Nr. 267 Erstes Blatt |80. Zahrgang Zreitag, 14. November 1030 (Er id)t in । io glich, outzer Sonntags und Feiertag» Beilagen Vie 3llu|tTiertt Cteßenei FamilienblLtt« Heimat im Bild Dir Sd)oUe Olonats Bejugsorets; 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennrg für Träger» lohn, auch bei Richter. Kiemen eingelner'Jiummem folge höherer Gewalt. Hernfvrechanlchlüste anterSammelnummer2251 Anfchrift für Drahrnach- richten Hnjetger Eiefzen. poftfchecktonto: fitanffurt am Main 11686 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vn'ck und Verlag: vrühl'sche Untverfitätr-Vuch. und Stftnöruderet H. Lange in Gießen. Zchriftlettung und Geschäftrttelle: Schul'tra^eT. Annahme von Anzeigen für die lagesnummcr bis zum Rachmitlag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mtn Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" . mehr. Chefredakteur Dr Friede Wich. Lange. Derantworilich für Politik Dr Fr Wich Lange, für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier^ fämtlid) in Giefzen Vertrauensvotum für das Kabinett Tardieu-Briand. Briand verteidgt die Locarnopotiiik gegen Angriffe der Rechten. — Tardieu leugnet das Abrüstungsversprechen des Versailler Vertrages und spricht gegen eine Revision der Verträge. — Mit 323 Stimmen gegen 270 Stimmen spricht die Kammer dem Kabinett ihr Vertrauen aus. Paris, 13. Nov. (WTB.) 3n der Kammer wurde die Diskussion über die Außenpolitik fort- gefeht. Der Kommunist D o r i o t erklärte, die Reparationsforderungen, die man an Deutschland stelle, stellten auch in der herabge- setzten Form Lasten dar, die das Volk nicht t r a g en könne. Der Voungplan sei ein Skla - v e n p l a n. Deutschland zahle gegenwärtig an Reparationen und Zinsenlasten für Anleihen, die es aufnehmen müsse, 3600 Millionen Mark. Es müsse also seine Ausfuhr auch noch Frankreich steigern, während die Ausfuhr französischer Waren nach Deutschland gesunken sei. Auch die französischen Arbeiter hätten dadurch Verluste. Cs sei unmöglich, auf die Dauer von Deutschland die Ausführung des Voungplans zu verlangen. Oer Abg. Louis Mann erklärte, die deutsch-französischen Beziehungen seien die Grundlage für die Befriedung Europas. Die Achtung vor den Berträgen müsse aber durch alle Beteiligten unverbrüchlich gewahrt werden, sonst bestehe Gefahr für die Zivilisation. Heute würden aber alle Berträge in Frage g e st e l l t, der Versailler Vertrag, der Locarno-Vertrag und das Haager Abkommen. Cs gebe keinen Deutschen, der nicht die Revision des Voung-Planes wünsche. Marin wies darauf hin, daß die Kammer die Ratifizierung dcr Boung-Verträge nur angenommen habe, weil der Außenminister wie der Ministerpräsident von einer endgültigen Regelung gc prv- chen haben. Nachdem der Voung-Plan kaum einige Monate in Kraft sei, werde nunmehr bereits die Revision gefordert. Er spricht dann vom Daargebiet, das Deutschland gegen den Vertrag fordere, von dem linken Rheinufer, das noch Festungswerke, Kasernen und andere strategische Bauten habe, und von dcr Wiederaufrüstung Deutschlands in moralischer und materieller Beziehung. Marin gibt der Befürchtung Ausdruck, daß Deutschland eines Tages ein Syndikat der Anzufriedenen schaffen könnte. Als der Abgeordnete von der Tribüne her- untcrsteigi, klatschen ihm im ganzen Hause nur wenige Abgeordnete Beifall. Dann ergreift Außenminister Briand das Wort. 3n diesem Augenblick ist der Saal zum Drechen voll. Fast sämtliche Abgeordnete sind anwesend und die Tribünen sind bis zum letzten Platz gefüllt. Als Briand langsam sich von seinem Platze sich zur Rednertribüne begibt, bringt ihm fast das gesamte Haus eine stürmische, außerordentlich lärmende Ovation dar. Cs war ein Augenblick der Erregung, Briand selbst war bewegt von dieser guten Aufnahme. Durch diese Kundgebung hatte Briand von vornherein gewonnenes Spiel, der Gang seiner Rede wurde durch lauten, stürmischen Beifall, der bis in die letzten Reihen der Marin-Gruppe hineinging, begleitet. Besonders Ministerpräsident Tardieu gab wiederholt das Zeichen zum Beifall. Außenminister Briand: Wenn wirtlich die Kammer mit Marin der Ansicht ist, daß der Außenminister nicht fest genug und nicht klar genug in seinen Gedanken sei, dann darf sie nicht zögern, sich von ihm zu trennen. Durch lärmende Kundgebungen, durch heftige Worte kann man nicht den Glauben an Festigkeit erweisen. 3edensalls ist es nicht meine Art, so vorzugehen. Der beste Dienst, den der Außenminister seinem Lande erweisen kann, ist, Kaltblütigkeit zu bewahren, besonders in schwierigen Augenblicken, Man liest gewisse deutsche Zeitungsartikel, auch gewisse Reden von angesehenen Deutschen, die lebhafte En t - täufchung Hervorrufen. Auch ich habe Enttäuschungen nach dieser Richtung zum Ausdruck gebracht. Ich habe niemals der deutschen Delegation gegenüber mich irgendwie zurückgehalten, meine Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Driand erklärte dann, er habe sich über das (Ergebnis von Locarno nicht getäuscht; er sei immer der Ansicht gewesen, daß man sich auf gewisse Rückschläge gefaßt machen müsse. Wenn es sich um das Interesse des Landes handele, mühte man auf gewisse De r - leumdungskampagnen verzichten und wirklich im Ernst diskutieren. Franklin-Douillon habe ihm einen Vorwurf daraus gemacht, daß» er mit deutschen Persönlichkeiten gesprochen habe, die diese oder jene Aeuherung getan hätten. Der Auhenminister würde seine Pflicht nicht erfüllen, wenn et sich nicht bemühen würde, mit Persönlichkeiten eines 60-Millionen-Dolkcs zu sprechen Louis Marin habe um des Prestiges Frankreichs willen eine Politik der Festigkeit verlangt. 3 e d e Ration verlange, dah die Klauseln der Verträge, die ihnen günstig seien, in Kraft blieben; jede Ration bemühe sich, das Spielen der Klauseln; zu verhindern, die ihr ungünstig seien. Das sei der Zweck der Diplomatie. Durch die Locarno- Verträge habe man von Deutschland das feierliche Versprechen erhalten, dah es niemals mit Gewalt die deutsch-polnische Grenze ab= ändern wolle. Frankreich habe stets auf der Seite Polens gestanden. Frankreich wünsche lediglich, sich gegen jede fziegsgefaljr zu schützen. Zwischen Frankreich und Deutfchland seien seil der Ruhrbesehung Schwierigkeiten entstanden Die Locarno-Abkommen hätten die verbündeten Frankreichs dazu gebracht, die französische Grenze zu sichern. Er erkläre vor seinen IDLer achern und Verleumdern, daß seine Sorge um die Sicherheit Frankreichs und um die Landesver eidigung niemals versagt habe. Er habe die Pflicht, die Verteidigung seines Landes zu gewährleisten, niemals versäumt. Die Folge der Locarno-Verträge lei gewesen, daß zwischen Deutschland und Frankreich mehr a s zwanzig Abmachungen zu.n Abschluß gekommen feien. Was bleibe Dann an dem Vorwurf gegen seine Politik noch übrig ? Sei es erstaunlich, wenn cs in einem 60-Mill.onen-Dolk eine Gruppe von Ai zufriedenen und Anglücklichen gebe, die die Anordnung wollen und Haßrufe gegen Frankreich ausstohen c Aber es gebe doch Millionen anderer Wähler, die nur daran denken, das Los ihres Landes zu bessern, das seit Locarno eine glückliche Entwicklung durchgcmacht habe. Briand wendet sich gegen die Auffassung, dah eine Fühlungnahme mit Deutschland nicht möglich wäre, und dah ein latenter Krieg, eine stete Kriegsdrohung zwischen Deutschland und Frankreich schwebe. 3m Gegenteil, jeder begreife, das es im Jntereffe Frankreichs liege, diese Lage im Sinne des Friedens abzuändern. Man werde in Deutschland sehr wohl begreifen, daß das 3ntereffe Deutschlands wie überhaupt jeder Ration der Friede sei. Daß Deutschlano schon dazu gelangt fei den Krieg in Acht und Dann zu tun, sei viel. Man habe darüber gelächelt, man habe behauptet, das sei nur eine Unterschrift a u f einem Stück Papier, sie habe keinen moralischen Wert, es sei aber immerhin schoncine Hoffnung Er gebe zu, daß man gegenwärtig einem schlecht gestimmten Deutschland gegcnüberstehe Das erfordere von Frankreich klare Erkenntnis, ja s.-gar Mißtrauen. Aber bei dem Ergebnis der Reich ^tagswahlen habe er an die Bestimmungen der Reichsversalsung gedacht, und er wisse, daß es in Preußen Männer gebe, die der republikanischen Verfassung ergeben seien. Cr weigere sich, irgendetwas zu tun, was dem Völkcrbundsstatut zuwiderlaufe. Frankreich sei nicht isoliert. Cs stehe in engster Zusammenarbeit mit seinen Freunden in Europa. Die Opposition behaupte, der Foungplan werde angegriffen werden, er, Briand, könne nur erwidern, daß der Joungplan gegenwärtig nicht angegriffen sei. 3m Zoungplan gebe es Klauseln, die einen Zahlungsaufschub vorsähen, aber es sei davon noch nicht die Rede gewesen, und er hoffe, daß man auf sie nicht zurückgreifen werde. In Frankreich wie in Deutschland gebe es Männer, die die Völker zur Feindschaft aufreizen. Man müsse demgegenüber kaltes Blut bewahren. Allzu ost seien die Völker inmitten einer schlimmen Wirklichkeit aufgewacht. Rach dem letzten Kriege hätten die leitenden Männer aller Länder die Pflicht, die Völker gegen Wiederholungsmöglichkeiten zu schützen, Fühlungnahme zwischen den Völkern herzustellen und nicht den Mut zu verlieren Das hindere nicht, die Verträge zu verteidigen und die Verteidigung der Grenze zu organisieren. Ministerpräsident Tardieu hielt dann in der folgenden Nachtsitzung eine Rede in dcr cr u. a. ausführtc: Seit vier Jahren aroeite ich mit Briand zusammen. Wir beide sind vielleicht in der Vergangenheit nicht immer der gleichen Ansicht gewesen, aber wir haben als Außenminister und als Ministerpräsident miteinander gearbeitet, unö ei£b5Hnan3proqramm gut feien. Der Premierminister wollte sich zur Zeit ^lchJ ^9 * & Preußen und das Sanierungsprogramm des Kabinetts Brüning. Höpker-Aschoff stimmt im allgemeinen zu. - Bedenken gegen Neuregelung der WohnungSwirtschast und gegen die Bealsteuersenkung. Das geplante S te uervereinheitli- chungsgeseh verdiene allgemeine Billigung, weil es einheitliche Grundlagen für die gesamte Realbesteuerung bringe. Bedenken seien dagegen zu erheben hinsichtlich der Neuregelung der Wohnungswirtschaft und derReal st «Versenkung Preußen würden danach im nächsten Iahre nur 120 Millionen Mk. Hauszinssteuermittel für die Neubautätigkeit zur Vertilgung stehen, ein Betrag, der in keinem Verhältnis zum Bedarf stehe. Deshalb habe die preußische Regierung vorgeschlagen, die Hauszinssteuermittel für die Neubautätigkeit nicht um die Hälfte, sondern um ein Drittel zu kürzen. Die Senkung der Real st euer könne nach Ansicht der Staatsregierung nur an solchen Orten erfolgen, wo die Realsteuersähe überspannt seien, d. h. in Gemeinden, in denen die Zuschlagsätze über dem Landesdurchschnitt lägen. Wenn man auf einen Zusammenhang zwischen dem Finanzplan der Reichsregierung und den Reparationslasten Hinweise und der Ansicht Ausdruck gebe, dah die Politik der Reichsregierung zu dem Verlust der Freiheit führen, werde, dann scheine man vergessen zu haben, dah das Rheinland geräumt worden und wir von den fremden Kontrollen befreit worden seien. Wir wollen, so erklärte der Minister, an die Revision der Reparationslasten Herangehen und die Stimmung des Protestes gegen das Versailler Diktat wachholten und dagegen ankämpsen. Das werde mit um so größerem Erfolg geschehen, ie einiger und geschlossener das deutsche Volk im Innern sei. Nach längerer Debatte wurde die Steuervorlage über die Durchführungsbestimmungen zur Gemeinde-Bier-, Getränke- und Bürgersteuer in namentlicher Schluhabstimmung mit 251 gegen 146 Stimmen angenommen. Die Beschränkung des Heeresmaterials. Scharfe Angriffe Bernstorffs gegen die ablehnende Haltung der Mehrheit. Genf, 13. Nov. (TA.) Der Abrüstungsausschuß konnte im Hinblick aus die völlig verworrene Geschäftsordnungsaussprache am Donnerstag noch zu. keinem Schluß kommen und begnügte sich mit der Annahme eines englischen Antrages, in dem Austausch der Wit- I teilungen über die Heeresausgaben I vorgeschlagen wird. Rach der Aussprache sah der Präsident, dessen Geschäftsführung von allen Sci- I ten auf das schärfste kritisiert worden war, keinen I anderen Ausweg mehr, als die weitere Derhand- I lung und Abstimmung auf Freitag zu v e r t a - I gen. Die Abstimmung wurde jedoch von neuem I durch eine auffallend lange Erklärung Lit - I winows verzögert, der eingehend die sowjetrussische Forderung auf direkte Dermin- I derung des gesamten Kriegsmateri- I a (8 begründet. Dem Verbuch einer eindeutigen 4 Entscheidung über die Forderung Deutschlands Schulgesetze in den Ländern gegeben werden. Abg. Schwarzhaupt (D.V.) führte u. a. aus, daß bei der ungeheueren Notlage die Errichtung von neuen pädagogischen Akadem «nun* ver stündlich sei. Der Redner protestierte dagegen, daß in dem zu vier Fünfteln evangelischen Berlin lediglich eine weltliche und eine katholische Akademie errichtet werden sollten, während die evangelische Akademie zurückgestellt Die Lusiiz im Kampfe gegen das Deutschtum in Polen Sechs Monate Gefängnis für Graebe. Berlin, 13.Nov. Die Terrorakte gegenüber dem Deutschtum in Polen nehmen von Tag zu I Tag zu. Aus Pommerellen, aus Posen und aus Oberschlesien reihen die Klagen überhaupt nicht mehr ab. Behörden und Nationalisten wetteifern in dem Feldzug gegen die deutschsprechenden Bevölkerungsteile. Auch die Iuftiz trägt das ihrige zu diesem Vernichtungskampf bei. Leicht ist es ihr allerdings nicht, die verhafteten Deutschtumsführer in die ZuchMuser zu bringen und für alle Zeiten unmöglich zu machen. Wo ausreichen- ] des Material zur Stützung der Anklagen nicht vorliegt, da wird mit willkürlichen Behauptungen operiert. Das hat der Prozeß gegen den früheren Leiter des Deutschtumbundes Graebe, der 1923 durch einen Willkürakt aufgelöst wurde, gezeigt. Am liebsten hätte man Graebe auf lange Iahre unter der Bezichtigung der Vorbereitung zum Hochverrat in einer Gefängniszelle verschwinden lassen. Das ist nicht gelungen, immerhin hat man es für richtig gehalten, in dem Urteil festzustellen, daß die Anklage des Hochverrats aus Mangel an Beweisen fallengelassen worden ist. Der Makel soll also an Graebe haften bleiben. Zu einem Freispruch vermochte sich aber das Gericht nicht aufzuraffen, das wäre ja auch verwunderlich gewesen. Graebe ist zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, well er die Durchführung behördlicher Verordnungen verhindert hat. Man hat ihm also daraus einen Strick gedreht, daß er mit Erfolg versucht hat, die deutschen Kinder mehrerer Dörfer zusammenzufassen und die Bildung von Minderheitsschulen durchzudrüc^n. Würden wir in Deutschland mit den polnischen Führern genau so verfahren, dann würden die Prozesse nach dem Bromberger Vorbild überhaupt nicht mehr ab- reißen, da die Polen bei uns alle Mittel anwenden, um das Polen tum diesseits der Grenze zu erhalten. werde. , , , Kultusminister Grimme hob hervor, dah die Regierung keinen Augenblick daran gedacht habe, die Staatsbürger, die sich zum evangelischen Glauben bekennen, gegenüber anderen Gruppen zu benachteiligen. Von den 15 pädagogischen Akademien, die Preußen bisher habe, seien zwei katholisch, eine simultan und nicht weniger als zwölf rein evangelisch. In der Provinz-Umgebung Berlins beständen bereits zwei evangelische Akademien in Kottbus und Frankfurt a. O. . zwei weitere lägen in Stettin und Halle. Katholische Iunglehrer könnten bisher nur ganz im Osten, in Beuthen, und ganz im Westen, in Bonn, ungebildet werden. Sein Wunsch sei gewesen, in Berlin oder Potsdam je eine evangelische und eine katholische Akademie und eine dritte für 1931 zu errichten, die eine konfessionell nicht gebundene Erziehung vorbereiten sollte. Die Ostbevolkerung müsse jedoch die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an jungen Lehrern außer in Elbing auch noch in Königsberg zu decken. Da nun die Finanzverwaltung bei der angespannten Lage nicht über die Zahl von drei Akademien für 1931 hinausgehen wollte, sei es dann zu dem Beschluß gekommen, die Berliner evangelische Akademie vorläufig zugunsten der Königsberger zurückzustellen. Nachdem nun die Stadt Berlin sich bereiterklärt habe, sich an der Finanzierung nicht nur einer, sondern zweier Akademien zu beteiligen, sei die Staats- regierung bereit, Ostern 1931 in Groß-Berlin drei Akademien zu errichten, darüber hinaus aber Königsberg durch Einsehen der ersten Baurate ebenfalls zu sichern. Mit de>.. Appell an die Parität vertrage es sich allerdings nicht, wenn beanstandet werde, daß die Regierung endlich in Berlin eine pädagogische Akademie errichten wolle, die weder evangelischen noch katholischen Charakter trage. Der Staat habe doch die Pflicht zur Toleranz und Objektivität. Abg. König (Soz.) warf der Volkspartei vor, daß bei ihr keine Spur mehr von liberaler Auffassung zu finden wäre. Zur Begründung der weltlichen Akademie verwies er u. a. auf die Bestimmung der Reichsverfassung, wonach jedes Kind vom Religionsunterricht abgemeldet werden könne. Dringend zu empfehlen sei