Nr. 135 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 12. Zunl 1950 Eriche in« täglich, nutzer Sonntags und ftttertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Schalle Manat»'Be;»g«preir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Tröget» lohn, auch bei Nichter- Beinen einzelnerNummern folge höherer Gewalt. ZernfprechaUfchlüsfe anterSammeummmer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: Krankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick vnd Verlag: vrükjl'sche Univerfltät5-Vuch- und Stetnöniderci R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm HSHe für Anzeiqen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Playvorschrifl 20* # mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tkizriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Ma^ Filter, fömtlich in Bietzen. Die Ausgabebedingungen der ^eparaiionsanleihe. Deutsche Erläuterungen. — Auflegung der Anleihe am 12. und 13. Juni. Die wochenlangen Verhandlungen über die Ausgestaltung der Voung-Anleihe find nun endlich zum Abschluß gekommen. Ein Wort des Dankes bei dieser Gelegenheit an den Reichsbank- präsidenten Dr. Luther, dessen Zähigkeit und taktischem Verhandlungsgeschick es gelungen ist, die Ausgabebedingungen der Tributanleihe so. zu gestalten, daß sie finanziell erträglich sind und einen Wegweiser zu einer besseren Zukunft abgeben können. Dr. Luther hat im eigentlichen Sinne des Wortes die Verhandlungen zu seiner persönlichsten Angelegenheit gemacht: er war seit vielen Wochen unentwegt auf Reisen, er hat in Brüssel, in Paris und in London an Ort und Stelle mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Hochfinanz immer und immer wieder konferiert, und es ist ihm schließlich gelungen, nicht nur die Einheitlichkeit der Anleihe zu sichern, sondern auch alle Sonderbelastungen für Deutschland, die man uns wieder zugemutet hatte, zu vermeiden. Vamentlich die Franzosen strebten bekanntlich für das Drittel, das der Reichsbahn und der Reichspost aus der ersten Tranchp der Bounst- anleihe zuslicht, besondere Sicherheiten an: sie wollten entweder die Einnahmen der Reichsbahngesellschaft oder der Reichspost verpfändet wissen, oder sie wollten die hundert Millionen Dollar in Form einer hypothekarischen Garantie sichcrstellen. Praktisch aber wäre das darauf hinausgelaufen, daß die Reichsbahn in ihrer Bewegungsfreiheit genau so eingeengt geblieben wäre, wie unter dem Dawes- rcgime, ja, das System der Treuhänder hätte sogar noch eine Erweiterung erfahren, da ja auch die bisher davon unberührte Reichspost dann einbezogen worden wäre. Erfreulicherweise hat man, allerdings erst im letzten Augenblick, auch in Paris eingesehen, daß dieses Verfahren politisch ganz unmöglich ist, und man hat sich damit begnügt, dah die Zinsen und die Amor- tisationsbctrüge für diese hundert Millionen Dollars bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf ein Sonderkonto eingezahlt werden. Es find auch Garantien dafür getroffen worden, daß dem ungeschützten Teil der deutschen Annuitäten aus der eigentümlichen Zweiteilung der Anleihe — zwei Drittel für Reparationen, ein Drittel für Anlage in deutschen Vermögenswerten — keine Doppelbclastung erwächst. Die Einzelheiten dieser eigentümlichen Regelung sind natürlich ziemlich kompliziert. Es mag an dieser Stelle daher genügen, festzustellen, daß die Sicherungen für Deutschland juristisch absolut einwandfrei sind und daß irgendwelche Mehrlei st ungen über den Zahlungsplan des Voung-Abkommens hinaus nicht in Frage kommen, eine Befürchtung, die noch vor gar nicht langer Zeit keineswegs ohne weiteres von der Hand zu weisen war. Die Ausstattung des ersten Teils der Mobilisierungsanleihe entspricht, das sei ganz offen ausgesprochen, noch nicht in allen Einzelheiten den tatsächlichen Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft und der deutschen Finanzen. Wir sehen davon ab, noch einmal die politische Frage auszuwerfen, ob die Mobilisierung unserer Reparationszahlungen zweckmäßig und wünschenswert, ob sie nicht vermeidbar gewesen wäre. Hier stehen wir mit der Ratifizierung der Haager Abkommen durch olle beteiligten Rationen vor vollendeten Tatsachen. Man wird also heute das Problem nicht mehr politisch, sondern nur noch finanziell und wirtschaftlich ansehen können. Der Zinsfuß, mit dem die Boung-Anleihe in Höhe von 5,50 Prozent ausgestattct worden ist, scheint annehmbar zu sein. Er ist zwar gewiß noch nicht dos wünschenswerte Endziel, entspricht aber doch zunächst den wirtschaftllchcn Bedürfnissen Deutschlands und der Lage auf den internationalen Kapitalmärkten. Dagegen erscheint uns der Ausgabckurs nicht absolut befriedigend. Die Emissionsbanken zahlen nur 86 Prozent des Rominalbctrages aus und sie sind ihrerseits verpflichtet, die Stücke zu einem Kurse von 90 Prozent weiter zu begeben. Die Spanne von 4 Prozent zwischen Auszahlung und Rominalbetrag erscheint uns reichlich hoch^ Soweit der Reparationsteil der Anleihe in Frage kommt, kann uns dos zunächst verhältnismäßig gleichgültig sein, obwohl auch hierbei später im Falle einer Konvertierung die Spanne eine beträchtliche Rolle spielen kann. Soweit es sich aber um die hundert Millionen Dollars handelt, die der Reichsbahn und der Reichspost zu- fließen sollen, gewinnt die Differenz für uns sofort sehr große Bedeutung, do um sie natürlich der Effektivzins, mit dem Post und Eisenbahn belastet werden, wächst. Bei der Begebung künftiger Tranchen wird man daraus bedacht sein müssen, diese Span ne wesentlich zu vermindern, auch dann, wenn künftig etwa auf die Verkoppelung von Reparationszahlungen und deutschem Wiederaufbau, die zwar interessant. aber politisch in mancher Hinsicht nicht unbedenklich ist. verzichtet wird. Denn nur so, daß man den Effektivzins der Anleihe systematisch ermäßigt, wird man allmählich auch die allgemeinen Anleihebedin- gungcn. unter denen Deutschland auf den internationalen Plätzen langfristiges Geld erhalten kann, allmählich verbessern können. Als Aktivposten verbuchen wir die vorgesehenen Konvertierungsmöglichkeiten. mit denen diese Anleihe im Gegensatz zu der Dawes-Anleihe ausaestattet worden ist. Unb wir hoffen, daß das Reich hiervon sobald wie irgend möglich Gebrauch macht, schon um das Terrain für die notwendigen Anleihetransaktionen der Wirtschaft wieder freizumachen. Oie Modalitäten. Paris 11.Juni. (WTB.) lieber dos (Ergebnis der Verhandlungen, die heule nacht zu einer Einigung über die Emission der ersten Pounganleihe geführt hoben, ist einer von deutscher Seite gegebenen Darstellung noch zu entnehmen: -Die in Ausführung der Vereinbarungen der Haager Konferenz 1929.30, im besonderen der lieber- einkunst über die Mobilisierung eines Bruchteiles des nicht auffchiebbaren Teiles der Annuitäten des Neuen Planes ausgegebenen Anleihe trägt die Bezeichnung „Internationale ö^prozen- tige Anleihe des Deutschen Reiches 19 3 0". Die Anleihe ist innerhalb einer Frist von 35 Jahren durch einen kumulativen Tilgungsfonds zu tilgen, der für den Ankauf oder die Auslosung von Stücken zu verwenden ist. Falls Auslosung erforderlich wird, hat sie zu pari zu erfolgen. Die Verlosungen sollen im Mo- not April, erstmalig im April 1931 ftattfinben. Die ausgelosten Schuldverschreibungen find an dem auf die Ziehung folgenden 1. Juni rückzahlbar. Die deutsche Regierung behält sich das Recht vor, vom Jahre 1935 ab die noch nicht eingelösten Stücke der Anleihe ganz oder teilweise in Höhe des Gegenwertes von etwa 30 Millionen oder eines Vielfachen zu pari einzulösen. Der Zinsfuß beträgt 5% Prozt; die Zinsscheine sind am 1. 9uni und 1. Dezember fällig. Kapital und Zinsen der Anleihe werden ohne Abzug irgendwelcher gegenwärtiger oder zukünftiger deutscher Steuern ausgezahlt. Die vorstehend beschriebene Anleihe unterscheidet sich in ihren Bedingungen von der im Jahre Düsseldorf, 11.Juni. (TU.) Reichsarbeits- Minister Stegerwald machte auf einer Tagung des Großen Vorstandes des Gesamtvorstandes der Christlichen Gewerkschaften in Düsseldorf Ausführungen zu der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Gruppe Nordwest. Er führte u.a. aus: „Große Teile des deutschen Volkes sehen immer noch nicht, worum es gegenwärtig acht. Don der Markstabilisicrung bis Ende 1925 mußten zur Rettung und Festigung der neuen Währung drakonische Steuern erhoben werden, teilweise aus Kosten der Substanz. Im Hochsommer 1925 wurden das deutsche Steuerwesen und die Aufwertungsfrage neu geregelt und der Nachkriegszolltarif vom Reichstag gleichzeitig beschlossen. Die Steuern wurden um 2,5 Milliarden Reichsmark gesenkt. Damals gingen einige Freunde und ich zum damaligen Reichskanzler Luther und forderten, daß mit der Steuersenkung gleichzeitig ein Preisabbau erfolgen müsse, wenn wir nicht in eine völlig falsche Preisentwicklung hineingeraten wallten. Luther war zu entschlossenen Schritten selbst auf dem Wege der Gesetzgebung bereit. Er scheiterte, weil die Sozialdemokraten bei der Erledigung des Zolltarises im Reichstage Obstruktion machten und weil auf jedes kleine Inter- essengrüppchen Rücksicht genommen werden mußte, um ein beschlußfähiges Haus zu erhalten. In den Jahren 1925, 1926 und 1927 sind dann auch nicht die Löhne den Preisen oorausgefteUt, sondern sie find den Preisen nachgefolgt. Gegenwärtig befinden wir uns in einer rück- läufigen Weltpreisbewegung. Die dcutfche Wirtschaft zahlt in 1930 für die gleiche vom Ausland #eingefübrte Rohstoffmenge mehr als eine 2Hil- liarde Mark weniger, als in 1928. Und nun fragt es sich, ob mir durch eine falsche Wirtschafts, und Steuerpolitik uns selbst in eine Weltwirtschastssackgass« hineinmanövrieren wollen. Was die Reich.'regierung gegenwärtig vor- schlägt. ist kein endgültiges steuerliches und staatsorganisches Sanierungsprogramm- Dieses kommt erst im Herbst. Die gegenwärtige Aufgabe ist die unbedingte Sanierung des Reichshaushaltes und der Arbeitslosenversicherung ohne Steuern, die die Kapitalflucht begünstigen und die Produktion verteuere Den Schiedsspruch für Rordwest habe ich für verbindlich erklärt, weil der Manteltarif von einem Teil der Gewerkschaften unbegreiflicher Weise zu unrechten Zeiten gekündigt worden ist, weil der Schiedsspruch an den Tariflöhnen nicht rüttelt, 1924 herausgekommenen Dawes-Anleihe am augenfälligsten dadurch, dah anstelle des damaligen 7 pr ozcntigen Zinsfußes ein Zinsfuß von 51/2 Prozent getreten ist. Dabei ist zu beachten, daß die dem Deutschen Reich auf fein Drittel zutommende Auszahlung für die europäische Tranche nur um etwa */< Prozent hinter der zurückbleibt, die bei der Dawes-Anleihe erzielt wurde, obwohl der Emissionspreis um zwei Punkte niedriger bemessen wird. Die amerikanische Tranche der Dawes-Anleihe war mit 5 Prozent über pari rückzahlbar, sie ist daher mit oer neuen Anliehe nicht vergleichbar, die durchweg zum Nennwert zurückgezahlt wird. Ein weiterer bemerkenswerter Unterschied zwischen damals und heute ist die Möglichkeit, bereits nach fünf Jahren die neue Anleihe ganz oder teilweise zurückzuzahlen, weil bei der Dawes-Anleihe eine Konvertierbarkeit seinerzeit nicht zu erreichen war. 3m Kreise der Bankiers waren die Meinungen geteilt, ob für die neue Anleihe nicht ein höherer Emissionskurs angezeigt gewesen wäre: aber schließlich hat sich die Auffassung durchgeseht, dah man den ersten Zeichnern Aussicht auf einen merklichen Kursgewinn lassen mühte. Die vorbereitenden Arbeiten für die Anleihe, die trotz größter Arbeitsanspannung von allen Seiten und trotz starken Drängens namentlich auch der deutschen Vertreter einen so langen Zeitraum in Anspruch genommen haben, bezogen sich in der Hauptsache auf die Probleme der zwei A n l e i h e d r i t t e l, die zur Mobilisierung der Reparationsleistungen bestimmt sind. Es handelt sich um die sonstigen Anleiheverhandlungen völlig fremde Aufgabe, die im Reuen Plan und im Mobilifierungsabkommen vereinbarten Vorschriften mit ihren politischen und wirtschaftspolitischen Ausdrucksformen und Inhalten für eine gemeinschaftliche Anleihe nutzbar zu machen, die verkauft werden soll, 3m Anfangsstadium der Verhandlungen war freilich bei den emittierenden Bankiers der änderen Länder der Wunsch hcrvorgetreten, es mühten für das dem Deutschen Reich zur Verfügung gestellte Drittel durch die Reichsregierung be - weil in einer Zeit, in der wirtschaftliche Stabilität das Gebot der Stunde ist, in einer der wichtigsten Rohstoffindustrien cm tarisloser Zu st and und damit die Gefahr örtlicher und unübersehbarer Kämpfe im 3nteresse des Staatsganzen verhindert werden muhte: ferner, weil die iln- ternehmer sich verpflichteten, über die Kürzung der Akkordlohnsätze hinaus (die wesentlich höher als die Tariflöhne liegen) eine Senkung der Cisenpreise vorzunehmen und ich mir eigens die Kontrolle über das tatsächliche Ausmaß der Eisenpreisfenkung durch Wirtschaftssachverständige Vorbehalten habe. Die Kürzung der Spitzenakkordlöhne kommt nicht dem „Kapitalisten", sondern dem deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft zustatten. Für mich und auch für andere Mitglieder der Reichsregierung sind allerdings die Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung, deren Reform, die vorgeschlagenen' Steuern und die Verbindlichkeit ser- k l ä r u n g des Schiedsspruches von Rordwest als eine Einheit anzusehen. Wenn im An- schluh an die Erledigung des Boung-Planes Staat und Wirtschaft in Ordnung gebracht werden sollen, dann müssen alle Opfer bringen. Einer einseitigen Belastung der Arbeiter muß und werde ich mich auf das a Ilern ach- drücklichhe widersetzen. Oie Preis- und Lohnsenkung. Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz." Berlin, 12. 3uni. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, stehen die zwischen einzelnen Gewerkschaftsvertretern und führenden Persönlichkeiten aus dem Arbeitgeberlager eingeleiteten Verhandlungen über eine gemeinsame Aktion hinsichtlich Preis- und Lohnsenkung vor dem Abschluß. Eine von Herrn von Raumer ausgearbeitete Verlautbarung liegt vor, deren Tlnterzeich- nung noch im Laufe dieser Woche erfolgen soll. Trotzdem diese äußerlichen Erfolge vorliegen, ist man aber nicht nur in Gewerkschaftskreisen zur Zeit äußerst skeptisch. Die entworfene Vereinbarung wird als ungenügend hinsichtlich der Preisfrage von fast allen Ge- werkschaststreisen bezeichnet, da sie nur die Zu - sicherung einer Einwirkung für eine Preissenkung auf die allein entscheidenden betreffenden Kartelle und Syndikate enthält. Verhandlungen, die vom Reichswirtschaftsministerium mit den Kartellen unö Syndikaten eingeleitet wurden, scheinen nicht den erwünschten Erfolg gebracht zu haben. Die Verhandlungen über die Verbindlichkeit der gegenseitigen Zusagen werden weitergeführt. sondere Sicherungen geliefert werden. Dieser Gedanke wurde indessen im Lause der Verhandlungen aufgegeben, nachdem von dcutfchcr Seite daraus htngewiescn war, daß es eine höhere Sicherung als das unbedingte Zahlungsversprechen des Deutschen Reiches gar nicht geben könne. In Ausführung des Reuen planes und des Wobllisierungsabkommens sind Sonderabmachungen mit den Gläubigermächten getroffen worden, die den besonderen Verhältnissen dieser sowohl Reparafionszwecken, wie eigenen Zwecken des Deutschen Reiches dienenden Anleihe Rechnung tragen und die Tragung der Lasten aus der Anleihe, insbesondere ihre Verteilung, zwischen Deutschland und den Gläubigermächlen regeln. Durch eine Abmachung solcher Art ist auch die Währungsfrage hinsichtlich der neuen Anleihe geregelt worden, und zwar so, daß den Erwerbern und Inhabern der Anleihestücke der Goldwert derjenigen Währung, in der die Stücke a u 5 g e ft e 111 sind, sowohl für das Kapital wie für den Fälligkeitstag der Zinsen zugesichert sind. Die Schuldverschreibungen der neuen Anleihe ersetzen zu einem entsprechenden Teil die Annuitätenschuld des Deutschen Reiches. Daraus sind in einem besonderen Abkommen die not- wendigen Folgerungen zum Besten Deutschlands gezogen. Insbesondere kommen Tilgungsgewinne, die etwa durch Rückkauf der Anleihe unter pari entstehen, ebenso die Zinsgewinne der dem Tilgungsfonds zuzuführenden, oder sonst für den Anleihedienff zu verwendenden Gelder dem Tilgungsfonds zugute. Wird dadurch die Anleihe vor Ablauf der 35 Jahre getilgt, fo kommt mit dem Anleihedienst auch die ihm entsprechende Zahlung auf die Annuitäten in Fortfall. Deutschland ist außerdem das Recht eilige- räumt, auch seinerseits im Rahmen der 'normalen Tilgung die Anleihe auf dem Markt zurückzukaufen und durch Abgabe der zurückgekauften Stücke an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den Betrag der Rückkaufsgewinne zu erhöhen. Oie Auflegung des deutschen Anteils. Berlin, 11. 3uni. (WTB.) Ein Konsortium unter der Leitung der R e i ch s b a n t hat am 11. dieses Monats die deutscheAusgabe der internationalen 5Prozentigen Anleihe des Deutschen Reiches 1930 in Höhe von 36 Millionen Reichsmark übernommen Kapital und Zinsen dieser Schuldverschreibungen sind in Deutschland bei der Reichsbank in Reichsmark zahlbar, doch können Zinsscheine und rückzahlbare Stücke auch bei den außerhalb Deutschlands für andere Abschnitte der internationalen 5* _• prozentigen 2lnle h? des Deutschen Reiches rorgesehenen Zahlstellen zur Zahlung vorgelegt werden. Sie wird dann zum jeweiligen Kurse der Reichsmark in der Währung jedes Landes bezahlt. Das deutsche Konsortium wird die Anleihe am 12. und 13. d. M. zur öffentlichen Zeichnung zu einem Kurse von 93 Prozent zuzüglich Stückzinsen ab 1. 3uni dieses Jahres auflegen. Zeichnungsstellen sind die Mitglieder und Enterbe* tciligten des Reichsanleihckonsortiums. Tie Bezahlung der zugeteilten Stücke hat in der Zeit vom 16. bis 25. 3uni zu erfolgen. Die Anleihe ist mit halbjährigen ZinSscheinen, fällig am 1. 3uni und 1. Dezember jedes Jahres ausgestattet. 3hre Laufzeit beträgt 35 3ahre, jedoch kann das Reich sie ganz oder teilweise vom 1. 3uni 1935 ab mit sechsmonatiger Ankündigung zurückzahlen. Kapital und Zinsen werden ohne Abzug irgendwelcher gegenwärtiger oder zukünftiger deutschen Steuern ausgezaylt. Oie Emission in England und Amerika. London, 11.3uni. (WTB.) Die Zeichnungsliste für den englischen Anteil an der Voung-Anleihe wird am 13. d. M. aufgelegt werden. Reuyork, 11. 3uni. (WTB.) Der amerikanische Anteil an der ersten Boung- Anleihe in Höhe von 98 250 000 Dollar wird morgen durch ein Bankensyndikat unter der Führung des Bankhauses Morgan zu einem Emis» sionskurs von 90 Prozent aufgelegt. Schwieriger Reichstagsstart. Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz." Berlin, 12. 3uni. Die Wiederausnahme der Reichstagsarbeit steht im Zeichen ernster Komplikationen. Es zeigt sich bereits letzt, daß die Mehrzahl der Regierungsparteien dem Regierungsprogramm ablehnend gegenüb ersteht. Aus diesem Grunde erwartet man in den hiesigen politischen Kreisen, daß es bereits in der kommenden Woche zu recht lebhaften Auseinandersetzungen mit den Parteiführern komrnen wird, und es läßt sich noch nach keiner Richtung hin überblicken, in welcher Form das Regierungsprogramm schließlich den Reichs- Stegerwald über den Schiedsspruch Mdwest. Oer Arbeitsminister egt seine Gründe für die Verbindlichkeitserklärung dar. tag passieren Tann. Sn erster Linie erwartet man eine vollkommene Umänderung des geplanten Rotopfers, das in der gegenwärtigen Form niemals eine Mehrheit im Reichstage finden wurde. Darüber hinaus wird aber von volksparteilicher Seite erneut die Forderung erhoben, die Deckungsfragen zunächst bis zum Herbst zu vers chie - 6en. Dadurch könnte sich allerdings für den Rcichsfinanzminifter eine gewisse Schwierigkeit ergeben, da er sich mit der sofortigen Deckung identifiziert hat. Aus diesem Grunde sind in diesem Zusammenhänge schon für die nächsten Tage recht ernste innerpolitische Kämpfe zu erwarten, und es hängt alles von der Taktik des Reichskanzlers ab, inwieweit eine Bereinigung der akuten Fragen vor der Sommerpause herbeigesührt werden kann. Auf jeden Fall verhält man sich zur Zeit in Regierungskreisen durchaus abwartend, und es hat den Anschein, als wäre die Regierung schon nicht mehr ihrer Sache so sicher, wie in der vergangenen Woche. Es heißt, das Regierungsprogramm stelle eine Verhandlungsgrundlage dar: die Regierung wäre jedoch bereit, bessere Vorschläge jederzeit zu akzeptieren. Vor Mitte der nächsten Woche wird es jedoch nicht möglich sein, einen klaren Lieberblick über die kommende Taktik der Parteien zu erhalten. Schwedens erster weiblicher Minister. Fraulein K. Hesselgreen wurde als erste schwedische Ministerin in das neue liberale Kabinett Ekman berufen. Oer innerstaatliche Finanzausgleich Hessens. Aus dem Finanzausschuß des Landtags. Darmstadt, 11.Sunt (WHB.) Der Fi- nanzausschuß des Hessischen Landtages genehmigte heute einsttmmig verschiedene Abänderungen des hessischen Finanzausgleichsgesetzes, in denen die hessischen Vorschriften den reichsgesetzlichen Desttrn- mungen und den Vorschriften der hessischen Haushaltsordnung angepaßt werden. Artikel 5, der die Aeberweisung der Mine- ralwalsersteuer an einen Ausgleichs- stock zur ünterftütsung notleidender Gemeinden vorsieht, konnte noch nicht verabschiedet werden. Don sozialdemokratischer und Zentrumsseite waren dazu zahlreiche Anträge eingegangen, in denen Maßnahmen zur Hebung des Wirtschaftslebens und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gefordert werden. So verlangten die Sozialdemokraten u. a. einen Drei- jahresplan mit jährlichen Krediten bis zu 15 Millionen Mark. Die Regierung erhob gegen diese Anträge Bedenken. Außerdem soll abgewartet werden, wie die in der gleichen Richtung laufenden Pläne der Reichsregierung aussehen. Die Fraktionen wollen zu der Frage noch einmal Stellung nehmen, so daß in etwa zwei Wochen ein endgültiger Beschluß gefaßt werden kann. Dor der Sommerpause des Plenums soll aber in dieser Frage die Entscheidung fallen. Einstimmig angenommen wurden ein Zentrumsantrag und ein sozialdemokratischer Antrag, in denen umfangreiche Maßnahmen der Reichs- regterung zuin Schutze der Gemeinden vor drohendem Zusammenbruch durch die gestiegenen Wohlfahrtslasten und Belebung des Wirtschaftslebens gefordert werden. Ein Landbundantrag, der die Anrechnung des Arbeitsverdienstes der Psleglinge in den Heil- und Pflegeanftalten auf die Pflegebeiträge der Gemeinden wünscht, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Hugenberg über feine politischen Ziele. Frankfurt a. M., 11. Juni. (WSN.) In einer deutschnationalen Kundgebung sprach am Mittwochabend im Zoologischen Garten der Parteivorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei Geheimrat Dr. Hugenberg. Nach einer einleitenden Begrüßung des Kreisvereinsvorsitzenden, Rektor Jaspert, sprach sich Hugenberg zunächst gegen das Kabinett Brüning aus, das er wegen seiner Finanzpolitik und seiner von ihm betriebenen „wirtschaftlichen und politischen Vernichtung Deutschlands" bekämpft. Das Zentrum wisse, so sagte der Redner u. a., daß es heute keine Hintertür mehr gebe. Es könne entweder nur gemeinschaftlich mit der Sozialdemokratie Deutschland vernichten, oder es zusammen mit den Deutschnationalen retten. Einen dritten Weg gebe es nicht mehr. Er könne nicht glauben, daß das Zentrum den ersteren^Weg gehen wolle. Es sei erstaunlich zu hören, daß das neue Kabinett innerhalb von 14 Tagen die deutschen Finanzen saniert habe und heute, wenige Wochen spater, wieder ein Fehlbetrag von 800 Millionen vorhanden sei. Heute verlange man von den Beamten ein youngopfer, mit den G e - w e r k s ch a s t e n werde über eine Lohnherabsetzung verhandelt, während gleichzeitig die Tarife für Reichsbahn und andere Verkehrsmittel, die Mieten, der Bierpreis usw. erhöht würden und auf dem Weltmarkt die Preise fielen. Sein Plan, einen Poungzoll einzuführen, sei abgelehnt worden, und man habe ihn als Volksfeind bezeichnet; er werde aber bald zeigen, wo im Vaterland der Volksfeind sitze. Die christlich-deutsche Kultur sei heute in ernster Gefahr. Das Zentrum lasse zu, daß das preußische Kultusministerium den Sozialdemokraten ausgeliefert werde und billige die Zersetzung deutscher Kultur und deutscher Schulen, sowie die öffentliche Verhöhnung der christlichen Konfession. Das Reichsschulgesetz sei durch die Haltung der Volkspartei gefallen. Die Folge davon sei heute, daß sich die Antichristen in den Schulen immer breiter machten. Die evangelische Kirche sei noch immer ohne Konkordat, d. h. ohne Freiheit und Rechte, weil das Zentrum für sich mit der Sozialdemokratie ein Konkordat abgeschlossen habe. Das Zentrum stehe heute nicht mehr als Schutzwall vor der deutschen Christenheit; diese Aufgabe liege auf den Schultern der Deutschnationalen; das werde auch so lange der Fall sein, bis sich das Zentrum ehrlich von der Sozialdemokratie in Reich und Preußen befreie. Was die Deutschnationalen so grundsätzlich vom Zentrum trenne, sei die Tatsache, daß sie das Werkzeug der Sozialdemokratie seien; das beweise deutlich das Notopfer