Nr. 185 Erstes Matt ,L> 180. Jahrgang Samstag, 9. August 1930 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feierlag«. Beilagen: Vie Illustriette Siebener Familienblätter Heimat im Bill» Die Scholle Monat» Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschlüsse anterSammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche UniverstlSkr-Vllch- und Stcinörudcrci S. Lange in Stehen. Schnftleitnng und SeschäftZttelle: §chlllsttahe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer oi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorfchrift 20’ , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Bicfjen. Sammlung bleibt dieparole! Die Hoffnungen, die die grobe Masse de- Bürgertums auf die Sinigungsverhandlungen oeS Donnerstag gesetzt hatte, sind gescheitert. SS hat sich, wenigstens der äußeren Form nach, weder die große Front von Westarp bis Koch^ Weser, von den Konservativen bis zu den Demokraten verwirklichen lassen, die sich der volksparteiliche Führer Dr. Scholz zum Fiel seiner Sammlungsaktion gesteckt hatte, noch der Zusammenschluß des liberalen Bürgertums in einer großen,, auch organisatorisch geschlossenen Parket, wie es den Gründern der damit also in den Anfängen steckenae- bliebenen SioatSpartei, dem Demokraten Koch - Weser und dem Iungdeutschen M a h r a u n vorschwebte. Die Scholzsck^ Sa.nmlungsaktion bezweckte. ursprünglich weitergreisend in den Zielen als Kochs Staatspartei die Bildung einer einzigen großen bürgerliclen Partei zwischen Hugen- berg und den Sozialue.-okraten. Sie sollte also alle Parteien und Gruppen umfassen, die neben den beiden klerikalen Parteien des Zentrums und lder Bayrischen Dolksparbei aus Konservativen und Liberalen entstanden waren, also die Konservativen, Bolkskonservativen und Christ- lichsozialen, die beiden berufsständisch orientierten Gruppen Landvolk- und Wirtschastspartei, schließlich Bolkspartei, Demokraten und 3ung- dcutsche. Wir standen diesen Bemühungen von Anfang an skeptisch gegenüber, der Ausgang hat uns recht gegeben. Auch ohne die voreilige und taktisch ungeschickte Gründung der Slaatspartei durch Demokraten und Iungdeutsche wäre eine so umsassende Partei, wie sie Scholz sich gedacht hatte, nicht zustande gekommen. Keine der konservativen oder berufsständischen Gruppen wollte auf ihre Selbständigkeit als Partei verzichten. Dr. Scholz versuchte dann wenigstens eine Einigung aus einen gemeinsamen Wahlaufrus und eine Bindung aus eine spätere Fraktionsgemein- schast zu erreichen. Auch dies mißlang. Die Staatspartei lehnie ein Zusammengehen mit der gemäßigten Rechten von vornherein ab, sie wollte sich, demokratischer Helerlieferung getreu, den Weg zur Sozialdemokratie nicht versperren und sich deshalb die Freiheit des Handelns nach allen Seiten bin Vorbehalten. Damit war naturgemäß eine Politik der Sammlung des Bürgertums nicht zu machen. Aber in den am Donnerstag ohne die Staats- Partei gepflogenen Verhandlungen zwischen Scholz und den übrigen Gruppen stellte cs sich heraus, daß sich bedauerlicherweise auch Landvolk- und Wirtschaftspartei sowohl einem gemeinsamen Wahlaufruf, als auch einer späteren Fraktionsgemeinschaft versagten. Beide beriefen sich aus den »berufs ständisch en E h a r a k t c r" ihrer Parteien, der eine so weitgehende Bindung, wie Scholz sie Vorschläge, nicht erlaube. Wir kennen nicht die näheren Ausführungen, mit der in der Aussprache mit Scholz Landvolk- und Wirtschaftspartei ihre Auffassung begründet haben. So ohne weiteres ist die Absage jedenfalls schwer zu begreifen, will man nicht Gründe der Konkurrenz ins Feld führen. Fürchteten beide vielleicht, sich durch ein Zusammengehen mit der zu Hnrecht als großindu- striellc Interessenvertretung verschrienen Volkspartei bei ihren Wählern zu kompromittieren? Glaubte die Wirtschaftspartei aus dem Konflikt der beiden liberalen Gruppen Volkspartei und Staatspartei vielleicht nun ihrerseits Kapital schlagen zu können, wenn sie allein blieb? Hatte die Landvolkpartei Angst, durch eine Bindung nach links hin gegenüber der deutschnationalen Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten? Wir wissen es nicht, wir kennen nicht Die Gedanken- gängc, die Landvolk- und Wirtschaftspartei zu ihrer radikalen Absage veranlaßt haben. 3m 3nteresse des Ganzen können wir diesen Entschluß nur tief bedauern, möchten jedoch heute schon der bestimmten Hoffnung Ausdruck geben, daß man auch auf dieser Seite in den fünf Wochen des Wahlkampfes, die uns noch verbleiben, stets das gemeinsame große Ziel im Auge behält und m der Hitze des Gefechts die Waffen nicht gegeneinander kehrt, die im Grunde doch in eine Front gehört hätten. Verunglimpfungen des Konkurrenten im Kampf um die Gunst des Wählers, sind zwar in der Erregung der Stunde gelegentlich entschuldbar, werden aber schwer vergessen und hindern nach der Schlacht das Zusammenkommen, das ja für die bürgerliche Mitte unausweichlich ist, will sie in ihrer leider nicht überwundenen Zersplitterung als politischer Machtsaktor die Beachtung finden, die ihr ihrer zahlenmäßigen, wirtschafts- wie kulturpolitischen Gesamtstärke nach zukommt. Klarer liegen die Dinge, die einen Zusammenschluß von Dolkspartei und Staatspartei verhindert haben. Zweifellos war die Gründung der Staatspartei übereilt und taktisch wie psvchologisch ohne die Mitwirkung prominenter volksparteilicher Führer — wir den- ken dabei keineswegs an die Parteiinstanzen — ungeschickt. Wohlverstanden unter der Voraussetzung. daß es den Gründern der Staatspartei tatsächlich und ehrlich um eine Sammlung des liberalen Bürgertums zu tun war und nicht etwa nur lediglich um eine Auffrischung des seit den Tagen der Weimarer Rationalversammlung etwas verblaßten Firmenschilds der demokratischen Partei durch den Anschluß des 3unadeut- schen Ordens. M a h r a u n wird im übrigen auch das Rechenerempel durchgegangen sein, daß es zur Erlangung eines Mandats 60 000 Stimmen in einem Wahlkreis bedarf und ohne diesen Erfolg in mindestens einem Wahlkreis auch durch mehrere hunderttausend Gesamt stimmen auf der Oer Reichskanzler über den Sinn des Wahlkampfes Keine Popularttäishascherei, sondern nur Mui zur Verantwortung kann uns retten. — Das Ziel ist ein arbeitsfähiger Reichstag, der an der Durchführung des großen inneren Reformwerks mitwirkt. Köln, 8. Aug. (WTD.) Rcichskanz.cr Dr. Brüning hielt in einer Versammlung des Pro- vinzialausschusses bet rheinischen Zentrumspartei eine Rede, in der er u. a. ausführte: Die Wirtschaft der ganzen Welt muh sich darauf einstellen, daß die Preisentwicklung langsam die Tendenz hat, aus das Dorkriegsniveau zurückzugehen. Diese Krise bringt nicht nur schwere wirtschaftliche, schwere soziale Umtoäjungen, sondern auch die stärksten politischen Gefahren mit sich. Das Schwierige, in dem wir leben, ist, daß wir alles, was wir an Reformen auf dem Gebiet der Finanzen aller öffentlichen Körperschaften, auf dem Gebiet der Reformen der Wirtschaft und der Verwaltung in den vergangenen 3ahren auf geschoben haben, im Augenblick des größten Tiefstandes der Weltwirt- ichast mit einem Male nachholen müssen. Mit der Sucht und dem Kamps um die Erhaltung der Popularität kann man nicht ein Volk retten. Man kann es nur retten, wenn man den Wut hat, auch in schwerster Stunde die Verantwortung auf sich zu nehmen. 3ch bin der Heber- Beugung, daß es gelingen wird, und daß es gelingen muß, das, was der Herr Reichspräsident auf Vorschlag der Rcichsregicrung durch die Rotverordnung verkündet hat, durchz usühr en, Alles dies ist ja nur eine 03 o r ft u f e für die Arbeiten, die jetzt begonnen sind, und die der Reichstag im Herbst verabschieden mutz. Ich bin der Ueberjeugung, daß bei diesen Dahlen der Instinkt des Volkes sich freimachen wird von aller parteipolitischen Agitation, daß er sich durchsetzen wird und daß er dafür sorgen wird, daß ein wirklich arbeitsfähiger Reichstag am 14. September gewählt wird. Dor jedem Wähler müßte am Tage der Wahl ein Plakat gehalten werden, das etwa folgende Fragen enthielte: „Willst du sparen. OSenn du sparen willst, wähle eine Partei, die dir dafür die Garantie gibt, weil nur so Deutschland gerettet werden kann! Willst du nicht sparen, dann verzichtest du auf Deutschlands Rettung." Rur wenn in jeder Gemeinde jeder Staatsbürger merkt, ob eine sparsame Politik getrieben wird oder nicht, kommen wir zu der eisernen Sparsamkeit, die für die Sanierung unserer Gemeindefinanzen unbedingt notwendig ist. Wenn wir heute nach mancher Beziehung in der Senkung der Zinslasten noch nicht soweit gekommen sind, wie es an sich möglich wäre, so ist dies zu einem Teil darauf zurückzu- sühren, daß die großen Gemeinden eine ungeheure Last von schwebenden Schulden haben, und dafür Zinssätze zahlen, die das Zinsniveau in Deutschland für Die Wirtschaft und für die produktive Unternehmung künstlich heraufrücken. Cs müssen Garantien geschaffen werden, daß ein neues Aufleben einer ungedeckten Aus - gabenwirtschaftin Reich, Ländern und Gemeinden in Zukunft nicht mehr möglich ist. Durch ein sorgfältig abgewogenes 3 inan- zierungssystem und Bau Programm — auch im 3ntcref[e der Vermeidung von Krisen- schwankungen bei der Dauarbeiterfchaft — ist ein Bauprogramm gleichmäßig auf bestimmte 3ahre billig zu finanzieren und durchzuführen, mit dem Ziele, die Behebung der Wohnungsnot unter nicht unsinniger Steigerung der Baukosten, und damit der Mietskosten, bis zu einem bestimmten Termin durchzuführen. Denn ewig kann man die Wohnungszwangswirtschaft ohne schwere Schäden nicht durchführen. Alles das find Dinge, die einheitlich angesaßt werden müssen, im Zuge gleichzeitig mit einem weitsichtigen, aber realisier- baren Sparprogramm für Reich, Länder und Gemeinden. Dieses Sparprogramm ist nicht Durchzuführen, wenn nicht Reformarbeiten geschaffen werden. 2Han darf nicht davor zurückschrecken, an das Problem Reich und Länder heranzugehen, um mindestens in dem Sinne, daß die voppel- arbeit und der Leerlauf der Verwaltung bei Reich und Ländern beseitigt werden. Das andere ist die Frage der Parla- mentdreform. Es wird heute viel vonQ3et- f a ff ungsbruch und von Diktatur und von ähnlichen Dingen geredet. Diese Agitation ist so gefährlich, weil man sich doch darüber klar sein muß. daß das Treiben absolut unverantwortlicher, nihilistischer radikaler Kreise durch die Ohnmacht des Parlaments in den vergangenen Monaten so stark geworden ist. Das Parlament hat es in der Hand, ob es für eine Regierung notwendig ist, dem Herrn Reichspräsidenten die Anwendung des Artikels 4 8 vorzuschlagen Ruhe in der Beurteilung der jeweiligen Situation, Ruhe in der Fraktion, sichere Frak.ionsführuna, stärkere Zusammenfassung, größere Parteien, starkes Derantwortlichkeitsgefühl, rechtzeitig auch das Hnpopuläre zu tun, — dann ist die Anwendung deS Artikels 48 für alle Zeit überflüssig. Qlbcr solange dies nicht der Fall ist, wird es das deutsche Volk lieber sehen, das zu seiner Rettung in letzter Stunde der Herr ReichS- Präsident von seinenverfasiungsmähi- gen Vollmachten Gebrauch macht, als daß es sich ausliefert einem monatelangen Verhandeln von Parteien, die schließlich an QuiS- quilien scheitern und damit die Zukunft selbst zu einer Katastrophe führen Dafür, glaube ich, ist der 3nstinkt im Volke reif, daß endlich eine Sanierung durch ge führt werden muß und daß diese Sanierung deswegen jetzt durchgeführt werden mußte, damit die Zeit und die Arbeitsruhe geschaffen wird, um überall in den öffentlichen Körperschaften nach der finanziellen und nach der verwaltungsmäßigen Seite Ordnung zu schaffen. Auf die Dauer läßt sich kein Volk in feiner Mehrheit ein parlamentarisches Paktieren gefallen, das LebenSentschndun- gen abhängig macht von dem Spiel der Hntcr- händler. auf welche Partei, auf welche Person man jeweils in einem entscheidenden Augenblick der Hnpopularität nicht vermeidbare Beschlüsse abwälzen kann. Eine Regierung, die verantwortlich ist auch für diese Dinge, die nicht den Mut hat, dem Volke ganz klar Die Alternative aufzuzwingen und diese Mängel des Parlamentarismus aufzuzeigen und das Volk zur Entscheidung aufzurufen, eine solche Regierung würde ein Volk bann langsam selbst vorbereiten für Experimente, die hier und da schon seit dem vergangenen 3ahre in manchen Köpfen spuken Das Siel bleibi bie Sammlung des Mrgerlums. Reichsfinanzminister Dietrich über die Aufgabe des Wahlkampfes. Berlin, 9. Aug. (WTB.) ReichSfinanz- minifter Dr. Dietrich veröffentlicht in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" einen Artikel, in dem er u. a. ausführt: Die Aufgabe des Tages ist, eine Mehrheit zu schaffen, die die Rot- Dcrorbnungen des Reichspräsidenten im neuen Reichstag gutheiht. Hoffentlich wird dies gelingen. Cs wird sich ein so leichtfertiges Parlament, das dem Reich und den Gemeinden die jetzt erschlossenen Einnahmeguellen wieder entzieht, nicht finden. Aber auch die anderen Teile der Rotverordnung werden und müssen behauptet werden. Sie liegen auf sozialem und steuerlichem Gebiet. Ganz abgesehen von der Revision der Krankenversicherung enthält die Rotverord- nung die Grundlage zu einer vernunftgemäßen Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung. Riemand will die Arbeitslosenversicherung zerschlagen, und alle sozialen Aengste nach dieser Richtung sind überflüssig. Aber vernichtet wird die Arbeitslosenversicherung automatisch dann, wenn sie so bleibt, wie sie jetzt ist. Wer die Zeichen der Zeit nicht versteht, der betrügt das Volk durch Versprechungen, die nicht erfüllt werden können, und entzieht ihm Arbeit und Brot. Darüber hinaus aber ist für die bürgerlichen Elemente die Aufgabe die gleiche geblieben Sieht man vom Zentrum ab, fo zerfallen die staatsbewußten und positiv mitarbeitenden bürgerlichen Schichten in die fortschrittlichen, entwickelnden und gestaltenden Kräfte auf der einen Seite, und die Konservativen d. h. die erhaltenden Kräfte auf der andern Seite. Die Gefahr der Schwächung beider Gruppen droht von zwei Seiten, von den Radikalen rechts und von dem 3n t e r e f f e n t e n l a m p f, der sich in diesen Gruppen selbst austobt und auf dessen Konto die Parteizersplitterung dec Bürgerlichen zu sehen ist. Die besten Elemente im Bürgertum wollen jedoch hinaus aus diesem Z u st a n d, und vor allen Dingen will es Die 3 u g e n b. (Sammlung i st bie Parole. Dabei handelt es sich nicht barum, Gruppen zusammenzuleimen, die bei nächster Gelegenheit wieder auSeinanberfliegen. Deswegen müssen auf der einen Seite die staatstreuen konservativen Elemente gesammelt werden und auf der anderen Seite die liberal-fort- fchrit tlichen. 3m übrigen geht es darum, daß die bürgerlichen Gruppen Den Kampf nicht in s ich, sondern für sich führen. Sie müssen begreifen, daß der Kampf um bie 3ntereffen nur bann Aussicht hat, wenn zuvor b e r Kamps um bie Macht mit Erfolg ausgefochten wirb. Das Ziel, bie fortschrittliche liberale Mitte zu- sammenzubringen, barf nicht aus ben Augen gelassen werben. Man sehe nach rechts, wo mit Riesenschritten die staatsbejahenden konservativen Elemente sich in einer großen Gruppe sammeln. Man muß deswegen ben Fehler Derselben, aufeinanber einzuhauen. ES muß vielmehr solange zum Sammeln geblasen werben, bis bie historisch und politisch notwendige Umgruppierung vollzogen ist. Reichsliste kein jungbeutscher Abgeordneter burchzubringen war. Aber sei dem wie ihm wolle, wir unterstellen die ehrliche Absicht bei einer liberalen Sammlung der Staatspartei bis zum Beweis des Gegenteils. Die Art der Gründung war gewiß nicht ohne schwere Fehler, die die 03erhandlungen mit der nun der Oleugrün- düng doch als Organisation geschlossen gegenüberstehenden Dolkspartei denkbar erschweren mußten Aber die volksparteiliche Parteibüro- kratie. an ihrer Spitze das amtliche Organ der Partei, tat nun auch das ihre, durch kleinliche Mäkeleien und mißgünstige Ausdeutungen die Atmosphäre zu trüben Wir haben dies gegenseitige, für die Wählermassen draußen im Lande völlig unverständliche OZerstänkem, mit denen man nach dem unersorschlichen Ratschluß hoher unö höchster Parteiinstanzen die letzten Wochen verplempert hat, aufrichtig bedauert. Gewiß, grundsätzliche Auseinandersetzungen, Klarstellungen des beiderseitigen Standpunkts müssen sein, toerm man später reibungslos zusammenarbeiten will, aber das durfte nur in offener, ehrlicher Aussprache von Mann zu Mann geschehen ohne Empfindlichkeit und ohne Hintergedanken Die höchst unerfreulich zugespiyte, das Trennende und nicht das Einigende betonende Polemik der Partei, nstanzen und offiziellen Parteiorgane mußte unterbunden, die kleinen Kläffer, bie mit ihrem eifernden Gebell weit über das Ziel einer Klärung hinausschossen, mußten zu- rü cf gepfiffen werden, als es noch Zeit war. Es ist nicht unsere Sache, abzuwägen, wer hier am meisten gesündigt hat. Die Feststellung genüge: es ist viel versäumt worden und vieles bleibt wiedergutzumachen von beiden Seiten. Ein Wahlkampf, in anständigen Formen geführt, gibt dazu die beste Gelegenheit. Sachlich traten die Gegensätze in den Verhandlungen zwischen Dr. Scholz und dem preußischen Finanzministcr Dr. H ö p k e r - A s ch o s s — nach Kochs Verzicht der Wortführer der Staatspartei — hervor, einmal in dem Verhältnis zur Sozialdemokratie, zum andern in der Art des Zusammenschlusses. Scholz hält auch nach dem Scheitern seiner Sammlungsaktion an der 3bee eines Zusammenschlusses des Bürgertums von links bis rechts mit Einbeziehung der konserv • t io e n Gruppen fest, während Höpker-Aschoff ben uns in ber Praxis jedenfalls für absehbare Zeit allein möglichen Gedanken einer umfassenden liberalen Partei vertrat, wobei uns allerdings nicht klar genug zum Ausdruck kam, daß natürlich auch die Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes in diese neue Partei gehört hätte. Aber Darüber hinaus lehnte Höpker-Aschoff für Die Staatspartei — und da können wir nicht mehr mit ihm gehen — Die für Diesen Wahlkampf und für Den lommenDen Reichstag zur Bewältigung Des diesem gesetzten, genau umschriebenen Reformprogramms auch von uns für dringend notwendig erachtete Arbeitsgemeinschaft mit der gemäßigten Rechten ab, wollte Trennungsstriche nach rechts wie nach links gezogen wissen und verlangte Anerkennung der Sozialdemokraten als staatsbejahenbe Partei. Dr. Scholz hat mit Recht Dagegen gel- tenb gemacht, daß Die Volkspartei ja niemals ein Zusammengehen mit Der Sozialdemokratie grundsätzlich abgelehnt habe. Wan möge sich doch bitte nur für einen Augenblick Der schweren innerpolitischen Opfer erinnern, Die die Partei unter Der Aera Stresemann jahraus, jahrein zugunsten einer von Der Sozialdemokratie unterstützten Außenpolitik gebracht hat. Ader Scholz hat auch mit Recht Den eigentlichen Sinn Dieses Wahlkampfes herausgeftellt, Den überragen* Den Einfluß Der Sozialdemokratie auf Die Staatsgeschäfte, Der ihre tatsächliche Stärke weit übertrifft, zurückzudämmen zugunsten eines gesunden Ausgleichs Durch Zusammenfassung Der bürgerlichen, privatwirtschaftlich eingestellten Kräfte. Diesem GeDanken hat sich Hoepker-Asc^sf versagt. Die Demokraten wollen eben auch im neuen GewanDe Der Staatspartei nicht auf Die Tuchfühlung nach links verzichten. Sie möchten schon eine Ausfüllung ihrer Reihen Durch Anhänger Der Volkspartei, aber im übrigen wollen sie sich alles Vorbehalten. Cs ist eigentlich überraschend, Daß in diesem Punkt Der Einfluß des 3 u ngdeutschen Mahraun sich nicht starker geltend machte. 