Nr. 210 Erstes Blati 180. Jahrgang Dienstag, 9. September 1950 tr|d)et*t täglich, außer Sonntag» und 3*urtag» Beilagen: Die Illustriert» Btehener ^amtlienblättet Heimat im Bill» Die Scholle tBonatsBf)ugsprcts: 2.20 Reichsmark und 30 9teid)sptenntq für Trägt» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. 5er«fvrechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Nnfchrstl für Drahtnach- richten Anzeiger •leben, poßscheckkouto: Lraullurt om Main >1686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Dnid und Verlag: vrühl'sche Untversilülr-Vvch' nnö Steinöruderel R. Lange In Gießen. Sdfriftkttnng und Gefchästrftelle: Zchulltraße 7. Annahme pon Anzeige« für die Tag»»nummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Prelle örtlich 8, ausroärt» 10 Reichspfennig.- für Re» Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 ‘Reidispfennig, Platzvorschrist 20', mehr. EhesredaKteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. veranttoortUch für Polikitz Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr Hlhyriot; für den übrigen Teil Ernst Llumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gtesten. Die Paneuropa-Debatte in Gens beginnt. Bnand berichiei der europäischen Konferenz über das Schicksal seines Memorandums. — Oie weitere Erörterung wird in die Völkerbundsversammlung verlegt. Begräbnis erster Klaffe! Der Aufmarsch der Nationen zur Herbst- fagung deS Völkerbundes mutet äußerlich zwar immer imposant an, und auch dieümal find breiunbzwanzig Außenminister als Vertreter ihrer Negierungen dort versammelt. 3« länger aber die Arbeit deS DöUerbundeS sich einspielt und je mehr sich das herauSbildet. was man eine trockene und nüchterne VölkcrbunbS- bureaukratie nennt, um so geringer wird die politische Leistung, die dort zutage gefördert wird. Selbst ein so bekannter Völker- bundSenthufiast tote Lord Eecil hat dieser Tage in einem weitverbreiteten Artikel dem Sinne nach sehr kühl und mit einer gewissen fachlichen Schärfe festgestellt. daß, genau gesehen, die ganze Arbeit in Genf immer mehr in daS Fahrwasser flacher Politisiererei gerät. Der Völkerbund erfüllt also zweifellos einen wesentlichen Teil feiner Aufgaben, daS Regulat lv Europas zu fein, nicht. Denn wenn auch dem Völkerbünde formell eine große Zahl außereuropäischer Nationen an- gehörf, so sind praktisch feine Funktionen doch in erster Linie für Europa erdacht, und man hat ihm seinerzeit in Pari- etwa die Aufgabe eine- Liquidator- de- Weltkriege- -ugeschoben. So ist er Mandatar de- Saar- gebieleS, darum hat er einen Hohen Kommissar in Danzig, darum ist seinerzeit auch das Memel- stalul unter die Garantie deS Völkerbünde- gestellt worden, die zahlreichen oberschlesischen Slreitsragen, die au- der rücksicht-losen und politisch fehlerhaften Teilung diese- Gebiete- resultierten, find zur Schlichtung und Lösung ihm übertragen worden, kurz und gut, fein QDir- kung-feld erstreckt sich so gut wie ausschließlich auf den europäischen Kontinent, und er hat eS bi-her stet- mit Erfolg zu vermeiden gewußt, sich ernsthaft in die Fragen anderer Erdteile einzumischen. Diese Zurückhaltung geht sogar so weit, daß er nicht einmal er' hall daran denkt, von seinem Recht der Oberaufsicht über dieK o l o n i a l m a n- batarc prall.scheu Gebrauch zu machen. Und eS ist bekannt, daß er sich mit äußerster Sorgfalt gehütet hat, in gewissen Problemen des sub- amerikanischen Kontinent- aktiv zu werden, da man hierdurch die offene Gegnerschaft der ^Bereinigten Staaten mit ihrer Monroe-Doktrin heraus beschworen hätte. Tatsächlich ist also der bestehende Zustand so, daß auf dem Wege über die Genfer Institution zwar außereuropäische Mächte ein Recht erhalten haben, in wichtigen Fragen de- alten Kontinent- mityureben. ein Recht, von dem sie auch in zahlreichen Fällen bereit- Gebrauch gemacht haben, daß aber für Europa al- Einheit gesehen offenbar gar keine Möglichkeit besteht, bei der Lösung der Fragen anderer Erdteile mit^uwirkcn, weil dadurch stet- die Gefahr einer 3ntcrcffen- kollif ion mit den führenden Großmächten dieser Erde heraufbeschworen wird. Auch die Erörterungen über die Pan- e u r o p a - Frage werden sich nun, wenn nicht alle- täuscht, innerhalb des Völkerbünde- selbst und nicht, wie ursprünglich geplant, nebenher in vertraulichen Konventikeln entwickeln. Wenn das ganze Projekt nicht schon an anderen Schwierigkeiten scheitern wurde, so kann man unschwer prophezeien, daß es auf jeden Fall hieran zugrunde gebt. Denn wenn wir uns des Ausgangspunktes aller dieser Absichten richtig erinnern, so war der Grundgedanke doch der. Europa zunächst einmal, soweit das möglich ist, zu einer wirtschaftlichen und von hier au- weiter ausbauend später auch zu einer politischen Einheit analog den Vereinigten Staaten von Amerika zusammenzufassen, weil man sich darüber klar war. daß der alte Kontinent mit den zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Grenzen, die das System der Pariser Zriedens» diktate hinterlassen hat. niemals auS dem Elendszustand herauskornrnen kann. Wenn man nun Deute aber großen außereuropäischen Mächten und Nationen, die wie England auf Grund ihre- weltumspannenden Kolonialbesitzes nicht an der Schaffung einer europäischen Wirtschaftseinheit interessiert sind, das Recht gibt, auf dem Um- toege über Sen Völkerbund auch ihrerseits an den Paneuropa-Gesprächen teilzunehmen, so bedeutet da- praktisch nichts anderes als den Verzicht aus die Erreichung auch nur der ersten Etappe. Dabei wollen wir keinen Zweifel darüber lallen, daß in Anbetracht der gesamtpolitischen Umstände, in die Vriand seine Vorschläge hineingestellt hat, wir bei einem solchen Begräbnis erster Klasse keine Träne weinen werden. Untere Nachbarnationen haben bisher nicht die geringste Geneigtheit gezeigt, Deutschland in seinen wirtschaftlichen und seinen politischen Forderungen, ohne deren Erfüllung es für uns niemals ein Paneuropa geben kann, entgegenzukommen. Es bedeutet auch für den immer mehr wachsenden Revision-Willen, den das deutsche Volk hinsichtlich der Ostgrenze hegt, nur einen schwachen Trost, daß der bereits erwähnte Lord Cecil dis Berechtigung dieser Revifionsforderun- gen ausdrücklich anerkannt Hai Denn wie die Dinge liegen, hängt die Durchsetzung unseres RevisionSprogrammS nicht allein von England. ja nicht einmal In erster Linie von England ab, sondern angesichts der Machtverteilung aus dem europäischen Festland so gut wie ausschließlich von der Einsicht und Bereitschaft Frankreichs und feiner Trabanten, über deren gänzlichen Mangel sich auch der stärkste Optimist in Deutschland nach der neuerlichen Erklärung TardieuS, wonach die französische Delegation in Genf ihre traditionelle, auf den Schuh der Verträge gerichtete Politik fort- fctzen werde, keinen trügerischen Illusionen mehr hingeben kann. IB Brr V; I 1 Unten: Hotel Metropole, der Sitz der deutschen Delegation. — Oben links: Br land (X) wird bei der Ankunft von Journalisten bestürmt. Daneben: Reichsaußenminister Dr. Curtius und Reichspressechef Z e ch l i n auf dem Bahnsteig. — Rechts. Der englische Außenminister Henderson. Englands Gegenmine. Genf, 8. Sept. (Tel.-Un.) Die Besprechung über d i e europäischen Einigungsbestrebungen, die auf Einladung der sranzö- fischen Regierung unter Teilnahme von Vertretern von 27 europaisckzen Staaten im Gebäude des Völ- kerbundssekretariats ftattfanb, begann heute nachmittag um 4 Uhr und war um 7.30 Uhr zu Ende. Der französische Außenminister B r i a n d erläuterte anhand des der Konferenz vorgelegten Weißbuches, die auf das Memorandum der französischen Regierung eingegangenen Antworten und legte die Gesichtspunkte für die weitere Behandlung der Frage dar. An die Ausführungen Briands schloß sich eine eingehende Diskussion an, in der der englische Außenminister Henderson verschiedene von der französischen Auffassung abweichende Gesichts- punfte heroorhoo Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, worin die weitere Behandlung der Frage der Vollversammlung des Völkerbundes überwiesen wird. Die wesentlichen Satze der Entschließung lauten: Die Vertreter der europäischen Regierungen nehmen Kenntnis von dem Ergebnis der Umfrage zur Schaffung einer europäischen Union. Sie sind überzeugt, daß eine enge Zusammenarbeit der europäischen Völker auf allen Gebieten des internationalen Gebens für die Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt von grundlegender Bedeutung ist. Sie sind einmütig in der Auffassung, daß diese Zusammenarbeit im Rahmen de» Völkerbünde» und im Geiste der Grundsätze des Völkerbundspakte» erfolgen soll. Der französische Außenminister vriand wird der Vollversammlung diese Entschließung unterbreiten. Die Mitteilungen, die am Montagabend von englischer, französischer und deutscher Seite über den Verlaus der Europa-Konseren; gemacht werden, stimmen sachlich überein, gehen jedoch in bezug auf die Atmosphäre und die in den Verhandlungen zutage getretenen Gegensätze weit auseinander. Don englischer Seite wird mit» geteilt, daß der französische Versuch, eine amtliche Stellungnahme der Konferenz zugunsten des französischen Gesamtplanes zu erreichen, im wesentlichen an der Haltung der englischen Regierung gescheitert ist. Der englische Außenminister habe erklärt, er könne dem französischen Plan nicht zu stimmen, obwohl diefer in den Grundgedanken auch englische Sympathien finde. -Der französische Plan fei in feiner gegenwärtigen Form für England im Hinblick auf die Stellung der Dominions untragbar. Ihre weitere Stellungnahme müsse die englische Regierung von den Ergebnissen weiterer Studien deS Planes abhängig machen. Es scheint, daß außer England auch eine Reihe anderer Regierungen, [o die von Holland. Schweden und der baltischen Staaten, sehr ernste Bedenken gegen den Plan geäußert haben. In Konferenzkreilen herrscht die Ausfällung vor. daß der französische Plan in der ursprünglichen Fassung zunächst als erledigt angesehen werden müsse. B r i a n d hat der französischen Presse erklärt, daß in der Konferenz sich zwei Auffassungen gegenübergestanden hatten. Die französische Regierung habe eine eingehende Prüfung des französischen Planes sowie die Festlegung der Richtlinien für die Verhandlungen in der Völkerbund-Versammlung gefordert. Die englische Negierung habe jede Festlegung in der Europafrage von vornherein abgelehnt. schließlich fei jedoch eine Vereinbarung zustande gekommen. Deutschland und Paneuropa. Tcr Rctchoaußcnminisler vor der Presse Genf, 8. Sept. (WTB.) Reichsaußenminister Dr T u r t i u s empfing die Vertreter der Weltpresse. Er betonte, daß die deutfchc Regierung von Anfang an eine positive Stellung zu dem Gedanken einer europäischen Föderation eingenommen habe und daß ihre kontinuierlich befolgte Polltik der internationalen Zusammenarbeit und der Förderung des Friedens von jeder fünf- tiflen Regierung werde fortgesetzt werden müssen Es sei das Verdienst Briands, den Europagedanken aus der Sphäre der privaten Pro- paganda in den Bereich oerantwortllcher Regie- rungsoerhandlungen erhoben zu haben. Damit sei der Weg einer zwar langsamen aber organischen Entwicklung oorgezeich- n e t, wie sie zum Gelingen des Planes notroen- big fei. Man habe sich m der heutigen Konferenz über die Form der weiteren Behandlung der Kn- gelegenheit zwar unterhalten, sei aber der Ansicht gewesen, daß der Volkerbundsversarnm- l u n g in dieser Hinsicht nicht vorgegriffen werden dürfe. Das Projekt werde voraussichtlich zunächst in der Vollversammlung und sodann im politischen und im wirtschaftlichen Ausschuß eingehend beraten und einem Studienkomitee über- wiesen werden, fo daß man sich voraussichtlich im nächsten Jahre aufs neue mit der Frage beschäftigen werde. Dr. Curtius wies auf die Bebrütung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit bin, die trotz der Rückschläge durch die Weltwirtschaftskrise, unter der Deutschland ganz besonders leidet, sich in fortschreitender Entwicklung befinde. Er begrüßte die An- sätze der Zufammenarbeit auf agrar- politischem Gebiet, wie sie in den Konferenzen von Einaia, Bukarest und Warschau zum Ausdruck komme, und befürwortete eine Eingliederung der für Industrieprodukte besonders aufnahmefähigen südosteuropäifchen Staaten und die wirtschaftlichen und Austauschbeziehungen innerhalb Europas. Ein französisches Weißbuch. Genf. 8. Sept. (WTB.l Die französische Delegation hat unter dem Titel .Schriftstücke über die Organisierung einer europäischen föderativen Union" der Oeffentlichkcit da« angekündigt« Weißbuch über die europäischen Fragen übergeben. DaS Weißbuch enthält daS Memorandum der französischen Regierung vom l.Mai 1930 und in der Reihenfolge ihre- Eintreffen- die Antworten der 26 befragten Regierungen, die in dem anschließenden Bericht der französischen Regierung erörtert werden. Das Weißbuch faßt bann diejenigen Punkte zusammen, die einer sofortigen Erörterung bedürfen. .Alle befragten Regierungen". so heißt e-, .sind mit der französischen Regierung in dem Wunsche einig, die geplant« Union unter die moralische Autorität de- Völkerbunde- zu stellen Hierüber muß eine Beratung der europäischen Konferenz fo bald eröffnet werden, daß es ihr möglich ist, rechtzeitig die Bedingungen und die 3rorm zu bestimmen, in der sie sich über di« Ansichten der Versammlung zu vergewissern hat. Gleichsall- ist angesichts de- von verschiedenen Regierungen gemachten Vorschlages, Richt» Mitglieder de - Völkerbundes von Anfang an zu der europäischen Konferenz hinzu» zuziehen, vor jeder Erörterung hierüber zu prüfen, ob e» nicht angezeigt ist, die Einstellung des DölkerbundeS hierzu zu erfahren. Auch der Vorschlag der britischen Regierung, die D ö l» kerbund-versammlung mit dem jetzigen Stand der Umfrage zu befassen, würde eine sofortige Erörterung notwendig machen. Die Zusammenstellung der einzelnen Antworten der Regierungen aus daS Memorandum enthält zahlreiche interessante Auseinandersetzungen mit den Argumenten einzelner Regierungen. Die Notwendigkeit einer Koordinierung in Europa wirb von allen befragten Regierungen anerkannt. 