Nr. 159 Erstes Blaff 180. Jahrgang Donnerstag. 10. Juli 1930 Eriche»ni täglich,anher Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illuitrtertr Gtetzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Moiiälr Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. zernfprechanfchliiste anter5ammelniunmer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Zranfturi am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und veriag: vrühl'sche UniverfilSlL-vuch- und Steinörudcrel R. Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig,' für Re» stlarneanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20e,d mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filter, sämtlich in Gießen. Furchtbares Grubenunglück im oberschlesischen Kohlenrevier. Kohlensäureausbruch auf dem Kurtschachi des Neuroder Reviers.-Von mehr als 200 Eingeschloffenen nur 49 Bergleute lebend geborgen. — Keine Hoffnung auf die Rettung der übrigen. B reslau, 9. Juli. (2BIB.) Auf dem kurifchachl In Hausdorf im Reuroder Revier erfolgte heute nachmittag in der zweiten und dritten Sohle ein starker kohlensäureausbruch. 3n dem betroffenen Teil der Grube befanden sich rund 2 0 0 Mann, von einem Vertreter des Oberbergamles wird mifgeteilt: Das Reuroder Revier ist durch kohlenfäureausbrüche besonders gefährdet. Die von der Bergbehörde dagegen getroffenen Maßnahmen haben fich in vielen Fällen bewährt. Der heutige Ausbruch im Kurt-Schacht war aber von einem Ausmaß, wie er bisher in europäischen Revieren überhaupt noch nicht beobachtet wurde. Der Säureausbruch erschwert leider auch die Bergungsarbeiten, weil die Rettungsmannschaften selbst außerordentlich gefährdet werden. Alsbald nach Bekanntwerden der Katastrophe, von der die 17. und 18. Abteilung der Belegschaft des Kurt- Schachtes betroffen wurden, begann die Rettungsaktion, an der sich Mannschaften aus dem gesamten Revier und Feuerwehrleute beteiligten. Heber die Ursache der Katastrophe wird bekannt, daß der Ausbruch der Kohlensäure vermutlich durcheinen Sprengschuh ausgelöst worden ist, der e i n Gasnetz öffnete. Die Gase verbreiteten sich mit ungeheurer Gefchwindigkeit im ganzen Revier. Die vor Ort arbeitenden Bergleute stürzten sofort besinnungslos zusammen. nur einige von den Schleppern, die weiter entfernt von der Unfallstelle arbeiteten, konnten sich retten, die Belegschaft der Rachbarreviere alarmierend. Sofort wurden die Wettertüren zu dem Unglücksrevier abgedichtet, aber auch in den Rachbarrevieren erlitt eine ganze Anzahl von Leuten Gasvergiftungen. An der Unglücksstelle find mehrere Pfeiler zu Bruch gegangen, so daß die Lage der (Eingcfdjloffenen noch bedenklicher geworden ist. An der ilnglückstelle. Große Schwierigkeiten für die Rettungs- arbeiten. Reu rode, 10.3uli. (Bericht des an die TInglücksstelle entsandten Sonderbericht- e r st a t t e r s der TäZ.s Ganz unerwartet ereignete sich am Rachmittag um 4.05 ilf)r auf der 17. Steigerabteilung des Kurtschachtes in Hausdorf bei Reurode während der Arbeit der Kohlensäureausbruch, von dem die 17. und 18. Steigerabteilung mit zusammen 19 3 Mann betroffen wurden. An die 18. Steigerabteilung in Stärke von 108 Mann konnte man herankommen, aber es gelang, nur 41 Bergleute lebend zu bergen, die verletzt im Knappschaftslazarctt untergebracht wurden. 57 Bergleute dagegen konnten nur a l s Tote geborgen werden, darunter zwei Steiger. Die gesamte Belegschaft der 17. Abteilung in Stärke von 83 Mann befindet sich noch in der Grube. Die Rettungsarbeiten für sie konnten noch nicht aufgenomnten werden, da die Abteilung vollständig durch Kohlensäure v e r g a st ist. Das Schicksal dieser Bergleute ist noch völlig ungewiß. Die Rettungsarbeiten setzten sehr schnell ein. Die umliegenden Graben entsandten sofort alle zur Derfügung stehenden Rettungsmannschaften und auch die Hauptrettungsstelle in Waldenburg war nach kurzer Zeit mit den ihr zur Derfügung stehenden Dereitschaftswagen und 40 Mann zur Stelle. Da die bei dem Alnglüd verletzten Bergleute noch nicht vernehmungsfähig sind, ist man über den Beginn der Katastrophe zur Zeit noch völlig im Unflaten. Es ist aber bekannt, daß die Kurt- Grube eine Kohlensäuregrube ist, die schon viele Todesopfer gefordert hat. So fielen im Jahr« 1921 einem Kohlensäureausbruch fünf Bergleute zum Opfer, im Jahre 1926 vier und im Zähre 1928 acht Bergleute. Da das Unglück verhältnismäßig spät bekannt wurde, sind noch nicht sehr viele Angehörige an die Unglücksstätte geeilt, doch sieht man schon vor der Grube Angehörige, die entweder die Toten beweinen oder voller Bangen und Zweifel die Rettungsarbeiten für die noch Eingeschlossenen verfolgen. Vermutlich 145 Todesopfer. 70 Tote geborgen — Keine Hoffnung mehr für 80 Cingcfchloffcnc. Reurode, 10. Juli. (WTD. Funkspruch.) 3n Mitleidenschaft gezogen werden zwei Eteiger- abtellungen, die 17. und 18. Abteilung, mit zusammen 200 Mann. Don diesen sind aller Wahrscheinlichkeit nach 145 bet Katastrophe zum Opfer gefallen. Lebend geborgen sind bisher 56 Mann. Die gesamte 17. Steigerabteilung von 83 Mann ist aller Voraussicht nach ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten mußten einige Zeit unterbrochen werden, well erst die Ausgasung der Abteilung dorgenommen werden muß, bevor die Rettungsmannschaften wieder eingesetzt werben können. Rach einem weiteren Funkspruch von Donnerstag früh konnten im Laufe der Nacht noch einige weitere Leichen geborgen werden, so daß sich die Zahl der bisher geborgenen Toten auf über 70 beläuft. Ungefahr 80 Personen sind noch eingeschlossen, und es besteht keine Aussicht, sie lebend zu bergen. Die AuSgasung ist zur Zelt noch nicht beendet, so daß auch keine Angaben über die Ursache der Katastrophe gemacht werden können. Wenn die Unglücksabteilung vollständig befreit ist, werden die Rettungsarbeiten wieder ausgenommen. Nie Rettungsarbeiten vorläufig eingestellt. Der letzte Funkbericht. Reurode, 10. Juli. (1DIB. Funkspruch.) 9 Ahr vormittags. Erst heule ist es möglich, einen klaren Ueberblicf über die Situation auf den von dem kohlensäureausbruch betroffenen Schacht der Wen- zeslaus-Grube in Hausdorf zu gewinnen. Bon der 193 THann starken Gesellschaft der Abteilungen konnten bisher nur 49 gerettet werden, die im Reuroder Stadtlazarett Aufnahme fanden und für die nach dortiger Ansicht auch noch keine Lebensgefahr besteht. An Toten wurden 81 geborgen. Alle, die noch nicht über Schacht gesördert werden konnten, befinden sich in der Ableitung 18, die vollkommen unter kohlenfäuregas liegt, die Rettungsarbeiten wurden nachts um 12 Uhr abgebrochen, da ein weiteres Borbringen der Rettungsmannschaft mit Lebensgefahr verbunden war. Die Leitung der Rettungsaktion ist der Ansicht, daß die noch unter der Erde befindlichen Bergleute als tot zu betrachten feien. Ls ist demnach anzunehmen, daß die Zahl der Todesopfer über 150 betragen wird. Jm Laufe des Bormittags fallen aus Berlin Berlrefer des Ministeriums in Hausdorf ankommen, um die Untersuchung zu leiten. Ob es möglich fein wird, die Rettungsarbeiten fortzufehen, steht zur Zeit noch nicht fest, da erst der Bersuch unternommen werden muh, den Kohlenfäuregafen in der Abteilung 18 Abzug zu verschaffen. Bon der Rettungsmannschaft sind einige Personen schwer verletzt. Jm Knappschaftslazarett wurden 5 9 Tote aufgebahrt, von denen bisher 51 identifiziert werden konnten. Da es an Raum mangelte, muhten die Toten zum Teil im städtischen Krankenhaus untergebracht werden. Die (Erregung unter der Bevölkerung ist naturgemäß sehr grvh. Heute früh ist die Belegschaft nicht eingefahren, sondern trat, obwohl sie auf der Grube erschienen war, den Heimweg an. Die Ergänzung der Deüungsvvrschläge Oie Forderungen der Dolkspai tei finden vom Kabinett Berücksichtigung. Nie neuen Vorschläge. Tie Gestaltung der kommunalen Bürgcrabgabe. Berlin, 9. Juli. (BDZ.) Aus Grund der Par- teisührerbesprechung hat das Reichskabinett den Reichstogssraktionen der Regierungsparteien heute nachmittag Vorschläge zur Erweiterung ihres Deckungsprogrammes zugehen lassen. Dabei handelt es sich zunächst um eine Abänderung des Arbeitslo senoer sicherungsgesetzes, wonach der Höchstbetrag der Darlehen des Reiches an die Arbeitslosenversicherung vom 1. April 1931 ab jeweils im haushaltsgesetz fe ft gelegt werden soll. Außerdem wird ein Gesetzt über eine Bürger- steuer vorgeschlagen, das 13 Paragraphen zählt. Jlad) diesem Gesetz sollen die Gemeinden von jedem wahlberechtigten Bürger eine Bürgerabgabe erheben, deren höhe von den Ländern bestimmt wird. Bei Personen, die der Lohnsteuer nicht unterliegen darf der Sah nicht weniger als 3 Mark jährlich betragen. (Eine Staffelung der Steuer ist ausgeschlossen. Bis zum jnkrasttreten des Grund- steuerrahmengesehes und des Gewerbesieuerrahmen- gesehes dürfen Gemeindegrundsteuern oder Gemeindegewerbesteuer um mehr als 100 Brojent, jedoch nicht mehr als 150 Prozent des Landesdurchschnitts, erhoben werden, wenn für das gleiche Rechnungsjahr ein Zuschlag von 50 Prozent zur normalen Bürgersteuer erhoben wird. Bei einem Zuschlag von 100 Prozent zur Bürgersteuer dürfen die Realsteuern 150 bis 200 Prozent, bei einem Zuschlag von 150 Prozent zur Bürgersteuer auch mehr als 200 Prozent betragen. Born 1. April 1931 ab ist das Aufkommen der Bürgersteuer von den Gemeinden zur Senkung der Realsteuern zu verwenden. Die Bürgersteuer darf nicht als Abzug vom Lohn erhoben werden, sie wird in den Gemeinden selbst verwaltet. Das Gesetz soll am 1. Oktober d. J. in Kraft treten. Außerdem ist die Regierung bereit, eine Erklärung abzugeben, daß die Streichungen im haushalt für 1930 nicht auf 100 Millionen beschränkt werden, sondern mindestens 10 0 Millionen betragen sollen. Das Kabinett mit den Ergänzungen einverstanden. Auf der Luche nach der parlamentarischen Mebrheit. Berlin, 10. Juli. (Tel-Mn.) Amtlich wird gemeldet: Das Reichskabinett trat in den späten Abendstunden unter dem Borsih des Reichskanzlers Brüning in der Reichskanzlei zusammen, um die politische Lage zu erörtern, wie sie sich nach den inzwischen bekanntgewordenen Beschlüssen der hinter der Reichsregierung stehenden Parteien darstellt. Das Reichskabinett hält nach wie vor an seinen bisherigen Deckungsvorschlägen fest, ist aber bereit, sie im Sinne der am Dienstag mit den Parteiführern vereinbarten Borschtäge ; u ergänzen. Die parlamentarische Lage ist so, daß zusammen mit der D. D. P. auch die Wirt- schaftspartei und das Zentrum hinter den Crgänzungsvorschlägen stehen, während die Bayerische Dolkspartei die Einführung einer Gemeindeabgabe bisher ab gelehnt hat und auch die Demokraten ihre Zustimmung zu einer Kopfsteuer davon abhängig machen wollen, daß gleichzeitig auch eine Gemeindegetränkeverzehr st euer eingeführt wird. Da die Kopfsteuer bei der Sozia Idemokra- tie Widerstand begegnet, rechnet man in Kreisen der Reichsregierung damit, daß die erforderliche parlamentarische Mehrheit im Kabinett von rechts her zur Verfügung, gestellt wird. Sicherem Vernehmen nach verlautet weiter, daß in den nächsten Tagen noch Ausgleichsverhandlungen mit der Bayerischen Volkspartei und den Demokraten geführt werden sollen, um sie in die gemeinsame Front der anderen Regierungsparteien miteinzuordnen. Die Stellung her Parteien. Demokraten und Bayerische Bolkspariei haben noch Wunsche Berlin, 9. Juli. (DDZ.) Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Dolkspartei hat in ihrer Abendsihung fich mit den Crgänzungsvorschlägen zu den Deckungsvorlagen der Reichsrcgierung beschäftigt. Sie ist zu folgender Stellungnahme gekommen: 1. Dem Vorschlag, betreffend die Reform der Arbeitslosenversicherung, tritt die Fraktion bei. 2. Den Entwurf des Bürgersteuergesetzes lehnt die Fraktion ab. Auch die Reichstagsfraktion der D. V. P. hielt am Mittwoch eine Fraktionssitzung ab. Wie wir aus Kreisen der D. V. P. erfahren, erkennt die Fraktion an, daß die nunmehrige ilmgeftaltung der Deckungsvorlage der Reichsregierung wesentliche Verbesserungen aufweist, die in der Einfügung der Bürger- abgabc, in der Aenderung des § 163 der Arbeitslosenversicherung und in der Ermöglichung weiterer Ersparnisse im Etat bestehen. Mit der Führung der weiteren Verhandlungen ist der Fraktionsvorsitzende Reichsminister a. D. Dr. Scholz beauftragt worden. Die Zentrumsfraktion des Reichstags faßte folgenden einstimmigen Beschluß: Trotz mancher Bedenken stimmt die Zentrumsfraktion den Ergänzungsvorschlägen der Regierung zu, weil dadurch die einzige Möglichkeit besteht, die Deckungsvorlagen auf parlamentarischem Wege zu erledigen. Heber die Sitzung der demokratischen Rcichstagssraktion wird mitgeteilt: Die Fraktion kann vorbehaltlich aller Einzelheiten an weiteren Verhandlungen über das Deckungsprogramm nur teilnehmen, wenn dem jetzigen Programm eine Vorlage über eine Alko - hol-Gcmeinde-Dcrzeh r ft euer hinzugefügt wird. Die demokratische Reichstagsfraktion hält einmal die jetzige Vorlage im Hinblick auf die Sanierung der Gemeindefinanzen nicht für ausreichend, sie kann es aber nicht verantworten, eine Kopfsteuer einzuführen, ohne den Alkohol zu belasten. Nie Kreditgebarung her öffentlichen yanh. Tie Beratungsstelle für AuSlandanlciHcn bleibt bestehen. Berlin, 9.3uli. -Unter dem Vorsitz de» Finanzministers und in Anwesenheit des Rcichs- bankpräsidentcn fand eine Länderbesprechung statt, in der über die geplante Ausgestaltung der Beratungsstelle für öffentliche Kredite verhandelt wurde. Rach einleitenden Worten des FinanzrninisterS und des Reichsbankpräsidenten stimmten die Ländervertreter der Notwendigkeit einer pfleglichen Behandlung der Kapitalmärkte zu. Es bestand Einmütigkeit darüber, daß eine Heberwachung der Aus- landkredite sortbe stehen muß und daß auch für Inlandkredite geeignete Wege zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der öffentlichen Kreditnehmer gefunden werden müssen. Demgemäß wurde zur Festlegung der Einzelheiten eine älntersuchungskommis- fion eingesetzt, die ihre Tätigkeit bereits ausgenommen hat. Die Tätigkeit der Beratung s- stelle für AuSlandanleihen wurde zunächst durch Vereinbarung bis zum 1. Rov. 19 30 verlängert. Nie Lübecker Kinhertragöhie. Vorläufige Feststellungen des Reichs» inncnministcriums. Berlin, 9. Juli. (WTD.) Zu dem Lübecker Säuglingssterben teilt das ReichSmini st e- r i*i m des Innern u. a. mit: DaS ReichS- gesundheitsamt ist mit der Klärung der Frage beauftragt worden, ob der Calrnette-Schutz- st o f f die schweren Tuberkuloseerkrankungen der Säuglinge Hervorrufen konnte, anstatt sie dagegen zu schützen. Das endgültige Ergebnis kann nicht vor drei bis vier Wochen erwartet werden. Soweit sich aus den bisherigen Untersuchungen des damit betrauten Professors Dr. Ludwig Lange schon jetzt ein Urteil gewinnen läßt, ist die Calmettesche Kultur vom Institut Pasteur in Paris einwandfrei geliefert, aber bei der W e i t e r z ü ch t u n g in Lübeck verunreinigt worden. Die Frage, ob in Lübeck alles geschah, um die Schuhbehandlung nach Calmette einwandfrei durchzuführen, ist in erster Linie Sache des Staates Lübeck. Im Laufe der Untersuchungen hat sich hierbei