3hm muhte doch in erster Linie an einer Verlängerung Der neuen PartÄ nach rechts hin gelegen fein, wenn er seine eigenen 3D een in Der neuen Organisation Durchsetzen will. Sollte hier Das etwas antiquierte jungDeutsche Feldgeschrei „gegen Parteiismus unD Plutokratie" unheilvoll nachgewirkt haben? Wir würden es bedauern, wenn Der 3ungDeut- fche Orden aus einem falschen Ressentiment gegen die Dolkspartei sich hier zur Hnzeit zurückgehalten hätte oder gar hemmend gewirkt hätte. Aber sei Dem, wie ihm wolle, bei Dieser ver- schieDenen Einstellung von Staatspartei und Dolkspartei zum Sinn Des Wahlkampfes bedurfte cs kaum noch der zweiten Meinungsverschiedenheit, um ein Zusammenkommen, wenigstens im Augenblick, höchst unwahrscheinlich zu machen. Die Staatspartei schlug einen Zusammenschluß beider auf gleichberechtigter Grundlage unter vorläufiger Führung des greisen verchrungswürdigen Geheimrats Kahl vor. Die BoWpartei verlangte dagegen ein A u f ge h e n der Staatspartei in der Dolkspartei unter der neuen Firma „Deutsche Volkspartei (Staatspartei)". Scholz mochte dabei den Gedanken gehabt haben, durch die Aufrechterhaltung des Parteinamens und der Organisation die Dolkspartei als solche intakt zu erhalten und nach dem Zusammenschluß mit den Demokraten immerhin mögliche Abschwenkungen nach rechts vermeiden zu können. Das ist begreiflich. Begreiflich aber auch, daß die Staatspartei dieses „Aufgehen" in der Volkspartei aus Prestigegründen ablehnte, es hätte sie mit einiger Sicherheit den ohnehin von der Nürnberger Neugründung Quiddcs bedrohten linken Flügel um Lem- mer und die Jungdemokraten gekostet. So stehen die Dinge für das Bürgertum zwar unerfreulich, aber noch nicht tröst los. Die Sammlung der bürgerlichen Front von Westarp bis Koch ist gescheitert, der Zusammenschluß des bürgerlichen Liberalismus ist mißglückt, gewiß, aber noch ist nicht alles verloren. Gut wäve es allerdings, ja dringend notwendig, daß alle an den mißglückten Sammlungsbestrebungen direkt oder indirekt Beteiligten alles Peinliche, lln- erfreuliche, Trennende dieser letzten Wochen unter den Tisch fallen liehen und sich mit allem Ernst und dem vollen Berantwortungsbewuhtsein, das jetzt doppelt schwer auf ihnen lastet, des Gemeinsamen bewußt würden. Das gilt es herauszustellen in Wahlaufrufen und in Wählerversammlungen. Keine verletzende, abstoßende und in diesem Wahlkampf besonders schädliche Polemik ge_gen den politischen Nachbar, der in der gleichen Front kämpft. Sammlung des Bürgertums, wenn nun auch in verschiedenen Marschkolonnen und unter verschiedenen Feldzeichen, b l e ibt die Parole für diesen Wahlkampfl Eine starke Mehrheit für das Hindenburg- Programm der großen Reformen durch eine starke Staatsautorität bleibt das Ziel! Evangelische Wählerwünsche an die Parteien. Die geistigenZiele irnRcichstagswahlkamPf Berlin, 8.Aug. (TU.) Eine Reihe führender evangelischer Verbände, die Millionen wahlberechtigter Mitglieder umfassen, haben an die Parteileitungen ein Schreiben gerichtet. Sie weisen darauf hin, daß bei allem Verständnis für die drängenden wirtschaftlichen Aufgaben es sie doch mit großer Sorge erfüllen nlüsse, wie in dem beginnenden Reichstagswahlkampf die wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Interessen ganz und gar in den Vordergrund träten. Demgegenüber halte die evangelische Wählerschaft es für erforder- lick, daß neben den Fragen der äußeren Daseinssicherung unseres Volkes die g e i ft i g e n Ziele in ihrem verpflichtenden Ernst klar herausgestellt werden. Es müsse deutlich werden, daß es auch in der Politik um letzte Fragen und Höch st e Ziele gehe. Unter diesem Gesichtspunkt wird die Forderung erhoben, daß die seit Jahren in Angriff oder in Aussicht genommenen Ku lturgesetze insonderheit, soweit sie den Wiederaufbau der deutschen Familie und der Zukunft unserer Jugend gelten, endlich ihrer Vollendung entgegengeführt werden. Hierfür sei Voraussetzung, daß neben den Vertretern wirtschaftlicher Kräftegruppierungen in unserem Volk die Anwälte d.er kulturellen Interessen, besonders solche Männer und Frauen, die mit dem evangelisck- kkrchlichen Leben verwachsen sind und über arüno- liche Sachkunde in kulturellen wie in kirchlichen Fragen verfügen, an sicherer Stelle aufgestellt werden. Die Parteien werden gebeten, die hierfür in Betracht kommenden Kandidaten den Verbänden mitzuteilen. Das Schreiben ist unterzeichnet von den folgenden Verbänden: Zentralausschuß für innere Mission, Evangelische Frauenhilfe, Evangelischer Reichsausschuß für kommunale Arbeit, Evangelischer Reichselternbund, kirchlich-sozialer Bund, Reichsverband evangelischer Arbeitnehmerverbände, Vereinigung evangelischer Frauenverbände Deutschlands. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Neichspräsident empfing anläßlich der zur Zeit in Berlin stattfindenden Weltbundtagung des Zugendbundes für entschiedenes Christentum die Herren D. Pvling, D. Kelly und Pfarrer Schürmann. General a. D. Walther Reinhardt, der letzte preußische Kriegsminister und der erste Chef der Heeresleitung der Reichswehr, ist im 59. Lebensjahre gestorben. General Reinhardt war zuletzt Befehlshaber des Wehrkreises V in Stuttgart und Oberbefehlshaber der Reichswehrgruppe II in Kassel. Am 10. August begeht der frühere Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, seinen 60. Geburtstag. Zenker gebührt das Verdienst, die Reichsmarine aufgebaut und trotz der Versailler Diktaturbestim- mungen der deutschen Wasserstreitkraft eine anerkannte Verteidigungstüchtigkeit verliehen zu haben. Die nachstehenden bisherigen Mitglieder der deutschnationalen Landtags frak- t i o n des Preußischen Landtags Paul B a e ck e r (Berlin), Dundtzen (Schleswig-Holstein), Fischer (Frankfurt a. d. Oder), Sauger (Potsdam I), Hecken (Merseburg), I usti (Hessen- Nassau), Querengässer (Erfurt) haben ihren Austritt aus der Deutschnationalen Bolkspartei erklärt. * Der Hauptbeschuldigte in dem großen Bombe n l e g e r p r o z e ß, der am 26. August in Altona beginnen soll, Herbert B o l ck, ist aus der Haft entlassen worden. Die Haftentlassung, die unmittelbar vor dem Prozeß von der Verteidigung Volcks durchgesetzt wurde, wird mit Haftunfähigkeit begründet. ♦ Auf eine Anfrage der volksparteilichen Landtagsfraktion, in der Beschwerde darüber geführt worden war, daß die preußische Regierung bei der 4O0-Jahrfeier der Augsburgi» schen Konfession eine Teilnahme und Begrüßung unterlassen habe, hat der preußische Kultusminister folgende Antwort erteilt: Dem preußischen Staatsministerium ist eine Gelegen- Das Wohnungsbauprogramm der Relchsregiemng Billige Wohnungen. - Oie Aufgaben der Gemeinden. Berlin, 8. Aug. (ERB.) 3n einer Unterredung mit einem Vertreter der „Vossischen Zeitung" führte der vom Reichsarbeitsminister zur Ueberwachung des Wohnungsbauprogramms des Reichs nach Berlin berufene Ministerialrat Imhoff aus: Das Programm soll die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn die Bauten so billig hergestellt werden, daß die Mieteauch für Arbeiter und Ange stellte erschwinglich wird, und wenn das Programm ein zusätzliches ist, so daß neue Arbeitskräfte Beschäftigung finden. Es wird dafür gesorgt werden, daß nicht etwa Gemeinde und Bauherren durch die Verwendung von Mitteln aus dem 100-Millio- nen-Fonds gewissermaßen Ersparnisse machen. Die Wohnungen von 32 bis 45 Quadratmeter, die 40 Mk. Miete kosten sollen, sind in erster Linie für kinderlose Ehepaare, die von 60 Quadratmeter, die bis zu 50 Mk. kosten sollen, sind für Ehepaare mit Kindern bestimmt. Alle gesundheitlichen Momente sollen beachtet werden unter Verzicht auf Komfort, wie Warmwasser, Zentralheizung, doch soll, wo möglich, statt eines Bades eine Dusche eingerichtet werden. Man erwartet eine gewisse Vereinheitlichung der Grundlinien für die Durchführung der Bauten. Von den verfügbaren 100 Millionen Mark wurden zunächst 85 Millionen an die Länder verteilt. Die verbleibenden 15 Millionen sollen dort eingesetzt werden, wo besonders gute Projekte vorliegen oder besondere Notlage herrscht. Die Mittel, die für das Wohnungsbauprogramm zur Verfügung stehen, gehen über 100 Millionen weit hinaus. Zunächst geben die L a n - desversicherungsan st alten weitere 150 Millionen in Form von ersten Hypotheken und Zusatzhypotheken zu 4,5 bis 5,5 Prozent. Weitere Gelder wird die Bau- und Bodenbank zu niedrigem Zinssatz beschaffen, so daß zunächst mindestens 300 Millionen zur Verfügung stehen. Den Gemeinden wird empfohlen werden, die Aufschliehungsarbeiten für Wasser, Kanalisation, Straßenbau usw. möglichst niedrig zu berechnen. Die Straßen sollen in den reinen Wohnvierteln schmäler gehalten und das Straßenpflaster möglichst einfach hergestellt werden. Durch das gute Beispiel erhofft man eine allgemeine Verbilligung der Herstellung auch der Wohnungen, die aus Stadt- anleihen errichtet werden. Preisabbauaktion und Handwerk. B e r l i n 8. Aug. (Priv.-Tel.) Zu der schwierigen Frage der Preissenkungsaktion hat kürzlich auch der Vorsitzende des Reichsoerbandes des deutschen Handwerks bei einer Zusammenkunft führender Persönlichkeiten aus diesem Gebiet Stellung genommen. Grundsätzlich wurde zunächst festgestellt, daß das Handwerk dem Sinken oder Steigen der Preise der Rohstoffe oder der Halberzeugnisse, an die es gebunden sei, folgen müsse. Die Notwendigkeit einer solchen Beweglichkeit wurde stark betont und dabei festgestellt, daß unter keinen Umständen auf vorhandeneLagerbestände Rücksicht genommen werden könne, dies führe nur zu Halbheiten. Auch zur schwierigen Frage der Lohnsenkung wurde die grundsätzliche Einstellung des Handwerks besprochen und dabei die Auffassung vertreten, daß mit einer Senkung der Löhne nicht eher gerechnet werden könne, als bis durch eine entsprechende allgemeine Preisermäßigung ein Ausgleich der Kaufkraft erreicht wird. Im übrigen war man der Ansicht, daß eine Minderung der Geschäftsunkosten nicht zu erwarten sei, eher das Gegenteil. Es ergab sich die Festellung, daß der handwerkliche Unternehmer nur noch einen aller« bescheidensten Verdien st anteil erhalte und daß viele Handwerksmeister heute schlechter ständen als vollbeschäftigte Gesellen. Uebrig bliebe schließlich nur noch die Hoffnung auf eine Sen- tung derEinkaufspreise für Rohstoffe und Halberzeugnisse. Die Führer des Handwerks erklärten es für selbstverständlich, daß das Handwerk einer Preissenkung in jeher Weise Vorschub leiste. Siegst,ed Wagners Beisetzung in Bayreuth Bayreuth, 8. Aug. (TU.) Die Stadt Bayreuth war am Freitag eine einzige große Trauergemeinde. Große Menschenmengen zogen zur Stadtlirche, wo Siegfried Wagner unter Lorbeer und duftenden Blumen aufgebahrt lag, die ihm aus dem ganzen Reiche in überwältigender Menge als letzte Gabe dargebracht wurden. Auch von vielen Fürstenhäusern sind Kranzspenden eingegangen. Unter den Festgästen in der Kirche scch man die Gattin mit ihren vier unmündigen Kindern, den König Ferdinand von Bulgarien, Fürst Hohenlohe, Graf du Mou - lin-Eckard, der ehemalige Vormund des Verstorbenen, Geheimrat v. Groß, sämtliche Festspielleiter, viele Abordnungen mit ihren Fahnen hatten im Mittelgang Aufstellung genommen. Gegen 11 Uhr begann die Feierlichkeit mit dem unter Leitung von Prof. Rüdel vom gesamten Chor und den Solisten des Festspielhauses gesungenen Chor „Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig, ist des Menschen Streben". Dann hielt Dekan W o h l f a r t die Trauerrede. Ein weiterer Chor von Johann Sebastian Bach folgte unter Leitung von Prof. Kittel. Unter Orgelklängen trugen die Hauptdarsteller Lauritz, Melchior, Spring, Scheidt, Braun, Böck, Habich, Wolf, Bockelmann, Graarud und Schorr den Sarg zu dem Wagen. Ein unübersehbarer Zug bewegte sich zum Friedhof. Die Schuljugend bildete Spalier. Ueber der Stadt kreiste ein Flugzeug mit Trauerflor, das einen Kranz abwarf. Auf dem Friedhof wurde die Einsegnungsfeierlichkeit mit einem Posaunenchor von Künstlern des Festspielhauses eingeleitet. Darauf folgte eine Reihe von Ansprachen. Oberbürgermeister Dr. Preu würdigte die Verdienste des großen Meisters und gelobte an seinem Grabe, daß die Stadt Bayreuth stets Treue zum Hause Wahnfried und zu seinem Werke halten werde. Trauerfeier im Festspielhaus. Die Mitglieder der Bühnenfestspiele erwiesen ihrem toten Meister am Freitagabend eine letzte Ehrung in Form einer großen Trauerkundgebung. Die Plätze waren an Ehrengäste, Festspielmitwirkende und die Presse vergeben worden. Auf der Bühne hatte das gesamte Orchester Platz genommen, vor einem Hintergrund aus Palmen und Lorbeer. Das Siegfried-Idyll, daß Richard Wganer zur Geburt seines Sohnes Siegfried komponierte, wurde unter der Leitung Toscaninis zu einer Offenbarung. Atemlose Stille hielt das Haus umfangen, bis der letzte Akkord entschwunden war. Kammersänger Karl Braun widmete dem Berstorbenen zu Herzen gehende Worte. Er knüpfte an die Trauerrede des Geistlichen bei der Aussegnung an: „Was sichtbar ist, ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, ist ewig". Er sprach weiter über das in der „Götterdämmerung" von Richard Wagner versinnbildlichte Werden, Schaffen und Vergehen im großen Weltgeschehen, die sich in dem Sohne erfüllt hätten. Dann dankte er dem 'Hause Wahnfried im Namen aller Mitwirkenden für das, was es an ihnen allen getan habe. Cs folgte dann unter der Leitung Karl Elmendorffs das Vorspiel zu „Der Friedensengel" und „Glaube" aus „Der Heidekönig", beides Werke Siegfried Wagners. Das Weltvergehen wurde verkörpert durch „Siegfrieds Tod" aus der „Götterdämmerung" unter KarlMucks Leitung, der von der großen Trauergemeinde stehend angehört wurde. heit, sich an der Feier der Augsburgischen Konfession zu beteiligen, zu feinem Bedauern nicht geboten worden, da ihm eine Einladung zu der Veranstaltung nicht zugegangen ist. * Die polnische Parzellierungsbehörde des Kreises Graudenz übernahm im Jahre 1929 insgesamt 15 deutsche Güter mit einer Gesamtboden- släche von 2917,8 Hektar auf dem Wege Des Zwangskaufes. Es handelt sich durchweg um Objekte mit einer Gröhe von 100 bis 400 Hektar, aus denen 14 6 selbständige polnische Wirtschaften, 34 Anteils- und 21 Handwerks- bzw. Arbeitersiedlungen geschaffen werden. 2m laufenden Jahre soll die Zwangsparzellierung von 16 deutschen Gütern mit einer Fläche von etwa 4475 Hektar erfolgen. * „Echo de Paris" berichtet, daß die großen Septembermanöver in Lothringen infolge der Ausbreitung der spinalen Kinderlähmung, die auch die unterelsässischen Garnisonen betroffen hat, in Frage gestellt sein dürften. Jedenfalls werde der Umfang der Manöver von dem Gesundheitszustand in Lothringen abhängen, zumindest würden sie demnach so eine Einschränkung erfahren. Oer König ans dem Morgenland. Besuch König Feisals vom Jrack in Berlin. König Feisal vom Irak ist zu einem kurzen Besuch in Berlin eingetroffen. Inkognito, vielleicht weil ihn das Schicksal früherer exotischer Gäste der deutschen Hauptstadt schreckte: A m a n u l l a h, unser erster Gast, ist längst in der Verbannung, und der Thron König Fuads von Aegypten zittert bedenklich. Also ist der König unter dem Namen eines Prinzen von ilfama in einem Berliner Hotel abgestiegen. Er wird von der Reichsregierung offiziell nicht begrüßt, dagegen vom Reichspräsidenten empfangen. König Feisal ist zweifellos eine der interessantesten Figuren auf dem vorderasiatischen Schachbrett. Sein Königreich ist sehr jungen Datums, aber er hat sich ehrlich Mühe gegeben, die Entwicklung des Landes durch Förderung der Technik zu heben und gleichzeitig die verschiedenen Interessenten, die sich um ihn bemühen, gegeneinander auszuspielen. So ist es ihm gelungen, das Mandatsverhältnis, in dem er formell noch- zu England steht, in eine Art Bündnisvertrag umzuwandeln, der ihm den Eintritt in den Völkerbund ermöglicht und vermutlich auch starke Subventionen bringt. Gleichzeitig hat er sich mit seinem gefährlichsten Gegner, dem Emir Ibn Saud, der ihm vom Süden her auf dem Nacken sitzt, geeinigt und dadurch die Möglichkeit gewonnen, sich zu einem wichtigen politischen Machtfaktor auf dem Wege nach Indien zu machen. Er kommt von England, wo er erst die ersten Versuche gemacht hat, die Petroleum quellen seines Landes zu erschließen, und man spricht davon, daß sein Berliner Besuch hauptsächlich der Absicht gelte, auch die deutsche Industrie an der Erschließung seines Landes zu beteiligen. Aus aller Welt. Das Wrack des Poslflugzeugs D 1826. Taucher sind in das Wrack des verunglückten deutschen Postflugzeugs der Linie Stockholm— Stralsund eingedrungen. Post und Gepäck tonnten geborgen werden, während die Leichen der beiden Flieger nicht gefunden wurden. Die Maschine zeigte Beschädigungen an der linken Tragfläche, auch der linke Schwimmer ist abgeschlagen und fortgetrieben. Das Flugzeug liegt in zwölf Meter Wassertiefe, 200Metervoneinem Felsen entfernt, an dem Berührungsspuren durch das Flugzeug festgestellt wurden. Man nimmt daher an, daß der Flugzeugführer Langanke bei schlechtem Wetter sehr niedrig flog, und die Maschine daher den Felsen berührte, wodurch der Absturz verursacht wurde. Ein französischer Spion in Berlin verhaftet. Die Politische Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums hat den Studenten Eugen G a n t n e r, der im Jahre 1925 unter dem Verdacht des Mordes an der Hausangestellten Elisabeth Sten- gierski längere Zeit unschuldig in Haft gesessen hatte, unter dem dringenden Verdacht verhaftet, Spionage zugunsten Frankreichs getrieben zu haben. Gantner legte ein Gestand- n i s ab und gab zu, von einer französischen Nachrichtenstelle Spionageaufträge ent» gegengenommen und ausgeführt zu haben. Es konnte ihm nachgewiesen werden, daß er als Gegenleistung erhebliche Geldbeträge emp- pfangen hat. — Dor etwa drei Monaten tauchte Gantner in einer Pension auf, deren Inhaber, der Russe Tschernow, vor einigen Tagen von Einbrechern niedergeschossen worden ist, und mietete ein Zimmer. Tschernow hatte von Anbeginn ein Mißtrauen gegen seinen Gast, der keinen geregelten Beruf hatte, dafür aber über reichliche Geldmittel verfügte. Vor etwa drei Wochen kam es zwischen Tschernow und Gantner zu einer Auseinandersetzung, in der Tschernow anscheinend zu deutlich zu verstehen gab, daß er gegen Gantner Verdacht habe. Im Verlauf der Auseinandersetzung setzte Tschernow Gantner an die Luft. Gantner wurde in seinem neuen Quartier verhaftet. Eine Haussuchung förderte zahlreichen Schriftwechsel zutage, aus dem die Spionagetätigkeit Gantners hervorging. Zweite Stahlhelm-Reichsfahrt. Entsprechend einem Beschluß des Stahlhelm- Bundesvorstandes hinsichtlich Zeit und Ort des 11. Reichs-Frontsoldatentages hat der Reichs- Staffelführer des Stahlhelm die diesjährige Zweite Reichsfahrt der Stahlhelm-Kraftfahr- Staffeln ebenfalls auf den 4. und 5. Oktober 1930 nach Koblenz festgelegt. Weit über 100 §00 Mann aus allen Teilen Deutschlands werden^n Sonderzügen und durch Kraftfahrzeuge herangebracht werden und im Raume zwischen Andernach und Bingen in allen Orten beiderseits des Rheins untergebracht. Samstag, 4. Oktober, nach Einbruch der Dunkelheit lodern auf allen Höhen des Rheins zwischen Niederwalddenkmal und Ehrenbreitstein Feuer auf und dann versammeln sich über 5000 Stahlhelmfahnen zur Kundgebung am deutschen Eck. A m frühen Sonntagmorgen werden sänMche Landesverbände mit Cisenbahü, Kraftfahrstaffeln und Dampfschiffen nach Koblenz herangeführt und sammeln sich zur Aufstellung und anschließendem Marsch durch die Stadt auf dem früheren Koblenzer Exerzierplatz, der Karthause. Ein Vorbeimarsch vor dem Schloß vor beiden Bundesführern beschließt den 11. R. F. T. verbrechen im FD-5ug Berlin—Hamburg? Die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt sich mit d-er Aufklärung eines rätselhaften Todesfalles. Auf der Bahnstrecke Berlin—Hamburg, unweit der Bahnstrecke Breddin, bei Havelberg, wurde der Berliner Großindustrielle Arthur Nathan aus Charlottenburg tot zwischen den Gleisen liegend aufgefunden. Direktor Nathan, der in einem Abteil 2. Klasse des nach Hamburg fahrenden F0-Zuges Platz genommen hatte, stürzte bei Breddin auf bisher noch völlig ungeklärte Art aus dem fahrenden Zuge und wurde von dem aus entgegengesetzter Richtung kommenden O-Zug Hamburg—Berlin überfahren. Die Polizei untersucht zur Zeit, ob Direktor Nathan einem älnglücksfall oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Mil 600 000 Mark nach Paris verschwunden. Der Generaldirektor der „Geschäftsfinan- zierungs-A G." in Berlin - Pankow, Willi F r o st, wird feit einigen Tagen vonderPolizei gesucht. Nach den bisherigen Feststellungen hat er durch betrügerische Transaktionen seine Kunden, meist kleine Sparer, um große Beträge — man spricht von 600 000 Mark — geschädigt. Geschäftsleute in mehreren ostpreußischen Städten sollen be-, sonders empfindlich getroffen sein. Vor 14 Tagen reifte Frost nach Paris und ist seitdem verschwunden. Oie Wetterlage. O: ADerdeefr nf O /Wien ° 0 o ----lng< =5? 