Nr. 2ö9 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 10. Dezember 1950 tcn glaubten, dost öi Das pensionskiimiWgeseß vor dem Reichslag Erregte Kriegsschulddebatte im amerikanischen Senat. auch vor (Eintreffen der Abgeordneten mehrmals angestimmt worden war. Eine besonders gefährliche Situation entstand am Schlust der Kundgebung, gegen 22 Uhr, durch das plötzliche Erscheinen eines Feuerwe' lung genommen. Beide schlichen sich dem Antrag auf Widerruf der Zulassung an. Oie Stellung der ^eichsregierung. Berlin, 10. Dez. (CNB.) Der Reichsinnen. Minister Dr. W i r t h hat sich gestern den Film „Im Westen nichts Neues" in feinem Ministerium vor- führen lassen. Wie die Börsenzeitung berichtet, hat der Minister es abgelehnt, den Film zu verbieten. Der Film wird heute mittag i m Reichskabinett selb ft vorgcführt wer- den. Ein Berliner Abendblatt will wissen, dah das Auswärtige Amt die weitere Zulassung des Films „Im Westen nichts Neues" aus außenpolitischen Gründen befürwortet habe. Wie wir er- fahren, trifft diese Darstellung nicht zu. Es liegt vielmehr Grund zu der Annahme vor, daß das Auswärtige Amt, wenn es bei der bevorstehenden Verhandlung vor der Filmoberprüfstelle nochmals gehört wird, einen durchaus entgegengesetz. ten Standpunkt einnehmen wird. Die Neuregelung der Krisenfürsorge. Berlin, 9. Dez. (WTB) Amtlich wird mitgeteilt: Die Neuregelung der Krisenfürsorge vom 5. November d. I. ist in letzter Zeit insbesondere wegen der Einschränkung der Fürsorger l e i st u n g e n angegriffen worden. Dabei wird aber verkannt, daß nach den neuen Vorschriften die Fürsorge in Zukunft den Angehörigen sämtlicher Berufsgruppen mit Ausnahme der Landwirtschaft und der häuslichen Dienste gewährt werden kann, während bisher nur ganz bestimmte Berufsgruppen zugelaffen waren. Eine solche Erweie terung des Personenkreises war bei der Finanzlage des Reiches nur möglich, wenn auf der anderen tocik gewisse Einschränkungen bei den Lei st ungen der Fürsorge vorgenommen wurden. Aus demselben Grunde mußten auch die Nebeneinnah m en mehr als bisher angered)« nct werden. Denn die Absicht, möglich st viele» die Fürsorge zuteil werden zu lassen, ließ sich unter den gegenwärtigen Umständen nur dann erreichen, wenn Leistungen, die der Not der Zeit entsprechen, auch nur den wirklich Bedürftigen gewährt werden. Es ist auch nicht möglich gewesen, Personen mit kurzer All wartschaft in der Krisenfürsorge zu belassen. Diesen muß, soweit sie bedürftig sind, im Wege der öffentlichen Fürsorge geholfen werden. Erich ein i «Ügttch, außer sonntags und Feiertag» Beilagen Die Illustrierte Siebener FamUienblätter Heimat >m Bild Di» Scholle Monats-Bezugroretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfenmg für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummem infolge höherer Gewalt, ^ernfvrechanfchlüffe anterSammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Pollfdfedlonto: Staßfurtern Main 11686. Gegen den Hehfilm „Im Westen nichts Neues" Erneut große nationaifozialistische Protestkundgebungen im Berliner Westen. Reuhork, 9. Dez. (TU.) Der Kampf um Die Revision der interalliierten Schuldenverträge und die Herabsetzung der Deutschen Reparationsleistungen führte in der Senatssitzung am Dienstag zu einer unerwartet heftigen Aussprache über die Kriegsschuldfrage. Der Senator C o p e - land (Dem.) hatte beantragt, einen Zeitungsartikel über die ernste Wirtschaftslage in Deutschland im Publikationsorgan des Kongresses zu veröffentlichen. Der Senator Reed (Republikaner- protestierte heftig dagegen und erklärte, Deutschland habe seine eigenen Kriegsschulden durch die Inflation sozusagen getilgt; seine jährliche Reparationslast betrage nur 480 Millionen Dollar, während England die ungeheure Summe von zwei Milliarden Dollar an jährlicher Derzinsung seiner Kriegsschuld aufbringen müsse. Amerika dürfe nicht den Fehler begehen, zu sehr mit Deutschland zu sympathisieren, um so mehr, als dieses die (Beran ttoor tun g a m Kriege trage. Ueberbies müßten die alliierten Mächte ihren Steuerzahlern größere Lasten auf er legen, wenn Deutschland die Reparationen erlassen würden. Die Folge davon wäre unweigerlich eine Propaganda zugunsten der Streichung der alliierten Schulden an Amerika, so daß der ame- rikanifche Steuerzahler letzten Endes die Kriegskosten zu tragen hätte. Aced kritisierte dann die Haltung Frankreichs, dem Amerika Zweidrittel seiner Schul- Auf dem Wittenberg-plah. Berlin, 9. Dez. (CNB.) Im Lause des Abends hatten sich mehrere taufend De monstra n- t c n cingefunden, die die eine Hälfte des Witten» berg.Platzes besetzt hielten, während auf der anderen Seite und um den Untergrundbahnhof herum noch mehrere hundert Personen herumstanden. In den Nebenstraßen herrschte reger Personen- und Wagenverkehr. Als Dr. Goebbels gegen 21.30 Uhr auf dem Platz erschien, erkletterten Photographen und junge Burschen Bäume und Latemenp'sähle. Außer Dr. Goebbels waren noch 84 Reichstagsabgeordnete der Nationalsozialisten anwesend. Als Erster sprach der S.-S.-Fiihrer, Rcichstagsab- geordneter Himmler (München), der in scharfen Worten gegen die Wcitcrführung des Films „3m Westen nichts Neues" Stellung nahm. Dr. Goebbels wandte sich in seinen Ausführungen besonders gegen die Aktion der Polizei. Die Kundgebung wurde mit dem Deutschlandlied abgeschlossen, das den erlassen habe und das jetzt die wohl- haben st e Ration der Welt sei und keine» lei Arbeitslose besitze. Er hoffe, daß die Agitation zugunsten der Streichung der alliierten Schulden und der deutschen Reparationen endlich aufhören werde. Senator Dorah sprach sich zwar ebenfalls! gegen einen allgemeinen Schuldenerlaß aus, legte jedoch gegen die Behauptung Reeds. Deuftchland trage die Alleinschuld am Kriege, schärfste Verwahrung ein. Es gehe nicht an, Deutschlands ßag* am Ende des Krieges mit der Lage der AUi- ierten zu vergleichen. Das Reich sei damals aller Hilfsmittel entblößt gewesen und durch den Zwang zu Reparationszahlungen in die schwierigste Lage gebracht worden. Er könne Reeds These von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege unmöglich anerkennen. Frankreich, Großbritannien und die übrigen europäischen Staaten seien mindestens mitschuldig. Senator C o p e l a n d ermahnte schließlich Amerika, nicht hartherzig gegenüber Deutschland z« fein. Das Reich habe seine bisherigen Reparationsleistungen ausschließlich mit geliehenem Gelde bezahlt. Frankreich, damit deutschem Gelde und deutschen Waren übersättigt sei, sei ein Konkurrent Ameri - ka s auf den südamerikanischen Märkten geworden. Wenn Amerika auf der Zahlung der Reparationen bestände, richte es sich vielleicht selbst. kraten mit Füßen getreten gemeinsam mit ihren schwarzen Koalitionsbrüdern vom Zentrum. Darüber hinaus hat man den Beamten einseitige Opfer zugemutet. (Zurufe: 3n Italien noch viel mehr!) In Italien handelt es sich nur um die Angleichung an die Valuta. Vorher war das deutsche Beamtentum unbestechlich. Es ist jetzt anders geworden als Sie (zu den Sozialdemokraten) wie die Fassadenkletterer mit ihrenPartei- buchbeamten in die Beamtenlausbahn eingedrungen sind. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Ist es etwa nicht wahr, daß Scheidemann seinen: Oberbürgermeisterposten den Deutschnationalen verkaufen wollte? (Rufe bei den Sozialdemokraten: „Unverschämtheit!") Der hohe Pensionsetat ist von den Parteien selbst verschuldet durch den viel zu weitgehenden Beamtenabbau. Man könnte in der Zeit der Rot freilich vorsichtig untersuchen, wie weit man an eine Äürjung bet Grobpensionen Herangehen könnte. Zu diesem Zweck beantragen wir die iiebertoeifung der Vorlage an den Veamtenausschuh. 2lbg. Laverrenz (Dnt.): Der vorliegende Entwurf versucht in empfindlicher Weise in die verfassungsmäßigen Rechte der Beamten einzu- greifen. Durch eine Pensionskürzung im 6üme per Vorlage würde geradezu der Arbeitswille bestraft. Das Ruhegehalt ist nur ein zeitlich hinausgeschobener Teil des verdienten Gehalts. Wir können die Vorlage, die wiederum einfeitig nur Me Beamten treffen und die Beamtenrechte aushöhlen will, nicht gutheißen. Abg. Torgler (Komm.): Wir mischen und in ben Streit zwischen Sozialdemokraten und Ratwnalsvztallsten darüber, wer sich am meisten an die Futterkrippe drängt. Der frühere Staatssekretär Dr. GrafvonPosadowskh-Weh- ne r bekommt eine Iahrespenlion von über 24000 a“- ebensoviel der frühere Reichsminister ■"D »en Anwärtern sind ausgemerzt worden. Die Sozialdemokratie ist der Meinung, daß die höheren ^egaiter noch weiter gekürzt werden müssen, wogegen im Augenblick öte gesetzlichen Bestimmungen stehen. Die hohen Pensionslasten sind eine Gefahr für den hessischen Staat und die Beamtenschaft. Um die weitere Gehaltszahlung an die Beamten zu ermöglichen, stimmen wir den Vorlagen zu. Abg. Reiber (Dem.) bedauert, daß infolge i>er geschickten Regie von Großkapital und Großindustrie heute der Beamte sich vor den übrigen Volksschichten wegen feiner Eigenschaft als Diener des Staates entschuldigen müjfe. Bisher habe ich die eigene Beamtenwirtschaf t abgelehnt, jetzt wird der Zustrom zur Beamten-Selb st Versorgung gestärkt, ohne daß ich darüber ein absprechendes Urteil abgeben kann. Rur sehr schweren Herzens stimme ich den Vorlagen zu. Ich habe es eben nicht so leicht wie die Abgeordneten. >die nicht zu den Regierungsparteien gehören. Durch die Ausrückungssperre werden wenigstens zunächst keine Stellen abgebaut. Abg. Dr. Leuchtgens (Lbdb.) wendet sich gegen die Darstellung, als sei der Landbund beamtenfeindlich. Man solle doch ehrlich sein und zugeben, daß an den sachlichen Ausgaben des Staates nichts mehr gestrichen werden könne und die Entlastung allein noch auf der Seite der persönlichen Ausgaben erfolgen könne. Es sei wenig mutig, sich hinter die Maßnahmen der Reichsregierung zu verkriechen. Wenn der Versuch. die schwebende Schuld zu konsolidieren, nicht gelinge, dann stehe Hessen in einem halben Jahr wie die übrigen Länder vor leeren Kassen. Die Abstimmung muß, da nur no h zwci Dutzend Abgeordnete der Opposition und der Mitte anwesend sind, auf Mittwoch vertagt werden. Oie Nebelkatastrophe in Belgien. Der belgische Arzt Dr. G e n d e b i l y, der die Rettungskolonnen organisierte und selbst die Erkrankten in seinem Wagen aus dem Maastal in höhere nebelfreie Gebiete schaffte. Sand aus der Sahara? Berlin, 10.Dez. (TU.) In einem umfangreichen Artikel befaßt sich die „Vossische Zeitung" mit dem Rätsel des Todesnebels im Maastal und gibt die Ansicht zweier namhafter Fachleute, nämlich des Leiters der Wetterdienststelle in Münster Dr. Lammert und des Professors für Chemie an der Columbia-Universität in Reuyork, QKanetti, wieder, die allen Ernstes unabhängig voneinander zu der Ueberzeugung gekommen seien, daß die Todesnebel die letzten Ausläufer außerordentlich starker Staub stürme in der Sahara seien, von denen in der letzten Rovemberdekade berichtet worden sei. Einige Tage darauf habe man in Spanien Staubfälle festgestellt, die aus reinem Wüstensand bestanden. Wiederum kurz darauf wurde das gleiche aus der Schweiz gemeldet. Zu gleicher Zeit wurde von einem Schmuhregen über Paris berichtet, dessen mikroskopische Untersuchung Staub nachwies. Lammert zieht daraus den Schluß, daß die große Staubwelle in der vorigen Woche über Belgien sein mußte und von dem Rebel auf die Erde gezogen wurde. Nebel über Aorddeuischland. lieber ganz Norddeutschland lag Dienstag früh dichter Nebel, der nicht nur in Berlin, sondern b e - sonders st a r k an der Küste den Verkehr erheblich behindert hat. Der Flugverkehr im Norden des Reiches lag vollkommen still, während die Reichsbahn, wenn auch mit Verspätungen, den Fernverkehr abwickeln konnte. Dagegen traten auf allen Bahnhöfen erhebliche "Ve* zögerun - g e n im Rangierbetriebe ein, und viele Güterzüge konnten nur mit mehrstündigen Verspätungen zusammengestellt und abgefertigt werden. In B e r l i n hatten die Verkehrsmittel, Straßenbahn und Omnibus, ebenfalls empfindlich durch die dicken graum Schwaden zu leiden, da die Führer die übliche Durchschnittsgefchwindigkeit nicht zu erreichen vermochten. Nur auf der Hoch- und Untergrundbahn wickelte sich der Verkehr ebenso wie bei den Stadt- und Vorortbahnen in gewohnter Regelmäßigkeit ab. Nach den vorliegenden Nachrichten ist auch die Schiffahrt besonders an der Küste, aber auch im Binnenlande sehr stark behindert worden. Auch über dem Rhein lag dichter Nebel. Die Königin von Belgien in Engis, dem Hauptort des Unglücks, wo allein 78 Tote gezählt werden. Schluß der Seufer Abrüstungskonferenz. Oer Generatbencht. Genf 9. Dez. (TU.) Der Abrüstungsausschuß hat am Dienstag die Durchberatung des Generalberichtes an den Völkerbundsrat abgeschlossen. Der Bericht ist in Form eines eingehenden Kommentars zu jedem einzelnen Artikel des Abrüstungsabkommens abgesaßt und gibt gleichzeitig die Reserven und offiziellen Erklärungen der einzelnen Abordnungen zu jedem einzelnen Artikel wieder. Der berüchtigte Artikel EA, der eine E r • Neuerung der Versailler Entwaff- nungsbesti mm ungen darstellt, wird in dem Generalbericht mit dem Wunsch nach restloser Klarheit begründet. Der Bericht gibt sodann die folgende grundsätzliche Erklärungderdeut- schen Regierung wieder: Die deutsche Abordnung erklärt, daß sie beim Artikel EA gegen das Abrüstungsab- kommen in seiner Gesamtheit stimme n wird, soweit das Abkommen nicht die Verträge von Washington und London berührt. Das Abkommen schließt in der von der Mehrheit dcs Aus chusses angenommenen Fassung die leisesten Anzeichen einer Begrenzung und HerabsehungderLandrüstungenaus An Stelle einer al gemeinen Ab üstung dient dies s Abkommen lediglich als ein Schleier, um den gegenwärtigen Stand der Rüstungen der Welt zu verbergen, und sogar neue Rüstungen zu gestatten. Für Deutschland würde die Unterzeichnung di> s s Abkommens die Erneuerung der Unterschrift unter die Entwaffnungsklausel des Vertrages von Versailles bedeuten. Oie Gchlußsihung. Gens, 9. Dez. (TU.) Der Vorbereitende Abrüstungsausschuß hat am Dienstag nach fünfeinhalbjähriger Tätigkeit seine Verhandlungen endgültig abgeschlossen. Der Weg für die Einberufung der allgemeinen