Nr. 187 (Elftes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 13. August (930 flEr|d)etm täglich, außer Sonntags und geurtagK Beilagen: Die Illustrierte Bietzen er gamilienbldtter Heimat im Silb Die Scholle Ifionats Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Iräger- lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer (Bemalt Hernforechanlchlusie unter Sam melnummtr 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger ckietzen. poßlfchetNonto: jtranflurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dmd vnd Verlag: vrühl'fche Univerfitülr-Vuch- nnö Stetnöruderei R. Lange in Gießen. Zchnflleitnng und Gefchästrttelle: Zchufftraße 7. Annahme »an Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis tur l mm bebe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Re» klamean jeigen von 70 mm Brette 35 ReichspfEnnig, PlatjDorfdjrift 20* , mehr. Chefredakteur Dr. gnebr. Wilh. Lange. Terantroortlid) für Dolitik Dr gr. Wilh. Lange; für geuilleton Dr ft.Ibpriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Mar gilt er, sämtlich in Bietzen. Kampf um Oel. Die Nachricht von ber plötzlichen Zuspitzung des türkisch - persischen Grenzkonflikts wird in ihrer ganzen Bedeutung nicht überall sofort erkannt werden. In London freilich dürfte man ganz genau willen, um was es dabei geht, und auch König Fei la l vom Irak, der. gerade zu Belach in Berlin weilt, wird ohne Frage die Entwicklung der Dinge mit ge- fpanntester Aufmerksamkeit verfolgen. Denn wenn nicht alle« täuscht, geht es bei diesem Streit auch um fein Land und seine Interessen. Der akute Anlah zu den Differenzen zwischen Angora und Teheran war ein Kurbenauf- stand an der türkisch-persischen Grenze. Rebellierende Kurden waren al« Räuber in Vie nächst- R i z a K h a n (links) und KemalPascha (rechts), die Staatsoberhäupter Persiens und der Türkei die wegen der AurbenüberfäUe an der persisch-türkischen Grenze in Konflikt gerieten. liegenden Gebiete ber Türkei eingedrungen unb würben von türkischen Streitkräften über die persische Grenze hinweg verfolgt. Es wird behauptet. dah türkische Truppen bei del er Gelegenheit nahezu hundert Kilometer in persisches Gebiet eingedrungen seien. Diese Grenz» Verletzung wird denn auch von Kemal Pascha keineswegs bestritten. Die türkische Regierung scheint aber den Fall nur zum Anlah einer weitgehenden Grenzberichtiguikg zugunsten der Türkei nehmen zu wollen. Jedenfalls verlautete schon vor Tagen, als der förmliche Protest der persischen Regierung gegen das Verhalten der türkischen Grenzsoldaten bekannt wurde, dah Angora eine Grenzkorrektur vorzunehmen wünsche, um dem Räuberunwcsen wirksamer begegnen zu können. Praktisch würde eS sich noch den Forderungen der Türkei darum handeln, das gesamte Ararat-Gebiet in die Türkei einzubeziehen, eine Zone, die in der Tat durch ihre Anwegsamkeit allem möglichen Räuber- gesindel die mannigfaltigsten Schlupfwinkel bietet. Für so gutgläubig wird man nun freilich auch in der Türkei die Welt nicht halten, dah man in Angora ernsthaft an nehmen könnte, die interessierte Oeffentlichkeit werde sich mit der Version von der Rotwendigkeit einer Grenzkorrektur zugunsten des türkischen Staate« „zur wirksameren Bekämpfung des Räuberunwesens" zufrieden geben. Ein Gebiet, das durch die Wildheit seiner Bevölkerung ebenso wie durch deren Armut nur ein erhebliches Plus an Verwaltungs- auswand erfordert, kann namentlich für die Türkei nicht reizvoll fein, da sie ohnehin schon genug Finanzsorgen hat. Der tiefere Anlah des Konflikts dürfte denn auch der Wunsch der Türkei sein, sich der Oelvorkommen zu bemächtigen, die an der persischen Rorbchestgrenze noch der Erschließung harren. Hier schlummern Reichtümer, die eines Tages für den Besitzer des Landes nicht nur finanziell, sondern auch politisch von größtem Wert sein können. Auch König Feifal, dessen Herrschaft ja. so merkwürdig es klingt, auch schließlich aus die Tatsache ber Petroleumvortommen im nördlichen Oral zurückzuführen ist. hat die politische Rütz- lichkeit dieser Bodenschätze recht gut erkannt. In geschicktem diplomatischen Spiel hat er sich c-.nc nahezu völlige Unabhängigkeit von den englischen Mandataren de« Irak zu verschaffen gewußt. Er hat die französischen Wünsche aus schleunige Erschließung der Oelvorkommen seines Gebietes mit allem Raffinement gegen das Be- streben der englischen Kapitalistengruppe, diese Petroleumfunde angesichts des gegenwärtigen Weltüberflusses einstweilen noch ruhen zu lassen, ausgespielt. Wenn nun unter Umständen die Türkei eine vollendete Tatsache im Ararat-Ge- biet dadurch schafft, daß sie ihre Grenztruppen in Pertien einrücken läßt, bann kann da« auch zu einer Debrohung ber Unabhängigkeit des Oral werben, zumal auch 'im Herrschaftsbereich des Königs Feisal aufständische Kurden sitzen, die der Regierung von Angora vielleicht ebenfalls den akuten Anlah zum Eingreifen geben werden. Was hier auflebt, ist der alte Streit um die Oelgcbiete von Mvssul. in dem schon einmal die Türkei mit England die Klingen kreuzte. Den eigentlichen Hintergrund für die aktuelle Situation gibt aber auch heute b i c englisch- russische Rivalität ab, die schon aus den Vorkriegsjahren datiert. Das politische und wirtschaftspolitische Onteresse der Sowjetunion an den reichen Oelgebieten, in die sich gegenwärtig vor-allem Persien unb der Irak teilen, ist nicht minder groß als das Bemühen des britischen Petroleumkapitals, sich den Einfluß auf Frankreich und die Grenzziehung an der deutschen Ostmark. Die französischen Angriffe, die polnischen werden noch folgen, auf die Rede, die ber Reichsminister TreviranuS am Sonntag bei ber Kundgebung der Ostverbände gehalten hat. erfahren in der deutschen Oeffentlichkeit eine selten einmütige Zurückweisung. Es ist nicht nut die Rechtspresse, die schon wegen ihrer grundsätzlichen Einstellung die Aeußerung des Ministers über die ungeteilte Wunde in der Ostflanke Deutschlands deckt, sondern biS weit nach links herein werden die Pariser Angriffe als ungerechtfertigt empfunden. Diese außenpolitische Einheitsfront der sonst so zerrissenen deutschen Oeffentlichkeit sollte der anklagenden Gegenseite zeigen, dah sie auf dem falschen Wege ist, wenn sie deutschen Ministern verbieten will, von solchen Notwendigkeiten zu sprechen, über die sich das ganze Volk einig ist Was hat die Gegenseite zu antworten? Bezeichnend ist ber „Temp s". ber alle jene Vorwürfe gegen bie deutsche Politik vorbringt, die man seit bald einem Iahrzehnt kennt. Da wird Belgien angeführt, ba werben angebliche Verletzungen „sämtlicher Menschenrechte" im Kriege zitiert, ba wirb bie ganze Vergangenheit hervor-- geholt, um jebeS Unrecht, bas man Deutschland zuschieben kann, zu entbeden. Das ist eine hoffnungslose Politik, bie niemals zu einem gebeihlichen Zusammenleben führen kann. Es ist unmöglich, bie schwersten Vorwürfe gegen einen Nachbarstaat mit sich herumzutragen, um sie bann in die Welt hinauszuschleubern. wenn man glaubt, irgendeinen günstigen Anlaß zu haben. Heber bie Unmöglichkeit einer solchen Einstellung, bie gar nichts mit bem Fall Treviranus zu tun hat. sonbem von viel grunb- sählicherer Bebeutung ist, unb sich nur in diesem Fall mit erschreckender Deutlichkeit zeigt, sind sich auch weite Kreise in Frankreich klar. Aber es ist wohl noch ein weiter Weg, bis auch der „TempS" zu dieser Einsicht kommt. Man mag über bie Formulierung der Aeuße- rungen von Treviranus verschiedener Meinung fein, aber, wo diese sachlich völlig gerechtfertigten Aeuherungen gefallen sind, und man in Paris unb Warschau sich anschickt, so etwas wie ein Verbot berartiger Worte für beutsche führenbe Politiker zu erzwingen, kann bie Stellungnahme nur eine einbeutige Ablehnung aller solcher Versuche sein. Ober glauben bie Chauvinisten in Paris unb Warschau wirklich, etwas erreicht zu haben, wenn sie in Zukunft solche Worte über die „ungerechte Grenzziehung zwischen Deutschlanb und Polen", über „Ostdeutschlands Blutstockung" als eine europäische Sorge unb Gefahr verbieten, bie bas Empfinden eines ganzen Volkes auSsprechen? Aus der Zeit der französischen Revanche-Idee nach bem Siebziger Krieg stammt bie Losung, nie von der Revanche zu sprechen, aber immer an s i e zu denken. Will man diese Taktik Deutschland aufzwingen, das wirklich nicht an Revanche denkt, sondern nur an die Beseitigung solch unerträglicher Mißstände, wie sie die Grenzziehung im deutschen Osten hervorgerufen hat, und die im übrigen von einer ganzen Reihe führender französischer Politiker gerade in jüngster Zeit noch als abänderungsbedürftig bezeichnet worden sind. Treviranus antwortet seinen Kritikern. Die Rcvifionsmöglichkeitcn der Verträge. Berlin, 12. Aug. (WTB.) Reichsminister Treviranus äußerte sich über die Auslegung, die seine Rede vor bem Ost - unb Westausschuß ber Heimattreuen Verbände im On- unb Ausland gefunden hat. Der Minister wies bie unsachliche Kritik zurück, bie an seiner Rede geübt wurde, und erklärte, er halte es für gut, bah ein Minister Ort unb Gelegenheit benutze, um das zu sagen, was jfcm aus weitesten Volkskreisen entgegenklinge" Wenn gewisse Onterpreten unter bem Degrisf „Front ge ist" nur bie Kriegslüstem- hcit toaffenftarrenber Krieger verstehen wollten, so könnten sie biefen Begriff nicht gründlicher mißverstehen. Das, was er darunter verstehe, sei die Idee größerer Kameradschaftlichkeit und stärkererDerbundenheit. Der Reichsminister betonte, daß er selbstverständlich in keiner weife an die Revision der Ostgrenzen mit abenteuerlichen, kriegerischen Mitteln gedacht habe, als er in seiner Rede vom Sonntag erklärte, die Grenzen des Reiches hielten nicht stand gegen Völkerrecht und nationalen Lebenswillen. (Es fei darüber niemals Zweifel gelassen worden, dah die Verträge, die völkerrechtsgültig abgeschlossen sind, auch gehalten werden sollen. Das Unrecht der Grenzziehungen könne nur auf dem Wege der friedlichen Verständigung besel- t g I werden, aber Deutschland könne auf seine Forderung nach Gleichberechtigung und ehrlicher klarer Abrede nicht verzichten. Duisburg, 12. Aug. (TU.) Am Samstag hat eine Besprechung zwischen Vertretern der Kammer van üoophandel en Fabrieken in Rotterdam und der niederrheinischen Industrie - und Handelskammer Duisburg-Wesel über die gegenwärtigen Verstimmungen in den deutsch-niederländischen Beziehungen stattgefunden. (Es herrschte völliges (Einverständnis über diefürbeIde Seiten unerfreulichen Wirkungen dieser Entwicklung der Dinge. Die Verhältnisse, die dazu geführt haben, wurden eingehend im Sinne freundschaftlicher Verständigung erörtert. wie aus Amsterdam gemeldet wird, hat der führende holländische Molkereioerband der Alge- m e e n Rederlandsche ZuiveIbon, von dem bekanntlich die in Holland gegen deutsche waren erfolgte Boykottbewegung ausgeht, beschlossen, d i e- f e n Boykott vorläufig einzuste11en. Begründet wird dieser Schritt mit dem Scheitern der deutsch - finnischen Verhandlungen. Da die Lage jedoch vorläufig noch sehr unsicher erscheint, so heißt es, wolle der verband einstweilen eine abwartende Haltung einnehmen und inzwischen mit anderen Interessentengruppen Fühlung suchen, um für den Fall, daß es für notwendig gehalten werde, den Boykott erneut auszusprechen, für diese Bewegung bann eine breitere Grundlage zu haben. * Der etwas voreilig in Holland angekurbelte Boykott deutscher Waren ist also sehr rasch wieder TreviranuS wies die besonders von französischer Seite gemachte Darstellung zurück, die einen Gegensatz zwischen Dr Stresemann unb ihm selbst konstruieren will. Dr. Strcfcmann habe Enbe 1925 in Beantwortung einer Frage be« Grafen Westarp auf bie im Vertrag von Versailles gegebenen RevifionSmöglichkei- t e n hingewiefen. und man versuche sehr zu Un- recht, seine, des Redners, Aufsassung in Gegensatz zu der Stresemanns zu stellen. Chamberlain und Lloyd George hatten ebenfalls im englischen Unterbau« auf die Revi- fionsmöglichkeiten verwiesen, die innerhalb des Locarnovertrages liegen. In ber Präambel biefes Vertrages werde ausbrücklich davon gesprochen, daß alle Bestimmungen be« Locamovcrtrages sichinnerhalbber Grenzen bet DölkerbunbSsatzung halten müßten. Allgemein werde ber Artikel 19 ber VölkerbunbssahunH als ein selbstverständliche« Mittel angesehen, um bie unerträgliche Lage in Deutschland innerhalb des Völkerbunbes nicht nur zur Sprache zu bringen, sondern auch zu beseitigen. In seinem Schlußwort betonte der Minister, daß bie Deutschen, bie waffenlos unb ohne irgendwelche technische Hilfsmittel, bie sich im entferntesten mit den Rüstungen ber Nachbarn vergleichen ließen, inmitten Europa- lebten, ben Stieben brauchten als Voraussetzung ihrer Lebensmöglichkeit, allerbing« einen Frieben, bet f o ehrlich, f o rein und klar sein müsse, baß er ben Namen Frieben verdiene. abgesagt worden, offiziell weil ja die Verhandlungen Deutschlands mit Finnland über die Erhöhung des Dutterzolls gescheitert sind, tatsächlich aber doch wohl noch mehr, weil die Holländer sich davon überzeugt haben, daß sie sich mit einem solchen Boykott erheblich in« eigene Fleisch schneiden würden. Sie haben eS mit der Drohung gar zu eilig gehabt, sie hätten besser daran getan, abzuwarten, wie die Dinge sich weiter entwickeln, noch besser freilich, wenn sie versucht hatten, für die Zwangslage Verständnis aufzubringen, in der Deutschland sich befindet. Die Holländer ebenso wie die Dänen haben ein begreifliches Interesse daran, ihre landwirtschaftlichen Produkte bei uns loszuwerden, Deutschland aber hat wieder ein Interesse daran, diese landwirtschaftliche Einfuhr durch entsprechende Eigenproduktion unmöglich zu machen, nicht etwa, um die Holländer oder Dänen zu ärgern, sondern weil wir sparen müssen. Die Reparationsverpflichtungen legen uns eine Kapitalausfuhr von rund zwei Milliarden im Iahr auf. Dieses Geld muh aufgebracht werden und kann nur aufgebracht werden durch rücksichtslose Drosselung des Imports sowie durch Steigerung des Exports. Das sind selbstverständliche Folgen des Voung- planS, die auch die neutralen Kaufleute einsehen müssen. Wollten sie das verhindern, dann hätten sie den moralischen Sinsluß, über den sie verfügen, rechtzeitig ausnützen müssen, un! unsere Kriegsgegner zu einer Ermäßigung ihrer Forderungen zu veranlassen. Daß sich jetzt ihre Entrüstung gegen Deutschland richtet, ist billig, aber ungerecht. Kampfpause im Butterkrieg. Holland bläst den Boykott deutscher Waren ab. — Außenhandel und Reparationen bie Erschließung biefer Dobenschähe möglichst absolut zu sichern. Die Sotojetruffcn werden nach Kräften bemüht sein, sich die gefährliche Konkurrenz. die das Mossul-Petroleum für bie russische Raphta-Inbustrie barstellt, vom Halse zu holten. Es spricht beshalb sehr viel dafür, daß man in Moskau die Erdölvorkommen Vor- derasiens lieber in türkischer als in persischer Hand weih, da der britische Einfluß in Teheran ohne Frage ungleich stärker ist als der Rußlands. Heberdies sind für die Türkei die wirtschaftlichen Absatzmöglichkeiten der Petroleumfunde geographisch sehr viel ungünstiger als für Persien unb ben Irak, bie beide bereits beson- bere Rohrleitungen zum Persischen Golf planen. Möglich, bah bie Dinge sich noch einmal in Ruhe beilegen lassen werden, bah also ber Konflikt zwischen Teheran unb Angora nicht offen zum Ausbruch kommt. Sicher aber ist, bah ber Kampf aufs neue entbrennen wird, wenn die weltwirtschaftliche Situation bie Er schlie - 6 un g ber Oelfunbe gestattet. Die Entscheidung wirb dann freilich nicht am Ararat gefällt werden, sie wird in ben Kontoren ber Lonboner City, ber Reuyorker Wallstreet, vielleicht aber auch in Paris ober Moskau fallen. Türkische Streitkräfte überschreiten die persische Grenze. Die Operationen gegen die aufständischen Kurden. Angora, 12. Aug. (WTB.) Die türkische Regierung, die beschlossen hat, den Protest ber persischen Regierung unbeachtet zu lassen, hat General Salih Pascha, bem Befehlshaber der türkischen Streitkräfte an der türkisch-persischen Grenze, den Befehl erteilt, militärische Operationen gegen die Kurden z u beginnen, die sich am Abhang des Ar- rar a t eingegraben haben. Die türkischen Truppen haben gestern abend die persische Grenze überschritten und auf dem östlichen Abhang des Agridagh eine strategische Stellung besetzt, die ziemlich tief im persischen Gebiet liegt. Die Türken haben alle Vorkehrungen getroffen, um den Rückzug der Aufständischen abzuschneiden, und hoffen, der kurdischen Gefahr ein für allemal ein Ende zu machen. Oer Kampf gegen den Kommunismus in Finnland. Entführung von fünf kommunistischen Stadtverordneten. Kopenhagen, 12. Aug. (Tel.