Nr. 138 Erstes Blatt 180. Jahrgang Montag, 16. Juni 1930 Eriche »nl lägiich, avtze, Sonntags und Feiertag, Beflaaee: Die Illustriert» Vtehener Familienblälte, Heimat im Bild Die Scholle Dlonats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse nnterSammeInummet2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger «letzen. poMd?c wie vor der besonderen Rotlage des abgeschnürten Ostpreußens Rechnung tragen. Die Vertreter von Brandenburg, Pommern, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz und Schleswig »Holstein und Oldenburg ersuchten die Regierung, die im Gesetz zugelaffenen Hilfsmaßnahmen für diese Länder und Provinzen anzu- wenden. Einige Aenderungsanträge Bayerns wurden nicht unterstützt. Der Vertreter der Provinz Oberschlesien bedauerte, daß Oberschlesiens besondere Rotlage im Gesetz nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Das werde hoffentlich in den Ausführungsbestimmungen nachgeholt werden. Der Vertreter Riederschlesiens schloß sich für seine Provinz dieser Erklärung an. hieraus wurden das Osthilfegeseh einstimmig und das Gesetz über die Ablösungsbank bei Stimmenthaltung Bayerns angenommen. Angenommen wurde auch die Ausschußentschlie- hung über Eifenbahnbauten. Der Reichsrat stimmte weiter der Ergänzung des Etats für 1930 zu, die durch die Grenz- hilse notwendig geworden ist. Gesandter Dr. Gradnauer sprach die Erwartung aus, daß bei der Verteilung der Gvenz- hilfe auch der Freistaat Sachsen ausreichend berücksichtigt werde. Der Vertreter der Rhrinprvvinz forderte die baldige Vorlegung eines Westhilfegefehes zum Ausgleich der Schäden, die durch die Besatzung angerichtet worden sind. Der Redner beantragte, das Westhilfegesetz so rechtzeitig vorzulegen, daß es unmittelbar im Anschluß an die Osthilfe erledigt werden kann. Dieser Antrag wurde angenommen. Die nächste Reichsratssitzung soll am nächsten Samstag stattfrnden. Schwerer Konflikt in Oesterreich. Major Pabst, der Organisator und Stabschef der österreichischen Heimwehren, für immer aus Oesterreich ausgewiesen. - Große Erregung in Tirol. Vien, 14.3uni. (2DIB.) Die polizeikorre- sponden; feilt mit: Der deutsche Staatsangehörige Major a. D. Pabst, der im Jahre 1920 nach dem sog. Kapp-Putsch aus Deutschland nach Oesterreich ftüchtete. wurde heute von der Vundespolizei vorgeladen und nach Durchführung des erforderlichen Verfahrens aus Oesterreich ausgewiesen, weil er sich in Oesterreich in einer für einen Ausländer unzulässigen Weise betätigt habe. Nie Heimwehnührer beim Bundeskanzler. Wien, 14. Iuni. (WTB.) Rach Mitteilung der Pressestelle der Selbstschutzverbände sprachen heute am späten Abend der Bundes- führer der Heimwehren Dr. Steidle, welcher auch die Rechtsvertretung von Major a. D. Papst übernommen hat, sowie die Führer der ober- und niederöfterreichischen Heimwehren, Fürst Starhemberg und Major Feh, beim Bundeskanzler vor und ersuchten ihn dahin zu wirken, daß Pabst während feiner Bedenkzeit und bis zur endgültigen Entscheidung über die Rechtskraft der Ausweisung auf freien Fuß gesetzt werde. Dr. Schober erklärte, er habe selbst erst kurz vorher von den Maßnahmen der Polizei gegen Pabst Kenntnis erhalten und müsse sich erst über den Tatbestand unterrichten. Später gab er bekannt, daß er die Referenten zu sich bestellt habe. 3m Flugzeug noch Venedig abgcrcifr. Wien, 15. Iuni. (WTB.) Die Dundespoli- zeidirektion Wien teilt mit: Der reichsdeutsche Staatsangehorige Major a. D. Waldemar Pabst, der am 14. Iuni von der Dundespolizeidirektion Wien a u s d e_m österreichischen Bundesgebiet für ständig ausgewiesen worden ist, hat hiergegen bei dem Landeshauptmann von Wien Berufung eingelegt. Die Berufung wurde heute abschlägig beschieden. Major Pabst, der die Bitte gestellt hat, möglichst bald, und zwar nach Italien, abreifen zu dürfen, ist nach Der- tünDung des Derufungsentscheides heute nachmittag in Begleitung feiner Gattin mit dem Flugzeug nach Venedig abgereist. Das Flugzeug, mit dem Major a. D. Pabst heute vormittag nach Venedig abgeflogen ist, wird die Strecke Wien—Venedig ohne die sonst übliche Zwischenlandung in Klagenfurt zurücklegen. Der Abftug vollzog sich in aller Stille. Das Flugzerm war von der österreichischen Luftverkehrsgesellschaft auf Ersuchen der Polizei bereit gestellt worden. Major Pabst wurde von mehreren Pol ixe i beamt e n in einem Auto nach Dem Flugplatz Aspern gebracht, wo ihn seine Gattin erwartete, die mit dem Frühzug in Wien eingetroffen war. Major Papst bestieg mit ihr und zwe i P oli - zeibearnten das Flugzeug, das punft 15.36 Uhr auf stieg. Auf dem Flugfeld hatten sich nur wenige persönliche Bekannte Pabsts einge- Marburger Festspiele. „Ter Kaufmann von Venedig." Als zweites Stück nach dem „Jedermann" spielen sie jetzt in Marburg den .Kaufmann von Venedig", die zweideutigste, bjtterfte und tragischste unter den Komödien Shakespeares. Dazu ist das Spielfeld vom Platz vor der Marienkirche nach der eigentlichen Freilichtbühne auf dem Schlohberg und die Aufführungszeit in die Abendstunden verlegt, was durch die Situation der Szenen des zweiten und fünften Aktes zwanglos gerechtfertigt erscheint und überdies gewisse Stimmungswerte ergibt. Die Aufführung, von Dr. Fritz Budde geleitet, hinterläßt einen uneinheitlichen Eindruck. Zunächst im äußeren Bilde: solange es noch hell ist, wirkt der szenische Rahmen mit seinen mancherlei Spielräumen, Aufbauten und Versatzstücken sowohl in der Linienführung wie in der Farbenzusammenstellung (zweierlei Rot und stechendes Grün!) sehr unrühig; erst mit zunehmender Dunkelheit fliehen die Formen zusammen und verwischen sich die Farben zu einem geschlosseneren szenischen Bilde. * Was die innere Auffassung der Regie betrifft, so wird in der Marburger Darstellung durchaus die heitere, lustspielmähige Seite des Werkes betont und in den Vordergrund geschoben, während Demgegenüber der sehr ernste Kem der comedy, ihr tragischer Unter ton, verwischt wird oder in vielfach konventionellem Theater stecken bleibt. ♦ Dieser Grundeinstellung entsprechend gerieten die lichten Elemente des Werkes am besten und reinsten. Die Mummenschanz- und Serenaden- szene vor Shylocks Hause und die Auftritte der Prinzen von Marokko und von Arragon vor Porzia in Belmont wurden breit auSge- sponnen und mit allerlei hübschen Ruancen aus- gefpielt; hier und in der sehr geschickt zusammen- gestellten, zarten, musikalischen Bealeitung (Fritz C u j e) lagen die besten Eindrücke dieses Abends. Unverständlich und vollkommen überflüssig wirkte dagegen eine Tanzeinlage -zwischen dem vierten und fünften Akt, die von Mitgliedern der Tanzgruppe Hilde B r u m o f (Kasseler Staatstheater) vorgeführt wurde. • Merkwürdig matt und äußerlich geriet vor allem Die große Hauptszene der Gerichtsverhandlung im vierten Akt: schwer zu sagen, woran es lag. In erster Linie wohl an der Besetzung. Der Shylock ist — bei allem Respekt vor Ludwig W ü l1 n c r und der großen Leistung des nun Zweiundsiebzigjährigen — doch Wohl nicht die Rolle, in der er seine stärksten und eigentlichsten Kräfte entfalten fann; er gelangte gerade in der Gerichtsszene über eine sicherlich wirksame Theatralik kaum hinaus; viel feiner und innerlicher wirkten jedenfalls die gedämpfteren und psychologisch ausgearbeiteten Szenen der vorausgehenden Akte; zu bewundern bleibt immer wieder die organische Kraft und sprachliche Kultur Wüllners, die freilich jeder Rolle zustatten kommt, dem Shylock so gut wie dem Faust, dem Lear oder dem Rathan. Auch Lore Schubert, Dresden, die Porzia, enttäuschte in der Hauptszene des vierten Attes, während sie im übrigen den Ton und Sttl dieser Preziosen und koketten Frauengestalt nicht übek zu treffen verstand. Ausgezeichnet besetzt sind einige Chargen: Werner Hollmann, sehr drollig und witzig als Graziano; Iohn Got - towt als ganz grotesker Arragon, Clemens Hasse, der mit wirbelndem Temperament den Lanzelvt Gobbo spielte. * Emst Wendt war ein würdiger Antonio; Wangenheim als Dassanio ebenfalls gut bis auf die recht nüchtern geratene Kästchen- szene im Belmont: da fehlte der große Schwung des leidenschaftlich und glücklich Liebenden. Sehr schwach die Rerissa (Mathilde Zedier), die einen minder shakespeareschen als Wandervogelhaften Eindruck hinterließ. — 3m übrigen wurde stellenweise zu schnell gesprochen; einige Te?t- unsicherheiten werden sich Wohl in spateren Aufführungen abschleifen. Der Premiere am Samstag war, trotz anfänglichen Befürchtungen, der Wettergott gnädig, der Besuch war ersrmllich zahlreich, der Beifall herzlich. Wüllner wurde zum Schluß mehrfach gerufen. —y— Kreuzworträtsel im Cafe. Von Manfred Georg. Rings um sie Duft von Schokolade. Und Pärchen, die über bunte, fahnengekrönte Torten hinweg verliebte Blicke wechseln. Das Cafe, klein, Deimelig, ein richtiges Rendezvousnest, schwirrt von fetfen Worten. Bisweilen ersticken sie im Schlagrahm, der weiß die roten Lippen netzt. Dann leitet ein Händedruck den Gedanken weiter. Einige Plakate an den Wänden: Russischer 'Beerensaft, gefüllte Eisbaisers, Rordlichtpunsch. Die Herren trinken kein Bier, auf daß ihr Atem süß bleibe. Die Damen sehen ihre etwas zu sehr glänzenden (Kunst-) Seidenbeine huitig den Reflexen der funkelnden