie vielleicht auf solche Weise den er- nun das auf sie aus Furcht, kam zu dem rabiaten Bewohnern des Hauses ihr den schrecklichen Kerl wirklich sch'cllen. Sie berührte die Speisen nicht, sie könnten vergiftet sein. Änd sie töten, damit sie keine Nachforschungen nach echten Steinen zu halten vermochte. Sie kam auf viele, viele Gedanken, nur den richtigen nicht. Gegen Abend pochte den Kenner haben alle Stimmen ihre besonderen Merkmale. Er braucht das Tier gar nicht zu sehen, er muh nur die Platte hören und weih, was sich im Instinkt, der Gedankenwelt des Tieres, abspielt. Sehr interessant sind die Mittel deren man sich bedient, um die einzelnen Tierstimmen herauszufordern. Man bringt Futter und hört dann die Freudenstimme; man stößt das Tier mit einer Stange und hort die Zornesstimme. Die Anlässe, um die Stimme des Erschreckens zu erhalten, sind bei den verschiedenen Tieren verschiedenartig. Der Elefant z. D. erschrickt fast vor gar nichts. Wenn man seine Schreckensstimme hervorlocken will, muh man zu dem kleinsten Säugetier greifen, zu der Maus. Man läßt das Mäuschen über den Boden laufen und schon ertönen aus der Kehle des Riesen die heiseren, stohweisen Heultöne. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Reichsbahnsekretär Karl S ch w a n bei der Reichsbahnstationskasse Gießen konnte gestern aus eine 25jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn zu- rückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Iubi- lar, der schon lange Jahre bei der Reichsbahnstationskasse tätig ist, durch die Dienststelle Glückwünsche ausgesprochen und ein Geschenk überreicht. Run hörte sie Schritte die Treppe herauf- kommen, die vor ihrer Tür Halt machten. Eine weibliche Stimme meldete sich. Die Frau schrie zornig: „Deffnen Sie sofort, jede Minute, die Sie mich länger hier festhalten, verschlimmert die Fo'gen Ihrer ganz unmöglichen Handlungsweise noch." „Machen Sie nicht solchen Lärm", klang es in ruhigem Tone zurück, „benn wenn Sie so fort* fahren, bleibt Jan bei Ihnen als Ehrenwache im Zimmer. Sie kennen ja unseren Jan, er hat Kräfte, wie sechs Männer." Die Frau ließ den kleinen eisernen Leuchter, den sie noch in der Hand hatte, fallen, und taumelte auf das Sofa zurück. Wahnsinn war das ja alles, heller Wahnsinn, und sie stand im Mittelpunkt dieses tollen Erlebnisses. Cs mußte mehr dahinter stecken als das, was man ihr sagte. Sie holte die Steine hervor, die ihr Ricolaas Snerk zurückgeg:ben, und ihre Augen waren plötzlich mißtrauisch. Die Steine hatten doch gar nicht das herrliche, sprühende Feuer der blauen Brillanten! Biel matter schien es ihr, wie sie es in der Erinnerung hatte. Sie nahm einen der Steine aus dem Etui und putzte mit ihrem Taschentuch daran herum. Möglicherweise hatte sich leichter Staub darauf angesetzt. Aber die Flächen waren rein. Eie hielt den Stein gegen das Licht, sie drehte ihn spielend nach allen Seiten, aber sie stellte fest, der Stein hatte sich verändert. Sie nahm den anderen Stein aus dem Etui und machte dieselbe Feststellung. Sie brach in die Knie vor Schreck, denn nun war sie ihrer Sache sicher, die Steine, die ihr Ricolaas Sneek ausgehändigt, konnten wohl im ersten Moment, bei oberflächlicher Betrachtung, für die blauen Brillanten gelten, die sie ihm verpfändet, aber eine gründliche Prüfung vertrugen sie nicht, denn sie -waren falsch. Gefärbtes, sorgfältig geschliffenes Glas hatte man ihr gegeben, und mit dieser Gaunerei hing es auch zusammen, daß man sie hier festhielt. Aber das Wasser nützte nicht viel. Sie zermarterte ihren Kopf, zermarterte ihn vergebens. Irgendwo schlug eine Ähr die Mitternachtsstunde, alles war still im Hause. O, wenn sie nur hier heraus könnte, sie wollte sogar die echten blauen Brillanten im Stich lassen, nur frei sein müßte sie, frei. Endlich übermannte sie Müdigkeit, sie lag auf dem Sofa, und schlief ein, aber furchtbare Träume quälten sie. Sie wusch sich etwas am Morgen. Sie hätte gern gebadet, aber sie wagte es nicht, sich zu entkleiden, damit sie nur nicht etwa, falls jemand käme, die Gelegenheit versäumte, aus diesem Hause zu entfliehen. Aber niemand ließ sich sehen. Lustspiel ist überall beifallsfreudig ausgenommen worden. 15,30 Ähr erste Wiederholung des Weihnachtsmärchens „©olbmarie und Pechmarie" von Aloys Prasch mit der Musik von Gustav Steffens. — Kasperletheater. Morgen Mittwoch, 17. Dezember, 15V2 Ähr, ist im Kath. Dereinhaus Kasperltheater. Wer für zwei Groschen zwei frohe Stunden erleben will, ist eingeladen. Rä- heres siehe heutige Anzeige. 4. Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. 20. Primo Duero ging in Barcelona nach wie vor seinen Geschäften nach, aber feine Gedanken flogen oft weit fort aus seiner Umgebung. Er dachte viel an Eva Hirtberg, die nun bald sein werden würde, und er dachte auch häufig an den alten Laden in der Heerengracht, ob sich die Frau dort wieder melden würde, die vor Jahresfrist die beiden blauen Brillanten dorthin gebracht. Er hatte alles hier so geordnet, daß er, wenn das von ihm sehnsüchtig erwartete Telegramm käme, abreifen konnte nach Holland. dann doch wieder, und als sich die Frauenstimme vor ihrer Tür meldete, schrie sie erregt: „Man hat mir für die echten Brillanten falsche gegeben, da ich aber erwartet werde, und für mich viel davon abhängt, daß . ich noch rechtzeitig ankomme, wo ich erwartet werde, verspreche ich, die Änterschlagung nicht anzuzeigen, ja, sogar auf den vollen Ersatz für die Edelsteine zu verzichten, wenn Sie mich ungehindert gehen lassen/ Die Stimme gab zurück: „Es tut mir leid, über das Thema nicht verhandeln zu können. Auch dürfte Ihr Hierbleiben bald nicht mehr nötig sein, die Ankunft des betreffenden Juweliers steht nahe bevor." Schon entfernten sich die Schritte wieder. Die Frau schrie vor Empörung laut auf. Sie blieb also eine Gefangene. Aufgeregt durchmaß sie das Zimmer, bis sie müde und verzweifelt wieder auf dem Sofa zusammenbrach. Ihr Kopf war ganz wirr von den auf sie einstürmenden Gedanken und ein fast lautloses Schluchzen, das ihr die wilde Erregung preßte, schüttelle ihren Körper. Was bedeutete das nur alles, was würde geschehen? Was hatte man vor mit ihr? Sie erhob sich langsam und ging an Schränkchen. Wasser wolle sie trinken, damit sie ruhiger ward, damit sie wieder ein wenig geordneter zu denken vermochte, damit sie überlegen konnte. Oer Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys Copyright 1929 by Verlag 'Pedjtholö Braunlchweig Irgendwie mußte die als ältlich und sehr einfach gekleidet geschilderte Frau mit dem Mord in Verbindung stehen. Wenigstens darum wissen mußte sie, sonst hätte sie keine falsche Adresse angegeben und den Pfandschein nicht zerrissen, dann hätte sie, da sie sich doch anscheinend in einer Rotlage befunden, die Steine verkauft, und sich nicht darüber aufgeregt, daß Ricolaas Sneek die Brillanten einem befreundeten Juwelier hatte zeigen wollen. Hinter alledem barg sich bestimmt ein schlechtes Gewissen. Er erhielt in kurzen Abständen von der Amsterdamer Detektei Rachricht, daß bei Ricolaas Sneek alles in Ordnung wäre, und keine Anzeichen dafür vorhanden wären, daß er oder seine Tochter an eine Flucht oder Aufgabe des Geschäftes dächten. Endlich, als er schon wieder ein bißchen mißtrauisch gegen die Montirossi geworden und irgendeinen ganz raffiniert angelegten Plan hinter ihrer Erzählung witterte, langte das Telegramm an: „Frau bei uns, hallen sie hier zurück, bis Sie kommen!" Primo Duero kündete seinem Vertreter, der zugleich sein erster Verkäufer und Buchhalter war, seine Adresse an, und benützte das nächste Flugzeug. Diese Reise mußte schnell gehen, es war wohl so wie so für die Bewohner des alten Hauses in der Heerengracht keine leichte Aufgabe, die Frau, ohne