Nr. 190 Erstes Matt ,L) 180. Jahrgang Samstag, |6. August 1930 tr|d)etwt täglich, außer Sonntag* unb Feierlag* Beilagen: Vie Illustrierte Gießener FamiliendlLU«' Heimat tm Bild Die Scholl« monali Bezugspreis: 2.20 Reichsmark unb 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- lcheinen ein, einer Nummern infolge höherer Gewalt, zernfprechaitfchlllße anterSammelnummer2251. Ruschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. pstzschecktonto: granffuri am mein 11688. Sktzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Uniütrfitäts-Budi> und Steinbruderei R. Lange in Sietzen. Schrislleitung und Geschäftsstelle: Schulfttatze 7. Annahme von Anzeige» für bi« Tage*nummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig,' für Re» klameanitigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20* , mehr. Ehesrebakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tdnriot; für ben übrigen Teil Ernst Vlumschein unb für btn Lnzeigenteil Max FiUe^ sämtlich in (Biegen. ouich wir umso bereitwilliger aii wir innerpolitisch häufig finden. ES ist da- nicht hoch genug zu veranschlagende Verdienst dc- ReichSinnenministerS Dr. Wirth, das anerkannt haben, . _ genug in scharfem Kampf mit ihm standen, schon in der Desreiungsstunde de- 1.3u(i vor den in Mainz zusammcngeströmten rheinischen Volks» genossen, aber auch vor den versammelten Der- trctcrn der Weltpresse mlt besonderer Betonung darauf hingewicfen zu haben, daß wir nun — auch, abgesehen von dem noch unerlösten Saargcbiet, abgesehen von Lupen und Malmedy, über die da- letzte Wort auch noch nicht gesprochen ist — auch jetzt noch keineswegs frei sind, daß auch weiter die uns einseitig ausgezwungene entmilitarisierte Zone da- Rheinland zu einem „Land minderen Re ch t -" macht. Rachdem auch der Reichspräsident selber an dem Tlnalückstag von Koblenz am Deutschen Eck Deutschlands Forderung auf nationale Gleichberechtigung im Kreise der Böller scharf herausgestellt hat, wofür der alle Hasser Poin- care dein greisen Rcichsoberhaupt glaubte einen Rüssel erteilen zu dürfen, hat Minister Wirth in feiner, auch in ihren innenpolitischen Gedankengängen ausgezeichneten Rede" auf der Berliner Bersassungsseier der Reichsregieruna noch einmal Deutschlands Recht und Deutschland- 'Anspruch auf Revision der Verträge angemeldet. Das war besonders wirkungsvoll, da di« Forderung von einem Manne erhoben wurde, der als der „ErfüllungSkanzler" von 1921 im Ruse stand, durch kleine Zugeständnisse unserer Der- tragsgegner leicht befriedigt zu sein. Gr hat mit diesem falschen Urteil gründlich aufgeräumt. Das Echo, das seine und Hindenburgs Reden in der Pariser Presse gefunden haben, zeigt, daß die in diesem Punkt sehr hellhörigen Franzosen ihn verstanden haben. Roch in der gleichen Woche hat ein anderes Mitglied des Reichstabinetts Deutschlands nächste außenpolitischen Ziele auch nach Osten hin aufgezeigt. Zn einer gewiß temperamentvollen, aber in der Sache wohlabgewogenen und maß- haltenden Rede vor den Heimattreuen Derbän- den Ost- und Westpreuhens hat der Reichs- minis.er für die ehemals besetzten Gebiete und jetzige Reichskommifsar -für die Osthilfe Trevi r a n u S Deutschlands Recht an der Ostmark, an der Beseitigung der unmöglichen Grenzziehung zur internationalen Diskussion gestellt. 68 war gut. öafc er die polnischen Rachbarn einmal daran erinnerte, wie sehr sie im Grunde deutscher Politik und deutschenDlutopferndie Befreiung von der verhaßten russischen Knute und die Existenz cineS eigenen polnischen Staate- verdanken, wenn auch die Behandlung der Polen weder vor noch im Weltkrieg ein Ruhmesblatt deutscher Ltaatskunst war und die deutsche Kriegspolitik sich kaum je in einem verhängnisvolleren Irrtum befunden hat, als sie — freilich unter dem Einfluß deS Wiener Verbündeten — glaubte, mit der Errichtung eines polnischen Staates die Polen versöhnen und zu Bundesgenossen gewinnen zu können. Dah die Dankbarkeit im Leben der Völler keinen Raum hat, da- haben die Polen schlagend bewiesen. Sie haben mit Hilse des in europäischen Dingen ahnungslosen Wilson und des seit den Tagen des ersten Rapoleon traditionell befreundeten Frankreich sich von dem im Weltkrieg unterlegenen Deutschland genommen, was sie bekommen konnten. Die Zerreißung des oberschlesischen Industriegebietes, der Verlust der für unsere Ernährungswirtlchaft fast unentbehrlichen Provinzen Posen und Westvreuhen bis auf kleine Reststreifen, die durch die Grenzziehung volkspolitisch und wirtschaftlich schwer bedroht sind, die Losreißung Danzigs vom Reich und schließlich die Isolierung Ostpreußens durch den Korridor. der Polen den Zugang zum Meer schaffen sollte, das sind die Geschenke, die die Sieger des Weltkrieges an der Wiege des jungen polnischen Staate- niederlegten und mit denen sich Frankreich die unbedingte Waffengefolgschaft Polens erkaufte. Oie offene Wunde. SS ist gut, daß die Vorbereitungen de- Wahlkampfe- da- Interesse deS deutschen Volke- nicht ganz von wichtigen außenpolitischen Vorgängen abziehen. Und es ist besonders erfreulich, daß Mitglieder des Reich-kabinett- eS find, die unsere Aufmerksamkeit wachhalten für die großen. trotz deS Rehe- von außenpolitischen Verträgen noch immer ungelösten nationalen Fragen, die, weitab von den innerpolitischen Gräben und Trennungsstrichen deS Wahlkampfe-, da- ganze Volk angehen und es in einer Front sehen. Daran ändert auch nichts, wenn in der letzten Woche sozialistische Blätter di« berühmte Korridorrede deS Ministers Trevira» nuS absällig kritisierten, weil ihnen eben di« konservative Rase des Herrn Treviranus nicht gefällt. In der Sache selbst fordert die Sozial» demokratie die Revision des Versailler Vertrage- mit Bezug auf die Grenzziehung im Osten genau so wie die Deutschnationalen. Und Herr Dreitscheid. der außenpolitische Matador seiner Partei, hat diese Forderung oft genug genau so erhoben wie Hugenberg oder andere Führer der Rechten. Die Defreiungsseiern im Rheinland in der Rächt zum I.Iuli sowohl, wie bei der Rhein« landsahrt de- Reich-Präsidenten konnten leicht den Eindruck erwecken, dah man bei dem bc- greiflichen Iubel über den endlichen Abzug der Desatzungstruppen, bei der verständlichen Genugtuung über daS Ende der Schreckenszeit am Rhein die wahre Lage vergessen hätte, in der wir unS auf Grund der Verträge auch nach der Räumung des besetzten Gebiets noch be- poincares Feldzug gegen die Revision der Verträge. Ein neuer Gonntagsariikel. — Die Angst vor Deutschlands „Revanche". — Oie deutschen Revisionsforderungen und Frankreichs Sicherheit. Pari», 15. Aug. (XU.) PoincarL veröffentlicht am Freitag einen neuen Artikel, in dem er sich mit der von Deutschland geforderten Revision der Verträge auseinanderfcht. Einleitend kommt der ehemalige Ministerpräsident nochmal» auf die in seinem letzten Artikel enthaltenen Angriffe gegen den Reichspräsidenten zu sprechen, poincars verwahrt sich dagegen, dah er e» an der nötigen Achtung habe fehlen lassen. Er habe im Gegenteil mit anderster Ehrerbietung gesprochen. Stellenweise habe er sogar seine Schätzung und Bewunderung durchblicken lassen. Man könne dem Reichspräsidenten die Anerkennung nicht versagen, zumindest offen genug gewesen zu sein und ehrlich da» zum Ausdruck gebracht zu Huben, was Stresemann verschwiegen habe. Man wisse In Frankreich leider nur zu gut, was Deutschland unter der Revision der Verträge verstehe. Das sei zunächst die Rückgabe de» Saargebiete» ohne Abstimmung, dann die Aufhebung der entmilitarisierten Zone, der AnschluhOe st erreich», die Rückgabe de» Danziger Korridor», die Einmischung Deutschlands in die Angelegenheit anderer Länder unter dem Vorwande de» Schuhes feiner nationalen Minderheiten und fchliehlich die Forderung nach Kolonien. Kurz, eine triumphierende Revanche und eine unbeschränkte Vergrößerung de» besiegten Deutschland. Wenn Deutschland als Sieger aus dem Weltkriege hervorgegangen wäre, so würde es Frankreich gegenüber sicherlich nicht dieselbe Mähigung gezeigt haben, wie dies jetzt umgekehrt der Fall sei. PoincarL wird dann ironisch und betont, dah Deutschland trotz der dauernden Wiederholung des „Gott mit uns" den Krieg verloren habe. Ls habe einen Vertrag unterzeichnet und wenn es wirklich den Wunsch hege, dah die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Deutschland aufhörten, so fei es feine Pflicht, diese Unterschrift zu achten. Durch die Unterzeichnung des Locarnooertragcs und des Kelloggpaktes habe Deutschland seine erste Unterschrift be- fl ä l i g t. Um so unerklärlicher sei die kolossale Ausdehnung der Entwicklung, die die R e i ch s w e h r in den letzten Jahren gehabt habe. Auch die Erziehung de» deutschen Nachwuchses sei nicht nur unvereinbar mit der europäischen Sicherheit, sondern auch mit der Möglichkeit der Aufrechterhaltung eines dauernden Friedens. PoincarL kommt dann auf die eigentlichen Revi- fioneforberungen zu sprechen. Lr betonte dabei, wenn das Reich wirklich den Wunsch hege, in einem bestimmten Punkte eine Vertragsänderung zu fordern, so solle e» endlich aufhören, an allen seinen Grenzen zu schüren. Vielmehr einen der ihm offen- stehenden Wege einschlagen, indem es entweder i n direkte Verhandlungen mit dem interessierten Land eintrcte ober bie Angelegenheit vor ben völkerbunb bringe. 3ebc Grenzver- änberung beschwöre neue llnzulräglichkeilen herauf, wenn sie nicht bas Ergebnis freier Verhandlungen zwischen zwei Staaten sei. Eine Rückgabe des Danziger Korridors würde sicherlich in Deutschland und besonders In Ostpreußen grohe Freude austösen, die im Korridor ansässigen Polen aber aus» änherste erbittern unb bamit zu neuen unb vielleicht viel größeren Schwierigkeiten als bisher Aniah geben. Aehnllch verhalte es sich mit bem Anschluh, mit bem sicher nicht ave Oesterreicher einoerftanben seien. Eine Revision ber Verträge würbe also in Mitteleuropa nur neue Brandherde schassen, was sich unter Umständen auf dem ganzen Kontinent auswirken könne, wenn das da» Ziel Deutschland« fei, so müsse es dies offen sagen. Frankreich werde dann nicht mitgehen. ♦ Es lohnt sich eigentlich nicht, mit dem früheren französischen Ministerpräsidenten zu streiten. Alles was man ihm sagt, lehnt er ab, oder will einfach nicht glauben, dah man es ehrlich meint. Trotz alledem verdienen feine Aeuherungcn in dem heutigen Halbmonatsartikel nochmal- die schärfste Zurückweisung. Man mühte doch eigentlich annehmen, dah Poincare Staatsmann genug ist. um zu erkennen, dah sich die Entwicklung nicht in eine Zwangsjacke e in- spannen läßt. Ieder Vertrag ist ein Fetzen Papier, wenn er dem Worte nach ausrechterhalten werden soll. Auch Verträge müssen entwicklungsfähig sein, sonst geht die Zeit einfach über sie hinweg. Anderseits sind doch schon viele Staatsmänner in den übrigen Ländern davon überzeugt, dah der gegenwär- tige Zufl and fein endgültiger sein kann. Der Korridor, Danzig. Eupen-Malmedy. das Saargebiet, alles das sind doch Probleme, die immer noch der Lösung harren. älnd dieser Lösung steht ja letzten Endes auch der Versailler Vertrag nicht entgegen. Auherdem hat sich Herr Poincare selbst niemals an den Wortlaut deS Vertrage- gehalten, denn sonst hätte er während seiner Ministerpräsidentschaft dafür Sorge tragen müssen, dah die Olbrüftung auch in seinem Lande durchgesührt wird. Aber das nur nebenbei Wenn Herr Poin- carä sich die-mal veranlaht suhlt, darauf hinzu- weisen, dah Aenderungen nur dann möglich sind, wenn sie im gegenseitigen Einvernehmen durchgesührt werden, so kann man diesen Satz durchaus unterschreiben. Auch die deutsch« Reichsregierung will die Aenderungen der unhaltbaren Zustände nut im Wege gegenseitiger Vereinbarungen erreichen. Auch die deutsch« Reichsregierung lehnt eine Revanchepolitik ab, wie sie gewisse Kreise in Pari- und Warschau ihr zuschreiben zu mühen glauben. Auch die Reichs- regicrung setzt sich in vollkommenem Umfange für die Kontinuität der deutschen Außenpolitik ein. Aber Deutschland kann es nicht zulassen, dah Fehler bestehen bleiben, die nicht nur für Deutschland, sondern darüber hinaus auch für die ganz« Welt eine Gefahr bedeuten müssen. Wenn wir in Europa zur Ordnung kommen wollen, dann müssen wir doch die Unordnung beseitigen, also jene zwangSläusigo Ordnung, die unorganisch ist, und der tatsächlichen Entwicklung zuwiderläuft. Man darf doch annehmen, dah Poincare selbst für die Zukunft arbeiten will, wer daS toUl, muh aber auch dsn Mut haben, zu erkennen, wo die Fehler sind, die ausgemerzt werden müssen. Wer aber an der alten Politik des HegemoniSmuS sesthält, wer im Mihtrauen stecken bleibt, der wird nie zu einer klaren Erkenntnis kommen können. Es erübrigt sich eigentlich, diese Gedanken immer wieder vorzubringen. Aber da Herr PoincarL beharrlich ist, muh man doppelt beharrlich sein. Einmal wird der Tag kommen, wo die Gedankengänge Poin- carLs Näglich zusammenbrechen werden. Verhandlungen mit Finnland. Ein Sonderdelegierter geht nach HelsingforS. — Um eine Aufhebung der Zollbindungen für Molkereierzeugniffe ohne Kündigung des Handelsvertrags. Berlin, 15. Aug. (ERB.) Das Reichskabl- nett hat heute die Beratung über die vom Reichs- ernährungsminister Schiele geforderte Kündigung des de u t f ch - f i n n i f ch e n Handelsvertrages fortgesetzt, wie wir erfahren, kam es am Abend zu dem Befchluh, in direkten Verhandlungen mit Finnland zu verfuchen, zu einer Regelung der umstrittenen Handelsvertragsfragen zu gelangen, die ben deutschen Wünschen und Interessen entspricht. Zu diesem Zweck wird ein Sonderdelegierter, und zwar der Leiter der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amts, Ministerialdirektor Dr. Ritter, nach helfingfors entsandt werden. 