allerdings sehr bald eine Reihe von Beanstandungen herausgestellt. Nachdem das Reichsinnenministerium 1927 in der Frage der Tuberkuloseschuhbehandlung mit lebenden Bazillen Zurückhaltung empfohlen hatte, hätten die in Betracht kommenden Lübecker Stellen zur Einleitung der dortigen Schuhbehandlungen sich vergewissern sollen, ob das Reichsinnenministerium an diesem abwartenden Standpunkt noch festhält. Nachdem die vom Institut Pasteur bezogene Originalfultuc f a ft drei Vierteljahre lang im Lübecker Laboratorium auf vers chiedenen Nährböden weitergezüchtet worden war, hätte vor der ersten Verabreichung des SchuhstoffeS an die Säuglinge dessen Unschädlichkeit im Tierversuch geprüft werden müssen. DaS ist nicht geschehen. Die gesundheitliche Ueberwachuna der schutzbehandelten Kinder war mangelhaft. Die von Professor Deycke am 26 April 1930, also nach der Feststellung der Schädlichkeit des oermenbeten Schutzstoffes, Dorgenommene Vernichtung der noch vorhandenen Giftstoffmengen, muß, gleich aus welchen Motiven sie erfolgte, als bedenklich bezeichnet werden. Allerdings ist durch das Vorgehen von Prof. Deycke die Aufklärung der Angelegenheit nicht beeinträchtigt worden, da das Reichsgesundheitsamt trohdem in den Besitz von völlig genügenden Resten des verwendeten Schutzstoffes gelangt ist. Auch sonst hat daS Reichsgesundheitsamt alles mögliche Untersuchungsmaterial erhalten. Cs ist nicht zu rechtfertigen. daß, nachdem am Vormittag des 26. April 1930 bie Schädlichkeit des verwandten Schuhstoffes durch die Obduktion eines verstorbenen Säuglings bereits erwiesen war, noch einige Dosen des Schuhstofses in den Händen von Hebammen verblieben. Glücklicherweise wurden die Schutzstoffmengen nicht mehr an neu hinzugekommene, sondern nur noch an solche Säuglinge verabreicht, die bereits vor dem 26. April, der ersten, für die Erkrankung wohl entscheidenden Schuhbehandlung unterzogen wurden. Cs ist zu beanstanden, daß die für die Durchführung der Schuhbehandlung Verantwortlichen, zwischen denen es zum Teil Wohl auch a n der genügenden Zusammenarbeit fehlte, versäumten, der zunächst zuständigen Stelle in Lübeck von den eingetretenen Schädigungen unverzüglich Kenntnis zu geben. Die Reichsmedizinalverwaltung wurde erst am 14. Mai unterrichtet. Inwieweit diese Beanstandungen, die einem wissenschaftlichen Werturteil über daS Cal- mettesche Verfahren nicht borgreifen sollen, für die Beurteilung der Schuldfrage heranzuziehen find, wird in dem eingeleiteten Strafverfahren festzustellen fein. Aus den Reichstagsausschüffen Der Reichstagsausschuh für kriegsbeschädiglen- sragen beendete die Beratung der Novelle zum Reichs- versorgungsgesetz und zum Dersahrensgesetz in Bersorgungssachen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte ihre Zustimmung zu den beiden Entwürfen davon abhängig gemacht, daß auch in Zukunft unter bestimmten Voraussetzungen noch Elternbeihilfen und Kriegsbeschädigtenrenten wenigstens in schweren Fällen und bei Nachweis des zeitlichen Zusammenhangs mit dem Kriegsdienst gewährt werden sollten. Da sich jedoch die Regierung zu einem Entgegenkommen in diesen beiden Punkten nicht bereit erklärte, wurden die beiden Novellen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten nur mit den Stimmen der Regierungsparteien und der Deutschnationalen im allgemeinen in der Fassung der Regierungsentwürfe angenommen. Äe Regierung erklärte zu Protokoll, dah sie Elternbeihilfen und auch Kriegsbeschädigtenrenten in gewissen Fällen noch im Wege des Härteausgleichs gewähren wolle. Der haushaltsausschuh beschäftigte sich mit einem Antrag des Abgeordneten Dr. Breitscheid (Soz.) über Kürzung der Dersorgungsbezüge bei Privateinkommen. Hierzu erklärte Reichsfinanzminister Dietrich: Die Fragen der Höchstpensionen haben schon wiederholt und bei den verschiedensten Gelegenheiten den Ausschuß beschäftigt. Zuletzt ist im Herbst vorigen Jahres die Erklärung abgegeben worden, daß die Fragen gelegentlich der Neubearbeitung des Reichsbeamtengesetzes geregelt werden sollten. Diese Erklärung ist überholt worden durch den Entwurf eines Ausgabensenkungsgesetzes, in den eine Reihe pensionsrechtlicher Bestimmungen, darunter auch die Frage der Kürzung Der Pensionen bei D oppelver die- nern, geregelt werden soll. Es ist nicht möglich gewesen, das Ausgabensenkungsgeseh jetzt noch dem Reichstag vorzulegen. Dies wird im Herbst geschehen. Die Beratung des Antrages wird daher zweckmäßig bis zur Beratung des Ausgabensenkungsgesetzes im Herbst dieses Jahres zurückzu stellen sein. 3m Sozialpolitischen Ausschuß wurde die gestern eingebrachte Entschließung der Regierungsparteien zur Krisen fürsorge angenommen. Der Ausschuß beschäftigte sich sodann mit der Novelle zur Krankenversicherung. Ministerialdirektor Dr. Grieser schilderte die große Ausgaben st eigerung, die in den letzten Jahren bei der Krankenversicherung zu beobachten sei. Beim Anhalten dieser Entwicklung werde im Jahre 1935 die Gesamtausgabe der Krankenversicherung 3 Milliarden betragen Da entstehe die Frage, ob bei solchen Kosten die Krankenversicherung noch wirtschaftlich sei. Schon-setzt werden den Arbeitnehmern 16 Prozent des Gr u n d l o h n e s als Beitrag abgenommen. Höher könne man nicht gehen. Der Gesetzentwurf will eine Verminderung der Ausgaben der Krankenversicherung erreichen. Der Entwurf ist geboren aus der Absicht, die Krankenversicherung zu schützen gegen Möglichkeiten des Mißbrauchs. Die Zukunft der Krankenversicherung soll damit: gesichert werden, denn wenn im Jahre 1935 tatsächlich die Ausgaben auf 3 Milliarden anwachsen sollten, dann werden schärfere Maßnahmen kaum zu vermeiden sein. Ein gewisser Eingriff in die Selbstverwaltung sei mit der Vorlage verbunden, aber er sei notwendig, um die Krankenversicherung lebensfähig zu erhalten und auch um die spätere Reform der Invalidenversicherung zu ermöglichen. Drei (Stimmen Mehrheit für Macdonald. Eine heikle Abstimmung für das Labourkabinett. London, 9. Juli. (TU.) Bei der Aussprache über die Finanzvorlage kam am Mittwoch im Unterhaus der liberale Antrag zur Erörterung, der als ein Vorstoß gegen die Regierung mit großer Spannung erwartet worden war. Das Unterhaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Antrag der Liberalen sieht vor, dah die Ausgaben für Neuanschaffun- gen, Verbesserungen und Reorganisationen von Unternehmen und Fabriken für die Dauer von drei Jahren bei der Berechnung der Einkommensteuer in Abzug gebracht werden sollen. Schahkanzler Snowden erklärte, daß ein derartiger Antrag unannehmbar sei und dem Staate infolge von Unterstützungen einen Verlust von mindestens 30 Millionen Pfund verursachen würde. Snowden richtete an Lloyd George die Frage, ob er bereit sei, einer neuen Steuer für diesen Verlust Kuzustimmen. Lloyd George erwiderte, daß eine Beseitigung der Arbeitslosigkeit dringend nottoenbig sei, deren Ziffern von Woche zu Woche zunehmen und in den nächsten Monaten voraussichtlich zwei Millionen überschritten haben würden. Weder er noch seine Freunde hätten den Wunsch, die Regierung zu stürzen. Churchill kritisierte sodann die unnachgiebige Haltung Snowdens, der ein Ersuchen der Opposition mit starrer Verneinung erwidert habe. Der Antrag wurde mit 278 gegen 275 Stimmen abgelehnt, die Regierung ist also noch mit einer kleinen Mehrheit der Krise entgangen. Die Regierung wurde gerettet durch vier Liberale, die für sie stimmten. Die Mehrheit der Liberalen stimmte, unterstützt durch eine ausnahmsweise gute Beteiligung der Konservativen, für den liberalen Abände- runasantrag. Während der Abstimmung herrschte große Aufregung, und als die Zahlen bekanntgegeben wurden, erhoben sich die Rufe der Opposition: „3urüdtretenl“ Die Regierungsanhänger antworteten mit Gegendemonstrationen. Als Snowden sich erhob und das Haus verlieh, wurde er von der Arbeiterpartei mit lauten Beifallsrufen begrüßt. Schweres WootaiW bei Bornholm Stettin—Stockholm auf hoher See gekentert, in den Wellen umgekommen. Das fahrplanmäßige Flugboot Fünf Personen Berlin, 10. Juli. (WTD.) Das Dor- nier-Flugboot der Lufthansa D 864, das den Flugdienst über die Ostsee zwischen Stettin und Stockholm vermittelt, ist auf der schwedischen Zwischenlandungsstation Kalmar am Dienstag nicht eingetroffen. Es war infolge eines Defektes genötigt, auf hoher See 10 Meilen von Bornholm, nieder zu gehen. Das Flugzeug wurde von einem Motorschoner abgeschleppt, kenterte jedoch in der Nähe des Dornholmer Hafens Nexö. Nach einer Mitteilung der Lufthansa muh damit gerechnet werden, dah vier Passagiere, sowie der Funkmaschinist ~ ums Leben gekommen sind. Der Bericht des Fiugkapitäns Berlin, 9. Juli. (WTB.) Kapitän Ku ring, der Führer des bei Bornholm verunglückten Wasserflugzeugs hat in der vergangenen Nacht ein Telegramm an die Deutsche Lufthansa gesandt, das folgenden Wortlaut hat: „16.20 Uhr starkes Schlagen in der Maschine, worauf Motor abgestellt. Verlust des Propellers beobachtet. Motorgetriebewelle gebrochen und Propeller abgeflogen. Propeller der Radiostation zerstört. Motorsegler„Maja“ kommt auf Notsignal und schleppt ab 16.30 llbr Richtung Bornholm. Passagiere können wegen Seeganges nicht übergeben werden. Schleppmanöver geht zwei und eine halbe Stunde ohne Zwischenfälle. Passagiere habenSchwimm- westen angelegt und sind über Funktion unterrichtet worden: haben gute Stimmung. 19 Uhr wirft plötzlich starke Windböe Maschine aus dem Wind und taucht mit Steuerbordflügel din. Auf mein Kommando „Alle Mann über Bordi" verlassen alle Menschen Maschine. Beobachte noch, wie Schleppboot zum Rettungsmanöver beidreht und springe dann tauchend von Maschine weg. Nachdem ich an Wasseroberfläche aufgetaucht, liegt Maschine kieloben. Ich befreie mich vom Mantel und mache Schwimmweste klar. Dame (Frl. Nortrop) schwimmt fünf Meter von mir entfernt ruhig im Wasser. Ich versuche, sie auf das Flugbootwrack zu ziehen, doch inzwischen auf Windstärke 5 anwachsender Seegang verhindert es, und sie treibt ab. Motorsegler passiert das Wrack in geringer Entfernung und wirft Rettungsringe aus. Mit mir geretteter Passagier (Erikson) erklettert auch Wrack und versucht, älteren deutschen Herrn (Brackelsberg) an Bord zu ziehen, aber ohne Erfolg. Der Motorsegler legte sich nun in Lee über, um zunächst die treibenden Personen aufzunehmen. Nach 45 Minuten kommt Segler zum Wrack zurück, um uns aufzunehmen. Inzwischen i.st vom Flugzeug das Rumpfende abgebrochen. 20 Ubr nimmt mich Motorsegler als letzten auf. Zurückgekommene Motoryacht (Spes) beteiligt sich am Rettungsmanöver und hat nach Aussagen des Schoners (Maja) mindestens zwei Personen gerettet. Motorsegler mußte 21 Uhr die Rettungsarbeiten aufgeben, da Schraube defekt, und fährt nach Nexö. Motor- Yacht Spes verbleibt noch an der Unglücksstelle. Von Motoryacht noch keine Nachricht erhalten. Oer Segler „Gpeö" in Stralsund eingetroffen. Stralsund, 9. Juli. (WTB.) Der holländische Segler „Spes", nach dem seit dem Unglück der D 864 überall gesucht wurde, ist heute hier eingelausen. Der Kapitän berichtet, daß er am Montag bei schwerem Sturm sieben Meilen von Bornholm den schwarzgestrichenen Schwimmer eines Flugbootes sichtete, an den sich eine völlig erschöpfte Frau anklammerte. Ein Zuwasserlassen des Rettungsbootes war gänzlich unmöglich. Deshalb versuchte die Besatzung, die Frau durch einen Haken an der Schwimmweste, die sie trug, zu fassen. Der Gürtel der Schwemmweste riß jedoch, die Frau versank und konnte nicht mehr gerettet werden. Weiter teilte der Kapitän mit, daß er keine anderen Passagiere des Flugzeugs an Bord genommen hat. Er hat jedoch in der Nähe der Unsallskelle ein a n d e r e s S ch i s f gesichtet, das die Notflagge gesetzt hatte. Wie Frankreichs Truppen Minz verließen. Oberkommiffar Tttard berichtet über die völlig korrekte Haltung der Mainzer Bevölkerung. Paris, 10. Juli. (WTD.) In dem Bericht Tirards über den Abmarsch der französischen Truppen heißt es: „Eine zahlreiche Menge wohnte dem Niederholen der alliierten Fahnen vom Sitz der Alliierten Rheinlandkommission bei. Weder während des Nieder- holens, noch während des Abmarsches des Chren- bataillons fanden Kundgebungen statt. Auch dem Niederholen der Fahnen am Hauptquartier in Mainz wohnte eine große Menge bei. Als die Marseillaise gespielt war, wurden einige allerdings nicht laute Hochrufe gehört. Sie stammten von einer Gruppe junger Leute, die wahrscheinlich nationalistischen Verbänden angehörten. Das Bataillon ist bann mit wehenden Fahnen zum Bahnhof marschiert. Eine zahlreiche Menge begleitete es, ohne dah eine inkorrekte Haltung festzustel- len war. Auch als General Guillaumat und ich (Tirard) im Auto mit wehendem Wimpel langsam zum Bahnhof fuhren, konnten wir keine inkorrekte Geste fest st eilen. Die Menge war zuvorkommend, und die Polizisten grüßten vollkommen höflich. In gewissen deutschen Blättern ist berichtet worden, daß General Guillaumat, um Kundgebungen zu vermeiden, die Vorhänge seines Wagens habe niederlassen müssen. Das entspricht nicht den Tatsachen. Die Menge hat allmählich den Dahnhofsplatz und den Bahnsteig, ohne zu manifestieren, verlassen. Fast anderthalb Stunden, die zur Verladung des Bataillons notwendig waren, sind wir auf dem Bahnhof geblieben. Gegen Mittag hat der Ordonnanzoffizier die Wagenvorhänge niedergelassen, damit wir ein Frühstück einnehmen konnten. 3m Augenblick der Abfahrt haben General Guillaumat, seine Offiziere und ich die Menge auf dem Bahnsteig begrüßt. Ein großer, aber keineswegs feindseliger Lärm wurde laut, viele Taschentücher wurden von der Menge geschwenkt, aber keine feindselige Geste war festzustellen." Warum Die Gaarverhand- tungen ausgesetzt wurden. Frankreichs Auffassung. Paris, 9. Juli. (CNB.) Der Führer der französischen Delegation für die Saarverhandlungen, Minister für die öffentlichen Arbeiten P e r n o t, hat über den französischen Standpunkt in der Saarfrage u. a. folgendes erklärt: Deutschland, das so schnell tote möglich wieder volle Souveränität über das Saargebiet zu erhalten wünscht, hat von Frankreich verlangt, daß die im Versailler Vertrag vorgesehene Frist abgekürzt wird, und erklärte sich als Austausch für diese Konzession zu gewissen Angeboten bereit. Frankreich willigte ein, Verhandlungen zu eröffnen unter der Bedingung, daß ihr Gegenstand reintoirt» schaf11icher Ar t sei und dah die politischen Rechte der Saarbevölkerung aus dem Vertrag gewahrt bleiben müssen. Damals schien man übereinstimmend zu wünschen, daß die Lösung der den Regierungen zur Prüfung unterbreiteten neuen Probleme d i e Grundlage einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit abgebe, für die das Saargebiet ein besonders günstiges Terain bot. Das war der Ausgangspunkt der Verhandlungen. Bei Gegenüberstellung der Standpunkte beider Delegationen mußte man aber feststellen, daß die Meinungsverschiedenheiten sich nicht nur auf die Grubenfrage oder das Handelsregime erstrecken, sondern auch zwei verschiedene Auffassungen zutage treten liehen: (Sine, die die deutsch-französische Zusammenarbeit einbegreift, und eine andere, die sie ausschließt. Aus alter Welt. Mutter und ftinb verbrannt. Auf einem Schmiedegrundstück bei Schlochau (Grenzmark) brach ein Feuer aus, das sich mit außerordentlicher Schnelligkeit auf das benachbarte Gemeindehaus, in dem die Schuhmacherfamilie Jahn wohnte, ausbreitete. Jahn und feiner Frau gelang es, durch das Fenster den Flammen zu entkommen, das 13 Monate alte Kind war in dem brennenden Hause zurück- gelassen worden. Bei dem Versuch, ihr Kind zu retten, fand Frau Jahn mit ihrem Kinde den Tod in den Flammen. Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr gelang es, zwei durch die Flammen bedrohte Nachbarhöfe zu schützen. Das Feuer dürfte dadurch entstanden sein, dah brennende Holzspäne aus dem Schornstein des Schmiqdehauses auf das Strohdach des Gemeindehauses geflogen sind und das Haus in Brand gesetzt haben. Ein Ehepaar beim Baden in Misdroy ertrunken. 21 m Badestrand von Misdroy wurde ein Berliner Ehepaar, Dr. jur. Hans Mächtig aus Berlin Wilmersdorf und seine Gattin, beihohemWellen- gang von einer Woge umgerissen und ertrank. Obwohl Fischer sofort an die Unglücksstelle fuhren und die beiden aus dem Wasser zogen, war der Tod bereits eingetreten. Das sechsjährige Söhnchen der beiden stand am Strande und hatte das Unglück mit angesehen. Bootsunglück auf dem Michigan-Lee. Gelegentlich einer Geburtstagsfeier in Greebay (Wisconsin), die von einer Gesellschaft von 12 Personen, darunter auch Kinder, veranstaltet wurde, machten verschiedene Teilnehmer mit einem Motorboot einen Ausflug auf den Michigan- See. Das Boot kenterte und sank. Vier Personen sind ertrunken. Fünf Knaben beim Vaden ertrunken. Beim Baden im Meer sind bei Blackpool (England- sechs Knaben einer Ferienkolonie im Alter von 14 und 15 Jahren ertrunken. Die Knaben waren in größerer Anzahl zum Baden ausgerückt und mit Spielen beschäftigt, als sie plötzlich von der Flut überrascht und durch die Strömung m i t g e r i s s e n wurden. Ein Junge konnte gerettet werden, bei den anderen waren die Wiederbelebungsversuche vergeblich. Schweres Autounglück. Ein schweres Unglück ereignete sich auf der Chausee Potsdam — Geltow, wo ein Auto aus Brandenburg an der Havel mit einem Motorrade zusammen stieß. Der Zu- fammenbrall war so furchtbar, daß der Fahrer des Motorrades und eine Mitfahrerin a u f der Stelle getötet wurden. Eine zweite Fahrerin trug Armbrüche und Fleischwunden davon. Der Führer des Kraftwagens kam mit leichten Verletzungen davon, seine Frau erlitt schwere Gesichtsverletzungen. Der Führer des Kraftwagens, ein Kaufmann aus Brandenburg, wurde fest genommen, weil nach den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei ihn die Schuld an dem Zusammenstoß treffen soll. Die Riesenstadt Reuyork. Das endgültige Ergebnis der Volkszählung hat nunmehr eine Einwohnerzahl von 6 958 792 Personen für Neuhork ergeben. Gegenüber der letzten Volkszählung von 1920 bedeutet das eine Zunahme um 1 378744 Personen. Hitzewelle in Amerika. Eine ungewöhnliche Hitze herrscht in C h i k a g o und Umgegend. 3n einigen Städten wurden 39 bis über 42 Grad Celsius gemessen. Die heiße Temperatur hat innerhalb von zwei Tagen bereits 42 Todesopfer gefordert. kardinal Vanulelli f. Im 94. Lebensjahr ist nach kurzem Leiden Kardinal Vanutelli in Rom verstorben. Er wurde 1836 unweit von Rom geboren und bereits vor 40 Jahren von Leo XIII. zum Kardinal kreiert. Die Dischofsweihe erhielt Vanutelli, als er 1880 zum apostolischen Delegat von Konstantinopel ernannt wurde. Vorher war er bereits in den Nuntiaturen in Holland und Belgien und seit 1875 als stellvertretender Staatssekretär in Rom tätig. An der Krönung des russischen Zaren Alexander III. nahm er als Vertreter des Papstes teil. Später war er Jnternuntius in Südamerika, Nuntius in Lissabon und schließlich Präfekt von Portugal. Nachdem er den Purpur erhalten hatte, war er Präfekt mehrerer Kongregationen des Obersten päpstlichen Gerichtshofes und Bischof von Ostia . und Pale- ftrina und Erzpriester einer der römischen Basiliken. Vanutelli war allgemein bekannt -für seine positive Einstellung zum Faschismus und zu Mussolini. Die Zahl des Kardinalkollegiums sinkt durch seinen Tod wieder auf 62. Nachfolger als Dekan wird jetzt Kardinal Pignatilli. Abreise des amerikanischen Geschwaders. Das amerikanische Linienschiffgeschwader, das seit dem 5. Juli in Kiel zu Besuch weilte, hat die Ausreise angetreten. Wie bei der Ankunft der amerikanischen Schiffe, so hatten sich auch bei der Abreise wieder zahlreiche Schaulustige an den Ufern der Förde eingefunden, die den scheidenden Amerikanern ein letztes Lebewohl zuwinkten. Zahllose Motorboote gaben den ausfahrenden Schiffen ein Stück Weges das Geleit. Während das Geschwader den Hasen verließ, wurde auf dem amerikanischen Flaggschiff „Arkansas" die deutsche Ratio' ' ..wine gespielt. Das nächste Ziel des Geschwaders ist Oslo, von wo es nach dreitägigem Awc.^-alt über England die Rückreise in die Heimat antreten wird. 50. Verbandstag des Deutschen Fleischerverbandes. Der 50. Derbandstag des Deutschen Fleischer- Verbandes, zu dem über 1300 Delegierte nach der Reichshauptstadt gekommen sind, nahm seinen Qlnfang. Unter den Ehrengästen bemerkte man u. a. den Reichsernährungsminister Dr. Schiele. Nach der Eröffnung der Tagung durch den Berbandsvorsihenden L a m e r h dankte Minister Dr. Schiele für das Solidaritätsbekenntnis des Fleischergewerbes zu der deutschen Landwirtschaft und stellte Maßnahmen zur Lösung des Fettproblems und der Agrarfragen in Aussicht. Um den Fettüberfluh in Deutschland verwerten zu können, würden, ähnlich wie der Weizenbeimahlungszwang, auch auf diesem Gebiete gesetzliche Maßnahmen Platz greifen müssen. Außerdem würden in Berlin und im Reich zunächst drei Fettschmelzen geschaffen werden, um der Einfuhr ausländischen Fettes entgegentrcien zu können. Das Agrarprogramm sei von so großer Bedeutung, daß die Regierung nicht vor außergewöhnlichen Mitteln zurückschrecken werde, um so die Wirtschaftskrise zu lösen. Oie Wetterlage 22E 50 -A* A2 W ft w 22 Wien Atz -25 ßösr —a namoj V20 Pari* . Wi 2t\L nsa_ len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Qru mit gleichen «ul neeresmveau umgcrechneteo Luftdruck Wettervoraussage. Das nordöstliche Tiefdruckgebiet, durch dessen Rückseiteneinfluß das kühle Wetter erhalten blieb, hat sich wohl etwas abgeflacht, seine Lage aber wenig verändert. Dagegen hat sich der Schwerpunkt des westlichen Hochs nördlich verlagert und liegt heute morgen über Irland. Somit werden die Winde in Deutschland, entsprechend dem Laufe der Isobaren, mehr nach Norden hin umdrehen. Allerdings werden immer noch kühle Luftmassenzufließen, die meist polaren Ursprungs sind. Die Wetterlage kann somit noch nicht recht beständig werden. Es wird noch öfters zu stärkerer Wolkenbildung kommen, wobei aber auch Aufheiterung eintritt. Die Temperaturen erfahren zunächst keine wesentliche Aenderung. Wettervoraussage für Freitag. Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, meist trocken. Witterungsaussichten für SamS- t a g. Noch keine wesentliche Aenderung. Älfttemperaturen am 9. Juli: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 15,2 Grad: am 10. Juli: morgens 15,8 Grad. Maximum 22,1 Grad, Minimum 11,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Juli: abends 21 Grad, am 10. Juli: morgens 18 Grad Celsius. Reifewetterdienst. Garmisch - P artenkirchen. 14 Grad, gestern: warmer Tag, Windstille: heute: heiter vis wolkig: gestern: meist trübe. Westerland auf Sylt. 15 Grad, kühle Nacht, Nordwestwind: heute morgen: mäßiger Regen: gestern: meist trübe. Swinemünde. 15 Grad, gestern: der Jahreszeit angemessene Temperatur, Westwind: heut« morgen: halb bis ganz bedeckt: gestern: meist heiter. Aus der Provinzialhauptstadt. ® i e ß e n, den 10. 3uü 1930. „Öaffio1* sei's panier! Zum 115. Stiftungsfest der ältesten Gießener Studentenverbindung. Sin Alter Herr des Corps Hassia schreibt uns: Schwer lastet zwar der wirtschaftliche Druck auf unserem ganzen Q3oll. Gleichwohl glaubte das Corps Hassia bie 115. Wiederkehr seiner Gründung (3. August 1815) nicht ganz sang- und klanglos vorübergehen lassen zu dürfen. Die Feier dieses für das Corps — die ä l t e st e Studentenverbindung der Landesuniver- fität — so bedeutungsvollen Tages wird sich ohne große prunkvolle äußere Festlichkeiten ganz im Kreise der Corpsbrüder und ihrer Frauen und Töchter vollziehen. Ich blättere aus Anlaß des bevorstehenden Festes in alten Berichten und habe dabei vor mir liegen auch die Ar. 184 des „Gießener Anzeigers" vom 10. August 1892, in der der damalige Erste Chargierte, der unvergeßliche im Weltkrieg als erster Gießener Hesse gefallene Alexander Bopp „der verehr- lichen Einwohnersckaft von Gießen für die gelegentlich des 50jährigen Stiftungsfestes so überaus zahlreich gegebenen Beweise der Zuneigung" den besten Dank ausspricht. In dem offiziellen Bericht über den Verlauf des Festes, bei dem auch das erste Gießener Studentenhaus — die „Hessenkneipe" — eingeweiht wurde, heißt es: „Auch die geradezu großartige Anteilnahme der gesamten Einwohnerschaft Gießens an der Feier, die sich in der mannigfaltigsten Weise kundtat, konnte nicht anders als erhebend auf die Festteilnehmcr wirken." Zwar heißt es: tempora mutantur et nos mutamur in illis, allein die guten alten Beziehungen zwischen der Bürgerschaft der Musen- stadt Gießen zu ihren Studenten und ganz besonders zu den „Hessen" haben sich im Kerne nicht geändert. In den Tagen Dom 11. bis 14. Iuli werden Hunderte von alten Hessen mit Frau und Kindern in den Mauern der ihnen fest ans Herz gewachsenen Stätte froh verlebter Studiensemester verweilen, und es werden viele alte liebe Beziehungen aufgefrischt werden. Die Hessen sind überzeugt, daß ihnen die Sympathien der Einwohnerschaft unserer Stadt noch in demselben Maße entgegengebracht werden wie im Iahre 1892, und daß die Einwohnerschaft an dem 115. Stiftungsfest ebenso herzlichen Anteil nimmt wie am 50jährigen. Wenn diesmal auch die Straßen nicht in dem prunkvollen Festschmuck (Fahnenmasten, Triumphbögen, Tannengrün usw.) wie damals erscheinen werden, so wird die Einwohnerschaft doch gern durch reiche Beflaggung der Häuser den äußeren Glanz des Festes vermehren helfen. Manche infolge des Wechsels der Reichsfarben ad acta gelegte schwarzweißrote Fahne kann an den Tagen vom 11. bis 14. Iuli noch einmal als „Hessen"fahne im Winde wehen. Also ergeht der Ruf: Fahnen heraus in den Tagen vom 11. bis 14. Iulil Gictzencr Wochcrimarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 15. Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, grüne Bohnen 20 bis 25, gelbe Bohnen 25 bis 30. Erbsen 15 bis 20. Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 30 bis 35. alte Kartoffeln 4,5 bis 5, neue Kartoffeln 10 bis 12, Dirnen 30 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 20 bis 30. Heidelbeeren 30 bis 35, Stachelbeeren 20 bis 25, Iohannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50 bis 80, Himbeeren 45 bis 50, Aprikosen 50 bis 55. Pfirsche 55 bis 60, Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Aüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 80. Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Einmachgurken 3 bis 6, Ober-Kohlrabi 8 10. Rettich 10 bis 15 Ps. das Stück: Rad eschen 10 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Ru^-n 8 bis 10 Pf. das Bund, Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner. Vornotizen. — Lageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ,Soldatenleben, das heißt lustig sein" und „Der Teuselsreporter". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am nächsten Dienstag bringt das Stadttheater eine Komödie „Wir wollen träumen", von Sascha Guitry, in der Übersetzung von Bruno Frank, zur Erstaufführung. Das Stück wird in Gießen nur einmal gegeben werden und im Winterspielplan nicht erscheinen. Regie wird Hans Hais führen. LU. Universitäts-Gottesdienst. Von der Pressestelle der Landesuniversität wird mit« geteilt: Am Sonntag, 13. Juli, vormittags lli Uhr findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottes« dienst statt. Die Predigt hält Professor Dr. Rudolph. LU. Von der Landesunioersität. Von der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Dr. phil. Heinrich Richter, der sich für das Fach der Geologie und Urgeschichte zu habilitieren wünscht, wird am Freitag, 11. Juli, 18 Uhr, in der Kleinen Aula, Ludnrigstraße 23, eine Probevorlesung über „Die altsteinzeitliche Höhlensiedlung in Treis a. d. Lumda" halten. •* Der Ve rfassunastag in Hessen. Aach einer Anordnung der hessischen Staatsregierung wird auch in diesem Iahre der 11. August als Erinnerung an die Verkündung der Reichsverfassung von Weimar in feierlicher Weise begangen. In sämtlichen öffentlichen Schulen Hessens fällt der Unterricht an diesem Tage aus. An seiner Stelle ist eine der historischen Bedeutung des Tages entsprechende Schulfeier zu veranstalten. Fällt der Derfassungstag in die Sommerferien, dann ist die Schulfeier am ersten Schultage nach den Ferien unter Aussetzung des Unterrichts nachzuholen. Am Verfassungstage sind sämtliche staatlichen unb kommunalen Bureaus geschlossen: an den Gerichten dürfen Termine nicht abgehalten werden. *• Erledigte Lehrer st eilen. Erledigt sind im Kreis Gießen eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Dettenhausen, Dienstwohnung ist vorhanden und frei: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Steinheim, Dienstwohnung ist vorhanden und frei: im Kreis Friedberg eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in A jeder - Florstadt, Dienstwohnung ist vorhanden: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Petterweil, Dienstwohnung ist vorhanden. •• Die Markusgemeinde hält nächsten Sonntagnachmittag ihre Gemeindefeier auf der Hardt ab. Ein reiches Programm an Spiel und Musik ist vorgesehen. Cs wirken mit die Kinder der Kindcrkirche, die Iugendvcreinigungen und der Verein für christliche Musik. (Siehe heutige Anzeige.) " Der Nationalsozialist ischeDeut- sche ©tubentenbunt), Hochschul- gruppe Gießen, veranstaltete am Mittwoch- abenb in ber Turnhalle cm OSwaldsgarten eine öffentliche Versammlung, in der Werner (Frankfurt a. QU.) über Demokratie, Faschismus Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf und Nationalsozialismus sprach. Der Redner erläuterte zunächst die Grundbegriffe des Faschismus, zeigte die Parallelerscheinungen mit dem Nationalsozialismus und die Gegensätze gegenüber dieser Weltanschauung, um sich dann eingehend mit der demokratischen Staatsausfas- fung zu beschäftigen, an welcher er Kritik übte, ferner stellte der Redner der demokratischen Staatssorm den Faschismus gegenüber, zeigte die Entwicklung und Auswirkung dieser Staatsauk- faffung in Italien, um sich dann eingehend mit den derzeitigen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verhältnissen in Italien zu beschäftigen. Hierbei ging der Redner auch auf die Aussöhnung zwischen König und Papst ein und zeigte die inner- und außenpolitische Auswirkung dieses Schrittes. Der Redner kam bann auf bie politischen Parteien und das parlamentarische System zu sprechen, das er einer scharfen Kritik unterzog. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner noch mit dem Boungplan und dessen Auswirkung. Nach dem Referat übte ein Diskussionsredner Kritik an den Ausführungen des Vortragenden, welcher in einem längeren Schlußwort antwortete. Die Versammlung verlief ruhig. " Sonderzüge zum Kriegerfest in Kes selb ach. Am Sonntag, 13. Iuli, verkehren aus Anlaß eines Verbandskriegersestes in Kesselbach zwischen Grünberg und Londorf zwei für den öffentlichen Verkehr freigegebene Sonder- züge mit zweiter und dritter Wagenklasse. Erster Sonderzug: Grünberg ab 11.50, Deltershain an 11.56, ab 11.57; Lumda an 12.00, ab 12.01; Geilshausen an 12.06, ab 12.07; Odenhausen an 12.10, ab 12.11: Kesselbach an 12.15, ab 12.17; Londors an 12.21. — Zweiter Sonderzug: Lon- dors ab 20.00, Kesselbach an 20.03, ab 20.09; Odenhausen an 20.12, ab 20.13: Geilshausen an 20.17, ab 20.18; Lumda an 20.24. ab 20.25; Beltershain an 20.29, ab 20.30; Grünberg an 20.36. Preußen. Kreis Wetzlar. -j- Leu n, 7. Iuli. Die evangelischen I ü n g - lingsvereine und Posaunenchöre bei Kreises Wetzlar feierten gestern in unserer Gemeinde ihr diesjähriges K r e i s s e st. Zahlreiche auswärtige Festgäste, unsere Einwohnerschaft, sowie die im Kreisverband zusammengeschlossenen Vereinsglieder hotten sich in stattlicher Zahl eingefunden. Im FestgotteSdienst hielt Pfarrer Gaul (Dillenburg) über das Hauptthema: Haltet fest am Bekenntnis! die Predigt. In den Nachmittagsstunden bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Ortsstraßen nach dem schön gelegenen Festplatz, wo alsbald die Festverfamm- lung durch einen Vortrag der Posaunenchöre unter Leitung des Dirigenten Iohannes Kuhl (Brandobemdorf) eingeleitet wurde. Aach Schrift- verlesung und Gebet des Kreispräses der Iüng- lingsvereine, Pfarrer Koch (Lützellinden), hieß der Ortsgeistliche, Pfarrer Steiner, die Versammelten herzlich willkommen, worauf Stabt- Missionar Schmibt (Wetzlar) die Grüße der Vereine für entschiedenes Christentum (E. C.) überbrachte. Heber bie Frage: Was bekennen wir? hielt nun Pfarrer Gaul (Dillenburg) die erste Festansprache. Inspektor Classen (Elberfeld) behandelte anschließend das Thema: Wie bekennen wir? und schilderte an Hand von Beispielen aus dem täglichen Leben den Wert und die Kraft eines glaubensfesten Dekenntnisfes. Die dritte Festansprache hielt Pfarrer G ü 11 g e s (Wetzlar) über den Segen des Bekennens, worauf Kreispräses Pfarrer Koch (Lützellinden) unter Zugrundelegung von Ioh. 11,40 im Schlußwort das Gehörte noch einmal unterstrich und mit Gebet und Segen das Fest beendete, das mit zwei Versen des Liedes: Ein feste Burg ist unser Gott! einen erhebenden Ausklang fand. Durch stimmungsvolle Vorträge der Posaunen- und Männerchöre wurde die Veranstaltung würdig umrahmt. Die Kollekte wurde für die IünglingS- vereinssache bestimmt. Berliner Börse. Berlin, 10. Iuli. (WTB. Funkspruch) Der heutige Frühverkehr lag ohne besondere Anregungen und hatte noch keine Umsätze aufzuweisen. Die Besserung in Neuyork hatte schon gestern abend in Frankfurt zu Kurserholungen geführt, und man taxiert heute diese Kurse zumindest behauptet. Verantwortlich für Lokales: I. D.: Dr. Thyriot. Gelbe Raucherzahne. „Nach langem Suchen endlich das Richtige für meine Zähne. Nach dreimaligem Gebrauch blendend weiße Zähne, trotzdem dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wirkten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als Chlorodont." B., Horst Berg. — Chlorodont: Zahnpaste 60 Ps. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen | Chlorodont- Verkaufsstellen zu haben. X Vv- .".V" .'AWtA WK3 $ M' >.') ■ . " Glatt Karlen! Familie Blondheim. Verlobte Alten'Buseck, Frankfurt a. M., den 10. Juli 1930, 04354 Markus-Gemeinde 4961D Neue SCH UH HAUS Mischung 4972 A 4772 A Hausstanduhren = >. Vereinen, Auskunft kostenlos. 04330 Schmackhaft! Nahrhaft! Schwenningen s. N. j L75mflro6, wünscht. 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Beginn der Feier auf der Hardt um 3 Uhr. — Alle Gemeindeglieder sind hiermit herzlich eingeladen. Für den Kirch en vor stand; BECKER, Pfarrer. (Schwarzwald), AlleenalraBe 17. Spar- und Vorschußverein Allendorsa.d.Lda.e.G m.b.S. Geschäftsdrucksachen Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten bei Brühl. Schulstrafle 7 Vermietungen | Wlme-VMIW mit Zubehör i. bester Lage, mit 2 Etngäng biSH.Gefchäsistäume für gleiche Zwecke, flctetlt oder zufamm. zum 1. Sept, zu vermieten. Schr.Ang.u. 01320 a. d.Giest. Anz. Sofort beziehbar. Beschlagnahmeireie 3-3immer- Lvohnung mit Zentralheizung und allem Zubehör, Monatl.lOOMk. ois<5 Krankf. Str. 143. Vermögensbilanz am 31. Dezember^ 1929. m.Bild unter 604 an mitteld. Annoncen- Exped. Gießen gebet. Strengst. Diskretion sowie Rückgabe ded Bildes Ehrensache. | Vereine | Polstermöbel-Matratzen Für Aufarbeiten und Modernisieren Ihrer Matratzen und Polstermöbel empfehlen wir Ihnen die Sommermonate resp. Ferienzeit. 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Oie ostdeutschen Volksabstimmungen am 11. Juli 1920. Don Dr. Karl G. von Lorsch, Vorsitzender des Deutschen Schutzbundes. Zum zehnten Male jährt sich der Tag, an dem deutsche Menschen in Oft- und Westpreu - hen, gemäß den Bestimmungen des Bersailler Friedensdiktates, s i ch zu ihrem Deutsch- tum bekennen konnten und durch ihr Bekenntnis ihre engere Heimat für das Reich retteten. Cs waren freilich nur kleine Teile des Gesamtgebietes, dessen Abtretung Polen verlangt und zum großen Teil bereits durchgesetzt hatte, und das Ergebnis des 11. Juli, an dem in )er Abstimmungszone des südlichen Ostpreußen '7,5 Proz., in den westpreußischen Restkreisen 92,5 Prozent der Bevölkerung sür Deutschland stimmte, -mitte >ichts mehr an der Tatsache ändern, daß as Friedensdiktat wesentlich« Teile des deutschen ceichsbodens den Polen ohne Abstimmung iberantwortet hatte. Doch die über die Grenzen md Deutscherhaltung der Abstimmungsgebiete yinausgehende, gesamtdeutsche Bedeutung dieses 11. 3uli tritt heute, nach einem Jahrzehnt in der Erinnerung nur noch klarer hervor. Diese ost- und westpreuhisch« Abstimmung erwies eindeutig die Unwahrheit der polnischen Propaganda, die sich auf der Behauptung aufbaute, die Bevölkerung des deutschen Ostens sei in ihrer Mehrheit polnisch, bzw. polnisch gesinnt; ja auch d i e polnischsprechende Bevölkerung hatte sich zu wesentlichen Teilen zum Reiche und zur deutschen Kultur bekannt, hatte sich für deutsche Staatlichkeit und gegenPolen entschieden. Dialekt und politische Meinung deckten sich nicht, wie die Polen erhofft hatten, der polnische Anspruch auf Masuren war restlos zusammengebrochen. Und der innere Widerspruch, daß einigen Grenzgebieten das Recht der freien Meinungsäußerung gewährt wurde, anderen jedoch nicht, ließ unzweifelhafte Schlüsse auf die moralische Berechtigung der abstimmungslosen Abtretung des Korridorgebietes au. Hätte nicht eine auf das übrige Westpreußen, den Soldauer Zipfel und den Rehegau ausgedehnte Volksabstimmung das gleiche Ergebnis gehabt? Rämlich eine ft arte deutsche Mehrheit, mindestens 80 Prozent! Die Volksabstimmung in den Bezirken von Allenstein und Marienwerder haben den deutschen Rechtsanspruch auf das den Polen überlieferte, aber keineswegs von einer „unzweifelhaft polnischen Bevölkerung" bewohnte Gebiet, nur erhärtet: einen Rechtsanspruch, der durch die spätere Vertreibung der bodenständigen deutschen Bevölkerung nicht beseitigt werden kann, das mag^ im Zeichen der Erinnerung an den n affenlo en nieg vom 11. 3uli vor allem gesagt werden. Die Bestimmungen des Friedensdiktates, welche die Abstimmungszone Umrissen, gaben in Artikel 95 bekannt, daß jede Person stimmberechtigt sei, die bei Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages das 20. Lebensjahr vollendet habe, in der Zone, in der die Volksabstimmung statt- sinden solle, geboren sei oder seit einem von dem Ausschuß sestzusehenden Zeitpunkt dort ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt gehabt habe. Das war nicht im Interesse des deutschen Volkes erlassen, beruhte aber auch auf polnischer Irreführung, als ob die deutsche Verwaltung der Ostgebiete ein Gewaltregiment dargestellt habe, das dem Willen der Mehrheit der Bevölkerung entgegengesetzt gewesen wäre, als ob ein Großteil der Bevölkerung unter dem Druck des staatlichen Terrors aus dem Londe ausgewandert sei und eine Art politisches Flucht- lingstum verkörpere, das nun bei der Abstimmung mit Freuden für Polen stimmen würde. Die Polen selbst schienen an diese ihre These zu glauben, um so größer war ihre Enttäuschung. Denn die Abstimmungsberechtigten, die nun aus allen Teilen des Reiches in die alte Heimat zuströmten, um für das Schicksal ihrer Heimat ?u zeugen, stimmten, genau so wie die ortsan- ässig gebliebene Bevölkerung, mit Begeisterung für — Deutschland * s - < • * H M ■ Das reichgeschmückte deutsche Haus in Allenstein während der Abstimmungswoche (Sin Krankenhaus für Krast- postwagen. Von Karl Ammon. Meine Mutter hat mir oft von einem meiner vier Urgroßväter erzählt, der Thurn- und Taxis- scher Postmeister in Gelnhausen war. Dort war ein großer Postfuhrbetrieb, denn in Gelnhausen bekamen die Reisenden aus Frankfurt am Main, die nach Berlin und Leipzig fuhren, neue Pferde, und so hatte denn mein Urgroßvater 200 solcher nützlichen Säugetiere in seinem zoologischen Garten Als ich dann vor 50 Jahren einmal in Gelnhausen war. waren noch sage und schreibe zwei ganze Pferde vorhanden. Die Eisenbahn hatte ihren Siegeszug vollendet, und die erfreuliche Erscheinung des das Posthorn blasenden Postillons war so gut wie ganz von der Landstraße verschwunden. Die Technik hatte ihn gemordet. Run aber läßt sie ihn — freilich in anderer Form - wieder auserstehen: Der Kraftwagen hat auch bei der Post seinen Einzug gehalten, und damit ist sie auch in der Fahrgastbeförderung über die Landstraße wieder konkurrenzfähig geworden. 12 000 KraftiahrAeuge der verschiedensten Arten besitzt die Post heute schon, und es ist vorauszusehen, daß sich diese Zahl in den nächsten Jahren vervielfachen wird. Run müssen alle diese Kraftfahrzeuge mstand gehalten werden, wenn sie betriebsfähig und betriebssicher bleiben sollen. Kleine Instandsetzung gen, wie sie natürlich fast alltäglich notwendig werden, werden in den Betriebswerkstätten ausgeführt Darüber hinaus aber ist es erforderlich, die Wagen von Zeit zu Zeit einmal gründlich durchzusehen und sie so instand zu setzen, daß sie fast wie neu sind. Hierzu hat die Post fünf Krast- postwerke eingerichtet, und zwar in Derlin- Dorsigwalde, Breslau. Dortmund, Erfurt und Karlsruhe. In eines dieser Werke kommt jeder Kraftpostwagen, nachdem er l1/»» bis 2mal um den Erdumfang gefahren ist. oder mit anderen Worten, wenn er 60 bis 80 000 Kilometer zurückgelegt hat. Dies ist ungefähr durchschnittlich nach zwei Jahren der Fall. Bei einzelnen Fahrzeugen, z. B. bei den Telegraphenbauwagen, die natürlich während des Baues nur langsam mit den Baukolonnen vorrücken, dauert es bis zu fünf Jahren, man ist aber bestrebt, diese Zeit abzukürzen und solche Fahrzeuge ohne Rücksicht auf die Kilometerzahl, die sie gefahren haben, auch alle zwei bis drei Jahre in einer der genannten Werkstätten gründlich zu überholen. Der Kraftwagenpark der Post ist zur Zett noch ziemlich vielgestaltig, und das ist auch gut so, weil es zweckmäßig war, die verschiedensten Muster im Betriebe zu erproben. Für die Instandsetzung entstehen dadurch allerdings erhebliche Schwierigkeiten, namentlich weil der Ersah schadhafter Teile nicht ohne weiteres durch Austausch möglich ist. Man hat dadurch eine_ gewisse Erleichterung geschaffen, daß die Werkstätten in Breslau. Dortmund, Erfurt und Karlsruhe nur bestimmte Wagenmuster instand setzen, während für alle übrigen Fahrzeuge das Werk in Derlin- Borsigwalde zuständig ist. Dieses Werk wurde kürzlich den Mitgliedern der Technisch-Literarischen Gesellschaft gezeigt. Es enthält eine ganze Anzahl von Sonderwerkstätten. wie Schmiede, Dreherei, Elektrowerkstatt, Schleiferei, Motorenbau, Dremsraum, Prüfraum, Stellmacherei, Klempnerei, Sattlerei. Zusammenbau und Lackierwerkstatt. Die Arbeit vollzieht sich noch nicht am laufenden Band, weil die Verschiedenheit der Muster eine solche Arbeitsweise unwirtschaftlich machen würde. Später aber wird dies voraussichtlich anders werden, nämlich dann, wenn man zu einheitlichen Mustern gekommen fein wird. Gerade die Werkstatt in Derlin-Dorsig- wolde leistet hierzu wertvolle Entwicklungsarbeit, und dazu ist sie ja auch ganz besonders befähigt, da sie die Vorteile und die Mängel aller Fahrzeuge und ihrer Einzelteile sozusagen am eigenen Leibe verspürt. In einem besonderen Versuchsfeld werden auch die der Deutschen Reichspost ange- gepriesenen Reuerungen gründlich geprüft. Das Kraftpostwerk in Derlin-Borsigwalde hält auch neuntägige Lehrgänge für je 60 Teilnehmer ab, in denen die mit der Verwendung der Wagen betrauten Beamten über das Wesen des Kraftwagens und seine Pflege unterwiesen werden. Hierzu steht dem Werk ein Lehrsaal zur Verfügung, der mit so hübschen und geschickt gemachten Modellen ausgestattet ist, daß man an ihrer Hand jedem nicht ganz auf den Kops gefallenen Menschen alle Vorgänge bei elektrischen Kraftwagen und bei solchen mit Drennmotoren in kürzester Frist beibringen kann. Der Lehrsaal wird denn auch von Hochschulen, Gewerbeschulen usw mitbenuht, da Wohl kaum irgendwo anders gleich mustergültige Anlagen vorhanden fein dürften. Die feierliche Uebergabe des Abstimmungsgebietes durch die Interalliierte Kommission. Im Vordergrund (sprechend) Regierungspräsident v. Oppen, neben ihm nach rechts Reichskommissar Freiherr v. (8 a g L Die Schöpfer des Versailler Diktats sind sich in Paris gewiß nicht über die Zahl der Abstimmungsberechtigten, die ihre Heimat verlassen hatten, klar gewesen; handelte es sich doch in diesem Falle um rund 160 000 Menschen. Auch ohne ihre Teilnahme hätte das Abstimmungsergebnis eine gewaltige deutsche Mehrheit gegeben; aber nicht zuletzt aus der Tatsache, daß sich 152 000 Menschen um ihrer Heimat willen in Bewegung setzten, erwuchs das seelische Erlebnis dieser Abstimmungszeit. In der Vorbereitung und Durchführung dieser Wanderungsbewegung erhielt der Deutsche Schutzbund, der im Frühjahr 1919 unter dem vernichtenden Eindruck der Friedensdiktate von Vertretern der verschiedensten grenzdeutschen Gebiete als Selbsthilseverband gegründet war, seine erste große praktische Aufgabe. Gleichsam aus dem Richts heraus muhte eine das Reich umspannende Abstimmungsorganisation geschaffen werden, wurde in mühseliger Kleinarbeit jeder einzelne Abstimmungsberechtigte erfaßt, aufgeklärt, mit den nötigen Papieren versehen und in Marsch gesetzt, wurde der auf eine kurze Spanne Zeit zus ammengedrängte Transport vieler Taufende, unter ilebertoinöung der vielfachen Schwierigkeiten, welche die Abstimmungs- kommissare der Siegermächte durch Abänderung der Bestimmungen