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Hel« hren in der Für« ich zur Schicksals« etwa die Dücher in der Oessentlich« men Einführungen »enschastlichen Frucht, liegt in der reien Gläubigkeit. ?ma mit dem deS nn er fufitf iz-8 sen der sozialen piialiSmuS-. .Die ladilMmus und >ie" dvnJcha-neS -ung ist nicht nut Mich bedeutend: rllenstudien in den chten. em Au^g^g. rahtberichl.j Seslern ius Schäfer den f f y.der in offen- eschäft betrieb, er« olschewsky Geld Z« es gestern abend, jnseinandersehung. f einen Totschläger aus einer Selbst- W einer tödlich Herzschub °"d kl» JES L25 1,85 1,31 5,44 8,60 1,84 1,78 8,73 ,465 2,28 11,18 i4.14 12,33 13,0 58,98 1Ä 'iS ,9» s $ ranksurt^- ---- T 58,49 112,29 20,45 16,50 'M 112,22 Ä ’S: Sf 7338 168.65 iE 58-35 11[«g M 4,1« 16,44 81-1 53.20 2,055 0,441 58,85 12,3> 7-405 |},2^ 3,0g 18.81 31,4? 1.9« 5,435 4,14? Mi 20,90 '-i-Hsr 1.69 58,4 112," 112-8 !!Ä »«! Sb?1. 53.30 ,059 Hr. 7 Erstes Blatt 180. Jahrgang Donnerstag, 9. Januar 1950 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertage Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monoti:Beiug$prei$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. gernsprechanschMfse antcrSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. postschecNanto: jfranfturt am Main 11686. GietzenerAnzeign General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steittöruderei n. Lange in Sieben. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrabe 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 7011.m Brette 35 Reichspfennig, Playvorschrift 20u , mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Ein peinlicher Zwischenfall im Haag. Ein tendenziöses Havaskommunique. - Angebliche Drohungen des französischen Ministerpräsidenten gegen die deutsche Delegation. - Tardieu berichtigt. - Oer Zwischenfall damit beigelegt. Berlin. 8. -Ian. (LU.) 3n Berliner pvli- lischon Kreisen hat es peinlichstes Aufsehen erregt, daß die französische amtliche Agentur Havas aus der gestrigen, bekanntlich sehr heftigen Auseinandersetzung im Haag zwischen den Vertretern Deutschlands und Frankreichs einzelne Worte des französischen Ministerpräsidenten Tardieu aus dem Zusammenhang herausgerissen und der Oeffent- lichkeit übergeben hat. Aach der amtlichen französischen Agentur soll Tardieu in der scharfen Auseinandersetzung mit den deutschen Ministern u. a. folgendes gesagt haben: „Sie versichern, dast Ihre feierliche Verpflichtung, den Voung- plan auszuführen, allein genügt, um alle Pfänder zu ersetzen, die wir früher in der Hand hatten. Wir alle haben das Vertrauen zu der feierlichen Verpflichtung der hier anwesenden Aeichsminister. Indessen lassen unsere Beratungen hier fortwährend irreführende Feststellungen auftauchen. Sie fordern, daß man Vertrauen zu Ihnen haben soll und Sie scheinen kein Vertrauen zu sich selbst zu haben. Als gestern die Rede von dem endgültigen Charakter des in Kraft zu setzenden Abkommens war, lieh die allgemeine Aussprache bei Ihnen beunruhigende Revisionsabsichten erkennen. Dasselbe war heute, Dienstagvormittag, der Fall in der Frage der Zahlung der Rückstände im Falle eines Moratoriums. Dasselbe beginnt heute abend von neuem bei Gelegenheit der vorbehaltenen Einnahmen. Sie sogen, dah Sie den Voungplan annehm c n mrd jedesmal, wenn man seine genaue Anwendung f e st l e g e n will, lehnen Sie ab. Ein derartige Haltung führt uns dazu, an Ihrer allgemeinen Verhandlungsfähigkeit zu zweifeln. Die Frage muhte ich früher oder später stellen. Ich ziehe es vor, sie bereits heute zu stellen, da Ihre Haltung unsere Arbeit'sgrundlage völlig verändern kann!" Die deutsche Abordnung hat sofort einen Vertreter zu dein Ministerpräsidenten Tardieu entsandt, oer erklärte, falls das Havaskommunique Unrichtigkeiten enthalte, so würde er sofort eine Richtigstellung veranlassen. Er habe das Havaskommunique weder gesehen noch gebilligt und würde bedauern, wenn dadurch Schwierigkeiten entstünden. Darauf erfolgte folgende R i ch t i g st e l l u n g durch die französische Delegation: Bezüglch gewisser Aeuhe- rungen, die Herrn Andre Tardieu zuge- schrieben werden, und die er während der letzten Sitzung des Komitees für deutsche Reparationen getan haben soll, wird von französischer Seite folgendes festgestellt: In Wirklichkeit und wie cs überreichlich das Fehlen jeglichen Zwischenfalls innerhalb der Kommission selbst beweist, hat sich Herr Tardieu als er die Bedingungen für das wechselseitige Vertrauen, w lches die Haager Verhandlungen beherrscht, präzisierte, darauf beschränkt, seinen deutschen Kollegen d'.e A achte i l e einer zu ausführlichen Erörterung über die Einzelfragen auseinanderzu- sehen. Er hat darauf hingewiesen, dah solch: Erörterungen die Gefahr in sich bergen, die für einen Erfolg der Konferenz notwendige Atmosphäre zu stören. Die deutschen Delegierten, deren persönlichen guten Willen und deren Per- handlungsoktivität Tardieu unterstrich, indem er auf die Schwierigkeiten ihrer Aufgabe hinwies, haben übrigens, während sic ihre Stellung in der Sache aufrcchterhielten, keinerlei Einwendungen gegen die von dem französischen Ministerpräsidenten ang:wandten Ausdrücke erhoben. Die Diskussion hat bis zum Ende einen Charakter voller Herzlichkeit getragen. Der Zwischenfall ist dadurch entstairden, dah Tardieu gestern abend, als er nur wenig Zeit für die Informierung seiner Presse zur Verfügung hatte, nur eine ganz gedrängte U e b erst ch t zu geben vermochte. Das Havas -Kommunique, das keinen amtlichen Charakter trägt, ist ohne seine oder die Mitwirkung eines anderen Delegationsmitgliedes ab- gefaht und herausgegeben worden. Die Erläuterung, die heute von autorisierter französischer Seite dazu gegeben worden ist, rüctt in dem einleitenden Satz, in dem davon gesprochen wird, dah die fraglichen Acuherungen Tardieu „zu- g e s ch r i e b e n" werden, von dieser Meldung ab. Die tatsächliche Aeuherung Tardieus in der Sitzung selbst hatte den Sinn, dah er der deutschen Delegation nicht etwa Zweifel an sich selbst, sondern Zweifel an der parlamentarischen D u r ch s e tz u n g s m ö g l i ch k e i t ihrer etwaigen Vereinbarungen unterstellte und darauf die gestern gemeldete sehr klare und eindeutige Erwiderung des Reichsau henmini st ers erhielt: ,,Durchgesetzt könne ein Abkommen unbedingt werden, wenn es keine zusätzliche Belastung für Deutschland bringe, sondern sich im Rahmen des B0ungplanes halte. Hier seien die ®*r engen des deutschen Entgegenkommens vorgezeichnet." Weiter hat Cur- tius seinem Erstaunen Ausdruck verliehen, dah in den zur Verhandlung stehenden Streitfragen die alliierten Mächte ohne Berücksichtigung der deutschen Interessen ihre eigenen Ziele durchzusehen glaubten und neue Bela st ungen für Deutschland in Abänderung des Voungplanes schaffen. Don deutscher Seite wird hierzu hinzugefugt, dah die deutsche Abordnung es als ihre unab- weisliche Aufgabe ansehe, mit der gesamten Tatkraft bis zum Letzten die deutschen Interessen zu vertreten und um jeden einzelnen Posten zu kämpfen. Vorbereitende Besprechungen der Sachverständigen. Haag, 8. Ian» (WB.) Der heutige Tag, der als verhandlungsfreier eigentlich der Ruhe hätte dienen sollen, war bei der deutschen Delegation mit auherordentlich viel Arbeiten ausgefüllt. Die deutschen Sachverständigen, Geheimrat 6 a st l und Dr. Melchior, nahmen heute mit den hier anwesen- den übrigen Pariser Sachverständigen wegen der umstrittenen Frage des Zahlungstermins Fühlung. Es ergab sich, daß die Sachverständigen kcineAebereinstimmung erzielen konnten. Line eingehende schriftliche Darlegung hierüber ist in Vorbereitung begriffen. Reichswirtschaftsminister Schmidt führte Besprechungen mit dem englischen handelsminister Graham über Sochliesecungs- und Eifenbahnfragen. Ferner hat Reichsfinanzminister Dr. Molden Hou ex mit dem englischen Schatzkanzlcr Snowden über den Wunsch der Gläubigermächte nach Positivierung des negativen Pfandrechts und über die Form der Rachzahlungen für den Fall eines M 0 - r a t 0 r i u m s unterhandelt. Die vorerwähnten Besprechungen bienten der Vorbereitung der morgigen Plenarverhandlungen. Diese werden sich voraussichtlich auf die vier offenen Hauptfragen beschränken. Haag, 8. Ian. (leL-Un.) wie der Vertreter der TU. erfährt, ist der französische Rolenenlwurf in der Sanktionsfrage am Mitlwochnachmiltag der deut- scheu Abordnung übermittelt worden. Die Roke trägt den Lharakter eines Memorandums, geht ausschließlich von französischer Seite aus, istnichtunterzeichnel und ist von französischer Seite als Verhandlungsgrundlage gedacht. Die Roke schlägt eine neue Fassung für die Ar tikel 3 und 4 des Schlußprolo- kolis der Haager Abmachungen vor und enthält eine sieben Seiten lange juristische Begründung allgemeiner Rotur. Es ist in dem Rotenent- roirrf vorgesehen, daß Streitigkeiten aus dem Zoung- plan zunächst durch das im Zoungplan vorgesehene Schiedsgericht behandelt werden sollen. Den streitenden Partei soll es dann offenstehen, den ständigen internationalen Gerichtshof im Haag anzurufen. Falls der Poungpian außer Kraft tritt, sollen die Bestimmungen der be st eh enden Verträge, also der Versailler Vertrag, wieder voll in Kraft treten. Offen scheint die Frage gelassen zu fein, in welcher weise eine Entscheidung des Haager Gerichtshofes durchzuführen ist. Die Role soll angeblich weiter vorschlagen, daß eine gegen Deutschland gerichtete Entscheidung des Internationalen Haager Gerichlshoses dic M ö g l i ch k e i t w i r t- fchaftlicher und handelspolitischer Maßnahmen auslösen soll, weiter soll die Rote darauf Hinweisen, daß für den Fall eines völligen und endgültigen Bruches der auf Deutschland nach dem Poungplan lastenden Verpflichtungen durch die deutsche Regierung die Gläubigermächte zu m i l i - tärischen Maßnahmen berechtigt sind. Der Haager Korrespondent der „Times" meldet, der Entwurf gebe folgendem Plane Gestalt, wenn der beratende Ausschuß der Internationalen Bank nicht in der Lage ist, ein Moratorium anzuempfehlen, würde die letzte Instanz der Haager Gerichtshof sein, wenn dieser das deutsche Ersuchen um ein Moratorium für unbegründet erklärt und Deutschland die Entscheidung nicht beachtet, dann würde es den Gläubigermächten sreistehen, kommerzielle und zivile, aber nicht militärische Vergeltungsmah- n 0 h m e n zur Anwendung zu bringen. Solange der Poungplan juristisch weiter besteht, würden Zwangsmaßnahmen auf diese Form beschränkt bleiben, sollte indessen jemals eine extrem gesinnte Regierung in Deutschland ans Ruder kommen und den Zoungplan vorsätzlich und offen verwerfen, dann würde es den Gläubigermächten freistehen, ihre im Versailler Vertrage enthaltenen Rechte 1. Die Geschäftsführung der Reichsbahn. 2. Positivierung des negativen Pfandrechtes. 3. Die Rachzahlungen für den Fall eines Moratoriums und 4. die Frage des monatlichen Zahlungstermins. Der „Intranfigeant" lobt den Reichsfinauzminifter Moldenhauer, der einen schweren Tag hinter sich habe, da er am Dienstag elfmal in die Debatte eingegrissen hätte, von allen Seiten werde jedoch übereinstimmend anerkannt, daß er immer höf - l i ch und ruhig bleibe und auch auf die logisch überzeugenden Ausführungen Tardieus in sehr geschickter weise geantwortet habe. Der „Temps" schreibt u. a..- Ls ist durchaus natürlich, dah die deutschen Vertreter die Interessen ihres Landes energisch vertreten und Vorteile zu erhalten suchen, die das Kabinett Müller gellend machen könnte, um seine Position zu stärken. Etwas anderes aber ist es, den Alliierten Konzessionen bei der logischen Anwend u n g dessen, was bereits grundsätzlich zugestanden worden ist, entreißen zu wollen. Die Furcht vor den Manövern Schachts und der nationalistischen Kampagne treibt die deutsche Delegation zum widerstand gegen neue Lasten. Aber es ist seltsam, daß sie durch tendenziöse Auslegung gewisser Formeln sich von Lasten zu befreien sucht, die Deutschland auf Grund des Joungplans, wie er von den Sachverständigen ausgearbeilet und unterzeichnet worden ist, tatsächlich obliegen. Durch eine solche Taktik darf man sich nicht täuschen lasten, und man muhte zunächst zu den Deutschen so sprechen, rote Tardieu es ge- t a n hat, und ihnen beweisen, dah die Alliierten einig sind, damit man sich in Berlin keinen Täuschungen hingibt über die eventuellen Aussichten einer solchen Taktik. eluschliehlich des Rechts der wieder- b e s e h u n g auszuüben. Der Korrespondent glaubt aber, dah die französischen Anregungen in dieser heiklen Frage vorsichtiger formuliert sind, oder nicht ganz so weit gehen. Ein Bestätigung dieser Inhaltsangaben von deutscher Seite war bisher noch nicht zu erreichen. Die Darstellung kann daher nur unter Vorbehalt gegeben werden, von deutscher Seite ist der französischen Abordnung noch Erhall der Rote milge- teilt worden, dah die Rote zunächst einer eingehenden Prüfung unterzogen werden mü‘fe, ehe die Verhandlungen hierüber aufgenommen werden könnten, von maßgebender Seile der deutschen Abordnung wird weiter folgendes erklärt: „Der erste Eindruck ist der, daß darüber Einigkeit zu erzielen fein dürfte, daß u n - ter der Regelung des Poungplanes die Begehungen zu den Gläubigermächten f i ch ausschliehlichnachdiefemPlanrichten und Sanktionen nicht in Frage kommen, von französischer Seite wird die Frage aufgeworfen, was geschieht, wenn Deutschland sich vom Poungplan lossagt. Die sranzösische Abordnung Hot darüber der deutschen einige Gedanken unterbreitet, die gegenwärtig Gegenstand der ersten Prüfung sind. Es wird geprüft, ob es möglich ist, eine Klarstellung und Regelung zu erzielen, die Deutschland die Annahme dieser Rote ermöglicht." „Bester nicht erwähnt." Lnowden und die Lanktionsfrage. L 0 nd 0 n , 9. Ian. (WTB. Funkspruch.) Heber den englischen Standpunkt in der Sanktionsfrage berichtet „Daily Herold": Französischcr- seits ist versucht worden, Snowden für die Aufrollung der Sanklionssrage verantwortlich zu machen. Der Schahkanzler hat mich ausdrücklich ermächtigt, alle Meldungen über eine britische Einmischung in die französisch- deutschen Verhandlungen über diese Frage für unrichtig zu erklären. Der Schahkanzler glaubt, daß die Frage besser nicht erwähnt worden wäre. Gewisse Teile des Versailler Vertrages sind bereits durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre ausgehoben worden, und der 2Zoung-Plan selbst geht von der unausgesprochenen Annahme aus, daß die Gläubiger auf jede künftige militärische Wiederbesetzung deutschen Gebietes verzichten. Da aber Tardieu eine juristische Formel gegen eine unerwartete Auslegung des Poung-Planes wünscht, und da die Deutschen nicht abgeneigt sind, eine derartige Verpflichtung einzugehen, hat Snowden keinen Widerspruch erhoben. Wenn daher ein Dokument vorgelegt wird, das die Zustimmung der Franzosen und der Deutschen hat, dann wird es in wohlwollendem Geiste geprüft werden. Der Korrespondent fügt hinzu, in den rein finanziellen Fragen sei infolge des hartnäckigenWiderstandes der deutschen Delegierten gegenüber den Vorschlägen der Gläubiger wenig ober gar fein Fortschritt erzielt worden. Englands Programm für die Floiienkonferenz. Der erste Lord der Admiralität zur Frage der Sicherheit. London, 8.Ian. (TTl.) Der erste Lord der Admiralität, Alexander, sprach auf einer Versammlung über die Aufgaben oer Flottenkonferenz und die nationale Sicherheit Großbritanniens. Wenn die Flottenkonferenz beginne, dann werde sich wahrscheinlich Herausstellen, daß eine ausgiebige Propaganda von zwei ganz verschiedenen Seiten betrieben worden sei. Auf der einen Seite werde für eine sehr praktische, wenn nicht v 0 l l - ständige Abrüstung eingetreten, auf der anderen darauf hingewiesen, dah jede Verminderung der Rüstungen die Grundlage der nationalen Sicherheit Großbritanniens vollständig untergrabe. Was die Regierung wirtlich zu tun habe, sei die Konferenz im Geiste des guten Willens und in der Hoffnung zu beschicken, dah em gewisses Maß staatsmännischer Kunst die Konferenz beherrsche In erster Linie müsse im Auge behalten werden, dah jedes Volk die Pflicht habe, für sich einen befriedigenden Stand der Sicherheit zu schaffen. Daneben sei die zweitwichtigste Aufgabe, dah das Höchstmaß von Sicherheit nicht durch die Methoden der Dcraangen- heit, durch nationale Anstrengungen, erreicht werden könne, sondern durch Zusammenarbeit mit allen beteiligten Mächten. Die dritte bedeutsame Aufgabe liege darin, daß diese Zusammenarbeit die Ausschaltung des Rüstungswettbewerbs ermögliche und eine wirklich wesentliche Herabsetzung des gegenwärtigen Rüstungsstandes gestatte zum Nutzen aller beteiligten Länder der ganzen Welt. Oie Genfer Kohlenkonferenz. Kein internationales Lohnabkommen. Genf, 8.Ian. (WTB.) Die Kohlenkonferenz, die gestern zur Frage der internationalen Regelung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau beschlossen hatte, in eine Einzelberatung einzutreten, hat heute die beiden anderen ihr unterbreiteten Fragen über die internationale Lohnregelung und die Angleichung der sonstigen Arbeitsbedingungen von der weiteren Behandlung aus- geschaltet. Die beiden Fragen werden damit als nicht reif für das internationale Arbeitsübereinkommen bezeichnet. Immerhin soll das Arbeitsamt seine Studien über sie fortsehcn und über die Lohnfrage in der nächsten Arbeitskonserenz einen Bericht vorlegen. Die internationale Regelung der beiden heute ausgeschlossenen Fragen ist von der Unter- nehmergruppe a l s unmöglich und undurchführbar abgelehnt worden, eine Auffassung, die von den Regierung s- oertretern im wesentlichen geteilt worden ist. Die Forderung der Arbeitergruppe lies auf eine internationale Festsetzung des Minimallohns im Kohlenbergbau hinaus. Die heutige Stellungnahme der Kohlenkonferenz besagt, daß von den drei ihr vorgelegten Fragen vorerst nur d i e Arbeitszeit im Kohlenbergbau international geregelt werden kann. Man nimmt an, daß in der morgen beginnenden artikelweisen Beratung der Vorentwurf des Arbeitsamts zu einem Abkommensentwurf führt, der von der nächsten Arbeitskonferenz bereits in zweiter Lesung angenommen werden kann. Oie Weltagrarkrisis. Große Meinungsverschiedenheiten in Genf. Genf, 8. Ian. (WB.) Die landwirtschaftlichen Sachverständigen, die auf deutsche Anregung zu einer ersten Aussprache über die Welt-Agrarkrise in Genf zusammengekommen sind, haben heute vor Abschluß ihrer Tagung eine öffentliche Sitzung abgehalten. In dieser sind von einigen Mitgliedern des Wirtschaftskomitees Fragen über Mittel und Wege einer internationalen Aktion zur Milderung der Agrarkrise zur Diskussion gestellt worden. Aus dem Verlauf der Sitzung ergibt sich, daß die überseeischen Sachverständigen, vor allem die der Vereinigten Staaten, Kanadas und Australiens, die Frage von einem wesentlich anderen Gesichtswinkel aus betrachten als die meisten europäischen Sachverständigen, unter denen die Getreideexportländer Osteuropas wiederum von anderen Erwägungen crusgehen, als die europäischen TardieusSankiionsmemorandum. Militärische Sanktionen, wenn Deutschland den tzoungplan fallen lassen sollte. Industriestaaten. 