Nr. 113 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 15. Mal 1950 (Er|d)etni täglich,außer Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Giessener Famllienblälter Heimat im Bild Die Scholle monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlüfse anterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. PoN|d?edfonto: Sronffurtam Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick und Verlag: vrühl'sche UniversilSlr-vuch. und Sleindruckerei R. Lange In Sietzen. Schristleitung und Geschäftrftelle: Zchnlftratze 7. Annahme von Anzeige« für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mn| Breite örtlich 8, Piswürts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichrpfennig^ Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Thyrlot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für hea Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich in Gießen. Gtegerwald über Deutschlands sozialpolitische Lage. 3m Hauehattsausschuß. Berlin, 14. Mat. (Q3S3J 3m Haushalts- ausschuh des Reichstags wurde heute der Haushalt des Reichsarbeitsministeriums beraten. Der Berichterstatter 2lbg. A u s h ä u s e r (Soz.) führte aus. die Ersparnisse beim Arbeitsministerium hätten schon die äusserste Grenze des Möglichen erreicht. Die Kürzungen beim Kapitel Sozialversicherung gingen im wesentlichen auf Kosten der Versicherten. Bei der Arbeitslosenversicherung lasse der Etat die Deckungsfrage offen Die jetzt eingestellten Mittel würden kaum ausreichen, wenn der Arbeitslosendurchschnitt 1,2 Millionen beträgt. In diesem Jahre |ei aber mit einer weit höheren Durchschnittszahl zu rechnen. Abg. Schlack (3entr.) erklärte als Mitberichterstatter in der Personalfrage sollte der Abbau sich nicht auf die unteren Stellen beschränken Rotwendig sei vielmehr eine organische Reform der Verwaltung. Acichsarbeilsminister Dr. vtegerwaid führte u. a. aus. D>e ouentuch-rechtlichen Gesamtausgaben «Reich, Länder, Provinzen, Gemeinden, Sozialversicherung, Kirchen usw.) betragen rund 23 Milliarden Mark. Davon haben wir aus gut 3 Milliarden, die für Reparationsleistungen und Schuldentilgung und -Verzinsung benötigt werden, in den ersten Jahren keinen Einfluss. Die restlichen 20 Milliarden Mark Ausgaben entfallen auf folgende Positionen Sozialversicherung 6 Milliarden. Kriegsbeschädigten-Fürlorge lohne Offizicrspensionen und ohne Versorgung der neuen Wehrmacht) 1.4 Milliarden, Wohlfahrtspflege 1.3 Milliarden. Wohnungswesen 1 Milliarde, Gesundheitswesen 0.5 Milliarde. Beamtenpensionen und Hintcrbliebenenbezüge 1.9 Milliarden. Beamtengehälter lohne Reichsbahn und Reichspost, die dafür 2.5 Milliarden verausgaben) 5,25 Milliarden, so daß für soziale 3 w e ck e, allgemeine Fürsorge, Beamtenpensionen und Gehälter 83 Prozent aller ö f f e n t - | lich-rechtlichen Ausgaben benötigt werden. Der Rest von etwa 3.3 Milliarden Marl wird aufgewandt für Landstrassen und Wasserstrassen mit 1,5 Milliarden Mark, für Industrie und Landwirtschaft 400 Millionen Mark und an Sachausgaben für kulturelle 3wecke, innere Verwaltung. Finanzverwaltung. Justiz, Heer, Polizei 1.4 Mi'l-arden Aus öffentlich rechtlichen Mitteln bekommen gegenwärtig Renten oder Unter ft Übungen (die renten und unterstützungsberechtigten Familienangehörigen einbegriffen): Arbeitlofe 4,2 Mill. Rentner aus der Invaliden- und Ange- stelltenversicherung, Knappschaftsver- fidjerung 3,8 „ Kriegsbeschädigte 3,4 „ Wohlfahrtspflege 1,5 „ Unfallrentner 4,0 „ Pensionäre 1,0 „ Abzüglich der Doppelzählungen verbleiben gut 12 Millionen Personen oder nahezu 2 0 Prozent der deutschen Gesamlbe oölferang, die Zuwendungen aus öffentlich-rechtlichen Mitteln erhalten. Grössere otipacnihe |ino erst Dann bei der Arbeitslosenversicherung und der Wohlfahrtspflege möglich, wenn wir in absehbarer 3 sehr' leichter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Zah« len gehen die Temperatur an. Die Linien verhmdeo Orte mit gleichen® •uf nteresmveau umgerechneten Luftdruck Obwohl der hohe Druck im Südosten zu Baro- meteranftieg geführt hat, so dürste durch ihn unsere Wetterlage keine Beständigkeit erhalten. Vielmehr wird der Druckfall im Raume zwischen den britischen Inseln und Island eine weitere Westwetterlage djaffen. Das Wetter bleibt infolgedessen noch veränderlich, wobei zeitweise Niederschläge auftreten. , Temperaturen erfahren vorläufig kein« merkliche Aenderung. Wettervorhersage f Ür F rei ta g: Zeit- weise Eintrübung mit Riederschlägen, aber auch aul^terHo; keine stärkere Temperaturänderung. Wettervorhersage für Samstag: Roch kein beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 13,8 Grad Q-elfius, abends 11,8 Grad; am 15. Mai: morgens 11,7 Grad. Maximum 16,6 Grad, Minimum 7,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 13,4 Grad; am 15. Mai: morgens 9,4 Grad. — Niederschläge 1,3 mm. — Sonnenschein« dauer zwei Stunden. Anfragen iind Anträge im Hessischen Landtag. J' ei« t“* #■«»*** " «einia» ' ab gab U, HM 7nL m«n’ificn ge »K stt*» 'L i« Seiten des ya»" SÄ JSStfü Lunder, wenn er -of des W.fl Graveur des König von Dänemark und nennen durste. Herren und Fürsten vvn ihm durch denn Me Alder des c bäuerlichen Lebens Hand entstanden, ihm die Tragik m Revolution ging I1 loerksmästiger Arbe tägliche Brot kämp, in Paris starb, ti kummervollen Lebe Doch heute gilt im Jahre 1841 ci Le Blanc verso als grundlegende des Künstlers au finden, an denen hat. Die Kupferst Mg auch Will Um - nennt, I zielen heute aus trotzdem besah da Jahre 1926, tvie eir beweist, schon 81 ( aus Mitteln ertvoi Hand des Geheim flammten; er, der s wollte auch dein $ ein Denkmal sehen. Heute können ich Mliftie Mu Dille ganz be! sechs Stiche ln ms, von geringerer Te Gelegenheit, 58 1 tung zu erwerben teilen ersten Dan tres rares bezeich Stiche: Jonction < l'Hctel des Inval VEurope ehrten es gelang, d geringen Kosten j Jeurn einerseits ei * in jedem 3 Übungen stift in seinem S kr Gailschen 6Q1 }u können. Anbei M aber auch de diesen wertvvl 7-n?ank aus, Crwerbder Stid 6t ,-sD.^ •*«43*! ’rtttj V**ta*#' Ä&a s^r ieä£*« Iwwfaf«; ■Äas fe'Sia L?-: fcxii , Urteils des j.J Lahmen “nJ.l9leit Die "^Polizei er. Kleben zuruckge. Abgeordnete in der er Abgeordneten. efl'enb 1 Hessen berger erwidert: !">d m Hessen auf, unö Londessteuern i». 242000 Mork 's dem Gebiete der Mden 1927 rund Wontn GMrasrn Dürag mutzte ti. werden. Nach d'e Mehcheuern im i Mark Reichs, und im, im Jahre 1928 - und 135000 Mark enthalten nicht nur oteuerbeträge, deren feit der Buch, und >end welchen @rün- >be aber jetzt besau- ■jogenc Mehrsteuern Jahr 1929 sind die 'möglich, weil über Abschlüsse vorliegen. ). istdieAngabe erpslichtigen, die sich [big gemacht haben Strafen unmög« ig der Strafen auf braudjsabgabtn im uriWführen, daß dling-Q^ev- ins Tlrasrn in Elianen Mark de. M dem Ein- stverständlich nicht itsberatung. aae. M20 Gießener Hausfrauenberatung-Gasvereinigung Gießen: Vortrag über „Gas verwenden — nicht verschwenden", Kochoorführungen usw., 20 Uhr, CafS Der Finanzausschuß des Stadtrates hat — wie wir am Dienstag bereits beachteten — den Voranschlag der Stadt Gießen für 1930 nach mehrwöchigen, sehr eingehenden Beratungen verabschiedet. Am kommenden Dienstag wird sich das Plenum des Stadtrats in öffentlicher Sitzung mit der Beratung des Voranschlags beschäftigen. Die Stadtverwaltung hat gestern den Voranschlag an die Stadtratsmitglieder und an die Presse übermittelt. Der neue Haushaltsentwurf ist in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen. Er schließt in der Schlußfumme mit 7 773 885,90 Mark in Einnahme und Ausgabe, gegen 8 643 211,57 Mark im Vorjahre, ab Auf die Betriebsrechnung entfallen in Einnahme und Ausgabe je 6 331610,37 Mark, gegen 5 622 644,38 Mark in Vorjahre. Die Bermögensrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 442 275,53 Mark, gegen 3 020 567,19 Mark im Vorjahre ab Bei der Voranschlagsberechnung ergab sich ein Fehlbetrag von 402 000 Mark, der durch Einnahmeerhöhungen bzw. Ausgabeermäßigungen gedeckt wurde. Emzelhe ien der Betriebsrechnung. Auf das Kapitel „Allgemeine Verwaltung" entfallen in Einnahme 76 501,36 Mark, in Ausgabe 596 425,09 Mark (im Vorjahre Einnahme 69 109,05 Mark, Ausgabe 602106,14 Mark) Das Kapitel „Polizeioerwaltun a" weist eine Einnahme von 2730 Mark und eine Ausgabe von 158 242,50 Mark auf (im Vorjahre 2760 bzw. 158015,46 Mark) Beim Kapitel „Grundbesitz. Land- und For st wirtschaft" wird mit einer Einnahme von 586 152,64 Mark und einer Ausgabe von 460 282,45 Mark gerechnet (im Vorjahre 623 399,50 Mark bzw. 436 510,76 Mark). Die Dauverwaltung verzeichnet eine Einnahme von 441 555,90 Mark und eine Ausgabe von 922 697,87 Mark (im Vorjahre 404 543,72 Mark bzw. 899 520,45 Mark). Die Betriebsverwaltung weift eine Ein- nähme von 1 199 297,66 Mark und eine Ausgabe von Kontrapunktierung gewissermaßen von Ton und Stille stärkere Wirkungen herausholen kann (wie im Helldunkel der Malerei), als in der wahllosen und lückenlosen Tonphotographie. — Das Buch stammt von Hans Sz 6 kely und entwickelt eine der „Ungarischen Rhapsodie" motivisch nicht unähnliche Handlung, deren ausgeprägte Sentimentalität sich gelegentlich ins Kolportagemäßige verliert, die auch nicht überall überzeugend erscheint, in großen Fügen aber und besonders zum Schluß von unbestreitbarer Publikumswirksam- keit ist. Gs ist die sehr lustig angesponnene, sehr traurig endende Geschichte von einem kleinen ungarischen Dauernmadel, das aus Liebe zu einem jungen Honvedgesreiten Leib und ßeben jum Opfer bringt. - Die Schwachen des Buchs werden von der begabten Regie (HannS Schwarz) einigermaßen ausgeglichen, — vor allem auch durch eine schöne, weiträumige und malerische Szenerie, die von R i t t a u und Schneeberger bestechend photographiert wurde. Die musikalische Begleitung (Hey mann) zeichnet sich durch etliche hübsche Ginfälle aus, die Soldatenlieder „Bin kein Hauptmann, bm kein großes Tier ..." uiü) .Sieben Sterne hat der große Bär ..." haben schnell eine große Verbreitung und volkstümliche Beliebtheit gefunden. - Das Bauernmädel Julia Dalog wird von Dita Parlo gespielte sie ist hier noch besser als in der stummen Rolle neulich (obwohl sie nicht singt und nur geringe Klangwirkungen besitzt)! sie gibt hier rein darstellerisch die reifste Leistung, die man bisher von ihr zu sehen bekam. Reben ihr als der „degradierte" Honved- musketier: Willy Fritsch, der sich neuerdings mächtig nach vorn gespielt hat, sympathisch und männlich, wie man ihn kennt Die Ghargen — großenteils unbekannte ungarische Darsteller — bildeten ein sauberes Ensemble. — Der Film läuft gegenwärtig im Lichtspielhaus. Leid. Ä„ ..__,. — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns. Morgen, 20 Uhr, „Elavigo". Die Rolle lbeS Carlos wird Waller Bäuerle vom Deutschen Theater Riga als Gast (auf Engagement) spielen. — Als nächste Premiere ifi das Lustspiel „Meine liebe dumme Mama" für Dienstag, 20. Mai, festgesetzt. — Abschiedsvorstellung: Jngeborg Scherer und Hans T a n n e r t. Aus her provinzialhaupistadi. Gießen, den 15. Mai 1930. 