Nr. 292 Erstes Blatt 180. Jahrgang Samstag, 15. Dezember 1930 6r|d)e im lüylich.cmtzn Sonntag» und Feiertag» Beilagen Vie 3Du|tnertt Vtetzenei Famittenblättu Hetmat iw Bild Di» Schalle Monat» vezugrvreir: 2.20 RetchtzmarK und 30 Reichspfenmg für Träge» lohn, auch bei Nichterscheinen «tnjelner'Jiummeni mfolgr höherer (Brutal! Hernsprechanfchlüste anterSammelnummer2251. Snjd)rif1 sür Drahtnach« richten rinzetger Stehen. PoUKherffonto: 8ra«-fturt om Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS vnd Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- nnö Stemömderei B. Lange in Sieben. Schnstiettvng und Geschäftsstelle: Zchulittabe 7. Annahme von Nnzetgen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig! für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“, mehr. Chefredakteure Dr. Fnedr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Diesten. Das Abrüstungsdebakel. 3n Genf ist Mitte dieser Woche über dem Possenspiel der sechsten und letzten Tagung der vorbereitenden Abrüstungskommission der Dor- Hang gefallen. Der Versuch, zum Schluß noch als letztes Szenenbild eine glitzernde Apotheose auf den Gedanken des Weltfriedens zu stellen, mißlang ziemlich kläglich trotz der rührenden Bemühungen des Präsidenten Loudon-Holland und der tatkräftigen Mithilfe der britischen und französischen Delegierten samt ihrem südöstlichen Anhang. Die Vorkämpfer für eine unverfälschte Abrüstung sahen sich zwar auch diesmal von dem Beauftragten der englischen Arbeiterregierung und einer Reihe neutraler Mächte im Stich gelassen, in eine hoffnungslose Minderheit gedrängt und überstimmt, aber sie haben cs abgelehnt, zu höherer Ehre des Völkerbundes in die Hhinnen der Mehrheit einzustimmen, sondern ihre abweichende Auffassung und ihren Protest gegen das in Genf beliebte Verfahren sowohl im Schlutzbericht der Kommission niedergelegt, als auch in ihrer Schlußsitzung vor aller Welt klargestellt. Die vorbereitende Abrüstungskommission räumt nun endlich nach diesem gewiß nicht imponierenden Ergebnis einer fast dreijährigen Tätigkeit der endgültigen Abrüstungskonferenz das Feld. Für diese sollte di« vorbereitende Abrüstungskommission ja lediglich den Rahmen schaffen und die Arbeitsgebiete festlegen, also die Methoden für eine Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen, wie dies der Artikel 8 der Dölkerbundssatzung und die Einleitung zu den Abrüstungsbestimmungen der Pariser Friedensdiktate verheißen hatten. Heute erscheint es überflüssig, sich jede Station auf dem Leidenswege ins Gedächtnis zurückzurufen, zu dem der Abrüstungsgedanke von vornherein in Genf verurteilt worden war. Frankreich und seine Alliierten, Polen, die Tschechoslowakei, Süd- f lato Um und Rumänien, waren entschlossen, mit allen Mitteln zu verhindern, daß der Abrüstungsgedanke siegreich marschiere. Sie haben in diesem Jahre olles nur Erdenkliche getan, um durch immer neue Bedenken, immer neue Einschränkungen und Vorbehalte den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz wenn nicht ganz zu verhindern, so doch so weil wie irgend möglich hinauszuschieben, die ihr gestellte Ausgabe von Anbeginn an auszuhöhlen und ihre Arbeiten zu sabotieren. Ein paar Schlagworte genügen, um den Verlaus der Verhandlungen in der vorbereitenden Abrüstungskommission vollauf zu charakterisieren: Die nationale „D i ch e r h e i t",' sür die Frankreich den Vorrang vor der Abrüstung beanspruchte: die ausgebildeten Reserven. di« Frankreich unter dem durchsichtigen Vorwand, sie seien sür den Rüstungsstand unerheblich, von der Behandlung auf der Abrüstungskonferenz ausgeschaltet wissen wollte, ebenso wie das lagernde Kriegsmaterial, das ein bis an die Zähne bewasfnetcs und in Materialbeständen schier erstickendes Land wie Frankreich natürlich nicht irgendwel- chen einschränkenden oder auch nur registrierenden Bestimmungen untcrwersen lassen wollte: das Verhältnis von See - und Landabrü- ftung. das man sranzösischerseits vorschob, um einen billigen Vorwand zu haben, um beim Scheitern eines Flottenabkommens sich auch um die Landabrüstung drücken zu können, schließlich die Offenlegung des Rüstungsstan- des, die die französische Delegation dadurch illusorisch zu machen suchte, daß man zwar die Ziffern des Heeresbudgets. also unter Ausschluß all der in Frankreich in besonders großem Ausmaß vorhandenen bei allen möglichen anderen Gtatposten versteckten effektiven HcereSausgaben angcben wollte, nicht aber die Zahlen der tatsächlich vorhandenen oder in Reserve befindlichen Bestände an Mannschaften und Material. Die Liste solcher und ähnlicher Einwände könnte beliebig verlängert werden. Sie zeigt zur Genüge, wie Frankreichs Vertretung in Genf ihren ganzen Scharfsinn und eine nicht geringe Dialektik darauf verwandte, immer neue Barrikaden zu erfinden, die ein glattes Fortschreiten der Abrüstungsverhandlungen verhindern konnten. Die Haltung der anderen Mächte ist nicht immer so eindeutig gewesen. Von den nicht dem Völkerbund angehörenden Staaten haben die russische Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und die Türkei an den Verhandlungen der vorbereitenden Abrüstungskommission teilgenommen. Rußland hat die ganzen Jahre hindurch am radikalsten uitd folgerichtigsten die völlige Abrüstung verfochten. Die bolschewistischen Delegierten haben das ihnen widerwillig eingeräumte Forum in Genf mit Ausdauer und unleugbarem Geschick dazu benutzt, um vor der Weltöffentlichkeit die friedenbringende Idee des Bolschewismus ins recht« Licht zu sehen und den friedensfeindlichen kapitalistischen Westmächten die Mask« vom Gesicht zu reißen. Sv haben sie die für sie einzigartige Gelegenheit zu billiger unb wirkungsvoller Propaganda weidlich zu nützen verstanden, aber auch als Sauerteig in der träge beharrenden Masse der saturierten und jeder Veränderung des Status quo auch in Rüstungsangelegenheiten durchaus abholden Staaten haben die Russen günstig gewirkt. Während es den Russen mehr auf die propagandistische Wirkung nach außen ankam, hat der deutsche Delegierte, Graf Bernstorff, mit seinem Stabe zäh und hartnäckig die auf der Völkerbundsatte und dem Friedensdittat beruhende deutsche Forderung auf Erfüllung der dort übernommenen allgemeinen AbrüftungSVerpflichtung per- Die Sicherstellung -es Reichshaushalts. Oer Antrag der Volkspartei auf Kürzung des Etats um weitere 350 Millionen. - Den zu erwartenden Gteuerausfallen soll durch neue Einsparungen Rechnung getragen werden. Oer Vorschlag der Volkspartei Berlin, 12. Dez. Der volksparteiliche Antrag, in dem es heißt, die Volkspartei erwartet von der Reichsregierung vor dem Eintritt in die Etatseinzelberatung die Vorlage einer Ergänzung zum Reichshaushaltsplan, dürste allenthalben großes Aufsehen erregen. Beabsichttgt doch die Volkspartei mit diesem ihrem Anträge, d i e Kürzung des Etats um mindestens 350 Millionen Mark vorzunehmen. Rach unseren Informationen ist man in den Kreisen der Dolkspartei zu diesem Antrag gekommen, weil der Etat doch im wesentlichen das Kernstück der ganzen Sanierungsaktion darstellt, weshalb also ein eventuell im neuen Rechnungsjahre aufkommendes Etats- desizit die gesamte Sanierungsaktion gefährden müßte. Diese Gefährdung wird aber um so eher befürchtet, als man bereits jetzt mit stark verminderten <3 teuereinnaß» men rechnen muß, die sich nicht zuletzt aus der Preis- und Lohnsenkungsaktion ergeben werden. So darf man wohl damit rechnen, daß die Eingänge bei ber Umfaß ft euer gegenüber bem Voranschlag« zurückbleiben werden, unb schließlich bürste bas Aufkommen bzr Körperschaf t s st e u e r, Einkommen st euer usw. weit hinter den Voranschlägen zurückbleiben. 3m übrigen hat Dr. Brecht, der Reichsratsvertreter Preußens, schon seinerzeit auf die Gefahr eines neuerlichen Etatslochs hingewiesen unb auch der Reichssinanzminister selbst hält hierfür bereits gewisse Pläne, wie eine toeitere Erhöhung der Umsatz st euer, unb die Einführung einer Treibstoffsteuer, die aber nach Lage der Dinge nur zu einer neuen Belastung der Wirtschaf t führen müßten, in Bereitschaft, wobei zu bedenken ist, daß derartige Eteuerpläne nicht noch einmal auf dem Wege der Rotverordnung in Kraft gesetzt werden können. Wie aber sehen nun bie Ersparnismöglichkeiten aus, die bie Volkspartei im Auge hat. Da denkt man zunächst daran, daß sich die Preis- unb Lohnsenkungsaktion selbstver- stänblich auch im Etat selbst auswirken müsse, so u. a. bei den Mitteln zur Verpflegung der Wehrmacht, ferner bei den Gehältern der Privatangestellten usw. Außerdem erstrebt man eine weitere Vereinfachung des B e h ö r d e n a p para t e s unb baburch wesentliche Einsparungen im Personalaufwan d. So sollen noch weitere Finanzämter zusarn- menge legt werden, auch bei den Post- bireftionen glaubt man eine Zusammenlegung herbeiführcn zu können. Weiter wird beabsichttgt, dieReformdcrOrganisatio- nen der Sozialversicherung durchzu- setzen, die nach einem Bericht des Reichsspav- kommissars Saemisch außerordentlich veraltet sind und einer gründ legenden Rationierung bedürfen, schon um auf diese Weise auch eine klarere Durchführu ng der Der- sicherungsbe stimm ungen zu erreichen. Das letztere dürfte besonders erstrebenswert sein, hat doch unlängst eine in Paderborn vorge- nommene Kontrolle ergeben, baß bort 1200 Personen unterstützt wurden, bie gar nicht in bie Versicherung h i n e i n g e h ö r t e n. Das sind allein 1 200 000 Mk., bie falsch verausgabt wurden. Ebenso ist bie Alters- unb 3nvalibenversicherung recht veraltet, so daß auch hier durch eine Umorgani- fation nach Ansicht der volksparteilichen Kreise wesentliche Einsparungen erzielt werden können. Darüber hinaus wird es natürlich möglich fein, ähnliche Sparmaßnahmen in den Gemeinden unb Canbern burchzusehen. Allerdings muß man abwarten, ob sich diese Pläne auf parlamentarischem Wege verwirklichen lassen. Da man aber annimmt, baß auch der Haushaltsplan, wie sich aus den letzten Beratungen des Ausschusses ergeben hat, kaum auf parlamentarischem Wege in Kraft gesetzt werden kann, so daß auch hier evtl, doch noch m i t ci ne r Rotverordnung zu rechnen ist, scheint bie Volkspartei bie Absicht zu haben, ihre Pläne rechtzeitig zu sichern, um bei den kommenden Beratungen des Reichstages, bie am 2. Februar beginnen, ihre eigene Stellung zu klären. Oie Arbeitslosigkeit. Das Ergebnis der Gemcinschafts- Verhandlungen. Berlin, 12. Dez. Wi« wir von zuverlässig unterrichteter Seit« hören, sind bie seit etwa zwei Woch«n [aufenben Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die auf Initiative des Reichsarbeitsministers hin eingeleitet wurde, jetzt so gut wie abgeschlossen. In wichttgen Fragen ist cine Einigung erzielt worden. Eine Zentralarbeitsgemeinschaft, bie einige Stellen nach bem Vorbild von 1918 für Arbeitgeber unb Arbeitnehmer einrichten wollten, ist, wie von vornherein zu erwarten war, nicht zustanbegekommen. Dieser Mißerfolg wiegt aber nicht allzu schwer, da ein derartig weilgestrecktes Ziel heute überhaupt unerreichbar fein bürste. Dagegen hat man sich in ber Frage der Arbeitszeit geeinigt Die Regelung, bje noch der Zusttrnrnung verantwortlicher Stellen bedarf, soll im wesentlichen weitere Entlassungen verhindern. Sie läuft auf eine Empfehlung heraus, nach der dann Arbeitszeitkürzungen vorgenommen werden sollen, wenn ein Werk zu Entlassungen schreiten will. Eine generelle Arbeitszeitverkürzung scheint nicht beabsichtigt. Immerhin bietrt die jetzt gefundene Formel für die zuständigen Schlichtungsorgane und für bie Still- legungskommission im gegebenen Fall eine wertvolle Verhandlungsgrunblage, ba sie bie TlUnterschrift beider Parteien trägt, und zudem den Wünschen der Arbeitnehmerkreise merkbar entgegenkommt. Wie weiter verlautet, ist das neunte Schuljahr von beiden Parteien, wenn auch mit verschiedenen Motiven, abgelehnt worden. Damit dürfte dieser Vorschlag gefallen sein. Wenn nicht im letzten Augenblick noch irgendwelche Störungen das vorläufige Ergebnis über den Haufen werfen — die Arbeitgeber haben, wie verlautet, bei ber Arbeitszeitkürzung übrigens eine entsprechende Lohnkürzung durchgesetzt —, so wird bie Veröffentlichung bes erfolgten Abschlusses in den allernächsten Tagen erfolgen. Gol-problem und Kriegsschulden. England gegen deutsche Moraioriumswünsche. London, 12. Dez. (TU.) Maßgebende amerikanische Finanzstellen haben, wie der diplomattschr Mitarbeiter des „Daily Telegraph" meldet, wissen lassen, daß Amerika in der Frage der Goldreserven bereit sei, etwaigen Plänen für eine Zusammenarbeit mit Euro pa ernste Aufmerksamkeit zu schenken, vorausgesetzt, daß zunächst eine Einigung zwischen England unb Frankreich erzielt würde. Das Goldproblem mache ganz besonders der englischen Regierung erhebliche Sorgen. Es fange an, seinen Einfluß auf die internationale Politik deutlich fühlbar zu machen. Das treffe in erster Linie für bie Frage derKriegs » schulden und der Reparationszahlungen zu. Die englische Regierung habe keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den anderen Staaten bie Rotwendigkeit einer gemeinsamen Aktion durch die Zentralbanken vorzuhalten. Aber Frankreich fei teils aus alter Gewohnheit, teils aus politischen Gründen nicht geneigt, seine bisherige Politik aufzugeben und seine großen Goldreserven flüssig -u machen. Es fei sicherlich Tatsache, so heißt es im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer englisch- französischen Verständigung weiter, daß Snowben und das britische Kabinett es außerordentlich bedauern würden, wenn Deutschland die Mora t o r i u m g f r a g e aufwerfen würde. Die britische Regierung betrachte einen solchen Schritt zur Zeit als unbegründet. Die Regierung begründ« das damit, daß weder der deutsche Wlrtschaftsniedergang, noch die deutsche Besteuerung, sich mit dem britischen Wirtschasts- medergang und der britischen Besteuerung messen könnten. Wahrscheinlich spielten aber noch stärkere Gründe eine Rolle, wenn die brittsche Regierung wünsche, Deutschland möge davon Abstand nehmen, die ersten Schritte in der Frage des Moratoriums zu tun. England sei nämlich der Ansicht, daß das Goldproblem zuerst geregelt werden müsse. Eine solche Regelung würde die Lasten aller Schuldner st aaten erleichtern unb dann würde es vielleicht für das Deutsch« Reich nicht notwendig sein, ein Moratorium zu beantragen. Zu derselben Frage bemerft ber „Daily Heral b": Sollte im Frühjahr sich die Krisis nicht ^^fcert haben, so ist es außerorbentlich Sweis J^WLb Deuschlanb in ber Lage fein wird, wei zu leisten. Die ganze Frage i ^|Ä^jationen unb Kriegsschulben müsse. eu t erwogen werden. Andernfalls würden sich die Schwierigkeiten sowohl für Europa, als auch für Amerika wesentlich verstärken. — Die ..Retos Chr o nicke" tritt für die baldige Einberufung einer Finanzkonferenz ein. Sie werde sicherlich die Unterstützung Deutschlands und hoffentlich auch Englands finben. Alle Sachverständigen, einschließlich Lord d'A b e r n o n unb McKenna, seien sich darüber einig, baß bie eigentliche Ursache ber gegenwärtigen Wirtschaftslage im finanziellen Problem zu suchen sei. Hier könne ber Völkerbunb wirklich einmal etwas gutes leisten. fochten, für bie die deutsche Entwaffnung ja lediglich eine Vorausleistung war. Außer den Russen haben lediglich die gleichfalls entwaffneten, im Weltkrieg unterlegenen Mächte Ungarn und Dul garien neben der Türkei unb wenigen neutralen Staaten der deutschen Delegation während ber ganzen Derhandlungsdauer sekundiert. Erst in der letzten Phase ist auch Italien mit immer größerer Entschiedenheit in bie Front ber Opposition gegen ben Status quo eingerückt, während Englands Haltung wahrend der Konferenzbauer in allen Farben schillerte unb Amerika, das sich lediglich durch einen Beobachter vertreten ließ, nur gelegentlich aus seiner Reserve herauslocken ließ. Bei diesem Stärkeverhältnis ist cs begreiflich, daß gegen den Widerstand Frankreichs unb seiner Bunbesgenosten, wozu in den meisten Fällen noch Belgien, Spanien. Japan, die baltischen unb südamerikanischen Staaten, wie die britischen Dominions fließen, nicht viel auszurichten war und unmöglich ein auch nur annähernd befriedigendes Ergebnis herauskommen konnte. So muß man es schon als einen gewissen Erfolg buchen, daß es dem Grafen Bernstorsf gelang, die entschiedenen b c u t scheu Einsprüche gegen eine Reihe von Artikeln des der Abrüstungskonferenz zu unterbreitenden Entwurfs einer Wrüstungs- kvnvention nicht einfach niedergestimmt wurden unb unter ben Tisch fielen, Taubern bem Schlußbericht der vorbereitenden Abrüstungskommission beigefügt wurden ebenso, wie ber entschiedene Protest Deutschlands gegen den Artikel E A, dessen Unterzeichnung durch die beutfeßen Bevollmächtigten nichts anderes fein würde, als bi« Erneuerung der Unterschrift unter die Entwaffnungsklausel des Versailler Vertrages. Die weiteren deutschen Einsprüche besagen, baß Deutschland nur einer Abrustungskonventton zusttmmen könne, die alle Rüsiungselcmente erfasse, also auch bie ausgebildeten Reserven unb das lagernde Kriegs- material, baß Deutschlanb ferner verlange, bet Konferenz eine neue Liste des Personen-' unb Materialbestandcs aller an der Konferenz teilnehmenden Staaten als Grundlage für die Aufstellung der neuen Rüstungszahlen vorzulegen. So ergab sich zum Schluß der Arbeiten der vor- bereitenbcn Abrüstungskommission eine klare unb scharte Scheidungin zwei Fronten. Die eine Mächtegruppe unter Führung Frankreichs, an das auch Englanb zuguterletzt eng heranrückte sieht in bet Erhaltung unb Unverletzlichkeit ber bestehenden Verträge die beste Sicherung des Weltfriedens unb verlangt als besten beste Ga- ^intie die Aufrechterhaltung des gegentoärtigen Rustungsstandes der einzelnen Staaten Di« andere unter Führung Deutschlands, Rußlands und Italiens^ denen sich bis zu einem gewissen Grade auch Amerika genähert hatte, sieht gerade in dieser von der Gegenseite verteidigten Stabilisierung ber Ungleichheit des Rüstungsstandes, wie et in der Antithese von aufgerüfteten und entwaffneten Staaten am schärfsten zum Ausdruck kommt, die Hauptgefahrenquelle für die Erhaltung des Weltfriedens. Diese für Deutschland unb die Durchsetzung toner Forderungen so überaus ungünstige Machtekonstellatton, die leider bezeichnend ist für die weltpolitisch« Lage überhaupt und Deutschlands Stellung xu ihr, hat natürlich feine guten Otünbe. Zunächst öl« Neutral««, der« Interest«, wie man unvoreingenommen denken müßte, mit dem Deutschlands parallel auf ein« Beseitigung der großen unb für sie übermäßig kostspieligen Rüstungen hinausläuft. Ihre mit Ausnahme der skandinavischen Mächte, gelc> gentlich auch noch Hollands unb Finnlands reservierte, ja meist ablehnende Haltung gegenüber Deutschland dürfte nicht zuletzt auf Deutschlands frühere Völkerbundspolittk zurückzusühren sein, bie noch aus den Locarnotagen her in falscher Beurteilung von Deutschlands wahret Stellung und eigensten Aufgabe im Völkerbund, lieber geduldig unb artig auf ein Brosamen wartete, das von der Reichen Tische fiel, als sich zum Wortführer ber Schwachen im Rate ber ©roßen zu machen. Sttesemanns persönliche Autorität unb diplomatische Geschicklichkeit hatten trotzdem noch viel vermocht. Aber seit seinem Tode war es in Genf einsam um Deutschland geworden und erst das energische Qluftreten Deutsch- lanog in der Abrüstungskonferenz, das von bem 9!?