Elektrobirnen aus. Die Zeitungen hängen schlaff an der Wand und träumen mißmutig ihren alten Wunsch träum in diesem Safe: es möchte einer kommen und sie lesen. Pustekuchen! Auch der Kaffee hat es oft nicht besser, er wird kalt und bekommt mürrische Hautfalten, und Löffel bleiben bisweilen mitten in der Apfelschaumfüllung stecken und nichts erfolgt weiter. Hierher war das Fräulein geraten. Sie war nicht mehr jung, nicht mehr schön, aber von ihrer Geburt her hatte sie eine etwas schiefe Schulter. Langsam sah sie sich um. Sie hatte bereits bestellt, also mußte sie bleiben, Denn sie konnte sich die verschwenderische Geste einer Flucht nicht leisten. In der Hand hielt sie ein grünes Heft. Darauf stand „Dätselzeitung". Es hätten doch auch „Die Rächte der Marquise Montebello oder „Des Försters Töchterlein" oder „Wie bleibe ich schlank?" fein können, vielleicht sogar ,/Der Untergang des Abendlandes". Aber es war und blieb die „Rätselzeitung". Entschlossen, ja so, daß die Dünnen Blätter ein wenig knatterten, schlug sie sie auf. Und während ihr Bleistift mit Der an Den Schnittflächen unregelmäßigen Spitze die Reihen Der Kreuzwortfiguren, Rösselsprünge unD (Silben* quaDrate auf unD ab fuhr, muhte sie denken: „Der höchste Berg der Seealpen waagerecht. Rie werde ich ihn besteigen mit meiner Lunge, heute früh habe ich schon wieder so stark gehustet. Der Rame der ersten Handfeuerwaffe senkrecht, er ist mir entfallen, wahrhaftig, einst wußte ich ihn. Klein sah ich im geplätteten Waschkleid, und so fromm auf der Schulbank. Für Die indische Göttin fehlen zwei Buchstaben mir von oben, nach unten gelesen. Der Iakob ist nun auch schon Chef des Importgeschäfts, Tee, Muskat, Zimt — bis zu Vaters Tod, als er reich mich glaubte, hat er oft mich gestreichelt, später hat er zu Tante Helene „Alte Trulle" gesagt und mich gemeint — ergibt ein Dramenwort... von Schiller? Von Uhland? Ach Gott, heute kommt man ja gar nicht zum Lesen mehr. Aufstehen, Hetzen, Tippen, hastig kaltes Mittagessen schlingen. Trübe Augen, Frost im Finger, Schlafen, Schlafen — und die Mittelbuchstaben berühmtestes Wer? Boccaccios — Pfui, Daran nur nicht denken, man würde ja rot — aber der Iunge da drüben, etwas zu greller Schlips zwar, immerhin — stopft nur so unmäßig Pfannkuchen — er wartet — worauf? — Immerhin — Teeforte von links waagerecht — wäre mein Fall — vielleicht kommt sie nicht — er ist schon ganz blaß — keiner mertt es, nur ich. alle tuscheln und flüstern, lauter Blicke wie kurze Gebete — es liegt wie frischer Wind in der Luft. UnD ich rate. funden, um sich von ihm und seiner Gattin zu verabschieden. Major Pabst in Venedig eingeiroffen. Wien, 15. Iuni. (TU.) Wie eine aus Venedig eingegangene Mitteilung besagt, ist P a b ft am Sonntagabend dort mit dem Flugzeug angekommen. Scharfer Protest -er Tiroler Landesregierung. Innsbruck, 15.Juni. (WTB.) Die hier be- findlichen Mitglieder der Tiroler Landes, regierung find mittags zu einer befände, ren Sitzung zusammengetreten. Nach deren Beendigung wurde folgendes Communiquä ausgegeben: Die Landesregierung hat mit Befremden davon Kenntnis erhalken?-daß der Stabsleiter der Heimatwehren, Major a. D. Waldemar Pabst, der seinen Wohnsitz in Tirol hat, ohne vorherige Fühlungnahme mit der Landesregierung in Haft genommen und für dauernd aus Oe st erreich ausgewiesen wurde. Sie sieht darin einen Ueberfall nicht nut auf die Person des Majors Pabst, sondern auf eine Bewegung, der ein großer Teil, und zwar gerade die siaatstreue Bevölkerung anhängt. Die Landesregierung bedauert diese Maßnahme um so mehr, als sie nach ihrer Begründung auf den kreis eines der Heimatwehr feindlich gesinnten Mitglieds der Bundesregierung zurückzuführen und zugleich als ein Akt bet Schwäche gegen staatliche Feinde und Elemente aufzufaffen ist. Sie beauflagt ihre Vertreter, am Montag bei der Vorsprache bei der Bundesregierung gegen diese Maßnahme, die die Ruhe im Lande schwer gc« fährdet, tatkräftig Stellung zu nehmen und deren sofortige Rücknahme zu verlangen. Hochspannung in Innsbruck. Innsbruck, 15. Iuni. (TU.) Heute vormittag veranstalteten in Innsbruck die Heim- wehrfvrmatio nen einen Demonstra- tivnsmarsch durch die Stadt zum Landhaus. Vom Balkon des ßanDDaufeß hielt Lan Deshauptmannstellvertreter Dr. Tragseil eine Ansprache an die Heimwehrleute, in der er erklärte, daß die Landesregierung alles daransehe, um der heimwehr ihren Stabschef wiederzugeben. Es fei fehr merkwürdig, wenn ein Deuffcher einen anberen Deutfchen ausweife. Die Polizei hatte am Sonntag verstärkten Be- reitfchaftsdienst, ebenso hatten dieHeim* wehrformativnen, wie auch die sozialistischen Wehrs vrmativnen den gangen Tag Bereitschaftsdienst. Kampfansage derHeimweh- en gegen Schober. Wien, 16. Iuni. (TU. Funkspruch.) In der Generalversammlung Der burgenländische n Heimwehren in Oberwarth kam der Bundesführer Dr. Steidle am gestrigen Sonntag auf die Ausweisung des Majors Pabst zu sprechen. Er führte unter anderem aus: Die Heimwehren hätten sich keiner ungesetzlichen Handlung schuldig gemacht, aber man nehme den alten Polizettnuppel und weise einen Mann, dem Der Bundeskanzler selbst angeboten habe, österreichischer Staatsangehöriger zu werden, drei Tage bevor er Staatsbürger werde, aus. Dr. Steidle erflärte, er wolle feine Hetzrede halten. Da man erst wissen müsse, was die anderen Regierungs- Vertreter dazu sagten, was die Herren um Schober und S ch u m y getan hätten. Reime, reime Rätsel — sinnlos senkrecht, abwärts, müde — siedeheiß von oben bis unten, immer einsam und allein, ich will nicht — will nicht — warum nicht — warum ich? Ich will nicht mehr —“ Hier wandte sich das Fräulein plötzlich und ruckartig zu einem jungen, allein fitzenden Mann mit gelbem Schlips am Rebentifch und fragte mit erkünstelt ruhiger Stimme: „Ach verzeihen Sie, mein Herr, können Sie mir vielleicht sagen — ihr Bleistift bohrte sich fest auf das vor ihr liegende Papier — wo die Stecknadel erfunden wurde?" Der Angeredete riß vor Ueberraschung den Mund auf. Dann tippte er leicht mit einem Finger gegen seine linke Stirn, antwortete aber trotzdem mit etwas ängstlichem Wohlwollen: „Da fragen Sie doch einmal im Briefkasten Ihrer Zeitung an." Gleich darauf zahlte er und verließ das Lokal. In diesem Augenblick trat der Geschäftsführer an die beschämt über ihre Zeitung Gebeugte heran und zischte diskret aber energisch: „Das Ansprechen von Herren ist in meinem Lokal verboten." Da floh das Fräulein hinaus. Sie lief durch Die Straßen. Der Mond und die Sterne lächelten ihr mitleidig zu, aber ihre, das Geschehene nicht begreifenden Sinne blieben starr und trübe auf das vom Regen schlüpfrig benähte Pflaster geheftet. Und eine ungelöste Frage quälte sie. Die war aus einem nicht vollendeten magischen Rechteck und lautete: .... und ergibt die Bezeichnung für die häufigste Ursache von Sinnesstörungen. Hochschulnachnchien. Der Wiener Literarhistoriker, UniverfttätS- profeffor Dr. Paul Kluckhohn, dem, wie bereits gemeldet, der Lehrstuhl für neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Iena als Rachfolger von Geheimrat B. Michels angeboten wurde, hat jetzt auch einen Ruf an Die Universität Tübingen erhalten. Der durch die Emeritierung Des Geheimen Medizinalrai.es Prof. H. Bonhofs an Der Universität Warburg erledigte Lehrstuhl der Hygiene ist Dem ork^ntlichen Professor Dr. Io- seph Bürgers in Königs berg angeboten worden. — Die Kolloid-GeseLlschast hat den diesjährigen Laura-R.-Leonard-Preis Dem a. v. Professor für medizinische, allgemeine und Physicochemie in Der Medizinischen Fakultät der Frankfurter Universität, Direktor des Instituts für Kolloidsorschung Dr. Heinrich Bech- h o l d für seine Arbeiten über UltrafTtratton und für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Einführung kolloidchemischer Gesichtspunkte in Die biologischen Wissenschaften verliehen. Der titeb, den die Regierung jetzt gegen die heimwehr geführt habe, habe sie ungeeignet gemocht. Die Regierung wolle den liberalen Poltteistaat aufrichten. Der Redner betonte zum Schluß, jede große Bewegung habe ihre Opfer. Liefe Opfer geben jeder großen Bewegung neuen Schwung und neue Starte. Die Heimwehrcn wurden daraus neue Kraft schöpfen, sie würden einträchtig arbeiten oom Bur. aenland bis zum Bodensee und einig auch den Kampf beginnen. Der zweite Vinidessührer der heimwehren, Dr. Pfriemer, wies darauf hin^ daß Bundeskanzler Schober nach der Verabschiedung der Dersassungs- reform der Bundesführunci der heimwehren gesagt habe: „Wir wollen auch weiterhin kameradschaftlich zusammenarbeiten und wir werden jeden Schritt, der getan werden foll, gemeinsam beraten. Aber der Bundeskanzler habe in der E n t w a f s n u n a s - frage nicht mit der heimwehrsiihrung besprochen. Sept habe der Versuch eingesetzt, die Heimwehrbewegung von innen heraus zu zerstören. Run müsse aber das große Reinemachen kommen und Ordnung geschaffen werden. Pu»Ü 1 der Verfassung: „Alles Recht geht oom Volke aus", müsse Wirklichkeit werden. Aus aller Welt. General Dawes Diktator Chicagos? London, 16.3uni (WTB. Funkspruch.) „Daily Herald" veröffentlicht eine drahtlose telephonische Unterredung mit dem gegenwärtig in Reuyork befindlichen amerikanischen Botschafter in London. General DaweS, der, wie das Blatt behauptet, vielleicht seinen augenblicklichen Posten aufgeben werde, um die gefährliche und schwierige Aufgabe der Säuberung Chicagos von Ve r b r e ch e r e I e m e n t en zu übernehmen. Dem Blatt zufolge soll General DaweS ersucht werden. derDiktatorChica- aoS zu werden. Der Botschafter erklärte, er sei bereit, eine solche Aufforderung zu erwägen. — Der Herausgeber der „Chicago Tribüne" erklärte zu dieser Meldung, Dawes sei der rechte Mann für die Säuberung Chicagos, das 10 0 0 0 bekannte Verbrecher beherberge. Schwere C^plosionskatastrophc m China. 