3. S. Wüte im Oberhefsischen Museum Ein prachtvoller Reuerwerb. Don Prof. He mle, OirettordesOberhessischenMujeumszuGießen. In „Heimat im Bild" (Rr. 19 Jahrgang 1925) erschien ein Aufsatz von Professor Gloel. Wetzlar, über Johann Georg Wille und sein Werk. Und als im vergangenen Jahre der Gleibergverein sein Hundertjahrsest feierte, in dessen Grenzen eine Dilderausstellung des Ober- hessischen Kunstvereins veranstaltet wurde, da gab das Oberbessische Museum gern einen Teil seiner Wille-Kupferstich« her, um auch diesem Künstler einen Platz an der Sonne seiner Heimat zu bieten. Denn Wille ist ein Kind unseres Landes, mag heute di« Obermühle bei Rodheim, wo er 1715 geboren wurde, politisch zu Preußen gehören, deshalb bleibt er doch ein Hesse, ein Ober Hesse und ein halber Gießener ebenfogut, wie wir das Recht haben, den Gleiberg und was an Ortschaften zu seinen Füßen liegt, als unser zu betrachten. Wille ist ja auch zwei Jahre bei einem Büchsenmacher in Dießen In der Lehre gewesen; freilich interessierten ihn hier viel weniger die technischen Seiten des Handwerks, als die Feinheiten der Gravierungen und Ornamente an den Büchsen. 3m Jahre 1738 finden wir ihn in Paris, wo et nach anfänglichen Schwierigkeiten bald durch seine Kunst die Augen der Gebildeten auf fich lenkte; man drängte sich dazu, von ihm mit dem Griffel porträtiert zu werden. So nimmt es denn kein Wunder, wenn er noch in jungen Jahren an den Hof des Königs gezogen wurde, wenn er sich Graveur des Königs von Frankreich, des Königs von Dänemark und des Kaisers von Deutschland nennen durste. Kardinäle und Bischöfe, Feldherren und Fürsten, Könige und Kaiser wurden von ihm durch den Kupferstich verewigt; aber auch viele Bilder des allgemeinen bürgerlichen und bäuerlichen Lebens sind unter feiner kunstgeübten Hand entstanden. - Dennoch fehlte auch bei ihm die Tragik nicht; bei dem Ausbruch der Revolution ging fein Stern unter; mit handwerksmäßiger Arbeit mußte er mühsam um das tägliche Brot kämpfen, und als er im April 1808 in Paris starb, trug ihn der Tod aus einem kummervollen Leben der Armut hinweg. - Roch heute gilt der bei R. W e i g e 1 (Leipzig) im Jahre 1847 erschienene und von Charles Le Blanc persaßte Katalog der Werke Willes als grundlegende Arbeit; dieser zählt 170 Stiche des Künstlers auf; unter denen sich einige befinden, an denen er nur Teile ausgearbeitet hat. Die Kupferstiche von Wille, der sich zeitweilig auch Will - ein bei uns wohlbekannter Raine - nennt, sind selten geworden und erzielen heute auf Kunstauktionen hohe Preise; trotzdem besaß das Oberhessische Museum im Jahr« 1926, wie eine Rotiz von Prof. Kramer beweist, schon 87 Stiche, die zum größten Teil aus Mitteln erworben wurden, die der offenen Hand des Geheimrats Wilhelm Gail entstammten; er. der seine Heimat über alles liebte, wollte auch dem Künstler der Heimat bei uns ein Denkmal sehen Heute können wir aber sagen, daß das Ober- hessische Museum das Werk von Wille ganz besitzt; denn es sehlen nur noch sechs Stiche in unserer Sa mmlung, und diese sind von geringerer Bedeutung. Es bot sich jüngst die Gelegenheit, 58 Willestiche in sehr guter Erhaltung zu erwerben, und unter ihnen sind Seltenheiten ersten Ranges, die schon von Le Blanc als trös rares bezeichnet wurden. Ich nenne u. a die Stiche: Jonction des deux Mers; Etablissement de l'Hctel des Invalides; Vordre rttabli; ornements; l’Europe chrStienne und Tricoteuse hollandoise. Daß es gelang, diesen Besitz mit verhältnismäßig geringen Kosten zu gewinnen, verdankt das Museum einerseits einem hochherzigen Gönner, der bisher in jedem Jahr eine Summe für besondere Erwerbungen stiftet. Wir haben geglaubt, das Geld in seinem Sinne und dem des Begründers der Gailschen Sammlungen nicht besser anlegen zu können. Anderseits möchte die Museumsleitung aber auch dem altadeligenHaufeOberhessens. das diesen wertvollen Schatz dem Mu'eum überlieh, seinen Dank aussprechen dasür. daß es bei dem Erwerb der Stiche außerordentliches Entgegenkommen gezeigt hat. hat es uns doch dadurch auch die Möglichkeit geboten, das Gesamtwerk eines Künstlers unserer Heimat geschlossen zu besitzen. Wir werden, wie ich glaube, die einzigen in unserem oberhessischen Lande sein, die eine so vollzählige Willesammlung haben. £ o 3 . O-* al a •SSSF „Ml Jiirt® ’eL I SCHUHE HEUE MUSTER Ifl 03255 3763D 3444A 3750D Statt Karten. bis abends l Uhr geöffnet 3764V Verschiedenes | JfoöaWadu 3767D 3758V Ziehung am 30. und 31. Mai 1930 der Vorstand. Eisenach 3747 V 2000 3765 D der Vorstand. lü DED DEntfBßR niEDR IGSTEH PREIS En i JCHMUCKER. Vermählungs-Anzeigen liefert die BrQhl’sche Druckerei t£ a S c5 M empfohlen durch den Reichsiwband Deutfcher Hausfrauenvereine Die kirchliche Trauerfeier findet am Sonntag, dem 18. Mal, nachmittags 2 Uhr. in der Kirche zu Hochstadt statt. Beteiligung bittet 3766 D WO er- Orctalemrein Diese Woche keine Probe. Erste Probe aum Konzert am 3761D Freijag, dem 23. Mai, 8,15 Ubr abends pünktlich tm Frankfurter Hof. Die Mitwirkenden erb. noch besondere Aufforderung. Der Vorstand. veMWmiiMskiMeMveikeo Auf Grund der Bestimmungen der Reichsverdingungsordnung werden die An- streicherarbeiten für die äußere Instandstellung des Seminargebäudes Bismarck- straße 16 im öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. 3759V Angebotsvordrucke werden, solange der Vorrat reicht, auf unserem Amte, Ste- phanstraße 18, Zimmer 8, abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Samstag, dem 24. Mai d.J.» vor- KinderliebeS Mädchen nur besten Empfehlungen für tagsüber in guten Haushalt gef. Schr.Bew. unt. 03250 a. ö. GK. Anz. Der Voranschlag der Gemeinde Queck- born für Rj. 1930 liegt vom 16. d. M. eine Woche lang auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten und Erhebung von Einwendungen offen. Es wird bewerft, daß die Erhebung einer Umlage beschlossen ist, zu der auch die Ausmärker mittags 11 Uhr, bei uns einzureichen, sodann die Eröffnung in Gegenwart schienener Bieter stattfindet. Zuschlagssrist drei Wochen. Gießen, den 15. Mai 1930. Hessisches Hochbauamt Gießen. B e rt h. Hochstadt, Harburg (Elbe), Gießen, Darmstadt. Frankfurt a. Main, den 14. Mal 1930. herangezogen werden. Queckborn, den 13. Mai 1930. Hessische Bürgermeisterei. Albert. FHE- smn NX erkstatt auch als Lagerraum ob. zum Einstell, von Möbeln z. vrm. Hammttraße 4. Jum ottsmf steht Im „Löwen", Tleuenweg 28, folgendes: Sofas, Chaiselongues, Küchenschränke, Büfetts, ein Klavier, Schreibmaschinen, Nähmaschinen, zwei Darenschränke, ein Schlafzimmer,Klelberschränke,Fahrräder. Ludwig Savtmetz. OaS Dersteigerungskokal ist von morgens 8 LoseälMk.&TÄ?**6 versendet auch unt.Nachn.(20^ mehr) A. Dinkelmann,Worms Postscheckkonto 16194 Frankfurt a.K. In Gießen zuhaben bei: Zlgarrenhaue E. Reuter (fr. Buchacker); außerdem bei: R. Andreß; Jos. Chambrd; Herrn. Kuhl; 8. Loeb; Ed. Richter; Wilhelm Sammler; W. Stephan; Willy Weber. Solides WWen nicht unter 20 I., das etwas kochen kann und schon tn bess. Haushalt war, zum 1. Juni gesucht. Vorzustellen mit Zeugnissen 03244 Roonlir. 20 v. taldUH znm Besten des Thttrlnger Mussums, Am 11. Mal entschlief santt In Gott unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder und Onkel Ludwig Merten Rechnungsrat im 88. Jahre seines Lebens. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ernst Albrecht Merten, Eisenbahningenieur, Luise Hahn, geb. Merten, Rudolf Hahn, Prokurist Gießen, 14. Mal 1930. Die Beerdigung fand heute in der Stille statt Oben Unis: !ßon im Wach mit l — Rechts; 3m Gc Unten im 3adfon>5jpebitio b e n schildert in dens", das nor drei Bücherfreunde erschd der Po/forschunAen wgegnung mit folg »Der.Ion der h dieser TtsMste - ' dcns, das war < len konnte! Aiiixr Hügeln eine Testat l'che Gestalt! Ein' 'n dieser goltverlr Nansen zu und sp spricht englisch krnnt Jackson, de «se stehen uoreinc rechen sich die j), Sch es gijnen?" Don b xrgspitze sich qeqe I'Btrter (Europäer ÄW81 Tumniis Pcrfumretter Leise ®mn« te9 !^'Ser Wilder wi r'gcn Lumpen bell Es awr sis sesttoS. , ^nen ÄS' Altersvereinigung 1879-1929 Wir bringen unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Alterskamerad Herr Georg Jost, Postassistent am 13. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 16. Mai, um 15 Uhr statt. Um allseitige Beteiligung bittet Die Beerdigung unseres lieben Mitgliedes Georg Jost Poatasslatent findet am Freitag, dem 16. Mai, nachmitt. 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Um zahlreiche Nach langem schweren Leiden verstarb heute meine Hebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Martha Schlicht, heb. Gondlach im 64. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Rechnungsrat Emil Schlicht Kapitän Adolf Güthenke und Frau Henny, geb. Schlicht Stud.-Rat Dr. Elsa Schlicht Med.-Rat Dr. Max Struth und Frau Gertrud, geb. Schlicht Lehrer Karl Gllnder und Frau Anne-Marthe, geb. Schlicht cunoiiaj movl. । Zimmer rt z. verm. 03252 Riegel-fad 88 »J Vas A , $l" w. 6inau8XS *üti mit benTN s J.Ufc tungen 0°rade fD durch JJAuii eine NM >°enn ez ^'chrvps ,?an 4uJ^äl i ^vnen, öQJ oeruna^dasd [[ be VKen £ " stn °4ft> dollen G^andx, i„a6ut* •“tole. fei 'S Gut möbl. Zimmer Freundlich möbl sofort beAtebbnr, au - Einige fabrikneue Mikroskope in bester Ausführung wett unier Katalog- vrets abzugeben. Dreb- u. Vierkanttiick, Obiektive 3,7,V« Oclimmers, vergröbert bis 1450fad). Schriftliche Anfragen unter 03215 an den Gießener AnAetger erbeten._______ vermieten. Schrtfil. „ Angeb. unter 03245 sofort an den Gieß. An-. Das größte Werk der Branche sucht für den Vertrieb neuer clektr. Haushaltungsmaschinen 1 — 2 routinierte AbsMverlreler bei sofortiger Wochenzahlung. 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Sie zu sehen." „Danke, ich gleichfalls " „Haben Sie ein Schiss hier?" „Nein, mein Schiss ist nicht hier." „Zu wieviel Mann sind Sie?" „Ich habe nur einen Gefährten draußen am Eis- rand." Harfen war überzeugt, Jackson habe ihn erkannt oder vermute doch, wer dieser Wilde neben --- r .» * Oben links: Aon der Nordpolarexpedttion 1895: Die „Fram" im Elsgürtel Unten links. 'Nonien im Gespräch mit Lord Robert Cecil, dem früheren englischen Völkerbundsdelegierten und Pazifisten — Rechts: Im Gespräch mit Dr. Eckener bei der Vorbereitung des Nordpolflugs des „Graf Zeppelin" Unten im Kreise: Eine Aufnahme Nansens nach der Rückkehr von seiner Expedition. Jackson- Expedition zusammentraf. S). H. f) 0 u • den schildert in |*em Buch „Der Ruf des Nordens", das vor drei Jahren im Dolksverband der Bücherfreunde erschien und die spannende Geschichte der Polsorschungen bis zur Gegenwart enthält, die Begegnung mit folgenden Worten „Der Ton der fernen menschlichen Stimme in dieser Eiswüste — das war eine Botschaft des Lebens, das war die fjeimat und alles, was sie bedeuten konnte! Wieder ein Rus! und da, zwischen den Hügeln eine Gestalt, die sich bewegte — eine menschliche Gestalt! Ein Mensch — ein Mensch — der erste in dieser gottverlassenen Eiswüste! Er kommt aus Nansen zu und spricht unterwegs mit seinem Hund, er spricht englisch und kommt näher-, Nansen erkennt Jackson, den er früher einmal gesehen hat. Sie stehen voreinander, ziehen höflich die Hüte und reichen sich die Hände mit einem herzlichen „Wie geht es Ihnen?" Der Nebel war so dick, daß sie, abgeschlossen von der übrigen Welt, wie auf einer Bergspitze sich gegenüberstanden Der eine ein zivilisierter Europäer in tariertem englischen Anzug und hohen Gummistiefeln, rasiert, frisiert, den Duft parfümierter Seife verbreitend, den die geschärften Sinne des Wilden gleich bemerkten, der andere ein richtiger Wilder wie aus dem Märchen mit schmierigen Lumpen bekleidet, Haar und Bart lang, zot ihm sei. dafür sprach die herzliche Begrüßung. Plötzlich blieb Jackson stehen, blickte seinem Nebenmann voll ins Gesicht und fragte hastig: „®inö Sie etwa Nansen?" ,2a, der bin ich." ,Wahrhastig? Es freut mich, Sie zu sehen!" Noch einmal griff er Nansens Hand und schüttelte sie. ,Wie kommen Sie hierher?" Nansen berichtete ihm kurz von seiner Reise .Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen. Sie haben eine tüchtige Fahrt hinter sich, ich freue mich ungemein, der erste zu sein, der Ihnen zur glücklichen Heimkehr gratulieren kann." Bald erreichten sie des Engländers Hütte. Jackson schickte sofort seine Leute aus, uni Johannsen am Eisrand zu suchen. Jetzt endlich wußte Nansen, wo er sich befand, wo ihn die Welle eines märchenhaften Zufalls ans rettende Ufer geworfen hatte. Er war auf Kap Flora, dem äußersten Südzipfel von Franz-Ioseph-Land, und hatte von dieser großen, meist unbekannten Inselgruppe eine Menge neuer Eilande entdeckt. Der Engländer hielt sich mit acht Mann schon seit einem Jahr hier auf, um das Land zu erforschen, er erwartete ein Schiss aus der Heimat mit neuem Proviant und all den Annehmlichkeiten der Zivilisation, die Nansen in der stattlichen Hütte mit ehrfürchtigem Staunen bewunderte. Mit diesem Schiss, erklärte Jackson, könnte Nausen nebst seinem Gefährten heimwärts reifen, bis dahin hoffe et. fie als seine Gäste zu beherbergen. Unterdes wartete Johannsen in qualvoller Spannung am Eisrand', an einem Schneeschuhstab hatte er fein einziges Hemd mit den Aermeln angebunden: auf dem blendenden Weiß ringsum mußte diese schwarze Flagge weithin sichtbar fein. Bewegte sich da nicht ein Punkt? War es Nansen, der wieder zurückkehrte? Das war ein Fremder. Er trug hohe, bis zu den Hüsten reichende Stiesel, einen zivilisierten sauberen Anzug, und sein Gesicht glänzte in seiner Weiße schon von km. Nein, das war Nansen nicht! Johannsen hißte die norwegische Flagge und ei.te dem Qlmömm.ing entgegen. Mützenschwenken, Händedrücken „EngUsh?" fragte der Fremde. — „No“, antwortete Johannsen und lud vermittels der Zeichensprache den Gast ein, näherzutreten. Mister Child, so hieß der Engländer, betrachtete genau das Lager, die Schlitten und Kajaks, den Kochtops mit Fleisch und Speck, die übrigen armseligen Gerätschaften — bann wieder den nach Walroß stinkenden Menschen, schüttelte den Kopf und versuchte, dem anderen feine Bewunderung auszudrücken. Nach und nach kamen noch mehr Leute aus der Hütte herbei, darunter ein Finne, der aber feine Muttersprache verlernt hatte. Man verständigte sich schließlich auf deutsch, denn einer der Männer, Dr. K 0 e t l i h, war ein Deutscher. Und nun ging's ans Fragen und Erzählen. Eine Feldflasche war zur Stelle, ein Decher Portwein wurde kredenzt, und während Johannsen trank, nahmen die anderen die Mühen vom Kops und brachten ein Hoch auf Norwegen aus. „Nie", so schrieb Johannsen, „habe ich es so gesuhlt, daß ich ein Vaterland habe, wie damals!" Teilnahme in aller Welt. Eine rraucrlnndgebunsi des Böilcrbunds. Ter Ncichspralldcnl an den König von Norwegen Der Dölkerbundsrat ehrte in feiner Mitt- wochoormittagssitzung das Andenken Fridtjof Nansens durch eine kurze Kundgebung. In sehr eindrucksvoller Weife entroarf der jugoslawische Außen- Minister Marinkowitsch in seiner Eigenschaft als Ratspräsident ein Bild von der umfassenden und großzügigen HUfstätigkeit, die Nansen als Ober- k 0 mmissar des Flüchtlingswerks des Völkerbundes mit unermüdlicher Tatkraft und unerschöpflicher Hingabe geleistet hat Jrn Namen des Rates und des ganzen Völkerbundes sprach Marinkowitsch den Angehörigen des Verstorbenen, dessen Name für immer mit der Geschichte des Völkerbundes verbunden bleiben werde, aufrichtiges Beileid aus Hierauf trat der Rat in feine Tages- orbnung ein. Reichspräsident von Hindenburg hat an den König von Norwegen folgendes Telegramm gerichtet: „Ew Majestät sprech« ich zu dem schweren Verlust, den das norwegische Volk durch das Ableben seines großen Sohnes Fridtjof Nansen erlitten hat, meine tiesgefühlte Teilnahme aus Sein unerschrocke- ncs Wirken als Forscher sowie seine aufopfernde Hingabe für das Wohl der leidenden Menschheit werden in Deutschland unvergessen bleiben." Der norwegische Swrthing hielt anläßlich des To- des Nansens eine außerordentliche Sitzung ab Vor dem überfüllten Haufe hielt Ministerpräsident H a in- b r 0 die Gedächtnisrede. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten beschloß der Slorthing die Bestattung Nansens auf Staatskosten. Die Beisetzung wird am 17 Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag stattfinden ....... in —■■■ ........ Das Roggenproblem. Lin Work an die Hausfrau. Wer denkt heute noch an jene Zeiten, da man, auf schlechtes Erlaybrot angewiesen, es als ein nie wiederkehrendes Märchen betrachtete daß der Däckerjunge früh .norgens knusperige Weizenmehlbrötchen in beliebiger Anzahl ins Haus bringen würde ? Seien wir ehrlich um zuzugeben, daß wir über den Grad berechtigter Lebensver- befferung nach fürchterlichen En^eyrungsjahren hinaus verwöhnt sind in einem Maße, das sich mit den Notzeiten von heule nicht verträgt. Man ist vielsach immer noch gewöhnt, über die Alarmrufe der deutschen Landwirtschaft in den Zeitungen hinwegzulesen, man gähnt vor Langeweile über die warnenden Berechnungen beim Weizen- ustd Roggenverbrauch, denkt: Es wird gerade auf »sich und die paar Pfund Brot an- kommen, die ich^im Jahr verzehre!, und fördert so durch Unverstand, Gleichgültigkeit und Egoismus eine Katastrophe, die die Augen offnen wird, wenn es zu spät ist. Man muh immer wieder die Notwendigkeit betonen, daß das deutsche Volk zu einer Steigerung des Roggenverbrauches kommen muß. Mit behördlichen Maßnahmen, dem zweischneidigen Dermahlungszwang, der künstlichen Abdrosselung des Weizenverbrauchs und anderem läßt sich die sosort nötige Umstellung in der Roggenbilanz allein nicht vollziehen Alle Bevölkerungskreise müssen srei- willig und konsequent in klar erkanntem nationalen Interesse mehr Roggen verzehren. Die Möglichkeit dazu ist durchaus in mehrfacher Hinsicht vorhanden. Wer sich im Besitz seiner vollen Gesundheit befindet, erweist feinem Magen und seinen inneren Organen überhaupt nicht den schlechtesten Dienst, wenn er zum herzhaften Roggenbrot greift. Ucber diesen Punkt sind Aerzle und Laien, Nahrungschemiker und Drot- feinschmecker längst einer Meinung. Eine Steigerung des deutschen Roggenverbrauches läßt sich aber auch dadurch erreichen, daß deutscher Roggen in gebranntem_ Zustand verwendet wird. Das Geld, das für den aus Korn hergestellten Kaffee aufgewandt wird, bleibt im Lande, kommt unserer heimischen Landwirtschaft zugute, erhöht den Roggenkonsum und entfaltet, was unter den heutigen gesamtwirtschaftlichen Verhältnissen ebenfalls nicht übersehen werden darf, den einzelnen Privathaushalt ganz wesentlich. Die gesundheitlichen Vorteile eines solchen Kasfees sind von ärztlichen Autoritäten ebenso sestgestellt und bewiesen, wie die des reinen und wohlschmeckenden Roggenbrotes. Jedes Pfund Mehrverbrauch an deutschen land- wirtschastlichen Produkten und insbesondere an deutschem Roggen, ist Dienst am Volk, ist Dienst an der Nation. K. A. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 15. Mai 1930. Krauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See. Im Anzeigenteil unseres heutigen^ Blattes kündigt die Ortsgruppe Gießen des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See die Wohltätigkeits-Festspiele „DieKo- n i g s k i n d e r" am kommenden Sonntagnachmittag und -abend in der Dolkshalle an. Die Rollen der jugendlichen Darsteller in dem romantischen Märchenschauspiel werden von 100 Mädchen und Knaben unserer Gießener Schulen dargestellt und liegen — wie man uns mitteilt — in geschickten Händen. In anmutigen Versen geschrieben enthält jeder Akt zündende Szenen, in denen es funkelt und strahlt, singt und Hingt. Die farbenprächtige Kostümausstattung. Dekorationen und Deleuchtungsesfekte heben das Ganze in die Sphäre einer Kinder-Revue. Das von Pohl-Prandl verfaßte romantisch-komische Mär- schenschauspiel bringt 6 Aufzüge mit Gelang und Tanz. Die Bühnenbilder zeigen u. a. die wildromantische Gegend am Feensee. idyllische Winkel im Walde, die zwischen grotesken Felsenpartien eingeschlossene Burg des böien Geistes, des ilnijolb Geron, ein Märchenreich, wie es sich Idie Phantasie von jung und alt nicht besser ausmälen kann. Man erfährt die Geschichte von Prinzessin Vergißmeinnicht. die schon als Kind mit des Rachbarkönigssohn verlobt wird, um zwei Königreiche zu einem zu vereinen. Den bösen Hnhold Geron gelüstet es aber nach diesem Königreich und so verbannt er die Prinzessin in sein Zauberschloß. Den Prinzen Edel- bert will er morden, doch wird dieser durch den Berggeist, der sein Pate ist, gerettet. Ein Zwerg bringt ihn dem Dauern Veit, der ihn als Sohn erzieht. Doch des Dauern zweite Frau, eine böse Stiefmutter, jagt Cdelbert schließlich aus dem Haus, und nun nimmt sich der Amtmann seiner an. Er erfährt die Geschichte der Prinzessin und beschließt, sie zu befreien. Einmal im Jahr, um die Mitternachtsstunde, darf die Prinzessin ins Freie und wenn sie 15 Jahre alt ist, sich einen Freier wählen. Da nun gerade dieser Tag ist, trifft sie im Walde mit dem Prinzen zusammen, gibt ihm einen Ring, der den rechten Weg weist, ein Fläschchen mit einer stärkenden Flüssigkeit, eine Schärpe, die unsichtbar machen kann und ein Schwert. Mit Hilfe dieser Zaubermittel bezwingt der mutige Prinz alle Ungetüme und schließlich auch den bösen Un- hold Geron selbst, bringt mittels eines goldenen Schlüssels in das Zauberschloß, befreit die Prinzessin und feiert fröhliche Hochzeit mit ihr. Wie die kleinen Darsteller alle diese Gestalten auf die Dühne bringen, ist außerordentlich interessant. Direktor Kappenmacher hat mit diesem schon über 206>3mal aufgeführten Märchen in allen großen Städten die größten Erfolge erzielt. Der Besuch der Veranstaltung kann auch in unserer Stadt bestens empfohlen toerben. Vornotizen. — Der Gleiberg-Verein hält am nächsten Samstagnachmittag seine Generalversammlung^ auf der Burg Gleiberg ab. Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wirb zu dieser Sitzung eingeladen. Näheres in der Anzeige. L. U. Hniversitäts-Gottesdienst. Am Sonntag, 18. Mai, vormittags 111 * Uhr, findet in der Reuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Cordier. •• 8 0. Geburtstag einer Gießener Wohltäterin. Am 18.Mai vollendet Frau Sophie Zöppritz, geb. Wlll, ihr 80. Lebensjahr. Sie wurde in Gießen geboren als Tochter des Hniversitätsprofessors Dr. Heinrich Will und feiner Ehefräu Karoline Luise, geb. Balser. Pros. Will, aus Weinheim an der Bergstraße stammend, war, als Liebig im Jahre 1852 nach München berufen worden war. dessen Nachsolgcr auf dem Gießener Lehrstuhl der Ehcmie geworden. Seine Gattin war die Tochter deS Geheimen Medizinairats Dr. Balser, der hier Professor der Augenheilkunde war Rach ihm ist die jetzt noch bestehende Balser-Stiftung benannt. Diese Anstalt geht auf die Stiftung der einst zu Darmstadt lebenden Gräfin Görlitz zurück, die von Balser wegen eines Augenleidens erfolgreich behandelt worden war und ihm aus Dankbarkeit eine große Zuwendung machte. Die nun Achtzigjährige verheiratete sich im Jahre 1870 mit dem Professor der Geographie Dr. Karl Zöppritz, der später an die Universität Königsberg berufen wurde. Rach dem frühen Tode ihres Ehegatten ging 5rau Zöppritz wieder in die hessische Heimat zurück, wo sie sich der Erziehung ihrer SCinbcr widmete, lieber den Kreis ihrer Familie hinaus hat sie sich auf dem Gebiete der Liebestätigkeit eine erfprießliche Wirksamkeit geschaffen. Seit vielen Jahren betätigt sie sich als Vorsitzende des Frauenvereins der Lukasgemcinde. auch als Vorstandsmitglied des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege. Frau Zöppritz hat sich besonders die Pflege der Armen, Alleinstehenden und Kinder angelegen sein lassen. Mit wahrhaft mütterlichem Herzen sorgt sie für die, die Hilfe und Anlehnung nötig haben, sie geht zu ihnen in die Häuser und sördert sie durch Rat und Tat. Alljährlich werden unter ihrer Leitung die Armen der Lukasgemeinde beschenkt und in jeder Woche Kinder zum Handarbeitsunterricht versammelt. Im Kreise ihrer Kinder, Enkelkinder und Hrenkelkindcr wird die körperlich und geistig in gleicher Weise Rüstige ihren 80. Geburtstag feiern. •* Der Bund „Haus und Schule" veranstaltete, wie man uns berichtet, am Montagabend im Iohannessaal einen sehr gut besuchten Familienabend, der diesmal ein künstlerisches Gepräge trug. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die von Frau Mendelssohn-Bartholdy meisterhaft vorgetragene Novelle „Die alle Miene" von Auguste Supper, die auf die Anwesenden tiefen Eindruck machte. Fräulein Stammler erfreute die Zuhörer durch vier Lieder: „Auf dem See" und „So willst du des Armen" von Brahms, und „Stille Tränen" und „Der Sandmann" von Schumann, die von Herrn Linden st ruth feinsinnig begleitet wurden. Schülerinnen von Frl. Stammler brachten da- Terzett „Heimkehr" von Weber und den mehrstimmigen Chor „Du bist die Ruh'" von Schubert recht wirkungsvoll zu Gehör. Herr OI I f spielte eine Phantasie über ungarische Volkslieder mit bewundernswerter Technik, und die Herren Günther und Weber trugen vierhändig ein Larghetto aus der zweiten Sinfonie von L. v. Beethoven mit seinem Verständnis vor. Der Klein-Lindener Posaunenchor bewies sein Können durch das Spielen von 'drei Liedern. Alles in allem verdient der Abend eine besondere Note. Für den Juni ist ein Ausflug in die nähere Umgebung Gießens geplant, auf den schon jetzt hingewiesen sei. •• Gewerkschaftsbund der Angestell ten lGdA), Ortsgruppe Gießen. Heber „Die Bedeutung und Organisation der Berufsberatung" sprach am vergangenen Samstag der Leiter der Gießener Derussberatungsstette, Dr. Rottenbacher, im Rahmen einer Mo- natsversammlung des GdA Die sehr interessanten Aussührungen zeigten deutlich, daß der einzelne heute nicht mehr in der Lage ist, ohne sachkundige Beratung einen Berus zu erwählen. Die fortschreitende Arbeitsteilung hat es bei 218 Derufsarten zu 14 000 einzelnen Berufen gebracht, über die ein einzelner sich kaum noch umfassende Vorstellungen machen kann. Schule, Arbeitsamt, Arzt und Psychotechniker müssen Zusammenwirken, um die Eignung des Jugendlichen herauszuschälen, die sich in erster Linie nach dessen Neigung zu richten hat. Bei der dauernden Umschichtung im Wirtschaftsleben läßt sich für einen Berus nur noch bedingt eine Zukunft voraussehen. Hm so mehr sei die „Neigung" zum Beruf zu werten, und man könne nur sagen, daß ein tüchtiger, vorwärtsstreb^der junger Mensch sich aus die Dauer im E^^bs- leben wird behaupten können. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 6. Mai. Aus dc» Margarelcnhütte war ein u. a. schon wegen Bedrohung uorbcflrailer Händler mit erhobenem Revolver einem Arbeiter mit den Worten nachgelaufen: „Ich schieß dich tot". Er erhielt wegen Bedrohung und Vergehens gegen das Schußwaffengesetz 10 Tage ©efänejnis. — Wegen ruhestörenden Lärms wurde in 3 Fällen verhandelt. In dem einen Falle erfolgte Freisprechung wegen mangelnden Beweises, in den beiden anderen Verurteilung zu je 6 Mark Strafe. Das Gericht war der Ansicht, daß auch im Rahmen einer erregten Unterhaltung auf der Straße, wenn diese allzulaut geführt wird, ruhestörender Lärm zu erblicken und einer Feststellung des Bewußtseins des Täters, daß durch den Lärm das Publikum ungebührlich belästigt wurde, nicht erforderlich sei. — Durch verschiedene Vorgänge in dem Hause einer engen Gasse der Stadt sah sich die Polizei veranlaßt, mehrfach bei den Bewohnern des Hauses zwecks Anstellung von Ermitttungen oorzusprechen. Ein Bewohner des Hauses war der Ansicht, der diensttuende Beamte habe hierbei pflichtwidrig, insbesondere parteiisch gehandelt, und die Parteiischkeit sei darauf zurückzuführen, daß der Beamte mit einem im Hause wohnenden Mädchen gehe, mindestens sei er unter verdächtigen Umtzänden mit diesem allein im Hausgang in der Dunkelheit gesehen worden. Der Angeklagte schrieb alsbald in diesem oinne einen Brief an die Polizei. Infolge von Mitteilungen, die ihm in bestimmter Weise von Hausbewohnern zugegangen seien, will er die lieber- zeugung von der Wahrheit seiner Behauptungen gewonnen haben. Doch befand er sich im Irrtum. Die männliche Person, um die es sich handelte, war eine andere; der Vorfall an sich wahr gewesen Der Polizeibeamte ging völlig schuldlos aus der Verhandlung hervor; die Behauptungen des Angeklagten enchielten eine schwere Beleidigung. Nichtsdestoweniger erfolgte Freisprechung von der Anklage der Beamtenbeleidigung. Es wurde Wahrung berechtigter Interessen angenommen. Eine Absicht der Beleidigung konnte aus dem Bries nicht ohne weiteres entnommen werden, der Angeklagte konnte I nach Lage der Verhältnisse recht wohl von der Wahr- • heil seines Vorbringens überzeugt sein, , w ■ ff < '1 i AN $,4; • .->j •■ Wirtschaft. Genoffenschaflsiagung in Gießen 3m Saale des Gasthofs F a u l st i ch Hierselbst sand am Sonntagnachmittag eine Genossen- schaststagung statt, die von etwa 200 Ge- nossenschastsvertretern aus Oberhessen und dem Kreise Wetzlar besucht war. Namens der Der- bandsleitung eröffnete Hauptgeschästssührer B e ck (Frankfurt a. M.) die Versammlung, die sich mit dem Abschluß der Rationalisierung im Bezirk und im besonderen mit der Genossenschaftsbank Raiffeisen in Frankfurt a. M. zu befassen habe. Lehrer Gerhards (Groh-Rechtenbach) erstattete Bericht über die jüngsten Rationalisie- rungsverhandlungerr, die enormen Schwierigkeiten. die angcwendeten Methoden und das ergebnislose Resultat. Die von Oberhessen und Wetzlar ausgegangene Sonderaktion habe die Genossenschaften selbst auf den Plan -gerufen. Sie hätten nun die Gründung der neuen Bank beschlossen und dadurch nach dreivierteljährigem heißen Bemühen die Rationalisierungsbestrebungen zum Abschluß gebracht Die Bankgründung sei zwar das alleinige materielle Ergebnis, doch bedeutend höher einzuschähen seien die ethischen Erfolge. Der Verband Frankfurt a. M. stehe wieder innerlich und äußerlich gesund und gekräftigt da. Bankdirektor 3olk (Frankfurta.M.) referierte über die Notwendigkeit der Bankgründung, über die Satzungen, die Höhe der Geschäftsanteile und Haftsummen, die Risiken der Genossenschaften, sowie über die Zusammensetzung der Organe (Dorstand und Aufsichtsrat). Es stehe außer allem Zweifel, daß die Genossenschaftsbank Raiffeisen die beste Lösung für die Verworrenheit der genossenschaftlichen Fusionierung darstelle; sie verspreche ein aussichtsreiches Institut für eine gesunde genossenschaftliche Geldwirtschaft zu werden. Anderseits sei sie kein Hinderungsgrund für die endgültige Rationalisierung im Rhein-Maingebiet, der Wiesbadener Organisation stehe nach wie vor die Derbin- dungstüre offen Derbandsrat Reitz (Hochelheim) kritisierte scharf die störenden Elemente der Rationalisierung. Aus der Geschichte des letzten Jahres hätten die Genossenschaften viel gelernt, oie seien mündig geworden. Eine Zwangsehe hätten die Genossenschaften abgelehnt: an ihre Stelle müsse eine genossenschaftliche Der- nunfts- und Liebesehe kommen. Dekan Vogel (Bruchenbrücken) fand abschließend warme Worte für das Wiedererwachen der genossenschaftlichen Freiheit, des echten Raiffeisentums, das wie das Christentum wieder einmal in einer Zeit der Not eine Feuerprobe bestanden habe. Die anschließende lebhafte Aussprache ließ erkennen, daß die Genossenschaften einmütig die Haltung ihrer Organe billigen und daß sie ausnahmslos ihren Beitritt zu der neuen Genossenschaftsbank zu vollziehen gedenken. Derbandssekretär Beck dankte in seinem Schlußworte den Genossenschafts- Vertretern für den schönen Verlauf der Tagung, die nach jeder Richtung den Charakter einer machtvollen Kundgebung für dcn Wiederaufbau des Genossenschastswesens habe erkennen lassen. • * Gebr. Stol l we r ck A. - G. Köln. Wie WTD.-Handelsdienst von zuständiger Seite erfährt, ist es zutreffend, daß die Schichtgruppe an die Gebr. Stollwerck A.°G. zwecks Lleber- nahme der Reichardtwerke herangetreten ist. Sollten die zur Zeit schwebenden Verhandlun- gen zu einem Ergebnis führen, so würde dadurch aus keinen Fall die Selbständigkeit der Gebr. Stollwerck berührt werden. Vielmehr wird die Führung bei den Gebr. Stollwerck 21.-0. verbleiben. * Th. Goldschmidt A. - G., Essen. 3n der gestrigen Aussichtsratssitzung wurde die Bilanz für 1929, die mit einem Reingewinn von 194 755 Mk. abschlieht, genehmigt und beschlossen, die Ausschüttung einer Dividende von wieder 5 Prozent aus die Stammaktien vorzuschlagen. A. G. Koertings Elektrizitätswerke, Berlin. Der Aufsichtsrat schlägt der auf den 3.3uni. einzuberufenden GV. für 1929 aus einem rund 25 000 Mk. verringerten Reingewinn (i. V. 204 075 Mk.) die Verteilung einer Dividende von 7 Prozent gegen 8 Prozent im Vorjahre vor. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des ..Gießener Anzeigers". Frankfurt a M., 15. Mai. Tendenz: ge- fchcftslos. — 3m heutigen Dormittagsverkehr war die Stimmung z u v e rs i ch t l i ch, da die Hoffnung auf eine baldige Diskontermäßigung der Reichsbank anregte. Die schon etwas höheren Kurse der gestrigen Abendbörse wurden Gelt) genannt. Zu Beginn des offiziellen Marktes machte sich aber trotzdem wieder eine stärkere Zurückhaltung geltend, was in der Hauptsache auf die anhaltende O r d e r l o s i g ke i t zurückzuführen war. Aber auch die bevorstehende Auflegung der Voung-Anleihe in den einzelnen Staaten wurde als Grund zu einer Geschäftshemmung empfunden. Die wieder etwas gebesserte Tendenz der gestrigen Neuyorker Börse blieb auf der anderen Seite ohne Einfluß. Gegenüber der gestrigen Abendbörse waren die Erstkurse zumeist etwas niedriger. Nur einige Spezialwerte hatten bei kleinen Kursbesserungen etwas Geschäft. So konnten sich am Chemiemarkt Solzverkohlung mit plus 1,5 v.H. etwas in den ordergrund stellen, während 3.-G.°Farben leicht erholt waren. Die Elektrowerte lagen durchweg bis zu 1 v. H. niedriger. Nur Siemens waren gut gehalten. Etwas Interesse bestand weiter für Bemberg, die 2 v. H. gewannen. Auch für Bau- Unternehmungen machte sich etwas Nachfrage bemerkbar, bei Erhöhungen bis zu 1 v. H. Montanwerke waren vernachlässigt. Nur Phönix waren etwas gebessert und leicht erhöht. In der Hoffnung, daß die restlichen Freigaben bald erfolgen dürften, lagen Schiffahrtswerte weiter leicht gebessert. Banken zumeist bis zu 1 v. H. niedriger. Am Rentenmarkt waren Schutzgebiete bevorzugt und leicht erhöht. Don Ausländern waren Dagdadbahn etwas gebessert. 3m Verlaufe wurde die Tendenz etwas freundlicher: auf Deckungen der Kulisse wurden die Anfangsverluste zumeist wieder ausgeglichen. Montanwerte, Farben und Schiffahrtsaktien fanden mehr Beachtung. Fest und gesucht waren 3.-G.-Chemie (Basel), 50-V.