3n diesem Zusammenhang wird auch der deutsche hinwei» auf die Revision»bebürstigkett bet gegenwärtigen europäischen Statu» gebracht. Die deutsche Regierung geht sogar so reell, daraus hlnzureeisen, daß die Struktur Europa» nach ihrer Ansicht tiefgehende Veränderungen erfordert. und sie ist der Auffassung, daß die allgemeine Organlfallon de» Kontinent» In politischer und wirtschaftlicher Hinsicht eine der natürlichen Cebenebeblngungcn der Völker entsprechende Entwicklung behindert. Der zweite Teil betrifft die Einfügung de« europäischen Organifation in den Rahmen de- Völkerbünde-. Die französische Regierung stellt fest, daß in allen Antworten zum Ausdruck kommt, daß die überragende Stellung deS Völkerbünde- bewahrt, sein Tätigkeitsgebiet nicht eingeschränkt und sein« Universalität nicht angetastet werden dürfe. Unter den Vorbehalten wird auch die Befürchtung der deutschen Regierung erwähnt, daß sich olletung Europa- onbahnen könne, die die Bildung anderer Gruppen innerhalb deS Völkerbundes zur Folge haben könnte. Der letzte grundsätzliche Punkt betrifft die Achtung der Unabhängigkeit und der SouDcränität bet Staaten. ES wirb bemerkt. baß jeder Gedanke einer politischen Beherrschung ausgeschlossen fei, und daß die Staaten in die Vereinigung nur eintreten würben, um dort — wie im Völkerbund, unter dessen Kontrolle sich die Vereinigung stelle — unbedingt gleiche Rechte au-zuüben. Gegen diese Auffassung sei kein Einwand erhoben worden. Der Begriff der Gleichberechtigung wird sodann folgendermaßen präzisiert: ,,E» handelt sich um die Gleichheit, die innerhalb der geplanten Vereinigung allen Mitgliedern gesichert werden soll, d. h. um die Gleichheit der Rechte, die jeder Staat durch seinen Beitritt bei seiner Arbeit auszuüben berufen wäre, ohne daß die Verpflichtungen oder Rechte au» anderen etwaigen Verpflichtungen dadurch berührt würden." Rur fo könne die Frage zwischen Mitglieder de» Völkerbunde» gestellt werden. Die ungarische Regierung möchte jedoch den Begriff der Souveränität und Gleichberechtigung dahin ausgelegt roiffen, daß er die Beseitigung aller Ungleichheiten bedeute, die praktisch für gewisse Staaten eine Behinderung ihrer Souoeräni- tätsausfibung bildeten. Die italienisch« Regierung sei ähnlicher Ansicht, wenn sie meine, daß die Bedingung absoluter Gleichheit unter den Stao len der Bereinigung die letzten Unterschied« zwischen Siegern und Besiegten auslösche. 3n dieser Hinsicht gebe Großbritannien dem allgemeinen Empfinden Ausdruck, indem es die Aufmerksamkeit der Völker Europas von der Feindseligkeit der Vergangenheit auf b I e g e m e l »- famen höheren Interessen Hinweise. Sin neuer Grund zum Ausrüsten. Die „deutsche" Armee bei den französischen Manöver» weiter erfolgreich. Paris. 7. Sept. (TU.) Der erste Teil der großen französischen Manöver in Lothringen ist beendet. Die blauen Truppen, theoretisch die einfallende deutsche Armee, haben trotz des schlechten Wetters ihren Vormars ch fortgesetzt und die roten Truppen auf der ganzen Linie gezwungen, ihre Stellungen zurückzunehmen. Die Roten hatten den größten Teil ihrer schweren Artillerie auf der Linie Arra- court — Dezanges — La Petite zusammengezogen, aber General Mittelhauser hatte ohne den Wettergott gerechnet, der durch wolkenbruchartigen Regen und starken Rebel jede Artilleriebeobachtung unmöglich machte und daher das Feuer so gut wie wirkungslos gestaltete. Später gingen die Blauen sodann zum Sturmangriff über, wobei sie von den Tanks wirksam unterstützt wurden. Arracourt wurde genommen und auch der rechte Flügel der Blauen drängte die Truppen des Generals Mittelhauser aus ihren Stellungen und lieh sie sich auf die Linie Mazerules — Moncel — Bezanges—La Grande— Iuvelize — Gelucourt zurückziehen. Für den zweiten Teil des Riesenmanövers, der nach dem sonntägigen Ruhetag am Montag beginnt, hat man dem Führer der Blauen, General Duffieux, einige Regimenter abgenommen, um sie den roten Truppen des Generals Mittelhauser zu geben. Die Roten werden nunmehr verhältnismäßig in der Llebermacht sein und sollen versuchen, Die erlittenen Verluste wieder wettzumachen. Die Gebühr für den Krankenschein. Keine Voraussetzung für die Gewährung der Krankenhilfe. Berlin, 8. Sept. (Täl.) Amtlich wird mitgeteilt: Sn der Presse ist in letzter Zeit wiederholt über Fälle berichtet worden, in denen Versicherte dadurch schweren Schaden an Leben und Gesundheit erlitten haben sollen, dah auf Grund der Rotverordnung des Reichspräsidenten zur Krankenversicherung vor A u s - stellung des für die Behandlung notwendigen Krankenscheines die Zahlung der Gebühr von 5 0 P f. verlangt worden sei. In einem Falle, der sich bei einer Berliner Detriebskrankenkasse zugetragen hat, soll die Verzöger ung der Behandlung, die hierdurch herbeigeführt wurde, den Tod eines jungen Mädchens verursacht haben. In einem anderen Fall in Kamenz sollen Kinder, die schwer an Diphtherie darniederlagen, nur dadurch gerettet worden sein, dah ein Arzt die Behandlung ohne Kranlenschein übernahm. Diese Rachrichten sind geeignet, Verwirrung in den Kreisen der Versicherten anzurichten. Es ist nicht richtig, dah nach der Rotverordnung die Ausstellung eines Krankenscheines ausnahmslos bis zur Zahlung der Gebühr verweigert werden muh. Das Reichsarbeitsministerium hat bereits in einem Rundschreiben vom 2. August d. I. die Aufsichtsbehörden der Krankenkassen darauf hingewiesen, dah die neue Gebühr keine Voraussetzung für die Gewährung der Krankenhilfe bildet, sondern nur ein Sonderbeitrag des Versicherten ist, der vor allem in dringenden Fällen auch nachträglich entrichtet werden kann. Behördliche Erleichterung von Bauvorhaben. Ein nachahmenswerter preußischer Erlaß. Berlin, 8.Sept. (CNB.) Amtlich. In einem Erlaß des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt heißt es u. a.: Die große Zahl der Erwerbslosen und die schwierige Lage der gesamten Wirt- schäft nötigen dazu, jedes Unternehmen, bei, dem Arbeitskräfte beschäftigt werden, in jeder Weise auch durch die Behör- den zu fördern. Aus diesem Grunde werden die Baupolizeibehörden, aber auch alle sonstigen bei der Ausführung von Bauten beteiligten Behörden allen Bauvorhaben gegenüber größtes Entgegenkommen zeigen müssen. Dieses Entgegenkommen wird in erster Linie in einer möglich st beschleunigten geschäft- lichen Behandlung der Bauanträge zu bestehen haben. Wenn auch das Entgegenkommen nicht dazu führen darf, daß sich die Bauherren und Bauunternehmer willkürlich über die Forderungen Hinwegsetzen, die der Sicherheit und dem Bestreben auf Schaffung gesunder Wohnungen dienen, so wird doch in einer Zeit der wirtschaftlichen Not von der Durchführung mancher Forderung im Wege der Ausnahme oder der Befreiung abgesehen werden können, deren Erfüllung zu anderer Zeit unerläßlich erscheint. Die Baupolizei wird in den Fällen, in denen sie das Bauvorhaben nicht unverändert genehmigen kann, dieses nicht einfach abzulehnen, sondern durch sachgemäße Beratung des Bauherrn eine Lösung anzustreben haben, die eine möglichst beschleunigte Ausführung des Bauvorhabens ermöglicht. Die Baiainvasion in Oberschlesien. Tcheitern die Verhandlungen? Berlin, 8. Sept. (Tel.-Un.) Der Zentrumsabgeordnete Lange- Dittersbach hat im preußischen Landtag folgende Kleine Anfrage eingebracht: „Zeitungsnachrichten zufolge soll die preu- ßische Staatsregierung beabsichtigen, den Klodnitz-Wald an den tschechischen Schuhindustriellen Bota zur Errichtung einer Schuhfabrik zu verkaufen. Damit wurde sich die preußische Staatsregierung in Gegensatz zu den wiederholten Anträgen der Zen- trumsfraktion stellen, welche einen ftärferen Schutz der deutschen Schuhindustrie des Schuhwareneinzelhandels und des Schuhmacherhandwerks gegenüber der ausländischen Schuhindustrie forderten. Besonders für unsere gefährdeten schlesischen Gebiete würde sich die Bata-Niederlassung geradezu katastrophal auswirken. Auch die Arbeiter müssen bei Bata zu Bedingungen arbeiten, die sowohl dem Lohn als der Arbeitsweise nach für Das vergewaltigte Oberschlesien. Oie Revision der Ostgrenze. — Oas Echo der Treviranuörede. Auf einer Kundgebung der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschle- s i e r in Frankfurt (Oder) kam die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rot dieses Landes zu starkem Ausdruck. Alle Redner betonten, daß Oberschlesien gegen alle Verträge vom Reiche abgetrennt worden sei und daß dieses Land wirtschaftlich ein unteilbares Ganze bilde, das nur in seinem Zusammenhänge lebensfähig sein könne. Der abgetretene Teil müsse unter den heutigen Umständen verbluten. In einer Entschließung betonen die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier die unlösbare Verbundenheit aller deutschen Ostgebiete auf Gedeih und Verderb und fordern die Beseitigung der Versailler und der Genfer Fehlentscheidung über Oberschlesien. Sie begrüßen die Erklärung der Reichsregierung, die die Forderung auf Revision derO st grenze angemeldet hat und bedauern den Rücktritt des Präsidenten der gemischten Kommission Calo n d e r, durch den blitzartig die Bedrückung der deutschen Minderheit in Oberschlesien beleuchtet wird. Die Entschließung klingt aus in den Sah: Ganz Oberschlesien i st deutsch! Die Polen veranstalten inzwischen immer neue Massenkundgebungen gegen die Treviranusrede und die deutsche Revisionsforderung, ein Zeichen dafür, daß die Ausführungen des Ministers in Polen einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Bemerkenswert ist übrigens, daß diese Kundgebungen vom Westmarkenver- e i n, unter tatkräftiger Hilfe der polnischen Regierung, getragen werden. In den Entschließungen, die in diesen Kundgebungen angenommen wurden, wird unter anderm eine stärkere Bedrückung der Minderheiten und ein Boykott deutscher Waren verlangt. Derartige Kundgebungen, wie sie die polnischen Städte um die Wochenende gesehen haben, sind nicht sonderlich tragisch zu nehmen, eben weil sie auf höheren Befehl zurückgehen und nicht die wirkliche Stimmung im Lande widerspiegeln. Aber abgesehen davon glauben wir, daß man es sich in Warschau doch noch zehnmal überlegen wird, diese Forderungen zu erfüllen. Allein ein Boykott deutscher Waren würde für Polen b e - deutliche Folgen haben. Deutschland nimmt der polnischen Volkswirtschaft wertvolle Produkte ab, die es ebenso gut in anderen Ländern erwerben kann. Polen würde also im Falle eines Wirtschaftskrieges nur einen guten Kunden verlieren und dadurch die Wirtschaftskrise im eigenen Lande nur noch vergrößern. Aus dem gleichen Grunde wird Warschau auch von politischen Unfreundlichkeiten Abstand nehmen. Schließlich hat Polen allen Grund, sich nicht wegen der Forderungen irgendwelcher chauviniiter Heißsporne mit uns zu überwerfen, da es sich in einer geographisch wenig glücklichen Lage befindet und am besten abschneidet, wenn es den Frieden mit seinen Nachbarn nicht stört. Dec paWnakonM im Völkerbimdsrat beigelegt. Genf, 8. Sept. (Täl.) Der Dölkerbundsrpt behandelte am Montag in der ersten öffentlichen Sitzung den Bericht des Man datsaus- schusses über die Palästinafrage. Der sinnlän ische 2'ußenm nister P r o c o p e gab einen Kleber bl ick über oie Stellungnahme des Mandatsausschusses und die Antwortnote der englischen Regierung. Er stellte dabei in vorsichtiger Formulierung fest, daß die Aufgaben der englischen Regierung in Palästina außerordentlich schwierig seien. Es bestünde nur eine geringfügige Meinungsverschiedenheit hinsichtlich des Derwaltungsprogramms zwischen der englischen Regierung und dem Mandatsausschuß. Die älnruhen in Palästina hätten sich in keiner Weise gegen die englische Autorität in Palästina gerichtet. Das Ziel der englischen Mandatsverwaltung wird in dem Bericht kurz umrissen: Freie Entwicklung der verfassungsmäßigen Einrichtungen für eine freie Regierung und Sicherung des jüdischen Rationalstaates. Das Erreichen dieses Zieles sei nur möglich, wenn nicht nur die Mandatsmacht, sondern auch die beiden in Palästina wohnenden Rassen sich in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Der englische Außenminister Henderson erklärte. die englische Regierung habe in der jüdischen Einwanderungsfrage bereits eine Erklärung abgegeben, die alle Befürchtungen beseitige. Die Einschränkungen der jüdischen Einwanderung tragen nur einen zeitweiligen Charakter, da es sich keineswegs um ein grundsätzliches Einwanderungsverbot handele. Die englische Regierung stelle ferner fest, daß die Kritiken des Rabdats-Ausschusses nicht als ein Versuch anzusehen seien, sich an die Stelle der englischen Regierung in der Durchführung der Aufgaben in Palästina zu setzen. Die englische Regierung erkenne völlig das Recht des Mandatsausschusses zur Kritik an und sei mit dem Mandatsausschutz grundsätzlich in der Feststellung der Ziele des englischen Mandates in Palästina einig. Der Vertreter Persiens gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Mandatsausschuß nicht auf die Sicherung der religiösen und zivilen Rechte der nichtjüdiscyen Bevölkerung hingewiesen habe. Er habe das Vertrauen in die englische Regierung, dah die Interessen der Andersgläubigen in Palästina nicht verletzt würden. Darauf nahm der Völkerbund einstimmig die vom finnischen Außenminister vorgeschlagene Entschließung an, womit der Konflikt zwischen der englischen Regierung und dem Mandatsausschuh als beigelegt betrachtet werdeii kann. Gegenrevolution in Argentinien? Das neue Kabinett Llnburu. — Neue blutige Kämpfe. — Scharfe Zensur. Buenos Aires. 9. Sept (IcL-Un.) Die „La ptenfa“ berichtet, gehören der von General U r i - b u r u gebildeten vorläufigen Regierung außer ihm selbst nur zwei Militärpersonen, der Marineminisler Konteradmiral Renard und der Kriegsminifter Oberst Medina an. Der Vizepräsident und die übrigen sechs Minister find Zivilpersonen und in ihrer Mehrzahl erfahrene Politiker, die der Konservativen Partei und den Demokraten, die aber in Wahrheit nur eine besondere konservative Gruppe darstellen, nahestehen. Diese Zusammensetzung der vorläufigen Regierung scheint zu beweisen, dah die Aufrichtung einer Militärdiktatur nicht geplant und die baldige Rückkehr zu verfafsungsmähigen Zuständen beabsichtigt ist. Vizepräsident Santa Marina ist einer der reichsten Großgrundbesitzer Argentiniens. Der Außenminister Bosch, der deutscher Abstammung ist. hat das gleiche Amt schon von 1910 bis 1916 bekleidet, Finanzminister Perez ist ebenfalls Fachmann. Die „Associated Preß" teilt mit, dah sie gestern abend aus Buenos Aires in rascher Folge mehrere lakonische Telegramme erhielt, nach denerc die argentinische Flotte das Regie r u n g s g e b a u d e in Buenos Aires bom bardiert Hobe. Telegramme mit näheren Einzelheiten seien nicht mehr eingetroffen, was offenbar auf die Verhängung der Zensur infolge einer Gegenrevolution fchliehen lasse. Auch „herald Tribüne" berichtet über den Ausbruch einer Gegenrevolution. Anscheinend haben sich erneut Strahenkämpse abgespielt, wobei auher der Flotte auch Kavallerie und Infanterie gegen die neue Regierung revoltiert haben sollen. Auch in Montevideo (Uruguay) wurde, ungeachtet schärfster Zensur, die während der Rächt über alle aus Buenos Aires ausgehenden Kabeltelegramme verhängt wurde, bekannt, dah es gestern abend in Buenos Aires blutige Kämpfe gegeben hat. Die Giraßenkämpfe in Buenos Aires. N e u y o r k, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach weiteren aus Montevideo auf telephonischem Wege hierher gelangten Meldungen sind die gestrigen Er- eignisse in Buenos Aires darauf zurückzuführen, daß einige Anhänger Jrigoyens auf die Wache am Po st amt feuerten, worauf sich in der Dunkelheit ein allgemeiner Straßenkampf ent- wickelte, da ein großes Truppenaufgebot aus dem Regierungsgebäude herbeieilte und das Postamt m i t Geschützfeuer zu belegen begann. Das Feuer- gefecht schien sich um den Regierungspalast und die benachbarten Straßen zu konzentrieren. Gerüchtweise verlautet, daß einige Regimenter gegen das neue Regime revoltierten, um Jrigoyen wieder einzusetzen. General Uriburu sandte um Mitternacht an die Presse eine Erklärung, wonach keinellrsache zur Beunruhigung bestehe und das Gerücht, wonach ein Teil der Armee sich gegen das neue Regime erhoben habe, unzutreffend fei. Ltnruhen in