100 rote, 500 Verletzte. Reuyork 16. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Associated Preß berichtet aus Schanghai auf Grund verspäteter chinesischer Pressemeldungen über eine Explosion des Munitionslagers in CH echow (Provinz Hunan) am 10. 3uni: Bei der Katastrophe fanden l 0 0Per- fon en den Tod. 300 wurden verletzt, der Sachschaden ist bedeutend. Großfeuer in einer osipreußifchen Kleinstadt. Wartenberg (Ostpc.), 16.3uni. (WTB. Funkspruch.) 3n dem auf bem Marktplatz gelegenen Hotel „Deutsches Haus brach gestern nachmittag ein Feuer aus, daS sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete und in wenigen Augenblicken die drei Gebäude des HotclS in Flammen setzte. Wahrscheinlich infolge von Flugfeuer kam in einem Gebäude auf dem Marktplatz ein zweiter Brand aus. der sich ungehindert ausbreitete und auch ein weiteres Nebengebäude erfaßte. Durch das Eingreifen der zur Hilfeleistung herbeigerufenen OHlen- ffeinet Feuerwehr konnte ein weiteres Umsichgreifen des FeuerS verhindert werden. Dem Brande sind die Hotelgebäude und Zwei weitere Häuser zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf etwa 200 000 Mark geschätzt. 28 Kinder bei einem Kinobrand umgckommen. Charkow, 15. Juni. (WTB.) Auf Veranlassung be. Charkower Sowjets ist eine besondere Kommission mit der Untersuchung ber furchtbaren Brandkatastrophe betraut worben, ber gestern während einer Schüleroorstellung in einem hiesigen Kino 28 Kinder zum Opfer fielen. Rach den bisherigen Feststellungen ist das Unglück dadurch entstanden, daß bas F i l m b a n b während der Vorführung Feuer fing. Unter den 500 Zu- schauern, Eltern und Kindern, brach eine Panik aus. Trotz der Bemühungen einzelner Besonnener stürmte alles den Ausgängen zu. Die meisten der 28 Todesopfer wurden bei, dem Gedränge erdrückt. Sechs Kinder wurden schwer und fünf Kinder leicht verletzt. Den betroffenen Familien ist von den Behörden jede Unterstützung in Aussicht gestellt worden. Einige verantwortliche Beamte der Kommission für Volksaufklärung, die die Vorstellung veranstaltet hatten, sind ihre- Postens enthoben worden. Unfall eines Marineauto». Berlin, 15.3uni. (WTB.) Am 14. Juni ist zwischen Gotha und Ohrdruf auf dem Koste r- ftaebter Grundweg ein Lastkraftwagen ber 2. Kompanie der 5. Marine-Artillerieabteilung, die sich zur Zeit auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf befindet, infolge Materialversaaens rückwärts ins Rollen geraten. Der Hetzer-Gefreite Hoffmann wurde bei dem Berfud), sich durch Ab- springen in Sicherheit zu bringen, über fahren. Er erlitt einen Schädelbruch, an desien Folgen er inzwischen gestorben ist. Der Oberheizer Wen- drien zog sich einen Beckenbruch ju; für ihn besteht keine Lebensgefahr. Drei weitere Angehörige ber 2. Kompanie wurden leicht verletzt. Wettervoraussage. Das ausgedehnte nördliche Hochdruckgebiet mit dem Kern über Südschweden und Dänemark erstreckt seinen südlichen TeU mit über Deutschland. 3nfolgedesfen herrscht nordöstliche bis östliche Luftzufuhr, welche eine leichte Abkühlung brachte, die noch durch Wolkenschleier begünstigt tourbe. 'Der der kontinentalen Luftzufuhr wird die Be- lvölkung wieder abnehmen und erneut meist heiteres Wetter herrschen. Die Temperaturen steigen dann durch die ungehinderte Sonnenstrahlung wieder an. Aussichten für Dienstag Meist hei- teres Wetter, trocken, tagsüber wieder langsamer Temperaturanstieg. Aussichten für Mittwoch: Wenig Aen- derung der Wetterlage. Retfewetterdievst. Westerland auf Sylt: 16 Grad, gestern warmer Tag, Ostwind, heiter, gestern meist heiter. Baden-Baden: 19 Grad, gestern heißer Tag, Oftwind, wolkig, gestern teils heiter, teils wolkig. Berchtesgaden: 16 Grad, gestern heißer Tag, Nordwind, Witterung heiter, gestern meist heiter. Aus der provinzialhaupifiadi. Gießen, den 16. 3uni 1930. Vor Tagesanbruch. Geh' einmal mit den Hühnern schlafen und steh' ganz früh, noch vor Tagesanbruch, auf. Wenn eben der Glanz der Sterne langsam vor dem ersten fahlen Schimmer im Rordosten vergeht. so daß sie nicht mehr wie lebende Lichter ?sichern, aber doch dem Auge noch gut sichtbar ind, dann ist die rechte Stunde. Laß keine Last dein Schreiten hemmen, kleide dich so, daß du die Frische der vergehenden Rächt verspürst. Wenn du die Stadt verlassen hast und Häuser und Mauern hinter dir versunken sind, suche den Wald auf, streife durch Dusch und Tann, folge dem Lauf eines Baches, und wenn du Wut fassen kannst, springe auch einmal darüber hin. Sei aber jeden Augenblick bereit, stille zu stehen und zu lauschen. Denn viel ist jetzt zu sehen, was du sonst niemals erfahren würdest: mehr als zu irgend einer anderen Stunde. Erst vermagst du die Laute noch nicht zu unterscheiden, hörst es rings leise rauschen und wispern, und dann und wann klingt unbestimmt der Auf eine- Tieres heraus. Aber wenn du aufmerkst, wird dir bewußt, daß auf den Blättern Tau liegt Und plötzlich können deine Augen daS Sinzelnc sehen: den Tropfen, der schwer an einer Blattspitze hängt, sie dann fallend freigibt, so daß sich das Blatt befreit hebt. Du hörst ein leichtes Knacken, und wenn du aufschaust, flüchtet ein Reh in großen Sprüngen und birgt sich vor dir in einer Dickung deS Gebüschs. Roch schlägt hier und da die Aachttgall, gedehnter, schwermütiger als beim Anbruch der Rächt. Und ihr letzter klagender Ton verhallt, wenn eben die Sonne aufgeht. Die gefiederten Tagesboten waren auch schon längst zu hören. 3hre ersten Lieder hast du versäumt, tote du überhaupt die Hebergängc nicht toahrnehmen konntest. Aber plötzlich ist die Luft um dich mit lautem Schall erfüllt, und du nimmst wahr, daß es Tag geworden ist. Kühl weht es durch den Wald, über die Wiesen, aber langsam, fast feierlich streicht die fiuft durch den Raum der erwachenden Aatuc. Und so herb und würzig ist dieser Waldesodem, gesättigt vpm Besten, was die Srde zu geben vermag. Blüten und Früchte, Scholle und Wasser geben ihren reinen Atem ab, erfrischen dich, tote du noch nie erfrischt warst. Du gehst beim. So froh und heiter warst du lange nicht, und wenn die Stadt dich wieder aufnimmt mit hohen Häusern und ragenden Mauern, mit ihrem bescheidenen Stückchen Himmel, wenn die ersten Fensterladen rasselnd hoch- gezogen werden, hinter denen verschlafene Gesichter erscheinen, fühlst du den einzigen Genuß des Morgen- vor Tagesanbruch. Am Tische fragen dich dann die Deinen, wo du warst und was dir wohl Schönes begegnet fei. Verrate nichts und sage ganz obenhin, so nebenbei: nur ein wenig vor Tagesanbruch spazieren! Gr. „Graf Zeppelin"" über Gießen. Gestern, Sonntagabend, kurz nach 22.30 älhr, wurde die Bevölkeruna unserer Stadt durch ein starkes Motorengeräusch in der Lust auf die bereits angekündigte ile be r f l i e gu n g ®ie« ßens durch das Luftschiff „Graf Zeppelin" aufmerksam gemacht. Das Luftschiff erschien, auf dem Rückfluge von Münster nach Friedrichshafen, aus ber Richtung Marburg kommend und der Bahnlinie folgend, überflog die Stadt von Rorden her und verschwand allmählich in südlicher Richtung. Da das ßuft- schiff verhältnismäßig niedrig flog, waren die Umrisse schwach, die hell erleuchteten Gondeln gut er- kennbar. 3mmerhin wird ein beträchtlicher Teil der Einwohnerschaft das Luftschiff auf der Nachtfahrt nur teilweise, ober gar nicht bemerkt haben. Cs wäre dringend zu wünschen, daß daS Luftschiff auch einmal bei Tage unsere Stadt überfliegt, wie es bei anderen Städten ja zum Tell bereits mehrfach der Fall gewesen ist, während Gießen bisher ausnahmslos nur zur Racht- zeit berührt wurde. Vorrrotize». — Tageskalender für Montag. FGF.: 3. Hauptübung, 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Lagliostro" (Leben und Liebe eines großen Abenteurers) und „Raketen- Omnibus" (mit Pat und Patachon). — Stadttheater Gießen. Man schreibt unS: Am Dienstag bringt das Stadttheater als ztoerte Vorstellung im Sommerabonnement Arnold RidlehS Detektivftück „Der Geisterzug". Den großen Beifall, den dieses spannende und zugleich komische Werk bei den - aus technischen Gründen — nur wenigen Ausführungen in der Winterspielzeit errungen hat, veranlaßten die 3ntendanz zu einer einmaligen Wiederholung. Der 3nhalt des aufregenden Stückes ist echt amerikanisch. Die Spielleltung liegt in den Händen von Peter F a s s o 11. der mit modernsten technischen Mitteln die große Aktualttät des Stückes, dessen aufregende Handlung sich auf einer kleinen Grenzstation zwischen den 11. S. 2L und Kanada abspielt, sicher akzentuiert. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. — Katholischer deutscher Frauen - bun d: Dienstag. 