Nr. 265 Erster Blatt 180. Jahrgang Montag, 10. November 1950 fr Id) e in i lügUH, nutz« Sonntage und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Weben« FamÜienblLttei Heimat im Bild Die Scholle monats-Beingsprets: 2.20 Reichsmark und 30 5?eid)spfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter- Seinen eins einer Hummern folge höherer Gewalt, üernsprechartschlüste anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Snjetaer Oleheu. Postscheckkonto: Frankfurt am Blain 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vnnk und Verlag: vrühl'sche UntverfitSlr-vuch. und Steindruckeret B. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschäftzstelle: Schulfttatze 7. Annahme von Bnjeigen für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°, mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranlworlttch für Politik Dr. Ar. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für de i übrigen Teil Emst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in (Sieben. Der Schiedsspruch in der Berliner Metallindustrie. Berlin, 8. Nov. (TU.) Das Sonderschiedsgericht für den Konflikt in der Berliner Metall- Industrie hat am Samstagabend folgenden endgültigen Schiedsspruch gefällt: 1. Der zur Zeit geltende Lohntarif bleibt b i v 16. November 1930 vollinhaltlich in Kraft. 2. Die bisherigen Tarifmindeftlöhne werden vom 17. November 1930 bis einschließlich 18. Januar 1931 in allen Gruppen um 3 v. h. gekürzt. 3. Mit Wirkung vom 19. Januar 1931 vermindern sich die bis zum 16. November 1930 geltenden Tarifmindestlöhne um weitere 3 o.h. für mann - liche und weibliche Jugendliche unter 18 Jahren und um weiteres v. h. fürallr übrigen Gruppen. 4. Diese Regelung ist mit Monatsfrist kündbar, erstmalig zum Schluß der Lohnwoche, in die der 30. Juni 1931 fällt. Berlin, den 8. November 1930. (gez.) Dr. Brauns. Dr. Iarres. Prof. Dr. S i n z h e i m e r. Die Begründung. 3n der Begründung des zweifellos für eine ganze Reihe von Betrieben als beispielgebend zu wertenden Schiedsspruchs heißt es: Die Berliner Metallindustrie befindet sich, ebenso wie die gesamte deutsche Wirtschaft, in einer schweren Krise Die Zahl der Arbeitslosen ist in Deutschland auf drei Millionen angewachsen und droht noch weiter zu wachsen. Daß diese Krise auch weltwirtschaftlichen Charakter hat, befreit das deutsche Volk nicht von der Pflicht, alle feine Kräfte dafür einzusetzen, daß die Rot nicht steigt, und alles zu tun. was eine Besserung erwarten laßt. Dazu bedarf ?s wirksamer Preissenkung auf allen Gebieten. Wenn diese auch nicht allein von der Lohnseite her erfolgen darf, so ist das L o h n k o n to doch ein so wichtiger Bestandteil der Gestehungskosten, daß an ihm nicht vorbeigegangen werden kann. Bon einer Lohnsenkung kann allerdings die wünschenswerte Belebung der Wirtschaft nur dann erwartet werden, wenn dadurch d i e K a u f- traft der Massen nicht dauernd gesenkt wird. D'e Schlichter haben deshalb erwogen, ob nicht die Lohnsenkung in eine feste Dez iehung zur Entwicklung der Preise, insbesondere der Lebensmittel- pr:i'e gebracht werden könnte. Die Der- wirklichung dieses Gedankens scheiterte indes an der Unmöglichkeit seiner allgemeinen technischen Durchführung. Wenngleich wohl die Schlichter im vorliegenden Falle eine Lohnsenkung in ihrem Schiedsspruch für unvermeidlich hielten, so geschah das in Kenntnis gewisser bereits eingeleiteter Maßnahmen zur Senkung der Lebensmittelpreise und in der sicheren Erwartung, daß die allgemeine Herabsetzung der Preise, der gewerblichen Produkte wie auch der Lebensmittel. von allen verantwortlichen Stellen mit größter Energie auch weiter verfolgt wird. Dabei kommt es darauf an, daß diese Preissenkeng sich bis zum letzten Konsumenten durchs etzt. 3n den Schlichtungsverhandlungen erklärten die Dertreter der Berliner Metallindustrie, daß eine erhebliche Senkung der Preise ihrer Produkte bereits erfolgt sei und weitere Senkung bevvrstehe. Was das Ausmaß der Lohnkürzung anbetrifft. so haben die Lohnschlichter erwogen, daß die Senkung der Lebensmittelkosten sich erst auszuwirken beginnt und daß der Ar- . beiterschaft Zeit gelassen werden muß, um sich auf die Lohnkürzung in ihrer vollen Höhe einzustellen. Mit dieser Abweichung haben sich die Schlichter Inhalt und Begründung des ersten Schiedsspruchs zu eigen gemacht. Die Schlichter waren bei der Gestaltung ihres Schiedsspruches an den Inhalt des noch laufenden Manteltarifvertrages gebunden. Aus diesem Grunde konnte die Frage der Arbeitszeit in diesem Berfahren nicht behandelt werden. Auf Grund dieser Erwägungen fällten die Schlichter einstimmig den oben wieder gegebenen Schiedsspruch. Die Berliner Blätter zum Schiedsspruch. Berlin, 9.Rov. (TU.) Der Schiedsspruch wird von einer Reihe Berliner Blätter eingehend gewürdigt. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" (DVP.) schreibt, politisch gesehen sei der Schiedsspruch ein Ereignis, das an Bedeutung. falls er sich voll auswirken könne, nur etwa mit der Einführung der Rentenmark im Iahre 1923 zu vergleichen fei. — Die „Börsen- Zeitung" (Kons.) sieht in dem Schiedsspruch ein Kompromiß zwischen dem urfprünglichen Schiedsspruch des amtlichen Schlichters und dem Willen fcer Arbeitnehmerschaft, der gegen Annahme jenes ersten Schiedsspruches gerichtet war. Es sei abzuwarten, ob die praktischen Auswirkungen des Schiedsspruches hinreichten, um nicht nur der im Konkurrenzkampf gegen das Ausland ringenden Industrie die notoen&igen Erleichterungen zu verschaffen, sondern auch die allgemeine Lohn- und Preissenkungsaktion mit zu beeinflussen. — Der „Vorwärts" (Soz.) schreibt, der Schiedsspruch sei der schwerste Schlag, der jemals gegen das Schlichtungswesen geführt worden sei. Man könne jetzt schon mit Sicherheit voraussehen, daß die Lösung der Arbeitskonflikte vor den Schlichtun'gsinstanzen in Zukunft viel schwieriger sein werde, als sie es schon bisher gewesen sei. Richt nur die Berliner Metallindustrie würde sich durch diesen Schiedsspruch enttäuscht fühlen, sondern die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands. Wohl sei der Schiedsspruch bindend, aber die organisierte Arbeiterschaft sei ihm deshalb nicht hilflos ausgeliefert. Sie werde ihre ganze Kraft und ihren politischen Einfluß einsehen müssen, damit die Lohnsenkung durch Senkung der Lebenshaltungskosten nach Möglichkeit ausgeglichen werde. — Die „Dossische Zeitung" (Dem.) schreibt, es toerte ein schweres Opfer von den Arbeitern verlangt. Das Opfer werde nicht ohne Schwierigkeiten gebracht werden- Schwierigkeiten nicht nur für den Haushalt deS einzelnen Arbeiters, der jetzt auf einen Teil seiner Einnahmen verzichten müsse, sondern Schwierigkeiten auch für die Organisationen, die bleien Spruch gegenüber der Kritik ihrer Gegner und ihrer eigenen Leute verteidigen müßten. — Das „Berliner Tageblatt" (dem.) sieht in dem neuen Schiedsspruch eine ganz geringfügige Verbesserung zugunsten der Arbeitnehmer. — Die „Deutsche Tageszeitung" (Land- bund) sieht die entscheidende psychologische mate* Genf, 8. Rov. (TU.) Im Genfer Vorbereitenden Abrüstungs-Ausschuß ist heute vormittag die Entscheidung über die feit Iähren von Deutschland geforderte Verminderung der au»- gebildetenReserven als der entscheidende Kriegsfaktor endgültig gefallen. Rach längerer bewegter Aussprache wurde der deutsche Antrag auf Herabsetzung der ausgebildeten Reserven durch Erfassung der jährlichen Rekrutenkontingente und Herabsetzung der aktiven und Reservedienstzeit vom Ausschuß mit zwölf gegen sechs Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen abgelehnt. Für den deutschen Antrag stimmten: Holland, Schweden, Norwegen, China, Sowjet-Ruhland, Deutschland, gegen den deutschen Antrag stimmten u. a. die Türkei, Frankreich, Polen, Rumänien, Süd- slawien, die Tschechoslowakei, Italien, Belgien und Iapan. Der englische, kanadischeund amerikanische Vertreter enthielten sich bei der Abstimmung der Stimme. Die von der deutschen Regierung auf der gegenwärtigen Tagung des Abrüstungsausschusses verfolgte Feststellungspolitik zur Klärung der künftigen Schuldfrage hat damit in einer entscheidenden Frage der Abrüstung eine eindeutige Klarstellung erhalten. Der Vertreter der deutschen Regierung im Abrüstungsausschuß, Graf Bernstorf f. gab nach Bekanntgabe des ablehnenden Abstimmungsergebnisses über den deutschen Antrag eine kurze Erklärung ab, nach der er an der weiteren Abstimmung über die vorliegenden Anträge keinerlei Interesse mehr habe, da das Kernstück des deutschen Antrages über die Herabsetzung der ausgebildeten Reserven gefallen sei. Viel bemerkt wurde, daß der frühere Direktor der Abrüstungsabteilung des Dölkerbundssekre- tariats 6 o 16 an, der als Vertreter der norwegischen Regierung im Abrüstungsausschuß sitzt, seine Stimme für den deutschen Antrag abgab. In der der Abstimmung vorausgegangenen Aussprache betonte der französische Verkalk o w i h. 8. Noo. (WTB.) Die hauptwahl- kommission für den Schlesischen Sejm hak die kan- didakcnliske der Deukschen wahlgemcinschask für den Wahlkreis I, der Bielitz, Teschen und Rybnik umfaßt, auf Grund der Artikel 40 und 41 der Wahlordination für ungültig erklärt. Gemäß dieses Artikels muh eine Kandidatenliste für ihre Anerkennung 50 Unterschriften aufweisen, wie die polnische Presse nun meldet, hat die deutsche Liste zwar 66 Unterschriften gehabt, davon seien jedoch zwei von vornherein ungültig erklärt worden und von weiteren 15 Unterzeichnern sei zu Protokoll erklärt worden, daß sie die Unterschriften blanko abgegeben hätten. Da nun die Liste keine 50 gültige Unterschriften mehr aufgewiesen habe, sei sie für ungültig erklärt worden. Ls ist anzunehmen, daß die Deutsche wahlgemeinschaft hiergegen Eins p r u ch einlegen wird. wie aus zahllosen Plakaten, die der Aufständischen-verband in der Nacht zum Sonntag in der ganzen Woiwodschaft öffentlich anschlagen lieh, hervorgeht, sind sämtliche Aufständischen für die Zeit vom 9. bis 23. November, also für die nächsten 14 Tage, in die die Wahlen zum rielle Bedeutung des Schiedsspruches darin, daß ein Gremium, das keinen einzigen älnternehmer umfaßte, sondern einen langjährigen, sozialreaktionärer Neigungen wahrlich nicht verdächtigen Reichsarbeitsminister, einen hohen Gemeindebeamten und einen der Sozialdemokratie sehr nahestehenden Arbeitsrechtler, den Lohnabbau, wenn auch in gemilderter Form, zu verfügen sich für verpflichtet halte. — Die Deutsche Zeitung (deutschnatl.) schreibt, daß das in seiner Mehrheit gewerkschaftlich zusammengesetzte Schiedsgericht zu der Entscheidung gelangt sei, daß eine Lohnsenkung nicht mehr zu vermeiden fei, bedeute den offenen Zusammenbruch der Gewerkschaften, die bisher dem deutschen Arbeiter vorgelogen hätten, es könnten jährlich Milliardentribute ans Ausland geleistet werden, ohne daß das auf Kosten seiner Lebenshaltung geschehe. — Das kommunistische Morgenblatt „Berlin amMorgen" schreibt, die Bevollmächtigten des Metallarbeiterverbandes hätten ein frevelhaftes Spiel mit den Metallarbeitern getrieben. Sie hätten den bedingungslosen Abbruch des Streikes veranlaßt, obwohl sie gewußt hätten, wie der Schiedsspruch aussehen werde. Die Gewerkschaftsopposition fordere, daß die Betriebe im Reiche streikfertig gemacht werden, um den Kampf gegen neue Schlichtungsdiktate aufzunehmen. tretet, daß der deutsche Antrag unannehmbar sei, da jegliche Art der Einschränkung der allgemeinen Militärdienstpflicht, der sich jeder Staatsbürger zu irrtter- ziehen habe, aus politischen und sozialen Gründen nicht in Frage kommen könne. Cecil (England) legte dem deutschen Antrag keine besondere Bedeutuno bei. Er meinte, er wäre sogar in der Sage, sich für den deutschen Antrag einzusetzen, zur Klarstellung der jährlichen Truppenkontingente im künftigen Abrüstungsabkommen, jedoch keineswegs im Sinne einer Herabsetzung der ausgebildeten Reserven. Der japanische Vertreter trat für Herabsetzung der Militärdienstpflicht ein, lehnte aber die Verminderung der ausgebildeten Reservisten ab. Der belgische Vertreter bezeichnete eine Aende- rung des gegenwärtigen Dienstpflichtsystems als undenkbar. Der Vertreter Kanadas war grundsätzlich mit dem deutschen Antrag einverstanden, er behauptete jedoch, nicht dafür stimmen zu