*™ Wind, der feit bem Spättommet daheim r-t auch nicht unbeeinflußt geblieben ist, laßt die Reutralen in Gens aufhorchen. Aber ein neues Terrain läßt sich nur Schritt für Schritt erobern. Für diesmal war «s zu spät. Fehlte also die Mehrzahl der Neutralen, so trat oach Italien an die Seite Deutschlands. Da:' liegt in der Linie der italienischen Außenpolitik, bie feit der Londoner Flottenkonferenz auch in der Rustungsfrage in einen schärferen Gegensatz zn Frankreich geraten ist, den auch der Vermitttungs versuch des amerikanischen Botschafters Gibson nicht hatte aus der Wett schaffen können. Italien verlangt Flottenparttät mit Frankreich, mit anderen Wortes Beschränkung der französischen Rüstungen, Das Echo des Filmverbots Oie Wetterlage. Ul br M kö a =85 cer- ^ünb das Außenpolitik nuftbar macht bevor sia Z. und schädlichen Demonstrationen «-'Z 5 puffen. Hierauf sein Augenmerk 3i£ -3? in unserer Lage doppelt notwendig % „ Verhältnis zwischen Volk und StaatsMung auch in der auswärtigen Politik herzustellen, wird eine der dringendsten Aufgaben des Reichskanzlers sein kleine tzauSsi der Ausweg, ilnö ich wil hoffen, bah < Ausweg wer! manchen gehc Wir wolle eigenes Jett I es uns mogln tvie-echolen, ui jemand begegn so soll das at wir wollen tx nötigenfalls 1 Mein Mani Post- und Telegraphenwesen: George Bonnet, Abgeordneter (KabltaQ. Gesundheitspflege: DueuiUe, Abgeordneter (Radikal). Ministerpräsident Steeg wird sein Kabinett heute um 10 Uhr dem P räfidenten der Republik vor stellen. Die Regierung wird voraussichtlich am kommenden Dienstag vor dem Parlament erscheinen. Aus aller Wett. Die Erlanger Burschenschafter gegen einen Tonfilm. 3n den Erlanger Glockenlichtspielen sollte der Tonfilm „O alte Burschenherrlichkeit" laufen. Etwa 300 bis 400 Studenten hatten die vorderen Reihen im Theater besetzt. Sofort bet Beginn der Borführung setzte ein ohrenbetäubendes Pfeifen und Sohlen ein. ES wurde stürmisch die A b s etzung des Filme« verlangt, auch wurden Stinkbomben geworfen. Die Polizei entfernte die Ruhestörer auS dem Saale, konnte aber gegen die Masse der Studenten nichts ausrichten. Erst als das Licht ausgedreht und die Vorstellung abgebrochen wur.e, entfernten sich die Studenten, dir noch einen Demonstrationszug nach dem Luitpoldplatz unternahmen, wo ein Student nochmals gegen die Vorführung.des Films Protest erhob. Schwere politische Schlägerei. 2lm Donnerstagabend kam es in der mecklenburgischen Stadt -Teterow zu politischen Ausschreitungen zwischen Kommunisten und Rationalsozialisten. Cs wurde im Hotel „Fürst Bismarck" eine nationalsozialistische Versammlung abgehalten, die von den Kommunisten gesprengt werden sollte. Es gelang den SA.-Leuten, die Kommunisten aus dem Saale zu entfernen. Auf der (Strafte rissen die Kommuni st en das Straftenpflaster auf und warben Steine gegen die Fensterscheiben und Türen des Lokals. Cs entwickelte sich eine schwere Schlägerei, bei der die Einrichtung des Lokals zum Teil zerstört wurde. Es fielen auch einige Schüsse. Vier Personen wurden schwer verletzt und muftten dem Krankenhaus zugeführt werden. Zahlreiche Leichtverletzte wurden von Sanitätern verbunden. Erst gegen 2 älhr nachts war die Ruhe wiederhergestellt. müssen. Das neue französische Kabinett. Steeg bildet ein Ministerium mitEinschluh der Radikalen. Paris. 13.De}. (WTB. Funkspruch.) Um 2.20 Uhr früh, also 3.20 Uhr deutscher Zeit, war das Ministerium Steeg endgültig gebil- d e t worden. Die havas mlttellt, fetzt sich das Kabinett wie folgt zusammen: Rlinisterprasidium und Kolonien: Steeg, Senator (Radikal). Inneres: Leygues. Abgeordneter (Linksrepu- blikaner). Justiz: LHLroa, Senator (Radikale Vereinigung). Auswärtiges: vrtand. Abgeordneter (Sozial- republikaner). Finanzen: Germain Martin, Abgeordneter (Radikale Linke). Budget: p atm ade, Abgeordneter (Sozialrepublikaner). Krieg: Louis v a r t h 0 u, Senator (demokratische und radikale Vereinigung). Marine: Albert S a r r a u t, Senator (Radikal). Oeffentlicher Unterricht: Ehautemps, Abgeordneter (Radikal). Oeffentliche Arbeiten: Daiadier, Abgeordneter (Radikal). Rationale Wirtschaft (handel und Industrie): L 0 u ch e u r , Abgeordneter (Radikale Linke). Landwirtschaft: Victor Borel, Senator (demokratische und radikale Vereinigung). Arbeit: Grinda, Abgeordneter (Linksrepu- blifaner). Pensionen: Thoumyre. Abgeordneter (Links- republikaner). Luftfahrt: painievS, Abgeordneter (Sozial- repubtikaner). Handelsmarine: Danltlou, Abgeordneter (Radikale Linke) wenn man hinter die Gedankengänge der englischen Regierung zu kommen sucht, die einen völligen Umschwung in Englands Haltung zum Abrustungsproblem bedeutet. Roch im September hatte Henderson, der Außenminister des Labourkabinetts, persönlich in Genf in einer großen und sehr beachteten Rede erklärt, daß England seine Unterschrift zu irgend welchen neuen Verträgen und Konventionen von der gleichzeitigen Durchführung der Abrüstung abhängig machen werde. Kaum jemals wurde Englands Wille, sich mit aller Entschiedenheit für den Abrüstungsgedanken einzusetzen, so eindeutig kundgetan. Um so mehr mußte die Schwenkung überraschen, die wenige Wochen später Englands Delegierter in der Abrüstungskommission vornahm, übrigens jener selbe Lord Robert Cecil, der seinerzeit aus dem konservativen Kabinett aus- schied und sein Mandat als Völkerbundsdelegierter niederlegte, weil ihm Chamberlains Abrüstungs- Politik zu zaghaft und schwankend erschien. Cecil hat offenbar die Instruktion erhalten, der französischen Politik in Genf, die auf eine Sabotage der Abrüstung hinauslief, hinfort keine Schwierigkeiten mehr zu machen. Damit ist England, das seit den Tagen des frankophilen Chamberlainkurses stets zumindest das Gleichgewicht zwischen dem französischen Block und der Gegenseite zu halten bestrebt war, kraß und unzweideutig aus dieser Linie gewichen. Der Grund dafür liegt wohl in Englands Besorgnis um das Schicksal des Londoner Flottenabkommens, dessen Aufrechterhal- tung für England eine Lebensfrage bedeutet, das aber durch das Scheitern einer französisch-italienischen Verständigung in feinem Bestand bedroht ist, wenn Frankreich nun sich in seinem Flottenbau freie Hand oorbehält. Hier zeichnen sich in bedrohlichem Maße bereits die ersten Umrisse einer neuen französisch-englischen Entente ab, die sich einmal gegen Italien kehren könnte, zum andern aber auch gegen Deutschland, sobald dieses seinem jetzt laut werdenden Revisionsverlangen einmal konkretere Formen geben würde. Das ist der wenig erfreuliche Aspekt, den der Schluß der Genfer Abrüstungsoerhandlungen auf die weltpolitische Lage eröffnet, und der nicht hoffnungsvoller wird durch die sehr laue und abwartende Haltung A m e- ri f as, dessen Interesse an der Landabrüstung ausgesprochen mäßig ist. Wenn in Deutschland Stimmen laut geworden sind, die die Abberufung des deutschen Delegierten aus Genf verlangten, weil Deutschland sich nicht zur Rolle eines Statisten herabdrücken lassen dürfe auf einer Bühne, auf der es doch nichts auszurichten vermöge, so wäre das wohl eine Demonstration gewesen, die uns jedoch praktisch lediglich der Möglichkeit beraubt hätte, vor dem Forum der Abrüstungskonferenz selber unsere Forderung aus dem Versailler Diktat zu vertreten und, sollte auch diese Konferenz, was anzunehmen ist, an dem Widerstand Frankreichs und der intransigenten Hal- tung Englands scheitern, unsere volle Handlungsfreiheit wiederzuerlangen. Wir glauben, daß dieses Ziel einige Geduld wert ist. Dazu gehört jedoch genau so wie in der Behandlung der Re- visionsfrage die feste und ruhige Hand einer Staatsleitung, die Vertrauen erweckt und zielsicher und unbeirrt die gewaltig aufgeweckten Dolksleidenfchaften aus den Niederungen Partei- politischer Agitation rettet und einer fruchtbaren Außenpolitik nutzbar macht bevor siaZ.' -Mosen ten Pazifismus zu betauten. Der .Petit Pari- flen“ betont, daß die von der Oberprüfstelle angeführten Gründe jeder Grundlage entbehrten. Die Deutschen, die den Krieg mitgemacht hätten und die den Film gesehen hätten, seien sich über die wahrheitsgetreue Wiedergabe vollkommen einig. Was den moralischen Wert der deutschen Armee anlange, so habe ein 51 Monate langer Kampf in feinem Lande Europas dazu geführt, ihn jemals in Zweifel zu stellen. Die Meinung in London. London, 12. Dez. (WTB.) Die Morgenblätter bringen eingehende Berichte über die gestrige Verhandlung der Filmoberprüsstelle über den Film „Im Westen nichts Neues". In den Kommentaren wird das Verbot des Films, mehrfach als ein Sieg der Nationalsozialisten . bewertet. Das sagt z. B. der „Daily Herold". Das meint auch der Korrespondent der „Times", der das Verbot als eine Ermutigung der Extremisten bedauert, die jetzt wie erwartet, eifrig tätig sein würden, unter der jüngeren Generation für die Glori- fizierung des Krieges zu propagieren. Der Film sei nur ein Vorwand für eine politische Demonstration gewesen. Selbst die nationalistische Presse hätte wenig Einwände gegen den Film selbst erhoben. (?) Wenn behauptet würde, daß die ausländischen Fassungen des Films deutschfeindlicher gewesen wären, so träfe dies auch auf a n • bete Filme, wie „Wings" und „Die große Pa- rode" zu. Die Entscheidung stehe in scharfem Gegensatz zu der Haltung der preußischen Regie- rung, denn Herr Severing habe doch gesagt, daß er in dem Film nichts Deutschfeindliches sehen könne. Oer Gtahchelmfilm verboten. Obwohl keinerlei Bedenken der Sachverständigen. — Beschwerde bei der Film- obci Prüfstelle. Berlin, 12. Dez. (TU.» Die Pressestelle des Stahlhelms teilt mit: -am Freitagvormittag hatte sich die F i l m p r ü f st e l l e in Berlin mit dem Film zu befassen, der vom 11. Reichsfrontsoldatentag in Koblenz hergestellt worden war. Rach Vorführung des Films gaben die Vertreter der beteiligten Ministerien ihre Gutachten ab. Zunächst äufterte sich der V e r t r e t e r des Auswärtigen Amtes dahin, daft eine Gefährdung unserer Beziehungen zum Ausland durch den Film nicht vorliege, da er lediglich einen Bericht über ein Ereignis darstelle, über das im Auslande bereits ausgiebig in Wort und Bild berichtet worden sei. Anschließend äufterte sich der Vertreter des Reichswehrmini st e- riums, der gleichfalls erklärte, daß gegen den Film keine Bedenken vorliegen, zumal irgendwelche militärische Hebungen nicht gezeigt würden. Schließlich erTärtö der Vertreter des Reichsinnenministeriums, der Film zeige lediglich Bilder eines erlaubten Aufmarsches ohne jede ketzerische Tendenz. Eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung sei daher n i ch t zu befürchten. Rach dreiviertelstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende der Kammer, in der u. a. als Beisitzer fungierten die Herren Schlesinger, Goldschmidt, Faber und der Sozialdemokrat Döscher, den Deschluft: Die Aufführung d.s Films ist verbot e n. In der Begründung heißt es, der Film sei geeignet, die öffentliche Ruhe und Ordnung zu gefährden. Ebenso gefährde er die Beziehungen Deutschlands zum Auslande, da man im Auslande aus den im Film gezeigten Bildern „die militärische Bereitschaft Deutschlands zum Kriege erkennen" könne. 3m Anschluß an die Begründung des Beschlusses teilte der Vorsitzende der Kammer, Regierungsrat Dellinger, mit, daß er selbst Be schwe r de gegen diesen Beschluß der Kammer einlege, da dieser Beschluß in starkem Gegensätze zu den Gutachten der Sachverständigen gefällt worden sei. Dieser Beschwerde schloß sich der Vertreter des Stahlhelms an, so daß sich nunmehr die Film-Oberprüf stelle mit der Frage der Zulassung des Stahlhelm-Films wird beschäftigen müssen. da Italien selber finanziell schwerlich in der Lage wäre, seine Rüstungen zur See auf den Stand Frankreichs Au bringen. Es seufzt ohnehin schwer unter dem Druck der großen Heeresausgaben, die in der augenblicklichen wirtschaftlichen Krisenzeil natürlich Doppelt drückend empfunden werden. Italiens Bündnissystem, mit dessen Hilfe es seine umfangreichen Forderungen gegenüber Frankreich eines Tages hofft durchsetzen zu können, zeichnet sich immer deutlicher ab. Aber es sind zumeist selbst arme Schächer, die aus eigener Kraft kaum in der Lage sein werden, große Rüstungen auf die Beine zu stellen und von Italien schwerlich ausreichende Subsidien zu erwarten haben, während bas reiche Frankreich die Rüstungen seines östlichen und südöstlichen Bundesgenossen großzügig finanzieren kann. So hat Italiens ideales Streben nach Rüstungsausgleich genau so sehr reale Hintergründe, wie Mussolinis wenigstens theoretisch wohlwollende Haltung gegenüber emem deutschen Verlangen nach Revision der Verträge. Italiens Politik in Genf wird noch begreiflicher, Oie letzte Reichstagssihnng. Grubenkatastrophe und Winterbeihilfe. Berlin, 12. Dez. (V. D. Z.) Auf der Tagesordnung der letzten Deichstagsfitzung ftanb der Ausschuftbericht über Hilfsmaßnahmen aus An- laft der Grubenkatastrophe z u Alsdorf. Abg. Dr. Ley (Rats.) bezeichnet als eine der Ursachen der Alsdorfer Grubenkatastrophe die große Ausbeutung und Ueberanftrengung der Bergarbeiter. Das Ausbeutungssystem auf dieser Grube gehe so weit, daß als Rettungskolonnen nicht die geschulten Bergleute in die Grube geschickt wurden, sondern ungeschulte Bauernsöhne und Landarbeiter, die bann bei den Rettungsarbeiten s e l b st verunglückt sind, weil sie keinen geschulten Führer hatten. (Hört! Hört!) Die schlimmen Zustände Im deutschen Bergbau sind eine Folge der Auslieferung der deutschen Gruben an bas französische Kapital. Der französische Kanonenkönig Schneider-Creuzot ist ber eigentliche Beherrscher ber Gruben des Wurm-Reviers. Diese Franzosen, nach deren Meinung 20 Millionen Deutsche zuviel auf der Welt sind, haben doch kein Interesse am Leben deutscher Bergarbeiter. Die eigentlichen Mörder von Alsdorf sind die Tributpolitiker in diesem Hause. Abg. Kuhnen (Zentr.) erklärt, die Rationalisierung im Bergbau ist Übertrieben worden auf Kosten der Gesundheit und Sicherheit der Die Deutsche Liga f st r Menschenrechte hat im Anschluß an das Verbot des Remarque-Films eine Vorstcmdssihung abgehalten, in der der Meinung Ausdruck gegeben wurde, daß nicht der in der ganzen Welt aufgeführte Film, sondern sein Verbot für Deutschland das deutsche Ansehen im Auslände gefährde, indem es das deutsche Volk als Träger eines neuen Militarismus erscheinen lasse. Die Deutsche Liga für Menschenrechte erwarte von allen freiheitlichen und kriegsgegnerischen Organisationen Deutschlands nachdrücklichste Abwehr dieser schweren Schädigung. Die Liga selbst werde demnächst in öffentlichen Kundgebungen zu der Angelegenheit Stellung nehmen. Pariser Blätter. Par i s, 12. Dez. (WTB.) Einige Korrespondenten französischer Zeitungen nehmen gleichfalls zu dem Verbot Stellung, so »Par is Midi", der in dem Verbot die Bestätigung eines Sieges der Hitler-Extremisten und'der Alldeutschen sieht. Diesen habe der Film mißsallen, weil er pazifistische Tendenzen zeige und nicht genügend ben Krieg verherrliche. Wenn man den Hitler-Leu- ten ihren Triumph lasse, so müsse man auch die Bestürzung seststellen, die im republikanischen Lager herrsche, weil man dort mehr als anders wegen der Rückwirkungen im Auslande besorgt sei. Auch der »Matin" schreibt von einem ersten Sieg, den der Hitler-Terror in Deutschland nach den Septemberwahlen davongetragen habe. Der »Petit P a r i s i e n" sagt, es scheine, daß die Regierung Kundgebungen der Anhänger Hitlers gegenwärtig fürchte, was zum Teil das Zurückziehen vor einigen Tausend Störenfrieden erklären könne, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Vorführung eines wahrhaften Filmes mit pazifistischen Tendenzen nichts einzuwenden habe. Außerhalb Deutschlands werde das Verbot kaum verstanden werden in einer Zeit, in der die deutschen Minister nicht verfehlten, sich in allen ihren Reden zu einem glühenden und überzeug- Mititärausstan- an der spanischen Rordgrenze. Anscheinend nur von lokaler Bedeutung. Madrid, 13. Dez. (WTB. Funkspruch.) 