17.3imi, 20 ilhr. im Katholischen Vereins Haus: Vortrag über Obstverwer- tung. (Siehe Anzeige vom Samstag). ” Gchulpersonalien. Auf Grund des AltersgrenzegeleyeS treten am 1.3uli in den Ruhestand: ber Oberftubienrat an ber Oberreal- schule in Gießen Otto Weißgerber und Lehrer Wllhelm Mink an der Volksschule zu Dlitzenrod, Kreis Lauterbach. •* Die Ausstellung von Reisepässen und Leumundszeugnissen. Das Polizeiamt teilt mit: Die Ausstellung von Reife- paffen und Leumundszeugnissen erfordert eine Vorprüfung der Verhältnisse des Antragstellers, die einige Zeit in Anspruch nimmt. Um die rechtzeitige Erledigung ber Reisepaß- und Leumundszeugnis-Anträge gewährleisten zu tonnen, wird darauf aufmertfam gemacht, daß die Anträge auf Ausstellung von Reisepässen min- bestens vier Tage und die auf Ausstellung von Leumundszeugnissen mindestens fünf biS sechs Tage vorher bei den zuständigen Bezirken zu stellen sind. Für die Ausstellung der Reisepässe ist ein ungestempeltes, aus neuester Zeit ft am» inendes, deutlich erkennbares Lichtbild abzugeben. Die Gebühr von 3 Mk. für den Reisepaß und 1 Mk. für das Leumundszeugnis ist bei Anfragst ellung zu entrichten. •• Vermißt wird seit gestern abenb gegen 19 Uhr der Schneider geselle Ludwig Hölscher aus Grebenau, Är. Alsfeld. Hölscher, bet sich mit Freunden gegen 16 ißt am LaunSbacher Badeplay getroffen hatte, ist gegen 18.30 Uhr nochmals zum Baben ins Wasser gegangen und von da nicht mehr zurückgekehrt. Trotz des regen Badeverkehrs hat niemand etwas von dem jungen Mann bemerkt. Die St leibet wurden von einem Arbeitskollegen gesunden. Roch anwesende Leute haben sich um den Verbleib des jungen Mannes bemüht, konnten aber nichts seststeklen. CS ist leider wahrscheinlich, daß er den Tod un Wasser gesunden hat. Die polizeilichen Ermittelungen ftnb im Gange. ’• Die Haushaltungsschule der ßanb- Wirtschaftskammer in Michelstadt i. O. gewährleistet ihren Schülerinnen eine planmäßige und gründliche Ausbildung auf allen Gebieten des Haushaltes und der Hauswirtschaft, im Kochen, Backen, Flicken usw. Die Schule ist nach den neuesten Erfahrungen eingerichtet und ausgestattet', sie fördert die praktische und theoretische Durchbildung der jungen Mädchen in jeder Hinsicht. Die Regelmäßigkeit des Unterrichtsbetriebe«, ein mit der Schule verbundener großer Park, Ausflüae und Besuch wissen- schastlicher und allgemeinbildender Einrichtungen tragen zum Wohlbefinden und der Förderung der jungen Elevinnen wesentlich bei. Interessenten seien auf die heutige Anzeige verwiesen. Amtsgericht Gießen. Gin „61 u ben t e n u I f‘, der nach Ansicht der Anklagebehörbe namentlich mit Rücksicht auf den Ort, an dem er ftattfanb, und die näheren Umstände, in „groben Unfug“ auSgeartet und deshalb strafbar sei, stand dieser Zage zur Verhandlung. (Sin Student beabsichtigte angeblich eine gegen ihn wegen Uneinbringlichkeit ber Geldstrafe erkannte Haftstrafe in dem hiesigen LandgerichtSgesängni s abzusitzen. Deine Kommilitonen wollten es sich wegen der Seltenheit des Falles nicht nehmen lassen, ihn zu begleiten und an dem Gefängnistor Abschied von ihm zu nehmen: dies sollte aber nicht ohne studentischen Mit geschehen. Der Student wurde deshalb auf einen zweispänniaen Rollwagen gesetzt und neben ihn ein Bundesb ruber, der den Henker barstellte, beide in der Situation entsprechenden Maskeraden. Auf dem Wagen hatte noch eine Reche von Studenten Platz genommen: andere „Leidtragende" gingen hinter ihm her u. bgL m. (Sine Pauke fehlte auch nicht auf dem Wagen. Der Zug bewegte sich unbehelligt durch einige Straßen, zeitweise wohl auch unter den Augen der Polizei, die aber offensichtlich dem Mmstand Rechnung trug, daß es sich um einen Studentenulk handle, ber keine Belästigung des Publikums barst eile, auch solche Scherze wohl ober übel in einer Universitäts- ftabt geduldet und dem Studentenleben derartige Konzessionen gemacht werden müßten, solange die Scherze nicht ausarteten. Der Zug endete vor dem Gefängnistor, an dem sich eine größere neugierige Menge angesammelt hatte. Den Einlaß begehrenden Studenten wurde ber Gintritt selbstverständlich verweigert. Das Gericht schien sich der Auffassung, daß es sich in der Hauptsache nur um einen Studentenulk handele, wie sie in anderen Mniversitätsstädten gang und gäbe sind, nicht zu verschließen, gelangte aber doch zu einer verurteilenden Erkenntnis wegen groben Unfugs bzw. Störung der öffentlichen Ordnung, insbesondere mit Rücksicht auf ben Schlußakt ber Veranstaltung. Dieser spielte sich unmittelbar vor ber GefänguiStur ab, deren Benutzung zeitweise infolge ber Veranstaltung ausgeschlossen war. Auch erklärten, im Gegensatz zu anderen Zuschauern, Gesängnisbsamte, sie Mitten mit Rücksicht auf ihren Dienst Anstoß an dem Verhalten der Studenten genommen und es als eine Belästigung empfunden, zumal Gefangene unruhig geworden seien. Die Studenten erhielten geringe Geldstrafen. Oberheffen. Schweres Llnweiier über Alsfeld. Alsfeld, 14. Juni. Ain Freitagnachmittag gegen 4 Uhr entlud sich ein schweres Unwetter über unserer Stadt. Es setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein, so daß an ben tiefer gelegenen Stellen der Stadt alsbald alles überschwemmt war und die Wassermassen in die Keller eindrangen. Der mit dem Unwetter verbundene Hagelschlag richtete erheblichen Schaden an, insbesondere in den Gärten am Obste und den Pflanzungen (Einem Hühner be- fitzer wurde sein Bestand von 2 7 Kücken durch den Hagel getötet. Da die Kanäle die gewaltigen Wassermassen nicht aufzunehmen vermochten, waren nach dem Untoetter umfangreiche Aufräumungs- und Reinigungsarbeiten notwendig. 3n der Lutherstrahe, die gegenwärtig kanalisiert wird, hatten die hereinströmenden Wassermassen große Zerstörungen angerichtet und einen Teil der Straße zum (Sinbrudj gebracht. Landkreis Gießen. # AuS der QÖctterau, 14. 3unL Die Heuernte ist beendet. Der Ertrag ist sowohl hinsichtlich der Menge, wie auch ber Güte als sehr gut zu bezeichnen, und man muß schon viele 3ahre zurückdenken, um eine gleich gute Ernte feststellen zu können. Da große 'Mengen Kleeheu aufbereitet wurden, ist Der Bauersmann mit seinen Rauhsuttervorräten sehr zufrieden. — Ein wahresU.ngezieserjahr ist das heurige. 3n ben Gärten richten Drahtwürmer und Engerlinge an ben ausgelaufenen Bohnenpflanzen großen Schaden an, daß ganze Büsche absterben. Daneben machen sich Crdrauven und Schnecken, denen das feuchte Aprilwetter in ihrer Entwicklung sehr dienlich war. an Erdbeeren und Kohl recht unangenehm bemerkbar. Die Obstbäume kümmern fast unter ber Schäd- ttngSplage. Blattläuse in noch nicht bage- wejener Zahl lassen die 3ungtriebe zusammenrollen, und an Stamm und Zweigen haben sich massenhaft BlutlauSkvlonien gebildet. Steinobst- bäuine. besonders Zwetschen und Mirabellen, werden durch massenhaft auftretenbe Schild- l ä u f e in ihrer Entwicklung gehemmt. Wie wich- ttg die Winierspritzung mit Oostbaumkarbolineum ist, erhellt daraus, daß behandelte Bäume sich gegenüber unbespritzten durch dunkle Laub- färbung auszeichnen, schöne 3ungtriebe bilden und keinerlei Schädlingsbefall auftoeifen. s. Utphe, 15. 3uni. Gestern sand die Versteigerung des Heugrases auf dem ®e- meinbetoiefengetänbe statt, zu der sich auch Land- Wirte der Rachbardörfer etngefunben hatten. Die Preise lagen wesentlich unter der Höhe bet im vorigen Jahre erzielten. Die billigsten Morgen beliefen sich auf 10 bis 20 Mark, ba sie hinsichtlich der Menge und Güte des Grases minderwertig find. Die Moraen mittlerer Düte kamen auf etliche 30 Mati, während gute Qualität mit starkem Graswuchs sich auf 40 bis 50 Mark je Morgen stellte. Die gleichen Parzellen hatten un Vorjahve 90 und 100 Mark erzielt. Die nichtigeren Preise erklären sich auS dem Umstand, daß infolge der günstigen Witterung Klee in reichem Maße vorhanden ist und deshalb Wiesengras nicht zur Grünfütterung Verwendung zu finden braucht. KreiS Büdingen. ow. Ober-Widder Shei m, 14. 3unl. Zur Zeit ist hier die Heuernte in vollem Gang: die Wiesen liefern einen sehr reichlichen Ertrag, ber bei dem günstigen Wetter auch fefr gut ein» gebracht wird. Leider ereignete sich babei gestern ein schwerer Unfall. Der Landwirt und Gastwirt Karl Siserl. von hier, dem im 3abre 1926 bei einem Unfall auf der 3agb die rechts Hand durchschossen wurde, fuhr einen bochbelave- nen Hcuwagen nach Hause Dabei versagte an abschüssiger Stelle die Hemmvorrichtung Eiser kam zu Fall und der Wagen ging über ihn weg. Der bedauernswerte Mann erlitt rechtsseitig einen Ober- und llnterschen- kelbruch und am linken Oberschenkel eine bedeutende Fleischwunde. Rach Anlegung eineS Rotverbandes mußte er in die chirurgische Klinik nach Gießen verbracht werden. Kreis Alsfeld. k Alsfeld, 14. Juni. Rafsinierte Einbrecher waren in der Rächt vom Freitag auf Samstag in der Stadt wieder einmal am Werke. Die Diebe hatten es anscheinend auf Waffen und Munition abgesehen. In der Eisenwarenhandlung von (Bebauer brachen sie ein Pult auf und öffneten mit dem darin liegenden Schlüssel auch den Kassenschrank, wobei ihnen etwa 200 Mark Bargeld in die Hande fielen. Außerdem brachen sie einen Schrank auf und entwendeten daraus ver- giebene Arten van Munition, sowie aus der an- ßenden Küche das Fahrrad des Dienstmädchens, ie die hinterlassenen Fußabdrücke beweisen, haben die Täter barfuß gearbeitet. Auch der Waffenhand- lung von P. Hilgert statteten sie einen Besuch ab und suchten durch Eindrücken eines Gefaches in den Laden zu gelangen, wobei sie aber anscheinend gestört worden sind. Vermutlicy hat man es mit raffinierten Einbrechern zu tun, was man aus der Tatsache schließen kann, daß die Täter die Türen zu ben Zimmern mit Stricken zugebunden und vor das Schlafzimmer des Ladeninhabers Hilgert eine schwere Sandsteinplatte gelegt hatten, um ein Hinzu- kommen der Bewohner zu verhindern. Die sofort unter Zuziehung der LandeskriminalstcUe Gießen eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen haben bis jetzt noch zu keinem Ergebnis hinsichtlich ber Täter geführt. 