immer wieder versuchten, technisch vorbereitet und durchgeführt, in einer Zeit, in der die deutschen Transportmittel durch den Krieg und die Ablieferungen an die Entente auf den äußersten Tiefstand herabgesunken waren. Hinzu kam, daß das polnisch gewordene Korridorgebiet die unmittelbare Eisenbahnverbindung mit Ostpreußen unterbrach, und das Schwergewicht daher von vornherein auf den Schiffstransport gelegt werden muhte. Als die Polen in letzter Stunde den Korridorverkehr durch völlig unberechtigte Paß- beftimmungen fast ganz unterbanden, waren auch über See eine ungleich höhere Zahl von Menschen zu befördern, als vorgesehen war, eine Aufgabe, die schließlich sogar die Beteiligung von — Torpedobooten erforderte. Rur wer damals im Mittelpunkt der Ereignisse gestanden hat, weih, welche Verantwortung auf denen lastete, die damals die Leitung übernommen hatten, wieviel geschicktes und rasches Handeln erforderlich war, um einer Stockung der Transporte und einer bedrohlichen Anhäufung von Reisenden, für deren Unterbringung und Verpflegung schwer zu sorgen gewesen wäre, vorzubeugen. Doch das Werk gelang, gelang durch die vortreffliche Zusammenarbeit der zentralen und örtlichen Stellen, durch die Opferwilligkeit aller Beteiligten, durch die Anteilnahme des ganzen Volkes. Und das ist wohl das Wesentliche: dah in einer Zeit tiefster Zerrissenheit mit den Volksabstimmun- gen dem deutschen Volke wieder eine volks- politische Gesamtausgabe gestellt war; dah die Vorbereitungen für diesen Kampf zwischen Volk und Volk den Blick aller Deutschen aus die bedrohten Grenzen lenkte, und dah dann der Sieg vom 11. Juli, der die mühsame Arbeit vieler Wochen krönte, trotz aller äußeren Rot das deutsche Selbstbewußtsein stärkte. Der gesamtdeutsche Gedanke wurde in der Abstimmungszeit vielen zum ersten Male wieder zum tiefwirkenden Erlebnis. MW Abstimmungs-Gebiet Tilsit Elbing DANZIG Thorn Karte des Abstimmungsgebietes, dessen Bewohner am 11. Juli 1920 mit der überwältigenden Mehrheit von 363 000 Stimmen (für Deutschland) gegen nur 8000 Stimmen (für Polen) ihre Treue zum Deutschen Reich bekundeten. An die Besichtigung schloß sich noch eine sehr interessante Erörterung über die Frage der Verwendung elektrisch angetriebener Kraftfahrzeuge für den Postbetrieb. Die Herren von der Post teilten mit, daß für alle Fahrzeuge innerhalb der Städte, die sehr oft halten müssen, wie dies z. D. bei den Paketbestellungen nötig ist, der elektrische Betrieb dann ganz erheblich vorteilhafter ist, wenn keine großen Steigungen zu überwinden sind, hauptsächlich deshalb, weil die Schalteinrichtungen beim elektrischen Wagen sehr viel einfacher sind, und weil beim Halten die Energiequelle vollkommen abgeschaltet wird; beim Drennmotvr neigen dagegen die Fahrer aus begreiflichen Gründen dazu, den Motor namentlich bei kürzerem Halten durchlaufen zu lassen. Tun sie dies aber nicht, so wird leicht tde Anlaßbatterie überanstrengt, wenn sie nicht außergewöhnlich groß bemessen wird. Ein Kraftpvstomnibus kostet ungefähr so viele tausend Mark wie et Sitze hat, also kostet ein Omnibus von 30 Sitzen ungefähr 30 000 Mark. In den Kraftpostwagen stecken also sehr erhebliche Werte. Die vollkommene Instandsetzung eines Wagens, wie sie in den Werken ausgeführt wird, kostet jedesmal etwa 1 , des Reuwertes, ist also ziemlich teuer, aber natürlich trotzdem notwendig und auch lohnend. Ist man erst so weit, dah man die Fahrzeuge aus wenige Muster normen kann, dann werden sich natürlich die Instandsetzungskosten und auch die Instandsetzungs- zetten ganz erheblich vermindern lassen; aber so weit sind wir noch nicht — dazu find die Kraftfahrzeugtechnik und insbesondere auch der Kraftpostbetrieb noch zu jung. Man wird ja z B. in absehbarer Zett den Benzinmotor zweifellos durch den Dieselmotor ersetzen und dadurch die Betriebsstoffkosten aus einen Bruchteil der jetzigen herabsehen. Allein dadurch wird auch der Kraftpostbetrieb einen weiteren Aufschwung nehmen. denn es werden bann zahllose Linien wirtschaftlich betrieben werden können, bei denen dies kommen, wo der Schwager auf der Landstrahe jetzt nicht der Fall ist. Dann wird die Zeit noch häufiger anzutreffen sein wird als vor der eisendahndurchsausten Gegenwart. Wenn er dann auch selbst nicht mehr das Horn blasen kann, so wird man vielleicht in die Fahrzeuge einen Lautsprecher einbauen, der die auf einem magnetisierten Draht mitgeführten Pvsthornklänge beim Einfahren in die Kleinstädte und Dorfe» hinausschmettert, denn man sollte diesen schönen alten Brauch wieder aufleben lassen, wenn auch in einer der neuen Zeit an gepaßten Gestalt. Oie Kultur und die Seife. Wenn der Verbrauch Hon Seife tatsächlich der untrüglichste Gradmesser für die Kultur eines Volkes ist — es war wohc Justus von Liebig, der das zum ersten Male ausgesprochen hat —, so müssen in einigen Teilen Rußlands noch wahrhaft bootische Zustände herrschen. Wenigstens geht das aus den Anekdoten hervor, die ein englischer Bildreporter im „Rational Geographie Magasine" von seiner soeben beendeten Ruhlandreise ausplaudert. Er hatte in Moskau bei den zuständigen Stellen um die Erlaubnis nachgesucht, mit noch zwei anderen ausländischen Journalisten einige Staatsgruben besichtigen zu dürsen. Rach langem Hin und Her wurde die Genehmigung auch ausgesprochen und dem Engländer in einem amtlichen Schreiben mitgeteilt, dessen Schlußsatz lautete: „Da bei dieser Besichtigung die Möglichkeit teilweiser Beschmutzung der Besichtigenden besteht, ersuchen wir Sie, sich dazu mit genügend Seife versehen zu wollen, da im Bergwerk keine vorhanden ist und wir hier nicht in der Lage sind, Ihnen welche zur Verfügung zu stellen." Das war allerdings wenig propagandistisch, aber doch ehrlich gesprochen! Wozu die Verkehrsregelung gut ist. In einem kleinen Ort in der Rähe von Chi- fago am Michigansee schickten die vereinigten Frauenvereine eine Abordnung ins Rathaus mit der Bitte oder der Forderung, man möge schleunigst an den Straßenecken jene Verkehrsampeln anbringen lassen, die abwechselnd rot, grün und gelb leuchten. Der Magistrat beriet lang und breit und kam zu dem Schluß, daß derartige Maßnahmen keineswegs angebracht wären und in keinem Verhältnis zu dem geringen Verkehr stünden, der sich auf den Straßen bemerkbar mache. Aus ilmtoegen bekam man denn auch heraus, weshalb die Damen auf eine solche^ ausgefallene Idee gekommen waren: wenn nämlich das Licht dreimal gewechselt hat, ist die Zeit um, in welcher Eier weich kochen. Lind das schien den Hausfrauen eine sehr praktische Einrichtung. Kreistierschaufest in Wetzlar. Zweiter Festtag. - Oie Ergebnisse der Prämiierung. O Wetzlar, 7. Juli. Der zweite Festtag deS Kreistierschaufestes war in der Hauptsache mit der Prämiierung der ausgestellten Tiere ausgefüllt. Die Prämiierung hatte folgendes Ergebnis: I. Vogelsberger Rindvieh. Kl. I: Bullen im Alter von 8/< b i s IVg Jahren. Preise: 1b. Gemeinde Lützellinden 40 Mk.; 2. Georg Depler, Hörnsheim, 30 Ml.; 3a. Karl Jung II., Hochelheim 20 Mk.; 3b. Otto Schneider, Hörnsheim, 20 Mk.; 3c. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 20 Mk. Lobende Anerkennung: Anton Schmidt V. und Gg. Müller IV., Hörnsheim, je 10 Mk. Kl. ll: Bullen im Alter von IV, bis 2V, Jahren. Preise: 2b. Gemeinde Hörnsheim 50 Mk.; 3a. Anton Biehmann IV., Hochelheim, 30 Mk. Lobende Anerkennung: Karl Schmidt, Groh-Rechtenbach 15 Mk. Kl. III: Dullen im Altervon mehrals 21/, Jahren. Preise: 1. Gemeinde Hörnsheim 100 Mk., gestiftet von der Stadt Wetzlar; 2. Johannes Eckhardt, Hochelheim, 60 Mk. Kl. IV: Rinder im Alter von 12 bis 21 Monaten. Preise: 2a. Philipp Eckhardt, Hochelheim, 15 Mk.; 2c. Anton Zörb, Hörnsheim, 15 Mk. Kl. V: Rinder im Alter von mehr als21 Monaten. Preise: la. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 30 Mk.; 2a. Ferdinand Engel, Hörnsheim, 25 Mk., gestiftet von der Gemeinde Riederkleen; 2c. Anton Gümbel, Hörnsheim, 25 Mark; 2d. Wilh. Depler, Hörnsheim 25 Mk.; 3a. Otto Schneider, Hörnsheim, 20 Mk.; 3d. derselbe 20 Mk. 3f. Friedrich Bogt, Hochelheim, 20 Mk.; 3h. Ferdinand Engel, Hörnsheim, 20 Mark; 4b. Anton Engel V., Hörnsheim. 10 Mk. Lobende Anerkennung: Johs. Krombach, Lützellinden, 5 Mk. Kl.VI: Kühe im Alter bis zu 6 Jahren. a) sichtbar tragend. Preise: 1. Wilhelm Depler, Hörnsheim, 50 Mk.; 2a. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 40 Mk.; 3a. Heinrich Hofmann I., Hörnsheim, 30 Mk.; 3c. Otto Schneider, Hörnsheim, 30 Mk.; 4a. Wilh. Ludwig, Hörnsheim, 20 Mk.; 4b. Anton Engel V., Hörnsheim, 20 Mk.; b) Kühe in Milch: 1. Ehrenpreis Ferd. Engel, Hörnsheim, 50 Mk.; 2. Ehrenpreis Anton Engel V., Hörnsheim 50 Mk.; 3. Ehrenpreis Otto Schneider, Hörnsheim, 50 Mk.; la. Anton Engel V., Hörnsheim, 40 Mk.; 1b. Georg Depler, Hörnsheim, 40 J2lf.; 2b. Georg Depler, Hörnsheim, 30 Mk.; 2c. Karl Biehmann, Hochelheim, 30 Mk.; 3b. Ferd. Engel, Hörnsheim, 20 Mk.; 3c. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 20Mk.; 3d. Johannes Krombach, Lützellinden, 20 Mk.; 4b. derselbe 10 Mk.; 4d. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 10 Mk. Lobende Anerkennung: dieselbe 5 Mark. Kl. VII: Kühe im Alter von mehr als 6 Jahren, a) sichtbar tragend. Preise: 2b. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 40 Mk.; 3. Georg Depler, Hörnsheim, 20 Mk.; b) Kühe in Milch. Preise: la. Wilh. Depler, Hörnsheim, 50 Mk.; 2a. Otto Schneider, Hörnsheim, 40Mk.; 2b. Anton Hartmannshenn, Hochelheim, 40 Mk.; 2c. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 40 Mk.; 3a. Johannes Krombach, Lützellinden, 30 Mk.; 3b. Anton Hartmannshenn, Hochelheim, 20 M.; 3c. Louis Engel, Riederkleen, 20 Mk.; 3c. Johannes Will, Hörnsheim, 20 Mk. Lobende Anerkennung: Heinrich Hofmann I., Hörnsheim, 5 Mark. SU. VIII: Familien. Kühe mit mindestens zwei Rachkommen. Preise: 1. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 40 Mk.; 2a. Otto Schneider, Hörnsheim, 25 Mk. Kl. IX: Milchleistungswettbewerb. Preise: la. Wilh. Depler, Hörnsheim, 15 Mk.; 1b. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 15 Mk.; 1c. Georg Depler, Hörnsheim, 15 Mk.; lb. derselbe 15 Mk.; le. Johannes Will, Hörnsheim, 15 Mk.; 2a. Anton Hartmannshenn, Hochelheim, 10Mk.; 2b. Ferd. Engel, Hörnsheim, 10Mk.; 2c. Johs. Weber Ww., Hochelheim, 10 Mk.; 2d. Anton Hartmannshenn, Hochelheim, 10 Mk.; 3a. Otto Schneider, Hörnsheim, 5 Mk.; 3b. Ant. Schwarz Ww., Hörnsheim, 5 Mk.; 3c. Anton Engel V.. Hörnsheim, 5 Mk.; 3c. Gemeinde Lützellinden 5 Mk.; 3f. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim 5 Mark. Kl. X: Sammlungen, aus einer Gemeinde mindestens 8 Tiere, darunter ein angekörter Dulle, 4 Kühe und 3 Rinder oder an Stelle der letzteren 2 Rinder und 1 Jungbulle. Preise: 1. Gemeinde Hörnsheim 50 Mk.; 3a. Gemeinde Hochelheim 30 Mk. Kl. XI: Sammlungen aus Einzel st allen mit mindestens 4 Tieren, wovon mindestens zwei selbstgezüchiet sein müssen. Preise: la. Wilhelm Depler, Hörnsheim, ein Prismenfernglas, gestiftet von der Firma Hensoldt, Wetzlar; lb. Anton Schwarz Ww., Hörnsheim, 30 Mk.; 2b. Otto Schneider, Hörnsheim, 25 Mk.; 3c. Anton Engel V., Hörnsheim, 15 Mk.; 3d. Johannes Krombach, Lützellinden, 15 Mk.; 4. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 10 Mk. III. Pferde. A. Kaltblut. Kl. I: Stuten im Alter von mehr als vier Jahren, mit oder ohne Fohlen. Preise: 1. Hch. Haub II., Riederkleen, 40 Mk.; 2. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 30 Mk.; 4a. Louis Volk, Hörnsheim, 15 Mk.; 4b. Wilh. Diehl, Riederkleen, 1 Dutzend silberne Kaffeelöffel (gestiftet von Apothekenbesiher Dahr, Wetzlar); 4c. Karl Höringer, Riederkleen, 15 Mk. Kl. III: Fohlen im Alter von 2 Jahren: 1. Karl Schütz II., Oberkleen, 20 Mk. Kl. IV: Fohlen im Alter von 1 Jahr: 1. Johannes Weber Ww., Hochelheim, 20 Mk. B. Warmblut. Kl. VI: Stuten im Alter von mehr als 4 Jahren, mit oder ohne Fohlen. Preise: 1. Wilh. Glaum, Riederkleen, 40 Mk.; 2. Otto Schneider, Hörnsheim, 30 Mk.; 3b. Ludwig Pepler, Hörnsheim, 20 Mk. Lobende Anerkennung: Johannes Engel, Hörnsheim, und Wilh. Glaum, Riederkleen, je 8 Mk. IV. Schweine. Kl. I: Eber im Alter bis zu 12 Monaten. Preise: 1. Anton Engel V., Hörnsheim, 20 Mk. und einen Schweinetrog, gestiftet von Dorsteher Reeb, Leun; 2. Louis Volk, Hörnsheim, 20 Rkk.; 3. Johannes Dolk, Hörnsheim, 15 Mk. Lobende Anerkennung: Johs. Engel VII., Hörnsheim, 5 Mark. Kl. III: Eber im Alter von mehr als 18 Monaten. 2. Johs. Dolk, Hörnsheim, 30 Mk.; Kl. IV: Sauen im Alter bis zu 12 Monaten. 1. Gg. Müller IV., Hörnsheim, 30 Mk.; 2. Anton Engel, Hörnsheim, 25 Mk., davon 15 Mk. gestiftet von dem Schweinezuchtverein für den Kreis Wetzlar; 2. Wilh. Ludwig, Hörnsheim, 25 Mk.; 3. Johs. Will, Hörnsheim. 20 Mk.; 3. Anton Engel V.. Hörnsheim, 20 Mk.; 4. Louis Dolk, Hörnsheim, 10 Mk.; 4. Anton Engel V.,Hörnsheim, 10 Mk. Kl. V: Sauen im Alter von 12 bis 24 Monaten. 1. Albert Engel, Hörnsheim, 30 Mk.; 2. Ferd. Engel, Hörnsheim, 20 Mk. Kl. VI: Sauen tm Alter von mehr als 24 Monaten. Preise: lb. Wilh. Ludwig, Hörnsheim, 30 Mk.; 2. Johs. Engel VII., Hörnsheim, 25 Mk.; 3. Otto Schneider, Hörnsheim, 15 Mk. Die Sünde der Senate Mercandin. Vornan von Fred Aeliuü. 16 Fortsetzung Nachdruck verboten Run war Renate auf die große Straße abgebogen. Griebenow erkannte das besonnte Weiß des Chiffonkleides, den großen Florentiner Hut und darunter ihre blonden Haare. Zwei Minuten später war ^r an ihrer linken Seite. „Meine gnädige Frau.. .1" Er lüftete den Hut. Da zuckte sie zusammen und blieb unwillkürlich stehen. „Ich bitte um Verzeihung, daß ich Sie vorhin so spät erkannte", sagte er. „Die Kapelle spielte nämlich gerade den Straußschen Kaisecwalzer, und ich war weit fort. In Berlin. Ich träumte, ich sei eines Winterabends in dem Hause des Geheimrats Reugereuth, und ich tanzte dort. Ich tanzte mit Frau Mercandin." „So, so..." Sie lächelte. Run ging sie weiter. „Unb wo waren Sie denn heute mittag, gnädige Frau? Sanssouci vermißte Sie beim Esten." „Ich war zu Mittag mit Bekannten in der Teichmann-Daude. Später sollte ich im Auto nach Warmbrunn. Ich mochte nicht." „Das ist herrlich", sagte er. „Lind nun?" Sie zuckte leicht die Schultern, blieb dann stehen und sah an ihm vorbei. Sie standen jetzt vor einer Bude mit geschnitzten Holzsiguren und bemalten Bauerntellern. Hinter ihnen kam ein leerer Wagen. Kurz entschlossen drehte Grie- benow sich um und rief ihn an. Dann trat er wieder zu Renate Mercandin. Gr zeigte nach dem Wagen. „Darf ich bitten..." „Was denn?" „Wollen wir nicht fahren? Es ist heiß und staubig. Der Weg wird steil, und Ihr weißes Chiffonkleid kann schmutzig werden." Sie lächelte. Sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Ihre Sorge, lieber Freund, um mein Kleid?" Aber dann, mit einem plötzlichen Entschluß drängte sie den Widerstand in sich zurück und ging zum Wagen. „Also gut — fahren wir." Elastisch stieg sie ein, ehe Griebenow ihr Helsen konnte. Sie nahm den rechten Sitz. Der Kutscher drehte sich zu Griebenow herum, der noch am Trittbrett stand. „Wohin?" „Spazieren", sagte der. „Wohin Sie wollen." Run ging es los. Die Schimmel zogen an. Talwärts fuhr der Wagen... durch Rieder- Krumhübel hindurch... vorbei am Steigerturm der Feuerwehr und dem Gasthaus „Riesengebirge" in das Tal der kleinen Lomnitz. „Bitte, umdrehen", sagte du Renate Mercandin. Griebenow sah nach der Armbanduhr. „Es ist jetzt fünf. Ich habe eine große, große Ditte. Ich möchte Ihnen über alles gern meine Heimat zeigen: Schmiedeberg. Wir sind in einer Stunde dort. Ich zeige Ihnen schnell die Kirche... eine Teppichweberei. Wir essen eine Kleinigkeit, ihn sieben fahren wir zurück. Gegen neun Uhr sind wir wieder im Hotel." Sie blickte links, sah ihn an mit einem Dlick, der ihn durchstrahlte bis zum letzten Rerv. Sie lächelte. Ein sonderbares Lächeln. „Ich denke, daß Sie heute abend reisen wollen?" „Ach, du lieber Himmel... sagten Sie nicht selber: heute abend oder morgen früh? Sehen Sie, gnädige Frau, ich bin den ganzen unerträglich heißen Sommer in das Joch gespannt gewesen. Ich verlange auch in Zukunft keinen Urlaub. ilnb nun bin ich dienstlich hier. Ich bin erst am Bormittag angekommen. Soll ich schon nachmittags wieder reisen? Soll ich baß?