-H. mit 209 Geld. Am Geldmarkt war Tagesgeld im Zusammenhang mit dem Medio 4,5 v. H. Am Devisenmarkt lag das Pfund international etwas fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,19025; gegen Pfund 20,3660; London gegen Kabel 4,8604; gegen Paris 123,87; gegen Mailand 92,69; gegen Madrid 39,80; gegen Schweiz 25,1275; gegen Holland 12,0860. Berliner Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 15. Mai. Die Enttäuschung darüber, daß die Reichsbank entgegen den Erwartungen der gestrigen Abendbörse den Zentralausschuß noch nicht einberufen bat, und die unverändert anhaltende Orderlosigkeit bewirkten, daß die ersten Notierungen der heutigen Börse meist kleine Abschwächungen aufwiesen. Die Tendenz mußte im allgemeinen als geschäftslos bezeichnet werden; es gab kaum einen Markt, der durch etwas lebhaftere Umsatztätigkeit auffiel. Man besprach die Schwierigkeiten, die sich anscheinend noch wegen der Reparationsanleihe im Auslande ergeben, verwies auf den immer noch ziemlich ungünstigen Masckinen- baubericht für April, beschäftigte sich weiter mit den Freigabezahlungen, und wurde durch eine „B. Z."- Meldung veranlaßt, sich mit der Zukunft der Neu- besitzanleihe zu beschäftigen. Die Abweichungen waren gegenüber dem gestrigen Schluß im allgemeinen minimal. Hotelbetrieb lagen auf die 2prozentige Dioidendereduktion 2,5 v. S). schwächer. Auch Rheinische Braunkohlen fielen mit einem Zprozentigen Verlust auf. Anderseits gewannen Aku 2,25 v. H., und Chemisch« Heyden, als Freigabepapier, nachdem sie mit Plus-Plus-Zeichen angezeichnet waren, 5,25 v. H. Deutsche Anleihen bröckelten leicht ab. Ausländer zeigten nur geringfügige Veränderungen. Mazedonier konnten sich nach der gestrigen Abschwächung wieder etwas erholen. Der Pfandbriefmarkt mar sehr ruhig. Der Geldmarkt war unver- ändert leicht. Tagesgeld 2,5 bis 5 o. H.; Monatsgeld 5 bis 6 v. H.; Warenwechsel 4,40 v. H. Auch im Verlaufe neigte die Tendenz zunächst eher weiter zur Schwäche. Später wurden aber die unbedeutenden Verluste, die eingetreten waren, wieder ausgeglichen, da von der festen Haltung der Spritwerte eine Anregung ausging, lieber die Gründe dieser Bewegung schwirren allerlei Gerüchte umher, für die aber bisher noch keine Bestätigung zu erlangen war. Sicher ist nur, daß die Käufe, besonders in Ost werke, von Firmen ausgeführt wurden, die nach dem Getreidemarkt hinüber orientiert sind. Die Außenhandelsbilanz per April 1930, die einen Ausfuhrüberschuß von 88,5 Millionen aufzuweisen hat, fand keine stärker« Beachtung. Der Geschäftsbericht der Mannesmannwerke brachte dem Montanmarkt eine gewisse Anregung. Auch für Aku erhielt sich, angeblich auf Amsterdamer Käufe, Interesse, und der Kurs konnte um weitere 1,75 v. H anziehen. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. Frankfurt a. M., 15. Mai. Auftrieb: 127 Stück Rinder, 1103 Kälber, öO Schafe und 876 Schweine. Kälber: beste Mast, und Saugkälber 82 bis 86, mittlere Mast- und Saugkälber 76 bis 81, geringe Kälber 70 bis 75 Mark. — Marktverlauf. Kälber rege, ausverkauft. Schweine ruhig, ausverkauft. Schweine wurden heute von der Marktkommission ebenfalls nicht notiert. Giadtvorstand in Alsfeld. fe* Alsfeld, 14. Mai. In der am gestrigen Dienstag abgehaltenen Stadtvar stau dsftt- z u n g befaßte man sich zunächst mit der Wasserzuführung für das städtische Schwimm- b a d. Dieses wurde seither mit dem Wasser aus dem vorgelagerten Erlenteich gespeist. Da dieses Wasser besonders im Sommer eine starke Trübung aufweift, wurde zwecks Herbeiführung einer besseren Wasserzuführung beschlossen, eine besondere Zuleitung aus dem Mühlgraben nach dem städtischen Schwimmbad zu legen. Die Ausführung der Arbeiten wurde der Firma August und Heinrich Röß- ner in Alsfeld übertragen. Der erforderliche Kredit wurde bewilligt. Mit der Ausführung der Arbeiten soll alsbald begonnen werden, so daß mit dem Beginn der Badezeit die neue Leitung in Betrieb gesetzt werden kann. Nach den in letzter Zeit wiederholt gemachten Erfahrungen hat es sich als notwendig erwiesen, bestimmte Grün d s ä tze für den Verkauf von städtischem Gelände zu Bauzwecken aufzustellen, da es wiederholt vorgekommen ist, daß die Bauherren die Bauarbeiten durch auswärtige Unternehmer ausführen ließen. Es wurde beschlossen, daß künftig bei Verkauf von städtischem Gelände zu Bauzwecken den Käufern di« Bedingung auferlegt wird, daß sie bei Erstellung des Baues ausschließlich Alsfelder Bauhandwerkerund Arbeiter zu beschäftigen haben, soweit diese vorhanden sind. Ebenso hat sich di« Notwendigkeit herausgestellt, zur Aufstellung von Richtlinien für die Vergebung von städtischen Arveiten. Hierzu wurde beschlossen, daß künftig bei Vergebung von städtischen Arbeiten der allgemeine Grundsatz aufgestellt wird, daß solche Firmen und Unternehmer bei Ausführung der zu vergebenden Arbeiten vorzugsweise berücksichtigt werden sollen, welche Alsfelder Arbeiter beschäftigen. Wie der Vorsitzende hierzu bemerkte, zwingt die große Zahl der gegenwärtig noch vorhandenen Arbeitslosen, die kaum einen Rückgang aufweist, die Stadtverwaltung zu diesen Maßnahmen. Die stets zunehmende Zahl der ausgesteuerten Arbeitslosen werde bis zum kommenden Herbst bei der trostlosen Wirtschaftslage zu einer schweren finanziellen Belastung für die Städte süh- ren. Er habe kürzlich in einer Versammlung der hiesigen Arbeitgeber diese auf die bevorstehende schwierige Lage besonders hingewiesen. Die von dem Stadtbauamt oorgeschlagene Regelung der Vergebung des P f l a st e r st e i n - materials für das Rj. 1930 wurde nochmals an die Baukommission zurückverwiesen, da gewünscht wurde, daß die Vergebung möglichst an die im Kreise Alsfeld vorhandenen Basaltwerk« erfolgen soll. Es lag sodann ein Antrag der Ortsgruppe Alsfeld des Deutschnationalen Handlungsgehilsenverbandes wegen Ausbau der kaufmännischen Berufsschule in Alsfeld vor. Der Antrag geht da- hin, die Pflichtftundenzahl an der hiesigen kaufmännischen Fortbildungsschule von sechs auf acht Stunden in der Woche zu erhöhen, den Lehrplan den neuzeitlichen Ansprüchen des Kaufmannsberufes entsprechend auszugestalten und ^ls^Pflichtfächer Wirtschaftsgeographie und Maschinenschreiben einzuführen, ferner für die wirksame Erteilung des Unterrichts eine ausreichende Zahl hauptamtlicher Lehrkräfte anzustellen, sowie durch eine Satzungsänderung auch Arbeitnehmer der Organisation in den gewerblichen Fortbildungsschulvorstand zu berufen. Entsprechend dem Vorschlag der Finanzkommission wurde beschlossen: bevor zu diesen weitgehenden Anträgen Stellung genommen wird, sollen die beteiligten Organisationen, der Kaufmännische Verein, die Einzelhandelsoereinigung und dis Bankenvereinigung gehört werden. Zur Erhebung der Filialsteuer wurde beschlossen, daß die Veranlagung der Filialsteuer für das Rj. 1929 auf Grund der von den betreffenden Gewerbetreibenden zu zahlenden endgültigen Gewerbesteuer für 1929 erfolgen soll. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Wirsing 35 bis 40, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 15, Spargel 45 bis 110, Erbsen 70 bis 75, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln 4,5 bis 5, Nepsel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 50 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Ps. das Pfund; Käse (zehn Stück) 60 bis 140 Pfennig: Tauben 70 bis 80, Eier 10, Blumenkohl 50 bis 100; Salat 10 bis 20, Salatgurken 60 bis 80, Ober-Kohlrabi 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 25 bis 30, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner. Kirnbergers Etatrede im HessischenLandiag (Letzte Meldung.) Darmstadt, 15. Mai. (MTV.) Der hessische Landtag ist heute in die Etatsberatung eingetreten, die mit einer großen Rede des Finanzministers Kirnberger eingeleitet wurde. Der Minister betonte zunächst, daß, nachdem durch den Zoungplan und die neue Reichsfinanzgesehgebung eine endgültige Klärung der Reichsfinanzen in die Mege geleitet und damit die Grundlage für den endgültigen Finanzausgleich geschaffen fei, nachdem die Befreiung des besetzten Gebietes in greifbare Nähe gerückt, und nachdem endlich das Gutachten des R e i ch s f p a r k o m m i f f a r s abgeschlossen vorliege, gewiss« Voraussetzungen gegeben seien, für die gebieterische Forderung, daß die Fehlbeträge aus dem hessischen Voranschlag verschwinden. Den Staatsvoranschlag für 1930 bezeichnet er als einen Voranschlag des Uebergangs. Er schließe noch mit einem Fehlbetrag von 6,9 Millionen Mark ab. Wenn aber aus dem beschrittenen Wege weitergegangen wird, werde wohl bald ein ausgeglichener haushalt vorgelegt werden können. Der hessische verwattungsapparat sei keineswegs aufgebläht. Auch das Gutachten des Relchssparkommissars erkenne ausdrücklich an, daß die Organisation der hessischen Staatsverwaltung im ganzen einfach, sachgemäß und billig sei im vergleich mit vielen anderen Staaten. Eine Kürzung der Beamtengehälter in Hessen allein könne die Regierung nicht vornehmen. Ebensowenig seien für die Dauer Sparmaßnahmen zu vertreten, die das Wirtschaftsleben empfindlich treffen. Trotz der Ersparnisnachnahmen bei den Schulen, deren vorbildliche Einrichtung der Stolz Hessens gewesen sei, werde hesj^n auch weiterhin mit an der Spitze der Länder marschieren. Wenn in dem Voranschlag 1930 der in 1929 erwartete Befrag an Einnahmen wiederum eingesetzt wurde, so sei das gerechtfertigt, weil ein etwaiger Ausfall gedeckt wurde durch den Anteil an den jetzt erschlossenen neuen Reichssteuern. Ob Hessen künftig ohne stärkere Heranziehung der ihm verbliebenen Steuerquellen auskommt, werde von der Gestaltung des Finanzausgleichs abhängen, von ganz befonberer Wichtigkeit werde künftig d i e Frage des inneren Finanzausgleichs fein. Zum Schluß erklärte der Minister, man hat unsere Finanzlage in Verbindung gebracht mit der Kleinheit des Landes und geglaubt, unserem Lande d i e Lebensfähigkeit absprechen zu müssen. Das ist auf keinen Fall richtig, h e f f e n i ft wirtschaftlich gesund und wird die augenblickliche finanzielle Rot überwinden. Die Frage der Neugliederung des Reiches und des zukünftigen Schicksals unseres Landes dürften nicht in Zusammenhang gebracht werden mit unseren finanziellen Verhältnissen. Wenn in Hessen jemand wirklich glauben sollte, daß die politische Selbständigkeit des Landes im Interesse des Reiches aufgegeben werden müsse, so mühte er wünschen, daß dies aus innerer Freiheit geschehe, nicht aber, weil dem Lande finanziell der Atem ausgehe. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren ang-'sührten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o. H.. Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt a. M. I Berlin Schluß«! lurs 1 t-ichr« Kure Schluß« lurs . Ansana« Kurs Datum 14 5 15 5 14 5 15 5 6% Deutsche Retchsanteihe von 1927 7% Deutsche gietchSanIeihe 87 - 86,9 - von 1929 Deutsche Änl.-Ablöt.-Sckulb mit 102,75 - 102,75 — Auslos.-Rechten 59 — 58,9 58,75 Dergl ohne Auslvi.-Rechte 8% Hess. Bolksslaai von 1929 11,75 — 11 75 11,5 (rüdiablb 102%) Oberhessen Provinz - Anleihe mit 94,4 — 94 — Ausloi.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. 55,5 — - - Anleihe Serie ) 8% Franks Hyp.-Bonk Goldpse. 57,1 — 57,1 — XIII unkündbar blfl 193-1 7% Franks byp.-Bank Aoldpfe 100 — - unkündbar bi« 1932 *¥i% Rheinische Hnv.-Bank 94 — - Miau, tifolbpfe. 8% Pr Lan bespfcm dbriesan sicht. 86 — Pfandbriefe R 17 8% Pr Lanvesvsimvbriesonstalt, 101 - 101 - Komm.