3n den überseeischen Ländern, so Australien, erwartet man eine Besserung von einer internationalen Preis- st a b i l i s i e r u n g, in anderen, wie den Bereinigten Staaten, von einer Herabsetzung der Getreideanbaufläche. Die europäischen Sachverständigen empfehlen den überseeischen Getreideproduzenten eine teilweise 11 inst e l l u n g ihrer Landwirtschaft auf Viehzucht und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse und weisen darauf hin, daß die Aufnahmefähigkeit Europas gegenüber der überseeischen Getrcideübecproduktion immer nur eine seh r beschränkte bleiben wird, do auch die Industriestaaten ihre eigene Landwirtschaft brauchen und kaufkräftig erhalten müssen. Man darf annehmen, daß in dem Schlußbericht auch der Forderung des deutschen Vertreters Dr. Hermes besondere Beachtung geschenkt wird. Dieser sieht in der straffen genossenschaftlichen Organisierung von Produktion und Absatz landwirtschaftlicher Produkte auf den einzelnen nationalen Märkten eine notwendige und wichtige Boraussehung für eine spätere internationale Verständigung. Diese von Dr. Hermes bereits wiederholt vertretene Auffassung hat sich auch die Wirtschaftskonferenz von 1927 zu eigen gemacht. Die Streichungen im Marineetat. Einsparungen bei den Ersatzbauten. Berlin, 9. Jan. Wie der Demokratische-Zeitungsdienst mitteilt, hat die Marineleitung für das Jahr 1930 als ersten Teilbetrag für denDaueinesPanzerkreuzersö, der mit „Ersah Lothringen" bezeichnet wird, einen Betrag von 8Millionen Mark angeforderk. Dieser Betrag ist aber bereits bei den ersten Beratungen innerhalb des Reichsressorts gestrichen worden, und es kann kaum angenommen werden, daß die Marineleitung nunmehr, nachdem das Schuldentilgungsgeseh weitere Einsparungen am Reichshaushalt nötig gemacht hat, die Forderung erneut vorbringen wird. — Für das Panzerschiff A „Ersatz Preußen" waren von der Marinclcitung für das Jahr 1930 11 Millionen Mark angefordert, davon sind aber auch nur 9 Millionen Mark bewilligt worden. Das ist die gleiche Summe, die im Vorjahr für die Bauperiode des Jahres 1929 zur Verfügung stand. — Die Anforderungen für den Dau des Kreuzers „Leipzig" belaufen sich für 1930 auf 7 Millionen Mark. — Die innerhalb des Reichsrcssorts beim Marineetat vorgenommenen Streichungen haben bisher insgesamt einen Betrag von 39 Millionen Mart ergeben. — Die D. A. Z. bezeichnet die Darstellung der Demokratischen Korrespondenz als unzutreffend. Da der ganze Etat noch nicht fertig aufgestellt sei, schwebten auch über die Anforderungen der Marineleitung noch Verhandlungen, die in keiner Weise abgeschlossen seien. Die produktive Erwerbslosenfürsorge. Keine Aussicht auf Erleichterung für die Arbeitslosenversicherung Berlin, 9. Jan. (Prio.-Tel.) Alle Erwägungen über Pläne, mit denen auf dem Wege über ein Arbeitsbeschaffungsprogramm und über die produktive Erwerbslosenfürsorge der schwere Stand der Arbeitslosenversicherung sinnvoll erleichtert werden könnte, scheinen nach dem bisherigen Stand der Verhandlungen an der F i ° n.o n z f r a g e zu scheitern. Das Reichsarbeitsministerium steht im Zusammenhang mit dem Nachtragshaushalt und dem Etat von 1930 mit dem Reichsfinanzmini st erium bereits seit einiger Zeit in schwierigen und langwierigen Verhandlungen. aber wie mir von gut unterrichteter Seite hören, macht sich, besonders seit dem Ministerwechsel, noch mehr als vorher energischer Widerstand geltend. So ist das Reichsarbeitsministerium gezwungen, selbst die produktive Erwerb s l o s e n f ü r s o r g e auf ein Mindestmaß einzuschränken. Auf ihrem Hauptarbeitsgebiet, der Durchführung von Landarbeiterwohnungen, kann nur das allernotwendigste geleistet werden, d. h. die begonnenen Bauten werden, soweit es ihre Erhaltung bedingt, zuende geführt, aber zunächst keinerlei neue Pläne in Angriff genommen. Der Druck des Finanzmini- stermms macht sich besonders stark geltend, da auch hier über die vorgesehenen Ctatsmittel von runb 100 Millionen hinaus das Arbeitsministe- rium Rachforderungen für 1929 stellen muhte. An eine Erleichterung der Lage der Arbeitslosenversicherung, auf die man in verschiedenen Kreisen gehofft hatte durch eine wesentliche Erweiterung des AicheitsbeschaffungsprogrammeS, ist also leider einstweilen nicht zu denken. Oie Politik im Rathause. Gegen die Lah , lcgung derSelbstvcrwaltrmg in Berlin. Berlin, 8. Jan. (WTB.) Zur Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit der Selbstverwaltung finden im Rathause, seitdem am Dienstag die Stadtverordnetenversammlung wieder aufflog, sehr ernste Besprechungen statt, die von der DVP. eingeleitet sind. Bisher hat, wie jetzt bekannt wird, eme Fühlungnahme mit den Demokraten und Sozialdemokraten, dem Zentrum und der W irisch astsp artet stottgesunden. Auch mit den Deutschnationalen soll über die Zukunst des Stadtparlaments beraten werden. Anlaß zu dem Vorgehen der Mittelparteien bietet die Tatsache, daß der O b e r p r ä s i de n t in einer nicht mißzuverstehenden Weise sich dahin ausgesprochen haben soll, daß die maßlosen politischen Kämpfe im Roten Hause, die in letzter Zeit jede sachliche Arbeit vernichtet haben, die Aufsichtsbehörden zu neuen einschneidenden Maßnahmen veranlassen würden, wenn nicht in Kürze die Stadtverordnetenversammlung selbst für die Herstellung geordneter Zustände Sorge trägt. Die Geschäftsordnung wird voraussichtlich außerordentlich verschärft werden Man wünscht, dem Stadtparlament eine Geschäftsordnung nach dem Mu st er des Reichstages zu geben und randalierende Elemente auf acht bi» zehn eventuell auf eine größere Zahl von Sitzungen auszuschlie- ßen. Damit verbunden soll auch der Entzug der Diäten und der sonstigen Bergünstigun- Oie Hochzeitsfeier in Rom. Oie Trauung des italienischen Kronprinzenpaares. — Besuch im Vatikan. Rom, 8. Jan. (TU. Funkspruch.) Die Trauung des italienischen Kronprinzen mit der Prinzessin Mario Joss von Belgien wurde am Mittwoch vormittag in der Paulinischen Kapelle des Q u i r i n a l 5 von dem päpstlichen Legaten, Starbinal Maffi, Erzbischof von Pisa, mit besonders feierlichem Zeremoniell vollzogen. Der Trauung wohn ten außer den Eltern sämtliche geladenen Fürstlichkeiten, Mussolini, die Chefs der ausländischen Missionen, Die Ritter und Damen des Annunziaten- ordens, eine Vertretung des Malteserritterordens, ferner Bürgermeister Max von Brüssel, General Petain, als Vertreter des Präsidenten der fran- wsischen Republik, ferner Vertreter der Könige von Albanien und Aegypten, sowie die obersten Hofchargen in Galauniform bei. Die Kapelle war für die Hochzeit mit dunkelrotem Samt ausgeschlagen und mit kostbaren Gobelins geschmückt. Gegen 10 Uhr näherte sichderHochzeitszug der Paulinischen Kapelle, voran der Zeremonienmeister des italienischen Königspaares und das Gefolge sämtlicher fürstlichen Gäste. Dann folgten die Ritter des Annunzia trn erbens und der Pala st präfektdesQuirinals. Die Braut wurde von ihrem Vater geführt. Der Kronprinz hatte seinen Arm der italienischen Königin geboten. König Viktor Emanuel führte die Königin von Belgien. Dann folgten die übrigen Fürstlichkeiten und zum Schluß die Hofdamen. Kardinal Maffi erwartete den Hochzeitszug in der Kapelle, umgeben von seinem geistlichen Gefolge. Nachdem die Hochzeitsteilnehmer ihre Plätze eingenommen hatten, kniete das Brautpaar vor dem Altar nieder. Die Trauzeugen, zwei italienische und zwei belgische Prinzen, hielten während der Zeremonie über das Brautpaar einen Schleier. Als der Kardinal die Frage an das Brautpaar richtete, ob sie einander angehören wollen, wandten sich beide dem Protokoll gemäß zunächst an ihre Eltern und gaben erst, nach deren Zustimmung ihr Jawort. Darauf verlas der Kardinal die Artikel des italienischen Ehegesetzes. Eine Stille Messe folgte. Die Hochzeitsgesellschaft begab sich bann nach dem königlichen Schloß. Das Kronprinzenpaar trat auf den Balkon Ijerauö, während eine große Menschenmenge ihnen Kundgebungen darbrachte. Dis Braut trug ein kostbares Gewand aus weißem Spiegelsamt und einem hermelinbesetzten Umhang mit einer sieben Meter langen Schleppe. Im Diadem war ein langer Spihenschleier befestigt. Das Kleid der KöniginvonStalien wies kostbare Goldstickereien und Perlen auf champagnerfarbenem Grunde auf. Ihr Goldbrokatumhang hatte eine fünf Meter lange Schleppe. Die königlichen Prinzessinnen und die Ehrendamen trugen gleichfalls kostbare Umhänge und Spitzenschleier. Besonders wertvoll ist der rote Umhang der Prinzessin Mafalda von Hessen, der sich seit Jahrhunderten im Besitz des Hauses Hessen befindet. Die Könige und Prinzen und die übrigen männlichen Teilnehmer der Hochzeit waren in Uniform ober Frack mit Ordensbändern erschienen. Kronprinz Rupprecht von Bayern, der in Feld- marschalluniform erschienen war, führte im Hochzeitszug die Herzogin Karl Theodor in Bayern, die Großmutter der Braut, deren lange Schleppe von zwei diensttuenden Edelleuten gehalten wurde. _ Im St. Johannissaal des Ouirinals nahm der Senatspräsibent Tittoni in der Eigenschaft als Standesbeamter die Eintragung der EheschUcßuna in bas Zivilstandesregifter vor. Das Paar begab sich hierauf zum Vatikan, uni dem Papst einen Besuch abzustatten. Das Paar war von den höchsten Würdenträgern ihres neuen Hofstaats begleitet. Dem Gefolge hatte sich bas italienische Botschafter- paar beim päpstlichen Stuhl angeschlossen. Die Kraftwagen des Kronprinzen und seines Gefolges fuhren über den geräumten Petersplatz gleich bis zum Damasus-Hof durch, wo die Gäste von den päpstlichen Würdenträgern begrüßt wurden. Die Privataudienz beim Papst fand nach dem gleichen Zeremoniell statt, wie der kürzlich erfolgte Besuch des Kronprinzen und seiner Schwester. An die Audienz schloß sich der Besuch des jungen Paares beim Kardinalstaatssekretär Ga sparri und in der Peters-Basilika an. Kardinal Gasparri stattete in Begleitung des apostolischen Nuntius Sorgen- cjni Duca den Gegenbesuchs im Quirin al ab, wohin der Kronprinz aus der Villa Savoya gezogen ist. gen fein. Auch der Polizeischuh des Rathauses soll in wesentlich schärferer Form durchgeführt werden als bisher. Tleueinteilung der hessischen Kreise. Forderungen des RcichSsParkommissars. Darmstadt, 8. San. (WTB.) Durch den scharfen Widerspruch, mit dem sich der Schot- tener Kreistag gegen eine etwa geplante Aufhebung des Kreises Schotten gewandt hat, ist das aflgemetne Snteteffe erneut auf die Aenderung der KreiSeinteilung in Hessen gelenkt worden. Wie wir hären, wirb diese Frage an zuständiger Stelle bereits seit längerem erörtert, und es ist erklärlich, daß jetzt angesichts der dringenden allgemeinen Sparmaßnahmen auch hier zur Entlastung derSteuerzahler alles geschieht, was im Bereiche des Möglichen gelegen ist. Rach Meinung von sachkundiger Seite soll allerdings die mit der Aufhebung von Kreisämtern verbundene finanzielle Erleichterung nicht so hoch fein, wie zum Teil in der Bevölkerung geglaubt wird. Dem Vernehmen nach beschäftigen sich die jetzigen Erwägungen mit der Absicht einer wesentlichen Verminderung der Kreise. Rach den Forderungen des Sparkommissars S ä - misch sollen bekanntlich von den jetzt vorhandenen 18 Kreisen insgesamt sogar sieben a 6 g e 6 a u t werden. Bis zum Abschluß der Erörterungen dürfte allerdings wohl noch einige Zeit vergehen, insbesondere dürfte die endgültige Feststellung große Schwierigkeiten machen, in welchen 'Kreisen der einzelnen Provinzen die größte Erleichterung für die Verwaltung erzielt wird. Für Rheinhessen wird das günstigste Ergebnis in der Aufteilung der Kreise Oppenheim und Bingen erwartet. Thüringens Finanznot. Der Reichssparkommissar empfiehlt Veräußerung von Staatseigentum. Berlin, 9. San. (Priv.-Tel.^ Thüringen befindet sich feit Sahren in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Seine Landesfchuld hat sich auf 120 Millionen Mark erhöht, wovon nicht weniger al« 55 Millionen schwebende Schulden barfteUeii. Die Llrsache dieser enormen Verschuldung liegt in der verfehlten Finanzpolitik früherer Regierungen, die namentlich der Ausgabefreudigkeit der Parteien nicht den erforderlichem Widerstand leisteten, der notwendig gewesen war, um die Finanzen in Ordnung zu halten. ©eU 1927 ist nun der Sparkommissar ein ständiger Gast der thüringischen Regierung. Er hat mit seinen Gehilfen sehr gründlich die getarnte Staatsverwaltung untersucht und das Ergebnis seiner Arbeit jetzt in einer umfangreichen Denkschrift der Oeffentlichkeit über- geben. Obwohl er einschneidende Sparmaßnahmen vorgeschlagen hat, ist es ihm nicht gelungen, namentlich einen Weg für die Beseitigung des chronischen Defizits im Haushalt zu zeigen. Dennoch ist es interessant, daß er die Veräußerung von Kalikuxen im Werte von dreißig Millionen Mark fordert, die sich im Besitze des thüringischen Staates befinden. Außerdem hat er eine ganze Reihe von Staatsgrund stücken namhaft gemacht, die einen Wert von acht Millionen darstellen und ebenfalls abgestoßen werden müßten Ob aber öicfe beiden Objekte zusanrmen 38 Millionen marf einhrmaen werden, ist sehr die Frage da natürlich die Ääujer versuchen werden, die finanzielle Rotlage Thüringens auszunutzen und die Greife zu drücken Inzwischen haben sich die innerpolitischen Verhältnisse Thüringens wesentlich geändert. Sn der neuen Regierung werden auch die Ratio- nalsozialisten maßgebenden Einfluß besitzen! in der Hauptsache wird es aber Aufgabe der gesamten Aechten sein, Thüringen aus seiner finanziellen Rotlage wieder herauszuführen. Das ist nur möglich, wenn ganz erhebliche Opfer gebracht werden und wenn man nicht nur im kommenden, sondern in einer ganzen Reihe von Haushaltsjahren zu gewaltigen Einsparungen schreitet. Ein neuer Vorstoß zur Versaffungsresorm in Oesterreich. Seipel fordert WirtfchaftSkammer und Bundesrat. Wien. 8. San. (WB.) Der Obmann der Ehristlich-^Sozialen Partei, Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel, hat der Ehristlich-Soziccken Dundesparteileitung eine Reihe von Vorschlägen für die Arbeit der Christlich-Sozialen Partei im neuen Sahr unterbreitet und insbesondere die Frage des Länder- und StänderateS eingehend erörtert. Er persönlich, so führte Dr. Seipel aus, habe immer abgeraten, den Ständerat in der Verfassung einzusichren, solange er nur auf dem Papier bleiben müsse. Die Christlich-Sozialen hätten aber trotzdem aus ihrer treuen Gefolgschaft für die Regierung Schobers heraus dafür gestimmt. Run aber mühten die Parteien für die nächsten Wahlen, die für das Frühjahr 1931 zu erwarten seien, Unklarheiten besonders in dieser Frage vermeiden. Seiner Ansicht nach sei nach dem Vorbild der früheren provisorischen Rationalversammlung ein provisorischer Ständerat, eine Wirtschaftskammer zu schaffen. Diese Wirtschaftskammer würde einerseits Vorschläge für die Zusammensetzung der künftigen endgültigen Wirtschastskammer auszu- arbeiten haben, andererseits aber volles Gesetz g ebu n g s r e ch t besitzen, und zwar die Priorität in allen wirtschaftlichen Gesetzen, während die Priorität in politischen und kulturellen Angelegenheiten dem Rationalrat bliebe, ihn den Ländern die Einspruchsmöglichkeit zu wahren, soll das Kollegium der Landeshauptmänner in einen Staatsrat oder Bundesrat verwandelt werden, der mit Mehrheitsbeschluß jedes Gesetz zu nochmaliger Behandlung in die Kammern rückversveisen könnte. Die ausschließliche Zuständigkeit des Rationalrats in Budget- fachen müßte unberührt bleiben- Die Erklärungen Dr. Seipels wurden in allen Parteilagern eifrig besprochen. Bei den Grohden tschen und beim Landbund horte