können, da gegenwärtig eine Annahme des deutschen Antrages unerreichbar sei. Litwinow (Rußland) unterstrich, daß das System der ausgebildeten Reserven die Mobilisierung des ganzen Volkes ermögliche. Er forderte Annahme des Antrages. Der holländische Vertreter stellte fest, daß die allgemeine Dienstpflicht für den Gedanken der allgemeinen Abrüstung von vernichtender Wirkung sei. Zum Schluß erklärte Graf Bernstorfs, daß Deutschland seit Iah- ren eine Herabsetzung aller Rüstungen und eine Verminderung der Reserven gefordert habe. Die allgemeine Dienstpflicht ist in letzter Zeit in Europa derart entwickelt worden, daß jeder Staatsbürger ihr von der'Wiege bis zum Grabe unterliege. Ein Abrüstungsabkommen, das dieser Tatsache nicht Rechnung trage, sei völlig undenkbar und nicht die Tinte wert, mit der es geschrieben werde. warschauer Senat sowie zum Warschauer und Schlesischen Sejm fallen, mobilisiert, und es ist eine Ausständischen-woche organisiert worden, die lediglich der Bekämpfung des Deutschtums dienen soll. In dieser Zeit haben sich dem Wortlaut des Plakates zufolge alle Aufständifchen in höchster Alarmbereitschaft zu halten und überall den Kampf gegen das Deutschtum aufzunehmen. Die Tätigkeit des Deutschen volks- bundes und der Deutschen Wahlgemeinschaft, vornehmlich ihrer Vertrauensleute, soll in schä r fster Weise überwacht werden. Ebenso sollen diejenigen Polen, die mit den Deutschen sympathisieren, überwacht werden. Ferner fordert der Aufruf zum vollständigen Boykott der deutschen Presse sowie zur Behinderung der deutschen Zeitungsträger auf. Polen, die deutsche Zeitungen lesen, sollen öffentlich gebrandmarkt werden. Der Aufruf, der von prominenten Persönlichkeiten mit unterzeichnet ist, fordert zum Schluß, daß sämtliche Oberschlesier die Regierungsliste wählen. Infolge dieses Aufrufs find in deutschen Kreisen Ostoberschlefiens Befürchtungen entstanden, um so mehr, als auch der Minister Kwiatkowski, der heute in mehreren Versammlungen in Ostoberschleien sprach, dazu aufgefordert hat, der deutschen Gefahr mit allen Mitteln zu Leibe zu rücken, heute ind bereits zahlreiche Deutschgefinnte aus den Landkreisen in die Städte ge- Iüchtet, da sie sich an ihren Wohnorten nicht mehr siche r fühlen. Die Sonntagsausgobe der Kattowiher Zeitung wurde wegen des Leitartikels beschlagnahmt. Damit verfielen von den letzten sieben Ausgaben der genannten Zeitung nicht weniger als vier der Beschlagnahme. Prag macht Schute. Tcutschfcindtichc Ltudentcn- dcmonstrationen in Warschau. W a r s ch a u, 8. Rov. (WTB.) Die Warschauer Studenten veranstalteten heute nachmittag im Hof der älniversität eine große, gegen Deutschland gerichtete Kundgebung. Der Rektor hielt eine Ansprache, worin er von „der drohenden deutschen Gefahr" sprach und zum nationalen Zusammenschluß aufforderte. Dann sprachen noch einige Studenten, die den Boykott deutscher Waren und deut sch er Filme verlangten. Die Studenten zogen bann, etwa 2000 Mann stark, unter Absingung deutschfeindlicher Lieder vor ein Kino, wo gerade jetzt ein deutscher Film gegeben wird, wurden aber von der Polizei abgedrängt. Sie versuchten bann zur beutsch en Gesanbtschaft zu marschieren, doch sperrte ein starker Riegel von Schutzmann- schaften zu Pferde und zu Fuß die Straße ab, in der sich das Gesandtschaftsgebäude befindet. Nachdem die Studenten längere Zeit Riederrufe auf Deutschland ausgestoßen hatten, folgten sie der Aufforderung des Rektors und zerstreuten sich. Das Wahlergebnis in Oesterreich. Verluste der Christlich-sozialen. w i e n, 9. Nov. (WTV.) Die Nationalratswahlen, die um 5 Ahr nachmittags geschlossen wurden, sind hier bei sehr starker Beteiligung der 1.4 Millionen wahlberechtigten, besonders auch der Frauen, in vollkommener Ruhe vor sich gegangen. hierzu dürfte wesentlich das schon gestern mittag in Kraft gefetzte und bis morgen früh anhaltende Alkoholoerbot beigetragen haben, das zahlreiche Gastwirte veranlaßte, ihre Betriebe heute überhaupt zu schließen. Auf den Straßen sah man ständige Bewegung, ein fortdauernde» Kommen und Gehen der Wähler, die sich der Bedeutung ihrer Aufgabe voll bewußt schienen, wobei von Anreißertum ebenso wenig zu bemerken war wie von Schlepperwesen. Auch Polizei war nicht mehr als alltäglich in den Straßen zu sehen, hier und da soll mit Wahlzetteln, die bereits in Wahl- Umschlägen enthalten waren, Schwindel versucht worden sein. Nach den Ermittlungen der Hauptwahlbehörde stellt sich das Endergebnis der gestrigen Nationalratswahlen folgendermaßen dar: die Sozialdemokraten erhalten 72 (71) Mandate, die Christlich-Sozialen 66 (73) Mandate einschließlich heimwehr bzw. Heimatwehr, der Na- tionale w i r t s ch a f t s b l o ck und Landbund, der die frühere Großdeutsche Partei und den Landbund umfaßt, 19 (12 und 9) Mandate, der heimatblock, der früher keinen Kandidaten aufgestellt hatte, 8 (0) Mandate. Unter den Kandidaten, welche im ersten Ermitt- lungsverfahren vorläufig kein Mandat errungen haben, befinden sich noch: der bisherige großdeutsche 3. Präsident des Nationalrats Dr. ID a- b e r, der steiermärkische Landeshauptmann Dr. R i n- tclen, die Heimwehrführer Starhemberg, Dr. Steidle, Dfriemer und Major Fey, ferner der grohdeutsche Abgeordnete Dr. Hampel (Steiermark) und der in Kärnten vom Heimatblock als Kandidat aufgestellte ehemalige Landeskomman- dant von Kärnten während der Freiheitskämpfe, General hülgerth. Die Städte zum Finanz» und Wirtfchastsprogramm. Berlin, 8. Rov. (WTB.) 3m Anschluß cm die heutige Vorstandssitzung des Deutschen Stadtags fand eine Presjebesprechung statt, hx der der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t über die Stellung der Städte zum Finanz- und Wirtschastsprogramm der Reichsregierung berichtete. Die Städte würden, da das Regierungsprogramm eine Soforthilfe für die Kommunen nicht vorsehe, ihre eigenen Maßnahmen fortsehen, die sachlichen Ausgaben für den Rest des Rechnungsjahres und für 1931 zu drosseln und eine mißbräuchliche Inanspruchnahme städtischer Wohlsahrtsmittel zu bekämpfen. Dennoch würden die Gemeinden ohne sofortige Maßnahmen des Reichs und der Länder mit den großen Schwierigkeiten nicht fertig werden können. Zum Entwurf eines Gehaltstür^ungS- gesehes wird gefordert, daß die dadurch erzielten Einsparungen der Gemeinden in vollem Ausmaße auch den Gemeinden zugute kommen. Außerdem sei es auch zweckmäßig, die Dauerangestellten der öffentlichen Körperschaften ernzubeziehen. DaS Deutschland wird in Gens niedergestimmt Oie Verminderung der ausgebildeten Reserven wird von der Abrüstungskonferenz abgelehnt. Oeutschen-Terror in Ostoberschlefien. Oer polnische Aufständischen-Derband wird gegen das Deutschtum mobil gemacht. Sejmwahlen unter Terror. Gesetz über die Einschränkung des Personalauf- wandeS wird dangen abgelehnt, da es in die kommunale Beamtenschaft un-nötige Beunruhigung hineintragen würde. Eine Drosselung des Wohnungsbaues käme auf eine unerträgliche Äeubelaftung des Arbeitsmarktes heraus. Die Hauszinssteuer für den Wohnungsbau müsse dem örtlichen Aufkommen entsprechend zur Verwendung gelangen. Die Weiterführung der Geineindefinanzwirtschast sei nur möglich, wenn die volle Beweglichkeit der Cinnahmege- staltung gesichert würde. Dazu gehöre vor allem auch die Einführung des Zuschlags- rechtszurEinkommensteuer zum 1. April 1931. Auf diese Weise werde am besten die LIeberlastung der Realsteuern vermieden. Eine allgemeine schematisch« Senkung der Realsteuern hält der Städtetag aber nicht für möglich. Zusammenfassend verwies Dr. Mulert nochmals auf das Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen. Die immer wieder geforderte Reuregelung der Krisenfürsorge und die Aeber- nahme des Gemeindefünftels auf das Reich müsse deshalb sofort geschehen. Grundforderung sei jedenfalls, daß die Gemeinden ihre Selb st Verantwortlichkeit behielten. Oie Preissenkung. Verhandlungen im Reichsernährungsministerium. Berlin. 8. Rov. (Wolff.) Die deutschen Däckerinnungen haben sich auf ihrer Tagung in Berlin mit der Frage der Senkung der Brotpreise besaht. Auf Grund ihrer Beratungen wurde dem Reichsernährungsministerium mitgeteilt, das) eine allgemeine Herabsetzung der Brotpreise im Reich zur Zeit nicht möglich sei, weil die Voraussetzungen hierfür — Senkung der Lohnunkosten, Soziallasten, Steuern und Werktarife — nicht gegeben seien. Eine einheitliche Festlegung der Bruttospanne für die Unkosten des Bäckereibetriebes bei der Drotherstel- lung sei für das ganze Reich nicht möglich. Infolgedessen haben sich die Bäcker auf eine durchschnittliche Druttospanne geeinigt. An Hand dieser Spanne werden nunmehr die bezirklichen und örtlichen Unkosten nachgeprüft, um die Unterschiede in den Brotpreisen der einzelnen Großstädte aufzuklären. Im Anschluß an Verhandlungen mit dem Bäcker- und Fleischergewerbe und dem Milchhandel sanden im Reichs Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft Besprechungen mit der H a up t ge me i n sch a f t des deutschen Einzelhandels statt. Die erschienenen Vertreter deä Lebensmittelhandels legten dar, welche Preissenkungen auf verschiedenen Gebieten im Laufe der letzten Monate bereits einge- treten feien. Sie betonten den ernstlichen Willen, den Wünschen der Reichsregierung auf eine allgemeine Preis enkung auch ihrerseits im Rahmen des Möglichen Rechnung zu tragen. Sie werden dem Ministerium in den nächsten Tagen konkretes Material über die Preisbildung und die Höhe der Handelsspanne unterbreiten. Die Verhandlungen werden fortgesetzt-. Oie Tabakzollerhöhung im Reichsrai. Hessen wird dagegen stimmen. Berlin, 8. Roo. (DDZ. Funkspruch.) Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates traten am Samstagfrüh unter dem Vorsitz des Staatssekretär» Schäffer vom Reichssinon;minislerium zusammen. um die zum Finanzplan der Reichsregierung gehörende Novelle zur Tabak st euer zu beraten. Während die Zigarellensteuer nach den Mitteilungen des Reichsfinanzministeriums in den letzten Jahren schon mehrfach erhöht worden ist, waren Zigarren und andere Tabakwaren noch geschont worden. Die jetzige Novelle zur Tabaksteuer will diesen Unterschied zum Teil wieder ausgleichen, indem sie eine stärkere Belastung namentlich fürZigarren vorsieht. Infolgedessen machte sich in den Reichsratsausschüssen eine Opposition namentlich der bremischen und der badischen Reichsratsvertreter geltend. 3n beiden Staatsgebieten spielt die Zigarrenherstellung eine grohe Rolle. Es wurde darauf hingewiesen. datz die kartellierte und mit modernen Maschinen ausgerüstete Zigarettenindustrie eher eine starke Steuer tragen könne als die in zahlreiche Kleinbetriebe zersplitterte und daher viele Arbeiter beschäftigende Zigarrenindustrle. Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates beendeten am Samstag die erste Lesung der Tabak- sleueroorlage der Reichsregierung. (Eine zweite Lesung wird am Samstag, den 15. 71 o- vember, stattfinden. * Wie wir der amtlichen „Darmstädter Zeitung" entnehmen, hat das hessische Gesamtmini- st e r i u m beschlossen, datz Hessen im Interesse des heimischen Tabakbaues und der Tabakindustrie im Reichsral gegen dieLrhöhungderTabak- st e u e r stimmt. Auch die Volkspartei gegen die Tabakzollerhöhung. Berlin, 10.Rov. (DDZ.) Die Reichstags- frcrktion der DVP. hielt am Samstag im Reichstag eine Sitzung ab. Wie das DDZ.-Bureau hört, erstatteten zunächst die Wgeordneten Dau ch und Dingeldeh einen Bericht über die politische Lage und über ihre Besprechung mit dem Reichskanzler. Die Fraktion steht dem Reichskanzler nicht ohne Vertrauen gegenüber. Bei der Besprechung der einzelnen Steuerfragen, über die Abgeordneter Dr. Cremer berichtete wurden u. a. stärk st eBedenkengegendie Tabaksteuer geäußert. Es wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Einschrän- kung des Tabakkonsums zu einer erheblichen Vermehrung der Arbeitslosigkeit führen könne. Wie das VDZ.