Ur. 89 Erster Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 15. April 1950 Erich eint täglich,anher Sonntag» und Feiertag». Beilagen*. Die Illustrierte Gießener Familienblötter Heimat im Bild Die Scholle. Monaf-Vezugrprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger; lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanfchlüste unterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Zrühl'sche Untverfilätr-Buch- und öle'.ndruckerei 8. Lange in Sietzen. Zchnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfenni^ Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Ma? Fist«, sämtlich in Gießen. Die Reichstagsauflösung vermieden. Knapper Sieg der Regierung bei den entscheidenden Gchlußabstimmungen des Reichsiages.-Ner Reichstag in Osterferien. Vor neuen Aufgaben. Vier Stimmen find gewiß keine überwältigende Mehrheit, und wenn man bedenkt, daß bet den entscheidenden Abstimmungen am gestrigen Montag irgendeine Zufallsverstimmung, irgendeine Sisenbcchnverfpätung oder ein plötzlicher Krankheitsfall im Regierungslager die Mehrheit in eine Minderheit hatte verwandeln tonnen, dann wird einem erst ganz das Dramatische dieser Vorgänge im Reichstags- Plenum klar. Wir hätten Dr. Vrüntng und seinem Kabinett eine größere Majorität gewünscht. Denn die Regierung wird es nicht leicht haben, sich in den nächsten Wochen und Monaten gegenüber dem Reichstag durchzusehen, dessen Mehrheit nicht koalitionsmätzig gebunden und dessen Opposition von Anfang an alles daran gesetzt hat, den Ministern das Leben so schwer wie irgend möglich zu machen. Konnte man noch bei den Abstimmungen der zweiten Lesung vermuten, daß die Sozialdemokraten entsprechend den Vorschlägen ihrer bisherigen Regierungsmitglieder bereit waren, dem neuen Kabinett eine Chance zu geben, so wurde man wenige Stunden später eines andern belehrt. Tatsächlich hat die SPD. jeden Mann a u s g e b o t e n, und ihr war es bitter ernst mit der Reichstagsauflösung und Neuwahlen, weil sie wohl auch davon pro it.eren zu können glaubte. Aehnlich dachten im deutschnationalen Lager die engeren Kreise um die Parteileitung, von den Kommunisten und Rational- s o z i a l i ft e n ganz zu schweigen. Heber diese im Ziel absolut geschlossene Opposition bedeutet auch eine Majorität von vier Stimmen, die bei der Abstimmung über die Mineralwassersteuer auf drei zurückging in der entscheidenden Diersteuerabstimmung einen ansehnlichen Erfolg, der noch dadurch unterstrichen wird, daß die Spaltung im deutschnationalen Lager nun fortschreiten dürste. Man wird sich freilich im Kabinett und Im Degierungslager darüber klar fein müssen, daß jetzt die eigentlichen Arbeiten erst beginnen und daß man die kurze Frist der parlamentarischen Osterpause unter allen Hmständen dazu benutzen muh, die politische V a s i s der neuen Regierung so breit wie möglich zu machen. 3m Reichstag selbst stehen nennenswerte Reserven Wohl kaum mehr zur Verfügung, wenn man auch immerhin damit rechnen kann, daß die deutschnationalen Abgeordneten, die gestern wiederum gegen die Parteileitung auf traten, sich in den großen politischen Fragen dem Kabinett des Reichspräsidenten zur Verfügung stellen werden. Auch dann bleibt freilid) die parlamentarische Basis immer noch mehr als schmal. Hm so intensiver wird Dr. Brüning bemüht sein müssen, sein Kabinett mit politischen Kräften zu fundieren, die außerhalb des Reichstags in reichem Maße vorhanden sind. Wir weisen nur daraus hin, dah der überwiegende Dell der öffentlichen Meinung ihm setnerzeit bereitwilligst einen großen politischen Anlaufkredit mit auf den Weg gegeben hat, unb wenn das Kabinett ‘-Brüning damit zu wuchern weih, dann — daran zweifeln wir nicht - wird es ihm auch gelingen, diesem Reichstag die erforderliche Maiorität für die weiteren gesetzgeberischen Arbeiten der nächsten Monate abzutrotzen. Die wichtigste Aufgabe, die jetzt beoorsteht, ist zunächst der Reichshaushalt. Hier liegen die Sinne nun zwar so, dah in der deutschnatio- na len Propaganda bereits lebhaft Stimmung für Ablehnung des Haushaltsplans gemacht wird, da erst durch chn der Äoungplan in vollem Umfange anerkannt werde. Wir können uns aber nicht vorstellen, daß auch der Teil der deutschnatio- nalen Sezession, der heute noch Fraktionsgemein, schäft mit der Parteileitung hat, durch Ablehnung des Etats ernsthaft die eben beschlossenen Agrar- maßnahmen und das in der Vorbereitung be- kindliche O st Hilfeprogramm £u gefährden bereit ist Namenllich die Osthilfe mußte natürlich schwer notleiben, wenn sie nicht durch eine ordnungsmäßige Verabschiedung des Haushaltsplans politisch genügend untermauert wird Ader auch das ganze Landwirtschaftsprogramm hat ja nur dann isinn, wenn man dafür sorgt, daß es zum mindesten während einer vollen Ernteperiode, also etwa bis August 1931, ganz in Geltung bleibt. Die Reichsregierung wirb aber auch ben unmittelbar hinter ihr stehenden Parteien ernsthafte Belastungsproben nicht ersparen können und dürfen. Auch -sie werden jede für sich bei zahlreichen Einzelpositionen des Reichshaushalts Sonderwünsche und Sonderforderungen anmelden wollen, deren Rückwirkung sich aber nicht mit dem staats- politischen Gesamtinteresse vertragen würde. Hier ist — die mühselige Entwicklung des Finanz- und Sleuerprvgramms hat das ja hinreichend bewiesen — noch sehr viel Erziehungsarbeit zu tun, um allen diesen Gruppen den Fraktionsegoismus abzugewöhnen. Fälle wie die, dah kleine Parteien aus parteipropagandistischen Gründen glauben, etwa in der Biersteuer oder in der Hmsatzsteuersrage dem eigenen Kabinett Opposition machen zu können, dürfen sich unter keinen Hmständen wiederholen. Auch nach dieser Richtung hin wird also die Reichsregierung feste Hand zeigen muffen, sie wird immer wieder von neuem den Beweis dafür anzutreten haben, daß sie unter allen Hmständen entschlossen ist, die Führung zu behalten. Alles saß und rechnete. Reichstags st immungsbild von unserer Berliner Redaktion. So von innerer Nervosität geschüttelt wie bei der dritten Lesung über die Steuergesetze ist der Reichstag lange nicht gewesen. Die Abgeordneten fühlten, daß es um ihre parlamentarische Existenz ging, und auch bei der Opposition ist mehr als einer gewesen, der sich gewiß gern um die Entscheidung herumgedrückt hätte, die ihm unter Hmständen sein Mandat kosten tonnte. Von den Sozialdemokraten hatten bei der zweiten Lesung am Samstag nicht weniger als 26 Mann gefehlt. Dazu kamen vier Nationalsozialisten und etliche Kommunisten. Die Opposition war also, wenn sie wirklich den letzten Mann aus die Beine brachte, stark genug, um ihre Minderheit in eine Mehrheit zu verwandeln, weil bei den Regierungsparteien die Lücken erheblich geringer gewesen waren. Rein rechnerisch stand das Gefecht für die Regierung gestern morgen ziemlich hoffnungslos. Die Sozialdemokraten hatten den Mut, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Sie glaubten ihrer Wahlparole sicher zu sein. Die radikalen Parteien wissen, daß sie nur gewinnen können bei einer Auflösung. Die Opposition war also zum Aeußersten entschlossen. Daß von ihrer Seite Abkommandierungen erfolgen könnten, um das Bild doch noch zu verschieben, war nicht zu erwarten. Die Regierung war also auf sich selbst angewiesen, sie hatte als letzte Hilfsmöglichkeit das kleine Häufsam gemacht zu werden, daß sie ihr Stichwort verpaßt hatten. So kam es zur ersten Kraftprobe erst bei der Abstimmung über das Benzolgeseh; zur allgemeinen Heberraschung wurden für die Regierung nur neun Stimmen herausgezählt, obwohl in der Gesamtabstimmung schließlich wegen der Verkoppelung mit den Agrarvorlagen alle Deutschnationalen dafür stimmten unb biefer Teil des Programms mit 250:204 Stimmen Annahme fand. Es zeigte sich, dah die Mitte dex Deutschnationalen unter Führung des ehemaligen Vizekanzlers H e r g t nun doch auf die Seite der Regierung gefallen war, auch der Bayrische Dauernbuno stimmte positiv. Diese wenigen Stimmen genügten, um den Ausschlag für die Regierung zu geben. Bei der Tabak st euer sank die Mehrheit aus sechs Stimmen, bei derBierst e u e r auf vier, unb bei der Mineral st euer sogar auf drei. Aber die Schlacht war doch geschlagen. Der Sieg der Regierung stand fest, die letzten Hoffnungen der „Aufloser", bah vielleicht Zählfehler vorgekommen fein konnten, bestätigten sich nicht, im Gegenteil, die Mehrheit wuchs nachträglich noch um eine Stimme. Der Rest des Finanzprogramms, die Bestimmungen über die Arbeitslosenversicherung unb die Branntweinsteuer gingen glatt übers Feld. Wit Befriedigung konnte zum Schluß Herr L ö b e feststellen, dah nun weitere Abstimmungen nicht mehr notig seien, unb das Haus vertagte sich auf den 2. Mai, während der Kanzler lebhafte Glückwünsche aus den Regierungskreisen entgegennahm. 0er Gihungsveriauf. Berlin, 14. April. (VDZ.) Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstags stand die dritte Beratung der Deckungs- Auf dem Wege zur gestrigen enischeidenden Sitzung. üints: Exmunster Dr. f) 11 f e r D i n g , der Redner der Linksopposition. — In der Mitte: Reichskanzler Dr. B r ü n i n g , der mit der Auflösung des Reichstags drohte. — Rechts: Reichsernährungsminister Schiele, dessen Ressortsragen im Mittelpunkt der Reichstagsschlacht standen. lein der Deutfd)nationalen, die am Samstag nicht wußten, ob sie nach rechts oder nach links fallen sollten, bei denen bann auch tatsächlich der Ausschlag lag. Da um die Mittagsstunde noch einige Züge cinlicfen, mit denen beide Parteien noch Zuzug erwarteten, wurde eine etwas mühselige Debatte ins Werk gesetzt, die aber eigentlich niemanden interessierte. Alles sah nur und rechnete. Die Hüte wurden gezählt, um Anhaltspunkte zu haben. Wie man aber auch den Rechenstift in Bewegung setzte, ben Zahlen nach mußte eigentlich bas Kabinett in der Minderheit bleiben. Trotzdem wollte eigentlich niemand mehr an den Zwang zur Auflösung glauben, der psychologische Augenblick der Opposition war am Samstag gewesen. Erst nach saft vierstündiger Beratung waren die letzten Züge eingelaufen, die Abstimmung konnte beginnen, die nun beinahe fünf Stunden in Anspruch nahm. Für die allgemeine Rervosität kennzeichnend bleibt, dah der berühmte 3unctim-Paragraph. der am Samstag im Zentrum der Schlacht gestanden hatte, unb der auch jetzt die erste wirkliche Kraftprobe bringen sollte, in der Aufregung unbemerkt vorüberging. Er war in den Text neu eingruppiert. Keine der Parteien hatte das Stichwort gehört, so dah sich für diesen Paragraphen alle Deutschnationalen ein» schließlich des Herrn Hugenberg in einfacher Abstimmung erhoben, um erst nachträglich mit einigen boshaften Bemerkungen darauf aufmerkVorlagen, beginnend mit dem Agrarprogramm. Abg. Hepp (EhrM. Bauernp.) bedauert, daß am Samstag auch Mitglieder von bürgerlichen Parteien gegen das mit dem Agrar- programm verbundene Deckuna ^Programm gestimmt haben. Trotz der Bedenken gegen einzelne Steuervorlagen müsse das De^ungsprogramm von allen Freunden der Landwirtschaft angenommen werden, weil sonst die Durchführung des Agrarprogramms gefährdet sei. 2Ibg. Dr. hilserbing (S03.): Wenn hinter irgendeinem Programm nur die Mehrheit der Stimmen, nicht aber die Mehrheit der Heberzeugungen steht, so hinter dem neuen Agrarprogramm. Dieses Programm bedeutet eine außerordentlich große Gefahr nicht nur für die deutsche, sondern für die gesamte europäische Wirtschafts' unb Handelspolitik. Hnfere gesteigerte Ausfuhr nach den europäischen Ländern gab in den letzten 3ahren 1,25 Millionen deutschen Arbeitern Beschäftigung. Dieses handelspolitische Verhältnis wird gestört durch das überspannte Schiele-Programm. Abg. D. Mumm (CfjrJL Arb.-G.): Die internationale wirtschaftspolitische Einstellung Dr. Hilferdings geht vorüber an der Notwendigkeit, der deutschen Bauernschaft das Leben zu erhalten. Das soll mit dem Agrarprogramm der neuen Regierung erreicht werden. Wir erstreben die Siedlungspolitik, mit der die In der Industrie überschüssigen Arbeitskräfte als Bauern auf eigener Scholle für die Dolksernöhrung arbeiten können. Heichsernährungsmtnister Schiele tritt den Ausführungen des Abg. Dr. Hilf er- ding entgegen mit dem Hinweis auf den Abstand, in dem sich der Index der Preise für Agrarprodukte von dem viel höheren Industrieindex bcfinbet Der Sinn des vorliegenden Agrarprogramms j liegt gerade darin, einen gefunden Ausgleich i zwischen Industrie und Landwirtschaft herbei- ' zuführen. Die große Arbeitslosigkeit spricht nicht dafür, daß unsere wirtschaftlichen Verhältnisse gesund sind. Auch hier schwingt mit die Krankheitserscheinung, die sich bei der Landwirtschaft bemerkbar macht in der zu niedrigen Preisgestaltung ihrer Produkte. Die Ansammlung ungeheuerer Weizenpools in den überseeischen Ländern nötigt alle europäischen Länder zu ähnlichen Abwehrmaßnahmen, wie sie das vorliegende deutsche Agrarprogramm enthält. Selbst das freihändlerische England besaht sich mit solchen Maßnahmen. Der Minister gibt dann die Erklärung ab, daß die der Regierung zu gebende Ermächtigung auch die Möglichkeit einschließe, weiterhin den Zollsatz für Gerste zur Diehsütterung bei gleichzeitigem Bezug von eosiniertem Roggen auf 2 Mark herabzusetzen. Bei den Einfuhrscheinen sei nicht daran gedacht, dadurch die Reichskasie stärker in Anspruch zu nehmen Zur Gefriersleischfrage erklärt der Minister, er habe nicht die Absicht, der bedürftigen Bevölkerung den Genuß von Fleisch zu unerschwingllchen Preisen unmöglich zu machen. er fei vielmehr entschlossen, der wirklich minderbemittelten Devölkerung den bisherigen Fleischver- brauch zu ermöglichen, allerdings auf einem Wege, der auch den Bedürfnissen der Landwirtschaft ge recht werde. Abg. Dr. hilferding (Soj.) erwidert, es bestehe kein Streit darüber, daß eine ernste Agrarkrise nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt bestehe. Wenn tatsächlich das vorliegende deutsche Agrarprogramm nicht zu einer Verteuerung der Lebenshaltung der Derbraucherschaft führen würde, dann könnte ja der ausgesprochene Zweck dieser Maßnahme, die Erhöhung der Preise für die Agrarprodukte, gar nicht erreicht werden. Abg. Dr. Dessauer (Ztr.): Wir erkennen an, daß Deutschland auf einen Exportüberschuß angewiesen ist. Trotzdem machen wir das Agrarprogramm mit und sehen darin keinen Bruch mit unserem weltwirtschaftlichen Programm, das sich gegen den Protektionismus richtet. Man darf dabei nicht vergessen, daß es sich hier um einen akuten N 0 tstand handelt, dem abgeholfen werden soll. Die Vorlage enthält ja eine Ermächtigung gerade zu dem Zweck, daß die Zollerhöhungen nur in dem Umfange durchgeführt werden, wie es zur Erreichung ftabilcr Preise notwendig ist. Zur Vorlage über die gestaffelte Umsatzsteuer begründet Abg. Dr. R e m m e l e • Baden (Soz.) einen Antrag, wonach von der Steuer die Konsumvereine und Wirtschaftsgenossenschaften, deren Geschäftsbetrieb sich auf die Mitglieder beschränkt, freibleiben sollen. AeichSfilianzniinister Dr. Molbenhaner: 3m Tlamen der Reichsregierung habe ich Sie um Ablehnung des Antrages Remmele zu ersuchen. Es ist durchaus nicht die Absicht der Vorlage, irgendwie die Entwicklung der Konsumvereine zu schädigen oder eine Sondersteuer gegen die Verbraucher einzuführen. (Ruse bei den Sozialdemokraten: „Das ist aber die Wirkung!") Es handelt sich nur darum, Betriebe mit einer bestimmten llmsahhöhc gleichmäßig steuerlich zu erfassen ohne Rücksicht darauf, ob der Betrieb genossenschaftlich oder privatwirtfchaftlich aufgebaut ist. Der Konsumverein hat dabei noch gegenüber dem gleich großen Privatbetrieb den Vorzug, daß er nicht zur Körperschafts- (teuer herangezogen wird. Die Regierung muß die Ablehnung des Antrages Remmele verlangen, weil eine Annahme des Antrages eine schwere Einbuße an dem finanziellen Ertrag des Deckungsprogramms herbeiführen würde. Abg. Dr. Hertz (Soz.) betont nochmals, daß die gestaffelte Hmsah- fteuer