OK öMZ !s?"telsta'n^ ber |c^Uun3 SÄ » hatte keinAE^v. T'sAr R# ■Öung tourbT- °JUn9 L^K'L cm"i«^ o"$dR< ^iebuna9h3anPCncn ZW i LnTS ä rt fcj* bec Elch. «.r • 00 Michel. S«? »6t* Nr. u Erstes Blatt 180. Jahrgang Dienstag, 14. Januar 1950 (Er|d)eint lüglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. ßernsprechanschlüffe unterSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Zrantfurl am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: Vruhl'sche Univerfitäts-Vnch- und Ztelndruckerei B. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plastoorschrift 20 °/0 mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. Schacht verweigert die Teilnahme der Reichsbank an der V.I.Z. Oer Reichsbankpräsident fordert in einem Dries an den Vorsitzenden des Organisationskomitees Überprüfung der Liquidationsabkommen und Wiederherstellung des ursprünglichen tzoungplans. — Heftiger Zusammenstoß mit der deutschen Delegation. Eine andere deutsche Bankengruppe soll sich an der Internationalen Zahlungsbank beteiligen. Haag, 13. Ian. (WB.) In dem O r g a n i f a - lionsausschuß für die Lank für internationalen Zahlungsausgleich ist durch ein Schreiben des Reichsbankpräfiden- tcn Dr. Schacht an den Vorsitzenden dieses Ausschusses, den amerikanischen Bankpräsidenten Reynolds, die Frage der Beteiligung der R c i ch s b a n k an der B. I. Z. aufgeworfen worden Dr. Schacht erklärte, daß er eine endgültige Entscheidung des Reichsbankdirektoriums über seine Stellungnahme zu dieser Beteiligung noch nicht abgeben könne. Die Sitzung des Ausschusses für die B. 3. Z. wurde daraufhin zunächst beendet. Am 7 Uhr traten die Vertreter der sechs Mächte erneut zusammen, wobei von deutscher Seite der Vorschlag unterbreitet wurde, für den Eventualfall die Beteiligung einer anderen deutschen Bankengruppe an der B.3.Z. zu erörtern. Line solche Alternative wurde bereits im Poungplan selbst vorgesehen. Ueber den 3 nhalt des Schreibens des Reichsbankpräsidenten vom 30. Dezember werden nun folgende Einzelheiten milgeteilt: Dr. Schacht habe erklärt, daß er die Zeichnung der für die Reichsbank vorgesehenen Beteiligung an der B. 3. Z. im Betrage von 100 Millionen Mark nicht vornehmen könne, sofern nach der Annahme und der 3nkrast- sehung des Poungplans nicht folgende politischen und finanziellen Bedingungen erfüllt werden: 1. Verzicht Englands auf die Sequestrierung des deutschen Eigentums; 2. Verzicht Frankreichs auf alle militärischen und politischen Sanktionen; 3. Rückkehr ; u m Poungplan in der ursprünglich auf der Pariser Sachverständigenkonferen; ausgearbeilelen Fassung. Es bestehl keine volle Klarheit darüber, wer über dieses Schreiben noch vor seiner heutigen offiziellen Bekanntgabe unterrichtet war. Es verlautet jedoch, daß der Reparationsagenk und eine Reihe anderer maßgebender Persönlichkeiten den 3nholt des Schreibens kannten. 3n der Montagabendsihung der 6 Großmächte wurde übereinstimmend beschlossen, daß dem Eingreifen des Reichsbankpräsidenten keineFolgegeleistet werden soll und daß die Verhandlungen forlgesührl werden. Ls wurde betont, daß ein Eingreifen des Reichsbankpräsidenten in die Fragen, in denen bereits eine praktische Ueber- einstimmung erzielt worden sei, nicht geduldet werden könne. Dieser Standpunkt ist insbesondere von dem französischen Ministerpräsidenten T a r - dieu und dem englischen Schahkanzler Snowden vertreten worden. Tardieu hat betont, daß die Frage einer Beteiligung einer deutschen Bank an der V. 3. Z. aufgeschoben werden könnte bis eine endgültige Stellungnahme der deutschen Regierung vorliege. Schachts Weigerung. Eine Darstellung der deutschen Delegation. Haag, 14. San. (WTB.) lieber die Vorgänge am Montag gibt die deutsche Delegation folgende Darstellung durch das offizielle Wolff- bureau bekannt: Der Reichsbankpräsident hat Ende des vergangenen Sahres. am 31. Dezember, in Beantwortung eines Briefes vom 28. des gleichen Monats an den Vorsitzenden des Organisationsausschusses für die internationale Bank Reynolds einen Brief namens des Reichsbankdirektoriums gerichtet, in dem er die Frage der Mitwirkung der R e i ch s b a n k erörterte. Dieser Brief ist von dem Vorsitzenden des internationalen Ausschusses heute nachmittag in der Ausschußsitzung zur Verlesung gebracht worden, und er hat dazu geführt, daß inan sich in dieser Sitzung auf den Standpunkt stellte, daß es unmöglich sei, bis zu dem von Dr. Schacht in seinem Briefe angegebenen Zeitpunkt die Klärung der Frage der deutschen Beteiligung an der Bank aufzuschieben. Da Dr. Schacht nicht in der Lage war, eine bindende Erklärungzu dieser Frage abzugeben, ob und wann er sich über die Einzahlungen d e r Reichsbank b e i der B. 2. Z. entscheiden könne, wurde die Sitzung des Ausschusses unterbrochen. Der Vorsitzende des Ausschusses setzte daraus den Präsidenten der Konferenz S a f p a r von dem Zwischenfall in Kenntnis, und dieser ersuchte am Ende der finanziellen Besprechungen der sechs Mächte um eine Stellungnahme zu diesem Zwischenfall. Die Sitzung wurde darauf vertagt und um 1 Uhr fortgesetzt. Zwischendurch sanden mit dem Reichsbankpräsidenten Besprechungen in der deutschen Delegation statt, um seslzustellen, ob er bei seiner Meinung beharre, oder ob es doch noch möglich sei, die Mitwirkung der Reichsbank in Aussicht zu stellen. Schacht konnte jedoch in dieser Beziehung keine bindende Erklärung abgeben. Nachdem versuche, ihn zu einer Aen- derung seines Entschlusses zu bringen, ergebnislos geblieben waren, und ihm kein Zweifel darüber gelassen worden war, daß es ein im höchsten Grade beunruhigender Zustand wäre, wenn zwischen der Reichsregierung und dem Reichsbankpräsidenten ein solcher Gegensatz klaffe, nachdem ihm ferner erklärt worden war, daß es sich hier um Entscheidungen von größter Tragweite handele, verblieb Dr. Schacht dabei, daß er die Mitwirkung der Reichsbank nicht zur Verfügung stellen könne. Es wurde ihm daraufhin erklärt, daß dann von der Eventualberechkigung des Poungplanes Geben vorstehenden Sachverhalt enthielt, und stellte in Aussicht, daß man innerhalb von 24 Stunden den Versuch zur Konstituierung der gedachten Banken gruppe durchfuhren werde. Mit dem Reichskanzler und mit dem Reichs- kabi«ett sind inzwischen Rücksprachen gepflogen worden. Staatssekretär Schäffer, der heute nachmittag nach Berlin abgereist ist, wird morgen dort die notwendigen Schritte unternehmen, um eine deutsche Dankengruppe zusammenzustellen. Die Gläubigervertreter haben diese Erklärung zur Kenntnis genommen, und einer von ihnen machte den Vorschlag, die Ausschuß- und Konferenzarbeiten weiterzuführen und den Versuch zu unternehmen, die Arbeiten zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Zu diesem Zweck wurde beschlossen: weiteren Lasten auf sich genommen. Wenn Dr. Schacht den Bankplan am 13. November annehmbar fand, hatte er keinen Grund, ihn am 13. Januar anders anzusehen. — Der Reuter-Korrespondent im Haag meldet, der Versuch Dr. Schachts, die Haager Konferenz zu „torpedieren", sei zum Scheitern gebracht worden, und der deutsche Reichsbankprösident habe mit seiner Einmischung in politische Angelegenheiten nichts gewonnen als eine scharfe Zurückweisung durch die Delegierten. Dr. Schacht habe wäh- rend der Verlesung seines Briefes im Organisationsausschuß gesagt: „Ich bin ein Mann, der seine Ansichten niemals wechselt." Die Vertreter der sechs Mächte seien einstimmig der Ansicht, daß die Einmischung des Reichsbankpräsidenten in politische Fragen, über die so gut wie Einstimmigkeit herrsche, nicht geduldet werden könne. brauch gemacht würde, eine andere Bankengruppe an ft eile der Reichsbank heranzuziehen. Auf die Frage, ob er einen Einspruch erhebe, wenn das geschehe, erklärte der Reichsbankpräsident förmlich, er erhebe keinen Einspruch, und die Reichsbank sei bereit, die ihr als solcher obliegenden Funktionen für die Durchführung der im Poungplan vorgesehenen Ausgaben zu übernehmen. Auf eine weitere Frage erklärte er sich bereit, im Organifationskomitee für die D. S. Z. bis zum Eintreffen eines Ersatzmannes aus der eventuell an Stelle der Reichs- j bank tretenden Bankengruppe mitzuwirken. Sn der darauf abgehaltenen Sitzung der sechs einladenden Mächte gab Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s eine Erklärung ab, die im wesentlichen I 1. Durch den Vorsitzenden der Konferenz an den Vorsitzenden des Ausschusses für die internationale Dank einen Brief zu richten, in dem der Eingang des Briefes des Reichsbankpräsidenten bestätigt, und die Fortführung der Arbeiten des Ausschusses erbeten wird. 2. Die Suristen zu ersuchen, zusammen mit dem Vertreter der schweizerischen Regierung den S i tz der internationalen Dank in Dasel und die übrigen Modalitäten endgültig festzulegen. 3. Diejenigen Vereinbarungen, die inzwischen in Verhandlungen der letzten Tage zwischen den Gläubigermächten und Deutschland festgelegt worden sind, durch die Suristen so formulieren zu lassen, daß sie in das Schlußprotokoll ausgenommen werden können. Die Auffassung -er Berliner Presse. Berlin, 14.Jan. (Tel.-Un.) Die Vorgänge, die sich aus der Veröffentlichung der Bedingungen Dr. Schachts für die Beteiligung an der B.J.Z. ergeben haben, werden von den Berliner Blättern in ausführlichen Meldungen aus dem Haag wiedergegeben. Ueber das Vorgehen des Reichsbankpräsidenten schreibt die „G ermani a" (Zentrum), der Kampf mit Schacht werde von Regierung und Parteien, nicht von den Haager Delegierten ausgefochten werden müssen, aber es ist begreiflich, daß die Delegationen sich von dem Leiter der Reichsbank im Haag unter diesen Umständen distanziert haben und nicht einen Entschluß gutheißen, der in letzter Stunde das schwierige Einigungswerk aufs Spiel setze. Sollte es wirklich Schachts ehrliche Uederzeugung fein, daß der Dawesplan besser als sein eigenes Werk in der jetzigen Form fei, so solle er es offen sagen und man werde mit ihm reden können. 'Aber ein Versteckspiel im Haag enthebe der Möglichkeit, über feine Absichten — nicht etwa über seine Gründe — Klarheit zu erlangen. Das Blatt glaubt, daß Schacht diesmal den Bogen überspannt habe und daß diesmal nicht er der Sieger fein werde. — Sic „D. A. Z." (2VP.) hält cs für ausgeschlossen, daß es gelingen könnte, eine private deutsche Bankengruppe aufzustellen, die anstelle der Reichsbank treten könnte. Auf jeden Fall hätte im letzten Augenblick der Versuch gemacht werden müssen, den Trumpf, den Dr. Schacht darstellte, politisch au szus pieken und weitere Verwässerungen und Verfälschungen des Zoung- plans zu verhüten. — Auch der „B örsen- Courier'' (dem.) hält es für geradezu ausgeschlossen, daß gegen den Willen der Reichsbank eine andere Bankengruppe zur Ausführung des so stark gewandelten Poungplans sich betätigen werde. Das Blatt findet es außerdem erstaunlich, daß die deutsche Delegation, die diesen Brief längst tenne, d.r a u ch vom R e i ch s k a b i n e t t bereits besprochen worden sei, sich auf einmal so überrascht sehe und nicht längst Schritte unternommen habe, um mit dem Reichsbankpräsidenten sich zu verständigen. Die „Deutsche Tageszeitung" (Rcichs- landbund) bedauert, daß die deutsche Delegation und der Reichsbankpräsident vor denAugen des Auslandes hier in offener Fehde lebten. Das hätte ücrm reden werden können. Die Hoffnungen, sich schließlich doch noch mit Schacht zu einigen, würden im Regie- rungslagor aber noch nicht ganz aufgegeben. Auf der anderen Seite sind scharfmacherische Kreise am Werke, den Zwischenfall auszubeuten, um den mißliebigen und gefährlichen Reichsbank- Präsidenten aus dem Sattel zu heben. — Der „Lokal-Anzeiger" (Hugenberg) sagt, das Vorgehen Schachts bedeute ein hartes Verdcun- mungsurteil für die Unterwerfungspolitik der Reichsregiorung. — Das „DorlinerTage- blatt (Dem.) schreibt, es müsse mit aller Entschiedenheit Einspruch dagegen erhoben werden, daß der Präsident der Deutschen Reichsbank sich wiederum in die deutsche Außenpolitik einzu mischen beginne, noch dazu mit Forderungen, die im jetzigen Stadium völlig aussichtslos und anscheinend nur dazu bestimmt seien, ihn als den starken Mann erscheinen zu lassen, der mit der Faust auf den Tisch schlage. — Die „Dossische Zeitung" (Ullstein) meint, daß infolge des Vorstoßes von Dr. Schacht eine Aend erring des Reichsbank st a- t u t s, die der Regierung eine weit stärkere Einflußnahme als bisher verbürge, zumindest nicht mehr auf Schwierigkeiten bei den hier anwesenden Gläubigervortretern stoßen werde. — Rach dem „Vorwärts" (Soz.) werden jetzt Anträge für die Abänderung des Reichsbankstatuts erwogen dahingehend, daß in das neue Statut der Reichsbank eine Destimmung aufgenommen wird, wonach die Mitwirkung an der Dank für internationale Zahlungen z u den Aufgaben und Pflichten der Reichsbank gehört, ferner eine Destimmung, wonach der Präsident der Reichsbank abberufen werden kann, wenn er die Statuten der Reichsbank verletzt. Der „Vorwärts" erklärt ferner: Das deutsche Volk wird sich eine Diktatur Schachts auf keinen Fall gefallen lassen. Die Reichsregierung hat den unermeßlichen Schaden, den dieser Mann anrichtet, mit zu verantworten, wenn sie seinem Treiben nicht Einhalt gebietet. Zeigt sie den Willen dazu, so wird sie die erdrückende Mehrheit des Volkes hinter sich haben, und der Sieg wird ihr gewiß sein. Die Unabsehbarkeit des Reichsbankpräsidenten ist eine Fessel, die uns durch den Dawesplan auferlegt worden ist. Die deutsche Delegation hat hundertmal recht, wenn sie die Defreiung von dieser Fessel fordern will. Wird sie es tun? Di< D. A. Z. beantwortet diese Frage bereits mit ja, indem sie sich aus dem Haag melden läßt, daß die deutsche Delegation im Einvernehmen mit dem Reichskanzler beschlossen habe, auf der Haager Konferenz offiziell die Abänderung des Entwurfes ‘über das neue Reichsbankgeseh im Sinne der Einschränkung der Rechte des Reichsbankpräsidenten zu beantragen. Englische Blätter zur Schacht-Sensation. London, 14. Jan. (WTB. Funkfpruch.) Der Haager Korrespondent des „Daily Herald" sagt: Dr. Schacht hat bereits sechs Stunden nach seiner Ankunft die erste Sensation der Konferenz geschaffen. Die beleidigendeHerausforde- rung, die er damit nicht nur an feine eigene Regierung, sondern auch an die Regierungen der andern 18 auf der Konferenz vertretenen Länder richtete, wurde mit dem Beschluß der sechs Mächte beantwortet, seine Opposition unbeachtet zu lassen. — Der Haager Korrespondent der „Times" meldet: Angesichts der Haltung, die Dr. Schacht bei der ersten Session der Haager Konferenz eingenommen hatte, ist cs nicht erstaunlich, daß er cs nochmals versucht, j e de Verantwortung für die unvermeidlichen politischen K o m p r o m i s f e abzu lehnen, die bei der Auslegung und Anwendung des Voungberichtes vorgenommen wurden. — Der diplomatische Korrespondent der „Financial News" schreibt: Dr. Schachts neuester Schritt ist vö 11 i g ü b e r r a s ch e n d gekommen. Dr. Schacht wär als Mitglied des Organisationsausschusses der -Internationalen Bank Mitunterzeichner der am 13. November in Baden-Baden abgeschlossenen Vereinbarung. Zwischen diesem Datum und dem 13.Januar aber hat die deutsche Regierung keine Kritik am Houngplan. Pcrtinax Plädiert für den Papierkorb. Paris, 13. 3au. (WB.) Der Außenpolitiker des „Echo de Paris" äußert sich heute über den TZoung-Plan selbst. Er schreibt: Man erkennt jetzt nur zu gut, daß die Sachverständigen den Poung-Plan für die Galerie gearbeitet haben. Zwischen der Mehrheit des Sachverständigenkomitees und Dr. Schacht habe Verwirrung geherrscht. Die Sachverständigen hätten auf die Warnungen Dr. Schachts hin nicht gewagt, es zu einem Druch kommen zu lassen. Sie hätten eine Einigung vorgespiege lt, die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden gewesen sei. Sie hätten eine ganz besondere Art von „Verständigung" erfunden dadurch, daß sie einfach Thesen, die miteinander unvereinbar feien, hintereinander 'aufreihten. Die juristisch ungenaue, zusammen« gepfuschte Abfassung ihres Berichtes habe den Schaden noch vergrößert. Heute falle das Werk in sich zusammen, sobald man versuche, es zusammenzuflicken. Am besten wäre es, von diesem Werk nicht zu verlangen, was es doch nicht halten könne. Viele seien zu der entmutigenden Schlußfolgerung gekommen, daß man sich des Planes in der vorliegenden Gestalt nicht bedienen, sondern ihn in den Papier korb werfen follte. Zweifelsohne liege es in der Macht Frankreichs, Englands und Italiens, geeint und stark eine andere Politik zu betreiben. Aber trotz einer heilsamen Reaktion sei die öffentliche Meinung in den ehemals alliierten Ländern so nervös, so geschwächt und so irregeführt, daß für diele Möglichkeit nicht viele Aussichten auf Verwirklichung bestünden. Oie Saar wird vergessen. Kein Aonngplan ohne Nirckgabc des Laargebiets. München, 13. 