Nr. 266 Erstes Blatt 180. Zahrgang Donnerstag, 15. November 1950 St Id) c in । logl'ch, avtzn äonntags and Feienag» Beilagen fite 3Du|trtertt Vietzener $amilienbl6ttei Heimai im Bild Die Scholle monats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 fBeidjspfenmg für Trägerlohn. auch bei Richter- scheinen etnjelner'Jiummern infolge höhere, Gewalt. .fernforechanichlüffe unter Sammelnummer2251 Anlchrift lür Drahtnachrichten Mnjelger Siegen. po-scheckkonto: Sranlfurtam ülain 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: Vrühl'sche Unwersttülr-Vuch- enö Stetnöniderei H. Lange tn Sietzen. Sdmftlettnng und Geschäftsstelle: Zchulttratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne» hlameanjeigen von 70 ivm Breite 35 Reichspfennig, Plahoorfchrift 20v, mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh. Lange. Derantwortlich fürPoluik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für öen Anzeigenteil Ma^ Filter, sämtlich in Gießen. Die Eröffnung der anglo-indischen Konferenz. König Georg als Kaiser von Indien eröffnet die Konferenz am runden Tisch. — Macdonald übernimmt den Vorsitz. — Die Mitwirkung der indischen Fürsten. London, 12. Äov. (WTV.) Die heutige Eröffnung der indischen Konferenz „am runden Tisch" fand unter starker Anteilnahme der Oeffentlichkeit statt. Dichte Menschenmengen drängten sich in den dem Oberhaus benachbarten Straßen und sammelten sich am Ein- ?ang zur Königlichen Galerie, um die A n - unft des Königs und der zahlreichen Delegierten zu verfolgen. Kurz vor 12 Uhr näherte sich der tönigliche Kraftwagen langsam dem Oberhaus. Die Menge begrüßte den König lebhaft. Das Schauspiel des Zusammentritts der Konferenz in der Königlichen Galerie des Oberhauses war trotz seiner Einfachheit überaus eindrucksvoll. Zum erstenmal in der Geschichte der britischen Verbindung mit Indien führte ein König von England als Kaiser von Indien den Vorsitz in einer Konferenz, die zusammengetreten war. um ein für das britische und das indische Reich gleich bedeutsames Problem zu behandeln. Die historische Halle war bis zur äußersten Fassung gefüllt. Unmittelbar zur Rechten des Thrones saßen die regierenden indischen Fürsten und ihre Minister, zur Linken der Premierminister und andere Staatswürdenträger. Vor dem Thron hatten die britisch-indischen Delegierten Platz genommen. Die indischen Fürsten migen gewöhnliche schwarze Anzüge, und die Leute, die eine Schaustellung ihrer historischen Juwelen erwartet hatten, waren tief enttäuscht. Um Puirkt 12 Uhr trat d e r K ö n i g in die Halle und alle Anwesenden erhoben sich von ihren Sitzen. Die Rede des Königs Der König eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß sich britische und indische Staatsmänner und indische Staatsoberhäupter noch nie an einem Ort und um einen Tisch versammelt hätten, um über ein Regierungssystem für Indien zu beraten und sich über ein Verfahren zu einigen, das dem Parlament als Richtlinie dienen soll. „Zehn Jahres so fuhr der König fort, „sind im Leben jeder Ration eine kurze Spanne Zeit. Das letzte Jahrzehnt ist nicht nur in Indien, sondern auch in allen Rationen, die das britische Reich bilden, Zeuge einer großen Entwicklung von Gedanken- aängen und nationalen Bestrebungen gewesen, die sehr schnell vor sich gegangen ist. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß es sich jetzt als notwendig erwiesen hat, die Ergebnisse dieser vor zehn Jahren begonnenen Entwicklung zu prüfen und für die Zukunft oorzubauen." Die Anwesenheit der Vertreter der im britischen Reich vereinigten Staaten sei, so führte der König weiter aus, von glücklicher Vorbedeutung. Er werde den Verlauf der Verhandlungen nicht ohne Besorgnis, aber mit noch größerem Vertrauen verfolgen. Er nehme Anteil an den materiellen Lebensbedingungen seiner indischen Untertanen und denke auch an die berechtigten Forderungen der Mehrheiten und der Minderheiten^der Stadtbewohner und der Ackerbauer, der Starken und der Schwachen, der Reichen unh der Armen, aller Rasten und aller Sekten. Er zweifle nicht daran, daß die wahre Grundlage jeder unabhängigen Selbstregierung die Zusammenfassung aller dieser so verschiedenartigen Forderungen sei, und hoffe, daß die auf einer solchen Grundlage errichtete künftige Regierung Indiens allen ehrlichen Bestrebunaen des Landes Genüge tun werde. ..Mögen die Besprechungen der Konferenz-, so schloß der König, „dazu führen, dieses Ziel zu erreichen, und mögen die Namen der Konferenzmitglieder von der Geschichte verzeichnet werden als die Namen derer, die Indien gute Dienste geleistet haben und deren Be- mühungen zum Glück und zur Wohlfahrt meines geliebten Volkes gereichen werden." Macdonald spricht. Rach seiner Rede zur Eröffnung der Indien» konferenz zog sich der König zurück. Sodann schlug der Maharadscha von Patiala den Premierminister Macdonald als Vorsitzende n der Konferenz vor. Aga Khan unterstützte diesen Vorschlag, der einstimmig angenommen wurde. Macdonald erklärte: Die Verantwortung lastet schwer auf uns allen: denn wir erleben jetzt die Geburts stunde einer neuen Geschichtsperiode. Wir sind zu- sammengelrcten, um zu versuchen, durch ilcfcer- einkunft festzustellen, daß Indien in seiner verfassungsmäßigen Entwicklung einen gewissen Höhepunkt erreicht hat. Die Männer, die an unserer Aufgabe Mitarbeiten, sind die Pioniere des Fortschritts. Die Aufgabe, die vor uns liegt, ist riesengroß. Es sind miteinander im Widerspruch befindliche Interessen vorhanden, die sich bisher als unversöhnlich erwiesen haben. Laßt, uns den Problemen gegenübertreten als Männer, die entschlossen sind, sie zu überwinden. Die Anwesenheit des Königs bei der Eröffnung unserer "Beratungen ermöglichte uns. sowohl die Stärke als auch die Dehnbarkeit des Bandes zu verstehen, das unser gesamtes Ge- meinwesen von Rattonen in Loyalität und Ergebenheit gegenüber der Krone zusammenknüpft. Wir müssen jetzt unsere Arbeiten beginnen. Dinge find in. der Vergangenheit gesagt Die Elefantengruppe tn dem Festzug des britischen Weltreichs am Lord-Mayors-Tag in London. A lr.? K./ > V A worden, sei es im Aerger, in Blindheit oder um Unheil zu stiften, die wir an diesem Tisch besser vergessen. Laßt unS nach besten Kräften danach streben, das Ergebnis dieser Konferenz dem Genius unserer Völker würdig zu machen. Oie indischen Fürsten: „als Alliierte Großbritanniens und als Indier". Der Maharadscha von Kaschmir, der nach dem Premierminister das Wort nahm, führte u. a. aus: Verbündet durch Dertra«g mit der britischen Krone und innerhalb unserer Gebiete unabhängige Herrscher, sind wir hierhergekommen im vollen Bewußtjein unserer vollen Verantwortlichkeit gegenüber anderen Staaten und gegenüber ganz Indien. A l s Alliierte Großbritanniens halten wir fest an unserer Verbindung mit dem Brittschen Reich. Als Indier treten wir, loyal gegenüber dem Lande unserer Geburt, ebenso fest wie der übrige Teil unserer Landsleute dafür ein, daß unser Land eine Stellung der Ehre undGleichberechtigung im britischen Gemeinwesen genießt, Unser Wunsch, nach bestem Vermögen mit allen Teilen dieser Konferenz zusammenzuwirken, ist aufrichtig. Ebenso aufrichtig ist unsere Entschlossenheit, unsere Mitwirkung auf die Wirklichkeiten der augenblicklichen Lage zu gründen. Weder England noch Indien kann es sich leisten, diese Konferenz in einem Fehlschlag enden au sehen. Wir müssen notwendigerweise weben und streben. Wir sind hier nicht als schriftsührende Mächte versammelt, um einen Frieden zu diktteren oder um einen solchen Frieden anzunehmen, sondern Partner, die zusammen getreten sind, um unsere gegenseitigen Interessen dem gemeinsamen Ruhen anzupassen. Die Aufgabe, der sich diese Konferenz gegenübergestellt sieht, ist riesengroß, aber wir glauben, daß Schwierigkeiten nur bestehen, um überwunden zu werden. Wir Fürsten bekräftigen, daß diese Konferenz nicht durch unsere Schuld fehlschlagen wird. Sir Muhammed Akbar Hydari, der als Vertreter des Risam von Haiderabad sprach, erklärte, die autonomen indischen Staaten seien bereit, mit den Völkern Brittsch-Indiens im Interesse eines größeren und geeinten Indiens zusammenzuarbeiten. — Srinabasa Sastri erinnerte an die vom Vizekönig von Indien im vergangenen Jahr abgegebene Erklärung, daß das natürliche Ziel der konstitutionellen Entwicklung Indiens der Dominion st atus und eine möglichst weitgehende Selb st- Verwaltung leien. Die Aufgabe der Konferenz bestehe darin, diese Erklärung durch mutige und positive Maßnahmen zu verwirklichen. — Auch der vormalige Präsident der Mohammedanischen Liga, Rechtsanwalt Jin- nah, nahm auf die Erklärung des Vizekönigs bezug. Indien erwarte nunmehr, daß diese Erklärungen in die Tat umgeieht würden. Es habe in der Geschichte der beiden Nationen niemals eine ernstere Frage gegeben als die, der man heute gegen übertreten müsse und deren Lösung das Schicksal von fast einem Fünftel der Bevölkerung der Welt betreffe. kein Ergebnis her Genfer Abrüsiimgsdebatte. Frankreich und seine Vasallen gegen jede Beschränkung des Kriegsmaterials. Genf, 12. Noo. (TU.) Die heutige Aussprache im Abrüstungsausschuß zeigte von neuem, daß ein großer Teil der schwer gerüsteten Mächte jede Verminderung ihrer Kriegs st ärke schroffablehnt. Die Vertreter Rumäniens, Polens und Südslawiens sprachen sich ein- heutig für Ablehnung des italienischen Antrages aüf Verminderung des Kriegsmaterials aus. Sie erklärten, daß sie eine Herabsetzung ihrer Kriegsrüstungen nur auf dem indirekten Wege einer B c - schränkung der Heeresausgaben zu- lassen könnten, obwohl übereinstimmend bereits festgestellt worden ist, daß diese unkontrollierbare Methode weitere Rüstungen ermöglicht. Die russische Abordnung brachte den Antrag ein, am Tage der Unterzeichnung des Abrüstungsabkommens die Heereshaushalte aller Staa - ten um einen gleichen Hundertsatz zu kürzen, Ausnahmen jedoch für bestimmte schwach gerüstete Länder und die entwaffneten Staaten zuzulassen. Litwinow betonte, man suche jetzt zu einer Verringerung der Heeresausgaben Zuflucht zu nehmen, um einer entscheidenden Herabsetzung des Kriegsmaterials aus dem Weae zu gehen. Sowjet- rußland fordere die gerechte Beschränkung des gesamten Kriegsmaterials. Die Frage sei von entscheidender Bedeutung für die Menschheit und den Der Vertreter Frankreichs, Massigst, nahm sodann zu der Frage der Beschränkung des gesamten Kriegsmaterials Stellung. Er lehne die überragende Bedeutung der modernen Kriegstechnik als entscheidender Faktor des Krieges ab. Lord Cecil habe den bekannten deutschen militärischen Sachverständigen (General von Seeckt) scheinbar falsch verstanden. Auch dieser vertrete die Auffassung, daß die moderne Kriegstechnik nur für kleine Armeen beim ersten Vorstoß von entscheidender Bedeutung sei. Den Ausschlag würde jedoch in künftigen Kriegen d i e große Masse bilden. Massigst lehnte sodann weiter ausdrücklich die Methode der direkten Beschränkung des Kriegsmaterials ab, da eine direkte Erfassung ohne eine wirksame Kontrolle zwecklos sei. Bei den gegenwärtigen politischen Bedingungen sei aber eine internationale Kontrolle über Die Herabsetzung des Kriegsmaterials undenkbar, da sich kaum ein Staat einer derartigen Kontrolle unterwerfen würde. Es bleibe schließlich lediglich die indirekte Beschränkung des Kriegsmaterials durch die Herabsetzung des Heereshaushalts übrig. Massigst erörterte sooann eingehend die Möglichkeiten einer Beschrän- Jung des Heereshaushalts. Oenischland fordert Bekanntgabe des Rüstungsstandes. Ein unbequemer Antrag des Grafen Bernstorfs. Genf, 12.Rov. (TU.) Die deutsche Abordnung hat am Mtttwoch im Abrüstungsausschuß einen Antrag eingebracht, zur Vorbereitung der tommenben Abrüstungskonferenz eine vollständig«, alle Einzelheiten umfassende Üeberficht des gegenwärtigen Rüstungsstandes der einzelnen Länder zu veröffentlichen. Das gehöre zur Aufgabe des Abrüstungsausschusses, denn die kommende Konferenz müsse sich ein genaues Bild der gegenwärtigen Rüstungen der einzelnen Staaten machen können. Die Ausarbeitung eines Abkommenentwurfes allein genüge nicht. Der Erfolg der Londoner Flottenkonferenz fei zum großen Teil« darauf zurückzuführen, daß der Konferenz gleich zu Beginn der Verhandlungen eine alle Einzelheiten w i e d e r g e b e n d e Darstellung der Flotten der Konferenzmächte als Grundlage der gesamten Verhandlungen vorlag. Während jedoch für die Flotten die amtlichen Mitteilungen der beteiligten Mächte zur Verfügung standen, fehlten derartige Mitteilungen für die Landrüstungen völlig. Es wird daher von deutscher Seite beantragt, der Abrüstu.'gsaus- schuß solle unverzüglich an sämtliche Regierungen daS Ersuchen richten, umfassende Daten über ihre gegenwärttgen Rüstungen vorzulegen. Oie Eröffnung des Memelländischen Landtags. Eine deutschfeindliche Rede deS litanischen Gouverneurs. Memel, 12. Rov. (TU.) Der neugewählt» Memelländische Landtag ist in Anwesenheit sämtlicher Abgeordneten und zahlreicher Zuhörer durch den litauischen Gouverneur mit einer langen Rede eröffnet worden. Aus der Rede ging deutlich hervor, daß Litauen feine deutschfeindliche Politik auch weiter fortzusetzen gewillt ist. Der Gouverneur richtete unerhörte Anklagen gegen die Memelländer und warf ihnen Illoyalität gegenüber dem Gesamtstaat vor. Er betonte, daß der litauische Staat (I) den Memelländern vieleDorrechte verliehen hätte und er infolgedessen auch d i e Erfüllung der übernommenenPflich- tcn