3n einer amtlichen Mitteilung heißt es: Gestern vormittag hat die Garnison des Grenz- plahes 3aca (in den Pyrenäen), in Verbindung mit anderen Elementen, die Haltung einer regelrechten Cmpöruna eingenommen. Da die Militär- und die Zivilbehörden, sowie die Gendarmerie und die Karabiniers den Anschluß an die Bewegung ablehnten, kam cs zu einem Zusammenstoß, worauf der Bürgermeiste- mit der Gendarmerie und den Karabiniers sich nach der Kaserne der letzteren zurückziehen mußte. Die Aufständischen bemächtigten sich der Lastkraftwagen und der Automobile, die sie fanden, und marschierten am Rachmittag nach der Provinzhauptstadt H u e s c a. Sie wurden jedoch von Kräften, die den Engpaß von Aycrbe (ungefähr 25 Kilometer nordwestlich Huesca) besetzt haben, in ihrem Vormarsch aufgehaltem Die Regierung hat sofort die erforderlichen Maßnahmen ergriffen und den Vormarsch auf 3 a c a angeordnet. Der Auf standst ersuch bleibt vollkommen örtlich beschränkt, überall in Spanien herrscht Ruhe. Die Regierung ist entschlossen, die Schuldigen unbarmherzig zu bestrafen. Rach einer ergänzenden Meldung des DureauS Havas aus Hendaye bestätigt sich, daß die Er- Hebung der etwa 1500 Mann starken Garnison 3aca ausgebrochen ist. Mehrere hundert Militär» unb Zivilpersonen versahen sich in den Wafsendepots der Stadt mit Waffen und zogen am späten Rachmittag auf Lastautos nach HueSca. Der MiUtärgouverneur von Huesca, General LaS Heras, und sein Adjutant, die mit einer Abteilung Zivilgarde nach 3aca aus gebrochen waren, um sich über die Lage zu informieren, sollen von den Aufständischen gefangen genommen und gezwun- wvrden sein, an der Spitze der aufständischen Kolonne zu marschieren. 'Der Bischof von 3 a c a soll sich gleichfalls unter den Geiseln befinden. Die Aufständischen sollen abends vor Huesca ein getroffen sein und ein Gefecht mit Rogierungstruppen bestanden haben, in dessen Verlauf ein Major und ein Leutnant der Zivilgarde gefallen seien. Mehrere Garnisonen in Rordspanien sollen alarmiert worden sein. Gerüchtweise verlautet, daß auch der Flieger- major Franco, der kürzlich aus dem Madrider Militärgefängnis geflohen war, an dem Aufstand beteiligt ist. Arbeiter. Das ist kein Arbeiten mehr tm Bergbau, das ist ein Rennen und 3agen nach Kohle, wie es kein anderer Betrieb kennt I 3n dies«: Zeit sollten die Bergbauunternehmer nicht mit Lohnabbauplänen kommen. Die KohlenPreiS- senkung kann ohne Lohnabbau getragen werden. Es folgt die Beratung des kommunistischen Antrages auf Auszahlung einer Winterbeihilfe an Erwerbslose, Sozial- und Kleinrentner, sowie alle Fürsorgeberechtigten. Der Reichshaushaltsausschuh schlägt die Ablehnung des Antrages vor. Abg. Gerne in der (Rat.-Soz.) erklärt, es fei ganz unverständlich und unverantwortlich daß oer durchaus berechtigte Antrag der Kommunisten abgelehnt werde von Parteien, die sich christlich nennen. Die Aermsten der Armen, die als Opfer der verfehlten Wirtschaft und Politik auf der Straße liegen, dürften nicht Man Weihncvchtsfest ohne jede Hilfe bleiben. Deshalb verlangen wir die Verwirklichung des Wortes »Erst Brot, barm Reparationen!" Die Mieten werden gesteigert, die schassenden Menschen und Frontkämpfer müssen in elenden Löchern Hausen. Der Ausschußantrag auf Ablehnung der von den Kommunisten beantragten Winierbeihilse wird mit 284 gegen 183 Stimmen der Kommunisten, Rationalsozialisten. Deutschnationalen ^und des Landvolks angenommen. Präsident Loebe schlägt vor. die nächste Sitzung nach den Weihnachtsferien am 3. Februar 19 31 abzuhalten und die Festsetzung der Tagesordnung dem Präsidenten zu überlassen. Der Vorschlag des Präsidenten wird angenommen. voll PA fj L« 3a, Ä« nOd) mel ÄDurchS' unb veiv ° doch vier Wand leben. Aus g<" Olöten 'M nun nennen in niem5> (denn IchlcL f)M bai f aufnimmU “ mal «ft Jett! es gibt Mi Dellen, Sie müllen 'N Die muh b-O. O M ■inkt y. Paris f 5^6- tiE W ^H<»| I— s. na>tn-\ -. \ warmen Auftakt M. 8. wünscht, einmal mlthelfen zu können, daß Heimat- lose eine Heimat fmöen Vielleicht tonnen wu aus diese An wenigstens manchem zu einer „»einen Helmat oerhelsen, denn das ist doch ein Bett , ®‘r Haden es uns |o gedacht Der älteste Sohn oll das Bett schreinern, der zweite soll es in einer schonen Farbe anstreichen, die Kleineren kaufen aus ihren Sparkassen die Farben, die Mutter näht das Bettzeug, und der Soler macht einen schönen Spruch dazu, der auf dem Kopfende oufgemaU wird. 2ch glaube, wir werden selbst viele Freude dran haben, wäre es ja au chnicht ganz richtig. (Ein Bett ijt Jo ein schönes Geschenks Man wundert sich fast, dag man sich unter Freunden fast nie ein Bett schenkt, — wahrscheinlich, weil Leute wie wir immer lchtM ein# hoben. — Ein Seit ist nicht vergänglich wie Essen und Trinken es ist, und ist doch ebenso lebensnotwendig! es wird nicht nyr in seltenen Stunden genossen wie etwa Bücher oder Kunstwerke, es ist nichts, was Geschmacksache ist, — der eine liebt es, der andere macht sich nichts daraus. — Ein Bett dient Leib und Seele, besonders auch der Seele, vergeßt das nicht! Es kann ein guter Freund durchs ganze Leben (ein. Man genießt es, wenn auch unbewußt, mindestens ein Drittel feiner ganzen Lebenszeit Jeder, ob groß oder klein, alt ober jung, arm ober reich, bumm ober klug, kann e» lieben und schätzen. Und fast möchte ich galuben, daß wir Kinder eines heimatlosen Zeitalters außer in liebenden Menfchenherzen noch am ehesten in dem stillen Hafen unsres Bettes das Gefühl von Heimat, Frieden und Geborgenheit finden können. dazu fein! Städtische Nothilfe. Aus der provinziashauvtstadt «Ließen, den 13. Dezember 1930. Oie kleine Heimat. TDokl iede Frau, die noch In leidlichen Verhältnissen le6t und nicht ein ganz totes, dumme- Ding von Herz in ihrer Brust trag', wird jetzt Stunden haben, wv sie sich den Kops zerbricht: wo- kann man nur tun, um diesem Meer von Glend, Leid und Hofsnung-losigleit zu steuern? 2a, woS kann man tun ? Da sitzt man nun als Mutter einer großen Familie, hat'weder viel Zeit, noch viel Geld, noch betontere Fähigkeiten, fühlt, daß Durchgreifendes, Ungeheures geschehen müh e, und weiß doch nicht wo und wie anfangen. Und doch genügt eS heute nicht mehr, nur in seinen vier Wänden und nur für seine Allernächsten zu leben. Aus ganz seltsame Weise kam mir in meinen Sloten mein Unterbewußtsein, oder wie man eS nun nennen will, zu Hilfe. AIS ich eines Abends in mein gutes, warmeS Dett stieg, dachte ich (denn ich leite nun schon fast an sozialen Zwangsvorstellungen) Wie gut ist eS doch, ein Dett zu haben, das abends den müden Leib so freundlich auf nimmt! Und wie viele gibt es, die noch z?ßn- mal müder sind alS ich und haben kein eigenes Dett; eS gibt doch ganze Familien, die in \ vn bi« zwei Betten zusammen Hausen, es gibt Mei.ichen, die müssen mit einem Kranken das Dett teilenl Wie muß das fein, totmüde sich hinzulegen, ohne Aussicht auf wirkliche Ruhe und «rntspannung, ungenügend Augctedt, immer durch andere gestört. --Ich schämte mich meines schönen Dcttes und genoß doch gleichzeitig dankbar seine Wohl- taten. Darüber schlief ich ein. Was ich nun träumte, kann ich so ganz genau nicht mehr angeben. Jedenfalls enthielt mein Traum die bestimmte Erörterung, ich hätte dafür zu sorgen, daß jeder Mensch in Deutschland ein eigenes Dett hätte!! Als ich aufwachte, war ich ganz durchdrungen von ter Notwendigkeit dieser Forderung, aber gleichzeitig ganz ratloS, wie ich den Befehl auSsühren sollte. (Diesen Traum einfach zu den Alten zu legen wie andere dumme Träume, war mir leitet nicht möglich, hier hatte zu deutlich mein Gewissen mitgearbeitet.) Aber wie sollte ich es machen? Sollte ich mich auf die Plätze der großen Städte stellen und flammende Reden halten? Aber ich kann ja gar nicht reden, ich habe eine schwere Zunge wie Aaron. Oder sollte ich ebenso flammende Artikel schreiben mit ter Ueberschrift: .Jedem Deutschen sein eigenes Dett?" Warum eigentlich? Friedrich ter Große oder Ludwig XIV. oder sonst ein König stellte die Forderung, jeder Untertan müßte am Sonntag fein Huhn im Topf haben. Run, als Anhängerin ter modernen Ernährungslehre kommt mir dies Huhn nicht einmal so unbedingt nötig vor, ater I wer will leugnen, daß es unbedingt nötig ist, ein Dett au haben? Ater ich bin kein großer König, sondern eine kleine Hausfrau, und klein und bescheiden ist ter Ausweg, den mein geplagtes Gewissen fand. Und ich will davon berichten und will dabei hoffen, daß er noch anderen Gewissen zu einem Ausweg werten kann und auf diese Weise doch manchen geholfen wird. Wir wollen Weihnachten jemand, ter kein eigenes Dell hat, ein solches schenken! Und wenn eS uns möglich ist, wollen wir das jedes Jahr wiederholen, und wenn wir Im Laufe des Jahres jemand begegnen, der dringend ein Dett braucht, so soll das auch an unser Gewissen rühren und wir wollen versuchen, ihm eines zu verschaffen, nötigenfalls unter Mithilfe von anderen. Mein Mann und ich haben uns immer so ge- ko«, in Mount Vernon gestorben: — 1849: ter Komponist Konradin Kreutzer in Riga gefierten; — 1911 Roald Amundsen erreich: den Sudpol. rate» für Montag, 15. Dezember Sonnenaufgang 7.58 Uhr. Sonnenuntergang 15.51 Uhr. - Mondaufgang. 2.31 Ute. Monduntergang; 13.10 Uhr. 1775: ter Komponist Fran^oiS Adrien Doiel- dieu in Rouen geboren; — 1784: ter Schauspieler Ludwig Devrient In Berlin geboren; — 1832 ter französische Ingenieur Alexandre Gustave Eiffel in Dijon geboren. Kaust am Platze! Ein Appell an alle! Dieter einmal wird gerüstet und hin und her überlegt, wie man ju Weihnachten Freute bereiten kann. Jür den Geschäftsmann bedeutet da» weih- nachtssest eine große geschäftliche Hoffnung nach all den Enttäufchungen, die »hm das Jahr In so über- au» reichem Maße gebracht hat. Er fehl auch auf öie Vortage des diesjährigen Feste» wieder alle Erwartungen, und er wünscht, daß sie nicht enttäuscht werten. Alle Schaufenster leuchten in vorweihnachtlichem Glanze und ziehen die Bilde der vorüber- gehenden auf sich. Mit dem Betrachten und wünschen ter Passanten ist aber dem Geschäft»- mann nicht geholfen. Er muß für seine waren Absatz finden, damit er seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Da» kann ater nur dann geschehen, roenn bet Bürger am platte faaft! wenn man sich vor Augen hält, welche Vorteile ter kauf am eigenen Wohnort bietet, wird man °uch Im eigenen Interesse nicht in der Großstadt einfaufen. Der Bürger hat an seinem Wohnort die Möglichkeit, seinen wünschen entspre- chend sorgfältig bedient zu werden, da er dem Verkaufspersonal, oder dem Geschäfikmann selbst von früheren Einkäufen her bekannt ist. Der Kunde kennt auch die Leistungsfähigkeit der Firmen. Beim Kauf am platze hat er außerdem die Möglichkeit, einen Gegenstand, der dem Beschenkten nicht zusagen sollte, u m , u t a n - scheu. Richt zuletzt soll man sich ater testen bewußt fein, daß jeder Einkauf am platze der heimischen Wirtschaft zugute kommt und dadurch auch die Kaufkraft te» Publikum» stärkt. Deshalb nochmals: Kauft am plahel tlornofhrn ~ Tageskalender für Samstag. Stadt- theater: „Goldmarie und Pechmarie", 15.30 bis 18 Uhr. — Der Stahlhelm: Kundgebung, Redner: Oberstleutnant a. D Duesterberg, 20.30 Uhr, in her Turnhalle am Oswaldsgarten. — Gesellschaftsver- ein e. D.: Streichkonzert der Militärkapelle im Club. — GDA.: Weihnachtsfeier mit Ball, 20Uhr auf der Liebigshöhe. - Eisenbahn-Fahrbeamten-' Verein: Hauptversammlung, 20.30 Uhr, im Der- plnslofaL — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 14.30 Uhr: Iugendvorstellung „Ein Tag bei Micky-Maus"; abends: „Delikatessen" und „Kunstschützen". Asto- ria-Lichtspiele: „Schneeschuh-Danditen" und „Der fliegende Bräutigam". - Tageskalender für Sonntag Stadttheater: .Meine Schwester und Ich", 14 bis 17 Ute und 18 bis 21 Uhr. - Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener: Weihnachtsfeier % Ute, Frankfurter Hof. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: 11.15 Uhr: Iugendvorstellung .(Sm -Lag bei Micky-MauS"; abends: .Delika- | testen" und .Kunstschützen". — Astoria-Licht- fpiele ,Schneeschuh-Danditen" und .Der fliegende Bräutigam". | Und nun, ihr mütterlichen Frauen, die Ihr abends eure Kinder in ihre guten Bettchen legt, denkt ein wenig an die Mütter, die ihren Kindern diese einfachste Wohltat einer gesegneten Nachtruhe beim besten Willen nicht erweisen können! Denkt gerade jetzt vor Weihnachten daran Wir gehen vielleicht, sogar sicher, einem sehr schlimmen Winter entgegen. Die Not wird größer sein als je, die Möglichkeit von ober her zu helfen wird geringer sein als je. Es ist klar, daß wir alle, alle Opfer bringen müssen. Wenn ihr Geld habt, so schenkt dieses Jahr vor allem auch denen, die sich selbst die elementarsten Wünsche nicht befriedigen können. Wenn ihr fein Geld habt, so kramt auf Böden und in Schubladen, so findet jid) immer noch manches, was anderen von großem Nutzen sein kann, Schuhe und Strümpfe für bloße Füße, Kleider für schlecht gekleidete und verwahrloste Körper und Betten für solche, die kein Bett haben. Jedem müden Deutschen ein eigne» Bett! Hal das nicht mehr Hand und Fuß als manche volltönende Wahlparole? Die Parole der tätigen Nächstenliebe, wann wird sie auf neue erschallen und alle und liebenden Herzen zusammenrufen? Laßt Weihnachten 1930 einen kleinen Der Oberbürgermeister wendet sich im heutigen Anzeigenteil mit einem Appell an die Bürgerschaft und fordert auf, mit Opierrnut und Gemeinsinn da§u beizutragen, daß die große Rot eine« Teiles unserer Mitbürger gelindert werten kann. Da die öffentliche Fürsorge nicht allein alles leisten kann, was notwendig wäre muß die Bevölkerung um tatkräftige Mithilfe gebeten werden. Spenden nehmen das städtische Wohlfahrtsamt, sowie sämtliche Danken und die Dezirkssparkaste entgegen. Der Aufruf möge bei unserer Bürgerschaft einen starken Widerhall finden! Daten für Sonntag, 14 Dezember. Sonnenaufgang. 7.57 Uhr, Sonnenuntergang: 15.51 Uhr. — Mondaufgang: 1.09 Uhr. Monduntergang: 12.57 Uhr. 1546: der Astronom Thcho d« Drahe In Knudstrup geboren: — 1799: George Washing- ton. Begründer der Unabhängigkeit Rordameri- reparlert Kleidungsstücke, Seldenstrümpte und Teppiche in 3-4 Tagen / Arbeit konkurrenzlos! Walllorstr.lZs — AuS dem Stadttheaterburea« wird uns gcfdjncbcn. Morgen. Sonntag zwei» mal die erfolgreiche Iazzoperette. .Meins Schwester und ich" unter ter Spielleitung tei Intendanten; 14 Uhr al» geschlossene Dorstete lung und 18 Uhr als Fremden Vorstellung — Dienstag zum letzten Male .Kabale und Ökte" unter ter Spielleitung von Walther Bäuerle. — Mittwoch, 15.30 Uhr, erste Wiederholung te» Weihnachtsmärchens . Goldmarie und Pech- marie"; 20 Uhr Erstaufführung der Komödie .Die erste Frau Selby". - Freitag. 20 UteL ebenfalls .Die erste Frau Selby". • "Straßensperre. Tlitgetellt vom Oberhesst. fchen Automobilklub E. B. (A o D ), Gießen: Di» Provinzialstraße G , e ß e n — R e i s k I r ch e n wird zwischen km 5 und 7 vom 16. bis 20. Dezember für jcglidjen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Annerod. _ * * DMuseen und der Heldenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet. *• Oberheffifcher Kun st verein Dl» Weihnachts-Ausstellung „Künstlerhilfe" Im Turmbaus am Brandplatz ist, woraus nachmal» hinge- wiesen lei, auch Sonntags von 15 bis 18 Uhr, Mittwochs von 15 bi» 19 Uhr geöffnet bei freiem Eintritt für jedermann. Ihr Befuch fei nochmal» warm empfohlen. ** (Ein Anlagenkonzert findet morgen, Sonntag, 11.30 Uhr, durch das Musikkorps unsere« Bataillons bei günstiger Witterung in der Süd- an läge statt Leitung: Obermusikmeister Löb er. Die Musikfolge ist: 1. Choral „Mil Ernst, o Men- schcnkinder"; 2. „Les Prtiudes“, symphonische Dichtung von Franz Liszt; 3. Heeresmarsch I Nr 95 „Marsdi der Kurbrandenburger" von K Zimmer; 4 „Soldatenleben", österreichischer Zapfenstreich von Keler-Bela; 5. Armeemarsch II Nr 205 von W. Voigt. *• (Enteignung im Eichgärtengebiet. Nach einem Beschluß des hessischen Ministerium» kann dos für den Ausbau der Straße notwendige Eichgärtenaebiet nach Maßgabe der hessischen Verordnung über ein vereinfachtes Enteignungsverfahren zur Beschaffung von Arbeitsmöglichkeit nunmehr enteignet werden. Fahrplanerweiterung der Straft« p o st l i n i e Gießen — Saunet) ach — Wiß - mar — Krofdorf — Gießen. Mit Wirkung vom Sonntag 14 Dezember, ab wird auf der Kraftpo Hinle Gießen — Launsbach — Wißmar — Ärofbor eine neue, nurSonntags verkehrende Kraftpo t mit folgenden Fahrzeiten versuchsweise eingerichtet: Ab Gießen, Bahnhof, 16.20, Gießen. Neustadter Tor, 16.24, Abzweig Krofdorf 16.30, Launsbach 16.36, Wißmar 16.46, an Krofdorf 16.55. 3n Krofdorf ist Anschluß an eine um 17 Uhr noch Gießen abfahrende Kraftpost, so daß den Bewohnern von Launsbach und Wißmar eine weitere Fohr- gelegenheit von und nach Gießen gegeben. Die um 22.40 von Gießen, Bahnhof, noch Krofdorf verkehrende Kraftpost wird an Sonntagen über Louns- boä) und Wißmar geleitet, wenn sich zur Mitsahrt nach diesen beiden Orten mindestens 10 Personen melden. * Freie L e h r e r st e l l e. An der Volksschule in Steinfurth, Kreis Friedberg, ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer freigeworden. Eine Dienstwohnung steht zur Verfügung Weitere cokalnochrichlen im 2 Blatt (ama ■ W ,.1-S 'W-: • W WUW v W Üb ■ ■ ' , - ----- • . M [MARGARINE M MM Ä M" WfcÄ : /: W \ - WWHW I Bei dieser Kraftnahrung gedeihen sie doppelt..? Junge, lebhafte Menschen verbrauchen unaufhörlich wichtige Kräfte. Zu ihrem Aufbau ist fettreiche Nahrung ganz unerläßlich. Wärme und Kraft, Lebensmut und Freude gibt Rama Margarine bei jedem Essen. Milchreich und frisch, duftend und lecker, köstliche Zutat zu jedem Brot ist Rama. im Blauband Nicht wechseln, nicht mischen. Am beeten bekömmlich bleibt stet» des eine, kraftspendende Fett. 