die Schaffung einer Simultanakademie, zu der jeder Zutritt haben solle, gleichviel ob er katholisch, evangelisch oder Dissident sei. Die Sozialdemokratie fei bereit, den Evangelischen und den Katholiken in Berlin eine Akademie zu geben, verlange aber Parität auch durch Errichtung einer weltlichen Akademie. Abg. Dr. Brockmann (Ztr.) erklärte, der kathousche Dolksteil habe an sich den ihm zu- stehenden Anteil an der Einrichtung pädagogischer Akademien im Vergleich zu dem evangelischen Volksteil noch lang« nicht erreicht. Der berechtigte Anspruch des evangelischen Volksteils auf eine evangelische Akademie in Berlin werde vom Zentrum durchaus anerkannt, wenn es überhaupt zur Neugründung von pädagogischen Akademien in Groß-Berlin kommen sollte. Die Zen- trumsfraktiop sei der Ansicht, dah von der Gründung weiterer Akademien einstweilen Abstand genommen werden müsse. Abg. Dr. Rhode (WP.) erklärte, daß seine Freunde unter gar keinen Umständen der Errichtung neuer pädagogischer Akademien zustimmen würden. Darauf gingen die Anträge an den Hauptausschuh. und Italiens aus dem Wege zu gehen, wurde durch Graf Bernstorff mit dem Antrag entgegengetreten, durch namentliche Abstimmung fest zu stellen, welche Mächte sich für eine direkte Herabsetzung des gesamten Kriegsmaterials erklärten. Nachdem die Vertreter von Spanien und Griechenland sich für den fran- zösischen Vorschlag einer Beschränkung lediglich der Heeresausgaben eingesetzt hatten, erklärte Graf Bernstorfs, dah heute nicht mehr die Entwaffnung Deutschlands, sondern d i e Abrüstung der übrigen Staaten zur Verhandlung stehe. Die bisherigen Aussprachen hätten ihn aufs t i e f st e enttäuscht. Er bedauere außerordentlich, dah lediglich technische Gesichtspunkte vorgebracht würden und keiner die Abrüstungsfrage vom moralischen, politischen und historischen Gesichtspunkt behandelt habe. Die heutige Lage Europas beruhe in erster Linie auf der gegenwärtigen älnsicherheit der Rüstungen. Die Regierungen hätten sich der ganzen Welt gegenüber feierlich st zur Abrüstung verpflichtet. Der Mann auf der Straße werde niemals begreifen, warum die schweren Geschütze und Tanks von Der Kabinettsausschuß für Arbetts- und Preisfragen. Berlin, 13. Nov. (WTB. Amtlich.) Der vor einigen Tagen gebildete Kabinettsaus- schuh für Arbeits- und Preisfragen trat heute in der Reichskanzlei unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning erstmalig zusammen. Cs nahmen u. a. teil: Rcichsbankpräsident Dr. Luther, die Reichsminister Dietrich, Dr. Stegerwald und Schiele, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber und der Leiter des Reichswirtschaftsministeriums Dr. Trendelenburg. In der heutigen Sitzung wurde vor allem eine systematische Aufteilung des ganzen Arbeitsgebietes vorgenommen, um durch organische Zusammenarbeit die auf Preissenkung gerichteten Tendenzen mit aller Macht zu stärken. Man hat die einzelnen Arbeitsgebiete in der Form auf di«! Mitglieder des Ausschusses verteilt, dah das zuständige Ministerium jetzt z. D. die Frage prüfen wird, wie die Zinssätze gesenkt werden^ können. Ein anderes Mitglied des Ausschusses wird das Problem der Preissenkung für Markenartikel übernehmen usw. Durch dieses systematische Vorgehen hofft man, die ganze Aktion zu beschleunigen. Die nächste Sitzung des Ausschusses wird Anfang nächster Woche stattfinden, und bis dahin soll bereits für eine ReillL von Fragen das erforderliche Material bearbeitet sein, damit der Ausschuß dann über weiters Maßnahmen beschließen kann. Die Arbeiten des Reichsrats. Berlin, 13. Nov. (VDZ.) Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats setzten am Donnerstag die gestern abend abgebrochene zweite Beratung des Gesetzes zur SenkungderRealsteuern fort. Die Einzelberatung dieser Vorlage war deshalb so umsangreich, weil jedes Land erklärte, bei ihm lägen besondere Verhältnisse vor, denen die Formulierung des Regierungsentwurss nicht gerecht werde. Es handelte sich jedoch bei den verlangten Aenderungen nur um redalt'wnelle Aenderungen. Rach Erledigung des Gesetzentwurfs begann die zweite Lesung des A u s g a - benbegrenzungsgesetzes, das bestimmt, daß die Ausgaben in den Iahren 1932 und 1933 nicht höher sein dürfen a's 1931. Strittig ist hier bekanntlich besonders die Stellung der G e m e i n- den, die darauf Hinweisen, daß eine solche Begrenzung der Haushaltsausgaben durch den dauernden Zugang von Wohlsahr sUnterstützungsempfängern außerordentlich erschwert werden. Das Tabak st euergesetz bereitet noch Schwierigkeiten. Man hofft jedoch, bis zum Samstag ein Kompromiß zu finden, so dah an diesem Tage die zweite Lesung auch dieser Vorlage in den Reichsratsausschüssen beendet werden könnte. Damit würden dann alle bisher vorliegenden Deckungsgesetze von den Reichsratsausschüssen erledigt sein, so dah sie am 20. November vom Reichsratsplenum verabschiedet werden könnten. Die weiter angekündigten zum Finanzplan gehörenden Vorlagen sind dem Reichsrat bisher noch nicht zugegangen. Auch in der gestrigen Sitzung des Re i chs k.a bi ne t t s, die gemeinsam mit dem Preuhen- k a b i n e t t stattfand, wurde keine weitere Dek- kungsvorlage verabschiedet, sondern das von Preußen ausgestellte Arbeitsbeschaffungsprogramm beraten. Die Zwischenzeit benutzen die Reichsratsausschüsse, um ihre Arbeiten am Reichshaushalt für 1931 zu fördern. Der polizeikonW mit Thüringen Das Weimarer Staatsministerium erklärt. Weimar, 13. Nov. (END.) Das thüringische Staatsministerium teilt mit: Die im Disziplinarverfahren gegen den Verwaltungsobersekretär Müller bei der Wirtschaftsstelle der Polizei in Sondershausen angeordneten Untersuchungen und Beschlagnahmungen gegen mehrere Angehörige der thüringischen Polizei und in den Geschäftsräumen des Gaues Thüringen des Reichsbanners sowie in den Privaträumen des Geschäftsführers des Reichsbanners Dr. Dietzel in Weimar haben, soweit es überhaupt noch notwendig war, weitere erdrückende Beweise für das Bestehen einerSpihelzentrale bei der thüringischen Polizei erbracht. Sie hat offenbar die Aufgabe gehabt, dem Reichsminister des Innern Material für das Verfahren vor dem Staatsgerichtshof wegen der Polizeikostenzuschüsse zu liefern. Das beschlagnahmte Material ist derartig belastend für mehrere Polizeibeamte, dah das Ministerium des Innern sich veranlaßt gesehen hat, sofort gegen einige Beamte einzuschreiten. Sie haben in gröblichster Weise ihre Amtsverschwiegenheit verletzt, durch Erstattung von noch dazu durchaus unrichtigen Berichten über Vorkommnisse bei der Polizei dem Lande Thüringen, dessen Beamte sie waren, schwersten Schaden zugefügt und damit den von ihnen geleisteten Beamteneid gebrochen, mit dem sie dem Lande Thüringen Treue geschworen hatten. Die Beamten haben das Material an den Leiter des Gaues VI des Reichsbanners in Gotha abgegeben. Dieser hat es an den Gau Thüringen des Reichsbanners in Weimar weüe.g.leitet. Auffallend ist, daß der Gau Thüringen des Reichsbanners sein Material nicht unmittelbar an das Reichsministerium des Innern gesandt hat, in dessen Schriftsätzen die gleichen Behauptungen als 1 Beweisthemen teils wörtlich wiederkehren, son- dcrn an einen Herrn August F c i l in Erfurt. Wir haben festgestellt, dah sich beimPolizeiprä- Berlin, 13. Nov. (VDZ.) Im preußischen Land- tag äußerte sich Finanzminister Dr. Höpker-Aschoss über das Reichsfinanzprogramm. Zur geplanten Besoldungskürzung erklärte er, daß diese in Preußen ohne verfassungsänderndes Reichsgesetz durchgeführt werden könne, da die Besoldungsordnung von 1927 die Bestimmung enthalte, daß ...... m ein einfaches Gesetz genüge. — bei dem Pensionskürzung s- g e s e tz und dem Besoldungssperrgesetz. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß beide Gesetze verfassungsändernd seien. Bei dein Desol- dungssperrgesetz habe die preußische Regierung Bedenken nicht etwa gegen eine Angleichung der Bezüge an diejenigen im Reich, sondern deshalb, weil entsprechende Maßnahmen von ihr bereits durchgesührt seien und sie Bedenken gegen eine nochmalige Durchführung habe Sie werde daher eine Aenderung des Gesetzes dahin beantragen, daß eine Wiederholung des durchgeführten Verfahrens nicht stattzufinden brauche. Der Mini- ster richtete an die Beamtenschaft den Appell, die Gehaltskürzungsmaßnahmen verständnisvoll zu ertragen, da sich am 1. April vielleicht ergeben werde, daß die Gehälter nicht herabgesetzt, sondern dem gesunkenen Preis st and angeglichen worden seien. Die Reichsregierung habe den festen Willen, die Preissenkung weiterhin energisch zu betreiben und durchzuführen. Gegen die im ~ " _______i vorgesehene Mitwir ° B~. ----------- t . luuuvr--"«-.chsbeiderGestaltungder des Attentats gerade nach Okayama begeben, um den Länderhaushalte habe er keine Bedenken, dort heute beginnenden großen INanöoern beizu- vielmehr begrüße er sie, da bann auch das Reich die wohnen. Die Aerzte, die den Premierminister be- Ueberzeugung gewinnen werde, daß die Ersparnis- Handeln haben sich veranlaßt gesehen, eine Blut- Möglichkeit innerhalb des preußischen Haushalts t r a n » f u f i o n vorzunehmen. Der zweite Sohn des die Grenze erreicht hatten. Premierministers 2w°ne hnmnguchi h°. fid, Aerzten zur Blutentnahme zur Verfügung gestellt. ^rfoIgC gehen auf preußisch« Anregung zurück. -- Ein entsprechender Gesetzentwurf würde für Preußen eine jährliche Ersparung von sechsMillionen bringen. Unruhen in Peru. Sie Mimischen Akademien in prevßen. Kultusminister Grimme vertritt die SründungSpläne für Berlin. - Starke gemeine Arbeiterverband von der Regierung auf* Bedenken btV Rechten UNd deS Zentrums, gelöst. Alle, die zum Streik ausfordern, werden 1 ausgewiesen. Bei einer Kundgebung der Arbeiter Berlin, 13.Nov. Im Preußischen Landtag des Kupferbergwerks M a l p a f o gegen die aus- üyurI>en peutschnationale und deutschvolksparteiländischen Bergwerksbesitzer, bie hauptsächlich eng- Anträge über die Errichtung vonpä- li scher und amerikanischer Rationa» j>aqOflifCRCn Akademien beraten. Ein lität sind, erfolgte ein Zusammenstoß zwischen heuttchnationaler Antrag verlangt, dah vor Zueiner Abteilung Polizei und den Manifestanten. Iarcunq Don Dissidenten zum Besuch einer päda- 15 Personen, darunter zwei Amerikaner und ein go^schen Akademie eine höchstgerichtliche Ent- Oesterreicher, wurden dabei getötet, 25 Per- sch^dung über die Zulässigkeit der Anstellung fonen verletzt. Da sich die Bewegung stark auszu- vissidentischer Akademien an den dehnen droht, wurden 200 Mann Militär m das preußischen Volksschulen herbeigeführt Bergwerksgebiet entsandt. Die Regierung ordnete ^den solle. In den Etat für 1931 sollen Mittel an, daß alle Bergwerke des Bezirks g e - Errichtung einer pädagogischen Akademie f u r schlossen und alle Ausländer nach evangelische Lehrer in Groß-Berlin ein- Lima gebracht werden sollen. Ein Zug mit gestellt werden. Der deutschvolksparteiliche Ma- 350 amerikanischen Bürgern wird heute abend in vemieantrag wendet sich gegen den Plan Lima erwartet. Die Angestellten der Zen- der Errichtung einer weltlichen Ak a- tralb ahn haben sich entschieden, den General- Bernie in Berlin und wünscht, dah eine streik, der für heute abend beschlossen worden katholische Akademieinder Reichshaupt- ift, zu unterstützen. Die Schuld an den Un- kaJ)t nur eichtet werde, wenn gleichzeitig 'ruhen im Kupferdistrikt (Terra de Pasco schreiben evangelische Akademie zustande- die Behörden kommuni st ischen Agitato- fornmt. Diese Forderungen können nur gelten für r e n zu Der Straßenbahn-, Eisenbahn- und Auto» daß die volksparteiliche Forderung ab- busverkehr in Lima war heute lahmgelegt, g€[€^t wird, wonach neue pädagogisch« Made- La der allgemeine Arbeiteroerband in Verfolg der p i s a u f we i te res ü b e rh a u p t n i ch t gestrigen Unruhen den Generalstreik verkündet hatte. I errichtet werden foltert Ein aus drei Waggons bestehender Eisenbahnzug Abg. Oelze (Dnt.) erklärte angesichts der traf mit 3 00 ausländischen Flüchtlrn- Aussichtslosigkeit der Iunglehrer sei die gen aus b e m Minengebiet ein. Der Loko- Errichtung neuer Akademien an sich völl i g un« motivführer bes Flüchtlingszuges berichtete über angebracht. Durch Schaffung eines Reichs- die Unruhen, die lokale Polizei habe auf der Brücke schulgesetzes soUte endlich eine Grundlage für die nach Oroya Wachtposten ausgestellt, um zu ver- • - * *" c‘“ 4 **“ hindern, daß sich die streikenden Arbeiter aus Mal- paso mit denen von La Oroya vereinigten. Es entstand eine regelrechte Schlacht, in deren Verlauf zwölf Arbeiter getötet und etwa 25 ver- Oie Wetterlage. stürmische« lordWesl MAllOON Generalvertretung: J. Meyer-Höckell, Frankfurt a. M„ Staufenstraße 2, Tel. 73884 3W8V * Schnee ^Oraupeln e Hebel K Gewißer .©Windstille. •O'$dw leichter o$i jj nissiger Südsüdwest * e Idee und Marxismus d i e O wolkenlos Oheiter. Q halb bedeckt, q wolkig. • bedeckt eRege^ Warum hat die makedon - ziga- . RETTE IN KURZER ZEIT EINE SOLCHE ■ VERBREITUNG GEFUNDEN? • Das ideale Will Ab führ-Konfekt durchzusetzen hat. Auf der Grundlage dieser Idee und der gemeinsamen Ideale ruht die Freundschaft zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalen Deutschland. Die gleichen Ideale und das gleiche Schicksal werden in Zukunft die Entwikklung beider Völker gleichlaufend führen müssen. Dr. Heinke überreichte dem Ministerpräsidenten das Abzeichen des Stahlhelms. Mussolini antwortete in deutscher Sprache in Dankesworten und betonte zum Schluß seine Sympathie für die Stahlhelmbewegung. f ibium Erfurt ein Kriminalkommissar August Feil befindet. Die wiederholten, bisher unwidersprochen gebliebenen Behauptungen nationalsozialistischer Blätter, daß preußische Regierungsstellen mit der Bespitzelung Thüringen - beauftragt worden sind, gewinnen daher an Deutlichkeit. Wir können nur wiederholen, daß sich Methoden, wie sie hier ein- Sschlagen worden sind, allein schon durch ihre nmoral richten. Oer Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie. Protest des Allgemeinen Deutschen Gewcrtfchafisbnndcs. Berlin, 13. Rov. (DU.) Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen (AewerkschaftsbundeS erklärt zu dem neuen Schiedsspruch für die Berliner Metallindustrie, der Spruch sei das Ergebnis der falschen und in ihrer praktischen Form verderblichen Auffassung, daß die Senkung der Löhne einen Weg zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise und zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit darstelle. 3m Gegensatz zu dieser Auffassung hätten die Gewerkschaften stets die Meinung vertreten, daß eine Lohnkürzung die Kaufkraft weiter Schichten schwächt und so den'Absatz vermindern, die Krise verschärfen und die Arbeitslosigkeit vermehren müsse. Diesen Standpunkt halte der Bundesvorstand aufrecht. Er erhebe entschieden Protest gegen die Wiederherstellung dieses von der Berliner Metallarbeiterschaft bekämpften und von der gesamten Gewerkschaftsbewegung und einem großen Teil der öffentlichen Meinung abgelehnten Schiedsspruches und gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts vom 8. Äovember. Gegen das Schiedsgericht richte der Bundesvorstand den Dorwurf, daß es die Interessen der Arbeiterschaft, die Forderungen der Gewerkschaften und die Stimmen der öffentlichen Meinung unbeachtet gelassen und bei seiner Entscheidung einseitig dem Einfluß der Unternehmerinteressen nachgegeben habe. Der Dorstand könne auch nicht anerkennen, daß die den Berliner Metallarbeitern auferlegte Lohnkürzung eine Rechtfertigung in der von der Reichsregierung begonnenen Preissenkungsaktion finde. Der Schiedsspruch habe die nachteiligsten Folgen für die Tätigkeit der Schlichtungsbehörden bei künftigen Arbeitskonflikten. Er erhöhe das Mißtrauen der Arbeiter gegen den unparteiischen Charakter des Schlichtungswesens. OieGiahlhelmabordnungbeiMuffoiini Rom. 13. Nov. (TU.) Mussolini hat am Donnerstag die auf einer Studienreise in Rom weilenden Stahlhelmer empfangen. Dr. Heinke, der Führer der Gruppe, richtete eine Ansprache an Mussolini, in der er u. a erklärte: Der Stahlhelm ist dankbar, daß Euer Exzellenz die Bedeutung des faschistischen Gedankens als Weltanschauung heroorgehoben haben. Der Stahlhelm weiß, daß er in seinem Kampf gegen Liberalismus berliner Lorie Berlin, 14. Roo. (WTB. Funkspruch.) Ohne daß das Geschäft als lebhafter zu bezeichnen war oder sonst Anregungen vorlagen, konnte die Stimmung des heutigen Frühoerkehrs sich allgemein etwas bessern. Außer der festeren Neuyorker Börse fand vor allem das Anziehen der Kupferpreise Beachtung. Olavi zogen auf 37 Mark an, Farben wurden 139,5 eher Geld taxiert. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,66, London gegen Mailand 92,78, London gegen Spanien 42, London gegen Kabel 4,8569, London gegen Berlin 20,3850 und Kobel gegen Berlin 4,1973. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. Rovember 1930. 