600-Zahrfeier Darmstadt«. Glückwunsch der hessischen Negierung. WSR. Darmstadt, 14.3unL Staatspräsident Ade lung hat an ben Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt zu dem 600jährigen Stadtjubiläum der Landeshauptstadt folgendes Glückwunschschreiben gerichtet: „3m Flamen der hessischen Staats- regienmg entbiete ich der hessischen Landeshauptstadt zum 600jährigen Stadtjubiläum herzlichste Glückwünsche. Ein Rückblick auf die Geschichte ber Stadt Darmstadt in ben vergangenen 3ahrhunderten läßt, wie wohl überall, Glück und llnglüd, Stillstand, Fortschritt und auch rückläufige Bewegung erkennen: ein Auf und Ab in stetem Wechsel. 3m ganzen abec zeigt sich doch eine gesunde Aufwärtsentwicklung ber Stadt. Eine solche Feststellung ist wertvoll in schwierigen Zeilläusteir. Sie lehrt, baß man letzten Endes an den Fortschritt glauben und sich nicht durch Rückschläge und augenblickliche Röte irre machen lassen soll. Da rm stabt möge mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Wohl sind die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt nicht übermäßig breit, ober doch fest und sicher. 3fyren kulturellen und wirtschaftlichen Rang wird sich die Stadt zu bewahren wissen. Allen großen Schwierigkeiten zum Trotz und als eine bet schönsten Wohnstätten Deutschlands hat sie von jeher ihre Anziehungskraft ausaeübt. Die hessische Staats- regierung wird sich ber befonberen Verhältnisse Darmstadts bewußt bleiben und für d i e Stadt fürderhin tun, was zu tun irgend möglich i st Die Stadtverwaltung aber möge auf die Kraft, die jedem gesunden Gemeinwesen innewohnt, auf den Burgersinn, auf eine in gemeinsamem Willen starke Bevölkerung Der trauen. So wird einer glücklichen Weiterentwicklung Darmstadts ber Weg geebnet werden. Mit vorprglicher Hochachtung bin ich 3hr ergebener Adelung. Der Minister des 3nnern hat der Landeshauptstadt mit folgendem Schreiben herzlichste Glückwünsche ausgesprochen: „Der für die Stadt und ihre Bewohner so bedeutungsvolle Tag fällt in eine Zeit schwerster wirtschaftlicher Röte und Sorgen. Darmstadt Hot die unglücklichen Rachwirkungen des Krieges in besonderem Ausmaße erfahren. Aber ich kann mit Befriedigung feststellen, baß Stadtverwaltung und Bevölkerung sich dadurch nicht haben entmutigen lassen und nach neuen Wegen gefugt haben, um die Stadt wieder besseren Zeiten entgegen^ führen. 3ch wünsche diesem Bemühen vollen Erfolg und kann Eie, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, versichern, daß ich Sie und die Stadt in diesem Bestreben gerne unterstützen werde. Leuschner." Zwei Personen vom Blitz erschlagen. WSR. Gelnhausen, 15. 3uni. Bei dem am Freitagnachmittag in ber hiesigen Gegend nieber- aegangenen Gewitter wurden in Kempfenbrunn eine 54 3ahre alte Frau Anna Am end und ein 12jähriger 3un ge vom Dliy getroffen und auf ber Stelle getötet. Die beiben befanden sich auf einer abgelegenen Wiese und suchten sich vor dem heftigen Gewitterregen durch Unterstellen unter einer Buche im nahen Walde zu schützen. Unweit ber Stelle weidete noch eine Schafherde, von ber 26 Schafe durch den Blitzstrahl erfahtund getötet wurden. Der Hrrte und der Sohn ber getöteten Frau Amend, die unmittelbar neben ben beiden umgekommenen Personen standen, blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Bademäntel, Badeanzüge von Salomon ► Großen-Iuseck 03871 Gießen, den 16. Juni 1930. Obst- und Garienbauverein Gießen 4467 D 4466D Dorstand erbeten. 4465D Ich habe meine Praxis von Bahnhofstraße 46 nach 4464 D Telephon Nr. 3840 03874 4473D Seb. Peter \ 4361 A 6irke ‘Mu. l£)a>Uw? 03882 gesucht Sonnenstr. 6 v. 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M., um 20 Uhr im Katholischen Vereinshaus halten wirb. Torfmullbestellungen bis 1. Juli an den X B. HXVSER, GIESSEN AM OSWALDSGARTEN Sportzweisitzer, 4/20 PS Brennabor 6/25 PS, offen Buick - Limousine Citrod.n-Limousine 6/25 PS 0. Faber, Automobile Mühlstraße. 03878 im Alter von 68 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Johannes Theife nebst Kindern und allen Angehörigen. Odenbausen a. d. Lda , den 15. Juni 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 18. Juni, nachm. 2 Uhr statt. 03876 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verlust unseres liebenEntschlafenen Herrn HeiDrich Scliiiiidt.Postassistent i.R. dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte am Grabe, sowie für die Kranzspenden sagen herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Anna Schmidt Wwe. und Kinder. Motor 15 PS, 220/380 Volt, 1450 Umdrehung., in bestem Zustande wegen Sterbesalls preiswert zu uerk. Karl Eichenauer Wwe. Utphe b. Hnnoen. 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Säfte der Birken — Kräfte die wirken! 2.4Ü, 42C 6n.) polemisiert gegen den demokratischen Abgeordneten Reiber wegen seiner Haltung zur Frage der Erteilung deS Religionsunterrichtes ES gehe darum, dast Lehrer, die sich zur Erteilung des Religionsunterrichtes verpflichtet haben, diesen Unterricht in christlich-positivem Sinne erteilen müssen. Abg. Axt (DRP.) bescheinigt dem Kultusminister, dost er stets daS lebhafteste und wärmste Interesse für alle Zweige deS Schulwesens bewiesen hat. Die gestrigen Aus- führunaen deS Abg. Reiber bezüglich parteipolitisch tätiger Lehrer widersprechen der Reichs- verfassung, wie überhaupt seine Demokratie eine starke Dosis Autokratie enthält. Abg. Glaser (Lbb.) bedauert, dast die Landbundanträge von der Koalition abgelehnt worden sind. Wenn der Be- amtenbund sich für eine geringe Gehaltskürzung ausgesprochen hätte, wäre keine Beamtenstelle abzubauen notwendig gewesen. Abg. Dr. Werner (Rat.-Soz.) dankt den KoalitionSredncrn, dast sie der Opposition die Aufgabe der Kritik cchgenvmmen haben. Wenn alle politischen Iugendverbände in der Schule verboten werden, dann sind wir damit einverstanden. Reben der Einhaltung des christlichen Eharakters der Simultanschule hat die Pflege des deutschen Volkstums, des Ratur- schnhcS und des Sportes zu erfolgen. Wir wollen die Brücken von der Volks- zur höheren Schule nicht beseitigt sehen. Rur um des Prinzips der Freiheit der Wissenschaft willen haben wir un« des Falle« Horneffer, Dietzen, angenommen. Staatspräsident Adelung erklärt u. a.: Bei den Erörterungen über die von der Regierung vorgeschlagenen Gpar- matznahmen haben die Einsparungen auf dem Gebiete deS BilvungSwe- fen« die Gemüter am meisten erregt. Die Bcvölkerrmg bringt damit erfreulicherweise zum Ausdruck, dast sie in einer guten Schule und in der Vermittlung einer guten Bildung wichtigste Aktiv-Posten im Staatshaushalt wie für jeden einzelnen erblickt, älnd ich verrate sicherlich kein Geheimnis, wenn ich bekenne, dast diese Frage für die Regierung der Gegenstand besonderer Sorge war. Die Regierung wird deshalb die Einsparungen auf dem Gebiete des Schulwesens nicht etwa als einen Fortschritt befürworten oder gar verteidigen. Sie ist mit den Kritikern darüber einig, dast die Stelleneinsparung bei der Schule eine pädagogisch recht unersreuliche Maßnahme ist. die vorzunehmen sic sich nur deshalb entschlossen hat, weil die finanzielle Rot deS Staates sie zwingend erforderte. Ich weise nur daraus hin, dast seinem A u s - gabenkrei« und dem Personal st and cnt- sprechend daS Ministerium für Kultus und Bil- dungSwesen mit 44,4 Millionen Mark — daS sind 31 v. H. einen sehr wesentlichen Anteil an den Gesamtausgaben deS Staate« in Anspruch nimmt. Roch deutlicher zeigt sich die Stellung deS Ministerium- für KultnS und Bildungswesen für die Gestaltung des Staatshaushalt« in seinem austerordentlich starken Zu- schustbedars. Bei dem Zuschustbedarf der gesamten Staatsverwaltung in Höhe von 67,2 Millionen Mark entfallen nicht weniger wie 35,6 Millionen — d s 53 v. H. — auf da« Ministerium für KultuS und BildungSwefen, davon allein 23,3 Millionen Zuschuß - d s. 34 v. H. auf die Volks- und Fortbildungsschulen. Also über die Halste aller Ausgaben betätigt der hessische Staat für Schul- und DilbungSzwecke. Man konnte bei der Sparaktion leider nicht am Bildungswesen vorüberyehen, muhte aber sorgfältig daraus bedacht sein, Mastnahmen zu treffen. die keine oder wenigsten- keine unkorrigierbaren Schäden im Gefolge hatten. Singespart wurden an Volksschulen 1 474 000 Mk., Fortbildungsschulen 100 000 Mk.. höheren und gewerblichen Schulen 290 000 Mk., Universität und Hochschule 