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Mit diktatorischen Versuchen haben wir bisher auch nicht die besten Erfahrungen gemacht. Sie ljuben eigentlich nur die einzige Folge gehabt, baß mir im Unterbewußtsein mü dem Wort Diktatur ! die Vorstellung eines Putscbes verbinden. Es hat sich aber erwiesen, daß solche Unternehmungen bei uns feinen rechten Boden finden. Nicht etwa deshalb, weil die Demokratie die Massen des deutschen Volkes so begeistern könnte, dah diese dafür ihr Leben opfern wurden. Es gehört nun einmal zu der Propagandatechnik der Nutznießer des abfterbenöen Systems parlamentarischer Parteirniß- wirtschaft, der Oefsentlichkeit suggerieren zu wollen, daß „das ganze Volk' — darunter tut man es nicht — wie ein Mann aufstehen würde, wenn l irgend jemand es mögen sollte, an die geheiligten Grundlagen der Fraktionsherrschaft zu rühren. Trog- dem wachst die Gegnerschaft gegen das heute herrschende System von Tag zu Tag mehr. Sie ist schon fe stark geworden, daß jeder Anlaus zu einer Poli- *t der sachlichen Reform auf völliges Unverständnis selbst bei denjenigen stößt, die darin eigentlich den Anfang zu einer Ueberwindung der bisherigen faulen Rcgierungsrnethoden dankbar anerkennen müßten. Die zu oft enttäuschte Wähler- ' schäft ist ungeduldig geworden. Sie will endlich f sichtbare Zeichen sehen — Finonzreform hin, Sozialreform her —, sie will, daß der innerpolitische Umschwung auch nach außen hin deutlich sicht- bar in die Erscheinung trete. Solange die ? Sozialdemokratie, in der man die Verkörperung des reaktionären Systems der Parteiherrschaft sieht, nicht aus dem maßgebenden Einfluß in Preußen ! verdrängt worden ist. können diese Kreise — und sie repräsentieren heute die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes — kein Vertrauen dazu aufbringen, daß nicht schließlich doch alles wieder | in dem alten bösen Schlendrian endet. Tatsächlich ■ berechtigten ja auch mehr als genug schlimme Er- ahrungen solches Mißtrauen. Wir hatten schon I m Jahre 1 923. als durch die Politik einiger । achkundiger und entschlossen zugreifender Männer I die Währung gerettet und das Volk vor dem Ver- hungern geschützt wurde, die Gelegenheit, die Schäden des Systems zu beseitigen. Aber diese Gelegen- heit wurde verpaßt. Langsam aber sicher schlidderten wir wieder in den parlamentarischen Schlendrian hinein. Jetzt müssen wir nun die Suppe auslöffeln, die uns die Regierungen von Marx bis Müller ein- gebrockt haben, und die durch die verschiedenen Gewürze aller Parteien nicht sckmackhafter geworden ist: denn alle parlamentarischen Parteien haben ich an der Politik des verantwortungslosen Ge- chenkemachens an ihre Wählerkreise in edlem Wett- auf beteiligt Die letzte Regierung dieser Art, die Hermann Müllers, strich erst die Seael, als sie die chr immer wieder präsentierten Wechsel nicht länger prolongieren konnte Der Zentrumeparlamentarler Brüning, der nun als Reichskanzler die Zügel aufnohm, ist nicht nur Traditionsmensch, er i st auch Tatsachen- mens ch. Und als solcher erkennt er, daß die Ausübung der Demokratie in ihrer bisherigen Form den Staat rettungslos ins Verderben stürzen muh. Darin unterscheidet er sich von dem parlamentarischen Bonzentum, das wir bisher gewöhnt sind und das nichts weiter kennt, als Kompromiß- Verhandlungen der Fraktionen, das nichts danach fragt, ob der ganze Staat vor die f)unbe geht wenn nur die parlamentarische Herrlichkeit gerettet wird. Brüning hat den Reichstag vor dem Schicksal des alten Regensburger Fürstenreichstages bewahrt, der gerade in einer tiefgründigen Beratung über das Eutiner Gemeindewesen begriffen war, als ihn die napoleonischen Bataillone auseinandertrieben Mag sich Brüning noch so oft für die Demokratie ein- jetzen, In dem Kampf gegen den Parla - , --- (Sinfonie der Weihnachtsgeräusche. Dov Harry Schreck Man findet Menschen, die ziemlich kurzsichtig lind- man muh sie erst ganz dicht an ihre Weihnachtsgeschenke heranfühcen, damit sie wissen, was sie bekommen haben und worüber sie sich nun eigentlich nach Gebühr freuen sollen. Es gibt weiterhin Menschen, deren Zunge nicht gerade verwöhnt ift; man kann ihnen ebenso gut ein Pfefferkuchenherz wie eine Stollenschnitte vor- sehen, und sie werden friedlichen Geistes mit jedem von beiden sehr zufrieden fein. Außerdem find Leute vorhanden, denen es Im Drunde gleichgültig ift, ob in ihrem Weihnachts- ümmer der fünfte würzige Duft wächserner Kerzen schwebt, oder ob man ihren Christbaumschmuck kurzerhand an eine Steckdose anschlieht. Und schließlich trifft man auch auf grobschlächtige Aaluren^ die imstande wären, über das zarte Drün eines Tannenbaums mit der gleich.m unbekümmerten Handbewcgung hinwegzustreichen, mit der sie eben etwa einen Tisch ansahten. älm diele derben Mängel etwas auszugleichen, pflegt em verständiges, nachsich iges Schicksal sol- chen Menschen wenigstens ein vortreffliches Gehör nitzugcben, damit sie nicht ganz um ein reizendes Weichsnachtserlebnis kommen. Zhnen bleibt es Vorbehalten, die weihnachllichen Eindrücke als Schallwellen aufzunehmen; was rings um sie vorgeht, fetzt sich für sie Hauptfach, lieb zu Klang, Ton und Laut um; sie hören die Sinfonie der Weihnachtsgeräusche. Damit haben sie schon allerlei zu tun, falls sie M nur auf den Christabend beschränken. (Denn richt umionst warnt eine volkstümlich weihnachl- Iche Lyrik: „Srommel, Pfeife und Gewehr...** Doch wer hört auf solche Warnung!) Wenn tndessen Weihnachten elbst noch nicht her- ongerüdt ist, sondern gewissermaßen erst in der Etappe der "Vorbereitungen und der Ei twicklungen trartet, dann zeigt es sich am besten, dah man daS nieiste mit dem Ohr erlebt um die Dezembermitte nämlich beginnt es fllr dre Hellhörigen ein wenig unheimlich tn ihrer -vehausung zu werden. Alles fängt an, sich zu Die lleberweisung der Nobelpreise in Oslo und Stockholm. "TJF—________ _____________________ ____ ... . _______________________ Links: 2n Oslo: Erzbischof Söderblom und otaatsfetretär Kellogg, die Träger der Friedenspreise. — Rechts: In Swckhostn: König Gustav von Schweden beglückwünscht den Dichter SinclairLewis.den Träger de» Clteraturpreife». mentarismus a l s Selb ft zweck fühlen mir I uns mit ihm verbunden, in dem Kampf gegen das Parlament der Parteibonzen, die niemals über die vier Wände ihres Fraktionszimmers hinauszusehen vermögen und höchstens noch noch der Nachbarfraktion hinschielen können, aus Heller Angst darüber, daß dort etwa eine zug- kräftige Wahlparole geschmiedet werden könnte. Die erste Notverordnung wirkte im Reichstag noch als Sensation. Der Reichstag fühlte sich brüskiert und wollte sich eine solche Behandlung nicht gefallen lassen. Er hob die Notverordnung auf, und Brüning schickte ihn dafür noch Hause — mit dem bekannten Erfolge. Damals liefen die Sozialdemokraten durch das ganze Land und sprachen von „V S r f a s s u n g s - b r u ch" des Kabinetts Brüning, das es gewagt hatte, die sachlichen Notwendigkeiten mit den formalen Möglichkeiten der Verfassung in Einklang zu bringen, ohne sich dazu die Zustimmung der Zions- Wächter der Pseudodemokratie erkauft zu haben. Nach den Wahlen, als die Welle des Radikalismus immer heftiger gegen die allmählich aus dem Boden wachsenden Grundmauern eines künftigen neuen und solideren Staatswesens anbrandeten, wurde es in der Sozialdemokratie viel stiller. Preußens Ministerpräsident Otto Braun hatte blitzschnell erkannt, daß es jetzt um mehr ging als um sozialdemokratische Krankenkassenwünsche und Steuerdemagogie. Die deutsche Rechte hat sich bisher ihre Chancen stets dadurch verdorben, daß sie den Gegner nicht richtig einschätzte. Auch diesmal besteht diese Gefahr. Otto Braun ist ein anderer Kerl als wie ihn die Rechtspresse meistens darstellt. Man tut ihm unrecht, wenn man meint, er kämpfe nur für die Erhaltung seiner nähr- haften Futterkrippe in Preußen. Wenn Braun sich jetzt in ausfälliger Form für Brüning einsetzt, dessen politische Ziele nicht die feinen sind, und von dem er weiß, daß er Wege aeyt, die weit von denen der Sozialdemokratie fortführen, dann |inb für den preußischen Ministerpräsidenten Erwägungen maß- gebend, die über das Persönliche und nur Parteipolitische weit hinausgehen Für Braun lautet die Frage so: „Wie kann bei der jetzigen unheilvollen Zuspitzung der innenpolitischen Gegen- sätze eine ru hige Weiterentwicklung er- verschwören, alles rückt listig in die Atmosphäre der Unergründlichfeiten hinein. Zimmertüren schlagen mit rätselhafter Geschwindigkeit ins Schloß, um irgend etwas "Verstecktes mitzunehmen; Papier und Pappe knistern irg.md- wo vertraulich auf dem abgesperrten Flur, weil irgend jemand etwas auspacken möch e. Und nur das Ohr vermutet: das hohle Poltern an der Treppe wird der Klubfessel sein, den man sich gewünscht hat, dies zarte bufd>i$e Schleifen kann nur ein Weihnachtsbaum im Genüge haben, der geheimnisvoll feinen Raum such!. Kurzum, es geht zu, wie in einem Maeterlinck- Drama. Man erhält dunkle Andeutungen, dah man überrascht werden wird; man sieht seltsame Gegenstände durch ben Eingang tragen; und nur das Ohr weiß, was sich da begibt. Aber das alles ist ja nur Einleitung: die weihnachtlichen Stimmen proben gerade ein bißchen, damit sie am v:erundzwanzigsten Dezember rich ig und wie es sich gehört einletzen, um ihre heilere und graziöse Sinfonie zu meistern. Denn erst dann schmelzen die einzelnen Laute in den einen beherrschenden Rhythmus, der voll und groß über diesen armen geschundenen Planeten marschieren darf, um wenigstens einmal im 3afjr das Leben friedlich zu bestimmen... . erst dann mischt sich der silberne Ton des winzigen Glöckchens, das wir bei aller unermüdlichen Sachlichkeit gern für das Glöckchen des im weihnachtlichen Zimmer weilenden Christkindes halten, mit erstaunten Kinderrufen... und erst dann mengt sich der weiche ziehende Klang einer Drehorgel, die auf ihre Weife dem festlichen Abend gerecht werden möchte, gut in das schwere feierlich dröhnende Schwingen der abendlich brausenden Weihnachtsglocke. Man mag Weihnachten feiern, wie man will und wie man es eben kann. Man kann auf eine Fülle von Geschenken sehen, sofern man sie hat; man kann den würzigen Duft von Kerzen atmen, fofem man sie hat. man kann öie reizendste Gabe betasten, fofem sie da ist; man kann die Zungen verwöhnen, fofem ... Aber dies eine hat man auf jeden Fall: die Weihnachtsgeräusche...! Deirn - man sei arm oder reich —: hören darf man alles umsonst... möglicht merben?" Während seine eigene Partei bereits kalte Berechnungen über ihre Aussichten bei einem Bürgerkriege anstellt und dabei an'den Staat überhaupt nicht denkt, setzt sich Braun zur Vermeidung des Bürgerkrieges für eine Fortsetzung der ihm gewiß nicht sympathischen Realpolitik Brünings ein, selbst auf die Gefahr hin, daß auf den Zerietzungsprozeß der bürgerlichen Mitte eine Krisis der sozialdemokratischen Partei folgt. Wenn wir das so offen aussprechen, so tun wir das um die Rechte vor taktischen Fehlern zu bewahren. Denn daß der Parteipolitikcr Otto Braun sein Eintreten für Brüning öffentlich so laut betont, geschieht zweifellos in der Absicht, dadurch neues Mißtrauen und neue Verwirrung in die bürgerlichen Kreise zu tragen. Brüning ist heute stärker als Braun. Die Zentrumspartei steht hinter ihrem jungen Führer als ein geschlossener Block in bewunderungswürdiger Disziplin. „2m Namen der Demokratie" hat Brüning den Reichstag so zurückgedrängt, daß er heute im Volk kaum noch ernst genommen wird. Kein Sozialdemokrat denkt mehr daran, jetzt b e i der zweiten Notverordnung dem Kanzler Verfassungsbruch vorzuwersen. Der Reichstag schluckt widerwillig die Gesetze, denen er niemals zusammen kann. Erst eine spätere Zeit wird einmal rückschauend feststellen können, was diese Entwick- hing für die Gesundung unseres politischen Lebens bedeutet, daß heute überhaupt er st die Voraus- s e tz u n g e n geschaffen worden sind, aus denen eine starke und zielbewußte Außen- Politik aufgebaut werden kann. Trotzdem wenden sich immer größere Teile unseres Volkes gegen diese Regierung. Und besonders stark wenden sich gerade diejenigen gegen sie, deren programmatische Forderungen Brüning in einem erheblichen Umfange erfüllt hat oder zu erfüllen sich anschickt. Die Zurückdrängung der parlamentarischen Allein- Herrschaft, die Heraushebung des Reichsrates, die Herausarbeitung der Machtbefugnisse des Reichspräsidenten, das alles sind Forderungen, um die gerade „b i e entschiebene Rechte" seit Jahren kämpft. 2n ber materiellen Politik hat bie Regierung Brüning, wenn man auf die große Linie sieht, die Vorbedingungen für das geschaffen, was bie Rechte immer wieder stürmisch gefordert hat: die Sammlung der inneren Kraft unsere» Volkes zum Vorstoß nach außen. Wenn trotzdem die nationale Opposition immer schärfer gegen dieses Kabinett Sturm läuft, so deshalb, weil Brüning sich bisher noch nicht offen von der Sozialdemokratie gelöst hot. Die Rechte sieht in der Sozialdemokratie den „einheitlichen marxistischen Block". Dessen Sprengung ist für sie die Voraussetzung für jede innenpolitisch« Gesundung. Für sie ist die Stellung zur Sozialdemokratie der Prüfstein der nationalen Gesinnung überhaupt. Sie hat historisch insofern recht, als bie Sozialbemokratie bie eigentliche Trägerin des Sy- stenis von Weimar ist, aus dem wir jetzt ganz allmählich herauswachsen. Brüning könnte sich heut« sehr leicht billige Lorbeeren erwerben, wenn er dem Drängen der Rechten nachgäbe. Wenn er darauf verzichtet, so sehen wir die Erklärung dafür darin, daß er die Sozialdemokratie so lange a l s möglich zur W e g g e n o s s e n s cha f t zwingen will, um sie mit ber Verantwortung alt der unpopulären Maßnahmen, die ihr« früheren Regierungskünste jetzt notwendig machen, für alle Zukunft mitzubelasten und dadurch bei den großen, heute noch marxistisch eingestellten Kreisen Gehör zu finden. Brüning Ist Staatsmann. Es geht ihm nicht um persönlich« Erfolge, sondern um die dauernde Gesundung des deutschen Volkes. Das ganze Trümmerfeld auf- zuräumen, wird noch jahrelang dauern. Dazu gehören eiferne Nerven und ein unbeirrbarer Wille. Wir find gewiß nicht frei von Bedenken, ob öie Regierungspolitik heute immer und in allen Einzelheiten in dem Sinn geführt wird, daß wieder einmal ein wirtschaftlich s e l b ft ä n d i - ges Bürgertum die Grundlage eines gesunden Staates bildet, und daß unser Volk von dem 2rr- wahn des Rentnerideals auf Staatskosten geheilt wird. Aber wir haben die hoffnungsvolle Zuversicht, daß auch in diesem entscheidenden Punkte, der immer noch nicht grundsätzlich zur Debatte gestellt worden ist, der positive Aufbauwill« gegenüber den negativen Kräften Hegt, die unser Staatswesen in den letzten zwölf Jahren an den Rand des finanziellen und moralischen Zusammenbruchs gebracht hat. Zunächst erscheint es uns als ein Gewinn, daß Tage, die nie wiederkehren. Don (Siegfried von Vegesack. Was war das Schönste? Das Treppengeländer rittlings hinunterzurut- schen? 3n der Kleeschrune heimliche Höhlen und unterirdische Gänge zu graben? Oder im dunklen Wagenhaus unter die weißen Staubdecken zu kriechen, in die alte „Dormeuse", das viersitzige Kupee, zu klettern, den Arm in den breiten Arm Hänger zu legen, das grüne Seiden- roleau hinaufzuchnellen, und mit der kleinen Glocke, die zum Dock führte, zu klingeln? Wie das in allen Ecken nach Mottenpulver, nach alten Parfüms, utal.cm Rei.estaub roch! 3n dieser Kutsche war noch Großtante Ernestine über Königsberg nach Dresden zum Zahnarzt gesahren... Aber noch schöner war der Heuboden über dem Stall: da lag man versteckt, kaute Sauerampfer oder junge Gurken, die man sich aus dem Garten heimlich gestohlen, und war verschwunden, wenn draußen Karlomchen rief. Unb dann: das Paradies unter der Gartenveranda. Da wohnten die Igel, die auf schönen Moosteppichen schnauften, sich fürchterlich zusammenkugelten und einander anzischten, wenn der Appetit groß, und der Frosch klein war, der ihnen mit Schaudern und doch heimlicher Aeugierde geopfert werden muhte. Krähen, Elstern, weihe Mäuse. Hasen und sogar junge Störche hausten dort und fraßen aus der Hand. Unb wenn eines verunglückte, stand nicht weit im Garten die Begräbniskapelle, wo sie feierlich in Zigarettenschachteln mit vielen Blumen, Musik und traurigen Gesängen bestattet wurden. Aber das Allerschönste war doch, wenn der alte Maarz die sechs Apfelschimmel vor die „Familiendroschke ‘ spannte: ein Ungetüm aus Hr- grohvaters Zeiten, mehr ein fahrendes Haus als ein Wagen, in dem der Länge nach aus beiden Seiten je sechs Menschen sitzen, und die zwei Jüngsten dazwischen in der Mitte noch liegen konnten, — unö vorne beim Kutscher, und hinten auf dem Dienersitz war noch Platz genug für die älteren Brüder. Dann ging es an die Abheuschläge, wo alle Leute schon seit einer Woche beim Heuen waren. ilnö beim Heu-Ausrollen und Einfahren wurde mitgeholsen, bis man den Hals voll kleiner Halme hatte, dah man fast erstickte ... Wohin ist das alles entschwunden? Steht noch die „Dormeuse" unter der weihen Staubdecke? Und die Familiendrvschke? Steht noch das alte Haus mit dem holländischen Schindeldach, den weihen Säulen und der breiten Deranda? D e moosbewach ene Gartenpforte ist geschlossen. Die schmalen grauen Stäbe werfen Schatten über den vergrasten Weg, den niemand betritt. Kleine Scherze. Jrembes Milieu. Töpper-Karl hatte eine Freikarte für bie Operette „Die chinesische Matte". Töpper-Karl ging hin. Den Hut ließ er zu Hause, unb im Foyer markierte er ben Kriegsbeschäbigten, um ben Stock nicht in ber Garberobe abgeben zu müssen. Kommt ber Programmoerläufer: „Textbuch gefällig?" Darauf Töpper-Karl mißgelaunt: „Wat benn, Textbuch ... soll'n wa benn mit fingen?" (Lust. Bl.) Traft. Piff unb Poff jagen Auerhähne. Piff starrt angestrengt ins Dunkel ber Zweige. Plötzlich knallt Piff los. Kräftigen Flügelschlages fliegt bet Auer- hohn aus einem ganz anberen Baum auf unb Der- schwinbet in ber Finsternis. „Sonntagsjäger!" schimpft Paff. „Aber wie ich bas Biest erschreckt hab'!" triumphiert Piff. (Lust. Bl.) Das Geburtstagsgeschenk. Marion, das Töchterchen eines bekannten Pathologen, wünscht sich zu ihrem vierten Geburtstagsfest ein Kaninchen. Es wird beim Tischler ein geräumiger, mit Zinkboden und allem sonsttgen Komfort versehener Käsig bestellt, und am "Vorabend des Festes bringt der Papa ein schneeweißes Kaninchenfräulein aus seinem Institut nach Hause Des Morgens wird Marion vor den Käsig geführt. Aach kurzem Betrachten bricht sie in Tränen aus. »So ein Kaninchen will ich nicht, ich will ein richtiges Kaninchen auf Rädern!" (Luft. Dl^ Vic politische Entwicklung „ganz von selbst-' über die formalistischen Unzulänglichkeiten der Weimarer Demokratie hinaus zu einem betonten po• litischen Führertum gelangt ist. Wenn diese» Führertum echt ist, dann wird es die Kräfte zu gewinnen wissen, auf denen allein der neue Staat gebaut werden kann, dann wird e» sich auch denjenigen Kräften gegenüber durchsetzen, die heute andere politische Methoden zur Gewinnung neuer staatlicher Macht vertreten. Aus der Pro'vtnzialbouptstad» Gießen, den 13. Dezember 1930. Vorsicht mit Weihnachtsbäumen. WSR. Die Hessisch« Brandversicherungskam- mer empfiehlt, bei der Aufstellung von Weihnachtsbäumen Vorsicht waten -u lassen, da sonst leicht Brände entstehen können, und gibt für die Behandlung der WeihnachtS- bäume einige wichtige Richtlinien: 1 Der Weihnachtsbaum soll einen schweren, festen Fuß haben, in dem der Stamm deS Baumes ordnungsgemäß und sicher befestigt sein muh, damit ein Umfallen vermieden wird. 2. Man vermeide Unterlagen auS Teppichen, Tüchern und Papier. 