-Bureau weiter erfährt, erregte m der Fraktion eine Mitteilung äußerstes Befremden, wonach von interessierter Seite im Lande die Behauptung verbreitet sei die Fraktion habe sich für die Einführung der Arbeitszeitkürzung entschieden. Es wird dazu ausdrücklich versichert, bah sich kein einziges Mitglied der Fraktion in diesem Sinne ausgesprochen habe. Die Gründung der Deutschen Staatspartei. Oie Auflösung her Oemokratischen Partei. Höpker-Aschoff bereitet über den Weg zur Staatspartei. Hannover, 8.Rov. (WTD.) Auf dem demokratischen Parteitag hielt der Ehrenvorsitzende der Partei, Bürgernreister Dr. Karl Petersen, Hamburg, eine Rede über das Thema „216- schiedvon derDemokratischenPartei, 12 Jahre der Arbeit für Deutschland." Ter preußische Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff sprach über das Thema „Unser Weg zur Staatspartei." Er führte dabei u. a. folgendes aus: Aus dem Willen heraus, alle Staatsbürger zum gemeinsamen Widerstand gegen den Sozialismus und zum Kampf für geistige Freiheit zu vereinigen, ist die Staatspartei geboren worden. Ein Bündnis wesensverwandter Parteien und Gruppen hätte dieses Ziel erreichen können. Das Bündnis ist gescheitert an einem großen Irrtum. 1. Wir haben uns geirrt über die persönlichen Eigenschaften und die politischen Fähigkeiten der Führer der volksnationalenBeweg ung. 2. Wir haben uns geirrt über die voll^nationate Bewegung selbst. Diese Bewegung wurde gestärkt durch den Iungdeutschen Orden, und der Orden wollte nicht die Verwirklichung politischer Ziele, sondern er und vor allem auch seine bezahlten Angestellten der Bureaukratie wollten nichts als die Macht. Der Plan, Verbindung mit dem Lager der Deutschen Dolkspartei aufzunehmen, wurde vor und nach den Wählen, insbesondere aber vor der Verhandlung mit Herrn Dr. Scholz, durch die volksnationalen Führer auf das schärfste bekämpft, weil man fürchtete, alsdann innerhalb der neuen Partei an Bedeutung zu verlieren. Was wollen wir in der Deutschen Staatspartei? Wir bekennen uns zum nationalen Gedanken. Wir wollen den Frieden, aber den Frieden der Freiheit und nicht der Unterwerfung. Befreiung und Wiederaufrichtung der deutsch e n R a t i o n ist unter oberstes Ziel. Die Etappen auf dem Wege heißen: Beseitigung der Tributlasten, Grenzrevtsionen im Osten, Anschluß Oesterreichs, Sicherung der deutschen Minderheiten und Organisation des mitteleuropäischen Raumes. Wir bekennen uns zum demokratischen Gedanken und wollen, daß der Staat über alle konfessionelle Verknöcherung hinweg die deutsche Kul- turgemeinfchast als den Sinn jedes Bildungs- keseris betrachte. Wir bekennen uns zur Wirt- s^astsordnung d^s Privateigentums und beirachten es trotz aller Schlagworte als unsere Ausgabe, möglichst viele Menschen zu Besitzbürgern zu machen. — Rach dem Referat Höpker-Aschoffs wurde der Antrag des Parteivorstandes auf Auslösung der Deut- schenDemokratischenPartei uni) Uebcr- führung der Parteiorganisation in die Deutsche Staatspartei mit allen gegen 16 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen angenommen. Oie Gründungsversammlung her Gtaaispariet. ReichHfmanzrrunister Dietrich der neue Parteiführer. Hannover, 9. Noo. (WTB.) In Hannover, wo am Tage vorher nach teilweise stürmischen Auseinandersetzungen mit großer Mehrheit die Auflösung der Deutschen Demokratischen Partei beschlossen worden war, hielt am Sonntag die Deutsche Staatspartei ihren Gründungsparteitag ab, den der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff eröffnete. Reichsfinanznimister Dietrich hielt eine Rede über „Ziele und Aufgaben der Staatspartei", in der er etwa folgendes ausführte: Im neuen Reichstag besteht noch eine Mehrheit für den heutigen Staat und seine Verfassung, aber es besteht keine Mehrheit für die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung, die Sozialdemokraten, Korn- muniften und Nationalsozialisten verwerfen. Die Grundursache dieser Erscheinung liegt in der Vermehrung der abhängigen Existenzen , die im übrigen politisch und wirtschaftlich heute vollkommen gleichberechtigt sind. Schlimmer hat die Inflation gewirkt, die Millionen Existenzen ihr Sparvermögen weggenommen hat und sie daher in der Zeit der Arbeitslosigkeit der größten Not aussetzt. Die Zusammenballung zu gewaltigen Syndikaten und Trusts, die ganze Erwerbszweige beherrschen, verbaut einer Menge nach Selbständigkeit drängender Existenzen den Weg nach oben. Die Reparationen, die in ihren Auswirkungen vollkommen unübersehbar sind, be- drohen die Existenzmöglichkeit der Nationen. Die Meinung, der Staat könne alle Leiden heilen, ist überspannt worden und droht den Staat zum Erliegen zu bringen. Schlimmer ist zur Zeit die geistige Verwirrung. Die alten Autoritäten sind gefallen. In Familie, in Schule und Kirche wurde vielfach ein negativer Geist gelehrt, der der heutigen Generation jede Einstellung zum Staat genommen hat. Meinungs- und Pressefreiheit sind entartet, Selbstdisziplin ist verloren gegangen. Der Eintritt der Frau in das politische Leben brachte ein neues unübersehbares Moment, und das verkehrte Wahlrecht hat verwirrend gewirkt. Falsche Beamtenpolitik und wirtschaftliche Korruption haben verheerende Folgen gehabt. Mit Schlagworten wie Marxismus und Antimarxismus kann die Lage nicht geändert werden. Monopolistische Syndikate kann der Staat nicht frei schalten und walten lassen. 3m übrigen aber ist die Erhaltung des selbständigen Unternehmertums und vor allen Dingen des Mittelstandes in Gewerbe, handel und Landwirtschaft die vordringlichste Aufgabe. Davon hängt auch das wohl und Wehe der Angestellten, Arbeiter und Beamten ab. Auf geistigem und kulturellem Gebiet liegt das Zeitalter des Liberalismus hinter uns. Wir übernehmen aus ihm das Rechtder Geistes- u n d M e inungsfreiheitundderDuld- samkeit. Aber auf Freiheit hat nur Anspruch, wer sich die nötige Disziplin und Selbstbeschränkung auferlegt. Die wichtigste Aufgabe ist die Erziehung zur Volksgemeinschaft und zur staatsbürgerlichen Pflichterfüllung, Aur Staatsidee. Diese aber ist der Gedanke des deutschen Rational st aates. Jede andere Staatsidee zerreißt die Verbindung mit den von uns getrennt lebenden Europadeutschen. Weil wir aber für die Staatsidee alle Dolks- genoffen brauchen, muß der Staat demokratisch sein. Dieser demokratische Rationalstaat wird dem deutschen Volke die Freiheit wieder erobern, tote wir hoffen, auf friedlichem Wege. Aber die Friedensidee ist überlagert von Ser Idee der Gerechtigkeit, und Friede kann es in Europa nur geben, wenn toe Gerechtigkeit siegt. Der Redner verbreitete sich dann über seine Finanzpolitik, die ein Gebot der Rot sei, und die auch, soweit sie die Beamten treffe, nur zu verstehen sei aus der Tatsache, daß eben die Mittel zur W e i t e r g e w ä h r u n g der bisherigen Bezüge nicht ausreichten. Die Grundidee sei die Wieder- herstellung des Vertrauens und damit Belebung der Wirtschaft auf dem Binnenmarkt sowohl wie auf dem Weltmarkt. Die Reparationspolitik bezeichnete er als zwangsläufig. Als der Redner die Rotwendigkeit der Kürzung der veamtengehäller als eine der Maßnahmen begründete, die die Zahlungsfähigkeit des Reiches, der Länder und Gemeinden erhalten solle, kamen von den De- amtenvertretern Rufe: „Aber das Kapital wird geschont" Minister Dietrich erinnerte darauf an diein der Inflation und mit dem De- visenkvmmissar gemachten Erfahrungen. Wenn jetzt abermals scharfe Dekrete gegen das Kapital ergehen, würde man erleben, was früher sich schon ereignete, nämlich, daß aus allen Volksschichten ein Sturm auf die Danken einsehen würde, und daß jedermann versuchte, sein deutsches Geld in fremde Währung urnzu- setzen. Der Redner gedachte der jüngsten Erfahrungen Frankreichs auf diesem Gebiete und fügte hinzu: „Ich will nicht um der augenblicklichen Popularität willen Fehler begehen, die. das deutsche Volk ruinieren können, und ich hoffe, daß nicht neue Stürme das in der letzten Zeit mühsam aufgebaute Sanierungswerk für Deutschland zerstören. (Lebhafter Beifall.) Wir hoffen aber auch, einen Weg gefunden zu haben, auf dem wir das Kapital, wenigstens der Menschen, die noch ein bescheidenes Staatsgefühl haben, aus dem Auslande wieder zurückbringen können. (Beifall.) Wenn wir bei der Kürzung der Deamtengehälter nicht g e st a f - feit haben, so liegen dem einige Erwägungen zugrunde, dabei auch die, daß gerade die oberen De amten, die eine lange Vorbildung haben müssen, sich darüber beklagen, daß sie bei der Gehaltserhöhung 1927 besonders schlecht weggekommen seien. Dei den Ministergehältern haben wir kräftige Abstriche gemacht. Ich habe nach 21 jähriger Dienstzeit sieben Jahre lang auf Gehalt und Pension verzichtet. Dei dieser meiner persönlichen Unabhängigkeit darf ich aber auch sagen: Eine schlechte Dehand- lung der führenden Leute im Rat führt mit der Zeit zur Plutvkrati e.“ Rach dem Reichsfinanzminister führte Reichs- tagsabgeordneter Dr. Josef Winschuh u. a. aus: Die Arbeit, die wir heute beginnen, wird nicht getragen vom Schwung eines Sieges. Sie kann ihre Kraft nur schöpfen aus der Ueber- zeugung, daß unsere Arbeit für Deutschland notwendiger ist denn je und aus dem selbstkritischen Willen zur Erneuerung. Dei unserer Arbeit dürfen wir nicht in den Fehler verfallen, zu rationalisiert und zu intellektuell zu werden. Wir müssen eine Politik aus dem Herzen und auS dem Glauben treiben, die nicht nur an die Vernunft, sondern stark an die Kraft des Gemüts appelliert. Die Staatspartei muh die lebende Drücke zwischen Volk und Staat werden. Um Rachtouchs zu gewinnen, müssen wir aber auch uns der Röte des Rachwuchses annehmen. Reben das Geben des Industriearbeiters, neben die sozialen Probleme der wachsenden Angestelltenschaft tritt als dritte soziale Frage immer stärker die Derufsnot und der Lebenskampf des deutschen fachlich und akademisch gebildeten Nachwuchses. Die Front der Kämpfer und Führer muß verjüngt werden, denn die nächsten Jahre werden im Zeichen eines scharfen Kampfes stehen. Unsere besondere Aufgabe ist es, die Hohlheit und Unfruchtbarkeit des politischen Radikalismus zu demaskieren und eine Reservestellung zu schassen für die verwirrten deutschen Menschen, die bald aus den extremen Lagern zurückfluten werden, dann aber auch eine erneuerte politische Siegfried-Stellung vorfinden «müssen. Auch das Referat Winschuhs wurde mit lebhaftem Deifall aufgenommen. In der Diskussion nahmen mehr als 30 Redner das Wort. Die Satzungen fanden in der Form, wie sie vom Parteivorstand vorgeschlagen waren, im ganzen Annahme. Auf Vorschlag des Ministers Höpker- Aschoff wurde mit allen gegen 22 Stimmen darauf Dietrich zum Parteivorsitzenden gewählt. Der Parteitag bereitete dMi neuen Parteiführer eine brausende Kundgebung. Dietrich erklärte, daß er das Amt annehme. Mit einem Hoch -auf die deutsche Ration und die deutsche Republik und dem Gesang des Deutschlandliedes schloß der Parteitag. Oeutschnaiivnale Gpar- anträge in Hessen. Darmstadt, 8. Rov. (WHP.) Die deutsch- nationale Fraktion hat im Hessischen Landtag eine Reihe von Anträgen eingebracht, in denen u. a. darum ersucht wird, die Regierung möge innerhalb sechs Wochen den Entwurf einer Verfassungsänderung dahingehend vorlegen, daß 1. die Zahl der Landtagsabgeordneten von 70 auf 25 herabgesetzt werde, 2. daß neben dem Landtag (Volkskammer) noch eine berufsständische, aus 1 2 Mitgliedern bestehende Kammer gebildet werde. Letztere soll sich aus Vertretern der wichtigsten De- rufszweige: Arbeiterschaft, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Industrie, Handwerk, Beamten- schäft und anderen zusammensetzen. Die Vertreter sollen von den zuständigen Berufsorganisationen vorgeschlagen und vom Staatspräsidenten ernannt werden. Die berufsständische Kammer hätte das gleiche Recht, gegenüber Deschlüssen des Landtages, durch die der Staatshaushalt eine weitere Belastung erfährt, Einspruch zu erheben (Vetorecht). Wird innerhalb eines Jahres derselbe Beschluß vom Landtag zweimal gefaßt, und von der berufsständischen Kammer abgelehnt, so soll der Landtag das Recht haben, eins Volksabstimmung hierüber herbeizuführ««. 