Mittwoch, 15. Januar MO 180. Jahrgang HrJ2 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dir zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20°, , mehr. Chefredakteur: Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die 3Uuftrierte Gießener Familienblättei Heimat im Dlld Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechonschlüsfe unter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrilü und Verlag: Vrühl'Zche Universitäts-Such' und Steindruckerei H. Lauge in Siehen. SchrisNeitun, und Seschästsstelli: Lchulstratze r. Die Beteiligung der Reichsbank gesichert. Verständigung mit Schacht. - Oer Veichsbankpräsident fügt sich einem gesetzlichen Zwange und sagt die loyale Mitarbeit der Reichsbank an der Internationalen Zahlungsbank zu. Schachts Vorstoß. Der Haß, mit dem vor allem die fozialdemo- kratische Presse den Reichsbankpräsidenten deshalb verfolgt, weil er nach ausgiebigen Beweisen der völligen Unfähigkeit Hil.crdrngs diesen Sckmd, ling der Reichsfinanzen beseitigen half, hat leider dazu geführt, den Vorstoß Dr. Schachts mi Haaa in gehässiger Weise zu entstellen. Es 'st de^alb notwendig, darauf zu verweisen, daß der Bries Dr. Schachts an deii Präsidenten Reynolds k e m Schuß aus dem Rebel ist, sondern die sachliche Antwort auf eine sachliche Anfrage. Der Brief Schachts ist vom 3 0. D e z e m b e r datiert, um diese Zeit auch wenigstens inhaltlich der Reichsregierung bekannt geworden, so daß es wirklich nicht die Schuld des Reichsbankpräsidenten ist, wenn irgendeine Regierungsstelle sich überrumpelt fühlt. Die deutsche Vertretung im Haag gehört wenigstens nicht zu diesen Stellen, die sich haben überrumpeln lassen, denn es ist dem Reichsftnanzm imster, Professor Moldenhauer, sofort gelungen eine Einigung mit Dr. Schacht herbeizufuhren. Daß diese Einigung z unächft formeller R a tu r ist, ist weniger wichtig als die L/atsachs, daß die ganze Aufregung in Berlin entstanden und zu durchsichtigen in ne Apolitischen Z w e ck e n -auägetoeitet worden ist. Jedenfalls muh die Rumpfregierung in Berlin am 14. Januar nicht mehr ein- noch ausgewuht haben, sonst hätte sie nicht Entschlüsse fassen und Anregungen stattgeben können, die sich weder mit dem Poungplan noch mit dem Statut der Internationalen Bank sachlich decken. Es ist un- rnöglich, für die Reichsbank,' wie es die Rumps- regierung in Berlin verkündete, einen Ers ah cinzuschieben, denn weder die Großbanken noch viel weniger die Preußische Seehandlung sind berufen und geeignet, die deutsche Zentralnotenbank zu ersetzen. Daß nur die Rotenbanken der sieben beteiligten Länder in den Derwal- tungsrat der Internationalen Dank berufen werben sollen, ergibt sich aus dem Aufgabenkreis der Bank, zu dem auch die Sicherung und die Festigung der internationalen Wechsel- kursc gehört. Run ist darauf zu verweisen, daß die Statiiten der Internationalen Bank berücksichtigen, daß, sofern der Präsident einer der beteiligten Rotenbankcn dem Verwaltungsrat nicht angehören kann, zwar ein Ersatzmann zu bestellen ist dieser aber von dem Präsidenten der Zentralbank, der sich nicht wählen lassen will, bestätigt sein muh. Das ist aber etwas ganz anderes als der Ersah der Reichsbank selbst durch eine private Bankengruppe oder durch eine abhängige Staatsbank. Der Reichsbankpräsident hat in seinem Brief die Beteiligung der Reichsbank an der Internationalen Bank abgelehnt, weil nach seiner begründeten Auffassung der Youngplan durch die Bepackung mit neu«n Lasten finanziell n n d w i r t s ch a f t l i ch n i ch t m e h r a u s f u h r - bar sei. Das ist keine Quertreiberei, sondern zeugt vielmehr von dem hohen Verantwortungsgefühl des Reichsbankpräsidenten, der als solcher nicht von einer sehr wandelbaren ParlamentsmehrlM bestellt ist sondern die Ausgabe hat, die (3 r u n b ( a g e n und die Sicherheit de r b e u t s ch e n W ä h - r u n g zu überwachen. Von dieser Warle sieht sich sehr vieles anders an, als von der eines parlamentarischen Ministers, der damit auch noch nicht den Befähigungsnachweis zu erbringen braucht, daß ihm die Probleme der internationalen Währungspolitik geläufig sind. Wer aber den Reichsbankpräsidenten deshalb weil er seine Pflicht als unabhängiger Leiter der unabhängigen Zentralnotenbank getan hat, der Reichsregierung botmäßig machen will, verwechselt Ursache und Wirkung. Das Reichsbankstatut kann nicht einseitig von Reichsregierung und Parlament geändert werden, denn, was wir leider immer wieder vergessen, Dawes- plan und Poungplan haben die deutsche Finanz- Hoheit, wozu auch die Reichsbank gehört, in entscheidender Weise erschüttert. Um den Reichsbankpräsidenten zu einem nur ausführenden Organ der Reichsregierung zu machen, find ganz andere Maßnahmen erforderlich als nur ein Beschluß politischer Parteien. Tatsächlich ist die Abneigung der Sozialdemokratischen Partei gegen Dr. Schacht in der Hauptsache nur dadurch entstanden, weil Schacht die B e r a t u n g s st e l l e für Auslandanleihen maßgebend beeinflußt. Daß aber Auslandanleihen nicht unbegrenzt hereinströmen können und werden, sofern ein sozialistischer Reichsfinanzminister dies für notwendig hält, das sollten schließlich auch die Führer der deutschen Sozialdemokratie wissen. Und damit der Hetze gegen Dr. Schacht Einhalt gebieten, die dem deutschen Kredit im Auslande empfindlichen Schaden zufügen muß. Dr. Schacht hat sich nach der Aussprache mit Aeichssinanzminister Moldenhauer bereit erklärt, sich für die Beteiligung der Reichsbank an der Internationalen Bank eiirzusehen, wenn dies im Haager Protokoll ausdrücklich fest- gelegt wird. Das ist keine Unterwerfung, denn der Reichsbankpräsident trägt nicht die Verantwortung für Beschlüsse und ihre Folgen, zu deren Ausführung er gesetzlich verpflichtet ist. Mit Energie muß aber den Versuchen abgewehrt werden, die Kritik der französischen undenglischenPressean dem Vorstoß des Reichsbankpräsidenten zum Rachteil der deutschen Politik auszunützen. Die Dinge sind ohnedies nicht so verlaufen, als daß wir Ursache haben, besonders damit zufrieden zu sein. Wenn aber die Gläubiger die Entdeckung machen, daß es genügt, eine immer noch maßgebende deutsche Per- önlichkeit, hie amtlich an der Ausführung des Boungplanes in hervorragender Weise beteiligt ist, mit gehässigen Angriffen zu überhäufen, um eine weitere Nachgiebigkeit Deutschlands zu erzwingen, so ist nicht abzusehen, auf welch eine gefährliche Bahn wir uns damit begeben. Als Snowden im September im Haag hartnäckig und unnachgiebig eine Erhöhung der englischen Tributrate forderte, wurde er von der g e - amten englischen Presse ohne jede Rück- icht auf die Parteistellung kräftig unter- tützt. Wenn ein deutscher Staatsmann etwas Aehnliches unternimmt, so wird er dafür aus parteipolitischen Gründen von einem Teil der deutschen Presse mit Schimpf und Schande überhäuft. Kein Wunder, daß der Weg der deutschen Verhandlungen auch ein Weg der Niederlagen ist. Oie Einigung mit Schacht. Eine Verlautbarung der deutschen Delegation. Berlin, 14. Jan. (IBB.) Die deutsche Delegation im Haag hat. wie gestern schon kurz gemeldet, folgendes Kommunique ausgegeben: Die deutsche Delegation wird in der Mlttwochslhung die erforderlichen Schritte tun, um die Beteiligung der Reichsbank an der Bank für internationalen Zahlungsausgleich und die Mitwirkung der Reichsbank bei den Ausgaben der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich gesetzlich zu gewährleisten. Me wir weiter hören, hat der Reichsbankpräsident in einer Besprechung mit Reichs- flnan,Minister Moldenhauer erklärt, sich selbstverständlich für diesen Fall den daraus sich ergeben- den Verpflichtungen n i ch t z u e n t z i e h e n. Damit ist die Mitwirkung der Reichsbank gesichert. In einer sich anschließenden Besprechung des Reichsbankpräsidenten mit sämtlichen vier deutschen Delegierten wurde die U e b e r e i n f( i m - m u n g auf vorstehender Grundlage fest- gestellt. Zu den Vorgängen, die mit dein Schachtzwischen- fall im Zusammenhang stehen, erfahren wir, daß nach dem ersten versuch einer Lösung der Schwierigkeiten durch Zuziehung einer anderen Bankengruppe als Ersah die Frage der g e - schlichen Regelung heute vormittag aufgeworfen worden ist mit dem Ziele, die Reichsbank zu der Beteiligung an der B. 3.3- heranzuzichen. Daraufhin ist Reichsbankpräfident Dr. Schacht von der Delegation die Frage vorgelegt worden, ob er unter gesetzlichem Zwang bereit sei, an der Durchführung der der Reichsbank zugedachten Aufgaben mitzuarbeiten. Er gab die klare, unmißverständliche Antwort, daß er sich selbstverständlich dem Gesetz fügen und loyal mitarbeiten werde. Dann ist dieser gesetzliche Schritt vorbereitet worden, und nachdem er heule abend juristisch abgeschlossen sein wird, wird er morgen den Mächten in Form eines Vorschlages zugeleilel werden. Die Durchführung ist so gedacht, daß im Schlußprotokoll der Haager Konferenz fe st gelegt wird, daß die Reichsbank die erwähnten Funktionen übernimmt. Ob auch im Reichsbankgeseh ein Zusatz oder eine Veränderung notwendig wird, ist zur Zeit noch nicht geklärt; doch würde man die Beschränkung auf das Schlußprotokoll vorziehen, um nicht den Eindruck einer ad hoc geschaffenen Maßnahme zu erwecken, die in dem dauernd gedachten Gesetz für die Reichsbank verankert wäre. Man nimmt an, daß die Vorschläge der Delegation von der Gegenseite angenommen werden, nachdem der Präsident der Konferenz offiziell von ihnen in Kenntnis gesetzt worden ist. 3m Falle des Erfolges würde von dec Heranziehung einer Erfahgruppe abgesehen und Dr. Schacht weiter im Organisationsausschuß tätig bleiben können; es wird daher morgen auch festgesiellt werden, ob der Ausschuß bereit ist, unter diesen Voraussetzungen und in dieser Form feine Arbeit fortzusehen. Selbstverständlich ist ein vielfacher Meinungsaustausch über diese Fragen mehr oder weniger formlos vor sich gegangen, wobei alle möglichen v e r m u l u n g e n in die Oeffenllich- keit gedrungen sind. Eine Aenderung des vankgesehes, wie sie in solchen Vermutungen erwähnt worden ist, insbesondere mit Bezug auf den Paragraph 6, Bestellung des Reichvbankdirektoriums und des Reichsbankpräsidenten, ist nicht beabsichtigt. Weiter ist jedoch zu betonen, daß es sich bei den vorstehend geschilderten Ereignissen des heutigen vormittags nicht etwa um einen vertrag der Reichsregierung mit dem Reichsbankpräsidenten, sondern um einen Beschluß des M i - nislerrates handelt, dem eine Anfrage an den Reichsbankpräsidenten über sein beabsichtigtes Verhalten folgte. Schachts Brief an Reynolds. Kein Eingriff in dieHaagerBerhandlungcn. Berlin, 14.Ian. (VDZ.) Unser Sonderberichterstatter im Haag hatte Gelegenheit, mit dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht über feinen Standpunkt und die gestrigen Vorgänge zu sprechen, wobei die- er unterstrich, daß der den Vorgängen zugrunde liegende Brief an Reynolds bereits 14 Tage alt war, also unmöglich als ein Eingriff in die Haager Verhandlungen oder als deren Behinderung empfunden werden könne. Es sei lediglich der Ausdruck seiner persönlichen Berlin, 14. Ian. (Funkspruch.) Zur Beilegung der Krise im Haag und der Verständigung mit Dr. Schacht schreibt die „Germania", Schachts Rachgeben habe auf einen Schlag die Konferenzatmosphäre wieder erhellt. Es bleibe aber der bittere Rachgeschmack eines Konfliktes, der mit mehr gutem Willen auf beiden Seiten hätte vermieden werden können. Die „D. A. Z." verzeichnet ein Gerücht aus Kreisen der französischen Delegation, daß sich T a r d i e u nach seiner Rückkehr keineswegs mit der Erledigung des Falles Schacht zusriedengeben werde. Er könne keine „loyale“ Mitwirkung der Reichsbank darin sehen, wenn das Institut sich nur einem gesetzlichen Zwang füge. Angesichts dieses Gerüchtes tritt das Blatt für eine wirkliche Beilegung der Differenzen zwischen Dr. Schacht und der Reichsregierung ein. — Die „Deutsche Tageszeitung" spricht die Erwartung aus, daß Dr. Schacht die immer noch im Hintergrund spukende Politisierung der Reichsbank unter keinen Umständen mitmachen werde. Die völligellnabhängigkeit unseres Zentral- notenbanlshstems bietet die einzige Abwehr gegen die Wirtschafts- und Währungssabotageversuche der radikalen Linken. Die „Börsen-Zeitung" stellt fest, daß der Reichsbankpräsident den von der deutschen Delegation gemachten Vorschlag nicht gebilligt, sondern ihn lediglich als einen „Zwangsakt", dem er sich nicht entziehen kann, hingenommen habe. Wenn auch die jetzige „Lösung" nicht als ein voller Erfolg des Reichsbankpräsidenten an- gesprochen werden könne, so sei sie aber auf der anderen Seite noch viel weniger ein „Sieg" der Regierung oder der parteipolitischen Gegner Dr. Schachts, deren Hauptziel, Herrn Schacht durch eine Aenderung des Reichsbankgesetzes zum Rücktritt zu zwingen, jedenfalls nicht erreicht sei. Bei dem Kompromiß, um das es sich handele, habe die Regierung zweifellos wesentlich mehr nachgeben müssen, als Dr. Schacht. — Der „Lokal-Anzeiger" sagt, die letzte Möglichkeit, wenigstens den ursprünglichen Poungplan wiederherzustellen, sei am Dienstag von der