und die Haltung Moldenhauers. Ls sei für Deutschland ein Verhängnis, daß das Bürgertum heute dem politischen Geschehen tatenlos gegenüberstehe. Die Deutsche Volkspartei sei heute von ihrer früheren Linie unter Stresemann völlig abgekommen. Scholz habe kürzlich gesagt, daß man auf die Dauer ohne oder gegen bre Sozialdemokratie nicht regieren könne. Damit habe er das Todesurteil über das Bürgertum ausgesprochen. Aufgabe der Deutschnationalen müsse es darum sein, in Deutschland dafür zu formen, daß man wieder ohne und gegen d i e Sozialdemokratie regieren könne. Wer den Niedergang Deutschlands miterlebt habe, der werde wahrhaftig nicht der Meinung fein können, daß es nicht genug des Elends fei; wenn das deutsche Bürgertum in seiner Gesamtheit aber fortfahre, auf der Seite zu stehen, dann werde wohl das deutsche Volk noch viel tiefer sinken müssen, ehe es wieder einmal aufsteigen kann. Hugenberg schloß, die Deutschnationale Volkspartei werde am Alten, am Kaisertum fest halten, dennoch aber bereit seien, aus dem Gegebenen ein neues drittes Reich und ein glücklicheres Deutschland zu schaffen. preußisches Lluiformverbot für die Nationalsozialisten. Berlin, 11. Juni. (121.) Der Amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Der preußische Minister des Innern hat am 11. Juni folgenden Erlaß an sämtliche preußischen Polizeiverwaltungen gerichtet: „Auf Grund des § 10, II17 des Allgemeinen Landrechts wird zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung das öffentliche Tragen der sog. Parteiuniformen der Rationalsozialistischen Arbeiterpartei einschließlich ihrer Unter-, Hilfs- und Rebenorganisationen für den Bereich des Freistaates Preußen verboten. Zur Uniform gehören alle Gegenstände, die dazu bestimmt ober geeignet sind, abweichend von der übrigen bürgerlichen Kleidung die Zugehörigkeit zu den genannten Organisationen, insbesondere den sog. Sturmabteilungen, Schutzstaffeln und der Hitlerjugend äußerlich zu bezeichnen, also auch Kleidung und Ausrüstungsstücke (z. B. Armbinden), die durch bestimmte Form, Farbe, Schnitt usw. ein Merkmal der genannten Organisationen darsiellen. Ich ersuche alle Polizeibehörden, das verbot mit allen polizeilichen Mitteln, gegebenenfalls auch durch Androhung und Festsetzung von Zwangsmaßnahmen nachdrücklich durchzuführen. Dr. w a e n t i g.“ Das Echo in Der der hier presse Berlin, 12.Juni. (TU. Funkspruch.) Der Erlaß des preußischen Innenministers, durch den die Parteiuniform der Nationalsozialisten für ganz Preußen verboten wirb, wirb von den Berliner Blättern, soweit sie bazu Stellung nehmen, nicht einheitlich beurteilt. Die „Germania" schreibt, sie hätte das b a y e- rischeVerfahrenfürunbebenklicher und empfehlenswerter gehalten, weil es ben Betroffenen auch nicht bie geringste Hanbhabe lasse, sich über ein einseitiges Vorgehen gegen eine bestimmte Partei ober Organisation zu beklagen, obwohl es auch in Bayern offensichtlich gewesen sei, baß sich bas Verbot in erster Linie gegen bie Demonstrationen ber Nationalsozialisten richtete. Sachlich bagegen, so meint bas Blatt, sei bas Vorgehen gegen bie nationalsozialistische Uniformpsychose auf jeben Fall zu rechtfertigen. Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt, baß berartige Polizeiknüppelmethoben nicht geeignet erschienen, eine Entradikalisierung bes beutschen Parteiwesens zu erfüllen. Die „B ö r s e n z e i t u n g" schreibt, bei oberflächlicher Betrachtung müßte man dem Erlaß bie Berechtigung nicht absprechen. Es sei aber zu verwun- bern, daß in biesem Falle ben Polizeibehörben ein scharfes Durchgreifen zur Pflicht gemacht werbe, währenb es eine erwiesene Tatsache sei, bah bas Uniformoerdot gegen R o t f r o n t mit ber benkbar größten Nachsicht gehanbhabt werbe. Außerdem, fragt das Blatt, weshalb nur ben Nationalsozialisten bas Uniformtragen verboten werbe und nicht auch dem Reichsbanner, baß in mindestens dem gleichen Maße bie öffentliche Sicherheit ge= fährbe. Die „V o s f i s ch e Ze i t u n g" begrüßt ben Erlaß und hebt besonbers anerkennend hervor, baß die preußische Regierung, im Gegensatz zu Bayern, es vermieden habe, bas Reichsbanner mit ben Gegnern der Republik auf eine Stufe zu stellen. Die „Deutsche Zeitung" sagt, bas bayerische Vorbild habe dem preußischen Innenminister nicht ruhen lassen, obwohl berartige Mußregeln meist bas Gegenteil von dem erreichten, was sie bezweckten. Der „T a g" kommt bei seinen Betrachtungen zu ber Auffassung, baß das Uniformverbot lebiglich ben unangenehmen Beigeschmack eines Ausnahmegesetzes gegen die Opposition behalte. Versammlungsverbot in München. München, ll.Suni. (WTB.) Die Polizeidirektion München hat die vom Gau Groh-München der R a t i o n a l s o z i a l i st i - schen Deutschen Arbeiterpartei für Samstag, 14. Juni, in das Zirkusgebäude am Marsfeld in München einberufene öffentliche Protest Versammlung gegen das Uni«* formverbot in Bayern, in der Hitler und Frick sprechen sollten, verboten. Auch der Anschlag des diese Versammlung ankündigenden Plakates wurde untersagt. Sn der Begründung des Verbots heißt es u. a.: „Die maßlose und beleidigende, jeden anständigen Menschen an- widernde Sprache des Plakats im Zusammenhang mit den hetzerischen Ergüssen der nationalsozialistischen Presse in den letzten Tagen läßt erkennen, daß die Versammlung nur darauf abzielt, die Staatsregierung verächtlich zu machen und zum Ungehorsam gegen die von ihr getroffenen Anordnungen aufzuwiegeln." Oas „arme" Frankreich. Milliardenüber chutz des französischen Schatzamtes. Paris, 11. Suni. (WTB.) Vor dem Finanzausschuß der Kammer äußerte sich heute Finanzminister R e y n a u d über die La g e des französischen Schatzamtes: Das gegenwärtige Aktivum beläuft sich auf 12 948 Millionen Franken, das Passivum auf 7075 Millionen, so daß ein Ueberschuß von 5873 Millionen verbleibt, der sich jedoch um die ständige Einlage Frankreichs bei der Bank für Sn» temotionalen Zahlungsausgleich, die 408 Millionen beträgt, vermindern wird, so daß ein tatsächlicher Ueberschuß von 5465 Millionen verbleibt. Der Finanzminister teilte mit, daß auf Grund dieser Geschäftslage die Regierung für die f ü n f Mi lli ar d e n Franken, die sie zunächst für den Aus- und Aufbau der nationalen Wirtschaft auswerfen will, keine Anleihe benötige, sondern die benötigten Mittel den vorhandenen Guthaben entnehmen könne. Oer Lissaboner Attentäter irrsinnig. Lissabon. ll.Suni. (WTB. Funkspruch.) Die mit der Untersuchung Piechowskis betrauten Aerzte sind zu dem Ergebnis gekommen, daß es sich bei Piechowski um einen Irrsinnigen handelt, der alle Merkmale von Verfolgungswahnsinn aufweist. Die Untersuchung soll am Donnerstag abgeschlossen werden. Piechowski wird dann sofort dem Militärgericht zur Aburteilung vorgeführt. Roch kein neues rumänisches Kabinett Bukarest, 11. Juni. (WTB.) König Carol hat heute nachmittag Maniu mit ber Bildung bes Kabinetts betrauen wollen. Maniu lehnte das Mandat sofort ab und empfahl die Beauftragung des Generals Presan, oder eines der vier Vizepräsidenten der national-zaranistischen Partei. Er sicherte gleichzeitig deren Unterstützung im Parlament zu. Maniu erklärte Pressevertretern, daß sein Verhalten den Zweck habe, dem König bei ber Lösung ber Krise freie Hand zu lassen. Wie verlautet, werden die Vizepräsidenten jedenfalls das Mandat ablehnen. Diese Wendung soll darauf zurückzuführen sein, daß zwischen dem König und Maniu keine Einigung über die Zusammensetzung des Kabinetts erzielt werden konnte. General A v e r e f c u erklärte Pressevertretern, daß er dem König in seiner gestrigen Audienz empfohlen habe, wiederum ein R e g i m e d e r N a - tionalen Bauernpartei einzusetzen. Er habe fein Konzentrationskabinett befürwortet. Prinz Nikolaus ist heute zum Generalinspekteur der ganzen rumänischen Armee ernannt worden. Die Sensation des heutigen Tages ist die Rückkehr aller der Politiker, die eine neue liberale Partei gründen wollten, in die alte Partei. Dieser Umschwung ist dadurch hervorgerufen worden, daß sich die gegenwärtigen Parteiführer verpflichtet haben, eine freundlichere Haltung dem König Carol gegenüber einzunehmen. Aus aller Welt. Einweihung der Rebelhornbahn. Oberstdorf, 11.Juni. Hier fand gestern bie feierliche Einweihung ber vierten und vorläufig letzten ber bayerischen Seilschwebebahnen statt, bie von Oberstdorf aus als eine ber längsten unb modernsten Bahnen über fast 5000 Meter auf bas Nebelhorn führt und dem Besucher im Sommer einen ber schönsten Aussichtsberge, im Winter ein ideales Skigelcinde erschließt. Die kirchliche Weihe ber Bahn nahm ber päpstliche Nuntius in München Msgr. Vasallo di Torregros sa vor. — Bei einem Festmahl im Trettach-Hotel überbrachte Mi- nisterpräsibent Dr. H e l d bie Glückwünsche ber baye- rischen Staatsregierung unb feierte die Bedeutung des Bahnbaues. Schweres Unglück bei einer Brondlöschung. Quedlinburg, 11. Suni. (WTB.) Heute mittag brach infolge Kohlenstaubentzündung auf der Darnpsziegelei Kratzenstein ein Groß- feuer aus, dem der gesamte Ziegeleikomplex zum Opfer fiel, Bei den Löscharbeiten wurden neun Feuerwehrleute unter einem einstürzenden Schuppen verschüttet. Drei von ihnen konnten nur noch als Leichen geborgen werden, zwei weitere wurden schwer verletzt unter den Steinmassen hervorgezogen. Eisenbahnunglück in Indien. London, 12. Suni. (WTB. Funkspruch./ „Times" meldet aus Bombay: Acht Passagier- Wagen und zwei Gepäckwagen eines von Ahmedabad kommenden Eisenbahnzuges wurden am Dienstag bei Himmatnagar von einem Wirbelsturm umgeworfen. Gin Passagier wurde getötet, mehrere verletzt. Heuer Söhenwelirekord eines amerikanischen FlieaerS. Der amerikanische Armeefliegerleutnant S o u c e k, einer der erfolgreichsten Höhenflieger, hat einen neuen Höhenweltrekord aufgestellt. Nach seiner Landung ergaben die Instrumente, daß er eine Höhe von 13165 Meter erreicht und damit den bisher von dem Dessauer Flieger Neuenhofen gehaltenen Rekord um 426 Meter überboten hatte. Gchiffskatastrophe. 48 Tote, 26 Verletzte. Boston, 11. Juni. (WTB.) Der Zusammen- st o ß zweier amerikanischer Dampfer, über ben wir gestern bereits aus Boston berichtet haben, stellt sich nach ben inzwischen vorliegenden neuen Meldungen aus Boston und Reuyork verhängnisvoller dar, als es zuerst den Anschein hatte. Der Küstendampfer „Fairfax" ist nach den jetzt vorliegenden authentischen Meldungen mit einem Tankdampfer, der Petroleum an Bord hatte, zusammengestohen. Es handelt sich um den der New England Oil Refining Company gehörenden Tankdampfer „Pinthis" (1100 Tonnen), der sich mit einer Erdölladung auf der Fahrt von Fall River nach Boston befand. Die „Pinthis" ist bei dem Zusammenstoß mit allem, was sich an Bord befand, brennend untergegangen. Die Besatzung, etwa 40 Personen, sind teils ertrunken, teils verbrannt, von der „Fairfax" haben 26 Passagiere schwere Verletzungen erlitten. Rach den letzten Meldungen aus Boston hat sich inzwischen die Zahl ber Toten auf 4 8 erhöht. Der zu Hilfe geeilte Dampfer „Gloucester" ist inzwischen mit den Passagieren und der Mannschaft vom „Fairfax" in Boston gelandet. Der Zusammenstoß hat sich den weiter eingelaufenen Berichten zufolge folgendermaßen abgespielt: Die „Fairfax" stteh im Rebel mit einem unbekannten Tankdampfer zusammen. Dieser ging unmittelbar nach der Kollision in Flammen auf. Die Flammen griffen auf die „Fairfax" über, und ein Teil der Mannschaft und der Passagiere wurde von den Flammen erreicht. Die Besatzung des Tankdampfers konnte nicht gerettet werden. Ein Augenzeuge von der „Fairfax", der in dem Augenblick an Deck kam, als der Zusammenstoß erfolgte, machte folgende Angaben: Sch sah, wie Leute der Besatzung und sieben Passagiere, darunter drei Frauen, in das Wasser sprangen, da ihre Kleider Feuer gefangen hatten. Da aber das brennende O e l des Tankdampfers sich auch auf dem Wasser verbreitete, wurden sie auch dort von Flammen erfaßt und verbrannten. Es war unmöglich, ihnen Hilfe zu bringen. Oie Wetterlage. © Wolkenlos.© netter. Q naib bedeckt. »woixig. ® oedeext «Hegen * Schnee & Graupein e Neoei K Gewitter.(§)wind$tiiie.