3. Man stelle den Weihnachtsbaum frei tm Zim- mer auf, von Gardinen und Türvorhängen so weit entfernt, dah Zugluft sie den Kerzen nicht nahebringen kann. 4. Die Kerzen müssen haltbar befestigt sein. 5. Man vermeide möglichst jeden Papier- und Zelluloidschmuck. Auf keinen Fall darf solcher Schmuck in der Rähe einer Kerze oder gar darüber angebracht werden. 6. Auf die Verwendung der sogenannten Wunderkerzen, die durchaus nicht so ungefährlich sind, wie gesagt wird, verzichte man lieber ganz. 7 Die Kerzen des Baumes zünde man in der Reihenfolge von oben nach unten an, da man umgekehrt seine Kleider und sich selbst in FeuerS- gefahr bringt. 8 Die Kerzen eines trockenen und daher besonders feuergefährlichen Tannenbaumes zünde man nicht mehr an. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 160, Kochbutter von 130 an, Matte 30 bis 35, Weißkraut 5 bis 6, Wirsing, Rotkraut, gelbe und rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Sinter-Kohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3,5 bis 4, Aepfel 25 bis 40, Dirnen 20 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne, Suppenhühner und Gänse 80 bis 100 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück» 60 bis 140 Pf., Lauben 50 bis 70, Eier 17 bis 18, Dlu- menkohl 30 bis 70, Salat 15 bis 20, Girdivien und Rettich 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 8 bis 10. Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Kartoffeln 2,20 bis 2,50, Weißkraut 3, Wirsing 4, Rotkraut 5 Mark der Zentner. ** Historische Fachschaft und Ober- hessischer Geschichtsverein. 3n einem Vortragsabend, veranstaltet von der Historischen Fachschaft in Verbindung mit dem Oberhessischen Geschichtsverein, sprach am Donnerstagabend im Hörsaal 44 der Universität Prof. Dr. Mommsen (Marburg) über „(SmU Ludwig und die deutsche Geschichtswissenschaft". Die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Schaffen des vielgelesenen Schriftstellers sei notwendig, so führte er aus, da weite Kreise aus den Werken Emil Ludwigs ihre historischen Kenntnisse schöpften. Das sei gefährlich, da die Grundlagen dieser Werke, dieser Biographien zum großen Teil nicht den historischen Tatsachen entsprächen, zum anderen aber unter einem Gesichtswinkel geschrieben seien, den man als falsch bezeichnen müsse. Emil Ludwig isoliere die Helden seiner Werke, löse sie aus ihrer Umgebung, aus ihrem Milieu heraus und betrachte sie psychologisch und dennoch unpsychologisch, insofern als das Handeln großer Menschen immer aus der Situation herauswachse. So sei von Bismarck mehr eine Dunt- bildphotographie geworden, als eine Charakteristik, das Werk „Rapoleon" sei wohl ernsthafter als die anderen Werke, aber doch nicht ernsthaft genug, .Lincoln" primitiv und „3uli 14" unvollständig, weil voreilig abgeschlossen und lediglich auf eine leichte Formel gebracht. Emil Ludwig sei gegen die Fachhistoriker: er glaube, ein Recht zu haben, die Wissenschaft einseitig zu nennen und meine von sich selbst, die Fachhistorie überwunden zu haben. Der Redner stellte dem aber gegenüber, dah man große geschichtliche Zusam- menhänge erst dann erklären und als Faktum hinstellen dürfe, wenn die Einzelheiten sorgfältig und ernsthaft erwogen und in das richtige Verhältnis zueinander gebracht seien. Mit dem „V o r- fühle n", wie es Emil Ludwig nenne, sei es nicht getan. Ausschlaggebend sei immer das im Rahmen des Subjekts mögliche objektive Wissen. Zum Schluß seines Vortrages befaßte sich der Redner noch mit den Gründen des Erfolges, den die Bücher Emil Ludwigs mrbestreitbar zu verzeichnen hatten. Er wies darauf hin, dah die Art zu schreiben und die Dinge darzustellen nur allzu sehr auf die Wünsche und die Mentalität des heutigen gehetzten Menschen zugeschnitten seien, im Grunde aber nicht anderes darstelle als ein besseres Kino mit halben Wahrheiten und nur glänzenden Bildern. Den Büchern fehle dementsprechend der geschlossene Charakter. Ludwig wolle zugleich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Wissenschaft vermeiden. Die Kritiklosigkeit vieler Leser hätte auherdem dem Schriftsteller den Weg bereitet: nicht ganz unschuldig sei daran allerdings auch die Wissenschaft selbst, die in einem gewissen Ausmaß den Kontakt mit der Allgemeinheit verloren habe. Mit einigen Ausführungen über die Auswertungsmöglichkeit der historischen Erkenntnisse für die Politik der Gegenwart fand der Vortrag unter lebhafter Zustimmung der Zuhörer sein Ende. •• Deutschnationaler Handlungs» gehilfen-Verband. Man berichtet uns: Oberzollinspektor Heß hielt im Heim des Deutschnationalen Handlungsgehilfen ° Verbandes einen Vortrag über Deutsch-Ostafrika. Der außer* ordentlich starke Besuch zeigte, wie rege die Anteilnahme für unsere Kolonien ist. Eingeleitet wurde der Vortrag durch eine Schilderung der Verhältnisse, wie sie bei Ausbruch des Krieges in Deutsch-Ostafrika bestanden. Ausführlich schilderte Herr Heß, der lange 3ahre in dieser Kolonie war, die Tier- und Pflanzenwelt, die wirtschaftlichen Verhältnisse. die Ein- und AuS- fuhr, den Anbau bet verschiedenen Kultur- Preisabbau und Lebenshaltung in Gießen. Oie Preissenkung in Kolonialwaren von Oktober <1929 bis Dezember 1930. Don Alfred Dossins, Syndikus im Reichsverdanb des deutschen Nahrungsmiüelgroßhandels. Zu Anfang jeder Erörterung über den Preisabbau muh Darauf hingewicsen werden, dah kein wirtschaftlich und sozial denkender Mensch, soweit er als praktischer Kaufmann ober an sonst ver- antwortttcher Stelle im Wirtschaftsleben tätig ist, die auherordentliche Bedeutung der Verbilligung der Lebenshaltungskosten für die breiten Massen der Bevölkerung verkennt. Gerade angesichts der großen Erwerbslosigkeit und der durch Kurzarbeit oder Lohn- und Gehaltskürzungen bedingten Einkommensschmälerung weiter Kreise müssen die letzten Verteiler im WirtschastSvrozeh, Großhandel wie Einzelhandel, darauf bedacht sein, dieser geschwächten Konsumkraft durch Preisreduzierung in größtmöglichstem Ausmah Rechnung zu tragen. Was den Kolonialwarenhandel betrifft, so hat er nicht nur der Entwicklung der Weltmarktpreise folgen muffen, sondern hat, wovon sich jede unvoreingenommene Hausfrau durch persönliche Prüfung in den einschlägigen Geschäften der Stadt überzeugen kann, auch in jüngster Zeit noch in zahlreichen Artikeln seine Kalkulation auf die knappste Spanne reduziert, einzelne Geschäfte sogar bis auf ein fast nicht mehr zu rechtfertigendes Maß. 3ede Preissenkung findet aber ihre Grenze in den S e 1 b st k o st e n für die Ware und den Geschäftsunkosten. Dah diese Grenze in der Kolonialwaren- und Genuhmittelbranche im großen und ganzen zur Zeit erreicht, wenn nicht vielfach überschritten ist, muh mit allem Rachdruck der Oeffentlichkeit gesagt werden. Denn naive Gemüter erwarten vielfach alle Tage geradezu preis- stürzende Wunder seitens der Geschäftswelt, und die Frage des Preisabbaues lauft Gefahr, auf diese Weise in ein falsches Fahrwasser gedrängt zu werden. 3nsbefondere wird der ehrbare Kaufmann im Groh- und Kleinhandel, der seine Preise nach reellen Gesichtspunkten kalkuliert, allenthalben durch eine von keiner Sachkenntnis getrübte unverantwortliche Agitation, besonders gewisser fiskalischer Kreise einschl. des hessischen Ministers f ü r Wirtschaft, mit Mißtrauen verfolgt. Auf der andern Seite ist die Verbraucher- schaft leicht vergehlich. Sie nimmt herabgesetzte Preise als etwas Selbstverständliches hin und vergiht zu gern, dah sie u. a. so lange für eine ganze Reihe von Artikeln wesentlich höhere Preise hat bezahlen müssen. Gegenüber den Folgerungen, wie sie aus den Ausführungen des Geschäftsführers Mack vom GdA. in Rr. 282 des GA. vom 2. Dezember gezogen werden müssen, muh betont werden, dah auch In Gießen die starken Konkurrenzverhältnisse in der Lebensmittelbranche dafür gesorgt haben und täglich sorgen, dah die Verkaufspreise den Marktpreisen nach unten folgen, und dah die am Kolonialwarenhandel beteiligten Kreise, insbesondere der schwer um seine Existenz ringende Einzelhandel, es nicht nötig haben, sich daran erinnern zu lassen, dah auch sie den Weltmarktpreisen zu folgen haben. 3eder Kenner der Verhältnisse tveih auch, welcher ruinöse Schleuderwettbewerb gerade in der Lebensmittelbranche herrscht und wie in weiten Kreisen das Zugabeunwesen als ein Krebsschaden angesehen wird, das dringend des gesetzlichen Verbotes bedarf. 3m Hinblick auf eine übertriebene Agitation, die vielfach glaubt, ausgerechnet den aus der Kriegswirtschaft her noch in peinlicher Erinnerung befindlichen Amtsschimmel wieder in Bewegung setzen zu müssen, und mit Rücksicht auf die durch die Selbstkosten g zogen« natürliche Grenz« ist es notwendig, sich einmal klarzurnachen, was unter „Preisabbau" zu verstehen ist. Mit dem Degrifs „Preisabbau" wird in der Vorstellung des nicht wirtschaftlich geschulten Laien an ein bewuhtes, direktes Herabsehen der Preise gedacht, etwa wie bei einem 3nventurausverkauf Preise ermäßigt werden. Es wird dabei nicht beachtet, dah die Preisbildung im allgemeinen nicht etwas Künstliches ist und daß ein derartiges Senken der Preise normalerweise überall dort nicht in Frage kommen kann, wo die Preislage sich den Schwankungen auf dem Weltmarkt anlehnt und der Konkurrenz im 3n- und Ausland unterliegt, d. h. bei allen solchen Artikeln, deren Preise nicht durch a) entsprechend hohe Zollschranken gegenüber dem Auslande, b) Bindungen innerhalb Syndikaten sowie Kartellen, c) besonderen Preisschutz wie bei Markenartikeln festgelegt sind. Die freien Artikel, die dem Einfluß von Weltmarkt und Konkurrenz unterworfen sind, überwiegen in der Rahrungsmittel- und Genußmittel- branche bei weitem die Zahl derjenigen Waren, die pretsgebunden (Markenartikel) sind. Bei den freien Waren, deren Preise dem Einfluß von Angebot und Rachfrage unterliegen, sorgt bereits die Konkurrenz im 3n- und Ausland dafür, daß sie sich der Marktlage anpassen, indem nur der denkbar niedrigste Pre is vom Handel gefordert werden kann. Hier kann von einem willkürlichen Preisabbau oder einer Preissenkung keine Rede fein, vielmehr nur von einem selbständigen Sinken der Preise, entsprechend der Verringerung der Selbstkosten oder Unkosten, was im allgemeinen außerhalb der Einwirkungsmöglichkeit des einzelnen Händlers liegt. Als äußeres Zeichen der sinkenden Preise in vielen wichtigen Artikeln sind der amtlich errechnete Großhandelsindex für Kolonialwaren und der Lebenshaltungsindex für Ernährung anzusehen. Aber auch ein Vergleich der Verkaufspreise In den Lebensmittelgeschäften der Stadt Gießen im Durchschnitt des Monats Oktober 1929 mit denen des jetzt begonnenen Monats Dezember 1930 wird jeder Hausfrau, so weit sie entsprechende Aufzeichnungen darüber zu machen pflegt, einen allgemeinen, durchaus kräftigen Rückgang der Preise bestätigen. Rach vorliegenden Erhebungen über die Verkaufspreise in der in Frage kommenden Vergleichszeit einer Anzahl Lebensmittelgeschäfte der Stadl in verschiedenen Lagen und verschiedener Gröhe beträgt die Preissenkung im Durchschnitt der 65 verglichenen lebensnotwendigen Artikel etwa 12 bis 1 4»/o, bei einer ganzen Reihe von gerade für die Ernährung der breiten Masse bedeutsamen Artikeln erheblich mehr. Das Preisniveau der einzelnen im Lebensmittelgeschäft konkurrierenden Betriebe ist im Durchschnitt ein durchaus einheitliches, und die Verkaufspreise des selbständgen Einzelhandels insbesondere halten unter Berücksichtigung der Qualität jeden Vergleich mit denen der konsum- genossenschaftlichen Organisationen aus. Ein Vergleich der Kleinverkaufspreise im Monat Oktober 1929 gegen Dezember 1930 zeigt, wie stark eine ganze Reihe von Waren dem Preisrückgang aus dem Weltmarkt gefolgt sind, u. a.: Erbsen, Linsen, getrocknete Früchte, Mandeln, Gewürze. Schmalz, Butter, Margarine und Käse. Eine vergleichende Uebersicht zeigt aber auch, welchen Einfluß zollpvlitische und agrarpolitische Maßnahmen auf die Preisentwicklung haben. So wäre sicherlich das Preisabsinken bei Kaffee viel größer gewesen, wenn nicht Anfang März dieses 3ahres der Zoll für Rohkaffee um 30 Mark je 100 Kilo erhöht worden wäre. Ebenso spiegelt sich die zur gleichen Zeit vorgenommene Zollerhöhung für Tee und später für Erbsen in den Tee- und Erbsenpreisen wieder. Auch die Preise für Müh- lenprodukte und Teigwaren sind von der zugunsten der Landwirtschaft beeinflußten Zollregelung abhängig, ferner Zucker und zuckerhaltige Produkte durch die ganz außerordentliche Zollerhöhung, die dazu führte, dah die Zuckerpreise sich völlig unabhängig vom Weltmarkt gestalten, ein Vorgang, der durch das mit der Ro Verordnung rechtswirksam gewordene Handelsklas.engesetz mit dem vorgesehenen Zwangszusammenschluß der Zuckerindustrie stabilisiert wird. Die Preisbildung der vom Weltmarkt abhängigen Waren vollzieht sich selbsttätig: der Handel ist gar nicht imstande, sie zu beeinflussen, weder nach oben, noch nach unten. Anderseits ergibt sich wie einsch. eidend Zoll- und agrarpolitische Mahnahmen auf die Preisgestaltung einwirken. Wenn aber aus besonderen Gründen Regierung und Reichstag Zoll- und andere gesetzgeberische Mahnahmen, z. D. zum Schuh der Landwirtschaft, für erforderlich halten, so kann man den Handel nicht dafür verantwortlich machen, wenn hierdurch die Preise eine andere Richtung nehmen, als dies ohne solche Maßnahmen der Fall gewesen wäre. Syndikate und Kartelle gibt es im RahrungS- Mittelhandel in Deutschland nicht. Was die Markenartikel angeht, so haben diese sich in letzter Zeit der ganz besonderen Beachtung der Reichsregierung erfreut, in einem Maße, das weit über die Bedeutung hinausgeht, die derartige Artikel im Gesamtrahmen der Lebensmittelwirtschaft ausmachen. Eingehende Lindersuchungen über Preisbindung und Preisbildung bei Markenartikeln haben auf Grund der Rotverordnung und des daraufhin an den Reichswirtschaftsrat ergangenen Ersuchens von letzterem stattgefunden. 