's ® fr»tond_ Thoi snavnTBr ---W— .Nordoyar^/ Z o---- -Jan rtayen. © wofXenfos. 0 neuer, o naiö oedecxi. ® wonuo. Oveoecnr eitege^ * Schnee c» Graupeln = Neöei K Gevvitter.(§)wind$tilie.«O-» sei» leichter Ost y massiger Südsodwesi (5 stormischei «ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oe'aen Stationen stenenden Litt; len gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen! ci> lieren wir kostbare Zeit. Gleich muh sich doch die Schranke heben! Also warten wir lieber und — schünpsen. An so einem Bahnübergang, mit geschlossenen Schranken und wartenden Menschen davor, kann man sehr oft seine Mitmenschen studieren. Da kommen sie im letzten Augenblick atemlos ange- hetzt und wollen noch durch, leider zu spat! Gar viele, ost die meisten, ergeben sich still in ihr Schicksal und warten. Dur in Ausnahme- sällen, wenn das Hin- und Herfahren der Güterzüge zu lange dauert, werden sie ungeduldig. Aber fast stets sind einige dabei, die hier die Gelegenheit beim Schopf nehmen und auf diese Einrichtung schimpsen. daß das in der heutigen Zeit des Tempos doch gar nicht angebracht et, diese Schranke, man sollte die Dahn umbauen usw. Und da drüben gähnt doch das Loch der Unterführung. Der Gang durch fie kostet höchstens eine Minute mehr Zeit als der gerade Weg. „Ich kann leine Treppen steigen", sagt der dicke Herr neben mir. „Ich mag nicht über die Drucke gehen", sagt ein anderer. Ist das nicht kindlich, zu tagen: Ich mag nicht? — Der Weg von meiner Wohnung zur Stadt berührt auch einen solchen Bahnübergang. Da ich ziemlich genau die Fahrzeiten der Züge kenne, richte ich cs so ein, dah ich selten zu warten habe. Verspäte ich mich allerdings einmal, oder tut daS die Eisenbahn, dann gehe ich durch die Unterführung. Aber sich darüber ärgern, das; man einige Treppen steigen muh, das wäre doch zu dumm. Wenn ich nachmittags heimgehe und Zeit habe, dann stehe ich allerdings gern einige Minuten vor den schlossenen Schranken und schaue mir meine Nachbarn an. Schlimm haben's ja wohl die Radsabrcr, noch mehr aber die Fuhr- wcrksbesitzer und Autosahrer. Denn sie können nicht die Brücke oder eine Unterführung benutzen. Die müssen aushalten, bis sich die Schranken endlich wieder heben. Und ich muh sagen, dah ich schon manches kräftige Wort von den Wagenführern gehört habe, wenn das Rangieren gar kein Ende nehmen wollte. Kann man diese Minuten mit einem guten Auto nicht ein- holen? Sind sie nicht leichter zu ertragen als eine Panne, die vielleicht eine halbe Stunde ober länger aufhält? EinS kann man jedenfalls an jedem Bahnübergang lernen: Geduld haben und sich in das Gegebene schicken. Entweder den kleinen Umweg machen, oder stehen bleiben, bi- der Verkehr wieder ins Rollen kommt. Aber der Aufenthalt an der Bahnschranke hat doch auch seine guten Seiten. Einmal sieht man hier, wenn man den Weg immer wieder macht. Bekannte, die man sonst nur grüßen, aber nicht ansprcchen würde. Sobald wir aber still stehen, ergibt sich ein Gespräch von selbst. Dp verlaufen die paar Minuten angenehm. Wenn ich kein bekanntes Gesicht sehe, betrachte ich mich einmal von innen, wie mein Freund sagt. Ich schaue rückwärts auf die Arbeit des vergangenen Tages und frage mich: Hätte man das nicht auch so machen können? Oder fasse einen Vorsatz: Morgen muht du das noch nachholen. So haben mir diese Minuten schon oft mehr geholfen, als das angestrengte Nachdenken über irgendeine Sache. Diese Bahnübergänge gehören, glaube ich, zu den öffentlichen Einrichtungen, die uns Erwachsenen so etwas wie eine Lehre geben: Bleib' einmal stehen, und besinne dich! Man muh die Welt nicht mit Eilschritten durchrasen! P. Ein guter Zang der Polizei. Der heutige Polizeibericht meldet: Der ^jährige angebliche türkische Staatsangehörige Iean 3 e a n a n t wurde gestern hier beim Hausi e - ren mit Leinen und 21 n 8 u g ft offen betroffen. Da er keinerlei Ausweispapiere über seine Person noch über seinen Gewerbebetrieb hatte, wurde er nach bet Dezirkswache sistiert. Dort ging er in einem günstigen Augenblick unter Zurücklassung eines schweren Koffers mit Ware flüchtig. An Hand von Schriftstücken, die er gelegentlich bes Austretens vor ber Flucht in ber Toilette versteckte, konnte man seine hiesige Wohnung ermitteln. In bem von ihm bewohnten Zimmer konnte noch ein großer Posten Ware, aber ber Hauiierer selbst nicht oorgefunben werben. Bei ben weiteren Nachforschungen wurde er schließlich auf bem Dachboben bes Hauses versteckt aufgefunden. I. ist nach feinen eigenen Angaben bereits seit vier Iahren in Deutschland und übt ben Hausierhanbel aus, ohne im Besitze ,/Graf Zeppelin" will Gießen besuchen. Aus untere Bemerkungen über den unterbliebenen Besuch deS Luftschiffes.GrasZeppe- lin" über Gießen, die wir am vorigen Dienstag veröffentlichten und dem Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen zur Kenntnis brachten, ging uns gestern ein längeres Schreiben ter Derkehrsabteilung des Luftschiffbaues Zeppelin zu, in dem u. a. folgendes gesagt wird .Was in vorliegendem Falle ben Besuch Gießens betrifft, so mußte darauf, obwohl er ursprünglich in bem ausgestellten Plan vorgesehen war, am letzten Montag verzichtet werten, weil bie Winde in ter Fahrthöhe des Luftschiffes fast während der ganzen Fahrt beinahe Sturmftärfe erreichen und weil bas Luftschiff vom Nachmittag ad nicht mehr in größere Entfernung von Darmstadt sich begehen durfte, um nicht ben günstigen Zeitpunkt für eine Landung au versäumen, welche, wie die Wetterlage am letzten Montag war, nur in einer Ruhepause zwischen den in schneller Folge nacheinander über Darmstadt wegziehenben Regen- und Gewitterböen erfolgen konnte. Da in der nächsten Zeit verschiedene Fahrten nach Nordteutschland, nämlich am 10. 2fu g u ft nach Dortmund, am 17. nach Kassel, am 31. 21 u g u ft nach Bielefeld, außerdem eine Wiederholung ter Fahrt nach Darmstadt am Nlontag, 11. August, geplant sind, darf mit großer Wahrscheinlichkeit in Aussicht gestellt werten, dah ein Besuch Gießens bei Tage trotz ter im allgemeinen fortdauernden äußerst schwierigen und ungünstigen Wetterlage zur Ausführung kommen wird." Zum Zeppelinbesuch in Darmstadt. WSN. Darmstadt, 8. Aug. Wie bereits mitgctcilt, wird das Luftschiff ..Graf Zeppelin" am Derfaffungstag zweimal in Darmstadt landen, um einen Ersatz zu bieten für fein Ausbleiben am vergangenen Sonntag. Zur Klärung von Zweifelsfragen sei mitgctcilt, dah die bereits gelösten und am 4. August nicht benutzten Eintrittskarten ® ü 111 f e i t Haden zum Besuch der Landungen am Dersassungstag. Die Karten berechtigen zum einmaligen Eintritt: wer also bie Morgenlandung besucht, kann auch — ohne indessen das Lagergelände zu verlassen — die Nachmittagslandung milerlcbcn. eines Wandergewertescheins zu fein. Er ist weiter nicht im Besitze eines Passes und war noch nie polizeilich angemeldet. Nach den vorgefundenen Auszeichnungen zu schließen, muh fein Absatz und Verdienst gut gewesen sein. In einem Falle hat er für Waren, die er an eine Frankfurter Frau zum Preise von 135 Mark, zahlbar in 10 Wechseln, verkaufte, 52,25 Mark Verdienst. Vor solchen Hausierern, die Staat und Käufer betrügen, wird gewarnt. Es ist nicht ausgeschlossen, dah I. außer dem Pah- bergeten und ber Steuerhinterziehung noch weitere strafbare Handlungen nachgewiesen werten. Für diese Annahme spricht seine Flucht unter Zurücklassung seiner Ware und das Ansinnen an den sestnehrnenden Beamten, ihn gegen Lieber- lassung von Ware und Geld freizulassen. Wegen dieser Handlung wird er sich wegen Bestechung zu verantworten haben. Ieanant wurde dem Amtsgericht zugeführt. 157a projenf der Bevölkerung Gießens in öffentlicher Fürsorge. In welch hohem Maße die Erwerbslosigkeit bie öffentliche Fürsorge belastet, geht aus der nachstehenden Aufstellung hervor, zu der uns vom städtischen Wohlfahrtsamt auf unsere Bitte die ziffernmäßigen Angaben überlassen wurden. Am l.Juli 1 9 30 befanden sich in der Stadt Gießen in Betreuung: a) beim Arbeitsamt Gießen: 1. Erwerbslosenunterstützungsempfänger 2. Krisenunterstützungs- empfänger b) beim Städtischen Wohlfahrtsamt: 1. Wohlfahrtserwerbslose 2. Zusatz - Unterstützungsempfänger der unter a Genannten 3. Sonstige ortsarme Personen 4. Kapitalrentner 5. Sozialrentner 6. Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene 7. Mietunterstützungs- empfänger, die sonst nicht in laufender Fürsorge stehen 8. Stadtpflegekinder 9. Pfleglinge in Gießener Bewahrungsanstalten, soweit nicht in O -Nr. 4—5 enthalten <£> = 457 und 594 164 126 584 297 (3) (21) 394 305 520 67 469 86 147 226 496 186 49 245 c c । ft 3 o E » CD £ c g ~ 2. ‘Z g” 2676 „ 2736 Zusammen 5412 Personen, so daß effektiv 15,5ProzentderBe. oölkerung Gießens öffentlich betreut wurden. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen, die von der Stadt unterstützt werden, vergrößert sich ständig, da eine Entlastung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkte nicht eingetreten ist. Am 1. August betrug ihre Zahl 309 mit 602 unterstützungsberechtigten Familienangehörigen, obwohl es inzwischen gelang, wieder eine Anzahl dieser Befürsorgten als Für- forgearbeiter zu beschäftigen. Die Zahl der Fürsorgearbeiter betrug am 1. August 1930 insgesamt 95; sie werden an fünf Tagen in der Woche 32 Stunden lang beschäftigt. Einschließlich der Fürsorgearbeiter sind sonach 404 Wohlsahrtserwcrbs- lose mit ihren unterstützungsberechtigten Familienangehörigen zu betreuen. Der Zuschuß der Stabt Gießen zu ben Kosten ber öffentlichen Fürsorge betrug im Rechnungsjahre 1929/30 insgesamt 7 822 18 RM. (Ausgaben 1 443 777 RM., Einnahmen von Dritten (Staat, Fürsorgeverbänben usw.j 661 559 RM.), bas sind rund 29 Prozent ber übrigen Betriebskosten ber Stabt. Auf den Kopf ter Bevölkerung umgelegt, betrug ber stäbtische Fürsorgezuschuß 22,35 RM. Äornotizcn. — Tageskalenber f ü r Samstag. Spieloereinigung 1900 e. V.: 30. Stiftungsfest, 20.30 Uhr, in den Räumen der „Liebigshöhe". — Reichsver- banb der Zioildienftbercchiigten. Monatsversamm- lung, 21 Uhr, „Stadt Lich". — G. D. A.: Monats- verjammlung. 20 und 21 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn du einmal dein Herz verschenkst ..." und „Frau oder Geliebte?". — Tageskalenber für Sonntag. Kauf- männifcher Verein: Sommerfest, 15.30 Uhr, im Bereinshaus-Garten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn bu einmal bein Herz verschenkst .. und „Frau oder Geliebte?". — Tageskalender für Montag. Der- fassungsfeier 1930, 15 Uhr, in der Volkshalle (unter Mitwirkung der Kapelle des 1. Batls. Jnf.-Regts. 15). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Tonfilm „Der Tiger". — AusdemStadttheakerbüro wird uns geschrieben: Am nächsten Dienstag geht im Sommerabonnement das Lustspiel Ladislaus Fodors „®ic Füllfeter" als Erstaufführung in Szene. Das Stück erlebte in Wien vor kurzem seine Uraufführung und ist seitdem von fast allen deutschen Bühnen gespielt worden. Spielleitung: Peter Fassot. Gleichzeitig hat das Publikum bei dieser Aufführung Gelegenheit, sich die für die Winter- fpielzeit nach Gießen neu verpflichteten Kräfte zum erstenmal anzusehen. Es wirken mit die Damen: Döring, Iahn, Koch, Mewes, Schwend; die Herren: Druck, Hauer, Hub, Wesener, Zingel. Beginn: 20 Uhr. ** Nur Sonntagsarbeit am Berfas- fungstag geftattet. Die Stadtverwaltung veröffentlicht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Be- kanntmachung, in ber sie darauf hinweist, daß ber Versassungstag am kommenden Montag staatlich an- erkannter Feiertag und Festtag ist und für diesen Tag die Bestimmungen über Sonntagsarbeit Geltung haben. Man beachte die Anzeige. ** A m nächsten Montag kein Gießener Anzeiger. Da ber kommende Montag in Hessen wegen ber Verfassungsfeier gesetzlicher Feiertag ist, wirb an biesem Tage ber Gießener Anzeiger nicht erscheinen. ** Schmuck der Häuser am Derfas- sungstage. Der Provinzialdirektor und der Oberbürgermeister richten qt einer Anzeige in unserem heutigen Blatte an die Einwohner von Stadt und Kreis Gießen die Aufforderung, am kommenden Montag anläßlich des Derfassungs- tages die Häuser festlich zu schmücken. Aus die Anzeige sei besonders hingewiesen. *• Kirchliche Feier des Derfas- sungstages. Das Cvang. Landeskirchenamt hat, wie in früheren Iahren, für den Verfas- sungstag, 11. August, allgemeines Kirchengeläute von 12 bis 12,15 liftr angeordnet. Für die Abhaltung von Gottesdiensten, die der örtlichen Entschließung überlassen wird, gilt als Voraussetzung, dah bei der Veranstaltung von weltlichen Skiern unter allen Umständen auf die kirchlichen Der- anftalhmgcn Rücksicht genommen wird. Bei den Gottesdiensten soll zum Ausdruck kommen, daß unser Volk ohne den Dienst der Kirche nicht zu wahrer Volksgemeinschaft gelangen kann, da die Kirche in einzigartiger Weise zur ilcterbrücfung aller sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gegensätze berufen ist. Auch soll der Tatsache der Rheinlandbefreiung Rechnung getragen werden. " Die Museen sind dm morgigen Sonntag (Eröffnung des Heidenlärms) zu gewöhnlichen Preisen zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. •• Straßensperrungen. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: Wegen Straftenbauarbeiten sind nachstehende Straßen ab Dienstag, 12. August, für sämtlichen Fährverkehr polizeilich gesperrt: Liebig st r a ß e zwischen Ludwig- und Ebelstraße auf die Dauer von etwa drei Wochen: Friedrichstraße zwischen Frankfurter Straße und Wetzlarer Weg auf die Dauer von etwa 10 Tagen •• Viehmärkte in Gießen. Am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche finden in Gießen Biehmärkte statt. Für Mittwoch ist Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt, für Donnerstag Schweinemarkt vorgesehen. " DerWahlkam pfbeginn t. Als erste ber politischen Parteien tritt die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaflsparlei) mit ihrem Wahlfeldzug auf den Plan. Sie eröffnet den Wahlkampf in der nächsten Woche mit mehreren Ver- fammlungen in verschiedenen Städten Oderhessens, in denen der Reichstahskandidat der Wirtschaft»- Partei sprechen wird. Die übrigen politischen 'Parteien dürften mit ihren Wahlversammlungen sicherlich auch sehr schnell folgen. •• Männerbadeverein Gießen. Am morgigen Sonntag veranstaltet der Mannerbade- verein, wie alljährlich, ein Strandsest Es ist — so schreibt man uns im Anschluß an die Anzeige vom Mittwoch — Vorsorge getroffen, daß das Fest auch bei weniger günstiger Witterung programmgemäß abgehalten werden kann. Eine große Halle bietet neben den im Frühjahr geschaffenen Anbauten Unterkunftsmöglichkeit, und die 'Ißaffcrtemperatur ermöglicht noch die Entfaltung des Schwimmsport» und der Wasserspiele. Musik und Restauration bieten das übrige zu geselliger Unterhaltung. Gewinnauszug 5. Klasse 35. Preußisch-Süddeutsche (26 i. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten L Ziehungstag 8. August 1930 Auf jede gezogene Rümmer sind zwei gleich hebe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rümmer in den beiden Abteilungen I und 11 3n der heutigen Vormittaasziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 »etnlnne >u 10000 M. 161680 4 »ftolnne iu 6000 M. 18663 244317 2 e-Dinnt iu 3000 W 108931 14 »»»Inn« iu 2000 ®l. 89869 1 34031 160177 163001 179123 198140 202222 36 zu 1000 ®t. 21248 26760 68638 63092 74845 124331 168816 1 76659 1 97245 251703 252649 279606 294 727 334041 342937 360034 360615 365772 100 ©ttoinnt iu 500 DI. 3414 3426 3995 12329 28979 66071 74658 83876 84385 87672 87798 90575 91443 104468 108136 143960 147237 163082 158312 167087 172356 182969 191880 192808 202134 210543 212991 221150 226084 227873 235434 262367 263369 275204 281456 289468 292238 300953 307803 328165 331847 347451 347587 362712 368455 372218 372770 389088 389482 394802 238 »»rrinu, >u 300 00, 774 zu je 2000, 2046 zu je 1000, 4428 zu je 500, 11674 zu je 860 M. 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August) als staatlich anerkannter Feiertag und Festtag im Sinne des Artikels 139 der Reichsverfas- ung sowie der sonstigen reichs- und landesrechtlichen Vorschriften erklärt worden ist. Es gelten somit die Bestimmungen über Sonntagsarbeit. 5531C Gießen, den 8. August 1930. Der Oberbürgermeister: Keller. Arbeitsvergebung. Die nachstehend verzeichneten Rohbauarbeiten sollen auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Es kommen zur Vergebung: Erd- und Maurerarbeiten, Trägerlieferung, Zimmer-, Grobschlosser-, Spengler-, Dachdecker- und Einfriedigungsarbeilen. Angebotsformulare können bei dem Unterzeichneten, solange der Vorrat reicht, kostenlos in Empfang genommen werden. Ausführungspläne und Bauprogramm liegen zur Einsichtnahme offen. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift bis zum Samstag, dem 16. August 1930, vormittags 10 Uhr, einzureichen. 5601D Die Oeffnung der Angebote erfolgt zur selben Zeit im Beisein der etwa erschienenen Bewerber. 