*O-> sehr leichter Ost y massiger Suosuowesi q stürmische« «ordwest Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mit gleichen* euf Meeresmveau umgerechneten Luitdruck Wettervoraussage. Mit der Abflachung und dem Abzug der nördlichen Störung wird die Wetterlage durch hohen Druck bestimmt. Somit herrscht vorübergehend heiteres und sommerliches Wetter. Eine Aende- rung des Witterungscharakters dürfte später bei der zuitehmenden Erwärmung nur durch Gewitterstörungen hervorgerufen werden. Vorhersage für Freitag: Meist heiter, heiß und trocken. Reifeweflerbienst. Garmisch-Partenkirchen: 17 Grad, Sudwestwind, heiter. Westerland aufShlt: 16 Grad, Südwind, heiter. Baden-Baden: 20 Grad, Südostwind, heiter. Aus der Provinzialhauptsiadt Giehen. den 12. Juni 1930. -Denn der Roggen blüht. Ein Sommermorgen! Erquickend umweht unS die frische Morgenluft. 3n den 'Bäumen erhebt sich ein tauschen und Wehen. Die blühenden Gräser slüstern, und seierlich wogt das Aehren- seld. Auf den Blumen und Blättern glitzert der Morgentau, die Tropsen sunkeln und leuchten wie Diamanten. Drüben an den Bergen hängen noch die Bebel und schweben aus und nieder. Doch schon packt sie der ausfteigende Morgenwind und zerteilt sie. Die Sonne ist Alleinherrscherin. Die purpurroten Wölkchen am Himmels- rand verglühen langsam, und ter Himmel erglänzt im tiefsten Blau. Das Sonnenlicht umleuchtet alle-, die Blumen öffnen ihre Blüten und spiegeln ihre taunassen Blätter im Morgenltcht. Die Lerch« trillert ihr fröhliches Lied. . O Welt voll Glanz und Sonnenschein, o rastloses Werden, holde- Sein. o höchsten Reichtum- SülleI lEbner-Eschenbach.) Sieh dort, am Rain, noch sühlen sie sich unbelauscht, die jungen Hasen! Wie sie hupfen, Blänn- chen machen, den zarten Klee abrupsen und dann vor Freude die Beine in der Luft Herumwerfenl Wir bleiben stehen, wagen kaum zu atmen, um die kleinen Kerle nicht zu stören. Doch die Häsin bat un- gesehen. Ein leiser Warnungsruf, und schon sind sie im hohen Getreide verschwunden. Bon link- aber hören wir ganz deutlich den Ruf des kleinsten Feldhuhns, der Wachtel. Ganz selten bekommt man das Tierchen zu Gesicht, dafür klingt sein Ruf desto freundlicher und einladender. .Bück den Rück!" ruft es dem fleihigen Land- mann bei seiner Feldarbeit zu. Am blühenden Feldrain vorbei fommen wir zum Getreidefeld. Weithin dehnt sich die grüne Fläche. Was vor Wochen noch klein und winzig erschien, jetzt ragt eS mannshoch in die Luft, aufrecht und stolz. Schon haben sich die Aehren geöffnet und lassen an ganz zarten, graugrünen Fäden ihre unscheinbaren Blüten int Morgenwind wie kleine Fähnchen wehen. 3n zierlichen Säckchen enthalten die Blüten* verhältnismäßig viel Blütenstaub, und wenn die Sonne alle- ab- getrocknet hat und der Mittagswind über die Halme fährt, dann erhebt sich oft eine große Wolke von Blätenstauo. Das Getreide braucht keine Bienen und Hummeln, nur Wind. Wo sollten auch die vielen Insekten Herkommen, um alle Blüten zu befruchten? Halme neigen sich zu Halmen. Wie ein Raunen, ein leise- Flüstern geht« durch das ganze Feld. Zwang dich nicht das heimelige Rauschen stehenzubleiben und darein zu lauschen? Ein herrlicher Anblick, da- wogende Kornfeld! Aus und ab, Welle folgt auf Welle, das ist ein Schaukeln und Wiegen, wie bei einem See. Der zarte Duft, der von den Blüten ausgeht, umweht dich. Hier und da leuchten blaue Kornblumen und feuriger Klatfchmohn auf. 3m Schuh der Halme können sie blühen und gedeihen. Selbst der Landmann sieht sie gern, wenn sie nicht zu zahlreich kommen. 3n einem Haferseld auf der Höhe aber schimmert es gelb. Das ist der Hederich. eine Lieblingsblume für unsere Bienen, aber ein Aergernis für den Bauern. Wie oft hat er gejätet und Vernichtungsmittel gestreut, und doch ist da- Unkraut nicht vergangen. Das Auge aber labt sich an dem zarten Gelb, das das dunkle Grün de- Hafers fo schön unterbricht. Wenn am Sonntagmorgen der Bauer seine Felder durchwandert, hier und da stehenbleibt und die schlanken Halme durch die Finger gleiten läßt, bann leuchtet der Stolz aus seinen Augen. Roch hat kein Unwetter die Frucht geknickt, noch steht alles hoffnungsvoll da. „®ie Frucht steht gut!' Es ist wie ein Dankgebet, das dem Herzen de- Landmanns entsteigt. Der "Westwind bringt einzelne abgerissene Glockentöne aus dem Nach- barborf. Der Landmann bleibt lauschend stehen und horcht. Friede ringsum. Sein alte- vergessenes Lesebuch fällt ihm ein, und er murmelt leise daS alte Lied: „Das ist der Tag des Herrn!" ... Der Roggen blüht ... König Sommer bereift sein Land bis an die fernsten Grenzen, die Aehren küssen ihm das Gewand, er segnet sie alle mit reicher Hand. Wie stolz sie nun stehen und glänzen! (Gustav Falke.) P. Gicstcncr rüochcnularitrr Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150, Blatte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 8 bi- 10, Rotkraut 15 bis 20, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 10 bis 15, grüne Bohnen 50 bis 60, Spargel 40 bis 80, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 10, Tomaten 60 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte 4,5 bis 5, Kartoffeln, neue 12 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 40 bis 60, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 90, Rüsse 50 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig das Pfund: Tauben 70 bis 80, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10. Salatgurken 25 bis 60, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: gelbe Rüben 15 bis 20, Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark der Zentner. vornoti^en. — Tageskalender für Donnerstag. Elektro-Gemeinschaft und Haussrauenberatung: Elektro-Koch und Brat-Bcranftaltung, 15,30 Uhr, ®af6 Leib — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Man schenkt sich Roten, wenn man verliebt ist"; auf der Bühne: Gastspiel des EisballettS Rose und Honey with Morrison. — MgerpsW gegenüber dem Sladiiheaier! Bon einem angesehenen Bürger unserer Stadt geben unS die nachstehenden beherzigenswerten Zeilen zuv Veröffentlichung zu: .Ein Denkmal bürgerlichen Gerne ins innS!" Sv zu lesen über dem Haupt- eingang unseres ThcatergebäudeS. Schon diese Worte sollten zum Rachdenken Anlaß geben. Geschaffen wurde unter schmucke-, im schönsten Teil der Anlagen gelegenes Theater in der Hauptfach« dank der Opferfreudigkeit eines großen Teil- unterer Mitbürger. Sie haben BerständniS für die kulturellen und geistigen Aufgaben einer Universitätsstadt gehabt. 3enc Stifter und Mitgründer würden nicht verstehen, wenn die heutige Generation bei aller Schwere und Rot der heutigen Zeit nicht so viel G«» meinsinn und Opfer Willigkeit aufbringen würde, daß eS gelänge, den Theater- betrieb auch durch die schweren 3ahre einer wirtschaftlichen Depression durchzuhalten. Die Pflicht besteht für uns heute um so mehr, als grabe feit der Errichtung deS Theater- bauS — dank auch der unvergessenen Tätigkeit deS Theatervereins — die künstlerischen Leistungen von 3ahr zu 3ahr gestiegen sind und neusten- unter der Leitung des jetzigen Intendanten Dr. P r a s ch ein künstlerische- Niveau erreicht haben, wie nie zuvor. Es ist dankbar anzuerkennen, daß die Verwaltungen und Vertretungen von Provinz und KreiS erkannt haben, welche Bedeutung ein gutes Theater für Stadt und Land hat und daß sie bcreittoilligft Zuschüsse zu den Kosten der Unterhaltung des Stadttheaters bewilligten. Vielleicht erkennt auch' die Staatsverwaltung und der Landtag noch, daß eS geradezu ein Unrecht ist, der Stadt Gießen zuzumuten, ein erhebliches Desizit aus dem Theaterbetrieb deS Staatsbades Bad-Rauheim zu tragen. Sollte diese Einsicht nicht noch bei den zuständigen Stellen kommen dann muß erreicht werden, daß das ctabttoeater auch ohne Ueber- nah m e des KurtheaterS Bad-Rau- heim fonbestehen kann. Deshalb ist eS Pflicht aller Kreise in Stadt und Land, die 3ntercffc an dem Theater haben und die wirtschaftlich dazu in der Lage finb, mitzuhelfen, daS Theater in (einet Weiterexistenz x u sichern. Ganz besonders wird diese Mahnung an die große Zahl der 3ntellektuellen der Universitätsstadt gerichtet. An alle diese Kreise in Stadt und Land ergebt die Mahnung: Stützt unser Theater, helft mit. auch den Sommerbetrieb rentabel z u gestalten! Die Preise sind so niedrig gehalten, daß jedermann der Besuch ermöglicht ist. .AuS der Kräfte schön vereintem Streben Erhebt sich wirkend erst da- wahre Leben." Auch das steht eingemeißelt über dem Eingang des Stadttheaters. •* Personalien. Ernannt wurden am 31. Mai die Polizeihauptwachtmeister Heinrich Lutz und Ernst Schneider zu Gießen zu Kriminalhauptwachtmeistem, beide mit Wirkung vom 16. 3uni 1930 an. — Auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten tritt am 1. 3uli 1930 in den Ruhestand der Amtsobergehilfe Konrad Graulich an der Universitätsbibliothek in Gießen. ” „Graf Zeppelin" überfliegt oberhessische Städte. Wie der WSR.-Dienst mitteilt, wird das Luftschiff »Graf Zeppelin" am Sonntag, 15. d. M., auf seiner Fahrt nach Münster verschiedene oberh^sische Städte überfliegen. Voraussichtlich wird das Luftschiff dabei (einen 'Weg über Gießen und Marburg nehmen. •• Scheunen find keine Garagen! Derstchiedene Vorkommnisse haben dem hessischen Önncnminiftcr Veranlassung gegeben, darauf hinzuweisen, daß das Unterstellen von Kraftwagen in Vcheunen wegen der dadurch entstehenden Brandgefahr für die Gebäude unter keinen Umständen geduldet werden darf. 3n gleicher Weise ist daS Unterstellen von Kraftwagen in Kellerräumen von Wohngebäuden verboten. Dieses Verbot gilt auch für die Fälle, in denen Kraftfahrzeuge nur vorübergehend außerhalb deS HeimatstandeS untergestellt werden. Ausnahmen sind nur in ganz besonderen Fällen vorgesehen und nur unter den von der Polizeibehörde zu erteilenden besonderen Bedingungen möglich. •* Eine Gießener Firma aus der Achema in Frankfurt. Die Keramchemie- Bcrggarten G. m. b. H. in Gießen beteiligt sich, wie sie uns mitteilt, als Gießener Unternehmen an der Ausstellung Achema VI (Iubiläums- Achema-Ausstellung für chem. Apparatewesen), die vom 10. bis 22. 3uni in Frankfurt a. Bl. statt- findet. Die Firma hat in der Frankfurter Messehalle ihren Stand in Halle II und zeigt dort in Form von fertigen Erzeugnissen und Modellen ihr gesamtes Fabrikationsprogramm für die 3n- dustrie und das Baugewerbe. "Bom GDA. in Gießen wird uns berichtet: Die Reichsvereinigung der Reisenden und Bertreter im GDA., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag im „Augustiner" eine Zachgruppenversammlung ab, in welcher die Mißstände im Handel und im Provisionswesen besprochen wurden. Es wurde folgende Entschließung an den Gautag in Kassel am 15. 3uni formuliert: „Der Gautag in Kassel wolle beschließen, den Bundestag zu ersuchen, dahin zu wirken, daß gesetzgeberische Maßnahmen beschleunigt ergriffen werden, die geeignet sind, das Doppelverdienerunwesen durchgreifend zu beseitigen und dadurch gleichzeitig den kaufmännischen Stellenmarkt zu entlasten, wie auch den regulären Handel zu stützen, indem Pensions- und Rentenbezieher, sowie sonstige laufende Einnahmen erzielende Personen 1. keine Reiselegitimation erhalten, 2. keinen Wandergewerbeschein erhalten und 3. in Angestelltenstellungen nicht eingestellt werden dürfen und sowohl die Arbeits-, als auch die Gewerde- aussichtsämter hierüber zu Wachen haben, während die Sozialversicherungen oder sonst in Frage kommende Behörden (Finanzamt, Krankenkassen usw.) dienstlich jederzeit Auskunft an die genannten Stellen zu geben haben, um Umgehungen zu unterbinden, 4. Arbeitgeber entgegen diesen Bestimmungen Leute nicht beschäftigen dürfen." Die Ortsgruppe Gießen der Reichsvereinigung der Reisenden und Bertreter im GDA. glaubt, daß obige Maßnahmen geeignet sind, endlich klare Berhältnisse herbeizuführen, die dem Grundsatz der Billigkeit entsprechen. •• Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen. Man berichtet un8: Die Junisihung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins wurde eröffnet durch eine kurze Ansprache der 1. Vorsitzendem Mit warmen Worten gedachte sie der vor kurzem verstorbenen Helene Lange, i>er Vorkämpferin der Frauenbewegung und Gründerin des Vereins. Sodann folgte ein (ehr aufschlußreicher Vortrag von Frau Sophie V i g e n e r über das Thema .Mädchenfürsorge". Die Vortragende, die schon in früher 3ugent> in der freiwilligen sozialen Arbeit tätig war, ist seit mehreren Jahren eifrige Helferin der Fürsorgehäuser in Kloster Arnsburg. Sie betonte einleitend, wie seltsam es ist, daß viele Menschen bei der Züchtung von Rassetieren die wohlbekannten Gesetz« der Eugenik anwenden, bei der CheichUeßung aber fast immer diese Gesetz« nicht beachten. Auch die Sitten* lehre des Ehristentums wirkt vom eugenischen Standpunkt aus ungünstig auf die Qualität des menschlichen Rachwuchses. Während in der Tierwelt unerbittlich das