Nr. 2U Erster Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 10. September 1950 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme roe Injeiaea für die lagtsnemmer bis jum 9mittag vorher. Preis für 1 mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, autmärts 10 Deichspfennig, für De« klameanzeigen von 70 mm Drell« 35 Deichspfennig, platzvorschnft 20*. mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lang«. Drrantwonlich furTohtili Dr. Ar. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr Jylbonot; für den übrigen Teil Ernst Llumschein und für den Anzeigenteil Max Rillet, sämtlich in (Bieben. Er|ch«lnl täglich,avher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustriert« Gi«tzen«r Familien dl Wer Heimat im Bild Die Scholle ■tenaiS'Beiuasprels: 2.20 Deichsmarn und 30 Deichspfennig für Irüget» lohn, auch bei Dichter« scheinen einzelnerNummera infolge höherer Gewalt, Zerafprechaafchlüße anterSammelnummer2251. Anfchrifl für Drahtnachrichten Anzeiger Oletzea. Postscheckkonto: «yontfurt am Main 116M. Enid »nd D ©i Oer S-t Beadjten Wan traini( Seiten hin m nicht zu über jemals, efenfo Wie das Herz ein Instrumen lebens hm. E nach -mstreng- mahnt, für he die Smpfmdun hoben, und ful zur Zehe. Der Fuß 1 bestimmt und I seinen Kräfter Wir arbeiten, mit nacktem A ist der Komplc »um Duhen de M hhgienefr In schlechte! falsch gewählte seine Fühe n haben, dch si ob es sich un Arbeitsschuh Schuhkauf hc den Aeaherli dem mit Soi tat und Pc rechtigt die i kundigen Schlu probierten Sch illustriert, daß getoiffen Grenzc bie dauernden Krankhaftigkeit zu kurz gewähl Schuhes ist ein natürliche Entsc nicht sorgfältig Die bei viel schließliche Ein falscher Fii der Gerbung a Leder, die sich wendige Schmi Fuß nicht erh die Schnellede, und Hitze sch als eine schtv außer in den sicht aus die schiedener Sch ein kleines te ^uh. Der 2 also um ein q 'st entschieden ’anger gefror M'emsche G gesund erhält, u Ä bernü; Preis, ^danken der Grund reicher d" Hausfrau« ft S,N mm •ÄÄ, Sä» Äderungen bi sz* 6 PS KU die inj0' aiz t°t uÄWl -nehr^auf erzeugt Hornh^. ebnes, der JW tigkeZL/d brauZtoQ= ie ftl9eX®ta' Kl Al* 1 “ gtstarirt. Dmiigg. B(.Qn6unoi, ^v>- 2fn :ää* fn ftttyh U 'u bürst« Mi«. ™0m. «in fl„ 1 .unbrkkbig^ krslogen. Honghai, >b Anqork fo[. ‘ ®ta»oW b«. lb'cnst tirnuftd. « die Urbrr. mit bcib. der Lan,. lcht nur für Nr lonbem auch iorschriftkn for- öeihinfl einer K-Z St K."°L ^WfuXlJ lr nQd) SrT^”' lb tinJ 90nitn JropQ J*?* m L°L Woetfabtit 'bcrpsch) rxplo* ibril ßautrbodxr inium. comtlidv oll btr Explosion Krt Auch .. ttjt. Sir lfttMKS^ * w 10. ( .malt der Explosion war |o stark, baß im Um* frei» von 800 bi» 500 Meter alle Zensier und Fensterstocke, zum Teil auch Türen in Trümmer gingen. Vie Bevölkerung stürzte in panitchem schrecken auf die Straß«. Zw«i Arbeiter erlitten Verlegungen Die Belegschaft ist durch die Explosion arbeit»!»» geworden. Am Bettelstab. Di« SOjäfrtige Frau Walter, die ernst mit dem Sohn de« früheren Befihers der .Time«" verheiratet war und laufen be von Pfunden txr- schwendete. stand am Dien»lag vor dem Londoner Gericht. Sie war mit einem Zwei-Penny- Stück in der Tasche von der Polizei auf einer Dank in einem Londoner Park schlafend ausgefunden worden. Mit ihrem -weiten Mann brachte Frau Walter ein Vermögen von WO 000 Mark durch, worauf sie sich dem Trünke ergab. Dkr lote bei einem Aulobuoonfall. Ein schwerer Unsall ereignete sich auf der Land- st raste Sangerhausen—Maneseld. An einem oollbe- stylen tlulobu» brach d i e Kardanwelle und durchschlug den Dagenboden. Durch do» Loch stürzten vier Insassen unter den fahrenden Dogen und wurden dabei tödlich verletzt. Vie verunglückten sind zwei ältere Ehefrauen au» Helbra und Benndorf und ein Berliner (Ehepaar, da» in j)elbro zu Besuch weilte. Aus der provinzialbauptfiadt. ? Diesten, den 10. September 1930. Der Gchuh in der Volkshygiene. Beacht«n»n»erte» zur Belch»fchuhwoche. Man trainiert den Just tagtäglich nach allen Seiten hin mit einer Nachdrücklichkeit, die oft nicht zu übersteigern ist, und er rebelliert kaum jemals, ebenso selten wie das geduldige Herz. Wie dos Herz, so nimmt man auch den Fuß als ein Instrument des immer ungestörten Weiterlebens hin. Ss macht sogar Freude, wenn er nach anstrengendem Sonntagsmorsch mol leise mahnt, für heute fei es genug; dann hat man die Empfindung, die Kräfte ausgiebig geübt zu haben, und fühlt sich erst ganz vom Scheitel bis zur Zehe. Der Aust ist zum Lastträger des Menschen bestimmt und soll zum Nutzen der Gesundheit in feinen Kräften ousgefchäpst. trainiert werden. Wir arbeiten, marschieren und ruhen aber nicht mit nacktem Aust, sondern in Schuhen. Unb hier ist der Kampier von Iragen, die — wiederum xum Nutzen der Gesundheit — so sorgfältig wie febe Hyaienefrage beachtet werden sollten. In schlechtem, im Verhältnis zur Austsorm falsch gewählten und alten Schubwerk wird man feine Füße nach einigen Jahren fo gefchädigt hoben, dgst sie nur wenig mehr taugen. Gleich ob es sich um einen Modefchuh oder um einen Arbeitsschub oder um einen Hausschuh beim Schukkaus bandelt: Er fotlte nicht nur nach den Aeststerlichkeiten und nach dem Preis, sondern mit Sorgfalt hinsichtlich guter Qualität und Paßform gewählt werden. Wie berechtigt die üblichen Dewi ff ensf ragen deS sachkundigen Schubbändlers nach dem Passen des an- probierten Schuhes sind, fei durch die Tatsache illustriert, dost sogar der immerhin biS zu einer gewissen Grenze elastische Strumpf den Aust durch nie dauernden Wnflüffe beim Gehen bis zur Krankhaftigkeit verändert, wenn et zu eng oder zu kurz gewählt wird! Das feste Material des Schuhe« Ist ein unüberwindlicher Damm für die natürliche Entfaltung des Austes. wenn der Schuh nicht sorgfältig nach der Austsorm gewählt ist. Die bei vielen Schuhkäusem herrschende aus- schlietzliche Einstellung aut Billigkeit ist ein falscher Führer beim Schuhkauf. In der Q^etbunq ausgereifte, sorgfältig durchgesärbte Leder, die sich die natürliche Porosität und notwendige Schmiegsamkeit bewahrt haben und den Aust nicht erhitzen, sind ein wenig teurer, al« die Schnelleder. Eine kernige, vor Nüsse, Kälte und Hitze schützende Sohle ist etwas teurer, al« eine schwammige Sohle. Ein Modell, das auster in den üblichen Schußgrößen mit Rücksicht auf die Pasttorm in einer Anzahl verschiedener Schuhweiten hergestellt wird, ist um ein kleine« teurer al« ein Massen- und Typen- schuh. Der Ansangspreis guten Schuhwerk« ist also um ein geringe« höher: aber der Realpreis ift entschieden wohlfeiler, da gutes Schuhwerk länger getragen werden kann, ausgezeichnete hygienische Eigenschaften besitzt und den Zust gesund erhält. Solche vernünftige Erwägungen über daS Wesen de« Preise« sind nicht nur ausschliestlich Gedanken der engeren Fachleute, sondern auf Grund reicher Erfahrung auch ^Überlegungen der Hau-srauenorganisationen. Praktische Prüfungen von Schuhwerk aus den Qualität«- klaffen verschiedener Preislagen hoben bewiesen, dost man in gutem Schuhwerk g u t und billig lebt, weil man gesund in ihm lebt. Innerhalb jeder normalen Preislage hat sich bei diesen Experimenten und Studien eine Qualitätsklasse festlegen lassen, deren Stücke in bezug auf Wärmehaltung, Lüftung, Kälteschutz, Nassefchutz, Pastsorm und Tragdauer den Anforderungen der Hygiene und der Sparfamkclt gut entsprechen. Uno diese Stücke haben kaum eine Mark mehr gekostet al« billige und unzureichende Schuhe der gleichen Kategorie. Die Untersuchungen der Derbraucherveretni- gungen haben noch eine weitere gesundheitliche, grundsätzlich wichtige Eigenschaft des Schuh- werk« ergeben, daß Schuhwerk eine vom Hy- gienestandpunkt au« optimale Tragdauer besitzt, jenfeit« deren da« Aufträgen de« Schuhe« gesundheitliche Bedenken mit sich bringt. ES schien bei immerfort und täglich getragenen Schuhen so, al« ob da« Leder sein Leben und die AtmungSsühigkeit verloren hätte ES lag tot und (alt auf dem Fuste, ventilierte ihn nicht mehr und hemmte seine Enldünstung Tie Sohle erzeugte, abgesehen von Aufschürfungen und Hornhaut infolge Verhärtung und Brüchigkeit der Brand- oder Decksohle, Kälte- und Feuchtigkeitserscheinungen. Die Folgen find erfahrungsgemäß zunächst SrkältungSerkrankungen, und zwar je nach Dauer be« ständigen Gebrauch« überalterten SchuhwerkS Erkrankungen steigenden Grade«. Diese Erscheinungen seien nur kurz gestreift, obwohl ihre weitwirkende Bedeutung für die Volksgesundheit auf der Hand liegt in einer Zeit, in der man vielfach nur ein einziges Paar Schuhe ständig trägt und den Aufbrauch von Schuhen biS zum äußersten erträglichen Maß au strecken bestrebt ist. ES ist nichts damit gespart, wenn man sich dadurch gesundheitlichen Schädigungen aussetzt. Ss ist belfer und klüger gespart, wenn man sich btt Frisch« feines Schuh- Werks durch täglichen Wechsel und Zuruhe- flellung des getragenen Schuhes erhält. Dann bat der Schuh bi« auch lür ihn nfrtigt Muße, sich zu entspannen, zu entlüften und zu regenerieren, und et lohnt solch« Achtsamkeit mit verdoppelt langer Tragdauer und Gesundheit Die Schuhhvgiene erfordert also nach zwei Richtungen hin meßt Ernst und Aufmerksamkeit daß man sich sorgfältig einen passenden, richtigen und guten Schuh wählt und daß man feinen Schuhbesitz richtig, unter Beachtung der Notwendigkeit