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Das englische P a r l a m e n t ist bis zum 28. Oktober vertagt worden. Wie ist die Situation für England, und das Labourkabinett und wie ist Englands Stellung zu Europa im Hinblick auf Genf und die vielen großen Fragen, die dort im September der Erörterung harren? Beginnen wir mit dem Außenpolitischen, so ist die Lage ganz allgemein bezeichnet durch den Flottenpakt, der in Amerika und England ratifiziert ist und dessen Ratifikation durch Japan auch außer Zweifel steht. Richt ganz kann der Kontinentaleuropäer sich klar machen, was dieser Flottenpakt bedeutet, besonders weil man ge- neiat ist, diese Bedeutung direkt zahlenmäßig und auch politisch für das Rüstungsproblem zu unterschätzen. Politisch genommen bedeutet er die Verständigung zwischen.England und Amerika in dem Sinne, daß es zwischen beiden keinen Krieg geben soll und darf und daß deshalb di« beiden sich auf eine Parität der Schiffsrüstungen in allen Schisfskategorien einlassen konnten. Damit hat England bie Position zwischen der Welt und Europa erhalten, die es aufgab, als es aus der sogenannten .glänzenden Isolierung" in die Politik der Bündnisse einlenkte. Das ist im ganzen und großen gesehen doch ein recht fester Rahmen für die englische Außenpolitik in Europa und für das englische Weltreich draußen. Dessen Probleme werben in den nächsten Monaten immer mehr in den Vordergrund treten, weil ja zwei ganz große Konferenzen über Reichsfragen stattfinden sollen: die eigentliche Reichskonferenz und die Konferenz über die indische Reform. Für die erstere stellen die Wahlen in Kanada das Reichsproblem in einer besonderen Form. Die Wahlen haben die bisherige liberale Mehrheit zerstört. Allein in Quebec, ihrem eigentlichen Sih«, haben die Liberalen von 61 Mandaten 20 verloren. Im ganzen gingen sie von l 19 auf 85 herunter, während d e Konservativen von 89 auf 137 gestiegen sind. Dementsprechend hat der langjährige Premierminister Mackenzie King demissioniert und ist das neue Kabinett gebildet worden. Es ist nicht leicht, die Ursachen der Liberalen-Riederlagen — abgesehen davon, daß sie eben sehr lange an der Herrschst waren — genau zu bezeichnen Man kann so sagen, daß das Kabinett King ein Opfer der Wirtschaftskrise wurde, die von den Bereinigten Staaten auch nach Kanada herübergeschlagen ist. Schon King legte dem Parlament vor der Auflösung einen neuen Zolltarif vor, der gegen den ungeheuer hohen Zolltarif Amerikas gerichtet war. Aber man hielt ihm entgegen, daß bas nicht genüge, daß die Arbeitslosigkeit immer Jgrößer würde, und dagegen versprachen die Kon- ervativen ihre Mittel. Die bestehen aber auch in nichts anderem als im Schutzzoll. Ebenso war in der Reichszollfroge die Liberale Partei nicht sehr von den Konservativen unterschieden. Auch die Liberalen wollten der englischen Einfuhr Vorzugszölle gewähren. Aber die Konservativen, die natürlich das gleiche vertreten, längst vertreten haben, verlangen ihrerseits etwas dafüt, kommen also mit der altbekannten Forderung, daß Vorzugszoll für englische Industrieeinfuhr mit sich bringen müsse Vorzugszoll für Lebensmitteleinfuhr aus Kanada, insbesondere auf kanadischen Weizen. Damit rührt aber die Reichszollbewegung an den allerempsindlichsten Punkt, die mit ihr notwendig cintretende Verteuerung der Lebensmittel der Masse in England. Man kann also sagen, daß die Lage in Kanada die Unklarheit, die über der Welt und ihrer Wirtschaft liegt, reichlich teilt. Durch den amerikanischen Zolltarif kommt Kanada in eine gegnerische Stellung zu Amerika, was im übrigen die engen Beziehungen der beiden Staaten zueinander nicht berührt. Was nun Kanada unter konservativem Regime auf der Reichskonserenz bedeuten wird, das muß sich erst zeigen. Ein klares Programm Deutscher Triumph im Guroparuudflug. Oben links Frl. Spooner (England), Vierte in der Gesamtwertung, Siegerin der schweren Klasse. — Oben rechts: Notz, Dritter in der Gesamtwertung. — Unten: P o ß, Zweiter in der Gesamtwertung. — Rechts: Morczik, Sieger des Europarundflugs 1929, wurde auch diesmal Sieger in der gesamten Wertung. hat man da,ür in Kanada noch nicht, und dabei ist für die ganzen Reichspläne eigentlich Kanada noch das Land, in dem die Verhältnisse für den Reichszollgedanken am günstigsten liegen. Inzwischen ist in der indischen Frage die Zusammensetzung der Delegationen für die große Konferenz im Unterhaus erörtert worden, zum Teil in scharfer Form. An dieser Konferenz soll kein Mitglied der sog. Simon- Kommission beteiligt sein, auch der 'Verfasser des großen Berichtes, Sir John Simon selbst nicht. Macdonald will ganz frei sein. Er wollte auch die Kommission nicht aus den drei Parteien bilden, in der Sorge wohl, daß er damit Gegner hereinbekäme, die von vornherein gegen die indische Selbständigkeit sind. Aber die Opposition hat ihre Teilnahme verlangt und wird daher in dieser ungemein wichtigen Kommission vertreten sein, die Konservativen durch Baldwin und Außen Chamberlain, die Liberalen durch Lloyd George und Lord Reading. Inzwischen aber muß man sich bemühen mit der Vertretung Indiens selbst für diese große Konferenz in ein Verhältnis zu kommen. Sie hat den Simon- bericht als Grundlage abgelehnt, immer stärker wird die Programmforderung der völligen Unabhängigkeit Indiens, die England unter keinen Umständen gewähren will. Daran hat auch der Dizekönig Lord Irwin keinen Zweifel gelassen, der nach wie vor die Linie einhält, in Ruhe die gefährlichen Bewegungen zu unterdrücken und Indien zu dem Stande eines Dominions emporzuführen. So ist diese Angelegenheit in voller Vorbereitung und in der Schwebe. Wir lassen den Vertrag mit dem Irak und die sehr schwierige und- ungelöste ägyptische Frage beiseite. Die Hauptsache ist für Macdonald die Vorbereitung der beiden großen Konferenzen und die Vermeidung der Klippen, die für ihn innerpolitisch darin vorhanden sein können. Er hat in der Innenpolitik das Berggesetz schließlich doch durchgeseht. Das Oberhaus hat sich mit dem Unterhaus in dem wesentlichsten Streitpunkt, der Arbeitszeit, auf das Kompromiß geeinigt: der Z1/i-6tunZ>entag tritt erst im Dezember in Kraft. So ist diese wichtige Regelung der englischen Kohlenproduktion durchgeführt, und der Aufbau der rationalisierten Derkaufsorganisation beginnt. Auch sonst ist auf dem Gebiete der Wirtschasts- und Sozialpolitik manches geleistet worden. Aber das schlägt nicht au Buch gegenüber dem Gespenst der Arbeitslosigkeit, die auf zwei Millionen Arbeitslose gestiegen ist. Man hat allerlei versucht: im ganzen ist aber die Labourregierung vor diesem Problem ebenso ratlos, wie alle anderen Regierungen der Welt, die unter dieser Rot zu leiden habcm. So wird auch diese Frage schon heute zur Wahlparole gemacht. Man rechnet mit Reu- wählen vor Jahresende ober zu Beginn des neuen Jahres. Ob dabei die indische Frage für die Konservativen und Liberalen viel bedeuten wird, ist zu bezweifeln. In der heutigen Wirt- schastsnot wird die Masse in England wenig Interesse an dieser oder jener Lösung der indischen Frage haben. Da trifft wohl Baldwins Voraussage zu. seine Parole: sozialistische oder konservative Regierung? Natürlich ist es leicht, damit der Arbeiterregierung, die die Arbeitslosigkeit nicht habe bekämpfen können, Schwierigkeiten au machen und Wähler abzujagen, im übrigen hätten auch weder die Konservativen noch die Liberalen die Lösung der Arbeitslosenfrage finden können. Werden die Konservativen aber gefragt, was sie zur Bekämpfung der Wirtschaftsnot Vorschlägen, so werden sie natürlich immer stärker die Reichspolitik und die wirtschaftliche Reichseinigung in den Vordergrund stellen. ♦ Für die Weltreichskonferenz, die zu gleicher Zeit wie die Indienkonferenz stattfinden soll. wird der Hauptprogrammpunkt die Frage fein, wie das englische Weltreich wirtschaftlich Ausammenzusassen fei. Bisher hatten sich diese Reichskonferenzen nur mit den politischen Reichsfragen beschäftigt, jetzt aber drängt die W»et- schaftSfrage die Zusammenfassung des Reiches zu einer wirtschaftlichen Einheit derartig in den Vordergrund, daß auch die Weltreichskonferenz sich damit befassen muß. Ununterbrochen geht der Kreuzzug für einen Reichszollverein weiter. Die Partei Lord DeaverbrokS ist ja gerade auf diese Parole gegründet Die Konservative Partei wird schon aus Konkurrenz in der gleichen Richtung immer weiter getrieben. Die Liberale weiß nicht recht, wie sie sich verhalten soll. SinS ihrer bedeutendsten Mitglieder, der ehemalige Schatzkanzler und jetzige Bankier Mac Kenna, hat jenes Manifest der 14 Fcnanz- und Geschäftsleute der Londoner Eiw mitunter- Aeichnet, das sich für die Zollunion innerhalb des Weltreiches und für Schutzzölle auf jede Einfuhr ausländischer Waren ausgesprochen har. Unzweifelhaft ist die Empirebewegung in stärkstem Vordringen. Aber damit ist sie immer noch weit vom Erfolg. Auch wenn im englischen Volke selbst, d 6 in X-r Bevölkerung der britischen Inseln die Mehrheit dazu genügt sein würde, so ist die Frage noch längst nicht klar, wie die einzelnen großen Reichsteill draußen sich verhalten werden. Ist denn das britische Weltreich, so lautet Immer wieder die Frage, wirtschaftlich als eine Einheit so zu denken, daß man es in einen Zollverein zusammenfassen könnte? Das kann man ja nicht nur künstlich mit den Zollsätzen machen. Können Indien und Kanada, Australien und Südafrika, Reusceland und die andersn kleineren Kolonien wirklich in sich fo zu einer wirtschaftlichen Einheit gemacht werden, daß alle sozusagen natürlich-wirtschaftlichen Gesichtspunkte einfach beiseite geschoben werden könnten? Genug: Auch hier geht die Zeit des Freihandels und der bisherigen Handelspolitik zu Ende. Selbst der geschworene Freihändler Snowden ist für solche Reformgedanken in der Richtung gewonnen, daß die landwirtschaftlichen Preis« reguliert und fixiert würden, so etwa, daß man den Schuh der englischen Landwirtschaft mit einer Bevorzugung der Getreide ausführenden Dominions verbände und dgl. in. Auch auf diesem Gebiete hat der Krieg eine Revolution größten Stils für England mit sich gebracht, und daß diese, und wie diese dann auf Kontinentaleuropa wirken würde, das liegt ohne viel Worte auf der Hand. * Es war schließlich sehr charakteristisch, daß in der Oberhausdebatte über die Anpassung des Völkerbunds st atuts an den Kellogg p a k t Lord Robert Cecil gegenüber der Opposition zu größter Vorsicht gezwungen war. Immer wieder kommt der Angriff oder die Besorgnis, daß durch derartige Veränderungen die Verpflichtungen Englands über das Maß hinaus, das es nicht überschreiten will, ausgedehnt würden. Dieser Gesichtspunkt, seit den Locamoverträgen besonders nachdrücklich ausgesprochen, wird um so zentraler, je stärker das Weltreich sich mit sich selbst beschäftigt und auf der Grundlage der Verständigung mit Amerika Plänen nachhängt, wie eben einer wirtschaftlichen Zusammenfassung, die zugleich ein Abschluß gegen Kontinentaleuropa sein würde Dann kommt Lord Robert Cecil, als der eigentliche Exponent der englischen Völkerbundspolitik, einer darum mit Europa verbundenen englischen Außenpolitik, in das bedränge. Denn damit verändert sich auch die Stellung Englands im Völkerbund uberha pt. Sn diesem wird es sich nur so weit engagieren, als es dafür von Amerika gedeckt wird. Angesichts der ganzen Lage, wie sie ist, Inncn- und außenpolitisch, rechnen wir für die nächste Zeit also nicht auf eine aktive Politik Englands im Völkerbunde und in Guropa. Cs ist zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt und es hat durch Macdonalds Verständigung mit Hoover eine Sicherung gewonnen, die es ihm erlaubt, selbst größeren Verwicklungen in Europa gegenüber wenn nicht gleichgültig, so doch zurückhaltend und ohne Initiative dazustehen Das aber vermehrt wieder die eigentümlichen SchwieSer Mann und die neue Hausfrau. Von Hans Hajek, Berlin. Ein Mann, der sich mit hauswirtschaftlichen Dingen befaßt, ohne es durch seinen Berus zu müssen, darf gewiß sein, sich damit lächerlich zu machen, nicht nur bei den Männern, erst recht bei den Frauen. Denn „von der Wirtschaft und der Küche verstehen die Männer nifcht". Aus Rache für diese Behinderung eines natürlichen Triebes, der Topfguckerei, hat „er" es fertig gebracht, die Arbeit der Frau an Haus und Herd zur inferioren Angelegenheit hinabzudrücken, um die sich ein ordentlicher Mann nicht kümmert: höchstens reiht er (bei guter Laune) seine Witze darüber oder er schimpft (bei schlechter). Bcidem fehlt das Sachverständnis, also wird die Frau in ihrem Urteil bestärkt, daß sich der Mann nicht in Sachen mischen solle, die ihn nichts angehen. Daraus wieder — vergleiche oben. Und so mit wenig Grazie und viel Standhaftigkeit ins Unendliche weiter. Gründliche Historiker, besonders unter den Frauen (bei denen der Humor oft leider nur gering ausgebildet ist), werden mir cinwenden, daß die Abtrennung des Mannes von hauswirtschaftlichen Dingen sich ganz anders vollzogen hab«. Aber mir liegt hier nichts an dem historischen. nur an dem psychologischen Sachverhalt: der ist richtig gesehen. Hinzuzufügen ist nur der traurige Hinweis, daß wir Deutschen eine lächerliche Abneigung haben, anderes als berufliches Interesse an einer Sache ernsthaft anzuerkennen. Weswegen es zwar Köche, Fensterputzer, Bohner, Wäschereibesitzer und Tellerwäscher oder gar Silberpuher männlichen Geschlechts ebenso gut geben darf wie Damenschneider und Innenarchitekten, nicht aber einen Mann, der seiner Mutter oder seiner Frau bei der Arbeit im Hause hilft. Man (d. h. in diesem Fall: „weib") hat uns dazu erzogen, mit den Händen in den Hosentaschen dabei zu stehen, wenn Mutter und Frau sich schinden, und ich kann nur sagen, wir haben das sehr gut gelernt. Ich mache (Gott sei's geklagt!) noch lange keine rühmliche Ausnahme: die Erziehung sitzt zu fest und die Hosentaschen sind zu verführerisch. — Ich weih wohl, daß der Zustand, den ich hier anleuchte, nicht überall gleich schlimm und trostlos ist: es wird allmählich besser, und zwar proportional der Einsicht, daß die haus- wirtschaftlich« Arbeit der Frau eigentlich auch ein Beruf, will sagen eine ernstzunehmende Leistung ist. Aber noch besteht im großen und ganzen jener Mißstand weiter mit allen seinen bösen Folgen. Deren sind mehrere. Zunächst lernt auch di« Frau leicht glauben, daß Haushalt und Küche eigentlich minderwertige, wenn schon vielleicht notwendige Beschäftigungen sind, und damit verliert sie selber die Lust. Je weiter sie in bisher männliche Interessen- und Gedankenkreise hineinwächst, desto ärger wird es ihr, sich mit solchem „Zeug" plagen zu müssen. Ja, sie ist beinahe stolz, wenn sie möglichst wenig vom Haushalt und vom Kochen versteht. — Bei der Hausfrau alten Stiles war es anders. Die hatte fich zwar die Ueberzeugung vom Wert ihres Tuns bewahrt, sie sand und findet bis zum heutigen Tage, daß „die Frau ins Haus gehöre". Dafür sperrte sie sich und ifjr Reich aber auch vollkommen gegen jede Neuerung ab, ja selbst gegen den Gedanken, dies und jenes sei anders zu machen. Ihre Verbindung mit der Außenwelt ging über den Mann, der aber verstand weder was von ihren Hausfrauensorgen, noch wollte und sollte er was davon hören. Also lebten in den Zeiten der noch ungestörten Hauswirtschaft alter Art zwei Lebenskreise nebeneinander her, durch eine dicke Mauer ehrwürdiger Vorurteile voneinander getrennt1 draußen entwickelte sich Wirtschaft, Technik. Industrie nach immer erneuten Zielen, dachte aber nicht im Schlafe daran, welche Arbeitsfülle und welche Absatzgebiete in einer vernünftigen Erneuerung der Hauswirtschaft lägen (die führenden Köpfe der Wirtschaft, der Technik, der Industrie sind ja Männer!): ö rinnen verstockt die von jedem frischen Luftzug hermetisch abgeschlossene Hauswirttchaft und Kochkunst zu einer Art Geheimwissenschaft, deren Rezepte an Kaffeeklatschen und Stopfabenden mit feierlichem Ernste weitergegeben wurden — das Symbolum dieses Geheimdienstes war und ist das alte Kochbuch mit dem monotonen Refrain: „Man nehme ..." Zugegeben, daß auch die konservative Wesensart der Frau an diesen Rückständigkeiten ihr vollgemessen Teil hat: aber die eigentlichen Ursachen liegen dort nicht. Vielleicht ist es ganz gut, es auch einmal einen Mann aussprechen zu lassen, daß die Unerschütterlichkeit, mit der die Hausfrau alten Schlages ihre altertümlichen Wirtschaftsmethoden beibehielt und — beibehält, keineswegs auf Unbegabtheit der Frau zu eigenem Schaffen und Erfinden schließen läßt. Die wahre Ursache der allerdings unschöpferischen Haltung der Hausfrau von gestern ist ihre vollkommene Absperrung, an der der Mann ebenso Schuld hat wie sie selber und vielleicht noch mehr: wozu noch kommt, daß die Frau technische Anregungen von außen auch schon deshalb nicht bekommey konnte, weil (wie ich schon ausgesprochen habe) niemand ihre hauswirtschaftliche Arbeit em ft nahm, nicht einmal der eigene Mann. Daß die beiden ersten Generationen der Frauenbewegung, die kämpfende und die siegende, hier keine Aenderung schaffen konnten, ist selbstver- ständlich: sie stürmten ja in der Fährte des Mannes und waren froh, der Kochtöpfe ledig geworden zu sein. Erst als die brennendste unter den ökonomischen Frauenfragen der Gegenwart, das Problem der Verbindung von Hausfrauen», Mutter- und Erwerbsberuf, vor aller Augen hintrat, als die hausfraulich« Arbeit in ihren persönlichen und volkswirtschaftlichen Verknüpfungen gesehen wurde, da entstand mit der Hausfrau neuen Stiles auch der neue Haushalt. Sch brauche nicht erst zu sagen, wie schöpferisch sich di« Frau hier erwiesen hat und wie stark ihre Anregungen waren, die sie der Technik, der Industrie schon in der verflossenen kurzen Zeit geben konnte. Und der Mann? Ich glaube, daß die Frau jenes brennende Problem leichter und vollkommener lösen wird, wenn sie den Mann mitbeteiligt Zunächst indem die neue Hausfrau ihn zum Hauskameraden erzieht (Denken Sie an die Hosentaschenil) Es wird gar nicht so furchtbar schwer sein, auch wenn das männliche Tier gerade erst hundsmüde und bär«nbrummig von der Arbeit gekommen ist. Verbünden Sie sich mit dem heut« vielberedeten „Kind im Wanne"! Dieses hat nämlich nicht nur einen natürlichen Hang zum Topsgucken, zum Hinund- herlausen und zur Verrichtung der unnützesten Handgriffe in Haus und Küche, also zum Spielen, es hat noch eine andere, wie Sie sehen werden, für den neuen Haushalt geradezu unbezahlbare Eigenschaft. Der richtige Mann ist, von seiner eigenen und beruflichen, sportlichen, bastelnden Tätigkeit natürlich abgesehen, stinkfaul und ohne jeden Ehrgeiz. Das ist es ja gerade! rufen Sie entsetzt und empört. Eben! antworte ich. Ziehen Sie aus seinem Spieltrieb und Dewe- gungsdrang, aus Bastelei und kindischem „Helfenwollen" so viel Ruhen für den neuen Haushalt, als Ihnen nur möglich ist: noch weit mehr Vorteil werden Sie (wenn er Ihr rechter Hauskamerad ist, sonst nicht!!) von seiner Bequemlichkeit haben. Die neue Frau ist heute ihrer Gesinnung nach noch viel zu wenig für Rationalisierung und technische Verbesserung, weit sie findet, daß es ifjre Pflicht ist, sich für Wann und Kinder vollends aufzureiben. Der Mann, länger im Berufsleben erfahren, hat diesen falschen Ehrgeiz längst dahingegeben: er will, und wäre er noch so streberisch, mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel erreichen. Wenn er sich gar nicht um den Haushalt kümmert, gelingt ihm das großartig: er strapaziert bann höchstens seine Stimme, wenn das Essen chm nicht schmeckt oder toerrn. er beim Heim kommen in die Kehrichtschaufel tritt. Wenn Sie ihn zum Hauskameraden gemacht haben, wird er sein geschultes „ökonomisches Denken" (so nennt er es nämlich) i n I h r e n Dienst stellen. Vielleicht auch sein technisches, fein handwerkliches Können und fein chemisches Wissen! Natürlich werden Sie beide nicht immer gleicher Meinung sein, wie sollte es auch? Sie sind wahrscAinlich praktischer, er ist vielleicht kühner. Er wird aus seinem Schaden, Sie werden aus seinem Erfolg lernen. Und wenn gar nichts anderes dabei beraubtommen sollte (was ich bei beiderseitigem guten Willen und nicht anormaler Ungeschicklichkeit kaum fürchten muß) — eins ist Ihnen auf alle Fälle sicher: die gerechte Wertung Ihrer Hausfrauenarbeit und die Vertiefung der Kameradschaft. — Bleibt nur die eine Frage, wie Sie ihn ernst dahin bringen, daß er (Hr Hauskamerad wird? Es gibt ein einziges, aber freilich unfehlbares Wittel: er muß Sie lieb haben und er muß immer ein kleines bißchen (nicht zu Diel! nur ein bißchen!) in Sie Der* liebt sein. rigfeitcn, in denen die deutsche Politik gegenüber den bekannten Fragen einer sog. internationalen Friedensorganisation steckt, wie sie in Genf immer erörtert werden und wie sie Briands Paneuropaplan nur in einer anderen Aufmachung wieder im französischen Sinne vorgeschlagen hat! Weniger Sensation, mehr Verantwortungsgefühl. Das Ende der Ferien wird stets mit gemischten Gefühlen ausgenommen. Man hat sich so schön an das Bummeln gewöhnt und soll nun wieder in den mehr oder minder großen Zwang der Schule zurück. Die Sommerfcrien sind doch für alle Schulkinder das Ziel ihrer Wünsche und Sehnsüchte. Wenn man sie vor sich hat, wollen ste schier kein Ende nehmen, aber wenn erst die Hälfte vorbei ist, dann geht es mit Riesenschritten auf das Ende zu. Das ist für einen kleineren Zeitabschnitt genau so wie für einen großen und wie für gas ganze Leben. Diesmal sind vielleicht für manchen die Ferien nicht so schön gewesen wie sonst, denn mit dem Reisen ist es immer schwieriger geworden, und die Bäder und Kurorte und Sommerfrischen stöhnen in diesem Jahre Stein und Bein über kurzen und ungenügenden Besuch. Es wäre ja auch eih Wunder, wenn sich die Ungunst der allgemeinen wirtschaftlichen Lage nicht gerade hier am meisten bemerkbar machte. Dieser Tage sind auch aus dem Auslände jene Schülertransporte nach Deutschland zurückgekehrt, die jetzt alljährlich in den Ferien das Vaterland verlassen, damit eine größere Anzahl von Schülern die Gelegenheit zur Erlernung der fremden Sprache erhält. Diesmal haben die deutschen Schüler bei ihrer Rückkehr die neu gewonnenen französischen Freunde mitgebracht, die nunmehr ihre Ferien bei uns verleben werden. Diese Schüleraustausche sind, wenn sie richtig gehandhabt werden, sicher ein Segen, denn es schadet den Heranwachsenden Menschen nicht, wenn sie frühzeitig den Blick erweitern und ins Ausland hineinschauen. Manche Borurteile gegenüber fremden Böllern, die aus Dummheit und Boreingenommenheit gezüchtet werden, verschwinden im persönlichen Berkehr schnell. Wer selbst einmal Austauschschüler gewesen ist, der weiß die Vorzüge dieser Einrichtung zu schätzen. Aber es scheint doch so, als ob man sich zur Verwirllichung dieses Äeles jetzt nicht immer ganz einwandfreier Methoden bedient. Es braucht ja nicht so zu fein, wie früher, daß sich der Austausch ganz auf privater Grundlage abspielt, aber jetzt wird davon doch Wohl in Der Oeffent- lichkeit beider Länder zu viel hergemacht. Die Empfänge, die für diese Schüler hüben und drüben stattfinden, scheinen doch manchmal des Guten etwas zu viel zu sein. Es kann gewiß für Heranwachsende und eindrucksfähige Menschen eine Erinnerung fürs Leben sein, wenn sie in Paris in den Räumen des Außenministeriums oder in Berlin im Rathaus empfangen und bewirtet werden. Aber ob es bei dieser Gelegenheit erforderlich ist, ihnen eine Mahlzeit mit sämtlichen erlesenen Genüssen der französischen Küche vorzusehen, ist eine andere Frage. Hier hat man vielleicht doch die Grenzen nicht ganz gewahrt. Es ist überhaupt der Zug unserer Zeit, daß bei allen Tagungen von Vereinen, bei Kongressen usw. immer ein zu reichliches Maß von of- lentlicherRepräsentation erfolgt. Man sollte sich in diesen Dingen einen etwas bescheideneren Rahmen schaffen, nicht nur zum Ruhen der öffentlichen Kassen, die etwas mehr Sparsamkeit wirklich gebrauchen könnten, sondern *<<<:• v.