Abrüstungskonferenz durch den Völ- kerbundsrat ist damit offen. In der Schlußsitzung verlas zunächst der Führer der sowjetrussischen Abordnu g, L u n a t s ch a r s k i, eine umfangreiche Denkschrift, in der die Moskauer Regierung das Abrüstungsabkemmen in allen Punkten auf das schärfstekrit fiert, das Abkomn e > in fei .er Gesamtheit ablehnt und je je Verantwortung für das Abkommen von sich weist, das d i e M ö g° lichkeit neuer Rüstungen offenlasse. Die Moskauer Regierung werde den Kampf für die allgemeine Abrüstung fort etzen. Der sowjetrussische Antrag, die Denkschrift dem Generalbericht an den Völkerbundsrat anzufügen, wurde abgelehnt. Lord Robert Cecil (England) bezeichnete das Abkommen als eine geeignete Grundlage für eine allgemeine Begrenzung der Rüstungen. Das letzte Wort liege jetzt bei den Völkern, nicht mehr beim Völkerbundsrat. Die Welt werde nur dann abrüften, wenn die Völker es wirklich wollten. Die deutsche Abordnung habe eine Abrüstung im Umfange der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages verlangt. Dies sei jedoch nur im Rahmen des Abkommensentwurfes des Völkerbundes möglich. Oer amerikanische Botschafter Gikson erklärte: Die Verhandlungen seien überschattet gewesen von den meist unausgesprochenen Befürch» tungen zahlreicher Regierungen für ihre nationale Sicherheit. Es wäre ein Mangel an Ehrlichkeit, wenn nicht festgestellt wurde, daß der Abkommensentwurf sehr weit hinter den Hoffnungen und Erwartungen zu- r ü tf b I e t b e. Nach seiner Auffassung fehlten viele Faktoren, die zur allgemeinen Abrüstung führten. Das Erreichte entspreche nicht den Versprechungen für eine Herabsetzung der Rüstungen, die angestrebt werde. Die öffentliche Meinung könne ihren heilsamen Einfluß nur ausüben, wenn sie nicht durch optimistische Darstellungen des Er- reichten getäuscht werde. Derartige Uebertreibungen könnten die öffentliche Meinung nur einlullen in ein falsches Gefühl des Vertrauens, Graf Bernstorff stellte fest, daß er mit dem amerikanischen Botschafter in den wesentlichsten Punkten übereinstimme. Er fuhr dann u. a. fort: Ich will auf erledigte Dinge nicht zurückkommen. Sie haben indessen aus den Reserven, die ich gemacht habe, er ehen, daß und warum ich bei meiner Kritik des Entwürfet beharren muh und daß im Einklang mit dieser Kritik die deutsche Re- gkrung den Entwurf ab lehnt, weil er nach ihrer Ansicht die schwer st en grundsätzlichen Mängel und ilntcrlaffun* gen aufweist. D.e Völker haben einen sicheren Instinkt für Tatsachen-, sie werden in diesem komplizierten Dertragswerk, das Wesentliche, den starken Willen zur Abrüstung, vermissen. Mit der kommenden Konferenz ist zur Erreichung des Zieles ö^r Abrüstung, für das die deutsche Regierung i ) nach toie vor mit allen Kräften ein setzen toi.u, d i e letzte Chance gegeben. Aufgabe der Konferenz wird es fein, das Problem in einer ganz anderen Weise anzufassen als bisher, ynö fo den Gedanken einer wirklichen Sicherung des Friedens durch die Tat zu verwirklichen. Sie wird diese Aufgabe nur dann lösen können, wenn sie sich getragen fühlt von der öffentlichen Meinung der Welt. Ich kann daher Jjeute nur noch einmal den dringenden Appell an die Völker richten, dafür zu sorgen, daß ihre Regierungen diese Aufgabe jetzt endlich erkennen und vor ihr nicht versagen. Mögen die Völker nicht vergessen, welch schwere Gefahren am Horizont erscheinen könnten, wenn die Aufgabe der Llbrüstung nicht erfüllt wird- Aus der Provinzialhauptflavt. Dieben, den 10. Dezember 1930. Rauhe Zeit. Da bringt man es wohl fertig, stolz zu bekennens Wir dürfen unS freuen der Errungenschaften unserer Zeit, wir haben technische Fortschritte erreicht, die wunderbar sind, wir haben eine kulturelle Entwicklung genommen, die sich sehen lassen kann. Da- alles stimmt. Aber wenn man es fester ins Auge saht, so stimmt cs doch auch wieder nicht, und man hat gar keinen An- lah zu Stolz, zu Llebcrheblichkeit gegenüber dem Vergangenen, denn diese Vorteile, auf die man sich beruft, werden vielfach wieder aufgehoben durch Schatten, die so tief und schwer sind, dah sie da- bißchen Licht aus der andern Seite vergessen lassen. — Man liest In einem Buch Briefe au- alten Zeiten. Vor mehr als hundert Jahren wurden sie geschrieben. Lind man ist verwundert über den (Sedankenslug, die Au-geglichenheit, die Weisheit in ihnen. Das waren Line aufgewühlten, keine rauhen Menschen, sondern Menschen, die sich in der Gewalt hatten, die auch ihre Sorgen trugen und mit Röten kämpften, auch ihre Ziele und Absichten in den entrinnenden Tag hinein- legten, aber doch ganz andere Menschen als wir. Lind gestehen wir es nur: Wir können unS mit ihnen nicht messen. Sie waren die Größeren, die Weitsichtigeren, die Eharakinwolleren. Denn es ist nicht charaktervoll, wenn einer dem andern Roheiten ins Gesicht brüllt, es ist nicht grob, wenn man nicht- anderes zur Selbstbehauptung kennt als dir Wacht des Ellenbogens, nicht weitsichtig, wenn man nur den Augenblick und seine Leidenschaft Im Auge hat. 3ene Manschen wußten, waS sie wollten Sie beschränkten sich aus einen engen KrciS ihres Wirkens, aber dort setzten sie auch ihre Kräfte großzügig ein. Großzügig, da- heißt aber weder brutal, noch rauh. Oft haben sie spielerisch Hindernisse genommen, die wir mit großem Apparat und ungeheurem Tamtam nicht erreichen. Vor allem aber: Welchen Geist atmen diese Vriese! Vicht einer unserer Heutigen brächte es fertig, mit solcher Vatür- lichkeit und Selbstverständlichkeit über große, ewige Dinge wie über Alltag-fachen zu sprechen. Es würde gekünstelt, unwahr, oder es flössen so viel Phrasen hinein, die irgendwo aufyeschnappt wurden, dah schon dieser Futter widerlich würde. Drei junge Leute kommen aus dem Trottoir daher. (Ein älterer Mann geht ihnen entgegen. Die Jungen denken gar nicht daran, Raum zum Durchgang frei zu machen. Der alte Mann muh auf die Straße hinunter. Und tut er es nicht, so kann er gewiß sein, daß ihm ungehörige Redensarten zu- fliegen, wenn ihm nicht Schlimmeres zuteil wird. Ein junger Bursche stößt versehentlich ein junges Mädä>en aji, als beide aneinander im Gedränge vorüber wollen Schon fallen Worte der Ungehal- tenheit, derbe, herzlose Worte. Auf beiden Seiten. Es ist, als ob in jedem das wilde Tier lauere, um in jedem Augenblick loszuspringen. — Und im Grunde ist das alles gar nicht so. Die Menschen sind im einzelnen gut, wie bisher. Da ist die Frau, die hingebungsvoll an ihren Kindern, ihrem Manne hängt, die Freundschaften pflegt und nicht im geringsten rauh ist. Und doch springt aus ihr plötzlich, wenn sie nur aufgestachelt wird durch Hetzereien, das Wilde hervor, daß sie alle Würde und alle Vernunft vergessen kann. Da ist der Mann, der brav seiner Arbeit nachgeht, sich um die Seinen sorgt, ein liebender Vater feinen Kindern, ein treuer Ehekamerad und den Freunden ein aufrichtiger Freund. Er pflegt in einem Mietgärtchen seine Blumen, und im Käsig hat er seinen Kanarienvogel, den er liebevoll behütet. Vernünftig ist er in allem, was er tut. Aber ebenso plötzlich dringt auch aus ihm, wenn nur einige Worte sein Blut entflammt haben, die Rauheit hervor, daß er alle Vernunft und Ueberlegung fahren läßt. Eine sonderbare Spannung ist in den Menschen unserer Zeit. Woher sie rührt? Richt allein von der Rot unb von den Sorgen, denn die Spannung ist auch in denen, die von der Rot noch nicht unmittelbar berührt wurden. Vielleicht hat man zuviel der widersprechenden Meinungen in sich ausgenommen, daß sich die vernünftige Einsicht trübte. Ehemals galt es gewissermaßen als Grundsatz: Wenn nur jeder das Rechte tut, ist es schon gut. Und in diesem Sinne richtete man fein Leben ein, daß es trotz der Beschränkung, in der man lebte, schön war. Man suchte die Freuden dort, wo sie sich finden ließen, und es konnte schon Freude sein, wenn eine selbst' gepflegte Blume Blüten ansetzte, oder ein kleines Vorhaben glückte. Mit so bescheidenen Dingen gibt man sich heute nicht mehr ab, sondern jeder fühlt sich berufen, gewissermaßen mitzudrehen am Lenkrad der Weltgeschichte, ohne doch die notwendigen Voraussetzungen dazu mitzubringen. O. 8. (5feuerprofefh>erfammlung in Gießen Auf Einladung der Gießener Ortsgruppe der Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirt- fchaftspartei) fand gestern abend im Saale des (Eaf6 Leib eine zahlreich besuchte Versammlung statt, die Protest erhob gegen die jüngsten Steuererhöhungen im Reiche, im Lande und in der Gemeinde. Der Verfammlungsleiter, Stadtratsmitglied Archi- tekt Nicolaus, wies einleitend auf den vollkommenen Widerspruch zwischen den Preisscnkungs- planen der Regierungen und ihren Steucraufbau- maßnahmen hin und betonte nachdrücklich, daß die steuerliche Last für den Mittelstand nachgerade unerträglich geworden sei. Er erklärte weiter, daß durch die »teuer- und Tariferhöhungen die Preis- fenkungsmaßnahmen nur illusorisch gemacht würden. __ Hierauf sprach als Hauptredner des Abends Herr Felix G r a e tz (Darmstadt), der sich einleitend kurz mit den Ursachen unserer Wirtschaftsnot beschäftigte und hier die Tributlasten, die überhöhten Steuern und übersteigerten Soziallasten als Kernpunkte des Uebels bezeichnete. Er wies dann auf die große wirtschaftliche Rot des Mittelstandes hin und forderte von allen bürgerlichen Parteien entschiedene Stellungnahme gegen die Ansprüche der Sozialdemokratie, die jetzt wieder bei der Revision der Steuernotverordnungen ihre einseitigen Wünsche mit aller Kraft durchsetzen wolle. Sodann beschäftigte er sich mit den Preissenkungsmaßnahmen der Regierung, die er als völlig verfehlt bezeichnete, weil sie mit behördlichen Eingriffen in das Wirtschaftsleben verbunden feien und nur zu Lasten der kleinen Leute des Mittelstandes gingen. An Hand von Beispielen über die wirtschaftliche und steuer- liche Not des selbständigen Mittelstandes nahm der Redner entschieden Stellung gegen die Betriebe der öffentlichen Hand, gegen die großen Konzerne und gegen die Konsumvereine, denen er zum Vorwurf machte, daß man bei ihnen bisher von einer Preislenkung noch nichts Wesentliches habe merken tön- Wei emIehlbellag im GießenetHaushali Die Oeckungsanifäge ber Stadtverwaltung im Finanzausschuß. Die wir auf Anfrage von der Stadtverwaltung erfahren, hat Oberbürgermeister Dr. Keller in der gestrigen Sitzung des st ä d t i f ch e n Finanz- ausschusses den Ausschußmitgliedern die Aus- Wirkungen der bekannten Notverordnung des Reichspräsidenten auf die städtischen Finanzen erläutert. Gr teilte dabei mit, daß namentlich durch die Belastung mit Ausgaben für die Wohlfahrtspflege ber Voranschlag für das Rechnungsjahr 1931 einen Fehlbetrag von mindestens 750 000 Alk. ausweisen werde. Da für das lausende Rechnungsjahr 1930 bereits ein weiterer Fehlbetrag — insbesondere durch Wenigerüberweisung von Reichssteueranteilen — von 1 27000 Mark festgestellt worden sei und es völlig ausgeschlossen erscheine, auch diesen Fehlbetrag in das Rechnungsjahr 1931 mit zu übernehmen, hat der Oberbürgermeister unverzüglich dem Finanzausschuß seine Vorschläge über die Deckung des Im Rechnungsjahr 1930 weiterhin vorhandenen Fehlbetrages gemacht. Danach kommt als Deckungsmittel in erster Linie eine Anpassung der Gießener Real st euer- sähe an die entsprechenden Sätze oller übrigen hessischen Städte in Betracht, wobei jedoch die vor- geschlagenen Steuersätze noch wesentlich unter dem Durchschnitt der Steuersätze aller anderen hessischen Städte sich bewegen werden. Auch eine Erhöhung des Waffergeldes von 25 auf 28 Pf. sowie des Hundertfatzes der gesetzlichen M i e t e um 2 v. H. ist vorgesehen. Der Oberbürgermeister wies in der Sitzung des Finanzausschusses darauf hin, daß eine Erhöhung der Realsteuern nur noch bis 1. Januar 1931 gesetzlich möglich (ei und daß die Lage der städtischen Finanzen im Rechnungsjahre 1931 eine katastrophale fein werde, wenn der Stadtrat nicht unverzüglich die vorgefchlagenen Veckungsmiktel beschließe. Zum Schluß bemerkte der Oberbürgermeister, daß die finanzielle Lage der Stadt eine günstigere wäre. wenn der Stadtrat nicht, entgegen den Anträgen des Oberbürgermeisters, in den letzten Jahren die Real- fteuerfäh? unbegründeterweise weit unter dem Durch' schnitt aller anderen hessischen Städte festgesetzt hatte. Die Anträge der Stadtverwaltung: Der Finanzausschuß wolle beschließen und beim Stadtrat beantragen: „Der in der Betriebsrechnung für das Rechnungsjahr 1930 sich ergebende Ausfall von 12 7 0 00 Mk. (Holz- und Grasgeld = 24 000 Mk., weniger lieber- Weisung von Reichssteueranteilen = 92 000 Mk., Fehlbetrag der Betriebsrechnung des Wohnungs- dau-Kontos = 11 000 Mk.) wird wie folgt gedeckt: 1. Mit Wirkung vom 1. April 1930 werden erhöht: a) die Gewerbesteuer vom Ertrag von 220 Pf. auf 280 Pf., Mehr- Mk. einnahme 52 000 b) die Gewerbesteuer vom Kapital von 55 auf 60 Pf., Mehreinnahme 14 900 c) die Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen von 27 auf 33 Pf, Mehreinnahme 60 000 2. Das W a f s e r g e l d wird vom 1. Januar 1931 ab von 25 auf 28 Pf. je cbm erhöht, Mehreinnahme 9 000 3. Der Hundertsatz der gesetzlichen Miete wird vom 1. Januar 1931 ab um zwei Prozent erhöht. 