Gesetz der Auslese herrscht und die Raturvölker, sowie die Antike, die minderwertigen Reugeborenen umkommen ließen, zeigt die Entwicklung unserer Kultur eine entgegengesetzt« Tendenz. Mit unendlicher Liebe und ungeheuren Kosten ziehen wir auch die schwächlichen und minderwertigen Menschenkinder groß, wir setzen der Fortpflanzung von Schwerkranken, von Verbrechern und Idioten Eßt mehr Roggenbrot! kein Hindernis entgegen. Natürlich werden infolge der Fürsorge einzelne Kinder gerettet und zu brauchbaren Menschen erzogen — das ist aber leider nur eine kleine Zahl und wir wenden Diel Krast und Geld für aussichtslose Fälle auf, während es an Mitteln zur Erhaltung und Ausbildung wertvoller Elemente fehlt. Die Vortragende besprach sodann die drei Wege der Fürsorge: Die Adoption, die Privatpflegestellen unter Oberaufsicht der Fürsorgerin und die Anstaltserziehung. Für schwache, sehr belastete Kinder kommt nur die Anstalt in Frage. AlS sorgenvolle, in gar mancher Hinsicht mißbrauchte Geschöpfe kommen sie in die Anstalt, und schon nach kurzer Zeit hat die dort herrschende Atmosphäre von Sauberkeit, Ordnung und Güte junge und zufriedene Wesen aus ihnen gemacht. Sind die Lehrjahre zu Ende, dann bringt man die Brauchbaren in Dienststellen unter, wobei sich die ländlichen am besten bewährt haben. Natürlich gibt es auch Kinder, die nie im Leben festen Fuß fassen können und in Anstalten bleiben müssen. Mancherlei Einzelheiten aus den Erfahrungen der Rednerin zeigten, wie schwer die Probleme sind, die täglich bei der Erziehung solcher Fürsorgekinder austauchen. Zum Schluß warf Frau Eigener noch die Frage auf, warum die Gesellschaft solche Geschöpfe großzieht. und kam zu dem Schluß, daß wir, solange den Trinkern und Schwerverbrechern nicht die Möglichkeit der Fortpflanzung genommen wird, die Pflicht haben, für ihre unseligen Kinder zu sorgen. Und daß dies Liebeswerk ein sehr hoher Dienst an der Menschheit ist, zu dem viel Hingabe und Verständnis gehört, haben die hochinteressanten Ausführungen der Rednerin wohl allen Anwesenden gezeigt. Preußen. Kreis Biedenkopf. XX Fellingshausen, 10.3uni. Der hiesige Gesangverein .Concordia", Mitbegründer des „Dünsberg-Sängerbundes", rüstet zu seinem 4 0. Stiftungsfest, welches am Sonntag, 22. 3uni, gefeiert werden soll. An dem Festtage beteiligen sich die Blännergcfangüereinc von Bieber, Crumbach, Kinzenbach, Königsberg und Rodheim. Kreis Wetzlar. (5 Kinzenbach, 10. Juni Aus der jüngsten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung ist u. a. zu berichten: Unser langjähriger Ortsdiener Friedrich Mandler hat sein Amt infolge hohen Alters niedergelegt. Die Gemeindevertretung wählte für dieses Amt den Schwiegersohn Mandlers, den bisherigen Zimmermann Karl Hederich. Den Mannschaften der Pflichtfeuerwehr wird von jetzt ab fü^die Teilnahme an den Feuerwehrübungen eine Vergütung von 50 Pfennig je Person gewährt. 6 Dutenhofen, 10.3uni. 3n der letzten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurde über die Geldbeschaffung für den Wasserleitungsbau beraten. Der Tagung war eine Kommisfionssihung vorausgegangen. Auf Vorschlag der Kommission wurde beschlossen, die Aufbringung einer Anleihe durch freiwillige Zeichnungen der Bürgerschaft zu versuchen Die Einwohner sollen gebeten werden, sich möglichst weitgehend an der Anleihe zu beteiligen, um auf diesem Wege mitzuhelfen. da- von der Gemeinde begonnene Werk einer einwandsreicn WaNervcrsorgungSanlage zum Abschluß bringen zu können. Die zwei einheimischen Spar- und DarlehnSkassenvereine, aut deren Mitarbeit die Gemeinde rechnet, sollen die geheim zu haltenden Einzeichnungen bi# zum 1. 3uli d. 3- en t gegen- nehmen. Für die Einzahlung der gezeichneten Beträge wurde der 1.Oktober d. 3 vorgesehen. Die Kapitalien werden mit 2 v. H. über ReichS- bankdiskont, mindesten» aber mit dem Zinssatz der einheimischen Sparkassen, verzinst Die Rückzahlung beginnt ein 3ahr nach erfolgter Inbetriebnahme der Wasserleitung Atzher dieser Anleihe bei der "Bürgerschaft will die Gemeinde bei der LandeSbank. der Kreissparkasse oder einem anderen Geldinstitut ein größeres Darlehen mit 5 v. Sy Tilgung und möglichst niedrigem Zinssatz für den Wasferleitungobau ausnehmen. — Den an die Gemeinde gestellten Antrag, der Klein- siedlungSgesellfchaftdeS Kreises Wetzlar als Mitglied beizutreten, lehnt die Bertretung ab. — Die Stromversorgung der Gemeind« «teschieht zur Zeit au# einer TranSsormatoren- tation, die an der äußersten Peripherie der Gemeinde gelegen ist. ES treten infolgedessen immer größere Schwierigkeiten in -der Stromversorgung auf, so daß die Gemeinde gezwungen ist, die Errichtung einer weiteren Transformatorenstation herbeizuführen. Der Vorsitzende gab von den bieferbalb mit der Ueberlandzentrale der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar geführten Verhandlungen Kenntnis. Die Bedingungen, die von der Ueberlandzentrale gestellt werden,'fanden die einmütige Ablehnung deS Gemeinderat-. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Verhandlungen mit der Ueberlandzentrale fortzusetzen. Amtsgericht Gießen. e Gießen, 30. Mai. Durch Vernachlässigung der ihm obliegenden Sorgfaltspflicht zog sich ein älterer Autofahrer au- der Umgegend eine Anklage wegen fahrlässiger Eisenbahntransportgefährdung zu, die heute zur Verhandlung stand. Er kam aus Blarburg und hatte bei Lollar die Schienen der Eisenbahn Gie- ßen-Lollar -Grünberg gegen 7 Uhr abends zu passieren, als sich gerade ein Zug quer über die von dem Angeklagten benutzte Fahrstraße bewegte. Er fuhr derart nah« an diesen heran, txin baß Auto von der Lokomotive erfaßt und zurückgeschleudert wurde. Diese erlitt durch den Anprall keinerlei Schaden: der Zug fuhr weiter. 3mmerhin lag aber die Möglichkeit einer Entgleisung und damit eine Beschädigung des Transports nabe. Der Autosührer hätte an dieser Stelle auch unbedingt eine derartig« Gefährdung als Folge seiner Handlungsweise voraussehen können. Er hätte rechtzeitig den Schienen entlangschauen müssen, dann hätte er auch rechtzeitig den Zug mit feinen bell leuchtenden Glühlichtlampen gesehen, sich darnach einrichten und sein Fahrzeug noch rechtzeitig zum Halten bringen können. Der Zusammenstoß wäre vermieden worden. So hat sich der Angeklagte aber des eingangs erwähnten Vergehens schuldig gemacht. Er war noch unbestraft, auch fuhr er langsam und es dämmerte bereits: schlimme Folgen waren nicht eingetreten, daS Gericht erkannte deshalb nur auf 2 5 M k. Geldstrafe. Eine Beleidigung im SihungS- r a u m einer Behörde, der während der Verhandlung dem Publikum zugänglich ist. ist als eine öffentliche, und wenn sie zudem noch gegen einen Beamten mit B«?zug auf feine Amtstätigkeit begangen wurde, als eine öffentliche Beamtenveleidigung anzusehen. 3m Fragefall geriet, während sich der Spruch- auSschuh zur Beratung zurückgezogen hatte, der Angeklagte mit einem Kontrolleur des Arbeitsamts im Sitzung-raum in Wortwechsel und nannte ihn im Verlauf desselben einen .Kujoneur" und „Schikaneur", duzte ihn auch, ohne ihn näher zu kennen u. b-gl. m. Da er noch nicht vorbestraft war, auch in Erregung sich befunden haben mag, erhielt er nur eine Geldstrafe von 25 Bl f. Dem beleidigten Beamten wurde die Befugnis zugesprochen, das Urteil zu veröffentlichen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Mehr Pflegearbeiten auf den Friedhöfen! Wie die unvollendeten städtischen Neubauten und die unvollendete Westanlage ein wenig schönes Bild geben, so zeigen auch die Friedhöse ein ähnliches. Mit den wenigen dort beschäftigten Leuten werden noch die Wege und Zugänge zu den Kaufgräbern einigermaßen in Ordnung gehalten. Wie aber sieht es hinter diesen, in den Reihengräbervierteln aus? Hat man keine Arbeitslosen, die hier beschäsiigt werden konnten? Oder könnte man die Grasflächen nicht an Reflektanten zum Abmähen geben? Bon den Angehörigen wird verhältnismäßig viel an den Gräbern getan. Muß denn jene Arbeit durch Samen- auswurs von den verschiedenen Gräsern immer erst unnötigerweise erschwert werden? Früher war es anders. Hvssentlich genügt dieser Hinweis, um Abhilse zu schassen. Schöne weihe Zahne. „Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufrieden- heit über die „Chlorodont-Zahnpaste" zu übermitteln. Ick gebrauche „Chlorodont'^ schon sest Jahren und ich werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer „Chlorodont-Zahnpaste" erreicht habe." C. Reichen, Schwerz, Amt Niemburg, Gaallieis. — Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität In allen Chlorodom- Verkaufsstellen gu haben. i die Kennzeichen I "<7 MAGGIs Jleischbrüfuviirfeln QerName MAGGI die gelb-rote (Packung ****miim Verlobte Schotten Kesselbach 3uni 1930 4383D: I. A.: Hans Becker Preiswerte Boucle-Teppiche 4219C geben werden. und höher Schilu Heinrich Hochstätter gesucht 4374 D Brandplatz 1 Ecke Schloßgasse 4263 A bc- V4 Pfund 40 03810 mieten Schweizerkäse echter vollsaftiger 1216 C Pfund -.38 %Pfund -.10 Tafelbutter feine y2Pfund -.80 5% Rückvergütung 4361 A Lichtspielhaus Gießen Ab heute bis einschließlich Samstag: Filmteil: n Bühnenteil 4138 C Unit für einige Bor- ntittnne in d. 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Wittig, Leutnant zur See an Äord des Linienschiffs „Hessen"*. ßigene Sonderberichterstattung für den„Gießener Anzeiger". auS Dämmen gebildet, die sich als Llcberbleibscl von Alpenströmen in das Meer ergossen haben. Zwischen diesen und dem Hauptinselkompler der Stadt Venedig und dem eigentlichen Festland besieht bei Ebbstrom Verbindung für Fußgänger. Ohy zwei schmale Wasserstraßen ermöglichen die Schissahrt. Genau gegenüber vom Dogcnpalast und dem Markusplah ankern wir und machen wegen des starken, am Tage zweimal kenternden Wir haben im Morgengrauen vor Venedig geankert. Spät abends sind wir hier nach einer Aachtübung angenommen; und weil wir am Vormittag uns den Italienern im besten Lichte zeigen wollten, wird schon früh angefangen Reinschiff mit Sand und Steinen, Putzpornade und Farbe zu machen. Die aufgehende Sonne sendet vor uns ihre Strahlen auf eine grüne Küste, vor der sich ein Heller. langer, Weiher Sand1 in w» r .■ strich dahinzieht. Der Lido ift'e, der viel besungene und überall gepriesene Badestrand der eleganten Welt! Hohe Hotelbauten und gepflegte Strandpromenaden sind durch scharfe Gläser erkennbar. Etwas im Hintergründe tauchen Türme und Kuppeln der eigentlichen Stadt auf und wieder dahinter, gewissermaßen als Abschluß am Horizont grüßt die hohe schneebedeckte Bergkette der Alpen. Wir lichten Anker und nähern uns der Stadt. An Backbord sind jetzt mit bloßem Auge unendlich weite Reihen von Badekabinen auszumachen. Leider sind alle leer; denn die Hauptsaison beginnt hier erst im Juni. Dafür herrscht auf dem Wasser und in der Luft um so mehr Verkehr. Sine Staffel von Flugzeugen umkreist uns zu unserer Begrüßung, Luxussegeljachten und Gondeln sind hinausgekommen, um uns bis zum Ankerplatz das Geleit zu geben. 