Nr. 236 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 9. Oktober 1930 6r|d)ttm lägh^.cniti« Sonntag» und Feiertag» Beilagen. Vie Illustrierte Vleßener FamilienblLtt« Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Vezllgrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter- Seinen einzelnerNummern folge höherer Gewalt, ^ernsprechanfchlüste anterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach- richten Anzeiaer Siesten, poftfchecttonto: Srantfurtam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch. und Sleindruckeret H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2OVmehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr.H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in (Bieben. W.rischafis- und Berufsverbände zum Sanierungspwgramm. Die Stellung desAeichsverbandS der Deutschen Industrie. Berlin. 8. Ott. (WTB.) Das Präsidium des Reichsvcrbandcs der Deutschen Industrie hat sich in einer außerordentlichen Präsidialsitzung mit dem Wirtschafts- und Finanzplan der Reichs- regierung beschäftigt und dazu folgende Stellung eingenommen: Der Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung ist als ein erster Schritt zu würdigen, die öffentlichen Finanzen Deutschlands in Ordnung zu bringen und die deutsche Wirtschaftspolitik den Verhältnissen anzupassen, die durch die Veränderungen aus dem Weltmarkt, durch die hohen Reparationsverpflichtungen Deutschlands und die verfehlten Maßnahmen der Vergangenheit entstanden sind. Der Plan ist geeignet, das öffentliche Vertrauen wieder ber- zustellen, wenn er tatkräftig durchgeführt wird und wenn alle Volksteile in dem Wunsche einig sind, unter Vermeidung von Experimenten den völligen Wirtschaftszusammenbruch abzuwehren. Der Grundgedanke des Programms ist richtig, wenn er davon ausgeht, daß in erster Linie unter äußer st erSparsam- feit und unter (Eindämmung der wirt- schaftsschädlichen Steuern eine einheitliche und zielsichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen Finanzen, insbesondere auch der Finanzen der Länder und Gemeinden, geschaffen werden muß. Das kann nur erreicht werden, wenn die öffentlichen Ausgaben denjenigen Einnahmen a n g e - paßt werden, die unter Berücksichtigung der Veränderungen in den Preisvcrhältnisscn auf dem Weltmarkt von Wirtschaft und Bevölkerung aufgebracht werden können, ohne daß d i c Grundlagen ihres Daseins und eines Wiederaufbaues z e r st ö r t werden. Die Wiedcrcinsügung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß ist nur möglich, wenn die Höhe der öffentlichen Ausgaben und aller Bestandteile der Produktionskosten nicht mehr hemmend im Wege steht. Rur so kann auch der Preisabbau der Verbrauchsgüter und Produktins- mittel verwirklicht werden. Reben der Einschränkung der Personalausgaben der össentlichen Verwaltung ist dabei eine der Lage des jeweiligen Wirtschaftszweiges angepaßte Herabsetzung der Löhne und Bezüge aller in der Privatwirtschaft tätigen wichtigste Voraussetzung. Wenn es gelingt, auf diesem Wege die Produktionskosten zu vermindern und den Preisabbau zu sichern, dann bedeutet die Herabsetzung von Lohn und Gehalt k e i n e V e r - Minderung der Kaufkraft und keine Beeinträchtigung der Lebenshaltung. Vielmehr bewirkt die dadurch ermöglichte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in das Erwerbsleben eine Erhöhung der Gesamtkaufkraft und der des einzelnen. In keinem Programm für die Gesundung der innerdeutschen Verhältnisse darf die Verwal- tungs- und Verfassungsreform fehlen. Sie ist von einschneidender Bedeutung und darf nicht aufgeschoben werden. Die Förderung der nationalen Wirtschaft bedingt nicht nur die Pflege des inneren Marktes, sondern auch die Fortführung der Handelspolitik auf der bisherigen Linie. Die Ordnung der öffentlichen Finanzen und die Beseitigung der Schwächepunkte der deutschen Volkswirtschaft ist auch die Voraussetzung für ein e vernünftige Reparationspolitik mit dem Ziele, die deutschen Verpflichtungen auf ein erträgliches Maß zurückzuführen. Oer Einzelhandel zur Preisbildung bei Markenartikeln. Dresden, 8. Okt. (TU.) Der Einzelhan- delsausfchutz des Deutschen Industrie- und Handelstages sahte in Dresden eine Entschließung, in der cs heißt: Der im Einzelhandelsausschuh des D. I. H. T. vertretene Einzelhandel ist der Lieberzeugung daß in der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftslage jeder Abbau der Preise a n z u st r e b e n ist, der irgendwie m i t den wirtschaftlichen Möglichkeiten vereinbart werden kann. Infolgedessen ist der Einzelhandel bereit, an seinem Teil daran mitzuwirken, dgh eine solche Senkung der Preise erreicht wird. Die Einrichtung der Markenartikel schließt große volkswirtschaftliche Werte in sich; sie gibt grundsätzlich eine Gewähr für gute Qualität und damit für eine in der Güte gleichbleibende Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Waren. Zur Erreichung dieser Vorzüge des Markenartikels ist die Preisbildung erfahrungsgemäß ein wichtiges Mittel. Diese Vorzüge würden ernstlich gefährdet werden, wenn die Aufhebung der Preisbildung Anlaß geben würde, Markenware als Lockartikel durch Preisunterbietung unter der für den Handel notwendigen Spanne au verkaufen. Hiernach kann bei volkswirtschaftlicher Betrachtung kein Anlaß gefunden werden, das System des Preisschuyes aufzuheben. Wo eine Preissenkung, wie sie ein- - gangs als grundsätzlich erstrebenswert bezeichnet wurde, erreichbar ist, muh dieses Ziel durch Verhandlungen zwischen den beteiligten Wirt- fchaftskreiscn angestrebt werden. Der Einzelhandel ist bereit, die aus einer Verminderung des VerkausSpreises unter Voraussetzung der Ausrechterhaltung der als notwendig anerkannten Ruhensähe sich ergebende Verringerung des Reinverdienstes in Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche Rotlage auf sich zu nehmen. Oer Deutsche Beamtenbund zum Regierungsprogramm. Ablehnung her GchaltSkürzungSpläne. Berlin, 8. Okt. (ERB.) Der Gesarnt- v o r st a n d des Deutschen Beamtenbundes 6c» sahte sich eingehend mit dein Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung und legte seine Stellungnahme in einer Entschliehung nieder, in der er u. a. darlegt, ohne Revision des Voungplanes sei eine wirtschaftliche Gesundung Deutschlands unmöglich. Er weist die Behauptung zurück, die Besoldungsreform von 1 927 habe den Beamten mehr gegeben als begründet war. Gr erklärt demgegenüber, die beabsichtigte Gehaltskürzung fei unberechtigt, in ihrer Form unsozial und würde daher abgelehnt. Die gegen die Beamten der Länder, Gemeinden und öffentlichen Körperschaften geplante Sondergesetzgebung mit ihrem versasfungsändernden Charakter führe zu unerträglichen Härten und sei abzu - lehnen. Die auf Preisabbau gerichteten Mahnahmen hätten bisher noch keinen bemerkenswerten Erfolg gehabt. Die Beamtenschaft müsse das dringende Ersuchen an die Reichsregierung richten, ihre Machtmittel nachhaltiger zu gebrauchen und sie dem Ziel des Preisabbaus dienstbar zu machen. Aus tätige Mitwirkung bei der Durchführung aller hierzu Berlin, 8. Okt. (TU.) Reichswehrminister Groener hat in Beantwortung eines in verschiedenen deutschen Zeitungen erschienenen Artikels von Generalmajor a. D. Graf von der Goltz an diesen nachstehenden Brief gerichtet: Sehr geehrter Herr General! Sie haben Bemerkungen zu dem Prozeß gegen die Ulmer Offiziere veröffentlicht, deren grundsätzliche Bedeutung mich veranlaßt, näher auf sie einzugehen. Sie werfen zunächst die Frage auf, ob die Verfehlungen dieser jungen Offiziere nicht disziplinarisch hätte erledigt werden können. Hierzu ist folgendes zu sagen: Nach der ersten Mitteilung, welche der Oberleutnant Wefthoff pflichtgemäß nach der Unterredung mit dem Leutnant Scheringer seinem Kommandeur machte, ist eine disziplinäre Untersuchung durch einen General, einen Major und einen Heeresan- wait veranlaßt worden. Da Scheringer damals seine Bestrebungen als durchaus harmlos hinzu- ftellen wußte und daher insbesondere durch das Zeugnis des damals noch nicht beschuldigten Leutnants L u d i n völlig e n 11 a ft e t wurde, habe ich geglaubt, den offenen Aussagen der beiden jungen Offiziere Glauben schenken zu können. Die Angelegenheit sollte durch eine eindringliche kameradschaftliche Belehrung durch den Ches der Heeres- leitung und eine Disziplinarstrafe gegen Scheringer als erledigt gelten. Zwei Monate später ging jedoch eine Meldung eines anderen Offiziers ein, die besagte, daß der Leutnant Lud in an dem gleichen Tage, an dem Leutnant Scheringer in Eisenach war. in Berlin eine Bef orechung abge- halten hatte, in welcher dieselben Bestrebungen, die schon Oberleutnant Westhoff gemeldet hatte, i n noch schärferer Form zum Ausdruck gekommen waren. Insbesondere war von einer „Ze n • träte in München" die Rede gewesen. Durch diese schwere Belastung des Leutnants Lubin, der bisher der. wesentlichste Entlastungszeuge für Scheringer gewesen war, war die Unglaubwürdigkeit der beiden Offiziere bewiesen worden. Die Mit- tel des Reichswehrministeriums reichten nicht aus, um den Tatbestand auszuklären, da die Zusammenhänge über b i e Reichswehr hinauswiefen und auch der ebenfalls beschuldigte Oberleutnant Wendt der Reichswehr nicht mehr angehörte. Eine disziplinäre Erledigung wäre vielleicht dann möglich gewesen, wenn die beiden Offiziere bei ihrer ersten Vernehmung im Dezember, bei welcher sie ausdrücklich auf ihre Pflicht zur Wahrhaftigkeit hingewiesen worden waren, die volle Wahrheit gesagt hätten. Jetzt zwan- gen Gesetz und Recht das Reichswehrministerium dazu, eine gerichtlich« Untersuchung herbeizuführen. Daß sie notwendig war, beweist die Verurteilung der Angeklagten durch das höchste deutsche Gericht. Sie haben weiterhin die Art der Verhaftung der Offiziere „von einer dienstlichen Uebung fort" beanstandet und daran die Betrachtung geknüpft „wie tief die Stellung des neuen Heeres im neuen Staat gesunken" sei. Hierzu ist folgendes sestzustellen: Ort und Zeit der Verhaftung wurden von dem Untersuchungsrichter und dem ihn begleitenden Stabsoffizier mit dem Abteilungs- erforderlichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen durch die Beamtenschaft könne die Regierung rechnen. Ein Protest der Baugenossenschaften. Berlin, 8. Okt. (TU.) Der Hauptverband Deutscher Baugenossenschaften, die Spitzenorga- nisation von etwa 3000 gemeinnützigen Bauvereinen, erhebt in einer Erklärung nachdrücklichen Protest gegen die in der kürzlichen Verlautbarung der Reichsregierung mitgeteilten Pläne über die Finanzierung der künftigen Reubau tätigkcit. Während alle Kre se der Bau- und Wohnungswirtschaft, so heißt es in der Erklärung u. a., aus guten Gründen eine Verstärkung der ösfe ntlichenWohn- b a u m i t t e l fordern, wird jetzt an offizieller Stelle das Gegenteil geplant. Durch die Kürzung des Wohnungsbauanteils deS Haus- zinssteucraufkommens um 400 Millionen Mark entziehe man dem Wohnungsbau einen erheblichen Teil der bisherigen Mittel und verstärke damit zwangsläufig die Arbeitslosigkeit in dieser Schlüsselindustrie, sowohl in den Kreisen der Arbeitnehmer wie der Unternehmer, und damit die eigentliche Quelle der Rot der Reichssinanzen. Ein bedauerlicher Trugschluß sei es, zu glauben, daß durch die Senkung der Real steuern und Gewerbe st euern dieser durch die Kürzung der Hausziirssteuer- mittcl verursachte Arbeitsausfall wieder ausgeglichen werde. Cs könne keine Rede davon fein, daß darüber hinaus die Realsteuersenkung eine Ankurbelung der Wirtschaft hervorbringen könne, die doch lediglich durch Stärkung der Kaufkraft, also Beschaffung von Arbeitsmöglichkeit, belebt werde. tommanbeur der beiden Offiziere vereinbart. Dabei wurde darauf Rücksicht genommen, daß eine Verhaftung nach dein Dienst Aufsehen erregen mußte, da beide Offiziere in der Kaserne wohnten. Sie würben deshalb unauffällig und durch Vermittlung ihres Abteilungskommandeurs bei einem Dienst außerhalb der Garnison festgenommen. Das Ansehen des Df- fixierforps wurde hierbei so weit gewahrt, wie dies überhaupt möglich war. Auch vor dem Kriege hätte kein Kommandeur die Ausführung eines Haftbefehls des Reichsgerichts verweigern können. Sie schreiben endlich, die Stimmung in der Reichswehr sei bedenklich. Es müsse „Wandel im System geschaffen werben, damit unsere Reichswehr wieder ihren großen Beruf als Verteidigerin des Vaterlandes und aller Volksteile zurückgegedcn" werde. Sie wissen als alter Soldat, daß die Grund- läge der Wehrmacht bedingungsloser und Vorbehalts- loser Gehorsam ist. Eine Wehrmacht ohne einen solchen Gehorsam ist wertlos. Sie werden mich gut genug kennen, um zu wissen, daß ich mit Ihnen in der Auffassung einig bin, daß die Verteidigung des Vaterlandes und aller Dolksteile der Beruf der Reichswehr fei; gerade diese Auffassung verlangt es, daß nicht Parteiprogramme oder tönende Schlagworte darüber entscheiden, auf welche Art die Reichswehr dem Vaterland dient, sondern der Wille des Reichspräsidenten und der von ihm ernannten obersten Führer Sie allein sind in der Lage, die staatlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten zu übersehen. Wer ihre Autorität untergräbt, versündigt sich an der Wehrmacht und am Vaterland. Ich wäre Ihnen, sehr geehrter Herr Graf, dankbar, wenn sie dieser Auffassung auch in den Kreisen Geltung verschaffen würden, die Ihnen politisch nahestehen. Ich werde mir gestatten, diesen Brief der Ocffentlichkcit zu übergeben, sobald Sie ihn erhalten haben. Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener (gez.) Groener. Wir sind mit dem Reichswehrminister in dem einen Punkt vollkommen einer Meinung, daß die Grundlage der Wehrmacht bedingungsloser und vorbehaltloser Gehorsam ist. Würden wir auf diefc Grundregel vernichten, dann hätten wir sehr bald südamerikanische Zustände. General Groener übersieht aber doch, daß der Leipziger Prozeß in jeder Beziehung c i n Fehlgriff war. Rachdem man einwandfrei die Rolle der angeklagten Offiziere festgestellt hatte, wäre es eine Kleinigkeit gewesen, sie ohne Aufsehen aus dem Heere zu entfernen, wenn man dies für notwendig hielt, und auch andere nationalsozialistische Agitatoren folgen zu lassen. Das hat man nicht getan, man hat vielmehr das Reichsgericht in Bewegung gesetzt, so daß Hitler Gelegenheit erhielt, eine propagandistisch äußerst wirkungsvolle Rede vom Stapel zu lassen. Außerdem hat man damit angesichts der bei uns üblichen Verallgemeinerung der Reichswehr selbst durch diesen Prozeß den denkbar schlechtesten Dienst geleistet. Oie Zungdeuischen nach der Trennung. (Sin Aufruf MahrauuS. Berlin, 8. Okt. (ERB.) Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, M a braun, erläßt in seinem Organ einen längeren Aufruf, in dem er b i c Gründe für die Trennung von der Staatspartei erneut barlegt. Weiter heißt es bann: Die volks- nationale und jungbeuljche Bewegung wirb, gestützt auf die Volksnationale Reichsvereinigung, ausgerüstet mit allen Erfahrungen des Wahlkampfes nunmehr ohne jedes Kompromiß an die Schaffung der p o f i l i v - a k t i v i st i f ch e n B e w e g u n g Herangehen. Sie wirb bes weiteren ihr ft a a t o p o 1111 • sches Programm burch bie Schaffung eines grunblcgcnbcn W i r 1 f ch a f 1 s p r o tz r a m m s und eines Kulturprogramms ergänzen. Die Bewegung wirb ihre Organisation über bas ganze Reich s o ausbauen, baß sie bis zu ben fommenben Wahlen ihre Wahlvorschläge nicht mehr nach taktischen Erwägungen in der Verhandlung mit anderen Gruppen aufjuftcllen braucht. Sie wird im Gegenteil mit solchen Kandidaten in den nächsten Wahlkampf gehen, die von den Anhängern der Bewegung in voller ucbcrcinftim- niung auf den Schild erhoben werden. Zungdenische und Ehristlich-Soziale. Noch '-Bedeuten gegen eine Verschmelzung. Berlin, 8. Oki (ERB.) Zu den Gerüchten über einen Einschluß der jungdeutschen Abgeordneten in die Christlich-Sozialen schreibt das Organ dieser Partei, die „Tägliche Rundschau": Es haben tatsächlich schon heute Besprechungen stattgesunden, welche diese Möglichkeit erörterten. Diese Besprechungen sind aber rein persönlicher Ratur gewesen und entbehren jeglicher Verbindlichkeit von der einen oder anderen Seite. So einfach, wie man sich den Weberin tl der Jungdeutschen zum Volksdienst denken mag, liegen die Dinge nämlich nicht. Der Iungdeutsche Orden Hal eine politische Vergangenheit, die durchaus nicht immer die Zustimmung des Christlicch-Sozialen Volksdienstes gesunden hat. Der Christlich-Soziale Dolk-dienst ist überhaupt gewohnt, einen sehr ruhigen, geraden und Raren Kurs zu steuern. Er liebt keine plötzlichen Wendungen und hat wenig Sympathie für Ueberraschungen und kein Verständnis für Abenteuer. Eine andere Frage ist ferner von sehr wesentlicher Tedeutung. Der Christlich- Soziale Volksdienst ist eine ausgesprochen evangelische Bewegung. Unter den sechs jungdeutschen Abgeordneten befinden sich aber zwei katholischen Glaubens, und Verhandlungen mit ihnen würden eine grundsätzliche: Frage aufwerfen, welche bisher im Volksdienst überhaupt noch nicht erörtert worden ist. Wenn also der Volksdienst grundsätzlich zwar das Seine dazu tun will, eine weitere Schwächung der nationalen Mitte zu verhindern, so befindet er sich anderseits noch nicht in einer Lage, durch einfache Addition von Mandaten aus anderen Gruppen seine Stellung stärken zu müssen. Gauführertagung der NSDAP. München, 8. Okt. (Tel.