Nr. 188 Lrftes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, U. August 1930 Erschein» täglich,außer Sonntag» und Feiertag». Beilagen: Die Illufttnerte Gießener Familiendlätter tzeirnal im Bild Die Scholle Bonoti Btjngsprets: 2.20 Reichsmar» und 30 Reichspfennig ftr Träge» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Hummern infolge höherer Gewalt. KernfprechaUfchliisie «nterSammelnummer2251. »nschrrst für Drahtnachrichten Snjelger Gießen. pottscheckkonto: Srenlfurtam Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Unlversilütt.vllch. u«h Stetnöniderei 8. Lange in Gietzen. ZchnftlettAng und Seschästzstelle: Zchulftratze 7. Annahme »an Anzeigen für die Tagesnummer di» zum Nachmittag oorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Neichapfennig; für Ne- hlameanjeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20*. mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich für Volitik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.lkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Die katalanische Frage. Don unserem v. Oss.-Q5eri4rterftatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe,' verboten I Madrid, Äugust 1930. Sin königliche- Dekret verfügt die Aufhe - bung eines Dtktaturerlasses, lvonach das Hillen der katalanischen Jahne und die Anwendung der katalanischen Sprache bei öffentlichen Anlässen verboten war. Die Katalanen haben also ihre Fahne und Sprache wieder und ganz Katalonien beging diesen historischen Tag mit Dankgottesdiensten und Freudenseiern. Diese hauptsächlich auf die Krone zurückzuführende Maßnahme Ht außerordentlich geschickt, nimmt sie doch den schon chronisch gewordenen Angriffen gegen die Madrider Zentralregierung einen großen Teil der Zielsläche weg. Die mit größter Energie durch- «führten Zentralisierungsbestrebungen Prirno de Riveras, die im Widerspruch standen mit seinen den Katalanen vor dem Staatsstreich gegebenen Dersprechungen. hatten in Katalonien eine Atmosphäre geschaffen, die jeden Augenblick eine Explosion befürchten lassen mußte. Ein derartiger Ausbruch der Volksseele hätte nun unter der Diktatur, die bereit war, mit den schärfsten Mitteln vorzugehen, wohl kaum Aussicht aus Erfolg gehabt — ander- unter den heutigen Der- hältnissen. die ein Ziehen deS Dotventils durchaus berechtigt und nötig erscheinen lassen. Da nun über Katalani-mu- und die sogenannte katalanische Gefahr im allgemeinen nur recht dunkle Begriffe herrschen, scheint cs bei der Bedeutung, die Katalonien in wirtschastlicher wie in politischer Hinsicht für das spanische Gesamtleben und für da- Verhältnis Spaniens zu Deutschland hat, notwendig, einen kurzen lieber- blick über die Entwicklung des Katalanis- mu- zu geben, der gerade heute wieder sehr akut geworden ist. Geschichtlich hat sich Katalonien aus dem Frankenreich« herauSentwickelt, dem es als Marca Hispanica noch unter Karl dem Kohlen angeb ort hatte. Zum Dank für ihre Leistungen im Befreiungskampf gegen die Araber erhielt dies« Mark Ende deS neunten Jahrhunderts von dem erwähnten Herrscher die Unabhängigkeit al- Grafschaft von Barcelona verliehen, deren erster Herr der Graf Widfrcd war. Diese Selbständigkeit behauptete sich nun mehr ober weniger die ganze geschichtliche Entwicklung hindurch noch bis zu den katholischen Königen Ferdinand und Isabella Ende des 15. Jahrhundert-. Don da ab begann die ständige Der- minderung der katalanischen Rechte, bi- mit dem Snkel Ludwig- XIV. von Frankreich Philipp V. 1714 die Bourbonen in Spanien Fuß faßten und die letzten katalanischen Rechte und Ansprüche vernichteten. Damit fiel Katalonien m einen fast 150jährigen Schlaf, aus dem es erst wieher Mitte de- vorigen Jahrhunderts erwachen sollte. Im Laufe dieser langen Jahre hatten sich die kastilische Sprache und die kastilischen Sitten so in Katalonien eingeführt, daß die katalanische Eigenart fast ganz in Vergessenheit geraten war, katalanisch wurde nur noch von den Bauern «sprachen und galt als unfein. Erst um das Jahr 1850 machten sich die ersten Anzeichen einer katalanischen Wiedergeburt bemerkbar, die von einem kleinen Kreise von Literaten und Wissenschaftlern, die sich besonders der Erforschung der katalanischen Dokument« widmeten, auSgmg und verhältnismäßig rasch wuchs. Diese Anfangsbewegung war völlig frei von politischen Tendenzen und galt nur der Hebung der katalanischen Eigenart und der Förderung der katalanischen Sprache und Literatur. Parallel aber zu dieser Bewegung entwickelte sich da- industrielle und kaufmännische Leben dem übrigen Spanien weit vorauSeilend, von Jahr zu Jahr stärker. Während nun anfangs auch in diesen Kreisen keine Sonderbestrebungen politischer Art zu verzeichnen waren, hat das geringe Verständnis, das Madrid den katalanischen wirtschastlichen Forderungen entgegenbrachte, eine gewisse Abneigung gegen die spanische Metropole erzeugt. Die schleppende Behandlung aller wirtschaftlichen Angelegenheiten und das langsame Funktionieren des komplizierten DerwaltungSapparates ließen in Katalonien da- Gefühl des gewaltsamen Gehemmtwerdens aufkommen und erzeugten schließlich den Wunsch nach Selb st Verwaltung. In der Zwischenzeit hatte die literarische Bewegung ebenfalls starke Fortschritte gemacht. Di« katalanische Sprache war auf die Bühne gekommen, um 1890 erschienen die ersten Zeitungen in katalanischer Sprache, die bedeutendsten ausländischen Dichter wurden ins Katalanische übersetzt, darunter Goethes Faust, und Poeten wie Gimera entsprangen dieser Bewegung. Auch auf musikalischem Gebiet betätigte sich dieser geistige KataloniSmus. eS wurde nicht nur die volkstümliche Musik gefördert, sondern auch die Opernmusik gepflegt, fast sämtliche Wagneropern wurden in katalanischer Sprache gesungen! Schließlich kam es so weit, daß sich diese beiben Richtungen, bi« literarische und die wirtschaftlich«, auf einer Linie zusammenfanben, um mit vereinten Kräften die katalanische Ide« zu verwirklichen. Sv entstand die regionalistische Partei, die sich bemühte, ideale Gedanken wieder in die Politik zu bringen und die sich als praktisches Ziel die Erreichung der Derwaltungs- autonomie setzte. Diese konservative katalanische Richtung, die unter der Führung des heute als bedeutender Finanzmann bekannten Sambo auf Schaffung eines spanischen Bundesstaates hinarbeitete und zum mindesten weitgehende Selbst- Einigung über die Oflhilse zwischen Preußen und dem Reich. Ein komplizierter Behördenapparat. Berlin, 13. Aug. Tic letzten Schwierigkeiten wegen der Ingangsetzung der Ost Hilfe sind jetzt aus dem Wege geräumt worden. Sie bcflanben im wesentlichen darin, daß Preußen Bedenken dagegen hatte, im Falle von Streitigkeiten den Reichskanzler die letzte Entscheidung a 11 e in treffen zu lassen. Man hat diesen Bedenken nun dadurch Rechnung zu tragen gesucht, daß der Reichskanzler diese Entscheidung im Benehmen mit dem preußischen Ministerpräsidenten fällen soll, falls fi« jemals erforderlich wird. Im übrigen ist der Ostkommissar, Reichsminister Trevira n u S, bei seinen Entscheidungen gebunden an die sachliche Ucocreinftimmung mit Dem Reichs- «rnährungsminister Schiel«, dessen Ressort ja praktisch für die Osthilfe am meisten zuständig ist. Don preußischer Seite sollen neben dem Wohlsahrtsminister Hirtfieser noch drei Persönlichkeiten in daS Ostkommissariat delegiert werden, allerdings ohne Stimmrecht. Bon der Seite des Reiches wird noch Ministerialdirektor WachSmann vom Reichsemährungsministerium ständig im Ostkommissariat beschäftigt sein. Die Spitz« dieser für die besonderen Zwecke der Ost- Hilfe zusammengestellten Behörde ist aber ReichS- minister TrevironuS, und es ist nur eine Folge des Dualismus der beiden Zentralregierungen deS Reichs und Preußens in Berlin, daß es unmöglich ist, diesen Dingen eine einfachere Gestalt zu geben. Der Apparat, der jetzt für die Zwecke der Osthilfe aufgebaut wird, ist reichlich kompliziert und bietet immer noch die Möglichkeit zu bureaukratischen Hemmungen und Verzögerungen. Bereinigung des Korridors die beste Osthilfe. Reichsminister Treviranus über daS nächste außenpolitische ziel. Königsberg, 14. Aug. (X1L) Der Berliner Vertreter der .Königsberger Allg. Ztg." hatte eine Unterredung mit dem ReichSrninister T re- vir a n u S über die Organisation der Hilfsaktion für den Osten. Dabei betonte Treviranus mit äußerstem Dachdruck, die Dot deS deutschen Osten- werde bestehen bleiben, solange nicht eine vernünftige, den wirtschaftlichen Interessen der Grenzbevölkerung entsprechende neue Grenz- regulierung im Osten erfolge. Sie sei die nächste dringende Frage, die gelöst werden müsse. Darin gehe er mit dem Kanzlep. mit seinen Ministerkollegen und 90 Prozent Der deutschen Bevölkerung konform. Der Vorschlag d'Ormesfons in der ,Revue de Paris", das Korridorproblem etwa dergestalt zu lösen, bah souveräne deutsche Querverbindungen nach Danzig und Ostpreußen geschaffen würben, allerdings nur in ber Breite eine- Federstriche- fei gänzlich verfehlt. Der Minister schloß: .Die gerechte Lösung des Korridorproblems ist es, die wir mit allen politischen und diplomatischen Mitteln anstreben. Ich weiß, daß zahlreiche prominente Politiker des Auslandes, auch solche in Pari-, in dieser schlechterdings europäischen Frage unsere Ansicht teilen. Man unterschätzt mich, wenn man mir unterstellen will, daß ich mir Die Lösung des Korri- dorproblems auf kriegerischem Wege vorstelle. Dein, diese Angelegenheit ist zunächst eine Sache deS Völkerbundes. Danach ließe sich auch eine Konferenz ber beteiligten Anrainer in bie Wege leiten. Wann es so weit sein wird, wage ich nicht zu prophezeien, aber bic Bereinigung ber Oftfrage ist jetzt nach ber Rheinlandräumung akut. Sie steht auf Dem nächsten außenpolitischen Programm ber ReichSregierung." Die pariser presse hehl weiter. Paris, 13. Aug. (XU.) Trotz des Dementi- der deutschen Botschaft in Paris behauptet Per- tinax im .Echo de Paris" auch weiterhin, daß sich der deutsche Botschafter von Hoesch bei feiner Unterredung mit Briand bemüht habe, die Ausführungen des Ministers Treviranus a b zuschwächen und als die Wiedergabe Oslo, 13. Aug. Auf der 7. Konferenz der Internationalen Union gegen die Tuberkulose sprach Prof. E a l m e 11 e aus Paris über seine Methode zur vorbeugenden Bekämpfung der Tuberkulose, wobei er u. a. erklärte: Im Gegensatz zu anderen Impfungen, die, wie z. B. bei der Tollwut, den Pocken, dem Typhus usw. den Organismus für länaere Zeit gegen Ansteckung schützen, selbst wenn keine Spur mehr von den eingeimpften Bazillen im Körper vorhanden ist, wirkt der eingeführte Tuberkuloseerreger nur s o - lange, als er im Organismus bleibt. Er sei also auf den Gedanken gekommen, in den menschlichen bzw. tierischen Körper eine gewisse Menge einer Tuberkulosenbazillenkultur einzuführen, die dort bleiben soll. Um diesen Bazillen jede giftige Beschaffenheit zu entziehen und sie voll- kommen ungefährlich zu machen, kultiviere man sie in ununterbrochenen Reihen auf mit Ghyzerin Der rnischter Ochsengalle. Auf diesem außerordentlich alkalireichen 'Nährboden verlieren die Bazillen nach 230 Uebertragungen, Die alle 25 Tage vorgenommen werden (das ganze Verfahren währt drei- zehn Jahre) ihre Gefährlichkeit, behalten aber Die Eigenschaft, den Organismus feinet persönlichen Meinung darzu- stellen, für bic die Reich-reglerung nicht verantwortlich gemacht werben könne. DaS sei eine unhaltbare Erklärung, Da sic Durch bie Reden Des Reichskanzler- und de- Reichst nncnmini stets widetlegi werd«, bie im wesentlichen dieselben Forderungen ausgestellt hätten. Wenn in einem Teil ber deutschen Preße DaS zufrüh« Hinscheiben Sttesemanns bebauert werde, da sein Verbleiben in ber Regierung die Fortsetzung bet bcutlch-iranzösischen Annäherungspolitik bebeutet hätte, so tonne man bemgegenüber nur feft- ftellen, bah unter Der Führung StresemannS Die wahren Ziele der Deutschen Außenpolitik nur versteckt gewesen seien. 