-Un.) Wie aus Helsingfors gemeldet wirb, haben sich bei bem Polizcimeifter von Kajana am Montag 4 4 Einwohner der Stabt gemeldet, bie erklärten. an bet gewaltsamen Entführung von fünf kommunistischen Stabtrat«- mitgliebern kilgenommen zu haben. Sie gaben an, baß sie bie fünf Kommunisten bis -ur finnisch-russischen Grenze geführt hätten, von wo bie Kommunisten bann freiwillig nach Ruhlanb hinübergegangen seien. Die Kommunisten hätten sich bis zum letzten Augenblick geweigert, eine Verpflichtung zu unterschreiben, wonach sie ihre Aemter sofort niederlegen. Als Grunb für bie Entführung gaben bie 44 Bürger von Kajana an, dah die Stabt ohne Leitung gewesen wäre, falls bie Kommunisten nicht zurückgetre- ten wären, ba bie bürgerlichen Stabtnerorbne* ten sich geweigert hätten, weiter an den Arbeiten der Stadtverwaltung teilzunehmen, so lange es Kommunisten in der Stadtverordnetenversammlung gäbe. Die 44 erklärten weiter, dah ihr ganzes Auftreten nichts mit der Lapo-Dewegung zu tun habe. Sie hätten sich deshalb gemeldet, damit bie Behörden nicht durch ergebnislose Untersuchungen in Mißkredit kämen. Frankreich will sparen. Der Ltaatsaufwand wächst lawinenartig. Paris, 12. Aug. (WTB.) (Eine in Rambouillet, der Sommerresiden; des Präsidenten der Republik, abgehaltene Minislerbesprechung war Fragen des Etats gewidmet. Budgetmtnifter Germain Martin setzte auseinander, wie das Budgetglcichgewicht hergestellt werden könne. Von 1926 bis 1930 seien die budgetären Anforderungen um 13 Milliarden gestiegen; das Budget von 1930 weise eine weitere Steigerung um 5 Milliar - den im Vergleich zum oorausgegangenen Budget auf. Run würden die für 1931 in Frage kommenden Budgetanforderungen wiedereinen Mehraufwand von etwa 6 Milliarden er- forderlich machen. Der Ministerrat vertrat die An- sicht, daß diese unaufhörliche Erhöhung nicht andauern dürfe, und er beschloß, die gesamten An- forberungen eines Nebenministeriums einer durchgreifenden Revision zu unterziehen. Es soll versucht werden, durch eine neue Steuer und eine weitere Anleihe den budgetären Anforderungen gerecht zu werden. Der Ministerpräsi- bent und die Minister für das Budget und die Fi- nangen sind beauftragt worden, entsprechende Maßnahmen zu treffen. wie weit er mit denen gehen kann, die den konservativen Gedanken in der neuen Zeit weitertragen wollen in schöpferischer Gestaltung und für das politische Tages- und Zukunftswerk. Verschobene Einigungsverhandlung Die Aktion des Ministers Treviranus. Berlin, 12. Aug. Für Dienstag nachmittag war eine Unterredung zwischen dem Reichsminister Trevira nus als Führer der Konservativen Bolkspartei, dem wirtschastsparteilichen Führer Sachscnberg und dem oolksparteilichen Führer Dr. Scholz geplant. Es war beabsichtigt, zu un« tersuchen, ob nicht doch die Grundlage zu einem gemeinsamen Wahlaufruf dieser Gruppen gegeben sei und ob sich vielleicht später im Reichstag eine gemeinsame Fraktions- b i l d u n g ermöglichen ließe. Wie wir erfahren, ist diese Unterredung verschoben worden, und zwar hat Minister Treviranus die Einladungen noch nicht herausgehen lassen, weil er einstweilen noch mit anderen Aufgaben allzu stark beschäftigt ist. Es hat sich nicht feststellen lassen, ob nicht auch andere Gründe für diese Verschiebung maßgebend gewesen sind. Obwohl in Berliner politischen Kreisen vielfach die Aussichten dieser Aktion des Ministers Treviranus nicht ungünstig beurteilt werden, dürfen dock die sachlichen Gegengründe nicht unterschätzt werden, die gegen eine so beschränkte Sammlungsaktion sprechen. Auf der einen Seite be- stehen gewisse Bindungen zwischen der Konservativen Bolkspartei und der Landvolkpartei, die ihrerseits wieder auf eine Erweiterung des parlamentarischen Bündnissystems keinen Wert legt. Auf der anderen Seite ist die Deutsche Bolkspartei geneigt, künftig die Brücken zur Staats- Partei nicht abzubrechcn. Gegen einen gemein- ffirnen Wahlaufruf würden allerdings kaum solche Bedenken geltend gemacht werden können. Aus dem Wahlkampf. Die Ortsgruppe Kassel der Volksnatio- nalenReichsvereinigung und der 3ung* deutsche Orden in Kassel begrüßten einstimmig in einer Entschließung die Gründung der Deut- Getäuschte Erwartungen. Keine deutsche Entschuldigung in Paris. Berlin, 12. Aug. (ERB.) „Matin" konstruiert aus einer Unterredung, die zwischen dem franzö- fischen Außenminister B r i o n d und dem deutschen Botschafter v. Hoesch stattgefunden hat, die angebliche Tatsache, daß der Botschafter v. Hoesch nicht verfehlt habe, die Wirkung der Rede des Reichsministers für die besetzten Gebiete, Treviranus, abzuschwächen. Andere Zeitungen wollen sogar wissen, daß sich der Botschafter für die Rede entschuldigt habe. Wie wir hierzu von unterrichteter Seite hören, ist es vollkommen falsch, anzunehmen, daß der deutsche Botschafter Weisungen hatte, sich zu entschuldigen. Wohl ist in der Unterredung auch die Rede von Treviranus gestreift worden. Der französische Außenminister hat auf die Rede hingewiesen, aber weder im Tone der Kritik noch der Beschwerde. Der deutsche Botschafter v. Roesch hat es daraufhin nicht für nötig gehalten, auf die Einzelheiten der Rede näher emzugehen. Römisches Echo. Frankreich über die wahre Lage nicht im Bilde. Rom, 12. Aug. (211.) In der italienischen Presse findet die Rede des Ministers Treviranus besondere Beachtung. Die „Tribun a" widmet ihren Leitartikel dem Eindruck, den die Rede in Frankreich hervorgerufen hat und erklärt, Frankreich zeige sich immer wieder überrascht von der Haltung Deutschlands, weil die Franzosen sich durchaus kein klares Bild von der wahren Lage Deutschlands machen wollten. Es sei hohe Zeit, endlich einzusehen, wie die Dinge eigentlich lägen. Deutschland, obwohl keineswegs von kriegerischem Geiste beseelt, zeige deutlich, daß es nicht mehr gewillt sei, die Fesseln des Bersailler Dertrages zu dulden, es verlange die Gleichberechtigung mit den anderen Staaten. Wenn England auch den status quo billige, so sei es doch keineswegs geneigt, der französischen Hegemonie- Politik beizustehen. Italien habe nie einen Schritt getan, um Frankreich eine ohnehin schwierige Situation noch zu erschweren. Es w c i- gere sich aber nach wie vor, Frankreich bei einer unzweckmäßigen Politik Flankenschutz zu bieten. Man solle in Frankreich nicht fort» fahren, andauernd llebcrraschtsein zu simulieren, sondern man solle sich bemühen, die richtige Einstellung zur gegebenen Lage endlich zu finden. Wenn Frankreich das bereits getan hätte, würde Minister Treviranus seine Rede wohl gar nicht gehalten haben. Konservative Volkspartei und Staatsform. Berlin, 12. Aug. (ERB.) Im Pressedienst der Konservativen Bolkspartei nimmt ihr erster Vorsitzender, Minister Treviranus, Stellung zu den Aeußerungen des Grafen Westarp über Konservative Volkspartei und Monarchie. Die Frage der Staatsform spielt für die Arbeit der Konser- vatioen Dolkspartei n i ch t die Rolle, die ihr von anderen Kreisen zugeschrieben wird. Es geht den konservativen Kräften hauptsächlich um die nächstliegende Aufgabe des gesunden Staatsaufbaues schlechthin, und auch Graf Westarp bekennt, daß unser wichtiges Gedankengut sich nicht in dem monarchischen Gedanken erschöpft, der sich für ihn aus dem preußischen und deutschen Konservatismus ergibt. Unser „rückhalt- llUes und loyales Bekenntnis zu einer aufrich- Hg produktiv und schöpferisch gestal- 1 e t e» Mitarbeit a n unserem Staat" ist euch das (einige. Das ist das Krankhafte' an der heutigen Zeit, daß das Trennende hervor- gekehrt werden soll und das Verbindende gering geschätzt wird. Wir handeln just umgekehrt, lassen dem einzelnen politischen Menschen bei uns die Freiheit, nach seinem Gewissen darüber zu entscheiden und selbst zu bestimmen, Das Handwerk Berlin, 12. Aug. (211.) Eine Gruppe der Handwerkerbünde im Reichsverband des deutschen Handwerks richtete als die vom Reichsverband des deutschen Handwerks mit der Wahrnehmung der politischen Interessen des Berufsstandes beauftragte Organisation namens des gesamten deutschen Handwerks nachstehende Erklärung an die politischen Parteien, soweit sie auf dem Boden der Privatwirtschaft und des Privateigentums stehen: „(Entgegen der Erfahrung, daß der Verfall der Mittelschicht das Verderben jeden Volkes ist, ist in der Rachkriegszeit die schwerste wirtschaftliche Schädigung und eine weitgehende Zersetzung der deutschen Mittelschicht betrieben und zugelassen worden. Die Schutzmittel, welche die Verfassung des Deutschen Reiches in ihrem Artikel 164 gegen lleber- taftung und Aufsaugung des Mittelstandes vorsieht, sind von den gesetzgebenden Körperschaften nicht beachtet und angewendet worden. Schuld hieran trägt zum größten Teile das heutige parlamentarische System. Bei dem hiernach jeweils erforderlichen parteipolitischen Ausgleich zur Erlangung einer politischen Mehrheit sind die Belange des deutschen Mittelstandes nach dem Grundsatz der Heber- | im Wahlkampf. Windung des geringsten Widerstandes a m e h e st e n außer acht gelassen oder gar preisgegeben worden. Gestützt auf diese Erfahrungen wendet sich das deutsche Handwerk mit größtem Ernste an diejenigen politischen Parteien, die den Schuh privater Wirtschaf tsf üh- rting nach dem Grundsatz der Selbständigkeit und Selb st Verantwortung und bürgerlicher Kultur- und Persönlichkeitswerte in ihr Programm ausgenommen haben. Dem einseitigen Partei- Interesse muß die notwendige Rücksicht aus die deutsche Volksgemeinschaft und ihre bisher arg vernachlässigten Glieder des deutschen Mittelstandes übergeordnet werden. Die lähmende Zersplitterung der bürgerlichen Parteien muß beseitigt werden. Wo ein Zusammenschluß möglich und zweckmäßig ist, muß er mit allen Kräften durchgeführt werden. Der Bedeutung des deutschenHcmd- werks für die Erhaltung eines gesunden deut- schen Volkes ist durch 'Anerkennung und Erfüllung der programmatischen berufsständischen Forderungen des Handwerks Rechnung zu tragen. Das deutsche Handwerk wird seinerseits mit allem Rachdruck seine Angehörigen zur Beteiligung an den Wahlen anhalten." Der Kommunistenaufstand in China. Tschangischa wieder in den Händen der Kommunisten? London, 12. Aug. (TU.) Nach einer Reutermeldung aus Nanking ist gegenwärtig jede Verbindung zwischen Nanking und der kürzlich durch die Regierungstruppen zurückeroberten Stadt Tschang- t s ch a unterbunden. Nach der Wiederbesetzung Tschangtschas durch die Reaierungstruppen trafen in Nanking in regelmäßigen Zwischenräumen Nachrichten ein. In den letzten Tagen sind diese jedoch aus- geblieben, was in Nanking zu Besorgnis Anlaß gibt. Auch verschiedene drahtlose Signale von Nanking aus blieben unbeantwortet. Man fürchtet daher, daß die Stadt erneut in d i e Hände der Kommuni st en gefallen sein könnte. Die Kommunisten hatten bei der Räumung von Tschang- tscha eine große Anzahl ihrer Anhänger in Zivil- kleidung zurückgelassen. Man nimmt nun an, daß diese nach dem Einmarsch der Regierungstruppen in Tschangischa einen neuen Angriff auf die Stadt unternommen haben. Nach in Tokio eingetroffenen Nachrichten soll die Stadt H a n k a u von kommunistischen Truppen besetzt worden fein. Nach heftigen Kämpfen seien die Kommunisten bereits am Montaanachmittag bis dicht vor die Stadt vorgedrungen. Darauf hätten die Re- gierungstruppen die Stadt kampflos geräumt. Große Teile der Bevölkerung sollen mit den Regierungstruppen geflohen fein. Vor Hankau liegen jetzt 29 amerikanische und englische, 9 japanische, 4 französische und 1 italienisches Kriegsschiff vor Anker, um die Sicherheit der Auslände r zu gewährleisten. Der amerikanische General- konsul in Hankau berichtet, daß sich der amerika- Nische katholische Bischof in Kan tschau in außerordentlicher Gefahr befinde. Kantschau sei v o n d e r roten Armee e i n g e s ch l o s s e n, und infolge der kürzlich erfolgten Zurückziehung der Truppen der Nationalregierung seien der Bischof und die anderen Fremden bedroht. Der Generalkonsul ver- handele mit den chinesischen Ortsbehörden über die flucht der Fremden. Acht Krankenschwestern seien aus Kantschau in Kanton angekommen. Der durch den Kommunisteneinfall in Tschangischa an beut- f cf) e m (Eigentum angerichtete Schaden erweist sich geringer als anfänglich befürchtet wurde. Nach bisherigen Feststellungen find nur eine Firma und das Haus der Liebenzeller Mission ausgeplündert worden. Die Warenlager anderer deutscher Firmen, insbesondere die bedcu- tenden Farbenniederlagen, sind größtenteils u n • versehrt, ebenso sind die Wohnungen der Deut- I schen auf der Insel vor Tschangischa verschont ge- 1 blieben. schenDtaatspartek. — Da nach einem Ab- kommen mit der Demokratischen Partei diese den Spitzenkandidaten für den Wahlkreis Hessen-Rassau stellt, wählte die Versammlung für die zweite Stelle der Liste der Deutschen Staatspartei Hauptmann a. D. St oh ner, Arolsen. Diese Kandidatur hat bereits die Zustimmung der ü b r i g e n Ortsgruppen der Volksnationalen Reichsvereinigung in Hessen-Rassau gefunden. * Generalober st a. D. von Seeckt wird als Spitzenkandidat der Deutschen Volks- Partei im Wahlkreis 10 (Magdeburg-Aichalt) kandidieren. Verhandlungen zwischen der Parteileitung und dem Generalobersten haben zu einer völligen Hebe reinst immung in allen politischen Fragen geführt. Die endgültige Rominierung Seeckts wird am 17. August stattfinden. Die Konservative Volkspartei, Wahlkreis Baden, wird General v. Lettow- V o r b e ck als Spitzenkandidaten für Baden auf- steklen. An zweiter Stelle der Liste steht der langjährige Führer des Iungnationalen Bundes, Dr. Walter Kayser. -__ * 3n einer Besprechung zwischen Vertretern früherer Hochschulgruppen der Deutschen Volks- Partei, dem Ring jungdeutscher Studentengemeinschaften und dem Reichsbund demokratischer Studenten ist beschlossen worden, den „Akademischen G e m e i n s ch a f ts r i n g der Deutschen Staatspartei" zu gründen. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing Samstag mittag den Besuch des zur Zeit in Berlin weilenden Königs Faisal vom Irak, der von seinem persönlichen Adjutanten sowie von seinem Kabinettschef begleitet war. An den Empfang schloß sich ein Frühstück, an dem u. a. die Reichsminister Dietrich und G r o e - ner, die Staatssekretäre v. Bülow, Dr. Trendelenburg und Dr. Meißner, Ministerialdirektor de Haas, Legationsrat Graf Tattenbach teilnahmen. • Reichspräsident von Hindenburg traf in Begleitung seines Sohnes, Oberstleutnant von Hindenburg, Dienstagvormittag mit dem fahrplanmäßigen Berliner Zug in München ein. Der Vertreter des Reiches, Gesandter Dr. Hantel von Haimhausen, und Polizeipräsident Koch empfingen den Reichspräsidenten, der sich kurze Zeit mit den Herren unterhielt und sich dann zum Kraftwagen begab, der ihn nach Dietramszell brachte. Als der Reichspräsident der auf dem Platz an der Dayerstraße harrenden vieltausendköpfigen Menge sichtbar wurde, erschollen brausende Hochrufe, die den Wagen begleiteten, bis er den Blicken entschwand. e Der Bruder des Kaisers von Japan, Prinz Takamatsu trifft mit seiner Gemahlin zu einem achttägigen Besuch in Deutschland ein. Das prinzliche Paar wird, von Holland kommend, sich zunächst nach Bremen begeben. Am Freitag erfolgt die Weiterreise nach Q3 e r - l i n. Von Berlin aus begeben sich der Prinz und seine Gemahlin nach Stockholm, jedoch verlautet, daß der Prinz später nach Deutschland zurückzukehren und hier insbesondere wirtschaftliche und industrielle Anlagen zu besichtigen gedenkt. Im Prozeß gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. G o e b b e l s wegen Beleidigung des preußischen Ministerpräsidenten bestritt Goebbels, sich der Beleidigung schuldig gemacht zu haben. Er habe nur dem Reichskanzler a. D. Dauer Korruption vorgeworfen. Während die Ueberwachungsbe- amten bestätigten, daß der Rame Braun gefallen sei, konnten die Entlastungszeugen nichts Genaues aussagen. Der Staatsanwalt beantragte neun Monate Gefängnis. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. 3« der porzellanmannfakinr des „Alten Fritz". Von Liesbet Dill. In der ehemals Königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin steht auf einem Regal eine zerbrochene türkisblaue Schokoladentasse mit goldener »Inschrift: „Eternel Attachement"... Der Geber und die Beschenkte sind lange tot und die Tasse ists nun auch Sie stammte aus dem Anfang der Fabrik, die Friedrich der Große 1763 gekauft fjattc und um die er sich sehr kümmerte, in der er seine Tafelservice bestellte und durch Lob und Kritik die Leistungen der Meister anspornte... Sie liegt abseits, hinter dem Bahnhof Tiergarten, in einer stillen Sackgasse. Der hier Ordnung haltende Schupo hat den Ramen noch nie gehört. „Wer kann denn auch all die Fabriken in Berlin kennen?" meint er... In den Höfen lagern Berge von Porzellanscherben und in den Hallen graue Hügel von Kaolin, das aus der Gegend von Halle bezogen wird, von Quarz und Feldspan... „Eintritt verboten'' steht auf den Türen. Rur ausnahmsweise offnen sich diese verschlossenen Pforten. In einer Muhle wird das Material gemahlen, Räder klappern^ Arbeiter, Backtröge, alles ist wie mit bedeckt. Das harte Material fühlt sich klebrig an. Im Rebenraum, der aussieht wie eine Waschküche, wird das Kaolin, das dem Porzellan das glasig Durchsichtige verleiht, geschlemmt. Die geschlemmte Tonerde schwimmt in Bottichen und flieht in die Klärbassins. Trübes Licht fallt durch blaue Fensterscheiben. Auf dem stehenden Ton bilden sich wunderliche, grüne Sumpfpflanzen. Man geht durch den Mischraum wo das Material vermischt wird, durch dunkle' wanne Gänge steigt man in die Kellergewölbe' wo die Filterpressen warten und weihbestaubte Gehilfen den Ton in Backtrögen verarbeiten kneten und mischen, wie den Kuchenteig in einer Bäckerei. Unter schweren Maschinen liegt der dicke Porzellanteig, die Luft wird aus dem nassen Ton gepreßt, bis Wasser und Luft heraus sind. An den Töpferscheiben, die der Arbeiter mit dem Fuß bewegt, sitzen die Arbeiter und formen die Gefäße. Seit Urzeiten ist diese Töpferscheibe im Gebrauch. Etwas besseres ist noch nicht erfunden. Die Arbeiter schaffen im Akkord. Spezialität der Fabrik sind Kunstgegenstände, verdient wird am meisten an der Massenfabrikation, zum Beispiel Telegraphenhütchen usw.... Man sieht, wie sie in den großen, heißen Oefen gebacken werden. Arbeiter begegnen uns, die Bretter poll Tassen aus dem Kopse in die Glasur tragen. Dort wird das geformte Porzellan in die Glasur eingetaucht, wozu große Geschicklichkeit gehört, damit sie tadellos glatt herauskommen. In der „Formerei" ist gerade ein Arbeiter im weihen Kittel dabei, einem Porzellanhund die Perlchen auf das Halsband zu setzen, mit feinen Stäbchen... Andere schneiden die Frucht- und Kuchenkörbe aus. Jeder Arbeiter hat sich auf seinem Platz die Bilder der Frau, vom Elternhaus, Andenken aus dem Krieg, aus Schützengräben und von Kameraden aufgebaut... In den Malateliers werden die Farben gemischt, da sitzen die Künstler, zeichnen Blumen nach der Ratur, Wappen und Sprüche hängen an den Wänden... Blumentöpfe stehen da. Der Former mangelt seinen Teig, der auf Backbrettern wie Pastetenteig aus- gerollt und in die Saucierenform gelegt wird. Dann kommt der Brennprozeh. Die harte Por- zellanmasse wird in dem Etagenbackofen gebrannt. In Schuhkapseln stehen die Gegenstände in den Oefen. Sie bleiben ungefähr 16 Stunden in der Glut, kommen dann in die Glasurenbottiche und dann nochmals in den Ofen. In einem Raum warten geduldig Ziegen und ruhende Schafe, Elefanten und Rinder, Goethe und Schiller, Germanias und Venusse, schlanke reitende Dianen und listige Faune auf die Glasur... Im Hof steht noch die alte Tiergartenmühle, ein vergessenes Idyll mitten in der Großstadt. Das schönste Service ist das erste Tafelservice das sich Friedrich der Grohe bestellte und das entzückende bunte lustige „Vogelservice", das für die Königin Luise auf der Pfaueninsel gemacht wurde ... Diese alten Service und Tassen werden heute wieder als Musterstücke genommen und nachgemacht. Sie sind leider nur etwas kost- 'prelig. Zum Beispiel die historischen Tassen die Konigin-Luise-Tassen. die Kölner Oahrtau- send-^asse die Friedrich-der-Grohe-Tasse. Diese Rantaten laßt man sich bezahlen ...Es werden ja auch nicht viele davon gemacht und man hat in feiner Vitrine ein seltenes Stück. Das Kur- ^derservice" mit den reizenden Feldblumen, ein Tafelservice, das Friedrich Wilhelm III. für seine junge Frau, Prinzessin Luise, hier bestellte, ein urkisfarbiges Dchokoladenservice, hochbeinige Bouillon- und „Schwanentassen", alte Sövres- blaue Deckeltassen, — welche Geschichte mögen sie haben ... Sprüche hängen da: „Es kommt der Tag, da wird die Sonne finster wie ein schwarzes Tuch" ... Es gibt auch zurückgestelltes Porzellan, mit für den Laien kaum sichtbaren Flecken in der Malerei oder Bruchstellen. In dem „Musterzimmer" sieht man köstliche Biedermeiertassen mit gefühlvollen Sprüchen ... Rosentassen, „Sie blühen für Dich und bitten für mich". „Wintertassen", mit glattgemalten Schlittschuhläufern, „Parzentassen", „O, spinne noch lange", mit Silhouette der Dame, der man sie geschenkt ... Tafelservice für fünftausend Mark sind keine Seltenheit, ebenso Mokkatassen für 27 Mark. Potpourrivasen mit preußischen Adlern auf dem Deckel. Ein reizendes historisches Service „das Tulpenservice". Ein „Brüleparfurn" aus dem Salon einer vornehmen Dame von 1770. Ein wichtiger Raum ist die Bibliothek, hier findet der Porzellankenner alles, was ungefähr jemals über Porzellane geschrieben wurde... Reihen von Büchern bis an die Decke, mit Illustrationen und Kupferstichen gefüllte Mappen, mit althistorischen Malereien. Alle Originalbefehle Friedrich des Großen über den Fabrikbetrieb sind hier aufbewahrt. Es war einst die Konkurrenz für Meißen.... Die Blumenmalerei hatte im 18. Jahrhundert ihren Gipfel erreicht. Originalstücke aus Sanssouci und dem Hohen- zollernmuseum stehen da. In den Goldpvlierateliers wird die letzte Arbeit getan, das Porzellan gerändert, das Gold noch einmal im Backofen gebrannt und die verkühlte Tasse ist endlich — durch wieviel Hände ist sie gegangen? — fertig. Das Vergolden ist der letzte Prozeß. Im obersten Stock sieht man in Glasvitrinen das gelbe, reich vergoldete Prunktafelservice Friedrich des Großen und das später ziemlich allgemein gewordene „Granatapfelmuster", fälsch- lich „Zwiebelmuster" genannt, weil man früher hier den Granatapfel nicht kannte, das „Wickenservice" aus Schloß Paretz, sinnig, naiv, charmant. ... Zwischen all diesen historischen Servicen steht ein modernes Porzellan, das einst zu den historischen zählen wird. Das „Sowjetporzellan", plump, düster, mit dem züngelnden roten russischen Drachen, sehr ernst für einen Salon zur Teestunde. Im Hinausgehen lese ich auf einer friedericianischen Deckeltasse aus „seiner Fabrik": „Arbeitsvoll war Dein Leben, Kein Taa ohne Thaten, Kein Jahr ohne Lorbeer»»^ Gießener Gtaviiheaier. Ladislaus Fodor: „Die Füllfeder". Der „Betrieb" eines Wiener GhescheidungS- spezialisten — die Leute sollen heutzutage nicht nur in Wien überlastet sein. Sein 195. ..Fall": die eigene Ehe: das Indizium: ein FüUfeder- halter, von der Gattin Dem Manne zum Geburtstag erstanden und deshalb hartnäckig verleugnet. Aber die unmoderne Ehe des sich txon Den Ehetorheilen anderer Zeitgenossen nährenden Rechtsanwalts ist auf Wahrheit aufgebaut, die erste Lüge, das erste Verschweigen führt seiner Ansicht nach in den Abgrund, den er aus den früheren 194 Fällen genügsam kennt. Daß efl bei ihm nicht ganz so schlimm kommt, verrät schon auf dem Theaterzettel die etwas hochgegriffene Bezeichnung „Lustspiel" für eine zwar drei Akte füllende, aber keineswegs eigenartige -Unterhaltung über das in allen Tonarten abgedroschene Thema „eheliche Treue". Der Verfasser hat es ängstlich vermieden, sich in geistige Unkosten zu stürzen und etwa zu Dem alten Refrain eine neue Melodie zu erfinden. Selbst für die Sommersaison fast zu viel Der Anspruchslosigkeit. ♦ Bleibt die Feststellung, daß unter Fassots Spielleitung flott gespielt wurde. Jochen Hauer als tüchtiger Rechtsanwalt. Der in eigener Sache mit mathematischer Genauigkeit Daneben tapple, tat zur sinnfälligen Unterstreichung von Rervosi- tät und Ueberarbeitung fast des Guten zu viel an stereotypen Gesten. Seine gescheitere Frau, Maria Koch, sehr klug, sehr witzig, ganz grande dame, die über der Situation steht. Heinrich Hub als Architekt Rundt und Hilde Schwend als Frau Lilly, ein biederes Ehepaar ohne Aspirationen, Eduard Wese ner, ein flotter kleiner Don Juan, dem man seine Chancen beim schönen Geschlecht aufs Wort glaubt. Karl Bruck als Privatdetektiv Punsch fällt die ehrenvolle Aufgabe zu, in Sprach und Aufmachung das Wiener Lokalkolorit zu vertreten; er entledigt sich ihrer mit Dem erforöer- lichen Schmalz. Marianne Mewes, Die Frau, Die in Die Gegenwart paßt, keck und ohne mizeit- gemäßes Sentiment. Schließlich noch Friedrich Zingel, Beatrice Doering und Ilse Jahn in kleineren Rollen. Das Publikum schien sich gut zu unterhalten. —e. 1910, 5 XV «Khter Oll y mljjiflt* 5b0soov bei Lauterbach (Hess.» Lukratives Unternehmen basjährl.2OOOOM. Reingewinn ab- tuttft, für 7000 M. Abnnbungzn verkaufen Größeres Kapital nicht er- sorberl.Schr.Ang. u.O5OO5a.b.G.Anz. Gebrauchte DrefdimahDine in Betrieb zu besichtig., bill. zu verk. e5eo Launsbach 109, Krets Wetzlar. 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Sern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Telephon 4101 Radio Telefunkendienst Ruhl, Plockstraße 12 Telephon 3170 ____________________5494D Nr. 187 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 15. August 1950 Turnen, Sport und Spiel. Turngau Lahn-Oünsberg. potallpiek Im Io. Londorf. Die Pokalspiele des To. Londorf am vorigen Sonntag nahmen ihren vorgesehenen Verlauf. Die Sieger sind in der A-Älaffe Tv. Garben- tcich I; B-Äloffe Tv. Allendorf II; 2gd.-Klas e Tv. Allendort 3gd. r _ Zuerst spielte Aliendors 2g d. gegen Tlor bcd 3gb. Das Spiel war flott. Rordeck fehlte e- an Schubkraft. Allendorf spielte gut und führte nach ein paar schnellen Durchbrüchen 2:0. Aach Halbzeit da-lelbe Bild. Allendorf erhöhte aus 4:0. Da» zweite Spiel der Jugendklasse zeigte Daubringen und Garbenteich als Gegner. Garbenteich führte bald 2:0. Rach Halbzeit kam Daubringen auf und führte, bis zum Schluh den Au-gleich herbei. 3n der Verlängerung warf bann Daubringen das entscheidende Tor durch 13-Meter-Dall 3:2 für Daubringen. 3n der B » Ä l a f f e standen sich zunächst G a r- benheim und Vordeck gegenüber. Garbenheim gewann in der Verlängerung durch Glück. Vordeck warf dos Führungstor, doch bald konnte Gorbenheim ausgleichen und 2:1 gewinnen. Das zweite Spiel in der B-Älaffc Allen- dors — Steffel bad) 3.2. Kcs'elbach führte zuerst überlegen und ging in Führung. Allen- Dorf glich aus und konnte daS Spiel 3:2 beenden. Die Spiele der A-Älalfe wurden sehr flott, aber auch hart durchgeführt. Zuerst spielte Staufenberg gegen Allendorf 0:3. 3n diesem Spiel zeigte besonders der Tormann Staufenberg- gute Leistungen. Während des Spieles machte sich Staufenbergs Ersatz sehr bemerkbar. Das nächste Spiel war ein Spiel außer Konkurrenz TD. Londorf gegen 'In. Garben- teld> Londorf fand sich gleich gut und ging bald in Führung. Sturz darauf zog Garbenteich gleich. Vach wechselvollem Spiel endete diese Partie 4:4. Hm den Sieg in der Jugendklasse spielten Allendorf gegen Daubringen. Das Spiel zeigte gute Leistungen. Allendorf führte bis zur Halbzeit 3:0 und erhöhte nach Halbzeit 5:2. 3n der B-Stlasse fiel die Entscheidung zwischen Garbenheim und Allendorf. Allendorf ging in Führung, doch bald konnte Garbenheim ausgleichen. Vach Halbzeit erhöhte Allendorf auf 3:1. Da- härteste Spiel war die Entscheidung in der A-Stlaffe zwischen Allendors und Garde n t e i ch 1:2. Garbenteich ging in Führung und erhöhte auf 2:0. Vach Halbzeit muhte ein Allendörser bau Feld verlassen. Das Spiel endete 2:1 für Garbenteich. Handball In wald-GIrme». Am vorigen Sonntag herrschte in Wald- Girme - Hochbetrieb. Die erste Schülerelf spielte g g.’n die gleiche des Turn-Verein- Garbenheim und gewann nach schönem Spiel 7:0. Dann betraten die ersten Mannschaften von Wald-Girmcs und CDiefcd das Feld. Wieseck halte Anstoß und brachte gleich das Tor von Wald-Girmes in Gefahr. Beim Stand von 3:0 wurden die Seiten gewechselt. 