Nr. 158 Erstes Blatt 180. Jahrgang Mittwoch, 9. Juli 1930 Erschein» täghd),trafe« Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Eiefeener Familienblätte» Heimat im Dill) Die Scholle Monats-Vejugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse anterSammeInummer2251 Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Sietzen. poftschecklonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drud und Verlag: vriihl'sche Unwerfilälr-Vuch' und Zieindruderel K Lange in Giehen. $d)riftlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Biefzen. Wie stehen die Parteien zum Meirichschen Deckungsprogramm? B er 11 n, 9. Juli. (lel.-Un.) Amtlich wird mitgeteilt: Jn der am Dienstag unter dem Bot- fit} des Reichskanzlers Br. Brüning stattgehabten Besprechung der Führer der hinter der Regierung stehenden Parteien wurde das Deckungsprogramm der Reichsregierung auf das eingehendste erörtert, wobei die Parteien in Ergänzung dieses Programms Anregungen vorbrachten, lieber diese Anregungen wird das Reichskabinett am Mittwochnachmittag eine Entscheidung treffen und alsdann die Fraktionen darüber zur endgültigen Stellungnahme auffordern. Jn Ergänzung der amtlichen Mitteilung erfährt die lele- graphen-Union noch folgendes: Bon den Vertretern aller Parteien wurden noch einmal grundsätzliche Bedenken gegen bestimmte Punkte des Deckungsprogramms vorgebracht, wobei insbesondere der Einkommensteuerzuschlag zur Aussprache stand. Dr. S ch o 1 z, der am Nachmittag bereits eine kurze Vorbesprechung mit Dr. Brüning hatte, regte erneut an, auf den Einkommen st euerzuschlag von 5 v. h.» der ohnehin mit 58 Millionen Mark nicht sehr zu Buche schlage, zu verzichten und diesen Betrag am haushalt noch über die geplanten 100 Millionen Mark hinaus einzusparen. Allem Anschein nach wird hier ein Kompromihvorschlag in der Richtung gefunden werden, dah zwar die 58 Millionen nicht mehr direkt eingespart werden können, die Regierung aber hofft, diesen Betrag mit finanztechnischen Mitteln erübrigen zu können. Jm Vordergrund stand ferner die Frage der Gern e i n d ek o p f st e u e r, die für die Dvp. eine unerlähliche Bedingung geworden ist. Die Volkspartei verlangt, dah die Kopfsteuer für die Gemeinden obligatorisch gemacht wird. Sie beharrt allerdings nicht mehr unbedingt auf dem Standpunkt, dah um den Kopfsteuerbetrag die Ueberroeifungsfteuern entsprechend gekürzt werden, wollte sich vielmehr damit einverstanden erklären, dah angesichts der grohen Arbeitslosigkeit diese Steuer zunächst für soziale Zwecke Verwendung findet. Dr. Scholz soll ferner angeregt haben, eine Aenderung des Paragraphen 163 des Arbeitslofenverficherungsgefehes, der von der unbeschränkten Varlehenspflicht desReiches fürdieReichsanstalt handelt. In dem Sinne, dah die jeweils nötige Summe nicht ohne weiteres als Darlehen gegeben, sondern in einem Nachtragshaushalt angefordert werden müsse. Minister Dietrich und der Honsabund. Berlin, 8. 3uli. (Tel.-Lln.) Reichsfinanz- minister Dietrich hatte sich am Montag in seiner Rede vor dem Reichstag auch mit den Ausgabensenkungsvorschlägen des Hansa-Bundes beschäftigt und herbe Kritik an dessen Vorschlägen geübt. Dazu erklärt der Hansabund, dessen Präsident der bemt>» kratische Abg. Fischer ist: Einen Gegenbeweis gegen die Sparvorschläge des Hansabundes habe der Reichssinanzminister nicht erbracht. Er habe vielmehr nun den Beweis dafür geliefert, dah auch er jene Finanzpolitik sortsehen wolle, die immer und immer wieder die Maschinerie der Gesetzgebung in Bewegung setz«, um die Einnahmen der öffent- tichen HauShalte zu steigern und dah auch er nicht der Führer zu jener Reuorientierung der deutschen Finanzpolitik sei, die damit beginnen mühte, von dem Reichstag die Gesetzesänderungen zu verlangen, die erforderlich seien, um durch eine einmalige energische Aktion größtmögliche Beträge aus dem Reichshaushalt herauszubringen. 2ede Politik, die erneut die öffentlichen Lasten erhöhe, sabotiere aber die privatwirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Lieberwindung der Arbeitslosigkeit. flm die Ausdehnung der Krisensürsorge. r Berlin, 8. Juli. (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuh des Reichstags beschäftigte sich am Dienstag mit Anträgen auf Ausdehnung der Krisenfürsorge. Neichsfinanzminister Dietrich führte aus: Die vorliegenden. Anträge und Entschließun- gen haben eine wei tgehende finanzielle Auswirkung. Die bescheidenste hier aufgestellte Forderung würde ungefähr 200 Millionen, die weitestgehende etwa 600 Millionen Mehrausgaben, erfordern. Lins fehlen zur Zeit 600 Millionen am Etat, die wir mit den eingebrachten Vorlagen decken wollen. Wenn nun durch die vorliegenden Anträge noch weitere 200 bis 600 Millionen Mehrausgaben entstehen, so stehen für derartige Anträge Mittel irgendwelcher Art nicht zur Verfügung. Abg. Schneider (Dem.) bezeichnete die Anträge als die Folge des Abbaus der Arbeitslosenunterstützung. Die Rotlage der ausgesteuerten Arbeitslosen erfordert aber unbedingt Abhilfe. Abg. Esser (Zentr.) betonte gleichfalls, daß die Leistungsverminderung der Arbeitslosenversicherung naturgemäß zu einer Mehrbelastung der Krisenfürsorge und der Gemeinden führe. Die Gemeinden könnten unmöglich die gewaltige Mehrbelastung tragen, wenn die Krisenfürsorge nicht erweitert wird. Abg. Dr. Pfeffer (D. Vp.) widersprach der Meinung, daß die letzten Reformen der Arbeitslosenversicherung irgendwie die Gemeinden belastet hätten. Eine Ausdehnung der Krisenfürsorge sei nicht der richtige Ausweg aus dieser Lage. Die Volkspartei werde die vorliegenden Anträge a b l e h n e n. Vom Zentrum, der Bayrischen Dolkspartei, den Demokraten und den Christlich-Rationalen ist eine Entschließung eingegangen, in der ersucht wird, 1. den Erlaß über Personenkreis und Da uer der Krisenfürsorge vom 29.3uni 1929 der inzwischen eingetretenen allgemeinen Verschlechterung des Arbeitsmarktes an zu» passen, 2. alsbald größere Mittel für die we r t sch a f f e n de C r we r b s l o sen f ü r- sorge bereitzustellen und bei der Heranziehung zu diesen Arbeiten in stärkerer Weise als bisher die Krisenunterstützungs- und Wohlfahrtsunterstützungsempfänger zu berücksichtigen, 3. bei der Zuerkennung der Ärifenunterftüfeung die Träger der gemeindlichen Fürsorge zu hören, 4. unter Mitwirkung der Länder Maßnahmen zu einem Ausgleich unter den Gemeinden zur Aufbringung der Lasten der Wohl- fahrtserwerbslosenunterstützung zu ergreifen mit dem Ziel der Entlastung derjenigen Fürsorgeverbände, deren Lasten infolge der hohen Erwerbslosenziffer dauernd wesentlich über dem Reichsdurchschnitt liegen. Die Abstimmung wurde auf Mittwoch vertagt. Die Vorlage trn Reichstag. Kritik der Mitieiparteien. Berlin, 8. Juli. (VdZ.) 3n der Dienstags- sitzung des Reichstags wurde die zweite Beratung des Haushalts des Reichsfinanzmmisteriums fortgesetzt. Abg. von Sy bei tChr. R. B. P.) erklärt, die Rotlage des Obst- und Gemüsebaus mache einen Kurswechsel nicht nur in der Handelsvertrags-, sondern auch in der Steuerpolitik erforderlich. Ein großer Teil der Ersparnis- Vorschläge des Hansabundes würde sich bei gutem Willen verwirkliche n lassen. Die Grundsteuer ist noch ungerechter als die Gewerbesteuer. Lim diese ungerechten Steuern senken zu können, muß der Verwaltungskosten- beitrag noch vor der Sommerpause des Reichstags beschlossen werden. Die starken Bedenken gegen eine Gemeindegetränke steuer bestehen unvermindert fort. Die im Zusammenhang mit der Preissenkung notwendige Senkung der Löhne und Gehälter muh direkt und einheitlich erfolgen, nicht auf dem Wege einer Sonderbelastung bestimmter Gruppen. Abg. Dr. Cremer (D. D.) wirft die Frage auf, ob nicht eine Llmgestaltung der F i - nanzverwaltung möglich wäre, mit dem Ziel, diese Verwaltung übersichtlicher zu gestalten und den Reichsfinanzminister von der Lieberfülle seiner Aufgaben zu entlasten. 3n dieser Verwaltung könnten wesentliche Ersparnisse gemacht werden. Dem Minister Amerikanisches Geschwader besucht Kiel I MA y ;<• | Der amerikanische Schlachtkreuzer „Arkansas" passiert die „Schleswig-Holstein". Auf Deck der „Schleswig- Holstein" die deutschen Matrosen in Paradeaufstellung. Amerikas „Blaue Lungen" in Berlin. Oben im Kreis: „Knipsen", der Landsport der Matroien-Besucher. — Unten: Wie gut schmeckt das verbotene Bier. — Rechts: Die amerikanischen Matrosen auf der Terrasse von Sanssouci. K ftimmc er darin zu. daß gewisse Reserven an- qefammelt werden müssen. Wir haben immer die Forderung aufgestellt, die Finanzgebarung zu ändern und eine gewisse Selbstbeschränkung des Parlaments in der Ausgaben- bewilli gung durchzuführen. Die Ankurbelung der Wirtschaft wird Im wesentlichen Sache der Privatinitiative sein müssen, jhr muh freilich die Bahn sreigemacht werden durch Senkung der auf der Privatwirtschaft ruhenden Lasten. Die sogenannte Reichshilfe der Beamten ist ein Ll m w e g, der den. Eindruck erweckt, als wollte man die Steuern da holen, wo sich der schwäch st e Wider st and zeigt. Mit dem Verwaltungskostenbeitrag können wir nicht nur die Gemeindefinanzen, sondern auch die allgemeinen Finanzen sanieren. Man kann diese Abgabe zulassen und es den Gemeinden freistellen, dazu Zuschläge zu erheben. Die Real- steuern könnten entsprechend gekürzt werden. Die Ledigensteuer muß differenziert werden nach der wirtschaftlichen Lage und nach den Verpflichtungen der Ledigen. Der Zuschlag zur Einkommensteuer widerspricht dem wichtigsten Programmpunkt der Regierung, der Verheif ung einer Steuersenkung zum Zweck der Kapitalbildung. Abg. Colosser (Wirtsch.) erklärt: Dievor- gefchlagenen Ctatsabstriche feien zu gering, ein anhaltender Abbau sei aber nur durch Abbau von Gesetzen möglich. Auch in die Gemeinden müsse Sparsamkeit einziehen. Die K o pf- steuer und ihre Verbindung mit den Real- ftcuern sei deshalb nötig. Der katastrophale Konsumrückgang zeige, daß eine Besteuerung der sogenannten Genußmittel nicht mehr möglich sei. Ein Pensionskürzungsgesetz werde die Wirtschaftspartei unter allen Umständen mitmachen. Darüber hinaus sei ein Abbau dec Beamten gehälter, aber auch ein Abbau der Löhne und Preise der Wirtschaft sowie der angespannten sozialen Gesetzgebung notwendig. Nur wenn diese Fragen mit Entschiedenheit angefaht werden, sei die Wirtschaftspartei bereit, eine vorübergehende Erhöhung der Arbeitslosenbeiträge und der Einkommensteuer für die großen Einkommen mitzumachen. Jm ganzen fei mit den Vorschlägen der Regierung ein bescheidener Anfang zur wirklichen Gesundung der Wirtschaft gemacht. Zur endgültigen Sanierung gehöre aber auch die Arbeitsdienstpflicht der Jugend, die Besteuerung der öffentlichen Betriebe und der Umbau der Verwaltung und Gesetzgebung in finanzieller und wirtschaftlicher Beziehung. Abg. Dr. Reinhold (5km.): Ohne ein endgültiges Finanz- und Wirtschaftsprogramm zu entwickeln, ist eine Behebung der augenblicklichen Finanzschwierigkeiten gar nicht möglich. Wir brauchen eine organische Preissenkungsaktion. Sie kann aber nicht erreicht werden, wenn Preußen durch Gesetz die Mieten erhöht, wenn die Gemeinden den Verkehr verteue rn, wenn die Reichsbahn die Tarife erhöhen will. Vor allem müssen die künstlich hochgehaltenen Kartellpreise gesenkt werden ebenso wie die Kleinhandelspreise. Wenn die Preissenkung erreicht ist, dann können und müssen wir auch zu einer Senkung der Löhne kommen. Dann wird auch die Beamtenschaft einer Gehaltssenkung zustimmen. Cs ist jetzt die Zeit gekommen, die Kapitalflucht in jeder Form als ein Verbrechen am Vaterland zu brandmarken. 3ch würde es begrüßen, wenn bei jeder Steuererklärung eine eidliche Erklärung darüber gefordert wird, welches Kapital direkt oder indirekt im Ausland angelegt ist. Dieses Kapital könnte dann höher besteuert werden als das inländische. 5>ie Neigung zurKapital- flucht wird geringer werden, wenn das Vertrauen zur Solidität der deutschen Finanzwirtschaft wiederhergestellt ist. Das kann nur geschehen durch eine grundlegende Finanzreform. Eine dauernde Sanierung der Reichsfinanzen wird nur möglich sein, wenn sofort auch die Gemeindefinanzen saniert werden. Das kann geschehen durch Verzehrsteuer oder CBürgerabgabe, aber es muh zugleich bestimmt werden, daß die Realste u e r n der Gemeinden auf die Höhe des Vorjahres zurückgesührt werden. Wir begrüßen den festen Willen des Ministers, 100 Millionen am Etat einzufparen, aber wir meinen, dah weitere Ersparnisse möglich sind und dah die Vorschläge des hansabundes manche wertvollen Hinweise dazu enthalten, wir hoffen, dah auch die Regierung in eine sachliche Prüfung dieser Vorschläge ein treten wird. Den Deckungsvorschlägen der Regierung stehen wir auherordentlich kühl gegenüber (hörtl hort!) Ein Notopfer der Beamten können wir nur billigen, wenn es sich einfügt in ein allgemeines NoIopfer aller leistungsfähigen Schichten. Dir bedauern, dah die Regierung nicht ein organisches Reformprogramm dem Parlament vorgelegt hat. Moldenhauers Pension. Berlin, 8. Juli. (Tel.-Un.) Auf der Tagesord- nung der nächsten Vollsitzung des Reichsrates steht folgender Punkt: Anrechnung einer längeren als der gesetzlich ruhegehaltsfähigen Dienstzeit für Reichminister g.D. Dr. Moldenhauer. — 3n par» lainentarischen Kreisen nimmt man an, daß der Reichsrat über einen Antrag Sr. Moldenhauers verhandeln wird, ihn nach dem alten Minister- Pensionsgesetz zu pensionieren. Nach diesem Gesetz würde Moldenhauer in den Genuß einer höheren Pension kommen, als nach dem neuen von ihm als Reichsfinanzminister ge- machten Minislerpensionsgesetz. Das neue Gesetz sieht vor, daß die Minister, die zur Zeit seiner Verkündung im Amte sind, auf eigenen Wunsch auch nach dem alten Gesetz pensioniert werden können. Die Pension Moldenhauers nach dem alten Gesetz würde etwa 29 500 Mark im Jahre betragen. polensWaffe:derGchulabbau Deutsche Schnlnot in Posen und Pommerellen. Berlin, 8.3uli. (Priv.-Tel.) Obwohl die polnische Verfassung in Artikel 110, der dem Artikel 8 des Minderheitenschuhvertrages entspricht, den polnischen Bürgern, die zu nationalen, konfessionellen und sprachlichen Minderheiten gehören, in gleicher Weise wie den anderen Bürgern das Recht zur Gründung von Schulen und anderen Erziehungsanstalten auf ihre eigenen Kosten sowie zum freien Gebrauch ihrer Sprache ausdrücklich zusichert, zeigt die Entwicklung des deutschen Schulwesens in Posen und Pommerellen, daß diese schönen Satze der Verfassung nur theoretische aber keine praktische Bedeutung haben. Seit 1924 hat sich ständig die Zahl der deutschen Schulen in den beiden Gebieten vermindert. Rach einer Aufstellung im „Posener Tageblatt" sind zum 1. Dezember 1929 von 35119 deutschen Kindern insgesamt 15 825 gezwungen, in polnische Schulen zu gehen, von denen 11 455 Kinder überhaupt ohne deutschen Llnterricht in den polnischen Schulen bleiben. Dor fünf Zähren waren die Verhältnisse noch wesentlich günstiger. 1924 bis 1925 sind in Posen und Pommerellen 70,2 Prozent der deutschen Kinder auch in deutschen Ünterrichtsbetrieben, aber von da an sinkt ihr Anteil beständig, während umgekehrt der Prozentsatz der deutschen Kinder in polnischen Schulen zunimmt, so daß hier nicht etwa ein einfacher Bevölkerungsrückgang für die Verschlechterung in Frage kommt. Diesen Zahlen entspricht ein Rückgang an deutschen Schulen. Innerhalb von fünf Jahren sind 274 deutsche öffentliche älnterrichtsbetriebe in Posen und Pommerellen eingegangen. Im Jahre 1926/27 hat das Deutschtum hier allein 93 Schulen verloren uni> 1929/30 werden 37 gebucht. Der Zuwachs ist diesem Schulabbau gegenüber verschwindend gering. Besonders ungünstig sind die Verhältnisse in Pommerellen. Dort sind innerhalb dreier Jahre 65 öffentliche deutschsprachliche Schulen eingegangen, die normaler Weise durch ebensoviele private Schulen hätten ersetzt werden müssen. Tatsächlich gibt es in Pommerellen aber nur vier private Volksschulen aus dem Jahre 1924. Seit dieser Zeit ist jede Reugründung, um die frischen Lücken auszufüllen, unmöglich, da die Schulbehörden alle nur erdenkbaren Schwierigkeiten machen. Im gesamten ehemaligen preußischen Teilgebiet zählt man gegenwärtig überhaupt nur 84 private Volksschulen, denen ein Verlust von 274 -Schulen seit 1924 gegenübersteht, so daß die .deutschen Kinder zum Besuch der polnischen Schulen gezwungen werden. Allein im Laufe eines Jahres von 1928/29 auf 1929/30 sind in dem betreffenden Gebiet 41 deutsche Lehrer entlassen oder an polnische Schulen verseht worden. Die Zahlen sind ernst genug, und es scheint an der Zeit zu sein, daß zwischen Polen und Deutschland — wo ständig neue polnische Schulen entstehen — eine gewisse Gegenseitigkeit hergestellt wird. Krisenstimmung in England. Schwierige Lage für das Kabinett Macdonald. London, 8. Juli. (WTB.) Die Blätter geben in Besprechungen der innerpolitischen Lage der Ansicht Ausdruck, daß die Regierung sich in einer sehr schwierigen Lage befinde. Bei der Fortsetzung der Debatte über die Finanzvorlage werden die Liberalen eine Abänderung einbringen, wonach Handelsgesellschaften von der Besteuerung chrer Gewinne befreit werden sollen, wenn diese Gewinne zum Ausbau der Betriebsanlagen verwendet werden. Die Konservativen haben ihre ganze Mannschaft mobil gemacht. Wenn es zur Annahme des Antrages kommen sollte, würde diese nach den Erklärungen des Haupteinpeitschers der Arbeiterpartei -um Sturz des Kabinetts Macdonald führen. Die zweite Schwierigkeit der Regierung hängt mit der Kohlenvorlage zusammen, die mit einer vom Oberhaus vorgenommenen Abänderung im Hinterhaus zur Beratung kommen soll. Diese Abänderung, die sich auf die Arbeitszeit in den Kohlengruben bezieht, soll für die Bergleute alle zwei Wochen einen Verlust des Lohnes für einen Arbeitstag bedeuten und ist für die Regierung daher unannehmbar. Infolgedessen wird mit der Zurückziehung der ganzen Vorlage gerechnet, Da das Oberhaus entschlossen zu sein schÄnt, auf der Abänderung zu bestehen. Hinzu kämen noch die Schwierigkeiten in Indien und die Angriffe, die aus Kreisen der Arbeiterpartei selbst gegen die Ar b ei t s l o senpo li t i k der Regierung und die von ihr geplanten Kriegs- schcffneubauten gerichtet werden. „Daily Mail" meint, Reuwahlen im Rovember seien so gut wie sicher. Die „Times" sagt: Es ist kein Wunder, daß sich gestern abend Mitglieder aller Parteien fragten, wie lange die Regierung an* gesichts dieser Schwierigkeiten noch imstande sein werde, chr Schiff über Wasser zu halten. Das RentnerversorgurrgSgeseh. Berlin, 8. Juli. (TU.) Der Deutsche Rentnerverband teilt mit: Tageszeitungen brachten unlängst eine Rotiz darüber, daß der Reichsarbeitsminister im Reichstag die Vorlage eines Rentnerversorgunsgesetzes a 6 g e I ebn t habe. Tatsächlich hat Dr. Stegerwald erklärt, das