Südbrasilien. Reuhork, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie Ass. Preß ans Montevideo berichtet, hat die Regierung von Uruguay in der Rächt die offizielle Rachricht erhalten, daß in dem brasilianischen Staat Rio Grande do Sul eine revolutionäre Bewegung im Gange fei. Man rechnet damit, daß die Llnruhen in Brasilien weiter um sich greifen werden. In den bisherigen Meldungen wurde den älnruhen lediglich örtliche Bedeutung nachgesagt. Zur Sicherung der Grenze von Uruguat) wurden zwei Regimenter Kavallerie entsandt. sie fast untragbar sind. Der ortsansäßige Handel und das Gewerbe haben von einer Bata-Nieder- lassung keinen Vorteil, da Bata die gesamte Versorgung seiner Belegschaft mit den wichtigsten Lebensbedürfnissen übernimmt und die Arbeiter zwingt, nur bei i h rn zu kaufen. Schon jetzt macht Bata den Schuhgeschäften und dem Schuhmacherhandwerk in den Grenzgebieten schlimmste Konkurrenz. Hat er einmal eine deutsche Fabrik, so sind die wirtschaftlichen Folgen nicht abzusehen. Es wäre deshalb unverständlich, wenn gerade die preußische Staatsregierung zu einer solchen Maßnahme die Hand bieten würde. Ich frage: Sind die Zeitungsnachrichten richtig? Wenn ja, ist das Staatsministerium bereit, etwa begonnene Verkaufsverhandlungen mit der genannten ausländischen Firma sofort abzubrechen? * Wie die Telegraphen-llnion erfährt, sind die Bedingungen, die der preußische Staat der Batagruppe für die Eröffnung einer Niederlassung in Oberschlesien auferlegt hat, insbesondere zum Schutze der Interessen des schlesischen Handwerks, ferner in sozialpolitischer Hinsicht sowie zur Vermeidung der Gefahr einer Ueberschwemmung mit leitenden tschechischen Angestellten so schwer, daß anzunehmen sein wird, daß sie für die Batagruppe nicht tragbar fein werden. Man glaubt in unterrichteten Kreisen, daß der ursprüngliche Plan des Staatsvertrages zwischen Preußen und dem Batakonzern an diesen Bedingungen scheitern werde. Aus aller Wett. Gedächtnisfeier für Andree in Iromsö. Die Gedächtnisfeier für Andree und seine Gefährten in der Kirche von Tromsö gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Feierlichkeit. Stadt und Hafen hatten überall Halbmast geflaggt. Lange vor Beginn des Gottesdienstes hatte sich eine große Menge vor der Kirche eingefunden. Tausende fanden keinen Platz mehr. Die Särge waren unter der Kanzel ausgestellt und mit der schwedischen Flagge bedeckt. Fahnen in den norwegischen und schwedischen Farben standen zur Seite. Die Kirch« war stimmungsvoll mit Trauerflor ausgeschlagen, der Altar mit Blumen in den Farben Rorwegens und Schwedens geschmückt. Unteroffiziere und Mannschaften von den beiden Schiffen ^Michael Sars" und „ Svens k-Sund" bildeten Spalier. Der Geistliche erinnerte daran, daß in der gleichen Kirche zwei Jahre zuvor eine Trauerfeier für Roald Amundsen stattgefunden habe. Rach abermaligem Gesang und Orchestervortrag wurden die Särge von norwegischen Matrosen nach dem Südausgang der Kirche getragen, wo sie vorläufig verbleiben werden. Sobald das Robbenfangschiff „Isbjörn" mit den Gebeinen Fränkels eingetroffen sein wird, werden alle drei Särge von schwedischen Matrosen von der Kirche an Bprd der „ Svensk-Sund" übergeführt werden. Unruhen in Santo Domingo. Infolge des Mangels an Lebensmitteln sind Hungerunruhen ausgebrochen. Die Mehrzahl der Bevölkerung hat seit dem letzten Mittwoch nichts zu essen gehabt.^ Etwa 100 Personen versuchten die Werft zu stürmen, um sich der dort aufgestapelten Lebensmittel und Vorräte zu bemächtigen. Sie wurden indessen von der RatipnalgÄrd»- zurück- getrieben. Während der Unruhen waren die amerikanischen Marinefoldaten alarmbereit. Autostraße Calais—Konstantinopel. Die Verkehrsinteressenten aller europäischen Länder sind augenblicklich mit der Ausarbeitung eines sehr bedeutenden Projektes beschäftigt, das die Schaffung einer großen transkontinentalen Autostraße von Calais bis Konstantinopel vorsieht. Dieses Projekt, das deutscherseits von den großen Automobilklubs aufs nachdrücklichste unterstützt wird, wird schon in der allernächsten Zeit auch den Behörden zur Begutachtung und Beschlußfassung vorgelegt werden. Es sieht neben dem Ausbau des vorgefchlagenen Verkehrsweges, der eine Länge von etwa 3000 Kilometer haben wird, die Ausbesserung und Erweiterung der bereits bestehenden Wege vor. die Beschüttung der ganzen Strecke mit staubfreiem Belag, eine durchgreifende Vereinheitlichung der Direktions- und Gefahrensignale, wichtige Abmachungen über Paßrevision und Zolluntersuchungen, eine Vervollkommnung der tötete und Llnterkunftsstellen längs der ganzen tre-de und endlich die Schaffung eines besonderen Führers. Die Kosten des Unternehmens werden mit 40 Millionen Mark veranschlagt, die von den Ländern, durch die die groß« Straße führen soll, aufgebracht werden müssen. Bei der Bedeutung des Projekts für den Fremdenverkehr im besonderen und die Wirtschaft im allgemeinen ist kaum daran zu zweifeln, daß sich auch das Reich hervorragend an der Durchführung des Projektes beteiligen wird. Schon in den nächsten Wochen werden die großen Derkehrsorganisationen ihre Vorschläge, die sie gemeinsam mit den ihnen befreundeten Gesellschaften im Ausland ausarbeiten, der Öffentlichkeit unterbreiten. Brandkatastrophe in einem griechischen Hafen. Ein Grohfeuer richtete in den Riederlagen der Standard Oil imPiraeus unübersehbaren Schaden an. Das Feuer ist dadurch entstanden, daß ein Matrose, nachdem er abgekocht hatte, einen noch glühendenBrandscheit insMeer warf. Da in der Rühe ein Segelboot Denzi n lud und das Meer ui seiner Umgebung m i t einer dünnen Benzins chicht bedeckt war, fing es sofort Feuer und steckte sogleich neun andere Segelboote und kleinere Boote, die alle Oie Wetterlage. 16. ir(s W O fiberl bEz 7 Wien J * 7Q — ©WofKenlos.® neuer, q naro oeoetet, ® vorxig. Gveoecii. • Kege< * Schnee & Graupein • Hehei K Gewitter.(§)Wind$lilie. sehf leichter Ost _p massige' Südsodwesi q stürmischer «ordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde Ole oooen Stationen stehenden /allen gehen die Temperatur an. Die Linien neromden Qrtt mit gleichet» erbienltr6effitotr6enoffenf(t)aflert 5 Friedberg 7. Sept Im Alter von 72 Jahren ist hier Bankdirektor i R. Jean Dorr g<- torben. 53 Jahre war der Verstorbene bei der Hefigen Bank für Handel, Gewerbe und Landwirt- chaft, früher Vorschuß- und Kreditverein, beschäs- ligt, und unter feiner Mitarbeit und Führung nahm die Genostcnschaft eine günstige Aufwärts- entwicklung. Don lk99 bis 1923 war Jean Dorr ehrenamtlicher Revisor des Verbandes hessischer Vorschuß, und Kreditocreine (Ob er Hess en, Hes- sen-Nassau und Waldeck) und al» solcher eine über- all geachtete Persönlichkeit. Neben seiner Berufsarbeit widmete sich der Verstorbene in vorbildlicher Weise öffentlichen und gemeinnütziaen Aufgaben. Um die Wiederherstellung unserer schonen Stadt- kirche erwarb er sich als Rechner des Kirchenbauoereins und al» eifrige» Mitglied der evangelischen Kirchengerneindevertretung große Verdienste. Auch im Dolksbildungsoerein und Im Verein für Unterstützung armer Kinder schätzte man seine opferfreudige Tätigkeit. Ganz besonders aber hat sich Jean Dorr um die Touristik in Oberhesten verdient gemacht. (Er gründete und leitete 25 Jahre den lau- nusklub „ißcttcrau" und erschloß den hessischen Taunus und die mittlere Wetterau durch ein weit- verzweiate» Markierungsnetz dem Wanderverkehr. Gemeinsam mit dem befreundeten Frankfurter Taunusklub gab Direktor Dörr die erste Farben- karte des nordöstlichen Taunus heraus. Der Tau- nusklub ehrte ihn denn auch durch (Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und gab einer Schutzhülle im Winlersleingebiel den Namen „D ö r r • f) ü 11 e“. 3m politischen Leben unserer Stabt trat der Verstorbene als Mitglied der Nalionalllberalen Partei und später der Deutschen Dolksparlei hervor. Landkreis Gieren. U Großen-Linden, 8. Sept. Am Samstag- nachmittag wurde in einem hiesigen Eafö ein Mann, der sich allein im Lokal befand, als er die Kasse räubern wollte, beobachtet und feslgenom- men. Seine Ueberführung in das Polizeigefananis Gießen erfolgte durch Kriminalbeamte von Gießen. i«. Steinbach, 7. Sept. Lehrer i. R. He i- r t ch Nanz wurde heute hier zu letzten Ruhe gebettet. Gin großer Trauerzug legte beredte« Zeugni« ab von der Liebe und "Wertschätzung, die sich der Derstorbene in unserer Gemeinde, sowie auSwärt« erworben hatte. Unter ehrenden Nachrufen wurden Kränze nieder gelegt von der Gemeinde Steinbach, vom Schulvorstand, vom Gesangverein Gintracht, vom Turnverein Steinbach, von der Gemeinde Albach, von den Dezir^lehrer- vereinen Lich unb Schlitz, von der Kirchen gemeinde und vom Kriegerverein Uetzhausen (Krei« Lauterbach). Lehrer Nanz wirkte von 1900 bi« 1925 al« erster Lehrer in unserer Gemeinde, vorher war er 17 Jahre in unserer Nachbargcmeinde Albach tätig. 3m Jahre 1925 mußte er infolge geschwächter Gesundheit in den Ruhestand treten. Seinen Ruhesitz nahm er in Uetzhausen, Krei« Lauterbach Während seiner Tätigkeit als Lehrer war er außerdem noch Organist und Dirigent de« Gesangverein« .Eintracht'. Im Jähre 1913 wurde er zum Ehrendirigenten ernannt, ferner war er Ehrenmitglied des Turnverein« Steinbach + Grünberg, S. Sept. Der hiesige Schützenverein hielt an den beiden Sonntagen 24. August unb 7. September sein diesjährige« PreiSschietzen ab. Geschossen wurde auf 175 Meter Entfernung auf 20-Ringfcheibe. Die höchste Ringzahl betrug 56. Folgende Schützen wurden Preisträger: 1. Heinrich Kappe«, 2. Friedel Hofmann, 3. Otto Matthie», 4 Fiebr. Iöckel I.. 5. Karl Möller, 6. Kurt Dock, 7. Rich. Iöckel, 8. August Stammler, 9. Otto Allmendinger. Am 24. August schoß Otto Matthie« die Ehren scheibe, während sie am 7. September Rich. Iöckel errang. Kreis Büdingen. O Bübingen, 8. Sept. Am Sonntagnachmittag ereignete sich auf ber burd) das Herbslschießen der Sübinger Schützengesellschaft sehr belebten Haupt- durchgongsstraße ein schwerer Motorrad- Unfall. Der dreijährige Zunge eines hiesigen Einwohners lief einem vorn Fcstplatz kommenden Motorradler in den Weg. Das Kind wurde zu Bo- den geschleudert und dadurch erheblich verletzt. Seine sofortige Ueberführung Ins Krankenhaus war erforderlich. Dort wurde feftgeslelll, daß bie Schöbel- berfc gebrochen unb bas Gehirn verletzt ist. An bem Aufkommen bes bedauernswerten Kindes wird gezweifelt. Rundfunkprogramm de« Frankfurter Sender«. (Au« der -Radio-Umschau*^ Donnerstag, 11. September. 8 bi« 9: Don Bad Bertrich: Konzert de« KurorchesterS. 12.20: Schallplattenkonzert. Konzert. 15. Don Stuttgart: Stund« der Jugend. 16. Don Stuttgart: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchester-. 18.05: Zeitfragen. 18.35. .Balzac", Dortrag von Dr. Leo Löwenthal, Frankfurt a. M. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Die Instrument« de« Orchesters, 2. Dortrag: Violoncello. Dlola da Gamda, Eontrabaß HanS RoS- baub. 20: Literarisch« Veranstaltung AuS dem Roman .Der Geldkompler" von Franziska von Reventlvw. 20.30. Konzert de« Rundfunkorchester« Freitag, 12. September. 8 bi« 9 Don Bad Neuenahr. Konzert bei KurorchesterS 1120 Schallplat lenkvnzerl Bach- Konzcrl. 15 „Der Schutzmann und andere Schreckgestalten für die Kinder", Dortrag von Rektor St Wchrhan. 15.25 Die Gestaltung de« Physik- unterricht« im Sinne de« ArbettSunterricht«-, Dortrag von Oberstudienrat Graß. Staffel 16: Don Bab Neuenahr Konzen de« SturorchesterS. 17.50. Eine Viertelstunde der Deutschen Reichs- post .Der Fernfprechlchnellverkehr", Dortrag von Telegrapheninfpektor Wiederfpahn. 18.05 Buch und Film, von Dr. Werner Thormann. 18.35: Don Stuttgart Der Aufbau unsere« Sternsystem«. Dortragvon Professor Beistel 19.05 Don Stuttgart: «Wirtschaft und Leben". DoNrag von Hermann Hagen. 19 30 Don Stuttgart: Mandolinenmusik de« Mandolinen- und Gitarren-Der« in« „Odeon". 20 Don Stuttgart Anekdoten, vorgetragen von Marttn Lang. 20.15: Don Stuttgart: Konzert de« Philharmonifchen Orchester«. 21.45: Don Stuttgart: ..Der brüllende Not- grofchen". GroteSke von I. Zahrnholz. München. 22.10; Don Stuttgart: Beethoven-Sonaten. Samstag, 13. September 8 bl« 9 Don Bad Neuenahr KonzeN de« KurorchesterS 10.20 bi« 10.50. „Meine Erinnerungen al« deutsche« Schulmädel in Palästina", I'orirag von Annemarie Brod«. 12 20 Schallplattenkonzert: Schlager von heute unb gestern. 14.30: Stunde ber Jugend 16: Konzert de« Rundfunkorchester«. 18.05. „Die religiösen Hintergründe der GeschichtSphilosophie von Karl Mar»", Dortrag von Dr. H. Ritzmann. 18.35 ..Gesundheitspflege der arbeitenden Frau", Dortrag von Frau Dr. Fink. 19.05 Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Don Stuttgart: Bunte- KonzeN deS Rundfunkorchester-. 20.45: Don Stuttgart: Streichquartett Nr. 5 D-Dur, op. 64 (Lerchenquarlett) von Joses Haydn. 21.10: Don Stuttgart: Bootlegger«. Hörspiel von Werner Illing. 22.20: Don Stuttgart. Alle Tänze. 23.20; Don Stuttgart: Tanzmusik. Gewinnauszug 6. 35. Preußisch-LÜddeuftche (261. Preuß.) 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Ruhig klickten die bebrillten Augen der groben, doppclscheibiaen Fenster über den bebuschten Rasen des Vorgarten- wie über eine stille Llserwicse aus den lärmenden Strom der Straße. Glück deS Geborgenscins strahlte auS Urnen wie auS dem Leuchten der weihen Fassade. Vielleicht lag dieser stille Glanz auch aus dem Antlitz der Bewohner, die ich nie sah. Das weite, grüne Dorado des Parts hinter dem Hause mit seinen überlaubtcn Wegen und lustigen Winkeln war ihnen wohl liebster Aufenthalt allein und mit besrcundeten Gästen. Run sind sie fort wie Zugvögel, die vor dem nordischen Herbst und Winter bangen. Die Fenster haben ihre Lider geschlossen und versuchen zu schlafen. Vergebens warten Flure. Treppen und Zimmer, dah ein plötzlicher Lichtzauber den Dann der Dunkelheit von ihnen nehme und sie mit flutender Helle fülle Vergebens harren die Türen auf einen zarten oder festen Händedruck um ihre Klinken, den sie mit sanstem Knarren au erwidern pflegten. Kein Teppich trägt ihnen den leisen Rhythmus gedämpfter Schritte näher. Keine Stimme kommt zu ihnen geflattert wie ein fröhlich zwitschernder Vogel. Stühle und Polster sehnen sich nach der Berührung seidener Gewänder, nach der Last einer lieben Gestalt. Umsonst halten die tiefen Ruhesessel ihre Arme gebreitet. Mmfonft blühen die Diwankissen üppiger als je. Fröstelnd trauern die von Linnen und Decken entblößten Tische dem Prunk festlicher Tage nach, da fröhliche Esser und Trinker um sie geschart saßen und ihnen warm wurde von den köstlichen Speisen, die auf ihnen dampften. Die Elfenbeinfelder des kleinen Lchachtischchens liegen leer wie ein geräumtes Schlachtfeld. Sieger und Besiegte ruhen vereint im Massengrab eines Schubfaches versenkt. Die Kristallrömer in den Vitrinen dürsten nach feurigen Weinen und süßen Küssen trinkender Zrauenlippen. Die jubelten sie sonst ancinanderklingend mit glockenreinen Tönen ein vielstimmiges Evoe dem lachenden Leben. Reben ihnen hungern Daten nach prangenden Blumensträußen, deren Atem die Räum« Südamerika in Aufruhr Von unserem k.-Berichterftatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. London, September 1930. Seit einigen Monaten mehren sich die Rach- richten über Urauben auS Südamerika. Nachdem vor kurzem in Bolivien der bisherige Präsident durch bewaffneten Aufstand zur Flucht gezwungen wurde, ist jetzt auch in Peru der Präsident Leguia. der seit 1919 diktatorisch regierte. gestürzt worden. 3n Argentinien hat der Präsident Irigoyen ebenfalls feine Stellung verloren, in Drafilien spürt man noch die Rachwehen der letzten Präsidentschaft-Wahlen bei einigen Bundesstaaten, die im Bürgerkrieg stehen: Ehile, Kolumbien und die mittclamenfani- schen Staaten stöhnen unter der Weltwirtschafts- krife, die diese Länder besonder- hart trifft. Kurz, man hat den Eindruck, daß sich ganz Südamerika in Aufruhr befindet, ja, man bat auch mitunter da- Gefühl, al- ob hinter.dem allen eine einheitliche große Bewegung stecke, die sich gegen die USA. richtet Das ist jedoch in dieser Allgemeitcheit nicht richtig. Die Zustände in Südamerika sind im allgemeinen genau so friedlich, wie bei un- in Europa, und aus politischem Eifer werden im südamerikanischen Erdteil nicht mehr Leute getötet al- in Deutschland leider auch. Wer weiß, ob ein Südamerikaner bei Durchsicht der Kabel aus Europa nicht am Ende ^u der ileberzeugung kommt, daß es in Europa viel schlimmer sei und er von Glück sagen könne, daß er in Südamerika sitzt... Trotzdem ist wohl nicht zu leugnen, daß Südamerika mitten in einer grundleg enden Umwälzung steht, die neue Bevölkerungsschichten an die Leitung der verschiedenen Staaten trägt. Dor dem Kriege, genauer bi- in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts, war es bekanntlich in ganz Südamerika die Klasse der Großgrundbesitzer. die regierte. Reben diesen Rach fahren oer alten Konquistadoren gab eS nur noch die arme, meist indianische oder mischblütige Landbevölkerung, aber keine Stadtbevölkerung, keinen Mittel st and, auch kaum Beamtenschaft ober Militär. Die- alles hat erst die damal- einsetzende wirtschaftliche Entwicklung geschaffen, die in der Entstehung der großen, auf den Export eingestellten Agrarwirtschaften, der Einrichtung von Bergwerken und schließlich, seit dem großen Kriege, auch in der Schöpfung eigener, bodenständiger Industrien ihren Ausdruck fand. Damit entstanden erst die großen Städte und damit die Probleme, vor denen ganz Südamerika jetzt steht. Während also wirtschastlich große Umwälzungen eintraten, blieb politisch zunächst alle# beim alten Die Politik wurde weiter, das war einfach selbstverständlich, nur von den alten Familien gemacht, die infolgedessen auch den größten Vorteil von der wirtschaftlichen Ent- Wicklung Es gab ja im Grunde nommen überall nur zwei Parteien oder richtiger Eliquen. eine klerikal-konservative und eine liberal-sreimaurerische. die sich so sicher in ihrer Macht fühlten, daß sie sich kaum bekämpften: man löste sich vereinbarungsgemäß in festem Wechsel in der Macht ab und nutzte die Zeit der Regierung dazu, um sich und seinen Freunden möglichst auSgiebig die Taschen zu füllen. DaS ging io lange gut. wie man unter s i ch blieb und wie sich die Verwaltung deS Landes in altväterlichem Rahmen bewegte tourbc aber mit einem Schlage unmöglich, alS man teils unter amerikanischem Druck, teils auch unter freiwilliger Rachahmung englischer politischer Sitten ernsthaft parlamentarisch zu arbeiten begann und vor allen Dingen in wachsendem Maße neue Leute in die Politik zu kommen begannen, die sich al« Dert reter des neu erwachsenen Mittelstandes nicht ohne weiteres in die alten Parteien einordnen ließen. Dazu kam, daß sich in vielen Ländern die Dor- ftellungen von der Bedeutung und Ausgabe deS Staates änderten. Aus den einst nur durch ihre frühere koloniale Zugehörigkeit zu diesem oder jenem europäischen Mutterland sich unterscheidenden südamerikanischen Staaten wurden echte Rational st aaten mit einer Bevölkerung, die es mehr und mehr mit ihrem Patriotismus ernst nahm, und deshalb auch vorn Staat-Wesen mehr verlangte, als eine bloße Klüngelwirtschaft -um Vorteil einzelner Familien. Diese Revolution in der Einstellung der Geister, die in den letzten Jahren mehr und mehr in allen südamerikanischen Staaten zu beobachten ist. wurde verständlicherweise nicht, ober nur in Au-nahmefällen, von ben alten Politikersamilien getragen (Origoben. bet Präsident von Argen» timen, war solch eine Ausnahme), fonbem von ber Jugend, die in Europa studierte ober in ben USA. erzogen wurde, und vor allem dem Offizierskorps. Advokaten, Studenten und Offiziere sind also durchaus nicht nur zufällig die Leiter und Führer fast aller ..Revolutionen" geworden, die Südamerika in den letzten Jahren erlebte und vor denen wir jetzt wieder stehen. Ebensowenig, wie e- ein Zufall ist. daß dis jüngeren unter diesen revolutionären Politikern in wachsendem Maße faschistisch ober auch sozialistisch gesinnt sinb. Für sie ist eben Demokratie, Parlamentarismus unb wa- so bamit zusammenhängt im allgemeinen gleichbebeutenb mit der Herrschaft ber alten Korruption, wie auch Diktaturen nur gestürzt werben, um neue zu errichten! Die Entwicklung ber Dinge in Südamerika ist also auch durchaus nicht zufällig, sie kündigte sich seit langem an. Chile, da- schon seit Jahren eine nationalistische (und antilor- ruptionistische) Regierung hat, ift mit dem Beispiel einer faschistisch-mittelständlerisch orientierten, zugleich aber auch arbeitersreundlichen Verwaltung vorangegangen und hat damit, da- muß man wohl anerkennen, sehr gute Erfahrungen gemacht. Daß andere Staaten, zunächst da- benachbarte Peru, diesem Beispiel folgen, und daß auch in Kolumbien sich wachsend Anhänger dieser Regierung-weise sammeln, nimmt daher kein Wunder. Ist doch z. B. derKamps gegen Irigoyen in Argentinien in vielem nicht- andere- gewesen alS ein Kamps gegen die Korruption seiner Anhänger, während man Irigoyen persönlich nur den mindesten Vorwurf macht, daß er nicht tatkräftig genug gegen seine Freunde austrete. durchduftete wie Weihrauch die Kirche. Da- Gefühl. vernachlässigt oder gar vergessen zu sein, macht die Spiegel trüb und mancher, dem kein Geheimnis der Körper, kein Schönheitsmal und kein überschminkter Makel fremd waren, seht melancholisch Staub an. Auch der große Flügel, der mit der Seele seiner Spieler fingen unb weinen konnte, verliert, bie innige Zwiesprache missend, seinen Glanz. Wenn ber Deckel geöffnet würbe, unb flinke Finger eine Tonleiter über feine Tasten tanzen liehen, bröhnte er auf, daß bie Wänbe au- ihren Träumen erwachten. Ein starkes Gefühl konnte ihn grollen und jubeln. donnern unb schmeicheln machen. Wenn MozartS heitere Weisen lodenb im Raum schwangen. sprangen die graziösen Rokokodämchen Watteau- aus ihren schweren Goldrahmen und wiegten sich entzückt und entzückend im Tanzschritt. Es wird ihnen bitter werden, diese Musenstunden entbehren zu müssen. Aber sie werden es lernen müssen wie bie schlankrückigen Bücher auf dem Regal, die nun hinter Glasfassaden gesperrt ungehört mit lockenden Farben und Titeln abenteuerliche Schicksale unb Erlebnisse verheißen. < Bücher sind wie schöne Frauen, die ein Geheimnis wissen: Sie brennen, es loszuwerben.) Rur die hohen Standuhren, bie bunkel tidenben Herzen vieler Zimmer, werden noch eine zeitlang ihre hallenden Orgeltöne schlagen und sorglos weiterpendeln, als sei nichts geschehen unb nur die Rächt länger als sonst. Vielleicht wird auch hin und wieder noch eine verirrte Fliege mit leisem Gesumm die Stille durchrudern, bis sie einen Schlupf findet vor kommender Kälte und Rot. Im Park lassen die Lindenkuppeln, die vor Wochen noch wie Bienenstöcke summten, die ersten fahlgelben Blätter fallen, und am Laub der Kaftanienbäume beginnt der herbstliche Rost zu nagen. 3m Gartenhaus baumeln, an Drähten aufgehängt, die bunten Papierhüllen einiger vergessener Lampions. Aber feine frohe Laune wird ihre niedergebrannten Lichtstümpse noch einmal zum magischen Schein über märchenhaften Rachtseften entzünden. Die erblühen bereits unter südlicheren Sternen. Wie man sieht, haben bie Vorgänge In den südamerikanischen Staaten an sich herzlich wenig mit den USA. zu tun. Jedenfalls bildet bie Politik bet Bereinigten Staaten nicht ben Anlaß zu den Vorgängen. Aber ein wenig spielen bie USA. in bie Dinge doch hinein. Südamerika ist ja nicht umsonst auf den Reuhorker Geldmarkt angewiesen, ja, in gewissen Industriezentren auch ganz und gar von den Staaten abhängig. Deshalb nimmt man in Washington auch an Den Vorgängen in Südamerika ein so starke- grundsätzliches Interesse und erkennt, gemäß einer alten Tradition des Weißen Hause-, neue Regierungen in Südamerika erst an, wenn sie „vom Volk bestätigt sind". D. h die USA. setzen sich auch heute noch für Demokratie und Parlamentarismus ein, sei es. um gelegentlich im Trüben zu sischen, oder die Anerkennung der amerikanischen Interessen auch von der jeweiligen neuen Regierung zu erzwingen. Da- geschieht allo nicht, um sich direkt in die inneren Verhältnisse der Länder einzumllchen — da« tun die Staaten nur in Mittelamerika, aber nicht im Süden, wo daS ihnen lehr übel bekommen würde - es wird aber von den Süd- amerilanern trotzdem als unerträgliche Knechtung empsunden. Und von diesem Gesicht-Punkte aus gewinnen die südamerikanischen Revolutionen eine Richtung, die den Anschein erweckt, alS ob sie immer gegen die USA. gingen — da jede amerikanische Einmischung (und sie bleibt nirgends auS, weil eS überall amerikanische Interessenten in Südamerika gibt) die Abneigung gegen den Rorden verstärkt. Setzen sich die Revolutionen in Südamerika durch, so ist also auch nicht daran zu zweiseln, bah gleichzeitig mit ihnen eine Periode verstärkter Nord- amerikafeinbsch aft in Sübamerika einsetzen wirb. Richt nur auS dem Grunde, weil die neuen Regierungen betonter national sein werden alS die früheren, sondern auch, weil die i USA. so stark mit den jetzigen Regierungen bzw. den inzwischen gestürzten, verbunden waren, daß immer eine Ruance herauSkommen muh, | die amerikafeindlicher ist alS bisher. „Der weiße Teufel" — ein Kilm. Ein Ufa-Film, ber sich an bie bekannte Erzählung .Hadschi Murat" aus T o l st o j s Rach- Iah anschließt: er behanbelt bie Unabhängigkeits- kämpse kaukasischer Bergstämme anno 1852 gegen die erdrückende U eher macht ber Russen unter Nikolaus I. unb schilbert im besonderen bie Kriegstaten unb die Liebesgeschichte MuratS, der als ber .weihe Teufel" bei Feind unb Freund bekannt unb gefürchtet ist. Der von Alexander Wolkoff inszenierte Film hat Farbe, Tempo und natürliche Spannung; er wirkt zwar gelegentlich etwas slach und primitiv in Der verschwenderischen Ausnutzung von Reitcrverfvlgungcn und kriegerischem Getöse, aber er ift im ganzen sehr gut und mit schöner Bildwirkung photographiert, vor allem die grohlinig unb stimmungsvoll aufgenommenen Szenen in Petersburg. Der Film, an sich stumm, wirb wesentlich bereichert durch die wnsilmische Einbeziehung des berühmten Donkosakenchors. dessen melancholisch-melodiösen Gesänge sich ber Handlung vorzüglich anpassen und übrigens auch eine dem gegenwärtigen Stande der Reproduktionstechmk entsprechende, befrie» digende Wiedergabe gefunden haben. (Man darf vom Tonfilm, der ja noch immer jung ist. auch nicht zuviel verlangen: jede derartige Ausnahme wird, ebenso wie jede Radio-Uebertragutrg. einen Annäherungswert dar stellen.) Außerdem wirkt das Ballett der Eduardowa bei den Tanzszenen in der Petersburger Oper mit Das Beste, was der Film zu geben hat. ist in der Darstellung der Titelrolle durch Iwan MoSjukin beschlossen: obwohl ihm diese Partie nicht die unnachahmliche Eleganz unb bie umspringende Beweglichkeit gestattet, wie er sie seinerzeit im .Casanova" und auch noch 'im .ManoleScu" entfalten konnte: er ist ein Dollblutschauspieler und er gibt ben Murat finster unb wild, leidenschaftlich unb geschmeidig, — er hebt ihn, wie es sich gebührt, aus dem Kreise der übrigen Handlungsträger entschieden heraus. — Betty Amann, die Dagover und Fritz Alberti fmb neben Mosjukin die wichtigsten Leute. — .Der weihe Teufel" läuft feit gestern (bei ausgezeichnetem Besuch) im Licht- fpislhauL -* 3m Beiprogramm findet wie- druck geben zu sollen, indem sie Bemerkungen parteipolitischen, religiösen oder sonstigen Charakter», Verse und ähnliche» auf den Stimmzettel fetzen. Alle derartigen Vermerke, auch wenn sie nicht auf dem Stimmzettel selbst, sondern auf besonderen, in den Umschlag gelegten Zetteln geschrieben werden, machen die Stimmabgabe ungültig. Bei der letzten Reichstagswahl waren 412 M2 Stimmen oder 1,32 o. ch. der abgegebenen Stimmen ungültig. Vie Fahl der zersplitterten Stimmen war bei der letzten Wahl sehr hoch. Sie setzten sich einmal zusammen au» der Hahl der Stimmen, die auf Splitterparteien entfallen. Als solche versteht man die Parteien, die keinen Abgeordnetensitz errungen haben. Vie Zahl dieser Stimmen betrug 832 563. Dazu kommen die Slim- men kleinerer Parteien, die zwar einen oder zwei Sitze erhalten haben, die aber ihre Stimmen nicht voll auswerten konnten. DielZahl dieser Stimmen betrug 362 697. Insgesamt sind also 1 195 260 gültig abgegebene Stimmen, oder 3.89 v. ch. aller galligen Stimmen, wirkungslos abgegeben worden. E» waren 12 Abgeordnete mehr gewählt worden, wenn diese Stimmen nicht zersplittert gewesen waren, '.sticht in der Zersplitterung liegt do» cheil, sondern im S t r c • ben zum Ganzen undzurCinheit Davon mögen sich alle Wähler und Wählerinnen leiten lassen, wenn sie am 14 September über die weitere Zukunft des deutschen Vaterlandes entscheiden. Ariilleristentag in Mainz. Man berichtet uns: Die Angehörigen des ehemaligen Fcldartillcrie-Regiments Nr. 27 (Oranten) versammelten sich zu einer W jeder s e h e n s f e i e r in Mainz. In Verbindung mit diesem Tressen der allen Kameraden sand am Samstag die Feier des 6 0 j ä fr r. Bestehens des M o i nzer Veteranenocr- eins statt, an der zahlreiche chasfia-Mitglieder so- wie Vertreter der früher in Mainz liegenden Regi- menter teilnahmen. Die Feier, die in der Stadthalle abgchaltcn wurde, nahm in Gegenwart des früheren Großherzogs Ernst Ludwig und seines ältesten Sohnes, sowie einer großen Schar von Gästen bei trefflichen Ansprachen und guten ge- fettigen Darbietungen einen ausgezeichneten Verlauf. Am Sonntagmorgen vereinigte man sich in den Mainzer Kirchen zu gemeinsamem G o 11 e s b i e n st. Anschließend fand auf dem Ehrensriedhos eine G e- fallenen-Gedenkfeier statt, bei der Gene- ralleutnant a. D. von Oven, früher Plotzkom- mandant von Mainz, die Ansprache hielt. Gesang des Mainzer Männerchors und Iraucrmufif der Kapelle des früheren Feldartillerieregiments Nr. 63, foroie Kranzniederlegung der Regimentsvertreter gaben der feierlichen Gedenkstunde einen erhöhten Inhalt. In geschloffenem Zuge begaben sich die allen Soldaten bann durch die Stabt nach dem hatten- platz, wo eine feierliche Kundgebung anlaß - lich der Rheinlandbefreiung ftattfanb. Von hier aus fuhren bie ehemaligen 27er nach ihrem früheren Stanbort Gonsenheim bet Mainz, wo [i? mit Böllerschüssen unb begeisterten Zubel empfangen wurden Nach dem Mittagessen ging es nachmittags in einem Festzug mit klin- lenbem Spiel durch bie festlich geschmückten Orts- traßen nach der Turnhalle, die in kurzer