3n unterrichteten Kreisen rechnet man damit, dah es gelingen wird, aus diese weise im Lause der nächsten Woche zu einer Verständigung mit der finnischen Regierung zu kommen. Man kann wohl annehmen, dah der deutsche Delegierte die Ausgabe hat. die finnische Regierung davon zu überzeugen, dah eine (Einigung im Sinne der deutschen wünsche auch im Interesse Finnlands erstrebenswert ist, weit dadurch die Kündigung des handclsoer- träges vermieden wird, die für Finnland zweifellos noch größere Rachteile bringen würde. Es wird sich darum handeln, die Zoltautono- mle für bie umstrittenen Molkerei- erzeugnisse nicht durch Kündigung des Gesamt- oertrages zu erreichen, d. h. es mühte lediglich die Bindung der Zölle in diesem Fall ausgemerzt werden. Damit wäre erreicht, dah man die Zollhohe der jeweiligen Welfmarktlage für Molkerei- erzeugnisse a n p affen könnte, ein hauptwunsch der Landwirtschaft, die ja gerade die starre Bindung auf sieben Jahre ablefjnf, weil sie befürchtet, dah weitere Preisstürze aus dem auherdeutschen Mark! die im Zusatzabkommen sestgelegte Zollhöhe überspringen könnten und damit die deutsche probuftioa ruinieren würden. Allerdings wäre dann die Regierung genötigt, bei Zollerhöhung von Fall zu Fall erneut mit den Finnen zu verhandeln, die aber schließlich am Absatz ihrer Produkte auch interessier! sind und bei einer Kündigung des Handelsvertrages zweifellos ihrerseits ebenfalls grohe Risiken übernehmen müssen. Dann mühten mit den anderen nordischen Ländern, bei denen sich übrigen» parallel zu den versuchen der Donau-Länder Bestrebungen zur Bildung eine» nordischen Agrarblock» bemerkbar machen, diplomatische Verhandlungen ausgenommen werden, um in der Zollfrage für Molkereierzeugnisse auch mit diesen Staaten Fühlung zu halten. In Berliner politischen Kreisen nimmt man daher heute allgemein an, dah die Möglichkeit eine» solchen Auswege» gegeben ist, der die Zollbindung für Molkereierzeugnisse mW Finnland aufhebt und etwaige Zollerhöhungen besonderen Verhandlungen von Fall zu Fall überläht. Auch für die innerpolit sche Entwicklung in Deutschland würde ein solches Kompromih eine bedeutsame Entspannung bringen und der ganzen Frage ihre gefährliche Zuspitzung nehmen. Rachdem die Regierung und die Wirtschaftler gesprochen haben, haben also nun die Diplomaten das Wort, um die praktische Durchführung zu sichern. Weitergehende polnische Ansprüche auf Erm- land. Masuren und vier westpreuhischc Kreise östlich der Weichsel scheiterten an den großartigen deutschen Abstimmungssiegen vom 11. Iuli 1920. während die für Deutschland kaum minder günstige Abstimmung in Oberschlcsien vom 20. März 1921 leider nicht hindern konnte, dah, obwohl sogar 42 Prozent der polnischsprechendcn Bevölkerung für Deutschland stimmten, dort fast eine Million Deutsche gegen ihren Willen der polnischen Republik einverleibt wurden. Eo sah Wllsons Eelbstbestimmungsrecht der Völker in der Praxi- aus. älnb wenn Polen in Dersallles seinen angeblichen Rechtsanspruch auf Posen. Westpreuhen. das ostpreuhische Ennland und Masuren mit der Behauptung erhob, dah ben Polen hier altslawischer Boden durch die Ger- manisierungsbestrebungen früherer Iahrhunderte widerrechtlich entrissen worden sei, so verdankt es seinen Erfolg nur der völligen älnkenntniS ostdeutscher und osteuropäischer Geschichte des amerikanischen Gcschichtsprofessors Wilson und der zynischen Leichtfertigkeit, mit der europäische Staatsmänner in Versailles das historische Recht zugunsten ihrer politischen Interessen beugten. Denn die deutsche Bevölkerung der von Polen beanspruchten Provinzen ist zum weitaus größten Tell schon seit Iahrhunderten bodenständig, sie wurde von slawischen Fürsten ins Land gerufen und hat sich kraft ihrer überlegenen Kultur, chrcs Fleißes und ihrer Intelligenz als wirtschaftliches unb kulturelles Rückgrat des Landes bi- heute erhalten. Rur Westpreuhen hat in den dreihundert Iahren polnischer Oberhoheit (1466 bis 1772) eine unerhörte Leidenszeit schlimmster Vernachlässigung erdulden müssen, in der es ganz in polnische Wihwirtschaft und älnkultur hineingezogen wurde. Dem großen Preuhenkönig blieb es Vorbehalten, die gänzlich heruntergekommene Provinz deutscher Kultur zurückzugewinnen. HiemalS hat sich die äleberlcgen- heik deutschen Wesens glänzender gezeigt, als in dieser großartigen Durchdringung slawischer Art mit deutschem Geist. Wenn es also mit Polens historischem Recht auf das ihm in Versailles zugesprochene Gebiet windig genug aussieht, so ist es mit seinem angeb- lief) natürlichen Recht auf den Zugang zum Meer, mit dem in erster Linie die Schaffung des polnischen Korridors, der Ostpreußen vom Reiche trennt, begründet wurde, nicht besser. Muß man auf die Schweiz verweisen, oder gar auf den mächtigen Industriestaat der Tschechoslowakei oder aus der Reihe der besiegten Böller auf Ungarn, dem man seinen einzigen Hafen Fiume Genommen hat, um ihn erst dem neuen Großserbien, dann Italien zu geben? Polens Wünschen auf eine Verbindung mit dem Meer, die für ein Doll mit aufstrebender Industrie begreiflich erscheinen mögen, hätte sehr wohl auch ohne die einschneidenden territorialen Veränderungen, die man in Versailles für gut befunden hat, Rechnung getragen werden können. Man denke nur an eins polnische Freihandelszone im Danziger Hafen analog zu der tschechischen in Ham- bürg ober der ungarischen in Fiume. Sogar mit einer Internationalisierung des Weichsel st r o m s, um der polnischen Wirtschaft einen Schiffahrtsweg zu sichern, hätte Deutschland sich ab» finden können. Niemals aber wird es sich mit einer Grenzziehung zufrieden geben, die die deutsche Ost- mark in ihrer ganzen Ausdehnung aufreißt, die die alte deutsche Hansestadt Danzig vom Reiche losgelöst hat und dem wirtschaftlichen Ruin preisgibt, die schließlich die ostpreußische Insel durch ihre Trennung vom Reich in schwere wirtschaftliche unb kulturelle Not gebracht hat unb sie der Gefahr aus- sep.t, über kur; ober lang in wirtschaftlicher unb oolklicher Durchdringung von Polen friedlich erobert ober gar einfach überrannt zu werden, wenn der Augenblick b?n Warschauer Machthabern günstig erscheint. Aus diese offene Wunde an der Ostslanke des deutschen Staatskörpers hat Minister Trevi- r a n u s in seiner Gedenkrede am Abstimmungstage hingewiesen und Deutschlands Revisionsanspruch angemeldet. Mit vollem Recht hat er betont, baß bie von Deutschland als ungerecht unb unerträglich empfunden« Grenzziehung das Verhältnis zwischen beiden Nachbarn nicht zur Ruhe kommen lasse und daß Ostdeutschlands Blutstockung eine europäische Gefahr bedeute. Er hat seine Auffassung, die ganz Deutschland teilt, dann dahin erläutert, daß er sich die Bereinigung der Ostfrage nicht auf kriegerischem Wege denke, sondern über den Genfer Bölkerbund oder eine Konferenz der Anrainer. Wenn dafür die Zeit vielleicht auch noch nicht reis sei, so sei doch nach der Rheinlandräumung die Lösung der Korridorfrage das außenpolitische Problem Deutschlands. Die Treviranusrede hat zusammen mit Wirths Hinweisen auf di« noch immer nicht beseitigte Un- freih«it Deutschlands am Rhein in der gesamten Weltpresse ein überaus lebhaftes Echo gefunden. Während die Nächstbeteiligten, die Polen, überraschenderweise zuerst sich in Schweigen hüllten und erst nach der Rückkehr ihres Außenministers Zaleski aus Reval die Sprach« wieder fanden, ist zur Verteidigung der Ansprüche des polnischen Verbündeten die Pariser Presse ohne Zögern und mit besonderem Stimmaufwand in die Schranken getreten. Sie faselt bereits, soweit sie der nationalistischen. Rechten angehört, von neuen Kriegsplänen Deutschlands unter Bruch der beschworenen Verträge, von dem offenbaren Bankrott der Locarno- politik Briands, der sich von Stresemann hätte einwickeln lassen und dem die Herren Wirth und Treviranus jetzt das wahr« Gesicht Deutschlands zeigten, dieses Deutschlands, das heut« noch, nach zehn Jahren, nach Revanche lechze und nur auf den Augenblick lauere, wo es, aller finanziellen und politischen Fesseln ledig, zur gewaltsamen Rückeroberung der verlorenen Gebiete schreiten könne. Man fragt sich vergeblich, worin diese Wutausbrüche der Pariser Presse, die die polnischen Kollegen nun noch zu überbieten suchen, ihre Begründung finden und was sie bezwecken. Deutschland hat im Locarnovertrag und im Kelloggpakt jeder Absicht feierlich entsagt, auf kriegerischem Wege durch Gewalt sein Ziel einer Aenderung der Grenzverhältnisse im Osten zu erreichen. Die deutschen Minister haben dies nochmals unterstrichen. Deutschland spielt mit offenen Karten. Es hat seine Vertragskontrahenten, weder Polen noch Frankreich, niemals darüber im Zweifel gelassen, daß die von ihm geforderte Revision der Ostgrenze eine nationalpolitische Existenzfrage für Deutschland bedeutet. Franzosen und Polen macht es natürlich beson- ders rasend, daß die Alnmöglichkeit der deutsch- polnischen Grenze, insbesondere des Korridors, und die Notwendigkeit ihrer Revision im wohlverstandenen gesamteuropäischen Interesse sowohl von der englischen wie der italienischen Presse rückhaltlos anerkannt wird. So schreiben die „Daily News" — um nur eine Presfestimme von vielen herauszugreifen: „Niemand, der auf der Landkarte sieht, wie der polnische Korridor Ostpreußen von dem übrigen Deutschland abschneidet oder der sich der Begleitumstände der oberschlesischen Volksabstimmung erinnert, kann ernstlich glauben, daß diese Grenzen in sich selbst Stabilität besitzen." Die Vorschläge, die von englischen Blättern und auch von einzelnen Vernunftgründen zugänglichen französischen Politikern wie dem Grafen d'Or- messon für eine Lösung des Korridorproblems gemacht werden, sind allerdings durchaus unbrauchbar und treffen nicht den Kern der Sache. Mit einer Rückkehr Danzigs zum Reich und der Verbesserung der Verbindungen an den Grenzen des Korridors allein, wie es ■ der „Manchester Guardian" vorschlägt, ist Deutschland ebensowenig gedient, wie mit dem famosen Gedanken eines deutschen Korridors durch den polnischen Korridor, den der Graf d'Ormesson in die Debatte wirft. Nein, Deutschlands Revisionsforderung muh auf gänzliche Beseitigung des Korridors lauten. Ostpreußen muß, losgelöst • toorn Mutterland«, von polnischem Gebiet auf ollen Seiten eingeschnürt, zugrunde gehen, wenn 'es nicht wieder mit dem Reiche verbunden wird, älnd andererseits sollten die Polen einsehen, daß der Korridor auch für sie geopolitisch wie strategisch ein Unding ist, dessen zweifelhafter und stets bedrohter Besitz den Wert eines erträglichen Verhältnisses zu dem großen deutschen Nachbarn gewiß nicht aufzuwiegen vermag. In einem Augenblick, wo der Gedanke einer europäischen Staatenorganisation aufgeworfen wird, die nur möglich ist unter gleichberechtigten, freien, lebensfähigen Nationen, erscheint es gewiß nicht unbillig, wenn Deutschland die ^Überprüfung von Der- tragsbestimmungen verlangt, die seine Souveränität beschränken, wie die entmilitarisierte Zone im West en oder die deutsches Land bedrohen, deutsche Wirtschaft lähmen und deutsche Kultur vernichten, wie die Lostrennung Danzigs, die Abschnürung Ostpreußens durch den Korridor und die Zerreibung Oberschlesiens im Osten. Die französische Presse jedoch möge sich den Rat ihrer britischen und römischen Kollegen zu Herzen nehmen und den gänzlich unangebrachten Hehfeldzug gegen deutsche Minister einstellen, die lediglich das zum Ausdruck gebracht haben, was ganz Deutschland empfindet. Volk und Regierung werden nicht Nachlassen in der nachdrücklichen Betonung ihres Verlangens nach Re- vlsion der Ost grenzen und werden sich in dem einigen Streben nach diesem Ziel einer volkspolitisch, kulturell und wirtschaftlich gesicherten Ostmark auch durch das Aleberschäumen chauvinistischer Boulevardblätter in Paris und Warschau nicht einschüchtern lassen. Zaleskis Kritik an Treviranus. Zurückweisung durch den deutschen Gesandten in Warschau. Berlin, 15. Aug. (LNV.) Ls trifft zu, daß der polnische Außenminister Zaleski die Rede des Reichsmlnisters Treviranus vom 10. d. 2TL zum Wnkif} genommen hat, um gegenüber dem deutschen Geschäftsträger in Warschau Einspruch da- gcgen zu erheben. Er machte geltend, daß die Rückwirkungen auf die deulsch-polnisihen Beziehungen ungünstige sein müßten. Dec deutsche Geschäftsträger hat erwidert, daß ihm eine Diskussion über die Rede des Reichsmini st ers Trevira nus nicht möglich sei. Er hat aber darauf hingewiesen, nach feiner Kenntnis sei in der Rede des Herrn Reichs- Ministers nichts enthalten, was die Grundlage der deutsch-polnischen Beziehungen verändere oder mit den gellenden Verträgen nicht im Einklang stehe. Insbesondere sei es unsinnig zu glauben, der Reichsminister Treviranus habe anelne kriegerische Aenderung der Grenzen denken können. Die Stellungnahme des deutschen Geschäfts- lrägers entspricht der Auffastung in den hiesigen Für Ruhe und Ordnung im Wahlkampf. Ein Erlaß des hessischen Innenministers. Darmstadt, 15. Aug. (Am tlich.) Der hessische Minister des Innern Leuschner hat unter dem 15. August ein Verbot von Auf» und Um jügen, Durchmärschen und Sammeltransporten von Mitgliedern nationalsozialistischer und kommunistischer Organisationen mit Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken oder Fahrrädern erlassen. Das Verbot stützt sich auf Artikel 123 Absatz 2 der Reichsverfassung (Aufhebung der Versammlungsfreiheit bei unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit) als zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung nötig. In der Begründung wird ausgeführt: In letzter Zeit ist es bei Almzügen und Aleber- landfahrten der genannten Organisationen, insbesondere bei solchen Fahrten, die mit Kraftfahrzeugen unternommen worden sind, immer wieder zu erheblichen Störungen der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit gekommen. Immer wieder haben sich bei solchen Gelegenheiten Belästigungen der Dev'öl- ferung, Tleberfälle auf friedliche Bürger und Zusammenstöße mit Andersdenkenden ereignet, die teilweise zu schweren Ausschreitungen ausgeartet sind. Die Vorgänge, die sich in den letzten Monaten in Beilsheim, Guntersblum, Goddelau, Michelstadt i. O., Rüsselsheim, Ober-Ramstadt und Griesheim bei Darmstadt ereignet haben, sind Beispiele dafür. Bei all diesen Vorgängen hat sich gezeigt, daß — insbesondere bei Almzügen ortsfremder Gruppen der genannten Organisationen — die Benutzung schneller Beförderungsmittel insofern einen Anreiz z u Ausschreitungen bietet, als die Rechtsverletzer glauben, sich einem polizeilichen Zugriff leicht und rasch entziehen zu können. Die erwähnten immer zahlreicher werdenden Almzüge bedeuten deshalb für die Polizei eine unverhältnismäßige Belastung. Daneben macht die große Beweglichkeit der auf schnellen Fahrzeugen umherziehenden Gruppen es der Polizei vielfach unmöglich, Ausschreitungen und Störungen der öffentlichen Ordnung zu verhüten. Da sich die Gegensätze in letzter Zeit immer mehr zugespiht haben, liegt deshalb eine unmittelbare Gefahr für die öffent- liche Sicherheit vor bei allen Durchmärschen, Auf- und Almzügen, die von Mitgliedern der genannten Organisationen auf Kraftfahrzeugen, Fuhrwerken oder Fahrrädern veranstaltet werden, und es ist auch zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung notwendig, Sammeltransporte auf den genannten Beförderungsmitteln zu unterbinden. Schwerer AordweMm an der Wasserkante. Hamburg, 16. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der seit Donnerstag über der Ncnrdsee und dem Gebiet der Alnterelbe wehende starke Nord- w e st st u r m. verbunden mit wolkenbruchartigen Regengüssen, hat der Elbe einen wesentlich erhöhten Wasser st and gebracht. Freitagabend 9 AIHr war im Hamburger Hafen bei Hochwasser der Wasserstau!) über 1,5 Meter höher als Mittelhochwasser. Durch die rechtzeitigen Wettermeldungen der Seewarte konnten alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Bei weiterem Fallen des Barometers nimmt der Sturm an Heftigkeit zu. Das Hochwasser hat das Hafengelände in eine Wasserwüste verwandelt. Der Dadebetrieb muhte wegen des Alnwetters unterbrochen werden. Etwa 50 Dampfer aller? Nationen liegen auf der Elbe vor Anker. Bei den Feuerschiffen suchen die Schiffe ebenfalls Schutz. Aus der Gegend des englischen Kanals haben verschiedene Schiffe 808-Rufe gegeben. An der hannoverschen Seite des Unterelbegebietes find gewaltige Regenmassen niedergegangen. Riesige Wassermassen strömen aus den Mooren den Gräben und Flüssen zu. Die Schwinge kann die so plötzlich auftretenden Mengen nicht bewältigen und hat bereits Wiesen und Weiden überflutet. Auch auf der Geest ist sehr viel Regen gefallen, so daß auch an der Oste Ueberschwemmungen zu verzeichnen sind. Der Hauptwafserstrom ist erst für die kommenden Tage zu erwarten, wenn das aus den Mooren abfließende Wasser die Niederungen erreicht. In Bremen setzte der Sturm in der Nacht zum Samstag mit großer Heftigkeit wieder ein. Er erreichte zeitweilig eine Stärke bis zu 25 Sekundenmeter. Dachziegeln liegen auf den Straßen umher. Viel Schaden hat der Sturm in landwirtschaftlichen Betrieben angerichtet, wo das Vieh auf den Weiden stellenweise bis zu den Knien im Wasser steht. Das Wasser ist bereits verschiedentlich in Keller und Kücheri eingedrungen, so daß die Feuerwehr in Tätigkeit treten mußte. Der Wasserspiegel der Weser stieg etwa um 1,50 Meter über Normal. Schneefall an der nordfranzöslschen Küste. Seit 24 Stunden herrscht an der Küste der Normandie ein zhklonartiger Sturm, wie er um diese Iahreszeit nur selten beobachtet worden ist. Zwischen Deauville und Trouville muhte der Schiffahrtsverkehr vollständig e i n g e ft e 111 werden. Die Fischerboote haben in aller Eile die schützenden Häfen ausgesucht und selbst der Passagierverkehr zwischen Le Havre und Trouville konnte nicht durchgeführt werden. In Poissy wurde ein bisher noch nicht dagewesenes Naturschauspiel verzeichnet. Das Barometer war in den letzten Tagen bereits wesentlich gefallen und der Himmel vollkommen bedeckt. Am Donnerstagmorgen fiel während einer halben Stunde Schne e und bedeckte den Erdboden mit einer feinen Schicht, die aber bald zerrann. maßgebenden politischen Kreisen. Sämtliche deutschen Regierungen haben hinsichtlich der deutschpolnischen Grenzen stets dieselbe Auffassung vertreten und über diese Auffassung n i e einen Zweifel aufkommen lassen. Das liberale Wahlabkommen in Württemberg und Vaden. „Sammlung heißt die Parole". Karlsruhe, 15. Aug. (WTB.) Von der Deutschen Staatspartei und der Deutschen Volkspartei wird mitgeteilt: Die zwischen der Deutschen Volks- Partei und der Deutschen Staatspartei in Baden und Württemberg schwebenden Verhandlungen über ein Wahlabkommen haben heute zum Ziele ge führ t. Beide Parteien stellen einheitliche W a h l l i st e n auf. In Baden wird die Einheitsliste von Reichsminister Dr. Eurtius und Reichsminister Dietrich angeführt. An der Spitze der württembergifchen Einheitsliste stehen Dr. Theodor H e u ß und der bisherige volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Keinath. Die beiden Kreis- wahloorschläge werden miteinander verbunden. Beide Parteien haben sich zu diesem Schritt entschlossen, um dem Staatsbürgertum in nunmehr geschlossener Front die ihm gebührende Machtposition zu geben, die im Interesse der Gesundung von Staat und Wirtschaft notwendig ist. Sie erstreben eine nur vom staatspolitischen Geiste getragen«, nach allen Richtungen hin unabhängige Reichstagsmehrheit. Nicht Jnteressenpolitik, sondern Staatspolitik, nicht Zersplitterung, sondern Sammlung heißt die Parole. Kritik an der Hugknbergschen „Tributabgabe" Eine Stimme aus der Industrie. Berlin, 15. Aug. (ERB.) Die „Deutsche Tageszeitung" gibt eine Kritik des ehemaligen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Dr. I. W. R e i- chert, vom Verband der Eisen- und Stahlindustrie, zu dem Vorschläge Hugenbergs einer Tributabgabe wieder. Dr. Reichert weist darauf hin, wie bestechend der Hugenbergsche Vorschlag auf den ersten Augenblick erscheint und wie er bereits auf viele mit der Außenhandelspolitik nicht Vertraute verblüffend ge- wirkt habe. Hugenberg habe jedoch es außer acht gelassen, daß die Einführung einer solchen Tributabgabe nicht nur G e g e n m a ß n a h m e n s ch ä r f- st er Art seitens des Auslandes herausfordern, sondern auch auf den deutschen Binnen- m a r k t drohende Rückwirkungen hervorbringen wurde. Bei der Abhängigkeit der deutschen Industrie vom ausländischen Roh- und Halbstoffmarkt würde die löprozentige Abgabe einer 15pro- zentigenV erteuerung gleichkommen, also einer Erhöhung der Produktionskosten und eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber fremder Waren, sowie eine Vergrößerung der Arbeitslosig- kei, herbeiführen. Die Verwirklichung des Hugrn- bergschen Vorschlages würde zudem die Einführung eines völlig neuartigen Verzollungssystems neben een bisherigen Gewichtszöllen erfordern nämlich den Wertzoll. Die Einführung eines solchen Zollsystems aber würde ein neues Heer von Beamten und Ange st eilten von etwa hunderttausend Köpfen notwendig machen und für die deutsche Ausfuhr die schwer st en Rück- schlüge mit sich bringen, wenn auch andere Völker sich entschließen würden, ihrerseits zum Wertzollsystem zurückzugehen. Der Hugenbergsche Vorschlag böte keine Gewähr dafür, daß er die Tributfrage in einem für Deutschland günstigen Sinne aufrollen und zur Beseitigung des Youngplanes führen würde; zahlreiche Industrie- und Handelsbetriebe aber, ja sogar ganze Wirtschaftszweige, würden in ihrer Existenz bedroht, wenn nicht sogar völlig vernichtet werden. Aus der Wahlbewegung. Wie die Deutsche Bauernpartei mitteilt, tritt sie bei der bevorstehenden Reichstags- Wahl völlig selbständig auf. Nachrichten, daß die Deutsch« Bauernpartei irgendwelche Vereinbarungen mit der landbündlerischen Christlich- Nationalen Daussrn- und Landvolkpartei getroffen habe, seien unrichtig. Ebenso unrichtig sei die Behauptung, daß im kommenden Reichstage eine Verbindung zwischen Bauernpartei und Landvolkpartei beabsichtigt sei. e Die Deutsche Dolkspartei gibt ihre Kandidatenliste für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost bekannt. Spitzenkandidat ist Staatssekretär Schmid. An zweiter Stelle steht Redakteur Dr. Bartz, Essen. * Der Vertretertag des Wahlkreises II Berlin der Deutschen Volkspartei stellte an die Spitze seines Wahlvorschlages den ehemaligen Reichs- wirtschaftsminister von Raumer, der diesen Wahlkreis seit langen Iahren im Reichstag vertritt. ♦ Die Kandidatur des Grafen Westarp im 35. Wahlkreise Mecklenburg-Lübeck für die Konservative Volkspartei ist gesichert. * Der ehemalige Komtur und Mitbegründer des Iungdeutschen Ordens für Nassau, Syndikus Leydhecker (Dillenburg), ist aus dem Iungdeutschen Orden ausgetreten, nachdem der Orden von feinen Mitgliedern die Zugehörigkeit zur neugegründeten Deutschen Staatspartei verlange und diese ohne Widerspruch des Ordens ein Zusammenarbeiten mit links als möglich und mit rechts als unmöglich bezeichne. • Die Deutschnationale Volkspar tei wird bei der Reichstagswahl den bisherigen Abgeordneten Landwirt Wege aus Follstein (Grenzmark) als Spitzenkandidaten im Wahlkreis Frankfurt a. d. Oder aufstellen. Die ersten Plätze auf der Liste der Konservativen haben Dr. h. c. von Keudell - Hohen- lüboichow, Dr. AI 11 m a n n, der Herausgeber der „Deutschen Wacht", und Ministerialdirektor a. D. von Kameke. Die Liste der Deutschen Dolkspartei fuhrt wieder Dr. H o f f, die Staatspartei Dr. Fischer vom Hanfa- Bund, das Zentrum Studienrat Warnke- Schneidemühl und die Sozialdemokraten Otto Wels. Aus aller Well. Die Bayreuther Festspiele. Die Festspiele nahen chrem Ende. Es stehen nur noch vier Aufführungen auf dem Spielplan, und zwar nach Beendigung des „Ring der Nibelungen" noch „Tannhäuser" am 20. und „Parsifal" am 21. August. Am Freitagabend wurde die „W a l k ü r e" gespielt. Der Wotan wurde wohl noch nie besser wiedergegeben, als ihn Friedrich Schorr brachte. Neben ihm als Drünhilde Frau Nany Larsen- Todsen. Ihre Stimme bereinigte sich mit der Friedrich Schorrs in wunderbarer Harmonie. Karin Dranzell gestaltete einzigartig mit ihrer klangvollen und reinen Stimme die Fricka. Blendend war auch die Leistung Emmy Krügers als Sieglinde. Gunnar Graarud, der den Siegmund sang, zeigte, daß er auch diese Rolle in gesanglicher und mimischer Hinsicht vollkommen beherrscht. Auch die Walküren paßten sich vollendet in den Rahmen des Ganzen ein. Das Orchester spielte unter Elmendorffs Leitung sehr gut. Die Inszenierung war, hauptsächlich im Feuerzauber des letzten Aktes, fabelhaft schön. Drei Touristen in den Alpen etffbren. Der Münchener Bergwacht wird von der Rettungsstelle Kufstein mitgeteilt, daß am Freitagnachmittag die Touristen Heinz Klump aus Berlin, Franz Kienz aus Karlsruhe und Dr. Paul Fische, Mitglied der Wiener Lehrersektion, am Kopftoerlgrat als erfroren gemeldet wurden. 3m Rausch seine Frau erschossen. Der Besitzer Friese aus Paradies bei Mohrungen hat seine Frau erschossen und dann Selbstmord begangen. Friese neigte zum Trunk und war im Rausch jähzornig. Seine Frau und Kinder litten sehr unter den Wutanfällen des Mannes. Als der Mann nach Hause kam, hatten sich Frau und Kinder in ein Zimmer geflüchtet und dort hinter einer Tür versteckt. Der Wüterich gab mehrere Schüsse gegen die Tür ab. Die Kugeln durchschlugen die Türfüllung und trafen die Frau so unglücklich, daß sie schwerverletzt zusammenbrach. Darauf schoß sich Friese eine Kugel in den Kopf. Er war auf der Stelle tot. Die Frau verstarb im Krankenhaus. Ein Mord nach neun Jahren aufgeklärt. Die Kriminalpolizei nahm einen ßanbftreirfjer fest, der sich Friedrich Nurckpel nannte und den Polizeibeamten auch entsprechende Ausweispapiere vorlegte. Dennoch schöpfte man Verdacht, da nach den Papieren der Betroffene 52 Jahre alt war, in Wirklichkeit aber das Aussehen eines etwa 35 bis 40 Jahre alten Mannes hatte. Aus diesem Grunde wurde Rumpel dem Erkennungsdienst vorgeführt. Durch die Daktyloskopie wurde der Festgenommene aber als der in Bartenstein in Ostpreußen geborene Robert Konrad festgestellt, der bereits wegen vorsätzlicher Brand st iftung zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Konrad hatte auch, wie die weiteren Ermittlungen ergaben, allen Grund, unter falschem Namen zu leben. Er hat 1921 in Bochum einen A r - b e i t s k o l l e g e n ermordet und beraubt und wurde steckbrieflich gesucht. Als man dem Mann die Tat auf den Kopf zusagte, legte er ein umfassendes Geständnis ab. Jan naycn. w Val. Ham! 'ar 15 ~U »toni V'wien '/trsro-’fG- Oie Wetterlage.________ ©wolkenlos.® neuer <>naiD oedecrt ® wonug. ©oeoecn «Reget * Sehnet ct Graupein e Neoei K 6ewilttr.@Wind$lilie.«O-> xh, leichter 0» massiger Südsüdwest q stormocher «ordwesl dir Pfeile fliegen mit dem wmdt Oie oeicen Stationen dienenden zahlen gehen die lemperatur an. Die Limen verbinden Ort» mit gleichet® auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Langsam zieht der Wirbel unter allmählicher Ab- ftachung ostwärts nach Südskandinavien und der Ostsee. Im Bereich seiner Rückseite gestaltet sich über Deutschland das Wetter immer noch unfreundlich und regnerisch, während der hohe Druck im Süd- roeften sich weiter nordwärts nach den britischen Inseln ausdehnt und dort besseres Wetter bringt. Allmählich dürfte auch bei uns der Luftdruck an- fteigen und damit eine Besserung, d. h. etwas auf« heiterndes Wetter eintreten, wenn auch zunächst durch die abziehende Störung einzelne Schauer nicht ausgeschlossen sind. Aussichten für Sonntag: Anfänglich noch wechselnd wolkig mit einzelnen Schauern, dann aufheiternd und etwas besferes Wetter, aber kühl. Aussichten für Montag: Teils wolkig, teils ausheiternd, meist trocken, tagsüber etwas wärmer. Lufttemperaturen. Am 15. August, mittags 16,0 Grad Celsius: abends 12,6; am 16. August morgens 10,0; Maximum 16,0, Minimum 9,2. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 15. August, abends 15,4 Grad Celsius; am 16. August, morgens 12,2; Niederschläge 3,5; Sonnenscheindauer 3i Stunden. Reisewellerdienst. Borkum. 14 Grad. Westwind, wolkig und regnerisch. We ste rl an d au f S y l t. 10 Grad, Südwest- toinb, halb bis ganz bedeckt. Freiburg u Dr. 12 Grad, DüdwestWirch, Halb bis ganz bedeckt. Aus der Provinzialbauptsiadt Sieten, den 16. August 1930. Oer Zenenbesuch. „Zu einer Reise wird - diese» Jahr nicht langen. Aber ich habe einen Bekannten in Thüringen, der hat mich schon so oft eingeladen, daß ich ihn einmal besuchen soll. Ich werde also einige Wochen zu ihm gehen." Solche oder ähnliche Aussprüche kann man öfter» hören. Fragt man aber später: ..Ra. Wie war » bei deinem Scannten t“, dann wird in den wellten Fällen abgewinkt. „Niemals wieder!" Wurden wir aber den „guten" Bekannten selber fragen. erhielten wir vielleicht btefelbe Antwort: ..Niemals wieder!" Woran liegt da« nun? 2- gibt leichtgläubige Menschen, die da meinen. sie mühten jeder Höflichkeit-formel sofort Folge leisten. Wenn irgend jemand, mit dem sie eine kurze Bekanntschaft gemacht haben, beiläufig zu ihnen sagt: „Besuchen Sie mich doch einmall", glauben sie auch, sie müßten es tun. Der betreffende gute Bekannte ist dann höchst überrascht, wenn er die BesuchSanzeige erhält. Dielleicht besinnt er sich kaum noch auf die da- mallge Zeit, will aber nicht unhöflich sein und schreibt zurück, daß er sich freue usw. 3ht Stillen rechnet er damit, daß ihn der Besuch etwa einen Nachmittag kosten wird, bann sei die Sache wohl erledigt. Lind nun kommt der „Freund" und läßt sich einige" Tage, vielleicht Wochen, häuslich bei ihm nieder! Wer hat nicht schon solchen „lieben" Besuch gehabt? Aber kehren wir erst einmal vor unserar eigenen Tür! Haben w i r nicht auch schon, wenn wir zu Besuch bei Bekannten weilten. daS Gefühl gehabt, daß „etwa- nicht stimmte"? Diel- leicht haben wir uns hier und da in kleine häusliche Angelegenheiten gemischt, die unS eigentlich nicht« angingen? Oder wir haben daS Benehmen der Kinder getadelt? SS ist immer eine schwierige Sache, bei Leuten zu Gast zu fein, die wir nicht sehr gut kennen. Lind ich glaube, e« ist da« Beste, man bricht seinen Aufenthalt sofort ab, wenn man auch nur von weitem merkt, daß man überflüssig ist, selbst In dem Fall, daß eine bestimmte Zeitdauer verabredet Wat. Sine Abreise ist dann immer noch besser al« ein zu lange- Bleiben. SS gibt anderseits auch Leute, die in bezug auf Tccktgefühl eine Haut haben, wie ein Sle- fant. Sie kommen zu Besuch, verwechseln unser Haus mit einem Hotel, stellen an uns und unsere Kinder Ansprüche, die wir innerlich adlehnen, au« Höflichkeit aber erfüllen. Am Frühstückstisch fehlen fie; sie wollen sich gehörig ausschlafen. Wir warten, lassen den Kaffee kalt werden und zeigen doch noch eine freundliche Miene, wenn Dann der Besuch endlich geruht, zu erscheinen. Nach dem Mittagessen beschlagnahmen sie unser Sosa, um dort ihr Schläfchen zu halten. Linsere Kinder dürfen sich nicht mucksen. Nachmittags gehen sie au« und kommen, ohne irgendeine Zeit anzugeben, nach Hause. Ist daS Wetter so, daß sie bei unS im Hause bleiben müssen, fangen sie an, „Ordnung zu schaffen". Die Gruppierung im Bücherschrank muß anders werden, die Bilder hängen verkehrt. Wir lassen sie gewahren, zeigen ein freundliche« Gesicht, nehmen un« aber vor, nach ihrem Weggang wieder alle« so zu stellen und zu hängen, wie eS war. Die geleerte Zigarrenkiste. der Tintenfleck auf der Tischdecke, das sind noch kleine Lieberraschungen, wenn der Besuch dann endlich Abschied genommen hat. Sollten wir dann nicht aus tiefinnerstem Herzen wünschen. Niemals wieder! Wie schön aber ein Besuch verlausen kann, wenn man sich bei einer Familie cinlebcn kann, da« haben viele sicher schon erfahren. Nicht der Gastgeber hat die größte Rücksicht zu nehmen, sondern wir, die Gäste. Einordnung wird von uns, den Fremden, verlangt. Sind unsere Freunde Frühaufsteher, dann werden wir eS auch, es schadet unS sicher nichts. Wird um ein Lihr gegessen, dann find wir pünktlich zur Stelle, und abends versammeln wir uns im Kreise der Familie, spielen mit den Kindern, erzählen der Großmutter von unserer Heimat und wollen nicht etwa ein Sondertänzchen für un« aufführen. Kleine Handreichungen nimmt jede Hausfrau dankbar an. Warum sollen wir ihr auch nicht einmal im Garten, bei der Wäsche, beim Decken des Tisches helfen? Denn wir sind es doch, die die Mehrarbeit verursachen. In die Kindererziehung unserer Gastgeber mischen wir uns grundsählich nicht ein. erzählen auch nicht, wie ordentlich und brav unsere Spröß- lingc sind. Wir vergessen nie, daß die paar Tage oder Wochen in angenehmer Erinnerung bleiben sollen. Warum also die Harmonie stören? Danz deutlich fühlen wir dann beim Abschied, Wenn die Aufforderung: „Kommen Sie recht bald wieder zu uns!" an uns gerichtet wird, daß sie auch wirklich aus innerstem Herzen kommt, daß eS nicht nur ein Höslichkeitsfah ist. Lind froh und zufrieden können wir erwidern: „Aber erst kommen Sie einmal zu uns!" Nicht« zeugt mehr von einem guten Besuch al« die Fortsetzung im nächsten Jahr. Auf dem Boden gegenseitigen Berständnisfes und liebevoller RüSkrchtnahme erwachsen dann die herzlichsten Freundschaften, nicht aber bei oberflächlichen Reisebekanntschaften, die gelegentlich einmal mit einem Besuch enden, an den man nicht gern zurückdenkt, von dem man sagen muh. „Niemals wieder!" W. (Sichen im Lustpostverlehr 1930. Dom 1. Mai ab ist Gießen an den unmittelbaren Luftpostverkehr angeschlossen worden. Mit dem um 8.20 Lihr hier ankommenden (Richtung Franksurt-Main) und um 8.30 Lihr hier abgehenden (Richtung Hannover). sowie mit dem um 18.25 Lihr hrer ankommenden (Richtung Hannover) und um 18.35 Uhr (Richtung Frankfurt-Main) hier abgehenden Flugzeugen werden Luftpostsendungen (gewöhnliche und eingeschriebene Briefe, Postanweisungen und Pakete mit der Bezeichnung „Luftpost") Wcitctbeförbctt. Sch luhze iten : 1. für die Luftpostsendungen in nördlicher Richtung (Hannover usw.): a) für gewöhnliche Briefe spätestens 8.20 Lihr bei der Posthilfstelle Flughafen, spätestens 7.30 Lihr beim Postamt 1; b) für die übrigen Sendungen spätestens 7.20 Lihr beim Postamt 1. 