3m Grunbe genommen sei es daher besser, daß daS Heber* kochen DeS deutschen .Chauvinismus" endlich einmal klares Licht geschaffen habe. Jeder vernünftige Franzose werde jetzt einsehen, daß et sich Illusionen hingegeben hab«. Btianb erlebe jetzt den Zusammenbruch semeS Werke-. Wenn Deutschland in diesem Winter unter dem Vorwand seiner wtttschastlichen Rotlage da- erstemal von einem Moratorium für bie Voungzah lungen Gebrauch mach« — unb von verschiedenen Seiten werde darauf hing«- wiesen, daß eS dazu entfchlosfen sei — dann werbe Briand von der Bildfläche verschwinden. gegen Ansteckung durch giftige Bazillen derselben Art zu schützen. Diese Kulturen werden zur Herstellung eines Serums verwendet, das den ganz kleinen Kindern, deren Organismus noch keine normalen Tuberkulosebazillen enthält unb Deren DarmroänDe Die Bakterien noch leicht durch- lasten, als Nahrung verabreicht wirb. Solche Kinder sollen nach Calmettc für 4 bi» 5 Jahre gegen Tuberkulose gesichert sein. Ealmette erklärte, daß die Zahl der Mißerfolge äußer st gering sei. Jedenfalls fei es vollkommen abwegig, aus den wenigen Unfällen auf die Gefährlichkeit eines Berfahrens zu schließen, bunh das unzählige menschliche Existenzen, die sonst Der schrecklichsten aller Krankheiten schutzlos erliegen würben, gerettet und erhalten werden können. In Lübeck ist, nachdem seit einiger Zeit ein Stillstand Der Sterblichkeit Der mit Dem Tuberkulose- schutzpräparat gefütterten Säuglinge eingetreten ist, letzt ein neuer loDesfall zu verzeichnen. Die Zahl ber Opfer hat sich Damit auf 6 5 erhöht. Als krank meldet der Bericht des Lübecker Gesundheitsamtes noch 55, als gebessert 73, als gesund bzw. noch in ärztlicher Beobachtung 58 Säuglinge. DieTuberkulose-SchutzimpsungEalmettes. Professor Ealmette spricht über seine Fütterungsmethode. verwaltung-rechte für bic spanischen Landschaften burchzubrücken hoffte, drang aber in Madrid nicht durch unb so kam es, baß bie extreme katalanische Richtung Oberwasser gewann unb nun ihrerseits versuchte, ohne Madrid zum Ziel zu kommen. Es gelang ihr denn auch, im Jahre 1910 bie sog. Mancomunibab zu grünben, eine Art wirtschaftlichen Parlaments, bas sich bie nötigen Geldmittel zur Durchführung feiner Aufgaben lediglich durch Ausgabe von Obligationen, bic stets restlos in Katalonien selbst untergebracht werben konnten, verschaffte. Diese Einrichtung hat sich sehr gut bewährt unb cs muh anerkannt werben, baß bie Mancomunibab besonbers auf bem Gebiete des Verkehrswesens, Wegebaues unb Schulwesens Vorbilbliche- geleistet hat. Eine gewisse Stagnation trat erst im Jahre 1918 ein. Die katalanische Frage trat in Den Hintergrund, da der dcrmals besonders in Barcelona auf- flammende Syndikalismus die ganze Auf- merksamkeit unb alle Kräfte des Landes in Anspruch nahm. In diese Zeit fällt auch die Blütezeit der katalanischen Separatisten, einer kleinen Gruppe, die mit den Rcgionalisten nichts gemein hat, die die völlige L o s l ö s u n g Kataloniens von Spanien betreibt und das Land entweder zu einer selbständigen Republik ober zu einem Teil Frankreichs machen will. Erst im Jahre 1923 gelang cs bem energischen General Martinez A n i b o , die Syndikalisten und Separatisten mit eisernem Besen auszukehren und in Katalonien Ruhe und Ordnung zu schaffen. Die Rückwirkung des Separatistenunfugs allerdings war bic politisch nicht kluge Maßnahme, auch die übrigen Katalanen zu unterdrücken unb ihnen ihre — wie eingangs gesagt — primitivsten Rechte zu nehmen. Damit wurde schließlich im weiteren Verlauf der Diktatur eine feindliche Stimmung gegen di« Krone erzeugt, die wiederum einen bedenklichen Ruck nach links in der gesamten katalanischen Orientierung zur Folge hatte. Diese Gefahr nun gebannt zu haben, das ist das Verdienst de- oben erwähnten Dekrets. R100 fliegt von Kanada nach England. Das Luftschiff R100 ist am 13. August um 9.28 Ähr abends (Sommerzeit) auf bem Montrealer Flugplatz St. Hubert zum Rückflug nach England gestartet. Oer Aufmarsch zum Wahlkampf. „Schließt die Reihen." Ein Aufruf Minister Schieles an das Landvolk. Berlin, 13. Aug. (ERB.) Reichsernährungsminister Dr. h. c. 6 i e I e erläßt unter Der Uebcrfdjrift .Schließt bie Reihen!" einen Aufruf an das Landvolk, in bem es heißt: .Wer wie ich ber Lieberzeugung ist. daß wir nur durch persönliche, verantwortungsbewußte Mitarbeit im Staat unsere wirtschaftlichen, sozialen, staats- und nationalpolitischen Ziele erreichen können, der dürfte sich Dem Ruse des Reichspräsidenten nicht versagen. Die ilebcrnabme des Reichsemährungs- miniftcriumd war daher für mich angesichts der verzweifelten Lage Der Landwirtschaft und bes OstenS ein Gebot der Pflicht, zumal Die weitgehende sachliche Zustimmung des Kabinetts zu den vor mir geplanten dringendsten Agrar- und Osthilsemahnahmen vorlag unb bie Bereitstellung aller verfassungsmäßigen Mittel zu ihrer politischen Durchsetzung gesichert war. Solange unb soweit diele Voraussetzungen gegeben sind, habe ich im Dienste ber Landwirtschaft und deS Ostens auf diesem Posten auszuharren. Politisch heimatlos ist nunmehr das Landvolk gezwungen, sich eine neue Plattform für feinen politischen Kampf um das eigene Geschick unb bas bes Vaterlandes zu schaffen. Angesichts dieser Lage ist die Sammlung ber politisch odbachlos gewordenen und ber Verzweiflung überlieferten Kräfte im Landvolk nur noch unter beruf-ständischer Parole möglich. Da- Landvolk ist bie Kerntruppe ber konservativen, hoben ft änbigen unb staat-erhaltenden Volkskrästc überhaupt. Stellt sich das Landvolk straff organisiert mitten hinein in bic Front ber Sammlung der großen Rechten, so erfüllt es damit seine naturgegebene Berufung zu staatSpolitischer Führung. Deshalb ber Appell an meine BerufSgenossen: Sammelt euch um bas grüne Danner ber deutschen Landvolkbewegung — ber deutsche Dauer marschiert im Kampsc um feincScholle, um den ihm gebührenden Einfluß im Staat unb um bie Freiheit seine- Daterlanbc-. Volkspartei und Konservative. Tie gemeinsame -ront am Niederrhein. Dui-bu rg, 13. Aug. (211.) Wie die Konservative Dolkspartei für die Wahlkreise Düsseldorf-West und Düsfeldors-Ost mitteilt, hat Oberbürgermeister Dr. Jarres, ber bekannte vvlkS- parteiliche Führer in der Rheinprovinz unb ehemalige Reichsinnenminister, an Dr. von X r t) - ander, den konservativen Spitzenkattdidaten, folgendes Schreiben gerichtet: „Ich weiß, baß ber ©ammelruf bet Volkspartei bei Ihnen unb den Ihnen nahestehenden, insbesondere auch bei dem ®ra< fen Westarp und unserem gemeinschaftlichen Freunde Treviranus Verständnis und Echo gefunden hat. Persönlich bin ich ber Meinung. daß bie Verschmelzung ber gemäßigten Rechten schon jetzt hätte erfolgen sollen. Wa- aber im Augenblick nicht gelungen ist, muh und wird. daS ist meine lleberzeugung, die nahe Zukunft bringen. In bem bevorstehenden Wahlkampf werden die beiden noch selbständigen Parteien. die Konservative Volkspartei und bie Deutsche Volk-Partei, nebeneinander al- gut eKameraden stehen unb kämpfen können. In dieser Gesinnung rufe ich Ihnen und Ihrer Partei zum Wahlkampf ein herzliche- Glückauf zu. Der Rieberrhein wird sich be« glückwünschen können, wenn Ihr Wahlkampf mit Erfolg geführt wird, wenn wir in Ihrer Person für ben Reichstag wieber einen Vertreter gewinnen, ber sich im Dezirk ber höchsten Wertschätzung erfreut und bem wir in ben Kreisen ber Deutschen Volkspartei in Hochachtung bi« Hand reichen." Die Konservative Volkspartei hat für bi» Wahlkreise Düsseldorf-Ost unb -West Dr. von Drhander als Spitzenkandidaten aufgestellL An zweiter Stelle im Wahlkreis Düsseldorf-Ost hat die Konservative Dolkspartei den Geschäftsführer des Deutschnationalen Handlungsgehilfen Verbandes, WalterLambach, aufgestellt. Der ursprünglich als Spitzenkandidat für die beiden Düsseldorfer Wahlkreise vorgesehene frühere deutschnationale Reichstagsabgeordnete v. Lind - einer-Wildau kandidiert im Wahlkreis Berlin-Potsdam. „Das freie Bürgertum." Minister Höpter-Afchoff über die Sammlungsbewegung der Mitte. Köln, 13. Aug. (CNB.) Der preußische Finanz- Minister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f, einer der Führer der Deutschen Staatspartei, nimmt in der .Köln. Zeitung" in einem Aufsatz „Das freie Bürgertum" erneut das Wort, um sich mit dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, über den Gedanken der Sammlung des Staatsbürgertums auseinanderzusetzen. Dr. Höpker-Aschosf führt u. a. aus: „Dr. Scholz will eine große Sammlung für den bevorstehenden Wahlkampf und glaubt, durch solche Sammlung der Sozialdemokratie erfolgreich entgegentreten zu können. Ich will die große Partei des freien Bürgertums, die sich neben der Sozialdemokratie, dem Zentrum und der Rechten machtvoll behaupten kann. Dabei ist es zunächst vollkommen gleichgültig, mit wem diese Partei später einmal Regierungskoalitionen bilden wird. Die Selbstbehauptung der neuen Partei, die ich will, ist Kampf innerhalb und außerhalb einer Koalition. Eine solche Partei muß mit den anderen Parteien und nicht allein mit der Sozialdemokratie kämpfen, einerlei, ob sie mit ihnen in einer Koalition sitzt ober in der Opposition gegen sie steht. Denn auch Arbeitsgemeinschaft in einer Koalition ist Ringen um die politische Macht nur mit dem Willen zur Verständigung und in dem Gefühl der Verantwortung für die Führung der Staatsgeschäfte. Die Sammlung beweist gar nichts. Wie will sich das freie Bürgertum behaupten, hat es den Willen zur Macht — und alle Politik setzt solchen Willen zur Macht voraus —. so muh es sich zunächst einmal d i e ft-ar le Partei schaffen, die sich alsdann mit den anderen Parteien auseinandersetzen wird, sckwohl bei gemeinsamer Arbeit innerhalb einer Koalition, wie auch in der Opposition, im Kamps mit anderen in der Regierung sitzenden Parteien. Die neue Partei soll die Partei des freien Bürgertums sein und ihm wieder Macht geben nnd wird darum auch mit der Sozialdemokratie zu kämpfen haben. 3d) betrachte die Sozialdemokratie — so verfehlt ihr Wirtschaftspro- gromm ist — als eine staatsbejahende '-Partei ebenso wie das Zentrum und die kommende Rechte und will nur, daß sich das freie Bürgertum neben der einen wie der anderen behaupte." Das Zentrum fordert Wahlreform. Ein vorbildlicher Revers für Reichs- tagslandidaien ' Hamm, 13. Aug. (TU.) 3n einer Versammlung der Wah lkreisvertreter der Zentrumspartei von Westsalen-Rord wurden als Spitzenkandidaten auf gestellt: 1. Dr. Herold, 2. Dr. Ste g erw ald , 3. Prälat Dr. Schrei - der. Die übrigen Spitzenkandidaten haben dem Reichstag noch nicht angehört. Dor der Aufstellung der Liste wurde folgender Antrag Dr. Strickers (Münster) angenommen: „Sämtliche Kandidaten werden nur unter bei; Voraussetzung ausgestellt, daß sie versichern, mit größter Aktivität für eine Wahlreform einzutreten, die eine enge persönliche Verbindung zwischen Abgeordneten und Wählern sicherstellt und den Wert der Persönlichkeit mehr zur Geltung kommen läßt.“ Prälat Dr. Schreiber erklärte hierzu, daß Reichskanzler Brüning entschlossen sei, eine Wahlreform d u r ch z u f ü h r e n. Reichsinnenminister Dr. Wirth fei_ beauftragt, einen Wahlgesetzreform-Entwurf möglichst bald dem Reichstag vorzulegen. 3n Westfalen-Süd wurden als Spitzenkandidaten des Zentrums aufgestellt: Heinrich 3m- busch von den Christi. Gewerkschaften und Landtagsabgeordneter Schmelzer. Wahlschlacht in Nürnberg. Mutige Zusammenstöße zwischen Anhängern radikaler Parteien. R ü r n b e r g, 13. Aug. (WTB.) Gestern abend fand eine von den Kommunisten nach dem Herkules-Velodrom einberufene öffentliche Versammlung statt, zu der alle Parteien aufgefordert worden waren. Die Rationalsozialisten hatten sich zahlreich eingesunden. Von den Kommunisten sprach R e m m e l e.. Als er den nationalsozialistischen Führern vorwarf, daß sie zu hohe Gehälter in ihre Taschen fliehen ließen, antwortete ein Rationalsozialist, der Kommunist Büchs habe 100 000 Mk. veruntreut. Remmele erwiderte, diese 100 000 Mk. hätten zur Unterstützung der Partei Verwendung gefunden. Daraufhin entwickelte sich eine regelrechte Schlacht zwischen Kommunisten und Rational- sozialisten mit Biergläsern, Stühlen und abgebrochenenTischbeinen. Da die Ausgänge den ins Freie eilenden Verfammlungs- besuchern nicht genügten, kletterte eine große Anzahl aus den Fenstern. 3n dem Saal blieb nichts ganz. Die Polizei griff ein, und die ebenfalls herbeigerufene Feuerwehr trennte die Kämpfenden durch kräftige Wasserstrahlen. Die Schlägerei setzte sich dann aber auf der Straße fort, wobei die Streitenden Zaunlatten als Hiebwaffen benutzten. 3nsgesamt wurden 65 bis 70 Personen verletzt, davon 19 schwer; zwei schweben in Lebensgefahr. Die Schwerverletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. 3« Württemberg Listenverbindung zwischen Deutscher Volkspartei und Gtaatspartei. Stuttgart, 13. Aug. (WTB.) Der Wahlverband Württemberg der Deutschen Volkspartei hielt hier einen Dertretertag ab, der aus allen Teilen des Landes sehr stark besucht war. Der Dertretertag hatte die Aufgabe, über ein mit der Staatspartei ab - zu schließendes Wahlabkommen zu entscheiden. Gegen eine kleine Minderheit wurde eine Entschließung angenommen, wonach die Der- ttetemerfammlung der Deutschen Volkspantei Württembergs mit Rücksicht auf die be- Silber Mw fiurbtnaufffanb an der persisch-imMen Grenze. Rechts: Eine Kurdensiedlung im umstrittenen Gebiet. Links: Kurdische Typen. M. -A . . • • ** £-■ «Ml V Oer Kampf an -er Grenze. London, 14. Aug. (WTB. Funkspruch.) Ueber den bereits kurz gemeldeten Kampf zwischen persischen Grenzwachen und Kurden gibt ein ausführlicheres Reuter-Telegramm aus Teheran folgende Darstellung: Die persischen Behörden trafen Maßnahmen, um den 3 a l a l i» Stamm aus dem persisch-türkischen Grenzgebiet zu entfernen, und ihm dadurch den Verkehr mit den aufständischen Kurden am Araratgebirge unmöglich zu machen. Die 3alali wünschen die Kurden, die von den Türken hart bedrängt werden, zu unterstützen. Ein Führer der aufständischen Kurden, K h a l O d Agha, der sich auf persischem Gebiet befindet, traf kürzlich Vorbereitungen, um sich insgeheim über die Grenze zu begeben. 100 kurdische Aufständische vom Ararat überschritten die Grenze, um ihn abzuholen; sie wurden aber von den persischen Grenzwachen verfolgt und es kam zu einem Kampf, bet dem zwei kurdische Häuptlinge den Tod fanden, während auf persischer Seite ein Offizier und 21 Soldaten getötet und 11 verwundet wurden. 