Zeit über- iillt war. Dbcrregierungsrat Falk, Mitglied des Arbeitsausschusses, begrüßte bie allen Kameraden mit einer zündenden Ansprache unb übergab die Leitung des Festes an General Petze! Bürger- meister Alexander (Gonsenheim) überbrachte den herzlichen Willkommengruß der Gonsenheimer Bür- ger und gab ihrer Freude über ben Besuch so vieler aller 27er in bem früheren Garnisonort beredten Ausdruck. Die Festrede hielt General Petzei, der dabei auch der gefallenen Kameraden gedachte unb mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das d^tsche Vaterland schloß. General der Artillerie von Gollwitz, der bekannte Führer ber Armee Gollwitz im Weltkrieg, richtete an bie alten Karne- raben gehaltvolle Worte über bie aktive Dienstzeit unb bie Kriegsjahre, unb ermahnte zu treuem, ferne- rabschastlichem Zusammenstehen beim Wieberausbau unseres Vaterlanbes. Am Montag beschloß eine Rheinfahrt nach St. Goar unb zurück das glänzend oerfaufene Treffen ber alten Artilleristen. herum die tonende .Micky MauS" den ungeteilten 'Beifall des erweiterten und verblüfften Publikum-. __r__ „Königsberger $te(P und „Schmand mit Glumse^. Ostpreußen, da- Land des Bernsteins, der weiten Haffs mit den eigenartigen Nehrungen, die die höchsten Wanderdünen der Erde krönen' das Land des Elchs, der im Niederung-Wall» lebt, und der 3000 masurischen Seen, umrahmt von weiten Wäldern, hat mehr als andere deutsche Reisegebiete gastronomische Speziali- täten. Königsberger Marzipan Wirtin alle Erdteile verschickt. Bekanßt sind auch Königsberger Klop- und Königsberger Fleck. Für den Besucher Ostpreußens, der Freund einer guten Küche ist. seien noch folgenbc Spezialitäten .empfohlen: Beliebt sind graue Erbsen mit Speck oder besser mit zweimal Speck. Schwarz- sauer mit Gänseklein ist eine in der Geflügel- deit sehr verbreitete Speise. Betenbartsch, eine rote Rübensuppe, die auch im Sommer kalt mit Radieschen in Scheiben genossen werden, kann, ist ein für ostpreuhischen Geschmack charak- teristrsches Gericht. Daß es unter den Ostpreußen als Kuftenbewohner viel „Aalfreeier" gibt nimmt nicht Wunder. „Aal in Dill" fehlt im Sommer Wohl in keiner ostpreußischen Küche. In Masuren gilt „Aal mit Krebsragout" al- höchste Delikatesse. Aber auch gespickter Hecht oder gebackene Schleie, dazu ein spritziger Mosel sind nicht zu verachten. Die Riko- laiker M a r än e n sind weit über Ostpreußen bekannt. Man erhält sie geräuchert an den Dampferanlegestellen und verspeist sie am besten gleich mit der „natürlichen" Gabel, aber auch gebacken sind sie eine Delikatesse. Ein DolkS- nahrungsmittel ift der Stint m Ostpreußen, ber vorzugsweise in einer langen Supp? alS J au» rer Stint" genossen wird. Am Schluß sei noch „Schmand mit Glumse" genannt, eine für ostpreuhische Mägen hergerichtete Mischung von Lahrre und Quark, besonders beliebt an heißen Tagen. Ratschläge für den Wahltag. Besorgt euch rechtzeitig einen Stimmschein! — Macht den Abstimmungs- Vorstanden ihr Ehrenamt nicht schwer! — Füllt den Stimmzettel richtig aus! Wählt keine Splitterparteien! Wer sich am Wahltage aus beruflichen ober son- fügen zwingenden Gründen außerhalb seines Wohnortes aufhält, kann fein Stimmrecht nur ausübcn, wenn er einen Stimmschein besitzt Den Stimmschein stellt auf münblichen ober schriftlichen Antrag die Gemeinbebehörbc bcs Wohnorts aus, wenn ber Antragsteller in bas Wählerverzeichnis eingetragen ift unb wenn er ben Grunb zur Ausstellung des Slimmfcheines glaubhaft macht. Stimmscheininhaber können ihre Stimme am Wahltage in einem beliebigen Stimmbezirk des Reiches abgeben. Wer einen Stimmschein benötigt, soll ihn möglich ft frühzeitig beantragen. Geht ber Antrag erst in ben letzten Tagen vor bem Wahltage ein, so besteht bie Gefahr, baß ber Stimmschein nicht mehr rechtzeitig zugestellt werben kann. Für jeben Stimmbezirk wirb ein Abstimmungsvorsteher unb ein Stellvertreter von ben Magistralen, auf bem Lanbe von ben fianbräten ernannt. Der Ab- flimmungsoorsteher beruft aus ben Wählern seines Stimmbezirks brei bis sechs Beisitzer sowie einen Schriftführer unb bilbet so ben Abstimmungs- d o r ft a n b. Die Kreiswahlleiler bilben Abftim- mungsausfchüfse, ber Reichswahlleiler ben Reichs- Wahlausschuß, inbem sie Wähler als Beisitzer in bie Ausschüsse berufen. Bei Bilbung ber Wahlausschüsse unb ber Abslimmungsvorstänbe sollen bie verschie- benen Parteien berücksichtigt werben. Alle biesc Aemler werben ehrenamtlid) aus- geübt. Rechnet man für jeben Abslimmungsvorstanb burchschnittlich 8 Personen, so finb am Wahltag rund 560 000 Wähler unb Wählerinnen ehrenamtlich in ben Wahloorftän- ben tätig. Da bie Abflimmungszeil um 8 Uhr morgens beginnt unb bis 5 Uhr nachmittags bauert, an bie Stimmabgabe noch bie Feststellung bes Abstimmungsergebnisses sich anschließt, bie bis zu zwei Stunben in Anspruch nimmt, bebcutet bie Mitwirkung im Wahlvorstanbe ein erhebliches Opfer. Die Wählerschaft sollte sich besten bewußt unb daher bemüht fein, bie Arbeit bes Wahlvor- ftanbes möglichst zu erleichtern. Auf bem Stimmzettel finben sich bie Wahlvorschläge ber einzelnen Parteien in befonberen Felbern untereinanber aufge- führt. Dem Felde für jebe Partei ist ein Viereck mit einem freischwebenben Kreis eingeführt. Der Kreis ift bazu bestimmt, bas Slimmzeichen aufzunehmen. Nach bem Gesetz ist bie Stimmabgabe derart oorzunehmen, baß ber Wähler buid) ein Kreuz ober in sonst erkennbarer Weise kennzeichnet, welchem Kreiswahlvorschlag er seine Stimme geben will. Es bleibt jebem Wähler überlassen, welche Art ber Kennzeichnung er anwenben will. Inbessen empfiehlt es sich, zur Vermeibung einer Ungültigerklärung, aber auch im Interesse ber Ver- einsachung bcs Feststellungsverfahrens, bie Kenn- Zeichnung nur in ber Weife vorzunehmen, baß ber Wähler in ben Kreis bes WahlVorschlags, bem er seine Stimme geben will, ein Kreuz setzt. Dringenb gewarnt muß bavor werben, neben bem Stimmzeichen ben Stimmzettel noch mit einem Vermerk zu versehen. Es kommt immer wieber vor, baß einzelne Wähler glauben, beim Wahlakt ihren befonberen Gefühlsäußerungen Aus- Poeten für pn'vatgebrauch. Wie „Gelegenheiisdichter^ leben. — Jteime am laufenden Band. — Wie Bierzeitungen und Hochzeitscannina entstehen. Von Ada Klein. Ansere Mitarbeiterin hat eine Anzahl sogenannter Gelegenheitsdichter besucht, um einmal festzustellen, auf welcher Grundlage dieses verbreitete und dennoch ziemlich unbekannte Ge- werbe ruht. Familienfeste sind unvermeidlich wie Gewitter, oder, um es liebenswürdiger zu sagen, wie der liebe Sonnenschein, den sie in das trübe Grau des Alltags bringen sollen. Wirklich beglückend ist die Hochzeit, die Taufe, die silberne Hochzeit nur, zur rechten Glanzentfaltung kommen die Feste erst, wenn der feierliche Anlas; besungen, in gereimter Rede würdig dargestellt wird. Run gibt es aber Familien, in denen niemand die Gunst der dichtenden Muhe genießt. Retter in der Rot sind in solchen Fällen die berufsmäßigen Festdichter. Wer aus einer begnadeten Familie stammt und daher noch nie in die Lage kam, sich vertrauensvoll an einen solchen Poeten wenden zu niüsien, stellt sich unter einem Gelegenheitsdichter gewöhnlich ein altes, dürres Männlein vor. wie Spihweg sie gemalt hat, mit dünnen, aber wallenden Haaren, schwärmerischer Seele, ständig knurrendem Magen und einem vertrockneten Lorbeerlranz an der kaltenWand seiner dürftigen Dachkammer. Dies rührend romantische Bild entspricht jedoch selten der Wirklichkeit. Es mag wohl einzelne Gestalten ähnlicher Art geben, aber gewöhnlich sehen sie ganz anders aus. .Festdichtungen, Hochzeitszeitungen usw. erstklassig, originell, witzig", oder „Sketches, Trinksprüche, Couplets (nach neuesten Schlagern!) verfaßt bestens, billigst, schnellstens ..liest man im Inseratenteil. Schon der Wortlaut der Anzeige beweist, daß man es hier nicht mit weltfremden Leuten zu tun hat, sondern mit Menschen, die den Forderungen des Tages durchaus gewachsen sind. Wer sind diese Gelegenheitsdichter, wie kamen sie zu ihrem immerhin etwas merkwürdigen Beruf, wie arbeiten sie?WerAntwort auf diese Frage sucht, macht zuerst die überraschende Entdeckung, daß min- bestens die Hälfte aller Festpoeten weiblichen Geschlechts ist, von der alten, einsamen pensionierten Lehrerin, die mit Hilfe einer genauen Kenntnis sämtlicher in deutschen Lehrbüchern enthaltenen Reime die Rot ihres kümmerlichen Daseins ein bißchen zu lindern hofft, bis zur lebensfrohen, tatfrischen Frau des zwanzigsten Jahrhunderts, die sich dank ihres angeborenen hübschen Talentes eine angenehme Existenz aufgebaut hat. Als Beispiel für den Werdegang dieser Kategorie sei hier in kurzen Zügen die Entwicklung einer bekannten Berliner Gelegenheitsdichterin wiedergegeben. Schon als junges Mädchen schrieb sie mit Eifer und Wonne kleine Theaterstückchen, Gedichte, Märchen, aber immer nur für „den Hausgebrauch", nahm Musik- und Rezitationsunterricht, war auch etwas journalistisch tätig. Dann kam der Krieg, die Inflationszeit. Das Vermögen ging verloren. Die verwöhnte Frau sah sich plötzlich genötigt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und was sie bisher nur „zum Vergnügen" oder „aus Gefälligkeit" getan, wurde nun beruflich mit Fleiß und Energie fortgesetzt. Der Erfolg blieb nicht aus. Einer empfahl sie dem anderen, und die Mitglieder des Schützenvereins waren ebenso entzückt von den Festliedern wie der Generaldirektor von der Jubi- läumsaufführung. Die Dichterin erzählt heute nicht ohne Stolz, daß sie seit Jahren auf einen treuen Kreis von ständigen Auftraggebern rechnen kann, her sich über das ganze Reich und alle Gesellschaftsschichten erstreckt, von der Großindustrie bis zur Unterwelt, aus der übrigens eine, besonders sympathische Kundschaft kommen soll. DerWerdegang der gelegenheilsdichtenden Männer ist natürlich in der Regel ein etwas anderer. Fast alle hegten in ihrer Jugend kühne Träume von Dichterruhm und großen Ehren, kamen aber bei zunehmender Reife zu der Einsicht, daß man mit der „hohen, reinen Kunst" viel schwerer auf einen grünen Zweig gelangt als mit der „schlichten Gebrauchs- tunst". Denn ein kleines Publikum ist nicht nur dankbarer. sondern meistens auch zahlungsfähiger als das große. Freilich muß man auch hierbei Glück haben, um vom Versemachen allein leben zu können, weshalb viele Festpoeten „nebenbei" noch einen bürgerlichen Beruf haben und ihren Pegasus nur in den Mußestunden reiten. Andere wieder, die am Anfang ihrer Laufbahn „richtige" Erfolge in der Öffentlichkeit hatten, dann aber durch unglückliche Zufälle - oder aus Mangel an glücklichen - immer wieder zurückgedrängt wurden, entschloffen sich nur unter dem Zwange der Rot. ihr zu Befferem bestimmtes Talent in den Dienst der Gelegenheitsdichtung zu stellen. Da lebt z. B. im Westen Berlins ein Mann. Verfasser amüsantester, geistvoller Lustspiele und Parodien, der um die Jahrhundertwende ein ausgezeichnetes Kabarett leitete,in der damaligen Berliner Literatur« und Theaterwelt bekannt und anerkannt war, später jedoch, durch besondere Ungunst des Schicksals den Kontakt mit der Öffentlichkeit verlor. Wer diesen Schriftsteller in seinem Heim besucht, die mehrere tausend Bände starke Bibliothek sieht, ein kleines Heine-Museum bewundert (der Betreffende ist einer der besten Heinekenner), und im Lause der anregenden Unterhaltung mit dem Hausherrn einen leichten Begriff von dessen ungewöhnlich umfassenden Wissen und geradezu verblüffendem Gedächtnis bekommt, der bedauert aufrichtig, daß hier ein überlegenes Können keine Gelegenheit findet, fich an würdigeren Aufgaben zu betätigen. Solche Erscheinungen bilden selbstverständlich Ausnahmen, und die Festpoeten dieses Riveaus befassen sich im allgemeinen nicht mit den üblichen „Hochzeits-, Eisbein- und sonstigen Zeitungen". Ihr Publikum rekrutiert sich fast ausschließlich aus den oberen Zehntausend - die allerdings keine Zehntausend mehr sind. Ein weites Tätigkeitsfeld, häufig auch ein recht interessantes, und zugleich eine gute Einnahmequelle bietet übrigens heutzutage die Reklame. Eines ist allen Gelegenheitsdichtern gemein: sie arbeiten mit beneidenswerter Begeisterung, ja, wie mir einer sagte, manchmal geradezu mit Besessenheit, ganz gleich, ob sie als geschickte Handwerker für ein Durchschnittshonorar von ungefähr zehn Pfennig für die Zeile ein einmal ausgearbeitetes Schema dem jeweiligen Fall anpassen - etwa so: „Darum sei heute die Devise: Hoch lebe unsere Tante Lise!" oder: „Darum sei heute unser Motto: Hoch lebe unser Onkel Otto!" - oder ob sie, von schöpferischem Drang getrieben, immer wieder Reues produzieren- und dem Preis nach dem künstlerischen Wert bemessen. Ratürlich haben viele dieser im wahrsten Sinne volkstümlichen Poeten ihre Spezialität, in der sie sich auszeichnen, und der biedere Bierdichter greift sein Thema anders an als die zarter besaitete Kollegin. Doch muh jeder von ihnen, will er auch nur einem einigermaßen ausgedehnten Kreis von Kunden genügen, erstaunlich vielseitig sein. Außer der selbstverständlichen Begabung, Reime aus dem Ärmel zu schütteln und gewandt aneinanderzusügen, außer der Beherrschung aller Stilarten und Bers- formen, braucht er eine gute Portion Witz, Phantasie und Einfühlungsvermögen und eine wenigstens oberflächliche Kenntnis sämtlicher Gebiete der Wissenschaft, der Industrie, der Wirtschaft, des Sports. Denn mag der Jubilar nun Maschineningenieur oder Bäk- kermeister sein, der Bräutigam Psychoanalytiker oder Berufsboxer - der Festdichter muh alle Angaben, alle Anspielungen verstehen und sie klar und sicher verarbeiten. Roch etwas ist von größter Wichtigkeit, ja, eine Hauptbedingung, nämlich eine ausgesprochene Musikalität. Das Publikum verlangt von seinem „Hos- poeten", daß er jede gewünschte Melodie kenne, vom ältesten Volks- und Studentenlied bis zum neuesten Operettenschlager, und daß er befähigt sei, seinen Text mit geübten Ohr dem Rhythmus und Klang des betreffenden Tonstücks anzupassen. Endlich muh sich der Festdichter oft als Lehrmeister, Regisseur und Dortragskünstler betätigen, seine Stücke einstudieren und zuweilen selber eigene Werke rezitieren. Kurz, er hat eigentlich ungefähr ein halbes Dutzend Berufe in sich zu vereinigen. Mit alledem soll nicht behauptet werden, daß ein Gelegenheitsdichter ein großer Künstler oder gar ein Genie sein müsse, auch dann nicht, wenn er von heut auf morgen die schwungvollste, längste und mit treffenden Espritblitzen nur so gespickte Festrede in tadellosen Hexametern heroorzaubert.Wer sich zwanzig, dreißig Jahre mit solchen Dingen befaßt, bekommt schließlich.