2. für die Luftpostsendungen in südlicher Richtung (Frankfurt- Main): a) für gewöhnliche Briefe spätestens 18.25 Lihr bei der Post- hilfstelle Flughafen, spätestens 17.35 Lihr beim Postamt 1: b) für die übrigen Sendungen spätestens 17.25 Lihr beim Postamt 1. Die SrhvhiM der Reichsbahn-persMNlaijse. Die Reichsreaierung hat die allgemeine Sketch»- b a h n - T a r tfe r h o h u n g für den Personenverkehr mit Wirkung ab 1. September d. I. genehmigt. Die Grundpreise erfahren danach folgende Erhöhung: 3. K l a s s e : bei Einzelkarten von 3,7 auf 4 Rps, bei Zeitkarten von 3,3 auf 3,7 Skpf. pro Kilometer. 2. Klasse: Einzel- und Zeitkarten von 5,6 auf 5,8 Skpf. pro Kilometer. 1. K l a s s e : von 11,2 auf 11,6 Skpf. pro Kilometer. Die Erhöhung der Einzelpreise wirb sich wirken: vom 1. September ab wie folgt aus- Personenzug: Fahrpreis 2. Klasse 3 Klasse heute künftig heute künftig 5,6 Pf. 5,8 Pf. 3,7 Pf. 4,0 Ps. 25 km 1,40 1.50 1,— 1.— 36 2,10 2,10 1,40 1,50 50 2,80 2,90 1,90 2,— $ w 5,60 5,80 3,70 11,20 11,60 7,40 4,— 8,— 300 16,80 17,40 11,20 12,— Eilzug: Fahrpreis 2. Klasse 3. K laste heute künftig heute künftig 5,6 Pf. 5,8 Pf. 3,7 Pf. 4,0 Pf. 25 km 1,90 2,— 1,25 1,25 36 3,10 3,10 1,90 2,— 50 3,80 3,90 2.40 2,50 100 7,60 7,80 4,70 5,— 200 14,20 14,60 8,90 9,50 300 Die 1—4 5 20,80 21,40 13,20 Fahrpreise im Nahverkehr: jetzt künftig km 15 Pf. 20 Pf. „ 20 „ 20 „ 14,— setzt künftig 6 km 30 Pf. 30 Ps. 8 M 30 „ 40 „ 9 40 „ 40 „ 10 40 w 40 „ 11 50 „ 50 „ ß 50 „ 60 „ 16 60 „ 70 „ 17 70 „ 70 „ 18 70 „ 80 „ 19 80 „ 80 „ 21 80 „ 90 „ 22 90 „ 90 „ 23 90 „ 100 „ 24 90 „ 100 „ 25 M 100 „ 100 „ Vie Preise der Zeitkarten. Die Wirkung der Erhöhung der Zeitkartenpreise 3. Klasse von 3,3 auf 3,7 Pf. ist folgende. Es steigen die Preise der Monatskarten 3. Klasse: 5 Ian von 4,20 auf 5,— Mark 10 „ „ 8,30 „ 9,30 „ 15 „ „ 11,60 „ 13,- „ 20 „ „ 14,20 „ 16,— „ 25 „ „ 16,40 „ 18,40 „ 30 „ „ 18,— „ 20,— „ Arbeiterwochenkarten: 5 km von 0,90 auf 1,— Mark 10 „ „ 1,70 „ 1,90 „ 15 „ „ 2,40 „ 2,60 „ 20 „ „ 2,90 „ 3,20 „ 25 „ 3,30 „ 3,70 „ 30 ,, 3,60 „ 4,— „ Ferner wird auch der jetzige Preis der B ahnst e i g k a r t e n von 10 Pf., der seit der Dorkriegs- zeit unverändert geblieben war, auf 2 0 Pf. erhöht. Diese Erhöhung wird von dem Publikum mit am härtesten empfunden, da sie als nicht gerechtfertigt, den Leistungen gegenüber, angesehen werden muß. Seuertoefyrjubiläum in Gießen. Wie bereits kurz berichtet, werden am 6. und 7. September die Freiwillige Gailsche Feuerwehr und die Gießener Freiw. Feuerwehr mit einer einfachen, aber würdigen Feier ihr 75jähriges Bestehen festlich begehen. Unter dem Gemeinschaf lsgcdan- ken: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" und „Einer für alle, alle für einen" haben bi« beiden Wehren seit 75 Jahren zum Wohle der Stadt und ihrer Bevölkerung gearbeitet. Daher bringt man denn auch in allen Teilen der Bürgerschaft der Jubelfeier der beiden Feuerwehren große Sympathie entgegen. Man erinnert sich der Tatsache, daß die Mitglieder der Wehren unter selbstloser Einsetzung ihres LebenS und ihrer Gesundheit in steter treuer Pflichterfüllung der Stadt und den Bürgern gedient haben und in zahlreichen Fällen der 7’/j Jahrzehnte aufopferungsvoll tätig geworden sind. Man darf sicher sein, daß die beiden Freiwilligen Feuerwehren bei ihrer Jubiläumsfeier erkennen werden. wie sehr Dank und Anerkennung der Bürgerschaft ihr Wirken belohnen wird. Für die Jubiläumsfeier ist folgender Verlauf vorgesehen: Am Samstag, 6. Septem b e r , vormittags und nachmittags,ömb- fang der auswärtigen Kameraden, am gleichen Tage vormittags im Hotel Schütz Sitzung des Ausschusses der Aachener und Münchener Feuer- wehr-Llnterstützungskasse, daselbst nachmittags Sitzung des Landesverbandes Hessischer Freiwilliger Feuerwehren, darauf im Schipkapaß Sitzung des Verbandes Hessischer Kreisfeuerwehrinspektoren. Am Abend, um 20 Lihr beginnend, findet vom Brandplay aus ein Fackelzug durch die Straßen der Stadt nach der Liebigshöhe statt, wo sich ein Kommers mit allerlei geselligen Darbietungen anschliehen wird. — Sonntag. 7. September, vormittags. Empfang auswärtiger Wehren, um 10 Lihr im Cafs Leib Tagung des Verbände« Freiwilliger Feuerwehren des Kreises Gießen. Lim 11.30 Lihr Aufstellung der beiden Feuerwehren auf Oswaldsgar- ten zu einer Hebung, um 12 Lihr Drandangrifs an einem größeren Häuserkomple?. 15 Lihr Abmarsch der Feuerwehren von OswaldSgarten nach der Volk-Halle, wo man bei jXbcaUraufführungen, turnerischen und gesanglichen Darbietungen den Festtag beschließen wird. OaS Ehrenmal für die gefallenen Gießener Healgymnasiasten. Arn Samstag, 13. September, findet die Weihe dcS Ehrenmals statt, das im Vorgarten des Gießener Realgymnasiums für die im Weltkriege gefallenen ehemaligen Angehörigen der Schule errichtet Wirb. Schon jetzt werden die Angehörigen der Gefallenen und alle diejenigen, die einst dem Gießener Realgymnasium angehört haben, zur Teilnahme an der Feier eingeladen. Gleichzeitig mit der Dcnk- malweihe wird die von Kützstleryand geschaffene erste Ehrentafel enlhüllt werden, die die Namen aller derer enthalten soll, die zu Beginn oder im Laufe des Krieges unmittelbar aus der Schule ins Heer eingetreten und den Heldentod gestorben sind. Auch diejenigen, welche bereits zu Ostern 1914 die Schule verließen und fürs Vaterland starben, werden voraussichtlich auf dieser ersten Tafel verzeichnet fein. Weitere Ehrentafeln, die später geschaffen werden, sollen die Namen aller im Weltkriege gefallenen ehemaligen Gießener Realghmnasiasten aufnehmen. Die Tafeln werden außer Dor- und Zunamen auch Dienstgrad, Truppenteil, Todestag und Ort vermerken. Zwecks Lieberprüfung und ev. Vervollständigung der vorhandenen Aufzeichnungen werden die Angehörigen und Freunde der Toten unter Hinweis auf die im heutigen Anzeigenteil veröffentlichte Aufforderung gebeten, baldmöglichst die notwendigen Angaben an die Direktion des Realgymnasiums zu Gießen einzufenden. Die für die erste Ehrentafel in Betracht kommenden Namen müssen spätestens bis zum 20. August übermittelt werden. Am Tage der Denkmalweihe wird der Lehranstalt aus den Mitteln, die die Vereinigung der ehemaligen Angehörigen des Gießener Realgymnasiums, sowie die gegenwärtige Schüler- generation in opferfreudiger Weise zusammengebracht haben, als Gefallenen-Gedächt- niSftiftung ein ansehnlicher Betrag zur Gründung eurer Schülerbibliothek Überreicht werden. Mit der Enthüllung de« Ehrenmals Wird eine Wiedersehen-feier verbunden sein, die die einstigen Schulkameraden und Freunde der Schule mit ihren Angehörigen in den Räumen der LiebigShöhe vereinigen wird. Sr. Daten für Tonntag, 17. August. Sonnenaufgang 4.48 Lihr. Sonnenuntergang 19.20 Lihr. — Mondaufgang 21.58 Lihr, Mond- Untergang 13.44 Lihr. 1786: Friedrich der Große im Schloß Sanssouci bei Potsdam gestorben: — 1830: der Märchendichter von Dolkmann-Leander in Leipzig geboren. Daten für Montag, 18. August. Sonnenaufgang 4.49 Lihr, Sonnenuntergang 19.18 Lihr. — Mondaufgang 22.29 Lihr, Monduntergang 15.06 Lihr. 1830: Kaiser Franz Joseph I. von Oesterreich in Wien geboren; — 1850 der Schriftsteller Aonore de Balzac in Pari- gestorben: — 1866' Gründung deS Norddeutschen Bunde-. Gießener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bi- 180 Pfennig das Pfund. Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 bis 15, Gelbe Rüben 10 bi« 15, Rote Rüben 10 bis 15. Spinat 20 bi« 25. Römisch- kohl 8 bi« 10, Bohnen (grüne) 15 bis 20. Dohnen (gelbe) 20 bis 25. LInter-Kohlrabi 6 bi« 8. Erbsen 20 bis 25. Tomaten 20 bis 25. Zwiebeln 10 bi« 15. Kürbis 10 bis 12, Pilze 30 bi« 35, Kartoffeln 5' .. (der Zentner 5 Mark), Frühäpfel 15 biS 20, Falläpfel 5 bis 6. Birnen 20 biS 30, Dörrobst 30 bis 35, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Brombeeren 40 biS 45, Preihel- beeren 45 bis 50, Pfirsiche 50 biS 70, Pflaumen 15 bis 20. Zwetschen 25 bi« 30, Mirabellen 30 bis 35. Reineclauden 20 bis 25, Honig 40 bi« 50. Nüsse 60 bis 70, junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig daS Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140, Tauben 70 biS 80 Pf. das Stück. Eier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bi« 70. Salat 10 bis 15, Salatgurken 15 bi« 30, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20, Ober- Kohlrabi 8 bi« 10. Rettich 10 bi« 15 Pf. da» Stück, Radieschen 10 bi« 15 Pfennig daS Bündel. vornotizcn. — Tageskalender für SamStag. Geflügel- und Vogclzuchtverein: MonatSver- fammlung, 20.30 Lihr. bei Gastwirt Henkel. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Kriminal-Tonsill^ „Der Tiger". — Tageskalender für Sonntag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Programm wie am Samstag. — Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am nächsten Sonntag. 24. August, gelangt auf der Watdbühne durch daS Stadttheater Shakefpeares „LiebeS Leid und Lust" in der Inszenierung von Intendant Dr. P r a s ch zur Ausführung. Die Vorstellung ist auf den frühen Nachmittag gelegt, so daß weiten Devölkerungs- freifen der Besuch möglich fein toitb. Bei schlechtem Wetter sindet die Vorstellung im Stadttheater statt. — Deuts ch e Volkspartei. Kommenden Dienstagabend Versammlung im „Hindenburg". Redner: Landtagsabgeordneter Dr. Niepoth. (Siehe heutige Anzeige.) — Freiwillige Feuerwehren. Die beiden hiesigen Freiwilligen Feuerwehren werden am Montagabend eine gemeinschaftliche Hauptübung vornehmen. (Siehe heutige Anzeige.) * •• Das Arbeitsprogramm de« 6 t a b t r a t «. Der Gießener ©tabtrat wirb sich in seiner öfsentlichen Sitzung am kommenden Mittwoch, 16 Lihr beginnend, mit einer umfangreichen Tagesordnung zu beschäftigen Habern An erster Stelle steht die Beratung und Entscheidung über die neuen Vorschläge zur Deckung deS städtischen Haushaltsplans für 1930. Don den Weiteren Tagesordnungspunkten sind folgende al- besonders wichtig hervorzuheb«n: Errichtung von städtischen Kleinwohnungen in der verlängerten Schottftrahe; Llebemahme von Bürgschaften für Wohnungsbauten; die Wasserverforgung der Gemeinden Heuchelheim und Ginbenftruth; Notstandsarbeiten für Erwerbslose des Wohlfahrtsamtes; Kved'.terwciterungen für den Neubau deS HochspanTTungSschalchauses de« Elektr.zitätsWerkes, für die Beschaffung von Kabeln usw., für die (Erneuerung von Teilen der Gleisanlage der Straßenbahn. Ferner stehen eine Anzahl Baugefuche und Arbeitsvergebungen zur Entscheidung. *’ In« Manöver. Am kommenden Montag Wirb unser Bataillon zu den diesjährigen Ucbun- ?|tn aus dem Truppenübung-platz Döberitz »traben. Abfahrt 20 40 Lihr vom Güterbahnhof. Vom 13. bi« 19. September nimmt ba« Bataillon an den graften Radmenübungen im Raume — Mcnngebiel-Thüringer Waid — teil. S« wirb am 20. September in den Standort zurückkehren. " Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober-Hessischen Automobilclud E. V. (A. v. D.) Gießen. Die Provinzialstraße B rauerschwend— Reuters im Zuge der Straße AlSseId—Lauterbach wird vorn 18. August ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Wallenrod—Hergersdvrs —Brauersch- wenb. ee D i e Museen sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet. •• 84. Geburtstag. Heute feiert Frau Katharina Schneider, An der Iohanneskirche 4 ivohnhast, ihren 84. Geburtstag. Die Bierundachtzig- jährige stammt au» Nheinhesten. Im Jahre 1870, kurz vor dem Ausbruch de» Krieges, verheiratete sie sich mit dem au» Nierstein stammenden Gendarmen Georg Schneider, der zunächst in Mainz stationiert war und später als Kericht»taxator nach Gießen kam, wo er im Jahre 1905 verstarb. Frau Schneider ist eine lebendige Chronik vergangener Zeiten. Sehr anschaulich versteht sie e», au» ihrer Kindheit zu erzählen, wie da in ihrer Heimat an den Sonntag» Nachmittagen die alten Männer zusammenkamen, bie in der Zeit der Fremdherrschast am Ansang de» 19. Jahrhundert» unter Napoleon I. al» Soldaten gedient hatten und wie sie von den Feldzügen und schlachten der alten Zeit sprachen. Auch da» Jahr 1870/71, in dem der Ehemann al» Feldgendarm in da» Feld zog, steht der Dierundachtsigjährigen in lebendiger (Erinnerung. Mit vielen Menschen au» allen Ständen hat Frau Schneider Beziehungen unterhalten und hat ihnen oft in schweren Zeiten durch ihre religiöse, in eigenen schweren Leben», schickialen erworbene Gesinnung wertvolle Dienst» geleistet •• Dienstjubiläum bei ber Reichsbahn. Sein 25. Jubiläum al« Schrankenwärter beging gestern Herr Hch Berg in Hausen. Im Dienste der Reichsbahn steh^ber Jubilar bereit« seit 38 Jahren Lr erfreut sich noch geistiger und körperlicher Frische und ist in Hausen eine gern gesehene unb geachtete Persönlichkeit. •• Falsche Hundertmarkscheine. Bon den im Umlauf befindlichen Rentenbankscheinen über 100 Mk. ist eine Fälschung festgestellt worden. Das Papier ist etwa- stärker al« da« echte und fettig im Griff. Das Wasserzeichen ist durch einen dunklen Aufdruck unter Aussparung be« Musters erzielt, darüber ist hauchdünnes Papier gefleht. Artillerie in Mainz. Am 30. und 31. August treffen sich in der alten Garnisonsstadt Mainz die Angehörigen der ehemaliaen Feld- artillerie Regimenter 27 unb 63, Fußartillerie-Regi- menter 3 Gfz. unb 18, sowie beren Kriegsformatio- nen bei einem großen Wieberschenstag. Anfragen an folgende Kameraden: F . A .R .27: Martin Meyer, Mainz, Stahlbergstr. 33; F. A. R. 63: Obertel.-Sekr. Bigalke, Mainz-Kasiel, Friedenstraße; FH. A. R. 3: 'Jlaffin, Mainz, Langenbeckstr. 28, Iß. A. R. 18: Gu- stoo Metzke, Mainz, Ludwigstraße. . •• Gesellschaftsreise n nach der Schweiz, veranstaltet von dem Siemer-Reise- burcau, betrifft eine Anzeige in unserem heutigen Blatte, auf die wir besonder« aufmerksam machen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag 17. August. 9. Sonntag nach Trinitati». Stadtkirche. 8 Uhr: Psarerr Mahr; zugleich Ehri- stenlehre für bie Neukonfirmierten der Matthäus- gcmeinde. 9.30: Pfarrer Becker. 11: Kinberkirche für bic Markusgemcinde; Pfarrer Becker. — Johanne»- kirche. 8: Pf. Bechtolsheimer; zugleich Ehriftenlehre für bie Neukonfirmierten ber Lukasgemeinbe. 9.30: Pfarrer Ausfelb. 11; Kinberkirche für bie Johannes- gcmcinbe; Pfarrer Ausfelb. 20: Bibelbesprechung im Iohannessaak: Pfarrer Ausfelb. — Kapelle de» Allen Friedhof». 9.30: Pfarrer Lenz; zugleich Chri- stenlehre für die Neukonfirmierten ber Lutberge- meinbe. — Elisabelh-Meinkinderschale. 9 45: Pfarrer Bechtolsheimer — ftleln-Clnben. 9: Hauptgottes- bienst; anschließenb Ehristenlehrc für bie weibliche Iugenb; 15.30: Kinbergottesbienst auf ber Burg. — wieseck. 