-Un.) Der „Völkische Beobachter" meldet, daß am Dienstag und Mittwoch bei der Reichsparteileitung der NSDAP, eine Gauführertagung stattfand, um bie organisatorischen Maßnahmen auf Grund des Ergebnisses der Reichstagswahlen zu besprechen. Hitler machte dazu grundsätzliche Ausführungen, in denen er den Ausbau der Organisation als das Mittel bezeichnete, um neue große Leistungen zu erzielen. Erhöhte Kraftentfaltung sei das Ziel, aber das Mittel dazu, der organisatorische Apparat, müsse da seine Grenze haben, wo er z u m S e l b st - zweck zu werden drohe. Diese Gefahr werde dadurch vermieden, baß die politische Energie der Partei sorlgesetzt in lebendige Bewegung u m g e s e tz t werbe. Die Besprechungen finden am Mittwoch ihren Abschluß. Verbot des „Heffenhammer". WSN. D a r m ft a b t, 8. Okt. Der hessische Innen- rninister hat auf Grunb des Repudlikschutzgesetzes (tz 13 unb §5 Abs. 1 Ziffer 1 unb 4) sowie der hes- schen Ausführungsverordnung hierzu (tz 1) bie nationalsozialistische Wochenschrift „Der Helsen- hämmer" auf bie Dauer von vier Wochen verboten. Das Verbot erfolgt auf Grund eines Artikels „Gegen ben marxistischen Blutterror in Hessen", in dem, wie es in ber Begründung heißt, „nicht nur Maßnahmen bes hessischen Innen- Ministers in hetzerischer Weile kritisiert unb ber Minister persönlich gehässig beschimpft, fonbern auch ber Tatbestand bes § 114 RStGB. (Beamtennötigung), foroie bes §5 Abs. 1 Ziffer 1 unb 4 bes Republikschutzgesetzes erfüllt worben ist". Das Verbot wird ausgesprochen, so heißt es in ber amtlichen Begründung weiter, , um der Verwilberung ber Kampfes- weise in der Presse, sowie der bamit verbunbenen Vergiftung ber öffentlichen Meinung unb ber Ge- fährbung ber öffentlichen Sicherheit unb Ordnung mit Nachdruck entgegenzutreten". Gegen kommunistische Magistrats» Mitglieder. Der Regierungspräsident in Merseburg hat die kommunistischen Magistratsmitglieder Klaus, Härtel und Stauch aus Halle und Rybarczik aus Wittenberg vorläufig ihres Amtes enthoben und gegen sie ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der endgültigen Amts- Ein Aachwori znm Leipziger Reichswehrprozeß. Reichswehrminister Groener an den Grafen von der Golh. — Waren die Verfehlungen der Lllmer Offiziere nicht disziplinarisch zu erledigen? Per- Man muh gestehen, das; das Ga esem Endergebnis, das schließlich ni Aus aller Welt. Das Erdbeben In Süddeutschland. Australien müsse gewisse Snbuftrien entwickeln, wozu die Zusammenarbeit australischer und englischer Industrieller notwendig sei. Er verlangte ferner einen Ausgleich zwischen den Preisen der Rohproduktion und denjenigen der Kertigsabri- kate. Durch die Preisspannen verdiene England einseitig. Ter neuseeländische Ministerpräsident Fordes sprach sich für weitere Zollgeständnisse durch Abkommen aus. Er lehnte den Gedanken deS „Masseneinkaufeswie er in englischen Re- gierungskreisen erwogen wird, ab, da der Staat sich nicht mehr als unbedingt notwendig in den Handel einmischen dürfe. Oie Revolution in Brasilien. Widersprechende Meldungen vom Kriegsschauplatz. — Jede Partei veröffentlicht Siegesbulletins. Kabinettskrisis in Litauen. Heftiger Protest gegen die Memel- Vereinbarung. — Der Außenminister zurückgetrcten fi o ro n o , 8. Okl. (TU.) Roch der Rückkehr des litauischen Außenministers Dr. Z a u n i u s aus Genf fand beim Staatspräsidenten ein außerordentlicher Ministerrat statt. Rach Schluß der Sitzung reichte Dr. Zaunius sein Rücktrittsgesuch ein, das angenommen wurde. Man spricht jedoch darüber hinaus von einer Krise des Gesamt- k a b i n c t t s. Der Rücktritt des Außenministers kommt nach dem Ergebnis der Memelbe- f ch w e r d e und dem Verlauf der deutsch-litauischen und litauisch-polnischen Verhandlungen in Gens nicht überraschend. Rach dem Bekanntwerden der Genfer Ergebnisse, die in litauischen politischen Kreisen als eine ungeheure Riederlage der litauischen Außenpolitik bzeichnel wurde, galt die Stellung von Zaunius als unhaltbar. Man wird nun abwarten müssen, ob sich die maßgebenden Herren in Kowno mit dieser Demonstration begnügen oder ob sie auch weiterhin die Genfer Entscheidungen zu sabotieren gedenken. Die weitere Entwicklung der litauischen Kabinettskrise wird in dieser Hinsicht einige Aufschlüsse ausgeben. Die weiter verlautet, soll auch der litauische Gesandte in Berlin, Sid; ikaus - kos, der der stellvertretende Vorsitzende der litauischen Delegation in Genf war, nach Kowno berufen werden und nicht mehr auf seinen Po st en zurückkehren. Als Kandidaten für die Rochsolge von Zaunluv werden zunächst genannt der litauische Gesandte in Paris, Klimas, und der litauische Gesandte in Washington, B a l u t i s. 3n den Kommentaren der Blätter, die sich mit den Genfer Verhandlungen und Vereinbarungen beschöf- ligen, wird Deutschland heftig angegriffen mit der Behauptung, es habe die litauischen 3ugeflän>* in Sachen der memelländischen Beschwerde erzwungen. Oie Iollfragen auf der britischen Reichskonferenz. London, 8. Oft. (WTB.) Die zweite Vollsitzung der britischen Reichskonferenz sand heute im Auswärtigen Amt unter Vorsitz des Premierministers Macdonald statt. Sie beschäftigte sich mit den wirtschaftlichen Fragen des britischen Reichs. Der Minister für die Dominions Thomas gab einen Lieberblick über den Umfang des Handels innerhalb des Reiches. Großbritannien importiere jährlich Rahrungsmittel und Rohmaterialien im Werte von 467 Millionen Pfund auS fremden Ländern. Ein großer Teil davon könne auch in Ländern des briti- schenReichsverbandes produziert werden. Andererseits würden von den Ländern des britischen Reichs Fertigwaren im Werte von 235 Millionen aus fremden Ländern eingeführt, die ebensogut auch in Großbritannien b e r g c st e l l t werden könnten. Es werde natürlich niemand so töricht sein, sich einzubilden, daß man sich von der übrigen Welt einfach loS- schnüren könne, jedenfalls seien aber das harte - wirtschaftliche Tatsachen. Der Vertreter von Kanada, "Bennett, schlug vor, daß sich das britische Reich zu dem Regime der Vorzugszölle im Verkehr zwischen den Reichsländern bekenne und daß 01 eut) ort, 8. Oft. (WTV.) Wi? Associated Preß aus Rio de Janeiro meldet, hat die brasilianische Regierung Kriegsschiffe mit Truppenverstärkungen nach Perna m b u c o entsandt. Desgleichen sind nach F l o - rianopolis Verstärkungen abgegangen. Ein genauer strategischer Plan zur energischen Bekämpfung der Rebellen im Staate Rio Grande do Sul ist ausgearbeitet worden. Die Massierung starker Truppenteile in S a n t a nmnbuco organisieren revolutionäre Junten. Oie Gegenoffensive der Regierung. Das übrige Personal hat im wesentlichen da- ÄUfem und gut auszufehen: eine märchenhafte Komparserie. Wer, wie Linkmann in einer heiteren Charge, mehr als drei Worte vorbringen darf, kann von Glück sagen. — Es gab einen wohltemperierten PublikumS- erfolg. hth. Das Erdbeben ist in der vergangenen Nacht i n zahlreichen Orten des bayerischen Allgäus verspürt worden. Aus Jmmenstodt wird gemeldet, daß die Erschütterungen ziemlich heftig waren und die Gegenstände in den Wohnungen i n s Wanken gerieten. Möbel und Bilder schwankten, die Uhren blieben vielfach st ehe n. Die Einwohner Füssens und Umgebung wurden in der Nacht zum Mittwoch kurz von 0.30 Uhr durch zwei starke Erdstöße ausdemSchlafer- sch reckt. Den Erdstößen ging ein schweres, donnerähnliches Rollen voraus. Das erste Beben dauerte etwa 3 Sekunden, während der zweite Erdstoß von kürzerer Dauer war. Verschiedentlich find im Mauerwerk der Häuser R i s s e u n d Sprünge entstanden. Ziegel sind von den Dächern del Norte fiel die Stadt Natal ohne einen einzigen Schuß in die Hände der Aufständischen. Einige Kolonnen der Truppen aus Parahyba drangen in das Innere des Bundesstaates Eeara ein. Andere Kolonnen von Polizei und Soldaten bereiten den Vormarsch in das Innere von Pernambuco vor, um Alagoas und Bahia anzugreifen. Die Regierung von Parahyba requirierte alle privaten Trans- portmittel, darunter 400 Lastkraftwagen, um die aus Polizei, Soldaten und Zivilisten bestehenden Streitkräfte dorthin zu werfen. Bei der Einnahme von Pernambuco beschlagnahmten Streitkräfte der Rebellen 2 0 0 0 0 Bankkonten in Höhe von 2 Millionen Dollar sowie Waffen und Munition. Auch San vi ncen te ist in den Händen der Aufständischen. Andere Orte des Staates "" Ms Herr Schm als sich das zweite Brötchen strich, kam Hanna, die zehnjährige, auf seinen Schoß gehüpft. „Pappi", sagte sie, und während ihre blauen Augen ihn anstrahlten, legte sie den kleinen weißen Arm um seinen Racken, „zeichne mir mal eben ganz fix ein Kastanienblatt auf.“ Herr Schmalf sah das Papier auf dem Tisch. Und den Kohlestift daneben. Herr Schmalf strich sich über den Kopf, schnaubte sich die Rase, schob die Unterlippe vor und zurück. Dann nahm er den Kohlestift und zeichnete in zehn Sekunden ein Kastanienblatt. mthcbung clngclcltct. Begründet wird diese Maßnahme mit der Zugehörigkeit der Betreffenden zur Kommunistischen Partei und damit, daß sie zur Steuerverweigerung, zum Steuer st reikundzurSteuersabotage aufges ordert haben. Ebenso hat der Regierungspräsident den kommunistischen Stadtrat Lehnert aus Merseburg aus denselben Gründen vorläufig vom QImtc suspendiert: auch gegen diesen Beamten ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Eine Siegesdepesche der Aufständischen. Pernambuco von den Rebellen erobert. Buenos Aires, 8. Oft. (WTB.) Nach einer Meldung der „Associated Preß" behaupten die Re- bellensührer. sie hätten ihre Positionen in Nordbrasilien besonders in der Gegend der Stadt Per- nambuco und im Staate Parahyba gestärkt. In einem in Porto Alegre von dm Rebellen ausgegebenen Communiqus wird erklärt, die Rebellen hätten nach 24stündigem Kamps Pernambuco eingenommen. In dein Communiquö über die Eroberung Pernambucos, heißt es weiter: An der Spitze von 8000 Mann eroberte General Tavora die Stadt Pernambuco, unterstützt von der tapferen Bevölkerung von Parahyba. Eine Abteilung bestehend aus hundert Automobilen und Lastwagen verließ Parahyba mit dem Leiter der Polizei. Der Kamps selbst war sehr heftig und währte 24 Stunden und endete mit dem Siege der Rebellen. Die Bevölkerung durchzieht singend und jubelnd die Straßen. Dr. Carlos Lima C a o a l c a n t i hat die Regierung in Pernambuco übernommen. Die Zeitungen „Iornal" und das Amtsorgan „Pro- vincia" sowie die Fabriken und Wohnhäuser der Familien der Deputierten Pessoa und Queiroz, des Besitzers des „Iornal", wurden n i e bc r gebrannt. Der bisherige Präsident des Staates Pernambuco, Estacio Coimbra floh auf dem Dampfer „Itanage" nach Norden. Infolge der eiligen Flucht des Präsidenten des Staates Rio Grande Alan muß gestehen, daß das Ganze bei diesem Endergebnis, das schließlich nicht von Originalität strotzt, ein bißchen mager ist. Das hätte man früher und einfacher und ohne den großen Aufwand und Aufputz dieser kleinen Affäre bequemer haben können. Und man muß bedenken, daß der Zuschauer im Parkett fast von Anfang an viel weniger ahnungslos ist als die beiden Hauptpersonen. Er weih Bescheid und er siebt es kommen: und es ist der Spannung im Lustspiel niemals förderlich, wenn man die Verlobung zu zeitig aus der Kulisse winken sieht... Zum Glück ist den beiden Märchenerzählern im fünften Bild und kurz vor Torschluß noch die kleine pikante Anekdote eingefallen, die sich an den Hamen der Monna Vanna knüpft und bereits bei Maeterlinck eine Rolle spielte,... mit ihrer Hilfe wird die schon im vierten Bilde gelockerte Spannung noch einmal ein wenig belebt. Dann kommt die Verlobung, und dann ist das Märchen aus. reitet, die sich nun gegen den noch amtierenten Präsidenten Dr. Pereira richtet. Ihm wird der Vorwurf gemacht, die von Minas Geraes aus ungerecht empfundene Entwicklung unterstütz t zu haben. Dabei wird auch behauptet, daß der Wahlvorgang nicht reell durchgeführt worden sei. Der Grund der Revolution liegt also in der Rivalität der beiden wichtigsten und dichtbevölkertsten Staaten. Die Revolutionäre haben sich dabei auch die schlech te W irisch a f t s l a g e zunutze gemacht, die vor allem in dem Rückgang der Ausfuhr und dem Fallen der Kaffeepreise zu suchen ist. Das hat seinen Grund nicht zuletzt in der Verminderung der Konsum-und Kaufkraft Europas. So wirft schließlich die europäische Krise ihre Schatten bis nach Südamerika. MricAnloinette und ihre granligeMma. Wien, Oesterreich/ Deutschland feiert im Ro- vember dieses Jahres das Andenken der großen Kaiserin Maria Theresia. Das besonders anziehende Verhältnis der Mutter zu ihren Töchtern behandelt der Wiener Geschichtsforscher Professor Dr. Heinrich K r e t s ch m a y r In einem mit vielen seltenen farbigen Abbildungen geschmückten Aufsatz des Olt-berhes tes von Vel- hagen & Klasings Monatsheften. Die berühmteste ihrer sechs Töchter war Marie Antoinette. Maria Theresia hat mit ganz besonderer Sorgfalt und Aufmerksamkeit den Meinungsaustausch mit dem so überfrüh hinausgegebenen Kinde gepflegt, ihr den österreichischen Botschafter, Grafen Mercy d'Argenteau, zum besonderen Pfleger und Hüter bestellt. Sie hatte ein klares Gefühl für die Gefahren, denen die Tochter entgegenging: Sie sollte sich ja nicht gehen lassen und nicht in die Fehler der französischen Königsfamilie verfallen, die zwar . gut und recht tugendhaft", aber doch nicht fähig" sei „sich tn anständiger Weise zu unterhalten". Sie solle die Gottesgeschenke ihrer Anmut, Sanftmut und Fügsamkeit.sich sorgsam bewahren, solle ihr Leben, dieses Leben „auf der Schaubühne der großen "Welt , ernst und nicht leicht nehmen, auf oab nicht das Chaos über sie und ihre Lieben komme. Richt immer ist die Mutter erfolgreich, nicht immer die Tochter gelehrig, nicht immer besonnen. Aber sie wußte immer wieder, einmal OJenerung verheißend, einmal beschönigend, einmal kahchenhaft freundlich die „grantige Mama“ au versöhnen. Und sie ist endlich nicht nur in Liebenswürdigkeit und Lebensfreude das Kind ihrer Mutter in den Sonnentagen des Lebens 6^wesen, sondern auch, Märtyrerin wahrlich mehr ^.Ochuldige, in Gehaltenheit und Würde Im fürchterlichen Ernst, Am 16. Oktober 1793 ist sie gestorben. Sprünge entstanden. Ziegel sind von den Dächern gefallen. Die Tiere wurden unruhig. Beim zweiten Stoß konnte genau die wellenförmige Bc- wegung des Bebens in Richtung Ostwest fest- Catharina deutet darauf hin, daß die Regierung beabsichtigt, ihre Aktion zunächst auf den äußersten Süden zu konzentrieren. Inzwischen werden die Fliegerangriffe auf Minas Geraes fortgesetzt. Die Bundestruppen sollen auch die Stadt Palmyra in Minas Geraes erobert haben und rücken auf Darbacena vor, die sie bald ebenfalls zu entsetzen hoffen. Die Aufständischen sollen sich in R i ch t u n g P o r t o Alegre zurückziehen. 'Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Parana-Santa Catharina sei eingestellt. Ein Kreuzergeschwader sei heute nachmittag mit unbekanntem Ziel in See gegangen. Bedeutende Bundesstreitkräfte