verlangen könne. Insbesondere bemängelte er die bisher angeblich einseitige Einstellung der autonomen Organe, den s a st auSschließ- lichenGebrauchderdeutschenSprache bei Gericht, dc' bisher nur deutschsprechenda Präsidium des Landtages, die zahlreichen deutschen Lehrer im Gebiet, di« es auch verschuldet hätten, daß der Lehrplan der memelländischen Schulen hinter dem der litauischen zurückgeblieben sei. (?) Der Gouverneur wünschte ferner, daß dle überlebten deutschen Gesetze abgeschafft und neue nicht mehr eingeführt würden, und betonte, daß die Kow- noer Regierung aufmerksam die Dinge im Memel- gebiet verfolgen werde. Rach dieser Rede, die von der Versammlung schweigend entgegengenommen worden war, verließen Gouverneur Merkys und ReisgyS, der mit ihm zusammen im Sitzungssaal erschienen war, den Raum. Es folgte die Wahl deS Präsidiums. Zum Präsidenten des Landtags wurde der bisherige Präsident von Dreßler gewählt. Ebenfalls wiehergewählt wurde zum ersten Vizepräsidenten der Abgeordnete Meyer, die Mitglieder des Landesdirektoriums, Bürgermeister Schulz und Landwirt Sziegaud, die ihre Dienstgeschäfte am Samstag ntehergelegt hatten, haben sich bereiterklärt, ihre Tätigkeit im Direktorium! wieder aufzunehmen. Dieser Entschluß ist auf entsprechende Erklärungen des Präsidenten des Direktoriums, Reisgys, zurückzusühren. Zusammenstöße in der Berliner llmversiiäi. Berlin, 12.Rov. (211.) In der Berliner Universität, in der es bereits am Montag anläßlich der Verteilung eines Aufrufes des Deutschen Studentenverbandes zu Zusammenstößen zwischen den Angehörigen der verschiedenen politt- schen Richtungen gekommen war, setzten sich diese Zwischenfälle am Dienstagvormittag fort. Gegen 11 Uhr war eS vor der Universität zu einem in Tätlichkeiten ausartenden Zusammenstoß zwischen nationalsozialistischen und sozialistischen Studenten gekommen, wobei an der Ecke Dorotheen- und Charlottenstraße sich eine größere Ansammlung bildete. Die Polizei schritt ein und verhaftete zwei Studierende, einen Ratio- nalsozialisten und einen Sozialisten, die als Urheber der Schlägerei der Abteilung I A des Polizeipräsidiums zugeführt wurden. Weitere Auseinandersetzungen uni) Zusammenflüße erfolgten später in den Räumen der Universität selbst, wo es in einem Horsaal zu weiteren Tätlichkeiten zwischen den politischen (Gegnern kam. Die Unruhen fanden schließlich ein Ende, nachdem der Rektor der Universität, Prof. Deitz- mann, eingegriffen und in Verhandlungen mit Oberst Heiman ns berg diesen bewogen hatte, die Polizei zurückzuziehen. Das Abziehen der Polizei erfolgte nach einem Bericht der ..Rachtausgabe" unter dem Gesang der Studenten, die „Muh i denn, muh i denn zum Ötäötele hinaus" fangen. Anscheinend ist der große Umfang der Unruhen Darauf AurückAu- führen, daß die Studenten die Zurückziehung der Polizei wünschten. Der Rektor der Berliner Universität hat daher mit der Polizei vereinbart, daß in Zukunft Polizeiorgane sich nicht mehr auf den Hof des Univerfitätsgebäudes begeben sollen und sich auch nicht in der unmittelbaren Röhe der Eingänge aufljalten, weil dies nach einer Mitteilung des Rektors von der Studentenschaft als Provokation ausgesaht worden ist. Hierzu erklärt jedoch der Polizeipräsident: Der Kommandeur der Schutzpolizei habe b-rv°- zwei Hügel, ein «rtfjercr «ft bann n°ch Ä’S? ftiU Oer Reichskanzler bei Hindenburg. Dem Reichspräsidenten wird über die Zortführung des WirtschastSprogrammS Bericht erstattet. beihilfe beschafft werden sollen, beantragte Abg. Dr. Perlitius (Z.), 1. die Regierung zu ersuchen, eine Aufstellung vorzulegen, welchen Geldbedarf der kommunistische Antrag auf Winterbeihilfe nach genauer Berechnung erfordert und welche Deckungsmittel zur Verfügung gestellt werden können; 2. die Beschlußfassung über diesen, Antrag bis zum (Eingang der geforderten Angaben z u r ü ck z u st e l l en. Dieser Zentrumsantrag wurde gegen die Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Kommunisten angenommen. Damit waren auch zunächst sowohl der kommunistische Antrag für die Winterbeihilfe wie der deutschnationale Antrag und der Zusahantrag der Wirtschaftspartei auf Naturalienbeihilfe erledigt. Der Ausschuß vertagte sich auf Donnerstag. Llm eine Winterbeihilfe aus Reichsmitteln. Der Haushaltsausschutz vertagt dahingehende Anträge. Berlin, 12.Nov. (BDZ.) 2m Haushalts- Ausschuß des Reichstags beantragte Abg. Schröter- Merseburg (Komm.), in Anbetracht der ungeheuren Notlage den Erwerbslosen, Sozial- und Kleinrentnern, sowie allen Fürsorgeberechtigten, eine Winterbeihilfe aus den Mitteln des Reiches auszuzahlen. Die Winterbeihilfe soll für die Hauptunterstützungsempfänger 40 Mk., für jeden Llnterhaltsberechtigten 12 Mk. betragen; Empfänger von Waisenrenten sollen 12 Mk. erhalten. Der Vertreter des Reichs- arbeitsministeriums gab den finanziellen Lochschulnacknchten. Der Berliner Privatdozent Landrichter Dr. Helmut Rühl hat einen Ruf als ordentlicher Professor für bürgerliches Recht und Arbeitsrecht an die Handelshochschule Mannheim als Nachfolger von Prof. Lautner erhalten. —Der derzeitige Rektor der Technischen Hochschule Berlin, ord. Professor für Daugcschichte. Dr.» Ing h c Dr. phil h. c. Daniel Krenckerist zum Honorarprofesior an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule ernannt worden. ren, um die Handelsspanne beträchtlich zu senken. Da die Handelsspannen bei den zahlreichen verschiedenartigen Erzeugnissen nicht einheitlich beurteilt werden können, haben sich die Verbände freiwillig berciterklärt, im Zu- sammenwirlen mit der Reichssorschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwcsen und unter Hinzuziehung des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaues und einer Vertretung der Hausfrauen die Preisbildung und -bewegung für die derzeit wichtigsten Gemüse- und Obstarten einer fortlaufenden genauen Prüfung zu unterziehen und deren Ergebnisse der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Die Arbeiten sind bereits in Angriff genommen. Es ist zu erwarten, daß auch auf diesem Gebiete die Senkung der Preise, die von den Verbänden schon vor etwa 14 Tagen freiwillig e i n g e l e i t e t ist, einen weiteren Fortgang nehmen wird. Die in den letzten Tagen im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Kartoffelgroß- und Kleinhandel unter Mitwirkung der Erzeuger- und Derbraucherorganisationen, insbesondere den Hausfrauenvereinen, über die Senkung der Kartoffelpreise geführten Verhandlungen haben ergeben, daß auch der Kartoffelhandel bereit ist, der allgemeinen Wirtschaftslage Rechnung tragend einen Abbau der Preise vorzunehmen. Keine Vorverlegung -er Besoldungskürzung. Die Sanierungsvorlagen in den Reichsratsausschüssen. Berlin. 12.Roo. (BDZ.) Die Reichsratsaus- fchüsfe begannen heute vormittag mit der zweiten Beratung der Sanierungsvorlagen, an erster Stelle des Gehaltskürzungsgefehes. das verabschiedet wurde, ohne daß von irgendeiner Seite ein Antrag kam, den Termin der Gehaltskürzung vorzuoerlegen. Eine Aenderung wurde van den Ausschüssen an der Regierungsvorlage nur hin- sichtlich der Stellung derBehördenange- (feilten vorgenommen. Das Gesetz über die 6 i n- schränkung des P ers onalauswandes in der öffentlichen Verwaltung wurde in zweiter Lesung angenommen. Sodann sand eine allgemeine Aussprache über das Realsteuer- geseh statt. Bis in die späten Abendstunden be- schästigten sich die Ausschüße noch mit der Einzelberatung dieses Gesetzes, die am Donnerstag fortgesetzt werden soll. Die Zweite Lesung des Ausgaben-Vegrenzungsgesehe» soll gleichfalls am Donnerstagvormitlag vorgenommen werden. ein kleinerer, zwischen denen ein Sattel lag, und die verborgene Sonne rückte jetzt hinter den ersten. Mohammeds Auge trug nicht so weit, daß er sehen konnte, wie eine Reiterschar, von lenseits her, den Sattel hinanritt, eben in dem Nu, tnn er selber sich hinlieh. Etwas anderes band seinen Blick, ganz nah. Denn indem er ihn aufwärts lenkte zur Wölbung und wahrlich nur leeren Raum da fand und sein Blick auf und nieder leine Mauer zu ziehen vermochte gegen die schreckliche Offenheit: so gewahrte er den beerenförmigen dunklen Leib einer großen Spinne, die vor der Wölbung am rinnenden Faden herab- fank. Kaum den Boden berührend, lief sie in Eile zur Wand und hinein, und ein zweit^ Faden schon lief von anderer Stelle schräg nach unten, den ersten treffend. Mohammed hatte Spinnen bei ihrer Arbeit gesehen, mehr als eine, in den ewigen Stunden des Wartens in der Dergeinsamkeit, bis der Engel des Herrn zu ihm trat; niemals aber eine, die ihr Werk mit so unglaublicher Schnelligkeit förderte wie diese. Denn Faden um Faden schon war, Blitzen gleich, nach vielen Seiten geschlossen, und die dunkle Wirkerin fing schon an, mittlinas im Hohlentor, sich selber umlaufend, den vieleckigen Einschlag in den haltbaren Auszug zu flechten. Sehet, rres Mohammed laut, o sehet her! Alle kamen herbei, alle sahen, verwunderungsvoll und bald ftarr, die Läuferin an, die um die Mitte der Stahlen schwang wie an unsichtbarer Schnur ein herum» gewirbelter Ball, und Vieleck und Vieleck der Fäden legte sich, rundete sich, schloß zum schonen Gewebe, klar und genau wie Kristall. Ihnen lachten die Herzen, vergessener Not, wie so m wirblichter Feuereite des Tieres ein so ebenes, so festes, so geordnetes Werk da erblühte, dieweil sie, die Meisterin, schon in weitesten Kreisen der Höhlenwand nahe herumflog. Aufwand für den kommunistischen Antrag nach vorläufiger Schätzung mit 3 3 7 Millionen Mark an. Nach längerer Aussprache beantragten die Abgeordneten Dr. Qua atz und Hergt (Dn.), die Beihilfen in Naturalien, insbesondere in Brennstoffen und Lebensmitteln, die im Inlande erzeugt sind, zu gewähren. Abg. Herman (Wirtschp.) beantragte hierzu einen Zusatz, daß die Beihilfe in Naturalien sich auch auf die Beschaffung von Kleidern, Wäsche und Schuhzeug erstrecken müsse. Die Beteiligung des Handwerks und des Einzelhandels müsse dabei absolut sichergestellt werden. Da der Vertreter des Reichsfinanzministeriums sich außerstande erklärte, anzugeben, woher die Deckungsmittel für 'Ne mindestens auf 337 Millionen Mk. geschätzte Winter- Aus aller Welt. Der Prinz von Wales auf Do X. Der Prinz von Wales ist in einem Amphibium- Flugzeug von Hendon nach Calshot geflogen, um das deutsche „Wunderflugboot" Do X zu besichtigen und an einem Fluge des Do X teilzunebmen. Er landete aus dem Wasser neben dem Do X. Dieser hatte bereits seine Motoren warmlaufen lassen und die Startstrecke war von Fahrzeugen frei gemacht worden. Dr. Dornier empfing den Prinzen, dem auch der Kommandant des DoX, Kapitän E hr i- st i a n s e n , vorgestellt wurde. Während seines Fluges auf der DoX übernahm der Prinz von Wales für zehn Minuten das Steuer des Flug- schiffes. Der Führer machte dem Prinzen das Kompliment, daß er ein sehr guter Führer sei. Während des Fluges brachte der Prinz einen Trink- spruch auf den Kommandanten und die Besatzung aus und wünschte ihnen einen vollen Erfolg für den • Atlantikflug, worauf der Komandant aus die Gesundheit des Prinzen trank. Die Do X ist ein wunderbares Flugschiff, sagte der Thronfolger zu Dor- nier, bevor er das Flugschiff verließ. Dem Kommandanten gratulierte er zur geschickten Leitung der Do X. Das Flugschisf stieg kurz darauf noch einmal zu einem kurzen Flug auf, um dem Prinzen das Starten und Landen zu zeigen. Die Menge in Calshot war wieder voll der Bewunderung für das deutsche Flugschiff. Falls die Wetteroerhältnisse gun- ftig sind, wird Do X am Freitagvormittag um 8 Uhr englischer Zeit nach Bordeaux weiterfliegen. G 38 bei Bordeaux gelandet. Das deutsche Riesenflugzeug G 38, das am Mittwoch um 11 Uhr auf dem Flugplatz Vito r i a in Spanien aufgestiegen war, ist um 13.15 Uhr in Merignac bei Bordeaux gelandet. Es hatte außer dem Flugleiter Bohn und dem Chefpiloten Zimmermann zwölf Passagiere an Bord. Seit seinem Abflug aus Deutschland hat G 38 bisher bereits 7500 Kilometer zurückgelegt. Ein Auto stürzt in einen Fluß. Ein schweres Autounglück hat sich auf der Chaussee zwischen Kvwno und Maletai ereignet. Ein Wagen, in dem sich sieben Laßt uns f. Mücken und guter Laune sein! Ein Mensch, der karg und lieblos frühstückt, ist schlechter Laune, und wenn er mitten im Tage Gänsebraten ißt, kann er nicht mehr arbeiten. Laßt uns am Morgen ordentlich frühstücken, wie es der Engländer tut -r- das ist die Mahnung, die uns Dr. A. Mayer in dem reizenden Almanach von Velhagen L Klasing zuruft. In Deutschland, aber erst recht in den romanischen Ländern, besonders in Italien, ist das Frühstück außerhalb ter „europäischen" Ho els eine glatte Katastrophe; irgendwelche Remonstrationen gegen die winzige Kaffeekanne und den gigantischen Milchtopf, gegen das unweigerlich servierte süße Gebäck und die durchsichtigen Dutterportionen erregen nur fassungsloses Staunen. Es gibt fogar einen Dampfer mit ähnlichen Zu ständen: es ist die immer noch zwischen Athen und Brindisi verkehrende „Mykale", auf ter einer düsteren Sage zufolge bereits Odysseus seine Irrfahrten zuruck- gelegt hat. Auf ihr versetzte das Verlangen zweier alter englischer Damen nach einem „slice of meot zum Frühstück die Besatzung in nicht geringe Bestürzung: die Erfüllung des nicht unbescheidenen Wunsches wurde den armen Britinnen aber nicht zuteil Der Engländer hat die soziale Bedeutung tes Frühstücks früh erkannt: d.e herzhafte Mahlzeit des Morgens erlaubt ihm, mittags