Nr. 216 Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 16. September 1930 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid uittPtrlag: vrLHI'schr UnweHilütr-vuch, und Stetnörnderet R. fange In Sietzen. Schnftlettnng und Seschäftsftelle: Schnlittatze 7. Annahme von Anzetae, für die lagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, playvorfchrist 20'/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Milh. Lange; für Feuilleton Qr.H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,nutzer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Lietzener Familien bl älter Heimat im Bild Die Scholle Monat».Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschliisfe anterSammelnummet2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen, pokscheckfonto: Zronffurt am Main 11686. Protest. Die Septemberwahlen deS Jahres 1930 find gewiß dos markanteste und auch für bad Ausland sichtbarste Zeichen der schweren nationalen und wirtschaftlichen Hot des deutschen Volkes. Alle Welt wird zwar von den Fieberschauern einer unerhörten Wirtschaftskrisis geschüttelt, ab£t in Deutschland wirken sich die Folgen unter der untragbaren Last der Tributforderungen des Vcmngplans in einem ganz anderen, fast bei» fpiellosen Ausmaße aus. Dazu kommt, daß Deutschland im vergangenen Jahrzehnt unter gleichzeitigen schweren innerpolitischen Erschütterungen feine ganze Kraft nach außen wenden muhte. Die Wahrung der Einheit des Reichs, die Abwehr feindlicher Abbröckelungsversuchc und der biS zur Rhcinlandbefreiung vorgetriebene Kampf um die Wiedererlangung der Souveränität über deutsches Reichsgebiet — wir wissen, was im Westen noch zu tun bleibt und welche grohen neuen Aufgaben im Osten unserer harren — war für ein in seinem nationalen Empfinden tief gcdemütigtes, entwaffnetes und wirtschaftlich bis zum letzten Blutstropfen ausgesogenes Volk in dieser kurzen Zeitspanne eine gewaltige Leistung, die nur durch stärkste Konzentration der Kräfte zustande kommen konnte. Daß trotz dieser gewaltigen Anstrengungen noch heute die Faust der Sieger schwer auf uns ruht, ist ein trauriger Beweis, wie wenig Ver- ständnis für die wirtschaftliche Verflochtenheit der Welt auch heute noch bei den Staatsmännern der Gegenseite vorhanden ist. Der Voung- plan, das noch nicht zurückgegebene Eaargebiet, die noch einer Revision harrende deutsche Ostgrenze mit dem Korridor, Danzig, Oberschlesien als offenen Wunden, sind dafür laut anklagende Zeugnisse. ilnJ> das Ergebnis der Reichstagswahlen mit dem riesenhaften Anschwellen der äußersten Rechten ist ein Warnungssignal, das hoffentlich in London, Paris und Warschau richtig gedeutet wird als ein lebhafter Protest gegen die Lieberspannung der imperialistischen Machtidee und gegen die Verkennung der wirtschaftlichen Verbundenheit der Völker. Hier drückt sich auS die ganze schwere Enttäuschung eines Volkes, das, von einem verlorenen Kriege und dem nachfolgenden politischen LImsturz biS ins innerste Mark getroffen, sich doch in ungeheurer Kraftanstrengung auf» raffte, um unter Wahrung seiner Einheit als Volk und Ration den unerfüllbaren Tributforderungen der Sieger nachzukommen, und nun sieht, wie die als Folge des Krieges heraufziehende Krisis der Weltwirtschaft die letzten Reste feines Volksvermöaens und feiner Produktionskraft zu vernichten droht, wie aber auch seine innere Rüstung in finanzpolitischer und verwaltungstechnischer Hinsicht nicht aus reicht für die gewaltigen Reparationsleistungen, und der große innerpolitische Umbau des Reichs, der nach Krieg und Umsturz dringendstes Erfordernis gewesen wäre, nicht Schritt gehalten hat mit den ungeheuren Kraftanwendungen nach außen. Der sichere Rückschlag auf die außenpolitischen Erfolge Stresemanns — deren Grenzen und Belastungen wir wohl sehen — konnte bei diesem Tempo nicht ausbleiben. Das Wahlergebnis vom 14. September ist dafür das äußere Aichen. Es ist aber auch ein flammender Protest für das Versagen des parlamentarischen Ehst e m s in den Händen von verkalkten, zum Selbstzweck gewordenen, in Interesfentenhaufen auf- gesplitterten Parteien, die. wie die Wahlen schlagend beweisen, jede lebendige Fühlung mit dem Volke verloren hatten. Die Unmöglichkeit schneller, klarer Regierungsbildungen, das Trei- benlassen aller innerpolitischen Reformen, die die Vorbedingung jedes Wiederaufbaus nach dem beispiellosen Riederbruch gewesen wären, das ungeheuerliche Anschwellen der öffentlichen Lasten, nicht nur als Folge der gewiß schweren Tribut- belaftung und der großen Arbeitslosigkeit, sondern auch der Unfähigkeit der wechselnden Parteigruppierungen, einen organischen Derfassungs- und Derwaltungsumbau mit dem Ziele äußerster Sparsamkeit und Klarheit in Aufbau, Abgrenzung und Beschränkung der Aufgaben gegen eine mit dem Schwinden der Autorität des Parlaments allmächtig werdende und parteipolitisch durchsetzte Ministerialbureaukratie in Reich und Ländern in Gang zu bringen, das alles mußte eines Tages zwingend zu einer Reaktion auf das Volksempfinden führen. Begreifliche Enttäuschung über den Mangel an großen mitreißen- Den politischen Sbccn für den Reuaufbau des Vaterlandes, verständliche Erbitterung über bie mit den Leistungen des Staates fast in umgekehrten Verhältnis wachsenden Lasten, die auf £ie Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft wie de« einzelnen Wirtschaftsträgers keine Rücksicht kannten, Empörung über das kleinliche Aus- handeln und Abwägen parteipolitischer 3nter- C $lnlcr denen jede große politische Lim» verschwand und das Gemeinwohl allzu oft zurück- treten muhte, alles das floß am 14. September au Dem großen Protest zusammen, der sich in JH Wwenden bet Wählermassen zu ben rabv- falen Flügeln rechts unb links ausbrückt. ist tragisch, daß biefer Rückschlag in einem Augenblick kommt, wo in ben, auch in den vergangenen Fahren mit der Verantwortung für die Regierungsgeschäfte und naturgemäß auch für manche unpopuläre, aber im Interesse deS Staatsganzen notwendige Maßnahme am schwersten belasteten Parteien der Mitte von Westarp- Schiele bis Koch-Mahraun ein frischer Lufthauch sich kundtat, ein Wille, über verstaubte Doktrinen und tote Schranken hinweg zu gemein) amer Auf- Das Gesicht des neuen Reichstags. Oie berichtigte Mandatsverteilung. Eine neue Mitteilung des Reichswahlleiters Berlin, 15. 5cpt. (IDID.) Rach ben im Laufe des Tages beim Reichswahlleiler eingegangenen ergänzenden Meldungen stellt sich die Gesamtzahl der gewählten Abgeordneten auf 576, nämlich: Sozialdemokratische Partei 143 (153) Rationalsozialistische Df. Arbeiterpartei 107 (12) kommunistische Partei Deutschlands 76 (54) Deutsche Zentrumspartei 68 (62) Dculschnationate Volkspartei 41 (73) Deutsche Votkspartei 30 (45) wirtschaftsparlei 23 (23) Deutsche Staatspartei (Dem. 25) 20 Bayerische Volkspartel 19 (16) Deutsches Landvolk 18 (13) Christlich-Sozialer Volksdienst 14 (0) Deutsche Bauernpartei 6 (8) konservative Volkspartei 5 (0) Deutsch-Hannoversche Partei 3 (5) Landbund 3 (3) Innerhalb der 26 Sitze, die auf die drei Gruppen Deutsches Landvolk, konservative Volkspartei und Deutsch-Hannoversche Partei zusammen entfallen sind, kann sich unter Umständen noch eine Verschiebung ergeben. Bei den Rechtsparteien — Deutschnationale Volkspartei, Deutsche Landvolkpartei (früher Christlich- nationale Bauern- und Landvolkpartei), konservative Volkspartei und Christlich-Sozialem Volksdienst — ist zu beachten, daß diese vier Gruppen bei der Reichstagsauflösung folgende Mandate inne hatten: Deutschnationale 36, Volkskonservalive 19, Christlich-Sozialer Volksdienst 6 und Christlich- nationale Bauernpartei (Schiele-Gruppe) 23. Die Deutsche Volkspartei hat dadurch noch einen Sih mehr, als in der früheren Zusammenstellung gemeldet, erhalten, daß sie in den Wahlkreisen 2 (Berlin) und 3 (Potsdam II) Listenverbindung m i t der Christlich-Sozialen Volksgemeinschaft hatte. Auf diese List sind insgesamt 81 558 Stimmen entfallen. Da aber i n keinem Cinzelwahlkreis ein Abgeordneter dieser Partei gewählt worden ist, kamen die Stimmen dieser Liste sämtlich der Deutschen Volkspartei zugute, die damit einen 30. Sih erhielt. Was soll nun werden? Von unserer Berliner Redaktion Berlin, 16. EePt. Durch ben Ausfall der Reichstagswahlen ist für Parlament unb Regierung eine ungemein schwierige Lage entstanden. An sich wäre Wohl eine Mehrheit für bie große Koalition einschließlich der Wirtschaftspartei vorhanben. Aber in parlamentarischen Kreisen glaubt man an bie Möglichkeit einer solchen Regierungsbildung nicht, da weder bie Dollspartei noch bie Wirtschafts- Partei zu einer Drehung der Politik nach links Lust haben. Für bie Landvolkpartei, bie Christlich-Sozialen unb bie Konservativen kommt selbstverständlich ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie noch weniger in Frage. 3n der Sozialdemokratie selbst dürfte die Reigung zur Aebernahme der Verantwortung auch nicht s e h r g r o h fein, zumal ein Blick auf die Kandidatenliste lehrt, daß der Radikalismus dort einen sehr erheblichen Einfluß hat. Blickt man nach rechts, so erfährt man, daß bie Nationalsozialisten nicht abgeneigt finb, sich an der Verantwortung zu beteiligen, aber sie fordern, daß man ihnen das Reichs- inncnminiftcrium unb bas Reichs- wehrministerium überläßt. Außerdem verlangen sie bie Auflösung der preußischen Linkskoalition unb Reuwahlen in Preußen. Man darf annehmen. baß bie Deutschnationalen einen ähnlichen Stand- punkt vertreten, insbesondere, daß sie jede Teilnahme an der Verantwortung ablehnen, wenn nicht die Gewähr für die Kursänderung in Preußen gegeben wird. Das Zentrum dürfte zu einer solchen Politik nicht bereit fein. Insbesondere glauben wir, unterrichtet zu fein, baß das Zentrum auf die Rückversicherung in Preußen nicht verzichten wird. Deshalb ist einstweilen überhaupt kein Ausweg aus ben Regierungsschwierigkeiten zu sehen. Man rechnet damit, daß Reichskanzler Dr. Brüning in Anbetracht der Unmöglichkeit einer anderweitigen Mehrheilsbilbung mit feinem Kabinett in seiner bisherigen Form vor den Reichstag treten wird. Allerdings können ihm dabei sehr unangenehme Dinge passieren Denn wie wir erfahren, werden die R a t i o n also z i a l i st e n im Reichstag sofort einen Antrag au, Aufhebung der Rotverordnun- gen des Reichspräsidenten einbringen. Wie sich bie Sozialdemokratie zu einem solchen Antrag stellt, kann man natürlich jetzt noch nicht sagen. Wenn sie auch nur ben kleinsten Teil ihrer An- fünbigungen im Wahlkamps wahrmachen wollte, mühte sie selbstverstänblich für bie Aufhebung ber Rotvervrbnungen stimmen, unb da wäre sofort bie parlamentarische Ka tast rop he ba. Möglich ist es aber durchaus, baß bie Sozialbemokratie es vorzieht, einstweilen eine abtoartenbe Haltung eiiuu- nehmen, unb bah sie beshalb einen solchen nationalsozialistischen Antrag, ber übrigens bie Unterstützung ber Deutschnationalen unb ber Kommunisten finben würbe, ablehnen wirb. Aus Kreisen der Staatspartei wie ber Sozialdemokratie verlautet, daß man es dort an sich für das Beste halte, dem Willen breiter Wählermasfen nach maßgebender Regierungsbeteiligung ber Rationalsozialisten n a ch- zukomme n, schon um diesen Wählern zu beweisen, daß auch bann die Realität bei! Tatsachen nicht umzu stoßen wäre. Anderseits aber halte man ein solches Vorgehen! für ein zu kostsvieligeS Experiment, das das deutsche Volk gerat* in der jetzigen Rotzeit kaum ertragen könne. Man glaubt, daß bereits bie Bekanntgabe bes Wahlergebnisses bie deutsche Krebitsähigkeit im Auslanb ungünstig! beeinflußt habe, und will sich bemühen, den! fieberhaften Charakter des Anwachsens ber Rationalsozialisten aus Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit nachzuweisen. Rach dem Ausgang bei Wahl halte man eine Reichsregierung für erforderlich, die aus all den Gruppen zu bilden sei. die bereit zu fachlicher Arbeit vor allem mit dem Ziele der Bekämpfung ber Arbeitslosigkeit sich zeigten Die Version, baß der preußische Ministerpräsident Draun an die Spitze einer solchen Reichsregierung treten würde, hat bisher wenig Wahrscheinlichkeit, zumal bie Bedeutung der Führung in Preußen auch von den Rationalsozialiften durch die Forderung nach Auflösung des Preußischen Landtages und ileberlaffung wichtiger preußischer Ressorts unmittelbar nach der Wahl bereits öffentlich betont worden ist. Hingegen ist der Gedanke aufgetaucht, eine Verbindung zwischen Preußen unb dem Reich insofern herzustellen, als eventuell unter der weiteren Kanzlerschaft Brünings der preußische Ministerpräsident zugleich Vizekanzler in der Reichsregierung sein könnte. Die nationalsozialistisch« Forderung nach Auflösung des Landtags dürfte sich kaum verwirklichen lassen, weil nach der Verfassung die Landtagsauflösung nur unter zwei Voraussetzungen möglich wäre, einmal durch einen Mehrheitsbeschluß der Abgeordneten, ber in biefern Falle als unwahrscheinlich gelten muß, und dann durch bie Hebet* einstimmung bes Ministerpräsidenten, des Land- tagspräsidenten unb Staatsratspräsidenten Die neuen Reichstagsabgeordneten für Hessen uni» Hessen-Nassau. 3m Wahlkreis 33 (Hessen-Darm stabt) finb gewählt worben: Sozialdemokraten. Reichsminisier a. D. Dr. Ebuarb D a v i b - Berlin, Schriftsteller Dr. Carl Mierenborff -Darmstadt unb Oberregierungs- rat Heinrich R i h e l - Gießen. Zentrum: Rechtsanwalt Dr. Fritz B o ck i u s - Mainz. Kommunisten: Rebakteur Hermann Rem- mele- Berlin. Nationalsozialisten: Pastor a. D. Lud- wig M ü n ch m e y e r - Borkum unb Lehret Friedrich Ring shausen-Offenbach. Aus Grunb von Reststimmen aus Hesten-Rassau bürsten noch Manbate erhalten: Deutsche Volkspartei: Rechtsanwalt (Ebuarb i n g e l b e tj - Darmffabt; Hess. Lanboolk: Lanbwirt Wil- Helm Dorsch 11 - Wölfersheim unb vielleicht auch die Deutsche Staatspartei: Bürgermeister Dr. Wilhelm C h r h a r b - Mainz. 