3. Das W a h l a l t e r soll heraufgesetzt werden. Außerdem wird in einem sehr ausführlichen Antrag eine Reihe von Sparanträge gestellt. die sich zum Teil mit denen des Landbundes decken. Im Reichsral soll von der hessischen Regierung u. a. die Erhebung einer besonderen Reparationsabgabe gefordert werden. Außerdem soll die Zahl der öffentlichen Feste dem Emst der Zeit und der wirtschaftlichen Rotlage entsprechend möglichst eingeschränkt und die Genehmigung zur Abhaltung von Festveranstaltungen nur in besonderen Fällen erteilt werden. Während der Zeit des Vormittags- gottcsdienstes sollen öffentliche Veranstaltungen, an denen sich Behörden beteiligen, in Zukunft nicht mehr stattfinden. Aus aller Well. Schwere politische Zusammenstöße. In Hilden bei Düsseldorf, wo es schon am Freitag zwischen Kommunisten undRa- tionalsozial isten zu schweren politischen Schlägereien gekommen war, hatten die Kommunisten für Sonntag zu einer grvhsn-S t rah en - kundgebung gegen die Rativnalsozialisten aufgerufen. Trotzdem die Polizei die Veranstaltung verboten hatte, rückten am Sonntagnachmittag aus Richtung Geeresheim, Benrath und Ohligs tommunistische Züge in die Stadt ein. Die; Hildener Polizei versuchte mit Tlnterstützung der Landjägerei die Umzüge aufzulösen. Die Beamten wurden jedoch derart bedrängt, daß sie schließlich von ihren Schußwaffen Gebrauch machen muhten, da von allen Seiten auf sie eingehauen wurde. Dabei wurden vier Personen, darunter eine unbeteiligte Frau, schwer verletzt. Auch mehrere Polizeibeamte erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen, davon einer einen Messerstich in den Unterleib. DaS aus Düsseldorf herbeigerufene Ueberfalltommando drängte die Kommunisten ins Hildener Volkshaus zurück, wo die Eingeschlvssenen nach Was-« f en durchsucht wurden. Einige Personen, bei denen man Gummiknüppel fand, wurden festgenommen, die übrigen nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen. Erst gegen Abend war die Ruhe wieder soweit hergestellt, daß die Düsseldorfer Polizei abrücken könnte. Gründung eines internationalen 3agdrates in Paris. In Paris wurde ein internationaler Jagdrat ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Ermittlungen über die verschiedenen Jagdregelungen zu zentralisieren, Statistiken zwischen den einzelnen Ländern auszutauschen, den Transitverkehr von Waffen zu erleichtern und schließlich eine internationale Verständigung zu schaffen, um die nütz- lichen Tiere zu schützen und die Wilderei an den Grenzen zu bekämpfen. Die Eröffnungssitzung, die unter dem Vorsitz des französischen Landwirtschafts. Ministers David stattfand, war von Vertretern von 17 verschiedenen Staaten besucht, wobei Deutschland durch den Herzog von Rati - b o r vertreten war. Nach Schluß der Sitzung wurden die Mitglieder der Vereinigung vom Präsidenten der Republik empfangen. Gustav Frenfsen ;um Holsteiner Bombenlegerprozeh. Der Dichter Gustav Frenfsen und die Vorsitzenden der Bauernbünde beider Dithmarschen, Hausbesitzer Thiessen und Johannsen jun., haben an Frau Heim, die Frau des in Altona zu s ieben Jahren Zuchthaus verurteilten Hofbesitzers Heim, ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt: „Ein hartes Gesetz hat Ihren Mann zu einer Sühne verurteilt, die ihn ehrlos machen soll. Wir Unterzeichneten, gleich ihm aus alten Dithmarscher Familien, wollen Ihnen sagen, daß wir zwar die Unternehmungen Ihres Mannes, seinem schwer bedrohten Stande zu helfen, nicht billigen, daß wir aber fern davon find, sie ehrlos zu nennen, und daß wir also Ihren Mann weiterhin für einen der Unseren halten und achten werden." Oie Wetterlage. 21 zzs; w> jort man noc das Deller S ** eiM S'm Stoftt ^uee bevor Partei «L Wn n. Mittag-, ^hingen, kunft nicht 8 an, . lundTa. wnunu. drohen. °>Nsten ^«önftaU ^agnach. und Kein. Di« Rung der k. 3.| M lie en Te. llen Seilen urden vier rau, schrvcr e erlitten Sen, davon M, Das ^tomnanbe mn ^achDas. ! Personen, wurden sek. ftcllung der Mn Abend !lll, dah die les In paris. Iagdral ins zemacht hat, en 3agbrege. zwischen den Transitverkehr ich eine Inter» um die nüg. derei an den gssitzung, die ndwirtschasls. n Vertretern iucht, wobei von Roll- Cihun^ rour« om Präsiden- enlrgnprojesi. rnd die Tor- Othmarschen, nnfenjun., s in Qütona verurteilten chtet. in dem xn Wann zu in ehrlos n, gleich ihm vollen Ihnen nmgen Ihres lande zu hcl- >r |ern da« dah wir also rin en der ■rten." 0) «LL-L wSS- täfle K ।# Sö« JÄ"* ä v>lrd- ** Besoldungsschiedsgericht. Auf Grund des Gemeindebeamtengesetzes wurde Regierungsrat Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. November 1930. Oie Martinsgans. Don Kranz Dohen „Bruder Martin, gib uns Wein, So trinken wir und schenken ein. Die Gans, die will begossen fein; Sie will noch schwimmen und baden, So wird uns wohl geraten: Haec anserum memoria.“ So sangen einst unsere Doreltern beim Mar- tinSschmaus am 11. November, dem Todes- und Gedenktag des heiligen Martin, der nach einem wilden Heidenleben als Einsiedler wundertätig wirkte und darum im Jahre 375 trotz seiner 3u- gend zum Bischof von Tours gewählt wurde. Da verkroch er sich aus Bescheidenheit unter eine Herde Gänse, die aber als fromme und kluge Tiere durch ihr Geschrei und Geschnatter sein Derstec! verrieten, so daß er hervorgezogen und zur Annahme der neuen Würde bewogen werden konnte. Zum Gedächtnis dieses Ereignisses hielt man seit- dem aller Orten am Martinstag einen großen Schmaus, als dessen Hauptgericht eine gebratene Gans aufgetragen wurde; so erhielt die Gans den Namen „Martinsvogel", den sie bis heüte behalten hat. Bei unseren Altvorderen ging es am Martins» tag als dem Beginn des winterlichen Jahres hoch her, und die Gepflogenheiten der Festgenossen machten dem Beinamen des Tages als .Speckmärten" alle Ehre. Am 12. November 1557 brannte aus der Zeil in Frankfurt a. M. ein Haus bis auf die Grundmauern nieder: solches hatten die Knappen, da sie schwermeten und Mar- tinsnacht hielten, verwahrloset." 3n Frauenzell in Schwaben sand am Martinstag ein ausgiebiger Umtrunk mit obligatem Gänsees.en statt, zu dem der Nat den Wern und die Gänse lieferte .in Anhoffnung hinfüro füeher Ruh und Einigkeit". Da man aber bei der Martinsfeier des Jahres oinzialdirektion Oberhessen ernannt. •• Ehrenmitglied deS Vogelsberger Höhen-Clubs. Prof. Georg Bender in Frankfurt a. TL, der gestern — wie bereits berichtet — feinen 70. Geburtstag be- ?ehen konnte, wurde aus diesem Anlab im Hinlick auf feine großen Verdienste um den DHL. und fein Streben zum Ehrenmitglied des Vogelsberger Höhen-Clubs ernannt. ** Don der Kras tpostlinie Lllrich- stein —Schotten. Die seither am Samstag ausgeführte zweite Fahrt ab Ulrichstein 20.45 Uhr, Rückfahrt ab Schotten Bahnhof 21,45 Llhr, wird infolge ungenügender Beteiligung eingestellt. "Schlägerei. In der Plocksttah« fand in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr eine Schlägerei statt, bei der zwei Leute von hier so schwer» verletzt wurden, daß sie in die Klinik eingeliefert werden muhten. Lieber den Grund der tätlichen Auseinandersetzung ist noch nichts bekannt. •• Feuer in einer Schreine rei. Am Samstag kurz nach 23 Uhr wurde die Feuerwache nach der im Nebenhaufe Wilhelmstraß« 2 untergebrachten Schreinerei des SchreinermrifterS Hermann gerufen, wo in der Werkstatt eine Anzahl Bretter, die auf einem Ofen zum Trocknen aulgestellt waren, brannten. Beim Eintreffen der Feuerwehr hatte der Brand bereits auf, ein Hängegerüst an der Decke der, Werkstatt übergegriffen. Mit drei Handfeuerlöfchern und einer Schlauchleitung gelang es der Feuerwehr, die Flammen bald zu löschen und durch die anschließende Sicherungsarbeit jede weitere Gefahr zu beseitigen. Um 0.22 Uhr kehrte die Feuerwehr nach dem Depot zurück. "Mit demAuto auf einFuhrwerk aufgefahren. Am Samstag gegen 17 Uhr wollte der Führer eines Personenautos in der Frankfurter Straße kurz hi^er der Einmündung der Schubertstraße einem entgegenkommenden Lastkraftwagen ausweichen. Dabei bemerkte der Chauffeur ein an der Straße haltendes Pferdefuhrwerk des Müllers Christ von Griedel nicht rechtzeitig, so daß er mit seinem Kraftwagen auf das Fuhrwerk auffuhr. Bei dem Zusammenprall wurde das Auto an seinem Vorderteil so erheblich beschädigt, daß es abgeschleppt werden muhte. Das Fuhrwerk und die Pferde kamen ohne nennenswerten Schaden davon. •• Deutschnationale DolkSpartei. Man schreibt uns: Der erweiterte Landesvorstand des Landesverbandes Hessen-Darmstadt trat zu einer Sitzung zusammen. Die Aussprache über die politische Lage ergab Uebereinstimmung darüber, daß zur Erlangung der deutschen Freiheit die rastlose Fortsetzung schärfsten Kampfes aller nationalen und völkischen Kräfte geboten ist. Die Ver- sammlung billigte einstimmig die von Dr. Hugen- berg vvrgezeichnete Politik und stellte mit Genugtuung fest, dah immer weitere Kreise sich zur Hugenberglinie bekennen. In diesem Zusammenhang wurde auch mit großer Befriedigung davon Kenntnis genommen, dah nach der Wahl eine Anzahl von Parteimitgliedern, die infolge der bedauerlichen Vorgänge in der früheren Reichs» tagssraktion sich der Partei zeitweise entfremdet hatten, wieder zu ihr zurückgekehrt, neue Mitglieder eingetreten sind. Die weitere Aussprache- galt neben Fragen der Organisation vorzugsweise der hessischen Politik. Mit Befremden wurde festgestellt, dah das Sparprogramm, für dessen ununterbrochene Weiterberatung und Derabschie- dung die Lebensdauer des Landtags angeblich verlängert worden ist, noch immer nicht erledigt ist, obgleich über die Notwendigkeit sparsamster Finanzgebarung kein Zweifel meyr bestehen kann. Mit allen Mitteln muh daher Aufklärung in daS Volk gebracht werden, damit die bevorstehenden Landtagswahlen endlich die Vorherrschaft der Sozialdemokratie und des Zentrums beseitigen." Lprelplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Dienstag, 11., 19.30 bis 22.15 Uhr: Amelia oder Ein Maskenball. Mittwoch, 12., 19.30 bis gegen 21.15 Uhr: 2. Opern» Haus-Konzert. Donnerstag, 13., 19.30 bis nach 22 Uhr. Der Barbier von Sevilla. Freitag, 14., 19.30 bis nach 22 ilfjt: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Samsiag. 15., 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Bettelstudent. Sonntag, 16., 19.30 bis nach 22 Uhr: Das Land des Lächelns. Schauspielhaus. Dienstag, Sturm im Wasserglas. Mittwoch, 12., 19.30 bis gegen 23 Uhr: Geschichte Gottsriedens von Derlichingen mit der eisernen Hand. Donnerstag, 13., 20 bis gegen 22.30 Uhr: Wie werde ich reich und glücklich? Freitag, 14., 20 bis nach 22 Uhr: Sturm im Wasserglas. Samstag, 15., 20 bis gegen 23 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Japanischen Theaters aus Tokio: Lyrisches Drama, Tänze, sowie Schwert- und Säbelkampf. Sonntag, 16., 11 bis gegen 13 Uhr: 1. Szenenaufführung der Frankfurter Opernschule (Gründung von 5>r. Hochs Konservatorium und den städtischen Bühnen). 15 bis nach 17 Uhr: Katharina Knie. 20 bis nach 22.30 Uhr: Wie werde ich reich und glücklich? Schnee bevor. Parteitag der Wirtschastspartei in Hessen. s. Der Parteitag der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) für den 3 3. Wahlkreis Hessen- Darmstadt fand am Samstag in Frankfurt a.M. statt. Der Vortrag von Professor Dr. Horneffer aus Gießen über „Die politische Lage nach den Wahlen und der Hessische Landtag" löste eine lebhafte Aussprache aus. Insbesondere fand das Programm des Kabinetts Brüning und die Stellung der Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei zu diesem Programm eine eingehende kritische Würdigung. Es wurde ein engerer Ausschuß gewählt, der die Vorbereitungen zu den hessischen Landtags wählen treffen und sich mit organisatorischen Fragen beschäftigen soll. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. _ Stadttheater: „Der wundertätige Antonius", 20 bis 22,30 Uhr. — Kaufmännischer Derein-Orts- gewerbeverein: Dorttag „Eine Wanderung durch das Riefengebirge", 20 Uhr, Neue Aula. — Schützenverein Gießen: Generalversammlung, 20 Uhr, im Schützenhaus. — F. G. F.: Monatsver- fammlung, 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Komm zu mir zum Rendezvous". — Astvria-Lichtfpiele: „Die Herrin der Lust" und „Das brennende Schiff". 1793 des Guten zuviel getan hatte und die erhoffte „süeße Ruh und Einigkeit" infolgedefsen in die Brüche ging, verbot die Regierung die Ab- Haltung des Dolksseftes für die Zukunft. Die geschichtlich älteste Erwähnung der Martins- gans findet sich in den Annalen des Klosters Corvey bei Höxter an der Weser; im Jahre 1171 schenkte Othalrikus von Saalenberg den Coroeyer Mönchen, deren Bruderschaft er angehörte, zum Fest des hl. Martin eine silberne Gans. Vom 13. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war es in den Landgemeinden überall fester Brauch dem Pfarrherrn zum 11. November eine fette Gans zu verehren; in Nassau und Thüringen hat sich diese Gepslogenheit bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten, doch war es hier meist eine sogenannte „Zinsgans", zu deren Abgabe an „Pfaff und Schulmeister" gewisse Höfe leit alter Zeit verpflichtet waren. Die Mönche der fränkischen Klöster leiteten im Mittelalter den Tag, an dem das Festgelage stattfand, mit einem Liede ein, dessen erste Strophe lautet: „Herbei, herbei zur Martinsgans! Herr Burkard mit den Brezeln — jubilemus! Herr Urbom mit der Flasche — cantemus Sankt Barthel mit den Würsten — gaudeamusl Sind alle starke Patrone zur Martinsgans!" Wie eng bie Feier des Martinstages mit der Vans verbunden war, geht aus der Tatsache hervor, daß man ehemals in Bremen, im Herzogtum Derben, in Erfurt und in Franken das feierliche Einläuten deS Festes am Dorabend des MartinStages das „Gänseläuten" nannte^ Das Geläut war für die Gänse das, was für den Delinquenten einst das ArMesünderglöckchen bedeutete. Don der Art und dem Umfang der Martinsfeier einer ganzen Landschaft aber gibt eine Reisebeschreibung des Halberstädter Ratsherrn Erasmus Freyer aus dem Jahre 1672 ein anschauliches Bild. Er befindet sich mit einem Begleiter zu Pferde auf der Reise nach seiner Vaterstadt Frankfurt am Main, als er am Mar- tinsabend in die Nähe von Mühlhausen in Th. gelangt „ ... von Dorf zu Dorf frag ich, was in aller Welt denn der starke Rauch aus allen Kaminen und der Gansbratengeruch bedeute? Erhielt aber zur Antwort nur ein verständnislos Lächeln. Kaum aber erreichten wir das Städtchen, so hörten wir ein allgemeines sausendes Getümmel, als wäre ein groß Unglück geschehen. Aus allen Häusern kam der lleblichst« Geruch von gebratenen Gänsen. Da fiel mir ein, daß Martinstag sei. Macht euch die Rechnung von alten Städten und Dörfern der ganzen Gegend und berechnet danach die Zahl der Gänse, denen dieser Abend das Leben kostete; die Zahl geht in die Tausende." Die Sitte des Hausessens am Martinstag »ber erstreckte sich zu jener Zeit über ganz Deutschland, Oesterreich ganz Skandinavien und England. Aus dem Brustbein der Martinsgans prophezeit man noch heute in Ostpreußen und Litauen das Wetter für den kommenden Winter: Wenn das Brpstbein der Gans hell und klar ist, so gibt es einen strengen Winter mit zahlreichen hellen Frosttagen, wenn es dunkel ist, steht viel Srieffüflen der Bebaffion. lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnstleitung.) B.2H 1. Es steht Ihnen ein Klagerecht auf Unter» laffung zum mindesten nach 8 550 Vürgcrl. Ge- sehbucys zu, da durch das verttagswidrige Verhalten des Mieters der Fußboden durchge- weicht ist. ____ 2. Stellt der Mieter ttotz Verbots seine Möbel so nahe an den Ofen, daß hierdurch Feuersgefahr entsteht, so besteht die Möglichkeit, daß Sie mit der Räumungsklage durchdringen. Das Verhalten des Mieters haben Sie zu beweisen. 3. Wenn Sie den Verdacht haben, daß unter dem Fußboden der Mietwohnung sich Schwamm gebildet hat, so steht Ihnen das Recht auf Feststellung dieses Zustandes unter Zuhilfenahme von Handwerkern zu. Der Mieter muß das dulden. h. in G. Soweit wir aus Ihren Angaben schließen können, haften nicht Sie persönlich, sondern hat das Dereinsvermögen für die Schulden des Vereins aufzukommen. w St. in G. 1. In dem Vertrage liegt offenbar die Vereinbarung eines Schiedsgerichts. — 2. Der Verzicht auf den ordentlichen Rechtsweg ist rechtlich zulässig und verstößt nicht gegen die guten Sitten. — 3. Wenn sich der Lieferant ausdrücklich zur Tragung der Kosten des Verfahrens für alle Fälle verpflichtet hat, so verstößt auch diese Bindung gegen kein gesetzliches Verbot. T Braun (Gießen) zum Vorsitzenden und Reale- rungsrat Nanz (Lauterbach) zum Stellvertreter des Vorsitzenden für das Provinzialschiedsgericht in gemeindlichen Besoldungsangelegenheiten bei der Pro- KSt HAUS NEUERBURG- ZIGARETTEN find STAUBFREI Ein ganzes System von Absauge-Vorrichtungen und Staubfiltern hat dem edlen Macedonen-Tabak, den wir für unsere Zigaretten verM Sie können unsere Angaben nachprüfen: Wenn Sie durch eine HAUS NEUERBURG. Zigarette blasen - ehe sie brennt -, so werden Sie keine Spur von Staub bemerken. arbeiten, jeden Staub entzogen. Deshalb schmecken unsere OVERSTOLZ 5 PF. RAVENKLAU 6 PF. । niemals bitter. _ 75840 erhältlich. 1. und einen Schreibtisch. 7660D Stelle: 7655V Dienstag, den 11. November 1930, nach, mittags 2 Uhr, versteigere ich Im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: ‘"2 Am Mittwoch, 12. November 1930, versteigere ich zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Vormittags 11 Uhr an Ort und C tJ 4.XK.-W. “ 9; Die Arbeitgeber werden hiermit auf» gefordert, der Kasse die für Ziffer 4 in $rage tor imenöen Personen namentlich bis zum 1. Dezember 1930 anzugeben, andernfalls die weitere Ermäßigung des Beitrags nicht eintreten kann. Bei Neuanmeldung solcher Personen müssen entsprechende Angaben auf der Meldung vermerkt sein. Der Borstand. O. Ottilie, 1. Vorsitzender. 9, e c5 । c e> c'.in la=^ -:=2 -E ’S c 8 C c drei Teppiche, ein Bett, vier Bücherschränke, fünf Büfetts, einen Eisschrank, ein Glasschränkchen, zwei Nähmaschinen, zwei Schreibmaschinen, ein Sofa, zwei Ladentheken, zwei Schreibtische, zwei Chaiselongues einen Warenschrank, eine elektrische Eisenbahn, eine elektrische Lokomobile, zwei Projektionsapparate, eine Dampfmaschine, ein Karussell mit elektrischem Motor, eine Schnellwaage, eine Tischdecke, eine Diwandecke, einen Schiebkarren, eine Stehleiter, eine Kredenz, drei Diwane, zwei Kleiderschränke einen Spiegel, zwei Klaviere, einen Ausziehtisch, einen Kassenschrank sowie einen Staubsauger, ein Harmonium, eine Schreibmaschine 2. An Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt in obigem Lokal): eine Bohrmaschine, fünf Ambosse, eine Trägerschneidemaschine, eine fahrbare Stanze mit Schere, eine Blechschere, eine Blechwalze, eine Reifbiegemaschine, vier Schraubstöcke, einen Elektromotor (4 PS), neun Bücherschränke, vier Schreibtische, zwei Küchenbüfetts, eine Küchenanrichte, sechs Teppiche, sechs vollständige Schlafzimmer, drei Salon» schränke, eine Friseurtoilette, fünf Di' trinen, zwei Schreibtische, einen runden Tisch, Jechs Büfetts, eine Zupfmaschine, vier Sessel, einen Klappschrank, eine Waschkommode, zwei Bettstellen, drei Kredenzen, zwei Flurgarderoben. Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I — Telephon 4039 «. uoi £ aotE*5" . .2^ , AllgememeOriskrankem kaffefürdieGiadiGießen 1 Durch Beschluß des Kassenausschusses vom 24. Oktober 1930 und mit Genehmigung des Oberoersickerungsamt» Darmstadt werden die Beiträge zu unserer Kasse von 7 auf 6,5 o. 5). des Grundlohnes ermäßigt. Die Berechnung erfolgt nach Kalendertagen. 2. Für Lehrlinge aller Art, die ohne Entgelt beschäftigt werden, beträgt der Beitrag % des Satzes der niedrigsten Stufe. 3. Für die der Kasse freiwillig Beigetretenen, für welche die Kassenleistungen nach § 6a der Satzung beschränkt sind, beträgt der Beitragssatz 5 v. h. des Grundlohnes. 4. Für Versicherte, die während der Fortzahlung von Arbeitsentgelt auf weniger als 26 Wochen kein Krankengeld erhalten, werden die Beiträge auf 5,5 v. h. des Grundlohnes ermäßigt. vorstehende Regelung Jritt mit dem 1 November 1930 in krafnAb 1. November 1930 gültige Beitragstabellen werden den Arbeitgebern besonders zugestellt, außerdem sind dieselben an den Kassenschaltern während der Geschäftsstunden s c. e zur Un ersuchung u. genauesten Unterweisung in der SDrechstnnde: Gießen: Donnerstag, den 13. Nov.. nachm. 4-7 Uhr. Bat)>'bofs"öotel Lenz. Marburg: Freitag, den 14. 'Nov. oorm. 9-1 Uhr, Hotel .Vretdboi. „Herme«“, ärztliches Institut für ortbo- pädtsche Bruchbebandlung G. m. b. H., Hamburg. Esplanade 6. Am 9. November starb nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwager, der Reichsbahnbauinspektor Bernhard Esch im Alter von 56 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Henriette Esch. Carino! darf in keinem Hause fehlen Wie oft kommt es vor, daß man nachts Irgend welche Schmerzen leidet. Man wird von Kopfschmerzen geplagt, das Zahnfleisch oder ein hohl.Zahn,HexenechaB, Wadenkrampf, Rheuma, Kreuz- oder Gliederschmerzen quälen einen. Hilfe bringt CARMOL Man verlange In Apotheken und Drogerien ausdrücklich CARMOL. Carmol tut wohll Preis Mk. 1,50 und 2,75 Carmol-Fabrik, Rheine berg (Mark) Kaiser-Drogerie Ernst Noll, Lindenplatz 5. Haben Sie offene Füße? Schmerzen? Jacken? Stechen? Brennen? Dann tiebrauchen Sie die tausendfach bewährte ünlversal-HeUsalbe „Sentarin“. Wirkung überraschend. Preis 1.50 u. 2.75. 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M asrikan malerischer träglichen ansteigende Schweiz in Unterschied und Tiger, deihen und gen, ja nich' in immittel lungen zu auhnerisam Lor 14 x Aevolut König Lij gesangenge bene Koni Thrones. 1 auch von il er nicht voi folger, A a ein Aeffe ■ kommen un Es gelang i der einzelne gefügig zu mmg des £ er sich, den von der K Um die drc Zaoditu m ihn an die gegen Taffi sich in der1 an der Lp Sieger he greifens t Streitmach fiel, daß . Zaoditu, si< stets achtet, tigen und il Seiner Frai drrBcvölke äußerst mut einm Panz Schlosses un Am folger einer schwei porschen An Igsä —a o o — n — 3 o tao (T. “ 33.S Äs 3 ; Glo 8 ' 3 5 er 618 _ 2 Ö)3"5 aa-a - B ^aölGlGffg . a.o"e S”oS-|o3 aaao 2 O "> _ O^cy,® o* — -co Q. 8 .aF O 3ff ts3 2. A __ E *» o CSB 8 3 E =*. ° 2. —o* o o- _ g 2. o o -t 2.8 u> _ er— „ CO E § " (9-2.—’o s E: 8 ' a 5iffi361iil‘3 Z *» co aao s? o H — E.-O O en ff3B'-ff8-^^ags off V§8 3fo A 2.^2, o a a — 3 0,13 H ™ ” 0- 2 s?h o a 3 §53«!=' " ■öa—®-S 3 01c ' o 0X1 3 ”5 8 ■ 2 8 — 3 3 ■ o E 6® Q SS Z 613» a 5"0-^ er = «er2 3 2.0 3 •öS;. O-UT* 3 r w— —*" *\as-«Sw O E: 3 er-CT? 3 _o c '•Z--8 CSCfl 3 2 § 2.§-ff 2*1" S 3 a o CO 5 -Gl®ff- »S 2 L»Z G aff-3 8 ^0(6“ .Cflff 5 H as e O_O-3 3 = o er » § 3„ — o H ~- :co H -O"co ff A° ff S E-ff 8 ” BZ O ffLZL ?s-Z-ZL°8LZ-"^ ----g _ 3 rr* o h'«8®| 61 p — Ts er §h r'- 3 CT3 3 3 3ra2cg 3 3 3 3 ff ff ff ff §a ff 0 ^^a,ff 3 61® = a e 3.—O — 2 O p* 3 ff *3b 58a- aff ff h 3 o 2 ffff 3 ffaj llaOS- Ä 2, o ff Ws 613 5 Ölff 3 C®ge 612.61= 8 3 6 z-, D —rs n O 3 n r- n r, *-• ffffff 8.0 02:0 er,2E=-e"nCfl3 Gl~ «L ssff-Z AZ-O -§ffa' off3—, 3 ff (35- ,Da ist m !W Pass! M irg< Ebener 2® Marat au -ttahr und L^ichi for Meldet. g. Karl?" NT ^tt" Hz«, ä ff'■ S. ft nch^ a‘»™* Are. 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Unser Eonderberichterstatter schildert hier die Dorbereitungen zu der äugens blicklich in Addis Abeba stattfindenden acht- tägigen Krönungsfeier. Addis Abeba, die Hauptstadt des einzigen christlichen Königreichs in Afrika, Ethiopien, schwelgt in Vorfreude. Ras Saffari, der König der Könige, wird zum König gekrönt, ein Ereignis, das für die Zukunft seines Landes, seine Fortschritte auf dem Wege der Modernisierung und seine Beziehungen mit der Außenwelt nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Er nimmt den Namen Haile Selassi I. an. Abessinien, Abessinier? Die Untertanen des Königs der Könige protestieren, denn sie lieben das eine so wenig wie das andere. Ihr Land heißt Ethiopien und sie sind Ethiopier, wenn auch diese beiden Worte in ihrer Ursprungsbedeutung etwas Schwarzes, Dunkles bezeichnen wollen. Die Ethiopier find weder schwarz noch weih, fonbern einer dieser fonnengebräunten Dolksstämme, deren es soviel in Afrika gibt. Und doch darf man ihr Land nicht mit anderen Gegenden des afrikanischen Erdteils vergleichen, wo die äquatoriale Sonne das Leben fast zur Qual macht. Wit Recht nennen es die Touristen d i e afrikanische Schweiz wegen seiner äuherst malerischen Lage, seines auch für Europäer erträglichen Klimas und seiner bis über 4000 Meter ansteigenden Gebirgszüge. 