3an. (WTB.) Die offizielle Korrespondenz der Bayerischen Volkspartei befaßt sich in einem Artikel mit der Saarfrage und schreibt u. a.: Wenn von der Reparationskonferenz aus überhaupt Einfluß auf die Saarverhandlungen genommen werden soll, so ist die letzte Gelegenheit dazu gegeben. Wenn jetzt der entscheidende Versuch unterlassen wird, Frankreich zu einer klaren und bindenden Willensäußerung in der Saarfrage zu bringen, dann kann nicht mehr damit gerechnet werden, daß die Franzosen nach dem Abschluß der Haager Konferenz bei den weiteren Saarverhandlungen einigermaßen loyale Verhandlungsgegncr fein werden. Cs ist nicht abzusehen, wie die deutsche Regierung vor dem Reichstag, dem das letzte und entscheidende Wort über den TZoungplan zukommt, bestehen soll, wenn sie seinerzeit der Volksvertretung nicht eine befriedigende Erklärung über die Aussichten und den Stand der Saarfrage zu geben vermag. Rachdem die Saar unbestritten deutsches Land ist. so ist die Wiederherstellung der unbedingten deutschen Souveränität im deutschen Saargebiet eine Voraussetzung jeder Verständigung über die Saarfrage. Ver- handlungsgegenstand können daher nur wirtschaftliche und zollpolitische ilcbergangS- maßn ahmen sein. Vor allem muß die Frage des Rückkaufes der Saargruben ohne alle politischen Verklausulierungen erfolgen. Moldenhauers Pläne für die Finanzreform. Eine innere Anleihe. - Steuersenkungen. Berlin, 14.3an. (Tel.-Un.) Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, hat Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer die Absicht, am 21. 3anuar im Reichstag eine Erklärung über die Kasseulage des Reiches und über die Lage der deutschen Finanzen abzugeben. Dr. Moldenhauer wolle, wie das Blatt schreibt, die Herabsetzung der schwebenden Schuld nicht bei dem Ausmaß beroen* ben lassen, das durch die Kreuger-Anleih« und den Tilgungsfonds von 450 Millionen Mark gegeben fei. Ls besiehe vielmehr die Absicht, eine innere Anleihe in höhe von 4 0 0 6is 500 Millionen Mark aufzunehmen, die in vier Jahren getilgt werden falle. Dieser Plan sei bereits mit Dr. Schacht besprochen worden. Trotz aller Schwierigkeiten sei sich Dr. Moldenhauer bewußt, dah baldigst Steuersenkungen erfolgen mühten. Vor allem sei an den Abbau der Gewerbesteuer gedacht. Zahlreiche Vorschläge zu einer radikalen Finan ; re - form würden von Dr. Moldenhauer und seinem Staatssekretär einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Das Baulandgeseh. Entwürfe des Reichsarbeitsministeriums. Berlin. 13. Jan. (Priv.-Tel.) Bei den Beratungen der .Richtlinien für den Wohnungsbau" im Reichstag im Laufe des Dezember hat der Reichsarbeitsminister Wissell das Versprechen abgegeben, sobald wie möglich das Wohnheim st ättengeseh dem Reichstag vorzulegen. Wie nunmehr verlautet, liegt im Arbeitsministerium auch bereits ein Referentenentwurf für dieses Gesetz vor, der unter dem Titel „Daulandgesetz" geht. Die Ressorts und das Reichskabinett haben sich aber bisher mit dem Vorschlag noch nicht beschäftigt. Wissell scheint also Ernst zu machen, und sein Versprechen einlösen zu wollen, obgleich mit sehr erbitterten Kämpfen um dieses Gesetz im Parlament, aber auch schon im Kabinett zu rechnen ist. Hm dieses Gesetz spielt sich bereits ein zehnjähriger Kampf ab, der schon lm Artikel 155 der Reichsverfassung seinen ersten Riederschlag gefunden hat. Im Mai 1920 hat man dann als erste Etappe der Durchführungsgesetze das Reichsheim- st ättengeseh veröffentlicht, das den Begriff der Heimstätte definiert, die Anspruchsberechtigung festlegt, und zu dem fast alle deutschen Länder Ausführung^bestimmungen erlassen haben. Im April desselben Jahres stellten die Deutsche Volkspartei und die Demokraten einen mit großer Mehrheit angenommenen Antrag, der von der Reichöregigrung tunlichst bald einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Bodenspekulation und zur sozialen Ausgestaltung des Enteignungsrechts verlangte, worauf der .Ständige Beirat für das Heimst ättenwesen" beim Reichsarbeitsministerium gebildet wurde. Der Reichstag hat sich dann verschiedentlich mit dieser Frage beschäftigt, und am 4. Mai 1926 einen ähnlichen Antrag wie 1920 angenommen, aber erst jetzt scheint das Ministerium auf Grund der Vorarbe't:n des Beirates wirklich Ernst zu machen. Der neue Entwurf soll den Gemeinden rechtliche Unterlagen geben, die Besiedlung ihres Gebiet"s planmäßig vorzunehmen, und unter Umständen ühcr solche Planungsgebiete die Bausperre aussprechen zu können. In diesem Rahmen können für Klein- und M i ttelwohnun ge n Enteignüngen borg nommen w rdm, ebnfo für öffentliche Verkehrsplätze. Ausnahmen sind vorgesehen. Oie Regierungsbildung in Thüringen. Bürgerliche Rechte und Nationalsozialisten. Wei mar, 13. Jan. (WTB.) Heute abend kamen die Verhandlungen der bürgerlich en Parteien und der Rationalsozialisten über die Regierungsbildung in Thüringen zum Abschluß. Dem Landtag soll folgendes Kabinett, das sich aus acht Mitgliedern, und zwar drei Ministern und fünf Staatsräten zusammensehen wird, vorgeschlagen werden: Ministerium des Innern und Volksbildungsministerium Dr. Frick-München (Rat.-Soz.), Finanzministerium Baum (Landvolkpartei), Wirtschaftsministerium und Justizministerium Dr. K ä st n e r (WP.). Dazu treten folgende Staatsräte: Marsch! er (Rat.-Soz.) für Weimar, Port (Landvolkpartei) für Reuh, Kien (Dn.) für Meiningen, Fürth (WP.) für Rudolstadt und Bauer (D. Vp.) für Sondershausen. Verhaftung eines Denunzianten. Aufklärung der Verhaftungen bei den Reichsvermögensämtern in -Rainz und Koblenz. Mainz, 13. Jan. (Wolff.) Wie erinnerlich, wurden im Rovember 1928 mehrere Beamte und Arbeiter der Reichsvermögensämter Mainz und Koblenz unter Spionageverdacht von den Franzosen verhaftet. Zwei der Verhafteten, darunter der Hauswart Heinrich Schilling aus Mainz, wurden nach kurzer Zeit w i e d e r a u s d e r H a f t e n t l a s s e n. Die anderen neun Verhafteten wurden nahezu Neben Monate in Antersuchungs- haft gehalten. Sämtliche Verhafteten bestritten, sich irgendwie der Spionage schuldig gemacht zu haben, und schließlich mußten sie, da keine Beweise gegen sie gefunden werden konnten a u s d e t Haft entlassen werden. ?lc^r.vc.mIa"btommi'fion ließ aber den Wunsch durchblicken, daß man die Entlassenen im un- b e s e tz t e n G e b i e t b e s ch ä f t i g e ; dem wurde auch entsprochen. Kurz nach seiner Entlassung begab sich dec obengenannte Schilling ins unbesetzte Gebiet, um angeblich einer neuen Verhaftung durch die Franzosen aus dem Wege zu gehen, und wurde von deutschen Behörden in Cannstatt bei Stuttgart beschäftigt. Runmebr wurde festgestellt, daß Schilling derjenige war der die anderen Personen den gran- Zosen gegen Bezahlung als Spione denunziert hatte. Seine damalige Verhaftung durch die Franzosen geschah auf eigenen Wunsch, damit jeder Verdacht von ihm genommen werde. Schilling wurde nun i n S t u t t - gart verhaftet. Mussolinis Parole für die Zlottenkonferenz. Auf die Flotlcngleichheit mit Frankreich darf nicht verzichtet werden. Rom, 14.Jan. (Tel.-Un.) Das hochoffiziöse Be- fehlsblatt der Faschistischen Partei vom Montag erklärt, «ine Einigung auf der Londoner Konferenz wäre sehr wünschenswert, aber es feien große Oer DSlkerbundörat ehrt das Andenken Stresemanns. Oer Ratspräsident Zaleski widmet dem Genf, 13. Jan. (WTB.) Die öffentliche Sitzung wurde mit einer Gedenkrede für das verstorbene deutsche Ratsmltg.ied Dr. Strese- m ann eingeleitet, die der neue R a tspra - si d en t, der polnische Außenminister Za leskr seinem verstorbenen Ratskollegen widmete Die Persönlichkeit Gustav Stresemanns ist, so führte er u. a. aus, gekennzeichnet durch die psychologische Entwicklung, die die Menschheit nach bem Kriege durchgemacht hat. Dieser große deutsche Vaterlandsfreund, der in seiner langen politischen Laufbahn unermüdlich das Wohl seines Landes im Auge hatte, hat dank seiner tiefen Einsicht und seines bedeutenden politischen Verstandes erkannt, dah das Wohl seines Landes auf der Solidarität und auf dem Wohlergehen der Gesamtheit der Völker beruhen muh. Dor seinem Tode hatte er die Genugtuung, bei verschiedenen Gelegenheiten die Politik der Verständigung und der internationalen Zusammenarbeit bestätigt zu sehen, für die er als einer der überzeugtesten Vorkämpfer eingetreten ist. Sein Rame wird in der Geschichte weiterleben. Zaleski umrih dann die große internationale Rolle Dr. Stresemanns, der Deutschland in den Völkerbund einführte und durch die damit gegebene Verbreiterung seiner Basis sowohl dem Völkerbund als seinem Daterlande einen gewaltigen Dienst leistete. Zum Schluß würdigte Zaleski in seiner Eigenschaft als Vertreter Polens die Bedeutung des verstorbenen deutschen Staatsmannes, mit dem ihm das Gefühl der Rotwen- digkeit guten deutsch-polnischen Einvernehn^ns zur Gewährleistung des Friedens in Europa verbunden habe. Das deutsche Raiekmiigl'ed Staatssekretär Dr. v. Schubert antwortete: „Ich bedauere aufrichtig, dah der Aeichsminister des Auswärtigen, Dr. Curtrus, seinen lebhaften Wunsch, dieser Ratssitzung persönlich beizuwohnen, infolge dringender Pflichten als Führer der deutschen Abordnung im Haag in deutschen Ratsmitglied einen Nachruf. letzter Stunde aufgeben muhte, und dah er daher dieser Kundgebung des Völkerbundsrats nicht beiwohnen konnte. So ist es meine Aufgabe als Vertreter des Deutschen Reiches im Rate, Ihnen den aufrichtigsten Dank für die Worte zu sagen, mit denen Sie soeben das Andenken des Reichsministers Dr. Stresemann geehrt haben und die ich meiner Regierung und der Familie, des Verstorbenen mitteilen werde. And ich glaube, dah viele der schönen Worte, die Sie, Herr Präsident, als Präsident des Rates, aber auch im Hinblick auf die besonderen Beziehungen Ihres Landes zu Deutsch.and der auswärtigen Politik Dr. Stresemanns gewidmet Haven, bei uns in Deutschland in weitesten Kreisen die Erinnerung wieder wachrufen werden an das unermüdliche und unbeirrbare Streben des Verstorbenen, Deutschlands Stellung in der Welt durch aufrichtige Verständigung mit anderen Rationen durch freundschaftliche Zusammenarbeit zu sichern und vorurteilslos mit allen, die guten Willens sind, die gemeinsamen Dahnen des Friedens zu gehen. Dr. Stresemann ist hier int Rate wie in der Versammlung stets für eine Politik der Verständigung und stets für eine Politik der fortschreitenden Verwirklichung des Völkerbundsgedankens eingetreten, wobei er sich nicht scheute, offen und mit Bestimmtheit auf die Hindernisse hinzuweisen, die dieser Politik entgegenstehen. Er war der Ansicht, dah nureine ganz freimütige, klare Darlegung der wirklichen Tatsachen dem «Jrieöen dienen könne. Weil er an den Völkerbund glaubte und an feine hohe Aufgabe, hielt er es für .richtig, unerschrocken öie Wahrheit zu sagen. Dem Gedächtnis des Verstorbenen kann kein besserer Gedenkstein gesetzt werden als dadurch, dah auch wir hier unsere Arbeit mit demselben Glauben, aberauchmitdemselben Freimut fort- führen, um die Hoffnungen und die Erwartungen zu erfüllen, die mit Dr. Stresemann und so vielen anderen hervorragenden Staatsmännern alle Rationen an den Völkerbund knüpfen. Schwierigkeiten zu überwinden. (Eine von diesen sei die Frage der Flottengleichheit mit Frankreich, auf die unmöglich oerzich- t e t werden könne. Wesentlich sei, daß das Recht auf Gleichheit auch in dem neuen Protokoll enthalt- ten sei, das die Arbeiten der Londoner Konferenz abschließen werde. Italien halte nicht nur seine Forderung auf die Flottengleichheit mit Frankreich voll und ganz aufrecht, sondern beanspruche dieses Recht auch gegenüber de r stärksten Seemacht der Welt. Rur wegen seiner bescheidenen wirtschaftlich-finanziellen Möglichkeiten verzichtet Italien darauf, sein Recht auf die Flottengleichheit mit England möglich zu machen. Die Lage Italiens im Mittelmeer sei ernst, ja sogar tragisch. Das Leben einer Ration von 42 Millionen hänge von der Durchfahrt durch die wenige Kilometer breite Enge von Gibraltar ab. Für Frankreich sei die Mittelmeerfrage eine Frage des sicheren Militärtransports farbiger Truppen nach oem Hauptlande, für Italien fei es eine Frage des Lebens oder des Todes für das ganze Volk. (Es kann fein, so schließt die Erklärung, daß die Klippe der französisch-italienischen Gleichheit das Schisflein der Londoner Argonaulen, die sich auf der Suche nach dem Frieden befinden, zum Sinken bringt. Diese Möglichkeit läßt uns völlig ruhig. Kleine politische Nachrichten. Die deutschnationale Landtagsabgevrdnete Frau Albrich hat im Zusammenhang mit den bekannten Vorgängen bei den Deutschnationalen ihren Austritt aus der Partei und damit aus der Fraktion erklärt. * Der Papst empfing am Montag den Prinzen Louis Rapoleon mit seiner Mutter, der Prinzessin Clementine und Prinzessen Clo- thilde mit den entsprechenden Ehren. Die päpstliche Audienz dauerte 20 Minuten. Anschließend statteten die Fürstlichkeiten dem Kardinal-Staais- sekretär einer Besuch ab. Ferner empfing der Papst den Y e s s i s ch e n I u st i z m i n i st e r D r. K i r n b e r g e r und den Generalsekretär Münch. * Dem deutschen Gesandten in Rio de Ja- neiro, Knipping, ist vom Jbero-Amerikani- schen Institut in Hamburg für seine Verdienste um die deutsch-südamerikanischen, insbe andere die deutsch-brasilianischen Beziehungen, die goldene Medaille des Instituts verliehen worden. * Der n orwegische Storthing wurde durch den König eröffnet, In der Thronrede wird ge- sagt, daß ein Antrag auf Herabsetzung der Rustungsausgaben dem Storthing zu- geleitet werde, daß Oie steigende Entwicklung des Wirtschaftslebens und der Industrie an- gehalten, die Arbeits.o.izkeit abgrnommen habe. Oeuisch-Güd-West vor dem Völkerbundsrai. Tas südafrikanische Mandat. Genf, 13.Jan. (WB.) Im Dölkerbundsrat kam es heute nachmittag zu einer Aussprache über vergebene Mandatssragen. Bei der grundsätz- ichen Auseinandersetzung vom vergangenen September über den Mandatsbegriss war auf Wunsch ber südafrikanischen Negierung die Austastung des Mandatsausschusses, wonach die S o u o e r ä n 11 ä t un traditionellen Sinne des Wortes n i ch t b e i d e r M a n d a t s m a ch t liegt, in bezug auf chre Anwendung auf das ehemalige Deutsch-Südwest- a.frita zurück gestellt worden. Die südafrikanische Regierung hat nun vor Monatsfrist mitgeteilt, d° »sie auf eine Teilnahme an dieser Aussprache im Lolkerbundsrat verzichte, so daß die Übrigens auch °g der letzten Dolkerbundsversarnmlung einstimmig aebilligte Auffassung des Mandatsausschusles von an auch f u r d a S M a n d a t S g e b i e t der ® u b afrikanischen Union gilt. Diese (Ent- Reibung wurde ohne weitere Aussprache angenom(Eine bedeutsame Erklärung gab Staatssekretär v. Schubert zu einer zweiten südafrikanischen Angelegenheit ab, der Staatsangehörigkeitsfrage in Südwestafrika. Gegen ihre Entwicklung sind wegen der zahlreichen dort ansässigen Staatsangehörigen von deutscher Seite bereits wiederholt Be- denken geltend gemacht worden. Staatssekretär von Schubert erinnerte heute an einen Beschluß des Völkerbundsrats aus dem Jahre 1923, der ausdrücklich besagt, daß die Annahme der Staatsangehörigkeit der Mandatsmacht auf Grund freiwilliger Entscheidung zu erfolgen habe. Die jetzige Regelung in Südwestafrika bedeute dagegen einen Zwang. Alle, die sich diesem Zwang entziehen wollten, müßten ausroanbern. Hieraus folge, daß die gesamte im Besitz der bürgerlichen Rechte bef.ndliche nichteingeborene Bevölkerung des Mandatsgebietes zwangsweise die südafrikanische Staatsangehörigkeit erwerbe. Bezüglich der Staatsangehörigkeit würde also der Unterschied zwischen Mandatsgebiet und Mandatsmacht fast ganz verwischt. Da es sich hier um ein Problem handele, das die Grundfrage des Mandatssystems berühre, und noch nicht genügend geklärt sei, um schon jetzt dem Ständigen Internationalen Ge- richtshof im Haag unterbreitet zu werden, so müsse er betonen, daß dieses Problem noch nicht endgültig gelöst sei und die Frage also für eine erneute Prä- sung offenbleibe. — Dieser Auffassung stimmte der Rat zu. Aus aller Welt. Sturmflut im Hamburger Hafen. Im Hamburger Hafen ist eine Sturmflut ausgetreten. Die Flut erreichte am Montag gegen 14 Ahr bereits einen Stand von 17 Fuß über Rull, d. h. von 7,45 über dem Rormal- pegel stände. Im Hafen haben sich m e h r e r e Anfälle ereignet. Bei Reumühlen strandete infolge des schweren Seeganges die Fährdampfer- barkasse; erst nach längeren Bemühungen gelang es einem Lotsendampfer, die Besatzung in Sicherheit zu bringen. Der griechische Dampfer „Alafia" muhte Hamburg als Rothafen aufsuchen, da ein Teil seiner aus Holz bestehenden Deckladung überBord gespült war. Der Dampfer hat e Schlagseite von etwa 20 Grad und mußte von Cuxhaven mit Schlepperhilfe nach Hamburg bugsiert werden. Die Brücken bei Blankenese, Reumühle und Teufelsbrück können wegen der Aeberflutungen nicht benutzt werden. Das Hochwasser erreichte im Hamburger Hafen nachmittags mit einem Pegelstand von 7,56 Meter seinen Höhepunkt. Die niedrig gelegenen Straßen am Hafen wurden überflutet und unzählige Keller liefen voll Wasser. In den Abendstunden flaute