man Stimmen der Verwunderung, daß Dr. Seipel gerade im jetzigen Zei tpunkt die Frage aufrollt und damit die Absicht zu erkennen gibt, die angekündigte zweite Etappe der Berfassungsreform sofort in Angriff zu nehmen, obwohl das Arbeitsprogramm, mit welchem die parlamentarische Tätigkeit des Sahres 1930 eingeleitet werden sollte, die Lösung der praktischen Wirtschaftsfragen vorgesehen hatte. Andererseits wolle man die Rotwendigkeit, auch über dieses Problem zu sprechen, nicht verkennen. Sn ch r i st - lich-sozialen Kreisen wird dem gegenüber erklärt, Dr. Seipel habe mit seiner Attion nur seine Pflicht als Parteimann erfüllt, innerhalb der Partei die Grundlagen zu einer allgemeinen Beratung zu schassen, um über die Schaffung des Ständerates, seine Zusammensetzung und seine Kompetenz eine einheitliche Einstellung der Partei herbeizuführen. Sn der Tat sei auch heute kein Beschluß gefaßt worden, sondern öS sei nunmehr den Anterorganisationen der Partei an- heimgegeben, sich mit der Frage der Wirtschaftskammer oder des Ständerates zu befassen. Sm sozialdemokratischen Lager verhält man sich den Absichten Dr. Seipels gegenüber ebenso ablehnend, wie dies bei der Beratung Der Verfassungsnovelle im Rationalrat der Fall war. Die Sozialdemokraten betrachten die Wrrtschafts- kammer oder den Ständerat als eine in den Rahmen der Gesetzgebung nicht hineinvaflende undemokratische Einrichtung. Aus aller Welt. Disziplinarverfahren gegen einen Berliner Stabfrat In dem von dem Berliner Bezirksamt Lichtenberg angestrengten Disziplinär, verfahren gegen den Stadtrat, Regierungs- baumeifter a. D. Max Preindl, hat der Ober- Präsident den Genannten nunmehr des Amtes enthoben. Der Beamte, der Dezernent des Bau- amtes des Bezirkes Lichtenberg war, hat wider besseres Wissen die Ueberschreitung der B a u k o st e n für das im Februar 1928 eröffnete Hallenbad Lichtenberg dem Bezirksamt falsch g e - meldet. Während nämlich die Ueberschreitung der Baukosten in Wirklichkeit 223 000 Mark betrug, hat Preindl diesen Betrag um 57 000 ‘Dlarl niedriger angegeben. Um diese Täuschung der städtischen Verwaltung *u verschleiern, wurden einfach Rechnungen in Höhe von 57 000 Mark zurück- gehalten und nicht beglichen. Preindl Hai auch den Stadtoberarchitekten des Bezirkes zur Teilnahme an dieser Täuschung verleitet. Beide haben dann versucht, die fehlende Summe von 57 000 Mark durch Ueberschreibung auf neue Bauprojekte wieder einzuholen. O7> Stadtrat Preindl die falschen Angaben über die Bau- überschreitung gemacht hat, um sich eigene Vorteile zu verschaffen, muß erst durch das Disziplinarverfahren geklärt werden. Aufklärung eines Mordes nach zehn Jahren. Die Ehefrau des Kastellans des damaligen Oberlhzeums in der Schillerstraße in Erfurt, Karl Flemming, hat der Polizei Anzeige erstattet, daß ihr Mann im Suni 1920 Die 57jährige Frau Albine Lenzner, die bei der Familie Flemming wohnte, im Keller der Schule mit einer Kohlenschaufel ers chlagen, die Leiche zerstückelt und in einem eisernen Jüll- ofen verbrannt habe. Flemming wurde fest- genommen und hat die Tat eingestanden. Ruhestörung aus Wißbegierde. Sm Reuyorker Museum für naturwissenschaftliche Forschung war ein« Vorlesung über die Einstein-Theorie an- gesetzt. Wehr als 4000 Personen versuchten, Zutritt zu der Vorlesung zu finden. Da der Türhüter nicht alle zulassen konnte, stürmte die Menge den Hörsaal. Diele Personen wurden niedergetrampelt, und das eiserne Torgitter eingedrückt- Die Polizei muhte alarmiert werden und die Ordnung wieder Herstellen. Polizeibeamte bezeichneten den Vorfall als die erste Ruhestörung in Reuyork aus reiner Wissbegierde. Tagung der demokrattschen Studenten. Der Reichsbund deutscher demokratischer Studenten hält in Berlin feinen Reichsvertretertag ab. Die Tagung wurde tm demokratischen Klub m Anwetenheit von Delegierten von zwanzig Hochschulen eröffnet. Sn feinen Begrüßungsworten betonte der Vorsitzende, daß der Reichsbund sich jetzt wieder in aufsteigender Entwicklung befinde. Seit dem letzten Vertretertag seien die Gruppen Rostock, G i e tz e n und Nürnberg neu hinzutzekommen. Mit der Demokratischen Partei und mit den Sungbemofraten bestehe eine FreundschaftS- und Arbeitsgemeinschaft. Auf die Eröffnungsrede folgten Geschäfts-, Kassen- und Gruppenberichte sowie Besprechungen organisatorischer Fragen. Oie Weiterlage. Ptittvzocht layen. H051 Mord' .Nordöyan. Tnors! 15 /vagenf. icnf 2^> Oslo Owoixenios oneitei. ®nai» »cdecM.» *oiKig. • ocdecxi • Sehnte a Oraoptin. o ntoci K ü starb im Irrenhaus. Ist nicht vor kurzem auch die Notiz durch die Zeitungen gegangen, daß ein Teilgewinner am großen Los sich ein Motorrad (sein großer Wunsch!) kaufte und dann damit tödlich verunglückte? Wünsche dir also allerhand, nur nicht zu viel auf einmal! Wenn der Segen knüppeldick kommt, kann er dir schaden. Ich selber, das kann ich ja verraten, habe auch ziemlich viel Wünsche. In einem alten, vergriffenen Notizbuch, auf der letzten Seite, stehen einige Namen, dahinter Zahlen! Cs sind auch ein Paar mit drei Nullen dabei! Ich gebe das ruhig zu. Vorläufig stehen sie nur da. Aber andere sind schon ausgestrichen, allerdings keine mit drei Nullen. Aber immerhin mit zwei. Das mache ich immer so. Wenn ich einen Gegenstand, der aus meinem Wunschzettel steht, Glücklich errungen habe, dann feiere ich so ein keines Fest. Ich hole umständlich einen guten Bleistift hervor und streiche dann ganz vorsichtig (mit dem Lineal natürlich!) den Namen nebst der dahinter stehenden Zahl, die manchmal verändert werden muß, durch. Der Gegenstand selber steht dabei, Wenns geht, vor mir auf dem Tisch. Ihm gilt jetzt meine ganze Liebe. Die anderen Namen in dem Notizbuch schaue ich kaum an. Dieses Ausstreichen auf der Wunschliste bedeutet, daß ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, und das ist das Schönste bei dec ganzen Sache. Für eine gewisse Zeit sind wir wunschlos. Da muß man doch eine kleine, stille Feier veranstalten? Hätten wir diese Freude, wenn uns die Sachen einfach so zuflögen? Nein! Niemals! Alles, was wir erringen, womöglich mit Opfern, das wird erst richtig geschätzt das haben wir lieb gewonnen. Wie ist es aber, wenn dir die Mittel zur Verfügung stehen, daß du kaufen kannst, wonach dein Herz begehrt? Da wird irgendwo enä'mt: „Müllers haben das und das, eigentlich könnten wir uns das auch kaufen." Gut! Du gehst zum Telefon und bestellst. Eine Viertelstunde später hast da das Gewünschte. Aber genau so leicht, wie du gekauft hast, genau so leicht hast du es auch wieder vergessen. Nach wenigen Tagen steht es vielleicht schon unbeachtet in einer Ecke. Sind nun solche Leute zu beneiden? Ich bin froh, daß ich noch Wünsche habe, daß noch Ziele vor mir stehen, nach dMen ich streben will, denn sonst kommt uns das Leben doch ziemlich zwecklos vor. Wir wollen aber auch manchmal daran denken, daß die beiden Alten in dem Märchen doch recht hatten als sie sich Gesundheit und Zufriedenheit wünschten. Ein Gang durch ein Krankenhaus läßt uns gar oft für längere Zeit alle Wünsche vergessen, wenn wir sehen, wie arm manche Menschen da liegen müssen. Dann kann uns auch die Musik vom Kaffeehaus oder vom Kino nicht irre machen. Wir nehmen solche Erlebnisse hin al« mahnende Weisungen vom Schicksal. Wir schützen uns glücklich, daß uns das Allerbeste blieb, die Gesundheit. P. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 170, Watte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20. gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Nnter-Kohlrabi S bi« 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 90. Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 41/3 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse HO bis 140, Nüsse 50 bis 80 Pf. das Pfund: Tauben (Stück- 70 bis 90, Kisteneier 16 bis 17, frische Landeier 18 bis 19, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 35 bis 40, Endivien 15 bis 40, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Kartoffeln der Zentner 3,80 bis 4 Mk.. Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8. Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Birnen 8 bis 10 Mk. Lehrgang „Auslandsdeutschtum und Schule^. Der vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht und dem hessischen Ministerium für Kultus und Bildungswesen in Gemeinschaft mit der Stadtverwaltung Gießen veranstaltete Lehrgang über „Auslandsdeutschtum und Schule" wird sämtlichen Lehrern Gießens theoretisch und praktisch die Bedeutung der Volkstumsprobleme und ihre Darstellung und Behandlung im Unterricht vor Augen führen. Der Lehrgang findet in Gießen am Mittwoch, 15., und Donnerstag, 16. Ianuar, in der Aula der San», desuniversitat statt. Das Programm ist im einzelnen wie folgt festgesetzt: Am Mittwoch.. 15. Ianuar. wird der Lehrgang durch das Hess. Kultusministerium eröffnet. Es schließt sich ein Vortrag des bekannten Dozenten für das Auslandsdeutschtum an der Universität Gießen Prof. Dr. König an, der mit dem Thema „Volk und Staat" mitten in den der Tagung zugrunde liegenden Gedankenkreis hineinführen wird. Direktor Niemann vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht (Ausländsabteilung) in Berlin wird dann in drei je einstündigen L e h r p r o b e n die unter» richtliche Durchführbarkeit der Behandlung von Volkstumsproblemen erhärten. Klaisen der Volksschule, Berufs» und Höheren Schule werden die Schüler über diese Lehrproben stellen. Der Nachmittag bringt einen bedeutsamen Vortrag von Ministerialrat Dr. Löffler vom Reichsministerium des Innern über „Das Auslandsdeutschtum in aller Welt". Am Abend gibt eine öffentliche, kostenlose Ver» a n st a l t u n g in der Aula der Universität Gießen der Bürgerschaft Gelegenheit, von den Ausgaben und der Bedeutung der Dolkstumsarbeit Kenntnis zu nehmen. CZ werden bei diesem ..Ausländsdeutschen Abend" sprechen: Professor Dr. C s a k i, der Leiter des deutschen Kulturamtes in Großrumänien, über „Die völkerverbindende Bedeutung des Aus- landsdeut^chtums" und Gelder sch^fts'e're- tär F u r t w ä n g l e r (Berlin) über „DasAus - landsdeutlch.tum und der deutsche Arbeite r". Am 16..Januar schließen dann zwei Nachmittagsvorträge die Tagung ab. Auf ihr wird Legationsrat Dr. B o e h m e vom Auswärtigen Amt, früher lange Lahre Direktor der deutschen Schule in Meriko und Austauschprofessor in der USA., das Thema „Aus der Arbeit der deutschen Auslandsschule" behandeln, während Ministerialrat Dr. S ü d h o f über „Der deutsche Auslandslehrer" reden wird. Der Lehrgang, der für die Lehrkräfte aller Schularten verbindlich ist, dürste allgemeinem Interesse begegnen: für den auslandsdeutschen Abend ist die Bürgerschaft eingeladen. Daten für Freitag, 10. Januar. 1797: die Dichterin A. v. Droste-Hülshoff auf Hülshoff bei Münster i. W. geb. (gest. 1848). — 1858: der Karikaturenzeichner und Satiriker Heinrich Zille in Radeberg i. Sa. geb. (gest. 1929). Vorno tizen. — Tageskalender für Donnerstag. Evangel. Kirchengesangverein: Geistliche Musikaufführung, 20 Uhr. in der Stadtkirche.— Damen-- vereinigung 1877—1878, Weihnachtsfeier, in der „Stadt Mainz". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Graf von Monte Christo", Gastspiel des Barietekünstlers Sylvester Schäffer. — Astoria- Lichtspiele: „Das Panzerauto" und „Die Iagd nach der Kassette". — Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: In der morgigen Erstaufführung „Der Geisterzug" von Ridley hat Peter F a s s o t die Spielleitung. Es wirken mit die Damen Heß, Lahn, Iüngling, Koch und die Herren Arzdorf, Haeser, Hais. Hub, Tannert, Wahlen, Wesener, Zingel. — Sonntag, 12. Januar, 15 Uhr, zum letzten Male „Das tapfere Schneiderlein": 18,30 Uhr: Operettenpremiere „Gräfin Mariza". — Dienstag, 14. Ianuar, „Tobias Wunderlich", dramatische Legende in drei Akten. — Mittwoch, 15. Ianuar. erste Wiederholung von Ridlehs „Der Geisterzug". — Das Kirchenkonzert des Evangelischen Kirchengesangvereins, das heute, 20 Uhr. in der Stadtkirche stattfindet, fei den Konzertinteressenten noch einmal zum Besuche empfohlen. Den rntttoirtenben beiden auswärtigen Künstlern, Frau Dr. Anny Q u i st o r p und Dr. W i s s i g , geht von ihrem Auftreten in anderen Städten ein ausgezeichneter künstlerischer Ruf voraus. — Ein genealogischer Abend findet am morgigen Freitag, 171/« Uhr beginnend, auf Einladung der Stiftung für Familienforschung an der Universitätsbibliothek im Hörsaal der Universitats-Nervenklinik, Am Steg, statt. Regierungsrat Schäfer, Darmstadt, spricht über das Thema „Wesen und Bedeutung der Familienforschung", Geheimrat Prof. Dr. Sommer, Gießen, spricht über „Familienforschung in Hessen mit Demonstration der Soldansammlung". Da die Veranstaltung öffentlich ist, hat jeder Mitbürger Zutritt. Man beachte die Anzeige. — Der Goethe-Bund lädt im heutigen Anzeigenteil zum Besuche des Vortrages von Prof. Dr. Dr. Z i l ch e r t über „Frauengestalten der Romantik" ein. • *• Polizeipersonalie. Der Polizeihauptwachtmeister Hans Velde zu Gießen wurde mit Wirkung vom 1. Ianuar ab zum Kriminalhauptwachtmeister ernannt. *• Von der Gendarmerie. Der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Ludwig Kirchner in Romrod wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 19Ä ab zum Gendarmeriehauptwachtmeister ernannt. **GenossenschafilicherInstruktions» k u r s u s. Am Montag und Dienstag hielt der Hess, landwirtschaftliche Genossenschaftsverband Darmstadt im Restaurant Faulstich einen Jnstruktionskursus für die Aufsichtsratsmitglieder der angeschlossenen Genossenschaften ab. Zusammen waren etwa 300 Personen anwesend. Oberrevisor E i d m a n n (Friedberg) referierte über die gesetzlichen und statutarischen Vorschriften hinsichtlich Pflichten und Rechte der Aufsichtsratsmitglieder, sowie über die praktische Ausübung der Kontrolle. Oberrevisor Hartmann (Gießen) sprach über das Lesen der Bilanz und die Prüfung, sowie über Betrachtung der Bilanz vom Gesichtspunkte der Liquidität und Rentabilität. Die Aussprache war lebhaft und bewies, daß man den Vorträgen großes Interesse entgegenbrachte. Der Sturfus wurde als sehr notwendig bezeichnet, weil das Genossenschaftswesen eine immer größere Bedeutung für unsere Wirtschaft erlangt und in erster Linie die Verwaltungsorgane über Rechte und Pflichten orientiert sein müssen. ** Zur Berichtigung eines Steuerbescheids. In den von Steuersyndikus Hermann Will (Gießen) herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Januar-Ausgabe) lesen wir: „Nach § 74 Absatz 3 der ReiHsabgabenordnung können die Finanzämter Schreibfehler, Rechenfehler oder ähnliche offenbare Unrichtigkeiten auch nach der Bekanntgabe oder Verkündung berichtigen. Ein Steuerpflichtiger, der in seiner Einkommensteuererklärung einen Gewinn aus Spekulation in Höhe von 11 000 Mk. angegeben hatte, war zunächst vorläufig veranlagt worden. Bei der endgültigen Veranlagung hatte das Finanzamt diesen Gewinn versehentlich unberücksichtigt gelassen. Als der Fehler später entdeckt wurde, erließ das Finanzamt einen Berichtigungsbescheid. Das Finanzgericht hat die Berichtigung nicht zugelassen, da weder die Voraussetzungen für eine Neuveranlagung nach § 212 AO. (neue Tatsachen) noch für eine Berichtigung auf Grund des § 74 Absatz 3 AO. gegeben waren. Der Reichsfinanzhof hat die Entscheidung des Finanzgerichtes gebilligt und in einem Urteil vom 11. September 1929 (VI A 1527) ausgeführt. daß eine fehlerhafte Sachbehandlung des Finanzamtes nicht nachträglich auf dem Umwege über § 74 Absatz 3 AO. richtiggestellt werden könne." RDV. Führerhunde blinder Kriegsteilnehmer auf der Reichsbahn frei! Von der Reichsbahn wird neuerdings in einer Verfügung an das Personal darauf hingewiesen, daß — sofern Polizeivorschriften nicht entgegen- stehen und die Mitreisenden nicht Widerspruch erheben — erblindete Kriegsteilnehmer an Stelle einer Begleitperson einen Führerhund gebührenfrei mit ins Abteil nehmen können. Führerhunde von nicht kriegsbeschädigten Blinden dürfen gebührenpflichtig in die Personenwagen mitgenommen werden, falls Mitreisende nicht widersprechen. ** Führerwechsel im Gaujugendamt des D. H. V. Der langjährige Gaujugendführer des D. H. V. Herbert K u b a n k e (Frankfurt a. M.) verläßt, wie man uns schreibt, im Laufe des Monats Januar den Gau Main-Weser, um sich einem anderen Arbeitsgebiet des Verbandes zu widmen. Sein Nachfolger wird Albert Stüber (Hamburg). Schöffengericht Gießen. * Gießen, 8. Ian. Am 30. September 1922 fuhr ein Lauterbacher Geschäftsmann in L a u t e r- bach durch die Langgasse in die Lindengasse. Dort sah er. nach feinen heutigen Angaben, plötzlich ein kleines Mädchen vor seinem Auto, riß dieses nach rechts, um auszuweichen, und fuhr dann nach weiteren 10 Meter noch einen Radfahrer an. Das Mädchen war aber auch von dem Auto überfahren worden und nach kurzer Zeit verstorben. Nach umfangreicher Beweisaufnahme (es wurden gegart zwanzig Zeugen vernormnenl hielt daS Gericht den Angeklagten der fahrZ lässigen Tötung des KindeS und bet fahrlässigen Körperverletzung bei Radfahrers für überführt und verurteilte ihn zu zwei Monaten Gefängnis. Ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung wurde ein Gespannführer eines Gutes in bet Wetterau zu sechs Wochen Gefängnii verurteilt. Er war frühmorgens im Oktober 1929 mit unbeleuchtetem Fuhrwerk auf der falschen Seite von einer Nebenstraße in die Kreisstraße eingebogen, so daß ein auf dieser vorschriftsmäßig fahrender Motorradfahrer mit den Pferden zusammengestoßen, zu Boden geschleudert wurde und alsbald an einem Genickbruch verstorben war. Pros. Wilhelm Dölsing t- WEN. Darmstadt, 8. Ian. Professor Wil- helm D 5 l s i n g. der vor kurzem erst unter allgemeiner Anteilnahme seinen 7 0. Geburtstag feiern konnte, ist gestern ganz unerwartet verstorben. Wit ihm ist eine in der Tier- schutzbewegung Deutschlands führende Persönlichkeit und ein ausgezeichneter Pädagoge dahingegangen, dessen Wirken sich in vielen FÄ- len segensreich ausgebreitet hat. Marburger DerkehrSbilanz 1929. WSN. Warburg, 8. Ian. Im Iahre 1929 Übernachtetenin den Marburger Gast- h ä u s e r n 52 878 Personen, gegen 45 923 im Vorjahr und 37 396 in 1927. Die meisten fremden Gäste, nämlich 6465, entfallen wieder auf den Iuli, in dem bekanntlich die studentischen Stiftungsfeste gefeiert werden. Um die Erhaltung des Mainzer Stadttheaiers. WEN. Mainz, 8. Ian. Die Fraktion der Notgemeinfchaft des Mainzer Mittelstandes hat gestern dem Oberbürgermeister folgenden Antrag unterbreitet: „Die Verhandlungen mit Darmstadt wegen einer Fusion der Theater Mainz und Darmstadt sind vorläufig e i n z u st e l l e n. Die dem Herrn Oberbürgermeister erteilte Ermächtigung, auf einer bestinunten Grundlage weiter zu verhandeln, wirb zurückgenommen. Dagegen soll unverzüglich eint gemischte Kommission gebildet werden, bestehend aus Vertretern des Stadtrats, der Presse, des Theaters und der Theaterfreunde, die beauftragt werden soll, unverzüglich gründliche, praktische und brauchbare Sanierung« - und Ersparungs-Vorschläge auszuarbeiten mit dem Zwecke der selbständigen Erhaltung des Mainzer Stadttheaters in seiner bisherigen Form. Rundfunkprogramm. Samstag, 11. Januar. 11.15 bis 11.45: Schulfunk: Französisch — Französische Volkslieder. 13.15: Schallplattenkonzert: Spaß muh sein! 14.15: Von Stuttgart: Iugendstunde. 15: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 17: Tanztet. 18.05: „Der Ernst der wirtschaftlichen Lage", Vortrag von Stadtrat Dr. Linse. 18.35: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Der Wert der Wissenschaft, Vortrag von Dr. Heinrich Ritzmann. 19.05; Spanischer Unterricht. 19.30: Franz Hauck mit seinen zehn Rhythmiphonikern. 21: Herr Schiebermann gibt sich die Ehre... Operette in einem Auszug. Musik von Iacques Offenbach. 22.45: Von Kassel: Bunter Abend. 24 bis 1: Tanzmusik. Berliner Börse. Berlin, 9. Ian. (WTB. Funkspruch.) Für heute lagen keine wesentlichen neuen Momente vor. Die Stimmung scheint auch im heutigen Frühverkehr weiter freundlich zu bleiben, doch werden Kurse noch nicht genannt. Am Devisenmarkt hörte man London gegen Paris 123,88 zu 123,90, London gegen Mailand 93,07 zu 93,10, London gegen Spanien 39,00 zu 39,25, London gegen Kabel 4,8695 zu 4,87 London gegen Berlin 20,3890 zu 20,3913, Kabel gegen Berlin 4,1865 zu 4,1870. Kirchliche Nachrichten. _ Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in bet Synagoge (Südanlage). Samstag, 11. Januar. Vorabend 4.45 Uhr: morgens 9; abends 5 und 5.40 Uhr. Israelitische Religionsgemeinschaft. Sabbatfeier den 11. Januar. Freitag abend 4.25 Uhr Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.40. — Wochengottesdienst: morgens 7; abends 4.30 Uhr. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Unzelgenaufträge sind lediglich an di« Geschäfts st elle iu richten Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Sevftergevuns. Freitag, den 10. Januar 1930, nachmittags 2' /, uhr, werden im Kellergeschoß des Finanzamts, Goethestraße dahier, zwangsweise gegen Barzahlung versteigert: eine Toilette (für Friseursalsn), 2 Laden- kaffen, eine Geige, einen Kaffenschrank, einen Untersuchungstisch, 80 Büchsen Konserven, ein Grammophon, eine Wanduhr, eine Holzpreßmaschine, eine eleffr. Stehlampe, vier Schreibtische, ein Vertiko, eine Zinkbadewanne, ein großer Spiegel, ein Bild, ein Itür. Kleiderschrank, eine Standuhr, ein e! Heizkiffen, ein Tisch, 1 Korbsessel, 1 Büfett. Bestimmt: eine elektr. Schreibtischlampe, eine Schreibzeuggarnitur (Marmor), ein gut- erhaltenes Herrenfahrrad. 2830 Sinonjamt fllefitn (Bollltreaungsitetle). Bekannte Berliner Klär-Firma sucht zum Vertrieb ihrer bestens eingeführten Haus- Ätärnruben in iPau- u. Siedlungökreisen fachmännischen Geneval-Vevtvetev mit Bureau gegen Hobe Svefenpergütung und Spesenzuichuß. 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Asterweg 14 — Telephon 2545 Sprechstunden: Werktags: 9—11, 2—5 Uhr Behandlung mittels Homöopathie: System Dr. Madaus Naturheilverfahren Moderne Bestrahlungstherapie System ZeileisrGalspach Besudle auswärts auf Wunsch jederzeit im eigenen Kraftwagen bei mäßiger Berechnung. 0183 Zum Berkau? von modernen Kleinschreibmaschinen int hiesig. Bezirk sucht bedeutende Schreibmaschinensabrik WM MM gegen höbe Provision. Bet rühriger Tätigkeit grotze Verdtenümögltchkeit. Schriftliche Angebote von vertrauenswürdigen Herren mit Angabe von Referenzen und bisheriger Tätigkeit um. 137D an den Gietz. Anz. Nutz- und Brennholzversteigerung Alittwoch, den 15., und Donnerslag, den 16. Januar I. 3., wird in dem Wohnbacher. Gemeindewald folgendes Holz versteigert: Stämme, Eiche: A 4. Kl. 3 St. = 1,75 fm, A 5. Kl. 7 St. - 6,99 fm. A 6. Kl. 2 St. - 2,52 fm, N 2. Kl. 18 St. = 8,30 fm, N 3. Kl. 42 St. = 29,39 fm, N 4. Kl. 36 St. - 30,33 fm, N 5. Kl. 15 St. = 14,58 fm, N 6 Kl. 3 St. = 5,0 fm. Buche: A 4. 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Die Ankün- dtgung in der Bun- deszeiiuna vom 5.1. 1930 ist dauer nngült. JedenDonncrStas von 7—8 Uhr abdS. un Volksbad (3051) Sfliuira WßO Je Teilnehm. 20 Pf. Ter Vorstand. AltersverBiaigiing 18731923 ZufWuiesliiM Samstag, 1 ..Jan, 8 Ubr mi. bei KollegeSoldan. O10. I. 8'/. Uhr _________Unterh.- Abend. flllllllllllllllllllllllllllllllllD Stadttheater Freitag, 10. Jatt., von 20 bis 22 Uhr l5.3reitag'M.-vokss. Zum ersten Male: Der ©eiiierjug Spiel in 3 Akten von Arnold Rtdlcn. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Wk- ItittlW in Latein unh Griechisch «eilt Dr, plil, Schriill. Augeb. miet 227D, an den gtefe. fliu erbkien. Trcjenigctirur, )it das Päckchen 6eibe Dlen-riag i'i.Uhr itriümlicbct Weiie bei Koch ?!M an sich nahm. Md lebeien, da^elbe >ort nbiuaebt :i„ dunger, bunfclbr. ZaMund filtoiW) Kenn- Mrn Narbe am Ranch, aulb.iliamrn ,Mira" börrnt in Duienhalen Mi entlauf«. JagdansieberLttu, Dotenhofem_ Vereine 3 o UitWS; gJÄj nuiifl Ifli“ Umiiändeba ber W SKS Ti«»® e»1' W ffi«» sM« Nr. 7 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, Y.Zanuar 1950 für die französische Kammer gemacht hat, sich auch kein Bild über die diesen Ertragnissen zugrunde liegende Politik des Kohle,,Verkaufs in Frankreich machen kann, sa ist cs doch zweifellos, daß auf die Dauer jede Privatgesellschaft pleite gehen müßte, die die Saargruben mit der ungeheuren Last von 300 Millionen Mark an Kapital übernehmen müßte. Also ein Geschäft kann der Gedanke der Internationalisierung der Kohlengruben niemals und für niemand bei seiner Durchführung werden, wohl aber eine Pleite allerersten Ranges. Warum aber ist von den Franzosen dieser Gedanke überhaupt erst in die Debatte geworfen worden, wenn man sich klar darüber sein muß und sicher ist, daß er in sich unausführbar, weil unlogisch ist? Offenbar verbirgt sich hinter ihm irgend etwas anderes, worüber heute nur Vermutungen angestellt werden können, die bei der jetzigen Verhandlungslage besser nicht ausgesprochen werden. Ein berechtigtes Interesse des französischen Volkes ist cs dagegen, bei dem Kohlenmangel Frankreichs und dem Kohlenüberschuß Deutschlands und angesichts der günstigen Lage des Saarkohlengebietes zu den französischen Stätten großen Verbrauches, daß die deutsche Regierung oder die zukünftigen Besitzer der Kohlengruben sich zu verständigen Kohlen Verkäufen an Frankreich zur Deckung des Kohlende- darfes auch aus dem Saargebiet bc- r e i t f i n d e n lassen. Auch Deutschland hat ein lebhaftes Interesse daran, Kohlen aus dem Saargebiet nach Frankreich zu liefern und dafür Eisenerze einzutauschen, von denen Frankreich w--.t über seinen eigenen Bedarf hinaus ungeheure Mengen besitzt. Daß dieser Austausch im naturgemäßen Interesse beider Völker liegt, ist so selbstverständlich, daß darüber überhaupt nicht zu reden wäre, wenn nicht die Kriegsfolgen mit ihrer Verblendung der Völker gegenüber dem, was verständig ist, diesem Austausch entgegen gestanden hätten. Wenn nun im Haag ein Strich, und zwar ein endgült ger unter den Krieg gezogen werden soll und der Saldo, der wie bei allen schlechten Geschäften auf der vor- kehrten Seite der Bilanz auch hier steht, zu einer allmähligen Liquidierung vorgetragen wird und wenn an diese Liquidierung des Krieges auch eilte solche des französischen Saarabenteuers sich an= schließt, dann soll auch alles, was vernünftig ist, in wirtschaftlicher Hinsicht zwischen dem Saargebiet und Frankreich lebendig bleiben. Das ist in erster Linie einAustausch derGüter, und zwar nicht bloß des Erzes und der Kohle, sondern auch der sonstigen Erzeugnisse, — ein Austausch, der durchaus int Interesse eines freundnachbarlichen Verhältnisses liegt. An einem solch freundnachbarlichen Verhältnis sind aber sicher nicht nur wir int Saargebiet, sondern auch bestimmt im gleichen Maße die Elsaß- Lothringer und darüber hinaus die Ost- fr a n z o s e n im stärksten Maße aus wirtschaftlichen und aus Gründen der Nachbarschaft auf das stärkste interessiert. Es ist für jedermann ein höchst ungemütliches Gefühl, einen Nachbarn neben sich wohnen zu haben, mit bent man sich auf Hauen und Stechen steht. Es ist sehr viel angenehmer, wenn man dagegen mit ihm freundschaftlich verkehren kann und wenn alte oder neuere Streitigkeiten ein für allemal begraben werden. Für diese Form der Nachbarschaft haben die Elsaß-Lothringer aber ganz bestimmt genau soviel Bedürfnis wie wir im Saargebiet. Deshalb auch dort die Hoffnung, daß das ganze ziemlich törichte Saarunternehmen des Versailler Vertrages baldigst liquidiert werde. Hoffen wir, daß diese Liquidierung noch in die» s e m Jahre zur Tatsache wird. Die Gaargruben. Worum es bei den Gaarverhandlungen geht. Don Kommerzienrat Dr. h. c. Hermann Röchling, Völklingen, Mitglied des Landesrates des Saargebietes. Nirgendwo, selbst in Frankreich nicht mehr, wird angenommen, daß im Saargebiet eine A b ft t m - nt u n g zugunsten Frankreichs oder der Völkerbundsregierung zu erzielen ist. Wenn hierüber absolut keine Meinungsverschiedenheit mehr zwischen Deutschland und Frankreich besteht, so ist dies e i n 4 weifelloser Erfolg der einheitlichen Haltung der Saarbevölkerung den Franzosen und der Völker- bundsregierung gegenüber. Die Haltung war die einer dauernd gleichmäßigen und einheitlichen A b * leb nun g. Hinsichtlich der Saargruben geht die Haltung aller politischen Faktoren und der gesamten öffentlichen Meinung dahin, daß die Gruben an ihre früheren Besitzer, Preußen und Bayern, zurückgegeben werden sollen. Die Saarbevölkerung legt den allergrößten Wert darauf, daß diese beiden Staaten die Gruben künftig wieder betreiben, da sie durch ihre weitsichtige und kluge Arbeiter- und Siedlungspolitik ganz wesentlich dazu beigetragen haben, daß die außerordentlich Heimattreue Saarbevölkerung selbst dem allmächtig erscheinenden französischen Bergfiskus gegenüber hinsichtlich der immer wieder versuchten separatistischen Bestrebungen erfolgreich Widerstand leisten konnte. Die Erkenntnis, wieviel die Saarbevölkerung in ihrem Abwehrkampfe der rund hundertjährigen Politik des preußischen Staates zu verdanken hat, ist ein tieferer Grund, weshalb die gesamte Saarbevölkerung die Rückkehr derGru- b e tt zu dieser Verwaltung fordert — eine Forderung, die von uns für fo wichtig gehalten wird, daß mir lieber auf d i e vorzeitige Rück- qliederung verzichten würden, ehe wir diese Forderung aufgeben. Nun ist in neuerer Zeit das ebenso unlogische wie auch nom französischen Standpunkt aus unverständliche Projekt aufgetaucht, die Saargruben in eine ganze Anzahl internationaler Gesellschaften aufzu lösen, bei denen Deutsche und Franzosen beteiligt werden sollen. Die Begründung, die diesem Projekt von französischer Seite angehängt wird, daß auf diesem Wege eine deutsch.fran- ; ösischc Zusammenarbeit im Saarge» biet anaedahnt werde, die zu-einer Verständigung zwischen den beiden Völkern sichren könne, ist deshalb unlogisch, weil nach dem Versailler Der- frage, der uns Deutschen doch wirklich nicht günstig ist, die Saargruben im Jahre 1935 sowieso von Deutschland z u r ü ck g e k a u f t werden können. Also unter der Firma einer deutsch-französischen Verständigung möchte man Deutschland noch schiech- t c r stellen, als es unter dem Versailler Vertrag stobt. Dafür bedanken wir uns. Aber auch vom Standpunkt der Saarindu- ff r i c , die die größte Kohlenverbraucherin der Saargruben ist, hat der Vorschlag keinen Reiz. Wie dock der R ü ck k a u f s p r e i s der Saargruben sein wird, ist heute nocht nicht oorauszusehen. Dieser Rückkaufspreis fpielt zwischen Deutschland und Frankreich eine Rollo insofern, als Deutschland ihn an Frankreich bezahlen muß und ihm daher die Höhe der Rückkaufspreises nicht gleichgültig ist. Nicht aber spielt der Preis eine Rolle zwischen dem Deutschen Reich und den Staaten Preußen und Bayern; denn das Deutsche Reich hat die Vorbesitzer ohne E n t • schädigungenteignet mit der Erklärung, daß die Vorbesitzer ihre Gruben wieder erhalten würden, sobald das Reich wieder in den Besitz derselben käme. Wenn aber die Kohlengruben in die Hände von Dritten kommen, also nicht Preußen und Bayern, so würden doch diese ßänber Anspruch auf den Erlöspreis an das Reich zu stellen haben. Wird hierdurch schon praktisch eine deutsche Unmöglichkeit für diesen Weg geschaffen, so ist es bestimmt nicht denkbar, daß der französische Staat diesen internationalen Gesellschaften die Saargruben zu einem wesentlich billigeren Preise verkaufen würde, wie sie in seiner eigenen Bilanz stehen; und in der Bilanz der französischen Grubenverwaltung stehen die Saargruben Ende 1928 mit 295 804 924,40 Mark zu Buche; denn ein Verkauf an private Gesellschaften ist im Versailler Vertrag nicht vorgesehen. Es müßte also ein freihändiger Verkauf statt- finden, für den die Preisfestsetzung durch ein Schiedsgericht nicht gilt, wie sie bei einem eventuellen Rückkauf durch das Reich als Schutz gegen eine mögliche Ueberfpannung der Kaufpreisforderungen seitens Frankreichs vorgesehen ist. Rechnen wir mit rund 300 Millionen Mark, so beträgt der Zinsendienst, den die eventuellen privaten Gesellschaften sich doch bestimmt für das Kapital rechnen müssen, ehe ein Gewinn beginnt, bei 8 v. H. bereits 24 Millionen Mark im Jahr, also 2 Mark auf die Tonne Kohlenabsatz. Man suche ein Kohlenindustriegebiet, bei dem nach Abzug der Abschreibungen, die der französische Staat mit weiteren 11 Millionen = nochmals beinahe 1 Mark je Tonne ansetzt, 2 Mark je Tonne an Zinsen herausgewirtschaftet werden können. Ich weiß kein Steinkohlengebiet, bei dem etwas ähnliches im Durchschnitt zutrifft. Die Bilanzen, die der französische Staat über die Saarkohlengruben veröffentlicht hat, weisen für die Jahre 1926 6,25 franz. Fr. - 1,04 Mk. Gewinn „ 1927 3,35 „ „ = 0,55 „ „ 1928 4,45 „ „ = 0,75 „ je Tonne abaesetzter Kohlen aus. Wenn man aus dem Bericht, den der französische Deputierte Charlot Hessische Landwirischafiliche Woche. Oie 7!oL der Landwirtschaft. - Eine Ansprache des Wirtschastsministers Korell. MSN. Darmstadt. 8. San. Die in diesem Sahre wegen der schwierigen Lage der Landwirtschaft nur auf drei Tage berechnete 2 5. Landwirtschaftliche Woche begann heute vormittag im Rummelbräu in Anwesenheit des Ministers für Arbeit und Wirtschaft Korell, zahlreicher Vertreter der zuständigen Ministe* rialftelten, der staatlichen Verwa tungen und interessierten beruflichen und wissenschaftlichen Organisationen und Aemter, sowie der übrigen Wirtschastsgruppen Hessens. Daneben sind Reichsminister a. D. Dr. V e cke r ° Hessen und zahlreiche Landtagsabgeordnete aus allen Fraktionen erschienen. LandwirffchastskammerpräsideniHensel begrüßte die Chvengäste und dankte den zahlreichen Landwirten für ihr unvermindertes Sn* teressc an der Vertiefung ihres Verufswissens gerade in der heutigen Rotzeit. Die im Vorjahr ausgesprochene Hoffnung, das Sahr 1929 möge eine Besserung der Lage bringen und alle berufenen Stellen möchten zur gemeinsamen Herstellung einer bescheidenen Rentabilität sich zusammenfinden, habe sich nicht erfüllt. Den Führern der „Grünen Front" gebühre Dank für ihr gemeinschaftliches Handeln. Die Rat poche fast an alle Türen der Bauern-, Pächter und Grohgrundbesiherhäufer, allen gehe es sehr schlecht, viele stunden vor dem Bankerott ober vor der Vertreibung von ererbtem Boden. Die vom Reichstag verabschiedete Agrarvorlage und die Handelsverträge könnten höchstens als eine erste Rate der Forderungen der Landwirtschaft angesehen werden. Die Verwickelung und Verabschiedung der Zollvorlage mit der schweren Finanzkrise des Reiches, die zur Demission Dr. Hilferdings führte, war für die Gestaltung der Hilfe zugunsten der Landwirtschaft nicht günstig. Wichtige Erzeugnisse, wie Obst, Gemüse und Wein, sind unberücksichtigt gelassen. Der Vorwurf, die deutsche Lanbwirt- schäft sei nicht genügend genossenschaftlich organisiert. sei nur zum Teil gerechtfertigt. Holland, Dänemark und Schweden hätten ebenfalls zum Teil Sahrzehnte dazu gebraucht. Die Landwirtschaft schreite den Zeitverhältnissen entsprechend weiter, wenn sie nicht durch verkehrte gesetzgeberische Maßnahmen in den Abgrund gestürzt werde. An der Kaufkraft der Landwirtschaft seien Sndustrie, viele gewerbliche Berufe, die Mehrzahl der Handwerker und gerade die gesamte Arbeiterschaft aufs lebhafteste interessiert. Bauernnot sei Volksnot. und diese zu beheben sei nur möglich durch vermehrten Verbrauch deutscher Erzeugnisse, insbesondere Brot. Fleisch, Gemüse, Obst, Milch und Milchprodukte, Eier und Weine. Bei aller an sich notwendigen Steigerung unserer industriellen Ausfuhr dürfe der innere Markt nicht weiter geschwächt werden. Die Stärkung der Kaufkraft der Landwirtschaft bedeute sofort eine Hebung der allgemeinen Kaufkraft und Intensivierung der industriellen Produktion. Was hier Dänemark zeige, gelte auch für Deutschland. Möge man baS im Sahre 1930 an allen zuständigen Stellen in Deutschland beherzigen und zu neuen Taten schreiten, ohne Rücksicht auf alle programmatischen Richtlinien und einseitige Sn* ter essen bestimmter Kreise. Wohl biete die innen* und außenpolitische Lage — Haager Konferenz — ein sehr trübes Bild, aber die Landwirte dürften die Hoffnung nicht aufgeben, daß es im Sahre 1930 in wirtschaftlicher Beziehung besser werde. Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell schloß sich dem Wunsche, 1930 möge für die Landwirtschaft, die deutsche Volkswirtschaft und für die politische Stellung Deutschlands in der Welt ein glücklicheres Sahr werden als 1929, namens der Staatsregierung aus das wärmste an. Der Minister erklärte dann u.a.: Sch fühle mich, das wissen auch die Landwirte, soweit sie politisch andere Wege gehen als ich, immer wohl, wenn ich in landwirtschaftlichen Vor* samlungen unter Dauern oder unter Bauernsöhnen sein kann. Das ist nicht ein ästhetisches Wohlbehagen, sondern rührt daher, daß mein Fleisch und Blut vom Lande stammt, und weil mein Kopf erkennt, daß auf dem Lande im Bauernhaus die ewige Quelle der Erneuerung deutschen Volkstums liegt. Sch wünsche vor allen Dingen, daß wir auf der Bahn des Schutzes deutscher Produkte, insbesondere der Spezialprodukte, weiterkommen. Welch ein Elend z. B. in Rheinhessen, wo der Wein unverkäuflich liegt. Alle Maßnahmen, die hier erwogen und auch von mir für später, nach dem ersten Abstich, ins Auge gefaßt worden sind, haben da, wo sie — wie in der Pfalz — durchgeführt worden sind, zu keinem Erfolg geführt. Wir müssen in dem Schuhe unsere» Weine», unserer Äiehprodukte, unseres Obstes und Gemüses unbedingt weiterkommen durch zoll- politische Maßnahmen (Braoo!) wie durch organisatorische Maßnahmen im Inland. Sch habe mir niemals den Vorwurf zu eigen gemacht, daß es auf dem Gebiet der Genossen* schaftsorganisation zu langsam gehe. Sch weiß, daß die dänische Landwirtschaft von 1864 bis 1888 gekämpft hat, um eine bessere Organisation der bäuerlichen Wirtschaft zu erreichen. Was wir in Deutschland daraus zu lernen und zu tun haben, ist hinter geschützten Mauern unsere Organisation und Bildung zu vermehren. Wenn auch unsere Bauern arm geworden sind, so sollen sie doch nicht ärmer werden an Berufsbildung. Die landwirtschaftliche Bildung müssen wir, wo immer möglich und so stark wie möglich zu vertiefen suchen, damit, wenn die Sonne für die Landwirtschaft wieder aufgeht, unsere Söhne bäurliche Führer in den Genossenschaften, in der Düngung und im Llbsah sein können. Bei dieser Gelegenheit erbitte ich aber auch Shr Berliner Premieren. Berlin, Januar 1930. Das Ereignis heißt augenblicklich wieder einmal: Pallenberg. Und, um es gleich zu sagen, der Begeisterungssturm, der ihn jeden Abend im Deutschen Künstlertheater umtobt, ist vollauf berechtigt. Der alte Zauberkünstler hat wieder eine Rolle, in der er sich nach Belieben ergehen und austoben darf. Franz Molnar, der sie ihm zu liefern hatte, beschränkte sich denn auch in feiner Komödie „Eins, zwei, drei" auf diese Aufgabe und vertraute das Schicksal des Spiels Pallenberg allein an, bei dem er es in treuester Pflege wußte. Was an Ereignissen und Personen um ihn herumschwebt, sind Stichwortträger und illustrierende Schemen; Die Handlung selbst ist ganz Nebensache geworden und so ärmlich und für Komödienverhältnisse unglaubhaft, daß man sich scheuen muß, sie zu berich- icn. Also: Pallenberg — hier der Bankmagnat Nor- riion — hatte in seiner Fomllie das amerikanische Millionärstöchterlein Lydia zur Obhut, die er den Eltern, die in einer Stunde hier eirttreffen, natür- .lich unversehrt an Geist und Körper abliefern möchte, denn aus einer solchen Verbindung wittert er einen gewaltigen Trust. Leider gesteht ihni Lydia im letz- ten Augenblick, daß sie sich schon mit einem Chauffeur verheiratet habe und sich bereits Mutter fühle; Norrison stürzt aus allen Himmeln, ermannt sich aber und macht sich daran, den primitiven Taxifahrer zu einem millionenwürdigen Schwiegersohn umzuarbeiten. Pallenberg arbeitet also, er hat nur eine Stunde Zeit — auf der Bühne dauert das Spiel auch nicht viel länger — aber diese eine Stunde, während deren er nicht von der Szene kommt, ist eine der köstlichsten Pallenbergiaden, die er je dargestellt hat. Er ist heute, von einer weißen Mähne umwallt, ganz ohne groteske Maske, dafür zuckt ihm die verwegene Spaßmacherei in allen Fingerspitzen. Es wäre interessant, zu wißen, wie viel oder wie wenig Text ihm Molnar mitgab, und was er im weiteren Verlauf der Abende noch hin- zutun wird, da schon die ersten Aufführungen auf weiten Strecken ganz sein persönliches Gepräge trugen. Er konzentriert in dieser einen Stunde seine ganze Energie darauf, aus einem Chauffeur und Kommunisten einen Kapitalisten und Gentleman zu machen, das ist unendlich komisch, er drückt auf seine sämtlichen Klingeln, bringt alle Fernsprecher durcheinander und läßt das Personal seiner Bank tanzen und springen. Der Gipfel ist offenbar, wenn er am Schluß, um mit St. Moritz möglichst schnelle 'Teler fonverbindung zu bekommen, anfängt, schweizerisch zu sprechen: „Grüos Gott, wie ist das Wetterli?" Hinter dieser Groteske, dem Bajazzotum der Worte aber erscheint sozusagen die metaphysische Bedeutung dieser Ralle, die eben doch nur ein großer Komiker von Pallenbergs Format herausarbeiten kann: eine traurige Satire auf das „einszweidrei"- Tempo dieser Zeit und auf den Irrsinn ihrer Urteile und Wertungen; so erhebt Pallenberg das Molnarsche Spiel unversehens zu einem symbolischen Spiegel. Hinter ihm versinkt denn auch alles; Gustav Hartungs Regie beschränkt sich darauf, die einzelnen Gestalten des Stücks zu prononzieren und angemessen zu gruppieren. ♦ Glücklicher war Molnär in dem „Souper", das der Pallenbergkomik als Ouvertüre oorangeht. Ein großer Unternehmer — Jakob Siebt te — hat seine auserlesenen Freunde zu einem Abendessen versammelt, bei dem es hoch hergeht: der Hausherr wird in vielen Reden gefeiert und ist eben selbst dabei, sich des Tages zu erinnern — es war am 1. April — an dem er vor fünfzig Jahren mittellos in diese Stadt kam, da tritt ein Kriminalbeamter ein, um den Gastgeber zu verhalten. Natürlich fallen jetzt alle Freunde von ihm ab. Ja, es zeigt sich, daß sie alle auf irgendeine dunkle und üble Art Spießgesellen voneinander sind: es erscheint der unergründliche Sumpf der Sklareks und Genossen. Auf dem Höhepunkt dieser Enthüllungen, und da es doch einmal ein Ende haben muß, entschleiert sich der Kriminalbeamte und erscheint als ein Vetter aus der Provinz, der sich mit seinen Verwandten diesen Aprilscherz erlaubt hat. „Ja, die Leute in der Provinz haben noch Humor", bemerkt Rosa V a l e t t i. Hernach haben sich die also Entdeckten wieder auf einer gewissen gesellschaftlichen Basis zusammen- zufinden. — Heinz Hilpert hat die Szene sehr hübsch und ansprechend inszeniert. Sie dürfte fraglos überall ihr Glück machen. * Curt Götz stellt sich im K o m ö d i e n h a u s mit einem neuen Lustspiel vor, das etwas umständlich „Der Lügner u n d d i e Nonn e" heißt, und es ist wiederum selbstverständlich, daß seine Frau Valerie von Martens darin die Nonne Angela, Götz aber einige andere Rollen spielt, hier sind es drei. Zunächst stellt er sich dem Publikum in einem Vorspiel als sächsischer Dichter vor, verhöhnt das politifche Zeittheater und kündet ein neues Stück an, das nun beginnt, aber leider weder im Mol- närfchen Einszweidrei-Tempo dahertollt, noch nach einer früheren Götz-Methode die Konflikte mit einer „Hokuspokus"-Gcste löst. Offenbar — aber auch das wird nicht ganz klar — geht es Götz um die Parodie gewisser zeitferner Klostergeschichten. Nach einem müde dahingehenden zweiten Akt gelingt Götz der dritte, in dem er selbst als alter Kardinal erscheint, um vor einem geistlichen Gericht die verworrene Lage zu klären. Hier maltet ein feiner und geistvoller Dialog, weniger durch seinen Inhalt als durch die Vollendung wirksam, mit der Götz seine eigenen Aphorismen vorträgt und hinlegt. Das Ganze endet damit, daß der Theaterspaß der Doppelrolle nicht weiter getrieben werden kann und der Vorhang unter lebhaftem Beifall fällt. G. B. Berliner Zniendanienkrije. Die Laufbahn des Berliner Staatstheater- Sntendanten Leopold Sehn er scheint, nach den in den letzten Tagen aus Berlin gekommenen Meldungen, ihrem Ende entgegenzugehen, zwar läuft sein Vertrag noch bis 1934, doch soll er in den nächsten Sahren nur noch Regier^ führen, während die Derwaltungsgeschäfte bis zur endgültigen Lösung einer noch zu wählenden.Persönlichkeit übertragen werden sollen. * Der unmittelbare Anlaß hierzu liegt in den beiden mißglückten Silvesteraufführungen an den von Seßner geleiteten Bühnen (Schiller-Theater und Staatliches Schauspielhaus); der Sntenbant hat aber, wie man weiß, schon seit Sahren mit Schwierigkeiten und Widerständen zu kämpfen gehabt, und es ist festzustellen, daß die Angriffe gegen ihn keineswegs immer von sachlich-künstlerischen Erwägungen geleitet waren, sondern in vielen Fällen leider einer persönlichen und politischen Gegnerschaft entsprangen. * Allerbings sind, besonders in den ersten Sahren von Sehners Berliner Tätigkeit, mit Grund auch künstlerische Einwände gegen ihn erhoben worden; man erinnert sich vielleicht noch seiner „Tell"- Snszenierung, die damals zu weitreichenden, prinzipieUen Auseinandersetzungen Anlaß gab. Man muh sich in dieser otunbe aber doch Wohl in erster Linie an die hervorragenden positiven Werte erinnern, die Seßner geschaffen hat; man muß etwa an die Aufführungen von »Wallenstein", »Richard Hl.", »Rapoleon", „Hannibal" und „Marquis von Keith" unter seiner Regie denken. Und man muß sich darüber klar sein, daß Seßner auch heute noch zu den großen, schöpferischen Regisseuren gehört: ein Mann von Format, ein Lehrer und Anreger der jüngeren Generation, wie es, außer Reinhardt, nur wenige gibt. * Seßner war zuerst Spielleiter in Hamburg, dann einige Sahre Direktor des Reuen Schauspielhauses in Königsberg; von dort wurde er im Sahre 1919 als Sntenbant an die Berliner Staatlichen Bühnen berufen. Sein endgültiges Ausscheiden würde in jedem Fall einen schweren Verlust für das gesamte Berliner Theaterwesen bedeuten, das heute tonangebend ist in Deutschland — und wohl auch über Deutschland hinaus. —y— Hochschulnachrichten. Der Ministerialrat Dr. Paul Klingelhöfer in der Hochschulabteilung des Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist von der medizinischen Fakultät cer Universität Marburg wegen seiner Verdienste um ihre Institute und Kliniken zum Ehrendoktor ernannt worden. — Professor Dr. Erik Wolf in Rostock hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Straf- und Prozeßrecht an der Universität Kiel als Nachfolger von Eberhard Schmidt angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in der Kieler rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät erhallen. — Ernannt wurde der ord. Professor Dr. Arnold E u ck e n von der Technischen Hochschule in Breslau zum ordentlichen Professor der physikalischen Chemie in Göttingen als Nachfolger von G. Tammann. — Dem ord. Professor Dr. Philipp Br oemse r, Direktor des Physiologischen Instituts an der Universität Basel ist iie nachgesuchte Entlassung aus seinem Amte unter Verdankung der geleisteten Dienste bewilligt worden. Dr. Broemser (geboren zu Rüdesheim a. Rh.) folgt einem Rufe nach Heidel- b e r g, wo er den durch das Ableben des Professors A. Pütter erledigten Lehrstuhl der Physiologie übernimmt. Der Gelehrte, der seit vier Jahren als Nachfolger von R. Metzner in Basel lehrt, gehörte früher dem Lehrkörper der Universität München an. Sn der Philosophischen Fakultät der Universität S n n s b r u ck ist ber a. o. Professor Dr. Sosef L i n b n e r zum ordentlichen Professor der Chemie ernannt worden. Verständnis fstr folgendes: Die hesstscheRe- g i e r u n g hat schwere Monate vor sich infolge unumgänglicher Sparmaßnahmen. Durch die Rede von Präsident Hensel ist bereits einmal durchgeklungen die Herabsetzung der öffentlichen Verwaltungsausgaben. Diese Aufgabe wird die hessische Regierung in einem sehr scharfen Kampf in den nächsten Monaten zu leisten haben. Wir tun es nicht aus Wollust, sondern notgedrungen. Aber die Befürchtung braucht bei Ihnen nicht zu bestehen, wie sie kürzlich einer Ihrer Führer mir gegenüber ausdrückte, die ganze Sparaktion werde doch wohl nur auf dem Rücken des Dorfes und des flachen Landes ausgetragen werden. Wenn Sie in zwei bis drei Wochen die von uns ins Auge gefaßten Sparmaßnahmen lesen, werden Sie merken, daß wir an sehr wichtige und bedeutende städtische Einrichtungen ebenfalls die Sparhand gelegt haben. Es braucht nicht jedem alles zu gefallen, was wir sparen wollen, ober es braucht auch nicht jedem alles zu mißfallen. Wo wir anfangen, heißt es: Spart doch da oder dort, aber geht bei uns vorüber. Meine Herren, so geht das nicht. Wir haben alles gründlich überdacht, wir haben es gewissermaßen kontingentiert tyif Stadt und Land, für die ctiijclnen Stände. Aber wir müssen auch vom Lande Sparopser verlangen. Die Landwirtschaft hat seit langem schon sehr stark den Ruf nach Sparmaßnahmen erhoben. In diesein Kampfe um die Einsparungen in den öffentlichen Ausgaben erbittet jetzt die hessische Regierung Ihre Hilfe und Ihr Verständnis. Der Minister schloß mit der Hoffnung auf eine Besserung der allgemeinen volkswirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im deutschen Vaterland und fand lebhaften Beifall der Anwesenden. Prof. Dr. Sessous-Gietzen, Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniversität Gießen, hielt nunmehr den ersten Vortrag über das Thema: „Neuere Fragen im Pflanzenbau". Der Vortragende berichtete über die von seinem Institut ausgeführten Versuche. Sie erstrecken sich auf Bodenbearbeitung und ihren Einfluß aus die physikalischen, chemischen und biologischen Verhältnisse des Bodens. den Einfluß des Klimas, auf Ausbildung der Kulturpflanzen. die Ermittelung zweckmäßigster Saatweiten, bzw. -mengen je nach Saatzeit, auf Grünlandsfragen und Sortenprüfungen u. a. Prof. Sessous wies aus den engen Zusammenhang hin zwischen Witterung und Pflanzenwachstum. dessen ^Inkenntnis oft erhebliche Fehler in der Auswahl der Kulturart, der Pflanzenart und -forte, ja der Düngung bedingten. Sehr beachtlich waren seine Hinweise auf den Rachteil, den die Unsitte des Schneidens der Saatkartoffeln zur Folge hat, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit, mit dem Messer Krankheiten zu übertragen. Auch der bis zum 8. Jahre durchgeführte Abbauversuch zeigte mehr als viel Worte es vermögen, die Rotwendigkeit, häufig mit dem Saatgut zu wechseln Es läßt sich nicht bezweifeln, daß die Qualität der Arbeit seit dem Kriege schlechter geworden ist. Selbstverständlich ist, daß man den Arbeitnehmer an der Mehrernte interessieren muß, und zwar am zweckmäßigsten durch Prämienlohn. Mit der Beschreibung der umfangreichen Grünlandversuch« und der Ergebnisse der Luzerne- und Maissortenprüfungen, bei denen sich die deutschen Sorten als hervorragend überlegen gegenüber den ausländischen erwiesen haben, schloß der Vortragende seine sehr interessanten Ausführungen. Oberlandwirtschasisrat Tekonomierat Keifer von der Preußischen Hauvtlandwirtschaftskam- mer-Berlin sprach bann über „ble Möglichkeiten zur Gesundung der gesamten Milchwirtschaft", die eines der schwierigsten Probleme der landwirtschast'ichen Betriebsund Absatzorganisation sei. Der Wert der Milcherzeugung als laufende Einnahme für den Landwirt fei außerordentlich beträchtlich, und um die Milch kümmerten sich neben Polizei, Wissenschaft, Regierung und Parteien natürlich besonders die Verbraucher. Ein Pfennig Preiserhöhung bedeute eine Mehrbelastung von einer viertel Milliarde Mark. Richt außer acht lassen dürfe man bei der Preisgestaltung für die Milch und ihre Rcbenprodukte die Gestaltung im Ausland. Die Preisspanne von 14 Pfennig zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis. wie in Hessen, sei allerdings ungeheuerlich. Der Redner betonte die Wichtigkeit von geeigneter Zuchtwahl der Milchtiere, ihre Haltung und