3m vierten Stockwerk unseres Körpers Don Dr meb. Gurt ttayser. Unser Körper, das HauS des Lebens, besitzt in seinem Innern ganz moderne Einrichtungen Da gibt es z. B. Fenster und Türen da gibt es Kanalisation und Wasierleitung, und nicht zuletzt verfügt jeder von uns über eine eigene Zentralheizung. Ihren Heizkessel stellt das Herz dar, von dem die Heizröhren in Gestalt zah re Her Blutgefäße das ganze menschliche Haus ourch- ziehen. Sommer und Winter ist — beim gesunden Menschen — diese Heizung gleichmäßig im Gange und hält, dank besonders feiner, technischer Ein- richtungcrt, die Temperatur allenthalben stets auf gleicher Höhe. Sobald indessen diese ausgezeichneten Anlagen unserer inneren Zentralheizung in irgendeinem Teile unzureichend, krankhaft verändert oder durch mangelhafte Pflege gestört sind, dann leidet, genau wie im Wohnhause, vor allem die vierte, die oberste Etage. Sie wird dargestellt von denjenigen Teilen des Körpers, die vom Herzen am weitesten entfernt sind, d. h. von Händen unb Füßen, und so sind kalte Hände und Füße die unausbleiblichen Folgen mangelhafter Zentralheizung. Ihre Ursachen finden sie in einer Störung des Dlutumlaufs, die zunächst bedingt sein kann durch ein zu kleines oder krankes Herz. Letzteres pumpt dann nicht genügend oder mit zu schwachem Druck Blut in unsere Blutgefäße, so daß es nur in ungenügender Menge bis in die äußersten Körperpartien gelangen kann. Weiterhin können die Röhren, die Blutgefäße. durch krankhafte Einlagerungen verengt oder verstopft sein, so daß die Menge des durchströmcnden Blutes vermindert, oder sein Zufluß in bestimmten Bezirken gehemmt ist. Da aber unsere Blutgefäße nicht starre, tote, sondern lebendige, elastische Röhren sind, können Störungen dieser besonderen Lebensfunktionen gleichfalls zu kalten Händen und Füßen führen. Ein gesundes Dlutgefäßshstem besitzt die Fähigkeit, sich bei Kältereizen zusammenzuziehen, bei Wärmereizen sich zu erweitern und so, wenigstens zu einem wesentlichen Teile, für die nötige Wärmeregulierung zu sorgen. Schon Freude oder Scham auf der einen und Furcht oder Schreck auf der anderen Seite vermögen in Gestalt von Erröten unb Erblassen dieses Spiel der Blutgefäße Hervorzurusen. Ist aber diese Tätigkeit der Blutgefäße durch irgendwelche Hmftänbe gestört oder gar aufgehoben, so kommt es, zumal im Winier. leicht zu kalten Händen und Füßen, zu Frostbeulen und dergleichen mehr. Was können wir dagegen tun? Zunächst sucht der Mensch sich gegen die Kälteeinflüsse der Außenwelt zu schützen durch zweckmäßige, wärmende Kleidung: Handschuhe, Strümpfe unb Schuhe. Diese müssen natürlich sobeschaffen sein,daß sie zwar eng der Körperhaut anliegen, aber doch Hand und Fuß genügend Bewegungsfreiheit lassen und niemals durch zu knappen Sih den Blutumlauf etwa absperren. Liegt der Fehler in mangelnder Leistungsfähigkeit der Blutgefäße, so muß man sie eben ein wenig trainieren. Körperliche Bewegung, gymnastische Hebungen aller Art, kalte und warme Wechselbäder eignen sich hierfür besonders Selbstverständlich üben Lust und Licht auf die Durchblutung der Haut gleichfalls einen ausgezeichneten, fördernden Einfluß aus. In manchen Fällen werden vernünftig pbge- stufte Leibesübungen und die Anwendung besonderer Arten von Bädern auch auf die Leistungsfähigkeit des Herzens günstig einwirken, doch befrage man, um Anheil zu verhüten, in solchen Fällen stets vorher den Arzt. Er allein wird auch zu beurteilen vermögen, ob etwa eine andere, meditamentöse, elektrische, diätetische oder sonstige Behandlung in diesem oder jenem Falle am Platze ist. Borrrotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: „Kabale und Liebe", 19,30 bis 22.30 Ahr. — Die Christengemeinschaft> Oeffentlicher Dortrag, 20.15 Ahr, Hörsaal 44 (Aniversität). — Bund für christliche Erziehung in Haus und Schule: „Familienabend", 20 Ahr, im Iohannes- saal. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Komm zu mir zum Rendezvous". — Aftoria-Lichtspiele. „Der tolle Reiter" und „Deutsche Herzen am deutschen Rhein". — AuS dem Stadttheat«rdureau wird unS geschrieben. . Heute. 19.30 Ahr. unter der Spielleitung von Waller Bäuerle in gänzlich neuer Inszenierung Erstaufführung von Schillers bürgerlichem Trauerspiel: „Kabale und Liebe". Mitwirkende. Damen: Doering, Jahn, Koch, Schubert-Jüngling: Herren: Bäuerle. Hub, Druck, Linkmann, Schelcher, Zingel. — Am Sonntag als erstem Tag des KammerspielzykluS: zusammen mit dem Goethebund von IuliuS Dlaria Decker „Der Brückengeist" unter der Spielleitung des Intendanten Dr. P rasch. 18 Ahr, als Zremdenvorstellung: „Reidhardt von Gneisenau" von Wolfgang Goetz. Die technischen Aenderun- gen, die bei der zweiten Aufführung erstmalig vorgenommen wurden, haben zu einer Kürzung der Spieldauer von einer Stunde geführt, so daß die Dorstellung sich innerhalb drei Stunden ab- wickelt. — Kirchenkonzert. Man schreibt unS: Der Demeindeverein der Lukasgemeinde veranstaltet am nächsten Sonntag, 20 Ahr. in der Iohannes- kilche ein Kirchenkonzert. Mitwirkende sind Fräulein von der Heydt (Sopran). Musiklehrer Rebeling als Organist, sowie der Bläserchor des .Vereins für christliche Musik'. Da allgemein über die geistige Rot der Erwerbslosen geklagt wird, so erhalten alle, die ihre Erwerbslosigkeit nachweisen, sowie ihre Angehörigen freien Eintritt. (Siehe heutige Anzeige.) Pläne HugenbergS in bezug auf die Kräftigung der deutschen Wirtschaft und die Behebung der Erwerbslosennot auf dem Wege der Arocits- dienstpflicht. 'Die Dvrtragende, die in klarer und eindrucksvoller Form zu sprechen verstand, fand den lebhaften Beifall der Dersammlung. " 6 in e Ausstellung rumänischer Stickereien veranstaltete gestern die Ortsgruppe Gießen des Dcreins für Deutsche Frauenkleidung und Frauenkultur im Cafö Amend. Di« Deranstaltung fand viel und verdientes Interesse. Es wurden ganz hervorragende Handarbeiten, an- gefertigt von Deutschrumäninnen, zur Schau gestellt. Daneben wurden die graphischen Arbeiten einer Künstlerin unserer engeren Heimat, Fräulein Krantz, Butzbach, gezeigt, die alle Beachtung verdienten Reben einer Reihe von Blumenstücken, die mit großer zeichnerischer Sorgfalt ausgeführt waren, erregten besonders einige Linolschnitte die Aufmerksamkeit der Besucherinnen. In klarer, straffer Manier wußte die Künstlerin die Schönheiten unserer engeren Heimat zu fassen. Exil- bris-Sntwürfe, sehr kultiviert geschriebene Schriftarbeiten (die Künstlerin ist Schülerin von Prof. Koch. Offenbach) gefielen ebenfalls außerordentlich. Weil MAKEDON die einzige Firma ist, die den ge samten Werdegang der Zigarette, von der Aussaat des Tabaksamens bis zur fertigen Zigarette, in einer Hand vereinigt. Dadurch ist jeder Zwischenhandel beseitigt, und der MAKEDON-Raucher erhält sein Geld 1OO prozentig zurück. •• D e anncr Bre 1II Don einem Landarzt in Oberhessen wird uns folgendes hübsche und wahre Erlebnis mitgeteilt: In ein Wirtshaus an der Landstraße kehrt ein Arzt ein, um sich bei einem Gläschen Apfelwein von seinen Strapazen zu erholen. Bei dieser Gelegenheit glaubt der Gastwirt eine Konsultation schinden zu können, wie dies früher schon mehrfach gelungen war, um die Honorierung einer solchen im Hause des Arztes zu umgehen. Zwecks genauer Besichtigung des kranken Körperteiles wechselt der altersfernsichtige Arzt sein« Drille und setzt die Lesebrille aus. Später schickt er, um dem Wirte endlich das Konsultationsschinden abzugewöhnen, eine Rechnung. Gelegentlich eines späteren dortigen Aufenthaltes wird der Arzt von der ganzen Familie, sogar in Gegenwart eines Gastes, zur Rede gestellt. Man hätte eine Rechnung erhalten, aber wissentlich keinen Arzt gebraucht. Der Arzt klärt die Leute auf. Erst großes, scheinbares Aeberlegen, in Wirklichkeit wußten sie genau Bescheid. Dann bricht die älteste Tochter in die Worte aus: „Aich huh gleich gesaht, er Hot de anner Breil offgesaht, es kost doch ebbes." •• Großer Schuhdiebstahl. In der letzten Rächt statteten Einbrecher einem Schuhgeschäft in Butzbach einen unerwünschten Besuch ab. Die Diebe stahlen aus den Geschäftsräumen etwa 30 bis 40 Paar Herrenschuhe und -stiefel. Heute früh wurde der Dorfall entdeckt unb sofort die Polizei verständigt. Die Landeskriminalpolizeistelle Gießen nahm alsbald im Zusammenwirken mit der Ortspolizei die erforderlichen Rachforschungen auf. * Deutschnational« Dersammlung. Aeber das Thema: „Warum bekämpfen wir das gegenwärtige Regierungssystem?" sprach in einer öffentlichen Dersammlung der Deutschnationalen Dolkspartei am Mittwochabend im ..Postkeller" Frau Reichstagsabgeordnete Annagrete Lehmann. Die Rednerin knüpfte in ihren Ausführungen an die letzte Reichstagswahl an, beleuchtete die Arsachen des Anwachsens der Rativnal- fozialisten, ihren Einfluß auf das Gepräge des Reichstages, des Landes und die Auswirkungen auf die Außenpolitik. Sie befaßte sich weiter mit dem Kabinett Brüning, mit den Amständen, die das Bleiben des Kabinetts unter zweifelhaften Kompromisfen ermöglichte unb sprach schließlich längere Zeit über ihre Eindrücke bei der ersten Reichstagssihung nach der Wahl. Sodann schilderte die Rednerin das Auftreten der deutsch- nationalen Abgeordneten Oberfohren und des greisen Oldenburg -Ianuschau. die dem Kabinett so energisch entgegentraten unb ein Mitglied der Regierung zu dem Aus pruch hinrissen: „Die Republik hat eine Schlacht verloren." Außerdem streifte sie die Dorgänge in Leipzig, die ErwerbS- lofenkrise. die Rüstungspolitik der Franzosen im Westen, die Maßnahmen der Polen im Osten unb den Voungplan in Verbindung mit der Weltwirtschaftskrise. Schließlich ging sie noch auf das Treiben der Kommunisten, wie es sich in Berlin immer wieder äußert, ein und entwickelte zum Schluß die Die Piene fliegen mit dem Winde. Die baden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Ole Linien verbinden Orte mit gleiche^ su* Meeresniveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage Der Kern des Hochdruckgebiets ist wohl feit gestern zusammengeschrumpst, hat aber seine Lage wenig verändert. In Süddeutschland und Frankreich ist in seinem Bereich F r o st ausgetreten. Don München werden heute morgen — 2 Grad gemeldet, au» Frankreich sogar stellenweise —4 Grad. Dagegen herrscht über Norddeutschland mildes Wetter mit Morgentemperaturen bis zu 9 Grad. Eine wesentliche Umgestaltung der Weltertage tritt vorerst nicht ein. denn Anzeichen von raschem, stärkerem Luftdruckfall sind noch nicht vorhanden. Die Möglichkeit zu ver- breiteten Nachtfrösten ist für unser Gebiet nicht gegeben, wenn auch bei Lichtung der Nebel, unb Wolkendecke die Temperaturen nachts den Gefrierpunkt erreichen. Aussichten für Samstag: Neblig.wolkig, dabei auch Aufklaren, Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt, meist trocken. Lufttemperaturen am 13. November: mittags 8 Grad Celsius, abends 7,4 Grad: am 14. November: morgens 6,7 Grad. Maximum 8,4 Grad, Minimum 5,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. November: abends 5,8 Grad; am 14. November: morgens 6 Grad Celsius. Koruna: Ihot SdllyJ Lond^ Df' All 110 -Jan.rtbjien w - 332p\Tour! ■twnbflAJfckß «‘•tsßerlm1 Ab morgen 7504 A Baukunst-Ausstellung Gießen, den 13. November 1930. 07064 Heinrich Herbener 10 Mode.le, 50 große Lichtbilder Eintritt frei! Marburg RestaurantTannhäuser (17056 Morgen Samstag 07074 Schlachtfest veranstaltet von dem Gemeindeverein der Lukasgemeinde Ferd. Nennstiel, Tapetenhaus. Verein für christliche Musik 7730D Gießen, den 13. November 1930. 07067 Televb. 3160. Neuenweg 18 bis zu 7733 D Lichtspielhaus Gießen Heute zum letztenmal! 9 Tel. 3103. 7726D ta.3000 Chrisibäume Komm zu mir an mehrere Abnehmer hat Stellenangebote) zum Rendezvous 7748 D kommi in Beirachl. Bewerbung, mit I Angaben üb. BiloungsgangundE'n trtttSzeit um. 77410 an d. (Sieh. Anz. > 7715 C ■ff** la la auch geteilt abzugeben la la la Der scharmanteste und reizendste aller Tonfilme mit dem bekannten Schlagerlied: Kennst du schon das neueste Spiel? Sex appeal - sex appeal:... Meine Verlobung mit Fräulein Lotti Brück, Tochter des verstorbenen Apotheken-Besitzers Herrn Dr. Carl Brück und seiner Frau Gemahlin Elisabelh^eb. Caesar, zeige ich an Mitwirkende: Fräulein Milly von der Heydt (Sopran) Musiklehrer Nebeling als Organist Die Verlobung meiner Tochter Lotti mit dem Diplom-Landwirt Herrn Dr.Heinrich Herbener gebe Ich bekannt H. Sauer & Co. Fernsprecher 2274 Eintrittskarten zu 50 Pfennig an den Kirchtüren. Für Erwerbslose und deren Angehörige gegen Vorzeigung eines Ausweises freier Eintritt. Am 13. November 1930 starb nach langem Leiden mein Lagerist Herr Ludwig Sieglinger Durch seinen Fleiß und seine Ehrlichkeit war er für mich 7 fahre hindurch ein treuer Mitarbeiter, dem ich auch über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren werde. Besichtigung durch Gruppen und Verbände auch zu andrer Zeit nach Verständigung mit dem Städtischen Hochbauamt 7750 Unser langjähriger Arbeitskollege Herr Ludwig Sieglinger ist heute morgen durch einen frühen Tod aus unserer Mitte gerissen worden. Seine Charakter- eigenschatien sichern ihm bei uns ein bleibendes Gedenken. Das Personal der Firma Ferd. Nennstiel. Weitere Senkun derFleiscbpreise bei Jakob, Neuenweg Die Beerdigung findet am Samstag, dem IS.Nov.. vorm. 11 Uhr aut dem Neuen Friedhof statt. Arbeitsvergebung. Die Lieferung 1. einer Scholteranlage in holzausfüh- rung 2. von drei Stück Karlolhekschrelblischen - ist zu vergeben. 7749D Angebotsunterlagen und Zeichnungen sind bei uns erhältlich. Interessenten aus unserem Kassenbezirk wollen Angebote bis zum 21. November 1930 einreichen. Gießen, den 13. November 1930. Allgemeine Orlskrankenkasse des Landkreises Gießen. |Stellengesuche| dünnere und ältere Mädchen suchen Stellung. 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November 1930, Sonntags 11 bis 13 Uhr u. 16 bis 19 Uhr, wochentags 16 bis 19 Uhr im „Einhorn“ am Kirchenplatz Zimmer m. el. L. los. z. verm „reo Marktvlutz 7. gluolein ßllMMM werd, iachgemän u. vrelswer, ge- stimmt u revar G.Evekim'.'-'.' Gießen. VlollM^i Lelevhon 241) i Verkant o neuen u. gebt 51 lav Gießen, den 14 November 1930 774er) Burg Staufenberg Nächsten Sonntag, den 16. November, nachm. 8‘- llbr, findet aus der Burg 5flol-6iflniei6iing itmt unter 'Mitwirkung einer 25 Mann starken Musikkapelle. Der Saalbau Bietet allen Vereinen, 51orvoituionen, siudcnt. Verbindungen und Ausslüglern emen angenehmen Aufenthalt. 7/4oD Es ladet freundlichst ein der Wirt Ludwig Bierau. Cd) en- und Rindfleisch 1.10 Lende und Roastbeef • 1.2ü „/( junges Mastflei'ch •• v.80 junges Kalbfleisch, auch Rollbraten .........1.20 Schtveinebr. u. Rollbr. 1.10 J< Hammlfle'ich 1.10-1.20.* Uebermorgen wie gesagt findet die Verlobung statt. 