3n der Tat eine wahre Schweiz in seinen großen Zügen, nur mit dem Unterschied, daß hier Elefanten, Giraffen, Löwen und Tiger, Hyänen und Schlangen prächtig gedeihen und jährlich eine Unmenge Vieh verschlingen, ja nicht einmal davor zurückschrecken, sich bis in unmittelbare Nähe der Cingeborenen-Sied- hingen zu wagen, wo schon mancher seine Unaufmerksamkeit mit dem Leben bezahlen muhte. Vor 14 Jahren wehte noch eine Welle der Revolution durch das Land. Der damalige König Li j 'S af er wurde von den Aufständischen gefangengenommen und Z a o d i t u, die verstorbene Königin Abessiniens, bemächtigte sich des Thrones. Viermal verheiratet, trennte sie sich auch von ihrem vierten Gatten Ras Guksa, weil er nicht von königlichem Blute war. Der Thronfolger, Ras Taffari, darnils 26 Jahre alt, ein Neffe Zaoditus, hielt seine Stunde für gekommen und schlug sich selbst zum Regenten vor. Es gelang ihm, das Vertrauen verschiedener Chefs der einzelnen Stämme zu gewinnen, sich die Armee gefügig zu machen und auf diese Weise die Hoffnung des Landes zu werden. Schon 1928 bemühte er sich, den Thron an sich zu reihen, wurde aber von der Königin mit einer Provinz abgespeist. Um die drohende Gefahr abzuweisen, verhandelte Zaoditu mit ihrem geschiedenen Gatten, stellte ihn an die Spitze einer Armee und schickte ihn gegen Taffari. Eine furchtbare Schlacht entspann sich in der Nähe des Tsana-Sees, aus der Taffari an der Spitze eine- Heeres von 20 000 Mann als Sieger hervorging, nicht zuletzt dank des Eingreifens von drei Bombenflugzeugen, die die Streitmacht Guksas in die Flucht jagten. Guksa fiel, dah wenig später gelang es der Königin Zaoditu, sich des Regenten, der ihre Königswürde stets achtete, durch einen Handstreich zu bemächtigen und ihn im Schloß gefangen ju sehen. Seiner Frau, die heute an feiner Seite vom Jubel der Bevölkerung umgeben ist, gelang es durch eine äußerst mutige Tat, ihren Gatten zu befreien. In einem Panzerwagen durchbrach sie die Tore des Schlosses und rettete ihren Mann. Am folgenden Tage erlag die Königin Zaoditu einer schweren Lungenentzündung. Ihre europäischen Aerzte konnten nicht verhindern, dah die kranke Königin mit Flaschen kalten Weihwassers besprengt wurde, das man nicht abtrocknen darf. So trat der plötzliche Tod ein, der Anlaß zu den falschen Gerüchten eines Mordes gab. Seither regierte Ras Taffari, der nun gefront werden soll. Der Titel „König der Könige" (Negusse Regest) ist nicht eine einfache Ehrenbezeichnung. König Haile Selassi, der frühere Ras Taffari, ist der Herrscher über alle Könige Abessiniens, denen es vier oder fünf in den entlegensten Provinzen gibt, wo sie eine weitgehende Unabhängig- feit genießen, dennoch aber gegenüber der Zentralregierung in Addis Abeba gewisse Verpflichtungen haben. Acht Festtage stehen bevor, acht Sage, während denen jeder Klaffen- und StamrneHhaß ruht und die Bevölkerung in Scharen der Hauptstadt zustrebt, um ihrem König zuzujubeln. In dreimonatiger harter Arbeit hat die Stadt ihr Kleid vollkommen gewechselt. Da, wo noch vor kurzem ausgefahrene, ungesäumte Wege von dem Getrampel der Esel und Pferde wiederhallten, ziehen sich heute breite Straßen und Alleen hin, die von fleißigen Händen unter pers nlicher Aufsicht und Leitung des Königs angelegt u.io zum Teil sogar gepflastert wurden. Elektrische Lampen in wechselnden Farben, die an den Girlanden rechts und links der Straßen angebracht sind, lassen die Stadt am Abend im bunten Glanz des Lichterscheins widerschimmern. Kostbare Triumphbogen, zum Teil aus Holz mit Tuch bespannt, zum Teil aus riesigen Marmorblöcken aufgebaut, vervollständigen das prächtige Bild, das sich in diesen Sagen den unzähligen Besuchern der Stadt und den Vertretern von 13 europäischen und außereuropäischen Mächten bietet. England, Deutschland, Belgien, Amerika, Aegypten, Frankreich, Griechenland, . Holland, Italien, Japan, Polen und Schweden werden an den Krönungsseierlichkeiten teilnehmen. Zwei königliche Prinzen aus Europa, der Prinz von Udine und der Herzog von Gloucester beweisen durch ihre Gegenwart das große Interesse, das England und Italien dem Reich des Negus entgegenbringen. Die offiziellen Krönungsfeierlichkeiten beginnen am 1. November vormittags. Glockenschlag 10 11 hr künden die Böllerschüsse vom königlichen Schloß den Beginn des Festes an, das durch die Einweihung eines Denkmals zu Ehren des großen Vorgängers Saffaris, Menelik II., eröffnet wird. Ueberlebensgroh erhebt sich das Standbild Meneliks im Zentrum der Stadt, unmittelbar vor der Kathedrale Saint Georges, die in ihrem römischen Stil mit den schönsten Gotteshäusern Europas wetteifern kann. Abends um 10 Uhr begeben sich der König und die Königin barhäuptig in die Kathedrale, wo sie die Nacht betend verbringen. Jedem ist cs unter Sodesstrafe verboten, das Königspaar in seiner Andacht zu stören. Die offenen Märkte werden auf die Dauer der Feierlichkeiten geschlossen und die Leprakranken und Bettler ha- en Befehl erhalten, sich aus der Stadt zu entfernen. Die Krönung findet am folgenden Morgen in Anwesenheit des ganzen Hofes, sämtlicher ausländischen Diplomaten und der Abgesandten der verschiedenen Länder, sowie aller Stammes- sührer des Landes in der eigens dazu errichteten Kirche statt, die sich eng an die Kathedrale an- schließt. Der König und die Königin nehmen in einem ehemaligen Berliner Hofwagen Platz, der sechsspännig gesahren, die Bewunderung der Stadt erregt. Die sechs Pferde, die ein deutscher Kaufmann dem König verkaufte, kosteten nicht weniger als 100 000 Mark. Unter den unzähligen Geschenken, die dem König dargebracht wurden, seien nur je ein Flugzeug Frankreichs und Italiens erwähnt, ein prächtiges Diamantendiadem für die Königin, zahlreiche wertvolle Jagdgewehre und schließlich ein kostbares, altes wesen sein —. in ihm den würdigen Nachfolger des großen Herrschers, des Löwen von Juda. Das Ausland betrachtet ihn als einen intelligenten, fortschrittlichen Mann, der in der Lage ist, dem an natürlichen Quellen so reichen Land eine große Entwicklung zu geben. Ruhig und ausdauernd zeichnet sich Ras Taffari durch außergewöhnliche Feinheit und Klugheit aus. Er hat cs verstanden, sich mit hochbegabten europäischen Beratern zu umgeben, deren Kenntnisse er, vereint mit den seinen, für das Wohl des Landes schon seit 14 Jahren, bisher nur gegen starke innere Widerstände, nun aber frei und unumschränkt verwendet. ckcktzer-Tagung in Gießen. Aus Anlaß des Verbandstages der ehemaligen 116er und des 10jährigen Bestehens der Vereinigung ehemal. L3R. 116 fand am Samstagabend eine Feier statt, die Mitglieder und zahlreiche Gäste im (Safe Leib vereinigte. Selbst die Kameraden aus Frankfurt, Mainz, Darmstadt usw. ließen cs sich nicht nehmen, anwesend zu sein. Der Saal war prächtig mit Fahnen geschmückt und bot für die Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Kameradschaftlicher Geist herrschte an all den vollbesetzten Tischen. Der Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger LJR. Gießen, Herr Bopf, hieß die Kameraden und Gäste willkommen und begrüßte insbesondere die Vertreter des Offizierskorps unseres Bataillons. Generalmajor a. D. Mohr richtete Worte der Begrüßung an alle ehemaligen 116er. Zugleich erinnerte er an vergangene Zeiten, an das Leben in der Kaserne, an glückliche Stunden in der Militärzeit überhaupt, die von vielen als die schönste Zeit ihres Lebens bezeichnet wurde. Im weiteren Verlauf des Abends sprach Major a.D. von Eisenhardt-Rothe in einem zweistündigen Vortrag über „Die Kämpfe des 2. Hess. 3nf.- Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 um Fresnoy und le Quesnoy im Santerre von Mitte September bis Ansang November 1914“. Ausführlich referierte der Redner über die Mobilmachung, über MW - V- 'M« *< Manuskript, das England dem König der Könige | zurückerstattet. Cs war nach der Schlacht von I Magdala im Jahre 1868 dem König Theodoros vom General Napier abgenommen worden. Die königliche Krone, die bei einem Goldschmied in London hergestellt wurde, kostete nicht weniger als eine Million Pfund Sterling. Das Zepter wurde in Frankreich verfertigt. Schon jetzt sind die wenigen Fenster, die auf die Straße führen, durch die sich der Krönungszug zum Schloß begibt, zu fast unerschwinglichen Preisen vergeben. Die Truppen, die Spalier bilden, Haven zum ersten Male ihre neuen Kakiuni- formen nach europäischem Schnitt an, die etwas grotesk zu den unbekleideten Füßen aussehen. Der Krönungstag gipfelt in einem GaIa - A be n d , der sämtliche ausländischen Vertreter im königlichen Schloß vereinigt. Am folgenden Tag, am 3. November, gibt der König seinem Heer ein Festessen. Am 4. November findet ein Bankett zu Ehren der Cthiopifchen Prinzen und der Geistlichkeit statt. Am 5. November vereinigt c i n Pferderennen die hohen Würdenträger und ausländischen Delegationen, woran sich wiederum em Gala-Abend anschließt. Der 6. November ist einem königlichen Ausflug zur Burg Adisalem (neue Welt) Vorbehalten, während am 7. November eine große Trupvenrevue den Vorabend der Beendigung der Krönungsfeierlichkeiten an- kündigt. Am 8. November besucht der König in Begleitung der in- und ausländischen Gäste das Museum, in dem er vor kurzem alle königlichen Andenken gesammelt Hal. Ein Abschiedsbankett vereinigt dann noch einmal die ausländischen Vertreter und die hohen Würdenträger des Landes. Während der ganzen Tage wird die Stadt im Lichterglanz der Tausend und aber Tausend elektrischen Birnen stehen. Ras Taffari wird nunmehr von allen inneren Feinden befreit regieren können. 3n ihm sehen seine Anhänger den Mann, den das Land braucht. Als Sohn des Ras M a k o n e n , des Besiegers der Italiener bei Adua, sehen die Ethiopier, d>o den alten König Menelik 11. verehrten — Menelik 1. soll in ferner Vergangenheit der Sohn der legendären Königin von Saba und Salomos gc- Das Landvolk erhält seine Jahne zurück. In Neumünster fand die feierliche Rückgabe der schwarzen Landoolkfahne statt, die seinerzeit bei den Unruhen durch die Polizei von Neumünster eingezogen worden war. 4000 Menschen sanden sich jetzt in Neumünster ein, um an der Friedensfeier der Fahnenrückgabe teilzunehmen. Falsche Verbindung. X5on Fedor v. Zobeltitz Da ist mir neulich einmal eine niedliche Geschichte passiert. An einem Vormittage, an dem ich aus irgendwelchem Grunde in besonders gehobener Laune war, klingelte es an dem Sprechapparat auf meinem Schreibtisch. 3ch nahm das Rohr und rief hinein: „Hallo, wer dort?" Das mache ich immer so, ich nenne nie zuerst meinen Namen, sondern warte, bis der Anru er den seinen meldet. Das geschah auch diesmal sofort. Eine frische Mädchenstimme antwortete: „Hier Ma ga, bist du es, Karl?" Nun heiße ich gar nicht Karl. Ich bin bei meiner Saufe mit fünf Vornamen beglückt worden, doch Kack rii^Lpi‘rr"n^er- *n meiner heiteren Morgens?glaubte ich mir den Scherz, mich umzutau.senp^ , rief zurück: „Jawohl, liebe Marga. Wie geht Fs dir denn?" „Ach Gott", hörte ich fie klagen, „ich habe Aerger. Denke dir, Vater will plötzlich nicht mehr, dah ich Modell stehe..." „Herrjey", rief ich, „aber warum denn nicht?" „Du kennst ja den alten Herrn. Er hat so manchmal seine Schrullen. Was ist schließlich dabei? Ich stehe doch nicht Akt sondern bloß Genre. Und es wird gut bezahlt. Alle Maler reihen sich um meine Nase..." „3a", sagte ich, „dein liebes sühes, kleines Näschen! .. “ 3etzt lachte sie und fragte: „Pinschern wir denn nun heute abend in den Kientopp?" Und da fiel mir etwas Nettes ein. „Nein", antwortete ich, „das ist leider unmöglich. Ich bin nämlich zu einem Bierabend bei Fedvr v. Zodeltitz geladen weiht du, den Schriftsteller — du hast wohl schon mal etwas von ihm gelesen. 3ch habe übrigens auch eine Einladung für dich Du möchtest doch gleichfalls h.nkommen. Er läßt sehr darum bitten...“ „Aber ich kenn ihn ja gar nicht!" rief Marga... „Das schadet nichts", entgegnete ich. „Es Ist ein schon älterer Herr, auch verheiratet, aber es geht immer ganz lustig in seinem Hause zu. Du kannst ruhig kommen. Kommst du?“ „Na, wrnn du meinst. Ich amüsier mich auch gern einmal Wo wohnt denn dein Freund?“ Ich nannte <3trabe und Hausnummer. Da sagte sie: „Also abgemacht. Warum sprichst du heute bloh mit so tiefer Stimme, Karl?" „Ach", meinte ich, „ich Habs wohl ein bihchen im Halse. 3ch werde gurgeln..." „3a, das tu' nur", rief fie, .damit du am Abend frisch bist. Um wieviel Uhr soll ich da sein?“ „Punkt neun, liebes Kind..." „Und was soll ich anziehen? Das Erdbeerfarbene?" „Gerade das, gerade das! Das kleidet dich am besten . .“ „Schönchen. Auf Wiedersehen, Karl Kuh...