3n der zweiten Halbzeit änderte sich das Vild. Wald-Girmes ging stark aus sich heraus und bedrängte längere Zeit das Wiesecker Tor, aber der Torhüter war nicht zu schlagen. Wieseck konnte weitere vier Durchbrüche mit Erfolg abschliehen. Dann kam auch Wald-Girmes zu seinem längst verdienten Ehrentor. Mit dem Resultat von 7 1 für Wieseck machte der Schiedsrichter dem jederzeit sehr fairen und spannenden Spiel ein Ende. Anschließend spielten die 3ugcnbmann- schaf ten beider Vereine. Wieseds Jugend ge- Wirble ins Leben! Roman von Anna Kink. Hrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau. S -A. * 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten Barbara gab erfreut ihre Zustimmung. Sic war wie in einem Bausch befangen. Es lagen so schredlichc und aufregende Stunden hinter ihr, daß sie es nicht vermochte, an Vergangenes ober Zukünftiges zu denken. Die veränderte weiche Luft, der. Wein, das unbekannte Esten machte, bas; sie sich ganz der Gegenwart hin- gab. Wie ein Kind freute sie sich auf die Fahrt, die durch die Apenninen gehen sollte. Sie fuhren erst noch eine Zeitlang durch die Ebene. 3n nicht allzu großer Feme vor ihnen lag die Kette der Berge. -Dann kam eine wunderbare Straße, die sich in kühnen Windungen und Schleifen inS Gebirge hineinzog. Die Berge wirkten hier ernst, beinahe düster. Hin und wieder fuhren sie durch kleine Bergstädtchen, deren Häuser grau und schwer und zum Teil in die Felsen ftincingcbaut waren. Die Einwohner liefen neugierig zusammen, aber ihre Gesichter waren trotzig und abweisend den Fremden gegenüber. .Hier möchte ich nicht allein durchfahren", dachte Barbara und zog fröstelnd die Schultern hoch. Sie sah zu Malfieri hinüber. Der schien hier richtig in seinem Element zu sein. Strass und konzentriert sah er am Steuer, jeder Verv gespannt. Er fuhr mit geradezu tollkühnem Tempo, bas er auch in Kurven nur wenig verringerte, die eine Hand am Steuer, die andere an der Bremse, bereit, jeden Augenblick abzustoppen, wenn es erforderlich sein sollte. Es war schon in den späten Vachmittagsstunden. Sie fuhren über ein Hochjoch, von dem es bann dauernd bergab ging. Der Blick auf die Berge war so überwältigend, daß Frau Barbara meinte, noch nie etwas Aehnliches gesehen zu haben. Auch der Conte war wortkarg geworden. Er fuhr wie der Satan, so daß Barbara manchmal die Augen« schloß, weil sie glaubte, jetzt müsse der Wagen yinabstürzen. Sie war gewiß selbst eine gute Fahrerin, aber solch ein Fahren war ihr noch nicht vorgekommen. wann verdient 3:0. Auch diese- Spiel war offen und spannend, jedoch wurde stellenweise auf beiden Seiten zu hart gespielt. Handball im Turnverein 1860 Lich. Am vorigen Sonntag trafen sich auf dem Licher Platze die beiden Iugcndmannschaslen des Turn- vercinsttleiN'Linden und des Turnvereins L i ch zur Austragung eines Freundschafls- spieles. Die körperliche Ueberlegenheit der Rlcin-tiin- dener glichen die eifrigen Licher durch Flinkheit und Technik aus. worin sich ihr Halblinker besonder» aus- zeichnete. Dem Spielverlauf entsprechend konnten die beiden Mannschaften mit einem unentschiedenen 3:3- Resultat da» Kampffeld verlosten. Handball im T. D. Großen-Linden. Io. (Brofjen-Cinben I — Io. Münchholzhausen I 6:3. Grohen Linden konnte, wie nicht anders zu erwarten. einen klaren Sieg erringen. Bei etwas besserer Schuhsicherheit der beiden Halbstürmer hatte da» Resultat viel höher lauten können. 30 Jahre Svielvereimgimg 1900 Gießen Die Spielvereinigu.ng 1900 Dießen leitete die Feier ihres 30jährigen Bestehens am Samstagabend mit einer gesellschaftlichen Veranstaltung aus der Liebigshöhe in eindrucksvoller Weise ein. Der weitere Verlauf der Jubiläumsfeier brachte vom Sonntag ab eine Veihe sportlicher Veranstaltung e n, die noch bis Ende dieser Woche dauern werden. Dem Ernste der Zeit entsprechend wurde die Hauptfeier des 3abiläumS am Samstagabend schlicht und würdig begangen. Sie hatte den Charakter eines Konzertabends, den unsere Gießener Militärkapelle unter Ober- Musikmeister Gober in vortrefflicher Weise gestaltete. Den Abschluß dieser Veranstaltung bildete ein Ball, womit der Festabend sein Ende erreicht hatte. Vach einigen musikalischen Darbietungen der Militärkapelle entbot der erste Dereinsvorsitzende, Bäckermeister Den de, den Gästen und Mit- gliebern den Willkommengruß des Vorstandes. Der Vedner wies dabei kurz auf die hohen sportlichen Ziele des Verein- hin und begrüßte auch die Einigung zwischen Turnen und Sport. Weiter gab er bekannt, daß folgenden Dereins- mitgliebem in Anerkennung ihrer Verdienste um den Verein als Zeichen des Danke- die Ehrennadel verliehen wurde: Willy Amend, Ludwig Dende, Emst Bode, Gerhardt Botz, Heinrich Dahmer, Fritz Dickhardt, Karl Enders, Karl Falkenheiner, Karl Feuser. Karl Keiner, Wilhelm Kraemer. Wilhelm Kraushaar, Karl Kröck, Heinz Küthe, Aug. Löbermann, Ernst Mandler, Willy Muhl, Friedrich Müller, Fritz Veining, Georg Richtberg. Karl Sack, Otto Schmidt. Willi Schmidt. Georg Dondran, Paul Will. Seine Ansprache klang au- in einem begeistert aufgenommenen Hipp-Hipp-Hurra auf das deutsche Vaterland. Vach weiteren Darbietungen der Kapelle hielt dann das Vereinsmitglied Gerichtsreferendar G u y v t die Festrede, in der er einen interessanten Rückblick auf die Vereinsgeschichte gab und dabei den Hörern einen fesselnden Einblick in die sportlich außerordentlich produktive Arbeit des Vereins vermittelte. Von einem kleinen KreiS von jungen, sportbegeisterten Männern ins Leben gerufen, hatte sich die Spielvereinigung 1900 bis zum Ausbruch deS Weltkrieges auf 110 Mitglieder erweitert, von denen 80 inS Feld zogen und 63 leider den Heldentod sanden, eine außerordentlich hohe Zahl, die man wohl selten im Rahmen eines Vereins antreffen wird. Der gefallenen Kameraden wurde im Rahmen der Festrede geziemend gedacht und ihr Andenken von der Festversammlung gebührend geehrt. Vach dem Kriege hat sich der Verein in rastloser Wiederaufbauarbeit aller seiner Mitglieder so kräftig wieder entwickelt, daß er heute über 10 Fußballmannschaften, 3 Handballmannschaften und 100 Leichtathleten verfügt. Mit Recht konnte der Festredner betonen, daß der Verein seine sportliche Arbeit zur Ertüchtigung unserer Jugend außerordentlich ernst nimmt, denn die vorstehen- Sie wußte nicht, wie lange sie fuhren. Sie fühlte sich raum- und zeitlos. Ihretwegen hätte die Fahrt noch eine Ewigkeit dauern können. .Da ist Firenze!" klang auf einmal die Stimme ihres Begleiters an ihr Ohr. Florenz, die wunderbare Stadt. lag zu ihren Füßen. Erst steil, dann allmählich immer sanfter werdend, führte die Strafte nach Florenz hinein. .Wir wollen weiterfahren, damit wir nicht gar zu spät nach Hause kommen", bemerkte der Conte. Barbara hatte nichts einzuwenden. So fuhren sie durch hügelloses Gelände weiter. Die Rächt brach herein, eine milde, weiche Rächt mit dem ganzen Zauber des Südens. Richt ein Wölkchen trübte den Himmel, der Vollmond stieg langsam empor und tauchte die eigenartige Landschaft in feinen stumpfen Glanz. Der Gras begann wieder zu fingen, ein italienisches Lied, in dessen gedeckten, weichen Melodien eine seltsame Bewegung zitterte. In Barbara sprang eine Erregung hoch, die ihr fremd war, und die sie selber bedrückte, ohne zu wissen, weshalb. Eine Sehnsucht, die vollkommen ohne Gestalt und Ziel war, ergriff sie. Ihr Herz ging in schweren Stöftcn. Was war das nun? Sie warf einen flüchtigen Blick auf den Mann neben sich: Er sah starr geradeaus und schien sie vollkommen vergessen zu haben. Sie holte tief Atem und dachte: .Es ist der ungewohnt schwere Wein." Plötzlich rückte der Körper des Mannes unmerklich näher an ihren heran — ober war es ein Zufall? Die Strafte war hier sehr schlecht. Dann fühlte sie, wie der Körper neben ihr sie förmlich ansaugte. Wie hypnotisiert saß sie da und dachte nur: .Gleich geschieht etwas ganz Schreckliches." Mit einem leisen Schrei griff sie nach dem Herzen. Es war ihr, als habe sie ein Strudel ergriffen, der sie langsam aber sicher in die Tiefe zöge. Der Conte wandte ihr sein Gesicht zu. .Was ist, Signora?1 fragte er mit heiserer Stimme. .Mir ist so schlecht!" stieß Barbara mit krampfartigem Schluchzen heraus. Run drückte der Mann mit einer fast brüderlichen Bewegung Barbaras Kopf an feine Schulter und sagte gatu vorsichtig: .Armes Kind." Das toirfte so beruhigend auf sie, daß sie die den Zahlen dokumentieren einen ArbeitSerfolg, der achlunggebie.end ist. Die fesselnden Ausführungen des Redners fanden ihren Ausklang in einem Bekenntnis zu weiterer ernster Arbeils- bereitfchast im Dienste des sportlichen Aufbaues zum Ruyen unseres Volke- und Vaterlandes, sowie in einem Bekenntnis zum Deutschen Vaterland. dem das Hoch des Redner- und da- gemeinsam gesungene Deut'chlandlied galten. Im weiteren Verlause deS Abends brachte Bürgermeister Dr. S c i b namens der Stadtverwaltung und des städtischen Turn- und Sportausschusses dem Iubifäums-Derein herzliche Glückwünsche dar, ferner wurden dem Verein von zahlreichen hiesigen Vereinen Glückwünsche ausgesprochen und u. a. vom Verein für Bewegungsspiele und vom Wetzlarer Sportverein Iubiläumsgaden mit herzlichen Worten überreicht. Ein Vertreter des Westoeutschen SpielverbandeS zeichnete das Vereinsmitglied Wilhelm Kraemer in Anerkennung seines Wirkens mit der Ehrennadel des Verbandes aus. Rach Dankes- Worten eine- Vertreters der Spielvereinigung 1900 nahm dann das Konzertprogramm seinen Fortgang und sand bei den außerordentlich zahlreichen Zestgästen eine sehr beifallsfreudige Aufnahme. Vom Sonntag ab traten dann die sportlichen Iubiläumsdarbietungen in ihre Rechte. Ser ZubiläumS'Ausmarsch der Alliven ö. Am Sonntagnachmittag fand auf dem 1900- Sportplatz ein prachtvoller Aufmarsch de r Aktiven statt, an dem sich etwa 120 Aktive beteiligten. Herr Durgeleit hielt eine Ansprache, die in dem Sportruf ausklang und lebhaften Skifall fand. Der Gastverein Reu-Isenburg wurde durch Heberreichung eines Dlumen- straußes mit Schleife geehrt und überreichte feincifeitS einen Vereinswimpel. Die Zubiläumsspiele. v. f. L. Reu-Isenburg (Oberliga) — 1900 (Liga) 7:2 (4:2). Die Gäste kamen zu einem verdienten und auch erwarteten hohen Sieg. Ihr schönes Kom- binations- und Stellungsspiel verriet beste Klasse. Bei den Gießener Spielern muß man u. a. berücksichtigen, daß sie nach zweimonatiger Sommerpause ohne jegliches Training erstmals ins Spiel gingen und zudem einigen Ersatz auftoiefen, der sich noch nicht ganz befriedigend bewährte. Gefallen konnten nur Brambach, Jäckel und Katz. Im Sturm gingen Adelberger und Heiler an. Bei den Gästen gefielen der Linksaußen und die beiden sehr schlagsicheren Verteidiger am besten, ohne daß man die anderen in ihren Leistungen zurückseht. Auch körperlich hatte diese Mannschaft den Blauweißen gegenüber ein großes Plus. Das Verstehen in der Gießener Elf war oftmals recht mangelhaft und erleichterte dem Gegner die Abwehr der Gießener Angriffe. Bereits nach etwa 20 Minuten stand das Spiel 2:0 für Reu- Isenburg, aber kaum zehn Minuten später hatten die Einheimischen unter großem Jubel der an- Augen schloß und in kurzer Zeit eingeschlafen war. Malfieri fuhr etwas langsamer, fang wieder leise, aber diesmal war es ein sehr fromme- Lied. Einige Stunden darauf fuhr der Wagen des Conte Malfieri vor einem großen Parktor vor. Ec hupte dreimal eindringlich, und schon huschte ein Schatten aus dem großen, schloßähnlichen Gebäude heraus. Es war eine ältere Frau, die in früheren Zeiten einmal sehr schön gewesen sein mußte. In ihren Bewegungen lag immer noch eine geradezu mädchenhafte Anmut und Behendigkeit. »Duona sera, Signore!" begrüßte sie den Grafen mit klangvoller Stimme und schickte sich an, das große Tor zu öffnen. .Buona sera, Iulietta!" tief der Conte zurück und fuhr fort: .Hol mir den Beppo, er muft mir helfen." Iulietta — es war die Amme des Grafen — nickte nur und schloß da- Tor hinter dem Wagen wieder zu. Der Conte fuhr bis dicht vor da- Portal und hielt dann wartend. .Leuchte einmal hier her!" befahl er der Frau, und fie tat, wie er geheißen. Beinahe hätte sie die Laterne fallen lassen vor Erstaunen. .Madonna mial Heilige Mutter Gottes! Wer ist denn das?" rief sie. .Richt so laut", mahnte er. .Wir wollen sie gleich oben hinauf in das rote Zimmer tragen, und du kannst fie zu Bett bringen." .Sie ist gewiß eine Deutsche — solch schöne- blondes Haar hat sie", sagte Iulietta bewundernd. .Wo bleibt denn Deppo, der Faulpelz!" rief Malfieri ungeduldig und trat fo heftig mit dem Fuß auf, daß Barbara sich zu regen anfing. .Aber Signore!" sagte die Amme und sah ihren Herrn so vorwurfsvoll an, daß et nur etwas Hnver stündlich es brummte. In dem Augenblick erschien auch endlich Beppo, und beide zusammen trugen behutsam Barbara die breite Marmortreppe hinauf in bai Gastzimmer, das der Conte als .rotes Zimmer" bezeichnet hatte. Sie ließen sie auf das breite Bett nieder, dann gingen sie hinaus. Iulietta machte sich sogleich daran und kleidete Barbara mit erstaunlicher Geschicklichkeit auS. Dann deckte sie sie mit fast mütterlicher Sorgfalt zu und schlich sich hinan-, nachdem sie zuvor nicht vergessen nähernd 1000 Zuschauer durch Adelberger und Zei ler gleichgezogen. Gegen Ende der ersten Spielhälfte ficherten sich die Süddeutschen durch zwei weitere Treffer einen Vorsprung, den sie Mitte der zweiten HaU^eit auf 5 2 erhöhten. Dann verschossen bte Gieftener eine sichere SadK in Gestalt eine- Handelfmeter-. In den letzten zehn Minuten konnten die erschöpften Dlauweißen itoci weitere Torr der Gäste nid>t mehr verhindern. Die Spiele der unteren Mannschaften. 1900 IV. Mannschaft — Hermannstein II. 3:2. 1900 III. Mannfchast — Weilburg I. 2:2. 1900 II. Mannschaft — Hermannstein I. (Hermannstein abgesagt I 1900 I. Jugend — Wetzlarer Sportverein I. Jugend 3:0. 1900 I. Jugend Handball — Mtv. Gieften Jugend. 4: 9. Die Fußballjugend 1900- erschien in neuer Ausstellung mit drei Ersatzleuten und war den körperlich stärkeren Wetzlarern in technischer Beziehung weit überlegen. Da- Können der Handballjugend reichte trotz großem Eiser an da- der Turnerjugend nicht heran. Der Sieg de- Mtv. war verdient. Vite Herren — Schiedsrichter-Vereinigung Gießen. Den „Alten Herren" 1 900 stellten sich die Schied-richter zum Gesellschaftsspiel für die abfagenben Wetzlarer. Die durchweg jüngeren Schiri siegten 4:2 (Halbzeit 1:2). Die A. H. fchoffen vier Treffer, davon aber zwei inS eigene Gehäuse. Die ZubiläumS-Spoftwoche. Der Beginn der Jubiläums - Sportwoche am Montag stand unter einem ungünstigen Stern, denn bei Beginn der Spiele setzte heftiger Regen ein. Da- Handballpokalspiel Reichswehr Gießen — 1900 Gießen war eine glatte Sache der Soldaten, die in bestechend schönem Spiel gegen die überraschend schwache Vertretung 19006 mit 12:3 Tresfern Sieger blieben. Fußballpokalspiel Sportverein Wetzlar — Sportverein Alsfeld. Diese- Spiel begann infolge strömenden Regen- mit großer Verspätung und wurde wegen der eintretenden Dunkelheit nur zweimal dreißig Minuten durchgesührt. Wetzlar sand sich in dem nassen Element besser zurecht und siegte 2:0 (Halbzeit 2:0). 