ein Ausnahmegesetz gegen die Konsumvereine sei. Der Hinweis des Ministers auf die Körperschaftssteuer war ganz abwegig, denn die ständige Rechtsprechung hat immer entschieden, daß die Konsumvereine keine Gewerbebetriebe seien. Die Aussprache über die Steuergesehe ist damit beendet. Zur Finanzreform und Arbeitslosenversicherung führt Abg. Grotewohl (So;.) aus, bei der Kompromihvorlage der Regierungsparteien handele cs sich um einen ganz bewußten und planmäßigen Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Ebenso bedenklich sei die Regelung bei der Invalidenversicherung. Damit ist die Aussprache über sämtliche Dek- kungsvorlagen beendet. Es folgten um 14 ilpr Die Abstimmungen. Zum Gesetz über Zolländerungen, das die Mineralölzölle und das Agrarprogramm enthält, werden zunächst verschiedene sozialdemokratische und kommunistische Aen- derungsanträge abgelehnt. Die Mineralölzölle die ersten Artikel des Agrarprogramms werden in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, der Rationalsoziolisten und bei einigen Artikeln gegen einen Teil der Deutschnationalen angenommen, darunter auch die sogenannte Iunktimbestim- mung, wonach die Agrarvorlage nur in Kraft treten kann, wenn auch sämtliche Deckungsvorlagen angenommen sind. Die erste namentliche Abstimmung wird vorge- nommcn bei der Roggenposition der Agrarvorlage. Hierbei wird ein konnnu- nistischer Aenderungsantrag mit 261 gegen 193 Stimmen abgelehnt. Auch alle weiteren Aende- rungsanträge werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Das Agrarprogramm wird in der Fassung der zweiten Lesung angenommen. In der namentlichen Schluhabstimmung wird das Gesetz über Zolländerungen, enthaltend Mineralölzölle. Junktim und Agrarvorlage, mit 250 gegen 204 Stimmen angenommen. Dagegen haben die Sozialdemokraten, Kommunisten und Rationalfozialislen, dafür mit den übrigen Parteien auch die Deutfchnationalen gestimmt. Die Aenderungen des Tabak- und des Zucker- steuergesehes werden in namentlicher Abstimmung mit 230 gegen 224 Stimmen angenommen. Gegen die Vorlage stimmte mit den Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten auch die Minderheit der deutschnationalen Fraktion. Die dann folgende namentliche Abstimmung über den Artikel 1 der Vorlage über die G r - höhungder Bier st euer vollzieht sich unter Lärm und Gelächter. Der Bayrische Bauernbund blldet hier das Zünglein an der Waage. Der Aationalsozialist Dr. Goebbels stellt sich in der Rühe dieser Gruppe auf und schwenkt eine rote Rein karte. Als aber der Stimmkartensammler mit der Urne kommt, Wersen die Dauern- bündler weihe Za- Karten ein unter Pfui-Rufen der Rationalsozialisten und Beifallsllatschen der Rachbarn aus den Mittelparteien. Mil den Sozialdemokraten, Kommunisten und Rationalsozialisten stimmen auch einige Deutsch- nationale gegen die Vorlage. Artikel 1, der die neue Viersteuerstasfelung enthalt, wird mit 232 gegen 223 Stimmen angenommen, spfui!- Knfe.) Zum Artikel 7, der die Umsatz st euerer- Höhung betrifft, wird ein Antrag der Regierungsparteien angenommen, der Makler und Handelsagenten bis zu einem Einkommen von 18 000 Mark von der Umsatzsteuer befreit. Ein sozialdemokratischer Antrag, der auch die freien Berufe von der Umsatzsteuer befreien will, wird abgelehnt. Zur gestaffelten Umsatzsteuer, der sog. „Waren- hau? steu er" wird ein sozialdemokratischer An- trag auf Herausnahme der Konsumver- e i Ä e aus der Steuerpflicht mit 262 gegen 192 Stimmen abgelehnt. Die namentlichen Schluhabstimmungen über die Viersteuervorlage, mit der auch Umsatzsteuer und Warenhaussteuer verbunden sind, ergibt die Annahme der Vorlage mit 228 gegen 224 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Rationalsozlalisten und der Minderheit der Deutschnationalen. Die Aenderungen zum Branntweinmonopol werden mit großer Mehrheit angenommen. Die Mineralwasser st euer wird mit 228 gegen 225 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Angenommen wird auch die Ausbringungsumlage unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages auf Erhebung eines Rotopfers. In einfacher Abstimmung wird weiter die Hinausschiebung der Bindung der Länder und Gemeinden an dir Reichseinheitswerte beschlossen. Beim Gesetz zur Borbereitung der Finanzreform werden die sozialdemokratischen Aende- rungsanträge zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung abgelehnt. Artikel 2, der die Zuweisungen für die Invalidenversicherung von 40 auf 20 Millionen herabseht, wird in namentlicher Abstimmung mit 249 gegen 204 Stimmen angenommen. Der Artikel III über Steuersenkung und Allsgabenersparnis wird in einfacher Abstimmung angenommen, ebenso das ganze Gesetz zur Vorbereitung der Finanzreform in der Schluß- abftimmung. Damit find alle Deckungsvorlagen der Regierung in dritter Beratung endgültig angenommen. 3n namentlicher Abstimmung wird noch ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung der Lohnsteuer mit 388 gegen 62 Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten abgelehnt. Gegen Sozialdemokraten und Kommunisten wird eine Entschließung der Deutschnationalen angenommen, in der ausreichende Zollsätze für den Weinbau, Obst- und Gemüsebau gewünscht werden. Eine sozialdemokratische Entschließung auf Herab- sür Futtergerste wird abgelehnt. Präsident Lobe teilt mit, daß das endgültige Ab- snmmunasergebnis für B i e r st e u e r und Mi n e - r al m a ff e r ft e u e r nunmehr vorliege und bei beiden Abstimmungen sich die Zahl der Ja-Stimmen um eine erhöhe. Um 17 45 Uhr vertagt sich der Reichstag auf Frei- tag, 2. Mai, 14 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Etats für 1930. Aus den Abstimmungslisten. Bei der Schluhabstimmung über das Gesetz das die B i er st eu e r und die A m s a tz st e u e r umfaßt, wurden 453 Stimmen abgegeben von denen aber zwei ungültig waren, weil doppelt abgegeben. Der Gesetzentwurf wurde mit 228 gegen 223 Stimmen angenommen. Gegen den Gesetzentwurf stimmten geschlossen die Sozial- demolraten, Kommunisten, Rationalsozialisten der fraktionslose Kommunist Frölich, sowie 20 Deutschnationale. Für das Gesetz stimmten 36 ®«uttönationaI«, die Bayerische Bauernpartei, die Deutsch-Hannoversche Partei, die beiden Mit- Die Wormser Muhen vor Gericht. D a r m ft a b t, 14. April. (WSN.) Die Montagverhandlung des Prozesses gegen die Wormser Unruhestifter wurde mit der Mitteilung des Landgerichtsdirektors Schmidt eröffnet, der die Beweisanträge der Verteidigung, sowie den Lokaltermin als unerheblich ablehnte. Die Vernehmung der Polizeizeugen Schäfer und Braach ergab weiteres belastendes Material gegen den Angeklagten M y l l. T a r a f ch e w s k i, der der Aufwiegelung und verschiedener Tätlichkeiten beschuldigt wurde, wurde durch die Aussagen der Polizeibeamten Volk, Blum, Kappes und Eigenbrod erneut belastet. Die Vernehmung des Polizeibeamten Lohr belastete neuerdings den Angeklagten Abg. Müller. Weitere Zeugen der VerteUugung entlasteten zum Teil mit ihren Aussagen die Angeklagten; sie blieben jedoch unvereidigt, weil objektiv der Tatbestand der Beteiligung gegeben ist. In der Rachmittagssitzung brachte die Derteidi- gung 18 weitere Anträge zur Entlastung. Der Berteidiger Steinschneider befaßte sich mit den Aussagen des Polizeidirektors Klapp- r o t h und stellte Fragen, durch die die mangelnde Glaubwürdigkeit dieses Zeugen festgestellt werden sollte. 'Als die Berteidigung einen Unterschied zwischen einer früheren und der jetzigen Aussage Klapproths feststellen will, brach der Angeklagte Willi Wiehler in wüste Beschimpfungen gegen das Gericht aus. worauf er von der Sitzung ausgeschlossen wurde. Darauf gerät sein Bruder, der Angeklagte Bernhard Wiehler, ebenfalls in Wut und wurde vom Gericht wegen seiner beleidigenden Zurufe bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen. Bei seiner Abführung kam es zu Kundgebungen im Zuhörerraum und zu Zurufen der übrigen Angeklagten. Es entstand eine so große Erregung, daß der Staatsanwalt den Ausschluß der Oesfent- lichkeit mit Ausnahme der Presse beantragte. Die Angeklagten Lenz, Rossi, Zimmermann, Lein- Haas und Bayerbach brachen darauf in nervösen und epileptischen Krämpfen zusammen-, sie sind übrigens alle zum Teil in die Hilfsschule gegangen oder schon in Nervenheilanstalten gewesen. Sodann erstattet der medizinische Sachverständige Wedizinalrat Dr. H e y l fein Gutachten. Rach seiner Ansicht sind Bernhard Wiehler, Fay. Bayerbach und Leinhas gemindert zurechnungsfähig bzw. überhaupt als Psychopathen zu betrachten. Taraschewski hält er für voll verantwortlich. Darauf wird ein Teil der Entlastungs- zeugen vereidigt. Zum Schluß der Rachmittags- fihung stellte die Verteidigung neue Beweis- anträge, die zum Teil abgelehnt wurden. Einige Zeugen der Verteidigung werden für morgen, Dienstag, geladen. Präsident Hoover über den Weltfrieden. Washington, 15. April. (WIB. Funkspruch.) Auf dem Iohreskongreh der palriotischen Bereinigung „Daughters of American Revolution“ führte Präsident Hoover in einer Rede au»: Infolge unserer geographischen Lage, unserer großen Hilfsquellen, und der organisalorifchen Fähigkeiten der Amerikaner genießen wir in einem Maße, wie keine andere Ration, Sicherheit gegen Angriffe. Wegen dieser Segnungen, wegen unserer ererbten Ideale der Humanität und der Freiheit, sowie wegen unserer Unparteilichkeit hat Amerika die moralische Pflicht, sich an der S i ch e r u n g d e s Weltfriedens zu beteiligen. Diese Pflicht schließt keine Beschränkung unserer Unabhängig- keil in sich. (Eine der Hauptursachen der Schwierigkeiten in der Welt war das Wettrüsten zur See, denn nichts erregt mehr Furcht oder Mißtrauen unter den Rationen. Rach dem Fehlschlag der Genfer Konferenz machten wir im Einklang mit dem Kelloggpakt kürzlich erneut den Versuch, durch ein Abkommen die Marinerüsiungen zu beschränken. Der Erfolg der Londoner Konferenz st e h t jetzt fest. Durch Bestimmungen, die jetzt endgültig formuliert werden, vermochte die Konferenz eine tatsächliche Verminderung der Rü st ungen der drei Mächte herbeizuführen, die etwa 25 v. h. des aus der Genfer Konferenz erörterten Standards beträgt vor allem gelang es, dem Argwohn und dem bösen willen, die durch dos beständige Wettrüsten erzeugt waren, ein Ende zu bereiten. Durch das neue Abkommen stärken rolr also die Friedenskraft e. Präsident Hoover erklärte weiter, ein praktisches Programm des Friedenswerkes sei die Schaf- fung bestimmter Stellen, die zu einer methodischen Lösung von Streitfragen geeignet seien, um eine unparteiische Gerechtigkeit zu sichern und die Auspeitschung chauvinistischer Stimmungen zu vermeiden. Hoover drückte die Zuversicht aus. daß Amerika Mitglied des Weltgerichts- Hofe» werde und sagte dann, Amerika» Mitwirkung an der Erhaltung des Friedens weiche von der der europäischen Länder ab. Dieser Unterschied entspringe nicht nur aus der geographischen Lage, sondern auch aus der Art, wie Amerika auf die beste Welse dem Frieden dienen könne. Die europäischen Rationen seien Gefahren und Problemen ausgesetzt, sür die die westliche Hemisphäre nur geringes Verständnis habe. Amerika stände auf dem Standpunkt, daß eine friedliche Regelung der Streitfragen und die Erhaltung des Frieden» nicht nur durch einen Weltgerichtshof möglich sei, sondern auch durch eine Bereinigung militärischer oder wirk- schastlicher Kräfte gestützt werde. Amerika zweifle das Recht der europäischen Rastonen nschk an, Schlüsse zu ziehen, wie sie es für angemessen erachteten und wie sie au» furchtbarer Erfahrung und au« zwangsläufigen Rotwendigkeilen sich ergäben. Amerika sei zu der Ansicht gekommen, daß fein Beitrag für die Umsetzung des Weltfriedensgedankens in die praxi» am besten durch eine Kombination erfolge, bei der u. U. auch eine Pflicht zur Anwendung von Gewalt besteht. glieber der Volksrechtpartei und der Fraktionslose D ruhn. Bei der Abstimmung über die Mineralwassersteuer wurden 454 Stimmzettel abgegeben, wovon drei ungültig waren, weil doppelte Stimmkarten. Von den 451 gültigen Stimmen lauteten 227 für, 223 gegen daS Gesetz. Der Abg. Dr. Strathmann (Dn.) hat sich der Stimme enthalten. Geschlossen dafür stimmten die Regierungsparteien, geschlossen dagegen die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Rationalsozialisten, ferner der wilde Kommunist Frölich. Weiter stimmten dagegen von den Deutschnationalen 19 Abgeordnete. Dafür stimmten 35 Deutschnationale, fünf Abgeordnete der Deutschen Bauernpartei, die Deutsch-Hannoversche Partei, die Volksrechtpartei und der parteilose Abg. Bruhn. Bei der namentlichen Schlußabstimmung über das Tabak- und Zuckersteuergesetz wurden 454 Stimmen abgegeben, und zwar 230 für, 224 gegen den Gesetzentwurf. Dagegen haben gestimmt geschlossen die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Rationalsozialiften, ferner der wilde Kommunist Frölich. Bei der Abstimmung fehlten: von den Sozialdemokraten 10 Abgeordnete; von den Deutschnationalen haben 20 Abgeordnete dagegen gestimmt. Richt mitgestimmt haben von den Deutschnationalen acht Abgeordnete. Bei den Regierungsparteien fehlten 10 Abgeordnete, von den Kommunisten fehlten drei Abgeordnete. Das Zentrum beglückwünscht Brüning. Berlin, 14. April. (Eigene ENB.-Meldung.) Nach Schluß der heutigen Reichstagssißung hielt die Z e n t r u m s f r a k t i o n noch eine kurze Sitzung ab. Der stellvertretende Vorsitzende Esser begrüßte den K a n z l e r und beglückwünschte ihn zu seinem Erfolg. gedachte der vielen Gefahren und Schwierigkeiten denen dieses Kabinett unter der Führung Dr. Brünings Herr geworden ist, und wünschte dem Kanzler, daß er die Osterruhepause auch zur persönlichen Erholung benutzen könne. Reichskanzler Dr. Brüning dankte dem stellvertretenden Vorsitzenden und der ganzen Fraktion für das Vertrauen, das man ihm seit Uedernahme der Kanzlerschaft entgegengebracht habe. Er unterstrich nochmals, daß von Anfang an fein Bestreben und fein Ziel gewesen sei, die schwierigen Ausgaben, die da» Parlament nun auf gesetzmäßigem Wege gelöst habe, unter allen Umständen durchzuführen und den Parlamentarismus vor einem weiteren Riedergang zu retten. Gr sprach seine Freude darüber aus, daß es ihm geglückt sei sein Programm durchzuhalten, ohne zum Artikel 48 greifen zu müssen. Urlaub des Reichskanzlers. trn? CJ11 m'rJ51 April. (Eigene ENB.