der Sturm erheblich ab und das Wasser flutete schnell zurück, so daß die Straßen wieder frei wurden. Auf der Elbe sind durch Wind und Seegang und vor allem durch den hohen Wasserstaad fast sämtliche Leuchtbojen bis nach Cuxhafen abgetrieben, eine Erscheinung, die in den letzten Jahrzehnten überhaupt nicht vorgekommen und die für die Schwere des An- wetters kennzeichnend ist. Im ganzen sind zehn Leuchtbojen abgetrieben. In Cuxhaven sind im Amerikahafen eine Anzahl schwer havarierter Schiffe eingelaufen. Dem polnischen Dampfer „Rewa" ist in dem schweren Seegang ein großer Teil seiner Decksaufbauten zertrümmert worden. Das Schiff, das eine Anzahl Pferde an Deck stehen hatte, hat eine furchtbare Reise hinter sich. Vier Pferde wurden über Bord gewaschen. Der deutsche Dampfer „Cereal" ist mit großer Schlagseite durch Aebergehen seiner Ladung Getreide angekommen. Ein Mann der Besatzung istüberDordgespültworden. Die Hungersnot In China. Der Bericht des von der internationalen Hilss- oereinigung zur Antersuchung der Lage in den von der Hungersnot betroffenen Provinzen eingesetzten Ausschusses gibt ein erschütterndes Bild. Im Tale des Flusses W e e sind im letzten Jahre 2 Millionen Menschen verhungert. Weiteren 2 Millionen steht da« gleiche Los bis zum Juni bevor. Die Hauptursachen der Rot sind die schlechten Ernten feit 1927 und der außergewöhnlich strenge Winter Hierzu kommt der Mangel anTransport- Mitteln, da die Wagen als Brennholz verwendet und die Zugtiere geschlachtet wurden. Auch die Anwesenheit der sich bekämpfenden Truppen hat zur Vergrößerung der Rot beigetragen. Die „Erdarbeiter" Saß aus der haft entlasten. Die Gebrüder Satz sind nunmehr von der Kriminalpolizei entlassen worden. Der Bau des Anterstandes auf dem Friedhof ist als eine straflose vorbereitende Handlung anzuschcn. Ob Zusammenhänge zwischen dieser Sache und dem Eindringen in die Dis- conto-Dank bestehen, ist nach wie vor Gegenstand eingehender Antersuchung. Zwanzig britische Matrosen ertrunken. Wie die Admiralität bekanntgibt, ist dreißig Mellen nordwestlich von Quessant ber Kriegsmarine, schlepper „S t. Genny" im Sturm gesunken. Nur fünf Mann der Besatzung sind gerettet worden, während die übrigen 20 e r t r u n t e n sind. Schneeballschlacht mit tragischen Folgen. In Derlin-Riederschöneweide bewarfen sich mehrere Chauffeure mit Schneebällen. Dabei wurde der 22jährige Chauffeur Richard Theuer von einem Schneeball, der eine harte Eis- k r u st e hatte, so schwer im Gesicht getroffen, daß er an beiden Augen schwere Verletzungen erlitt. Er lief in bedenklichem Zustande über den Stratzendamm und wurde in diesem Augenblick von einem Lastkraftwa- gen überfahren. Er erlitt so schwere Verletzungen, dah d e r T o d auf der Stelle eintrat. Sprengstoffanschlag auf einen Geldtransport. Der mit der Auszahlung der Löhne beauftragte Beamte eines in der Rähe von Wilkesbcrrre (Pennsylvanien) gelegenen Bergwerks, sowie zwei Grubenvorarbeiter wurden durch eine Explosion in Stücke gerissen, die den Geld- Wagen des Bergwerkes völlig zerstörte und 30 000 Dollar in Fetzen nach allen Seiten zerstreute. Die Explosion war, wie man annimmt, das Werk von Banditen, die den Geldwagen berauben wollten. von Haifischen gefressen. Wie aus Port Louis auf Mauritius gemeldet wird, ist ein mit sechs Personen besetztes Motorboot, das sich auf dem Haifischfang befand, von einer schweren Sturzwelle zum Kentern gebracht worden. Die Jnsasten versuchten an Land zu schwimmen. Fünf von ihnen wurden dabei von Haifischen gefressen. Opfer des Alkohols. Sieben norwegische Studenten, die sich auf einer Studienreise nach Holland befinden und am Silvestertage mit dem norwegischen Dampfer „Zeta" aus Bergen in Rotterdam eintrafen, sind mit schweren A l - koholvergiftungen in ein Rotterdamer Krankenhaus eingeliesert worden. Drei von ihnen sind gestorben. Die Rotterdamer Polizei beabsichtigt im Einvernehmen mit dem nortoegi- gischen Konsulat eine Antersuchung des Schiffes vorzunehmen. rtami __Oie Wetterlage.________ MonTaa. 13. Januar. 1930, 7" Y -o--- Tjr ' --- Tisinrj \ - -------—S ■——42^ -----Sc 11 Owomenios. Ontnet onath Deaeou.® womig. • otdtcm e Regen * Schnee c Oraupem a Heoel R Qewuter.(§)win«tilie.-O seh» eicnie. O$i massige» Südsüdwest 'n Uurmtjcne» «lordweii Oie »feite fliegen mit dem winde Pie oeiden Stationen stehenden Zah» ■en gehen die Temperatur an Pie Limen »erhindeo Ort» mit gleicht^ eef neeresmveau umdenthneteo Luftdruck Wettervoraussage. Nachdem der Einfluß des nördlichen Teilwirbels beendet ist, hat das Hochdruckgebiet im Südosten auch bei uns zu Barometeranstieg geführt. In seinem Bereich wird wahrscheinlich mehr im südlichen Teile Deutschlands eine Besserung der Wetterlage eintreten. Dagegen herrscht im übrigen Teile wohl ruhiges Wetter, aber die weitere Warmluft, die von Süd- westen her vordringt, verursacht Bewölkung und mildes Wetter, so daß die Temperaturen zunächst noch etwas ansteigen. W etteroorausfage für Mittwoch: Mildes, wolkiges Wetter, nur vereinzelt etwas Niederschlag. Witterungsaussichten für Donners, t a g: Neblig-wolkiges Wetter, Temperaturen wieder zuruckgehend. Lufttemperaturen am 13. Januar: mittags 8,7 Grad Celsius, abends 6 Grad Celsius; am 14. Ja- nuar: morgens 6,6 Grad. Maximum 9,1 Grad, Mini. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 13. Januar: abends 2,6 Grad; am 14. Januar: morgens 2,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer Dier Stunden. Niederschlag 0,2 mm. Amtliche Wintersportnachrlchten. 9 ® a r l a n d. W i n t e r b e r g: Nebel, 3 Grad, r-^£ntime er Pappschnee, Ski und Rodel mäßig. Schwarzwald. Feldberg: Klar, 3 Grad, ^ Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rodel gut. 11 oPfn* Berchtesgaden: Bewölkt, 4 Grad, 13 Zentimeter Schnee (verharscht), Ski und Rodel mäßig. H a r z. S ch i e r k e: Nebel, 2 Grad, 15 Zentimeter ^^66 6 bis 10 Zentimeter Neuschnee (Pappschnee), Ski und Rodel mäßig. r Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 14. Januar 1930. Kommunalvertreter gemeßen keine Immunität. Rach der Reichsversassung werden den Abgeordneten des Reichstages und der Landtage die Rechte der Immunität, d. h. der älnverletz licht eit. eingeräumt. Aber für die Mitglieder der kommunalen Dcrtretungskörperschaf- ten (Provinziallandtage, Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen) besteht die Immunität nicht. Diese Vertreter sind für ihre Reden und Aussprüche in den Versammlungen voll st rasrechtlich verantwort- l i ch. Wenn Mitglieder von kommunalen Körperschaften bei ihren Aeuherungen in der Versammlung gegen Strafgesetze verstoßen, so können sie ohne Rücksicht auf ihre Stellung als Vertreter ihrer Wähler zur Verantwortung gezogen werden. Eine mildere Ansicht über die Strafbarkeit irgendeiner Behauptung könnte allerdings dann eintrcten, wenn der Redner eine Aeuherung zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur W ahrnehmung berechtigter Interessen gemacht hat. Er ist dann nach § 193 des Strafgesetzbuchs nur insoweit strafbar, als das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Aeußcrung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschieht, hervorgeht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der einzelne Abgeordnete nicht nur seine eigenen Interessen, sondern auch die Interessen der in Betracht kommenden Kommune nach besten Kräften wahrzunehmen hat. Es steht daher dem Mitglied einer kommunalen Dertr:tungskörp:rschaft auch der öffentlich-rechtliche Schuh des § 193 des Strafgesetzbuchs hinsichtlich der von ihm im Interesse der Kommune getanen Aeuherung zu. Goll gegen ein einzelnes Mitglied wegen der in der Versammlung ausgesprochenen Worte strafrechtlich vorgegangen werden, so ist hierzu eine Genehmigung der kommunalen Körperschaft nicht erforderlich. Bei Beamten, die Mitglieder einer kommunalen Körperschaft sind, wird das Recht der freien Meinungsäußerung weiter durch die besonderen Pflichten des Beamtenverhältnisses beschränkt. Heber- schreitet ein Beamter diese Grenzen bei seiner Tätigkeit in einer Selbstverwaltungskörperschaft, so kann er deswegen auf Grund des Difziplinar- rechts zur Verantwortung gezogen werden. Wird ein Mitglied eines Kommunalparlaments beleidigt, fo kann diese Beleidigung nur von ihm s e l b st, aber nicht etwa von der kommunalen Körperschaft oder deren Vorsitzenden verfolgt werden, auch wenn die Beleidigung sich auf die Tätigkeit des Betreffenden in der kommunalen Körperschaft bezieht. Ist die Versammlung in ihrer Gesamtheit beleidigt worden, so kann der Staatsanwalt von Amts wegen nach Ermächtigung durch die Körperschaft die Strafverfolgung einleiten. Lehnt jedoch die Staatsanwaltschaft die Verfolgung ab, so können, nur die einzelnen Mitglieder vorgehen. Eine kommunale Körperschaft als solche kann keine Privatklage wegen Beleidigung erheben. Auch kann die kommunale Körperschaft sich nicht gemäß § 395 der Strafprozeßordnung dem auf Grund ihrer Ermächtigung eingeleitcten Strafverfahren als Rebenklägerin anschliehen. K. L. Untrügliches Alter. Wenn der Liebe süße Pein dir nicht mehr am Herzen nagt, wenn dich Gicht und Zipperlein mehr, als du verdient hast, plagt, sei kein angsterfüllter Tor, glaube mir, daß du dich irrst: Rede dir getrost nur vor, daß du hundert Jahre wirst I * Wenn das Blut dir nicht mehr wallt, sei's im Glücke, sei's im Leid, bist du lange noch nicht alt, und zum Ende ist's noch weit. Wenn dein Haar auch dünn und weiß, zeige dich als Optimist, — das ist lang noch kein Beweis, daß du altes Eisen bist. * Aber, wenn dir Freunde nahn: „M enschl Sie machen sich heraus! Denn seit wir zuletzt uns sahn, sehen Sie viel jünger aus..." Dann wirds langsam für dich Zeit, daß du strenger auf dich siehst, und auch bei Gelegenheit, die Bilanz des Lebens ziehst! Puck. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 170 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 12 bis 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Sinter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 90, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15. Dörrobst 30 bis 35, Endivien 80 bis 100, Honig 40 bis 50, Junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 110 bis 130, Rüsse 50 bis 80 Pfennig das Pfund: Käse (zehn Stück) 60 bis 140), Tauben 70 bis 90 Pfennig das Stück, Blumenkohl 50 bis 80, Salat 30 bis 40, Obcrkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40, Kisten-Eier 16 bis 17, frische Landeier 17 bis 19 Pfennig das Stück: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark der Zentner, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mark der Zentner. Bornotizen. — Tage skatender für Dienstag. Stadt- thcater: „Tobias Wunderlich", 20 bis 22.15 Uhr. — Stadtmission. Löberstraße 14: Bibelkurs, 20.15 Uhr. — Volkshochschule: „Betrachtungen von Kunstwerken", Vortrag von Professor H. Keller (Friedberg), 20 Uhr, Universität. — Oeffentlicher Vortrag „Die Wunderkuren in Gallspach", 20 Uhr, in der „Stadt Lich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Links der Isar — rechts der Spree" und „Kamerad Slag". — Astoria-Lichtspiele: „Der rätselhafte Club" und „Flucht vor Blond". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend 20 Uhr findet die letzte Aufführung von „Tobias Wunderlich", Hessen als Teilhaber -er preag. Wölfersheim und die oberhessischen Gruben an die preag abgetreten. — Hessens Anteil 4,2 Millionen. 2D 511. Darmsladk. 13. Jan. Don amtlicher Seile wird mitgeteilt: Zwischen der hessischen Regierung und der Preußischen Liek- t r i; i t ä t s - A. - G. haben Derhandlungen statt- gesunden, die zu einer Beteinbarung geführt haben, aus Grund deren dec Bolksslaat Hessen seine Aktienbeleiligung an der hef rag (Hessen-Frank- suter-A.-G.) und seine oberhessischen Gruben an die Preag abtritt. Als Gegenleistung wird Hessen an der Preag beteiligt werden. Die Zustimmung des hessischen Landtags zu der getroffenen Beteinbarung wird bei der nächten Tagung eingeholt werden. Wird die Gewerkschaft „Friedrich" stillqelegt? -s- Trais-Horlofs, 13. Jan. Die Gewerk- ch a f t „Friedrich" hat ihren sämtlichen Arbeitern und Angestellten, insgesamt etwa 300 Per- dramatische Legende von Heinz Ortner, statt. — Morgen, Mittwoch, erste Wiederholung des Sen- ationsstückes „Der Geisterzug". — Freitag, 17. Januar, „Khrih-Pyrih", Pofe mit Gesang. — Sonntag, 19. Januar, zusammen mit dem Goethe- Bund, 3. Tag im Kammerfpielzyklus, „Senta Maria", die bekannte Tänzerin, in ihren Tänzen und Pantomimen. Die Veranstaltung findet vormittags 11.30 und abends 20.30 Uhr statt. Abends 18 Uhr wird „Desire", Komödie in drei Akten von Sascha Guitry, die im vorigen Sommer einen großen Erfolg im Kurtheater in Dad-Rauheim hatte, aufgeführt. Einmalige Wiederholung dieses Stückes. Es steht zur Zeit auf dem Berliner Spielplan und hat da sowie an den größten Provinztheatern einen durchschlagenden Erfolg. — In Vorbereitung „Die andere Seite", Drama in drei Akten (Spielleitung der Intendant). — Der Kaufmännische Verein und Ortsgewerbeverein veranstalten am Donnerstag, 16. Januar, einen Heiteren Vortragsabend, wozu Alex. Starke gewonnen ist. Dem Vortragskünstler geht, wie man uns schreibt, ein guter Rus voraus als Humorist feiner Art, bei Der ^ierz und Gemüt köstliche Stunden erleben. Räheres siehe heutige Anzeige. • * Die Feldgeschworenen der Gemeinden des Kreises Gießen, etwa 60 an der Zahl, versammelten sich am Sonntag im hiesigen Bahnhofshotel, um über eine Erhöhung der Gebührensätze für die Tätigkeit der Feldge- schworenen (Sehen der Grenzsteine bei Vermessungen durch Geometer) zu beraten. Aus fast allen Gemeinden des Kreises waren Vertreter erschienen. Der Versammlungseinberuser, Feldgeschworener Schlund, Hungen, begrüßte die zahlreich erschienenen Herren und gab zum Gegenstand der Tagung seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß die zur Zeit noch bestehenden, kreisamtlich schon vor Jahren festgesetzten -Oebübren- sähe für die Tätigkeit der Feldgeschworenen mit 4,50 Mk. für einen Geschworenen pro Tag als nicht mehr den heutigen Zeitverhältnissen angepaßt gelten könnten. Es sei an der Zeit, die Gebührensätze den allgemeinen Lohnverhältnissen entsprechend zu erhöhen. Rach reger Aussprache, an der sich als Feldgeschworener der Stadt Gießen , das Stadtratsmitglied Schwieder beteiligte, einigte man sich dahin, einen Tagesgebührensatz von 8,00 Mk. bei dem Kreisamt Gießen zu beantragen. Die Annahme einer dementsprechenden Entschließung bildete den Schluß der Versammlung. RDV. Der Speisewagen ist für alle Reisenden d a. Es ist in letzter Zeit wieder vielfach zu beobachten, daß sich Reisende besonders bei kürzeren Strecken in den Speisewagen sehen und dort bei einer Tasse Kaffee oder dergleichen während der ganzen Fahrt sitzen bleiben. Diese Reisenden weigern sich dann häufig noch, bei stark besetztem Wagen ihre Plätze für andere Gäste frei zu machen, so daß immer wieder Beschwerden der dadurch benachteiligten Reisenden einlaufen. Die Reichsbahn ersucht deshalb in einem Runderlaß baä Zug- und Speisewagen- personal, gemeinsam auf die Beseitigung dieses Mißstandes hinzuwirken. Gleichzeitig w.rd aber auch an das reisende Publikum die Bitte gerichtet, dem Personal die Ausübung seines anstrengenden Dienstes nicht zu erschweren, vielmehr besonders bei starkem Verkehr von selbst nach Einnahme der Speise oder des Getränks den Speisewagen alsbald wieder zu verlassen, damit andere Reisende nicht an ihrem Anrecht auf Benutzung des Speisewagens außerhalb der Hauptmahlzeiten gehindert werden. Der Speisewagen soll nicht nur einzelnen, sondern allen Mitreisenden des Zuges zur Verfügung stehen! ** D i e Altersvereinigung 1 8 70 — 1 920 hielt am Samstagabend im „Aquarium" unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Stadtratsmitglieds S ch w i e d e r, eine Hauptversammlung ab, in der man sich mit den Veranstaltungen der Vereinigung anläßlich des 60. Geburtstages ihrer Mitglieder im Verlause des Jahres 1930 beschäftigte. Es wurde beschlossen, zur Feier des 60. Lebensjahres an einem Sonntag der nächsten Zeit einen gemeinsamen Kirchgang in die Stadtkirche zu veranstalten, die Gräber der verstorbenen Alterskameraden zum Zeichen treuen Gedenkens zu schmücken, zwei gemeinschaftliche Essen zu arrangieren, einen Kommers in die Wege zu leiten und schließlich noch eine Familienfeier im Philvsvpbenwald zu veranstalten. ’• V. H. C. Frühling im Januar! Dieser Gedanke mag manchem der nahezu. 