Fütterung. Rotwendig sei daneben die Stabilität in der Milchlieferung an den Handel und die Molkereien, die Kontingentierung in Frisch-- und Werksmilch, den Eigenschaften der Milch angepaßte Behandlung vom Melken bis zur Ablieferung. Anpassung an die Wünsche des Publikums und Durchorganisation eines intensiveren Verbrauches in den Städten. An die Vorträge schloss sich eine sehr angeregte Aussprache an. Tagung der Hess. Landwirtschaftlichen . x Genossenschaften. WSN. Darmstadt, 8. Jan. Im Rahmen der Hessischen Landwirtschaftlichen Woche tagten am Mittwochnachmittag im überfüllten Gartensaal des Städtischen Saalbaues die Delegierten des Ber- bandes der Hessischen Landwirtschaftlichen Genossenschaften und seiner Zentralstellen. Verbandsdirektor Berg ging nach der Begrüßung der Ehrengäste in seinem Aer bandsbericht insbesondere auf die Vorgänge bei der Zusammenlegung der Genossenschaften im Rhe'in-Main-Ge- biet und Nassau-Wetzlar ein. Durch die persönliche Verbindung in den leitenden Stellen sei jede Konkurrenz unter den beiden großen Genossenschaftsverbänden nunmehr ausgeschaltet, und eine Arbeit von Jahren werde ob 1. Februar d. I. wohl beträchtliche Vorteile für die Landwirtschaft bringen. Das Zusammengehen habe gewiß auch Verzichte auf manches Liebgewordene gebracht, aber im Interesse der großen Idee mußte das geopfert werden. Nach der Einigung in den Spitzen müßte nun auch in der einzelnen Gemeinde, wo zwei Genossenschasts- richtungen bestanden, die Zusammenlegung erfolgen, Schritt für Schritt, damit endlich durch das ganze Land über alle Parteien und Konfessionen hinaus die Einheilsgenossenschaft aller Bauern erstehe. Mit der völligen Verschmelzung gewisser Teile von Starkenburg und Rheinhessen werde noch eine Frist von ein bis zwei Jahren notwendig fein. Oie Berichte und Vorträge. Anschließend behandelte der Generalsekretär Dr. Strub grundsätzliche genossenschaftliche Fragen, während Direktor Straßburger die Warenbewegung der Zentrale in Bezug auf Absatz der einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugnisse darlegte. Der Gesamtumsatz der Zentrale betrug im Der Traum vom Slitt. Vornan von E Lovett und M. v. Weißenthurn. Copyright by Marie Brügmann, München. E Fortsetzung. Na..)druck verboten. Als Doris jetzt den Rand des zugefrorenen Sees erreichte, fand sie die glänzende Spiegelfläche leer. Das Ganze war eine künstliche Än- lage, die sich halbmondförmig m das Gehölz hinein fortsetzte. Durch dieses Gehölz waren verschiedene Pfade gebahnt, deren Ausgänge Doris genau kannte. Sie betrat einen davon und war bald hinter dem dichten Gehölz verschwunden. Kaum war sie einige Schritte gegangen, als sie nahe Stimmen vernahm. Einer Biegung des Pfades folgend, sah sie jetzt zwei Personen in derselben Richtung dahinschreiten, wie sie selbst. Eine davon war Frau von Rechten, die andere war zu ihrer großen Aeberraschung ein ihr völlig fremder Mann von großer Gestalt, der einen viel zu weiten, sehr abgeschabten braunen Lieberzieher mit hochgeschlagenem Kragen trug, dazu einen braunen Schlapphut. tief in die Stirn gedrückt. Die ganze Erscheinung machte den Eindruck eines Landstreichers, wie Doris sie zuweilen bettelnd auf der Straße traf und stets ein wenig fürchtete. Sie hätte auch diesen Mann für einen Bettler gehalten. wäre er nicht so nahe und mit selbstbewußter Haltung an der Seite der hocheleganten Dame einhergeschritten. Sie schienen in eifrigstem Gespräch, und nichts deutete darauf hin, daß sie vor seiner Gegenwart zurückschreckte oder von ihm befreit zu sein wünschte. Plötzlich standen beide still und es schien, als ob sie umtehren wollten, und Doris schlüpfte schnell beifeit: in ein kleines Sommerhaus, das sich ganz in der Rähe befand. Sich dahinter niederkauernd. suchte sie sich den Blicken des sonderbaren Paares zu entziehen. In primitivster Weise aus rohen Fichtenstämmen zusammengefügt, waren die Zwischenräume in den Wänden des Sommerhäuschens mit trockenen Farrenkräutern und Weidenruten durchflochten. Im Innern stand an einer Seitenwand eine plump aussehend«, hölzerne Bank. Als Doris sich hinter diesem kleinen Bau zu verstecken suchte, geschah es in der Absicht, eine Begegnung mit Frau von Rechten und deren seltsamen Begleiter zu vermeiden. Sobald sie vorüber waren, wollte sie sich ohne Zögern an das entfernteste Ende des Sees begeben, wo sie Kurt und Fräulein von Rechten bestinunt vermutete da sie das Gleiten von Schlittschuhen aus dem Eise deutlich vernahm. Wie unangenehm überrascht war fie aber, als sie sah. daß das ungleiche Paar seine Schritte auf das Sommerhaus zulenkte und dort ein trat. Beide ließen sich nebeneinander auf die Bank nieder. Jetzt war sie gezwungen, auf ihrem Platz zu bleiben, obwohl es ihr widerstrebte, hier die verborgene Lauscherin zu spielen. Sie mußte wohl oder übel mcht nur jedes Work mitanhören, was gesprochen wurde, sondern konnte auch die beiden da vor sich auf der Bank sitzen sehen, da die Rückwand der kleinen Laub« viele spalten und Ritzen aufwies. Doris blickte sich hllflos nach allen Seiten um ■ vielleicht konnte He dieser unangenehmen Situation doch noch entfliehen — aber nein, dicht hinter ihr hinderte sie ein Drahtzaun am Davonschleichen, und rechts oder links von der Laube konnte sie nicht entschlüpfen, ohne von Frau von Rechten gesehen zu werden, die sich ihre Gegenwart möglicherweise so auslegen konnte, als wolle Doris ihr absichtlich nachspüren. So blieb ihr nichts weiter übrig, als geduldig auszuharren und das Weitere abzuwarten. Der Mann an Frau von Rechtens Selle, der die mittleren Jahre überschritten zu haben schien, hatte einen unangenehmen, verschlagenen Gesichts- ausdruck. Quer über die Wange lief eine tiefe Aarbe. nur tellweise von den kurzen Stoppeln eines dunklen Bartes verdeckt. Den Hut hatte er so tief wie möglich heruntergezogen, so daß nur wenig von dem Kopfhaar sichtbar blieb. Rach feinem abgetragenen Anzug zu schließen, mußte er sich in sehr armseligen Verhältnissen befinden, doch sah er trotzdem nicht wie ein gewöhnlicher Mensch aus: auch seine Ausdrucksweise war die eines gebildeten Mannes. Er war in eifmgem Gespräch mit Frau von Rechten. Als er die Laube betrat, schien er ihr heftige Vorstel-lungen zu machen. Doris sah an ihrem sonst so gleichmäßig heiteren Gesicht, daß sie sich in zorniger Aufregung befand. „öd sage um des Himmels teilten schnell, was bu verlangst, und entferne dich dann sofort!" waren die ersten Worte, die Doris jetzt aus ihrem Munde vernahm. »Du riskierst ja das Schlimmste durch deine unvorsichtige, geradezu wahnsinnige Handlungsweise. Wie konntest du es wagen, mir hierher zu folgen? Wachst du das iroch einmal, werde ich meine Freunde veranlassen, polizeiliche Hilfe gegen dich in Anspruch zu nehmen." „Es ist nicht schwer, mit solchen Redensarten zu prahlen, und mir zu drohen", entgegnete er mll twhnischem Lächeln. „Aber du weißt recht gut. daß ich dir gegenüber im Rechte bin." .-J5d) Kugne es. daß du ein Recht besitzt. inKb und Sabine zum Ertragen deiner schrecklichen Gegenwart zu zwingen, netzt, wo wir mit geachteten. hochgestellten Menschen verkehren." ..Warum hast du mich zu diesem Schritt ge-' trieben? Warum gabst du mir keine Antwort auf meinen letzten Briefs Warum schicktest du Jahre 1929 21,6 MM. Mark, hat sich also gegenüber dem Vorjahr um 1 Mill. Mark erhöht. Bezüglich des Gurkenoertriebs riet er den Landwitten, stall großer Senfgurken dem Geschmack des Publikums entsprechend kleinere Gurkenarten zu züchten. Die Ortsgenossenschaften müßten noch mehr als bisher Düngemittel und Sämereien durch die Zentrale beziehen. Zum Schluß sprach Direktor Dr. Winkler- Kramer über das genossenschaftliche Geldgeschäft, dessen Prinzip allein Sicherheit und vor allem Liquidität fein müsse. Trotz SO Millionen Mart Spareinlagen sei man in Hessen noch nicht zur Eigenversorgung zu erträglichen Zinssätzen für die Landwirtschaft gekommen. Die Zentrale werde mehr zu einer Ausgleichsstelle werden müssen. Die Grundlagen des genossenschaftlichen Kreditwesens in Hessen feien gesund. An die Referate schloß sich eine längere Debatte. insbesondere über die Absatzregelung und die Zusammenlegung der beiden Genossenschasts- richtungen. an: Die Tagung der Grimlandwirte. Gleichzeitig tagte im Rummelbräu der Verein zur Förderung der Grünland- wirtschaft in Hessen und Rachbar. gebieten. Rach Erledigung der Vereinsangelegenhellen sprach Oherlandwirtschaftsrat Meißner, Karlsruhe, über: ..Tagesfragen auf dem Gebiete des mobernen Acker- futterbaues". Anschließend tagten dieS i l o- i n t e r e s s e n t e n. Hier wurde über die Ergebnisse der in den einzelnen hessischen Siloringen geleisteten Arbeit Bericht erstattet, aus dem sich ergab, daß die guten Erfahrungen der Silofutterbereitung auch in Hessen mehr und mehr Anerkennung finden. Roch 5 Millionen Sklaven. Der Sllavenhandel ist so alt wie der Ackerbau, und alle Völker des Erdballs haben einmal Sklaven gehalten. Aus der uralten Sitte, alle kriegsgefangenen Männer und Frauen zu toten, kling man später dazu über, die Gefangenen als Sklaven, als Unfreie, als Leibeigene zu halten und ihre Arbeitskraft zu nützen. Die Sllaverei hat bei allen Völkern ständebildend gewirkt und im Laufe der Zeit den Adel geschaffen, und die Sklaven hatten das bessere Dasein bei primitiven Völkern, während sie um so schlechter gehalten wurden, je besser die wirtschaftlichen Verhältnisse des Volkes wurden, dem sie bienen muhten. Die Juden waren gemäß dem Mosaischen Gesetz die ersten Gegner der Sklaverei, während Plato und Aristoteles das Halten von Leibeigenen für wirtschaftlich notwendig in jedem Sinne erachteten. In Rom lebten zur Kaiserzeit allein bei den reichen Familien rund 20 000 Sklaven. Rom blieb auch im Mittelalter der große Sllavenmarkt des Südens, während in Frankreich Lyon sich hierzu ausbildete. Die letzten »Sklaven scheinen in Deutschland Mitte des 13. Jahrhunderts gelebt zu haben, dagegen gab es in Spanien 1570 noch viele Sklaven. Im Balkan fand man die Sklaverei noch hundert Jahre später stark verbreitet. Während weiße Menschen als Sklaven später nicht ober kaum noch vorkamen, führten die Portugiesen seit Entdeckung der Westküste Afrikas die Regersttavsrei ein, der sich Engländer. Franzosen und Belgier später anschlosfen. 1713 erhielten die Engländer das Recht, innerhalb von 30 Jahren nicht weniger als 144000 Negersklaven in ihre amerikanischen Kolonien einzuführen. Als 1621 die erste Baumwolle in Amerika gebaut wurde, blühte auch drüben der Sklavenhandel mächtig auf, aber bereits nach 200 Jahren nahm die Zahl der Reger derart überhand, daß man sie kurzerhand wieder auszuführen beschloß, und so entstand in Afrika die Negerrepublil Liberia. mir das Geld nicht, das ich von dir verlangte?" „Durch wen hast du meinen hiesigen Aufenthalt erfahren?" fragte sie kurz. Da huschte ein schlaues Lächeln über sein Gesicht und mit lebhafter Betonung antwortete er. „Meine teure Klotilde, ich bin vielleicht ein Schurke, aber ein Rarr bin ich nicht. Denkst 'M gar nicht an Rosalie?" „Was? Diese Schlange? So hat sie mich also verraten?! Ich dachte nicht, daß du sie auf- finden würdest." „Sie hat mich ausgesucht, die treue Seele. Als fic durch einen Zufall erfuhr, daß ich... wieder sichtbar war, kam sie zu mir. »Mit der Absicht also, dir alle meine Schritte esihe, trage ich auf dem Leibe. Prächtige Sachen, nicht wahr?" Bei den letzten Worten hielt er einen Zipfel seines alten, abgetragenen üleberziehers in die Höhe. »Sie verschaffte ihn mir aus Mitleid mit ihrem armen, früheren Herrn, bet ein altes Flanellhemd und einen Papierkragen tragen muß und seine Kleidung nicht wechseln kann, mag es schneien ober regnen. Dagegen ihr..." Die Stimme des Mannes klang plötzlich drohend. und mit zornfuntelnden Blicken schaute er auf die elegante Gestalt an seiner Seite, die in einen mit Pelz besetzten Samtmantel gehüllt war. „Ihr kleidet euch in Samt und Seide und lebt alle Tage wie die Götter! Gib mir bas Geld, bas ich schon schriftlich von dir verlangte.' Gib mir das Geld, sage ich dir ..." Frau von Rechten, das sah man, war eine tapfere Natur, denn sie schrie weder auf. noch rief fie um Hilfe. Sie -wurde aber blaß, in der Weise, wie Doris es schon einmal gesehen hatte, und warf einen Blick unbeschreiblichen Hasses auf, den schäbigen Mann. ..Mein Gott, mein Gott!" rief sie bitter klagend, mit aufgehobenen Händen. „Womit habe ich es verdient, an einen solchen Schurken gefesselt zu fein?“ „Streiche dich nur nicht gar zu sehr heraus und gib mir nicht so zarte Beinamen, sondern, wenn du mich koswerden willst, so rücke gefälligst die zweitausend Wart heraus. Die ich haben muh." ..Wo in aller Welt soll ich diese Summe her- nehmcn? Wann hätte ich je in meinem Leben zweitausend Mark zu meiner Verfügung gehabt?" Der Bürgerkrieg zwischen den Südstaaten imb Rordstacllen in Amerika ist bekanntlich Darauf zurückzuführen, daß man im Rorden die Sllaven für frei erklärte, während der Süden auf die billigen Kräfte nicht verzichten zu können glaubte Der ganze Baumwollhandel spielt sich bekanntlich im Süden der Union ab. Doch der Süden verlor den Krieg, und 1862 konnte Abraham Lincoln allen Sklaven ihren Freibrief überreichen. Damals gab es allein in den Südstaaten vier Millionen schwarzer Sllaven. Die Zustände der damaligen Zeit werden in Dem berühmten Buch »Onkel Toms Hütte" geschildert. Brasilien hob die Sklaverei erst 1888 auf, und heute gibt es Sklaven nur noch in Afrika und Westasien. Im Jahre 1909 errechnete man Die schwarze Bevölkerung Afrikas auf 200 Millionen, wovon 70 Millionen in Leibeigenschaft lebten. Alle Regervölker halten sich, auch heute noch, Sllaven, und es ist ober scheint unmöglich, ihnen das abgewöhnen zu wollen, früher blühte der Sklavenhandel am meisten an der Westküste zwischen dem Volta und Rigofluß, so daß man den Landstrich Sllavrnküste nannte, wie er auch haute noch heißt. In Kanada liegt der Sllavensce. der ebenfalls vom blühenden Handel mit Menschen seinen Ramen tragt. Der Völkerbund beschäftigt sich feit seinem Bestehen mit diesen Zuständen, doch hat er noch „.nicht viel oder fast gar nichts aus richten können. Die Hauptgebiete für den Sllavenhandel und die Sklaverei der Jetztzeit sind Abessinien, Marokko, Liberia, Tripolis, die Sahara, China und Kleinasien. Die wesentlichen Plätze, in denen Mättste für Menschenhandel abgehalten werden, sind El Dir ko, Tais (östlich von Mekka), Midi und Hejaz. wo die Sklaven des Sudan jede Woche einmal Sur Schau gestellt werden. Rach den Angaben des Völlerbundes soll es augenblicklich noch rund 5 Millio nen Sklaven geben, im Laufe eines Jahres werden mehr als 500 000 Menschen, verkauft und gekauft. Die Preise bewegen sich von 20 Dollar für alte Leute, schwächliche Männer und Frauen, bis zu 200 Dollar für starke Männer und junge Mädchen. Oberheffen. Die Bautätigkeit in Lauterbach im Jahre 1929. * Lauterbach 7. Jam Im abgelaufenert Zähre 1929 war die Bautätigkeit in Lauterbach teieb er ziemlich rege. An öffentlichen Gebäuden wurde in erster Linie der Neubau der Bez i r k s s p a r ka s se in der Bahnhofstraße fertiggestellt und bezogen. Reben den Bureau- unb *S£affenräumen sind in diesem Gebäude noch drei Wohnungen enthalten. Ferner wurde durch die Stadt das frühere Frei- herrlich Riedeselsche Schloß „Eich Hof" angekauft unb zu einem Krankenhaus um gebaut Aeben dem neuen Krankenhaus wurde noch eine Isolierbaracke für ansteckende Krankheiten errichtet. Das Krankenhaus Eichhof liegt auf einer Anhöhe inmitten eines dreißig Morgen großen Parkes mit angrenzendem Wald. Man genießt von hier aus einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die nähere -Umgebung. Von privater Seite wurden zwölf neue Wohnhäuser erbau! bzw. bezugsfertig hergestellt. In dieser Zahl sind zwei Doppelhäuser enthalten. Durch den Reichsfiskus wurde ein Wohnhaus für den Amtsvorsteher des Finairzamtes erbaut Außerdem wurden noch, vier Häuser im Rohbau fertig- gestellt, und zwar ein Einfamilienhaus, ein Zwei-, ein Drei- und ein Sechssamilienhaus. Ferner wurden noch zahlreiche Umbauten, Aufstockungen auf Wohnhäuser, Ladenum- und -ein* bauten, sowie einige Werkstättenneubauten und Fassadenänderungen vorgenommen. Die Stadt Lauterbach lieh das alte Krankenhaus innerhalb der Sstadt zu elf Wohnungen umbauen. Insgesamt wurden 36 neue Wohnungen »Du lügst wie gewöhnlich. Hast du doch, so alt bu bist, noch niemals die Wahrheit gesprochen. Bin ich ein Schurke — nun gut! Wer aber hat mich dazu gemacht, als du selbst! Hast du mir übrigens nicht auch zugeschworen, daß du mich unterstützen wolltest, wenn ich deine Wege nicht kreuzen würde. Run, ich habe dir zehn Jahre lang den Willen getan" — ein höhnisches Lächeln zuckte um seinen Mund —, «weil i ch nicht anders konnte: seitdem sind aber schon weitere zwei Jahre vergangen, in denen ich vergeblich auf deine Llnterstützungen gewartet habe. Schon längst wäre ich dir wieder nahe gekommen, hätte ich dich nur unter diesem neuen Namen, den du dir aus mir unbekannten Gründen zugelegt hast, finden können. Aber du siehst, meine liebe Frau von Rechten, schließlich habe ich dich doch gefunden, unb bin nicht gesonnen, dich abermals entschlüpfen zu lassen, bevor du mir die Mittel gegeben hast, anständig leben zu Tünnen.