in Sao Paolo bereiteten sich auf den Widerstand vor. Die Regierung von Rio habe 400 000 Reservisten aufgerufen, von denen 100 000 in 14 Tagen feldmarschmäßig ausgerüstet fein würden. Bundestruppen hätten die Stadt Bello Horizonte bombardiert und die Aufständischen auseinander- getrieben. Die Revolutionäre von Rio Grande Sul planten die Schaffung einer autonomen Republik, wenn Rio de Janeiro sich nicht der Bewegung anschließen sollte. Der größte Teil der brasilianischen Truppen halte zur Bundesregierung. Weiter wird behauptet, daß durch die Einnahme des Bundesstaates Rio Grande do Sul die Bundesregierung das ganze Land beherrsche. Cs würden freiwillige Bataillone für den Regierungsdienst gebildet, besonders im Staate Sao Paulo, wo die regulären Truppen und die Polizei zurückgezogen worden seien, um im Felde benutzt zu werden. Die Truppen der Bundesregierung machten rasche Fortschritte. In den Staaten Minas Geraes und Rio de Janeiro sei alles ruhig. DieSmtergrijnde der Revolution Rivalität der Bundesstaaten. Wirtschaftskrisis. Der Grund der brasilianischen Revolution liegt m der Präsidentschaft. Rach der bisherigen Gepflogenheit stellten die Staaten Sao Paulo und Minas Geraes abwechselnd den Präsidenten. Don diesem ungeschriebenen Gesetz ist bei der Kandidatenaufstellung für die letzte Wahl im Frühjahr d. I. abgewichen worden. Obwohl der jetzige Präsident Dr. Pe- r e i,r a , Repräsentant und früherer Staats- präliöent von Sao Paulo war, wurde von dieser veite wieder ein Kandidat nominiert namlicb der bisherige Staatspräsident von Saö Paulo, Julio P re st es. Der Staat Minas Geraes hatte unter heftigem Protest auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet. Prestes wurde gewählt. Er müßte im Rovem- ber fein Amt antreten. Schon während des mit außerordentlicher Erbitterung geführten Wahlkampfes hatte die Partei von Minas Geraes angekündigt, daß es zu einer Revolution kommen werde, wenn Prestes gewählt werde Nachdem die Erregung des Wahlkampfes vorbei war schienen ernsthafte Folgen auszubleiben. In dieser Zeit haben die Unterlegenen aber offenbar unter der Hand die Revolution vorbe- Diese harmloS-heitere Abendunterhaltung wurde vom ersten Spielleiter Peter F a s s o t t appetitlich und in geschmackvoller Aufmachung serviert. Löffler hatte vornehme Hotel- interieurs und sogar eine ganz naturalistisch schaukelnde Flugzeugkabine mit allen neuzeitlichen Bequemlichkeiten für die fünf Bilder aufgebaut. • Der leichtsinnige Lord und blonde Casanova wurde von Wesener im Stil des jugend- lichen Liebhabers gegeben und mit liebenswürdigem Humor ausgestattet: der Gigolofrack saß ihm vorzüglich. - Lony L e u t h o l f, als die Prinzessin, gab ihr Debüt mit dem spru- öelnben Temperament ihres Fachs: aus der Monna Banna-Episode iin Schluhbild machte sie eine effektvolle Theaterszene. - Bäuerle (Lord Hamson) wirkte sehr distinguiert mit weißer Perücke und dem imaginären Flügel» ipaar ft^er märchenhaften Schuhengelrolle. - Maria Koch (Lady Hartley) machte, wie stets, angenehm Konversation (was bei dem fatalen diese» Lustspieldialog« bestimmt nicht einfach war). Oas Kastanienblatt. Don Hans Rlebau. „Wilhelm", sagte Frau Schmalf, „du mußt heute abend noch ein Kastanieiiblatt zeichnen" Herr Schmalf ließ die Zeitung sinken. „Wie?" fragte er. .-Du muht heute abend noch ein Kastanienblatt zeichnen", wiederholte Frau Schmalf. Herr Schmalf machte die Augen zweimal auf und zu, strich sich über den Kopf und atmete tief durch. „Was hast du gesagt?" flüsterte er. „Tu hast es doch gehört", wurde Frau Schmalf ärgerlich. „Hanna muß für die Schule ein Kasta- nicnblatt zeichnen. Hanna hat sich eine Stunde lang gemüht. Aber sie kann es nicht." „Liebes Kind", sagte Herr Schmalf, „wenn Hanna es nicht kann, dann muß sie es lernen Dafür ist doch die Schule da. Und nicht dafür' daß die Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder machen. ^Tu ihr schon den Gefallen", bat Frau Schmalf. _.Da legte Herr Schmalf die Zeitung auf den Disch. ..Wie kannst du nur so etwas Unsinniges verlangen!" sagte er. „Ich kann doch nicht die Schule hintergehen. Ich kann doch nicht meinem Kind den Auftrag geben, seine Zeichenlehrerin zu belügen!" „Wie du wieder übertreibst..." murmelte Frau Schmalf. »2ch übertreibe nicht", fuhr Herr Schmalf fort, und fein Gesicht fing an, sich zu röten. „Ich nenne die Sache beim richtigen Ramen. Du bist irn Begriff, Hanna, deine Tochter, zur Betrügerin zu erziehen." Frau Schmalf zuckte die Achsel. „Du kannst doch Mt zeichnen" fügte sie. „In zchn Sekunden hast du so ein Kastanienblatt fertig. Da schlug Herr Schmalf mit der Faust auf oen, Tisch. „Kastanienblatt hin, Kastanienblatt der , schrie er, „das ist vollkommen gleichgültig. Cs geht hier um ein Prinzip: ehrlich ober unehrlich. Betrug oder nicht Betrug. DaS Kind wird das Kastanienblatt zeichnen, so gut oder so schlecht es das lann Und dam-t basta." und in allen Ehren, und Im fünften Bild haben wir die ganz gewöhnliche, wohlbekannte, altertümliche Verlobung, mit der schon zu Großvaters Zeiten die besseren Lustspiele freundlich und unweigerlich beschlossen wurden. Oie Opfer des R 101. Totenschau in Westminster — Ein Noti;, block unter den Trümmern gesunden. Son do n, 8. Oft. (TU.) In der Totenhalle von Westmmster hat Lady Brancker das Monokel ihres Mannes, des Luftmarschalls Sir Seftan er’, wiedererkannt. Ferner konnten zwölf weitere Leichen von einigen ihrer Angehörigen fest gestellt toeefceu, meistens ^urch das Wiedererkennen von Crinnerungsgegen- ständen. Identifiziert wurden auf diese Weise u a. ber Kommandant des Luftschiffes, Irwin, der Konstrukteur Oberleutnant Richmond und der Meteorologe Gebleit. Die Ueberführung der Särge nach der Westminsterhalle ist für die Rächt -um Freitag angesetzt. Die Stadt Bedford hat für Samstag einen allgemeinen Trauertag angeord- net. Beim Luftministerium liegt eine ungeheure Alenge von Anfragen nach Zutrittskarten zu der Trauerfeier in der St. Pauls-Kathedrale vor. Die Trauermefse wird durch Rundfunk in ganz England und den Dominien verbreitet werden — Der Segelmacher Church ist inzwischen in Beauvais gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 48. Die drei Leichtverletzten, die die Ueberfahrt nach England mit dem Kreuzer „Tempest" mitgemacht haben, sind in Cardlngton eingetroffen. Im Befinden der übrigen drei Vorletzten sind gute Fortschritte zur Besserung zu verzeichnen. In der Trümmern des „R 101" sind Auf- oC iun gen de r Ingenien re über die Unglucksfahrt und die boraufgegangenen Probefahrten aufgefunden worden, nach denen Mo- tore und Oelung nicht einwandfrei funktioniert haben, sondern vor allem bei den Probefahrten am 1., 2. und 3. Oktober verschiedentlich H e i h l ä u f e der Motoren mit Entgeh u n g kleinerer Brä n de festgestellt worden seien. Der Rotizblock ist seltsamerweise von den Flammen verschont geblieben. Auf den Blättern befindet sich u. a. folgende Aufzeichnung: -Es sieht so aus, als ob etwas in Brand geraten ist. Alles rauch t." Worauf sich diese Rotiz bezieht und von wem sie herrührt, ist noch unbekannt. Gießener Gtavttheater. Engel und Grttnbaum: „Die Prinzessin und der Eintänzer". Variationen über das tn der letzten Saison sehr populäre, heute schon ein wenig veraltete Thema „Schöner Gigolo, armer Gigolo.. Die beiden Autoren nennen es Lustspiel in fünf Bildern oder ein modernes Märchen aus dem Jahre 1930. Reckische Märchenerzähler, die beiden, Alexander Engel und Qfifreb Grünbaum: an die Brüber Grimm barf man nicht benfen, nicht einmal an „Tausenb unb eine Rächt": aber das war ja beides erheblich vor 1930. Dieses Mär- ^en klingt eher wie eine Magazingeschichte mit Illustrationen. Dabei ist es gar nicht mal so schrecklich modern, wie es sich einbildet. Gin Bubikopf ist schließlich heutzutage keine Sensation mehr. Und mit der „Vollkommenen Ehe" von Dan de Delde kann man längst keinen Staat mehr machen auf der Bühne. Ra, und das moderne junge Mädchen mit der altfränkischen Mama, - das Pärchen hat man auch schon uuf dem sogenannten Zeittheater über Weltanschauung und zeitgemäße Erziehung diskutieren Horen. • Alsdann: bleibt noch der schöne Gigolo. Aber hier denkt er nicht „vergangener Zeiten", fon- Dcrn,^Ju bloß so, denn er ist gar keiner: sondern em leibhaftiger junger Lord, der es nicht nötig pdtte. Eintänzer zu spielen. Er ist ein leicht- fmntger und lebesüchtiger Jüngling, den sein ehrbarer Onkel, nachdem er sowohl die Schulden als auch die galanten Verpflichtungen des prächtigen Ressen „liquidiert" hat, mit einer jungen Dame aus der englischen Hocharistokratie zu verheiraten wünscht. Der Junge will sie aber nicht heiraten, sondern er will die untadelige Lady - so sagt er — „erobern". (Der Wüstling!) Und zwar in der zeitgemäßen Verpuppung als Eintänzer. Sie können sich doch wohl denken, wie das ausgeht? Stellt sich heraus: der junge Mann ist gar nicht so ein greulicher Casanova . und die kleine Lady ist gar nicht so ein zeitgenössisches Schreckenskind mit lauter Sport und lauter Komplexen unb so... • WaS geschieht also? Don Eroberung natürlich feine Spur Der Lord al» Eintänzer verliert daS Rennen, verliebt sich bis über die Ohren ohne Aufschub die nötigen Schritte getan würden, um diesem Prinzip zur praktische. . Durchführung zu verhelfen. Dagegen halte er einen Freihandel innerhalb des britischen Reichsverbandes weder für wünschenswert, noch für möglich. Der Premierminister von Australien, S c u 111 n , sagte u. a„ Australiens Politik sei es in erster Linie, b le australischen Fabrikanten organisch unb praktisch zu unterstützen und der britischen Industrie den Lowenan teil an der Einfuhr nach Australien zu sichern. England führe nach Australien mehr aus als nach Dänemark, Argentinien unb Holland, kaufe aber von diesen Ländern viel mehr als von Australien. $lurmi>tilit.-O* KfW leichter Oil y m,„.ger ludsudwe» Ole Pfeile filtern mit dem windt Dit otiutn Millionen nenrnden /»(► ftn gehen die lemperelur en Pie linien verbinden Orte mH gleichens Fahrplanverbefferung bei den Gießener Theaterzügen Wenn Ihre Empffehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll der, findet ein Ensemble-Gastspiel de« Deutschen Künstlertheaters Berlin statt mit Leopoldine Konstantin. Zur Aufführung gelangt Maughams Komödie .Wasserscheu", ö» ist da« erste Gastspiel der Dr. Robert Klein-Bühne hier in Gießen. Das Ensemble stellt sich bewußt in Gegen- fatz zu den üblichen Slar-DnsembleS, die die deutschen Theater übersluten. Bei der Inszenie- runq der Komödie .Wasserscheu" ist man wieder unter Hintansetzung deS Starsystem« vom gleichen Prinzip der Gnsemblebesehung ausgegangen. “ Militärpersonalien. Mit Wirkung vom 1. Oktober sind im Offizierkorps unseres Bataillons folgende Veränderungen eingetreten: Major K l e p k e von der Jnfantcrieschule Dresden wurde zum Batatllonoftab 1./15. verseht: Hauptmann Faulenbach, Chef der 3. Kompanie, kam zur Jnfantcrttschule Dresden: Hauptmann Täsar, bisher beim 2. Bataillon in Eisenach, wurde zum Kam- paniechck der 3. Kompanie 1./15. ernannt; Leutnant Breithaupt wurde zur Lehrkompanie in Kassel verseht. Kirchliche Nachrichten Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst In der Synagoge (SiidanlagH. Samstag, t t. Oktober. Vorabend 5.30 Uhr; morgens 8.80; abends 5.50 und 6.30 Uhr Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatskier den 11. Oktober. Freitag abends 5.15 Uhr; Samstag vor- mittags 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 6.30. — Wochengottevdienst: morgens 6.80; abends 5.30 Uhr. Oie Wetterlage Kampf um die Prohibition. In dem Kampf um das Alkoholverbot ist eine wichtige Entscheidung gefällt worden. Der Prohibitionskommissar in Washington, Woodcock, erklärte, daß die Herstellung von Wein und Bier in Prtvathäufern nicht gegen das Gesetz verstößt, vorausgesetzt, dah eS für den Selb st verbrauch bestimmt ist und nicht verkauft wird. Die Behörden sehen den Kampf gegen die Alkoholschmuggler energisch fort. In Brooklyn unternahm die Polizei eine Razzia gegen eine g'Mme Radio- stotion und verhaftete zwei Telegraphisten. Die Station gehörte einem Syndici, da- eine Schmugglerflotte von zwölf Fahrzeugen Die Intendanz des Gießener Stadttheaters hat sich mit Unterstützung durch den BerkehrSbund Oberhessen kürzlich an die Reichsbahndirektion Franksurt gewandt, um eine Berbesserung de- Fahrplane« der Gießener Theaterzüge, insbesondere für die Hei m- fahrt, zu erreichen. In einer Eingabe wurden der Reichsbahndirektion zu diesem Zwecke Vorschläge im einzelnen gemacht, die erfreulicher Weise zum größten Teil von Erfolg begleitet waren. Wie die Reichsbahndirektion Frankfurt der Intendanz de« Gtadttheater« und dem BerkehrSbund Oberhessen als Antwort auf ihren gemeinsamen Schritt jetzt mitteilte, sind mit Beginn deS WtntersahrplanabschnittS ab 5. Oktober im Interesse der Gießener Theaterbesucher für folgende Züge spätere Abfahrten in G-ießen vorgesehen: Strecke Dießen-Mücke: bisher ab Dießen 22.46 Uhr, künsttg ab Dießen 23 Uhr: Grünbcrg bisher an 23.22 Uhr. künftig 23.36 Uhr, Mücke bisher an 23.31 Uhr, künftig 23.45 Uhr. ** Evangelische Pfarrperfonalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Wil- Helm Kornmann zu Rodheim a. d. Horloff die erste evangelische Pfarrstelle in Laubach, Dekanat Schotten, übertragen. ** Eine hochbetagte Gießenerin. Am morgigen Freitag, 10. Oktober, kann Frau Katharina H ahn, Schisfenberacr Weg 89, in geistiger und körperlicher Frische ihren 82. Geburtstag begehen. ** Ql euer Spätzug zwischen Marburg und Dießen. Rachdem die Reichsbahn- Verwaltung den bisherigen Spätabendzug zwischen Marburg und Gießen lab Marburg 23.20 Uhr, an Gießen 0.05 Uhr) mit Wirkung ab 5. Oktober wegen ungenügender Beteiligung aufgehoben hatte, ist nunmehr, um dem QZerkehrsbedürfntS zwischen den beiden Städten wenigsten- einigermaßen zu genügen, vom 5. Oktober ab der schnellfahrende Eilgüterzug ab Marburg 23.54 Uhr, an Dießen 0.53 Uhr, versuchsweise für den Personenverkehr fretgegeben worden. Die Reichsbahn hofft, damit den an einer Spätverbindung Marburg Gieswn interessierten Kreisen soweit entaegenzu- kommen, als die derzeitige wirtschaftliche Lage der Reichsbahn eS zuläßt. Hoffentlich findet diese neugeschasfene Berkehrsmöglichkeit so starken Zuspruch, daß sie zu einer dauernden Einrichtung gemacht werden kann. ** Hochwasser. Die anhaltenden und teilweise starken Regenfälle in den letzten Tagen, besonders auch am gestrigen Abend und in der vergangenen Nacht, haben ein starkes Anschwellcn der Flüsse und Bäche zur Folge gehabt. Die Lahn sührl sehr viel Wasser und hat den normalen Wasserstand bereits wesentlich überschritten. Die Wiescck Ist zum Teil über die Ufer getreten, von dort aus sind die Wasscrmassen schon in die Planschbeckenanlage an der Eisbahn eingedrungen. Eine ernstere Gefahr besteht zur Zeit erfreulicherweise noch nicht, wenn nicht weitere bedeutende Regengüsse hinzukommen. •* Hcrizontalböen. In den Außenbezirken unserer Stadt wurden In der vergangenen Rächt gegen I Uhr und heute morgen Atol- schon 6 und 7 Uhr verschiedene sehr heftige Windstöße bemerkt, die jedoch keinen ernsten Schaden anrichteten. Auf unsere Erkundigung hin hören wir, daß eS sich bei diesen Windstößen um Horizontalböen handelte, die durch die unterschiedlichen Lufttemperaturen entstehen. Die Er- haliungstendenz für die bestehende Wetterlage ist sehr stark. ES wird mit wetteren Regenfällen zu rechnen sein. •• Erweiterungsbau in der oberen Bahnhofstraße. Zu Beginn der nächsten Woche wird an den Kolonnaden deS KasfeehauS- besitzers Schwarz am Bahnhof ein Erweiterungsbau in Angriff genommen werden. SS handelt sich dabei um die Errichtung von Bureau- räumen über den jetzigen Läden der Firmen Balser, Brinkmann und Wagner. Durch den Stockaufbau sollen dort Geschäftsräume für die Allgemeine Or.Skrankenkafse Dießen-Land erstehen, wobei e« sich in-gesamt um sechs Zimmer, darunter einen großen Mittelraum, handelt. Der Erweiterungsbau soll so gefördert werden, daß er am 1. Januar nächsten Jahre« bezug-fertig zur Qkrfüflung steht. Qlachdem eine Anzahl De- Aus her provinzialhaupistodt. Dießen, den 9. Oktober 1930. Oas