-.v.v. v. fr fr fr'. v.'.frfr ▼ WWW fr WW ■ W frfrfrv % A I frfr I x&frfr^l v ■ v W fr Lm fr L fr:-:-: Das sind einige von den Konstruktionsfirmen des In- und Auslandes, die SHELL AUTOOELE zum Teil bevorzugt, zum Teil sogar ausschließlich für die Schmierung ihrer Typen empfehlen. ••• Warum? SHELL AUTOOELE entsprechen den modernsten Anforderungen der Schmiertechnik. SHELL AUTOOELE sind überall lose aus dem SHELL-KABINETT oder in praktischen und preiswerten Packungen erhältlich. TANKEN SIE SHELL AUTOOELE AUS DEM SHELL-KABINETT UND SHELL BENZIN AUS DER SHELL-PUMPE Möbel zu Sportpreisen empfiehlt in hervorragender Qualitätsausführung Statt Karten! An die Einwohner von Stadt und Kreis Gießen Sinn (Oillkreis) Gießen, Gartenstraße 15 die Häuser festlich zu schmücken! 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August 1930, ab nachm. 2 Uhr Unter Mitwirkung der Butzbacher Feuerwehrkapelle, sowie der beiden hiesigen Gesangvereine. — Es ladet freundlichst ein: Tanzkarte 50 Pf- - Der Festwirt: Heinrich Balser Kyffhäufer-Technikum Frankenhausen w|rkmU-Abt Schwach-u.Starkstromt. Ält. fürMasch.-u. Sonderabt. t. Landm. a. Flugt. Automobilb. Oie Verlobung ihrer Tochter Aenne mit Herrn Curt Binder beehren sich anzuzeigen Theodor £of? und Frau Anna, geb. Leiber Wilhelm Schaub Smilie Schaub, geb. Horz-Kraft Für die Ernte: 6rnlelltMe Sinüegatn Meile. Lollieile wWnplrtlieii roaflerölfljieSetfen liliil Sülle alles vorn Kager prompt lieferbar. Auch an Wieder- Verkäufer. 5578D Wilhelm Rebhulh, Seilerei,Tel.3206 Ihre Vermählung geben bekannt Heinrich Trechsler und Frau Gertrud, geb. Wienhold Flaschenkinder sind Sorgenkinder Vesonders im Sommer! 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August, abends s Uhr, Hotel Deutsches Haus Lauterbach: Donnerstag, 14. August, abends s Uhr, Gasthaus zum Iohanniöberg Schlitz: Freitag, den 15. August, abends s Uhr, Saal Guntrum Büdingen: Samstag, den 16. August, abends s Uhr, Hotel Fürstenhof WertWiWWrt in verschiedenen Ausführungen 5493a Edgar Bormann, Eisenhandlung Mmgshausen Gießen Kreis Gießen Steinstraße 31 9. August 1930 Cafe Schwarz Montag, den 11. August 1930 mittags 12 Uhn Radioübertragung aus dem Reichstag, Verfassungsfeier der Reichsregierung nachmittags 4—6 Uhr: Aus BadWildungen - Konzertübertra- gungdesStädtOrchesters Bremerhaven abends 8-10 Uhr: Uebertragung der Verfassungsfeier der Reichsreg. aus dem Sportpalast Berlin 04966 Solei «Wer empfiehlt folgende Weine im Ausschank: [04925 Frankweiler Steinacker per Glas 30 Pf. Kreuznacher Galaenberg per Glas 35 Pf. Moselwein (Welleneri ver Glas 40 Pf. Beseite Sie am 10. August das Riesen-Kunst- Feuerwerk im Stadion-Spilburg- Statt Karten! 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Fruchtbar dehnt sich vom Rhein her die Ebene, Kicht ansteigend wie ein einziger großer Obstgarten zu den rebenschweren Hängen des Haardtgebirges, wo zwischen den .Wingerten" und an den Straßen Pfirsiche, Mandeln, Feigen und Edelkastanien reifen. Unvergeßlich ist eine Wanderung am Haardtgebirge entlang, von Landau nach Reustadt und von ba weiter nach Ruppertsberg, Königsbach, Deidesheim, Forst, Wachenheim, Dürkheim, Kallstadt, ilngd&cim, Her heim. Freinsheim. Orte mit verlok- kendcn Klang für jeden Freund eines guten Tropfens, denn hier gedeihen Qualitätsweine, die einzig in der Welt sind. Für Wanderungen ist besonders der schöne Pfälzerwald geeignet, der den Hauptbcstand des gebirgigen Westrich ausmacht und das Land von Rord nach Süd durchzieht. Richt nur die freundlichen, lebhaften Städtchen mit ihrer arbeitsamen Bevölkerung und die weinduflersüllten Dörfer bilden das Entzücken des Besuchers der Pfalz, sondern daS ganze, immer wieder abwechslungsreiche Landschaftsbild nimmt gefangen! Dabei kommt auch die Romantik einer reick>en Vergangenheit nicht zu kurz, denn auf den Pfälzer Bergen erheben sich weit mehr als hundert Burgen und Ruinen. Das Verkehrsnetz ist in der Pfalz außerordentlich dicht. Eisenbahn, Kraftpost, Straßenbahnen bieten zahlreiche und günstige Verbindungen. Unterkunft und Verpflegung sind erfreulich billig (Zimmer von 2 Mk. an, volle Pension von 3,50, 4,00, 4,50 Mk. an). Für einige zehn „Penningc( — das F ist bei den Pfälzern verpönt! — bekommt man in den Weinorten Brot mit Dultcr und einem riesigen Stück Schweizerkäse oder auch mit erfrischendem Weißkäse (mit Zwiebel!), der den Weinappctit fördert. Der „29er" ist herrlich süß und blumig: die Freinsheimer nennen eine Sorte den ,Starkstrom" ... Zur Eommersaison wurde eine Reihe vonReuc- rungen getroffen. Ludwigshafen, das östliche Eingangstor, eine der jüngsten deutschen Großstädte, hat durch zahlreiche neue, monumentale Bauten und einen wichtigen Straßendurchbruch sein Stadtbild modernisiert. Der Cbertpark, einer der schönsten neuzeitlichen Parks am Rhein, ist fertig. Von Ludwigshafen ist's nicht weit nach Bad Dürkheim, wo ein neues Sanatorium eröffnet und der neue Maxbrunnentempel über der arsenhaltigen wichtigsten Quelle des Bades eingewciht worden ist. Auf einem Berge über der Stadt ist ein neuer Aussichtspavillon errichtet. Das weiter südlich, kurz vor Reustadt gelegene Haardt hat die Spazierwege und die Markierungen in der waldigen Umgebung verbessert. 3n St. Martin. einem freundlichen Weindorf bei Edenkoben, wurden neue Schmuck- und Weganlagen geschaffen. Bergzabern in der Südpfalz hat sein Schwimm- und Luftbad bedeutend ausgebaut und die Wegemarkierungen erneuert und verbessert. Kraftpostrundsahrten in das süd- pfälzische Burgengebiet sind neu eingerichtet. Zweibrücken schuf Verkehrsverbelserungen durch Einrichtung von Parkplätzen, Aufstellung von Verkehrszeichen und Erneuerung einer Reihe wichtiger Straßen. Die Markierungen der Aus- sluHSwegc sind erneuert und erweitert. Kirchheimbolanden (Rordpfalz) erhielt eine Musikübertragungsanlage. Zum Schluß sei der pfälzischen Hauptstadt Speyer gedacht, deren Dom am 12. 3uli die 900jährige Wiederkehr seiner Grundsteinlegung feierte. Dom 6. bis 15. 3uli war die ehrwürdige Stadt von Festtrubel erfüllt. Hohe Würdenträger der katholischen Kirche, darunter em Legat des PapsteS, versammelten sich im Dom, in dessen Krypta cucht deutsche Kaiser zur ewigen Ruhe gebettet sind. Der berühmte „Domnaps" wurde vom Chor deS Domes entfernt und wieder an seinen ursprünglichen Platz vor dem Hauptportal gebracht. 3m Mittelalter bezeichnete er hier die Grenze zwischen Bischofs- stadt und Stadt Speyer, und jedesmal, wenn ein neuer Bischof einzog. ward er mit Wein gefüllt, der dem Volk als Geschenk dargebracht wurde... Reisewinke. Handgepäck im Eisenbahnabteil. Durch die vor kurzem erfolgte Bekanntgabe der Anordnung, daß die bisherige Gewichtsbeschränkung für Handgepäck von 25 Kilogramm aufgehoben sei, sind verschiedentlich Mißverständnisse insofern entstanden, als viele Reisende annehmen, sie könnten nunmehr Handgepäck in jedem Umfange mit ins Abteil nehmen. Diese Annahme ist irrig! 3m 3nteresse aller Fahrgäste macht die Reichsbahn darauf aufmerflam, daß selbstverständlich auch nach Aufhebung der Gewichtsgrenze nur soviel Handgepäck mit in die Abteile hineingenommen werden darf, wie der Raum über und unter dem Sitzplatz zuläßt. 3m Hinblick auf die im Verhältnis zu den Ge- samtkosten der Reise geringfügigen Gebühren für die Beförderung des Gepäcks sollte eigentlich heute schon aus Bequemlichkeitsgründen — abgesehen von der Rücksichtnahme auf die übrigen Fahrgäste! — jeder Reifende schweres Gepäck im Packwagen befördern lassen. Zaltbootrahrer alsReisendc mitTraglastcn. 3n der Hochsaison des Faltbootwanderns interessiert es sehr, was die Reichsbahn zu den vielen Zweifelsfragen über die Beorderung der Faltboote sagt. Eine Reichsbahndirektion hat sich über verschiedene ihr vorgelegte Fragen unserem Mitarbeiter gegenüber wie folgt geäußert: Da die Faltboottypen nach Größe und Gewicht stark voneinander abweichen und erfahrungsgemäß häufig andere Gegenstände beigepackt werden, muß die Entscheidung darüber, ob im Einzelsalle die Mitnahme von Faltbootgepäck in die Personenwagen oder in die mit „Reisende mit Traglasten" gekennzeichneten Wagen zu versagen ist, den örtlichen Stellen — auf den Bahnhöfen dem Aussichtsveamten und während der Fahrt dem Zugführer — überlassen bleiben. Vorschriften darüber, welche Bootsarten für die eine oder andere Beförderungsmöglichkeit in Frage kommen, beabsichtigt die Reichsbahn nicht zu erlassen 3n der Regel werden die einsitzigen Boote, die nach unserer Kenntnis ein Gesamtgewicht von 16 bis 25 Kilo aufweifen, ohne weiteres in die Personenwagen mitgenommen werden können. Auch haben wir gegen die Mit- sührung zweisitziger Boote, deren Cinzelstücke nicht mehr als 25 Kilo Gewicht aufweisen, im allgemeinen nichts einzuwenden, wenn zwei Personen zusammenfahren und die beigepackten Reisenotwendigkeiten, wie Decken, Kochgeschirre und Mundvorrat sich in mäßigen Grenzen halten. Wie uns bekannt geworden ist, führt gerade die Mitnahme von ungewöhnlich viel Handgepäck (Deigepäck) häufig zu unerwünschten Auseinandersetzungen zwischen Reisenden und Dahn- personal. 3m übrigen sind die angeführten Fälle, in denen von Sportlern, die nach Derlasfen des Abteils ihren Bootswagen fahrbereit machen, eine Fahrradkarte verlangt wird, nicht die Billigung der Reichsbahndireklion. Allerdings kann das Durchfahren der Bahnsteigsperre von Reisenden, die ihr Faltbootgepäck mit ins Abteil nehmen wollen, nicht gestattet werden, weil sonst den Sperrdienstbedien^eten nicht die Möglichkeit gegeben ist, zu beurteilen, ob sich das Gepäck zur Mitnahme in die Personenwagen eignet. (Fuß- trägerlast!) 3m übrigen halten wir — so schließt die Reichsbahndirektion ihre Ausführungen — das Befahren der Bahnsteige mit Bootswagen, insbesondere lei starkem Verkehr ober auf verkehrsreichen Bahnhöfen tm 3ntereffe einer reibungslosen Abwicklung nicht für erwünscht. (Sine Atlantische Jnselsahrk. Die Hamburg-Amerika-Linie beschließt bas Programm ihrer diesjährigen Vergnügungsreisen mit einer Veranstaltung eigener Art. 3hr Dampfer „Occana" wird am 10. September von Hamburg aus zu einer „Atlantischen 3nselfahrt" in See gehen. Die Reise führt über Guemfey, ber schönsten ber normannischen 3nfe(n im Aermel- Kanal, nach Ponta Delgaba auf St. Miguel, ber Hauptstadt ber Azoren. Von hier aus werden Funchal auf Madeira, Santa Cruz be Tenerife unb Las Palmas auf ben Kanarischen 3nfeln besucht. Heber Lissabon unb die 3sle of Wight kehrt ber Dampfer „Occana" bann Anfang Oktober wieder nach Hamburg zurück. Weiterung im >:ostreiseichcckverkchr. Seit dem 10.3uli werden Beträge auf Postreif eschecke auch von den Bahnhofswechselstuben ausgezahlt, die von der Deutschen Verkehrs- Kredit-Bank AG. in einer Reihe größerer Orte und in einigen Grenzorten unterhalten werden. Schwarzwaldfahrt. Lon Wilhc m Kornmann, Pfarrer in Rodheim an der Hoiloff. Schwarzwald, — er hat seinen eigenen Reiz durch die fichtenbestandenen Höhen, die prächtigen Täler, die von Kuhglocken übcrflungcncn Mauen und die stillen, dunklen Seen. Da sind etwa die ..Höhenwege" mit ihren wunderbar weiten Ausblicken, — Wege durch einsamste Hochwälder hindurch, über Fels und Wurzeln und Farnkräuter, immer begleitet von prächtigen Fichlenbeständen: den einen Tag brütet eine lastende Hitze über allem, und hochrot- verbrannt langt man am Abend in der bescheidenen Herberge an. — den anderen Tag spiegeln sich sahldunkle Wolken eines schweren Gewilters im Titisee, — die Blitze zucken über daS nächtlich- stille Wasser hin, hallend rollen die Donner an den Bergwänden entlang. — aus den großen Hotels der „Kultur" klingt die Tanzmusik in die Schwüle hinaus, — unb gerade solch ein Augenblick bringt uns das Gigantische dieser Land-» schast zum klaren Bewußtsein und zeigt unsere Vereinsamung in der Romantik---. Da sind dann auch Zage, erfüllt von rieselndem Regen, — man wandert durch Züge von Gewölk mitten hindurch, bas uns silbrige Tropfen auf das Gewand setzt, — wie geisterhafte Schatten. nach oben verdämmernd, geleiten uns riesige Fichten wie treue Hüter, — Höhen rauchen und Wälder dampfen, — ..Die Hasen kochen", sagt man so schön im Vogelsberg! Da sind einfache Gasthäuser mit köstlichem Schwarzbrot und vorzüglicher Milch: da laben auch schlichte Bleiben, hoch, am Ranb einer Watte. Da sink) bann auch Hotels, „mit allem Komfort ber Reuzeit", wo im altbeutschen Stübchen der Herr Ratschreiber, der Herr Rektor und andere Honoratioren ihren Abendschoppen trinken: ein plötzlich hereinbrechender Regensturrn verschlug uns hinein. Gerade fangen wir noch Gesprächsfeh en auf von „Lumpepack, Bettelvolk", — doch galt dies nicht uns verstaubten Wanderern. — Auch der Herr Wirt ist daran beteiligt mit einem „Da schlag's Dunderwetter noi!" Grell flackert draußen der Blitz, hell knattert ber Donner, — aus einer Ecke aber kommt die mahnende Stimme ber Wirtssrau: „Wie kannschf nur so ebbeS sage?!" Unb diese sanfte Stimme bringt wieder Frieden. Da ist ein feines Städtchen (Furtwangen), da- hat eine köstliche älhrenfammlung. Von einer ganz alten, die noch ein Steingewicht hat unb einen wagerecht gehenden Perpendikel, geht das zu Uhren, die stündlich Musikwalzen in Bewegung setzen, zu anderen mit Glasglocken von silbrig-Hellem Klang, — zu solchen, wo alle Stund' zwei Paradiesvögel durch kleine Bäumchen fliegen, bis zu den allerkompliziertesten astronomischen Uhren, und immer wieder darunter die schönen Kuckucksuhren mit mannigfacher Schnitzerei. — Auf den Bergwiefen heben sich die Silberdisteln heraus. Um einen nahen, sturm^erzausten Daum fliegt in seltsam-aufrechter Haltung ein Ungetüm: jetzt kommt es näher und „landet" auf dem leise federnden Boden, — es ist ein Domäne Schiffenberg 8hif waldiger Höhe gelegene historische Statte nuö 1129, nut herrlicher ivcrmidjt. Angenehmer Auöflugö- und Erholungsort. Staubir. Waldsnßweg: ?ttt.Schiffen"erger Weg. Station: Stbincnba-Streife (Mienen -Gelnhausen. Am obuS täglich ab Ludwigs- vlatz 3.45 narbin., SonniagS 3.00 u.3.45 Uhr nachm. Telephon (Mienen 2283. [3500D Slvnsbuvgr Schönst gelegener Ausflugsort Sehenswerte Klostermine Beste Verpflegung in der Kloflermühle Sommerfrische 3152D Autobusverb. Sonn- unb Feiertags ab Gießen 13.30 Uf)r, zurück 18.15 llhr. Dienstag,Donnerstag,Samstag ab 13.30 Uhr. Waldresiaurant o. Sommerfrische „Hubertus" Beuern (Kr. Gießen) idyllisch gelegener Ausflugsort inmitten herrlicher Laub und Nadelwaldungen. Angenehm. Familien aufenthalt. Wochenend. Solide Preise. 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Auf der Höhe bieten sich uns reizende Blicke auf Marburg, das Lahntal mit dem Frauenberg, später Amöneburg, Dünsberg und die Hinterländer Berge. Einige Zeit hinter dem Sellhof (Wirtschaft) treffen wir bei der „Blauen Mütze" rote Striche, die uns jetzt das Geleit geben. Auf guter, teilweise von Birken umsäumter Landstraße kommen wir nach Dagoberts- Hausen (Gastwirtschaft „Zur Königsruine"), einen kleinen Weiler. Hinter dem Ort führt uns das Zeichen erst über Feld, später durch Wald, zuletzt in kräftigem Anstieg hinauf zum 500 Meter hohen Rimberg, dessen Holzturm eine entzückende Rund- und Fernsicht bietet. Dem roten Strich nach steigen wir auf bequemem, vielfach gewundenem Wege abwärts, unterwegs hübscher Rückblick zum Rimberg, nach Caldern, von wo wir über Marburg heimfahren. Wanderzeit,4 Stunden. Friedberg — Kapersburg — Lochmühle — Saalburg — Homburg v. d. h. Bon Friedberg (bis dahin Sonntagskarte) gehen wir gelben Strichen nach durch freie Gegend über Ockstadt, hinter dem alsbald der Wald beginnt, in zweieinhalb Stunden nach dem Römerkastell Kapersburg. Die interessante freigelegte Anlage in parkartiger Landschaft lohnt schon eine eingehende Besichtigung. Im Blockhaus sind Erfrischungen zu haben. Wir gehen nun zunächst den gelben Strichen, später roten Strichen, auch liegendes „U" nach, am Pfahlgraben entlang, der an manchen Stellen noch ziemlich hoch ist, in lt Stunden nach der Lochmühle (Wirtschaft). Weiße Bierecke führen von hier in einer halben Stunde nach der Saalburg, einem der wichtigsten Römerkastelle, das vor mehreren Jahren aufgebaut wurde und ein sehenswertes Museum besitzt. Bon der Saalburg benutzt man zweckmäßig die elektrische Bahn nach dem Endziel Homburg, um noch die Kuranlagen, das Kurhaus und die Quellen der schönen Bäderstadt zu besichtigen. Reiseliteratur. — Neue Prospekte der Wartburg- st a d t Eisenach. Der Derkehrsverein e. D, städtisches Verkehrs- und Reisebureau der Wartburgstadt Eisenach, hat einen neuen Führer durch Eisenach und Umgegenb, dazu ein Hotel- und Gaststättenverzeichnis herausgegeben. Zn übersichtlicher Anordnung, mit guten Bildreproduktionen versehen, erfüllt der Führer alle Ansprüche, die vom künstlerischen wie verkehrswerbenden Standpunkt gestellt werden müssen. Das Hotel- und Gaststättenverzeichnis gibt über die Unter fünfte und Verpflegungsmöglichkeiten genaue Auskunft. Auch älnterhaltungsetablisse» ments und Zugendherbergen finden Erwähnung. Ein guter Llebersichtsplan erleichtert die Orientierung des Fremden. Oberheffen. Großfeuer in Brauerschwend. £ Brauerschwend, 9. Aug. Gestern nachmittag gegen 5 Alfjr bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in die Scheune des Landwirtes Ern st Kreuder ein. Innerhalb weniger Minuten stand die ganze Scheune mit^sehr viel Erntevorrat in Flammet. Die Feuerwehr von Brauerschwend, sowie die Wehren von Hergersdorf, Renzendorf, Unter- und Obersorg, Rainrod waren schnell zur Stelle und griffen mit mehreren Schlauchleitungen den Brand an, so daß das Wohnhaus, sowie die Rachbargebäude vor größerem Schaden bewahrt wurden. Äie Alsfelder Wehr, die später ver- Jlänbigt wurde, war schnell zur Stelle und griff mit der Motorspritze noch ein. Das Vieh konnte S e r e frt e t werden, während der gesamte Heuvorrat (60 Wagen), sowie.der gesamte Roggen und ein Teil der Gerste vollkommen vernichtet ist. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt fein. Dor vierzig Iahren ist die Scheune schon einmal durch Blitzschlag abgebrannt. Landkreis Gießen. £ Wieseck , 8. Aug. Gestern abend befaßte sich der Gemeinderat mit einem Einspruch des Ortsgewerbevereins Wieseck gegen zwei Rubriken des Voranschlags für 1930. Bürgern?eister Schomber gab zunächst den Einspruch bekannt, aus dem folgendes zu entnehmen war: Der Ortsgewerbeverein erhebt Einspruch gegen die Art der Umlage des beim Autobetrieb Verlust g gegangenen Kapitals, sowie Hegen die planmäßige Finanzierung der Begräbnisse der Ortsbürger ohne Rücksicht auf Bedürftige oder Richtbedürftige. Zn der Begründung werden die Verluste des Autobetriebes mit 72 663,17 Mk. errechnet, die somit eine jährliche Belastung von 7000 Mk. für 27 Zähre für die Gemeinde bedeuten würden, und hier lehnt der Gewerbeverein die nach seiner Ansicht einseitige Belastung des Gewerbes ab. Bürgermeister S ch o m b e r gab den Derlustbetrag nach dem Voranschlag 1930 mit 44 190 Mk. an. Ruch Mitteilung von Bürgermeister Schomber sei es gleich, ob für den Autoverlust die Rubrik 18 im Voranschlag (Verkehrswesen) wieder geschaffen wird, oder der Verlust - wie geschehen — in anderen Rubriken erscheine, da ja hierdurch die Umlage sich nicht verändere. Im übrigen würden die Ausschlagsähe zu den Steuern vom Kreisamt vorgeschlagen. Rachdem sich niemand zum Wort meldete, ließ Bürgermeister Schomber über den Einspruch abstimmen. Der Einspruch des Ortsgewerbevereins wurde gegen fünf Stimmen abaelehnt. Ueber die kostenfreie Bestattung sämtlicher Ortsbürger entspann sich eine längere Aussprache. Auch dieser Einspruch wurde gegen fünf Stimmen abgelehnt, wenn auch allgemein anerkannt wurde, daß die Submittierung der Särge an einen Schreiner- meister für die anderen Schreiner eine wirtschaftliche Härte bedeute. — Die neue Straße soll Riederfeld st raße benannt werden, dem zugestimmt wird. Es folgten noch einige kleine Anfragen und Anträge, denen zugestimmt wurde. Gemeinderat Benner gab zwei persönliche Erklärungen betr. den Schreibgehilfen Werner und den Ortsgewerbeverein ab. Die Weltmeisterschaften der Studenten. Der gestrige Freitag brachte in seinem Programm bei den Studenten-Weltmeisterschaften in Darmstadt nur leichtathletische Wettbewerbe, die gegen Abend durch einen Gewitterregen gestört und schließlich auf Samstag verschoben wurden. Ausgetragen wurden am Freitag die Entscheidungen über 110 Meter Hürden, Herren, 80 Meter Hürden, Damen, 100 Meter, Olympische Staffel, 400 Meter und Weitsprung, die ersten vier Uebungen zum Fünfkampf und die Dorläufe über 800 Meter. Auf Samstag wurden verschoben der Hochsprung der Damen, die 200- Meter-Vorläufe und der zum Fünfkampf gehörende 1500-Meier-Laus. Ueber llOMeterHürden befand sich kein Deutscher im Endlauf. Da Marchand (Frankreich) nicht antrat, nahmen nur fünf Athleten am Finale teil. Der Sieg fiel in 15,6 an den Iapaner Fujita vor dem Engländer Bowler (16,0), dem Polen Rowosielski (16,1), dem Iapaner Iwanaga (16,2) und dem Ungarn Boroh. — Den 8 0- Meter-Hürdenlauf der Damen, den nut drei Teilnehmerinnen bestritten, gewann Frl. Friedheim (Deutschland) in 13,2 vor Frl. Schlottmann (Deutschland) 13,3 und der Oester- reicherin Braun (14,1). — Drei deutsche Teilnehmer starteten im Finale der 100 Meter. K ör- n i g siegte erwartungsgemäß in der annehmbaren Zeit von 10,6 vor Eldracher (10,9), der im Endspurt den Ungarn Raggambi (10,9) auf den dritten Platz verwies. Die weiteren Plätze: 4. Glaser (Oesterreich), Salz (Deutschland), Poshioka (Iapan). — In der Olympischen Staffel gab es wieder einen deutschen Sieg, der allerdings beinahe vereitelt worden wäre. Die deutsche Staffel mit Danz, Mehner, Eldracher, Lefeber hatte bis zum Schlußmann 30 Meter Dorsprung herausgeholt, die Lefeber bis auf Brustbreite an den Schlußmann der Italiener verlor. Ganz knapp wurde Deutschland mit 3: 32 Min. Sieger vor Italien (3:32,1), Iapan (3:33,6), Oesterreich, Frankreich und England. — Ueber 400 Meter lief der Kölner Möller ein gutes Rennen und arbeitete sich nach anfänglich schlechter Position im Endspurt hinter dem siegenden Franzosen Iackson (49,5) in 49,6 auf den zweiten Platz. Dritter wurde der Irländer Moore in 50 Sek. vor Haug (Rorwegen), Bartel und Knenizky (Tschechoslowakei). — Im Weitsprung siegte der Iapaner Oda in 7,30 Meter vor Balogh (Ungarn) mit 7,26 Meter, dem Deutschen Maier und dem Letten Dimsa, die mit 7,145 Meter nach einem Stichkampf Dritter und Vierter wurden, sowie dem Finnen Tolama (7,13) und dem Iapaner Oshima (7,09 Meter). 3n den noch nicht beendeten Konkurrenzen gab es auch harte Kämpfe. Im Fünfkampf, von dem Weitsprung, Speerwerfen, 200-Meter- Lauf und Diskuswerfen abgeschlossen sind, und der Lauf über 1500 Meter noch ausgetragen werden muß, liegt der Finne Tolama mit 3242,290 Punkten vor Dimsa, Lettland (3149,977), Bacsal- masi, Ungarn, und Ladewig, Deutschland, mit 2981,077 Punkten. — Aus drei Vorläufen über 800 Meter qualifizierten sich für die Entscheidung die drei Deutschen Müller (1:57,7), Schwerdtfeger (1:59,4) und Danz (1:59,2), die beiden Franzosen Galtier und Ossart, ferner Lazar (Ungarn), Borulis (Lettland), Reuterswaerdt (Schweden) und Wentworth (Australien). Dank der Studenten an Staatspräsident Adelung. WSR. Darmstadt, 8. Aug. Der Leiter des Turn- und Sportamtes der deutschen Studenten, Walter H i n s ch , hat an den Staatspräsidenten Dr. Adelung folgendes Schreiben gerichtet: „Ramens der deutschen Studenten gestatte ich mir, den besten Dank auszusprechen für die freundliche Aufnahme, die wir hier in Darmstadt und bei Ihnen gefunden haben. Ich darf gleichzeitig für die überaus entgegenkommende Art, in der Sie alle unsere Wünsche zu erfüllen sich bemüht haben, unser aller Dank aussprechen. Ihnen, nicht zuletzt Ihrer Mühe, ist es zu danken, daß sich die deutschen Studenten und ihre ausländischen Kommilitonen in Darmstadt so wohlfühlen, wie es bisher der Fall war." Rundfunkprogramm. Sonntag, 10. August. 7 Uhr: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der ersten Gemeinde der Evangelischen Gemeinschaft zu Frankfurt a. M. 11: Don Salzburg: Iohann-- Strauß-Konzert, die Wiener Philharmoniker. 13: Stunde des Chorgesangs. 14: Stunde der Iugend. 15: Stunde des Landes. 15.35: Stadion Darmstadt. Akademische Weltmeisterschaften. Leichtathletikentscheidung 200 bis 800 Meter. 16: Don Dad-Rauheim: Konzert des Kurorchesters. 18: „Laienspielbewegung , Vortrag von Studienrat Heller. 18.25: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Bei den deutschen Bauern in der Dobrudscha", Vortrag von Dr. Diemer, Darmstadt. 19 20: Sportnachrichten. 19.30: Zitherkonzert. 20.15: Konzert des Philharmonischen Orchesters: Populäre internationale Musik. 22.45 bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 11. August. 7.30 bis 9 Uhr: Don Bad Wildungen: Konzert. 12: Don Berlin: Derfassungsfeier der Reichsregierung im Reichstag. 13: Schallplattenkonzert: Sinfoniekonzert. Werke von Anton Dvorak. 16: Don Bad Wildungen: Konzert des Städtischen Orchesters Bremerhaven-Wesermünde. 18.05: „Genie und Zähigkeit", Dortrag von Dr. Wilh. Hermanns, Berlin. 18.30: „Ludwig Heck, Direktor des Berliner Zoologischen Gartens", anläßlich seines 70. Geburtstages, Dortrag von Dr. Kurt Priemei. 19.05: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Liederabend. 20: Von Berlin: Derfassungsfeier im Sportpalast, veranstaltet von der Reichsregierung, der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin. 22: Gottfried Benn lieft aus eigenen Arbeiten. 22.50: Unterhaltungskonzert. Dienstag, 12. August. 7.30 bis 9 Uhr: Don Bad Wildungen: Konzert. 12.20: Don Bad Schwalbach: Konzert des Kurorchesters. 13: Schallplattenkonzert: Orientalische Musik von slawischen Komponisten. 15: Hausfrauennachmittag. 16: Don Stuttgart: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17.30: Film- Reportage: „Westfront 1918". 18.05: Walter De st liest aus eigenen Werken. 18.35: Don Stuttgart: „Danzig", Dortrag von Dr. Richard Wagner. 19.05: Don Stuttgart: „Fahrt durch die Provence", Vortrag von Dr. Karl Loewenberg. 19.30: Heiteres aus eigenen Werken. Vorlesung von Hans Müller-Schlösser. 20: Klavierkonzert, Franz Osborn. 20.45: Von München: Der weib- scheue Hof. Oberbaherisches Volksstück in drei Akten von Albert Martens. Mittwoch, 13. August. 7.30 bis 8.30 Uhr: Von Bad Homburg: Konzert des Kurorchesters. 12.30: Don Stuttgart: Promenadenkonzert. 13: Schallplattenkonzert: Trinklieder. 15: Stunde der Iugend. 16: Don Stuttgart: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Von Koblenz: Ein Gang durch die große Gemäldeausstellung „Landschaften aus dem befreiten Rheinland". 18.35: Von Stuttgart: Esperantokurs. 19.05: Von Stuttgart: „Versailles", Vortrag von Hans Lamberts. 19.30: Don Stuttgart: Bunter Abend: Wien—Berlin. 21: 2luf Sohle III. Ein Bergmannsdrama in drei Aufzügen von Carl Traut. Donnerstag, 14. August. 7.30 bis 8.30: Don Bad Homburg: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert: Italienisch-volkstümlich. 15: Stunde der Iugend. 16: Von Bad Orb: Konzert des Kurorchesters. 18.05. Zeitfragen. 18.35: „Skandal aus dem Stegreif", Vortrag von Dr. Manfred Georg. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: „Glück in Oesterreich" von Emst Lissauer, vorgelesen von Georg Lengbach. 20: Von Salzburg: Mozart-Kammermusik des Rose-Quartetts. 21.15: Lieder, Legenden und Chansons. 22.20 bis 23.30: Tanzmusik. Freitag, 15. August. 8 bis 9: Von Bad Ems: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert: Aus Opern und Musikdramen von Richard Wagner. 15: „Mein Zunge spricht zwei Sprachen", Gespräch zwischen Lehrer Otto Stückrath, Wiesbaden, und einer Mutter. 15.25: „Die Aufbauschulen mit besonderer Berücksichtigung derjenigen in Hessen- Nassau", Vortrag von Oberschulrat Dr. Deiters, Kassel. 16: Von Stuttgart: Rachmittags-Konzert des Rundfunkorchesters. 17.50: Eine Viertelstunde Deutsche Reichspost: „Postausweiskarten und sonstige Ausweismittel", Vortrag von Postinspektor Kaiser. 18.05: Buch und Film. 18.35: Von Stuttgart: „Der Aufbau unseres Stemsystems", Vortrag von Professor Beutel. 19.05: Don Stuttgart: „Der Lizenzvertrag — ein wichtiges Kapitel aus der Verwertung von Erfindungen", Vortrag von Patentanwalt Schwaebsch, Stuttgart. 19.30: Don Stuttgart: Zohann.°Strauß°Konzert. 20: Don Stuttgart: Schwäbischer Abend, geleitet von Martin Lang. 22.30: Von Stuttgart: Ein Tag in Weimar. 23.30 bis 0.30: Don Stuttgart: Tanzmusik. Samstag, 16. August. 8 bis 9: Don Bad Ems: Konzert des Kurorchesters. 12.20: Schallplattenkonzert. 14.30: Von Stuttgart: Stunde der Iugend. 16: Von Bad Ems: Konzert des Kurorchesters. 18.05: „Das Iahr 1910" von Kurt Kersten. 18.35: Stunde der Arbeit: „Was man als Arbeiter so erlebt^, Gespräch zwischen Dr. Laven unb Oskar Krüger. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.30: Don Stuttgart: Historische Marschmusik und Soldatenlieder. 21: Von Stuttgart: Der Tag der Tiere. 22.20: Erste Bekanntmachung zur Einbrecher- Fahndung des Rundfunks. 22.30 bis 24: Tanzmusik. 00 Klein-Linden, 8. Aug. Aus der Gemeinderatssitzung vom gestrigen Donnerstagabend ist als bemerkenswert zu berichten: Vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende, Bürgermeister I u n g , mit, daß vom hessischen Staat zur Erbauung der Wasserleitung in unserem Ort ein Zuschuß von 40 000 M k. genehmigt wurde und daß von feiten des Staates nunmehr beim Reich beantragt ist, auch die verstärkte Arbeitsförderung des Reiches der Gemeinde zugute kommen zu lassen. Diese besteht darin, daß das Reich bis zu fünf Prozent der Verzinsung der übrigen Kosten übernimmt, mithin der von der Gemeinde aufzubringende Zinssatz um fünf Prozent gesenkt wird. Eine längere Aussprache fand über die Erweiterung des Ortsbauplans statt, die sich auf Teile in der Heegstraße, Wann, Bergstraße, Frankfurter Straße, Gartenstrahe und Schildberg erstreckt. Angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit glaubt der Gemeinderat, in besonderer Sitzung in Gegenwart von Baurat Wagner, Gießen, die Angelegenheit regeln zu sollen. Beschlossen wurde ferner, daß die Llebernahme der Kosten für Krankenkasse und Invalidenversicherung für Ausgesteuerte auf die Gemeindekasse erfolgen soll. Sollte sich die Zahl der ausgesteuerten Erwerbslosen besonders hoch stellen, so will her Gemeinderat in späterer Sitzung erneut über die Angelegenheit beraten. Die Reuregelung der Besoldung des Bürgermeisters wurde mit 8 Stimmen bei 4 Stimmen Enthaltung abgelehnt. g. Klein-Linden, 7. Aug. Am vergangenen Sonntag fand hier das diesjährige Bun- desschießen des Lahn - Dill - Hüt- tenberg-Schützenbundes, verbunden mit einem Preisschietzen des hiesigen Schützen- Clubs „R o l a n d", statt. Es trat eine stattliche Zahl Schützen — es waren etwa zehn auswärtige Vereine erschienen — auf dem vom hiesigen Schützen-Club neu errichteten und herrlich am Walde gelegenen Schietz stand zum Schießen an. Die Leistungen der Schützen sind als sehr gut 3" bezeichnen. Die Bundesmei st erschuft errang mit 138 Ringen der Schützenverein O b e r b i e I. An zweiter Stelle stand der hiesige Schützen-Club „Roland" mit 133 Ringen. Beim Preisschießen errang den 1. Preis H.umrich (Oberbiel) mit 36 Ringen, Stein (Klein- Linden), 36; 3. Wagner (Krofdorf), 36; 4. Kreutz (Krofdorf), 36; 5. Pfeiffer (Klein-Linden), 35; 6. Stoll (Großen-Linden-, 35; 7. Dietrich (Steindorf), 35; 8. Deitzmann (Löhnberg), 35; 9. Schüttler (Großen-Linden), 35 Ringen. Die übrigen 15 Preise wurden alle mit 34 Ringen errungen. Abends trafen sich die Schützen zu einem geselligen Beisammensein, bei dem der hiesige Gesangverein „Eintracht" verschiedene Lieder gut zum Vortrag brachte. LI Grotz en-Linden, 7. August. Aus der jüngsten G e me i n d e r'a t s s i h u n g ist u a. zu berichten: Der Wirtschaftsplan für den Gemeindewald für 1931 mit einer Betriebsausgabe von 2675 Mark wird ohne Widerspruch genehmigt. — Einem Antrag auf Genehmigung zur Erbauung eines Wohnhauses mit Vorgarten in einer neuen Straße wird entsprochen. Gleichzeitig beschließt der Gemeinderat, daß alle in dieser Straße zu errichtenden Wohnhäuser mit Vorgärten zu versehen sind. Diese neue Straße beginnt in der Bahnhofsstraße und läuft parallel mit der Bismarckstratze. — Der schrift- liche Einspruch einiger Gewerbetreibenden und Landwirte gegen den Voranschlag 1930 soll ohne Stellungnahme dem Kreisamt vorgelegt werden. Der Gemeinderat lehnt eine Stellung- nabme ab, weil eine Festsetzung der Ausschlagssatze noch nicht erfolgte und die Eingabe eine Begründung und Angaben, in welcher Rubrik evtl, eine Ausgabensenkung möglich wäre, nicht aufweist. 'Londorf, 8. Aug. Vom R e rt** u n ö furnier in Londorf ist dem kürzlichen Bericht noch nachzutragen, daß bei dem Be- grußungsabend gleichzeitig ein Tradi- tiongabenb für das ehemalige Hessische Garde-Dragoner-Regiment stattfand. Die zum Turmer anwesende 5. Eskadron Reiter-Regiment 16 hat die Tradition des alten Regiments weiter zu führen. Diesem Umstand zu Ehren war die Standarte der Vereinigung ehem. Hess. Garde-Dragoner aus Darmstadt gekommen; sie ist eine Rachbildung der alten Originalstandarte, die im Museum in Darmstadt nach ruhmreichen Zeiten aufbewahrt wird. Eine größere Anzahl ehemaliger Hess. Garde-Dragoner der Hauptgruppe Gießen begrüßte die jungen Reiter der Traditionseskadron in kameradschaftlichem Zusammensein und stiftete ein Bild in d er Friedensparadeuniform für das Kameradschastsheim in Hofgeismar. Besonders sei noch erwähnt, daß es gelungen war, wohl den ältesten Angehörigen des ehemaligen Regiments, Herrn Philipp Krie- g e r aus Allendorf (Lumda), im Auto zum Begrüßungsabend in den Kreis der alten Tradition zu bringen. Philipp Krieger hat das hohe Alter von 92 Lebensjahren und konnte noch in erfreulicher Rüstigkeit an allem teilliehmen. Gedient hat er beim Regiment, das damals noch den Ramen „Hessisches Gardechevaulegers-Regiment" trug, in den Iahren 1859 bis 1862; er war Kriegsteilnehmer von 1866. Der Vorsitzende der Haupfgruppe der ehem. Hess. Garde-Dragoner des Kreises Gießen überreichte dem Kameraden Krieger zur Erinnerung an diesen Abend einen silbernen Becher mit einer Eingravierung, bie ihn an dieses seltene Zusammensein mit Kameraden seines alten ruhmreichen Regiments erinnern soll. • Bettenhausen, 7. Aug. Dieser Tage veranstaltete der Geflügelzuchtverein „R ö r d l i ch e W e f t e r a u“ eine Fahrt durch bas nördliche Oberhessen, die der Besichtigung von Geflügelfarmen und der Fühlungnahme mit ben Geflügelzuchtvereinen des Bezirks galt. In zwei Autobussen ging es am Morgen zunächst nach Griedel, wo die Hühnerfarm von Christ eingehend besichtigt wurde. Don hier aus fuhr man nach Butzbach, wo man mit den Mitgliedern des Butzbacher Vereins einen Rundgang unternahm, auf dem man die Hühnerzuchten der Herren Ester, Binzer, Melchior, Bechtold und Hotum, sowie her Geflügelfarm „Wilhelyishöhe" besichtigte. Rach dem Mittagessen führte die Weiterfahrt nach Lang- Göns, wo die Hühnerzuchten der Herren Karl Müller II., Lehrer Hofmann, Ludwig Schäfer, Eckart, K. Stoll, Willi Dechert, O. May, Heß, Henrich. Frey und Grünebaum das Interesse der Besucher lebhaft fesselten. Hierauf wurde die Fahrt über Holzh eim nach G a m b a ch fortgesetzt, wo man der vorgeschrittenen Zeit wegen in beiden Orten auf die vorgesehenen Besichtigungen verzichten und sich mit einem kurzen Gedankenaustausch mit den dortigen Geflügelzüchtern beschränken mußte. Zum Schluß besuchte man Ober-Hörgern, wo der Bezirksvor- sitzende Iäger die Besucher empfing. In allen besuchten Orten wurden die Mitglieder des Vereins in freundlichster Weise ausgenommen und ihnen bereitwilligst die Möglichkeit zu eingehender Besichtigung geboten. Dabei empfingen die Besucher eine ganze Reihe wertvoller Anregungen und Winke, die sie in ihren Zuchtbetrieben mit gutem Ruhen werden verwenden können. Kreis Schotten. □ Saubad), 7. Aug. Am kommenden Sonntag begeht der hiesige Bezirkssparkassenrechner Johann Lost sein 25. A m t s j u b i l ä u m. Der Vorstand der Bezirkssparkasse Laubach hat den gewissenhaften und diensteifrigen Beamten mit einer entsprechenden Ehrung bedacht. Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 8. Aug. Dieser Tage sand hier im Gasthaus zum „Hessischen Hof" die erste Vorstandsversammlung des 2. Bezirkes Oberhessischer Geflügelzucht vereine statt. Zu diesem Bezirk gehören bie Geflügelzuchtvereine Lauterbach, Schlitz, Homberg an der Ohm, Rieder-Ohmen und der Kreisgeflügelzuchtverein Alsfeld. Die Reueinteilung, die unter Mithilfe des Landwirtschaftskammerausschusses der Provinz Oberhessen in Gießen vorgenommen wurde, wird hauptsächlich das Ausstellungswesen günstig beeinflussen. Die kleinen Lokalschauen sollen möglichst verschwinden, in jedem Iahre wirb eine größere und wertvollere Dezirksschau stattfinben. Die diesjährige Bezirksschau wird Mitte Dezember in Rieder-Ohmen veranstaltet, im Iahre 1931 erhält sie Homberg ober Alsfeld. Die Ausstellungsfreudigkeit und der Wert einer solchen Ausstellungsbesichtigung werden sich ohne Zweifel heben. Bei der Vorstandswahl für den zweiten Bezirk ergab sich folgende Zusammensetzung: Otto Soeöler, Rieder-Gemünden, erster Vorsitzender; L. Stoll, Altenburg, zweiter Vorsitzender; Reinhardt, Schlitz,. Rechner; H ü - benthal, Homberg, Schriftführer; Geisel, Rieder-Ohmen, erster Beisitzer. Den zweiten Beisitzer hat Lauterbach noch zu wählen. Die Satzungen sollen in Rieder-Ohmen gelegentlich der Dezirksschau festgelegt werden. Bei übermäßiger Schweißabsonderung an Händen, Fähen und tn den Achselhöhlen, sowie Eeruchsbcläsligung, be onders bewahrt Leoform-Creme. Tube 1 Mart. 2n allen einschlägigen Geschallen erhältlich. di je D Vei A P [ K S N Sl d V Ae/t Gröi SINCO Betriebsstoffe Benzin teuersten Luxusmodello. 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Ehre seinem Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen innigstgeliebten Ehegatten, unseren treusorgenden Vater, unseren lieben Opa, Bruder und Onkel Herrn Albert Cullmann Bürodirektor im Alter von 63 Jahren nach langem schweren Leiden zu sich zu nehmen. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinterbliebenen: S. Cullmann. 