“ Sie schwieg. „Rein, ich soll bas nicht. Ich soll erst morgen mit dem Frühzug reisen und dann mittags in Berlin sein — nicht wahr?" Plötzlich stieß er einen Jodler aus, daß sie jäh zusammenschreckte. „Dank schön, meine gnädige Frau... ganz unermeßlich vielen Dank für Ihre Güte. Dafür, daß Sie mir die Ehre antun, jetzt mit mir nach Schmiedeberg zu fahren. Dafür, daß ich Ihnen jetzt das liebe, dumme, kleine, alte Städtchen zeigen werde. Schmiedeberg wird flaggen. Schmiedeberg wird Böller lösenl" Plötzlich griff er nach der Hand Frau Mer- candins, zog sie an den Mund und küßte fie. Schnell entzog sie ihm die Hand. Dann lachte sie. * Der Wagen rollte über die Landstraße... durch Steinseisfen hindurch... vorbei an der Schmiede und am Kretscham. Gin ländliches Idyll. Tiefer Friede unter den Dorflinden. Kinder spielten. Eine Rinderherde zog des Wegs. Gespanne kehrten von der Arbeit heim. Die Mücken summten. Des Sommers Zauberduft in Baum und Strauch. Hinter Steinfeiffen kam Feld. Stolz zeigte Griebenow in die besonnte Weite. „Das ist meine Heimat", sagte er. Seine Stimme schwang. „Zwanzig Jahre bin ich fortgewesen. Lind nun komme ich zurück. Gin Erlebnis ist das heute für mich... ein Erleben zweifach." Zwischen wogenden Feldern und träumenden Weilern fuhren fie dahin. Ein bewaldeter Berghügel hob sich abseits vom Weg. Wie ein Silber- Lobende Anerkennung: Louis Bolk, Hörnsheim, 5 Mark. SU. VII: Familien mit mindestens drei Generationen, davon mindestens zwei gezüchtet. 2. Johs. Engel VII., Hörnsheim, 15 Mk. SU. VIII; Sammlungen aus einer Gemeinde, mindestens 8 Tiere, darunter ein angekörter Eber und 7 Sauen. 1. Gemeinde Hörnsheim 20 Mk. Kl. IX: Sammlungen aus Einzelställen mit mindestens vier Tieren, davon mindestens zwei selbstgezüchtet, la. Anton Engel, Hörnsheim, 20 Mk. und große Preismünze der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz. V. Schafe. A. Deutsche fchwarzköpsige Fleischschafe. SU. la: Böcke im Alter bis zu zwei Jahren. Pr.: 1. Schäfereigenossenschaft Hochelheim 12 Mk.; 2a. Schäfereigenossenschaft Hörnsheim 8 Mk.; 2b. Stammschäferei Riederkleen 8 Mk. Kl. Ib: Böcke im Alter von mehr als 2 Jahren. 2. Stammschäferei Riederkleen 8 Mk.; Kl. II: Schafe mit mindestens vier breiten Zähnen, a) mit Lämmern. Preise: 2b. Otto Röhrig, Hochelheim, 8 Mk.; 2c. Karl Jung, Hochelheim, 8 Mk.; 3a. Ot am Horizent. Roch immer schien die Sonne. Aber ihre Strahlen waren fahl geworden. Dumpfe Stille hing bedrohlich in der Luft. Kein Windhauch ging. „Wir wollen uns beeilen", sagte Griebenow. Er öffnete die schwere Tür zur Kapelle. „Der Wagen wartet draußen. Bitte, kommen Sie. " * Als fie eine Viertelstunde später wieder auf die Straße traten, hatte sich die Welt bemerkenswert geändert. Der ganze Himmel war von bläulichschwarzen Wolken überzogen. Der Sturmwind pfiff. Der Donner rollte. Gin erster schwerer Blitz zerriß das Firmament. Sie erreichten gerade noch mit knapper Rot den Gasthof „Goldener Stern". Als sie aus dem Wagen stiegen, löste sich der Himmel. Schwarze Wolken brachen. Regenströme klatschten auf die Straße. Im Handumdrehen wurden beide naß. Griebenow riß schnell die Tür auf. Sie traten in den Flur. Beide atmeten erlöst. Renate Mercandin blieb stehen und sah sich um. Beider Blicke trafen sich. Renate lachte. „Ra, ich danke schön, Herr Schmiedebergeri" „Ach herrje...! Das hängt mir an, das hängt mir an. Der ganze große Festempfang ist jetzt verhagelt. Aber nun mal erst in das Trockene, bitte: hier herein!" Er kannte alle Winkel im „Goldenen Stern". Vom Flur aus kam man in ein allerliebstes kleines Trinkstübchen. Es war leer. Die Tür zum Rebenraum geschlossen. Renate sah sich um. Wieder fiel ihr Blick auf Griebenow ... seltsam spürend und mit einem halben eingefrorenen Lächeln. „Reserviertes Zimmer also... Das gehört wohl auch zum Festempfang, Herr Schmiedeberger?" Wortlos schob er den Tisch zur Seite, um ihr den Platz zum Ledersofa freizumachen. Danach ging er an die Tür zum Rebenzimmer und öffnete fie weit. Hochelheim 8 Mk. Lobende Anerkennung: Gemeinde Riederkleen 5 Mk. VI. Ziegen. Kl. la. Mutterlämmer. Preise: Ehrenpreis Heinrich Bepler II., Hörnsheim, 20 Mark; lb. Ludw. Schäfer, Hörnsheim, 12 Mark; 2a. Georg Weber IIL* Hörnsheim, 8 Mark; 2b. Albert Engel, Hörnsheim, 8 Mark; 3c. Anton Ohly, Hörnsheim, 5 Mark. Kl. lb. Bocklämmer. Preise: Ehrenpreis Gg. Hinkler, Hörnsheim, 12 Mark und kleine Preismünze der Landwirtschaftskammer für die Rhein- prooinz; la. Heinrich Volk I., Hörnsheim, 10 Mark; lb. Heinrich Zörb, Hörnsheim, 10 Mark; 2a. Gg. Hedrich, Hörnsheim, 8 Mark; 2b. Gg. Weber III., Hörnsheim, 8 Mark; 2c. August Wedel, Hörnsheim, 8 Mark; 3a. Gg. Hinkler, Hörnsheim, 6 Mark; 3b. Johannes Weber Wwe., Hochelheim, 6 Mark; 3c. Friedrich Jung Hochelheim, 6 Markiert Wilhelm Ludwig, Hörnsheim, 6 Mark; 4b. Wilhelm Müller I., Hörnsheim, 5 Mark; 4c. Wilhelm Ludwig III., Groß- Rechtenbach, 5 Mark; 4d. Albert Engel Hörnsheim, 5 Mark; Lobende Anerkennungen: Ludwig Rinker, Hörnsheim; Ludwig Pepler, Hörnsheim; Heinrich Luh, Lützellinden, je 2 Mark. Kl.2. Böcke im Alter von 1 bis 2 Jahren: 2a. Ziegenzuchtverein Hörnsheim 15 Mark. Kl. 4: Mutterziegen im Alter von 1 bis 2 Jahren: Prelle: Ehrenpreis Wilhelm Lenz I., Hörnsheim, 15 Mark; 2a. Georg Müller IV., Hörns- heinr 10 Mark; 2b. Wilhelm Ludwig, Hörnsheim, 10 Mark; 2c. Friedrich Jung, Hochelheim, 10 Mark; 3. Wilhelm Binz, Hörnsheim, 8 Mark. Kl. 5. M u t t e r z i e g e n im Alter von mehr al» 2 Jahren. Prelle: la. Wilhelm Lenz I., Hörnsheim, 15 Mark: lb. Albert Engel, Hörnsheim, 15 Mark; 1c. derselbe, 15 Mark und Medaille vom Landwirtschaftlichen Verein für Rheinpreußen; Id. Anton Ohly, Hörnsheim, 15 Mark; 2a. Gg. Hedrich, Hörns- heim, 12 Mark; 2b. Wilhelm Lang II., Hörnsheim, 12 Mark; 3a. Heinrich Zörb, Hörnsheim, 10 Mark; 3b. Johs. Weber Wwe., Hochelheim, 10 Mark; 3c. Ludwig Pepler, Hörnsheim, 10 Mark; 3d. Friedrich Jung, Hochelheim, 10 Mark; 3e. Gg. Hinkler, Hörnsheim, 10 Mark; Lobende Anerkennungen: Wilhelm Lenz I., Hörnsheim, und Anton Ohly, Hörnsheim, ’,e 3 Mark. Kl. 6. Familien: Ziegen mit mindestens zwei Rachkommen: 2. Friedrich Jung, Hochelheim, 10 Mk. Kl. 7. SammlungenausEinzelställen: lb. Albert Engel, Hörnsheim, 15 Mark. Kl. 8. Sammlungen aus einer Gemeinde. 1. Gemeinde Hörnsheim, 20 Mark. VII. Ruhgeflügel. A. Hühner. Kl. 1. A l 11 i e r e. Preise: 2. Alfred Jung, Hochelheim; Albert Engel jun., Hörnsheim; Friedrich Zörb III., Groß-Rechtenbach; Wilhelm Müller II., Hörnsheim; Heinrich Schaum, Hochelheim, je 6 Mk.; 3. Anton Zörb, Hörnsheim; Hermann Engel II., Hörnsheim; Louis Schmidt, Hörnsheim; Heinrich Zörb, Hörnsheim, je 3 Mark. Kl. 2. Jungtiere. Preise: 2. Wilhelm Martin, Hochelheim; Heinrich Schaum, Hochelheim, 2 Preise, je ß Mark; 3. Anton Zörb jun., Hörnsheim; Wilhelm Müller II., Hörnsheim; Fritz Andermann, Lützellinden; Albert Faber, Hörnsheim; H. Birkenstock, Hochelheim, je 3 Mark. Kl. 4. Ente n. 2. Karl Hepp, Hochelheim, 6 Mark. Auf einer Sonderausstellung (außer Konkurrenz) der Edelpelztierfarmen „Erma" (Besitzer Dr. med. Erler, Hörnsheim, und „Hüttenberg" (Besitzer Käsefabrikant Johs. Mehl, Hochelheims waren Nerze, südamerikanische Sumpfbiber und Edelkanin- chen zu sehen, die allgemein große Bewunderung fanden. Landrat Miß, Wetzlar, schilderte in seiner Ansprache die Notlage der Landwirtschaft, die trotzdem erfreuliche Leistungen, besonders auf dem Gebiete der Viehzucht, aufweise. Die Grüße der Bezirksbauernschaft für Nassau und den Kreis Wetzlar überbrachte Geschäftsführer Dr. Becker, Limburg, lieber den Stand der Tierzucht im Kreise Wetzlar berichtete Tierzuchtinspektor Binkert, Koblenz. Ein Kellner kam und legte Griebenow die Wein- und Speisekarte auf den Platz. Der Geruch von Speisen und von Küchendünsten drang jetzt durch die offene Tür. Man sah. wie sich nebenan die Gäste unterhielten und wie sie lachten. Fernab hörte man den Regen rauschen und den Donner rollen. Renate Mercandin blickte auf die Speisekarte. Allerlei Gedanken kreuzten ihr Gehirn. Leichte- Unbehagen kroch an sie heran. Diese Fahrt zu zweien schien in Bahnen zu geraten, die sie nicht vorausgesehen hatte. Das Gewitter raubte ihr die Freiheit der Entschließung. Wohl für eine Stunde — bis das Wetter sich beruhigt hatte — mußte fie hierbleiben. Mitgefangen — mitgehangen! Der Kellner stand und wartete, was fie bestellen werde. Sie bat um Toast und kalte- Fleisch. Griebenow studierte immer noch die Karte mit den Weinen. Seine Kehle brannte. Er hätte für fein Leben gern Sekt bestellt. Er hatte da- Empfinden, daß er dies nicht dürfe, daß dies nicht am Platze und geschmacklos wäre. Er fragte, welchen Wein Frau Mercandin befehle — Weiß, Rot, oder... „Irgendeinen Sauerbrunnen, bitte." So saßen sie und aßen ihre Brote mit dem kalten Aufschnitt. Griebenow tränt eine Halde Flasche Wein, Renate ihren Säuerling. Der Regen klatschte feine Sturmflut an die Scheiben. Die Blitze zuckten, und der Donner krachte, daß es schien, als ob der Himmel bersten wolle. Beide mühten sich, der Stunde ihre beste Seite abzuringen. Griebenow empfand in tiefster Seele wonniges Beglücktsein über diese Zweisamkeit mit der geliebten Frau. Alles war so wundersam und unwahrscheinlich und trotzdem zum Greifen deutlich. Man war allein, zwei Wcnschen — Weib und Mann. Wie auf einer Insel saßen sie. Die Welt versank. Beider Blicke kreuzten sich. Die Ströme ihres Atems flössen ineinander. Es war der Anfang und der Gipfel und das Ende alles Glücks. So zog er sämtliche Register seiner Sonnenlaune auf. Er sprühte Witz, erzählte tausend Dinge, die fie lachen machten. Sie mußte mit, widerstrebend und doch weich im Willen. Und dann war es acht Uhr abends. Renate blickte nach der Armbanduhr und schüttelte den Kopf. „So geht das nicht, mein Freund. Wir müssen heim." „Wenn cs aber doch noch regnet.“ „Wahrscheinlich regnet es die ganze Rächt hindurch." „Ich werde mal mit Petru- sprechen", sagte Griebenow. Er stand auf, begab sich vor die Haustür und sah nach dem Wetter. Die Straße war ein See. Schwarze Hoffnungslosigkeit verhing den Himmel. (Fortsetzung folgt) Wirtschaft. Oie Arbeitsmarktlage im Reich. Die Zahl der Hauptunter st ützungs- empsänger hat in der Zeit vom 16. big 30. Juni zwar noch um rund 36 000 — stärker als im gleichen Zeitpunkt früherer Jahre, aber weniger als in der ersten Iunihälfte — abgenommen. 3m Gesamtbild zeigte sich jedoch, daß die verzögerte diesjährige FrühjahrSentlastung deS Arbeitsmarktes als vorläufig beendet anzusehen ist. Dafür sprechen besonders die umsang- reichen Aussteuerungen und die ständige weitere Zunahme der Zahl der Krisenunterstützten. Aach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter gab es am 30. 3uni in der Arbeitslosenversicherung 1 468 886, in der Krisenunte^stühung 364 593 Hauptunterstützungsempfänger. CBa einer Gesamtzahl von rd. 1 833 000 Unterstützten ist die Ueberlagerung gegenüber dem Vorjahr, die rd. 900 000 Köpfe betrug, nicht weiter onge- wach s^n. Einschließlich eines gewissen Bestandteils nicht voll leistungsfähiger Arbeitskräfte wurden am 30. Juni bei den Arbeitsämtern rund 2 690 0C0 verfügbare Arbeitsuchende gezählt; wieweit diese Zahl eines Stichtages von der starken Fluktuation kurzfristig Beschäftigter beeinflußt ist, läßt sich nicht übersehen. Aach Abzug derjenigen, die sich noch in gekündigter oder ungekündigter Stellung oder in Aotstandsarbeit befanden, müssen etwa 2 636 000 als arbeitslos gelten. Sesriedigende Entlastung der ReichSbank. Der Reichsbankausweis vom 7. 3uli zeigt angesichts der geringen Inanspruchnahme zum HalbjahrSultimo eine befriedigende Entlastung. Die Lombardkredite von 130 Mill. Mk. sind bereit- vollständig wieder abgedeckt worden, und mit einem Rückgang der gesamten Kapital- anlaae in Höhe von 267,3 Mill. Mk. erreicht die Entlastung fast 50 Prozent der zum Ultimo eingctretenen Steigerung. Die Entlastung entspricht also den Erwartungen, die man angesichts der günstigen Geldmarktverhältnisse hegen konnte. Bewegungen bei zwei Posten des Ausweises sind von Interesse, nämlich bei den Deckungsdevisen, die sich um 36,3 Mill. Mk. verringert haben, und bei den Giroguthaben, die eine Abnahme um 110,6 Mill. Mk. aufweisen. Die Verringerung der Deckungsdevisen hängt offenbar mit der zunehmenden Rückzahlung von Auslandkrediten zusammen, indem die Reichsbank die durch sie eingetretene Devisennachfrage befriedigen muhte. Der Rückgang der Giroguthaben erklärt sich aus dem Dargeldbedarf insbesondere für die Reisezeit. * 7prozentige Goldpfandbriese der Bayer. Handelsbank. Die Bayerische Handelsbank in München erhielt die Genehmigung zur Ausgabe von 10 Mill. Mk. sie- benproz. Goldhypothekcnpfandbriefen Reihe IV. • Stollwerck-Reichardt. Wie wir hören, haben die Verhandlungen Stollwerck-Reichardt zum Abschluß geführt. Die Geschäftsbetriebe der Reichardt-Werke gehen an Gebr. Stollwerck übet und werden als selbständige Unternehmen weitcrgesührt. Das Reichardt-Werk arbeitet zunächst in dem bisherigen Rahmen weiter. * Leonhard Tietz AG., Köln. In der G.-D. kam eS zu einer mehrstündigen Debatte zwischen der Opposition unter Führung von 5>r. Alsberg, Berlin, der die Dividendenpolitik der Verwaltung und die Bilanz bemängelte, und der Verwaltung. Der Antrag des Opponenten, die Dividende auf 15 Proz. zu erhöhen, wurde abgelehnt und die Verteilung von wieder 10 Proz. Dividende beschlossen. Dr. Alsberg meldete Protest an. Die Umsätze des Konzerns in den ersten 5 Monaten 1930 betrugen 82,43 Mill. Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Juli. Tendenz fester. Die Situation um die Deckungsvorlage Hot sich wieder etwas verschlechtert. Eine völlige Einigung wurde noch nicht erzielt, doch war die Stimmung an der Börse weiter freundlich, da auf der anderen Seite die feste gestrige Aeuyorker Börse und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Erledigung der innenpolitischen Schwierigkeiten einen Ansporn gaben. Der Ordereingang von Publikumsseite war immer noch sehr bescheiden. Dafür machte sich ober von Schweizer Aus aller Welt. Die herbstmanöoer der Reichswehr. Die Vorbereitungen der diesjährigen Herbstmanöver der Reichswehr und der Reichsmarine gehen allmählich ihrem Ende entgegen. Eine Beeinträchtigung der Manöver durch weitere Etatkürzungen wird nicht befürchtet, da auch die diesjährigen Manöver nur in ganz engem Rahmen obgehalten werden sollen. Bei der großen Parade, die beim Abschluß der Rahmenübung der 5. Division (zu der auch das 15. 