3n maß- gebenSen Teheraner Kreisen wird die Meldung, daß eine türkische Rote mit dem Vorschlag einer Zusammenarbeit der türkischen und der persischen Truppen in Teheran eingegangen sei, für unrichtig erklärt. Oer Eindruck in London. Ein Eingreifen des t ötterbundes unwahrscheinlich. London, 13. Aug. (TU.) Der Vormarsch türkischer Truppen auf persisches Gebiet und die Besetzung wichtiger strategischer Punkte in der Rähe von Agridagh kam Londoner diplomatischen und politischen Kreisen nicht ganz unerwartet. Die türkische Regierung beabsichtige, den aufständischen Kurden den Rückzug abzuschneiden, um auf diese Weise den Grenzüber- griffen für immer ein Ende zu machen. Wie der „Daily Telegraph" betont, wird ein ernster Konflikt zwischen Persien und der Türkei nicht erwartet. Allerdings werde von der Möglichkeit einer Anrufung des Völkerbünde- durch Persien gesprochen. Das sei aber unmöglich, weil die Türkei nicht Mit- glie d des Völkerbundes sei. Die persische Regierung würde außerdem zu beweisen haben, daß sie den ernsten Versuch gemacht habe, Stammesunruhen an der Grenze zu unterdrücken. Bis zum Augenblick sei kein Anzeichen für einen derartigen Versuch vorhanden. Das sei aber wahrscheinlich nur darauf zurückzuführen, daß Persien im Grenzgebiet nicht übergenugTruppenverfüge, die schnell in die von den Kurden heimgesuchten Grenzabschnitte geworfen werden konnten. Ebensowenig bestehe Grund für die Annahme, daß die Türkei ihre Truppen nicht aus dem persischen Gebiet zurückziehen werde, sobald die Kurdttn aus den nun besetzten Gebieten vertrieben seien. sonderen Verhältnisse in Württemberg und auf die Bedürfnisse der württem- bergischen Landespolitik die Aufstellung einer gemeinsamen Liste mit der Deutschen Staatspartei für zweckmäßig hält und die Landesparteileitung beauftragt, die weiteren Der- hcmdlungen über die Aufstellung der Listest in diesem Sinne zu führen. Oie neuen Sammlungsbesprechungen Berlin, 14. Aug. (TU.) Die geplant ge- wesene Besprechung der Vertreter der Konservativen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei über die Möglichkeiten eines Zusammengehens dieser Parteien hat sich am Mittwoch zunächst auf eine Unterredung zwischen Minister Treviranus und dem Wirtschaftsparteiler Sachsenberg beschränkt, da Dr. Scholz aus Zeitmangel noch nicht teilnehmen konnte. Der Führer der Volkspartei wird jedoch am Donnerstag an einer neuen Besprechung mit dem gleichen Ziele teilnehmen. Oie preissenkungsakiion. Das Gutachten des Reichswirtfchaftsratcs über die Anwendung der Kartellnotverordnung. Berlin, 13. Aug. Wie wir erfahren', hat die Zwölfer-Kommission des wirtschaftlichen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates bas von ber Reichsregierung geforberte Gutachten überbie Preissenkung bei tartellgebunbenen Waren nunmehr fertigestellt. Diese Denkschrift, bie ber Reichsregiekung im Laufe bes Mittwoch überreicht worben ist, stellt sich grunbsätzlich auf ben Stanbpunkt, baß eine Preissenkung bei Lebens- unb Genußrnitteln bes täglichen Bebarfs burchaus möglich unb notwenbig ist. Sie ist ber Meinung, baß bieses Problem bei ben Preisspannen angepackt werben muß, ba sich gerabe bei Lebens- unb Genußmitteln zwischen bem Erzeuger- unb Verbraucherpreis eine ungesunbe Spanne herausgebilbet habe. Der Reichswirtschaftsrat ist jeboch ber Ansicht, baß bie Anwenbung ber Kartellnotverorbnung ober gar die Zerschlagung ber Kartelle nicht ben geeigneten Weg barftelle, um zu diesem Ziel zu kommen. Er empfiehlt baher ber Reichsregierung, bie Kartelle ber Probuktion unb bes Han- bels zusammenzuberufen, bamit sie im Verhanb- lungswege ben Erforbernissen ber augenblicklichen Lage unb ber effektiven Preisverbilligung ber Rohstoffe unb Halbfabrikate Rechnung tragen. Erst für ben Fall, baß eine Einigung nicht erzielt wirb, soll bie Regierung bie Kartellnotverorbnung anroenben unb bann auch bie Auflösung ber Kartelle betreiben. Oie Spenden für Renrode. Eine Erklärung des Landralsamls. N e u r o b e, 13. Aug. (WTB.) Das L a n b r a t s° amt bes Kreises Neurobe erklärt, bie Sammlung für bas Grubenunglück in Hausborf sei zu einem gewissen Abschluß gekommen. Die Mittel bes Reiches unb Preußens sowie bie ber Deutschen Nothilfe übermittelten Spenben finb bem sog. „Bergmanns-Fonbs für bas nieberfchlefische Steinkohlenrevier" zugeführt worben, ber bem Berghauptmann von Nieberschlesien untersteht unb sonstige Behörbenvertreter, Arbeitgeber unb Arbeitnehmer als Mitglieber zählt. Dieser Fonbs verfügt zur Zeit über runb 1 300 000 Mark, wovon bisher 25 000 Mark zur Verteilung gekommen sind. Es ist beabsichtigt, weiterhin gewisse Beträge für die Hinterbliebenen, vor allem für die Kinber, zu oerroenben, währenb ber Haupt- betrag, entsprechen!) seiner Zweckbestimmung, ber Hebung ber Gesundheit ber b e r g m ä n ■ I nischen Bevölkerung bes Waldenburg-Reuroder Bergwerksbezirks bienen soll. Die übrigen Spenden, insbesondere die von Privatpersonen und Zeitungen, sind dem sog. Neuroder Topf zuge- llihrt worden, bisher Beträge in Höhe von 150 000 Mark. Die 10 5 Witwen mit Kindern und die sonstigen Hinterbliebenen haben aus dem Neuroder Topf bisher rund 21 000 Mark erhalten. Eine weitere Ausschüttung erschien im Augenblick unzweckmäßig, weil an die Hinterbliebenen aus Zeitungs- Versicherungen unb anberen Quellen eine Gesamtsumme von über 300 000 Mark gezahlt worden ist. Die nicht zweckgebundenen Mittel sollen den infolge des Neuroder Unglücks g a s ertränkten und verwundeten Bergleuten sowie deren Angehörigen und den Hinterbliebenen aus früheren Unglücken zugeführt sowie für die Gewährung von Erziehungsbeihilfen für die Kinder betroffener Bergleute und für den Ausbau von Erziehungs- unb Erholungsstätten für biefe Iugenb oermanbt werben. Alle Mitteilungen über eine anberroeitige Verwenbung ber (Selber anläßlich bes Grubenunglücks in Hausborf entbehren nach der Erklärung des Landratsamts jeder Grundlage. Elfaß-Wahlen. Die Auwnomiebewegung vor neuen Kämpfen. Run kommt es in Straßburg und Colmar doch zu Ersatzwahlen für die Auto- nomisten Schall und Ross 6, deren Wahl in die Gemeinderäte angeblich wegen ihrer Verurteilung im Colmarer Prozeß ungültig war. Herr Tardieu hat es bisher vermieden, diesen Beschluß amtlich zu verkünden, so daß die beiden Delinquenten trotz der Ungültigkeit ihrer Wahl ruhig im Gemeinderat mitarbeiteten. Man glaubte schon sogar, daß die Kassierung der Mandate stillschweigend unter den Tisch fallen würde. Dazu ist aber die französische Regierung doch nicht stark genug gewesen. Sie hat sich dem Druck der Rationalisten gefügt, vielleicht auch fügen müssen, nachdem ihr Versuch einer Sonder- amneftie für Elsah-Lothringen im Parlament gescheitert war. Also werden die Wähler in Straßburg und Colmar im Herbst noch einmal Gelegenheit haben, der französischen Regierung zu zeigen, wie sie übet die französische Elsaßpolitik denken. Schall und Rosse werden selbstverständlich wieder kandidieren Und die Hoffnungen Frankreichs, daß die Autonomisten- bewegung sich bereits in ihrer Wirkung überschlagen hätte, wird sich kaum erfüllen. Kleine politische Nachrichten. In Bab-Nauheirn hielt biefer Tage ber Landes-Frauenausschuß Hessens ber Deutschnationalen Volkspartei eine Sitzung ab, in ber zu ben bevorstehenben Reichstagswahlen Stellung genommen würbe. Die zweite Vorsitzenbe, Frau Klara K l i n g f p o r (Offenbach), berichtete über bie Sitzung ber Parteivertretung unb bes Reichs-Frauenausschusses in Berlin. Der Lanbes- Frauenausfchuß anerkannte einmütig ben Ernst ber Stunbe unb stellte sich geschlossen unb fest hinter ben Parteiführer Hugenberg. • Rechtsanwalt Professor Dr. G r i m m (Essen) hatte sich für ben Ausschuß zur Herbeiführung einer A m - ne ft le aus Anlaß ber Rheinlanbräu- m u n g an ben preußischen Ministerpräsibenten Braun aewanbt. Die Antwort Brauns lautet: „Die preußische Staatsregierung hat aus grundsätzlichen Erwägungen von einer Amnestie ober ähnlichen Maßnahmen zugunsten ber sog. Fememörber A b - ft a n b genommen. An biesem grunbsätzlichen Stanbvunkt muß bie preußische Staatsregierung unbeschabet etwaiger Ereignisse auch festhalten." Gegen das freisprechenbe Urteil im Ministerbeleibi gungsprozeß Goebbels hat ber Staatsanwalt Berufung eingelegt. Die neue Verhanblung bürste in etwa acht Wochen in Hannover vor ber Großen Berufungskammer stattfindsn. . , .. Aus aller Well. Das Jlugbootunglüd bei Bornholm vor bem Seeaml. Dor bem Stettiner Seeamt fand die Verhandlung über bas Flugbootunglück, bas sich am 7. Juli auf ber Ostsee, 18 Meilen von Bornholm, ereignete. Bei bem Unglück fanben fünf Personen ben Tob, bagegen konnten sich ein Passagier und zwei Mann der Besatzung, darunter der Kapitän des Flugzeuges, Kuring, retten. Nach zehnstündiger Verhandlung unb Beratung fällte bas Seeamt folgenden Spruch: „Das Flugboot D 864 ber Deutschen Lufthansa AG. ist infolge eines wahrscheinlich burd) einen Materialfehler verursachten Prvpellerwellenbruchs zur ßanbung auf See gezwungen worben. Das Kentern bes Flugbootes ist burd) Unterfdjneiben bes Steuerborbtragbecfs oerur- facht worben. Die Leitung bes Flugbootes trifft bei bem Unfall kein Verfchulben. Die Hilfsmaßnahmen bei dem Unfall waren ben Um- ftänben nach zweckentsprechend Die Hilfe- leistung bes bänischen Motorseglers „Maja" ist befonbers anzuerkennen. Eine Belohnung der Mannschaft vom Reich wird für angebracht erachtet. Die A u s r ü ft u n g des Flugbootes. war hinsichtlich der Rettung nicht ausreichend." Aus dem D-5ug gestürzt. Bei der Station Mulden st ein in der Rähe von Bitterfeld fiel die 28jährige Krankenschwester Käthe Simon aus Berlin aus einem Schlafwagen des Zuges D 13 Mailand—Stuttgart—Berlin 3m Krankenhause Bitterfeld haben sich ihre Verletzungen als ziemlich leicht herausgestellt, obwohl der Zug an der Unglücksstelle eine Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometer hatte. Die Rachtorschungen in dem Eisenbahnabteil haben eine Morphiumspritze und ein Fläschchen mit Morphium zutage gefordert, so daß es nicht für ausgeschlossen gehalten wird, daß Fräulein Simon sich im Morphiumrausch aus dem Zuge gestürzt hat. Pilzvergiftungen. 3n Philippsburg (Rheinland) ist eine Familie an Pilzvergiftung erkrankt. Lebensgefahr besteht nicht. Eine verwandte Familie in Hockenheim bei Schwetzingen liegt mit schweren Vergiftungserscheinungen darnieder. Zwei Kinder sind in der Heidelberger Klinik bereits gestorben. Beide Familien hatten gemeinsam Pilze gesammelt und wahrscheinlich giftige mit eßbaren Pilzen verwechselt. — Vor zwei Tagen wurde gemeldet, daß im Eise n- bürget Komitat (Ungarn) eine Massen- pilzvergiftung vorgekommen ist, die bisher drei T odesopfer forderte. Heute wird gemeldet, daß noch ein 61jähriger und ein 44jähtiger Landmann der Vergiftung erlegen sind. Die Behörden haben eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Wie behauptet wird, soll auf dem Waldboden Strychnin von den Pilzen aufgesogen worden fein, da vor kurzem in den Waldungen gegen schädliches Raubzeug Gift gestreut worden war. Drei Knaben vom Blitz erschlagen. 3n Billemerich bei Holzeickede schlug der Blitz in einen Baum, unter bem vier Knaben im Alter von 9 bis 13 Jahren Schutz vor bem Gewitter gesucht hatten. Dabei würben drei Knaben getötet, währenb ber vierte eine schwere Lähmung baoontrug. Warnung vor der Laufbahn des Studienrats. Wie amtlich mitgeteilt wird, gaben nach einer Uebersicht der Deutschen Hochschulstatistik im letzten Winter fast 2 4 0 0 0 Studenten an, daß sie sich auf den Beruf des Studienrates vorbereiteten. 3m preußischen höheren Schuldienst sind rund 16 000 Planstellen vorhanden, von denen voraussichtlich etwa 2500 im Laus« der kommenden fünf 3ahre zur Reubesehung verfügbar werden. Bei Einrechnung des Bedarfs der privaten Anstalten muß damit gerechnet werden, daß im Bereiche der preußischem, Unterrichtsverwaltung 1934 etwa Z bi- 8000 Stutzlenafsestoren vorhanden sein werden, für die innerhalb chreS Beruse« auf lang« Jahre hinaus keine Derw«ndungSmögl icr Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat anaeordnet. nicht nur die vor der Berufswahl stehenden Schüler und Schülerinnen der Prima, sondern auch die Studierenden beiderlei De- schlechtS. die eine Möglichkeit deS Berufswechsels noch inS Auge fassen können, auf die für die nächsten Jahre andauernde Aussichtslosigkeit der HiudienratSlaufbahn mit allem Aachdruck hinzuweisen. „Parfifal" in Layreulh. QTur noch acht Lage sind btS zum Ende der diesjährigen Festspiele, an sechs Lagen wird noch gespielt werden. „Der Ring", „Tannhäuser' und „Parfifal^ kommen noch je einmal zur Aufführung. Die ..Parsifal"-2usführung am Mittwoch hinterließ einen starken «linbrud. Ideal war die Führung der gesamten mitwirkenden Kräfte durch Dr Karl Muck. Seit beinahe dreihig Iahren dirigiert er in Bayreuth und sein ..Parsisal" ist Tradition geworden. Den Parfifal sang Fritz Wolf von der Berliner StaatSoper, d<«n ®urne- manz Alexander KipniS von der StaatSoper Berlin. Maria AöSler-Keuschntgg gab die Kundry hervorragend wieder. Den Amforta« gestaltete Theodor S ch e i b l mit feinem wunderbaren Bariton, der Klingsor von LouiS Bodo Böck und der Titurel von Harald K r a v i t t fügten sich prächtig in den Rahmen «in. Knappen. Ritter unft Blumenmädchen verdienen besonderes Lob. Bon überwältigender Kraft In seiner Klangfülle war der GralSrttterchor im dritten Auszug. Del einem Rettungsversuch ln den Flammen umgekommen. In d«r Rächt zum Montag brannte der De- richtSkretscham in DlaSdorf bei Eibau in Schlesien nieder. S« gelang, zwei im Obergeschoß wohnende Kinder der Gastwirtin Scholz im letzten Augenblick zu retten. Sin drittes Kind, ein lOjähriger Junge, wurde ein Opfer der Flammen Bei dem Versuch, die Kinder zu retten, fand der pensionierte Eisenbahner Wei- rauch ebenfalls den Tod. Aus der Provinzialdauptstadt. Dietz en, den 14. August 1930. Der Wandspruch. Die sind etwas auS dem Gebrauch gekommen, die Wandsprüche. Auf dem Lande findet man sic noch in zahlreichen Häusern. In der Stadt wird man aber wohl lange suchen müssen, wenn man noch einen Wandspruch in der Wohnung finden will. Eine unnütze Sache! Denkt mancher. Vielleicht aber haben sie doch ihre Bedeutung und ihren Sinn, nur daß die .Zeitgemäßen" einen sosttzen Sinn nicht mehr erkennen und erst recht nicht xugeben wollen. Wie ja viele überhaupt nicht dafür sind, ihrem Leben Richtlinien geben zu lassen. Dur weit weg davon! WaS ich zu tun hab«, weih ich selbst, und was die Alten wußten. daS ist doch so veraltete Weisheit gewesen, daß man heute nur noch geringschätzig darüber lächeln kann. In einem Hause, daS ich sehr gut kannte und dessen Bewohner mir sehr nahestanden. lautete der Wandspruch: .An GotteS Legen ist alle« gelegen!" Ich weih von diesem Hause, daß die, die in ihm ein und auS gingen, dem Worte deS Wand» spruchS gerecht zu werden trachteten. Daß sie nicht die Hände In den Schoß legen durften, und trotzdem gebratene Tauben erwarten konnten. daS wuhten sie auch. Aber sie wußten baxu, daß eS nicht nur auf sie ankam. sondern daß da noch etwa- anderes mitspielte. WaS nach ihrer Berechnung gaiu klug beaonnen worden war. konnte scheitern. Unb eS gab genug der großen und kleinen LebenSeinflüsse. die nichts zu tun hatten mit der eigenen Kraft, sondern bei denen sich ein anderes, ein höhere- Walten kundtat. SS war kein Hebertlub in dem Hause, aber satt wurden olle, Unb wenn dann einmal etwa- eintrat, waS ihr« Berechnungen als falsch erwieS. so fanden sie sich damit ab. Da gab eS kein Hadern mit dem Schicksal, und feine Verbitterung, sondern man war sich jener