9.30; 1045. Kinberkirche. — M,llen-Bu|erf. 10; 13: Alten-Buseck. — Kirchberg. 10: Kirchberg: Feierliche (Eröffnung bes Konfirmanbenunterricht»; 11: Christenlehre für bie weibliche Iuaenb; 13.30: Lollar. — Hausen-Garbenteich. 10: Garventeich; 11: Hausen, Christenlehre. — Watzenborn-Steinberg. Dekanatsfest der Aeußere« Mission; 10: Kinberkirche; Missionar Lauck; 13.30. Festgottesbienst; Pfarrer Kalbhenn (Großen-Buseck); 15.45: Nachoersammlung; Missionar Lauck (Frankfurt a. TI.). In beiben Veranstaltungen Mitwirkung von Kirchen, unb Po- saunenchor. Opfer für bie Heibenmission. — £iL kin von Wetzlar, 9 Zimmer, Bad Wasserleitung, Gas und elektr. Vicfct, für 1. Cttober 1930 ab zu vermieten. Angebote bzw. Anfragen sind an die Freiberrlich Schcnck'icbe Rentei Giehen, Aiterweg 56, zu richten. I5699D SlviineMWvW. 2 bis 3 Zimmer mtt Küche und etwas Grabgarten, sofort zu verm. Pr. 35 Mk. Schr. Ang. u. 5712D an den Gien. Anz. looer 2 Simmet und Küche Zentralhetzg, Nähe Gienen, 15 Min^ sofort oder später zu verm. Zu ersr. i. d. Geschst.d.G.A. 05052 Zivei schöne, leere Zimmer mit sevar. Eingang, f. Bureauzwecke geeignet a. verm. S,~.D Wilbelmstr. 25, N. Zwei möblierte Zimmev auch teilweise möbL evtl, auch leer, mit elekir. Licht, in gut. Hause an kinderloses Ehepaar z. 1. Sem. zu vermieten. Schr. Angebote unt. 05054 an o.Gienen. Anzeig. 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Marie Albobn Steinbach z Oben« dors 18 05085 Vereine "~| 'önlziger-VereioiguDg 1875-1925 Der für Sonntag vorgesehene Ausflug an die Elche wird wegen der ungünstigen Witterung verschoben. — Weitere Mitteilung erfolgt durch Karte. 5730d Ter Vorstand. Sonntan, 17. August, 15 Uhr,Treffpunkt am Schützenhaus. Dienstag, 19. August. 20.15 Uhr, Wiederbeginn d.pegel- mäOigeo Singstunden! Um vollzählig, und vünktl. Erschein, bitt, der Vors and. 168er Am 22. 8. 1930 lErinnerunastagder Schlacht v. Nenicba- tctni) abds. 8‘»Udr tm Caf6 Leib Vortrag von Herrn Oberstlt. a. D- Dei h über d. Schlacht, wozu alle Kameraden u.die bereits bet aufgeford. Bereinenochm. herzl. eingeladen werden. Gäste willkommen: Anm.: Herr Oberst» leutnant a. D. Deih ist der Verfasser des Buches: „Die Hessen im Weltkriege". |05Ih» Nr. |90 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Samstag, 1b. August 1930 Baumarkt und Konjunktur. Don Reichsarbeitsminister Or. h. r. Adam Slegerwald Der Wert der baugewerblichen Produktion m Deutschland belief sich im Jahre 1929 auf rund 9 Milliarden Beziffert man die Gesarnterzeu- flung unserer Dolk-wirtfchaft Im gleichen Jahre auf etwa 70 Milliarden, fo ergibt sich, daß im Baugewerbe und feinen Hill-industrien rund ein Achtel der deutschen Gefamtpro- d u k t i o n verkörpert war. Schon diese eine Tatsache illustriert mit genügender Eindringlichkeit, was ein einigermaßen normaler Daumarkt für die Stabilität unserer Wirtschaft bedeutet, und sie illustriert nicht minder eindringlich, welch entscheidende Stütze der allgemeinen Konjunktur durch eine Stockung der Bautätigkeit entzogen wird. Eine solche Stockung ist nun im Jahre 1930 eingetreten. Auf die Gründe, die diese Abwärtsentwicklung herbeigeführt haben, will ich hier nicht zurückkommen. Sie sind in der Oefsentlichkeit in den letzten Monaten genügend erörtert worden. Ich möchte nur die gegenwärtige Lage an einigen wenigen Zahlen verdeutlichen: Mitte Juli wurden auf den Arbeitsämtern allein 217 COO arbeitsuchende Dau-Zacharbeiter gezählt: daS waren mehr als viermal soviel wie im gleichen Zeitpunkt des DorjahreS. Die gewerkschaftlichen Bauarbeiter-Dcrbände meldeten in diesem Juni 38 v. H. arbeitslose Mitglieder gegen 6,7 v. H. im Juni 1929. Damit sind die Bauarbeiter vom Schicksal der Arbeitslosigkeit gegenwärtig stärker betroffen als alle ihre übrigen Zachvcrbands- kollegcn. Und das im Sommer, in der Zeit der eigentlichen .Bau-Hochsaifon"l Don den Wirkungen einer derartigen Depression auf die Volkswirtschaft als Ganzes kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß zur Zeit der letzten Berufszählung, also im Jahre 1925, rund 1,4 Millionen Arbeiter und Angestellte im Baugewerbe beschäftigt waren. Inzwischen hat sich diese Zahl — teils durch den allgemeinen Zuwachs an Erwerbsfähigen überhaupt, teils durch den Zustrom auS anderen Industrien — ohne Zweifel um Hunderttaufende erhöht. Dazu kommen diejenigen, die in den mehr oder weniger vom Baugewerbe abhängigen Industrien, wie Steine und Erden, Holzgcwcrbe, Eisenindustrie, beschäftigt bzw. in der Gegenwart nicht beschäftigt werden. Aber auch damit noch nicht genug! Es liegt nun einmal eine unabweisbare Gesetzmäßigkeit darin, daß ArbeitS'osigkeit weitere Arbeitslosigkeit mit sich bringt. Der Bauarbeiter — wie jeder Arbeiter — ist nicht allein Produzent, sondern auch Konsument. Und wenn viele Hunderttaufende gezwungen find, von der Arbeitslosen-, Krisen- oder WohlfahrtSunterstützung zu leben, d. b. ihre Kaufkraft auf die Hälfte oder gar ein Viertel zusammengeschrumpft ist, so muh da- notwendig die Absatzlage etwa der Bekleidungsindustrie, der Dahrungsmittelgewerbe, der Leder- und Schuhindustrie, der Möbelindustrie, tiefgreifend beeinflussen. Absatzstockung bedeutet aber auch hier: Steigerung der Arbeitslosigkeit. Die Einflüsse, die aui diese Weise vom Baugewerbe auf die Lage der Konsumgüterindustrien ausgeübt werden, sind um so schwerwiegender, als die Depression des Baumarktes nun schon über ein halbes Jahr anhält und auch im letzten Winter — trotz denkbar günstiger Witterungsverhältnisse — die Arbeitslosenziffer der Fachverbände auf über 60 v. H. binauffletrieben hat. Unter diesen Umständen ist eine- klar: Soweit die kritische Finanzlage eS der Reichsregierung überhaupt erlaubt, auf dem Wege der Arbeitsbeschaffung unmittelbar in den Konjunkturverlauf einzugreifen, muh sie versuchen, gerade bei der Bauwirtschaft, diesem .Krisenherd" erster Ordnung, anzusetzen. Eie fühlt Mode-Gpionage in Paris. Geheimdienst derNeuyorker Konfektion —Oie Kamera am Fußgelenk- Abwehrmaßnahmen d.r Modehäuser. Don Hermann Schlüter. Paris, August. In Qüiefenlettcm berichteten vor einiger Zeit die Pariser Blätter über die Verhaftung zweier Amerikanerinnen, denen man nachweisen konnte, dah sie gewerbsmäßig französische Modelle gestohlen und nach Amerika verkauft haben. Die beiden sollen Monatseinnah- men von 40 000 Franken und mehr gehabt haben. Seit langem schon setzt sich die Pariser Presse energisch für einen erhöhten Schutz der sran- zöfischen Mode gegen den überhandnehmenden Modelldiebstahl ein. In der französischen Kammer liegt schon seit geraumer Zeit ein Entwurf, der für Kleidermodelle den gleichen Urheber- rechtSschutz vorsieht, wie ihn das Gesetz bisher Kunstwerken und Erfindungen gewährte. Um das verstehen zu können, muh man sich vor Augen halten, daß Modeerzeugnisse nicht nur einer der wichtigsten französischen Ausfuhrartikel sind, sondern dah ein Teil, und zwar ein gut Teil der kulturellen Weltgeltung Frankreichs aufs innigste mit seiner bisher unbestrittenen Weltherrschaft im Deiche der Mode zufammenhängt. Diele Weltherrschaft ist ernsthaft bedroht. Die Alarmruse werden immer zahlreicher. Eingeweihten Kreisen ist schon längst klar, daß zwischen der amerikanischen und der französi chen Konfektion offener Kriegszustand herrscht. Wie kam das? Auf die Macht des Dollars pochend ist die amerikanische Konfektion in der Wahl ihrer Wittel ganz qc- dankenfrei. Der Hauptkunde der französischen Mode ist Amerika und die amerikanische Frau. Ungezählte Dollarmillionen werden jährlich für französische Kleider ausgegeben. Das Problem, das es für die Deuyorker Modehäuser zu löten gibt, ist das: Auf welche Weile ist es möglich. Pariser Originalmodelle, a'Jo jene drei Dutzend Meisterwerke der Mode, die für die betreffende Saison den Ton angeben sollen, tunlchst am selben Tage oder sogar etwas früher in Deuyork zu „freieren“? Das ist nur a u f dem Wege intensiver Detriebsspionage möglich. Diele De- triebsspionage ist von amerikanischer Seite in i ganz stupender Weise aufgezogen worden. Es | sich dazu um fo stärker verpflichtet, als gleichzeitig auf diesem Gebiete ein dringendes soziales Bedürfnis immer heftiger nach Deckung verlangt: da- Wohnung-bedürfni-. * ♦ • UnÄ fehlen zur Zeit in Deutschland noch mehrere Hundert taufend Wohnungen zur Unterbringung der Familien, die teilweise feit Jahren in Untermiete leben und auf ein eigene- Heim warten. Weitere Hunderttaufende von Familien, besonder- Familien mit mehreren Kindern, leben in überfütuen Wohnungen, die wiederum zum großen Teil schon nach ihrer Beschaffenheit als gesundheitswidrig anzufprecken sind. Es ist selbstverständlich. daß bei der starken Arbeitslosigkeit und dem fortdauernden Konjunkturrückgang sich auch die Dachfrage nach Wohnungen vermindert. Völlig falsch wäre es jedoch, aus der zurückgehenden Dachfrage etwa schließen zu wollen, daß der Wohnungsbedarf im allgemeinen in Deutschland mehr oder minder gedeckt ist. Davon kann gar keine Dede sein. Gerade, der Woßnungsbedarl für die breiten Schichten unserer Arbeiterschaft ist u n n c r in i n - b c r t groß, da zweifellos der Wohnungsbau der letzten Jahre den mehr mittleren Schichten und den bestbezahlten Arbeitern zugute (am. Lediglich die Unmöglichkeit für die breiten Schichten. bei den heutigen Einkommensverhältnissen, die Miete für eine Neubauwohnung aus dem keineswegs mehr dauernd gesicherten Lohn auszubringen, schreckt zahllose Familien ab, als Bewerber auf dem Wohnungsmarkt aufzutreten, obwohl gerade diese eine Wohnung dringend nötig hätten. Daß diese Familien, wenn auch in noch so einfachen, aber hygienisch einwandfreien und gesunden Wohnungen sobald al- möglich untergebracht werden, ist auch das Interesse der Dation. Eine bescheidene, aber ausreichende Unterkunft muß unser Volk haben, sonst verkümmert eS. Eine genügende wohnliche Unterbringung der breiten Massen ist unbedingte Voraussetzung, um unsere Bevölkerungszahl und unsere Volkskrast zu erhalten. So ist die Reichsregierung aus wirtschasts- und sozialpolitischen Gründen fest entschloßen, auch in der Notzeit unserer Tage den Wohnungsbau für die breiten Massen zu fördern. Das eben eingeleitete zusätzliche Wohnungsbauprogramm der Deichsregierung soll diesen Willen in die Tat umfetjen. Die Grundgedanken des Programms sind: Dort durch Wohnungsbau Arbeit zu schaffen, w o d i e größte Arbeitslosigkeit i st, und den Wohnungsbau selbst so zu gestalten, daß auch tatsächlich die Mieten für die breiten Volksschichten erschwinglich sind. Die Reichsregierung ist sich darüber klar, dah sie zur Durchsetzung ihrer Ziele die Hilfe aller beteiligten Stellen braucht. Es muß insbesondere vermieden werden, daß das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung von einzelnen Stetten dazu benutzt wird, mit eigenen Aufträgen nunmehr zurückzuhalten. Die Zusätzlichkeit des Bauprogramms zu wahren, wird unsere größte Sorge sein: wir werden auch ohne Bedenken da die Reichsmittel zurückziehen, wo wir den Eindruck gewinnen, daß sie nur als Ersatz für sonst geplante eigene Bauvorhaben verwendet werden sotten. Ebenso werden wir darüber wachen, daß die Wohnungsgrößen und die Ausstattungen der neuen Wohnungen dem wirklichen D e darf entsprechen. Was wir brauchen. find einfache Kleinwohnungen mit erschwinglichen Mieten. Wir können es uns nicht länger leisten, große und beft- auggcftattetc Wohnungen zu bauen, die die Wohnungsbedürftigen nicht mieten können. Wo wirk- gibt in Paris ein Zentralbureau, von dem aus all die geheimen Direktiven ausgehen, wo die ganze Organifationsarbeit für diesen unterirdischen Krieg geleistet wird. A der es ist der Polizei noch nie gelungen, den leitenden Köpfen dieses Düros auch nur im geringsten etwas Strafbares nachzuweisen. Wenn so ein Spion auf frischer Tat erwischt wird, dann leugnet das Pariser Zentralbüro jeden Zusammenhang mit ihm und verweist auf die Deuyorker Auftraggeber. Denn Amerika ist weit und die amerikanische Justiz unterstützt jede Bestrebung, die daraus ausgeht, das Geld im eigenen Lande zu behalten. Anfangs arbeitete man meist mit photographischen Miniaturapparaten. Soigniert ausfehende Herren, die als Begleiter kauflustiger Damen an einer jener berühmten Pariser „Introbuctions" der Modehäuser teil- nahmen, trugen ganz unauffällig um ihr Fußgelenk eine winzige Präzisionskamera. Sie brauchten während der intimen Vorführung lediglich einige Male diskret das Hosenbein etwas in die Höhe zu ziehen und auf einen Auslöser zu drücken. Dierundzwanzig Stunden später schwammen die winzigen Ausnahmen schon auf einem Ozeandampfer, auf dem Wege nach Amerika. Längst vor der offiziellen Schaustellung waren die Modelle in amerikanischen Händen und wurden in Deuyork von französischen Schneidern nachgeahmt. Die Gesetze bieten keine Handhabe, dagegen einzu'chreiten. Gegen solche photographische Spionage schützen sich heute die Firmen ähnllch wie große Industriewerke v.el- fach mit Hilfe von gewissen Strahlen. Die Besucher der Salons durchschreiten ein kleines Vorzimmer, dessen Wände ganze Dündel solcher Strahlen aussenden. Wenn der Photograph die Bildstreifen entwickeln will, merkt er, daß sie belichtet wurden. Deshalb haben die Amerikaner schon längst den Weg der Bestechung beschritten. Die Gehälter, die die französischen Salons ihren wichtigsten Angestellten und Arbeitern, besonders den Zeichnern zahlen, sind sehr hoch. Aber es sind doch eben' nur französische Franken. Fünfundzwanzig Franken ergeben erst einen Dollar. Es gehört sehr viel entsagender Heroismus dazu, ein amerikaniches Angebot in den Wind zu schlagen. Die Amerikaner sind auch sonst nicht knickerig. Wenn ein Angestellter wegen Spionageverdacht fristlos entlassen wird, dann kann er fast sicher mit einer Stellung in Amerika rechnen, denn französische Wodekünst- lei sind drüben ein gesuchter Artikel. lich Samilicn mit mehreren Kindern vorhanden sind, haben die au-führenden Stetten die Möglichkeit, hierfür besonder- zu sorgen. Keinesfalls jedoch dürfen unter dem Vorwand. Wohnungen Tür Kinderreiche zu bauen, alte Fehler fortgesetzt und zu große Wohnungen gebaut werden. Die Deichsregierung ist sich auch ferner darüber völlig fiar. dah daS zusätzliche Wohnungsbauprogramm bei der heutigen Arbeit- o'igkcit bei weitem nicht auSreicht, um einen Umschwung der Konjunktur zu bewirken. Sine endgültige Besserung auf dem Bau» und WohnungSmarkt fehe ich erst dann kommen, wenn die Baukosten und die Zinssätze für da - Baukapital fo weit füllen, daß ohne zu großen Einsatz der öffentlichen Mittel für die einzelne Wohnung auch tatfächlich tragbare Mieten erzielt werden können. Die Senkung der Kosten für das Leihkapital spielt hier eine ebenso bedeutende Dolle wie die Senkung der Baukosten selbst. Wenn hier ein Erfolg erzielt wird, so bin ich der festen Ueberzeugung. dah die Bauwirtschaft und die Bauarbeiter- fchaft wieder belferen Zeiten entgegengehen. Wer wollte bestreiten, daß in dem Augenblick, wo bei- spielSweife in Berlin gefunde. einfache Arbeiter- Wohnungen in einer Preislage von 35 bis 40 Mk. errichtet werden könnten, die Dachlrage eine derartig starke wäre, daß jedenfalls die Bauarbeiter der weitesten Umgebung Arbeit und Brot finden würden? Da- zusätzliche Daupro- gramm der Reich-regierung kann nur in beschränktem Umfang Hilfe bringen. Der Aufstieg für die Bauwirtschaft selbst dangt von der Losung de- Preisproblems ab. Hoffen wir. daß die nahe Zukunft diele Lösung bringt. SS bandelt sich um eine Schicklal-frage unserer Wirtschaft und unsere- Volkes. Vrol, bie Lebensfrage des deutschen Volkes Don Dl meb. c igwalb Sommer, privaibozenten an her Universität Gießen. Die Dot ist groß in unserem Lande. Der Arbeiter weiß nicht, was morgen mit ihm geschieht. Findet er noch die gewohnte Beschäftig gung? Wird man ihn entlassen oder ihm Ar- beilezeit und Verdienst um ein Drittel oder die Hälfte kürzen? Der Unternehmer rechnet, spart, entläßt Arbeitskräfie, verkleinert den 2e- trieb ^och es reicht nichl oder gerade zum Durchhalten. Der Dauer arbeitet vom ersten Morgengrauen bis zum ip2ien Wend, c r fät, erntet, sammelt in die Scheunen. Aber was er verdient, genügt nicht, um die Sorgen zu verscheuchen. Die Schulden zu decken, um mit freiem Gefühl dem kommenden Jahr entgegenzusehen. Die Schar der Arbeitslosen, der Entwurzelten, der Allzuvielen wächst, die nicht wissen, wofür sie leben sollen, deren Morgen mit den Fragen beginnt: wozu? und wohin?, auf die sie keine Antwort finden. Die Dot ist groß und Hilfe dringend geboten. Woher aber soll unS diese kommen, wenn nicht von uns selbst? Wir allein können uns helfen und wir müssen es tun, sott nicht uns oder unsere Kinder eine- Tages ein traurige- Los treffen. Denn mit dem Schicksal jener Menschen ist unser eigenes untrennbar verwoben und verkettet. Geht es mit größeren Teilen unsere- Volkes bergab, bann geht es mit unS selber ebenfalls abwärts, wenn nicht heute, bann morgen ober übermorgen. Es braucht aber nicht bergab zu gehen! Dicht- ist hier unabänberlicheS Schicksal, wenn wir uns nur helfen wollen. Wo aber sollen wir mit unserer Selbsthilfe anfangen? — Dun versuchen wir es einmal mit unS selbst unb unserem einfachsten Debürfnis: ben Hunger zu stillen. — „Können Sie mit bitte ein Stück Brot geben?