80 Teilnehmer anläßlich der ersten Vereinswanderung 1930 des V. H. C. Gießen am vergangenen Sonntag beseelt haben. Es war auch ein Tag, wie ^u einer frisch-fröhlichen Wanderung geschaffen. Heller Sonnenschein lag über der Landschaft, und eine selten-klare Luft ermöglichte einen weiten Fernblick. Dies kam zuerst auf der Höhe hinter Klern- Linden, das durchschritten wurde, zur vollen Geltung. Rach der Frühstückspause in Münchholzhausen wurde der Wald erreicht, wo man die herrschende frische Brise weniger empfand. An zahllosen Haselstauden mit ihren schon grünlich schimmernden Blütep vorüber ging es in mäßigem Anstieg hinauf zum Stoppelberg, von dessen neuerrichtetem steinernen Turm man eine herrliche Rundschau genoß. Am Fuße des Berges sah man die alte Reichsstadt Wetzlar mit der Ruine Kalsmunt, sowie das breite Lahntal mit unseren f o ne n , zum nächslmögllchslen Termin gekündigt. Aus Rationalisierungsgründen Ist beabsichtigt, den 5chwelwerkbetrleb der hiesigen Grube mit dem Betrieb von Wölfers- heim zu vereinigen, da das Eigentumsrecht an den Anlagen in Wolfersheim und in Trais-Horloff jetzt in einer Hand, nämlich der der Preag (Preußische Elektrizitäts-A.-G.) vereinigt ist. Ob und welche Betonierungen bei der Grube „Friedrich" hinsichtlich der weiteren Kohlengewinnung vorgenommen werden, steht zur Zeit noch nicht fest. Oie Beteiligung Hessens an der preag. Rachbarburgen und dem Dunsberg, während in der Feme die schneebedeckten Höhen des Vogelsberges, des Taunus' und des Westerwaldes, sowie die Hinterländer Berge mit dem Rimberg und der Sackpfeife deutlich sichtbar waren. Der Abstieg erfolgte dem Lahnhöhenweg nach über das Kitschwäldchen zum Endziel Wetzlar, wo bei (Sang, Tanz und einigen vortrefflichen Klaviervorträgen eines Vereinsmitgliedes Rast bis zur Heimfahrt gemacht wurde. Oberheffen. Oie Schotiener Gemeinderatswahl gültig. — Ein Rückblick. X. Schotten, 13. Ian. Gegen die im November stattgehabte Wahl zum Gemeinderat der Stadt war reklamiert worden, da angeblich Unregelmäßigkeiten vorgekommen fein füllten. Es sollten andere Personen als der Wähler, z. B. Ehemann für feine Frau, das Kreuz in den Kreis des Stimmzettels gemacht haben. Der Kreisausfchuß des Kreises hatte die erhobene Reklamation zurückgewiesen. Weitere Berufung war gegen das Urteil nicht eingelegt worden, die Wahl ist daher rechtsgültig geworden. Der alte Gemeinderat versammelte sich nun am Freitag im Rathaus zu seiner letzten Sitzung. Verschiedene kleinere Punkte wurden noch erledigt, die Abrechnung der 1928er Rechnung entgegengenommen, die Iuxplätze für die kommenden Märkten vergeben u. dgl. m. Danach gab Bürgermeister Menget einen Rückblick über das vom seitherigen Gemeinderat Geleistete. Es war die arbeite- und erfolgreichste Wahlperiode Eine Reihe von Häusern, Beamtenwohnhaus an Alter Straße, Familienwohnhaus in der Vogelsberg-Straße, Jugendherberge u. a. m. hat_ der alte Gemeinderat erbauen lassen. Das schönste Denkmal hat er sich durch die Erbauung des städtischen Krankenhauses, das als großer Segen für Stadt und Umgebung empfunden wird, gesetzt. Die Straßen wurden instand gesetzt, mit Fußsteigen und Kleinpflaster versehen, die Kanalisation der Stadt fertiggestellt, die Wasserleitung wurde ausgewechselt, die Quellen neu gefaßt. Der Marktplatz wurde erweitert, viel Wald aufgeforstet, kurzum auf jedem Gebiet der Gemeindeverwaltung hat der alte Gemeinderat fortschrittlich gearbeitet. Der aufrichtige Dank der Stadtverwaltung wurde ihm ausgesprochen. Die Hälfte des seitherigen Gemeinderats scheidet aus. Aufhebung des Amtsgerichtes in Bad-Nauheim? Bad-Nauheim, 13. Jan. (WSN.) Gerüchten zufolge soll auch das hiesige Amtsgericht ein Opfer der Abbaumaßnahmen werden. Es wird davon gesprochen, daß hier nur eine Neben» stelle des Amtsgerichts Friedberg bestehen bleiben solle. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 13.3an. In der Wirtschaft „Zur Burg" sprach am Samstagabend vor Freunden der Heimatvereinigung Frau Dr. Reumann, Gießen, über das Thema „Schwer erziehbare Kinder". An der Hand von Beispielen aus der Praxis schilderte die Rednerin die Crzieherarbeit an dem „einzigen" Kind und die Erziehung von zwei Geschwistern. Bedauerlicherweise wird den Vorträgen nur wenig Interesse entgegengebracht: der Vortrag war, wie auch der erste dieser Art, überaus schlecht besucht. Lehrer Roth dankte der Rednerin für ihre interessanten Ausführungen, die eine lebhafte Aussprache zur Folge hatten. LJ Großen-Linden, 13. Ian. Am Samstag hielt Der hiesige K r i e g e r v e r e i n sein diesjähriges Winter vergnügen im Schaumschen Saale ab, der sehr stark beseht war. Rach einem flotten Eröffnungsmarsch begrüßte der erste Vorsitzende des Vereins, Wilhelm P o st, die zahlreichen Gäste und Kameraden, ganz besonders die drei Altveteranen Weber, Müller und Menges. In einem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr gedachte er neben der deutschen Rot auch der weiteren Rheinlandräumung. Ferner gedachte et der gefallenen Kameraden, worauf stehend das Lied „Ich hatt' einen Kameraden" gesungen wurde. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein flott gespieltes, drei- aktiges Lustspiel, dessen Aufführung lebhaften Beifall fanb. Auch der von Kamerad Dieh- mann trefflich zu Gehör gebrachte Kvstümvor- trag löste große Heiterkeit aus. Hervorzuheben sind noch die lebenden Bilder „Deutschland in Ehren", „Dem Feind entgegen", „Morgenrot" und „Ich hatt' einen Kameraden". Besonders die beiden letzteren, von Kamerad Magnus in Szene gesetzt, machten tiefen Eindruck. Das Pferdematerial h'.e zu hatte Reitle.' rerS ch ö m b s von Gießen zur Verfügung gestellt. Den musikalischen Teil der Veranstaltung hatte die Kapelle Degen (Großen-Linden) übernommen, die ihrer Aufgabe in vorzüglicher Weise gerecht wurde. Auch die neuzeitliche Dühneneinrichtung im Saalbau Schaum trug wesentlich zu dem Erfolge bei. Der Abend kann in jeder Hinsicht als wohlgelungen bezeichnet werden. s. H u n g c n, 13. Ian. Samstagnachmittag fand im „Solmser Hof" eine Tagung deö De- ^irkslehrervereins Hungen statt. Der Vorsitzende, Lehrer Schmidt, Hungen, begrüßte die Mitglieder zur ersten Versammlung im neuen Jahre und führte als neues Mitglied Lehrer Volk, Villingen, ein. Er umriß kurz die Aufgaben, die des Vereins im neuen Jahre harrten. Lehrer B o p s, Obbornhofen, erstattete ein Referat über den Vorentwurf zu einer „Dicnstanwei- ung für die Kreisschulämter", an welches sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Weiter wurden Vereinsangelegenheiten behandelt. f Treis a. d. Lda., 13. Jan. Der Gesangverein „Liederkranz" dahier hielt gestern abend in Wills Saal sein diesjähriges Wintervergnügen ab, bestehend in Konzert und Theatervorführung. Rach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden Wilhelm DeckerV. wechselten Musiktücke der Kapelle Decker hier mit GesangSvor- trägen des Vereins, den Chormeister R i k o l a i (Grohen-Duseck) mit großem Geschick leitete. Die mit feinem Verständnis bargebotenen Chöre zeigten, baß der Verein in gesanglicher Hinsicht auf der Höhe und auch schwierige Chore zu meistern versteht. Es wurden Werke von W.Ragel, AKlein, Fleischer, Raumann und anderen zu Gehör gebracht. Den Schluß des Abends brachte ein mit großem Geschick und feinem Verständnis aufge- ührtes Theaterstück: „Der Glockenguß zu Breslau", Volksstück in 3 Akten von Otto Dörner. Kreis Friedberg. tz Butzbach, 13. Jan. Eines sehr guten Besuches erfreute sich am Samstag die Haupt - Versammlung des Turn- und Sportvereins von 184 6, des ältesten und stärksten Vereins unserer Stadt und eines der angesehensten und leistungsfähigsten Vereine im großen Verbände des Tumgaues Hessen. Der vom ersten Sprecher, Dr. mcd. H. Rau, erstattete Jahresbericht gab ein anschauliches Bild von der erfolgreichen Jahresarbeit, die der Verein als Ganges und in seinen zahlreichen Abteilungen geleistet hat. Er betreibt nicht nur alle alten und neuzeitlichen Zweige der Leibesübung, sondern fördert auch turnerisches Geistesleben und pflegt den Gesang. Von den turnerischen Wettkämpfen im Bezirk, Gau und Kreis konnten fast 100 Der- einsangehorige als Sieger heimkehren. Beachtlich ist, daß der Verein beim Dezirkstumfest in Rieder-Mörlen und beim Gaufrauenturnen in Lich den ersten Sieg in der Oberstufe erringen konnte. Die Handball-Iugendmannschaft des Vereins wurde Gaumeister. Erfreulich zugenommen hat die Mitgliederzahl der Vereins; sie ist von 485 auf 556 gestiegen, eine Tatsache, die erneut die Turnfreudigkeit unserer Stadt bekundet, in der nun über acht Jahrzehnte die alte Turnertradition eines F. W. Weidig hochgehalten wird. Aus der Arbeit des Vereins verdient noch besondere Erwähnung, daß der Vorsitzende im abgelaufenen Jahr erstmals sportärztliche Unter«- suchungen in den Schülerabteilungen durchgesührt und damit den lebhaften Beifall der Elternschaft gefunden hat. Die Vorstandswahl erbrachte u. a. die einstimmige Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Dr. Rau und des zweiten Sprechers, Iustiz- oberinfpektor Julius D a h m e r, ferner die Wiederwahl des Oberturnwarts Röder. Reu in den Vorstanp wurden gewählt der verdiente langjährige 1. Vorsitzende, Gauvertreter K. Schnei - der, der sein Amt vergangenes Jahr niedergelegt hat, ferner die Turnerin Ilse Schneider als zweiter Frauenturnwart. Zu Ehrenmitgliedern sind die verdienten Turner Georg Häuser und Jakob R u m p f V. ernannt worden. # Wohnbach, 13. Ian. Gestern brach in der Hosreite des Schmiedemeisters Gustav Eifer ein Brand aus, der die Scheune vollkommen e i n ä s ch e r t e. Da die Gefahr bestand, daß das rasende Element auch noch auf das Wohnhaus übergreifen werde, wurden die Pflichtfeuerwehren von Obbornhofen, Berstadt und Wölfersheim alarmiert, von denen auch noch die erstere tatkräftig eingriff. Auch die Motorspritze von Friedberg war bald zur Stelle, doch waren die Flammen schon derart bekämpft, daß sie nicht mehr einzugreifen brauchte. Der Schaden ist ziemlich beträchtlich, doch ist er durch Versicherung gedeckt. Heber die Brandursache ist nichts bekannt. Kreis Alsfeld. L Höingen, 13. Ian. Ein Unfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können, ereignete sich in unserer Schule. Die Kleider eines Mädchens, das beim Ofen beschäftigt war, fingen plötzlich Feuer, die Flammen wurden aber schnell unter einer Umhüllung erstickt. Dem raschen Zugreifen des Lehrers ist es zu danken, daß ein schreckliches Unglück vermieden wurde. L Homberg a. d. Oh m, 12. Ian. Auf der Straße zwischen Gontershausen und Deckenbach ereignete sich in den frühen Morgenstunden am vergangenen Donnerstag ein Unfall. Ein jugendlicher Radfahrer, dessen Rad bei der Fahrt den Berg herunter plötzlich versagte, stürzte, zog sich jedoch zum Glück feine schlimmen Verletzungen zu. Sein Rad bergwärts schleppend, rannte plötzlich ein zweiter Radfahrer, der infolge der Morgendämmerung und des Rebels ihn nicht gesehen hatte, den furz vorher erst Verunglückter! um. Ersterer kam wiederum mit dem Schrecken davon, der zweite stürzte jedoch so schlimm, daß er einen Schlüsselbeinbruch davontrug. Preußen. Kreis Wetzlar. ch Riederkleen, 13. Ian. Heute abend gegen 10 Uhr fand in der hiesigen Gemeinde Feueralarm statt. Es brannte das Wohnhaus des Zimmermannes Karl Brück am Schneiderberg. Da das Feuer im Entstehen bemerkt wurde, konnte es durch die Hausbewohner selbst in kurzer Zeit gelöscht werden. Die hiesige Pflichtfeuerwehr brauchte bei ihrem Ein- tresfen an der Brandstelle nicht mehr in Tätigkeit'zu treten. Heber die Entstehungsursache des Brandes ist bisher nichts bekannt geworden. An der Papageienkrankheit gestorben. Frankfurt a.M., 13.Jan. (WSN.) Der cm 8. Januar in das städtische Krankenbaus eingelieferte Kranke aus Oberursel, bei Dem Der klinische Verlauf durchaus für Papageienkrankheit spricht, ist in Der Nacht auf Montag v e r st o r b e n. Weitere Aufnahmen verDächtiger Fälle sinD bisher nicht erfolgt. ID 571. Frankfurt a. Dl., 13. Jan. IDie wir von der Preag (Preußische (ktektrizitäts-A.-G.) erfahren, wird Hessen mit 4,2 Millionen Blatt an der Preag beteiligt werden. ’— Herren-Anzüge 28:35:48 Herren-Hosen 38:48:52 2^0 $50 ^75 402A GIESSEN in Steinberg statt. 421D 420D quelle. STE1NSTR.63.TEL.3169(BURHENNE) E I. folgt, einzureichen. 406D Pension Brandl. OTTO Offerten mit la Zeugnissen und Bild an 416D Kaufhaus M. Schleimer G.m.h.B., Friedberg (Hessen) WslenWge u. Dominos zu verleiben [0265 5% durch Edcka-Svarmarken! Fischhaus „Cuxhaven11 Sarktitr. 14 Tel. 2417. Steinberg, Darmstadt, den 13. Januar 1930. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. 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Januar 1930 Reger und Hans Pfitzner, gefunden hat, die in ihrer Art durchaus allem reinen Virtuosentum abhold sind und ein überaus großes Maß sachlicher Hingabe verlangen, das bedeutet bei der Beurteilung ihrer Persönlichkeit ein ganz besonderes Plus. Sie ist vielleicht keine ausgesprochene Meisterin intimer Kleinkunst, vielleicht kann sie nicht so geschäftig leichthin plaudern und scherzen auf ihrem Instrument, sie ist aber die Künstlerin, der die innere Kraft gegeben ist, das Erhabene in der Tonkunst zu künden mit einer Glut des Erlebens, mit einem tieffundierten Impuls. Sie vermag bis zu den letzten Gründen eines Werkes vorzudringen und es in überzeugender Klarheit vor dem Hörer auszubreiten. Vielleicht wird sie in ihrer streng sachlich-musikalisch hingegebenen Art nicht immer den Erfolg finden bei Hörern, denen ein Konzert oft nicht mehr bedeutet als eine Art besserer tinterhal-- tung. tim so mehr aber wird sie dem Musik- kundigen und Musikempfänglichen zu geben imstande sein: hier wird sie entzünden, mit sich fortreißen und voll in ihren Bann ziehen. Dieses tiefgründige musikalische Erfassen wird sich darum bei ihr so nachhaltend auswirken, weil ihr die Fähigkeit gegeben ist, das was sie zu sagen hat, überaus klar zu artikulieren Sie phrasiert peinlich und gewissenhaft, und dennoch wird man nie den Eindruck eines bewußten Analysierens haben, denn bei aller Treue im Kleinen wird sie stets jeder klanglichen Episode, jeder thematischen Entwicklung die Stellung zuweisen, die sie in dem Gesamtaufbau des Weües einnimmt. Solche stilgetreue musikalische Kündung ist ihr ermöglicht, durch ihre vollendete technische Durchbildung. Der Größe und Wichtigkeit des darzubietenden Inhalts entspricht das erstaunliche Volumen ihres Tones. Vielleicht besitzt ihr Ton nicht jene klangliche Süße, wie wir ihn verschiedentlich bei Geigern begegnen und auch im angebrachten Fall zu schätzen wissen. Ihr Ton hat einen Zug zum Strengen, fast bis zum Herben hin, stets getragen von einem bewußten Ernst. Dennoch wäre es weit verfehlt, den Ton kalt zu nennen. Er ist vielmehr von glühender Kraft und pulsierender Wärme. Ihr Spiel auf der O°Saite unl> in den höheren Lagen der unteren Saiten wird an Volumen nnd Modulationsfähigkeit wohl kaum zu übertreffen sein. In den oberen Lagen der E-Saite vermag sie einen Ton von einer klanglichen Breite zu entfalten, wie man chm selten zum zweiten Male begegnen wird. Don ihrem eminenten technischen Vermögen sei noch besonders die überaus saubere und plastische Ausführung der Doppelgriffe hervorgehoben. Gießener Konzertverein. V. Konzert: Alma Moodie. Wohl kaum ist eine Geigerin in den Vorankündigungen derart mit Superlativen bedacht worden wie Alma Moodie. So konnten die Erwartungen für das Konzert auf das höchste gespannt werden und sie wurden nicht getäuscht; das, was die Voranzeigen versprochen hatten, wurde durch die Aufführung vollauf bestätigt. Im Gegensatz zu manchen Erscheinungen am Künstlerhimmel, die meteorgleich aufleuchten, dann aber oft entweder den Gipfel ihres Ruhmes überdauern oder ganz und gar verschwinden, muh man in Alma Moodie eine Geigerin erkennen, Die zu der Höhe ihres Künstlertums auf streng gemessenem, wohl bedachtem Wege durch phänomenale Begabung und ebensoviel gewissenhaften Fleiß gelangt ist. Man kann sie mit Recht als eine internationale Künstlerin bezeichnen. Ihr Vater war schottischer, ihre Mutter irischer Herkunft- sie selbst wurde in Australien geboren. Vom 1. bis 10. Lebensjahre finden wir sie auf Dem Brüsseler Konservatorium, wo sie ihr Studium mit reicher Anerkennung abschlieht. Als Dreizehnjährige bereits musiziert sie mit Max Reger, tim das, was die jugendlichen Fähigkeiten versprachen, zu vertiefen und zu erweitern, geht sie im entscheidenden Entwicklungsalter noch zu Flesch, um sich bei ihm einem gründlichen Studium zu unterwerfen. So ausgerüstet, kann sie im vollen Bewußtsein ihrer Kraft und ihres Könnens sich vor das Publikum stellen, und überall ist ihr ein voller Erfolg sicher. Wenn Alma Moodie das Podium betritt, so hat man den Eindruck, als sei mit dem ersten Bogenstrich alles um sie her vergessen; mit stärkster Willenskraft upd äußerster Konzentration widmet sie sich voll dem Werk, das sie zur Darbietung bringen will. Fast mannhaft steht sie da, innerlich gespannt, erregt ist sie bei ihrem hohen künstlerischen Ernst, frei von dem kleinsten Zug von Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, wie man es so häufig auch bei unseren Größten beobachten kann. Man hat Alma Moodie die musikalischste unter unseren Geigerinnen genannt. In der Tat wird man ihr eine überaus starke musikalische Potenz zuerkennen müssen. Gerade dadurch, daß sie sich sowohl der französischen als auch der deutschen Geigerschule unterstellt hat, sind ihr namentlich in rein stilistischer Hinsicht die mannigfachsten Anregungen zugute gekommen, tind daß sie dabei den Weg zu zwei deutschen Meistern, Max Indien amGcheidewege Don unserem E. E.