3n dcr zweiten Hälfte kam die technisch besseren Fußball spielende Als- selder Els mächtig auf. Wetzlar hat sich- mit diesem Sieg für das Schlußspiel qualifiziert, da- voraussichtlich am Freitag stattsindet. e Der zweite Gegner wird am heutigen Mittwoch im Lokaltreffen v. f. B. — 1900 Gießen ermittelt. Wer dabei Sieger werden wird, läßt sich nicht Voraussagen. Beide Gegner haben heute veränderte Mannschaftsaufstellungen. Jeder sollte in der Lage fein, dos Spiel zu qe* Winnen, wenn er mit Ernst bei der Sache ist. Traditionsgemäß muß man den Leuten vom Waldsportplatz einen knappen Sieg zutrauen, da das Spiel auf dem 1900-Platz zum AuS- trag kommt, D. f. D. aber bisher gerade dort immer die größten Chancen hatte. Der Klassifizierung entsprechend mühte der D. f. B. die weit bessere Mannschaft stellen. poliicifporloerein Butzbach — Io. 1846 Gießen 4:2 (3:0). Unter Leitung von Schiedsrichter Dirken- stock 1900, entwickelt sich in dem Handball- holle. em großes Kreuz über Dorboro zu schlagen. .Hast du die Signora gut besorgt?" fragte der Graf, als die Alte in da- große Speisezimmer trat, in dem er bei einer Flasche Süßwein saft. .3a, Herr", gab sie zur Antwort uyd fuhr dann fort: „Oft, Herr, ist dos eine arme Signora, sie sieht so elend aus, als ob sie Schreckliche- erlebt hätte." .Da haft du ja wo- zu pflegen, Iulietta", sagte der Graf und lachte kurz aus. .Wird sie bei uns bleiben, Herr?" fragte dies« neugierig. .Ich weift eS nicht", murmelte er achselzuckend. .Jedenfalls sorge aufs beste für sie." „3a, ja — die Arme", sagte die Amme bedauernd und ging aus dem Zimmer. In dieser Rächt schlief der Graf erstaunlich wenig, obwohl er doch die ganze Rächt zuvor gefahren toar. Dis in die frühen Morgenstunden wanderte er ruhelos in feinem Zimmer auf und ab, um endlich ein Dad zu nehmen. Gr hatte sich gerade etwa- zur Ruhe legen wollen, als ein vorsichtige- Klopfen an der Tür ihn in die Höhe fahren lieft. .Was iftr‘ fragte er. Iulietta steckte den Kopf zur Tür hinein. .Der Signora geht es scheinbar sehr schlecht, Herr", flüsterte sie aufgeregt, .sie wirst sich immerfort im Bett hin und her und stöhnt schrecklich. Das hört sich fo schauerlich an, daß man sich beinahe fürchten könnte." Der Conte Malfieri war mit einem Sah andern Dett heraus. „Ich will nach ihr sehen, unb du, Iulietta, rufst sofort den Dottore Dvmero an, er soll auf der Stelle Herkommen!" Die Alte verschwand sofort, während Malfieri die Treppe hinaufeilte. Er öffnete die Tür zu DarbaraS Zimmer. Sie stand in einem langen Rachtgewond mitten int Zimmer und murmelte unzusammenhängend« Worte vor sich hin. Ihre Wangen waren dunkelrot, und ihre Augen flackerten unruhig. Als sie den Mann in der Tür bemerkte, stieß sie einen leichten Schrei aus. hob die Arm« empor und fiel auf die Steinfliesen. De stürzt sprang der Graf hinzu und hob die Ohnmächtige auf. Er legte sie wieder ins Dett zurück, zog sich einen Stuhl heran und blieb neben ihr sitzen. Sic war ruhiger geworden, nur der Atem ging rasch und stoßweise. (Fortsetzung folgt) Pokal-Turnier sofort ein rascher, abwechslungsreicher Kampf. Die Polizeimannschaft, mit dem Wind spielend, gewinnt bald infolge besseren Zuspiels ein leichtes älebergewicht und geht durch scharfen Wurf des Halblinken in Führung. Bei den Turnern will es nicht recht klappen. Der Butzbacher Torwart wird zwar auch beschäftigt, kann jedoch die Bälle leicht meistern. Sein Gegenüber ist weniger glücklich und muh sich bis zum Wechsel noch zweimal geschlagen bekennen. Rach dem Wechsel ändert sich das Bild. Die Läuferreihe des Turnvereins leistet im Zerstören und auch im Aufbau recht Gutes und bringt den Sturm immer wieder vor. Durch zu eigenmächtiges Spiel des Innentrios will zunächst nichts gelingen: schließlich kommt der Linksaußen gut durch und wirft ein schönes Tor. Die Butzbacher spielen weiter unter ihrer gewohnten Form, haben aber in ihrem Schlußmann eine gute Stühe. Dann stellen sie das Ergebnis auf 4:1. Die Gießener, die die Partie immer noch nicht verloren geben, sehen kurz vor Schluß ihre Bemühungen durch ein zweites Tor belohnt. Morgen abend stehen sich der Männer- turnverein Gießen und die Butzbacher Polizei gegenüber. Die Dataillonsmannschaft als Sieger vom Montagsvorspiel zog das Freilos und steht damit als Endspielteilnehmer fest. Der morgige Kampf wird aller Wahrscheinlichkeit nach einen äußerst knappen Ausgang nehmen und die Mannschaften zur Hergabe des Letzten zwingen. Wenn sich die Polizisten für das Finale qualifizieren wollen, müssen sie eine weit bessere Partie als gestern liefern. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Spog. 1926 I — Auhballfpo. Steinbach I 5:1. Aach achtwöchiger Pause eröffnete am Sonntag die erste Mannschaft wieder den Spielbetrieb. Als Gegner war die gleiche des Fuß- ballsportvere'ns Steinbach verpflichtet. Leihgestern war in der ganzen ersten Hälfte tonangebend und konnte dies in vier Toren zum Ausdruck bringen, denen die Gäste nur eines entgegenzusetzen vermochten. Aach der Pause nahm das Tempo sichtlich ab, die Einheimischen schossen bis zum Schlußpfiff noch ein fünftes Tor. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Lollar I — Gießen I 0:3. 3n Lollar standen sich beide Gegner in einem Freundschaftsspiel gegenüber. Gießen zeigte eine geschlossene Leistung und war vor dem Tore weit gefährlicher als die Gegenseite. Auch die sehr gute Abwehr des Schlußtrios der Einheimischen konnte nicht verhindern, daß die Gäste bald in Führung gingen. Gießen blieb im ganzen Spiel tonangebend und konnte bis Schluß noch zweimal erfolgreich sein, während den Einhei. mischrn jeder Erfolg versagt blieb. Wieseck 1b — Waldgirmes I 10:2. Am vorigen Sonntag standen sich diese Gegner in einem Freundschaftsspiel auf dem Wiesecker Platze gegenüber. Don Anstoß weg wurde ein flottes Spiel gezeigt, bei dem es auf beiden Seiten gefährliche Momente gab. Allmählich drückte jedoch Wieseck mehr und mehr, konnte aber bei der zahlreichen und mit viel Glück verbundenen Abwehr der Gäste vorerst nichts erreichen. Erst als aus einem Gedränge heraus das erste Tor für die Einheimischen fiel, war der Bann gebrochen. Viermal noch mußte der Hüter der Gäste den Ball bis Halbzeit passieren lassen, während ihnen die leichtsinnige Abwehr des einheimischen Hüters das erste Tor brachte. Auch nach Seitenwechsel wurde weiter flottes Spiel geboten, bei dem jedoch Wieseck mehr und mehr dominierte und bis Schluß einen 10:2°Sieg verbuchte. Vorher spielten die 1. Iugendmannschaf- Ve n beider Vereine. Auch in diesem Spiele waren die Einheimischen den Gästen überlegen und fertigten sie mit einer 7:0°Niederlage ob. Handball. Dezirksmannschafk 3. Bezirk — Dielesheim I 2:18. Anläßlich der Reichs-Iugend-Wettkämpfe des Kreises Wetzlar trug eine zusammengestellte Bezirks- Handballmannschoft in Wetzlar ein Propagandaspiel gegen die 1. Handballelf von Dietesheim aus. Die Gäste zählen zu den besten Mannschaften des 9. Kreises, und sie boten in Wetzlar ein schönes Spiel. Auch die Bezirkself gab alles her, ließ jedoch vor dem Tore jedes Verständnis und den sonst krönenden Torschuß fehlen. Die Gäste gingen durch ihr technisch reifes Spiel bald in Führung und konnten bis Schluß acbtzehnmal erfolgreich fein, während es der Bezirkself nur zweimal gelang, dem Leder den Weg ins gegnerische Netz zu zeigen. Paddlergilde Gießen. Kapphingst-Witting starteten am vergangenen Sonntag gelegentlich der V. Mosel- Langstreckenwettfahrt, die der Kanu-Club Trier veranstaltete. Zu dem von der Paddlergilde Gießen bestrittenen Rennen (Senior-Zweier) hatten außerdem gemeldet: Kanu-Club Düsseldorf, Kanu-Club Trier und Saarbrücker Kanu-Club. Sieger wurde das Boot des Kanu-Club Düsseldorf, in dem der diesjährige Meister im Einer- Faltboot, Rein, und sein Klubkamerad Ex- ker saßen. Mit einem Abstand' von ungefähr einer Minute folgte das Gießener Doot, während sich Saarbrücken und Trier mit weiteren 2,5 Minuten Zeitunterschied mit dem dritten und vierten Platz begnügen muhten. Als nächste und wahrscheinlich letzte diesjährige Wettfahrt wird am 24. August diejenige des Kanu-Club „Rheinbrüder" in Karlsruhe besucht. Es starten dort Kapphingst im Seniv- ren-Einer und Max Lehmann im Iunioren- Ciner. Wirtschaft. Oie Organisation des internationalen Stickstoffkartells. lieber die Einzelheiten des internationalen Stickstoffpaktes erfährt die „Franks. Zta.",' daß im wesentlichen der E x p o r t erfaßt werde, für den jedoch nicht einheitliche Quoten festgelegt seien, die die Grundlage für eine einheitliche Einschränkung der Erzeugung sein könnten, sondern jedes Land habe eine im einzelnen bestimmte Einschränkung seiner Ausfuhr auf sich genommen, bei deren Festsetzung der Umfang seines Jnlandmarktes berücksichtigt war- den sei. Außerdem sollen alle Mitglieder und die Chilenen im Verhältnis ihrer Kapazität beitragen zu einer Ausgleichskasse, die zu Entschädigungen für weitere Einschränkungen ober zum Aufkauf von Stickstoff verwendet werden solle. Die Abmachungen seien nicht auf Reinstickstoff aufgebaut, sondern g e • trennt nach Sorten, um der Marktlage in den einzelnen Sorten gerecht zu werden. Aus demselben Grunde sollen auch die Preise für Ammonsulfat und Kalkstickstoff ermäßigt, die übrigen aber unverändert f e st g e h a l t e n werden. Die Leitung der Konvention, die zunächst versuchsweise für ein Jahr gelte, liege beim Deutschen Stickstoffsyndikat. • * D i e Entwicklung des Waldhof- Ku r s e s. Wie die „Reue Mannh. Ztg." von der Verwaltung der Zellstoffabrik Waldhof auf Anfrage hört, findet der niedrige Kursstand ebenso wie vor einigen Wochen keinesfalls in der Situation des Unternehmens seine Rechtfertigung. Die Gesellschaft hält die schon früher gegebene Mitteilung über die geschäftliche Lage, die zwar im Rahmen der allgemeinen Konjunktur bisher nicht ganz das Dorjahresergebnis bringe, aber ein gesundes Verhältnis beibehalten habe, auch heute noch aufrecht. Die Werke laufen weiterhin voll durch. Gerüchte über eine stärkere Dividendenkürzung seien deshalb unangebracht, umsomehr, als das Geschäftsjahr erst Ende Dezember abläuft. Anderseits könne sich die Verwaltung begreiflicherweise unmöglich heute schon auf einen Dividendensatz festlegen. Der Kursrückgang sei offenbar nur in börsentechnischen Maßnahmen begründet. Rindermarlt in Gießen. Auf dem heutigen Rindvieh- (Ruh - vieh-) Markt in Gießen standen 1436 Stück Großvieh und 233 Stück Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 600 bis ?50 Mark, 2. Qualität 450 bis 600, 3. Qualität 250 bis 380, Schlachtkühe 150 bis 500; Rinder i'2- bis ^jährig 120 bis 250, Rinder 3/4» bis 2jährig 200 bis 400, tragende Rinder 380 bis 650 Mark: Kälber das Pfund Lebendgewicht 50 bis 70 Pfennig: ausgesuchte Tiere erbrachten Preise über Aotiz. Das Geschäft war lebhaft. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 13. Aug. Tendenz: zurückhaltend. — Unter dem Drucke der starken Order- losigkeit und der damit verbundenen Geschäftsstille eröffnete die heutige Börse in l u st l o s e r Haltung. Die Spekulation verhielt sich stark reserviert. Da Anregungen fehlten, nahm die Kulisse im Zusammenhang mit der schwachen gestrigen Aeuyorker Börse Abgaben vor, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse m e i st Kursabschläge eintraten, die aber kein größeres Ausmaß annahmen. Etwas stärker gedrückt eröffneten Siemens mit minus 2,5 Prozent. Elektrische Lieferungen gaben 1,5 Proz. nach und AEG. 1 Proz. Am Chemiemarkt überschritten die Rückgänge kaum 1 Proz. Etwas Interesse bestand für Deutsche Erdöl, bei leicht erhöhtem Kurse. Auch an den übrigen Märkten war die ülmsahtätigkeit äußerst bescheiden. Montanwerte verloren bis zu 1 Proz. Buderus und Harpener eröffneten gut behauptet. Zellstoff Waldhof konnten sich geringfügig erholen. Banken lagen im allgemeinen gut behauptet. Rur Bayerische Hypothekenbank gaben leicht nach. Am Rentenmarkt war die Rachfrage nach deutschen Anleihen etwas lebhafter. Reubesih gewannen 0,14 Proz. Am Markte der Auslandanleihen erhielt sich für Mexikaner Interesse, doch war der Kurs nur geringfügig verändert. Im Verlaufe trafen einige kleine Kaufaufträge ein. Die Kulisse schritt, veranlaßt durch die eintreffenden Orders und die Aufwärtsbewegung in einigen Spitzenwerten, zu Deckungen, so daß bei freundlicherer Stimmung die Kurse bis zu 2 Prozent anziehen konnten. Im Vordergründe standen Zellstoff Waldhof. Eine Anregung dürfte hier die Aeuherung über die Unterbetoettung des Kurses, obwohl bei ausreichender Beschäftigung kein Grund für die letzttägige starke Abwärtsbewegung gegeben sei, gegeben haben. Auch für I.-G.-Farben, Siemens, AEG. und Schuckert bestand etwas mehr Rachfrage. Am Geldmarkt war Tagesgeld im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Medio mit 3 Proz. etwas angespannter. Am Devisenmarkt lag Spanien schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1866, gegen Pfund 20,3913, gegen Paris 123,81, London gegen Kabel 4,8709, gegen Mailand 93, gegen Madrid 44,60, gegen Schweiz 25,04, gegen Holland 12,0860. Berliner Börse. Berlin, 13. Aug. Die Börse eröffnete heute briruhigemGeschäftmitbehaupteten Kursen. Die etwas erhöhten gestrigen Frankfurter Abendkurse konnten sich allerdings nicht ganz halten, da das gegen Schluß der gestrigen Reuyorker Börse erfolgte starke Abbröckeln der Kurse auch auf die europäischen Auslandbörsen nicht ohne Einfluß geblieben war und der allgemein etwas schwächere Dörsenbeginn tn Amsterdam, London und in der Schwerz etwas auf die hiesige Börse einwirkte. Im großen und ganzen mußte jedoch ein beachtliches Rach - lassen des Abgabedruckes festgestellt werden, wenn auch die Rachfrage sich nach wie vor in engsten Grenzen hält. Momente, die einen nennenswerten Einfluß auf die Tendenz hätten nehmen können, lagen nicht vor. Beachtung fanden die Einführung täglicher Kündigungsfristen beim Stahlverein und die Verwaltungserklärung der Zellstoff Waldhof AG., in der. entsprechend der I.°G.-Farben-Erklärung Geheimrat Duis- bergs, der niedrige Kursstand als nur börsen- technisch zu begründende ünterbetoertung bezeichnet wurde. Die Ausführung Dr. Luthers, in der der heutige Reichsbankdiskont als untere Grenze bezeichnet wird, nahm man zur Kenntnis. Die Veränderungen zu den ersten Kursen betrugen nur vereinzelt mehr als 1,5 Proz. nach oben oder unten. Waldhof, Hotelbetrieb und Elektrische Licht & Kraft waren bis zu 2,25 Proz. gebessert, während Berger, Svenska, Deutsche Linoleum und Gessürel bis 2,75 Proz. niedriger lc^gen. Von deutschen Anleihen togren Reubesitz lebhafter, fester, und eröffneten mit 7,90 nach gestern 7,60, um im Verlaufe auf 8,10 anzuziehen. 