Grenzen bewußt, die dem Menschen gezogen sind. Unb so tarn es. daß ich dort im Grunde stet- glückliche, wenigstens starke, aufrechte, ruhige Menschen gefunden habe, denen so manche-, waS andere mit Reid erfüllte, im Hcrzen-gründe gleichgültig war. Es war für sie schon genug, daß sie besaßen, was sie hatten und brauchten, unb «S wäre ihnen als eine Der- fünbigung erschienen, wenn sie trotz allem, was chnen alS Vorteil zugekommen war, unzufrieden gewesen wären. Gewitz ist nicht alle- davon nur dem Wand- lpruch zuzuschreiben. Aber er hatte — daS darf man wohl annehmen — (eine tiefe Bedeutung für die Menschen, die über die Schwelle traten. ES ist natürlich, daß sich manche- im Laufe ber Zeit ändert, manche- überflüslig wird unb veraltet. Ob aber bie Wanbsprüche wirklich fo veraltet sinb. daß sie für unS gar keine Bedeutung mehr besitzen? Ich kann e- nicht recht glauben, denn schlietzlich — bie Menschen finb dieselben geblieben, waS sie erleben, ist da«- lclbe, Freude und Leid ist dasselbe, geändert haben sich, nur einige Brüderlichkeiten, bie im Grunde nichts bedeuten. Allerding- machen wir viel Gerede darum und viel Aufheben- davon, baß wir andere geworden finb. statt dessen ist nur ein andere- Kleid über unsere Zeit geworfen worden. Der Mensch darunter ist derselbe geblieben. Er wird eS auch bleiben, und wenn noch so viele Rekorde gebrochen werden. O. S. Rriefltroerforgung unbJlofverordnung. Die Kriegerkameradschaft .Hassia", Verband der Krieg-beschadigien und Kriegerhinterbliebenen, teilt unS mit: Zur Dotverordnung de- Reich-Präsidenten, soweit diese bie Ve rsorgung der Kriegs- beschädigt en und Kriegshinterbliebenen betrifft, hat der ReichSarbeitSminister nunmehr Durchsührungsbestimmungen erlassen. Danach sollen die Versorgungsämter alle Anträge auf Versorgung, bie nach Ablauf ber Frist eingehen, - daraufhin prüfen, ob eine Derücksich- tiguna im Härtewege geboten ist. DieS sei in der Regel anzuuehrnen, wenn durch eine auf Dicnst- beschäbigung beruhende GefundheitSstörung. ins- befonberc infolge von Krieg-Verwundung, bie Erwerbsfähigkeit um mindestens 50 v. H. gemindert ist unb ein Bedürfnis vorliegt. Auch Heilbehandlung kann gewährt werden. Renten- erhöhung-anträge. bei denen die in der Dotverordnung neu eingeführte AuSfchluhsrist versäumt ist, sollen gleichfalls sachlich geprüft werden, und können, wenn sie zweifel-frei berechtigt find, unter Ausschaltung des Rechtsanspruch- berücksichtigt werden. Die bisher bestehende Möglichkeit, Versorgung wegen eine- im zeitlichen (nicht ursächlichen) Zusammenhänge mit dem Kriegsdienst stehenden Leiden- zu gewähren, ist beseitigt worden. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Matte 30 bi- 35. Wirsing 10 bi- 12. Weißkraut 8 bi- 10. Rotkraut, gelbe Rüben unb rote Rüben 10 bis 15. Spinat 20 bis 25. Römischkohl 8 bis 10, grüne Dohnen 15 bis 20. gelbe Bohnen 20 bi- 25, Unter-Kohlrabi 8 bis 10. Erbsen 20 bi- 25. Tomaten 20 bis 30. Zwiebeln 10 bis 15, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 5.5, Frühäpfel 15 bis 20. Falläpfel 5 bi- 6. Birnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bi- 35, Stachel- und Johannisbeeren 20 bi- 25, Brombeeren 40 bis 45, Preißelbeeren 45 bi- 50, Pflaumen 15 bi- 20. Zwetschen 25 bi» 30, Mirabellen 40 bi- 45. Reineclauden 20 bis 25, Pfirsiche 50 bi« 80, Düsse 60 bis 70. Honig 40 bi« 50, junge Hähne 120 bi« 130, Suppenhühner 100 bi« 120 Pf. da- Pfund: Käse (10 Stück, 60 bi« 140 Pf.: Tauben 70 bi« 80. Eier 11 bi« 12. Blumenkohl 30 bi« 70. Galat 10 bi« 15, Salatgurken 15 bi- 30, Einmachgurken 2 bi« 4. Endivien 10 bi« 20, Ober-Kohlrabi 8 bi« 10, Rettich 10 bi« 15 Pf. da« Stück: Radieschen 10 bis 15 Pfennig da- Bund: Kartoffeln 5 Mk. der Zentner. yornotUcn. — Tage-kalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Tonfilm »Der Tiger" und da« umfangreiche Beiprogramm. — Au« dem Stadttheaterbureau wird un« geschrieben: Auch in diesem Iah re inszeniert Intendant Dr. Rolf P r a s ch ein für da- Freilichttheater besonder« geartetes Stück »Liebe- Leid und Lust" von Shakespeare aus der Waldbühne. Hoffentlich wird am Dachmittag des 24. August (Sonntag) da- Wetter eine Aufführung auf der Waldbühne ermöglichen. Andernfalls findet die Vorstellung im Stadttheater statt. — Mission-fest. Am nächsten Sonntag, 17. August, wird das DekanatSfest für äußere Mission de« Dekanat« Gießen in Watzenborn- Steinberg abgehalten. Der Festgottesdienst, in dem Pfarrer Kalbhenn (Großen-Buseck) die Festprcdigt hält, soll um 13.30 Uhr auf dem von herrlichen Lindenbäumen beschatteten Kirchenplah stattfinden, ebenso die Dachversammlung um 15.45 Uhr. bei der als Redner der geschätzte Missionar Lauck (Frankfurt) Aufschluß geben wird über die neueste Lage in China. Posaunen- und Kirchenchor werden die Feier verschönen. Ab Gießen fährt der Autobu« 12.45 vom Dahn- Hof, 12.50 LelterStor, und ist 13.10 Uhr hier, so daß dessen Benutzer bequem den Gottesdienst erreichen. Bei gutem Wetter darf man auf starke Teilnahme der Mission-freunde rechnen. (Siehe heutige Anzeige.) ** Der Dietzener Stadtrat wird am Mittwoch nächster Woche, 20. August, zu einer ösfentllchen Sitzung zusammentreten Im Minci- punkt der Lagesordnung wird die Beratung und Beschluß a lung über den Ausgleich des städtischen Haushaltsplan« für 1930 31 stehen. Ernennung an der Universität. Der Leiter de« Institut« für experimentelle Plv- chologie und Pädagogik an der Landesuniversität Dießen, Prozessor Dr. Friedrich Sander zu Gießen, wurde zum planmäßigen außerordentlichen Professor für Psychologie und Pädagogik an der Lande-universität Gießen mit Wirkung vorn 1. April 1930 ab ernannt. Polizeipersonalie Der Polizciver- waltungSsekretär Georg Schöck zu Gießen wurde mit Wirkung vom 1. August ab zum Polizei- verwaltungS-Oberfekretär ernannt. •’ Städtische DrummetgraSver st et- gerungen sollen am Montag und Dienstag Wenn Ihre Empfehlungsanzeige In der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf nächster Woche stattsinden. DSHereS ist auS dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich. •* Paßberatung im Gießener 23er- fehrsbureau. Der Verkehr», unb Ser- schönerungsoerein Gießen hat feinen Dienst am Kunden jetzt durch Beratungen auf allen Gebieten des Paßwesens erweitert. Wer also bei Ausland- reisen in Pahangelegcnheiten eines Rates bedarf, wende sich an das Verkehrsbureau, wo ihm die gewünschten Auskünfte erteilt werden. *• Die Dietzener Demokraten für die Staat-Partei. Man schreibt un«: Die Ortsgruppe Dießen der Deutschen Demokrati- scheu Partei hielt am DienStag im „Aquarium" «ine gut besuchte Mitgliederversammlung ab, die sich mit der durch die Gründung der Deutschen Staatspartei geschaffenen Lage befaßte. Im Anschluß an Ausführungen deS Vorsitzenden über die Entstehung und die Tendenzen der Deutschen Staatspartei entwickelte sich eine äußerst lebhafte Aussprache, in der die Gründung der Deutschen Staatspartei und ihre Rotwendigkeit von den verschiedensten Seiten beleuchtet wurde Die Redner äußerten sich ausnahmslos im Sinne eines Ausgehen- der DDP. in der neuen Partei. Die Mitgliederversammlung nahm daraufhin einstimmig nachstehende Entschließung an: »Der Gießener OrtSverein der Deutschen Demokratischen Partei billigt die Stellungnahme des Reichs- parteiauSschusse« anläßlich der Gründung der Deutschen Staat-Partei. Der OrtSverein ist bereit, in der Staat-Partei al- dem Zusammenschluß der freiheitlich sozial und fortschrittlich gesinnten Staatsbürger ohne Unterschied der sozialen Stellung und des Bekenntnisses tatkrästig mitzuarbeiten, und fordert alle diejenigen deutschen Männer und Frauen auf, die über das Einzel- und Klasseninteresse hinaus die Verantwortung für das Staat-ganze fühlen, mit der frischen Kraft einer jungen Generation an der Erneuerung unseres politischen Lebens und der Sicherung des Volksstaates mitzuwirken." Am Schlüsse wurden noch die Vertreter für die am nächsten Sonntag in Frankfurt a. M. stattfindende Lande-aus chuhsitzung der DDP., sowie die Vertreter für den örtlichen Aktionsausschuß der Deutschen Staat-Partei gewählt. Heinrich Schlusnus singtinDad- D a u h e i m. Der Hessischen Bad- und Kurverwaltung ist es nach großen Demühungen gelungen, den König der Baritonisten, Kammersänger Heinrch Schlusnu- von der Berliner Staatsoper, für einen Arien- und Liederabend zu verpflichten. Diese- außergewöhnliche Sonderkonzert ist auf DienStag, 19. August, 20.15 Uhr, festgelegt und findet tm großen Bühnensaale de- Kurhauses statt. Es ift zu begrüßen, daß der Künstler seine Zusage für da- Konzert gegeben hat, da Heinrich Schlusnu- tm Oktober eine größere Auslandkonzertreis« antritt und im kommenden Winter nur in wenigen Konzertstädten zu hören sein wird. Der Kartenvorverkauf ist eröffnet. Rähere- durch die ^eiiftge Anzeige Weitere Lokal Nachrichten Im 2. Blatt Stirtblidie Jlodyricbten. katholische Gemeinden. Donnerstag, den 14. August. Gießen. 1630 unb 19 Uhr: Beichte Freitag, 15. August. Mariä Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr Beich:e 7: UeHe; 8: Kommunion; 9 Hochamt mit Predigt: 11: Meße mit Pre« blgt: 14 Vlnbadu mit Segen. — (Brünberg. 9.45: Messe mit Predigt — jungen. 8: Hochamt mit Prebigt. — ticd. 10: Hochamt mit Prebigt; 20: Mutter« gottesanbacht — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Die Wetterlage. 15 iA»erd«H' n veu ,oni J& O O ° ®'5 090 16_ , fM —• SsMS ’uQ*' e • oteetn • * Jthnce c 6r«et#iA ■ X •rv.lter @WiM>tiiK. W* KKhltr 0$l y mlMiflcr ludlödwfll Q >iereo<*r» -o-dwtrt Oie Mene fliegen ent dem «finge Oie »eigen Mibenen jicieMei UV len geben die lewperituf tu Die Lmien etfftmde» Oft» wt gicnAc# tut nctrgytieeu umgerecbneica Uilidfutt Wettervoraussage. Sehr rasch hat sich ein neue- I-landtief unter starkem Luftdrucksall südlich au-gebreitet und bereits heute morgen eine Wetterverschlechterung eingeleitet. Sein Kern liegt mit Barometerständen von unter 740 Millimeter nördlich der britischen Inseln. An seiner Rückseite wehen bet dem engen Verlauf der Isobaren ziemlich lebhafte westliche bi- nordwestliche Winde, die weiterhin kühle und feuchte ozeanische Luftmassen nach dem Festlande bringen. Das unfreundliche und zum Teil regnerische Wetter hält dabei noch an. wenn auch bei rasch wechselnder Bewölkung vorübergehende Aufheiterung eintreten kann. 2l u 5 f i d) t e n für Freitag: Unbeständiges, wechselnd bewölktes Wetter, zeitweise Niederschläge, mäßig warm. Aussichten für Samstag: Teils wolkig, teils heiter, einzelne Regenschauer. Relferoetterbienft. Garmisch - Partenki r che n. 9 Grad, Südwestwind, heute leichter Regen. Westerland auf Sylt. 13 Grad, West» wind, heute morgen leicht« Regenschauer. (Schluß des rebaflloneUen Teils.) Umsicht muß im haushalt wallen, dann spart bie Hausfrau manchen Gang. Sie wird gerüstet jein auch für solche Fälle, in denen es nicht nach Wunsch geht. Will z. B. die Soße nicht reichen, ober benötigt sie eine solche zu einem Gericht, welches selbst keine Soße ergibt, so nimmt sie Maggi's Bratensoßen- würfel. Die baraus nach ber Gebrauchsanweisung tm Hanburndrehen bereitete Soße entspricht allen Anforderungen. Maggi's Bratensoße reiht sich den übrigen, altbewährten Maggi-Erzeugnissen roürbig on.________________________________ 407V Bei ber großen Automobil-Schonheitskonkurrenz in Luzern am 3. August wurde ein Mercedes-Benz- Nürburg-Kabriolet im Besitze des bekannten Renn- fahrers R. Taracciola als schönster Wagen des ganzen Wettbewerbs mit bem höchsten Preis ausgezeichnet. Ferner erhielt bieses in ben eigenen Werkstätten hergestellte Kabriolet ben ersten Preis in ber Klasse der Serien Kabriolets unb ben Spezialpreis als schönster auslänbischer Wagen. 3475« «reun HAM) JHilrftgefäße müssen immer sauber sein! Wenn Sie © im Haus haben, haben Sie damit keine Last. In heißem Wasser gelöst, entfernt © jedeVerunreinigung, tötet Krankheitskeime und säubert Kannen und Flaschen so gründlich, wie es bisher nicht möglich war. Die Milch bewahrt ihren natürlichen Wohlgeschmack und hält sich besser in © gespülten Gefäßen. Sie sollten aus gesundheitlichen Gründen überhaupt jedem Spülwasser©zugeben. ©löst Schmutz und Fett viel besser und schneller und sorgt vor allem für absolut keimfreies, appetit- lieh es Geschirr. Nehmen Sie immer 1 HHÖFIH(2)AUF 10UH8 = itmtaKfiHHWAisee Henkels Aufwasch-Spül- und Reinigungsmittel für Haus- und Küchengerät aller Art Hergesfellf in den Persilwerken Statt jeder besonderen Anzeige Adolf Geisse Mitinhaber der Firma A. Geisse im 41. Lebensjahr. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: Lilli Geisse, geb. Stein, und Kinder, Gießen (Bergstraße 1), den 13. August 1930. 5669D Mainzlar, Gießen, Butzbach, Klein-Linden, Frankfurt a. M., den 14. August 1930. Die Beerdigung findet Freitag, den 15. August, nachmittags 4 Uhr, statt 5661 D Gießen, 14. August 1930. 05022 VekanrNma«htms Betr.: Schmücker Stadivlan25tmmer WHViyiUH und allemZul Ehepaar zu verm. Sberhesfifcher Adreßbuchverlag, Gießen, Echuistr. 7 mit Küche Heute verschied plötzlich und unerwartet mein innigstgeliebter Mann, der unersetzliche treue Vater seiner Kinder, unser lieber unvergeßlicher Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Onkel und Neffe Fischhaus Cuxhaven jetzt Marktstr.23 Die AG., und allem Zubeh. in bess. Hause (Anlage» an Dame ob. älteres Den Bau einer 20 OOO-Volt-Leitung Gießen — Lollar — Preußisch - Odenhausen. Preußische Clektrizitätsgesellschaft Abteilung Kassel, beabsichtigt die Die Beerdigung findet Samstag, den 16. August 1930, vormittags 11 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Beileidsbesuche dankend verbeten. In tiefer Trauer: Elisabethe Müller Wwe., geb. Becker Karl Müller und Familie Hrch. Speier und Familie Wilh. Müller und Frau Ludwig Müller und Familie Jac. Wagner und Familie Hrch. Theiß und Angehörige. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Hessischen Kreisamts Gießen vom 1. August 1930 bringe ich hiermit gemäß Art. 3 des Gesetzes über die Anlage von elektrischen Hochspannungsleitungen und von Gas- und Wasserleitungen vom 30. März 1928 zur öffentlichen Kenntnis. Die Bekanntmachung ist in dem Amtsverkündigungs- blatt Nr. 60 vom 8. August 1930 veröffentlicht. 