-Berichterstatter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, Januar 1930. Der kürzlich zu Ende gegangene A l l i n d i s ch e Rationalkongreß hat Beschlüsse gefaßt, die auch die nichtenglische Welt aufhorchen ließen. Doll ständige tinabhängigkeit anstelle der bisherigen Forderung des Dominion-Status, Boykott sämtlicher Provinzial-Landtage und der zentralen gesetzgebenden Versammlung, Androhung einer Bewegung des allgemeinen passiven Widerstandes mit der S t e u e r v e r w e i g e - r u n g als Kernstück, sind nur einige der wichtigsten Entschließungen, die von dem Kongreß mit wechselnden Mehrheiten angenommen wurden. Im Anschluß kam es dann zu kleineren Spaltungen im indischen Lager, Meinungsverschiedenheiten über taktische Fragen und das einzuschlagende Tempo, aber die Tatsache bleibt bestehen, daß die englische Verwaltung durch eine repräsentative indische Vertretung vor ein ti Hirn a t u m gestellt worden ist. Billige unsere Forderungen, oder wir werden alle uns zur Verfügung stehenden .Machtmittel anwenden, um sie gegen Deinen Willen durchzusehen". Das ist der bewußte Sinn der Beschlüsse von Lahore. Ihre tinannehmbarkeit für die englische Verwaltung braucht nicht erst näher dargelegt zu werden. Das Harakiri wird in der englischen Politik nicht sehr geschäht, schon gar nicht, wenn es sich um den Kronjuwel Indien handelt. Aber irgendetwas muh geschehen, denn wenn auch die Beschlüsse nicht so wörtlich zu nehmen sind, so hat die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten, seit der Dohkottandrohung Ende 1928 doch klar genug gezeigt, daß nur wesentliche Zuge- st ä n d n i s s e wieder zu einem erträglichen Ausgleich führen können. In Erkenntnis dieser Tatsache wurde vor mehr als einem Jahr d i e Verfassungskommission unter Führung von Sir John Simon nach Indien geschickt, deren Bericht aber erst etwa Anfang März 1930 fertiggestellt sein wird. Eine andere Kommission studierte die Arbeitsverhältnisse in Indien und hat auf einem kleineren Teilgebiet gleichlalls nützliche Arbeit geleistet. Der Bericht der Simon-Kommission sollte die Antwort der britischen Regierung auf die Forderungen des Allindischen Kongresses vom Jahre 1928 fein. Es war bereits ein Abweichen von dem klaren Grundsatz, diesen Bericht nicht durch vorzeitige Bindungen zu präjudizieren, als von London eine Einladung für eine gemeinsame englisch-indische Konferen z erlassen wurde. Ihre Aufgabe sollte zwar gerade in der Erörterung der Empfehlungen* des Simonberichtes bestehen, und gestützt auf die Dreiheit: Sirnon- bericht, Entscheidungen der englisch-indischen Konferenz und Parlamentssanktion — wollte dann die britische Regierung die endgültige Entscheidung über die Verfassungsreformen treffen. Immerhin war dies doch ein Abweichen von dem Grundsatz, vor Fertigstellung des Simonberichts überhaupt nichts zu unternehmen. Dann kam der Besuch des Vizekönigs von Indien in London im Sommer 1929 und unmittelbar nach seiner Rückkehr Anfang Oktober die viel erörterte Deklaration mit den lebhaften Parlamentsdebatten in England. Das Ergebnis war ziemlich kläglich. Der Vizekönig hatte seine Erklärung abgegeben, weil er den Staatssekretär für Indien und die gesamte Regierung während seines Ausenthaltes in London davon zu überzeugen gewußt hatte, daß die Spannung in Indien gebieterisch eine Kundgebung verlange. Womit eindeutig zugegeben war, daß der Sinn der Erklärung in der Ankündigung neuer Zugeständnisse liegen sollte. Das Parlament war aber anderer Meinung und unter stärkstem Druck kam man dann überein, nur längst Bekanntes zu sagen. Auch der Vizekönig muhte in den sauren Apfel beihen und nachträglich versichern, dah er nur alte Gedanken habe auffrischen wollen. Das ganze war ein klägliches Schauspiel, es sei denn, man neige z.u der etwas reichlich abwegigen Aufsassung, dah durch überkluge Taktik Zwietracht ins indische Lager gesät werden follte. Dagegen spricht, dah der konservative Dizekönig Lord Irwin ein in gewissen Grenzen durchaus fortschrittlicher und loyaler Mann ist, der sein ganzes persönliches Prestige, und was für ihn als Engländer schlimmer wäre, das seines Landes, durch derartige Taktiken schwer aeschädigt hätte. Eine weit größere Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die Rerven der Regierung für eine kurze Weile versagten und sich erst unter dem entschiedenen Druck von Westminster verstärkten. Daher auch der Prestigeverlust des Staatssekretärs für Indien, Benn, der heute mehr eine Belastung als eine Stühe der Regierung darstellt. Man kann es danach als ziemlich erwiesen ansehen, dah die britische Regierung taktisch in ihrer Indienpolitik wenig glücklich war. Sachlich allerdings liegen die Dinge wesentlich anders. Dor Deröffentlichung des Simonberichts läßt sich nicht mit der notwendigen Sicherheit sagen, wieweit England schließlich doch den "indischen Wünschen entgegenkommen will. Aber die Grundzügc sind auch auf englischer Seite klar. Die britische Deklaration vom Jahre 1917 hat als die Politik der britischen Regierung in Indien „die gradweise Entwicklung zu selbstregierenden Einrichtungen unter allmählicher Schaffung einer verantwortlichen Regierung in Indien als integrierender Bestandteil des Britischen Weltreichs" verkündet. Daran hat sich bisher nichts geändert und daran wird auch der Bericht der Simon- Kommission nichts ändern. Möglichkeiten der Zugeständnisse, im einzelnen wie gesagt nicht Vorauszusehen, sind im wesentlichen auf die Pro - vinzialverwaltungen, oder des besseren Klanges halber auf die Provinzialregierun- g e n beschränkt. England argumentiert, dah gerade die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten aufs deutlichste gezeigt habe, dah Indien für völlige tinabhängigkeit noch nicht reif ist und noch lange nicht reif sein wird und dah es demzufolge an seiner eigenen Weisheit und nicht im Machtbereich Großbri- tanniens liegt, ob durch größere oder geringere Fähigkeit des Regierens in lokalen Körperschaften der indische Einfluh auf die Zentralverwaltung allmählich verstärkt werden kann, bis diese schließlich ganz in indische Hände übergeht. Dann wäre das Dominion Indien fertig. Wie sich die einander schroff entgegenstehenden Beschlüsse des Kongresses Doft Lahore und die im günstigsten Falle möglichen Zugeständnisse der Londoner Regierung in Einklang bringen lassen werden, ist noch gar nicht abzusehen. Die meisten der Dorteile in deßll reichlich ungleichen Ringen liegen offenkundig wuf englischer Seite: Klarheit des Handelns (die sich nach dein Durcheinander der letzten Monate im entscheidenden Augenblick sicherlich wiederfindet), Geschlossenheit, einseitige Beherrschung aller Machtmittel. Die indische Rational- bewegung könnte das wesentlich ausgleichen durch einheitliches Handeln, aber gerade hierin liegt ihre entscheidende Schwäche. Die Verhältnisse sind in den einzelnen Gebietsteilen grundverschieden von dem zunächst unüberbrückbaren — und von der englischen Verwaltung Wenns nottut ausnutzbaren — Gegensatz zwischen Hindus und Moslems ganz abzusehen, die Führer selb st sind sich nicht einig. Viele von ihnen sind einsichtige Männer, andere Fanatiker, die zwar, wie Ghandi, durch ihre Massenwirkung der englischen Verwaltung unbequem und selbst gefährlich werden können, aber weder durch ihre persönliche tinantastbarkeit und Reinheit noch durch derbe Forderungen die Tatsache aus der Welt schaffen können, dah sie vorläufig nicht über eine Anhängerschaft verfügen, die in sich selbst eine gewisse Garantie für stetige Verhältnisse gibt, wenn die Führer durch irgendwelche timstände oder durch den Tod ausgeschaltet werden. Darin aber liegt der Schlüssel des ganzen Problems. England hat Grund, eine allzustarke Belastungsprobe seiner Herrschaft in Indien zu vermeiden, aber es wird auf der anderen Seite nur die Zugeständnisse gewähren, die ihm die Erhaltung dieser Macht zu verbürgen scheinen. Drohungen verfehlen mindestens solange ihr Ziel, als hinter ihnen nicht eine Macht steht, die derjenigen gleichwertig ist, die England aufbieten könnte, und die es auch aufbieten würde, wenn es um ein Objekt wie Indien geht. Die indische Frage bleibt deshalb noch riesenhaft genug und allein ein Vergleich des Entwicklungstempos der Dor- und der Rachkriegszeit in Indien zeigt, welche Aufgaben der Lösung harren, wenn je in Reu Delhi oder Kalkutta ein englischer Generalgouverneur als dekoratives Oberhaupt einer indischen Verwaltung mit der gleichen Selbstverständlichkeit und aller Machtmittel bar regieren soll, wie in Kapstadt, Ottawa oder Canberra. Stirnen, Sport und Spiel. Turngau Hessen (O. T.) Tagung dcs2.Bezirks.—KreisfestinHanau. —o— Zu ihrer ordentlichen Iahrestagung waren die Vorsitzenden der Turnvereine des 2. Bezirks (Giehen-Wetzlar-Grün- berg) am Sonntag nahezu vollzählig in G i e - hen zusammengekommen. Der 1. Bezirksvertreter, tiniversitäts-Dureau- direktor W. Erle (Gießen), leitete die Verhandlungen, die sich mit den mannigfaltigen Detriebs- formen neuzeitlichen Turnens hauptsächlich nach der Richtung ihrer verwaltungsmäßigen Auswirkung beschäftigten. Die Rot der Zeit, die von den Städten auch auf die umliegenden Gemeinden ausstrahlt, löste eine ausgiebige Aussprache über das wirtschaftliche Gebaren des einzelnen Turners, der Vereine und übergeordneten Verbände aus; insbesondere sind auch Unfälle, wie sie trotz Vorsicht und technischer Schulung immer wieder vorkommen, eine ernste wirtschaftliche Frage geworden. Anregungen von der verbandspolitischen Seite her, insbesondere für den Spielbetrieb, sowie das Dedürsnis nach Ortsgemeinschaft in den Gemeinden sollen in entsprechenden Formen weitergebildet werden. Rach der tumtechnischen Seite sagte Bezirks- turnwart Paul Schüler (Wetzlar) zu, neben der planmäßigen Arbeit in seinen Dortumerstunden auch praktische Anleitung zur Ausgestaltung einer Turnstunde im Dereinsbetrieb, sog. Stundenbilder, zu geben. Das Winter-Gerätewetturnen wird dem Tv. Heuchelheim übertragen, den volkstümlichen Dezirkswettkampfe.- hält Tv. T r e i s a. d. Lda. für dieses, und R a u- b o r n bei Wetzlar für das nächste Jahr. Rachmittags hielt Gauoberturnwart Will (Gießen) eine tiebungs stunde für diejenigen Turner und Altersturner ab, die sich bei dem mittelrheinischen Kreisturnfest zu Hanau Ende Juli als Wetturner beteiligen wollen. Als erste Einführung in den reichhaltigen tiebungsstoff war die Versammlung gut besucht und wird sich weiter werbend im Hessengau auswirken, zumal die Pflichtübungen des Kreises als Grundlage für die Gestaltung der Wettkämpfe beim Gäuturnfest zu Kirchhain entsprechende Verwendung finden. An volkstümlichen tiebungen sind Hochsprung, Kugelstoßen und Laufen ausgewählt worden. Vorsitzendentagung des ».Bezirks. bpw. Friedberg, 12. Ian. Eines sehr guten Besuches erfreute sich die Vorsihenden- t a g u n g , die für die Vereine des 5. Bezirks i m Turngau Hessen heute hier stattfand. Von den 29 Dezirksvereinen waren 25 vertreten. Außer den Dereinsvorsihenden hatten sich auch Turnwarte und Vorturner in größerer Zahl eingefunden. Rachdem der Bezirksvertreter, Studienrat Thierolf (Friedberg), auf den Zweck der Veranstaltung hingewiesen, hielt Lehrer Oh- Wald (Bad-Rauheim) einen Vortrag über die Deutsche Turnschule in Berlin. Der Redner nahm vergangenes Jahr an einem Führerlehrgang an der Turnschule teil und konnte sich bei dieser Gelegenheit eingehend über die größeren Einrichtungen der D. T. unterrichten. Es begegnete lebhaftem Interesse, was Turner Oßwald über den Lehrbetrieb an der Deutschen Turn- schule aus eigenem Erleben mitteilen konnte. Welche Fülle von Arbeit an der Schule geleistet wird, geht daraus hervor, daß seit Eröffnung der Turnschule im Oktober 1928 daselbst schon 52 Lehrgänge mit insgesamt 2453 Teilnehmern durchgeführt werden konnten. Im Dezember letzten Jahres schloß auch erstmals ein sechsmonatiger Ausbildungskursus für Dereinsturnlehrer mit einer Prüfung erfolgreich ab. Die Einrichtungen der Turnschule für den Unterricht, für die Unterbringung und Verpflegung sind vorbildlich, und das Gemeinschaftsleben der Schule zeugt von vorzüglichem turnerischem Geist. Die D. T. besitzt mit ihrer ersten Turnschule (der Bau einer zweiten ist in Leipzig geplant) eine Einrichtung, auf die sie stolz sein darf. Mit unermüdlicher Liebe und Sorge, mit klarem Blick für die Zukunft ist hier ein Werk von großer volks- erzieherlicher Bedeutung entstanden, ein Werk, das Turnerschaft und Volk reichen Segen bringen wird. Bilder, die die trefflichen und gediegenen Einrichtungen der Turnschule veranschaulichten, ergänzten die Ausführungen, für die der Redner dankbaren Beifall fand. Zu einer anregenden und fruchtbaren Aussprache über die Verwaltungsarbeit in den Vereinen leitete Studienrat Thierolf mit einem Referat über „Die Arbeit der Vereinsleitung" ein. Der erfahrene Turnerführer sprach zunächst mit Worten besonderer Anerkennung von dem wichtigsten und verantwortungsvollsten Amt im Turnverein, von dem des Turn- wärts; er ist der Motor, der das turnerische Leben antreibt. Wenn er technisch auf der Höhe ist, und dazu das rechte Turnerherz hat, dann ist es wohlbestellt um den Verein. Wichtig ist natürlich auch die dem Vorsitzenden obliegende Verwaltung des Vereins, die ein pünktliches Zusammenarbeiten mit den übergeordneten Organisationen erfordert. Der Redner erörterte im einzelnen die Tätigkeit des Vereinsvorsihenden und gab bei dieser Gelegenheit vor allem ausführliche Anweisungen für die Anfertigung der am 15. Januar fälligen Bestandserhebung. Die Aussprache, die den mit lebhaster Zustimmung aufgenommenen Ausführungen des Dezirksver- treters folgte, brachte in wichtigen verbandspolitischen Fragen Aufklärung und Belehrung. Mit wertvollen Anregungen, deren Ausführung von der Versammlung gutgeheißen wurde, trat vor allem Dr. Rau (Butzbach) hervor. Das Dezirksgeräteturnen findet im März in Bad-Rauheim statt, das volkstümliche Bezirksturnfest wurde dem Tv. Anspach übertragen. Als Termin wurde der 15. Juni bestimmt. Handball im Turnverein 4846 Gießen. Nach längerer Pause trugen am vergangenen Sonntag die zweite und die Jugendmannschaft Freundschaftsspiele in Großen-Buseck aus. Die stark ersatzgeschwächte zweite Mannschaft verlor trotz Bei solchen einzigartigen Fähigkeiten muhte Hans Pfihners E - M o l 1 - S on a t e op. 27 den allerstärksten Eindruck hinterlassen. Die Künstlerin hat sich in die Klangwelt Psihners ganz besonders eingelebt, ja, man wird nicht fehlgehen mit der Annahme, daß hier das Werk völlig dem Willen des Komponisten gemäß seine Klangwerdung erfuhr; denn Pfihner hat der Künstlerin das der Sonate nachfolgende Violinkonzert gewidmet, und sie hat es auch bei der tiraufführung gespielt. Die mit gewaltigen schöpferischen Impulsen erfüllte Sonate erstand in allen ihrxn klanglichen Episoden und Abwandlungen einmal durch die dem organischen Werden angeglichene Temponahme, durch die Weitung des melodischen Bogens und durch die sein durchdachte Abschattierung des Anteiles beider ausführenden Instrumente. Das Ringen des ersten Satzes fand sein Gegenstück im langsamen Mittelsatz mit seiner breiten, getragenen Kantilene auf der O-Saite, mit seinem Zurücksinken in Versonnenheit, seinem Aufwallen, seiner thematischen Verwebung und seinem Verklingen im Flageolett. Das Ganze gipfelte im Finale mit seiner energievollen Spannung und seinem breiten, wuchtigen Ausklang. Richt minder steht die Künstlerin der Welt Max Regers nahe, und wie sie die Sonate für Violine in D-Moll in ihren einzelnen Teilen aufblühen lieh, das geschah in einer Ratürlich- feit und Selbstverständlichkeit, weil sie dieses Werk geistig wie auch technisch souverän meisterte. Rirgendwo hatte man den Eindruck, als sei diese Darbietung besonders studiert, so selbstverständlich quasi improvisierend und dennoch so vollendet spielte sie das Werk. — Der zweite Teil des Programms gab mit Manuel de Fallas kleiner spanischer Suite eine Probe dieses modernen spanischen Meisters, die einmal, namentlich im letzten Satze, spanisches Rationalmilieu widerspiegeln lieh, und die in ihrer impressionistischen Art mit ihren sublimierten Klangwirkungen in die Rähe Debussys weist. In den drei Händel- schen Stücken zeigte die Geigerih aufs neue ihre strömenden Kantilene mit weitgespanntem Bogen und eine feine differenzierte Vortragsweise. Dem reinen Virtuosentum gewährte sie mit Pablo de Sarasates „Zapateodo" eine Konzession; hier wie auch bei de Falla fiel unbeirrbare Sicherheit im Flageolettspiel ganz besonders auf. In Dr. Wolfgang S t e ch o w (Berlin) stand . der Künstlerin ein Begleiter zur Seite, der völlig auf sie eingestimmt war und ihr bis zur letzten Regung folgte, und so wurde die Vortragsfolge in einer geschlossenen Vollendung