2lm Markte der Auslandrsnten gaben Bosnier und Anatolier etwas nach, während Mexikaner ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen konnten. Im übrigen lag dieser Markt völlig geschästslos. Auch am Pfandbriefmarkt konnte sich noch kein Geschäft entwickeln. Am Geldmarkt war Tages- aeld vereinzelt noch billiger als 2 bis 4 Proz. zu haben. Im Verlaufe ergaben sich zumeist »eine Abbröckelungen, die auf die recht geringe Hmfatj» tätigfeit zurückzuführen waren. Größere Veränderungen waren nicht festzustellen. Reichsbank und Schultheis verloren je 1 Proz., Svenska gaben um weitere 2 Mark nach. Später wurde es wieder etwas freundlicher, da man annahm, zu den Kassakursen würden einige kleine Kaufaufträge f zur Ausführung gelangen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt o. M, 13. Aug. Am heutigen Prvduktenmarkt war die Haltung ruhig. Brotgetreide war ziemlich reichlich angeboten. Der ülmsatz bewegte sich in kleinstem Rahmen. Die Händler üblen, veranlaßt durch schwächere Meldungen aus Amerika, starke Zurückhaltung. Die Preise blieben im allgemeinen gut behauptet. Für Hafer bestand einige Rachfrage. Der Mehlmarkt hatte ebenfalls nur schwächeres Geschäst. Die Preise waren im Einklang mit der Ermäßigung der Mühlenkonvention um 25 Pfennig herunter- gesetzt. Futtermittel still. Roggenkleie lag etwas niedriger. Es wurden notiert: Weizen, Hekto- litergewicht von 76 Kilo 272,50; Roggen, Hektolitergewicht von 70 Kilo 170; Hafer, inländischer (alter) 192,50 bis 195; Hafer, ausländischer, (neuer) 172,50 bis 175; Weizenmehl, südd., Spez. 0 43,25 bis 44; Roggenmebl 26,50 bis 27,50; Weizenkleie 7,75 bis 7,90; Roggenkleie 7,75 bis 7,90 Mark. Tendenz: ruhig. Gewinnauszug 5. Rlaffr 35. Preußisch-Süddeutsche (LiU.Prruß.) Klassen-Lottette — Ohne Gewähr _____________Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer stad zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden _____________Abteilungen I und II 3. Liehungstag 12. August 1930 ön der heutigen Vormltlagsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 2 »etDtnnt ,u 26000 M. 387561 2 Gewinn« in 10000 M. 74749 2 Gewinne jn 6000 M. 69016 8 »tto'.nn« tu 3000 M. 40208 63666 112786 226206 18 Gewinn« im 2000 M. 13074 46667 69408 74482 128649 135616 141291 184469 356194 104476 136196 183267 266022 289239 361676 110488 143476 192316 267880 323621 362633 116308 172668 219107 281520 337747 378929 114898 164850 216268 280664 328364 366964 111665 146106 214617 269270 326504 364976 38064 100083 127432 178808 224405 283111 352597 380080 1000 M. 24227 46644 105393 138013 152595 166871 188600 309410 327647 364191 373472 392304 — 600 M. 6544 10983 16284 31617 41934 60347 88021 88690 90026 93452 36 ®etofnne tu 129365 133804 296126 306096 381847 383296 96 Gewinn« au 107782 119960 145971 167887 182768 192249 209643 231318 250330 259736 270051 292493 305751 348507 390853 397722 112656 126287 156412 174043 188530 204784 221273 240613 254013 267743 288630 297142 315852 368570 392411 111362 123055 146100 170290 183080 195786 214470 231934 253059 269794 278661 293630 312780 350699 391610 111542 124149 152607 172601 183844 202578 220885 237630 253870 261213 286843 293769 315505 360049 391669 115240 131565 161517 174328 191425 205885 222636 242253 254446 269065 289932 301153 336383 386140 394308 118857 140328 163655 180735 191838 208460 227781 248495 257793 269535 291727 304539 346012 390284 395219 234 Gewinn« 8u 300 M. 795 8242 7192 7490 23498 32825 43231 49912 52562 65129 65159 67901 68331 70311 70998 72678 75988 78817 79780 82483 85131 89392 90810 92860 100857 106569 ------ 9n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 Sewinn« |B 5000 M. 47879 328100 374796 6 Gewinne au 3000 M. 41736 121082 278010 20 Vewinn« an 2000 M. 1148 46047 72641 141844 158165 220102 228573 231637 280183 280432 142168 152806 178391 199608 213020 254178 290780 303939 326888 355987 368948 382819 397959 119413 177828 207259 267871 321785 358743 392568 144781 153704 186219 205979 217370 265042 292924 308917 327330 356391 371563 383013 398390 149659 164211 193430 212115 245302 287964 298249 320050 353728 360528 378805 387273 137358 152236 172693 198734 212270 252520 289877 303912 321378 355959 365118 379525 390111 43807 112346 156006 189816 252040 295491 355664 371257 112415 161518 194804 262706 318668 356904 388481 119805 183048 209164 271310 333039 361801 396085 144892 161345 187899 206802 219703 272790 293669 314857 334353 356947 373966 383843 399747 133300 186111 234638 279000 337804 366008 95783 152516 188187 242792 289926 362763 370747 130475 145740 162309 192396 208540 222342 286432 297416 315318 346482 358183 378211 386338 204 Gewinn« zu ZOO M. 3370 15706 18898 20377 22139 22680 31896 31898 35379 37823 60342 56946 67585 68183 69334 70813 76081 83690 93883 105180 110406 111298 115484 126085 133323 ------ ------ ------ ------ 34 Gewinn« zu 1000 M. 3803 10320 18804 55266 79146 206172 213685 226572 248933 253709 262592 301639 314575 337933 338717 345298 363483 102 Sewinn, zu 600 M. 1344 7148 29647 362 >6 50829 66072 69464 80303 80490 ----- Im Gewinnrade verbliebeni 2 Prämien zu t« 500000, 2 Gewinne zu je 600000, 2 zu je 800000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 2 Gewinne zu je 76000, 4 zu je 60000, 10 zu je 25000, 84 zu je 10000, 160 zu je 6000, 408 zu je 8000, 712 zu je 2000, 1020 zu je 1000, 4060 zu je 500, 10774 zu je 800 M. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Zronksurt c. 211. | Serlin Schluß-l Iur< | t-Uhr- Kurs Schluß-: Anfang- kurei Runt Datum 12. 8. 13. 8. 12. 8. 13. 8. b% Xeunaje uieiajsumeuje von 1927 ....... 7% Deutsche Reichsanleihe 87,75 — 88 — von 1929 .......... 101,5 102,1 Deutsche Anl.-AblSI^SchuId mit — Auelos.-Rechten....... 60,1 60,15 60,75 Tel-gl. ohne Illuslos.-Reckte . . 8% Helt. Bolksltaat von 1929 1 -65 8,05 7.6 7,9 lrückzahlb. 102%)...... Lberhesjen Provinz > Anleihe ml: 93 — 93,25 — Ausloi.-Rcchien..... Deuilche Komm. Sammelabt. 59,25 — — — Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse 58,75 — 58,5 — XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% fftanff. Hyp.-Bank Goldpse 101 — — — unkündbar bld 1932 ... ,13 5,13 4% beflgl. Serie II....... 5% Rumänische vereinh. Rente 5,2 — 5 5,1 von 1903 ......... 4y,% Rumänische vereinh. Rente 9,5 9,5 9,5 9,6 von 1918 .......... <% Rumänische vereinh. Rente . 16 — 16,2 16.7 7,4 — 7,45 7,45 Frankfurt a. M. Serlin Schluß« fure t-Uhr. Kurs Schluß-lÄnfaig- furd Kurs Datum 12. 8. 13 - 12. 8. 13 b. vomvurg.ÄinerUa Patei . . . , Hamburg-Südam. Dampfschiff. 8 Hansa Dompfschifl.....10 Norddeutscher Llovd.....R Allgemeine Deutsche Erediianst. 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner HandelSgeiellsckast . 12 Commerz- und Privat-Bank. 11 TarmsILdter und Nationalbank 12 Deutsche Bank und DiSconto-Gesellschast, ... 10 Dresdner Bank......10 RetchSbank..... 12 A.E.B............8 Bergmann.........9 Elektr. Lieserungsgesellschafk. 10 Licht und Kraft......10 Selten & Guilleaume . . . 7y, Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen .... io Hamburger SlektrizitätS-Werke 10 Nhetnische Elektrizität .... 9 Schlesische Elektrizität. ... io Lckuckeri & (io. ..... . 11 Siemens & Halske..... ie Tranoraoio ........ 8 Lahmeyer S Co.......10 Buderus..........d Deutsche Erdöl . ...... 6 Essener Steinkohle ...... f Gelsenkirchener ....... t Harpener..... 0 Hocsch Eisen. ....... 616 Ilse Bergbau ....... 10 Klöcknerwerke . ....... 1 85,65 85,25 105,75 114,25 139 128 178,5 122,75 123 239 134,75 120 129,5 92,5 131 185 148 55 102 93 76 82,5 '5,75 202 84 85,9 85,25 128 122,4 123 133,75 164 118,6 182,5 55 67,5 93 81,5 200,25 83 85,5 145 85,65 106 114 138,5 128 177,5 122,75 122,75 239,5 134 165 119 129,5 93,25 130,75 127,5 I24 144 183,5 105 147,5 54,5 67,4 102,5 93 80 76 77,5 82 53 46 «0,25 75,4 202 82,5 “86,75 145 86 106 114 139,25 128 177,5 122,75 123 239,5 134 165 119 128,75 92,5 128,75 124,6 144 183,5 105 148,5 54,5 67,6 102,4 93,25 79,75 76,13 77.75 82 47 80,4 75,25 201,13 83 Mannesmann-Röhre« .... 7 Mansfeld« Bergbau . .... 7 Oberschiei. Eiscnbedarf . . . . 6 Oberschles. Kokswerke..... 7 DbSnir Bergbau......6^ Rheinische Braunkohlen . . 10 Rheinstahl . ....... 6 Riebeck Montan ...... 7,2 Frankfurt a. M. Serlin Schluß- lurs 1-llhr- Äurd Schluß- fürs Anfang- kkurs Datum 12. « 13. 8. 12. 8. 13. 8. Bereinigte Swhlwerte 75,75 — 73,65 75,5 Otavi Minen .... .6’/, _ 38,5 38,6 Kaliwerke Aschersleben 10 179 _ 179 Kaliwerke Westeregeln t . • 10 186,5 — 185,75 186,75 Kaliwerke Salzdetfurth - • • 15 297 — 296 296 a. ®. Norben-Jndustrie - - 12 145,75 145 144,75 145 Dvnamit Nobel . . . ■ ■ - . 6 — 68 Sckeideanstalt.... . 9 133,4 133 _ Goldlckmtdt .... . 5 52,5 53.5 53,6 RütgerSwcrke .... . 6 46,5 — 46 46 Metallgelellschafk. . . . 8 102 — 100,75 101,75 Philipp Holzmann . . Zementwerk Heidelberg . 7 76 _ 75 75 e e 10 101 — Lementwerk Karlstadt. ■ - ■ 10 124 — _ Watch Lffrcytag . . • • • . 8 65 — 66 — EckuIthetS Patzenhoser - « 16 250 251 Oktwerke...... 12 — 200 200,5 Aku........ e e • 18 88,5 — 88,25 87,25 Bcmberg...... 14 90 — 88,75 Zellstoff Waldhof . . e e 19'/. 118 118,75 117,25 118,5 Zellstoss Aickassenburg . . e 12 «9,75 — 88,5 87,5 Charlottenburger Wasser . . 8 — — 91 Desjmtcr Gas .... . 8 — — 125,25 125,75 Daimler Motoren . . . 0 26 — 26 Deutsche Linoleum . 179 179 179,5 176,75 — 37,75 Rat. Automobll . . . . 0 — e— 9,65 _ Orenstein Ä koppel . e a e . 6 — — 55,75 55 Leonhard Tietz . . . 10 128 129 130 Svenska ... 298 298 298 firantmttet Malchtnen . 4 23,5 _ 22,5 _ Gritzner...... 31,5 — 33,25 Heyligenstaedk . • . Iunghan«...... Leckwerke...... • e • . 0 26 . - - . 8 94 93,5 _ Mainkrastwerke Höchst a. M . 8 /e,25 _ Miag ... e « 10 86 — 85 85,13 Gebr. Roeder .... ä * 10 93,5 _ Boigt S Hacfsner . . Ä — - . 0 152 152 154 _ Süddeutsche Zucker . • e e 10 145,5 145,25 — Banknoten. Serlin, 12 August Geld 25rle| Amenkanitche Noten...... Belgische Noten ...... Dänische Noten ........ Englische Noten . ....... slsranzösilcke Noten ....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutlck-Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten ....... Schwedische Noten ....... Schweizer Noten ........ Spanische Noten...... . Ticheckoilowakische Noten..... Ungarische Noten ....... DeoiKamarft Berlin 4,164 58,50 111,88 20,34 16,425 168,28 21,97 111,88 59,06 2,465 112,18 81,44 45,36 12,385 73,13 - Frankfurt 4,184 58,74 112,32 20,42 16,485 168,96 22,05 112,32 59,30 2,485 112,62 81,76 45,54 12,445 73,43 a. M 12 August 13. August Amtliche Geld llouerung ?rie> Amtliche Geld llonetung »riet Limit.. Rott. Buen.-AireS Brss-'Antw- Chrisiiania. .Kopenhagen Stockholm - HelsingtorS. Italien. . . London. . . Neunork . . Paris.... SLmct» . . Spanien. Japan . - . Wo de Ian Wien tn D-- Ctfi. abaei't Prag . . . Bel irad ■ • Budapest. . Bulgarien. Lissabon . Danzig. . Kon.t ntin. Athen. . . Canada . Uruouati. . Cairo . . . 168,58 1,541 58,485 112,09 112,16 112,43 10,523 21,90 20,369 1,1815 16,45 81,345 45,95 2,067 0.43' 59,105 12,404 7,428 73,315 3,032 18,81 81,42 1.784 5,432 4,187 3,437 20,87 168,92 1,545 58,605 112,31 112,38 112,65 10,543 21,95 20,409 4,1895 16,49 81,505 46,05 2,070 0,432 59,225 12,424 7,442 73,455 3,038 18,85 81,58 1.789 5,442 4,195 3,443 20,91 168,54 1,524 58,485 112,14 112,16 112,43 10,524 21,91 20,37 4,182 16,45 81,345 45,90 2,067 5,429 59,115 12,404 7,428 73,325 3,032 18,805 81,42 1,784 5,43 4,186 3,437 20,87 168,88 1,528 58,605 112,32 112,38 112,65 10,544 21,95 20,41 4,190 16,49 81,505 46,00 2,071 0,431 59,235 12,424 7,442 73,465 3,038 18,845 81,58 1,789 5,44 4,194 3,443 20,91 Kür den Bücheriisch. Von deutschem Schrifttum. — Ernst Penzoldl: 8 11 e n n e und Luise Novelle. Neue Fassung. Wit einem autobiographischen Nachwort. Reclam- UniDer- fal-Bibliothek Nr 7010. (Seh. 43 Ps. gebunden 80 Ts (215). - »tiennc und Luise da» ist bte denkwürdige und rührend« Liebesgeschichte von dem jungen französischen Kriegsgefangenen und dem törichten deutschen Mädchen. Luise, eines Kleinstadtbürger- siebzehnjährige Tochter, nimmt den entsprungenen Etienne In ihrem Zimmer auf und verbirgt ihn dort saft ein Jahr. Die au- reiner Barmherzigkeit begangene Unbesonnen- beit ist der Beginn eines beglückten Zusammenlebens und eines unaufhaltsamen Verhängnissc- zugleich. Keine Beseligung der Jugend, keine Erniedrigung in angstvoller Heimlichkeit, keine Unersättlichkeit und kein Ueoerdruß bleibt dieser Liebe erspart, bis sie endlich mit ganzem Einsatz bezahlt wird. Sine teil- traaikomische. teils unheimliche, teils sehr leben-frohe Komparserie umgibt da- unselige Spiel der Liebenden. — Die Erzählung hat, wie man sich erinnern wird, vor einiger Zeit höchst überflüssigerweise im Mittelpunkt einer unerquicklichen Prozeßverhand- lung gestanden. Die vorliegende neue Fassung bedeutet eine Rechtfertigung der guten Absichten des Autor-. Sie gibt Gelegenheit, daß jedermann sich überzeuge, wie serne es dem Verfasser gelegen Haden muh. mit seiner tragischen Fabel irgendwelche Mitmenschen zu verletzen. Die Sr- zählung konnte bi- aus künstlerisch ganz unwesentliches Ornament völlig intakt bleiben. — Nictor Auburtin- Kristalle und Kiesel. Aus Ncisen gesammelt. 155 Seiten 8°. Geheftet 3 Mk. Leinen 5 Mk. Verlag von Alb. Longen. München 1930. (229 ) — 3n der Geschichte de- deutschen Iournaii-muS. die heute noch nicht geschrieben ist. die aber einmal kommen muh, wird der Name de- nun verstorbenen Nictor Äuburtm einen hervorragenden Platz ein- nehmcn. In dem sicher umfänglichen Kapitel über das Feuilleton wird er als ein Meister und Dorbild genannt werden. Er blies die Hirtenflöte und ging dahin: er hatte da- Leben und gerade die kleinen und unscheinbaren Dinge des Lebens mit klaren, wachen, scharfen und gütigen Augen angesehen und sie vor unS hin- gestellt und aufgebaut mit zartem Federstrich und in Pastellfarben, al- Intermezzi, Grotesken. Satiren und Stimmungsbilder, aufgereiht und niederaelchrieben in bestem Deutsch, in blendendem Stil, elegant, witzig, kritisch und sehr ge- pslegt Sr war ein Spötter, ein Beobachter, ein leidenschaftlich Liebender. Don alledem gibt dieser schmale Band aus dem Nachlaß wiederum Zeugnis Ein Buch, das auf Neisen entstanden ist und in seinen knappen impressiven Deschrei- dungen, die nie langatmig, sondern stet- amüsant sind, alle liebenswerten Vorzüge der romanisch-romantischen Wesensart deS Verstorbenen noch einmal zusammenzufassen scheint, Unb eS ist einerlei, ob Auburtin über erste Eindrücke in Berlin schreibt oder über Tage in Oesterreich, ob er von Würzburg entzückt ifl oder sich über die Wiener Würste moquiert. ob er die ..schöne schwierige Stadt" Prag durchwandert oder eine Madrider Kunstausstellung oder die Kathedrale von BuraoS: allenthalben spürt man den seinen Schriftsteller und geistigen Menschen. Fast immer lächelt man bei der Lektüre, oft lacht man hellauf, und zuweilen wird man ganz ernst und nachdenklich und muh einen tiefen Seufzer tun: kann man sich einen besseren Neisesührer und Neisebegleitcr wünschen? -y- — Werner Bergcngruen Die Woche i m La bv rin th. Stuttgart 1930. EngelhornS Nomanbibliolbek Band 1036 37. Drosch. 2 Mk.. Leinen 3,50 Mk. (176) — Dieser farbige, von allerlei Humoren beflügelte Noman wird für viele Freunde deS Dichter- eine Uebcrraschung fein Er führt aus mittelamerikanischen Boden, der nicht nur im geologischen Sinne vulkanisch ist. Ltierkamps und Putsch, Filmruhm und LebenS- flicr, Trustpolitik und HcrzcnSgefühl. Erdbeben und Standgericht, da- alles fügt sich wirbelnd zu einem scharfkonturierten Panorama menschlicher Leidenschaften und Spannungen. In diese- Labyrinth gerät für eine Woche eine junge 2c- ben-anfängerin, durchkostet alle Schrecknisse und Beglückungen, die der lebenswilligen Kreatur verhängt sind, und findet endlich den AuSweg, her ihr statt des kindlich geliebten Abgottes die ganze Unendlichkeit der Welt in die Hände legt. Menschen und Zustände werden mit klarer Frische gezeichnet, seelische Entwicklungen mit unaufdringlicher psychologischer Feinheit zur Anschauung gebracht. Aus fremden Literaturen. — R. C S h e r i f f unb DernonBartlett: Die andere Seite. Noman. Deutsch von HanS Reisiger. 