“ Frau von Rechten schwieg und blickte stumm vor sich nieder. Sie schien eifrig nachzudenken. Endlich blickte fie auf und sagte: ..Ich will ganz offen sein! Geld faim ich dir nicht geben, da ich selbst keines besitze. Ich habe kaum das QUIcmötigftc. um mein anb Sabines Leben zu fristen. Die Kleider, die wir tragen, muhte ich bis jetzt schuldig bleiben: ich habe überhaupt Schulden über Schulden. Rosalie gegenüber, die jetzt ein Atelier für Damen- schneiderei besitzt, belaufen sich meine Rechnungen schon längst auf dreistellige Zahlen. Wäre das nicht, hätte ich die falsche Katze schon längst obgefchüttelt: aber ich mutz diese Sachen haben für mich selbst, wie auch für Sabine. Das ist das Allemotwendigste: denn wir müssen elegant auftreten. Zunr Glück habe ich aber nun die besten Aussichten, alle meine Schulden binnen kurzem zu bezahlen. Sobald es so weit ist. will ich auch dir Geld zukommen lassen, soviel ich kann, jedenfalls genug, um ein neues Leben zu beginnen. Das wird aber nur dann geschehen, wenn du mir versprichst, mich nicht länger zu verfolgen, sondern dich jetzt gleich zu entfernen und geduldig zu warten, bis ich imstande bin. etwas für dich zu tun. Auch darfst du mir weder schreiben, noch uns nachreisen." „.Ilnb wann ungefähr kann ich das Geld bekommen?" „Sobald wir hier mit unserer Angelegenheit im reinen find", antwortete sie ruhig und fügte schnell hinzu: „Allem Anschein nach kann das nur noch wenige Tage dauern, denn der junge ^>cht.os;herr ist rasend in Sabine verliebt und wird ihr gewiß bald seinen Antrag machen. Sollte dieser aber nur die leiseste Kenntnis von deinem Daiein erhalten, dann, mein Freund, wären alle unsere Berechnungen unnütz und die Heirat hättest du für immer unmöglich gemacht" (Fortsetzung folgt.) tümer düng von Wertpapieren zur Umstellung auf Goldbafis in der Regel unterlassen worden ist. Rach der Stabilisierung der Mark hat die Kapi- talnot den Zustand geschaffen, daß sich auf absehbare Zeit in deutschen Danken keine Schätze haben anfammeln können, und Gros)- und Privatbanken sind so vielleicht für Jahrzehnt: der Sorge enthoben, nach verschollenen Koutobe- sitzcrn forschen zu müllen. Wenn es einmal ganz vereinzelt vorkcmmt, das) der Mieter eines Stahlfaches nicht aufzufinden und die M.etsfrist ab- gclaufen ist, läßt die Dankleitung den Tresor öffnen und seinen Inhalt untersuchen. D:i einer solchen Gelegenheit werden heute nur noch in den allerseltenften Fällen nennenswerte Schätze zurückveichte, und der unzweifelhaft dartat, daß er der Nachkomme der Frau war, die in weiser Voraussicht eines geldbedürftigen Enkels ihre schönen Dollars so nutzbringend angelegt halte. Schließlich wurde aber zu seinem Pech ermittelt, daß Johanna Murphy in Wirklichkeit eine Negerin aus Afrika war, die sich diesen Namen aufs Geratewohl zugelegt hatte. R. ouittbch 9. m abgdaufenm atigkeit in uK rege. An ^tsler Qtuig in bet 1 Kzvgen. Tieben sind in biesein i mthLlten. Fer, ^.Kichere Frei, Eich Hof" ange« Haus umgebaut. 1 tourbc noch eine Krankheiten er« os liegt auf einer Morgen großen iß. Man genieht cen Mck auf die ng. Ion privater Wohnhäuser Bellt. In dieser enthalten. Durch Wohnhaus für den ' erbaut. Außer« Xafybau fertig» Haus, ein Zwei«, ienfyru». ferner ibaulen, Aust hemm» und «em« ienneubaulen und unen. Die Htadt ankenhauS in« ) nun gen umbauen. > Wohnungen Herrenlose Schätze. Bankkonten, deren Inhaber verschwunden sind. — Verschollene Erben auch in Deutschland? — Was die Großbanken sagen. — Bankdetektive bei -er Arbeit. Der CRomon der Johanna Murphy Von Ludwig Naurath. festgestellt. In Amerika, wo keine Geldentwertung eine so einschneidende Zäsur im Wirtschaf s e-e.i h rller- lassen hat. kommt es naturgemäß häufiger vor, daß der Inhaber eines Bankkontos in Vergessenheit gerät. Allein im Staate Neuyork belaufen sich diese Guthaben auf zwei Millionen Dollars. Es kommt vor, daß man nach der Einzahlung nie mehr etwas von dem Eigen- • hört, daß niemals von Erben Ansprüche Aiiszahlung gestellt werden^ in solchen oft du doch so alt ihrheit "gesprochen, ut! Wer aber hat M Hast du mir reu, daß du mich deine Wege nicht d-r zehn fach« phnisches Lächeln .1 ich nicht anders -eitere Mi Iah« leblich auf deine Schon längst toarc hatte ich dich nur a du dir aus anr hast, finden wn« . Frau von Rech Wißmar. 8.Jan. älnfer Volksbildungsausschuh, zu dessen Aufgaben die Mitarbeit an den Fragen der Bildung vom Kleinkind bis zum Erwachseireu gehört, hatte schon seit längerer Zeit die Absicht, die schulentlassenen Mädchen, die infolge Fehlens einer Mädchen- Fortbildungsschule ganz ohne geistige Kost sind, zusammenzuschließen. Das ist nun im Herbst 1929 gelungen, weil uns in unserer Lehrerin Frl. Hofmann eine Kraft zur Verfügung steht, die sich mit ganzer Liebe der Aufgabe widmet. Dabei wird sie m der hauswirtschaftlichen Arbeit von Frau Görnert und Schnorr und Frl. Hedi Lucas unterstützt. Lieber 50 Mädchen von 14 bis 21 Jahren haben sich unter Frl. Hofmanns Führung bereinigt, um allwöchentlich am Mittwochabend in der Schule, weil uns noch ein Jugendheim fehlt, zu nützlichem und geselligem Tun zusammenzu- kommen. Da wird gelesen, gehandarbeitet, gesungen und getanzt, gebacken und gespielt. Kürzlich trat nun du Jungmädchengruppe mit einer eigenen Weihnachtsfeier von ihre Mütter, die vollzählig erschienen waren. In der verhältnismäßig kurzen Zeit war eine sehr reichhaltige Vortragsfolge entstanden, bei der Gedichtvorträge, Neigen, Chorgesang in bunter Folge wechselten. Im Mittelpunkt stand ein hessisches Krippenspiel. In ihrer Ansprache legte die Leiterin den Müttern Ziel und Aufgabe der Jung- mädchengruppe dar. „Freude sei der Leitstern und soll es bleiben!" Die Herren Schnorr und Z i tz- m a n n hatten in dankenswerter Weise die musikalische Begleitung übernommen und erfreuten auch in den Pausen durch ihr Spiel. Neben den geistigen Genüssen kam auch der Magen zu seinem Recht. Denn den Schluß der Feier bildete ein gemütliches Kaffeetrinken, wobei junge Mädchen bedienten. Dabei war Gelegenheit, auch das selbst- gebackene Weihnachtsgebäck zu versuchen. Der Vorsitzende des Volksbildungs-Ausschusses stattete im Namen der Gäste den Dank für das Gebotene ab und schloß mit dem Wunsch, die freudige Gemeinschaftsarbeit möge bei diesem jüngsten Zweig der dörflichen Bildungsarbeit weiter blühen und wachsen. — Am nächsten Samstag spricht Lehrer S ch n o r r über die Geschichte oon Wißmar und zeigt dabei eine Anzahl Lichtbilder. — Für den 16. Februar ist ein Llnterhaltungsabend vorgesehen. 0 Kinzenbach, 8. Jan. Die hiesige Ortsgruppe des Kreisbauernvereins veranstaltete am Samstagabend einen Bauern- abend, der durch die Anwesenheit des Reichs- landbundpräsidenten Hepp eine besondere Note erhielt. Mit herzlichen Begrützungsworten des Ortsgruppenvorsihenden Depler wurde die Feier eröffnet. Alsdann kam ein von Herrn Hofmann zu Ehren des Bauernschriftstellers Wilhelm Reuter, Dornholzhausen, verfaßtes Gedicht zum Vortrag. Große Aufmerksamkeit wurde dem Vortrag des Bauernschriftstellers Reuter, DornholAausen, über das Thema: „Die Mission des Landvolkes" gewidmet. Der Redner erntete für seinen Vortrag lebhaften Beifall. Reichlandbundpräsident Hepp sprach dann über das Thema „Niedergang und QI u f ft i c g.“ Mit großem Beifall dankte die Versammlung dem Landbundführer. Nach kurzen Dgruhungsworten der ersten Vorsitzenden der Bezirksfrauenbauernschaften für Nassau, Frau Overbeck, Wiesbaden, sprach die Geschäftsführerin der Bezirksfrauenbauernschaften, Frl. Beige, Limburg, über »Zweck und Ziele der Fr auenb auer n s ch a f te n". Geschäftsführer Droh von der Kreisbauernschaft in Wetzlar wies in kurzen Worten auf die besondere Bedeutung der Familienabende hin. Bauernschriftsteller Reuter trug ferner noch Gedichte ernster und heiterer Art vor. Der Ge- langoerin „Fortuna" verschonte die Feier durch mehrere Gesangsvorträge. Mit Tanz wurde der wohlgelungene Abend beschlossen. 4 Mudersbach, 7. Jan. Gestern abend gegen 8 Uhr ereignete sich hier ein Unglücksfall, der zum Glück noch glimpflich verlief. Ein Herr D e i s aus Eiershausen, der mit einem Bulldogg für ein Ärofdorser Baugeschäft eine Fahrt gemacht hatte, befand sich auf der Heimkehr mit seiner Maschine am Ausgang unseres Dorfes, als unmittelbar hinter der Brücke an der Straßenkreuzung die Steuerung versagte und das Kraftfahrzeug mit dem i Anhänger die etwa 3 Meter hohe Böschung ' hinunter in den Bach fuhr. Die auf dem ■ Anhänger sitzenden drei Leute kamen mit dem Schrecken davon, der Fahrer selbst erlitt durch das Kürzlich wurde festgestellt, daß allein im Staate 'Neuyork die 'Bankdepots, deren Besitzer nicht mehr zu ermitteln find, den Betrag von zwei Millionen Dollars erreichen. älnser Mitarbeiter teilt hier die Ergebnisse einer Umfrage bei den führenden deutschen Banken nach ähnlichen Beobachtungen in Deutschland mit. Don Zeit zu Zeit weiß die amerikanische Presse von „verlorenen Schätzen" zu berichten, von Bankguthaben, deren rechtmäßige Besitzer nicht mehr zu ermitteln und seit Jahrzehnten verschollen find. Solche Fälle, in denen Danken und Sparkassen sich vergeblich bemühen muhten, den Inhaber eines Depots festzustellen, der nach Niederlegung einer Geldsumme oder von Wertpapieren am Bankschalter nicht mehr gesehen wurde, waren früher auch in Deutschland keine Seltenheit. Vor dem Krieg erh'.e ll manche Bank oder Depositenkasse im Reich von irgendeinem ihr nicht näher bekannten Kunden Geld oder Wertpapiere zur Ausbewahrung und Verwaltung. Meldete sich der betreffende Bankkunde nicht nach einem gewissen Zeitraum, um die Herausgabe seines Guthabens zu fordern, dann versuchte die Bank durch öffentliche Bekanntmachung die Rechtsnachfolger des verschollenen Bankkunden zu ermitteln. Diese bei allen deutschen Banken und Privatbankiers übliche Praxis hat sich seit dem Krieg völlig verändert. Ein bis dahin unbekanntes und in seinen Auswirkungen nie vorgeahntes Ereignis löschte mit einem Strich alle in deutschen Bankbüchern verzeichneten Werte verschollener Bankkunden: die alle deutschen Geld- und Börsenwerte auflösende Inflation. QNs im Herbst 1923 die Milliarden- und Billivnenkvnten im Dankverkehr nichts Angewöhnliches mef)r waren, hatte sich auch der letzte Rest der nicht abgehobenen Bank- Mthaben. die Jahre und Jahrzehnte in den Stahlfächern deponiert gewesen waren, in ein Nichts aufgelöst. Ein Fall, wie er sich in Wien ereignet hat, wo ein kleiner Handwerker auf dem Höhepunkt der österreichischen Inflation ein im Jahre 1912 einem Wiener Bankhaus anvertrautes Guthaben in Höhe von 10 000 Kronen in Gold ausgezahlt erhielt, weil er auch ausbedungen hatte, daß diese Einzahlung der 10000 Kronen, die in Goldstücken geschehen war, auf der Depotquittung ausdrücklich vermerkt wurde — ein solcher Fall weiser Voraussicht hat sich, wie die Archivare der großen Bankhäuser in der Reichshauptstadt übereinstimmend betonen, in Deutschland nicht zugetragen. Die Nachgiebigkeit jenes Bankbeamten, der dem kleinen Handwerker auf der Quittung bestätigt hatte, daß die 10000 Kronen in Gold eingezahlt worden waren, und daß der Depotinhaber berechtigt sei. die Rückzahlung auch in Gold zu verlangen, hatte im Jahre 1912, wo niemand an eine Inflation dachte, nichts Besonderes auf sich; nun aber sah sich die Dank in eine recht schwierige Lage verseht, denn der Handwerker erzwang nach langwierigen Prozessen die Rückzahlung seines Geldes in Gold, und dies zu einer Zeit, in der die Inflation Milliardenwerte der österreichischen Bankkunden längst vernichtet hatte. Der hartnäckige Glaube an das Gold und das Mißtrauen gegenüber Kassenscheinen machten'den kleinen Mann in schlimmster Notzeit zum mehrfachen Hausbesitzer. Herrenlose Schätze bei deutschen Banken wurden von den ermittelten Rechtsnachfolgern ober Erbberechtigten nur dann gehoben, wenn verschollene oder verstorbene Bankkunden ihren Besitz in ausländischen Werten, in mexikanischen oder amerikanischen Börsenwerten angelegt und der Bank zur Verwaltung übergeben hallen. Doch sind das ganz vereinzelte Fälle, die bei der Zusammenzäh- Ding aller durch die Inflation vemichtet.m Markguthaben verschollener oder verstorbener Bankkunde kaum ins Gewicht fallen. Die Zeiten, in denen die Erbberechtigten^ines jahrzehntelang verschollenen Kunden von cmer Bank aufgefordert werden, ihre Rechtsansprüche geltend zu machen, sind längst vorbei. Auch die Ansprüche von Erben an eine Dank, die etwa von einem nicht mehr auffindbaren Kunden vor Kriegsende erstklassige Börsenpapiere zur Verwaltung erhalten hatte, haben keine rechtliche Grundlage, da die nach der Stabilisierung der Mark erforderliche Arnnel- ger, während 4 Raummeter Eichenknüppel mit 23 bis 27 Mk. bezahlt wurden. Eschenknüppel kosteten 7 Mk., Kirschbaum knüppel durchschnittlich 6 bis 8 Mk.. Lärchenknüppel etwa denselben Preis, Fichtenknüppel 4 bis 6 Mk.. Eichenreisig Holz 1. Klasse (Knüppelreisig), Reisigholz 2. Kl. (Stammreisig) kamen 6 Raummeter 18 bis 20 Mk., Reisigholz 3. Kl. (Astreisig) kam der Haufen von 8 Raummeter auf 9 bis 13 Mk. Verhältnismäßig hoch im Preis standen Buchenstöcke 1. Kl. Der Doppelraummeter kostete 15 bis 17 Mk., solche 2. Kl. waren um 2 bis 3 Mk. billiger, und Eichenstöcke lagen im Preise etwa auf gleicher Höhe. Bei der vorhergehenden Nuhholzverstei- gerung waren die Preise gedrückt, so daß auf einzelne Ausgebote gar fein ober nur ein sehr niedriger Preis geboten würbe. Eichenstammholz 2. Kl. N wurde mit etwa 20 Mk. im Durchschnittspreis gesteigert. Fichtenderbstangen kosteten je nach Stärke 1 Mk. bis 1,50 Mk.. Fichtenreis- ftangen 4. und 5. Klasse wurden im Haufen von 80 Stück mit 32 bis 35 Mk. zugeschlagen. Bohnenstangen, gebrauchsfertig zugespiht, kostete der Haufen von 100 Stück 10 bis 11 Mk., Eichennuh- knüppel, 2,5 Meter lang, kosteten 8 bis 9 Mk. je Raummeter. s. Inheiden, 8. Jan. Es wird hier je län- ger je mehr als großer Ucbelftand empfunden, daß unser Ort nicht auch an den großen P o.stbez i r k ..Friedberg Land" angeschlossen ist. Da das Postauto zwischen Bellers- beim und Trais-Horloff in einer Entfernung von nur zehn Minuten an unserem Dorf vorbeifährt, liehe sich die Eingliederung mit nur sehr geringem Zeitverlust ermöglichen, so daß man auch hier den Vorteil der täglich zweimaligen Post, sowie der Sonntagsbeftellung hätte. Auch für den Paket» und Geld verkehr brächte die Anglie- berung große Erleichterungen mit sich, ganz besonders aber auch für die Rentenempfänger aller Art, die jetzt jedesmal nach Hungen gehen müssen. Hoffentlich gelingt die Einbeziehung noch nachträglich, zumal nach der Umstellung für uns auch nicht mehr die Möglichkeit besteht, eilige Post den Friedberger Zügen mitzugeben, da diese jetzt pvstlos sind. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 8. Jan. Dem Beispiel anderer Städte folgend, hat sich auch im neu- gewählten Friedberger Stad trat eine Arbeitsgemeinschaft der Mitte gebildet. Diese Arbeitsgemeinschaft besteht aus den Fraktionen der Demokraten, der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, sowie einigen Stadträten, die auf der unpolitischen Liste standen. Kreis Büdingen. Bübingen, 8. Jan. Die Genossenschaft Oberhessische Ob ft werke in Bübingen wurde bekanntlich vor einigen Wochen von der Landesgenossenschaftsbank zu Darmstadt übernommen. Das schlechte Obstjahr 1928 hatte sie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, da abgeschlossene Lieferungsverträge auf Apfelmarme- lade nur unter Verwendung teuren ausländischen Obstes eingehalten werden konnten. Zur Abdeckung der dadurch entstandenen erhöhten Abgaben haben die seitherigen Genossen zu ihrem Geschäftsanteil von ursprünglich 100 Mark jetzt noch die im März 1929 beschlossene Erhöhung des Geschäftsanteiles um 400 Mark unverzüglich zuzuzahlen. Don einer Ausschöpfung der Haftsumme soll dafür abgesehen werden. Für viele Keine Geschäftsleute, kleine Landwirte und Arbeiter, die seinerzeit aus geschäftlichen Gründen Anteilscheine erwarben, bedeutet diese Mehrinanspruchnahme eine schwere Last. Kreis Schotten. Ulfa. 8. Jan. Auf einen plumpen Schw indel fielen vor einigen Tagen zwei auswärtige Firmen herein. Sie empfingen gefälschte B e st e l l s ch e i n e, die die Unter- schrift der hiesigen Bürgermeisterei trugen, er SuuQ1W >nes «es ‘e-gs Listen Ä sSS ÄK ■"> SÄ?"’ nÄ « te« 16* «ti ÄithU finfi « ÄS crftelTt und bezogen. Für die Stabt wurde eine neue Kläranlage nach dem neuzeitlichen Emscher-Brunnen-System erbaut. An gewerblichen Betrieben ist der Neubau und btc Inbetriebnahme einer kleinen W e b e r e i zu nennen. Durch das lleberlandwerk Oberhessen wurde cm neue« Schalthaus errichtet, wodurch in der Stromversorgung des Kreises Lauterbach eine bedeutsame Verbesserung zu verzeichnen ut. AuS dieser kurz zusammengefahten älebersicht. bei der alles nur in großer Linie registriert ist. kann man ersehen, daß die Bautätigkeit erfreulicherweise wieder stark war. Die Handwerker und Arbeiter waren dadurch in die glückliche Lage verseht, bis zum Spätherbst hinein Arbeit zu haben. Landkreis Gießen. $ Saubringen, 8. Jan. Mit Beginn des neuen Jahres ist unser Polizeidiener Karl Schäfer in den wohlverdienten Ruhest an d getreten. Ein Menschenalter — 45 Jahre — hm- durch bat er sein Amt zur vollsten Zufriedenheit nicht nur der Gemeindeverwaltung, sondern der Gemeinde überhaupt geführt. Der Gemeinderat beschloß deshalb in seiner letzten Sitzung, dem seitherigen Polizeidiener eine laufende monatliche Beihilfe zu gewähren. 