3m Wahlkreis 19 (Hessen-Rafsau) finb befinitio gewählt worben: Sozialbemokraten: Oberbürgermeister a. D. Philipp Scheibemann - Berlin, Gewerk- fchaflssekretär Fran; M e h-Frankfurt a. M., Be- zirksteiter Heinrich Becker- Herborn, Vertreter Michael Schnabrich - hersfelb unb Metallfchlei- fer Anbreas P o r t u n e - Frankfurt a. M. Zentrum. Unioerfitätsprofeffor Dr. Frlebrich Dessauer- Frankfurt a. M., prasibialmitglieb der Vereinigung ber beutschen Bauernvereine Dr. August Crone-Münzebrock - Berlin unb Mittelschullehrer 3ean Albert Schwarz- Frankfurt a. M. Kommunisten: Schriftsteller Wilhelm Münze n b e r g - Berlin unb Arbeiter Ernst Lohagen- Kassel. Deutsche Volkspartei: Chemiker Dr. Wilhelm F. Kalle- Frankfurt a. M. Nationalsozialisten: Postinspektor Jakob Sprenger-Frankfurt a. M., Hilfsarbeiter Peter G e m e i n b e r - Frankfurt a. M., Schlosser Irih W e i h e l - Frankfurt a. 2H. unb Obersteuer- fefretär Karl weinrich-Kassel. Lanboolkspartei: Lanbwirt Präslbent Karl Hepp- Seelbach (Oberlahnkreis). Christlich-Sozialer Volksblenst: Ar- beiterfefretär (Emil Hartwig-Berlin. bauarbeit in großen, starken EarnmelParteien das Bürgertum neu zu organisieren. Für dieses Mal leider zu spät. Hier ist frühzeitig genug davor gewarnt worden, es in parteitaktischer Engherzigkeit und egoistischer Onteressenpolitik bis zum äußersten kommen zu lassen. Richt einmal nach dem jämmerlichen Versagen des letzten Reichstages und dem Sturmsignal der Rotverordnungen und der Reichstagsauflösung konnten sich die Verantwortlichen zu einer entscheidenden Tat aufraffen, die in dem verzweifelnden, erbitterten Bürgertum wie ein Fanal hätte wirken können. Der Zusammenschluß zur breiten bürgerlichen Front blieb in ersten Ansätzen stecken, das große bürgerliche Sammelbecken blieb ungeschaffen. 3n zahllosen, kleinen Heerhaufen, zwar im Zeichen des Burgfriedens, aber doch nach mancherlei kleinlichen Häckeleien und Reibungen marschierten die bürgerlichen Parteien getrennt in die Wahlschlacht. Der alte Spruch „Getrennt marschieren, vereint schlagen", auf den sie ihre Hoffnung setzten, verfing nicht mehr. So oft schon enttäuscht und angeekelt von dem lleinlichen Tüfteln über Dündnisfähigkeit dieser oder jener Gruppe, über Wahlaufrufe, die hier oder da an stoßen könnten, über Grenzen, die nach dieser oder jener Seite gezogen werden müßten, ließen die Wähler die zersplitterte Mitte am 14. September im Stich namentlich die Ougenb, die sich vom Parteibonzentum abgestohen und von der Parteibureau- kratie schlecht behandelt fühlte, lief in Hellen Schaven davon. Wir empfinden es auch tragisch, daß dieses Ausein- anderfallen in die Extreme und der Zusammenbruch der Mitte in einem Augenblick Ereignis pirb^ wo das Kabinett Brüning, als Exponent dieser Milte unb ihre besten politischen Kräfte in sich schließend, tatsächlich den Anfang gemacht hat mit einem großen und auf weite Sicht gestellten Reformwerk. Brüning und seine Mitarbeiter erhalten zu Unrecht die Quittung, die ihre Vorgänger in der Regierungsverant- wortung in politisch wie wirtschaftlich weit günstigerer Situation sich durch ihr ewiges Verschleppen, Hinauszögern und Treibenlassen redlich verdient hätten. Nun kommt die Abrechnung zu spät und traf in ihrer vollen Wucht noch nicht einmal die Partei, die als die im Parlament zahlenmäßig stärkste und dank ihrer Machtstellung in Preußen einflußreichste wohl bie Möglichkeit gehabt hätte, zur rechten Zeit den Weg zu grundsätzlichen Gesundungsreformen zu beschreiten, aber nicht einmal zur Gefolgschaft sich bereitfand. Die Wahlen haben das Kabinett Brüning in seiner jetzigen Struktur in eine hoffnungslose Minderheit versetzt. Niemand kann sagen, was werden soll. Denn aus dem Protest allein, in dem die siegreiche Opposition einzog unb allein einig ist, wird noch keine politische Tat geboren, auf die das Volk nun ein Anrecht hat, das sich diesen Reichstag wählte. Aus der Negation allein entsteht keine fruchtbare politische Arbeit, auf die wir bringen müssen, wenn jetzt das Reformwerk des Kabinetts Brüning mit der Wahl vom 14. September feinen vorzeitigen unb unproqrammäfjiqen Abschluß finben soll. Wir halten es noch nicht an der Zeit, mit ber in solchen Fällen üblichen Parteiarithmetik nun alle in bem neuen Reichstag etwa möglichen Koalitionen unb Kombinationen durchzurechnen. Wenn wir wich wünschen möchten, baß Reichspräsibent und Reichsregierung aus ber durch bas Ergebnis der Reichstagswahlen geschaffenen neuen unb gewiß überraschenden Situation möglichst ras ch bie Folgerungen zögen, um ihrerseits ben Parteien .^tung unb Linie zu geben und bie Vertrauens- frifis überroinben zu helfen, bie seit ber Bekanntgabe ber Wahlresultate gewiß keine Abschwächung erfahren hat, so halten wir es boch für notwenbig, wenn bie Wählerschaft, bas beutfche Volk, bas sich bieses Parlament gab, in einer ruhigen Stunde darauf besänne, was es mit dieser Wahl zum Ausdruck bringen wollte und welche Aufgaben es bem neuen Reichstag stellt. Wir versagen es uns auch, den einzelnen Parteien Gewinn und Verlust nach, zurechnen unb ihr moralisches unb taktisches Soll unb Haben gegeneinander abzuwägen. Die Er- kentnis der G r u n b te n d e n ze n biefer Wahl, wis sie unsere Ausführungen beutlich machen wollten, erschien uns wichtiger: zum Begreifen ber Fehler unb Versäumnisse für bie Parteien, bie am Sonntag unterlagen, aber nicht minber als Ansporn unb rechtzeitige Warnung für bie, bie am 14. September das Vertrauen ber Wähler mit ber schwersten Verantwortung für die Zukunft bes deutschen Volkes in ernster Stunde politischer, wirtschaftlicher und sittlicher Not belastet hat. Mochten sie bie Schwere biefer Verantwortung unb die Große ber Aufgaben, die ihrer wartet, voll unb ganz begreifen, unb nicht im ersten Taumel eines leicht errungenen Sieges sich barüber täuschen, baß auch für sie in Bälde ber Tag kommt, wo bas Volk Rechenschaft forbert über bas ihnen am 14. September anvertraute Pfunb. Das Echo des 14. September in der Berliner presse. Die radikale Rechte. Der „Völkische Beobachter" (national- soz.) nennt den 14. September ein in der politischen Geschichte noch nicht dagewesenes Ereignis und betont, das Ereignis sei als Protest, aber auch als st ä r k st e Bejahung eines neuen Sta^tswillens zu verstehen. Es bestehe augenblicklich noch keine Veranlassung, die sich ergebenden Koalitionsmöglichkeiten näher zu untersuchen. Das sei den nächsten Wochen Vorbehalten. Auf die Schultern d?r Nationalsozialistischen Partei sei am 14. September eine ungeheure Verantwortung gelegt worden. — Der „Lokalanz." (Hugenberg) sagt u. a.: Die Niederlage des Kabinetts Brüning ist zerschmetternd. Bei Entsetzen festgestellte riesige Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung liegt in dem durch Versailles geschaffenen Z u st a n d der auf der Welt und besonders Deutschland liegt, in den Tributlasten, die das deutsche Volk zu tragen hat. Das Echo im Zentrum. Die „Germania" (Zentrum) äußert sich in einem mit „Nuhig Blut" überschriebenen Artikel u. a. wie folgt: Diese Wahlen sind Konjunkturwahl en. In diesem Debakel gibt es einen Lichtblick. Das Zentrum hat einen Stimmenzuwachs zu verzeichnen, der ihm das Necht gibt, nicht nur zufrieden, sondern stolz zu sein. Die Politik der Regierung Brüning muß fortgesetzt werden, weil es eine andere Politik nicht gibt. Die rechte Opposition ist regierungsunfähig. Die offenbart. Die Stunde der Reform der Verfassung hat geschlagen. Sozialdemokratische Pressestimmen. Berlin, 15. Sept. (TU.) Sämtliche Berliner Abendblätter äußern sich ausführlich zu der Reichstagswahl. Die „Welt am Abend (links) schreibt u. a.: Das Ergebnis der Wahl in Berlin und im Reich hat unsere Erwartung, daß die Septemberwahlen den Ausdruck der Massenempörung und Verzweiflung darstellen werden, erfüllt, ja übertroffen. Die Verzweiflung der Massen kommt in dem überraschenden Sieg der Nationalsozialisten zum Ausdruck. Hier wird gleichzeitig mit dem Endkampf Möglichkeit der Großen Koalition gegeben. Aber diese Große Koalition würde doch nach natio« nalsozialistischer Ansicht zu schwach fundiert sein, um vor allem auf dem wichtigen Gebiete der Steuergesetzgebung etwas zu erreichen. Infolgedessen werde man im Reich wohl gezwungen sein, m i t d e n Nationalsozialisten zu regieren. Die Nationalsozialisten aber würden sich nur zu einer Beteiligung an der Reichsregierung bereitfinden, wenn gleichzeitig der Preußische Landtag „a u f f l i e g e". Die Nationalsozialisten legten entscheidendenWert auf die Erlangung des preußischen Innenministeriums sowie auf eine gründliche Aenderung der preußischen K u l - tur Politik und der Tendenzen des preußischen Justizministeriums. Komme eine Koalition gegen die Sozialdemokratie zustande, dann würden Frick Goebbels Hugenberg Oldenburg-Innusch au Schiele Treviranus Dietrich Höpker-Aschoff Bredt v. Seeckt Scholz Kardorff Kaas Thälmann Braun Brüning M 11 der Schlußabstimmung im Reichstag fehlten ihr 15 Stimmen an der Mehrheit. Im neuen Reichstag werden ihr 161 Stimmen fehlen. Berlin hat, obgleich hier die ganze Meute entfesselt war, 75 Proz. der deutschnationalen Stimmen gehalten, die bei der letzten Reichstagswahl abgegeben wurden, es hat den Sozialdemokraten die schwerste Niederlage bereitet, die sie überhaupt im Reiche erlitten haben. — Die „Nachtausgabe" (Hugenberg) steht auf dem Standpunkt, daß es sich bei den Wahlen, die als Prv- testwahlen gekennzeichnet werden, nicht nur um einen Protest gegen das Kabinett Brüning handele, das sehr stark mit dem Schlagwort vom „Hindenburg-Kabinett" im Wahlkampf gearbeitet habe, und völlig unterlegen sei. Es scheint, so schreibt die Zeitung, daß der Kanzler zunächst mit den Sozialdemokraten verhan- -deln möchte, und zwar auf der Basis der Außenpolitik. Dem ist folgendes entgegenzuhalten: Diese Reichstagswahl hat uns unbedingt gezeigt: die ganz erhebliche Zunahme der Stimmen der Wähler, die unbedingten Gegner des Boungplanes, der Tributpolitik, der ganzen Politik des jetzigen Kabinetts und der Sozialdem- kraten sind. Mit dieser Tatsache werden sich diejenigen, die heute sich schon berufen fühlen, Kombinationen über die Arbeit im neuen Reichstag anzustellen, zunächst abzufinden haben. — Die „Deutsche Zeitung" (deutschnatl.) überschreibt ihren Leitartikel mit „Das Steuer nach rechts!" und sagt u. a., der Sieg der Freiheitsfront bedeutet die grausame, aber wohlverdiente vernichtende Niederlage der Mittelparteien und des Kabinetts Brüning. das zu einer hoffnungslosen Minderheit geworden ist. Das Kabinett Brüning habe unverzüglich zurückzutreten, der Reichspräsident dürfe über die parlamentarischen Notwendigkeiten nicht mehr getäuscht werden, die Nativ- nalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei müsse mit der Regierungsbildung beauftragt werden und schließlich sei auch die Umbildung in Preußen akut. Oie gemäßigte Rechte. Die „Deutsche Tageszeitung" (Landvolk) spricht ebenfalls von einem Wahlsieg des Radikalismus. Die im ungeeignetesten Augenblick erzwungene Reichstagsauflösung habe zu einem schweren Mißerfolg geführt. Eine einwandfreie parlamentarische Mehrheit wäre nur zu erzielen durch ein Zusammenfassen der Gruppen von den Nationalsozialisten, falls sie sich als bürgerliche Rechtsvartei fühlen und betätigen wollen, bis zum Zentrum einschließlich. Es sei damit zu rechnen, daß dem Reichstag des 14. September 1930 nur ein kurzes Dasein b e - s ch i e d en sein werde, worauf dann freilich im Hintergrund eines weiteren Wahlkampfes das Gespenst der Staatskrise in deutlichem Umrisse auftauche. — Die „Kreuzzeitung" (Konservat.) hebt hervor, daß die Wahlen unter dem Zeichen des Dounaplans und der Wirtschaftskrise gestanden hätten. Außenpolitisch bedeuten sie ein entschiedenes Aufbegehren gegen den Frieden von Versailles, gegen die Erfüllungspolitik und gegen den Poungplan, andererseits aber ein Sturmzeichen für die heutige Staatsund Gesellschaftsordnung. Das heutige System habe einen argen Stoß erlitten, das sog. Bürgertum sei auf der ganzen Linie geschlagen. Der Reichskanzler habe schwere Stunden vor sich. Die Nationalsozialisten ständen vor schwerer Verantwortung. — Die „Börsenzeitung" (Konservat.) schreibt: Die Tatsache besteht, daß die rote Burg des Marxismus in der gewaltigen Wellenbewegung dieser Wahl sich als unerschütterlich erwiesen hat. Den Nationalsozialisten ist es nicht gelungen, die Idee zu verwirklichen, die deutsche Arbeiterschaft dem Internationalismus zu entreißen und den deutschen sozialistischen Arbeiter zum Nationalismus zu erziehen. Der letzte Grund für das gerade im Ausland mit geheimen Frage^ die jetzt beantwortet werden muh, ist die: ob alle staatserhaltenden Parteien auf Grund dieser Wahl zur Einsicht und Vernunft gelangt sein werden. Das muh sich in den nächsten Tagen zeigen. „Der Deutsche" (christl. Gewerkschaften) beschäftigt sich damit, wie mit diesem Reichstag regiert werden soll. Es erscheine fraglich, ob überhaupt eine Mehrheitskoalition zustandezubringen sei. Es blieben nur zwei Möglichkeiten: Die Große Koalition, erweitert durch die Wirtschaftspartei oder eine Regierung, die an keine Koalition gebunden ist. Eine Beteiligung der Volkspartei und der Wirtschaftspartei an der Großen Koalition sei aber mehr als ungewiß. Anderseits werde eine unabhängige Regierung mit Mehrheiten von Fall zu Fall ein höchst unsicheres Regieren sein. Blätter der Mitte. Der „I u n g d e u