häufigen Wechsels im Tragen einteilt. Dann Hot man zum Schutz bet Gefunbheit unb am Geldbeutel gut gespart, was ja sicherlich bas allgemein« Ziel tn unserem gegenwärtigen Deutfchlanb sein muß. Das ist ein (Stimmschein? Ein Stimmschein (Dahlschein) ist rin Personal- auemeil, der den Besitzer derechugt. in ledern beliebigen Hbftimmungtlofal Im Deutschen Reich« zu wählen, ohne am Orte der Stimmabgabe in die Stimmliste ober Stimmkartei eingetragen zu sein. Die Lu»stellung eine» solchen Stunmlchein» muß bei derjenigen Gemeindebehörde beantragt werden, wo der Dahier feinen Wohnsitz Hot. Solche Stimmscheine fännen noch am Tage vor der Wahl au». ilichiwähler schelten heftig vor und nach der Wahl, der« säumen aber am Wahltage selbst die Geltend- machung ihre« (Einflusses auf die Entscheidung durch Abgabe be« Stimmzettel«, wichtig und gut handelt der bisherige Tiichtwahler, wenn auch er sich am nächsten Gonntag sagt: auf zur Stimmabgabe t gestellt werden: allerdings kann in größeren (Be- meinben die Entgegennahme von Anträgen auf Ausstellung von Stimmscheinen schon am zweitletzten Tag« vor ber Wahl geschloßen werden. (9n Gießen ist al» letzter Tag der Stiminschein-Au»- fertigung der 12. September festgesetzt. D. Red.) Wer einen Stimmschein erhält, wird in der Stimmliste b^ro. 6timmtartei seine» Wohnortes gestrichen. Unter welchen Umständen kann man einen Stimmschein beantragen? Zunächst, wenn man sich am Wahltage au» zwingenden Gründen außerhalb feine» Wahlbezirks befindet. Ferner solche Wähler, die Infolge eine» körperlichen Leiden» oder Gebrechen» in der Bewegungsfreiheit behindert sind und durch den Stimmschein die Möglichkeit erhalten, einen Wahlraum aufzusuchen, der ihnen näher liegt. (Einen Stimmschein erhält ferner, wer nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Wahlbezirk verlegt. Unter der Einspruchsfrist oer- steht man den Termin, bis zu dem jeder Wähler gegen die zur allgemeinen Einsicht aufliegenben Wählerlisten Einspruch erheben kann. Wer zum Beispiel in ber Wahlliste nicht eingetragen ist unb folglich auch nicht wählen kann, wirb auf Grunb eines Stimmschein» zur Wahl trotzbem zugelassen, wenn er wegen Ruhen» be» Wahlrecht» nicht in bie Liste eingetragen ober gestrichen war. ber Grunb hierfür aber nach Ablauf ber ffinlragungefrlft weg- gefallen ist: wenn er Auslonbvbeutscher war unb feinen Wohnsitz nach Ablauf ber Einspruchsfrist in» Inlanb verlegt hat, ober wenn er nachweist, baß er ohne sein verfchulben bie Einspruchsfrist versäumt hat. Dr. J. W. Privatwirtschaft oder Sozialismus? Heber dieses Thema sprach am Montagabend in einer gut besuchten Wäßlerver- sammlung der NeichSpartel deS deutschen Mittelstände- (Wirtschaftspartei) deren hessischer Spitzenkandidat Prof. Dr. Hornesfer, Gießen. Der Redner verwahrte sich und seine Partei gegen den Dorwurs, daß ihre Gegnerfchast gegen den Sozialismus gleichbedeutend fei mit Feindschaft gegen die Arbeiterschaft. Sozialismus und Arbeiterschaft feien nicht dasselbe, und wenn der Mittelstand den Gedanken der Be- rusSstandspolitik vertrete, so sei daS kein Klassengegensatz und Klassenhaß gegen die Arbeiter- schicht. Der Anfang mit der AuSmerzung deS SozialiSmuS auS unserem DolkSleben muffe, trotz der scheinbaren Aussichtslosigkeit in dieser Zeit, jetzt gemacht werden. Sr lehne den von anderer Seite empfohlenen Appell an die Gewalt ab ör vertrete den Grundsatz. daß die Heberwindung des Sozialismus nur durch den Kampf der Idee, nur durch daS Ringen um «ine bessere Heberzeugung unter Inanspruchnahme der gesetzlichen Mittel erfolgen könne. Der Redner gab sodann vom wissenschaftlichen Standpunkt auS eingehende Erklärungen über daS Wesen deS Sozialismus und über dessen Auswirkungen, bei denen eS sich vor allem darum handele, die Allmacht der Masse gegenüber der individuellen und geistigen Kraft der Eigenper'önlichkeit zur Geltung zu bringen. Sr besprach in diesem Zusammenhänge auch tue Stellung des Sozialismus zu den wirtlchaftlichen Fragen und hob hervor, daß der 2]iaf|enftaal zur Geltendmachung seines Machrwillens die Verstaatlichung ber Produktionsmittel erstrebe. 3m Gegensatz zu dieser Einstellung vertrete setne Partei grundsätzlich den Hiandpunkt des persönlichen Eigentum- und de- freien Wirken- der schöpferischen Persönlichkeit. Für unsere Wirtschaft und den Wiederaufstieg unsere« Volke- sei e« die größte Gefahr, wenn man die freie Entfaltung der begabten Kraft, he« Talent- und de« Genies hindere oder erdrossele und dadurch da« Führetium in der Wirtschaft ertöte. Vom Sozialismus, der di« geistig selbständig« Persönlichkeit entwerte und vernichte, lei (eint neue Morgenröte, kein Anbruch einer schöner en Zeit gekommen. Auf politischem Gebiete habe der Sozialismus den Keim der Entartung und des Verfall« in unser Volk frineinge tragen. Leider falle dieser Entwicklung auch der Mittelstand zum Qpser, toenn nicht mit oller Kraft dagegen ange- Kimpft werde. Der Redner wandte sich sodann gegen die Sozialpolitik von heute, die keine Stärkung. sondern eine Entnervung unserer Dolks- krast bedeute und au« unserem Reiche einen sozialen Jutiorgeßaal mach«. Bet einet kurzen Betrachtung der Auswirkungen der gegenwärtigen steuerlichen und wirtschaftlichen Lasten erhärte der Redner, die ganz« an das Ausland würden allein vom deut- ichenHausbesitz aufgebracht, denn di« ganze öffentlich« Belastung fei freute auf den Hausbesitzer abgewälzt. der nur noch Hausverwalter tm Dienst« des Staate« sei Der Mittelstand mülle zugrundegefren, trenn nicht der Mut aufgebracht werde, mit dem Sozialismus Schluß zu machen Das treffe auch zu auf bte vteltach weit au*ge- dehnte Betätigung bei öffentlichen Hand auf wirtichaflltchem Gebiete, wo die Gemeinde bzw der Staat der Privatwirtfchaft hi steigendem Maß» Konkurrenz rnackte Der Redner lortvrte zum Schluß rücksichtslos« 6 pari am fett In der getarnten Verwaltung und völlig« Wiederher- stellung brr freien Wirtschaft, denn nur dadurch könne fruchtbar« und für das Volksganze vorteilhafte -rteöeraufbuuarbtü acleistet werden. Zur Erreichung dieses Zieles fei es notwendig, di« Geltendmachung de« l vß-Gerau, bei hem bereit» auf 36 Einwohner ein Kraftfahrzeug entfallt. Taten für Tonncrctag, 11. September. Sonnenaufgang 5.27 Hhr; Sonnenuntergang 18 25 Hfrr. — Mondaufgang 19.29 ilfrr; Mrmd- untergang 8 58 Hhr 1816: ber Mechaniker Karl Zeiß in Weimar geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Heilsarmee Gießen (Ernt: Dankfest-Aufsuhrung, 20 15 Uhr, Schanzenslraße 6. — Zentrumspartei Gießen: Wahloersammlung, 20 Uhr, im Katholischen Verein»* hau» — Rationalsozioltstischr Deutsche Arbeiterpartei: Oessenttiche Versammlung, 20 15 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsaarten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der weiße Teufel". — Ehrt st lick), sozialer Volk « dienst. Morgen. Donn.'rStag. Wahlversammlung im Lase Leib. E« sprechen Prosesfor Dr. K o ch tDießens unb Lehrer Dreb (Mainz). — Siehe heutige Anzeige. — D i e Hetl«armee veranstaltet vom 10. bi« 18. September im Hause Schanzenstraße 6 ihre Erntedankfest-Woche, zu der jedermann willkommen ist. Nähere« ist au« ber gestrigen Anzeige ersichtlich ew Da« 6tabttfreater-3bonnement. Au« bem Stadtthsaterbureau wirb uns geschrieben. Die Winterspfelzeit be« GieHener Stadt- tfreahr« beginnt am 1. Oktober. Die jÜ'pniww«Rti- preite Itnb gegenüber bem Dvrjafrre unncränberL Der Abonnent genießt eine Ermäßigung von 30 Prozent auf tebem Pla^ Die Abonnements- gefuche muffen späteftrns freute noch fchristlich ein gereich» werben •• Die btraßenreinigung»g,dühren betrifft eine Bekanntmachung brr Stabtverwaltung tn unserem heutigen Anzeigenteil, aus bie wir alle Interessenten vesonber» aufmerksam machen ** SttttRlgil < ß c - n«r Realgymnaf tasten Am fommenben Sarn«tagnachmittaa wird Im Vorgarten be« Gießener Realgymnasium« die Weiße des Denkmal« unb ber Ehrentasel für bie Im Weltkriege gefallenen efrem. Angehörigen be« Gießener Realgymnasiums stattfinden. Am Abend fall ein« gefeMchaftiiche Veranstaltung auf ber Liebigs- fröfr« die Mitglieber ber Vereinigung mit ihren Angehörigen vereinen. In unterem heutigen Anzeigenteil ist bie Einlabung enthalten, aus der näßere« zu erleben tfl •• Eine ^überwältigende" Wähler- Versammlung. Al» Kuriosum ber Wahlagitation wirb au» Scholten berichtet, daß dort dieser Tage eine Wahlcrversammlung vor sich gehen sollte, zu der aber nur brr verfammlung»lelter, der Redner, ein Pollzeibeamter. ein Presscvertreter unb ein einziger Zuhörer rrschienen war. Per Referent für diese kleine „SkatgeseUfchaff verzichtete angesichts diese» „überwältigenden'' Besuche auf die Prri»gabr seiner politischen Belehrungen, so baß man schon nach bem ersten Schoppen wieber nach Hause pilgern konnte. Leiber wirb in dem Bericht nicht aelaflt. welche Partei sich diese» „Vorzug»" der Wahicr|lhaft zu erfreuen hatte. Jahre Buchthaus für einen Bürgermeister. WSR. Limburg. 