-Meldung.) Wie den Blattern zufolge verlautet, wird sich der Reichskanzler Dr. Brüning zu einem kurzen *7 r V u voraussichtlich in [eine westfälische Heimat begeben. Auch die übrigen Reichsminister und eine Anzahl preußischer Staatsminister werden den Osterurlaub außerhalb Berlins verbringen. Das Echo in her Berliner presse. "Berlin, 15. April. (ERD. Eigene Meldung.) Das Kabinett Brüning hat jetzt freie Dahn. Es kann regieren, so erklärt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" zu dem für daS Kabinett Brüning siegreichen Ergebnis der gestrigen Reichstagsabstimmung. Aehnlich die „Germania": Wir hoffen, daß das Kabinett Brüning, das im Volke größeres Vertrauen genießt, als die Abstimmungsziffern eS anzudeuten scheinen, die neuen großen Aufgaben tatkräftig und entschlossen in Angriff nehmen wird. Es wird diese Aufgaben in der nächsten Zeit auch mit Erfolg durch führen können, wenn es den Mut zur Führung und den Willen zu einer Politik nicht aufgibt, die sich an der Sache und an den Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes orientiert. Wir wissen, daß dies der Fall fein wird. Das „D. T." bezeichnet es als die erste und größte Aufgabe deS Kabinetts Brüning, dafür au sorgen, daß die Kosten dieses Sieges sür das deutsche Volk wirtschaftlich und innerpolitisch nicht zu groß werden. In der »Voss. Z t g." heißt es: Dieser letzten Wochen politischer Sinn ist in dem Credo zu- sammenzufassen, daß es nach dem Willen des deutschen Volkes nur eine wirklich aktionsfähige Regierung geben kann, eine, die getragen wird von den Parteien, die das Reich von Weimar bejahen und erhalten wollen. Der „Vorwärts" kündigt die Fortsetzung des Kampfes der Sozialdemokratie gegen die Regierung Brüning an und betont, daß das Ziel der Sozialdemokratischen Partei die Herbeiführung des Zusammenbruchs der jetzigen Regierung fei, um selbst wieder die Hand ans Steuer zu legen. Die „Deutsche Tageszeitung" verzeichnet mit Genugtuung, daß die Zahl der deutsch- nationalen Fraktionsmitglieder, die aus der Rotwendigkeit, die Landwirtschaft und den Osten zu retten, klar und entschlossen die Folgerung der gegebenen Tat gezogen haben, seit der zweiten Lesung gewachsen ist. Die positive Fraktionsmehrheit habe sich nicht nur den Dank der Landwirtschaft und des Ostens, fonbem auch des Vaterlandes verdient. Sie habe weitblickende Rationalpolitik getrieben und das ihrige zur Rettung der Fundamente getan, auf denen allein eine wirkliche Defreiungspolitik aufgebaut werden könne. ®cr „Lokalanzeiger" ist der Ansicht, daß die deutschnationalen Abgeordneten, die für das Kabinett Brüning gestimmt haben, unter dem Druck der verzweifelten Rot ihrer Standes- genossen und ihrer Wähler schließlich die R e r - ven verloren haben. „Mit niemanden sei gerechtet, der jetzt der Psychose erlegen ist, oder der Psychose seiner Wähler, der Lage der Dinge in der Fraktion schließlich Rechnung tragen zu müssen. So aber, wieeSjetztwar.gehteS nicht weiter, ihn der deutschen nationalen Bewegung willen darf die Schlagkraft der Deutschnationalen Partei durch deren ReichStagS- f raff ton nicht weiter lahmgelegt werden. Die Warenhaussteuer. Berlin. 14.April. (E.R.B. Eigene Meldung.) Unmittelbar nach der endgültigen Annahme der e r - höhten Umsatzsteuer im Reichstag fanden im Reichsfinanzmini st erium Bespre- chungen über die Durchführung des Sonder- Zuschlages für Großbetriebe, der sogenannten Warenhaus st euer, statt. Au den Beratungen nahmen auch Vertreter der nächst- beteiligten Organisationen, namentlich der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels und der Handelskammern teil. Bei bet allgemeinen hast, in der dieses Gesetz gemacht worden ist, sind viele Fragen offen geblieben. Das Reichs- finanzmlnisterium will deshalb, fo berichtet die ».Voss. Ztg.". möglicherweise schon heute, jedenfalls aber sofort nach der Verkündung der Steuergesehe durch den Reichspräsidenten eine o oTltbu f i g e Durchführungsverordnung herausgeben. Die endgültige Durchführungsverordnung wird erst Im Juni vom Reichsrat erlassen. Der Berliner Warenhausbesiher Tietz ist aus der Demokratischen Partei wegen ihrer Haltung zur warenhausumsahsteuer a u s g e s ch i e- d e n. Reichevertreter in Weimar. Berlin, 14. April. (Eigene ENB.-Meldung.) Von unterrichteter Seite wird die Meldung einer Berliner Korrespondenz, daß Staatssekretär Z w e i - gert vom Reichsinnenministerium im Lause der Woche nach Weimar fahren wird, um mit der t hüringischen Landesregierung ®e,^rdie Fragen zu verhandeln, die zwischen dem Reich und Thüringen schweben, bestätigt. Es wird aber hinzugefügt: Wenn von thüringischer Seite gesagt werde, daß es sich um einen Gegenbesuch handele, so ist festzustellen, daß diese Bezeichnung nicht ganz richtig ist. Vollsitzung der Eer machte« konserenz. ßo nbon, 14. April. (WTD.) Die Seemächte- konsere nz ist heute mittag um 12.30 Uhr zu emer Bollsitz u n g zusammengetreten, die von Macdonald mit dem Hinweis eröffnet wurde, daß man nunmehr eine Reihe von Berichten der Sachverständigen und des ersten Konüiecs der Konferenz formell zu billigen habe, womit bann dieser Teil der Konferenzarbeiten zum Abschluß komme. Aus aller Wett. Kinobrand. —15 Tote. Rom. 14.April. (DTB. Funkspruch.) 3m Dorfe p i c a f a in der Provinz Girgenti brach in einem überfüllten Kino während der Vorstellung, der auch viele Kinder beiwohnten, aus noch ungeklärter Ursache Feuer aus. 15 Personen fan- den den Tod, mehrere wurden verletzt, darunter drei schwer. Das Feuer entstand in der projektions- kabine. Das brennende Filmband setzte auch einige Kisten mit Filmen in Brand. Es entstand eine Panik, die noch durch den Umstand erschwert wurde, daß das elektrische Licht im Kino selbst und in der ganzen Ortschaft a u s g i n g. Die 15 Gelöteten und die 5 verletzten sind fast alle junge Menschen im Alter von 12 bis 18 3ahren. Verschiebung der Spanienfahrt des „Graf Zeppelin". Friedrichshafen, 14. April. (WTB.) Wegen der außerordentlichen Verschlechterung der allgemeinen Wetterlage ist der Ausstieg des Luftschiffes „Gras Zeppelin" zu der Spaniensährt zunächst verschoben worden. Schneefall im Schwarzwald. F r e i bürg, 15. April. (WTD. Funkspruch.) Rach längerer Zeit andauernder sonniger Frühlingstage ist mit Beginn der Woche ein erheblicher T em pe r a t u r u m s chw u n g eingetreten. Der Zustrom kalter Luftmassen ließ die Temperatur im Feldberggebiet wieder u n- ter den Rullpunkt sinken. Das Thermometer zeigte mehrere GradKälte bei andauerndem Schneefall bis auf 1000 Meter hinab. Auch heute früh fiel noch weiter Schnee. Die Reuschneedecke beträgt im Feldberggebiet bis ^Zentimeter. In den Tälern fällt seit Montagmorgen! ununterbrochen Regen, der die Schwarzwaldwaller stark 'anschwellen laßt. Orkan im Gebiet von Agram. Belgrad, 14. April. (WTB.) Rach Meldungen aus Agram hat ein Orkan von zehn Minuten Dauer in der Gegend von Agram großen Schaden angerichtet. In den Dörfern Iavorje und Cibihe wurden sämtliche Hausdächer abgedeckt. Ein Bauer wurde getötet und zwei Dauern verletzt. Durch die Gewalt des Sturmes wurde ein Bauer, der eine Kuh am Stricke führte, mit dieser dreißig Meter weit durch die Luft fortgetragen. Zuchthaus für ein entmenschtes Ltternpaar. Das Berliner Schwurgericht III verurteilte den 26jährigen Arbeiter Schröder, der gemeinsam mit seiner Ehefrau sein dreijähriges voreheliches Kind dauernd in der unmenschlichsten und brutalsten Weise mißhandelt hatte, so daß das Kind den furchtbaren Verletzungen erlegen ist, wegen fortgesetzter gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Die 20jährige Frau Schröder erhielt 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Die entmenschten Eltern hatten nach ihrer Verheiratung das Kind, das vorher in Pflege war, auf Drängen des Jugendamtes zu sich genommen, da sie das Pflegegeld nicht mehr bezahlen wollten. Die zweieinhalb Wochen, die die Kleine bei den leiblichen Eltern verlebte, gestalteten sich für sie zu einer wahren Hölle. Da das Kind anscheinend infolge einer Erkrankung sich nicht sauber hielt, wurde es dauernd geschlagen. Die Mutter benutzte dazu eine Kochkelle und eine Spielschippe, der Vater bediente sich dabei seines Leibriemens. Er schlug mit dem Ende, an dem sich die Eisenschnalle befand. Als am Abend des 4. Dezember vorigen Jahres das Kind sich wieder schmutzig gemacht hatte, prügelten die Eltern es wiederum maßlos. Dre Mutter gab ihm einen Tritt in den xeib, packte es an den Ohren, hob es hoch und ließ es mehrmals fallen, so daß öS wieder- öo i i aus denHinterkopf stürzte. Gegen Mitternacht starb da- arme mißhandelte Wesen. Aus der provinzialhauptsiadi. Dietzen, den 15. April 1930. Oer Enzian aus den Rödger Wie,en. 3m Anschluß an unsere OlotiA in der Samstag- nummec wird unS noch geschrieben: Leider kamen die Warnrufe: Schutz dem ®n- Äian' au späd. Der ön^ian ist von unverständiger Hand gepflückt. Sin Besuch der Wiesen ist daher zwecklos. Fußspuren und zertretene- Gras zeugen von der traur gen Tätig eit die.er Blumenfreunde. Jeder Besucyer der Wiesen macht sich strafbar, ebenso jeder, der mit gepflückten Pfänzchen betroffen wird. Denn die Wiesen sind von Siebener Naturfreunden gepachtet. Sollte es denn wirklich wertlos fein, vorerst durch Aufklärung unter der Bevölkerung und in den Schulen etwas au erreichen. Würde man dennoch das wehrlose Blümchen pflücken, wenn man wützte, daß man damit das Pflänzchen ausrottet? Jedermann weih, dah die Blüte dazu da ist. Samen zu erzeugen, die für die Fortpflanzung nötig sind. Sine andere Vermehrungsmöglichkeit als durch Samen ist dem armseligen Pflänzch^r versagt. Aach der Samenbildung stirbt es ab. Es bleiben keine Zwiebeln im Boden zurück wie beim Schneeglöckchen, kein Wurzelstock wie bei den ausdauernden Pflanzen übersteht die ungünstige Jahreszeit. Durch Ausläufer kann es sich erst recht nicht vermehren, wie es von der Erdbeere bekannt ist. ES ist nur auf sein einziges Blütchen angewiesen. Kann man eS fcrtigbrinaen, ein solches Blümchen au vernichten — mit Bewußtsein sicher niemand. Ein Aufklärungsversuch sollte Ersolg haben in einer Zeit, in der man sich zum Ziel seht, Bildung und Wissensergebnisse in die breite Masse zu tragen. Zur dauernden Erhaltung dieser merkwürdigen Fundstelle sind Raturschutzrnahnahmen nötig. Es ist kein Ruhmesblatt für Hessen, dah eS im Gegensatz zu anderen Staaten noch keine Ratur- fchuhgcsetze hat. Es ist nicht in der Ordnung, dah Blumen des Feldes auf dem Markte öffentlich feilgeboten werden dürfen. Früher aalt der Grundsatz: Was du nicht säest, sollst du auch nicht ernten. Soll das nun so weiter gehen, oder wollen wir Gießener Freunde der Statur uns nicht endlich zusammenschließen und von uns aus zu retten suchen, was noch zu retten ist? Ein einzelner vermag nichts. Helfen aber viele, dann ist es noch nicht zu spät I Heinrich Schaaf. Taten für Mittwoch 16. April. Sonnenaufgang 5.05 Uhr, Sonnenuntergang 18.56 Uhr. — Mondaufgang ‘>3.30 Uhr, Monduntergang 6.15 Uhr. 1786: der Seefahrer John Franklin in Spilsby geboren (gestorben 1847); — 1844: der französische Dichter Anatole France (eigentlich Thibault) in Paris geboren (gestorben 1924). Gießener ^och.nmarktprrrse. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: das Pfund Butter 140 bis 170 Pfennig. Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 biS 20, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 10 bi6 15, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4>/r bis 5, Siebtel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35. Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 50 bis 70 Pfennig das Pfund; Käse (zehn Stück) 60 bis 140 Pf.. Tauben 70 bis 80 Pf. das Stück, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 20 bis 25. Salat- gurken 75 bis 80, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig das Stück; Radieschen 15 bis 20 Pfennig das Bündel; Kar- totfein der Zentner 3,80 biS 4 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Licht- fvielhaus Bahnhofftrahe: Premier« „Ungarische Rhapsodie". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die durch die Karwoche einge.retene Spictplanänderung bittet man zu beachten. 3m Dienstagabonnement wird am Mittwoch. 16. April, 19.30 Uhr, „Louis Ferdinand, Prinz von Preutzen" gegeben. Am Donnerstag. 17. April, im Freitagabonnement, eb n alts „Louis Ferd'nand, Pr.nz von Preußen". Ostersonntag, zum letzten Wale, „Katharina Knie". Seiltänzerstück von Zuckmaher. Beginn 18.30 Uhr. Ermäßigte Preise. Am zweiten Ofterfeiertag wird das Reue Operetten-Theater. Frankfurt a. W. — die Bühne, die im vorigen 3ahr hier gastierte —, ein einmaliges Gastspiel mit der Operette „Panne um Mitternacht" von Waldau, gastieren. Es wird nochmals daraus aufmerksam gemacht, daß das Wittwochabonnement in der Karwoche ausfällt. •• Dienstjubiläum bei der Stadtverwaltung. Am morgigen 16. April kann der Berwaltungsoberinspektor Wilhelm Gilbert auf eine 25jährige Dienstzeit bei unserer Stadtverwaltung zurückblicken. Der Jubilar trat am 16. April 1905 in die Dienste der Stadt ein und war zunächst beim Qlm^namt beschäftigt. Am 1. April 1919 wurde er als Beamter an- gestellt, im Verlaufe der folgenden 3ahre war er dann beim Lebensmittelamt, in der allgemeinen Verwaltung, beim Gaswerk und seit 1923 auf dem Rechnungsamt beschäftigt. Seit etwa zwei Jahren versieht er auch das Amt des Protokollführers des Dtadtrates. Sowohl bei feinen Vorgesetzten, wie bei seinen Kollegen, im Stadtrat und in weiten Kreisen der Bürgerschaft genießt Herr Gilbert wegen seiner ausgezeichneten beruflichen Qualitäten, feines Pflichteifers und feines freundlichen, allzeit hilfsbereiten Wesens hohe Wertschätzung. •* Kein hessisches Marine-Ehren- mal 3u der durch die Presse gegangenen Nachricht von der Errichtung eines Denkmals für die gefallenen hessischen Angehörigen der Marine, das von der „Vereinigung der ehemaligen Marineangehörigen in Hessen" geplant sei und in Form eines Leuchtturmes am Rhein errichtet werden soll, teilt der Marineverein Darmstadt und Umgebung mit, daß es eine „Vereinigung der ehemaligen Marineang.hörigen in Hessen" nicht gibt. Die dem Bunde deutscher Marinevereine angeschlossenen Einzelvereine Hessens ständen dem Gedanken eines Sonder-Ehrenmals für Hessen völlig ablehnend gegenüber. ** D. H. D. Gießen. 3n den letzten Tagen führte der Deutschnationale Handlungsgehilsen- Verband, Ortsgruppe Gießen, tm Kaufmännischen Vereinshaus den letzten Wochenendlehrgang des Winterhalbjahres durch. Der Dortragsstosf „Textilien" konnte freilich nicht erschöpfend behandelt werden, weil das Gebiet zu umfangreich ist. 3m Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit bot der Vortragende, Herr Kraus von der Firma Böhringer, aber trotzdem soviel Wissenswertes, daß auch dieser Lehrgang ein großer Gewinn für die Teilnehmer gewesen sein dürfte. Der Lehrgang begann mit einer allgemeinen Uebersicht der hauptsächlichsten Spinnfasern und der ausführlichen Behandlung der Baumwolle, als der wichtigsten Textilfaser von der Pflanze biS zum Gespinst, sowie der Kunstseide und ihrer Geschichte. Besonderer Wert wurde auf die mannigfachen UntersuchungSmetho- den zur Feststellung der verwendeten Rohstoffe gelegt. Eine größere Lichtbildreihe und reichliches Anschauungsmaterial unterstützten hier die Ausführungen vortrefflich. Besonderer Dank wurde dem Vortragenden. Herrn KrauS. für seine hervorragende Leistung gezollt. " Elternabend des G. d. A. Die hiesige Ortsgruppe des G. d. A. veranstaltete am Samstagabend im Hotelrestaurant Hopfeld cincnSltem- abenb. Das reichhaltige Programm brachte zu- nächst eine Reihe musikalischer Darbietungen von Mitgliedern der 3ugendgruppe des G. d. A. Wetzlar, die auch im übrigen wesentlich zur Verschönerung deS Abends beitrug. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe. L. Zecher, wies nach einer kurzen Begrüßung auf die vorwärtsstre- benöen Kräfte von Frühling und 3ugendzeit hin, dabei, besonders betonend, daß 3ugendzeit gegenwärtig ein ernstes Wort in schwerer Zeit sei. Die 3ugend müsse durch die Schwere der Zeit den Weg zum Ausbau finden. Geschäfts'eiter Mack zeichnete in kurzen Zügen, wie bedeutungsvoll der Umgang deS aus der Schule entlassenen jungen Menschen für fein ganzes Leben sei. Hier beginne der 3ugendliche die Welt zu studieren, hier erhalte er das Rüstzeug nicht nur für feinen Beruf, sondern auch für fein sonstiges Leben. Die berufliche Organisation habe hier große Aufgaben an der 3ugend zu erfüllen. Sie müsse der 3ugend klarmachen, dah der Aufstieg unseres Volkes von der 3ugend abhängt. Die 3ugend müsse erkennen, daß sie dienen und verdienen müsse und nicht umgekehrt. Rur die zielbewuhte Erfüllung der Ausgaben bringe das von vielen ersehnte Glück. Der unterhaltende Teil des Programms enthielt eine Reihe von Liedervorträgen, einen Sprechchor „Voran, du junge Schar", sowie recht nette Volkstänze. Außerdem legten ein wirkungsvoll vorgetragener Vorspruch „Vorfrühling", eine Rezitation von Rudolf Herzog, sowie gemeinsame Bundeslieder, ebenso wie alle übrigen Darbietungen Zeugnis von echter 3ugenbarbeit ab. Preußen. Ein Derlehrsauto verbrannt. O Riederklee n, 15. April. (Eigener Drahtbericht., Gestern abend gegen 7 Uhr verbrannte zwischen Dornholzhausen und Riedcrkleen ein der Firma G. Freitag, Autoverkehrs G. m. b. H. in Butzbach gehöriges Verkehrsauto bis auf die Eisenteile. Das Auto, welches auf der Strecke Butzbach—Riedcrkleen— Dornholzhausen verkehrte, befand sich auf der Rückfahrt von Dornholzhausen nach Butzbach. Glücklicherweise war es unbesetzt. Die Ursache des Brandes soll auf einen Vergaserbrand au- rückzuführen sein. Die Kasse mit den Fahrgeldern (etwa 20 bis 30 Mk.) ist mitverbrannt. Eine Störung des Betriebes wird nicht ein treten. KreiS Wetzlar. Z Dorlar, 14. April. Das freie Gelände bei der Transformatoren st ation des hiesigen elektrischen Ortsnetzes ist als Sportplatz ausgewiesen und wird von der 3ugend unseres Ortes vielfach zum FuhbaUspielen benutzt. Dieser Tage flog nun abends bei einem solchen Spiel ein Ball vorn Sportplatz in die Hochspannungsleitung. Die Leitung riß, fiel zur Erde und es entstand starker Kurzschluß mit nachfolgendem Erdschluß. Die Störung wurde zwar von der Stromlieferungsfirma, Buderus-Wetzlar, alsbald beseitigt, während des Defekts waren aber außer Dorlar noch a cht andere Gemeinden ohne Strom. Leicht hätte der Kurzschluß großen Schaden für ein im Stromkreis liegendes, mit Elektro-Glühöfen arbeitendes industrielles Werk haben können. O Hochelheim, 13. April. 