durchgeführt, die keinen Wunsch offen lieh. Den begeisterten Hörern muhte die Konzert- geberin zwei Zugaben gewähren. Dem Konzert- verein wird dankbar anerkannt werden müssen, dah er eine der bedeutendsten Geigerinnen für Gießen verpflichtete. Dr. H. Zrauengestalien der Romantik. Gestern abend sprach in der Aula der tiniver- sität D. Dr. Robert Zilchert, Kirchenrat und Professor in Prag, über Frauenge st alten der Romantik. Diese Formulierung des Themas hätte etwas wesentlich anderes erwarten lassen, als der Vortragende in seinen Ausführungen darbot. Von der geistigen Gestalt der romantischen Frauen war nämlich in dem Vortrag nicht eben viel zu vernehmen; behandelt wurde dagegen die Immoralität der Romantik und int besondem das Trieb- und Liebesleben der bedeutenden Frauen jener Epoche. Rach einer allgemeinen Einleitung und Abgrenzung der Romantik vom Rationalismus und von der Klassik wurden als starke Triebkräfte im neuen sittlichen Weltbilde der Romantiker der Individualismus und der Subjektivismus — eine Erbschaft vom Sturm und Drang her — dargestellt. Zur Illustrierung dessen dienten die kurz (und recht äußerlich) skizzierten Lebensläufe hervorragender Romantikerinnen, d. h. im wesentlichen eine Schilderung ihres Trieblebens und ihrer Ehe. Hier wurden angeführt Karoline Schlegel, August Wilhelms Frau, später mit Schelling verheiratet, bei der sich starke Sinnlichkeit mit starker Geistigkeit verband. Die Schilderung der Dorothea Veit, späteren Frau Friedrich Schlegels, führte zu einer Betrachtung der berühmten „Lucinde", deren schrankenlosen Subjektivismus der Vortragende, im Gegensatz zu Schleiermacher, ablehnte. Besprochen wurden ferner Charlotte von Kalb und ihre Erlebnisse mit Schiller und Jean Paul, und Rahel Damhagen, die „schöne Seele". Erörtert wurde dann anschließend Goethes Verhältnis zur Romantik,was zur Gegenüberstellung der „Wahlverwandtschaften" und der Schlegelschen „Lucinde" und weiterhin zu einem Exkurs über Triebleben und Sittlichkeit führte. Der Vortragende schloß mit einem Hinweis auf das hohe Ethos des „Faust" und einer entschiedenen Ablehnung der Romantik auf Grund ihrer mangelnden sittlichen Größe. — Der Vortrag war sehr gut besucht und fand starken Beifall, obwohl manche Besucher nach der Ankündigung vielleicht doch etwas anderes erwartet haben dürften. — y — drückender Ueberlegenheit 3:1, infolge Schußunfahlg- keit des Sturmes. Dagegen konnte die Jugend mi 1:3 einen glatten Sieg erringen. Dem Spielverlauf nach wäre ein höheres Resultat verdient gewesen. Hanvball im Männertumverein (O.T). J Turn- und Sportverein Butzbach gegen I. und II. komb.Mlo. Giehen 3:3 (1:0). Qlm Sonntag trug eine kombinierte erste und zweite Mannschaft des Männerturnverelns Gie- hen in Buhbach ein Handball-Freundschaftsspiel gegen die erste Mannschaft des dortigen Turn- und Sportvereins aus. Die Butzbacher Mannschaft, die in der letzten Derbandsrunbe ohne Punktverlust die Meisterschaft in der A-Klasse erringen konnte und in die Meisterklasse des Gaues Hessen aufsteigen wird, ist gut eingespielt und wird wohl mancher Mannschaft der Meister- klasse auf eigenem Platze eine harte Butz zu knacken geben. Die Gietzener kombinierte Mannschaft, die das Spiel wieder zu leicht nahm, trat nur mit 10 Mann an und hatte zudem nur drei Spieler der ersten Mannschaft m ihren Reihen. Spielverlauf: In der ersten Halbzeit ist das Spiel ziemlich ausgeglichen, doch kann die gut arbeitende Hintermannschaft der Gietzener nicht ver. hindern, datz der Gastgeber mit 1:0 bis zur Halbzeit die Führung hält. Nach Halbzeit zeigt sich zunächst dasselbe Bild, beiderseits verteiltes Spiel. Erst nachdem Gietzen ausgleicht und die Gastgeber abermals in Führung gehen können gehen die M.T.D.er mehr aus sicy heraus und werden von Minute zu Minute dem gegnerischen Tor gefährlicher. Durch verschiedene schon vorgetragene Angriffe und gut ausgenuhte Stel- lungsfchler der Butzbacher Hintermannschaft können die Gäste zweimal hintereinander erfolgreich sein und so mit 3:2 die Führung übernehmen. Erst einige Minuten vor Schlutz gelingt es Butzbach, auszugleichen und so das Resultat auf 3:3 zu stellen. Der beste Mannschaftsteil der M T.B.er war Wohl die Läuferreihe: der Torwart fiel, seinen sonst gezeigten guten Leistungen gegenüber, stark ab, und auch der Sturm hätte sich einer uneigennützigeren Spielweise befleißigen dürfen. Handball der Sp.-Vg. 1900. Tv. 1862 wieseck I — Gießen 1900 I 0:4 (0:3). ö. Auf dem Wiesecker Waldsportplatz kam dieses Treffen am Sonntag unter Leitung von Schiedsrichter Jen tz sch, V.f.B. Gießen, zum Austrag. Beide Parteien befleißigten sich einer äußerst fairen Spielweise und machten so den Unparteiischen das Amt leicht. Der Verlauf war spannend und stets schnell. Die 1900er, bei denen einzelne Posten neu besetzt waren, halten durchweg Oberwasser, und nur der Schußunsicherheit des allerdings erstmalig zusammenarbeitenden Jnnensturms ist es zuzuschreiben, daß die Torzahl nicht auf das Doppelte erhöht wurdo. Die Erfolge brachten die beiden Außenstürmer (jeder zwei) auf ihr Konto, wobei zu bemerken ist, daß der Linksaußen auch in seiner Spielweise am besten gefiel. Die Wiesecker Fünferreihe arbeitete sich auch verschiedenemal bis an den Wurfkreis durch, die Bälle konnten jedoch von dem Gießener Hüter gemeistert werden. Das Fehlen des ausgezeichneten Wiesecker Mittelstürmers machte sich sehr bemerkbar. Bon der Hintermannschaft des Platzvereins stach der fleißige Mittelläufer ins Auge, während bei den Spielvereinigungsleuten das Ver- teidigerpaar unüberwindlich schien. Alles in allem zeigte die Turnermannschaft wieder «in recht flüssiges Spiel. Bei den Gästen war das gegenseitige Verständnis nur zeitweise vorhanden. Handball in Garbenieich. Garbenteich — 1. Kompanie Jnf.-Regt. 15 9:6 (3:2). 3n dem am Sonntag in Garbenteich ausge- tragenen Gesellschaftsspiel traten beide Mannschaften mit je zwei Ersatzleuten an, was sich insbesondere für die Gäste bemerkbar machte. Garbenteich war, was Feldspiel und Kombination anlangte, der Reichswehrelf etwas überlegen und konnte, da die Mannschaft mit einem Eifer und Elan spielte, wie man es noch nie an ihr gesehen hatte, obiges Resultat erzielen. Die Gäste, . die ohne ihren bewährten Tormann antreten muhten, gaben sich die größte Mühe, wenigstens ein Unentschieden herauZzuholen, mutzten sich aber der Schußfreudigkeit der Turner beugen. Berücksichtigt mutz werden, datz die Kompanie in zweiter Halbzeit mit nur 10 Mann spielte. Spielveremigung 1900 Gießen. o Die 1900er ließen sich am Sonntag in leichtsinniger Weise wieder eine Niederlage belbrrngen die in gar keinem Verhältnis zum St>!ÄlsvÄ stand. Glück gehört nun einmal zum ^vballspiet, und das hatte B. C. Siegen in überreichem Maße während die Einheimischen bom Pech geradezu verfolgt wurden. Dem korrekt amtierenden Lin- parteiischen G r Ü n e w a Id G*0, stellte sch die Spielvereinigung mit Ersah für Balser, Hoh mann und Langsdorf. Bon den dafür eintreten- den Leuten erfüllte nur der rechte bte Erwartungen, während der rechte Verteidiger kurz nach dem Seitenwechsel infolge Verletzung ganz ausscheiden mußte. Es Saugte von wenig sportkameradschaftlichem Geist der Gaste, bah sie den sonst in Gesellschaftsspielen üblichen Eintritt eines Ersatzmannes verweigerten, wodurch die Gießener die zweite Spielhälfte nur mit zehn, längere Zeit sogar mit nur neun Spielern zu bestrebten hatten" da auch der Mittelstürmer infolge Berletzung pausieren mutzte Dem Umstand allein haben die Gäste in erster Linie den Sieg zu verdanken, da 1900. nur mit einem Verteidiger spielend, sich bei schnellen DurchbriAen zwei Tore gefallen lassen mutzte, den Halbzeitstand von 1:1 damit auf 3:1 für die Gaste erhöhend 1900 mußte zunächst gegen den heftigen Wind und gegen die grelle, tiefstehende Sonne spielem es war aber trotzdem die bessere Partei. Rach einem Lattenschuß von Beiter schoß Adelberger nach ausgezeichneter Leistung von Heilmann zum Führungstor für Gießen ein. Aber noch vor dem Wechsel konnte B. C. Siegen durch unbehindertes Einschietzen eines Strafstoßes wegen Handspiels zum Ausgleich kommen, da die Blauweihen ihr Tor sehr schlecht abdeckten und es dem Schützen dadurch außerordentlich erleichterten. Mit 1:1 wechselte man die Selten. Die zweite Hälfte stand meist im Zeichen großer Ueberlegenheit der Hiesigen, denen sich unzählige Schußgelegenheiten boten, die aber in der Hast und im Uebereifer alle ausgelassen wurden. Inzwischen verschwand die Sonne, wodurch den Gasten die Abwehr besonders erleichtert wurde. Uebrigens war diese nunmehr auch immer recht zahlreich und hart. Don den vielen verwirkten Strafstößen fand aber nicht ein einziger das Ziel. Die aussichtsreichsten Situationen im Strafraum der Siegerländer wurden mit Bombenschüssen abgeschlossen, die aber alle darüber, daneben oder in den Armen des famosen Torhüters landeten, der der beste Mann seiner Elf war und dieser den Sieg rettete. Bei 1900 hatte der Innensturm nicht die Sicherheit, wie in den vorhergehenden Spielen. Der Linksaußen versagte vollkommen, die anderen taten ihre Schuldigkeit, lieber den neuen Rechtsaußen muß man sich vorläufig der Kritik enthalten: er muß sich erst einspielen. Endresultat 3:1 (1:1) für Ballspielklub Siegen. Die Ligareserve wartete auf Niedergirmes' zweite Elf vergebens und dürste damit kampflos in den Besitz zweier Punkte gekommen fein. Umgekehrt war 1 900s Dritte zum Spiel gegen Steinbachs erste Mannschaft bei Beginn nicht vollzählig zur Stelle und verlor die Punkte, blieb aber im darauffolgenden Gesellschaftsspiel ' mit 3:0 Toren Sieger. Die vierte Elf 1900'6 verspielte die Aussicht auf die Meisterschaft, indem sie sich von der zweiten Großcn-Busecks überraschend 1:2 schlagen ließ. Die „Alten Herren" 1900’6 besitzen auch nicht mehr die Routine von ehedem, öenn diesmal langte es auch nur gerade zu einem Unentschieden. dabei konnte bei dem fast ständigen Drängen der Sieg bestimmt sichergestellt werden. Der Erfolg der Gäste der „Alten Herren" vom B. C. Siegen war bei schnellerer Dallweg- gabe glatt zu verhindern gewesen. Das Gießener Ausgleichstor war ein Prachtschuß von Bieler. V. f. B. V.f.B. — F.v. Ockershaufen 1:0. Die Liga Mannschaft erkämpfte sich am Sonntag gegen den an erster Stelje der Tabelle stehenden F. V. Ockershausen einen knappen, aber verdienten l:0-Sieg und errang damit zwei wertvolle Punkte. Wenn es auch nur das knappste aller Resultat« war, das sie erzielte, so bedeutet es, abgesehen von dem Punktgewinn, doch einen starken Erfolg, da der Gegner den Vorteil des eigenen, gänzlich unzulänglichen Platzes hatte und außerdem mit einer unnötigen Härte kämpfte wobei er ost die Grenzen des Erlaubten ubertntt. Es kann ja als Regel bezeichnet werden, daß die rem spieleri- cben Leistungen in einem Punktspiel, zumal wenn ein Ausgang von so großer Bedeutung ist wie in diesem, nicht die besten sind. Dies tr.fst hier auf beide Mannschaften zu. Immerhin war Gießen m bet Gesamtleistung besser, als die Platzmannschaft: wohl war sein Zuspiel nicht so präzis, wie in anderen Spielen, es übertraf aber das Ockershausens doch noch bei weitem. Spielverlauf: Beide Gegner sind anfangs reichlich nervös. Durch allzu starke Forcierung des Tempos werden die Aktionen nur noch zerrissener und bleiben bei der Sicherheit ber Verteidigungen erfolglos. Während die Einheimischen mit dem Nachlassen der Spannung ihre Angriff« planvoller gestalten, fällt es V.f.B. sichtlich schwer sich auf die ungewohnt kleinen Ausmaße des Platzes einzustellen. Fast alle Vorlagen, besonders die an die Flügel, gehen ins Aus. Allmählich findet sich auch Gießen und kann in seine Spielhandlungen wenigstens bis zu einem gewissen Grad System bringen. Es trägt seine Angriffe geschlossen vor und bringt des Gegners Tor öfters in Gefahr Bei Seitenwechsel lautet das Resultat noch 0:0. Sofort mit dem Wiederbeginn läßt die V.f.B.-Mann- schatf erkennen, daß sie den' festen Willen hat, das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ohne Ueber- stürzung, aber mit um so mehr Ueberlegung baut sie ihre Aktionen planvoll auf und drängt die Einheimischen, die in der ersten Halbzeit ihre Kräfte anscheinend 3U sehr verausgabt haben, in ihre Hälft« zurück. Deren Tormann, leistet in dieser Zeit erstklassige Abwehrarbeit. In der 15. Minute endlich gelingt es Gießen, nach einer Reihe von Fehlschüssen das einzige Tor des Spiels und damit das Siegestor zu erzielen. Es bleibt auch weiterhin im Vorteil: in der Bedrängnis macht ein Verteidiger der Platzmannschaft im Strafraum „Hand". Der zugesprochene Elfmeter wird zwar placiert, jedoch etwas schwach geschossen und von dem talentierten Tormann gehalten. Ockershausen versucht mit aller Macht, den Ausgleich herzustellen und ist nun seinerseits einige Zeit überlegen. Zwei- bis dreimal hat auch der Gießener Schlußmann hierbei Gelegenheit, fein Können unter Beweis zu stellen, Nachoem ein gegnerischer Stürmer tueg’en rohen Spiels vom Schiedsrichter herausgestellt wird, nimmt das einheimische Publikum in einer Weise am Spiel teil, die nicht mehr gutzuheißen ist, und dringt wenig später sogar ins Feld, so daß das Spiel für kurze Zeit unterbrochen werden muß. Bald darauf muß bei einem Zusammenprall mit dem rechten Verteidiger Ockerhausens der Halblinke Gießens das Feld verlassen. Bis zum Schluß hatten beide Parteien noch mehrmals Gelegenheit, das Resultat zu verbessern: es blieb jedoch beim 1:0 für V.f.B. Das Verbandsspiel der vierten Mannschaft gegen die zweite Dau bringens auf dortigem Platz wurde nach halbstündiger Spieldauer beim Stand von 2:0 für V.f.B. wegen ungenügender Platzordnung vom Schiedsrichter abgebrochen und gilt für Gießen gewonnen. Schwimmen im Manier-Turnverein. Wenn auch im Winter fast keine Schwimm- wettkärnpfe zum Austrag gelangen, so ist es dennoch für jeden Wettschwimmer erforderlich, daß er sich auch während der kalten Jahreszeit im Hallenschwimmbad einem regelmäßigen Training unterzieht, um sich dadurch einen besseren Stil, sowie sonstige Feinheiten in der Schwimmtechnik anzueignen. Um nun wieder einmal eine Abwechselung in die eintönige kalte Jahreszeit zu bringen, insbesondere aber, um die Schwimmsache im Mittelrheinkreis zu fördern, wird der Frankfurter Turnverein von 1860 am kommenden Mittwoch, wie schon kurz gemeldet, einen Staffeltag veranstalten, zu dem auch die Schwimmabteilung des Männerturnvereins Gießen ihre Teilnahme zugesagt hat. Außer Frankfurter Beweinen nehmen auch die Turnvereine von Offenbach und Darmstadt, die verschiedene Meister in ihren Reihen haben, an diesen Wettkämpfen teil. Wenn auch die Schwimmabteilung des Mtv. erst auf ein zweijähriges Bestehen zurückblicken kann, so haben doch die letzten unerwarteten Siege über erstklassige Großstadtvereine gezeigt, daß aus kleinen Anfängen durch eifriges Training Großes zu erreichen ist. Die Mtver, die — durch einige neue Kräfte verstärkt —, sehr an Durchschlagskraft zugenommen haben, nehmen an sämtlichen ausgeschriebenen Wettkämpfen teil: es sind dies: 4x4°Bahnen-Bruststaffel, 4x4-Dahnen-Lagenstaf- fel, 4x4°Bahnen° Freistilstaffel, 10x2-Dahne^- Freistilstaffel. lieber den Ausgang der Staffeln kann im voraus nur wenig gesagt werden: höchstens könnte man sagen, daß die Mtver in der Bruststaffel tonangebend sein werden, komplette Aufstellung der Gietzener allerdings vorausgesetzt. Nach Beendigung dieser Staffelwettkämpfe wird die erste Mannschaft des Mtv. Gießen gegen den Kreismeister im Wasserball, Turnverein 1860 Frankfurt a. M., ein Wasserballspiel austragen, das wohl die Frankfurter sicher für sich entscheiden werden. A. O. T. Lahn Tirnsberg-Turn-Gau. Am Sonntag sand in Wieseck eine Gauvor« standssitzung statt, in der die Termine der diesjährigen Veranstaltungen wie folgt feftgelegt wurden: 16. Februar Gaugerätewetturnen in Waldgirmes: 6. April Gaufrühjahrswaldlauf. Der Austragungsort wird noch feftgelegt; 29.9uni (Sau- Leichtathletik-Meisterschaften in Wißmar; 20. Juli Verbandsfest des Südwestdeutschen Turn-Verbandes in Steinbach b. Gießen: 3. August Gauwettschwim- men in Launsbach und Gauschülerw^tturnen in Rodheim/Bieber: 24. August Bergfest in Mainzlar. Kommenden Sonntag, 19. Januar, findet in Lollar eine Gauvorturnerstunde statt. Arbeiter-Turn und Sportbund. Großen-Linden I — Wieseck I 2:3. Großen-Linden hatte sich am vergangenen Sonntag zu einem Freundschaftsspiel die erste Mannschaft Wiesecks verpflichtet. Die Gäste erschienen mit nur neun Mann, darunter noch Ersatz, während die Einheimischen komplett antraten. Nach Anstoß entwickelte sich flottes Spiel, das die Gäste, trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit, öfters im Angriff sah. Großen-Linden strengte sich merklich an, um einen Sieg der Gäste zu verhindern. Trotzdem gelang es Wieseck, bei Schluß des Spieles das Feld als Sieger zu verlassen. Gießen Ib — Ober-2Höden I 6:1. Gießen I b hatte sich Gäste aus dem 6. Bezirk zum Freundschaftsspiel