230 000 Mk., Theater 200 000 Mk.. zusammen 2 284 000 Mk; dazu noch durch Schul- gelderhöhung an den höheren Schulen 300 000 Mk. Die Herairziehung der Volksschulen xur Entlastung de« Staatshaushalts ist in zweifacher ^Deise erfolgt: einmal sind 205 Schulstellen eingezogen worden, was eine Ersparnis von 640 000 Mark für daS Rj. 1930 ergibt, sodann sollen die Gemeinden mit einem Stellend ei trag von 200 Mark für jede VolkSschullehrerstelle zu den persönlichen Kosten heranaezogen werden, was eine Entlastung deS Staates um 734 000 Mark bedeutet. Daneben konnten noch bei den Kosten für den nebenamtlichen Handarbeitsunterricht und bei den StellvertretungSkosten je 50 000 Mark eingespart werden. Es ist hierbei zu beachten, dast nur die Einsparung der 205 Schulstellen und an den Kosten für nebenamtlichen Handarbeitsunterricht und bei den Stellvertretungskosten eine wirkliche Ersparnis bedeutet. Die Erhebung eines Stellenbeitrags von den Gemeinden bringt lediglich eine Lasten- verschiebuna. Aba. R i e p v t h weist in seinem ZeitungSarttkal Z.D. auf die HllfS-, Mrtzer- unb erweiterten Massen, tnsbefvndere m den Städten, hin, die er als überflüssige Luxu^- einrichtungcn betrachtet, die das stäche Land nicht kenne und für die der Staat feine Mittel aufzubringen habe. Es ist jedoch darauf hinzu- weisen, daß auch bisher schon die Gemeinden in Hessen ein sehrwesentlicheSMitwir« kungsrecht für die Gestaltung ihre« Schul- toefenß haben: gerade die Sinrichtuirg der Sonderklassen ift in erster Linie von den Gemeinden abhängig. Gs darf noch einmal darauf hingewiesen werden, daß von den insgesamt 454 Stellen, die gegen 1914 nunmehr weniger vorhanden sind, die Städte Darmstadt, Mainz und Offenbach allein 220 Stellen gegen 1914 weniger haben, während verschiedene Landkreise auch nach dem diesjäbrigen Abbau ihre Stellenzahl von 1914 fast restlos gehalten haben. Wenn aber die Einrichtung der Hilfs-. Färber- und erweitertcn Klasten alS sozusagen überflüssiae LuxuSeinrichtimg angesehen wird und deren Abbau beantragt worden ist. so muß ich hier ganz entschieden widersprechen. Konstanze. Vornan von Karl Heinz Voigt. Urheber-Rechtoschutz Verlag Oskar Meister. Werdau 37. Fortsetzung. Nachdruck verboten Am nächsten Tage erst, als sie die Zeitung zur Hand nahm, wußte sie, daß der gestrige Abend der 'Beginn ihres künstlerischen Aufstieg- gewesen war. Da stand in der Besprechung der Uraufführung der ..Daphne": . ..Ganz besonders angenehm fiel das Organ einer neuen Sängerin auf. die die Rolle der ..Gaia" noch in letzter Stunde übernommen hatte. Ein starkes Talent scheint in Frau Konstanze Emmerstorstf zu stecken. Die Bühnensichcrheit sehll zwar noch,, ober man kann hoffen, daß sich nach einiger Zeit die Äünftlerin zu einer Solodar- ftellerin ersten Ranges entwickeln wird. Man darf der musikalischen Leitung unseres Kunst- institutes Glück zu der neuen Entdeckung wünschen. In der Stimme liegt unendlich nid Süße unb Biegsamkeit. - Wir würden der neuen Kraft gern in größeren Rollen wieder begegnen." Konstanze überflog diese Zeilen immer wieder, unb ium erstenmal seit langem erfüllte sie ein Gefühl freudigen Glückes. Als sie ihre Blicke noch weiter über das Zei- tungSblatt l,chweisen lieh, war es ihr Plötzlich, als wäre irgend etwas an sic herangetreten, da« sie einigermaßen erschrecken ließ. Im nächsten Moment las sie den Ramen ..Peter Uhlstädt'. Ihre! Blicke überflogen die wenigen Zeilen, die untci1' der Rubrik: ..Anslandsnachrichten" folgende Ro/tiz brachten: „M o' n a c o, den... Qßlc aus aus Monte Larlo mitgeteilt toirbr erschoß sich vorgestern in den Räumen i des Kasinos der Münchener Waler erührt sehr stark die Frage deS Finanzausgleichs zwischen Staat und Gemeinden und muß im oti- fammenhana hiermit erledigt werden. E-s ist dann kritisch ermähnt worden, daß in der Frage deS Berechtig ung-wesen- auch die stau t- lichen Betriebe keineswegs mit gutem Beispiel borangingen. Ich habe diesen Eindruck auch, mache aber daraus aufmerksam, daß sich die Vorbildung der hessische n Be a m len der aiiderer Länder und doS Reiches anpaßt und daß man sorgsam darauf bedacht sein muß. daß nicht durch Aenderungeu in der Vorbildung der hessischen Beamten eine Benachteiligung gegenüber den anderen Beamten eintritt. Wenn nicht endlich vom Reich Schritte erfolgen. werben wir trotzdem versuchen müssen, im Sande eine Aenderung eintreten zu lasten. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei an sich sollte nicht ofruc weiteres die Tätigkeit im Staatsdienst au-schlieficn, wenn der Betreuende den Verpflichtungen, die einem Staatsbed'nisteten auferlegt sind, restlos nachkommi. Der demokratische Staat darf nicht in die Fehler des früheren Obrigkeitsstaate» verfalleii oder die Me- thoben de- Faschismus oder deS Sowjetsvstems nachahnien, jeden Andersdenkenben von vornherein zu verfemen unb auszuschließen. D>e Demokratie. die Republik fordert treueste Pflichtersill- hmg; sie ist stark genug, auch andere Meinungen zu ertragen, selbst wenn sie in noch so tönenden RebenSarlen zutage treten. Wer aber mit seinen Pflichten gegenüber bem Staat in Konflikt gerät, wirb rücksichtslos tzur Derant- wvrtuna gezogen werden. Von verschledeiieu Rednern ist dann gesagt toorbeu. bic Grundlage der Gemeinschaftsschule, der G i m u 11 a n s ch u l e, sei erschüttert. da da« religiös-sittliche ®r- ziehungSPruizip gefährdet werde Das Wesen der Gemeinschaftsschule ist die Erziehung zur religösen Toleranz. Jeder religiösen lieber Beugung wird Rechnung getragen. Ich werde im Interesse der Erhaltung unserer Gemeinschaftsschule gegen Verstoße wider Me religiöse Duldsamkeit mit allem Nachdruck eintreten. Abg. Reiber (Dvm.) lahnt alte Versuche ab, die Simultanschule in KönfestivnssckMlen umzii- krempeln. In personiicher Polemik sprechet bann die Qtbgcorbneten Frau Heraeus, Abg. Reiber und Dr. Werner lOlatsos.). Abg. A f t (VRP ) plädiert für den VbA.-Gedanken attch in dec Volksschule und wünscht Sinhaltuna des Grund- artikelS deS VolkSschulaesetzes. Abg. H a m - mann (K.) vertritt die gefbriebenen Anträge feiner Partei. Abg. Dr. Keller lDVP.) stellt fest, daß seine Partei an der Simultanschule festhalte, die zum Fortschritt der Schule und des Volke- wesentlich bei getragen habe. Rach weiterer unwesentlicher Debatte wird die Sitzung auf Montagvormittag vertagt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bl» 12.30 Uhr, 16 bl» 17 Uhr. Samelag nachmittag geschlossen An, eigen austräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. niemals, niemals wieder ihren unb seinen Weg kreuzen. In den letzten Tagen war Lothar schon öfters mit dem Gedanken nmgegangen. an Siegfried Marschner hcranzutreten. mit der Bitte um Beschäftigung in seinem Werk. Er schämte sich bei dem Gedanken, als Bittsteller zu seinem früheren Kompagnon zu gehen, ihn um eine Stellung in dem vertrauten Betriebe zu ersuchen. — Damals war er gegangen al- ein Gewaltiger, als einer, der sich nicht beugen ließ. Heute kam er als Bettler. Vielleicht hatte Siegfried Marschner ein Einsehen! Emmerstorfs war in dem Werk heran- gercift, er wußte, daß es nicht gut mit der Fabrik stand. Er war der rechte Man>'. der da« Unternehmen wieder auf die frühere Höhe bringen könnte. — Hatte er Julia» Wort, aalt es noch die Scheidung mit Konstanze durchzuführen Bei diesem Gedanken suhr er zusammen. Wieder ertappte er sich bei der Erinnerung an Konstanze Er mußte sich eingestehen, daß er die ganze letzte Zeit überaus häusig an seine Frau gedacht hatte. Von jenem Tage an, da er in der Zeitung gelesen, daß Konstanze an der Münchener Oper eine kleine Partie au-hils-weise mit großem Crsola gelungen, hatte ihn die Erinnerung an sie nur selten verlassen. Er versuchte, sich ihren Weg auszumalen. - Mit jäher Heftigkeit wünschte er sich plötzlich. Konstanze» Stimme zu hören, hier in diesen Räumen, in denen e» jetzt so kalt war, und in benen ferne Spur von dein Zauber einer Frau mehr hing. Er ließ vergangene Bilder vor seinem geistigen Auge erscheinen. Da sprang er auf. „Hinweg, ihr Erinnerungen!" — Er schritt durch die Gemächer. Kein Diener stand mehr bereit. Er hatte sein Personal entlassen. Rur eine alte Wirtschafterin sorgte für das Rötigste. Er empfand, daß die Wohnung für feine 'Berbältniffc viel zu groß war. Er wurde sich ein ganz kleines bescheidenes Obdach suchen, irgendwo da draußen, in einem billigen Viertel. Dort würde er mit Julia hausen. Trotz der Größe der Zimmer war ihm eng it| der Wohnung. Er zog sich den Mantel an unb trat in die klare Winterluft. — Gin schwarzer Himmel spannte sich über der abendlichen Welt au». Da« glitzernde Schneetuch auf den Straßen ließ da» Firmament noch dunkler erscheinen. (Fortsetzung folgt.) Turnen, Sport und Spiel. Gaugruppenspiele der L). T. 2Hfo.