deutschen Delegation preisgegeben worden. Die „Dossische Zeitung" schreibt, die Schachtkrise der Haager Konferenz sei äußerlich beigelegt, es sei aber fraglich, ob nicht Schacht bei Gelegenheit seinen Bedenken wieder Luft machen werde. Deshalb fei eine Klärung notwendig. Schacht müsse sich entscheiden für ferne Privatmoral oder für diejenige Moral, die die Reichsregierung für den einzig gangbaren politischen Weg halte. — Der „Vorwär t s" stellt fest, daß es als Ergebnis des Kampfes keine Sieger, fonbern nur Besiegte gebe. Die Autorität des Reiches habe vor den versammelten Staatsmännern der Welt einen empfindlichen Stoß erlitten. Das sozialdenwkratische Zentralorgan erhebt dann auf feiner Titelseite in großer Aufmachung die Forderung: „Fort mit Schacht!" Das Blatt nennt die Präsidentschaft des Herrn Schacht einen furchtbaren Schaden für die Wirtschaft und einen unerträglichen Zustand für den Staat. „Gerade das Theater, das Herr Schacht am Montag im Haag aufführte, hat einen neuen unwiderleglichen Beweis dafür geliefert, daß Schacht ein unmöglicher Reichsbankpräsident ist, und daß et verschwinden muh. Ihn weiter schalten lassen wie bisher, heißt die Verfassung entfeelen, den demokratischen Staat entmachten, dem internationalen Finanzkapital die Herrschaft überlassen. Weil wir das nicht wollen, darum fort mit Schacht! So denken heute in Deutschland Millionen gewerkschaftlich organisierter 2lr-beiter, Millionen Wähler der sozialdemokratischen Partei, Millionen überzeugte Republikaner. Eine Volksbewegung ist im Gange. Wer in Deutschland oder im Ausland Politik treibt, wird gut tun, mit bitter Tatsache zu rechnen." Ueberzeugung mit Bezug auf die Grundlagen der Verstänbigung gewesen, die er für notwendig gehalten habe. Wie weit die politischen Möglichkeiten zu ihrer Durchsetzung reichten, gehöre weder zu den Kompetenzen des Reichsbankpräfiden- tcn, noch zu denen des Sachverständigen. Der Brief habe mit seiner Aktion als Sachverständiger, wie sie in dem bekannten Dezember- memorandum niedergelegt sei, nicht unmittelbar zu tun; die Tatsache, daß dieser Sachver- R gleichzeitig Reichsbankpräsident sei, habe für irteilung der sachlichen Grundlagen, die für bas Schreiben des Reichsbankdirektoriums bestimmend waren, höchstens insofern Bedeutung gehabt, als er persönlich zugleich der Sachverständige und der Präsident der Reichsbank sei. Das Schreiben des Reichsbankpräsidenten ist, wie erneut festgestellt wird, von dem Direktorium der Reichs- dank gebilligt worden und trägt auch die Unterschrift des Vizepräsidenten der Reichsbank. pariser Hetze gegen Schacht. Paris, 15. Jan. (WTB. Funkspruch.) „Echo de Paris" schreibt: Für den Augenblick verlaufe alles so, als ob Dr. Schacht seineStellungbchal- t e n und das Statut der Bank keine Abänderungen erfahren solle. Der Reichsbankpräsident benehme sich keineswegs wie ein Mann, der eine Kränkung erfahren habe. Er empfange bie Journalisten wie ein Regierungschef. Er werde sich bei der ersten günstigen Gelegenheit wieder in die Arena begeben. In vielen Kreisen nehme man an, baß Tarbleu unter Berufung auf ben Vorfall vom Montag festere Garantien fordern werde. — „Petit Parisi en" schreibt, bas ganze beutsche Währungssystem hänge von der Reichsbank ab, und ber ganze Youngplan beruhe auf dem Beistand dieses Instituts. Es sei unerläßlich, daß an der Spitze der Reichsbank ein Mann stehe, der aufrichtig für Frieden und Versöhnung eintrete. — „Quotidien" führt aus, einRatio n a l i st, w i e D r. Schacht (der Reichsbank- Präsident gehörte bekanntlich bis vor kurzem der Demokratischen Partei an. D. Red.), der ein Feind des Poungplanes fei, dürfe nicht auf einem Posten geduldet werben, auf dem er den Poungplan und die Hoffnungen auf eine endgültige Regelung zunichte machen könne. Britische Kritik. London, 15. Ian. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter beschäftigen sich weiter mit dem Zwischenfall im Haag. , Financial Rews" spricht von einer völligen Rrederlage Dr. Schachts. „Times" meldet: In Beantwortung ber Drohung Dr. Schachts hat die beutsche Regierung eine Politik beschlossen, vor ber Dr. Schacht kapituliert hat, ober genauer gesagt, als deren logische Folge er die Kapitulation anerfannt hat. Durch sein Verhalten hat er sein möglichstes getan, um jede Verantwortung für die von ihm mißbilligte Entwicklung abzulehnen. Glücklicherweise hat Dr. Schacht seine unbesonnene Handlung so spät begangen, daß der im übrigen befriedigende Gang der Erörterungen nicht weiter gestört wurde. Es scheint, daß die meisten, wenn nicht alle unerledigten Fragen zwischen Deutschland und ben Gläubigermächten im wesentlichen geregelt sink». Wenn vor Ende der Woche eine völlige Einigung über alle Punkte von größerer Wichtigkeit erreicht wäre, so würde dies ermöglichen, den Voungplan, wenigstens soweit Deutschland und die Hauptgläubiger in Betracht kommen, unverzüglich in Wirksamkeit zu setzen. Während „Daily Herald" aus dem Haag mel- bet, Dr. Schacht habe nach einiger Spiegelfechterei „bemütig kapituliert", bekunbet ber französische Korrespondent bes „Daily Telegraph" Besorgnis wegen ber Entwicklung ber Dinge. Er sagt, die beutsche Regierung habe anscheinenb ben Gebauten einer Abänberung bes Reichsbankstatutes aufgegeben. Alles beute barauf hin, daß Dr. Schacht nichtzurücktreten werbe. Dr. Moldenhauer habe diese Tatsache im Gespräch mit Cheron nicht verheimlicht. Infolgedessen sei die Befürchtung, daß Dr. Schacht die Arbeit ber B. I. Z. untergraben werbe, immer noch berechtigt. In feinen gestrigen Aeußerungen gegenüber Pressevertretern habe der Reichsbankpräsident wie ein Mann gesprochen, der beabsichtigt, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit seine Macht zu gebrauchen. Gaargebiet und ftoungplan. Zur Verlängerung der Amlsdauer der Laarregiernng. Saarbrücken, 14.Jan. (Tel.-Un.) Die Tatsache, baß der Bolterbunbsrat ausgerechnet zwei Tage vor der Wiedereröffnung der Pariser Saaroerhandlungen in der Genfer Eröffnungssitzung am Montag bas Manbat der Saar» regierungskommission auf ein weite- 9er Haager Zwischenfall im Spiegel der preße. res 2ahr verlängert hat, erregt im Saargebiet bei den politischen Kreisen einiges Aufsehen. Allerdings ist das formale Recht des Völkerbunds innerhalb des Rahmens seines Machloereichs nicht bestritten und es erscheint bei dem Heu- tigen Stand der Ding« auch w e n i g w a h r s ch c, n- lich, daß noch im Lause dieses Jahres eine Bereinigung der Saarsrage im Sinne völliger politischer und wirtschaftlicher Rückgliede- rung ins Reich vollzogen werden kann. Frankreich geht ersichtlich daraus aus, sein« in Versailles fest- g«setzten Rechte bis aus das äußerste aus- zu nutzen, insbesondere vertritt die französische Regierung sogar durch den Mund Briands die Auffassung, als ob die gegenwärtigen Verhandlungen ausschließlich wirtschaftlicher und nicht politischer Natur seien; wahrend un Saargebiet stets entspreet)end einem Ausspruch Str« pmanns angenommen worden ist, daß auch die Verhandlungen zur Festlegung des Uoungplanes nute r der Voraussetzung einer Einigung in der Saarfrage abgeschlossen würden. Bei den Franzosen wird es immer deutlicher, daß vor allein der f r a ii z ö s i s ch e M o n t a n k a p i 1 a l i s m u s seine Rechte aus dem Pachtvertrag mit der Internationalen Saarkommission ausrecht erhalten möchte, um auch nllch nach der Rückkehr der S a a r g r u b e n in deutschen Staatsbesitz im V a r n d t, das heißt, im besten noch unerschlossenen Kohlenrevier des Saargebietes feinen Raubbau f o r l s e tz e n zu können. Hessens Sparprogramm. Die Beamicnvcrlrclcr beim Ltaaispräsidenten. Darmstadt, 14. Jan. (Wolff.) Die geplanten Maßnahmen für einen Abbau auch innerhalb des Bcamtenapparates des hessischen Staates gaben dem geschästssührenden Ausschuß des f) e f f i- schen Beamte nbun des Veranlassung, bei Staatspräsident Dr. Adelung vorzuspre- chcn. Der Unterredung wohnte als Vertreter des Fi- ngnzministers /Ninisterialdircktor Dr. Schäfer bei. Staatspräsident Adelung gab dem Bedauern der Gesamtregierung Ausdruck, daß Abboumaßnahmen bei allen veanitenkategorien in Hessen finanzpolitisch notwendig geworden seien und daher non allen getragen werden mühten. Die Beamtenoerfrefer wurden gebeten, der Regierung zu sagen, tu o und iv i c noch ihrer Meinung noch besser gespart werden könne. Die Regierung werde diese Vorschläge eingehend prüfen und soweit als möglich in ihrem Sparprogramm berücksichtigen. lieber das Sparprogramm werde die Regierung jedoch vor Ende Januar den veamtenorganisatiene.'i insar motorisch ke in c Kenntnis geben können. Ausweriungsfragen im Hessischen Landtag. Aus dem (Scsctzgcbuttgsausschutz. WHP. Darmstadt. 14. Ian. Der Gesetz» gebungsausschuß des Hessischen Landtags befaßte sich zunächst mit einem Antrag der Volks - rechtspartei vom 8. Dezember 1927. in dem eine Abänderung der Durchführung der Aufwcr- tungsvorschriften für Sparguthaben in Hessen verlangt wird. Der Antragsteller Dr. Best gab eine eingehende Begründung, die bestehenden Bestimmungen in Hessen stünden mit den reichsgesetzlichrn Bestimmungen in Widerspruch Die übrigen Parteien lehnten den QI"trog ab, weil sie der Ansicht waren, daß die hessische Verordnung vom 27. Oktober 1926 Rechtskraft habe Der Regierungsvertreter erklärte, wenn das hessische Innenministerium das Recht habe, einzelnen Sparkassen gegenüber eine höhere Aufwertung zu bestimmen, so stehe das nicht in Widerspruch mit dem Reichsgesetz. Der Antrag wird schließlich nach einer längeren Aussprache gegen die Stimme des Antragstellers a b g e I e h n t, wenn auch im Ausschuß zum Ausdruck kam. über einzelne' Fragen des Gesetzentwurfs könne diskutiert werden. Gleichfalls a b- aelehnt wird ein Antrag Dr. Best, der einen höheren Zinssatz für die Aufwertungsguthaben der Sparkossen- gl ü u b i g c r von 3 auf 5 Proz verlangt. Die ^Regierung erklärte, wenn man dem Antrag Nachkommen würde, dann sei eine Höhr: prozentuale Auswertung in dem bisherigen Blaße unmöglich. Für den QIntrag stimmten die Deutsche Dolkspartei und der Bauernbund. Ein noch weitergehender Antrag d:r Kommunisten wegen der Auswertung der Sparlassenguthaben wird gegen zwei Stimmen obgelehnt. Einstimmig a n- genommen wird folgende Resolution Schreiber (Dem.): „Die Regierung wird ersucht, auf die hessischen genossenschaftlichen Sparkassen und sonstigen nicht aufwertungspflichtigen Kreditinstitute einzuwirken, um diese freiwillig zu einer Ausschüttung der ihnen aus der Auswertungsgesetzgebung zugeflvssenen DermögenSmasse an ihre Markeinleger zu veranlassen. da nur so der Rechtsmoral und dem Rechtsempfinden Genüge geleistet werden kann." Rach Erledigung einer Reihe von Eingaben auf dem Gebiete der Justizverwaltung gab eine Eingabe des KreisamtS Büdingen Gelegenheit zu einer längeren Aussprache über die Frage der Haftbarkeit der Gerichtsvollzieher bei vorkommenden Unregelmäßigkeiten. Dos Kreisamt verlangt eine Aenderung deS Artilels 79 des Ausführungsgesetzes zum B.G.D. Die Regierung erklärte, daß nach den derzeitigen reichsgesehlichen und landesrechüichen Bestimmungen und den vorliegenden Urteilen eine Haftpflicht des Staates für Derfehlungen von Gerichtsvollziehern nicht bestehe. Die Regierung habe bereits angeordnet. daß die beamteten Gerichtsvollzieher eine Kaution von 4000 Mk. zu leisten haben. Da es sich in dem ungezogenen Fall um keinen angestellten Beamten handele sei auch eine Befriedigung der Geschädigten nicht möglich. Der Ausschuß erklärte die Eingabe des Kreisamtes Büdingen durch die Olntwort der Re- gierung für erledigt, ersuchte aber die Regierung, gleichzeitig im DerordnungSweoe die von den Gerichtsvollziehern zu leistende Kaution zu erhöhen. Gegen die kommunistische Hetze. Berlin, 14.3an. (WB.) Der Polizeipräsident teilt mit: Die Bezirksleitung der KPD. in Berlin und die ihr nahestehenden Organisationen haben ihre Anhänger zu einer Landgemeinden und Finanzreform. Gieuerrcformvorschläge 0r. Gerekes. Berlin, 14. Ian (TU.s Der Hauptvorstand des Deutschen Landgemeindetages beriet über bic Finanzreform. Der Präsident des Deutschen Landgemeindetages. Dr. Gereke, Pressel. betonte. daß die R e a l ste u e r - S e n k u n g s - a f t i o n der Reichsregierung nicht a u s K o - st en der Landgemeinden erfolgen dürfe, da diese bekanntlich auf der Ansgabeseite ihres Haushalts jetzt schon über 90 v. H zwangsläufige Qlusgaben hätten. QBcnn man heute das Finonzprogramm der Reichsregierung kritisch würdigen wolle, dann müsse man sich darüber klar sein, daß nach dem Wechsel im Aeichsfinanzministerium nur noch mit Bru ch- teilen der geplanten Steuersenkungen praktisch gerechnet werden könne, weil die Kräfte, die zum Sturz von Hilferding und Popih führten, eine Lage geschaffen hatten, die die Durchführung des Finanzvrogramms in seinen wesentlichen Teilen nicht mehr ermögliche. Wenn die Haushalte des Reiches, der Länder und der Gemeinden selbst bei sparsamster Ausgabenwirt- schost richtig ausbalanciert werden sollen, dann würden sich neben der notwendigen Senkungsaktion für die Realsteuerpslichtigen bestimmte StencrerböHungen auf der anderen Seite nicht vermeiden lassen. Die allgemeine Ll in- sah st euer könnte man von 0,75 auf 1 v. H erhöhen, unter gleichzeitiger Beseitigung aller noch bestehenden Umsatzsteuer-Privilegien. Dadurch würde sich eine sehr erhebliche und sichere Mehreinnahme ergeben. Ebenso könnte ohne starke wirtschaftlich Gefahr das Aufkommen a u s de r K r a f t f a h r ze u g st e uer durch eine Llmgestaltung dieser Steuer nach Maßgabe der tatsächlich gefahrenen Kilometerzahl oder des verbrauchten Brennstofses ganz erhebliche Mehreinnahmen bringen, die zur Entlastung der Weqebaupflichtigen vertoenbet werden mußten. Der Gedanke, die Reichssteueranteile aus Einkommen - und Körperschafts- st e u e r den Ländern und Gemeinden zu kürzen. erscheine solange vom Standpunkt der Landgemeinden aus völlig unannehmbar, solange nickt ein wirklich vollwertiger Ersatz für diese Kürzungen gegeben wird. Das Züsch l a g s r e ch t zur Einkommensteuer etwa als solchen Ersatz airzusehen. sei für die Landgemeinden u n m ö g l i ch. Je stärker die Landgemeinden den Gedanken der Einführung eines Zuschlagsrechtes zur Einkommensteuer ablehnen und je mehr aus sozialen Gründen der ergebet sich zu einer weiteren der Finanzlage der Landgemeinden allerdings stark abtra , .