“ ES ist bic Frage bes Obbachlosen, mit der er von Hau- zu Haus zieht, um so gut es eben geht, fein Leben burch- zuschlagen. Das Brot ist also offenbar bas einfachste Mittel bes Menschen unserer Kulturstufe in seinem Kampf mit bem Hunger, biejenige Dahrung. auf die auch ber Aermste unter uns ein Decht zu haben glaubt. Mit ihm vollen wir anfangen, wenn wir uns barauf besinnen, wie wir uns helfen können. — Doch haben wir Drotl Ja, wir brauchen nur an ben Schaufenstern unserer Bäckerläben stehen 8U bleiben, um über bie Fülle verschiedener Brote, Brötchen, Schrippen ober Semmeln zu staunen, bie Erfinbungsgeist der Bäcker aus Mehl unb Wasser gestaltet hat. Wir treten ein unb laufen Brötchen für ben Morgen. Weißbrot zum Mittageffen. Hörnchen für ben Dachmittagskaffee unb zum Abenbessen toieber anbere Brötchen. So wirb es uns schmecken, glauben wir, unb ba wir gerabe einmal Gelb haben. kaufen wir. wie eS ber Laden unS bietet Weiter denken w>r nicht. Wir wollen leben und fo ist unser Geschmack Wenn nur das Geld nicht fo knapp wäre, wir wußten schon. waS uns mundet. Keiner von uns. der den Bäckerladen verläßt, denkt an die Folgen seine- Einkauf- und seiner Wahl für unS alle. Millionen solcher Sinzelhandlungen aber häufen sich an zu einem Berg, werden zu einem großen Geschehnis, da- nüchtern, kalt unb hart für un- in einer Zahl Gestalt annimmt: Für 449 Millionen Reichsmark weizen wurde im Jahre 1929 in Deutschland eingeführt. Ungefähr j Milliarde Reichsmark wandert jährlich in» Ausland, um unser Bedürfnis nach Weißbrot, Brötchen oder Semmeln zu befriedigen. Gewiß habe ich oben bei ber Schilberung deS Einkaufs übertrieben. Die wenigsten von un- effen Weißbrot ober Brötchen zu allen Tageszeiten. Die meisten aber ober doch sehr viele find gewohnt minbestenS zu einer Mahlzeit am Tage weiße- Brot ober Semmeln zu sich zu nehmen. Diese Gewohnheit aber belastet unsere Einfuhr, unsere Handelsbilanz, unsere gesamte Volkswirtschaft um jenen großen Betrag. „Die Erfahrung steht hoch da. daß da- Schicksal ber Völker von ber Art abhangt. wie sie sich ernähren." Diese Worte Brillat-SavarinS gewinnen hier Debeutung. Sie werben in zweifacher Hinsicht wahr bei ber Frage, von welchem Brot wir unS ernähren sollen. — Herrscht Dot in einer Familie unb will sve toieber zu besseren Zeiten kommen, bann heißt es sparen. Oberster Grunbsatz richtigen Sparens ist: Dicht - verschtoenben. Da- aber bedeutet: Essen, was da ist. Wer allzu wählerisch ist, unb wem eS nicht paßt, der soll sehen, woher er etwa- bekommt Genau so ist eS bei einem Volk. Dach O. Mielck beträgt unser Brotgetreideverbrauch je Dollperson und Jahr 154,4 Kilogramm. Für das Reich bedeutet die- bei 55 Millionen Dollpersonen einen Bedarf von 8,49 Millionen Tonnen Brotgetreide. Unsere Ernte betrug im Jahre 1928 : 8,52 Millionen Tonnen Roggen unb 3,85 Millionen Tonnen W-izen, 1929: 8.15 Millionen Tonnen Roggen unb 3,35 Millionen Tonnen Weizen. Ziehen wir bavon für Saatgut. Schwunb unb gewerbliche Zweck» zusammen 10 Prozent, für Futterverbrauch bei Roggen 20 Prozent ab, benn verblieben un- für ein Jahr wie 1929: 5,5 Millionen Tonnen Roggen unb 3 Millionen Tonnen Weizen zur menschlichen Ernährung — 8.5 Millionen Tonnen Drotgetreibe. । Man hat beshalb in französischen Mobehäu- I fern einraffiniertesUeberwachungs- sYstem eingeführt. Dor nicmanbem macht bas Mißtrauen halt. 3eber Schritt, jebe Bewegung der führenden Angestellten wird überwacht. Die Zeichner arbeiten in abgeschlossenen Zimmern unb müssen sich beim Betreten unb Derlassen einer genauen Untersuchung unterwerfen. Die Wodellskizzen werden in feuersicheren Tresoren aufbetoafjrt. Die Arbeiterinnen, bie Mibinetten unb Mannequins werben mit Argusaugen überwacht. Wer auf Unredlichkeiten erwischt wird, Ven seht man auf eine schwarze Liste unb er wirb nie mehr in ber französischen Konfektion Arbeit finben. Wenn sich nun gar Die offizielle Woche bet „Salons“ naht, bann kennen Aufregung unb Dervosität keine Grenzen mehr. Die fertigen Dorführmobelle. von Denen jebes einen Wert von 300 000 Franken hat, kommen in ben Stahlschrank. Unb trotzdem ist bann vielleicht am Tage bet Dorführung schon bas Unsahliche geschehen: bet Bildfunk auS Deuyork zeigt die kostbar gehüteten Geheimnisse unb Poiret. Paton ober ein aoberer kann toieber einen Schaben von vielen Millionen Franken buchen. Den Amerikanern kommt zustatten, baß auf bie Einfuhr französischer Mobeilkleiber ein ganz er- schreckenb hoher Zoll steht. Der Zoll kommt manchmal fast der Einkaufssumme gleich. Es nimmt also nicht tounber, baß auch bie reiche Amerikanerin zugreift, wenn sie Gelegenheit hat. das kopierte OriginalmobeU zu Hause zu kaufen. In Paris selbst wimmelt es von amerikanischen Zollspionen unb bie Deuyorker Hafen - beworben find meistens schon unterrichtet, wenn das Schiff anlegt. Der französischen Mobeinbu- ftrie bieten sich zwei Au-wege, die sie früher ober später beschreiten muß. Der eine ist schon genannt worben: Urheberschutz in zeitlicher Begrenzung für Wobettkleiber. Der zweite wirb vorläufig leibenlchaftlich bekämpft, benn er bedeutet nichts mehr unb weniger, als bah bie weltberühmten Pariser Modeschöpfer Zweig- verkauf- unb Dorführsalons in Deuyork errichten sollen. Es ist klar, bah dafür bie Pariser Fremdenindustrie ein harter Schlag wäre. Man hätte aber bann Gelegenheit, in Paris unb über dem großen Tesch gleichzeitig zu „freieren“. Bisher hat man nocht vergeblich an ben patriotischen Sinn ber „Haute couture“ appelliert. Aber wenn biefer „pa- triotisme“ jährlich über eine Milliarde Schaden bringt, bann kann es eines Tages auch anders kommen. Lürmanns verreisen. Don HanS Riebau. LürrnannnS nerreifern Frau ßürmarm packt bie Koffer und legt Schuhdecken über die Polster- möbeL Herr Lürmann räumt feinen Schreibtisch auf. .Rudolfs wollen nach den Blumen sehen", sagt Frau Lürmann. Da steht Herr Lürmann auf unb geht in den Keller. .Da will ich lieber den Wein weg- schließen", murmelt er. .Wenn Rudolf- einmal keine Zeit haben", fährt Frau Lürmann fort, .will Fräulein Scharkow sie vertreten." Herr Lürmann brummt etwa-, nimmt die Schalldose vom Grammophon unb schließt ben Plattenschrank ab. .Unb wenn Fräulein Scharkow auch einmal nicht kann“, sagt Frau Lürmann, .bann hat sich Doktor Blohm erboten, bie Blattgewächse vor bem Verdursten zu bewahren.“ Da stoßt Herr Lürmann einen ächzenden Ton auS, ftebt von neuem auf und schließt feinen Bücherschrank zu. „Qlanu ?* fragt Frau Lürmann. .Glaubst du, dah Doktor Blohm deine Bücher toegnimmt?“ „Das nicht", sagt Herr Lürmann. .aber er wird sie toiebererfennen.“ ßrflfer Blick auf die Wintermode. Die ersten Pariser Modellkollektionen, die ben Einkäufern aus aller Herren Länder für die Winter- faison vorgeführt werden, haben jetzt das Licht der Öffentlichkeit erblickt und zeigen, dah die Mode trotz aller Einsprüche unb Widerstänbe den Weg weiter verfolgt, der zur Wiedererweckung ber .weiblichen Stau* führt. Allerbing- geht man ziemlich vorsichtig zu Werke. Der toabenlange Rock ist für bie Alltagskleibung vorgeschrieben, während der bi- zu den Knöcheln fallende Rock dem Nachmittag und Abend Vorbehalten bleibt. Zwei nützliche Kleidungsstücke werden in diesem Winter wieder kehren, nämlich das lange Jackett unb der lange Mantel. Viele der Mäntel haben Raglan-Armel. Bei den neuenAbend- toiletten ebenso wie bei den Tageskostümen bemerkt man eine Vorliebe für Asymmetrie. Bolerojacken erscheinen bei den Abendkleidern, an denen reiche Stickereien auffallen. Lame und Samt herrscht vor, unb auch Modelle mit Fransen tauchen auf. Rote ober grüne Schuhe werden zu weihen oder schwarzen Gewändern getragen. Überhaupt herrscht eine merkwürdige Mischung von Farben unb Stossen in ber Gestaltung einer Toilette. 3m allgemeinen kann man sagen, dah die Mode mit leichten Abänderungen zu bem Stil zurück lehrt, ben sie 1923 hatte. wir mühten also in einem guten Lrnlejahr wie 1929 ohne Einfuhrüberschuß an Brotgetreide oder mit einem sehr geringen auskommen. Die Ausgabe von 449 Millionen Reichsmark für eingeführten Weizen konnte ganz oder zum allergrößten Teil vermieden werden, wenn von uns weniger Weißbrot und Brötchen und dafür mehr Roggenbrot gegessen wurde. Denn wir haben den Roggen im Lande. Sn guten Erntejahren gewinnen wir ungefähr 2,5 Millionen Tonnen Roggen, die als Lieberschuh bei unserer Ernährung keine Rolle spielen, wen wir sie nicht aufzehren. Dafür wird die gleiche Menge Weizen eingeführt, der viel teurer ist und unser Geld ins Ausland zieht. Der Rauer aber kann seinen Roggen nicht los werden. Seme Rot wird größer, statt kleiner. Der Staat muß helfen! Lange Beratungen und Sitzungen werden abgehalten, Artikel werden geschrieben, eine Literatur wächst über die Roggenfrage an. Hilfsmaßnahmen werden ausgedacht und versucht mit viel öffentlichen Mitteln und großem Aufwand. Sm Grund genommen sind sie alle u m s o n st. Sie helfen nur auf Zeit und zu schwach, um wirklich zu nützen. Derweilen wachsen die Roggenberge. Wohin, wohin mit dem Lieberfluß? Förmliche Angst überkommt diejenigen, welche sich mit der Roggenfrage befassen, vor einem guten Erntejahr. Die Roggenanbaufläche muß verringert werden! Geringere Böden sind dem Getreideanbau 'zu entziehen und aufzuforsten! Das ist letzte Rettung, die der Landwirtschaft noch bleibt! So sind die Borschläge! — — Wo ist denn lleberfluß? Wir können in guten Erntejahren, wenn wir Glück haben, knapp auskommen mit unserem Brotgetreide, nur müssen wir auch verzehren, was da ist. Was sagen wir zu einer Hausfrau, die überlegt, wohin sie ihr Ochsenfleisch, das sie im Hause hat, verkaufen will, nur weil Mann und Kinder lieber Schweinefleisch essen? Wir denken nur in falscher Richtung. und, weil wir das tun, überfällt uns die lächerlichste Angst, die ein Mensch bekommen kann, diejenige vor einem lleberfluß, der nicht vorhanden ist. Verzehren wir aber diesen Roggen, vor dem wir Angst haben, verhüten oder verringern wir auf diese Weise die Weizeneinsuhr, was ist die Folge? LIngefähr eine halbe Milliarde Reichsmark bleibt im Lande und kommt uns selbst zugu'e. Ein Teil dieses Geldes fließt unserer Landwirtschaft zu, die nun ihren Roggen zu vernünftigen Preisen verkaufen kann. Die Rot der Bauern wird geringer, ihre Kaufkraft wächst. Die Landwirte können in größerem Maße als bisher Sndustrieerzeugnisse erwerben, die sie brauchen. Die Sndustrie kann besser arbeiten, sie verlangt mehr Arbeitskräfte. Eine große Zahl von Menschen wird wieder zur Arbeit herangezogen. Sie werden dem Zustand der Rot, der Sorge und Zwecklosigkeit, in dem sie dahinleben, entrissen. — Der übrige Teil des ersparten Geldes kommt unä selbst direkt zugute. Seder von uns braucht weniger Geld, wenn wir mehr Roggenbrot statt Brötchen und Weißbrot esten. Der eingesparte Betrag kann zum Einkauf von Brotaufstrich verwendet werden und verbessert so die Rahrung jedes einzelnen von uns. So helfen wir uns selbst, und hilft jeder Stand dem anderen. — Wir nützen uns aber noch in"anderer Hinsicht, wenn wir mehr Roggen als bisher zu unserer Rahrung verwenden. Cs wäre gewiß falsch, ohne weiteres den Sah auszustellen: _ Roggenbrot ist gesünder als Weizenbrot. Weißbrot aber und . Brötchen, wie wir sie zu essen gewohnt sind, -werden aus Feinmehl hergestellt. Dieses Fcin- -.mehl aber enthält keine Vitamine, wenig Salze, relativ wenig Eiweihstoffe und von diesen nicht die besten. Dem Drang nach immer größerer Feinheit in Dingen des Geschmackes, wie er den Menschen auf einer gewissen Kuiturhöhe und bei größerem Wohlstand anwandelt, wird nicht u n g e st r a f t ins Grenzenlose nachgegeben. Sm Frankreich Ludwig des XIV. beginnen die Versuche des Menschen, immer feinere, immer weißere Mehlsorten zu erhalten. Der Genuß von Wirble ins Leben! Vornan von Anna Fink. Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau, S.