Klima unserer Wohnung. Ganz allgemein ist zu fordern, daß in einem Kinderzimmer eine Temperatur von 17 bi- 20 Grad GelsiuS, in einem Wohnraum von 17 bis 18 Grad Gelsius, In einem Schlaf raum für Erwachsene von etwa 15 Grad Delfins herrschen soll. In einem Krankenzimmer wird man für eine Temperatur von 17 bis 20 Grad EelsluS sorgen müssen. Die Wärme in Arbeitsräumen muß der jetveiligen Beschäftigung angepaßt werden, sollte aber nie 18 bi« 20 Grad Celsius überund 15 Grad Celsius unterschreiten. Möglichst in jedem Zimmer sollte daher etwa in ManneSböhe über dem Fußboden ein Thermometer ausgehängt werden, das mit einiger Zuverlässigkeit über bic wirklich Im Raume vorhandene Temperatur unterrichtet. Die Regulierung der Lufttemperatur eine« von Menschen benutzten Wohn-, Schlaf- oder Arbeitsraume« geschieht durch Heizung und Lüftung. Letztere dient vor allem auch der Luftverbesserung. Die Zusammensetzung der Außenluft ist im allgemeinen gut und richtig, im abgeschlossenen Raume dagegen wird die Luft durch die Ausatmung und Ausdunstung der Qllenfchen, ferner durch die Heizung und die verschiedenen künstlichen Lichtquellen, wie Gas, Petroleum oder Kerzenlicht usw., in gesundheitsschädlichem Maße verändert. So kommt e« zu einem vermehrten Gehalt der Innenlust an Kohlensäure und Wasser. Durch die Anwesenheit von Menschen im Mohnraum sindel an die umgebende Luft aber auch eine stündige Wärmeabgabe statt, die bei ungenügender oder mangelnder Luftbewegung zu künstlicher Wärmestauung im Körper führt. Besonders der Säugling, der womöglich noch in Betten und Kissen eingehüllt wird, erfährt so nicht selten eine ^leberhitzung, die allerlei Krankheiten, ja unter Umständen sogar seinen Tod zur Folge haben kann. Darum ist richtiges Lüften des menschlichen WohnraumeS von ganz besonderer 'Bedeutung. Erwärmte Lust sammelt sich an der Zimmerdecke. Oessnet man daher beim Lüsten nur ein tief gelegene« Fenster, fo bleibt die oben liegende schlechte Lust meist ungewechselt und mischt sich höchstens mit der einströmenden frischen Luft, so daß eine vollständige Durchsetzung des Raumes mit frischer Luft unmöglich wird. Deshalb öffne man zum Lüften möglichst stet« den Höchstgele- geilen Teil des Fensters. Wo eine solche Möglichkeit nicht besteht, erstrebe man den raschen, vollständigen Lustwechsel durch Herstellung von Gegenzug, der in längstens 5 Minuten die gesammelte schlechte Lust auSsegt und den ganzen Raum mit srischer Luft anfüllt. Eine solche Lüftung ist je nach Gröhe und Besetzung deS Raumes mehrmals täglich erforderlich. Ganz bc- sonders bedars das Schlas^immer einer ausreichenden Versorgung mit frischer Lust, wobei aus daS möglichst zu erstrebende Schlafen bei offenem Fenster hinaewiesen sei. Im Schlaszlmmer spielt auch der Feuchtigkeitsgehalt der Lust wohl die in gesundheitlicher Qk- ziehung größte Rolle. Die während der Rächt auSgeatmete Lust zusammen mit der gleicl-zeitig in vermehrtem Qllahe erfolgenden Hautau-dun- stung erhöht den Wassergehalt der Luft. Rur wenn die Zimmerlust einen bestimmten, je nach der Temperatur verschieden hohen Feuchtigkeitsgehalt ausweist, oder einen bestimmten rcla- tiven Sättigungsgrad erreicht hat, sühlen wir unS wohl. Daß vermehrte Luitfeuch iakeit Möbel, Betten und Kleidungsstücke verdirbt, sei nut nebenbei erwähnt. Bei Körperruhe und unbewegter Lust soll im Schlafzimmer der Höchstwert der relativen Luftfeuchtigkeit etwa 60 Prozent,, im Wohn- oder Arbeitsraum 40 bis 50 Prozent betragen. Aus der anderen Seite pflegt die Luft In unseren Wohnräumen, besonders wenn sie durch Zentralheizung erwärmt werden, oft zu trocken zu fc n. Zu trockene Luft läßt Haut und Lippen spröde werden, macht bei offenem Munde und längerem Sprechen Zunge und Gaumen trocken und löst Durstgefühl au«. Die einzig zweckmäßige Abhilfe besteht in solchen Fällen im Ausstellen flacher, mit Wasser gefüllter Schalen oder Im Aushängen nasser Tücher, die durch Qkrbunftung Feuchtigkeit an die umge ende Luft abgeben. Falsch ist e«. wie eS besonders in QSurcautttumen häufig geschieht, trockene Luft durch Oeffnen eine« Fenster« bekämpfen zu wollen. Dr. K tior nullten. — TageSkalender für Donnerstag. Deutsche Friedensgesellschaft Dortrag von Freiherr v. Schoenaich: „Dom preußischen General zum Pazifisten und Republikaner", 20 Uhr. im Easö Leib. — D. H. V.: Monatsverfammlung, Lonystraße, 20.30 Uhr. — LichtfPielhauS Bahnhofstraße: „Der Greifer". Astoria-Lichtfpiele: „Kameraden" und „Kabarettzauber". - Stadttheater Dießen. Man schreibt unS. Am Freitag, IS. Oktober gelangt Johann RestroyS Posse „Einen Jux will er sich machen" zur Aufführung. Die Spielleitung hat Heinrich Hub, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Fritz Euj6. Beschäftigt ist fast da« ganze Solopersonal. — Am Sonntag. 12. Okto- Defamtförderung von 1929 erreicht. Allein Juni ist gegenüber dem gleichen Monat Vorjahre« eine Steigerung der Förderung 63 Proz. festzustellen. Allerdings bereitet Verarbeitung dieser verhältnismäßig schweren, paraffinhaltigen Oele große Schwierigkeiten, da die entsprechenden Veredelungsanlagen fehlen und man wegen der Ungewißheit über die Lebensdauer der hannoverschen Quellen, man schätzt ihre Ergiebigkeit nur noch auf annährend 5 Jahre, mit dem Bau neuer Anlagen zur Verarbeitung zurückhaltend gewesen ist. geftrlit werden. Besonders stark wurde das Beben In Faulenbach bei Füssen verspürt. In der Pension „Am See" wurden Bilder und Tafeln von den Wänden geschleudert. Stühle fielen und Gläser zerbrachen. Sämtliche Zimmer des Hauses weisen Risse und Sprünge auf. 60 Millionen Mark Jrijlbetrag des Berliner Stadthaushatt». In einer Sitzung der Finanz- und Steuerdepu- tation des Berliner Magistrats wurde vom Stadt- kömmerer über den Haushalt für das Jahr 1H3O berichtet. Danach würde trotz der weitgehenden Ausgabeneinschränkung ein Feylbetraa von 60 Millionen Reichsmark vorhanden fein, der durch die Einführung neuer Steuern um 20 Millionen ermäßigt werden könnte. Die Ursache dieser furchtbaren Finanzlage der Stadt Berlin liegt in den erhöhten Wohls ahrtslast en und der Der- rlngcrung de r ©teucreingdnge begrün- bet. Das pensionierungsgesuch bc» Oberbürgermeister» Boß angenommen. Der Berliner Magistrat beschloß, dem Pen- fionierungSgesuch des Oberbürgermeister« Böß >um l.Rovernber 1930 mit der gesetzlichen Pension stattzugeben. Sr wird tiefen Beschluß her Stadtverordnetenversammlung in einer Vorlage zur Kenntnisnahme mitteilen und um Reu - b e s e tz u n g der Stelle bitten. Der Oberbürgermeister von Königsberg wiedergewähli. In der Königsberger Stadtverordnetensitzung stand als Hauptpunkt die Wahl eines Dbcrbürgcr- meisters auf der Tagesordnung. Bei der W > Schwarze Mäntel Schwarze Kleider Schwarze Kleider-Stoffe Schwarze Seiden-Stoffe Gießen (Walltorstraße 36), Essen, Offenbach, Laubach, Bonn, Köln, den 7. Oktober 1930. Lederjacken für Motorradfahrer erste Fabrikate.... Herren-Anzüge aus blauem Kammgarn Modehaus Nowack“srs Auswahlen (Tel. 3048) werden bereitwilligst zugesandt _________ 3398A Herren-Anzüge aus strapazierfähigen Cheviot Meine Verlobung mit Fräulein Margrit Roh beehre ich mich anzuzeigen Oauertailoleii emailliert, billig ab* Em in Küche und Hansh. erfahrenes Mädchen mit guten Zeugnissen aus langiahr. (Stellungen, sucht z. 15.11. Stellung. Schr. Ana. u. 06235 an den Gieß. An». X B. HAUSER, CS ESS EN AM OSWALDSGARTEN Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres langjährigen Mitgliedes und Mitgründers Herrn Karl Löwer geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Samstag, den 11. Oktober, vormittags 11 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. ®78D Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. „Krankenkasse und Notverordnung" Um vollzähliges Erscheinen bittet der Vorstand. Hierdurch erfüllen wir die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres Kameraden Karl Löwer in Kenntnis zu setzen. [6880h Die Beerdigung findet Samstag, den 11. Oft- vorm. 11 Uhr statt. Zusammenkunft 10'/, Uhr am Eingang des Neuen Friedhof s. Uniform: l.Rock und Helm. DaS Kommando: Fritz Wenzel. Karl Wenzel. Herren-Winter-Paletots «rgg Marengo mit Samtkragen /I 98.-, 75.-, 64.-, "TU ertronauf Indem angenehmenßemuätsein, immergutundnie tu teuer gekleidet tu sein- \ haltens unsere Kunden Monatsversammlung Heute Donnerstag, den 9. Oktober, abends 8'/, Ubr, Heim, Louyttr. 18 Geschäftsführer Schobloch - Frankfurt MerWeMW aus einzelne u. zurückgesetzte Stücke lOBrojcntHaöattflulnne Waren Warner £eöeiroaiea-Berlrieö 6. 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Herren-Winter-Ulster anoo aus prima Stoffen, hervorragend fl 11 in Paßform ..........89.-, 67.—, "iW Junges Mädchen mit guten Zeugnissen für 15. Oft. gesucht. Liebigltr. 66 D.'^D ist zu beneiden sagt Onkel Mollig schmunzelnd, als er ihren neuen „Fran- kenla“-Ofen sah. Das Ist wirklich ein Ofen, wie man ihn jeder Hausfrau für die Waschküche wünschen könnte, damit sie endlich einmal all den Wasch-Aerger los wird. Mit dem „Frankenia“ kommt kein gußeiserner und kein betonierter Öfen mit. Ein gußeiserner rostet und bricht leicht und ein betonierter wledersteht schlecht der Hitze und bröckelt bald ab. Der „Frankenia“-Kessel aber besteht aus Stahlblech mit einer garantiert rostsicheren Feuerverzinkung und einer 25 mm starken Ausmauerung, die die Hitze besser zusammen* hält und so Brennmaterial spart. - Und für jeden „Frankenia“ habe ich schöne praktische Kupferkessel vorrätig. 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Diese amtliche Mitteilung des italienischen Hofes lüstete den Schleier über dem großen „Geheimnis", das seit Iahren bekannt war und doch ein Geheimnis blieb, weil niemand wußte, wie es schließlich ausgehen würde. jetzt rechnet man lediglich daraus, daß der Thronerbe orthodox getauft würde, während die übrigen Kinder katholisch erzogen werden könnten. Wie der Vatikan sich zu dieser Frage gestellt hat, ist nicht bekannt. Doch scheint der Papst sich auch in diesem Fall aus den Standpunkt des kanonischen Rechts gestellt zu haben, nach dem eine Mischehe nur zulässig ist, wenn sie nach römisch-katholischen Ritus vollzogen wird und die katholische Erziehung der Kinder sichergestellt ist. Da nun die bulgarische Verfassung eindeutig Die Verbindung des Hauses Savoyen mit der Koburger Dynastie der Dulgarenkönige ist nicht das Ergebnis rein politischer Berechnung. Zarte Bande rein menschlicher Art wurden schon vor längerer Zeit geknüpft und man sagt, daß sie ausschlaggebend gewesen sind. Tatsache ist, daß die Prinzessin Giovanna in Bulgarien an Popularität gewann, je mehr die Aussichten dafür stiegen, daß sie als Zaritza in Sofia einziehen würde. Umgekehrt besitzt auch König Doris, der zum ersten Male im Iahre 1928 inkognito in Italien weilte, und dann offiziell im Ianuar dieses Iahres der Hochzeit des italienischen Kronprinzenpaares beiwohnte, die Sympathien des italienischen Volkes. Kleinigkeiten wirken oft stärker als man glaubt. Niemand hat es hier vergessen, daß König Boris auf seiner Heimreise aus der ewigen Stadt seinen bequemen Salonwagen verließ, sich auf die Lokomotive des Sonderzuges stellte und das Stahlroh eigenhändig durch die Gefilde Italiens lenkte. Die jahrelangen Verhandlungen zur Ueber- windung der religiösen Schwierigkeiten, die sich aus der Verbindung einer römisch- katholischen Prinzessin mit dem orthodoxen König ergaben, haben zu einem Ergebnis geführt, obwohl es öfters schien, als ließe sich ein Ausweg nicht finden. Man muß annehmen — und auch das spricht gegen einen rein politischen Kalkül — daß König Boris, der Neigung seines Herzens folgend, sich zu dem Kompromiß entschlossen hat, der die Ehe ermöglichte. Wurde doch anfangs in bulgarischen Kreisen der Uebertritt der Braut zum orthodoxen Glauben der Bulgaren für eine Selbstverständlichkeit erachtet. Später hörte man von einer Beschränkung dieser Forderung auf die Kind e r und verlangt, baß der Thronerbe hn Glauben des bulgarischen Volkes erzogen wird, dürfte eine offizielle Zustimmung des Pap st es nicht erfolgt sein. In dieser Annahme wird man dadurch bestärkt, daß der vatikanamtliche „Osservatore Romarw" die Tatsache der Verlobung auf seiner letzten Seite kurz bekanntgibt, ohne auch nur den geringsten Glückwunsch daran zu knüpfen. Immerhin ist mit einem Protest des Papstes nicht zu rechnen, die Verhandlungen dürften vielmehr seine stillschweigende Billigung erzielt haben. Die Verbindung des Bulgarenkönigs mit der italienischen Prinzessin entbehrt aber nicht der politischen Bedeutung, auch wenn es sich um eine freie Wahl des Herzens handelt. Zwar ist zunächst noch keine Rede von einem italienischbulgarischen Bündnis- oder Handelsvertrags, der früher so oft als Vorbedingung für diese Verlobung bezeichnet wurde, aber zweifelsohne bringen die neuen Beziehungen zwischen beiden Höfen eine Annäherung beider Länder mit sich. Die bulgarisch-italienische Freundschaft besteht trotz zeitweiser Abkühlung schon lange und dürfte nunmehr weiter gefestigt werden. Bulgarien hat bisher die italienische Unterstützung, die besonders in der Lage der Ostreparationen entscheidend war, stets dankbar anerkannt, sich aber nicht immer restlos zu der Politik bekehrt, die Italien wünschte. Die Angriffe gegen Duroff seitens der italienischen Presse, die dem bulgarischen Außenminister offen 'Franzosenfreundschaft vorwarf, liegen noch nicht weit zurück. Es ist nicht anzunehmen, daß Bulgarien seine selbständige Außenpolitik ausgeben wird, aber was Italien auf diplomatischem Wege vielleicht nicht erreichen konnte, das mag seine neue Botschafterin, die als Königin in Sofia einzieht, ganz unbewußt fördern. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß die Ueberwindung der Schwierigkeiten, die sich der Verlobung des Königs Boris mit der Prinzessin Giovanna entgegenstellten, zum Teil das Werk des Generals Volkoff ist, dessen Ernennung zum Gesandten in Rom von bulgarischen und italienischen Kreisen schon seinerzeit als Anzeichen für eine Aktivierung der ltalienisch-bul- garischen Beziehungen gedeutet wurde. Rein äußerlich genommen hat das Verhältnis zwischen Rom und Sofia bisher noch keinen festen Rahmen bekommen, doch haben gerade die letzten Iahre auch eine Vertiefung der wirtschaftlichen und kulturpolitischen Beziehungen gebracht. Hier sei nur an die aktive ‘Betätigung der „Opera pro Oriente" in Bulgarien erinnert, die dort — einem italienischen Schutzbund vergleichbar — italienische Schulen gegründet und Stipendien für bulgarische Kinder gestiftet hat. Die Glückwünsche des italienischen Volkes, dessen monarchistisches Gefühl sich in eindrucksvoller Weise während der großen Festlichkeiten anläßlich der Hochzeit des italienischen Kronprinzen vor aller Welt offenbarte, sind auch diesmal außerordentlich herzlich gehalten. „Glücklich ist der König, der als Lebensgefährtin ein engelgleiches Mädchen erhält, wie unsere Savoyer Prinzessin, glücklich der Staat, der sie Königin nennen wird", so schreibt ein Römer Blatt und gibt damit die Meinung vieler wieder. Die Prinzessin Giovanna, die als viertes Kind des italienischen Königspaares am 13. Dezember 1907 in Rom geboren wurde, soll ihrer Großmutter, der Königin Margherita auffallend gleichen. Schon das genügt, um in Italien beliebt zu sein. Italien ist stolz darauf, dem befreundeten Volk eine seiner Prinzessinnen zur Königin geben zu können. Aus der provinzialpauptstadl Gießen, den 9. Oktober 1930. Ein Kuriosum im Fernsprechverkehr. Zu der Notiz unter obiger lleberschrift in unserer Ausgabe vom 16. September erhalten^ wir, als Antwort auf die Frage jenes Gewährsmannes, ein längeres Schreiben des Gießener Telegraphenamtes, dem zu entnehmen ist, daß die Fernsprechgebühren gemäß der Fernsprechordnung vom 15. Februar 1927 nach der Entfernung zwischen den Vermittlungsstellen der verschiedenen Ortsnetze festgesetzt werden. Die Entfernungen bis zu 25 Kilometer^ werden nach der Luftlinie gemessen, die übrigen Entfernungen werden nach dem T a x o u a d r a t - verfahren berechnet, daS für die Zoneneinteilung im Postpaketverkehr maßgebend ist, mindestens wird jedoch die Fernsprechgebühr für Entfernungen von mehr als 25 Kilometer bis 50 Kilometer einschließlich (70 Ps.s erhoben. Um den besonderen Verhältnissen in der Umgebung der Großstädte gerecht zu werden, ist — was in dem Schreiben des Telegraphenamts eingehend dargelegt wird — für Ortsnetze mit mehr als 10000 Hauptanschlüssen ein besonderer Maßstab für die Feststellung der Entfernungen vorgesehen, wodurch für die nähere Umgebung der Großstädte eine Ermäßigung der Fernsprechgebühren ein tritt. Für den vorliegenden Fall ergeben diese Bestimmungen, daß bei einer Entfernung von etwas über 25 Kilometer Luftlinie Gießen — Bad-Nauheim die Gebühr 70 Pfennig und bei einer Entfernung von Frankfurt a.M. — Bad-Nauheim die Fernsprechgebühr 40 Pfennig beträgt. Au Grund der oben angedeuteten Vergünstigung für die Großstädte ergibt sich, daß von den 23 Kilometer Entsernung Frankfurt a. M.