-»en Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums noch entschließen sollte, um so tragbarer erscheint die Einführung eines beweglichen Faktors für die Gemeinden in Gestalt der von der Reichsregierung in Aussicht genommenen Q3er* waltungskvstenbeiträge (Kopfsteuer). Die Arbeiten des Völkerbunösrats. Der Kelloggpakt. - Der Zollwaffe,rstillstand. — Die Agrarkrisis. Genf, 14. Jan (WB> Mit Rücksicht auf die Rückreise des englischen Außenministers sind auch heute zwei Sitzungen des Bolkerbundsrates an- beraumt worden. Der Rat beschloß zur Prüfung der durch den Beitritt aller Völkerbundsstaaten zum Kellogg°Pakt notwendig gewordenen Abänderungen des Bölterbundspaktes ein Juri st enkomitee einzusehen. Henderson unterstrich die Rotwendigkeit der Angleichung des Bolle r b u n d s p a k 1 e s . der bekanntlich in gewissen Fällen den Krieg noch ertaubt, an d i e K r i e g s ä ch t ii n g des Kellogg-Pakts. Durch Herausnahme des Rechtes zur Kriegführung werde des Bölkerbundspakt. der für England immer die fundamentale Grundlage zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit und zur Aufrechterhaltung des Friedens bleibe, nicht abgeschwächt, sondern gerade in seiner Wirksamkeit zur Beilegung internationaler Kon- siilie gestärkt to?rbcn. Briand betonte, daß die dem Bvlkerdunds- pokt innewohnende Wirksamkeit durch das wiederholte erfolgreiche Eingreifen des Völkerbunds- rates bei drohenden Aonslikten erwiesen sei. Er sprach sich für eine sehr breit angelegte gründliche Prüfung der Frage aus, wobei auch die vom Sicherheitskomitee behandelten Fragen übet die Mittel zur Kriegsverhütung ins Auge gefaßt werden sollten. Staatssekretär von Schubert stimmte der von Briand angeregten Prüfung auf breitester Grundlage zu und erinnerte daran, daß Deutschland dem Sicherheitskomitee seinerzeit besondere Vorschläge zur Verstärkung der gegenwärtig vorhandenen kciegSverhütenden Maßnahmen unterbreitet bat. Sodann legte Staatssekretär von Schubert eine Reihe von Berichten über die wirtschaftlichen Arbeiten des Völkerbundes vor. aus denen vor allem zu erwähnen ist, daß auf seinen Vorschlag die Zollwaffenstillstandskonferenz auf den 17. Februar dieses Jahres nach Genf cinberufen worden ist. Zum Präsidenten dieser Konferenz wurde der frühere dänische Außenminister Graf von M o l t ke bestellt. Der Zweck des Zollwaffenftillstandes ist, die Einleitung einer planmäßigen Aktion zur Erleichterimg der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und teilweisen Riederlegung der Zollschranken und sonstigen Hindernisse, worüber vor Ende deS Zollwaffenftillstandes eine allgemeine internationale diplomatische Konferenz Kvllektivvertrage abzuschließen haben wird. Zu dem umfangreichen wirtschaftlichen Berichtsmaterial. das der Völkerbundsrat auf deutschen Vorschlag genehmigt hat, gehört auch der Tätigkeitsbericht des Wirtschaftsausschusses. Er befaßt sich eingehend mit der in der vorigen Woche abgeschlossenen ersten internationalen Zusammenkunft landwirtschaftlicher Sachverständiger. Als wesentlich für die Behebung der Weltagrarkrise fei die R o t w e n d i g k e i t der genossenschaftlichen Organisierung von Produktion und Verbrauch erkannt worden, die zunächst auf dem Binnen m a r k t der einzelnen Länder durchgeführt und später auf den internationalen landwirtschaftlichen Produktenmarkt erstreckt werden müsse. Die rationelle Organisierung der einzelnen Binnenmärkte sei von grundlegender Bedeutung für die Erfolge der weiteren Arbeiten. Außerdem wird die Erleichterung des landwirtschaftlichen Kreditwesens empfohlen.In bezug auf die Weltkohle nkrise wird mit Genugtuung auf die in verschiedenen Ländern eingeleitete straffere Organisierung der Kohlen« wirtschaft hingewiesen. Die Ansichten über eine internationale Kohlenverstän'oigung gingen jedoch immer noch viel zu weit auseinander, als daß ihre Organisierung und Durchführung ins Auge gefaßt werden könnte. Massendemonstration am Mittwoch, dem 15. Januar, um 18 ilbr auf gerufen. Im Hinblick aus die in dem Aufruf anqcfünbiglcn ®c- walttat« n gegen Andersdenkende ist mit Gegenkundgebungen und mit ernsten Zusammenstößen zu rechnen. Es besteht also eine u n - mittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Der Polizeipräsident hat daher für Mittwoch. 15. Januar 1930, alle Versammlungen unter freiem Himmel einschließlich aller Llmzüge verboten. Oie Berliner Kinanzknsis. Tas Disziplinär verfahren gegen Bötz. Berlin, 14. Ian. (Priv.-Tel.) Obwohl die Staatsaufsicht übet d i e Reichs- Hauptstadt seit einigen Tagen eingestellt worden ist, und somit die finanzielle Selbständigkeit der Reichshauptstadt wieder hergestellt wurde, hat sich in ihrer Finanzwirtschaft noch immer nichts gebessert, und die Situation ist nach wie vor besorgniserregend. Rach dem augenblicklichen Stand des Rachtragshaushaltes kommen nach allen Ionglietkimsten der Finanzsachverständigen an Mehreinnahmen gegenüber einem Defizit von fast 70 Millionen nur 13,75 Millionen heraus. Es bleiben also immer noch 56,25 Millionen u n - gedeckt. Es ist infolgedessen nicht ausgeschlossen, wie es hier und da bereits angedeutet worden ist, daß die G a s - . Wasser- und Strompreise erneut erhöht werden. Allerdings denkt man dabei nur an eine vorübergehende Er- |obung, um auf diese Weise daß Defizit abzu- Wann daS Disziplinarverfahren gegen den in die Sklarekafsare verwickelten Oberbürgermeister Dr. Böß zum Mschluß kommen wird, ist im Augenblick noch immer nicht zu übersehen. Rach den jüngsten authentischen Er- Klärungen läuft gegen Böß immer neues Material zusammen, das immer wieder neue Erhebungen notwendig macht Es wird sich infolgedessen nach dem augenblicklichen Stand der Dinge auch nicht vermeiden lassen, daß die Beurlaubung des Berliner Sladtoberhauptes. die in den nächsten Tagen abläuft, auf einige Wo- . leeres Murer mit Schlafkabinen, Kochgelegenbett, fließendem Wasser zu vermieten. Zu erfr. in b. Geschäfts- stelle d. G.Ä'rz. 0300 Pens. Brandl »t e Kflehe.T»!. 3985. UM. AM Swei große Schaufenster, L 2.75 Meter u. Eckfenster, Jnnen- raum42qm,m.Laden- zimrner, im Hanse Kreuzplah 8 «I. Hammermannl für sofort ob. spater, mit od. ohne Woh- ttttiid ibtei Zimmer und Küche) 426D 8a vermieten. Laden mit Nebenräumen Kreuzplatt 1 ab 1.2.30 au verm. NabereS A. Bcckcr, Kevlerstr. 9. 108140 Lade« Neustadt 19 au vermieten. 385D A. Bcckcr, Keplerftraße 9. Antogarage zu vermieten /OD Carl HaaS V., Schnbertstr. 2. 3-6«Zimmer- Wohnung zum Frühjahr von jungem Ehepaar — erobern. — gesucht. Evtl. Vergütung und Mietvorauszahlung, Schr. Angeb. u. 0305 an b. Gieß. Anz. erb. Bessere 4-Zimmer-IoliD. (fein Neubau), evtl, gegen Abstand, zum 1. Marz ob. 1. Avril gesucht. Schriftliche Angebote unter 0295 a. d. Gieß. Anz. erb. Schöne 3-4-Zünmer- Wohnung für sofort od. spät. 1. 6. 30 gesucht. Instandsetzungskosten werb, übernommen. Schrtstl. Angeb. unr. 0234an b. Gieß. Anz. Von allein fr Frau mit zwei Kindern (3 und •/, I.) Keine Mnnng ober Mansarde gesucht, cötL ein Teil der Miete geg. Hausarbeit. Schr. Anaeb. u.O817a.d. Gb. Anz. Geräumige 4 - Zimmer Wohnung für 1.3.30 od. später gesucht. Instandsetzung wird nicht beansprucht. Schr. Angeb. unter 0293 an ben Gieß. Anz. [Stellenangebote | 7JungeS, ehrliches Rädchen in kleinen Haushalt für tagsüber gesucht. Zu erfragen 0302 Lredaerstr. 1 >. Enorme Mestlin bleiet Ihnen die BejUteBerttetimg meines neuen, ges. gesch. HanshaltungS- schlagerk. Auskunft koitenloS. 427V Postfach 35, Freudenstadt. WM für Kolonialwaren» Großhandlung zu Ostern gefuchl. Schr. Angeb. unter 0314 a. d.Gteß. Anz. —99999——9 Ig-, anstänb^ braves Mädchen am liebst, v. Lande, für kleinen Haushalt gesucht. Gelegenhett zur gründlichen Erlernung. Schriftliche Anfragen u. 0313 an den Gieß. Anz. —9—9— j Stellengesuche! Sattler- und polsierermeister sucht Stellung. Zu erfragen in bet Geschäftsstelle des Gieß. Ans. 0272 l«iäbrirtc iandwirltebler sucht Stelle in beff. Haushalt. Koch- und Nähkennrntsse vorhanden. Farmtten- anschluß erwünscht, Schrift!. unter M amiltenankchl.erw. Sckr. Angeb. u. 0308 a. d. Gieß. Anz. erb. Wanderung am Gouutaa, dem 19. Januar: Ganse« burg-Steiuback. Abmarsch 2 Uhr LudwigSptatz. 436 n •""Reste-Verkauf Loseä1Mk.3poortP°fu™hLriste versendet auch unter Nachnahme Eisenacher IM-W« zum Besten des Thüringer Museums, Eisenach 3385 Gewinne zusammen Mark: sind Im Auftrage zu verkaufen: 1 N.S.U., 350 ccm.....................RM. 1 N.S.U., 530 ccm, 2 Zyllnd. m. Bosch-ZUnd- O.c chirassit fein?Ä Könige1 Prinzen chunderb langen c den «g des Kn ich haben vi ÄeiDt als Äch ia, Staut, chnen von D liche 2 ersten Schavsp einen Spiegelschrank, einen Diwan, einen Bilderschrank, vier Büfetts, vier Kredenzen, eine Nähmaschine, eine Schreibmaschine, zwei Chaiselongues, drei Grammophone, zwei Rauchtische, drei Tische, 18 Stühle, einen Sessel, zwei Photoapparate, ein Sofa, vier Vertikos, einen Tru- meauspiegel, zwei Klaviere, eine elektrische Haarschneidmaschine, zwei Regulatoren, einen Gasherd, einen Eisschrank, eine Standuhr, zwei Teppiche, einen Schreibtisch, einen Bücherschrank, einen Jnstrumenten- schrank, eine Ladeneinrichtung, zwei Garnituren Bettwäsche, einen Personenwagen, einen Kassenschrank, eine Bohrmaschine. Bestimmt: ein gebrauchtes Herrenfahrrad. Oern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Fernruf 4101. Kommode antik schön geschweift (Barock! mu reichen Einlagen, figürlich und Ornamente, zu verk. Schristl. An fr. unter 0301 an d. Gieß. Anz. Wer cxteilt lungern Mädchen Schreibmaschinen- ünlerricht? Scbrifll. Angel), uni. 0303 an d. Giefi. Anz. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Sprechstunden nur noch von 15 bis 18 Uhr und Sonntags von 10 bis 12 Uhr W. Welz, Giefeen Homöopath und Naturhellkundiger Plockstrafee 2 0306 Telephon 2303 in seinem neuesten u. besten Sensat.-Film Vogelfrei I Ferner: Atlant! kfah rt des Meteor Haushalispflegmn 12* cü., langiöbr. Erfahrung in der seinen, gutbürgertichen und GulshauShailSküche, bero. imAnrichten.Servieren,Tafel» dekorieren,Wäschebehandlung, Neuanfertigung, perfekt im Hauskleideimachen, wünscht sich im 1. Vierteljahr 1930 zu verändern. vevtva»e«stteUv»g Bin größerem Villen» od. Gutshaushalt desD>llkretses,Ober- hessen oder Westerwalds. Gest. Zuichriilen unter 442V an den Gießener Anzeiger erbeten. Sonderangebot (nut Mittwoch» Honig seiuster Schleuder- Honig. naturrein, echt, Psd. Mk. 1.85 S-Md.-undlO-Pfd.- iSuncr, auch lose ausgewogen. Vitamingehalt un zerstört. Fern, ausgesuchte Akazien». Linden-, Tannen» Tracht-Hontge. KriülerbMslMi Soezialgesch.f. verbürgt reln.deutsche Honige, Schuittr. ..Sie c Xiid ein unb red 2as (jjn auf bet Straße Leben i Menge ■Sändlet Untettui Nachts j {in Stau Sehende §ina (ei Men die Hub. Cj, ^ein * Wa b'ckeschw« .,Ae lle Überzahl oussstäth b" sich Lausch $ einen lnSenit)1e °ngen । , schwankt gleiche natürlich 5» Sch Ase he Ule ®t "cher orn xs überk Äebvt - Bad- Nauheimer Fichtennadel-Bad stärkt Herz und Nerven Erhältlich: Löwen-Drogerie, Seltersweg 79a „ H. Elges, Seltersweg 68a 130D llchtanlage, Batterie, Horn, Bj. 26 RM. 450., 1 Horex, 600 ccm, Baujahr 26...........RM. 550.- 1 Ardie, 350 ccm, 2 Takt, B|. 25..........RM. 350.- 1 Ardie, 350 ccm, O.H.V., Jap, Baujahr 25.. RM. 550.- 1 Ardie, 500 ccm, Baujahr 28............RM. 600.- 1 Ardie, 500 ccm, Baujahr 28............RM. 400.- 1 Ardie, 600 ccm, mit Zündllchtanlage, Hom Batterie, Tachometer, Baujahr 20 RM. 800.- 1 U. L, 660 ccm, Jap-Motor mit Zündllchtanlage Bosch, Hom, Batterie.... RM.760.- 1 U. T., 550 ccm, Jap, Luxus-Ausführung, fabrikneu, m.Bosch-ZUndlicbtanl., Batterie, Horn, Steckachse, nur RM. 1360.