3n der Molen- einsahrt geht bei uns im Grohtopp die italienische Flagge empor, mit 21 Schuß wird der Landessalut geschossen. Die Einfahrt ist sehr schwierig für solch große Schiffe, wie die unfri- gcn. Wir müssen die Lagunen passieren, die wegen ihrer Untiefen sehr schwierig zu befahren find. Sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte •) Vgl. auch Rr. 99 vom 29. April. Rr. 115 vom 17. Mai und Rr 121 vom 24. Mai. Stromes mit dem Hect an einer Boje fest. Venedig. der langcrtoartete. von allen so heiß ersehnte Hasen, ist erreicht. Venedig ist eine ausgesprochene Inselstadt, die sich auf 118 Inseln und Inselchen ausbreitet. Der Meeresboden ist von einer zwei bis drei Meter dicken Morastschicht bedeckt, darunter erst ist festerer Grund. Hier hinein sind die Pfähle gerammt worden, über die dann schwere Beton- platten gelegt sind, und auf denen man Venedig im wahrsten Sinne des Wortes aufgebaut hat. Eigentliche Straßen gibt es hier nicht, wenigstens kennt man hier keine Trennung zwischen Fuh- und Fahrweg. Ich sah während des ganzen Aufenthalts weder ein Auto noch ein Gefährt. Der Verkehr spielt sich nur auf den kleinen Kanälen, die die Stadt kreuz und quer durchziehen. ab. Der größte Kanal, der Kanal Grande, zieht sich in 8-Form durch die Stadt. In ihn ergießen sich von allen Seiten, wie kleine Adern, die kleinen Rebenkanäle. Groß ist die Zahl der Brücken, die den Verkehr zwischen den einzelnen Inseln ermöglichen. Berühmt die Rialtobrücke. die früher den alten Handelsplatz mit der eigentlichen Stadt verband Die Hauseingänge mit ihren steinernen Treppenstufen sind hier Bootsanlegestellen Bunte Pfähle davor, in den Farben der Hauseigentümer, sind die Festmacher für Gondeln oder Motorboote. Bei der Musterung wird der Befehl bekannt- gegeben, „bivisionsweise durch Venedig pullen". Ei. wie da die Gesichter strahlen! Bootsdienst in den Gassen von Venedig, das ist noch ’ne Sache, von der wir in Kiel erzählen können, so sagte der eine. Mit Barkah und Kutter pullen wir los. 3m Kanal Grande geht es noch klar. Unter der Rialtobrücke ist die erste Stockung. Hier herrscht lebhafter Verkehr. Potsdamer Platz von Venedig", ruft ein Kuttergast von vorn. „Es fehlt nyr noch ein Wafchupo", entgegnete ein schlagfertiger anderer. Ohne viel Geschrei oder Getute kommen Gondeln und kleine Motorboote aus den Seitengassen heraus, so daß man sie leicht umfahren kann. Oft hilft nur noch das Kommando „Laß laufen", d. h . Riemen längSfeit zu nehmen, uni sich möglichst schmal zu machen. Einmal bot sich eine drollige Situation, als wir auf diese Art mit Draßfahrt. wie der Seemann sagt, zwischen zwei Gondeln, die mit älteren Amerikanerinnen beseht waren, hindurch brausten. — Divisionsweise wurde die Mannschaft beider Schiffe unter Führung von Studenten, die sich liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt hatten, durch die Sehenswürdigkeiten Venedig- geführt: den mächtigen alten Dogenpalast, die Piazzetta, die Bleikanuncrn und die Seufzer- brüde, Marluskirche und Markusplah. wo im Sommer täglich Platzkonzert ist. Als unsere Kapelle auf dem weiten Platz, der von den alten Palästen umgeben ist und den Eindrud eines großen Burghofes macht, ihre flotten deutschen Märsche erschallen ließ, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Aber typisch für Venedig ist eine Gondelfahrt durch Alt-Venedig. An zwei Abenden hintereinander gab ich mich mit einigen Kameraden diesem Genuß hin. Zurüdgelehnt in die weichen Polster einer langen schmalen Gondel wird man auf den stillen Fluten des Kanal Grande von dem Gondelier mit kurzen Schlägen feines einen Ruders vorwärtsgetrieben. 3st die Gondel erst in eine Seitengasse eingebogen, wo sich kaum zwei Gondeln begegnen können, so beginnt die eigentliche Romantik. Stille ist in diesen engen hohen Wassergasfen. in die von den Häusern kein Lichtschein bringt, wo der silberne Mond und das kleine Lämpchen des Gondelführers die einzige Beleuchtung bleiben. Oft will es scheinen, als sei der Weg hier zu Ende, doch scharf um die Ede gcht es in einen Hausbogen hinein und durch diesen wieder ein . kleines Gäßchen weiter. Am Sonntagvormittag war faschistische Musterung auf dem Markusplah. Abordnungen aller Truppen und 3ugcndverbände haben hier Aufstellung genommen. Auch unsere beiden Schiffe waren durch Abordnungen vertreten. 3n Venedig war eine internationale Gemäldeausstellung. in welcher ein besonderer Empfang für die deutschen Schiffe stattfand. Linerläßlich für einen Kriegsschiffbesuch im Ausland ist eigentlich ein Fußballspiel. Auch hier fand ein solches statt, und zwar ist die Llniversi- iätsmannschaft von Venedig unser Gegner. Tribünen und Sportplatz sind überfüllt. Untere Musikkapelle unterhält die Menge mit Märschen, bis die Mannschaften erscheinen und sich gegenseitig Erinnerungsgaben in der Mitte des Spielfeldes überreichen. Die italienische Rationalhymne wurde gespielt, es folgte unter ungeheurem Beifall der Anwesenden das Deutschlandlied. Adolf von Harnack l'. Exz. Geh. Rat Pros. Dr. Aböls v. H a r n a rf, starb, wie gestern bereits gemeldet wurde, im Alter von 79 Jahren. Wenn schon bei uns in Deutschland ein Fußballspiel aufregend sein kann, so ist es dies in den südlichen Ländern durch die Anteilnahme bes Publikums noch in weit höherem Maße. BiS kurz vor Schluß lagen wir mit 4:3 in Führung, als ein ll-Meter-Strafftoß den 3taliencrn den Gleichstand brachte. So blieb der freundschaftliche Charakter des Spieles gewahrt. Roch etwas typisch Venezianisches sollten wir kennenlernen: eine GlaSbläs er ei hatte zu einer Besichtigung cingclabcit. Hier sahen wir die kostbaren Glasfachen geblasen, die feinen Perlen und Schmuckgegenstände aus Glas mit Gold, Silber oder Farben überzogen. Der letzte Tag wurde einem Besuche bei Cibo getoibmet. Wenn ber Stranb auch nicht bevölkert war. so fanb man boch unter ben zahlreichen Bekanntschaften, bie man im Laufe bes Aufenthalts machte, genügenb Leute, bie sich an einein vergnügten ©tranbbab beteiligten. Aber auch von hier mußten wir wieder scheiben. 3ch glaube, ich habe bislang jebesmal geschrieben, bah wir nur ungern schieben. Diesmal taten wir es ganz besonders ungern. An Schönheit und Eigenart der Landschaft, an entgegenkommender Aufnahme seitens der Bevölkerung steht Venedig in den Herzen der deutschen Seeleute einzig da. Es war ja auch das erstemal, das nach dem Kriege wieder deutsche Schisfe Venedig anliefen; überall konnte man nur Freundschaft und Hochachtung vor deutschem Wesen feststellen. Diese Stimmung zu kräftigen und zu heben hat hoffentlich der Besuch der Linienschiffe „Schlesien" und „Hessen" beigetragen. Die Ochsten Häfen waren Korfu an der griechischen Westküste und Palma auf den spanischen Balearen. Talen für Freitag, 13 Juni 1525: Vermählung Martin Luthers mit Katharina v. Bora; — 1831: der Physiker IameS Clerk Maxwell in Edinburg geboten; — 1878: Berliner Kongreß; — 1886: König Ludwig II. von Bayern verunglückt mit dem 3rrenarjt B. v. Gudden im Starnberger See. Blühende Wasser. Don Peter Dauer. Ein Kranz von mannshohem Schilf behütet bie geheimnisvolle Abgeschiedenheit ber Heinen Seen unb Teiche, bie das Märchen mit seinen Rixe und Mummeln bevölkert. Eintönig zwitschern die kleinen, geschwätzigen Rohrsänger aus ihrem lchwankenden Didicht in die Stille der träumenden Wasser, die nur der Sprung eines tauchenden Frosches oder das Emporlchnellen eines übermütigen FisdeS bann unb wann leise aufglucksen unb klingen läßt. Das tönt so seltsam gedämpft wie aus Tiefen ber, als habe ein Röck sich geräuspert oder eine schöne Wafserfee silbern gekichert . . . Rosen unb Sterne. Vielleicht iiyen bie huschigen Märchengeister an stillen Mittagen auf den großen Blättern der Eee- unb Teichrosen und spinnen sich aus Sonnenstrahlen goldene Schleier. Dielleicht sind sie es, die die wundervollen weihen und gelben Blüten vor der Dunkelheit schließen, damit keine verderbliche Räsie den zarten Blütenstaud netze. Vielleicht sind sie es, die das magische Sildemetz des Mondes wie einen schützenden Tarnhelm über alles nächtliche Wasser- gelier werfen, damit es unter dem zauberischen Gleißen unb Blinken unsichtbar bleibe. Bewundernswert ist der Lichthunger berWasser- rofen, ihr unermüdliches Drängen und Ringen nach Entfaltung in der Sonne des Tages. Ruhlos treiben sie aus der Tiefe, wo der armöide Wurzelstod im Grundschlamm ankert, ihre runden, grünen, schwam- migen, luftgefüllten Stiele empor, deren Enden wie zusammengerollte Fahnen die Blätter tragen. Erst wenn der Wasierspiegel erklommen ist, breiten sie ihre grünen Danner auf bet Flut aus unb bie Märchenkronen ihre Blüten. Die größte unserer heimischen Gewässer ist bie weihe Blüte ber Seerose, bie Teichrose oder Mummel hat kleinere unb gelbe Blüten. Prachtvoller noch als bie beiben steigt ihre aus bem Altertum schon bekannte indische Schwester, die Lotosblume, mit schlanken Stielen über das Wasser empor und trägt ihre wundersamen Blütenkronen frei in der Sonne. Weniger durch die Größe feiner Blüten, als durch ihre große Zahl fällt der in Rudeln unb Massen auftreienbc Wasser-Hahnenfuß auf, ber auch Schwimmblätter besitzt und mit seinen fünf blätterigen Blütensternen, bie sich von feinem Landsmann fast nur durch die Farbe unterscheiden, oft ganze Wasser- spiegelweih erscheinen läht.Zierlichernoch sind die hellgrünen, kleinen Blütenrosetten der Wassersterne, aus denen die zarten Staubfäden hervorragen. Als Ralurdenkmal gefchüht wird die merkwürdige Wassernuß. deren rautenförmige Schwimmblätter in Büicheln spr> <- so bah jede Pflanze einem Bukett ähnelt. Dem eiuipcingen seitliche Wurzeln, die faserig sind wie alle untergetauditen Triebe, die ständig überflutet werden. Die eigenartigen vierzadi- gen Früchte findet man manchmal auf dem Wasser treiben. Ihrer absonderlichen 'Prägung und schwarzen Farbe weg-'N nannten wir sie in unterer Jugend Teufelsköpfe. Schwimmende Linsen, Farne unb Laichkräuter. Richt im Grunde der Gewässer verwurzelt, sondern frei schwimmend, leben die kleinen Wasserlinsen und Wasserfarne. Manche der Linsenarten haben dünne zarte Wurzeln, die senkrecht ins Wasser ragen, andere wuchern wurzellos und setzen oft dicke grüne Polster auf dem Wasserfpiegel an. Selten entwickeln sich die unscheinbaren Blüten. Die Vermehrung geschieht durch seitliche Absprossung und Teilung. Eben- so ist es bei der W a ss e r p est, einem lästigen Wasser« untraut, das vor etwa fünfzig Jahren aus Rord- amerita zu uns eingeführt wurde Die zarte dichtbeblätterte Bflanze tritt oft in wärmeren Breiten so massenhaft auf. daß sie zum Hindernis für die Schifffahrt wird.Im Ril. wo die Wasserpest sich nicht selten zu meterdiden. stundenweit sich aus dehnenden Barren verfilzt, haben selbst große Dampfer ihre Arbeit, sich durch die grüne Decke einen Weg zu brechen Den Linien ähnlich ist der Wasserfarn, dessen Blattenden ins Wasser tauchen und sich wurzelarlig zerfasern. Auch ber Froschbiß bebarf ber nährenden Erde nicht, sondern schwebt unverankert im Wasser, wo er die stillsten Buchten bevorzuge Seine Blätter sind denen der Wasserrosen ähnlich und ruhen wie diese auf dem Wasserspiegel. Dagegen ragen die zarten, weihen breiblätterigcn Blüten über ihn empor Flüchte enltoideln sich leiten umso reichlicher Ausläufer, bie neue Pflanzen ergeben. An den lang hinflutenden Stengeln, die viele, aber unregelmäßig sitzende Blätter wie Zweige tragen, sind die Laich- träuter kenntlich. Sie blühen in Aehren, die sie wie der 'Froschbiß über den Wasserspiegel reden, unb werden vom Winde bestäubt- Sonderlinge. Ganz auf die Jahreszeit eingestellt lebt die Was- fer-oderKrebsschere.diesägeichwertartiqeBlätter hat Sie treibt sich nur den Sommer übci schwimmend auf dem Wasser herum Mit Anbruch des Winters läßt sie sich in die Tiefe gleiten, um auf dem Grunde ein Schattendasein zu führen, bis ber Frühling sie lodt, wieder emporzuklettern ans Licht. Einige Wassergewächse bringen ihr Leben nur auf bem Grunde der Gewässer zu. Ihnen scheint nie die volle Sonne des Tages, da das übet ihnen flutende Wasser eine Menge Licht absorbiert. Auch das Atmen unter Wasser geht langsam unb beschwerlich. Dennoch bilden diese in ihrem Wasser- verlieh wie Gefangene lebenden Tiefenbewohner oft dichte, üppige Rafen wie z.B- die schachtelhalmar- tigenArleuchter-GewächfeundAixenkräuter. Am interessantesten ist inbess n bet Wasserschlauch, ber nur seine fein zerteilten, wurzelähnlich sich ausbreitenden Blätter unter das Wasser taucht, während er ben aufrechten Stengel mit den gelben Rachenblüten stolz über dem Spiegel hält. Er lebt nämlich nicht allein von Wasser, Sonne unb Luft, sondern wie der Sonnentau von tierischen Stof- fen. Deshalb hat er heimtüdischerweise einige Bläl- terzipfel zu eigentümlichen Blasen und fis : teufen- artigen Schläuchen umgewandelt, die unentrinnbare Fallen für kleine Wassertietchen bilden. Denn jeder Schlauch hat eine Oeffnung, die durch eine Klappe, die gegen ein Widerlager schlägt verschlossen ist Datum vermag das Tierchen nut einzudtingen, nicht mehr aber aus der Falle ins Freie zu entweichen. Infolgedessen muß es elend verenden und wird nach allmählicher Auflösung von der Pflanze eingefogen. I Blühende Wasser entfalten in ben Sommermonaten ihren schönsten Reichtum. Wen das wimmelnde Leben des kriechenden, schlängelnden, rudernden Getiers zu beobachten lodt der übersehe die grünenden und blühenden Wasserpflanzen nicht, in der sie wie in einer Wildnis Haufen. „Großmütter wollen junge Mädchen / sein . . Z Die Zeiten, ba Grohmütterchen tagaus, tagein im Lehnstuhl saß und endlos lange Wollstrümpfe strickte, scheinen endgültig vorbei. Kein besseres Zeugnis dafür, als die das dunkelste Afrika durchquerenden, abenteuerlustigen alten Damen — meist Engländerinnen —, die jetzt hier gar nicht mehr zu den Seltenheiten gehören unb burch ihren Mut und ihre Ausdauer ihre Führer in Erstaunen sehen. „Großmütter wollen junge Mädchen fein — in Afrika!" so äußerte sich eine noch sehr jugendliche unter diesen Reisenden, die „nur" 64 Lenze zählte unb