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November 1950 aber der rücksichtslose Kampf der Aufständischen gegen das Deutschtum weiter. Die traurige Liste Der Hebert alle nimmt von Tag zu Tag zu. Der Hotz gegen das Deutschtum scheut nicht einmal davor zurück, d i c Ruhe der Toten zu stören. Am Allerseelentage wurde das Grab des vor vier wahren verstorbenen großen oberschlesischen Deutschenführers Thomas Szrzeponik auf dem Kattowitzer Friedhof geschändet, der Blumenschmuck gestohlen und die am Grabe stehende harmlose, kleine Holzbank zertrümmert. Einen größeren Dandalismus kann man sich nicht mehr denken. Aber auch sonst sind alle Vorbereitungen getroffen, um die bevorstehenden Wahlen unter allen Hmständen für das jetzige System siegreich zu gestalten. Hierfür ist den Behörden und den Regierungsparteien jedes Wittel recht. Hm die deutschen Wähler, von denen man aus Regierungsseite fürchtet, daß sie trotz der blutigen Heberfälle sich nicht einschüchtern lassen werden, ihrer Stimme zu berauben, hat man „von dritter Seite" unter der Anzweiflung der polnischen Staatsangehörigkeit Masseneinsprüche gegen d ie Wahlberechtigung der deutschen Wähler eingelegt. Die Zahl dieser Einsprüche beträgt allein in den Wahlbezirken Kattowitz und Königshütte über 25 000. Man ist jetzt von deutscher Seite der geheimnisvollen ..dritten Seite" auf die Spur gekommen, von der diese Einsprüche fabrikmäßig am laufenden Band hergestellt wurden. Die Einspruch- sabrik ist das Hauptwahlbureau der Regierungspartei. Don hier aus wurden durch Dertrauensleute unter Benutzung des amtlichen Apparates die als deutsch verdächtigen Wähler ausspioniert, gegen die dann vorgedruckte Reklamationen eingelegt tourben! Die Einsprüche sind bezeichnenderweise von höheren Staatsbeamten unterzeichn et. Weiler beachtenswert ist, daß diele widerrechtlichen Sin- spräche auch nach Ablauf der Einspruchsfrist noch angenommen wurden. Es hairdelt sich hier offensichtlich um eine von den Behördenmit allen Mitteln unterstützte Aktion, um die deutschen Wähler zu Tausenden von vornherein von den Wahlen auszu schalten und dadurch den „Sieg" der Regierungspartei zu sichern. Die ganzen Wahlen werden allo eine reine Komödie sein. An eine freie Willensäußerung Der Wähler ist unter diesen Hmständen überhaupt nicht zu denken, zumal ja bei den Wahlen selbst alles getan werden wird, um die geheime Wahl zu sabotieren. Man könnte in Anbetracht die'er Komödie über diese Scheinwahlen einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn dieses Wahlkomödienspiel nicht gleichzeitig eine deutsche Tragödie wäre, die das harte Ringen um Ober'chlesien einem endgültigen polnischen Siege näheroringen soll. Hnd wir Deutschen mässen „schuh- und rechtlos" zusehen. Ostoberschlesien ist schütz, und rechtlos dem polnischen Terror ausgeliefert. Don unserem W. ^-Berichterstatter Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Kattowitz, November 1930. Ostoberschlesien hat schon manche schlimmen Tage erlebt. Aber was sich jetzt hier wieder ab- spielt, übertrifft bei weitem die vorangegangenen und bei allen Wahlen inszenierten Terrorakte. Die jetzige Zeit vor den Wahlenzum Warschauer und Schlesischen Sejm und zum Warschauer Senat, die am 16. und 23. November an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen, stattfinden, erinnert mit ihrer Hnruhe und Hnsicherheit, mit bet überaus stark aufgewühlten Dolksstimmung lebhaft an die schwersten Tage der oberschle.ischen Aufstände in der Abstimmung«- und Desatzungsverrode. Wieder regieren heute die Aufständischen Rur stehen sie diesmal unter eigenem Behördenschutz ihres Ehrenschirm. Herrn, des Woiwoden G r a c z i n s k i, während sie einst die fremde Soldateska unter dem berüchtigten französischen General LeRond schützte. In ihren Methoden hat sich dagegen nichts geändert. Die Deutschen sind wieder das Freiwild, auf das die Aufständischenmeute sich stürzt. Mit einer „antideutschen" Woche begann diese neue Hetzjagd gegen die deutsche Minderheit. Daß diese Woche nicht nur außenpolitische Propagandaziele zur „Abwehr" der Treviranusreden und zur erneuten Betonung der angeblichen polnischen Rechtsansprüche auf die jetzigen Grenzen hatte, sondern auch vor allem innenpolitisch als Ablenkungsmanöver von der jetzt sich vollziehenden Wandlung des polnischen Staates zum Diktaturfystem der Schärung der Hetze gegen die deutschen Mitbürger galt, ging aus den Reden, die dabei gehalten wurden, klar hervor. Die Erfolge dieser erneuten Hetzpropaganda sind auch nicht ausgeblieben. Zunächst flirrten die Fensterscheiben in deutschen Zeitungs- geschäftsstellen und Häusern. Aber man begnügte sich nicht mit diesen Scherben. Gewalttätigkeiten gegen Deutsche, die mit Gummiknüppeln und Schlagring bearbeitet wurden, folgten bald in großer Zahl. Cs Hingt wie ein Hohn, wenn der Woiwode Graczinski bei der militärischen Schlußveranstaltung, die die Aufständischen am Ende der „antideutschen" Woche mit einem großen Nachtmanöver, mit Biwak und Lagerfeuer in Szene setzten, die „eiserne" Disziplin der Auf- ständischen-Derbände rühmte, während in _ den gleichen Nachtstunden eine uniformierte Ausständi- schen-Bande einen blutigen Heberfall auf eine deutsche Gewerlschaftsver ammlung in Nikolai verübte. Sehr interessant ist aber auch die Hebungsaufgabe, die sich die Aufständischen bei ihrem Kr.egs- spiel stellten. Cs wurde nämlich ein Heber- fall auf Deutschoberschlesien als Aufgabe angenommen. Die Hebungen spielten sich unmittelbar an der neuen ober schlesischen Grenze ab, und zwar in der Nähe der Stadt Hindenburg. Dort konnte man die Scheinwerfer leuchten sehen, die die Aufständi- schen-Beobachtungsposten zu ihrer Hebung verwandten. Als HauptangrifsSpunkt hatte man die bei Hindenburg liegenden Delbrückschächte auserwählt, die bereits kurze Zeit zu Polen gehört haben, später aber in einer Grenz berichti- gung durch das Gutachten eines Spaniers wieder zu Deutschland geschlagen wurden. Dieser Grenzpunkt ist tatsächlich ganz besonders für polnische Hebergriffe nach Deutschobe.schle/ten geeignet, Da hier Die Grenze völlig offen liegt. Weiter ist hier ein wichtiger Beobachtungsposten für solche Hntemehmungen vorhanden, Da der zu der Grube gehörende Wasserturm — ein typi- Begegnung. Von i^liza elh Gol-smith. Berechtigte Hebertragung aus dem Englischen von R. Urban. Pustend und schnaubend rollte der Zug in den Bahnhof des Städtchens. Sn einem Wagrnabtcil erster Klasse wurde ein Fenster geöffnet unD eine Frau-lehnte sich heraus, als wolle sie nut einem einzigen Blick die bescheidene Szenerie umfassen. Das weinumrankte Stationsgebäude, die langen Reihen von Milchkannen unD Gemüsclörben auf den Rampen, ein Paar Bäuerinnen mit großen Bündeln, einige Bahnbedienstete._ Anne Rogers tat einen tiefen Atemzug und lächelte. Sa, es war noch alles wie vor zwanzig Jahren, oogar die Diener vom „Admiral Nelson und der „Post , Den beiden Hotels des Städtchens, Die hd) reit Menschengedenken wütende Konkurrenz machten, standen noch immer herum und tR9rt^.e1}. ,°u' Gäste; die Kappen waren dieselben, die Gesichter Darunter fremd. UnD als Anne R gers den „Ad- miral Relson" herar.wii k e und h nt.r c e.n ihr Gepäck tragenden Mann Dem Ausgang zuschritt, war niemand Da, der sie erkannte, obwohl sie einiges Aufsehen erregte. Denn eine so hübsche und un- erhört elegante Dame sah man hier nicht alle ~5)aS Aussehen steigerte sich, als, sie ün son" das gesamte Personal einschließlich Wiy und Wirtin zur Erfüllung ihrer verschiedenen Wunsche in Trab brachte. Wer mochte die anspruchsvolle Dame sein? Auf die Frage des Wirtes, wie lange sie wohl Aufenthalt zu nehmen gedenke, hatte sie geantwortet: „Sch weiß es nicht. Vielleicht fahre ich schon heute abend wieder ab, vielleicht bleibe ich vier Wochen oder sechs oder gehe überhaupt nicht mehr von hier fort. Sch weiß es nicht!" Endlich war alles geordnet und Anne zog die Gardinen vor den Fenstern zu und streckte sich auf das Sofa, um ein wenig zu ruhen. Setzt erst wie sie so im Halbdunkel vor sich hindam- merte, kam ihr der ganze Wahnsinn ihres Hn= ternehmens zum Bewußtsein. Was würde man bei ihr in der Redaktion, was würden alle ihre Bekannten sagen, wenn sie ahnten, daß sie, Die sachliche Sournalistin, Deren Name - das durfte sie sich wohl zugestehen - einen guten -Klang hatte, ihre ganze Arbeit plötzlich in Stich l^eß, um mit einer langweiligen Dahn in ein unbedeutendes Städtchen zu fahren, bloß weil ein junges, dummes Mädchen, einem Mann vor zwanzig Sahren ein törichtes Versprechen gegeben hatte. Mein Gott, waren sie damals verliebt, die achtzehnjährige Anne Rogers und Der Regierungskrisis in Belgien. Um die Genter Universität. — Rücktritt des Kabinetts Zaspar. Nun haben die Belgier doch über Nacht auch ihre Ministerkrise bekommen. Sie lag bei den scharfen Gegensätzen innerhalb der Parteien eigentlich schon lange in der Lust. Aber niemand wollte Den letzten Anstoß dazu geben, weil alle Parteien sich vor den Möglichkeiten scheuten, Die entstehen konnten, wenn erst einmal das labile Gleichgewicht gestört wurde. Schließlich ist es ein Zufall gewesen, der den Stein ins Rollen brachte, eine Kleinigkeit, die an den eigentlichen Problemen der belgischen Politik vorbeigeht. Nach langem Drängen ist es den Flamen gelungen, daß d i e Genter Hniversität ihnen zugesprochen wurde. Die Wallonen haben darauf geantwortet, daß sie mit eigenen Mitteln eine Privatuniversität ebenfalls in Gent errichteten und die Hniver- sitätsprojessoren dazu gewannen, auch in dieser Privatschule Hnterricht zu erteilen. Darüber haben sich die Flamen beschwert, und der Kultusminister hat den Hniversitätsprofessoren eine solche Doppelbelchäfttgung verboten. Das ganze war also ein Erfolg der Flamen. Die Brüsseler Liberalen aber unter Führung des sattsam bekannten Bürgermeisters Max haben ihre liberalen Minister desavouiert und Die Aufhebung dieses Verbotes verlangt. Die liberalen Senatsmitglieder haben sich Üjrem Verlangen angeschlossen und die fünf liberalen Minister haben darin eine so starke Desavouierung gesehen, daß sie dem Ministerpräsidenten ihre Demission einreichten, worauf dann sofort auch die sieben katholischen Minister zurücktraten. Eigentlich wäre also die Krise da. Aber eben weit sie um eine Nebenfrage entstanden ist, besteyt durchaus die Möglichkeit, den Bruch noch einmal zu leimen. Der König scheint sich auch nach Der Richtung bemühen zu wollen, inDcm er Den Katholiken unD Den Liberalen gut zureDet, vielleicht Durch einen Personenwechsel zunächst über Den toten Punkt hinwegzukommen unD die Lebensdauer des Kabinetts Saspar dadurch zu verlängern. Auf die Dauer freilich wird das belgische Problem mit solchen Verlegenheitsmitteln nicht zu lösen fein. Die große Auseinandersetzung zwischen Flamen und Wallonen hat begonnen und kann erst zur Ruhe kommen, wenn die Flamen zu ihrem Recht gekommen sind. Eigentlich ist es doch etwas Hngeheuerliches, daß Die Flamen Die Dolksmehrheit von Belgien bilden, daß aber trotzdem die Wallonen sich bis zum Beginn dieses Sahrhunderts als Herrenvolk betrachteten und Die ganze Verwaltung des Landes romanisch aufgezogen wurde. Erst kurz vor dem Kriege begann der Gegenstoß, der inzwischen immer stärker geworden ist und nicht bcenDet sein wird, bis die Flamen sich Die volle Gleichberechtigung auf allen Gebieten erkämpft haben. Ob er Dann zu EnDe ist, wer will Das heute entscheiden? Vielleicht wird die Schicksalsfrage, ob dieser Staat Belgien in seiner Mischung aus Flamen und Wallonen auf die Dauer überhaupt lebensfähig ist, doch noch einmal gestellt werdem Die Möglichkeit von Neuwahl n Tie Lprachcnsrage der Kent der Krisis. Brüssel, 11. Nov. (TH.) Die BrüsselerAbend- blätter weisen übereinstimmend Darauf hin, daß Die Regierungskrise unter den heutigen Hmständen sehr ernst ist und drücken Die Hoffnung aus. daß sie bald gelöst werden wird. Sn politischen und parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß dieKoalition der Katholiken und Liberalen bestehen bleiben la.m, wenn im Ministerum einige Personalveränd^- rungen vorgenommen werden. Sn flämischen Kreisen ist man eher skeptisch und glaubt, daß die Sprachenfrage eine Einigung der Katholiken und Liberalen verhindern wird. Man rechnet in flämischen Kreisen sogar mit einer Auflösung der Kammer und Neuwahlen. Aber vorerst hat Der König Den Premierminister Saspar ersucht, Die Demission des Kabinetts zurück zunehmen. Saspar bat um einen Tag Bedenkzeit, womit der König sich einverstanden erklärte. sches Beispiel für Den Wahnsinn Der ganzen Grenzziehung — auf polnischem Gebiet liegt! Dieses AufstänDischen-Nachttnanöver wurde natürlich, wie Der Woiwode Graczinski bei seiner Kritik feststellte, mit einem glänzeirden Siege Der Aufständischen über Die angenommenen „Deut- fdjen“ Truppen abgeschlossen. Man ist also auf polnischer Seite für Den Ernstfall wohl vorbereitet. Hnd ein solcher Ernstfall kann an der schutzlosen, oberschlesischen Grenze sehr schnell mal eintreten. Sn Dem Dankappeil, Der uach dieser Hebung an die Aufständischen für ihre guten Leistungen erlaßen wurde, heißt es ja auch mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit: „Wir Aufständischen wollen aus unseren Lorbeeren nicht ausruhen!" Snnerhalb der weiß-roten Grerrzpfähle bedarf es allerdings dieses besonderen Appells an die Aufständischen nicht. Denn hier tun sie, was sie können. An die Nachtmanöver und die theorett- schen Hebungen schloß sich eine neue Kette von Heberfällen auf Deutsche an. Snsbesondere ist es hier wieder das flache Land, das am meisten unter dem blutigen Aufständischen-Regiment zu leiden hat. Deutschsprechende werden auf offener Straße geohrfeigt. Besonders schlimme Gewalttaten ereigneten sich in Siemianowitz, in Loslau und Nikolai und Sohrau. Hier wurden nach einer Stadtverordnetenver ammlung vier deutsche Stadtverordnete in unmittelbarer Nähe einer Polizeiwache mit Knüppeln z u Boden geschlagen. Ein deutscher Zeitungsverleger wurde dabei schwer verletzt. Die Polizei sah hier, wie sie das auch sonst tut, dem Treiben der Aus- ständischen ruhig zu. Aber auch eine weitere Verfolgung der Täter findet nicht statt, denn selbst, wenn von deutscher Seite genaue Angaben über die Täter gemacht werden, kann sie die polnische Polizei angeblich niemals ermitteln... Sn Den Wahlver ammhingen Der Regierungspartei, an Denen stets hohe Staatsbeamte tell- nehrnen, wird ja auch ohne Widerspruch dazu aufgefordert, Die Deutschen zu hauen und zu schlagen, Denn Dafür gäbe es keine Bestrafung, dies sei vielmehr echt vaterländisch gehandelt. Weiter verlautet, daß es von Den Behörden für besonders „tüchtige" Aufständische Prügel- Prämien gibt. Aus deutscher Seite rechnete man schon vorher mit diesem neuen Terror. Eine Deutsche Delegatton sprach daher bereits zu Beginn Der „anti- Deutschen" Woche bei Dem WoiwoDen vor und erbat besondere Schutzmaßnahmen für die deutsche Minderheit, die der Woiwode aber mit allgemeinen Beruhigungen a l s unnötig ablehnte. Als Dann Die Heberfälle begannen, begaben sich nochmals Deutsche Abgeordnete zum Woiwoden. Dieser weigerte sich aber, die Deutsche Abordnung zu empfangen und verwies sie auf den Weg Der schriftlichen Beschwerde. Zu gleicher Zeit, Da Die Deutschen im Vorzimmer abgewiesen wurden, toeLLe beim Woiwoden in seinem Amtszimmer eine Aufstän - dischen-Vertretung, anscheinend um die weiteren Kampfmaßnahmen gegen das Deutschtum zu besprechen. Von der Derttetung Der deutschen Minderheit wurde deshalb sofort eine telegraphische Beschwerde an Den polnischen Snnen- minister gerichtet. Aus diesem Telegramm ist nur der eine Sah festzuhalten: „Die deutsche Be- Dölferung ist schuh- und rechtlos de..l Terror ausgeliefert". Diese kurze Feststellung charakterisiert überaus treffend Die ganze gegenwärtige Lage in Ostoberschlesien. Das Telegramm ist, wie nicht anders zu erwarten stand, unbeantwortet geblieben. Snzwischen geht sechs Sabre ältere Frank Harrison. Aber es war I eine schöne Zeit und wenn Anne ganz ehrlich sein wellte, so geschah es zuweilen, daß sie das kleine Mädchen von damals beneidete. Eines Tages tarn dann der Abschied. Vater, der Arzt im Städtchen war, starb, und Anne ging in Die Welt, um sich ihr Brot zu verdienen. Frank Harrison, der mit seiner Mutter zusammen ein kleines Gut bewirtschaftete, konnte sie nicht zurückhalten, er war ebenso arm wie sie. Hnd an Dem Tag vor Annes Abreise, als sie Hand in Hand noch einmal auf ihrem Lieblingsplähchen sahen — einem Felsen in den Hügeln, von dem aus man das Städtchen vor sich hingebreitet sehen konnte —, gelobten sie einander in Heberschwang, wenn sie das Leben auch ganz voneinander entfernen sollte, sich nach zwanzig Sahren hier zu derselben Stunde noch einmal zu treffen. Anne wollte Wort halten, so lächerlich es eigentlich war. Sie wußte nicht einmal, ob Frank noch lebte. Zuerst hatte man sich geschrieben, aber mit Den Sahren waren die Nachrichten immer spärlicher geworden und hatten endlich aufgehört. Aber Der heutige Gang zu Den Felsen sollte doch getan werden, wie eine Wallfahrt zu Den Stätten Der SugcnD — ganz heimlich. Damit niemand darüber lachen konnte — und Dann Schluß mit allen Sentimentalitäten. Sie paßten nicht zum Stil Anne Rogers. Frank Harrison war heute nervös, ein Zustand, Der sich für einen LanDwirt nicht ziemt. Des Morgens hatte er schon einen Streit mit seiner Frau Dom Zaun gebrochen, sie schien ihm heute zu blond unD sanftmütig und ihre sorgende Aufmerksamkeit ging ihm auf Die Nerven. Dann gab s Aerger mit Den Kindern und schließlich hatte er einen Knecht entlassen. Schuld an gllem war nur das Datum. Seit gestern kämpfte er mit sich, ob er wirklich so albern fein sollte, $u jenem Platz hinaufzusteigen, wo er vor zwanzig Sahren von einem jungen Mädchen Abschied genommen hatte. Sc weiter die Stunden oorrüdten, desto unruhiger wurde er, bis er endlich doch Den Hut nahm unD sich auf Den Weg machte. Was wohl aus seiner kleinen Anne geworden war? Hnfirm, zu jenem Felsen zu gehen — aber cs tat doch gut, nach Sahren wieder einmal zu träumen. Wie jung und unglaublich glücklich er damals gewesen war. Ob auch sie kommen würde? Frank Harrison lächelte: der Gedanke war zu absurd. Bei der letzten Megbiegung zögerte er einen Augenblick, gleich würde er Den Platz feben unD dieser würde einsam sein wie immer. Er schritt I weiter und da — sein Herzschlag stockte — auf I Dem Felsen sah eine grauengeftält, das Gesicht Dem Tal zugewendet. Sie war's, Anne, so rank und schlank wie er sie in Der Erinnevu.rg hatte, nur noch viel hübscher. Anne, von Schritten aufgestört, wandte den Kopf und sprang auf. Vor ihr stand ein Mann. War das Frank Harrison? Nein, nicht die korpulente Gestalt ansehen, Den unmöglichen Anzug, die schreckliche Krawatte, die roten Hände — nur die Stirn, das wellige Haar und die fxauen Augen waren noch Die gleichen von Damals. Hnd als Anne in diese Augen sah, sand sie auch Worte: „Frank Harrison, bist du doch gekommen?" Er konnte nicht antworten, er drückte ihr nur stumm die Hand. Dann saßen sie wieder nebeneinander auf dem Felsen