—Bad Nauheim 5 Kilometer abgcseyt werden, wodurch die olrede Frankfurt-Bad-Nauheim in eine niedrigere Berechnungszone gegenüber der Strecke Gießen— Bad-Nauheim kommt. In dem Schreiben wird betont, daß der Unterschied in der Berechnung von dem DerwaltungS- rat der Reichs post als berechtigt anerkannt worden sei. VolkSbildungStag in Gießen. Am nächsten Sonntag findet in Gießen auf Anregung der Gesellschaft für Volksbildung. Berlin, und des Goethe-Bundes C-iehen ein Dolksbildungstaa statt. Zu der Tagung werden Vertreter des öffentlichen, wie des freien Volksbildungswescns aus Hessen und Hessen- Nassau erwartet. Zweck der Versammlung ist, so schreibt man uns, die engere Zusammenarbeit dieser Bildungsstellen anzuregen, die durch die Not der Zeit für die Erhaltung unseres Bildungs- und Geisteslebens dringend crsorderlich ist. In diesem Sinne sollen vor allem der Ausbau einer volkstumhaften Bildungspflege, Wirtschaftlichkeit und Planmäßigkeit im Vortragswesen, Ausbau einer leistungsfähigen Vortragstätigkeit auch in kleinen, für unser Geistesleben ebenfalls bedeutsamen Orten, gegenseitige Förderung und Unterstützung der Bildungsarbeit in Angriff genommen werden. Die Tagung wird eine Reihe von Bildungs- fragen zur Behandlung bringen. U. a. wird der bekannte Volksbildner I)r li. c. Johannes T c w s. der langjährige Geschäftsführer der Gesellschaft für Volksbildung, Berlin, einen Vortrag über Gegenwartsfragen der freien Volksbildungsarbeit" halten. Im Hinblick auf die kulturelle Bedeutung der Tagung wäre zu wünschen, das? die Verhandlungen zu einem den Bestrebungen würdigen Ergebnis führen. Gießener Wochenmarktprcisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter von 130 Pfennig an, Butter 160 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 8 bis 10 (pro Zentner 4 Mk.), Weißkraut 5 bis 6 (pro Zentner 3 Mk.), Rot- krauit 8 bis 10 (pro Zentner 5 Mk.), gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20. Bohnen 15 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 8 bis 10, Kartoffeln 3,5 bis 4 (pro Zentner 2,50 bis 2,80 Mark), Falläpfel 8 bis 10, Aepfel 20 bis 35. Birnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 20 bis 25, Nüsse 40 bis 60. Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110 pro Pfund: Tauben 50 bis 70, Eier 14 bis 15, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15. Salatgurken 10 bis 30, Endivien 10 bis 15. Oberkohlrabi 6 bis 10. Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 pro Stück: Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund. Taten sür Freitag. Itt. Oktober. Sonnenaufgang 6.13 Uhr, Mondaufgana 18.08 Uhr, Sonnenuntergang 17.20 Uhr, Monduntergang 9.18 Uhr. 1825: der Präsident der südafrikanischen Republik geboten; — 1861: der Nordpolforscher Frilhjos Nansen geboren. * •• Von den Kraftpostlinien Gießen — Krofdorf und Gießen — Wiß - m a r. Der in Krofdorf täglich um 12.55 Uhr noch! Gießen abfahrende Wagen, mit dem man an der Haltestelle Krofdorf-Gleiberg der Eisenbahnlinie Lollar—Wetzlar Anschluß zur Bahnfahrt nach fiel menf men - einBomoii Roman von Hans Friedrich. Utheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa Nachdruck verboten. 1. DaS Parktor der Villa kreischte in den Angeln. Erdmute Hansen machte ein böses Gesicht, sagte leise zürnend für sich: „Ich habe es Fritz schon hundertmal geheißen, daß ^er einen Tropfen Oel auf die Zapfen geben soll!" Aber während sie ihr Motorrad ein Stück auf der nachtstillen Parkstrahe hinschob, verflog ihr Unmut so rasch, wie er aufgeloht war. Die Laternen blinzelten müde in die fahle Morgendämmerung. Von einem Turm hallten drei Glockenschläge m die neblige Kühle dieses Iunimorgens. Die Stadt schlief noch. Erdmute lächelte spitzbübisch. „Wie ein Dieb in der Nacht stehle ich mich fort. Sie werden Augen machen, wenn ich nicht zum Frühstück erscheine." Dieser Gedanke belustigte die junge Sportlerin. Dis zur nächsten Straßenecke hatte sie einen srohen Ausdruck um den frischen Mund. So, jetzt war sie weit genug von Villa Hansen entfernt, um nicht mehr gehört zu werden. Noch ein Griff nach dem wohlgefüllten Rucksack, der auf dem Soziussitz verstaut war. Riemen und Schnallen, alles in Ordnung. Fertig zur Fahrt. Mechanisch tippte der Finger auf die Schwimmemadel des Vergasers Der Fuß betätigte den Starter. „Der Motor ist zu kalt.. “ sagte Erdmute wie entschuldigend zu sich selber. Endlich „tarn“ er. Nun schnell in den Sattel. Gas. Ab. * » * Fünf Stunden später gab es in der Villa des Dresdener Motoren-Jndustriellen Peter Hansen eine kleine Palastrevolution. Tüe Tochter deS Hauses war nicht zu finden, weder in ihrem Zimmer noch irgendwo im Park. »Fritz, sehen Sie mal in der Garage nach!" befahl der Senior ohne besondere Aufregung. Er war der einzige, der den Lauf der Ereignisse ahnte. Der Diener lief hinab in den Autoschuppen. Frau Irma, die zweite Gattin Hansens, die am Morgen durch die Aufregung in ihrer Toilette gestört worden war und noch nicht so vortellhaft aussah, wie an späteren Stunden des Tages, rang die Hände. „Sie wird doch nicht ohne Genehmigung — —" rief sie in ihrem hohen Diskant, ohne vor Aufregung den Satz zu Ende xu können. Da kam schon Fritz zurück, meldete: „Die Garage war offen. Der Wagen ist noch da, aber das Rad des gnädigen Fräuleins fehlt —" „Na ja", lachte Hansen. „Da haben wir's: Erdmute hat sich selbständig gemacht. Lassen wir ihr das Vergnügen." Zu gleicher Zeit tauchte die Zofe Frau Irmas auf der Schwelle auf. Sie hielt einen Brief in der Hand. „Er lag auf dem Schreibtisch des gnädigen Fräuleins." Hansen las den knappen Inhalt vor: „Liebe Eltern! Wenn Ihr diese Zeilen findet, bin ich schon ein tüchtiges Stück fort. Bitte nehmt mir meine Eigenmächtigkeit nicht übel. Ich bin nun zweiundzwanzig und sehne mich nach Selbständigkeit. Mami wird sich auch ohne mich in Swinemünde gut amüsieren. Ihr wißt, mir liegt das Meer nicht. Das hat auch Professor Steinmüllec gesagt, äleber das Ziel meiner Reise bin ich mir selbst noch nicht im klaren. Vielleicht fahre ich ins Riesengebirge. Auf jeden Fall werde ich von mir hören lassen. Geld habe ich vorläufig genug. Der Erlös aus den beiden Stilleben hilft mir die ersten Tage meinen Lebensunterhalt bestreiten. Also bangt Euch nicht um mich und verzeiht Eurer eigenwilligen Erdmute." Hansen nickte bedächtig mit dem leicht angegrauten Kopse. „Sie schreibt vom Riesengebirge — wir können also sicher sein, daß sie in die Alpen fährt." Frau Irma spielte die Entrüstete. „Unverschämtheit von dem Mädel, mir das Bauprojekt zu verderben!" Sie sah alle ihre Felle davonschwimmen, -weit diesem „Bauprojekt" hatte es seine besondere Bewandtnis. WeUr Peter Hansen noch Erdmute wußten darum. Diese Eigenmächtigkeit Urner Tochter ist unerhört! Natürlich darf sie sich alles erlauben, weil sie ganz genau weiß, daß du jeden Blödsinn sanktionierst." Dabei stampfte sie wütend mit Um blauseidenen, hochhackigen Morgenschuh auf, wie ein ungezogenes Kind, das feinen Willen durchzusetzen versucht. , . , Der Hausherr lachte beschwichtigend. Er nahm die Angelegenheit auf die leichte Schults. Irmel, auf Ehre. — Du wirst auch ohne den Magnet Mute auf deine Kosten kommen!" Und dazu zwinkerte er so beredt und Infam mit den Augen, daß seine Frau wie ein beleidigter Pfau aus Um Zimmer rauschte. Hansen lieh sich seine gute Laune nicht verderben. Er kannte den weiblichen Teil ferner ^Äe^kommen beide zurück zu den Fleischtöpfen Aegyptens". Uhauptete er, am Frühstückstisch Platz nehmend. Und Ur feine Spott um seinen Mund hielt noch lange an. Erdmute — ja, das war Geist und Fleisch von ihm! Sie ließ sich nicht auf die Dauer ans Haus fesseln. Und im übrigen war Verlaß auf das MäUl. Mute kam auch ohne den Schuh ihrer Usorgten Stiefmama durch die Welt. Notfalls brauchte sie die Fäuste. Junge Menschen sind wie flügge Adler, die die Schwingen zum Flug in die Ferne rühren. * . * Als der graue Sportwagen Peter Hansen der Fabrik entführt hatte, entfaltete Frau Irma eine erhöhte Tätigkeit. Sie hatte inzwischen ihre Toilette UcnUt und sah sich befriedigt im Spiegel: Das wuschelige, hellblonde Haar, das Ur geschickteste Fräseur nie völlig zu bändigen vermochte, und das immer ein wenig wild um das weih gepuderte Gesicht IrmaS stand, die hellblauen, durch Atropin glänzend und grohpupillig gemachten Augen und Ur nachgezogene, brennend rote Mund waren wie heimliche Kuppler aufeinander abgestimmt, schufen gemeinsam eine verführerische Note. Aus Ur Marmorplatte Us Frisiertisches standen offene Büchsen, Tuben und Flakons in wirrem Durcheinander. Ein Duftgemisch von teurem Parfüm hing wie eine unsichtbare Wolke unter Ur Decke dieses kosigen, Ur Schönheit gewidmeten Gemaches. „Soll ich ihn anrufen oder persönlich zu ihm fahren?" fragte Irma ihr Spiegelbild, das die Dreihigjährige um mindestens fünf Iahre jünger zeigte. Sie entschied sich sür's Telephon. Der Zeige- finger betätigte schon die Zahlen Us Selbst- onschluhapparates. Halb auf Ur Lehne eines Ukorativen Sessels sitzend, hielt Frau Irma Un Hörer an das Ohr. Endlich meldete sich Ur Angerufene. „Guten Morgen, Doktor!" Im Mikrophon war die klangvolle, schwach nasale Stimme Dr. Kriegers, Us jungen Frauenarztes, hörbar. Irmas Gesicht nahm einen bekümmerten Ausdruck an. _ ~ „Ach, hören Sie, lieber Doktor: Die Reise nach SwinemünU muh um einige Tage verschoben werden! Erdmute ist ohne meine Einwilligung ins Riefengebirge gefahren. Zu Studienzwecken. Aber ich werU sie zurückrufen, sobald ich — Dr. Krieger unterbrach sie. „Nein, das Ziel kenne ich leiUr nicht. Das Kind ist manchmal so eigensinnig." Und mit weicher, fast herzlicher Stimme: „Mute braucht eine feste Hand ... Aber die haben Sie doch-- ja, ja, ich weih ..." „ _ , Und wieder nach einer Pause: „Gewiß, lleber Doktor, Sie haben nun schon disponiert und fahren voraus Verlaffen Sie fich darauf Ich hole Mute zurück und dann kommen wir sofort nach!" Ihr Lächeln vertiefte sich: „Man mutz als Mutter immer ein wenig nachhelfen bei diesen modernen störrischen Mädels ..." Dann wurde die Verbindung plötzlich Dom Amt getrennt. Irma Hansen sah noch ein Weil^ chen lauschend und legte dann auf. Sie hatte während des Gespräches dauernd mit ihrem! Spiegelbild kokettiert. Auf diese Art erlangte die Erfahrene im Laufe Ur Zeit eine wichtige Kontrolle über ihr Mienenspiel. Als sie mit einem kleinen, graziösen Sprung vom Sessel glitt, lachte sie in sich hinein: „Ich werde Mute zu dieser Heirat mit Dr. Krieges zwingen. Er ist ein scharmanter Mensch, und ich könnte mir keinen besseren Schwiegersohn» wünschen ..." Dabei dachte sie seltsamerweise mehr an sich, als an ihre Stieftochter. Sie stellte es sich ft> prickelnd reizvoll vor. ihren besten Freund als Schwiegersohn zu bekommen ... Dr. Kriegeo bewarb sich schon seit einigen Wochen um die Gunst Erdmute Hansens. Wenn es bisher nicht zu einer Verlobung kam. so trug daran nur daS widerspenstige MäUl die Schuld, Us einem unbestimmten Phantom von „Freiheit" und „künstlerischen Idealen" nachjagte. AUr in Swinemünde sollte die Angelegenheit perf'kt werden. Dafür wollte die hübsche Heine Frau Hansen schon sorgen! 2. Wenn der Wagen im hemmungslosen Vorwärtsstürmen die Bergstraßen wie BänUr auf* spulte, wenn er durch betriebsame Städte untz verschlafene Dörfer rollte, wenn die sommerbunte Landschaft in immer neuen Bildern sich bot. hätte Heinz ®utenberg auf schreien mögen vor Freude. Dieses herrliche, unerschöpfliche Leben! Wie ein geschliffener Edelstein in vielfarbigem Feuer erstrahlt, wie man ihn auch wenden mag, so bietet sich das Leben Denen, die Augen haben, zu sehen Nicht die toten, miUn Augen US Stadtmenschen, des hinter Schraubstock und Pult abgestumpften Arbeitstieres. sonUrn die ewig hungrigen suchenden Augen Us Naturfreundes, der U weiß, daß es eine GnaU ist, was et schauen und in sich hineinsaugen darf. ..Bei Gott Herr Doktor, das war aber höchste Zeit, daß ich dem Trott des Alltags entrinnen durfte!" Wie ein Stöhnen entrang es sich Um Munde Us jungen Blonden, in dessen etwas farblosem Gesicht die graublauen Augen ein Leben für sich führten. Der ältere Infasse Us großen ReisewagenS lächelte gutmütig und verstehend. In Un kaum merklich vibrierenden Rhythmus Us Motors hinein sagte er wie abgehackt, fast unmotiviert; „Wird iwch besser ..." (Fortsetzung folgt) Wetzlar hat, wird von jetzt ab Sonntags einige Minuten an der vorgenannten Haltestelle warten, um etwaige, mit der Dahn von Wißmar oder Launsbach ankommende Fahrgäste nach Giehen mitnehnien zu können. Wer also jetzt Sonntags von Wißmar oder Launsbach nach Giehen will, und den Postkraftwagen um 12 Uhr (Launsbach ab 12.10 Uhr) noch nicht benutzen kann, hat kurz vor 13 Uhr Fahrgelegenheit mit der Dahn bis Krofdorf-Gleiberg, von da mit dem Postauto nach Gießen. 'Werktags fährt um 13 illjr ab Wißmar, 13.10 Uf>r ab Launsbach, ein Pestauto direkt von Wißmar über Lausbach nach Gießen. " Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Edwin M a r g u t h zu Södel die evangelische Pfarrstelle zu Södel, Dekanat Hungen, übertragen und Pfarrer Lic. Karl Jäger zu Leihgestern auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner treuen Dienste mit Wirkung vom 16. Dezember 1930 von der Verwaltung der evangelischen Pfarrstelle zu Leihgestern, Dekanat Gießen, entbunden. Aus dem Dienst der Hessischen Landeskirche entlassen wurden auf ihr Rachsuchen die Pfarrer Friedrich v. d. Au zu Erbach und Richard Zihmann zu Hahnheim mit Wirkung vom 16. Oktober 1930. ** Der Wilden Frau Gestühl. Etwa zwanzig Minuten von dem Dorfe Blofeld im Kreise Büdingen entfernt liegt im Dauernheimer Gemcindewald, hinter Fichten versteckt, die altgermanische Gerichtsstätte „Dec Wilden Frau Gestühl". Die Rich'.erbank, ein riesiger Basaltblock, zeigt drei Vertiefungen, dicht daneben liegen noch etwas kleinere Basaltblrcke. Der Platz, bis vor mehreren Jahren noch durch Büsche sehr verwachsen, ist jetzt einigermaßen von dem Gestrüppe befreit: eine Linde hat das Forstamt Bingenheim dort anpflanzen lassen, auch eine Lasel in der Mitte einer breiten, durch eine größere Fichtcnheege hindurchziehenden Schneise soll dem mit dem Orte nicht bekannten Fremden den Weg zeigen. Rur einige Schritte seitwärts und man steht an der historischen Stätte. Leid c müssen viele Wanderer wieder vor dem Walde umlehren, da sie ohne Führer die Stätte nicht finden. Es wäre mit wenig Kosten und Mühe verknüpft, eine Markierung von den Dörfern Blofeld ldos von der Bahnstation Reichelsheim in knapp einer Wegstunde) und Danernheim «das vorder Station Ranstadt in einer kurzen hallen Stunde zu erreichen ist) zu schaffen. Vielleicht nimmt sich der Vogelberger Höhen- Club oder der Oberhessische Geschichtsverein dieser Sach? einmal an; denn schon mancher Zweigverein des 9^^ wollte den Platz besuchen, konnte ihn aber nicht finden und mußte um« kehren. Auch für etwas Sitzgelegenheit mühte gesorgt werden; bietet doch die freiliegende Höhe eine prächtige Fernsicht nach dem tief davorliegenden Riddatale, den bewaldeten Vorhöhen des Vozelsberges und dem heimatlichen Gebirge. Oberheffen. Oie Abwickelung beim Laubacher Vorschußverein. ü Laubach, 7. Ott. Am Sonntagnachmittag fand im „Solmser Hof" die zweite Mitgliederversammlung des Vorschuß-Der- e i n s L a u b a ch unter dem Vorsitz des neu- gewählten