9. Sept Das Große Schöffengericht verhandelte gegen den 48jährigen Bür- gcnnclfter a D. G u cke l sberaer au« Haufen bei Limburg, dem erschwerte vlmt*- untcrf»dung»1ag 8. September 1930 3n der heutigen Bormittaas-lehung wurden Gewinn« . über 150 M. gezogen 4 i» 10000 OL 165870 296188 2 »etrinM >■ 5000 OL 10171.M 10 e-c-inn, |B BOOO OL 16382 27783 261666 268829 377961 22 Oktoinn, |U 2000 OL 2418 67658 92081 112610 160070 156143 164287 210003 236460 318030 34 e-elwne - 1000 OL 1608 6200 10527 13448 72065 75332 103002 171767 102555 186564 282222 305397 332711 344136 363414 364028 384/.24 84 |> 600 Ol. 23677 49760 61464 65425 79828 85476 867H6 902H3 107006 108062 110259 114459 120963 131020 142689 146911 149842 160724 161202 171474 179656 191483 191402 196430 214246 219035 224170 237127 243626 240701 280894 289041 307410 325299 336733 342464 363658 372220 386139 204 »ttoixM n 300 <9. 2406 2719 6124 6293 14892 16514 18529 21909 26027 30326 30996 33429 33531 34172 43814 6 MH2 68103 511769 63 189 60638 66672 69068 71370 80670 92108 101221 108399 110168 123650 123641 125454 126734 128407 130402 131002 136281 136616 138284 139677 141725 142054 148102 1491.35 167297 168758 164281 168241 179107 181625 162856 185165 189094 191740 192602 196743 197667 200810 202958 203792 206012 210593 216338 219496 220087 224039 228095 233993 240009 246172 246891 260907 254174 257010 200194 266'^5 274556 274672 280098 285194 289278 280499 202474 294012 298176 307350 810378 322818 323418 330293 331596 339187 342OHO 34'17 4 7 34 9UM 866989 308278 380821 383264 364209 38'3421 890623 394796 Ja ber heutigen Kachmilloa»jtebung würben Gewinn« über 150 M. gezogen 2 e-teinne *■ 25000 ®L 249669 2 8—... iu 10000 W 203032 8 »cain-e .. 6000
i.M ». 1000®. 6734 4 3421 71498 99118 144797 167067 202789 205689 208996 806738 808709 311852 336402 74 »roinn. |U 500 7^ in nicht ° großer 6" ^onW" (fijenba1 Men 2 die von M zahlen-^ Fernen D|f wäre 1 Stillen Lzea kaum genui Moskau unc Baikal allste Propaganda vorgeschoben gebaude de' bürgen bolsi Was nur japanischen der Vzeko Staatsinam ins Land, 1 Rache ausu da es die . im Fernen Graf W' Meere erlai lungen m> Weiterb Eifenba Bau begai. Kapital mu Bankhaus! betrugen ru rubel). Die weite. Ihr panisch gew mondschr in Europa i politischen! grvhe tomi gewinn voi war auch Einnahme, Aber sei die Bahn anfangs d schen, Wladim das wußte m?n war. wichtiger e Ms, eine£ flen umfal Urmalb mii mar so Doch was ?un, außer die Ed öor allem ur als 3ung •»6«iti mar zwei 1 M Hw Keit der ein ei Unb doch p| SBlabimit Sens. Es st wenn man 3n der SSM». IWernen (j xrhöhnt, be s [einer lA e. + Lich, 8. Sept. Naturfreunde können zur Zeit , allabendlich am Albacher See ein Naturschauspiel beobachten. Tausende von Staren aus der näheren und weiteren Umgebung geben sich in dem Schilf und in den hohen Bäumen ein Stelldichein. Gegen 18 Uhr finden in den Platanen des Schloßgartens und in den Fichten des fürstlichen Friedhofs die Vorversammlungen statt, die vor ein- »prechender Dunkelheit aufgehoben werden und dann _am Albacher See ihre Fortsetzung in der Hauptversammlung finden. Bis in die Nacht hinein hält das tausendfache Gezwitscher an. Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von 3- Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Es war nichts mehr hörbar, als das Ticken des Regulators, der an der Schmalwand über dem Rauchtisch hing. Von der Straße herauf kam das Surren der Trambahnen, das Klingen der Räder und das Tuten der vorüberjagenden Autos. Mißtönend schlugen die Geräusche an das Ohr der halbbetäubten Frau, die jetzt vor dem Stuhle auf dem Teppich kniete und die Hände über den gepolsterten Sitz hingeworfen hatte. Erst nach einer langen Weile erhob sie sich, ging nach ihrem Schlafzimmer und begann sich anzukleiden. Als sie auf den Korridor trat, staunte die alte Haushälterin, die schon seit vierzig Sahren der Familie diente, „grau Geheimrat sollten nicht ausgehen jetzt! Es steht ein Gewitter am Himmel." »Das macht nichts, Agnes. Sch habe eine dringende Besorgung zu erledigen.“ „Kann ich das nicht für Sie tun, Frau Geheim- rätin?“ „Danke, Agnes, diesmal nicht.“ Sie hatte schon den Riegel zurückgeschoben und hastete die Treppe hmab, kam in der Eile beinahe zu Fall und fing sich gerade noch am Treppengeländer. Durch die alte Schule der Sparsamkeit gegangen, zögerte sie einen Moment, ob sie die Tram oder eine, Taxe nehmen sollte, entschied sich dann doch für das letztere und normte die Adresse ihres Sohnes. „Gewiß, der Herr Doktor ist noch zu Hause“, sagte das öffnende Mädchen, als sie keuchend und nach Atem ringend, vor seiner Flurtüre stand. Da hörte sie auch schon dessen Stimme den Gang zuruckkommen. „Mutter, du? — Und so erhitzt?“ Seine dunklen Augen sahen besorgt in ihr Gesicht. „Sie Treppen! — Weißt du, mein Bub! — Die Treppen machen mir immer mehr zu schaffen" Shre Worte überstürzten sich. „Es ist mir erst als du gegangen bist, eingefallen ob du dich nicht nach ihr erkundigen solltest. Sch meine — nach dieser — dieser Helene Chlodwig." Er zog lächelnd ihren Arm durch den seinen und nahm sie nach dem Wohnzimmer, das in seiner Traulichkeit gar nicht wie das Heim eines Sunggesellen anmutete. „Seh dich, Mama. — Rein, setz dich erst. Du bist ja noch ganz atemlos. Mit deinen sechsundfünfzig Sohren solltest du keine Rekorde mehr aufzustellen versuchen." ! Hungen, 9. Sept. Dieser Tage fand hier das diesjährige Preis-Schafhüten der Ortsgruppe Gießen und Umgegend des Landesverbandes Rhein-Main im Verein Deutscher Schäferhunde statt. An dem Wettbewerb beteiligten sich 13 Bewerber mit ihren Hunden (7 Hündinnen und 6 Rüden). Die den Tieren gestellte schwierige Aufgabe, die aus einer Führung an einem fahrenden Fuhrwerk vorbei, über eine schmale Drücke, Heidegelände, hart an ausgestellten Aeckern vorüber, auf schmalen Feldwegen zurück zum Pferch bestand, wurde durchweg gut gelöst. Gute Dressur verrieten die Tiere auch in den verschiedenen Arten des An- packens, sowie beim Antreiben und Begleiten der Herde. Dabei zeigten sich fast durchweg die Hündinnen den Rüden überlegen. ! Aus dem südöstl. Kreise Gießen, 9. Sept. Die ersten Ob st Versteigerungen fanden dieser Tage in unserer Gegend statt. Bei fast gänzlichem Ausfall der Apfelernte beschränkten sich die Angebote in den meisten Fällen auf Dirnen und Zwetschen. Die auch bei diesen Obstarten nur gering vorkommenden Mengen wurden mit teilweise hohen Preisen bezahlt. So kamen bessere Honigbirnen je Zentner am Daum bis aus 8 Mark. Geringere Sorten kosteten 2 bis 5 Mark, Tafelbirnen (gepflückt) wurden an die Händler mit 10 und 11 Mark verkauft. Zwetschen kosteten 7 bis 8 Mark je Zentner. < Langd, 9. Sept. Unter den hiesigen Kindern sind die M a s e r n ausgebrochen. Die Kinder im vorschulpflichtigen Alter sind bis jetzt mehr verschont geblieben, dagegen fehlen achtzig Prozent der Schulkinder beim Unterricht. Die Schule wurde daraufhin für acht Tage geschlossen. Die Krankheit tritt sehr heftig auf, sie beginnt mit Husten, Erbrechen und Müdigkeit. Die Kinder liegen anfangs mit über 40 Grad Fieber darnieder, dann aber nimmt die Krankheit einen normalen und guten Verlauf. Kreis Büdingen. ow. Ober-Widdersheim. 9. Sept. Die durch den Tod des langjährigen Postagenten Louis Geist erledigte hiesige Postagentur wurde seinem Sohn, dem Landwirt Ludwig Geist dahier, übertragen. pw. Stockheim, 8. Sept. Am vergangenen Samstag hielt der hiesige Turnverein im benachbarten Effolderbach einen wohlgelungenen Werbeabend ab. Der Zweck dieses Abends sollte sein, den früher schon bestandenen Turnverein Effolderbach wieder ins Leben zu rufen. Rach der Begrüßung des ersten Vorsitzenden, Lehrer H ö l z i n g e r, der auf den gesundheitlichen Wert des Turnens hinwies, wickelte sich ein Wechselreiches Programm ab. Keulen-, Freiübungen und Volkstänze der Turnerinnen, sowie unvorbereitete Freiübungen, Darren- und Pferdturnen der Turner zeigten einen Ausschnitt aus dem großen Gebiete des deutschen Turnens. Sm Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag des Werbewartes des Vereins, Willi K e i d e l, der ein rechtes Bild von dem Gemeinschaftsgedanken und von der Vielseitigkeit der DT. gab. Rach dem Schlußwort des ersten Turn- warts, Dr. med. ©iegert, und einem dreifachen „Gut Heil!" auf die Deutsche Turnerschaft und den wieder zu belebenden Turnverein Effolderbach fand der Abend einen würdigen Abschluß. Möge es dem rührigen Turnverein Stockheim gelungen sein, den neuen Verein wieder auf die Höhe von einst zu bringen. i. Babenhausen, 9. Sept. Der im benachbarten Bellmuth von einem Pferde getretene alte Mann ist nach der Operation in der Klinik zu Gießen seinen schweren Verletzungen erie gen. Kreis Schotten. □ Laub ach, 8. Sept. Sn diesem Herbst werden es 55 Sahre, daß Graf Friedrich zu Solms-Laubach in Gemeinschaft mit der „Sch bin gefahren, Suft.“ „Tram?" — Er streichelte unterdessen ihre fahrigen Hände und zwang sie zwischen den seinen zur Ruhe. „Sch habe mir ein Auto genommen." „Richt möglich!" Sein Lachen klang knabenhaft übermütig durch das Zimmer und die Freude, mit welcher er sie an sich drückte, war so impulsiv, daß sie ratlos in seine strahlenden Augen sah. „Warum lachst du, Suft?“ „Weil du eine solche Verschwenderin wirst", er lachte wieder und drückte, auf der Lehne ihres Stuhles sitzend, den Kopf der völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Frau an seine Schulter. „Liebe Mama, wie kannst du dich auch nur einen Augenblick mit dem Gedanken tragen, ich würde in einem Auskunftsbureau nach der Vergangenheit meiner Braut forschen. Denk doch nur, wenn sie davon erfährt." — »Aber es geht doch um Dein ganzes Lebensglück, Suft. Wenn es nach mir ginge —“ „Muht du dich denn ewig sorgen, Mutter", unterbrach er sie, streichelte ihr Haar und küßte sie auf die Wange. „Du bleibst jetzt bei mir, und zwar hältst du dich hier in diesem Stuhle ruhig. Sch mache dir inzwischen einen dicken Mokka.