4. Der Stadtratsbeschluß vom 28. Novern- ber 1930 über die Erhebung einer Was- feranschlußgebühr wird aufgehoben. Anmerkung: Die Durcbschnittssätze der Realsteuern in fämt- lichen hessischen Städten betragen: 1. Für die Gewerbesteuer: Pf. a) vom Ertrag 326,2 b) vom Kapital 79,61 2. Für die Grundsteuer: a) von bebauten Grundstücken und Bauplätzen 39,25 b) vom land- unb forstwirtschaftlich genügten Grundbesitz 58,05 nen. Er warnte sodann die Konsumentenschast vor der unbearünbeten Zurückhaltung beim Wareneinkauf, ba sich die nach dieser Richtung hin gehegten Erwartungen nicht erfüllen könnten. Don den Re- Gierungen forderte er wirksame allgemeine Lastensenkung. Er beschäftigte sich dann eingehend mit ber Steuerpolitik ber hessischen Regierung, bie gerabe in ber Zeit ber Preissenkungsmaßnahmen es für richtig halte, ber Bevölkerung neue große Steuer- anforberungen aufzuerlegen, gegen bie man sich mit aller Energie zur Wehr setzen müffe. Der Rebner kritisierte bie Steuervorschläge der Regierung In den wesentlichsten Einzelheiten unb hob babei hervor, daß gerabe bem Mittelstanb burch diese Steuer- .Politik neue schwere Lasten aufgebürdet würden. Er forderte für die Zukunft, daß Einrichtungen, die nur einem Teile der Bevölkerung dienen, sich selbst erhalten müßten, die öffentlichen Einrichtungen für die Gesamtheit unter Aufwendung geringster Mittel zu verwalten feien und alle überflüssigen Dinge zu verschwinden hätten. Er verlangte die Einsetzung einer Kommission mit umfassenden Vollmachten, die auf eine gründliche Reform des gesamten Derwattungsorganismus mit dem Ziele der größtmöglichsten Ersparnis hinzu- arbeiten habe. Weiter verlangte der Redner Abbau unb Zusammenlegungen an zahlreichen Stellen ber öffentlichen Verwaltung unb der Staatseinrichtun- gen, wofür er eine Reihe von Einzelvorschlägen machte. Zum Schluß betonte er, daß bie Wirtschafts. Partei Jebe offene unb versteckte Steuererhöhung ablehne unb den Ausgleich der öffentlichen Haushalte trotz ber gestiegenen Lasten burch Sparmaßnahmen verlange. In ber anschließenden Aussprache unterstrich Stabtratsmitglieb Nicolaus bie Darlegungen des Redners noch in verschiedener Hinsicht, wobei er u. a. mit Nachdruck heroorhob, daß auch in Gießen nicht an Steuerabbau, sondern an weitere Steuererhöhungen gedacht werde unb baß man jetzt schon roieber ben Stadtrat ernst- lich mit berartigen Fragen befasse. Der Mittelstanb werbe sich gegen bie neuen Vorschläge schon in aller Kürze zu einer Protestoersammlung zusammen- finben müssen. Zum Schluß erklärte sich bie Versammlung einstimmig für bie nachstehende Entschließung: .Die Teilnehmer ber heutigen Protestversammlung der Wirtschastsparrer ergeben schärfsten Protest dagegen, daß unter bem Deckmantel der Vereinfachung durch Beibehaltung überholter Be» steucrungsgrundlagen bei der Gewerbesteuer 19c0 den Steuer f tätigen ungerechtfert'g'e Belastungen aufgebürdet werden. Wir protestieren dagegen, daß Bettelei um Billigkeit an Stelle klarer Rechtsansprüche gesetzt werden soll. Wir protestieren gegen Erhöhung der Grund- und Eondersteuem, weil dadurch die durch die Rotverordnungen der Reichsregierunq in Aus» ficht gestellten Ermäßigungen illusorisch gemacht werden. Wir protestieren dagegen, dah der ohnehin entrechtete HauSbcsitz noch w'iter belastet wird, und daß die Mieten in den Zeiten der Arbeitslosigkeit, des Lohn- und Gehaltsabbaues und der Vergleiche und Pleiten noch weiter gesteigert werden sollen. Wir protestieren dagegen, daß die Preissenkungsaktion mit Mitteln durchgeführl wird, die jeder Sachkenntnis entbehren und nur wirtschaftliche Schädigungen durch Zurückhaltung der Käufer nach sich ziehen. Wir erwarten vielmehr, dah nun endlich die längst in Aussicht gestellten Sparmaßnahmen durchgeführt werden und dah nicht nur wieder die geringsten Kategorien der Staatsdiener in ganz unglaublicher Weise in ihren ohnehin bescheidenen Bezügen geschmälert werden. Abbau der Ministerien, Entlassung der politischen Beamten und Wiederherstellung eines beruflich vorgebildeten Beamtentums find die Forderungen der gesamten Bevölkerung Hessens." t*ornoturti. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: .Meine Schwester und ich", 19.30 bis 22.30 Uhr. — Archäologisches Institut der Landesuniversität: Giehener Winkelmannsfest, 20 älhr, im großen Hörfaal des Vorlefungsgebäu- des. — Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein: Vortrag mit Lichtbildern über ,Island, seine Gletscher, Berge und Vulkane", 20 älhr, im Gesangsaal des Realgymnasiums. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Leutnant warst du einst bei den Husaren." — Astoria-Lichtspiele. »Der Flieger von Kalifornien" und »Prinz Louis Serbinanb". — — Aus dem Stadt-theaterbureau wird uns geschrieben: Heute. 19.30 Ähr, erste Wiederholung der mit großem Erfolg und Beifall aufgenommenen Iazzoperette: „Meine Schwester und ich" unter der Spielleitung von Intendant Dr. Prafch. - Am Freitag, 19.30 ilfyr, „Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann. — Die Historische Fachschaft der Landesuniversität Gießen und der Oberhessische Geschichtsverein veranstalten am Donnerstag, 11. Dezember, im Hörfaal 44 des neuen Dorlesungsgebäudes einen Vortragsabend. Prof. Dr. Mommsen (Marburg) wird über „Emil Ludwig und die deutsche Geschichtswissenschaft" sprechen. Der Vortrag dürfte wohl allgemeines Interesse finden. Roheres in der Anzeige vorn Montag. — D. H. V. Morgen, Donnerstagabend, Vortrag von Oberinspektor Busse, Gießen, über das Thema: „Was muh der Kaufmannsgehilfe von feiner Versicherung wissen?" (Siehe heutige Anzeige.) ♦ •• Die Steuerkarten für bas Jahr 1931 müssen von allen Arbeitnehmern im Stadthaus, Bergstraße 20, angeforbert werben. Näheres in ber gestrigen Bekanntmachung. ** Mietberechtigungsscheine werben mit Wirkung ab 1. Januar 1931 für den Bezirk ber Stabt Gießen eingeführt. Anspruchsberechtigte Personen können ben Schein beim Städtischen Wohnungsamt abholen. Näheres in ber heutigen Bekanntmachung. •• Sparmaßnahmen im Zu chthaus Marienschloß. Seit dem 1. Dezember befinden sich im Zuchthaus Marienschloß in Rockenberg keine weiblichenStraf» gefangenen mehr. Sic wurden in die grauenftrafabtcilung des Landgerichtsgefäng- niffes nach Mainz verbracht. Offenbar liegen dieser Maßnahme Ersparungsabsichten zugrunde. ** Schwerer Einbruch. In der vergangenen Rächt wurde im Zigarrenhaus Decker in Friedberg, Hanauer Straße 1, in der Rähe des Tahnhoses, ein schwerer Einbruch verübt. Den Einbrechern fiel eine große Menge von Tabakwaren in bie Hände. Der Gelamttchaden ist im Augenblick noch nicht zu übersehen. Die Landes- kriminalpolizei Gießen ist zur Zeit noch mit den Ermittlungen beschäftigt. ” Vorsicht beim Baumfällen in der Aä he von gernfbrecbietlungen. In bet Zeit des Baumfällens werden an ben Straßen unb in ben Ortschaften bie Reichs-Telegraphen- unb Fernsprechleitungen durch umstürzende Bäume ober durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in ber Regel die zur Sicherung der Telegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht ober in ungenügendem Maße treffen unb es unterlaßen, von ben bevorstehenden Arbeiten ber nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigungen ber Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Straf- gesctzbuches mit Strafe bedroht sind, sei ben Baumbesitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Baumfällung so zeitig zu benachrichtigen, daß erforderlichenfalls die Entsendung eines Beamten zur Sicherung ber Leitungen veranlaßt to?rben kann. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Im Rahmen eines Vortragsabends der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde der dieser Tage ftattfanb, berichtete Prof. Dr. 'Karl Troll, Berlin, über einen Test feiner fast brei- euchalbjährigen geographischen Forschungen in den Anden Südamerikas. Der schlichte, höchst anschauliche Vortrag ließ die Hörer nur ahnen, was für eine imponierende Leistung in technisch- tourcstischern sowohl, wie auch besonders in wissenschaftlichem Sinne die Reisen des Redners gewesen sind. Rach einer einleitenden älebersicht über die Landschaftsgürtel ber Anden und kur- zen humorvollen Schilderungen seiner Reisetechnik mit der Maultiertropa und dem treuen Diener Mariscal wandte sich Troll demjenigen Gebiet zu, dessen Erforschung er sich am längsten widmen konnte, den bolivianischen Anden. Zunächst schilderte er an der Hand von prachtvollen Lichtbildern die großen landeskundlichen Einheiten de- Gebietes, wobei er über außerordentlich fesselnde Einzelheiten berichtete. Im zweiten Teil seines VortrageS behandelte ber Redner den Menschen der bolivianischen Anden, insbesondere den Indianer. Er brachte sehr schöne Dilber von den beiden Hauptvölkern, den Aimarä und den Quichua welch letztere erst wenige Iahrhunderte vor bem Eintreffen der Spanier die Herrschaft an sich gerissen hatten, aber auch von dem auf 70 Familien zusammengeschrumpften Restvolk, den dunkleren, zäh an Sitte und Sprache festhaltenden Chipaya Anfchaulich schilderte er die Anbau- methvde, die Bereitung der umxrDerblidxnt Starkemehlknolle Chuno onus ber Kartoffel, die Webkunst, die Zucht von Llama und Alpaka, den Bergbau. Den Abschluß feiner mit reichem Beifall aufgenommenen Ausführungen bildete die Schilderung der Hochgsbirgstouren, bie Troll mit einer deutschen Bergsteigergruppe als wissenschaftlicher Teilnehmer auf Einladung deS deutschen unb österreichischen Alpenvereins in der bi« über 6600 Meter aufragenden Cordillera Real ausführte. Dr. L. "Tannenbergbund. In einer öffentlichen Versammlung des TannenbergbundeS sprach am Montagabend im „Bayerischen Hof" Major a. D Pommer über das Thema „Ludendorf Kampf gegen die Kriegspvlitik der deutschen Faschisten". Der Redner gab zunächst einen kurz gehaltenen äleberblick über die Bestrebungen Ludendor^fs um die Wehrhastmachung des deutschen Volkes auf breiterer Basis vor dem Kriege. Hierauf befaßte er sich mit der Person deS früheren Kallers. kritisierte seine Ratgeber unb seine Politik deS Friedens. Ec bezeichnete den Weltkrieg als eine bewußt herbeigesährte Aktion, die den Zweck haben sollte, die Dynastien Hohenzol.ern und Romanow zu beseitigen. Der Vortragende ging weiter auf bie gegenwärtige aus^npolitische Lage ein, definierte die Begriffe Bolschewismus Marxismu- und Faschismus, kritisierte den Stahlhelm im Hinblick auf bas Verhalten au Italien, sprach übet bic Golbwährung unb ihren Einfluß auf das Wirtschastsleben einer Ration, beschäftigte sich mit ber Spannung zwischen Frankreich, Italien und ..l^an& un^ der Rolle Deut chlands in ber europäischen Politik der Zukunft. Bre ten Raum widmete der Redner dann noch einer Betrachtung über eine eventuelle zukünftige kriegerische Auseinandersetzung ber Völker Europas. Die Zuhöret — es waren derer nur sehr wenige — folgten mit Aufmerksamkeit dem Vortrag. *• „D i e Dona u". Die Kulturfilm Vorstellung Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, am Sonntag- Vormittag brachte einen Film, ber sich burch seine Schönheit vor allen anderen auszeichnet. Gr zeigte zunächst den Zuschauern in herrlichenBlliern einen Teil des deutschen Dalerlandes. den Schwarzwald, das bayerische Land und das deutsche Oesterreich, brachte bann Bilder von hvchausstrebenden Do- wen, zeigte idyllisch gelegene Dörfer unb Städte, bic Hügel unb bie Fellengebirge, durch die sich das Wasser der Donau ben Tveg bahnt: man sah Land unb Leute in der unmittelbaren Frische ihrer Einfachheit, in ber Schönheit ihrer Trachten und ber Originalität ihrer Gebräuche und Sitten. Das dürfte für den ganzen Film gelten, der weiterhin bic Balkanstaaten, die bie Donau berührt. In ebenso feiner unb geschickter Form toiebergab. Mit besonderem Interesse sah man die Bilder von ben deutschen Siedlungen in Siebenbürgen. — Der Wert be8 Films wurde, über feinen Gegenstand der Darstellung hinaus, durch eine Vollkommenheit ber Landschaftsphotographie gehoben, die ihn zum wahren Kulturfilm stempelte. Der Hessische Landbund gegen die Kreis-Auflösung. Don der Landesgeschäftsstelle des H e s s i s ch e n Landbundes wird uns mitgeteilt: Die Landtagsfraktion des Hessischen Landbundes hat im Laufe ber letzten 3abre bei Erörterung ber Sparmaßnahmen im Hessischen Canbtag immer ben Standpunkt Der- treten, keine Kreise aufzuheben, well damit kaum Ersparnisse erzielt werden und weil die allenfalls zu erzielenden geringen Ersparnisse längst durch erhöhte Opfer der Bevölkerung ausgewogen würden. Die Fraktion wird sich auch weiterhin der Aufhebung von Kreisen widersetzen und sich bemühen, durch Einsparungen auf anderen* Gebieten ber Staatsverwaltung (Ministerien, Landestheater, Fortbildungsschule, höhere Schulen, Hochschule, innere Finanzausgleiche bezüglich der städtischen Ortspolizei, Beamten - Besoldungs - Reuordnung u. d. a.) zur Verminderung der Staatsausgaben und Damit zur Beseitigung des Staatsdefizits und zur Senkung ber Staatssteuern beizutragen. Insbesondere wird bie Fraktion ber hessischen Regierung unterteinenälmftänbeneine Ermächtigung geben, eine Reuordnung bet Kreiseinteilung ohne Mitwirkung des Landtages vorzunehmen. Darmstadt. 9.Dezember 1930. Dr.v. Helmolt, Dorsitzender der Landtagsfraktion des Hessischen Landbundes. Wettervoraussage. Ucber Frankreich und England hat sich höherer Druck entwickelt, welcher dort zu vielfachem Nachtfrost geführt hat. Namentlich über England und Schottland lagen die Morgcntemperaturen bis zu 4 Grad unter Null. Die Auswirkungen Des hohen Druckes werden sich zunächst auch über Deutschland erstrecken, so daß trockenes, meist nebliges Wetter mit Aufklaren eintritt und Die Temperaturen nachts unter den Gefrierpunkt zurückgehen. Das Frostwetter Durfte nur vorübergehend standhalten. Denn an Der Westküste Irlands drehen die Winde noch Süden um, erneuter Temperaturanstieg setzt ein unb das Barometer fällt. Wahrscheinlich wird bas neue Tief bis Freitag auch Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnen bürfen unb bei ben niederen Temperaturen Niederschläge Dann in Form von Schnee auf- treten. Aussichten für Donnerstag. Racht- frvu. meist nebliges und dunstiges Wetter mit Aufklaren, trocken. Aussichten für Freitag. Rach Äacht- frvst im Laufe des Tages Milderung unb ftär- . SiTitrubung mit vereinzelten Riederschlägen in Schnee wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 9. Dezember: mittags 2,7 ©rab Celsius, abends 3,1 Grad: am 10. Dezember: JT-r35ns Grab. Marimum 3,2 Grad, Minimum 0,5 (8rab. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 9. Dezember: abends 0,2 Grad. Telephon 2534 591 ID 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 8323 D 8310D 8265D Kevlcrttr. 5. Wieseck, den 10. Dezember 1930. 8327 D im 50. Lebensjahre. Holzheim, Gießen, Köln'Mülheim, 9. Dezember 1930. 8049V dem Fachmann 8319D [8303V Wir vergeben die Billige 1490D liefert lahli* 07617 Gießen, den 9. Dezember 1930. 8286 D 8161D Heinrich Hochstätter Verkauf: Brandplatz 1 Ausstellung: Mäusburg 5 mieten Näheres b. Frau Jakob, Bahn- Hofstratze84 I. 8218V ■ 8108 A Kablian Seelachs Goldbarsch . 35 , 35 . 30 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 2% Uhr, vom Trauerhause aus statt. Gießen (Krofdorfcr Straße 24), den 10. Dezember 1930. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 12. Dezember, nachmittags Filet das PId. 50 PI. Zisch-Jürgens Heute vormittag 8/4 Uhr entschlief plötzlich infolge Herzschlags mein herzensguter, lieber Mann, unser treu besorgter, lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, mein lieber Sohn und Bruder Dampisägewerk Lollar B. Nuhn. ÜL-M. Heuchelheim (Brauhausstraße), lO.Dezember 1930. __________________8 .1RD Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 2*A Uhr, vorn Trauerhause aus statt. im 42. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Jenny Rosenbaum, geb, Stern. Großen-Linden (Bahnhofstraße 78), Wieseck, Hörnsheim, den 9. Dezember 1930. HÜligeSeeli* Schellfische o K. Kabliau 0. K Filets ssisD grüne Heringe Port-Schellfische Rotzungen ger. Rheinaale Sprotten, Bück- linae, ger. Schellfische, Lachs usw. E. G. Sleinhenn Babnbossiratze 59 Televbon 3866 Unerwartet entschlief heute morgen mein innigstge- liebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Herr Eduard Rosenbaum In tiefer Trauer: Elisabethe Müller und Angehörige. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode meiner Heben Frau Maria Katharina Reuter sowie für die Kranzspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Sattler sage ich im Namen der trauernden Hinterbliebenen meinen herzl. Dank. Christian Reuter II. Karl Overbeck Rodbeimer Str. 58, zur Reparatur. Telephon 3715 An- und Verkauf gebe. Maschinen. ••••• Holzbeleuchiungskörper Lüster, eichen und nussbaum zu jeder Zimmereinrichtung passend. SoUbNdbauevei LN. 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Für die überaus herzliche Teilnahme und die zahlreichen Karten-, Kranz- und Blumenspenden bei dem Heimgange meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Schwiegervaters Herrn Georg Keil sprechen wir hiermit allen, auch denjenigen, die dem lieben Verstorbenen <^ie letzte Ehre erwiesen haben, unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Lina Keil, geb. Malkomesius. Die langen Winterabende / sind durch eine \ Kino- oder 8302A Laterna magica- Vorführung dankbar ausgefüllt und bieten für die Jugend ein schönes , Weihnachtsgeschenk. , \ Photo-Winterhoff / \ Kreuzplatz 9. / Billige Seefische Donnerstag 07si« Marktlanbe Schellfische.K.Pfd. 30 KurzgeschnttteneS MHz Für die wohltuenden Beweise der Teilnahme beim Hinscheiden meiner innigstgeliebten Frau und Mutter sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Doerr bitte ich den Ausdruck herzlichen Dankes auf diesem Wege entgegenzunehmen. Ludwig Volkmann Friseurmeister. Fischhans Cmhaven Marktttratze 23 Tel 24 l 7. etoiA llllllllllllllllllllllllllllllllllll flinkes, sauberes Tasesinädchen soiort gesucht. 07615 Frau Dir. Hertel, Äreuzplatr 8. fllllllllillllllllllllllllllllllllD Todes-Anzeige. Unser innlgstgeliebter braver Sohn, unser herzensguter, treuer Bruder, Schwager und Onkel Hans Philipp ist im blühenden Alter von 23 Jahren nach kurzer, schwerer, mit großer Geduld ertragener Krankheit sanft entschlafen. In tiefem Schmerz: Familie Jakob Philipp. uckerkranke 6680 V Kem Hung. mehr nölig. Gr. Erfolge. Kosten!. Ausk.u.Tanachenber bin» Pb. Hergert. Wiesbaden, Rückertstr. 266 Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Nathan Grünebaum Altveteran von 1866 Dienstagmorgen nach langem schweren Leiden im 91. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Abraham Grünebaum und Frau Bertha Heß, geb. Grünebaum Mathilde Daniel, geb. Grünebaum 6 Enkel. Lang-Göns, Wittlich und Gymnich, den 10. Dezember 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 3i/2 Uhr, vom Trauerbause in Lang-Göns aus statt. Orient »Teppiche auserlesene gute Stücke äußerst preiswert Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir aut diesem Wege unseren besten Dank. Die Trauernden: Familie Wilh. Bingel Familie Karl Marsteller Dr. Jakob Bingel. Grüningen, Berlin, den 8. Dezember 1930. 8279 D | Vermietungen | Hiim-Mg. beschlagnabmefret, in schön. Vage nutzer- halb der Stadt sos a. vrm. Schr.Ang.u. 07600 n. b. Gtz. Anz. Dte selch, von Herrn Dr. Gerster mnegeh. Praxisräume 3 Zimmer finb ab 1. Dezember anderweit zu oer» SMilMelm für einen erstkl. leicht verkäniltchen Artikel. Kundenkreis vorh. Mona-l. Verdienst je n. Gr. b. Bez. Mk. 1000 u. mehr. Herren bie über Mk. 500 bis 1000öerfügen, ist eine erstkl.Extstenz- möglichkeit geboten Gefl. Zuschrist. unter F. E. 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X Der ehemalige Reichswchrminister Dr. Gehler, b*r von Zeit zu Zeit in gedankenreichen Reden zeigt, daß er in der Zeit der Muhe durchaus nicht müßig ist, hat Dor einigen Tagen in einer Rede vor einem Auditorium, zu dem auch der Herr Reichspräsident gehörte, offen ausgesprochen, was mit ihm viele — die einen in Zrrcht, di« anderen in Hoffnung — denken: >.D i e Staatskrise ist da!" Ist cs allein die Anwendung des Artikels 4 8 der ReichSverfafst.ng, des gewissermaßen letzten Mittels der Dcrfassung, was einen solchen Anspruch rechtfertigt? Der Artikel 48 ist im Laufe der letzten z:hn Iah re schon so manches Mal angewandt worden, ohne daß man von einer Staatskrise sprach, obwohl er doch nach seinen, Wortlaut nur angewandt werden kann, ..wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird". Unb wenn auch diesmal die Rotverordnung ungewöhnlich stark in allen ihren neun Abschnitten in das wirtschaftliche Leben eingreift, der Reichstag hat, von der einen Seite gelobt und von der anderen gescholten, Anträge auf Aufhebung der Notverordnung mit einer Mehrheit von 38 Stimmen ab gelehnt. 2st cs die Arbeitsunfähigkeit des Reichstages, die den Staat gefährdet erscheinen läßt? Zweifellos liegt darin ein ernstes Gefahrenmoment, und niemand weiß, was sich aus diesem Zustand — in Gutem oder in Bösem 7- entwickeln mag. Man soll aber auch nicht jedes Wort, was scheltend über diesen Reichstag gesagt wird, für bare Münze nehmen. Cs hat noch keinen Reichstag in Deutschland gegeben, über den nicht schreib- und redegewandte Zeitgenossen gehöhnt und gespottet haben. Daraus entwickelte sich regelmäßig eine allgemeine Heber* zeugung von der Unfähigkeit des jetzigen Reichstags. Cs kam der Schrei nach der Auflösung, es kam ein neuer Reichstag und das.Spiel begann von vorn. Ganz Pfiffige und ganz naive Mitbürger pflegten dann das Wahlrecht für den neuen Mißerfolg verantwortlich zu machen, und man klügelte Dutzende von Vorschlägen für ein neues Wahlrecht aus, die bei näherem Zusehen es immer zu der fatalen Erkenntnis kommen lassen, daß die Reformer weniger an Deutschland, als an die eigene Partei dachten. Don ähnlichen Gedankengängen pflegt freilich nur zu oft auch die Gegenseite auszugehen, die sowohl einer Auflösung eines Reichstages wie einer Reform des Wahlrechts widerstrebt. Menschliches, allzu Menschliches hüben und drüben. Keine Hoffnung, daß sich eine Zweidrittelmehrheit der Dolksver- trctung zu der einzigen Wahlrechtsreform bekennt, die geeignet wäre, ein Parlament der Würde und des Derantwortungsbewußtseirrs zu schaffen. Man braucht dazu nichts weiter als eine erhebliche Heraufsetzung des Wahlalters, oder doch mindestens eine Beseitigung des lächerlichen Zustandes, daß Menschen, die noch nicht einmal majorenn sind, für befähigt ansieht, über Wohl und Wehe des Staates abzustimmen. Näher liegt cs. anzunehmen, daß der Krankheitszustand Deutschlands das Wort von der Staatslrise rechtfertigt. „Ventre affame n’a po- int d’oreilles", sagen unsere Nachbarn und haben recht. Hungernden, Verarmten, Verzweifelten ist schlecht Vernunft predigen. Dos Gedeihen von Bolschewismus, wie von Faschismus ist eine Magenfrage. Wohl uns, wenn ein Jahrzehnt des Drucks und der Demütigung im Volke echten deutschen Freiheitswillen aufflammen laßt; aber mit bloßer Begeisterung ist noch wenig getan, und Treitschke hat recht, wenn er daraus hinweist, daß es für ein Volk leichter sei, sich für eine Staatsidee zu begeistern, als jene Selbstbeherrschung zu finden, die für ein Volk dazu gehört, sich selbst zu regieren. Vorläufig sehen Goethe-Bund. Vortragsabend Hermann Ltehr. Der zweite Vortragsabend des Gießener Goethe- Bundes in diesem Winter vermittelte die Bekanntschaft mit dem schlesischen Dichter Hermann Stehr, der, im Lebcnsraum und der Nachbarschaft Gerhart Hauptmanns groß geworden, aus landschaftlich fest umgrenztem Naturalismus in eine gediegene deutsche Erzählertradltion hineingewachsen ist. Stehr begann seine Vorlesung mit der „Legende vom steinernen Mann", einer geruhsam anhebenden und besinnlich abklingenden Schilderung aus einem weltentlegenen Dorfbezirk seiner schlesischen Heimat. Der steinerne Mann ist ein uraltes Bildwerk im Walde bei der Hüttenguteo .Ewigkeit", ein anderer, minder volkstümlicher Rübezahl, in Stein erstarrt und doch wiederum vermenschlicht, ein Liebesgott und Götzenbild, dessen Dasein mit den mancherlei Schicksalen der umwohnenden Einheimischen auf eine merkwürdige, bald heitere, bald unheimliche und grauenerregende Art verknüpft ist. Hm die so sonderbar vermenschlichte Mythenfigur des steinernen Mannes ranken sich, nur locker oder gar nicht miteinander verbunden, legendäre oder verbürgte Begebenheiten, die nicht ohne Spannung, nicht ohne Humor und auch nicht ohne eine gewisse dämonische Hintergründigkeit gestaltet sind. Der 'Bericht von der Entstehung oder Herkunft des Bildes ist verkettet mit einem kaum erklärlichen Hnglücksfall, daran schließt sich eine legendäre Episode aus dem siebenjährigen Kriege, volkssagenhafte Schilderungen eincÄ Liebeszaubers leiten über zu gespenstigen Szenen von Kindesmord. Verfolgung und Selbstvernichtung. Trotz der geringen Verbundenheit der einzelnen Motive hinterließ doch, für unser Empfinden, dte sehr bedachtsame und ausmalende Vorlesung dieser ersten Erzählung den stärksten Eindruck — als die entschiedenste Beglaubigung der dichterischen Kräfte in Hermann Stehr. Rach einer kurzen Pause hörte man dann als zweites und letztes Stück die Erzählung „Der Feuersamen", die ebenfalls auf eine sagenhafte Heberlieferung zurückgreift, wiederum auf schlesischem Boden spielend, zur Zeit der Befreiungskriege. Die Geschichte berichtet, anknüpfend an das motivisch bedeutungsvoll eingeführte Naturereignis eines Meteorfalles, im Stil etwas an die Art der Dolkserzählungen erinnernd und stellenweise mundartlich gefärbt, vom jähen Verfall der Familie des schlesischen Webersohnes Thaddäus wir nur, daß die Leidenschaften sich gegen die eigenen Volksgenossen kehren, und daß tagtäglich fast deutsches Blut von Deutschen vergossen wird. Vorläufig gibt es noch zu viele Blinde, die nicht sehen können oder nicht sehen wollen, was in mühseliger Arbeit seit dem Zusammenbruch Schritt für Schritt getan worden ist für unseres Volkes Wiederaufstieg. Des Lichtes Himmelsfackel ist nun einmal in der Hand der ewig Blinden eine gewisse Gefahr, und insofern ist das Wort von der Staatskrise ein Warnungs- lignaL Dennoch soll man festhalten daS eine, daß Deutschland schon über schlimmere Zeiten hinweggekommen ist als die gegenwärtige, und daß es für jeden wahren Tatet* landSfreund, er mag politisch stehen wo er wolle, keine größere Gefahr als neuen Hmsturz, neue Kämpfe um die Staatsform gibt. Schlimmere Zeiten? Als Stresemann 1923 die Regierung übernahm, war die deutsche Währung vollkommen zerrüttet, waren die letzten deutschen Ersparnisse verloren, führten Hungerrevolten m fast allen großen Städten zu blutigen Zusammenstößen, glaubte der Ministerpräsident Zeigner in Sachsen den Sowjetstaat und glaubten die Separatisten im Rheinland die „freie" rheinische Republik aus- rufen zu können, standen Hitlers Scharen in Bayern an der preußischen Grenze, saßen die Franzosen nicht nur am Rhein, sondern auch an der Ruhr, und waren die Pläne Poincares zu einem Einmarsch der Polen und Tschechoslowaken und zu einem gemeinsamen Vormarsch mit den Franzosen fix und fertig. Eine spätere Geschichtsschreibung wird einmal würdigen, was allein mit der Stillegung der Notendruckmaschinen und durch die Einführung einer neuen Währung Stresemann und Helfferich und Luther geleistet haben. Die Staatskrise war uns zweifellos damals näher als jetzt. Die Reichstagswahlen im Mai 1924 allerdings zeigten ein starkes Anschwel- len der kommunistischen und nationalsozialistischen Stimmen. Aber schon im Dezember desselben Jahres verlor jede der beiden Parteien eine Million Wähler. Die Autorität der Reichsregierung, die das Steuer fest in der Hand behielt, hatte sich durchgeseht. Aus der Zeit der verschleierten Diktatur und der Cr- mächtigungsgesehe und des Artikels 48 kam der Staat unversehrt hinüber in eine ordnungsmäßige Gesetzgebung. Alles, aber auch alles kommt darauf an, ob die Regierung Brüning dasselbe Maß von Festigkeit aufbringen wird, wie ihre Vorgänger vor sieben und sechs wahren. Vielleicht waren es Zweifel daran, die den früheren Reichswehrminister sein alarmierendes Wort von der Staatskrise aussprechen ließen, Zweifel, die auch nicht wenige Abgeordnete gehabt haben mögen, als sie am 6. Dezember die Anträge der Opposition auf Aufhebung der Notverordnung ablehnten. Die Mehrheit war ja weit entfernt davon, die so gerettete Notverordnung in allen, ihren Teilen für gut und richtig zu halten. Bestimmend für die Ablehnung war doch wohl zweifellos die Heberzeugung, daß eine Aufhebung der Notverordnung ein in seinen Auswirkungen nicht zu übersehendes Chaos und damit wirklich die Staatskrise geschafsen haben würde. Aber die Notverordnung, die nun Gesetz ist. wird, wenn sie unverändert bleibt, nicht das Ziel erreichen, das sich die Regierung in ihrem Finanz- und Wirtschaftsprogramm vom 30. September gesetzt hat, obwohl dieses Programm nicht einmal so umfassend ist, wie es die Begründung nennt, obwohl es allzusehr von vornherein den Charakter des Stückwerks trägt. Bei den Beratungen der dann aus Grund dieses Programms ein gebrachten Gesetzesvorlagen im Reichsrat ist noch so manches wieder preis- gegeben worden, was in den Ländern unbequem, aber zur wahren „Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" unerläßlich war. Diese Nachgiebigkeit ist an sich noch gefährlicher, als die Verschlechterung der Notverordnung