daß sie ihr erklären durften warum, zwei Tage lang festzuhalten. So rasch die Etappen zurückgelegt wurden, ging es dem ungeduldigen Manne immer noch nicht schnell genug. Er fieberte der Unterredung mit der Frau entgegen. Kaum in Amsterdam angelangt, fuhr er im Auto nach der Heerengracht. Jeder Rerv in ihm war angespannt zum Zerreißen. Ricolaas Sneek empfing ihn. In dem holländischen Altmännergesicht glimmte es hinter dem bereitgehaltenen Lächeln tote Haß. Auf keinen Fall war Ricolaas Sneek freudig gestimmt beim Anblick des Erwarteten, der ihm allerlei Schwierigkeiten schaffte unö noch schaffen würde. Wie gut hatte Io die blauen Brillanten untergebracht, mußte der Teufel noch den Spanier in das sonst so vorzüglich gelungene Spiel einmischen. Aber es handelte sich um eine Mordsache. Änd mit dergleichen hat man nicht gern zu tun. Die Montirossi erschien ebenfalls sofort und berichtete, auf welche Weise man die Verdächtige festgehallen. „Wenn die Frau nichts mit Ihrer Angelegenheit zu tun hat, könnte uns unsere Handlungsweise große Änannehmlichkeiten eintragen“, meinte fie, „aber ich glaube, sie hat ein sehr schlechtes Gewissen. Denken Sie nur, sie hat schon entdeckt, die Steine, die ihr Vater gegeben, sind falsch, und beteuert, ihn deshalb nicht belangen zu toollen, wenn wir sie laufen lassen." Primo Duero nickte nur, sagte hastig: „Führen Sie mich zu ihr. Das heißt, melden Sie mich an. Aus 0er prvvinzialbouptstadt Gießen, den 16. Dezember 1930. Oer Weihnachisbaum. Run stehen sie wieder auf dm Höfen, oder an den Straßenecken und künden uns das Weih- nach.sfest: D'.e Tannenbäume! Wir schauen sie an, denken wohl mit leiser Wehmut an einen warmen Sommertag, an dem wir draußen im Wald unfern Kindern faglen: „Ja, das gibt Weihnachtsbäume!". Änd dann suchen wir uns den schönsten aus. Ständen bi-e Däumchen nicht lieber draußen im fturm- gepeitsch'en Wald? — Am Abend leuch'.en schon an wichtigen Verkehrspunkten die mit elektrischen Birnen geschmückten Tannenbäume. Eine Vorahnung soll unser Herz erfüllen, wir sollen an das schönste Fest erinnert werden. Das ist ein guter Gedanke gewesen, diese Bäume au'zustcllen. Gerade im Straßen- lärm, in der Ha t des Werktages können sie uns etwas sagen. Bliebst du nicht auch schon sinnend davor stehen? . Aber mancher Familienvater hat beim Anblick dieser „elektrischen Kerzen" gedacht, das könnte ich auch einmal bei uns einführen. Wir leben ja im Zeitalter der Sachlichkeit. Cs ist eine einmalige Ausgabe, die Vorhänge können nicht in Brand geraten, die Tischdecke und der Teppich werden nicht von den „nichtlropfenden" Kerzen verunreinigt usw. Gemacht! Hast du in einem Familienzimmer schon einmal einen solchen elektrisch beleuchteien Weihnachts- baum gesehen? Hat dir dabei nicht das Herz w:h- gelan? Ging nicht ein großer Teil deiner Weihnachtsstimmung verloren? Das Zimmer ist dunkel, da wird „der Baum angekni'>st"! Änd er strahlt stolz, womö glich mit buntfarbigen Birnen. Gott sei Dark, daß die Zeiten der Raffkes und Reureichls vorüber sind, aber ein solcher Weihnachtsbaum erinnert mich an diese Sorte Menschen. „Zwei Meter Klassiker für meinen Bücher» schwank" hört sich ungefähr eben e an, wie wenn das kleine Kind sagt: „Mutier, dreh doch einmal den Weihrachtsbaum aus!" — Vi ar das nicht immer ein weihevoller Augenblick, wenn wir dem Vater helfen dursten, die Kc zen anzuzünden? Wie vorsichtig stiegen wir auf die 6tühTe, und so nach und nach fing der Baum an zu st ahleD nn erst w r en die 5t ein» ft en hereingerusen. Änd wenn gar eine Kerzm- flamme ein grünes Zweiglein anbrannte? War dieser Dust nicht das Allerschönste am Weih- nachisbaum? Oder: Wenn jemand zur Tür herein» kcrm und sich alle Flärnrnchen im Luftzug bewegten und die Perlen und Kugeln in neuem Lichte erglänzten? Gab das nicht immer wieder ein reizendes Bild, das unsere Blicke zum Christbaum lenkte? Was lag uns an den paar Flecken, die Den zweiten Tag des Vortragskurses über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen, der vom Landwirtschaftlichen Institut der Universität in Gemeinschaft mit den landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden in Gießen veranstaltet wurde, leitete Dr. Pfaff- Gießen ein mit einem Vortrag über Absahkrise und Landwirtschaft. In den großen Austauschbezie'hungen, die hinsichtlich der Landwirtschaft in der Welt herrschen, haben wir bis zum heutigen Tage zwei große Erschütterungen erlebt. Die eine erfaßte die deutsche Landwirtschaft in den Jahren 1875 bis 1900, die andere Erschütterung brach aus im Sabre 1920 und hält heute noch an. Die erste große Agrarkrise für Deutschland hing zusammen mit der raschen Entwicklung der Technik, des Massentransports und der dadurch bedingten außerordentlichen Verbilligung der Seefrachten. In der Nachkriegszeit erfuhr der überseeische Getreidebau eine neue starke Ausdehnung infolge Fortschritte der Pflanzenzüchtung und neuer Methoden der Bodenbearbeitung, die in jüngster Zeit durch Vollmechanisierung der Getreidefarmen eine weitere Steigerung erfuhr. Die Folge war ein immer stärkeres Absinken der Getreide- preise und eine gewaltige Verstärkung des überseeischen Getreideangebots. Eine weitere grundsätzliche Veränderung ist dadurch eingetreten, daß die Ueberfeegebiete — während Europa sich im Kriege befand — dazu übergegangen sind, ihre Rohstoffe, die sie früher zum großen Teil nach Europa lieferten, in erhöhtem Maße selbst zu verarbeiten. Dies kommt zum Ausdruck einmal im Ausbau der überseeischen Mühlenindustrie und vor allem auch der Diehwirtschaft, für die durch Regelung der Transportfrage infolge Verbesserung der Gefriertechnik die Aufnahme der Konkurrenz mit der europäischen Diehwirtschaft außerordentlich erleichtert wurde. Auch auf dem Gebiet der Molkereierzeugnisse ist durch Argentinien und Australien den europäischen Butter- und Käseexportstaaten eine stetig wachsende Konkurrenz erstanden, die nun ihrerseits, infolge Einengung ihrer seitherigen Absatzmärkte, ihre Erzeugnisse auf dem deutschen Markt mit allen Mitteln unterzubringen suchen. So sehen wir heute als eine der wichtigsten Veränderungen der Weltwirtschaft die starke Konkurrenz Dänemarks auf dem deutschen Buttermarkt. All diese Umwälzungen, die auf der einen Seite eine starke Vermehrung und Verbilligung des Weltgetreideangebots, auf der anderen Seite eine stets wachsende Welterzeugung hochquali- fixierter Molkereierzeugnisse- mit sich gebracht haben. von den kröpfenden Kerzen auf dem Boden sichtbar waren? r , Ein elektrisch beleuchteter Tannenbaum aber zerstört diesen Traum. Steif und vornehm steht er da, genau nach der Lichtstärke abgemessen. Kerne sich bewegenden Flammen, kein Duft von brennenden Tannennadeln! Kall und nüchtern, ein Zeichen der „Sachlichkeit"! — . Ist es für unsere Kinder nrcht auch ein Fest, nach den Feiertagen den Baum zu plündern, die Aepfel und Rüsse, das Gebäck und manches andere abzunehmen? Geht das überhaupt noch bei einem solchen mit Draht umwickelten Baum? Fragen unsere Kinder nach Sachlichkeit? Rein! Sie wollen „ihren" Weihnachtsbaum, mit vielen, vielen Kerzen daran, die „richtig" brennen. Änd sie haben recht. It Wir wollen auch in dieser Hinsicht „altmodisch bleiben, und am Heiligen Abend sollen an unserem Weihnachtsbaum die Kerzen brennen, wie sie schon in unserer Kindheit brannten. W. Keine weitere Ermäßigung der Möbelpreise! Aus Kreisen der Möbelindustrie wird uns geschrieben: In letz er Zeit scheint unter dem Publikum vielfach die Auftassung zu bestehen, daß in Zukunft mit einer weiteren Reduzierung der Möbel- preise zu rechnen sei. Demgegenüber stellte der Arbeitgeberveri and für die holzvera:beitende Industrie von Rheinland und Westfalen in seiner vor einigen Tagen in Köln abgehaltenen Sitzung ausdrücklich fest, daß das jetzige Preisniveau einen Tiefstand erreicht habe, der teilweise unter dem Herstellungspreis liege; daß ein weiteres Sinken der Möbelpreise deshalb ausgeschlossen sei; daß sich vielmehr bei Belebung des Geschäftsverkehrs die jetzt teilweise unter den Herstellungskosten liegenden Preise insofern erhöhen würden, als sie das normale Verhältnis zwischen Selbstkosten und Verkaufspreis wieder erreichen mü.sen. (tzirtzcucr Wochenmarktprcise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 130 an. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Änter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3l/2 bis 4, Aepfel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30. Dörrobst 30 bis 35. Honig 40 bis 50, junge Hähne 80 bis 100, Suppenhühner 80 bis 100, Gänse 80 bis 100, Russe 60 bis 70 Pf. das Pfund; Tauben (Stück) 50 bis 70, Eier 17 bis 18, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 15, Ober- Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück. Kartoffeln der Zentner 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Kabale und CLbe', 19.30 bis 22.30 ii .. — Lichtspielhaus, Bahn^o strahe: „Delikatessen" und „Kunstschützen". — Astoria Lichtspiele: „Die Rettung" und „Wer gewinnt das große Match?" — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 19.30 Ähr, zum letzten Male Schillers „Kabale und Liebe" in der Besetzung der Erstaufführung. — Morgen, Mittwoch, 20 Ähr, unter der Spielleitung Walther .Bäuerles die moderne Gesellschafts- und Charakterkomödie von Ervine: „Die erste Frau Selby" mit Maria Koch in der Titelrolle. Dieses ** Erledigte Schulstelle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Gedern, Kreis Schotten (Dienstwohnung ist vorhanden). ** Zimmerbrand. Gestern mittag gegen 12.30 Ähr geriet in einem Hause am Asterweg, vermutlich durch leichtsinniges Ämgehen zweier Kinder mit Licht oder Streichhölzern, ein Zimmer in Brand. Die Kinder liefen fort, als es zu brennen begann, und erst als das Feuer von außen bemerkt wurde, konnte die Feuerwehr alarmiert werden. Die Mannschaft fand in einem Vorflur einen Schrank, der mit Kleidungsstücken angefüllt war, bei starker Rauchentwicklung bere ts in Hellen Flammen vor. Rach etwa halbstündiger Tätigkeit war ma nides Feuers Herr geworden. Größerer Schaden konnte durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr vermieden werden. verdienen von Seiten der deut chen Landwirtschaft stärkste Beachtung. Möge sie au Grund dieser Tatsachen im Interesse einer reftlo en Ausnutzung der in jüngster Zeit eingeleiteten staatlichen Schutzmaßnahmen die richtigen Folgerungen ziehen durch organisierte Beeinflussung der Erzeugung in qualitativer Hinsicht und durch genossenschaftliche Zusammenfassung des Angebots ihrer Erzeugnisse. Als nächster Redner sprach Generaldirektor Oeko- nomierat Dr. Hamann- Darmstadt über: Die gegenwärtige Lage und Zukunft des deutschen Obst- und Gemüsebaues. Die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft ist eine sehr ungünstige, zumal die Verschuldung derselben von Tag zu Tag wächst. Während es früher der Landwirtschaft möglich war, aus einzelnen Spezialkulluren und Nebenzweigen noch besondere Einnahmen zu erzielen und so einen Aus» gleich mit dem Gesamtergebnis der Landwirtschaft hcrbeizuführen, ist dies heute nicht mehr der Fall. Auch der Obst- und Gemüsebau ist durch die steigende Einfuhr aus dem Ausland in große Schwierigkeiten gebracht worden. Die Entwicklung der Agrarkrise hat zu einer Ueberflutung Deutschlands mit auswärtigen Erzeugnissen und zu Preisen geführt, die eine rentable Erzeugung für den deutschen Obst- und Gemüsezüchter unmöglich machen. Viele Betriebe, besonders die Kleinbetriebe sind ausschließlich auf die Einnahmen aus Obst- und Gemüsebau angewiesen und nicht in der Lage, eine Umstellung vorzunehmen. Die große Belastung der einheimischen Erzeugung ist durch die öffentlichen Steuern und Abgaben und auch dadurch bedingt, daß sich die Preise für die Betriebsmittel auch nicht • annähernd dem Rückgang der Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse angepaßt haben. Der Rückgang der Preise ist auf die außerordentlich starke Einfuhr aus dem Auslande zurückzuführen. Besonders der Frankfurter Markt ist in bestimmten Zeiten durch Massenanlieferungen aus Holland, Italien, Frankreich usw. überschwemmt. Eine Besserung kann nur dadurch erfolgen, daß der Verbraucher die einheimischen Erzeugnisse bevorzugt. Mit Bedauern muß festgestellt werden, daß nach den neuen Notverordnungen der Reichsregierung auch der Obst- und Gemüsebau keinerlei weiteren Schutz erhallen hat und infolgedessen heute noch die deutschen Grenzen der Einfuhr weit geöffnet sind. Der beut; c Gemüse- und Obstbau ist in der Lage, den Bedcuf der Bevölkerung zu decken, sobald die mit Untc - stützung der Reichsregierung begonnenen Maßnahmen auf Sortenvereinheitlichung und die planmäßige Die Höflichkeit gebührt ihr wohl, solange ich noch nicht weiß, wie sie zu den Steinen gekommen ist." Jo wollte zustimmend lächeln, aber es gelang ihr nicht. Es war doch eine ganz seltsame und eigentümliche Sache, in die ihr Vater, sie selbst und Pieter van Mühlen mit verwickelt worden waren. Rur das schreckliche Wort „Mord" hatte Ine drei willfährig zu allem gemacht. Sie geleitete Primo Duero und klopfte an die Tür des Zimmers, in das man die Fremde gebracht. Es erfolgte kein Hereinruf von innen. Aber die Monttrossi schloß einfach auf, rief in das Zimmer hinein: „Der Herr Juwelier ist angekommen, der Interesse für Ihre Drlllanten hat, er folgt mir auf dem Fuße." „Ich besitze ja meine Brillanten gar nicht mehr", kam die Antwort zurück, „der Alte unten im Laden hat mir Imitationen gegeben. Die Glassteine wird mir niemand abkaufen wollen." Primo Duero verstand zu wenig Holländisch, um den Sinn der Worte zu begreifen® Die Montirossi übersetzte sie ihm ins Französische. Er überschritt die Schwelle und stand einer Frau gegenüber, die er, wie er bestimmt wußte, noch nie zuvor im Leben gesehen hatte, und chm doch seltsam bekannt erschien. Auch ihre Stimme meinte er zu kennen. Er bemerfte, wie die Frau bei seinem Anblick ein paar Schritte zurückwich, wie vor etwas Schrecklichem. Das fachte sein Mißtrauen stark an. Er sagte zu Io auf französisch: „Ich bitte Sie, Dolmetscherin zu sein." „r.r. Die Frau erklärte in korrektem Französisch: „Es bedarf keines Dolmetschers zwischen Ihnen und mir. Sie können französisch mit mir sprechen. Wer ich sage es Ihnen im voraus, ich lasse mich auf gar nichts ein. Ich will nichts weiter, als hier aus diesem Hause heraus. Man hält mich hier mit Gewalt zurück." Primo Duero blickte die Frau gespannt an. Roch stärker als vorhin hatte er das Gefühl, sie zu kennen, ihre Stimme schon oft gehört zu haben. 2lber wo und wann? Das graue, tiefgescheitelte Haar lag über einem schmalen Gesicht, und lieh die Frau wohl älter erscheinen, denn die Züge waren noch jugendlich. Primo Duero sagte zu der Monttrossi: „Lassen Sie uns, bitte, allein.