“ Den Schmatz hörte ich deutlich und gab ihn telephonisch zurück. Dann freute ich mich über den Ulk und erzählte ihn meiner Frau Die hat gottlob auch Sinn für Humor, war aber doch ein bißchen bedenklich. „Du kennst das Mädel ja gar nicht", sagte sie.. „Eben darum , antwortete ich. „Ich hä te auch etwas anderes antworten können, aber es fiel mir gerate nich.s besseres ein.“ Der Abend begann sehr hübsch An v erzig Gäste waren geladen, und sie tarnen alle. Ein lieber Freund führte sogar einen Fremden ein, seinen Mieter, einen bulgarischen Maler, der aber tadellos deutsch sprach, einen Professor Sitschew, einen charmanten jungen Mann. Bei dem Gewühl in meinen paar Zimmern konnte ich natürlich nicht scharf genug Ausschau halten nach F äulein Marga. die ich an ihrer Unbekanntheit ioiort erkennen muhte ein ganz kleines Paradoxon. Ater da schlängelte sich auf einmal eine allerliebst kleine Brünette in einem erdbeerroten Kleidchen an mich heran und fragte mit einer mir aus der Riem- brane meines Fernsprechers wohlbekannten Stimme. „Ach bitte, könnten Sie mir wohl die Wirtin des Hauses zeigen?" - Nun wuhte ich natürlich sofort, wen ich vor mir halte, und entgegnete: „Sehr gern, Fräulein — ich bin nämlich der Ga te der Wirtin..." Jetzt lächelte sie unter hübschem Erröten, reichte mir die Patschhand und sagte: „Ich freue mich sehr und danke Ihnen bestens für Ihre Einladung. Ist Karl noch nicht da?" „Nein", antwortete ich, „der ist noch nicht da. Aber er wird schon kommen Er wird schon kommen. Er ist ja nie so recht pünktlich ..„Das weih der Himmel", erwiderte sie, „wenn man sich mit dem verabredet, kann man immer warten...“ Da schwirrte zufällig meine Frau vorüber. Ich hielt sie fest und stellte ihr Fräulein Marga vor, und selbstverständlich taten beide so. als freuten sie sich unbändig über die neue Bekanntschaft. Ich selbst als Wir. konnte mich leider nicht so um das junge Mädchen kümmern, wie ich es aus Herz und Sinnen heraus sonst gern getan hätte, aber da kam mir gerade der Herr Sitschew, der bulgarische Maler, in die Quere, und dem hing ich das Fräulein an. Er fing auch gleich Feuer. Er wich gar nicht mehr von ihrer Seite, er stürmte mit ihr das Büfett, und dann setzten sich beide an ein Tischchen hinter einer spanischen Wand und plauderten sich gründlich fest. In späterer Stunde streifte mich einmal Fräulein Marga. „Wo oleibt bloh der Karl?" fragte fie.. „Ich verstehe das auch nicht", gab ich zurück, „er muh im letzten Augenblick verhindert worden sein..." „Nun kann er schon bleiben, wo er ist", antwortete sie listig, „ich amüsiere mich auch ohne ihn...“ Diesen Eindruck ha'te ich selbst. Nachher wurde noch ge'anzt - um di schwe e Z p zu en. Da schwankte der Bulgare d e kleine Marga im Boston und Sa.xgo /crum, ua > cs ei . iba war, und machte ordentlich eiiersüch'.ige -rügen, wenn einmal ein anderer sie holte. Sie war auch wirklich ein liebes anmutiges Geschöpfchen und gefiel allgemein, und oft genug wurde ich von diesem uht> jenem gefragt: „Wer ist denn das reizende Mädelchen da drüben?" „Ach, die da", pflegte ich ^ann zu a it Dorten .ja. die ist toirtl ch reizend, das ist F.äutein Ma-qa die Braut von meinem Freunde .erat u. a. den Abschluß einer allgemeinen Haf tpf llcht- versicherung für die Schulkinder zu dem Prämiensatz von 35 Pf. für jedes Kind. Ferner wurde die Errichtung eines Selbstanschlußamtes beim hiesigen Postamt ins Auge gefaßt. Die nächstens vorzunehmende Dürgermel st erwähl wurde auf den ersten Sonntag im Dezember festgesetzt. 8 Feldkrücken, 7. Nov. Für den nach 2'/.- jähriger Tätigkeit von hier auf die Schulstelle Rülfenrod-Otterbach im Kreis Alsfeld versetzten Schulverwalter Schön kam Schulverwalter Eisenhauer an unsere Schule. Der neue Lehrer stand seither in Rieder-Moos. — Witwe Katharina Kraft, geb. Hofmann, feiert am Samstag, 8. November, ihren 8 6. Geburtstag. Die Greisin ist unsere älteste Orts- einwohnerln und kann sich noch verhältnismäßig großer Rüstigkeit erfreuen. Guter Besuch des Marburger Wintersemesters. js Marburg, 9. Rov. Die Studentenzahl des vorigen Wintersemesters ist jetzt bereits überholt, denn bis gestern waren 3594 Studenten eingeschrieben, gegen 3568 im letzten Winter. Im Sommer waren es allerdings über 4200 Studierende. Die Eintragungen dauern noch an. Kreis Biedenkopf. \ • Rodhelm a. d. Bieber, 8. Nov. Im Saale des Gastwirts Dender fand gestern eine große Versammlung statt, in der Stellung genommen werden sollte zu der drohenden ungeheuerlichen Erhöhung des Tabak- zolles von 80 auf 400 Mark für den Doppelzentner. Pfarrer Vö-mel leitete die Versammlung und wies in einem längeren Vortrag auf die Bedeutung der Zigarrenfabriken gerade für unsere engere Heimat hin. Er zeigte im besonderen, daß jetzt, wo die Steinbrüche und Bergwerke im Biebertal schon seit Jahren stillgelegt sind, der Verdienst der Zigarrenarbeiterinnen vielfach die Familien über Wasser gehalten und vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Die Annahme der Tabaksteuergesetze in der vorliegenden Form würde voraussichtlich diese letzte Arbeite- und Vecdienstmöglichkeit unserer Gemeinden auf das bedenklichste einschränlen, ober vollständig nehmen und sie damit der Armut überliefern. Herr Durban, der hiesige Vertreter des Deutschen Tabakarbeiterverbandes, unterstrich die Ausführungen und belegte sie in eindrucksvoller Weise durch Zahlen. Zum Schluß legte er eine Entschließung vor, die zur Besprechung gestellt wurde. Mit einigen Abänderungen wurde sie von der Versammlung einstimmig angenommen und soll baldigst an die wichtigsten Reichs- und Staatsstellen, sowie an eine Anzahl Reichstagsabgeordnete übersandt werden. Die einmütig und würdig verlaufene Versammlung zeugte davon, daß unsere gesamte Bevölkerung sich der ernsten Sachlage und Tragweite der die Existenz vieler um Gießen gelagerten Gemeinden bedrohenden Steuervorlagen bewußt ist. Hoffentlich kann das Schlimmste noch abgewendet werden! _____________ kleine, tapfere Frau wurde ruhiger, gefaßter und begann erst stockend, dann fließender zu erzählen. Von dem Kampf mit Franz Strobl; denn ein fortwährendes Ringen um sie war es gewesen vom ersten Tage an. Gutenberg lauschte. Und weil Frau Gertrud in jeder Einzelheit wahr blieb, nichts beschönigte und nichts verschwieg, glaubte er ihr jedes Wort. „Um auch an meinem Telle etwas zu verdienen und uni wenigstens räumlich in deine Nähe zu kommen, habe ich In diese Konzertreise gewilligt. In dieser Stunde bitte Ich nachträglich um deine Einwilligung, Heinz..." Er drückte sie mit einer impulsiven Bewegung fester an sich. „Mein gutes Frauchen!" Und dann die Szene in der Jagdhütte: „Die Blondine ist geslohen — sie war mit dem jungen Schwaihofer gekommen — und dann hat Strobl geglaubt, mit mir leichtes Spiel zu haben. Eine Weile habe ich mich gewehrt, bin dann durch die Tür entwischt, well ich mich vor dem fremden! Herrn geschämt hab'... Und dann kamst du dazu, hast ihm die Quittung gegeben.. Er sah ihr forschend In die Augen. „Und wenn ich nicht zur Stelle gewesen wäre?" Sie zögerte keine Sekunde mit der Antwort. „Ich hätte Sölden auch allein gefunden — und dich, Heinz! Denn ich wußte, daß diese Stunde komme' d» ich eines Tages vor Strobl fliet,. in Sicherheit bringen müßte." Noa-^un-erband in einem Schreiben an dexx Milchhändlerverein Gießen daS Gegenteil von dem, was er in seinem letzten Eingesandt den Leserxx bekanntgab. und zwar schreibt er folgendes: Die Preisunterbietung von 22 auf 28 Pf. per Liter Milch fei -»urückzuführexx auf daS Nichtvorhandenfein besonderer Derarbei- tungSeinrichtung der betreffenden neuen Händler. Rechnet man mit einer Verdiexxstfpanne von 8 bis 9 Ps., wie sie in Wahrheit bei dexx einzelnen Händlern bei dem Verkaufspreis von 28 Pf. per Liter bestand, so kanxx sich jeder vernüns- tig denkende Mensch errechnen, daß der Milch- handel nicht dexx Gewinxx abwirst, wie behauptet wird. Wir sind jederzeit bereit, dexx von unS an* geführten Wahrheitsbeweis durch unsere, bei einzelnen Händlerxx geführte Buchführung anzutreten. Weiterhin möchten wir einmal die Wahrheit gegenüber den Behauptungen deS Milcherzeuger- verbandeS bekanntgeben. Unrichtig ist eS, daß die Milchhändler von Gießen an dexx Mtlcherzexigerx^rbaixd Friedberg mit dem Vorschlag, die Milch in Albach und A3t en.Buseck autzukausen, berangetreten sind. Richtig ist. daß dieser Vorschlag voxx einem bei der Verhandlung anwesenden Herrn deS Milch« erzeugerverbandeS gemacht und auch iix Erwägung gezogen wurde, die dadurch entstehexxde PrexSdxfserenz beiderseitig zu tragen. Unrichtig ist, daß der Handel den Abschlag von 4 Ps. auf die Landwirtschaft abwälzte, mit Ausnahme voxx Wieseck, dort erhielten die Landwirte bei einem Verkaufspreis von 32 Pf. per Liter 24 Pf. StaUprciS. so daß die Wiesecker vorher schon eine wesentlich geringere Spanne hatten. Richtig ist. daß alle Händler angewiesen waren, dexx Abschlag voxx 4 Ps. mit den Land- wirtexx zu teilen und dieS auch besolgt wurde, mit Ausnahme voxx Wieseck Mit der Termin- fr crung der Spanne bei Senkung deS VerkaupS-e Preises hat der Milchhandel voxx selbst begonnen. Aachdexxx in FriedenSzelteix dexx Milchdändlerxx bereits eine Verkaufsspanne mit Samxnellohn voxx 6 fräs 8 Ps zustaixd. ist daS Ergebnis heute folgendes: Die Alilch kostete ixn Verkauf 28 Pf., Verdienstspanne 9 Ps. per Liter. Kommt ein weiterer Preisabbau auf 26 Ps.. so wird wieder geteilt, die Verdienstspanne ist fraiv.x 8 Pf per Liter Bei einem nochmaligen Mschlag auf 24 Pf. ist die Verdienstspanne 7 Ps. Kommt nun frlc Milch wieder auf den FrledenSwrkaufSprelS von 22 Pf., so ist die VerdienstsPanne 6 Pf., also der Einkaufspreis 16 Pf. An Hand dieser kurzen Ausstellung betoelfen wir denx Verbraucher, daß daS von dexx Milch- händlcrxx ongeftrebte Verhältnis nur daS Richtige fein kann und den normalen VerkaufSver- bällniffeix entspricht. Unrichtig ist. daß der Streit mit den Milchhändlern und 6cm OrAcugerbcr- band durch frlc Ablehnung der nachstehenden Bedingungen berooraerufen wurde, und jeder erteile, ob solche Bedingungen mit der Gc- werbesreiheit zxx vereinbaren find. Bedingungen: 1. Der Milchhändler sollte sich verpflichten, nur von den Landwirten, welche dem Erzeugerverband angefchlosfexx sind, Milch abzu- nehmen. 2. Der Milchhändler sollte die Auszahlung deS Milchgeldes an die Landwirte nicht mehr selbst vorxxehxnen. sondern dies sollte durch eine vom Erzeugerverband bestimmte Person geschehen. 3. Inx Falle einer MilchprelSerhöbuixg wollte der Erzeugerverband Friedlx'rg dieselbe voll und ganz für sich in Anspruch nehmen. Schon daraus geht hervor, daß der Erzeuger- verbaxxd eine Machtstellung erstrebt und niemals gewillt ist. dem Verbraucher billige Milch zu liefern. Selbstverständlich lehnten die bereinigten Milchhändler diese Bedingungen ab. Um nun die Milchhändler zu diesen Bedin- gmxgeix gefügig zu machen, gab der Drzeuger- verband die Parole heraus, sämtliche Milch zx» einem Preis voxx 20 Pf. gegen dexx Handel zu, verschleudern. Bedenkt man, daß eine einzelne Person bei dexx heutigen, finanziellen schweren Verhältnissen ungefähr 80 Liter Milch verkauft, wobei der Verdienst voxx 9 Pf 7.20 Mk. ausmacht, so ist derselbe gewiß nicht zu hoch Wird ein größeres Geschäft betrieben, z. B. wie Inx Eingesandt angegeben. so braucht man zum Vertreiben voxx etwa 250 Liter Milch dementsprechend mehr Arbeitskräfte. wozu noch das Fuhrwerk, Kannen, Reparaturen. Reinigen usw. und sonstige lln- kostexx hinzukommexx. Jeder, ob Arbeiter, Angestellter. Beamter oder Gewerbetreibender kanxx aus Grund dieser Ausstellung einmal den Verdienst eines Milchhändlers errechnen, der bei Wind und Wetter, ob es regnet, stürmt, friert oder schneit, genau wie die Eisenbahxx, zu jeder Stunde ohne Sonntagsruhe 365 Tage vom Jahre auf seinem Posten fein muß. Wir geben gleichzeitig bekannt, daß hiermit zuxxx letztexx Male auf die Artikel im Eingesandt geantwortet wird. Milchhändlerverein für Gießen und 11 m g e g c n fr. Letzte Nachrichten. „Do X* nach England gestartet. Amsterdam, 10. Nov. (wlv. vrahtrneldung) Vas F l u g f d) I f f „Do X" ist um 10.05 Uhr ausgestiegen und hat Amsterdam verlassen, siurz vor 10.30 Uhr kreuzte e» in majestätischem Jluge die Zuidersee. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe fror zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichvbcxnkdlokont 5 v H., Lombardzlnofuß 6 o. Sy Frankfurt a. M Derlln Frankfurt a. 3)1. Zltrlln ^ranffurt a. 371. Serlln Banknoten. c4 für« | $Tvr« Schluß»! Anfang- für« | fiur« e^chiufl»! i-Uhr» für« 1 flur« Schluß- > Anfang- lur« | JXur« c*d?1u()-l l-Uhr» für# | fiur<< <^chlu»-i Anfang- für# | flur« fllmrrifünlldif vclgtzche 91ofc tinlld)i' 91ote 0ii0'IIdir Rote Roten..... 4.187 4 207 58.30 58.54 11.96 112,40 20,345 20.425 Datum 8 n io ii Votum 8 11 | 10. II. Votum 8 11 | 10 II 10 11 1 ....... 8 11 10 11 8 11. 10- II n ........ 73 b 67,75 5b" firumüllldir oirn . . . . e e • b,M3 I6.3U3 32,13 33,5 Holiandllitzr *.i utrrt . . . . 68,44 1b9.12 7% DruNche Neidxtanlelbe von 1920 .......- - - Drutschr 91nl..to>löl.-6diult mit 98,75 — 98,5 1 I : Hanlo Damvllchttz.....*° Rorddeutzcher Lloyd.....8 RUtiemelne DeutlcheCrebttanst. 10 73,25 96 J5 Ille 72,5 97 73 97,25 Kaliwerke tildiertlfbrn ... 10 Kaliwerke UMtrn-flcln ... 1° Kaliwerk, SaUbrtlutlb . . . 1b 189 1 191 258 I 192 260,5 191 193 259 190 192 260 Italicnildie 01 Oloirorfll'dK 9 Drutldi-Cffifr Wumäntldif 91 »len.... oten . . . reich, 6 XOO € oten . . . djllllng 21,88 111,85 58,88 2,47 21.96 112,29 59,12 2.49 Uu4lo|.-tRed)ten ... 3». 13 Echwedildie 9i oten . . . . 112.23 112.67 Dr«gl. ohne 9lu6lo|.-8led)te . - , 8% Hcii. 4all . 12 Lominerz- und Prtval-Bant . 11 114.75 114.75 131 114,5 131 114,75 n. ®. Yarben-gnouNrie . . . M 138,4 140 138,65 138,75 Schweixer 91 o » • • 81.24 47.31 81.56 47 49 * (tüdAohlb. 102%)...... Cbrrbrlfm Provin, - ünlelbf mh 89 — 89 — TatmfiAbtcr und 9iationaibanl 12 reutlche Bant und 150 — 150.25 150,75 ®d>flbranflaU..... • , 8 43,65 — 43,75 43,4 richecholtowak Idxe Roten. 12,38 1244 Äuilol.-Rechten..... 50,75 — — — $leconto ®r|rli|d)a|l, ... 10 Drerdner Bank......10 110 110 110,5 111 110,25 111 110.25 110.5 RütnrrSwerke........C 49.5 86 I 86 49,5 86,75 49,9 in ülnkihr (*crtf 1 .... 51,4 - 51,13 _ Retchevant........12 227 — 728 226 8% iXrant). Hnv.-Bonk (Bolbpfe XIII unlünbbar bl« 1934 7% tzrankl. Pup.-Banl ®olbf|e untüntbai bl« 1932 ... 4K% Wbclnlltbe ©DP.-Can! fliaii. (Bolbpfr......... 8% Pr. VanbcSpfanbbrielanllalt, «Blanbbriefc XR. 19 8% Pr VanbtlplQnDbrtrfanttalt, Romm.-Cbl.XR. 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Rente . 98,25 - 93,5 — 85,7 — 100 — 97 — 97 - 26,5 — 23,3 23,5 1.75 4,25 — 4,3 — 4,3 — 8,5 — 14,2 - 6,9 — 100 97 97 23.4 18.65 1,7 4.2 4,55 14,2 6,9 I l I I I I' I 1 1 1^1 1^1 1 1 s. iH.U @............o 112,75 112,5 171 94 123,5 i31,5 178 53,5 66 85 84 220,5 72 38 65,13 169,75 77,25 114 132,5 178,5 112,75 134 115 171 93,25 118,65 110 177.5 112.5 131,5 177,5 144.5 53,75 66.65 86,75 84 73.4 720 69,75 77 71,25 38,25 75 66 172 77,75 112,75 120,25 117,13 109.75 131.25 177 53,9 67.5 86,5 83.6 73.75 220 69,75 77 71,9 75 67 171 76,6 PHUIpv Hol,inonn......7 76,5 67 51,5 68,5 69.5 109 10,75 24,5 122 115 279 16 27,5 84 73 150 132,25 | | | | | | I | I I | | | | | | | | |53^«II Illi 76 53 174,5 140 69,5 68.5 109 80.25 83 108.5 24,25 121.25 34,75 46,75 117 278,5 16,5 28.75 27,13 71.25 150 133,25 75,5 175,25 140 70,25 70 107,75 83,75 109,25 24,5 120.5 279 8 Rovember 10 Reveinber Bergmann.........v airttt. 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Daxijta. . 1 Konstantia. | Alden. . 1 Canaba . 1 Uni mal). 168.72 1,445 58,46 112,13 112,13 112,42 10,548 21,94 20,361 4,192 16,468 81,34 47.53 2,081 0,427 59,035 12,436 7.425 73.345 3,037 18,80 81.44 1,784 5,43 4,196 3,57 20,915 169,06 1,449 58,58 112.35 112,35 112,64 10,51.8 21,98 20.401 4,200 16,508 81,50 47,63 2,085 0,429 59,145 12,456 7,439 73,485 3,043 18,84 81,60 1,789 5,44 4,204 3,63 20,955 168.68 1,444 58.45 112,12 112.12 112.38 10.55 21.94 20,357 4,192 16,469 81,33 47,95 2,081 0,424 59,03 12,432 7,428 73,440 3,037 18,80 81,44 1,784 5,43 4,1945 20,885 169,02 1.448 58.57 112.34 112.34 112,60 10,57 20.397 4.200 16,509 81,49 48.05 2.085 0,426 59,11 12,452 7,442 73,485 3.043 18,84 81.60 1,789 5,44 4.2025 20,925 SJl.-'fpoit Ergebnisse der Gießener Mannschaften. Der gestrige Sonntag brachte wieder sehr lebhaften Spielbetrieb, Der diesmal vom Wetter außerordentlich begünstigt war. Die Spielvereini- gnng hatte sechs Fußball- und zwei Handballmannschaften im Feld imd erzielte folgende Ergebnisse. : Sp.-Bgg. 1900 Liga — Wissenbach Liga 3:1; Großen-Buseck Liga — 1900 11 6:3; Garbenteich H — 1900 III 1:4; Leihgestern I — 1900 IV 6:2; Braunfels I. Jugend — 1900 II. Jugend 5:4; 1900 III. Jugend — Aßlar I. Jugend 0:0. H a n d b a l l: 1900 I. Mannschaft — DsL. Wetzlar II 5:0; 1900 II. Mannschaft — VfL. Wetzlar I. Mannschaft 1:6. Die Ligamannschaft des V f B. war in Hersfeld zu Gast und muhte mit einer Niederlage von 4:0 die Rückfahrt antreten. Das Ergebnis hätte zah- lenmäßig noch um einiges höher ausfallen können, wenn nicht Valzer wieder sehr auf dem Posten gewesen wäre. Die 2Ilte-Herrenmannschaft spielte gegen die Fußballmannschaft des Gießener Ruderklubs „Hassia" und gewann 4:3, die erste Jugend kämpfte gegen Wieseck I, gewann eben- falte und zwar 3:0. Die Freie Turnerschaft Dießen brachte nur ein Spiel zum Austrag, und zwar traten Gießen I. auf dem Trieb gegen Wetzlar I. an und gewann 2:0. Fußball in Hessen-Hannover. Die Fußballspiele in der Gruppe Hessen-Hannover (Süd) zeitigten folgende Ergebnisse: Hessen Hersfeld — VfB. Gießen 4:0; Borussia Fulda gegen FC. Ockershausen 3:0; Herrnannia Kassel gegen Kurhessen Marburg 4:8; (Rord): Kurhessen Kassel gegen SC. 03 Kassel 2:2; Göttingen 05 gegen M. Grone 9:0. Punkiekämpfe in der Gruppe Main. Allzu groß waren zwar die Lleberraschungen nicht, die es am Sonntag bei den Punktekämpfen der Gruppe Main gab, die Allgemeinheit hatte aber bei einigen Spielen doch mit anderen Resultaten gerechnet. Der Tabellenführer Eintracht Frankfurt büßte beim 2:2 (1:1) Spiel in Hanau wieder einen Punkt ein. Ein zweites Unentschieden gab es in Bornheim beim 1:1 (0:0) Spiel zwischen Fußballsvortverein Frankfurt und Offenbacher Kickers. Lleberraschender als diese Resultate war der 2:1 Sieg, den Rvt°Weih Frankfurt in Bieber erzielte. Der Tabellenletzte, Fechenheim 03, verlor auch sein elftes Spiel, er wurde auf eigenem Platz von Llnion Riederrad 5:1 (2:1) geschlagen und ist damit endgültig zum Abstieg verurteilt. Oie punkiekämpfe in Hessen. BJotmafia Monns ist Meister. Bei den Verbandsspielen in der Gruppe Hessen konnte sich Wormatia Worms durch einen 4:0-Sieg über SV. Wiesbaden die Meisterschaft sichern. Die Wormaten haben mit 19 Punkten einen Vorsprung, der nicht mehr eingeholt werden kann. VfL. Neu- Isenburg fertigte den Tabellenzweiten Alemannia Worms hoch mit 4:0 ab und rückt dadurch an die dritte Stelle der Tabelle. Der FSV. Mainz 05 konnte in Urberach ein unentschiedenes 3:3 erzwingen, der 1. FC. Langen und SV. Darmstadt 98 trennten sich ebenso nach einem torlosen Spiel unentschieden. Helene Mayer gewinnt den Hutton-pokal. Die deutsch« Olympiasiegerin im Fechten, Helene Mayer (Offenbach), konnte zum zweiten Male den Hutton-Pvkal gewinnen. Diesmal hatte Am Sonntag gelangte in der kleinen mecklenburgischen Universitätsstadt Rostock' der dritte Hockey-Länderkampf zwischen Deutschland und Dänemark zur Durchführung. Diese Begegnung bedeutete für Rostock eine sportliche Sensation, so daß sich über 3000 Zuschauer, für die dortigen Verhältnisse eine Rekordzahl, auf dem Platze des FC. 95 Rostock einfanden. Beide Mannschaften wurden mit begeistertem Beifall empfangen. Rach dem Abspielen der deutschen und dänischen Rationalhymne nahmen die beiden Mittelläufer Haag und Johanneson Platzwahl vor, wobei sich der Däne gegen die Sonne entschied. Das Spiel selbst sah die deutsche Rational- mannschast in einer ausgezeichneten Verfassung. Wenn auch die deutschen Stürmer in der ersten Spielhälfte nur zu einem Erfolg kamen, so war dennoch ihre spielerische Tleberlegenheit offensichtlich. Die Dänen suchten dagegen sehr oft sie schwer zu kämpfen und nach Schluß der Konkurrenz stand sie mit der Verteidigerin des Preises, der Engländerin Miß Butler, mit dem gleichen Punktergebnis an der Spitze und erst in einem Stichkampf konnte Helene Mayer die Engländerin auf den zweiten Platz verweisen. Helene Mayer hat damit den Hutton-Pokal, den sie schon einmal 1929 errungen hatte, wieder gewonnen. Im vergangenen Jahre nahm die Deutsche nicht an der Konkurrenz teil. Or. Geisow zurückgeireien. Der erste Vorsitzende des Deutschen Schwimm- Verbandes, Dr. Geisow, ist am Sotrntag auf der Vorstandssitzung des DSD. in Goslar von seinem Posten als Verbandsvorsihender zurückgetreten. Er begründet diesen Schritt in einem längeren ihr Heil in der Abseitstaktik, der zu Beginn auch unsere Stürmer meist zum Opfer fielen. Doch nach dem Wechsel diktierten mit wenigen Ausnahmen ausschließlich die Deutschen den Spielverlaus. Vergebens stemmten sich die Dänen gegen die deutsche Angriffswelle, sie konnten trotz ihres aufopfernden Spiels die deutschen Erfolge nicht verhindern. Zunächst kam Scheerbarth mit einem zweiten Treffer zu Wort, Weih erhöhte in kurzen Abständen mit zwei weiteren Treffern auf 4:0. Dann setzte Mehlih mit dem 5. Tor den Reigen fort, der kurz vor Schluß von Kurt Weih in famoser Manier mit dem 6. Tor beschlossen wurde. Der Sieg der deutschen Mannschaft war vollauf verdient. Daß den Dänen sogar der Ehrentreffer versagt blieb, ist vor allein dem schuh- und encrgieschwachen Sturm zuzuschreiben. ÄeuWtt Hotleysieg gegen Dänemark. Deutschland-Dänemark 6:0. — Links: Kurt Weiß, der populäre deutsche Stürmer. — Oben: Theo Haag Mannschaftsführer und Mittelläufer. — Rechts: Scheerbarth (Stürmer), Linke (Torwart), M e h l i tz (Stürmer). Schreiben an den Vorstand, in dem es u. a. heißt, dah er die Zeit für gekommen halte, den Vorsitz des Verbandes niederzulegen, weil der Verband nicht die Weltanschauung billigen wolle, zu der er sich als deutscher Mann in seinem politischen Wirken bekennen müsse. Internationales • Aeuyorker Reit-Turnier. Am zweiten Tage des Neuyorker internationalen Reitturniers legten sich die deutschen Reiter eine gewisse Schonung auf. Lediglich der Mannschafts- führer, Frhr. v. Waldenfels, startete in einer stark bestrittenen Springkonkurrenz für Prioatpferde auf Baccarat und belegte unter 75 Teilnehmern einen guten zweiten Platz hinter der irischen Stute Roxanna unter John Warrick. Der Madison Square Garden war auch an diesem Tage wieder ausgezeichnet besucht, ein Zeichen, daß die Amerikaner auch dem Pferdesport das größte Interesse entgegenbringen. Am dritten Tage des Internationalen Reu-- horker Reitturniers traten die deutschen Teilnehmer nur wenig in Aktion. In einem Barrieren springen konnte sich Oblt. Hasse auf „Elan" als Vierter placieren. Oblt. Msmy^. hatte sich mit einem Schweden beim Jagdspringen auf „Fridericus" als Vierter placiert. Traberpferde sterben den Feuertod. Sieben Trabrennpferde wurden bei einem Stallbrand auf der Trabrennbahn Ruh leben in der Scmtetagnacht ein Opfer des Feuers. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr und des Stallpersv- nals gelang es nicht, die Tiere zu befreien. Europa-M-isterschasten im Schwimmen Die im Sommer 1930 ausgefallenen Europa- Meisterschaften im Schwimmen werden im Jahre 1931 vom 23. bis 30. August von dem Französischen Schwimmverband durchgeführt werdet; Gleichzeitig wird der fünfte Länderkampf Frankreich— Deutschland ausgetragen werden. Boni Büchertisch des Sports. — „Ski - Hei l." (Verlag Quelle & MeyeH Leipzig. Preis 3 Mark. 521.) — Unter dem Titel „Ski-Heil" schrieb Dr. Heinz W o l t e r e ck ein kleines, handliches Buch, das einem längst bestehenden Bedürfnis abhilft, denn der Ratgeber für die Skitour, den das Büchlein darstellt, fehlte bishen. In kürzester, aber sehr übersichtlicher Form behaiv- delt der Verfasser alle Voraussetzungen, die vor ' einer Skitour zu erfüllen sind. Eine Reihe praktischer; Vorschläge über Ausrüstung, Behandlung der Skier, Hinweise auf Gefahren bei Touren im Hochgebirge und noch manches andere mehr kann der Leser in prägnantester Form der wertvollen Schrift entnehmen. Als ein besonderer Vorzug des Buches ist es zu betrachten, daß es eine lleberficht über die wichtigsten Skigebiete und ihre Eigenarten ent« hält, die bisher vielfach vermißt wurde. 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