5655C Gießen, den 12. August 1930. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. S e i b. Telephon 2417 5377 A Gestern morgen 9% Uhr verschied plötzlich und unerwartet mein guter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Philipp Müller Gastwirt und Modellschreinermeister im 62. Lebensjahr. Verlegung eines zweiten Drehstromsystems auf die 20-KV-Leitung Gießen — Lollar — Odenhausen und die Erstellung des Anschlusses an die Buderusschen Eisenwerke Wetzlar in Lollar vom Umspannwerk in Gießen (Krofdorfer Straße) aus. Gemäß Artikel 3 des Gesetzes über die Anlage von elektrischen Hochspannungsleitungen und von Gas- und Wafserfern- leitungen vom 30. März 1928 (Hess. Reg.- Bl. Nr. 6, S. 41) werden die Pläne und Beschreibungen der Anlage, auf die Dauer einer Woche vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung im Amtsoerkündigungsblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Kreisamt Gießen zur Einsicht für die Interessenten osfengelegt. Etwaige Einwendungen gegen das Unternehmen sind während der Offenlegungsfrist und innerhalb einer Woche nach ihr bei Meldung des Ausschlusses bei dem Kreisamt Gießen schriftlich unter Angabe der Gründe vorzubringen. Gießen, den 1. August 1930. Kreisamt Gießen, I. B.r Dr. Braun. Adreßbücher^ und Einwohner, und Geschästsverzeichnissen von 7 Städten und 74 Ortsgemeinben etwa 100000 Einwohnern nebst wertvollem Wirt, schasts- und kulturgeschichtlichen Gonberabschnitt / preis 10Reichsmark Wir veranstalten weiter bis Samstag, den 16. August, einschl. in unseren Geschäftsräumen im ersten Stock praktische Persil-Waschvorführungen Wir wollen hierdurch Gelegenheit geben, sich mit dem sach- gemaBen Waschen und Trocknen farbiger Wäsche aus Wolle, Kunstseide und Seide vertraut zu machen. Wir laden hierzu höflichst ein und dürfte sich ein Besuch bestimmt lohnen. — Mitgebrachte farbige Wäschestücke werden Kostenlos vorgewaschen. Plötzlich und unerwartet verschied am 13. August 1930 unser verehrter Prinzipal Herr Adolf Geisse Mitinhaber der Firma Adolf Geisse, Gießen. Wir werden dem verstorbenen, stets wohlwollenden Arbeitgeber ein ehrendes Andenken bewahren. Die Angestellten und Arbeiter der Firma Adolf Geisse. 5495 A Moderne neue 2-Zimm.Wobng. evtl, mit etwas Garten, in nächster Um- gebung von Gießen ab l.Sept. ob. später A» vrm. Schr. Ang. u. 05017 a.d. Gieß. Anz. | Mietgesuche | 5-6'3immeMDot)n. parterre ob. 1. Stock, zurErrtchtung eines rubiaen Etagengeschäfts für balb gesucht. 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August 1930: a) vormittags 8>2 Uhr (Zusammenkunft in der Marburger Straße, Ecke Schwarzlachweg), von den Wiesen in der Schwarzlach, 11 Abteilungen; b) vormittags 9% Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof), von den Wiesen im Neustädter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleiche und auf der Insel; c) vormittags 10% Uhr (Zusammenkunft in der Restauration von Gg. Schrimpf, Kaiserallee 4), die Wiesen an der Throm- schen Fabrik, eine Wiese hinter der Kläranlage, von den Wiesen am Weiher, am Ohleberg, im Heegstrauch und am Alten Steinbacher Weg (Rußland); d) nachmittags 2 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration Philosophenwald), von den Wiesen im Wiesecktal und an der Eselswiese. 5655C Dienstag, den 19. August 1930: a) vormittags 9 Uhr (an Ort und Stelle), an der Anneröder Straße, von den Wiesen am Altentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Rödgener Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen Im Stolzenmorgen. b) vormittags 11% Uhr (all Ort und Stelle), das Grummetgras von den Wiesen des Gas- und Wasserwerks in den Gemeinden Rödgen und Großen- Buseck. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Die Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, Vorstehendes in ihrer Gemeinde bekanntmachen zu lassen. Gießen, den 12. August 1930. Der Oberbürgermeister. ___________I. V.: K l i n g s p 0 r.___________ Freitag, den 15. August, nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 5667D einen Kassenschrank, ein Klubsofa mit zwei Klubsesseln, zwei Diwans (fast neu), drei Küchenschränke (einer davon fast neu), zwei Büfetts, fünf Nähmaschinen, ein Sofa, einen Bücherschrank, zwei Schrankgrammophone, einen Dauerbrenner,zwei Herde, ein Schlafzimmer, einen Schreibtisch (Diplo- mat), sechs Stühle, vier Schreibmaschinen, eine Continental, gut erhalten, Regenmäntel, komplette Werkzeugtaschen für Auto und Motorräder, eine Ladentheke (fast neu), Gasherde, eine Badewanne mit Ofen, Einmachtöpfe, Fahrräder und noch vieles andere; wegen Einbauung einer Zentralheizung noch acht Oefen. Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmeh, Auktionator u. Taxator, Neuenweg 28, Telephon 3414. | Verkäufe | Rolo-BeconMei* fällipgs-ltaMne sehr wenig gebr^ preiswert zu ver» touren. Zu erfragen tn der Geschäftsstelle d.Gteh.Anz. 5666V | Verschiedenes | SresWMlne steht ab Freitag am Leihgesterner Weg zum Dreschen. 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Blumenthal, Direktor des Instituts für Krebsforschung an der Universität Berlin. lieber alle Kulturländer ist der Strebt als neue Masfenkrankheit hingezogen. 6t hat fast die Sterblichkeitsziffern der Tuber- kulote erreicht und ist zu der Krankheit geworben der heute das hauptsächlichste 3n- teresse der medizinischen Wissenschaft gelten muh. Die Zunahme der Krebskrank- heiten forderte energische (Segenmahnahmen. In Deutschland besaht sich damit vor allem das .(Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheiten". deslen Generalsekretär. Geheimrat Ferdinand Blumenthal, zugleich Direktor bet Berliner .Instituts für Krebsforschung ist. In einer Unterredung mit unferm Mitarbeiter gab Geheimrat Blumenthal das folgen be umfaffenbe Bild aller Pläne unb Arbeiten, die der Bekämpfung bet Krebses ' dienen. .Allmonatlich kommen im Durchschnitt etwa 180 neue Patienten in unser Institut' sie tnerben meist von ihren Aerzten hergeschickt, damit lvir die gestellte Diagnose bestätigen und D o r - schläge wegen der Behandlung machen. Es ist erschreckend, in fast jeder Sprechstunde auch Jugendliche zu finden, die früher überhaupt nicht zu uns kamen. Eine Er- flärung dafür zu geben, ist noch nicht möglich. Aber et hat sich herausgestellt, dah der Krebs immer mehr den Charakter einer ausgesprochenen Alterskrankheit verliert, und dah die jugendlichen Formen auffällig zuneymen. Don den genannten 180 Patienten konnten wir im letzten Monat bei 80 tatsächlich Strebt feft- stellen, also bei einer verhältnismäßig großen Zahl und von diesen Fällen wiederum nur 10 bis IS Prozent operal. Es ist bezeichnend, dah nur der klein st e Teil dieser Hilfesuchenden a u f eigene Intiative kommt, also — da sie nkfct in ärztlicher Behandlung waren — erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium ihrer Krankheit. Man hat neuerdings in Deutschland die Kombination von Radium- und Röntgenbestrahlung unb Elektrokoogulation sowie bas sogenannte Spicken der Geschwülste mit feinsten Radeln, die in ihren Wohnungen aufsucht, ihnen die Wichtigkeit der Behandlung vor Augen führt und he veranlaßt, w eder zur Behandlung zu kommen. In verschiedenen Sonderabteilungen unseres Instituts wird experimentell geforscht. Es ist. wie bekannt, bereit- möglich, Krebszellen genau Io zu suchten, wie man Sonetten züchtet, und diese experimentell« Krebserzeugung hat die Forschung um einen großen Schritt weiter- aebracht. Die Gewebezüchtung ermöglichte es, die Krebszelle und ihren Stoffwechtel. ihre Wachstumsbedingungen usw. zu beobachten und ganz neue Kenntnisse ihrer Biologie zu gewinnen. Worauf nun beruht das krebSerregende Prinzip in txr Krebs-elle das ist die Frage, die uns alle zur Zeit am stärksten beschäftigt. — die Frage. — die in den Kem des gesamten Krebsprobfems trifit. Ist die Krebszelle einfach eine normale, aber sreigewordene Zelle eine Zelle also, die keine Hemmungen kennt unb gesetzlos zu wuchern beg.nnt. aus dem Gefüge des Zellenstaates rebellisch ausbrechend — ober ist sie eine veränderte Zelle? Das letztgenannte scheint sich heute immer mehr zu bestätigen, und es ist auch zum Teil schon erkannt worben, wodurch diese Bcränderungen hervorgerufen werden' durch chemische Substanzen (wie Leer. Paraffin, Anilin), durch Verbrennungen, chronische Entzündungen, in anderen wieder sind es Parasiten lTrichinen. Echinokokken) oder Bakterien^ die den ersten Anstoß geben zur krankhaften Veränderung der Zelle. Deshalb dürfen wir aber doch lange nicht jene chemische Substanzen. Reize. Fermente, oder gar Parasiten und Bakterien als .Krebserreger"' bezeichnen. Denn dies steht nach den genannten Beispielen fest: einen Krebserreger als einzige direkte Ursache des Krebses, wie ihn sich die alle parasitäre Krebstheorie norffellte, gibt es nicht. Die verschiedensten Reize — belebte oder unbelebte — können Krebs erzeugen, aber es gibt nicht ein ultramlkroskopifche» ober sonstwie geartete» Lebewesen, da» im menschlichen Körper sitzt und dort ausschtiehtich die Aufgabe hot. Krebs zu erzeugen. Krebs ist nicht infektiös im Sinne einer Infektionskrankheit und Krebs ist nicht vererblich — höchsten- kann eine krebsartige Anlage vererbt werden. Und die sicherste Methode den Krebs zu diagnostizieren, ist noch immer die Beobachtung des BerhaltenS der Krebszelle zu dem umgebenden Gewebe — bi« histologische Methode. In bezug auf all« diese wissenschaftlichen Forschungen marsch «rt Deutschland mit an der Spitze. In daS von den Gelehrten aller Länder gezimmerte Gebäude der Erkenntnisse und Erfahrungen haben wir die Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Röntgentherapie «ingebracht, in Deutschland ist zuerst von Earl Reu berg und mir der Krebs als Stosswechselstörung erkannt worden. Hut Paul Ehrlich seine bahnbrechenden Arbeiten über KrebSimmunität durchgeführt und hat insbesondere Warburg «n'deckt. daß Krebszellen wie Hefezellen gären tnb daß ein Sauerstoffmangel die erste Dorbedngung für die lokale Krcösbildung ift; wir haben in menschlichen Krebsgeschwülsten und im Mäusekrebs bestimmte Bakterien gesunden, die bösartig« Geschwülste hervorgerufen; Halber- ft ä b t c r ist es gelungen, das in Deutschland erhältliche Thorium X in eine so konzentrierte Form au bringen, daß es in ähnlicher Weise wie di« Radiumemanation in die Krebsgeschwülste versenkt werden kann: Albert Fischer hat die Krebszelle in der Kultur jahrelang lebensfähig und krebsbildend «halten - und diese Kette von Erfolgen ließe sich noch um zahlreich« Beispiele verlängern was nun aber die Organisation betrisst. so gerat Deutschland immer mehr in den Hintergrund. Geldmangel ist >aran in erster Linie schuld, wir können nicht jene Millionen aufbringen, wie sie England und Amerika (auch durch private Sammlungen) zur Verfügung stehen. Aber wir könnten wenigsten» versuchen, unsere Krebsbekämpfung und -behandlung mehr zu zentralisieren, um sie an einzelnen gut ausgerüsteten Instituten zur höchstmöglichen Vollendung zu bringen. Der Reichspräsident fährt auf Urlaub. Thorium X enthalten, recht befriedigend angewandt. Di« größten Erfolge erzielte man damit bei Haut- und Gebärmutterkrebs, neuerdings auch bei Zungen-, Hals- und Lippenkrebs, leiblich gute bei Brustkrebs — kurz: bei allen jenen Geschwülsten, di« anatomisch so gelagert sind, daß wir sie mit der strahlenden Materie genügend erreichen können. In solchen Fällen wurden zahlreiche Heilungen erzielt, während beim Krebs anderer, namentlich innerer Organ« mit dieser Methode noch keine so günstigen Aussichten bestehen. Bewährt hat sich ferner die Bestrahlung nach der Operation, um das Auftreten von Rück- fäNen zu verhüten. Bei alledem ist ee heute eine feststehende Tatsache, daß die Diagnose krebs keineswegs ein Todesurteil zu bedeuten braucht — wie alle Laien ee glauben. Ls muß immer wieder betont werden, daß Operation, Llektrokoagutation und Strahlenbehandlung, wenn sie frühzeitig und richtig angewandt werden, einen großen Teil der damit behandelten Patienten retten. Auf bas Frühzeitige kommt es babei besonbers an. Es muß die Hauptaufgabe einer sozialhygienischen Fürsorge werben, bie Massen über bi« ersten Anzeichen bes Krebses auf- zuklären und nachlässige Kranke zu veranlassen, den Arzt aufzusuchen. Diele glauben, daß sie schon ganz gesund sind, wenn nach der Strahlenbehandlung die Geschwülste verschwinden ober stark zurückgegangen sind. Die Folge davon ist dann, daß sie nach einiger Zeit einen Rückfall erleiden und sich nun erst in elendem Zustand wieder eiy- stellen. Es muß also jemand da sein (Fürsorge- schwestern z. B). der die nachlässigen Patienten Bei der Ankunft in München, von wo Hindenburg im Auto nach Dietramszell weiterfuhr. itiBI Niederlage Cilly Auhems im TenniS' Länderlampf England-Deutschland. Miß M u b f o r b unb Cilly Äußern. Bei bem Damen-Tennislänberkamps Gnglanb gegen Deutschlanb, ber in Berlin ausgetragen wirb, siegte überraschenb bie junge Engländerin Miß Mud- f o r b gegen Cillii Außem , bie erst vor wenigen Tagen sich ben Titel ber deutschen Damenmeisterin errang. Daten für Freitag, 15. August. Sonnenaufgang. 4.44 Uhr. Sonnenuntergang: 19.24 Uhr. — Mondaufgang: 21.22 Uhr, Mond- untergang: 11.08 Uhr 1688: König Friedrich Wilhelm I. von Preußen geboren; — 1740: der Dichter Matthias Llau- oius in Rheinfeld geboten; — 1769 Rapoleon I. in Ajaccio geboren; — 1771: der englisch« Dichter Sir Wallet Scott in Edinbutg geboten Ausländische Lehrer in Darmstadt. WSR. Darmstadt. 