Direktors Henze statt. Zunächst wurde bekanntgegeben, daß die erforderliche (einfache) Mehrheit der Gläubiger, darunter auch die Landesgenossenschaftsbank in Darmstadt, mit der entsprechenden Mehrheit des Einlagekapitals ihre schriftliche Zustimmung zu dem Vergleichsvorschlag gegeben habe. Hiernach werden bei voller Befriedigung der Gläubiger die Einlagen bei Zahlung eines Zinsfußes, der 1 Prozent über dem jeweiligen Reichsbankdiskontsatz steht, erst nach drei 3ahren zurückgezahlt. Durch diesen Beschluß der Gläu- bigermehrheit sahen sich die Genossenschaftsmitglieder veranlaßt, den Geschäftsanteil Ausflug nach London. Don Hans Georg Fellmann. Die Propeller sind angedreht, rotieren langsam, dann immer schneller, bis der Leib des dreimvtorigen Fokkers vor Ungeduld bebt wie das Rennpferd vor dem Start. Dann, ehe man sich noch recht versieht, sitzt man in der Kabina und erlebt, indes die Maschine über die Grasfläche rast, wieder jene fiebrige Spannung, die man stets in den Sekunden fühlt, bevor der Riesenvogel den Erdboden verläßt. Dann siehst du plötzlich und unmerklich das Grün unter dir weggleiten, Bäume, Häuser, Bäche schwinden dahin und kaum, daß du dich einigermaßen in der Gegend orientiert hast, winkt die bekannte Landschaft schon weit hinter dir. Einige Minuten später schon glitzert das silberne Band des Rheins; zwölr Minuten nach dem Start steht der Apparat aui dem Düsseldorfer Flugplatz. Es ist, als habe er einen kleinen Anlauf genommen, um seine Kräfte zu probieren. Kurze Zeit nur, und wir sind wieder oben. Ein Pennäler fliegt mit un- bis Köln; er verwendet seine 15 Mark für ein herrliches Viertelstunden-Vergnügen. Und dann geht es noch zweimal herunter und wieder herauf — in Köln und in Brüssel, wo die Maschine gewechselt wird. Hier wird es lebendig in der Kabine. Sie ist vollbesetzt, und man spürt internationale Luft. Rach etwas mehr als zwei Stunden setzt die brave Maschine unS sanft auf dem Londoner Flugplatz in Croydon ab, diel zu früh, wie uns dünkt, um bas Herrliche dieser Fahrt ganz ausschöpfen zu können. Belgien, Ostende, ständische Küste, der Kanal, Subengland — eine Fülle zauberischer, stets wechselnder Bilder aus der 150-Meter-Perspektive. Etwas, das sich nicht beschreiben, nur erleben läßt! Wie war das doch? Dor einer Reihe von Stunden noch sah man daheim am Frühstückstisch und ist nun, just zur Mittagszeit, in einem fremden Land, das uns immer ein wenig fern gelegen ist. Das Zubringerauto führt nach einer sehr langen Fahrt durch den Südwesten, wo noch die Elektrische fährt, mitten in die Stadt die die größte der Welt ist. Und nun stehst du am Haymarket, einige Minuten vom Picadilly Circus, wo, wie es heißt, das Herz der Welt im Verkehr am lautesten schlägt. Du kannst noch nicht begreifen, brauchst erst Ruhe und Sammlung, um die jagenden Bilder der letzten Stunden in dir zu ordnen, winkst einem Chauffeur .. c Gesetzt den Fall, es ist Sonntag mittag, wenn du ankommst. Du wirst dein Hotel aufsuchen, denn du kannst heute nicht viel anfangen. Ganz London ist draußen, in den Parks, in der Heide, Oer Sternhimmel im Oktober. Nachdruck verboten. Sonnenaufgang von 6.00 bis 6.55 Uhr. — Sonnenuntergang von 17.35 bis 16.30 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: Vollmond am 7. um 20 Uhr, letztes Viertel am 15. um 6 Uhr, erstes Viertel am 29. um 10 Uhr. mfk. Es wird Herbst, am Himmel nicht weniger als auf der Erde; denn noch sind die Uebcrreste des Widders rücken, denn in ihnen liegt heute der Frühlingspunlt; aber das war vor 3000 Fahren anders, und die damalige Festlegung hat sich bis heute erhalten. Von den Wandelsternen ist der Merkur vom 7. bis 9. am Morgenhimmel verhältnis- mäßig günstig zu sehen. Diese Einschränkung ist bei ihm nötig, denn selbst wenn alles gut geht, jo. STABEN '2Z 2 3i SEBNBUK*; GROSZE BUCH-J& » ^Z?0ME$ k\ * ^^vv/dder Sterne f Kleine Buch- v staben Sonne Mond: D1. Viertel (t) Vollmond d letztes Viertel des Sommers nicht verschwunden, und schon machen sich die Anzeichen des kommenden Winters bemerkbar; Arctur und Wega, die eigentlichen Beherrscher des Sommerhimmels, stehen im Westen, der Arctur nur noch in den frühen Abendstunden. 3m Osten dagegen ziehen — zumal gegen Ende des Monats — die Wintersternbilder herauf. Der Orion und die Zwillinge sind dann von Vz22 Uhr an zu sehen. Den Hauptteil des Himmels nehmen ein: die Andromeda und der Pegasus, der Widder — ein ziemlich unscheinbares Sternbild, das aber von alters her den Reigen der zwölf Tierkreisbilder beginnt — und darunter die Fische, die ihn beschließen. Hätte man die Einteilung heute vorzunehmen, so würden die Fische an die Stelle Der die 24 Stundenzahlen von Mitternacht bis Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmille sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- nalsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo- M nalsmitte ist der gerade Pfeil Vs Stunde Merkur y"rüAer, für je 5 Tage nach der Monats- Venus mitte */i Stunde später zu stellen. Man Mars vergleiche die nächste Monatskarte. Der _ Mond nimmt die gezeichneten Stellun- UPl er gen ein, wenn er die angedeutete Licht- '^Saturn gestalt zeigt. sieht man ihn nur bei schon heller Morgendämmerung und ziemlich tief am Horizont, so daß er einem nicht besonders geübten Beobachter kaum auffallen wird. Die Venus erstrahlt zwar wegen ihrer großen Erdnähe zunächst noch in hellem Glanz, steht aber schon sehr tief und verschwindet dann schnell. Der Saturn ist zwar noch sichtbar, doch auch nicht auffallend. Aber immer herrlicher kommen die großen äußeren Planeten, der Mars und der 3 u p i t e r, herauf, die in den nächsten Monaten ihren höchsten Glanz entfalten werden. Die Mondfinsternis am 7. ist kaum, die vollständige Sonnenfinsternis am 21. bei uns überhaupt nicht zu sehen. Küstermann. jedes Genossen von 200 Mark auf 8 00 Mark zu erhöhen, um hierdurch den bestehenden Fehlbetrag zu decken und vor allem das Fortbestehen der Kasse zu sichern. Zwecks Durchführung des beabsichtigten Vergleichsverfahrens ist demnächst nochmals eine Gläubigerversammlung erforderlich. Eine längere Debatte löste die Frage der Verantwortlichkeit der seitherigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder aus. Diese hatten sich in einem besonderen Schreiben an die Versammlung bereit erklärt, zur Deckung des Fehlbetrages eine freiwillige Zuwendung von 20500 Mark unter der Bedingung zu machen, daß ihnen Entlastung erteilt werde. Die Versammlung verlangte unter Ablehnung dieses Angebotes mindestens 35 000 Mark. Da eine Einigung nicht zustande kam, wurde von der Versammlung beschlossen, die seitherigen Mitglieder der K a ssenverwaltung für jeden durch ihr Verschulden entstandenen Schaden im Klagewege ersatzplich- tig zu machen. Ein aus vier Mitgliedern bestehender Untersuchungsausschuß wird an Hand der von ihm zu Lasten des Vorstands- und Auf- zum Weekend im Süden. Der große Verkehr kommt erst wieder in den späten Rachmittagsstunden, da Millionen Menschen nach Hause streben. Die Wahl des Hotels richtet sich nach deinem Geldbeutel, der sich nun auf eine ganz andere Berechnung einstellen muh. Du wirst natürlich Savoy oder Carlton oder Cecil vermeiden; das ist eine Angelegenheit für Amerikaner, die für Logis (ohne Frühstück) 80 bis 200 Mark bezahlen können. Du wirst ein kleines Hotel in einem verkehrsabgelegenen Bezirk im Nordwesten oder in Kensington beziehen, wo du ein Zimmer für 10 bis 15 Mark erhältst. Du wirst frühzeitig genug gewahr, daß London ein teures Pflaster ist, auf dem die Entschlüsse doppelt vorsichtig gefaßt werden müssen. Aber schließlich kann auch hier jeder finden, was er braucht und für feine Verhältnisse nötig hat. London i,. eine Weltstadt, aber sie verlockt nicht zum Amüsement wie Paris und Berlin. Und das ist der zweite Eindruck: Du bist hier auf einem bürgerlich soliden, fast sachlich nüchternen Boden, dem jede Verlockung fehlt. Man merkt es auf Schritt und Tritt, auf den Straßen, in den Lokalen, an den Lebensgewohnheiten der Menschen, die das Home, sweet home zu einem Lebensgrundsah gemacht haben. Das Londoner Nachtleben ist unbedeutend und beschränkt sich auf wenige Lokale, wo es unheimlich teuer, und auf einige Nachtklubs, wo es recht langweilig ist. Zwischen 23 und 24 Uhr konzentriert sich ein bunter und interessanter Strahen-Nachtver- kehr um Picadilly Circus und Leicester Square. Sonst aber schläft die Stadt um diese Zeit, und an ihren Derkehrszentren merkst du zu dieser Stunde, wenn in deutschen Mittelstädten noch lebhafter Betrieb ist, von dem Tagesgewimmel nicht einen Hauch mehr. Was soll man auch draußen tun? Dis 22 Uhr hat man in einem reizlosen shop Tee getrunken, mit dem der Tag beginnt und endet (das Kaffeetrinken gibst du nach einmaligem Versuch in dieser Stadt auf); ober du hast im Palast des Cornerhouse bei Ctjonä das ist der Aschinger von London — bas Potpourri der Musik aus vier Etagen auf bein musikalisches Gemüt wirken lassen. Du hast die Wahl zwischen den ungezählten Kinos und einem der 30 Theater, welche auch in den toten Monaten August und September geöffnet finö. 3n einem der Cinemas — im Alhambra — kannst du dir, noch bevor er in Deutschland gelaufen ist, den Kriegsfilm „3m Westen nichts Neues" nach dem Remarque-Buch ansehen, der da drüben mächttg eingeschlagen ist. 3m Theater herrscht leichte Sommerware; aber trotzdem im Parkett und Rang große ToUette und Frack. Man nimmt Hut und Mantel mit in den Raum sichtsrats festgestellten Verfehlungen die Klage einleiten. Mit dem Amt des Rechners bzw. des Kon- t r o 11 eu r s wurden bis zur Neuwahl die Mitglieder Hohmann und Schumann betraut, da die hierfür ursprünglich in Aussicht genommenen Herren aus verschiedenen Gründen an der Annahme dieser Aemler verhindert sind. Gemeinderai in Büdingen. !! CBüö in gen, 8. Oft. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung beschäftigte man sich mit der Zinsforderung der Landwirtschafts- und Gewerbetasse Büdingen für eine Kreditvermittlung. Die Stadt Büdingen hatte vor einiger Zeit die Bürgschaft für die von der Hessischen Landesbank gegebenen Notstandskredite für die Landwirtschaft übernommen. Die Kaffe hatte diese Kredite vermittelt und forderte nun Zwischenzinsen für nicht rechtzeitig geleistete Rückzahlung der Kapitalien. Es handelt sich um einen Betrag von 700—800 Mark. Der Gemeinderat lehnte das Ansinnen I der Landwirtschasts- und Gewerbekasse ab. Dagegen konnte der Gemeinderat einem Antrag legt beides unter seinen Sih und holt es am Schluß, wenn das „God save the King“ verklungen ist, wieder hervor. Der Abend in London also bietet nicht gerade viel Möglichkeiten. Dafür hält dich der Tag um so mehr gefangen. Am besten: Du nimmst ein 2luto und läßt sich für 5 Mark kreuz und quer durch die Riesenstadt fahren, durch die Oxford- und Regents-Street zum St. James Palast und zum Königsschloß, zum Hyde Park Corner an dem daran gelegenen Park vorbei, durch das Regie- rungs- und Diplomatenviertel, durch die Zei- tungsstrahe, die Fleet Street, in die City, zu St. Pauls Cathedra! und Westminster. Viel billiger tut das der rote Autobus, etwa die Linie 11, die dich für 30 Pfennige zwischen Victoria- und Liverpool-Street an den Hauptsehenswürdigkeiten vorbeifährt. So erlebst du am besten die gewaltige Große des Verkehrs, den Bobbie, der vorbildliche Schutzmann, überlegen dirigiert. Willst du ganz schnell von einem Ende der Stadt in das andere gelangen, benutze, wenn du den Eingang zwischen den Häusern gefunden, die Metro, die Untergrundbahn, oder die tubes, die Röhrenbahn, die noch tiefer liegt und an mehreren Stellen auch unter die Themse führt. 3m Londoner Programm fehlt natürlich nicht der Tower, das Parlament, das Britische Museum, die reiche Fülle der Galerien; auch den prachtvollen Zoo soll man sich nicht entgehen lassen. 3m übrigen nimmt man das Leben, wie es sich in seiner Eigenart und Vielfalt sich dem Auge bietet. Besucht die monumentalen Warenhäuser, wie etwa Selfridge in der Oxford Street; dicht dabei liegt, unauffällig, die reichste Straße der Stadt und vielleicht des Kontinents, die Bond Street, wo die exquisitesten internationalen Geschäfte und vor allem die Perlen- und Edelsteinhändler ihren Sih haben. Speist einmal in einem italienischen, bann in einem ungarischen, ein andermal in einem deutschen Restaurant bei Appenrodt in der Oxford- ober bei Schmidt in der Charlotte-Street und versucht es des Spaßes halber auch einmal im Chinesenviertel mit der chinesischen Kost. Vortrefflich find die englischen Spezialitäten, wie Roastbeef und Steaks, auch soll keiner versäumen, bei Sweetings ober Scott Fisch zu essen. Ganz ausgezeichnet sinb die Süßspeisen. Aber vier Mark mutzt du schon anlegen, wenn du gesättigt aufstehen willst. Und nach kurzer Zeit schon wirst bu fest stellen, daß die Preise für die Lebenshaltung viel, viel hoher liegen als in Deutschland, wo man nach englischen Begriffen fast umsonst wohnt, die Dienstmädchen mit einem Trinkgeld abgefertigt und Gas wie Elektrizität nahezu geschenkt erhält. Der Engländer fällt dir durch seine ruhige, selbstverständliche und, wenn du ihn erst einmal der Provinzialdirektion Oberhessen ^sprechen, der die Eigentumsübertragung von Stratzengelände an Provinzialstratzen-Ortsdurch» führten forderte. Ferner wurde beschlossen, von einer weiteren Verfolgung der Beschwerde gegen das Kulturbauamt wegen der Fassung der Pferdsbachquelle Abstand zu nehmen. Dem Gesuch des Kraftwagenbesihers Köhler auf Zu- schußleistung zur 3 n b e t r i e b n a b m e der Autolinie Büdingen—Altwiede r m u s wurde unter der Voraussetzung statt- gegeben, daß auch die anderen interessierten Gemeinden einen Zuschuß leisten. Landkreis Gießen. 8 Alten-Buseck, 8. Okt. Die diesjährige O b st e r n t e in unserer Gemeinde war, wie fast überall in der Umgegend, äufjerjt gering, so daß nicht nur die Winteroorräte an Pflückobst sehr fnapp bemessen sind, sondern auch die hier in guten Obstjahren sehr stark betriebene Apfelweinherstellung infolge Mangels an Fall- und Kleinäpfeln fast gänzlich unterbleiben mußte. Die Preise für Aepfel bewegten sich zwllchen 25 und 30 Mark, für Birnen etroa 20 bis 25 Mark. Dagegen ergab die nunmehr ziemlich beendete Kartoffelernte außerordentlich hohe Er träge,, so daß die für beste Speisekartoffel geforderten Preise unter drei Mark pro Zentner liegen. 'Harbach, 8. Okt. Am Sonntag, 12. Oktober, feiert der älteste Einwohner unseres Ortes, Peter Hartmann, seinen 9 0. GeburtS- t a g. Der 3ubUar war bis zu seinem 80. Lebensjahr als Polizeidiener, sowie als Kirchendiener tätig und bekleidete beide Aemter 40 3ahre I Wißmar, 8. Oft. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung beschäftigte man sich hauptsächlich mit dem Problem der Arbeitsbeschaffung, da Wißmar infolge der Betriebseinschränkung der Buderus- schen Eisenwerke in Lollar besonders stark von der Arbeitslosigkeit betroffen ist. Die Erweiterung des Spielplatzes bei Schulhaus III wurde auf den Vorschlag des Schulvorstandes beschlossen. Die Arbeit soll nach dem Projekt des Kreisliesbauamtes ausgeführt werden, wenn der Gemeinde Mittel aus dem Fonds der Kreisverwaltung zur Beschäftigung von Wohlfahrtserwerbslosen und ein Ergänzungszuschuß der Regierung zur Verfügung gestellt werden. Ein weiteres Projekt, das bereits ausgearbeitet ist, sieht den Ausbau von fünf neu erschlossenen und bebauten Straßen im Siedclungsgelände vor. Die Rotwendigkeit der Ausführung wurde auch hierfür anerkannt. Man hofft, daß durch Vermittlung des Bürgermeisters ein Teil des Projektes im Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge ausgeführt werden kann. Der Antrag eines Untcr- nehmers betr. Ausbaggerung derLahn an der Pfingstweide wurde genehmigt. Ein Vertrag auf 5 Jahre soll geschlossen werden, in dem gewisse Bedingungen vorgesehen sind. Zur Verhandlung kam dann ein Antrag mehrerer Reubaubesihcr auf Riederschlagung der Gemeinde - Grundvermögens st euer, dem nicht stattgegeben werden konnte. Dor der Haushaltsberatung hatte man sich mit der Erhebung von Wegebau» und Kanalabgaben befaßt und hatte davon Abstand genommen, im Sinblick auf die Rotlage der Rcubaubcsitzer. edoch beschloß die Gemeindevertretung, wieder bei sechs Reubauten die Bürgschaft für eine Rachtragshypothek bei der Preußischen Landes- pfandbriefanstalt zu übernehmen. Bei dieser Gelegenheit brachte der Bürgermeister zum Ausdruck, daß die Gemeindevertretung zur Behebung der Wohnungskrise in der Rachkriegszeit Vorbildliche- geleistet habe, das einzig im Kreise Wetzlar dastehe: durch die Mithilfe der Gemeinde (Bürgschaftsübcrnahme und Bereitstellung von Bauholz u. dgl.) sind nahezu 70 Häuser entstanden, die hier besonders drückende Wohnungsnot ist dadurch behoben worden. cP Krofdorf, 8. Oft. Unsere Schule kann in diesem Jahre auf das 75jähr. Bestehen des Handarbeitsunterrichts zurückblicken. Aus einfachen Verhältnissen heraus hat sich die Einrichtung zu einem vielseitigen Unterrichtsfach entwickelt. Der Unterricht steht heute unter der Leitung von Frau Kuhl auf beachtlicher Höhe. Wirtschaft. Erhöhung des Reichsbankdiskonts um 1 Prozent. Berlin, 9. Oft. (IDIB. Junffprudj.) Die Reichsbank hat mit Wirkung vorn 9. Oktober den Wechseldiskont um 1 v. h. von 4 auf 5 o. h. und den Lombardzinssuh von 5 auf 6 ö. £). erhöht. Europäische Goldkonferenz in Basel. Reu York, 8. Oft. (TU.) Einer „Exchange"- Meldung aus Paris zufolge sind die Leiter der Großbanken Deutschlands, Englands, Frankreichs, Italiens und Belgiens plötzlich au einer Sitzung in der D. 3. Z. nach Basel berufen worden. Der Grund sollen die Erhöhung der Goldtransporte nach Frankreich, sowie in Zusammenhang damit die Vorgänge auf dem deutschen Kapitalmarkt sein. Die finanzielle Lage soll untersucht und möglicherweise auf das Versammlungsprogramm der B. 3. Z. am 30. Oktober gesetzt werden. Die Dankdirektoren würden der Möglichkeit einer schnellen Ueber- Weisung von Kapital von einem Lande zum andern ihre besondere Aufmerksamkeit widmen, um eine bessere Goldverteilung innerhalb der europäischen Länder sicherzustellen. Jtiinb 3 Millionen Arbeitsuchende im Reich. Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 30. September hat sich der Rückgang in der Belastung der Arbeitslosenversicherung, der auch in der ersten Hälfte des September zu beobachten war, in der zweiten Monatshälfte noch etwas verstärkt, während im September des Vorjahres ein ständiges Ansteigen stattfand. Da einer Abnahme der Zahl der Haupt unter- stützungsempfänger in der Versicherung um über 10C00 eine Zunahme der Zahl der Krisenunter stützten um knapp 14 000 gc- aenübersteht, ist die Belastung beider llnter- sNihungseinrichtungen mit einer Gesamtzahl von rund 1 966 000 Ende September nur um wenig höher als Mitte des Monats. Hiervon entfallen annähernd 1 494 000 auf die Arbeitslosenversicherung, über 472 000 auf die Krisen- unterstützung. An verfügbaren Arbeitsuchenden waren bei den Arbeitsämtern am 30. September rund 3 0 8 8 000 gemeldet. Die Zunahme, die in der ersten Hälfte des Monats stattfand, hat sich also nicht in gleichem Maße fortgesetzt. Die Zahl der Arbeitslosen, die nach Abzug der noch in Stellung oder in Rotstandsarbeit befindlichen Arbeitsuchenden auf rund 3 030 000 einzusehen ist. hat gegenüber dem letzten Bericht um rund 47 000 zugenommen: wie immer sind in der Zahl sowohl die normale Fluktuation des Marktes, wie ein gewisser Bestandteil an Erwcrbsbe- schränkten eingeschlossen. Vermehrte Arbeitslosigkeit in Hessen und Hessen-Nassau. Lieber die Arbeitsmarltlage in Hes- fen und Hessen-Rassau berichtet das Landesarbeitsamt Frankfurt a. M.: Die Belastung der Arbeitsämter hat die Höhe von 2 06 5 7 9 (vor einem 3ahre 102 331) Arbeitsuchenden erreicht und damit in der zweiten Septemberhälfte um 5557, oder um 2.8 Prozent zugenommen. Am stärksten war der Zugang in den Gruppen Lohnarbeit wechselnder Art, Metallgewerbe, Steine und Erden, Baugewerbe und Holzgewerbe. Der Mehrzugang trifft die einzelnen Arbeitsämter sehr ungleich. Zum Teil, namentlich im Vergleich zum Vorjahre, beruht er auf der neuerdings vollständigeren Erfassung der Wohlfahrtserwerbslosen. Der Bestand an Haupt- unterstühungsempfängern ist im Berichts-Halb- monat um 945 für die Arbeitslosenversicherung und um 1181 für die Krisenunterstühung gestiegen. Er beläuft sich Ende September auf 92 312 (Vorjahr 51 550) in der Arbeitslosenunterstützung und auf 29 857 (Vorjahr 11192) in der Krisenunterstützung. Oie Rückzahlung der landwirtschaftlichen Beiriebskredite. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, wurde unter dem Borsitz von Reichsminister Schiele im Reichsernährungsministerium von Vertretern der Kreditinstitute, des Handels und der Genossenschaften darüber verhandelt, welche Erleichterun- gen für die fälligen landwirtschaftlichen Herb st Verbindlichkeiten angesichts de» stockenden Absatzes von wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen gewährt werden können. Uebereinstim- munfl bestand darüber, daß eine g c n e r e II e Prolongation der Wechsel nicht angängig ist, da hierdurch die Finanzierung der nächstjährigen Düngemittelbeschaffung gefährdet werden würde. Die große Mehrheit Set Vertreter war in Würdigung der gesamten landwirtschaftlichen Lage und der bestehenden Absatzstockungen für Ernteerzeugnisse bereit, die Rückforderungen auf die in den nächsten Wochen fälligen Düngemittelwechsel unter individueller Prüfung der Verhältnisse elastisch zu gestalten, sofern die entfpre- chenden verwertbaren Teile der Ernte beim Erzeuger noch vorhanden sind. Eine Ueberschneidung der Düngemittelkredite der pergangenen und der bevorstehenden Düngemittelkampagne soll dabei als weder im Interesse der Landwirtschaft, noch ihrer Gläubiger liegend vermieden werden. Oie ZinSfestsehung für Aufwertungshypotheken. Der vom 1. Januar 1932 ab geltende Auf - wertungszinsfatz sollte bei Inkrafttreten deS Gesetzes über die Fälligkeit und die Verzinsung der Auswertungshypotheken (1. Oktober 1930) durch die Rcichsregierung mit Zustimmung des Reichsrates festgesetzt werden. Da die weitere Entwicklung der Verhältnisse am Kapitalmarkt sich zur Zeit noch nicht übersehen läßt, hat die Reichsregierung beschlossen, einen Gesetzentwurf einzubringen, der die Möglichkeit der ZinSfcst- sehung bis zum 15. Dezember 1 9 30 verlängert. Eine entsprechende Vorlage ist bereits dem ReichSrat zugegangen. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 9. Oft. Tendenz: schwächer. — Der Beschluß der Reichsbank, den Diskontsatz von 4 auf 5 Prozent zu erhöhen, verursachte zu Beginn der heutigen Börse einen neuen verschärften Rückgang der Tendenz. Auf allen Märkten verstärkte sich das Angebot. Sowohl von der Auslandkundschaft, als auch vom Jnlande sollen Derkaufsorders Vorgelegen haben. Daneben schritt die Spekulation zu Abgaben, so daß die er st en Kurse 2 bis6 Prozent niedriger festgesetzt wurden. Die Abwärtsbewegung wurde unterstützt durch die neue Metallbaisse und die schwächere gestrige Reuhorker Börse. Beträchtliche Kursrückgänge erlitten wieder Kaliwerte. Salzdetfurth lagen minus 11 Prozent und Westeregeln minus 5 Prozent. Auch Montanwerte waren in stärkerem Maße angeboten. Gelsenkirchen, Harpener, Mannesmann und Rheinstahl gaben bis zu 3,75 Prozent nach. Farben verloren 4,5 Prozent. Am Elektromarkt betrugen die Kursrückgänge 2 bis 4,5 Prozent. Lediglich Lah- meyer waren gehalten. So bühtenx Ehadeaktien im Zusammenhang mit der Pesetaschwäche 14 Mk. ein und waren stärker offeriert. Gin amtlicher Kurs kam zunächst nicht zustande. Am Dankenmarkt traten Reichsbankanteile, die 6,40 Prozent einbühteu, stärker hervor. Commerzbank, Danat- bank, DD-Bank und Dresdener Bank lagen 2 bis 2,5 Prozent niedriger. Farben eröffneten 2,75 Prozent schwächer. Schifsahrtswerte. Kunstseide- werte, Zellstoffaktien, Deutsche Linoleum und Metallgesellschaft gaben 2 bis 2,5 Prozent nach. In Zement Heidelberg setzten sich die Abgaben fort. Taxe zirka 6 Prozent niedriger. Deutsche Anleihen waren ebenfalls schwächer. Altbesih minus 1 Prozent. Ausländische Renten lagen still. Türken rückgängig. Pfandbriefe waren naturgemäß stärker angeboten. Reichs- schuldbuchforderungen lagen mehrprozentig niedriger. 2m Verlaufe war die Kursentwicklung nicht einheitlich. Teilweise konnten sich kleine Erholungen durchsetzen. So waren Farben und Westeregeln je 1 Prozent gebessert. Im übrigen überwogen aber die neuen Kursrückgänge. Die ilmfaötätigfeit ging stark zurück. Später verstärkte sich das Angebot wieder, die meisten Kurse verloren erneut bis zu 2 Prozent. Am Geldmarkt wurde Tagesgeld mit 4 Prozent festgesetzt Arn Devisenmarkt konnte sich infolge der Diskonterhöhung eine Erholung der Mark durchsetzen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,20)3, gegen Pfund 20,4175, gegen Paris 123,81, London gegen Kabel 4,8595, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid (unverändert schwach) 48,60, gegen Schweiz 25,6050. Berliner Börse. Berlin, 9. Oft Die Eröffnung der heutigen Börse stand vollkommen unter dem Eindruck der überraschend gekommenen Diskonterhöhung der Reichsbank von 4 auf 5 Proz^, mit sofortiger Wirkung. Ratürlich waren die Meinungen über die Rotwendigkeit diese- Schritte- geteilt. So bedauerlich eS für die Wirtschaft ist, daß sich da- ZinSniveau erheblich verteuert, so ist die Maßnahme der ReichSbank vom devisentechnischen Standpunkt aus durchaus zu begrüßen, denn den anhaltenden Goldabflüssen der letzten Tage konnte man nicht untätig gegenüberstehen. Ungünstige Momente, wie die neue Daissewetle am Metallmarkt, das schwache Reuhork mit dem neuerlichen Rückgang Der Vounaanleihe, die große Insolvenz in der Berliner Wäschebranche, die weitere Erhöhmrg der Arbeit-losenzisfcr, wenn auch nur in geringem Au-rnaße in der zweiten Septemberhälste trugen dazu bei, um die Stimmung an der heutigen Börse sehr schwach werden zu lassen. Es kam hauptsächlich Jnlandangeoot an den Markt, da- bei einigen Werten ein etwa- größere- Ausmaß annahm. Die Danken zeigten nur in den Hauptwerten Intervention-Neigung, so daß hauptsächlich Rcbenwerte bei mangelnder Aufnahmefähigkeit mit Minus-Minus-Zeichen erschienen. Gegen die letzten Dörsennotterungen vorn Dienstag waren die Verluste sehr erheblich und gingen vereinzelt b i s zu 10 Prozent und darüber. Aber auch gegen die schwächeren Kurse der übrigen deutschen Börsen von gestern waren Rückgänge von 1 bis 5 Prozent kaum selten. Als besonders schwach sind Chade- aktien, Salzdetfurth und JuliuS Berger zu nennen. Kleine bestens Rachfrage genügte andererseits bei Werten wie Ilse Bergbau. Schlesische Zement, um die Kurse dieser Papiere um 2 biS 3 Prozent zu bessern. Deutsche Anleihen mit Ablösungsrecht gedrückt: Altbesitz lagen schon zu Beginn 1 Prozent niedriger und gingen im Verlaufe noch weiter zurück. Ausländer überwiegend schwächer. Mexikaner und BoSnier verloren bi- zu 1 Prozent. Pfandbriefe angeboten und schwach. Reichsschuldbuchforderungen waren im Vergleich zu Dienstag bis zu 4 Prozent niedriger. Auch im Verlaufe bröckelten die Kurse weiter ab. Der Reichsbankausweis für die erste Oktoberwoche brachte mit einer Entlastung um 294,5 Millionen nur eine geringe Entlastung des Status. Da der Bedarf an Gold und Devisen in dieser Periode nur um etwa 70 Millionen abgenommen hat, gegenüber einer Verringerung des Rotenumlaufs von 243 Millionen, konnte sich die Deckung gegenüber der Vorwoche noch etwas bessern. Vorübergehend schien die Absatzbewegung zum Sttllstand gekommen zu sein, doch hatten später weitere Abgaben neue Rückgänge zur Folge. Berger verloren im Verlaufe weitere 9 Prozent, wobei die Enge des Marktes die Hauptschuld an dem starken Kursrückgang haben dürfte. Der Geldmarkt war noch völlig unentwickelt. Lagesgeld wurde mit 5,5 Prozent taxiert. Frankfurter Schlachtvichrnarkt. Frankfurt a. M., 9. Okt. Auftrieb: 44 Rinder, 618 Kälber, 480 Schafe, 503 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast, und Saugkälber 80 bis 84 Mk., mittlere Mast° und Saugkälber 75 bis 79, geringe Kälber 70 bis 74; Schase: Mastlämmer und jüngere Masthäminel (Weidemast) 48 bis 52, mittlere Mastlämmer, ältere Masthäminel und gut genährte Schafe 44 bis 47, fleischiges Schafvieh 38 bis 43 Mark: Schweine: nicht notiert. — Marktverlauf: Kälber und Schafe müßig rege, ausoerkauft: Schweine ruhig, geräumt. Büchertisch. — Das Gaststättenwesen in Hessen. Ministerialrat Hechler hat. unter diesem Titel «ine kommentierte Zusammenstellung aller in Betr achi kommenden Gesetze usw., insbesondere das Reich-gaststättengesetz mit den hessischen Ausführungsbestimmungen im Verlage von 3. Die - m er in Mainz erscheinen lassen (417). Das Buch, besonders für den Gebrauch in der Praxis bearbeitet, enthält neben Erläuterungen zu dem Gaststältengeseh mit den Ausführungsbestimmungen des Reiches und des Landes Hessen die Vorschriften über die Polizeistunde, das Halten weiblicher Angestellten, die Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen, die Bahnhofswirtschaften, die Schankgefäße und einen Auszug aus dem Llrkundenstempelgeseh nebst zugehörigem $arif, mithin die ganze für das Gaststättenwesen ein* schlägliche Materie. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 5 v. H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Berlin Sranffurl a. M. Schluß. 1-Ubr. Schluß« Anfang» htr# Kur- furd Kur» Octum 8. 10 9 10 7. 10 9 10 6% Icutldje Retchsanlelhe 87,5 87,25 7% Deutsche Reichsanleihe von 1029 .......... 98,5 — 99,25 —— Deutsche Anl..?lblös.-Schuld mit Auslos.-Rechten....... 55,25 54,3 57 54,9 DeSgl. ohne Auklos.-Rechte . . . 8% Hell. BolkSllaat von 1929 6,55 6,2 6,7 6,3 lrüchahib. 102%)...... Oberhessen Provinz - Anleihe mit 89,5 — 89,5 — _ Deutsche komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1....... 8% Rrantf. Hyv.-Bank Koldpfe 55,5 — 56,5 — Xlll unkündbar Ml 1934 . . . 7% iiranll. Hyp.-Bank Goldple 99,75 — — — unkündbar bi» 1932 ..... 94,5 4K% Rbciniiche Hnp.-Vank Ciqu. Goidpse........ 85,55 8% Pr. LandeSpsnndbriefansialt, 'Clanbbriefe 91 9 ..... 101 101 8% Pr Landespianrbriefanslalt. Komm.-Obt. R. 20...... 7% Pr. £ an Det v ■ a n ttbrief anflali, 98 — 98 — $|ant>brte|e R 21...... B.V.G. abg. Borrneg»-Obllgatto- 97 — 97 — neu. rückzahlbar 1932 ..... 94,5 — — — 4% Oesterretchtsche Goldrente . . 27,4 27,6 27,4 4,20% Oesterretchiiche Silberrente 4% Ocllerreichilche Einheitliche — Rente........... — _ 4% Ungarische Noldrente . . . — _ 24,4 19,4 23,9 19 4 4% Ungarische StaatSrenie v. 1910 —— _ 4y,% veegi. von 1913..... — _ 70 7 4% Ungarncbe kroncnrenle . . . 1.95 — 2 1.85 4% Türlische Zollanleihe von 1911 5,05 4,8 ->,1 4% Türlische Bagdadbahn-Anl Serie I........... — —— i.O5 4,9 4% be#gl. Serie 11....... 5% Rumänische vereinh. Rente 5 — 4,9 von 1903 .......... 4H% Rumänische vereinh. Reute 9,13 — 9,4 9 von 1913 .......... 15 — 14,9 14,25 4% Rumänische vereinh. Rente - 7,10 — 7.25 6,9 Jranffurt a. M Äeriln Schluß» lurS t-ilhr» Kurs Schluß»! turS | Anfang» Kurs _ Dalum 8 10 9 10 7 10 9. 10 Hamburg-Amerika Palet . . Hamburg-Südam. Dampsschtfs • 76,5 74,5 77,65 75 8 — -- 164 162.5 Hansa Tampssciüss..... 10 —— — — 124 Norddeutscher Llopd .... 8 77,25 75,25 /8,4 75,5 Allgemeine Deutsche Credltanst. 10 — — 102 101 Barmer Bantvercin ... 10 106 105 107,75 105 Berliner Handelsgesellschaft . 12 131 —— 133,5 128,5 Commerz- und Privat Bank . 11 117,5 115,5 118,9 115,5 Darmstädter und Nationalbank Deutsche Bank und 12 156,5 154 161,5 117,25 154 DlSconlo-Gesellschast, . . . 10 115,5 114 114 Dresdner Bank...... 10 115,5 113 116,5 113,5 Reichsbank........ 12 214.4 208 220 209 AEG ........ . b 119 116 121,5 116 Bergmann........ . 9 144 148 Slektt. Lteferungsgesellschaft. 10 115 — 117,5 112,5 Licht und Kraft...... 10 118.5 115,5 123.25 114.25 gelten & Guilleaume . . . Gesellschaft für Elektrische 7y, 95 93 97 92,25 115 Unternehmungen .... 10 — 115,5 123,5 Hamburger ElektrizitätS-Werke 10 — — 119,75 115,5 Rbciniiche Elektrizität . . . . 0 — — — —— Schlvsiiche Elektrizität. . . . 10 — — 121 113 Schuckcrt & Go....... 11 133 129,5 137 128,75 Siemens & Halske..... 16 176,5 173 179,75 172,5 Transrabio........ . 8 — — — 124 Lahmeyer L Co....... 10 142 142 145 138 Buderus......... . 6 52 — 52 50,13 Deutsche Erdöl...... . 6 62,75 — 66 60,25 Essener Steinkohle . • • • • . 8 — — — — Gelsenkirchener...... . 