3n dem Wohnhaus des Landwirts Wilhelm Mack von hier brach gestern gegen 22 Uhr ein Speicher- brand aus, bei dem verschiedene Mobilia» stücke verbrannten, außerdem einige Balken ungebrannt wurden. Der Brand wurde durch herbeigeeilte Ortseinwohner gelöscht. Die Pflichtfeuerwehr brauchte bei ihrem Eintreffen nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Die EntstehungS- ursache soll auf einen Kaminbrand zurück- zusühren fein. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 14. April. Der frühere Rechner und Lagerhalter einer landwirtschaftlichen 'Bezugs- und Abfatzgenossenschaft eines kleinen Dorfes aus der Licher Gegend hatte sich heute wegen Unterschlagung. Untreue und schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Er war im wesentlichen geständig. Bei einer Kassenrevision und den daraufhin vorgenomme- nen Ermittlungen hatte sich herauSgeftellt, dah ein Betrag von etwa 30000 Mk. fehlte und daß eine ganze Reihe von Quittungen u s w. gefälscht waren. Der Angeklagte gab au, einen Teil des Geldes für sich verbraucht und Die Fälschungen begangen zu haben; wo daS übrige Geld geblieben ist, wollte er nicht wissen. Genaue Feststellungen insoweit waren nicht möglich; es besteht die Vermutung, dah ein Teil deS Defizits auch auf andere Umstände, insbesondere mangelhafte Buchführung und ungenügend« Kontrolle der Entnahmen aus dem Lager, zu- rückzuführcn ist. Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von 1 3ahr Gefängnis. Wettervoraussage. Der Rückseiteneinfluh der südöstlichen Störung führt über Deutschland zu kühlerem Wetter mit verbreiteten Schauern. Er bestimmt zunächst noch die Wetterlage, so dah der herrschende Witterungscharakter anhält. 3edoch gelangt mit dem Kaltluftzustrom der hohe Druck im Westen nach dem Festlande, welcher eine Besserung mit sich bringt. Bereits im Laufe des morgigen Tages dürfte es zur Durchbrechung der Wolkendecke kommen, dabei erfahren aber vorerst die Temp«- raturen noch keine wesentliche Aenderung. Wettervorhersage für Mittwoch: Anfang- wechselnd wolkig mit Schauern, dann ruhiger und aufheiternd, kühl. Wettervorhersage für Donnerstag: Wolkig und aufheiternd, vorwiegend trocken, mäßig warm. Lufttemperaturen am 14. April: mittags 11,2 Grad Celsius, abends 6,6 Grad; am 15. 2H>ril: morgens 5,7 Grad. Maximum 11,4 Grad, Minimum 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. April: abends 9,4 Grad; am 15. April, morgens 7 Grad. — Riederschläge 2,6 mm. — Sonnenscheindauer \\ Stunde. Verantwortlich für Politik: i. 93.: Ernst Blumschein. Nur noch den veredelten Kaffee „Idee“ von J.J. Darboven, Hamburg 15"" überall käuflich 313 v Soeben erschienen nachstehendeVolksausgaben: Fernruf 3342 Walltorstraße 21 Handelslehranstalten Glessen Herborn 16.60 2796 A 1660 Ob schwarz oder braun, ob Boxkalf oder Jedes Paar Ö Chevreau, ob Lack oder Lack mit Einsatz, ob ein- oder mehrfarbig, ist ganz gleichgültig. Eine Sensation für Deutschland bedeutet die Umwälzung auf dem Herrenschuhmarkt!!! kostet nur W. Bonseis, Notizen eines Vagabunden 3Teile In 1 Band F. Holländer, Der Weg desihomasTruck FrankThleÖ, Die Verdammten Jeder Band ungekürzt Ganzleinen 2.85 3052D Pfeiffersche Buchhandlung Praktisches Ostergeschenk An alle Herren I Mit dem heutigen Tage eröffne ich meine Lingel - Herrenschuh - Abteilung Der Alleinverkauf dieses Fabrikats wurde mir für Gießen und Umgegend übertragen. 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Lil Dagover • als Frau General: Lil Dagover, die Magyarenblut und Liebe in der ungarischen „Pußta“ sind die Untermalungen, welche der geniale Regisseur Hanns Schwarz zu einem herrlichen Spiel von Liebe, Leid und Lust, hier zu- ™k™enfugt^ um *n lebendigem Filmgeschehen das wiederzu- geben, was Franz LUz. in seinen bekannten Ungarischen S’°Jlen ilber das schöne, südländische Ungarland mir dessen de?äÄS rr ?^en un? 8e,nen heißliebenden Männern «er Menschheit überlieferte und vermachte! Heute Premiere des Millionen- und Spitzen-Films der Ufa, eine der bedeutendsten und schönsten Filmschöpfungen, welche seit Bestehen der Lichtspielkunst geschaffen worden sind I Ungarische Rhapsodie allseits beliebte Darstellerin, spielt die Rolle einer eleganten, raffinierten und gereiften „großen Frau“. Anfangszeiten: 4.00, 6.00, 8.30 Uhr — Gewöhnliche Preise: 0.80, 1.20, 1.50, 2.50 Mk. Für Parkett ' und Linoleum \ Drowewachs* gibt beispiellosen Hochglanz , JJrog.Winterhoff? X, Kreuzpl. 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Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Butzbach, den 14 April 1930. 1. fall Mil. MäuSburg 15 Tel. 34» l 2. 2696D Seetische lebende Normen lebende Schleie« Abeinialm Heilbutt Flunhcchte Lcebechte Rotzungen Schollen Breien frischer Zander Bestellungen erbitt. irühzeiltg ErsKr. Biedenkopft. Deutscher Wlechm» zu kaufen gesucht. Schr. Ang u. 3061D an den Giest. Anzeig. Gebr., gut erhaltene Sartenmöbel zu kaufen gesucht. Scbr. Angeb. unter 02567 n. d. Gff. Anz. mod. Kndemagen zu affen Preisen, sowie sinden tttentige mit- arbeiter allerorts, die Prioatkundschait besuchen, durch Ber» trieb eines glänzenden u. leichiver- käufltchen Artikels, der reihenden Absatz sinden wird. Reelle Sache. Jnteiessenten woll. Angeb. lichten an Lederwaren-Ver- trieb Hainstadt a. D„ •Mantel »Xl500 Zeigen \ “mmet biffen j 'S "«Wien! Neiger tm ton das Stiigttä lSstM tonnen, eine Miß 02576 M-euvlahl obren tei^üüenflr.14-16 am! Straße und Haus Bore, empfiehlt zu .Pfeiffer Sein£a»tn! M. rigekttns» a l8. 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Weine Erfahrung, so begrenzt sie zweifellos auch ist, hat bewiesen. Pandit Rehru, der Präsident des Indischen Nationalkongresses, neben Gandhi der radikalere Führer der indischen Neoolutionäre, wurde in Allahabad verhaftet und zu lcd)9 Monaten Gefängnis verurteilt. Dieser Schritt der englischen Regierung scheint eine entschiedenere Bekämpfung der revolutionären Indier anzudeuten. dah Gewaltlosigkeit eine starke aktive Kraft sein kann. GS ist meine Absicht, diese Kraft sowohl gegen die Gewalt der britischen Regierung als gegen die unorganisierten Kräfte Set wachsenden Partei der Gewaltan- wenkmng einzusehen. Die Hände in den Dchoß legen, würde bedeuten, diesen beiden Gewalten da- Feld zu überlassen.. 3n diesen Sähen, die Mahatma Gandhi kurz vor seinem demonstrativen, nunmehr beendeten Marsch ans Meer in einem Briefe an den indischen Vizekonig Lord Irvin richtete, spiegelt sich daS Kräfteverhältnis der indischen Ra- tionalbeweaung, deren treibende Faktoren auf der einen Seite Gandhi samt seiner Anhängerschaft, auf der anderen Seite der revolutro- när-kommunistische Flügel der radikalen Elemente ist, und denen auf dritter Seite die britische Herrschaft gegenübersteht. 3n diesen Sätzen spiegelt sich aber auch die Erkenntnis, dah die Methode der Gewaltlosigkeit dem weitaus größten Teil dec Masse in Indien bereits als eine überlebte, ja im Grunde apolitische Methode erscheint, und stelll sich im Lichte dieser Erkenntnis der Demonstrationszug Gandhis wie sein Schreiben an den Vizekönig, das er ja selbst als eine Art politischen Testaments empfindet, als der letzte Versuch dar, diese Methode zu rehabilitieren und sie erneut in Wirksamkeit zu sehen. In der Tat ist das Gefühl aller Gandhi-Gegner Wohl verständlich: denn feine „non violance“- Lehce in ihrem Wesen wie in all ihren theoretischen und praktischen Konsequenzen ist die Denkfrucht eines der Vergangenheit angehorenden und nicht einmal indischem Boden entstammenden Denkers, nämlich Tolstois. Gandhi war bereits zu der Zeit, als er sich noch in Südafrika als RechtSanwalt betätigte, in Beziehungen zu Tolstoi getreten (aus dem Buche von Birjukow „Tolstoi und der Orient“ haben wir ja überhaupt Tolstois ausgedehnte Beziehungen jum Orient erfahren), und diese Fühlungnahme, un Briefwechsel aufrechtzuerhalten. hat auf Gandhi den nachhaltigsten, bis in die Gegenwart hinein spürbaren Einfluh ausgeübt. Diese nachhaltige Wirkung erklärt sich freilich dadurch, dah Tolstois Lehren eine eigenartige Synthese mit dem Hinduismus eingingen, der das Wesen Gandhis durchdringt und in dem auch die bezaubernde Wirkung wurzelt, die er auf seine indischen und europäischen Jünger ausübt. Dieser zur Beschaulichkeit neigende Hinduismus fand in Tolstois „Aicht-Widerstand gegen dos Böse" da- einzige, ihm adäquate Mittel des politischen Kampfes. Angewandt aus speziell indische Verhältnisse, ergab sich daraus d i e Methode der „non Cooperation“, der Richtzusammenarbeit mit Den englischen Behörden, die ja noch passiven Eharakter trägt, sowie die Verweigerung des bürgerlichen Gehorsams, die aber — soweit sie sich z. D. in der Steuerverweigerung äuhert — bereit- dicht an die Grenze eines aktiven Kampfes herangeht, ohne freilich in diesen ganz überzu- gehen. Auch in den sehr konkreten Wirtschaftsfragen kann man denselben Einfluh verfolgen: so in Gandhis Propaganda der Rückkehr zum einheimischen Handwerk (besonder- zur Spinnerei) und in dem damit zusammenhängenden Boykott englischer Textilwaren, die z. D. im Juni v. 3. auf einem riesigen Scheiterhaufen in Kalkutta von Anhängern Gandhis öffentlich verbrannt wurden — auch hier übrigens eine nahe Berührung des passiven Kampfes mit dem aktiven. So fanden sich also auch Tolstois und Gandhis Abneigung gegen städtisches Wesen und Industrialisierung wahl- verwandtschaftlich zusammen! nur wurde das, was für den russischen Denker vor allem ein seelisches Reaktionsbedürfnis war, Jur seinen indischen Jünger auch zu einer politisch-ökonomischen Abwehrbewegung gegen die britische Herrschaft. _ Bezeichnend für den nachhaltigen Einfluh dieser Lehre ist es, dah Gandhi immer wieder auch in seinem Schreiben an Lord Irvin die Vorzüge der „reinen Gewaltlosigkeit“ verteidigt: bezeichnend ist es, dah er in seiner Polemik gegen alle Gewaltanwender seine (Segnet nicht nur in den britischen Machthabern, sondern auch in den indischen R e v o l u t i o n s k ä m p- fern gegen dieselbe britische Herrschast erblickt. Allein diesen Revolutionskämpfern erscheinen Gandhis Kampfmethoden selbst dann als veraltet und unzweckmäßig, wenn sie eine äußerst radikale Gestalt annehmen. So hat man auf dem vorjährigen Allindischen Rationalkongreh, der, unter dem Einfluh Gandhis, England das Ultimatum stellte, bis Ende 1929 (d. h. 10 Sabre nach den sog. Ghelmssord-Reformen) den Domini on-Status für Indien zu proklamieren, es erlebt, dah die Swarajisten von den Radikalen als „Verräter" gebrandmarkt wurden: so verliehen revolutionäre indische Studenten, als — wiederum unter dem Einfluh Gandhis — auf dem diesjährigen Rationalkongreh eine Resolution gefaßt wurde, die das Attentat auf den Dizekönig verurteilte, den Verhandlung s- saal, obwohl der gleiche Kongreß ja auch den Beschluß auf Beginn der Gehorsamsverweigerung gegen England faßte: so kam es Ende Januar d. 3. in Bombay bei nationalistischen Demonstrationen zu Zusammenstößen mit den indischen Kommunisten, die die indische Fahne durch die rote Fahne ersehen wollten, Unb so werden diese indischen „Gewaltanwender“, gegen die sich Gandhi in seinem Briefe wendet, auch den ganzen DemonstrationS- a des Mahatma ans Meer als eine lächer- Geste empfinden, zumal die britische Obrigkeit dieser Geste nicht einmal die Ehre erwiesen hat, sie durch Verhaftung Gandhis zu einem irgendwie wirksamen Kampf alt zu erheben. ES ist ein eigentümliches Spiel der Geschichte, daß diese revolutionären Kämpfer Indiens vielfach kommunistisch durchsetzt sind, so dah wie in Gandhi der Einfluh Tolstois, in ihnen der Lenins zu spüren ist. Dafür gibt es aber auch Gründe in der geschichtlichen Entwicklung Indiens selbst. Jene Industrialisierung, die Gandhi durch die Propaganda des SpinnrvckS zu bannen sucht, den er selbst am Leibe trägt (wie Tolstoi die Dauernbluse trug), sie läht sich durch diese Propaganda nicht aufhalten und macht Fortschritte, wenn sie auch nach europäischen Begriffen erst in den Anfängen steckt. Aber bereits sind Streiks an der Tagesordnung, deren größte — in der Textil- und in den Petroleumwerken in Bombay mit ihren blutigen Folgen — wohl in aller Erinnerung sein dürften. Auch die Organisation der Arbeiterschaft schreitet fort. Dah diese Entwicklung für kommunistische Aktionen nicht ungünstigen Boden darbietet, ist klar. 3m Januar 1929 hat daher Lord Irvin in die Gesetzgebende Versammlung zu Delhi eine anti- kommunistische Vorlage eingebracht (sie ist inzwischen auf dem Dcrordnungswege zum Gesetz aeworoen) unter gleichzeitiger Versprechung der Einsetzung eines Komitees zum Studium der Lebensbedingungen der indischen Industriearbeiter (die aber bisher unseres Wissens nicht eingefallen wurde». Bereits auf der Londoner Reichskolonialkonferenz im Jahre 1926 klagte Lord Lytton, der Gouverner Bengalens, über zunehmenden kommunistischen Einfluß. Unb mag dieser Einfluß auch sowohl von Engländern wie von Sowjetrufsen übertrieben sein, er läßt sich nicht bestreiten und er nimmt zuweilen auch äußerlich unverkennbare Formen an, so bei dem Attentat im Gesetzgebenden Rat zu Delhi im April vorigen Jahres in Gegenwart Lord Simons, des Führers der Simon-Kommission, als der Verhand- lungssaal von roten Flugblättern übersät wurde, die am Kopfe den Aufdruck .Hindustanische sozialistisch- republikanische Armee" trugen. Kein Zweifel: Für die britische .Herrschaft ist diese, wie Gandhi selbst sagt, wachsende „Partei der Gewaltanwendung" bei weitem unangc- nehmer und taktisch g e s ä h r l i ch c r als die emara- jistewPartei. Allein im Kampfe gegen diese beiden Parteien vermag sich England auf vier Elemente zu stützen, die, bei allem inneren Unterschied ihrer In» teressen und Richtungen, doch darin gemeinsam sind, daß sie kein Interesse an der Loslösung von England haben, die sowohl die Swarajisten als die Revolutionäre — wiederum trotz ihrer sonstigen Unterschiede — beide anstreben. Diese vier Elemente sind: die Häupter der F ü r st e n h ä u s e r, die vom Wegfall der britischen Herrschaft den Verlust ihrer eigenen Herrschaft befürchten: die l i b e r a l e n Hindus, die zwar die Unabhängigkeit Indiens anstreben, aber doch in der relativen Form der Stellung Indiens als Dominion innerhalb des British Empire: die Mohammedaner, die von einer Herrschaft der Hindus die Schädigung ihrer eigenen Interessen befürchten: und schließlich die i n d i s ch e n Parias, die lediglich an der Verbesserung ihrer sozialen Lage interessiert sind, denen aber gleich- gültig ist, wer an der oberen Spitze der sozialen Stufenleiter steht — eine indische oder eine britische Kaste. . Einen entscheidenden Krieg gegen tue britische Herrschaft haben die Anhänger Gandhis den von ihnen eingeleiteten Kampf genannt. Die Ereignisie erwiesen diese Kennzeichnung Immer noch als übertrieben. Sie bestätigen