“ „Keinen dicken", sagte sie ängstlich. „Dann einen dünnen, Muttchen! — Du sollst dich stillhalten“, zankte er, als sie nach den Zündhölzern greifen wollte, die auf dem Tische lagen. Er klingelte, ließ Wasser bringen und goß es in die weihe Glaskugel, unter welcher er ein Spiritusflämmchen aufslackem lieh. „Hast du nicht Sorge, daß das einmal splittert?" Sie verfolgte gespannt die Perlenbildung auf dem Boden. »Hab' keine Angst, es splittert nicht", beruhigte er und schüttete den feingemahlenen Staub in den Trichter über der Oeffnung. Duft zog durch den Raum. Die Geheimrätin begann sich $u beruhigen. Die Glaskugel war nicht in Trümmer gegangen und Suft hatte sich beim Füllen der Tassen nicht die Finger verbrannt. Sie vergaß, daß ihr der Sohn nur noch zum Teil gehörte, daß eine Frau jetzt zwischen ihr und seinem Leben stand, und daß sie diese Frau niemals als Tochter anerkennen wollte. Draußen hatte sich mit viel Lärm ein Augustgewitter entladen. Franke zog die Vorhänge über die Scheiben, so daß nur noch das gleichmäßige Aufschlagen der Tropfen auf dem Blechsims zu hören war. Ab und zu sah man einen matten Schein leuchten und vernahm schwaches Rollen, das über die Dächer hinzog. _ Wenn es immer so sein würde! Ommer so, wünschte die Geheimrättn, glückdurchzittert. Sah ihren Einzigen, wie er den Rauch [einer Zigarve Stadtverwaltung das im Sahre 1922 wieder aufgehobene Gymnasium begründet hat. Sm Hinblick auf diesen Gedenktag hat der Vorstand der Vereinigung ehemaliger Lehrer und Schüler des Gymnasiums „Fridericianum" durch Umfrage festgestellt, daß die Mehrzahl der Mitglieder gewillt ist, dieses Ereignis durch eine Wiedersehensfeier, die für den 27., 28. und 29. September vorgesehen ist, in Laubach festlich zu begehen. Die Festordnung verspricht einen harmonischen Verlauf der Feierlichkeiten. V" Gedern, 9. Sept. Aus dem Gemeinderat: Das Finanzamt Ridda will hier keine Sprechstunden mehr abhalten lassen, da die Reisekosten nicht mehr vergütet werden. Da diese Sprechtage für die Devöllerung vorteilhaft sind, soll die Gemeinde die Reisevergütung vorlegen, sich vom Finanzamt aber ermächtigen lassen, die Beträge von den Sntereffenten wieder einzuziehen. Sollte dies nicht genehmigt werden, dann sollen Gedem und Oberseemen für den Betrag aufkommen. — Da die Felddieb stähle in letzter Zeit sehr zugenommen haben, sollen künftig die Hamen der erwischten Felddiebe in der Zeitung veröffentlicht werden. — Sm übrigen beschäftigte sich der Gemeinderat mit einer ganzen Reihe kleinerer Vorlagen. Kreis Alsfeld. M- Alsfeld, 8. Sept. Die Ekkehard- Spiel s ch a r erschien in der vergangenen Woche auf ihrer Rundreise auch in Alsfeld mit einer ganz neuen Spielfolge und bot im großen Saale des „Deutschen Hauses" einen Volkskunst- abend mit Sing- und Sprechchören, Kammermusik, Mysterienspielen, Volkstänzen. Die Veranstaltung erfreute sich eines außerordentlich guten Besuchs, die Darbietungen waren hervorragend und von einer Vielseitigkeit, die jeder Geschmacksrichtung Rechnung trug. Auch auf dem Gebiet der Leibesübungen zeigte die Schar in den Volkstänzen Tüchtiges. — Schon am Abend darauf fand in ganz ähnlicher Art eine Veranstaltung des Vereins für das Deutschtum im Ausland in Form eines Kärntner-Abends statt. Eine. aus jungen Lehrern und Lehrerinnen aus Klagenfurt bestehende Su- gendgruppe zeigte einen heimischen Volkskunstabend, der einen guten Eindruck in das kernige Volksleben der deutschen Brüder in der Südmark gewährte. Volkslieder, Volkstänze, Dialektdichtungen und die Vorführungen von Kärntner Spielen folgten in bunter Abwechslung. Der stürmische Beifall war wohlverdient. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Alsfeld, Studienrat Dr. Berg, eröffnete den stimmungsvollen Abend mit einer entsprechenden Ansprache. Auch diese Veranstaltung erfreute sich eines recht guten Besuches. Kirche und Schule. Kirchen-Zubiläum in Annerod. * Annerod, 8. Sept. Am gestrigen Sonntag feierte unsere Filialgemeinde Annerod das 50jährige Bestehen ihrer jetzt wieder neu hergestellten Kirche. Sm festlichen Schmuck nahm das Gottesbaus vormittags um 10 Uhr Gäste von nah und fern zum Festgottesdienst auf. Selten schön in Bauart und Snnenschmuck ist die Kirche zu Annerod. Dem Gemeinderat und dem Kirchenvorstand mit seinem Pfarrer gebührt Dank dafür daß die Herstellung zum 50. Geburtstag erreicht und auch vollendet worden war. Formen und Farben der Snnenausstattung stehen in trefflicher Harmonie zueinander, besonders religiös-stimmungsvoll ist der Chor durch Kirchen- maler Kienzle aus Darmstadt ausgemalt worden. Sn leicht bewölktem Himmel leuchten Sonne und Sternlein, an den Wänden strebt stilisiertes Weinlaub um die Chorfenster empor, über dem Triumphbogen steht das truhige Pauluswort: „Sst Gott für uns, wer mag wider uns fein.“ Römer 8,31. vor sich aufsteigen ließ und gewahrte den sehn- suchttg geweiteten Blick seiner Augen. Da verflog der Spuk. Alles wurde wieder zur Wirklichkeit. Die Angst um ihn, der n ederströmende Regen draußen, der so grau vom Himmel herabfloß und in glucksendem Schwall von den Dachrinnen nach den Abflußrohren hinunte^urgelte. Franke verschwendete all seine Beredsamkeit, aber sie bestand darauf, nach Hause zu fahren' Richt einmal den ärgsten Regenschauer wollte sie abwarten. Er muhte ihr den Willen tun, telephonierte nach einer Autodroschke und schlüpfte in seinen Mantel. Sie wollte nicht, daß er mit- kam. Als er aber darauf bestand, sie wenigstens bis an ihre Wohnungstüre zu bringen, sprach sie nicht mehr dagegen. Eine halbe Stunde später stieg er wieder die Treppe zu seinem Sunggesellenheim hinauf, unlustig, von einer lähmenden Depression erfüllt, für die er keinen Grund anzugeben wußte. Es hing etwas in der Luft, etwas unausgesprochen Beängstigendes. Er horchte auf das Geprassel, das draußen mit unverminderter Stärke gegen die Scheiben schlug, ging nach seinem Sprechzimmer hinüber und setzte sich an seinen Schreibtisch, lief wieder zurück und suchte nach einem Briefe, der am Morgen gekommen war, aber er fand sich nirgends. Er knüllte eine Rechnung, die zum Versand fertig dalag, zusammen und warf den Knäuel gedankenlos auf den grünen Filz der Platte. Da Helene in Rottach-Berghof war, konnte er auch nicht zu ihr nach Harlaching hinausfahren, um den Abend in ihrer Gesellschaft zu verbringen. Das wäre das beste Heilmittel für feine Unruhe gewesen. Er ging nach dem Korridor, nahm seinen Mantel vom Haken und schloß die Flurti're ab. Er mußte jetzt Menschen um sich haben! Diele Menschen! Das Alleinsein war zwecklos. Die Gedanken wucherten dabei wie Unkraut. Und wenn man anfing es auszureißen, schoß ein Dutzend und mehr an derselben Stelle wieder nach. Er lief nach der Haltestelle und schwang sich in den nächsten stadteinwärtsfahrenden Wagen. Morgen wollte er nach Rottach-Berghof hinaus- fahren, um dort sein hämmerndes Blut zur Ruhe zu bringen. Olm Stachus verließ er seinen Eckplatz in der Elektrischen und tauchte im Gewühl der Menge unter, die ihn bereits wenige Minuten später spurlos verschlungen hatte. „Sie wollen also heiraten, liebe Helene." Aver- son saß in dem großen Speisezimmer auf Rottach- Berghof und breitete die Damastserviette über die Knie. Sie rutschte, fiel und blieb unbeachtet Sn diesem schönen, mit Blumen geschmückten Kirchlein, von dessen Turm die Kirchenfahne grüßte, nahmen die Zuhörer mit großem Snter- esse all das auf, was im Festgottesdienst folgte. Sm Auftrag der oberen Kirchenbehörde sprach Dekan G u ß m a n n und überbrachte deren Grüße. Sn kernigen Worten redete er über den Text: Offenbarung Sohannes 21,3 und betonte, daß man auch fernerhin treu zur Kirche halten solle, wie's einst die Alten taten in Zeit und Rot. Die Festpredigt hielt der Ortsgeistliche Pfarrer Bönning aus Rödgen über Psalm 26,8: Liebe zur Kirche, eine ehrende Erinnerung an die Vergangenheit, ein tapferes Bekenntnis für die Gegenwart und ein heiliges Gelöbnis für die Zukunft. Die aus Kirchenkonzerten von Gießen her bestens bekannte Konzert- und Oratorien- fängerin Käthe Gärtner brachte mit ihrer umfangreichen, warmen Altstimme sinnig ausgewählte und unter Begleitung von Orgel und Violine wirkungsvoll vorgetragene Sologesänge von Bach und Beethoven zu Gehör, die mit großem Sntereffe ausgenommen wurden. Sn all ihren Liedern, besonders den beiden Stücken „Sofua" und „ Arioso" von Händel, zeigte es sich, daß die Künstlerin tief imierlich-seligiöses Empfinden mit technischem, musikalischen^Können vereinbart. 8tud.tIreoI. D o lz, der die Diolinbeglei- tung zum Gesang übernommen hatte, wußte sich vorzüglich anzupassen und erhöhte durch die Feinheit seines Spiels den Wert der Händelstücke. Lehrer Hotz, dem nichts zu viel war, gab als Organist und auch als Begleiter sein Bestes und wurde allen Anforderungen gerecht. Rein und exakt erklangen die Chöre des Mannergesangvereins Annerod unter der vortrefflichen Leitung feines Dirigenten Ph. Groß. Daß das besonders schöne Lied: „Was schimmert dort auf dem Berge so schön...