- Willi Appel, Gießen SWWWklW. Der noch nicht dreijährige, 18 bis 19 Zentner schwere Vogelsberger Bulle auf dem Selgenhof wird gegen Barzahlung zum Schlachten verkauft. Der Bulle wird auf dem Selgenhof satt gefüttert und in Ulrichstein gewogen. Abzug 3 v. H. Schriftliche Angebote je Zentner Lebendgewicht bis Montag, den 20. Januar, vormittags 8 Uhr, an den Laudwirtfchafts- kammer-Ausfchuß in Gießen erbeten. Außerdem wird auf dem Selgenhof ein leichteres Rind freihändig zum Schlachten Ab morgen bis Sonntag einschlieBL: Der Graf von Monte Cristo 424* ■Kaufhaus Hansa Hans-Heinz Oie glückliche Geburt eines kräftigen Stammhalters zeigen an 1. Koch Uolg. Mäusbarg 15,Tel.3612 AW StkW lebende Karpfen empfiehlt MJIfiotaii Babnbofttr. 59 Tel. 3866. [217D Wir geben hiermit bekannt, daß die dem Installateur Georg Schulz in Homberg (Overhessen) erteilte Konzession zur Vornahme von elektrischen Jnstallationsarbei- ten im Ueberlandgebiet infolge Tod er- hbb Lichtspielhaus Heute letzter Tag: Der große LustspielerfolgI Der Großkampf der Isar- und Spree-Athenerl Links der Isar - rechts der Spree SAUM MW EMM o. K., Psd. 38-45 ZWW 8 Psd. 65 ö MMM Liebig str. 66,Tel. 3685 EISU-Betten (Stahl a. Holz) Pulsier. ScfalafzimmiStahlmatr. Kinderb.Chaisel. a.Pri- vaie. Ratenzl. Katal. fr. EisenmöbellabrikSuhl Folgende gebrauchte Motorräder Ferner ein auserwähltes Beiprogramm u. Die neueste Ufa-Wochenschau Voranzeigel Nur Samstag,1 S.Januar, 3 Uhr nachm. der entzückende Märchenfilm Schneewittchen Vlöirc — Zander — Heckte — Salme Brclem (groß nnd mittel) — lebende Karpfen nnd Schleien Fischhaus „Cuxhaven" Marktstrahe 14 0307 Telephon 2417 Oie Brennholzversteigerung । vom 10. Januar ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine, Ueberweisung und erster Abfuhrtag 18. L 2H. Ablauf der Zahlfrist für nichtoerbürgte Schuldigkeiten am 31. Januar 1930. 4300 Gießen, den 14. Januar 1930. Hessisches Forstamt Gießen. Bekanntmachung. Bett.: Zugelassene Installateure im Heber- Mahnung. Die für den Monat Dezember 1929 zu unserer Kaffe fälligen Krankenkaffen, und Arbeitslosenversicherungs-Deittäge können noch bis zum 20. d.W. ohne Kosten an die bekannten Zahlstellen gezahlt werden. Rach diefemTage eingehende Zahlungen können nur unter Berechnung der Mahngebühren angenommen werden; außerdem letzen sich die Rückständigen der Zwangsbeitreibung aus. 4370 Gießen, den 15. Januar 1930. Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Gietzen. Brennholzversteigerung des Graf zu Solms-Laubach'fchen Forstamls Laubach. Montag, den 2O.b.2H., 10% Uhr, in der Turnhalle zu Areienfeen, aus den verschiedenen Abteilungen der Distrikte Peters- wald, Baumkircherwald, Schornberg, Wintersberg, Frsr.-Thomasbiegel, Mushau, Dickerbuch und Wenzelskops der Försterei Oberseen. — rm Scheiter: 686 Buche I und II, 30 Esche, 12 Eiche, 10 Ahorn und Kirschbaum, 20 Fickte II; Knüppel: 285 Buche I und II, 8 Esche, 30 Eiche, 7 Kirschbaum, 2 Weide, 14 Fichte II; Stocke: 220 Buche, 6 Esche, 3 Eiche; Reiserknüppel: 440 Buche (13 Stammrsrk.), 12 Eiche und Esche. 4340 Scheiter und Knüppel I. Kl. kommen nur ans Peterswald la, 1b und Baumkircherwald la zum Ausgebot. Nutzholz: 2,4 rm Eichenpfosten, 2 m lang, aus Peterswald 5e. Kohlreiser und Lesholz flächenweise. Auskunft erteilen Förster Schreiner, Altenhain, und Forstgehilfe Flick, Freienseen. ? üaeita ? 1. Februar 1930 ___________________________________________________________. 61D Gold.Vrille in der Turnhalle verloren. Abzuaeb. bet Sckäfer.Goethe' straße 23._______0316 | Vereine” KlßiakalibßMWm des ScMtzenvereins Gießen Douuerstag, abends 87s Uhr: Schießen. SmskiWe Botltöge (Herr und Daniel gletcbAeitig la Musik, Klavier. Violine. Suchwald Kirchenplatz 23. Tel. 3760. {»296 Wer iiberfetzl englische techn. Lit? Sckr. Ang. unt. 0'298 a. d. Gieß. Anz. erb. 1508« M gegen Sicherheit für sofort oder fpäter gesucht. Schriftliche Angeb. unt. 433D an den Gieß. Anz. erb. MOt gegen monatl. Rückzahlung nebst hoben Zinsen zu leihen gesucht. Schristl. Ang. unter 0304 an den Gleß. Anzeiger erb, Witze Mitte würde junges Mäd» eben von auswärts für einige Wochen zur Entbindung anfnehmen ? Off. unt. Nr. 1553 an Ann.-Exo. Germer & Waaner, Neuen- weg 50. [431V Verkäufe BFH abzugeben. [0309 Liebigstr. 74». Schlafzimmer neu, umständehalber sehr vreiSw. abzug. a aber wenn du und Kurt schon vorher einig geworden seid, kann cs nicht so schlimm werden: wir werden den Sturm schon wieder besänftigen. Kurt von Wildhofen ist kein Knabe mehr und nicht dazu angetan, das Mädchen, das er liebt und mit dem er bereits einig geworden. im Stich zu lassen, weil der Vater ein Ausgestoßener ist. Er wird natürlich zuerst wenig erbaut fein; wenn du aber deine Karten geschickt aus.'.uspielen verstehst, wird er trotzdem nicht von dir lassen." „Mutter." sagte Sabine nach kurzer Pause mit trauriger Stimme, „ich kann Kurt nicht heiraten: ich begehe eine Schlechtigkeit, wenn ich es tue.“ ..Sei nicht närrisch, Sabine! Weshalb mit einem Male nicht? Es ist die einzige Chance, die^wir haben." ..Sch kann nicht die Frau eines ehrlichen Mannes werden — ich kann mich nicht unter falschen Vorspiegelungen in eine hochgeachtete Familie einschleichen. — O Mutter, laß uns zurückkehren zu unserem früheren Dasein! Cs war entsetzlich, das weiß Gott: aber wenigstens haben wir dabei niemanden betrogen.“ „Su wirst mich noch rasend machen, Sabine mit deinen philisterhaften Anwandlungen. So kehre meinetwegen zurück in die kleine, erbärmliche Stadt und in die schmutzige Wohnung deines Onkels mit dem erstickenden Bier- und Tabakdunst! — Oh. erfaßt dich nicht ein Grauen bei der bloßen Erinnerung daran? Die gewöhnllchen vom Trunk erhitzten Gesichter — die schmutzigen Karten, der wüste Lärm, das Rollen des Geldes auf den abgeschabten, grünen Tischen! Was meinst du wohl, was ich empfand, als ich dasaß und dich mit meinen Augen behütete, dich, ein Kind bon noch nicht sechzehn Sahren. zwischen jenem Abschaum der Menschheit aus aller Herren Ländern hin- und hergehen sah, ekelhaftes Bier und Zigarren verabreichend, während die schielenden Blicke der Männer auf dir ruhten und zwei- heutige Redensarten mein Ohr trafen? Oh, diese Heimatstätte beim Onkel Simon war mir um einen solchen Preis doch zu teuer erkauft.' Bedenke, wie schwer ich seitdem gerungen habe, um in an- ständiger Gesellschaft wieder festen Fuß zu fassen, wie ich gekämpft, gedarbt und mich gewunden habe — nur um deinetwillen. Und jetzt muh ich dich sagen hören, daß es eine Schlechtigkeit wäre den ersten wirklich guten Antrag, der sich dir bietet, anzunehmen. Oh. das genügt wahrhaftig, um mir das Herz zu brechen." Sabine schlug die Hände vor das Gesicht und sank in den Sessel zurück. „Was verlangst du also von mir?“ fragte sie mit tonloser Stimme. „Aun, das weißt du bereits, Sabine! Es wird nicht so schwer sein, Kurt von Wildhofen zu einer Erklärung zu bringen. Du bist ja alle diese Tage hindurch, fast eine Woche lang, viel mit ihm allein gewesen. Daß er dich liebt, ist flar. Es wird nur noch eines geringen Entgegenkommens von dir bedürfen, um ihn zu deinen Füßen zu sehen. Hat er dir seinen Antrag gemacht, mußt du dich unentschlossen stellen und ihn bitten, sich einen ober zwei Tage zu gedulden, damit du dein Herz prüfen könntest. Auf diese Weise hast du ihn gefesselt und doch auch Zeit gewonnen: denn es wäre sehr unklug, die Eltern von eurem Verhältnis in Kenntnis zu sehen, solange jener gefährliche Mensch hier noch anwesend ist. Sobald er aber den Rücken gekehrt hat, mußt du Kurt erklären, daß Du seinen Antrag annimmst. Das übrige findet sich dann von selbst. Sind seine Eltern erst einmal von dem Herzenswunsch ihres Sohnes unterrichtet, werden sie sich auch seiner Wahl nicht widersehen. Selbstverständlich mußt du durch dein ganzes Benehmen zu zeigen suchen, daß du deinen Bräutigam glühend liebst, und geschickt darauf binarbeiten, daß der Tag eurer Hochzeit sehr bald festgesetzt wird. Sind wir einmal so weit, so können wir dem Kommenden getrost entgegensehen. Sst es doch für einen Mann, der sich im ersten Rausch der Liebe befindet, sehr schwer, sich von dem Gegenstand seiner Aeigung loszureihen, um so mehr, wenn er bereits so weit gegangen ist, den Hochzeitstag zu bestimmen.“ Sabine gab auf djese schlau durchdachten Ratschläge ihrer Mutter keine direkte Antwort, erhob sich aber von ihrem Sessel am Kamin und trat dicht an ihre Mutter heran. „Arme Mama," sagte sie traurig. „Arme, liebe Mama! Sch weih es wohl, daß du ein schweres, sorgenvolles Leben hast." Diese Worte bewirkten, daß die Angeredete in heftiges Schluchzen ausbrach. — „Oh, das weiß niemand, niemand auf der Welt, nicht einmal du, Sabine!" rief sie in verzweifeltem Ton aus — .Wenn ich dich aber erst eimftnl gut — wie ich hoffe —, glänzend verheiratet weiß, soll es mich keinen Augenblick bekümmern, was aus mir wird." Selbst in dieser ränkevollen Seele lebte ein edles Gefühl — selbstlose Mutterliebe Sabine suhlte sich von diesem neuen Beweis tief gerührt. Oie kannte ihre Mutter und wußte daß ihr ganzes Leben und Treiben nur eine Kette von Luge und Betrug war. Doch wie hätte sie vergessen tonnen, daß die Mutter um ihretwillen sündigte' Darum war sie immer wieder geneigt vachzugeben, so sehr sich auch oft ihr Selbstgefühl dagegen empörte „Geh nun zur Ruhe!" wandte sich Sabine letzt m ocfanfhgeHbtm Ton an ihre Mutter. Du snylt angegriffen und überwacht aus Sch will alles bedenken, was du mir gesagt hast, und morgen wird uns manches leichter erscheinen, als jetzt in dieser Nachtstunde." Als Sabine allein war, setzte sie sich wieder an den Kamin und verfiel in tiefes Aachsinnen über ihr ruheloses, entwürdigendes Dasein. Sie war in einer schlechten Lebensschule ausgewachsen, und schon in der Kindheit mußte sie die dunklen Seiten der menschlichen Ratur kennenlernen. Zwar begriff sie des Vaters Verbrechen nicht völlig: doch als sie älter wurde, lernte sie !bie Größe seiner Schuld ermessen. Aber sie schämte sich weniger der Sünde selbst als der Erniedrigung, die er sich und ihnen in den Augen der Welt bereitet hatte. Sich nun dieser Schande durch alle möglichen Mittel — erlaubte und unerlaubte — zu entziehen, war seitdem das unablässige Bemühen von Mutter und Tochter gewesen: Sabine hatte sich schnell genug an Unwahrheiten gewöhnt: der falsche Aame, die Fabel von der Witwenschaft ihrer Mutter und von ihres verstorbenen Vaters militärischer Stellung sowie die unzähligen erdichteten Reisen — alles das erschien ihr wie selbstverständlich. Sahr für Sahr hieß es, denselben schweren Kamps aufzunehmen gegen Gläubiger unb Geldverleiher, unter denen sich oft recht unbequeme Mahner befanden. Welch endlose Schwierigkeiten bereitete es ihnen, stets modern und elegant gekleidet zu fein, ohne bar bezahlen zu können. Es war nur dadurch möglich, daß man im kritischen Moment vor allzu lauten Mahnern fo schnell wie möglich die Flucht ergriff. Wie oft war Sabine mitten in der Rächt von ihrer Mutter geweckt worden mit dem Bedeuten, sofort aufzustehen und ihre Koffer zu packen. Galt es doch, beim ersten Morgengrauen das Hotel oder Haus, in dem sie sich gerade befanden, zu verlassen, um einem Gläubiger, dessen Geduld aus eine harte Probe gestellt worden war, zu entschlüpfen. Sabine war wohlvertrant mit all diesen Dingen: doch lange nicht so skrupellos wie ihre Mutter. Denn es kamen Zeiten, in denen sie sich aufs tiefste verachtete und sich aus vollem Herzen danach sehnte, rechtschaffen und wahr zu sein. Solche Empfindungen waren besonders häufig in ihr rege geworden, seitdem sie sich in Wildhofen befand. Allerdings hatte sie ebenso eifrig wie ihre Mutter nach einer Heirat getrachtet. Wenn es ihr gelänge, eine glänzende Partie zu machen, wollte sie ein ganz neues Leben beginnen, bas hatte sie sich gelobt. Shr Hochzeitstag sollte der Anfang einer ööHigcn ilmtoanölung sein. Wollte sie doch alles daran sehen, ihrem Gatten eine musterhafte Lebensgefährtin zu werden. Sonderbar war es aber, daß ihr trotz dieses heißen Wunsches jetzt mehr und mehr vor dem Augenblick bangte, wo Kurt sich erklären würde, es bangte ihr davor, seitdem sie ihn näher kennen und zugleich lieben gelernt hatte. Sie sah. was er für sie empfand und wußte daher, daß es Sdckel vorgetragene Rechnungsablage toutbe gutgeheihen. Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Studienrat Seh b old, 2. Vorsitzender Schuhmachermeister Friedrich Frank, Schriftführer Studienrat Walter, Rechner Walter Sockel, Leiter der Schulgruppe an der Oberrealschule Studienrat Dr. Heil. Kreis Friedberg. = Bad-Nauheim, 13. San. Gute Fortschritte macht die Entwicklung der im Herbst vergangenes Sahr hier ins Beben gerufenen V o l ks- Hochschule. Die ersten Vortragsreihen sind beendet, und nachdem zahlreiche Vereine der Stadt die ideelle und auch finanzielle Unterstützung der Bestrebungen zugesagt haben, soll nun für die zweite Winterhälfte an neue Arbeit herangegangen werden. Eine unter dem Vorsitz von Amtsgerichtsrat Schneider jetzt stattgehabte Ausschußsihung, der auch Bürgermeister Dr. A h l und der Volkshochschulleiter W. H e g a r (Gießen) beiwohnten, beschloß für den nächsten Donnerstag eine Eröffnungsfeier, in deren Mittelpunkt die Rezitation von Schillers „Räuber aus Deilorener Ehre" stehen wird. Anschließend sollen noch vier Vortragsreihen bis Ostern durchgeführt werden. Zunächst sprechen an je sechs Abenden Amtsgerichtsrat Schneider über „Grundzüge des bürgerlichen Rechts" und Pfarrer Knodt über „Kann die Bibel dem modernen Menschen noch etwas sein?" Es folgen weiter die Kurse von Lehrer Siegler über „Geschmackvolle moderne Ausgestaltung des Wohnraumes" und von W. H e g a r über »Was sagt die heutige Wissenschaft zu den >verbreitetsten Meinungen über das Weltgebäude?" Mit Beginn des Frühjahrs sind dann heimatkundliche Führungen vorgesehen, für die sich als Leiter Lehrer Oßwald (Pflanzen der Heimat) und Prof. Balser- Friedberg (Vögel der Heimat) bereit erklärt haben. Ein Forschungsmstiiui für Kunstgeschichte. If Marburg, 14. Jan. Im Jubiläums-Kunst- institut dcr Universität fand heute vormittag durch den preußischen Kultusminister B e ck c r die feierliche Eröffn ungdeser st enpreuhischenFor- s ch u n g s i n st i t u t s für K ll n st g e s ch i ch t e statt, das mit Hilfe vielseitiger privater und städtischer Stiftungen in seiner Art ähnlich rote das Kaiser- Wilhelm-Jnstitut zustande gekommen ist. Zwischen beiden besteht ein Unterschied nur darin, daß das letztere mit geringen Abweichungen nur den Natur Wissenschaften dient, während das neue Institut dem wichtigen Gebiete der Geisteswissenschaften zuge- roandt sein soll. Seine Hauptaufgabe besteht in der Erforschung der mittelalterlichen Kunst in Deutschland und Frankreich und ihrer wechselseitigen Beziehungen. Man hofft, durch die neue Einrichtung dazu beitragen zu können, die durch den Krieg geschaffenen und noch nicht gefallenen Schranken zwischen den Wissenschaften der europäischen Länder zu beseitigen und dadurch eine Stärkung des Beronßt- feins der Einheit der europäischen Kultur herbeizuführen. Als weitere Aufgabe wendet sich das Institut gegen die Isolierung innerhalö der deutschen Kunstwissenschaft durch Schaffung eines Zentralarchivs von Aufnahmen, Plänen und Zeichnungen zur Kunst' geschichte. Das weltbekannte Plattenarchiv des kunst- geschichtlichen Seminars der hiesigen Universität zählt rund 50 000 Ausnahmen (einschließlich 15 000 französischen). Dazu kommen noch die photographischen Laboratorien und ein Stab geschulter .Kräfte mit allen dazu gehörigen Einrichtungen. Besonders erwähnt sei, daß es sich hier nicht um ein Universi- täts-, sondern in erster Linie um ein Lehrinstitut bündelt und alle Mittel und Kräfte der Forschung dienen. Das Institut soll das Abbildungsmaterial zur deutschen und außerdeutschen Kunstgeschichte zentral erfassen. kaum noch eines Entgegenkommens von ihrer Seite bedurfte, um ihn zu einer Erklärung zu veranlassen. Trotzdem schreckte sie feit kurzem vor diesem Augenblick zurück, und immer, wenn er versucht hatte, eine Aussprache herbeizuführen, war sie ihm ausgewichen und dadurch jeder Entscheidung entschlüpft. Lind nun tobte in ihrem Srmern ein heißer Kampf. Auf dec einen Seite stand ihre Mutter und die nahe Erfüllung ihres Wunsches, durch die ftc aus aller Rot gerissen werden tonnten, auf dec anderen Seite jedoch das, was sie an1 Gewissen und Ehrenhaftigkeit noch besah. Sa — wenn sie sein Herz nicht besessen, wenn auch sie ihn nicht geliebt hätte! Endlich erhob sie sich leise und schritt zum Toilettentisch, auf dem ein Schmuckkasten mit rotem Maroquin stand. Sn diesem verwahrte sie ihre Wenigen Pretiosen, meistens unechte Perlen und Diamanten. Als sie ihn öffnete, hob sic ein kleines Samtpolster in die Höhe und zog eine verwelkte Gardenia darunter hervor. Mit traurigem, hoffnungslosem Blick preßte sie die Blume wiederholt an die Lippen und warf sie bann in die glühende Asche des beruntergebrannten Feuer-. „So endet der süßeste Sraum meine- Lebens!" murmelte Sabine mit erstickender Stimme, während ihre Augen sich mit heißen Tränen füllten. „Es soll nichts, auch gar nichts mehr von dieser Hoffnung übrigbleiben!" Seht endlich suchte sie ihr Lager auf, obwohl sie wußte, daß der Schlal ihre müden Augen fliehen würde. * „Gesellschaften scheinen dir gar nicht zu bekommen, Doris! Du stehtz gar zu übermüdet und ab, gespannt aus", sagt? Frau von Wildhosen am folgenden Morgen zu ihrer Richte. „Hast du etwas gegessen, was dir schlecht bekommen ist? Dieser Hummer war wirtlich sehr schwer: ich habe mich förmlich davor gefürchtet. Der Koch will mit seinen Vorspeisen sich selbst übertreffen, wie es scheint." Doris lachte. „Sch habe ihn nicht angerührt, ^.ante, und gebe dir die Versicherung, daß ich mich sehr wohlfüblc." „Run, du sichst nicht danach aus, mein Kind, um) ich erlasse dir deshalb auch den heutigen langen Leitartikel in der Zeitung. Du brauchst mir nur die letzten Rachrichten und Depeschen sowie die Familienanzeigen vorzulesen: das ist genug für heute. Auch rate ich dir, dich aus ein, Stündchen niederzulegen, bevor du dich zur Taiel ankleidest. Ach, sagte ich es dir noch nicht, dem Onkel wünscht, daß du jetzt immer mit uns speisest, solange wir noch Gäste im Hause haben." »Wirklich, Tante?" antwortete Doris in unsicherem Ton. Sie hatte bisher so unbrachtet bagingclcbt. daß es sie fast verwirrte, aus der Verborgenheit hervortretcn zu sollen. „Aber warum?" fragte sie zögernd. (Fortsetzung folgt.) ®> Sott. Herbst d-x. h Rnb be. L^, Stabt lArUhung ■it hfUt HL Dr.Ahr Än ÄnnetdlQ0 !fe» Ju^wnet ^lodt Uta Aschen nod) cJMe bon S ^°berne uuo von D 'Wissenschaft das Deft. y iind dann feBt Ke W der cb^9 (feg* M Seil, m nfiiiut Hte. EnmsHunst- ,orn'N durch e r Oie feierliche .'schenFos- schichte stoft und städtischer ie dar Kaiser- - ist. Zwischen lohn, dar; dar iur den Natur - Je Institut dem nschasten zuge- f besteht in der inst in Deutsch- chselseitigen $?: eue Einrichtmig h den Stift] ge-- Schranken jmv ischen Länder zu mg des Dewuht- Kultur herbeizu- t sich das Institut deutschen Kunst- 'n/ralorchios non gen jur Sanft- Ts, was sie u-ö M brauchst n ff daS lfi oY-A?'dick aus i»/jt d'-ch Ä nrchl. es d'r/At uni i i'Ä haben, iifl Vi urv cr,L aus *?&■ .«b-° Aus Natur und Technik. Neue Erfindungen. Akustik im Theater. - Verbesserungen im (Schienenbau.-Eisberge vor dem Mikrophon. Von Dr. Franz Kittler. Wir die Akustik In einem Theater ist, erfährt man leider immer erst dann, wenn das Gebäude fertig dasteht und wenn die ersten Vorstellungen gegeben werden. Mögen die Berechnungen über die Schallwirkung auch noch so sorgfältig und auf Grund zahlreicher Erfahrungen angestellt sein, sie führen nicht immer zum Ziel. Ebenso ist es mit akustischen Verbesserungen in alten Theatern. Hier spannt man an der Decke Netze aus, man bringt Vorhänge an oder Matten. Manchmal hilft es, manchmal nicht. Trotz aller Mühe, die man sich gibt, bessert sich nichts oder nicht genug oder die Sache wird noch schlechter. Die neuzeitliche Theatertechnik hat daher einen neuen Weg eingeschlagen. Sie geht dabei von der Tatsache aus, daß sich am fertigen Theater- und Vühnenraum im allgemeinen nicht mehr allzuviel ändern läßt und das) das Aufhängen von Netzen einen nicht immer wirksamen Behelf darsteNt. Der Schauspieler sieht sich also unveränderlichen Verhältnissen gegenüber. Deshalb muh er die veränderliche Gröhe darstellen. Er muh seine Stimme dem Raum an» passen. Hierauf wurde bis jetzt viel zu wenig gesehen. Das Toben der großen Leidenschaften hört man ja schließlich bis in die letzten Winkel auch eines akustisch schlechten Theaters. Aber das Säuseln von Liebesworten, das Wispern von Geheimnissen, die leisen Seufzer der Erschöpfung gehen häufig vollkommen verloren. Die gedämpfte Rede wird oft nicht oder nur ungenügend verstanden. Es kommt also darauf an, hier das richtige Maß zu finden. Das erscheint sehr einfach und ist dennoch eine schwierige Angelegenheit. Die Proben finden nämlich stets bei leerem Zuschauerraum statt. Die Akustik ist also eine ganz andere, als wenn dieser gefüllt ist. Es ist aber vollkommen unmöglich, den Baum zum Zwecke akustischer Erprobungen jedesmal vollständig zu besetzen. Bei den Proben klingt, da die Abdämpfung des Schalls an den Kleidern und Körpern der Zuschauer wegfällt, alles erheblich laater und deutlicher als bei der Vorstellung. 31m nun zu ermitteln, wie laut mindestens gesprochen werden muß, damit an jedem Platz des gefüllten Theaters alles deutlich verstanden wird, ist von amerikanischen Theatertechnikern eine eigenartige Vorrichtung gebaut worden, die bei den Proben Verwendung finden soll. Sie besteht aus einer langen Röhre von quadratischem Querschnitt, die durch eine Längswand in zwei Teile geteilt ist, so daß also im Innern nebeneinander zwei lange schmale Kanäle entstehen. Der eine dieser Kanäle wird mit einer den Schall verschluckenden Masse gefüllt. Cr entspricht dem vollen Theater, während der andere das leere darstellt. 3m Verlauf irgendeiner Vorstellung wird bei vollem Hause von verschiedenen Plätzen aus erprobt, wieviel des schallaufnehmen- dcn Stoffes in den einen Gang gebracht werden muß, um hier eine ähnliche Absorption herbei- zusühren wie im Theater selbst. Damit ist die Vorrichtung ein für allemal für dieses Theater- eingestellt. Sie kann nunmehr bei den Proben Verwendung finden. Hier setzt sich der Schauspieler, der eine leise Rede zu sprechen oder zu wispern hat. an das eine Ende, während am anderen abgchöri oder ein die Schallstärke aufzeichnendes Instrument aufgestellt wird. Zunächst spricht cr durch den leeren Gang. Hierauf durch den mit dem schallverschlingenden Stoff gefüllten. Auf diese Weife läßt sich feststellen, wie weit die bei den Proben, also bei leerem Theater, noch ausreichende Stimme verstärkt werden muß, um auch für das volle Haus zu genügen. Die in ihrem Wesen so einfache Vorrichtung hat sich bereits bewährt. Die Schauspieler haben sich rasch an sie gewöhnt und haben es dankbar begrüßt, daß sie nunmehr einen Maßstab besitzen, der ihren Worten die Abstimmung gibt, die nötig ist, um überall verstanden zu werden. Vielleicht wird durch sie mancher Theaterumbau unnötig. Mit immer neuen Mitteln sucht man die Geschwindigkeit unserer Eifenbahnzüge zu steigern. Dabei kommt es nicht allein darauf an, die Leistungen der Lokomotive zu erhöhen. Auch der Unterbau muß nach neuen Grundsätzen hergestellt werden, damit er die ständig wachsenden Beanspruchungen aushält. Wenn man auch die einzelnen Schienen jetzt auf dreißig Meter verlängert hat, so ist die Art ihrer Befestigung auf Schwellen doch im großen und ganzen die alte geblieben. Auf einer ausländischen Bahnstrecke hat man jetzt ein neues Verfahren angewendet, das gegenwärtig seiner Erprobung unterliegt und von dem man sich viel verspricht. Bei diesem Verfahren fallen die hölzernen ober eisernen Schwellen weg, auf denen die Schiene bisher aufruhte. An ihre Stelle tritt eine lange breite Bahn aus Beton, in die die Schiene mit ihrem Fuß eingelassen ist. Für jede Schiene wird eine besondere derartige Dahn hergestellt. Jede Bahn bildet also eine Art sehr langer und sehr tief in die Bettung versenkter Längsschwellen. An ihrer Oberfläche zieht sich eine tiefe Rille entlang, deren Breite der Breite des Schienenfußes entspricht. Auf beiden Seiten dieser Rille sind in die Detonbahn Eisenbolzen eingelassen, die schief gegen den Schienenfuß zu stehen. Ihr vorderes Ende ist mit einer Durchbohrung versehen, in der ein Schraubengewinde fitzt. Durch die Bolzen werden Schrauben hindurchgeführt, die den Schienenfuß auf die Unterlage niederpressen und damit die Schiene sesthalten. Den vorliegenden Berichten zufolge soll cs sich auf diesem Unterbau vorzüglich fahren. Die Wagen laufen glatt dahin. Die Abnützung der Radkränze ist nur gering. Die Geschwindigkeit aber kann ein gut Teil über das bisherige Maß hinaus gesteigert werden. Zu den größten Feinden der Schiffahrt gehören die Eisberge. Ihre Rähe stellt man durch Mef- fungen der Wasfertemperatur fest. Kühlt sich das aus dem Meer geschöpfte Wasser sehr rasch ab, so läßt dies auf das Vorhandensein eines Eisberges schließen. Derartige Messungen geben aber über die Richtung, wo er sich befindet, nicht immer hinreichend Auffchluß. Deshalb wurde nunmehr ein neues Verfahren entwickelt, das Eisberge schon auf geraume Entfernung erkennen läßt. Es beruht auf der Tatsache, daß von ihnen stets kleine Teile abbrechen und abschmelzen, wodurch ganz bestimmte Geräusche entstehen. Diese werden durch ein vom Schiff aus ins Wasser gelassenes äußerst feinfühliges Mikrophon aufgenommen und hörbar gemacht. Das Mikrophon ist drehbar angeordnet. Dreht man es, so wird sich der Eisberg in der Richtung befinden, aus der die Geräusche am deutlichsten vernehmbar sind. Fliegen in Nacht und Nebel. Von Max Fischer. In einem Vortrag vor der Technisch-Literarischen Gesellschaft, Berlin, erwähnte I. v. Schröder, baß man bei den Postschnellflügen auch nachts fliegen müsse, ebenso durch Rebel und Wolken. Cs ist ein ergreifendes Geschick, daß er kurz darauf bei dem Versuch, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen, was ihm schon mehrfach gelungen war, den Fliegertod erleiden mußte. Wie dieser Fall wieder zeigt, ist eben das Fliegen in Rächt und Rebel selbst für eine so erfahrene Besatzung aus vielen Gründen gar nicht so einfach. Wenn man