vielmehr die Worte Hel- muths von Glasenapp in seinem kürzlich erschienenen Büchlein über Britisch Indien: Englands Herrschaft fleht nach innen vorläufig unerschüttert da. Durch rücksichtsloses Vorgehen gegen alle ihre Widersacher, , durch vollständige Entwaffnung des gesamten Volkes, durch geschickte Ausnutzung aller der zahlreichen religio,en, völkischen und parteilichen Differenzen innerhalb des Indertums. haben es die Briten Dcrftanben, eine Wiederholung der Ereignisse von 1857 — als Inder und Mohammedaner einen letzten Freiheits- kampf versuchten — unmöglich zu machen." Cambridge siegt mit 2 Längen. — —— MF V ■■ Oben: Der Endspurt — Cambridge führt mit zwei Längen. Unten: Cambridge nach dem Sieg. In unserer gestrigen Meldung über den Ausgang des englischen Achterrennens Oxford gegen Cambridge ist durch ein bedauerliches Versehen das Resultat auf den Kopf gestellt worden. Nicht Oxford, sondern Cambridge gewann mit zwei Längen das traditionelle Rennen. - ------i--—--------------------------------- ; Gießener Gtadttheater. Gastspiel Max Mb albert: „Tas Parfüm meiner Frau" Max Adalbert, obwohl kein Berliner von Geburt, ist nächst Paul Graeg der berlinischste aller berliner Schauspieler. Während Graetz jedoch mehr den östlichen und nördlichen Einschlag des 'Berliner- rums präsentiert, mehr für den Wedding und das berühmte Scheunenviertel zuständig ist, vertritt Adalbert den Westen; er ist am Kurfürstendamm zuhause; noch genauer: rund um die Gedächtnis- kirche rum. Das ist sein Element. • Adalbert ist, wie Graetz, der Liebling der Berliner. Er ist sogar, wenn es möglich ist, noch volks- rümlicher als jener, obwohl der sein Publikum im vertrautesten Dialekt anzuquasseln vermag. Adal- bert spricht keinen Dialekt, er redet Hochdeutsch, so hochdeutsch wie der Zeitgenosse um die Gedächt- niskirche rum anno 1930 hochdeutsch redet. Hochdeutsch mit Jargon sozusagen. Man kennt diesen Tonfall, wenn man eine Nummer der „Lustigen Blätter" gelesen hat oder den „Ulk". Es ist eine Weltsprache für sich. • Das echte Berliner Publikum reagiert genau so unmittelbar darauf wie auf die ausgeprägteren Akzente aus den Randzonen seines Riesenreiches, aus dem Norden, dem Osten, aus dem Zentrum, wo es am dicksten ist und den grenzenlosen Bezirken der Laubenkolonien und Schrebergärten „j. w. d.", janz weit draußen. Es liebt also beide, diesen wie jenen, weil es sich von beiden — auf „hochdeutsch" ober im Dialekt — angesprochen und verstanden fühlt. Beide reden, jeder auf seine Weise, ihm aus dem Herzen; beide berühren verwandte Seiten in ihm. Sie verstehen sich gegenseitig wie Mann und Frau oder Mutter und Kind. Beide haben, ausgeprägt, gesteigert, verdoppelt, verdreifacht, in der Potenz — das, wovon noch der letzte Parkettbesucher (von der sachverständigen Galerie ganz zu schweigen) ein wenig, einen kleinen Prozentsatz, eine Ahnung in sich selber spürt. Und jeder ist b^lüdi und entzückt, sein Bißchen, gesteigert, karikiert und auf die Spitze getrieben, aus ihrem Munde wieder zu hören. Der Berliner liebt an beiden immer ein Stückchen seines eigenen Wesens; so selbstgefällig und so selbstironisch ist er; und wenn er über jene lacht, lächelt er, unbewußt und im Stillen, über sich selber mit. ♦ Dieses merkwürdige Etwas ist so kompliziert zusammengesetzt, daß es nicht ganz leicht zu betreiben ist; jedenfalls braucht man mehrere Worte da- für. Etwa: Schlagfertigkeit, Mutterwitz, Quassel- strippe, Frechheit, SchnoddrigkeitFialauerei, Klappe, Wurstigkeit, „Dolksmund", Sprichwörter und Re- bensarten wie zum Beispiel „das is noch garnix", ,Lhr Wort in Gottes Ohr", .Kommt jarnich m Frage", „das sowieso" ... und was dergleichen Wendungen meyr sind. Dies alles finbet man bei beiden konzentriert, als Einheit, als kompakte Masse gewissermaßen. Bei Graetz im saftigsten Stil des Alexanderplatzes — bei Adalbert auf hochdeutsch. (Wir haben klarzu- machen versucht, was es mit dieser Sprache auf sich hat.) Adalbert hat sich, seit wir ihn zuletzt sahen, am Kurfürstendamm, wenig verändert. Etwas in die Breite gegangen vielleicht — das ist alles. Sonst ist er der Alte geblieben. Er ist die Trockenheit in Person, lieber seine Sippen aber bringt ein Rebe- schwoll, der den Zuschauer wie ben Partner entwaffnet. Der Partner hat es nicht leicht. Er muß bie Lücke finden, wo er einsetzen kann, wenn er Glück hat. Was heißt da Stichwort, wenn jemand so drauflos improvisiert wie Adalbert. Das macht außer chm zur Zeit wohl nur Pallenberg. Herr Leo Lenz würde sich vermutlich wundern, was so im Lauf der Zeit aus feinem Text geworden ist. (Dem Tert hat es, nebenbei bemerkt, sicherlich nichts geschadet. Solche Texte können durchaus nur profitieren, wenn sie jemandem in die Hände fallen wie Adalbert. Dem Partner wirb sozusagen ein Loch in ben Bauch gerebet. Unb Adalbert nimmt keine Rück- sicht darauf, wen er vor sich hat. Ein gefährlicher Mensch. Sicher ist es nicht leicht, mit ihm zu spielen. Denn sicher hat er es nicht bei feiner Rolle bewenden laßen, sicher hat er sich auch über die Rollen feiner Partner hergemacht unb ihnen bie Stichworte eingesetzt, bie er für feine Pointen braucht. Wenn er seinem Freunde erzählt, daß ihn seine Frau betrogen habe in dieser Nacht, so antwortet dieser Freund nicht etwa: „Mit wem?", sondern: „Mit wemmenem?" — und dies nur, da- mit Adalbert, betrogener Ehemann, schäumend vor gerechter Empörung dies ein dutzendmal wiederholen kann voller Abscheu darüber, wie wenig jener sein vermeintliches Unglück ernst nimmt. Es ist furchtbar dumm, aber man muß lachen. Ueberhaupt ist die Hälfte von dem, was an diesem Abend gerebet wird, ein haarsträubender Blödsinn. * Aber es ist Adalberts Stärke, unb dies hat ihn berühmt gemacht, aus haarsträubendem Blödsinn, mit todernstem Gesicht vorgebracht, seine besten Pointen zu holen unb seine unfehlbarste Wirkung zu erzielen. Er ist empört, er ist gutgelaunt, er ist verliebt in seine Frau, er hat keine Lust auszugehen, er ist „krank", er unterhält sich patriarchalisch mit dem Personal (ohne sozialen Hochmut, „von Mensch zu Mensch"), er telephoniert, er ist ein rächender Gott, schrecklich in seinem Zorn, er schimpft in den höchsten Tönen auf die Rechtsanwaltschaft, er singt das Lied vom schönen Gigolo und bricht mittendrin ab, weil man „so etwas" nicht singen kann; er ist unbeschreiblich. Er hat sich kaum verändert. Er ist der Alte geblieben. Vielleicht ein bißchen in die Breite gegangen. Unb er singt auch nicht mehr so viel wie früher. Vor einigen Jahren hätte man sicher den ganzen „Gigolo" mit eigenen Variationen zu hören bekommen. Gespielt wurde „Das Parfüm meiner Frau", Lustspiel in drei Akten von Leo Lenz. Ein unbeträchtliches Stück. Ohne Adalbert wahrscheinlich sogar eine ziemlich schwache Angelegenheit. Es ist schon deswegen schwer, etwas darüber zu sagen, weil man heute wohl kaum noch entscheiden kann, was daran von Lenz ist und was von Adalbert.'Don Wolbert ist bestimmt nicht das Schlechteste. Ueberhaupt wertet man das Ganze am besten nur als Vorwand, als Folie, als Anlaß für Adalbert. Und es ist gut, daß es solche Stücke gibt, an denen nicht viel zu verderben ist, die nur gewinnen tonnen, wenn sie einem Prominenten in bie Hände fallen und von ihm für eine Riesengastfpielreise burch bie Provinz zurecht gemacht werden. • Also: ein nachträglicher Faschingsscherz. Vom Rosenmontow abends Ms Faschingsdienstag mittags. Der Herr Professor und die gnädige Frau gehen, jeder für sich, auf denselben Ball. Jeder denkt, der andere bleibt daheim. Zur Vorsicht unb der Kontrolle wegen legt jeder jemanden ins verwaist« Bett; er den Diener, sie die Zofe... Weitere Einzelheiten seien uns in Gnaden geschenkt. Ueberslüssig zu erzählen, daß das Parfüm der gnädigen Frau am andern Morgen als Indiz eine beinah verhängnisvolle Rolle spielt, ... und daß die Rede des befreundeten, von beiden Teilen hinzugezogenen An- walts in sich zusammenbricht, als sich rausstellt, daß weder in noch außer dem Haufe während der Faschingsnacht mehr oorgefallen ist, als einem Lustspiel mit heftigem happy end gugemutet werden kann. Ohne 21balbert wäre das alles ein schwacher und verspäteter Faschingsschwank, desien plumpe Pointen man meilenweit kommen sieht Adalberts Pointen kann man nicht kommen sehen. Sie sind da. Und wie sie da sind. Er ist populär. Er garantiert den Erfolg. Und der Erfolg ist so durchschlagend, so ausgiebig und offenbar jederzeit in gleicher Stärke wiederholbar, — daß sich das Publikum kaum die Köpfe darüber zerbrechen wird, ob soviel Volkstümlichkeit nicht vielleicht doch auch eine Kehrseite haben konnte, ... unb daß sie, in diesem Falle, einem ganz starken Talent vielleicht für immer ben Weg zu großen, ernsthaften und wertvollen 2luf- gaben verbaut hat. (Der Abstecher zum „Collegen Crampton", den Adalbert vor kurzem unternahm, konnte nachdenklich stimmen. Aber bas gehört ja eigentlich nicht hierher.) * Regie: Fritz Friedmann-Frederich. Neben Adalbert bas Ensemble des Kleinen Theaters unter den Linden. Eine sauber eingespielte, aber nirgends über anständigen Durchschnitt hinausreichende Besetzung. Anneliese Würz; Heinz Sarnow; Colette Cor der; Bertold Reißig; Olga Limburg. — Das gut besetzte Haus verbrachte einen angeregten Abend. hih. Turnen, Sport und Spiel. AusscheidungSlämpfederTurnerfechter Jür das Kreisturnfest in Hanau. Die 2. Gruppe des Mittelrheinkrei- ses brachte ihre Ausscheidungskämpfe im Florett und Degen für die kommenden Krcismeisterschaften in Bürgel zur Durchführung, wo die Fechtabteilung der Tg. Bürgel ihr 30jähriges Bestehen feierte. Insgesamt waren im Florett 38 und im Degen 12 Meldungen abgegeben worden, so daß sich die Kämpfe bis in die Abendstunden erstreckten. Die gezeigten Leistungen standen auf beachtlicher Stufe, jeder Treffer war heiß umstritten. Die Ergebnisse: Florett: 1. Martin, Tv. 1860 Frankfurt, sechs Siege: 2. Wenzel, Tg. Bürgel, fünf Siege: 3. Stork, Tv. Offenbach, vier Siege: 4. Brückner, Tg. Bürgel, vier Siege: 5. Rothsuß, Tg. Bornheim, drei Siege: 6. Will, Tg. Höchst, drei Siege: 7. Drendle, Tg. Bockenheim. zwei Siege: 8. Horn, Tg. Höchst, ein Sieg. — Degen: 1. Stork, Tv. Offenbach, sieben Siege: 2. Mahr, Tv. 1860 Frankfurt, fünf Siege: 3. Dehe, Tv. Offenbach, vier Siege: 4. Hau, Tg. Bürgel, vier Siege: 5. Boll, Tfc. Hanau, drei Siege: 6. Will, Tg. Höchst, drei Siege. Handball im Männerturnverein (O.T). Tv. Wehlar -Niedergirmes I — Mtd. Gießen I 6:6 (2:3). ,2lm Sonntag trug die erste Mannschaft des hiesigen Männerturnvcreins ein Handball- Freundschaftsspiel gegen die gleiche Mannschaft des Turnvereins Wetzlar-Niedergirmes aus. Niedergirmes stellte eine sehr spielstarke Mannschaft. Während Niedergirmes nur mit einem Ersatz- stürmer antrat, mußten die Einheimischen mit fünffachem Ersah das Spiel bestreiten. Die Gäste konnten innerhalb von zehn Minuten zwei Treffer buchen. Ietzt merkten die Einheimischen, was für einen gefährlichen Gegner sie vor sich hatten. Der Gießener Sturm trug Angriff auf Angriff vor das gegnerische Tor, was zum ersten Erfolg führte. Kurz danach konnte der Gießener Halbrechte das Resultat auf 2:2 stellen: kurz vor Halbzeit ging Gießen mit 3:2 in Fühimng. In oer zweiten Halbzeit konnten die Mtv.er dann das Resultat auf 4:2 stellen. Den Anstrengungen des Niedergirmeser Sturmes gelang es schließlich, berde Tore aufzuholen (4:4). Nachdem die Mtver durch Stcafwurf wieder die Führung übernommen hatten, glichen die Gäste nach kaum fünf Minuten ebenfalls durch einen Strafwurf zum dritten Male aus. Nach einer Strafecke gingen die Mtver durch einen neuen Erfolg wieder in (Führung, mußten sich aber gefallen lassen, daß chre Gegner prompt mit dem Ausgleich" tor erwiderten. Wenige Minuten danach erfolgte der Schlußpfiff, so daß das abwechselungsreiche Spiel mit 6:6 sein Ende fand. 1. Jugend Tv. Wehlcr - Niedergirmes gegen 1. Jugend Mtv. Gieren 0-10 (0:3). t Spiel- der ers'en Man schäften trafen sich Die ersten Iugendma.l..,^,.r.i der beiden Dereine ebenfalls zu einem Handball-Freundschaftsspiel. Wie vorausgesagt, waren die Män- yerturner sowohl körperlich als auch an spielerischem Können ihren Gegnern stark überlegen . und konnten einen hohen 10:0°Sieg erringen. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 Gießen — Viktoria Aschaffenburg 1:0 (1:0). ö. Die Zuschauer bekamen ein durchweg spannendes, sehr faires Spiel zu sehen. Beiderseits wurde restlos mit allem Energieaufwand um den Sieg gekämpft, so daß gegen Schluß beide Mann» schäften am Ende ihrer Kräfte angelangt waren. Der Sieg der Einheimischen war verdient auf Grund der zahlreicher herausgearbeiteten Torchancen. Wenn davon nur eine zum Erfolg verwertet wurde, so lag dies in erster Linie an den hervorragenden Abwehrleistungen des Gästetorwarts, anderseits hatten die Blauweißen des öfteren Pech und vergaben mehrfach die besten Gelegenheiten durch Zufall. War vor der Pause 1900 mit dem Rückenwind leicht überlegen, so war dies nach dem Wechsel Aschaffenburg in demselben Maße. Man hatte es mit zwei gleichwertigen Gegnern zu tun, und der Sieg der Blau- weißen ist um so anerkennenswerter, als man der Aschaffenburger „Viktoria" als Ostmainkreis- melster bei den jetzt beginnenden Auf- ftregsplelen zur ersten Süddeutschen Klasse (Oberliga) die besten Chancen gibt. 1900 fanö sich gleich und setzte einige Bombenschüsse auf des Gegners Heiligtum. Im Lieber- eifer wurde aber nicht genau geschossen. Erst ein glanzendes Zusammenspiel erbrachte unhaltbar den ersten und einzigen Treffer des Spieles kurz vor dem Seitenwechsel. Bis dahin hatte Aschaffenburg mir wenig Torgelegenheiten. Nach der Pause iedoch einige mehr. Zweimal landete auch der Ball im Gießener Tor, jedoch war das Spiel schon vorher wegen Regelwidrigkeiten unterbrochen worden. 1900 hatte auch in der zweiten Halbzeit eine ganze Anzahl ausgezeich- n nrE .Avancen, die aber alle versiebt wurden. Auch die Reserven 1900’d zeigten sich diesmal von der besten Seite. Cs ist keine Kleinigkeit, auf dem gefürchteten Heuchelheimer Sportplatz der dortigen Ligamannschaft einen 5:2°Sieg ab- Äunngcn einige Aenderungen in der Mannschaftsaufstellung waren von Erfolg. Es war ein elfmeterreiches Treffen. Von vier verhängten wurden iedoch nur zwei verwandelt, und zwar von feder Partei einer. I900 I * 3; Mannschaft gegen Ehrings- kam nicht zustande. Aunde auf vormittags nach Gießen angesetzten Freundschaftsspiel 1900 4. Laubachs 2. waren die Platzbesitzer nur Elf dUF. Stelle. Die Einheimischen muhten deshalb mit einer 3:0-Niederlage vorlieb nehmen. Spiele der Jugend. Tugend. Germania Marburg 1. Iugend ^?er Mesner: das Resultat lautet 4:0 für Gießen. Von Anfang bis Ende ein interessantes Spiel mit wechselnden Momenten. Die Gegner waren sich technisch ebenbürtig. 2. Iugend. Vor der 1. Iugend spielte diese Legen die 2. Iugend der Germania Marburg und gewann erwartungsgemäß 2: 1. Leicht wurde ihr nicht, denn der Gegner war ebenbürtia Auch dies war ein schönes Spiel, doch fehlte beioen Parteien das notwendige System ? 