“ Io verschwand sofort, wenigstens brauchte sie für die Unterredung keine Mitverantwortung zu übernehmen. Primo Duero rief der Frau mit harter Stimme' zu: „Weshalb ziehen Sie sich vor mir zurück bis in die äußerste Zimmerecke? Wir haben wichttge Dinge miteinander zu verhandeln. Eine Frage will und muh ich an Sie richten, und ich ersuche Sie um wahrheitsgetreue Antwort. Lügen würde Ihnen großen Schaden bringen/ „ Fragen Sie", kam es fast tonlos zurück. Primo Duero machte ein paar hastige, erregte Schritte auf die Frau zu. (Fortsetzung folgt.) Änd der Tag verstrich. Sie wagte es nicht mehr, Lärm zu machen, aus Furcht vor dem Zyklopen. Sie traute den zu, daß sie ins Zimmer Schaffung von Reuanlagen durchgeführt find. Selbst- verständlich ist, daß die Erzeugung sich den Bedürfnissen des Marktes anpaßt, daß die Qualität der Waren, ebenso die Aufnahme und die Art der Lieferung des Auslandes nicht nur gleichkommt, sondern diese übertreffen muß. Will der deutsche Erzeuger dem Auslande gegenüber konkurrenzfähig bleiben, dann muh er mit allem Nachdruck die Standardisierung seiner Erzeugnisse fortführen, die Zahl der Sorten im Obst, und Gemüsebau aus die marktgängigen beschränken und schärfste Sortierung der Waren durchführen. Der Absatz der Erzeugnisse ist in planmäßiger Weise zu organisieren Der Berkaus durch viele Berkäuser auf den Großmärkten liegt nicht im Interesse einer günstigen Verwertung der Erzeugnisse. Der Zusammenschluß der Kleinerzeuger zu Genossenschaften, um den gemeinsamen Absatz zu pflegen, ist erforderlich. Oberfinanzrat Prof. Dr. Hillringhaus -Der. lin sprach als nächster Redner über Genossenschaftliche Kreditpolitik. Er zeigte, welche großen Aufgaben die Genosien- schäften im Verein mit den Genpssenschaftszentralen und der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse in Berlin zu erfüllen haben. Er legte sodann dar, wie in den Jahren nach der Stabilisierung vielfach nicht die richtige Kreditpolitik seitens der Genossenschaften getrieben worden sei und betonte, daß wichtiger als Mittel die- Menschen seien, denen der Kredit gegeben werden könnte. Weiter wurden an Hand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis die Notwendigkeit und die Bedeutung von Liquidität, Solidität und Rentabilität bei den Genossenschaften erläutert, wobei Liquidität stets vor Rentabilität gehen müsse. Die Genossenschaften sollen Entschul- dungs. und nicht Derschuldungsinstitute für die Landwirtschaft feilt. Auch mit der Frage der Bau- sparkasien, deren Wettbewerb die Kreditgenossenschaften vielfach zu spüren haben, befaßte sich der Redner und warnte die Genossenschaften, sich auf dieses Gebiet zu begeben, vor allem erst die gesetzliche Regelung abzuwarten. Den Vorträgen schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Der Abschluß der Tagung. Am Schluß der Tagung dankte Dekan Vogel- Bruchenbrücken namens der beteiligten Genossen- fchaftsoerbände der Hessischen Landesunioersität, dem Landwirtschaftlichen Institut und seinen Lehrern, wie auch allen Referenten, die sich in den Dienst dieses Lehrgangs gestellt hatten. Er gab der Der- sicherung Ausdruck, daß dieser Kursus allen Teilnehmern wertvolle Anregungen für ihre unter den heutigen Verhältnissen besonders schwere Arbeit gegeben habe, und sprach die Hoffnung aus, daß auch tm kommenden JcHr Gelegenheit geboten fein möge, den praktischen Genossenschaftern dera-tige Dortrage aus berufenem Munde wieder zu b'eten. Oer Oppenheimer Kommunalkonfliki. Dereitschaftspollzel in einer Kreisstadt. WSR. Oppenheim, 15. Dez. In frrr weiteren Entwicklung deS Oppenheimer Äom» munalkonfliktS sind neue Spannungen eingetreten. In einer dringenden Stadtratssihung wurde bekannt, daß Bürgermeister Dr. Rhumb- l e r erkrankt ist. Gleichzeitig wurde mitgetcilt, daß auch Beigeordneter Rechnungsrat Rüffer ans Gesundheitsrücksichten die Versammlung nicht leiten könne. Gs war diesmal also umgekehrt als in der vorigen Sitzung. Damals fehlten die Mitglieder des Stadtrats, um Beschlüsse fassen zu können, diesmal fehlten die Männer, die zur Leitung der Versammlung befugt sind. Die Versammlung konstituierte sich auf Grund des Artikels 118 der Städteordnung neu und wählte EtadtratSmitglied Sie ff an zum Vorsitzenden. Die Winterbeihilfe wurde aus 15 Mk. für einen ledigen Erwerbslosen, 20 Mk. für Verheiratete und Ledige als Haushaltsvorstände, 22 Mk. für Verheiratete mit bis zwei Kindern, 25 Mk. für Verheiratete mit mehr als zwei Kindern festgesetzt. Die Bürger st euer wurde abgelehnt. Um die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu garantieren, hatte d?r Bürgermeister veranlaßt, daß während der Sitzung 18 Beamte des Bereitschaftsdienstes mit einem Kriminalbeamten unter Führung eines Polizeioffiziers in Oppenheim- anwesend waren. Das Kommando hatte aber keinen Grund zum Einschreiten. Bürgermeister Dr. R h u m b l c r wird einige Wochen in Urlaub gehen. Die bürgerlichen Ltadtratsmitglieder haben wegen der gegen sie verhängten Ordnungsstrafe von 100 Mk. beim ProvinzialauSschuh Beschwerde eingelegt. Nationalsozialistische Ausschreitungen in Frankfurt. Bisher 51 Verhaftungen. WSN. Frankfurt a. M., 15. Dez. Trotz des Verbots des Polizeipräsidenten versuchten die Ratio n a l s o z i a l i st e n am Montagabend eine von ihnen angekündigte Versammlung im Zoologischen Garten abzuhalten. Die Polizei schritt ein, um die Abhaltung der Versammlung zu unterbinden. Darauf versuchte ein Teil der Nationalsozialisten trotz des polizeilichen Verbots einen Demonftra- tionszug zu bilden. Sie zogen über die Zeil nach der Konstabler, und der Hauptwache. Die Polizei griff mit einem starken Aufgebot ein und zerstreute wiederholt die Demonstranten, die immer wieder einen Zug zu bilden versuchten. Bis 22.30 Uhr waren 51 Personen fc st genommen worden. Davon sind 4 5 in das Polizeigefäng- n i 9 eingeliefert worden. Sechs Personen sind nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen worden. Zwei Verhaftete, die auf der Wache epileptische Anfälle erlitten, mußten durch die Rettungs- wache ins Krankenhaus gebracht werden. Infolge der Unruhen mußte der Straßenverkehr im Stadt- innern zum Teil umgeleitet werden. Schwerer Straßenbahnzusammenstoß. WSR. Frankfurt a. M., 15. Dez. Heute morgen stießen im Stadtteil Ginnheim zwei Züge der Straßenbahn zusammen, da der eine Zug vom Straßenbahnführer nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte. Die Leiden Straßenbahnzüge wurden schwer beschädigt. Der Wagenführer des einen Zuges erlitt eine Gehirnerschütterung, zwei Insassen trugen llnterschenkeloruch. Quetschung des rechten Knies, EelichtSverlctzungen durch Classpluter und Hautabschürfungen davon. Alle drei Verletzten mußten dem Krankenhaus zugeführt werden Schwierigkeiten des frankfurter Schumanntheaters. WSR. Frankfurt a. M, 15. Dez. Die Schumanntheater-G.m. b.H., die Pächterin des großen Theaterbaues am Hauptbahnhof, hat vor einigen Tagen ihre Zahlungen eingestellt. Dcr Darietebetrieb. der bis zum vergangenen Sonntag noch von einer Arbeitsgemeinschaft der gastierenden Künstler aufrecht- crhalten wurde, wird bis zum 24. Dezember geschlossen und vom 1. Weihnachtsfcicrtag bis 31. Dezember von dieser Arbeitsgemeinschaft des Personals fortgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt läuft auch der Pachtvertrag der Betriebs« gesellschaft mit der Hauseigentümerin, der Zirkus- und Thcaterbau-A.