nämlich die Erde nicht sieht, so weiß man gar nicht, um wie viel man vom Wind seitlich Der künstliche Horizont im Flugzeug bei richtigem Geradeausfliegen. abgetrieben, abgefchoben oder zurückgehalten wird, weil man ja im Flugzeug selbst den Wind nicht empfindet und keine Möglichkeit hat, festzustellen, ob Wind weht oder nicht. Erst wenn man dann bei zunehmender Helligkeit oder nach dem Abwärtsstoben durch die Wolkendecke die Erde wieder sieht, kann man feststellen, ob man an dem Punkt ist, an dem man nach der Kompaßrichtung und der feit der letzten Ortung vergangenen Zeit eigentlich sein müßte. Häufig wird dies nicht der Fall sein und man muß bann durch Vergleichen dessen, was man nun auf der Erde sieht, mit der Karte feststellen, wo man eigentlich ist. Daraus kann man bann erst erkennen, aus welcher Richtung der Wind geweht hat, während inan ohne Erdsicht flog. Das ist aber noch nicht das Schlimmste. Viel schlimmer ist es, daß der Flieger, wenn er in der Dunkelheit oder im Rebel den Horizont nicht sieht, das Gefühl dafür verliert, was wagerecht oder was oben oder unten ist. Darin liegt natürlich eine ungeheure Gefahr, denn wenn sich infolgedessen das Flugzeug etwa nach der Seite neigt, so kann es abrutschen und abstürzen. Für das Erkennen der wagerechten Richtung der Längsachse genügt ein Neigungsmesser, der etwa ans einem ringförmig gebogenen, zur Hälfte mit einer roten Flüssigkeit gefüllten Glasrohr besteht. Die Ebene dieses Ringrohres liegt in der Flugrichtung; die vordere Hülste ist verdeckt. Steht das Flugzeug mit der Spitze zu tief, so finkt die Flüssigkeit in dem Teil des Rohres, den der Bild 2 Würde der künstliche Horizont von einem Pendel bewegt, so würde er beim richtigen Fliegen eines Bogens gleichlaufend zum Flugzeug bleiben, also falsch zeigen. Flieger vor sich sieht, steht der Schwanz zu tief, so steigt sie. Das ist eine sehr einfache Vorrichtung. Sehr viel schwieriger ist die Feststellung, ob die Flügel richtig liegen, weil man die Fliehkraft nicht von der Schwerkraft trennen kann. Wenn man z. B. im Flugzeug ein Pendel aufhängt und geradeaus fliegt, so zeigt das Pendel nach unten. Wenn man nun einen Bogen fliegt, z. B. nach rechts, wobei der linke Flügel höher liegen muß als der rechte, damit das Flugzeug nicht aus der Kurve nach außen herausschiebt, fo zeigt das Pendel nicht mehr im Bezug auf die Erde nach unten, sondern im Bezug auf das Flugzeug nach unten. Der Flieger könnte also glauben, das Flugzeug läge wagerecht. Mit einem Pendel kann man ihm also die richtige Querlage nicht anzeigen (Bild 2). Man bringt deshalb in den Flugzeugen einen sogenannten künstlichen Horizont an, eine kreisförmige Fläche von etwa 15 Zentimeter Durchmesser hinter Glas, deren obere Hälfte weiß ist und den Himmel bedeutet, während die untere schwarze Hülste die Stelle der Erde vertritt (Bild 1). Der obere Rand der schwarzen Hülste ist der künstliche Horizont. Diese Fläche hält man durch einen Kreisel in ihrer Lage. Wenn man nun das Flugzeug seitlich neigt, so sieht man das sofort am künstlichen Horizont, der ja diese Neigung nicht mitinacht (Bild 3). Der Flieger kann also ohne weiteres die Neigung seines Flugzeuges am künstlichen Horizont erkennen, zumal eine innen am Glas angebrachte Nachbildung des Flugzeugs die Neigung des wirklichen Flugzeugs zum Horizont sehr sinnfällig anzeigt. Die Vorrichtung wird noch durch ein Pendel ergänzt, das den Zweck hat, dem Flieger zu zei- Bltd3 Der von einem Kreisel gesteuerte künstliche Horizont bleibt beim Fliegen immer gleichlaufend mit dem wirklichen Horizont, so dah der Flieger die Lage seines Flugzeugs daran erkennen kann. gen, ob sein Flugzeug beim Fliegen eines BogenS zu wenig Neigung hat und infolgedefsen nach außen schiebt, ob es zu viel Neigung hat und in» solgedefsen nach innen schiebt, ober ob es richtig liegt. „ , Mit diesen Vorrichtungen kann man also in Nacht und Nebel fliegen. Freilich sind auch damit nicht alle Gefahren beseitigt. Bei Nebel weiß man z. B. nicht, wie hoch man sich über der Erde befindet. Man kann allerdings mit dem Höhenmesser, einem Barometer, in Abhängigkeit vom Luftdruck die Höhe über dem Meeresspiegel feststellen, dies allerdings auch nicht ganz sicher, weil sich ja der Luftdruck während des Fluges geändert haben kann. Außerdem kann man, z. D. infolge Abtreibens durch Seitenwind oder schnelleres Vorwärtskommen durch Schiebewind, unerwartet über Bodenerhöhungen geraten, deren Vorhandensein man natürlich am Höhenmesser nicht erkennen kann und die man bei dichtem Nebel unter Umständen selbst erkennt, wenn das Flugzeug an ihnen zerschellt. Der Physiker Alexander Behm in Kiel, der das vorzügliche Echolot für die Schiffahrt geschaffen hat, hat auch ein solches Lot für Luftfahrzeuge geschaffen, mit dem man tatsächlich die Höhe über der Erde feststellen kann; dies geschieht dadurch, daß man im Luftfahrzeug einen Schuh nach der Erde zu abgibt und die Zeit mihi, bis sein Echo von dev Erdoberfläche zurückkommt. Die Erdoberfläche ist bann fo viele Meter entfernt, als Sekunden mal 166 zwischen Schuh und Echo verstreichen. Leider tann man mit dem Echolot vorausliegende Hindernisse, also etwa Berge oder Felswände, nicht feststellen, da die Anwendung des Echolotes natürlich nur auf eine verhältnismäßig kurze Entfernung möglich ist. Würde man also auch die Annäherung an solche Hindernisse durch das Echolot bemerken können, so wäre es bei der großen Geschwindigkeit der Flugzeuge zu spät. "(Sine wichtige und iwtwendige Ergänzung der beschriebenen Vorrichtungen bildet die Funkerei, insbesondere zur Peilung. Dazu kann das Flugzeug entweder selbst Zeichen aussenden, die von zwei oder drei Peilstellen auf der Erde ausgenommen werden, von denen dann eine dem Flugzeug seinen Ort funkt. Die Einrichtung kann aber auch so getroffen werden, dah das Flugzeug seinen Ort nach Zeichen, die von den Peil- stellen ausgesendet werden, selbst feststellt. Im allgemeinen ist es wichtiger, dah das Flugzeug empfangen, als daß es selbst funken kann. Hat man später größere Flugzeuge, so wird man Die Technik des Zchres 1929. Von Wilhelm Buchmann. Nachdruck verboten. Das vergangene Jahr hat uns eine Fülle bedeutender und auch für die Allgemeinheit wichtiger technischer Ereignisse gebracht. Vielfach sind neue Wege beschritten worden, und manche Hoffnung ist der Erfüllung entgegengereift. Die Bereitstellung und Verteilung von Energie hat immer größere Ausmaße angenommen. Mit den Dampfdrücken ist man bis auf 200 Atmosphären an der Turbine hinaus- gegangen. Die Maschineneinheiten sind immer größer geworden — 150 000 Kilowatt können bereits mit einem einzigen Stromerzeuger geleistet werden. Der Strombedarf der Großstädte zwang zu zahlreichen neuen Kraftwerksbauten und -ertoeiterungen. Die Vermaschung der Kraft- netze hat rüstige Fortschritte gemacht! Elektrische Energie wird zwischen dem Rheinland und der Schweiz hin und her geschoben und österreichische Wasserkräfte liefern dem deutschen Netz bedeutende Zuschüsse. Die Speicherkraftwerke in Herdecke bei Dortmund und in Niederwartha bei Dresden, bei denen durch Kohle erzeugter Nachtstrom Wasser in Hochbehälter hebt, das dann zu den Spitzenzeiten Strom erzeugt, gehen ihrer Vollendung entgegen. Die vor einigen Jahren begonnenen Versuche, die Meereswär m e in den Dienst der K r a f t e r z eu g u n g zu stellen, sind so weit abgeschlossen, daß jetzt bei Havanna auf der Insel Kuba ein Kraftwerk entsteht, das 12 000 Kilowatt leisten soll. Das warme Oberflächenwasser des Meeres dient zur Erzeugung großer Mengen niedrig gespannten Dampfes, der hinter den Turbinen durch kaltes Wasser aus den Tiefen des Meeres niedergeschlagen wird. Aus dem weiten Arbeitsfeld der chemischen Grohindustrie sei vor allem der Erzeugung 1 ü n st- l i d) c n Benzins im Großbetrieb gedacht, die in Deutschland schon beachtenswerte Ziffern erreicht hat und geeignet ist, uns vom Bezug dieses wichtigen Betriebsstoffes aus dem Ausland unabhängig zu machen. Richt minder wichtig ist die Herstellung von Zucker aus Holz, die demnächst in größerem Maßstab aufgenommen wird. Die Herstellung und Erforschung des B e r y l» liums, eines Leichtmetalls von großer Härte, und seiner Legierungen eröffnet auf zahlreichen Anwendungsgebieten erfreuliche Ausblicke, wenn auch sein Preis noch ziemlich hoch ist. Der wachsende Schiffsverkehr lieh in Bmuiden eine Riesen schleuse mit einem Inhalt von 300 000 Raummeter entstehen, die zur Zeit die größte der Well ist. Aber diese Leistung wird durch die neue Nordschleuse in Bremerhaven überholt werden, wo mit den Ausschachtungs- orbeiten für eine Seeschleuse von 325 000 Raummeter Inhalt begonnen wurde. Sie ist durch die Neubauten des Norddeutschen Lloyd, die Schwesterschiffe „Bremen" und „Europa" bedingt, für die ein neuer Heimathafen angelegt wird. Die Ruhmesfahrt der „Bremen", die das „Blaue Band des Meeres" für Deutschland zurück- erobern tonnte, ist noch frisch im Gedächtnis. Das Schiff ist eine Glanzleistung deutscher Technik. Viel beachtet wurde ein neuer Plan für einen Eisen bahn tu nnel unter dem A e r in c l* tanal, durch den Frankreich mit England verbunden werden soll, Llnüberwindliche technische Schwierigkeiten scheinen danach nicht mehr zu bestehen, jedoch sind die politischen und geldlichen Voraussetzungen zur Verwirklichung des Planes vorläufig noch nicht erfüllt. Auch zur ilntertunnelung der Meerenge von G i b r a l - t a r haben Vorarbeiten begonnen. Wegen der beträchtlichen Meerestiese liegen dort die Verhältnisse sehr schwierig. Die größten Fortschritte und Lleberraschungen brachte die Luftfahrt. Der „Graf Zeppelin" bewies durch seine Weltfahrt erneut die Brauchbarkeit des Luftschiffes für lange Strecken. In England liefen die beiden Riefenluftschiffe „R. 100“ und „R. 101" vom Stapel; Amerika baute fein erstes Ganzmetalluftfchiff. Ein gefährlicher Wettbewerber erstand dem- Luftschiff in den Riefenflugzeugen von Dornier, der „Do. X“. und von Junkers, der ,.O. 38". Die Probeflüge beider Flugzeuge haben die Hoffnungen nicht nur voll erfüllt, sondern zum Teil weit übertroffen. Der Luftverkehr dehnte sich immer mehr aus; vorbereitende Versuchsflüge für einen Schncll- postverkehr führten deutsche Flugzeuge tief nach Rußland, nach Spanien und nach Konstantinopel. Verschiedentlich wurden erfolgreiche Versuche durchgeführt, während des Fluges Post von der Erde aufzunehmen und abzugeben. 2n Amerika hat man auch Landungen und Abflüge von Flugzeugen an Luftschiffen erprobt. Das Katapultflugzeug der „Bremen" verdient besondere Beach- tung. Die Möglichkeit des Fliegens in Rächt und Rebel ist namentlich durch den „künstlichen Hori- , zont" gefördert worden. Bei den Rennflugzeugen ist inan von einer Stundengeschwindigkeit von 600 Kilometer nicht mehr weit entfernt. Von den sonstigen zahlreichen neuen Bestleistungen seien die amerikanischen Sauerflüge mit Tanken in der Lust erwähnt. Die Entwicklung drängt zum Lieberseeflugverkehr. Als ein wichtiges Glied in dieser Entwicklung ist die erste schwimmende Flugzeuginsel im freien Meere zwischen Reuyork und den Bcrmuda- infeln anzusprechen. Die Weiterbildung der Flugzeugmotoren ist durch den neuen Oelmotor von Junkers einen großen Schritt vorwärts gekommen; die ersten Probeflüge berechtigen zu den besten Hoffnungen. Für Lastkraftwagen gedenkt man in Frankreich Motoren zu bauen, die mit Holzgas betrieben werden. Der Holzvergaser wird auf dem Kraftwagen selbst mitgeführt. Die Raketen fahrt — wenn auch nicht nach dem Mond, so doch für die Zwecke der Erkundung höherer Luftschichten — ist durch neuere Versuche mit flüssigen Treibmitteln immer mehr in den Bereich der Möglichkeit gerückt worden. Ob sich die Rakete auch zur Postbeförderung eignen wird, erscheint fraglich. Die größten Fortschritte hat das elektrische Rach richten wesen zu verzeichnen. Insbesondere sind wichtige Erfindungen für den Bau und die Ausnutzung der Fernkabel gemacht worden. Die Möglichkeit gemeinsamer Ferntagung größerer örtlich getrennter Gruppen von Gesellschaften wurde mehrfach glänzend bewiesen. Die doppelte Ausnutzung von Kabeln mit Hilfe zweier Frequenzbänder, das sogenannte Zweibandfern- fprechen, stellt namentlich wirtschaftlich eine wesentliche Verbesserung dar. Der bemerkenswerteste Erfolg dürfte aber der fein, daß es gelungen ist, Seekabel herzustellen, die einen Fernsprechverkehr von Europa nach Amerika erlauben werden. Auch die Funkentelegraphie und besonders die Funkfernsprecherei sind bedeutend erweitert worden. So wurde z.D. der regelmäßige Fernsprechverkehr von Berlin nach Buenos Aires über 12 000 Kilometer ausgenommen. Ferner ist es gelungen, mit Sicherheit um den halben Erdball zu sprechen, so daß also jetzt jede irdische Entfernung mit dem Fernsprecher überbrückt werden tann. In Zeesen bei Königswusterhousen wurde der mit kurzen Wellen arbeitende deutsche W e 11 - rundfunksender eröffnet. Die ultrakurzen und die infraroten Wellen sind weiter erforscht worden und sehen ihrer Anwendung für verschiedene Sonderzwecke entgegen. Damit werden auch die bisher unausgenutzten Wellen zwischen