über- Frenzel. Hier hätte ein wenig mehr Konzentriert heit im Dortrage und ein lebhafterer Redefluß die Wirkung des Gelesenen entschieden gesteigert. — Die zahlreiche Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall. — y — Wie Bismarck starb. Der authentische Bericht seines Sohnes. Bismarcks Briese an seine Braut und Gattin gehören zu den klassischen Werken deutscher Drief- kunst, und sehnlichst hat man darauf gewartet, daß diese Bekenntnisse und Plaudereien eines Liebenden zum Zwiegespräch würden. Run veröffentlicht Fürstin Herbert von Bismarck bei der Deutschen Derlagsanstalt in Stuttgart die „Drautbriefe der Für st in Johanna von Bismarck" und fügt diesen kostbaren Ergänzungen des Dismarckschen Liebesromans noch andere wichtige, bisher unbekannte Dokumente hinzu, neben einigen Briefen des Fürsten an seine Tochter Marie als wichtigstes eine authentische Aufzeichnung des Fürsten Herbert Bismarck über die letzten Tage und den Tod seines Daters. „Als ich am 22. Juli in Friedrichsruh ein traf", schreibt Fürst Herbert, „fand ich den Zustand meines Daters gegen den 9. Iuli verschlechtert. An diesem Tage war ich zuletzt dort gewesen und hatte mein Tatet eine längere Hmfahrt durch den Garten im Fahrstuhl gemacht: seitdem war Fieberzustand eingetreten, verbunden mit Somnolenz, Phantasieren und beschleunigter Atmung: geiftg war er aber regsam und teilnehmend und sprach beim Souper, das gleich nach unserer Ankunft serviert wurde, interessant und eingehend über Napoleon I. in Anknüpfung an das Buch der Duchesse d Albran- tes, in dem er in der letzten Zeit viel las. Er sagte, wie merkwürdig es wäre, daß der Militarismus nur durch Napoleon in die französische Nation gebracht wäre, um nie wieder zu verschwinden. Während der nächsten Tage blieb er in der Regel bis zum Abend im Tert, well das Aufstehen chm mühsam war und Schmerzen machte: ich ging häufig zu ihm, sprach mit chm, wenn er wach war, und sah viel in seinem Zimmer." Schweninger'), der immer auf einige Stunden hinkam, sah keine unmittelbare GefaA. „2lm 26., 22.35 Hhr, war Schweniger wieder da", heißt es weiter. „Am 27. mittags assistier.en er und ich dem Aufstehn, und mein Tater rafierte •) Bismarcks Leibarzt. Haupt. Denn di« Regierung steht erst am Anfang eines schwierigen Weges, und es fragt sich, ob man ihr die nötige Festigkeit zutrauen kann, wenn es nun an die Fortführung ihres Programms geht, wenn es darauf ankommt, die wirkliche Reichs» und Berwaltungs- reform durchzusühren. einen vernünftigen F i - nanzausgleich zwischen Reich. Ländern und Gemeinden herzustellen und die Reichsverfassung mit dem Ziele einer Sicherung der Berfas- s u n g zu reformieren. Heber das Jahr 1931 werden wir so wie über die Jahre 1923 und 1924 nur Hinwegkommen können, wenn Kanzler und Kabinett jetzt, mit gleichem Führerwillen und gleichen Zührerqualitäten ausgestartet, sich vom Kurs nicht abdrängcn lassen. Das Kabinett ist nicht voll besetzt. Zwei TIimfler.cn sind verwaist. An die Stelle der mehr oder weniger abhängigen Staatssekretäre müßten verantwortliche Minister treten. Oer Augenblick zu einer Tervollständigung und vielleicht gar zu einer Hmbildung des Kabinetts ifl gekommen. Gin sehr ernster Augenblick. Gott gebe, daß für die richtigen T cm ter öic richtigen Männer gefunden werden, damit Reich und Tolk vor einer Staatskrise bewahrt bleiben. SJ.-fport Schwerathletik. 1. Kraft- und Sportklub 1893 Gießen Gaumeister im rNannfchaftsgewichthcben. Kürzlich nahm ein Alsfelder Kampfrichter die Leistungen der Gießener Gewichlhebermannfchaft ab. Wie uns mitgeteilt wird, überbot die hiesige Mannschaft die Stiftungen der „Athletiksportvereini- gung 1888" Marburg um 15 Pflind. Gießen erreichte 2420 Pfund, Marburg 2405 Pfund. Die besten Einzelleistungen erzielte der Marburger Gari, welcher 130 Pfund einarmig und 170 Pfund beidarmig reißen konnte. Im beidarmig Stoßen erzielte er 220 Pfund. Die Hebungen bestanden aus einarmig Reißen, beidarmig Reißen unb beidarmig Stoßen. IR. II R. II St. Bantamgewicht. Sommerlad 80 100 120 Federgewicht: Funk 100 120 150 Leichtgewicht: Fink 105 130 170 Mittelgewicht: Meininger 110 120 170 Halbschwergewicht: Belloss 120 160 190 Schwergewicht: Forbach 115 160 200 630 790 1000 Fußballklub 1926 Großen-Buseck. FL. Großen-Buseck — Teutonia Laubach 4:1. Die Ligamannschaft des FC. Großen-Buseck bewies im Berbandsspiel gegen Teutonia gute Form. Die Mannschaft ging mit großem Kampfeseifer ins Spiel. Die Seiten wurden mit 1:0 für Buseck gewechselt, in der zweiten Spielhälfte errangen die Platzbesitzer noch drei Tore, denen die Laubacher nur ein verdientes Ehrentor entgegensetzen konnten. Großen- Buseck konnte mit diesem Spiel feine Position in der Tabelle wesentlich verbessern. Zußball in Oaubnngen. Daubringen I — Steinberg I 1:1. Beide Mannschaften trafen sich am Sonntag in Daubringen zum fälligen Berbandsspiel. Sofort nach Anstoß entwickelte sich ein scharfer Kampf, bei dem Daubringen eine fühlbare Feldüberlegenheit bewies: Erfolge blieben jedoch aus, da Steinbach energisch verteidigte. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause ergab sich das gleiche Bild. In der 30 Minute kam Daubringen durch einen Elfmeterball zum Führungstreffer, dem jedoch kurz darauf der Ausgleich folgte. Angefeuert von den Zuschauern ging Daubringen noch einmal zu einer Offensive über, ohne jedoch etwas zu erreichen. Schiedsrichter Busch (Butzbach) leitete korrekt. Sportverein 1921 Ettingshausen. Ettingshausen 1 — Ouerfborn I 1:0. Die 1. Mannschaft von Ettingshausen empfing auf eigenem Platze die 1. Mannschaft von Ouerfborn unb schlug die Gaste dank deren aufopfernder Hintermannschaft nur knapp mit 1:0. Mit diesem Spiel hat sich der Sieger für die Gruppenmeisterschaft der Klasse A qualifiziert. Sport der Schulen. Obcrrealfchute Gießen — Gymnasium Dchlar. Am Freitag tritt seit längerer Zeit die 1. Hand- battmannschafl der Oberrealschule wieder auf den Plan. Als Gegner hat sie sich das Gymnasium Wetzlar Dcrpflid)tet. lieber den Ausgang des Spieles kann man nichts voraussagen, da die Gießener -schüler in neuer Aufstellung spielen. Das Spiel findet auf dem BsB.-Platz statt. Turngau Laon-Oünsberg. hausen 1864 I — Steinbach I 3:3 (1:3). Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften in Hausen zu einem Freundschaftsspiel, das einen wcchselvollen Verlauf nahm. Die Gäste schossen in der ersten Halbzeit nach schöner Kombination drei Tore. Hausen war vom Pech verfolgt. Etliche Tor- - schüsse landeten an der Latte und nur einer erreichte sein Ziel. Zn der zweiten Halbzeit gelang es den Gastgebern, den Ausgleich zu erzwingen, ohne daß Steinbad) die Torzahl erhöhen konnte. To. hausen 1. Jugend — 1900 1. Jugend 8:2. Die erste Handballjugend des Tv. Hausen hatte am Sonntag die erste Jugend der Spielvereinigung Gießen zu Gast. Die beiden Mannschaften führten ein ansprechendes Spiel vor, das zur Halbzeit bereits 3:1 für Hausen stand. Trotz energifdjer Gegenwehr mußte der Gästetorwart noch fünfmal den Ball aus dem Netz holen, während sie selbst nur noch einmal erfolgreich sein konnten. Der Sieg der Turner war auf Grund ihres eifrigen Spieles verdient. T. u. Spgbe. Rodheim I — To. Garbenteich 1 5:1. Am Sonntag hatte die erste Mannschaft der Turn- und Sportgemeinde Rodheim die gleiche des Turnvereins ©arbentqd) zum fälligen Rückspiel zu Gast. Rodheirn trat in kompletter Ausstellung an unb brachte den ersatzgeschwächten Gästen eine empfind- liehe Niederlage non 5:1 Toren bei. Der Schiedsrichter war gerecht, ohne jedoch dem Spiel völlig gewachsen zu sein. Reichswehr 1. Komp. Gießen I — Io. Londorf I 3:3. Die beiden Mannschaften lieferten sich in Londorf ein flottes, wenn auch etwas hartes Spiel. Die Sol- baten konnten halb nach Beginn in Führung gehen, bet Ausgleichstreffer ließ jeboch nicht lange auf sich warten. Während der ersten Halbzeit vollzog sich bas gleiche noch einmal, so daß mit 2:2 die Seiten gewechselt wurden. Nach dem Wechsel konnte jede Mannschaft noch je einmal erfolgreich sein ” Arbeiier-Turn- und Sportbund. Nm die Bczirksmeifterschft. Naunheim I — Gießen I 4:1. Am Sonntag standen sich beide Gruppenmeister im Torspiel um die Bezirksmeisterschaft der ersten Klasse in Naunheim gegenüber. Während bi« Gäste mit Ersah antraten, stellten sich die Einheimischen dem Hnparteiischen komplett. Tont Anstoß ab setzte ein flottes Tempo ein und bereits nach wenigen Minuten gelang es dem Plah- sich an dem gewohnten Fensterplatz mit so sicherer Hand, daß Schweninger ihm Komplimente darüber machte: mein Tater meinte, es sei doch mühsam mit all den kleinen Torbereitungen, und eigentlich eine überflüssige Leistung für ihn: ob er es nicht aufgeben sollte? Denn für sich täte er es nicht, nur für die anderen. Wir redeten ihm dringend zu, es für die Zukunft zu unterlassen." Am 28. lieh er sich zum Essen in den Salon schieben und trank sogar mit Erlaubnis Schwe- ningers Champagner. „Der Wein stimmte ihn behaglich", berichtet der Sohn. „Die Flasche stand vor ihm, als Schweninger, nachdem sie zirkuliert hatte, sich den Rest eingoß, sagte er mit bedauerndem aber ergebenen Ausdruck, „wie schade, ich dachte, Sie würden mir noch ein Glas erlauben." Schweninger erwiderte, er habe durchaus kein Bedenken und gab ihm noch ein Glas aus einer neuen Flasche. Rach Tisch sah mein Tater auf dem alten Platz, las Zeitungen und in der „Albrantes" und verfiel dazwischen bei raschem Atem in vorübergehenden Schlummer, bei dem er lebhaft geträumt haben muh: denn er machte verschiedene Handbewegungen. unter anderen, als ob er einen Pfirsich schälte, und es fiel mir dabei die Zartheit unb Eleganz dieser Bewegung auf. Er rauchte drei Pfeifen, sprach dazwischen wiederholt mit den Anwesenden und hatte die letzte Pfeife kaum beendet, als Schweninger zum Schlafengehen mahnte, well er gegen Mitternacht nach Berlin fahren wollte: mein Tater fügte sich dieser Mahnung mit dem Ausdruck freundlichen Bedauerns, „weil er sich gerade behaglich und Neigung gefühlt hätte, noch im Salon zu bleiben.“ Das Zubettbringen ging ohne zu grohe Schwierigkeiten, wenn auch mit mühevollen Schiebungen und Hebungen oonftatten; als er endlich in die ihm bequeme Bektlage gebracht war, sagte er scherzend. „das würden selbst die Sozialdemokraten tadeln, wie man hier mit einem alten ehrbaren Herrn umgeht." Die Nacht verlief schlecht: am 30. war Bismarck sehr unruhig und atmete schwer, fast röchelnd. Dr. Chryfander hielt den Zustand für so bedenklich, bah an Schweninger telephoniert wurde, mit Extrazug zu kommen. Ein schwerer Anfall ging noch einmal vorüber. Wir hörten meinen Tater mit geschlossenen Augen häufig sprechen, meist leider unverständlich: klar waren einmal die Worte „ich bin zum Sterben bereit und bitte nicht um mein Leben" etwas über den Kaiser und die Frage „ist es schon lange her, dah Sultl (sein schwarzer Hund) tot ist?" Als Marie ihm die Stirn trocknete, sagte er: „Danke Marguerite". Bald nach 6 Hhr fragte ich Chry- fander, ob er ihm nicht etwas einflöhen wollte, die Schwäche müsse bei bet mangelhaften Ernährung boch groß sein: feit brei bis vier Tagen hatte er an konsistenter Nahrung kaum bas To- Ium en eines Eßlöffels zu sich genommen. Chry- fanber stimmte zu unb bereitete in einem Glase Eigelb mit Kognak: wir richteten den Kopf mit Hilfe von Kiffen etwas auf, Chryfander brachte das Glas an den Mund und löffelte ein wenig hinein, indem er das Getränk nannte: mein Tater öffnete die Augen, schob den Löffel weg, rief „vorwärts", ergriff das Glas unb trank den Inhalt: bas war bas letzte Wort, bas er gesprochen: bann legte er ben Kopf zurück mit geschlossenen Tugen und atmete wie vorhin. Das war kurz nach 6.30 Hhr... Nach 9 Hhr versuchte Chry- sander durch-Aether-Einspritzungen die Lebenskräfte zu reizen, um sie bis zu Schweningers Ankunft zu erhalten, die Einführung der Spritze hatte einen Schmerzenslaut unb, soweit bies noch möglich war, Cntziehungsbewegungen zur Folge, so daß ich bat, diese Injektionen, die nichts nutzen konnten und scheinbar Schmerz hervor- tiefen, womöglich nicht fortzufehen. Hm 10 Hhr gab Chryfander eine starke Morphium-Injektion, es trat alsbald gleichmäßigeres langsameres Atmen und vollkommene Ruhe des Körpers ein; wir erwärmten die erkaltenden Hände mit heißen Gummiflaschen. Gegen 10.40 Hhr traf Schweninger ein, die Atemzüge wurden immer seltener: er hob das linke Augenlid, das Auge erschien nicht gebrochen, aber wie weit in die Ferne schauend, um 10.57 Hhr erfolgte der letzte Atemzug, nach langer Pause." Sochschulnachnchten. Der Ordinarius und Direktor der Augenklinik an der Universität Münster Dr. Aurel von Szily hat einen Ruf nach F r e i b u r g i. B als Nach, folger von Geheimrat Th. Arenfeld erhallen. — Der Ordinarius der klassischen Philologie an der Göt- t'nger Universität Professor Dr. Eduard Fraen- f e l hat einen Ruf nach Freiburg i. B. erhallen. — Der Bonner Romanist Professor Dr. Ernst Robert C u r t i u s, der einen Ruf nach ß e i p 3 i g als Nachfolger von Professor Ph. A. Becker erhalten hatte, hat sich entschlossen, in Bonn zu bleiben. — Der Professor der Volkswirtschaftslehre an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim Dr. Ernst Jenny hat einen Ruf an die Abteilung für Landwirtschaft Tetschen Liebwerd der deutschen Tech. Nischen Hochschule in Prag erhalten. Professor Jenny hat den Ruf abgelehnt. aufhörlich von Berlin bis vor der Tür von Evas kleinem Haus. Sie redete und redete, und Eva lachte manchmal laut auf. Sie war froh, daß sie fortan nicht mehr den ganzen Tag mit der alten Haushälterin allein sein würde. Denn bei Albert Go'ldener im Geschäft war sie nicht mehr. Als die beiden Mädchen dann am Abend beisammen saßen, fing Paquita alles, was fte gepäppelt, wieder von vorn an. „Daß wir uns noch einmal Wiedersehen würden, hätte ich nie geglaubt, Eva. Aber ich habe oft an Sie gedacht, und als mir Sennor Dueros Vertreter in seinem Auftrag den Vorschlag machte, Sie für einige Wochen zu besuchen, bin ich ihm um den Hals gefallen vor Freude und Begeisterung. Wissen Sie, ich bin doch mein Lebtag nicht aus Barcelona herausgekvmmen, und nun sollte ich gleich so weit reisen dürfen und noch dazu auf anderer