-G., ab. Eine Diebes- und Wildererbande festgenommen. WSR. Bad Wildungen, 15. Dez Der hiesigen Polizei ist es im Verein mit der Land- jägcrei gelungen, eine Diebes- und Wil-> dererbande von vier jungen Leuten fe st zunehmen. Die Bande hat in Wildungen zahlreiche Einbrüche und Diebstähle vorgcnom- men und dem Wildbestand dcr Wälder um Wil- dungen größeren Schaden zugefügt. Das Treiben der vier jungen Leute hatte schon vor einiger Zeit Verdacht erregt. Runmehr verdichtete sich das Deweismaterial so, daß zu der Verhaftung geschritten werden konnte. Die Verhafteten sind zum Teil bereits mehrfach vorbestraft. Bevölkerungsbewegung und Sterblichkeit in Gießen imZahre1929. Von Medizinal'Nai Dr. Dinsack, Kreisgesundheilsamt Gießen. Die Einwohnerzahl Gießens hat in den letzten Jahren nur unwesent.iche Schwankungen gezeigt, sie ist auf etwa 33 000 stehen geblieben. Infolgedessen lassen sich die für 1929 errechneten Werte direkt mit den vorjährigen vergleichen; diese sind, soweit erforderlich, in Klammern beigefügt. Zunächst die Geburten. Geboren wurden in Gießen und in den Gießener Krankenanstalten im ganzen 946 (1021), darunter von ortsfremden Müttern 495 (470), so daß auf Gießen entfallen 451 (551), also genau 100 Kinder weniger als im Vorjahre! Auf 1000 Einwohner kommen demnach nur 13,7 Geburten, während sich für 1928 noch 16,7 errechnen ließen: die für das Berichtsjahr gefundene Zahl ist die n i e d e r st e f e i t 1 9 1 8, wo sie mit 10,5 unterboten wird. Daß es sich hier um traurige Auswirkungen der schlechten wirtschaftlichen Lage handelt, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Von diesen 451 Gießener Kindern waren ehelich 379 (487), unehelich 72 (64), das Prozentoerhältnis der unehelichen Geburten ist demnach von etwa 13 auf 19 gestiegen. Von den 16 (18) Totgeburten Gießener Mütter waren 2 (1) unehelich. Die Zahl der Eheschließungen bewegt sich seit 1924 ziemlich gleichmäßig aufwärts: 1929 wurden 304 (293) Ehen geschlossen. Gehen wir nun zu den Todesfällen über. Im Berichtsjahre starben in Gießen im ganzen 813 Menschen: hiervon sind 413 Ortsfremde abzusetzen, die in den hiesigen Krankenanstalten starben, so daß 4 0 0 Gießener Todesfälle übrigbleiben. Aus 1000 Einwohner berechnet, beträgt die Sberblichkeitsziffer 12 v. H. Sie ist etwas höher als der Durchschnitt der letzten Jahre mit etwa 11 v. H., muß aber als Ausnahme gelten, da sie durch die grimmige Kälte im Februar und März bedingt ist, bei der Grippe und Lungenentzündung unter den älteren Leuten zahlreiche Opfer forderten. 70 50 30 20 60 40 I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII Die obenstehende Tabelle zeigt die Verteilung der Todesfälle auf die einzelnen Monate: sie läßt das starke Ansteigen im Februar und März gut erkennen. Einheimische =.....; Ortsfremde ------- Ein Alter von über 70 Jahren erreichten 148 Personen, das sind 37 v. H. der Verstorbenen, genau wie im Vorjahr. Unter diesen befanden sich 20 Männer und 32 Frauen, die über 80 und ein Mann und zwei Frauen, die über 90 Jahre alt wurden. Es starben im Jahre 1929 von den ehelich Ge- borenen 19 Kinder im ersten Lebensjahre, das würde bei 379 ehelichen Neugeborenen rund 5 v. H. betragen: da» Verhältnis kann als recht gut bezeichnet werden und übertrifft noch beträchtlich das vorjährige mit 6,16 v. H. Bei den unehelichen Neugeborenen ist das Verhältnis naturgemäß'weniger günstig, cs beträgt 8,3 v. H. und ist ebenfalls bester als im letzten 1 5 15 30 60 70 darüber Ioyre. »0 — 170 — 160 — 60 — INC — 130 — HO — 110 — 100 — 90 — 80 — 70 — 60 — SD — die l-Pfd.-Ktste 85 Bettvorlagen Bettumrandungen Läufer kauft man preiswert bei Heinrich Hochstätter Ausstellung Mäusburg 5 — Verkauf Brandplatz 1 ■ ■ _________________________________8442 A Fischhaus „luxhaven“ .Marktstraße 23 •,.0,A Telephon 2417 Pianohaus Schönau Seltersweg 9g Telephon 3269 Reparaturen / Stimmungen erleichtert das Schenken-- das beweist Hut-Richter MarktstraOe 24 Telephon 2216 Seit 1897 anerkannt leistungsfähige» Spezialhaus 84401 Tapetenhaus Ferd. Nennstiel Plockstraße 14 Vereine kaufen ihre Nieten und Gewinnröllchen zu Verlosungen am voiteilhaftesten nur bei J.Weinert K.G. Papierwaren nähernd zu zeigen, was ich zur Auswahl zur Verfügung halte. Kommen Sie bitte zwanglos in mein Geschäft! 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Nach diesem Schiedsspruch werden die Tariflöhne und Akkorde ab 1. Januar bis 31. 3uli 1931 um 6 Prozent ermäßigt. Die Stellungnahme der Parteien zu dem Schiedsspruch steht noch aus. Schwierigkeiten im Pleß-Konzern. 3m Zusammenhang mit den Schwierigkeiten im Pich-Konzern wird dem WTB.-Handslsdienst von maßgebender Seite mitgeteilt, daß gestern bereits eine Versammlung der Gläubiger der Stickstofswerke AG.. Waldenburg, ftatt- gefunden hat, bei der nahezu sämtliche ungedeckten Forderungen vertreten waren. Hierbei wurde ein Gläubigerausschus; auS den vertretenen Firmen gewählt, der die Aufgabe hat, den finanziellen und betrieblichen Status der Gesellschaft zu überprüfen. Für die Dauer dieser Prüfung, deren Ergebnis den Gcsamtgläubigern alsbald bekanntgegebcn werden soll, wurde mit großer Mehrheit beschlossen, mit der Geltendmachung der Forderungen stillzuhaltcn. Man strebt an, durch die Weitersührung des Werkes eine Befriedigung der Gläubiger zu erzielen. Die Schwierigkeiten bei der Stickstoffwerke AG. in Waldenburg haben auch auf weitere Teile der Gruppe Pleh zurückgewirlt, und zwar hat nunmehr auch die Waldenburger Bergwerks AG. (Kapital 22 Millionen Mark) auf kommenden Mittwoch. 17. Dezember, eine ®läu- bigerversammlung cinberufen. in der über ein Moratorium beraten werden soll. Die Passiven belaufen sich, wie bei den Stickstoffwerken, ebenfalls auf etwa 20 Millionen Mark. Davon sind etwa 12 Millionen Mark gesichert, während der Aest auf Lieferantenschulden usw. entfällt. e * Don der Frankfurter Börse. Don Dienstag, 30. Dezember, ab werden die Aktien der Philipp Holzmann AG., Frankfurt a. M., im Terminhandel statt wie bisher in Abschlüssen von 6000 Mark in Abschlüssen von 3000 Mark und einem Mehrfachen hiervon gehandelt und notiert. Dom 2. Januar 1931 ab wird die Aotiz für: öprozentige Preußische Kaliwertanleihe von 1923, flet 1. 3anuar 1931, öprozentige Preußische Roggenwertanleihe von 1923, gek. 1. 3anuar 1931, an der hiesigen Börse eingestellt. * Betriebseinschränkung bei dem Hessen-Nassauischen Hüttenverein G. m. b. H. Der Hessen-Rassauische Hüttenverein G. m. b. H. in Biedenkopf hat den Belegschaften verschiedener Betriebe zum 15. Dezember das Arbeitsverhältnis gekündigt. Bei dieser Maßnahme handelt es sich um eine Betriebseinschränkung, die dem Hüttenverein durch den dauernd sich verschärfenden Auftragsmangel ausgezwungen wurde. Die Anpassung der Belegschaftsstärke an den noch vorhandenen Auftragsbestand und die etwa noch eingehenden Aufträge war nach dem Stande der heutigen Arbeitsschußgesetze nur möglich aus dem Wege über einen Stillegungsantrag, dessen Sperrfrist am 15. Dezeinber abläuft. Hiernach kommt allo eine absolute Stillegung der Werke nicht in Frage. • Echultheiß-PahenhoserBrauerei A G, Berlin. Die Schultheiß - Pahenhofcr Brauerei AG. legt ihren Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1929 30 vor. Der Generalversammlung wird vorgeschlagen, aus einem Reingewinn von 10 415 961 (10 363 073) eine Dividende von wieder 15 Prozent auf das Stammaktienkapital und eine Dividende von wieder 6 Prozent auf die Vorzugsaktien, zusammen 7 550 000 (wie im Dorjahre) zu verteilen, 309 473 Mk. (wie im Dorjahre) Gewinnanteil gemäß Gesellschastsver- trag auszuschütten, sowie 793 402 (743 292) Mk. auf neue Rechnung vorzutragen. * Schuhfabrik Herz AG., Offenbach am Main. Die gestrige Generalversammlung der Gesellschakt genehmigte einstimmig den Abschluß^ für das am 30.3uni 1930 abgelaufene Geschäftsjahr. Die Gewinn- und Derlustrechnung zeigt einen Warenbruttogewinn von 686 790 Mk., DieLinfuhr im November beläuft sich auf 734 Millionen Mark. Sie ist damit gegenüber dem Vormonat um 99 Millionen Mark geringer, und zwar vorwiegend infolge verminderter Einfuhr von Rohstoffen (48 Millionen Mark weniger) und Lebensrnitteln (42 Millionen Mark weniger). Dieser Rückgang ist zum Teil dadurch bedingt, daß die Oktobereinfuhr durch vierteljährliche Lagerabrechnungen überhöht war. Die Ausfuhr ohne Reparationsfachlieferungen stellt sich im November auf 870 Millionen Mark. Sie ist also gegenüber Oktober um 141 Millionen Mark zurückgegangen. Dieser Rückgang ist zum Teil saisonbedingt. Zu der genannten Ausfuhrziffer treten Reparationsfachlieferungen im Merle von 61 Millionen Mark (gleicher Betrag wie im Vormonat), für die vom Auslande eine Gegenleistung nicht erbracht wird. Die Handelsbilanz schließt im November mit einem Ausfuhrüberschuß von 136 Millionen Mark