12. Aug. Zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen aus 13 verschiedenen Ländern Europas, die zu einem methodischen Lehrgang in Deutschland zusammcnge- kommen sind, waren heute vormittag im Hessischen Landtag versammelt, wo Staatspräsident Dr. Adelung die Schulungswoche mit einer beifällig auf genommenen Ansprache eröffnete. Dr. Adelung stellte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, dah das Ziel des Erziehers fein muffe, den Menschen zur Menschheit zu führen und das Derständnis von Dolk zu Do>k, gegründet auf gegenseitige Achtung und gerechte Bewertung. zu fördern. AIS dkrtretet bet Stadt Darmstadt begrüßte Bürgermeister R i tz e 11 die Anwesenden. Für die Darmstädter und die hessisch« Lehrerschast sprach Sludienrat M o n j i, ber bem Dank an das .Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht" in Berlin Ausdruck gab. Den Begrüßungsansprachen folgten fachlich« (Borträge über das hessische Schulwesen. Lehrer Horn sprach übet die hessische Dolks- schule und ihre Gliederung, Rektor Germann über bas Berufsschulwesen. Dr Pöpper - ling über das höhere Schulwesen Schulrat Riemann (Berlin) erkannte dankbar an. daß Hessen bas erfte Lanb sei, bas seine fämtlidxn Schulen für ben Besuch ber ausländischen Pädagogen zur Verfügung gestellt habe. Die Rachmittage ber pädagogischen Woche dienen der Aussprache üoer die am Dormittag gehaltenen Fachreferate und vorgenommenen Schulbesuche. Divat! Es lebe Oranien! Von A. (^chrönghamer-Heimbal Die Heuzeit ist die wundervollste Zeit. Det- wunschen liegen bie Dötset im ersten jauchzenben Grün ber Baumkronen, bie wie Wächter über den Höfen tagen. Die Gassen liegen wie ausgestorben. Märchenstille herrscht auch in ben Häusern unb Hütten. Rur die feierlichen Rauchfahnen über den steinbefchwerten Schindeldächern künden noch vom heimlichen Leben wenigstens in den Küchen, wo die Bäuerinnen für die Heuet hinten in ben Waldwiesen bas Mittagsmahl bereiten. Es ist überall das nämliche Saure Rudelsuppe kalt unb Strauben mit Zwetschgensoß. Auch bie junge Zillerin steht tank unb schlank am Herb unb wendet die spritzenden Strauben im Gebrodel bet tischg rohen Schmalzpfann«. daß ihr daS Gesicht wie eine vollerblühte Pfingstrose im Ktanzgeflechl ber blonben Zöpfe steht. Kühlung suchend tritt sie rasch ans offene Fenster, wo zwischen Getanienstöcken das Fläschchen steht, in dem sie Bärwurz mit Kombranntwein angefetjt hat: Divat! Es lebe Oranien! Da sieht sie, wie beim Backofen über der Gasse ein herrisch gekleideter Fremdet steht und nur einen Blick auf bas Fläschchen mit ber sonderbaren Aufschrift hat: Divat! Es lebe Oranien! Die Augen des Fremden stieren auf das sonderbare Fläschchen, das sich dem gewiegten Kennet als cm im Kunsthandel vielbegehrtes Feldfläschchen aus dem spanischen Erbfolgekrieg erweist, von dem nur noch ein einziges Stück vorhanden ist, unb dieses einzige Stück steht ausgerechnet an diesem Dauemsenster da im Döhmcr- wald! ilnb die verschnörkelte Inschrift leuchtet mit Schwung: Divat! Ss leb« Oranien! Die junge Zillerin tritt unbemerkt wieder an den Herb zurück und horcht im Brodeln der Schmalzpfann« angespannt gegen die Tüte. .Guten Morgen, Frau! Könnte ich nicht ein Glas Milch haben? Unb vielleicht ein Stück Bauernbrotfragt ber Fremde unter der Tüt. .Dem", bescheidet die Zillerin. .Seht Euch nur dort ans Fenster." .Ein herrlicher Tag heute", fährt ber fremde Herr fort. .Ja. die Heuzeit ist bet uns alleweil bie schönste Zeit", erwidert die Zillerin mit merkwürdigem Tonfall. .Gelt, meine Geranien gefallen Euch auch?" .Prächtig!" lobt ber Fremde und hebt das Fläschchen vom Sims, dah die Inschrift in der Sonne jubelnd ausbliht: Divat! Es lebe Oranien! .Aber Beste, was haben Sie denn ba?" .Das Fläschchen? Da hab" ich Bärwurz mit Korngeist angeseyt. Wißt. mein Mann hat im Winter oft das Reihen in den Gliedern, und da gibts kein besseres Mittel wie ben Bärwurzschnaps zum Einreiben." »Hm — sonderbar... Woher stammt wohl das Fläschchen?" .Mein Gott, was weih ich? Mein Mann, ber Zillner, sagt halt allemal, bah das Flascheri schon ewig im Hause ist. Don feinen Dorfahren, die rechte Raufbolde gewesen sind, hat es einer aus dem Kriege heimgebracht — vom damischen Heerfolgekrieg, sagt mein Mann allemal." .Ganz richtig: spanischer Erbsolgekrieg'. verbesserte der Fremd« und blinzelte beutelustig durch die Brillengläser: .Wär« Ihnen das Fläschchen nicht feil?" .Mir schon", sagt die Zillerin. .aber mein Mann läht's nicht her. weil halt in dem Flascherl ber Bärwurzschnaps am allerbesten wird. Divat! Es lebe Oranien! sagt er allemal, wenn er sich mit dem Schnaps feine reihenden Glieder einreibt, und schon ist das Reihen gar auch. Es ist halt eine besondere Kraft in dem Flascherl, weil es schon einen grausam wilden Krieg mitgcmacht hat." .Wenn ich Ihnen hundert Mark für das Fläschchen biete?" fragt der fremde Herr mit lauerndem Blick. .Dreihundert hätt" uns der Schlohherr in ber Au schon gegeben, der alleweil solche Altertümer sammelt. Aber mein Mann sagt, unter taufend gibt er's nicht her. Unb er pfeift auf baS Geld, grab wegen seinem Gliederreißen alleweil. Weil halt ber Därwurzschnaps in dem Flascherl am allerbesten wirb. Divat! Es lebe Oranien! Es ist ein alter Zauber in bem Flascherl!" »Reunhundert Mark wär" auch ein Wort, gute Frau! Bedenken Sie, bas Fläschchen käme in ba» Landesmuseum." „Unter tausend kann ich nicht, sonst schlägt mir mein Mann das Kreuz ab, wenn er grab einmal bas Gliederreißen hat. Da ist er allemal kreuzgrantig, und wenn da das Flascherl hin wär", bann tät" er dreindreschen wie sein Dorsahr in dem damischen Heersolgekrieg." .Divat! Es lebe Oranien! Hier sind bie tausend Mark, und das Fläschchen ist mein!" „Wird mir doch mein Mann das Kreuz nicht abschlagen!" jammert die Zillerin. „Werd ihm halt sagen müssen, wenn er vom Heuen kommt, daß uns das Finanzamt die Ochsen gepfändet hält", und so hab ich halt das Llascherl in ber Rot bergegeben. Wißt, mit ben Steuern ist's jetzt ganz aus..." Aber ber feine, fremde Herr hört nicht mehr. Er ist mit dem kostbaren Altertum schon auf und davon und rechnet sich im Stillen aus. wieviel er vom Landesmuseum daran gewinnen wird. Einen Tausender gewiß! Denn es ist die einzige gläserne Feldflasche, die sich aus dem spanischen Erbfolgekrieg in die Gegenwart herübergerettet hat, ein Unikum auf dem Kunstmarkt, für das ein splendider Amerikaner gar «in paar tausend Dollar springen läßt. So ein Geschäft macht man nicht alle Tag': DivatI Es lebe Oranien! * .Die Heu^eit ist halt doch eine wundervolle Zeit!" sagt die Zillerin zu ihrem Mann, wie er abenbd vom Heuen heimkommt. .Seit ihr in den Waldwiesen werkt, hab ich schon elf Flascherl verkauft. Und heut ist das zwölfte weggegangen. Einen Taufender hat sich s der Depp, der damische. kosten lassen. Mußt heut noch in die Glashütte zu deinem Bruder, dah er wieder ein neues Dutzend solcher Flascherl macht." .Das haut!" trommelt der Ziller freudenfroh. .Wenn das so weitergeht, können wir über» Jahr privatisieren. Da heiht's alleweil, bie dummen Bauern!eut", aber gibt » beim etwas Damischeres wie diese Altertumshengste? Aber mir kann's recht sein: Divat! Ss lebe Oranien!“ Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonSttfch. Der höfliche Bernard Shaw. Unter der Flut von täglichen Anekdoten um den berühmten englischen Dichter Bernard Shaw beweist die folgende die ausgesuchte Höflichkeit d«S Dichters: Rach einer festlichen Deranstaltung drängen sich mehrere Leut« an der Garderobe um Show, um ihm beim Anziehen des Mantels behilflich zu fein. .Lassen Sie", wehrt Shaw ab, „es geht sowieso schwer genug.“ Trotzdem gelingt es einem, Shaw den Mantel anzuziehen, woraus er von dem Di- ter mit ben Worten belohnt wird: .Mir ist erst neulich bei einer solchen Gelegenheit die Briestasche weggekommen." ♦ In englischen Zeitungen wird diese Geschichte erzählt: G. B. Shaw erhielt von einer neugegründeten Frauen Vereinigung einen Bries mit der Bitte um Uebedaffung eines Exemplars feines „Womans Guide to Socialism“. Als Antwort schrieb der Dichter unter den Bries: „Zum Teufel, nein! Ein Frauenverein, ber nicht fünfzehn Schilling für bas Buch auf treiben kann, hat feine Existenzberechtigung. G. B Shaw." Dierzehn Tage später kam ein zweiter Brief mit herzlichem Dank für bas Autogramm, das ein Buchhändler mit Vergnügen gegen das gewünschte Buch eingetauscht habe. Unb Shaw schrieb wieder unter den Brief: .Wie blöd doch Frauen sind! Das Ding war mindestens 50 Pfund wert! G. B. Shaw." Oochschulnachrichten. — Das Ordinariat für deutsche Sprache unb Literatur an der Tübinger Universität ist dem Professor Dr. Paul Kluckhohn in Wien übertragen worden. Prof. Kluckhohn, der erst kürzlich einen Ruf nach Jena abgelehnt hat, war Schüler von Cd. Schröder. K. CBranbi, W. Meyer und W. Brecht. 1913 erhielt er bie venia legendi in Münster. 1925 würbe Kluckhohn Ordinarius in Danzig, von wo er nach Wien als Aachfolger von W. Brecht berufen wurde. Aos der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. August 1930. Die Gießener Zremdenverlehrswerbung. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein Gießen hat mit dem neuen „Führer durch Gie° ß e n", der vor einigen Wochen mit reicher Bildausstattung und aufschlußreichen textlichen Erläuterungen erschienen ist, eine verstarkteFrem- denverkehrswerbung entfaltet. Der neue Führer, dem auch von fachmännischer Seite hohe Anerkennung zuteil wurde, ist unter Beifügung eines Hotel- und Gaststättenverzeich- n i s s e s zwecks Weitergabe an Reiselustige an 150 deutsche Botschaften und Gesandtschaften, sowie hauptamtliche Generalkonsulate und Konsulate des Deutschen Reiches in den Ländern Europas und in Aebersee versandt worden. Weiter wurde er zu dem gleichen Zwecke an rund 250 fremdländische Botschaften und Gesandtschaften, Generalkonsulate und Konsulate in Deutschland verschickt, außerdem wurde er in ansehnlicher Stückzahl in den Bureaus von 60 Universitäten und Akademien Deutschlands und des Auslandes zur Abgabe an Studierende aufgelegt. Schließlich wurde er noch an die Derkehrsbureaus von etwa 550 Bädern, Kurorten, Stadtverwaltungen und Derkehrsvereine in Deutschland gesandt. Am auch den Reisendenstrom aus den amerikanischen Staaten für unsere Stadt zu interessieren, hat die Leitung des Verkehrs- und Derschönerungsver- eins den neuen Führer in mehreren hundert Exemplaren auch der Hapag und dem Rorddeut- schen Lloyd zur Auflegung in den Derkehrsbureaus der Ozeandampfer, sowie in den Hapag- und Llohdbureaus in Amerika «und in Hamburg bzw. Bremen zugehen lassen. Daneben erfolgt alltäglich auf Anforderung der Versand des Führers durch das Derkehrsbureau des Vereins am Selterstor. Insgesamt sind seit dem Erscheinen des neuen Führers schon etwa viertausend Exemplare zum Versand gekommen. Der Werbung für den Fremdenverkehr in unserer Stadt wird die anerkennenswerte rege Arbeit des Verkehrs- und Derschönerungsveceins mit Hilfe des neuen Führers sicherlich sehr förderlich sein. * "VonderKraftpostlinieGiehen — Hochelheim. Rach dem Ertragsergebnis der Kraftpost Gießen—Hochelheim für das Vierteljahr April—Juni 1930 war in den Monaten Mai und Juni je ein kleiner Fehlbetrag zu verzeichnen, der jedoch durch einen geringen kleber- schuß aus dem April gedeckt ist. Die von den beteiligten Gemeinden gewährleisteten Garantiesummen brauchten daher von der Post nicht in Anspruch genommen zu werden. '* Eine Groh-Garage in Gießen. Die frühere Rebenwerkstätte der Reichsbahn am Aulweg, die jahrelang unbenutzt gestanden hat, ist von der Firma 3. Hirz, hier, von der Reichsbahnverwaltung auf längere Jahre gepachtet worden. Die Firma hat — wie man uns schreibt — in der etwa 4000 Quadratmeter großen Halle eine moderne, der heutigen Zeit entsprechende Groß-Garage eingerichtet. Rach umfangreichen baulichen Veränderungen und zahlreichen Reparaturen ist hier ein Unternehmen ins Leben gerufen worden, das bei dem von Tag zu Tag zunehmenden Autoverkehr nicht nur von den hiesigen, sondern auch von den durchfahrenden Besitzern bzw. Führern der Personen- und Lastkraftwagen begrüßt werden dürfte. 3n der Halle sind Platze für 100 bis 150 Wagen vorhanden. Die Wagen stehen in einzelnen Boxen aus Drahtgeflecht, die durch eiserne Flügeltüren abgeschlossen sind. Dadurch ist eine gute und übersichtliche Kontrolle bei Tag und, Rächt ermöglicht, zumal für gute Beleuchtung der ganzen Halle gesorgt ist. Zur Pflege der Autos ist ein größerer und praktischer Waschplah mit allen Erfordernissen, wie Benzinabscheider usw., eingerichtet, auf dem zu gleicher Zeit mehrere Wagen gewaschen werden können. Es ist überhaupt vorgesehen, die Kraftfahrzeuge vollständig in Pflege zu nehmen, den Zu» und Abholdienst und kleinere Reparaturen auszuführen. Ein geschulter Fachmann, der seine Wohnung in der Garage hat, Wirble ins Leben! Vornan von Anna Fink. Arheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. S.-A. 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten „Reginald! — Reginald!" kam es im Fieber von Barbaras Lippen. Der Conte verstand den Ramen. Wer dns sein mochte? Ob es ihr Mann, ihr Freund oder Geliebter war? 3hm fiel ein, daß er Barbaras Führerschein noch bei sich hatte, er mußte in seinem Paß liegen. Der würde ihm ihren Familiennamen verraten Er hätte doch gern gewußt, ob sie verheiratet war oder nicht. Unten klingelte es schon. Schritte kamen die Treppe herauf. Es war der Arzt mit der Alten. Die beiden schüttelten sich die Hände, und der Graf klopfte dem Dottore herzlich auf die Schulter. „Das ist ein Schützling von mir. 3ch erzähle dir später, wie ich dazu kam. Bitte, lieber Freund, zeige deine ganze Kunst. Mir liegt viel daran." Damit wandte er sich um und stellte sich ans Fenster. Der junge Arzt mußte ein wenig lächeln, denn er kannte das temperamentvolle Raturell seines Freundes nur zu gut. 2lber als er an Barbaras Bett trat und sie zu untersuchen begann, erstarb das Lächeln auf seinem Gesicht. Endlich war er mit seiner sorgfältigen Untersuchung fertig, gab der Amme in flüsterndem Tone noch einige Anweisungen und trat dann zu dem Grafen. „Bitte, komme herunter, ich will dir Auskunft geben. Die Frau — oder das Mädchen — ich weiß ja den Ramen nicht einmal, ist an einem schweren Rervenfieber erkrankt. Cs sieht aus als begänne eine Gehirnentzündung. Die Arme muh Fürchterliches durchgemacht haben, sie ist vollkommen erschöpft. 