nur ein ganz leichtes Lunch einzunehmen, das häufig au« ein paar Sandwiches besteht; höchstens eine leichte Eierspeise, im Winter ein paar Austern, sonst ein Stück kaltes Huhn oder eine Scheibe Schinken genügen ihm vollauf. Eine Unterbrechung ter Geschäftszeit findet denn auch niemals statt; ter geheiligte Five o’clock 3 ea touo nach Beendigung ter Arbeit genommen, eine ebenfalls ganz leichte Magenmarkierung ter Tageszeit, welche die Stunden bis zum Dinner unterbricht. Insotgetessen ist das englische Breakfast höchst wichtig und berücksichtigt alle gesundheitlichen Erfahrungen, die dem Sporttreibenden, dem körperlich und dem geistig Arbeitenden in gleicher Weise zugute kommen. Es mag wohl in Deutschland häufig infolge ter mancherlei nationalen Nöte als unangeoracht empfunden werden, von Dingen der Ernährung zu sprechen, die den Eindruck teuren Lebens erwecken; es darf aber niemals vergessen werden, daß die für ein gutes Frühstück zu leistenden Mehrausgaben am Mittagessen gespart werden können, und daß sich mit einiger Geschicklichkeit eine ausgezeichnete, gesunde und gute Laune schaffende Morgenmahlzeit mit verhältnismäßig geringen Ausgaben Herstellen läßt. Plötzlich hielt sie inne, und in das Ohr der nur schauenden Männer, sie im Nu in entsetzte Horcher verwandelnd, scholl Hufschlag. Da spähten sie wieder durch das gläserne Gitter und erkannten schon deutlich und nahe die Verfolger, eine gegen die ihre gewaltige Schar, freilich vergrößert, weil jeder Berittene ein lediges^ Roh neben sich führte, so vor Erschöpfung geschützt. Fürchtet euch nicht, sagte Mohammed sanft, die« Tier ist bestimmt, uns zu retten. Gehet wieder ins Innere. Sie gehorchten, obwohl ungläubig; auch Mohammed folgte und ließ sich im Dunkel, ein wenig noch vor den andern, wieder zu Boten wie erst. Eine Weil« noch sah er die farblose den Rektor von vornherein nicht darüber im Un* klaren gelassen, daß die Polizei auf dem Mniner» sitätsgrundstück genau s o wie überall mit allen gebotenen Mitteln einzuschreiten berechtigt sei und auch in Zukunft allen Ausschreitungen auf dem Llniversitätsgelände entgegentreten werte. Weiter habe der Rektor nicht davon gesprochen, daß die Anwesenheit ter Polizei auf die Studentschaft provozierend gewirkt habe. Eine Auffassung, die das berechtigte und notwendige Eingreifen ter Polizei als „Provokation" ansehe, könne nicht scharf genug zurückgewiesen werden. Wirihs Polizeikonflikt mit Thüringen. Eine Erklärung des Reichsinnenministers. Berlin, 12.Nov. (WTB.) Zu der vom Vorsitzenden tes Thüringer Staatsministeriums zum Polizeistreit veröffentlichten Erklärung wird vom Reichsministerium des Innern folgende Erklärung mitgeteilt: Der Reichsinnenminister hat dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold keinen Auftrag erteilt, ihm Material über die Verhältnisse bei der thüringischen Polizei zu beschaffen. Selbstverständlich hat er die Verhältnisse in Thüringen nach wie vor aufmerksam verfolgt und das ihm in reichem Lim fange von den verschiedensten Seiten zugegangene Nach- richtenmaterialdemStaatsgerichts» Hof unterbreitet. Der Staatsgerichtshof ist zur Zeit damit befaßt, über das Material Beweis zu erheben. Der Reichsminister tes Innern lehnt es ab, dem Beispiel des Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums zu folgen und Teilergebnisse der bisherigen Beweisaufnahme zu einem Zeitpunkt, in dem die Beweisaufnahme sich noch in vollem Gange befindet, einseitig und vorzeitig auszuwerten und so vor der Entscheidung des mit der Sache befaßten Obersten Gerichtshofes in ter Oeffentlichkeit Stimmung zu machen. Disziplinarverfahren gegen thüringische Polizeibeamte. Weimar, 13. Nvv. (TU.) Die thüringische Regierung gibt bekannt, daß im Verlauf der Aktion gegen die Bespitzelung des thüringischen Polizeiwesens im Interesse des Reichsinnenministers am Mittwoch Haussuchungen in den Wohnungen verschiedener Polizeibeamten und im Bureau des Reichsbanners stattgefunden haben. wobei weitere erdrückende Beweise für die- feS Spitzelwesen fest gestellt worden seien. Daraufhin sei der Polizeihauptmann Schüler in Gotha fristlos und ohne Zuerkennung der V er s o r g un g s g eb üh r n iss e entlassen worden. Gegen einen am 31. August ausgeschie- denen Polizeioberleutnant und gegen drei weitere untere Polizeibeamte sei das Dienststrafverfahren eröffnet worden. Weiler habe man die Feststellung gemacht, daß das Material ter Spitzel, deren Schriftsätze in den Berichten des Reichsinnenministeriums meist wörtlich wieder- kehrten, über einen Kriminalkommissar beim Polizeipräsidium Erfurt geleitet worden seien. Gottes Wand. Legende von Albrecht Schaeffer. Copyright 1930 by I. L. A., Wien. Es gibt mehr als eine Legende, die fromme Entzückung aus jener gottbeschirmten Flucht Mohammeds des Propheten von der Stadt Mekka nach Medina hervorzog. Wer unter uns Freund ter Tiere ist, den freut es, daß bei der Rettung tes Geheiligten gerate ihnen, den — wie wir glauben — unbeseelten Geschöpfen, himmlische Würdigungen zuteil wurden. Und es war ein geringes Tier, das — nach einem Bericht im Augenblicke ter Rot den heiligen Mann beschützte. Mohammed und seine wenigen Freunde hatten — so heißt es — eine Nacht lang und noch während ter ersten Stunde des Morgens die Wüste durchritten. Am Quellwasser, unter den Palmen einer Oase ruhten sie aus während ter glühenden Stunden des Tages. Wieder im Sattel, näherten sie sich den Ausläufen eines blauen Gebirgs; aber bald schon muhten sie inne werten, daß ine Rast nicht genug war; daß die Kraft in den Deinen ter Rosse nicht weiter sich abnutzen ließ. Fanden sie dort, am Gebirg, keinen Versteck für die Nacht, so waren sie preisgegeben — wenn sie verfolgt wurden, und daran war nicht zu zweifeln. Do nahten sie denn — die Sonne sank schon — dem vordersten Berge von Sandgestein und sand- überronnen, öden Terrassen, kaum ersteiglich und allseits hin sich bietend dem Blick. Doch siehe, einige Fuß hoch am Berg war eine Höhle geöffnet, wenig über mannshoch und kaum so breit. Der erste, ter hineindrang, fand sie tief genug ins Gestein gewölbt, daß allesamt mit den Pferden sich hineinfassen ließen, ohne daß einer, der nur vorn Eingang hineinspähte, etwas darin gewahrt hätte. Mohammed sagte gleich: Gehet alle hinein mit den PferdenI ilni> wenn, wagte Ali zu widersprechen, unsere Verfolger hierher gelangen und drin nach uns suchen? Wenn Allah es will, war die Antwort, so werden wir fechtend sterben. Darauf gehorchten alle und begaben sich auf eitlen Wink ihres Führers bis in die letzte Tiefe der Höhte. Der Boden war stufenförmig äu ihr erhöht, so daß auch die Pferde es leicht hatten. Mohammed lieh sich neben der Felswand im Eingang der Höhte nieder, die Schenkel kreuzend. Vor ihm lag die Wüste, aus der er gekommen mar, schattenüberblaut vom Gebirg, düs sich weithin zur Linken dehnte. Gerate gegenüber seinem G^aun, mritensern, streckten, sich au« dem Gebirge Kleine politische Nachrichten. Landtagspräsident Delp hat den Abgeordneten des Hessischen Landtages mitteilen lassen, daß der Landtag auf Montag, den 24. November, zu einer kurzen Tagung einberufen werden soll. Der Landesvorstand der hessischen Demokraten hält am Sonntag in Frankfurt am Main zwei Parteitage ab. Auf der ersten Tagung soll nach einer Rede des Vorsitzenden, Land- tagsabg. Sch r e i b e r, die A u f l ö s u n g der Demo, kratischen Partei Hessens beschlossen werden. Nachmittags wird nach einem Referat von Oberstaatsanwalt Dr. M a y über den Reichsparteitag in Han- nover und nach einem Vortrag des Reichstagsabg. Dr. Weber über „Ziele und Aufgaben der Staatspartei" diese für Hessen konstituiert werden. ♦ Am Mittwochnachmittag ist Major Pabst mit feiner Frau aus Venedig nach Tirol zu - rückge kehrt. An der Grenze am Brenne r p a h hatten sich Abteilungen der Tiroler Heimatwehr in Uniform eingefuntenr-feojer QSun- desführer Dr. Eteidle, sowie ein Vertreter tes Bundcsführers, Mi isters Fürst Star Hemberg. Major Pabst in Heim a twehruni,orm kam im Kraftwagen an der Grenzschranke an, über die hinweg ihm Dr. Steidle und die anderen Heimat- wehrführer die Hände reichten. Eine Musikkapelle spielte das Andreas-Hofer-Lied. Major Pabst dankte für die Treue, die die österreichischen Heimatwehrleute ihm während seiner Verbannung gehalten hätten. Der spanische Ministerrat hat beschlossen, die Kammerwahlen am 1. März und die Senatswahlen am 15. März kommenden Iahres stattfinden zu lassen. und den Nahenden schweben. Dann senkte er still das Gesicht in die Hände und blieb so. In dem Augenblick aber, wo die vordersten Reiter der Höhle zusprengten, fügte der Himmel es, daß die Scheibe Der Sonne hinter dem Hügel hervor auf jenen Sattel sich senkte; und da brauste eine solche Flamme von Gold aus dem ©Jnnn- getoebe, daß die Männer vor Schrecken schrien. Lautlos in Feuer, so hing das gewaltige lltetz über ihnen; schwebte, aus Strahlen gewoben, die heilig goldene Wand, anflammend die Hergehetzten: »Nicht weiter!" _ Die Rosse standen, Rosie und Reiter keuchten. Dann glitt aus dem Sattel ter Erste, auf den Boden und auf die Knie, das Haupt auf die Knie geworfen, und ter Zweite ihm nach und so alle. Es wußte wohl keiner, wie lange er betend lag, so wenig sie wußten, daß jenseits ter Gotteswand im Schatten ter Höhle, nicht zehn Schritte von ihnen getrennt, der Gesuchte sah, vor seinem Gotte gebeugt, das ergebene Haupt in den Händen. Als sie emporsahen, war es Nacht, die Erscheinung verloschen, verschwunden bis auf ein graues Netz, Tiereswerk, kaum sichtbar. Einer sagte, noch schwer beklommenen Odems: Es könnte sein — sie sind im Inneren verborgen. Aber ein anderer band seine kaum vorn Wunder erlöste Vernunft an die Vernunft des Tieres, wie er sie kannte und sprach: O, du Narr! Sahst du noch nie eine Spinne am Werk? Und wenn sie heute vor Morgen begonnen hätte, sie könnte jetzt noch nicht fertig sein. Folglich ist niemand darinnen. Doll Anerkennung hörten die übrigen dies, vielmehr beruhigt, daß keiner gezwungen wurde, die immer noch ängslliche Wand zu zerbrechen. Sie sahen auf und jagten mit geltenden Rusen das Gebirge entlang fort in die Leere unter den rings herabschauenden Sternen. Der Kabinettsausschuß zur Förderung der Preissenkung. Berlin, 12. Noo. (TU.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident empfing heute nachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning und den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele zu einer gemeinsamen Besprechung über die Durchführung der zum Schutze der deutschen Landwirtschaft sowie zur Durchsetzung der Lebensmittelpreissenkung von der Reichsregierung in Aussicht genommenen weiteren Maßnahmen. Der Ausschuß zur Förderung der Preissenkung, den das Reicks- k a b i n e 11 in feiner heutigen Nachtsitzung eingesetzt hat, besteht aus dem Reichskanzler, dem Reichsernährungsminister, dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichsfinanzminister, dem Reichs- arbeitsminifter und dem preußischen Handelsminister. Der Ausschuß wird am Donnerstag zum erstenmal zusammentreten, um zunächst die Möglichkeiten fest- zustellen, die für eine wirkungsvolle Ausdehnung der Preissenkung gegeben sind. Es wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß die für die ganze politische und wirtschaftliche Entwicklung so überaus wichtige Aktion des Kabinetts auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln der Propaganda unterstützt werden muß, durch die bekannt werden kann, wo die Preise billig sind. Diese Methode hat die englische Regierung vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation mit erheblichem Erfolg angewandt. Dabei ist z. B. auch der Rundfunk zur Bekanntgabe von billigen Geschäften benutzt wor- den. Auf der anderen Seite können diese selbst die Bewegung durch deutliche Preisbekanntgabe in den Schaufenstern, Inseraten usw. unterstützen. Dabei muß auch beachtet werden, daß eine der Voraussetzungen des Gelingens der Aktion die Rückkehr zur Pfennigrechnung ist. Obst, Gemüse, Kartoffeln. Berlin, 12. Nov. (Amtlich.) In Fort- führung ter von ter Reichsregierung eingeleiteten Preissenkungsakiion fand am 12. November 1930 im Reicksernährungsministcrium eine Besprechung über die Preisbildung für Obst und Gemüse statt, an ter u. a. auch Vertreterinnen ter Hausfrauen teilnahmen. Die Verbände tes Handels, der Waren - und Kauf häuser sowie die Konsumvereine haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, t:ine Opfer.zu scheuen, um die Preise auch für Obst und Gemüse zu senken, um damit ter allgemeinen Notlage zu steuern und zu einer nachhaltigen Besserung unserer allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu gelangen. Die Verbände haben sich entschlossen, unverzüglich auf ihre Llnterverbände und Mitglieder einzuwirken, daß diese unter Berücksichtigung der Einkaufspreise und der auf den Waren ruhenden Lasten sowohl im Groß- I wie im Kleinhandel schärf ftens kalkulie- | ^@6^ ParlsZSrranKf. \um* WM SS££S9££SSflbüQZS5BR£SE&&SB% rki^anMMU/ ^WS-ZS-ZWM -ia65SÄSe=iiX • Gießen. 12. Nov. Am 10. und 11. November wurden in der bekannten Strafsache gegen Wacker vor dem Erweiterten Schöffengericht Gießen (vergl. unseren Bericht vom vorigen Samstag. D. Red.) einige 20 Zeugen vernommen. Ein Xeil von ihnen konnte sich naturgemäß an di« Jahre zurückliegenden Verhandlungen mit dem Angeklagten nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Andere erklärten, daß wacker ihnen versprochen habe, sie bekämen die Darlehen bestimmt in wenigen Wochen, es stände genug amerikanisches Geld zur Beifügung. 