2nf.-Rgt., Gießen, gehört) gegen die 3. K a - valleriedivision im Raume zwischen Meiningen — Kissingen — Würzburg abgehalten werden soll, wird auch Rcichspräsi- oent von Hindenburg nach den jetzigen Dispositionen anwesend sein. Wie sich die Klebungen der Reichsmarine gestalten werden, ist zur Zeit aber noch nicht zu überblicken. Die übrigen Truppenteile werden lediglich Hebungen aus ihren Truppenübungsplätzen abhalten, da die Finanzlage des Reiches die Bereitstellung größerer Mittel zu diesem Zwecke nicht ermöglicht. Ivo sollen die Olympischen Spiele stallfinden? Auf dem kürzlich in Berlin stattgefundenen Olympischen Kongreß hatte sich u. a. auch die Reichs- Hauptstadt um die Ucbertragung der Olympischen Spiele im Jahre 1936 beworben. Inzwischen ist nun innerhalb der beteiligten Kreise ein heftiger Streit um den Tagungsort ausgebrochen, da sich neben Berlin jetzt auch noch die Städte Köln, Düsseldorf, Nürnberg und Frank- furt beworben haben. Zn der nächsten Zeit soll zwischen den Interessenten eine Besprechung statt- finden, in der sich diese zunächst einmal einig werden sollen, um dann gemeinschaftlich im nächsten Jahre in Barcelona einen definitiven Borschlag unterbreiten können. Revisionsverhandlung im Fall Böß. Die Revisionsoerhandlung gegen Oberbürgermeister Böß findet vor dem II. Senat des Oberverwal- tungsgerichtes statt, jedoch voraussichtlich e r st im H e r b ft. Man hatte gehofft, daß im Interesse der Berliner Verwaltung die Vorbereitungen zur Re- Visionsinstanz möglichst beschleunigt werden würden. Das ist nicht der Fall. Es kann infolgedessen als ausgeschlossen gelten, daß Berlin noch im Jahre 1930 einen neuen Oberbürgermeister bekommt. (Eröffnung der Schlußstrecke der Zugspihbahn. Die Zahnradstreckr Eibsee-Zugspitz- platt her Bayerischen Zugspihbahn ist in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, darunter des bayerischen Ministerpräsidenten und des Geheimrats Stimming vom Aorddeutschen Lloyd, feierlich eröffnet worden. Den kirchlichen Weiheakt nahm Kardinalerzbischof vonFaulhaber vor. Um 12.15 Uhr wurde in drei Sonderzügen die Bergfahrt vorn Bahnhof Eibsee zum Schnee- f e r n e r p l a 11 und zum neuerstandenen Schneefernerhaus angetreten, wo bei einem Frühstück in Reden Glückwünsche zu dem festlichen Ereignis ausgesprochen wurden. Vie Angehörigen der Heilberufe. Nach den Ermittlungen des Reichsgesundheits- amtes bis Ende 1928 nimmt die Zahl derjenigen Personen, die den Heilberufen angehören, stetig zu. In der Krankenbehandlung und Krankenpflege waren zu der genannten Zeit rund 250 000 Personen beruflich tätig. Es wurden insgesamt 45 948 rlerzte gezählt, darunter 2202 Aerztinnen. Anders ausgedrückt, kommen 7,2 Mente auf je 10 000 Einwohner. Die Zahl der Fachärzte beträgt 8347. Weiter gibt es in Deutschland 6733 Apothekenoor st and e, 4225 angeftcUte Apo- tiefer und 3785 in der Ausbildung begriffene Affistenten. Zahnärzte zählt man 8865, Zahntechniker 16 602. An Heilgehilfen und Masseuren wurden 9200 ermittelt. Berner- kenswert ist an der Statistik, daß die Zahl der Hebammen ständig abnimmt. Sie wird mit 28 102 angegeben, so daß also gegenüber der vorigen Zählung ein Rückgang um 1246 stattgefunden hat Als wichtigster Grund dafür wird der steigende Geburtenrückgang angegeben. An Krankenpflegepersonen wurden 101 668 ermittelt, davon sind 85 081 S ch w e st e r n. von einem Geisteskranken ermordet. 3m Park der Grazer Irrenanstalt wurde die zehnjährige Tochter des Anstaltsarztes Dr. Maresch hinter einem Gebüsch ermordet ausgefunden. Unweit der Leiche fand man ein Paket mit gekochten Kartoffeln. Die Kartoffeln führten auf die Spur des Täters. Man hatte nämlich den 59jährigen Pflegling der Anstalt Krenn, der seit 1900 wegen Schwachsinns dort interniert ist, mit diesem Paket von der Arbeit heimkehren sehen. Auf die Frage, warum er das Kind getötet habe, erklärte er, die Begegnung mit dem Mädchen habe ihn so i n W u t gebracht, daß er das Kind mit einem Taschenmesser erstochen habe. Don einem Wildschwein angefallen. Auf dem Wege von Lohr am Main nach Frammersbach traf ein junger Mann auf dreizehn junge Wildschweine, von denen er eines einfangen wollte. Das dazu kommende Mutterschwein fiel jedoch den jungen Mann an, der sich vor ihm auf einen Baum retten muhte, unter dem das Muttertier Aufstellung nahm. Erst durch einen hinzukommenden Gendarmeriebeamten konnte der junge Mann aus seiner üblen Lage befreit werden. Der Jliagarafaü fordert ein neues Todesopfer. Der Niagarafall forderte wiederum ein Todes- opfer, als ein gewisser Stathakis sich mit einem schweren, eisenbeschlagenen H o l z f a ß in die reißenden Fälle stürzen ließ. Das Faß war mit Matrazen ausgepolstert und hatte für drei Stunden Sauerstoff. Das Faß ging sofort unter und wurde nicht mehr gefunden. Anscheinend ist es vollkommen in Stücke gerissen oder zwischen Felsen eingeklemmt. Die Hoffnung auf Rettung des waghalsigen Mannes ist aufgegeben worden. Seite weiterhin Interesse für Elektrowerte bemerkbar, und in diesem Zusammenhang schritt die Kulisse zu stärkeren Deckungen, so daß in Spezialwerten das Geschäft lebhaftere Formen annehmen konnte. Die Tendenz war als fest zu bezeichnen. Die Spitzenwerte hatten teilweise beträchtliche Gewinne aufzuweisen. Die nicht günstige Arbeitsmarktlage und einige andere nachteilige Momente fielen kaum mehr ins Gewicht. Im Vordergründe des Interesses standen, wie schon erwähnt, Elektroaktien, und von diesen Siemens mit plus 6,5 Proz., Licht und Kraft, die bis zu 3,5 Proz. fester lagen, S ch u ck e r t, mit einem Gewinn von 5,25 und GesfüreI, die ebenfalls 3,5 Proz. anzogen. Am Chemiemarkt kam in 3.-0.-5 a r b e n erst ziemlich spät eine Rotiz zustande, was aber nicht auf eine Vernachlässigung zurückzuführen war. Die Kulisse beteiligte sich am Farbenmarkt reger am Geschäft. Dieses Papier gewann dann 1,5 Prozent. Die übrigen Werte des Chemiemarktes lagen unverändert, bzw. wenig verändert. Bei Holzverkohlung muh der Dividendenabschlag berücksichtigt werden. Der Montan- markt hatte nur kleinste LImsähe; auch die Besserungen blieben hier gering. Auch für K a I i- werte bestand wenig Rachfrage, doch wurden diese Papiere fester taxiert. Schiffahrts - werte wenig verändert. M i a g lagen nach der wieder stärkeren Abschwächung von gestern 1 Prozent erholt. Etwas schwächer eröffneten H o ch - und Tiefbau, und am Kunstseidemarkt Demberg minus 1,5 Prozent; Deutsche Linoleum verloren 2,5 Prozent. Renten still, ohne erwähnenswerte Kursbewegung. 3m Verlaufe wurde das Geschäft stiller, die Tendenz war jedoch fest. Gegen Anfang zeigten sich zum Teil weitere Besserungen bis zu 1 Prozent. In Spezialaktien konnte man vereinzelt erneute Deckungen feststellen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Prozent wieder etwas versteift. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1920, gegen Pfund 20,394, London gegen Kabel 4,8695, gegen Paris 123,65, gegen Mailand 92,90, gegen Madrid 21,40, gegen Schweiz 25,04, gegen Holland 12,0990. Berliner Börse. Berlin, 10. Juli. Auch die heutige Börse entsprach zu Beginn den Erwartungen des Vormittags und eröffnete in freundlicher und überwiegend festerer Haltung. Einige ungünstige Momente, wie die weitere Verschlechterung der Kohlenlage im Juni, die Stagnation am Arbeitsmarkt (die Arbeitslosenziffer hat in der zweiten Iunihälfte keinen Rückgang erfahren), die geplante Erhöhung der Personentarife bei der Reichsbahn und die schreckliche Katastrophe auf derGrube Wenzeslaus in Sch'esien,traten hinter ben_ besseren Aussich'en r" die Innenpolitik zurück. Auch die Meldungen von festeren Auslandbörken (besonders Reuyork schloß sehr fest) verfehlten ihre Wirkung nicht und lösten bei der Spekulation, die ihre Tätigkeit gestern gegen Schluß der Börse wieder »^rstärkt hatte, Deckungsneigung aus, trotz relativ kleiner Umfaße (nur die Favoriten wie S i e in e nS und Schuckert hatten auf AuSlandläuse lebhafteres Geschäft), und so ergaben sich infolge der Marktleere nur 1 bis 3proz. Steigerungen. 'Die führenden Elektrowerte zogen bis 5 Prozent an. Die deutschen Renten hatten freundliche Tendenz. Von Ausländern gaben Bosnier bis 0,5 Proz. nach. Pfandbriefe waren gefragt. Die Geldsätze wiesen kaum Verände- besonders für spätere Fälligkeiten, waren gefragt. Die Geldsätze Diesem kaum Veränderungen auf. Tagesgeld 3 bis 5 Proz., RlonatS- geld 4,5 biS 5,75 Proz., Warenwechsel 3.75 Proz. Auch im Verlaufe blieb die Grundstimmung zuversichtlich. Die bekanntgewordene Meldung, daß die kommunalen Spihenverbände die 200 Millionen Mark der Reichsregierung für ihre Pläne der Arbeitsbeschaffung zur Verfügung stellt, wurde günstig kommentiert. Die Spekulation wurde dadurch veranlaßt, weitere Deckungen vorzunehmen. Die Schweiz bekundete für Gesfürel und Licht und Kraft weiter Interesse, so daß diese Werte, sowie dis schon oben erwähnten Favoriten, zu denen sich noch O st werke, Schultheis und Rhein. Braunkohlen gesellten, erneut etwa 1 bis 2 Proz. anziehen konnten. M i a g zogen bis auf 98 Prozent an. Frankfurter Lchlachtvichinarkt. Frankfurt a. M., 10. Juli. Auftrieb: Rinder 51, Kälber 867, Schafe 141, Schweine 900 Stück. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 74, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 69, geringe Kälber 50 bis 64; Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel: Weide- mast 49 bis 52, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 44 bis 48; Schweine nicht notiert. Marktverlauf: Kälber und Schafe langsam, ausverkauft. Schweine mittelmäßig, geräumt. Fettschweine schwer verkäuflich, ausverkauft. Berliner Prodnktenmarkt. Berlin, 9. Juli. Bei ruhigem Geschäft zeigte der Produktenmarkt einen stetigeren Unterton. Die Landwirtschaft ist mit Angebot in Getreide neuer Ernte vorsichtig und soweit Offerten vorliegen, lauten die Forderungen höher. Weizen aller und neuer Ernte erzielt bei geringen Umsätzen 1 bis 2 Mark höhere Preise, in Altroggen überwiegt weiterhin das Angebot, Roggen neuer Ernte wird vereinzelt von Provinzmühlen zu besseren Preisen ausgenommen als hi^r zu erzielen sind. Am Lieferungsmarkt zeigte sich angesichts der Erholung in Ueberfee und infolge der weiterhin geringen Andienungen wieder einige Deckungsnachsrage, so daß Iuliweizen 3,25, Iuliroggen 2 Mark höher einsehten. Weizen zur Herbstlieferung war um 1,50 bis 2,50 Mk. befestigt. Das Mehlgeschäft läßt keine Belebung erkennen, die Mühlenosferten lauten wenig verändert. In Hafer ist das Angebot geringer und leicht erhöhte Preise werden vom Konsum bewilligt. Gerste stetig. Es notierten (1000 Kilo): Weizen, märkischer, (fester); Roggen, märkischer, 172 bis 177 (fester); Gerste 160 bis 190 (stetig). Schwurgericht Gießen. In seiner zweiten Sitzung verhandelte das Schwurgericht gegen einen Dienstknecht wegen Meineids. Die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. B r i I I, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Zimmer. Der Angeklagte hatte in einem gegen ihn geführten Unterhattsprozeß beschworen, mit der Mutter des unehelichen Kindes, als dessen Vater er von dem Dorrnung verklagt worden war, keinen Verkehr gehabt zu haben. Die Anklage wirft ihm vor, diesen Eid wissentlich falsch geschworen zu haben. Rach dem Gutachten des Sachverständigen, Medizinalrats Dr. S c r i b a, ist der Angeklagte zwar etwas beschränkt, aber voll zurechnungsfähig. Da er int wesentlichen geständig ist, konnte die Verhandlung nach kurzer Beweisaufnahme rasch zu Etzde geführt werden. Der Angeklagte wurde, dem Anträge des Oberstaatsanwalts entsprechend, zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei Monaten, unter Anrechnung eines Teiles der Untersuchungshaft und zu den gesetzlichen Reoenstrafen verurteilt. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt deschlosfenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Veriln Frankfurt a. 271. Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluß» Furt t-Uhr» flur« Schluß- kn r« iflnfana» flur« Schluß- fur« 1-ilhr. flur* Schluß» lur* Slnfa. 9» flur# Schluß» tu re t-Uhr» flurt Schluß» Anfang» 'Datum 9. 7. 10. 7. 9. 7. 10. 7. Datum 9. 7. 10. 7. 9. 7. 10. 7. Datum 9. 7. 10. 7. 9 . 7. 10. 7. 6% Üeunax eteuDeaiutim von 1987 ........ 7% Deutsche Reichranleihe von 1929 .......... tcuffdx Anl.-Lblös.-Schuld mit Lu« ioi.-Rechten....... ohne Sullos.-Rechte . . 8% Hell. SolKftaaf von 1929 (rttfiablb. 102%)...... cberhesien Provinz - Anleihe nrii Au«loi.-Rechten...... Tee Mit flamm. Sammelabi. Anleihe Serie 1 .... - 8% ffrany. Hvp.-vank «oldpfe XIII unkündbar bi« 1934 . . 7% ffranks. Hvo.-Bank Soldpte unkündbar bU 1933 ..... 97,5 144 24 36,5 94 80 94 103 148 156,5 1 1 1 8 I 1 1 1 1 1 1 1 1 । । S 1 1 1 1 1 £ 1 1 1 2 18 1 1 bl 1 1 1 5? | | | ll 85.25 43 201 204 355 158,25 _ 58.5 57.9 113 74,5 283 231,5 118 97 141,75 103,5 98,9 146 31,5 196 46 — 66,75 144 306 22,25 31,25 37 93 147,5 156,5 86 42z 360,5 159,25 - 59,5 58 285,25 225 96,25 93 144 106 99.75 145,75 31,75 198 46,25 147 308 95 — Banknoten. Deoifvnmarft Berlin — Frankfurt a. M Serlln, S. Juli ®tiE Äries " Kmenkanilche Roten ...... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ Englische Noten........ ^ranjultldie Noten....... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-L esterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten ....... Schwerer Roten ........ Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten........ 4,172 58,45 '12,04 20,35 16,45 168.06 21,99 112,03 59,19 2,47 112,35 81,30 48,85 12,42 73,15 4.192 58,69 112,48 20,43 16,51 168,74 22,07 112,47 59.43 2,49 112,79 81.62 49,05 12,48 73,45 9.3uh 10.3uli Amtliche Notierung Geld flrit’ Amwche Notierung Geld 2 rief HmfL-lHott. 168,40 168,74 168.37 168,71 Bnen.-AireS 1.504 1,508 1,505 1.509 Brss.-Änkw- 58,51 58,63 58,465 58.585 Christiania. 112,19 112,41 112,17 112,31 flop:nbag:n 112,21 112,43 112,19 112,41 Stockholm . 112,52 112.74 112,51 112,73 Helktngfors. 10,539 10,559 10,54 10,56 Italien. . . 21,93 21,97 21,935 21,975 London. . . 20,376 20,416 20,37 20,41 ’JieHDorf . . 4,188 4,196 4,188 4,196 Paris.... 16,465 16,505 16,465 16.505 Schwei; . . 81,33 81,49 81,32 81,48 Spanten. . 49,12 49.22 49,25 49.35 Japan . . . 2,061 2,075 2,071 2,075 Wo de.Ian 0,452 0,454 0,454 0,456 Dien in Cefl. abgest 19,155 59,275 59,16 59,28 Prag . . . . 12,429 12,449 12,426 12.446 Belgrad . . 7,423 7,437 7,423 7,437 Badaptst. . 73,33 73,47 73,32 73.46 Bulgarien. 3,037 3,043 3,037 3,043 Lissabon . . 18,78 18,82 18,78 18,82 Tanttg. . . 81,43 81.59 81,42 81,58 Konstantia. 1,784 1,739 1,784 1,789 Alben. . . 5.43 5.44 5,425 5,435 Canada . . 