464 Seiten 8'. Brosch. 4LO, Ganzleinen 6 Mk. Drei Masken Verlag AG., München. (250 ) — Nachdem da- Drama .Die andere Seite" inzwischen eine Gesamtauflage von 90 000 erreicht hat und allein in Deutschland auf 293 Bühnen ausgesührt worden ist (in Dieben war cs weitaus der größ.e Erfolg der letzten Spielzeit) — erscheint nun unter dem gleichen Titel ein Roman. Sheriff hat sich hier mit Vernon Bartlett verbunden, der unsere- Wissen- literarisch in Deutschland genau so unbekannt ist. wie c8 Sheriff vor der Uebersetzung seines Drama- war. (Hier soll gleich bemerkt werden, das, der Roman ebenso einheitlich und in sich geschlossen wirkt wie das Stück: die Dvppelautor- schast hat also merkwürdigerweise nichts verdorben.) Der Roman bringt in der zweiten Hälfte an Handlung das, was die drei Akte des Dramas umschlichen: ein wenig ausführlicher, auf Entwicklung, Schilderung und vor allem auf psychologische Aufhellung der Vorgänge bedacht. — im übrigen aber mit meist wörtlicher Ueöernahrne des Diglogtertes int Drama, stellenwe.se auch der Regieanweisungen. GS würde hier zu weit führen, beide Werke als Grundlage und als Musterbeispiele für eine prinzipiell abgrenzende Dergleichung von epischer und dramatischer Technik zu nehmen: es gäbe aber ein interessantes und auch wohl lohnendes Thema für eine Dissertation. Der erste Teil bringt die Vorgeschichte: hier wird die glückliche Jugend der Hauptgestalten in der Kriegshandlung, insbesondere deS jungen Jimmy Thaleigh. erzählt. Gut erzählt: einfach, schlicht und allenthalben, wie man spüren wird, aus Erlebnis und Anschauung gespeist. Sehr fein und zart die Liebesgeschichte, die später — an der Front — eine so verhängnisvolle Rolle spielt. Der erste Teil schildert auch Kindheit«- tinbrücfe. frühe Erlebnisse von so allgemein gültiger und beglückender Natürlichkeit, dah man die englische Herkunft des Roman- fast vergiht. Später wird man wieder daran erinnert, wenn man miterlcbt. wie diese kräftige, gesunde, ritterlich unb kameradschaftlich erzogene Jugend sich doch von der Dorkriegsaeneration in Deutschland wesentlich abbebt, bei ihnen drüben war damals schon (wie heule vielfach auch bei unS) der Spork das eigentliche Zentrum ihres Dalein-. auf den sich alle Wertung bezog, zu dem sie immer wieder -urückkehrten. aus dem sie sich Kraft unb Leben-bereitschast holten Aber die englische 3u- fend erscheint doch, ih dieser Schilderung jeden- allS, an deren Echtheit kein Zweifel gestattet ist, ein wenig primitiv und ungeistig. dem Durchschnitt unserer NachkriegSjugend jedenfalls ähnlicher. als jener Generation, die bei uns jung in den Krieg ging und von der so viele nicht mehr zurücklehrlen. DaS Ganze wirkt, vor allem im letzten Teil, genau so erregend und erschütternd wie daS Drama. Durch alle Kapitel gehl, wie dort, der gleiche vornehme, ehrliche, ritterliche Ton, der da- Stück sympathisch und liebenswert macht. Hier haben wir, von allem Künstlerischen und Menschlichen einmal abgefebn, da- Werk eine- vollendeten Gentleman. (Allein in der furxen Episode, die im deutschen Graden spielt, ist vielleicht nicht ganz die gleiche, beherrschte und aus eigenstem Erlebnis stammende Sicherheit der Schilderung zu spüren wie in den übrigen Teilen.) Immer wieder drängt eS sich aber auf. wie wenig doch diese- Buch im literarischen. im ästhetisch-schulmäßigen Sinne .Roman" ist, wie sehr es allenthalben Berich!, Chronik. Tagebuch und menschltches Bekenntnis ist. DaS hebt ihn auS seiner angelsächsischen Begrenzung heraus, ohne ihm seinen starken und eigenen Eharakler zu nehmen. Es ist eine- der besten Krieg-bücher der modernen europäischen Literatur, die wir kennen. — Joseph Eonrad: Ein Lächeln be- Glücks. Eine Hafengeschichte. Einzig berechtigte Uebersetzung auS dem Englischen von S. Mc Salma n. Halb!. 2,53 Mk. Volks verband der Bücherfreund«, Wegweiser-Verlag G.mb.H., Berlin-Charlottenburg 2. (151) — Diele- Abenteuer in einem Südseehafen wird von einem Dichter erzählt, der 20 Jahre Seefahrer gewesen ist, bevor er sein erste- Derk gelchrieben hat. Ein übermächtiger Drang zur See hat Joseph Conrad au- seiner Heimat, dem Bauernland der Ukraine, in sremd« Meere vertrieben. Schwere Erlebnisse haben ihn xu einem der tief- ften Menschenkenner unserer Zeit gemacht. Die ruhige Sicherheit seiner Kunst steht in rätselvoller Spannung zu der Unruhe seines Geistes. Die angesehensten Dichter unserer Zeit haben dem Genie LonradS gehuldigt. In Deutschland haben Thoma- Mann, Jakov Wassermann, in Frankreich Andrö Gide und Edmond Ialou« ihre Liebe xu diesem modernen Weltfahrer, zu diesem grandiosen Darsteller des Elementaren in der Natur und der Menschenseele bewundernd bekannt. — Die Ausstattung des Bandes ist vorzüglich. — Romain Rollands Das Leben deS Divekananda. 208 Seiten 8'. Leinen 4,80 Mark. Rotapsel-Verlag Erlenbach, Zürich und Leipzig. (258.) — War den Lesern des „Leben deS Ramakrishna" diese- Buch a!S eben’o ab» geschlossene-, in sich ruhende- Ganze erschienen, wie Rolland- grobartige Lebensbilder eine- Tolstoi, Beethoven, Gandhi, durch welche der Dersasser so tiefe Wirkung au-geübt hat, so macht diese- neue Buch die philosophische Tragweite von Rolland- Beschäftigung mit Indien klar. Ramakrishna ist da- mystische Herz be- modernen Asien- gewesen: Vivekananda wurde zum PauluS deS neuen indischen Christus. Mit anderen Jüngern begründete er die Ramakrishna- Mission, einen religiösen Orden. Der Wert dieser zwei zu unseren Zeiten abgerollten Lebensbahnen liegt darin, dah sie in der fernen Wun- dcrwelt der Legende ihren Ursprung haben und doch völlig in die soziale und intellektuelle Wirklichkeit unserer Tage einmünben. Der Leser wird bi- an die jüngste Gegenwart an Gandhi- Wirken herangeführt, bi- an die Schwelle deS seine Unabhängigkeit erklärenden Indien. Schriften zur Kunst. — Da- Liebermann-Buch. Heraus« gegeben von HanS Ostwald. 500 Seiten 81. Mit 270 Bildern von Max Liebermann. Kart. 3.75. Ganzleinen 4.80 Mk. 1. bis 30. Tausend. Paul Franke, Verlag, Berlin SW 11. (208) — Liebermann, einst mißverstanden, belächelt und abgelehnt, ist heute, über alle Wandlungen de- Stil- und der Mode hinaus, der repräsentativste Maler, den Deutschland besitzt. Deshalb ist dieses Buch seines engeren Landmannes HanS Ostwald sehr zu begrüßen. Der besondere Wert der Publikation scheint uns einmal — woraus bei jedem künstlerischen Gegenstände der größte Nachdruck zu legen ist — in der erstaunlichen Fülle de- durchweg einwandfrei reproduzierten Bildmaterial- zu liegen, das in diesem Falle natürlich mehr bedeutet als nur Illustration oder Buchschmuck. — daS ein wesentliches Element des Werkes ist, die notwendige Ergänzung zum Text um so mehr, als eS nicht nur die weithin bekanntgewordenen Galeriestücke zusammenstellt. sondern auch mancherlei entlegenes, seltene-, z. T. überhaupt unveröffentlichtes Material auS dem ungemein reichen und vielgestaltigen Oeuvre deS greifen Meisters beibringt. Die- gibt dem Gesamtbilde eine außerordentliche Rundung und Geschlossenheit: und selbst wer mit Liebermann- Schassen einigermaßen vertraut zu sein glaubt, wird mehr als einmal überrascht sein, diesen unermüdlich Schaffenden von einer neuen oder doch bisher kaum beachteten Seite kennen zu lernen. (Wir denken hier etwa an die ganz frühen Skizzen oder an die Buchillustrationen zu Goethe. Keller, Kleist, Clara Viebig.) — Zum andern: daS Buch ist vom Herau-geber nicht nur klar und übersichtlich aufgebaut und gegliedert, es ist auch — worauf man bei einer kunstgeschichtlichen Arbeit vielleicht besonders aufmerksam machen darf — sehr lesbar und für jedermann verständlich geschrieben: da- ist wichtig und ausschlaggebend, wo es sich, wie hier, darum handelt, in die Breite zu wirken im Sinne des Mottos, das der Maler selbst dem Werk vorangestellt hat: .... Es ist die höchste Befriedigung de- Künstlers, wenn sein Schaffen in- Dolk bringt.“ Dazu hilft auch eine ganz persönliche Haltung diese- Künstlerbuches, in dem der Herausgeber immer wieder Liebermann selbst hat zu Worte kommen lassen in all seiner Urwüchsigkeit und Sachlichkeit, mit seinem trockenen Humor und seinem oft überwältigenden Urteil über die Welt, die Menschen und die Kunst. So überwiegt stets das Biographische. daS Anekdotische, daS Persönliche, der unmittelbare, au- dem Leben gespeiste Eindruck: und darauf kam es ja in diesem besonderen Falle mehr an al- auf das Aesthetische, das Gelehrte, die historisch-kritische Analyse. das Liebermannbuch will ein Volksbuch sein. Wir glauben, daß eS diesem Zweck vollkommen entspricht, und möchten eS hiermit nachdrücklich empfehlen, zumal eS, bei feiner Dilderfülle, sehr wohlfeil genannt werden muß. —y— — Musik und Tanz. Vom Kulttanz zum Iaxz. Don Rudolf Sonnet. 140 Seiten mit zahlreichen Rotenbeispielen. In Sammlung Wissen- fchast und Bildung. Geb. 1.80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (287) — Musik und Tanz dienten ursprünglich kultischen Zwecken, und noch im heutigen Gesellschaftstanz lassen sich Reste dieser Urelemente alles Tanzen- nachweisen. Die oft erörterte Frage nach dem Ursprung unseres Tanxes führt daher zurück zu den Kulthandlungen Der Primitiven, wo wir den Tanx in engstem Zusammenhang mit magischen Vorstellungen bet Jagden. Krieg-- und Siegesfeiern, bei Totenfesten und Hochxeiten, bei allen Ritualfeiern unb Fruchtbarkeit-festen begegnen. Durch bie Iahrhunberte steigert sich auS höfischer ober bürgerlicher Gemessenheit ber Tanz in immer beschleunigteres Tempo bis zum Einbruch beS ExotiSmuS, um auch im Jazz noch kultische Urelemente zum AuSbruck beS neuen Rhythmus umzu- gestalten. Diese Zusammenhänge werben hier auf» gezeigt unb burch interessante Rotenbeispiele Belegt. Sport und Gesundheitspflege. — Dr. med. Alfred Brauchte: Naturgemäß« Lebensweise. Reclams Universal- Bibliothek Nr. 7052. Geh 40 Pf , geb. 80 Ps. Auch zusammengebunden mit „Gekocht oder roh?" (Nr. 6994) und „Hypnose und Autosuggestion" (Nr. 7028) unter dem Gesamttitel „Neue Lebensformen" in Ganzleinen 2 Mark. (143.) — Nachdem Brauchte die Fragen ber Ernährung und der suggestiven Ner- txnpfkge in Sonderabhandlungen der Unioersal- Bibliothek dargestellt hat, bringt er nun in einem Drillen Bändchen die übrigen Bedingungen der Gesunderhaltung. Falsche Nahrung, mangelnde Bewegung, unvollkommene Atmung, fehlende Hautpflege sind bie hauptsächlichsten Verfehlungen, unter benen ber moderne Mensch ertranlt Hier wird ausführlich gezeigt, welche täglichen Dinge der Atmung, der allgemeinen Körperbewegung, der Rahrung. der Hautpflege durch Licht. Lust, Wasser. Massage. Oel erforderlich sind, um uns gesund und leistungsfähig zu erhalten. — Lehrouch deS Wasserballspiels. Von Dr. M. Nußbaum. 90 Veiten mit zahlreichen Abbildungen. Kart. 2.60 Wk. Sportbibliothek des Verlage- Quelle & Weyer in Leipzig. (205) — Das Wasserballspiel hat bei und in den letzten Jahren einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Die be ft gemeinten Bemühungen zur Einübung einer wirklich leistungsfähigen Mannschaft scheitern jedoch vielfach an dem Fehlen einer geeigneten Anweisung für Aufbau unb Training dieses Spiels. Um so freudiger muh da- vorliegende Buch begrüßt werden. Der Verfasser beschreibt all? Einzelheiten des Spiels unb Trainings unb hat bie einzelnen Hebungen durch photographische Ausnahmen fcstgehalten, bie genau bie richtige Ausführung zeigen, auf die gerade beim Wasserballspiel alles an kommt. — Turnerische Körperschulung. Von Polizeihauptmann. Kreisoberturnwart PH. Kuhle nb eck. 2. Auflage. 189 Seiten. Kartoniert 4 Mk.. Leinenband 5 Mk. Spvrtbibliothek de- Verlage- Quelle A Meyer in Leipzig. (116.) — Das Buch umfaßt da- Gesamtgebiet ber Freiübungen sowie ba- beutsche unb schwebische Geräteturnen. An Hanb von mehr al- 150 Zeichnungen unb Bilbern erläutert ber Verfasser alle Uebung-möglichkeiten, bie sich zur Erzielung einer anteiligen Durchbildung des Körpers al- zweckmäßig erwiesen haben. Desonberen Wert gewinnt das Buch dadurch. bah ber Verfasser bei ben Hebungen systematisch vom Leichteren zum Schwereren fortschreitet, so bah jeder mit Hilfe diese- Buche- selbst planmäßig Körperschulung treiben kann. In einem Anhang sind sodann bie Leitsätze für bie Dorturnerausbilbung unb Leitsätze für den Riegenbetrieb zusammengefaht, was besonder- von ben Mitgliedern der Turnvereine dankbar begrübt werden dürfte. — Mebizinball undKugelghmnastik. Hebungen im Spiele. Von Tum- unb Sportlehrerin Hübe Kaiser In Bücherei für Leibesübungen unb körperliche Erziehung. 60 Seiten. Kart. 2 Mk. in Leinenband 2,80 Mk. (286). — Mebizinball unb Sisenkugel, richtig angetoanbt, können weit besser als Hanteln. Keulen ober Stäbe zur Kräftigung ber GesamtmuSkulatur unb xur Vorbereitung von Wurf- und Stohübungen beitragen. Eine zweckentfprechenbe Anleitung gibt das neueste Bändchen ber Bücherei für Leibesübungen. in bem bie Verfasserin eine Fülle anregender UebungSformen in wachsenden Schwierigkeitsgraden zusammengestellt hat. — Rütze d i e ArbeitSpausei Atmung unb Gymnastik, eine tägliche Kraftquelle für Berufstätige. Ein Buch ber Gesundheitspflege und Leistungssteigerung, von Mar Bahrs unb Dr. med. H. Dalzli, mit 23 Bilbern auf Kunft- brudtafeln, Südbeutfches VerlagshauS G. m. b. H. Stuttgart, Birkenwaldstr. 