3 3u9eni>. Diese spielte auf dem Waldspürt- Plah gegen die gleiche Iugend des V.f. B. und verlor das Spiel 3:0. no 1. Schüler. In Wetzlar konnten sie gegen die ^dortigen Schüler des S. V. Wetzlar nach überlegenem Spiel einen 3:2-Sieg erkämpfen. V. f. B. Die Ligareserve war bei der ersten Mannschaft des Futzballvereins Weilburg zu Gast und brachte ein in Anbetracht der Spielstärke des Gegners sehr gutes Ergebnis mit nach Hause. Nach scharfem Kampf, bei dem Gießen durch den ungewohnten Platz benachteiligt war, trotzdem aber bis kurz vor Schluß mit 3:2 führen konnte, gelang es Weilburg in letzter Minute noch den Ausgleich zu erzielen. Trotz des Vorteils des eigenen Platzes mußte sich die dritte Mannschaft von der ersten Steinbachs mit 3:4 geschlagen bekennen. Bei V. f. B. sah man zwar die besseren Einzelleistungen, besonders die reifere Technik, was aber die Gäste durch größeren Eifer und vor allem durch ihr wuchtiges Spiel wieder au^zua'e'chen verstanden. Dos angesagte Spiel der vierten Mannschaft gegen die zweite Steinbachs ram nicht zum Austrag. Die Alten Herren überraschten durch ihr technisch gutes Spiel und konnten ihren Gast, die erste Mannschaft Biebers, nach flottem Kampf mit 1:0 schlagen. Die erste Iugendmannschaft hatte sich die gleiche vom Sportverein Hopfgarten bei Alsfeld zu einem Gesellschaftsspiel eingeladen, das die sympathischen Gäste mit 3:2 für sich entschieden. Die außerordentlich kräftige Mannschaft Hopfgartens war eine Lleberraschung. Sie spielte unerwartet gut und hinterließ den besten Eindruck. Das Treffen wurde beiderseits ruhig und fair aus- getragen. Im Gegensatz hierzu stand die Begegnung der dritten Mannschaft gegen die gleiche der Gießener Spielvereinigung. Drei Spieler des Gegners mußten auf Geheiß des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen. Schluhresultat: 3:0. Handball in Lich. Die erste Mannschaft des Turnvereins Albach und die gleiche des Turnvereins 1 8 6 0 Lich traten sich am Sonntag zu einem Freundschaftsspiel in Lich gegenüber. Beide Mannschaften lieferten sich ein spannendes Spiel, reich an fesselnden Momenten. In ihrer Leistungsfähigkeit waren sie sich gleichwertig, so daß auf beiden Seiten hitzig um den Sieg gekämpft wurde. Der Licher Sturm zeigte Unsicher- heit im Torwurf und verpaßte einige gute Torchancen im Gegensatz zu den Albachern, deren Halblinker besonders hervorgehoben werden muß. Die Gäste konnten mit einem knappen 5:4°Sieg das Spielfeld verlassen. Turngau Labn-Oünsberg. Rodheim I — wiefeck I 8:2 (6:0). Deide Mannschaften trafen sich in Rodheim zu einem Gesellschaftsspiel in kompletter Aufstellung. In der ersten Halbzeit gestaltete Rod- heim das Spiel leicht überlegen, was dem Halbzeitergebnis entspricht. In der zweiten Halbzeit war ausgeglichenes Feldspiel, in dem beide Mannschaften noch je zwei Treffer erzielten. Wieseck war Rodheim in bezug auf Zuspiel etwas überlegen, jedoch scheiterten die meisten Angriffe an der Rodyeimer Hintermannschaft. Für ihr faires Spiel verdienen beide Mannschaften ein Lob. Rodheim Iugend — wiefeck Iugend 2:2. Die Iugendmannschaften lieferten sich ein gleichwertiges Spiel. Beiden Mannschaften ist in Bezug auf Fangsicherheit und Zuspiel noch manches zu wünschen. Beuern I — Burkhardsfelden I 4:3 (2:3). -Zu diesem Freundschaftsspiel trafen sich diese Mannschaften in Beuern. Beuern, welches mit Ersah und Umftellung antrat und das Spiel zuletzt nur mit 9 Mann bestreiten mußte, siegte knapp, aber verdient. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Gießen I — Heuchelheim I 2:2. Beide Mannschaften standen sich am vergangenen Sonntag im fälligen Serienspiel auf dem Trieb gegenüber. Vom Anstoß ab sah man ein lottes Spiel. Den Gästen gelang es zuerst, durch chönen Schuh in Führung zu gehen. Halbzeit 0:1. Gießen kann bald den Ausgleich Herstellen. Schließlich kommen beide Mannschaften abermals zum Erfolg. Vorher standen sich Gießen II und Londorf I gegenüber. In einem reichlich harten Spiel konnten die überaus flinken Gäste der Platzmannschaft eine 3:1-Niederlage auszwingen. wieseck I — Lollar I 2:2. 3n Wieseck standen sich diese Mannschaften gegenüber. Vom Anstoß ab legen die Einheimischen mächtig los und erzielen nach kurzer Zeit zwei Tore. Gegen Ende der ersten Halbzeit kann dann Lollar ein Tor aufholen. Halbzeit 2:1. Einmal noch gelang es dem Gästelinksaußen, den Hüter der Einheimischen zu schlagen. So sand auch dieses Spiel einen unentschiedenen Ausgang. wieseck Ib — Wehlar I 1:1. Born Anstoß ab sah man offenes Feldspiel. Mit 0:0 geht es in die Pause. Nach Seitenwechsel ging Wieseck in Führung. Wetzlar kann bald den Ausgleich Herstellen. Alle weiteren Versuche zum siegbringenden Tore zu kommen, scheitern auf beiden Seiten. Grohen LInden I — Oppenrod I 7:1. 3n Großen-Linden lieferten sich beide Mannschaften ein schönes Spiel. Bereits in der elften Minute gingen die Einheimischen durch Elfmeter in Führung und erhöhten bereits nach kurzer Zeit Are Torzahl auf 2:0. Nach Seitenwechsel sind me Einheimischen stark überlegen und erhöhen ihre Torzahl auf 7:0. Erst kurz vor Schluß können die Gäste zu ihrem längst verdienten Ehrentor kommen. Daubringen I — Burkhardsfelden I 2:0. Cfn Daubringen lieferten sich beide Mannschaf- ten ein scharfes Spiel. Daubringen gelang es, zwei Tore vorzulegen, denen die Gäste trotz allen Anstrengungen nichts entgegensetzen konnten. Trais I — Annerod I 3:2. r^0-6, der Neuling des Bezirks, zeigte in die- stm Spiei, nachdem er am Vorfonntag auf eigenem Platze gegen Staufenberg eine hohe 10.0-Niederlage hliinehmen mußte, eine bedeutend bessere Leistung. 9a,n3es Können entfalten und die fpieleifngen Gaste mit obigem Resultat heimschicken. Watzenborn Igd. — Beuern Igd. 12:0. Das Torresultat überrascht, ist jedoch verdient. Watzenborn mar dem Gegner technisch weit über- legen. Bereits bis zur Pause führte Watzenborn mit 6:0. Auch nach Seitenwechsel gelang es den Gästen nicht, die Mittellinie zu überschreiten, während Watzenborn bis zum Schlüsse noch weitere 6 Tore entgegenstellen konnte. Handball. Zn Wißmar standen sich die Handballer Krofdorfs und Wicsecks in einem Propagandaspiel gegenüber Wieseck, das nur mit 9 Mann antrat, hatte Mühe^ die Angriffe des Gegners abzuwehren. Krofdorf verstand es, fünfmal dem Gegner das Nachsehen zu geben. Wieseck mußte sich mit 5:0 geschlagen bekennen. Strafkammer Gießen. * Gießen, 11. April. Wegen gefährlicher Körperverletzung und verbotenen Waffentragens war ein Landwirt durch das Amtsgericht Grünberg zu einenMo- nat Gefängnis und z u 5 0 M a r k Geld- ft r a f e verurteilt worden. Außerdem war auf Einziehung des bei der Tat benutzten Iagd- gewehres erkannt. Der Angeklagte bemerkte eines Nachts auf dem Nachhauseweg, daß er von zwei Männern verfolgt wurde, von denen er einen erkannte. Es war ein Dienstknecht, mit dem eines seiner Dienstmädchen ein Verhältnis hatte, dem er sein Haus verboten hatte. Obwohl der Angeklagte unbelästigt seine Behausung erreicht hatte, ging er auf das Anschlägen feiner Hunde, letzt mit seiner Iagdflinte ausgerüstet, nochmals auf die Straße. Hier stieß er, etwa 40 Meter öon seiner Hofreite entfernt, auf den von ihm vorher erkannten Burschen. Dieser, als Zeuge vernommen, gab an, er habe an dieser Stelle den Angeklagten erwarten wollen, um ihn wegen semes Verhaltens zur Rede zu stellen. Iener dagegen behauptete, daß der Zeuge sofort auf ihn geftürat sei. -Um ihn abzuwehren, habe er ihm eine Schrotladung in die Beine geschossen. Dem Angeklagten gelang es nicht, diese von ihm behauptete Notwehr zu beweisen. Seine Berufung hatte aber insofern Erfolg, als er mit Rücksicht auf die Erregung, in die er sich seiner- jeit wfand, an Stelle der Freiheitsstrafe zu einer Geldstrafe von 150 Mark evtl. 30 Sage Gefängnis verurteilt, und die wegen unerlaubten Waffenführens erkannte Geldstrafe auf 2 0 Mark, evtl, vier Tage Gefängnis heraö* gefetzt wurde. Das Iagdgewehr bleibt eingezogen. Em junger Mann, der wegen Zuwiderhandlung gegen die verkehrspvli- ze-ilichen Vorschriften sehr häufig vorbestraft ist, fuhr mit seinem Motorrad mit solcher Wucht gegen das Fuhrwerk eines Metzgers, daß dieser vom Wagen geschleudert wurde und besinn nungslos liegenblieb. Wäre der Angeklagte mit besserer Beleuchtung und nicht mit einer solchen Geschwindigkeit gefahren, dann hätte er dem Fuhrwerk rechtzeitig ausweichen können, der Zusammenstoß wäre vermieden gewesen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hat das Amtsgericht Lauterbach gegen den Angeklagten auf zwei Wochen Gefängnis erkannt. Die dagegen verfolgte Berufung wurde jetzt kostenfällig zurück- gewiesen. Auch das Berufungsgericht war der Meinung, daß der Strafzweck nicht durch eine Geldstrafe zu erreichen sei. Wegen Einbruchsdieb st ah fZ war ein Arbeiter durch das Amtsgericht Bad-Nauheim zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Gericht hielt ihn auf Grund von Indizien für überführt, einem Geflügelfarmbesitzer etwa 7 Pfund Gänsefedern au8 dessen Lagerraum gestohlen zu haben. In der jetzigen Verhandlung gelang es aber dem Angeklagten, seine Angaben durch andere Zeugen teilweise bestätigt zu erhalten, so daß das Gericht sich von seiner Schuld nicht ausreichend über» zeugen konnte. Anter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde er mangels Beweises freigesprochen. Kunst und Wissenschaft. Das Mainzer Theater bleibt. WEN. Mainz, 13. April. Bei der Etatsberatung über den Haushaltsvoranschlag für das Iahr 1930 kam es im Stadtrat zu einer lebhaften Aussprache über das Mainzer Theater. Die Parteien waren sich darüber einig, daß das Theater bei seinem augenblicklichen künstlerischen Hochstand unter allen Umständen gehalten werden müsse. Der Theater- z usch u ß der Stadt in Höhe von 488 000 M k. wurde mit großer Mehrheit bewilligt. Wan erwartet noch Zuschüsse von Reich und Staat, hat jedoch, da diese voraussichtlich nicht in der vorjährigen Höhe geleistet werden, die Spielzeit des Theaters von zwölf auf neun Monate herabgesetzt. Hessische Mieterkundgebung. Der Landesverband hessischer Mietervereine hielt, wie bereits am Mittwoch gemeldet wurde, seinen diesjährigen Verba n d s t a g am 5. und 6. d. M. inHeppen- heim a. d. B. ab, zu dem die Vertreter der Berbandsvereine, der Behörden und Verbände in großer Zahl erschienen waren. Auch der Vorsitzende des Bundes Deutscher Mieterverrine, H e r r m a n n, Dresden, nahm an der Tagung teil. Nach den üblichen Begrüßungen erstattete A^??^°ndsvorsihende, Wolff, Mainz, den Geschäftsbericht und Jahresbericht. Er streifte dabei die bevorstehende endgültige Räumung des besetzten Gebietes, von der man die Behebung der Wohnungsnot in Mainz erhoffte. Leider sei daran nicht zu denken, denn wenn alle seither von den Besahungsbehörden beschlagnahmten Wohnungen von Deutschen bezogen würden, mühte dennoch eine große Anzahl Wohnungsuchender dabei leer ausgehen. Der Kassenbericht, erstattet von Gleisberg, Mainz, weist einen günstigen Stand der Kassenverhältnisse auf. Der Derbandsvorstand wurde einstimmig wieder- gewählt, neu hinzu kommen Schmidt, Offen- fcadh und Wilhelm, Bieber. Für die öffentliche Tagung waren drei interessante Vorträge vorgesehen, und zwar: „Was erwartet die Mieterschaft von der Reichsregierung", Ref. Bundesvorsitzender Herrmann, Dresden; „Hessische Mieterwünsche und Forderungen", Ref. Derbandsvorsitzender Wolff, Mainz; „Ueberblick über den Stand der Rechtsprechung in Mietrechtsfragen in Hessen", Res. Geschäftsführer Fuchs, Mainz. Der erste Redner schildert den Stand der Reichsgesehgebung und die Stellungnahme der Parteien zu den bekannten Fragen des Mieterschutzes, der Steuergesetzgebung und des Wohnheimstättengesehes. Im Mittelpunkt des Kampfes für das kommende Wohnwirtschaftsgeseh muß stehen der Kampf für eine gesunde, deutsche Familie. — Herr Wolfs, Mainz, kritisierte in der Hauptsache das Bestreben der Städte, neue Mieterhöhungen einzuführen. Er protestierte energisch dagegen, da sich alle diese Bestrebungen in letzter Linie zu einem Geschenk für die Hausbesitzer ausgewirkt haben, besonders die Veranlagung der Gebäudesonder- fteuer. 2ln reichem Q ftenmatcrial wies Herr Fuchs in seinem Vortrag die verschiedenartige Rechtsprechung der hessischen Spruchbehörden nach, wenn es sich im Grund genommen um dieselbe Sache handelt. Es müsse gefordert werden, daß hierin eine gewisse Einheitlichkeit erzielt wird. Die Verhandlungen fanden ihren Niederschlag in den nachfolgenden vier Entschließungen: Zum Wohn- und Mietrecht. Die hessische Mieterschaft hat die unveränderte Annahme der Mieterschutzgesehe begrüßt. Sie bedauert allerdings, daß die Regierungsvorlage dabei um ein Iahr gekürzt worden ist. Die Mieterschaft bedauert umsomehr, als jetzt in die Reichsregierung ein ausgesprochener Vertreter des Hausbesihes eingetreten ist, der sich seit Bestehen des Mieterschuhgesetzes als Abgeordneter in einseitigster Weise für die Belange des Hausbesihes und nicht des Volksganzen eingesetzt hat. Die Mieterschaft wird besonders darüber zu wachen haben, daß nunmehr nicht auf dem Verordnungswege Verschlechterungen des Mieterschutzes durchgeführt werden, die zunächst bis zum Iahre 1931 auf dem Wege der Gesetzgebung ausgeschaltet sind. Den Bestrebungen auf öffentliche oder versteckte Mietsteigerungen tritt die Mieterschaft nachdrücklichst entgegen, da nachweislich die jetzige 120prozentige Miete die Hausbewirtschaftung vollkommen deckt. Einkommen und Miete müssen in der Zeit allgemeiner Verarmung auch bei der Mietpreisbildung beachtet werden. Sondervorteile für einen kleinen Teil der Bevölkerung müssen ausgeschlossen sein. Angleichung der Neubaumieten an die Altmieten muß durchgeführt werden, da heute bereits die Tatsache feststeht, daß Neubauwohnungen deshalb leerstehen, weil die hohe Miete für den größten Teil der Mieter unerschwinglich ist. Die Mieterschaft erwartet von der Reichsregierung die alsbaldige Vorlage eines Entwurfs für ein künftiges Wohnwirtschaftsgesetz auf sozialer Grundlage, in dem die Grundgedanken des jetzigen Mieterschutzes gesetzlich festgelegt werden. Entschließung bdr. Sondersteuer. Die im Landesverband hessischer Mietervereine organisierte Mieterschaft des Volksstaates Hessen nimmt auf ihrem am 6. April 1930 in Heppenheim stattgefundcnen Hessischen Mietertag mit größtem Befremden davon Kenntnis, daß die hessische Koalitionsregierung die schon seither den Hausbesitzern gewährten Vergünstigungen im letzten Iahre so erweitert hat, daß im Haushaltsvoranschlag für 1930 nur 25 Millionen Mk. Einnahme aus Sondersteuer gegen 28 Millionen im Vorjahre eingesetzt werden konnten. Der Hessische Mietertag protestiert gegen die Bevorzugng einer Bevölkerungsgruppe, die ohnehin am wenigsten durch die Kriegsfolgen benachteiligt wurde. Der Hessische Mietertag verlangt von der Hessin schen Regierung, daß mit dieser Zuwendungspolitik Schluß gemacht wird. Er verlangt weiter von der Regierung eine Aenderung des Sonder- steuergesetzes, damit die von den Mietern gezahlten Sondersteuerbeträge den Finanzkassen zugeführt werden und nicht länger zum Schaden 'des unter der Wohnungsnot schwer leidenden Volksteiles den Hausbesitzern zufließen. Zum hessischen Haushaltsvoranschlag. Der Hessische Mietertag nimmt mit Befremden Kenntnis davon, daß die hessische Regierung zum Ausgleich des Haushaltsvoranschlages für 1930 unter anderen Sparmaßnahmen an den zur Förderung des Wohnungsbaues gesetzlich zur Ver- siigung zu stellenden Beträgen Abstriche in Höhe von 2 Millionen Mk. vorgenommen hat. Sie bedauert das umfomehr, als die hessische Regierung nachweislich seit der Festigung der Währung noch in keinem Iahre die vorgeschriebenen Beträge dem Wohnungsbau zugeführt hat. Angesichts der Schwierigkeiten auf dem Geldmarkt hätte die Mieterschaft erst recht erwarten können, daß in diesem Iahre erhöhte Beträge für den Wohnungsbau flüssig gemacht worden wären, um der steigenden Wohnungsnot Linderung zu verschaffen und die Zahl der arbeitslosen Handwerker und Arbeiter zu verringern. Der Hessische Mietertag verlangt, daß bei der endgültigen Festlegung des Haushaltsplanes, die in der Verordnung des Reiches vom 12. Februar 1929 bestimmten Beträge zum Wohnungsbau auch tatsächlich zur Verwendung gelangen. Zur Mieterhöhung durch die Stabte. Der Hessische Mieter tag in Heppenheim vermährt sich auf das entschiedenste dagegen, daß die Gemeinden in steigendem Maße versuchen, ihre Haushaltsfehlbeträge durch Einführung neuer Gebühren und Erhöhung der Grund- und Gebäudesteuem und deren -Umlegung auf die Mieter zu decken. Die Wohlfahrtsetats der Städte geben ein erschreckendes Bild von der Notlage eines großen Teiles der Mieter, während der noch in Arbeit stehende Teil der Bevölkerung am Rande feiner finanziellen Leistungsfähigkeit steht. Mieterhöhungen ohne gleichzeitige Lohn- und Gehaltserhöhungen sind untragbar, letztere ist nicht durchzusehen. Der Hessische Mietertag verlangt von dem Ge- famtminifterium, daß Anträge der Gemeindeverwaltungen auf Mieterhöhungen strikte abgelehnt werden. PIX AVON SfuMwpcrtm/, 30 /&. Teppiche Sonder-Angebot zur Eröffnung meiner neuen erw eiterten Verkauf sräume Ein großer Posten Teppiche, bestes deutsches Fabrikat, schwerste durch geknüpfte, fehler' freie Ware, in schönsten Mustern. Größe 200x300 cm, per Stück Mk. 155.