und blickten auf das Städtchen — wie vor zwanzig Sahren. Nachdem die erste Verlegenheit überwunden war, begannen sie zu sprechen. Frank erzählte von seiner Frau, feinen Kindern, seinem Gut und wie es ihm nach und nach gelungen sei, seinen Besitz zu mehren, so daß er heute ein wohlhabender Mann genannt werden könne... merkwürdig, je länger er sprach, desto fremder wurde er Anne Rogers. Cs schmerzte nicht einmal, als sie erfuhr, daß er geheiratet hatte. Hnbewuht trat ein hochmütiger Zug in ihr Gesicht. War es wirklich sie selbst gewesen, die viele Stunden ihrer kostbaren Zeit geopfert hatte, um die belanglosen Schicksale eines belanglosen Menschen zu erfahren? Während Frank Harrison plauderte und seiner SugenDfreunbin voll ins Gesicht sah, bemerkte auch er allerlei. Sie war gar nicht mehr so jung, wie man es auf den ersten Blick glaubte. Das unbarmherzige Sonnenlicht zeigte die seine Puderschicht auf ihren Wangen, auch die Brauen waren nnch- gezogen und das Rot Der Lippen war ein wenig zu intensiv, um echt zu fein; er moch.e Hergerichte te Frauen nicht leiden. Auch hatte sie ein Art, Die Augenbrauen spöttisch zu ziehen, die ihm nicht besagte. Heberhaupt schien Anne sehr selbstherrlich geworden zu sein, das war nicht sein Fall, da war ihm der sanfte Typ seiner Frau schon lieber, man fühlte sich behaglicher dabei. So kam eS, daß das Gespräch versickerte und sie stumm nebeneinander saßen. Anne machte Der unerträglichen Stimmung ein Ende. Sie stand auf und schickte sich zum Gehen an. Frank Harrison bot ihr seine Begleitung an. Sie lehnte ab: „Nein, Frank, ich finde meinen Weg allein. Es war töricht von uns, Vergangenheit lebendig machen zu wollen. Lebe wohl. Sch glaube, wir werden uns heute in zwanzig Sahren nicht noch einmal hier treffen, obwohl wir uns Dann vielleicht toieDer näher wären." Festen raschen Schrtttes ging Anne. Auch Frank Harrison kehrte in Gedanken heim. Bevor er sein Haus betrat, ging er in den ©arten und schnitt drei tiefdunlle Rosen von einem Stocke. Dann suchte er seine Frau und gab ihr die Rosen und küßte ihr die Hand. Sie war überrascht — das war während ihrer fünfzehnjährigen Ehe noch nicht vorgekommen. Was ein Wann doch manchmal für wunderliche Launen hatte. An diesem Abend dach en zwei Menschen genau das'elbe, der Mann, der im Kreise seiner Familie seine Pfeife rauchte, und die Frau, die im Schnellzug nun toieoer der großen Stadt zuraste: Wie gütig ist das Schicksal, daß es unseren Su- genbträumen keine Erfüllung schenkt. Oer vergnügte Tonfilm. Ein amerikanischer Tonfilm, ein schweres, ttauriges Drama, wurde neu ich in London aufgeführt, aber er hatte nicht den Erso g, den man sich wünschte. Der Erfolg war groß, aber es wurde ein Lachersolg, und das ist nicht das Richtige für ein Trauerspiel. Die Synchronisierung paßte nämlich nicht genau, und so kam es, daß man Pserdegctrappel horte, wenn jemand ein Wasserglas auf den Tisch setzte, oder daß die Hühner gackerten, wenn einer Die Tür zuschlug. Als schließlich ein mit Orden besäter Oberst feinem Pferd liebkosend den Hals streichelte und sagte „Sei ruh'g, Lieb'ing! Sch habe die Briefe alle verbrannt!", Da gab s kttn Halten mehr. Die Leute tobten vor Dergnügm; aber als man den Film absehen wollte. Droteftiorten sie, denn einen solchen Genuß wollte sich niemand entgehen lassen, und einige Der Zuschauer behaupteten später, sie hätten sich für lange Zeit mal w'^er gesund gelacht. Hochschulnackrichien. — Zur Wiederbesehung des durch das Ableben von Ernst Troeltsch an der Hniversität Berlin erledigten Lehrstuhles der Philosophie ist ein Rus an Professor Dr. Nicolai Hartmann in Köln ergangen. Pros. Hartmann, der durch feine zahlreichen Publikationen auf Dem Gebiete Der Erkenntnistheorie, Ethik unD Ontologie bdanntgetoorDene Philosoph ist 1582 in Riga geboren, studierte in Petersburg und Marburg unter H. Cohen und P. Natorp und habili- tierte sich 1909 in Warburg. 1917 erhielt Hartmann das Prädikat Professor, drei Sahre später die Ernennung zum persönlichen Ordinarius in der Marburger philosophischen Fakultät als Nachfolger von Max Wundt und 1922 zum etatmäßigen Ordinarius daselbst als Nachfolger von Paul Natorp. 1925 erfolgte seine Berufung zum Ordinarius der Philosophie in Köln. Oberheffen. Vad-Aauheimer Verkehrsfragen. 4 Bad-Nauheirn, 12. Nov. Die unter dem Dorsitz von Diplomingenieur Weniger abgehaltene jüngste Sitzung des Gesamtausschusses des Derkehrsvereins befaßte sich mit einer Reihe wichtiger Derkehrsfragen. Zunächst wurde den vom Einzelhandel und dem Verkehrsverein am silbernen und goldenen Sonntag geplanten weihnachlsveranstaltungen zugestimmt. Es soll, wie im Vorjahre, an beiden Sonntagen ein Lichtfest durchgeführt werden, unter Mitwirkung von Stadt und Bad- und Kurverwaltung, die in ihrem Bereich die wirkungsvolle Gestaltung der Lichtreklame übernehmen. Der 75. Geburtstag des Sprudels 12 gibt Veranlassung, dieses für das Bad wichtigen Gedenktages durch eine symbolische Darstellung im Sprudelhof gerecht zu werden. Der Einzelhandel führt einen Schaufensterwettbewerb und einen Losevertrieb in Verbindung mit dem Warenverkauf durch. Der jährlich in einer Auflage von 20 000 Stück zur Ausgabe kommende Fremdenführer soll 1931 wesentlich verbessert werden. Der uck- sangreiche Anzeigenteil soll in der seitherigen Form in Wegfall kommen und durch einen kurzen „Wegweiser durch die Hotels und Geschäfte" erseht werden. Den Bemühungen des Derkehrsvereins ist es gelungen, für Anfang Mai die Tagung des Genossenfchaftsverbandes heffeN'Mittelrhein mit etwa 600 Teilnehmern nach hier zu bringen, Das bis dahin fertiggestellte K e r ck Hoff- Institut wird seinen großen Saal für den Kongreß zur Verfügung stellen, falls andere Unterbringung nicht möglich sein sollte. Man hofft aber, bis dahin beim Ministerium Entgegenkommen insofern zu finden, daß die Räume des Kurhauses, die bisher nur von Presse- und Aerztetagungen benutzt werden konnten, auch anderen Verbänden für Kongresse zugänglich gemacht werden können, soweit dadurch die Interessen der Kurgäste nicht geschädigt werden. Zugestimmt wurde einer Eingabe an die hessische Regierung und sämtliche Landtagsabgeordnete, worin auf die Schädigungen hingewiesen wird, die bei Abführung zu hoher Summen aus den Erträgnissen des Bades an die Staatskasse dem Dad und seinen Einrichtungen erwachsen tonnen. Die Entnahme von 300 000 Mk. aus dem Erneuerungsstock des Bades, die 1930 noch zu den an sich schon der Staatskasse zufließenden 350 000 Mk. gekommen seien, habe die Ausführung wichtiger, im Interesse des Bades liegender Erneuerungen und Derbesserungen unmöglich gemacht. Wohl solle auch in Zukunst aus den Erträgnissen des Bades der Staatskasse eine gewisse Summe zufliehen, die aber auf keinen Fall über den Betrag der Dorkriegszeit in Höh« von 200 000 Mk. hinausgehen dürfe. Zu den wichtigen Aufgaben, deren Lösung unterblieben sei, gehöre der Jleubau der Johannisberg-Restauration, wofür Pläne und Entwürfe schon längere Zeit vvrliegen. In einer Eingabe an die Kurverwaltung und das Finanzministerium, die ebenfalls -Annahme fand, wird um Inangriffnahme des im Interesse des Bades dringend notwendigen Baus möglichst noch in diesem Winter gebeten. Die Eingabe weist auf die neu gegründete „Deutsche Gesellschaft für östentliche Arbeiten" hin, deren Mithilfe möglichst in Anspruch genommen werden solle. Landkreis (tficßcn. * Klein-Linden, 13. Rov. Zu dem Bericht über die jüngste Gemeinderatssihung, in der über die Wasserbezugsordnung und das Kanal st atut beschlossen wurde, ist zwecks einwandfreier Klarstellung ergänzend zu bemerken, daß von der Gemeinde ein Kanal bis an die Grundstücksgrenze und der Wasserleitung s a n s ch l u ß bis zu einem Meter in den Keller des Grundstücks hineingeführt wird. U Großen-Linden, 14.Rov. Bei dem Stenographenwettbewerb am 9. Rov. , sind außer den gemeldeten noch folgende Teilnehmer mit Auszeichnungen bedacht worden: 160 Silben: 1. Preis und Ehrenpreis: Ottilie Schm u lb ach, Gießen (Reichsbahn): 1. Preis: Karl Spieß, Großen-Linden. t Alten-Duseck, 11. Rov. Am vergangenen Sonntag veranstaltete die Sängervereinigung Alten-Duseck ein Konzert. Die sehr zahlreichen Zuhörer waren erbaut von dem gebotenen Kunstgenuß. Aufmerksam folgten die Sänger ihrem verdienstvollen Dirigenten K. R i c o l a i, so daß die Kunstch^re, wie Dollslieder schön zu Gehör kamen. Als Höhepunkt dec Dor- tragssvlge brachte die Sängervereinigung einen Straußwalzer mit Orchesterbegleitung: „Morgenblätter" zum Dortrag. Sehr gut einstudiert, stellte er das Können des Vereins in volles Licht. Dirigent, Chor und Orchester bildeten dabei ein Ganzes. Reicher Beifall belohnte die Mitwirkenden. Den Abschluß des Programms bildete ein humoristisches Volkslied. Umrahmt wurden dieSesangs- Vorträge durch Darbietungen eines Streich- orchesters, das, ebenfcäls unter Leitung von Herrn R i c o l a i stehend, zum Gelingen des Abends erheblich beitrug. Anschließend folgte ein Theaterstück, das von der Gießener Theatervereinigung 1926 aufgeführt wurde. Don den Darstellern aufs Beste dargestellt, erfreute es die Besucher in hohem Maße. Mit Stolz kann die Sängervereinigung auf dieses Konzert zurückblicken. d Burkhardsfelden, 13. Rov. Linser Gemeinderat beschloß in seiner letzten Sitzung die Erhebung der D i e r st e u e r. Die Erhebung der Kopfsteuer wurde abgelehnt. — Die Sammlung zugunsten der Gießener Studentenhilfe ergab in unserer kleinen Gemeinde den schönen Ertrag von über 14 Zentner Kartoffeln und auch etwa 1 Zentner Kraut. Ebenso ergab eine Raturaliensammlung für das Evangelische Schwesternhaus in Gießen, veranstaltet von unseren Konfirmanden, einen erfreulichen Ertrag an Kartoffeln unb Kraut. Gegenüber sonstigen Jahren fehlt diesmal das Obst vollständig, da die Ernte hierin, wie auch wohl überall, sehr schlecht war. Eine Haussammlung der Schulkinder für die deutschen Schulen im Ausland brachte die Summe von 29,65 Wk.. welche der Geschäftsstelle des DDA. in Darmstadt überwiesen wurde. * Staufenberg, 14. Rov. Im Kranze der Burgen der näheren Umgebung von Gießen bildet die Burg Staufenberg wegen des von dort weithin reichenden Blickes in das Lahn- tat, das Salzbödetal und auf die umliegenden Berge einen besonderen Anziehungspunkt für Ausflügler und Wanderfreunde. Um den Besuchern der Burg den Aufenthalt nach jeder Richtung hin so angenehm wie möglich zu machen, hat der Durgwirt Ludwig Bierau einen mit neuzeitlichen Einrichtungen versehenen S a a l b a u an das Gasthausgebäude anbauen lassen, der am nächsten Sonntag eingeweiht werden soll. Bei der Errichtung dieses Saales ist darauf Bedacht genommen worden, daß er sich an den Charakter der übrigen Burggebäude gut anschlieht, ferner ist für den Einbau aller neuzeitlichen hygienischen Einrichtungen Sorge getragen. Die Burg Staufenberg wird durch diese zeitgemäße Ver- vollständigung auf alle Ausflügler sicherlich erhöhte Anziehungskraft ausüben und den Besuchern nach jeder Richtung hin einen angenehmen Aufenthalt bieten. (Siehe heutige Anzeige.) * Bellersheim, 13. Rov. Der Pächter unserer Gemeindejagd, K. Schnetz in Frankfurt am Main, wurde auf der Geweihausstellung in Frankfurt am Main für zwei in diesem Jahve erlegte Rehböcke mit der goldenen und der silbernen Medaille ausgezeichnet. O Holzheim, 12. Rov. Zur Zeit ist man hier damit beschäftigt, durch Erwerbslose den „G a l g e n b e r g", der seither als Schuttabladeplatz diente, ebenen und mit Bäumchen bepflanzen zu taffen. Vorgesehen ist die Anpflanzung von 30 Zw?tschen- und etwa 100 Beginn ;u M y Mlfflenw ithjJhwi ikh »» k cklwnq! Sa Ääö Zigeuner, die von hier aus zur Richtgeführt wurden. 3m Turm ist außerdem einige stätte herrschen. Das große runde verlieh im Turm barg des 19. Jahrhunderts die letzten Gefangenen, ■ noch eine Ka ttundruckerei und eine Rüft- Jammer untergebracht, ganz oben aber finden wir eine freundliche, behäbige Bauernstube vor, von der aus der Blick über die vielgestaltigen Dächer der Gießener Altstadt schweift. Zusammengefaht: Es ist kaum zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die Gießener stolz sein dürfen auf das Oberhessifche Museum und die damit verbundenen Gailschen Stiftungen. Das Museum wird zudem durch Reuankäufe, durch Stiftungen oder durch die Ausgrabungen, die von Zeit zu Zeit durchgeführt werden, ständig ergänzt und vervollkommnet. In übersichtlicher Form ist alles von sachkundiger und verständnisvoller Hand geordnet, gesichtet, auf Wert und Unwert geprüft und eingereiht worden, so daß der Besucher nicht nur Gelegenheit hat, einen rasch orientierenden Blick in die Vergangenheit und in ferne Jahrtausende zu tun, sondern auch der Wissenschaftler hier für seine Studien zuverlässiges Material vorfindet, das ihm große Dienste zu leisten vermag. Menschheitsgeschichte hinter Glas Sieben Jahrtausende im Spiegel -es Oberhessifchen Museums. Kirschstämmen. Man trägt sich weiter mit dem Gedanken, am Galgenberg eine Hühners arm anzulegen. — Durch die Konfirmanden wurden für den Hessischen Diakonieverein annähernd 70 Mk. gesammelt. Kreis Friedberg. 0 Kirch-Göns, 13. Nov. Am Sonntagabend veranstaltete die Evangelische Jugend- gruppe Lang-Göns unter Leitung des Pfarrers Wahl und unter Mitwirkung des Posaunenchors Lang-Göns im Saale des Gastwirts Ludwig Müller eine Reformationsfeier. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Pfarrer Wahl hielt einen lehrreichen Lichtbildervortrag und führte die Versammelten in Wort und Bild in die Zeit der Reformation. Im Anschluß daran wurde ein Reformationsfestspiel, das großen Beifall fand, aufgeführt. In seiner Schlußansprache wies Pfarrer Wahl aus den Wert des Bekenntnisses hin und forderte auf, in ehrlichem Bekennen zum evangelischen Glauben den Feinden des Christentums zu trotzen. ~ Pohl-Göns, 13. Rov. In einer gut besuchten Versammlung des Kriegervereins sprach der Heimatdichter Wilhelm Reuter (Dornholzhausen) über das Thema: „Schlachtfelder in Äordf rankreich". In zweistündigem Vortrag zeichnete der Redner seinen Zuhörern ein Bild von der heutigen Verfassung der Schlachtfelder im Westen, die er vom Feldzug her kannte und bereits zweimal in der Nachkriegszeit besucht hatte. Reicher Beifall wurde dem Dortrageirden zuteil. KrciS Schotten. T Schotten, 12. Nov. Ende November halt die Hessische Dereinigung für Dolks- In unserer Zeit, da der heutige Tag den gestrigen nur allzu leicht vergessen macht, greifen die, Gedanken der Menschen in der Regel nicht weit zurück. Im Kreis der Erinnerung lebt oft nur das Eigenerlebte und davon wieder nur das bedeutende Erlebnis, das außergewöhnlich Erscheinende. Erst dann, wenn der Alltag in seiner Triste im Menschen einmal Protest auslöst, ist für viele der Zeitpunkt gekommen, den Schritt einmal zu Stätten zu lenken, die innere Erbauung zu vermitteln vermögen. Mehr unbewußt, als bewußt wird aus diesem Grunde der eine oder and^e den Weg in das Oberhessische Muse um wohl gesunden haben. Der Besuch im Oberhessischen Museum und den Gailschen Stiftungen hat sich in der letzten Zeit etwas gehoben, erfreulicherweise: man mag das als ein Zeichen von Erlebniswunsch oder einfacher, vielleicht auch der Witzbegierde deuten. Erfreulich aber ist die Erscheinung in jedem Falle. Das Museum im Alten Schloß vermag tatsächlich auch vieles zu vermitteln, Erlebnis sowohl, wie wissen und vertiesung: es ist schlechterdings einmalig. Für uns aber besonders wertvoll deshalb, weil es Dinge birgt, die unserer engeren Heimat entstammen und damit den Sammlungen das unbestreitbare Recht geben, den Namen „Oberhessisches Museum" zu führen. Allerdings nur in Verbindung mit den Gailschen Stiftungen. Eine schier unermeßliche Fülle der verschiedensten Dinge tritt dem Besucher dort entgegen, kaum vermag das Alte Schloß alles zu fassen. Manches Wertvolle ruht aus Platzmangel in Magazinen. Don besonderem Werte und deshalb in erster Linie zu nennen sind die prähistorischen Sammlungen des Museums, die von außerordentlicher Reichhaltigkeit und Dollständigkeit sind. Aus der P a l e o l i t i k (ältere Steinzeit bis 10 000 v. Ehr.) finden wir in dem Museum viele Steinwerkzeuge und allerlei Lieberreste aus Grabstätten vor, die Aufschluß geben über den Stand der Kultur der Menschen in grauer Dorzeit. Aus der Ne olitik (jüngere Steinzeit etwa bis 2000 v. Ehr.) verfügt das Museum neben den wohl allgemein bekannten Steinwerkzeugen über Funde aus Erd- und Feuerbestattungen, die zuverlässige Schlüsse aüf die Existenzformen der Menschen jener Epoche und vielleicht auch über die religiöse Vorstellungswelt zu- lassen. Schöne Gesäße, mit mannigfachen Ornamenten verziert, fesseln die Aufmerksamkeit. Eine Steinbohr-„Maschine" verdient alle Beachtung. Verschiedene andere Dinge aus diesem Abschnitt deuten auf die Uranfänge des Handwerks, des Ackerbaues und der Fischerei hin. Aus unserer engsten Heimat, vom Trieb, stammen zahlreiche Funde