-A 22 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er mußte an Barbara denken. Shre kühle und beinahe schüchterne Art zog ihn besonders an. Es ging auf den Abend. Er sah Barbara auf einer Bank sitzen und in die Weite schauen. Er sprang ins Haus und kam kurz darauf mit einem wunderbaren Schal aus zarter, feiner, kunstvoll gestrickter Wolle zurück. Leise trat er hinter die Bank, auf der Barbara sah, und legte ihr den Schal um die Schultern. Sie zuckte erschreckt zusammen, dann sah sie, wer es war. „Es ist kühl, Signora Barbara. Dies ist ein türkischer Schal, von einheimischen Frauen hergestellt. Er ist zart wie Spinnweben und dabei sehr warm. Sch freue mich unendlich, wenn Sie ihn annehmen von mir." Barbara wurde rot. „Sch danke Shnen herzlich, Conte, und nehme ihn als Gastgeschenk und liebes Andenken an Shre sorgende Güte an. Sch bin jetzt wieder ganz hergestellt, und morgen möchte ich weiter." „Signora, das — das kann unmöglich Shr Ernst sein", stieß der Conte hervor. „Sagen Sie, habe ich Shnen wehgetan? Hat Sie jemand beleidigt? Langweilen Sie sich hier in der Einsamkeit? Dann reisen wir! Wohin befehlen Sie, daß die Reise gehen soll? Wollen wir an die italienische Riviera fahren oder nach Capri? Wünschen Sie Palermo kennenzulernen oder Taormina? Sie brauchen nur zu befehlen, Signora!" Barbara sah ganz verängstigt da. Diesem südlichen Lemperamentsausbruch war sie nicht gewachsen. „Sch kann doch nicht immer hierbleiben und Shre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen", wandte sie ein. Der Graf fuhr auf: „Weshalb nicht? Sie sind die Sonne in meinem Leben, Signora. Bleiben Sie noch da! Sie haben Schweres hinter sich. Mir ist Shr Rame ganz gleich, und ich will nicht wissen, was Sie veranlaßt hat, meine Hilfe anzurufen. Sch bin überglücklich, daß Sie es ge- weißerem Brot bringt allmählich in breitere Volksschichten, er wird zum Kennzeichen einer bestimmten Kulturhöhe eines Volkes. „Die Wei- zenbrötler verstehen unter Weizenbrot schlechtweg ein Gebäck, das nicht aus Mehl von 80 bis 85 Prozent gebacken ist, sondern von 60 bis 40 Prozent oder darunter." „Die Weizenbrot Genießenden gehören einer höheren Stufe an, die Freude hat an reinem, unverdorbenem Brotgeschmack. Das Weizenbrot kennzeichnet die anspruchsvollere Kost und den Geschmack der älteren Kultur des Westens. Dessen rühmen sich die Völker des Weizenbrotes — bis zur Lieberhebung." (Maurizio, Die Geschichte unserer Pflanzennahrung. ) Aber diese Lieberhebung, dieser Drang nach einem allzu feinen Kulturerzeugnis geschieht nicht ungestraft. „Die wertvollen Bestandteile des Getreidekornes (Proteine, d. h. Ciweißstoffe, und Fett) werden bei der Herstellung der Mehle durch Abtrennung der Haut- und Kleberschicht meistens entfernt." (König, Rahrung und Ernährung des Menschen." „Dem Verbrauch nach zu urteilen ist das weihe Mehl, (gesiebtes Weizenmehl) die wichtigste Energienahrung in Amerika und Europa. Das ist bemerkenswert, weil ihm notorisch mehr diätetische Faktoren fehlen, als irgendeinem anderen Rahrungsmittel, außer Zucker, Stärke und Fette, welche in reinem Zustand auf den Markt kommen. Es besteht hauptsächlich aus Stärke, Eiweiß und anorganischen Salzen. Sein Eiweiß ist von relativ geringer Qualität und seinen Mineralbestandteilen fehlen in erster Linie Calcium, Ratrium, Chlor, Eisen und Phosphor." „Dem Weizenmehl fehlen alle Vitamine." (Mc. Collum und R. Simmonds, Reue Ernährungslehre.) „Feinbrot, dem die Kleie fehlt, ist fast gänzlich frei von Vitaminen, denn diese sind zum allergrößten Teil in der Kleie enthalten. Würden wir fast ausschließlich von Brot leben, wie in Ostalien weite Volksschichten von Reis, so würden in der Lat schwere Schädigungen durch Feinbrotnahrung unausbleiblich sein, wie sie in Ostasien durch geschälten Reis, d. h. Reis ohne Reiskleie bekannt sind (Beriberi-Krankheit). Bei ausschließlicher Ernährung mit Feinbrot treten schon nach zwei Wochen Krankheitssymp- tome auf, während mit Vollkornbrot als einziger Rahrung auch bei langdauernden Versuchen keinerlei Schädigungen beobachtet worden sind." (Prof. Pütter im Vorwärts, 13. Mai 1930.) Der Wunsch nach feinem Brot, das aus weißerem Mehl gebacken ist, führt den Menschen zum ausschließlichen oder vorwiegenden Verbrauch von Weizen. Der Genuß des Brotes und der Brötchen, die aus bloßem Feinmehl hergestellt sind, läßt uns aber Mangel leiden an Stoffen, die lebenswichtig oder doch gesundheitserhaltend sind. Diese müssen wir durch andere Rahrungsmittel zuführen, oder wir entbehren sie. Fehlt aber neben kräftigem Brot auch noch frisches Gemüse in der Rahrung, dann treten chronische Verdauungsstörungen in gehäuftem Maße auf, wie dies in England zu beobachten ist. Die Zahnkrankheiten, welche dort in noch erschreckenderer Weise als bei uns die Gebisse zerstören. dürften die gleiche LIrsache haben. Sm Gegensatz dazu ist das harte Vollkornbrot der Alpengegenden „ein vorzüglicher Ersatz für Zahnbürsten", „und in der Tat sieht man hier unter den Leuten prachtvolle weiße Zähne". (Siedler, Ob den Heidenreben.) Die Derbheit dieses Brotes verbindet sich mit diesem Gehalt an wichtigen Stoffen zu der Fähigkeit, die Zähne zu guter Entwicklung zu bringen und gesund zu erhalten. Entschließen wir uns aber dazu, um unsere Gesundheit zu erhalten, vorwiegend Vollkornbrot zu essen, dann besteht keinerlei Grund mehr, Weizenmehl zu bevorzugen. Ganz im Gegenteil ist dann dem Roggen der Vorzug zu geben. Er liefert sehr schmackhafte Vollkorn- und Schrotbrote. Der Weizenschrot dagegen verarbeitet sich schlecht beim Backen. Weizenschrotbrot hat leicht eine graue Farbe und einen strohigen Geschmack. Der Llnansehnlichkeit wegen wird es nicht gern gebacken und gekauft. Roggenvölker sind also besser dran als Weizenvölker, weil sie leichter tan haben. Sch freue mich über Shr Dasein, Signora Barbara, ich —“. Er hielt inne, als fürchtete er, zu viel zu sagen, und bedeckte Barbaras Hand mit glühenden Küssen. Er sah sie bittend an. Barbara lächelte traurig. Er unterdrückte gewaltsam seine Erregung und sprach scheinbar ganz ruhig: „Sie sollen nicht denken, daß ich irgendwie Shre Lage ausnuhen will. Sie haben zu befehlen, aber bleiben Sie vorläufig mein Gast, nicht wahr, das versprechen Sie mir? Sch folge jedem Wink Shrer Augen!" Er hatte sanft den Arm um ihre Schultern gelegt, und Barbara schloß die Augen. Wieder überfiel sie das seltsame Gefühl, als gewänne irgend etwas Macht über sie, dem sie immer mehr verfiele. „Kommen Sie ins Haus, Signora", hörte sie des Grafen Stimme sagen. Wortlos erhob sie sich, und er führte sie ins Haus zurück. „Sch bin doch noch etwas schwach, Graf", sagte Barbara, als sie zu Abend aßen. „Sehen Sie", rief er triumphierend wie ein fröhlicher Sunge, „ich sagte es Shnen gleich, Signora Barbara. Sie müssen noch viel Erholung und Ruhe haben." Er geleitete sie in ihr Zimmer und wünschte ihr herzlich „gute Rächt" und „wohl zu ruhen!" Barbara sank auf den Divan und starrte in das verhängte Licht der Ampel. „Sch muß weg, ich halte das nicht länger aus", dachte sie. „Der Conte ist ein wahrer Edelmann, ritterlich und vornehm, aber ich komme mir wie eine Gefangene hier vor. Dies ewige zu Füßen liegen lähmt mich, und ich kann mich nicht dagegen wehren, morgen schon kann ich dem restlos zum Opfer fallen. Bin ich darum von Much fort? Rein. Fort, nur fort!" Lind hastig schlüpfte sie in ihre alten Reise- Keiber, die Sutietta sogleich gesäubert und fortgehängt hatte. Rur den Schal behielt sie, die anderen Sachen, die ihr zur Verfügung gestellt worden waren, legte sie fort. Sie war mit einem Male wieder ganz die alte, tatkräftige Barbara von ehemals. Sie £>ar wieder vollkommen hergestellt, das fühlte sie, und diese Rächt wollte sie fort. Sie verhielt sich ganz ruhig. Sulietta kam noch einmal, um nach ihren Wünschen zu fragen. Sie warf schnell einen Mantel um und lieh sie herein. „Sulietta“, sagte sie, „Sie hoben mich so gut gepflegt, und heute fühle ich mich vollkommen als diese zu einem kräftigen und vollwertigen Brot zurückkehren können oder dieses noch besitzen. So sehr wir uns aber über Kulturfortschritte, die dem Menschen das Leben angenehmer und reicher machen, freuen sollen, müssen wir doch mit der einen oder anderen Lleberseinerung aus- räumen, sollen wir nicht mit der Zeit daran zugrunde gehen. So zwingen uns wirtschaftliche Gesichtspunkte und bessere Einsicht auf Grund medizinischer Forschung und Erkenntnis in gleicher Weise dazu, Roggenbrot zu essen. Wir wollen froh sein, daß wir Roggen im Lande haben und uns nicht dessen schämen und ihn als Rahrungsmittel verachten. Daß sich der Geschmack grundlegend nach der Seite des Weizen es gewandelt hat und daran nichts zu ändern ist, das wird im Ernste niemand glauben, wenn er nur einmal ruhig darüber nachgedacht hat. Glaubt es aber einer wirklich, dann soll er selbst nur vier Wochen lang gute® Roggenbrot essen und sich dann fragen, was ihm besser schmeckt. Wer aber weiß, daß ihn eine Lebensgewohnheit wirtschaftlich oder gesundheitlich schädigt, und läßt sie nicht oder schränkt sie nicht wenigstens ein, den halten wir für einen Schwächling. Keiner aber von uns, die dies lesen oder geschrieben haben, wird sich selbst im Emst für einen Schwächling halten. Lind er tut recht daran! — Wir müssen durchkommen durch Rot und schlechte Zeit, weil wir zu Besserem wollen! Fangen wir an, uns auf uns selbst zu besinnen und auf das Brot, das wir essen sollen und können! Wir werden dann noch anderes finden, das wir bei uns selbst bessern können und womit wir uns helfen! Arbeitslosigkeit undBerussberatung Von Dr. Bartholomäus Bottenbacher, ÄerusSberaiungsstelle beim Arbeitsamt Gießen. Die Schwere der chronischen Arbeitslosigkeit verbreitet in allen Schichten der Bevölkerung ein dumpfes Gefühl der Existenzunsicherheit und zieht natürlicherweise auch die Berufsberatungs- sprechstunde, in der Lebens- und Berufsschicksale entschieden werden, mit in ihren Bann. Mehr denn je werden an Stelle der vielgerühmten und meist oberflächlichen Berufsneigung von den Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder die Berufsaussichten in den Vordergrund der Beratung gestellt. Sn welchen Berufen hat mein Sunge die besten Aussichten, wo kann er am meisten verdienen und wird am wenigsten arbeitslos? Das sind gewöhnlich die allzu verständlichen Fragen der Eltern an den Berufsberater geworden. Lind nicht selten kann man von den Erziehungsberechtigten hören, ob es überhaupt noch Zweck habe, das Kind einen Beruf erlernen zu lassen, wenn es nach dem Auslemen doch arbeitslos werde und schließlich einen ungelernten Gelegenheitsarbeiter machen müsse. Der Sammer des Arbeitenwollens und nicht Arbeitendürfens von Millionen Arbeitsfähigen wirft auch in die Sprechstunden der Berufsberatung seine dunklen Schatten. So ergibt sich von selbst die Frage, ob d i e Berufsberatung auch d i e Arbeits- losigkeit vermindern könne, eine Frage, die bei der heutigen ungeheueren Wirtschaftsnot von großer aktueller Bedeutung ist. Zunächst ein Wort über die Gefahrenverminderung persönlicher Arbeitslosigkeit durch die Berufsberatung. Sn der Erfüllung ihrer Aufgabe, unter Berücksichtigung von Reigung, Eignung, Familien- und BerufsverhLltnissen, den jugendlichen Rachwuchs in der Wirtschaft an den rechten Platz zu bringen, bewahrt sie die von ihr betreuten Berufsanwärter vor falscher Berufswahl und damit auch vor häufigem, gewöhnlich mit Arbeitslosigkeit verbundenen Stellen- und Berufswechsel, ilnter sonst gleichen Llmständen hat der tüchtige, seinem Beruf körperlich und geistig gewachsene gegenüber dem seinen Beruf verfehlten Facharbeiter ohne Zweifel die günstigeren Aussichten auf dauernde Beschäftigung. Bewährungskontrollen bestätigen im allgemeinen immer wieder die bessere Tauglichkeit der durch die Berufsberatung vermittelten Lehrlinge. Wieviel unnötiger Arbeitslosigkeit mag die öffentliche Berufsberatung während ihrer mehr als 10jährigen Tätigkeit bei Millionen Beratener schon vorgebeugt haben? Man bedenke, daß nach Feststellungen von Berufsberatungsämtem 30 bis 35 Prozent aller ratsuchenden Sugendlichen aus physischen, psychischen, finanziellen und berufspolitischen Gründen für einen anderen als den gewünschten Beruf umberaten werden müssen..Was Wunder bei tausenden, meist unbekannten Berufen! Rur schade, daß sich die Erfolgstätigkeit der Berufsberatung hinsichtlich verhüteter Arbeitslosigkeit nicht zcchlenmähig nachweisen läßt. Denn was man zählen kann, sehen viele Menschen leichter ein. Shr würde wahrscheinlich sonst manch unverdiente Geringschätzung erspart bleiben. Aber, kann man mit scheinbarem Recht einwerfen, die Berufsberatung verhütet^zwsr, indem sie den rechten Mann an den rechten Platz bringt, vermeidbare Arbeitslosigkeit bei den von ichr Betreuten, jedoch die Gesamtarbeitslosigkeit könne sie dadurch nicht vermindern. Denn es können ja nicht mehr Arbeiter beschäftigt werden, als für sie Arbeit vorhanden ist. Werden die durch die Berufsberatung Gegangenen im allgemeinen weniger arbeitslos, dann müssen es die andern bei gegebenen Auftragsbeständen und gegebenen Bedingungen um so mehr werden. Also an der allgemeinen Arbeitslosigkeit ändere sie nichts. Halten wir uns vor Augen, daß der tüchtigste Arbeiter auch der rentabelste ist. Zehn Qualitätsarbeiter etwa, die, sagen wir, soviel leisten als fünfzehn weniger tüchtige, sind billiger, selbst wenn sie entsprechend ihrer Mehrleistung den Lohn der fünfzehn erhielten, da sie weniger Generalunkosten an Arbeitsräumen, Licht, Heizung, Reinigung, Aufsicht, Sozialversicherungsbeiträgen, Buchhaltungskosten usw. verursachen. Auch verstehen Qualitätsarbeiter mit Material und Arbeitsmitteln ökonomischer umzugehen. Linier sonst gleichen Bedingungen wird de« Llnternehmer eine Vorzugsrente genießen, d. h. auch in der Lage sein, um, diesen Differenzial- gewinn billiger zu verkaufen und die Konkurren-' ten aus dem Felde zu schlagen, der die tüchtigsten Facharbeiter hat. Run werden gewiß dadurch, daß die einen Unternehmer infolge besserer Qualitätsarbeiter konkurrenzfähiger sind als dir andern und ihnen, die Aufträge abjagen, die Arbeitsgelegenheiten im Lande nicht ohne weiteres vermehrt. Wir haben aber keine geschlossene Volks-, sondern eine internationale Wirtschaft, jedes Land oder Volk steht wirtschaftlich im Wettbewerb mit anderen Rationen. Der Kampf um die ausländischen Absatzmärkte und Dienstleistungen im internationalen Waren-, Effekten-, Zahlungs- und Transportverkehr spielt heute bei allen Sndustrie- und Handels- wie Agrikulturstaaten eine außerordentlich wichtige Rolle. Und hier auf dem Weltmärkte wirkt sich die Berufsberatung als Rentabilitätsfaktor der Wirtschaft befruchtend in der Beschaffung neuer Arbeitsgelegenheiten aus- Rehmen wir nur an, alle Länder ständen in technischer Ausrüstung auf gleicher Höhe, bann wird zweifellos das Land mit den tüchtigsten Arbeitern, die ja die büligften sind, am wohl-- feilften exportieren können und die meisten Chancen haben, den auswärtigen Konkurrenten den Rang abzulaufen. So trägt die öffentliche Berufsberatung indirekt durch rationelle Berufs- auslefe zur Vermehrung der Arbeit im Lande und zur Verringerung der allgemeinen Arbeitslosigkeit bei. Als unsere durch Krieg und Snftatton heruntergebrachte Wirtschaft neu aufgebaut und die verlorengegangene Stellung auf dem Weltmärkte wieder zurückerobert werden muhte, hat man auch die helfende Berufsberatung nicht vergessen und immer mehr ausgebreitet. Man konnte nicht gut auf der einen Seite mit allen gesund. Das ist mit zum größten Teil Shr Werk. Da, behalten Sie das als Andenken." Barbara machte eine kleine goldene Radel von ihrem Kleide los und gab sie der Alten. „Rur als Andenken an die tedesca“, sagte Barbara lächelnd, als die Alte gerührt ihre Hand küßte und ihre Wange streichelte unter tausend Segenswünschen. „Gehen Sie zu Bett, Signora", sagte die Alte, „daß Sie mir nicht wieder krank werden." Lind dann flüsterte die treue Seele geheimnisvoll: „Der Conte Malfieri ist ganz verliebt in Sie, aber Sie, Signora, haben es, Madonna mia, noch nicht einmal gemerkt." Lind leise lachend zog sie die Türe hinter sich zu. Barbara stand erstarrt da. Tatsächlich, dies war ihr noch nicht einmal klar gewesen. ilm so nötiger war es jetzt für sie, fortzugehen. Sie schrieb ein paar Zeilen, in denen sie dem Conte in warmen Worten dankte für alles Gute und alle Hilfe, und ihn um Verzeihung bat für ihr Verschwinden. Sie könne nicht anders, schrieb sie, und darunter ihren Hamen „Signora Barbara." Den Bries ließ sie auf der Mitte des Tisches liegen, wartete noch eine Stunde und schlich dann leife die Treppe herab und zum Hause hinaus. Sie kam sich wie eine Verbrecherin vor, aber es ging eben nicht anders. Sie kam auch unbemerkt durch den Garten. Sm Zimmer des Grafen war noch Licht, und sie sah den Schatten feiner Gestalt hinter der Gardine auf- und abgehen. Traurigkeit ergriff sie. Dieser Mann hatte ihr nur Gutes getan und muhte ihr Benehmen als reinsten Llndank empfinden. Sie warf den Kopf zurück, kletterte im Schatten eines großen Gebüsches über das Gitter und stand mit einem Sprung auf dem Weg, der nach Frascati hinunterführte. * * * Reginald Contius stand vor dem Spiegel und band sich eine Krawatte um. Zweimal band er sie neu, denn sie sah immer noch nicht zur Zufriedenheit. „Verdammt noch mal“, knurrte er ärgerlich, „was man nicht alles muh, dieser dämlichen Einladung wegen. Es wär auch gescheiter, ich lieh die ganze Geschichte schwimmen, hab sowieso nicht viel Lust dazu." Endlich war er mit der Krawatte fertig. Er kämmte die Haare zurück und bearbeitete sie mit der Bürste. Zwischendurch muhte er fein Gesicht im Spiegel betrachten. „Bin ich das, Reginald Contius, oder nicht?