“ die Gemeinde ebenso wie damals vor 50 Safjren bei der Einweihung so freudig bewegte, soll nicht unerwähnt bleiben, älnb frisch und lebendig trug der Posa unen- chorvonGroßen-Buseck unter der Leitung von stud. mach. R.Kalbhenn seine Weisen vor. Sn der R a ch m ittagsfeier sprach Missionar PH. Schäfer, ein Anneröder, zu den Kindern schön und verständlich und erzählte au8 dem Leben eines bedeutenden Missionsmannes, der einst auch ein schlichtes Dorfkind gewesen. Der Ortsgeistliche bot an Hand von alten Akten. Aufzeichnungen und Kirchenbüchern einen interessanten Dortrag über Werden und Wesen von Dorf und Kirche Annerpd. Sm übrigen stellten die obengenannten Kräfte wiederum ihr schönes Können in den Dienst der guten Sache. Außerdem erfreute noch ein Streichquartett, bet stehend aus den Herren Ph. Groh (Dioline), Oberrealschüler Lotz (Dioline), Lehrer Schneider aus Dettenhausen (Cello) und Lehrer Hotz (Orgel) durch den schönen Dortrag des „Largo" von Händel und „Caro mio ben" von Giordani, während die erste Schulklasse rein und ton- sicher unter der Leitung von Lehrer Hotz (für den verhinderten Lehrer Müller) die Feier beschloß mit ihrem Lied von Kirche und Kirchen- glocken. Das Schlußwort mit Dank an alle Mitwirkenden und das Gebet sprach der Ortsgeistliche. Eine reiche Kirchen- und Hauskollekte, sowie die Stiftung einer feinen Altardecke und selten schöner Altargeräte gaben Zeugnis von der Opferwilligkeit auch der einzelnen Gemeindemitglieder. Es war alles in allem eine erhebende Feier. Aus dem Amtsverkündigungsblati. Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 68 vom 9. September enthält: Reichstagswahl 1930. — Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebieten. — Falsche Rentenbankscheine. — Straßensperre-Aufhebung. — Siedlungsmöglichkeiten im Deutschen Reich. — Ergebnis der Hauptkörung 1930. als schneeiger Flecken auf dem Teppich liegen. „Sch bezweifle sehr, ob Dr. Franke der rechte Mann für Sie ist." »Rch, lieber Direktor, wenn es nach Shnen ginge —" „Meine liebe Helene", unterbrach er sie. „Sie tvollen damit sagen, daß es dann überhaupt keinen passenden Mann für Sie gebe! Möglich! 2Iber nicht zu verwundern! Shre Heirat zerschlägt meine letzte Hoffnung, Sie jemals mein zu nennen. Aber damit Sie sehen, daß ich troh- dem nicht aus reinem Egoismus einer Verbindung mit Dr. Franke entgegen bin, will ich Shnen das hier zum Geschenke machen." Er überreichte ihr dabei die Urkunde, welche die Löschung ihrer Hypothek enthielt. Sie war für einen Augenblick fassungslos, hielt das Blatt zwischen die Finger geklemmt und sah an ihm vorüber. „Das kann ich unmöglich annehmen.“ „Warum nicht, Helene?" Sie nagte an ihrer Unterlippe und blickte immer noch an ihm vorbei. „Ein Mann schenkt einer Frau nicht so ohne weiteres vierzigtausend Mark." „Sie vergessen, Helene, daß ein Mann, der liebt, alles zu geben bereit ist." „Sch kann Shnen aber nichts dafür schenken", schnitt sie ihm die Rede ab. „Sch habe Sie sicher gerne, wirklich gerne, lieber Averson." „216er Dr. Franke hat mir den Rang abgelaufen", sagte er ergeben. „Lassen wir s also! Sch trete vom Schauplatz ab. — Vorläufig wenigstens." Eine gewisse Angst erwachte in ihren Augen. „Was soll bas heißen?" — „Liebe Helene!" — „Was das heißen soll?“ unterbrach sie ihn. „Daß ein Ahnen in mir lebt, welches mir sagt, daß Sie mich noch brauchen werden, Helene." Sie erblaßte bis in die Lippen hinein. „Sie können immer auf mich zählen! Ommer!“ bekräftigte er, sah ihren Blick starr auf sich gerichtet und ließ die Lider zur Hälfte über die Augen fallen. Sn diesem Moment fürchtete ihn die Diva. Wußte er etwas? — Und wieviel? — Alles? Oder nur einen Bruchteil dessen, was ihr die Rächte so beängstigend lang und ihre Tage so bleiern schwer machte? Ohr war, als säße da ein Tier, das nur auf den günstigsten Moment wartete, ihr seine Krallen ins Genick zu schlagen« Sch tue ihm Unredjt, schämte sie sich, als sie Aversons Blick so voll ehrlicher Liebe auf sich gerichtet sah. Er meinte es sicher nur gut. Vielleicht paßte sie wirllich nicht zu Oust. Aber schließlich hielten ja die Ehen letzt nicht mehr so eifern fest wie früher. ' y * < Fortsetzung folgt) Kreuzplafz Oer Wohnungsbau in Hessen 1930. WÄR. Die monatliche Berichterstattung der amtlichen Statistik über die Bautätigkeit in den hessischen Städten wurde neuer» d>ngs auch aut Gemeinden mit 10 000 bis 50 000 Einwohnern ausgedehnt, nachdem vorher nur die Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern ersaht worden waren. 3m 3ahre 1929 entfielen von den durch Wohnungsneubau in ganz Hessen entstandenen 7235 Wohnungen weniger als ein Drittel, nämlich 2285 aus Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern. Da- Schwergewicht de« Wohnungsbaus in Hessen liegt In den (igeni- lichen Arbeiierwohn- und Dorvriacmemdcn. Seifen ungeachtet darf man annehmen, dah die monatliche Statistik der Bautätigkeit der Gemein, den mit über 10000 Einwohnern in ihrer zeit- Uchcn Entwicklung doch einigermahen der Entwicklung der allgemeinen Bautätigkeit entsprechen wird. 5n den ersten vier Monaten des Jahres 1930 wurden Bauerlaubnisse erteilt: Januar 27. Scbruar 23, März 58. April 36. Bauten begon- nen wurden. 14, 41, 61, 3*3. HerAggcstellt wurden Wohnungen in den Dergleichsmonaten: 77, 285. 184 . 67. Man sieht auS der Differenz bet nachgesuchlen Bauerlaubnisse und der fertig- ?tfteilten Bauten deutlich, dah noch ein erheb, icher Teil der zu Ansang 1933 erbauten Wohnungen auf das Bauprogramm des Jahres 1929 entfällt. Aus der Zahl Der Bauerlaubnisse sind gewisse Rückschlüsse aus die Entwicklung des hessischen Baumarktes möglich Oie'Mieten in staatlichen Gebäuden. Der hessische Finon-mtnister hat in einem an sämtliche hessischen Staatsbehörden gerichteten Rundschreiben angeordnet, dah in allen Städten und Gemeinden, in denen eine Erhöhung der gesetzlichen Miete erfolgt ist. diese Erhöhung auch bei der Berechnung der Mieten für die Dienst, und Mietwohnungen in staatlichen und vom Staat gemieteten Gebäuden. Schulhäuiem ufw. zu berücksichtigen ist. Die D'.enstwohnungsoergutung und die Mieten für Beamtendienst Wohnungen find nach den Hundertfötzen zu berechnen und von den Beamten zu erheben, die von der obersten Landesbehörde für die dem Reichsmietengesetz unterliegenden Räume festgesetzt werden 5ur die Berechnung der Dienstwohnungsvergütung besteht eine Höchstgrenze, die sich nach dem Betrag des dem Beamten zustehenden Wohnungsgeld- zufchusseS richtet. Kirche und Schute. OelanatSkonserenz in Gießen. X Ein« Dekanatskonserenzderevan- gelischen Geistlichen des Dekanates Dietzen tagte am Dienstag im Markusfaal zu Dietzen. Dekan D u h m a n n . Kirchberg, eröffnete sie mit Schriftlefung und Debet und machte verschiedene amtliche Mitteilungen. Darauf hielt Pfarrer Staubt. Lich, einen Dvrtrag über den Zweck des evangelischen KreiS- wohlfahrtSdienstes. Dieser will den Weg des Menschen zur GotteSgemeinschast freimachen. AuS der Rot der Zeit geboren, will er die Liebestätigkeit innerhalb deS Kreises unter Be- I Nutzung der neugefchassenen Gesetze zusammen- I salsen: sie verteilt sich auf die Gebiete der Wirt- I schasts-, Gesundheits- und SrziehungSfürforge. Unterabteilungen find der soziale Dienst: Arbeitsvermittlung. Strasgesangenenfürforge und Strafentlassenensürforac. AuSwandererfürforge. Stedlungsfrage: im Iugenddienst mutz auch die Jugendfürsorge vertreten sein und das neue Schankstänengefev seine Auswirkung finden: hin- zu komme Trinkerfürsorge. Zrauendtenst. Volks- mifsions- und Pressedienst Eine Einheitsfront soll so auf evangelischer Seite geschaffen werden Der Dienst ist Heiserdienst für die evangelischen Demeinden: die nötigen Mittel find aufzubringen durch die Dekanats kaff en. Äirdbenfa’ en, auch Sinzelm itglieder, ebenso durch Vertrieb von Wohlfahrtsmarken und Gaben aus Anlatz von Bor- trägen In Giehen-Stadt ist Pfarrer B e d e r. in Dietzen.Land Pfarrer Draudt Leiter des evangelischen Kreiswohlsahrtsdienstes. An den beifällig ausgenommenen Bortrag fchlotz sich eint rege Aussprache an. Vorschläge für einen 2r- beitsausschuh wurden gemacht. preutzen. flreie Wetzlar. x. p. Odenhausen erläuterte in der junasten Sitzung der Amtsvertretung die Sachlage. Rach ■ che wurde folgender Bclchluh gesahl^ „Die Amtsvertretung bedauert austerordent- lich den Beschluh der Regierung. Sie bittet, von einer kommissarischen Besetzung der Bürgermeister, stelle vorläufig Abstand zu nehmen und die Verwaltung einem benachbarten Amt zu übertragen, bi» die endgültige Regelung wegen der Besetzung der Stelle durch einen ehrenamtlichen Bürgermeister er- folgt ist' S» wurde von der Versammlung eine Kommission von drei Herren gewählt (c d) d • fer - Groh Altenstädlen, Schaub- Oberlemp und Brück- Erdal, die erneut mit der Regierung wegen der Besetzung der Stelle durch einen ehrenamtlichen Bürgermeister verhandeln soll. $ (Erba, R. Sept. Gestern mittag zog ein kurzes, schweres Gewitter über unten Dors Dabei schlug der Blitz in den Trans» f o r m a t o r ein und zertrümmerte ihn so stark, hast erst Ersatz von Marburg herdeigeschasst werden muhte. Bis abends gegen 10 11 br waren sämtliche Häuser des DvrseS ohne Licht _ _ ■ ■ -Gestelle in neuesten Formen und allen Größen Modehaus |M 1^ S -Seiden, Satin, in allen Farben, auch gemustert Lol I I III I I I "Zu*aten' w'e Kordel, Fransen, Quasten, Batist usw. schuistr.Be 4 " " ■ ■ ■ ■ ■ ■ " -Anfertigung in eigenem Atelier schnellstensl w?a Wahlverfammliinü Donnerstag, den 11. Sept., abends 8*4 Uhr, fprechen im Cafö Leib Prof. Dr. Koch, (rieben, u. Lehrer W. Greb, Mainz über: . 