Übung. Im übrigen gibt es hier wie überall Könner und Pfuscher. Besser als die gelungenste bestellte Dichtung bleibt aber stets das „hausgemachte" Erzeugnis. Darum dichte jeder Familienpoet ruhig weiter, selbstgemachte Verse sind die „persönlichsten" Geschenke, auch die billigsten, und sie nehmen so herrlich wenig Platz in der Wohnung weg. Oer Sternhimmel im September. Sonnenaufgang von 5.10 bis 6 Uhr. Sonnenuntergang von 18.50 bis 17.40 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: Vollmond am 8. um 10 Uhr, letztes Viertel am 15. um 22 Uhr, erstes Viertel am 29. um 16 Uhr. rnfi. In diesem Monat verschiebt sich sowohl der Sonnenaufgang als auch der Sonnenuntergang um etwa eine Stunde, denn die Sonne eilt nun rüit Macht der südlichen Himmelshälfte zu, deren Grenze sie am 23. kurz nach 19V$ Uhr erreicht: damit erhält der Herbst ein sozusagen vom Kalendermacher umschriebenes Recht, seinen Einzug ins Land zu halten. Am Sternhimmel macht sich die Verschiebung dadurch bemerkbar, daß im Osten zwar allmählich immer neue Sterne heraufkommen, im Westen aber die alten wegen des früheren Eintritts der Dunkelheit nur langsam verschwinden. Hoch am Himmel erblicken wir das Himmelsquadrat, das aus drei Pegasussternen und einem Andromedastern besteht, und darunter das langgezogene Sternbild der Fische, in dem der Frühlingspunkt liegt. Das an sich unscheinbare, dem Scheitelpunkt nahe Sternbild des Kepheus zwischen Schwan und Cassiopeia hat dadurch eine große Bedeutung erlangt, daß nach einem seiner Sterne eine gewisse Gruppe von veränderlichen Sternen den Ramen „Kepheiden" erhalten hat, und daß diese Sterne eine immer größere Rolle in der heutigen Sternkunde spielen. Von den Wandelsternen wäre zunächst die Venus zu erwähnen, die am 13. ihren größten Abstand von der Sonne hat, aber trotzdem nur eine knappe halbe Stunde zu sehen ist, weil zwischen der Sonne und ihr der Tierkreis ganz besonders steil abfällt, so daß die Venus schon in sehr winterliche Gegenden hineinkommt. Dem Saturn hingegen kommt der frühere Eintritt der Dunkelheit ganz besonders zaststten, denn die Dauer seiner Sichtbarkeit nimmt nur um etwa Sterne: Der die 24 Stundenzahlen von Mitter- Kleine Buch- nachi bis Mitternacht eines Tages enthaltende Kreis und die dick punktiert« Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden - geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei- ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Beobachtungssturule zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ist der,gerade Pfeil 1/j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte Vs Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lichtgestalt zeigt. dreiviertel Stunden ab. Der Mars und der Jupiter stehen ziemlich dicht beieinander im Sternbild der Zwillinge. Sie gehen zu Beginn des Monats um Mitternacht auf, und zwar der Mars etwas früher, der Jupiter etwas später: im Laufe des Monats kommen sie immer zeitiger zum Vorschein. K ü st e r m a n n. Reiche Beute von v-Zugdieben. WER. Frankfurt a. M., 8. Sept. Vor einigen Tagen wurde im v - Z u g auf der Fahrt von Holland nach Frankfurt der britisch- indische Staatssekretär Alfred Tamgoe von Dieben schwer bestohlen. Den Dieven fielen mehrere Koffer in die Hände, in denen sich neun kostbare indische Frauenkleider in Silber- und Goldarbeit, acht bis zehn Seiden- jumper, zahlreiche Goldketten mit Diamanten und Saphiren, Broschen, Goldringe, Rubinhalsketten, Perlenhandschuhe, Platinketten, Kleider und Wäsche im Werte von mehr als 15 000 Mark befanden. Die Rachforschungen nach den Dieben unb dem gestohlenen Gut waren erfolglos. 12 STERNBILDER: .13 '10. 6-rk 18 119 o >77/79 ,21V> 39Vti^7 GROSZE BUCH-^2 STABEN V/ Mond: £) 1. Viertel @ Vollmond d letztes Viertel fomajh0' Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von Z. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa. 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er willfahrte ihr und warf ein schwarzes Tuch über das grinsende Knochengesicht. „Richts ist so harmlos, als solch ein fleischloses Haupt", suchte er ihr Grauen abzuschwächen. „Laß dir jetzt behilflich sein, mein Liebes." Er nahm ihr Mantel und Hut ab und hing es an den Haken der Türe. „Setz dich hier in den Stuhl — nein, in diesen hier, bitte. Und habe keine Angst, mein armer Vogel, es geschieht dir nichts. Es sind doch meine Hände, Kind, denen du dich anvertraust." Sie schloß die Augen und ließ sich, ohne Widerstand zu leisten, in den Sessel drücken. Als sie die Lider wieder hob, sah sie ihn in ebnem weißen Kittel vor einer Lampe stehen, deren Reflektor S'lweihes Licht in den Raum warf. Er rollte Apparat etwas näher heran und tauchte seinen Llick in den ihren. „Bitte, Helene." Sie legte den Kopf zurück und fühlte, wie ein le'.cher Schwindel ihr ganzes Bewußtsein in grauweiße Rebel hüllte. Aufblickend, verschwamm seine schlanke Gestalt vor ihr, zerfloß, verdichtete sich dann zu ungeheuren Dimensionen, und schien auf sie niederzufallen. „Richt!" — Sie stieß seine Hand zurück, schnellte auf und glitt wieder auf den Stuhl. „Helene!" — „Laß mich doch! Es ist ja alles" — Lüge wollte sie sagen — und stammelte nur undeutlich: „Alles umsonst, Just!" Er war ganz Güte, ganz Rachsicht und Geduld, und schob seine Hand behutsam unter ihr strenggeformtes Kinn. „Ich habe schon Kinder von drei Jahren hier sitzen gehabt, sie haben alle stillgehalten. Wenn du vernünftig bist, ist es in wenigen Minuten zu Ende." Willenlos lieh sie sich den Kopf zurückdrücken, fühlte unter den geschlossenen Lidern ein grelles Licht, das sich in ihren Mund hineinbohrte und ergab sich in das Unabänderliche. Frankes knabenhaft herzliches Lachen zwang sie, die Augen zu öffnen. „Eine ganz minimale Anschwellung des Rachens, mit einer ebenso Ich minimalen Rötung der Bänder des Kehlkopfes." Dann wurde er plötzlich sehr ernst. „Um dieser Bagatelle willen hättest du dein Leben hingeworfen, Helene!" Ihre Lider fielen wieder herab. „Um dieser Bagatelle willen!" Ein krampfhaftes Weinen machte ihren Körper erschüttern. * * * Die Geheimrätin stand erstarrt. Endlich, als der erste große Sturm der Erregung abzuflauen begann, fand sie Worte: „Just, das kann doch nicht dein Ernst fein! Ich bitte dich um alles, Just! — Seit wann stehst du denn in Beziehungen zu ihr?" „Seit Wochen schon, liebe Mama." „Als Vater noch lebte?" „Ja! Damals schon!" „Wo, um Gottes willen, hast du sie denn kennengelernt?" „Als ich seinerzeit ins Gebirge reiste." Franke sah abwesenden Blickes im Lehnstuhle des Erkers und starrte auf die Straße, deren wirre Geräusche durch die geschlossenen Scheiben in gedämpftem Tone heraufklangen. Zwischenhinein jammerte die Stimme der Ge- heimrätin: „Wenn ich doch mit Papa gestorben wäre! Wenn ich doch schon vor ihm die Augen zugetan hätte! Wenn ich —“ „Mama, ich gehe jetzt", unterbrach er sie und hob sich vom Stuhle auf. „Wenn du dich etwas beruhigt hast, spreche ich wieder vor. Heute ist es doch unmöglich, mit dir über all das zu reden, was zwischen uns gesagt werden muß." „Rein, nein, Just, bleib bitte!" Sie hielt ihn am Aermel zurück und weinte haltlos vor sich hin. „Bleib doch! Du kannst es mir ja nicht verdenken, wenn ich für den Augenblick nicht ein und aus weiß! Wenn ich alles, was ich für dich und mich zusammen geträumt hatte, auf einmal über den Haufen geworfen sehe — durch — durch —“ „Sprich es nur aus, Mama — durch meine Heirat mit Helene Chlodwig." Sie rang nach Beherrschung und stellte sich vor die Türe, als fürchte sie, er möchte ihr entschlüpfen, ehe sie fertig gesprochen hatte. „Was wird diese Frau dir alles bringen, Just!" „Ich hoffe alles Glück der Erde, liebe Mutter!" „Das hoffst du? Ja?" Sie hatte zu weinen aufgehört und suchte ihrer Stimme Ueberzeugung und Festigkeit zu geben. „Es wird anders kommen! Ganz anders! Rach dem ersten großen Rausche deiner Leidenschaft wirst du von ihr ernüchtert fein.“ „Ich bitte dich, Mama, du vergißt dich", warnte er abweisend. „Ich vergesse mich nicht, mein Sohn! Ich vergesse mich nicht!" rief sie erregt. „Eine Arztfrau, die von der Bühne kommt! Sie wird tanzen und fingen. Gesellschaften geben und das Haus voll Gäste haben wollen. Du mußt ihr den Schrank voll Kleider schaffen. Drei Dienstboten werden euer Hauswesen nicht in Ordnung zu halten vermögen. Das Geld wird ihr unter den Fingern zerrinnen." „Mama, erlaube, daß ich mich jetzt wirllich verabschiede. Dies Zukunftsbild, das du mir da entrollst, ist zu trostlos." Sie gab ihm den Weg zur Türe nicht frei. So muhte er sich mit Aufbietung all seiner Beherrschung wieder in den Stuhl am Erker setzen und hören, was sie ihm noch zu sagen hatte. Er lehnte den Kops gegen die hohe Rücken- polsterung und lieh ihre Worte an sich vorüberrauschen, glaubte Helenes Gesicht über sich geneigt zu sehen und schloß die Augen. Wenn die Geliebte das mit anhören müßte, was die Mama eben gegen sie vorbrachte. — Das beste war, er gab den Plan des Zusammenlebens mit der Mutter auf. Obwohl er es gern gesehen hätte, daß sie zu ihm zog. Aber so, wie sie zu Helene stand, würde das eine ununterbrochene Kette von Reibungen und ein ständiger Herd von ünruhe sein. Das mußte unter allen Umständen vermieden werden. Er gab sich einen Ruck und suchte das Unbehagen, welches mehr einer unbestimmten Angst glich, von sich abzurütteln. „Würdest du im Falle meiner baldigen Verheiratung zu uns übersiedeln, Mama?" „Rie!" — Es kam so schroff und unversöhnlich, daß er nichts zu entgegnen vermochte. Die Schultern nach vorne geneigt, sah er nach dem Muster des Teppichs, das ineinanderverschlungene Arabesken trug. „Erlaubst du auch nicht, daß ich dir meine Frau ins Haus bringe?" sagte er ohne aufzublicken. „Das bleibt dir unbenommen, Just. Rur bitte ich dich, mir den Tag zu bestimmen. Ich möchte nicht gerade im Schlafrock vor ihr stehen." „Ich begreife, Mama! — Ist es dir morgen angenehm?" „Margen habe ich mir borgenommeir den Schreibtisch meines armen Mannes zu ordnen." Daß sie „meines Mannes" und nicht wie sonst „des Vaters" sagte, war bezeichnend. Eine leichte Röte färbte ihm die Stirne. „Dann Samstag." „Am Samstag — du weiht, Just, es gibt gerade am Wochenende soviel zu tun.“ „Ist dir der Sonntag recht?" Sie zögerte einen Moment, sah den Blick ihres Einzigen kühl und ablehnend werden und ftimmte zu. „Aber nicht vor zwölf Uhr, Just. Zuvor will ich in die Kirche! Dann will ich noch mit Ruhe essen — wenn ich etwas im Magen habe, bin ich gefaßter." Er unterdrückte ein Lächeln und fühlte etwas wie Mitleid. War es denn schließlich verwunderlich, wenn man jemand, der dreißig Jahre lang unser ausschließliches Eigentum gewesen ist, nur ungern einem anderen überlieh? Und wäre dieser andere ein Engel in Person, es bliebe eben doch ein Raub, den man an dem Herzen der Mutter beging, wenn man die Liebe des Sohnes, die vorher einzig und allein auf sie beschränkt war, zersplitterte. Unter dieser Erwägung wurde ihm eigentümlich weich ums Herz, so daß er aufstand und zu ihr hinüberging. „Bin ich denn nicht mehr dein alter Junge, Mama?" Statt einer Antwort warf sie beide Arme um seinen Hals und drückte ihr Gesicht gegen seine Schulter. „Wenn sie dich enttäuscht — wenn du genug hast von ihr oder umgekehrt — bei1 mir wirst du immer eine Zuflucht finden und wäre es auch nur, um dich an meinem Herzen auszuweinen." „Wie schlimm du dir alles denkst", tröstete er, von ihrer Sorge um ihn gerührt. „Du wirft sehen, Helene entwaffnet dich! Alles an ihr ist frauenhaft zart und ohne Falsch." „Die Schatten fallen immer erst nach der Hochzeit über den Weg, mein Just. Vorher liegt er wie ein einziges, goldenes Band, das eitel Sonne spiegelt." Er bestritt es nicht und dachte, daß es nur natürlich wäre, wenn, ab und zu eine Wolke über den Himmel seines Glückes sich ziehen würde. 3n welcher Ehe gab es das nicht? Kämpfe hatte er immer geliebt! In Stürmen immer noch feine höchste Kraft erprobt. Er dehnte die Arme, zog die Mutter an sich und küßte sie knabenhaft zärtlich und doch ganz anders, als er es früher getan hatte. Sie fühlte den Druck seiner Lippen und hielt zitternd still. Aller Groll war in dieser Minute vergessen, nichts als ein einzig heißer Wunsch des Segens für den Sohn flieg aus dem Frauenherzen zum Himmel. Als er schon längst gegangen war, sann sie noch immer und suchte sich auf sich selbst zu besinnen. Für sie war der Mann von dreißig! Jahren immer noch das Kind von damals, der blondlockige Junge, dessen ganzes Herz ihr, der Mutter, gehörte, und nun sollte das nimmer so sein. Das fremde Weib halte ihn zu fich hinübergezogen, ohne zu fragen, ob es ihr recht sei, hatte einfach Besitz von ihm ergriffen und würde ihn halten, bis ihrer beider Leben sich zu Ende neigte. Sie taumelte über den Teppich und fiel in den Stuhl am Fenster, hörte ein Singen und Surren und verspürte ein beängstigendes Schwächegefühl. Das ganze Zimmer fing plötzlich an zu tanzen. Die Tapeten! Die Lampe, die über dem großen Eßtisch hing! Die Bilder in den schwarzen Rahmen bewegten sich hin und her, wie das Pendel eines unermüdlichen Llhrwerkes. (Fortsetzung folgt.) W vorig« ’s bet Vereine Vogelsberg ss* Saug s Senf ®en Xeter-Cau' ö/i-Saus Dog 4 Januar m ist ferner e' (Allgäus vom wie eine bandslehrwar am S.Februa teilnehmen. - unb in den Auch der £ besonders an wo der Skl-l sitzenden tfc beste vordere, 3m nächste Alsfeld stc M ui In Schze jährige Re Ländliche Horloffta tag des La, Das Fest tour gelungenen < Traube" ein, und Prologe Der Turnier! der an Reit' stellte. Mia zug durch bi Festplah, to denen sich 90 Reiter b nisse: Dielsei und Reiter: Gustav Sch, Aidda, 3. 21 1. Karl Me, Hütilel, 3. Ä Säger, Oben. Heim q. b. Hi Arückmann, H M, 8. Herma Tröster, Orte! Abt eilu' 1. Ländlicher heim (Detter verein Echze! Reit- und F und Fahrveri Fahrverein L Fahrverein . ; Fahrverein ( Fahrverein Q Trabrci Stessan, Ech; heim, 3. A Aichelsheim beitsschlaa: V 2. Walter Echzell, 4. H , Schaufa 'Panner: Atz Hofmann, Q Zweier atoeifbcnncr: ^ Aich. Sch- Mbach, § H . Trais- ' L Cis Enhauserhos „/rbeits, 5a9en: 1 Hugo Stoltz ^Heinrich ' Echzell. J Me. 3. Mein,, Aidi Kle, Lich Lmann, Ödheim a N-l. 6. I i vse OPin 190 " ,ai "’M “u6 Mi« i 8 "«'M, Turnen, Sport und Spiet. Verband Mitteldeutscher Ski-Vereine. Am vorigen Sonntag hielt bcr Verband Mitteldeutscher Ski-Dereine in Bad- Rauheirn seine die-rährige Dertreterver- s a m m l u n g ab Zahlreich waren die Vertreter der Vereine aus den Gauen TaunuS, 'Xhnn. Togeltbera, Fulda-Werra (Äafftl) und aus dem sonstigen Derband-gebiet erschienen. Von der Tagesordnung ist insbesondere zu berichtens Die Gauaebietc wurden gegeneinander sestgelegt. Der Ski-Gau DogelSberg umfaht die Provinz Oberhessen und Gelnhausen. Vach Weylar zu bleibt er ossen. Zu verschiedenen Anträgen, die am 21. September in der Der- treterversammlung des Deutschen Ski-Verbandes in München zur Beratung stehen, wurde Stellung genommen. 3m kommenden Winter sind folgende "Rennen im DerbandSaebiet vorgesehene 17. und 18. Januare Derbandswettlaus (Langlauf, Abfahrt-- und Sprunglaus) in- der Rhone 2b. Januar Staffellouf; 1. Februar 30- Kilometer-Lauf im TaunuS Aus Antrag deS Ski-Gaus Vogelsberg sindet der Iugendlauf am 4. Januar im Vogelsberg statt. Beschlossen ist ferner ein Traintngskurs in Resselwang lAllgäu) vom 26. Dezember biS 2. Januar, sowie eine Ski-Lchrer-Prülung durch den Der- bandslehrwart. An den Wettläufen d«S DSV. am 8. Februar soll eine Stössel des Verbandes teilnehmen. Die Derbandsrennen sollen abwechselnd in den einzelnen Gauen stattsinden. Auch der gesellige Teil kam zu seinem Recht, besonder- am Samstagabend im Sprudelhotel, wo der Sk'-Elub Wetterau unter seinem Dor- fitzenden Forstassessor Walker alle- auf- beste vorbereitet hatte. 3m nächsten 3ahr findet die Tagung in Alsfeld statt. Reit' und $abrfurnicr in Echzell. 