letzte Wort in dieser Frage sei noch nicht gesprochen. Außerdem hat aber der Haushalts- ausschuh einen vom Plenum am 1. Juli 1930 an» .genommenen Beschluß gefaßt, worin die Reichsregierung aufgefordert wird, den Entwurf eines solchen Gesetzes vorzulegen. Damit wurde der vom Reichstag am 19. Februar 1929 schon einmal gefaßte Beschluß erneut bestätigt. Weiterhin ist für die Rentner von Bedeutung, daß gleichzeitig ein Antrag angenommen wurde, welcher fordert, daß die bisher den Fürsorgeverbänden überwiesenen Fürsorgemittel des Reiches (im vorigen Jahre 35 Millionen, im laufenden Jahr 40 Millionen) nunmehr „z u unmittelbaren Beihilfen an die Kleinrentner verwendet werden sollen". Verstaatlichung der thüringischen Polizei Berlin, 9. Juli. (ERB.) Die thüringische Polizeiverstaatlichung ist, nachdem der Landtag am vorigen Samstag den Rachtragsetat für die Polizei bewilligt hat, mit dem 8. Juli in Kraft getreten. Die staatlichen Polizeidirektoren haben die neu errichteten Polizeiämter in sechs Städten bereits übernommen, darunter die beiden Rationalsozialisten das Polizeiamt in Weimar. Der bisherige Weimarer Polizeileiter wurde in den Warte st and verseht. Die Entscheidung des Staats- gerichtshofcs in dem Streit zwischen dem Reich und Thüringen wegen der nationalsozialistischen Polizeileiter und der damit zusammenhängenden S perre der Polizeizuschüsse wird für den 11. Juli erwartet. Ein preußisches Sparprogramm. Berlin, 8. Juli. (ERB.) Entsprechend den vom preußischen Landtage angenommenen Anträge, der verschärfte Sparmaßnahmen fordert, bereitet die preußische Staatsregierung ein großes Sparprogramm vor, das im Herbst dem Parlament als Gesetzentwurf vorgelegt werden soll. Wie verlautet, sieht das Programm u. a. die Aushebung von rund 10 0 Amtsgerichten und einigen Landgerichten vor. Außerdem sollen etwa 5 0 Landkreise und drei Regierungspräsidien a u f g e h o - b e n werden. Aushebung des Stahlhelmverbotes im Rheinland. Berlin, 8.Juli. (ERB.) Wie die „DAZ." meldet, besteht Aussicht, daß das Verbot der Landesverbände Rheinland und Westfalen-Industriegebiet des Stahlhelms aufgehoben wird. Die Aufhebung des Verbotes soll in den nächsten Tagen, und zwar nochvor demDeginnder amtlichen Rheindlandbefreiungs- feiern erfolgen. Mlidats-Mwiltschast in den deutschen Kolonien Mit jener Heberheblichkeit, die sich die Mitglieder des einstigen Feindbundes nach der Beendigung des Krieges glaubten leisten zu können, erklärte man vor der Welt, Deutschland sei nicht in der Lage, Kolonien zu verwalten. Hnb nahm daraus für sich den erwünschten Anlaß, die deutschen Kolonien unter dem Vorwand von Mandatserteilungen sich selbst zuzuweisen. So standen eines Tages die bisher von deutschen Verwaltungsmännern betrauten Bewohner der Kolonien unter der Fuchtel der Mächte, die von sich glaubten, sie hätten die Kunst der Verwaltung von Kolonien in Erbpacht genommen. Allerdings wurde ihnen die eine Verpflichtung auferlegt, wenigstens vor der Mandatskommission des Völkerbundes hin und wieder Bericht über ihre Arbeit zu erstatten. Dort kann also von Zeit zu Zeit darüber etwas vernommen werden, wie sich die Reuregelung bewährt. Aber — und das muß schon eigenartig berühren — diese Sitzungen der Mandatskommission gehen fast stets unter dem Ausschluß der interessierten Oef - fentlichkeit vor sich: man liebt keine Zuhörer. Trotzdem sickert genug durch, um in großen Zügen über das Herrschaftssystem unserer Tage Bescheid zu wissen. Aus allen unseren ehemaligen Kolonien kommen Mitteilungen über die Mißwirtschaft, die durch die neuen Herren getrieben wird. Deutsch-Ostafrika ist dank der englischen Derwaltungskünste wieder da angelangt, wo es sich bei dem Erwerb durch Deutschland befand: die von Deutschland bekämpfte Zwangsarbeit und die zwangsweise Rekrutierung wird wieder ganz offiziell betrieben. Daneben gehen die bekannten englischen Bestrebungen auf Vereinigung des Mandatslandes mit dem beach- barten britischen ilganba: ein offensichtlich planmäßig vorbereiteter Raub, der sogar schon im englischen Parlament als etwas zu Billigendes besprochen wurde. In Reu-Guinea, das jetzt dem Dominion Australien untersteht, geht man darauf aus, den deutschen Ansiedlern Schwierigkeiten zu machen, um ihnen langsam den Besitz zu verleiden. In Kamerun und Deutsch-Südwest- a f r i k a lieh man die Dinge gehen, wie sie waren, so daß allmählich der Verfall aller Werte, wie sie von Deutschland einmal geschaffen worden sind, eintritt. Und dazu bringt man die Einwohner in schwere gesundheitliche Gefährdung durch die mangelhafte Bekämpfung der Schlafkrankheit. Das trifft übrigens auch für das von Frankreich als Mandat übernommene Togo zu, auch dort grassiert jetzt die Schlafkrankheit in einem Maße, wie sie während der Zeit der deutschen Verwaltung niemals möglich war. Ja, die tüchtigen Kolonisatoren bekommen es sogar fertig, die Mitarbeit der deutschen Forscher und Wissenschaftler auf dem Gebiete der Bekämpfung der Schlafkrankheiten geflissentlich auszuschalten, obwohl man weih, daß ihre Arbeit für den dunklen Erdteil von grohem Segen war. Alle Rachlässigkeiten und Böswilligkeiten wirken sich in einem schweren wirtschaftlichen Riedergang aus, der zu denken gibt. Die Mandatsmächte mühten allein dadurch eigentlich zum Rachdenken veranlaßt werden, ob die viel gelästerte deutsche Kolonialpolitik nicht doch musterhaft war. Aber das Prestige muh erhalten bleiben! Aus aller Well. ^Graf Zeppelin"' zur Nordlandfahrt gestartet. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" stieg Dienstag nacht 12.05 Uhr zu seiner Nordlandfahrt auf. An Dord befindet sich u. a. auch Knut Eckener, der seit seiner Amerikareise zum ersten Male wieder mit dem Luftschiff fliegt. Bemerkenswert ist, daß am 8 Juli der Geburtstag des Gras Zeppe- l i n war, und daß am 8. Juli 1910 Graf Zeppelin mit dem Dampfer „Mainz" eine Reise nach Spitzbergen unternahm, um dort mit einem Fesselballon die meteorologischen Verhältnisse des Nordkaps zu studieren. Zu der Nordlandfahrt, an der 20 Personen teilnehmen, ist das Luftschiff vorn Schweizerischen Automobilklub gechartert worden. Das Luftschiff wird von Friedrichshafen in gerader Linie KursaufdieSüd. we ft spitze Norwegens nehmen und dann die norwegische Küste entlang bis zur Stadt 5) a turn e r f e ft und zum Nordkap fliegen. Ob von dort aus eventuell noch Spitzbergen ein Besuch abgestattet werden wird, hängt von den Wetter- Verhältnissen ab. Eine bestimmte diesbezügliche Zu- sage hat die Fahrtleitung nicht gegeben. Die Dauer der Fahrt wird auf drei Tage berechnet. Die Führung hat Dr. Eckener. Unter den Passagieren befindet sich auch der bekannte Afrikafliegcr M i t • telholzer aus Zürich. Das Luftschiff führt Brennstoff für eine ununterbrochene Fahrt von 4Vi bis 5 Tagen mit sich. Aus dem Rückflug wird entweder die ganze Route wie beim Hinflüge, ober über Schweden und Finnland geflogen werden. Die Landung dürfte Freitagabend oder Samstag früh erfolgen. — Das Luftschiff hat auf seiner Nordland- reise am Mittwoch kurz nach 5 Uhr Köln und gegen Uhr Düsseldorf passiert. Protestaktion her Lübecker Elternschaft Die Erklärungen des Reichsgesundheitsamtes über die Schuld an dem Lübecker Säuglingssterben hat bei den Lübecker Eltern Erregung aus- gelöst. Die Elternschaft vertritt die Meinung, daß gegen die Schuldigen nicht mit der erforderlichen Objektivität vorgegangen worden fei. Auf Einladung eines Berliner Ausschusses werden im Laufe der nächsten Woche Vertreter der Lübecker Elternschaft in einer Besprechung in Berlin neues Material gegen die Lübecker Gesundheitsbehörden bekanntgeben. Man macht den Gesundheitsbehörden den Vorwurf, daß sie über das wirkliche Befinden der erkrankten Kinder allzu optimistische Berichte herausgegeben haben. Hm die restlose Aufklärung und Verfolgung der Verantwortlichen zu erreichen, soll auch das Innenministerium angerufen werden. Sturm auf ein Trierer Separatistenlokal. Trier, 8. Juli. Vor dem im Westen von Trier gelegenen Gasthaus Zepp, einem Hause, das früher ein bekanntes DeickehrSlokal für Besatzungsangehörige und Separatisten war, sammelte sich gestern abend eine größere Menschenmenge an, die Miene machte, das Gasthaus zu sturmen. Der Polizei gelang es, zunächst die tobende Menge zurückzubalten. Als sie sich aber oem Verlangen nach Auslieferung der Familie Zepp widersetzte, wurde sie von der rasenden Menge einfach überrannt. Diese stürmte in das Haus, zerschlug Türen und Fenster und warf die Möbel teilweise aus dem Fenster in die am Hause üorbei- fliehende Mosel. Zepp hatte sich mit seiner Familie so verbarrikadiert, daß man nicht an ihn herankommen konnte. Die Menschenmenge war vor allem dadurch aufgepeitscht worden, daß vor dem Eintreffen der Polizei mehrere Schüsse aus dem Hause gefallen waren, die indessen niemand getroffen hatten. Zuchthaus für ehemalige Separatisten. Der ehemalige Privatsekretär des Separatistenführers Dr. Sorten, Kaufmann Georg Holler aus Biebrich, sowie der Ingenieur Pfeifer, ebenfalls aus Biebrich, hatten sich vor dem Zweiten Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt in nichtöffentlicher Verhandlung wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu verantworten. Das Urteil lautete gegen Holler auf vier Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, gegen Pfeifer auf zwei Jahre Gefängnis und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die beiden Angeklagten waren geständig. Rheinhuldigungsfahrt der Deutschen Burschenschaft. Im Anschluß an die Kampfspiele der Deutschen Burschenschaft im Frankfurter Stadion machten die Teilnehmer sowie eine erhebliche Anzahl Alter Herren eine Huldigungsfahrt an. den Rhein. Der mit etwa 1200 Teilnehmern besetzte Dampfer, von dem die Farben der Burschenschaften aller deutschen Universitätsstädte wehten, wurde in Mainz bestiegen und setzte die Teil- nehmer in Rüdesheim ab, von wo sie sich zum Riederwalddenkmal begaben. Vom Sockel des Denkmals aus sprach zunächst im Ramen der Burschenschafter der befreiten Rheinlande Dr. Herzog (Teutonia, Karlsruhe), der die Freigabe der Rheinlande von fremder Besatzung als den Sieg einer Geistesschlacht feierte, aber auch darauf yinwies, daß es nur ein Zwischen- fieg sei, da das Ziel eines freien Staates im Hinblick auf die Fesselungen, die uns noch auf» erlegt sind, erst erreicht werden müßte. — Für das Saargebiet sprach Dr. Z i r f I e r (Rhenania, München) aus Saarbrücken. So sehr das Saar- volk die Befreiung vom fremden Joche herbeisehne, so wolle _e8 doch nicht, daß über die bisherigen Zugeständnisse hinaus eine vorzeitige Befreiung durch erneute Opfer erstrebt toerbe. Der Kampf an der Saar muh und wird gewonnen werden, da es sich um einen Kampf um Ehre, Freiheit und Vaterland handele. Die 'Feier klang aus mit dem Burschenschafterlied. Dann bestiegen die Festteilnehmer in Aßmannshausen wieder das Schiff, das sie bis nach Braubach und wieder zurück nach Mainz führte. Aufklärung einer Mordtat. Der am 19. Februar an dem Bergwerksdirek- tvr Kramer aus Rachterstedt bei Magdeburg verübte Mord scheint vor der Aufklärung zu stehen. Direktor Kramer wurde, wie erinnerlich, nachts vor seinem Haus durch einen Sch uh aus der Dunkelheit getötet, und es gelang nicht, den Täter zu ermitteln. Am Montag erschien nun d i e Frau d es Heilgehilfen Koch aus Hoym bei der Grubendirektion in Rachterstedt und gab an, daß ihr Ehemann den Mord an Direktor Kramer begangen habe. Koch war bis zum Jahre 1929 als Heilgehilfe und Bademeister auf der Zech e beschäftigt gewesen und wegen Llnregelmähigkeiten von Kramer entlassen worden. Die Frau, die Wohl ein unruhiges Gewissen und Familienstreitigkeiten zu ihrem Schritt veranlaht haben, hat ihre Angaben vor dem Richter wiederholt. Otto Koch wurde fest genommen und dem Gefängnis in Halberstadt zugeführt. Bisher bestreitet er die Tat. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben gegen Koch schwer belastendes Material zutage gefördert. Die Ehefrau des Derhafteten gab bei ihrem Verhör an, daß ihr Mann die Waffe nach der Tat in einen Müh lengraben geworfen habe. Der Mühlengraben wurde abgelassen und man fand öie Waffe, ein Militärgewehr, Modell 98, an der bezeichneten Stelle Vor7 hohe Zuchthausstrafen im Prozeß Meußdörfer in Bayreuth. In Bayreuth begann vor dem Schwurgericht der Prozeß gegen die beiden Arbeiter Schuberth und Popp aus Kulmbach, denen zur Last gelegt wird, in der Rächt zum 4. Rovember 1929 in die Billa Meußdörfer in Kulmbach eingedrungen zu sein mit der Absicht, dort Gegenstände zu entwenden und den Kommerzienrat Meußdörfer zu entführen. Bei diesem Einbruch haben die beiden Angeklagten die Frau Kommerzienrat Meußdörfer bei dem Versuch, sie zu knebeln und zu fesseln, gewürgt. Frau Meußdörfer ist bald darauf an den Folgen der Mißhandlung g e ft o r b e n. Nach eingebenden Verhandlungen fällt das Gericht folgendes Urteil: Die beiden Arbeiter Friedrich Schuberth und Heinrich Popp sind schuldig je eines in Mittäterschaft aus- geführten Versuchs eines Verbrechensdesbe- sonders schweren Raubes. Schuberth wird zu sechs Jahren Zuchthaus, Popp zu vier Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Beide haben die Kosten zu tragen. Wegen der Niedrigkeit der Gesinnung, der das Verbrechen entsprang, wird auf fünf Jahre Ehrverlust erkannt und wegen der Gemeingefährlichkeit auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. In der Begründung wird u.a. folgendes ausgeführt: Die beiden Angeklagten haben nach Ueberzeugung des Gerichts in bewußtem und gewolltem Zusammenwirken gehandelt. Es sei sehr wohl möglich, daß die Absicht von Schuberth zunächst auf das Ziel gerichtet war, die Herrschaft über Kommerzienrat Meußdörfer zu erlangen, ihn zu verschleppen und dadurch Lösegeld zu erpressen. Aber ebenso gewiß sei, daß beide Angeklagte vorsorglich sich auch darüber geeinigt hatten, das Haushaltungsgeld der Frau Meußdörfer wegzunehmen, wenn sie ihre sonstigen Pläne nicht verwirklichen könnten. Diese Wegnahme ist nicht gelungen aus dem von den Willen der beiden Angeklagten unabhängigen Umständen, daß sie kein Geld vorfanden. Das ist gemeinschaftlich ausgeführter versuchter Raub. Bei diesem Versuch wurde auch e i n M e n s ch getötet. Die Drohungen haben den Tod nicht nachweisbar verursacht, wohl aber die Gewalt mit ihren Folgen. Ob nach der Mißhandlung der Frau M. sich noch irgend jemand an der Frau vergriffen hat, ist in keiner Weise feststellbar. Auf einem ungesicherten Bahnübergang überfahren. Ein mit 16 Personen besetzter Kraftwagen wurde von einem aus Lehnin (Mark) kommenden Zuge der Lehniner Kleinbahn kurz von Grohkreutz auf einem ungesicherten Bahnübergang überfahren. Der Wagen wurde etwa 15 Meter mitgeschleppt. Eine Person wurde tödlich verletzt, während drei andere anscheinend schwere, und mehrere Insassen leichte Verletzungen erlitten. verhängnisvolle» Spiel mit einer Handgranate. In Halle nahm ein elfjähriger Schüler eine Handgranate, die er im Bauschutt gefunden hatte, nach Hause und machte sich dort in der Rähe des Ofens damit zu schaffen. Plötzlich explodierte die Granate und riß dem Jungen die Kinnlade und die linke Hand weg. Er war sofort t o t. Die im Nebenzimmer weilende Mutter wurde an der Schulter schwer verletzt, ein jüngeres Kind an den Händen. Wegen einer Streichholzschachtel zum Mörder geworden. Zwischen einem 42 Jahre alten Arbeiter und einem bei ihm als Kostgänger wohnenden 65jährt- gen Invaliden kam es in Wanne wegen einer Streichholzschachtel zu einer heftigen Auseinandersetzung. Der Invalide griff im Verlaufe der Streitig- keit z u einem dolchartigen Messer und brachte dem Arbeiter so schwere Verletzungen bei, daß er bald darauf ft a r b. Der Täter wurde verhaftet. Der Erstochene hinterläßt 5 unversorgte Kinder. Schwerer Linbruch-diebstahl in einem Karlsbader Hotel. In dem bekannten Karlsbader Hotel „3m* perial" wurde ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt, bei dem Schmuckgegenstände im Werte von über 400 000 Mark gestohlen wurden. Der Dieb war in die Hotelzimmer der in Karlsbad zur Kur weilenden Amerikanerin Frau Hyman aus Chikago eingestiegen und hat eine Perlenh alske t te mit 96 echten Perlen, einen Platinring mit großen Diamanten und einen Ring mit kleineren Brillanten gestohlen. Die Polizei hat bereits die Behörden der Rachbarländer verständigt, da man annimmt, daß der Täter, der ebenfalls im Hotel gewohnt hat, über die Grenze flüchten wird. Ein germanisches Reitergrab entdeckt. Bei der Erforschung von Grabstätten aus der Völkerwanderungszeit wurde in Celakowitz bei Drandeis in Böhmen ein germanisches Reitergrab entdeckt, ein Fund, der, wie Fachleute erklären, für Mitteleuropa eine Seltenheit darstellt. Es handelt sich um das Grab eines germanischen Kriegers zu Pferde. Das in 31/, Meter Tiefe bloßgelegte Skelett des Germanen und das seines Schlachtrosses sind vorzüglich erhalten. Ferner wurden aus den bisher aufgedeckten 17 Gräbern außerordentlich wertvolle Dronce- und Goldarbeiten, Schnallen und Spangen mit typisch germanischer Gravierung geborgen. Der Vesuv in Tätigkeit. Der Vesuv ist seit Montag morgen in eruptiver Tätigkeit. Der Ausbruch erinnert in seiner Art an den vorn Jahre 1927. Da die Lavaströme nur geringen Umfang annehmen, glaubt man, daß feine Gefahr für die zunächst liegenden Ortschaften besteht. Aus der Provinzialhauptstadt. Dietzen, den 9 Juli 1930. (Line Motte am Zensier. QIn der großen Spiegelscheibe eines Restau- rants flatterte eine Motte. Ich sah ihr eine ganze Weile zu. Sie flatterte empor bis zum Rahmen, mühsam, sich an die glatte Fläche krampfhaft anklammernd und doch immer wieder abgleitend, so dah sie sich durch Flügelschlag helfen mutzte. Jedesmal, wenn sie abgeglitten war, stieß sie kräftig gegen die Scheibe, datz es einen vernehmbaren Laut gab. Das war gart) gewih keine Annehmlichkeit und noch weniger ein Vergnügen. Gesucht hat sie diese Kletterei auf keinen Fall. Da das Fenster etwas geöffnet war, wäre eS nur nötig gewesen, datz sie sich, am Rahmen angekommen, dort festklammerte, über ihn kletterte, und so wäre sie inS Freie gekommen, wohin sie wollte. Aber so oft sie am Rahmen angekommen war, flatterte sie um so kräftiger, ergriff nicht das Holz, das festen Halt geboten hätte, sondern lieh los, fiel ein Stück herab und begann ihre vergeblichen Bemühungen von neuem Sie Arbeitete sich müde, sie sank ganz nieder auf da- Fensterbrett, rastete ein Weilchen, begann dann wieder, bis sie müde war und kam nicht dahin, dah sie den schmalen Rahmen überkletterte. Mehr als einen Meter mühsamen Wegs legte sie immer und immer wieder zurück; diese zwei Zentimeter bewältigte sie nicht. Auf dieser gro- tzen Fläche der Glasscheibe suchte sie, vom Schein getäuscht, die Freiheits dort, wo di« Freiheit wirklich winkte, suchte sie sie nicht. Das täuschende Glas führte sie in die Irre; dem echten Holz, daS nichts vortäuschte, vertraute sie nicht. Oder täuschte auch der schmale Rahmen? Ia, er täuschte einen unübersteigbaren Abschluß vor und war doch nur eine Schranke, die es zu überwinden galt, um die Freiheit zu erlangen. Ein unvernünftiges Tier! sagte ich mir. Cs ist doch wahrhaftig eine einfache Sache, die Freiheit zu erlangen. Dann aber überlegte ich, Ratürlich — mir, der ich weih, was Glas ist, der daS ganze Fenster überblickt, der weih, wo die Scheidewand des Glases endet, mir erscheint es als sehr leicht, an Stelle der Motte die Freiheit zu erlangen. Aber das Bemühen der Motte auf mich und meine Lebensformen angewandt, wie steht es da? Ist es so sicher, dah ich nicht genau so meinen Kopf an einer Glaswand Wundstoße, dah ich unsägliche Mühe anwende, um zu einer gewissen Freiheit zu gelangen, und di« kleine Schranke eines Rahmens als großes Hindernis ansehe, während es das einfachste und Ratürlichste meines Handelns wäre? Cs ist nicht unmöglich, daß einer, der einen größeren Umblick hat, mein Denken und Handeln als genau so töricht ansieht, wie ich das der Motte. Und nicht nur das. Trifft es nicht im Grunde auch auf die ganze Menschheit zu? Wissen wir so genau, daß wir nicht genau so wie die Motte handeln? Daß wir uns an einer spiegelnden, täuschenden Scheibe den Kopf einrennen und den nahen, den offenen Weg zur Freiheit nicht finden? S. Daten für Donnerstag, 10. Aul». Sonnenaufgang 3.54 Uhr, Sonnenuntergang 20.15 Uhr. — Mondaufgang 20.49 Uhr, Monduntergang 2.46 Uhr 1509: der schweizerische Reformator Johannes Calvin in Novon geboren; — 1919: der Musikgelehrte Hugo Riemann in Leipzig gestorben. Hornottzcn. — Tageskalender sür Mittwoch. Romanisches Seminar der Universität: Französischer Theater- und Deklamationsabend, 20.15 Uhr, im Musiksaal des Realgymnasiums. — Rational- sozialistischer Deutscher Studentenbund: Oeffent- liche Versammlung, 20.30 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — DHD.: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, Hotel Kohler. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Zigeunerrache" und „Tempi". " Das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes, in dem mehr als 32 000 Reichs-, Staats- und Gemeindebeamte organisiert sind, hält seine zweite Hauptausschuhsitzung (8. Dertretertag) am Samstag, 1 2. 3 u I i, im „Dankettsaal" der Liedertafel zu Mainz ab. — Am Sonntag, 13. Iuli, nehmen dann sämtliche Vertreter an der großen Befreiungskundgebung der deutschen Beamtenschaft in der großen Stadthalle teil. ** Aenderung im Kraftpostfahrplan. In den Fahrplänen der Kraftposten im Oberpost- direktionsbezirk Darmstadt ist u. a folgende Aenderung eingetreten. Auf der Strecke Gießen—Wißmar ist im Fahrplanbild 4 im Aushangfahrplan (Bild 7 im Kraftpostführer) die Fahrt 6a zu streichen. * Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Am Sonntag, 13. Iuli, vormittags 10 Uhr, findet, wie man uns mitteilt, eine 2Tb- nahm« im Schwimmen für das Deutsche Tum- uno Sportabzeichen in der Müllerschen Badeanstalt statt. Di« Teilnahme ohne vorschriftsmäßiges Urkundenheft ist ausgeschlossen. ** Aerztlicher Fortbildungslehr. gang in Bad-Nauheim. Der siebte Fortbildungslehrgang der Bereinigung der Bad-Nauheimer Aerzte findet vom 2. bis 4. Oktober 1930 über Pathologie und Therapie der Zirkulationsstörungen statt. Es sind für jeden Tag eine Reihe interessanter Dorträge von namhaften deutschen und auswärtigen Medizinern vorgesehen. Die wissenschaftliche Arbeit des Lehrganges wird von Veranstaltungen der Bad- unb Kurverwaltung umrahmt. ” Tierschutz im Sommer. Um während der Sommermonate den Tieren das Dasein zu erleichtern, gibt es mancherlei zu beachten. Zum Beispiel sehe man Kanarien- und andere Käfig- vogel nicht der grellen Mittagssonne aus. Pferde und andere Zugtiere, die warten müssen, stelle man an einen schattigen Ort und gebe ihnen reichlich zu trinken. Zum Schuh vor quälenden Insekten, wie Bremsen, hilft dem Pferde eine Einreibung mit Bremsenöl. Man verwehre den gieren niemals, den Durst zu stillen und sorge dafür, daß alle Tiere, auch Geflügel und Kanin- chen,^ bet großer Hitze reines Trinkwasser zur Verfügung haben. Man läßt den Hund bei Radausflugen zu Hause. Den Kettenhund lasse Pian’ cr.£ großer Hitze, einige Stunden frei. Die ständig eingesperrten oder an die Kette gelegten Tiere sind für Krankheiten viel empfänglicher. Man sorge auch dafür, daß die Trinkgeschirre der Hunde am Tage mit frischem Wasser gefüllt und sauber gehalten werden. Man schütze die nützlichen Vogel, sie sind die besten Freunde des Landmanns, des Obstzüchters und des Forstwirts; wenn die jungen Vogel ausfliegen, dann Oie Arbeitsmarktlage in Oberheffen. Aus dem Zunt'Belicht des Arbeitsamtes Gießen. Die Lag« des oberhefsischen Arbeitsmarktes hat im Monat Iuni d. 2. keine wesentliche Besserung erfahren, vielmehr ist eine gewisse Stagnation eingetreten. Die Fluktuation war überaus groß. An Zugängen kommen in der Berichtszeit 3033 Arbeitsuchende gegenüber 2741 des Vormonats in Betracht, somit liegt ein weiteres Anwachsen der Arbeitsuchenden vor. Die sich bauend) verschlechternden Beschäftigungsmöglichkeiten lassen den Schluß zu, daß die Zahl der Arbeitsuchenden vielleicht den Tiefstand erreicht haben. Die Absatzschwierigkeiten, die hauptsächlich in der Metallindustrie zu verzeichnen sind, lassen mit einem weiteren Zugang von Arbeitsuchenden rechnen. Mit einer Zunahme der Bautätigkeit ist nicht zu rechnen. Die Zahl der Arbeitsuchenden am Ende der Derichtszeit betrug 6446 gegenüber 7119 des Vormonats und 1614 des Vorjahres. Arbeitslosenunter- st ü tz u n g erhielten 4364 und Krisenunterst ü h u n g 646. Von den im Monat Iuni zugegangenen Unterstützungsempfängern wiesen 51,6 Prozent bis 39 Wochen, 12,2 Prozent bis 52 Wochen und 36,2 Prozent über 52 Wochen Anwartschaf tsxeiten nach. Der Prozentsatz von 36,2 beweist, daß im letzten Monat eine große Anzahl von Arbeitskräften zur Entlassung gebracht worden ist, di« in Dauerbeschäftigung stand Trotz der schlechten Marktlage konnten 1137 Arbeitsuchende vermittelt werden. 227 Unterstützungsempfänger wurden von ihrem früheren Arbeitgeber zurückgerufen. Aus den einzelnen Derufsgruppen ist wie folgt zu berichten. In der Landwirtschaft sind durch die günstige Witterung die Auhenarbeiten erheblich fortgeschritten. Die Lage in der Forstwirtschaft ist unverändert geblieben. In der Derichtszeit konnten 409 Arbeitsuchende in der Landwirtschaft untergebracht werden. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 194 gegenüber 209 des Vormonats. Der Arbeitsmarkt im Bergbau neigt zu einer weiteren Verschlechterung. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 197 gegenüber 199 des Vormonats. Die Arbeitslosenkurve hat in der Industrie der Steine und Erden kaum eine Senkung erfahren. Am Ende der Derichtszeit waren 821 Arbeitsuchende gegen 902 des Vormonates zu zählen. Die Lage im Holzgewerbe ist sehr gedrückt. Die Sägewerke, die bislang gut beschäftigt waren, klagen über Absahmangel. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug am Ende der Derichtszeit 399 gegen 363 im Vormonat. In der Metallindustrie hat sich die Marktlage ebenfalls verschlechtert. Am Ende der Derichtszeit wurden 1033 Arbeitsuchende gegen 1036 des Vormonats gezählt. Die Marktlage im Rahrungs- und Ge - n u ß m i 11 e l g e w e r b e zeigte am Anfang der Derichtszeit eine gewisse Besserung, schlug ledoch am Ende der Berichtszeit in eine Verschlechterung um. Cs standen am Ende der Derichtszeit dem Arbeitsmarkt 161 Arbeitsuchend« gegen 168 des Vormonats zur Verfügung. 3m Bekleidungsgewerbe flauten die Deschästigungsmöglichkeiten ab. In der Schuhindustrie ist die Lage nach wie vor als schlecht zu bezeichnen. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 167 gegen 179 im Vormonat. Im Baugewerbe hat sich die ungünstige Lage bis jetzt kaum geändert. Am Ende der Berichtszeit wurden 1080 Arbeitsuchende gegen 1285 des Vormonats gezählt. Die Marktlage im G a st - und Schank- wirtschastsgewerbe kann als gut be- bezeichnet werden. Zur Zeit sind tüchtige männlich« und weibliche Fachkräfte gesucht. Die Arbeitsuchendenzahl betrug 33 gegen 33 im Vormonat. Die Arbeitsmarktlage im Verkehrsgewerbe hat keine nennenswerte Veränderung erfahren. Am Ende der Berichtszeit waren 200 Arbeitsuchende gegenüber 194 des Vormonats verfügbar. Auf dem Arbeitsmarkt der Lohnarbeit wechselnder Art boten sich nur geringe Unterbringungsmöglichkeiten. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1378 gegenüber 1784 im Vormonat. Oie Abteilung Berufsberatung weist im Monat Iuni 1930 125 Deratungsfälle (65 für männliche und 60 für weibliche Ratsuchende) auf, davon waren 93 Ratsuchende (43 männlich« und 50 weibliche) zu wiederholter Beratung erschienen. Unter den 32 Besuchern (22 männlichen und 10 weiblichen), die die Berufsberatung zum erstenmal in Anspruch nahmen, waren 18 Volksschüler und 7 Volksschülerinnen, 3 männliche und 3 weibliche Besucher hatten mittlere oder höhere Schulbildung. Im Monat Iuni kamen 15 Lehrstellen (12 für Knaben und 3 für Mädchen) zur Anmeldung. 8 Knaben und 4 Mädchen konnten in Lehrstellen vermittelt werden. — Die Wirtschaftskrise macht sich auch auf dem Lehrstellenmarkt bemerkbar. Viele Arbeitgeber haben in diesem Iahre von der Einstellung eines Lehrlings abgesehen. halte die Katzen im Haufe. Auch die Raubvögel, besonders Eulen, Turmfalken und Bussarde, sind als Mäusejäger sehr nützlich. Alle Raubvögel (mit Ausnahme von Habicht und Sperber) sind jetzt das ganze Iahr streng geschützt und dürfen nicht geschossen werden. Große Strafkammer Gießen. 'Gießen, 4. Iuli. Anfang Februar dieses Iahres wurde in Lollar ein von hier stammender Familienvater, der nach einer Deschäftstour sich auf dem Heimweg befand, von einem hinter ihm herkommenden Kraftwagen derart angefahren, dah er infolge der erlittenen schweren Verletzungen am nächsten Tage in der Klinik verstarb. Der Führer des Kraftwagens muhte sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Zunächst gab er an, von einem ihm entgegenkommenden Kraftwagen so stark geblendet worden zu fein, daß er die Fahrbahn nicht mehr habe überblicken können. Ein andermal behauptete er, der Verstorbene sei vorher gestolpert und zu Boden gefallen. Durch die erhobenen Beweise erwiesen sich aber die verschiedenen Darstellungen des Angeklagten als nicht den Tatsachen entsprechend, vielmehr ergab sich einwandfrei,' dah der Angeklagte sein Augenmerk gar nicht auf die vor ihm liegende Fahrbahn gerichtet und aus diesem Grund den Fußgänger vor sich nicht bemerkt hatte. Er hat daher in ganz grobfahrlässiger Weise den Zu- sammenstoh und den Tod eines Mitmenschen verschuldet. Das hiesige Schöffengericht hatte ihn wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Die von ihm zwecks Milderung des Urteils verfolgte Berufung hatte keinen Erfolg. Auch das Berufungsgericht kam zu dem gleichen Ergebnis und verwarf kosten- fällig die Berufung, da in solchen Fallen der Strafzweck durch Geldstrafen nicht zu erreichen sei, und durch Verhängung empfindlicher Strafen gegen derartige pflichtvergessene Kraftwagen- führer vorgegangen werden müsse Strafkammer Gießen. 'Gießen, 4. Iuli. Ein schon wiederholt vorbestrafter Betrüger, der sich als Direktor einer Reklamegesellschaft ausgab, suchte im vergangenen Iahre in größeren Badeorten, wie Bad-Rauheim, Bad Mergentheim, Baden-Baden und Kissingen alleinstehende, gewerbetreibende Frauen auf, die er in den meisten Fällen zur Erteilung von Reklameaufträgen zu überreden verstand. In der Regel gab er an, daß sein Unternehmen in neuzeitlicher Form Reklamen auf Seidenstoffblättern zusammenstelle, auf denen die betreffenden Firmen in Goldschrift aufgedruckt würden. Er verpflichtete sich dabei, die so in Form von Zeitungen zusammengestellten Mappen gegen einen Abonnementspreis von 30 Mk, in allen größeren Hotels und Kaffeehäusern aufzuhängen. Meist gelang es ihm auch, größere Teilbeträge sofort einzukassieren. Hierauf kam es ihm auch allein an. Seine Versprechungen loste er niemals ein. Das ganze Unternehmen bestand nur aus seiner Person. Das Amtsgericht Bad-Rauheim verurteilte ihn wegen fortgesetzten Betrugs zu vier Monaten Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft verfolgte gegen dieses Urteil Berufung, da die Strafe zu gering erschien. Die Berufung hatte Erfolg. Unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils wurde die Strafe auf a ch t Monate Gefängnis erhöht. Gelegenllich des Friedberger Pferdemarktes nahm ein Landwirt eine neben einem Pferde liegende Pferdedecke an sich und verbarg sie in einem Sack mit Heu. Rachdem es der Polizei noch am gleichen Tage gelungen war, den Landwirt ausfindig zu machen, behauptete er, die Decke sei versehentlich mit Heu in den Sack gesteckt worden, die Decke habe er gefunden, er habe sie nur aufheben wollen, bis der Verlierer ermittelt sei. Diesen Angaben schenkte das Amtsgericht Friedberg keinen Glauben. Wegen Rück- salldiebstahls wurde der Landwirt zu d r e i M o - n a t e n Gefängnis verurteilt. Seine Berufung hatte keinen Erfolg. Das Derufungs- ?ericht war der gleichen Meinung und verwarf ostenfällig die von dem Angeklagten eingelegte Berufung. Preußen. Kreis Wetzlar. -z- Lützellinden, 8. Iuli. Wie schon kürzlich an dieser Stell« kurz berichtet, beabsichtigt bie hiesige Gemeinde, ihr an der „Zechweide" gelegenes Wiesengelände, ferner die Gemeindewiesen an der „Suhrbach" durch eine systematische Kultivierung ertragsfähiger zu gestalten. Beide Geländeflächen leiden in erheblichem Umfang« an stauender Rässe, liefern saures Futter, und sind daher von sehr geringem Ruhwert, der im Verhältnis zu ihrer Gröhe kaum noch als solcher zu bezeichnen ist. Rach wiederholten Besichtigungen ourch Fachkommissionen und behördlich« Vertreter will die Gemeinde nun endlich eine Aenderung dieses wenig erfreulichen Zustandes herbeiführen. In der jüngsten Gemeinde- ratssihung wurde beschlossen, den Dorschlä gen des Leiters der Grünlandabteilung des landw. Vereins für Rheinpreuhen, Administrator Siebold aus Bonn, nachzukommen und die Ländereien trockenzulegen und für die Edelgrassaat vorzubereiten. Die Trockenlegung soll durch eine hier noch neue, in England gebräuchliche Methode, die sog. Maulwurfsdrainage erfolgen, die yinsichtlich der Anwendungsmöglichkeiten und Kostenersparnis wesentliche Vorteile bietet. Rach der Entwässerung wird das Land tief umgepflügt und einige Iahre landwirtschaftlich bebaut, woraus es dann erstklassiges Grünland abgeben soll. Don fachmännischer Seite wird die beste Ausnützung der kultivierten Ländereien in der Einrichtung von Iungviehweiden gesehen, welche, von einer noch zu bildenden Interessengemeinschaft hiesiger Landwirte verwaltet, der heimischen Viehzucht zu einem bemerkenswerten Aufschwung verhelfen dürften. Sämtlich« Drainie- rungsarbeiten werden unter der Aufsicht des Kreistiefbauamtes zu Wetzlar und des Land» mafchineninstitutes der landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn durch einen Unternehmer mittels motorischer Kraft ausgefübrt. Reben angemessenen Beihilfen werden der hiesigen Gemeinde auch Kapitalien zu verbilligtem Zinsfuß von der preußischen Regierung zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt. Durch den begrüßenswerten Beschluß der Gemeindevertretung werden insgesamt 80 Morgen Gemeindegelände in ertragreiche Wiesen um gewandelt. A'rcie Marburg. j l Marburg, 6. Iuli. Wie mitgeteilt wird, hat der Magistrat beschlossen, die Ueberschreitung der Kosten des Hallenschwimmbades in Hohe von 185 000 Mk. so zu regeln, dah 13 000 Mark aus weiteren Schenkungen, 113 000 Ult. aus vorhandenen Anleihemitteln und die restlichen 59 000 Wk. aus einet weiteren Anleihe bei der städtischen Sparkasse bestritten werden. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. ' Das A m t s ve r k ü n d i g u n g s b l a t t Rr. 51 vorn 8. Iuli enthält: Die Einfuhr von Kirschensendungen nach Schottland. — Die Einrichtung und den Betrieb von Aufzügen. — Verzeichnis über Personen, die durch Einbürgerung im Auslande ihre deutsche Staatsangehörigkeit verloren Haven Tagung für gcschicht» liche Städtekunde. — Feldbereinigung in der Gemarkung Lauter. — Dienstnachrichten. dingefanöt (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Bewegliche Klage aus Dießen. Wonach riecht es jetzt, wenn man die größte Lindenallee Gießens entlang promeniert? — (Rach Benzin, Benzol und Staub!) Wie sehen die Grünflächen der Sudanlage aus? — (Gelb, denn sie werden nicht gesprengt!) Was wird noch mehr nicht gesprengt? — (Die Straßen, weil man zwischen Wasserentnahme aus der Lahn und der Leitung die Wahl — nach Buridan — hat.) Worauf wartet man, bis die abgestorbenen Bäume in der Plockstraße erseht werden? — (DiS die noch übrigen auch vertrocknet sind.) Wann und wo ist in Gießen etwas los? — (In jeder Rächt von Samstag auf Sonntag von 3 Uhr ab Plockstraße Südanlage: Motorenwettgeknatter, gesangartiges Geschrei und ge- schreiartiger Gesang, Baumeln und Taumeln; Zutritt frei, ohne Polizei.) (Sin Gießener Bürger. Oie Wetterlage. BSrei aritsfr a—y KHom 2 —4- 22 « fetoni ' AO /2 / 47 Wien mßnt 2X4 Vthxt Aß 2 iw .M-üS ewolkenlos.O neue) 3Mio oeaetki e vonug. eoeaecki entgeh * Sehnte & Qraupein « Ncoci K Oewnier@win Is. Roflmann, Eehxell (Wetter.),Fernspr.36 Amt Reichelaheim. Kurzgeschnittenes Heute letzter Tag: 1. Dolores del Rio in: Zigeunerrache 2. Tempi Eine Geschichte aus der afrikanischen Wildnis Beuteln gesucht für Monovolartikel, den jeder Krastfahr. lausend benötigt. Grost.Berdienstmög- lichkeit. Off. 11. H.4078 nn Ala Haasenstein & Vogler, Mttnehen. Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten banken wir herzlich WM ZReut und Iran Oiii'tie, geb. Henrich Gießen, den 9. 