62440 Soll Mailand unlefijehen? Zur Deckung der Unkoften werden 30 Pfennig Eintritt erhoben. (MIL- Sozialer VoIhsdienljlEvan^. Bewegung), OrtsgmoDe Gießen, Statt Karten! Ihre Vermählung zeigen an Hans-Friedrich Lenz, Pfarrer Lenore Lenz, geb. Waas Münzenderg Gießen io. September 1930 6251D Tanz - Unterricht! Unsere diesjährigen Winter-Kurse beginnen Ende September. Gefl. Anmeldungen zu jeder Tageszeit Tanz-Institut Bäulke Wolfstrabe 21. 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Bei allen selbstverständlichen Dorsichtsmaßnahmen hygienischer Natur sollten wir e» vermeiden, be» Kindes Aufmerksamkeit zu stark daraus au lenken. Wo auf jede» Hinfallen ober Sichstoßen eine» Kindes mit allzu liebevoller HilfSbereillchaft unb weichlichem Mitleib reagiert wirb, schaben wir dem Kinde. Wir wollen nicht zu Abhärtung»» sanatikem werden — warum sollen wir nicht voll Warmherzigkeit ein schmer-leidende» Kind verständnisvoll an uni drücken? — aber kein übertriebene» Aufheben darf davon gemacht werden. Die Mutter gebe Rückhalt, Hilfe, nie aber zeige sie Wehleidigkeit unb Angst. Diese mütterliche Angst, welcher Arzt, welcher Zahnarzt weiß bavon nicht ein Liedchen zu singen. Mütter, die ihrer selbst nicht sicher sind, sollten nie bei ärztlichen Untersuchungen und Verrichtungen anwesend sein. Man bedenke aber, baß nicht nur eine birelt geäußerte Angst auf Kinber wirkt, fonbem auch die scheinbar unterdrückte, die durch den GesichtSausdruck suggestiv auf das Kind zu wirken vermag. Eine große Anzahl von Kindern — meist sind cS solche, die besonder» liebebedürstig sind — betont in Gegenwart der besorgten Mutter bie Schmerzempsind« lichkeit, um bamit Mitleid zu erzwingen. Auch bie Freube am Quälen ber Mutter, ber Wunsch, ihr einen Schreck zuzufügen, kann bei weh- leibigcm Verhalten eines Kinbes mitsprechen. Wie häufig verursachen aber auch bie Mütter selbst unliebsame Zwi'chenfälle, bie sich im Kinderzimmer ereignen. Statt bie Dinge, bie da» Kind nicht in bie Hände bekommen soll, au» seiner Reichweite zu bringen, sei es nun eine kostbare Dase, seien es bie Streichhölzer ober eine Flasche mit Benzin, statt solche Sachen zu entfernen, geht man fahrlässig bamit um. Statt vordebachte Umsicht zu üben, gerät man bann in einen nachträglichen Angstanfall — benn wa» hätte nicht geschehen können! — unb läßt seine Nervosität am Kinde aus. Wer kennt nicht Kinder, bie ihren Müttern Krankheiten vorzutäuschen suchen? Mancher kleine Drückeberger operiert hier mit Ersolg, wenn er sich einmal von ber Schule brücken will. Der Zweck be» Simulieren» ist durchaus nicht da» Schlimmste, sondern bie Tatsache, baß bas Kind verschiedenen Rezepte, unter denen jede sich da» auSwählen mag, was ihr besonders gefällt Gier in den Tomaten. Feste große Tomaten höhlt man aus, salzt die Tomaten leicht innen, streut sie dick mit geriebenem Käse au» und schlägt in jede Tomate ein gut verquirltes Ei. Die Giertomaten kommen in den Ofen, bi» der Eierinhalt gestockt ist. In dieser Zeit röstet man rundauSgcftochene Brotscheiben. Die Tomaten werden auf diesen Brotscheiben angerichtet. zu ihnen reicht man grünen, mit Sahnesauce angemachten Salat. Eiererbsen. Junge, -arte Erbsen schmoren kurze Zeit in Butter mit wenig Salz. Prise Pfeffer unb Zucker mit einem Löffel Fleischbrühe weich. Wenn sie gar sinb, quirlt man mehrere Gier schaumig unb wiegt etwa 100 Gramm gekochten Schinken gröblich, beides kommt an die fertigen Erbsen, bie man bamit burch- schüttelt, bi» bie Eier gestockt sind. Die Gier- erbten müssen sofort aufgetragen werden man bestreut fie mit gewiegter Petersilie und gibt Bratkartoffeln dazu. Tasfenreis mit Tomaten. 200 Gramm Rei» röstet man mit einer Zwiebel in Butter rasch durch, füllt Gemüsebrühe oder Fleischbrühe darüber und läßt ihn dick ausquellen, worauf man ihn mit mehreren Coffein geriebenem Käse durchmischt, sofort in vorher umgespülte kleine Taslenköpse druckt und diese aus eine heiße Schüssel stürzt. Inzwischen hat man ganze Tomaten in etwas Butter gar gebraten, auf jede gestürzte Reisform legt man eine gebratene Tomate. Um bie Speise legt man einen Kranz feinstreifig geschnittenen Schinken. Heiße Käsebissen für ben Abenbtisch. Toastschnitten werden in Butter auf beiden Seiten leicht angerofiet Inzwischen schneidet man 150 Gramm Chesterkäse in schmale Streisen, gibt sie mit drei Eßlöffeln Milch, 30 Gramm Butter, wenig Mostrich und einer Prise Pfeffer in eine Pfanne, in welcher man ihn zu dicker Kreme rührt. Diese wird rcllch auf bxe heißen fertigen Toastschnittcn gestrichen, welche bann sofort aufgetragen werden müssen. Verhüllte Brühwürstchen. Aus einfachem, aber lockerem Eierkuchenteig bäckt man kleine, dünne Eierkuchen. Inzwischen hat man kleine Brühwürstchen in siedendem Wasser gar- ziehen lassen, jede» abgetropfte Würstchen wird bereit» die schwacheStelle feiner Tlut* I er durchschaut unb sie sich dienstbar zu machen weiß. Die Beurteilung de» wirklichen Ge- sundheit-zustanbe» tpirb dadurch erschwert, vor allem aber erzeugt bie mütterliche Ucberängft- lichkctt viellach eine Hypochondrie, bie von schädlichster Nachwirkung sein kann. Die Mahnung: Gehe nicht an Kinder heran, die einen Schnupsen haben", kann, wo sie auf einen gün< ftigen Boden fällt, zur stark behindernden Angst« erfchcinung werden. Wie wir un» hüten müssen, ein Kind wegen unterer Bazillensurchi von an* deren abzufondern, so Dürfen wir auch in bezug au! eine feelllche Ansteckungsgefahr nicht zu vorsichtig lein. K,nder gehören unter Kinder. sie müssen lernen, sich unter anderen zu» rechtzusinden. Je früher ein Kind sich daran gewöhnt, für sich selbst einzustehen. ohne daß Erwachsene sich einmischen, desto besser ist die- für leine Entwicklung Darum — e» sei nochmal» gesagt! — fort mit der falschen Angst au» dem Kinderzimmer! praktische Winke. Warum krumm und schief? Ob Sommer, ob Winter, da» Strickkleid ist zu jeder Jahreszeit al- wärmender Zwischenanzug gleich beliebt. Einen Fehler hat es nur — bie mehr oder weniger lose verarbeitete Wolle ist für Staub und Schmutz empfänglicher al» jede» andere Gewebe. G» muß also häufiger gereinigt werden. Wie wäscht man e» nun zu Hause, ohne baß e» nach dem ersten Bab Sorte unb Form verliert? Hierzu gehört vor allem eine sorgsame Vorbereitung be» -u waschenden Stücke». AuS dem Flickenkasten werden einige sogenannte Kräu» seltücher hervorgefucht, Batist- ober feine Leinenreste, und zwifckxn Aermel, Dorder- und Rückenteil, in bie Taschen und Aermelaufschläge und zwischen die Rockteile gelegt. Diese Äräufcl» tücher verhindern das Durchbrücken der Farbe und halten gleichzeitig da- dehnbare Gewebe in Form. Nun bereitet man eine schwache, lauwarme Perslllauge. taucht da» Strickkleid vorerst in lauwarme» llare» Wasser, damit e» baS Seisenwasscr gut aufnimmt und drückt c» dann unter Vermeidung jeglichen Reiben» in der Lauge gut durch. Nach mehrmaligem Spülen in klarem Wasfer wird e» möglichst ohne Ausdrücken, wa» doch nicht ganz gleichmäßig erfolgt, auf einet? harten Unterlage in die richtige Form gebracht und mit allen Einlagen getrocknet. Der Trockenprozeß dauert etwa» länger, man hat aber hinterher die Freude, daß nach dieser Behandlung da» Stricklleid wie neu auSsieht unb nichiM von seiner Farbe und Form eingebüßt hat. Vackrcgcln. Zum Einfetten der Formen für Pudding und Kuchen sollte man immer reine Butter verwenden Ist die Butter so hart, daß sie sich nicht streichen läßt, kann man so viel, wie man gerade braucht, auslassen. Darf aber auf keinen Fall die heiße Butter zum Bestreichen verwenden, sondern erst die abgekühlte. Um baS Dackgut besser stürzen zu können, ist zu emp- fehlen, auf die Butter Sernmelbroscl zu tun. — Hefeteig soll nie in der Form erkalten. Sobald er aus dem Dackosen genommen ist, muß er gestürzt werden — wenn gewünscht, mit Zucker bestreut — und zugedeckt auSkühlen lassen. — Für Schokolade-Torten darf bie Schokolabe nie gerieben werben, sonst wirb die Torte grau. Sie muß mit Wasser ober schwarzem Kaffee warmgestellt werben, bi» sie zergangen ist. — Die gleichmäßige inbirekte Wärmezusuhr in elektrischen Brat - unb Backapparaten gestattet gleich-eilig bie Herstellung ganzer Miitagsgcrichte, bestehend au» Suppe. Gemüse. Fleisch. Kartoffeln und Nachtisch. Zu beachten ist. baß niemals Kuchen zusammen mit offenem Braten hineingcstellt werben barf, ba Backware sehr leicht ben Fleischgeruch annimmt. — Pudding». Aufläuse und dergleichen können in einen kleinen Eierkuchen eingerollt. Diese beträufelt man leicht mit Butter unb bestreut sie mit geriebenem Käse. Zu ben verhüllten Würstchen gibt man grünen ober warmen Kartoffelsalat. Gurkengericht. Salatgurken schält man, hobelt sie nicht -u fein, gibt fie in 50 Gramm heiße Butter, schmort fie barin unter Schütteln burch. gibt einige Löffel saure Sahne baran unb schmort fie in kurzer Zeit gar. Da» Gemüse wirb mit etwa» Monbamin