3nzwischen haben aber die beteiligten Kreise für die den Haushalt betreffenden wichtigsten Artikel (Persil, Kathreiners Malzkaffe« u. a.) eine beachtliche Preisherabsetzung vorgenommen. Dabei muh darauf hingewtesen werden, dah neben der 3ndustrie, die außer der Berücksichtigung der Rohstoffpreise mit der Preislenkung auch eine Belebung des Absatzes im Auge hat, auch der Groß - und Einzelhandel durch teilweise sehr weitgehende Einschränkung ihrer Handelsspanne dazu bei getragen haben, die Möglichkeit einer Preissenkung in diesem Aysmah zu schaffen. Dieser Hinweis benjentgen, die glauben, das Heil allein in einer Aufhebung des Preisschutzes erblicken zu können. Die Preissenkungen in Markenartikeln, die unabhängig von den zeitraubenden Beratungen des Reichswirtschaftsrates und den versteckten Drohungen der Regierung erfolgt sind, lediglich in dem Bestreben, der gesunkenen Kaufkraft, soweit dies die bedingenden Faktoren nur irgend zuließen, Rechnung zu tragen, beweifvn doch auf das deutlichste, daß die Preisbindung an sich ohne Einfluß auf die Preisbildung der Markenartikel ist/ Was derartige Einschränkungen der Handelsspannen in den preisgebundenen freien Artikeln für den Groß- und Einzelhandel bedeuten, wird besonders klar, wenn man sich überlegt, welche hohen und gerade in den letzten Monaten noch erhöhten Unkosten dem Handel erwachsen sind: Die Stückguttarife der Eisenbahn haben eine Erhöhung erfahren, die teilweise 100 Prozent auS- macht. Der im Großhandel unentbehrliche Lastkraftwagenbetrieb hat durch die vor einigen Wochen erfolgte Zollerhöhung fürTr lebst o f f e , die Abgabe auf Benzol und den Bei» Mischungszwang von Spiritus, ferner durch die zwangsweise Umstellung der Lastwagen von Vollreifen auf Luftreifen eine ganz gewaltige Verteuerung erfahren. Die Erhöhung desBei- trages zur Arbeitslosenversicherung, die hier in Gießen nicht durch eine entsprechende Herabsetzung des Beitrages zur Krankenversicherung kompensiert worden ist, bildet ein weiteres Unkostenmoment, ebenso wie die noch immer übermäßig hohen Zinsen, die Höhe der Rechtsverfolgungskösten gegenüber zahlungs- urrtDilligen Abnehmern und die Höhe der Verluste im Großhandel durch Zahlungseinstellungen oder Zusammenbrüche im Einzelhandel. Die im Landtag beschlossenen neuen Steuererhöhungen und die hohen städtischen Tarife bilden neben einer Reihe anderer Dinge noch weitere Unkostenelemente. Wenn bei an und für sich stark verringertem Umschlag, verstärkt durch sinkende Preise, der Handel sich entschlossen hat, dort, wo rein schematische preisliche Einwirkungsmöglichkeiten gegeben sind, wie bei Markenartikeln, die kalkulatorisch eigentlich notwendige Erhöhung in eine Verringerung seiner Handelsspanne freiwillig umzuwandeln, so dürfte dies ein Zeichen dafür fein, daß gerade der Rah- rungsmittelhandel nach Kräften bemüh t ist, nicht nur volkswirtschaftlich und sozial zu denken, sondern auch zu handeln und an seinem Teil dazu beizutragen, die Wirtschaftskrise zu vermindern und Wege für ihre Beseitigung zu eröffnen. Klar erkennt der Aahrungsmittelhan- del, daß nicht durch hohe Preise und geringen Umschlag, sondern nur durch möglichst niedrige Preise und dadurch mengenmäßig erhöhten Umschlag die Gesundung der Wirtschast erreicht werden kann. Run ist es an den öffentlichen Stellen, insbesondere an der Regierung im Reich und in Hessen und an der Stadtverwaltung, dafür zu sorgen, daß durch eine vernünftige Sparpolitik und maßvolle Zoll-, Steuer- und Verkehrspolitik die Bemühungen der Wirtschafts- kreise, insbesondere deS für die Ernährung des Volkes so wichtigen Lebensmittelhandels, sich dem Absinken der Preise auf dem Weltmarkt anzu- passen und, soweit Preisregulierungen stattfinden, durch Senkung der Preise für eine Ankurbelung der Wirtschaft und Verbilligung der Lebenshaltung der breiten Verbraucher schichten zu sorgen, nicht gestört oder, wie es leider angesichts der neuen Anträge der Stadtverwaltung auf Erhöhung der Realsteuern zu befürchten ist, in die entgegengesetzte Richtung gedrängt, sondern nachhaltigst unterstützt werden. Die Käufe r s ch a f t muß gewarnt werden, bezüglich eines weiteren Preisabbaus Hoffnungen zu hegen oder solche sich von einer unverantwortlichen Agitation vorgaukeln zu lassen, die nicht erfüllt werden können, und in ihren Einkäufen eine Zurückhaltung zu üben, die über das Rotwendige hinausgeht und die nur geeignet ist, bU von allen erwartete Belebung der Wirtschaft nicht zu fördern, sondern zu verhindern. pflanzen, die Eisenbahnen und die Schwierigkeiten der Güterbewegung durch Trägerkolonnen. Eingehend behandelte er auch die Verwaltung des Landes und die Schutztruppe, und zeigte alles dies tm Lichtbild. Der zweite Teil des Vortrages brachte Die persönlichen Erlebnisse vor und während des Krieges, der In Ostafrika gegen zehnfache Uebermacht bis zum Wajfenstillstand durchgekämpft wurde. Die Anstrengungen und Märsche waren ungeheuer, da der Feind nur durch das Hin- und Herwerfen der kleinen Schuhtruppenabteilungen aufgehalten werden konnte. Rachschub aus der Heimat war nicht möglich, es ging daher allmählich alles aus, was zum Leben notwendig war. Waffen und Munition mußten vorn Feind geholt werden, Schuhe und Kleidung wurden notdürftig selbst angefertigi. 3edenfalls war der Kamps in Ostafrika eine der großen Kriegstaten unseres Volkes. Nachdem noch eine Reihe Lichtbilder auch diesen Teil des Vortrages bildlich zur Darstellung gebracht hatten, kam der Redner auf das gute Verhältnis zu den Eingeborenen zu sprechen, das wohl am besten durch einen Reim in bet' Suaheli-Sprache gekennzeichnet wird, der aus Deutsch heißt: „Der Deutsche hat harte Worte, aber ein gutes Herz. — Der Engländer hat schöne Worte, aber ein hartes Herz." Oberheffen. Landkreis Rieften. OO Klein-Linden, 12 Dez. Der Landwirt und Kriegsoeteran Johann Georg Schmidt, der die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht hat, kann am 18. Dezember in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 8. Geburtstag begehen. Der alte OTerr, der au» dem benachbarten 1 Lützellinden gebürtig ist, ist der älteste männliche Einwohner unseres Dorfes. Q Leihgestern, 12. Dez. Der für die hiesige P f a r r st e l 1 e ernannte Pfarrer R e u s ch wird am 3. Advent von dem Dekanstellvertreter Pfarrer Sattler (Wieseck- der Gemeinde im Gottesdienst vorgestellt werden. O Holzheim, 12. Dez. Bei der hiesigen Viehzählung wurden festgestellt: 86Pferde, 861 Stück Rindvieh, 124 Schafe, 910 Schweine, 103 Ziegen, 3240 Stück Federvieh und neun Bienenstöcke. — Don einem schweren Schicksalsschlag wurde die Familie Heinrich Müller 1. betroffen. Als der im 50. Lebensjahre stehende Bäckermeister Müller am Morgen mit Brötchenbacken beschäftigt war, machte ein Herzschlag seinem Leben ein schnelles Ende. * Ruttershausen, 13. Dez. In der vergangenen Nacht wurde bei dem Einwohner Friedrich Schwarz ein Einbruch verübt. Den Dieben gelang es, 15 Mark zu erbeuten. Außerdem fielen ihnen auch Wurstwaren in die Hände. Ver- mutlich wurden die Einbrecher bei ihrer Tätigkeit gestört, do sie einen Teil ihrer eßbaren Beute liegen ließen. Ein zweiter Einbruch wurde in einer Jagdhütte ausgeführt. Der Jagdaufseher fand heute morgen die Türe der Hütte erbrochen und begab sich daraufhin sofort zur Polizei. Was den Dieb dort zur Beute wurde, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Ermittlungen find im Gange. O Linden st ruth, 12. Dez. Dor 2 Jahren wurden die Feldbereinigungsarbeiten in dem nach Reiskirchen zu gelegenen Wiesengrund beendet. Um den Wiesengrund vor der völligen Der- sumpsung zu retten, wurde auch der Wieseck- bach verlegt. 3n dem jetzigen nassen Herbst konnte zum erstenmal sestgestellt werden, dah die Dachregulierung ihren Zweck vollständig erfüllt, Auch an den niederschlagreichsten Regentagen ergoß sich alles Wasser sofort in die Abzugsgräben. Als gute Folge zeigt sich jetzt schon, daß ein weit besseres Futter geerntet wird, als vor der Feldbereinigung. > Saasen, 12. Dez. Seit 5. Dezember ist hier eine Poststelle neu eingerichtet worden. Unser Ort war von jeher der Postagentur Reiskirchen zugeteilt. Das Postauto kommt täglich zweimal von Gießen. Ein großer Dorteil in der Zustellung besteht darin, daß die Post schon am Vormittag bestellt werden fann, etwa ge Antwort ch eiben mit der zweiten Post am Rach.nittag weitergehen können. Die Poststelle ist in den Händen des seitherigen PostyiNsstelleninhavers Wilh. Stark geblieben. — Die nach dem Weggang unseres Lehrers Herber freig.wordene Lehrer st eil« ist zur Reubesetzung ausgeschrieben worden. Es haben sich nur neun Bewerber gemeldet, eine für die günstige Lage unseres Ortes sehr geringe Bewerbe rzahl. Wie wir hören, sott die Besetzung der Stelle noch im alten Schuljahr erfolgen. Aus dem Amtsverkündigungsdlati. • Das Amtsverkündig ungSblat! Rr. 91 vom 12. Dezember enthält: Stand der Maul- und Klauenseuche. — Falsche Reichsbanknoten. — Straßensperre. — Der Ausbau des Eichgärtengebiets in der Gemarkung Gießen. Der Derkehr mit Feuerwerkskorpern. Ium Schutz gegen | ffalia^undung undEnalfuM Opefo ah (Bedeutung! IU - 71697 zCBERBiiit rungen und Verfeinerungen, die diesen Opel 1,1 Liter Modellen noch mehr als bisher die Eigenschaften und Annehmlichkeiten wesentlich teurerer Wagen geben. 1,1 Liter Opel Modelle 1931 bieten grösseren Allee an diesem Wagen ist schön — er macht den Eindruck einee teuren Wagt ne • man fährt ihn mit berechtigtem Stotel Wert - ohne Preiserhöhung Immer führend! Opel vergrössert jetzt seinen Vorsprung durch .. • . . mehr Kraft. Neuer Zydinderb lock . neuer Vergaser mit Vorwärmung - Bohnaliie Leichtmetall-Kolben - neue Ventile - ww Pleuelstangen - einige der rieten Kraß und Lei- etung steigernden Aenderungen am Motor; alles erhöhte Werte, - aber ohne Preiserhöhung. • • • mehr Schönheit und Komfort. Neuer verchromter Kühler und Hadder kappen . rollgewölbte neue Kotflügel - neues griffiges Steuerrad - bequeme Karosserien - Stoßdämpfer vorn und hinten t wichtige Attribute seiner Schönheit und seines wunderbaren Fahrkomforts. • • • größere Straßenfestigkeit. Verglichen mix anderen Wagen ihrer Preisklasse haben Opel 1,1 Liier Modelle 1931 16 ’/, breitere Spurweite - 30-33*/, längeren Radstand - größere Reifen - längere Federn, eine bessere Straßenlage istdie natürliche Folge. • • • größere Wirtschaftlichkeit. Nauer Vergaser und A nderungen am Motor vergrößern die Kraft, ohne höheren Brennstoffverbrauch, die Leistungsfähigkeit eines teuren Wagens mit den Betriebskosten eines kleinen Wagens. • • . höhere Qualität. Für Chassis - Motor • Karosserie - Innrnnn.^nftimg wird nur hochwertiges Material verwendet Bei der Größe des Bedarfs, den ein Werk wie Opel hat, kann bestes Material günstig eingekauft werden. Wieder ein Vorteil mehr für Siel Fachmann oder Laie ... Jedermann wird zugeben müssen: kein anderer Wagen bietet so hoben Wert für so wenig Geld wie die 1,1 Liter Vierzylinder Opel-Modelle 1931! Geblieben sind die altbewährten Eigenschaften des Opelwagens, der schon in diesem Jahr von zwei Drittel aller Käufer seiner Preisklasse bevorzugt wurde. Neu sind eine Reihe wertvoller, fortschrittlicher Ände- • • - größere Sicherheit. Zuverlässige Ö-Rad-Bremsen - solide Stahlkonstruktion des Chassis - Karosserie aus Hols und Stahl, su einem stabilen Gefüge verarbeitet - größere Scheinwerfer, die die dunkelste Nacht durchdringen. v . . große Karosserie-Auswahl. 4 Modelle zur Auswahl! Opel-Käufer können den Wagen bekommen, den sie wirklich brauchen und suchen. ADAM OPEL A.G., RÜSSELSHEIM A.M. IMMER B1VGT OPEL UM DAS BESTE! Das Ergebnis dieses Ringens macht sich überall bemerkbar. 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Nach dem preußischen Beispiel wird nun auch in Hessen über die Verwaltungen der Kommunen, Kreise und Provinzen die zweischneidige Einrichtung eines Staatskommissars verhängte Auf Vorschlag des hessischen Innenministers Hot der Landtag am Donnerstag einem Gesetzentwurf zugestimmt, „6er die Sicherung der Haushaltsführung der Gemeinden, Kreise und Provinzen ermöglichen soll auch in den Fällen, wo die Selbstoerwaltungs- gremien versagen". Zu diesem Zwecke soll der Innenminister für die betreffenden Gemeinden, Kreise oder Provinzen einen Staatskommissar bestellen können. Der Aufgabenkreis und das Verhältnis zwischen dem Staatskommissar und den damit „beglückten" Gemeinwesen sind aus den bis- herigen Veröffentlichungen bekannt, ebenso war daraus ersichtlich, daß es sich bei dieser Einrichtung um eine Maßnahme handelt, deren Gültigkeit sich auf die Rechnungsjahre 1930 und 1931 beschränken soll. Dom Standpunkt der kommunalen S'e l b st - Verwaltung aus gesehen ist es zu bedauern, daß die Aufsichtsbehörde glaubt, nur durch evtl, teil- weise Beseitigung des Selbstverwaltungsrechts die Gemeinden, streife und Provinzen über den Berg der wachsenden Schwierigkeiten Hinwegbringen zu können. Zur Stärkung des Gedankens der kommunalen Selbstverwaltung wird die Drohung mit dem Staatskommissar sicherlich nicht beitragen. Man kann vielmehr sogen, daß durch dieses Drohen nut der Staatsgewalt die Geltung der Selbstverwaltungsarbeit und die Verantwortungsfreudigkeit der kommunalen Körperschaften gemindert werden. Darüber hinaus wird aber auch eine diktatorische Einwirkung durch den Staatskommissar von den betroffenen Bürgern wohl kaum ohne Widerspruch hingenommen werden, sondern nur eine Verschärfung der Gegensätze mit sich bringen. Ferner durften dann die Verwaltung und die kommunale Körperschaft leicht in zwei gegensätzliche Lager ausern- andergerissen werden, da die Vertreter der Bürgerschaft, wenn sie den Derwaltungsoorschlägen nicht zugänglich sind und dann der Staatskommissar kommt, das Beiseiteschieben ihrer verantwortungsbewußten Entscheidung sicherlich wenig angenehm empfinden werden. Ein geradezu klassisches Beispiel dafür find die Ereignisse der letzten Woche in Frankfurt a. TI., die man sich auch an den maßgebenden hessischen Stellen immer sehr ernstlich vor Augen halten sollte. Für die Verwaltungen und die Aufsichtsbehörde wird durch die Einrichtung des Staatskommissars das Inganghalten der Verwaltungsmaschinerie in den Gemeinwesen sehr wesentlich vereinfacht. Wenn eine Stadtratskörperschaft oder ein Kreisparlament sich auf die Dauer all dem versagt, was die Verwaltung als unter allen Umständen unerläßlich bezeichnen zu müssen glaubt,'so wird von der Verwaltungsseite der Ruf an den Staatskommissar ergehen und dann wohl in den meisten Fällen iiicht imgehört verhallen, die erwählte Körperschaft aber neben den Wagen gesetzt sein. Wenn auch nach dem Gesetz zur Sicherung der Haushaltsführung der Staatskommissar besonders verpflichtet sein soll, alle Ausgaben unter dem Gesichtspunkt äußerster opar- samkeit nachzuprüfen, so wird man darin wohl doch keine durchgreifende Gewähr dafür erblicken dürfen, daß wirtlich in allen Teilen die stärkste Beschränkung der Ausgaben Platz greifen wird, lieber die Notwendigkeit des Ausmaßes der Ausgaben werden sicherlich die Meinungen zwischen dem otabtrat und der Verwaltung häufig weit auseinandergehen, noch stärker wird aber meist die Gegensätzlichkeit hinsichtlich der steuerlichen Leistungskraft der Bevölkerung sein. Ob bei einer derartigen Sachlage dann ein Staatskommissar, der in den meisten Fällen die Dinge doch nur unter beqt Gesichtswinkel der Verwaltungsarbeit, der staatlichen Machtanwen- düng und wohl auch der Politik betrachten wird, das Richtige zu treffen vermag, wird zu bezweifeln fein. Auch dafür liefern die jüngsten Ereignisse m Frankfurt a. M. einen deutlichen Beweis, wo Der Staatskommissar sozusagen unbesehen und ohne Rücksprache mit den interessierten Kreisen der Bürgerschaft nach einer kurzen Besprechung m,t dem Frankfurter Magistrat einfach d e f \ c n o t e. u e r - uorlagen unverändert befre tlert e und damit schon alles getan haste, was der Magistrat von ihm erwartete. Es soll nicht bestritten werden, daß bei der Erledigung von Selbstverwaltungsaufgaben Verhältnisse eintreten können, unter denen zwischen den Verwaltungsorganen und der gewählten Burger- Vertretung trotz aller Bemühungen kein Uebenun- kommen zustande zu bringen ist und daß in solchem Falle die Staatsmacht im Interesse des Ganzen mit ihrer Autorität einzugreifen hat. Derartige Fälle dürften aber doch wohl nicht allzu häufig sein, wenn auf beiden Seiten als oberster Leitgedanke des Handelns immer die gebührende Rücksichtnahme auf die Möglichkeiten der Zeit und die Leistungsfähigkeit der Bürger obwaltet. Bei den bisherigen Fällen, wo es in Preußen zur Bestellung von Staatskommissaren kam, haste man nicht immer den Eindruck, daß von der Derwaltungsseite her alles Erforderliche im Sinne des eben erwähnten Grundgedankens getan worden wäre. Man wird, je länger je mehr, auch bei den Verwaltungen zu der Ansicht kommen müssen, daß von den bisherigen Arbeitsgebieten unter dem Zwang der Derhattnifse vielerlei aufgegeben und der Weg zu größter Sparsamkeit unbedingt eingeschlagen werden muß, wenn nicht eines Tages bas ganze Gebäube zujammen- klappen soll. Die Hinweise auf die immer stärkere Erschöpfung der Leistungskraft breitester Kreise der Steuerpflichtigen, ja der teilweisen gänzlichen Unmöglichkeit weiterer Lastenübernahme, werben nach unserem Ermessen mit gutem Grund und nicht als eine hohle Phrase vorgebracht. So wenig die Verwaltungen imstande sind. Steuereingänge zu erzielen, für die einfach die Voraussetzungen einer ausreichenden Leistungskraft nicht bestehen — was in der steigenden Zahl der Steuerstundungen und der Steuererlässe greifbar zutage trist —, ebenso wenig wird mit einer diktatorischen Steuerfestsetzung durch den Staatskommissar Geld auf den Zahlfisch der Finanzämter oder der Staatskasse gezaubert werden können. Auf dem Papier kann man mit ober ohne die Selbstoerwaltungskörperschast ganz gut Steuergesetze, Tariferhöhungen, Gebührensteigerungen usw. machen, an der rauhen Wirklichkeit der leeren Geldbeutel wird aber dadurch nicht das Geringste geändert werden, höchstens, daß man eine Anzahl $?eute noch mehr als bisher 3ur Verzweiflung treibt und sie schließlich in eine Katastrophe hineinstürzt, für die sicherlich auch ein Staatskommissar feine Verantwortung übernehmen wird. Wenn wir uns nicht täuschen, wird unsere Stadt Samstag, 15. Dezember 1950 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Gießen wohl als eine der ersten in Hessen das Glück" erfahren, mit den „Segnungen" eines Staatskommissars bedacht zu werden. Wir wissen, daß man in Darmstadt z. B. an der Höhe unserer Realsteuersätze schon seit langer Zeit sehr viel auszusetzen findet, und es ist uns auch nicht unbekannt, daß in gewissen Ministerien wiederholt Aeuhe- rungen gefallen sind, die nicht allzuviel Verständnis für die Gießener Steuerzahler bekundeten. Man steht dort auf dem schematischen Standpunkt, daß den Gießener Steuerpflichtigen die Kandare ebenso straff angezogen werden müsse, wie den Steuerpflichtigen in anderen Städten, ohne dabei gewisse Unterschiede in der wirtschaftlichen Struktur gelten zu lassen. Wenn nun, was nicht von der Hand zu weisen ist, unser Gießener Stadtrat keine Neigung bekunden sollte, die Steuerschraube noch etliche Umdrehungen mehr anzuziehen, so wird sicherlich der Staatskommissar dieses Drehgeschäft besorgen. Die in den letzten Tagen angetünbigten neuen Steuervorschläge der Stabtoerwaltung und die vom Stadtrat oft betonte Unmöglichkeit weiterer Steuerlasten lassen die Tlög- lichkeit eines Zwiespaltes zwischen der Verwaltung und dem Stadtrat in greifbarer Nähe erscheinen. Wir würden cs außerordentlich bedauern, wenn hier Verhältnisse entstünden, die einen Staatskommissar für Gießen bringen würden. Ohne Frage wäre bann bamit zu rechnen, daß man vom Stabtrat aus der Stadtverwaltung und dem Staatskommissar allein die Verantwortung für die Auswirkungen der neuen Steuern überließe, und die Stadtratsfraktionen noch weniger als bisher geneigt wären, sich mit unpopulären Beschlüssen zu beloben. Aus ber anberen Seite aber würbe ein empsinblicher Eingriff in bas Selbstverwaltungsrecht vorliegen unb die Steuerzahler eine Belastung aufgebürdet erhalten, von der wir fürchten, daß sie zu einem sehr großen 21m Freitagvormittag begann In der Neuen 2lula der Universität der 4. Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen, der vom Landwirtschaftlichen Institut der Landes-Universität Gießen in Verbindung mit den verschiedenen 'Verbänden landwirtschaftlicher Genossenschaften veranstaltet wurde. Dec Kursus fand lebhaften Zuspruch aus den Kreisen der Landwirtschaft unb der Genossen- schasten selbst. Seine Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Eger führte bei der Eröffnung aus, daß sich die Uniocrfität der Bedeutung des Genossenschaftswesens für die Landwirtschaft wohl bewußt sei und bedauerte nur, daß den Juristen, die von den Llniversitäten gingen, nicht mehr von' dem Wissen um das Genossenschaslsrecht mitgegeben werden könne. Um den Kontakt mit der Praxis aufrechtzuerhalten, so fuhr der Redner u. a. fort, sei man an der Universität gerne bereit, sich mit Rechtsfragen, di«e sich aus dem Tätigkeitsbereich der Genossenschaften ergeben, wissenschaftlich zu befassen. Seine Magnifizenz gab der Freude darüber 2lusdruck, daß gerade die Gießener Universität durch ihre Institute in so inniger Verbindung mit der Landwirtschaft stehe, und erhofft weiteren 2lusbau der Institute im Interesse der Bauernschaft, zugleich aber auch den Ausbau der Genossenschaften, als Mittel zur Kräftigung des wertvollsten Teils deutscher Volkswirtschaft. Sodann sprach Pros. Dr. S e s s o u s, der geschäftsführende Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts. Er dankte zunächst dem Rektor für sein Entgegenkommen, begrüßte dann die verschiedenen Vertreter der Behörden, hieß den Präsidenten der Landwirtschaftskammer willkommen, dankte den Vertretern des Handels und der Industrie, den Studierenden, der Presse und den zahlreichen Hörern für ihr Erscheinen und das damit bewiesene Interesse. In einigen Sähen wies er auf die Bedeutung des Genossenfchaftsgedankens für die Landwirte hin und wünschte dem Kursus allen Erfolg. Provinzialdirektor ® raef gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Kursus wieder in Oberhessen abgehalten werde zu einer Zeit, da dem Genossenschaftswesen mehr denn je erhöhte Bedeutung beizumessen sei. Der vberhessische Dauer lasse den Kops nicht so leicht hängen und sei sich mehr oder weniger dessen bewußt, daß Hilfe von außen her nicht das Ausschlaggebende sein könne, wenn sich die Landwirtschaft nicht selbst zu helfen bestrebt fei. Der Landwirt sei das Rückgrat des Staates, und es gelte, ihm immer wieder neue Impulse zu geben. Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Hensel, Darmstadt, fand Worte der Anerken- nung für die Abhaltung des Kurses, wies eindringlich aus die Rotwendigkeit des Zusammenschlusses der Landwirtschaft in Genossenschaften hin und betonte, daß es eine Hauptaufgabe sein müsse, das Vertrauen der Bauernschaft zu den Genossenschaften zu stärken. Oie Dorträge. Hierauf sprach als erster Ertragender Prof. Dr. Auler (Gießen) über „Bilanzaufbau und Bilanzprufung". Er erläuterte zunächst das Wesen der statischen, der dynamischen und der organischen Dilanz- lehre. Bei der Behandlung des Bilanzauf- b a u e s gab er eine Schilderung der Aktiv- und der Passivseite der Bilanz. Der Redner vertrat bei der Frage der Bildung stiller Reserven die Ansicht, daß die Unternehmung in erster Linie offene Rücklagen schaffen unb sich bei der Legung stiller Reserven weise Beschränkung auferlegen soll. Mit der Bildung stiller Reserven seien gewisse Gefahren verbunden: risikoreiche Transaktionen der Leitung und 21bdeckung der Verluste durch Rückgriff auf die stillen Reserven: zu starke Bindung von Kapital (Kapitalübersättigung, und Fehlleitung von Kapital. Es dürfe nicht zu einem Mißverhältnis zwischen der Höhe der offenen und der stillen Reserven fommen. Die latente Steucrfcheu werde bei der Sachkenntnis des Duchprüsungsdienftes seiner Ansicht nach in solchen Fällen erkannt. Er forderte anderseits eine wirtschaftlich gerechte Schonung des Steuerpflichtigen bei offener Ausweisung der Reserven, damit die Leistungsfähigkeit der Unternehmung erhalten bleibe. — Die Frage der Bewertung Teile gegenwärtig untragbar fein und infolgedessen eine drückende Schuld an die Steuerbehörde bleiben wird. Wir meinen, es wäre gut, bei den künftigen Steuerberatungen non vornherein auf beiden Seiten darauf hinzuwirken, daß einem Staatskommissar nicht erst Platz in Gießen eingeräumt wird. Die Stadtverwaltung müßte prüfen, ob nicht wirklich noch umfangreichere Ersparnisse als bisher im Etat zu erzielen sind. Der Stadtrat hätte dann seinerseits nochmals gründlich zu erwägen, ob unter stärkster Steigerung des Verantwortungsbewußtseins für das Gemeinwohl in der Tat schon das letzte Wort gesprochen ist. Sollte diese Frage bejaht und damit eine weitere Steuersteigerung abgelehnt werden, so wäre zu prüfen, ob man nicht durch einen Heber- brüdungsfrebit den Weg von heute bis zum Ende des Haushaltsjahres bereiten konnte, wozu allerdings auf beiden Seiten reichlich guter Wille und natürlich auch die Geldbeschafsungsmöglichkeit gehören wird. Vont Beginn des nächsten Haushaltsplanes ab kann man wohl mit einer gewissen Sen- fung der gegenwärtigen Wohlfahrtslasten rechnen, so daß dadurch Mittel frei werden könnten für andere Erfordernisse des Haushaltes. Allerdings muß bis dahin — unb bafür werben alle berufenen Stellen nachdrücklich einzutreten haben — vom Reiche unb vom Lanbe bafür gesorgt fein, daß man den Kommunen d i e Lasten wieder abnimmt, die man ihnen jetzt in Form von Minderüberweisungen an Steuern unb erhöhter Fürsorgepflichten auf bem Gebiete ber Wohlfahrtspflege ausgebürbet hat. Da- neben wird bann aber auch zwangsläufig eine stärkere Begrenzung der kommunalen Aufgaben ftatlfinben müssen, um cnblich einmal zu einem wirksamen unb bauernden Abbau ber Lasten zu kommen, unb zwar aus eigener Entschlußfähigkeit, ohne ben Druck eines Staatskommissars. und der ihr zugehörigen Abschreibungen wurde kurz gestreift. Als Mschreivungsmethode vertrat der Vortragende die Abschreibung vom Buchwerte. Die Fragen der Liquidität und der Zah- lungsbereitlchast wurden eingehend behandelt: ferner wurden die Dilanzfrisuren, die Bilanzverschleierung und der „ Fensteraufpuh" bei der Dilanzaufstellung 'erörtert. Zum Schluß wurde die Forderung nach Anerkennung des Grundsatzes der Dilanzwachrheit und -klarheit im Interesse der Unternehmung und der Gescnntwirt- schast aufgestellt. Der zweite Redner, Direktor Strasburger, Darmstadt, sprach über das Thema: „Die landwirtschaftlichen Genossenschaften im Dienste der Getreidewirtschaft " Er gab einleitend ein Bild über die Ursachen der internationalen Qlgrarfrife und ihrer katastrophalen Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft und beleuchtete die engen Zusammenhänge der deutschen Getreidewirtschaft mit den Weltmärkten. Infolge mehrerer guter Roggenernten in Deutschland bilde die Beseitigung des vorhan- denen Rrggenüberschus'es sowohl durch vermehrten Brotkonsum, wie auch durch gesteigerte Der- filtterung das Hauptproblem. Bei Weizen speziell habe sich der hohe Einfuhrzoll, sowie der Qkrmalj- lungszwang sehr bewährt. Der Erfolg des durch die letzte Rotverordnung eingeführten Dei- backungszwanges von Roggenmehl zu Brot könne nicht sehr hoch bewertet werden. Zweifellos wirksamer wäre ein Beimahlungszwang von Roggen zu Weizen in der Mühle gewesen. Die Genossenschaften befassen sich schon seit Jahren mit der Frage des geregelten Absatzes von Brotgetreide Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Denora führt eine Lokomotive. (g) Madrid. Herrenfahrerin oder Kunftfliegerin ist nichts Reues mehr. Daß aber eine zarte Frau auS- gerechnet die Führung einer nicht gerade ver- >ckend sauberen Lokomotive ambitioniert, kam bis jetzt kaum vor. Die vierundzwanzigjährige Hilde Huerta in Madrid kann wohl den Ruhm für sich beanspruchen, als erste Weiblichkeit einen fahrplanmäßigen Schnellzug von Madrid nach Barcelona geführt zu haben. Diese Tätigkeit (einwandfrei durchgeführt!) galt gleichzeitig als „praktische Doktorarbeit": somit bestand die Unternehmungslustige ihr Staatsexamen in der Eigenschaft eines Maschinenbauingenieurs. (Auch dieser Beruf wurde bisher von Damen wenig frequentiert!) Ein altersahrener Lokomotivführer begleitete die Senora auf ihrem Wege und meinte, die Kleine hätte überaus gut gearbeitet. Allerdings dürften sich Frauen im allgemeinen kaum für die Führung von Eisenbahnzügen eignen: sie haben ein viel zu gutes Herz! Selbst Hilde Huerta kam einmal in Versuchung, ihre Pflicht zu verletzen und den Zug zum Halten zu bringen, um — einen Nachzügler aufzunehmen. Ob alle Frauen fo „zartfühlend" wären, konnte der alte ehrliche Eisenbahner allerdings nicht gut beurteilen. Wic dicBank vonZrankrcich ihrGold schützt. — Paris. Tagtäglich marschieren Taufende von Menschen über das Croix des Petit Champs hinter dem Hauptgebäude der Dank von Frankreich. Tlnd leinet von bieien Menschen ahnt, daß er hier über die stärkste Festung der Welt dahingeht, über die Schutzwälle.des unermeßlichen Reichtums. über die zweitgrößte Goldzusammenballung auf dieser Welt. Diese Festung ist uneinnehmbar. Uneinnehmbar im vollsten Sinne des Wortes. Sie ist nach den Gesehen und ben Lehren der a Herrn ob em ft en Ingenieurwissenschaft konstruiert unb dürste in der Lage sein, den besten Sprengstoffen den längsten Widerstand entgegenzusehen, und auch den modernsten Bvhr- und Schweihgebläsen zu widerstehen. Ja, man behauptet sogar, daß diese Schatzkammer, daß diese Festung auch uneinnehmbar fein werde, wenn in einem Bürgerkrieg ober bei einer Invasion Feinde des Staates sich daran machen würden, in dieses Gewölbe einzudringen. Die Zahl der Sterblichen, die in die tiefen zur Erreichung gerechter Preise. Die Zusammeiv- sassung des Angebots und die Demteidung gegenseitiger Konkurrenz im Verlauf bilden zur Zeit Gegenstand von aussichtsreichen Verhandlungen. Ein weiterer Teil der genossenschaftt.chen Arbeit entfällt heute auf die Herrichtung unb das Marktfähigmachen größerer Mengen sowohl von Brotgetreide wie auch Gerste in einheitlicher Qualität Sofern es die Qualität der Ware erlaubt, wird von den Genossenschaften das direkte Waggongo- schäft vom Erzeuger zum Verbraucher gepflegt weil es mit einem geringen Warenbestand auszukommen erlaubt und durch Verzicht auf spekulative Gewinne vor Verlusten bewahrt. 'Die Tätigkeit der Warenzentralen ist nicht Selbstzweck, sondern bient der wirtschaftlichen Förderung ihrer Mitglieder. Qlber nur wenn jeder Teil des Organismus an feinem Plahe seine Schuldigkeit tut wird auf dem mühsamen Weg der Erfolg nicht ausbleiben. Vürgermeisterwastl in Grünberg Dr.Mildncr, Lffcnbach zum ersten Vcrufs- bürgermeister gewählt. + Grünberg, 12. Dez. Die heutige Gemeinderatssitzung hatte als einzigen Punkt der Tagesordnung: Wahl desBerufSbür- g e r m e i st e r S. Der Gemeinderat war vollzählig versammelt, der Zuhörerraum erwies sich als zu klein, so daß ein Teil der Zuhörer noch auf dem Gang und der Treppe stehen mußte. Beigeordneter Keller betonte die Wichtigkeit der Sitzung und wies auf die durch das Inkrafttreten der Ortssahung eingetretene Aenderung hin, wonach die Wahl des Bürgermeisters, die früher von ber Gesamtheit der Wählerschaft ber Stabt zu geschehen hatte, nun durch den Gemeinderat erfolge. Mit einem Appell an die Mitglieder des Gemeinderats, ohne Ansehen ber Person und Partei ihre Stimme bem Tüchtigsten zu geben, schloß er. Rach kurzen Ausführungen über das Wahlversahren schritt man zur Wahl. Cs erhielten: Dr. Mildner (Offenbach» vier Stimmen, Dr. Schmidt (Gießen) fünf Stimmen unb Dr. Weißer (Alsselb) vier Stimmen. Da« Los mußte nun zwischen Dr. Mildner unb Dr. Weißer entscheiden, wer von beiden in die Stichwahl mit Dr. Schmidt kam. Cs entsch.ed für Dr. Mildner. In ber nun folgenben Stichwahl würbe Dr. Mildner mit sieben Stimmen gewählt, gegenüber sechs Stimmen, die auf Dr. Schmidt entfielen. Dr. jur. Kurt Mildner wurde am 21. Januar 1903 zu Aschaffenburg geboren unb war nach bestandener Reifeprüfung 1922 in Offenbach daselbst bei ber Stadtverwaltung tätig. Die zweite Verwaltungsprüfung für hessische Städtebeamte bestand er als bester unb wurde bald daraus zum Verwaltungsinspektor befördert. Er studierte in Frankfurt und Hamburg und bestand 1927 die juristische Staatsprüfung mit ber Rote »Sehr gut“. 1929 promovierte er zum Dr. jur. mit ber Arbeit „Der Rechtsschutz gegenüber GemeinberatsbZchlüs- sen nach Artikel 98 ber hessischen ötäbteorbnung''. Die Arbeit wurde vom Hesssichen Ministerium des Innern als wertvoll angetautt. Ihm geht der Ruf eines tüchsigen Verwaltpugsbeamten voraus. Bürgersteuer in Friedberg. WSN. Friedberg, 12. Dez. In der gestrigen Sitzung des Stadtrats wurde die Einführung der Bürgersteuer nach langer Debatte mit 13 gegen 12 Stimmen beschlossen. Weiter beschloß die Versammlung mit Mehrheit, den Wohlfahrtsunterstützungsempsangern eine Winte r b e i h i 1 f e nach den Vorschlägen des Staates zu gewähren. Gewölbe hineingelasfen worden sind, ist sehr klein. Unb bie Zahl berjenigen, die um die Geheimnisse ber Türen und ber Schlösser wissen, ist noch viel kleiner. Mehrere QHinuten lang wandert man durch Felsenwege und kommt dann an ein riesenhaftes Torwerk. Sechs Meter in der Dicke mißt bas massive Portal, das das Lebensblut Frankreichs zu schützen berufen ist. Diese Tür wird durch einen geheimen elektrischen Mechanismus in Betrieb gesetzt. Aber sie ist nur eine von vielen. Da kommen andere unb schließlich auch eine vor bem letzten Raum: — „Der Korken" hat ber Direktor ber Bank von Frankreich biete letzte Tür genannt. Dieser Korken wirb mit einer elektrischen Maschine auf Schienen aus ber Türöffnung herausgezogen. Unb durch die Oeffnung tritt man in bas Allerheiligste ein, wo Seine Majestät bas Golb ruht. 3n massiven Fels eingehauen liegen bic Kammern ba. Fünfundzwanzig Meter tief unter bem Schutz von Stahlplatten, die Vh Meter in ber Dicke aufweisen. Cs ist sogar Vorsorge getroffen, baß im Falle von Unruhen die Geschäfte der Dank von Frankreich unter Umständen unterirdisch weiter geführt werden können, während oben vielleicht Kämpfe toben. Die Goldhallen sind mit Wasser und Strvm- zufuhr versehen. Ventilationsanlagen haben einen doppelten. Zweck. Durch einen Hebeldruck können sie in Gasapparaturen verwandelt werden, bie bie gesamten Gewölbe unter Gas setzen. In ben weiten Räumen könnten 2000 Menschen leben unb arbeiten. Hier schlägt keine Bombe burch, unb hier bringt kein Gas ein. Küchenanlagen sinb ba unb sonst auch noch mancherlei Dinge, bic ben Schluß zulassen, daß bie Belagerung ber Dank von Frankreich eine aussichtslose Sache wäre. Sechs Monate sollen bie 2000 bort aushalten können. Als man ben Direktor fragte, ob er benn keine Angst vor einem neuen Raffkes, bem berühmtesten englischen Hochstapler habe, ba meinte er lachend, daß die dicken Türen nicht ber einzige Schutz gegen bie Diebe seien, bie bem Gold zu leibe rücken wollten. Da sinb Starkstromleitungen unb Selbstschüsse, Falltüren unb unsichtbare Strahlen, Glocken- werke und Fußangeln, unb was man sich noch alles denken kann. Wer in ben Keller durch eine gute Laune des Schicksals hineingelangte, der wird es schwer haben, wieder herauszukommen, wenn man ihn nicht führt. Als man einen der letzten Goldtranspvrte angebracht habe, sei. so wird behauptet, von ben Beamten der Dank 4. Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen. Geschichten aus aller Welt. iit einem entlegenen Teil des Goldgewölbes die mumtft^icrlc Leiche eines fremden Mannes gefunden worden, die dort schon seit einigen Wochen oder gar Monaten gelegen haben muh. Dieser Mann war offenbar schließlich verhungert — weil er auf der Suche und auf der Jagd nach dem Gold das Zurück versäumt hatte. Ein Probates Mittel. (r) Amsterdam. Aus einer holländischen Garnison wird folgendes salomonisches Urteil eines Kompanie- führers berichtet: In seiner Kompanie befanden sich zwei Rekruten, die aus demselben Dorfe in dec Provinz Geldcr.'and stammten, sich aoer, wie man so sagt, „gegenseitig nicht riechen" konnten. Dei der geringsten Gelegenheit gerieten sie sich in die Haare und verprügelten sich nach Noten. Keine noch so strenge Bestrafung durch den Vorgesetzten schien darin Abhilfe schaffen zu können, und kürzlich standen die beiden Sünder wieder einmal mit blauen Augen und blutiggeschlagenen Nasen vor ihrem Hauptmann. Da kam diesem ein genialer Einfall. Er bestrafte beide mit — Fensterpuhen in dec Kaserne. Aber unter folgenden Veoingungen: beide sollten unter Aufsicht eines Änteroffiziers gleichzeitig stets an demselben Fenster arbeiten, der eine drinnen, der andere drauhen, so daß sie sich beim Putzen immer gegenseitig ins Gesicht sehen mühten. Als die beiden Rekruten und Kampfhähne beim dritten Fenster angekommen waren, übe.wältigte sie doch die Komik der Situation, sie platzten beide in lautes Lachen aus und sind seitdem, wenn auch nicht die besten Freunde, so doch verträgliche Kameraden geworden. Sobald sich ein Streitpunkt zwischen ihnen zu erheben droht, genügt es. wenn der eine den anderen fragt: „Wir sollen wohl wieder Fenster putzen?" — und der Friede ist wieder hergestellt. Lpielplan der Frankfürter Theater. Schauspielhaus. Sonntag. 