der Bronzezeit (2000 bis 1000 v. Ehr.). Hier fallen besonders Schmuck- gegenstände, prächtig geformte Radnadeln, spiralförmiger Armschmuck u. a. m. auf, die alle, von der Patina der Jahrtausende überhaucht, in mattem Grün schimmern. Zugleich aber bewundert man das starke ornamentale Empfinden, das die Handwerker jener Zeit in ihren Arbeiten bewiesen haben. Halsketten aus Bernstein, in vielfältiger Form gestaltet, sind Kabinettstücke ihrer Art. Diese äußerst wertvollen Funde wurden auf dem Trieb und auf den Ausgrabungsstellen bei Nie- der-Mockstadt gemacht. Aus dem älteren Abschnitt der Eisenzeit (sog. Hallstadtzeit 1000 bis 500 v. Ehr.) finbejx wir die ersten eisernen Gerätschaften. Besonders die Funde aus dem Königsgrab von Muschenheim -sind ein.Spiegel dieser Epoche. Namhafte Funde stammen von Mainzlar, Nieder-Mockstadt, aus der Lindener Mark und von Langsdorf. Aus der La-Töne-Zeit (500 v. Ehr. bis in die römische Kaiserzeit) sehen und bewundern wir abermals zahlreiche Dinge als Zeugen vergangener Tage. Jnkeressank ist dabei die Tatsache, daß man auf dem Trieb jeweils Gegenstände aus all den genannten Zeitabschnitten sand, ein Zeichen dafür, daß die hiesige Gegend schon vor 5000 Jahren und auch in der Zwischenzeit bis auf den heutigen Tag stets besiedelt war. Als Träger der La-Tene-Zeit treten nachweisbar bereits die Kelten und die Germanen auf. Einen nicht weniger interessanten Abschnitt in der Sammlung bilden die Gegenstände aus der Zeit der R ö m e r, die in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in germanischen Landen die Kultur maßgeblich beeinflußten. Aus dieser Epoche finden wir eine Gläsersammlung vor, in der wertvolle Stücke vorhanden sind. Einige plastische Werke geben Zeugnis von der hohen Kultur der Eindringlinge. Das Museum birgt aus dieser Zeit außerdem und u. a. auch einige Pfeiler der von Oberstudiendirektor Dr. Faber, Friedberg („Volkskundliche Sammelarbeit"), Oberstudienrat Keller, Friedberg („Volkskunst"), Lehrer Ostwald, Bad-Nauheim (.Vottsbotanic"), Professor Dr Maurer, Gichrn (,Der Vo kskundeatlas"), Professor Dr. S p i l g e r, Darmstadt (.Die Bearbeitung des volksbotanischen Fragebogens"), und Lehrer W ü r z, Eiche soorf (.Die Volkskunde als Helferin in der Heimatschule"). Die Lehrerschaft des Kreises wird voraussichtlich durch das Kreisschulamt zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen werden. * Feldkrücken, 12. Nov. Dieser Tage verliest Lehrer Adolf Schön unfern Ort, um feine neue Lehrerstelfe in Rülfenrod-Otterbach anzutreten. Die Gemeinde b. dauert den Wegzug dieses Schulmannes besonders deshalb, weil er den Kindern ein tüchtiger Führer war, anderseits aber, weil der Scheidende dazu beig:tragen hat, in der Gemeinde ausgleichend zu wirken. Der Männergesangverein ver.i:rt in ihm den Förderer, dem der Verein seine Entwicklung und rasche Blüte zu verdanken hat. Kreis Alsfeld.^ — ---er. Homberg, 13. Nov. Die Stadtverwaltung läßt gegenwärtig, hauptsächlich um zur Linderung der Not der Erwerbslosen beizutragen, durch die neuangelegte Gartenstraste die Wasserleitung legen. Diese Arbeiten können durchgeführt Werder, da der Fluchtlinienplan für ldiesen Straßenzug bereits vor längerer Zeit festgelegt wurde. Die wenigen Anwohner haben bisher durch Seitenanschlüsse ihren Wasserbedarf gedeckt. Wegen Werkspionage verhaftet. WEN. Worms, 12. Nov. Vor einigen Tagen wurde hier ein Obermeister aus Bürstadt, der früher im Werk Liebenau beschäftigt war, wegen Werkspionage verhaftet. Inzwischen sind auch der frühere Direktor Charles Eifeler vom Werk Liebenau und sein Sohn, beide in die gleiche Affäre verwickelt, v e r h a f - t e t worden, und zwar Eifeler jun. beim Lleber- nachten in Mannheim, Eifeler sen. beim Lieberschreiten der Grenze bei Kehl. Schneiden« — Kinderpflegerin. Verufskundlicher Vortragsabend. Man berichtet uns: Der von der Berufsberatung des Arbeitsamts veranstaltete zweite berufskundliche Vortragsabend galt der weiblichen Jugend. Die Berufsberaterin, Frl. D. Kolb, wies in ihrem einführenden Vortrag über die Berufswahl der Mädchen darauf hin, daß die Frage, ob auch das Mädchen einen Beruf ergreifen soll, praktisch längst entschieden sei. Nicht weniger als 75 Proz. der zur Entlassung kommenden Mädchen äußern einen positiven Berufswunsch. Vielmehr als es- bisher geschehen fei, müßten die Eltern ihre Töchter einen Beruf lernen lassen, der ihnen materielle Sicherung für das ganze Leben gewährleiste, zumal bei der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage die Möglichkeit einer Verheiratung für viele Mädchen nicht bestehe und außerdem manche Frau auch in der Ehe berufstätig sein müsse. Die Berufsberatung, die in erster Linie die Neigung des jungen Menschen berücksichtige, stehe allen Eltern und Kindern bei der Berufswahl mit Rat und Tat zur Seite. Die beiden folgenden berufskundlichen Vorträge behandelten die Berufe der Schneiderin und der Kinderpflegerin. Frau Schneidermeisterin A. Vogt schilderte in klaren Ausführungen das Berufsleben der Schneiderin und die Anforderungen, die in geistiger und körperlicher Beziehung an die Schneiderin gestellt werden müssen. Vor allem betonte sie die Notwendigkeit einer regelrechten dreijährigen Lehrzeit bei einer anerkannten Schneidermeisterin und warnte vor dem Besuch von Kursen, die dem jungen Mädchen nicht die Möglichkeit geben, Gesellen- und Meisterprüfung ablegen zu können. Das Schneiderinnenhandwerk, das neben einer guten Allgemeinbildung einen gewissen künstlerischen Sinn fordere, biete tüchtigen Schneiderinnen gute Aufstiegsmöglichkeiten. An Hand einiger instruktiver Lichtbilder ergänzte die Rednerin mit Erläuterungen der hauptsächlichen Tätigkeiten der Schneiderin ihre aufschlußreichen Ausführungen. Fräulein Burgheim, die Leiterin des hiesigen Fröbelseminacs, sprach in sehr anschaulicher Weise über den Beruf und den Ausbildungsgang der Kinderpflegerin. Unter Zuhilfenahme von guten Lichtbildern vermittelte sie ein eindrucksvolles Bild dieses Berufes, für den sie vor allem Liebe zu Kindern und ein großes Maß von Geduld als Voraussetzung forderte. In zweijähriger Ausbildungszeit wird das junge Mä.chen am hiesigen Fröbelseminar praktisch und theoretisch für Die mannigfachen Aufgaben vorbereitet, die dieser vielseitige Beruf stellt. Wenn auch augenblicklich infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise die Anstellungsmöglichkeiten etwas geringer geworden seien, so habe das Fröbelseminar bisher fast allen seinen Schülerinnen eine Stellung verschaffen können. Der tüchtigen Kinderpflegerin stehe außerdem der Aufstieg zur Kindergärtnerin und Iugendleiterin offen. Im Namen dec zahlreich erschienenen Zuhörer dankte Fräulein Kolb den Vortragenden. Ärieftasten Oer Redaktion. Ad. 6. in G. Zu 1—4: Der Dichter Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren, besuchte das Gymnasium seiner Baterstadt, wurde in München Volontär bei einer Feuerversicherungsgesellschast, hörte Vorlesungen über Literatur, lebte ein Jahr in Italien, war mehrere Jahre hindurch Redakteur am „Simplicissimus" und lebt heute als freier Schriftsteller in München. — Von den Werken nennen wir: „Buddenbrooks", „Tristan", .Königliche Hoheit", „Der Tod in Venedig", „Tonio Kröger", „Der Zauberberg", „Unordnung und frühes Leid". — Ausführliche Würdigung in fast allen Literaturgeschichten; wir nennen: Naumann, „Die deutsche Dichtung der Gegenwart", und Wiegler, „Die Geschichte der deutschen Literatur" (Band II). Außerdem verweisen wir auf Nr. 45 der „Familienblätter" vom 6. Juni 1925. — Die Bewohner der innerhalb des städtischen Bebauungsplanes liegenden Grundstücke sind gezwungen, bei Schlachtungen den Städtischen Schlachthof zu benutzen, da für alle diese Bezirke unbedingter Schlachthofzwang besteht. Auch der sog. Stadtteil „Plattenhausen" unterliegt dieser Vorschrift. den Romern gebauten ehemaligen Mainzer Rheinbrücke. Die Funde stammen zum großen Teil von den Stätten des ehemaligen „Limes", der bekanntlich bei Grüningen seinen nördlichsten Punkt erreichte. Aus der fränkischenEpoche (400 bis 750 n. Ehr.), verfügt das Museum über Funde einzigartiger Natur. In erster Linie sind die bei Leihgestern vorgefundenen Frauensärge zu nennen, die keinem anderen deutschen Museum zu eigen sind. Diese dreifach unterteilten Särge (sie sind schon in ihrer Form einzigartig) bergen eine Menge Gegenstände von hohem historischen Wert. Ein fränkischer Krieger, in Lleberlebensgröße nachgebildet, dessen Tracht wir als stark von römischen Formen beeinflußt empfinden, zieht die Aufmerksam eit eben all3 auf sich. Der weitere Gang der kulturellen, völkischen und spezifisch deutschen Entwickelung findet seinen Niederschlag in den übrigen Räumen des Museums. Im Treppenhaus begegnen wir vielen Dingen aus dem Mittelalter, Gegenwänden. die zum großen Teil aus Hessen stammen und als Erzeugnisse frühen bodenständigen Handwerks zu werten sind. Handwerkerstuben, zum Teil vollständig eingerichtet, alte Truhen, Ofenplatten in schöner ornamentaler Bearbeitung, ein Gederner und ein Hirzenhainer Ofen, ein alter Webstuhl und noch vieles andere ist hier anzutveffen. Eine vollständige Sammlung der Werke des Kupferstechers Johann Wille (geboren in der Obermühle im Diebertale, lange Zeit am Hofe der französischen Könige des 18.3ahr- hunderis tätig gewesen und mit großen Ehren überhäuft) offenbart die virtuose Kunst und die zeichnerische Gestaltungskraft des großen Künstlers. Seine Büste hat im Pantheon zu Paris Aufstellung gesunden. In einem anderen Zimmer sehen wir die Bildnisse sämtlicher Gießener Ratsschöffen, der Professoren der Gießener Llniversität und in unmittelbarer Nähe einen komplett eingerichteten Karzer. Erzeugnisse von Handwerkern mit besonderer künstlerischer Prägung — eine hochinteressante Lampensammlung, di« lückenlos die Entwicklung des Leuchtgeräts zeigt, eine umfangreiche Fayencen- und Porzellansammlung, eine Pfeifensammlung mit großartig geschnitzten Stücken — darf ebenfalls Interesse für sich in Anspruch nehmen. Hessische Trachten, ein behäbiges Himmelbett, Gebrauchsgegenstände aus Gießener Bürgerhäusern gefallen besonders durch ihre sichere Behandlung in Farbe und Form. Im Hofe des Schlosses, der eine Perle unter deutschen Höfen darstellt, steht eine alte buntbemalte Feuerspritze mit einer originellen Aufschrift des Verfertigers. Im Erdgeschoß des Museums befindet sich ein kapellenartiger Raum, in dem eine .Reihe sakraler Gegenstände untergebracht worden sind. Der Besucher findet eine sehr feine Pieta, einen schönen, reichverzierten Paramentenschrank, Monstranzen und Leuchter, alte Oelgemälbe und manches andere, Dinge, die wohl geeignet sind, ferne Jahrhunderte im Geiste heraufzubeschwören. In finsteres Mittel- alter versetzt uns aber der alte Heidenturm, dessen Grundmauern einige Verließe bergen, die in ihrer schauerlichen Primitivität dem Besucher ein gelindes Gruseln über den Rücken jagen, sofern nicht Gefühle der Neugier oder einer romantischen Betrachtung den Beschauer be- 1 künde ihre Hauptversammlung in unserem Städtchen ab. Als Redner sind vorgesehen Oer Dreizehnte. Roman von Anny von panhuys. Copyright 1929 by Verlag lPechthold. Braunschweig 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten Primv Duero blickte die Frau immer verständnisloser an. »Aber Sennora. wir sind doch ein halb nach drei alle von hier wegacsahren, und Sie haben uns nachgewinkt, wie soll ich denn da die Rolläden heruntergclassen haben?" Er klingelte jetzt krästig an der breiten Korridortür, die seitlich vom Flur in die hinter dem Laden gelegene große Wohnung führte. Gr begriff ja keine Silbe von dem Unfinn, den die sonst so vernünftige Portera redete. Er lauschte angestrengt, ob sich niemand von innen der Tür näherte. Aber alles blieb still, sein (Batet muhte wirklich ausgegangen sein. Es war das etwas, was in so schroffem Gegensatz mit den Gewohnheiten seines Vaters stand, dah er cs rätselhaft sand. Seit langen Jahren verlieh sein Vater niemals während der Geschäftsstunden das Haus, und heute nachmittag erwartete er noch dazu einen feiner besten Kunden, den Marquis de Palma. Anbegreiflich war das! Er-^klingelte abermals, und die Portera, die er gar nicht mehr beachtete, erwiderte auf seinen letzten Satz: »Natürlich sind Sie alle um ein halb nach drei Ahr fortgefahren, aber um fünf waren Sie doch schon wieder hier. And eine Viertelstunde später gingen Sie wieder. Aber da hatten Sie ja einen Schlüssel. Schließen Sie doch damit auf." Natürlich besah er einen Korridorfchlüfsel. 3m Augenblick hatte er gar nicht daran gedacht. Ganz mechanisch Holle er ihn aus seinem Anzug hervor, den er unter dem weiten Clowngcwand trug. Er hatte das rote, leuchtende Aeberkleid etwas geöffnet, und während er den Schlüssel ins Schloß steckte, sagte er ärgerlich: „Schwatzen Sie doch nicht solchen Ansinn, Sennora. Es ist mir nicht eingefallen, noch einmal hierher zurückzukchren. 3ch bin soeben erst vom Korso gekommen." Die Frau zog die von graugesprenkeltem Haar umrahmte Stirn in Falten. „Ich weih ja nicht, warum Sie mir abstreiten wollen, was doch wahr ist. Ich habe ja noch zu Ihnen gesagt, als Sie wieder fortgingen, ob Sie was vergessen haben, und da nickten Sie. Aber verdammt eilig hatten Sie es!" Primv Duero, der sonst niemals grob oder ungeduldig war, rief ärgerlich: „Lassen Sie mich mit dem Ansinn in Rrche!" And nun hatte er auch ausgeschlossen und konnte eintreten. Die Diele war dunkel, und er schaltete sofort die Beleuchtung neben der Tür ein. Weih und f$arf fiel die Helle der breiten GlaSampel nie- oCILcnt) Swei Körper aus der Düsternis ins Llchtbercich. Da lag quer vor zwei Korbsesseln, völlig regungslos, die Gestalt seines Vaters und n^bcn ihm, wie zu behaglichem Schlaf lang hin- gcflredt Lobo, der Wolfshund, der seinen Herrn fanatisch liebte und ihm kaum von der Seite wich. Bruno Duero hatte Mühe, sich klarzumachen, daß es wirklich sein Vater war. der da vor ihm o,8. starr und steif wie eine Wachsfigur. Denn wächsern war die Farbe des Gesichts und der Hande. Er blickte sich verstört um. Sic Tür nach dem Hausslur war noch halb die Portera stand hinter ihm und schlug ein Kreuz über das andere, rannte plötzlich mit dem gellen Schrei. Mord! weg. DaS Haus widerhallte von dem grählichsten Wort, das es auf Erden gab, eS schallte von den Wanden wie ein Echo wider, und Primo Duero war es, als höre er die scharfen Sardanahörner das entsetzliche Wort in alle vier Winde schmettern. Mord! Mord! Mord! Er stürzte vor und kniete neben dem starren Männerkörper nieder, neigte sich über ihn. Cs war, als ströme ihm eisige Kälte entgegen. Schauer auf Schauer jagte über Primv Duero hin ®r war fest überzeugt, ohne ärztliche Gewißheit zu haben, in den starren Körper seines Vaters würde das Leben nie mehr zurückkehren, in diese wächsern gelblichen (Dangen niemals mehr die Farbe des Blutes Er wußte, diese Augen blieben für Immer fest geschlossen Er stöhnte tief auf. Mit einem Male kam es ihm überwältigend stark zum Dewuhtsein, der leblose Körper da vor ihm war sein Vater. And wenn er auch kein warmherziger Mann gewesen, wenn er sich auch nicht zu entsinnen vermochte, jemals eine Zärtlichkeit, ein herzliches Wort von chm gehört zu haben so dachte er doch jetzt nicht daran. Sein Vater war es, dessen bläuliche Lippen das Siegel ewigen Schweigens trugen, sein Vater war es, dessen Seele hinübergegangen ins Jenseits, ohne ein Wort des Abschieds. Gr taumelte empor, sein wirrer Blick suchte umher, und jetzt erst hörte er draußen im Hause den alarmierenden Ruf: Mord! und er sann, als käme er selbst aus weiter Feme, weshalb rief die gelle, scharfe Stimme da draußen: Mord!? Plötzlich arbeitete sein Gehirn wieder normal. Er konnte klarer denken, und er stürzte in das Bureau neben dem Laden, schaltete das Licht ein und riß den Telephonhörer von der Gabel. Keuchend ging fein Atem. Er wollte die Polizei anrufen, als er Schritte hinter sich vernahm. Im selben Augenblick traten zwei Polizisten ein, die durch das Geschrei der Portera herbeigeeilt waren. Sie machten ernste Dienstgesichter, und der eine nahm Primv Duero den Hörer aus der Hand: »Ich werde die Mordkommission bcnach- rlchtigen" Ein lauter, lammcrüollcr Aufschrei erklang nebenan. Primv Duero ging der Schrei durch und durch Er hörte, wie seine Zähne mit leisem Klirren aufeinanderstichen Montserrat war nach Hause gekommen Er kümmerte sich nicht weiter um die Schutzleute, mochten sie tun, was ihres Amtes war, er ging mit hastigem Schritt hinaus in die Diele und fand die Kusine am ganzen Leibe bebend an der Wand lehnen, mit weit aufgerissenen Augen auf den leblosen Körper niederstarrend. Ein dritter Schuhmann schloß eben die Korridortür. Primv Duero sah noch flüchtig, wie durch dichten Nebel, eine Menge fremder Menschen draußen, in deren Mitte mit lebhaftem Gestikulieren die Portera stand. Wie zwei bewegliche