bündig gekocht und ganz kurz vor bem Aufträgen mit reichlich gewiegtem Dill gewürzt. Da- Gurkengemüse kommt in die Mitte einer Schüssel, c» wirb mit gehacktem Schinken bestreut, ring-herum kommt ein recht schaumig geschlagener Kartofselbrei. erwirb mit geriebenem Käse bestreut unb mit halb hart gekochten Eiervierteln garniert. D i e schnelle Schöne. Eine halbe geschälte Lalatgurke, drei Tomaten unb ein geschälter Apfel werden gebraucht alle drei genannten Dinge schneidet man in Scheiben, bräunt sie und schmort sie in Butter in kurzer Zeit gar, macht mit ihnen zuletzt frische ausgeschälte Krabben (Garnelen, Granat) heiß; kochen dürfen sie nicht, weil sie sonst Han toerben. Die schnelle Schöne muß sofort angerichtet werden, fie wird mit Spiegeleiern belegt und mit kleinen gebratenen Kartoffeln umkränzt. Bunte Gemüsefchnitten. Rund auS- aestochene Weißbrotschnitten muß man in Butter lichtbraun rösten, vorher hat man Pilze in Butter, etwa- Zitronensaft, geriebener Zwiebel und gehackter Petersilie gargcfchmort und dicke Tomatenscheiben in Butter gebraten. Jede Weißbrotschnitte wird erst mit gedünsteten Pilzen bedeckt, auf die man Tomatenscheiben legt, woraus man obenauf ein Spiegelei gibt. Der Schmor» saft der Pilze unb Tomaten wird jufammen- gegoffen, geounben und als Sauce über die bunten Schnitten gegeben. lasche Lendenscheiben. Eine SchweinS» lende schneidet man in Scheiben, brät diese in "Butter rasch an, gibt etwas laute Sahne, die mit viel gewiegten feinen Kräutern vermischt wurde. Darüber unb schmort sie rasch weich. Die Lendenscheiben kommen mit ihrer bündig gekochten Sauce in die Mitte der Schüssel, ringsherum kommt ein Rand von Kartoffelbrei, der mit geschmorten Tomatenscheiben garniert wird. erst im letzten Moment abgebacken werden. Hefeteig dagegen und Eiertorten müssen mindestens drei Stunden vor dem Verzehren erkalten, da sie warm weder verdaulich noch vorteilhaft im Schneiden sind. Das Wäfchespiilen. Nicht nur sachgemäßes Einweichen, Kochen und Waschen macht die Wäsche schön weiß und klar, sondern auch das Spülen ist bei der Wäsche ein wichtiger Faktor. Sehr oft wird gerade auf diese Tätigkeit weniger geachtet, und in solchen Fällen hat die Wäsche immer einen gelblich-grauen Schein. Oft staubt sie, wenn man sie aus dem Schrank nimmt, und fusselt in unangenehmer Weise. — Diese Liebelstände liegen daran, daß nicht alle Seifenteilchen aus der Wäsche entfernt wurden, sondern trocknen und in den Poren des Gewebes sitzen bleiben. Durch sachgemäßes Spülen soll erreicht werden, daß alle Rückstände der Waschlauge schnell und gründlich aus der Wäsche beseitigt werden. — Zweckmäßig ist es daher, soviel als möglich zum Spülen immer gut warmes Wasser zu nehmen und dieses so oft zu erneuern, bis das Wasser vollständig klar bleibt. Wirtschaft. Oie Wirtschaftskrise in Zahlen. Nichts charakterisiert die gegenwärtige Wirtschaftskrise besser, als die Wirtschaftsstatistik. Alle Erörterungen können nur dann nutzbringend sein, wenn sie die amtliche Statistik zugrundelegen. Im folgenden seien deshalb verschiedene Zahlen zusammengestellt, die am besten geeignet sind, die Lage zu veranschaulichen. Seit Herbst 1929 geht die Kohle- und Eisenerzeugung außerordentlich zurück. Sie betrug im Januar d. I. in der Steinkohlenförderung noch rund 14 Millionen Tonnen, sie beträgt jetzt nur mehr 10 Mill. Tonnen. Die Roheisen- gewinnung ist im gleichen Zeitraum um 40 Proz. zurückgegangen, und zwar von 1092 000 auf 750 000 Tonnen. Die Rohstahlgewinnung ging von 1275 000 auf 850 000 Tonnen zurück. Der Produktionsindex der gesamten industriellen Produktion hat um rund 4 Proz. nachgelassen, im Verhältnis zum vergangenen Jahre sogar um rund 7 Proz. Die Ernteerträgnisse lassen ebenfalls einen starken Rückgang erkennen. Die Erträgnisse des Winterroggens sind von 1928 auf 1929 um 1,2 Proz. zurückgegangen, die des Winterweizens um 1.6 Proz., die der Wintergerste um 4,1 Proz. und die der Kartoffeln um 3,5 Proz. Gleiche Rückgänge hat der Viehbestand aufzuweisen. Auch auf dem Inlandmarkte ist eine außerordentliche Stockung eingetreten. Zum Vergleich seien nur die Lims ätze der Warenhäuser herangezogen, die in allen Abteilungen Rückgänge von durchschnittlich 5 bis 8 Prozent aufweisen. Der Zahlungsverkehr drückt am besten die Lage der Wirtschaft aus. 2m Vergleich zum Vorjahre ist der Zahlunasverkehr für das erste Halbjahr beim Geldumlauf um rund 37 Millionen zurückgegangen, beim Postscheckverkehr um 176 Millionen und im Wechfelverkehr um rund 800 Millionen Mark. Der Güterverkehr der Reichsbahn, eines der untrüglichsten Konjunktursymptome, weist einen sehr großen Rückgang auf. Gegenüber dem Vorjahr ist die Menge der von der Reichsbahn beförderten Güter im ersten Halbjahr um rund 200 000 Tonnen zurückgegangen, und zwar ist seit 2anuar dieses 2ahres ein beinahe stetiger Rückgang zu verzeichnen. Demgegenüber sind selbstverständlich auch die Preise von ausschlaggebender Bedeutung. Die Indexziffern der reagiblen Warenpreise sind in diesem Jahre um 12 Prozent zurückgegangen, der Großhandelsindex hat in allen Abteilungen einen Rückgang zwischen 1 bis 2 Prozent aufzuweisen. Dagegen folgen die Lebenshaltungskosten nur sehr langsam. Lim das Bild abzurunden, sei noch darauf hingewiesen, daß der Index der Aktienkurse im Vergleich zum vergangenen Jahre für das erste Halbjahr um 20 Prozent zurück- « ging. Die Zahl der Konkurse ist dagegen für den gleichen Zeitraum um rund 100 Prozent 7 gestiegen. Die Zahl der Wechselproteste hat eine Steigerung um 25 Prozent aufzuweisen. Die Steuereinnahmen des Reiches sind in den ersten Monaten des Jahres zumindest um 10 Prozent, manchmal auch mehr, zurück- aegangew Dagegen ist die Arbeitslosigkeit im Gegensatz zum vergangenen Jahre außerordentlich gestiegen. Oie ArbeitsmarktLage in Hessen-Nassau und Hessen. Lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen-Nassau und Hessen berichtet das Landesarbeitsamt Hessen: Die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hat auch in der zweiten Augusthälfte ungehalten. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist um 3351 oder 1,7 Prozent auf 195 595 gestiegen. Die Zahl der Haupt- unterstühungsernpfänger nahm um 3262 zu (in der Arbeitslosenversicherung um 2135, in der Krisenunterstühung um 1127) und stieg auf insgesamt 119 616. Durch die Zunahme sind besonders stark belastet die Gruppen: Metall-Industrie mit 2028, Steine und Erden mit 950, Bergbau mit 410 und Baugewerbe mit. 174. Eine leichte Abnahme hatten die Berufsgruppen: Lingelernte Arbeiter mit 243, Bekleidungsgewerbe mit 234 und Lederindustrie mit 190. Der Abgang ist vorwiegend auf Fortbleiben der Arbeitsuchenden zurückznführen, die aus der Lln- terstützung ausgeschieden" sind und infolgedessen auch nicht mehr zur Arbeitsvermittlung vorsprechen. * Diskontermäßigung in Oesterreich. Die Oesterreichische Nationalbank hat den Diskontsatz von 5,5 auf 5 Proz. ermäßigt. * Ermäßigung des Zolls für Futtergerste. Durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen und des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 8. September, die am 11. September in Kraft tritt, ist der Zoll für Gerste zur Viehfütterung unter Zollsicherung bis auf weiteres auf 6 Mk. für einen Doppelzentner ermäßigt worden. Die Ermäßigung hat zur Voraussetzung, daß nach Inkrafttreten dieser Verordnung eine der einführenden Menge Gerste entsprechende Menge gekennzeichneten Roggens und Kartoffelflocken von einer vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bestimmten Stelle in einem von ihm festzusetzenden Verhältnis bezogen wird. * Der Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924/26 = 100) stellt sich für die Woche vom 1. bis 6. Sept, auf 104,5 gegen 104,1 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 101,2 (100,6), Gruppe verarbeitende Industrie auf 93,0 (92,8) und Gruppe Handel und Verkehr auf 127,2 (127,0). — Für den Durchschnitt des Monats August ist der Index mit 103,3 gegenüber 110,0 im Durchschnitt Juli ermittelt, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie 99,4 (107,6), Gruppe verarbeitende Industrie 92,2 (99,1) und Gruppe Handel und Verkehr 126,0 (131,0). Herbstmarkt in Nidda. △ Nidda, 8. Sept. Gestern und heute wurde hier der Niddaer He r b st m a r k t, verbunden mit der K i r ch w e i h e, abgehalten. Am Sonntag war nachmittags auf der Gänsweide, dem Marktplätze, Volksfest und Tanzvergnügen in der Turnhalle und in zwei großen Wirtszelten. Trotz der kühlen Witterung war der Besuch des Fest- Platzes sehr stark, wenn sich auch die Folgen der Arbeitslosigkeit bemerkbar machten. Dagegen war der heutige Vieh - und Krämermarkt am stärksten in den letzten fünf Jahren befahren, wozu die Stadtverwaltung durch bedeutende Mittel zur Prämiierung erstklassiger Zucht- und Faseltiere wesentlich beigetragen hat. Der Markt war von den Landwirten und ihren Angehörigen aus der Wetterau und dem südöstlichen Vogelsberg außerordentlich gut besucht. Diesmal waren 219 Bullen, Kühe und Rinder aufgetrieben, darunter wahre Prachtexemplare der Simmentaler und Vogelsberger Rasse, die teilweise bis sieben Wegstunden hierher zurückgelegt hatten. Ferner standen über 10 0 0 Ferkel und einige Zuchteber, sowie über 80 Ziegenböcke und Ziegen zum