“ dachte er und fing an, feine Augen, feinen Mund, seine Rafe intensiv zu studieren. „Sch habe tatsächlich nicht gewußt, wie ich aussehe", murmelte er vor sich hin. „So etwas unbestimmt und verschwommen, ich glaube fast, ich habe schon etwas zugenommen." Er schüttelte den Kopf und lieh den Blick Lurchs Zimmer gehen. Es war ein nettes Zimmer, ziemlich groß und geräumig. Obgleich es mit Sorgfalt eingerichtet war, war der Charakter des möblierten Zimmers unverkennbar. Er zog sein Sadett über, griff nach dem Hut und ging hinaus. Draußen im halbdunklen Flur begegnete ihm seine Vermieterin. „Ra, Herr Contius, soll's noch a bifferl Weggehen? Sft auch a schöner Abend beut’. Tun s sich nur a bifferl von dem schweren Dienst erholen." „Guten Abend auch, Frau Berger. Freilich haben Sie recht." „Sessas na, den neuen Anzug haben's gar angezogen heut'." Die dicke kleine Frau drehte das Licht im Flur an. „Sch muß halt amal schauen, wie er Shnen sitzt. Ra, dev Herr Reiher arbeitet gut, gelt? Schneidig sehens aus, Herr Contius. Grad zum Verlieben. Er könnt nicht besser sitzen." Lind fast mütterlich strich sie um Contius herum, hier und da über den Rock streichend und ihn zurechtzupfend. Gutmütig lächelnd ließ Reginald die Sorglich- keit der Frau über sich ergehen. „Ra, bin ich nun schön genug“, fragte eS bann, als sie gar nicht fertig werden wollte. „Gell, Sie sind gewiß eing’laben heut' abend", sagte Frau Berger betulich. „Müssen schon verzeihen, daß ich so neugierig bin. Aber Sie wissen's schon, Sie hab' ich besonders ins Herz geschlossen." „Gewiß, Frau Berger, und damit Sie gut schlafen, sollen Sie's auch wissen, weil Sie gar fo gut für mich sorgen: Zum Baron Griffinger." „Ra, was Sie net sagen!" Die rundliche Frau schlug vor Erstaunen die Hände zusammen. „Das Fräulein Tochter, die Hila, hat schon neulich mal nach Shnen gefragt, Herr Contius.“ „So, so“, sagte Reginald, scheinbar zerstreut. (Fortsetzung folgt.) 3u 3000 336280 356286 12 •tfrinne .u 2000 u 3000 M. 19823 1 38077 354753 12 Q-emlnne m 2000 Ul 86113 88600 103148 104865 168423 208304 42 »ttinnnt |u 1000 M. 28431 35097 58840 77666 81223 118432 127990 145246 170276 164307 186749 192558 205766 213816 222767 249781 251925 234817 303381 348809 378575 82 Otto.nnt >u 500 Jli. 1549 14856 19094 20509 21075 21994 29458 30044 55672 90290 90822 91995 116615 129303 146618 147072 188210 193497 193577 196219 207060 207170 211689 221350 228446 228500 265919 296348 296860 296932 305599 309r 99 3-0911 335844 360123 365342 375248 379570 384878 386064 393320 194 eeüMnnt iu 300 OH. 2680 3395 3996 8022 18157 18940 22084 23295 25702 28068 30122 44509 46-61 63056 53118 54739 55585 59673 60853 64802 66455 69241 74872 82510 87967 93817 93857 94362 101580 105432 112673 114824 115336 117738 124163 126824 129616 130209 144155 144162 150526 163974 155608 157541 157563 168885 162212 163412 166869 166029 167348 168249 172237 176018 187433 190435 209568 222068 222787 231458 233362 234678 236512 238839 241465 241936 243559 247432 253930 256472 261247 265647 266368 270303 275550 277430 278004 291859 296002 297140 299640 300066 302279 325609 330602 353827 355300 357391 361698 365758 369544 370397 383186 384395 385518 389152 393906 Im Gewinnrabe verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne Ml je 6f San.-Ral Dr. M. 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Schwei» . . 16,445 16,485 16,445 16,485 81,345 81,505 81,345 81,505 Spanten . . 45,00 45,10 45,15 45,25 Japan - . . 2,067 2,071 2,062 2,073 >ttio de Ian Wien in D-» 0,425 0,427 0,419 0,421 Ctft. abgesi 59,12 12,406 59,24 59,12 59,24 Prag . . . Belgrad . 12,426 12,407 12,427 7,428 7,442 7,425 7,439 Budapest. . Bulgarien . 73,34 3,032 73,48 73,35 73,49 3,038 3,032 3,038 Lissabon . 18,80 18,84 18,80 18,84 Dan,ig. . Konstantia. 81,44 81,60 81,44 81,60 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,43 5,44 5,435 5,445 Tanada . 4,186 4,194 4,185 4,193 Uruguay. 3,467 3,473 3,467 3,473 Cairo . . 20,88 20,92 20,882 20,922 WetallgeseMchaft 10450; Schuckcrt 146; Leonh. Tietz 129; 3farf die Kurzschrift vor der Volksschule nicht Halt machen, gehen doch etwa 10 Prozent unserer VolkSschüler in die genannten Berufe über. Für unsere VolkSschüler ist der Unterricht in der Kurzschrift vielleicht sogar ungleich wichtiger, als der Unterricht in einer fremden Sprache, den die städtischen Schulen in steigendem Maße einführen. Die Erlernung einer fremden Sprache hat für unsere VolkSschüler in erster Linie allgemein- und formalbildenden Wert, selten kann der VolkSschüler fremdsprachliche Kenntnisse im Leben verwerten. Auch im günstigsten Falle kann die Volksschule nur die Änfangsgründe einer Fremdsprache vermitteln. Die Kurzschrift hat aber für den VolkSschüler auch eine hohe praktische Bedeutung. Denn die Beherrschung der Kurzschrift erleichtert ihm den Eingang und Aufstieg bei jenen Berufen, die nur kurzschriftkundigen Personen ossenstehen. Zudem kann in der Kurzschrift wegen ihres eng bogrctuten Stoffumfange» bie Volksschule eine abgcW.rHcnc Bildung vermitteln und töte Schüler hinsichtlich der Weiterbildung auf eigene Füße stellen. Aber auch wegen ihre» hohen Bildung»- und ErziehungSwerteS darf die Kurzschrift im Lehrplan der V o l f » f d> u l c Heimat- recht beanspruchen. Der Kurzschristunterricht ist nicht nur Schreib- und Leseunterricht, sondern auch Sprach- und Denkunlerricht. Er zwingt zum Uebcrlcgen und Schließen und ermöglicht in der Auswahl des LledungSstoffeS jede beliebige Verknüpfung mit anderen Unterrichtsfächern, die auf diese Weise gestützt und vertieft werden. Ra- mentlich in der Verknüpfung mit dem Deutschunterricht wirkt der Kurzschrist- unterrichl anregend und fordernd ein auf sprachliche» Denken und orthographische» Schreiben. Er verbessert auch die Handschrift und erzieht zur Ordnung und Genauigkeit. Im rechten Geiste erteilt, ist der Kurzschristunterricht ErzlchLtzgS- und Arbeitsunterricht im besten Sinne de» Worte». Trotz aller unterrichtlichen und erzieherischen Werte wird man indessen die pflichtige Einführung deS Kurzschriftunterrichtes in die Volksschule nicht befürworten fönnen. Sine solche Forderung ließe sich nur dann begründen. wenn die Kurzschrist geeignet wäre oder Aussicht hätte, an die Stelle der Langschrist au treten, die Schrift für alle zu werden. Eine solche Möglichkeit ist aber nach dem gegenwärtigen Stande der Kurzschristentwicklung nicht gegeben, ülnd an die Ersetzung der mechanischen Schrift durch die Kiirzschrist ist schon gar nicht zu denken. Die Kurzschrift wird wohl noch für lange, wenn nicht für Immer, eine HilsSschrist bleiben. Von den aaßerpreuhischen Ländern geben Bayern. Sachsen. Hessen. Braunschweig und Hamburg den angehenden Lehrern Gelegenheit zur Erlernung und Einübung der Kurzschrift und zur Einarbeitung in die Methode ihre» älnterrichtS. Fast alle Reichs- und Länderbehor- den verlangen von ihren Beamten und Angestellten die Beherrschung der Kurzschrift. Rur die Preußische Unterrichtsverwaltung legt den Anwärtern für den Schuldienst eine solche Verpflichtung nicht aus. DaS ist ein unhaltbarer Zustand, der alle Bestrebungen zur Einführung der DinheitSkurzschrift und zur Erreichung der damit verbundenen Vorteile hemmt. Man gebe der Schule — auch der Volksschule I — sachlich und methodisch vorgebildcl- rifHtbrer, dann werden die kulturellen und wirtschaftlichen Vorteile einer deutschen EinheitSkurzschrift erst in vollem Umfange zur Geltung kommen. ingenieurscnuie Altenburg Tnur. Maschinenbau — Elektrotechnik Automobil- und Flugzeugbau. ————— AiinHI. Jahne in Kaullch. zu 3 ML, Kronen, Brücken, Plomben zu blütnff. Prellen. 00063 Irau Königer Dentistin Stein strafte 29 ————— KurzgcschnttteneS IdhIiM liefen 1490D Dampisägewerk Lollar «. Nubn, A.-(S. UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIÜ Auto-Möbelwapen zur Mitnahme von (Mülern per Ende n. Woche v. Heidelberg -Darmstadt-Frankfurt o. M. n. Gießen bietet an 5735D Stäckrath & Bender, U.m.k.H. Höben ranaport, WalL lorstr. 49b., Tel. 3919 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin 5724 D Krofdorf, Vetzberg, Oroßen-Linden, den 15. August 1930. Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. August, nachmittags 3 Uhr, in Krofdorf statt 5740D 5747 D Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, den 15. August 1930. 05068 5691D Gießen, den 16. August 1930 5722 D Groben-Linden. den 16. August 1930 5728V Druckschriften Ehren gedenken Glebcn, den 16. August 1930. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme an dem Verlust, der uns so schwer betroffen, sowie für die überaus zahlreichen Kranzspenden, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die tieftrauemden Hinterbliebenen: Albert Leib nebst Kindern. Namens des Gleiberg Vereins: Graet. Provinzialdirektor. Heute vormittag, 11 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, die treusorgende Mutter unserer Kinder, unsere liebe Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Karoline Leib, geb. Mohr im vollendeten 30. Lebensjahre. Dankaagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem unerwarteten Hinscheiden unserer lieben, treubesorgten Mutter Frau Margarete Lenz sagen wir allen BeteUigten auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Lenz IV. nebst Angehörigen Heuchelheim (Brauhausstr. 14), den 18. August 1980. _____________________________________________________ 05092 Im Namen aller Hinterbliebenen: Wilhelm Luh, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir innigen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Frau S. Cullmann. Nachruf. Am 13. d. M. verschied das Vorstandsmitglied des Oleibergverelns Herr Adolf Geisse zu Giefeen. Wir sind bestürzt über das plötzliche, unerwartete Hinscheiden unseres Mitgliedes, der uns durch seine hervorragenden Charaktereigenschalten und seine stete Hilfsbereitschaft ein treuer Freund geworden war. Wir werden seiner allezeit in Frankfurt am Main Pferde-Märkte 18. August. 6. Okt., 1. Dexbr. Durch »chn. Auftr 700 Pferde aller Raiten, auch Sdihdrtpferdt: frOfcte Auswahl u. beste Gelegenheit f. Kauf od Tausch. Ein Besuch dieser Mtrkte ist zu empfehlen. Der Handel Sonntags verbot Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme, insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dörr am Grabe unserer Heben Verstorbenen Frau Margarete Rinn Wwe. geb. Schaum sowie für die prachtvollen Kranzspenden sagen wir herzlichen Dank. Dergeööng oon MfletiikMen. Die zur Herstellung von zirka 357 Ifd. m Gossenpflaster vorkommenden Arbeiten und Lieferungen sollen auf dem Submis- sionswege vergeben werden. Ofierten hier- zu sind bis Samstag, dem 23. d. 2TL, nachmittags %2 Uhr, auf hiesiger Burger- meisterei einzureichen. wo auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind. Zuschlagsfrist acht Tage. 5715D Beuern, den 14. August 1930. Hessische Bürgermeisterei Beuern. Lindenstruth. Von der Reise zurück Dr. Wolf ObereleWieh en»»ordnet Indvetne und eeoreru». L-»"*wirt»cb»n und Be- •orgfltt'g gedeckt HSrden. Lieferung nennen, gut und pre-ewert BrOhl'sche Druckerei, Steven, Schulstraße 7, Anruf Nr. 1151 Kavalleri&VereinGießen e.V. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben une. ib. Kameraden Heinrich Becker Sc hm lederne luter geziemend in Kenntnis zu setzen. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Feuerbestattung fand auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille etatu Der Vorstand. Erdbeerpflanzen In den Sorten RotkavvlevoniLchivabenland. etne.Ntesen- forte tOberlchiesiem äußerst fruchtbar. Licida perleola, eine rosa Ananav. reich» «ragend, von feinstem Geschmack emvsiehll 1OO Stiilk 1,— Mk., 60 Stück 2,50 Mk. versand nach austvärtv bet freier Berpackung. 105072 Gärtnerei Dönges, Giefeen Herberger StraBe 87 Telephon Nr. 2321 6tumraei9rü5-Berflei0e[öai öer Sloöt ©lefien. Montag, den 18., und Dienstag, den 19. August, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen ösfentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: Montag, den 18. August 1930: a) vormittags %% Uhr (Zusammenkunft in der Marburger Straße, Ecke Schwarzlachweg), von den Wiesen in der Schwarzlach, 11 Abteilungen; b) vormittag» 9% Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof), oon den Wiesen im • Neustadter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleiche und auf der Insel; c) vormittag» 10J4 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration von Gg. Schrimpf, Kaiserallee 4), die Wiesen an der Throm- schen Fabrik, eine W'ese hinter der Kläranlage, von den Wiesen am Weiher, am Ohleberg, im Heegstrauch und am Alten Steinbacher Weg (Rußland): d) nachmittag» 2 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration Philolophenwald), von den Wiesen im Wiesecktal und an der Eselswicsc. 5655C Dienstag, den 19. August 1930: a) vormittag» 9 Uhr (an Ort und Stelle), an der Annerödcr Straße, von den Wielen am Altentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Rödgener Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenmorgen. b) vormittag» IVA Uhr (an Ort und Stelle), das Grummetgras von den Wiesen des Gas- und Wasserwerks in den Gemeinden Rödgen und Großen- Buseck. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Die Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, Borstehendes in ihrer Gemeinde bekanntmachen zu lasten. Gießen, den 12. August 1930. Der Oberbürgermeister. ____________I. B.: Klinglpor.___________ Bekanntmachung. Detr: Das Gesetz über die Ortspolizei. Aus die im Amtsoerkündigungsblatt 58 vom 1. August 1930 veröffentlichte Bekanntmachung des Kreisamts Gießen über die den hessischen Städten und Gemeinden zur Ausübung und Derwaltung übertragenen ortspolizeilichen Angelegenheiten wird hiermit hingewiesen. Gießen, den 12. August 1930. -5655B Der Oberbürgermeister. Dr. 8#IIer, Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, kl fr Kf J d BF filJ MLUMM, cMNMlMAW Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstr. 6, Tel. 3888 Schriften kostenlos 3166V Lichtspielhaus Gießen Nur noch heute und morgen Sonntag der erste Kriminal-Sprech- und -Tonfilm Der Tiger Im Beiprogramm: 3 Ufa-Tonfilme Voranzeige! Ab Montag,18. August Die neue „Operetten-Singspiel-Revue“: SEITENSPRÜNGE Gastspiel d.FrankfurterOperettentheaters 5736 C Versammlung im Hindenburg, am Dienstag, d. 19. d. M., abends 8% Uhr D. V. p. und Staatspartei Ausstieg oder Niedergang des Bürgertums Redner: Dr. Aiepoth, M. d. L, Schlitz 57130 Mitglieder, Freunde und Wähler der Deutschen Volts. 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Diese wird die Namen derjenigen Gefallenen enthalten, dte unmittelbar aus der Schule ins Heer eintraten, und vorauö- sichtlich auch derer, die bereits Ostern 1914 das Realgymnasium verliehen. Weitere Ehrentafeln, die später geschaffen werden, sollen alleehem. Gienen.Realgymnasiasten verzeichnen, die fürs Vaterland starben. ZwecksUeberprüfnngunsererVerzeichnisse ersuchen wir die Angehörigen der Toten, alsbald deren Namen nebst Vornamen, Geburtstag, Zeitpunkt des Austritts aus dem Realgymnasium, Dienstgrad, Truppenteil, Todestag und -ort der Direktion des Realgymnasiums mitzuteilen. Die für die erste Ehrentafel in Jrage kommenden Namen erbitten mir bis spätestens ‘20. August. D.H.V. Wegen schlechter Witterung ist das für Sonntag, den 17. August geplante Kinderfest auf der Karlsruhe 5727D verschoben Nähere Mitteilung im kommenden Monatsweiser. Der Vorstand. Cafe Astoria Heute TANZABEND Sonntag, den 17. 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