Leute Kosten. Sogar für meine Toilette hat mir Don Primo etwas anweisen lassen, und Taschengeld habe ich auch noch. Reichlich sogar." Sie seufzte drollig. „Aber nun Sie mir sagten, Sie wären Don Primos Braut, ist mir ja alles verständlich. Ich habe natürlich so etwas geahnt, als ich herfuhr. Aber ich könnte mich selbst schütteln, weil ich Ihnen einmal erzählte, Montserrat Duero würde Don Primos Frau werden. Ich glaubte das sicher. Gott sei Dank, daß ich Sie beide dadurch nicht etwa getrennt habe." Eva erwiderte ernst: „In diesem Fall trugen Sie wirklich die Schuld, daß Primo und ich fast für immer getrennt wurden. Rur durch einen Zufall fanden wir noch zueinander." Paquita blickte betroffen. „Wie leid tut es mir, beinahe so großes Lln- heil angerichtet zu haben", stotterte sie verlegen. Eva nahm einen Augenblick ihre Hand. „Heute brauchen Sie sich deswegen keine Gedanken mehr zu machen. Schlimmer war fast noch etwas anderes." Sie erzählte von Hans Felsen, und Paquitas Augen wurden feucht. „Ob Sie Ihrem Jugendfreund wohl sehr wehe getan haben? Run, ich meine, es wäre meine Schuld, wenn er unglücklich wird." Eva lächelte ein wenig. „Sie brauchen sich daran keine Schuld zu geben, und ich glaube auch, Hans Felsen wird über seinen Kummer wegkommen. Ich muhte jedenfalls so handeln, tote ich es tat, sonst besitze*. die Führung an sich zu reißen. Gießen verschärfte als Antwort das Tempo und glich nach kurzer Zeit aus. Mit 1:1 wurden die Seiten gewechselt. Dach der Pause drängten die Gießener mit Macht, ohne jedoch verhindern zu formen, daß Raunheim in der 15. Minute das Ergebnis auf 2:1 stellte. Wenige Minuten später brachte eine aut getretene Ecke den Einheimischen den dritten Erfolg. Das Spiel nahm an Schärfe zu. Obwohl die Gäste zahlreiche Angriffe auf daS Tor der Einheimischen unternahmen, gelang es ihnen nicht, den Tornrann zu überwinden. Kurz vor Schluß konnte Raunheim zum viertenmal erfolgreich sein und damit den Sieg sicherstellen. Heuchelheim I — Dleder-Florskadt I 1:5. Heuchelheim hatte sich den Bezirismeister des 6. Bezirkes, Rieder-Florstadt i zum Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Gäste stellten eine flinke Elf, der die Heuchelheimer alles Können entgegensetzen mußten. Bis eine Viertelstunde vor Schluß führte wohl Heuchelheim 1:0, dann aber war der Widerstand der Einheimischen gebrochen und den Gästen gelang es noch fünfmal, erfolgreich zu sein. Wieseck I — Oppenrod I 10:1. Oppenrod kam einer Rückspieloerpflichtung in Wieseck nach und trat mit nur 10 Mann an. Wieseck gestaltete denn auch das ganze Spiel überlegen für sich und führt bei Halbzeit bereits mit 5:0 Toren, während der Schtuhstand 10:1 lautete. Vorher lieferten sich die dritte Iugend des Plahvereins und die Iugend Rödgens ein flottes Spiel, das die Wiesecker für sich entschieden. Watzenborn I — Leun I 4:0. Um die Meisterschaft der zweiten Bezirksklasse standen sich die Gruppenmerster in Watzenborn gegenüber. In einem scharfen Spiel, in dem die Einheimischen den Gästen technische Ueberlegen- heit zeigten, konnte Watzenborn viermal erfolgreich fein, während den Gästen trotz aller Anstrengungen jeder Erfolg versagt blieb. Daunhelm Ib — Gießen Ib 3:3. Vor dem obigen Spiel standen sich die 6-Mann- schaften in einem Freundschaftsspiel, das unentschieden endete, gegenüber. Rüddingshaufen I — Marburg II 2:0. Der überaus glatte Boden lieh eine volle Entfaltung der Kräfte nicht zu. Die einheimischen Rüddingshäuser konnten mit obigem Ergebnis das Spiel für sich entscheiden. Sichertshausen I — Irankeubach I 0:0. Ein flottes Spiel. Trotz körperlicher Äeber- legenheit gelang es den Einheimischen nicht, die flinken Gäste zu schlagen. Raunheim Iugend und Wetzlar Iu- aend lieferten sich in Raunheim, ein schönes Spiel, das die Einheimischen mit 2:1 Toren als Sieger sah. Kurze Gporinoiizen. Der Geschäftsführer der DT., Franz Breithaupt, vollendete am Montag sein 50. Lebensjahr. Das Berliner Hallensportfest wurde aus technischen Gründen vom 1. auf den 8. Februar verlegt. Im Eishockey-Rückspiel im Berliner Sportpalast am Sonntag siegte die englische Rationalmannschaft über den Berliner Schlittschuhclub 2:1 (1:0, 0:1: 1:0) und konnte damit trtc Riederlage vom Vortage wieder wettmachen. Vereinsgeraie-Wettkampf Großen-Lin-en-Krofdorf-Heuchelheim Am Sonntag gelangte ein Gerätewettkampf der Turnvereine Großen-Linden, Krofdorf und Heuchelheim erstmalig in der geräumigen Turnhalle des Tv. Heuchelheim zur Durchführung. Den Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden der Heuchelheimer Turner schloß sich Herr Bürgermeister Kreiling an. Gauoberturnwart Will, der den Gau Hessen vertrat und der dem Wettkampf als Leiter Vorstand, erwiderte und hob hervor, daß es durch solche Werbeveranstaltungen der DT. neue Freunde zu gewinnen gelte. Der Wettkampf, der für unfern Gau insofern etwas Reues darstellte, als er nicht nur Turner einer Stufe (Meisterstufe) im Kampfe sah, sondern daß er sämtliche Abteilungen eines Vereins auf den Plan brachte, war vom Tv. Heuchelheim sehr gut vorbereitet. Iede Mannschaft bestand aus Turnerinnen, Iugendturnern, Altersturnern und aktiven Turnern. Es wurden verlangt Kürübungen an Reck, Darren und Pferd, sowie von je einer Turnerin und einem Turner eine selbstgewählte Freiübung. Als Kampfrichter fungierten Gaufrauenturnwart Paul (Gießen), De- zirlsturnwart Schüler (Wetzlar) und 2. Be- zirksturnwart Reuter (Gießen). Hatte man auf einen der Vereine als sicheren Sieger getippt, so erwies es sich als trügerisch, denn infolge der Zusammensetzung der Mannschaften verschob sich das Dlld fortwährend, zumal der Favorit durch zwei Versager lange ins Hintertreffen geraten war. Die Spannung wuchs und. steigerte sich, denn die Entscheidung konnte erst mit der letzten Hebung herbeigeführt wer- dtn. Der Kampf sah drei völlig gleichwertige Gegner, wie folgendes Ergebnis zeigt: Turnverein Grohen-Linden 1. Sieger, 702 P. Turnverein Heuchelheim 2. Sieger, 700 P. Turnverein Krofdorf 3. Sieger, 693 Punkte. Der siegenden Mannschaft gehörten an: Anna Weinandt, Luise Weiß, Walter Mehl, Kurt Faber, Otto Hofmann, Wilhelm Volk, Wilh. Weiß, Albert Leun, Fritz Weitershaus, Richard Seht. Der Verlauf des sehr interessanten Kampfes zeigte folgende Sinzelleistungen: Oer Dreizehnte. Vornan von Anny von Panhuys. Copyright 1929 by Verlag Bechthold Braunschweig 24 Fortsetzung Nachdruck verboten Er blieb mitten auf der Straße stehen. „Der Don Iuan aus Spanien hat dir schon gesagt, du sollst seine Frau werden? O, das geht ja alles verteufelt schnell. Ich sehe ein, es hat keinen Zweck, Wetter um deine Gnade zu flehen. Also entschuldige die Störung." Er zog seinen Hut wie vor einer Fremden. „Hans, sei doch vernünftig", bat sie, »wir können gute Freunde bleiben/ Er lachte böse: „Dazu habe ich kein Talent." Und dann war er fort, ehe sie auch nur noch eine Silbe hatte sagen können. Ihr traten die Tränen in die Augen, verstimmt und traurig setzte sie ihren Weg fort. Am nächsten Abend kam seine Mutter zu ihr, und sie erzählte ihr wahrheitsgetteu alles, was geschehen, sie sprach ehrlich von ihrem Empfindungen. Hans Felsens Mutter rang die Hände. ,..2ch habe gemeint, es könnte nicht möglich Tem, was mir Hans berichtete, und nun verhält es sich doch so. Um des Himmels willen, Eva, du machst uns ja alle lächerlich hier im Ort. Das geht einfach nicht, wie du cs dir denkst. Alle Welt weiß von eurer Verlobung, die Weihnachten offiziell werden soll." Eva schüttelte den Kopf. „Wer ist denn .alle Weltt? Unsere Kleinstadt doch wahrhafttg nicht. Hans hat den Anstoß zum Bruch gegeben. Er hat meine Ehre angegriffen. Und ich bin froh, daß ich wieder frei geworden, denn jetzt weih ich, glücklich wären wir beide doch nicht geworden." Hans Felsens Mutter sah sie groß an. „Mit meinem Iungen kann eine Frau nicht unglücklich werden", erklärte sie betont, und dann ging sie ohne Gruß. Schade, dachte Eva seufzend, nun war die Verbindung mit den Rachbarn Wohl zu Ende. Es war ein Stückchen ihrer Kindheit und ersten Iungmädchenjahre, was damit zerbrach. Sechs Tage später konnte sie schon Paquita Eascmovas m Berlin abhvlen, und die kleine dunkeläugige Spanierin war ganz närrisch vor Freude über das Wiedersehen. Sie schwatzte unPferd: Großen-Linden 230, Krofdorf 232, Heuchelheim 225 Punkte. Krofdorf leicht in Führung. Barren: Grohen-Linden 239, Krofdorf 237, Heuchelheim 250 Punkte. Stand: Grohen-Linden und Krofdorf punktgleich 469 Punkte, Heuchelheim steht mit 475 Punkten an der Spitze. Freiübungen: Grohen-Linden 45, Krofdorf 49, Heuchelheim 43 Punkte. Reck (nur von den Turnern jeder Mannschaft bestritten): Grohen-Linden 188, Krofdorf 175, Heuchelheim 182 Punkte. Als beste Turner erwiesen sich: Richard Seht, Tv. Grohen-Linden, mit 80 Punkten, Fritz Wei- tershaus, Tv. Grohen-Linden, 76 Punkte. Eduard Heyer und Karl Würtz, beide Tv. Krofdorf, je 74 Punkte, und Franz Reuschling, Tv. Heuchelheim, 71 Punkte. Die beiden besten Altersturner waren: Albert Rinn, Tv. Heuchelheim, 79 P., und Fritz Dolkmann von demselben Verein, 77 Punkte. Die zwei besten Turnerinnen stellten Tv. Heuchelheim durch Emilie Reutschling (49 P.) und Tv. Krofdorf durch Klara Amend (48 P.). Bei den Iugendturnern Kurt Faber, Tv. Grohen- Linden (76 P.) und Heinrich Rinn, Tv. Heuchelheim (71 P.). Die Gesamtpunktzahlen der einzelnen Mannschaften setzen sich folgendermaßen zusammen: Großen-Linden: Turnerinnen 105 P.. Iugendturner 140 P., Alterstnrner 138 P., aktive Turner 319 P. (insges. 702 Punkte). Heuchelheim: Turnerinnen 117 P., Iugendturner 139 P., Altersturner 156 P., aktive Turner 288 P. (insgesamt 700 Punkte). Kr o fdorf: Turnerinnen 118 P., Iugendturner 127 P., Qüterdturnet 141 P., aktive Turner 307 P. (insgesamt 693 Punkte). Die zahlreichen Zuschauer folgten äußerst gespannt dem Kampfe, den ©auobertumtoart Will mit einer kurzen Siegerehrung ausllingen lieh Das Kampfgericht entledigte sich seiner Aufgabe in korrekter Weise. Der erste Vereins- geräte-Wettkampf dieser Art war ein voller Erfolg. Oberheffen. Landkreis (Rieften. L, Wieseck. 9. Dez. Der G e m e i n d e r a i befaßte sich gestern abend wiederholt mit der Festsetzung der Kanalgebühren. Rachdem von verschiedenen Mitgliedern des Gemeinderats Vorschläge gemacht waren und auch die Kommission Stellung dazu genommen halt.', gab Bürgermeister Schomber den Vorschlag der Kommission bekannt. der dahin ging, vom Vermieter bzw. Hausbesitzer 10 Mark und vom Mieter 8 Mark zu erheben. In Frage kommen 390 Eigentümer und 210 Mieter. Gemeinderat Laudon schlug 8 Mk. bzw. 6 Mk. vor. Rachdem sich der Gemeinderat in Längerer Aussprache mit der Angelegenheit befaßte, wurde ein Vorschlag des Gemeinderats Denner mit acht gegen fünf Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen, der dahingeht, dah die Kanalgebühren nicht auf Vermieter und Mieter umgelegt werden, sondern nur jeder Ka- nalanschluh bewertet werden soll. Die Gebäude mit einem Drandkassenwert bis 8000 Mk? sollen 12 Mk. Kanalgebühren einbringen, bis 15 000 Mk. Drandkassenwert 15 Mk. Kanatbeitrag und über 15 000 Mark Drandkassenwert 20 Mt. Kanalgebühren. Der Hauseigentümer bzw. Vermieter ist berechtigt, 40 Proz. der Kanalgebühren auf seine Mieter abzuwälzen. Durch diese Regelung hofft der Gemeinderat eine gerechte Grundlage zur Erhebung der Kanalgebühren geschaffen zu haben, zumal die Kosten des Kanalbetriebes auf mindestens s/3 gleich 5000 Mark von den Ruhnießern getragen werden müssen. — Der Kreditbewilligung von 3500 Mk. für die Winterbeihilfe stimmte der Gemeinderat einstimmig zu. Hierbei teilte Dürgermeister Schomber mit, dah für die Wohlfahrtsunlerstü"ten der Gemeinde Wieseck ungefähr dieselben Sätze angewandt würden, wie in Gießen. Auf eine frühere Anregung des Gemeinderats Denner, für die Unter* stühungsbedürftigen der Gemeinde durch Sammlung innerhalb des Ortes die Rot lindern zu Helsen, soll erst später zurückgegriffen werden, da der Gemeinderat hofft, durch die Winterbeihttse der ersten Rot gesteuert zu haben. — Ein Schreiben des Kreisamtes Giehen wegen Anschaffung einer Motorspritze wurde zur Kenntnis genommen. — Eine weitere Mitteilung überV olks- bildung der Erwerbslosen wurde dahin beantwortet, daß den Wiesecker Erwerbslosen genügende Möglichkeiten zu ihrer Weiterbildung in Giehen geboten würden. — Dem Gesuch des Adam D o b u s um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft wurde vom Gemeinderat entsprochen. — Die Hundesteuer für 1931 wurde in der Hohe von 1930 festgesetzt. LJ Groh en-Linden, 9. Dez. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete am Sonntagabend im Saale der Gastwirtschaft Schaum ein gut besuchtes Mili tärkonzert der Gießener Militärkapelle unter Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r. Der erste Teil des Programms brachte Stteichmusik, während im übrigen Blasmusik geboten wurde. Äe starken Beifallskundgebungen veranlaßten das Musilkorps zu mehreren Zugaben. t Treis a. d. Lda., 9. Dez. Am Sonntagabend fand im vollbesetzten Saale der Gastwirtschaft Will der diesjährige Familienabend des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bundes statt, wobei Pfarrer Dr. Der- g 6r, Darmstadt, einen Vortrag über „Adventslichter in dunkler Zeit" hielt, in dem er zu lebendiger (Betätigung des evangelischen Glaubens aufforberte. Gesangsdarbietungen des hiesigen Kirchengesangvereins, des Posaunenchors von Londorf und Deklamationen von Adventsgedichten durch die Konfirmanden rahmten den Vortrag ein. is. Steinbach. 