Verkauf. Der Handel entwickelte sich gut. Bei der von der Landwirtschaftskammer anberaumten Versteigerung von Bullen und Zuchtböcken ging eine größere Zahl in den Besitz von Gemeinden über. Erstere, etwa 16 Monate alt, kosteten zwischen 700 bis 1000 Mark, diesjährige Ziegenböcke Saaner Rasse wurden durch die Landwirtschaftskammer und den Kreisziegenzuchtverein Büdingen gekört und fast alle ebenfalls versteigert. Das Stück kam auf 70 bis über 100 Mark. Die Ferkelpreife waren etwas niedriger, als bisher und auf dem vorigen Markt. Für 6 Wochen alte Ferkel wurden durchschnittlich 19 bis 20 Mark, für 8 Wochen alte 25 Mark, für 10 bis 12 Wochen alte 30 bis 35 Mark bezahlt. Läufer kamen das Stück auf 60 Mark. Gute Milchkühe kosteten 550 bis 600 Mark, trächtige Kalbinnen 500 Mark, zweijährige Rinder 200 Mark, einjährige Rinder 150 Mark. Im allgemeinen waren die Züchter mit den Preisen für Rindvieh zufrieden. Zum Schluß des Marktes wurde eine Prämiierung von Rindvieh und Ziegen in sechs Klassen" vor- genommen, wozu die Stadt und die Landwirtschaftskammer 1000 Mark und hiesige gemeinnützige Verbände, Niddaer Dank, Sparkasse usw., wertvolle Ehrenpreise gestiftet hatten. Lchweinemarkt in Gedern. Y Gedern, 9. Sept. Der heutige Schweinemarkt war mit 689 Tieren beschickt. Für sechs Wochen alte Ferkel wurden 18 bis 22 Mk., für sechs bis acht Wochen alte 22 bis 30 Mk. und für Läufer je nach Qualität 35 bis 45 Mk. bezahlt. Die Preise waren gedrückt, der Handel anfangs ruhig, später flott. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Sept. Tendenz: widerstandsfähig. — Der bevorstehende Wahlter- min legte der Börse weiterhin stärkere Zurückhaltung auf, wobei es aber zu einer Abschwächung, oder zu einem größeren Pessimismus heute nicht kam. Die Grundstimmung zeigte eher eine freundliche Tendenz, wozu der etwas verheißungsvollere Wirtschaftsbericht der Dresdner Dank beigetragen haben dürfte. Das Geschäft konnte bei der bestehenden Zurückhaltung und dem sehr geringen Ordereingang keine lebhaftere Form annehmen. Nur einige Werte machten eine Ausnahne und waren etwas lebhafter gehandelt. Die fortschreitende Erhöhung der Arbeitslose nziff er im Reiche und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren, durch die Wintermonate bedingten Zunahme der Arbeitslosigkeit löste später Besorgnis aus und veranlaßte Abgaben. Die Kursgestaltung war nicht ganz einheitlich, doch überwogen gegenüber der gestrigen Abendbörse kleine Kursgewinne. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.- Farben leicht erhöht. Am Elektromarkt kam in Siemens eine verspätete Erstnvtiz zustande, die 1 Proz. niedriger lautete. Schuckert lagen knapp gehalten, während Lechwerke, Ächt und Kraft und AEG. leicht anziehen konnten. Kunstseidepapiere eröffneten gut gehalten. Stärker unter Druck tagen am Kalimarkt Salzdetfurth und Westeregeln, die bis zu 3 Prozent nachgaben. Bauunternehmungen lagen gut behauptet. Am Zellstoffmarkt kam in Aschaffenburg Material heraus: es trat ein Rückschlag von 3 Prozent ein. Der Montanmarkt war vernachlässigt. Erstnotierungen kamen kaum zustande. Harpener notierten 0,5 Prozent schwächer. Am Bankenmarkt lagen fast alle Werte gehalten. Commerzbank konnten sich um 1 Prozent bessern. Am Rentenmarkt waren Altbesitzanleihe gedrückt und stärker abgeschwächt. Der Grund hierfür sollen Berliner Exkursionen fein. Die übrigen deutschen Anleihen waren behauptet. Von Ausländern waren Mexikaner etwas abgeschwächt. Im Verlaufs stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Unter dem Drucke der Geschäftslosigkeit gaben die Kurse gegenüber der gestrigen Abendbörse etwas nach. Altbesitzanleihe konnten sich leicht erholen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 Prozent unverändert leicht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1980, gegen Pfund 20,4175, London gegen Kabel 4,863250, gegen Paris 123,87, gegen Mailand 92,84, gegen Madrid 44,70, gegen Schweiz 25,06, gegen Amsterdam 12,0790. Berliner Börse. Berlin. 10.Sept. Im heutigen Vormittagsverkehr hatte man noch mit einer eher freundlichen Tendenz gerechnet, doch schien bei der Dorbörse sich die Stimmung wieder etwas zu verschlechtern, und der offizielle Doginn brachte überwiegend Abschläge von 1 Prozent. Das Geschäft blieb weiter außerordentlich still. Es zeigte sich nur für einige Werte, wie z. D. Svenska trotz des Kreuger-Dementis, etwas stärkeres Interesse. Man konnte feststellen, daß in Anbetracht der kurz bevorstehenden Wahlen die Zurückhaltung der letzten Zeit sich noch wesentlich verstärkt hat. Der feste Schluß der gestrigen Neuyorker Börse blieb auch ohne Einfluß da eine ganze Reihe Nachrichten aus der Wirtschaft weniger günstig lauteten. Die Arbeitslosenziffer ist erneut gestiegen: im Ruhrschiedsspruch ist keine Einigung erzielt worden: Dänemark hat Maßnahmen gegen die deutsche Zollpolitik ergriffen: in der Zementindustrie sind neue Stillegungen vorgenommen worden: besonders verstimmte aber der Rückgang der Boung- Anleihe an den europäischen Börsen, besonders gestern in London, wo der Kurs auf 84 Prozent zurückging. Ohne Einfluß blieb die Diskontsen- kung in Oesterreich, der wahrscheinlich die Schweiz folgen wird. Kaliwerte waren bis zu 3 Prozent gedrückt. Auch Aschaffenburger Zellstoff verloren auf Abgaben der Arbitrage 3 Prozent. Berger, Schubert & Salzer, Deutsche Linoleum und Dessauer Gas verloren bis zu 2 Prozent. Dagegen waren Rheinische Braunkohlen, Gessürel. Chade- aftien uno Tietz etwas fester. Altbesitzanleihe gingen um 1 Prozent zurück. Von Ausländem waren Mexikaner etwas schwacher. Der Pfandbriefmarkt lag ruhiger, aber nicht schwächer. Der Geldmarkt war bei unveränderten Sätzen eher etwas leichter. Nach den ersten Kursen setzten sich die Abschwächungen zunächst weiter fort. Später konnte sich das Kursniveau aber wieder leicht erholen. Nur Salzdetfurth gingen erneut zurück. Frankfurter Getreidebörse. Franks urt a. M., 10.Sept. Am Produktenmarkt war das Geschäft aud} weiterhin sehr still. Das Angebot von Inlandware war ziemlich ausreichend. Stärker gedrückt lag Weizen, der bis 2,50 Mark nachgab: Roggen war gut behauptet. Hafer war angeboten, und alte Ernte verlor bis 5 Mark. Weizenmehl gab bei schleppendem Geschäft gleichfalls etwas nach. Futtermittel gedrückt. Es wurden notiert: Weizen, Hektolitergewicht von 75 Kilo 252,50; Roggen 172,50; Hafer, inländischer (alter Ernte) 190; (neuer Ernte) 165 bis 170; Weizenmehl, südd.. Spez. 0 40,75 bis 41,50; Roggenmehl 27,75 bis 28.75; Weizenkleie 7; Roggenkleie 6,75 bis 6,90 Mark. Tendenz: ruhig. Kunst und Wissenschaft. Rücktritt Walter von Molos. Berlin, 9. Sept. (ERB.) Die preußische Akademie der Künste teilt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst mit, daß Walter von Molo den Vorsitz in der Sektion für Dich t- kunst niedergelegt hat. — Lieber die Gründe zu dieser Amtsniederlegung und über die Neubesetzung des Präsidentenpostens ist noch nichts bekannt geworden. Jubiläum der Frankfurter Oper. Die Festwoche des Frankfurter Opernhauses anläßlich seines 50jährigen Bestehens wird eröffnet mit einem Festkonzert. Das Programm bringt den „Don Juan", mit dem das Opernhaus 1880 eröffnet wurde. Es folgen „Fidelio", „Zar und Zimmermann", „Lohengrin", „Rosenkavalier". Als große moderne Premiere, die zugleich den Abschluß der Festwoche bilden soll, ist Brecht-Weills „Mahagonny" in der Neubearbeitung in Aussicht genommen. Preisgekrönte Dramen. Heber den in diesem Jahre erstmals zur Verteilung gelangenden Jahrespreis des Bühnenvolksbundes (Dramatiker-Preis) wurde in der Sitzung der Preisrichter entschieden. Man einigte sich auf eine Ausschüttung des Preises in drei gleichen Teilen. Preise ' von je 1000 Mark trafen auf Ernst Bacmeifters Tragödie „Maheli wider Moses", Julius Maria Beckers Spiel vom Tode „Der Brückengeist" und Maxim Z i e s e s Schauspiel „Der Tag". Die Entscheidung der Preisrichter erfolgte mit sechs Stimmen gegen eine Stimme. Bei ihrer Entscheidung gingen die Preisrichter aus von dem Gesichtspunkt der Förderung von Autoren und Werken, die die Beachtung der Bühnen noch nicht in dem wünschenswerten Maße gefunden haben. Um den Preis hatten sich 33 5 Autoren mit insgesamt 349 dramatischen Arbeiten beworben. Letzte Nachrichten. „Graf Zeppelin" in Moskau gelandet. fiorono, 10. Sept. (TU. Drahtnachricht.) Me aus Moskau gemeldet wird, ist das Luftschiff „Graf Zeppelin" heute mittag gegen 12 Uhr MEZ. in Moskau glatt gelandet. Das Luftschiff wurde von einer vieltausendköpfigen Menge, Vertretern der Sowjetregierung, der deutschen Botschaft und der Presse begeistert empfangen. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. ■ Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß- furd l«Uhr« Kurs Schluß» kurs Anfang- Kurs Dalum 9. 9. 10. 9. 9. 9. 10. 9. 6% Deul,qe meichsaw-nqe von 1927 ......... 87,75 88,5 -- - 7% Deutsche Reichsanlethe von 1929 .......... 101,6 — 101,9 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... 62,8 62 62,8 61,75 Desgl. ohne AuSIos.-Rechte . . . 7,9 7,9 7,9 8 8% Hess. Volksstaat von 1929 lrückzahlb. 102%)...... Oberhellen Provinz - Anleihe mtl 94,5 — 95,25 —— Auslol.-Rechten....... 59,25 — — — Deutlche komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 61,6 — 61,6 — 8% Franks. Hyp.