14.Dezember, von 16 bis gegen 18: Einmaliges Tanz-Gastspiel: Therh Schultheis: von 20 bis gegen 23 Ähr: Wie werde ich reich und glücklich? Montag. 15., von 20 bis gegen 22 Ähr: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Dienstag, 16.. von 20 bis gegen 22 Ähr: Sturm im Wasserglas. Mittwoch, 17., von 20 bis gegen 23 Ähr: Wie werde ich reich und glücklich? Donnerstag, 18., von 19.30 bis gegen 23 Ähr: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. Freitag, 19.. von 20 bis gegen 22 Ähr: Der Mann, den sein Gewissen trieb. Samstag, 20., von 20 bis gegen 23 Ähr: Wie werde ich reich und glücklich? Sonntag, 21., von 16 bis nach 18 Ähr: Kakadu-Kakadu: von 20 bis gegen 22,30 Ähr: Charlehs Tante. Opernhaus. Sonntag. 14. Dezember, von 15.30 bis 17.30 Ähr: Hänsel und Gretel: von 19.30 bis 22 Ähr: Das Land des Lächelns. Montag, 15., von 19 30 bis nach 22 Ähr: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Dienstag. 16.. von 19.30 bis nach 22 Ähr: Der Troubadour. Mittwoch. 17., von 19.30 bis gegen 23 Ähr: Zum erstenmal: Viktoria und ihr Husar. Donnerstag, 18., von 19.30 bis gegen 22.30 Ähr: Simone Doccanegra. Freitag, 19., von 19 bis gegen 23.30 Ähr: Tristan und Isolde. Samstag, 20., von 19.30 bis nach 22 Ähr: Der Freischütz. O Emmerichen A ä*- Se5V * Ka f f e e «M gw einxbl boer fllbilbprdoso 1 Pfd. nur ^1^-. TMmacbtS'fee# 1 ^d.MK. 10.50 - 650 und billiger Gron» flujuam in » billigen tmmericher, Seltersweg 39 806JD RESTE Seidenstoffeunderemu» stertetSair.te in UQuall- täten, passend f. Kreider, Wäsche. Hand; rhei'en za labelhalt bill. Preisen. BAUER,Tuchhandluntr, Seltersweg 91. Verkauf nur im ersten Stock. Am Sonntag ist von 12—18 Uhr geöffnet. Oa 11 Großen-Lind en, Gießen, den 11. Dezember 1930. 10.- 3450 V Geflügelfarm Mt Brioot- DaaenanüffDan f. garam. vollirtsche Eier. Preis 2 Bf. über dem Wochenmarkl- Sviyenvreld tret Haus. Schr. Ana. u 07670 a. 0 GH. An^. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Philipp Schattier. Gott dem Allmächtigen, hat es gefallen, meinen 1 eben herzensguten Mann, den treusoTgendm Vater seiner fünf Kinder, Schwager, Onkel, Schwiegersohn und Neffen Herrn Johann Eduard Dieringer im Alter von 46 Janren von seinen langen, schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden in die Ewigkeit abzurufen. In dem Namen aller tieitrauernden Hinterbliebenen: Frau Ida Dieringer, geb. Bühler. Gießen, Buddestraße 4, Kassel, Rendsburg. Paris, Lostau. Die Beerdigung findet Montag, den 15. Dezember, 2 Uhr nachmittags, aut dem Neuen Friedhof statt. _______________________________________________________________________________________Q//2' Beleuchtungshaus Ahmann Ludwigstraße — Ecke Bismarckstraße. Tel. 3870 07698 Größte Auswahl in Beleuchtungskörpern Statt besonderer Anzeige. Heute früh entschlief nach kurzer, schwerer Krank- heit unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwester und Schwägerin Frau Apotheker Elisabeth Schlich, geb. Petri Allen Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung,daß unsre liebe,treusorgende Mutter,Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Halima Schattier Wwe. Seh. Pirr heute vormittag 81/» Uhr nach kurzem Leiden im Alter von 72 Jahren sanft entschlafen ist Ampel Zuglampe Schirmkrone Zugkrone Schirmkrone Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß heute nachmittag 4 Uhr, mein lieber guter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager, Pate und Onkel Herr Christian Möser Weichensteller I. Klasse L R, im 74. Lebensjahr sanft entschlafen ist Die trauernder? Hinterbliebenen: Christine Möser, geb. Göbel Familie Ludwig Möser Familie Otto Mö^er Familie Gustav Möser Familie Willi Rau Wieseck, den 12. Dezember 1930. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. Dezember 1930, 12'/. Uhr vom Sterbehause, Rabenauer Stiaße 41, aus statt. ___0/718 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Dr. E. Däumer, geb. Schlich Hermann Schlich Liesel Stein Großen-Linden, den 12 Dezember 1930. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. Dezember 1930, nachmittags 3V4 Uhr vom Trauerhause aus statt - ______________________________________ 83901 Die Beerdigung findet Sonntag, den 14 Dezember 1930, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause aus statt. 8388D 22.- 32.- 8171D Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sagen wir aut diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Elisabethe Hübner Witwe Wilhelm Hübner jun. und Frau Gießen, im Dezember 1930. Bekanntmachung. Betr.: Die Anbringung von Licht-. Reklame- und Ausoerkaufsschildern. In den letzten Monaten wurden zahl- reiche Aushängeschilder und Vorrichtungen ähnlicher Art ohne die erforderliche baupolizeiliche Genehmioung angebracht. Ich weise darauf hin, daß auf Grund des Artikels 30 der Allgemeinen Bauordnung und des § 5 der Lokalpolizeiverordnung vom 6. Juli 1888 nach wie vor für jede Einrichtung, die vor die Baufluchtlinie vor- springt, die baupolizeiliche Genehmigung unter Vorlage von Skizzen einzuholen ift In Zukunft wird gegen jede Uebertretuna vorgegangen. 8324C Gießen, den 12. Dezember 1930. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Mli* MM- pckck wie ^lurgarveroben, Blnmcnkrivveu, Ständcrlamvcn Nauchtlichk. SUub» iessel,Ausziehtische Stil' le, (Sbaiiclon- mied u. Decken, so- wieHerrcnzimm r. Schlafzimmer, Tveii zimmer und Küchen au koukur- renvo3 bill Preisen. Weugelreiidüe Zah- lim.iöcrletdreruihi. 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Mehen.Marktpl.18i Oeffenttiche Sitzung des Amtsgerichts. Gegenwärtig: Amtsgerichtsdirektor Keller als Amtsrichter: Juftizinsvektor Spaar als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle. Gießen, den 25. November 1930. 3n der Privatktagesache des cand. ehern. Lutz Weber in Alsfeld, Privattlägers, vertreten durch Rechtsanwalt Albrecht in Gießen, gegen den Redakteur Karl Bremer in wicfeck, Angeklagten, wegen Beleidigung, vertreten durch Rechtsanwalt Ur. Aaron in Gießen, schließen die Parteien folgenden (8404U Vergleich. Der Angeklagte erklärt, daß er sich davon überzeugt habe, daß die früher von ihm in der „Oberhessischen Volkszeitung" vom 12. März 1930, Nr. 60, vertretene Auffassung. daß der Privatkläger in dem Schauspiel „Die heilige Flamme" aus antisemitischen Tendenzen gepfiffen habe, sobald Trude Heß aufgetreten sei, nicht mehr aufrechterhalten könne. Er nimmt alle in, dem genannten Artikel genannten Beleidigungen, insbesondere „Rüpeleien eines Gießener Studenten" und „armseligen Verhalten des nationalsozialistischen Studenten" mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück und verpflichtet sich, binnen einem Monat von heule an eine Abschrift des Vergleichs in der „Oberhessischen Volkszeitung" auf seine Kosten an derselben Stelle zu veröffentlichen. Der Prioatkkäger ist berechtigt, eine Abschrift des Vergleichs auf Kosten des Angeklagten binnen einem Monat nach Zustellung derselben einmal im Gießener Anzeiger" und in der „Oberhessischen Zeitung" in Alsfeld an derselben Stelle auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen, ferner eine Ausfertigung des Vergleichs dem Rektor der Universität Gießen sowie eine solche der Reformverbindung Adelphia zu übermitteln. Die Kosten des Verfahrens übernimmt der Angeklagte, einschließlich der Kosten des Vertreters des Privatklägers. Der Privatkläger nimmt die Prioatklage zurück. Dorgelesen und genehmigt: gez.: Keller. gez.: Spaar. Für die Abschrift: (L. S.) gez. Spaar, Justizinspektor. Für die Abschrift: gez.: Albrecht, Rechtsanwalt. Bekanntmachung. Mit Genehmigung des Herrn Hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft vom 22. Oktober 1930 werden für den Bezirk der Stadt Gießen mit Wirkung vom 1. Januar 1931 die Mietberechtigungsscheine eingeführt. Unter Hinweis auf die am 22. November d. I. veröffentlichte Anordnung werden die hiernach anspruchsberech tigten Personen aufgefordert, an den nachstehend bezeichneten Tagen in der Zeit von 8 bis 12 Ahr ihren Mietberechtigungsschein beim Städtischen Wohnungsamt, Lony- straße 2, abzuholen, und zwar Personen, deren Familiennamen beginnt mit dem Buchstaben: 8145C A—F am Montag. 15. Dezember 1930, G—K am Dienstag, 16. Dezember 1930, L—R am Mittwoch, 17. Dezember 1930, S am Donnerstag. 18. Dezember 1930, T—Z am Freitag, 19. Dezember 1930. Außer den in der vorerwähnten Anordnung unter § 2 Buchstabe a—e bezeich ueten Personen haben nur solche dringend geführte Wohnungsuchende Anspruch aus einen Mietberechtigungsschein, die vor dem 1. Januar 1929 beim Wohnungsamt gemeldet sind. Wohnungsuchenden, deren Gesuch seither nicht als dringend geführt worden ist, die sich jedoch bereits vor dem 1. Januar 1929 gemeldet haben, steht es jederzeit frei, schriftlich die Dringlichkeitserklärung ihres Wohnunasgesuchs und Ausstellung eines Mietberechtigungsscheins beim Städtischen Wohnungsamt zu beantragen. Gießen, den 7. Dezember 1930. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Hamm. WEIHNACHTEN 'tffeüeflgehenße ^Mimgser&ichterungeri H Jläßige Honakrafen E Ml» SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHAFT Singer ifäßen ObcratX Gießen, Marktplatz 18 7915D Junker & Ruh, Juno,Orauier Irische Oefen - Germanen, Oranier, Cora Petrins Oefen sowie Eschöfen (Original Musgraves) Hirzenhainer usw. 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Becker : 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfr. Becker: 17: Pfr. Mahr; Beichte und hl. Abendmahl für die Matthäus- gemeinde. — Zohanneskirche. 9.30: Pfr. Ausseid: zugleich Militärgottesdienst: Beichte und hl. Abendmahl für die Militärgemeinde: 11: Kinderkirche für die Iohannesaemeinde; Pfr. Ausfeld: 17: Pfr. Bechtols- Heimer: Beichte und hl. Abendmahl für die Lukas- gemeinde: 20: Bibelbesprechung im Iohannessaal; Pfr. Müller. — Kapelle des Alten .Friedhofs. 9 30: Psr. Lenz: 11: Kinderkirche für die Luthergcmeinde; Pfr. Lechz. — Elisabeth-Klein'inderschule. 9.45: Pfr. Lic. Waas. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst: 20: Frauenverein. — wicscck. 9.30: Pfr. Staubach, Watzenborn. — Alten-Duscck. 14: Pfr. Staubach, Watzenborn: Kollekte für Wiederherstellung der Kirche in Jugenheim (Rheinh); 19 30: Pfr. Wahl, Butzbach: Kollekte für die Strafentlassenenfürsorge. — Kirchberg. 10: Kirchberg, Ordination des Pfarramtskandidaten Kalbhenn durch Superintendent D. Wagner: 13.30: Lollar. — ßaufen- Garbenteich. 9.30: Hausen: Feier des hl. Abendmahls: 12.30: Garbenteich. — Dahenborn-Steinberg. 14: Hauvtgottesdicnst: Pfr. Steiner, Hausen. — Lich. 10: Stiftsdechant Kahn: Mitwirkung des Frauenchors: 12.45: Kindergottesdienst: 14: Pfarrvikar Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 13. Dezember. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 14. Dezember. 3. Adventssonntag. Gießen. 6 30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt: 11: Mc-'se mit Predigt ; 17-30: Andacht. — Gründern. 9 45 Messe mit Dredigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Lollar. 8 45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 15 Dezember. Lanbach. 7.30 Uhr: hl. Messe für Verstorbene; Ad- oentsbeichte und Kommunion. Mittwoch, den 17 Dezember. Hungen. 7 Uhr: hl. Meße; Adventskommunion. So.....«i«.amburg-Lüvam Dompllchftt 8 Hama Tarnrhcbifl . 10 156 123,13 - 123 von 1929 teuridw üni.-eiblöl.-SdiuIl mi! 98,5 — 98 — Norvveuncher Llovb ... 8 allgemeine TeuNcheErebltanki. 10 67,25 97 — 66,5 97,25 66.13 97.75 üuxMoi. Ordnen Srtfll. ohne Äusioi.-Rechte 6% yoltifiaai oon 1929 52 5,65 5,6 52 5,65 52 5,6 Barmer Bankverein 10 Berliner Hanoelrgeielllchakl 12 kommen uno linvar-Bank 11 100.5 110,5 100,25 — 110,5 100.5 122 110.5 100 121 110.5 tnirfrabib 102%) Cbrrth’ilcn Ywuini • Anleihe mit 88.25 — 88,25 — Tarmltdbtet uno Nartonawank 12 ieurttbe Bank uno 147.25 146,75 146,75 «ihIoi Rechten Deuilche flemm SammrlaBL 49,5 — — — Ttrconlo cSeleUichaN, . . 10 Treovner Bank......10 108,5 109.5 109 108,5 109 108.5 109 Anleihe Serie I 8% itranlt f'np.'Sanl Koldvle 51 — 51 — ■Reitbebanf ...... 12 225 223.5 225,75 XIII untunPboT bk 193-1 7% nrnnll k>nv Boni Aolhpse unlünPbai bl« 193s äihfinhdif tznv.-Bank 98 92 1 1 1 I 1 1 a.e.».............. Bergmann.........9 Llektr LielerungSgelelllchaft. 10 Licht uno fitaft . . 10 100,5 117.5 99 — 113,5 100 118 101.25 99,75 116.25 101,4 113 Lio». iHolbpfe. 8% Pr Landes r>»nnrbrielanNalt. 86,8 — — — ,Viren & Guilleaume . ^•teiiidtaft für Eiekniiche 84 84.25 83 P'anvbrieie 9L 19 8% Pr Vanbetr an. brtrfanfatit. 100 — 100 — Unternehmungen io Camburger Crehrtutät^Oerfe 10 103 101 102 100.5 101.5 100.13 104 114.25 151,25 flcmm. Lbl.20 . 7% Br Üanbfii a-iobrtefanftalr. Planvbnele R 81 B IS.® adg. '3oitceg«-Obligationen. rurtiablbot 1938 97 97 93 1 1 I 97 97 1 1 1 ttbitntlröf ßieltruiröt ... 9 Sch'eniche liielnuuäl. . . . io -chuckerr L Co .... 11 -rcinene & ttalote ..... if itanetaoto . ....... e MIM 114 151,5 104 115.5 152.25 124 119 L- 119,5 — 4% CeflcneuDtidif ®oiorrnte . . 4,20% Ccfterreidilldif Sil betreute 26,3 2,25 — 26,25 — CuDeru« ..••«. 6 48,5 — 4% Oeiterreichi'che SinheUttche 2,4 (htrner Sieinkodle......8 — — - 60,25 60.25 4% Unnarifdie Golvrente 22,13 22,3 1,4 22,1 18,5 1,4 2,8 — Gciienkrrchcner ....... 8 2 — 84 84,5 4% Ungariiche Staatsrente v. 1910 4tz% vesgi. von 1913 4% Unganidie Kronenrente 4% Zürfhrhe flollanieihf von 1911 4% TOrkiich, Bagvaobabn-StU Serie l 4% vesal Serie II 6% RumSnilche vereinb Rente von 1903 1H% RumänNche vereint) Rente em 1913 t% Äumdmldrt eetetnb. Statte . 18 1,4 2,9 2,9 2,9 7,9 18 18,9 2,8 Poetch Eiten ...... 6S 3i*e Bergbau ....... 10 ßlodnfrrvcrf? Köln Ncueiten . .... 7 Mannermann-N?bren . ' 5 1 ISIS III 1 II 77 67.5 155.5 58.5 75.5 64.25 76.6 157,5 58.5 75,25 64,75 - 2,95 2,85 — Manekelder Bergbau . . . . < Lderichiei Eiten veOark .... 6 Cberimici üoloroerte ....'< 1 1 1 1 1 1 36,5 65,75 36,13 66 BbSnu Bergbau . . . 6Vi StK'inlid;? Braun ko dien • . 10 58 148 58,25 58.25 147.75 58.6 148,5 6,45 64 12,2 6,45 i 6,4 Xbetnftaijl ..... 6 «tebed Korne......7^ — — 69,13 69.4 Hrankkurl a. M Strfln tSarufi- h'r< 1-Uhr- « re Schluß- für# An iany- ftur# Datum 12 12 13 12 12 12. j 13 12 Bereinigte Stahlwerke . . 161/, 61 61 61 L tavi Minen . . 31.13 31.25 Kaliwerke »Idtereleben . . . 10 141,25 140,25 138,75 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 143.5 — 143,5 KaNwerke SaUberlurtb . . . 15 219 214 215,75 217 I. ®. ^arben-Hnbuttne . • • 12 130 128.13 129.65 128,5 Tenamit 9?cbd . . . ... 6 —— 60,75 Scheide an ki alt . . . , , ... 8 129 128?5 — _ oioldichmivi . e • • e . . . 6 44 14,25 Rütgerswerke . ... . ... 6 43 — 42,75 43,75 Metallaeiellichakt. . . , . . . k 41,5 81,25 81,75 Bdillvv voi,mann . . . ... 7 69,5 69,25 Zementwerk Heidelberg . . 10 _ Eementwerk Korlktadt. . . . 10 — 83at>fi & Rtentafl . . ... 8 — 44 45,5 — CchuttdetL Bo-enhoser . . . 15 _ _ 163,5 163,5 Cftroerfe ...... . . 12 — — 130 127,5 •Zfu ...... . . 18 56,5 56 56 56 Bemberg....... . . 14 61 60,13 60.25 Sellffclf Walbbok . . . 13’/, _ 95 94 flellftofi Bichaiienburq . . 12 — 76 76 (Sbailottenburoet tiaiiei ... 8 — _ 79.25 79 5 Teiiauer Ola? . . ... 9 — - 105.5 105,4 Daimler Motoren . . . . . 0 23,5 _ 23,65 23.6 Teutlche Linoleum . , MM». 103,5 — 104,5 103 Maschinenbau Ä.-G. . , . . . 0 - 29.4 3?at. flutomebü . . , . . . 0 _ Crenüetn & Koppel . . • • • 6 — _ 43 42,5 Leonbaro Tietz . « • . . 10 109 109 Sveneka . . . 274,5 273 Aranfiunet Mai ch ine» . ... 4 12,5 _ 12,5 — (BriRner ..... 26 __________________1 Hevliaenktaedl . . . . . . . 0 _ - ^unflbans ..... ... 6 __ _ 30,25 _ Leitwerke ..... ... 8 79 _ _ Main Iralrwerke Höchst a. JL. . 8 -3,5 _ _ _ Miag .... . . 10 59 _ _ Gebt «oeoer . . . . . 10 81 _ _ _ Bolgt & Haeskner . . , . . . 9 150 — 150 _ Eüb deutsche fludei . . . . 10 133,75 133 — Banknoten. öttun, 12 £> zember »elb ?rle' " iamenkani'che Noten . . - . . 4,174 4,194 Bclginiie Noten . . 58.33 58,57 Taniiche Noien . . . 111,73 112,17 (Enn'üdie Noten ... Ä M - 20,32 20.40 Sian.toiildte Noten . . , 16.435 16,495 Hollanbiiche Noten . . . 168.41 169,09 Htailenlttbe Noten.... - 21.91 22,00 Norwegi'che Noten . . . 111,73 112.17 Deutidr-Cefirrrctd). 6 100 Schilling 58,78 59,02 Bjumaiilidie Noten . . . 2,48 2.50 Schtveviich' Noten . . . 112,18 112.62 Schweltet Noten .... 81,17 81 49 Spaniiche Noten .... T'chechouowakijche Roten. - . 44,31 44.49 12,38 12.44 wgari'che Roten 73,05 73.35 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a m 12 Dczembri 13 iTeirmbet ■amu'Ot '■o uun. amu m> ••o urunf. Oeir nr <9>r r Sr.r 188.70 169,04 168,72 169,16 Lu-n.-Aireß 1.400 1.404 1.405 1,409 •^rü.-yintro 58.51 53,63 18.49 53,61 (£brifrinnia. 112.01 112.23 112.01 112,23 Qoutnbna.n 112.03 112,25 112.03 112,25 Stockholm . 112.38 112,60 112.37 112,59 6elfinflror3. 10.538 10,553 10,538 10,558 iltalkn. . . 21.93 21,97 21.93 21,97 London. . . 20.344 20.484 70.34 20.38 Nenn ort . . 4.1890 4,1970 4.189 4,197 BoriZ.... 16.458 16.493 16.456 16,496 Schweiz . . 81,245 81,405 81.245 81.405 Sva ün - 44.71 44,79 12.76 42.84 Japan Üto de Jan 2.067 2,081 2,078 2,082 0.396 0,398 9.402 0.404 Dien in Ceft obgeft 58,965 59,085 58,985 59,105 • 12,427 12,447 12.428 12,448 Bel irab . . 7,413 4,427 7,415 7,429 Budao.'ti. . 73.26 73,46 73,26 73,40 Hui arten 3,037 3.043 3,035 3,041 t'tFabon 13.805 18.345 18,82 18,86 Tanpg . 81.35 81,51 81,32 81.48 Conft ntüx. 1,784 1,789 1,784 1.789 -Ulen . . 5,427 5,437 5.427 5.437 Canaoa 4,183 4,19 4.182 4.190 llru uaD . 3,097 3.103 3,097 3.103 Ccrrro • . . 20,86 20,90 20,86 20,90 Durch außerordentlich günstigen Einkauf bieten wir zum Weihnachtsbedarf Hervorragendes Sie bekommen bei uns eine Menge schöner Waren für wenig Geld. 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