t s ch e" (Staatspartei) spricht von einer tatsächlich vorhandenen Staatskrise. Zwei Sensationen habe die Wahl gebracht: Das Anwachsen der Nationalsozialisten und die Niederlage der Sozialdemokraten. Das Wahlergebnis für die Deutsche Staatspartei befriedige gewiß nicht, es fei aber nicht mit den Zahlen der alten Demokratischen Partei bei den letzten Reichstagswahlen zu vergleichen, da die Deutsche Staatspartei eine völlig neue Partei sei. — Der „B ö r- sen-Courier" (Dem.) stellt u. a. Betrachtungen über die weiteren Möglichkeiten an. Die Brüning- Parteien, d. h. die bürgerliche Mitte, seien außerstande, ohne Hilfe auch nur eine dauerfähige Minderheitsregierung zu bilden. Eine Regierung wäre nur möglich, wenn die staatsverantwortlichen Parteien einen Block gegen d i e staats- z e r st ö r-e n d.e n bilden würden. Eine Weigerung der Sozialdemokratie zur Zusammenarbeit mit den Brüningparteien könnte die Mitte zwingen, es mit Hugenberg-Hitler zu versuchen. — Die „V o s s i s ch e Zeitung" (Staatspartei) gibt zu: 107 Nationalsozialisten, dazu 41 Deutschnationale unter Hugenberg und 76 Kommunisten, dieses Ergebnis vom 14. September ist ein Sieg des Radikalismus, auf den man selbst nach den Vorsignalen in Thüringen und in Sachsen und nach den Stadtverordnetenwahlen in Preußen nicht vorbereitet war. Die Reaierung Brüning wird sicherlich in unveränderter Zusammensetzung im Oktober vor dem Reichstag treten mit dem Programm, das es vor den Wahlen in mehreren Gesetzentwürfen aufgestellt hat. Im neuen Reichstag werden die Parteien begreifen müssen, daß es kein anderes Programm gibt als das Deutsche Reich. — „Brüning hat das Wort", meint das „B. T." (Dem.) und schreibt: Durch den Ausfall der gestrigen Reichstagswahl ist das Zentrum vor die Entscheidung gestellt, ob es mit dem Nationalsozialismus oder mit der Sozialdemokratie regieren will. Das ist auf die kürzeste Formel gebracht der Kern der heutigen politischen Situation. Die Bildung jeder neuen Regierung ist durch die Stärkung der extremen und durch die Schwächung der Mittelparteien erschwert. Die Verantwortung liegt beim Zentrum. Lehnt das Zentrum die Koalition mit dem Nationalsozialismus ab, der die bisherige Außenpolitik ebenso zerschlagen will, wie den demokratischen Parlamentarismus, so bleibt nur die Verständigung mit der Sozialdemokratie. Das deutsche Volk braucht gerade jetzt eine feste Mehr- heit-regierung. — Die „DAZ." (mittelparteilich) bezeichnet die Reichstagswahlen als r a d i k a l e P rote ft w a h l e n und schreibt u. a.: Die Devise „Macht mir den rechten Flügel stark" hat ungeahnten Beifall gefunden. Der Wahlerfolg der Nationalsozialisten ist, wir stellen es mit kühler Sachlichkeit fest, eine Weltsensation. Für verfassungsändernde Gesetze gibt es in dem neuen Reichstag überhaupt keine Mehrheit. Mit gewaltiger Kraft hat sich in dem Wahlergebnis dumpf und unklar die Sehnsucht nach Autorität, nach sozialer Gerecy- tigkeit und nach einer stolzen Haltung gegenüber dem Ausland, das unterdrückt, gegen die Sozialdemokratie die entscheidende Schlacht zu schlagen sein. — „Der Abend" (soz.) meint: Das Katastrophale des Wahlausganges besteht nicht sv sehr in der Niederlage der Regierung, wie in der Schaffung eines Trümmerhaufens, den wegzuräumen eine unendlich schwierige Aufgabe sein wird. Das entscheidende Merkmal der Wahl ist nicht Rückgang der Sozialdemokratie und Fortschritt der Kommunisten, sondern die Vernichtung des „regierungsfähigen Teils der Rechten". Was die Nationalsozialisten verlangen. Berlin, 16. Sept. (VDZ.) Von maßgebender nationalsozialistischer Seite wird mitgeteilt, daß nach Ansicht der NSDAP, der Wahlerfolg die Möglichkeit gebe, vor alle nun Preußen den bisherigen Regierungskurs gründlich zu ändern. Die Nat.Soz. hielten es für ausgeschlossen, daß eine Reichsregierung zu- standekomme, die sich wesentlich von der preußischen unterscheiden könne. An sich sei ja ‘im Reichstag die die Nationalsozialisten als stärkste Regierungsfrat» tion zugleich die Forderung erheben, den Reichs» tagspräfidenten stellen zu können. Die Führung der Nationalsozialisten im Reichstag übernimmt Dr. Frick, während die Preußenfraktion der NSDAP, vom Abgeordneten Kube geleitet rotöb Fraktionsgemeinschast der gemäßigten Rechten. Berlin, 16. Sept. (TU.) Nach der „DAZ." sind zwischen den christlich-nativnalen Bauern (Landvolk), dem Christlich-sozialen Dolksdienst, dem Landbund und der Konservativen Volks- Partei Verhandlungen angebahnt worden, die darauf abzielen, eine gemeinsame Fraktion zu bilden, die in chrer Struktur der Christl. Nationalen Arbeitsgemeinschaft im alten Reichstag entsprechen würde. Insgesamt verfügen diese Gruppen über 43 Mandate. Auf Grund der bisherigen Besprechungen ist anzunehmen, daß die Fraktionsgemeinschaft zustande kommt. Was sagen die Parteien znm Wahlergebnis? Berlin, 15. Sept. (TU.) Eine Reihe von führenden Politikern äußerten sich auf Ditte der „Telegraphen-Union" zu der durch die Reichstagsneuwahlen entstandenen politischen Lage. Oie Nationalsozialisten: Für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erklärte Dr. Göbbels: Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat Adolf Hitler Führer der siegreichen Nationalsozialisten. einen triumphalen Wahlsieg von vornherein erwartet. 3n dem Umfange, in dem er tatsächlich eingetreten ist, kommt er selbst für uns- überraschend. Wir haben nicht die Absicht, auf den errungenen Lorbeeren auszuruhen. Der Kampf um die Eroberung der Macht geht am heutigen Tage weiter. Angesichts der vollkommenen verworrenen politischen Lage ist es im Augenblick unmöglich, eine Stellungnahme zu künftigen Regierungsbildungen zu geben. Jedenfalls aber kann erklärt werden, daß die Nationalsozialistische Bewegung nur unter den Umständen Verantwortung übernimmt, wenn sie das vor Volk und Nation, verantworten kann. Oie Oeuischnaiionalen: Die Parteileitung der Deutschnationalen Volks- Partei teilt auf Anfrage mit: Die Mitläufer des Zentrums, die an feiner langjährigen Schaukelpolitik und damit an der Fortdauer des ®liv flusses der Sozialdemokratie schuld sind, haben die Quittung für ihre Politik erhalten. Die Deutschnationale Volkspartei, die über die ihr am 18.3uli verbliebenen 36 Mandate hinaus diesmal nur fünf zurückgewonnen hat, kann gleichwohl in dem Wahlergebnis nur eine volle Rechtfertigung des Kurses erblicken, den sie in starkem Gegensatz zu den absichtlichen oder unabsichtlichen Errungen der zersplitterten Mitte in den Kämpfen der letztem IV2 3ahre fest gehalten hat. Sie wird im Ruhe und entschlossen diesen Kurs weite rv e rf 0 l gen. Es ist bei unserer Feststellung verblieben: Das Gesetz des Handelns ist jetzt bei der Rechten. Der Kampf, der mit dem Volksbegehren begann, tritt mit Dem 14. September in einen neuen Abschnitt. Die Fortsetzung dieses Kampfes wird nicht lange auf sich warten lassen und soll uns gerüstet finden. Landvolk und Konservative: Wie wir aus Kreisen der Christlich-na- tionalen Bauern- und Landvolkpartei erfahren, hat man für die Partei selbst mit keinem wesentlich anderen Ergebnis gerechnet. Unter Hinzuzählung der Deutschen Bauernpartei wird die Landvolkgruppe mit Einschluß der Konservativen und der Hannoveraner rund 35 Mandate haben. Wie der Einsatz dieser Gruppe erfolgen kann, wird sich erst in den nächsten Tagen entscheiden. Man legt hier das Schwergewicht des Wahlergebnisses auf die Absage der Wählerschaft an d i e Sozialdemokratie. Da die Landvolkpartei keine Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie sieht, könnten sich auch Dolkspartei und Wirtschaftspartei an eine Große Koalition nicht heranwagen. Die Nationalsozialisten hätten also durch ihren Wahlerfolg die Verantwortung dafür bekommen, ob überhaupt dec Versuch einer sachlichen Fortführung der Politik gegeben ist. Die Voraussetzung dazu wäre die Einigung mit den Deutschnationalen auf positive Ziele. Der Christlich-soziale Volksdienst: Don christlich-sozialer Seite wird geschrieben: Die Reichstagswahl war eine Weltanschauung s w ah l. Nicht das wirtschaftliche Interesse, sondern die Weltanschauung siegte. Sie brachte für den Christlich-sozialen Dolksdienst einen beachtlichen Anfangserfolg (86Z 377), 14 Mandate, für das Zentrum unb die extremen Weltanschauungsparteien rech iS und links Erfolge, während die Parteien mit weniger ausgeprägter Weltanschauung den Krebsgang gingen. Der Ehristlich-soziale DvlkSdienst hat ein gutes Recht, sich gegen die Bezeichnung Splitterpartei zu wehren. Die WirtschastSpaniei: ReichStagSabg. Drewitz, der Vorsitzende der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes «Wirt- schaftSpartei) erklärt: „Die Wirtschaft-Partei drängt sich nicht nach der Regierung. Sie ist jedoch bereit, fall- der Ruf an sie ergeht, in die Regierung ein-utreten, die doch nur unter der Voraussetzung, daß Sparsamkeit gewährleistet wird, der Finanzausgleich endlich Auftanbefommt und die Sonderbelastung deS gewerblichen Mittelstandes beseitigt wird. Sine bürgerliche Regierung wäre durchaus möglich, wenn da- Zentrum mit den Rational- fozialisten zusammenarbei ten wollte. Voraussetzung wäre freilich die gleichzeitige Bildung einer bürgerlichen Regierung in Preußen." Die Deutsche Dolfdparfei: Staatssekretär z.D. KempkeS, der Reichs- geschästSführer der Deutschen Dolksparfei, schreibt u. a.: .Rückblickend beweisen die Ergebnisse die Richtigkeit der von der Deutschen DolkSpartei betriebenen Sammlungspolitik, die zum Ausgangspunkt ihrer Aktion das Erfordernis des Zusammenschlusses von Parteien auf breitester Grundlage nahm. Heute werden auch diejenigen, die glaubten, einer engeren Zusammenarbeit unter Hervorhebung politischer Trennungslinien eine .Sammlung" betreiben zu müssen, sich der Einsicht nicht verschließen, daß solche Sammlungen angesichts der eingetretenen Entwicklung praktischen Wert nicht mehr besitzen. Für die Deutsche Volkspartei wird nach wie vor der Gedanke bestimmend sein, daß die Wirtschaftslage weitgehende Reformen verlangt, und sie wird bereit fein, ihre Mithilfe bei der Arbeit zur Verfügung zu stellen, wenn diese ersten Voraussetzungen gesichert sind." Das Zentrum: Reichsminister a. D. GieSbertS vom Zentrum ist der Auffassung, das) der neuACwählte Reichstag sich nur dann als arbeitsfähig erweisen werde, wenn alle RechtSgruppen ein» schließlich der Rationalsozialisten sich Positiv einstellten und vor allem das Reform- Programm der ReichSregierung Dr. Brüning unter st ü h e n und verabschieden würden. Rur in diesem Fälle wäre eS nach seiner Auffassung möglich, daß ein Kabinett Brüning zustande- komme, da- sich neben den bürgerlichen Parteien der Mitte auch auf die RechtSgruppen stütze. Oie Deutsche Staatspartei: Reichsminister a. D. Koch-Weser äußerl sich für die Staatspartei wie folgt: .Die Wahlen brachten ein starkes Anschwellen der radikalen Flut, hervvrgerusen durch die schwierige teilweise trostlose wirtschaftliche Lage 3ch sehe keine andere Möglichkeit, als eine Zusammenfassung aller Kräfte, die die Ordnung verteidigen und daS Vertrauen auf die deutsche Finanzkraft wiederherstellen." Oie Sozialdemokraten: Der preußische Ministerpräsident Otto Braun hat in einer Unterredung erklärt, es fei kein Grund, wegen des Ausfalls der Wahlen sich einem Pessimismus hinzugeben. Weder die Verfassung, noch die öffentliche Sicherheit, noch der KurS unserer Außenpolitik seien bedroht. Röttg sei allerdings, und er glaube auch, daß dies geschehen werde, daß .eine Koalition aller Vernünftigen" sich zusammenschließen werde. So könne der Wahlausgang zu einem Antrieb werden, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die Verbesserung der wirtschaftlichen Srifdenz- bedingungen der breiten Mässe und die Hebung der Wirtschaftslage energisch und gemeinsam In Angriff zu nehmen. Moskau ist befriedigt. Kowno, 15. Sept. (lel.-Un.) Wie aus Moskau aemelbct wird, unterstreicht man in russischen Streifen den Erfolg der KPD. Die Führung durch Neumann-Thälmann habe sich bewährt, die Richt- linien, die die Komintern unter Führung Stalins gegeben habe, hätten sich al» richtig erwiesen. Die KPD habe der deutschen Sozialdemokratie einen mächtigen Schlag zuaefügt. In Moskauer politischen Streifen ist man sehr pessimistisch über die Lebensdauer des neuen Reichstages. Ausgabe der KPD. fei es, die Sympathien in der Arbeiterschaft zu erweitern, um bei den neuen Wahlen eine noch stärkere Stellung einnchuten und die Ideen der Sowjets in Deutschland verwirklichen zu können. Die Reichswehr-Mmenlibimg in SiiMhmWen Der Ersah für die großen Manöver. — Beginn der Kampfhandlungen. Fremde Gäste im Manövergelände. - Oer Reichspräsident wird erwartet. Hildburghausen, 15. Sept. (TU.) Arn Montagmorgen begann an der südthuringisch- fränkischen Grenze die große Rahinenübung der Reichswehr. 3n monatelangcr Arbeit am Schreibtisch hat die Heeresleitung den Rahmen dieser Hebung feftgelegt und die Mobilmachung bis in alle Einzelheiten vorbereitet und durchdc«ht. Den Zeitverhältnissen entsprechend hat man davon abgesehen. große Teile der Reichswehr zu den Hebungen hinzuzuziehen. Sämtliche sieben Infanterie- und drei Kavallerie-Divisionen haben ihre Führerverbände bis zum Bataillons st ab hinab ins Manövergelände beordert. 3n dem Werrastädtchen Hildburghausen liegt die Leitung. Der Organisator der Hebung untersteht dem Chef der Heeresleitung Generaloberst Heye, der am Sonntagabend auf Schloß Bed- heim, etwa fünf Kilometer von Hildburghausen, eingetrosfen ist. Das Hirn der Organisation ist im Seminargebäude und den anliegenden Schulen untergebracht. 