3n Gchzell fand das stark befuchte diesjährige Reit- und Fahrturnier des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Horlvfftal, verbunden mit dem 3. Reitertag des Landjugendbunde- Oberhessen, flati Da- Fest wurde am Dorabend durch einen wohl- gelungenen Fcstkommer- im Gasthaus „Zur Traube" eingeleitet. Konzertstücke, Ansprachen und Prologe wechselten in bunter Reihenfolge. Der Turniertag begann mit einem Geländeritt, der an Reiter und Pferde hohe Anforderungen stellte Mittags bewegte sich ein statilicher Reiterzug durch die rcichgefchmückten Dorsstrasten zum Festplatz, wo die Wettkämpfe stattfanden, an denen sich vor etwa 2000 Zuschauern etwa 90 Reiter beteiligten. Rachstehend die Ergebnisse: "Vielseitigkeitsprüfung (Geländeriti und Reiterprüfung): A. Anfänger: 1. PreiS: Gustav Scheuermann, Echzell, 2. Aug. Mann, Ridda, 3 Ad. Lupp, Ridda. B. Vorgeschrittene: 1. Karl Mest, Butzbach, 2. Karl Volp, Rieder- Weisel, 3 Reinh Siser. Muschenheim, 4. Hrch. 3ägcr, Ober-Hörgern. 5. Erich Hofmann, Rod- hcim a. d. Horloff, 6. L Drcut, Griedel, Ernst Drückmann, Hof Birklar. 7. Heinr. Hesse. Hungen. 8. Hermann Lotz. Rieder-Bessingen. 9. Alb. Tröster. Griedel. 10. Reinh. Müller, Griedel. AbteilungSreiten: A. Anfänger: 1 Ländl cher Reit- und Fahrverein Reichel-» heim (Wetterau), 2. Ländlicher Reit- und Fahrverein Echzell. B. Vorgeschrittene: 1. Ländlicher Reit- und Fahrverein Lich, 2. Ländlicher Reit- und Fahrvercin Ridda, 3. Ländlicher Reit- und Fahrverein Oberhörgern. 4. Ländlicher Reit- und Fahrverein Hungen. 5. Ländlicher Reit- und Fahrverein Butzbach. 6. Ländlicher Reit- und Fahrverein Dambach Trab reit en: A. Wogenfchlag: 1. Georg Dteffan. Echz?ll, 2. Walter Koburgcr. Reichelsheim. 3 A. Bernhard. Ridda. 4. Otto Schäser. Reichel-Heim. 5 W. Guillaume. Ridda. B. Ar- beit-fchlag: 1 Gustav Scheuermann, Echzell. 2 Walter Seibert. Hungen. 3. Ernst Heller. Echzell, 4. Heinrich Thrist, Echzell Schausahren im Kutschwagen: A. Einspänner: Richard Schepp. Oberhörgcrn. 2. Hrch. Hofmann. Bergmühle. 3. L Drcut. Griedel. B. Zweispänner 3n Siegerklasse: 1. Reinh. Eifer. Muschenheim. 2. Ihring-Melchior, Lich. Zweispänner. 1. R Koch, Trais-Münzenbcrg. 2. Rich Schepp, Obcrhörgern, 3. Ad. Weller, Melbach. 4. Heinr. Jäger, Obcrhörgern. 5. Wilh. Scip. Trals-Münzcnberg C Mehrfpänner: 1. Reinh. Siser, Muschenheim, 2. H Filsingcr, Reinhäuserhof. Arbeitsgespannc und Oekonomie- wagen: 1. Friedrich Groh, Reichelsheim und Hugo Stoll, Gettenau, 2. Td Pflüger. Echzell, 3. Heinrich Präfried. Echzell, 4 Otto Heller. Echzell. Jagdspringen: A. Anfänger: 1. Paul Butz, Gambach, 2. W Sislc, Bingenheimer Mühle, 3. Gustav Scheuermann, Echzell, 4. Willi Ostheim, Echzell, 5. Adolf Lupp. Ridda. 6. Aug. Mann, Ridda. B. Vorgeschrittene: 1. Heinrich Mörle, Lich 2. Karl Metz, Butzbach, 3. Ernst Brückmann. Hof Birllar, 4. Erich Hofmann. Rodhcim a. d. Horloff. 5. E Volp. Rieder- weisel, 6. Herbert Schneider. Utphe, 7. Fricdr. Tröster, Griedel. 8 Reinhard Schneider. BorS- dorf. 9. Reinhard Siser. Muschenheim. 10. Rcinh. Müller, Griedel. C. Sieger: 1. W Mann. Ridda, 2. Hermann Dissel, Griedel, 3. Erich Hofmann. Rodheim a. d. H, 4. L. Drcut. Griedel Daloppreiten: A. Dagenschlag: 1. Ad. Lupp, Ridda und Gustav Schultheiß. Echzell, 2. A. Bernhard, Lihbcrg und Allred Rietz, Heuchelheim (Wctterau), 3. Hans Löscher, Ridda. B. Arbeitsschlag: 1. Walter Seibert. Hungen. 2. Ernst Heller, Echzell. 3. Karl Weck. Hungen. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 I — VfL. Biedenkopf und Spo. Mallau komb. 10:7. 1900 II — Io. Tret» I 2:3. ö. Den 1900ern trat am Sonntag bei ihrem Wcrbcspiel in Biedenkopf eine Vertretung deS Playvereins. verstärkt durch drei Wallauer Spieler. gegenüber. Das Treffen nahm einen für die Diestener vcrheihungsvollen Anfang. Innerhalb einer "Viertelstunde konnten sie fünf Tore erzielen. Dann fanden sich die Gastgeber besser zusammen und zwangen den 1900er Schlußmann dreimal zur Kapitulation. Bis zur Pause stellten jedoch die Spielvereinigungsleute durch planmäßig vorgetragene Angriffe die Tordifferenz von fünf wieder her Rach dem Wechsel hatten die Einheimischen den Wind zum Bundes- genossen und vermochten dadurch das Spiel ossen zu gestalten. Ihr au-gezeichneler Mittelstürmer war noch viermal erfolgreich. 1900s Stürmer warfen dagegen reichlich ungenau und brachten nur noch zweimal den Ball ins Rey. Mit 10:7 Toren endete das in jeher Hinsicht (einen Pro- pagandazweck erfüllende. abwechllung-rciche Spiel. Tie Diehener Mannschaft hinterlieh den besten Eindruck Die zweite Mannschaft muhte auf eigenem Platz eine knappe 3:2-Riederlagc durch die erste des T.-D. Treis (ADT.) ginnebmen, nachdem fie lange Zeit in Führung gelegen hatte. Wegen Regens mutzte das Spiel kurz vor Schluß abgebrochen werden Handball im Turnverein 1860 Lich. Io Cid) I — Io. rtllcndors (Cahn) I 5:0. Am vorigen Sonntag hatte die Erste vom Tv. 1860 Lich die gleiche vom Tv. Allendorf (Lahn) zu Gast Die beiden Mannschaften lieferten sich ein ruhiges Spiel, in dem die Licher stetS im Dorteil waren. Wohlverdient konnten sie einen schönen 5:0-Sieg erringen, obwohl fie durch Ersatz wesentlich ge'chwächt waren Die Allendorfer spielten fehr eifrig, standen aber in Spieltechnik und Fanglicherheit weit hinter der Licher Mannschaft zurück. Handball im T. D. Grohen-Äuseck. vfC. Wetzlar I — Gr.vuseck I 7.-6 (5:5). VfC Wetzlar I — Grotzen-Vuseck I 7.-6 (5:5). Da» Spiel der ersten Aannschasten war ein von Anfang dis zu Ende bart durchgeführter Kamps, den der DsL in der letzten Minute durch einen ®lürf»treffer für sich entscheiden konnte Die zweite Mannschaft, in deren Reihen einige Jugendliche als Ersatz mitspielten, hielt sich gegen die körperlich stark überlegenen Wetzlarer sehr tapfer. Handball im Lobn Oünsberg Sau Io. Condorf — Io. Staufenberg 7:1 (2:0). Am vergangenen Sonntag hatte Londorfs erste Staufenberg zu Gast. BiS Halbzeit konnte Londorf 2:0 führen Rach Halbzeit fpielte Londorf weiter überlegen Durch 13 Meter konnte Staufenberg das Ehrentor werfen. Condorf Iugend — Collar Jugend 11:1 (5:1). Londorf konnte sein erstes DerbandSlpiel gewinnen. SS war Lollar jederzeit überlegen. Io. Jlorberf Jugend — Io. Staufenberg 6:2 (3:1). Rordeck hatte Staufenberg- Jugend zu Gast Rordeck spielte gut, doch hielt Staufenberg da» Spiel offen. .Rach Seitenwechsel war Rordeck weiter überlegen. Abschluß -er Frauen-Welifpiele. Deutschland überlegener Sieger. ' •>» i ; Link»: Inge Braumüller (Deutschland) siegte im Hochsprung mit der neuen deutschen Rekordleistung von 1,57 Meter. — Rechts: Heublein (Deutschland), Siegerin im Kugelstoßen. — Mitte unten: Konopacka (Polen), Siegerin im Diskuswerfen. Die 3. Frauen-Weltspiele in Prag wurden gestern abgeschlossen. In den letzten Entscheidungen gab cs weitere deutsche Siege, und zwar gewannen die deutsch^ Vertreterinnen da-Speer- werfen mit Weltrekordleistungen von Fräulein Schumann (Essen) und Frl. H a r g u S (Lübeck), den D r e i k a m p f durch Frl. Draumüller und die 4 • 1 0 0 • "3H e t e r - 6 t a f f e l mit der Mannschaft des SD. 1860 München. 3m Gesamtergebnis bet Rationen siegte Deutschland mit 57 Punkten vor Polen (26), England (19). Iapan (13), Schweden (10), Holland (9), Italien und Oesterreich (je 2), Frankreich und Lettland (je 1 Punkt). Zu den Schluhkämpsen bat ter. sich 10 000 Zuschauer eingefunden. Die Ergebnisse des letzten Tages: 80Mcler Hürden: 1. Iacobson (Schweden) 12,4; 2. Pitch (Deutschland) 12,7; 3. Birkholz (Deutschland) 12,7; 4. Freiwald (Polen) 12,8; 5. Rakashima (Iapan); 6. Eornell (England). 100 Meter. 1. Walasiewicz (Polen) 12.5. 2. Schurmann (Holland) 12,6. 3. Gelius (Deutschland) Brustbreite zurück, 4. Hifcock (England) 12,9; 5 Ridgley (England): 6. Terhorst (Holland). 800 Meter. 1. 2irm England) 2:21,9; 2. Dollinger (Deutschland) 1 22: 3. Loven (Schweden) 2:24,8; 4. Kilos (Polen): 5. EhristmaS (England). 2 00 Meter: 1. Walasiewicz (Polen) 25,7; 2. Schurmann (Holland) 25,8; 3. Halskead (England) 26,0; 4. Lorenz (Deutschland). 4 100 Meter: 1. Deutschland 49,9; 2. England 50.5. 3. Polen 50,8; 4. Iapan 52. Ferner Frankreich und Oesterreich. Weitsprung 1. Hitomi (Iapan) 5,90Met.; 2. Eornell (England) 5,76 Meter; 3. Grieme (Deutschland) 5,71 Meter, 4. Iakobson (Schweden) 5,65 Meter; 5. Schlarp (Deutschland) 5,52 Meter; 6 Teitelbaum (Estland« 5.38 Meter. Speerwerfen: 1. Schumann (Deutschland) 42.32 Meter (Weltrekord), 2 Ha raus (Deutschland) 40,99 Meter; 3. Hitomi (Iapan) 37,01 Meter. 4. Darnier (Frankreich) 34,73 Meter; 5 Svedberg (Schweden) 34.18Meter; 6. Rombout (Holland) 32,78 Meter. Dreikampf: 1. Draumüller (Deutschland) 200 Punkte (100 Meter in 14 Sek.; 1,40 Meter Hochsprung und 38,52 Meter Speerwurf); 2. Hitomi (Iapan) 194; 3. Svedberg (Schweden) 175; 4. Grieme (Deutschland) 167; 5 Bornesi (Italien) 147; 6. Teitelbaum (Estland) 146. Allgemeiner DeulscherTurnerbund (ADT.) BundeSmeisterschastSkampse 1930. xy. Die diesjährigen Bundesmeifter- schaftSkämpse des Allgemeinen Deuts che n Turnerbunde - (ADT.) fanden, wie schon kurz berichtet, in Remscheid statt. Es war eine machtvolle Kundgebung für die hohen Ziele des BundeS. Sieben Turnvereine von Remscheid gehören dem ADT. an. Diese sieben Der- eine (Ortsverbgnd des ADT. zu Remscheid) hatten das Fest mustergültig zugerüstet. Die Wettkämpfe fanden im schönen Stadion am Ehrenhain statt Trotz der zeitweise ungewohnt großen Hitze wurden recht beachtliche Leistungen geboten. Sie bilden ein schönes Zeugnis von der rührigen und sicheren Arbeit im ADT Schon am Freitag trafen Hunderte von Wettkämpfern aus dem weiten Bundesgebiete in der geschmückten Feststadt ein. Oer Auftakt. Am Srcitagbcnb sand das Fest einen würdigen Auftakt. Tauseirde von Zuschauern sammelten sich auf dem geräumigen Rathausplatz. Das Rathau» erstrahlte im Glanze mehrerer hundert Lichter. Punkt 9 Ahr verlöschten alle Lampen und im Scheine von Fackeln marschierten über 100 Turnerinnen und Turner Remscheids auf und führten ein eindrucksvolles Fackelschw-.ngen aus. Im □tarnen des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung von Remscheid begrüßte Stadt-Turn- rot Dr. Bergmann die Gäste. Der Vorsitzende vom OrtSverband des ADT. übergab daS Fest an den Bund. Bundesvorsitzender Schüder (Stuttgart-Fauerbach) dankte und übernahm die Leitung deS Festes. Die übliche Rachfeier erfolgte im Ratskeller. Oer zweite Tag. Samstagvormittag von 8 bis 10,45 Uhr erfolgte auf Einladung der Stadtverwaltung von Remscheid eine Rundfahrt des erweiterten Bundesvorstandes durchs herrliche Bergische Canb (Talsperre. Strandbad, Müngstertal-Brücke, Schloh Burg und andere Orte). Um 11 Llhr begrüßte mit trefflichen Worten Oberbürgermeister Dr. Hartmann die Führer des Bundes und der Verbände im Rathaussaale. Der Rachmittag brachte die ersten Kämpfe im schönen Stadion am Ehrenhain. Die Abwicklung ging glatt von statten, die Ergebnisse konnten durchweg befriedigen SamStag fanden auch zwei Handballspiele statt. Bei dem einen blieb Turnverein Solingen-Mangenberg, bei dem anderen Trebur (Hessen) Sieger. Der Samstagabend versarnmelte die Festteilnehmer im großen Saale des Hotels Weinberg zum Degrühungsabend. Auch dieser Festakt nahm einen glanzenden Verlauf. Oer Haupttag. Am Sonntag fanden schon ab 6 Uhr harte Kämpfe in allen Ctumlpartcn statt Gute Or- gantsaiion und turnerische Disziplin machte sich überall angenehm bemerkbar, und den Zuschauern wurden beachilrche Leistungen an den Geräten in volkstümlichen Hebungen sowie in Faustdall- unb Schlagballspiel gezeigt Um 14 30 Uhr erfolgte der Einmarsch der Turner mit ihren Fahnen in die Kampfbahn und dann zum Ehrenya.n. wo ein Kranz mebergetegt worden war Unter dem Klange deS LiedeS: .Ich hott' einen Kameraden", gespielt von der Kapelle deS Berg.schen Orchcstervcreins. schritten die Turner schweigend an dem von einem Fahnenwald umgebenen Gedenkstein für die Gefallenen vorbei, zurück zum Stadion. Dann fielen unter gros t.r Spannung und unter Aufbietung deS ganzen Können- die letzten Ent- fcheidungen rasch hintereinander. Um 18 Uhr war daS turnerische Programm erledigt. ES folgte noch ein überaus spannendes Handballspiel zwischen Solingen-Mangenberg und Trebur (Hessen) um die BundeSmei st erschaff. Solingen blieb mit 62 Sieger Meister im Faustball blieb Tv. Münster am Reckor (35:27). im Lchlag- ball Tv Erone-Witten. Den Abschluh der würdig und in allen Teilen gut verlaufenen Veranstaltung bildete die - ehrung mit den üblichen Nachfeiern. Auszug aus der Siegerliste. Aus der sehr umfangreichen S i e g e r l i st e geben wir folgenden AuSzug: In den Einzelkämpfen (besonder- bei den Läufen) wurden die Hessen stark zuruckgeworsen. Bei den Meisterschasten placierten sich Rheinländer und Schwaben vielsach an erster Stelle. In S t a b h o ch wurde Ludwig Hardt auS Kelsterbach (Main) mit 3,40 Meter erster und W. Stahl, Langen, mit 3,30 Meter zweiter. Im Weit- sprung stand Reinhard Schiefer st ein, LaunSboch, mit 6,15 Meter an zweiter Stelle. Auch an zweiter Stelle kam Theo K o ch. Rieder- Florstadt, im Kugel st ost en mit 11,27 Meter. Einen weiteren zweiten Platz erlangte Adam Steuerwald, Rüsselsheim, mit 48,23 Meter Speerwerfen. Die Meisterschaften der Turnerinnen hatten für Hessen etwa- besseren Erfolg. So wurde Maria Wagner, Rieder-Florstadt, im Hvch- sprung mit 1,45 Meter, im Äugelftofjan mit 8.91 Meter und im Weitsprung mit 4,43 Meter Bun» deSmeisterin. Im Geräte-Sech-kampf für Turnerinnen kam Käte Göbel, Kelsterbach, mit 106 Punkten an zweiter Stelle. Turner-Mehrkämpfe: Geräte-Zehnkampf; 8. Heinrich Römer, Wieseck, 151 P; 9. Wilhelm Hoffmann, Lollar. 149 P.; 17. Otto Bender. Rodheim a. d. Bieber, 139 P. Dol kStumlicher Fünfkampf: 4. Theo Koch. Turngemeinde Florstadt. 191 P. Die Wettbewerbe der Turnerinnen: Geräte-SechSkompf: 7. Paula Hildebrand, Wieseck, 93 P, 14 Ottilie Schreiber, Wieseck, 83 P. V. f. B Vfv. Ciga — Germania Mudersbach 2.1. Die Ligamannschaft mußte auch zu diesem Treffen mit mehrfachem Ersatz antreten. Ihre Leistung ist um so anerkennenswerter, al>s Ver- m a ni a M u d e r S b a ch sich als sehr spielslarler und zäher Gegner entpuppte. Die DfB.