9. Dez. Linser . Ort erhielt jetzt auch wieder eine Poststelle mit der Bezeichnung „Steinbach, Gießen-Lan d". Die Stelle wurde dem seitherigen Hilfsstelleninhaber Ioh. Georg Gerhard übertragen. Die Gebühren für den Ortstarif gelten nur noch für Steinbach. Die Postsachen werden zweimal am Tage von Gießen aus mittels Postautos hergebracht und morgens den Empfängern zugestellt, während sie mittags abgeholt werden können. Dis Rentenempfänger erhalten nun ihrs monah lichen Auszahlungen ebenfalls in Steinbach. Dis Steuerung wurde allgemein begrüßt. — In un* serer Kirche gelangte der Fibn „Wunder der Schöpfung" zur Vorführung. Der Reinertrag soll für das neu zu errichtende Krüppelheim in Rieder-Ramstadt Verwendung finden. D Lich, 9.Dez. Bei der Viehzählung am 1. Dezember wurden in unserer Stadt gezählt 166 (163) Pferde, 609 (545) Stück Rindvieh, 478 (614) Schafe, 795 (670) Schweine, 173 (146) Ziegen, 4698 (3547) Stück Federvieh, 14 (45) Bienenstöcke. Die in Klammern gesetzten Zahlen geben die vorjährigen Zählergebnisse an. Kreis Büdingen. h. G e i tz - Ä i d d a, 9. Dez. Seit längerer Zeit erwies sich die Turnhalle des hiesigen Turnvereins als nicht mehr zweckmäßig. Der Verein verkaufte daher im letzten Sommer die alte Halle und begann sofort mit dem Reubau einer den Anforderungen entsprechenden geräumigen Halle, die nicht nur zur Abhaltung der Hebungen, sondern auch zu Feierlichkeiten des Vereins geeignet ist. Der Reubgu ist mit Unterstützung von GemeindeverwaltungT' Einwohnerschaft und Gönnern des Vereins so weit vollendet, daß er zu Weihnachten seiner Bestimmung übergeben werden kann. Kreis Schotten. Q Rudingshain9. Dez. Eine Advents- feier ft unbe mit vielen Lichtbildern veranstalteten am Sonntag die beiden Lehrer S chw arg und Fuhr. Rach einem Liedvortrag des Männergesangvereins führte Lehrer Schwarz die vielen Gäste an Hand von Lichtbildern von der Heimat ausgehend in die weite Welt. Die herrlichsten Stadt- und Landschaftsbilder aus den verschiedenen Erdteilen zogen in buntem Wechsel vorüber. Rach einem gemeinsam gesungenen Heimatliede! sprach er dann über Weihnachtssitten und -ge* bräuche in aller Welt und zeigte besonders an Hand von guten Lichtbildern die Verbundenheit deS Auslandsdeutschtums mit dem Mutterlande. Der letzte Teil der Veranstaltung stand unter dem Leitgedanken „Es weihnachtet im Gebirge". Bilder aus Dorf, Feld und Wald versetzten tn weihnächtliche Stimmung. Kreis Alsfeld. • Vockenrod, 8. Dez. Ein ungewöhnlich günstiges Ergebnis zeigt der Abschluß der hiesigen Feldbereinigung. Zur Zeit sind nur 5,70 Mark auf den Morgen an ungedeckten Kosten vorhanden. Allerdings sind in der Gemarkung bisher noch keine Drainagen ausgeführt worden. Die hierfür erwachsenden Kosten werden von den Besitzern der an der Drainage beteiligten Flächen nach Maßgabe ihres Anteils getragen, so daß an der Kostenaufbringung nur diejenigen Landwirte beteiligt sind, die den Vortell davon haben. Wenn sich der Betrag von 5,70 Mk. auch durch nachträgliche Arbeiten auch noch erhöhen wird, so wird er sich doch auf einer Höhe hallen, die bei den heutigen Zeiten als ungewöhnlich niedrig begeidjnet werden muh. Manche G«neinde sollte sich die Frage vorlegen, ob nicht auch für sie die Zeit gekommen wäre, sich die Vorteile der Feldbereinigung zu sichern. Preußen. Kreis Wetzlar. CD Krofdorf, 10.Dez. Den Arbeiterinnen der drei hiesigen Zigarrenfabriken (Georgi, Gail und Rinn & Cloos) ist infolge der Zoll, und Steuererhöhung für Tabakfabrikate gekündigt worden. Die Kündigung soll um Weihnachten in Kraft treten, was für unser dörfliches Wirtschaftsleben einen schweren Schlag bedeutet. — Morgen beginnt hier ein vom Kreis eingerichteter Haushaltungskursus für junge Mädchen unter Leitung der neuen Haushaltungslehrerin Frl. Kutt. J Groß-Rechtenbach, 9. Dez. Der G e • meinberat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, sämtliche Erwerbs lose zu den H o l z - fällungsarbeiten heranzuziehen. Sofern die Forstverwaltung dem Beschlüsse nicht nachkommt, sollen die Holzfällungsarbeiten mit sofortiger Wirkung eingestellt werden waren drei Menschen unglücklich geworden. Aber nun wollen wir nicht mehr davon reden, plaudern wir ein bißchen von Barcelona." Paquita war gern bereit dazu. Zum Schluß kam sie auf den Rosenmontag zu sprechen, der sich nun bald zum dritten Wale jährte. „Keine noch so winzige Spur hat sich inzwischen von dem Mörder gezeigt, erzählte sie, „und man wird wohl nie erfahren, wer das Furchtbare getan hat." Sie schüttelte sich in der Erinnerung an das grauenhafte Ereignis. Eva dachte daran, daß sich nun doch eine Spur gezeigt, aber sie verriet nichts von dem, was sie wußte. Am nächsten Morgen kam Paquita mit einem Bild an den Frühstückstisch. Sie hielt es Eva entgegen. ..Cs stand in dem Zimmer neben dem meinen, darf ich wissen, wer der Herr ist?" Lieber Evas Stirn zog ein flüchtiger Schatten. „Das ist eine Photographie von Hans Felsen, nebenbei bemerkt: eine sehr gut getroffene." Paquita stellte das Bild beiseite. „Verzeihung, ich wollte nicht wieder von dem Thema anfangen. Aber das Bild gefiel mir.“ Sie lachte mit blitzenden Zähnen. „Ihnen liegt doch nichts mehr daran, nicht wahr? Schenken Sie es mir.“ „Aber Paquita, was wollen Sie denn mit dem Bild eines Ihnen fremden Herrn anfangen?" fragte Eva ein wenig belustigt. Paquita lachte wieder. „Genau weiß ich es auch nicht. Ich habe doch keinen Rovio (Bräutigam), denn wer will denn so ein armes Ding wie mich, und wenn ich erst wieder daheim bin, bilde ich mir dann ein, das wäre mein Rovio, aber wir dürsten uns nicht heiraten. Er gefällt mir so gut.“ Sie war schon wieder bei dem Bilde. „Er gefällt mir wirklich so gut. Wissen Sie, das nennt man Liebe auf den ersten Blick." Eva mußte herzlich lachen. Paquita Casanovas hatte wirllich drollige Ein falle, fand sie. „Ich darf es Ihnen leider nicht schenken, da e8 Hans Felsen eines Tages von mir zurückfvrdern könnte", entgegnete sie. Paquita meinte treuherzig: „Dann leihen Sie es mir wenigstens. Ich möchte es in meinem Zimmer aufstellen." „Meine alte Haushälterin könnte sich darüber wundern", wandte Eva ein. „Das schadet doch nichts“, gab die andere vergnügt zurück, „es ist ganz unterhaltsam, wenn man sich über etwas wundert." Sie stellte das Dlld wirklich in ihrem Zimmer auf, imb die alte Haushälterin wunderte sich wirklich darüber. Was tat der dunkelhaarige Irrwisch, dem zwei mordsgroße schwarze Augen im bräunlichen Gesicht bräunten, mit dem Bild von Hans Felsen? Wahrscheinlich hatte Eva Hirtberg nach dem Geschehenen das Bild gestört und es vorläufig der Spanierin ins Zimmer gestellt, dachte sie. Paquita fror anfangs sehr, man mußte tüchtig ein heiz en. aber als der erste Schnee fiel, tappte sie hinaus in den Garten. Wie ein Kind freute sie sich über die dicht und dichter niederschweben- den Flocken. Eva schaute ihr vom Fenster aus zu. Paquita hatte noch keinen Schnee gesehen, obwohl es auch in Spanien Schnee gibt, aber meist in den nördlicher gelegenen Tellen und in den Pyrenäen, die paar gelegentlichen Flocken, die in manchen Iahren auch 'm Barcelona niederwirbelten, geben kein Bild von der köstlichen reinen Weihe eines Schneefalles. Paquita streckte die Hände nach den weißen Flöckchen aus und stiefelte vergnügt im Garten auf und ab. Plötzlich, als sie gerade am Rach- barzaun war, stand dort ein großer Herr, der mit deutlichem Staunen beobachtete, wie sie nach den Schneeflocken haschte. Sie ließ die Arme sinken und rief hinüber: „La nievc es muy he mosa, verdaa?" Er verstand sie nicht und schüttelle den Kopf. Sie strahlte ihn an, denn das Original des Bildes, um das sie Eva gebeten, stand vor ihr. Mit Zeichen erklärte sie ihm, der Schnee mache ihr Freude. Da mußte er lachen. Hub Paquita Casanovas fand, wenn er lachte, sah er noch besser aus, als wenn er ernst war. Sic begriff Eva nicht Hans Felsen war doch hübscher als Primo Duero, stellte sie fest, und größer war er auch. Große Männer waren ihr Ideal. Sie blieb am Zaun stehen und sah den Mann jenseits nachdenklich an. Hans Felsen sann: Wer mochte die kleine, etwas exotisch wirkende Dame nur sein? Solche Augen hatte er noch nie gesehen. Da waren überhaupt keine Augen, sondern dunkle Feuerräder. Er wollte vom Zaim Weggehen und tat es doch nicht. (Fortsetzung folgt) Wert' Franic^^ furl «VM 7? Perser Teppichen und Brücken biete ich WßildUS die grösste Auswahl , ,jä1 r Schlittschuhe Rollschuhe Schneeschuhe Rodelschlitten mit allem Zubehör / ^3 [ j| f I P s\e 5pe%\ Damast, Schürzenstoff, Weißwaren Ferber* Reste-Geschäft ■ 1WW ■ W* I ■ I■ * W W 1W M\e'6 Pyjamaflanelle, Buckskin, Loden Mlusburg 4 U14A FRANKFURT AM. NEUE MAINZERSTR22 ECKE FRIEDENSSTR. 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Berlin Banfnofen. Berlin Datum 10. 12. 226 131,4 45 82,5 Frankfurt 73,5 74 45 46 46 12,65 3,1 30,5 6,5 6,5 72 45,13 45,9 82,75 44,6 112 284 132,5 128 44 45.75 82,5 150 13,75 169 133,5 60 63.75 101,9 80 80,5 108 24,6 131,5 62,13 Philipp Holzmann. . Zementwerk Heidelberg (Semen troerf Karlstadt. Sßayfe & Frevtag 12 6 e 6 6 8 7 10 10 8 170 136,5 59,75 62,5 101 81,75 »0,25 107,75 24,65 108 30,75 44,25 112 283 131,25 62 3. G. Farben.Industrte Dvnamlt Nobel . . . Schetdeanstalt.... ktzoldlchmldt .... RütgerSwerke .... Metallgel. ilichaft. . . 1,45 2,95 2,95 8 12,4 6,5 26,25 2,3 22 17,75 1,5 2,9 Bereinigte Stahlwerke Ltavi Minen Kaliwerke Alchersieben Kaliwerke Westeregeln Kaliwerke Salzdetfurth * Ermäßigung des Prioatdiskonts. Der Privatdiskont wurde gestern in Berlin für heibe Gidjtcn um - v.H. auf 4| v.H. ermäßigt. Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924'26 -- 100) stellt sich für die Wache vom 1. bis 6 Dezember 1930 auf 90,4 gegenüber 88,9 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwer- industrie auf 85,0 (82,6), Gruppe verarbeitende Jn- <% £)eftertetd)t)d)e «Solorrnte 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Cedeneittilldte Einheitliche Rente 4% UnparW Goldrente .... 4% Unoartldie Staatsrente v 1910 4%% vesgi. von 1913 4% Ungarische Kronenrente 4% Türkische Hollanleibe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-2lnl Serie I 4% veegi Serie 11 6% Rumänische oereivh Rente von 1903 . mehr als am 15. November. Die entsprechende Zahl des Dorjahres belief sich auf rund 2101000, die Zunahme in der zweiten Novemberhälfte mit 262 000 oder 15,2 v. H. war jedoch sowohl absolut, wie im Verhältnis nicht unerheblich höher als in diesem Jahr. Schweinemartt in Gießen. 2Iuf dem gestrigen Schweinemarkt in Gießen Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 119 Ferkel und 2 Läufer zum Verkauf. Man bezahlte für sechs Wochen alte Ferkel 24 bis 23 Mk., sechs bis acht Wochen alte Ferkel 26 bis 30 Mk., acht bis dreizehn Wochen alte Ferkel 30 bis 35 Mk., Läufer 70 bis 80 Mk. — Tendenz: mäßig, Lieberstand. Keine Kündigung der Aufwertungs- Hypotheken der privaten Hypothekenbanken vor 1935. Berlin. 9. Dez. (WTD.) In der Vollver- sammlung der privaten Hypothekenbanken vom 9. Dezember 1930 nahmen die Hypothekenbanken zu der Neuregelung des Zinssatzes für di e A ufwertungshhpotheken S ellung. Durch die Zinsfestsetzung auf 7,5 Prozent vom 1. Ianuar 1932 ab ergibt sich von demselben Zeitpunkt eine Derzinsung der Liquidationspfandbriefe mit 7 Prozent. Dei dieser Sachlage erklärten d:e privaten Hypothekenban'en sich bereit, ihre dinglich genügend gesicherten Aufwertungs- ßypotheken, soweit sie nicht insbesondere schon als Tilgungshypotheken länger laufen, ebenfalls bis ■ zum 1.3anuar 1935 zu dem neuen gesetzlich m Zinsfuß (ab 1. Januar 1932 = 7,5 Proz-nt) den Schuldnern zu belassen, ohne hierfür eine Prolongationsprovision zu erheben. Dabei ist man sich unter den Hypothekenbanken darüber klar, daß auch nach diesem Zeitpunkt die Abwicklung deS Auswertungsbestandes nur nach und nach sich vollziehen wird. Hinsichtlich des P andbrirfth s tour'e an dem bisherigen Standpunkt (7 Prozent) festgehalten. 3762000 Arbeitslose im Reiche. . B e r l i n, 9. Dez. (WTD.) Die Zunahme der Arbeitslosigkeit, die die Wintermonate mit sich zu bringen pflegen, hat nach dem Bericht der Neichsanstalt in der zweiten Novemberhälfte nicht das Ausmaß erreicht, wie in der gleichen Zeit des Dorjahres. Einen Ausschnitt der gesamten Arbeitslosigkeit geben die Ziffern der älnter- stutzungseinrichtungen. Am 30. November wurden zwei umfangreichen Bänden hat erscheinen lassen, ist nicht recht einzusehen, warum das gleiche Thema nach so kurzer Zeit schon wieder behandelt werden muß. Dabei geben wir gerne zu, daß Navage interessant und fesselnd zu schreiben versteht und die psychologisch-menschliche Seite in das rechte Licht rückt. Don dem düsteren Hause in der winkligen Iudengasse zu Frankfurt bis zu dem prunkvollen Schloß der Rothschild« in Ferrieres war für die zähe, arbeitsame und kluge Familie ein mühsamer und langwieriger Weg. Aber er wurde geschafft, und die Rothschilds nahmen in dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der europäischen Hauptstädte, in Frankfurt und Wien, in Neapel, Paris und London feit den Napoleonischen Kriegen eine führende Stellung ein. Gewiß waren die Zeitumstände für die Geschäfte der Rothschilds außergewöhnlich günstig. Aber es gehörten doch auch Männer von besonderem Format dazu, ihrer Firma einen so außergewöhnlichen Aufstieg zu sichern. Sie waren klug und energisch und von höchstem Selbstvertrauen und ihre umfassenden Verbindungen, wie ihre vorausschauenden Filialgründungen in Sy auf re {<6, England, Oesterreich und Neapel ermöglichten ihnen damals schon, die modernen Grundsätze der Danktechnik für sich nutzbar zu machen. Aber sie konnten ihre geistigen Gaben nicht mit dem von ihnen erworbenen Reichtum ihren Nachkommen vererben. Der Glanz des Hauses Rothschild verblich mit den politischen und wirtschaftlichen Strukturänderungen Europas, die die Staaten finanziell unabhängiger machten und die Aktienbanken zu scharfen Konkurrenten der alten Dankhäuser machte. Länder, Völker, Tiere. — Friedrich Wallisch: Neuland Al» E» ani en. Stuttgart, Franckh'sche Verlagshandlung. 