3n den Klassenzimmern sitzen am Kartenpult und Telephon die Bearbeiter der einzelnen Gebiete. Die Schuljugend hat man in freudig aufgenommene Manöverferien entlassen. Die blaue Partei unter Führung von General der Infanterie Hasse, Stabsquartier 3lmenau, dem die 3. Kavallerie-Division als Dolltruppe untersteht und die rote Par - t e i unter General der Kavallerie von Kayser, mit der 5. Infanterie-Division, zu der daS Gießener Bataillon 15. I.-R. gehört, als Kern, haben von der Hebungsleitung folgende Lage als gegeben erhalten: An der Regnitz südlich von Bamberg steht eine blaue Armee im Kampfe gegen rote Kräfte, die von Westen her vorgehen. Nördlich vom Thüringer Wald haben sich neue blaue Kräfte, am Main neue rote Kräfte gesammelt, deren Kampf den Inhalt deS Manövers bilden. Die Aufklärung-- truppen beider Führer haben sich in Bewegung gesetzt und werden aller Voraussicht nach noch im Schuhe der Rächt im Gelände um Kaifershofen die Vorbedingungen für die Kampfhandlungen des Dienstag erkunden. inzwischen hat auch das Leben am Rande bet militärischen Bewegung in Bad Kissingen eingesetzt. Die Presse ist durch etwa 60 Journalisten vertreten. Weiter sind als Gäste der Reichswehr unter Führung deutscher Begleit- offiziere e t to a 30 fremdländische Attaches emgetroffen. Unter ihnen befinden sich die in Berlin beglaubigten MilitärattachöS der Vereinigten Staaten von Rvrdamertka, Argentiniens, Boliviens Bulgariens, Finnlands, Großbritanniens, Italiens, Japans, Litauens, Perus, Rußlands, Schwedens, Spaniens, der Tschechoslowakei, Türkei und Ungarns, sowie verschiedene höhere Offiziere aus Finnland, Holland, Oesterreich und der Schweiz. Finnland ist durch Generalmajor Olkkvnen, die Schweiz durch den Oberst-Divisionär Wille, die Türkei durch den stellvertretenden Chef deS Generalstabs. A s - s i m Pascha, vertreten. 3m Laufe deS Dienstags ist ferner Reichswehrminister ©roener in Bad ReuhauS cingetroffen. Auch der Herr Reichspräsident hat sich DienStagvormittag mit t>em fahrplanmäßigen Zuge zur Teilnahme an den Reichswehrmanövern nach König-Hofen in Drabseld begeben. Der Herr Reichspräsident wird bis Freitag, den 19. September, im Manövergelände verweilen. Kuchen ist kein £ugu»! Die moderne Hausfrau steht vor der Aufgabe, mit möglichst geringem Zeit- und Geldaufwand eine nahrhafte, wohlfchmeckende Küche zu führen. Sic sollte auch Kuchen und Backwerk in ihren Speisezettel aufnehmen, denn Süßigkeiten sind kein Cu$u». Die Hausfrau hat es in der Hand, dem Kuchen Nährwert zu geben. Besonders dos Fett spielt dabei als nährkräftige Zutat eine wichtige Rolle. Rama im Blauband ist reich an Kalorien und wichtigen Ausbaustoffen, erfüllt daher ganz die Forderung nach hohem Nährwert. 5522v 5 Jahre braucht der Kaffee... bis aus der Kdffcesaat der Kaffeebaum sich soweit entwickelt hat, daß er seine erste Ernte trägt Durch Auslese des Saatgutes sind die Qualitäten Im Laufe der Zeit zwar erheblich verbessert, aber die ganz hochwertigen Sorten, wie sie z. B. für Kaffee Hag verwendet werden, sind noch Immer sehr rar. Wer fQr einen ganz hervorragenden, stets frischen Kaffee von Immer gleicher Qualität die unbedingte Gewähr haben will, findet sie im Kaffee Hag. 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September, vormittags 10% Uhr, entschlief sanft nach langem Leiden infolge Herzschlags meine liebe Frau, meine gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Karoline Albach, geb. Kappes Morgen Mittwoch, nachm. 4 Uhr Tanz-Tee M MlMI MWe la MsnWer Bote. WmMH.Wel. Abends Gefellfchafts-Tanz 15712 Gebildetes 21jäbrig. Mädchen, 1 Jahr Hausv.-Schule, bew. tm 9iähen, sucht Be- schäftigung als SMIMIll Familienanschluß u. Taschengeld erw. Carola Bartbel, Kassel, Westend« itiahe 7. 163781) önoiinöte VkWMle« nüchtern, nicht unter 26 Jahren, gewandt im Verkehr mit Privaten und Landleulen, von allererster Nähmaschinen fabrlk, welche mit denkbar lleinsten Ratenzahlungen arbeitet, per sofort bei Fixum und hoher Provision gesucht. Schrift!. Angebote mit kurzem Lebenslauf unt. 6340D a. d. Gieß. Anz. Fischhaus Cuxhaven Marktstraße 23 Tel. 2417 empfiehlt: 6078 A Frische Fische und Filets Äenshelm im September 1930 Neue Kartoffeln 10 Pfund..................50 $ Bücklinge ff. 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Zahlreiche ehemalige Lehrer und Schüler der Anstalt waren herbeigeeilt, um zusammen mit der Schule ein Ehrenmal für die zu weihen, die von Katheder und Schulbank hinweg oder als ehemalige Schüler aus ihrem Beruf hinauszogen in den Krieg, um nicht mehr wiederzukehren. Das Denkmal, um das fie sich mit den Angehörigen der Gefallenen, mit Vertretern der Stadtverwaltung, der übrigen höheren Schalen der Stadt, der Presse und den Ellern der jetzigen Schüler scharten, hat im Dorgarten der Anstalt Aufstellung gefunden, ein Granitfindling aus Steinau im O!wnwald von über 3 Meter Höhe und über 80 Zentner Gewicht, geliefert, mit Inschrift versehen und aufgestellt von der Firma Dykerhoff und Reumann in Wetzlar, sich wirksam abhebend gegen Bäume und Sträucher des Schulgartens. Daneben aber findet im Schulgebäude eine Eichentafel Platz, die nach den Entwürfen des Herrn Kunstbildhauers K ö d - ding von den Herren Echreinermeister Hainer, Holzbildhauer B e r I c und Malermeister Fritz Belitz jun. ausgesührt wurde und die Ramen der 23 Angehörigen der Schule trägt, die von ihr unmittelbar ins Feld zogen, um auf dem Felde der Ehre zu bleiben. Nie Weihe des Ehrenmals. Die Feier wurde cmgeleitet durch das „Ave verum“ von Mozart, das von dem Schüler- orchester unter Leitung von Herrn Oberreallehrer Blast zu Gehör gebracht wurde. Ein Dorspruch „Dem Andenken der Toten", verfastt vom Herrn Oberstudienrat i. R. Trapp, wirksam vorgetragen von Obersekundaner Eberle, liest die Gedanken hingleiten zu denen, deren Gedächtnis der Festakt gewidmet war. Roch dem Dortrog von Grauns „Auferstehung" durch den Echülerchor ergriff Herr Professor Dr. Schmoll, ehemaliger Schüler und jetziger Lehrer des Realgymnasiums, dos Wort zur Weiherede. Er führte etwa aus. dast heute nicht nur ein Tag der Klage sein dürfe. Denn ein grosser Gedanke liege in dem Sterben unserer Brüder. Sie glitten vom jugendlichen Spiel hinweg in den furchtbaren Ernst des Krieges, ihr junges Leben bekam einen heiligen Sinn. Sie gaben ihr Selbst auf, um Glieder einer Gemeinschaft zu werden. Heber die Klage hinaus geht heute die Liebe, die dankt, der Glaube, der die Trauer überwindet, die Hoffnung, die in die Ewigkeit hinüberschaut. 3n heiligster Pflichterfüllung starben sie für ihr Daterland. Treueste Weiterführung ihres Werkes must ihr schönstes Denkmal sein. „Die Toten fordern als ihr Recht die alte Treue vom neuen Geschlecht." Dafür, dast der Wille dazu do ist, soll dos Denkmal ein äusseres Zeichen sein. „Den Toten zur Ehrung" ragt der schlichte Stein mit dem einfachen .Kreuz aus Eisen empor, trägt die Tafel aus deutscher Eiche ihre Romen, aber auch „den Lebenden zur Mahnung", auf dast ihre Ramen nie erlöschen sollen in unserer Schulgemeinde. Sie sollen der Jugend stets ein Ansporn sein zu treuer Pflichterfüllung, sei es auch durch Entsagung und Opfer. Denn nur durch Opfer geht der Weg zur Hohe. Wenn aus solchem Opfersinn und aus solcher Hingabe ans Doter- land ein neues Deutschland leuchtend aufersteht, dann sind sie nicht umsonst gestorben. Indes waren unter den leisen Klängen der Weise vom „Guten Kameraden" die Hüllen von Tafel und Denkmal gefallen. Obertertianer Wecker beschloß den eigentlichen Weiheakt mit dem Dortrag des packenden Gedichtes eines Charlottenburger Obertertianers „Für uns". Den ersten Kranz, geschmückt mit den Farben schwarz-weist-rot, unter denen die Toten gelitten und gestritten haben, legte Herr Sanitätsrat Dr. Becker (Sprendlingen) der Dorsitzende der ^Bereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums, nieder. Ihr Tod. so führte er etwa aus, hot nur dann Sinn, wenn wir Lebenden ihn als ein Vermächtnis an uns berachten, das uns gleiche Liebe und Hingabe zu Dolk und Daterland zur Pflicht macht. Wenn in Zukunft die Schüler alltäglich an dem Denkmal vorübergehen, so möge es ihnen ein stummer Mahner sein, wettzueifern mit der Vaterlandsliebe der Toten und untereinander, ein Mahner auch zu echter Kameradschaft, die als Grundlage für eine Volksgemeinschaft dienen kann, wie wir sic dringend brauchen. Mit dem Wunsche, dast das Denkmal feine ihm zugedachte Aufgabe erfüllen möge, übergab der Redner es der Obhut des Direktors, kündete aber zugleich an, dast die Vereinigung der Schule ferner einen ansehnlichen Geldbetrag übermitteln werde, mit dessen Hilfe eine Schülerbücherei begründet werden soll, die auch einen Teil der Gefallenenehrung darstellen wird. Mit Worten tiefempfundenen Dankes übernahm der Direktor des Realgymnasiums, Oberstudiendirektor Angelberger, dos Denkmal, und gelobte, dast seine Hut stets eine der vornehmsten Ausgaben der Anstalt sein werde. Sein Dank galt vor allem der Vereinigung ehemaliger Realgymnasiasten, vorweg Herrn Soni- tätsrat Dr. Becker, und seinen unermüdlichen Mitarbeitern, den Herren Studienrat Dr. S t oh r, Kaufmann Bach, Revisor V anbei, Kaufmann Fuhr, den Herren Referendaren Jüngst. Hest, Möller und Zöller, ©tubicapt Frank und Studienrat Professor Dr. S dpn oll, zuletzt aber ganz besonders herzlich der rastlosen Tätigkeit des Herrn Oberstudienrates Seiler, der es in hohem Maste zu verdanken ist, wenn das Werk heute fertig ist und in solch würdiger Weise seiner Bestimmung übergeben werden kann. Er dankte ferner der Stadtverwaltung, die durch die Herren Bürgermeister Dr. Seid und Dr. Hamm, sowie durch Herrn Bourat G r a v e r t vertreten war. Die Rcuherrichtung des Schulgebäudes und stete Bereitschaft zu Rat und Tat des Herrn 'Baurat ® rarert werden von allen Beteiligten dankbar empfunden. Herzlicher Dank gilt auch Herrn Kunftbildhauer K ö d d i n g und seinen Mitarbeitern sowie der Firma Dykerhoff und Reumann. Die restlose Anerkennung des Geleisteten wird der beste Dank sein, der Künstler und Handwerker zuteil werden konnte. Dank aber auch allen herunter bis zum kleinsten Sextaner, die werbend und sammelnd mithalfen, bis das Werk vollendet war. Mit Stolz dürfen alle auf es blicken. Pflichttreue und Opferwille heischt es von der Schülerjugend. Stets soll ihr das Bild der 97 vor Augen stehen, die von der Schulbank hinweg freiwillig zu den Fahnen eilten. „Die Toten ehren heistt zugleich den Lebenden dienen in doppelter Liebe." Von ganzem Herzen dankt die Schule der Vereinigung dafür, dast sie neben dem Denkmal aus Stein und Holz durch Stiftung der Bücherei gewissermasten noch ein lebendes Ehrenmal zum Dienste an den Lebenden gestiftet hat. Aus ihm soll der klare Dom geistiger Rahrung fliesten, zu dem die Jugend neben Sport und Spiel hindrängt. Aufgabe „Westfront 1918". Lichtspielhaus Bahnhofstraße. 'J Heimat, vom Zweikamps im Granattrichter, vorn letzten großen Angriff mit Tanks, vorn Lazarett in der zerschossenen Kirche, wo der völlig zu- sammengebrochene, irrsinnig schreiende Kompanieführer hineingeschleppt wird ... * Hier gelingt der sachlich-chronikalischen Reportage des Films stellenweise eine Unmittelbarkeit der Wirklichkeitsschilderung, wie sie bisher nur in ganz wenigen, stofflich verwandten Büchern kraft eines überragenden Willens zu menschlich-künstlerischer Gestaltung erzwangen worden ist. Die Photographie ist vorzüglich, die Tonwiedergabe im ganzen anerkennenswert: die wenigen weiblichen Stimmen im Film erscheinen jedoch nicht überall mit wünschenswerter Deutlichkeit: auch die mannigfachen Gefechtsgeräusche haben nicht allenthalben die zermürbende Lautstärke des „wirklichen" Krieges. Aber es bleibt noch immer genug Klang- realität übrig, ... so viel, daß man manchmal die topischen Reflexbewegungen der photographischen Gestalten mitzumachen versucht. * Die Besetzung ist gut — bis auf Kämpers, der in feiner bayerisch-gemütlichen Behäbigkeit nur sehr bedingt dem Frontsoldatentyp nahekommt, der hier (und im Roman) gemeint war. Dagegen stehen Gustav D i e ß l (Karl), Hans Joachim M o e b i s (Student) und Claus Clausen (Leutnant) durchaus überzeugend jeder an seinem Platz. Der Film ist seit gestern im neuen Programm des Lichspielhauses eingesetzt; fein Besuch ist nachdrücklich zu empfehlen. —r— Uhlenspeigel. Ein Traum wird Wirklichkeit. Von Georg Engel. Ich träume sehr feiten, aber eines Rachts hatte ich einen schweren Traum, der mich nicht los- liest und mir am nächsten Morgen die Feder in die Hand drückte: Ich sah an meinem Schreibtisch, um ein neues Buch zu beginnen. Jedoch war ich mir weder über den Stoff noch über die Handlung recht im klaren, denn es fputten mir viele Ideen im Kopf herum. Da geschah etwas Seltsames: Kaurn hatte ich die Feder in die Tinte getaucht, als sie auch schon wie von selbst über das Papier fuhr und „AIh- lenfp^igel" niederschrieb. Ich blickte erstaunt der Schüler aber wird eS fein, den Toten nicht nur mit Dorten zu danken, sondern auch mit Taten. Strebe jeder danach, die geistigen Waffen zu schärfen, die als einzige unserem Volke geblieben find. Lebe er mit jeder Faser seine- Herzens feinem Vaterland? Die Toten mahnen zur Treue gegen die Eltern, gegen Schule und Vaterland, zur Achtung vor Zucht und Gesetz, zu Sitte und Anstand. Möge lich die Jugend immer vor Augen halten, daß erst die Pflicht kommt und dann das Recht. Das sei der Jugend Dank! Im zuversichtlichen Glauben an diese Jugend legte der Redner unter Hinweis aus das Hindenburgwort. .Ich habe das Heldenringen meines Vaterlandes gesehen und glaube nie und nimmer, daß es fein Todesringen gewesen ist" im Ramen des Lehrerkollegiums einen Kranz in den Farben schwarz-rot-gold nieder. Für die Schüler