Wegweiser flogen ihre beiden Arme bald rechts, bald links in die Lust. Primv Duero näherte, sich Montserrat, deren Augen den Blick jetzt auf sein Gesicht richteten. Lange und mit einem Ausdruck, der wie Entsetzen war. Dann sagte der rote Mund, um den ein unaufhörliches Zucken lief: „Die Portera schreit draußen, du wärest am Nachmittag noch einmal hier gewesen und seitdem wäre der Laden geschlossen." Er wollte versichern, er wäre nicht hier gewesen und wollte beruhigend ihre Hand ergreifen, als sie, wie vor etwas Furchtbarem, vor ihm auf dio andere Seite des Zimmers floh, während sie entsetzt hervorstieh: „Rühre mich nicht an, ehe eS sich herausgestellt hat. wer den Mord begangen Der Schutzmann sagt, dein Vater ist erschossen worden und der arme Lobo auch." Primo Duero prallte zurück, als habe sich die Erde vor ihm weit aufgetan, und er fürchtete, in einen Abgrund zu stürzen. Allgütiger, was hatte Montserrat eben au ihm gesagt? Beschuldigte sie ihn nicht klar und deutlich, er könne die furchtbare Tat begangen, er könne einen Vatermord' auf dem Gewissen haben? lieber seine Züge senkten sich tiefe Schatten. „Montserrat, ich kann es nur deiner grenzenlosen Aufregung zugute halten, was du eben gesprochen, kein anderer Mensch dürste das wagen." Er kniete neben dem Körper nieder. Aber im gleichen Moment legte sich die Hand des Schutzmannes auf feine Schulter. „Sennor, ich muh Sie bitten, in möglichster Entfernung von dem Toten zu bleiben, damit keine Spur verwischt wird, die zur Entdeckung des Mörders führen könnte." Primo lieh sich willig fortziehen, und ihm war es, als sei es gar nicht feine eigene Stimme, die nun sprach: „Handelt es sich denn wirklich um einen Mord?" Der Schuhmann erwiderte mit seltsamer Härte in der Stimme: „Am daS sestzustellen, dazu braucht nicht einmal die Mordkommission zu kommen. Dort an der Schläfe sitzt ja das Blut ganz dunkel. Aber Ihnen darüber Vortrag zu halten, ist nicht mein Amt." Er klappte den starkkieferigen Mund mit hörbarem Ruck zu, wie inan vielleicht ungeduldig eine kleine Schublade zuschlägt Cs pochte energisch an die Tür. Der Schuhmann öffnete^rüßte vorschriftsmäßig und erstattete eine rasche Meldung. Die eintretenden Herren machten alle einen stark dienstlichen Eindruck. Ein älterer Herr mit Hornbrille über breitllbe- eigen Augen kniete sich sofort dorthin, wo noch vor zwei Minuten PrimoS Knie den Boden berührt. Ein einziger Blick genügte dem Polizeiarzt, um die Todesstarre sestzustellen. und gleich daraus sagte er in kühl geschästlichern Ton, der Primo biS ins Innerste erschütterte: „Der Tod muh schon vor ungefähr drei Stunden eingetreten sein." Seine Finger berührten die Schläfen des Toten: „Selbstmord halte ich für ausgeschlossen. Sennor Duero tojiröe erschossen, aber mit keinem gewöhnlichen Revolver, sondern mit einer Luftpistole. Der Bolzen ist in die Schläfe eingedrungen, mit wirklich tödlicher Sicherheit. Eine sehr geübte Hand muß da am Werke gewesen sein." Er neigte sich zu dem Hund hinüber. „In der Stirn deS Tieres muh ein zweiter Bolzen stecken." Er erhob sich. „Der Tod ist durch den Schuß einer Lustpistole fier bei geführt worden. Der Mörder hat geschickt gearbeitet, denn die Luftpistole funktioniert lautlos." Einer der Herren stand auf der Schwelle deS BureauS und nahm eine Meldung der im Bureau verbliebenen zwei Schutzleute entgegen, er sagte nun hastig: „Der Geldschrank ist anscheinend ordnungsgemäß geöffnet, aber nicht mehr geschlossen worden, die Tür ist nur angelernt." Er sprach mit einer rauhen Stimme, die Primo wehetat. Er sann vor sich hin. Wie war denn das nur möglich: Sein Vater war tot, und die Polizei sprach das Wort „Mord" genau so selbstverständlich aus, wie es die grelle Stimme der Portera: hinausgeschrien hatte. Montserrat aber war vor ihm geflohen, als wenn er-- ■ Barmherziger Gott, er konnte nicht auSdenken, was sich ihm zwingend aufdrängte. Sie war vor ihm geflohen, als sei er der Mörder! Anverhvhlen hatten ihre Lippen den Verdacht ausgesprochen. Er ging auf den Herrn mit der rauhen Stimme zu. Der sah ihm entgegen mit Zwinkeraugen, auS denen cs aber wie scharfe Blitze zu zucken schien „Sie sind der Sohn, nicht wahr?" Er musterte den vor ihm Stehenden fast zornig. „Mensch, reißen Sie doch das Narrengewand herunter. Es paßt schlecht an die Leiche des Vaters. So viel Geschmack sollten Sie selbst haben." (Forts folgt.) NK 520 A Preis: 70 Ptg . und bis zum 10. Jahre dürfen Sie für die zarte und empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde, reine NIVEA KINDERSEIFE verwenden. Nivea - Kinderseife wird nach ärztlicher Vorschrift hergestellt; sie dringt schonend in, die Hautporen ein und macht * sie frei für eine gesunde und kräftige Hautatmung. Angenehmes Rasieren durch NIVEA-CHENE Sie müssen sich vor dem Einseifen mit Nivea-Creme einreiben, jedoch nicht zu stark, damit die Schaumerzeugung nicht beeinträchtigt wird. 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Der Beschluß des Reichskalirats, für die Belieferung dec deutschen Landwirtschaft mit Kalidüngesalzen einen regionalen Frachten- o u s g l e i ch einzuführen, indem an die Stelle der drei bisherigen Frachtparitäten Stahfurt-Leo- poldshall, Bienenburg und Bad Salzungen als einzige Paritätsstation Sondershausen tritt, stellt für die deutsche Landwirtschaft eine wesentliche Erleichterung des Kalibezugs dar, zumal dieser Frachtenausgleich mit einer erheblichen zu Lasten der Kaliindustrie gehenden Senkung der Frachtkostni verbunden ist. Da das Kalisyndikat in Zukunft, ausgehend von Sondershausen als einheitlicher- neuer Fracht- Parität, nur noch Mindestfrachten von 53 Kilometer und Höchstfrachten von 270 Kilometer berechnen wird, so bedeutet dies nichts anderes, als dah kein Abnehmer in Zukunft Fracht für weniger als 50 Kilometer oder für mehr als 270 Kilometer zu zahlen hat. Innerhalb dieser beiden Entfcrnungsgrenzen, die gewählt worden sind, um den Gebieten je nach Entfernung einen steigend verbilligten Kalibezug zu ermöglichen, tritt eine absolute Senkung der Frachtsätze um 10 Proz. gegenüber den bisher gültigen ein. Da den Abnehmern, die in einer Entfernung von über 270 Kilometer wohnen, nur die Höchstfracht von 270 Kilometer angerechnet wird, so steigt für sie, absolut gerechnet, die Ermäßigung je nach Zunahme der Entfernung bis zu 37 Proz. Beispielsweise beträgt für einen Bezieher in Berchtesgaden (Entfernung 611 Kilometer) bei einem 15-Tonnen-Wagen die Frachtermäßigung 52,20 Mk. bzw. 35,9 Proz. gegenüber dem bisherigen Frachtsatz: das macht bei dem Bezüge von Kainit auf den Preis berechnet eine Ermäßigung von 24,7 Proz. aus, ein Prozentsatz, der bei hochwertigeren Düngesalzen entsprechend fällt. Da in Zukunft nur Höchstfrachten von 270 Kilometer berechnet werden, so ergeben sich für Bezieher etwa in Oppeln (Schlesien), Stolp (Pommern) oder Husum (Schleswig-Holstein), die also außerhalb der 270-Kilometer-GrLnze ab Sondershausen liegen, ähnliche Vergünstigungen. Durch diese Reuregelung in Form eines beschränkten Frachtenausgleichs werden also am stärksten die sogenannten notleidenden Gebiete der Landwirtschaft (Ostpreußen, Grenzmark, Pommern, Schlesien, linksrheinisches Gebiet, Süd- bayern). weil am weitesten entfernt, in ihrem Kalibezug besonders begünstigt. Auch das mitteldeutsche Gebiet, welches innerhalb der 270-Kilo- meter-Grenze liegt, kommt in den Genuß einer Senkung der Frachtkosten um 10 Proz., die bei dem hohen Frachtenanteil bei Kali eine Rolle spielt. Damit tritt allgemein eine Senkung der landwirtschaftlichen Erzeu- gungskosten ein. Der Vorteil für die Kaliindustrie selbst liegt darin, daß sie den Absatz in den entfernter liegenden Gebieten, der infolge der hohen Frachtsätze von jeher unter schwierigen Bedingungen sich vollziehen mußte, beleben kann, ohne daß dabei die Gebiete mit gutem Kali- absah eine Belastung erfahren, was bei Abkommen über Frachtenausgleich im allgemeinen der Fall zu sein pflegt. Man muß natürlich die Bedeutung des auf Vorschlag des Deutschen Kalisyndikats eingeführten regionalen Frachtenausg'eichs im Rahmen der von der Reichregierung verfolgten Maßnahmen für die Landwirtschaft beurteilen. Sicherlich ist durch diesen Frachtenausgleich eine glückliche Lösung der Bestrebungen zu sehen, die dahin gingen, der notleidenden deutschen Landwirtschaft den Bezug der notwendigen Kalidüngemittel zwecks Senkung ihrer Selbstkosten zu erleichtern bzw., was praktisch erreicht ist, zu verbilligen. Die Erleichterung des Kalibezugs muß eine Produktionsverbilligung für die Landwirtschaft zur Folge haben. Die Erstattung eines Gutachtens seitens des Reichswirtschaftsrats über die Frage der Kalipreise erübrigt sich jetzt, nachdem die Kaliindustrie von sich aus einen Schritt getan hat, dessen Möglichkeit durch die Aufstellung des Gutachtens geprüft werden sollte. * • Eierverwertungszentrale Frankfurt a. M. Am Dienstag fand die Generalversammlung der Eierverwertungszentrale Frank- furt a. M. (tat. Aus den Berichten der Geschäftsführung, des Borstandes und des Auflichtsrat^s ging hervor, daß sich das Unternehmen trotz der allgemeinen schiech en Wirtchajts age im vergangenen Geschäl.sjahr günstig entwickelt hat. Die Mltgliederzahl ist auf 58 Genossenschaften und Emzelmitgtieder gestiegen. Unter grojen Bemühungen wurde eine Absayorganisa ion geschaffen. ®ie Eierverwertungszentrale zä l. Diele führende Firmen der Lebens..i te.bra.rche und des Eier- großhandess zu ihren Kunden. Für das kommende Geschäl s.ahr hofft man auf eine günstige Weiterentwicklung. Herabsetzung der Treibstoff- preise. D.e führenden Treiostoffirmen haben, toie. '-DTB.-Handelsdienst cr'ährt, die Punipen- prci'e für alle Betriebsstoffe im überwiegenden Teile Deutschlands ab Freitag, 14. d. Mts., um 1~~2 Pf. je Liter heraogesetzt. Darüber hinaus erhalten gewerbliche Verbraucher bei Barzahlung an der Tankstelle je nach Absahzone eine Vergütung von 1—3 Ps. je Liter. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 14. Noo. Tendenz gedrückt. Trotzdem im heutigen Vormittagsverkehr die Stimmung allgemein etwas besser beurteilt wurde, griff zu Beginn des offiziellen Marktes doch eine Enttäuschung Platz. Im Zusammenhang mit der festen gestrigen Neuyorker Börse hatte man in Börsenkreisen mit Käufen des Publikums und des Auslandes gerechnet, um so mehr, als ungünstige Momente nicht vorlagen. Die weitere Erhöhung des Kupferpreists hatte nur für Kupferwerte einige Nach, frage zur Folge, während die übrige Börse kaum beeinflußt wurde. Die Spekulation verhielt sich sehr zurückhaltend und schritt eher zu Abgaben, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse meist Kurs- v e r l u st e bis etwa 1 v. H. eintraten, doch lagen besondere Momente nicht vor. Die Rede B r i a n d s wurde viel besprochen und günstig beurteilt. Die Umsatztätigkeit hielt sich allgemein in sehr engen Grenzen. Einige Nuchfrage machte sich aus dem erwähnten Grunde für Kupferaktien bemerkbar, und Olavi zogen um eine Mark an. Am Chemiemarkt waren Farben mehr angeboten und 1,40 v. S). ab- geschwächt: ine übrigen Werte dieses Marktes büßten bis 1 v. ch. ein. Größere Verluste stellten sich am Montanmarkt ein, an dem Rheinstahl 1,75 v. H. und Buderus 1 o. H. verloren. Auch Kaliwerte waren angeboten und gaben bis 1,5 v. S). nach. Am Elektromarkt war das Geschäft zu den ersten Kursen eben- falls sehr gering. Die Kursentwicklung war hier jedoch nicht ganz einheitlich. Siemens konnten etwas anziehen, während AEG. dis 1 v. H. schwächer lagen. Bis 1,5 v. $). niedriger lagen noch Conti Gummi und die Mehrzahl der Bankaktien. Deutsche Linoleum behauptet. Am Rentenmarkt konnten Neubesitz leicht anziehen, Altbesitz waren gut behauptet. Von Ausländern lagen Mexikaner weiter im Angebot; Gold- Mexikaner eröffneten 1,75 v. f). gedrückt. Im Verlaufe blieb das Geschäft klein; nach einer vorübergehenden geringfügigen Besserung des Kursniveaus wurde später die Tendenz wieder ausgesprochen l u st l o s, die Kurse blieben jedoch dabei gegen Anfang zumeist behauptet. Am Geldmarkt war Tages- geld mit 5 v. H. stark gesucht. Am Devisenmarkt lag Madrid auf die Stabilisierungsbestrebungen mit 41,95 v. S). fest. Die neue Parität soll 40 Peseten gegen ein Pfund betragen. Sonst nannte man Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,3830, London gegen Kabel 4,8565, gegen Paris 123,65, gegen Mailand 92,79, gegen Schweiz 25,06, gegen Holland 12,0740. Berliner Börse. Berlin, 14. Rov. Die heutigen Eröffnungskurse brachten der Börsenspekulation eine Enttäuschung. Man hatte vormittags auf Grund der Steigerung der Kupferpreise und angeregt durch die hierauf zurückzuführende Steigerung der Olavi auf 37 Mark allgemein mit einer freundlicheren Tendenz gerechnet, zumal Reuyork gestern fest schloß und auch sonst keine ungünstigen Momente Vorlagen. Entgegen diesen freundlichen Erwartungen lagen die ersten Rotierungen dann aber gegen gestern meist nur wenig verändert. Cs kam am Farbenmarkt (angeblich vom Ausland) über eine große Dank Ware heraus, so daß sich der offizielle Kurs nur auf 136 nach 140,5 Prozent vorbörslich stellte, was nicht ohne Wirkung auf die übrigen Märkte blieb. Kupferwerte waren fester. Mansselder gewonnen 2 Prozent und Olavi 1,25 Mk. Chadeaktien gewannen 4 Mk. Bemerkenswert schwächer eröffneten einige Montan- werte; so verloren Maschinen Augsburg-Rürn- berg 2 Prozent, Gebrüder Körting 1,5 Prozent, Feldmühle 1,5 Prozent und Deutsche Ton» und Eteinzeug 2 Prozent. Deutsche Anleihen waren etwa behauptet. Don Ausländern lagen nur Mexikaner ausgesprochen schwach, da das im Sommer in Reuyork abgeschlossene mexikanische Schuldenabkommen bei der Ratifikation auf Schwierigkeiten zu stoßen scheint. Der Pfandbriesmarkt war vollkommen geschäftslos. Reichsschuldbuchsorderungen weiter still, ober eher bis 0,25 Prozent gebessert. Der Geldmarkt erfuhr zum Medio eine kleine Versteifung. Tngesgeld nannte man mit 4,5 bis 6,5 Prozent; Monatsgcld mit 6 bis 7,5 Prozent; Warenwechsel mit 5,40 Prozent zirka. Im Verlause bröckelten die Kurse zunächst, mit Ausnahme der Kupserwcrte, langsam ab, später konnten auch Otavi und Mansselder ihren Höchst lurs nicht behaupten. Vor allem waren aber solche Werte gedrückt, die früher irgendwie einmal von amerikanischer Seite bevorzugt waren. Auch Deutsche Linoleum büßten nach einer etwas höheren Eröffnung im Verlaufe wieder 2,5 Prozent ein. Fester waren eigentlich nur Spritaktien. Lchwemcmärtte. + Grünberg, 13. Nov. Zum heutigen „Steinen Qallusmarft" waren 441 Ferkel auf- getrieben. Es kosteten sechs Wochen alte Ferkel 20 bis 22 Mark, sechs bis acht Wochen alte 22 bis 28 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 30 bis 35 Mark. Tendenz: sehr gut; es verblieb fein lieber- stand. -er. Homberg, 12. Noo. Der Auftrieb zum heutigen Schweine markt betrug 87 Ferkel. Es wurden gezahlt für sechs bis acht Wochen alte Ferkel 18 bis 20 Mark, für acht bis zwölf Wochen alte Tiere 20 dis 25 Mark je Stück. Trotz schleppenden Handels verblieb nur geringer Ueberftand. Amtsgericht Gießen. Gastwirte sind zuweilen genötigt, lästigen und betrunkenen Gästen gegenüber ausgiebig von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und sie schließlich gewaltsam ins Freie zu setzen. Daß hierbei, wenn es sich um renitente und rabiate Gäste handelt, Vorsicht geboten ist, beweist folgender in einem Rachbarorte vorgekommene Fall, der beinahe einen tragischen Ausgang genommen hätte. Ein Wirt hatte Veranlassung, gegen einen Gast so, wie eingangs angedeutet, zu verfahren. Dieser leistete bis zur Haustüre keinen Widerstand, dann aber setzte er sich plötzlich zur Wehr und b i h den Gastwirt derart in die Hand, daß er infolge eingetretener Komplikationen eine Zeit lang in Lebensgefahr schwebte. Der Angeklagte will schwer betrunken, maßlos erregt und deshalb unzurechnungsfähig gewesen sein. Er berief sich auf § 51 RStGB. und bat um Freisprechung. Die Beweisaufnahme ergab zwar Trunkenheit und starke Erregung, aber nicht in dem Grade, daß dadurch seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war, mag ihm auch nachher jede Erinnerung an den Vorgang geschwunden sein. Immerhin war Milde begründet, und das Gericht erkannte nur auf eine, wenn auch hohe Geldstrafe. Heber den Begriff „verbotene Einfuhr" von Klauentieren in gesperrte Bezirke auf Grund des Reichsviehseuchengesetzes erging eine Dich- händlerkreise stark berührende Entscheidung. Der Angeklagte kam abends mit seinem Pserdc- gespann, auf dem sich Kleintiere befanden, in seinem gesperrten Wohnort an, um bei Tagesanbruch weiter zu fahren; er spannte aus, besorgte die Pferde, pflegte der Ruhe und fuhr frühmorgens mit seinem Gespann weiter. Mit Rücksicht daraus, daß die einschlägigen Bestimmungen, um jede Umgebung des Gesetzes zu verhindern und jede Seuchengefahr, mag solche im Einzelfall auch gering sein, nach Möglichkeit auszuschließen, streng ausgelegt werden müssen, erblickte das Gericht in dem Verhalten des Angeklagten eine verbotene Einfuhr, auch wenn kein Abladen und Einstellen der Tiere stattgefunden und der Aufenthalt nur einige Stunden gedauert hat. Dem Angeklagten wäre es unbenommen gewesen, zur Unterbrechung des Viehtransportes zuvor behördliche Erlaubnis einzuholen. Er erhielt eine mäßige Geldstrafe. Kunst und Wissenschaft. Der Nobelpreis für Chemie fällt an Deutschland. Stockholm, 13. Roo. (TU. Funkspruch.) Die schwedische Akademie der ZDiffenfdjaflen hat am Donnerstagabend den Jlobelprei» für Che- m i e dem Professor Han» Fischer von der Technischen Hochschule in München zuerteilt. (Er erhielt den Preis für seine Arbeiten über die Konstitution der Blut- und Harnfarbstoffe und für seine Synthese de» Hämin. Geheimrat Professor Dr. phil. et med. HanS Fischer, Direktor des Organisch-Chemischen Instituts der Technischen Hochschule in München, wurde am 27. Iuli 1831 in Höchst a. M. geboten, studierte in Lausanne, Marburg und München, promovierte zum Dr. phil. in Marburg, zum Dr. med. in München, wo er sich im Jahre 1912 als Privatdozent yabicktierte und im Iahte 1915 zum Extraordinarius ernannt wurde. Im Iahte 1916 wurde Fischer als Ordinarius nach Innsbruck berufen, ging zwK Iahte später in gleicher Eigenschaft nacy Wien und lehrt seit 1921 in München. Fachwissens^astncye Arbeiten veröffentlichte der Gelehrte in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschast, in Liebigs Annalen und in Hoppe-Seylers Zeitschrift für physiologische Chemie. — Mit der Verleihung deS Preises an Professor Fischer sind nicht weniger als insgesamt 14 chemische Robelpreise an Deutschland getanen, d. h. mehr als die Hälfte aller überhaupt verteilten Robclpreise für Chemie. Physik-Robelpteis für einen Inder. Stockholm. 