verpflichtet. Ober-Mörlen stellt wohl eine körperlich kräftige Mannschaft dar, deren Spielsystem aber viel zu wünschen übrig läßt. Gießen konnte bereits nach kurzer Zeit in Führung gehen. Kurz daraus stand das Resultat bereits 2:0. Da gelang es den Gästen, durch einen Fehler der Berteidigung zum Ehrentor zu kommen, doch stellte Gießen das Resultat bis Halbzeit auf 3:1. Auch nach dem Seitenwechsel war Gießen weiter im Vorteil und^ erzielte in gleichmäßigen Abständen noch drei Tore. Einzelne Durchbrüche der Gäste brachten trotz aller Anstrengung nichts ein. Vorher spielten die Iugendmannschaften beider Vereine. Auch in diesem Spiel waren die Einheimischen leicht überlegen, konnten jedoch erst gegen Schluß des Spieles den Ausgleich erzielen. wieseck 1b — Treis I 4:3. In Wieseck standen sich im Rückspiel diese Gegner gegenüber. Bereits nach wenigen Minuten konnte Treis durch einen schönen Schutz in Führung gehen. Wieseck wurde bann besser und erzielte eine Reihe Ecken, die jedoch nichts einbrachten. Ein unerhoffter Schutz brachte ihnen bann ben Ausgleich, dem nach wenigen Minuten bas Fichrungstor folgte. Treis strengte sich nun mächtig an, konnte jedoch nicht verhindern, datz Wieseck bis Halbzeit noch zweimal erfolgreich war, dem sie nur noch ein Tor entgegensetzen konnten. Nach Seitenwechsel drückte Wieseck merklich, doch gelang es ihm nicht, an der manchmal überreichlichen Verteidigung der Gäste vorbei das Tor zu finden. Erst kurz vor Schlutz konnte Treis zu einem dritten Erfolg kommen. Vorher spielten die Iugendmannschaften beider Vereine. Auch in diesem Spiel blieben die körperlich schwächeren Einheimischen, infolge ihres reiferen Spieles, mit 2:1 Sieger. Daten für Mittwoch, 15. Januar. (Sonnenaufgang 7.59 Uhr, Sonnenuntergang 16.20 Uhr. — Mondaufgang 16.50 Uhr, Monduntergang 9 Uhr. 1858: der italienische Maler Giovanni Scgantini in Aron geboren. ©er Ohrenmensch. Von Alfred Richard Meyer. Wenn die moderne Zoologie nach Dr. Th. Zell die Tiere heute in Augen- und Nasentiere einteilt, so könnte ein Psychologe leicht in die Versuchung kommen, die Menschen analog in Augen- unö Ohrenmenschen zu katalogisieren — je nachdem sie lieber ins Kino gehen oder sich den Abend durch den Rundfunk angenehm vertreiben lassen. Der Augen-Mensch scheint der primitivere zu sein: aber auch bei ihm ist der Eindruck eines Films wesentlich von der Begleitmusik abhängig — wenn ihm das vielleicht nicht gleich von Anfang an bewußt ist. Der Zusammenhang von Auge und Ohr ist ähnlich konstruiert, möchte ich meinen, wie der Geschmack und Geruch; ein Sinn wird durch den anderen verstärkt. Aber es kann auch das geschehen: baß ber Sinn bes Auges unter ilmßänbcn den bes Ohres erheblich beeinträchtigt, daß der Genuß eines Kunstwerkes im Theater getrübt wirb. Künstlerische Naturen sinb hier besonders empfindlich — Beispiel: Dr. Alfred Doblin, der kürzlich gestand, baß ihm „Tristan unb Isolbe", von der Berliner Oper durch den Rundfunk übertragen, ein weit stärkeres, ungetrübteres Erlebnis als je in einem Theater gewesen sei. Die Voraussetzung der Intelligenz, als mitschöpferischer Faktor, kann demnach dem Werkzeug des Ohres doppelte Bedeutung verleihen. Wenn ein kleines Kind photographiert werden soll und durchaus nicht ins Objektiv blicken will, muß eine Klingel gewaltsam seine Aufmerksamkeit erregen und die Erwartung verstärken: daß Gleich ein Kasperle aus dem Apparat hervorguckt. Nit dem Ohren-Menschen mag es ganz ähnlich gehen. Denn wie sagt doch Schiller, da er „über das gegenwärtige deutsche Theater" spricht: „Der Weg des Ohrs ist der gangbarste unb nächste zu unferm Herzen!" Man denke darüber ein wenig nach unb erinnere sich befonberer Einbrücke beim Rundfunk, ben der Dichter nicht kannte, zu dem wir ihn aber wohl bekehrt haben dürsten. Es gilt den Weg: des Sehens durchs Gehör. Obgleich die gegenteilige Ansicht Goethes (in Eckermanns Gesprächen» nicht unterschlagen sein soll, indem er sich über die Oper „Moses" von Rossini also ausließ: „Ich be- I greife euch nicht, ihr guten Kinder, wie ihr Süjet unb Musik trennen unb jedes für sich genießen könnt. Ihr sagt, das Süjet tauge nicht, aber ihr hättet es ignoriert und euch an ber trefflichen Musik erfreuet. Ich betounbere wirklich bie Einrichtung eurer Natur, unb wie eure Ohren imstande sind, anmutigen Tönen zu lauschen, während ber gewaltige Sinn, bas Auge, von ben absurbesten Gegenständen geplagt wirb." Das Auge — ber „gewaltigste Sinn" ? Sprechen nicht schon gegen bieses Wort die künstlerischen Erlebnisse ber Blinden? Als ich einmal ben Dichter Oskar Baum kennenlernte, ben blinben, erschuf er sich meine Gestalt unb mein Aussehen ganz nach bem inneren Bilb meiner Worte und erst dann, wie zur Bestätigung, tastete er mich ab. Erinnert euch bitte des Gedichtes von Arthur Rimbaud: „Vokale": „A: schwarz, E: weiß, I: rot, U: grün, O: blau —"; unb selbst wenn wir von unserer deutschen Sprache aus mit diesen Farben-Assoziationen nicht einheitlich einverstanden sein können, sind wir es vielleicht hinsichtlich des Gedichtschlusses: „O: Orgeltvn im Bogen über Flöten der Fuge Dach. In Winternächten monddurch- kühlt. Omega: Donner einer Bucht aus Morgenröten." (Nachdichtung: Paul Zech.) Oder — vielleicht „geht" es euch leichter „ein" durch diese alte Sprechübung der Schauspieler auf D: „Droben thront der Nonnen Kloster Ohne Trost und ohne Wonnen." Man spreche das einmal laut nach — ernst ober humoristisch. Unb bann fällt einem die groteske „Ballade in U-Sur“ von Detlev v. Lilie nc t o n ein: „Es lebte Herr Kunz von Karfunkel Mit seiner verrunzelten Kunkel Auf seinem Schloß Punkpunkel In Stille unb Sturm. I Seine Lebensgeschichte war dunkel, Es murmelte manch Gemunkel Um feinen Turm." j (Das Pseudonym meines Freundes Wunkedunke I steht in seltsamem Gegensatz zu dem angeblich guten Geist Minkepinke, der, nach Friedrich August von der Marwitz, seit 1743 zu Prenzlau, bem Erbprinzen Lubwig von Hessen-Darm- stabt, Kommanbeur bes 12. Infanterie-Regiments, erschien, nachdem der böse Geist Orlofix toeg- getrommelt war.) Ernsthafter gesprochen: die indischen Upanischaden stellen im Odern allen Sinne die Sprache voran: „Als Sprache durchdringen den Menschen alle Bezeichnungen." Und es ist gar nicht gut, wenn es immer die geschulte Sprache eines Schauspielers ist. So kann man ben Wunsch bes Dichters Hans Kyser burchaus verstehen, wenn er fein jetzt mit Erfolg aufgeführtes Hörspiel „Prozeß Sokrates" lieber durch ganz einfache Menschen und nicht durch Schauspieler gesprochen haben wollte. In diesem Sinne kann es auch nur begrüßt werden, wenn ber Runbfunk jetzt mehr als früher ben Dichter sdlbst lesen läßt. Dieser ist immer sein idealer Vorleser, selbst wenn er nicht ideal im Sinne höchster Sprechkunst vorliest. Seine Modulation, fein Dialekt, sein Wiedererleben des Manuskripts — das ist ja gerade der Reiz, ben wir bei einem Schauspieler meist entbehren müssen, der Nebensächliches viel zu wichtig nimmt, der Rhetorik ost überbramarbasiert, der schließlich ganz umgestalten kann. Die Differenzierung der Sprache strebt zu einem immer mehr differenzierten Ohr. Hier liegen alle Gc^altungsmöglichkeiten des Rundfunks, auch ohne Jlöfunt Schon vor R i m- b a u d hatte sich die Wissenschaft mit dem Sehen durchs Gehör beschäftigt. Der Münchener Johann Nepomuk von Nußbaum, Professor der Augenheilkunde, war der erste, ber diese Frage den hervorragendsten Physiologen Deutschlands, Italiens, Frankreichs vorlegte. Der Mailänder Professor Ughetti teilt den Fall eines Arztes Dr. Z. mit, der schon als Student feststellte: A war für ihn schwarz, E gell», I tot, O weiß, U kaffeebraun. Am Beispiel einiger Worte abgewandelt: ballata empfindet er schwarz, horos- copo weiß, nev6 gelb, liri rot, mai schwarz und rot; in den Tönen ber Klarinette herrscht ihm bas Gelb vor, bei Gitarre und Trompete Goldgelb. beim Piano weiß. Hysteriker empfinden bei Leibschmerzen, Kops- und Zahnweh verschiedene Farbenempfindungen. Manchem unserer Leser werden Erinnerungen auf steigen deren Ueber- mittlung mir wichtig wäre unb die vielleicht zur Klärung unseres Problems beitrügen. Dieses ist uns durch den Rundfunk viel näher als jemals gerückt und muß den Ohr-Menschen allmählich vor den Augen-Menschen stellen, weil die Sinnenreize feiner, intimer, künstlerischer sind unH nur eine möglichst empfindliche, im Erlebnis berA seinen gewordene Empfangsstation voraussehen- Das Wunder. Von Hans Leip. In jenem denkwürdigen Winter waren die ost- friesischen Wiesen jenseits der Leda bis zum Hori- zom gefroren. Ich lief auf guten Holländern mit lener Kathrin Hisko, die stolz ist, von dem berüchtigten Propste Hisko abzustammen, über das sogenannte Saterland, welches nichts als der ins geometrisch Ebene geplättete Himmel zu sein schien. Durch diesen Vergleich angeregt flogen wir leicht uhb beschwingt wie zwei Schwalben dahin. Es wurde gegen Abend und wir nahmen wahr, daß die Annäherung zwischen uns und einem starken Hungergefühl einerseits und der zu erreichenden Papenburg andrerseits zugunsten des ersteren ausfiel. Somit bogen wir auf einen Bauernhof zu, der mit seinem Baumschlag gleich einer zerfransten Wolke aus dem Nebel aufdunstelte. Der Hof erwies sich als eine alte Gastwirtschaft. Die Angelegenheit der Gegend hatte dem Gewese noch manches aus Urväterzeit bewahrt. Wir sehen uns neben den gebuckelten Messingofen und betrachteten, nachdem wir uns an Süetf, Eiern und Grühklößen gesättigt hatten, die Wände, die von oben bis unten mit einfältigen und schon aus der biblischen Geschichte bemalten Kacheln getäfelt waren. Die gute Kathrin, glühend von Jugend, Eiswind, genossener Speise und Ofenwarme Zeigte plötzlich auf eine Szene, die den Herrn auf bem Meer wandelnd darstellte. Endlich, flüsterte sie erregt, sei ihr das Wunder erklärlich, der See sei einfach zugefroren gewesen. Ich wagte zu bemerken, daß das Klima besagten Landes wohl auch schon damals derlei nicht zugelassen haben werde. Sie lächelt« ein wenig verwirrt, entgegnete dann aber: „Bei Goll ist kein Ding unmöglich!" Und indem sie mich ansah, als sei ich ein Kind, lenkte sie das Gespräch auf etwas anderes. --------- -**> vYTw^y Die Ermäßigung des Reichsbankdiskoniö Banknoten. inbtt Datum Dalum 180,5 76,75 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. ji» • Sdiuitbeii Patzenhoser . . Oftmerte........ Bet. Glanz stost..... Bembero Rellftoft Walbhos . . . Zellsloss Aichassenburg . . Charlottenburger Wasser . Dessauer «ai...... Daimler Motoren . . . Deutsche Linoleum . . . Maschinenbau A.-G. . . . iH.-i tro-rte RI Q.-c . . . . uuero. Loew . . . . Slot Automobil . . » Crenftetn 4 Roppd . . . Leonkmrd Tietz . ... . Svensko . . . • • • SranN- Maichtnea . . . . ritzner...... HeyIiaenstaLbi ..... gunghans........ SM sind uni tünstlerilcher!^ j 'poribund. W l 2:3. ll^^ngenen i«IM die erste J. Die Gäste er« 1 Drunter noch % «vchlett an« ■ stvttes Spiel ?• Mbsten-Liudm n men Sieg der gelang es Mseck Feld als Sieger fie 14:3. im Rückspiel diese nach wenigen Mi« linen schönen Schuß wurde dann besser n, die jedoch nW Schutz brachte ihm:, ch wemM WiMten eis strengte sich nun ücht verhindern, bah zweimal ersvlgreich m Tor entgcgenschen drückte Wiescck merk« icht an der manchmal i der Gäste vorbei das ; vor Schluß konnte olg kommen, aendmannschasten bei« fern Spiel blieben , die cimischen, infolge Sieger. Maus. DjA^ni C «ter- Jat- f'Ndrt in Lob <>® beifll. von 1913 .... <» Jtinarlidje ßroncnrte.. - • <. türL floUanlelbe d. 19U . <» Türtische Bagdadbahn-Ani Ende I......... I W W. Serif ii. Ii Ruminti(6e vereinh. Rente oo1903 . . . . Mi*. RnmSntzche vereinh. Rente «o i 1913 <, «umantlche vereinh. nente . hereingebrochen ist, ist die Herabsetzung des Diskontsatzes, die hoffentlich nur die Einleitung zu weiteren Ermäßigungen ist, von besonders großer Bedeutung. Man muß auf die psychologische Wirkung der jetzigen Diskontmahnahme. die als ein ausgesprochener Ankurbelungsdisko n t zu gelten hat, bei ihrer Beurteilung achten und es daher begrüßen, daß die Reichsbankleitung, um der Konjunktur einen Antrieb zu geben, schon jetzt den Diskont ermäßigt hat, ohne Rücksicht aus bestehende politische Tendenzen und Bedeuten. In der Begründung spricht die Reichsbank von dem Versuch einer Diskontermätzi- gung. Sie will damit sagen, daß im Falle des Eintretens irgendwelcher Komplikationen die Diskontherabsetzung wieder rückgängig gemacht werden soll. Man darf aber wohl annehmen, daß sich solche Komplikationen nicht einstellcn werden, wenn der Voungplan erst angenommen und ratifiziert worden ist, sondern daß im Gegenteil Dann eine weitere Gelderleichterung sich einstellen wird. Diskontermäßigung bei der (Solddiskonlbank. Berlin, 13.Jan. (WTB.) Die Golddiskontbank hat im Anschluß an die Senkung des Reichsbankdiskontes ihren Diskontsatz ebenfalls um i v. Sy, nämlich von 6 auf 5i v. Sy, mit Wirkung vom 14. Januar 1930 ab ermäßigt. Ermäßigung des privaidiSkonteS. Berlin, 13.Jan. (WTB.) Der Privatdiskont ist für beide Sichten um je J v. Sy auf 6g v. H. ermäßigt worden. Zinsermäßigung bei der Stempelvereinigung. Berlin. 13.Jan. Wie der WTB.-Handelsdienst hört, hat die Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers aus Anlaß der Ermäßigung des Reichsbankdiskontsatzes von 7 auf 6,5 v. Sy beschlossen, die Zinssätze mit Wirkung vom 14. Januar 1930 wie folgt heraozusetzen: Haben- Zinsen für täglich fällige Gelder in prooisionsfreier Rechnung von 4 auf 3,5 v. H., in prooisionspflichtiger Rechnung von 4,5 auf 4 v. H., Soll-Zinsen von 8 auf 7,5 o. Sy p. a. Der Entschluß der Reichsbank, den Diskontsatz um 0,5 Prozent auf 6,5 Prozent zu ermäßigen, kommt insofern überraschend, als man bisher mit einer Diskontermäßigung erst nach Beendigung der Haager Verhandlungen gerechnet hatte. Die Diskontermäßigung ist an ssich nicht überraschend, denn der Status der Reichsbank hat im neuen Jahr im Zeichen starker Rückflüsse gestanden, zu denen noch der verringerte Kreditbedarf der Wirtschaft kam. Die Sähe des offenen Geldmarktes verringerten sich infolge der zunehmenden Verflüssigung, so daß von dieser Seite die Voraussetzungen zu einer Diskontermäßigung durchaus eingetreten waren. Was die ReichLbankdirektion veranlaßt hat. die bisher mehr politischen Bedenken für eine allerdings zeitlich sehr stark befristete Hinausschiebung der geldmarkttechnisch gerechtfertigten Diskontsenkung aufzugeben, weiß man nicht: es ist zumindest auffällig, daß die Reichsbank ihren Diskont-Herab- sehungs-Entschluh gefaßt hat in dem Augenblick, wo der verantwortliche Leiter Dr. Schacht nach dem Haag sich begeben hat. 3n der ausführlichen Begründung, die die Reichsbank zu der Diskontermäßigung veröffentlicht, wird besonders auf den Rückgang des Rotenumlaufs, wie des gesamten Zahlungsmittelumlaufs hingewiesen. Da das allgemeine Zinsniveau an den wichtigen internationalen Geldmarktplähen weiter sinkende Tendenz zeigt, so wird ein Abruf von Auslandgeldern, zumal die deutsche Bankrate von 6,5 Prozent gegenüber 4,5 Prozent in Reuhork, 5 Prozent in London, 3,5 Prozent in Paris noch immer hoch genug ist, nicht eintreten, selbst wenn die Bank von England die in der Vorwoche erwartete Diskontsenkung in dieser Woche nicht vornehmen sollte. Die Reichsbank hat mit der raschen Diskontsenkung die Initiative zu dem von der Wirtschaft so dringend benötigten Zinsabbau selbst ergriffen und damit ihren Willen kundgetan, daß sie es mit der Durchführung ihres Geld Verbilligungsprogramms wirklich ernst meint. Sie konnte dies um so mehr tun, als die Sanierung der Reichskasse sichergestellt ist. Der in der Depression befindlichen deutschen Wirtschaft kommt die Ermäßigung des Diskontsatzes sehr gelegen, und bei der Vertrauenskrise, die leider über die deutsche Wirtschaft durch die im letzten Jahr gemachten schlechten Erfahrungen SS NZZ ■''Ich L r; uite . . . luoariidje . Inflarllrfje v. S)., Bergmann 5,5 v. $)., Kali-Aschersleben 4 v. $)., Reichsbank 4 v. $)., Siemens 3,75 v. H. und Schuckert 3,5 v. H. Durch Schwäche fielen ferner neben dem Schiffahrtsmarkt Stöhr mit minus 5,5 d. $). auf, wohl im Zusammenhang mit der Divi- dendelosigkeit der zum Dorkonzern gehörenden Leipziger Wolle. Von Auslandwerten Chadeaktien plus 4 Mark und Svenfka plus 2,50 Mark fest, angeblich auf schweizer Arbitragekäufe. Rach den ersten Kursen war es zunächst nicht ganz einheitlich, dann aber setzte sich, ausgehend vom Montanmarkt, eine freundliche Stimmung durch, die im allgemeinen zu Besserungen bis zu 1 v. H. führte. Bei Spezial- werten wie Farben, Siemens, Rheinstahl, Gelsenkirchen, Bemberg, Soenska, Aku, Chadeaktien usw. gingen die Gewinne erheblich darüber hinaus und betrugen bis 6 v. H. Das Geschäft wurde bald lebhafter, da die Großbanken kräftig eingriffen, so daß weitere Steigerungen eintraten. Deutsche Anleihen wenig verändert. Ausländer freundlich. Pfandbriefmarkt noch unentwickelt, aber eher etwas schwächer. Geld zum Medio etwas angespannter. Tagesqeld 5,75 bis 7,75 v. $)., Monatsgeld 7,5 bis 9 v. H. Cecbroerte. • # daintrartwerte Höchü & UL 8 One waren es 124 000. Schöfferhof-Binding-Bürgerbräu Ü = ®., Frankfurt a. M. Die G.