3m Laufe des verflossenen Jahres war die Polizeidienerstelle innerhalb der Gemeinde bereits zur öffentlichen Bewerbung ausgeschrieben. Daß sie sehr begehrenswert war, zeigt die hohe Zahl der Bewerber. Der Gemeinderat wählte von den 16 Meldungen den Kriegsbeschädigten und seitherigen Hüttenarbeiter Heinrich Mohr zum neuen Pollzei- biener. der seine ©teile bereits angetreten hat. Wit seinem Amte ist neuerdings auch der Nachtwächterposten verbunden- . s.Beuern. 8. Jan. Dieser Tage wurde die älteste Einwohnerin unssres Dorfes, die Witwe Susanne Fiedler aus der Krebs- mühle. zu Grabe getragen. Sie hatte das hohe Alter von über 88 Jahren erreicht. Sie war eine Verwandte des früheren Gießener Pfarrers Schwabe. Nachdem im vergangenen Jahr auch unsere zweitälteste Einwohnerin Marie D»et- rich verstarb, stehen nun unsre ältesten N(it- bütger im Anfang der Achtziger, u. a. auch der einzige noch lebende Kriegsveteran Heinrich Sornmerlad. 5 Lich 8. Jan. An der ersten Sitzung des neuen Gerne inderats nahmen neben dem Bürgermeister und dem Beigeordneten sämtliche 12 Gemeinderatsmitglisder teil. 'Bürgermeister Geil eröffnete die Versammlung, an der auch Zuhörer in größerer Zahl teilnahmen, mit Worten herzlicher Begrüßung. Er führte u. a. aus. daß oberster Grundsatz aller Tätigkeit eines Gemeinderatsmitgliedes das Wohl der Stadt und ihrer Bevölkerung sein und bleiben müsse. Mit der Wahl seien die Gemeinderatsmitglieder nicht mehr Vertreter einzelner Wirlschaftsgruppen und Parteien, die sie aufgestellt und gewählt hätten, sondern Vertreter der gesamten Bürgerschaft. Den Gemeinden sei in der Nachkriegszeit ein bedeutend vergrößerter Aufgabenkreis zugefallen, dessen finanzieller Auswirkung keine entsprechenden Einnahmen gegenüberftünden. Den richtigen Weg zu finden, die Entwicklung der Stadt stetig weiter zu fördern, vor dringenden Aufgaben nicht zurückzuschrecken und einen gerechten Lastenausgleich herbeizufühven. um die schwer um ipix Existenz kämpfende Wirtschaft nicht übermäßig weiter zu belasten, das sei in der Hauptsache die Ausgabe, die von dem Gemeinderat zu lösen sei. Wer an verantwortungsvoller Stelle stehe, könne es nicht jedem recht machen. Kritik zu üben sei ja bekairntermahen immer leichter, als etwas selbst zu machen. Wenn aber die Arbeit unter dem Leitstern der Gerechtigkeit, älnparteilichkeit und des gegenseitigen Vertrauens, lediglich aus Sorge für das Gemeinwohl geleistet würde, dann könnten die Gemeinderatsmitglieder ruhig jeder Kritik cntgegensehen. Durch Handschlag wurden darauf die vier neu in den Gemeinderat eintre- tenden Herren Heinrich Schmidt WIL. Karl Ludwig Insel. Heinrich Vater und Johann Lang durch den Bürgermeister verpflichtet und die übrigen Herren auf ihre bei ihrer früheren Amtseinführung erfolgte Verpflichtung hingewiesen. Sodann wurde die Wahl der Deputationen und Kommissionen vorgenommen. 3u bilden waren 1. als Deputationen: der städt. Wohlfahrtsausschuß und die städt. Wohnungs- öeputation. 2. als Kommissionen: die Fi- nanzkommission, die Baukommission, der Schulvorstand. die Landwirtschaftlichr Kommission, zugleich auch Faselvieh- und Grunderwerbkommission. die Wassergeldkommission, die Marktkommission. die Holzverwertungskommission und der Wiesenvorstand Die 'Besetzung sämtlicher Kommissionen und Deputationen ging reibungslos vonstatten. da man sich bei der Verteilung der Sitze unter Berücksichtigung des Stärkeverhältnisses der Wirtschaftsgruppen und Parteien nach dem Grundsatz Der Loyalität zu einigen verstand. Als Kontrolleur wurde das seitherige Mitglied Ludwig Wolf II. wiedergewählt. Im Anschluß hieran stimmte der Gemeinderat dem freihändigen Verkauf des überwiegenden Telles des Anfalles non ReUftangen aus der diesjährigen Holzernte an einen Interessenten zum Preise von 10 Pf- pro Stück zu. beschloß weiterhin, die inneren Ausbauarbeiten einer Wohnung im Dachgeschoß des Mietpostgebäudes im lokalen öffentlichen 'Wettbewerb zu tiergeben und genehmigte die Krediterweiterung deä als Zuschuß der Stadt zur Bestreitung der Bedürsirisse der städt. Wohl- sahrtskasse für das Rechnungsjahr 1927 vorgesehenen Betrags von 9000 Mk. auf 9500 Mk. * Lich, 8. Jan. Zur Zeit ist man dabei, einem dringenden Wunsche der Anlieger der vorderen Hintergasse Rechnung zu tragen, indem man die letzten Reste der leidigen Kanal- um Wechselung dadurch beseitigt, daß der Graben Pflasterung erhält und alle Hinder» niftc beseitigt werden. Langd, 8. Jan. Gestern wurde hier im Saale von Ronthaler die erste Breynholz- v ersteigern ng aus Staatswalddistrikten ab- gehalten, zu der sich eine außerordentlich große Zahl von Kaufliebhabem (über 300) aus den um- liegenden Ortschaften und bis weit in die Wetterau hinein eingefunden hatte. Die Preise lagen durchschnittlich um 2 bis 3 Mk. unter den vorjährigen. Dies hat seinen Grund in dem seitherigen milden Winter und in der Umkehr zur Kohlenheizung. Es kamen im ganzen 1155 Raummeter Harthcstz und 750 Raummeter Reisig zum Ausgebot. Es wurden bezahlt für den Doppelraummeter Duchenscheitholz 1. Klasse 26 bis 28 Mk.. 2. Klasse 19 bis 21 Mk., Eichenscheitholz rund 18 bis 20 MI Der Doppelraummeter Buchenknüppel stellte sich auf 19 bis 21 Mk., Hainbuchenknüppel waren um ein geringes billi- Umrennen des Wegjchildes eine Verletzung am rechten Arni. In anerkennenswerter Weise kamen die Einwohner von Mudersbach dem Kraftfahrer zu Hilfe und halfen ihm in zweistündiger schwerer Arbeit den Vulldogg wieder auf die Straße zu bringen. Die Bergungsarbeit war dadurch besonders schwierig, daß der Bach zur Zeit viel Wasser führt. Der A n h ä n g e w a g e n ist st a r k b e s ch a- digt. Die Heimkehrer setzten ihre Fahrt nach dem Unfall erst am anderen Morgen fort. Dillkreis. WEN. Herborn, 8. San. Durch ein Gro h° feuer ist Mittwochmorgen die Möbelfabrik der Firma Wilhelm Heckenroth & Söhne in Herborn b i s auf die Grundmauern niedergebrannt. Das Feuer fand an den reichlichen Vorräten an Halb- und Fertigfabrikaten gute Nahrung. Wertvolle Holzbearbeitungsmaschinen und das gesamte vierstöckige Fabrikgebäude wurden innerhalb zwei Stunden ein Opfer des Brandes. Es konnte so gut wie nichts gerettet werden. Die Feuerwehr war sofort zur Stelle, jedoch muhte sie ihr Hauptaugenmerk aus den Schuh der Nachbargebäude richten. Durch das Drandunglück werden zahlreiche Arbeiter brotlos. Der Schaden wird auf weit über 150 000 Mk. geschätzt. Die Entstehungsursache ist noch nicht bekannt. Wirtschaft. Oer Aufschwung der deutschen Ausfuhr seit 1925. Bekanntlich ist am 31. Dezember 1929 der erste selbständige deutsche Zolltarif, der am 10. Januar 1925 nach Aufhebung der einserttgen Meistbegünstigung des Deiailler Vertrages ge- schaffen wurde, abgelaufen. Dies wird von dem Direktor des Vereins deutscher Maschinenbauanstalten, der Spitzenorganisation der gesamten deutschen Maschinenindustrie, Lange, zur Veranlassung genommen, um eine Art Brlanz der deutschen Handelspolitik für die IahrederGültigkeitdesfristgemah abgelaufenen Zolltarifs zu ziehen. Sein Urteil ist um so mahgeblicher, als o-.e deutsche Maschinenindustrie unter den deutschen Ausfuhrindustrien an erster Stelle steht: selbst» verständlich ist sein Standpunkt bis zu erne.n gewissen Grade auch Snteressenstandpunkt, weil ja die deutsche Zollgesetzgebung vor allem eine Förderung der deutschen industriellen Ausfuhr zum Ziele hat. . Direktor Lange geht in seinem m der Zeit- schrift „Maschinenbau" L Heft des Jahrganges 1930 veröffentlichten Aufsatz davon aus, vb die bei der Schaffung des neuen Zolltarifs geäußerten Bedenken namentlich der agrarischen Organisationen zutreffend« waren, von deren Seite immer wieder behauptet worden ist, dah die auf Beseitigung der internationalen Handelshemmnisse gerichtete Zollpolitik einen „Export-Fanatismus" darstelle, dem entgegenzuhalten sei, dah jede Hoffnung auf Ausfuhrsteigerung angesichts der fehlenden Aufnahmefähigkeit und Aufnahmewilligkeit des Auslandes für deutsche Ware von vornherein utopisch sei. An Hand der Ziffern der Auhenhandelsstatistik ergibt sich, dah die deutsche Ausfuhr feit 1925 ununterbrochen und kräftig angestiegen ist, im ganzen um mehr a l s 5 0 P r o z e n t. Die deutsche Warenausfuhr stieg von 1925 bis 1929 von 9,5 Milliarden Mark auf 13,6 ihrem effektiven Werte nach, bei Zugrundelegung der Werte von 1925 non 9,5 auf 14,5 Milliarden Mark. „Angesichts dieser Ziffern," heiht es in dem Artikel, „ist das mehr, als der kühnste Export-Fanatiker erwarten konnte. Wenn je eine Behauptung durch die Tatsachen widerlegt wurde, so die bei Schaffung des ersten selbständigen deutschen Zolltarifs aufgestellte Behauptung, die deutsche Ausfuhr fei nicht steigerungsfähig." Interessant ist auch der Per gleich zwischen der Ausfuhrentwicklung Deutschlands und derjenigen aller übrigen Weltmarktländer. Wahrend die Ausfuhr aller übrigen, die auf dem Weltmarkt von Bedeutung sind, in dem Zeitraum von 1925 bis 1928 sich bei schwankendem Verlauf nur um einige wenige Prozent über die Ausgangslinie erheben konnte, ist die deutsche Ausfuhr um mehr als 50 v. H. angestiegen, eine Entwicklung, die bei Berücksichtigung des Jahres 1929 mit seiner weiteren Steigerung der Ausfuhr ein noch günstigeres Bild zeigen würde. Anderseits ist die Einfuhr von 1925 auf 1926 und von 1927 auf 1928 gesunken, nur von 1926 auf 1927 ist sie erheblich gestiegen und von 1928 auf 1929 etwa in gleicher Höhe geblieben. Sn der Periode 1925 bis 1929 ist die Steigerung der Einfuhr ganz erheblich hinter derjenigen der Ausfuhr zurückgeblieben, die Passivität der Handelsbilanz hat feit 1925 vorwiegend abgenommen, so dah auch unter Berücksichtigung der Cinfuhrzissern sich eine günstige Entwicklung des deutschen Auhenhandels ergibt. Zum Schluh des interessanten Aufsatzes sagt dann der Verfasser, dah durch diese Tatsachen alle Veranlassung vorliegt, an den bewährten Grundsätzen unserer bisherigen, auf Förderung der Ausfuhr eingestellten Handelspolitck festzuhalten und ihren Ausbau planmäßig und ziel- bewußt fortzusetzen. Oie Arbeitsmarttiage im Reich. In der Woche vom 30. Dezember 1929 bis 4. Januar 1930, hat der Arbeits markt eine weitere starke Belastung erfahren, eine Entspannung, die man von der wieder einsehenden gelinden Witterung für die Außenarbeiten hätte erwarten können, trat kaum ein. Auch sonst haben wichtige Betriebe, die vor den Festwochen ausfetzten, ihre entlassene Belegschast noch nicht wieder zurückbe- rufen. Infolge dieser vorübergehenden Einflüsse, die sich in der Berichtswoche auswirkten, ist es schwierig, aus der Zunahme der Arbeitslosigkeit auf den Grad der jahreszeitlichen Verschlechterung zu schließen, und erst recht nicht möglich, den Anteil der konjunkturellen Arbeitslosigkeit zu erkennen. Die Zahl der H a u

e 87,4 87,5 ron ii‘2? ........ — — 7% Deutsche ReichSaaleihe von 1929 ......... Dl. NnI^Ablüs.-SchuIü mit Aus 96,7 - 96,75 50,1 60 50.1 Ioi.-8ifdUcn........ — $eenl- ohne AuSlot..Rechte 8% Hess. Bolttstaat von 1929 — 8 7.85 86,75 7,9 (rückzahlb. 102%) .... Cberhcllcu Provinz-Anleihe mit 87 46,25 46,9 — —— Deutsche ftomm. Eammelabi. 84nlciljc Serie 1....... — 47,25 — 8% Franks. Hnp.-Bank Goldpfc £6,5 XIII unkündbar bi« 1934 . — — — 7% Franks. Hyp.-Banl Goldpsc unkündbar dis 1932 ..... 4y,% Rheinische Hyp.-Bank 82 81,75 - - - lliqu. Goldvse........ 8% Pr. Landeöpsandbriesanstalt - - — Pfandbrief R. 17..... 8% Pr. Landcepsandbriesan stall 97 — 97 — Komm.-Obl. R- 18..... 7% Pr. Landcepsandbriesan stall, 94,5 — 94,5 — Pfandbriefe R. 10 51.Ü ®. o6q. tkorkrleg Obligation 88,5 88,5 — rückzahlbar 1932 88,25 — 4% Oesterreichische Goldrte.. 24,25 — 24,4 24,75 4.20% Cfftert. Silbern- 4% Oesterreichische Einheitliche 2,75 — — — Rente.......... 1.95 — 2 — 4% Ungarische Goldrte.. . ■ 4% Ungarische Staattr. v. 1910 22,25 — 22,3 22.3 19,5 — 19,75 19,9 dy,% deSgl. von 1918 .... 21,75 — 4% Ungarische Kronenrte.. . . 1.95 — -- 2 4% Türl. Zollanleihe v. 1911 . 4% Türkische Bagdadbahn-Aw 7,55 — 7.45 7,7 Serie 1....... 7,4 7,4 — 7.55 7,8 4% deögl. Serie II , , 5% Rumänische vereinh. Rente — 7,55 7,75 von 1903 - . - - 4ya% Rumänische vereinh. «ent 9,1 — 9 — von 1013 ...... 14.5 14,7 4% Rumänische vereinh. Rente 7,5 — 7,5 — A-rantfurt a M Berlin schluh- Kurs Kurs Schluh- Kurs Anfang. Kurs Damm 8 1 9. 1. 8 1 9 1 Hamburg-Amerika Palet < 97,75 — 97.75 98.25 Hamb.-Slivam. Tampssch e — — 176,75 Hansa Damrfschiss..... 1( — — — Rorddeurscher Lloyd .... t — — 97 98 Allg. Deutsche Ercditanst. . . 1( 117.75 — 118 117,5 Barmer Banlvcrein ... Ul 119 119 119 119.13 Berliner Handelsgejcllsch. . . 11 180.75 180,5 180 180,5 Sommer}- und Privat-Bauk . 11 151 151 150.5 149,5 Dacmst. u. Nationalbant . I 230,5 228.75 229,25 Denuche Bank...... V 145 145,25 145 Dieconlo-Gesellschast, Aut. . 11 145,25 145 _ Dresdner Bank...... 1' 146 146 146 146 ReichSban! 1 280 281,5 2?0,25 S.E.D . 158 | 158,5 158,25 158,6 Bergmann . Elekkr. Lieferung Sgelellschaft 1< 205,5 — 208 160 Licht und Kraft . 1> 152 151 150,5 151 stellen 4 Guilleaume. ... 7¥, 116 117,5 153 116 117,5 Gei. f Eie Ur. Untern.. ... 10 154 152.5 153,25 Hamb. Glettr -Werte .... 1 130 130,4 Rhein Elektr ....... — — 140.25 141.25 Schlei Gelt' ......10 — — 151.5 152 Schuckert & Co. .....11 177,5 178,5 177 177,9 Siemens & halste.....10 278,5 278 278,25 Transradto.........8 _ Lahmeyer 6 Co.......10 16. ,5 - 161,25 — Buderus....... . b 66,25 67.5 l6,5 67,5 Deutsche Erdil ....... 6 99 98,13 98,4 99 Eiiener Steinkohle ......»■ — - 136 136 Geilenkirchener ...... k 134 134.25 134.5 134.25 harpener..... 0 144,5 143,25 144,75 143.5 Hoesch Eilen........6Vi — — 114.25 114,4 Ilie Bergbau ...... 10 klöcknerwerke ....... 225 — 225,25 225 7.5 97,5 97.4 98.5 Köln-Neuesten ..... 7 — — 111.75 112 Mannesmann-Rohren . . . . 1 100 100.6 99.75 100.5 Mansfeldel Bergbau . .... 7 — 108,5 109.13 Cbrtidi'.ei Cueiueoaxt .... — — 72 Obcrichlei Kokswerte.....7 — — 95 95-25 Pböntr Bergbau......6Vi 104 104,9 104,5 104,75 Rhemliche Braunkohlen. . . 10 254 254.5 214.9 Ütbelnstah»..... 6 Rtebeck Montan .....7,? 112,25 110,8 112,25 111,5 ,'ranlfurt a M Berlin Banfnofen. Lchlutz» Kurs । Uhi Kur Schlug-l Anfang- Kurs 1 Kurs Berlin, 8- Januar Geld Bries Amerikanische Noten .... Belgische Noten ...... Dänische Noten ....... Englische Noten . ...... Holländische Noten ....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten....... Schweizer Noten ..... . Spanische Noten ........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ...... Devisenmarkt Berlin 4,168 4,188 58,53 112,07 20,43 16,505 169,12 21,94 112,07 58,97 2,49 112,42 81,47 53,19 12,39 73,35 a.M. Datum 8. 1. 9. 1 8 9 i - r 11,63 20,35 6,445 68,44 21,86 11,63 58,73 2,47 11,98 81,15 52,97 12,33 73,05 tranffur Bereinigte Stahlw . . . Otavi Minen . . . 16’/. Kal werke -Aschersleben . . . i« ftai werke Westeregeln ... 10 ftai'roei e Salrdenurth 15 3. Ä Farben-Invustrte ... 11 Dynamit Nobel.......6 Schetdeanstalt........9 Goldschmidt..... 5 Rstigerswerle........6 Metallgeiellichast - .... 8 Lernen werk Heidelberg ... 10 Cemenlwcrk Karlstadt ... 10 Wayh 4 ,vn tt'ao ... 8 Schultheis Patzen,)cher ... 15 Ostwerke.........12 18er. G>an;stoft......18 Beniberg........." Zellstof, Waldhos .... 18'/» ßi-llfloii Aschaffenburg ... -z Charlottenburger Wager ... 8 Deliauer Gas.......V Daimler Motoren . ..... u Deutsche Linoleum..... '21 rw-rre RI 0 c......U uuow. Loew .... 1< Rat Automobil . . ..... t Orenstem 4 Koppel.....k V-onhoro Tieg......10 Svenöko ....... fttanfi. Malchins« ...... 4 G eigner .........6 Heyltaenstaedl .......u stungyan«...... ... 6 Lechwerte. . h Mamtrailwerke Höchst o. 3JL 8 Mag. ... 10 Gebr. Roeder.......16 Lolgi 4 Haefsns»...... Südv Lucker ....... 10 105,75 189 199 321 173.9 153 64.5 72.5 117 87 113 75,5 143 139,75 36,25 241 331 42 5,25 47 103,5 129 105 222.25 163,75 57 189,75 173,13 65,4 114 74 188 139,25 237 43 1 - 1 154,5 106.25 56.5 189 199 321 173,9 81.25 65.25 71.5 117,5 87 74 268 205.5 142,5 188 136 96 152.25 35,9 240,5 45,25 70 159 331 42,75 55 46,25 128,5 222 161,5 106.4 57 189.5 322 173,75 81.25 66 72 117,75 90 205 144 189 96.6 153,75 36 . 239,5 44.25 18 70,5 158.25 333 - 128,5 ■ ■ r 8. Januar 9. Januar Amtlich^ Notierung Geld ; Bries lUmtlid»' Notierung Geld Bri 1 Amst.°Noll Bucn.-Airev Brss.-Antw Gbriftiania • .Qopenbagcn Stockholm Helsingtors. Italien. . London. . . Neunork . . Paris.... Schweiz . . Spanten . Japan . . . -Mio de Jan Wien in D- CtfL abfleft Prag . Belirad ■ Budapest. . Bulgarien Lissabon Danzig. . Konst..ntin. Sitten. . Canada llrn uat) tttitro . . 168,65 1,686 58,35 111,39 111,96 112,28 10.507 21,98 20,38 4,184 16,445 81,12 53,20 2,055 0.441 58,86 12,38 7,405 73,225 3.027 18,81 1,49 1,988 5.435 4,140 3,876 20,90 168,99 1,690 58,47 112,11 112,18 112,50 10,527 21,93 20.42 4,192 16,488 81,28 53,30 2,059 0,443 58,98 12,40 7,419 73,265 3,033 18.85 81.65 1,992 5,445 4.148 3.884 20,94 168,47 1 678 58,315 111,84 111,92 112,22 10,501 21,87 20,37 4,181 16,44 81,05 51,23 2,056 ,451 58,82 12,372 7,403 73,17 3,024 18,81 81,45 1,978 5,435 4,138 3,836 20,89 168,81 1,682 58,435 112,06 112,14 112.44 10,521 21,91 20,41 4,189 16,48 81,21 51,33 2,060 0,453 59,94 12,392 7,417 73.31 3,030 18,85 81.61 1,982 5,445 4,146 3,844 20,88