sprach der Unterprimaner Karl- ernst Seiler, der gelobte, daß sie stolz sein wollten aus die Vorbilder der Toten. Das Ehrenmal solle ihnen stets ein Mahnmal sein. Cr widmete den Gefallenen einen Kranz in den Landesfarben mit dem Gelöbnis: „Sie find gestorben fürs Vaterland, wir wollen leben fürs Vaterland". Mit dem Vortrag des „Trostliedes" von Faißt und des „Andante" von Kick schloß der Festakt, der in seinem ernsten und würdevollen Verlauf bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterließ. Oie Wiedersehensfeier. Am Abend schloß sich die Wiedersehens- feier auf der Liebigshöhe an, zu der die Vereinigung eingeladen hatte, um die alte Kameradschaft zu pflegen und zu festigen im Sinne der Toten. Der Besuch war ausgezeichnet, und viele Hände regten sich, um mit einem abwechslungsreichen, teils ernsten, teils heiteren Programm die Stunden zu füllen. Besonders Dank gebührt hier wieder Herrn Oberreallehrer Blaß und feinem Orchester, besonders auch den beiden Violinsolisten cand. med. vet. Fabian und Unterprimaner Curt Becker. Den Gruß der Bereinigung entbot Herr Oberstudienrat Seiler. Er galt der Stadt, vertreten durch Herrn Bürgermeister Dr. Seid, Herrn Baurat G rave rt, dem immer bereiten Helfer, Herrn Kvd- ding, dem Schöpfer der Tafel, den Lehrern der Anstalt und den Vertretern der übrigen Lehranstalten, den Angehörigen der Toten, den Schülereltern, der Jugend und vor allem den Mitgliedern der Der- erniaung selbst, die treue Pflege der alten Kameradschaft und des Gemeinschaftssinnes auf ihre Fahne geschrieben hat. Die ehemaligen Schüler zieht es zur Jugend, und sie wollen ihr zeigen, daß die Schule eine geistige Pslegstätte ist, zu der die Bande nicht abgerissen sind, sondern mit der sie sich noch verbunden fühlen. Sein besonderer Gruß galt den Abiturienten des Jahres 1925, die im Frohgefühl bestandenen Examens und in der Befürchtung, das Leben möge die Freundschaftsbande lockern, mit ihren Lehrern zusammen die Bereinigung am 18. Februar 1925 gründeten und zugleich den Grundstock stifteten, um ein Ehrenmal schaffen zu können. Dieses Denkmal hat der Vereinigung von Anfang an als erste Aufgabe vorgeschwebt. Nun ist das Werk vollendet dank vielseitiger Mitarbeit, besonders aber dank der Tätigkeit der Herren Dr. Stohr, Bach, Fuhr und Bau bei. Mancherlei Wandlungen hat das Projekt mitgemacht, da der vorhandene Raum und die vorhandenen Geldmittel bestimmte Grenzen zogen. Die Lösung aber, die gesunden wurde, darf jeden zufriedenstellen. Es ist nun geplant, daß zu der Tafel neue hinzukommen, auf der auch die Namen der ehemaligen Schüler, die fielen, verzeichnet sind. Es soll damit begonnen werden, sobald durch deren Angehörige die nötigen Angaben zur Verfügung gestellt worden sind. Ohne neue Mittel wird sich allerdings der Gedanke nicht verwirklichen lassen. Jedenfalls können die Schüler heute stolz sein auf ihr Denkmal, das sich erhebt als ein Mahnmal der Treue, als ein Trutzmal deutscher Kia ft und festen Glaubens an die Zukunft unseres Volkes. Eine Schicksalsgemeinschaft zu werden wie 1914, bereit zur Mitarbeit am Staat und seinem Ausbau, so fürs Vaterland zu leben, muß das Gelöbnis der Stunde sein, das durch da» Deutschlandlied bekräftigt wurde. Den einheitlichen Willen eines Volkes auch in schwerster Notzeit brachte das Drama „Die letzten Goten" zum Ausdruck, das dank der arbeitsvollen Vorbereitung durch alle Mitwirkcnden zu einem eindrucksvollen Erfolg wurde. Ganz besonders verdient gemacht hat sich hierum Herr stud. phil. 5t. f). Reichert, dem die 'Bereinigung großen Dank schuldet, ebenso wie den Damen Frl Jahn und Döring vom Stadttheater für Mitwirkung und Hilfe. Gleicher Dank gebührt Frl Irmtraut W e y l und volle Anerkennung den Schülern der Oberklassen Kiefer, Seiler, Fröhlich, Hillen brand, Weyl, Fischer, Sch unk und Weigand für das Geschick und den Elfer, mit denen sie sich ihrer Ausgaben entledigten. Diel Beifall fanden Frl Ingrid Fröhlich mit zwei Tänzen (Menuett und Walzer) und eine Schülerriege, die Proben ihrer Gewandtheit ablegte. Der „Bürgermeister von Meiches" (Heinz K i r ch h ö f e r) übte auch wieder seine alte Anziehungskraft ans. und schließlich schuf der Schwank „Kleptomanie", in dem die Damen Irmtraut und Inge Weyl und Ingrid Fröhlich, sowie die Herren Kurt Kiefer, Wolfgang Fröhlich, Ernst Weyl ihre sdxluspielerische Befähigung nachwiesen, einen frohen Ausklang. Damit sand ein Fest eht Ende, das noch lange in der Schule nachwirken wird und das fid)erlid) geeignet war, die Bande zwischen alt und jung noch enger zu knüpfen. H. Aus der Prvvmzialbaupisiadt. Gießen, den 16. September 1930. Zugendwandeiu und Jugendherbergen Don Katharina Hoh, Gießen. Wer kennt sie nicht, die sonnengebräunten Jungen in den bunten Hemden, und die frischen Mädels in dem Druckkleid, wie sie zu zweien, dreien oder in wohlgeordneter Reihe mit dem Rucksack bepackt auf der Straße dahinmarschieren? Richt Tand und modisches Gewand ziert sie, und doch strahlt uns aus ihrer Erscheinung etwas Anziehendes entgegen, so daß unser Blick auf eine kleine Weile ihnen folgt. Was ist es, was uns für einen Augenblick in den Bann zieht? Ein Stück deutschen Wesen- ist es, aus Alrväterzeit überkommen, aus jener Zeit, da noch Mensch und Ratur eine Einheit darstellten. Lange nachdem der Mensch sich aus dem Zusammenhang der Ratur gelost hatte, bricht oft mit elementarer Gewalt die Sehnsucht aus der Tiefe empor, und der Mensch wandert hinaus und sucht aufs neue den alten Zusammenhang zu finden. Und kehrt er von der Fahrt heim in des Daseins harten Kampf, so erfüllt Harmonie fein Wesen und durchflutet seine Arbeit. Mehr als irgend jemand bedarf unsere Jugend eines solchen Ausgleiches. Meist sind es auch jugendliche Menschen, die auf Fahrt ziehen. Doch nicht ins Blaue hinein geht ihr Weg. Fest Umrissen steht ihr Plan im Kops. Mit der Landkarte sind sie vertraut, und sie wissen, was ihrs Beine leisten können. Weit aus holt der Schritt. Es geht ja auch hinaus auf unbekannten Pfaden. Durchstreift man tagsüber weltabgeschiedene Gebirgsgegenden, so findet man sich doch des Abends zurück. Richt nach Hause! O nein! Dennoch hat die Jugend ein Heim, das gehört ihr: das find die deutschen Jugendherbergen! Ein dichtes Retz von Jugendherbergen, meist nicht mehr als ein Tagesmarsch voneinander entfernt, umspannt das ganze Vaterland. So öffnet sich der wandernden Jugend allabendlich eine andere Bleibe; bald in einem schlichten Holzhaus, bald in den Mauern einer einstigen Ritterburg. Wo es auch sei, ein Schild mit den Buchstaben DIH. über der Tür winkt von weitem und lädt den. ermüdeten Körper zur Rast ein. Die Iugend- auf das Wort. Sollte ich etwa einen Eulen- spiegel-Roman schreiben? Unbestimmte Vorstellungen des Traumes schlichen mir wieder ins Hirn. Aber ich fah ^cn Helden des Buches noch nicht. Da alles Rachdenken nichts half und mir den ganzen Tag uoer auch nichts Gescheites einfallen wollte, folgte ich einer Abendeinladung, um mich zu zerstreuen. Der Trubel ermüdete mich, und ich ging zerschlagen, Erholung suchend, zu Fuß nach Haus. Mein Weg führte mich über den Bahnhof Zoo durch die Hardenberg- und Tauentzienstratze. Da — hatte ich Halluzinationen, narrte mich mein Hirn? — neben mir lief Eulenspiegel, jener Till Eulen- spiegel aus meinem gestrigen Traum. Ein Schel- mcngesicht, nicht mit Narrenkappe, sondern hypermodern in dem eleganten Dreß (wenn man eine Uniform überhaupt als elegant bezeichnen kann) eines preußischen oder reichsdeutschen Telegrammboten! Mein Eulenspiegel trabte also neben mir und hielt einen Vogel in seiner rechten Hand, den er durch wiederholtes Drücken und Quetschen quälte und ihm dadurch die jämmerlichsten Piepslaute entlockte. Ich trat näher heran und sah nun, wie der rohe Patron die Hand wieder zusammenkrampfte und sich abermals ein gequetschtes Piepsen vernehmen ließ. Sollte ich mich täuschen? Ich beobachtete ihn genau und sah den grauschwarzen Kopf und Schwanz eines Spatzen aus den Faustwinkeln seiner rechten Hand hervorlugen. Wieder hörte ich das verängstigte Piepsen. Jetzt konnte ich die dauernde Tierquälerei nicht länger mitansehen. Ich forderte ihn auf, das Tier sreizu- laffen. Er lehnte das lächelnd, aber herausfordernd ab, und als ob ihm das gefangene Tier beipflichtete, ließ es einen wehleidigen Piepslaut hören. Ich horchte auf. Kam der Ton überhaupt aus der Hand? Lind als errate er meine Gedanken, gibt cr einen zweiten Piepston Don sich und öffnet die Hand, wie um den Vogel fliegen zu lassen. Aber in seiner Handfläche lag nur ein Stückchen Federboa, und mein Eulenspiegel legte grüßend die Hand an die Mühe, während er (nun ganz deutlich vernehmbar) erneut einen Piepslaut produzierte. Ich war also der Angeführte, aber ich gab meinem Eulenspiegel- Tauchredner ein fürstliches Trinkgeld. Der wußte nicht, wofür. Ihm aber verdanke ich eigentlich die scharfen Almriffe meiner Romanfigur. Denn erst durch ihn habe ich aus dem Alhlenfpeigel einen bürgerlichen Menschen unserer Zeit gemacht. So ist ein Traum innerhalb von 24 Stunden 1 au Mahrbeit geworden. Seither versuche ich 1 auch meine Träume festzuhalten und einem jeden seine spezifische Deutung zu geben. Meinen Telegramm-Alhlenspeigel aber habe ich nicht mehr gesehen, obgleich ich ihn auf meinem nahegelegenen Postamt wie eine Stecknadel gesucht habe. Einbrecher im Lichtkegel. Schon feit Jahren beschäftigt man sich mit automatischen Alarmvorrichtungen zur Bekämpfung der Einbrecher, doch hatten bisher fast sämtliche Methoden keinen durchschlagenden Erfolg. Geschickte Verbrecher fanben schnell die schwachen Seiten der Apparate heraus und schalteten ihre Wirkung aus. Run scheint aber Prof. Arthur Korn einen Apparat erfunden zu haben, der möglicherweise ein sicheres Schutzmittel gegen Einbrecher bieten kann. Professor Korn, der Erfinder der Bildtelegraphie, führte feine neue Methode in der Technischen Hochschule in Char- lottenburg vor. Es ist eine sehende Maschine, die automatifd) beim Eintreten von Feuer sofort alarmiert. Die Konstruktion ist sehr sinnreich. Auf der einen Seite des Raumes wird eine Lichtquelle untergebracht, während auf der anderen Seite sich eine Photozelle befindet. Taucht nun ein Mensch in dem Lichtkegel, der den ganzen Raum erfüllt, auf, so tritt die Alarmvorrichtung infolge des auf die Photozelle geworfenen Schattens in Tätigkeit, Der gleiche Vorgang spielt sich ab, wenn von einem Feuer Rauchwolken aufsteigen. Da die Apparate ganz verdeckt angebracht werden, ist es fast unmöglich, ihr Vorhandensein festzustellen. Run würde aber ein Einbrecher einen Lichtstrahl leicht bemerken. Damit dies nicht der Fall sein kann, werden sämtliche sichtbaren Strahlen des Lichtspektrums durch einen Filter aufgefangen, und es bleiben nur die infraroten Strahlen zurück, die dem menschlichen Auge nicht sichtbar sind, wohl aber von her Photozelle ausgenommen werden. Ohne daß daher der Einbrecher etwas beobachtet, steht er im Lichtkegel eines unsichtbaren Lichts und bringt damit den Alarmapparat in Tätigkeit. 3n der Apparatur ist auch weiter berücksichtigt, daß nicht etwa eine Maus, die über den Boden huscht, die Alarmsignale in Wirksamkeit treten läßt, vielmehr funktioniert der Apparat nur dann, ü>enn ein größerer Schatten entsteht, weil er mcht auf die Lichteindrücke an sich, sondern nur auf besondere Aenderungen der Lichtstärke reagiert. Allgemein mißt man dem Tipparat des Professors Korn große Bedeutung zu uni> glaubt, hier endlich ein Mittel gefunden zu haben, um den Einbrechern in nachhaltiger Weise das Hand-, wert au legen. Herberge ist gar nicht so unfreundlich, wie mancher glaubt. Zwar ist man nicht in Federn gebettet — das taugt auch nichts — doch eine saubere Bett- statt, mit frischem, weißem Schlafsack überzogen und wollenen Decken, verspricht wohltuende Ruhe. Zuvor wird der Hunger gestillt. Bald flackert ein lustiges Feuer im Herd und es brodelt und dampft im Suppentopf. Zu Haufe wird freilich eine solche Suppe verschmäht, doch hier — das ist eben etwas ganz anderes, man hat ja auch selbst beim Kochen geholfen. Rach dem Mahl sitzt man noch eine Weile beisammen. Reue Gäste treten ein, die Fragen „woher?" und „wohin?" bringen sie einander näher, und Arbeiter und Wissenschaftler, Volks- und Hochschüler, sie alle fühlen sich verbunden durch die Landschaft ringsum, verbunden auch mit innerer Rotwendigkeit als Glieder einer Hausgemeinde. Hier in der Äugendherberge gestaltet sich das, was in so mancher Wahlrede gefordert wurde: Volksgemeinschaft. Wer die Volksgemeinschaft wirklich will, der unterstütze das Werk der deutschen Äugendherbergen! Eine von Äahr zu Äahr größer werdende Zahl junger Menschen fordert sie. Viel Schüler und Studenten sind es, aber auch die werktätige Äugend ist stark vertreten, die der Stadt entflieht, um das große Vaterland in seiner vielfältigen Schönheit zu schauen. Für viele ist das große Erleben der Heimat mit der Fahrt an den Rhein verbunden. So hat die neuerbaute Äugendherberge in Rüdesheim nach vier Monaten annähernd 20000 älebernachtungen aufzuweisen. Während der zehnjährigen Tätigkeit des Gaues Rhein- Main-Lahn-Fulda im Reichsverband für Deutsche Äugendherbergen hat sich die Llebernachtungs- ziffer verzehnfacht, dem konnte jedoch nur mit etwa 3,5facher Bautätigkeit Rechnung getragen werden. Wieviel bleibt da noch zu tun übrig! Auch die Gießener Äugendherberge bietet einer ganz ansehnlichen Schar eine freundliche Bleibe. Uno wer nicht weih, wo die Gießener Äugendherberge steht, der betrachte sich am kommenden Sonntag einmal das Haus Asterweg 25, laber auch von innen! Es gibt freilich noch schönere. Ein andermal, so will ich hoffen, wird er seinen Kindern gerne die Erlaubnis geben, mit ihrem zuverlässigen Führer auf Fahrt zu gehen. Drei bis fünf, ja auch acht Tage und mehr — schaden tuts ihnen gewiß nicht. Äm Gegenteil! Äst nicht jede Gelegenheit zu begrüßen, wo die Äugend zu Einfachheit, Sparsamkeit und Ratür- lichkeit erzogen wird? Williger als unter dem Einfluß der Eltern unterzieht sich die Äugend Den Fordermrgen der Verhältnisse. Und die Äugendherberge stellt auch ihre Forderungen. Vor allem muh die eigene Persönlichkeit hinter der Gemeinschaft zurücktreten. Der Wille muh untergeordnet werden unter dem des Führers, sonst wäre es gar bald zu Ende mit der Fahrt. So wie man selbst die Herberge anzutreffen wünscht — sauber und ordentlich — so hinterläßt man sie dem nächsten. Än immer weiteren Kreisen findet das Äugend- herbergswerk Anerkennung. Elternhaus und Schule erkennen in ihm einen wichtigen Erziehungsfaktor. Den Äugendbünden ermöglichen die Äugendherbergen durch die sich dort gestaltende Lebensgemeinschaft den Geist der Verantwortung für einander in der Äugendschar zu Wecken, oder zu pflegen. Dorum fördert das deutsche Äugendherbergswerk, und ihr erzieht euch ein neues Geschlecht, das zurückkehrt zur Ratur, das einfach im Leben, rein im Denken und verantwortungsvoll im Handeln ist! Liebig-Museum. Die Direktion der Rational-Galerie in Berlin überwies dem Gießener Liebig-Museum als Leihgabe ein Porträt von A. W. v o n Hofmann, dem berühmten, in Gießen geborenen Schüler Liebigs. Das Bild ist gemalt von An gelt. Es paht sehr gut in die umfassende Sammlung der Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von 3- Schneider-Foerfil. LIrheber-Rechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau t Sa. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Aber Petratini! — Averson, sagen Sie mir um Gottes willen!" „Er ist erst seit einigen Tagen so weit, daß man mit ihm sprechen kann. Vorher lag er bewußtlos. Es ist sein sehnlichster Wunsch, Sie noch einmal zu sehen, ehe ich mit ihm Wegreise." „Unmöglich! Ich kann nicht. Averson! Äch will nichts mehr von ihm hören. Richts wissen mehr von ihm! Sie ahnen ja nicht--" ..Äch sagte Ähnen doch", unterbrach sie der Direktor, „daß er mir alles erzählt hat und wie Sie ihm dann in Ährer furchtbaren Erregung den unerwarteten Stoß versetzten, der ihn in die Schlucht warf." „Gott, Averson, wenn mein Mann wüßte, daß es noch jemand gibt, der Rechte an mich hat." „Haben Sie ihm noch nicht davon gesprochen?" „Rein! Rur daß ich verheiratet war." Der Direktor sah nachdenkend zu Boden und suchte zu einem Entschluß zu kommen. „Äch kann nur wiederholen, was mir der Kranke aufgetragen hat: Sie sollten ihm ein letztes Wiedersehen gewähren. Er bereut, daß ec sich hinreihen ließ, sieht ein. daß er unschön an Ihnen gehandelt hat."-- ..Äetzt sieht er das ein!“ weinte sie auf. „Haben Sie nicht auch etwas zu bereuen?" warnte er ernst. „Äch?!--Averson, Sie wissen nicht alles. Weine zertretene Äugend--" ..Ruch davon hat er mir erzählt." „Daß ich ausgebeutet wurde wie ein Tier." „Äch weih. Helene!" „Dah er mich, die Unerfahrene, an sich geschmiedet hat durch die Kette der Ehe und sie immer klirren ließ, wenn ich Miene machte, sie abzuschütteln." „Er ist sehr ehrlich mit sich ins Gewissen gegangen, Helene! Tun Sie es nun auch!" ..Rch, Averson, nun spielen Sie sich als meinen Richter auf!“ „Olein, nicht als Richter, Helene. Äch bin als Freund und Bittender gekommen. Um Ihres Friedens und um der Ruhe Petratinis willen, gewähren Sie ihm ein letztes Zusammentreffen." „Ich kann nicht nach München fahren, ohne Daß mein Mann es erfährt. Er wird wissen wollen, was ich dort 311 tun habe." Bilder von Liebig-Schülern int Museum, die nebst anderen Ausstellungsgegenständen bei der Achema VI (chemische Apparateausstellung) int 3uni 1930 in Frankfurt a. M. viel Beifall gefunden hat. Die Ueberweisen von feiten der Rational-Galerie hängt wohl damit zusammen. Ein neuer Fortschritt ist durch die auf Veranlassung des Vorsitzenden, Geheimrat S 0 rn - m e r, erfolgte Herstellung der alten Herde im Pharmazeutischen Laboratorium durch Herrn Architekten Burg erzielt worden. Auch die in einer Ecke des Laboratoriums gemachte Zusammenstellung des reichen Materiales über Liebigs Fleischextrakt ist besser ausgestattet worden. Die Einweihung des Pharmazeutischen Laboratoriums soll nach Herstellung aller Herde im Sommer 1931 erfolgen. Eine Erweiterung der Ausstellungsräume durch Heranziehung der Wohnung im ersten Stock ist dringend nötig. Daten für Mittwoch, 17. September. Sonnenaufgang: 5.36 älhr, Sonnenuntergang: 18.12 Uhr. Mondaufgang: 23.16 Uhr, Monduntergang: 16.15 Ufjr. 1739: der russische Feldmarschall Potemkin geboren. — 1805: der preußische Staatsmann O. von Raumergeboren. — 1892: der Rechtslehrer R. v. 3bering in Göttingen gestorben. Gietzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 1,60 bis 1,80; Matte 30 bis 35; Wirsing 10 bis 12; Weihkraut 6 bis 8; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 15 bis 20; Bohnen 15 bis 20; Ülnter-Kohlrabi 6 bis 8; Erbsen 20 bis 25; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 10 bis 20; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 50 bis 60; Kürbis 8 bis 10; Pilze 30 bis 35; Kartoffeln 4Vz; Falläpfel 5 bis 6; Aepfel 20 bis 35; Dirnen 15 bis 30: Dörrobst 30 bis 35; Zwetschen 10 bis 15; Pfirsiche 40 bis 70; Brombeeren 40 bis 45; Preißelbeeren 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Rüsse 60 bis 70; Tauben Stück 70 bis 80; Eier 13 bis 14; Blumenkohl 30 bis 70; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 20; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 6 bis 8; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 20; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 4 Mk. Bornotizerr. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Westfront 1918". — Astoria-Lichtspiele: „Die Bande der Wölfe" und „Moderne Piraten". — B u ch f ü h r u n g s s i l in e. Die Gießener Ortsgruppe des Gcwerkschaftsbundes der Angestellten läßt morgen abend im Kaufmännischen Vereinshaus zwei Filme über Buchführung vorführen. Zu der Veranstaltung hat jedermann Zutritt. Man beachte die heutige Anzeige. e •* C i n Kuriosum im Fernsprechverkehr. Wie uns aus unserem Leserkreise mitgeteilt wird, besteht im Fernsprechverkehr unseres Wirtschaftsbezirkes insofern ein kurioser Zustand, als ein einfaches Ferngespräch von Gießen nach Bad-Rauheirn mit gewöhnlicher Dreiminuten-Sprechzeit 70 Pf. kostet, während für ein gewöhnliches Ferngespräch von Frankfurt nach Bad-Rauheirn nur 40 Pf. zu zahlen sind. Legt man bei dieser Betrachtung die Eisenbahnentfernung zugrunde, so ergibt sich, dah die Strecke Gießen—Bad-Rau- heirn 28 Kilometer lang ist, während die Strecke von Bad-Rauheim nach Frankfurt sich auf 38 Kilometer beläuft; dasselbe ist der Fall, wenn man die Luftlinie zugrunde legt. Es wäre interessant, von zuständiger Stelle darüber Auf- schluh zu erhalten, warum ein Ferngespräch auf der kürzeren Strecke unter gleichen Bedingungen „Soll ich das regeln, Helene, dah Sie, ohne seinen Verdacht zu erregen, noch heute mit mir kommen können?" „Wie denn?" stöhnte sie. „Ach, Averson, was ist es doch für eine Unraft, solange man lebt!" „Soll ich also, Helene? — Eine rasche Antwort. bitte, Ihr Mann kommt, uns zu holen." „3a!“ stieß sie kurz hervor, sprang auf und lief Franke entgegen. Lächelnd sah dieser zu Averson herab. „Wie die Zigeuner, verehrter Direktor! Sitzt es sich denn hier so viel bequemer als dort im Garten?“ Averson hob die Achseln. „Richt gerade, aber es war mal eine Abwechselung, lieber Doktor. Ausschlaggebend für die Wahl des Platzes war der Ausspruch Ihrer Frau Gemahlin: Es wäre einzigartig schön hier unter dem Schatten dieses Mammutbaumes. Es sitzt sich zwar ein bißchen bart, aber sonst ist es in der Tat ungemein poesievoll." Er stimmte in Frankes Lachen ein. Dann ging man nach dem Hause zurück, wo bereits der Kafseetisch zwischen den Bäumen gedeckt war. Averson hgtte sich eine Zigarre in Brand gesteckt und sah nach den mattblauen Wölkchen, die über die Scheitel der Berge hinzogen. Es klang ganz unverfänglich, als er jetzt die Frage stellte, ob die Herrschaften nicht Lust hätten, eine Fahrt nach München zu machen, der Abend sei so wunderschön. Man könnte in einer Stunde schon vor dem Regina-Palast halten, eine Tasse Tee nehmen und dann wieder zurückkehren." Helene fühlte das Blut in den Schläfen pochen. Sie sah nicht nach ihrem Manne hinüber, zog die Unterlippe durch die Zähne und suchte in den Kronen der Bäume nach dem Endchen blauen Himmels, dem sie Durchblick gewährten. Franke schien nicht abgeneigt zu fein und fragte, ob sie Lust habe, Averfons Einladung zu folgen. „Es wäre sehr nett“, sagte sie und ließ die Augen noch immer durch das Dlattgewirr schweifen. „Dann ist es hernach um so schöner, wenn man wieder einmal gekostet hat, wie der Trubel schmeckt. Außerdem kann ich verschiedenes besorgen, das in Tegernsee nicht zu haben ist. Ich werde rasch an meinen Hausmeister in Harlaching telephonieren, daß ich für einen Sprung Nachsehen komme. Du kannst dann gleich im „Regina-Palast" mit Herrn Direktor Averson absteigen, Äust. Sobald ich meine Geschäfte erledigt habe, komme ich ebenfalls dorthin." Eine halbe Stunde später fuhr Averfons Auto nach Tegernsee hinab, um von dort den Weg nach München zu nehmen. Umberto Petratini sollte seinen letzten Wunsch erfüllt sehen. teurer ist, als ein Gespräch auf der längeren Strecke. Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobilclub e. V. (A. v. D.) Gießen: Die Strecke I l b e n st a d t—K a i ch e n im Zuge der Provinzialstraße Friedberg—Hanau wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Assenheim - Bönstadt—Kaichen und umgekehrt. — Die Provinzialstraße Grund-Schwal- heim Bad Salzhausen wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Unter- Widdersheim - Steinheim—Rodheim—Ridda und umgekehrt. — Die Strecke L 0 lla r—© i - chertshaufen (Tiefenbach) im Zuge der Straße Gießen—Marburg wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Oden- Hausen - Fronhausen- Bellnhausen. — Die Strecke Ortsdurchfahrt Wies eck wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Rödgen und über Lollar—Daubringen. — Die Straße Düdinge n—G elnhausen von dem Abzweig nach Haingründau bis zur Landesgrenze wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Mittel-Gründau—Rieder-Gründau— Lieblos und umgekehrt. — Die Provinzialstraße Alsfeld—Fulda, Abteilung Altenburg— Brauerschwend, wird für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Rainrod—Eifa. Sämtliche Sperrungen beginnen am 18. September. ** Keine Herabsetzung der deutsch, en Ginwanderungsquote inRord- amerika. Zu der beabsichtigten Einschränkung der Einwanderung in Nordamerika wird von der Hamburg-Amerika-Linie und dem Rorddeut- schen Lloyd mitgeteilt, daß Präsident Hoover für die strikte Durchführung des Gesetzes eiyge- treten ist, das solchen Einwanderern den Zutritt in die Vereinigten Staaten von Amerika verbietet, von denen angenommen werden muh, dah sie ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage wegen in absehbarer Zeit der öffentlichen Wohlfahrtspflege Amerikas zur Last fallen. Es handelt sich also bei den neuen Cinschränkungsmahnah- men der amerikanischen Regierung um eine ganz bestimmte Kategorie von Einwanderern, die betroffen werden, nicht aber um eine Herabsetzung der deutschen Einwanderungsquote. ** Geschäftsjubiläum. Morgen Mittwoch, kann Herr Albert Merlau, Ludwigstraße 26, auf das 25jährige Bestehen seines Bierverlags, verbunden mit Gastwirtschaft, zurückblicken. Oberheffen. Gememderai in Büdingen. ?! Büdingen, 15. Sept. Aus der jüngsten G e rn e i n 0 e r a t s s itz un g ist u. a. zu berichten: Der Antrag des Oberjustizsekretärs Glenz auf Umbildung der vom neuen Gemeinderat seinerzeit gewählten Kommissionen wurde abgelehnt. An Stelle des aus den einzelnen Kommissionen ausgeschiedenen Beigeordneten Diemer wurden neu gewählt: in die Derwaltungs- und Finanzkommission Gemeinderat I ö ck e l, in die Armendeputation Kreiskasseninspektor Hofmann. — Das hiesige Mathildenhospital teilte mit, daß es an durchreisende Handwerksburschen Mittagessen verabreiche, und verlangte von der Stadt eine entsprechende Bezahlung. Der Gemeinderat lehnte das Ansinnen aus prinzi- piellen Gründen ab. - - Bei der Beratung des diesjährigen Gemeindevoranschlags hatte der Gemeinderat 300 Mark für Beschaffung von Lebe n s m i t t e l n für den in der Volksschule (Mädchenfortbildungsschule) stattfindenden K v ch- unt erricht gestrichen. Auf Beschwerde dec Schulleitung hin wurden die 300 Mark vorlagsweise genehmigt, sie sollen von den Eltern der Schülerinnen, soweit sie nicht minderbemit.elt sind, zurückerhoben werden. — Das Ansinnen des ärztlichen Kreisvereins um Abschluß eines Leichenschauvertrags wurde abgelehnt. Ich hätte es nicht tun sollen, dachte Helene und verlangsamte ihren Schritt, als sie die läuferbedeckte Treppe zu den Krankenzimmern der Klinik hinaufstieg. Was konnte das jetzt noch für einen Zweck haben? Rur eine gegenseitige Aufregung, ein sich Ueberhäufen mit Vorwürfen, ein Auseinandergehen in Haß und Erbitterung! Ich kann nicht vergessen, mit welcher Roheit er seine Rechte an mich galtend machte. — Ich — „Gnädige Frau kommen, Herrn Petratini zu besuchen? — Es wird den Künstler freuen, daß sich auch in der Fremde jemand seiner erinnert“, sagte Professor Klahn. „Herr Direktor Averson hat mir bereits davon gesprochen, daß sich die Herrschaften kennen." Er ging ihr nach einer der gepolsterten Türen voran. „Herr Petratini ist im großen ganzen wiederhergestellt und gedenkt morgen zu reifen. Darf ich bitten?