3m Vertrauen aus diese und ähnliche Zusicherungen wurden die Leute Mitglieder des „Dnternatlo- nalen Kreditschuhes" oder der „Kreoeawa". bezahlten ihre Beiträge und erhielten fast ausnahmslos nichts. Größere Darlehen wurden überhaupt nicht aus- gezahlt. Wenn wirklich einmal, in ganz wenigen Ausnahmefällen, kleine Beträge ausgezahlt wurden, so zeigte sich auch hier, wie „gemeinnützig" die Unternehmen waren. Ein Soldat erhielt von dem von ihm bei der „Kreveawa" gegen Sicherheit auf genommen Darlehen 150 Mark ausbezahlt. Beitrag für ein 3ahr und 20 Prozent Zinsen wurden von der Darlehenssumme, die auch nur mit 97 Prozent ausgezahlt werden sollte, gleich abgezogen. Zurückzahlen muhte der Soldat aber 250 Mark! Ein Geschäftsmann wurde Mitglied des Kreditschutzes. weil Wacker ihm garantierte, daß er Erweitertes Vezirksschöffengericht Gießen. • Gießen. 12.Rov. 3n der Rächt vom 22. auf den 23. Df ober 1929 waren aus dem Haus eines Metzgermeisters in Dorheim Geld und allerlei Gegenstände gestohlen worden. Der Dieb war entweder eingestiegen, oder er hatte sich an dem nebeligen Tag in das Haus eingeschlichen. An einer Kassette, die er erbrochen hatte, fanden sich zwei frische Fingerspuren, so muste-gül.ig klar und deutlich abgedrückt, wie man dies selten findet. Sie wurden an das Landeskriminalpolizei- amt nach Darmstadt geschickt, paßten aber zu keinem der Tausende von Abdrücken, die von bekannten Verbrechern registriert werden. Der Verdacht, den Diebstahl begangen zu haben, fiel auf den Maurer Großmann, einen trotz seiner 26 Jahre vielfach, auch mit Zuchthaus bestraften Verbrecher, der schon vor Jahren wegen eines in der gleichen Gegend begangenen Diebstahls, bestraft und wenige Tage vor dem Diebstahl dort gesehen und bestimmt erkannt worden war. Er wurde steckbrieflich verfolgt, verhaftet, und die Vergleichung feiner Fingerabdrücke mit denen auf der Kassette ergab die vollkommenste Uebereinstiinmung. so daß ein Zweifel an seiner Täterschaft nicht bestehen konnte. Der Versuch, sein Alibi zu beweisen, mißglückte vollkommen. Er erhielt — mildernde Umstände wurden nicht angenommen — d e Mindest» strafe von zwei Jahren Zuchthaus Auch von anderen Gerich en ist ec inzwischen wieder zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Freigefprochen wurde ein Krastwagen- führer von Daubrinaen, der Ende August auf der Landstraße Lollar—Gi:hen beim Ueberholen eines Erntewagens mit einem aus dec entgegengesetzten Richtung kommenden Motorradfahrer zu ammen- gestohen war, so daß dieser und sein Beifahrer getötet wurden. Das Schöffengericht war der Meinung, daß ein Verschulden des Angeklagten nicht einwandfrei nachweisbar fei. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gesängnis beantragt. Die Sache wird vermutlich noch die Strafkammer als Berufungsinstanz beschäl, igen.________________ Personen befanden, stürzte beim Passieren einer Brücke in den Fluß. Dabei ertranken fünf Personen. Zwei konnten sich durch Schwimmen retten. 6in Schiffbrüchiger nach 72 Stunden gerettet. Der Erste Offizier des Schoners „Brooklyn", der letzten Samstag vor Port Humboldt kenterte, wurde an der kalifornischen Küste auf See treibend ousgefunden und ge rettet. Er war völlig erschöpft und fast bewußtlos, da er an ein Wrackstück geklammert 72 Stunden ohne Nahrung und ohne Trinkwasser hatte aushalten müssen. Man brachte ihn ins Krankenhaus. Es besteht Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Zwei 3ahre Festung wegen Mensur mit Todesfolge. Das Strafgericht München verurteilte den Studenten Koch aus Remscheid wegen Tötung im Zweikampf zu jtoei Gapren Festung. Koch hat am 21. Februar d. 3. einem Angehörigen einer Burschenschaft in einer Bestimmungsmensur eine Stirnverletzung beigebracht. Der Verletzte starb nach einigen Sagen an einer Stirnhöhlenvereiterung. 3n der Verhandlung erklärte einer der medizinischen Sachverständigen, die Verletzung als solche habe nicht unmittelbar den Tod zur Folge gehabt, sondern es lag eine innere 3nfef- tionsquelle vor, wähle.id der zweite Sachverständige eine 3,nfizierung durch die Wunde für wahrscheinlich hält. Obwohl der Verteidiger darauf hinwies, daß das Große Schöffengericht Berlin am 28. März und das Schöffengericht Köln am 30. April d. 3. zu dec Entscheidung gekommen seien, daß Studentenmensuren nicht als Zweikampf mit töd - lieben Waffen, sondern als Sport anzusehen seien, schloß sich das Gericht einer reichsgerichtlichen Entscheidung von 1883 an, wonach Studentenmensuren als Zweikampf mit tödlichen Waffen zu betrachten seien. 3m übrigen glaubte das Gericht die Frage nach dem ursächlichen Zusammenhang zwischen der Verwundung und dem Tode im vorliegenden Falle bejahen zu müssen. Fährbootsunglück in veliheim. Auf der Beltheimer Weser-Fähre, wo sich bekanntlich seinerzeit das furchtbare Unglück mit den Reichswehrpionieren zugetragen hat, ereignete sich ein gefährlicher Unfall, der leicht zu einer Katastrophe hätte führen können. Als der Fährmann eine größere Herde Kühe unter Anwendung der gebotenen Sicherheitsmaßnahmen übersetzte, drängten die Tiere plötzlich auf die Seite, um zu trinken. Dadurch legte sich das Fährboot auf die Seite. Versuche, die Tiere wieder in die Mitte der Fähre zu treiben, mißlangen. Es entstand ein wüstes Durcheinander, und da der Wasserstand der Weser zur Zeit sehr hoch ist. kenterte die Fähre und verschwand vollkommen unter dem Wasserspiegel. Die auf der Fähre befindlichen Menschen konnten sich unter Aufbietung aller Kräfte in den Beibooten retten. Die Tiere erreichten schwimmend das jenseitige Ufer. Der Fährmann Huck, der sich bei dem Reichswehrunglück hervorragende Verdienste erworben hat, vermochte auch diesmal wieder durch seine Geistesgegenwart eine sonst unausb'eibliche Katastrophe abzuwenden. Sie Fähre liegt auf Grund und konnte noch nicht geborgen werden. Lin Tierwärter von Löwen zerfleischt. 3n Stettin betrat der 27jährige Tierwärter Max W i l h a n einen Gotrentä ig. den der Schausteller Willy Bachmann vorübergehend aus einem Hofe untergestellt ha te. Als der Wäcter die drei Tiere streicheln wollte, fiel ein Löwe über ihn her, warf ihn zu Boden und verletzte ihn schwer. Die beiden anderen Tiere stürzten sich darauf gleichfalls auf den am Boden Liegenden. Auf die gellenden Hilferufs des Schwerverletzten eilten vier aus dem Hofe befindliche Personen herbei. Unter eigener Lebensgefahr gelang es ihnen schließlich, die wütenden Tiere mit Focken von ihrem Opfer abzuballen und den Wä ter aus dem Käf q zu ho en. - il an w cd sofcr i s Kia e i* Haus gebracht, wo er aber einige Zeit später seinen schweren Verletzungen erlag. erwarten. Erhältlich /.Apotheken uDrogerien Vertrieb fUSA. GlogaubCQ Chicago Oie Darlehensgeschäfte Wackers. Das Ergebnis der Zeugenvernehmungen an den ersten DerhandlungSiagen. Aussichten für Freitao: Wechselnde Bewölkung mit vorübergehendem Aufklaren, Neigung zu vereinzelten geringen Niederschlägen, zunächst etwas milder. Lufttemperaturen am 12. November: mittags 6,9 Grad Celsius, abends 5,4 Grad: am 13. November: morgens 5,2 Grad. Maximum 7,3 Grad, Minimum 4,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm in 14 Tagen die nachgesuchten 2000 Mark bekomme. Als das Geld nach Wochen nicht kam und dcr Rechtsanwall des Mitglieds gerichtliches Vorgehen andrvhte, erhielt das Mitglied 300 Mark, die aber mindestens zum größten Teil aus seinen eigenen Forderungen stammten, die er vorher an den Kreditschutz zum 3nkasso abgetreten hatte. 3n den von Wacker versandten „Referenzen" war aber zu lesen, das betr. Mitglied habe 900 Mark zinsloses Darlehen erhalten. 3n den Referenzen des „Sreditschuhes" und der „kreveawa" wurden überhaupt INillionen- furnmen genannt, die an die Mitglieder fchon ausgezahlt feien, auch nach Gießen und Umgegend fallen viele Taufende gefloffen fein. Bezeichnenderweise waren aber die Namen dieser Mitglieder, die die großen Darlehen erhalten haben sollten, nicht ausgeschrieben. Wie der dann teilweise verlesene Schriftverkehr Pavelec-Wacker ergab, sind größere Darlehen überhaupt nicht ausgezahlt worden. Mit den kleineren Darlehen war es so, wie Pavelec im 3uli 1928 an Wacker schrieb, „es ist keine Kunst, den Leuten das Geld abzunehmen und daraus kleine Darlehen zu geben". Denn „das Volk wird allgemein betrogen, weil es dumm ist". Brief Pavelees aus August 1928. Wir werden demnächst über den weiteren Gang der Verhandlung berichten. Tiefe am 12. November: abends 5,3 Grad, am 13. November: morgens 4,8 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 Millimeter. — Sonnenschein- dauer 4ll? Stunden.___ »Rote Hande oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirlsames Mittel dagegen ist die kühlende, reiz- mildernde und schneeig-weitze Creme Leodor, auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Hebet» laschender Erfolg, Tube 1 2JIL, wirksam unterstützt durch Leodor-Edelfeise, Stück 50 Pf. 3n allen Chlorodorw Verkaufsstellen zu haben. meemärschs, Opernkompositionen und andere Musikstücke in sorg amster Auswahl und guter instrumentaler Gestaltung zu Gehör gebracht wurden. Bei dem günstigen Wetter konnte die Kapelle im Freien konzertieren, so daß auch die 3nsas en der bena Abarten Kliniken an den schönen Darbietungen teilhaben konnten. Der Kapelle und ihrem verdienstvollen Leiter, Obernmsikmeister Loeb er, wissen die Klinikinsassen für die angenehme Morgengabe aufrichtigen Dank. *• Reiterbesuch aus Oberschlesien. Gestern nachmittag kam Herr Albert Kassel aus Deuthen (Oberschlesiens, Mitglied deS dortigen Reit- und Fahrvereins, zu Pferd in unserer Stadt an. Herr Kassel befindet sich zur Zeit auf seinem 18 3ah re alten Fuchswallach .Wotan" auf einem Ritt Quer durch gana Deutschland. Am 23. September ritt er von Beutyen ab über BrcS- lau — Görlitz — Dresden — Leipzig — Erfurt- Fulda — Frankfurt a. M, und genau vier Wochen später, am 23. Oktober, traf er in Mainz-Kastol am Rhein ein. Don dort aus ritt er auf seinem .Wotan" rheinabwärts über Koblenz bis Weißenthurm. dann führte ihn sein weiterer Weg über Limburg gestern nach unserer Stadt. Hier brachte er sein Pferd, das bisher den ganzen langen Ritb mit einer täglichen durchschnittlichen Entfernung von etwa 50 Kilometer gut überstanden hat, in dem Universitäts-Reitinstitut des Herrn Schömb« unter, wo dem Tiere sorgfältigste Pflege zuteil wurde. Heute früh will der passionierte junge Reitersmann seinen weiteren Rückweg an treten, ben er von hier aus über Kassel — Halle — Torgau — Kottbus — Sagan und Breslau nach seiner Heimatstadt Beuchen nehmen will. Trotz des wvchcnlangen Rittes machte Herr Kasset, der uns gestern abend auf der Redaktion besuchte, einen sehr frischen Eindruck, und er erzählte in begeisterten Worten von den Schönheiten dieser Deutschlandreise auf seinem „vierbeinigen O-Zug Wotan". Ein Aviv fährt in eine Gruppe Jugendlicher. WSN. Dillenburg, 12. Nov. 3n der Nähe des Kreisortes Dicken ereignete sich ein s chw e- rer Unfall. Als eine Kyffhäuser-3ugend- gruppe auf der Landstraße marschierte, fuhr ein Kraftwagen von hinten in die Gruppe hinein. Die letzten Reihen der 3ungen wurden zu Boden gerissen und kamen teilweise unter das Auto zu liegen. Drei Angehörige der Abteilung trugen erhebliche Verletzungen davon. Die Wetterlage. Owolkenlos 0neuer. rane 12. I Mietgesuche | 5- ad. 6-3Hnmet- Wohnong von ruhigem Mieter baldmögl. zu mieten geiuchi. Gell Zuschr. mit Angaben über die Wohnung und mögt. Brets unter 7703D an d. Gelchst. d. Gh Anz erbeten. döDerer Beo nter sucht für 1. 1. 1931 über später Hül-BOo. m Zubehör (2111* od. Neubau». Lchrtftl. Angebote uni. 07049 a ö Gien. Anzeiger. pteüenangeböte Verdienst tutxl) Dam n und Herren durch lieber- nnhme einer Ber- teilungSstelle meiner belieb en 17719V Reha-Kafiees geboten. Angeb. an Mudolt Rehmer, Hamburg Altona, Eulensfrake 95. Suche ein junges Mädchen aus guter Familie aus ein Gut tu Rheinhessen z. Erlernung des Haushalts bei vollem Familienanschluß ohne gegenseitige Vergütung. Etnirtii kann fofort ertolgen. Scht. Ang. u. 07030 a. d. Gn.Anz. 