den Funk- und den Lichtwellen in den Dienst des Menschen gestellt. Die Bildtelegraphie ist auf einem sehr hohen Stand angelangt und findet bereits ausgiebige Anwendung für die Presse, den Wetterdienst und die Polizei. Auch das Fernsehen reifte weiter aus. In Amerika sind bereits einige Sender im Betrieb; in Deutschland sind ebenfalls sehr schone Fortschritte zu verzeichnen, doch will man mit der Einführung noch warten, bis eine gewisse Vollkommenheit erreicht ist, die keine Rückschläge mehr befürchten läßt. Den Bild- runbfunl will man einstellen. In Deutschland erlebten wir die ersten größeren T o n s p i e l s i l in e. Die Kinderkrankheiten find überwunden, und die deutschen Filmgesellschaften beginnen mit eigener Erzeugung im großen Stil. Eine Erfindung großen Ausmaßes ist der Röntgenfilm, der uns nach langwierigen Versuchen beschert wurde. Eine Erfindung, die insbesondere dem Rundfunk neue Wege weisen kann, ist das „Licht- k l a v i e r" eines Wiener Architekten. Mit Hilfe von Selenzellen und abgestimmten umlaufenden Lochscheiben werden unmittelbar elektrische Töne erzeugt, deren Lautstärke und Klangfarbe sich in weiten Grenzen regeln läßt. Bei der Erzeugung von Licht aus kaltem Wege ist ein wichtiger Schritt vorwärts getan. An stelle eines zur Weißglut erhitzten Glühfadens sind in den neuen Lampen nur Elektroden angeordnet, die ein Gas zum Leuchten bringen. Es ist bereits gelungen, die Lichtstärke gegenüber den bekannten Werbeschriftröhren ganz beträchtlich zu steigern und ein tageslichtähnliches Licht zu erzeugen. Auf diesem Gebiet sind wahrscheinlich große, namentlich wirtschaftlich wichtige LIm- wülzungen in unserer Beleuchtungstechnik zu erwarten. Von den zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, die die Technik mehr oder weniger stark berühren, seien nur zwei erwähnt: die geglückte Zerlegung des Wasser st offs und die Arbeit Professor Einsteins zur einheitlichen Feldtheorie. An der Weiterentwicklung der Technik im verflossenen Jahr hat Deutschland mit an erster Stelle gestanden; schöne Erfolge sind ihm be- schieden gewesen, die ihm die Anerkennung der ganzen Welt eingebracht haben. Möge uns auch das kommende Jahr beim Wiederaufbau in vorderster Linie sehen! selbstverständlich einen Wechselverkehr mit Senden und Empfangen einrichten Dor allen Dingen ist es natürlich wichtig, daß das Flugzeug Wettermeldungen und mit Hilfe der Bildtelegraphie auch Wetterkarten empfangen kann, ebenso andere Meldungen, die für fernen Flug von Wichtigkeit sind. Zu solchen Mitteilungen gehört 2 B die wenn ein Flughafen vernebelt ist, denn im Nebel kann man nicht landen. Das Flugzeug wird also dann einen nebelfreien Flugplatz aussuchen. Wirtschaft. Der Aktienindex. Der vorn Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex U924 192b alcich 100) stellt sich für die Woche vom b bis 11. Januar auf 117,8 gegenüber 115,5 der Dorwoche, und zwar in der Grwppe Bergbau und Schwerindustrie auf 116 7 (114.U), Gruppe verarbeitende Industrie auf kvo.8 (104^4) und Gruppe Handel und Derkehr auf 132,8 (133,5). Zinshcrabsehung der Deutschen R e n t e n b o n k - Kreditanstalt. Die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftlich« Zentralbank) hat aus Anlast der Herabsetzung des Reichsbankdiskontsahes den Zinssatz für die von ihr ausgegebenen kurz- sristiaen Personalkreditc mit Wirkung vom 14. Januar ob gleichfalls um 0,5 d. Sy herabgesetzt. Der Höchstzinssatz, den der einzelne Landwirt nunmehr für die aus Mitteln der Renten- bonk-Kreditanstalt über die mit ihr m direktem Geschäftsverkehr stehenden Personalkredit,nstltule erhaltenen Kredite zu zahlen hat. darf nicht mehr als 8,75 v. H. betragen. In diesem Hochst- -inssatz sind alle Provisionen enthalten mit Ausnahme des Wechselstempels, der besonders belastet werden darf. ' Don der Internationalen Roh- st a h l g e m e i n s ch a f t. Gestern sand in Brussel eine Besprechung von Dertretern der verschiedenen Ländergruppen in kleinem Kreise statt, um die Frage der Bildung von Derkoufsverbänden für d,c hauptsächlichsten Walzwerksfabrikate weiter zu erörtern. Man glaubt nunmehr die Grundlage gefunden zu haben, um die Zusammenschluh- orbciten zunächst für ein Provisorium von sechs Monaten zu Ende bringen zu können. Lieber die Frage, wie die Derkäufe zukünftig gehandhabt werden sollen, wird eine kleine Kommission schon in den nächsten Tagen beraten, um einheitliche Richtlinien aufzustellen, so dast man hofft, schon von Anfang nächsten Monats ab i,ach diesen Richtlinien arbeiten zu können. Den Maststab für die Beteiligungen an den Ausfuhrgeschäften hat man durch Ermittlung der Exporte der einzelnen Ländergruppen aus einer längeren Periode gesunden. Gewisse Verschiebungen nach oben oder unten treten ein, je nachdem der In- landobsah der in Frage kommenden Ländergruppe sich hebt oder senkt. Für den Monat Februar werden wahrscheinlich dieselben Produktionsregeln gelten wie für den Ianuar, d. h. 10 Prozent Einschränkung der Oktober-Erzeugung. * Metallgesells-chaft A.-G, Frank- f u r t a. M. Die Generalversammlung genehmigte den bekannten Abschluß für 1928 29 mit wieder 9v. H. Dividende auf die Stammaktien. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 15. Ian. Tendenz freundlich. — Nachdem die Beteiligung der Reichsbank an der Internationalen Zahlungsbank durch das Eingreifen der deutschen Delegation gesichert War, machte sich an der gestrigen Abendbörse bei starten Kurs st eigerungen eine erneute Haussebewegung bemerkbar. Im heutigen Frühverkehr trat jedoch eine gewisse Reaktion ein, und die Kurse wurden allgemein etwas niedriger gesprochen. Trotz der Beilegung des Zwischenfalles im Haag war die Börse noch etwas unsicher! man befürchtete einen Rückschlag. Die Grundtendenz zeigte jedoch eine starke Widerstandsfähigkeit, so dast auch heute kurz vor Beginn der offiziellen Börse ein Tendcnzumschwung eintrat. Die Situation in, Haag wird als sehr günstig beurteilt. und die Kulisse schritt wieder zu Rückdeckungen, zumal wieder Aufträge in größerem Amsange eingetrosfen waren. Auch das Ausland zeigte unverändertes Interesse für deutsche Werte. Das Geschäft nahm einen lebhaften Charakter an. und die Spitzenwerte holten ihre vorbörslichen Dcrluste wieder auf. konnten teilweise noch erhebliche Gewinne erzielen. Im Dordergrunde standen am Kunstseidemarkt Aku, die 6 Proz. höher eröffnen tonnten. Karstadt lagen 6.5 Prozent fester. Am Elektromarkt waren die Gewinne bei den Hauptwerken etwas geringer. Rur Siemens konnten 2 Prozent an- zieheu AEG. und Schuckert lagen unverändert Gesfürel zogen 2,5 Prozent an. Felten Licht und Kraft und Lahmeyer gewannen biü 1 Prozent. Am Chemiemarkt waren Farben nur wenig. Der» ändert, dagegen traten Goldschmidt und Deutsche Erdöl mit je plus 1,5 Prozent etwas mehr hervor. Don Montanwerten standen Rheinische Braunkohlen mit plus 3 Prozent und Rheinstahl mit plus 1,5 Prozent im Dordergrunde. Die übrigen Werte dieses Marktes zogen bis 1.5 Prozent an. Banken und Schiffahrtswerte gewannen bis 1.5 Prozent. A.-G. für Derkehrs- wesen konnten erneut um 3 Prozent anziehen. Kali Aschersleben gewannen 4 Prozent, wahrend Westeregeln auf den hohen Stand der gestrigen Abendbörse unverändert blieben. Im Verlause blieb die Stimmung freundlich, und es traten bei. den bevorzugten Werten erneute Besserungen bis 1.5 Prozent gegen Anfang em. Am Geldmarkt war Togesgeld mit 7 Prozent etwas ge- suchter. Am Devisenmarkt war die Mark wieder etwas fester. Spanien lag mit 37,10 wieder schwächer. Sonst nannte man Mark gegen Dollar 4.1840. gegen Pfund 20,376, gegen Paris 123,92, London gegen Kabel 4,8690, gegen Mailand 92,99, gegen Schweiz 25,1525, gegen Amsterdam 12,1025. Berliner Börse. Berlin, 15. Ion. Die immer noch sehr v o r° sichtige und mißtrauische Spekulation hatte im heutigen Dormittagsverkehr geglaubt, nach den gestrigen stürmischen Kurssteigerungen zu Gewinnmitohmen greifen zu müssen, uno hatte vormittags und vorbörslich realisiert, was zu ein- bis zweiprozentigen Rückgängen gegenüber den gestrigen Höchstkursen führte. Dieses kurzfristige Operieren der Kulisse ist aber gerade das gesunde an der augenblicklichen Bewegung. Als dann zu den ersten offiziellen Kursen entgegen den Erwartungen umfangreiche Kauf- orders der Provinzkundschaft und des Auslandes Vorlagen, die noch dazu auf material- leere Märkte stießen, wurde die Tendenz ausgesprochen f e st, und es herrschte auf fast allen Märkten H a u s s e st i m m u n g. Die Mak- lertafeln wiesen verschiedentlich das beliebte Plus- Plus-Zeichen auf, und gegen gestern mittag (die Frankfurter Abendbörse hatte bereits Gewinne bis zu 4 v. H. gebracht) betrugen die Kurssteigerungen nicht selten 5 bis 6 v. H.; bei Spezialpapieren, wie Lorenz. Schubert & Salzer, Bei ger, Wiking, Chndeaktien, Polyphon, Siemens, Aku, Temberg und Aschersleben bis zu 12 v. H. Bei letzteren regte die Rachricht Über den befriedigenden Geschäftsumfang bei der Kunstseideindustrie, besonders bei den amerikanischen Beteiligungen, cn. Deutsche Anleihe ' e en falls fest. Ausländer ruhig. Psandvriesmarkt bei kleinem Geschäft etwa gehalten. Der Geldmarkt zeigte am heutigen Medio unveränderte Sähe. Tagesgeld wurde mit 5,75 v. H. bis 7,75 v. H., Monatsgeld mit 7,5 bis 9 b. Sy genannt. Man verwies auf die wohl ebenfalls durch den Medio beeinflußten Geldsätze in Reuyork, die jedoch für die nächste Zeit eine Diskontsenkung kaum erwarten lassen, so daß auf eine Diskontsenkungsmaßnahme seitens der Bonk von England morgen wenig Hoffnung bestehen darf. Auch im «Verlaufe blieb die Stimmung allgemein freundlich, durch Gewinn mitnahmen der Spekulation wurden ober verschiedentlich Kursschwankungen hervorgerufen. Trotzdem bewegten sich besonders bei den Rebenwerten die Kurse etwa 1 bis 2 v. Sy über dem Anfangsniveau. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Ian. Am Produktenmarkt war das Geschäft auch heute wieder ruhig. Anregungen fehlten. Die zumeist etwas höheren Auslandnotierungen machten gar keinen Eindruck. Die Anternehmungslust beschränkte sich auf ein Minimum. Die Forderungen lauteten bet geringem Angebot seitens der Provinz unverändert und etwas schwächer. Gedrückt lag Mais für Futterzwecke, dagegen konnte Weizen für niedrigere Qualitäten leicht an^ieben. Hafer war bis zu 0,25 Mark billiger. Es wurden notiert: Weizen 26,75; Roggen 18,50; Sommergerste für Brauzwecke 20; inl. Hafer 17,50; Mais 17,25; Weizenmehl. sü dd. Spezial 0. 39.25 bis 40; Roggen mehl 26,50 bis 27,75; Weizenkleie 8,75 bis 8,90; Roggenkleie 9,25 bis 9,50. Tendenz: ruhig. Einer Pr 5duktcnbö.sr. Berlin, 14. Ian. Die schwachen Meldungen von den Auslandmärkten blieben zwar an der hiesigen Produktenbörse fast völlig ohne Eindruck, jedoch bewegte sich das Geschäft m engsten Grenzen. Das Angebot von Inlandbrotgetretde aus der ersten Hand bleibt verhältnismäßig gering, für Weizen zur prompten Derladung wurden von den Mühlen etwa gestrige Preise bewilligt, wahrend die Gebote für Roggen etwa eine Mark niedriger lauteten. Der Lieferungsmarkt folgte in den Märzsichten dieser Preisbewegung. Mai- weizen setzte 0,75. Mairoggen 2,50 Mk. niedriger ein Mehl hat bei unveränderten Mühlenofferten kleinstes Bedarssgeschäft, die Mühlen klagen über unbefriedigende Abrufe aus alten Schlüssen. Hafer liegt bei ausreichendem Angebot gleichfalls sehr ruhig. Gersten vernachlässigt. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer. 246 bis 249 (matter), März 267 bis 265,50. Mai 273 bis 277 (Brief); Roggen, märkischer, 160 bis 162 (matt), März 182 bis 180, Mai 193 bis 190,50; Brau- gerate 182 bis 197 (matt); Futtergerste 163 bis 171; Hafer, märkischer. 139 bis 148 (matt), März 155 50 bis 153,75, Mai 164 bis 162; Mais, La Plata 173; Mais, Mix. 155 (still). Amtsgericht Gießen. * Gießen, 11. Ian. In einer Wirtschaft eines Rachbarortes kam es im Iuli v. I. gegen Mitternacht aus Anlaß des Feierabendbietens zu wüsten Ausschreitungen einiger Gäste gegen den seines Amtes vorschriftsmäßig waltenden Polizeibeamten. der von dem Rachtwächter zu seiner Anter- stühung herbeigeholt worden war, als die Gäste der Aufforderung, das Lokal zu verlassen, nicht folgten. Auch nach dem Erscheinen des Polizeibeamten gelang nicht die Räumung der Wirtschaft. Die Streitigkeiten arteten schließlich zu Tätlichkeiten aus, an denen sich zwei der Gäste hervorragend beteiligten. Deshalb standen sie beide vor Gericht; sie hatten sich wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen gemeinschaftlicher, auch mittels eines gefährlichen Werkzeugs begangenen Körperverletzung, der eine von ihnen auch wegen Beamtenbeleidigung zu verantworten, denn dieser nannte u. a. den Polizeibeamten einen feigen Hund, den er totschießen werde. Der nämliche Qlngeflagte schlug ihm auch mit einem Bierglas auf den Kopf, so daß eine blutende Wunde entstand, nachdem beide Angeklagten schon vorher gemeinschaftlich mit Fäusten auf ihn eingeschlagen und ihn zu Fall gebracht hatten. Zu seiner Verteidigung gebrauchte schließlich der Polizeibeamte seinen Gummiknüppel und, als dieser nicht half, seinen Revolver. Er schoß aber wegen des in der Wirtschaft herrschenden Tumultes nicht, sondern teilte damit nur Schläge aus. Da es galt, die bei derartigen Vorfällen besonders gefährdete Autorität der Polizeibeamten zu schützen, erhielten die beiden Angeklagten trotz ihrer seitherigen Anbestraftheit Gefängnisstrafen von sechs bzw. drei Wochen, sowie wegen ilebertretung der Polizeistunde je 20 Mark Geldstrafe. 