gegenüber 178 Millionen Mark im Vormonat ab. Einschließlich der Reparationssachlieferungen übersteigt der Mert der nach dem Auslände abgefetjten Maren den wert der eingeführten waren um 19 7 Millionen Mark, gegen 239 Millionen Mark im Vormonat. Jür die ersten elf Monate dieses Jahres ergibt sich unter Ausschluß der Reparationssachlieferungen Unsere Handelsbilanz für den QHonat Novern- ber weist einschließlich der Reparationsleistungen ein Aktivsaldo von 1 97 Millionen auf. Bemerkenswert ist, daß sich die Einfuhr nach wie vor auf absteigender Linie befindet und daß namentlich an Lebensmitteln weniger als im Dormonat hcreingckommen ist. Man darf wohl hoffen, daß diese Minderausgaben der heimischen Landwirtschaft zugutekommen werden. Aber auch an Rohstoffen ist ein Nachlassen der Einfuhr zu verzeichnen, was insofern bedenklich ist, als Deutschland in der Hauptsache für die Verarbeitung und Wiederausfuhr in Frage kommt, die denn auch weiter nachgelassen hat. Tie Textilien weisen den stärksten Rückgang auf, aber auch die Maschinenindustrie, die Kohle, die Chemie und andere Wirtschaftszweige schließen sehr ungünstig ab. Erfahrungsgemäß ist in jedem Jahr um diese Zeit mit einem Aussuhrrückgang zu rechnen. Angesichts der riesigen Arbeitslosigkeit, die bei uns herrscht, hungert aber das deutsche Dolk nach Export und damit, auch nach Arbeitsmöglich- kciten. Tie Umschaltungen in unserer Wirtschaft müssen jetzt in verdoppeltem Tempo fortgesetzt werden, damit unsere Erzeugnisse schleunigst wieder konkurrenzfähig werden können und die wichtige Cxportindustrie ihre Maschinen wieder ankurbeln kann. ■' im Aovember. ein Ausfuhrüberschuß von 767 m Illi o n en Mark, unter Einbeziehung der Reparationssachlieserungen von 1421 Millionen Mark. wozu aus dem Dorjahre noch ein Gewinnvortrag von 9738 Mk. kommt. Nach Abzug der Generalunkosten von 524 161 (518 000) Mk. und der Abschreibungen von 168 452 (104 000) Mk. verbleibt ein Reingewinn von 3915 (12 000) Mk. Rach Auszahlung von wieder 6 Prozent Dividende auf die Dorzugsaktien wird der hiervon verbleibende Betrag in Höhe von 2115 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen. Die Generalversammlung beschloß eine Erhöhung des Grundkapitals um bis 300 000 Mk. -durch Ausgabe von 3000 Stück neuen, auf Inhaber lautenden Stammaktien zu 100 Mk. mit Ausschluß des Bezugs- rechtes seitens der Aktionäre, lieber das Geschäftsergebnis des neuen Jahres ist in Anbetracht der wirtschaftlichen Verhältnisse nichts Bestimmtes vorauszusagen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 16.Dez. Tendenz: etwas freundlicher. — Nachdem schon an der gestrigen Abendbörse eine etwas freundlichere Stimmung zum Durchbruch gekommen war, eröffnete die heutige Börse in eher etwas freundlicherer H a l tung. Die Börse war vor allem beruhigt darüber, daß heute zunächst keine größeren Der- kaussorders mehr an den Markt kamen. Außerdem befriedigte, daß die Lage des Pleß-Konzerns scheinbar keine große Auswirkung auf andere Unternehmen haben wird. Die Erklärungen Dr. Luthers und Dr. Schachts, wonach Deutschland im Kern gesund sei, trugen ebenfalls zur besseren Beurteilung der Lage bei. Die Spekulation hatte daher wieder mehr "Vertrauen und schritt in einigen Werten, worin sie stärkere Abgaben vorgenommen hatte, wieder zu Rückdeckun- gen und auch zu Interessenkäusen. Das Geschäft war jedvch nicht umfangreich. Die erneuten Bankinsolvenzen in USA. und die Kupferbaisse machten nur wenig Eindruck, trugen aber immerhin zu einer gewissen Zurückhaltung bei. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich meist Kursbesserungen. Am Elektromarkt konnte sich etwas regeres Geschäft en'wickeln. Siemens, Licht & Kraft, Schuckert und AEG. konnten um 1,5 bis 2 Prozent anziehen. 3n Lahmcyer und Felten kam anscheinend etwas Material heraus, so daß Verluste bis 2,5 Proz. eintraten. Farben gut behauptet und später anz'ehend. Am Montanmarkt herrschte weiterhin Auftragsmangel, so daß nur Mannesmann mit 62,13 Proz. zur Erstnotiz gelangten. Von Kaliwerten waren Aschersleben 2 Proz. fhöher. Bauunternehmungen lagen gut gehalten. Am Bankenmarkt zogen Reichsbankanteile 2,40 Proz. an, die übrigen Werte waren nur geringfügig verändert. Schiffahrtswerte neigten dagegen etwas zur Schwäche. Angeboten lagen Kunstseideaktien, nachdem für diese Werte an der gestrigen Abendbörse größere Abgaben eingetreten waren. Bemberg gaben 2 Proz., QI tu 1,5^03. nach. An den übrigen Märkten herrschte Geschäftsstille. Deutsche Anleihen lagen gut behauptet. Ausländer lagen nur wenig verändert. Olm Pfandbriefmarkt waren Reichsschuldbuchsor- derungen etwas schwächer. Auch im Verlaufe erhielt sich die freundlichere Stimmung. Die Kurse konnten weiter etwas anziehen. Salzdetfurth lagen 5 Proz. höher. 3m übrigen gingen die "Besserungen bis 1,5 Proz. Das Geschäft war jedoch gering. Am Geldmarkt machte sich eine kleine Erleichterung bemerkbar. Tagesgeld stellte sich auf 5 Proz. Am Devisenmerkt lag die Mark aus Goldabzüge international schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1962, gegen Pfund 4.8555. gegen Paris 123,59, gegen Mailand 92,74, gegen Madrid 47,50, gegen Schweiz 25,0325, gegen Holland 12,0550. Berliner Börse. V c r I i n , 16. Dez. Der enttäuschende Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und der Cnguete- Bericht der Eisenindustrie wurden im heutigen! Vormittagsverkehr als verstimmende Momente genannt. Auch daß die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau vertagt worden sind, mahnte, ebenso wie die Bankinsolvenz in Neuyork und die Herabsetzung des Kupferpreises auf 10,80 Dollar- Cents, zur Zurückhaltung. Heber die Vorgänge im oberschlesischen Bergbau lagen widersprechende Nachrichten vor. Man verwies verschiedentlich auf die heutige Generalversammlung des Zentralverbandes des Bank- und Bankiergewerbes und erwartete hiervon eine Anregung. Auch daß dem Auslandangebot 3nterventionen der Banken entgegenstanden, beruhigte etwas. So waren die offiziellen Kurse der heutigen Börse relativ gehalten und nur ganz vereinzelt mehr als 1 bis 2 Prozent gedrückt. Darüber hinaus verloren Hotelbetrieb 3 Prozent, Hirsch Kupfer 2,5 Prozent, Deutsche Linoleum 3,25 Prozent, Thüringer Gas 5,5 Prozent. Bei letzteren war. anscheinend das Interesse nach der gestrigen Generalversammlung etwas erlahmt. Schantung erschienen mit Minus- Minus-Zeichen, wobei man auf die Schwäche der Reichsschuldbuchforderungen hinwies, und Maschinen Buckau lagen minus-minus, wobei die Kurstaxe 9 Prozent niedriger lag, nach einer letzten Notiz von 98,5 Prozent. Es lag in diesem Papier wohl nur ein Zusallsauslrag von zirka 6 Mille vor Relativ fest lagen Reichsbankanteile und einige Elektropapiere, für die sich von der Schweiz aus Interesse zeigte. Deutsche Anleihen waren ruhig. Ausländer behauptet. Anatolier leicht anziehend. Pfandbriefe still. Reichsschuldbuchforderungen zirka 0,25 bis 0,50 Prozent schwächer. Geld war etwas leichter. TageSgeld 4 bis 6 Prozents die übrigen Sähe waren unverändert. Im Verlaufe setzten, ohne daß besonders Anregungen hierfür vorgelegen hätten, Deckungen der Spekulation ein, so daß sich daS Kursniveau um 1 bis 3 Prozent hob. Heber die Schweiz gelangten Gerüchte an die Börse, die vom Ableben Poincares wissen wollten. Verspätet festgesetzt wurden Zellverein mit 45,5, nachdem sie vorher mit Plus-Plus-Zeichen erschienen waren. Reichsbankanteile zogen im Verlaufe auf 226 Prozent an, Polvphon auf 144 Prozent. Siemens auf 149 Prozent, Salzdetfurth auf 211 ufw. Lchwcincinarlt im Lich. ß i 4>, 15. Dez. Heute wurde hier der altbekannte Weihnattsmarkt abgehalten. Im Vordergründe des Interesses stand der FcrkeIinarkt, zu dem 328 Ferkel aufgetrieben waren. Bei flottem Handel wurden