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SIZILIEN Meiiina, Palermo DieMumienkatakomben /Catania / Dir Felsenstadt Taormina / Die Tempeltelder v.Segesta/ Agrigent / Selinunt / Südliches Volksleben / Handwerkskultur / Der Aetna / Die städtevernichtenden Vulkanausbrüche 1927. So entsteht aus Sonne und Schatten das typische Bild des südlichen Italiens. Im Beiprogramm: Die neue Ufa- Ton-Woche! Jugendliche haben Zutritt Gewöhnliche Kulturfilmpreise, Kinder v.30 Pfennig aa Karten- vorverkaut an der Kasse des Lichtspielhausesund Im Reisebüro Loeb, Seltersweg 7715C Nr. 266 Zweiter Matt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen) Donnerstag, November MO a. Erfolg für den früheren BundeSk, Bundeskanzler Scho- für die Großdeutsche Der ehemalige Bundeskanzler Dr. Schober noch Bekanntgabe des Wahlergebnisses. gröbere Wahrscheinlichkeit hat die Bildung einer ärgerlichen Mehrheiisregicrung unter einem > sinnen, in Oesterreich den Ausgangspunkt zu dieser zu erkennen und schließlich auch danach zu handeln. Die Gefahr ist jedoch nicht lm geringsten gebannt, die Entscheidung ist bloß vertagt. Wer gerade in dieser Vertagung liegt ein Erfolg der österreichischen Wahlen für die deutsche Dolkspolitik, wenn das Reich die Stunde wahrzunehinen lernt. Die Wahlen standen durchaus im Zeichen innenpolitischer Probleme. Der Wahlkampf wurde mit den sich daraus ergebenden Mitteln geführt. Die grob- deutsche Frage stand nicht zur Diskussion, da niemand wagte, ihre Selbstverständlichkeit anzuzweifeln. Lediglich der Heimatblock setzte der formal-demokratischen Anschauung vom grob- deutschen Reich die Forderung nach dem dritten Reich entgegen, was in Wirklichkeit keine Gegen» sehung, sondern nur eine besondere Ausdeutung grobdeutscher Reichsgestaltung ist. Don innen her gesehen, ist mit diesen Wahlen die Frag«, ob die politische Erneuerungsbewegung in Oesterreich zur Entwicklung eines eigenen Staatsgedankens und zur Sonderentwicklung einer österreichischen Ration oder zur politischen Formung des österreichischen Stammeskörpers in der deutschen Ration führen wird, noch nicht entber, da die Aus ichlen Oesterreich nach Öen Wahlen. Keine Entscheidung. — Seipel, der Sieger. — Und das Reich? Dollspartet im Hinblick auf die Kandidatur der Rauonalsozialisten und des Heimatblocks noch geringer waren als bei den Wahlen 1927 und auch der Landbund nicht in dem Mabe erfolgreich blieb, wie es seine steigende Aktivität im letzten Jahre erwarten lieft. Der Heimatblock, der eine Sammlung jener Heimwehrkreise sein wollte, die dem Parteiwesen sernstehen und als Wähler der bürgerlichen Parteien kaum in Frage kamen, hat ebenfalls sein selbstgestelltes Wahlzrel erreicht. Lediglich die Rationalsozialisten, die auS der Verkennung der Verhältnisse in Oesterreich bei den Verhandlungen mit dem Heimat- block über ein Wahlbündnis unerfüllbare Forderungen stellten, fielen durch Mit dem Heimatblock zusammen hä.ten sie fünf Mandate erreichen können. schieden. Auch hier liegen, vom gesamtdeutschen Standpunkt aus, dringende Ausgaben vor, deren Lösung allein eine organische Entwicklung zum gesamtdeutschen Rationalbewuhtsein gewährleistet. Die Kreise, die sich bereits Hoffnungen mochten, daß die Entscheidung zugunsten der „österreichischen Ration" schon jetzt fällen könne, wurden enttäuscht. Da ihren Absichten jedoch zunächst kein tatkräftiger positiver Gestal- tungswikle entgegensteht, so werden sie ihre geschickten Bemühungen fortsehen, und es wäre ein Irrtum, zu glauben, dab sie ihre Hoffnungen und ihre innen- und außenpolitischen Ziele zurückgestellt, geschweige denn begraben hätten. Früchte fallen nur dem zu, der sie verdient, der sie durch Leistungen erwirbt. Es hieße an Volk und Vaterland sündigen, wenn man, scheinbar von einer Sorge befreit, den Dingen jetzt ihren Lauf ließe. Es ist an der Zeit, den auf den deutschen Dollskörper in Oesterreich lvsgelassenen politischen Kräften entscheidende Gegenkräfte gesamtdeutscher Staotsgestaltung ent- gegenzustellen, und eS darf endlich vom Reiche erwartet werden, daß cs die Folgerungen aus dieser Entwicklung zieht, die mit bem Zusammenschluß Oesterreichs auch die übrigen Fragen deutscher Ostpolitik entscheiden. D. ^.-Korrespondenten. neuen christlich-soztalen Abgeordneten als Bundeskanzler. Da es sich ja doch nur um Zwischenlösungen handelt - die endgültige Entscheidung über die künftige Politik Oesterreichs dürfte erst bei der Wahl des Bundespräsidenten fallen, die zwei Monate nach Zusammentritt des Rationalrates ausgcfchricben werden muß —, so dürste man nach dem alten Mittel zurückgrei- fen, einem der Landeshauptleute aus den Bundesländern die Kanzlerschaft zu übertragen. Reben Ender (Dor al bergt und Schlegel (Oberösterreich) wird am stärksten der Landeshauptmann Du resch (Riederösterreich) genannt. Für diese bürgerliche Mehrheitsregierung gibt es zwei Möglichkeiten: die eine wäre eine Koalition zwischen der Christlich-Sozialen Partei und den, Schober-Block, die über eine absolute Mehrheit von zwei Llbge- vrdneten verfugen würde, die andere eine solche zwischen Christlich-Sozialen, Schober-Block und Heimatblock: letztere dürfte den augenblicklichen Absichten des Altbundeskanzlers Seipel an, meisten entsprechen. Sein Wille bleibt maßgebend. Kann der frühere Bundeskanzler Schober einen moralischen Sieg verzeichnen, so ist in Seipel der tatsächl ich« Sieger zu erblicken, will man die langsame innere Umgestaltung Oesterreichs zu einer organischen Demokratie als fein innerpolilisches Ziel ansehen. 2n einem Punkt aber dürften die Wahlen eine gewisse Entscheidung gebracht haben: für Oesterreichs Außenpolitik. Die Riederlage des Bundeskanzlers D a u g o i n, die man feststellen muß, wenn man die tatsächlichen Ereignisse mit dem, was er wollte und dem wozu er es wollte, vergleicht, besagt, daß die drohende Ge- sahr einer einseitigen OptionOester- reichs zugunsten eines ungarisch- italienischen Donau staatenbundes mit legitimistischcn Hintergründen zunächst beseitigt ist. Für die gescmtdeutsche Politik ist dies insoweit eine Erleichterung, als in der neugewonnenen, wenn auch nur kurzen Frist daS Reich noch eine Möglichkeit hat, sich endlich auf feine mitteleuropäische Grundpolitil zu beDon unserem Wiener W i e n. 11. Rovember 1930. Eine Wahlschlacht von außerordentlicher Heftigkeit, aber auch seltener Disziplin ist geschlagen. Es gibt weder Sieger noch Besiegte. coowohl die sozichistische wie die bürgerliche Presse können einen Wahlsieg ihrer Parteien verkünden. Sv widersprechend es klingt, so ist dies doch insoweit richtig, als die bürgerlichen Parteien zvar gegen 50 000 Stimmen gewonnen, aber ein Mandat verloren haben, während die Sozialdemokraten trotz des Derlustes von 30 000 Stimnwn. dank dem etwas seltsamen Wahlverfahren ein Mandat mehr erhielten. Der künftige Rationalrat wird sich zu- lammcnfeben aus 72 Sozialdemokraten, 66 Christlich-Sozialen, 19 Abgeordneten der Rationalen Wirtlchas.sgemcinschaft und des Landbundes, acht Abgeordneten des Heimatblocks. Die rund 100 000 Stimmender Rationallozialiften gingen verloren, da sie im ersten Wahlgang kein Grundmandat erreichten. Wie erwartet, brachten t>:e österreichischen Wahlen keine Entscheidung. Das Wahlergebnis zeigt, daß bei gleichbleibendem Wahlrech! durch die weitgehende politische Organisierung der Wählerschaft Ueberraschungen so gut wie ausgeschlossen sind. Es hat sich also kaum etwas geändert. Die Sozialdemokratische Partei kann daraus Hinweisen, daß sie auS dem jahrelangen Kampf völlig unberührt hervorgegangen ist. Die Verluste der Christlich-Sozialen Partei sind an sich zu gering, um da« Gefüge dieser Partei entscheidend zu beeinflussen. Damit soll nicht gesagt sein, daß rnan nicht nach dem Schuldigen suchen wird, der in der Person des Bundeskanzlers Vau- g o i n nicht schwer gefunden werden wird. DaS Wahlergebnis der Rationalen Wirtschaftsgemeinschaft unb des Landbun- des bedeutet in erster Linie einen moralischen Da durch die Wahlen kein politisch entscheiden- deS Ergebnis erzielt wurde, stehen zunächst alle Möglichkeiten einer Lösung der parlamentarischen Krise, wie sie vor den Wahlen erörtert wurden, nach wie vor zur Aussprache. 3n den nächsten Tagen wird es sich bereits entscheiden, ob der bis zum 9. Rovember so stark betonte Wille der Regierung Dougoin, unter voller Ausnutzung der verfassungsrechtlichen Gegebenheiten oder sogar unter Anwendung eines Staatsstreiches unbeschadet der Wahlergebnisse in der Regierung zu bleiben, noch vorhanden ist. Cs ist jedoch kaum anzunehmen, daß die Christlich-Soziale Partei aus dem Wahlergebnis für ihre Parteiführung keine Folgerungen zöge und so wird daher das Schwergewicht bei dein Fürsten Starhemberg und den Absichten der Heimwehren liegen. Eine viel Stenographen-Weitbewerb. |_! Groh en-Linde n, 12 Rov Der Stenographen oereln ,G a b e l s b c r g e r" Gro- Hen-Linden feierte am Sonntag sein zehnjähriges Bestehen unb verband damit «in Wettschreiben in Einheitsturz- schrift, an dem sich 150 Personen beteiligten. Rachmittags unb abend« sand in bet Turnhall» eine Feier statt. Der 1. Vorsitzende H. Ginnbel begrüßte die Teilnehmer, im besonderen die Mitglieder des Bezirksvorstandes. 3n seiner Ansprache wies er auf den Wert und die Beden- tung der Kurzschrift hin und erinnerte an bi» Verdienste des verstorbenen 1. Vorsitzenden H. W i ß n e r. Theaterauf sührungen, musikalisch» Darbietungen her Feuerwehrlapelle Butzbach. Gesangsvorträge von Herrn Karl Luft, Gießen, (am Klavier Frl. Edith Fourier. Gießen), ernteten reichen Beifall Aus dem Wettbewerb gingen folgende Teilnehmer mit Auszeichnungen hervor 240 Silbe». 1 .Preis und Ehrenpreis ®. Wahl, Gießen. 200 Silben. 2 . Preis und Ehrenpreis: K. Bachmann, Marburg. 180 Silben. 1.Preis und Ehrenpreis: W. Rieß, Gießen: H. Wissebach, Marburg. — 2.Preist Fr. Dörsner, Gießen. 160 Silben. 1.Prel« und Ehrenpreis: Fr. v. Lem- mers Gießen (Ges.): K. Ganß, Friedberg. 140 Silben. 1.Preis und Ehrenpreis: A. Fraick. Wieseck. — 1.Preis: L. Schade, Gießen (1861): F. Münch, Gießen (Reichsbahn): H. Bodenheimer, Dad-Rauheim; O. Pfeisser. Gießen (1861); A. Manns, Gießen (Reichsbahn): H. Zfchunke. Gießen (1861); F. Reh. Gießen (1861); P. Mai- bach, Dad-Rauhcim; K. Seipp, Großen-Linden; B. Schmidt, Gießen (Reichsbahn): A. Kompp, Laubach. 120 Silben. 1. Preis und Ehrenpreis: E. Rieß, Gießen (1861); M. Seiserth, Gießen (1861); E. Größer, Wieseck; H. ©darbt, Gießen (1861); OH. Katz, Gießen (Ges.). - 1. Preis: Fr. Gor- ges. Gießen (1861); H. MoSbach, Gießen (1861); O. Wahl, Gießen (Ges.); 3. Bohl, Gießen (Ges.); A. Thein. Gießen (Ges.); K. Jung. Großen- Linben; an. Gerbig, Gießen (Ges.); E. Kißler, Butzbach; E. Rickes. Butzbach; L. May. Bad- Rauheirn; MBrettar, Bad-Rauheim; F Riedern- Höfer. Bad-Rauheirn; A Schwalb. Gießen (18ol); H. Krehe. Gießen (Ges.); L. Reinhardt. Gießen (Ges.); A. Pauly, Gießen «Reichsbahn); OH. Derz- bach. Gießen (1861); H. Müller, Dab-Rauheim; G. Müller, Gießen (1861); A Becker. Gießen (1861); G. Haas, Gießen (Reichsbahn); L. «Schön, lieber Paris ist schon unendlich viel - und oft genug von flüchtigen Besuchern - geschrieben worden.Ein wirklicher Kennender Dichter Albert H.Rausch.demdieStadtaus jahrelangem Aufenthalt vertraut ist, hat unter der Ueberschrift Hauch von Paris eine Folge kleiner Aufsätze vereinigt, die das unverwechselbare Besicht und die bezaubernde Atmosphäre dieser Stadt bewahren. Wir werden am Samstag, dem 15. November, mit dem fortlaufenden Abdruck im Feuilleton beginnen. Was nicht in der Rolle steht. Freiwilliges und unfreiwilliges Extemporieren Von Martin Eosta. Extemporieren heißt beim Theater: etwas sprechen, das nicht m Der Rolle steht. Dem Komiker fällt plötzlich auf der Bühne ein Witz ein, er sagt ihn, hat feinen „Lacher", ein Extempore ist geboven. Das Stegreiftheater von anno dazumal war nur eine Extemporierbühne, vorge- schricbene Texte gab es nicht. Heute ist der Meister im Extemporieren: Pallenberg. Oft spricht er nur ein paar Originalsätze, alles andere „macht er sich hinzu". — Aber nicht immer sind Extempores beabsichtigt. Ein Schauspieler verliert plötzlich den Faden, er muß wohl oder übel weiterreden, damit kein „Loch" entstehe, er schlängelt sich mit Drumherumreden durch, um wieder den Text zu erwischen, — dies ist unfreiwilliges Extemporieren. Beispiele von freiwilligen und un- freiwilligen Extemporieren habe ich gesammelt. Hier sind einige: Johann Re st roh. der Dichter und Schauspieler des Wiener Vormärz, spielte in seinem Stück „Zu ebener Erde und im ersten Stock" den Diener Johann. 3n einem kurzen Monolog, wobei er Karten auf den Spieltisch zu legen hatte, extemporierte er: „Komisch, das g'scheiteste Spiel der Welt unb der dümmste Kerl von Wien haben den gleichen Qi amen: Whi st!" Run hieß der damalige Polizeipräsident von Wien Wist, unb der „G'spatz" trug dem Komiker ein paar Tage Haft und das ausdrückliche Qkrbot dcS Extemporierens ein. Kurz nach der Haft spielte er in einem Ritterftück, ein Ritter kam hoch zu Roß, und dem Pferd passierte etwas — Pferdllches. Schon ist Äestroh bei dem Tier, zieht dessen Ohr an seinen Wund unb flüstert, aber so, daß er bis zum dritten Rang hörbar wird: „Du — extemporieren ist verboten!" Der Komiker G o 11 s l e b e n hatte sich ein „wunderbares" Extempore zurechtgelegt. Er stürzte auf die Bühne und schrie: „Hm Gottes willen — eben wie die Frau Gräfin in den Wagen steigen will, hat sie der Schlag getroffen!" Alle mußten entsetzt „Was?" schreien, worauf er mit breitem Grinsen sagte: „3o, der Wagenschla gl" ... Bombenwirkung und großer Stolz! — Einmal aber — er stürzte wieder herein: „Ilm Gottes willen, eben wie die Frau Gräfin in den Wagen steigen will, hat sie der Schlag getroffen!" — machte sich ein Schauspieler den 3ux und statt .Was?" zu schreien, lagte er gelassen: „Aha, L^rjchsiimch tes Wu^cnschlagl... GoUSleb« steht wie vom Donner gerührt, stiert den Schauspieler an, dann kommt es unsicher von seinen Lippen: „Io... na, jo... naa“ und mit einem giftigen Blick auf den Pointentöter: „Lausbua, vadächtiga!" Ein unfreiwilliges Extempore leistete sich in Oldenburg ein Schauspieler, der mit dumpfer Orgeltraucrmufif als toter Siegfried in „Ribe- lungcn“ hereingetragen wurde, durch die Bahre durchfiel unb entsetzt: „O, pardon!" flüsterte. Ebenfalls ein unfreiwilliges leistete sich eine Julia, die sich versprach unb statt: „Es war die Rachtigall und nicht bie Lerche" — sagte: „Es war die Lerche unb nicht bie Rachtigall." ilm die Situation zu retten, dichtete sie schnell hinzu: „Richt doch, mcht doch, ich wollte sagen Rachti- gall. Oh, Romeo, du verdrehst mir schon den Kopf I" Ein baumlanger Anfänger mußte nach Vorschrift in „Tosca" als entflohener Sträfling in die Kirche stürzen. Dor Aufregung und ileber- cifer plumpste er der Länge lang auf den Boden, sprang auf und mußte fingen: „Ha, das gelang mir!