“ In der matten Helle des Zimmers stand eine Frauengestalt, um deren junges Gesicht sich ein weißer Schleier bauschte. Helene sah für Sekunden nichts, als den dunklen Kopf, der in dem weißlackierten Eisenbett als schwarzer Fleck eingekerbt lag. Die Türe klappte ein, die Schwesternhaube war aus dem Zimmer geflattert, und wo sie gestanden hatte, glitzerte jetzt eine feine Mauer aus Staubteilchen, auf welcher die unter- gehende Sonne rötliche Lichter warf. „Helene!" Sie rührte sich nicht vom Platz, verweilte mit feftgerammten Füßen und suchte durch das Dunkel, welches sich ringsum auszubreiten begann. „Wollen wir nicht Frieden miteinander schließen, Helene?" Obwobl sie die Augen weit offen hielt, vermochte sie nichts zu sehen. Ihre Hand tastete unsicher, fühlte die Lehne eines Stuhles und benutzte sie als Stühe. „Es ist eine älngeheuer- lichkeit, dah ich — jetzt noch zu dir kommen muß." „Mußtest du denn, Helene?“ „Du hast es gewollt!“ „Wolltest du nicht auch? — Sag, Helene? Hattest du nicht auch das Bedürfnis einer allerletzten Aussprache? Einmal muh es doch fein! Sa können wir unmöglich auseinandergehen I" „Ich glaubte — dich tot!" wollte sie sagen, hielt die grausamen Worte zurück und suchte hilflos über feinen Kopf hinweg nach dem Holzkreuz, das an der gestreiften Tapete hing. „Was sollten wir uns noch zu sagen haben?! — Du hast mich überfallen wie ein Landstreicher! Ich stieß dich dafür in die Schlucht! Wir sind quitt, Umberto!" „Das schafft unsere Ehe nicht aus der Welt, Kind", mahnte er ruhig. „Rach dem Gesetz bist du meine Frau, bis die Scheidung ausgesprochen ist. Landkreis Gietzen. z. Aus dem Busecker Tal, 15.Sept. In der letzten Woche hat hier die Kartoffelernte allgemein eingesetzt. Qualität und Quantität der Kartoffeln find im Durchschnitt vorzüglich. Allerdings findet man in der einen oder anderen Lage auch faule Knollen. Die O b st e r n t e fällt sehr mäßig aus. Selten sieht man einen Apfelbaum mit gutem Behang; auch Dirnen gibt es nicht viel. Die Zwetschenbäume trogen etwas reichlicher. Die Wäl- der, hauptsächlich die „Anneröder Tannen", sind in den letzten vierzehn Tagen von überaus zahlreichen Beerensuchern durchstreift worden; sie haben ganze Töpfe und Eimer voll Brombeeren mit nach Hause gebracht. Kreis Friedberg. WSR. Wölfersheim, 15. Sept. Auf dem hiesigen Schwelkraftwerk wurde der Heizer Scholz bei der Regulierung des Rahkohlen- transports von einem Förderband erfaßt und mit fortgeriffen. Zum Teil unter Kohlen begraben, wurde er tot aufgefunden. Kreis Schotten. - — □ Laubach , 15. Sept. 3m Sommer 1921 rettet der damalige Untersekundaner Hugo Weihe aus Laubach beim Baden im nahegelegenen Tiergärtner-Teich unter eigener Lebensgefahr einen Klassenkameraden vom Tode des Ertrinkens. Für diese schöne Tat wurde ihm durch Entschließung des hessischen Gesamtministeriums vom 22. August d. I. die Rettungsmedaille verliehen. Weihe ist heute Obergefreiter im 1. Batl. Jnf.-Regt. 15 zu Gießen. V Gedern, 15. Sept. Dieser Tage fand eine gut besuchte Versammlung der Diehverwer- tungsgesellschaft Gedern statt. Der Rechner Wilhelm Birx erstattete den Geschäftsbericht seit Gründung der Gesellschaft im verflossenen Winter bis zum heutigen Tage. Der Umsatz betrug 58 000 Mk.. der für die kurze Zeitspanne als ansehnlich zu bezeichnen fein dürfte. Im Verlauf der Verhandlungen wurde aus der Versammlung heraus die Anregung zur Gründung einer Genossenschaft gegeben. Preußen. Reichsjugcndwettkämpse im Kreise Biedenkopf. V Günterod. 13. Sept. Am Donnerstag fanden die Reichsfchü lerwettkämpfe der Schulen des Lehrervereins „Obergericht" auf dem schön gelegenen Sportplatz zu Günterod statt. Rach den Wettkämpfen, an denen sich die Schüler von Schlierbach, Hartenrod, Endbach, Dernbach Wommelshausen, Günterod, Rieder- unb Ober-Weidbach. Bischoffen, Roßbach und Wilsbach beteiligten, fangen die Kinder im Mas- fenchor zwei frische Volkslieder. woraus Kreisjugendpfleger Lehrer Schulz (Endbach) durch eine kernige Ansprache die Bedeutung des Tages würdigte. Sehr viel Inseresse erweckten die am Schlüsse veranstalteten Iungen- und Mädchenstafetten, sowie die von den einzelnen Schulen vorgeführten Freiübungen, Reigen, Scherz- und Reckspiele. Rach dem Deutschlandlied zogen die Schüler befriedigt ihrer Heimat zu. Ergebnisse: Knaben. 7. und 8 Schuljahr, (100-Meter- Lauf. Speerwurf. Weitsprung, Schleuderballwurf): 1. Erwin Bürk (Endbach). 2. Erwin Schöneck (Hartenrod), 3. Walter Rink (Hartenrod). 4. Oswald Beecht (Bischoffen), 5. Willi Beecht (Bischoffen), 6. Otto Debus (Endbach), 7. Herm. Ruopp (Oberweidbach). 8. Herrn. Iakob (Wilsbach) 9. Artur Fuchs (Schlierbach), 10. Vudols Eichert (Dernbach). Mädchen. 7. und 8. Schuljahr: 1. Hedwig Iung (Günterod). 2. Martha Iüngst (Rieder- Weidbach) 3. Hel. Müller (Günterod), 4. Alma Bastian (Günterod), 5. Elli Müller (Wommels- Solange dies aber nicht der Fall ist, bist du nur Frankes Geliebte." „Rach den Rechten unserer Kirche sind wir überhaupt nicht gültig verheiratet", warf sie ein. „Das sagst du jetzt, Helene. Bisher hast du mich als deinen Gatten betrachtet." „Riefst du mich nur deswegen", weinte sie verzweifelt, „daß du mich neuerdings quälen kannst?" „Rein, Helene. Wenn man so furchtbare Stunden hinter sich hat, wie ich sie durchleben mußte, wird auch der Verworfenste geläutert. Du sollst dein Glück haben! — Wenn es ein Glück ist, Helene! Ein Gewissen trägt schließlich jeder in sich. Den einen rüttelt es heute wach, den andern morgen. Es soll aber auch welche geben, die erst im Sterben als Reuige ihre Hand heben. Du gehörst vielleicht zu diesen letzteren, Helene." „Ich habe nichts zu bereuen!“ Sie sank hilflos in den Stuhl am Fußende seines Bettes nieder. „Dann ich allein!" sagte er ohne Schärfe. „Alles, was ich gefehlt habe, bitte ich dir heute ab. Es hätte anders werden können mit uns beiden! Ganz anders! Ich nehme alle Schuld auf mich. Du sollst ganz frei vor dem Richterstuhle deines Gewissens stehen. Dafür habe ich eine letzte, große Bitte, die du mir gewähren mußt." Ihre Hand streckte sich abwehrend gegen ihn aus, der jetzt im Bette aufrecht saß und nach ihr herübergriff: „Du brauchst keine Furcht vor mir zu haben", sprach er beruhigend. „Ich trage keine Wünsche mehr, wie sie mich noch vor Wochen mit aller Qual gepeinigt haben. Rur die eine Bitte lebt noch in mir: Dah du mich im Erinnern behältst, ilnb deshalb — sollst du deinem ersten Kinde meinen (Kamen geben." „ilmbert!“ gellte es auf. „3a! — Du kannst ihn auch verdeutschen, fo oder so wird mein Gedächtnis wachgehalten. Willst du, Helene?" „Was weißt du?" — „Richts, Helene." Sie glaubte ihm nicht. Ähr Gesicht war bleich. Sie wollte die Flucht vor diesen Augen ergreifen, die so unfehlbar wissend in den ihren ruhten und legte den Kopf verzweifelt auf die Decke, unter welcher sich die Ilmriffe feines Körpers abprägten. Ähre Schultern zuckten auf und nieder. Petratini vernahm das rauhe Schluchzen, das den Frauenkörper schüttelte, und strich zärtlich über das Haar. Als ihr Gesicht zur Seite glitt stützte es Petratini. Seine Hände blieben auf ihrer falten Stirne liegen. Sie fühlte, wie er ihre Lider küßte und dann den Mund, der schneeig war, wie di« Wangen, die er jetzt liebkoste. (Fortsetzung folgt) häufen) 6. Liselotte KoPperS (Hartenrod). Erna Claas «Hartenrod). Gertrud Aßmann «Günterod), Lina Hinder (Günterod). Martha Debus (Günterod). Erna 3ung (Endbach). 7. Lina Hehl (Günterod). 8. Hedwig Schmidt (Endbach). Emma Wirth (Endbach), Emmi Äcd> (Wommelshausen), 9. Frieda Schmidt (Rieder-Weidbach), Gertrud Plaum (Hartenrod). 10. Wartha Harth (Günterod). Lina Plaum (Hartenrod,. Knaben. 5. und 6. Schuljahr. (Dreikamps. 75-Meter-Laus. Weitfprung. Schlagballweitwurs): 1. Erich Achenbach (Hartenrod), 2. Rud. Scheid (Dernbach). 3. Ad Koch (Endbach), 4. Walter Schreiner (Hortenrod) 5. Wilh. Bauch (Bischof- fcn). Karl Stöber (Rohbach,. 6. Srnst Jung «Günterod). 7 Fritz Debus (Hartenrod,. Alfred Junker (Endbach), 8. Willi Jochem «Endbach,. Karl Bruck (Rohbach). Herb. Schmidt (Dernbach,, Wilhelm ReuhauS (Rieder-Weidbach), 9. W. pflaum (Hartenrod). Ludwig Ehrist (Hartenrod), 10. Ernst Inderthal (Ober-Weidbach). Mädchen. 5. und 6 Schuljahr 1 Hildegard Schäfer (Endbach), Frieda Müller (Günterod) 2. Ottilie Scherer «Günterod». 3. Marg. DcbuS (Hartenrod). 4. Emmi Fuchi «Hartenrod) Elli Müller (Wommeishaufcn), 5. Mina gller (Bischöfen). 6. Erna Scharf (WommelS- ifen) 7. Hilde Rink (Günterod), 8. Martha aum (Hartenrod». Maria Müller (Hartenrod) Erna Heck (Womm.'lshaafen). Glli Müller (Endbach), Moria Bürt (Endbach), 9. Maria Rink (Hartenrod), 10. Elisabeth Mester (Schlierbach). Knaben st afette 7. und 8. Hortenrod. Knaben st afette. 5. und 6. Günterod. Mädchen st afette. 7. und 8. Günterod. Mädchen st afette 5. und 6. Wommelshausen. Schuljahr: Schuljahr. Schuljahr: Schuljahr: Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im August. 175 Millionen Mark Ausfuhrüberschuß. Der deutsche Außenhandel schließt im QI u ff-u ft mit einem Ausfuhrüberschuß von 17 5 Millionen Mark ab. Die Ausfuhr (790,8 Mill. Mark), die bereits im Dor- monot eine Zunahme um 40 Mill. Mt. erfahren hatte, ist im August um weitere 20 Will. Mark gestiegen, und zwar infolge weiterer Fertig- warenauSfuhr (4- 33 Mill. Mark). Die Zunahme entfällt hauptsächlich auf Textilfertig- woren (+ 26 Mill. Mark). Die Ausfuhr von Rohstoffen ist zurückgegangen (— 13.6 Mill. Mart). DieSinfuhr beträgt 795,5 Mill. Mark, wovon etwa 40 Mill. Mark auf Lagerabrechnungen entfallen, die noch zum überwiegenden Teil die Einfuhr in den ersten sechs Monaten dieses Jahres betreffen. Schaltet man die zu einer Ueberhohung der Einfuhrzahlen im Juli und August führenden Zollabrechnungen im Lager- Verkehr aus, so ergibt sich, im Vergleich zu den Vormonaten, sowohl für Juli als auch für August, eine Abnahme der Einfuhr um jeweils etwa 30 Mill. Mark. Ohne die Korrektur der Abschreibungen aus dem Lagcrverkehr ist die Einfuhr im August um 113,6 Mill. Mark niedriger ausgewiesen als im Juli: abges-ehen von den lebenden Tieren weisen sämtliche Warengruppen in der Einfuhr einen geringeren Wert als im Vormonat auf, und zwar die Gruppe Lebensmittel und Getränk« um 60,4, die Gruppe Rohstoffe und halbfertige Waren um 41.5. und die Gruppe Fertigwaren um 13,5 Mill. Mark. Oie überraschte Börse. An der Vörsc hat da- Ergebnis der Reichstagswahlen in mehrfacher Hinsicht Ueberrafchung hervorgerufcn. Zunächst ist man wenig erfreut über die Radikali- sicruna der Parteigruppen, da man eine wenig kapitalfreundliche Einstellung der Flügelvarteien befürchtet. Schon bisher hatte die Börse unter dem Druck der Kapitalaegnerschast gelitten, die in Kreisen der Sozialdemokratie herrscht und vielfach auch in Regicrungsmaßnahmen zum Ausdruck kam. Der Wahlausfall hatte daneben für die Börse aber auch eine humorvolle Seite Die RcichstagSauslösung kam der Börse seinerzeit insofern durchaus gelegen, als sie für die viele freie Zeit neue Gesprächsthemen abgab. Der Ordereingang ist an der Berliner Börse gegenwärtig so minimal, daß zu seiner Bewältigung sehr gut drei Börscntage in der Woche genügten. Man hat sich bisher aber nicht Aur Einlegung von „Feierschichten" entschließen können, sondern hielt an der Tradition fest, jeden Mittag zwischen 12 und 14 Uhr zu „tagen". Das geschieht auch schon mit Rücksicht auf den Arbitragevcrkehr. In 3>en letzten Wochen sanden nun viele Erörterungen über den voraussichtlichen Wahlausfall statt, und man hatte bald heraus, wie man politische Heber- leflunpcn in Börsengeschäfte übertragen könne. Für jede Partei bildete sich ein Kurs heraus, zu dem täglich große Umsätze stattfanden. Für „RaziS" nannte man »uleht eine Rotiz von 48. Wer sie ..kaufte", wollte für jede- Mandat unter 48 eine Reichsmark zahlen, während er für jedes Mandat über 48 eine Reichsmark zu fordern hatte. Auf diese Weise kam es zu Geschäftsabschlüssen — eigentlich Wetten , die eine Summe von vielen hunderttausend Mark erreichten. Am Montag gab es eine Riesenüberraschung, als man errechnete, welche Beträge nach dem unerwarteten Wahlausfall zahlbar geworden sind. In einzelnen Fällen entstanden Verbindlichkeiten bis zu siebentausend Mark. Für die Oeffentlichkeit von größerem Interesse ist aber das Sachliche, das man in seriösen Dank- kreisen zum Wahlausfall zu sagen hatte. Es ist erfreulich, daß die führenk^n Bankleute Deutschlands sofort nach Dekanntwerden der Resultate Gelegenheit nahmen, die telegraphisch einlaufenden Anfragen ihrer ausländiichenGeschäfts^reunde beruhigend zu beantworten. ES ist außer Zweifel, daß im Falle einer kapital- und induftriefeind- lichen Wirtschaftspolitik große Summen ausländischer Kredite in kürzester Zeit aus Deutschland herauSgezogen würden. Hierzu wird es hoffentlich nicht kommen, denn das träfe die breitesten Schichten der deutschen Arbeitnehmerschaft genau so empfindlich, wie bas Industriekapital selbst. Die am Montag bei Dörsenbeginn eingelaufenen Angstverkäufe wurden, da man an der Börse entsprechend dieser Einstellung der Danken nach der ersten Ueberraschung bald wieder eine ruhigere Beurteilung der neuen politischen Situation vorzog, im weiteren Verlauf durch Interventionen und effektive Anschaffungen wenn auch nicht ausgeglichen, so doch ohne allzuheftige Kurserschütterungen untergebracht. Das darf zu der Hoffnung Anlaß geben, daß es an der Börse mit dem ersten Derkaufsansturm sein Bewenden hat. * Sprechstunden f ü r den Handelsverkehr mit Algerien. Generalkonsul W i n d e l s vom deutschen Generalkonsulat