3ch würde dir raten, sie in ein Hospital bringen zu lassen, denn es kann «ine langwierige Sach« werden." „Rein, ich denke nicht daran", fuhr der Graf so heftig auf, daß Vomero ihn erstaunt ansah. „Sie wird hierbleiben, ich habe genug Leute, um sie pflegen zu lassen." „Wie du willst", sagte der junge Arzt achselzuckend, „ich wollte dich nur darauf aufmerksam machen. Wo hast du sie denn aufgehoben?" wird Tag und Rächt zur Verfügung stehen Dor dem Eingang zur Halle sollen mehrere Tankstellen errichtet werden. Man beachte die heutige Anzeige. ' Das Strandfest des Männer- Bade»Dereinsl836 (zugl. 94. Stiftungsfest) am letzten Sonntag konnte dank der günstigen Witterung und der mit Umsicht geleiteten Vorbereitungen programmgemäß durchgeführt werden. Der Vormittag bot das übliche Wettschwimmen aller Altersklassen. 3m 50-Meter- Brustschwimmen siegte Otto Oßwald (3ahr- gang 1920,21) in 1,18 Min, Heinz Köhlinger und Helnmt Kammer (3ahrg. 1918/19) in 50,5 bzw. 59,3 Sek. und Helmut Müller (3ahrg. 1914/15) in 42,3 Sek. — Die Senioren der 3ahrgänge 1895 bis 1904, Karl Kurandt und August Schmidt, siegten mit 48,6 bzw. 62,5 Sek. — Das 50-Meter- Drustschwimmen für Schülerinnen gewannen Mar- gott Köhlinger (3ahrg. 1920/21) in 56 Sek., Else Komps und 3nge Kaiser (3ahrg. 1918/19) in 49,2 bzw. 53,2 Sek., Anni Kompf, Elfriede Fischer, Elisabeth Knapp (3ahrg. 1916/17) in 48,5, 53,7, 53,8 Sek. Gertrud Petri und Else Wagner (3ahr- gang 1914/15) in 50,0 bzw. 50,3 Sek. und Hanneli Weeg und Otto Lamm (3ahrg. 1909/11) in 46,5 bzw. 50,6 Sek. Das 100-Meter-Brustschwim- men für 3unioren gewann Fr. Baumann (3ahr- gang 1912/13) in 1:35,9 Min. — Das Ausschwimmen des Ehr. - Zimmer - Gedächtnispokals über 150 Meter (50 Meter Brust, 50 Meter Rücken und 50 Meter Freistil) gewann Hans Geismar in 2:27 Min. — Der unterhaltende Teil des Festes am Rachmittag bot allerlei Kurzweil. Den flotten Musikvorträgen der Kapelle Weller schlossen sich an ein Wasserballspiel einer gemischten Mannschaft, ein Figurenlegen des Turnvereins 1846 Gießen, der Aufstieg eines Luftballons, die humoristischen Darbietungen des Wanderzirkus Dumbum und die Fahrt des Raketenbootes Rr. 1001 unter Führung des Kapitäns Wa e' u rü. der einen neuen Rekcrd zwischen Gießen und Dutenhofen aufstellte. ** D i« Schützengesellschaft 1 926 hielt, tote alljährlich, am vorigen Sonntag ihr Königs- schießen ab. Es fand zum ersten Male auf dem Feuerstand im Schieß standgelände statt. Während seither mit Zimmerstuhen auf die höchste Ringzahl geschossen wurde, hatte man diesmal mit Scheibenbüchsen 100 Meter Entfernung auf Adler vorgesehen. An dem Schießen beteiligten sich 17 Schützen. Es mußten zwei Ritter, ein Reserveritter und ein König ausgeschossen werden. Der Reserveritter muhte ausfallen, wenn einer der Ritter Königsschühe wurde. Schühenmeister Kummerow schoß den ersten Ritter, während Schütze Hans Götz den zweiten Ritter und Ober- schühenmeister und erster Vorsitzender Eduard Gondner den Reserveritter schoß. Rach heftigem Feuerschießen, wobei 430 Schuß auf den Adler abgegeben wurden, schoß Oberschützenmeister Gondner den König. Er wurde somit Schützenkönig für das 3nhr 1930. Der Rachmittag brachte den Schützen mit ihren Familien noch einige gemütlich« Stunden. Oberheffen. Landkreis Gietzen. a. Klein-Linden, 13. Aug. Der Radklub „Germania" Klein-Linden (Vorsitzender Karl K l i n k l e r) beteiligte sich am vorigen Sonntag an dem in Lang-Göns veranstalteten Werbetag, verbunden mit dem BundeSzuver- lässigkeitsfahren, und brachte sehr schöne Ergebnisse mit nach Hause. Trotz starker Konkurrenz errang in der ^-Klasse (60 Kilometer) Richard Lenz den zweiten Preis, in der B-ÄIaffe (50 Kilometer) sicherte sich Erich Schaum den zweiten Preis, während in der 3ugendklasse Walter Klingelhöfer mit großem Vorsprung erster Sieger wurde. 3m Korsofahren in der o-Klasse wurde der Verein mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet. Die Ergebnisse sind um so höher zu bewerten, als der Verein erst vor drei 3ähren gegründet wurde und sich bis jetzt nur einmal an einem größeren Feste beteiligt hatte. Kreis Friedberg. * Butzbach, 14. Aug. In der letzten Nacht wurde in dem hiesigen katholischen Pforr- Der Graf erzählte, wie und wo er Barbara getroffen habe. Der Doktor hörte mit zwischen Mißtrauen und Mitleid gemischten Gefühlen zu. Dann fragte er nach dem Ramen der Fremden. Der Conte sprang lebhaft auf. „Richtig — ich wollte ja nachsehen. Ich weih nur, daß sie Barbara heißt." Er ging an den Schreibtisch, um den Führerschein Barbaras aus seinem Paß herauszunehmen. Ja, da lag sein Pah, aber das Papier fehlte. Er suchte und suchte, sah in allen Taschen seines Mantels und seines Anzuges nach, aber- der Schein war und blieb verschwunden. „Der ist weg", konstatierte er bedauernd, und dann entsann er sich, dah das Papier, als er es dem kontrollierenden Grenzbeamten so rasch entzogen hatte, wahrscheinlich weggerutscht war. „Hör mal", sagt« der Doktor sehr ernsthaft, „hoffentlich ist die junge Dame feine Verbrecherin, Spionin oder etwas Aehnliches. Daß du dir da nichts Aebles aufgelesen hast. Hübsch scheint sie ja im übrigen zu sein." „Ich verbiete dir, in diesem Tone von der Frau zu sprechen! Sie hat meinen Schuh angerufen, und den werde ich ihr gewähren. And bann mußt du einmal mit ihr sprechen, wenn sie gesund ist, bann kommst bu bestimmt nicht mehr auf solche Gebauten, sondern wirst sie anbeten“, schloß der Graf besänftigt, denn er hing sehr an feinem skeptischen Freunde. Dieser drückte ihm lachend die Hand. „Du scheinst ja wieder einmal hell zu brennen, mein teurer Freund." Mit dem Versprechen, bald wieder nach der Kranken zu sehen, verschwand der Arzt. Barbara lag tagelang in hohem Fieber. Die brave Iulietta sorgte aufopfernd für sie. Barbara hätte keine bessere Pflege haben können. Die Rachtwachen übernahm der Graf zum Teil persönlich. Vielleicht hätte sie die Krankheit nicht überstanden, wenn sie nicht in so guten Händen gewesen wäre. Immer wieder tief sie in ihren Fieberträumen nach Reginald, seltsamerweise aber nur, wenn Iulietta bei ihr saß. Sie nickte nur zuweilen mit dem Kopf und dachte sich ihr Teil. Sie sagte aber ihrem Herrn nichts davon. Sie kannte ihn ja von feiner Geburt an. Er tonnte ein schrecklicher Hitzkopf sein, obwohl er em solch goldenes Herz hatte. haus ein Einbruch verübt. Der Täter wurde jedoch überrascht und ging flüchtig, konnte aber eine Geldbörse mit 60 Mark Inhalt mit sich nehmen. Bis jetzt hat man den Einbrecher noch nicht gefaßt. Zu den Nachforschungen wurde die Landes-Kriminal- polizeistelle in Gießen herangezogen. Kreis Schotten. -r- Scholten, 11. Aug. Ab 1. August ist für den Handarbeitsunterricht im Lanbbezirk Schotten die technische Lehrerin Fräulein Erna Wirthwein (Friedberg) ernannt. Ihr Wirkungsbereich umspannt die Gemeinden Alfa, Ober-Schmitten, Eichelsdorf, Rain- rod, Michelbach, Götzen und Betzenrod. Den seitherigen nebenamtlichen Handarbeitslehrerinnen in diesen Orten wurde gekündigt. / Gedern, 13. Aug. Anter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Sann, Schotten, hielt der Arbeitsausschuß des hiesigen Bezirkskranke n h a u s e s dieser Tage eine Sitzung ab. Architekt Schröder erstattete Bericht über den derzeitigen Stand der Bauarbeiten im Krankenhaus. Danach ist die Innenausstattung fertig bis auf die Leichenhalle und das Bad für das Personal. Ein Antrag, alsbald mit dem äußeren Verputz zu beginnen, wurde angenommen. Irn ersten Halbjahr 1930 wurden 101 männliche Kranke mit 1656 Tagen und 75 weibliche Kranke mit 1061 Tagen behandelt und verpflegt. Don den 176 Kranken waren 136 aus Bezirksgemeinden. Etwa zwei Drittel aller Fälle erforderten operative, der Rest medizinische Behandlung. Im Monat Juli weist die Statistik 554 Der- pflegungstage bei täglich durchschnittlich 18 Patienten nach. Ferner wurden in der Zeit vom 10. Januar bis 30. Juni 141 Röntgenaufnahmen gemacht. Diese Zahlen zeigen deutlich den Wert und die Bedeutung unseres Krankenhauses für die Bewohner der Bezirksgemeinden. Weiter wurde über verschiedene wirtschaftliche Fragen verhandelt. — Der Gemeinderat war dieser Tage zu einer dringenden Sitzung einberufen, um über die Frage der Erwerbslosen- f ü r s o r g e in unserer Stadt zu verhandeln. Die Gemeindevertretung hatte beschlossen, ein Kapital von 30 000 Mk. aufzunehmen, um damit auf dem Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge verschiedene Wege, die Kanalisation und die Wasserleitung auszubauen. Das Projekt wurde durch Vermittlung des Kreisamtes dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft unterbreitet, um das Kapital zu verbilligtem Zinsfuß zu erhalten. Der Antrag wurde vom Ministerium abgelehnt, da die Dringlichkeit nicht als genügend erachtet wurde mit der Bemerkung, daß Gemeinden, die unter der Arbeitslosigkeit besonders leiden, nochmals einen begründeten Antrag stellen sollten. Da dieser Fall für unsere Stadt zutrifft, sollen Bürgermeister Müller und Gemeinderat Gerl achII. persönlich beim Ministerium vorstellig werden. --Anter-Seibertenrod, 12. Aug. Dieser Tage beging der hiesige Bürgermeister und Landwirt Konrad Momberger IV. seinen 7 0. Geburtstag. Der Zufall wollte es, dah der Gefeierte an demselben Tage 31 Jahre a l s Bürgermeister tätig war. Anläßlich dieser Doppelfeier stifteten der Orlsvorstand und die Gemeindebeamten dem Jubilar einen Sessel. Beigeordneter und Landwirt Karl Stein II. überreichte das Geschenk, wobei er die treue Pflichterfüllung des Jubilars und die kommunalen Fortschritte unter Leitung des jetzigen Ortsoberhauptes rühmend hervorhob. Sichtlich gerührt dankte der Bürgermeister den Spendern. § Alrichstein, 12. Aug. 3m Saal der Gastwirtschaft Groh wurde wieder eine Monatsversammlung des hiesigen V. H. C. - Zweigverein s abgehalten. Sie wurde eröffnet durch den Vorsitzenden, Tierarzt M e i s k i, der die Anwesenden begrüßte und sodann einige geschäftliche Dinge bekanntgab. Hierauf hielt Pfarrer Trapp einen Vortrag über die Siebenbürger Sachsen, in dem die Geschichte dieses deutschen Volks- stammes auf weit vorgeschobenem Posten zur Darstellung kam und seine Schicksale in der Gegenwart auf gezeigt wurden. An den Vortrag schloß sich noch eine kurze Aussprache an. ch Michelbach, 13. Aug. Am Sonntag fand die Einweihung des Ehrenmales für Daß er in Signora Barbara verliebt war, konnte ja ein Blinder sehen. Aber gerade deshalb durfte man nichts darüber sagen. And mitleidig strich die Alte über Barbaras abgezehrte Wangen. „Das Fieber läßt nach, 3ulietta“, flüsterte der Arzt eines Tages der Alten zu, als er wieder einmal da war. „3etzt heißt es aber sehr vorsichtig sein, dah die Kranke sich nicht aufregt und keinen Rückfall bekommt!" Damit war er schon zur Tür hinaus. Rach wenigen Minuten öffnete Barbara langsam die Augen und sah in das freundliche Gesicht der alten Amme. Sie strich sich mühsam über die Stirn. „Wo bin ich denn, und wer sind Sie?" war ihre erste Frage. Die Alte verstand nicht und zuckte bedauernd die Schultern. Dann kam ihr ein erleuchtender Gedanke. 3n etwas mangelhaftem, aber zur Rot verständlichem Französisch antwortete sie: „Sie sind in dem Schloh des Conte Giardino Malsieri bei Frascati, Signora. Sie waren sehr, sehr krank, aber nun werden wir Sie gesund pflegen", schloß sie mit einem so Heben Lächeln, dah Barbaras Gesicht sich etwas aufhellte. Sie hatte ganz gut verstanden, was die Alte gesagt hatte. Bruchstückhaft kam ihr die Erinnerung wieder. Aber alles, ihr Leben mit Much, ihre Flucht, war wie in Rebel gehüllt. Am besten konnte sie sich noch auf die Fahrt mit dem Grafen durch die oberitalienische Ebene besinnen. Wie ste dann aber hierhergekommen war, davon wußte sie nichts mehr. ©ie lieh den Blick durchs Zimmer gehen. Das war mit großem Geschmack und sehr verschwenderisch ausgestattet. Die Wände waren mit purpurfarbenem Brokat bespannt, der durch eingewebte goldene Ornamente belebt wurde. Das Bett stand mit dem Kopfende an der einen Wand und ragte mit dem Fußende mitten ins Zimmer hinein. Es war ihr, als habe sie schon einmal in einem ähnlichen Zimmer gelegen. Sie konnte sich nur nicht entsinnen, wann und wo, und das quälte sie geradezu. Dann standen in einer Ecke um «in reich- geschnitzteS Tischchen mehrere schwere Sessel, und in der anderen ein Divan mit einer Samtdecke und vielen Seidenkissen. Eines der beiden großen Fenster war geöffnet. Man konnte weit über sanfte Bergketten und Täler Hinschauen. Das Schloß schien ziemlich hoch zu liegen. Barbara versank so im Anschauen der weichen ßinten, dah die gefallenen Söhne unseres f e s statt. An der Feier nahmen die Kriegervereine von Rudingshain, Schotten, Busenbom. Breungeshain, Götzen, Betzenrod und Eschenrod teil. Dor dem auf dem Friedhof errichteten Ehrenmal leitete der Musikverein Rudingshain die Feier mit einem Choral ein, darauf fang der Gesangverein Rudingshain den Chor „Wie sie so sanft ruhn". Pfarrer Bornscheuer (Schotten) hielt die Weiherede und verlas unter Glockengeläute die Ramen der 10 Kriegsopfer, für deren jedes ein Kranz niedergelegt wurde. Rach einem Gesang der Michelbacher 3ugend unter Leitung von Postmeister i. R. Schlörb (Schotten) übergab Baurat Kessel (Schotten) das Denkmal in den Schutz der Gemeinde. Bürgermeister Dambmann nahm das Denkmal in Obhut und dankte allen, die an der Errichtung dieses Ehrenmales mitgewirkt haben. Einige weitere Gedenkansprachen von Kriegervereinsvertretern und Gesang des Gesangvereins Rudingshain beschlossen die eindrucksvolle Feier. ch Steinberg, 12.Aug. Der hiesige Man- nergesang verein „Harmonie" hielt dieser Tage unter der Leitung seines Vorsitzenden, Sägetoerksbesitzer L a n g l i tz , eine austerordentlich« Generalversammlung ab. Der DereinSrechner Carl erstattete die Abrechnung über das kürzlich veranstaltete 3ubiläums- und Fahnenweihfest, aus der ein ansehnlicher Aeberschuh ersichtlich war. Die Versammlung beschloß einstimmig, Ende August eine gemeinsame Kraftwagenfahrt nach Dad-Rauheim, Bad Homburg und Vilbel zu unternehmen. 