“ Donnernder ironischer Applaus belobte fein Debüt. Ein Extempore kann aber auch gefährliche Situationen retten. In dem amerikanischen Stück „Regen" hatte ein Schauspieler eine Hängelampe auszupusten. Einmal pustete er wieder, aber der Beleuchter schlief oben, die Lampe ging und ging nicht aus. Der Schauspieler blies immer stärker, schließlich mit voller Lungenkraft. Der Beleuchter, aus seinem Schlaf aufgeschreckt, erwischte einen falschen Hebel und löschte nicht nur die Lampe, sondern auch den mild scheinenden Mond aus. die Bühne wurde stockfinster. 3n das aufkeimende höhnische Lachen des Publikums tonte nun die tiefe Stimme des Schauspielers: „Holla, da habe ich ein bißchen zu stark gepustet!" Run lachte alles herzlich. a 3n Leipzig wurde „Schinderhannes gegeben. Da stolperte der Korporal unb fiel vor feiner Mannschaft, die sich das Lachen verbiß, zu Dodem .Was lacht ihr Kerls?" schrie er. „habt ihr noch nie eine deutsche Eiche wanken sehen?" Ein alter Schauspieler hatte eine große Erzählung seiner Tochter vorzutragen. Er tat dies immer auf einer Bank, die vorsorglich ganz Dorne zum Souffleurkasten hingestellt werden mußte. Einmal machten sich feine Kollegen einen Spaß und stellten bie Bank ganz in den ^jmtergrunb Er kam, sah, stutzte, dann aber klang es mild uno salbungsvoll: „Komm, meine Tochter, wir wollen die Dcmk vorerst in den Schatten stellen! ®rgnff sie mit Hilfe feiner Tochter und stellte sie schon wieder vor den Souffleurkasten. Derselbe Schaulpieler mußte als Kurfürst cmai langen Dries laut vorlesen, der ausgeschrieben auf dem überreichten Blatte klebte. Der Adjutant, der den Brief zu übergeben hatte, wollte nun Sapa Kurfürst hineinlegen und gab ihm ein eres Blatt Papier. Unser Kurfürst blickte einen Moment hinein, bann überreichte er den Brief seinem Adjutanten mit den Worten: „Oh, ich habe keine Drille bei mir. Da, les Gr mir vor!" Zu den gräßlichsten Dingen gehört es, wenn jemand, der aufzutreten hat, nicht auftritt. Da muß, um keine Pause entstehen zu lassen, so lange extemporiert werden, bis der Erwartete kommt. Q3ei Konversationsstücken, da geht es ja noch, aber was soll man bei Klassikern, womöglich noch in gebundener Sprache, machen? In „Piccolomini", 3. Akt. war es. 3llo und Terzky auf der Bühne. Terzky brachte richtig sein Stichwort: „Ein Geheimnis! Still! Sie kommt!" Aber es verging eine dumpfe Pause — und die Gräfin kam nicht. Die beiden wurden bleich, und Terzky wiederholte sehr taut: „Still! Sie kommt!" Aber auch das nützte nichts, hinter der Bühne ein Flüstern und Laufen —. aber keine Gräfin kam. Das Publikum wurde etwas unruhig es blieb nichts übrig die beiden mußten die Pause überbrücken und extemporieren. Und das Hang so: Terzky (stotternd): „Ich täuschte scheinbar mich, mich trog mein Ohr!" Pause. „Mir däuchte eben sie kömmt." (Um nur ja klassisch zu fein, sagte er: „kömmt".) Pause. „Ei, Feldmarschall Ilio, dachtet Ihr nicht auch, fie kömmt?" (Der Schurke wollte auf 3llo abwälzen) Run nützte nichts, Feldmarschall 3llo mutzte ran: „3a, ja, Graf Terzky, wohl glaubt’ ich auch, fie kömme." (Der arme Teufel sprach nicht minder vornehm.) Pause. Terzky: „Ich wundere blotz mich, wo so lang die Gräfin bleibt!“ Jetzt aber Illo. „Laßt, Iaht, Herr Graf! Laßt uns von anderem sprechen!" (Terzky sah entgeistert auf Illo. Ist er wahnsinnig geworden? Wovon denn?) Terzky (mit wütendem Seitenblick): „Run wohl, mein Feldmarschall, so sprecht!" (Run blickt wieder Illo entgeistert und stottert): „Ich — ich meinte über 'Wallenstein." Hinten hatte man schon Veitstänze getanzt, aber die Gräfin war nicht aufzutreiben Um zu helfen sprang nun der Regisseur, der im vierten Akt den Kellermeister zu spielen hatte, auf die Bühne und sprudelte los: „Es dauert nicht mehr lang, dann kömmt die Gräfin!" (DaS „kömmt" ist schon epidemisch.) Jetzt aber hatte sich der bärtige Illo gefotzt und mit starkem Bah sagte er: „El, Meister Keller- mann wie mundet fein mir Euer Wein! Ein gutes Jahr wohl, nicht?" Darauf gacksend der Herr Regisseur: „Ein gutes Jahr, wohl, wohl, ein gutes Jahr. Des Himmels Soaue golden ... fHetzte... auf Trauben milder Safts ... Safts...“ Wer Weitz, was er noch alles herauS- §eplappert hätte, wenn nicht doch endlich die Gräfin erschienen wäre —: „Die Base Terzky kömmt!" Ein Beispiel noch, das allerdings im Kabarett passierte. Ein geistreicher Conferencier erzählte: „Im Jahre 1614 kam die Kartoffel nach Deutschland!" — „Oho", tönte eine Stimme. „1613!“ Gin kurzer Blick auf den Störer, dann: „3a, Sie meinen wohl die neuen Kartoffeln!" Ich hatte einmal einen Direktor, der pflegte Extemporieren entweder zu belohnen oder zu bestrafen. Lachte das Publikum über ein Extempore, so gab er fünf Mark, lachte es nicht, zog er fünf Mark von der Gage ab. In biefem Theater wurde sehr vorsichtig extemporiert. Oie gekündigten Mieter. Einen Vertrag kann man kündigen, aber nicht einen Mieter oder eine Belegschaft usw.. man mützte sich denn auf den Oberkellner im Weihen Röhl berufen wollen, der die Wirtin fragt: Was, Sie kündigen mich? Diese im guten Schriftdeutsch unmögliche Fügung wäre die Grundlage, auf der auch ein Mieter gekündigt werden könnte; aber diese Leideform kann man nur vom Mietvertrag gebrauchen. Da man das Zeitwort „folgen" nur mit dem Wemsall verbindet, machen die vielen einen Fehler, die die Formel gefolgt von — begleitet aus ihrer Feder fließen lassen; auch dürfen sie sich nicht auf Schillers Ausspruch (in der „Braut von Messina") stützen: „Dom Jammer gefol- get, schreitet das Unglück"; es handelt sich da um eine Rachbildung des französischen suivicke, das dem Dichter schon in seiner Jugend geläufig wurde. Richt anstößig erscheint uns eine u n widersprochene Behauptung; doch lächeln wir wohl über den Ausspruch eines Volksvertreters: Das widerspreche ich, und auch er würde sich wohl hüten zu sagen: Ich widerspreche dich, und in der Leideform: du wirst widersprochen, statt: dir wird widersprochen Auch die übliche Wendung „sich geschmeichelt fühlen" lätzt sich nur auf schmeicheln mit Wemfall zurückführen: Ein Bild kann ja geschmeichelt hei- ben, aber wir sind doch nicht dreist genug, zu sagen daS Bild schmeichelt dich (statt dir), wenn auch Lessing 1770 in einem Briefe schrieb. ES hat mich geschmeichelt, und im „Jungen Gelehrten" ein Mädchen in einem Atem lagen läßt: Ich bin das erste Mädchen, daS ihm schmeichell und ... daS von ihm geschmeichelt toui. UU j 9ä h I M Mm rLLij? ©J.Jpor/ Das grauenturnen im Gau Heffen der DL und führend im Mittelrheinkreis geworden ist. Mit einem begeisterten „Gut Heil" auf die Verdun 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten seine Teilnahme an einem vierzehntägigen Lehrgang für Frauenturnen an der Turnschule der D. T. in Berlin wertvolle Ergänzungen geben konnte. Dem Turnverein und der Stadt Lauterbach wird für die Durchführung des diesjährigen Gau-Frauen-Wetturnens einmütige Anerkennung ausgesprochen und weiterhin nach eingehender Würdigung der Gründe und Gegengründe zum Ausdruck gebracht, daß der G a u t u r n t a g im Frühjahr das der Stadt Butzbach übertragene nächstjährige Gau-Frauenturnen belassen möge, anstatt es, wenn auch ausnahmsweise, diesmal mit dem allgemeinen Gaufest zu Gießen zu verbinden. Der Inhalt eines Gau-Lehrgangs an drei Sonntagen zu Anfang nächsten Jahres zu Gießen wird von dem zuständigen Unter- ausschuh unter Berücksichtigung der Wünsche aus den Frauen-Abteilungen festgelegt und mit gaueigenen Lehrkräften durchgeführt werden, denen sich Frl. Friedel Kaste n, Frankfurt a. M., vom Frauen-Turnausschuh der DT. für einige besondere Ilebungsstunden anschließen wird. Unter einmütiger Entschließung wird die Wiederwahl des Gau°Frauenturnwartes Rudolf Paul, Gießen, auf weitere vier Jahre dem Frühjahrs- Gauturntag in Borschlag gebracht in Anerkennung seiner werbenden und sachkundigen Arbeit, durch die das Frauenturnen im Gau Hessen bis zu nunmehr 60 Abteilungen angewachsen 70 Jahre Turnverein Bad-Nauheim. Am heutigen Tage sind 70 Jahre verflossen, seit turnbegeistert- Männer aller Berufsstände zusammentraten und die Gründung eines Turnvereins in Dad-Rauheim beschlossen. In sieben Jahrzehnten ist der Verein — der Turnverein 1860 Dad-Rauheim e. V. — zum größten Verein der Stadt angewachsen. Auch im Turngau Hessen der D. T. marschiert er nach der letzten Be- ftandserhebung mit 794 beitragspflichtigen Mitgliedern an der Spitze. Tenniskampf Deutschland-Schweden Mit dem vierten Länderkampf zwischen Deutschland und Schweden am 15. und 16. Rovember erhält auch zugleich Mannheims neue Tennishalle ihre sportliche Weihe. Für den Wettbewerb hat der Schwedische Tennis-Bund einen wertvollen Silberpokal gestiftet, der nach fünf Siegen einer Ration zufallt. In den bisherigen Spielen blieben die Schweden in der Halle zweimal erfolgreich, während Deutschland erst in der dritten Begegnung auf offenen Plätzen zu einem Sieg kommen konnte. In Mannheim werden die Schweden im Einzel mit dem deutschen Hallenmeister KurtOest- berg und Harry Ramberg, im Doppel mit Oest- berg-Henning Müller antreten. Die deutschen Dertteter sind in den Einzelspielen Dr. Buß und Dr. Dessart, während das Doppel Dr. Buß- Oppenheimer bestreiten werden. Vorturnerstunde in Gießen. —o— In einer planmäßigen Vorturnerstunde für die Leiterlinnen) der Frauen-Abteilungen bei den Turnvereinen des Hessengaues lOstheim, Rieder-Mörlen und Grohen-Buseck sind neu hinzugekommen) am Sonntag zu Gießen übte Gaufachwart Rudolf Paul (Gießen) zunächst Grundformen aus der Körperschule als Einführung zu den neuen allgemeinen Freiübungen für die Gauveranstaltungen, Heinrich Schneider (Wetzlar) wertete unter neuzeitlicher Verwendung der Keule als schwungverstärkendes Handgerät die Pflichtübungen des vorigen Turn- jahres in ansprechenden Abwandlungen aus und baute anschließend eine neue Gruppe auf, Ludwig Jost (Friedberg) behandelte aus der Bewegungsschule einige Schrittarten, während Frl. Luise Schwarz (Friedberg) zwei ßotte Volkstänze zur Durchführung brachte. Richt zuletzt blieb auch das Geräteturnen in riegenweiser Abwechslung am Reck (Hch. Schneider), Barren (Rud. Pan ) und Pferd (Luise Schwarz) in gewohnter ege, zumal nach der Erreichung von Rekordgrenzen in allen meßbaren Leistungen die Freude an dem unerschöpflichen Reichtum der Geräteübungen wieder allgemeiner wird. In den am Rachmittag sich anschließenden Verhandlungen der Abteilungsleiter wurde rückblickend die durchgearbeitete Uebungsfolge in obigem Sinn eingehend gewürdigt, wobei Ludwig Jost (Friedberg) zug'eich mit dem Bericht über 2. Die Sonne war gegangen, ihre letzten Scheidegrüße flammten noch a n Himmel wie gelb und rot leuchtende Bänder. Die Farben Spaniens Zu Tausenden wogcen die Menschen auf den Promenadenwegen des Pa eo de Gracia und auf den Bürgersteigen rechts und links hin und her und der Korso war so gedrängt, daß die Wagen nur noch knapp wie Schneckenpost vorwar s kamen. Primo Duero war versttmmt. Richts mehr von bec leichten Fröhlichkeit war in ihm, bie er so reichlich am Anfang der Fahrt besessen. Die Frage quälte ihn Wer war der dreizehnte Elown gewesen? Gr hatte sich vorhin beim Zählen nicht geirrt, es war ganz unmöglich Ec wollte sich klarmachen, jemand hä te sich einen Scherz gemacht, aber er, der sonst gar nicht zum Aberglauben neigte, konnte ein unbehagliches und drückendes Gefühl nicht loswerden. Er war letzt völlig verstummt und achtete wenig aus das ausgelassene Karnevalstreiven, das ihn umgab Er dachte, wenn es nur erst so weit wäre, nach Hause zu fahren. Ec hatte zwar niemals große Sehnsucht nach der Gesellschaft des Vaters, denn er ward von ihm bei jeder Gelegenheit geduckt und von guten Ratschlägen erdrückt, ohne jemals ein liebes oder väterlich kameradschaftliches Wort zu hören, aber heute war es ibm, als könne er erst auf atmen, wenn er von diesem rotumkleideten Wagen herunter wäre, auf dem die Clowns, mit ihren nun längst verschobenen und teilweise abgenommenen MaSken, wie rote Teufel ihr albernes Wesen trieben. Er kam sich plötzlich lächerlich vor und blickte verächtlich an dem grellen Satin seines Rarren- gewandcs herab. Er hatte die Fahrt nicht mitmachen wollen. Halte lieber die Kusine begleiten wollen, als Zuschauer des Korsos, aber sein Vater war grob geworden. Du beteiligst dich ganz selbstverständlich Du bist eben einer mehr und je voller der Wagen, um so auffallender wirkt er. Unb schließlich fand er denn auch alles ganz amüsant. Er schalt sich selbst. Wie kann man sich nur so gründlich in eine tiefe Laune hineintreiben lassen non einem Etwas, das, wenn es vorhanden getoe- fen, ^n übermütiger Scherz war, oder das sich in einen deinen Rechenfehler auflöste, den Eva Hirt- betfl lmi) er gemacht. Gießen (1861); L Ilium, Dad-Rauheim; W. Schorge, Großen-Linden; Th. Zwietz. Gießen (Reichsbahn). — 2. Preis: I. Fett, Großen- Linden; C. Wahren, Gießen (1861). 100 Silben. 1. Preis und Ehrenpreis: E. Jost, Gießen (1861); K. Müller, Bad-Rauheim; C. Volk, Großen-Linden. — 1. Preis: R. Strauch, Gießen (1861); L. Horn, Dad-Rauheim, K. Brückel, Gießen (Ges.); H. Drüchner, Butzbach; R. Rieh, Gießen (1861); E. Müller, Dutzbach; M. Kümmel, Wieseck; G. Octh, Gießen (Reichsbahn); K. Hof, Gießen (1861); G. Schäfer, Wieseck; W. Weiß, Großen-Linden; H. Schneider, Gießen (Reichsbahn); L. Weiß, Großen-Linden; L. Fisch, Dad-Rauheim. — 2. Preis: O. Rühl, Gießen (Ges.); Fr. Döringer, Wieseck; A. Kolb, Wieseck. — 3. Preis: H. Schürmeyer, Wieseck. 