—. Andere Qualitäten ebenfalls in größter Auswahl zu billigsten Preisen. 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Ue£U Selbstbinder n Ql- das Allerneueste...Mk.3.95,2.95,1.95, UauD Kaufhaus HANSA.., yr. 89 Drittes Blatt________________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)_______________Dienstag, 15. April 1930 Wirtschaft. • Die Bezirksfparkass e Sieben schreibt uns: Zu dem Artikel „Sparkasfenzins und Reichsbanldiskont" wird noch ergänzend bemerkt. daß die Herabsetzung des Hypothekzins- suhes anfangs Marz d. 3. von solchen Sparkassen vorgenomincn worden ist, welche einen zum Teil weit höheren Zinssatz, als die hiesige Sparkasse ihn berechnet hat, festgesetzt hatten. Die Bezirks- sparlasse Gießen hat den Hypothekenzinssatz-bereits schon srüher auf den zur Zeit gültigen Satz crmähigt, es liegt somit kein Grund vor, diesen erneut herabzusehen. • Adlerwerke vorm. Heinr. Kleyer A.-G., F r a n k s u r t a. M. An den beiden letzten Dörlentagen erfuhren die Aktien der Adlerwerke im Freiverkehr eine starke Kurssteigerung bis über pari. An der Börse begründete man diese Kurscrhöhung mit der angeblich von der Ber- walttmg geplanten baldigen Wiedereinführung der Kleherattien in den offiziellen Börsenverkehr. Gleichzeitig sprach man von einer 3ntcr- essennahme der Bereinigten Stahlwerke an dem äinlernehrncn. Wie WTB.-Hande.sd.enst auf Anfrage erfährt, beabsichtigt die Berwaltung der Adlerwerke tatsächlich, die Wiedereinführung der Klehcraktien bald zu beantragen. Bekanntlich ist der Abschluß für das Geschäftsjahr 1928/29 noch zu erwarten. Die Dilanzarbeiten dürften nun soweit sortgeschritten sein, daß der Abschluß in einigen QBtxficn der Öffentlichkeit vorgelegt wer- den kann. Die Beschäftigung im verflossenen Ge» schästsjahr war recht gut. Zu Beginn des neuen Jahres ist bei dem Unternehmen eine weitere, nicht unerhebliche Ilmsatzsteigerung zu verzeichnen. Zu den Gerüchten über eine Interessen- nähme des Stahlvereins nimmt die Kleher- verwaltung keine Stellung. Die Bereinigten Stahlwerke erklären jedoch auf Anfrage, daß sich an dem vor einigen Tagen bekanntgegebenen Tcrhältnis eines nur beratenden Einflusses des Stahlvereins auf die Adlerwerke bisher nichts geändert habe. Eine kapitalmäßige 3nteressen- nahme habe der Stahlverein noch nicht vorgenommen. 'FrankfurterPfandbriefbank A.-G., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung, in der 12 Aktionäre 4,48 Millionen Mark Aktien vertreten, genehmigte ohne Erörterung den Abschluß mit wieder 10 Prozent Dividende. Wie vom Borstand mitgeteilt wurde, war das Pfand- briesgcschäft im ersten Bierteljahr 1930 sehr leb- hast! der Pfandbriefabsatz in dieser Zeit sei nicht unwesentlich höher als der des ganzen 3ahres 1929 (netto etwa 8 Millionen Mark) gewesen. Die anhaltende Geldflüssigkeit hätte sich dahin ausgcwirkt, daß vielfach Dankkreditoren in festverzinsliche Anlagewerte umgewandelt worden seien. Infolge der zeitweise sehr stürmischen Rach- srage habe die Beschaffung des Deckungsmaterials gewisse Schwierigkeiten bereitet. Bach der letzten Emission, die einen Tag nach der Auflegung bereits geschlossen werden mußte, habe das 3nstitut deshalb den Psandbriefverkauf ganz eingestellt. Mit dieser Zurückhaltung glaube die Berwaltung einer baldigen Senkung des Pfandbriefzinsfußes die Wege ebnen zu können. Die Berhältnisse hätten sich allerdings noch nicht so konsolidiert, um bereits jetzt zu einem niedriger verzinslichen Pfandbrieftyp überzugehcn. • Polyphonwerke A G., Leipzig- Wahren. Einschließlich Bortrag aus dem Vorjahre beträgt der Reingewinn aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr 3 855 517 Mk. (3176 606 Mk. i. 03.). Der Dividcndenvorschlag beträgt wieder 20 Proz. aus das diesmal volldividendenberechtigte Stammkapital von 17 Millionen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 15. April. Tendenz: zuversichtlich. — Durch die letzten Abstimmungsergebnisse ist die politische Situation geklärt. Die Tendenz war im Zusammenhang mit der günstigen IDeiterentwickelung der Geldrnarktlage und einiger vorteilhaften Wirtschaftsmomente zuversichtlicher. Die Kulisse schritt in Spe- zial werten zu Deckungskäufen, doch lieh der Ordereingang noch viel zu wünschen übrig, und es machte sich eine Verstimmung bemerkbar. Bon der Spekulation kam wieder einiges Material an den Markt, so daß die hohen vorbörslichen Kurse nicht behauptet werden konnten. Die Aebenmärlte logen sehr still, nur für Spezialwerte machte sich wieder bei vorübergehend erneut anziehenden Kursen etwas mehr Interesse bemerkbar, so daß in Spezialaktien das Geschäft zeitweise einen etwas lebhafteren Charakter annahm. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung im Vergleich mit den ersten Kursen nicht einheitlich. Mehr in den Vordergrund treten konnten Elektrowerte, von denen AEG. 1,5 Prozent und Rheag 2 Prozent gewannen. Chadeaktien lagen bis 1,50 Mark schwächer. Trotz der Angliederungsverhandlungen der in Frankreich gegründeten englischen Fabrik an Deutsche Linoleum war dieses Papier heute vernachlässigt und etwas schwächer. Auch Schiffahrtswerte waren weiter etwas gefragter und erneut leicht erhöht. Montanwerte lagen still, aber etwas fester. Von Warenhauspapieren zogen Karstadt 1,5 Prozent an. Conti Gummi gewannen 1 Prozent. Kunstseidewerte waren etwas gedrückt. Von Chemieaktien eröffneten 3.-G.-Farben mit minus 0,75 Prozent etwas schwächer. Am Rentenmarkt waren deutsche Anleihen uneinheitlich. Don Ausländem waren Türken auf Befürchtungen einer eventuell doch noch geplanten Zahlungseinstellung vonseiten der türkischen Regierung s-Hvächer. 3m Verlaufe schrumpfte die älmsatztätigkeit mehr ein. Der anhaltende Ordermangel brachte eine 03er- ftimmung und wirkte geschäftshemmend. Gegen Anfang bröckelten die Kurse vorwiegend bis zu 1 Prozent ab. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 4 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1910, gegen Pfund 20,38, London gegen Kabel 4,8628, gegen Paris 124,11, gegen Mailand 92,77, gegen Schweiz 25,0870, gegen Holland 12,09. Berliner Börse. Berlin, 15. April. Rach einem rufyigen, aber zuversichtlichen Dormittagsverlehr bemerkte man schon an der Vorbörse eine Enttäuschung über das Ausbleiben der Publikumsorder. Die sehr flüssige Bilanz, verbunden mit dem günstigen Bezugsrechtangebot bei Polyphon, die Fühlungnahme Stahlverein-Adlerwerke und die außerordentlich leichten Geldmarktverhäl'nisse waren Momente, von denen man sich eine Anregung für die heutige Börse versprach. Olllerdings wirkten die Meldungen von schwächeren Ausland- börscn etwas tendenzhemmend. Zu den ersten Kursen ergaben sich dann gegenüber der gestrigen Abendbörse überwiegend kleine Besserungen, doch lagen die höheren Frankfurter Olbendkurse und die im heutigen Vormittagsverkehr genannten Taxen nicht voll behauptet. Recht fest eröffneten wieder Schiffahrtswerte, bei denen die Gerüchte von einem Bonds nicht verstummen wollten. Auch für Autopapiere bemerkte man stärkeres 3ntereffe aus dem obenerwähnten Grunde. BMW. gewannen 2,25 v. H., während Daimler, RAG. etwa 1 v. H. höher notiert wurden. Am Glektromarkt fielen Rheinische Elektrizität durch eine 4-v. H.-Steigerung auf, AEG. gewannen auf angeblich weitere Käufe 2,5 v. H. Anderseits hatten OBerte wie Schutzheis, Aschaffenburger Zellstoff, Rheinische Braunkohlen usw. Abschwächungen bis zu 1,5 v. H. zu verzeichnen. Auch die Auslandwerte Svenska und Chade notierten 2,25 bzw. 2,50 Mark niedriger. Das Geschäft hielt sich an allen Märkten in recht engen Grenzen. Deutsche Anleihen leicht abbröckelnd. Don Ausländem waren Bosnier fester. Türken waren etwas schwächer. Der Psandbriefmarkt war uneinheitlich. Der Geldmarkt war trotz des Medios leicht. Tagesgeld 3 bis 5 v. H., Monatsgeld 5.25 bis 6,25 v. Sy, Warenwechsel etwa 4,75 v. H. Rach Deginn des offiziellen Verkehrs kam es infolge des auf der Börse lastenden Druckes, der durch den Ordermangel verursacht wurde, zu einer Abbröckelung des Kursniveaus bis zu 1,5 v.H. für die Hauptwerte. Polyphon gingen 4 v. H. zurück, 2lku. verloren 2 v. H. Karstadt, die auf den zu erwartenden Dividendevorschlag von wieder 12 v. H. um 1 v. H. gebessert ein- sehten, zeigten im Verlaufe widerstandsfähige Veranlagung. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. April. Auftrieb: Rinder 1227 Stück; Kälber 1225, Schafe 184. Es wurden notiert: Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: 1. jüngere 58—61, ältere 54—57; sonstige voll- fleischige: jüngere 50 -53. Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 55—58, sonstige vollsleischige oder ausgemästete 49—54. Kühe: jüngere, vollsleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 51, sonstige vollsleischige oder ausgemästete 44- 47, fleischige 38—43, gering genährte 30 bis 37. Färsen (Kalbinnen, 3ungrinber): vollsleischige. ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 59 bis 62, vollfleischige 55—58, fleischige 50—54. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 81-86, mittlere Mast- und Saugkälber 75—80, geringe Kälber 64—74. Schaf": Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 48—50, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40—47. Marktverlauf: Rinder rege, zum Schluß stark abflauend, ausverkauft. Kälber anfangs rege, zum Schluß stark _ abflauend, geräumt. Schafe schleppend, geräumt. Motorradunfall mit tödlichem Ausgang • Butzbach, 15. April. 3n der Rächt von Sonntag auf Montag fließ der Beamtenanwärter Wilhelm Biehl, der sich mit seinem Motorrad, aus dem er noch einen Mitfahrer mitgenommen hatte, auf der Heimfahrt von Gambach nach Eberstadt befand, kurz vor Cberstadt mit einem Radfahrer zusammen. Rach Angabe des Radfahrers hat der Motorradfahrer ihn beim Üeberholen seitwärts gestreift und vom Rad geworfen. Das Motorrad stürzte um und die beiden Mitfahrenden wurden au f d i e Straße geschleudert. Sie sollen dann eine kurze Zeit bewußtlos gewesen sein. Rachdem sie das Bewußtsein wieder erlangt hatten, legten sie den Heimweg nach Cberstadt, das noch eine Viertelstunde entfernt war. zu Fuß zurück. Das Motorrad war nur leicht beschädigt worden. Das ünglüd ereignete sich gegen 1.30 llhk nachts. Rach der Heimkehr ist Biehl anscheinend sofort schlafen gegangen. Als feine Angehörigen ihn morgens wecken wollten, fanden sie ihn bewußtlos im Bett vor. Daraufhin wurde er nach der Chirurgischen Klinik in Gießen gebracht, wo er infolge e.nes bei dem Unfall erlittenen Schädelbruches gestern verstorben ist. Amtsgericht Gießen. Gießen, 11. April. Ein hiesiger Fellhändler lagerte im vorigen 3ahre längere Zeit in seinem in einer engen Straße stehenden Anwesen im Stalle, auf dem Boden und sonfttgen dergleichen Räumlichkeiten Felle, Klauen und andere tierische Abfälle, die häufig einen derartig penetranten Geruch verbreiteten, daß die Rachbarn, wie auch polizeiliche Kontrollen ergaben, stark belästigt wurden. Als viele Warnungen und Räumungsaufforderungen der Rachbam und der Polizei trotz Hinweises auf die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen nichts halfen, erfolgte Anzeige. Auch diese brachte keine Abhilfe, so daß sich die Anzeigen wiederholten bis Anfangs laufenden Iahres Räumung staktfand. Der Fellhändler erhob Einspruch gegen sämtliche Strafbefehle und begründete diesen u. a. damit, die genannten Unzuträglichkeiten seien in einem Fellgeschäft nicht zu vermeiden, zudem fei im vorigen Iahre. in der Fellbranche eine Absahkrise gewesen, die ihn an dem Verkauf seiner Vorräte gehindert hätte. Letztere Tatsache konnte strafmildernd wirken, ihn aber vor Bestrafung nicht schützen. Er erhielt eine Geldstrafe von 60 M k. 3m 3ahre 1928 wurde in der Rähe der Einmündung der oberen Gartenstraße aus den Lud- wigsplay eine Radfahrerin, die aus der Lud- wigstraße nach der Kaiserallee fuhr, von einem Auto überfahren und erheblich verletzt. Der Kraftwagenführer, der von der Reuen Däne her kam, bestritt jede Schuld. Es steht nach eidlich erhärteten Zeugenaussagen auch fest, daß er an der fraglichen Stelle, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert — es hat sich dort schon eine ganze Reihe ähnlicher Unfälle ereignet —, Signal gegeben Hal und auf der rechten Seite vorschriftsmäßig langsam gefahren ist. Diesen Aussagen gegenüber konnte den dem Angeklagten weniger günstigen Angaben anderer Zeugen keinerlei ausschlaggebende Bedeutung beigelegt werden. Zudem wußte sich die Verletzte selbst des Vorfalls kaum mehr zu erinnern. Auch wirkte, was das Ergebnis des Zeugenbeweises anlangt, die Länge der Zeit zwischen dem Unfall und der Verhandlung, deren Anberaumung sich verzögerte, weil erst jetzt der Ausenthalt eines Haupt» zeugen ausfindig gemacht werden konnte, zugunsten des Angeklagten. Er wurde f r e r gesprochen. Kunst und Wissenschaft. Hofstede de Groot f. Der bekannte holländische Kunstgelehrte und ehemalige Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie Dr. h o f st e d e de Groot, der in der internationalen Welt einen großen Rus genoß, ist. wie aus dem Haag gemeldet wird, im Alter von 66 Jahren g e ft o r b e n. Hofstede hat in Deutschland als Kunstkritiker und Kunsthistoriker viel mit dem verstör- denen Professor Wilhelm v. Bode zusammengearbeitet. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) St. O. 1. Das eheliche Kind deutscher Eltern oder'das außereheliche Kind einer Mutter die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, erhalt auch im Falle, daß die Ricderkunft der Mutter im Ausland erfolgt, die deutsche Staatsangehörigkeit, vorausgesetzt, daß nicht zwischen dem Deutschen Reiche und dem betreffenden anderen Staat ein dem entgegenstehendcr Staatsvertrag abgeschlossen ist. Ein solcher Vertrag besteht nicht zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Rordamerika. Das auf dem Schiff geborene Kind ist deshalb der Staatsangehörigkeit nach deutsch. — 2. Dem betreffenden Verbrecher, der zu Schiff ankommt, wird die Einreise in der Regel im Ausland verweigert. Er wird nach vorheriger 3nternicrung in das Heimatland zu- rückverschubt werden. 3st die Einreise doch geglückt. so erfolgt die Auslieferung auf diplomatischem Wege an das Heimatland. — 3. Die Auslieferung des betreffenden Mörders erfolgt auf deutsches Ersuchen. Ein Austausch von Verbrechern, analog etwa dem Austausch von Kriegsgefangenen, kommt nicht in Frage. Letzte Nachrichten. Ernste Zwischenfälle in Kalkutta. Kalkutta, 15.April, (DIB. Funkspruch.) Bei einer Protestkundgebung gegen die Verurteilung bekannter nationalistischer Führer kam cs zu sehr ernsthaften Zusammenstößen. Insgesamt muhten 19 Verwundete den Kran, tenhäusern zugeführt werden. Als die Feuerwehr einen von den Demonstranten in Brand gesetzten Straßenbahnwagen ablöschen wollte, wurde sie von der menge mit Steinen angegriffen. Lin oberer Beamter und zwei Feuerwehrleute wurden schwer, vier leicht verletzt. Vie verletzten Feuerwehrleute sind Europäer. Die Heuschreckenplage in Aegypten. London, 15. April. (L.V.V. Funkspruch.) Die Nachrichten über die Bekämpfung der Heuschreckenplage in Aegypten lesen sich wie Kriegsberichte. Ivie die Blätter aus Kairo melden, ist cs „nach viertägigem schweren Kampf gelungen, das von Sinai her anrückende Heuschreckenheer zurückzuschlagen, von 350 mann wurden kilometerlange Gräben ausgehoben, in die die Heuschrecken beim vorschwärmen hinein stürzten, dann wurde Benzin in die Gräben gegossen und a n g e j ü n - del. Die Heuschrecken, denen ein Durchbruch ober eine Umgehung der Front gelang, wurden mit Flammenwerfern vernichtet. Nach Abschluß des Kampfes bot das Gebiet einen unbeschreiblichen Anblick. Drei Quadratkilometer waren gesperrt von getöteten he uschrecken, die an einigen Stellen in einer hohe von 10 cm lagen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandle manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfutter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 o.H., Lombardzinsfuß 6 v.H. Frankfurt a. M. | «Berlin Schwß-1 für« | l»Uhr» Äur# Schluß« für« Anfang» flurt Datum 15 4- 14 4- 15 4 6% Deutsche Reichsanicche von 1927 87,1 — 86,9 — 7% Teutithe Reichsanlcibe von 1929 100,5 — 100,1 — ttuÜ»e Änl.