durchschnittlich bezahlt für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 22 Mk., 6 bis 8 Wochen alt 28 Mk.. für 8 bis 13 Wochen alte 32 Mk. Im Verlaufe weniger Stunden war der Markt ausverkauft. Auf dem Krammarkt toaren nur wenige Stände aufgebaut. Lediglich die .wahre Jakobs" dürften auf ihre Rechnung gekommen fein. (kittgesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mänteldiebe bei der Arbeit! Nachdem in den letzten Jahren wiederholt Mäntel von nicht unbeträchtlicher Zahl auf den Fluren der Hniversität und der höheren Schulen gestohlen wurden, ist vor einigen Tagen erneut ein Manteldieb in der Oberrealschule am Werk gewesen, der drei neue Wintermäntel und einen neuen Hut erbeutete, ohne daß man den Dieb bei seinem Ein- oder Abzug in dieser Lehranstalt bemerkt hat. Eine wirksame Maßnahme, daß sich derartige Diebstähle nicht wiederholen, ist bis heute noch nicht erfolgt, und die Schüler sind her Gefahr immer noch ausgesetzt, daß morgen erneut ihre Mäntel gestohlen werden. Die Eltern tragen die Sorge um die Bekleidungs-« stücke ihrer Kinder und auch noch den Schaden, der ihnen durch die Diebstähle zugefügt wird. Aber kann man den betroffenen Eitern zumuten, ben Schaden zu tragen, der dadurch entsteht, daß eine wirksame Schutzmaßnahme hier nicht unternommen wird, obwohl dies nicht der erste Diebstahl dieser Art und in dieser Lehranstalt gewesen ist? Ich glaube, es wäre seit dem vorletzten Diebstahl Zeit und Gelegenheit genug gewesen, wirksame Maßnahmen zu treffen, daß der jüngste Mänteldiebstahl unterblieben wäre. Entweder müßten die Schüler ihre Heberkleider mit in den Hnterrichtsraum nehmen, oder diese müßten in einem Raum untergebracht werden, der bei Beginn des Hnterrichts abgeschlossen und nach Beendigung desselben geöffnet würde. Da solche Räume in der Oberrealschule bestimmt vorhanden sind, wäre es doch eine Kleinigkeit. Mißstände zu beseitigen, die zu solchen Diebstählen Anlaß geben. Solange solche Vorkehrungen nicht getroffen find, daß Diebstähle nicht erfolgen können, hat der Schüler, falls er Schaden an den von ihm in die Lehranstalten eingebrachten Sachen erleidet, nach den Rechtsprechungen einen Schadensersahanspruch, da der Verlust auf ein Verschulden der Organe des Anstaltseigentümers zurückzuführen ist (Paragraphen 31. 81 BGB.). Ein solches Verschulden liegt vor, wenn die An- staltsorgane bei der Heberwachung der Anstaltsräume nicht das dem Zweck jeder einzelnen Anstalt angevaßte Maß und Sorgfalt ausgewendet haben, welches erforderlich ist. um den Besucher vor (Schaden zu bewahren. Die Haftung ist hier eine gesetzliche, und es können die durch Diebstähle Geschädigten ihre Ersatzansprüche nach Lage der Verhältnisse, in vorliegendem Fall bei dem Hessischen Herrn Minister für Kultus- und Vil- dungswesen in Darmstadt, geltend machen, nötigenfalls den Klageweg beschreiten. Zur Beruhigung der Eltern aller Schüler der höheren Lehranstalten, sowie der Schüler selbst, wäre es erwünscht, bald zu erfahren, welche Vorkehrungen nun getroffen toerben (wo sie nicht bereits getroffen find), um derartigen Diebstählen toirli sam entgegenzutreten, denn die heutige Finanzlage gestattet es nicht, daß man mit solch wertvollen Bekleidungsstücken, wie in der seitherigen Weise verfährt, und sie den Spitzbuben preisgibt. Ein Geschädigter. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 0 H., Lombardzinsfuß 6 d. H. ^ranffurl a. M. Berlin Frankfurt a. Hl. Berlin ird>lu|i» für« 1-uhr» Rur» Schluß« ülnfa a» Schluß- lure l«llhr« Hure Echiuß» fcr4 I Anfang. für# «urd Datum 15 12 16 12 15 12 16 12 Datum 15. 12 16 12 15 12. 16 12 6% Deunche Reidrtanleibe von ior? ........ 7% Deutsche ReichSanIelde von 1929 ..... Beurtdw änl..sn>löl.*6d)ulb mit »u»lot.-9icd)ten - - - Ttc«ptantbrtcfanfialt, Pfandbriefe R. iS 8% Pr Vanbeeriancbrtelanftalt, flomm.-Lbl. R. 20. . . 7% Pr. San bcvi'ianbbtief an fielt, Pfandbriefe R N e.6.e. abfl. yotittegft-Cblloario- nen. rückzahlbar 1932 .... <% Oefterrrtchhche Goldrenke . . 4,20% OeNerreichiiche CUberrenkr 4% Oekterrrichliche einheitliche Renke 4% Ungarische Goldrente .... 4% Ungartiche Etaatrrrnte v. 1910 4H% bc«fll. oon 1913 4% Ungartiche flronenrenkr 4% Dürkische Zollanleihe von 1911 4% Dürkische Bagdadbadn-Lnl Serie 1 . . 4% de4gl. Serie N...... 6% Rumänische vereinh. Rente von 1903 4ZH% Rumänilche vereinh Rente von 1913 . . . IX Rumänilche vereinh. Rente . 86,5 98,6 51,7 5,4 88,25 49 50,5 98 92 36,9 100 97 97 93 2,4 22,5 1,4 2,8 2.9 2,9 11,85 6,25 1 1 Kl 1 1 1 | 1 I l 1 1 1 II HIHI II 1 IS 86,65 98.5 51,8 5.4 88 50.75 100 97 97 26.4 2,4 22.35 18.4 1,35 2,8 2,9 2.9 11,9 6,4 —• «u ro m to kj (n —• »Ul «- «Otf* 1 | |*l eo 1 1 I 1 1 1 | | I I 1 *!o 1 I Hamvurg.-'imerita Paket . . Hamburg-Südam. Dampfschiff Hanta Dampfschiff . . . Rorddeukfcher Llovd .... Allgemeine Deutsche Crrdikanfi. Barmer Bankverein . . Berliner Handelsgesellschaft Commerz- und Prival-Bank . Tarmlkädter und Nationalöant Teukiche Bank und Tieconto @e|eUid)aft, . . . Dresdner Banl...... Rcich-danl........ L.E.».. . .;...... Bergmann ........ tfleltt LirlerungSgeleNIchast. Licht und Rjafl...... Reiten & Guilleaume . . . Geieüichaii für Ciekrrische Unternehmungen .... Hamburger EleknnzitätS-Werke Rheinische Etrktrizttät . . . Schleif,che Elektrizität. . . . Schlicken & Co. . ..... Siemens & Hals le ..... Transradio ....... rabmeyer L Co.. ..... Buderus ...••••• Deutliche ErdSl ...... Ebener Steinkohle . • • • • Geilenkirchener ...... Iile Bergbau ...... flötn-Neueiien . ..... ManneSmann-Röbrr» ... Mansfeldcr Bergbau ... Lberlchlei Ciienbedarl ... Lberlchtei flokswerke ... Phünir Bergbau .... Rhelnilchr Braunkohlen . • -iheinftatzt ...... «iebeck Starte ...... . 6 10 . 8 10 10 12 11 12 10 10 12 . 9 10 10 10 10 . s 10 11 16 . t 1' . d . 6 . 8 . 8 . 0 10 . 7 . 7 ’ 5 w. 10 . 6 7,2 63,25 65,5 100 119 109 145,25 107,5 108 222,5 95,5 112,75 80.5 98 146,5 116 46 58 82.5 74 55,5 31 58 66,75 m —* —» — id to a> ho —- 4* ein glattes Abseitstor gefallen lassen. Gegen Schluß flaute der Kampf merklich ab. Die Ligareserve brachte von Steinbach einen 5: 3-Sieg mit nach Haus. Trotz der schlechten Verfassung des Spielfeldes wurden beiderseits gute Leistungen gezeigt. Ueberraschend hoch verlor die A2-3ugenb gegen die Al-Jugend des VfB. Butzbach auf dortigem Platz mit 9:0. Handball her Sp.-Vg. 1900. 1900 I — 1900 II 5:0. Unter recht schwierigen Platzverhältnissen standen sich 1900s beide aktive Mannschaften irnDer- bandsspiel gegenüber. Der erwartete spannende Kamps blieb leider aus, da die zweite Mannschaft auf ihre beiden Hauptstützen verzichten mußte. Ihr reichlich unrationelles Abspiel tat ein übriges, um den Sieg der ersten Garnitur nie zu gefährden. Handball im Gau Hessen (O. T.) Io. o. 1846 I — To. Wehlar I 1:0 (0:0). Die Spiele litten sehr unter den schlechten Bodenverhältnissen. Trotzdem sah man auf beiden Seiten schöne Leistungen. Bei ausgeglichenem Spiel ging es mit 0:0 in die Pause. Dann verlor Wetzlar seinen Mittelläufer durch Platzverweis. In der Folgezeit war Gießen überlegen und erzielte durch unhaltbaren Wurf des Mittelstürmers den siegbringenden Treffer. To. v.1846 II — To. wehlar II 2:1 (1:1). Auch das Spiel der zweiten Mannschaften sah die 1846er mit 2:1 als Sieger. Dieser Erfolg ist um so höher zu bewerten, als die Hiesigen das ganze Spiel nur mit 10 Mann bestritten. Heuchelheim Jugend — Lützellinden Jugend 0:0. Die beiden Mannschaften trafen sich am Sonntag zu einem Freundschaftsspiel, das bei ausgeglichenen Kräften mit einem Unentschieden endete und dem Spielverlauf entspricht. Erster Skisonntag ans dem Hoherodskops. Wenn die Skiläufer (gemeint sind die „zünftigen") von Natur aus und auf Grund einer vielfachen Erfahrung in bezug auf das Wetter nicht