-V. genehmigte h Erörterung den Abschluß mit wieder 20 d. 5). ' jebenbe auf Die Stammaktien. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 14. Jan. Tendenz ab- : Lwächt. Das unerwartete Vorgehen des i thsbankpräsidenten Dr. S ch a ch t im Haag f zu Beginn der heutigen Börse eine Der- rnnung hervor. Man war darüber sehr ilciunt, da angenommen wurde, die Derhand- nqen gingen reibungslos vonstatten. Die Börse di ‘riete abgeschwächt, und die Kulisse schritt -Abgaben. Cs ergaben sich teilweise recht l l rächtliche Rückschläge, da sich an der ?tr(c Abgabeneigung nach Der neuen Beurtei- !ici der Lage im Haag zeigte. Verschiedentlich rjic es sich in der Hauptsache um Angst - t laufe gehandelt haben, denn gleich nach ststellung Der ersten Kurse konnte man schon t'it ein., festere Grundstimmung beobachten, man zu Der Ansicht neigt, Daß es keine sLntliche Rolle spielen Dürfte, ob Die Reichs- n I oder eine andere Bank am internationalen Ahilungsausgleich beteiligt ist. Auch wurde t Befriedigung ausgenommen, daß Die Haager rbanDIungen trotz Des Zwischenfalls toeiter- qh-n werDen. was in Der Hauptsache auf Den csöhnlichen Geist Der Deutschen Delegation zu- üäZufuhren ist, obwohl nicht verkannt werben )rg, bah von Deutscher Seite Das straffe begehen hinsichtlich einzelner Punkte am 'M« war. Gegenüber Der gestrigen ib«ndbörse eröffneten am Elektromarkt AEG. ii o. H.. Licht & Kraft und Schuckert je 3 v. H., c i nens 3.5 v. H. schwächer. Gesfürel, Felten und bebeaftien lagen nur geringfügig gedrückt. Das i’cHäft war im allgemeinen trotzdem etwas leb» :|tter, aber Aufträge waren heute nur in gc» igem Umfange vorhanden. Farben lagen 3 v. H. d« Rütgerswcrke 1,5 v. H. abaeschwächt. Deut- ie Linoleum, Zellstoffpapiere, Aku, Schiffahrtstuen und Bankaktien lagen 1 bis 3 v. H. nied- ricc. Am Montanmarkt verloren Buderus, Tacnnedmann, Gelsenkirchen, Klöckner und Stahl- t riän bis 1,25 v. H.; Harpener verloren 3,75 i Q., Dagegen beftanD für Rheinstahl starkes enLeresse, bei einer Besserung bis 1,5 v. H. Kaliwerke bis 3 v. H. gedrückt. Am Dauunterneh- mungsmarkt eröffneten Wayh & Frehtag 3 v. H., Holzmann 1 v. Sy, Zement Heidelberg 2 v. H. schwächer, während für Hoch- und Tiefbau mit plus 2 v. H. etwas Interesse bestand. Von Lokalaktien zogen Frankfurter Maschinen 1 v. H. an. Renten nicht unfreundlich. Deutsche Anleihen vernachlässigt. Von Ausländern waren Türken bevorzugt. Im Verlaufe wurde Die Tendenz wieder etwas fester, und es traten bei lebhafterer Rachfrage Besserungen gegen Anfang bis 1,5 D. Sy ein. Rheinstahl und Spezialwerte standen im Vordergründe. Die Spekulation schritt zu Rückdeckungen. Arn Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1887, gegen Pfund 20,39, London gegen Kabel 4,8670, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,98, gegen Madrid 36,50, gegen Schweiz 25,15, gegen Holland 12,1025. Berliner Börse. Berlin, 14. Jan. Das Vorgehen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht auf der Haager Konferenz gab bei der im Friihoerkehr herrschenden Geschäftsstille zu Komplikationsbefürchtun- gen Anlaß, auf die man die Kurse recht erheblich heruntersprach. Schon im vorbörslichen Verkehr wurde vielfach darauf hingewiesen, daß diese Angst vor dem Abbruch der Verhandlungen im Haag doch gänzlich unberechtigt sei, da das energische und zielbewuhte Handeln der deutschen Minister Wille und Kraft gezeigt habe, die Konferenz zu einem im Sinne Der Regierung gelegenen Abschluß zu bringen. Auch die geplante Erhöhung der Steuer in Berlin wirkte etwas retartierend. Zu Den ersten Kursen stellte es sich Dann heraus, Daß weDer beim Publikum, noch beim Aus - lande Neigung zu überstürzten Abgaben besteht, lediglich Die Spekulation schritt zu Realisationen. Aus Diesem Grunde lagen Die Anfangsnotierungen im allgemeinen nur 1 dis 3 v. H. nieDrigcr, als am Vortage. Einzelne Spezialwerte lagen Darüber hinaus etwas stärker abgeschwächt. Bemberg verloren 6 v. H., Aku 5 v. H., Berger 5 Sinter ®örcnUIJ''floti’ ammen, fleo» nichts als b r. ’ jdjien. simniel zu i l egt W J thSs rsS-s, des erlitt» ber mit _W1U ............... Nmicrrchoi Molke l. Sr. 4-nnbc6pfanbbriefan[lalt ■ r ntbbrlcfc'Jt.K einer , 11 " ' ------------- «sSter. KL- t 110,5 — 110.5 109.5 7,5 8 7,9 8 Cbcridt’ei. ütienueoaif . . . — ■ 76 75 Oderschles ffolcroede.... . 7 — — 101,75 99.4 10 — 10 — $bönir Bergbau...... 6H 105 105.9 104.75 Rhe^niiche Brauntohlen. . . 1t 255 254 255.25 253 5 15.25 15,13 — Rbeinstahl..... . . RiebeckWorUau...... . 6 114,25 113 114 113 7,9 — 8 — 7,1 — 107,75 Berlin, 13. Januar Geld Ärles ülmeritanische Noten..... 4,169 4,189 Belgische Noten. ....... 58,15 58,39 Dänische Noten ........ 111,73 112.17 Englische Noten ........ 20,3*5 20,435 französische Noten....... 16,437 16,497 Holländische Noten ....... 168,11 168,79 Italienische Noten........ 21.885 21.965 Norwegische Noten....... 111,58 112,02 Deutsch-OeNerreich, i 100 Schilling 58,74 58,98 Rumänische Noten....... 2,47 2,49 schwedische Noten ....... 112,08 112,52 Schweizer Noten ........ 81,24 81,56 Spanische Noten . . ...... Tschechoslowakische Noten..... 54.53 12,335 54,56 12,395 Ungarische Noten . ..... 73,00 73.30 96 121 95.13 119 9b 13 Januar 14- Januar 150 84,5 81,5 84,5 — Amtliche Notierung Gelt | Bries Amtliche Notierung -Melo | vri 1 — — 279,5 278.5 Am,Rott 168,41 168,75 168.23 168,57 — — 217 214,5 Buen.-Atres 1.687 1,661 1 680 1.684 — — — Brff-Antw 58,305 58.425 58,29 58,41 167 — 164 158 ttbrifhanta 111.86 112.08 111.82 112.04 200 199-5 199,5 197.75 Kopenhagen 111,99 112.21 111.92 112,14 154,5 153 154.25 151-75 Stockholm ■ 112,36 112.58 112,33 112,55 103 101.5 HelsingforS. 10.51 10,53 10.51 10,53 — — 168 166.25 Italien. . . 21.905 21.945 21.905 21,945 40 39.5 40.25 39,5 London. . . 20,38 20.42 20.363 20,403 253 250 292,5 249,5 'Neunork . . 4,1850 4,1930 4.1840 4,1920 — — 46,75 43,9 Poris... Schweiz .. 16,445 16,485 16.435 16,475 — — — —— 81.033 81,195 80.97 81.13 —- — — —— Spanien. 55,66 55,78 55,64 55,76 — — 19,13 19,75 Japan . . . Rio de Ian 2,058 2,062 2,060 2,064 — — 77 75,6 0,479 0,481 0.471 0.473 — — 168,5 — Wien in D-' 345.75 — 343 345,5 Lest- abfleft 58,88 59,09 58,83 58.95 Prag . . - . Belgrad - 12,381 12,401 12,378 12.398 50 51 50 —— 7,401 7,415 7,400 7.414 55 57 — Budapest. Bulgarien 73,21 73.35 73,15 73.29 5.5 — — 3,024 3,030 3.027 3.031 47.5 47.5 48 —— VifTabon Danzig. ffonstulUin. 18,79 18.83 18.79 18.83 105 105 — 81,43 81,59 81.39 81.55 106,25 — — 1.978 1.982 1.978 1,982 131.25 131,75 131.5 131,5 Atlwn. . 5,03 5.44 5.43 5.44 108 — Canada 4,140 4.148 4.140 4.148 222.25 — 222 Uta uay 3,856 l 3.864 3.866 3.874 157,25 155,5 159 — Cairo 20,90 20.94 20,80 20,92 Ser Traum vom Glück. Vornan von G. Lovett undM. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Bei den letzten Worten erhob sich Doris vom Klavier: auch Hagenau stand auf. Er betrachtete sie unverwandt. Sie glühte unter dem Eindruck der Worte, die so offenbar aus der Tiefe ihres tapferen kleinen Herzens gekommen waren. Er dachte bei sich, wieviele weibliche Wesen an ihrer Stelle nichtige Ausreden gebraucht hätten, statt so offen Farbe zu bekennen, Und wie er seine Blicke an der zierlichen Mädchengestalt hinabgleiten lieh, deren Auftreten so bescheiden war und doch so viel Mut und Entschlossenheit verriet, sagte er unwillkürlich: „Wie schade! Ich hätte es mir so schön gedacht, gerade Sie als Verbündete zu besitzen." Dann fügte er hinzu: „Aber merkwürdig, meine Wünsche gehen niemals in Erfüllung." Sie sah ihn ungläubig, zweifelnd an. „Glauben Sie mir," wiederholte er eindring-- licher, „ich gehöre zu jenen, die ihr Leben lang zu spät gekommen sind, wenn es galt, die edelsten Preise des Daseins zu erringen." „Das tut mir leid," entgegnete sie. „Aber von meinem Standpunkt aus scheint es mir unfahlich, daß ein Mann wie Sie, Herr Rechts- ' anwalt Hagenau, mit seinem Schicksal unzufrieden sein kann." „Verzeihen Sie mir!" rief er aus und fügte schnell hinzu: „Sollten Sie erraten, weshalb ich Sie um Verzeihung bitte, so schenken Sie mir als Beweis dafür eine der Vosen, die da in 3hrem Gürtel doch nur verwelken." 3n seinem ganzen Leben hatte Konrad Hagenau, der trockene Jurist und Frauenverächter, noch keine ähnliche Bitte an ein weibliches Wesen gerichtet. Er selbst war ganz erstaunt darüber. Doris schob den Klaviersessel beiseite und löschte die Kerzen aus. Hagenau wartete und trat dann zurück, um sie vorbeizulassen. Sie sah ihn lächelnd an. „3ch habe nichts zu verzeihen, gute Rächt!" sagte sie einfach und ging an ihm vorüber. Kaum hatte ihn ihr Kleid gestreift. Als sie verschwunden war, sah er, dah eine blasse Marschall-Viel- Rose auf dem geschlossenen Klavierdeckel lag. Gr ergriff sie hastig und steckte sie in seine Drust- tasche, wobei er wie ein Knabe errötete, der auf unerlaubten Wegen ertappt wird. Zu vorgerückter Nachtstunde, lange, nachdem die Gäste sich zurückgezogen hatten, waren Herr und Frau von Wildhofen in ihrem Zimmer noch wach. „Mein lieber Georg," sagte die letztere zu ihrem Gatten, „ich bin ganz aufgeregt darüber, daß dieser Hagenau, auf den Kurt so große Stücke hält, sich den ganzen Abend mit unserer kleinen Doris beschäftigt hat." „Was du nicht sagst!" „3a, denke dir! ilnö ich glaubte, daß er sich kaum die Mühe nehmen würde, bei der Tafel ein paar Worte mit ihr zu reden. 3d) entschuldigte mich sogar bei ihm wegen seiner Tischnachbarin. und als ich sie schon in lebhaftem Gespräch sah, wußte ich ihm Dank für seine Gutmütigkeit. Aber als ich ihn später im Salon ein wenig entschädigen wollte, entdeckte ich ihn zu meiner großen Lleberraschung wieder neben Doris. diesmal am Klavier. Dabei spielt Doris doch nur mittelmäßig. Wenn sie nicht gar so unbedeutend aussähe, so —“ „Darin stimme ich nicht mit dir überein, meine Liebe: ich finde sie sogar ganz eigenartig hübsch und anziehend." Frau von Wildhofen, die eine ähnliche Aeu- herung auch von ihrem Sohne vernommen hatte, begann sich zu fragen, ob die Männer vielleicht doch ganz andere Augen hätten als die Frauen, wenn es galt, ein weibliches Wesen zu beurteilen. Freilich, wenn auch der Freund ihres Sohnes der gleichen Meinung war, so konnte ihr das nur höchst willkommen sein. Sie hatte durchaus nichts dagegen: es wäre sogar ein vortrefflicher Ausweg, wenn dieser Mann soviel Gefallen an Doris fände, um sie aus Kurts Bähr zu entführen. Als besorgte Mutter konnte sie die Bemerkungen ihres Sohnes über die arme, kleine Verwandte gar nicht wieder vergessen. 3m Grunde ihres Herzens hielt sie aber eine so glückliche Fügung für ausgeschlossen, denn Hagenau war durchaus ein Mann seiner Zeit, und Wunder geschehen nicht mehr in unserer Epoche des absoluten Realismus. „Run, gib ihr immerhin soviel Gelegenheit als möglich, um von ihm gesehen zu werden," meinte Herr von Wildhofen mit befriedigtem Kopfnicken. „Vor allem finde ich es richtig, wenn Doris mit uns speist, solange der Rechtsanwalt unser Gast ist, damit er sich ihr nähern kann. Potztausend, was wäre das doch für ein Glück für so einen kleinen Habenichts! Man muh den Mann ermutigen, Hanna, direkt ermutigen. Was für eine einfache und gute Lösung wäre das für uns alle, wenn das kleine Ding einen guten Mann fände, denn sonst sieht es nach unserem Tode doch einmal traurig für sie aus —“ „Sie soll jedenfalls mit uns speisen!" fiel ihm seine Gattin mit nachdrücklichem Ernst ins Wort. „Wenn es dir nicht bis morgen gelingt, ihn zu einer Erklärung zu bringen," sagte Frau von Rechten alias Klimar zu ihrer Tochter, „werden wir das Feld räumen müssen, und können froh sein, wenn nicht noch eine Katastrophe übxr uns hereinbricht." „So ist also wieder etwas geschehen?" fragte Sabine, die träumerisch in das Kamin feuer blickte. Sie sprach in nachlässigem Ton, denn es war spät, und sie fühlte sich sehr ermüdet. 3hre Mutter war soeben geräuschvoll in das Zimmer getreten, um sich von ihr beim Entkleiden helfen zu lassen, da das Mädchen, wie gewöhnlich, zu Bett geschickt war. Sabine aber wußte sehr gut, daß sie hauptsächlich kam, um mit ihr über unangenehme Dinge zu reden. „3a, es ist etwas geschehen," sagte die Mutter. „3ch habe ein höchst unangenehmes Zusammentreffen gehabt. Das, was ich heute oder vielmehr gestern früh — es ist ja schon weit über- Mitternacht — erlebte, war schon schlimm genug, wenn ich auch hoffe, daß die Gefahr für den Augenblick beseitigt ist. Was aber denkst du, was mir diese Abendgesellschaft gebracht hat?" „Ich glaube kaum, dah ich es erraten kann." „Hast du den neuen Gast bemerkt, der für einige Tage zum 3agen gekommen ist?" „Meinst du Wildhofens Freund, den Rechtsanwalt?" „3a! Hast du mit ihm gesprochen?" „Rein! Der junge Wildhofen wollte ihn mir vorstellen: nach der Tafel saß er aber bei der kleinen Doris am Klavier, und von da aus ging er sogleich in das Billardzimmer. Wildhofen erzählte mir nur flüchtig, dah sein Freund ein Sonderling sei, der sich in Damengesellschaft nicht sehr wohlfühlte. Er soll ein verschlossener, scheuer Mensch sein!" „Run, er ist eher alles andere als scheust erwiderte die Mutter in bissigem Ton. „Jedenfalls war er es damals nicht — als ich ihm im .hochnotpeinlichen Verhör' gegenüberstand." „Mutter!! — Du willst doch nicht etwa sagen, dah —" Unö plötzlich saß Sabine hoch aufgerichtet in ihrem Sessel. „3a, gerade das will ich dir sagen!" bestätigte diese mit energischem Kopfnicken. „Er ist der Richter, der mich in jenem verwünschten Prozeh verhört hat. 3ch darf mir schmeicheln, dah er damals nicht viel aus mir herausbekam." „Das ist nun schon so lange her, dah er dich vielleicht inzwischen vergessen hat!" stammelte Sabine, die sehr bleich geworden war. „Vergessen? Oh, ganz gewiß nicht! Von dem Augenblick an. wo er mich bemerkt hatte, starrte er mir über die Tafel hinweg förmlich ins Gesicht, und es stand deutlich in seinen Augen geschrieben: Ah, wie kommen Sie denn hierher? Da hielt ich cS für geraten, mich seiner auch zu erinnern, indem ich seinen Gruß erwiderte. Es war mir entsetzlich — ach!" „3ch — ich muß wohl annehmen, daß er unseren wirklichen Ramen kennt?" „Natürlich kennt er ihn oder kannte ihn damals. Vielleicht hat er ihn heute vergessen, was freilich nicht wahrscheinlich ist. Sein Hirn wird die reine Sammelbüchse sein." „Was glaubst du, was nun geschieht?" „Wie kann ich das wissen? Wahrscheinlich irgendetwas Schreckliches! älns bleibt nur eins übrig, ihm zuvorzukommen, so dah er gegebenenfalls sein Pulver nutzlos verschießt." „Wie meinst du das?" „Run, du mußt mit Kurt von Wildhofen ins reine kommen — gleich morgen — das steht fest. Es kann sich jetzt nicht um eine offene Verlobung handeln: das wäre nicht das Richtige. Die Sache muß geheimgehalten werden, bis jener Mann wieder abgereist ist: denn erführe er etwas davon, würde er sicherlich reden. Er ist ein vielbeschäftigter Mann, der nicht lange Zeit hat. Wahrscheinlich wird er schweigen, solange er sich hier aufhält und mich scharf beobachten. Sobald er aber nach Hause zurückgekehrt ist, wird er sicherlich an Herrn von Wildhofen schreiben, ihm mitteilen, daß wir — nun, dah wir Betrügerinnen sind, ohne Zweifel, und ihm auch alles über deinen elenden Vater entdecken." (Fortsetzung folgt) Gute sparsame Jfüchei^tMAGGfsErzeugnissen: W MAGGI5 Würze in Flaschen für Suppen,Soßen,Gemüse,Salate. , In Flaschen von 20 Pfg. an. MAGGI5 Fleischbrühe zum Kochen von Gemüsen usw. 1 Würfel für gut V*. Liter 4 Pfg. MA JGI5 Suppen 28 verschiedene Sorten. 1 Würfel für 2 Teller Suppe 13 Pfg. Einladung zum Auslanddeutschen Abend Gelegentlich des Lehrganges für „Ausland* dentscbtum und Schule" sprechen in ÖHent- licher Versammlung Pro!. Dr. C a ak 1, Leiter des Deutsch. Kulturaiutes in Großrumänien,über: Die völkerverbindende Bedeutung des Auslanddeutschtums und Gewerkschaftssekr. Furtwängler über Das Auslanddeutschtum und der deutsche Arbeiter 3530 Mittwoch, 20 Uhr, Aula der Universität. Eintritt frei Hei* 11111I Orlsjert-Wi 3. VORTRAG Donnerstag, den 16. Januar 1930, abends 8 Uhr in der Neuen Aula Heilerer Abend Humor des 19. lahrhuaderis in Wort und Lied fHWMwwTOggwwwMraiiaii wniia ■ m ■iwe—wi von Alex. Starke, Vortragskünstler, Nürnberg Auf den Kontroll-Abschnitt 3, welcher am Saaleingang abzugeben ist, haben 2 Personen freien Einlaß. 4040 Cafe Amend, Giefeen Mittwoch, 15. Januar 1930, abends 8 Uhr: Sonder-Konzert der Solistenkapelle KNUD DALGAARD mit Verstärkung Nordischer und Russischer Abend 4I8D U.C. • Bockbierfest Plockstraße Nr. 5 Ab Mittwoch, den 15. Januar 1930, täglich ab 8 Uhr abends erstklassiges Stimmungs- und Künstler-Konzert Gutbesetztes Quartetti o», St.-Georg-Starkbier im Ausschank Beschlagnahmefreie große Z - Zimmer- Wohnung mit Badezimmer (bO qm Flache) sofort zu vermieten. Schr. Augeb. unter 0281 an den Gieß. 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