-Ablül.-Schuld mit 8Uielo|.-$Rcd)ten 55,9 56 35,9 55,8 Lesgl. ohne Auelos.-Rechke - 11,4 11,25 11.5 11,3 6% Hess. Bolksstaai von 1929 (rüdtablb. — — 93.5 — Oberbeiicn Provinz - Anleihe mit Susloi. Rechten 52 — — — teutfehe Komm. Sammel abl. Anleihe Serie 1 53.5 — 53,4 — 8% krank« Hvv.-Bank Soldvke XIII unkündbar bis 1934 97 — — — 7% UranN Hnv-Bank CBolBple unkündbar bis 1932 90 — — — 03.75 — 102.65 103.25 Menet Steinkohle..... . 8 — ■ 144 143 125 114 Gelsenkirchener .••••• Harvener ..••••• Hoesch Men. .»••••• . 8 . 0 6Vi 125 1 1 1 142 125 114,5 Ille Bergbau — — 231,5 Slocknerwerke ..•••• Söln-Reueslen ...»•• . 7 106 106 110.65 112,75 Mannesmann-Röbren • • • . 7 109.75 109.75 109 110,75 Mausseldet Bergbau . . . . Lberschles. Eisenbeoarf . . . . 7 . 5 107 — 105.75 74.25 106 — — 109.75 110,5 Phönix Bergbau • • • 105.5 — 105 105,5 Rheinische Braunkohles . . 10 238 — 237 235,5 Rbeinstcchl ...... . 6 117.25 — 116,65 j 117,25 Ätebed ütoüe .«•••• — I — Frankfurt a. Dl. | Berlin Schluß»! turs | i-Uhr« Kurs Schluß»^ kurs 1 Unlang» Kur« Dalum 1 15 4 14 4. ' 15- 4. Beremtgie Stahlwerke .... Olavi Minen .....16’/, 99,25 1 — 99 99,5 • - 1 58,25 57,75 57,9 Kaliwerke Aschersleben ... 10 226,25 1 — 225.25 225,5 Kaliwerke Westeregeln ... 10 227,75| — 227,5 228,75 Kaliwerke SaUdetkurtd . • . 15 388 | — 386.65 1 388.75 I. G. Narben-Invustne. . . 12 179,5 178.75 178,4 — Tunamit Nobel.......6 — ~ | 179,4 Echeideanstalt........f 155 — 85.5 Goldschmidt ........ 5 73! — 73,25 73,5 73 — 73,13 73,5 Mekällgelelllchast. •••••• 8 109 — 109,25 — Philipp Holtmann......1 HO 109,5 110,4 Zementwerk Heidelberg . • 10 134 — Lernentwerk Karlstadt. ... 10 143 Daob & StteQtag . . • • . 8 91 92 — Schulkdeis Payenhoser ... 15 - 300,5 29 Oktwerkr...... • • 12 253 253 Aku .........lfc 121,5 121 120.5 121,5 Bemberg......... 152 — 151 152.5 gellstoss Waldbos .... 13'/, —— — 192.5 193 Zellstoft Aschassenburg ... 12 —— — 153 153 Cbarlonenburger Walser ... 8 — 107 107,25 Teliauet Mas ..... 2 — - 173.75 175,25 Daimler Motoren .....O 43 43 42.75 43 258,5 258 255 256 75 Maschinenbau 2L»0. . • • • • 0 — — 49.75 49.9 9?at automobil . . • • • • 0 — 19.5 20,25 Crenftefn & Koppel ..... « — 79,5 80,75 Leonhard Tietz ..•••• 10 — 155 360.75 155,5 358,5 iVranfturtet Utai®tnea .... 4 34.5 — 35 — G rinnet ......6 41.75 — 41 — Hevligenstaedk ...... 0 — — • — 38,5 — 39,5 — Lechwerke •■••••• 8 106.25 — — — Mamkraftwerke Höchst a. TL -8 97,75 — — — Miag .....10 132 _ 132,5 132,25 Gebt. Roeder ..... 10 102.5 — — Böig! & .............. 218 1 • 218 — Süb&euhdte Zucker • • • • IC 160 160,25 Banknoten. Berlin, 14. April Geld Brief nmerikanttche ’Jloten..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ Englische Noten........ FranMsche Noten ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch Lcsterr .ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten..... • Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Deoifcnmarft Berlin 4.17 58.40 111.83 20,335 16,38 167.81 22,11 111.83 58,86 2.47 112,33 81.05 52.49 12,372 72,97 — Franksur 4,19 58.64 112.27 20,415 16,44 168.49 22,19 112,27 59.10 2.49 112,77 81,37 52,71 12,432 73,27 a. m. 14 Avril 15 April Amtliche Dotierung Geld »rici Amtliche Notierung Gelb । 3 riet «mft.»Ron. Buen.-AireS Brff-Autw Christiania. Kovrnbagin Stockholm . HelitngforS. Italien. . . London. ., -Jleunort .. Paris.... Schwei» .. Spanien. Japan . . . Rio de Ian. Dien in D-» Ceft. abgetz. Prag . . . . Belirad . . Budapest. . Bul ariea . Lissabon . Danzig. . . | Konst ntin. I Athen. . . I Canada 1 Uru uay. . 1 Lairo .. . 168.14 1,637 58.44 112,07 112,10 112,55 10.539 21,94 20,358 4,1855 16,385 81,135 52,23 2,070 0.492 58.985 12.40 7,407 73,13 3,034 18,78 81,37 1,785 5,425 4,183 3,916 20.875 168.48 1,641 58,56 112,29 112,32 112,77 10,559 21,98 20.398 4,1935 16,425 81,295 52,35 2,074 0,494 59,105 12,42 7.421 73,27 3,040 18,82 81,53 1,789 5,455 4,191 3,924 20,915 168,24 1,626 58,45 112,07 112,08 112,53 10,539 21,95 20,355 4,187 16,395 81,155 52,28 2,070 0,490 58,985 12,399 7,410 73,13 3,034 18,78 81,38 1,784 5,445 4,183 3,896 20,875 168,58 1.630 58,57 112,29 112,30 112,75 10,559 21,99 20,395 4,195 16,435 81,315 52,38 2,074 0,492 59,105 12,419 7,424 73,27 3,040 18,82 81.54 1,788 5,455 4,191 3,904 20,915 Osterhasen und Eier in grober Auswahl. Bralinen unö Sfliololaöen von vanrotfl L Bogel. Neicbardt. 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Gr nahm den Hörer ab, aber es war nicht Ella Creed, die zu ihm sprach. Er vernahm eine tiefe, scheinbar verstellte Stimme. „Ist MH Olrohd dort?" ES war ein lautes, ratterndes Geräusch im Apparat, und Peter antwortete leise: „3a." Er hatte nicht die Absicht, den Mann zu täuschen. Er senkte seine Stimme ganz unwillkürlich, um sich verständlich zu machen. „Erinnern Sie sich?" fragte der Fremde. „Sie sollen niemand etwas von den Ereignissen der letzten Nacht sagen." Peter hörte noch ein Knacken, dann war es still. Er hing den Hörer langsam an und ging zu Daphne zurück. „Wer war es?" „Was ist Ihnen letzte Nacht zugestoßen?" fragte er. Sie sah die Unruhe in seinen Augen. „Nichts - nichts, baä ich Ihnen sagen könnte." „Nichts, was Sie Tom oder Dick oder Harry sagen könnten, aber was Sie Peter anvertrauen dürfen", beharrte er. „Was war es?" „Wer hat denn mit Ihnen gesprochen?" Bestürzt sah er. daß sie an allen Gliedern zitterte. „Sie müssen es mir sagen, Daphne", bat er freundlich. „In der vergangenen Nacht haben Eie irgend etwas erlebt — ich habe es doch gesehen. Was war es?" Sie schüttelte nur noch schwach den Kopf. „Ich kann nicht — ich habe ein Versprechen gegeben — ich kann es Ihnen wirklich nicht sagen." Er faßte sie an der Schulter und schaute ihr in die Augen. „Ich frage Sie nicht, weil ich Neuigkeiten erfahren will, um sie in die Zeitung zu sehen", sagte er leise. „Ich bitte Sie, es mir zu sagen, weil — weil ich Sie lieb habe, Daphne." Sie sah rasch zu ihm auf und senkte schnell ihren Blick wieder. Ihr Gesicht rötete sich und wurde wieder blaß, aber sie antwortete nicht. Er streichelte sanft ihren Arm. „Sagen Sie es mir doch." „Ich darf nicht — ich habe eS versprochen —“ erwiderte sie haltlos. „Es holte mich jemand vom Theater ab. ..." Und dann erzählte sie ihm zusammenhängend die Geschichte ihres nächtlichen Abenteuers, und jedes Wort, das sie sprach, brachte ihr Erleichterung. „Man hat mich nicht verletzt — niemand berührte mich. Sie waren eher höflich und gütig. Peter, Sie dürfen kein Wort darüber sagen — hören Sie, kein Wort! Und Sie dürfen nicht versuchen, den Platz ausfindig zu machen!" Dann brach sie in Tränen aus und lag plötzlich schluchzend an seiner Brust. Es dauerte sehr lange, bis sie sich wieder beruhigt hatte. „Ich bin aufgeregt und nervös — aber es ist so iurchterlich, das alles allein ohne Hilfe und Nat durchmachen zu müssen," sagte sie. Dann ging sie ins Nebenzimmer und wusch die Augen und das Gesicht. Als sie wieder zurückkam, konnte man kaum noch Spuren ihrer Tränen bemerken. „Es war so schrecklich — und ich habe doch niemand etwas zuleide getan!" Er nahm sie wieder in seine Arme und drückte sie an sich. „Nein, du hast niemand etwas zuleide getan, mein Liebling. In dem Augenblick, als sie das herausbekamcn, ließen sie dich ja auch gehen. Verstehst du das nicht?" „Wie meinst du das?" fragte sie verstört. „Sie haben dich mit Ella verwechselt. Deshalb wurdest du überhaupt entführt. Du trugst ihr rotes Cape — ich weiß, daß Ella stets rote Capes trägt. Das ist ein Neklametrick von ihr. In dem Augenblick, als die gefiederte Schlange dich zu dem kleinen Verließ gebracht hatte —" Sie schauderte. „Als man herausfand, daß man an Ellas Stelle dich ergriffen hatte, wurdest du nach Hause geschickt. Der Naum, in dem du warst, sah wie eine Gefängniszelle aus?" „Es war entsetzlich!" „Man plante," sagte er selbstzufrieden, „Ella in dieses kleine Gefängnis zu stecken, das man eigens für sie eingerichtet hatte. Man wollte sie dort jahrelang gefangen halten. Er hat jedenfalls genügend Erfahrung in Gefängnisangelegenheiten und hat alles gut für sie vorbereitet." „Aber warum das?" „Ich weiß noch nicht genau, warum Gucu- matz —" „Wer ist Gucumah?" fragte sie überrascht. „Ich habe den Namen noch niemals gehört." „Er ist mein besonderer Freund," sagte Peter ablenkend. „Ella Creed brachte ihn ins Gefängnis. Ich habe die ganze letzte Nacht damit zu- gebracht, sämtliche Einzelheiten des Falles William Lane nachzulesen. Ella erschien nicht als Zeugin vor Gericht, der einzige Zeuge der Bande, der auftrat, war Joe Farmer." „Du gibst mir immer schrecklichere Nätsel auf,“ unterbrach sie ihn. „Ich weiß gar nicht, wovon du sprichst. War Mr. Farmer der Feind Des Mannes mit dem entsetzlichen Namen? Hat er ihn verfolgt?" „Wir wollen jetzt zum Essen gehen," sagte Peter. Er hob Daphnes Gesicht und küßte sie herzhaft ab. Sie war nicht böse darüber. Dann nahm er ihren Koffer, und sie gingen fort. „Sage mir bitte, ist es nicht richtig von mir, daß ich ins Hotel gehe?" „Mein Liebling hat ganz klug gehandelt, die gefiederte Schlange ist nicht das einzige Neptil. bas auf Deute auszieht." Als sie aus der Wohnung heraustraten, sah Peter einen Mann auf dem Bürgersteig stehen, der ihm bekannt vorkam. Er rief einen Wagen an, half Daphne beim Einsteigen und reichte ihr den Koffer hinein. Dann ging er auf den wartenden Mann zu. „Wollen Sie mich sprechen, Hugg?" fragte er. „Jawohl, mein Herr." Seine Stimme zitterte vor Erregung. „Ich habe ihn heute abend wieder gesehen." „William Lane?" „Jawohl, mein Herr." Peter dachte einen Augenblick nach, aber dann kam ihm ein Verdacht. „Woher wußten Sie denn, daß ich hier war?" „Ich ging nach Ihrem Hause, um Sie dort aufzusuchen und fand Sie nicht. Von da ging ich nach Grosvenor Square, um Mr. Crewe zu treffen. Auch der war nicht zu Hause. Ich fragte dort, ob ich nicht seine Sekretärin sprechen könnte. Dann erfuhr ich, daß Miß Olroyd ihre Stellung verlassen hatte. Ich erhielt aber ihre Privat- adresfe, und so kam ich hierher, um mich nach Ihnen zu erkundigen —" „Aber woher sollte sie denn etwas von mir wissen?" Plötzlich änderte er seinen Ton. „Also gut, wo haben Sie William Lane gesehen?". „In einer Herberge — er ist ein kranker Mann und ha't nicht mehr lange zu leben. Ex borgte fünf Schillinge von mir, um nach Birmingham zu fahren, wo er Verwandte hat." Hugg erzählte das alles mit nervösen, abgerissenen Worten, wie es sonst nicht seine Art war. Er konnte keinen Augenblick stillstehen, sondern trippelte von einem Fuß auf den andern. Peter hätte schwören mögen, daß seine Zähne klapperten. „Ich verstehe," sagte er. „Kommen Sie morgen früh Punkt elf in mein Bureau und fragen Sie nach mir." „Jawohl mein Herr." Wieder beobachtete Peter Huggs Unruhe. Der sonst so phlegmatische Vagabund schien ihm sonderbar verändert. Peter ging zum Wagen zurück, stieg ein und zog die Tür hinter sich zu. „Ein alter Freund von mir," sagte er leichthin. Er erzählte aber nichts von der Unterhaltung, die er soeben geführt hatte. Während des Essens stand er auf und rief Leicester Crewe an. „Ich kann am Telephon nichts sagen," erwiderte Crewe ärgerlich, als er erfuhr, wer an- rief. „Wenn Sie mich sprechen wollen, dann kommen Sie doch heute abend zu mir — oder jetzt gleich, wenn Ihnen das besser paßt." „Haben Sie sich mit dem Herrn in Verbindung gesetzt, den ich Ihnen als eventuellen Käufer für Ihre Aktien nannte?" fragte Peter. Crewe antwortete in etwas liebenswürdigerem Ton, daß er es schon getan habe.-Gr fügte sogar widerstrebend einige Dankesworte hinzu, daß Peter ihm die Adresse gegeben hatte. „Ich hoffe, daß ich handelseins mit ihm werde — ich habe allerdings erst telephonisch mit ihm gesprochen, aber ich werde morgen abend zu ihm gehen." Peter kehrte zu Daphne zurück und war den ganzen Abend in der besten Stimmung. Sie speisten in dem kleinen Restaurant des Hotels, in dem sie abgestiegen war. Kurz nach halb zehn verlieh er sie und eilte zu seinem Bureau, um alle neuen Nachrichten über die Ermordung Farmers einzusehen, die von außerhalb gekommen waren. Die Totenschau war für den folgenden Dienstag festgesetzt worden, und er fand unter seiner Post auch einen Brief des Oberinspektors Clarke, der ihn bat, wenn möglich, in Scotland Vard vorzusprechen. Er setzte sich an die Schreibmaschine und klapperte einen Artikel von etwa einer Spalte Länge herunter, aber der Nachtredakteur laS ihn ohne große Begeisterung. „Da steckt nicht viel dahinter — haben Sie denn heute nichts Neues zu erzählen? Das steht alles in anderen Worten auch schon in der Abendausgabe. Das meiste davon haben Sie doch von unseren Nachrichtenagenturen." „Obwohl ich, ohne es zu wissen, dasselbe sage wie andere Leute, scheint es mir aber doch ein ganz netter Aufsatz zu sein", meinte Peter. Wenn Peter Dewin einem Verbrechen nachspürte, war er unermüdlich. Um Mitternacht befand er sich in der Victoria Dock Road und hatte das Glück, hier einen ihm bekannten De- tektivsergeanteir zu treffen, der seit Jahren in diesem Distrikt angestellt war. (Fortsetzung folgt.) neuesten Photos..» können Sie jetzt bequem und eiche! stets bei »ich führen. Unser eleganter Taschentresor mit 10 glasklaren Celloplanhüllen schützt sie vor Verkratzen und Verderben. (Für 20 bilder 6x9 M. 1 50). Höhere Privatschule Darmstadt Grüner Weg 19 Fernspr. 1512. Unterricht nach den Lehrplünen des human. Gymnasiums, des Realgymnasium« und der Oberrealschule. Gründliche Vorbereitung su allen Schnlprülungen. Besondere Abendkurse. [3058V Sprechstunde: Werkt&gl. von 15-17 Uhr. Beginn des Sommerhalbjahres: • 28. April 1930. II. Rupp. Gartenkies Goldkies, Perlkies, Silberkies. Quarzkies liefern ab Lauer und waggonweise prompt und billigst Gebr. 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April 1930, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28, im „Löwen", zwangsweise gegen Barzahlung: sechs Nähmaschinen, drei Schreibtische, einen Bücherschrank, zwei Zimmerteppiche, einen Linoleumteppich, eine Küchenanrichte, vier Chaiselongues, zwei Kassenschränke, fünf Sofas zwei Gasherde, acht Bufetts, ein l)KV^>Motorrad, ein Klavier, eine Phanola, drei Kommoden, vier Kleiderschränke, vier Vertikos, ein Grammophon, einen Trumeau- spiegel, zwei Pianinos, zwei Diwans, einen Herrenzimmertisch, einen elektrischen heißwasserapparat, zwei Kredenzen, eine elektrische Bohrmaschine für Zahnärzte, eine Truhe, ein Paneelbrett, einen Warensckrank, einen Wandschrank, eine National-Registrierkasse, zwei Rohrsessel, neun Stücke Anzugstoff (33 m), ein vollständiges Bett mit Sprungrahmenmatratze, zehn Stühle, einen Wäsche- und Eisschrank, 20 Brotbüchsen (weiß Email), eine Ladentheke, einen Kesselofen 30 Fruchtreffs, zehn Dunagabeln, 36 Streugabeln, neun Satz Tischbeine, zehn Gärtnerspaten, 20 Einkochapparate, zwei Schreibmaschinen, eine Waschmaschine mit elektrischem Betrieb, acht Kartoffelquetschen, vier Doppelleitern, ein Damenfahrrad. 3070V Junker. Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon Nr. 3383 Verlobungs-Anzeigen liefert die Brühl’sche Druckerei