3m übrigen beschäftigte man sich mit internen Dereinsangelcgenheiten. Kreis AlSfeld. -er. Homberg, 13. Aug. Der Gesangver- ein „grau en lob“, Mitglied des Lahntal- sängerbundes, feiert im nächsten 3ahre sein 7 5- jährigesBestehen und will mit dieser Feier ein Wertungssingen verbinden. Am Sonntagnachmittag weilten einige in Sängerkreisen führende Persönlichkeiten, vor allem Dirigenten und der Bundesvorsihende Gengnagel (Grünberg), in unserem Städtchen, um eine Besprechung wegen des Festes abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit nahmen di« Herren auch Einsicht in die bei einem solchen Werlungssingen in Betracht kommenden Lokale. Das Fest findet am 5. Juli 1931 statt. Preußen. Kreis Wetzl-ar. > Wißmar, 13. Aug. Aus der Gemeindevertretung: Die Kreisverwaltung beabsichtigt, im Winter einen sieben- bis achtwöchigen Haushaltungskursus in unserer Gemeinde halten zu lassen. Die Gemeindevertretung erklärte sich einstimmig dafür und beschloß für den Fall des Zustandekommens Raum, Heizung und Licht zu stellen. Bei der Kreisverwaltung soll dahin gewirkt werden, daß der Lehrgang abends stattfindet, um den in Fabriken beschäftigten Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit der Teilnahme zu geben. Ferner wurde Stellung genommen zu einer Anregung des Kreisaus- schusfes auf Einführung des obligatorischen Schwimmunterrichts. Der Dorschlag des Schulvorstandes für Errichtung einer Schwimm- und Badegelegenheit am Sportplatz wurde bekanntgegeben. Falls von staatlicher Seite Mittel zur Verfügung gestellt werden, soll nach Einrichtung der Schwimmgelegezcheit die Anregung verwirnicht werden. Von einem Schreiben des Hessischen Kreisamtes und des Kulturamtes bett, die Beseitigung von Kiesablagerun- gen in der Lahn wurde Kenntnis genommen. Ein Teil der Ablagerungen ist schon beseitigt, die weiteren Arbeiten sollen öffentlich vergeben werden. 0”. Dutenhofen, 13. Aug. Gestern abend ist auf der Straße Wetzlar—Gießen in unserem. Orte ein achtjähriges Kind durch ein Motorrad verunglückt. Das Kind ging hinter einem fahrenden hochbeladenen Erntewagen her. Als dieser in eine Seitenstraße abbog, sprang das Kind hinter dem Wagen hervor, um seinen Weg auf der Hauptstraße fortzusehen. 3n diesem Augenblick fuhr ein von Wetzlar kommender Motorradfahrer vorbei. Das Kind wurde von dem Motorrad erfaßt und sie gar nicht bemerkte, wie es leise an die Türe klopfte und jemand eintrat. Es war der Conte, der sich nach ihrem Befinden erkundigen wollte. Sie sah ihn erst, als er einen großen St raust dunkelrote, köstlich duftende Rosen auf ihre Decke legte. Die Alte war geräuschlos verschwunden, und er nahm ihren Platz ein. Barbara sah ihn versonnen an und sagte gar nichts. Er ergriff vorsichtig eine ihrer blassen Hände und küßte sie. Cs rührte ihn, wie durchsichtig zart Barbara in ihren Kissen lag. „Geht es 3hnen besser, Signora Barbara?^ fragte er und dämpfte feine Stimme nach Möglichkeit. „Wir sind sehr in Sorge um Sie gewesen." lieber Barbaras blasses Gesicht ging ein zaghaftes Lächeln. Es schien, als sei sie durch die Krankheit zu einem kleinen, etwas ängstlichen Mädel geworden. „3ch danke 3hnen für alles, was Sie an miv getan haben, Conte", sagte sie leise und umschlost seine Hand mit schwachem Druck. Er sah sehr glücklich aus. „Wollen Sie mir eine Freude machen?" fragte er eindringlich. „Gern", sagte Barbara, „wenn ich kann." „So vergessen Sie alles, was Sie hinter sich haben, und betrachten Sie sich ganz wie zu Hause und werden Sie gesund. Wenn Sie einen Wunsch haben, so sagen Sie ihn. Ich bin glücklich, Ihnen dienen zu dürfen. Alles hier steht zu Ihrer Verfügung", schloß er mit so viel Feuer, dah Barbara ihn ganz verschüchtert ansah. Er stand rasch auf, drückte noch einen Kuß auf Barbaras Hand und ging, ohne sich umzusehen, so hastig aus dem Zimmer, daß sie ganz verstört hinter ihm dreinsah. Barbara Much war noch sehr schwach. And irgendwie hatte sie beinahe ein bißchen Angst vor dem Conte, obgleich sie fühlte, wie er für sie sorgte. Sie atmete auf, als Iulietta mit ihren behenden, leichten Schritten wieder eintrat, und fiel sofort in tiefen Schlaf, als die Alte neben ihrem Bett faß. Es war einige Tage später. Barbara erholt« sich überraschend schnell, so dah sie schon einige Stunden aufrechtsitzend in einem Sessel zubringen konnte. (Fortsetzung folgt) erfüt mehrere Verletzungen, die xum Glück nicht allzu schwer sein sollen. Der Motorradfahrer fuhr in mäßigem Tempo, wodurch der Unfall zum Glück abgeschwächt wurde. Wirtschaft. e Ueberzeichnung der Reichsbahn- schatzanweisungen. Aach den nunmehr vorliegenden Ergebnissen der u 2000 an 4 0 5 32 4 8 3t>-l 66800 71884 104041 241980 280305 291370 298920 312808 397431 32 o«einn. IU !000®t. 1213 71334 111569 112811 113622 116904 191943 232019 250859 254562 276717 296358 345529 349030 373042 376628 64 e«hi»i >■ 500 an. 2982 4522 21210 33267 47779 51361 67421 100478 112527 113226 1267M 150654 156819 177436 183737 188520 186861 209685 238488 245321 255565 257435 262221 285255 317578 324297 327094 341933 346061 349872 351761 352408 234 or°»>..... 7.9 7.9 7.9 7.9 93 _ 93.1) CberirWen trooini • ffnlefbe 49,25 luM-Sedtten...... Ttvridx Komm. SammelnN. — d — 58.5 Inleibe terte 1 • 85. Rtanrt. Ptw.-Vant »olbpfe — 58.25 — XIII unfünbtat M* 1984 . . . 7% Rrantl. 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SäntidM Roten ....... Cng'tidr Raten ........ granzaMLe Raken..... . HvIIondllLe Roten ....... ätalientf(t,e Roten........ Rarwe-ticke Roten....... Leutlck-Oekerretck, 1 100 DchMng WumOntldv» Roten....... Sckwebliche Raten....... SckweUet Roten ....... Ildted-oHorontildx Raten. .... ttngartidie Raten ..... . 4,165 58,45 111.88 20,335 16,43 168,32 21,97 111,88 59,06 2.47 112,18 81,44 45,36 12,385 73.15 4,185 58,69 112.32 20,415 16,48 169,00 22,05 112,32 59,30 2,49 112.82 81,76 45,54 12.445 73,45 DrotKnmarfl Berlin - Frankfurt a. zn. • 13 August 14 »ugafl ■Stntlidx ®elt> Xanerung Brie Amtlich« «»elf Kontnma »rie« flmfL»4ton. 8u:n.■Kirrt Brfi-.Knkw Ctnfhania. .QoDtnbooen ettxfbolm . brlfincfort. Jjwlttn. . . LondbN. . . '.'Zencort . . Tont.... Schweiz . . epantee . Jovan - . . *io be 3an Bien tn T-. Ceft abaefl Snbapeft . . ®nlaarten . Ürflabon Monn nrui. Arden. . . tanaba . Urn .usd • - Tatro . . . 168,54 1,524 58,485 112,14 112,16 112,43 10,524 21,91 20,37 4.182 16,45 «1,345 45,90 2,067 5.429 19,115 12.404 7,42? 73,325 3,032 18,805 81,42 1,784 5,43 4,186 3.437 20,87 168,88 1,528 58,605 112,32 112,38 112,65 10,544 21.95 20,41 4,190 16,49 81,505 46,00 2,071 0,431 59,235 12,424 7.442 73,465 3,038 18,845 81,58 1,789 5,44 4,194 3,443 20,91 168,40 1,531 58,465 112,10 112,17 112.42 10,526 21,91 20,373 4,182 16,445 81,345 45,00 2,067 0425 59,12 12,406 7,428 73,34 3,032 18,80 81,44 1.784 5.43 4,186 3,467 20,88 168.88 1,534 58.585 112,32 112,39 112,64 80.546 21,95 20,413 4,190 16,485 81,505 45,10 2,071 0,427 59,24 12,426 7,442 73,48 MM 18,84 81,60 1,789 5,44 4,194 3,473 20,92 Versuchsweise Derkehrsumleiiung für Kraftwagen in Bad-Nauheim. == Bad-Nauheim, 13. QIug. Die gestrige Stadtratssihung, die unter dem Barsch des Beigeordneten Kling stattfand, hatte als wichtigsten Punkt auf der Tagesordnung die Umleitung des Kraftwagenverkehrs in der Frankfurter Strafte. Dem Antrag der vereinigten Ausschüsse, Dau- und Finanzausschuß, wurde insoweit zugestimmt, als man eine versuchsweise Umleitung des Kraftwagenverkehrs genehmigte. Die Um- gehungsstrafte soll bei der Unterführung am Güterbahnhof einmünden, führt hinter dem Dahn- hof vorbei und durch die Benekestrahe zurück auf der Frankfurter Strafte. Der Motorrad- Verkehr soll vollständig aus der Frankfurter Strafte verschwinden, während sie als Einbahn strafte für den Lastkraftwagenverkehr vorläufig beibehalten wird. Damit werden 50 Prozent des Verkehrs aus der 'Frankfurter Strafte herausgezogen und das Bermietgewcrbe nicht mehr in dem seitherigen Maße geschädigt. Eine weitergehende Regelung der Umleitung sei, wie Beigeordneter Kling äußert, der ungeheueren finanziellen Schwierigkeiten wegen in nächster Zeit nicht möglich. Die Vorlage wurde einstimmig angenommen. Noristisches aus Oberheffen. = Büdingen. 12. Qlug. Am Samstag wurde auf Anregung und unter örtlicher Führung von Lehrer Schnier le (Dleichenbach) für Lehrer des Kreises, die sich in den heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften betätigen, eine botanische Exkursion unternommen, die sich einer vorzüglichen Beteiligung erfreute. Die Leitung lag in Händen von Prof. Dr. S p i l - g er (Darmstadt). Bon Bleichenbach ging es zunächst nach den Kalksteinhügeln der Umgebung, die ein farbenprächtiges Florenbild zeigen. Es seht sich zusammen aus einer Anzahl ausgesprochener Kalkpflanzen, die nur auf Kalkboden gedeihen und die nahe Buntsandsteinformation meiden. Kalkflieher wie Desenginster und Heidekraut fehlen hier. Zu den Kalkholden kommen in größerer Zahl wärmeliebende Arten, die im Ahein-Maingebiet und in der Wetterau zum Teil recht häufig sind, nach dem Vogelsberg zu aber merklich abnehmen, den höheren Lagen des Gebirges gänzlich fremd sind und erst jenseits des Vogelsberges, im Lauterbacher Graben, zum Teil wieder anzutreffen sind. Der bekannte Wiesensalbei z. B. nimmt bei Dleichenbach an einem vereinzelten Standort, eine Dorpostenstellung an seiner Derbreitungsgrenze zwischen Wetterau und Vogelsberg ein. Don Dleichenbach führte der Weg nach D a d Selters, dessen Salzflora unter Führung von Lehrer Oswald (Dad-Na.uheim) einem eingehenden Studium unterzogen wurde. Die Salzwiesen zwischen Selters und Ortenberg gehören zu den wenigen Stellen des Dinnenlan- des, die ein Florenkleid tragen, wie es sonst nur den Küsten unserer Meere eigen ist. Die Wetterau weist einige solcher Salzstellen mit charakteristischer Flora auf. Wisselsheim, Münzenberg, Salzhausen und Selters sind hier zu nennen. Die Salzstellen bei Selters sind gerade nicht sehr artenreich, bergen aber immer noch einige recht typische Salzpflanzen (Meer- strandswegerich, Meerstrandsdreizack, niedliches Tausendgüldenkraut, Wiesengerste, Crdbeerklee u. a.) mit ihren salzliebenden Degleitpflanzen. Als besondere Seltenheit, die heute den übrigen Wetterauer Salzstellen fehlt, darf die Salzaster genannt werden. Die Exkursion machte mit einem besonders interessanten Stück unserer oberhessischen Pflanzenwelt bekannt und lenkte die Aufmerksamkeit der Teilnehmer in der Salzflora von Selters vor allem auf ein Naturdenkmal, das dringend des Naturschutzes bedarf, wenn es in seiner Seltenheit und Eigenartigkeit der Wissen6c r tb a (Schotten) die Gruße und Wünsche befc Präsidiums, gedachte der regen Dereinstätigkeit des Niddaer Kriegervereins und überreichte dessen Vorstandsmitglied, Oberreallehrer i. N. Küfer. für seine mehr als 25jährigen Verdienste für das Kriegervereinswesen das Chrenkreuz der „Hassia". Interessante Vorführungen des Reitervereins, vaterländische Gesänge, Konzert und Tanz boten auf dem Festplah Unterhaltung. Mit einem Ball in der Turnhalle, fand die Feier ihren Abschluß Lnefkasteu der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) ID. Sch. Ihre Frage in der übermittelten Art ist nicht ausreichend zu beantworten. Um zu ermitteln, welcher Kostenanteil für Straßenreinigung und Müllabfuhr auf Ihre Wohnung entfällt, ist es not« wendig, daß man das Gesamt-Mietaufkommen aus dem ganzen Hause sowie die gesamte Höhe der für Straßenreinigung und Müllabfuhr auf das Haus ent. fallenden Summe kennt, damit daraus der Anteil Ihrer Wohnung berechnet werden kann. Wir empfehlen Ihnen, sich an das Städtische Vermessungsamt, Stadthaus Bergstraße, Zimmer Ttt. 4, zu wenden, wo Ihnen der anteilmäßige Betrag errechnet wird. schäft und einem größeren Kreis von Naturfreunden erhalten bleiben soll. Hassia-Bezirksfest in Nidda. * Nidda, 11. Qlug. Der Hassiabezirk Nidda hielt gestern hier nach dem Weltkriege sein erstes Bezirkskriegerfest bei ganz außerordentlich starker Beteiligung ab. Vormittags besuchte der Bezirksverein Nidda geschlossen den Gottesdienst und empfing alsdann die auswärtigen Vereine. Um 13 Uhr bewegte sich durch die reichbeflaggten Straften der Stadt ein prächtiger F e st z u g, in dem 44 Vereine mit ihren Fahnen und teilweise eignen Musikkapellen, zusammen über 2000 Personen, marschierten. Ein besonders interessantes Gepräge erhielt der Fest- zug dadurch, daft fast alle Waffengattungen vom ehemaligen Volksheer in ihren farbenreichen Uniformen zu Pferde und zu Fuß mitzogen. Die berittenen Truppen wurden von Mitgliedern des hiesigen Neitervereins gestellt. 3n etwa zwölf geschmückten Wagen fuhren die Veteranen von 1866 und 1870/71 aus dem Bezirk und die Vorstandsmitglieder der Nachbarbezirke. Auf der neuen Brücke machte der Zug 5 Minuten Halt. Angesichts des Johanniterturms, an dem sich das Ehrenmal der Gefallenen im Weltkrieg aus unserer Stadt befindet, fand eine stille Totenehrung statt. Die Glocken auf dem Turme und der Kirche läuteten, die Musik spielte „Ich hatt einen Kameraden". Auf dem Festplatze, der Gänswiese, wurde den Kameraden und allen Gästen, unter denen sich Kreisdirektor Dr. Gaft - n e r (Büdingen), der Vorsitzende des Hassia- bezirks Büdingen, Kammerdirektor Weimer, Vorstandsmitglied vom Hauptverein Hassia Apotheker Scriba (Schotten) u. v. a. befanden, vom Vorsitzenden des hiesigen Kriegervereins, Zollsekretär Helfrich, in herzlichen Worten Willkommen entboten. Die Inhalts- und gedankenreiche Festrede hielt alsdann Bankvorstand Hermann S e u m hier, der Vorsitzende des Hassia- bezirks Nidda. Schliehlich übermittelte Apotheker SS 10/77, Verantwortlich für das Feuilleton t. 23.: Dr. Fr. W. Lang e. von Nowack den praktischen Gießen Seltersweg 85 5439 A Trenchcoat, mit und ohne Futter, In allen Preislagen Gummi - Mäntel, uni und farbig, In Seide, engl. 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