in Algier hält am Freitag, 25. «September, nachmittags, und am Samstag, 27. September, vormittags. bei der Außenhandelsstelle für das Rhein-Maingebiet, Frankfurt a. M.. Sprechstunden für die Firmen ab. die am Handelsverkehr mit Algerien beteiligt sind. Firmen, die an ö^n Sprechstunden teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Außenhandelsstelle für das Rhein- Maingebiet. Frankfurt a. M.. Börse (Telephon 20 361) bis zum 22. d. M. mitzuteilen, damit eine Verteilung der Besucher auf die zur Verfügung stehende Zeit stattfinden kann. * Pahenhoser und Ostwcrke. Die Generalversammlungen der Ostwerke AG. und der Schultheiß-Pahenhofer AG. in Berlin beschlossen die Fusion beider Gesellschaften und die Kapitalerhöhung der Schultheiß-Pahenhofer AG. auf 90 Millionen Mark. Hindei-markt in (Hießen. Aus dem heutigen Rindvieh. (Nutzvieh.) Markt in Gießen standen 1543 Stück Großvieh und 210 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 600 bis 650 Mark, 2. Qualität 300 bis 500 Mark, 3. Qualität 200 bis 350 Mark: Schlachtkühe 150 bis 500 Mark: Rinder, Vi* bis Xjährig, 100 bis 250 Mark, Vv bis zweijährig 200 bis 400 Mark, Rinder, tragend, 350 bis 550 Mark; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 55 bis 65 Pf. Aus- gesuchte Tiere erbrachten Preise über Notiz. Der Markt verlief schleppend. iyrantfnvtcr Börse. Frankfurt a. M., 16. Sept. Tendenz: stetiger. — An der heutigen Börse konnte sich eine ruhigere Betrachtung der durch den überraschenden Ausgang der Wahlen geschaffenen Lage durchsetzen. Zwar wurde im Hinblick auf die Unklarheit über die innenpolitische Weiterenlwicklung weiterhin stärkste Zurückhaltung geübt, doch dürften anderseits von feiten des Auslandes bis jetzt größere Verkäufe in deutschen Aktien nicht vorgenommen worden sein. Auch die ausländischen Kreditgeber nehmen eine abwartende Haltung ein. Trotzdem biteben die schwachen Auslandbörsen und namentlich dieKursrückgängeindeutschen Werten in Reuyork und Amsterdam naturgemäß nicht ohne Einfluß. Die ersten Kurse lagen nicht einheitlich. Die gestern abend stark gedrückten Werte waren überwiegend auf Deckungen etwas erhöht. Erheblich gebessert waren vor allem Kaliaktien. Westeregeln lagen 7 Prozent. Kali Aschersleben 6.5 Prozent höher. Farben eröffneten 1,13 Prozent erholt. Am Eleltro- markt konnten Siemens 2 Prozent anziehen, Schuckert plus 1.13 Prozent. Montanwerte lagen still und überwiegend behauptet. Rhein- stahl waren lebhaft und 1 Prozent anziehend. Bankaktien eröffneten wenig verändert. Rur Bayerische Hdpothrkenbank 1 Proz. hoher. Am Markte her Bauunternehmungen waren Holzmann gesucht, Wayß & Freytag dagegen 1,5 Pro- Snt niedriger. Schwächer lagen noch Zellstoff fchasfenburg minus 2 Proz.. Meiallgesellschaft minus 1 Proz. Auf Londoner Meldungen waren Svenika stärker offeriert, der Kurs wurde bis 8 Mark niedriger taxiert. Deutsche Anleihen waren knapp behauptet. Von Ausländem waren Mexikaner etwas schwächer. Rach den ersten Kursen setzten sich die Kurserholungen an den meisten Märkten fort. Farben lagen erneut 1,75 Proz. höher. Später ging die Umsahtätigkeit auf ein Minimum zurück. Interventionen und weitere kleine Deckungsläufe bedingten neue Kursbesserungen. Die Lage am Geldmarkt war kaum verändert. Tagesgeld 3 Prozent. Am Devisenmarkt war der Markkurs etwas gebessert: Madrid lag schwach Man rannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfund 20.40, London gegen Kabel 4,8600, gegen Paris 123.74, gegen Mailand 92,80, gegen «Schweiz 25.0525, gegen Madrid 45.40. gegen Holland 12,0690. Berliner Börse. Berlin, 16. Sept. Für die heutige Börse war es vor allem sehr wichtig, wie das Ausland den Ausgang der deutschen Reichstagswahlen beurteilt und sich fernerhin in seinen Dispositionen der deutschen Wirtschaft gegenüber verhalten will. Gestern konnten diese Fragen auf die Börse sich noch nicht auswirken, da erst im Laufe des gestrigen Tages ein Gesamt- blid sich ergab und man außerdem die Presse' fommentarc der deutschen und ausländischen Leitungen abwarten wollte. Heute kann man bereits übersehen, daß Kreditkündigungen im großen und aanzen ausgeblieben sind. Das zu den ersten Kursen heute vorliegende Material war in der Hauptsache aus dem Inland. Die kleinen Verluste, die man vorbörslich noch zu den ersten Rotierungen auf Grund eines Verkaufsangebots taxierte, traten dann aber nicht ein, da seitens der Banken Interventionsneigung zu bestehen schien. Die Kurs- geftaltung war zwar nicht ganz einheitlich, es überwogen aber ein- b i s zweiprozentige Besserungen. Für Gesfürel, Licht & Kraft bestand von der Schweiz einiges Interesse. Kaliwerte und Polyphon lagen höher. Transradio zogen um 4 Prozent an. Das Geschäft war aber in allen diesen Werten nicht umfangreich: die Spekulation operierte immer noch vorsichtig. Etwas stärkere Verluste hatten Rheinische Elektrizität mit minus 2 Prozent und Svenska minus 8 Mark. Am Anleihemarkt waren die Kurse unverändert. Auch Ausländer lagen geschäftslos. Am Pfandbriefmarkt hatte das Angebot nachgelassen: nur Reichsschuldbuchforderungen lagen weiter angeboten und abgeschwächt. Am Geldmarkt stellte sich der Sah für Tagesgeld unverändert auf 2,75 bis 4,5 Prozent und war nur vereinzelt mit 2,5 P. ozent zu haben. Monatsgeld 4,25 bis 5,5 Prozent, Warenwechsel unverändert. Im Verlaufe wurde es unter kleinen Schwankungen allgemein 0.5 bis 1 Prozent fester. Farben hatten mit etwa 1,5 Prozeß! über Anfang lebhaftes Geschäft. Deutsche Atlanten zogen um 3,5 Prozent an, Salzdetfurth besserten sich um 3 Prozent, Siemens plus 2 Prozent usw. Cs handelte sich in der Hauptsache um Deckungen der Spekulation. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 17. September. Hungen. 6.15 Uhr: hl. Messe. Aus aller Wett. Kaoiarschmuggel nach Dänemark. Aus dem mecklenburgischen Fährschiff .Schwe- r i n" wurde in Warnemünde ein Schmugg- I c r a u t o beschlagnahmt, das große Wengen Kaviar unverzollt nach Dänemark einführen wollte. Die Feststellungen der Behörden lassen vermuten, daß der Schmuggel schon seit längerer Zeit in großem Umfange durchgesührt und in Berlin organisiert wurde. 45 Zentimeter Reqenhöhe in acht Stunden. Binnen acht Stunden ging in Bombay eine Regenmenge nieder, die die Rekordhöhe von 45 Zentimeter erreichte. Die Straßen glichen Flüssen Der gesamte Automobil-, Strahenbahn- unb Eisenbahnverkehr st o ck t. In einigen Stadtteilen geben d e Menschm in Schwimmanzü- gen bis zur Hüfte im Wasser ihren Geschäften nach. Der englische Kanal wiederum durchschwommen. Der englische Kanal «ft wiederum durchschwommen worden, und zwar diesmal von der jugendlichen südafrikanischen Schwimmerin Peggy Duncan, die Mittwochabend kurz nach 8 Uhr bet Gris Rez ins Wasser ging und Donnerstagmittag um 12 45 Uhr in South Foreland, östlich von Dover, das Land erreichte. Die von Miß Duncan gebrauchte Zeit von 16' , Stunden bleibt um 2 Stunden hinter dem von der Deutsch- Amerikanerin Gertrud G d c r l e aufgestellten Frauenrekord und um 5' t Stunden hinter dem von dem Franzosen Michel aufgestellten Weltrekord zurück. Die Wetterlage. «ngfl 16 12 16, *-er 8.7 z ® A Wien*) 7 O :nL°y «ZzT 14 > XU Z<5~.? 9 Cts ©worxfnlos.0 "etter ® nir» eedeett ® votxig ®oeaecei erreget # Schnee n treupeu» ■ fchei K Ge-ilter ©windstille.mW «eichtet Ost y Sudjuawesi Q jturmischf» nordwesl Die Piene fliegen mit gern winde Oie oooen siebenen jtencncen intim gehen die Temperatur en. Pie Urnen verbinden Orte mit gleiches •ut Heeresniveiu umgerechneten Luitdruck Wettervoraussage. Obwohl mit der kühlen Luft der hohe Druck sich über Mittel, und Süddeutschland ausgebreitet hat und heute dadurch etwas freundlicheres Wetter herrscht, wird sein Einfluß wieder sehr rasch zur Neige gehen. Neue Störungen nähern sich dem Kontinent, von denen eine heute morgen schon wieder über Irland lag und ihr Regenbereich bis nach England und dem nördlichen Küstengebiet von Frankreich streckte. Auch die Winde haben dort nach Süden bzw. Südwesten umgedreht und Temperaturanstieg gebracht. Bei uns dürste, nachdem vorerst der hohe Druck noch etwas zur Geltung kommt, bereits im Laufe des morgigen Tages wieder eine Wetterverschlechterung sich cinstellen. Aussichten für Mittwoch: Anfänglich neblig-wolkig mit Aufheiterung, bann erneuter ilebergang zu stärkerer Bewölkung mit Ried erschlügen, wärmer. Aussichten für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung, auch aufheiternd, zeitweise Riederschläge, Temperaturen mehr schwankend. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Jrantfun a. 371. JJerlin ^ranffun a. Dl Berlin <5ajiuj»i 1-Uht» Schluß- j Sdntana» Schluß» 1-Ubr- Schluß- Anfang» flurd furd | fllT» tur# flurt für# flure «UM Datum 15 9. 16 9 15 9 16 9 Datum 15 b. 16 9. 15 9 16 9 6% leunnjc txeia^eaiurux oatnoura-ementa Patei . 88 w 88 87.25 con 19t7 ....... 87.75 — * - s amburg-Lüdam. Dampsschiss . S 164 7% Teutitbe IReitWanleilje 101,5 Hama Damvsschiss .... 10 — 129 129 von 1929 .......... 101 — -.1 ort beut« eher L'ogd.....6 — 88 87.3 teutlAe iüd.-m>lM.-6d)ulb mti Allgemeine TeutscheLreditansl. 10 105.75 — 106.5 106.5 -Rechten....... 61 60.8 61.25 61 Barmer Bankverein .... 10 «14.25 114,25 114.25 114 $e- und PrioauBank. li 126.25 126,5 126.25 126.25 irutftdblb. 102%)..... — — 94.75 — larmBäöter imb 9?atu)nalbanl 12 175.5 — 175,5 175 Oberteilen Provinz - «nlelhe mt- T-utsche Bank und eUiR)bren . . . . 81 81.13 81 80,5 Serie I........... — — — Man»felder Bergbau . . . . . < 52 52 51,75 4% de«gl. Serie N....... 5,35 — 5.3 _ CberWef. (hlenbebari . . . . t 49,65 5% Nu manische veretnh. Rente Cberidilel. So »werke.....'• — _ 81,75 82 von 1903 .......... 4%% NnmLntsche veretnh. Rente — — •— Pbönq Bergbau......6H Skhetnifche Braunkohlen . . 10 76 75.25 75 198,5 75,25 197,5 von 1913.......... t% Rn w inttche veretnh. Statte - 15,55 7,3 — 15,75 7,35 — Sbebed Montan..... 7,2 — 81,25 81,25 81,25 lyranfhtri a. in. Berlin Schluß-, fürs 1-Uhr- Kurs Gchluß- ture Anfang- Kur« Datum 15 9 16 9 15 9 16 9 bereinigte Stahlwerte . 76 — 75,5 TT C:ac( «Witten..... 16'/. — 36 35,75 Kaliwerke Aicherileben . . 1< 189 135,5 192 195 Kaliwerke Westeregeln . . 1« 134 201 196 200 Kaliwerke SaQbetfurtb . - . 15 303 — 309,5 311 3. ®. Harden-Industrie . . 12 145 146,13 145 145,25 Trmamtt Röbel . . . . . . fi — — 68 Scheibeanstalt..... . . V 138 138 — Golblchmidt ..... . . 6 54,5 — 53 53,5 Rütger4werke..... . . 6 53 53,25 53.75 Metallgesellichast. . . . . . e 102 101 101,5 101 Pdiltvv Hofmann . . . . . i 79 79 73,75 73,25 Zementwerk Heidelberg . 10 — 103,25 Zementwerk Karlstadt. . . 10 •— — Eaov & ttrevtag . . . . . f 59,5 58 61 — Schultdett Patzenhofer . - . 15 243 242 Cftroerfe....... . 12 193 192.25 Öu......... • . 18 80.5 80 81,25 80,25 Bemberg....... • . 14 86 — 87 89 geUftoff Valbbof . . . 13*/, — — 126,25 126 ßelirtoff Slchassenbutg . . 12 — 90,5 92 90,25 Gbatiottenburger Baffet • . . t — — 92.5 92,9 Teflauer ffiaä..... . . 6 — 127,25 126.6 Tatmler Motoren . . . e . . 0 27.25 — 27.75 27,75 Deutsche Linoleum . . e e e . 169 167 166,5 166.25 — —— 33,25 39.5 Rat. ZutotrsbU .... . . 0 — — 13,13 —— Crenftem & ftcppel . . . . 6 — —— 55,25 55 Leonhard Tietz .... . 10 130 — 131,75 131 Svenika . ..... 308 — 308 300 Rranffurtet Mafchtnen . . . 4 23 — 22.5 _ Sritzner....... . . 6 30.25 — 30,5 — HeyliaenKaebi . . . . Sungbani....... • . . 0 . . « 32,25 __ 32 — Lechwerke....... - . . t 97 — — — gSamtrafÖcede HSchÜ a. K. . . 8 79,5 — — — Bhafl........ . 10 — - 81 — Gebr. Roeder..... . 10 93,5 — — — Botgt 4 Harsfner . . . . . 0 150 151,75 Südbeuriche Znck» . . e . 10 141 140 141,5 Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt o. M Serlln, 15. (September 3eT6 Äries Amerikantichk Noten...... 4,203 4,223 Belgische Noten. ....... 58,28 58,52 Dänische Noten ........ 111,98 112,42 20,39 20,47 tzranjosische Noten ....... 16.44 16,50 Holländische Noten ....... 168,48 169,16 Italienische Noten........ 22.02 22,10 Norwegische Noten....... 111,93 112,37 Deutsch-Oesterreich, 4 100 Schilling 59.18 59,42 Rumänische Noten....... 2.485 2,505 Schwedische Noten..... . 112.33 112.82 Schwerer Noten........ 81,59 81,91 Spanische Noten ....... 44,91 45,09 richechoilowakische Noten. .... 12,41 12,47 Ungarische Noten ....... 73,25 73,55 15 September 16 September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Gelb Sriel ®elb »riet rimfL- Non. 168,81 169,15 168,85 169,19 Buen.-ÄtreS 1,534 1,538 1,523 1,527 Brfs.-Aotw 58,45 58,57 58,445 58,565 Cbriftianta - 112,19 112,41 112,17 112,39 Aooenbagm 112,26 112,48 112,23 112,45 Stockholm . 112.65 112,87 112.62 l 112,85 HelnrtgforS- 10,555 10,575 10,552 10,572 Italien. . . 21,97 22,01 21,965 22,005 London. . . 20,382 20,422 20,38 20,42 Nennork . . 4,1940 4.2020 4,1930 4,2010 Paris.... 16.4H5 16,505 16,465 16,505 Schweiz . . 81,375 81,535 81,36 81,52 Svanttn . 45,40 45,50 45,00 45,10 g av an . . . 2,070 2,074 2,070 2,074 *6to de Fan 0,422 0,424 0,423 0,425 Dien in D-- Ctft- abaefl 59,245 59,365 59,225 59,345 Prag - - . . 12,448 12,468 12,443 12,463 Brlzrad . . 7,430 7,444 7,426 7,440 Bndavest. . 73,445 73,585 73,41 73,55 Bntaariea . 3,037 3,043 3,037 3,043 Lissabon 18,82 18,86 18,82 18,86 Tatutg. . . 81,50 81,66 81,48 81,64 Konstantin. 1,784 1,789 1,784 1,789 L tden. . . 5,435 5,445 5,435 5,445 Tanada . . 4,1990 4,2060 4,1990 4.2070 Urnillatz. . 3,506 3,514 3,511 3,519 Tnrro . . . 20,895 20,935 20,895 20,935 Turnen, Sport und Spiel. ■ Faustball im Turngau Hessen. Die Gauspiele in Gießen. Von den sechs Bezirken des Gaues hatten die Bezirke 2, 3, 5 und 6 ihre bei den Bezirksspielen ermittelten Besten zu den Gauspielen entsandt, die ä । dle.tzfte ln Ä