13. Rov. (WTB.) Die Akademie der Wissenschaften hat beschlossen, Sir Chan- drasekhara Denkata Raman in Kalkutta den diesjährigen Robelpreis für Physik zu verleihen für seine Arbeiten über die Difsusion des Lichtes. Professor Dr. Karl Bücher f. Leipzig, 13. Noo. (WTB.) Im 84. Lebensjahr st a r b hier am Mittwochabend nach kurzem schweren Leiden der bekannte Staatswissenschaftler Geheimer Hofrat Professor Dr. Karl Bücher, der Gründer des Instituts für Zeitungskunde der Universität Leipzig. Bücher wurde am 16. Februar 1847 in Kirberg bei Wiesbaden geboren, studierte in Bonn und Göttingen Geschichte, Philologie und Staatswissen- schasten, war anfangs Gymnasiallehrer, gehörte später der Redaktion der „Frankfurter Zeitung" an, habilitierte sich 1881 in München für Nationalökonomie und Statistik, wurde 1882 Ordinarius in Dorpat, 1883 in Basel und 1890 an die Technische Hochschule in Karlsruhe berufen. Seit 1892 war er Professor der Nationalökonomie in Leipzig, Direktor der dortigen vereinigten staatswissenschaftlichen Seminare und Leiter des von ihm begründeten Instituts für Zeitungskunde. Er hat sich auch um den Ausbau der mit der Universität verbundenen Handelshochschule 'große Verdienste erworben, der sein 1910 erschienenes Werk „Der deutsche Kaufmann und die Handelshochschule" gewidmet ist. Von Büchers sonstigen Werken sind hervorzuheben: die grundlegende Untersuchung „Arbeit und Rhythmus", 1896, 6. 21. 1924, „Der deutsche Buchhandel und die Wissenschaft", 3. A. 1904, „Das Zeitungswesen", 1911, und vor allem ein Werk, das Generationen junger Volkswirte beeinflußt hat: „Die Entstehung der Volkswirtschaft, 1893, 16. A., 1922. Während des Krieges und später gab der Gelehrte durch weitere Schriften über die Presse zu lebhaften Erörterungen Anlaß. Diese sind: „Unsere Sache und die Tagespresse", 1915, „Die deutsche Tagespresse und die Kritik", 1917, „Zur Frage der Preßreform", 1922 und „Gesammelte Aufsätze zur Zeitungskunde", 1925. 1919 gab er seine Lebenserinnerungen heraus. Bücher war auch Herausgeber der Zeitschrift für die gesamten Staatswisfenschaften. Der Gelehrte war Dr. jur. h. c. der Universität Gießen. Letzte Nachrichten. Do X nach Bordeaux gestartet. London, 14. Roo. (WTB. Drahtmeldung.) Das Flugschiff Do X ist um 12.45 Uhr (MEZ.) gestartet. An der englischen Küste herrschen nur schwache winde. Die Sicht über den Kanal ist bis zu 18 Kilometer gut. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Relchsbankdiskont 5 o H., Lombardzinsfuß 6 o.H. Frankfurt a. Ul. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt o. Ul Berlin Banknoten. Schluß- kurs 1-Uhr- Kurs Schluß-. Anfa^g- hm Kurs Schluß«! i-ilhr- tur« 1 flurt Schluß-. Anfang» tur« | flur« <50)106-1 t»Uhr- for« I r« Schluß-! Anfangkur« | Kur« Berlin, 13. November ®tlb Bries Amerikanische Roten ..... 4,188 4,208 »cloHdie Roten ....... 58.28 58,52 Dänische Roten ....... 111,87 112,31 Englische Roten ........ 20,34 20.42 13 >1. 14. 11 Datum 13 11 14 11 13 11 14 11 Datum Datum 13 11 1 14 II 6% Deutsche Reichsanleihe von 1927 ......... 7% Deutsche RelchSanlelhe von 1929 ......... Deutsche AnI.-AblSI.-Schuld mit Auslos.-Ncchteii ■ • • DeSgl. ohne SIuölos.-Rechte . . 8% Hess. Bolkösiaat von 1929 (rüdiablb. 102%)...... Lbethesscn Provinz - Anleihe mH BuSIoi.-Rechten..... Deutsckse flamm. Smnmelabl. Anleihe Serie 1 .... 8% Franks. Hnv.-Bank Goldpse XIII unffmbbat die 1931 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1933 LSLijjesisis iiiii£si1S1a£i i s | 1 | 1 | K 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 i 1 1 1 1 1 ämft-iHott. Buen.-Aire- Brss.Amw. Christiania. flopenbnaen Stockholm . Helsingiors. Italien. . . London. . . Jieunort . . Paris. . . - Schweiz . . Sva ii.'tr . Japan . - . •Kio de Jan Wien in T-- CtfL abaeft Prag . . . . Belgrad . . Bodap.-'t. . Bulgarien Lissabon Danzig. . Konst ntin. Atben. . Canaba llrn uav Cairo • . 168,72 1,443 58,47 112,12 112,13 112,43 10,55 21,945 20,362 4,1925 16,465 81,32 48,35 2,081 0,419 >9,035 12,43 7,421 73,35 3,039 18,80 81,42 1,784 5,432 4,196 3,347 20,885 169,06 1,447 58,59 112,34 112,35 112,65 10,57 21,985 20,402 4,2005 16,505 81,48 48,45 2,085 0,421 59,155 12,45 7,435 73,49 3,045 18,84 81,58 1,789 5,442 4,204 3,353 20,925 168,68 1,444 58,45 112,12 112,12 112.46 10,551 21,94 20,362 4,1925 16,94 81,23 48,50 2,081 0,414 59,035 12,432 7.418 73,355 3,037 18,80 81,40 1,784 5,435 4,196 3,327 20,885 168,95 1,448 59,57 112,34 112,34 112,78 10,571 21.98 20,402 4,2005 16,98 81,39 48,60 2,085 0,416 59,155 12,452 7,432 73,495 3.043 18,84 81,56 1,789 5,445 4,204 3,333 20,925 g.jL-tfpott DT.-Schwimmwari Robert Braun 60 Zahre alt. Der langjährige Schwimmwart der Deutschen Turnerschaft, Turnlehrer Robert Braun, feiert heute (14. Novembers in Frankfurt a. M. seinen 60. Geburtstag. Der Jubilar ist einer der bekanntesten und verdientesten Turnerführer des Mittelrheinkreises der DT. Als Kreisarchioar hat er sich seit Jahrzehnten erfolgreich um die Sammlung turnerischen Kulturgutes bemüht. Auch als Turnschriftsteller hat er einen guten Namen. Seine chauptverdienste liegen auf dem Gebiete des Turnerschwimmens. Als die DT. nach dem Weltkrieg das Schwimmen in ihre Gesamtarbeit einzuordnen begann, da wurde Robert Braun, der sich im Mittelrheinkreise schon erfolgreich für das „Turnen im Wasser" eingesetzt hatte, zum ersten Schwimmwart der DT. berufen. Neun Jahre, bis 1929, stand er in diesem Ehren- amte, und es ist die Frucht seines Wirkens, daß das Schwimmen in der DT. schon im ersten Jahrzehnt des organisatorischen Aufbaus einen gewaltigen Aufschwung genommen hat. Die DT. hat das auch in einer besonderen Urkunde, die R. Braun beim Kreicturnfcst in Hanau verliehen wurde, in Dankbarkeit anerkannt. Das vom Jubilar ange- strebte Ziel: „Jeder Turner ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Lebensretter" ist schon ein gutes Stück der Verwirklichung näher gekommen. Robert Brauns Bemühungen galten allezeit auch der Schaffung und dem Ausbau von Schwimmbädern. Bei Neuanlagen, auch in Oberhessen, wurde er immer gern zu sachkundiger Beratung herangezogen. Die Schwimmer innerhalb der DT. gedenken heute mit Dankbarkeit und Verehrung ihres Führers. Kunstturn-Wettkampf in Lollar. (Wieseck) fand der turnerische Teil des Abends seinen Abschluß. Die Wettkämpfe an den Geraten zeitigten folgende Ergebnisse: Pferd: Lollar 136 Punkte, Waldgirmes 129 Punkte, Grafenhausen 120 Punkte. Die Turner warteten am Pferd mit sehr guten Leistungen hatten: Lollar 139 Punkte, Waldgirmes 133 Punkte, Grafenhausen 136 Punkte. Die Hebungen am Darren sahen die Mannschaften bei gleich- verteilten Kräften: Gräfenhausen holte wesentlich auf, Lollar hielt aber genügend Vorsprung. Kürfreiübung: Lollar 147 Punkte, Gräfenhausen 150 Punkte, Waldgirmes 134 Punkte. 3n diesem Teil der Wettkämpfe wurden sehr schöne Hebungen gezeigt. Gräfenhausen holte viel auf, ohne jedoch den Sieger des Tages ernsthaft gefährden zu können. Lollar führte in der Gesamtwcrtung nach der dritten Hebung noch mit 16 Punkten vor Gräfenhausen und mit 26 Punkten vor Waldgirmes. Reck: Lollar 141 Punkte, Grafenhausen 132 Punkte Waldgirmes 142 Punkte. Damit konnte Lollar den Sieg, der bei den nicht allzu bedeutenden Punktunterschieden vor dem letzten Kampfabschnitt noch nicht endgültig feststand, doch an sich reißen, während die beiden anderen Konkurrenten punktgleich aus dem Kampfe hervor- Das Gesamtergebnis: Lollar 563 Punkte, Gräfenhausen 538 Punkte, Waldgirmes 538 Punkte. —n- Fußballklub 1926 Großeu-Buseck. Die Ligaelf des FC. 26 Großen-Buseck tragt das 6. Verbandsspiel als Gast in Ehringshausen aus. Der Spiel- und Sportverein Ehringshausen stellt eine tn allen Teilen geschlossene Mannschaft, die unter Leitung des ehemaligen Ligaspielers Möller stand, großen Fortschritt zu verzeichnen hatte. Großen-Vuseck wird gegen den schnellen Sturm Ehringshausens viel Mühe haben, bei einiger Ausmertsamkeit und Energie sollte es aber doch möglich sein, das Treffen ehrenvoll abzu- schuehcn. In Großen-Vuseck steht die 3. Mannschaft der Gießener Spielvercinigung 1900 und Großen-Busecks 2. Mannschaft im Freundschaftsspiel gegenüber. Durch Verstärkung der einheimischen Mannschaft sollte eine bessere Spielweise, wie seither, zustande kommen. Die 1. Äugend von Großen-Vuseck spielt gegen die 1. Äugend des VfV. Gießen, ebenfalls auf eigenem Platze. Handball im Gau Hessen CD. T.) Tv. Heuchelheim I — Grohen-Linden I. Am Sonntag spielt die erste Mannschaft vom Turnverein Großen-Linden im Derbandsspiel auf dem Platz in Heuchelheim gegen die Erste des Turnvereins Heuchelheim. Das Spiel ist für die Meisterschaft der ^-Klasse von besonderer Bedeutung, da der Sieger in diesem Kampfe aller Voraussicht nach der diesjährige Meister sein wird. Grohen-Linden liegt mit einem Punkt Vorsprung vor Heuchelheim an ter Spitze dec Tabelle. Die Hiesigen haben den Vorteil des eigenen Platzes, der vielleicht entscheidend sein kann. Da die Gegner sonst ziemlich gleich spielstark sind, so ist eine bestimmte Voraussage nicht möglich. Vorher spielt die Äugend gegen die Äugend vom Turnverein Lich. Lich I — Grohen-Bufeck II 0:2. Die erste Mannschaft trug auf eignem Platze ihr letztes Pflichtspiel aus. Das Spiel endete trotz teilweiser äleberlegenheit der Licher mit einem Sieg der Gäste. Lich Jugend — Butzbach Jugend 1:1. Die Äugend konnte die gleiche vom Turn- und Sportverein Butzbach mit unentschieden nach Hause schicken. Die Butzbacher Äugend war in Der Sport im Reiche Der Turnverein 1883 Lollar veranstaltete am vergangenen Samstag im Saalbau zur Linde einen in jeder Hinsicht gut gelungenen Werbeabend, und verband damit einen Kunstturn- Wettkampf der Turnvereine Gräfenhausen bei Darmstadt, Waldgirmes und Lollar. Die Turnerinnen des Tv. Lollar unter Leitung des zweiten Vorsitzenden, Ludwig Wagner, eröffneten den Abend mit anmutigen und schönen Handgeräteübungen. Dann folgte der Aufmarsch der Tümer. Der erste Vorsitzende des Turnvereins Lollar, Bürgermeister Schmidt, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und Turner und wies auf die hohen Ziele der deutschen Tum- bewegung hin. Sodann begann der eigentliche Wettkampf, der sich durchweg auf hoher Stufe bewegte. Der Kampf war spannend von Anfang bis zu Ende und der Sieg mußte hart erkämpft werden. Die Lollarer Turnmannschaft mit Ludwig Wagner, Heinrich Dodes, Walter Bierau, Ludwig Hettche, Albert Drescher und Wilhelm Hofmann entschieden den Kampf zugunsten des Turnvereins Lollar mit 563 Punkten gegen Waldgirmes und Gräfenhausen, welche beide mit gleicher Punktzahl von 538 Punkten den Kampf beendeten. Mit der Siegerehrung durch den Gau ehren tum- wart Schmidt (Launsbach) und den Glückwünschen des Gauehrenvorsihenden D a u p e r t in (Stettin und Las Internationale in Wien die meiste Beachtung. — Das Ereignis imHallen- t e n n i s ist der zweitägige Länderkampf Deutschland gegen Schweden in Mannheim, der am Sonntag beendet wird. Än Essen beginnen die Rheinisch-Westfälischen Hallenmeisterschaften. Äm Radsport kommt bereits am Samstag in der Halle Münsterland ein 75-Kilometer- Mannschaftsfahren zum Austrag. Ebenfalls am Samstag leitet die Stuttgarter Sport-Arena ihre Saison ein. Richt weniger als zwölf Dauerfahrer bringt am Sonntag die Dortmunder Westfalen- Halle an den Start, während die Kölner Rhein- lcnchalle ein Dreistunden-Mannschaftsrennen ab- wickelt. Die Breslauer Äahrhunderthalle gibt erneut den Amateuren Gelegenheit zur 'Betätigung. Von Bedeutung sind die Tagungen, die in Berlin das deutsche Olympische Komitee und der Vorstand des deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen abhalten. Auch der Deutsche Motorradfahrer-Verband wird auf seiner Äahres- hauptversammlung in Frankfurt a. M. wichtige Beschlüsse fassen. In den Bergen schneit es seit einigen Tagen und ein rauher Rordostwind meldet sich als Vorbote des Winters in den Tälern. Doch die Wintersportler werden sich noch einige Zeit gedulden müssen, denn Skiföhren, Schlitten- und Bobbahnen genügen noch nicht verwöhnten Ansprüchen. Der Sonntag bringt im Futzball- sport auf der ganzen Linie die Fortsetzung der Punktejagd. Fast in allen Bezirken, Gruppen und Kreisen der einzelnen Verbände haben die Spiele der zweiten Serie begonnen. Oesterreich und Schweden tragen in Wien einen Län- derkampr aus. 2m Hockey herrscht in Berlin lebhafter Spielbetrieb. Die Städtespiele Berlin-Hamburg für Damen und Herren versprechen guten Sport. Daneben treffen sich noch die Auserwählten der ersten Klasse Berlins mit der Kottbuser Städtemannschaft. Von den Veranstaltungen der Turner sind die Schwimmfefte in Charlotten- burg (Dresdner Bank) und Liegnitz sowie das Hallensportfest in Bremen hervorzuheben. Äm Schwimmen beanspmchen das „Meister- fest" in Köln, die dritten nationalen Wettkämpfe der Vorrunde der stärkste Gegner der Licher. Der Schiedsrichter leitete beide Spiele einwandfrei. Handball im Lahn-Oünsberg-Gan. Äm 1. Bezirk herrscht am Sonntag Buhe. Das hier noch rückständige Wiederholungsspiel Launsbach gegen Ahbach findet aller Wahrscheinlichkeit nach am 30. November statt. Äm 2. Bezirk trifft Allendorf auf eigenem Platz auf die 1. Mannschaft von Lollar und wird alles aufbieten müssen, um die Punkte dort zu behalten. Staufenberg hat zu einem Gesellschaftsspiel die 1. Mannschaft Launsbachs zu Gast. Die Äugend, Gruppe I, führt in Garbenteich noch ein Spiel gegen Wieseck durch, das die Plahbesitzer sicher gewinnen sollten. Kunstturnkampf Deutschland—Holland Die Kgl. Riederländische Ghmnastikgesellschaft hat den Vorschlag der DT., den Wettkampf im Kunstturnen zwischen Deutschland und Holland Ende Dezember in Amsterdam aus)Utragen, angenommen. Die Holländer sind glei^Kcitig zu einem Rückkampf nach Deutschland eingeladen worden. Die Vertretung der deutschen Farben wird voraussichtlich einem der größten Tumkreise übertragen. Freiherr v. Nagel erringt die internationale Militär - Einzelnieisterschast. Oberleutnant Freiherr von Ragel errang am Mittwoch auf „Dodo" beim internationalen Reitturnier einen neuen großen Erfolg. Er gewann im Stichkampf gegen den amerikanischen Kapitän Bradford die internationale Militär - Ginzel- meisterschaft in überlegener Weise. Sein Sieg wurde von den 10 000 Zuschauern mit brausendem Beifall aufgenommen. Bausch-Hürtgen gewinnen das 24. Berliner Sechstagerennen. Am 24. Berliner Sechstagerennen, das am Donnerstagabend fein Ende nahm, siegte das deutsche Paar Rausch-Hürtgen mit 137 Punkten. Zwei Runden zurück lagen van Kempen-Schön mit 342 P., vier Runden zurück Rieger-Kroschel mit 191 P. und Manthey-MaszZnski mit 154 P. Äns- gefamt wurden 3 313,280 Kilometer gefahren. Das Gesamtergebnis. 1. Rausch-Hürtgen 137 P.: zwei Runden zurück: 2. van Kempen-Schön 342 P.: vier Runden zurück: 3. Rieger-Kroschel 91 P.; 4. Manthey-Ma.zynski 164 P.: fünf Runden zurück: 5. Krüger-Funda 250 P.; sieben Runden zurück: 6. Dinale-Tonani 278 P.: 7. Ehmer-Tietz 195 P.,' zehn Runden zurück: 8. Petri-Lehmann 199 P. Eine mlßdß Salbe gegen Hautjucken, Wundsein u. 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