eben ihrer Heimat, einer schottischen Kleinstadt, entflohen war. Eine andere Vertreterin dieses neuen Großmutter-Typs schildert ber Afrikareisenbe Sir Percival Phillips in einem Londoner Blatte: „Ich traf eine dieser energischen alten Damen in dem Zuge von Salisbury nach Beira in Portugiesisch-Ost-Afrika. Sie war zart und scheinbar so gebrechlich, als dürfte sie niemals ihren Lehnstuhl verlassen. Ihre Kleidung unb Ausrüstung erschien lächerlich ungeeignet für eine Reise durch Afrika. Sie trug einen langen Mantel aus schwarzer Seide über einem grauen Kleide und ein anliegendes Hütchen statt bes so unentbehrlichen Tropenhelms. Rings um sie herum lagen die merkwürbigsten, in Auslösung begriffenen Gepäckstücke: schlecht verschnürte Papiertüten, ein riesenhafter, altmodischer Pompadour, ben sie überallhin mitschleppte, selbst ?u den Mahlzeiten, zwei glänzende kleine Hand- össerchen und ein geheimnisvoller Behälter auS Segeltuch, der stets in ben ungeeignetsten Augenblicken aus seinem Innern Orangen und Frottierhandtücher heraussallen ließ. Da sie nur eine Stunde Aufenthalt in Beira hatte, um hier ihren Dampfer zu erreichen, war sie in großer Aufregung, den Anschluß zu versäumen. Wäh- renb unseres kurzen Gesprächs, bevor ich sie einem zuverlässigen Touristenführer in Beira übergab, erzählte sie mir, daß sie verheiratete Söhne und Töchter daheim habe und bereits Indien bereist habe, um den Traum ihres Lebens, „bie Welt zu sehen", zu verwirklichen. Ihr nächstes Reiseziel war Kairo, das sie auf bem Lanbweg durch Afrika erreichen wollte. Fünf Wochen später hörte ich in Uganda von ihr seltsame neue Kunde. Der Chauffeur eines Automobils, das ich gemietet hatte, erzählte von einer seiner letzten Reisenden, „einer erstklassigen alten Dame in einem schwarzen Seidenmantel", die er von Kenya nach Uganba befördert hatte. Rach seiner Schilderung erkannte ich sogleich meine Reisegefährtin „Sic übertraf an Mut und Aus- 'bauet die jüngsten Frauen", berichtete ber Chauffeur. „Eines Rachmittags, als unser Auto in einsamster Gegenb dahinfuhr, kreuzte ein Rhinozeros, keine 200 Meter von uns entfernt, unseren Weg. Als es uns sah, stutzte es unb trottete bann auf uns zu. Es war keine Möglichkeit mehr, bas Automobil zu wenben. Ich lenkte es hinter zwei Bäume am Wegrand unb mußte so bie Ereignisse abwarten. „Tantchen", — wie meine Reisende von mir genannt zu werden wünschte — aus bem Wagen herauszulotsen, war unmöglich. Denn dieses Manöver erforderte stets vier bis fünf Minuten. Ich konnte sie natürlich nicht im Stich lassen, unb so blieb uns nichts übrig, als bem Tob ruhig unb gefaßt ins Auge zu sehen. Das Riesentier aber marschierte an uns vorbei seinen Weg weiter. „Tantchen" suchte sogleich ihren photographischen Apparat aus ihrem Gepäck herauszuschälen; ich aber riß ben Wagen herum unb sauste mit voller Geschwindigkeit davon. Doch Tantchen war sehr böse, daß ich ihr bie Aufnahme verdorben hatte, die sie ihrem Enkel schicken wollte. Seelenruhig erwiderte sie auf meine Frage, ob sie sich nicht gefürchtet habe: „Warum denn? Ich hab« doch gelesen, bah bie Rhinozerosse keine Fleisch- freffer sind." Diese kühne Reisende hat in ihrem schwarzen Seibenmantel schon mehr als 1000 englische Meilen im Wagen zurückgelegt. Sie schlief in ben Hütten ber Eingeborenen, unterhielt sich mit ihnen, toenn sie einen Dolmetscher auf treiben konnte, unb begnügte sich mit Konservennahrung. Dann verschwand sie aus bet Gegend, v.m nilabwärts neuen Abenteuern entgegenzuvesien." ., „Kann Ihnen mein Dank und meine ungetrübte Erinnerung an Sie nicht genügen?" „Warst du schon einmal hungrig. Konstanze? — Nein, du warst immer satt, siehst du!" Er keuchte und sein trockener Husten durchschüttelte den schmächtigen Körper des Kranken. Shr Haupt sank auf die Brust. Gin Mondstrahl legte sich auf ihr Gesicht, glitt über ihr schwarzes Haar. Es mutete an, als schwebe ein Heiligenschein über ihrem Haupt. „So willst du ihn sterben lassen?" Diese Frage klang hart und grausam und war ohne jede Menschlichkeit. Wieder kam dieses schreiende „Nein!" von ihren Lippen. Sie sank zu Boden. Sie lag vor ihm auf den Knien. „Genügt Ihnen auch das noch nicht?" Die Liebe zu einem Manne zwang die herrliche, stolze königliche Konstanze auf die Knie. Sie rang die Hände und hob sie zu ihm auf. „Warum quälen Sie mich so?" Mit jäher Bewegung beugte er sich zu ihr nieder und hob die Gebrochene auf. Sie zitterte. Sie dachte nichts mehr als: „Peter! — Peter! — Peter!" Alles andere versank. Peter! — Peter! — Peter! War er nicht bei ihr? — Er war da und umfing sie — Dann folgte eine leere, öde Stelle in ihrem Denken und Empfinden. Eine Stunde kam und ging. Das Licht deS Mondes wanderte durchs Zimmer. Endlich hob Konstanze den Kopf. Die war allein. Sn dem schwachen Licht sah sie zwei kleine weiße Flecke schimmern, die zu ihren Füßen lagen. Ganz mechanisch bückte sie sich und hob etwas auf. Lange Zeit starrte sie regungslos auf die beiöen Papierfetzen. Es war die zerrissene Schuldverschreibung. 11. Daran, wie Konstanze die nächste Zeit überlebte, konnte sie sich später nie mehr erinnern. Gin gewaltiges Erstaunen blieb' nach diesen Ereignissen zurück, wie es möglich war, bah man weiterlebte, daß der Organismus „Mensch" nicht zerbarst vor Scham und Verzweiflung. Anfänglich erschien es Konstanze als etwas Unmögliches, nun noch vor Peter hinzutreten, seinen Blick auszuhalten und Gleichgültigkeit zu zeigen. Aber sie hatte sich ihr Recht an Peter erkauft mit schworen Opfern, aber die Opfer waren gebracht. Sie wollte das Licbeswerk zu Ende führen. wollte wenigstens versuchen, Peter aus den Klauen seiner unseligen Leidenschaft zu befreien. / (Fortsetzung folgt.) Großdeutsche Pfingsten. Oie Hessen auf -er Lubiläumstagung -es BOA. Ln öen Tagen vom 6. bis 11. Sunt fand tn Salzburg die Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland statt. Sie war diesmal besonders wichtig, weil mit ihr das 5 0. S u - biläum der Schutzvereinsarbeit verbunden war. Wir geben im folgenden unseren Lesern aus der Fülle der Veranstaltungen einige Stimmungsbilder, die der Sonderberichterstatter des Landesverbandes Hessen des DDA^, Dr. Götz, Darmstadt, uns zur Verfügung stellte. D. Red. Die Hinfahrt. Das verhältnismäßig kleine Hessen stellt seit Jahren einen großen Prozentsatz der Teilnehmer an dieser Volksdeutschen Heerschau. Der Gedanke Kuratus F. H. M i t t e r e r, der Gründer des Deutschen Schulvereins, der als erster Pionierarbeit für das Auslandsdcutschtuin leistete. Chiemgauer Alpen, der Spiegel des stimmungsvollen Chiemsees glänzt herüber, und um 10.15 Uhr abends sind wir in der Feststadt Salzburg. Sn langem Zuge rückt die Sugend in ihre vorbereiteten Quartiere, und auch die Erwachsenen suchen bald die Ruhe, nachhaltig gezwungen durch die unbarmherzig gehandhabte „Sperrstunde". Salzburger Auftakt. Die mit ihren zahllosen Kirchtürmen, mit ihrer ragenden Feste in das breite Talbecken der Salzach zwischen hochragende Gipfel eingebettete Stadt Salzburg empfängt ihre Gäste in strahlendem Sonnenschein. Die mit Flaggen geschmückte Stadt Mozarts klingt und musiziert von den Marsch- und Wanderliedern der einrückenden, von dem blauen VDA.-Wimpel über- Gesandter a. D. Frhr. v. d. B u s s ch e, Haddenhausen, der jetzige Vorsitzende des VDA. der Volksverbundenheit aller Deutschen ohne Rücksicht auf zufällige politische Grenzen hat gerade in unserem Lande besonders tief Wurzel geschlagen: Alljährlich rollt aus Hessen ein Son Verzug, gefüllt mit erwartungsfroher, begeisterter Sugend nach dem Tagungsort. Direktor Hüthwohl, Grünberg, leitet zusammen mit Dr. Scheuring, Darmstadt, und Bank» beamten Philipps, Friedberg, unterstützt von vielen Unterführern, diese Fahrt in mustergültiger Weise. lieber 800 Sugendliche und Erwachsene bestiegen am vergangenen Freitag den hessischen Sonderzug, der von Gießen nach Süden abfuhr und sich in Butzbach, Bad- Rauheim, Friedberg, Frankfurt, Darmstadt, Bensheim, Hevpenheim füllte. Sonnenschein lag über dem deutschen Lande, das wir durchfuhren, iunt) Sonnenschein war in den Herzen der Fahrt- teilnchmer, der sich kundgab in srolxem Lied -und brausendem Heilrus. Bruchsal mit seinem Rokokoschloß fliegt vorbei, in dem mächtig auf- - tretendem Stuttgart ist Erfrischungshalt, dann schnaubt dec Zug die Geislinger Steige hinaus auf die Höhen des Sura, unö im Fluge geht's hinab zur Donau, wo die Filigranspitze des Ulmer Münsters uns grüßt. Rastlos geht's weiter. Die Fuggerstadt Augsburg wird durchfahren, München ist erreicht, und nun geht's durch die Abenddämmerung den Bergen zu. Sm Abendrot türmen sich bald die Dergriesen der wehten Sugend, die in Schulen und Fabrikräumen ihre Unterkunft findet. Ueberall auf den Straßen sieht man die bunten Festabzeichen, hört man den Heilgruß. Die ganze Mannigfaltigkeit deutscher Mundarten aus Rord und Süd, Ost und West, klingt mit den Stimmen der Ausländsdeutschen zu einer Symphonie der Volksdeutschen Gemeinschaft zusammen. Dieses Sich- finden, Sichkennen-, Sichverstehenlernen, das Hören von gegenseitigem' Erleben, das Sehen der verschiedenartigen Volkstypen und der aus alledem erwachsende Wille, mit der gesamtdeutschen Doltsgemeinschast Ernst zu machen und in Opferbereitschaft füreinander einzustehen, ist der Sinn dieser deutschen Pfingsttagung. Von den Behörden und Ministerien aus dem Reiche und aus Oesterreich, von zahlreichen Länderregierungen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Männern aller Parteirichtungen, Vertretern der Kirchen, großen Organisationen verschiedenster Art sind zahllose Glückwunschtele- grainme eingelaufen, zahlreiche Vertreter erschienen. Das Glückwunschtelegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg enthält eine warme Anerkennung der Volksschutzarbeit, einen herzlichen Wunsch für weitere Erfolge. Der Psingftfamstag begann mit einer Sitzung des Hauptausschusses, in welcher die Vertreter aller auslandsdeutschen Gebiete über ihre Lage und die Ereignisse des letzten Sahres Bericht erstatteten. Diese Sitzung stand unter der Leitung des Vorsitzenden Freiherrn von dem Bussche-HaddenHausen. Oie Zubiläumshauptversammfung fand am Samstagnachmittag im großen Saal des Festspielhauses statt und stand unter der Leitung des 1. Vorsitzenden, der die vielen Begrüßungen, die dem VDA. zu seiner Subiläums- tagung dargcboten wurden, entgegennebmen konnte. Der geschäftsführende Vorsitzende, Admiral Seebohm, verlas vor der Erstattung des Geschästsberichts die zahlreichen Glückwünsche, die zur Subiläumstagung eingingen, darunter solche des Reichspräsidenten, Reichskanzlers und zahlreicher Reichsminister. Der Geschäftsbericht gab ein eindrucksvolles Bild von der mannigfachen Verzweigung der Arbeit des Vereins. Das Schwergewicht lag in den letzten Sahren, der Ausdehnung des Vereins entsprechend, im Ausbau der Frauengruppen und der Gruppen in den ländlichen Gebieten. Den Schluß der Aussprache über den Geschäftsbericht bildete eine ermunternde Ansprache von Reichsminister a. D. Dr. Külz, der dem Verein wünschte, daß er unbeirrt, trotz aller Angriffe von rechts und links, seine hohe und heilige Aufgabe weiter zu erfüllen suche. Von fünf Städten aus dem Rheinland (Aachen, Köln, Koblenz, Mainz, Trier) waren Einladungen zur nächsten Pfingsttagung ergangen. Der Vorstand wird die endgültige Wahl des Tagungsortes zu treffen haben. Sedenfalls wird das befreite Rheinland im Sahre 1931 den VDA. auf freiem deutschen Boden begrüßen können. Oie übrigen Tagungen des Samstag. Den ganzen Tag über maß sich die Sugend auf dem Ronntaler Sportplatz Berchtoldsgründe im Sportwettkampf. — Am Rachmittag fand der Presseempfang durch den VDA. im Hotel Bristol statt. Chefredakteur Dr. Hoe - 6 er, Köln, leitete' ihn. Starken Eindruck machten die Ausführungen von Professor Auhagen, der über die grauenhafte Vernichtungskatastrophe sprach, die' jetzt im bolschewistischen Rußland über 1,2 Millionen deutscher Volksgenossen hereingebrochen ist. Direktor Dr. Barta, Wien, einer der besten Kenner der Schutzvereinsarbeit, bot in gedankenreichen Worten die geschichtliche Entwicklung der Schulvereinsarbeit in Oesterreich. Uebcr die Geschichte der VDA.