3u(i 1930 DerTeufelsreporter Spannung-Sensationen-Humor [Verschiedenes! Neue 4938D Frühkartoffeln! Böhtns allerfrüheste gelbe, la auSgereifte Wetterauer Ware, Mk. 4.80 per Ztr. inkl. Sack, versendet ab Station Echzell gegen Nachnahme Ludwig Erb, Kar toffclveriandgcsch. Echzclli.d.Wetterau Tel. Amt Reicheis- betm 21. Auf alle nicht besonders ermäßigte Sommer wäre,wie Kieler Waschkleidung, Drell-u.Bayemhosen usw. 20% Rabatt« Kurzwaren 107» Rabatt 4312 A ferner empfehle: Diverse Sort. Käse Frische Land- und Tafelbutter Frische Eier. El Kotau Babnbofstraste 59, Telephon 3866. Familie Albert Rinn Ernst Hörr und Frau Die Beerdigung findet Donnerstag, den 10. Juli, nachmittags 21/, Uhr, vom Sterbehaus, Marktstr afie 6, aus statt Gestern abend 11 Uhr ist meine liebe Frau, unsere gute, treusorgende Mutter, Schwiegermutter,Großmutter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin,Gote u.Tante Wilhelm Hörr I. Familie Adolf Rinn Nr. 158 Zweites Blatt Mittwoch, 9. Juli 1950 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Oie feiernden Deutschen Dem „Deutschenspiegel", der bekannten Wochenschrift des Reichsbürgerrats (Prä- fident Staatsminister a.D. von Loebell) entnehmen wir folgende, nach unserer Meinung sehr beachtenswerte Ausführungen: Kein Deutscher hat ohne große innere Bewegung die Nachrichten über das Abziehen der Desatzungstruppen aus dem Rheinlande verfolgen können. Endlich, nach mehr als elf langen, schweren Jahren ist der fürchterliche Druck der fremden Militärherrschast vom Rheinlande genommen worden. Es war ein langer und steiler Weg, der von jenem Wort Poincarös, daß die Räumungsfristen überhaupt noch nicht zu lausen begonnen hätten, bis zu der heute vollzogenen Räumung des besetzten Gebiete- ging. Daß die Rheinländer selbst an den Tagen, die sie von dem jahrelang auf ihnen lastenden Druck befreiten, nicht viel danach fragten, ob zur Ueberwindung dieses Weges die von Deutschland amtlich verfolgte politische Richtung oder die allgemeine europäische Entwicklung bedeutsam war, dah sie in der ersten Freude die starken Beschränkungen der Souveränität des Reiches im Rheinland übersahen, dah sich bei ihrem leicht überschäumenden Temperament ihr erstes befreites Aufatmen in laute Fröhlichkeit äuhern muh, ist selbstverständlich. Berechtigt und natürlich ist dieser laute Jubel in den Rheinlanden selbst. Aber die allzu kritiklosen Festartikel im übrigen Deutschland und insbesondere die Feiern und Kundgebungen des amtlichen Deutschland reizen zum Widerspruch. Der einzige, der diese lockende Gelegenheit zu einer wirklichen politischen Aussprache benutzt hat, war der Reichsinnenminister Dr. Wirth in Mainz. Er hat es als einziger verstanden, der Rheinlandfeier eine besondere Rote zu geben, indem er den Rachdruck auf die unerfüllten Forderungen Deutschlands legte und das ganze deutsche Volk zu gemeinsamer Arbeit aufrief zur Ueberwin- düng der Wirtschaftskrisis. Dah Deutschland noch nicht frei geworden ist, das muhte in dieser Stunde gesagt werden, und das muhte so gesagt werden, wie es der Reichsinnenminister gesagt hat. Ratürlich gibt es Unterschiede in den Formulierungen. Aber die meisten amtlichen Reden, die bei dieser Gelegenheit vom Stapel gelassen wurden, die meisten Kundgebungen, die überall im Deutschen Reiche veröffentlicht wurden, hatten überhaupt keinen wirklichen persönlichen Ton. Alles war mehr oder weniger Klischee, der matte Abglanz unseres bürokratischen Betriebes. Es waren im Kanzleizimmer aus Massenwirkung berechnete und im Instanzenweg hergestellte Kundgebungen. Dah die meisten Minister ihre Reden von einem oder mehreren Referenten sich zusammenstellen lassen, ist bekannt und mag auch berechtigt fein, wenn dabei Ressortangelegenheiten behandelt werden, von denen die Minister keine speziell« Kenntnis haben. Die grohe Bolksrede aber soll durch die Persönlichkeit und die weiten, großen Gesichtspunkte wirken. Es mag fein, daß vielleicht dieser oder jener Teilnehmer an dieser oder jener Befreiungsseier einen besseren Eindruck gehabt hat. Wer aber dazu verurteilt war, aus beruflichen Gründen alle diese Reden zu lesen, der hat von den meisten von ihnen einen geradezu trostlosen Eindruck erhalten und muhte zum Schluß resigniert feststellen, dah sich weder diejenigen, die die Reden versaht, noch diejenigen, die sie gehalten haben, in geistige Unkosten gestürzt haben. Es gab in Borkriegszeiten schon einmal einen Typus Festredner, der allen seinen Zuhörern stark aus die Rerven ging: den regelmäßigen Kaiser-Geburtstagsredner, den seine Ordenssehnsucht nicht zur Ruhe kommen lieh. Wir haben inzwischen erkennen müssen, daß itixir der Gegenstand des Byzantinismus wechseln kann, daß aber die zugrunde liegende geistige Haltung anscheinend unvergäng l i ch ist. Monarchien können zusammenstürzen, neue Staats» sormen können oufgerichtet werden, über allem Wechsel der Geschicke aber bleibt unveränderlich jene Spezies Menschen, denen das Festredenhalten zum Lebensbedürfnis geworden ist und die im „Klimbim" die höchste Aeuherung des öffentlichen Lebens sehen. Rimmt sich dann eine geschäftstüchtige Reportage dieser Dinge noch energisch an. dann erlebt Deutschland wieder einmal „eine große Zeit". Wir wollen mit solcher Kritik nun nicht behaupten, dah die gesamten Rheinlandseiern Klimbim gewesen seien. Wir wollen aber feststellen, dah die Grenze des Kitsches vielfach durch eine allzu reiche Pflege leerer Phrasen überschritten worden ist. Vielfach kam die Wahrhaftigkeit in einem fast unerträglichen sentimentalen Getue zu kurz. Haben wir es nötig, jetzt den Franzosen auf Grund von ein paar billigen Gesten zu bescheinigen, dah sie sich manchmal im Rheinland ganz manierlich benommen hätten. Schlieh- lich kommen wir noch dahin, den ganzen Ruhrkampf als ein Missverständnis hinzustellen. Ein sozialistischer Festredner konnte es sich schon nicht verkneifen, auch dem französischen Außenminister Driand namens des deutschen Volkes seinen gerührten Dank auszusprechen! Wir werden unsere noch unerfüllt gebliebenen Forderungen weder mit Deklamationen patrio- tischer Phrasen, noch mit servilen Lakaienmanieren durchsetzen. Wir werden die trotz der heutigen Feiern bestehenbleibenden gefährlichen politischen und wirtschaftlichen Spannungen nicht mit Glockengeläute und Salutschiehen überwinden. Haben wir schon Grund zu einer grohen gemeinschaftlichen nationalen Feier? Hat ein Staat Veranlassung, in ein Triumphgeschrei auszubrechen, weil einige unentbehrliche — aber läng ft nicht alle — Attribute seiner staatlichen Souveränität wiederhergestellt worden sind? Das Vorkriegsdeutschland war bekannt für seine Vereins- und Kommersseligkeit. Damals gab es dafür noch eine Entschuldigung: Unsere politischen und wirtschaftlichen Hoffnungen hatten sich erfüllt oder schienen auf dem Wege der Erfüllung zu sein. Wir waren saturiert. Es war schon zu verstehen, wenn der Durchschnittsdeutsche der Vorkriegszeit sich in dem Glauben wiegte, dah Deutschland überhaupt nichts mehr passieren könne und dah schliehlich die Bäume des nationalen Reichtums und der Weltgeltung noch einmal bis in den Himmel wachsen würden. Aber heute? Manchmal scheint es, als sei an dem Durchschnittsdeutschen und besonders an dem Zuschnitt unseres öffentlichen Lebens die Erschütterung des Krieges und der Riederlage spurlos vorübergegangen. Wer gehofft hatte, daß die Zeit der nationalen Rot uns rpn der Oberflächlichkeit und dem Kitsch befreien würde, den wir heute rückschauend als ein wesentliches Kennzeichen des Dorkriegsdeutschlands bezeichnen, der ist heute bitter enttäuscht. Unö dieselben Leute, die sonst nicht genug auf dieses System schelten können, sehen wir jetzt auf denselben Stühlen sitzen, emsig damit beschäftigt, den gleichen Kitsch mit der gleichen Oberflächlichkeit von neuem zu produzieren. Roch immer hat dem deutschen Volke sein schweres Schicksal nicht genügt, um ihm den Ernst der Lage und den Mut zur Wahrheit in die Herzen zu schreiben. Roch ist überall derselbe alte Wille zum Selb st betrug und die Reigung zum sentimentalen Schmus vorhanden, die uns immer wieder zu jener spießbürgerlichen Anmahlichkeit verführt, die uns unsere ilmtoett nicht erkennen läßt und unserem Parteikampf sein unsympathisches Gepräge gibt. Mehr scheinen als fein, in dieser Umkehrung haben wir uns den Wahlspruch des alten Moltke zu eigen gemacht. Gegenüber Frankreich, das das Rheinland sicher nicht um unserer schönen Augen willen, sondern aus zwingenden internationalen Ursachen und auf Grund eines fetten Geschäftes geräumt hat, und das uns die Erfüllung noch mancher anderer Forderungen schuldet, gegenüber dem gesamten Ausland, das heute auf uns sieht, wäre Zurückhaltung in lauten Feierlichkeiten und Betonung unserer noch unerfüllten Rechte die einzige mögliche Einstellung gewesen. 3 c unauffälliger und selbstverständlicher wir alle diese Dinge behandeln, desto besser ist es für die Zurückgewinnung unserer internationalen Geltung und vor allem auch für das deutsche Volk s e 1 b st, das endlich einmal wieder an richtige Maßstäbe im politischen Leben gewöhnt werden muß. Solche Erkenntnis machte sich zweifellos schon bei einzelnen Feiern in Berlin bemerkbar. Das Hoch auf die freie deutsche Republik wurde häufig genug durch die Sorge um das Morgen gedämpft. Papierwust und Bürokratie haben im Laufe eines Jahrhunderts dem Deutschen die Sprache und im Laufe des letzten Jahrzehnts die Gedanken verdorben. Aber das Empfinden des deutschen Volkes für eine echte Persönlichkeit, die sich in und vor ihr Werk stellt, ist, glauben und hoffen wir, noch nicht erstorben. Leider findet es noch immer keine Gelegenheit, um solche Gefolgschaftstreue zu bewähren. Erstes ORcif» und Kahrturnier des 3Reif« und Kahrvereins Nidda und Umgegend. Das 1. Reit- und Fahrturnier des Reit- und Fahrvereins Ridda und Umgebung sand am Samstag und Sonntag in Ridda statt, und war von bestem Wetter begünstigt. Die Veranstaltung wurde, nachdem am Samstagnachmittag der 1. Teil der Vielseitigkeitsprüfung (Geländeritt) stattgefunden hatte, am Abend durch einen Kommers in der Turnhalle eingeleitet. Ansprachen hielten der Vorsitzende des Vereins, A. Mann, der Vertreter der Stadt, Bürgermeister R u l l m a n n, und Landesstallmeister S ch ö r k e, Darmstadt, die sämtlich auf die Bedeutung der ländlichen Reit- und Fahrvereine und deren Entwicklung in der Rachkriegszeit hinwiesen. Im übrigen sorgte die Feuerwehrkapelle Ridda, Turnerinnen des Turnvereins durch turnerische Vorführungen sowohl als auch durch Ausführung des „Puppenspiels" unter Leitung ihres Turnwarts Willi Stadler und ein in der Hauptsache aus Mitgliedern des Gesangvereins „Sängerkranz" zu- sammengestelltes Doppelquartett durch Vortrag eines Liedes und Ausführung der Gesangsposse „Die ländliche Konzertprobe" unter Leitung von Sri. Hilde Endres für die nötige Abwechselung. Der Kommers zeigte, daß die ganze Veranstaltung gut organisiert und der junge Verein bestrebt war. den Festteilnehmern den Aufenthalt in Ridda so angenehm wie möglich zu machen. Das eigentliche Turnier begann am Sonntagmorgen. Den Fremden mag es eigentümlich an» gemutet haben, als am (Sonntagmorgen in aller Frühe schwere Lastfuhrwerke durch die Straßen fuhren. Aber auch die Zugleistungsprüfungen, die unter Leitung der Landwirtschaftskammer durchgeführt wurden, gehören zu dem Aufgabengebiet der ländlichen Reit» und Fahrvereine. Mittag- bewegte sich ein imposanter Festzug der Turnierteilnehmer, des Preis- und Schiedsgerichts und der Ehrengäste hoch zu Roh oder in Wagen durch die Straßen. Rachdem der Einmarsch der verschiedenen Abteilungen im Parademarsch erfolgt war, ritten sie in Schlangenlinien durch die Turnierbahn. Hierauf folgte eine prachtvolle Quadrille des festgebenden Vereins, Reiterprüfung, Abteilungsreiten, Schaufahren in Kutschwagen, Jagdspringen und zum Schluß Galoppreiten. Es wurden wirklich gute Leistungen gezeigt, die hohe Anforderungen an Reiter und Pferd stellten. Die Festbesucher am Sonntag werden auf 2500 geschätzt, ein Beweis dafür, daß die Einwohnerschaft von Ridda und der nächsten Umgebung dem in Aufstieg befindlichen Reit- und Fahrsport Interesse entgegenbringt. Der Schluß der Veranstaltung bildete die Preisverteilung mit Ball in der Turnhalle. Aus dem Turnier gingen folgende Teilnehmer als Sieger hervor: l. Vielseitigkeitsprüfung (Geländeritt und Reiterprüfung), a) Anfänger: Ernst Mann, Ridda, 1. Preis: Adolf Lupp jun., Ridda, 2. Pr.; Wilhelm Guillaume, Ridda, 3. Pr. b\ Vorgeschrittene: Heinrich Schudt, Londorf, l.Pr.; H. Hofmann, Dergermühle, 2. Pr.: Heinrich Koch, Unter-Schmitten, 3. Pr.: Willy Mann, Ridda, 4. Pr.: Heinrich Jäger, Oberhörgern, 5. Pr.: Robert Schneider, Borsdorf, 6. Pr.: R. Pfannmül- Icr, Dors-Güll, 7. Pr.: H. Filsinger, Reinhäuserhof und Martin Weber, Ridda, 8. Pr.: A. Möller, Lißberg, 9. Pr.: Erich Hofmann, Rodheim, 10. Pr.: Heinrich Erk, Ridda, 11. Pr.: August Zoll, Ridda, 12. Pr.: Fritz Meß, Butzbach, 13 Pr : Wilhelm Bähr, Ridda, 14. Pr.: Alfred Bernhardt, Ridda, 15. Pr.: Fritz Hesse, Hungen, 16. Pr. 11, Dauerzugleistungsprüfung. a) Wagcnschlag: Richerd Schepp, Oberhörgern, 1. Pr.: Hermann Filsinger, Reinhäuserhof, 2. Pr.; H. Filsinger, Reinhäuserhof, 3. Pr.: Karl Meiski, Schotten 4. Pr.: A. Schmitt 11., Schotten, 5. Pr.: Rudolf Stoll. Echzell, 6. Pr.: Hermann Roth, Ridda, 7.Pr.; Karl Bähr, Rohrbach, 8. Pr. b) Arbeitsschlag: Otto Heller, Echzell, l.Pr.; Otto Rinn, Hofgut Utphe, 2. Pr : Adolf Lupp, Ridda, 3. Pr.: Otto Rinn, Hofgut Utphe, 4.Pr.; derselbe 5. Pr. _ III. Abteilungsreiten: Ländl.Reit- und Fahrvereine Gambach, Schotten, Büdingen, Echzell, Hungen und Reichelsheim je eine Ehrenurkunde. IV. Schaufahren in Kutschwagen, a) Einspänner: Heinrich Hofmann, Dergermühle, l.Pr.: R. Schepp, Oberhörgern, 2. Pr.: Otto Kraft, Donhausen, 3. Pr. b) Zweispänner: Herrn. Filsinger, Reinhäuserhos, l.Pr.: Otto Kraft, Von- hausen, 2. Pr.: Hermann Roth, Ridda, 3. Pr.: Rob. Pfannmüller. Dorf-Güll, 4. Pr. (Außer Konkurrenz Se. Durchlaucht Fürst Karl zu Jsen- burg-Düdingen, Leibkn. Rix.) c) Mehrspänner (Diererzüge): Herrn. Hilsinger, Reinhäuferhof. l.Pr.: Karl Bähr, Rohrbach, 2. Pr. V. Jagdspringen, a) Ansänger: Paul Buh, Gambach, l.Pr.: Alfred Rieß, Heuchelheim, 2. Pr.: Wilh. Guillaume, Ridda, 3. Pr.: Adolf Lupp jun., Ridda, 4. Pr.; Albrecht Bopp, Steinheim, 5. Pr.: Heinrich Zoll, Kohden, (Des. F. Filsinger, Reinhäuferhof) 6. Pr.: Ernst Mann, Ridda, 7. Pr.: H. Dinding, Unter-WidderSheim, 8. Pr. W. Guillaume, Ridda, als bester Riddaer Jagdspringer der Anfänger: Hindenburgplakette. b) Vorgeschrittene: Willy Mann, Ridda, l.Pr.: Erich Hofmann, Rodheim, 2. Pr.; Karl Wolf, Vonhausen, 3. Pr.: Otto Graul, Rohrbach, 4. Pr.; Heinrich Dock, Gambach, 5.Pr.: Robert Schneider Dorsdorf, 6.Pr.; Martin Weber, Ridda, (Des. H. Filsinger, Reinhäuferhof) 7.Pr.; August Zoll Ridda, 8. Pr.: Karl Schneider, Rohrbach, 9. Pr.: Alfred Bernhardt, Ridda, 10. Pr.; Heinr. Schudt, Londorf, ll.Pr.; Othmar Gerth, Diebach, l2.Pr. . - VI. ®a lobb reiten in zwei Abteilungen, getrennt nach Rassenunterschieden. I. Abteilung: Alsred Rieß, Heuchelheim, l.Pr.; Ernst Mann, Ridda, 2.Pr.; Karl Wolf, Vonhausen, 3. Pr. ; Willy Mann, Ridda, 4. Pr. II. Abteilung: A. Möller, Lißberg, l.Pr.; Adolf Lubb jun., Ridda, 2. Pr; Karl Schneider, Rohrbach, 3. Pr. Die paratyphuserkrankungen in Darmstadt. WER. Darmstadt, 7. Juli, lieber die Paratyphuserkrankungen im Elisa- bethenstift teilt der leitende Arzt der inneren Abteilung des Stiftes, Dr. Habbich, mit: Von Einern schweren Schicksalsschlag ist ein Teil der Kranken im Elisabethenstift getroffen. Rach dem Genuß von Griehpudding erkrankten 50 Personen akut mit fieberhaftem BrechdurchGießener Gtadttheater. Alfred Möller und Hans Lorenz: „Der Herr mit dem Fragezeichen". Dies ist eine geheimnisvolle Angelegenheit, ein wenig peinlich und eia wenig unwahrscheinlich, aber immerhin so taktsicher ausgebaut und in Szene gesetzt, daß man mehr als einmal wirklich lachen muß. Das ist viel, wenn man die schlechten Zeiten bedenkt, in denen wir leben. * Bemerkenswert ist auch, — wenn man die Lustspiele kennt, die es heute gibt, wo es erklärter- mahen mit dem Theater und seiner Kunst nicht zum Besten steht — daß die beiden Autoren Atem genug besitzen, ihr Stück in den Hafen zu bringen und die Aufmerksamkeit des sommerlich amüsierten Zuschauers noch im dritten Akt, bis kurz vor dem letzten Vorhang, in Anspruch zu nehmen. Diese zwar durchsichtige, aber höchst anerkennenswerte technische Handfertigkeit, auch das Milieu und der Stoff des Stückes lassen auf eine pariserische Schulung der beiden, doch wohl recht einheimischen Autoren schließen. Der mysteriös-kriminalistische Beigeschmack, der dem Salonstück über drei Akte hin die gewisse Würze gibt, erscheint als Restbestand aus der letzten Hochkonjunktur angelsächsischer Kriminalreißer, wie wir sie alle — und meist mit Vergnügen, wenn wir ehrlich sein wollen — miterlebt haben. * Darüber hinaus etwas von der südwestdeutschen Neuigkeit auszusagen, ist bedenklich: einerseits lohnt es kaum; anderseits könnte es bedauert werden. (Da wir nicht wissen, ob die Aufführung etwa, hier oder auswärts, wiederholt wird.) Und gerade Stücke mit Geheimnissen, Fragezeichen und kriminalistischem Einschlag verlieren an Elan, wenn man vorher schon weiß, wie sie ausgehn. * Gestattet sei immerhin der Hinweis auf einen Einfall, der in der Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Depression (vergleiche den Börsenbericht!) der sattsam bekannten Ankurbelung dienen könnte, wenn er weniger romantisch und etwas mehr der Sachlichkeit unseres Jahrhunderts angepaßt wäre. Die Frage lautet: wie saniere ich mich? Die Antwort: als Massagekünstler und Schönheitsdoktor in den ersten Kreisen. Aber mit Sensation, mit Bluff, mit Brim- I borium, mit schwarzer Maske, vermummt, oer- | larvt, geheimnisvoll, inkognito. Kurz: im Stile des Casanova, des Eisenbart oder des Sherlock Holmes, von dem jetzt unvermutet noch einmal in allen Blättern die Rede ist. * Und es war wohl nur der Zufall, der den beiden Autoren ein Problem in ihr handfertiges, pariserisch leichtgeschürztes Stück hineingespielt hat, ... ein Problem, das mehr als einmal in der Literatur zur Diskussion gestellt worden ist —: ob eine armselige Maskerade und eine künstliche Dämmerung, eine plumpe und oberflächliche Vermummung und Verfinsterung mächtig genug sei, miteinander vertraute Menschen sich fremd und füreinander blind zu machen. Das ist — wohl ungewollt — das eigentliche große Fragezeichen dieses Stückes. — * Wie dem auch sei: es wurde sehr witzig und amüsant gespielt: F a s s o 11 hat das Lustspiel so geschickt und geläufig inszeniert, daß man den ganzen Abend über aufmerksam bleibt und kaum gewahr wird, daß es länger dauert, als angekündigt und vorgesehen war. Tannert hat hier noch einmal eine seiner hübschesten Aufgaben. Er spielt so leicht und elegant und mit soviel Humor, daß es kaum auffällt, wie wenig geheimnisvoll — für den Zuschauer, der die Lösung zu früh erfährt — die Rolle im Grunde ist. Zum unwiederruflich letzten Male, wie uns versichert wurde, erschien diesmal Trude Heß (als Germaine Dumont); es war ein heiterer und harmonischer Abschied, der an eine der allerbesten Leistungen erinnerte, die wir von Frl. Heß hier gesehen haben. (In der „Perlenkomödie".) » Auch das übrige Ensemble in dieser sehr munteren Aufführung war mit offenbarem Vergnügen bei der Sache. Maria Koch (Blanche Veroier) brachte einige äußerst ironische Bonmots wirklich treffsicher an den