2m Mai v. I. war ein Frankfurter Motorllub auf der Rückfahrt begriffen; er hatte gerade den Viadukt zwischen Klein-Linden und Gießen auf der rechten Seite passiert, als ein Fahrer plötzlich, indem er an einer Telegraphenstange dicht vorbei und über einen Haufen dort lagernde Steine fuhr, ohne sichtlichen Grund der linken Seite zustrcbte und dort einen Fußgänger streifte, so daß dieser zu Fall kam und einen Knöchelbruch erlitt. Der Führer wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, aber frei gesprochen, die ihm auf Grund der Beweisaufnahme, zu der ein Sachverständiger zugezogen war, ein. Verschulden nicht nachgewiesen werden konnte. Der Anfall war auf einen plötzlich eingetretenen Defekt, für dessen Folgen der Angeklagte nicht verantwortlich gemacht werden konnte, zurückzuführcn. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gedanken eines alten Mannes. Es ist besser, daß ein verfehltes Abkommen leidet als daß die Bevölkerung einer ganzen Stadt leidet. Es ist besser, daß der, welcher einen Fehler gemacht und durch mehrfaches Zurückweichen anerkannt hat, ihn aufgibt, als daß viele durch diesen Fehler gesundheitlich und finanziell geschädigt werden. Seit Oktober 1028 haben wir die guten neuen Müll wagen und sind nuferer Stadt dafür dankbar. Die teuren, allzu schweren Müll eintet sind seitdem durch Empfehlung, Darbietung, Verordnung der Bevölkerung aufgedrängt worden. Richt aus Eigensinn, sondern aus Rot hat ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung sie dennoch abgelehnt und die Gründe gegen sie geltend gemacht. Diese Gründe sind: Die empfohlenen Eimer sind für jeden, der nicht die volle Kraft eines gesunden Erwachsenen hat. gefüllt überhaupt nicht, leer nur mit Gefahr für die Gesundheit, aus höheren Stockwerken und zurück zu transportieren. Wird in solchem Fall neben dem kaum transportierbaren der Besitz eines transportabeln Mülleimers für den Innengebrauch des Hauses gefordert, so ist das ein- m a I eine unverantwortliche finanzielle Belastung in schwerer Zeit; und bann wird die Behauptung einer Fürsorge für die öffentliche Gesundheit zur Posse, da so den Hausbewohnern zu- gemutet wird, jedesmal beim Ilmfüllen aus dem tragbaren in den untragbaren die aufwirbelnden Krankheitskeime einzuatmen. In vielen Haushaltungen gibt es Ausnahme» tage, an denen der gewöhnliche Mülleimer nicht ausreicht. Ein Morgengang durch Gießen zeigt, daß auch neben den empfohlenen Mülleimern noch sehr häufig nicht erfreuliche Hilfseimer stehen, die mit häßlichem, weit geöffnetem und dabei bis zum Rand gefülltem Schlund um Abfuhr ihres Inhaltes bitten. Cs ist eine Härte, für solchen Fall noch den Besitz eines zweiten der teuren empfohlenen Eimer zu fordern, da doch auch für Ausnahmetage genügend für städtische Müllabfuhr gezahlt wird. Fünf Vierteljahre haben gezeigt, daß die neuen Müllwagen recht wohl auch für sonstige, hygienisch und ästhetisch einwandfreie gedeckte Mülleimer brauchbar sind. Die Stadt wird ihre Einwohner als Verbündete finden, wenn fie ungedeckte Mülleimer verbietet. Den Zwang zur Anschaffung untransportabler und deshalb hygienisch schädlicher, dazu sehr teurer Mülleimer kann sie am 1. Februar 1930 und an jedem späteren Termin ebensowenig verantworten, wie schon am 1. Februar oder 1. September 1929, wo fie gut getan hat, ihre Drohung nicht wahr zu machen. Professor Dr. Oscar Holtzmann. Das verfchlofsene Friedhofslor. Die unter dieser Aeberschrift in dem gestrigen Eingesandt kundgegebene Anschauung kann nicht unwidersprochen bleiben, da sie für unsere Zeit typisch zu sein scheint. Dorn weg sei dem Einsender gesagt, daß es nicht Mangel an Rücksicht war. der die Schließung der Tore veranlaßte, sondern es geschah aus Rücksicht auf die Vortragenden und die andächtig lauschenden Zuhörer. Als Rücksichtslosigkeit must es bezeichnet werden, zwanzig Minuten nach Beginn einer Veranstaltung noch zu dieser zu erscheinen und' Vortragende und Zuhörer dadurch zu stören. Die gleichen Rücksichtslosigkeiten konnte man am letzten Sonntag beim Vortrag von Professor Bücker im physiologischen Institut und am Freitag voriger Woche beim familienkundlichen Abend von Geheimrat Sommer beobachten. Haben diese Spätlinge gar kein Gefühl dafür, wie störend es für den Vortragenden ist, in der ersten halben Stunde seines Vortrages immer wieder mitten im .Satze einzuhalten, um den Anpünktlichen zu ermöglichen, ohne allzu großen Lärm Plätze zu bekommen; haben diese Anpünktlichen nie empfunden, wie widerwillig ihnen von den Hörern noch Platz eingeräumt wird? Fast muß man annehmen, daß sie niemals pünktlich als Hörer anwesend waren und aus eigener Erfahrung wissen, was es für eine Qual ist, durch Rachzügler in feiner Sammlung und Andacht gestört zu werden! Zu einer privaten Einladung werden die Betreffenden nie mit solcher Verspätung erscheinen, noch viel weniger aber der nicht wartenden Gesellschaft Rücksichtslosigkeit vorwerfen. Doch bei öffentlichen Veranstaltungen glaubt man sich das leisten zu können. Hier Wandel zu schaffen, ist höchste Zeit, und dazu gibt es nur ein Mittel: Der Vortragende läßt nach Beginn sofort die Türen abschließen. Es ist doch schon genug Rücksichtnahme auf die Anpünktlichen. wenn erst eine Viertelstunde nach angekündigtem Beginn angefangen wird; auch d i e Pünktlichen verdienen Rücksichtnahme. Dienstliche Verhinderung entschuldigt keine Verspätung von 20 Minuten. Kann man nicht pünktlich zu einer Veranstaltung erscheinen, dann finde man sich damit ab, dast man ihr ganz fernbleibt. Es kommt doch nicht darauf an. dast man erzählen kann, man war auch dort, aber durch Fehlen am Anfang oft die Mitte und den Schluß des Vortrags oder Konzertes nicht verstand. Auch noch heute gilt das Wort: Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige? Sch. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 v. H., Lombardzinsfuß 7,5 v. H. trantfiirt <1 X'l Bert r cdjlufc' flut» ; •Uli. Lchlub- Jnfonfl. nut fiv.v- nurs Saturn 14. 1 j 15 1. 14 1 15- 1 6no $eu tche (Hculieanicipe 87,5 87,5 von irz? ....... 7% Scutlrfje Reichsanleihe — — oon 1929 ......... D>. flnl.-^ibiül-Schuld mit fluo 96.7 - 96,7 — loL-tJlrditcn....... 50.13 50.3 50,13 50,6 Seiol. rfcn.’ *21u :'.r* Rechte 9% («elf. etolt’ftaat von 1929 8.5 8,5 8.3 8,5 (rüdsafjlb. 102%) Cbcrlirifcn Prvvtt'j - Anleide mit 87 - — — Au:'.os.-Rechten..... Tcut(d>c Stumm. Sammrlabt. 47 - - — Anleibe Serie 1....... 8°n nrrnUf. Hnv.-Bnnk "luldpse 47,5 - 47,3 — Xill unkündbar bis in:tt . 7% grants, vnv- Bant tLoidpsr '.6,5 — - — uniuifbbnr blö lf'33..... 82 — —— 41.% R'-eintiche Hnp.-Banl lliqit. @etBU|e........ 8% Pr. Landespsandbriesmislalt 82,5 — — Psanvbrirsr R. 17..... 8% Pr. Lande-psanvvrtesanstali 97 — 97 — «omm.-Obl. R. 16..... 7% Pr. SanbeepfanBbriefanftalt, 94.5 — 94 — Psandbriese R. io kl C s. obj. Lorkriegd-Obltgatlon 88,5 - 88,5 — ludjaljLbat 1982 ...... — - - — 4% Oefterretdillrtw »olbrte.. 26 - 26 _ 4 Gelten 'rllfccttf 4% Veslerretchische Einheitliche 3,25 — 3,3 — diente......... 2,15 —- 2 2 — 4% ttnnariidw Goidne.. . . 23.25 23.6 23.2 23,75 20,75 41, UrflcrW Staatftr. v. 1910 20.4 — 20.5 4''.% tcipl von 1913 ... 21.75 — 21.9 — 4% Ungarische ftronetttie.. . . 2.2 — 2.15 — 4% Süd. ftollanlcUjc v. 1911 . 4".. Türkische «agdadbahn-Ani 8 8 8 8,05 Serie I....... 8 — k i% dee-.l. €>*4i l* 8 8 8 b% Rumänische vereint«. Reni von 1903 . - - 4',% Rumänische vereint). Reni 10,1 - 10,13 von 1913 ...... I5.25 19. i i —— 4% Rumänische vereinh. Mente 8,1 — 8,13 1 — 'tanlfurt a W Berlii cdiiufr1 ffitro ; Uh Kur -chlub 1 flut, ; flniang. flut. Datum 14- 1 15. 1 15 1 Hamvurg-Ämerita Palet Hamb. Subern. Dampsich 107 108 106 108 . I — — 179 178 banta Dann si biss..... 1( — 156.5 157 WotDbeutidier lllottb .... 107,5 108.4 105 75 108,75 6111g SemicheCrebuaniT . . 1< 122.5 121,5 Barmer Banlverein ... 1< 123.5 - 123 125.5 Berliner HandeiSgeiellsch. . . 11 — 189,7s 191.5 Commerz- uno Privat»Bairl. r 161 162 1=9,25 162 Tartu st. u. ‘Jlahonalbant . i 244 242 244 25 Deutiche Ban! ..... ii 113 153,4 151.25 152.5 Tiecvnlo.cheietiichasl, tZlnL . i< 153 4 151.25 152,5 Dresdner Bank...... i 1'1.5 152,5 150,5 152,5 Retchsbam ...... 297 294 297 fl.E.iS......~. . 176,9 — 174,5 176.5 Bergmann . . 220 - 216.5 217,5 Eiektr. LieserungSgeiellichast ) 171 75 168 170-75 Licht und flrast 1 171,5 172 126.0 167 172 steilen & Guilleaume. . IV, 126 123 65 127.5 Gei. >. Gleftt. Untern..... 10 169 171,5 166 171.5 Hamb Glehr -Werke .... Mein. Elektr. ...... 1 — 135,75 137.13 147.5 Schiet. Eiekn ...... 1< — _ 161 165.25 Schuckert & Co. ..... 11 197,5 197,5 193 198 Siemens & yalete ..... Tranoradto . ....... IC . 8 308 310 301 129 312 133.5 Lahmetier 4 6o. . ..... 1U 172 173,25 169175 170,5 Buderus..... 70 71.5 Deutsche Erdöl .... - . I 107.9 108,5 Essener Sterniahle . . . - - f — — Gelleniirchener .... • e . 8 142.75 141,75 parpenet....... . O 145 146.5 Hoeich Eisen...... 6V, — — JUtc Betabau ..... 10 239 — Riödncnvede .... 105 10:,75 KStn-ReueNen . . M ■ — Mannesmann -Nichten . - . 7 107,75 109 Maneseldet Bergbau . . ■ l 111 Lbench'ei. Ettenueoarj . _ Cberidile* ftoteroerfe. . M - *7 — _ Phönir Bergbau ... • 6)i 107 107 Sibe-ntiche Brautrlohicu. 10 255 258.5 •»OrinrniM . . e e • 120 120.75 Btebeci tDiontan .... • 69 71.5 105.9 109,5 138.6 141,7.t 139.75 142.75 143 147 119,25 122.75 235.5 238 104 106.75 116 119,5 106-4 109.3 109.5 111.5 76,25 77.25 101 104.6 106 107,5 253 258.5 118.13 122 — 110 ."tranlfurt a M Berlin e <1)111«. Kurs । Ul" flut xdiluB I flut 1 Zlnfang. flut Datum 14- 1 15- 1 14. 1 15- 1 Bereinigte Stahlw 106.25 106.2d 105 106,23 Ltav Minen . 16'/» — 58.13 i 8 75 flai werke Atcherslebetr . . i 208 212 203 5 213-5 Ra. werke lOcflctrgein . . 10 218 218 211.5 217.25 flanwei t Solider urtb . ifi 347 341,25 346 3. G Uarben-Induitne . . li 186.5 186.6 182,651 187 Dynamit Nobel . . . . . . . 6 86 90.9 CchetveansiaU...» 155,5 136 — — Goldschmidt .... . . . . b 71.5 72 75 71 73 Rütgersiverke .... . . . . 6 79.5 80 77,5 80 MetaUgeiellichaft . . . . . . ö 125 12o,5 121,5 125 Philipp v» rmann 96 96.5 95 97,5 Lernen werk vcioelberg . . . 10 121 121 - — Eemeniwerk Karlstadt . . . 10 — Wayg « 0 aa . . . . 8 88 90 84.9 — Schultheis Payenyoier . . . 15 279 284 Okiwerke...... . . . 12 216 218.3 Bet. Gtanzstoff . . . . . 18 — Bembera...... 14 180 — 171 183 Selltlofi Waldhos . . . . 13 y, 205 5 206.7= 199.5 205 flellfloit flichaijenburg 155,25 156,75 153 5 154 Lhariottenburger Waner ... 8 — — 102 104.25 Deiiauer Gas . . . . 9 — — 167.9 173.75 Daimler Motoren . . e e • 1 • 46 4; 42 45 Deutsche äinolcum . '58 258.25 2o3.5 258 Maschinenbau A.-G. . . . . . v — — 47,75 49 A cm tt ■ flt o r . . . . O 1* - — — tuoro voern ... 10 — — — 9lat Automobil . . . . . . • o — — 20,75 21.6 Ctrnftcm 6 Koppel . .... 6 — 76 78.5 S1 onbncc Heg - - . ... 10 — 169.5 354 354 352 stranki. Mchchinra . . 51 53,25 50 — Grihner...... . . . . 55,5 — 55.75 —— heyltgensiaedt . . . . . . . 1 6,5 — — — IungymtS...... . • . . 47,5 47,5 47,25 — Lechwerke. 105,5 — — — Maittkraitwerkr pöchü a. JJL — — — Mtag. . . 10 132.13 131.5 1 132.5 6!ebt. 9l>.co« . . . . . . 1< 109 Loigt t üaeiina . . . . . . 222,25 — 222 Lüdd Zucker. . . . ... IC 156 ! 155,75 154 1 - Banknoten. Berlin, 14- Januar (Held ®rlc| Amerikanische Noten . . . 4,169 4,189 Belgische Noten ...... 58,08 58,32 Dänische Noten ....... 111,63 112,07 Englische Noten . ....... 20,34 20,42 16,43 16,49 167,96 168,64 Italienische Noten........ 21,90 21,98 Norwegische Noten....... 111,50 111,94 Deurich. Oesterreich, 6 1OO Schilling 18,68 58,92 Numäniiche Noten ...... 2,47 2.49 Schwedische Noten ...... 112,10 112,54 Schwei-,er Noten ....... 81,12 81.44 Spanische Noten . ...... 55.31 55,53 T'chechojlowakische Noten..... 12.33 12,39 Ungarilche Noten ..... 73,00 73-30 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 14 Januar 15 Januar Amtliche Nonetung Amtliche Notierung 'Veld tönel -Neid Bn flmit.-lHoti 168,23 168.57 168,16 168.50 Bum--Aires 1 680 1.684 1,675 1 679 Brsi-Antw 58,29 58,41 58,25 58.37 Kbriftiania. 111,82 112.04 111.76 111.98 floveiibnqni 111.92 112.14 111.88 112.10 Stockholm 112,33 112.55 112,25 112.47 Hclstnmors 10,51 10.53 10 502 10,522 Italien. . . 21.905 21,945 21.89 21.93 London. . . 20,363 20,403 20.359 20 399 0-eunork . . 4,1840 4.1920 4.1815 4,1895 Paris. . . Skbwest . . 16.435 16,475 16,43 16,47 80,97 81.13 80.94 81,10 Spanien - 55,64 55,76 55.34 55,46 Japan . . . -Mio de Jan Wien fn D-- 2,060 2,064 2.057 2.061 0.471 0,473 0,458 0.460 Ctfl. abgesk 58.83 58,95 58.80 58.92 Prag . Belirad 12,378 12.398 12.372 12.392 7.40o 7.414 7.390 7 404 Budapest. 73,15 73-29 73,15 73.29 Bnl arten 3.027 3,031 3.037 3.043 Lissabon 18,79 18.83 18.79 18.83 Danzig. . .