8 96,5 94,75 98,75 94,5 Harpener......... . 0 86 83,4 87,5 85 6 V. — —— 78.25 73 Ilse Bergbau ....... Klöcknerwcrkc . ...... 10 203 70,25 — 203,5 70.5 206 68,75 Köln-Ncucllen....... . 7 — — 80 74 ManneSmann-Rübren . • • • « 70,5 67,6 72,5 68,5 Monrseldcr Bergbau . . • • . - — — 45 — Cbetkhltl. Eijenbedars . . . . 6 — — —— —• Obcrschlcs. kolewerke.... . 7 — — 74,25 69 Phönir Bergbau...... Rheinische Braunkohlen . . 6 V. 10 67 176,5 63,5 68,5 180,75 65 172,5 Rheinstch,!........ . 6 72 68,25 75,4 68 Riebeck Montan...... 7,2 — — — — Frankfurt a. M. Serkin Schluß» i i»Uhr» Schluß» | Anfang» kur« I Kur« für« 1 Kurs Datum 8 10 9 10. 7 10 9 10 Bereinigte Stahlwerke . 69,25 — 70,4 66 Otavi Minen......167. 29,5 28 30,5 29 Kaliwerke Aschersleben . . . 10 193, 191 197.5 190 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 195 190 199 190 Kaliwerke Salzdetfurth . . . 15 -1 263 279,5 265,5 I. G. Horben-Industrie . . . 12 134,75 131.5 137,75 131,5 Tnnamit Nobel...... 6 - —— — — Echeideanstalk...... ti — — —— Goldschmidt ....... b 41,5 — 43,5 40,5 RütgerSwerke..... . . 6 49,5 — 50,75 48.13 Metallgeiellichaft...... 8 97 94,75 98,5 95 Philipp Hol,mann..... . 1 74,5 — — 72 Zementwerk Heidelberg . . 10 — — — — Eemenlwerk Karlstadt. . . . 10 — — — ■■ Wayb & Freytag..... . 8 49,75 46,5 52,5 — Schul tbets Patzenhofer . . . 16 189,5 179 Lstwerke......... 12 150.5 — .............. 18 58 55,25 63 55 Bemberg......... 14 63,5 72,5 62.5 Zellstoff Waldhof .... 18'/. 119 116,5 121.75 116.5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 85 — 89,5 84,75 Charlottenburger Wasser . . . 8 — - 84 72 Dessauer GaS....... . 9 —- — 117,4 107,5 Daimler Motoren..... . 0 24,5 24 25,75 24 Deutsche Linoleum .... e . 152 150 156 149 Maschinenbau 'M.-®. .... . 0 — — — — Rat. Automobil...... . o — — 12,13 11,4 Lrrnitrin L Koppel . . . . . 6 — — 48 45 Leonhard Tietz ..•••• 10 118 — 120 — SvenSka..... • • • 296 — J00 293,5 frankfurter Maschinen . . . . 4 19,25 1 — 20 — . 6 30 — 29 — — 30 29,5 Lechwerke......... . 8 $92 — Mainkraftwerke Höchst a. M.. . 77 — — — Miag........... 10 78 — 79 — ■ - Gebr. Roeder....... 10 95 — — —— Boigt & Haesfner..... 150 -*• 150 Süddeutsche Zucker .... 10 131,5 — 133 —* Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IN. Äeriin. 7. £?ftobtr Meld 2&rlef ' Amertkaniiche Roten..... 4.208 4.228 Belgische Noten........ 58,33 58,57 Täniicin? Noten ........ 112.10 112.54 Englische Noten . ....... 20.395 20.475 französische Noten....... 16.442 16,502 Holländische Noten....... 169.28 169,96 Italienische Noten........ 21.96 22,04 Norwegische Noten....... 112.08 112,52 Deutsch-cesterreich, * 100 Schilling 59.08 59.32 Rumäniickte Noten....... 2,477 2,497 Schwedische Roten ....... 112,65 113,09 Schweizer Noten........ 81.64 81,96 Spanische Noten...... . 42,71 42,89 Tschechoslowakische Noren..... 12,41 12,47 Ungarische Roten ....... 73,32 73,62 7 Oktober 9 Oktober Amtliche Kollerung Geld | örte Amtliche Dotierung Geld | »Brici «trift- NoN. 169.27 169,61 169,31 169,65 Buen Aire» 1.480 1,482 1,451 1,453 Brss'.'lntw. 58,545 58,665 58,56 58,68 Ehriftiania. 112,31 112,53 112,33 112,55 .aotMnbogcn 112,34 112,56 112,33 112,55 Stockholm - 112,74 112,96 112,74 112.96 HcllingsorS. 10,561 10.581 10,562 10.582 Italien. . . 21,975 22,015 21,98 22,02 London. . . 20,397 20.437 20,395 20,435 Neunork . . 4,197 4,205 4,1970 4,2050 Paris.... 16,465 16,505 16,467 16,507 Schweiz .. 81,48 81,64 81,60 81,76 Spanien. 43,21 43,29 41.81 41.89 Japan . .. 2,076 2,080 2,079 2,083 «Io de Jan — — —— Wien in D.» Cefl. Qbgeft 59,21 59,33 59,23 59,35 Prag . . . . 12,459 12,479 12,459 12,479 Belgrad . 7,439 7,453 7,446 7,460 Budapest. 73,425 73,565 73,49 73,63 Bulgarien. 3,043 3,049 3,043 3,049 Lissabon . 18,83 18,87 18,825 18,865 Tanzig. . 81,52 81,68 81,54 81,70 .Ronfianttn. 1,784 1,789 1,784 1,789 Athen. . 5,435 5,445 5,44 5,45 Tanada . 4,200 4,208 4,201 4,209 Um uay. 3,357 3,363 3,347 3,353 Cairo .. 20,91 20,95 20,91 20,95 S.J.-fpori Fechten imTurngauHessentD.T.) Der Mannschaftskampf in Marburg. bpw. Ein beachtlichrs turnsportliches Ereignis war der Mannschaftskampf im leichten Säbel, den die Fechterschaft des Turn- gaues Hessen — wie schon kurz berichtet — am Sonntag in Marburg durchführte. Die spannende Kampfhandlung bewegte sich auf einem erfreulich hohen Niveau und zeigte, daß das Säbelfechten im Gau, das früher in keinem Vergleich zum Florett stand, bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat. Daß sehr schön gefochten wurde, geht auch aus der Tatsache hervor, daß von den insgesamt 54 Einzelgefechten 18 mit dem Stande 5:4 ausgingen. Die Kampfleitung lag in Händen von Gaufecht- wart SA fren (Friedberg), dem als Kampfrichter Hennig (Gießen), Groos (Marburg), Fehn (Gießen), Elmshäuser (Wetzlar), Brack (Friedberg, und Pfeffer (Bad-Nauheim) zur Seite standen. Der Kampf stellte hohe Anforderungen an Körper und Geist der einzelnen Fechter, von denen jeder 9 Waffengänge zu bestehen hatte. ES wurde auf 5 Treffer gefochten. Der Kampfverlauf. 3m 1. Kampf standen sichTv. 1846Giehen und Tv. Wetzlar gegenüber. Gießen gewann die Runde mit 5:4 Siegen und entschied damit schon im wesentlichen den Gesamtkampf für sich. 3n der 2. Runde begegneten sich die T. u. Spve. von Butzbach tNiö Marburg. Butzbach gewann 5:4, mußte sich im nächsten Kampf dann aber 5: 4 von den besseren Wetzlarern schlagen lassen. Hohe Siege errang Tv. 1846 Gießen in den beiden nächsten Runden. Der Kampf mit Marburg endete mit 6:3, das Treffen mit Butzbach mit 7:2 Siegen für Gießen. Den 6. Kampf, der Wetzlar und Marburg als Gegner sah, entschied Wetzlar 6:3 für sich. Besonders spannend und hochwertig waren die Gefechte des Kreislest- siegers Maletzke (Butzbach) mit den Gebrüdern Gerhardt (Gießen). Gegen L. Gerhardt gewann der Butzbacher 5:4, mußte sich aber von W. Gerhardt 5:4 schlagen lassen. W. Gerhardt wehte damit die Niederlage aus, die er überraschenderweise bei der Begegnung mit dem Marburger Chateau hatte einstecken müssen, und blieb, sonst ungeschlagen mit Maletzke mit 8 von 9 erreichbaren eiegcn bester Einzelfechter des Tages. Demnach lautet das Gesamtergebnis: 1. Tv. 1 8 4 6 Gießen gewinnt den Gesamtkampf verdient mit 3 Mannschaftssiegen und 18 Einzelsiegen und führt die Tabelle mit sechs Punkten. Es folgen: 2. Tv. Wetzlar (4 Punkte, 2 Mannschaftssiege, 15 Einzelsiege): 3. T. u. Spv. Butzbach (2 Punkte, 1 Mannschaftssieg, 11 Einzel- siege): 4. Tu. Spv. Marburg (0Punkte,0 Mannschaftssiege, 10 Einzelsiege). Die besten Einzelfechter waren: 1. Maletzke (Butzbach) mit 8 Siegen und einer Niederlage (24 Minus treffer): 2. Walter Gerhardt, Tv. 1846 Gießen mit acht Siegen und einer Niederlage (27 Minustreffer): 3. Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen mit 7 Siegen und 2 Niederlagen. Turnverein Staufenberg. Arn Sonntag veranstaltete der hiesige Turnverein sein Abturnen. An das Geräteturnen im Turnsaale schloß sich ein volkstümlicher Dier- kampf auf dem Sportplätze an. Insgesamt beteiligten sich 46 Turner und Turnerinnen. Bon einzelnen Turnern wurden recht beachtenswerte Leistungen erzielt. 3m Stabhochsprung wurde die Drei-Meter-Grenze von zwei Turnern übersprungen. Eine gute Leistung zeigte der Turner Ludwig Felde im Freiweitsprung mit 6,30 Meter. Don den errungenen Siegen der vergangenen Saison ist besonders hervorzuheben, daß es dem Turner L. G r ö l z gelang, die Gau- und Berbandsmeisterschaft im 1500-Mcter- Lauf zu erringen. Handball in Allendorf a. b. Lahn. Allendorf I — Münchholzhausen II 4:0. Das Spiel konnten die Allendörfer nach überlegenem »Spiel sicher für sich entscheiden. —o— Die Ausbildungsarbeit für das neue Turnjahr im Gau Hessen wurde am Sonntag zu Gießen durch den Gau-Turnausschuh mit einer arbeitsreichen Tagung in Angriff genommen. Neben den Bezirksturnwarten, ihren Stellvertretern und den Gauwarten für die einzelnen Fachgebiete hatte Gau-Ober- turnwart Wilhelm Will (Gießen) diesmal auch die Bercinsturnwartc zur Mitarbeit herangezogen, so daß bei über 70 Teilnehmern der praktisch-methodische Teil des Llebungsplanes schon auf breiter Grundlage an die Gauturnerschaft herangebracht werden konnte. 3n der Turnhalle des Männerturnvereins wurden zunächst die allgemeinen Freiübungen für die kommenden Gauveranstaltungen gründlich geübt und gleichzeitig einer technischen, rhythmischen und ästhetischen Heberprüfung unterzogen. Sie umfassen in drei Gruppen je drei Hebungsbilder und sollen beim nächs^ährigen Gausest zu Gießen durch Aufteilung unter je zwei Aufmarschsäulen der sechs Gaubezirke in gleichzeitiger Ausführung einen wirksamen Abschluß bilden. Anleitung zum Aufbau einer B e r ei ns - riege am Darren mit drei stofflich in sich gegliederten Leistungsklassen gab der Gau- Männerturnwart Martin T e x t o r (Marburg), zugleich mit Kampfrichterausbildung. Bezirks- tumwart Paul Schüler (Wetzlar) führte in das Keulenschwingen neuzeitl icher A r t ein, während Dezirksturnwart Heber- l e i n (Marburg) am Barren mit ungleich hohen Holmen Geschicklichkeitsübungen für die 3ugend ausgewählt hatte. Umfangreichen Stoff aus der Körper- und Bewegungsschule ließ der Unterausschuß für das Kinder turnen durch sein Mitglied Rumpf (Weifenbach bei Bieden- Radballmeister in Gießen zu Gast. Der Radclub „Germania", Gießen, begeht am Samstag sein 31. Stiftungsfest. Der Verein verbindet damit sein diesjähriges Saalsportfest, zu dem der Europameister im Zweier- Radball, die Herren Schreiber und Dlersch, und der Deutsche Meister im Dreier-Radball, die Herren Schreiber, Blersch und Möser, ein Gesellschaftsspiel gegen den mehrfachen Gaumeister des Gaues Lahn, Radclub „Germania", ousgetrgen wird. 3m Rahmen des Abends werden außerdem 3ugend-, Fahnen- und Glühlichtreigen gezeigt werden. Das Meraner Tennis-Turnier. Haensch schlägt Dr. Landmann. Bei trübem Wetter wurden am Dienstag die Spiele des internationalen Meraner Tennis-Turniers fortgesetzt. Die Polin 3edrzejowska besiegte die Wienerin Frau Deutsch im Damen- Einzel 6:2, 7:5 und besiegte dann Frau Fried- leben 6:1, 4:6, 6:2. Die Italienerin Frl. Valerio schlug die Französin Frl. Reufeldt 1:6, 6:4, 6:3, Cilly Autzem fertigte Frl. Ribuli mit 6:4, 6:0 ab, während Frl. Rost über Frl. Adamoff mit 6:2, 5:7, 6:4 erfolgreich blieb. 3m Herren- Einzel gab es eine große Ueberraschung, da Haensch (Dresden) Dr. Landmann 6:8, 6:3, 6:1 schlagen konnte. 3m Herren-Doppel kamen köpf) verarbeiten als Vorbereitung für eine spätere besondere Gauvortumerstunde für dieses Fachgebiet. Aus den Verhandlungen der engeren technischen Gauleitung sei hervorgehoben, daß die namentliche Siegerehrung bei größeren Wettkämpfen sich nur auf den ersten Dieger (in) jeder Stufe erst recken soll, und daß von der Mittelstufe die ersten 10 (statt seither 15) Sieger für die Oberstufe verpflichtet sein sollen. Durch eine Eingabe an die DT. will der Gau- Turnausschuh die Forderung unterstützen, daß bei gemischten Wettkämpfen (Geräte- und Volksturnen) etwaige Ueberpunkte bei volkstümlichen Pflichtübungen nicht, oder doch nur a u f Grund doppelterLeistungsspannein die Wertung einbezogen werden. Die Zahl der Wettkämpfe beim Gauvolksturnen muß ihrer Durchführbarkeit an einem Tag an- gepaht werden. Bei der Zulassung zu Lehrgängen soll von der Forderung einer unteren Altersgrenze abgesehen werden, dagegen muh der Bewerber in der Lage sein, aus lange Sicht seinem Verein als Vorturner zu dienen. 3m Spielbetrieb, der sich nach Zahl und Leistungshöhe erfreulich weiterentwickelt, werden mit Ueberschneidung der allgemeinen Gaubezirke nach fachlichen und verkehrstechnischen Gesichtspunkten besondere Spielbezirke eingerichtet, deren Leitung dem Gaufachwart unmittelbar untersteht. Zum Schluß wurde auf die reichliche Ausbildungsarbeit im Lause des Novembers durch Gauübungsstunden für die Frauen - und Schwimmabteilungen sowie durch einen viertägigen Lehrgang für Turnwarte und Vorturner hingewiesen. Tagung des Ganlninausschuffes Men der ST. Dr. Buß-Kuhlmann zu einem 5:7, 7:5, 6:3-Sieg über Haensch-Menzel. Landesschlußschießen hessischer Kleinkaliberschühenvereine. Der Verband Hessischer Kleinkaliberschützenvereine hielt am Sonntag in Hanau sein diesjähriges Landesschlußschieben ab. Am Vorabend fand die Jahresversammlung der Kreisschießleiter statt, zu der die Vertreter des 50 Kreise umfassenden Gebietes (Hessen- Nassau, Oberhessen und angrenzende Kreise) zusammengekommen waren. Der Verbandsvorsitzende, Herr General a. D. Keller, betonte in seiner Begrüßungsansprache die bewährten Grundsätze unserer Sportausübung — Volkssport auf breitester Grundlage, unpolitisch und über- verbandlich —, hob die im letzten 3ahre erzielten Fortschritte hervor und dankte den Kreis- schiehleitern für ihre Arbeit. Aus der eingehenden und anregenden Besprechung der umfassenden Tagesordnung sei erwähnt, daß der Verband im letzten 3ahr über 100 neue Vereine ausgenommen hat. Am Sonntag früh wurden dann auf dem schönen Schiehstand des Kleinkaliberschützenvereins „1928" am Wilhelmsbad die Landesmeisterschaften ausgetragenr Llus den 660 Vereinen des Verbandes waren hierzu etwa 85 Schützen zusammengezogen. Ein würdiger Feldgottesdienst leitete den Wettkampf ein. Fünfzehn Schuß in drei Körperlagen waren abzugeben. Leider war der Wettergvtt wenig günstig. Doch konnte das den flotten Schiehbetrieb auf dem 1 Stand nicht beeinträchtigen. Das Schießen, an dem sich auch die Kreisschießleiter mit einer kleinen Sonderkonkurrenz beteiligten, war mittags beendet. Anschließend fand im Hotel Adler durch den Herrn Verbandsvorsitzenden die Verkündung der Sieger und die Ausgabe der wertvollen Ehrenpreise statt. Die Landesmeisterschaft in der Fugendklasse errang die 3ungmannschaft Eschwege mit dem vortrefflichen Ergebnis von 610 Ringen. Die Einzelmeisterschaft der 3ungschühen gewann Hermann Kiel, Eschwege, mit 142 Ringen. 3n der Altersklasse ging der Verein Bebra „Treff" mit 669 Ringen als Sieger hervor. Als Landesmeister der Altschützen erzielte Ambros Hohmann vom Verein Hofbieber das hervorragende Ergebnis von 152 Ringen. Den Kreis- schiehleiterprei s erschoß Förster Herr- berg, Försterei Louisendorf bei Viermünden. (Schluß de» redaktionellen Teils.) Eine gute Bratensoße war von jeher der Stolz der Hausfrau. Heute stellt man sie einfach mit Hilfe der von Maggi neu herausgebrachten Bratensoße (in Würfelform) her. Ein solcher Würfel ergibt ohne Umstände, nur durch Aufkochen mit Wasser, Vt Liter vorzügliche Soße, die man zu Braten aller Art, Nieren, Gulasch, Nudeln, Klößen, Kartoffelgerichten ufro. verwenden kann. 407D htufekfe u frische Milch, oos Ist die Nahrung für Dein Kind wenn Du nicht selbst stillen kannst. Die für eine Mahlzeit benötigte Menge .KufeKe' kostet für ein Kind bis zum & Monat nur ßTatenspf MAGGI* Bratensoße Sie enthält alles, was zu einer guten Soße gehört. — Nur mit Wasser zu kochen.— 1 Würfel für gut V4 Liter 15 Pfg MnerPädaMuni a Private höhere Lehranstalt, 4\ Real- und Realgymn. Lehr- Y*a plan, kleine Klassen, sorg- /’Ä'X fällige Ueberwacbung der / W \ Arbeitsstunden, Umschu- / lang ohne Zeitverlust. 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Oktober b. 3., von vormittags 9 bis 12 Uhr, in folgenden Stra- ßenftrecken unterbrochen: 6888D Mausburg, Sonnenstraße, zwischen Neuen Säue und Kreuzplatz, Kreuzplatz, Neuenweg, Kaplansgasse Seltersweg, zwischen Kreuzplatz und Blockstraße. Gießen, den 8. Oktober 1930. Direktton der Städtischen Elektrizitätswerke und Ueberlandanlage. S t o l t e. IMI Der Zug der Zeit: Preisabbau Feinstes Sesamöl Schoppen Aus unsrer eignen Bäckerei: Warenabgabe nur an Mitglieder KonsuinvereiiiGieBenu.üöi6e6enij e. G. m. b. H. • 704 A U 50 50 Pf. Pf. Roggenbrot Mischbrot.. weiß gelb weiß weiß weiß 4-Pfund-Laib 4-Pfund-Laib 250 250 250 250 250 7t Pfund 7, Pfund 68 78 30 Pf. 20 Pf. Gramm Gramm Gramm Gramm Gramm 32 24 35 38 75 38 30 Pf. Pf. Schmierseife, weiß Famos............. do.............. Seifenflocken...... Außerdem bieten wir an: Kokosfett.... 7t-Pfund-Tafel 58 und Kernseife, do. do. do. do. Pf. Pf. Pf. Pf. Pf. Pf. Pf. Her teiMlag fonöötot 65 «Bf. Salatöl la, Liter 80 Ps. 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