Mann. (An den eigenen und den im Parkett.) Heinrich Hub sieht man in einer der heiteren Chargen, die ihm prächtig liegen. Hais: sicher und angenehm wie stets in solchen Salon- I rollen. Dommisch als Detektiv wirkte daneben I ein wenig unwahrscheinlich. Zu nennen sind noch Wesener, Zingel und das niedliche Stubenmädchen der Beatrice Doering. * Es war ein für hochsommerliche Verhältnisse beachtlicher Erfolg; viel freundlicher Beifall zuletzt und selbst bei offener Szene. hth. Die Erstbesteigung von Grönlands „Matterhorn". In der grönländischen Wunderwelt, die jetzt von so vielen Expeditionen erforscht wird, bedeutet der Umana!, ein riesiger Fels auf einer kleinen Jnsei an der Westküste, der nicht seinesgleichen hat, einen besonderen Glanzpunkt. Er ist Grönlands „Matterhorn", da er dieselben, ja noch größere Schwierigkeiten bei der Ersteigung bietet wie dieser schweizerische Gipsei, und der Erstbesteiger des Matterhorns, Edward W h y m p e r , der den Umanal auf seinen Grönland-Expeditionen vergeblich zu besiegen suchte, hatte ihn für unbesteigbar erklärt. Run haben zwei Mitglieder der Expedition von Pros. Alfred Wegener, E. Sorge und Dr. Georgi, dieses gefahrvolle Unternehmen glücklich vollbracht, und einer der beiden Erstbesteiger, C. Sorge, schildert diese grandiose Kletterleistung in der Frankfurter Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik, „Die Umschau". Die beiden Bergsteiger waren, da die Ostwände unangreifbar sind, zunächst zu langen Wanderungen über Felsabstürze gezwungen. „Blöcke von Zimmergröhe waren aus den ungeheuren Wänden herausgestürzt", schreibt Sorge. ..Wir sahen nichts anderes als Trümmer, zu Staub zermalmte Felsflächen und herumgespritzte Splitter. Wir waren froh, später in anstehendes Gestein zu kommen. Doch bedrückte es uns, daß wir keinen Anstieg fanden. Das Barometer zeigte 250 Meter Seehöhe. Dis zum Gipfel mußten wir also noch fast 1000 Meter steigen. Wie, war allerdings rätselhaft." Unter den Strahlen der Mitternachtssonne gelangten sie in 500 Meter Hohe auf eine breite Plattform, über der endlich eine Scharte sichtbar wurde, rechts daneben ein Gipfel wie ein Zucker- Hut. Ob das freilich der oder vielmehr die vier Gipfel des Umanak waren, blieb ungewiß, beim diese Dergseite hatten sie noch nie gesehen. Sie zogen also die Kletterschuhe an und fliegen mit Händen und Füßen ein steiles Schneefeld empor. Dei Ankunft an der schmalen Scharte entdeckten sie hinten im Meer den Schatten des Umanal, so dah ihnen also das Wasser als „Landkarte" diente. Das schwerste Stück der Besteigung ging nun durch die Scharte und dann an langen, durch Säulen gegliederten Wänden, von etwa 80 Prozent Reigung empor. Sie feilten sich an und hinauf ging es! „Wir hingen mit den Fingern in Rissen und muhten große Spreizschritte machen, um von einem Tritt den nächsten zu erreichen. Glücklicherweise war das Gestein hier sehr fest, die Griffe gut und Haltbar. So erreichten wir eine rötliche Fels- rippe. Die einzelnen Rippen hätten als Modell für gotische Bündelpfeiler dienen können. Die Verbindung von Griffen bei dieser stets sehr schwierigen Kletterei war so mannigfaltig und reizvoll, dah wir uns oft im Scherz zuriefen: „Wolin doch noch einige Griffe für den Abstieg übrig lassen!" Manche Felssäulen waren auf lauter losen Steinen aufgebaut und vertrugen nur eine zarte Behandlung... Aus der Rinne stiegen wir schließlich oben nach rechts heraus und standen vor einem senkrechten, gespaltenen Block von 16 bis 18 Meter Hohe, also gerade so hoch wie ein vierstöckiges Haus. Rach ileber- windung dieser letzten Steilwand konnte der Gipfel leicht erstiegen werden. Der Abstieg war ebenfalls recht gefährlich und die Steilstellen mußten wiederum am Seil mit größter Vorsicht überwunden werden. Aus- und Abstieg hatten mit allen Aufenthalten 25 Stunden gedauert. Im Hafen von ilmanaf tourüen die kühnen Bergbezwinger, die die Eskimos mit ihren scharfen Augen schon auf der Spitze beobachtet hatten, von der gesamten Einwohnerschaft mit Jubel und heller Begeisterung begrüßt. Hochschulnachrichten. Der durch den Weggang des Prof. R. Holtzmann nach Berlin an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte ist dem ordentlichen Professor Dr. Percy Ernst Schramm in Göttingen an- geboten worden; zugleich hat Prof. Schramm einen Ruf an die Universität Freiburg i. Dr. als Rachfolger von Prof. E. Caspar erhalten. fall. Heber ein Drittel der Erkrankten sind Schwestern und Hausangehörige. Nach dem klinischen Bild konnte sofort als Erreger der Bacillus Paratyphosus B vermutet werden, und zwar nach der Heftigkeit des Ausbruchs und der schweren Form die sog. Dreslau-Art. D:e sofort einsehende genaue klinische und bakteriologische Untersuchung hat diese Vermutung alsbald bestätigt. Selbstverständlich trifft eine solche Erkrankung die Insassen eines Krankenhauses doppelt schwer, weil sie ja vorher schon nicht gesund waren, sondern wegen anderer Leiden sich im Krankenhaus befanden. Infolgedessen sind auch drei Todesfälle zu beklagen! zwei der Verstorbenen waren ältere, widerstandsgeschwächte Personen. Der weitaus größte Teil unserer übrigen Patienten befindet sich ausgesprochen a u s dem Wege der Besserung. Wodurch die Infektion entstanden ist, konnte noch nicht restlos aufgeklärt werden. Im Einvernehmen mit dem Kreisgesundheitsamt sind die ausführlichen Untersuchungen im Elisabethenstift noch im Gange. Iedenfalls ist bis jetzt festgestellt, daß kein Angestellter im Hause Träger von Bazillen ist. Wir müssen deshalb noch immer annehmen, daß der Erreger von außen eingeschleppt ist. Alle Erkrankten sind sorgfältig isoliert. Ein weiteres Todesopfer. 03601. ® arm ft ab t, 8. Iuli. Von den im Elisabethenstift an Paratyphus erkrankten Personen ist gestern abend eine 70 Iahre alte Schwester gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle auf vier. Die übrigen erkrankten Personen befinden sich auf dem Wege der Besserung. Oberheffen. Missionsfest in Beuern. : Beuern, 7. Iuli. Begünstigt von schönem Wetter fand gestern in unserer Gemeinde ein Missionssest statt, das sich eines sehr guten Besuches erfreute und zu dem sich auch zahlreiche Eiirwohner von Bersrod und anderen Orten eingefunben hatten. Im Dormittagsgottesdienst predigte Missionar Kaufmann von Kassel über Apostelgeschichte 4,12. Er schilderte in beredten Worten die Olot der Heidenwelt, besonders in seinem früheren Wirkungsort in China, wie die Heiden unter den Sitten und Gebräuchen des Götzendienstes seufzen und deren grausamen Regeln verfallen. Wie Krankheit, Hungersnot und Bürgerkrieg dieses Land heimsuchen, und Räuberbanden diese heillosen Zustände noch verschärfen. Auch die Missionare haben unter diesen Zuständen sehr zu leiden. Aber auch von den Erfolgen der Mission, die alle Schwierigkeiten vergessen lassen, sprach Missionar Kaufmann. Rachmittags fand der zweite Gottesdienst statt. Missionar Kaufmann predigte wieder begeistert über den Brief des Paulus an die Epheser. Er sprach über die Tätigkeit der Mission in China. Dach ihm predigte unser Missionar Walther von Beuern in seiner gewinnenden Weise über Psalm 93,1. Er schilderte die Erfolge der Mission in den verschiedenen Gebieten und berichtete besonders von seinem früheren Wirkungsort Kamerun, wie hier und überall in der Heidenwelt das Christentum sich durchsetzt und das Evangelium den Sieg davonträgt, und wie -hie Heiden sich wohl und glücklich fühlen unter der Wohltat des Christentums. Durch die Mit- teirfung von Schüler und Kirchenchor gestalteten sich die beiden Gottesdienste zu einer eindrucksvollen Feier. Auch der Posaunenchor Bersrod hatte sich eingefunden. Ein stimmungsvoller Marsch auf den Ehrenfriedhof, sowie einige Chöre während des Gottesdienstes, trugen toc* sentlich zur Verschönerung der Feier bei. Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Schmitt, sprach das Schlußwort. Er dankte allen, die an dem Feste mitgewirkt haben, und sprach die Hoffnung aus, Oie Sünde -er Renate Mercandin. Roman von Fred Relius. 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten. An der westlichen Bergwand stand eine Ruhebank. Von ihr aus sah man auf die Kirche, dahinter auf Pfarrgarten und Kirchhof. Verschwommen, nebelhaft erhob sich seitwärts der Riesengebirgswall. Hinter dem Hirschberg. Echmiedeberger Tal dunkelten waldige Berg- gruppen. Aus dieser Bank sah eine Frau mit blondem Haar und weißem Kleide. Es war Renate Mercandin. Dun trat Griebenow näher. Dahm den Hut vom Kopf. «Guten Oltorgen, meine gnädige Frau." Da traf ihn ein überraschter Blick. Die Frauenaugen wurden groß und legten sich in die seinen. «Guten Morgen, Doktor Griebenow." »Darf ich mich zu Ihnen sehen?" »Ditte, ja. Waren Sie bereits in Sanssouci?" »Datürlich. Und Ihr Herr Gemahl ist heute nach Berlin gereift?“ „3a. Gestern abend kam ein Telegramm. Die Fürstin Tschaidse ist gefunden worden." Griebenow sah überrascht nach links. Wieder trafen sich die Augen beider. Hingen für Sekunden ineinander, glitten ab. „Wo denn?" fragte Griebenow. „In einem Pensionat in Schlachtensee. Sie ist dort anscheinend dadurch aufgefallen, daß sie feine Sachen mit sich hatte." »So, so..." Er schüttelte den Kops. „Ganz unverständlich ist mir diese Fürstin Tschaidse. Aber welche Instruktionen hat Ihr Mann für mich zurückgelasfen, gnädige Frau?" „Keine." Er lachte auf. „Und wann soll ich wieder nach 03erI in zurück?" „Ich weih nicht", sagte sie, und ihre Lippen zuckten. „Wohl heute abend oder morgen früh." „Also vierundzwanzig Stunden Ferien! Gut! Darf ich Ihnen heute meine Heimat zeigen?" Sie tat, als höre sie das nicht. Sie hatte sich erhoben. „Ich muh nun leider aehen, Herr Doktor Griebenow. Aber, bitte, bleiben Sie doch noch. Geniehen Sie das liebe Bruckenberg, wo es am schönsten ist. Und das Schönste hier ist Kirche Wang." „Das Schönste habe ich bereits gesehen", sagte er. Dann sprang er auf und trat an ihre Seite. „Darf ich Sie begleiten?“ daß das Samenkorn, das der heutige Tag aus- geftreut habe, auf fruchtbaren Boden gefallen sein möge, damit es Frucht bringe zum Wohle der Mission und des Christentums. Die eingegangenen Kollekten ergaben den schönen Betrag von rund 100 Mk. Auch wurden noch Missions- schriften verkauft. Gemeinderatösihung in Großen-Linden LI Grohen-Linden, 7. Iuli. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde der Rechnungsabschluß des Rj. 1928 geprüft. Dom Rj. 1927 verblieb ein Rechnungsrest von 21 063,77 Mark. Aus Gebäuden ergab sich 3438,00Mk. Einnahme und 1031,64 Mark Ausgabe. Die Einnahmen aus Gemeindegrund stücken betrugen 7848,64 Mk., während sich die Ausgaben auf 8096,96 Mk. beliefen. Die Gemeinde- waldungen brachten 23 308,51 Mk. ein, die Ausgaben hierfür betrugen 9708,93 Mark. Die Iagd brachte 1450 Mark ein. Der Betrag für die Wasserversorgung beträgt in Einnahme 10 386,55, in Ausgabe 8218,06 Mark. Die Einnahme aus den Mühlen beziffert sich auf 1557,71, die Ausgaben hierfür auf 1648,56 Mk. Die Ausgaben für die allgemeineVerwal- t u n g betragen nach Absetzung der Einnahmen von 1024,11 Mark noch 12 185,34 Mark, für die öffentliche Sicherheit betragen die Ausgaben 5620,63 Mark. Oeffentliche Gesundheitspflege: Einnahme 197,80, Ausgabe 3585,94 Mark: Feuerlöschwesen: Einnahme 181,00, Ausgabe 668,63 Mark: Armenpflege: Einnahme 290,19, Ausgabe 4226,49 Mark: Schulen: Einnahme 1731,44, Ausgabe 8772,37 Mark: Evangelische Kirche: die Ausgaben unter dieser Rubrik betragen 795,74 Mark: Gemeindefriedhöfe: Einnahme 447,00, Ausgabe 735,76 Mark: Straßen: Einnahme 210,70, Ausgabe 10 633,83 Mark: Land- wirtschaftszwecke: Einnahme 4117,42 Mk., Ausgabe 8621,84Mk.: Ortsbürgerwefen: Einnahme 157,55, Ausgabe 2092,82 Mk.: Ruhegehälter, Sozialsürs orge : Einnahme 291,49, Ausgabe 4179,38 Mk.. Flüsse, Bäche, Gräben: die Ausgaben hierfür betragen 20 650,42 Mark: Förderung des Wohnungsbaues: Einnahme 31 629,65 Mark, Ausgabe 31 629,65 Mark: die Einnahmen aus S ond ersten ern betrugen 1722,35 Mark: an Reichs- steuern erhielt die Gemeinde 27469,46 Mark: die Kapitalzinsen betrugen in Einnahme 1286,45 Mark, in Ausgabe 6612,44 Mark: die Gemeindeumlagen ergaben in Einnahme 35 216,24 Mark: die Gesamteinnahmen für 1928 betragen 175 468,92 Mk., die Gesamtausgaben 153 937,72 Mark, so daß ein Einnahmerest von 21 531,20 Mark verbleibt. Die Ausstände von dem Restbetrag belaufen sich auf 1552,72 Mk. Die Vermögensabteilung schließt mit einem äleberschuß von 1442,12 Mark ab. — Die Abschaffung eines alten und Anschaffung eines neuen Simmentaler Bullen wird einstimmig beschlossen. Die Ankausskommission seht sich zusammen aus den Landwirten Ioh. Keßler, Hch. Faber und Gemeinderat 2ubto. Wei- g a n b t. — Bei Erneuerung ber Oberfläche bet Bahnhofstraße, soll die Gemeinde einen Zuschuß von 4000 Mark für die Teerung leisten. Einzelne Gemeinderatsmitglieder sind trotz entsprechender Aufklärung durch den Bürgermeister, der Ansicht, daß die Provinz die Straße ohne Zufchußleistung der Gemeinde herzustellen hat. Cs verbleibt bei den in einer früheren Sitzung bereits bewilligten 1000 Mark. — Der Gemeinderat hatte vor einiger Zeit die Genehmigung eines Zuschusses von 300 Mark zur Deubeschaf- fung von Mobiliar für die Kleinkinderschule von der Aufnahme zweier Gemeinderatsmitglie- ber in ben Vorstand der Klein-Kinderschule abhängig gemacht. Dach einer vom Bürgermeister verlesenen schriftlichen Mitteilung ist der Vorstand der Klein-Kinderschule mit diesem Vorschlag einverstanden. Die Gemeinderatsmitglieder Frau Mercandin gab keine Antwort. Langsam ging sie an der Kirche Wang vorbei dem Pfarrhaus zu. Auch das Pfarrhaus war ein Bau aus Holz. Weiße Mullgardinen hingen an den Fenstern. Davor war ein Grab, das frische Blumen schmückten. Dort lag der Pfarrer... an dem Orte feines Wirkens, dicht vor den Zimmern und den Augen seiner Gattin. Frau Mercandin blieb stehen. Wie ein Hauch von Glück und Schönheit zogen Blumendüfte aus dem Pfarrhausgarten. Dom Bergwald fchlug die Amsel. Sonnenglanz vergoldete die Feme. „Wie nahe liegt hier Tod und Leben", sagte sie. „Oder ist es überall so, und man sieht nur nicht die Scheidungsgrenze. Grab und Blumen, Duft und Sonnenrausch und Abgrund. Sie zeigt? nach der Brüstung, die das Derg- plateau vom Abgrund trennte. Dachmais trank ihr Blick die beinah unbegrenzte, sonnengoldne Fernsicht in das Tal. Dann wandte sie sich ab. „Dun muh ich heim." Der Weg war steil und oft von Wurzelästen überzogen. Man muhte langsam schreiten und die Knie heben. Verstohlen blickte Griebenow nach rechts und faßte bas Profil des ruhig schönen Kopfes, die Umrisse des im Gehen leicht gestrafften Frauenkörpers. Keiner von den beiden sprach. Wenn sie jetzt gesprochen hätte, würde Griebenow den Sinn der Worte kaum verstanden haben, so stark erfüllte ihn das Erleben, an der Seite dieser Frau zu weilen, manchmal tote verstohlen ihren Arm zu streifen und den Saum ihres Kleides an feinem Knie zu fühlen. An der Stelle, wo ber Fußweg an bem Walbrand um ben „Schwarzen Hübel" hin nach Da- benhäuser abging, blieb sie stehen. „Dun ist es Schluß. Sie gehen links, um sich dort die Herrlichkeiten Drückenbergs noch etwas anzusehen, ilnb ich gehe rechts nach Sanssouci. Ich muß noch schreiben und mich bann zum Essen umziehen." Sie sah an ihm vorbei und blickte nach ber Straße, über die die Mittagsonne brannte. Darm, fühlte sie, wie Griebenow die Finger ihrer linken Hand ergriff und sie an seine Lippen zog. „Ich möchte Ihnen danken, meine gnabige Frau." Sie zog die Hand zurück und zuckte leicht die Schultern. „Ach, mein Gott, wofür denn?" „Für die erste halbe Stunde, die ich in ber Heimat neben Ihnen weilen durfte." Dun drehte sie den Kopf und sah ihn mit den großen blauen Augen seltsam an. Die Augen waren matt, hilflos. Ilm die Lippen ein verirrtes Lächeln. „Also gut, auch das. Man kann ja, wenn man will, für alles danken, Ilnb nun gehen Sie! Auf Wiedersehen also, Herr Doktor Griebenow!" Ludwig Seth und Philipp Stengel wurden hierfür gewählt. ^AiiDlvci* Gietzcn. -s- T re is a. d. Lda., 8. Iuli. An Stelle seines alljährlichen Ausflugs unternahm der hiesige evangelische Frauenverein dieser Tage einen Spaziergang nach dem Pflanzgarten im Himberg, wo bei Kaffee und Kuchen und allerhand Dorträgen ernsten und heiteren Inhalts die Stunden schnell verflogen. — Die anhaltende Trockenheit macht sich auch bei unserer Wasserleitung bemerkbar, die wieder, wie in den letzten Iahren, an Wassermangel leidet, so daß die Leitung täglich einige Stunden abgestellt werden muß. # Hungen, 7. Iuli. Der Dorstand des Oberhessischen Schäfervereins hielt dieser Tage hier eine Vorstandssitzung ab, zu der auch Vertreter des Vereins für deutsche Schäferhunde und sonstige Interessenten eingeladen waren. Cs wurde u. a. ber Beschluß gefaßt, auch in btefem Iahre wie in den Vorjahren ein Preishüten zu veranstalten, zu dem neben den einheimischen auch die Schäfer von Württemberg, Bayern und Baden zugelasfen werden können. Damhafte Preise stehen bereits zur Verfügung. Die Beteiligung am Hütewettbewerb ist abhängig gemacht von ber Verwendung deutscher Schäferhunde und vom Beitritt zum Verein für deutsche Schäferhunde. Kreis Friedberg. ch Ober-Mörlen, 7. Juli. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht auf unseren kurvenreichen und unübersichtlichen Straßen Kraft- toagen- und Motorradunfälle sich ereignen. Erst dieser Tage fuhr ein Motorradfahrer aus Friedberg in einen Wagen des Mühlenbesitzers Christ von Griedel. Der Fahrer erlitt dabei einen komplizierten schweren Beinbruch und muhte nach kurzer ärztlicher Behandlung nach Friedberg transportiert werden. Das Motorrad erhielt nur geringe Beschädigungen. # Aus der nördlichen Wetterau, 7. Iuli. Die Ernte hat begonnen. In dieser Woche wurde die erste Wintergerste geschnitten. Da die letzten starken Regengüsse mit Sturm die Fruchtfelder vielfach zum Lagern gebracht hat, können die Binder- und Ablegemaschinen wenig benutzt werden. Mit dem Schnitt ber Sommergerste wird noch im Laufe der Woche begonnen und auch der Roggen ist nahezu erntereif. Die Obstausfichten werden immer geringer. Einzelne Bäume sind von Schädlingen derart heimgesucht, daß sie fast blätterlos dastehen und die wenigen angesetzten Früchte abwerfen. Dazu kommt noch das starke Auftreten des Apfelwicklers, der viele Früchte wurmig macht. In den Gärten wird über starkes Auftreten von Erdraupen undDraht- toürmetn geklagt, die an Gurken- und Bohnenkulturen starken Schaden anrichten. Kreis Büdingen. ow. Llnter-Widdersheim, 8.Iuli. Bel voller körperlichen und geistiger Rüstigkeit feierten dieser Tage der Landwirt Otto Schneider und seine Ehefrau Karoline, geborene Schäfer, das Fest der goldenen Hochzeit. Am Dachmittag fand im Kreise der Familie die kirchliche Feier statt. Pfarrer Me m m e r t hielt auf Grund von Psalm 121 eine Ansprache und segnete das Jubelpaar noch einmal ein. Dann überreichte er ein Gedenkblatt mit Segenswünschen des Landeskirchenamtes und ein Glückwunschschreiben des Dekanats Didda und sprach auch im Damen des Kirchenvorstandes herzliche Glückwünsche aus. Die betagten Eheleute sind beide noch in Landwirtschaft und Hausarbeit eifrig tätig. Möge ihnen ein friedlicher Lebensabend bei guter Gesundheit beschieden fein. Kreis Schotten. § Schotten, 8. Iuli. Die langanhaltende Trockenheit wirkt auch auf den Quellen- „Hoffentlich beim Essen", sagte er und zog ben Hut. Langsam, zögernd wagte er es nochmals, seine Hand zu ihr emporzuheben. Sie sah darüber weg, neigte grüßend ihren Kops, wandte sich bann ab und ging. Er sah ihr unauffällig nach... sah den Weißen, Weichen Rock, der um die Glieder spielte, die blonden Haare, die wie wundervolles Gold- gespinst zur Sonne standen. Dann ging auch er. Renate Mercandin erschien nicht zu dem Mittagessen in der großen Halle. Vergeblich suchte Griebenow die Tische ab, vergeblich hingen seine Blick an den Cingangstüren. Die Kellner trugen schon den Braten auf — noch immer fehlte sie. Griebenows Gesicht veränderte sich. Verdrossen trank er seinen Wein, voll ilnluft nahm er das Essen. Als der Kellner ihm ben Dachtisch anbot, stand er auf. Er fragte den Pförtner. Frau Mercandin fei mit Bekannten nach der Teichmann-Baude, hörte Griebenow. Er schlenderte durch die Gesellfchaftsräume, endete im Lesezimmer, steckte eine Zigarre an und wollte lesen. Aber die Gedanken irrten ab. Sie liefen immer wieder in dieselbe Richtung: Frau Mercandin und Teichmann-Baude. Es lag ohne Zweifel Absicht darin, daß sie heute nicht zum Essen kam... Die Absicht, ihm zu zeigen, daß sie das Beisammensein mit ihm nicht wünsche. Sicher wirkte die Berliner Szene in ihr nach... seine Liebesbeichte und die Küsse. Sie verschloß sich ihm. Es kam ihm zum Bewußtsein, daß sie kühler war als sonst... ernster, frauenhafter. Ihre Augen schienen größer... seltsam weich im Ausdruck... mit einer an ihr fremden hilflosen Befangenheit. Wenn er nun selbst zum Kaffee nach der Teichmann-Baude ging? Warum denn nicht? Sie konnte ja nicht wissen, daß er sie dort suche. Die Teichmann-Baude war ein sehr beliebter Zielpunkt für die Drückenberger Gäste. Vielleicht war Frau Mercandin auch nicht mehr dort. Hatte dort gegessen und war wieder weggegangen. Dann würde er sie bis zum Abend nicht mehr sehen. ilnb am Abend ging sein Zug. Schnell erhob sich Griebenow, holte den Hut, stieg die Treppe abwärts und betrat die Straße. Auf den schattenlosen Wegen brannte jetzt die Sonne. Er muhte erst die Serpentine bis zum Waldhaus talwärts wandern, bann von der Charlottenbrücke durch den Lomnihkessel, schließlich die Derglehne hinauf zur Deichmann-Daube. Cs war fast vier geworden, als er an der eleganten Baude ankam. Trotz der frühen Stunde war sie dicht besetzt. Gin paar Musikanten spielten. An den hellgedeckten Kaffeetischen sahen zufluß der Wasserleitung mindernd ehr. Die Quellen geben noch Wasser, lassen abeti natürlicherweise allmählich nach. In der Stadt sind durchweg Wassermesser eingebaut, infolgedessen ist jedermann darauf bedacht, mit dem Wasser sparsam umzugehen und den Verbrauch einzuschränken, dies um so mehr, als der Gemeinderat das Wassergeld angemessen erhöhen! will. — Auf der Rennstrecke für das Motorradrennen „Rund um Schotte n“, das am 27. Iuli stattfindet, wird eifrig gearbeitet. Einzelne Kurven, die schwer befahrbar waren, werden überhöht. Cs find schon zahlreiche Meldungen für das Rennen, das sehr scharf und spannend zu werden verspricht, eingegangen. V Gedern, 8. Juli. Zur Zeit wird in unserer Stadt eine neue Personen- und D ieh be- standsaufnahme durchgesührt. Die Bezahlung des Wassergelbes ist nicht, einheitlich geregelt, und hieran wurde seitens der'Devölke- rung Anstoß genommen. Don den etwa 450 Haushaltungen haben nur ungefähr 80 im Laufe der letzten Iahre Wassermesfer erhalten, so daß hier der wirkliche Derbrauch jederzeit abgelesen und bezahlt werden kann. Die übrigen Hausbesitzer bezahlen ihr Wassergeld nach einem festgelegten Tarif, der Stärke der Familie und des Diehstandes entsprechend. Auf Grund der neuen Bestandsaufnahme will nun die Gemeindevertretung eine Regelung schaffen, die jedermann gerecht werden soll, ohne dah der Stadtsäckel benachteiligt wird. — Dieser Tage hielt die Gruppe Altenstadt des 7. Bezirks Rhein-Maingau des deutschen Arbeiter-Sängerbundes hier aus Anlaß des 10jährigen Bestehens des hiesigen Arbeitergesangvereins „D o r w ä r t s" einen Lledert a g ab. Ein ansehnlicher Zug unter Voran- tritt des Musikvereins Gedern marschierte nach dem Marktplatz. Hier wurde die Feier mit dem Massenchor „Empor zum Licht" eröffnet Der erste Vorsitzende des Arbeitergesangvereins „Vorwärts", August Wiesner, begrüßte die Erschienenen. Gauvertreter Dillemuth aus Lindheim hielt die Festrede. Im Anschluß daran wechselten Massenchöre unter Leitung von Dun- deschormeister Schleich au- Groh-Auheim und Einzelchöre der verschiedenen Bundes- und Gast- txreine miteinander ab. Die Damenriege des Turnvereins führte unter Fräulein Drenzel Volkstänze vor. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 7. Juli. In einer der letzten Dächte statteten Diebe dem Manufakturwaren- geschäft Sandmann am Steinweg einen Besuch ab. Lieber verschiedene Gärten hinweg gelangte der bzw. die Diebe von der Hinterseite des Hauses her durch ein halboffenes ■ Fenster ins Haus. Aus dem Laden wurden verschiedene Hemden und eine ilnterjade und aus bem anschließenden Bureau die an einem Schreibtisch verwahrte Tageseinnahme mitgenommen. Im ersten Stock wurden verschiedene Behältnisse durchsucht und ein dort vorgefundener kleinerer Geldbetrag mitgenommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist auch dieser Einbruch mit ben in den letzten Wochen in Oberhessen vielfach verübten Einbrüchen in Zusammenhang zu bringen. * Ilbeshausen, 7. Iuli. Bei bem Gewitter, das dieser Tage über die hiesige Gemarkung niederging, schlug der Blitz in den Turm unserer Kirche ein. Der Schlag verursachte glücklicherweise keinen besonderen - Schaden. — Die Heuernte, die bei allerbestem Wetter stattfand, neigt sich dem Ende zu: sie ist an Quantität und Qualität so gut ausgefallen, wie seit Iahren nicht. Dementsprechend ist der Preis auch sehr niedrig. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen Unzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts stelle ,u richten. Frauen, hutlos und in leichter Sommerkleidung.. Herren in Touristen- oder Sportanzügen. Sie tranken Kaffee, aßen Kuchen, lachten, löffelten, rauchten, schwatzten. Kellner zwängten sich durch all die Menschen, mit erhobenen Tabletten, Kellnerinnen brachten Kuchen, Boys im schmucken blauen Pagendreß verkauften Zigaretten oder Ansichtskarten. Griebenow ging durch den ©arten. Er suchte die Terrasse ab. Dirgends war Renate Mercandin. Wahrscheinlich hatte sie nur hier gegessen und war fortgegangen. Verdrossen suchte er sich einen leeren Tisch und setzte sich. Er bestellte Kaffee, nahm eine Zigarette und rauchte hastig und nervös. Die Vögel fangen, die Tannen dufteten, die Sonne flirrte. Man wurde endlich müde von dem allem, war versucht, zu träumen und sich in die laue Schlaffheit dieses Sommertages einzuspinnen. Dun erklang der Strauhsche Kaiserwalzer vom Orchester her. Es war derselbe Walzer, ben er einmal mit Renate an dem Deugereuthschen Abend tanzte. Das süße Locken und der unnachahmlich weiche und graziöse Rhythmus des Dreivierteltaktes ließ die Pulse klopfen und die Einzelheiten jener seligen Stunde wieder auferstehen. Man brauchte nur die Augen zu schließen und man sah Renate Mercandin, so wie damals in dem Kleid aus Perlenschnüren, die matte, weihe Haut und bas feine stolze Antlitz mit den süßen Augen und den blonden Goldschmuck ihrer Haare. Er fühlte wieder ihren Arm an seiner Schulter, und er spürte das Pulsen ihres Blutes. So sah er lange, war ihr nahe. Er schloß die Augen, und die Welt versank. Dann brach der Walzer ab. Der Traum war aus. Griebenow erwachte jäh. Er öffnete die Augen und tauchte in die weiche, unermeßlich tiefe Flut der Augen von Frau Mercandin. Sie war es... leiblich, bildhaft. Sie stutzte, als sie Griebenow erblickte. Dickte grüßend. Sie ging von ihm getrennt durch Tische und durch Meschen nach dem Ausgang zu. Dann wandte sie sich links und verschwand in bem durchsonnten, Tannicht. Wie ein Schlag durchfuhr es Griebenow. Träumte er denn noch? Er strich sich über seins Augen, so, als ob er etwas dort verwischen wolle. Dann stand er auf, bezahlte und eilte ihr nach. Renate Mercandin ging schnell. Sie war schon hinter einer Wegbiegung, ehe Griebenow den Tann erreichte. Er sah sie vorerst gar nicht. Durch das dunkelgrüne Filigran ber Stämme leuchtete die blaue Seide des Dachmittagshimmels. Alle Farben flössen ineinander. Die ihn- risse verschwammen. Das grelle Licht verschluckte alle Dinge. Dur noch Stimmung war: Weiß und Licht und Blendung. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Reiche der Krau. Mütter und Töchter. -Von Nelly Wolffheim. Wenn auch Gegensätze zwischen den Generationen schon immer bestanden, so kommen sie doch fraglos in unserer Zeit mehr zur Auswirkung als früher. Besonders hat heute aber das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter unter Gegensätzlichkeiten zu leiden, die geeignet sind, zu schweren, das Familienleben zerstörenden ÄonfUften zu führen. Jede Mutter tut gut daran, mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen und ihnen offen ins Ange zu sehen. Also: Schwierigkeiten sind da, wie begegnet man ihnen am besten? Selbst wenn eine Mutter der Tochter Verständnis entgegenzubringen sucht, wenn sie mit der Zeit mitgegangen ist und der veränderten Lebensauffassung der jüngeren Generation Rechnung trägt, werden Meinungsverschiedenheiten und ein Gegeneinander stehen nicht ausbleiben. Denn jeder ist innerlich an seine Zeit gebunden und an die Einflüsse, die seinen Werdegang begleiten. Kein Mensch, besonders wohl aber keine Frau, wird sich ganz davon frei machen können, und die Mütter leiden meist stark darunter, wenn sie ihre eigenen ideale von ihren Töchtern mißachtet, ja vielleicht lächerlich gemacht sehen. Selbst bei einer gewissen Rücksichtnahme der Tochter — die doch aber durchaus nicht immer vorhanden ist — kann es nicht ausbleiben, daß die Mutter in schroffer Weise die Veränderung der Einstellung zu spüren bekommt. Versucht es die Mutter aber zu sehr, ihrer eigenen Meinung, sei es auf Grund ihrer natürlichen Autorität oder in freundschaftlicher Beratung, Rachdruck zu geben, wird sie sicherlich eine Scheidewand zwischen sich und die Tochter stellen. Denn sind die Töchter selbst einmal erwachsen unb berufstätig, versucht das Selbstbestimmungs- recht sich fühlbar durchzusehen. Hart gegen hart heißt es dann, und sicherlich sind es Ausnahmen, die sich gefügig unterordnen. Darum muh jede Mutter einige Resignation aufzubringen wissen. Aber — das sei den Müttern eindringlich gesagt! — nicht gar zu viel Resignation! Denn die Mutter hat ja noch selbst zu leben, soll sich nicht etwa zu früh hintenanstellen. Sie und die Tochter sollen leben, jede ihr Leben, wie es ihnen und ihrer Art entspricht. Dcxh bevor wir Vorschläge machen, wie den Konflikten des Gegeneinandergestelltseins am besten aus dem Wege gegangen werden kann, sei noch ein Hinweis gegeben, der vielleicht mancher Mutter Trost geben, manche andere zum Rachdenken führen wird. Cs soll nämlich darauf aufmerksam gemacht werden, dah die Loslösung der jüngeren Generation von der älteren etwas Raturgegebenes ist. Wo die Bindung an dos Elternhaus, besonders aber die der Tochter an die Mutter, zu stark ist, wo die Tochter in ihrem Handeln, ihrem Geschmack, ihren Wünschen absolut unselbständig bleibt, obgleich sie schon über die Zwanzig hinaus ist und beruflich auf eigenen Füßen steht, nun, da sollte man aufmerksam werden. Meist liegen dieser Abhängigkeit — den Müttern als erwünschte töchterliche Fügsamkeit erscheinend — entwicklungshemmende Momente zugrunde, die das Leben des Mädchens in unerwünschter Weise beeinflussen können. Zur wirklichen Entfaltung der Persönlichkeit ist seelische Selbständigkeit notwendig: wo die rechtzeitige Selbständigkeit nicht erkämpft wurde (denn ohne innere Kämpfe geht es nie ab), muh es zu Konflikten kommen, die zum mindesten Reizbarkeit und — oft unbewußten — Groll mit sich bringen. Um diese Schwierigkeiten zu vermindern und die Freundschaft zwischen Mutter und Tochter zu erhalten (oder wo sie in den Zähren der Hausfrau und Maschine. Von Or. Erna Meyer, München. Wenn von Technik die Rede ist, denkt der Laie an Maschinen. Technik und Maschinentechnik sind für ihn gleichbedeutend: der nicht minder wichtige Begriff Detriebstechnik liegt ihm fern. Was Wunder, daß auch die Hausfrauen zunächst glauben, man brauche nur ein paar Haushaltmaschinen anzuschaffen, um die ganze „Rationalisierung" in der Tasche zu haben! Das ist aber ein Trugschluß: auch im Besitz der schönsten technischen Hilfsmittel kann man untechnisch, unwirtschaftlich, unrationell arbeiten, es kommt darauf an, wie man diese Hilfsmittel verwendet. Fede Maschine ist ein Organismus, der Pflege braucht und vorzeitig zugrunde geht, wenn er schlecht behandelt wird. Reinigt man blanke Metallteile nach dem Gebrauch unsorgfältig, so daß Rostbildung eintritt oder wirst man z. D. die Messer eines Fleischwolfes unachtsam umher und verletzt die feinen Schneiden, so darf man sich über vorzeitigen Verschleiß nicht wundem. Wenn in die Reibern aschine einzelne besonders harte Teile geraten und der größere Widerstand mit Gewalt überwunden wird, so läßt sich das die Maschine nicht allzuoft gefallen und versagt bald den Dienst. Wenn ich einen harten Bodenansatz in einem Aluminiumkochgeschirr durch Hineinstoßen mit einem Stemmeisen entferne, so wird der Doden ballig, läßt sich schwer oder gar nicht mehr gründlich reinigen, erhält unter Umständen Köcher und macht den ganzen Topf unbrauchbar. Wenn ich eine Bohnermaschine beim Aufbewah- ren stets auf die Dürsten stelle, dann drücken sich P16 Dorsten zusammen, und der Apparat ist unbrauchbar. Schadhaftigkeit und Hnvrauchbarkeit finb in» benen keineswegs immer die erste Folge unsachgemäßer Behandlung: diese wirkt sich oft vorher dahin aus, dah der Zweck des Apparats nicht erreicht oder gar in fein ®egenteu verkehrt wird. Wenn man beispiels- ütttfe ote Polster der „Mops" zu selten reinigt, M mischen sich der haftengebliebene Staub und Schmutz mit dem Del, so dah die Fußböden beim Werterbenuyen des Mops nicht sauberer werden, tm Gegenteil! Zur besseren Ausnutzung der von unseren Herden, insbesondere den Gasherden, erzeugten Wärme arbeitet man heute immer mehr nut übereinandergestellten Töpfen oder mit Hauben, die eine weitgehende Ausnutzung des Dampfes und der sonst abstrahlenden Hitze für das Kochen ermöglichen und dadurch mit kleinerer Gasflamme auskommen, d. h Gas sparen lassen. problemreichen Entwicklungszeit verlorenging, neu zu begründen), muß die Tochter das elterliche Haus verlassen, ehe es zu spät ist. Das berufstätige Mädchen, das sich selbst erhalten kann, darf nicht länger das Anhängsel des elterlichen Haushaltes bleiben. Das Verhältnis zu den Eltern wird sich unstreitig verbessern, wenn nicht mehr die kleinen Reibereien des All- tags zwischen ihnen stehen. Die Tochter wird als gern gesehener Besuch im Elternhaus geschätzter sein, als wenn sie immer dort ist: sie wird auch lieber helfend zugreifen, wenn sie es freiwillig tun kann, als wenn sie, die beruflich voll Belastete, stets als selbstverständliche Helferin in allen Röten des Haushalts angesehen wird. älnd die Tochter wird, außer dem Hause wohnend, ihr eigenes Zimmer haben, ihren eigenen Verkehr, die ihrer Art entsprechend Form des Feiertagsgenusses, Alleinseins, wenn sie es noch der Arbeit braucht, kurz, jene Unabhängigkeit, die mit dem Aelterwerden für den Menschen das Gegebene ist. Unb die Desuchstochter wird ihr Elternhaus mehr lieben, weil sie es nicht mehr als Beengung ihrer Eigenentwickelung empfinden muh. Wie aber wird es für die Mütter sein, wenn sie ihre Töchter nicht mehr daheim behalten? Eine Entbehrung? Vielleicht, mehr aber — wenn sie es sich selbst und anderen auch nicht eingestehen werden — eine seelische Befreiung. Wenn nämlich die äußere Trennung früh vorgenommen wird, zu einer Zeit, da die Mutter noch fähig ist, ein eigenes Leben zu leben, ist es immer auch für sie zweckmäßiger, die herangewachsene Tochter nicht neben sich zu haben. Eine natürliche, wenn auch unbewußte Eifersucht wird von jeder Frau empfunden, die Töchter neben sich heranwachsen sieht. Das an sich naturgemäße Zurücktretenmüssen der alternden Frau wird schärfer empfunden, wenn sie aufstrebende Fugend neben sich hat, die das genießt, auf das fic_ nun verzichten muß. Das Gefühl des Der- drängtwerdrns erbittert viele Frauen, und die .Alte" im Hause zu werden, empfindet manche Frau als schweres Geschick. So erscheint es für beide Teile zweckmäßiger, die Heimgenossenschaft aufzugeben. Zu starke Gebundenheit ist eine schlechte Vorbereitung für die Anforderungen, die das heutige Leben an uns stellt. Krauen als Erfinder. Don Karl Graf von Klinckowstroem. Auch zu den Zeiten, als es noch keine „berufstätigen Frauen" gab, hat es schon Erfinderinnen gegeben, die sich einen Ramen gemacht haben. Bekannt ist Frau Barbara Uttmann, die in Annaberg als erste deutsche Bürgersfrau ein Denkmal erhielt und als Erfinderin des Dpihenklöppelns gilt (1561). Das stimmt allerdings nicht ganz. Denn die Klöppelspitzen waren in den Riederlanden schon lange bekannt, als Frau ilttmann zu Nürnberg das Licht der Welt erblickte. Quentin M e s s y s hat schon 1495 ein spihenklöppelnbes Mädchen gemalt. Das Denkmal hat aber seine Berechtigung, wenn man diese Frau als Begründerin der erzgebir- gischen Spitzenindustrie gelten läßt. 3m Fahre 1823 erhielt Madame Benoist ein französisches Patent auf das Sförmige Rohr Reisekleidung der modernen Krau. Von Alice Flechtner-Löbach. Die Reisekleidung der modernen Frau besteht eigentlich nur aus drei Rotwendigkeiten: 1. dem Kostüm mit diversen Blusen, 2. dem bunten, leichten Sommerkleid, 3. dem wollenen Sportdreß. Mit diesen drei Unentbehrlichkeiten kann die heutige Frau während jeder Reise auskommen (sofern die Reise für sie eine Erholung und nicht Toilettenschau bedeutet). Wir wollen vor allem die Frauen beraten, die zur Erholung fahren, stets und bei jeder Gelegenheit gut aussehen möchten und doch nicht viel Geld und Zeit auf ihre Reisekleidung antoenben können. Das Kostüm, das jahrhundertelang