-Obl. R i« 1% Pr LanbeevIanbbriesanstaU, 965 - 96,5 — Pfanbbrtele R 10 AEG abg Bortriegs-Obligatto- 94,5 - 94,5 - nen. rückzahlbar 1932 96 - - 4% Oelterreichische Golvren» 26.96 26,9 4,13 4,20% Oeslerreichtsche Silberrente 4% Oelterreichische Einheitliche 4 — 4,13 Rente 2,35 4% Ungarische Golbrente 2379 2] 23,9 4% Ungarische Staorsrente 0.1910 20,75 _ 4Vi% vesgl von 1913 22 2,4 6.7 4% Ungarische Krvnenrenle 2,4 2,4 4% Türkische Hollanleihe von 1911 4% Türktich, Bagdadbabn-Ant 6,55 — 6,5 Serie 1 — — 6,6 4% desgl Serie 11 6% Rumänisch» vereinb Rente ,55 6,6 6,6 — von 1903 t¥i% Rumäniich» vereinb Rente 9,7 — 9,8 — von 1913 16,9 — 17 IX Rumäniich« oetetab. Statt» 8,05 — 8,1 — Zranksurt a. TR. Berlin Echiuß- fur« i'Uhr« Änre Schluß« lurs Anfang» Kurs Datum 14 5 15 5 14 5 15. 5 Homburg-Amerika Paket 7 116,5 116 116 25 Hamburg-Südam. Dampflchist 8 - 176 Hansa Tampffchiff 10 — —- 161 5 — Norddeutscher Lloyd 8 116,5 116,5 116,13 116,5 Allgemeine DeutscheEredttanst. 10 115.75 — 116 116 Barmer Bankverein 10 126,5 — 126,65 126,75 Berliner Hanvelsgesellschast 12 — — 177 75 Commerz- und Privat-Bank II 152,75 152,5 152.75 152,75 Darmstädter und Notionalbank 12 231 25 — 230,75 230,25 Deutsche Bonk und TiSconto-GeseUichaft, . . 10 142 141,25 142,13 143 141,75 Dresdner Bank ..... 10 143,25 143 143 MeichSbank , ..... 12 301 301,5 300 A.E.G.......... 8 171,25 171 171,13 171,5 Bergmann ...... 9 — 185,4 185,25 Elektr LteserungSgesellickiast 10 —- 157 158 Licht und Kraft 10 167,5 166,5 166 — (Veiten & Guilleaume w, 124,5 — 124,75 124,4 Gesellschasi für Elektrische Unternehmungen 10 168,25 167,25 168,25 166,5 Hamburger ElektrizttätS-Werkr 10 — — 138,75 Rhemische Elektrizität . . 9 147 — 147 145,25 Schlesische Elektrizität. . . . 10 — 164 164 Schuckerl & Go. .... 11 191 — 191,25 Siemen« & Halske ..... 16 244 244 243.13 243 Transradto . ...... . ft — 130,5 Lohmener & Go...... . 10 170,5 - 169,25 171 Buderus . . . . . . 0 _ — 70,25 _ Deutsche Erdöl ...... . 6 102,5 — 102,25 101 Etlener Steinkohle . • • • • . 8 — — 142,25 — 8 140,5 139,5 140,25 139,25 Harvener ...... 0 126,9 — 127,5 126,5 Hoesch Eisen . ...... 6 V, — — 108 75 108.13 hise Bergbau ...... 10 — — 216.5 *- Klücknerwecle ...... . 7 102 — 101,75 101,4 Köln-Neuessen ... . 7 — 106 106 Niannesmann-Mdhreo . . . . 7 106 106 106 106 4 Manstelder Bergbau . . . 7 78,75 77 Oberschles Eisenbevars • • . 6 — — — vberschles Kokswecke . . . . 7 — - 109,75 HO Phoniz Bergbau . . . 6 V, 9,5 100 99,5 Rheinische Braunkohle» . . 10 230 230 227 Rheinstahl ..... . fi 120 119,25 119,75 118,75 Rtebeü MoaUw ...... 7,2 — Frankfurt a. M Berlin Schluß» lurs l«Uhr« Kure Schluß« lur» Anfang- KurS Datum 14 5 15 5 14 5 15 5 Bereinigte Stahlwerke ?7] — 97 96,75 Otavi Minen 16-/- 53 — 53 52,25 Kaliwerke Aschersleben . 10 222 — 223 — Kaliwerke Westeregeln e . 10 226 — 226 225 Kaliwerke SoUdetsurtb • . 15 396 — 396,5 395 X ® Farben 21,095 21,955 ' 21,995 20,341 20 381 20,343 20,383 Neupork . . 4,186 4,194 4 186 4,194 Paris.... 16,415 16,445 81.10 16,42 16.42 Schweiz . . 80,94 80,96 81,12 Spanien ■ 51,16 51,26 51,09 51,19 Japan 2,068 0.497 2,072 2,068 2.072 Mio de Jan. Wien in D-» 0,499 0,497 0,499 Ceft. abgelt. 59,02 59,14 59,025 59,145 Prag . . . 12,403 12,423 12,404 12 424 Bclirad 7,393 7,407 7,391 7,404 Budapest. . 73,13 73,27 73,14 73,28 Hul arieu 3,035 3,041 3,035 3,041 Lissabon 18,79 18,83 18,80 18,84 Danzig 81,31 81,47 81,32 81,48 Konst.ntitt. 1,785 1,789 1,784 1,788 Athen. 5,435 5,445 5,424 5,434 Canada 4,177 4,185 4,177 4,185 Uru uay . 3,846 3,854 3,846 20,865 3,854 Tairo - . . 20,865 20,905 20,905 onf1 SS; Notrufen äg mW^ Vtrne । M'Ä Iangfnl Biaung Sinn« «*i"S Ls« -21m Lnde des Arbeitssuchende 9776 und gege Arbeitssuchende 3m Mitteln der w 2161 des Ml Personen und o; M ArbeitgeK Mungseinpfänl 2ln der Ges' gleich 100 Pro- Prozentsatz füge eignen Cßetufi Landwirtschaft Bergbau Industrie der 6t« Metallindustrie Chemische W Spinnstosstzewer Papierindustrie Lederindustrie Holzgewerbe Nahrungsmittel Bekleiöungsgew Eesundheits. ur Baugewerbe KrmWigung- Gastgewerbe Theater und Mu Easwirtschastsge Berkehr-gewerbe Häusliche Dienste Lohnarbeit Mchs Maschinisten Kaufmännische A BureauangestG Techniker' freie Berufe Aus den einzei berichten: .Je Lage im u>chl verändert Einiger Zeit ein stellen will. E- 224 Arbeitssni! gezählt. 1 Die Frühsah fah zum vorig Jahre fast gän kräste, insbeso Der Abruf do richtszeit gerir allgemeinen sä gebot heimisch« >m früheren 3 M 3dt nur bi Mde Kuüurarl beitssuchenden b ichres. ZI % u» tot Industrie der Steine und Erden. die jahres. Holzgewerbe. jahres. Bekleidungsgewerbe. stillegen. Baugewerbe. berichten: Landwirtschaft. jahres. Bergbau. 1 Pfundpaket 55 Pfennig. ,5 M Echt Schlange Diimna na LaV/va m Ai n i •< rf <411 TZ" A Pumps, m. beige kombiniert, durch 3 3746 D Gießen, feltersiDeg 91 SCHUH GmbH. Die werbe Ostern Oftem o 5 2 9 Dr. Lahmanns Hausgetränk. Kirche und Schule. Dclanatolonfercnz in töicfccn. X Die Dekanatskonferenz derevan gelischen Geistlichen des Dekanat- Diesten im Markuslaal zu Diesten wurde von Pfarrer Steiner, Haufen, eingeleitet. Unter Leitung von Dekan D u st m a n n , Kirchberg, wurde eine Reihe amtlicher Fragen und behördlicher Verfügungen besprochen. Das Gustav- Ad o l s - F e st des Dekanats soll am 22. Sunt in Steinbach stattfinden, das der Heiden- mission will Watzenborn übernehmen; das DekanatskirchengesangvereinS- fest ist am 25. Mai in ArnSburg. 3m De- kanatSerziehungsverein fehlt es leider am Angebot von Pflegestellen für kleinere Jungen. Abendmahlssonntage sollen zeitig der Vurger- meisterei und dem Kreisanrt mitgeteilt werden, damit sie von Tanzmusiken sreibleiben. Einem Referat von Pfarrer Steiner, Hausen, mit der zeitgemässen Forderung. »Mehr Mensch als Priester!" folgte eine sehr lebhafte Ausfprache. Die Lage im Bergbau hat sich in der Berichtszeit nicht verändert, doch ist in Aussicht gestellt, daß in einiger Zeit eine oberhessische Grube Bergleute ein- stellen will. Es wurden am Ende der Berichtszeit 224 Arbeitssuchende gegenüber 89 des Dorjahres gezählt. _____________ 59,145 2 4? 7,404 3,28 18-8 81-8 1,788 1,434 ||5 112.12 20.387 16,48 168,59 22,08 112.17 59,15 2.48 112,42 81.11 51-2® L8 58,30 111.68 20,301 16,42 167.91 22.00 111,73 SS 2,46 111-98 80,'S 51.00 12. 72-95 r Wer gut und billig kaufen will — nur bei W 1,602 58-5* 112. 112-2* ,9'S 16.4 81,12 51,19 .072 0,499 Beschäftigungskurve im Bekleidungsgeist in der DerichtSzeit gesunken. Die vor angeforderten Arbeitskräfte wurden nach wegen Beendigung der Saison wieder entlassen. Die Schuhfabriken unseres Bezirks haben Kurzarbeit eingeführt. Eine Firma will ihren Betrieb wegen Auftragsmangels gänzlich 1,598 58,« 11I-9. 1’2.02 112-.22. 10 5J 21,955 20-3* 4 ’8° l6-*2 80.96 51,09 ,068 £49’ 59,025 12-40* 1>9 73-1 3,035 18.x iS $ 3n der Industrie der Stein« und Erden ist Lage nahezu unverändert geblieben. Einstellungen von Arbeitskräften standen Entlassungen gegenüber. Ein Teil der Ziegeleien haben wegen Auftragsmangels und Geldknappheit ihre Betriebe noch nicht voll eröffnet. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug Lasche und gebundenes Schleif dien neuestes Modell .12’° 1 13 7 f) 5 5 lÄWg jchaslsleben empfindlich snachnahmen bei den tinridjlung der 5lol) he^n auch iveilerhla er marschieren. 1930 -er In 1929 filmen roicberum (in- fertigt, tveil (in d- durch den tlnleli an leichsslrnnn. Vb f)ü- mzichnnz der chm oct- kommt, werde von der Kelchs abhängen, von it werde küvslig die kinonsausgleichr der Minister, man Hal ndnng gebracht mil dcr rglaubt, unserem Lande absprechen su müll richl'g. Hessen ist , und wird die äugen- und der nid)t In 3« • nif *c« idltn ’J1?* Hifi)« i-'bfl-"- er wun chcn ?***-* ijlel ta «W Keine Erleichierung auf dem oberhessischen Arbeitsmarkt Oer April-Bericht des Arbeitsamts Gießen. Darmstädter Kommunalpolitik. Die Verwaltung für die hekogaverträge. — 1,8 Millionen Fehlbetrag. WSR. Darmstadt, 14. Mai. 3n einer Prefsebefprechung teilte der Oberbürgermeister heute mit, dast er der Stadtratsversammlung die Stellungnahme der Verwaltung zu den Ruhrgasverträgen mit der Hekoga in befürwortendem Sinne zugeleitet habe. Die Städte Worms, Mainz, Diesten und Offenbach würden sich wahrscheinlich ebenfalls f ü r den Abschlust aussprechen. — Der Haushaltsplan der Stadt für 1930 sieht ein Defizit von 1,8 Millionen Mark vor, zu dessen Abdeckung er Vorschlägen wird, entweder eine Erhöhung der Real steuern, gegen die sich aber alle Wirtschaftsverbände energisch ausgesprochen -haben, oder zum andern die Erhebung einer Kopfsteuer von 10 Mk.. die unter Berücksichtigung der nichtzahlungssähigen Erwerbslosen, Klein» und Sozialrentner 400 000 Mk. bringen würde. Degen diese Kopssteuer wehren sich noch die Sozialdemokraten. Evtl, wird an eine Gaspreiserhöhung um 2 Pf. pro Kubikmeter mit einer Einnahme von 240 000 Mk. gedacht. trag der Israelitischen Gemeinde auf Aufhebung der bei der Reueroftnung de» Schlachthofes beschlossenen Schächtgebuhren in Hohe von drei Mark rief eine längere, teils erregte Aussprache hervor, bei der wemger die sachlichen Momente, als politische 'Anschauungen zu Worte kamen. Besonder» zwischen der «PD. und den Demokraten einerseits und den Deutschnationalen anderseits nahm do» Wortgefecht zeitweise einen recht bedrohlichen llha- rakter an. Die Aufhebung der Gebühren wurde dann mit groster Mehrheit des chlasse n. — lieber den Ausgang der nichtöffentlichen Sitzung erfahren wir, dast die Stadtverordneten es vorläufig abgelehnt haben, einen Befchlust über die Verwendung des alten Gymnasial- gebäudes zu fassen, solange nicht feststeht. unter welchen Bedingungen die Regierung den Verkauf oder die Verpachtung vornehmen will. Da» Hotel Zum Herzoglichen Haus" will man zu möglichst günstigen Bedingungen abstohen mit der Bedingung, dast der Käufer entweder einen Aiisbau oornimmt oder einen Neubau errichtet. Ob die Stadt mit diesem Vorhaben bei dem jetzigen baulichen Zustand des Hauses Glück hat, bleibt abzuwarten, wenn auch die Lage des Hauses eine äusterst günstige und sein Ruf als altes vornehmes Haus von früher her ein guter ist. Dabei ist noch zu bemerken, dast das Haus unter Altertumsfchu tz steht, weil in ihm früher Teile des Reichskammergerichts getagt haben. Auch die s ch l c ch t e L a g e d e s A r b e i t s m a r k - t e s macht der Stadt immer neue Schwierigketten. Der Abruf besonders von ungelernten Arbeitern durch Industrie und Gewerbe ist sehr gering, so dast besonders in der Krisenfürsorge die Zahl der der Stadt zufallenden Arbeiter immer groster wird. Seitens der Organisationen wird immer mehr der Ruf erhoben, durch Inangriffnahme g r ö st e r e r R.0 t- st andsar beiten die Lage der in der Krisenfürsorge befindlichen Leute zu bessern. «SÄ fmann ?tbon^5 1*1 der hiriin ' M- e von KM Xm ’9Un9 1 * * *a I |l t u e r mürbe 'R * Si'ioEer J {etreffen- Aus dem Wetzlarer Stadiparlameni. LJ W e tz l a r, 10. Mai. Die jüngste S t a d t v e r - ordnetenfitzung stand unter dem Zeichen einer gewissen Spannung, die sich durch verschiedene Punkte der Tagesordnung, wie Schulfrage, Schächt- gebühren und Erhaltung des städtischen Hotels „Zum Herzoglichen Haus", erklären liest. Die wichtigsten Punkte, wie S ch u l f r a g e und „Herzog- l i ch e s Hau s", wurden jedoch in die nichtöffentliche Sitzung übernommen und damit für die öffentliche Behandlung vorläufig ausgefchaltet. Ein An- Die Frühjahrsbestellung ist beendet. Im Gegensatz zum vorigen Jahre erübrigte sich in diesem Jahre fast gänzlich die Einstellung besonderer Hilfskräfte, insbesondere zum Derlesen der Kartoffeln. Der Abruf von gelernten Kräften war in der Berichtszeit geringer, als im Vormonat. Infolge der allgemeinen schlechten Arbeitsmarktlage ist das Angebot heimischer