-Elf lieferte, mit Ausnahme von etwa zwanzig Minuten der ersten Halbzeit, eine in Anbetracht der Umstände überraschend gute Partie. Wenn sich auch noch mancher Mangel, besonders in der Zusammenarbeit der einzelnen MannfchastSteile. offenbarte, so zeigte sich doch bereits deutlich der Erfolg deS intensiven Training- der letzten Zeit. Die eingestellten Ersatzspieler fügten sich wieder gut ein und füllten ihren Posten zur Zufriedenheit auS. Die Gäste stellten eine typische Kampf mannschast, deren Spielweife durchaus nicht unfair, aber austerordentlich hart zu nennen ist Ieder ihrer Spieler zeigte sich in bester physischer Verfallung und kämpfte unter Einsatz aller Energie und der ganzen Körperkraft. Die Stutze der Mannschaft war ihr unermüdlicher Mittelläufer, der mit der beste Spieler auf dem Platz war. Schiedsrichter Petri, Wetzlar, war dem Spiel ein umsichtiger und korrekter Leiter. Der Spielverlauf: Gleich zu Beginn kommt Gießen gut nach vorne und erzielt eine Ecke, die aber nichts einbringt. Auch in der Folgezeit liegt DfB. in der Offensive und bringt das Tor des Gegner- mehrmals in Gefahr; jedoch besteht der Erfolg lediglich in einer weiteren Ecke. Bei wechselseitigen Angriffen ist da- Spiel verteilt, da- Tempo wenig flott. Rach knapp einer halben Stunde Spielzeit können die .Germanen" zum Führungstor einsenden, um nun das Tempo stark zu forcieren, ihre Ballabgabe ist schneller, wie überhaupt ihr ganzes Spiel flotter und wuchtiger ist al- das der Einheimischen. Diese kommen andern Konzept und spielen recht zusammenhanglos; der aufopfernden Abwehr der Hintermannschaft ist cs zu danken, dast in dieser Zeit keine weiteren Erfolge für Mudersbach fallen. Kurz vor Halbzeit kommt Giesten wieder gut nach vorne, kann aber die gebotenen Torchancen nicht verwerten. Rach dem Wiederanstost findet sich VfB. gut zusammen und hat etwa- mehr vom Spiel. Seine Kombination ist genauer und rationeller. Rach zehn Minuten Feldüberlegenheit kann er einen gut vorgetragenen Angriff mit dem AusgleichS- tor abfchliehen. Mudersbach geht nochmal- stark aus sich heraus und versucht daS Resultat unter allen llmftänben zu feinen Gunsten zu gestalten, erzwingt in verhältnismäßig kurzer 3eit drei Ecken, um bann aber ganz abzufallen. DfB. wird mehr und mehr überlegen und vermag etwa eine Viertelstunde vor Schluß den Siegestreffer anzubringen. Der Rest der Spiegelt gehört fast ausschliestlich dem Gastgeber. Die erste neu zufammengestellte Schülerelf verlor im Gesellschaftsspiel gegen die besser eingespielten Schüler der DfR. Butzbach mit 0:3. Spielvereinigung 1900 (Stehen. ö. 5Xe Ligamannschaft führte an Stelle des ausgefallenen Meisterschaftsspiels gegen Herborn ein SesellschaftS rückspiel gegen die Ligaelf vvm DfB. Kurhefsen Warburg durch. Die körperlich lattedegene HuHener ßlf muhte eine 4:1- (Halbzeit 1:0-) Niederlage hinnehmen. Das Spiel war nicht so schön und spannend, wie das Vorspiel. Beide Mannschaften waren zu laut und aufgeregt, worunter die Einheitlichkeit der Leistungen stark zu leiden hatte. Marburg spielte ein richtiges Schlag- und Laufspiel. Zwei standfeste Verteidiger und ein sehr guter Torwart sorgten durch wuchtige Abschläge, daß der Ball immer wieder nach vorne kam. 1900 dagegen spielte mehr mit dem Ball, war aber nicht schnell flensg. Solange die Gießener den Ball flach hielten, hatten sie ein merkliches Plus-vom Spiel. Lediglich der Sturm, in dem die Houptkräfte, Adelberger und Heilmann, fehlten, konnte sich nicht durchsetzen, hatte aber auch in seinen Aktionen viel Pech. Beide Parteien konnten zeitweise das Spiel überlegen gestalten, besonders Marburg zu Beginn, als noch der heftige Rückenwind und Regen Bundesgenossen waren. Ein Unentschieden oder nur ganz knapper Sieg der Gäste hätte eher dem ausgeglichenen Spielverlauf entsprochen. — 1900 hatte seine Stütze in der eifrigen Läuferreihe. Bree, erstmals als Ligatorhüter (als Ersah für den verletzten Brambach), trägt an der Niederlage keine Schuld. Jäckel hätte bei größerer Schnelligkeit ein bis zwei Treffer verhindern können. Im Sturm überragte der sein erstes Spiel bei 1900 absolvierende Halbrechte Arnold (früher Sportverein Heuchelheim) alle seine Nebenleute durch ausgezeichnetes Spiel. Marburgs gefährlichste Waffe war der Angriff. Der Mittelstürmer Winller ('rüher WormatiaWorms) spielte allzuviel unfair, gab aber dem Sturm die richtige Durchschlagskraft und mit Adorf, Röttner und Fischer als Nebenleute den besten Marburger Mannschaftsteil. — Schiedsrichter Philipp, Großen-Buseck, hatte mitunter einen schweren Stand. Die 3. Mannschaft brachte die ersten Verbandsspielpunkte sicher nach Hause. Nach einem Spiel nur auf ein Tor mußten die zahlenmäßig geschwächt antretenden Gäste aus Bieber bei Rodheim eine 4:0-Ni'eDerlage einstecken. Ein-m großen Erfolg errang die 4. Mannschaft, indem sie in einem Lokaltreffen gegen die 3. Mannschaft vom V f D. ein Unentschieden (2:2) erzielte. Durch Auslassen eines Elfmeters verschenkten die 1900er den Sieg. Die Alten Herren der Spielvereinigung konnten im Spiel gegen die Alten Herren vom VfB. Gießen nur zweiter werden. Die Gäste hatten eine noch sehr junge Alteherrenelf zur Stelle, die besser durchstand und mit 3:1 siegte (Halbzeit 0:0). 1900s 2. Iugend unterlag in einem Gesellschaftsspiel gegen Heuchelheims 1. Iugend mit unvollständiger Mannschaft 2:0. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Laubach 2. Bejirksklasse gegen Großen vuseck 2. Vezirksklosse 1:1 (0:1). Laubach 11 gegen Grohen-vuseck II 8:0 (5:0). Beide Busecker Mannschaften waren in Laubach Gegner der dortigen „Teutonia". Die Spiele eröffnete die 2. Mannschaft, die von der 2. des Gastgebers eine hohe Niederlage einstecken mußte. Laubach war in allem überlegen. Im Spiel der 1. Mannschaft führte Großen- Duseck das technisch bessere Spiel vor. Laubachs Verteidigung hatte große Arbeit zu leisten, um die gefährlichen Angriffe der Gäste zu unterbinden. Nach der Pause sah man Großen-Buseck wieder im Vorteil. Laubach kämpfte zunächst energielos, wodurch die Ueberlegenheit der Gäste immer größer wurde. Iedoch wurde diese von ihren Stürmern nicht genügend ausgenuht. Dann konnte Laubach verschiedene Durchbrüche machen, von denen einer zuin Ausgleichstor führte. Alle/ Bemühungen der Gäste, den verdienten Sieg zu erkämpfen, blieben erfolglos. Arbeiier-Turn- und Sporibund. Wieseck I — Naunheim I 3:0. 2lm Sonntag standen sich diese Mannschaften im Seriensoiel auf dem Wiesecker Platz gegenüber. Beide Parteien stellten sich komplett dem Unparteiischen. Vom Anstoß ab legten die Einheimischen ein sehr schnelles Tempo vor, und die Hintermannschaft der Gäste bekam reichlich Arbeit. Schon nach wenigen Minuten erzielte Wieseck ein Tor, das vom Unparteiischen nicht anerkannt wurde, jedoch gelang sellfchaft gemeinsam mit der Firma Bauwens in Köln den Auftrag aus Errichtung des Hochbaues der Fordfabrik in Köln erhalten. Es handelt sich um ein Objekt von etwa 5 Millionen Mark. * Großer englischer Kohlenkonzern in Sicht. Ein großer Kohlenkonzern, der fünfzig Zechen umfassen und über ein Kapital von 10 Millionen Pfund Sterling verfügen wird, soll, wie „Daily Herald" meldet, wahrscheinlich in Lanca- shire in Kürze gebildet werden. Der Konzern, dessen Kern die Manchester Collieries Ltd. sein würde, dürfte fast alle Gruben der Grafschaft umfassen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Sept. Tendenz: zurückhaltend. — In Anbetracht des herannahenden Wahltages machte sich bei der Kulisse wieder st ä r t e r c Zurückhaltung bemerkbar. Aber auch vom Auslande waren heute die Aufträge fast ausgeblieben, so daß das Geschäft nur schleppend in Gang kam. Im Zusammenhang mit den meist festen gestrigen Auslandbörsen und der sehr günstigen Geldmarktoerfassung war aber die Grund st immung nichtunfrcundlich. Erstnotierungen kamen bei der Enge des Marktes nur in geringer Anzahl zustande. Material kam aber kaum an den Markt, und schon kleinste Nachfrage genügte, um gegenüber der gestrigen Abendbörse kleine Kursbesserungen herbeizuführen. Arn Elektromarkt eröffneten Felten 1 v. H. fester, während AEG. unverändert lagen. Schuckert gaben fast 1 v. H. nach. Am Chemiemarkt neigten die meisten Papiere zur Schwäche, doch gingen die Verluste bei JG.-Farben und Metallgesellschaft nicht über 1 v. H. hinaus. Nütgerswerke waren behauptet. Kunstseidenpapiere eröffneten wenig verändert. Am Kalimarkt waren Salzdetfurth angeboten und wiesen einen Rückgang von 2 v. H. auf. Montanwerte hatten ebenfalls nur geringes Geschäft, doch konnten sich Harpener um fast 1 v. H. bessern. Auch Stahlverein zogen leicht an, und Rheinstahl lagen behauptet. Banken waren nicht ganz einheitlich. Am Rentenmarkt gäben von deutschen Anleihen Neubesitz leicht nach, während Altbesitz etwas gewannen. Von Ausländern zogen Mexikaner, bei jedoch geringster Nachfrage, leicht an. Im Verlaufe trat keine Belebung des Geschäfts ein. Die Kurse waren gegenüber der gestrigen Abendbörse meist gehalten. Nur Svenska machten eine Ausnahme und waren zirka 5 Mark fester. Eine Erstnotiz kam erst spät zustande. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 v. H. unverändert leicht. Am Devisenmarkt konnte Madrid sich merklich befestigen. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1975, gegen Pfund 20,4050, London gegen Kabel 4,8622, gegen Paris 123,83, gegen Mailand 92,83, gegen Madrid 44,20, gegen Schweiz 25,0575, gegen Holland 12,0795. Berliner Börse. Berlin, 9. Sept. Die heutige Börse bot, wenigstens zu Beginn des Verkehrs, ein tief geschäftslose s Bild. Vormittags und an der Dorbörse hatte man im Anschluß an den festen Derlauf der gestrigen Neuyorker Börse noch etwas höhere Kurse gesprochen, die sich dann aber zur Erstnotiz nicht immer behauvten konnten. Publikum war wenig am Markt. Die Spekulation zeigte Zurückhaltung, und vom Auslande trat nur die Schweiz am Elektro- marft mit kleinen Kauforders hervor. Es fehlten heute Anregungen besonderer Natur aus der Wirtschaft. Auch der Reichsbankausweis für die erste September-Woche, der nach der Ultimoanspannung eine gute Entlastung um 312 Millionen brachte (die Deckung hat sich bereits auf 58,4 bzw. 67,1 Prozent gebessert), blieb auf die Tendenz ohne Einfluß. Nur Svenska zeigte mit einem Gewinn von 6,25 Mark feste Haltung, wobei man einerseits auf höhere Londoner Meldungen hinwies, anderseits die. neue Expansion des Kreuger-Konzerns in Amerika eine Anregung gegeben haben dürfte. Unter Beteiligung des Auslandes wurden zumMrsten Kurse etwa 150 bis 200 Stück umgeseht. Sonst waren noch Norddeutsche Wolle auf die Verwaltungserklärung über einen gebesserten Geschäftsgang 1,5 Prozent höher. Iuttus Berger plus 2 Prozent und NAG. plus-plus (plus 7/s Prozent) mit 10,50 festgesetzt. Bei letzteren beurteilt man anscheinend die Sanierungsaussichten etwas günstiger. Anderseits notierten einzelne Werte, wie Deutsche Kabel, Vogel Telegraph, Schultheis und Deutsche Linoleum 1,5 Prozent niedriger. Deutsche Anleihen eröffneten etwa behauptet. Auch Ausländer waren im allgemeinen wenig verändert. Mexikaner uneinheitlich. Der Pfandbriefmarkt lag kaum verändert, aber sehr ruhig. Geringes Angebot hatte bei fehlenden Käufern Abschwächungen zur Folge. Do notierten z. B. Hannoversche Doden-Liquidationspfandbriefe rninus- minus, weil einige Tausend Mark zum Verkauf gestellt waren. Der Geldmarkt war unverändert leicht. Im Verlaufe bröckelten die Kurse meist weiter etwas ab, wofür das geringe Geschäft der Hauptgrund gewesen sein dürfte. Zum Teil beeinflußten wohl aber auch schwächere Amsterdamer Anfangsmeldungen die Tendenz. Verspätet festgesetzt wurden Deutsche Atlanten mit plus 2 Prozent und Oesterreichische Siemens- Schuckert mit plus 2,25 Prozent. Berliner Provnktenrnarkt. Berlin, 8. Sept. Die Lage am Produktenmarkt hat gegenüber dem Wochenschluh kaum eine Veränderung erfahren. Während am Samstag im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft nachbörslich etwa 2 Mark niedrigere Preise gesprochen worden waren, wurde heute unter Stühungs- käufen das Niveau der amtlichen Notierungen wieder erreicht, Oktoberweizen konnte sogar 1 Mk. gewinnen. Das Angebot am Lieferungsmarkt war noch immer reichlich, wenn auch nicht dringlich. Im Promptgeschäft liegt dagegen auf Basis der Stützungspreise reichliches Offertenmaterial vor, das nur zum Teil Unterkunft findet Im freien Markte hat sich dagegen das Angebot verringert. Zwischen den für effektive Ware erzielbaren Preisen und den Notierungen am Lieferungsmarkt macht sich angesichts der diesjährigen unbefriedigenden Qualitäten eine stärkere Spanne bemerkbar. Weizen- und Roggenmehle sind zu unveränderten Preisen angeboten und werden für den laufenden Bedarf gekauft, Abschlüsse" auf spätere Lieferung kommen angesichts der Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung kaum zustande. Hafer ist nicht dringlich offeriert und findet im Promptgeschäft zu stetigen Preisen Unterkunft, der Lieferungsmarkt war schwächer. Aus aller Welt. Die Verkeilung der Deutschen übet die (Erbe. Die Volkszählung des Iahres 1925, bekanntlich die letzte, da in diesem Iahre aus Erspare nisgründen die fällige Volkszählung auf das Iahr 1932 verschoben worden ist, hat 62,4 Millionen Einwohner ermittelt. Von diesen Haden 61,1 Millionen Deutsch als ihre Muttersprache angegeben. Die übrigen 1,3 Millionen gaben als Muttersprache entweder Deutsch und eine andere Sprache oder nur eine nichtdeutsche Sprache an. Die Zahl der Deutschen, der Sprache nach, in Deutschland ist jedoch nach den letzten Feststellungen seit der Zählung angewachsen. Augenblicklich wird sie auf etwa 63 Millionen geschäht. Eine große Zahl, und zwar mehr als 30 Millionen Deutsche, sind aber über d i e ganze Welt zer- streut. So ist nach den neuesten Erhebungen Deutsch die Muttersprache für 9 Millionen Personen in den Vereinigten Saaten von Ame-. r i f a , 5,7 Millionen in Oesterreich, 3,7 Millionen in der Tschechoslowakei, 2,7 Millionen in der Schweiz, 2,1 Millionen in Polen, 1,7 Millionen in Frankreich, 1,5 Millionen in Rußland und 4,1 Millionen in den übrigen Ländern. Von den unter „übrige" aufgeführten Ländern weisen den größten Teil an deutscher Bevölkerung auf: Rumänien mit 800 000, Südslawien mit 700 000, Brasilien mit 600 000, Ungarn mit 521 000, Kanada mit 500 000, Danzig mit 315 000, Italien mit 250 000, Luxemburg mit 240 000, Argentinien mit 130 000 und Australien mit 100 000. Hinsichtlich der abgetrennten Gebiete verteilt sich das Deutschtum mit 1,6 Millionen auf El- saß-Lothringen, 50 000 auf Belgien, 40 000 auf Dänemark, 1,7 Millionen auf Polen, 315 000 auf Danzig und 72 000 auf Litauen. Zu den Ländern, die über 20 000 Deutsche zählen, gehören weiterhin Lettland mit 30 000, Estland mit 26 000, die Niederlande mit 60 000, Südafrika mit 34 000 und Chile mit 30 000. Die Verbreitung des Deutschtums im Gebiet der Ostseerandstaaten resultiert aus der Zeit der Kolonisierung des Ostens durch den Deutschritterorden. Die Verbreitung des Deutschtums in Südost- und Osteuropa, z. B. in Siebenbürgen, geht auf deutsche Dauernsiedlungen zurück. Sechs Personen vom Blitze schwer verletzt. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in eine mit Dreschen beschäftigte Arbeiterkolonne in Köln-Ehrenfeld. Sechs Personen wurden schwer verletzt und ein Pferd getötet. Der Getreideschober und die Maschinen gingen in Flammen auf. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlofsenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. Hl. Berlin Schluß« furd l«Uhr« Äurd Schluß« furd Anfang- Kurd Votum 8. 9. 9. 9 8 9. 9. 9. 6% $eut|d)e vlelchsameihe von 1927 ......... 7% Deutsche RetchSanlethe 87,75 — 88 — von 1929 .......... Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld tnll 101,6 — 101,9 — Auelos.-Rechten....... 62,75 62,9 62,9 62,75 DeSgi. ohne AuSlos.-Rechte . . . 8% Hess. BolkSstaat von 1929 7,95 7,9 7,9 7,9 (rü'ckzahlb. 102%)...... Oberheilen Provinz - Anleihe mh 94 — 95 — AuSlos.Mechten....... Deutsche komm. Sammelabl. 59,25 — — — Anleihe Serie 1....... 6% ffronlf. Hyp.-Bank Goldpse 61,75 — 61,5 — XIII unkündbar bis 1934 . . . 7% Franks. Hyp.-Bank Goldpse unkündbar bis 1932 ..... 101 — — — 96,25 _ _