80 Silben. 1. Preis und Ehrenpreis: E. Leinweber, Gießen (Ges.); R. Seipp, Großen-Linden; Das junge Mädchen stand jetzt auf der anderen Seite, neben ihrer Kollegin, der Verkäuferin Pa- quita Casanovas Ein kleines lebhaftes Geschöpf war Paquita, mit Glutaugen und Küisemund, die längst ihre Maske herunlergerissen und sich wie eine kleine Besessene im Konfettiwerfen austobte. Primo Duero befand sich inmi ten dec anderen und fühlte sich doch vereinsamt. Ec sprach zu niemand, Seilst l Sr DeineU neier.^ Schreib^, p°E Siwe," *«*", auf W,i Srwekv dab selbst Leute, du von Trv: Falle, fr sind un» aus sosth diese spräche, gesehen^ öetW zur Alb den lverc steigecun! gewinnen von versa selbst Sell hauerverl löhne red) nicht selb! Holzhauer die staatlu Cbetanntgfl terhin ll>u geregt, un beschäftige kommissiv^ etwaige E gehend l> folgender unter Zi 12. Aovei vorerst sü von den r Zollen fli Vorbehalte Holzhauer Sprachen und Musik. Ich werde mir dann einen Posten a s Gesellschafterin suchen. Dabei hatte sie ihn, Primo, wie hilfesuchend angesehen. Und es war, als stände das Hoffen in ihren dunklen Augen, er könne die schwere Frage ihrer Zukunft und ihres ganzen Lebens lösen. Sollte er dem Vater bekennen: Montserrat gefällt mir so gut, gib sie mir zur Frau? Er hatte geschwankt und dem schon zornig genug erregten Vater nicht gewagt, das zu sagen, obwohl er schon ein paarmal nicht gerade brüderlich den lockenden Mund Montserrats geküßt. Daran hatte sie wohl gedach. als ihn ihr hilfesuchender Blick traf. Unö als er nicht sprach, als er nicht das erlösende Wort sand, auf das sie zu warten schien, waren ihre Augen kalt und gleichgültig geworden. Sie hatte zu seinem Va ec, dec noch immer zornig polterte, gemeint: Laß es gut sein, Onkel, vielleicht nehme ich den Rächsten, dec mich arme Muchacha will, oder wenn ihr mich nicht mehr braucht in Küche und Haus, vielleicht, daß Primo heiratet, dann suche ich mir, wie ich sagte, eine Stellung. Seit dem Tage schämte er sich etwas vor seiner Kusine und sie gingen sich fast ein wenig aus dem Wege. Primo Duero dachte an sie mit leiser Sehnsucht und Mitleid. Sie hatte wirklich so wenig im Hause des Vaters, war wie ein kleic.es Mädchen von ihm abhängig. Aber dann schob sich voc das Bild der dunkeläugigen, schwarzhaarigen Montserrat die Gestalt der blonden Goa Hirtberg. Er mußte trotz feiner Verträumtheit lächeln; sie gefielen ihm, wenn er ehrlich gegen sich selbst sein wollte, eigentlich beide. Um acht Uhr sollte das Auto seine Clownbesatzung wieder zurück nach der Calle Fernando bringen und voc dem Geschäft absetzen. Don dort aus konnte jeder den Heimweg machen, wie es ihm beliebte. Und Primo Duero, noch immer in sein Rachdenken versponnen, merkte cs kaum, daß er nicht mehr den Pa eo auf und ab schaukelte, sondern schon über die wunderschöne Plaza Cata- lunna fuhr. Ec sah nicht die weihen Stufen des erhöhten Hauptplatzes, sah nicht das mattgrüye Meerwasser in den breiten Decken rinnen und den im hellen Gaslicht scharfgrünen Rasen. Er sah nicht die grellen Leuchtschilder der Häuser am Platz, die sich im Farbenstrudel förmlich ineinanderverwoben unter deni dunklen Himmel, er besann sich erst auf seine Umgebung und daß er nun bald daheim war, als der Wagen bereits in die Calle Fernando einbog. Er warf die Sentimentalität ab, die ihn eingehüllt wie ein Mantel, und sprang als erster vom Wagen. Bald waren alle vom Auto herunter, das der Chauffeur sofort in die Garage brachte, aus der es entliehen. Der Laden war bereits geschlossen und so trennte man sich denn. Der Packer wollte noch mit ins Haus gehen, um seine allabendlichen Aufräumungsarbeiten zu machen. Aber Primo schickte ihn weg. „Sie werden auch müde sein, Juan, das Aufräumen hat Zeit bis morgen früh, heute nachmittag war ja mein Vater allein, und in der Werkstatt ist nicht gearbeitet worden." Da ging auch Juan mit raschem Gutenachtgruß. Primo betrat das Haus und die Po tera kam ihm auf dem Gange entgegen Gr hatte die Maske an der Hand und freute sich, endlich das Kostüm ausziehen zu können. Die Portera grüßte den Sohn deS Hausherrn höflich und sagte: „Es war ein Sennor hier, zwei- imal, und ich habe müssen am Privateingang klingeln, er erklärte, Don Jose könne nicht ausgegangen fein, weil er ihm doch rechtzeitig Mitteilung von feinem heutigen Besuch mit Angabe der Stunde gemacht hätte. Als er daS zweitemal hier war, tat er sehr ärgerlich und sagte, er wünsche, wenn einer der Herren käme, sofort im Hotel Ritz angerufen zu werden. Roch heute abend, gleichviel zu welcher Stunde. Ich sollte nur bestellen, er hätte den Schmuck, wie ausgemacht, heute abholen wollen, und ich mochte auch sagen, der Marquis wäre sehr verstimmt über die Nachlässigkeit." Oiad) winziger Pause fügte sie hinzu; „Aach die Sennorita, ich meine Ihre Kusine, war schon hier. Aber weil sie nicht hineinkonnte, ist sie noch einmal fort gegangen.“ Primo Duero blickte die Frau verständnislos an und sagte gedehnt: „Mein Vater muß doch zu Hause fein!“ „Olein, er ist bestimmt nicht zu Haufe. Er hat den Laden sehr früh geschlossen und wird sich wohl auch den Korso haben betrachten wollen", erwiderte sie. Primo schüttelte den Kopf. „Mein Vater macht, um dergleichen zu sehen, nicht einen einzigen Schritt, noch dazu, wenn er einen so guten und wichtigen Kunden erwartet, wie heute den Marquis. Ilnö er hat noch niemals das Geschäft vor der Zeit geschlossen." Er schüttelte abermals den Kops. „Hat er denn zu Ihnen geäußert, er beabsichtige zum Korso zu gehen?" „Bewahre! Ich sah ihn doch gar nicht Weggehen", antwortete die Frau, „ich nehme es nur an, weil der Laden so früh geschlossen war um bi Don Jose auf sehr lautes und anhaltendes Klingeln hier an der Korridortüre, nicht öffnete. Uebri- Dens muß er gleich nach Ihnen fortgegangen sein, Denn um sechs Uhr, als der Marquis kam, war der Laden schon zu wie sonst abends Ich meinte. Sie hätten ihm zugeredet, sich die Sache mal an- zuschauen. Kaum waren Sie weg, muß er die Rolläden runtergelassen haben. Ich dachte schon. Sie hätten es getan!" (Fortsetzung folgt.) denheit des Frauenturnens mit der deutschen Turnsache schloß die anregende Tagung. ... uni) Vorschwimmerstunde. Unter der Leitung des Gauschwimmwartes Franz Sauer (Gießen) hielten die Schwimm- Abteilungen der Gauvereine am Sonntag zu Gießen eine planmäßige Vorschwimmerstunde ab, deren Ertrag vornehmlich der methodischen Gestaltung der Ausbildungsarbeit zugute kommen soll. Vormittags vereinigten sich die zahlreichen Teilnehmer auf dem Turnboden, um eine reiche Auswahl von Freiübungen durchzuarbeiten, die in enger Beziehung zu Schwimm- betoegungen stehen. Anschließend folgten Turnspiele mit dem Ball in verschiedenen Formen und Aufstellungen, wie Jäger- und Völkerball, Dodenhandball, Tor- und Kreisspiele mit dem Medizinball, Kreiswurfspiele unter dem meterhohen Seil, Wasserballübungen und Fangspiele. Die Bedeutung deS TumenS al8 allgemeine Grundlage auch für das Schwimmen fand in ausgewählten Uebungen an den Geräten ihren Ausdruck, und Anleitung zur Massage lenkte die Aufmerksamkeit nach der Seite des Rettungsschwimmens. Rachmittags wurden die Anleitungen im Schwimmbecken des Städtischen VolksbadeS fortgesetzt und zunächst an einer Schülerriege gezeigt, wie Anfänger allmählich an das Wasser gewöhnt werden, an seine wachsende Tiefe, an Tauchübungen, an Tum- und Ballspiele im Wasser und engere Vorübungen zum Schwimmen, wobei nach neuerer Entwicklung das Kraulschwimmen vor dem Brustschwimmen in Betrieb genommen wird. Die Abteilungsleiter beschäftigten sich mit der stilgerechten Herausarbei- tung der verschiedenen Schwimmarten und schlossen ihren Uebungstag mit einem Wasserballspiel. Großer deutscher Reitersteg in USA Deutschland gewinnt die Militär-Trophäe. - — Die siegreiche deutsche Mannschaft. (Oblt. Hasse) zusammen. Am besten schnitt Dedo Am Dienstagabend erreichte das internationale Reitturnier in dem von 14 000 Zuschauern besetzten Madison Square Garden mit der Entscheidung um die wertvolle Militär-Trophäe seinen Höhepunkt. Die deutschen Reichswehroffiziere, die sich an den voraufgegangenen Tagen mit ihrem Material weise geschont hatten, konnten unter dem Jubel der Massen in dieser Konkurrenz ihren Sieg aus dem Jahre 1928 wiederholen. In den Rahmen-Wettbewerben war ihnen das Glück zwar nicht immer zur Seite, dafür um so mehr in den Hauptprüfungen, denn auch kürzlich in Boston konnten die Deutschen die „Military-Trvphy" gewinnen, wozu ihnen in erster Linie ihre große Ruhe und die notwendigen eisernen Rerven verhalfen. Der große Erfolg ist nicht nur in sportlicher Hinsicht einer bei wertvollsten, sondern auch dem Ansehen des Deutschtums in Amerika hat er außerordentlich viel genützt. ■Untere Mannschaft setzte sich aus Dedo (Frhr. v. Olagel), Kampfgesell (Oblt. Momm) und Derby mit nur einem Fehler ab, doch standen Derby mit li/o und Kampfgesell mit 3 Fehlem nicht viel nach. Mit 5y2 Fehlem war Deutschlands Sieg in der Gesamtwertung gerettet, zumal die Amerikaner mit ihrem zweiten Pferde viel Pech hatten. Die Zuschauer, unter denen sich auch Botschafter von Prittwitz, General von Blomberg und Oberst Kühlenthal befanden, brachen in einen Riesenjubel aus, als den drei Offizieren vom Kommandeur des östlichen Armeebezirks, Generalmajor Ely, unter den Klängen des Deutschlandliedes die Trophäe überreicht wurde. Schon am Rachmittag wurde die deutsche Flagge am Siegesmast gehißt. Oblt. Ha se holte sich auf Derby ein schweres Springen über vier 1,55 Meter hohe Koppelricks ohne jeglichen Fehler gegen weitere 24 Teilnehmer. Das genaue Resultat der Military-Trophy lautet: 1. Deutschland 51/2 Fehler, 2. Amerika 10 F., 3. Ungarn 16 F., 4. Irland 171/2 Fehler. vn Oberheffen. Gemeinderatssihung in (Srünberg. -f- Srünberg, 12. Hob. In der jüngsten Vemeinderatssttzung verlas Beigeordneter Keller über die Holzfällung cm Schreiben deS hiesigen Forstamts Rieder-Ohmen, wonach in den Slaatswaldungen aus Verlaufs- politischen Erfordernissen der diesjährige Holzhieb um 20 Prozent g c tüt3t und den Gemeinden empfohlen wird, in gleichem Sinne Beschluß zu fassen. Ebenso wurde ein Schreiben des Kreisamts verlesen, das dringend auf die Beschäftigung ausgesteuerter Erwerbsloser hinweist. Gs wird erwartet, daß selbst seither in b:t Holzhauevei beschäftigte Leute, die aber sonst günstiger stehen, zugunsten von Erwerbslosen zurücktreten sollen, auch im Falle, daß letztere in der Holzhauerei ungeübt sind unb daß die Holzhauerrotten bis zur Halste auS solchen Arbeitskräften bestehen dürfen. Lieber diese Angelegenheit entstand eine lange Aus- spräche Zunwhst sollen von den zum Hieb vor- gesehenen 3000 Festmetern 2500 Festmeter gefällt werden, ob dann die restlichen 500 Festmeter noch zur Fällung kommen, soll erst im Ianuar entschieden werden, wenn man nach den ersten Holzver- steigerungen einen Lieberblick über die Holzpreise gewinnen, kann. Hinsichtlich der Lohnsrage wurde von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß selbst Gewerkichaftssekretär« in einer hiesigen Holzhauerversammlung mit einer Kürzung der Tariflöhne rechneten, und es wurde daher befürwortet, nicht selbständig eine Lohnvereinbarung mit den Holzhauern zu treffen, sondern, wie seither üblich, die staatlichen Tariflöhne zugrunde zu legen, deren Bekanntgabe in aller Kürze zu erwarten sei. Weiterhin wurde eine Streckung der Arbeitszeit angeregt. um die Erwerbslosen möglichst lange zu beschäftigen, ebenso wurden die von der Holzkommission aufgestellten drei Rotten und deren etwaige Ergänzung durch weitere Erwerbslose eingehend besprochen. Schließlich einigte man sich auf folgenden B e s ch l uß : Mit der Holzfällung wird unter Zugrundelegung des staatlichen Tarifs am 12. Rovember begonnen. Die Arbeitszeit beträgt vorerst fünf Tage in der Woche. Die Arbeit wird von den von der Holzkommission aufgestellten drei Rotten ausgeführt. Dem Gemeinderat bleibt es Vorbehalten, weitere Erwerbslose gegen andere Holzhauer auszutauschen. Landkreis Gießen. g. Klein-Linden, 12. Hob. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, die Wasferbezugsordnung, das K ana l- ft a t u t und den borgelegten Vertrag mit der Stadt Gießen über die Wasserbelieferung unter Berücksichtigung einiger Aenderungen onzunehmen. Für die Einwohner bon Klein- Linden dürfte es bon Interesse sein, daß die Gemeinde auf Grund des 8 3 der Wasser- bezugsordnung den Anschluß bom Hauptrohr bis in das anzuschliehende Grundstück auf eigene Kosten Herstellen läßt. Dementsprechende Anträge müssen jedoch bis zum 1. Iuli 1931 eingereicht werden. Desgleichen trägt die Gemeinde auch die Kosten für einen Anschluß an die Kanalisation: weitere Anschlüsse werden nach einem bestimmten Anteilsatz berechnet. —.