1862—1912 Wir beklagen den Heimgang unseres lieben Altersgenossen Herrn Wilhelm Fritzel Nr. 185 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheften)Samstag, 9. August 1950 Wirtschaft. Lieber 2,75 Millionen Arbeitslose. Die Zeit vom 16. bi» 31.3uli brachte nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsver- mittl»mg eine fühlbare Abschwächung des Beschäftigungsgrade-. Die Zahl der Hauptuntcrstüyungscmpfänger ist um rund 28 000 auf über 1 497 000 m der Arbeitslosenversicherung, um rund 23 000 auf über 403 000 in der Krisenunterstützung gestiegen. Damit hat die Belastung der beiden Unterstützungseinrich- tungen mit zusammen über 1 900 000 Unterstützten einen Stand erreicht, der um mehr alS eine Million über dem des Vorjahres liegt. Dieser Entwicklung entspricht die Zunahme der Zahl der verfügbaren Arbeitsuchenden, die bei den Arbeitsämtern eingetragen sind. Vie stieg vom 15. bis zum 31. Juli um rund 42 000 und erreichte nach Abzug derjenigen, die noch in gekündigter oder ungekündigter Stellung oder in Avtstandsarbeit beschäftigt waren, einen Stand von rund 2 757 00 0 Arbeitslosen. Bon dem Zugang entfällt zwar der größere Teil auf die überwiegend von der Koniunktur abhängigen DerufSgruppen, doch sind auch die Saison-Auhenberufe bereits an ihm beteiligt. Oie ArbeitSmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau. Ueber die 'Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau berichtet das Landes- arbeitsamt Hessen, Frankfurt a. M.: Die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hat auch in der zweiten Julihälfte angehalten. Die Zahl der Ä r < b e i t s u ch e n d e n ist um 2880 auf 189 1 9 8 gelt i e g c n. Obwohl die Zahl der Hauptunterstützungs- empfanger, die wegen Erschöpfung des Unter- stützungsanspruchs ausscheiden müssen, sich von Mo- nat zu Monat erhöht, sind auch die Zahlen der Un- terstützungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung zum ersten Male seit dem Höchststand des Winters wieder gestiegen, und zwar um 2420 auf 90176. Die Zahl der Ärisenunterftützten ist um 1820 auf 25 451 angewachsen. Jrn Vorjahre waren Ende Juli im Landcsarbeitsamtsbezirk vorhanden: 93 325 Arbeitsuchende, davon erhielten 60 012 Arbeitslosen- und 9523 Ärisenunterstützung. In der Be- richtszeit haben sich die Beschäftigungsvcrhältnisse besonders verschlechtert in der I n d u st r i e der Steine und Erden (Zunahme 694 Arbeit- suchende), in der Metallindustrie (+ 995), im Holzgewerbe (4-380) und im Bekleidungsgewerbe (+ 581). Im Baugewerbe trat ein völliger Stillstand ein: die Zahl der arbeitsuchenden Baufacharbeiter betrögt zur Zeit 20 173, die der Bau- Hilfsarbeiter 11 112. Die Landwirtschaft ist im allgemeinen mit stärkeren Personalansorderungen, die zu einer Entlastung des Arbeitsmarktes hätten führen können, nicht hervorgetrelen. Die Zahl der Personen, die bei Notstandsarbeiten, welche aus Mitteln der Reichsanstalt gefördert werden, beschäftigt werden, ist nur unwesentlich von 1628 auf 1754 gestiegen. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die Börse eröffnete in der neuen Woche in etwas freundlicherer Haltung, ohne daß das Geschäft aber ein etwas größeres Ausmaß hätte annehmen können. Die wirtschaftliche Depression, die weiter zur Besorgnis Anlaß gab. legte der Kulisse eine starke Zurückhaltung auf. Verschiedentlich kam Material an den Markt, was aber nicht ins Gewicht fallen konnte, da die Banken in ihrem Elühungswillen ziemlich Material aufnahmen, so daß vorläufig Kursverluste vermieden werden konnten. Auch schritt die Spekulation verschiedentlich zu Deckungen, so daß sich zumeist das Kursniveau etwas heben konnte. 3m Lause der Woche wirkte sich aber die gewaltsame Stützung der Banken nachteilig aus, da das Angebot weiter anhielt und die Danken nicht mehr das ganze Material aufnehmen konnten. Auch die anhaltende internationale Wirtschaftskrise — in Deutschland machte sich durch den weiteren Konjunkturrückgang und damit im Zusammenhang stehende erneute Arbeiterentlassungen eine weitere Verschlechterung bemerkbar —, die bevorstehenden Wahlen und die zumeist schwächeren Reuyorker Dörsenmeldungen trugen zu einer erneuten Unsicherheit bei. DaS ängstlich gewordene Publikum brachte erheblich Material heraus, und bei den stark drückenden Exekutionen trat gegen Ende der Woche ein erheblicher KurSeinbruch ein. Bei geringster Aufnahmelust ergaben sich an einem Tage Verluste von 5 b iS 10 Proz. Arn stärksten betroffen wurden natürlich die Spitzenwerte. Zum Wochenschluß hinterlieh der starke Kurseinbruch wohl ntxf) eine gewisse Unsicherheit, da das Publikum weiter Material an den.Markt gab. doch war es an Umfang bedeutend geringer, da sich in Dörsen- kreisen selbst eine gewiste Beruhigung bemerkbar gemacht hatte, was auf den erneuten Ltützungswillen der Banken zurückzuführen war. Aber im großen und ganzen waren weitere Kursverluste nicht zu vermeiden, doch war wieder im Grundton der Börse eine gewisse Widerstandskraft zu erkennen. Die Kulisse blieb noch zurückhaltend, doch schritt auch sie, angeregt durch Die Stühungskäuse, zu Rückdeckungen, so daß das Geschäft etwas lebhaftere Formen annehmen konnte. Eine gewisse Zuversicht ließ sich in der Tatsache erkennen, daß ein Teil der Werte etwas fester eröffnete und das 3nteresse der Kulisse trotz aller Vorsicht wieder etwas zunahm. Die schwächere Reuhorker Börse wurde nicht mehr als hemmend empfunden: auch war die kritische Wirtschaftslage nicht mehr ausschlaggebend, es genügte die Aufnahme des Materials durch die Banken, und die Kurse konnten sich wieder bessern, so daß die Differenzen gegenüber der vergangenen Woche beträchtlich vermindert wurden. Das Angebot hat erheblich nachgelassen, so daß man jetzt eigentlich wieder recht zuversichtlich war. wenigstens in der Hinsicht, daß dem Absacken der Kurse ein starker Pool entgegengesetzt wurde. Vereinzelte Papiere wiesen jedoch noch einen sehr empfindlichen Verlust auf. So waren Zellstoff Waldhof, Westeregeln, Schuckert, Rheinische Braunkohlen. Aschersleben, Gessürel, Felten, Licht und Kraft, Dt. Linoleum, Aschaffenburger Zellstoff und Danatbank von 9 bis zu 14 Proz. schwächer. Salzdetfurth verloren sogar 22 Proz. 3m übrigen gingen die Abschwächungen bis zu 5 Proz., teilweise auch noch darüber. Der gute Geschäftsgang der Holzmann AG., die befriedigende Absatzentwicklung in der Kali- und Linoleum-3ndustrie gaben den betreffenden Werten einige Anregung. Renten waren leicht nachgebend. Altbesitz besserten sich etwas. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 3,5 Proz. nach dem Ultimo wieder flüssiger. Am Devisenmarkt war das Pfund international fester. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Während die Lage am Weltgetreidemarkt meist ziemlich günstig ist, war in dieser Woche an den deutschen Märkten eine rückläufige Bewegung sestzustellen. Durch die anhaltende ungünstige Witterung wurden die Druscharbeiten nicht nur verzögert, sondern es entstanden infolge der Mehrarbeiten auf den Feldern auch beträchtliche Extrakosten für die Landwirtschaft. Bei all diesen ungünstigen Momenten legten die Händler eine starke Reserve an den Tag, und man war angesichts der allgemein schlechten Wirtschaftslage eher schwächer als fester gestimmt, da auch die Landwirtschaft mit ziemlich großen Poften Reuweizen und -roggen an den Markt kam. Selbst bei niedrigeren Forderungen konnte sich kaum nennenswertes Geschäft entwickeln. Die Tendenz neigte überwiegend zur Schwäche. Der Weizen markt stellte sich in ausfallenden Gegensatz zu der Hausse an den überseeischen Getreidebörsen. Diese Tatsache erklärt sich daraus, daß das Angebot in Reuweizen für prompte Lieferung recht beträchtlich war und die Forderungen entgegenkommender lauteten. Alter Weizen war kaum noch am Markte. Die Umsatztätigkeit war ziemlich klein. Die Preise gaben im Prompt-, sowie Termingeschäft, hier namentlich in den vorderen Sichten, ziemlich nach. Ausland- weizen etwas mehr beachtet. Auch am Roggenmarkt war das Angebot ziemlich groß, ohne daß sich etwas größere Rachfrage gezeigt hätte. Die Preise neigten auch hier, wie am Weizenmarkt, zur Schwäche. Hafer zeigte eine bemerkenswerte Widerstandskraft, was wohl in der Hauptsache auf das mäßige Angebot zurückzuführen war. Die Preise konnten sich gut behaupten bzw. in den geringeren Qualitäten leicht befestigen. Trotzdem der Preisrückgang seit einigen Tagen sowohl für Inland-, als auch für AuSlandweizen anhält, hat die füdd. Mühlenkonvention bisher den Weizenmehlpreis unverändert gelassen: das Geschäft ist ruhig, nur für Roggenmehle mit 60prvzentiger Ausmahlung prompter Lieferung bestand einige Rachfrage. Futtermittel füll und weiter zur Schwäche neigend. Don Hülsenfrüchten waren Erbsen etwas befestigt. Kartoffeln bei ruhigstem Geschäft gegen die Vorwoche 1 Mark pro Zentner billiger. Die Woche schloß zu folgenden Dotierungen: Weizen, neue Ernte, 270: Roggen, neue Ernte, 170; Hafer, alte Ernte, 185; Hafer, neue Ernte, 175; Roggenkleie 7,90 bi- 8,00; Erbsen 28 bis 40; Weizenmehl, südd. 43,50 bis 44.25; Weizenmehl, niederrhein., 43.25 bis 44.00; Roggenmehl 26.75 bis 27,75; Weizenkleie 7,90 bis 8,00; Kartoffeln 3,40 bis 3,50; Weizen- und Roggenstroh 3,00 bis 3,50. Die restlichen Rauhfuttermitteln sind unverändert. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Da in der vergangenen Woche der Auftrieb infolge des geringen Geschäftes ziemlich klein war, machte sich in dieser Woche bei fast allen Vieh- gattungen etwas regere Rachfrage bemerkbar. Um dieser Tatsache gerecht werden zu können, war der Auftrieb in Rindern etwas größer. Das angetriebene Vieh war von mittlerer Qualität, doch konnte der Markt bei anfangs regem, zum Schluß aber stark abflauendem Handel nahezu geräumt werden. Rach Bullen bestand bei anziehenden Preisen etwas mehr Rachfrage, wie überhaupt auch für beste Qualitäten Preise über Rotiz bezahlt wurden. Der Abtrieb nach auswärts betrug etwa 50Prozent. Am Schweinemarkt war der Handel am Hauptmarkt sehr langsam, und die Preise gaben beträchtlich nach. Am Rebenmarkt konnte sich das Geschäft infolge des sehr schwachen Auftriebes jedoch wieder beleben, doch war eine merkliche Erholung der Preise nicht festzustellyr. Der Markt konnte geräumt werden. Auch am Kälbermarkt verlief der Hauptmarkt ziemlich träge, während der Rebenmarkt etwas regere Umsahtätigkeit entfaltete. Die Preise waren gegen die Vorwoche nur unwesentlich verändert. Schafe hatten bei mäßig regem Geschäft nachgebende Preise. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1435 Rindern, darunter 382 Ochsen, 131 Dullen, 497- Kühe, 355 Färsen, ferner aus 1229 Kälbern, 271 Schafen und 5248 Schweinen. 3m Vergleich mit dem Auftrieb der letzten Woche waren 65 Rinder und 15 Kälber mehr am Markt, während 166 Schweine und etwa 25 Schafe weniger zum Verkauf ftanben. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al 58 bis 61, a2 54 bis 57, bl 50 bis 53; Dullew a 54 bis 58, b 49 bis 53; Kühe a 47 bis 50, b 43 bis 46, c 39 bis 42, d 32 bis 38; Färsen a 60 bis 62, b 56 bis 59, c 50 bis 55; Kälber b 74 bis 79, c 69 bis 73, d 62 bis 68; Schafe al 48 bis 51, b 42 bis 47; Schweine b 69 bis 71, c 69 bis 71, d 69 bis 71, e 68 bis 70. Gegenüber den Preisen der vergangenen Woche konnten Dullen und Kälber je 1 Mark anziehen, während Schweine bis zu 4 Mark, Schafe bis 2 Mark und Kühe und Färsen je 1 Mark nachgaben. Ochsen gut gehalten. * Die Indexziffer der Großhandelspreise im Monatsdurchschnitt Juli. Die für den Monatsdurchschnitt Juli berechnete Groß- Handelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat mit 125,1 gegenüber dem Vormonat (124,5) um 0,5 vom Hundert angezogen. Von den Hauptgruppen hm sich die Indexziffer für Ägrarstoffe um 4,6 v. H. auf 114,8 erhöht, wahrend die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren um 2,1 o. H. auf 119,4 und diejenige für industrielle Fertigwaren um 0,5 o. H. auf 150,5 zurückgegangen ist. * Veränderung des Privatdiskonts. Der Prioatdiskont wurde für beide Sichten um je 6 Prozent auf 3t Prozent ermäßigt. • Gründung eines Genossen- schaftszweckverbandes Hessen-Mittelrhein. Die Schalze-Delivschen Genossen- schafls-Rewfionsverbände Darmstadt, Kassel und Wiesbaden haben unter Ausrechterhaltung ihrer Selbständigkeit einen Zweckverband unter dem Ramen ,Genossenschastszweckverband Hessen- Mittclrhein" mit dem Sitz in Wiesbaden geschaffen, der eine vereinfachte Erledigung der Der- bandSaufgaben und zugleich eine straffere Durchführung der Revisionen der angeschlossenen Genossenschaften ermöglichen soll. Weiter will der Verband u. a. einen Hilfsfonds schaffen, auS dem m Schwierigkeiten geratene Genossenschaften unterstützt werden können. Die Selbsthilfe, ein Grundsatz des Genossenschaftswesens, soll dadurch noch verstärkt werden. Der Zweckverband wird rund 2000 Genossenschaften in Hessen-Rassem, am Mittelrhein und im Volksstaat Hessen umfassen. darunter 130 Kreditgenossenschaften, die 1929 eine -Bilanzsumme von rund 242 Millionen Mark auSwiesen. frankfurter Abcndbörsc. Frankfurt a. M.. 8. Aug. Tendenz: behauptet. An der Abendbörse bewegte sich die Uinsatz- tätigkeit wiederum in bescheidenem Rohmen. Dia Drundstimmung war aber nicht unfreundlich. Gegenüber dem Berliner Schluß traten kaum Veränderungen ein. Rheinstahl. Duderu» und AEG. besserten sich um Bruchteile eine- Prozentes. I.-G.-Farben eröffneten knapp gehalten. Renten still. Reubesitz 7,85. Adca 106, Barmer Bank 114,75. Reichsbank 239, Harpener 93. Gelsenkirchen 102, Aschersleben 178. Salzdetfurth 303, Westeregeln 186, Rhein. Braunkohlen 203, Stahl- verein 75,50, Rheinftahl 83,75. Alu 89,50, AEG. 136 bis 135,50. Bein berg 91, Daimler 26.50, Deutsche Linoleum 180,50. Scheideanstalt 133, Licht & Kraft 127.50, 3.-G.-Farben 144, Fellen 93, Holzmann 73,50, Rheag 126, Rütgerswerke 45,50, Schuckert 144, Zellstoss Waldhos 115, AD. für Verkehr 67,50, Leonh. Tietz 128. Berliner Produktcnmarkt. Berlin, 8. Aug. Die Auswärtsbewegung an den überseeischen Terminmärkten ist gestern -um Stillstand gekommen, und da man der Hausse hier an sich schon mit einem gewissen Mißtrauen gegenüberstand, reagierte der Prvduktenmarkt mit Preisrückgängen. 3nlandweizen war zwar keineswegs reichlicher an geboten, da gestern nachmittag noch größere Abrufe nach dem Rhein erfolgt sein sollen und die Landwirtschaft die Entscheidung bezüglich der Höhe des Dermahlungszwanges ab- warten will; da das Weizenmehlgeschäft jedoch wieder fast völlig zum Erliegen gekommen ist, fand das herauskommende Material nur zu etwa 3 Mark niedrigeren Preisen Unterkunft. Der Lieferungsmarkt setzte 1,50 bis 3,50 Mark schwächer ein, Roggen eröffnete trotz weiterer Interventionen bis 1,50 Mark niedriger. 3m Promptgeschäft lauteten die Gebote gleichfalls 1 Mark niedriger, das Angebot war keineswegs reichlich. Am Mehlmarkt sind die Preise für Weizenmehl wieder rückgängig und das Geschäft hat sich beruhigt, Roggenmehl wird vereinzelt in Provinzfabrikaten umgesetzt. Die Muster von Hafer neuep Ernte find sehr unterschiedlich, Weißhafer alter Ernte bleibt gefragt. Gersten in unveränderter Marktlage. Der Privatdiskont wurde für beide Sichten um je */« Prozent auf 3,25 Prozent ermäßigt. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, märt, 245 bi« 248 (stetig), Sept. 262,50, Oft. 265 bis 264,50, Dez. 271,50 vis 271 (Bries); Roggen, märt, 161 (stetig), Sept. 174,50 bis 175, Oft. 178,75 bis 179, Dez. 189 bis J88,75 bis 189; Industrie- und Futkergerste 183 bis 200 (stetig); Hofer, märt, 182 bis 192 (ruhig), Sept. 182 (Brief), Oft. 184, Dcz 189 bis 188,50 (Brief); für je 100 kg: Weizenmehl 29,75 bis 37,75; Roggenmchl 22,50 bis 25; Weizenkleie 9,50 bis 9.80 (ruhig); Roggenkleie 9,50 bis 10 (ruhig); Viktoriaerbsen 27 bis 32; kleine Speiseerbsen 24 bis 27,50; Futtererbsen 19 bis 20; Peluschken 22 bis 24; Ackerbohnen 17 bis 18,50; Wicken 21 bis 23,50; Rapskuchen 10,60 bis 11,60; Leinkuchen 16,80 bis 17,50; Trockenschnihel 8,40 bis 9,20; Eojaschrot 14,40 bis 15,40; Kartoffelflocken 15,80 bis 16,50 Mark. 2111g. Tendenz: schwächer. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. R. Derby-Platten fabriziert jede größere Grammophonplattenfabrik. Wir empfehlen Ihnen, sich an eine Musikalienhandlung zu wenden. E. E. Ueber den Beruf des Parlamentsstenographen erfahren Sie Räheres von dem Stenographischen Bureau des Deutschen Reichstage- in Berlin. 3n Deutschland werden zum Reichstag nur Stenographen mit abgeschlossenem Hochschulstudium zugelassen, die ungefähr ebenso wie Regicrungsräte besoldet werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Datum 6% trunax Äculj-aiuciüc von 1987 ......... 7% Deutsche Reichtanleihe von IStt .......... Leu ticke «nl-Ablöf^Echuld mii «u«wf.»Rechteu....... DrtfiL ohne Slullol.-Rechte . . 8% pell. BolUNaat von 19» trilchahlL. 102%)...... CberWfen Prvvtn, - Lnleche mb Aullof.-Rechten....... Deuticke Komm. SatnmelabL ÄnleOx Serie 1....... 8% Franks. Hvp.-Bank «olbpft XJI1 unTOibbat M» 1984 . . . 7% Rtantl. Hvp.-Bank dolbpfe unkündbar M« 1932..... Rbeintiche Hyp.»vank filqu. »olBpfr......... 8% St. SanbrtplOTibtielanflall. Pfandbriefe 9L 17...... 8% Pr Landelriandbriefanstalt, »ümm^CbLfl». tO...... 7% Pr. Landeipi andbriefanstalt, Pfanbbrtefe 9L 10...... BL».®, abg. Borkiegtz-Lbligatto- nm. rüchabldar 1938..... 4% Lesterreichticke «Soldren« . . 4,20% Lesterretchifche Ltlberrentr 4% Lesterretchifche Einheitliche Rente........... <% Ungarische Soldrente .... 4% Ungartlche Staattrentev.lSw 4)4% de»gl. von 1913..... 4% Ungarische Sronenrentr . . . 4% rürkifcke Zollanletbe von 1911 4% Türkische Bagdabbabn-An! Serie I........... 4% brifll. Serie II . »• ■ • •• 6% Rumtatidx veretnh. Rente von 1903 .......... <%% Rumänische veretnh. Rente von 1913 .......... g% RumLntsche veretnh. Rente . Frankfurt a.M. Berlin Schluß- hirt Schluß. Elben d» börsr Schluß» kur« Scklußk. bSre 7. 8 8 8 7- 8 8 8 87,75 — 88 88 101,5 101,8 102 102,9 59,9 59,9 60 59.9 7.65 ' .85 7,7 7,925 92,25 92,75 93,4 93,13 59 59 — — 59 — 59,25 59,5 101,75 101,5 — — 96 96 — — 87 86,9 — — 101,25 101,25 101,25 101,25 98 98 98 98 97 97 97 97 92 92 — — 26,4 — 26,25 26,5 — — — 3,13 2,15 — 2 2 24,13 — 24 24 19,25 19,5 19,6 20,5 — 20,6 — 2,1 2 1,95 2 4,9 4,8 5 5 4,9 4,9 5 4,95 4,9 4,9 5 4,9 9,5 9,5 9,6 9,5 16 16 16,1 ' 16 M 7,4 7,4 7.4 Arankfun a. M. Scrlln Schlußkur« Schluß! Abend- börse Schluß, kur« Ecklußk. Mittag» börsr Datum 7 8 8 8 7 8 8 8 Vamvurg-«mer,ta Haiet §5.25 — 84,65 84 hamburg-Sudam. Dampffchitz . 6 — 145 — Hansa Tampssckisf..... 10 — — 122 — Rorddeutscker Lloyd .... . S — — 84.5 84 Slltaemetne Deutsche Creditanst. 10 106 106 106,13 106.13 Barmer Bankverein .... 10 113,75 114,75 114 114.4 Berliner Handelrgelellsckast . 12 — 140 140,25 139.75 Commerz- und Pnoat-Bank. 11 128,75 128,5 128 128,5 Darmstädter und Rakionalbanl 12 181 181 179 181,5 Deutsche Bank und Tirconto-Gesellschaft, . . . 10 124 123,75 123,75 123,75 Dresdner Bank...... 10 '24,5 124 124 124 Reicktbank........ 12 — 239 236 239 «.6.®........... . 8 134,5 135,5 135,25 135,75 Bergmann........ . 9 — — 168,25 167 Clekn. Lteferungrgeseltzchaft. 10 — — 113,5 121 Lickt und Kraft...... 10 125 127,5 125,5 127,75 (Vellen & Guilleaume . . . »efelllckaii für elektrische 90,5 93 91 93,5 Unternehmungen .... 10 128,5 131,75 128 131,75 Hamburger iSlehntititS-Siede 10 129,5 129.75 Rhemiswe Dekret;,tat . . . . b 123 126 124,5 126,5 Lchlesische Eetaqttii. . . . 10 122 124,5 LckuclenLCo. ...... 11 143.13 144 143,25 145,25 Sternen! & Halske..... 16 181 181,5 185,5 Tran-radro ...... . 8 — 103,5 104,5 Lahme »er L Co.. . . . . , 10 148 — 147,5 148 Buderus......... . 6 53,75 54,75 54,75 54,5 Deuticke Erdöl ...... . 6 68 67,25 68 D'ener Steinkohle..... . 6 — — — — Gelsenkirchener...... . f 101 102 101 102,25 Harvener......... . 0 92,5 94 92 94 Hoesck Dien........ ey, — 78,25 80,5 3i|e Bergbau....... 10 — 220 221 — 77,5 79 Söln-Reueiien....... . i —— — 75,65 78 Mannttmann-Ribrrn ... . 7 81 — 81 82 ManSfelder Bergbau .... . 7 — 53,5 53,25 Lbericklel. Enendedarf . . . . 6 — — 47 48,5 Lberick'.ei. «okewerke. . . . . 7 — — 81,13 62,25 Phönix Bergbau...... sy, 75 — 74.9 75,5 Rheinische Braunkohlen . . 10 202 202 201 203,4 Rbctnstahl........ . 6 32,5 83,75 82,5 83,5 Rtebeck Rciuao ...... V/8 — — - - Frankfurt a. Ul. Berlin Schluß» für» «Schiust. Abend» bSrie Schluß- lur» «Schluss. Mittag» bSrie Dalum 7 8 8 8 7 8 8 8 ibemnigie Stahlwerke . 75.25 75.5 75 76 Llavt Minen...... 16'/. 38,65 39 flaltwcrle Aschersleben . . . IC 174 178 175,5 177.5 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 181 186 183 186 goltoerte Sal,detfurth . . - 16 299 303 299,5 304,5 I. A. Farben Industrie . . ■ 1? 142 144 142,13 144,13 Tvnamtl Röbel..... • . 6 — 67 68 EckeideanslaU...... . k 132 133 — — Moldlckmidl ...... • . 6 53 54 53 54,25 Süigetiirerfe...... . 6 45 45,5 45 45,4 Metällgeselllchafl. .... . 8 101 100 101 101,5 Bbilirw Hotzmann .... . 7 71 73,5 71 73 Zementwerk Heidelberg . • 10 100,5 101 <— •— Zementwerk Saristadt. . . ■ 10 125 125 — — Saab & Frev'-ag .... . 