positive Optimisten wären, so hätte der schneebedeckte Hoherods- kopf am Sonntag noch kein „Brettln" gesehen. Denn in der Nacht vom Samstag zum Sonntag ergoß sich über den tiefer gelegenen Teil Oberhessens viel Wasser in einer kaum einwandfrei definierbaren Form vom Himmel und bereitete der Menschheit einen kleinen Kummer. Das focht die Skisportler jedoch nicht weiter an. Auch die Tatsache nicht, daß sie von den späten Heimkehrern zu früher Stunde leise angeulkt wurden. Die schweren Stiefel klappten vernehmlich die Bahnhofstraße entlang und um 5.36 Uhr verließ der Zug mit einem guten Dutzend Paar Brettern und den dazu gehörigen Besitzern die Bahnhofshalle. Nach zweistündiger Fahrt langte man in Schotten an, die Fahrt wurde aber dann in dem von einem weitblickenden Manne vorherbestellten Omnibus bis Breungeshain fortgesetzt. Bis dahin waren die Schneeverhältnisse als nicht besonders vertrauenerweckend befunden, kurz oberhalb des Ortes wurde aber doch angeschnallt und Schritt für Schritt ging es vorwärts über den etwas schweren nicht allzutiefen Schnee, begleitet und stets umgeben von einem dichten undurchdringlichen Nebel, der den ganzen Tag über nicht wich und neidisch jeden freien Blick auf das hessische Land zu Füßen des Vogelsberges ver mehrte. — Der Vordermann, wenn er sich nur etwa zehn Meter von den nachfolgenden entfernte, wurde durch den Nebel bereits zum Schemen. Himmel und Erde flössen zusammen in eine milchig-weiße Masse und die Welt erschien dadurch wie mit den berühmten Brettern vernagelt. Schließlich aber tauchte doch das Clubhaus auf. Die Unentwegten fielen hinein, um sich bei einer Tasse Kaffee auf das Kommende vorzubereiten. Bald war eine stattliche Zahl von Skiläufern und Haserln versammelt. Viele bekannte Gesichter! Die Stunden des Vormittags wurden nach kurzer Rast in fröhlicher Gemeinsamkeit auf dem großen Uebungshügel verbracht. Ein Gießener Skilehrer gab Unterricht, Anfänger konnten lernen, Fortgeschrittene konnten sich vervollständigen: vor allem gab cs aber viel Spaß, den cs unter Skisportlern unter allen Umständen zu geben pflegt. Mancher Sturz, veranlaßt durch Grashügel, die der Schnee noch nicht ganz zu verbergen vermochte, wurde mit in den Kauf genommen. Auch ein gegen Mittag ein= setzendes Schneetreiben konnte die Stimmung nicht drücken. Die Lust war warm, im Walde tropfte es in gleichem Phythmus von den schlanken Fichten. Der Mittag sah alle wieder im Clubhaus des Vogelsberger Höhenclubs bei Skisuppe (HLbsensuppe mit Speck) und einer reichlichen Portion Schweinebraten versammelt. Die Nachmittagsstunden waren bann noch ausgefüllt durch kleine Touren auf b e ° kannten Wegen (in unbekannte Gefilde durste man sich bei dem beerrichenden dichten Nebel nicht wagen, denn es fällt nicht schwer, sich imGebiete des Vogclsberges gründlich zu verlaufen); indes ging aber der Schnee in lautloser Fülle nieder und ver wandelte vollends den Wald in ein Wintermärchen. Zugleich aber schlug die Stunde des Aufbruchs. Die Skier wurden mit einigen Handgriffen angeschnallt und in einer langen Karawane glitten die Gießener zu Tal. Einer hinter dem anderen, in einer Spur. Ein zuverlässiger Führer ging voran, über einen Bach und einige Gräben, über schneebedeckte Felder und Wiesen, vorbei an dem Aussichtsturm am Gackerstein, der gespenstisch aus dem Nebel herauswuchs und bald wieder im Nebel versank, über Stock und Stein führte der Weg bis zur Schneegrenze (in deren Bannkreis auch der Schnee, der vom Himmel fiel, so allmählich zu einem handfesten Regen geworden war), die schließlich zum Abschnallen zwang. Zu Fuß gelangte die Schar durch die regengraue, triefende und in der Dämmerung unendlich trostlos erscheinende Landschaft nach Schotten, nachdem man durch viele Wasser- pfützen von etlichen Zentimetern Tiefe gestiegen war und schließlich die festere Landstraße erreicht wurde. Reichlich feucht gelangte man am Bahnhof an, tränt geruhsam noch eine Tasse Kaffee in jenem kleinen „Kabäuzche", das den Skiläufern hinlänglich bekannt ist und langte schließlich als Gießener gegen 20 Uhr wieder in Gießen an. Die zwei Bahnstunden, die zwischen Schotten und Gießen lagen, verliefen naturgemäß auch nicht langweilig. Mit Unermüdlichkeit und tiefgründiger Fachkenntnis wurde von den Dor- und Nachteilen der Huitfeld-, der Sixt- oder der Lutherbindung gesprochen, mit ebenso großer Ausgiebigkeit wurde die Technik des Stemmbogens behandelt und darauf hingewiesen, daß der Stemmbogen eigentlich eine recht raffinierte Angelegenheit sei, eine Debatte, die erst hinter dem Schifsenberg^lhr Ende fand, als die Lichter von Gießen zum Aufbruch mahnten. Der erste Skisonntag auf dem Hoherodskops gehörte damit der Vergangenheit an; der Tag verlief, obwohl er im Hinblick auf das Wetter nicht unter dem günstigen Stern stand, zu aller Zufriedenheit, für die Zukunft besteht aber der Wunsch, daß die Skisaison 1930/31 noch recht viele echte Skisonntage bringen möge. Der Weihnachtswunschzettel des Skiläufers (per Adresse Petrus) tautet dazu ungefähr so: Stets 25 Zentimeter Schneelage + 7 Zentimeter neuen Pulverschnee, durchschnittlich minus 3 Grad Celsius. — Nebel nicht unbedingt nötig! Kurze Sporinotizeu. Ein Dreiländer-Ruderkampf wird von französischer Seite für das kommende Jahr angeregt. an dem neben Frankreich noch Deutschland und die Schweiz teilnehmen sollen. Die Hauptversammlung der Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände ist für den 18. Januar nach Stuttgart einberufen worden. Der Hauptversammlung voraus gxht eine Sportausschuhsitzung. • Einen neuen Automobil-Weltrekord stellt die Engländerin Mrs. Stewart in Linas- Monthlery bei fliegendem Start mit einem Stundenmittel von 220,810 Kilometer auf. * Die Sp. Vg. Fürtb erlitt am Sonntag in Koburg eine schwere Schlappe. Die ersatzgeschwächten Bayern wurden von einer kombinierten Ko- burger Mcmnschaft mit 6:1 (3:0) geschlagen. * Emil Hirschfeld, der ostpreußische Welt- rekordmann im Kugelstoßen, ist für das kommende Hallensportfest am 24. Januar nach Frankfurt verpflichtet worden. Rundfunkprogramm. Freitag, 19. Dezember. 7.30: Frühkonzert des Äundfunkquintetts. 11 von Wiesbaden: Frühkonzert. 12.20: Schallplattenkonzert. 15: „Jugendliches Gruppenleben im Spiegel des modernen Romans", vorgetragen von Dr. E. Kohn, Bramstedt. 15.25: „Die Krisis der Schulreform", Vortrag von Prof. Dr. Franz Kade. 16 vom Kurhaus Wiesbaden: Konzert. 18.05: Buch und Film. 18.35: „Die Krankheit des Arbeitnehmers und ihre Rechts-vlgen", Vortrag von Amtsgerichtsdirektor Dr. Äallce. 19.05 von Mannheim: Aerztevortrag: „Unhygienische Angewohnheiten". 19.30: Ski-Heil!, Ein bunter Abend. 20.30: Renaissance, Barock. Rokoko, Hör- werk von Paul Enderling. 22.10: SinfonieRr.VII (Die „Ung'rische"). 23.10: Tanzmusik. Samstag, 20. Dezember. 7.30: Blaskonzert des Frankfurter Konzert- orchestcrs. 11 von Wiesbaden: Frühkonzert. 12.20: Schallplattenkonzert. 14.30: Stunde der Jugend. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05 aus der Peterskirche: Frankfurter Motette „Gloria in cxcelsus“. 18.35: Stunde der Arbeit. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30 von Freiburg: Mandolinen-Konzert. 20.30: Der Dogeihändler, Operette. 22.50 von Karlsruhe: Tanzmusik. Praktisch denken - KAFFEE HMG schenken Festtags- _ Vakuum-. _ Dose RM 2.50 Dose RM 1.90 Keinen Firlefanz fchenken, wenn es auch noch fo gut gemeint ift. Jeder wünfeht fich heute etwas Nützliches. • Herz- Schuhe find wie gefchaffen, dielen zeitgemäßen Wunfch zu erfüllen. Hören Sie die billigen Preife Im Wissenschaftliche ßondergeoiec am BrUhl'schen Druckerei Nürnberger Lebkuchen von Haeberlein-Mct>iistbör>en. die fennt man ntebt mehr. 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