16 Tafeln. Ganzleinen gebunden 8,20 Mk. (592.) — Albanien, das Land, das sich im Tempo unserer Zeit aus dem Halbschlaf des Orients zu einem modernen europäischen Staat, zu po- litischer und wirtschaftlicher Bedeutung und Selbständigkeit entwickelt, hat Friedrich Wallisch in allen Teilen bereist und in allen Winkeln durchstöbert. Geschichte, wirtschaftliche und politische Fragen, Volksleben und Landessitten, Mode, Zukunftsaussichten, Schrifttum schildert er so anschaulich, daß man seinem Buch mit wachsender Anteilnahme folgt. Man steht selbst mittendrin in der Entwicklung dieses Landes, lernt die Menschen lieben, die dort wohnen und schaffen, versteht ihre politischen Ansprüche und erlebt alle Hoffnungen und alle Enttäuschungen mit, 9 12 63,5 Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 6. t). in B. Ihr Verkäufer $t beim Schweineverkauf nur die sog. Hauptmängel zu vertreten (§ 482 Bürgerlichen Gesetzbuchs); diese sind nach der Verordnung vom 27. März 1899 Rotlauf und Schweineseuche (einschließlich Schweinepest). Im ersteren Falle läuft eine Gewährfrist von drei Tagen, in letzterem eine solche von zehn Tagen. Die Anzeige muß spätestens zwei Tage nach dem Ablauf der Gewährfrist erfolgen, es sei denn, daß der Verkäufer die Erkrankung des Tieres arglistig verschwiegen hot. Letztere Tatsache müßten Sie beweisen. Der Käufer kann nur Wandlung, nicht Preisminderung verlangen. Letzte Nachrichten. Oemonstrattonsverbot in Berlin. Berlin, 10. Dez. (2DIB. Funkspruch.) Der Polizeipräsident teilt mit: „Nachdem die verschiedenen politischen Kundgebungen in den letzten Tagen trotz geringfügiger Beteiligung (in keinem Falle mehr als 6000) eine Störung der öffentlichen Ordnung herbeigeführt haben, hat der Polizeipräsident in Berlin auf Grund des Artikels 123, Abs. 2 der Reichsverfassung von Mittwoch, 10. Dezember 1930, ab 14 Ahr sämtliche Kundgebungen und Amzuge unter freiem Himmel verboten. Dieses Verbot wird bis auf weiteres aufrechterhalten mit der Ausnahme, daß eine Anzahl von Plätzen, deren Namen noch bekannlgegeben werden, für Versammlungen feeigegeben bleiben. Umzüge bleiben auch dann in jedem Falle untersagt. 3n den übrigen Straßen und Plätzen wird jede Ansammlung unter Umständen ohne vorherige Warnung polizeilich zerstreute ÄcrNn, 9. Drzember Mmentnniidie Noten . . . Belgische Noten. Täniiche Noten Englische Noten . tzronzüiische Noten Holländische Noten Aialienische Noten. Norwegische Noien Deutsch-Oesterreich, Viumänilche Noten Schwedische Noten Schwerer Noten . Svanstche Noien . . . T'chechoiloivaltsche Noten Ungarnche Noten Devisenmarkt Berlin — Bries 4,194 58,62 112,19 20,398 16,495 169,04 21,96 112,14 59,02 2,494 112,49 81,40 46,39 12,44 73,35 a. M. ffranffurt o. 31 <3cn.u(j'i t'Udr. kurs | K re Anfang- fturä 10 12 63T 32,4 147,5 149 226 werden konnten. Aschaffenburger Zellstoff berto* ren im Verlaufe geringfügig. «yraiitfuvtc. Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. Dez. Am Frankfurter Produktenmarkt stagnierte das Geschäft auch heute fast vollkommen. Cs herrschte zum Teil schon Feiertagsstimmung. Die erhoffte Deleoung des Getreide- und Mehlmarktes im Zusammenhang mit den bevorstehenden Feiertagen ist fast vollkommen ausge^lieben. Nur vereinzelt war die Nachfrage nach einzelnen Getreidewrten etwas zufriedenstellender. So hauptsächlich für Roggen, der im Preise etwas anziehen konnte. Die unveränderten Auslandnotierungen boten keine Anregung. Da das Angebot im Verhältnis zur Nachsrage ausreichend war, konnten im übrigen trotz vereinzelt höherer Forderungen von Provinz eite feine Preisavancen erzielt werden. Nur Futtermittel waren weiter etwas gesucht und im Preise gut behauptet. Das Mehlgeschäft war weiterhin schleppend. Es wurden notiert: Weizen (Hessen und Provinz Hessen-Nassau- Hetto- lüergewicht von 74 Kilogramm 264 bis 265; Doggen (Hessen, Provinz Hessen-Nassau und älntcrsranken- 171,50 bis 172,50;JSommergeJte für Dra: zwecke 212,53 bis 220; Haf.r.^iländischer 155 bis 160; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 40,50 bis 41,75; Roggenmehl 26,25 bis 27,25; Weizenkleie 9,50 bis 9,75; Roggenkleie 8,90 bis 9,00. — Tendenz: ruhig. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 9. Dez. Schon in einer Reihe von Sitzungen hatte sich das Gericht mit einer auf die vorjährigen Gemeinderatswahlen in Wieseck zurückzuführenden Privatklage eines Gewerks chaftsbeamten und eines Redakteurs, beide in Wteseck wohnend, gegen zwei dorttge Einwohner wegen Beleidigung zu beschäftigen. Die Beweisaufnahmen gestalteten sich recht umfangreich, einige Dutzend Zeugen waren aufge- boten, auch war von den Privatbeklagten Widerklage erhoben worden. Eine besondere Rolle spielten vor und nach der Wahl in Wieseck verbreitete Flugblätter, sowohl der Sozialdemokratischen Partei, als auch der vereinigten bürgerlichen Parteien. 3n der gestrigen Sitzung kam es zwischen den Streitfeilen zu einem Vergleich, dahingehend, daß beide Teile die im Wahlkampf 1929 erfolgten Beleidigungen unter dem Ausdruck des Bedauerns, insbesondere die beiden Privatbeklagten die in dem Wcchlflugblatt vom 1. Dezember 1929 enthaltenen Vorwürfe zurücknehmen und die Privatbeklagten sämtliche Kosten tragen. die sie bis zur Erfüllung ihres Traumes durchgemacht haben. Man steht mitten in der Phantastik der Basarviertel, wandert durch die zauberhaften Städte und Dörser dieses Landes, erlebt alle äleberraschungen und Abenteuer der Reise mit, Albanien wie es ist, wie es — vor zehn Jahren noch — war und wie es — in zehn Jahren vielleicht aussehen wird, die wirtschaftlichen, technischen, politischen Probleme dieses Landes. — Mein Volk, die Sioux. Von Häuptling Standhafter Bär, erbberechtigt beim Oglala- stamm der Sioux. 230 Seiten 8°. Mit 8 Tafelbildern. Geh. 7, Leinen 9 Mk. Strecker und Schröder, Verlag. Stuttgart. (543) — Die Liebe zu seinem Volk hat dem letzten Häuptling der Sioux die Feder geführt. Wir erleben den Entwicklungsgang des Züng'.ings und des Mannes, der seinem großen Vater in kindlicher Verehrung zugetan ist, und sind überrascht über das vorbildliche Familienleben und die strenge Diszip'.in dieser ^Wilden". Wir erfahren manches über Sitten und Gewohnheiten der Siour, den Gebrauch der Waffen, über kriegerische Spiele, Büffeljagdcn. Kämpfe mit den Rachbarstämmen, und verfolgen mit großer Anteilnahme, wie sie den Zivillsationsbestrebungen der übermächtigen weißen Rasse nach hartnäckigem Widerstand erliegen. Was Häuptling Standhafter Bär hier schlicht erzählt, hat den Vorzug geschichtlicher Wahrheit. Die dem gut ausgestatteten Buch beigegebenen Bilder unterstützen das geschriebene Wort sehr wirkungsvoll. — Dr. Lutz Heck: Aus der Wildnis in den Zoo. Auf Tiersang in Ostafrika. Hercms- gegeben von Martin Proskauer. Mit zwei Karten und 62 Bildern auf 47 Tafeln. Ganzleinen 5 Mk. Verlag Llllstein, Berlin. (584.) — Ein neues 3agö- und Abenteuerbuch. Kreuz und quer durchstreifte der bekannte Berliner Zoologe Dr. Lutz Heck das Tierparadies Abessinien, und reiche Beute an seltenen Tieren und Tierbildern brachte er heim. 'Was er sah in der Wildsteppe, am abessinischen Fürstenhof, in den Städten Medaura und Adis Abeba, auf abendlichen Lager-Palavern, was er erlebte mit Tieren und Menschen, wie er mit Blitzlicht und Düchse jagte, erzählt er hier. Freude an seltner Landschaft und am Abenteuer der Karawanenreise durch unberührtes Land, außerordentliche Kenntnis des Tierreichs, Freude des Jägers und Tierfreundes an edler Beute und echtes Verständnis für die Biologie der Tiere spricht aus diesem Buch. Eine schwer zugängliche Welt | erschließt sich da, schönstes Leben der freien I Kreatur und des naturnahen Menschen. dustrie auf 79,5 (78,4) und Gruppe Handel und Verkehr auf 114,2 (112,9). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Dez. Tendenz ge- fchästslos. — Nachdem noch im Vormittagsverkehr die Stimmung im Anschluß an die etwas gebesserte Abendbörse und im Zusammenhang mit der Vertagung der außenpolitischen Debatte int Reichstage eher etwas freundlicher war, zeichnete sich der offizielle Beginn wieder durch große Geschäfts stille aus. Die etwas schwächere gestrige Neuyorker Börse veranlaßte wieder zu starker Zurückhaltung seitens der Spekulation, zumal Aufträge so gut wie nicht Vorgelegen haben dürften. Dersttmmend wirkten einzelne Mitteilungen gewisser amerikanisier Kreise wegen der Reparationen, außerdem hält man die innerpolitische Lage immer noch für ungeklärt. Die Llmsatztätigkcit beschrankte sich auf ein Minimum, Erstnotizen kamen nur ganz vereinzelt zustande. Die ersten Kurse ließen denn auch zumeist eine eher schwächere Tendenz erkennen. Am Cbemiemarkt eröffneten J.-G.-Farben bei kleinsten Umsätzen 1,13 Prozent niedriger, Metallgesellschaft lagen behauptet. Am Elektromarkt kam in Siemens etwas mehr Material an den Markt, so daß ein Verlust von 1,5 Prozent zu verzeichnen war. AEG. waren knapp gehalten. Am Montanmarkt herrschte wieder weitgehend Ordermangel. Verschiedene Meldungen, die sich auf den Montanmarkt bezogen, machten keinen Eindruck. Rheinstahl und Mannesmann lagen bis 1 Prozent schwächer. Bankaktien waren nur geringfügig verändert. Für Reichsbank erhielt sich aus dem bekannten Grunde einige Nachfrage. Etwas niedriger setzten noch Harpener, Zement Heidelberg und Chadeaktien ein. Leicht gebessert eröffneten Deutsche Linoleum und Wayh & Freitag. An den übrigen Märkten herrschte Stagnation. Am Anleihemarkt lagen deutsche Anleihen behauptet. Ausländer lagen sehr still. Nach einer vorübergehend leichten Erholung gaben die Kurse im Verlaufe wieder auf Anfangsniveau nach. Die Grundsttrnrnung zeigte eine ziernlicheWider- standskraft, die Geschäfts st i l l e hielt jedoch weiter an. Arn Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld auf 4 Prozent ermäßigt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1905, gegen Pfund 20.3590, London gegen Kabel 4,8585, gegen Paris 123,62, gegen Mailand 92,73, gegen Madrid 43,75, gegen Schweiz 25,0625, gegen Holland 12,0625. * Berliner Börse. Berlin. 10. Dez. Die heutige Börse eröffnete in sehr ruhiger Haltung. Die Kursgestaltung war zunächst nicht ganz einheitlich, die Grundstimmung schien aber nach dem gestrigen Regierungssieg e t - was beruhigter zu sein. Allerdings tagen demgegenüber aus der Wirtschaft eher ungünstige Momente vor. So verwies man auf die Arbeitslosenziffer, die in der zweiten Novemberhälfte wieder um 5.7 Prozent zugenommen habe, auf starken Absatzrückgang im Braunkohlenbergbau, auf die Kupferpreissenkung von 12,3 auf 11,3 Dollar-Cents, auf die neuen Insolvenzen von Provinzvanken in Amerika; auch, daß die gestrigen Rev.sionsgerüchte seitens der amerikanischen Regierung dementiert worden sind, trug, ebenso wie die anhaltenden LInruhen in Berlin, zu der geringen älntemehmungslust bei; allerdings stand dem das inzwischen erlassene ' Demonstrations- Verbot gegenüber. Einem gewissen Deckungs- bedürfn.s der Spelulation stand etwas Auslandmaterial in Spezialwerten gegenüber. Die Kursveränderungen gegen gestern mittag gingen nur ganz vereinzelt über 1,5 Prozent hinaus. Ostwerke verloren 3 Prozent, Aschaffenburger Zellstoff und Feldmühle je 2 Prozent, während Julius Berger 2,5 Prozent fester eröffneten. Mit Ausnahme von Harpener lag der Montanmarkt widerstandsfähig und eher fester, wobei der Amerika-Kredit für die Gelsenkirchen angeregt Haden dürfte. Deutsche Anleihen lagen behauptet. Ausländer geschäftslos und nur wenig verändert. Anatolier etwas schwächer. 4prozentige Mexikaner minus-minus und nach einer letzten Notiz von 10 Prozent Bries am 6. d. M. mit 9,35 Pro- §ent festgesetzt. Der Pfandbriefmarkt war still. Reichsschuldbuchforderungen eher etwas nachgebend. Der Sah für Tagesgeld konnte sich auf 4 bis 6 Prozent ermäßigen, Monatsgeld und Warenwechsel waren unverändert notiert. 3m Verlaufe brodelten die Kurse zunächst weiter leicht ab. Die älmsahtätigkeit blieb aber minimal. Spä- ter setzten dann jedoch die Großbanken in einigen) Papieren mit kleinen Käufen ein, so daß die Anfangskurse größtenteils wieder erreicht und teilweise auch noch bis zu 0,5 Prozent überschritten Kurszettel der Berliner und Krankfurier Börse. """" »en ■fapler.n ang.lflprltn HHteWi geben d,° fiöt)e Ber Wc|lt be|d;lof|enen Dw^nde an. - ReichnbankdlnkonI 5 öS)., Lambardzlnssuß 6 o.S). Schluß- für* 9 12 63,25 32,65 147 150 227,5 Sranffurt a. 2)1. Berlin Schluß. 1-tlhf Schluß« 2lnfa a» für« fiur» für fiurt Datum 9 12 10 12 9 12 10 12 6% Seutlrfjr Reichsanlethe von 192? .... 7% Deutlche Reichsanlelhe 86,5 — 86,65 — von 1929 . . . Deutlche Änl^AbIöl..Schuib mit 98,75 — 99 — Auslol. Rechten . . 52 52 52,1 52,1 Trtfll. ohne ülusiof.-Rechte . 8% Sett. Bolksstoai von 1929 5,9 5,9 5,9 (rüdiablb 102%) Cberfjclfcn Provinz • Anleihe mH 88,25 — 88,5 — Atislol.-Nechten Deutsche Komm Eammelabl, 49,5 — — — Anleihe Serie 1 . . 8% Ifranlf. Hnv.-Bank Goldvfe — — 50,25 — XIII unkündbar bis 1934 7% tztankf bnv -Bank Sokdpke 98,5 — — — unkündbar bis 1932 . 6 . 8 . 8 . 0 ey, 10 . 1 . 7 . 7 . b . 7 «y, 10 . f. 7,2 67,5 72 Geld 4,174 58,38 111,75 20,318 16,435 168,36 21,88 111,70 58,78 2,474 112,05 81,08 46,21 12,38 73,05 • • • ... i 100 Schilkin 9 Dezember 10 Dezember niminrh. Geld hoiieruug Brie Amtliche (SeIO Jtoherung Brie timft.» iRott. 168,59 168,93 168,61 168,95 ° Bunt.-Aires 1,433 1,437 1,414 1,418 Brff. '.Untre. 58,495 57,615 58,50 58,62 Ehristiania. 111,97 112,19 111,97 112,19 Kopenhagen 112,02 112,24 112,02 112,24 Stockholm . 112,34 112,56 112,34 112,56 Hcliingiors. 10,538 10,558 10,537 10,557 Mallen. . . 21,94 21,98 21,935 21,975 London. . . 20,339 20,379 20,339 20,379 Neuhork . . 4,1865 4,1945 4,1865 4,1945 Poris. . . . Schrvei; .. 16,45 16,49 16,45 16,49 81,14 81,30 81,13 81,29 Spanien . 46,65 46,75 46,22 46,32 Japan . . . •Kfo de Jan Wien in D.» 2,078 2,082 2,081 2,085 0,396 0,398 0,404 0,406 Ceft. aboeft 58,93 59,05 58,90 59,02 Prag . . . 12,419 12,439 12,419 J 2,439 7,419 Bel irad . . 7,404 7,418 7,405 Budapeik. . 73,21 73,35 71.21 73,35 Bul öden 3,034 3,040 3,034 3,040 Viffabon 18,81 18,85 18,82 18,86 Danzig. . . Konst titln. 81,33 81,49 81,82 81,48 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . . 5,427 5,437 5,427 5,437 Canada 4,186 4.194 4,185 4,193 Uni uay. . 3,237 3,243 3,207 3,213 Cutro . . 20,86 20,90 20,88 20,90 Schultheis PcHenhofer 15 — Cftroctle...... 12 _ Vlku . . ..... 18 60 Bem berg...... 14 63,5 YeUNoff L'aldhof . . 13-/. Hellstoff Alck'aflenbnrg 12 79,5 ___ Eharlottenburger Waller . . . 8 Tellauet Mas . . S _ Daimler Motoren . . ■ . V 24,5 Deutlche Linoleum . 108 108.25 Malchinenbau Vl.-S. . . 0 Nat. Automobst . , . 0 __ Orenklein & Koppel . * * . . 6 _ _ Leonhard Tietz . . . 10 _ _ Svenska . . • • • • . ' — — ttrankfurter Maichtne» . 4 Grilcuet .... . 6 _ _ Hevligenstaebt . . . MM« . O _ — Iunghans .... e « - . f 31 _ Leckiwerke..... . 8 80 Malnkroftwerke Hvchst a. M. . 8 ,3,5 _ Mlag , . . 10 Gebt Noedcr ... 10 83 Boigt & Haeffner . . . 0 150 Süddeutsche Buda . • • e 10 137 —