— Alten-Duseck, 11. Hob. Heute wurde unser allseits verehrter Ortsgeistlicher, Pfarrer Albrecht Hartmann, unter größter Beteiligung der Gemeinden Alten-Buseck und Trohe zu Grabe getragen. Seit 1913 bekleidete der Verstorbene das Amt des Seelsorgers in unserer Gemeinde. Durch fein stets hilfsbereites, entgegenkommende- und liebenswürdiges Wesen verstand er es, die Liebe aller Kreise seiner beiden Gemeinden zu erringen. Mit größter Achtung begegneten ihm alle. Ein schweres Leiden, das er mit größtem Heldenmut und ohne auch nur in seinem engsten Familienkreis zu klagen, ertrug, machte plötzlich und unvorhergesehen seinem Leben ein jähes Ende. Die Trauerfeier fand im Gotteshause statt, wo am Altar der Sarg aufgebahrt war. Die studentische Verbindung, der der Verstorbene angehörte, hielt am Sarg die Ehrenwache. Die Trauerrede hielt Pfarrer K a l b h e n n, Großen-Buseck. In ergreifenden Worten wußte er, der mit ihm gemeinsam die studentische Iugendzeit verlebt hatte, die rein menschlichen Vorzüge des toten Freundes zu schildern. Für das Dekanat Gießen sprach als Vertreter des erkrankten Dekans Guhmann Pfarrer Sattler, Wicfeck. Er hob besonders die wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen des Verewigten hervor und erläuterte ein Gedicht des Verstorbenen, das noch vor wenigen Tagen unter dem Titel: „Sie letzte Stunde" in einem kirch- Schwere Linsturzkalastrophe in Lyon. (Lrdsenlungen im alten Stadtteil von Lyon. — Ein ganzer Häuserblock eingestürzt. Man spricht von 60 Toten. Paris, 13. Koo. (WIB. Funkspruch.) heute früh stürzte eine Stützmauer eines in einem alten Stadtviertel von Lyon gelegenen Hospital» ein. Durch die Trümmer wurde ein von Ordensschwestern bewohnter Pavillon eingedrückt, außerdem wurde eine Terrasse, die mehrere alte Gebäude trug, schwer beschädigt. Der „Petit Parifien" spricht in einer Sonderausgabe davon, daß man bisjehtkOToteundebenfoviele verwundete gezählt hat. Ls handelt sich um fünf L i n st ü r z e, die nacheinander erfolgten. Die eigentliche Ursache dieser Einstürze, denen bereit» ein großer Häuserblock zum Opfer gefallen ist, und die, wie man befürchtet, den gesamten alten Stadtteil St. Dean bedrohen, sind die Folge sich rasch hintereinander wiederholender Lrdsenkungen, die zunächst die Stützmauer eines Hospital» und in der Folge die in der Nähe liegenden allenwohnhäufer zum Einsturz brachten. Die gesamte Feuerwehr und auch verschiedene in Lyon liegende Truppenteile sind zu den Rettungsarbeiten lichen Blatt veröffentlicht wurde. Den Trauerzug eröffneten die gesamten Schüler von Alten- Buseck und Trohe, die ihren religiösen Llnterricht dem Toten verdankten. Am Grabe wurden Kränze niedergelegt von der Geistlichkeit des Dekanats Gießen, von den Gemeinden Alten-Buseck und Trohe, der Kirchengemeinde der beiden Orte, den Schulvorständen, Lehrern und Schulkindern der beiden Gemeinden, von dem Frauen verein, den Krankenschwester und der Klcintinderfchule, außerdem für alte und junge Freunde durch verschiedene Vertreter der studentischen Verbindung Wingolf. Kreis Schotten. -5- Schotten, 12. Hov. Wie begehrt unter den heutigen Zeitverhältnissen ein Gemeindeamt gelegentlich auch einmal ist, zeigt ein Vorgang in dem benachbarten Kreisdorfe Burkhards. Dort hatten sich um die freigewordene Stelle eines Gemeinderechners nicht weniger als 13 Kandidaten beworben. Da die Bewerber zum Teil Gemeinderatsmitglieder waren, zum Teil nahe Verwandte von ihnen, wurde der Gemeinderat in dieser Angelegenheit beschlußunfähig, so daß sich die Entscheidung verzögerte. Auf Anordnung des Kreisaus- schusses muhte der Gemeinderat ergänzt werden, um beschlußfähig zu sein. Bei der nun folgenden Wahl wurde Altbürgermeister Kneip einstimmig zum Gemeinderechner erwählt. Preußen. Kreis Wetzlar. > Wißmar, 12. Hov. Die Gemeindevertretung, der Ortswohlfahrtsausschuß und die Vorsitzenden sämtlicher Wißmarer Vereine versammelten sich am Montag unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers, um über die Durchführung einer Ortssammlung zur Linderung der Rot Beschluß zu fassen. Veranlaßt wurde die Sitzung durch einen Aufruf der Kreis- verwaltung Wetzlar. Rach eingehender Aussprache wurde beschlossen, die Sammlung zu veranstalten, in den Vereinen die aufklärende Arbeit hierzu zu leisten und am 23. Rovember durch Mitglieder der Iungmädchengruppe Sammellisten von Haus zu Haus bringen zu lassen. Mit dem Ertrag der Sammlung soll zunächst den notleidenden Famllien unseres Or^es eine Weihnachtsfreude bereitet und ein Lleberschuß an das zuständige Kreisamt abgeführt werden. Im Anschluß daran wurde beschlossen, gegen die Erhöhung der Tabak st euer zu pro- t e st i e r e n , weil dadurch die wichtigste Der- dienstmöglichkeit der Bewohner unseres Dorfes, die Zigarrenfabriken, verloren gehen wurden, die zur Zeit etwa 200 Menschen Arbeit und Brot geben. Der Protest soll dem Landrat, der Staatsregierung und den zuständigen Reichstagsabgeordneten zugeleitet werden. Weiter wurde der Wunsch geäußert, das Postamt Gießen möchte an Sonntagnachmittagen den Wagen, der um 17.35 in Gießen abfährt, auf 1 6.3 0 Llhr früher verlegen, da die Klinikbesucher, die den Wagen meistens benützen, stets seit 12 Llhr auf dem Wege sind. aufgeboten worden. Die im Schlaf von dem Einsturz überraschten Bewohner suchten sich, zum Teil unter Benutzung von Leitern, in Sicherheit zu bringen. 30 Personen, die in einem Kaffeehaus Zuflucht gesucht hotten, wurden von einem zweiten Erdrutsch überrascht. Zn der K a t h e. drale haben besonder» Frauen und Kinder, die vor den nachstürzenden Gesteinsmassen flüchteten, Zuflucht gefunden. 3m Augenblick ist man damit beschäftigt, sämtlich« Häuser der Rue Tramassac, in der da» Unglück sich ereignete, polizeilich zu räumen. Die eigentliche Linbrnchstel'e foUSOBleferlang fein. Der bedrohte Stadtteil ist auf einer Anhöhe gelegen, welcher Umstand dem Einsturz der fast au»- nahm»los äußerst schwachen Häuser großen Vorschub geleistet hat. Auf Grund einer telephonischen Anfrage bei der Bürgermeisterei in Lyon scheint die vom „Petit Parifien“ angegebene Zahl der Toten der Elnsturz- katastrophe übertrieben zu fein. Genaue Einzelheiten über die wirkliche Zahl der um» Leben Gekommenen und verletzten liegen jedoch noch nicht vor. Wirtschaft. 'Der P riv a tdiskont. An der Berliner Börse wurde gestern der Pribatdiskontsatz für kurze Sichten um xj% Prozent auf 45/s Prozent ermäßigt: der Sah für lange Sichten blieb unverändert 4,75 Prozent. * Reue achtprozentige Goldschuld- verschreibungen der Hessischen Gan* desbank. Der Hessischen Landesbank (Staatsbank) in Darmstadt hat das Finanzministerium die Genehmigung zur Ausgabe von achtprozen- tigen Goldschuldverschreibungen im Betrage von 3 Mill. Mk. erteilt. • Auch Herabsetzung der Saarkohlenpreise? Laut ^Saarbrücker Zeitung" beabsichtigt der französische Saarbergfiskus mit Wirkung vom 1. Dezember die Kohlenpreise.entsprechend dem deutschen Vorgehen um 6 Prozent herabzusehen. * Mehlpreisermäßigung. Die Süddeut- sche Mühlenoereinigung hat den Preis für Weizenmehl Spezial 0 um 25 r» - . 8% Pr Lande-pianobrielanNalt, Komm.-Lbi. R. 20...... 7% Pr. Landeep'andbrtelanlialt, Pfandbriefe R. 21..... n.ö.öl. abg. Bor.negS-Lbllgalio- nen. rihhablbai 1932 ..... 4% Oesterretchtfche Oolbtente . . 4,20% Lesterreichische Stlberrente 4% Oelterreichische Einheitliche Rente ......... 4% Ungarische Goldrente - - - 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4tf% desgl. von 1913 . . - . 4% Ungarische Kronenrente - . 4% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Asl Serie 1 .... . 4% desgl. Serie N....... 5% Rumänische vereinte Rente Bon 1903 ...... RumänUche vereinte Rente von 1913 .......... 4% Rumänische vereinte Rente . 87 98 53,4 • 6,4 89 50,75 51,25 98,25 93,25 85,65 .00 97 97 95 26,5 3 23,25 18,2 1,65 3,85 3,8 13,9 6,8 | | " | | | | | | | 1 1 1 1 II 1 । । । 1 1 II 1 II 86,65 98,75 53,5 6,475 89 51,25 100 97 97 26,65 23,3 18,6 1,65 4 3,9 3,9 8,6 14.1 6,75 । | um | | | | | | | | | | || llllll 1 1 <2 Hamburg-Amerika Patel . . . 7 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd ..... 8 Allgemeine DeutscheCreditanft. 10 «armer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellschaft . 12 Cammer;- und Prival-Bank . 11 Darmstädter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und DvcoiUo Gesellschaft, ... 10 Dresdner Bank......10 Reichrbant........12 ..................d Bergmann....... • 9 lilrtti. Lieferungrgelellschast. 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... 10 Hamburger Elektri-itätS-Werie 10 Rheinische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... 10 Schurken & Co.......11 Siemens & Halske . • • • • 16 TranSradio ..... 8 Labmeyer S Co.. ..... 10 Buderus....... • • J Deutsche Erdöl Essener Steinkohle......° Gelsenkirchener.......J Harpener I>!e Bergbau ...•••■ 1J Klöcknerwerke ...... ^ Köln-Neuestes........ ’■ Manne?mann-Rvhra> . • • • Mrmifelder Bergbau ..... 7 Oberschies. Eisende darf .... 5 Oterschlcs. Äoleroette..... 7 Phönix Bergbau . .... 6Vi Rheintiche Braunkohlen • . IC Rheinstahl...... 6 Rieberk«t»i» .....7,2 71,25 71,4 100.25 129,5 113,5 149,5 109,5 110^5 114 121,5 94,5 116,5 177,5 136,5 53,5 86 82,25 69,5 70,5 65,5 159,5 76 71,5 71,6 100,25 113 109,35 HO 224 121.75 117,75 131,5 136,5 53 76,5 70,9 1 159 1 124,5 70,9 1 97,13 100.13 129 113 149,25 105,5 111 224,65 113,4 132 114,5 120,25 95,25 116,25 109,5 113 130,5 176,25 137,25 53,13 65,75 86 82 75,5 70 80 70,13 38 74.5 65 160,5 75,75 7 .6 72 97,13 100,25 128.9 113 149,5 109,6 110 225 113,75 114 121,25 117,5 109 113 131,25 176 — 137,25 53,13 65,9 87 82 75 69,75 82,4 70,13 74,75 65,5 162 1 76,13 Serlin, 12 November Äti5 Srief Rmeri'aniiche Roten..... 4,136 4,206 Belgische Roten........ 58,26 58,50 Dänische Roten ....... 111.33 112,27 Eng'ische Roten ........ 20.347 20,427 flranzoiische Roten ....... 16.444 16,504 Holländische Roten....... 163.46 169,14 Italienische Roten........ 21,88 21,96 Norwegische Noien....... 111.83 112,27 Deutsch-Oesterreich, * 100 Schilling 58,96 59,20 Rumänische Noten....... 2,472 2,492 Schwedische Noten....... 112,28 112,72 Schweizer Roten........ 81.24 81,56 Spanische Roten ....... Tschechoslowakische Roten..... 48,35 48.55 12.39 12,45 Ungarische Noten ...... 73,18 73,48 Beoifenmarft Berlin — Frankfurt a. ZIL 75,51 77,13] __ 76,5 12 Rovember 13 November 86 — — Amilichr Xo'ltrung UmihOif Kotierung 52 — Geld Snr Geld 3ne «mkk.. Non. 168,76 169,10 168,72 169.06 172,5] 170,5 Burn.-Aires 1,447 1,451 1,443 1.447 — Brif-'Antw- 58,47 58,59 58,47 58.59 — 137.5 136,5 Christiania. 112,12 112,34 112,12 112.34 67,75 •—* 67,75 68,25 Qopenbagen 112,13 112,35 112,13 112,35 68,5 — 67 6tz,5 Stockholm ■ 112,42 112.64 112,43 112,65 106 105,75 106.5 Helsingfors- 10,551 10,571 10,55 10,57 78 77,5 78 77 Aralien - - . 21.945 21,985 21,945 21,985 — 82,5 82 London. . . 20,365 20,405 20,362 20,402 — — 108 108 Reuyork .. 4.1925 4,2005 4,1925 4,2005 24 23,5 24,25 24,13 Paris.... Schwei, . . 16,466 16,505 16,465 16,505 112,5 — 113,5 115 81,34 81,50 81,32 81,48 — — 35 — Spanten - 48,57 48.67 48.35 48,45 — — Japan . . . -Xio de Jan. 2,081 2,085 2,081 2,085 — <7 0,419 0,421 0,419 0,421 — — 116 116 Dien tn — 273 273 Ceft abgefl 59,035 59,155 59,035 59,155 Prag - . - . 12,432 12,452 12,43 12,45 15,5 — 16,5 — Velirad .. 7.426 7,440 7,421 7,435 28 — 27,5 — Dudavelk. . 73,345 73,485 73,35 73,49 — —— — — Bnlearien. 3,040 3,046 3.039 3,045 28 — 27,75 — Lissabon - iÄf 18.80 18,84 81,53 1,789 18,80 18,84 83,25 73 - — 81,42 1,784 81,42 1,784 81,58 1,789 - 69,5 Alben. . 5,435 5,445 5,432 5,442 90 — - Canada - 4,196 4,204 4,196 4,204 150 _ 149 — Nru uert). 3,347 3,353 3,347 3,353 133,5 . 133,5 133,25 — Tatro . . 20,885 \ 20,925 20,885 20,525 L. U? RESTE Kleiderstoffe Seidenstoffe Mantelstoffe J. Pfeffer in großen Mengen und in prima Qualitäten zu auffallend billigen Preisen! Marktplatz 6 7583 A Tübingen, den 11. 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Paar Strumpfhalter Stück Roleaukordel, 7 Meter Dose Stahlstecknadeln, 1C0g Kupon Gummi-Litze, 3 Meter Besuchskarten liefen die Brühl’sche Druckerei Kopierrädchen Sort. Näh- und Stopfnadeln Dutzend Druckknöpfe Kart, ä 3 Dutzend Reisstifte , Zentimetermaß Schuhanzieher mit Knöpfer Hosenträger-Ersatzteile .... Stück Halbleinenband 1/4 Pfund von 21-48 Pf. '/« Pfund von 25—43 Pf. V4 Pfund 43 Pf. */4 Pfund 48 Pf. er die Bemerkung erhält: „Sie müssen dies aber dem Zugschaffner melden, sonst müssen Sie doppelt bezahlen." Bun sieht man auf dieser kurzen Strecke bis Gießen gar keinen Schaffner. Wie soll man sich eigentlich hier vor Schaden und unangenehmen Bemerkungen schützen? Tagsüber ist zwar her Fahrkartenschalter auf Bahnsteig 2 beseht, doch fehlt es dann häufig an dem nötigen Wechselgeld. An eine Bedürfnisanstalt hat man bei der Einrichtung des modernisierten Beben- bahnhofs offenbar überhaupt nicht gedacht. Bö- tigenfalls müssen sich daher die Beisenden entweder auf einem 200 Meter langen Umweg nach dem Bahnhofsgebäude auf der anderen Seite, und in Eilfällen in die Privatwohnungen der Bachbarschaft begeben. Bemerkt sei noch, daß die Berladestraße sich neuerdings in noch schmutzigerem Zustand befindet als früher. Dielleicht, weil sie jetzt von den Beisenden, welche sofort auf die andere Seite müssen, nicht mehr so eingehend in Augenschein genommen werden kann. Die llnreinlichkeit ist so schlimm, daß Vie Gemeinde Großen-Linden vor einigen Tagen eine Beinigung hat vornehmen lassen. Es scheinen die sich matt und elend fühlen, keinen Appetit haben, an nervösen Kopfschmerzen leiden, nachts nicht schlafen können, sollen Doppelherz, das anerkannte Nervenkräftigungsmittel nehmen, denn alle diese Krankheitserscheinungen kann ein gekräftigter Körper besser überwinden. Aerztlich empfohlen. Verblüffende Erfolge. 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