44. Preis 1,25 Mark (283). Politik und Geschichte. — EgelhaafS H i st o r i s ch - p o l i t t s ch « Iahre-überficht für 1 9 2 9. Heraus- aegeben von Friedrich Reubauer Carl Krabbe Verlag Erich Guhmann in Stuttgart. Geheftet 8 Mk. (161) — Die Herausgabe der Iahresüber- ficht hat Geheimer Studienrat Dr. Fr. Neubauer übernommen. Das Bestreben de- Herausgebers ist auf eine sachliche Darstellung gerichtet. Di« Ereignisreihen sind möglichst übersichtlich geordnet und tn Kapiteln zufammengesaht worden. Etwa drei Fünftel deS Buche- nimmt bie beutfch« Außen- und Innenpolitik ein; etwa zwei Fünftel entfallen auf die auswärtigen Staaten. Der Lago des bedrängten Auslandsdeutfchtums wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Das Wirtschaftliche hat der Verfasser, soweit e- der Raum gestattete, herangezogen. Das Buch setzt sich zur Ausgabe, über daS unlängst Vergangene, das doch so schnell dem Gedächtnis entfliegt, knapp, aber klar zu unterrichten: e- möchte eine sachliche Beurteilung der politischen Dinge, der Erweiterung und Klärung politischer Kenntnisse und ber politischen Bildung dienen, die bei uns, wie man weiß, trotz aller Politisierung noch gering ist. — In ReclamS Universal-Blbllothek erschien: Der Voungplan. Inhalt und Wirkung gemeinverständlich dargestellt von Dr. Hans Gestrlch. Reclams Universal-Blbllothek Rr. 7061 62. Dehestet 80 Pf. gebunden 1.20 Mk. (145) — DaS wichtigste politische Dokument für Deutschland- Zukunst liegt hier in seinem wesentlichen Inhalt mit ollen grundlegenden Einzelheiten vor. Der ursprüngliche Pariser Voungplan wird ebenso systematisch und erschöpfend behandelt wie daS Haager Gesetzwerk und die damit verbundenen Abkommen. Eine ausführliche kritische und sachliche Würdigung behandelt eingehend die Grundlagen einer UrteilSbildung über das Funktionieren des Plane-, bte Revis ions- möglichkeiten, ben Vergleich mit ben Dawe-lasten an Hanb systematischer Tabellen. — Siegsrieb v. Kardorss, W. d. lR.: „Im Kampfe um Dl-mar ck". eine Au - - einanberfeöung mit Karl Rowak. Verlag Ernst Rowohlt. Berlin W 50. Prel- 1 Mk. (207). — Der bekannte voll-parteiliche Abgeordnete, ber kürzlich mit einem geistreichen Di-marck- buch an die Öffentlichkeit trat, hat in einem Zeitungsaufsatz „Geschichtsklitterung" ein neue« Werk historischer Belletristik Karl Friedrich Nowaks „Da- dritte deutsche Kaiserreich" kritisch unter die Lupe genommen und besonders die falsche Charakterzeichnung. die Nowak von dem Fürsten Bismarck entwirft, scharf verurteilt Daran hat sich eine ausgiebige Pressepolemik angeschlossen, die Kardorss jetzt, in einer Broschüre zusammengefaht, der Oefsentlichkeit vorlegt. Lauder und Völkerkunde. — Karl S i l c r : „John Bull - u Haus e." Der Engländer im täglichen Leben, Verlag G. A. Seemann in Leipzig mit 8 Bildtafeln, Preis in Leinen 7,00 Wk. (224). — Unterrichtende Bücher über England gibt eS viel«, wir nennen nur auS früheren Jahren da- bekannte Buch von Karl Peter-, bem berühmten Afrikaforscher. „Snglanb unb bie Engländer", und auS ber neuesten Zeit die verschiedenen Bücher von Rudolf Kircher. Karl Sile?, wie Kircher Korrespondent einer großen deutschen Zeitung in London, schildert sehr lebendig, sehr anregend, humorvoll unb witzig ben Alltag des Engländer», wie er wohnt, sich amüsiert, sich anzieht, aber auch tiefer in bie Seele de- Insulaners grelfcnb, wie er sich bilbet unb erzieht zu dem Träger einer großen politischen Tradition, die das britische Weltreich auch unter veränderten Umständen zusammenzuhalten sich müht. Sehr viele- von dem, waS wir unS gewöhnt haben, „typisch englisch" zu nennen, erweist sich, wenn wir Silex glauben dürfen, als direkt verkehrt. Richt verwöhnt und anmaßend, sondern innerlich bescheiden und anspruch-los toirb ber Englänber bingeflellt, rückständig in allem, waS uns Kontinentalen da- Leben angenehm und behaglich macht. Wir sehen Wohnverhältnisse. die keineswegs günstiger sind als bet unS zu Hause. Wir sehen Einkommen, die zwar nominell höher liegen mögen al« bei uns, aber durch hohe Steuern, einen sehr teuren Lebensstandard und namentlich exorbitante Aufwendungen über die Kindererziehung, durchaus auf da- kontinentale Niveau herabgedrückt werden. Sehr hübsch ist die Schilderung, die Silex von der „Season" und „Society“ entwirft. Das Buch hat auch seine ernsten Seiten, z. D. wenn es auf die große Wandlung hinweist, die England seit dem Kriege durchmacht. Der Abenteurer, ber in dem Werden deS britischen Weltreich- von der Elisabethanischen Aera bis xu Winston Churchill eine so hervorragende Rolle gespielt hat, scheint auf dem Au-sterbeetat zu stehen und dem Fachmann, dem Beamten. Platz zu machen. DaS Leben droht auch für den Engländer ernst zu werden. Dem Kampf ums Dasein muß ber Gedanke, daß da- Leben Sport ist, weichen, da- Spielfeld deS Gentleman wird zum Kampfplatz de« „Professional". — AnguS Buchanan: Sahara. Durch Wüstensand und Sonnenglut. Mit 24 Abbildungen auf Tafeln und einer Kartenskizze. Geh. 750, Leinen 10 Mark. Verlag von Strecker & Schröder in Stuttgart. — 246 — Der Verfasser hat diese Wüstenei auf elfmonatiger entbehrung-reicher Karawanenreife durchzogen unb gibt un- au- bem Schah feiner Erlebnisse ein anschauliche» Dilb von bem Land unb seinen wenig zahlreichen Bewohnern, den unzuverlässigen, Aimtückischen Tuarcgcingebovenen unb von deren Sitten und Gebräuchen. Wir begleiten ihn durch unabsehbare Länderstrecken, die oft vier Jahre lang regenlos bleiben. Wir erleben spannende Szenen bei der Jagd auf Gazellen und auf bie in den zerklüfteten, schwer zu erklimmenden Bergen fast unerreichbaren Wildschake. Besonder- reizvoll sind die Schilderungen vom Aufspüren der in ber unabsehbaren Weite stet- unruhevoll umherschwei- senden Strauße, bie. kaum gesehen, dem Auge schon wieder entschwunden sind, unb dem Jäger hundertfache Enttäuschung bereiten. Ein prächtiger Bilderschmuck nach Aufnahmen des Verfassers unterstützt das geschriebene Wort, und so ist ein wertvolles Dokument entstanden, daun» ein treue- Abbild von jener seltsamen Welt gibt Oberheffen. Großes Zischsterben in der Wetter. 0 G a m b ach, 11. Qlug. Ein großes Fischsterben konnte man in den letzten Tagen in der Wetter beobachten. Furchtbar war der Todeskampf der Tiere. Selbst Hechte von über einem halben Meter Länge und 10 bis 15 Pfd. schwer waren dem Tode verfallen. Wo ein kleines Bächlein oder ein Graben mit Hellem Wasser sich in die Wetter ergoß, sammelten sich die Fische zu Hunderten an, um vielleicht dort dem Tode zu entgehen. Haufenweise schwammen die verendeten Tiere auf der Oberfläche des Wassers. Wodurch das große Fischsterben hcrvorgerufen wurde, konnte noch nicht ermittelt werden: hoffentlich bringt eine genaue Untersuchung volle Klarheit. Der Schaden, den die Fischereipächter erleiden, ist sehr groß. ReichSjugendwettkämpfe. £ Wieseck, 12. Qlug. Mit der diesjährigen Berfassungsfeier war das Jugendfest der Schule verbunden. Olm Dormittag wurden die Reichsjugendwettkämpfe ausgetragen, an denen sich rund 150 Kinder beteiligten. Es wurden sehr schöne Resultate erzielt. 60 Kinder konnten die vorgeschriebenen zwei Drittel der Höch st Punktzahl erreichen. Damit entfallen auf die Wiesecker Schule sechs älrkundrn des Herrn Reichspräsidenten und 54 Urkunden des Herrn Staatspräsidenten. Der Nachmittag brachte den Festzug der mit Fähnchen und Blumen geschmückten Schulkinder und der Vereine nach dem schön gelegenen Sportplatz. Rach der Begrüßung durch Rektor Petri hielt Kreisschulrat Fischer (Gießen) die Festansprache, in der er besonders auf die Bedeutung der Verfassung einging. Dann wechselten Vorführungen der Kinder, sowie Gesangsvor.träge der einheimischen Vereine. Qllles in allem kann die Veranstaltung, an der fast die Gescunteinwohnerschaft teilnahm, als wohlgelungen bezeichnet werden. Die ersten Ergebnisse aus den Reichsjugend- Wettkämpfen sind folgende: Gruppei, Knaben 7. und 8: Schuljahr, (Fünfkampf): 1. Walter Kreiling, 108 Punkte: 2. Otto Erb, 96; 3. Walter Eisenhut 95; 4. Rudolf Lotz, 85; 5. Paul Haas, 85 Punkte. Gruppe!, Mädchen (Dreikampf): Ruth Wehling und Minna Loh, 64 Punkte; Johanna Koch und Frieda Schäfer!., 52 Punkte; Toni Kreiling, 50 Punkte. Knabe n - Vorstufe (Dreikampf): 1. Willi Eisenhut, 60 Punkte; 2. Wilh. Krieger, 59 P.; 3. Karl Scherer, 56; 4. Qllfred Göbel und Ewald Jmmel, 54 Punkte. Mädchen-Dor st ufe (Dreikampf): 1. Erna Kling, 54 Punkte; 2. telli Schmidt 52; 3. Hedwig Hofmann und Hilde Seibert, 51; 4. Else Pfeiff, 47 Punkte. Landkreis Gießen. )—( Bersrod, 12. Qlug. Dieser Tage vollendete unser Gemeindercchner Wilh. Grau- l i ch sein 7 0. Lebensjahr. Sein hohes Alter und seine dadurch stark geschwächte Gesundheit nötigen ihn dazu, in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Das Amt eines Gemeinderechners versah er seit dem Februar 1885, also mehr als 45 Jahre. Ebenso lange war er Krankenkassenrechner für Bersrod und Winnerod. Die staatliche Unter» erhebstelle verwaltete er seit dem Jahve 1900. Daneben war er Kirchenrechner für die genannten Gemeinden. Letztere Tätigkeit gedenkt er, solange sein Gesundheitszustand es irgendwie erlaubt, noch weiter auszuüben. Herr Graulich hat seine Aemter stets mit größter Gewissenhaftigkeit ausgeübt und sich auch in die vielen Reuerungen, die es in den Jahren nach dem Kriege in dem Rechnungswesen, besonders bei der Llntererhebstelle gab, trotz seines Alters gut eingearbeitet. Der Dorgänger unseres geschätzten Rechners in seinem Amte war sein Großvater Johannes Graulich, der im Alter von 77 Jahren starb, nachdem er 31 Jahre das Rechneramt versehen hatte. Mehr als 76 Jahre lang hat also die Familie Graulich die Finanzen der Gemeinde Bersrod treu verwaltet. H G e i l s h a u s e n, 13. 2Iug. Seit Montag voriger Woche ist der 17 Jahre alte Heinrich Grieb von hier, der in Treis a. d. Lda. das Bäckerhandwerk erlernt hatte, spurlos verschwunden. Der junge Mensch hielt sich zuletzt in Beuern auf, wo er mit einem älteren Manne, der Ende der vierziger Jahre stehen soll, näher bekannt wurde. Auch dieser Mann ist seit Montag voriger Woche verschwunden, ohne daß man bisher weiß, wohin. Von beiden fehlt bis heute noch jede Spur. Die Eltern des jungen Menschen leben hier als allgemein geachtete und angesehene Landwirtsleute. O Holzheim, 12. Qlug. Rachdem die schadhaften Stellen der Provinzial st raßeGrü» ningen —Holzheim und der Strecke von hier bis zur Gambacher Grenze mit Teer und Feinschlag ausgefüllt wurden, wird jetzt die ganze Straße geteert, auch die etwa 1200 Meter lange Ortsdurchfahrt, deren Zustand besonders schlecht war. Die Arbeiten, die ungefähr drei Wochen dauern, werden von der Firma Theodor O h l (Limburg) ausgeführt. Erfreulicherweise ist dabei eine große Anzahl Holzheimer und Grüninger Arbeitsloser beschäftigt. * Lich, 13. Aug. Zu unserem Bericht über die Storch cnparabe auf dem Dache der Marien- stiftskirche ist auf Wunsch noch mitzuteilen, daß die kleinere photographische Aufnahme von Lehrer Otto Volz am vorigen Mittwochabend, die größere Photographie von Ferdinand Zimmer am Samstagabend hergestellt wurde. # Hungen, 12. Qlug. Die Bronze-Medaille für 25jährige ununterbrochene Tätigkeit im Dienste des Landwirtschaftskammerausschusses für Ober Hessen wurde dem Weidewärter Emil Sonnenburg auf der Jungviehweide des benachbarten Tiergartens verliehen. Die Taglöhne- rin Katharine Weim, die 29 Jahre ununterbrochen bei dem hiesigen Gutspächter Ferdinand Kammer bedienstet ist, erhielt eine Bronze-Brosche für treue Dienste. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 12. Aug. Auf der Chaussee von Melbach nach Dorheim stürzte der 22jährige Sohn eines Bad-Nauheimer Polizeibeamten so unglücklich vom Motorrad, daß er einen doppelten Schädelbruch davontrug. Der Bedauernswerte ist im Städtischen Krankenhaus in Bad- Nauheim seinen schweren Verletzungen erlegen. Kreis Büdingen. xy. Ober-Widdersheim, 12. Qlug. In den Wäldern der östlichen Wettercru (Echzell, Geiß-Ridda, Ober-Widdersheim) wurden m den letzten Jahren wiederholt W i losch weine beobachtet. Sie verursachten nicht selten an Kartoffel- und anderen Feldern beträchtlichen Schaden. In der letzten Woche hatten die unbeliebten Borstentiere ihr Quartier im Echzeller Wald im Jagdgebiet von Karl Ricke! (Dasaltwerke Ober-Widdersheim). Jagdhüter Diehl hatte das Lager der Tiere festgestellt. Bei der Treibjagd wurden drei ältere Tiere und fünf Frischlinge gesichtet. Leider hatte nur Herr Schudt (Grund-Schwalheim) das Glück, einen Keiler von ungefähr 180 Pfund zur Strecke zu bringen. Ein vielversprechendes Früchtchen. WER. Frankfurt a. M., 12. Qlug. Dank der Aufmerksamkeit der Frankfurter Bahnpolizei ist es gelungen, Ende voriger Woche einem jungen Mann, der trotz seiner 20 Jahre schon recht geschickt seine lichtscheuen Talente in Hotels und auf der Eisenbahn versuchte, das Handwerk zu legen. Einem Bahnpolizisten war bei seiner Streife in den Bahnsteigen des Hauptbahnhofes aufgefallen, daß ein elegant gekleideter junger Mann sich in verdächtiger Weise in dem (Münchener und Baseler O - Z u g herumtrieb. Der Verdacht erwies sich als wohlbegründet. Im Besitz des Josef Heyer, der aus Krefeld stammt und die Handelshochschule in Düsseldorf besucht hat, sand sich zunächst die Monatskarte einer aus Ried am Main stammenden jungen Dame. Die Dame hatte, während sie am Pult des Bahnpostamts schrieb, ihren Koffer daruntergestellt. Dieser war ihr trotz ihrer Aufmerksamkeit dann samt der Monatskarte gestohlen worden. Bei seiner Festnahme hatte Heyer versucht, ein Rotizbüch- lein unbemerkt fallen zu lassen. Bei der Vernehmung durch die Bahnpolizei fand sich in seinen Kleidern eine ganze Sammlung von Hotelschlüsseln, darunter von „Exzelsior" in Köln und „Krefelder Hof" in Krefeld, insgesamt etwa 20 Stück, Feilen, Dietriche, Glasschneider u. a. m. H. hatte mit einer 25jährigen Dame aus Gindorf (Rheinland) in einem der besten Hotels am Frankfurter Hauptbahnhof gewohnt. Rach Frankfurt war das Paar gekommen, um angeblich einen Arzt aufzusuchen. H. trat so sicher in dem Hotel auf, daß sich die unbezahlte Hotelrechnung auf etwa 2 0 0 Mar k aufladfen konnte. Dann empfahl sich das Pärchen auf französisch, um ein kleineres Hotel hinter dem Hauptbahnhof zu beglücken. Ob Heyer nach seinem verdächtigen Verhalten noch Komplizen hat, wird die Untersuchung durch die Kriminalpolizei ergeben, ebenso auch, welche Ve-' wandtnis es mit den verschiedenen Hotel- und anderen Schlüsseln hat. Jedenfalls ist das Arsenal des aus guter Familie stammenden jungen Mannes für einen Anfänger recht reichhaltig. Seine ebenfalls aus guter Familie stammende Freundin, die von dem dunklen Treiben des Heyer nichts gewußt haben will, wird einstweilen von einem Heim betreut. Auf frischer Tat ertappt. WSR. Frankfurt a. M., 12. Qlug. Der seid langem von der Polizei gesuchte, bisher unbekannte Bestellungsbetrüger Hermann. Lewinsohn aus Wriezen an der Oder ist jetzt auf frischer Tat fest genommen worden, als ler sich von einem hiesigen Geschäft eins Wäscheauswahlsendung nach einem Hause im Kettenhofweg an eine fingierte Adresse durch (Boten zustellen lieh. Sein Trick ist ihm, wie er selbst zugibt, in fünf Fällen gelungen, während er beim letzten Falle unschädlich gemacht werden konnte. Die Durchsuchung seiner Wohnung förderte den größten Teil der erschwindelten Ware zutage, die den Geschädigten wieder zugestellt werden konnte. Daten für Donnerstag, 14 August. 1840: der Psychiater Richard Freiherr von Krafft- Ebing geboren; — 1841: der Philosoph Johann Friedrich Herbart gestorben; — 1873: der Dichter Johannes Trojan geboren. o Zwei Drittel aller Käufer von Autos „unter 3000Mark" wählen Opel! 4 PS Cabriolet RM 2500 5 fach bereift • weil die Leistung, die sie für jede Mark des Kaufpreises bekommen, bis zu 38% größer ist - weil sein 1,01 Liter 4 Zylinder 4 Takt-Motor bis zu 33%% stärker - weil seine Chassiskonstruktion bis zu 90% robuster - weil die amtlich zulässige Belastung des fahrfertigen Wagens bis zu 20% höher - und - weil der 1,01 Liter 4 PS Opel mit Das kann man zwar auch von anderen Wagen dieser Klasse behaupten, aber nicht mit den gleichen Tatsachen belegen! — Daraus erklärt sich: 1. die Überlegenheit - 2. die Verbreitung des Opel 4 PS. Besuchen Sie unseren nächsten Händler — er hält Vorführungswagen für Sie bereit. Automobil Ballon Reifen (nicht mit Motorrad Reifen 1) ausgerüstet ist. 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