-Bewegung im Reich sprach Dr. Bell, Kassel, der mit Dr. Barta zusammen das Standardwerk über die „Geschichte der Schutzarbeit am deutschen Volke" versaßt hat. Professor Steinacker (früher Ofen-Pest) ergänzte Bells Ausführungen aus seinen Lebenserfahrungen. — Den Begrüßungsabend der Studenten leitete Professor Dr. Günther, Snnsbruck. Direktor T r e u t, Reuyork, hielt eine zündende Ansprache an die akademische Sugend, während Dr. UII* mann, Berlin, über das zeitgemäße Thema „Von der Schutzarbeit zum Volksdeutschen Gedanken" sprach. Oie Jubiläumsfeier im Festspielhaus. Den Psingstsamstag krönte die Feier des 5 0. Subiläums der Schutzarbe it, die in dem mächtigen Theatersaal des Festspielhauses stattfand. Rach einem einleitenden Orgelspiel zogen die VDA.-Banner unter dem Schmettern der Fanfaren ein, zahlreiche Subiläumsspenden wurden überreicht, ebenso Auszeichnungen an drei Männer verliehen, die 50 .Sahre lang in der Schuhvereinsarbeit stehen. Der Salzburger Sängerbund sang, das klangstarke Schulvereinsorchester Salzburgs spielte: besonderen Beifall sanden die Volkslieder einer Volkskunstgruppe aus Mähren. Sn das musikalische Programm hinein, waren die zahlreichen Ansprachen verteilt, denen das überfüllte Haus andächtig lauschte. Begrüßungsworte sprach der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. R e h r l, der Oberbürgermeister, Hosrat Q t t, bet beul^che Gesandte von Wien, Graf Lerchenfeld. Besonders eindrucksvoll war der Gruß des Fürster^bischofs Dr. Rieder, des legatus natus des Apostolischen Stuhles und Primas von Deutschland. Die Festrede „50 Sahre Schutzarbeit" hielt Professor Dr. Eibl von der Universität Wien, der in tiefgründigen, teils geschichts- und rechtsphilosophischen Ausführungen von hohem Niveau die Forderungen des reinen Rechts darstellte, die das deutsche Volk sich zu eigen machen und die auch unsere ehemaligen Gegner letzten Endes davon überzeugen mühten, daß auch sie nur Vorteil aus einem Durchbruch dieses reinen Rechtes haben könnten. Unter den vielen Glückwünschen, die zum Teil in längeren programmatischen Ausführungen ausgesprochen wurden, seien die des früheren 1. Vorsitzenden des VDA., Staatssekretärs a. D. v. H i n tz e, des Sektionsrates Dr. Berka, Wien, des Senators Dr. Muth, Temesvar, für die europäischen Minderheiten, und des Generaldirektors Hayn, Bue. nos Aires, für die Ueberseedeutfchen, hervorge- hoben. Admiral Seebohm wurde durch Aeber- reichung einer Dankesadresse seitens der Volkskunstgruppen besonders geehrt. Das Deutschlandlied mit Orchesterbegleitung schloß eindrucksvoll die erhebende Festfeier ab. Kirche un- Schule. Entschließung der Friedberger Konferenz. Die Hessische Evangelische Vereinigung (Friedberger Konferenz) hielt in Frankfurt ihre Hauptversammlung, deren eigentliches Verhandlungsthema die aktuelle Frage des Zusammenschlusses der Landeskirchen von Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Hessen-Rassau und Frankfurt bildete. Die mehr grundsätzliche Seite der Frage erörterte Universitätsprofessor v. Cordier, Gießen, während Landeskirchenrat v. W a i tz , Darmstadt, Vorschläge einer praktischen Lösung bot. Wie aus der sich anschließenden regen Aussprache hervorging, besteht innerhalb der Vereinigung der lebhafte Wunsch, über die theoretische Erörterung der Frage hinauszukommen und einen gangbaren Weg zu der Schaffung eines geeinten großen Kirchengebildes zu finden, das mit größerer Stoßkraft und Wirtschaftlichkeit die brennenden Gegenwartsaufgaben auf kirchlichem Gebiete in Angriff nehmen kann. Der Ertrag der Vorträge und der Aussprache wurde in folgender Entschließung zusam- mengefaht: „Die Hauptversammlung der Hessischen Evangelischen Vereinigung (Friedberger Konferenz) sieht in der Schaffung einer einheitlichen grohhessi- schen Kirche das Ziel der zu erstrebenden kirchlichen Entwicklung. Um dieses wertvollen Zieles willen glaubt sie den in Frage kommenden Landeskirchen weitgehende Opfer zumuten zu können. Sie begrüßt die Weiterführung der Verhandlungen durch synodale Vertreter und beauftragt ihre eigenen Abgeordneten, im hessischen Landeskirchentag und in dem Dereinigungsausschuh ebenso entschieden alle Bestrebungen zu unterstützen, die diesem Ziele bienen, wie etwaige Lösungen abzulehnen, die die Schaffung eines einheitlichen Kirchengebildes erschweren können." Iahresfest des evangelischen Rettungshauses zu Arnsburg T Kloster Arnsburg, 11. Suni. Wie all- jährlich, so hatten sich auch dieses Sahr wieder tausende von Menschen eingefunden, um dem Sahresfest des ev. Rettungshauses, das am Pfingstdienstag begangen wurde, beizuwohnen. Wenn auch das schöne Heuwetter viele an der Teilnahme abgehalten haben mag, so ist die Zahl der Besucher in den Klostermauern mit 2000 eher zu niedrig als zu hoch angesetzt. Auch Glieder des fürstlichen Hauses von Solms- Hohensolms-Lich und des gräflichen Hauses von Konstanze. Vornan von Marl Heinz Voigt. Urheber-Rechtsschutz Derlag Oskar Meister, Werdari 34 Fortsetzung Nachdruck verboten Konstanze sprach nichts. Sie saß da und starrte aus die blutlosen Lippen des Sprechenden. Sie verstand nichts, als bad eine Er hat gespielt! Rach langem erst erfaßte sie das Weitere. „Das Geld ist binnen achtundvierzig Stunden zahlbar. Morgen ist es also bereits fällig." „Das ist doch ich bitte Sie. erklären Sie mir was wird geschehen?" Sie schrie auf. ES war ein Schrer der Verzweiflung. Plötzlich griff fic mit einer jähen Bewegung nach Kurt Helbings Arm. Sie hielt sich Dort fest, als drohe fle in einem grundlosen Wasser zu versinten. „Sagen Sie cs mir“, rief sie und taumelte auf ihren Stuhl zurück. „Schonen Sie mich nicht! - Cs ist bereits geschehen!?" Kurt Helbing schüttelte den Kops. „Sch habe Peter mit Gewalt vor einer Torheit bewahren müssen." „Aber während Sie hier sind..." Er hob die Hand und unterbrach ihre Rede. „Sch habe ihm versprochen, zu versuchen, das Geld herbelzuschafsen." Sie atmete aus. „Weih er, daß Sie bei mir sind?" „Rein! Er würde vor Scham zugrunde gehen. Er sprach die ganze Zeit von Sijnen. Er tobte wider sich selbst. Er war nahe am Srrfinn." „Er sprach von mir? Er bereut es?" Die Frage klang rührend zärtlich und nun weinte Kon- stanze. Die Anwesenheit Kurt Helblngs versank in ein bleiernes Vergessen. Der Bildhauer ging langsam zum Fenster. Er schaute in den Abend hinaus. Fern am Horizont über den Bäumen war ein letztes Verglühen des TageS. Srgendwo blitzten Lichter aus. „Vielleicht ist das der letzte Abend meines sehnsüchtigen Lebens", dachie er. „Vielleicht ist dieser versinkende Tag der letzte, dessen sterbende Glut meine Augen sehen." (g£ war seltsam Diese Stunde am Fenster des Zimmers der Frau, öle er liebte, wie er keine Frau je in feinem Leben geliebt, war angefüllt mit Scheldegeöanten, mit Gedanken des Lobes, dessen Flügel er über sich rauschen hörte. Vielleicht war es die Gewlßheii. daß er nun bald Abschied nehmen müsse von der Frau, der sein ganzes Sehnen gehörte, um in einem fremden Lande seine letzten Kranthelisiahre zu verbringen. Vielleicht war es das Anglück des Freundes, vielleicht war es auch der Anblick dieser gebeugten Frau, der ihm die Gedanken an Sterben und irdische Vergänglichkeit vor seine Seele rief. Rur ganz kurze Zelt hatte Konftanzes Weinen gedauert. Run war sie ganz gefaßt. Aber sie fühlte, daß sie zerbrochen war. weil er. der Geliebte, den sie zu retten gehofft, gescheitert war an den Klippen seiner Leidenschaft. Run muhte er sterben! Es gab keine andere Möglichkeit. Wie sollte Peter die Summe beschossen? Das Zimmer lag beinahe ganz im Dunkeln. Rur die Amrisse der beiden Menschen zeichneten sich silhouettenhast scharf gegen das etwas hellere Fenster ab. Konstanzc war zu matt, um Licht zu machen. Sie hätte Licht jetzt auch als schmerzhast cmp- sunden. — Lange Zeit schwiegen die beiden. Aus dem Dämmer klang schließlich Konftanzes hoffnungslose Frage: „Was soll geschehen? Wie verschüttet diese wenigen Worten Hangen und wie ohne jede Zuversicht! Äurl Helbing griff mit einer scheuen Bewegung in seine Tasche. Er zeigte ihr ein Blatt Papier. „Zwanzigtausend Mark habe ich bereits bezahlt." Konstanze machte eine jähe Bewegung. Sie haschte nach seiner Hand. Kurt Helbing hatte nod) Zeit, die nächste Bewegung Konstantes abzuwehren. Sie hatte den Scheitel bereits über seine Hand gebeugt. Demütig stand sie da unö glich in dem Licht Öes Mondes, das jetzt durch das Zimmer kroch, einer übermenschlich großen Traumgestalt. „Wie soll id) Shnen das danken?" fragte fic leise unö es klang beinahe ängftlid). — „Es ist gewiß alles, was Sie für ihn tun können, aber .." War es nun öie Rahe dieser geliebten Frau in dem einsamen nächtlichen Zimmer, war es die Berührung ihrer Hand oder war es mehr, wgr es etwas, das in ihm gebieterisch verlangte, diese Frau zu besitzen? — Einer lei! — Es geschah etwas gänzlid) Anerwartetes. Er brach vor Konstanze in die Knie, er griff nach ihrem Kleid und glitt, da fic erschrocken unö gänzlich außer Fassung, zurückwich, mit öem Gesicht zu ihren Füßen nieder. Es sah aus, als wolle er den Saum ihres Kleides küssen. Er hob die Hände zu ihr empor unö es schien, als seien nun ihre Rollen vertauscht, als sei er öcr Bittende geworden, der Demütige, der um nichts anderes bittet, als um das, was ihm das Größte, Dc- gehrenswerteste erschien. „Konstanzc Sie wissen — Sie haben es stets gewußt, daß ich Sie liebe, wie keine auf dieser Welt." Run grub er sein Gesicht in die Falten ihres Rockes, unö stammelte Worte, die Konstanzc nicht verstand, die sie nur ahnte. Schließlich sprang er aus. Er ergriff den Schuldschein PctcrS unö schwenkte ihn In der Luft. „Diesen Schein schasfc ich aus öer Welt. — Auch feine übrige Schuld. — Er soll sich nicht töten. — Er soll leben — leben unö glücklich fein, mit dir, Konstanze, wenn nur ich ein einziges Mal glücklich fein darf. — Sch bin ein todgeweihter Mensch, Konstanze. Welche Freuden wird mir das Leben noch bringen? — Kann ich das Andenken an dich, an einen einzigen Brosamen öcr Liebe mit dir, Konstanze, mit ins Grab nehmen, so will ich gern sterben. — Es ist öie letzte GnaÖc, die ich vom Dasein erflehe." Wie ein Sinnloser hatte er öie Worte hervor- gestoßen. Die waren öie letzten flehenöen Forderungen an Öas Leben. Konstanze stanö wie ein scheues Tier in einen Winkel gebrückt und starrte mit großen verwunderten Augen auf den Mann vor ihr. Es war ihr, als hätte sie diesen Menschen noch nie im Leben gesehen, als wäre er in diesem Augenblick erst in ihr Leben getreten, so gänzlich verändert erschien er ihr. And Kurt Helbing wußte in dieser Sekunde, daß sein Dasein mit dieser Frau siel oder stieg. All sein Tiefstes, das er für diese Frau empfand, brach sich in jener Stunde Bahn und drang aus feiner Seele hervor cm die Oberfläche des Bewußtseins. Er küßte ihre Hände unö die zarten Finger. Sie rührte sich nicht. „Sie können ihn retten!" „Sch will!" Sie nickte: „Der Preis bin ich!" „Sch liebe dich, Konstanze, Konstanze!" Sie hatte die Augen geschlossen unö hörte im Geiste Peters Stimme. Sie sah ihn malen und mit dieser Vorstellung vermischte sich eine andere: Sie sah ihn leblos daliegen mit einer Schußwunde. Sie sah sich selbst in seinem Atelier. Gottbegnadete Werke hingen da. Gottbegnadet, ja, er war auserwählt. Er mußte leben — leben — leben. Wenn er sich vernichtete, so war sie sck)uld, sic, die ihn liebte. „Opfere dich, Kon- stanze!" rief eine Stimme im Snncren. „Du gebietest über sein Leben und über seinen Tod." — Eine andere Stimme rief: „Wenn du dich opferst, so hintcrgehst du ihn! — Rein! Du hintergehst ihn nicht, denn du liebst den anderen nicht." Konstanze! Konstanzc! Der Kampf mit den zwei Stimmen war kurz. Er währte sekundenlang nur, aber noch nie hatte Konstanze so schwer gekämpft. „Morgen schon werde ich München verlassen", hörte sie Kurt Hclbings sichende Stinrme. „Sic werden mich nie mehr Wiedersehen. Peter aber wird leben unö wird schassen. — Durch öich, Konstanze." „Seien Sic ein Mensch!" schrie sie unö es Hang wie öcr Schrei eines weidwunden Tieres. „Helfen Sie ihm — auch ohne den Preis." „Sch kann dich nur so erringen, Konstanze." SolmJ der Feier £ tEe H seines * :S Ders über^ ncr h"t chor Do ineindeg Feier. 3n 1 lapelle die ®a dem Kinder ihre 3J stolt. fi Ml" Öen; ‘a Heran öe allen, d> tun* lehme st Vie Die 1 Arbeit«! 16. bis 2 Mte d gang । emvsang« nicht gcm Jerichtsa Zulvae «nl.-AVlöl.-Lchuld tnti 57,9 Ausios. Rechten....... 57,9 57,6 58 Detgl. ohne Auelos.-Rechte . . 10,1 9,5 9,9 9,5 8% Heg. poINfiaat von 1929 (rüdjaWb. 102%)...... 96 — 96 — C bettelten Provinz - Llnleite mh 56,5 «utlol.'Rechten....... Teuft die Stumm. SammelabL — — Anleite Serie 1....... 8% Rtantf. Hyv.-Bank «oldpte XH1 unkündbar bte 1934 . . 58 58 — 7% Äton!|. Hop.-Bank ®o!bpfe 94,5 89 — — 4H% Rteintjcke Hvp.-Banr 2iqu. (bolbpfe......... _ 8% Br. £