-Iurnmnnen (Bmigruppcnmeiftet im Jouffbati. To.1846 Turner an zweiter Stelle hinter cichk-eust.Arankfart. Bei den (Zaugruppenspielen in Bod Homburg rechtfertigten die beiden Vertreter des Gaues Hessen die in der Vorschau ausgesprochenen Erwartungen. Mto. wird jetzt auf dem Kreisturnfest in Hanau um den Kreismeister spielen. Näherer Bericht folgt. Ltm die deutsche Fußball-Meisterschaft. Hertha DSC. und Holstein Kiel im Finale. Man ist im Fußballsport schon so ziemlich an alles gewöhnt. Das aber im Endkampf um die deutsche Fußball-Mei st erschaft die Dor- schlutzrunde gleich zwei Lieberraschungen bringen würde, hatte man selbst bei genauester Berücksichtigung aller in Frage kommenden Eventualitäten nicht erwartet. Vor ollem kommt die Diederlage des 1. FC. Dürnberg, der in Leipzig von Hertha DSC. mit nicht weniger als 6: 3 (3:3) niedergekantert wurde, als eine sensationelle Lleberrafchung. Doch Kalb versagte in der zweiten Halbzeit derart, daß die zehn Dürn- berger den mit verdoppeltem Eifer und riesigem Glück spielenden Derlinern auf die Dauer keinen erfolgreichen Widerstand leisten konnten. Auch das Spiel in Duisburg zwischen dem Dresdner SC und Hol st ein Kiel nahm einen anderen Verlauf, als viele der 25 000 Zuschauer geglaubt hatten. Die Kieler kamen mit einer frischen, außerordentlich eifrigen, schnellen und schußfreudigen Mannschaft, bei Dresden dagegen versagte Richard Hoffmann, und so war das Debakel fertig. Holstein siegte mit 2:0 (0:0). Das Endspiel in Düsseldorf. Der Spiel-Ausschuß des Deutschen Fußball- Bundes beschloß noch am Sonntagabend, das Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft, zu dem sich Hertha DSC. und Holstein Kiel qualifiziert hatten, am 22.3uni im Rheinstadion zu Düsseldorf austragen zu lassen. Die Handballmeisterschasten der DSD. und DT. D«e Titelverteidiger erfolgreich. Am gleichen Tage brachte in diesem 3ahre die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik und die Deutsche Turnerschaft ihre Handballmeisterschaften der Manner zum Austrag. Das Frauenspiel der DSD. wurde bereits am Himmelfahrttag erledigt, das der DT. kommt am 22.3uni zum Austrag. 3n beiden Lagern war es den. Titelverteidigern vergönnt, auch diesmal wieder die Meisterschaft zu erringen. Bei den Sportlern siegte der Polizeisportverein Berlin nach Verlängerung 11:10 über Sportfreunde Siegen. Der schwere Cndkampf fand vor einer großen Zuschauermenge in Hagen in Westfalen statt und sah bei der Pause Siegen 4:3 in Führung. Dach Ende der regulären Spiel- zen stand das Treffen 8:8 und in der Derlänge- ruyg errang Berlin einen Sieg von 11:10 und wurde damit zum siebenten Male Meister. Dei den Turnern kam das Finale in Leipzig zum Austrag. Hier konnte der vorjährige Meister, Turnverein Friesenheim durch einen 7:5 (5:3)-Sieg über MTV. Braunschweig zum zweiten Male den Titel erringen. Das Spiel stand auf keiner hohen Stufe unö artete nach der Pause sehr aus. Interessant ist, daß Friesenheim genau vor zehn Jahren ebenfalls in Leipzig im Finale um die Deutsche Meisterschaft stand und damals dem TV. Frankfurt-Seckbach 0:1 unterlag. Die Fußballmeisterschaft der DT. wurde ebenfalls in Leipzig entschieden und sah die Kruppsche Turngemeinde Essen und den MTV. Harburg Wilhelmsburg im Finale. Dach einer Halbzeitführung Essens von 3:2 stand es beim regulären Ende 4:4 und in der Verlängerung siegte Essen 5:4 und wurde dadurch erstmals Deutscher Meister. Borrunde zur Deutschen Wafferbalkmeisterschast. Die diesjährige deutsche Wasserballmei- st e r s ch a f t wurde am Sonntag mit zwei Vorrundenspielen eröffnet. In Leipzig siegte München 99 mit 3:2, nachdem am Ende der regulären Spielzeit das Ergebnis 2:2 (1:1) lautete. Das zweite Spiel in Hamburg gewann der Ottenser SB. nach Verlängerung gegen Spandau 04. Emil Hirschfeld verunglückt. Der deutsche Weltrekordmann im Kugelstoßen, Emil H i r f ch f e l d (Allenstein), wurde am Freitag bei Deidenburg das Opfer eines Motorradunsalles. Dei einem Zusammenstoß mit einem Fuhrwerk wurde Hirschfeld vom Soziussitz geschleudert und brach bei dem Sturz den rechten Unterarm. Der Unfall ist umso bedauerlicher, als sich Hirschfcld schon wieder in Höchstform befand und Deutschland bei den Englischen Leichtathletik-Meisterschaften am 4. und 5. Juli in Stamford Dridge vertreten sollte. Für die nächsten Wochen sind wir nun in der Leichtathletik einer unserer stärksten Stützen berauht. Deutscher Langstreckenrekordfiug Braunschweig - Rom. Das Iunkersflugzeug D 33. eine Maschine desjenigen Typs, mit dem seinerzeit der Transozeanflug ausgeführt wurde, vollführte einen 1 800 Kilometer langen llebungsflug von Braunschweig nach Rom in einer Rekordzeit von rund sieben Stunden. Auf dem Rückflug über Mailand wird die Besatzung, der Leiter der Braunschweiger Verkehrsfliegerschule, Major Keller und Flugkapitän Steindorf, an dem großen Mailänder Flugtag teilnehmen. An den Mailänder Kmistflügen nimmt als einziger Ausländer der deutsche Kunstflieger Fi- s e l e r teil. Muer Dauerflug-Wettrekord. Mit der neuen Type ,Junkers Junior" stellte der Pilot G r u n d k e von den Junkers-Werken wieder einen neuen Weltrekord für Wasser-Leichtflugzeuge auf. Auf einer abgesteckten Dahn gelang ihm eine Dauer- flug-Welthöchstleistung mit einer Flugdauer von 16:28:00 Stunden. Die zurückgelegte Strecke betrug 2100 Kilometer und die Durchschnittsgeschwindigkeit über 100 Kilometer und 165 Stunden-Kilometer. Daten für Dienstag, 17. Juni. Sonnenaufgang: 3.43 Uhr. Sonnenuntergang: 20.18 Uhr. — Mondaufgang: —Uhr, Monduntergang: 9.35 Uhr. 1810: der Dichter Ferdinand Frelligrath in Detmold geboren. — 1818: der Komponist Charles Gounod in Paris geboren. — 1897: Sebastian Kneipp, Förderer des Wasserheilverfahrens in Wörishofen gestorben. — 1924: Der Maler Walter Georgi in München gestorben. Wirtschaft. * D. Salomonsohn f- Wie WTB. erfährt. ist Dr. Salomonsohn. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Dank und Discontogesellschaft. am gestrigen Sonntag gestorben. Er war bis zur Verschmelzung der beiden Danken Geschäftsinhaber der Discontogesellschaft und zuletzt mit Geheimrat Stcinthal Vorsitzender des Aufsichtsrates der 'Deutschen Dank und Discontogesellschaft. * Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 11. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 124,8 gegenüber der Vorwoche (125,1) um 0,2 o. H. zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Aararstoffe auf 109,5 (109,6) nachgegeben. Di« Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist auf 122,9 (123,7) oder um 0,6 v. H. gesunken. Di« Indexziffer für industrielle Fertigwaren weist mit 151,2 keine Veränderung auf. * Preisermäßigung für Tafelglas. Der Verein Deutscher Tafelglashütten, das Syndikat der deutschen Maschinenglashütten, teilt mit, daß er im Sinne der Aktion zur Verbilligung des Baumaterials beschlossen hat, mit Wirkung ab 15. Juni 1930 die Preise um etwa 12 v. H. zu ermäßigen. Zugleich hat der Verein di« Preise für Gartenglas zwecks Förderung des Gemüsebaues und der Landwirtschaft ebenfalls um 12 v. H. ermäßigt. * Sie Landesgenossenschaftsbank e. G. m. b.H. zu Da rmsta d t. Aus dem Bericht über das siebzehnte Geschäftsjahr ist u. a. folgendes zu entnehmen: Am 31. Dezember 1929 waren der Bank zusammen 484 Mitglieder mit 839 Geschäftsanteilen zu je 3000 Mark und einer Gesamthaftsumme von 16 780 000 Mark angeschlossen. Die Mitgliederzahl der angeschlossenen Genossenschaften erhöhte sich um 872 auf 75122. llmgesetzt wurden rund 956 000 000 Mill. Mark. Die Bilanzsumme einschließlich der Giroverbindlichkeiten beträgt rund 23 939 000 Mark. Gegenüber dem Vorjahre hat sich der Umsatz um 68 000 000 Mark vermehrt. Die Ge- neraloersammlung fand am 13. Juni statt und nahm einen sehr harmonischen Verlauf. Auf den Bericht der Geschäftsleitung wurde beschloßen, von einer Dividendenausschüttung abzusehen und den Reingewinn den Reserven zuzufuhren. Die im Vorjahre in Angriff genommene Reorganisation ist nunmehr im wesentlichen durchgeführt. Für das laufende Geschäftsjahr kann nach dem bisherigen Verlaufe wieder mit einer angemessenen Dividende gerechnet werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 16.Juni. Tendenz: schwächer. — Die Dorfe eröffnete zu Beginn der neuen Woche in luftloser Haltung. Die dreifache Uebcrzeichnung der Boung-Anleihe in Deutschland konnte keinen Eindruck machen, da auf der anderen Seite Momente vorhanden waren, die jeder Geschäftserrtwicklung hemmend im Wege standen. Vor allem mahnten die heute beginnenden Reichstogskesprechungcn über das Rotopfer, die wieder schwächere Reuhorker Börse vom Samstag und erneute Arbeiterenllaffungen zur Zurückhaltung. Das Geschäft beschränkte sich wieder nur auf vereinzelte Werte, wozu der anhaltende Ordermangel beitrug. Das Geschäft neigte bei kleinster Aufnahmeluft zur Schwäche. Gegenüber den Schluhkursen vom Samstag traten Abbröckelungen bis zu 2,5 Prozent ein. Stärker gedruckt eröffneten Kaliwerte: Salzdetfurth verloren 4 Prozent und Westerregeln 3,5 Prozent. Auch sonst kam ziemlich Material an den Markt. Größere Verluste wiesen noch Otavi Minen minus 2 Prozent, Wahh & Freitag mit minus 3 Prozent und Schuckert mit minus 2 Prozent auf. Die übrigen Elektroaktien gaben bis zu 1,25 Prozent nach. Don Chemiewerten eröffneten 3. G. Farben und Rütgerswerke bis zu 1,25 Prozent schwächer, während Deutsche Erdöl und Holzverkohlung knapp gehalten blieben. Montanwerte lagen still. Rheinstahl lagen gut behauptet. Auch die übrigen Werte zeigten nur geringfügige Veränderungen. Am Schiffahrtsmarkt waren Rorddeutscher Lloyd 1 Prozent abgeschwächt. Für AG. für Verkehrswesen machte sich bei einer Besserung von 1,5 Prozent einiges Interesse geltend. Banken verloren bis zu 1 Prozent. Barmer Bank waren aber behauptet. Renten lagen still. Deutsche Anleihen gut behauptet. Von Ausländern konnten Anatolier leicht anziehen. 