Arbeitskräfte bedeutend stärker als im früheren Jahre. In der Forstwirtschaft werden zur Zeit nur die allernotwendigsten Kräfte für dringende Kulturarbeiten beschäftigt. Die Zahl der Arbeitssuchenden beträgt 249, gegenüber 139 des Dor- daß Kaffee niemals zum Kochen kommen darf. Grundsätzlich Immer nur überbrühenl So wird auch Seellgs Kornkaffee zubereitet, also wie Bohnenkaffee I „Seeligs kandierter Kornkaffee" Ist an kaffeeähnlichem Wohlgeschmack nicht zu übertreffen und dazu das Gesündeste was es gibt für Magen, Herz und Nerven. hebNch verschlechtert Die Zahl der Stellensuchen- den erhöhte sich anfänglich um rund 35 Prozent und ermäßigte sich nachträglich durch Vermittlungen und sonstige Abgänge auf 22 Prozent Der Zuwachs bestand überwiegend aus männlichen Kräften und kam zu gleichen Teilen aus Handel und Industrie. Während die Industrie vielfach qualifizierte Kräfte entließ, befanden sich unter den Handelsangestellten eine Menge von ausaelernten Lehrlingen. Auch das Arbeitsamt selbst muhte eine Anzahl von Zeitangestellten entlassen Durch die Insolvenz einer hiesigen Maschinenfabrik wurde eine Anzahl von technischen Angestellten arbeitslos. Auch war das Angebot an guten Stenotypistinnen erstmalig grö- her als die Rachfrage nach solchen. Die Dermitt- lungstätigkeit war durch daS Ostergefchäft beein- fluht Verkaufskräfte wurden in gröberer Zahl zur Aushilfe vermittelt, auch Finanzämter hatten Bedarf an AuShilfsangestellten. Die Defamtzahl der stellensuchenden Angestellten betrug am Monatsende 473 gegenüber 388 am Schlüsse des Vormonats. Oie Berufsberatung. Die Abteilung Berufsberatung weift mit 233 Beratungen (158 für Knaben, 77 für Mädchen) legenüber dem Vormonat (292 Beratungen) einen Rückgang auf, der infolge Unterbringung der meisten Schulabgänger in Lehrstellen schon vor der Schulentlassung crfahrungsgemäst bei allen Derufsstellen um diese Zeit einseht. _ Diese 233 Beratungen beziehen sich auf 93 (66 für Knaben, 27 für Mädchen» erstmalige und 140 (90 für Knaben, 50 für Mädchen) wiederholte Beratungen. 17 Ratsuchende (12 männliche, 5 weibliche) kamen aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus Volksschulen. 7 der Ratsuchenden sind Kriegerwaisen und 4 stehen unter Jugendfürsorge 17 Knaben und 5 Mädchen wurden einer Berufseignungsprüfung und 5 Knaben und 2 Mädchen wegen gesundheitlicher Bedenken für den gewünschten Berus im Auftrage der Berufsberatung von den Universitätskliniken einer besonderen ärztlichen Untersuchung unterzogen. 3 Knaben und« 2 Mädchen sind auf Verlangen von Arbeitgebern auf die wahrscheinliche DerusSeig- nung kostenlos begutachtet worden. In den fünf Rebenstellen-Sprechstunden: Friedberg, Alsfeld, Lauterbach, Schotten und Büdingen wurden 68 Beratungen (50 für Knaben, 18 für Mädchen) getätigt. Wiederholt mußten wir an Arbeitgeber, die keine Anleitungsberechtigung für Lehrlinge besitzen, eine Vermittlung von Lehrlingen ablehnen. Landwirtschaft Bergbau Industrie der Steine und Erden Metallindustrie Chemische Industrie Spinnstoffgewerbe Papierindustrie Lederindustrie Holzgewerbe Nahrungsmittelgcwcrbe Bekleidungsgewerbe Gejundheits- und Körperpflege Baugewerbe Vervielfältigungsgewerbe Kunstgewerbe Theater und Musik Gaftwirtfchaftsgcwerbe Verkehrsgewerbe Häusliche Dienste Lohnarbeit wechselnder Art Maschinisten Kaufmännische Angestellte Bureauangestellte Techniker Freie Berufe . . Aus den einzelnen Bcrufsgruppen ist wie folgt zu Die Marktlage im Baugewerbe hat keine Besserung erfahren. Rach unseren Feststellungen wer- den Arbeitskräfte nur für Vollendung der im vorigen Jahre begonnenen Bauten und Repa- rahirarbeiten angefordert. Für unseren Bezirk stellt das Baugewerbe die Schlüsselindustrie dar, denn ist das Baugewerbe gut beschäftigt, haben alle übrigen Berufe ebenfalls Beschäftigung. Die in unserem Bezirk ansässigen Westfalengänger find z. T. wieder aus Westfalen zuruckgekehrt, da fie bei ihren alten Arbeitgebern keine Arbeit finden konnten. Sie belasten erneut unseren Arbeitsmarkt. Wir zählten am Ende der Berichtszeit 1788 Bauarbeiter, gegenüber 654 des Vorjahres. Theatermusik. Die Musiker waren in der Berichtszeit ver- hältnismähig gut beschäftigt. Es konnten 379 Vermittlungen getätigt werden. Schank- und Gasiwirtschastsgewerbe. Die Arbeitslosigkeit im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe ist weiterhin gesunken. Dies ist hauptsächlich auf den Beginn der Saison zurück- zusühren. Es konnten 65 Fachkräfte in Wirtschaftsbetriebe untergebracht werden. Die Zahl der Arbeitsuchenden beträgt 51 gegenüber 188 deS Braun Boxcalf Herren-Halbschuhe in vornehmer Form, vorzügl. Sitz. 2 Rahmenarten 999 gegenüber 359 des Vorjahres. Metallindustrie. Die Marktlage in der Metallindustrie hat sich weiterhin verschlechtert. Reben Entlassungen aus der Industrie sind auch Entlassungen aus den handwerklichen Berufen zu verzeichnen. Hauptsächlich ausge- lernte Lehrlinge melden sich arbeitslos. Die Arbeitsuchendenzahl beträgt 1085 gegenüber 306 des Vor- Marktpreise. Heu Wochenmarkti S S? ?- Mitling ?'A"raut 15 bis 'le Ruben 10 bis 12 115, Spargel 45 bis Mmüse.10 bis 15 In 8 bis 12, fcJ ourzeln 40 bis SO ctosfeln 4,5 bis 5, W bis 35, AM 50 W Mne 120 bis 120 Pf. baS Pfund , dir 140 "Pfennig-, 1, AumnW 50 bis schürfen 60 bis 80, auch 5 bis 10, Rettich 0 Pf. das Stück: »a- ' as Rund: Kartoffeln r. Der schwer belastete Arbeitsmarkt hat im Monat April keine fühlbare Erleichterung erfahren. Die erhoffte und in früheren Iahren übliche rasche Frühjahrsbelebung in den Austenberusen ist in diesem Iahre ausgeblieben. Die jahreszeitliche Aufwärtsbewegung wird durch die bestehenden Finanzschwierigkeiten unterbunden. Zwar ist kurzfristiges Geld zur Zeit genug flüssig doch langfristiges Geld zu einem annehmbaren Zinssatz, wie das Baugewerbe eS benötigt, kaum zu haben. Die Tendenz. Kapital zu einem möglichst hohen Rentensatz unterzubringen, besteht nach wie vor. Senkung der Zinssätze für langfristiges Geld ist die brennendste Frage, denn Deldverbilligung wirkt belebend auf den Arbeitsmarkt. Wir machen feit einer geraumen Zeit die Feststellung, dast es sich bei den für die Austen- arbeittfn angeforderten Kräften nur um kurzfristige Arbeitsverhältnifse handelt. Die von uns beobachtete Zunahme der Fluktuation (84,1 Prozent im Derichlsmonat) bringt uns geschäftsmäßig mehr Arbeit, als die in der Herbstzeit beginnende Arbeitslosigkeit. Am Ende de» Vertchtsmonal» zählten wir 8509 Arbeitssuchende gegenüber dem Monat Mär; 9776 und gegenüber dem Vorjahr 3744. Vie Arbeltssuchendenzahl liegt somit um rund 127 0. h. höher al» im Vorjahre. Im Derichtmonat wurden 6735 Personen aus den Mitteln der Reichsanstalt unterstützt gegenüber 2161 des Vorjahres. Vermittelt wurden 1173 Personen und vom Arbeitsamt durch den früheren Arbeitgeber »urüdgerufen 235 Unterstützungsempfänger. . An der Gesamtarbeitslosigkeit 8509 gleich 100 Prozent gerechnet (den vorjährigen Prozentsatz fügen wir in Klammer bei) sind die einzelnen Derufsgruppen wie folgt beteiligt: Vorjahres. Verkehrsgewerbe. Die Lage im Verkehrsgewerbe ist uneinheitlich. Die Reichsbahn hält mit Einstellung von Zeitkräften zurück. Dies ist darauf zurückzusüh- ren, dast die beantragten Tagewerke noch nicht genehmigt sind, doch steht fest, dast die vorjährig beschäftigte Zahl von Zeitarbeitern dieses Iahr nicht erreicht werden wird. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 244 gegen 115 des Vorjahres. Lohnarbeit wechselnder Art. Beschästigungsmöglichkeiten für diese Berufsgruppe sind zur Zeit fo gut wie keine zu verzeichnen. Zum großen Teil gilt hier dasselbe, was beim Baugewerbe gesagt wurde. Am Ende der Berichtszeit waren 2287 arbeitslos gegenüber 1026 des Vorjahres. Angestelltenberuse. Die Arbeitsmarktlage für kaufmännische und technische Angestellte hat sich im April d. I- er- Die Sägewerke unseres Bezirkes sind zur Zelt gut beschäftigt, dagegen ist die Lage der Möbelindu- strie und dcr Bauschreinerei nach wie vor als schlecht anzusehen. Wir zählten am Ende der Derichtszeit 475 Arbeitsuchende, gegenüber 212 des Vorjahres. Rahrungs- und Genuhmittelgewerbe. Der Beschäftigungsgrad in der Zigarrenindustrie hat sich weiterhin verschlechtert. Ein groster Teil der Zigarrenfabriken arbeitet zur Zeil verkürzt. Die Levensmittelindustrie ist gut beschäftigt. Die Arbcit- suchendenzahl beträgt 138 gegenüber 207 des Vor- Höchstleistungen Wir bringen wieder Teure Schuhe für wenig Geld r. B. für sh n. 0 H. o- H 2,93 (3,71) 2,63 (2,38) 11,74 12,75 (8,17) 0,25 (0,05) 0,42 (0,45) 0,20 (0,35) 0,67 (0,96) 5,58 (5,66) 1,62 (5,53) 2,29 0,48 (0,45) 21,00 (17,45) 0,46 (0,27) 0,01 (0,03) 0,18 (0,48) 0,60 (5,02) 2,87 (3,07) 0,35 (1,20) 26,88 (27,41) 0,53 (0,56) 4,14 (2,19) 0,56 (0,96) 0,78 (0,94) 0,07 (-) W flr. 3Z Auf je 100 R< InhM-Arbersi sammln. - Bei Darmstadt, 15. Landtag ist Heu - treten, die mit ein. Ministers Kirnbe Minister betonte zur -^oungplan und i nebung eine endgulti sinanzen m die Grundlage für den geschaffen sei. nacht besetzten Vebu rückt, und nachdem e 8elr.: Sie llmla Nerbeertrags 41 a,ui ie 1 RM & 5onbet9 '°1|8 von den, ar.« <* 5cnnO9fltllagen:, tflÄalr Weifet«!nr“9b'i gib ^‘ne'nLr "aSp®*1 Anschnsi^ 6(( riAten: , iMWfitail a. t b. üb W SteuLj * 6 Jnb* fc ä,n ^der°L> tocnn (L ,®em erhoben^^'Ndeu läufaen? lelbf PZ L Z°h '°Z""chu, *hüte.üb, Ät <■'5 Konstanze. Vornan von Karl Heinz Voigt. Urheber-Rechtsschujz Verlag Oskar Meister. Werdau. 12. Fortsetzung. Nachdruckoerboten. Er ließ ihre Hand fallen, fuhr sich über die Augen, versuchte dieses Bild fortzuscheuchen. Schon Hang (Zulias Stimme an sein Ohr. Er sah mechanisch, wie sie auf seine Hand deutete, an der der Trauring glänzte. «Sind Sie verheiratet?" Er erschrak heftig und wurde bläh. „Warum, warum? Sehen Sie sie auch?" stöhnte er noch ganz gefangen von seiner Vision. „Och sehe den Trauring", lachte sie und verstand seine Worte nicht. Da verschwand Konstanzes Bild und um Emmerstorff wob wieder die Wirklichkeit. Er sah in ihre fragenden Augen und wurde sich bewußt, daß sie noch auf seine Antwort wartete. „Och — war — verheiratet", sagte er stockend und seine Zunge wollte die Worte nicht bilden. Oulia schwieg taktvoll. Dann erhob er sich. Nun war Emmerstorff wieder ganz Kavalier. Acht Tage später aber hatte Ludwig Warburg eine gute Anstellung im Büro der Riviera-Reise- Gesellschaft in Berlin mit einem Monatsgehalt von sechshundert Mark. 4. Konstanze hatte sehr bald die Pension der Frau von Imstädt wieder verlassen. Man kann sich täuschen, siehst du! Es war nicht so, wie Konstanze es sich wünschte. Die Pension war dem Betriebe die ganze Nacht geöffnet. Neben ihrem Zimmer wohnte ein junges Ehepaar, das den ganzen Tag Grammophon spielte. Offenbar besahen sie nur eine einzige Platte zu diesem Onstrument. Die eine Seite spielte den Donauwalzer und die andere den Torgauer Marsch. Ommer abwechselnd. Es war zum Der» rücktwerden. Aber das war noch nicht alles. Es wohnte da ein japanischer Student der Chemie. Diesem gelben Schlitzäugigen hatte es wohl Konstanze angetan. — Er verfolgte sie auf Schritt und Tritt. Einmal lieh er ihr durch Frau von Omstädt einen Strauß kostbarer Blumen überreichen. Konstanze nahm ihn nicht an. Oa, schließlich besah er die Frechheit, sie grinsend einzuladen, mit ihm den Abend zu verbringen. Das empörte Konstanze. War sie denn Freiwild, da sie einsam war? Aber das war immer noch nicht alles. Es gab in diesem Fremdenheim ein paar Leute, die sich darüber den Kopf zerbrachen, wovon Konstanze lebe und die unwahrsten Sachen verbreiteten. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Eines Tages entstand ein großer Skandal. Ein junges Pärchen war tags zuvor zugereist. Nun entpuppten sich die beiden als von der Polizei lange gesuchte Schwindler. Ein Kommissar erschien und nahm das Pärchen mit. Konstanze kündigte. Frau von Omstädt tat sehr beleidigt. Konstanzc bezahlte den vollen Monat. Morgen würde sie ausziehen. Sie würde etwas anderes finden und sie fand. — On der Zeitung las sie die Empfehlung einer Pension. Sie ging hin und mietete ein sauberes Zimmer. Lind nun wohnte also Konstanze schon über drei Monate in der Pension „Bürger", auf der Theresienstraße — — Die Onhaberin, die Witwe eines früheren Offiziers, der während der Onflationszeit gestorben war, Frau Frida Bürger, hielt sehr auf Anstand und Sitte in ihrem Hause. Sie war noch eine Dame der alten Schule. Das war Konstanze lieb. Gleich vom ersten Tage an fühlte sie sich hier heimisch. Konstante hatte besondere Freundschaft geschlossen mit einem alten früheren Gutsbesitzer, dem vor ein paar Oahren die Frau gestorben war und der nun, angewiesen auf fremde Freundlichkeit, hier einen letzten Unterschlupf gefunden hatte. Er hatte besfere Zeiten gesehen. Seine Nittergüter hatten die Krise der Onflation nicht überstehen können. Nun lebte er von dem geretteten Nest seines Vermögens. Der alte Herr war von einer überaus ritterlichen Zuvorkommenheit zu Konstanze. Sie hatte sich veranlaßt gefühlt, ganz aus sich selbst heraus über ihr Schicksal zu erzählen. Sie hatte gefühlt, daß er sie verstand. Auch er war einsam und das war es vielleicht, was sie aneinander band. Einmal sagte der alte Herr, als er bei ihr sah, nachdem er ihre Gesellschaft gesucht hatte: „Sie könnten doch alles erreichen auf dieser Welt, Frau Emmerstorsf." Sie blickte ihn fragend an. Da hob er seine greisenhaften, ein wenig wässerigen Augen voll zu ihrem Antlitz empor und ließ den Blick in dem ihren ruhen. „Sie sind so schön", seine Stimme klang beinahe feierlich. Da füllten sich ihre großen Augen ganz langsam mit Tränen. Sie senkte den Kopf. Er erschrak. „O, ich wollte Ohnen nicht wehe tun", beeilte er sich zu versichern und haschte ganz ratlos nach ihrer Hand. „Och weiß", lächelte sie unter Tränen. „Sind Sie mir böse?" „Nein! Wie könnte ich? Manchmal überfällt mich die Traurigkeit." Da verstand er sie und ging leise aus dem Zimmer. Außer Oulius Neuhaus wohnten noch verschiedene andere Pensionäre bei Frau Frida Bürger. Die meisten bekam Konstanze selten zu sehen. Nur mit einem jungen Herrn schloß sie nähere Bekanntschaft. Er hieß Kurt Helbing und war Bildhauer. Er bewohnte die besten Zimmer in der Pension. Er schleppte alle Kunstschätze, die ihm irgend erreichbar waren, zusammen. Lind so glich fein Zimmer einer kleinen Kunstausstellung von höchstem Geschmack. — Helbing war auf jeder Auktion und Kunstversteigerung zugegen. Da er sehr bemittelt war, konnte er kaufen, was seinem schön- heitsdurstigen Auge gefiel. Seine Eltern waren tot und hatten ihm ein ansehnliches Kapital hinterlassen. — Der junge Künstler hatte Beziehungen und verkaufte daher feine Bildwerke gut und schnell. Weshalb er in der Pension Bürger wohnte, fragst du? — Es gefiel ihm hier. Er hatte alle Bequemlichkeit und war immer mitten im Krcife der Kunstverständigen, denn Frau Bürger ffatte einen großen Bekanntenkreis, dessen Angehörige sich für die Arbeiten des jungen Bildhauers interessierten. Kurt Helbing stand am Ende der zwanziger Oahre. Er war schmächtig und von zartem Körperbau und besaß die durchsichtige Haut der Tuberkulösen. Diese Krankheit hatten ihm seine Eltern hinterlassen. Seine Hände waren frauenhaft dünn, meist warm und sehr feucht. Aber diese Hände konnten wunderbar formen. Man sollte es. ihnen nicht zutrauen, gehörten sie doch einem Todgeweihten! — Das Haar Kurt Helbings war von jenem hellen Blond, das fast metallisch glänzte. — Die stark vorspringende Nase gab dem Gesicht etwas Hartes, beinahe Kantiges. — Seine Augen lagen tief und ließen, seltsam stechend, erkennen, daß ihrem Besitzer nicht verheißen war, des Lebens Becher bis zur Neige zu leeren. Aber das Temperament Kurt Helbings verriet nichts von seinen Todeskeimen. Er lachte in das Leben hinein. Wie alle Tuberkulösen, hing er am Dasein mit reihender, schmerzlicher Heftigkeit. Er wußte, daß er nicht alt wurde, aber eine typische Hoffnung gab ihm den Glauben an Genesung. Andere junge Leute in seiner Lage hätten sich in den Taumel der Welt gestürzt. Er genoß, aber er genoß in Maßen. Kurt Helbing kleidete sich nach neuester Mode. Was er trug, war unzweifelhaft gerade modern. Mit diesem Künstler traf Konstanze des öfteren zusammen. Sie fand Gefallen an dem freien, offenen Wesen des jungen Bildhauers und sie merkte an feinen Bücken, daß er sie verehrte. Einmal lud er sie ein, fein Atelier zu besichtigen. Konstanze erstaunte über die Mille von guten Arbeiten. — Wenn sie auch nicht viel von Plastiken verstand, fo wußte sie doch, dies hier waren die Arbeiten eines reifen Künstlers. Sie bewunderte dies und das. Voll Entzücken betrachtete sie eine kleine Tierplastik. SS war eln Kanin» chen aus Marmor. „Darf ich Ohnen dieses Stück schenken?" fragte Kurt Helbing und sah Konstanze voll an. „O", rief sie fast unfreundlich. „Wie käme ich dazu, diese Kostbarkeit anzunehmen?" „Sie machen mir eine Freude", sagte er mit ehrlichem Ton und feine tiefen Augen bekamen einen unwirklichen Schein. „Och fühle mich verbunden mit Ohnen. Wer mit Onbrunst die Kunst in feine Seele aufnimmt, ist nicht weniger ein Kunstbegnadeter, als das schaffende Genie selbst. Sie sollen ein Andenken an mich haben, gnädige Frau." Konstanze fühlte seinen brennenden Blick und sah ihn nicht an. „Ein Andenken?" Er nickte. „Och werde nicht mehr lange in Berlin fein“, erklärte er und rückte dnen Tonkopf, dein noch die näheren Llmrisse fehlten, etwas mehr dem Fenster zu. „Och bekam gestern einen Brief aus Amerika. Meine Verwandten erwarten mich dort. Och hoffe, da drüben mehr Anerkennung zu finden." „Sie können sich doch nicht beklagen! Sie haben doch gute Erfolge." Er ging mit eleganten Schritten im Zimmer auf und ab, betrachtete sinnend seine gepflegten Nägel und entgegnete dann: »Die Amerikaner geben für ein gutes Kunstwerk mehr und unterstützen einen Künstler in jeder Weise. — Schließlich ist es ja auch gleichgültig", endete er, „wo man stirbt." Sie blickte ihn an und sah das Kainszeichen der Krankheit in seinem Gesicht. Da schwieg sie und verabschiedete sich bald. Konstanze hatte von Anfang an eine Beschäftigung gesucht. Es wollte sich nichts finden. Eine getrenntlebende Frau, du lieber Himmel! — Es gab Bedürftigere, seht! Tausende warten auf Arbeit. Diese Frau sollte dorthin, wohin sie gehörte. Konstanze las die Stellenangebote in den Zeitungen. Es war nie etwas Passendes darunter. Oft wurde sie mutlos. Ein paarmal stellte fie sich vor. Immer war es nicht das Rechte: Der Chef war verreist. Der Prokurist konnte fein Personal engagieren. Man würde auf sie zurückkommen! — Sie hörte nichts mehr. Denn: Stenographie wird unbedingt gefordert. Das konnte sie nicht. Bedauerndes Achselzucken. Ein paar Redensarten, Komplimente, sie stand draußen. Einmal stellte sie sich vor und der Chef war zugegen. Sie mußte lange warten. „Konferenzen". Tagte das Tippfräulein und machte eine wichtige Miene. Konstanze wartete. Den halben Vormittag wartete sie. Endlich wurde sie gnädig empfangen. (Fortsetzung folgt.) Gewissenhaft führen geübte Hände das Werkzeug zum Aufbau des SICHERHEITS-REIFENS DUNXOP Gleiberg-Verein Am Samstag, dem 24. Mai 1930, nachmittags 4 Uhr, auf der Burg Gleiberg General-Versammlung Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht 1929/30 2. Rechnungsablage Gleiberg-Jubiläum 1929 3. Rechnungsablage Familienabend 1930 4. Rechnungsablage 1929/30 5. Feststellung des Voranschlags 1930/31 6. Vorstands-Ersatzwahl 7. Ernennung von Ehrenmitgliedern 8. Sommerfest 1930 9 Verschiedenes. Besondere Einladung ergeht nicht mehr Bahnverbindung: Biebertalbahn ab Gießen 13.20 und 15.30 bis Haltestelle Krofdorf-Gleiberg, von da ab Fußmarsch nach der Burg. Autobusverbindung nach Krofdorf Der 1. Vorsitzende. „apn Geschäfts-Drucksachen Rechnungen srierbiatter Briefumschläge bei Brühl, Schulstraße 7 5°.:’kÄ.rt. den von 8 Uhr ab ?COTL> Für Bei Stulilverstopfuno ää Neda-Friichlewürlel Bestimmt zu haben: 3256V Saalöffnung: Nachmittags 3 Uhr Abends 7 Uhr. 3752D reme 3672 C 3749D zielWeilüiis. üllllllllllllllilllllllllllllllllll ArtlkelX ( für die \ Hygiene der Frau, des Kindes . Drog. Winterhoff . Getrennter j Verkauf BELITZ Firmenstinlder GiehelreMame Transparente Lieblgstrasse 83 Tel. 3122. Reformhaus Scholz. Kreuzplatz 5 Drogerie W. Kilbinger JVachf., Selters weg 79a Kräuterhaus Jung, Schulstraße 5 Nach beiden Vorstellungen Bewirtung, Tombola Abends: Geselliges Beisammensein mit TANZ Preise der Plätze: ' Erwachsene nachmittags und abends Sperrsitz RM. L—, 1. Platz HM. 1.—, Für Studenten und Schüler auf allen Platzen halbe Preise. Karten-Vorverkauf in der Musikalienhandlung Challier. ^€^1^^1441444 Astoria-Lichtspiele n iii ii—iimm— Heute bis einschl. Sonntag Das große Doppelprogramm: Hoot Gibson In Der Cowboy-König von Chicago Verwegenheit und Tollkühnheit sind die Eigenschaften Hoot Oibsons. Eine Sensation jagt die andere. Hoot Gibson, ein ..König der Cowboys“, In seinen unüber- treftl. Reitkünsten. Ein unerhört spannender Film, gewürzt mit köstlichem Humor II. Schlager: Zwei Welten Ein Sensationsschauspiel In den Bergen auf Korsika In 8 Akten Photographien der Gruppenbilder sind In den Schaufenstern am Seltersweg ausgestellt. Nach der Abendvorstellung Tanzl Maler- Anstreicher- Weißbinderarheiten F. Belitz Lieblgitrafle 83 Tel. 3122. 03223 lieber: GewaliiösteErlebnisse, kostbare1 Erfahrungen im Dienst am irren- denVolke,Berichte ans allerWell spricht Volksmissionar Zimmermann aus Berlin am Freitag, dem 16. Mai abends 8 Uhr, im „Postkeller“ Kommen Sie bitte! Eintritt frei! 03248 Eintritt frei! Lichtspielhaus I DitaParlo, Willy I Fritsch In dem Ufa-Ton- und -Sprechfilm ■ Melodie des Herzens SfAafikeusaudr Durchgesiebter, fast trockener, leichter Feinsand,Körnung 0—2 1/12 mm; leichter, heller, granulierter Schlackensand, ab Station Oberscheld-Hochofen prompt u.pretswlleserb.Ferner empfehlen wir unsere langjährig bestens bewährten Hoohofen-Zementsehwemmst.4u, Schwemm- Steinplatten 60X26X9,6 cm, Zement- Schlackensteine foro. Künstlichen Bimskies „Thermoslt“ 3—16 mm. Anfragen erb. au: Bochöfenschwemmstelnfabrik Oberscheld O.m.b.H Oberscheld. 3673v Fernruf: Amt Dillenburg 327* Wohltätigkeits-Festspiele des Frauenvereins vom Roten Kreuz für „Deutsche über See“, Ortsgruppe Gießen Sonntag, den 18. Mai, nachmittags 4 und abends 8 Uhr, in derVolkshalle Die Königskinder Romantisch-komisches Märchenschauspiel mit Gesang und Tanz in sechs Akten von Pohl-Prandl unter Mitwirkung von Schülern und Schülerinnen hiesiger Lehranstalten. Leiter: Direktor Hermann Kappenmacher, Frankfurt a. M. Die Kostüme stammen aus dem Kostüm-Atelier Friedrich Wüst. Frankfurt a. M. Den musikalischen Teil haben Fräulein Decker (Pianistin) sowie der Mandolinen- und Gitarren-Verein „Neapolita“ freundlichst übernommen. Ek Kann Q Owider wirfeen Die Elizabeth ArdencPräparate sind geschaffen,um dieGesund« ' heit der Haut zu fördern. Keine ; Creme kann Wunder wirken. 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