4,186 4,194 4,186 4,194 Urn-nay. - 3,566 3,574 3,576 3,584 Lmro . . . 20,89 20,93 20,88 20,32 Oberhessen. Gemeinderatssihung in Grünberg. 4- Grünberg. 8. Juli. Der Gemeinde- r a t war in seiner letzten Sitzung vollzählig versammelt. — Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Festsetzung der endgültigen Steuer- ausschläge für das Rechnun g s j a h r 1 92 9 und gleichzeitig der vorläufigen für 1930. Sn dem Schreiben des Kreisamts, das um die Festsetzung dieser Sähe ersucht, wird bemerkt, daß für die endgültige Veranlagung für Rj. 1929 bezüglich der Grundsteuer die seinerzeit als vorläufig beschlossenen Sähe in gleicher Höhe übernommen werden könnten, da nur unwesentliche Abweichungen im Steueraufkommen sich ergäben. Anders sei es dagegen bei der Festsetzung der endgültigen Steuersätze bei der Gewerbesteuer. Hier müsse ein bei der endgültigen Veranlagung für Rj. 1927 erlassener Betrag von 3060 Mark im Rj. 1929 hereingebracht werden, wodurch sich bei der endgültigen Veranlagung der Gewerbesteuer für 1929 eine kleine Erhöhung der Steuersätze ergäbe. Aach kurzer Aussprache beschließt der Gemeinderat die endgültige Festsetzung der Steuerausschläge für Rj. 1929 in der vom Kreisamt vorgcschlagenen Höhe' 1. Grundsteuer von Gebäuden und Bauplätzen mit einem Steuerkapital von 4 025 900 Mk. für je 100 Mk. Steuerwert 25 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 10 060 Mark. 2. Grundsteuer von landwirtschaftlich genutzten Flächen mit einem Steuerkapital von 3 334 200 Mk. für je 100 Mk. Steuerwert 70 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 23 340 Mk., 3. Gewerbesteuer vom Gewerbekapital mit einem Steuerkapital von 928 500 Mk. für je 100 Mk. Steuerwerk 100 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 9280 Mk. Der vorläufige Steuersatz betrug hier für je 100 Mk. Steuerwert 80 Ps. Steuer mit einem Aufkommen von 7420 Mark. 4. Gewerbesteuer vom Gewerbeertrag bei einem Steuerkapital von 263 000 Mk. für je 100 Mark Steuerwert 400 Pf. Steuer mit einem Aufkommen von 10 520 Mk. Hier war der vorläufige Steuersatz von je 100 Mk. Steuerwert 360 Pf. gewesen und erbrachte 9460 Mk. Die Gewerbesteuerpflichtigen haben daher bei der endgültigen Veranlagung für Aj. 1929 rund 3000 Mk. Steuer mehr aufzubringen als nach der vorläufigen Veranlagung vorgesehen war. Die Sonder- gebäudesteuer wird mit dem höchstzulässigen Satz von 39,93 Prozent des staatlichen Steuersolls festgesetzt, da die Grundsteuer die staatlicherseits für die Gemeinden vorgesehenen Mindestsätze übersteigt. Ihr Aufkommen beträgt 11 770 Mk., so daß das Gesamtaufkommen der Gemeindesteuern für Aj. 1929 den Betrag von 64 970 Mk. ergibt. Gleichzeitig werden die vorläufigen Steuersätze für das Aj. 1 9 30 festgesetzt, die. bei der Grundsteuer die gleichen Sätze vorsehen, nämlich 25 Pf. von je 100 Mk Steuerwert bei Gebäuden und Bauplätzen und 70 Pf. von je 100 Mark Steuerwert bei landwirtschaftlich genutzten Flächen, während die Gewerbesteuer gegenüber 1929 eine kleine Ermäßigung erfährt, nämlich 85 Pf. von je 100 Mk. Gewerbekapital und 380 Pf. von je 100 Mk. Gewerbeertrag. Die Sondergebäudesteuer wird aus dem gleichen Satze von 39,93 Prozent des staatlichen Steuersolls belassen. Das Gesamtaufkommen der Gemeindesteuern nach der vorläufigen Veranlagung für Aj. 1930 ergibt den Betrag von 63 050 Mk., was der im Voranschlag eingestellten Summe entspricht. Für das schon lange bestehende Hotel „Zum Wilden Mann", das den Besitzer gewechselt hat, wird die Erteilung der Konzessionsübertragung auf den derzeitigen Inhaber befürwortet. An der Bismarck st raße hat ein Grundstücksbesitzer eine Fläche von 256 Quadratmeter zu Straßengelände hergeben müssen- es wird ihm der städtischerseits für Straßengelände gezahlte Satz von 1,50 Mk. pro Quadratmeter zugesprochen, eine Restparzelle von 47 Quadratmeter, die von seinem Grundstück auf die gegenüberliegende Seite gefallen ist, soll von ihm zu einem Preis von 3 Mk. für den Quadratmeter erworben werden. Die Kündigung eines städtischen Kapitals bei einer hiesigen Genossenschaftskasse und dessen Reuanlage bei einer Bezirkssparkasse wird von einigen Gemeinderäten kritisiert, und es wird gewünscht, daß auch gut geleitete Genossenschaftskassen auf Beschluß des Gemeinderats zur Anlage für Gemeindegelder gewählt werden dürften und nicht alle Gemeindegelder, wie sich nach Mitteilung des Beigeordneten ergibt, laut staatlicher Anordnung in den unter staatlicher Aufsicht stehenden Sparkassen angelegt werden mühten. Landkreis Gietzcn. ck. Heuchelheim, 8. Juli. Der älteste Gesangverein Heuchelheims, der Gesangverein „Teutonia", feiert am 12., 13. und 14. Suli sein 75jähriges Bestehen. Schon Anfang der vierziger Jahre war die erste Gründung des Vereins erfolgt, aber in den sturmbewegbem Jahren 1848/49 wurde er, da er sich den Anschauungen der Demokratie nicht verschloß, regierungsseitig wieder aufgelöst. Erst im Jahre 1855 kam es wieder zur Aeugründung, und dieses Jahr gilt als das eigentliche Gründungsjahr. Um die Gründung hatten sich hauptsächlich verdient gemacht der Zimmermeister Jakob Gilbert, welcher auch der erste Dirigent des Vereins war, und der Glasermeister Jakob Hahn II., der jahrelang den Verein als erster Vorsitzender leitete. Im Jahre 1863 wurde gelegentlich eines Dundesfestes auf den Haagwiesen die erste Fahne cingeweiht. Diese wurde von dem Dirigenten Gilbert selbst entworfen und mit der Inschrift: „Freiheit, Friede, Fröhlichkeit, hoffen wir zu jeder Zeit" versehen. Die Anfertigung der Fahne übernahm dessen Tochter Elisabeth. Aachdem der Dirigent Gilbert wegen geschwächter Gesundheit zurückgetreten war, übernahm Lehrer Wämser und nach diesem Lehrer H e l d t m a n n dessen Amt. Im Jahre 1872 übernahm dann das Dereinsmitglied Philipp Gorr IV. das Amt eines Dirigenten und behielt es 30 Jahre lang bis 1902. Mit ehernen Lettern steht der Renne dieses verdienstvollen Mannes in der Vereinsgeschichte geschrieben. Von 1902 bis 1907 leitete sein Sohn Philipp den Verein. Aach dessen Weggang Lehrer Plvch bis 1908, Musiklehrer Dauer bis 1911 und von da ab der derzeitige Dirigent Herr Curths, Gießen. Als Vorsitzende leiteten in den verflossenen 75 Jahren den Verein die Herren Jakob Hahn 11., Glasermeister, (1855 bis 1864); Wilh. K r ö ck, Werkmeister, (1864 bis 1869), Jakob Steinmüller, Fabrikarbeiter, (1869 bis 1874); Johann Aesseldreher, Mehgermeister, (1874 bis 1886); I. PH. Reusch° l i n g, Schmiedemeister, (1886 bis 1893) ; Wilh. Sack II., Landwirt, (1892 bis 1897); Jak. Hartmann II., Zimmermeister, (1897 bis 1901); Heinr. Rinn XVI., Schneidermeister, (1901 bis 1909),' Ludwig Rinn !., Landwirt, (1909 bis 1911); Georg Mandler, Schreinermeister, (1911 bis 1919); Aug. Engelhardt, Baumschulbesitzer, (1919 bis 1924); Adolf Schmidt, Mehgermeister, (1924 bis 1928), und von da bis heute Albert V o l k m a n n, Postschaffner. Don den Gründern lebt heute keiner mehr, aber eine stattliche Anzahl Mitglieder, die dem Verein über 50 Jahre die Treue gehalten haben, sind noch vorhanden. Es sind dies: Georg Volkmann, Wilhelm Rinn IV., Ferd. Vollmann, Georg A m e n d, Joh. PH. Kröck, Friedr. R e u s ch l i n g, Wilh. Ruppert, PH. Reu schling HI.. Heinrich Rinn VII., Ludwig Rinn XVI., Ludwig Sack III., Jak Kreiling VI., Ludw. Henkel- m ann V., Christ. Lenz, Philipp Bebling, Ludw. Kröck X., Ph. Kreiling VII., Jak. Rinn XXII.. und PH. S a ck IV., ein ehrendes Zeugnis für den Verein, das beweist, welch guter Geist stets in seinen Reihen geherrscht hat. Wie jeder Verein, hat auch die Teutonia schmerzliche Verluste in dem Weltkriege zu beklagen. Sie verlor aus ihrer Sängerschar Ferd. ©ernannt, Willi Hofmann, Wilh. Kreiling, Karl Germer, Albert Freitag, Wilhelm Rinn, H. Karl Rinn, Jakob Hofmann und Friedr. Wilh. Gorr. Eine von Mitglied Glasermeister Ferd. Hahn entworfene und auch angefertigte Ehrentafel hält die Erinnerung an diese Wackeren wach. Soweit die Geschichte des Vereins. Heute, im Jahre seines 75. Geburtstages, steht der Verein mit seinen fast 200 Mitgliedern an der Spitze der hiesigen Gesangvereine. Auch in seinen Leistungen befindet er sich dank der Führung seines langjährigen jetzigen Dirigenten auf beachtlicher Höhe. Bevorzugt wird von dem Verein das Volkslied und der leichtere Kunstchor. Eingedenk seines Wahlspruches: „Freiheit, Friede, Fröhlichkeit", sieht er die Erfüllung seiner Aufgabe nicht in der Erreichung der zu Wettsingen nötigen Spitzenleistungen, sondern er legt mehr Wert auf den Gesang, der der fröhlichen Geselligkeit erst die richtige Weihe gibt. § Daubringen, 9. Juli. Seit der Anlage unserer Wasserleitung hat diese mit unvermindertem Druck bis vor zwei Jahren gut gear- be tet. Seit dieser Zeit besteht großer Masser- mangel. Aur einige Ortsstraßen, die tiefer gelegen sind, sind in der Lage, die nötige Wassermenge entnehmen zu können. Bis heutzr ist die Leitung nur an zwei Stunden am Tage zur Wasserentnahme offen. Die Gemeindeverwaltung ließ in anerkennenswerter Weise an verschiedenen Stellen in unserer Gemarkung Bohrungen durchführen, die auch endlich zu einer Quelle in unmittelbarer Aähe des Dor es führten. Aach Messungen des Kulturbauamtes Jieftcn soll die neue, nunmehr gefaßte Quelle bis zu 100 Kubikmeter täglich dem Ortswassernetz zuführen, woraus der seitherige Wassermangel gedeckt wird. Gegenwärtig wird eine elektrische Pumpe durch die Jnstattationssirma Becker von Treis aufgestellt. — Im Vergleich zu den Rachkriegsjahren hat die Bautätigkeit in den letzten beiden Jahren bedeutend abgenommen. Während im Vorjahre noch drei Wohnhäuser gebaut wurden, so ist bis jetzt nur eines im Rohbau fertig- gestellt, bei einem andern in der Baufluchtlinie an der Staufenberger Straße ist der Anfang gemacht worden. Beide sollen noch vor Winter bezogen werden. Reben diesen Aeubauten wurden einige Um- und Anbauten vorgenommen. Im großen und ganzen kann in unserem Dorfe die Wohnungsnot als beseitigt angesehen werden. v. Londorf, 9. Juli. Dieser Tage wurde die von Maurermeister K r e u d e r errichtete B a dell n st a l t eröffnet. Diese enthält Wannenbäder und Brausebäder und ist in hygienischer und gesundheitlicher Beziehung einwandfrei hergerichtet. Es ist dadurch einem schon lange bestehenden Bedürfnis abgeholfen worden. * Lich, 9. Juli. Der Licher Sommermarkt, einer der beliebtesten und besuchtesten Märkte unserer Stadt, wird am 23. Juli wieder in hergebrachter Weise begangen. Außer dem üblichen Schweine- und Krämermarkt ist mit dem Markt ein Handels- und Zuchtviehmarkt, Prämiierung von hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh und Zuchtviehversteigerung (Bullen) verbunden. Am gleichen Tage erfolgt auch die alljährlich stattfindende Auktion von Jährlingsböcken der Stammschäferei der fürstlichen Verwaltung in Lich. Es ist zu erwarten, daß zuchtviehsuchende Gemeinden, Handelsleute und sonstige Interessenten eine gute Gelegenheit zum Erwerb erstklassiger Tiere finden werden. Außerdem Tombola, Volksbelustigung, Konzert und Tanz. Auf die im heutigen Anzeigenteil veröffentlichte Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. Kreis Friedberg. ch Ost heim, 9. Juli. Der Hausberg—Wettertal-Sängerbund, Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, hielt hier sein diesjähriges Wertungssingen ab, an dem sich 18 Vereine, darunter einige aus dem Kreise Gießen, beteiligten. In Verbindung damit feierte der hiesige Gesangverein „Germania" das 75. Vereinsjubiläum Den Auftakt bildete eine Feier am Kriegerdenkmal, wo der Präsident des Vereins, sowie Pfarrer M 5 b u s von hier Ansprachen hielten. Cs folgte ein Kommers in einer eigens hergerichteten Festhalle. Am Sonntagmorgen fand in der Festhalle das Wer- tungsfingen statt. Am Aachmittag bewegte sich ein Festzug zum Festplah, wo der Bezirksvorsitzende, Lehrer Breidenbach, von Hoch- Weisel, die Grüße des Hausberg—Wettertal- Sängerbundes überbrachte. Das Ehrenmitglied des Vereins, Pfarrer M ö b u s , hielt die Festrede. Staatspräsident Adelung hatte dem Verein einen silbernen Pokal mit der entsprechenden Widmung gestiftet. Kreis Alsfeld. -er. Homberg, 9.Juli. Der heute abgehaltene Schweinemarkt war mit 443 Stück Ferkeln befahren. Für 6—8 Wochen alte Ferkel wurden pro Kopf 27—35 Mk., und für 8—13 Wochen alte wurden 30—45 Mk. bezahlt. Tendenz des Marktes mäßig. Der Geschäftsgang war schleppend, so daß Ueberstand verblieb. Kreis Schotten. V Gedern, 9. Juli. Zu dem gestern hier abgehaltenen Schweinemarkt waren 511 Tiere auf getrieben. Die Preise waren gedrückt, der Handel flott; sechs Wochen alte Ferkel kosteten 20 bis 25 Mark, sechs bis acht Wochen alte vis 35 Mark; Springer, je nach Qualität, 40 bis 42 Mark. Es blieb ein geringer Ueberstand. Daten für Freitag, 11. Fuli 1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geboren; — 1700: Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Berlin; — 1897: der schwedische Ingenieur Salomon August Andree steigt auf Spitzbergen im Freiballon zur Fahrt nach dem Nordpol auf und ist seitdem verschollen. lSchluß des redaktionellen Teils.» Lin krankes Kind kostet viel Geld, und es ist billiger für die Eltern, ihr Kind durch eine gute zweckmäßige Pflege »esund zu erhalten. Zur guten Pflege gehört in erster Linie eine gute Nahrung. Seit Jahrzehnten bevorzugt ist „Kuseke", das von erfahrenen Aerzten ständig verordnet wird und sich ungezählter Erfolge erfreut. 2877v Der Dunlop-Sieger auf dem Nürburg-Ring! Im Kampf um den „Großen Preis von Deutschland für Motorräder" erzielte Walker auf Rudge- Whitworth eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 106,3-Stunden-Kilometer und blieb damit nur um 0,6-Stunden-Kilometer hinter dem Durchschnitt von Chiron, dem Sieger auf Dunlop im vorjährigen Wagenrennen zurück. Alle 9 Fahrer der 500-ccm- Klasse, die nach Zurücklegstng der Rennstrecke (15 Runden = 424,5 km) ans Ziel gelangten, fuhren Dunlop-Reifen. Walker, der Sieger, erreichte gleichzeitig die schnellste Zeit des Tages und war damit der Gesamtsieger. In der 1000-ecrn-Klasse belegte eine Dunlop bereifte NSU=9Rafd)ine den zweiten Platz, während in den Klassen der 350 und 250 ccm die Klassensieger sämtlich Dunlop-Reifen fuhren. ___________________________________________2949v Eine gute Vratensohe war von jeher der Stolz der Hausfrau; man stellt sie einfach mit Hilfe dec von Maggi neu herausgebrachten Bratensoße (in Würfelform) her. Ein solcher Würfel ergibt ohne Umstände, nur durch Aufkochen mit Wasser, i Liter vorzügliche Soße, die man zu Braten aller Art, Nieren, Gulasch, Nudeln, Klößen, Kartoffelgerichten usw. verwenden kann. Machen Sie einen Versuch, und Sie werden Maggi's Bratensoße ebenso schätzen wie die altbekannten Qualitätserzeugnisse der Maggi- Gesellschaft. 407D nur .Kufef^e" und frisc:kis Milch Du wirst Freude haben Prachtvolles, duftiges Haar ist nur durch Haarpflege erreichbar. In Deutschland verdanken Millionen ihr schönes Haar dem bewährten Schwarzkopf Schaumpon (Päckchen 20 Pfg., „Extra“ mit Haarglanz 30 Pfg.) Nur kurze Zeit mit Wasser zu kochen Freitag, den 11. 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