3m Verlaufe blieb das Geschäft still, die Kulisse schritt weiter zu Abgaben, so daß gegenüber dem Anfang nochmals Abschwächungen bis zu 1,5 Prozent eintraten. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 3,5 Prozent. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1915, gegen Pfund 20,362. London gegen Kabel 4,8583. gegen Paris 123,80, gegen Mailand 92,76. gegen Holland 12,0840, gegen Schweiz 25,07. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt, 16. Juni. Am Produktenmarkt kam das Geschäft nur schleppend in Gang. Die niedrigeren Dotierungen des Auslandes verursachten starke Zurückhaltung. Sehr stark gedrückt war Weizen mit minus 7,50 Mark. Roggen verlor bis zu 5 Mark. Gerste lag geschäftslos. Hafer war anfangs etwas gefragt, doch ergab sich spater auch hier ein Preisabschlag bis 2,50 Mark, in Anpassung an die Gesamttendenz. Das Mehlge- schäft war schleppend. Auch hier ergaben sich Preisrückgänge. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilogramm. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen - Nassau) Hektolitergewicht von 78 Kilogramm 320 Mark: Roggen (Hessen, Provinz Hessen-Nassau und llnterfrankcn) Hektolitergewicht von 72 Kilogramm 167,50 bis 168,50; Sommergerste für Brauzwecke 200; Hafer, inländischer 162,50 bis 165; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 45 bis 45,75; Roggenmehl 24,75 bis 25,75; Weizcnkleie 6,90 bis 7; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 25 bis 35, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 38 bis 80; Heu, süddeutsches. gut, gesund, trocken 7 bis 7,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,50 bis 4,75; Weizen-' und Roggenstroh, gebündelt 5; Treber, getrocknet. 9,25 bis 10,25. — Tendenz sehr ruhig. Frankfurter Schlachwiehmarkt. Frankfurt, 16.Juni. Auftrieb: 1305 Rindes 351 Ochsen, 59 Bullen, 481 Kühe, 320 Färsen, 602 Kälber, 30 Schafe und 4451 Schweine. Öchsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 59 bis 62 Mark, ältere 54 bis 58, sonstige vollfleischige, jüngere 48 bis 53; Bullen: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 56 bis 60, sonstige vollst, oder ausgemästete 50 bis 55; Kühe: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 50 bis 54,’ sonstige vollst, oder ausgeinäftctc 45 bis 49, fleischige 38 bis 44, gering genährte 32 bis 37: Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollst., ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 63, vollst. "55—ins 59; fleischige 50 bis 54: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 80 bis 84; mittlere Mast- und Saugkälber 74 bis 79; geringe Kälber 68 bis 73; Schweine : vollfleischige von zirka 250 bis 300 Pfund Lebendgewicht 59 bis 62, von 200 bis 240 Pfund 64 bis 66, von 160 bis 240 Pfund 64 bis 66, fleischige von 120 bis 160 Pfund 60 bis 63. Marktverlauf: Rinder mäßig rege, nahezu ausverkauft. Kälber ruhig, geräumt. Schweine ruhig, ausverkauft. Fettschweine schwer verkäuflich. Frankfurter Erermarkt. Frankfurt a. M., 14. 3uni. Marktlage: Auch nach den Feiertagen änderte sich an der Marktlage kaum etwas. Das Angebot in Inland-, sowie Auslandeiern war ziemlich reichlich, so daß der Absatz auch nur stockend vonstatten ging. Die Preise waren wenig verändert, doch wird infolge der reichlichen Beschickung mit einem Rachgeben der Preise gerechnet.. Es wurden notiert: Italienische 8,25 bis 8.5, bulgarische 6,5 bis 6,75, jugoslawische 6,5 bis 6,75, rumänische 6,25 bis 6,5« russische 6 bis 6,5, holländische 7,5 bis 9,5, dänische 7,5 bis 9,5, belgische 7,75 bis 8, fran*i zösische 7,5 bis 9,5, schlesische 7 bis 7,75, bähe-« rische 7 bis 7,75, norddeutsche 7,5 bis 8 Pfennig pro Stück. 'Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, 3nlandeier ab Station. Letzte Nachrichten. 6 Kinder beim Baden ertrunken. Augsburg, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) Ein schreckliches Unglück ereignete sich gestern in Epfach bei Landsöerg. Beim D a- den im Lech geriet ein Kind in eine Untiefe und versank vor den Augen seiner Spiellamsraden. Diese versuchten, daS Kind wieder an sich zu ziehen, wurden dabei aber selbst in einen Strudelgezogen. Don den Kindern konnten drei gerettet werden, während sechs ihr Grab in den Fluten sanden. Bisher ist es nur gelungen, zwei Leichen zu bergen. Aach den übrigen Leichen wurde die ganze Nacht hindurch erfolglos gesucht. Verwegner Bankeinbruch in Lodz. Warschau, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) In der Lodzer Handelsbank wurde gestern ein sensalioneller Tresoreinoruch verübt. Als gestern abend einer der Direktoren der Dank ins Bureau ging, um sich einige Schriftstücke nach Hanse zu nehmen, bemerkte er, daß das Schloß der Stahltür» die zur Pau^erkammer führt, beschädigt war. Äe Tür war jedoch zugeschlagen und widerstand allen Bemühungen, sie zu öffnen. Wie sich dann herausstellte, sind sowohl der Tresor, als Mch die verschiedenen Handkassen im Laufe des gestrigen Sonntags von vermutlich sechs Banditen ausgeplündert worden. Ein Direktor der Dank und zwei Diener, die die Einbrecher bei ihrer Beschäftigung störten, wurden von den Einbrechern in den Tresor geschleppt und dort eingeschlossen. Man fürchtet, daß die Cingeschlosse» neu ersticken werden, wenn es nicht bald gelingt, die Panzertür zu öffnen. Man hat tele- graphffch Fachleute nach Lodz beordert, um ben Tresor so rasch als möglich zu öffnen. Don den Verbrechern fehlt vorläufig jede Spur. Man vermutet, daß den Bankräubern Geldbeträge im Werte von etwa 200 000 Zloth in die Hände gefallen find. Sprechstunden der RedaMon. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Ahr Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4,5 v. H., Lombardzinsfuß 5,5 v. H. Frankfurt a. 3JL | Berlin Schluß«! 1-Uhr- Schluß. I Anfang« fürs | Rur» für« | Kur« Datum 14. 6. 16. 6. 14 6. 16- 6. b% 3)eui|d)d aeiajMUiiei^e von 1927 ......... 7% Deutsche Rekchsauleihe — — 88,75 — von 1929 .......... Deutsche AnI_.WIös>Lchuld mit 105,25 — 105 — Auslos.-Rechten....... 57,1 — 57,1 57,1 DeSgl. ohne LluSlos.-Rechts . . . 8% Hess. BoUSstaat Bon 1929 9 9 9,05 8,9 (rückzahlb. 102%)...... Oberhessen Provinz - Anleihe mit 96 — 96 — Auslos^Rechten....... Deutsche komm. GammelaBI. 57 — — — Anleihe Serie 1....... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 57,5 — 57 —* XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hnp^Bank Goldps? — — — — untünoberr bis 1932 ..... 94,75 Koppel . . . 6 —— — —— Leonhard Tietz . . . . 10 150 —* — 153,5 SvenSka..... . 315 — 315,5 315 Frankfurter Maschine» . Grthuer....... • » . 4 . 6 26 37 27,5 36,5 _ HeNIigenstaedt . . . . Zunghantk....... Lschwerke....... e e . 0 * — • » . C 40 — 40,5 . 8 97,6 — — 115,5 Mainkrastwerke pochst a. $?.. . 8 86 — — — Miag......... e « 10 117.25 116 —• Vebr. Roeder . . . , . 10 106 — —— Voigt L Haefsner . . . Süddeutsche Zucker . . e b . 9 10 150 156,5 — 150 157,5 Banknoten. Äerlin, 14. Zuni Gelb | Brief Amerikanische Noten...... Belgische Noten........ Dauische Noten......... Englische Noten ........ ffrarnüsische Noten ....... Holländische Noten ....... Italienische Roten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten ....... Schwerer Noten........ Spanische Noten........ Tschechoslowakische Roten..... Ungarische Noten...... . Devisenmarkt Berlin 4,17 58,40 111,73 20,305 16,44 167,98 21,96 111,80 / 59,02 1 2.465 l 112,10 i .81,09 / 49,10 12.417 73,00 \ - Jtanffujt 4,19 58,64 112,17 20,385 16,47 168,68 22,04 112,24 59,26 2.485 112,54 81.41 49.30 12,477 74,30 t O.2H. 14.3uni i$ Ium Amtliche Notierung Geld | Brief Bintlf. Geld! chc Notierung 1 Brie, Älllft.- süott. Bnen.-AireS Brss.-Antw- Cbrisliania. Kopenhagen Stockholm . Hcisiilgfors. Italien. . . fipltbon. . . Ncnhork .. Paris.... Schwei; .. Spanien. . Japan . . . Äio dr Jan. Dien in D.- Oest. abgest Prag..... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lftkabon . . Danitg. . . flonftantin. Athen. . . Canada . . Uruguah. » Cairo . . . 168,34 1,556 58,395 112,04 112,04 112,41 10,54 21,935 20,345 4,187 16,42 81,12 49,60 2,068 0,473 59,08 12,42 7,412 73,205 3,035 18,80 81,33 1,784 5,43 4,187 3,756 29,86 168,68 1,560 58,415 112,26 112,26 112,63 10,56 21,975 20,385 4,195 16,44 81,28 49,70 2,072 0,475 59 20 12,44 7,420 73,345 3,041 18,84 81,49 1,789 5,44 4,193 3.764 20,90 168.3M 1,54$ 58,39? 112,03' 112,06'. 112,4s1 10,5421 21,94 20,342 4,1875 16,43 81,11 49,15 2.068 0.473 59,09 12,417 7,408 73,22 3,035 18,80 81,34 1,785 5,425 4,187 3,6662 20,865 1 ( 168,72 1,558 56,51 112,25 112,28 112,67 10,562 21,98 20,382 4.1975 17,47 81,27 49,25 2,072 0,475 59,21 12.437 7,416 73,36 3,041 18.84 81.50 1,789 5,435 4.195 3,674 20,90 ec'; »> m c « CE> C **•85 -’S'a'cia •-f'0 a c ~>3 c ~ * s - £ I9e- * u - ’ ?e£5 t O , b 1. „■Sc u>F ■o o c CC# c £.41 c* e» W <3 es o to o* c c** o ’H =s <=n o L Ä- e» r> u Ch> <5> AkL a e 8 g -Sl TL 3 « _ o “ 0 vSA 8 oRw 0 „ -o L? 5 •5-E =. a c 8 H.L 5 §■? 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