zum eifernenDestand der schlicht und vornehm angezogenen Frau gehörte, ist zu neuem Leben erwacht und beherrscht das Straßenbild. Mit langer Facke als Complet für ältere, mit kürzerem Fackett für die mittlere, mit flotter kurzer Sportjacke für die ganz junge Dame bietet es eine Fülle von Anregungen, von differenzierter Ausgestaltung und erscheint durch die wechselbare Bluse immer neu und immer anders. Die Bluse wieder gibt trotz schlichter Oberhemd- form schon durch Farbe und Form der Schlipse, die als Selbstoinder, als Fliege oder flotter Lavalier auftreten, die Möglichkeit der Abwechselung. Auch ist durch die moderne Ergänzung der Weste ein weiteres Moment gegeben, verschiedene Wirkungen zu erzielen. Als allerneuestes werden schmale «Streifen über die Bluse gelegt, die zum Rock herabfallen und so die Querteilung der Figur mildern, auch eine Verbindung von Rock und Bluse Herstellen: ein neues Gebiet für geschmackvolle Handarbeit in Weberei, Stickerei ober farbiger Durchbrucharbeit. Wit diesen Variationen kann das Kostüm nicht nur auf Reisen, beim Lunch, oder auf Spaziergängen, sondern in dunklen Tagen auch beim Rachmittagstee unb auf der Terrasse zum Abend getragen werden. Für Sonnentage und kleine gesellschaftliche Ereignisse tritt dann das leichte Sommerkleid in Aktion, das Blütenkleid, wie ich es nennen möchte. Denn überreich beschert uns die heutige Saison geblümte Kleider in allen Farben und «Schattierungen, vom kleinen Meißner Blümchen bis zu jenen geheimnisvollen großen Fabelblüten, die wie schillernde Schmetterlinge den Körper umflattern. Hier heißt es nun, vorsichtig in der Wahl der Muster sein für den Fall, daß die Kleider- kaffe nur ein solches Kleid gestattet. Zu stark ausgeprägte Muster sieht man sich leicht über. Ruch hier hilft die Mode der Dame, die sich einschränken muß. Lose zarte Facken in uni, abgepaßt zur vorherrschenden Farbe der Blüten, geben dem Kleid einen neuen Charakter. Auswechselbare Aermel und Fichus bieten gleichfalls verschiedene Roten — die Phantasie und «Geschicklichkeit der Frau findet ungeahnte Möglichkeiten, um aus Wenig V i e l zu machen. Als letztes sei der Sportdrez genannt, gewissermaßen der solide Grundton der Reisekleibung, ohne den eine Fahrt, sei es in bie Berge ober an bie See nicht zu denken ist. Hier herrscht immer noch der alte, oft erprobte Strickanzug und erfüllt seine Pflicht im Winter wie im «Sommer. Leichte ärmellose Pullover und vielleicht ein_ kurzes blaues Sportjackett mit goldenen Knöpfen sind hübsche Ergänzungen. Wer besonders dem Segelsport huldigt, kann noch einen modernen Marineanzug mit weißen Hosen und Matrosenkragen an der Bluse mitnehmen. Doch geht das schon über den „Dreiklang" des Rot- wendigen hinaus. Ebenso wie die reizvoll bunten Etranbanzüge, bie »arten Kimono und manches andere. Es geht auch ohne das. Wenn man die Flamme trotzdem ganz groß stellt, macht man den Vorteil des Kochens mit jenen Hilfsmitteln mehr oder weniger hinfällig. Daraus ergeben sich dann jene unberechtigten Klagen über Apparate, die als ausgezeichnet erprobt und oft auch von einer technischen Stelle geprüft worden sind, während manche Hausfrau sie als unvorteilhaft ablehnt. Die Hrfache Cann nur in falscher Behandlung liegen, wofür allerdings weniger die Frauen verantwortlich zu machen sind, als die bisher in der Mädchenschulbildung fehlende Vorbereitung und Schulung für diese Dinge. So ist es kein Wunder, wenn die Arbeit mit der Maschine heute noch vielfach langsamer unb schlechter von statten geht als mit der Hand. Als die «Schreibmaschine aufkam, war es ebenso: und noch heute kann jeder Anfänger erleben, wieviel schneller er vorerst mit der Hand schreibt. Der Umgang mit Maschinen will eben wie alles gelernt sein. Wie ein Apparat zu benutzen ist, haben wir aus der Gebrauchsanweisung au lernen. Run läßt diese allerdings noch häufig zu wünschen übrig. Das wird in dem Maße immer weniger der Fall fein, wie wir Frauen uns unserer Macht als Käuferinnen bewußt werden und dahin arbeiten, daß die erzeugende Fndustrie sich auch dieser Seite der Sache mit der nötigen Sorgfalt annimmt. Auf jeden Fall müssen wir, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, die Vorzüge auch der besten Maschine in ihr Gegenteil zu verkehren, die Gebrauchsanweisung genau lesen, uns klarmachen, was sie besagt, und dann mit peinlicher Genauigkeit entsprechend handeln ... Roch ein wichtiger Grundsatz sei betont, der auch sonst im täglichen Leben Anwendung findet unb in die Worte gekleidet zu werden pflegt: Richt mit Kanonen auf Spatzen schießen! Wenn ich für einen Kranken eine kleine Menge Spinat zubereiten will, dann hieße es allen technisch- wirtschaftlichen Rücksichten ins Gesicht schlagen, wollte ich dafür meinen Fleischwolf in Tätigkeit treten lassen. Fn der Zeit, die ich zum Anschrauben und vor allem nachher zum Reinigen brauche, habe ich die Arbeit mit dem Wiegemesser zehnmal erledigt. Die Maschine würde in solchem Falle die Arbeit erschweren, statt sie au erleichtern. Fede Maschine muh ausgenuht d. h. so gebraucht werden, daß ihre Bedienungsarbeit sich lohnt, daß sie überwogen wird von den erzielten Ersparnissen an Zeit unb Kraft. Sind die einzelnen Vorrichtungen dafür zu Bein, so lege man mehrere zusammen oder lasse die Maschine auf Vorrat arbeiten, damit sich die Dedienungsarbeit auf eine größere Zahl von Mahlzeiten verteilt, ein Verfahren, bad in der Technik heute weitgehend herrscht und auch im Haushalt sich viel öfter, als man denkt, mit Vorteil anwenden läßt. Diese paar Beispiele mögen genügen: jede Hausfrau kann sie bei einiger Aufmerksamkeit aus eigener Erfahrung vermehren und selbst eine wichtige Folgerung ziehen, die zum Schluß als kurze Regel ausgesprochen sei: Man behandle seine Maschinen mit ileberlegung und «Sorgfalt, der Erfolg wird nicht ausbleiben. Das Kind bei Tische. Don Hans Kalischec. „Was mache ich nur mit meinem Fungen? Er ißt so schlecht, er wird und wird nicht fertig damit!" Das ist so einer von den vielen Stoßseufzern ungeduldiger Mütter, bie ihnen den Umgang mit ihren Kindern unnötig erschweren. Denn das langsame Essen, ebenso das Trödeln beim Ankleiden ober auf ben Spazier- und «Schulwegen, und ähnliches gehört zu den alltäglichen Unregelmäßigkeiten, bie eigentlich bei keinem ge- funben Kinbe fehlen. Verlangsamungen im Tätig- keitsrhtzthmus. Haltepunkte erholsamen Verweilens finb eben für bie kinbliche Erlebnisturve burchaus charakteristisch. Rehmen wir einmal an, der 3unge hätte eben feine «Schulstunden „abgesessen", nun soll er schon wieder gehorsam und artig bei Tische sitzen. Der natürliche Drang des Kindes nach Abwechslung und sein altersgemäher Wunsch nach Bewegungsfreiheit lehnen sich gegen die Fortdauer künstlichen Zwanges auf. Entweder springt er zwischendurch umher, erzählt, kramt in der Schulmappe oder Spielzeug, oder aber, wenn ihm das unterlagt ist, beschränkt er sich darauf, im stillen feinen Gedanken nachzuhängen, wobei er natürlich zuweilen das Essen vergißt. Und beim Abendessen, ehe er ins Bett muh, da wollen auch noch einmal die Rachmittagserlebnisse mit den Spielkameraden in ihm Raum gewinnen. Der 3unge ist dann zum Verdruß der müden Eltern im wahren Sinne „zerstreut". Schelten, Klagen und Mahnen haben dabei höchstens den Erfolg, daß die Aufmerksamkeit des Kindes daraus hingelenkt wird, wie wichtig seinen Erziehern der vorschriftsmäßige und schnelle Ablauf der Mahlzeit ist. So wird oft zwischen sensiblen Kindern und nervös gereizten Ettern aus der Belanglosigkeit eine siir beide Teile peinliche Affäre geschaffen. Die harmlose, vorübergehende Erscheinung wächst sich zum chronischen Hebel aus. Gerade den ängstlichen, braven Kindern, die sonst wenig aufzubegehren wagen, an Küchenausgüssen unb Klosetts, durch welches das Aussteigen übler Gerüche verhindert wird. Frau Denoist ist ohne Zweifel selbständig auf diese nützliche Erfindung gekommen, aber 1773 bildete bas Sförmig gekrümmte Abfallrvhr bereits in Englanb einen Bestandteil des Wasserklosetts mit Trichter, das der Uhrmacher Alexander C u m m i g sich dort patentieren ließ. — Dine Berlinerin, Marie Trenn, ist bte Erfinderin einer Taxameteruhr zur Kontrolle von Droschkenkutschern. 3hre Erfindung wurde 1847 in Preußen patentiert. Tragisch war das Schicksal einer anderen Berliner Erfinderin, der Karoline Magdalene E i ch - ler (geb. 1809), die sich als sehr geschickte 'Ser- fertige rin patentierter Prothesen, 0. h. künstlicher Arme und Deine, die durch Schnurzüge bewegt wurden, einen Ramen gemacht hat. Sie heiratete einen Mechaniker namens Krause, von dem sie 1842 geschieden wurde. Dieser eifersüchtige Mann besuchte bie fleißige Frau trotzdem häufig und bezog sogar von ihr Unterstützungen, da er arbeitslos war. Am 6. September 1843 traf er bei einer solchen Gelegenheit in der Wohnung feiner geschiedenen Frau einen Mann an, gegen den er grimmigen Haß im Herzen trug, weil er ihn für die Ursache seiner Scheidung hielt. Mit diesem geriet er zuerst in Streit, und als er mit Hilfe der herbeigerufenen Rachbarn aus der Wohnung entfernt werden sollte, zog er plötzlich aus der Rocktasche einen sogenannten Schaber, ein dreikantiges, scharfes und spitzes 3nstrument, wie Mechaniker es oft brauchen, unb erstach damit feine Frau. 3n England haben sich die Frauen besonders eifrig mit technischen Problemen beschäftigt. Um 1910 wurden dort weiblichen Ersindern jährlich gegen 1500 Patente erteilt. «Sie betätigten sich dabei auf den verschiedensten Gebieten: sie erfanden Verbesserungen und Vervollkommnungen von Dampfmaschinen, Dampfkesseln, Automobilen, lenkbaren Luftschiffen usw. Eine Dame hat sich eine wesentliche Verbesserung der Schiffs- Panzer patentieren lassen, und im 3ahre 1908 haben nicht weniger als fünf englische Frauen Patente auf neuartige Sicherheitsrasiermesser genommen! Während des Weltkrieges haben zwei Erfindungen englischer Frauen Bedeutung erlangt: Mrs. Herta Hyrton erfand eine Vorrichtung, um erstickende Gase zu vertreiben, unb Mrs. Ernestine Hart erbachte ein von ber Qlbmirali» tät, dem Kriegsamt unb den Cisenbahngesell- schasten Großbritanniens erworbenes Verfahren. Gewebe so zu imprägnieren, paß sie keinerlei Flüssigkeit mehr durchlassen. Wäschelegen. Don Else Eharl. Wenn bie Wäsche nach den Wünschen der Hausfrau ausfallen sott, fo hängt bas zum Teil von ber Art des Wäschelegens ab. DaS Wäschelegen ist eine Arbeit, bie viel Sorgfalt erfordert; auch bei biefer Arbeit macht Ucbung bie Meisterin. Die richtige Behandlung muß sofort beginnen, wenn bie Wäsche von ber Leine genommen wirb. Die einzelnen Stücke müssen ganz glatt in ben Wäschekorb hineingelegt werden. Dadurch vermeidet man überflüssige Falten und Brüche, die mit Mühe wieder entfernt werden müssen. Vor dem Wäschelegen wird jedes Stück eingesprengt. Die großen Stücke kann man nicht allein legen, man braucht dafür eine geschickte Hilfe. Diese Arbeit läßt man am besten bis zuletzt und beginnt mit den kleinen Sachen, die hintereinander gelegt werden. Alle Bänder und Rähte werden mit einem sauberen Falzbein oder Messerrücken glattgestrichen. Die moderne Tischwäsche wird kaum noch mit Fransen gearbeitet; wer indessen noch derartige Wäscheverzierungen berücksichtigen muß, löse zunächst mit den Fingern drückt man hier die Waffe heimlichen Trotzes in die Hand. Denn welches noch so folgsame Kind wollte nicht irgendwo seinen Eigenwillen behaupten! Auch manche von ber zärtlichen Heber» forgfalt ber Ettern geradezu bedrängte Kinder wollen sich durch diesen gelegentlichen „Hungerstreik" auch einmal gegen das Zuviel an Liebe wehren. Ganz zu schweigen von den übersättigten, verwöhnten Kindern, denen durch die stete Auswahl der Speisekarte das Gefühl gesunden Hungers verlorengegangen ist, bie höchstens zeitweilig noch ..Appetit" verspüren. 3n all diesen Fällen ist das Mittel dev Richtbeachtung das am meisten wirksame. Lieber das Kind einmal leer ousgehen lassen! Es regelt seinen Bedarf schon von selbst und holt das Versäumte nach. Versagt diese Hilfe, so ist die vorübergehende Unterbringung des Kindes in einer anderen Umgebung zu empfehlen, die weniger stark mit ihrem Gefühl auf die (Schwäche des Kindes reagiert. Besonders heilsam für das geschwisterlose Kind ist das gemeinsame Speisen mit anderen Kindern, da der natürliche Wetteifer den Mangel oft schnell ausgleicht. Ganz verfehlt wäre es. etwa jene bedrohlichen Prophezeiungen anzuwenden, mit denen der sittenstrenge „Struwelpeter" feinen „Suppenkaspar" schreckt. Der „Struwelpeter" ist gewiß ein guter Kenner aller Kinderstubenplagen, aber seine Cinschüchterungs» rezepte dagegen sind oft recht bedenklich und sollten keine Freunde mehr finden. Anders liegt cs dort, wo pathologische Momente in den Vordergrund treten. So gibt es Kinder, die sich äußerst schwer von einer Ve' friebigungäform trennen können, bie vornehmlich dem Säuglings- unb Kleinkinderalter eigen ist. Diese halten über die Zeit hinaus an der sogenannten „Mundlust" fest. Die angenehmen 2e- rührungsempsindungen, die das Herumschieben des Speisebreis im Munde verursacht, sind bei ihnen so stark, daß der die Rahrungsaufnahme nur vorbereitende Vorgang des Kauens zum Selbstzweck wird. Werden diese Reigungen durch die erwähnten Erziehungsmihgriffe gefördert, fo ergeben sich daraus manchmal krankhafte Eß- ftörungen nervöser Art. deren Beseitigung erst der Kunst des Arztes und Pädagogen gelingt. Solche Schwierigkeiten sind dann besonders störend. wenn sie unbetoufjt dem Ausdnvj heftige» Abwehr dienen. Ansatzpunkte für derartige Hemmungserschei- nungen finden wir auch im normalen Seelen- leben. «Es ist bekannt, daß uns eine Mißstimmung nicht fetten das Essen verleidet, daß und vor einer unliebsamen Zumutung „übel“ wird ober, derber gesagt, daß uns eine Sache zum „Brechen* über ist. die größte Wirrnis und schlage vor dem Legen die Fransen über eine Stuhllehne oder Tischkante. alsdann streiche man behutsam mit den Fingerspitzen nach. Früher wurden dann breitzahnige Holzkämme verwendet. Die Kämme sind sehr praktisch, kommen aber kaum noch in den Handel, da ihre Verwendungsmöglichkeit, der gegenwärtigen Mode entsprechend, gering ist. Einsätze, Stickereien, Hand- und Maschinen- fpihen werden, solange sie noch feucht sind, leicht gestreckt, damit sie glatt werden. Läßt man sie erst trocknen, so brechen die groben und die feinen Gewebefäden: dies gilt besonders für ältere Stücke und im allgemeinen für die gesamte Wäsche. Man beginnt das Wäschelegen mit den Taschentüchern, da dies die kleinsten Stücke sind. Sie werden der Länge und der Breite nach, kreuz und quer gereckt und gestreckt. Dann schichtet man sie stapelweise auf, die großen von den kleinen getrennt, Kante auf Kante, Saum auf Saum. Monogramme, Buchstaben, Wäschezeichen jeder Art sollen stets mit der linken Seite nach innen liegen. Vach den Taschentüchern kommen die Servietten, ihrer Größe und Farbe (Teeservietten) nach sorgfältig gesondert, an die Reihe. Ihnen folgen die Brotkorbdeckcben, die Läufer, Mitteldecken, die Klapper- und Eisdeckchen. Ser- vietten werden mit den Monogrammen nach außen gefaltet: sie werden zu einem Viereck mit scharfen Ecken gelegt und dürfen keine überstehenden Zipfel haben. Man schichtet sie wie die Taschentücher, plättet die Buchstaben stets auf der linken Seite, und achtet darauf, daß alle Wäschezeichen und Verzierungen recht scharf her» ausgcbracht werden. Die Kopfkissenbezüge werden gereckt, indem man mit ausgestreckten Armen hineinfährt, mit den Fingern die Vähte glättet und die äußeren Ecken dehnt. Alle Verzierungen, Einsätze, Stickereien, Spitzen, Kanten, Ecken glätte man sehr sorgfältig, dann wird der Kopfkissenbezug zur Hälfte in der Weise gelegt, daß die Verschlußseite glatt bleibt. In derselben Art werden die Oberbettbezüge gelegt: dazu braucht man indessen die Hilfe einer zweiten Person, ebenso für die Bettlaken, die großen Tisch- und Tafeltücher. Die Saumkanten werden mit dem Daumen und dem Zeigefinger glatt gestrichen, dann reckt man mit entsprechender Hilfe die großen Stücke recht straff: schließlich legt man die linke Seite nach außen, mit dem Vamen nach innen. Ein Saum liegt auf dem anderen, der Quere nach zusammengelegt. Wenn die großen Tisch- und Tafeltücher, die Bettlaken usw. in Gebrauch kommen, dürfen die Flächen nicht faltig sein. Alle Kniffe und Brüche sollen vermieden werden, darum legen man solche Wäschestücke recht groß zusammen. Alle Bezüge werden links gelegt, weil man sich dadurch das Beziehen der Betten erleichtern kann. Man dreht sie über dem Inlett um und bringt sie auf diese Weise auf die rechte Seite. Zum Schluß werden die bunten Stücke, die Wirtschaftsschürzen, die Haus- und Wirtschaftskleider vorgenommen. Man zieht sie straff, glättet alle Bänder und Schleifen und legt sie, ohne sie zu zerknittern, in der Mitte zusammen. Alle Wäschestücke werden nach dem Rollen ganz besonders schön, wenn dem allerletzten Spülwasser ein wenig Stärke zugesetzt wird. Ein anderer Kniff, um schöne Wäsche zu erlangen, ist die Verwendung einer sorgfältig gereinigten DIumensprihe zum Einsprengen: auch der Wasserzerstäuber vom Blumentisch eignet sich dazu. bis Anfang Iuni 1930 war in Frankfurt in den Verhandlungen über Betriebsstillegungen die Entlassung von insgesamt 9084 Arbeitnehmern genehmigt worden. Dabei ist jedoch zu betonen, daß in einer sehr großen Zahl von Betrieben außerdem Betriebseinschränkungen durch Arbeitszeitverkürzung erfolgten und in der Zahl von 9084 Personen nicht diejenigen entlassenen Arbeitnehmer enthalten sind, die durch eine Stilllegung in Handels- und Bankbetrieben betroffen wurden. Abgesehen von den Stillegungen und Betriebseinschränkungen wirken sich besonders ungünstig auf die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage der Zusammenbruch der Favag sowie gewisse Veränderungen im Frankfurter Bank- und Großhandelsgewerbe unmittelbar und mittelbar aus. Auf dem Frankfurter Arbeitsmarkt ist demnach eine außerordentlich ernste Lage eingetreten. * Deutsche Gold- und Silber» Scheideanstalt vorm. Roeßler, Frankfurt a. M. Die außerordentliche Generalversammlung, in der 24 Aktionäre 21,99 Mill. Mk. Stamm- und 600 000 Mk. Vorzugsaktien vertraten, genehmigte einstimmig den bekannten Fusionsvertrag mit der Holzverkohlungs-Industrie AG., Konstanz, und die zur Durchführung der Fusion notwendige Erhöhung des Stammkapitals um 6 Mill. Mk. auf 35 Mill. Mk. unter Aus- schluß des gesetzlichen Dezugsrechts der Aktionäre. Die neuen Aktien haben halbe Gewinnberechtigung für das Geschäftsjahr 1929/30. Ferner wurde beschlossen, durch Satzungsänderung die Aufsichtsratstantieme zu begrenzen. Die Einführung der neuen 6 Mill. Mk. Stammaktien an der Börse soll so schnell wie möglich veranlaßt werden. Der Besitz der Scheideanstalt an Hiag- Aktien beziffere sich auf nom. 1,56 Mill. Mk. Heber die derzeitige Geschäftslage wurde noch mitgeteilt, daß die Hauptartikel der Gesellschaft trotz teilweise scharfer Konkurrenz noch gut gehen. Infolge der starken Preisrückgänge für Edelmetalle, die sich vielleicht noch fortsetzen würden, seien eventuell trotz der bei der Bilanzierung geübten Vorsicht Abschreibungen erforderlich, die jedoch die Bilanz nicht wesentlich berühren dürften. Soweit sich übersehen lasse, könne wieder ein befriedigendes Ergebnis erhofft werden. * Holzverkohlungs-Industrie AG., K o n st a n z. Die Generalversammlung, in der zwanzig Aktionäre 7,31 Mill. Mk. Stamm- und 10 000 Mk. Vorzugsaktien vertraten, genehmigte einstimmig den Abschluß für 1929 30 mit wieder 6 Proz. Dividende und beschloß die Fusion mit der Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt vorm. Roeßler, Frankfurt a. M. * Rhein. Clektrizitäts-AG., Mannheim. Die Generalversammlung beschloß die Verteilung einer erhöhten Dividende von 10 (i. V. 9) Prozent auf 12,50 Mill. Mark Stammaktien. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Iuli. Tendenz: etwas freundlicher. — Die Besserung an der Börse scheint Fortschritte zu machen, nachdem man sich über die Vorkommnisse bei M i a g und Z e l l - st off Waldhof hinwegqeseht hat. Zu Hilfe kam noch die zum Schluß gebesserte gestrige Veuhorker Börse und dir günstig: Beurteilung der innerpolitischen Lage, obwohl die Verhandlungen mit den Fraktionen noch andauern und noch keine Entscheidung über das Deckungsprogramm gefallen ist, so daß die Stimmung an der Börse wesentlich freundlicher war. Das Geschäft bewegte sich im allgemeinen immer noch in engstem Rahmen, zumal der Orderein» gang noch keine Vermehrung erfahren haben dürfte. Die Kulisse schritt aber in verstärktem Maße zu Deckungen, so daß die Spitzenwerte reger umgeseht wurden. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich überwiegend Kursgewinne bis zu 2 Proz. Mehr in den Vordergrund traten Zellstoff Waldhof, die 2,5 Proz. gewannen. Am K a l i m a r k t traten Besserungen bis zu 2 Prozent ein. Am Elcktromarkt war die Kursgestaltung nicht ganz einheitlich. AEG. u. Felten lagen je 0,5 Proz. abgeschwächt: Licht und Kraft gewannen nur geringfügig, während Siemens mit plus 1,75 Proz. führend waren. In Schuckert kam vorläufig keine Erstnotiz zustande, doch war dieses Papier in der Kulisse stärker gefragt und etwa 2,5 Proz. fester genannt. Am Chemiemarkt lagen I. - G. - Farben 1,75 Proz. und Rütgerswerke 1 Proz. fester, Holzverkohlung lagen dagegen unverändert. Auch am Montanmarkt war die Stimmung nicht ganz einheitlich. D:e Besserungen gingen bis zu 1 Proz., während anderseits Mannesmann und Harpener leicht gedrückt eröffneten. Am Verkehrsmarkt traten AG. für Verkehrswe sen mit plus 2,5 Proz. stärker in Erscheinung. Schiffahrtswerte waren bis zu 1 Proz. höher. Banken lagen im allgemeinen gehalten. Vur bei Danatbank kam aus den bekannten Gründen Material an den Markt, und dieses Papier büßte 1,25 Proz. ein. Am Renten- markt waren Schutzgebiete wieder etwas fester, während von Ausländern Bosnier stärker gedrückt waren. Im Verlaufe erhielt sich die freundliche Stimmung. Es konnten sich bei weiteren Deckungen der Kulisse nochmals Besserungen bis zu 1 Proz. durchsetzen. Der g ü n - stige Reichsbankausweis fand Beachtung. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 2,5 Prozent sehr leicht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1922, gegen Pfund 20,40, London gegen Kabel 4,8655, gegen Paris 123,68, gegen Mailand 92,90, gegen Madrid 41,80, gegen Schweiz— 25,0550, gegen Holland 12,0950. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Iuli. Am heutigen Produktenmarkt war das Geschäft im allgemeinen ziemlich belanglos. Das Angebot in Brotgetreide war nicht sehr bedeutend, und die Preise konnten sich gut behaupten. Am Mehlmarkt war die Tendenz für Weizenmehl etwas schwächer. Einige Vachfrage bestand am Futtermittelmarkt für Kleie, eine Preiserhöhung trat jedoch nicht ein. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für die übrigen Waren je 100 Kilo. Es notierten: Weizen, Hektolitergewicht von 78 Kilo, 305: Roggen, Hektolitergewicht von 72 Kilo, 165 bis 166; Hafer, inländischer, 167,50 bis 170; Weizenmehl, süddeutsches Spez. 0, 43,50 bis 44,25; Rog- qenmehl 25 bis 25,50; Weizenkleie 8,25 bis 8,50; Roggenkleie 8,25 bis 8,50 Mark. Tendenz: ruhig, Kleie fest. Vermischtes. Zehn Tote beim Einsturz eines Hafenpiers. Der Pier der Wilson-Linie in Pennsrove (Veu- Iersey) U.S.A. ist eingestürzt. Dabei sollen mindestens zehn Personen ertrunken sein, oder töt* liche Verletzungen erlitten haben. Mit dem Auto in eine Trinkhalle. In Esscn-Karnap ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfalt. Ein Personenkraftwagen wollte einen aus der Richtung Horst kommenden Lieferwagen überholen, als dieser plötzlich in eine Querstraße abbog. Es erfolgte ein Zusammenstoß. Der Personenkraftwagen kam dadurch aus der Fahrtrichtung und durchfuhr eine Trinkhalle. Hierdurch wurde ein Straßenbahnkontrolleur, der sich in der Trinkhalle aufhielt, getötet. Der Führer des Personenkraftwagens wurde durch Glassplitter schwer verletzt. Büchertisch. — Hans Fülster, Kompendium des gesamten Rechts, Band 1, Bürgerliches Recht. I. Allgemeiner Teil. II. Recht der Schuldverhältnisse. I. und II. Preis 3,80 Mk.. 3.— Mark und 4,50 Mark. Emil Roth, Verlag G. m. b. H. Gießen (253). — Die gut eingeführten Kompendien von Fülster zeichnen sich durch übersichtliche Gliederung, klare Sprache, knappe und doch erschöpfende Darstellung aus. Sie berücksichtigen gleichmäßig die Bedürfnisse des Examens und der Praxis, so daß sie wohl mit Recht das ideale Vorbereitungsbuch für den jungen Iuristen genannt werden dürfen. Das hier im allgemeinen Gesagte trifft im besonderen auch für die soeben erschienenen Bände zu, die die beiden ersten Teile des BGB. behandeln. Es wäre zu wünschen, toänn das Werk bald abgeschlossen vorläge. — „Europäische Gespräche" (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald). — Der Abschluß der Lateran-Verträge hatte noch einmal das allgemeine Interesse auf den politischen Sachwalter der Kurie, den hochbetagten Staatssekretär Gasparri gelenkt. Die Geschichte seiner Amtsführung skizziert ein auf intimster Kenntnis der Vatikanischen Diplomatie fußender Aufsatz von Maximilian Claar, der in Gasparris Individualität die Vorzüge des großen Gelehrten mit den glänzendsten Gaben des Diplomaten aufs glücklichste vereinigt sieht. — Der Dokumententeil bringt den Bericht, mit dem b<Ä vom Dölker- bundrat zur Anpassung der Volkerbundsahung an den Kellogg-Pakt ernannte Iuristen-Ausschuß seine Vorschläge für die Abänderung der Satzung begründet hat. Wirtschast. Oie Landwirtschaft im Juni. Der Amtliche Preußische Pressedienst entnimmt dem Bericht der Preußischen Landwirtschaftskammern folgende Aebersicht über die Lage der Landwirtschaft im Iuni 1930: Auch im letzten Derichtsmonat hat in weitem Ausmaße von Steuer st undungen Gebrauch gemacht werden müssen. Die Klagen über die Erhöhung der Kommunalzuschläge zur staatlichen Grundvermögenssteuer hielten an. Der Grundstücksverkehr war gering, lediglich die Zwangsversteigerungen haben zugenommen. Trotz Herabsetzung des Reichsbank- diskontes war von einer entsprechenden Erleichterung der Zinsenlast und der Kreditbeschaffungsmöglichkeiten wenig zu spüren. Vereinzelt konnte eine gewisse Entspannung auf dem Markt für kurzfristige Kredite bemerkt werden. Die Verunkrautung der Felder ist in diesem Iahre besonders stark. Tierische und pflanzliche Schädlinge sind in ihrer Entwicklung durch das warme, trockene Wetter begünstigt worden und haben stellenweise erheblichen Schaden angerichtet. Der Saat en st and hat sich gegenüber den Vormonaten verschlechtert, ist aber im Durchschnitt als mittel, bei Winterw eigen, Winterroggen und Wintergerste noch als befriedigend zu bezeichnen. Teilweise ist Notreife und Lagerung des Getreides eingetreten. Auch die Hackfrüchte, insbesondere die Frühkartoffeln, haben durch die Trockenheit Schaden genommen. Die Rüben sind zum Teil schlecht aufgelaufen und wachsen schlecht weiter. Die Heuernte hat sehr zeitig begonnen und ist wohl überall beendet; sie konnte gut eingebracht werden und ist nach Menge und Güte befriedigend, zum Teil sogar ausgezeichnet ausgefallen. Der bisher üppige Graswuchs auf Wiesen und Weiden ist infolge der Trockenheit jetzt ebenfalls zurückgeblieben. An der unzureichenden Preisgestaltung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse hat sich nichts geändert. Der Tiefstand der Preise für Milch und Molkereierzeugnisse wirkt sich besonders für die bäuerliche Betriebsführung verhängnisvoll aus. — In der Pferdezucht ist eine stärkere Belebung eingetreten. Die stark rückgängige Preisbewegung für Milch und Molkereierzeugnisse, wirkte sich ungünstig auf die Entwicklung der Rindviehzucht aus. Viele bäuerliche Betriebe sind in starkem Maße zur Kälberzucht übergegangen. Der genossenschaftliche Eierab - s a tz entwickelte sich zufriedenstellend. Lcnlung dcs Privatdiskontcs. Berlin, 8. Iuli. (WTB.) Der Privatdiskont ist für beide Sichten um je Vs auf 33/s Prozent ermäßigt worden. * * Aktienindex. Der vom Statistischen Reichsamt errechnete Aktienindex (1924 26 100) stellt sich für die Woche vom 30. Iuni bis 5. Iuli 1930 auf 113,2 gegenüber 113,6 in der Vorwoche, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie auf 111,2 (111,4), in der Gruppe Verarbeitende Industrie auf 133,9 (134). Für den Durchschnitt des Monats Iuni 1930 ist der Index 116,4 gegen 121,7 im Durchschnitt Mai 1930 ermittelt, und zwar in der Gruppe Bergbau und Schwerindustrie 114,5 (119,6), in der Gruppe Verarbeitende Industrie 105,8 (111,5) und in der Gruppe Handel und Verkehr 136,6 (141,1). • 70 - Millionen - Anleihe für Frankfurt a. M. In der letzten Sitzung des Frankfurter Stadtparlaments wurde überraschend schnell und ohne Diskussion einer Magistratsvorlage zugestimmt, demnächst zwei in- oder ausländische Anleihen in Hohe von insgesamt 70,6 Millionen Mark aufzunehmen. Der Betrag soll zur Deckung bereits genehmigter extraordinärer Aufwendungen für die Erweiterung und Terbesse- rung der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke, von Straßenbahn und Omnibus, sowie für die Beteiligung der Stadt an der Preuß. Clektrizi- täts-AG. dienen und vom Magistrat bei günstiger Lage des Kapitalmarktes demnächst ausgenommen werden. Der Beschluß der Stadtverordneten hat zur Zeit nur formellen Charakter, da überdies beim Abschluß der Anleihe der Aeltestenausfchuß gehört werden wird. ' Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage in Frankfurt. Einer Mitteilung der Magistratspressestelle über die Entwicklung der Wirlschafts- und Arbeitsmarktlage in Frankfurt a. M. ist zu entnehmen, daß die Arbeitslosigkeit im Frankfurter Wirtschaftsbezirk den Reichsdurchschnitt wesentlich überschreitet. Am l.Iuni waren in Frank urt a. M. 7.2 Prozent der Bevölkerung erwerbslos gegenüber 4,3 Prozent Erwerbslosen der Bevölkerung des ganzen Reiches. Hauptunterstützungs- empfänger der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge waren in Frankfurt 3,9 Prozent der Bevölkerung gegen 3 Prozent im Reich. Die wirtschaftliche Depression, die in der letzten Zeit nur eine geringe saisonmäßige Entlastung des Arbeitsmarktes erfuhr, wird in absehbarer Zeit weitere Stillegungen von Frankfurter Betrieben nach sich ziehen. In der Zeit vom l.Mai 1929 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. ■Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0.5)., Lombardzinsfuß 5 v. H. zranNurt a. Ul. Berlin «Schluß« l»Ubr« «Schluß« ynfana» lnrS K r# furd | Kurs Datum 8.7. | 9. 7. 8.7. | 9. 7. b% Ziuiiaje ymajaaiueiiK von 1927 ...... 7% Deutsche Reichsanleihe 87,75 - 88,9 - von 1929 ...... Deutsche Ani.-Ablöf.-schuIb mt: 104 — 103.5 — Ausloi. Rechten ... 59,95 _ 60 60 DeSgl. ohne Anslof..Rechte . . k% Heii. Bolksstaat von 1929 8,5 — 8,65 8,7 irüdtablb. 102%)..... Lberheiien Provinz ■ Anleihe mt 96 — 95,75 — Auslot. Rechten..... Teutldtf Komm. Sammeiabi. 57 — — - Anleihe Serie 1 . . . 58,25 — 58 _ <% Frantz. Hup. Bank Aoldvle XIII unfünfbar bk 1931 . . .% Frankl. Hup-Bank öolbpfe 101,5 - - unkündbar bis 1932 Wt% Rbeinitche Hnp.Ban! 96,5 — — — Liau. (Molbpfe....... K% Pr. üanfejpfanfbriefanftalt 90 — — — Pianvbricle R. 17 ... •*% Pr yanDeirf.incbrielanftal' 101,5 — 101 — ftomm.«Cb!, :'.L 20..... 7% Pr. Lande.p|anvbrie|anitalt — — 97,5 - Pfandbriefe R. 10...... A.E.Ä abfl. Borlriegs-Lbligatio 96,25 - 96,25 - nett rückzahlbar 1932 94 - — — i% £e«em-id)t|d)e (»oiorente 26,65 26,9 1,20% £eftcneid)i|die Silbenenu 3 2?85 1% Lelterreichilche Einheitlich, Rente — _ 1,9 Z3.3 20,1 <% Unnarlfdie Oolbrentc . . 23 _ 4% Unßariidie Staatsrente v. 1910 _ iy2% desgt. von 1913 — — 70,5 4% Ungarische fitonenrente . . 1,75 1,9 l% Türkilcbe Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn°AnI 5,2 5,025 .95 5,1 Serie 1 i,25 — 5,1 4% betifll. Serie II....... 5% Rumänische vereinh. Rente 5,25 — 5,1 5,1 von 1903 .... — — 9,6 l*/t% Rumänische vereinh. Rente von 1913 ..... ..... 16 16 4% Rumänische vereinh. Rente '.65 7,725 7.6 7,7 Frankfurt a. M Berlin «Schiuß- lurd 1-Uhr. Kur- (Schluß- lur- Ansa. g- Kurs Datum 8. ,. 9. 7. 8. 7. 9. 7. vainourn- zinierita Palet . 1 96.5 97,13 97 97 ftamburn-Sübam. Damptichill 8 — — 154 153 Hama Tampfidtlff ... 10 — — 128.5 Norddeutscher Llohb .... . 8 97,25 98 97,25 67,25 Allgemeine Deutsche Creditanst. 10 111 — 111.5 111,5 Barmer Bankverein . 10 121 121 121 121 Berliner Handelsgesellschaft . 12 156.5 — 156.25 156,25 Eommerz- und Privat-Bank . 11 138.5 138,5 138,5 138,5 Darmstädter und Naiioualbank 12 200.13 199 199.5 200 leutfdie Bank und TiSconto-GeseUschast, . . . 10 130 — 130 130 Dresdner Bank...... 10 130,5 130 130.5 130 Reichsbank . ...... 12 255 254.5 256 A.E.G.......... . b 149,5 150 149,5 149,5 Bergmann........ . 9 — — 178 — Elektr. Lieferungsgelellschaft. 10 138,25 — 138,5 — Lichl und Kraft...... 10 143 143,5 143 143 Hellen & (Huilleaume . . . 7*4 107 106,5 107 106,5 Gesellschaft für Elektrifche Unternehmungen .... 10 142 — 142,25 143,25 Hamburger Elektrizitäts-Werke 10 — 133,25 — Rhetni,che Elektrizität . . . 9 142,25 — 142,75 142 2d)leH|rf)c Elektrizität. . . . 10 — 143 143 schildert & (So....... 11 — — 165.65 166,5 Siemens & Halske..... IG 207 208,75 206,75 207,5 Itanoraolo........ . 8 _ Lahmeyet L Co....... 10 160 — 160 — Buoerus ..... . o 72 73 72 71,75 Deutsche Erdül...... . 6 — — 84,65 85 Offener Steinkohle ..... . 8 — — 126,13 - Geilenkirchener...... . b '24,5 125 124,75 125,25 Harpener......... . 0 119 118,75 119,25 119,25 Hoefch Eilen........ c>/2 — 93,5 94,5 3i|e Bergbau....... 10 — — 240 Klöcknerwerke....... 95 — 95 95 Köln Neueffen....... . 7 — 91,25 91 Mannesmann Rühren . . . e > 2,5 92 92,13 92,13 Mansselder Bergbau .... 65,25 65,5 Oberschlef. Eisenbedars . . . . k> — — 55,5 Oberichlef. Kokswerke .... *? — 91,25 91,75 Phönix Bergbau ... 85,25 — 86,13 Rheinische Braunkohlen . . 10 219 — 219 220 Rheinstahl........ . 6 101 100,75 101 Riebeck Montau ...... 7,2 — ;?ranffurt a. UI. | Berlin «Schluß-1 1-Uhr- Schluß-, Anfang« lurS Kurs lurs ; Kurs Dalum 8. 7. 9. 7. 8. 7. 9. 7. Bereimgie Stadlwerte . 84,75 — - 85,13 85,25 Olavi Minen..... . 16'/. — — 42,75 43 Kaliwerke Afchertzleben . . . 1« 198 199.25 198 200 Kaliwerke Westeregeln . . . 10 203 204 204.5 205 Kaliwerke -alzdetiurth . . . 15 354 — 354,25 358,5 ,1. G. warben Industrie . . . 12 156,9 158,5 157,5 158,25 Ttmamit Nobel .... . . . 6 —- — — — Sdieibcanftalt..... ... 9 — — — — Goldfchmibt..... . . . 5 58 — 57,75 58.5 RütgerSwerke..... . . . 6 57 58 57,25 57,9 Metallgclellfchast. . . . . . . 8 113 113 112,5 — Philipp Holzmann . . . . . . 7 84,5 — 84,5 _ Zementwerk Heidelberg . . 10 109 109 — — Eemcntwerk Karlstadt. . . . 10 — — — — Wann & fttentafi ... . . , 8 76,5 — 75 — Schultheis Payenhvser . . . 15 — - 281,5 2835, Cftioerle....... . . Vi — — 229,5 232,5 ölku........ . . 18 — —— 95 94 Bemberg....... . . H 97 — 97 — Zellstoff Waldhos . . . . 13'/. 141,5 143.75 140,5 143 Zellstoff Afchassenburg . . . 12 101,25 — 100,25 — Elmrlottenburget Waller ... 8 — — 99 100 Dessauer «Ma» ..... . . . 8 — — 145 145,5 Daimler Motoren . . . . . . 0 31,5 — 31 31,5 Deutsche Linoleum . . 197 — 195,5 197 . . . 0 — — 45,5 — Rat. Automobil ... . . . 0 — — — — Örcnflcln & Koppel . . ... 6 — — 65,75 66,25 Leonhard Tiey .... . . 10 143,5 - 142.5 144,5 Svenska . . . - 308 309 .frankfurter Mafchtnen . ... 4 22 — 22,25 — (JJrittner ....... ... 6 — — 31 — Henligenstaebt . . . . . . . 0 — — — — Iunghans...... ... 6 37,5 — 38 — * Lednverke....... ... 8 94 — — — Mainkraftwerkc Höchst a. M.. .8 80 — — — Bitag ..... . . 10 100 — 99,25 99,5 Gebt. Roeder ... . . 10 104 — — — Botgt S Haefjner . . . ... 9 147,5 — 147,5 — Süddeutsche Zucker . . . . 10 156,25 — 156,5 - Banknoten. Berlin, 8. 5ul( Gelb Bries Amertkanilche Noten...... 4,172 4,192 Belgische Noten ...... 58,56 58,80 Dänische Noten ....... 111,98 112,42 Englische Noten ........ 20,34 20,42 ß-ranjüfildie Noten ....... 16,46 16,52 Holländische Noten ....... 168,11 168,79 Italienische Noten........ 21,99 22,07 Norwegische Noten....... U1.93 112,42 Deutsch-Lesterreich, ä 100 Schilling 59,22 59,46 Rumänische Noten ...... 2,47 2,49 Schwedische Noten ....... 112,30 112,74 Schweizer Noten........ 81,42 81,74 Spanische Noten........ 48,50 49,70 T'chechojlowakische Noten. .... 12.438 12,498 Ungarische Noten ...... 73,15 73,45 Demi« .imarfl Berlin — Jranffurl a Hl 8. Juli 9. Juli Amtlich. (Selb Notierung tfrlc Amt! ehr (Selb houcrum. Bru AM'k.-Nott. 168,46 168,80 168,40 168,74 Bu it -AircS 1.502 1,506 1,504 1 508 Brss. Antw. 58.51 58,63 58.51 58,63 Christicmia - 112,19 112,41 112,19 112,41 Kovrnbag.'tt 112,24 112.46 112,21 112.43 Stockholm ■ 112.56 112,78 112,52 1i2.74 Helimgfors. 10,543 10,563 10.539 10,559 Italien. . . 21,94 21,98 21.93 21,97 London. . . 20,376 20,418 20.376 20.416 Neunork . . Pori-3.... 4,1885 4,1965 4.188 4,196 16,465 16,505 16,465 16,505 Schwei; . . 81,325 81.485 81,33 81.49 Spa t.-rr . 48,92 49,02 43.12 49.22 Japan - - - 2,071 2,075 2,061 2,075 •Kto de Jan Dien in D - 0,460 0,462 0.452 0.454 Ceft. Qbflcit 59,16 59,28 59,155 59,275 Prag . . . 12,429 12,449 12,429 12.449 Belirad . . 7,420 7 434 7,423 7,437 Budapest. . 73,33 73,47 73.33 73,47 Bulgarien 3,037 3,043 3.037 3,043 Lissabon 18,80 18,84 18,78 18,82 Danzig. . . 81,43 81,59 81,43 81.59 Konst iirin. 1,784 1,789 1,784 1,739 Alben. . . 5,43 5,44 5,43 5,44 Kanada 4.186 4,194 4,186 4.194 Uru uat) . . 3,566 3,574 3,566 3,574 Cairo • • . 20,89 20,93 20-89 20,93