8 67 66 67 66 € Ault bett Patzenhofer . . 15 — - 248,5 256 Cftroerte........ 12 _ 196,5 204,5 0 hl.......... 16 85 89.5 84,9 90 Lemberg........ 14 86 91 86 91 Zellstoff Daldbos . . . . 13'7. 118 115 118 115 Zellstoff Sickaftenbur^ . . llbarlonenburger Da!>er . • 12 . 8 •18,5 90 87 89,5 87,5 91 Tessauer (SaS...... • . 9 — — 122,75 125 Tarmier Motoren .... . 0 25,65 26,5 26 26,65 Deutsche Lrnoleum . . . • e . 176 180,5 177 180.5 Maickinenbma 8L-3. ... . 0 — 38,65 39 Rat. Automobil ..... . 0 — — 10,5 10,13 L ren stein 8 Koppel . . . • . 6 — — 55 56,75 Leonbard Tietz ..... 10 128 128 127 128,13 Sventka ........ — 296 299 296 Rt an Hurter Maschinen . • . 4 22,5 23,5 21,75 22,5 ltzritzner........ . 6 32,75 32,5 31,75 Hevlioenstaedt . • • • • Iunghan«........ . 0 . 6 29 30 30 29 Leckwerke........ . 6 92 92 Marnkrastwerre Höchst a. M . 8 78,75 79,5 — — Miag.......... 10 85 86 85 88 Gebr. Reeder...... 10 99,5 99,5 - Sotgt & Haesfner .... . S 156 155 154 154 SLddesriche Butei * t * • IS 147,5 145,5 147 145,76 Banknoten. Berlin, 8- August «elb 25rief Llmerikaniicke Noten...... 4.166 4,166 Belgtlcke Roten ....... 58,50 58,74 Tänilche Roten ........ 111,88 112,32 Lngstfcke Roten ........ 20,342 20,422 tzränzvIUcke Roten ....... 16,44 16,50 HollLnvifche Roten ....... 168,21 168,89 Ölalienticke Roten........ 21,9t 22,04 Rorwegiicke Roten....... 111,85 112,29 Teursch-eesterreich, 4 100 Schilling 59,08 ' 59,22 Rumäntiche Roten....... 2,465 2,485 Sckwebüche Roten ....... 112,22 112,66 Dckweizek Roten ........ 81,44 81,76 Tpanücke Roten . . ...... 46,51 46,69 licheckoilowoktlche Roten. .... 12,375 12,435 Lnganiche Roten ........ 73,15 73,45 Decifcamarfl Berlin — Frankfurt a. Zfi. 7. August 8 August -ÜMIstckk Geld Dotierung mne- AmiUchr «eld Neuerung 23ne- ÄmfL-iRoti. Buen.-Atretz 168,49 168,82 168,49 168.83 1,525 1,532 1,531 1,535 Brff.-Antw 58,51 58,63 58.52 58.64 Gbriftiauia. 112,08 112,30 112,10 112,32 Kopenhagen 112,13 112,35 112,15 112,37 Stockholm . 112,46 112,68 112,48 112,70 Helsingsors. 10,522 10,542 10,525 10,545 Italien. . . 21,90 21,94 21,905 21,945 London. . . 20.366 20,406 20,364 20,409 •JieuDor! . . 4,1805 4,1885 4,181 4,190 Doris.... 16,445 16,485 16,455 16,495 Schwei, . . 81,325 81,485 81,335 81,495 Spa.ttn . 46,50 46,60 46,75 46,85 Japan . . . 2,068 2,072 2,066 2,070 «io de Jan 0.427 0,429 0,422 0,434 Dien tn T » Ceft. ahgeft 59,115 59,235 59,12 59,24 Prag . . . . Bclzrad . . 12,401 12,421 12,402 12,422 7,421 7,435 7,426 7,440 Budapest. . 73,315 73,455 73,33 73,47 Bnl arten . 3,032 3,038 3,032 3,038 L'ffaboa . . 18,79 18,83 18,79 18,83 Danzig. . . «onstaottn. 81,42 81,58 81,42 81,58 1,784 1,789 1,784 1,789 8ltten. . . 5,435 5,445 5,43 5,44 Canada . . 4,185 4,193 4,187 4,195 UrnntaD . . 3,437 3,443 3,457 3,463 Cotro . . . 20,87 20,91 20,875 20,915 Preußen. Kreis Wetzlar $ Launsbach, 8. Aug. Die Wasserleitung und Kanalisation ist bis auf einzelne Hausanschlüsse fertiggestellt. Der größte Teil der Einwohner wird schon mit Wasser versorgt. Ende dieser Woche wird die Anlage voll in Betrieb genommen werden. Don der Anbringung von Wassermessern ist vorläufig Abstand genommen worden. 0 Groß-Rechtenbach, 8. Aug. Die hiesige Ortsbauernschaft hielt dieser Tage ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht. Den Kassenbericht gab der Kassierer Wilhelm M ü l l e r IV. Der bisherige Vorsitzende und der Vorstand wurden einstimmig wiedergewählt, mit Ausnahme des Schriftführers, der freiwillig zurücktrat. An dessen Stelle wurde Landwirt Friedrich Müller VI. gewählt. Es wurde beschlossen, zur Bestreitung der Unkosten der Ortsbauernschaft neben dem üblichen Jahresbeitrag einen besonderen Jahresbeitrag von 1 Mark zu erheben. cxd Dornholzhausen, 6. Aug. In der jüng- .sten Sitzung des Gemeinderats wurde der Haushaltsplan für 1930 beraten. Es wird ein Gemeindesteuerzuschlag von 350 v.H. auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen und auf diö Gewerbekapital- und Gewerbeertragssteuer erhoben. Die Herstellung eines Wasserleitungsanschlusses für den neuen Friedhof mußte, der schwierigen Finanzlage wegen, zurückgestellt werden. Der bisherige Zuschuß an den Unternehmer des Autoverkehrs Butzbach und Umgegend soll ab 1. Juli wegen Einschränkung der Fahrten nicht mehr gezahlt werden. Der Haushaltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 41 920 Mark festgestellt. <> Niederkleen, 8. Aug. Dieser Tage wurde die hiesige Gemeindefischerei auf sechs Jahre öffentlich meistbietend verpachtet. Die eine Hälfte pachtete Bauunternehmer Zöller (Dornholzhausen) für 87 Mark, die andere Hälfte pachtete Ernst Befort (Wetzlar) für 84 Mark jährlich. Die Pächter müssen jährlich je 1000 Stück Forellenbrut oder eine entsprechende Anzahl Setzlinge in die Fischereigewässer aussetzen. Kirche und Schule. □ Laubach, 7.Aug. Die hiesige evangelische Kirchengemeinde veranstaltete am vergangenen Sonntagnachmittag auf dem Ramsberg bei starker Beteiligung der Bevölkerung ein evangelisches Bundesfest. Nach den Begrüßungsworten durch Dekan V o l p (Laubach) hielten Pfarrer Weimer (Gonterskirchen), Dekan D. Fritsch (Ruppertsburg) und Dekan Widmann (Gedern) Ansprachen, bei denen mit treffenden Worten die Lehre Luthers verkündet und unseres Vaterlandes gedacht wurde. Mit dem Deutschlandliede fand die erhebende Feier ihren Abschluß. o) Dornholzhausen, 6. Aug. Am letzten Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr diesjähriges M i s s i o n s f e st. Der Festgottesdienst wurde in der Turnhalle abgehalten. Missionar Schneider von der Barmer Mission hielt die Festpredigt. Bei der Nochversammlung im Freien, die mit einem Vortrag des Hochelheimer Posaunenchors eingeleitet wurde, hielt die erste Ansprache Pfarrer Harth (Klein- Rechtenbach). In, der zweiten Ansprache berichtete Missionar Schneider aus seiner Missionstätigkeit auf Sumatra. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, sprach ein kurzes Schlußwort. Die Missionsbüchsensammlung ergab 267,98 Mark. Schöffengericht Gießen. V Gießen. 6. Aug. Ein auswärts wohnender Handwerker, der in Geldverlegenheit war, verschaffte sich die zur Einlösung von Nachnahmesendungen nötigen Beträge dadurch, daß er sich bet einer Molkereigenossenschaft als ein Milchlieferant ausgab, für diesen das fällige Milchgeld abhob und den Empfang des Geldes mit dem Namen des betreffenden Milchlieferanten bescheinigte. Kurze Zeit später erhob er auf ähnliche Weise nochmals einen größeren Geldbetrag. Wegen schwerer Tlrkundenfälschung mit Betrug wurde er zu 1 0 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein sehr häufig vorbestrafter Arbeiter, der zur Zeit wieder eine längere Freiheitsstrafe verbüßen muh, hatte einem Handwerker, bei dem er wegen Erlangung von Arbeit vorsprgch, in einem unbewachten Augenblick dessen silberne 21hr gestohlen. Bei einem anderen Handwerker, der ihn einstellen wollte, erschwindelte er sich dadurch einen Geldbetrag, daß er diesem vorspiegelte, erst noch seinen Koffer einlösen zu müssen, während er in Wirklichkeit es nur auf die Erlangung eines Geldbetrages abgesehen hatte. Er wurde zu einer Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen umherziehenden Korbmacher wegen eines an einem jungen Mädchen begangenen Viersteuer und Gemeindegetränkesteuer. Dom Beigeordneten Or. Kottenberg, Berlin. Eins der Hauptziele der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 26. Juli 1930 war und mußte sein, den Gemeinden neue Mittel zuzuführen, da diese anderenfalls die in den letzten Monaten ins Ungeheuere gewachsenen Wohlfahrtslasten — namentlich für die Wohlfahrtserwerbslosen — nicht länger zu tragen in der Lage waren. Diesem Ziele soll neben der Bürgersteuer die Gemeindebiersteuer und die Gemei ndegetränkesteuer dienen. Das Recht zur Erhebung einer örtlichen Bier- steuer besaßen die Gemeinden bisher schon auf Grund des § 15 Reichsfinanzausgleichgesetz. Die Steuer war vom Hersteller oder demjenigen, der Bier in die Gemeinde einführt, zu erheben und betrug 7 Prozent des Herstellungspreises, was etwa 2 bis 2,40 Mk. auf den Hektoliter Dollbier bedeutet. Die Neuregelung der Gemeindebier- steuer durch die Notverordnung beläßt es bei der Steuerpflicht des Herstellers oder Einführers, dagegen ändern sich Steuermaßstab und Steuersatz. Die Steuer ist künftig nach der Menge zu bemessen und beträgt bei Einfachbier 2,20 Mk., bei Schankbier 3,70 Mk., bei Dollbier 5 Mk., bei Starkbier 7,50 Mk. je Hektoliter. Das bedeutet durchschnittlich eine Derdoppelung der bisherigen Höchststeuersätze. Anders als bisher ist eine Abweichung von diesem Steuersatz — nach oben oder unten — nicht mehr gestattet. Die neue Steuer kann nur am Beginn eines Kalendermonats in Kraft gesetzt werden. Ein Zwang zur Einführung besteht für die Gemeinden im Rechnungsjahr 1930 nur dann, wenn für dieses Rechnungsjahr die Gemeindegrundsteuer oder die Gemeindegewerbesteuer über den bis zum 1. August 1930 beschlossenen Sah erhöht wird. 3n diesem Falle muß die Gemeinde entweder die Gemeindebiersteuer auf Grund der Notverordnung oder die Bürgersteuer erheben. 3m übrigen aber unterliegt ihre Einführung der freien Beschlußfassung der Gemeindeparlamente. Wird ein entsprechender Beschluß nicht gefaßt: so bleibt die etwa schon bestehende Gemeindebiersteuer auf Grund des § 15 Reichsfinanzausgleich- §eseh in Kraft, da diese Bestimmung durch die iotverordnung nicht aufgehoben, sondern nur während ihrer Geltung außer Anwendung ge° -setzt ist. Eine Erhöhung des Kleinverkausspreises des Bieres wird durch die Derdoppelung der Gemeindebiersteuer auf Grund der Notverordnung im allgemeinen wohl kaum einzutreten brauchen. Die anläßlich der letzten Reichsbiersteuererhöhung von den Wirten vorgenommene Erhöhung des Bierpreises betrüg durchschnittlich 5 Pf. j e Glas, bei noch nicht 4 Pf. Reichsbiersteuererhöhung je Liter. Neben der Möglichkeit zur Erhebung der erhöhten Gemeindebiersteucr, von der z. B. die Stadt Bochum u. a. schon Geb.auch gemacht haben, erhalten auf Grund der Notverordnung die Gemeinden, deren Haushalt in außerordentlichem Umfang mit Wohlfahrtslasten belastet ist, die reichsrechtliche Ermächtigung, mit Zustimmung der Landesregierung eine Gemeindegetränke- fteucr auf Wein, weinähnliche und weinhaltige Getränke, Schaumwein, schaumweinähnliche Getränke, Trinkbranntwein, Mineralwasser und künstlich bereitete Getränke, sowie Kakao, Kaffee. Tee und andere Auszüge aus pflanzlichen Stoffen, zu erheben, soweit diese Getränke zum Derzehr an Ort und Stelle entgeltlich abgegeben werden. Die Steuer beträgt mindestens 5 Prozent des Kleinhandelspreises: die Gemeinden können also einen höheren Steuersatz festsetzen. Nicht gemeindlich besteuert wird also der Hausver- z e h r. Auch die Gemeindegetränkesteuer kann nur zum 1. eines Kalendermonats in Kraft gesetzt werden. Bedeutsam ist die Bestimmung der Notverordnung, wonach die Steuerbehörde mit den Steuerpflichtigen (den Abgebern der Getränke) Dereinbarungen über die zu entrichtende Steuer (z. B. ihre Berechnung, Fälligkeit, Erhebung, Pauschalierung) treffen kann, soweit diese die Besteuerung vereinfachen und das steuerliche Ergebnis bei den Steuerpflichtigen nicht wesentlich verändern. Oer Vorname des Kindes. 3m Gießener Anzeiger Nr. 165 vom 17.3uli berichteten wir über eine in Dörfern der Wet- terau — aber gewiß auch anderswo — auf- tauchende Modetorheit bei der Beilegung von Vornamen anKinder durch törichte Eltern, die ihren Neugeborenen bei der Anmeldung auf dem Standesamt die Bezeichnung phantasievoll benamster Seifen oder Hautcremes (Glida, Nivea u. dgl., oder den des bekannten Waschmittels Persil) als Namen beizulegen versuchen. Auch polnische oder russische Vor- oder Familiennamen (Sonja. Lenin) kamen da und dort in Mode. Es kam, was die Beilegung des letzteren Namens als deutscher Vorname betrifft, kürzlich zu einer letztrichterlichen Entscheidung des Landgerichts Darmstadt, über die die „Hessische Rechtsprechung" folgendes berichtet: Ein Standesbeamter hatte sich geweigert, den Vornamen Lenin für ein Kind einzutragen. Der Vater führte deshalb Beschwerde beim Amtsgericht unter Berufung darauf, daß Kindern auch schon der Vorname „Zeppelin" oder „Bismarck" beigelegt worden sei. Das Amtsgericht lehnte es ab, den Standesbeamten anzuweisen, den Vornamen Lenin als zutragen, da er zur Kategorie der nicht eintragungsfähigen sog. anstößigen Vornamen gehöre. Auf weitere Beschwerde des Vaters wurde die amtsgerichtliche Auffassung von der zweiten 3nstanz gebilligt auch nach der Richtung hin, daß in der Wahl dieses Namens eine bewußte Opposition gegen die derzeitige staatliche Ordnung zum Ausdruck komme und daß deshalb der Name Lenin im öffentlichen Leben, z. D. auch in der Schule und im öffentlichen Leben bei den Staatsbürgern, die auf dem Boden der Reichsverfafsung stehen, Anstoß erregen könne. Aber auch die etwaige Beilegung der Vornamen „Zeppelin" oder „Bismarck" sei zu beanstanden, und die Berufung hierauf treffe nicht den Kern der Sache. Das gelte allgemein, einerlei ob es sich um bei der Volksmehrheit beliebte Persönlichkeiten handele, oder nicht. Dem in jedem Vornamen steckenden Namenselement hafte nach Entstehung,, Zweck und Hebung etwas Zeitloses oder doch Zeitent- femtes an und hiermit vertrage es sich nicht, daß Zunamen von Personen der neueren Geschichte als Vornamen gebraucht würden, und wo es doch geschehe, sei es unnatürlich und anstößig. Die Entscheidung nimmt auch Bezug auf eine Verfügung des Hessischen Ministeriums der 3ustiz vom 6. 3uli 1917, in der es heißt: „Endlich muß auch die Benutzung der Familiennamen Hindenburg und Mackensen als Vornamen als unzulässig bezeichnet werden. Wir können es auch nicht als richtig anerkennen, daß in einer Drieskaftennotiz der Zeitschrift „Der Standesbeamte" die Behauptung aufgestellt wurde, daß viele geschichtliche Familiennamen als Vornamen im Gebrauch seien. Dieser Brauch ist nicht deutsche, sondern englisch-amerikanische Sitte. Er ist umsomehr als anstößig zu empfinden, als es schon ohnedies gerade nicht geschmackvoll ist, wenn jeder Beliebige den Familiennamen eines berühmten Mannes zur Bildung eines Vornamens für jedes beliebige Kind mißbrauchen könnte. Auch nach schweizerischem Recht und Gebrauch ist die Benutzung von Familiennamen und Städtenamen als Vornamen nicht zulässig. Wenn auch zuzugeben ist, daß lediglich vaterländische Gründe und die Verehrung für Hindenburg und Mackensen die Eltern zur Wahl der hier fraglichen Vornamen bestimmt haben, so kann doch auch vaterländisches Empfinden und die Empfindungen der Verehrung für eine Person sich in geschmackloser, und für die Allgemeinheit anstößiger Weise äußern." Bleiben wir also bei unseren guten althergebrachten Vornamen, vermeiden wir demnach Geschmacklosigkeiten u. a. auch in bezug auf die übergroße Anzahl von Vornamen — es wurden deren schon elf bei einer einzigen Geburtseintragung gezählt — und bedenken wir, daß Vornamen, die einem Kinde im ersten Rausche der Begeisterung beigelegt wurden, diesem in späteren Leben aus vielerlei Gründen sogar zur Plage werden können. 3m übrigen besitzt jedes Standesamt ein Verzeichnis zulässiger Vornamen, und im Zweifelsfalle können unschlüssige Eltern auch in jedem Kalender sich Rat holen. Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Der Angeklagte wurde zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. 3m November 1928 waren zwei junge Leute, die trotz ihrer 3ugend schon wiederholt vorbestraft sind, in eine 3agdhütte eingebrochen und hatten dort eine Reihe von Sachen mitgehen geheißen. Der größte Teil ihrer Beute konnte aber den Geschädigten wieder zurückgegeben werden. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde gegen die Angeklagten, die beide bereits rückfällig waren, auf die gesetzlich zulässige Mindeststrafe von je 1 3 ahr Gefängnis erkannt. Ein schon häufig vorbestrafter Arbeiter hatte sich bei einer auswärtigen Firma zwei Fahrräder erschwindelt, die er, ohne etwas darauf abbezahlt zu haben, kurz darauf wieder verkaufte. Den Erlös verbrauchte er für sich. Außerdem hatte er einen der beiden Bestellscheine rechtswidrig mit dem Namen eines Verwandten unterzeichnet. Mit Rücksicht auf die Notlage, in der sich der Angeklagte zu jener Zeit befand, billigte das Gericht ihm mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu fünf W och en Gefängnis. $. (5 Teutonia Steinberg. Für kommenden Sonntag haben sich die Teutonen die 1. Mannschaft des Sportvereins Bieber zum Gesellschaftsspiel verpflichtet. Es wird den Teutonen nicht leicht fallen, gegen die Gäste zu gewinnen. Der Spielverlauf ist offen. Die 1.3ugendmannschaft steht noch in Verbindung mit der 1. 3ugendmannschaft von Klein- Linden, die wieder neu aufgestellt ist. Hier werden die jungen Einheimischen wohl einen, Vorteil haben. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Geschlossen. Ab Dienstag, 12. August, ist die Kasse von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Freitag, 15., 19.30 bis nach 22 Uhr: Wiedereröffnung der Opernspielzeit. Das Land des Lächelns. Samstag, 16., 19 bis gegen 22.30: Carmen. Sonntag, 17., 19.30 bis 22.15: Der Beitelstudent. Montag, 18., 19.30 bis 22.15: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus. Von Sonntag, 10. Aug., bis Montag, 18. Aug., täglich von 20 bis gegen 22.30 Uhr: Gastspiel der Berliner Rotterbühnen. Meine Schwester und ich. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 10. August. 8. Sonntag nach Trinitatis. Stadttirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markusgemeinde; 9.30: Pfr. Mahr. — Johanneskirche. 8: Pfr. Lenz; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgemeinde; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 20; Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Lenz: zugleich Christenlehre für'bie Neukonfirmierten der Luthergemeinde. — Elisabeth-Kleinkinderschule. 9.45: stuck, theol. North. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst: 10: Kindergottesdienst. — Me- seck. 9.30; 10.45: Christenlehre. — Alten-Buseck. 10: Alten-Buseck; 13: Trohe. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte für die Innere Mission; 11: Christenlehre für die männliche Jugend; 13.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenleich. 12.30: Garbenteich; 14: Hausen; (Pfarrer Staubach, Watzenborn). — Dahenborn- Sleinberg. 9: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Gottesdienst (Verfassungsfeier); Pfarrvikar Draudt; Kin. der- und Nachmittagsgottesdienst fallen aus. — Nieder-Bessingen. 1.30: Gottesdienst Pfarrvikar Draudt. katholische Gemeinden. Samstag, den 9. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 10. August. 9. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt;, 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht; 15: Jungfrauenkongregation. — Grünberg. 9.45: Messe. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 11. August. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 13. August. Hungen. 6.15 Uhr: Messe.________________________, Sonntagsdienst d.Acrzte u.'Avotbeken am 10.8.30 Sri. Dr. Gürtler. Dr. Ploch. Pelikanapolheke. Sabnawt: Dr. Buchinger. *D Verantwortlich für das Feuilleton t. D.: Dr. Fr. W. Lange. Pfarrer Heumann's Ws jfyBÄ Heilmittel «1 ■h'S.» bewährt bei zahlreichen ■UL * t'W'xv-1 Krankheiten. 180 000 Dank- schreiben. Das Pfarrer Heu- mann-Buch(272S.,150Abb.) erhält jeder, der sich auf dieses Inserat beruft, völlig umsonst u. portofrei durch S Ludwig Heumann & Co.,. Nürnberg S 7. Die -d Pfarrer Heumann-Heilmittel erhalten Sie in allen Apotheken Gießens Bestimmt: Hirsch-Apotheke, Frankfurter Str. 4 Dann gehfs nochmal so schnell.Verblüffend rasch und gründlich nimmt Ata den Schmutz von allen Hausgeräten weg. Die praktische Streuflasche ist überaus sparsam im Verbrauch und kostet nur 20 Pfennig. Besorgen Sie sich noch heute Ata! VÖ'7 putzt und scheuert alles \ _________/ Hergestellt in den weltbekannten Persilwerken. Kennen. Sie schon dos jüngste Erzeugnis der Persilwerke: © Henkels Aufwasch-, Spül- und .Reinigungsmittel?